L Donnerstag. 25. Februar 1926 176. Zahrgang General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfität§-Buch- und ZleindruSerei «.Lange in Sieben. SchriftLeitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Deranttvortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Bietzen. Nr. M Erster Blatt Crfcheinttäglich.autzcr Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger; lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. Chamberlain sekundiert Frankreich. Ausweichende Erklärungen des britischen Außenministers. Herr Chamberlain hat also nun gesprochen, er gefällt sich in der Rolle des Geheimnisvollen, der um die Dinge herumredet und jede vorzeitige Festlegung vermeiden will, obwohl er mit dieser Anschauung in England ziemlich allein steht. Fast könnte man von einer eng- lischen Einheitsfront sprechen, die von den Konservativen bis zu der Arbeiterpartei geht und einig in der Auftassung ist, daß es ein unerhörter Affront wäre, wenn man der Großmacht Deutschland die Zumutung stellt, gleich- zeitig mit Polen in den Dölkerbundsrat aufgenommen zu werden.- Aber dos ist es ja nicht allein, man kann auch nicht, wie Herr Chamberlain es versucht hat, dem ganzen Problem mit Theorien beikommen. Gewiß, auch nach unserer Auffassung ist der Völkerbund in seiner gegenwärtigen Gestalt alles andere eher als ein Ideal. Wir haben die feste Absicht, an seiner Llmgestaltung eifrig mitzuarbeiten, damit er aus einer Organisation der Sieger zu einem Bund der Völker wird. Auch der Rat ist nach deutscher Auffassung kein geheiligtes Gebilde, an dem nicht gerüttelt werden darf. Es läßt sich sehr gut darüber reden, wenn wir einmal in den Rat ausgenommen sind und unsere Stimme gellend machen können, dann den Rat auszubauen oder umzugestalten. Aber wohl verstanden erst, wenn wir ausgenommen und zwar allein ausgenommen sind. Deim das ist doch ein- leuchtend, daß ein Döllerbundsrat. in dem Polen, Spanien und Brasilien als ständige Mitglieder sitzen, ein ganz anderer Völkerbundsrat ist, als der, zu dem wir uns gemeldet haben und in dein uns ein Sitz in Aussicht gestellt worden ist. Wohl verstanden haben wir uns ja doch gar rächt zum Eintritt in den Völkerbund gedrängt, wir sind eingeladen worden, in Locarno ist unser Eintritt sogar zurDedingung gemacht worden. Wir haben unsere Bedenken zurückgestellt, um so mehr aber haben wir ein Recht zu verlangen, daß nicht in der Zeit, wo unsere Anmeldung statutengemäß unerledigt liegen bleibt, die ganze Institution auf den K'opf gestellt wird. Die Art, wie sich die deutsche Aufnahme vollziehen soll, bietet einer Fortsetzung des Intrigenspiels allerdings ungeahnte Möglichkeiten. Wir durften bisher armehmen, daß bevor die Vollversammlung über unsere Aufnahme ab- stimmtc, im Rat selbst bereits alles endgültig geklärt sei. Diese Sicherheit soll uirs offenbar nicht gegeben werden. Der Volkerbundsrat will sich seine Arbeit teilen, er will zunächst nur über die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund selbst sprechen, Zxum diesen Antrag der Vollsitzung unterbreiten. Rach seiner Annahme soll die Vollsitzung vertagt werden und dann erst wird sich der Rat mit der Aufnahme Deutschlands in das engere Gremium des Völkerbundsrats beschäftigen. Das könnte zur Konsequenz haben, daß wir auf genommen sind und dann plötzlich der Antrag der Verleihung eines ständigen Sitzes an Polen aus der Versenkung wieder auftaucht, wir also doch gleichzeitig mit Polen aus der Saufe gestoben würden; eine Folgerung, auf die wir uns unter keinen Tlmständen einlafsen konnem Die deutsche Regierung wird deshalb mit allem Rachdruck daraus hinarbeiten, daß bevor die Vollversammlung über die Aufnahme Deutschlands abstimmt, wir alle Garantien erhalten, daß uns nachher nicht unliebsame Lleberraschun- gen bevorstehen. Dazu würde schon genügen, wenn ein Staat, der Mitglied des Rates ist, uns die hieb- und stichfeste Erklärung abgibt, daß er -unter allen Umständen gegenjede Aufnahme eines weiteren Mitgliedes in den Rat stimmen wird. Damit wäre dann der Fall erledigt, über die Erweiterung des Rates könnte im Herbst gesprochen werden, nachdem wir Sih und Stimme im Völkerbunds rat haben und unsere Interessen geltend machen können. Wenn also Frankreich geglaubt hat, uns durch die Regie unserer Aufnahme irresühreir zu können, dann ist ihm das vorbei gelungen. Wenn es nicht anders geht, würde die deutsche Delegation sich auch nicht scheuen dürfen, nachdem unsere Aufnahme offiziell vollzogen ist, sofort unseren Rücktritt zu erklären, wenn etwa durch irgendeine Hintertür Polen doch noch in den Rat hineingeschoben werden sollte. Denn ein um Polen erweiterter Rat ist ein ganz anderes Gebilde als der bisherige Völkerbundsrat, und es ist uns sehr zweifelhaft, ob sich im Reichstag eine Mehrheit für unseren Eintritt finden würde, wenn sich das Schwergewicht zu- gunsten Frankreichs verschiebt. Schließlich ist ja auch nicht zu Übersehen, daß dies ganze Spiel um die Ratsfihe nur eine Kulisse sein kann, hinter der sich ganz andere Absichten verstecken; daß man also nur einen Deriuc^ballvn loslassen will, um zu prüfen, wie stark der Widerstand Deutschlands gegen gewaltsame Veränderungen vor unserem Eintritt ist. Gegenwärtig braucht man zu jeder Entscheidung im Rat 'Einstimmigkeit, älnsere ganze Stellung im Völkerbund wird für uns nur dadurch tragbar, daß alle Vorentscheidungen im Rat liegen und gegen unseren Widerspruch nichts beschlossen werden kann. Kommt man im letzten Augenblick mit Reformen, Dann sind wir auch der Gefahr ausgesetzt, daß mit der Erweiterung des Rates auch das Erfordernis der Einstimmigkeit verschwindet und durch das Mehrheitsprinzip erseht wird. Deutschland wäre dadurch von vornherein zur Rolle einer hoffnungslosen Minderheit verdammt, und in einen solchen Völkerbund hineinzugehen, würden ihm seine elementarsten Interessen widerraten. Diese Möglichkeiten dürfen wir nicht aus den Augen Verlierern Deshalb ist es für uns so wichtig, daß wir mit aller Kraft an dem einmal aufgestellten Programm f e st h a l t e n und die Drohung der Zurückziehung unseres Eintrittsgesuches wahr machen, sobald sich zeigt, daß mit Reformversuchen irgendwelcher Art Ernst gemacht werden soll, unmittelbar bevor wir dem Rat angehören. Chamberlains neue Rede Birmingham, 24. Febr. (WTB.) Außenminister Chamberlain führte in einer neuen Rede über die Frage der Erweiterung des Völkerbunds- rats u. a. aus: Aus Anlaß der Umbildung des Völkerbundsrates, welche der Eintritt Deutschlands zur Folge hat, hat sich die Frage erhoben, wie die zukünftige Zusammensetzung des Volke r b u nd s r a t e s sein soll. Ich sehe, daß nicht nur in unserem Lande von einigen Leuten in Wort und Schrift ausgeführt wird, daß wegen des Beitritts Deutschlands auch einige andere N a - tionen als Gegengewicht aufgestellt werden sollten. Sie behaupten, daß, da Deutschland zugelassen werden solle, auch irgendeine andere Nation in den Völkerbundsrat als Gegengewicht gegen Deutschland eingebracht werden müsse. Dies ist kefnehistortschrichtigeDarstellungder Frage. Seit ziemlich langer Zeit sahen wir dem Augenblick entgegen, da Deutschland seinen Platz im Völkerbundsrat einnehmen werde. Schon bevor dies praktische Politik wurde, wurde über die Zusammensetzung des Rates debattiert. Schon früher wurde darüber gestritten, welchen Mächten ständige Sitze im Dölkerbundsrat zuerteilt werden sollten. von diesem oder jenem Lande wurde die Forderung gestellt, daß, wenn der Augenblick für eine Veränderung gekommen wäre, ihr Fall in Erwägung gezogen werde, und sie dann zugelassen werden würden. Seit einiger Zeit führten mir den Völkerbundsrat im Hinblick auf den von uns erhofften Eintritt Deutschlands von Jahr zu Jahr mit nichtständigen Mitgliedern fast so, als wenn diese ständige Sitze hätten. Die ganze Maschinerie des Völkerbundes wurde aus verschiedenen Gründen in ihrem alten Zustand erhalten, deren einer eben der erwartete Eintritt Deutschlands war. Die große, zur Erörterung stehende Frage war, ob abgesehen von Deutschland noch irgendeine Vergrößerung des Rates statfinden solle. Er wolle, so führte Chamberlain aus, weiter nicht über einen einzelnen Anspruch sprechen, ober er möchte einen Gesichtspunkt geltend machen, der zu wenig beachtet worden sei. Der Völkerbundsrat bestehe aus zehn Mitgliedern und mit Einschluß Deutschlands aus 11. Seien 11 Mitglieder hinreichend, um das moralische Urteil der Welt zu sprechen, wenn in irgendeinem gegebenen Augenblick unter den feierlichsten und kritischsten Umständen vielleicht sechs von elf Mitgliedern nicht in der Lage seien, ihre Stimme abzugeben ober an einer Entscheidung sich zu beteiligen, weil sie selbst interessierte Parteien seien und die Ansichten des Rates dann die Ansichten einer Minderheit sein könnten? Ls gäbe gute Gründe für eine Vermehrung der Zahl der Ralsmitglieder, damit nämlich in Fällen, wo soviel von der moralischen Autorität ihrer Entscheidung abhänge, diese Entscheidung von der Welk als autoritativ anerkannt werden könne. Chamberlain sagte weiter, er wisse, daß einige feiner Kollegen im Hinterhaus eine Entschließung angenommen hätten, in der sie gegen jede Erweitern ng des Völkerbundsrates außer der durch den ©intritt Deutschlands notwendig werdenden protestieren mit der Begründung, daß die Zulassung irgendeiner anderen Ration Öen Abkommen von Locarno z u w i d e r l a u f e. Er dürfe wohl behaupten, daß, wenn irgend jemand mit dem Abkommen von Locarno vertraut fei, ec selbst dies sei. Die Regierung hcj,ße Deutschland im Völkerbund willkommen', weil sie der Ansicht sei, daß sein Eintritt ein Schritt vorwärts sei in dem Werk der Versöhnung zwischen den Feinden von gestern, von dessen Erfolg der Frieden von morgen abhänge. Irgendwelchen anderen Qlationen das Recht streitig zu machen, daß ihr Anspruch auch nur in Erwägung gezogen werde, fei etwas, was die deutschen Staatsmänner zu klug feien, zu tun im Interesse ihres Landes, in seiner neuen Stellung in der neu aufgebauten Welt und seiner Beziehungen zu den fremden Rationen. Eins Unterhauserklärung Chamberlains. London, 24. Febr. (WTB.) 3m Unter- haus erklärte Chamberlain in Er Liderung einer Anfrage, daß die britische Regierung sich noch nicht darüber schlüssig geworden sei, welche Linie sie bei der nächsten Tagung des Völkerbundes mit Bezug auf eine weitere Vergrößerung des Völkerbundes, abgesehen von dem Eintritt Deutschlands, einhalten werde. Es entspreche nicht den Tatsachen, daß die außerordentliche Tagung des Völkerbundes ausschließlich dazu einberusen worden sei, um die Frage der Zulassung Deutschlands zu behandeln. Eine Erweiterung des Völkerbundsrates sei, abgesehen von der Aufnahme Deutschlands, in Locarno nicht erörtert worden. Die in Locarno vertretenen Mächte hätten bereits erklärt, daß sie bereit seien, die Gewährung eines ständigen Ratssihes an Deutschland zu unterstützen; dagegen habe sich hinsichtlich der Ansprüche anderer Mächte keine Frage ergeben und er habe niemals, weder damals noch vorher, gehört, daß irgend jemand zu der Meinung gelangt sei, die Gewährung eines Rats- sihes an Deutschland schlösse das Llebereinkommen in sich jeder weiteren Aenderung Widerstand entgegenzusetzen. Die Kritik der britischen Presse. London, 24. Febr. (TU.) Die neueste Rede Chamberlains wird erst in den Abendblättern kommentiert. Der „Manchester Guardian" ist der Meinung, die im geheimen am Werk befindlichen Kräfte, die Polen einen ständigen Ratssitz verschaffen wollten, seien offenbar immer noch tätig. Das einzige Motiv, solche Ansprüche im März vorzubringen, sei die Absicht, den Rat zu erweitern, bevor Deutschland in der Lage sei, zu protestieren. Chamberlain habe Frankreich in dem Glauben b e st ä r k t, daß sein persönlicher Einfluß zugunsten der polnischen Ansprüche in die Wagschale geworfen würde. Chamberlain werde sich aber zweifellos dem Willen des Kabinetts beugen, wie er das auch schon früher getan habe. Auch der „E v e n i n g Standard" mißbilligt die gestrige Rede Chamberlains, die nicht dazu beigetragen habe, die allenthalben bestehenden Besorgnisse zu zerstreuen. Es sei zu befürchten, daß die Ereignisse der letzten Tage sehr ernste internationale Komplikationen mit sich bringen würden. Rach dem „S t a r" glaubt man in Londoner diplomatischen Kreisen nicht, daß Deutschland irgendwelche überstürzten Aktionen unternehmen werde, aber man befürchte, daß Deutschland seine Entscheidung dem Reichstag überlassen werde, wodurch eine höchst unglückliche Verzögerung der Abrüstungskonferenz herbeigeführt werden könne. Die deutsche Delegation für Gens. B c r l i n, 24. Febr. (TU.) Amtlich. Die K e i chs- cegierung erörterte in einer kabinelissihung die mit der bevorstehenden Genfer Tagung des Völkerbundes zusammenhängenden Fragen, wobei sich die volle Einmütigkeit der Auffassung ergab. Der Reichskanzler Dr. Luther und der Reichsaußenminister Dr. Strefemann werden sich als Vertreter des Reiches nach Genf begeben. Die Abreise der deutschen Delegation wird, wie die Voss. Zig. ergänzend meldet, am 6. Mürz erfolgen, denn am Sonntag, 7. März, sollen vertrauliche Besprechungen zwischen den Delegierten der Hauptmächte siattsinden, die sich vor allem auf die Frage der Vermehrung der Ratssihe und das Zeremoniell beim Eintritt Deutschlands In den Völkerbund beziehen dürften. Auch der Cofalanieiger weiß von einer derartigen Vorbesprechung in Genf zu berichten. Rach einer dem Blatt aus Genf zugegangenen Depesche soll in den dortigen völkerbundskreifen damit gerechnet werden, daß eine Einigung a n f solgender Grundlage Zustandekommen werde: Spanien soll einen ständigen Rats- s i h bereits im März erhalten, während Polen einen nicht st ändigen Ratssitz bekomme und für seine Wünsche auch einen ständigen Sih auf den Herbst vertröstet würde. In dem Verl. Tageblatt wird jedoch noch einmal die Einigkeit der öffentüdjen Meinung in Deutschland unterstrichen, daß Deutschland auf feinen Eintritt in den Völkerbund verzichten muh, wenn vor feinem Eintritt ober gleichzeitig damit irgendeine Aenderung in der 'Zusammensetzung des Rates vorgenommen und soll in Illoyaler Weife bie Voraussetzungen verschoben werben, bie im Augenblick der Anmeldung Deutschlands vorlagen. Wie der deutsche Reichskanzler und der beatfdje Reichsauhenminister in Locarno aufrichtig an einem Werk, das den Frieden sichern sollte, mitarbeiteten, so würden sie, wenn man dieses Werk durchaus vernichten will, gemeinsam die notwendigen Erklärungen abzugeben haben, und deshalb, so nimmt das Blatt an, reift Dr. Luther mit nach Genf. Pec Reichskanzler wird dort auch als Chef der deutschen Delegation selbst bie Ansprache halten, mit ber die deutsche Delegation nach dem Aufnahmebeschluß zum erstenmal im Plenum des Völkerbundes zu Worte kommen wird. Man nimmt an, daß der Kanzler nicht während der ganzen Dauer der völkerbundssihung in Genf bleibt. 3n einem offenbar inspirierten Artikel wendet sich sehr scharf die „T ä g l i ch e R u n d s ch a u" auch gegen eine Erweiterung des Völkerbundsrates in der Märzkagung über die Aufnahme Deutschlands hinaus. Das Blatt schreibt: „Das steht fest, daß Deutschland für eine Lösung nie z u haben ist, die derartig den Ehärakter des Völkerbundsrates verändert. Das ist mit aller Deutlichkeit in den fremden Hauptstädten.erklärt worden, und ber „Petit parifien“ irrt sich, wenn er glaubt, bah bie wilhelmstrahe unzufrieben mit bem Inhalt ber Berichte fei, bie die Botschafter und Gesandten nach ihren Enquetes in den verschiedenen Hauptstädten übermittelt hätten. Beharren Frankreich und England bei ihrer Haltung, eine Z u - wähl in den Völkerbundsrat erzwingen zu wollen, ohne den äußersten Zwang ist diese Anregung schon allein durch den entschlossenen Widerspruch Schwedens erledigt, so steht es ihnen frei, den Völkerbundsrat durch fo viele Mächte zu erweitern, als sie wollen. Rur auf eine Erweiterung durch Deutschlands Zuwahl werden sie in diesem Falle verzichten müssen. Locarno bedeutet letzten Endes vertrauen in den Willen ber Verständigung und der Zusammenarbeit. Dieses vertrauen kann nicht mehr bestehen, wenn hinter dem Rücken Deutschlands derartige Dinge vorgehen und zur Ausführung gelangen sollten. Der Deutsche DotKsbund in Oberschlesien. Präsident Calouder zu beit polnischen Verhaftungen. Sil. Katt owitz. 24. Febr. Der Präsident der gemischten Komknission für Oberschlesien, der ehemalige Schweizer Duirdes-Präsident, Salon» der, hat eine ©rtlärung über seine Kompetenzen und seine Haltung zu den in polnisch Oberschlesien gegen den Deutschen Dolksbund einge- leiteten Untersuchungen abgegeben, in der es u. a. heißt: Der Deutsche Dolksbund ist eine für den Minderheitenschutz im Sinne der Genfer Konvention unerläßliche Organisation, deren Statuten vollkommen im Einklang mit den erwähnten Artikeln stehen. Ich muß auch betonen, daß der Deutsche Dolksbund in all den zahlreichen Streitfällen, in denen er bisher vor der gemischten iXommiffton das Recht der Minderheiten vertrat, diese seine Aufgabe stets in loyaler und gerechter Weise erfüllt hat. Es wird sich also in Wirklichkeit wohl nur um Strafverfolgungen handeln, die gegen bestimmte Personen gerichtet sind. Die verhafteten Personen, darunter einige Angesteltte des Volksbundes, werden beschuldigt, Verbrechen gegen den polnischen Staat begangen zu haben. Die Strafverfolgungen sind in der Hand des ilntersuchungs- richters. Die Berurteilung dieser Strafprozesse ist einzig und allein Sache der zu - ständigen polnischen Gerichte. Weder die gemischte Kommission, noch deren Präsident sind kompetent, sich mit dieser Angelegenheit in einem prozessualen oder Veschwerdeversahren irgendwie zu befassen. Dagegen besteht gemäß Artikel 585 der Konvention ein allgemeines Aufsichtsrecht des Präsidenten der gemischten Kommission, auf Grund dessen der Präsident in einem früheren ähnlichen Fall, nämlich in dem gegen zahlreiche Angehörige der polnischen Minderheit Deutsch-Oberschle- siens gerichteten, sog. 3nf urgenten» Strafprozeß, der ebenfalls politische Delikte betraf und der durch den Strafsenat des Reichsgerichtes in Leipzig beurteilt worden ist, folgende Gesichtspunkte geltend gemacht hat: a) Vermeidung unnötiger Verhaftungen und möglichste Abkürzung ber Präven- tivhast; b) möglichste Beschleunigung des ganzen Strafverfahrens; c) unbeschränkte Oe f s e n 111 chke i t aller Ge- richtsverhanblungen; d) Rücksichtnahme auf bie Familien ber Ange- schuldigten und auf die allgemeine Lage der Minderheiten. Die Anwendung dieser Grundsätze empfiehlt sich vor allem deshalb, weil darin die einzige Möglichkeit liegt, nach der tiefgehenden Erregung, die stets durch derartige Anklagen bei politischen Verbrechen hervorgerufen wird, die Beruhigung und das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen. Aehnlich werde ich im Interesse der deutschen Minderheit in Polnisch-Oberschlesien im gleichen Sinne wirken, wie ich dies zu gunsten er polnischen Minderheit Deutsch-Oberschlesiens im Insurgentenprozeh getan habe. Ich erachte es als meine unabweisbare Pflicht, mit allem Rachdruck darauf hinzuweisen, wie gefahrvoll und gefährlich die Bestrebungen derjenigen Zeitungen sind, die diese Strafuntersuchungen mit einem Kampagneshstem öffentlicher Aufreizung zum Klassenkampf betrieben, dabei sogar zur Vernichtung der Minderheiten auffordern und sich so geberden, als ob sie tagtäglich über- die Resultate der Strafuntersuchungen unterrichtet würden. Derarttge Exzesse der Presse sind nicht nur ein Anrecht gegenüber der Minderheit, die als solche mit den Strafuntersuchungen nichts zu tun hat, sondern sie sind auch geeignet, dem internationalen Ansehen des eigenen Staates zu schaden. Der polnische Staatsvertreter hat mir die Erklärung abgegeben, daß alle Strafuntersuchungen mit größter Beschleunigung geführt und in kürzester Zeit zum endgüktigen Abschluß gelangen werden. Ini all fettigen Interesse hoffe ich, daß sämtliche Gerichtsverhandlungen öffentlich fein werden. Rur auf diese Weise kann eine wirksame allseitige Aufklärung erzielt und Oberschlesien von der gegenwärtigen Atmosphäre des Mißtrauens und der Verdächtigungen befreit werden. Die Verwendung des Reichsbahn - Kredites. Größere Lieferungsaufträge an die Maschinen- und Bauindustrie. Berlin. 24. Febr. (TU.) Der Technische Ausschuß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichs- bahngejellschaft beschäftigte sich mit den Not- standsmaßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Es haben bekanntlich zwischen der Reichsregierung und der Deutschen Reichsbahngesellschaft Verhandlungen über die Gewährung zunächst eines 50-MiUionen- und dann eines 190-MiUionen- Kredit s stattgefunden. Die Verhandlungen über die finanziellen Bedingungen dieses Kredits find bisher noch nicht voll zum Abschluß gelangt. Das von der Hauptverwaltung der Deutschen Reichs- bahngesellschast im Ausschuß des Verwaltungsrats vorgelegte Programm über die Verteilung des 100-Millionen-äredits fand die Billigung des Ausschusses. Oin, Grunde genommen erstreckt sich das Pro- gramm nur aus eine teilweise Wiederau s n a h m e des im Herbst 1925 ausgestellten Programmes, das infolge der ständig zu- rückgehenten Einnahmen der Reichsbahngesellschaft stark gekürzt werden mußte: insbeson- tere sollen Berücksichtigung finden: Beschaffung vori Oberbau. Einbau von 3ufl= unt> Stoß- Vorrichtungen. Berstärkung t*on Brücken. Dazu kommen Heinere bauliche Ergänzungen, die nicht länger aufgeschoben werden tonnen, darunter sind auch Wohnungen für Arbeiter und Betriebs- beanite. Auch eine Reihe Dahnhofsbaulen soll in ihrer Durchführung beschleunigt werden. Die Beschaffung von V-Zugswagen. Bierter- .Klassewagen und Spezialgütertoagen ist in entsprechendem älmfange geplant. Auch die S?oEo» motiv-Industrie wird durch Rcuauf träge an Speziallokvmotiveu im engeren Rahmen berücksichtigt werden. Dabei kommen namentlich in Betracht kleinere Typen für Rebenbahnen und Rangierzüge und Speziallokomotiven, z. D. für Gruben- und Schmalspurbahnen. Die Herausgabe der Aufträge soll so schnell wie möglich erfolgen, nachdem die erhoffte Einigung mit der Reichsregierung über die Bedingungen des Kredites erfolgt ist. Die Fürstenabfindung im Rechtsausschuß. Der Kompromißentwurf. Berlin. 24. Febr. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte die Beratung des Kompromißgesetzes über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern fort. Angenommen werden die Paragraphen 4 und 4a in folgender Fassung: § 4. Das Reichssonderge richt stellt, wenn es fie nicht für unerheblich hält, oder wenn nicht beide Parteien darauf verzichten, auf Grund von Reichs- und Landesrecht die Rechts- und Eigentumsverhältnisse fest. Es nimmt die Auseinandersetzung nach Billigkeit unter Berücksichtigung der Vorschriften in § 5 vor. § 4 a. Das Reichssondergericht hat zunächst einen gütigen Ausgleich zu versuchen. 3m Uebrigen bestimmt es sein Verfahren nach freiem Ermessen. Es kann Beweise erheben und Gerichte um Rechtshilfe ersuchen, insoweit es xmgebracht ist. die für die ordentlichen Gerichte in bürgerlichen Rechtsstveitigkeiten geltenden Dorschristen entsprechend anzuwenden. § 5 enthält nur die Vorschriften, auf Grund Deren das Reichssondergericht zu urteilen hat. - - Hier entspann sich eine sehr ausgedehnte Debatte. Es handelt sich darum, daß bei der Zuteilung dec Vermögensstücke zu berücksichtigen ist, ob die vereinzelten Vermögensstücke von den Mitgliedern der Fürstenhäuser seinerzeit auf Grund eines Privatrechttitels oder insbesondere in den Zeiten der absoluten Mv- navchie auf Grund des Volks-, Staats- oder sonstigen öffentlichen Rechts oder gegen Leistungen, die sie nur kraft ihrer Souveränität bewirken konnten, erworben worden sind. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragte, daß vom Reichssondergericht als Eigentum des Landes im voraus festzustellen und anzuerkennen seien: 1. alle Vermögensstücke, die von Mitgliedern ehemals regierender Fürstenhäuser auf Grund von volksrechtlichen, staatsrechtlichen oder östenüich-recbt- Uchen Titeln, insbesondere in den Zeiten der absoluten Monarchie erworben worden sind; 2. alle Vermögensstücke, die auf Grund privatrechtlicher Titel erworben worden sind, wenn der Erwerb erfolgte auf Grund von Leistungen, die nur kraft der staatsrechtlichen Stellung der regierenden Häuser bewirkt werden konnten, oder wenn der Vorbesitzer das regierte Land oder eine dem Land angehörige öffentliche Körperschaft war, oder wenn der Erwerb erfolgt ist m i t M i t t e l n e i n e r öffentlichen Kasse oder gegen Hergabe von Vermögensstücken, die nach diesen Grundsätzen selbst als Staatseigent umzu gelten haben würden; 3. Gegenstände, deren Besitz für dos Land aus Gründen der Geschichte, der Kultur, der Volksbildung oder der Volksgesundheit von Bedeutung ist, ferner Theater. Schlösser, Museen, Sammlungen, Parkanlagen und dgl.; 4. Land- und Forstdesitz, soweit er für die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landes oder für die Durchführung der staatlichen Aufgaben (Siedlung, Landabgabe an Kleinbauern, Städteerweiterung, Schaffung von Erholungsheimen u. dgl.) von Bedeutung ist. Ferner solle als § 5a eingefügt werden. „Soweit nicht nach den Bestimmungen der vorherigen Paragraphen Vermögensstücke Eigentum des Landes werden, ist das Eigentum auf das Land zu übertragen gegen Gewährung einer Rente. Das Reichssondergericht setzt für jedes am 9. November 1918 lebende Mitglied eine Rente nach Billigkeit fest. Nach ausgedehnter Debatte wurde der § 5 iu folgender Fassung in erster Lesung angenommen: 1. Bei der Zuteilung der Vermögensstücke ist zu berücksichtigen, daß die einzelnen Vermögensstücke von den Mitgliedern der Fürstenhäuser seinerzeit auf Grund eines Privatrecht» titels oder insbesondere in den Zeiten der absoluten Monarchie namentlich auf Grund des Völker-, Staats- oder öffentlichen Rechts, oder gegen Leistungen, die fie nur kraft ihrer Souveränität bewirken konnten, erworben tourten. 2. Gegenstände, auf deren Besitz ein Land aus Gründen der Kultur und Volksgesundheit Wert legen mutz (Theater, einschließlich Theaterfundus und zur öffentlichen Besichtigung fteigegcbene Schlösser mit Inventar, Museen, Sammlungen, Archive und Bibliotheken, Parianlagen u.dgl.> erhält das Land auf fernen Antrag in der Regel zum Eigentum. Ob und inwieweit für solche Gegenstände oder Einrichtungen eine Entschädigung zu gewähren ist, richtet sich nach freiem Ermessen, insbesondere aber danach: a) ob sie bereits vor bet Staatsumwälzung 1918 der O e f f e n t l i ch k e i t zugänglich oder nutzbar gemacht waren; b) ob sie im ganzen oder teilweise veräußerlich sind oder nicht; c) ob ein Rnhungswert vorhanden, oder wie hoch er ist; d) ob oder in welchem tlmfangc mit der Untergattung Lasten verbunden sind. 3, Bei der Zuteilung von Land- oder F o r st b e l i tz an die vormals regierenden Häuser sind die Gröhe des Landes und feine staatlichen Notwendigkeiten (Siedlungsmöglichkeiten, Schaffung von Erholungsstätten u. dgl.) ausschlaggebend in Betracht zu ziehen. 4. Vermögensstücke der einen Partei sind auf die andere zu übertragen, wenn dies zur Erreichung eines billigen Ausgleichs oder einer billigen Entscheidung erforderlich ist. 5. s3ei der Bemessung der den Fürstenhäusern zuzusprechenden Vermögensstücke (Kapitalien oder Rechten) ist dis wirtschaftliche und finanzielle Lage beider Parteien zu berücksichtigen. Hierbei soll einerseits durch Zuweisung aus der Masse der vorhandenen Vermögenswerte den vormals regierenden Häusern eine würdige Lebenshaltung ermöglicht werden, anderseits aber berücksichtigt werden, daß die allgemeine wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes infolge des Krieges und der Nachkriegszeit eine gegenüber den fricheren Verhältnissen wesentlich schlechtere ist, und daß die Ausgaben in Wegfall gekommen find, die den Fürstenhäusern früher dadurch erwachsen sind, daß fie Träger der Staatsgewalt waren. 6. Soweit an Vermögensstücken der vormaligen Fürstenhäuser Gebrauchs - oder Nutzungsrechte an Dritte verliehen oder zugesichert worden sind, sind diese Rechte in geeigneter Weise sicherzustellen. 7. Bei der Aufwertung von Ansprüchen hat das Aufwertungsgeseh vom 16. Juli 1925 mit der Maßgabe Anwendung zu finden, daß für Ansprüche auf Kapitalabfindungen, die für die Lieberlassung von Gebäuden unb Grundstücken an ein Land den früher regierenden Häusern zugestanden worden sind, die für die Aufwertung von hypothekarisch gesicherten Geldern maßgebenden gesetzlichen Bestimmungen auch bann Platz greisen, wenn die Ansprüche auf Kapitalabsin- düngen hypothekarisch nicht gesichert sind. 8. Die den damals regierenden Fürstenhäusern früher znstehenten Z i v i l l i st e n und ähnliche Renten (Kronftbeikommißrenten. Krondotationsrenten u. a.) fallen ohne Entschädigung fort. 9. Den Ländern ist aus der vorhandenen Vermögensmasse ein angemessener Ausgleich für die aus der Tlebernahme von VersvrgungS- ansprüchen ehemaliger Hvf bediensteter entfiel)enben Lasten zu bewilligen. Rach Annahme des § 6, wonach u. a. die Verbringung eines ausgezahlten Kapitals ins Ausland nur mit Genehmigung deS Landes zulässig ist, vertagte sich der Ausschuß auf morgen. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 24. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beschäftigie sich mit zahlreichen kommunistischen Anträgen. Sämtliche Anträge wurden abgelehnt. Ein Antrag Dingeldeh zu Kapitel 1 (Forst- und Kameralgüter), den Beschluß des Finanzausschusses auf Streichung der Dienst- aufwandsentschädigungen aufzuheben und die Regierungsvorlage wiedcrherzu- stellen, tourte durch die Annahme eines gestern gefaßter, Beschlusses über die Tagegelder, für erledigt erklärt. Eine Vorlage, in ter um Zustimmung für verschiedene bauliche Herstellungen in der Kaserne an ter Magdalenenstrahe in Darmstadt ersucht wird, tourte gegen 4 Stimmen angenommen. ES sollen dort Räume geschaffen werden zur Unterbringung mehrerer Institute, darunter für das Mineralogische Institut sowie für ein Forschungsinstitut für westdeutsche Hartsteine. Der Gesetzgebungsausschuß beschäftigte sich heute mit ter Regierungsvorlage über daS K u n st st r a ß e n g e s e h. Ein Antrag Rech- thien (Doz.) auf Verstaatlichung der Kunst- strahen tourte abgelehnt. Vier Kapitel des Gesetzes wurden mit geringen redaktionellen Aen- terungen angenommen. » Der PctitionSausschuß des Landtags beschäftigte sich gestern mit zahlreichen Anträgen. Von allgemeiner Bedeutung ist der Antrag des Abgeordneten Dr. Werner, den Gipfel des Hoherodskopfes unter Denkmalschutz zu stellen. Der Antrag tourte in der Form angenommen, daß eine weitere Bebauung des Gipfels nicht vorgenommen werden darf. Kleine politische Nachrichten. Im Reichsfinanzmimsterium fand die angekündigte Konferenz der Finanzmini ft er ter Länder über das Finanz- und Wirtschafts- Programm der Reichsregierung statt. Reichs- finanzminister Dr. Reinhold hob in einer einleitenden Rede die bekannten Hauptpunkte des Programms hervor. Der preußische Finanzmini st er sicherte dem Reichsfinanzminister die vertrauensvolle Mitarbeit der Länder bei feiner Amtsführung zu. eine Erklärung. der sich sämtliche Finanzminister an» schlossen. In der Aussprache wurden von einigen Ländervertretern wegen des eingeschlagenen Weges im einzelnen Bedenken geäußert, wahrend über das nach dem Programm der Reichsregierung zu erreichende Ziel Einigkeit herrschte. Der preußische Ministerpräsident und seine Gattin hatten gestern abend zu einem Bier- abend in den Räumen des Siaatsministeriums eingeladen, dem der Reichskanzler mit fast sämtlichen Reichsministern, die preußischen StaatsMinister und zahlreiche andere Persönlichkeiten des ösftntNchen Lebens folgten. Nach einer Verordnung des jugoslawischen Un- terrichtsministers wird in der ersten und zweiten Klasse der Bürgerschulen in ganz Slowenien die deutsche Sprache als obligatorischer Unter» richtsqegenstand eingeführt. Mit Beginn des nächsten Schufiahres wird sich diese Verordnung auch auf die 3. und 4. Klasse Der Bürgerschulen erstrecken. Bei den rumänischen Gemeindewahlen haben die Deutschen gut abgeschnitten. In Hermannstabt erreichten sie die absolute Mehrheit. In allen übrigen Städten Siebenbürgens, wo fie mit ter Rumänischen Volks» Partei zusammengingen. erlangten sie die Mehrheft ter Stimmen. Im Banat, in Temesvar und Lugos, wo die Deutschen gleichfalls mit der Rumänischen Volkspartei zusammengingeir, gelang es ihnen, die Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Auch in Czernowitz haben die Deutschen einen großen Erfolg errungen.* Im Pariser Auswärtigen 'Amt wurde durch Briand die franzöfisch-rufsische Schul- denfundierungskonferenz eröffnet. Der russische Delegierte 21 a l o w s k i erklärte, zur Debatte ständen die Liauidierung des Dorkriegs- schuldenprvblems und Die Gewährung von Krediten. f * Der Vorsitzende des Sotojettriegs rotes, W o r o f ch i l o f f, wird sich demnächst mft einer Anzahl russischer Generale nach der Türkei begeben, um den türkischen Manövern beizu- wohnen. Der parlamentarische AntersuchungSausschuß in ter ungarischen Frankenfäl- schunasaffäre hat in seinem Schluhberichi alle Mitglieder der Regierung und der Rational» Versammlung von jeder Schuld oder jetem Verdacht ter Beteiligung freigesprochen. 3Salten und Serbien. Rom, 25. Febr. (TU.) Der unerwarteten Reise des jugoslawischen Ministers N i n t s ch i t s ch nach Rom legt die italienische Presse die größte Bedeutung bei, zumal da sich in seiner Begleitung der italienische Botschafter in Belgrad befindet. Man vermutet, daß Nintschitsch die auaenblicklich durch den deutsch-italienischen Zwischenfall hervorgerusene Erregung ausnutzen will, um in Rom und Paris bindende Abmachungen über die Erhaltung des Status quo auf der Basis der bestehenden Friedensverttäge zu erreichen. Anderseits nimmt man an, daß Nintschitsch sich mit Mussolini über die Frage der Völkerbunds- r a t s s i tz e aussprechen will, da er ganz entschieden gegen Polens Eintritt in den Völkerbundsrat eingestellt sei. Kunst und Wissenschaft. Deutscher Dorfkirchentag in Berlin. In Berlin trat unter großer Beteiligung der deutsche Dorfkirchentag zusammen. 5>ic zweitägigen Verhandlungen werten sich insbesondere mit den Problemen ter ländlichen Jugendfürsorge beschäftigen. Das Hauptreferat über die Psychologie der Landjugend hielt Pfarrer Mahr (Gießen) im Anschluß an das Spran° aerische Werk „Die Psychologie tes jugendlichen Alters", der ausführte, daß neben der Stadt- jugend die Landjugend mit ihren eigenen Gesetzen und Möglichkeiten stehe. Gegenüber einer heimatlos gewordenen Stadtjugend fei sie gebunden an Heimat und Scholle. Der Vortragende entwickelte dann den Verhängnis-- vollen Einfluß der Stadt auf die bäuerliche Jugend und zeichnete die besonderen Methoden, für die Behandlung der Landjugend. Ein deutscher Forstmann nach der Türkei berufen. Professor Bernhard von der sächsischen Forsthochschule in Tharandt ist von ter türkischen Regierung in Angora air die Spitze ter türkischen Staatsforstverwaltung berufen worden und wird dem Rufe Folge leisten. Berufungen. Der Würzburger Unioersitätsprofessor Noack hat zum 1. April den Ruf eines Ordinarius für Botanik an der Forstlichen Hochschule in Eberswalde angenommen. — Der Ordinarius für alte Geschichte und derzeitige Prorektor der Universität Frankfurt a. M., Professor Dr. Matthias G e l z e r, erhielt einen Ruf an die Universität Freiburg i. Br. als Nachfolger von Geheimrat F a b r i c i u s. Anterirdifcher Gang am Mannheimer Schloß. Ein neuer unterirdischer Gang am Schloß wurde an der Rückseite des Schlosses entdeckt. Der Gang beginnt in der Rähc des gegen die Rheinbrücke zu gelegenen Hauptportals führt etwa 70 bis 80 Meter weit in der Richtung auf die Rheinbrücke und mündet in ein großes Gewölbe, das eine Dvdenfläche von viermal fünf Meter und eine Höhe von drei Meter hat. Aus dem Gewölbe führen Luftschächte nach oben, die allerdings verstopft sind. Der Gang ist sorgfältig mit großen Quadersteinen ausgemauert und dürfte aus der Zeit stammen, wo Mannheim eine Festung war. Der Boden von Gang und Gewölbe ist über 20 Zentimeter hoch mit einem kalkartigen Schlamm bedeckt. Aus aller Wett. Das große Los. Wie die Boss. Zig. erfährt, fiel der Hauptgewinn in der gestrigen Nachmittagsziehung der Preußisch-Süddeutschen Klasscnlotterie von je 500 000 Mart auf das Los Nr. 62099 nach Berlin. In beiden Fällen sind die Lose in 'Achteln verkauft worden. Für jeden der 16 Gewinner bleibt nach Abzug aller Steuern ein Betrag von 50 000 Mark. A ch t Arbeiterfamilien, darunter ein greises Ehepaar (der Mann seit Monaten arbeitslos und der Verzweiflung nahe) find über Nacht reich geworden. Von den glücklichen Gewinnern erhielt auch ein Kaufmann die frohe Kunde, und dieser Kaufmann hat — gestern den Konkurs angemeldet. Totesflug eines französischen Piloten. Auf Grund einer Wette mit ameritänischeu Kollegen versuchte der französische Flieger C o l - lote, der im Kriege a?t der rumänischen Front tätig war, den Boden des Eifelturms zu durchfliegen. Er geriet dabei anscheinend in die Antennen drahte der Funkstation und stürzte mit feiner Maschine ab. Das Flugzeug geriet in Brand und Collote tourte als verkohlte Leiche aus den Trümmern gezogen. Au? der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 25. Februar 1926. Oberhesfische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. In der jüngsten Sitzung der O b e r h e s s i s ch e u Gesellschaft für Natur - und Heilkunde wurden aus verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft kurze Mitteilungen über die Ergebnisse neuerer Forschungen gemacht. Zunächst sprach Pros. Dr. St ü ft c r über feine Versuche, neue Hilfsmittel zur Erforschung der Regeneration dienstbar zu machen. Bildet sich beispielsweise auf der Wundfläche eines entspitzteu Zweiges eine Gewebewucherung, ein sog. Kallus, so können daraus neue Vegetationspunkte hervorgehen, aus denen sich ein beblätterter Sproß, wenn die Wunde unten liegt, unter Umständen auch eine Wurzel entwickeln kann, Regenera- ttonsmöglichkeiten, von denen auch der Gärtner häufig Gebrauch macht. Nicht immer führt die Kallusbildung zur Regeneration,oft bedarf diese einer gewaltsamen Anregung, etwa durch Hervorrufung neuer Wundreize an einer benachbatteo-SlLlle, aber auch bann kommt es nicht selten lediglich zu einer üppigen Wucherung des Kallus, ohne daß neue Triebe aus ihm hervorgehen. Wie die Versuche des Vortragenden erwiesen haben, kann ein untätiger Kallus durch eine derartige Impfung angeregt werden, neue Triebe zu entsenden, man muß nur die geeigneten Objekte ausfindig machen. So erwiesen sich hierfür cntspitzte Zweige von Geranien geeignet, an denen zugleich mit Hilfe der neuen Methode besondere Fratzen studiert werden können. — Im Anschlüsse hieran berichtete Prof. K ü st e r über neuere Beobachtungen Herrn v. Deimerns an pflanzlichen Gefäßen. Diese aus toten Zellen gebildeten röhrenartigen Saftleiter besten zur Vergrößerung ihrer mechanischen Widerstandsfähigkeit gegen Zusammenpressung oder Verbiegung an den Innenwänden ringartige, oft auch spiralige Versteifungen, die schon seit langem Gegenstand wiederholten Studiums gewesen sind. Dennoch ist allen Beobachtern bisher die Tatsache entgangen, daß die flach an der Röhrenwandung anliegenden Ringe längs ihres inneren Umfanges feine Einkerbungen erkennen lassen, die zu der Annahme zwingen,, daß ein derartiger Ring aus einer paarigen, unter Umstanden auch einer dreifachen Anlage zu dicht nebeteinanber- gebildeten Ringen heroorgegaugen sein muß, die bei ihrem Wachstum sich zu einem einzigen Ringe vereinigt haben, besten Entwicklung die. beschriebene Feinstruktur noch erkennen läßt. In bas Gebiet ber Paläontologie führten dic non Prof. Dr. Harr als Switz und Prof. Dr. Hummel norgetragenen Mitteilungen über fossile Schildkröten, die der Grube Messel bei Darmstadt entstammen und in einigen besonders schönen, in mühevoller Arbeit mittels zahnärztlicher Instrumente aus dem umgebenden Oelschiefermatc- rial herauspräparierten Exemplaren norgeführl wurden. Diese Funde gaben Veranlassung zu eingehenden stammesgeschichtlichen Forschungen über beu Zusammenhang jener fossilen Schilbkröten mit noch heute lebenden Arten. Das Vorkommen dieser Schildkröten in dem an organischer Substanz so reichen Oelschiefer läßt als ihre Heimat einen zum ältesten Tertiär gehörigen Eocänsumpf in tropischem Klima erkennen, aus dem auch zahlreiche Vögel, Affen, Fische und andere Tiere und Pflanzen uns bekannt sind. Unter gleichzeitiger Vorführung von Präparaten noch heute lebender Schildkröten wurden die Eigentümlichkeiten ber Weichselschilbkröten, die auf ihrem Knochenpanzer keine Hornplatten tragen, sondern nur eine weiche Lederhaut besitzen, denen der hornplattigen gegenübergestellt, um hieran stam- mesgeschichtliche Ausführungen über die Entwicklung der erdgeschichllich sehr alten Anosteira („Schildlose") Schildkröte anzuknüpfeu, die im Laufe der Zeit sich an das Leben in? Wasser und Sumpf anpaßte, inben^beispielsweise die ursprünglichen Kriechfinger zum Teil in Schwimmflossen übergingen, die durch entsprechende Gelenke beim Kriechen auf dem Laube seitlich zusammengefaltet werben konnten. In beu ausgegrabenen Funden war dieses Stadium ber Entwicklung erkennbar. In jenen Schichten des Eocäns sinb aber auch Schilbkröten gefunben worden, bie heute Icbeiibe» Formen ganz ähnlich sinb. Den Vortragsabenb beschlossen Mitteilungen von Prof. Dr. U 11 c r über Ergebnisse ber von ihm vertretenen Wellentheorie in ihrer Anwenbung auf das Problem ber A u s d r e i k u n g v o n W ä r m e- weilen, die etwa beim Einbringen ber Sonnenwärme in das Inere ber Erbe auftreten unb mit außerorbentlich geringer Geschwindigkeit, gewissermaßen kriechend, sich fortpflanzen, pro Tag nur um ein Meter. Die mathematische Behandlung des Problems mittels ber Fourierschen Theorie ber Wärmeleitung ergibt inbeffen zu große Geschwinbig- keiten, so baß schon Richarz den Wiberspruch zwischen Theorie und Beobachtung durch besondere Annahmen (Berücksichtigung Zeit beanspruchender molekularer Vorgänge) zu erklären suchte. Nach Ansicht des Vortragenden handelt es sich hier indessen um keine physikalische, sondern um eine wellenkiue- tische Frage, die er unter Verwerfung der F. u- rierschen Formel einer abweichenden theoretischen Behandlung unterworfen hat, bei ber bas Zerlegungsprinzip von Fourier nicht in Anwenbung kommt. So kommt er im Gegensatz zu Fourier zur Annahme einer endlichen Frontgeschwindigkeit mit dem besonderen Ergebnis, baß an ber Wellenfront ein deutlicher Temperatursprung bestehen müsse, über dessen Messung allerdings noch keine Mitteilungen vorliegen, so daß hiermit die Frage nach einem entscheidenden Experiment gestellt ist. L. H. Wettervoraussage. 'Weitere Aufklärung, wenig geänderte Temperaturen. höchstens vereinzelt Rieberschläge, stellenweise noch Rebelbildung. Das Hochdruckgebiet über Europa hat sich ausgedehnt, doch hat andererseits das Fallgebiet wieder beträchtlich an Stärke gewonnen, so daß Störungen durch sich abzweigende Teilwirbel nicht ausgeschlossen sind. Im allgemeinen dürfte aber zunächst mit einer Besserung der Wetterlage zu rechnen sein. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 11,0 Drad E. Minimum 4,0 Grad E. Rieterschläge 1-4 TMlimeter. Heutige Morgentemperatur: 6,2 Grad C. Schwimm- und Sprmglehrkursus in Metzen, Die erfreuliche Tatsache, daß man auch float» lichersefts während der letzten Jahre ter P f l c g e und dem Ausbau der Leibesübungen immer mehr 'Beachtung schenkt, ist auch für Hessen festzustellen. Die hessische Regierung hat, um den auf dem Gebiete der Leibesübungen ihr erwachsenden Anforderungen gerecht zu werden. schon seit geraumer Zeit eine Einrichtung geschaffen, die - zusammengesetzt aus fachlnn-- feigen Vertretern aller Sportzweige — in allen Sen Sport betreffenden Fragen als Betrat heran» gezogen wird. Einer der jüngsten Anregungen des hessischen Landes beirats für Le ibesübun- gen ist der am kommenden Samstag und Sonn- im Gießener Hallenbad stattfindende Schwimmend Springlehrkursus zu verdanlen, mit dessen Durchführung der Gießener Schwimmverein betraut worden ist. Mit LInterstühung des Deutschen Schwimmverbandes hat man zwei in der deutschen Sportbewegung hervorragend bekannte Führer, und zwar Kellner, Lehrer an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, und Stern, Magdeburg, ge- Wonnen, die in verschiedenen Vortragen die wesentlichsten Gebiete des Schwimm-, Wasserball- und Springsports behandeln werden. Am Samstagabend wirb Kellner über „Die Technik des Schwimmens" und Sonntagvormittag über das „Wasserballspiel" sprechen, während Stern am Sonntagnachmittag eingehende Ausführungen über die „Anleitung zur Ausbildung von Springern. Sprungrichtern und Spring- lehrec" machen wird. Die Vorträge werden erhöhte Anschaulichkeit durch praktische Vorfüh- rungen erhalten. Außerdem wird der Gießener Schwimmverein mit einigen Staffelwettkämpfen im Nahmen der Veranstaltung aufwarten. Eine weitere außerordentliche Versicherung wird der Kursks erfahren durch einen Vortrag des weit über die Grenzen des Sports hinaus bekannten ersten Vorsitzenden des Deutschen Schwimmver- bandes. Dr. G e i s o w, der über „Die treibenden Gedanken int deutschen Schwimmsport" sprechen wird. An dem Kursus nehmen die Vertreter zahlreicher Schwimmsportvereine der näheren und weiteren Umgebung teil, so daß eine möglichst allgemeine Verwertung des Gelernten und Gesehenen gewährleistet ist. Sänttliche Vorträge werden im hiesigen städtischen Hallenbad gehalten, das zu diesem Zweck in anerkennenswerter Weise zur Verfügung gestellt worden ist. Es braucht nicht betont zu werden, daß bei der Mitwirkung so berufener Kräfte der Schwimm- und Springlehrlürsus einen ganz außerordentlichen Gewinn für die Sportbewegung, insbesondere des Schwimmsports in Gießen, bedeutet. Man beachte die morgige An- zeige. Lietzener Wochenrnarktpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarrt: ■Sutter 150 bis 170, Matte 35 bis 40, Käse 65 bis 150, Wirsing 25, Weißkraut 25, Rotkraut 30 gelbe Rüben 20, rote Ruben 20, Spinat 35 bis 40, Unter-Kohlrabi 10 bis 12. Grünkohl 30. Rosen» lohl 60. Feldsalat 120 bis 150, Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 30, Honig 50, Zunge Hahnen 120, Suppenhühner 120, Rüsse 60, Endivien 100. Tauben 70 bis 90 Pfennig das Pf d. Eier 10 bis 12, Blumenkohl 40 bis 130, Salat 40, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 10 bis 25, Sellerie 20 bis 60 Pfennig das Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Gießener Konzert-Verein: 7.30 Uhr, Stadtkirche, 9. Abonnementskonzert. — Oberhesstscher Geschichtsverein: 8.15 Uhr, chörjaa! 2 des Vorlesungsgebäudes, Vortrag von Prof. Dr. Aubin. — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 8.30 Uhr, Neue Aula der Universität, Lichtbilder-Borirag. — Deutsche Demo- Iratifche Partei: 8.15 Uhr, Katholisches Vereinshaus, Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Weibsteufel". — Astorip-Lichtspielc: „Sechs Schüsse in der Nacht". — Die Deutschnativnale Vollspur t c i veranstaltet am nächsten Samstag im PostkeUer einen Vortragsabend, bei dem Reichs» nnd Landtagsabg. Prof. Dr. Werner über ..Brennende Zeit- und Streitfragen" sprechen wird. (Siehe Anz.) — Eine Fritz-Eberl-Gedächtnis- feier veranstaltet der Republikanische Frauenbund um Sonntagabend im Katholischen Vereinshaus. Näheres im heutigen Anzeigenteil. Der Finanzausschuß des hessischen Landtages wird am kommenden Samstagvvrmittag zur Besichtigung verschiedener Universitäts-Einrichtungen hier eintreffen. Der Besuch stehl im Zusammenhang mit den Wünschen, die Rektor und Gesamtsenat in der kürzlich mitgeteilten Eingabe an den Landtag für die Lanoes-Univerfität ausgesprochen hatten. •* Ausbau der Lahn bei Fron- hausen. Zur Verhütung künftiger Hochwasserschäden soll die Lahn in den Gemarkungen Fron- Hausen. Dellnhausen und Sichertshausen ausgebaut werden . Der Plan für das Unternehmen Hegt vom 27. Februar bis 12. März auf dem Bürgermeisteramt in Fronhaufen zur Einsichtnahme offen. Dort können innerhalb der Offenlegungsfrist Einsprüche vvrgebracht werden. •* Das Schwurgericht der Provinz Ober Hessen beginnt am 22. März feine erste diesjährige Sitzungsperiode. Den Vorsitz fuhrt Landgerichtsdirektor Cramer. Bis jetzt sind zwei Fälle zur Verhandlung angesetzt: eine Anklage wegen Meineids und eine wegen Kindestötung. Voraussichtlich dürste auch noch eine Anklage wegen Totschlags, der der bekannte Vorfall in Obbornhofen zugrunde liegt, zur Ver-- händlung kommen. * Gedenkfeiern zu Ehren der Gefallenen finden am Samstag, 27. Februar, in den beiden hiesigen Synagogen in Verbindung mit dem Vormittags-Gottesdienste statt. '* Der Erweiterungsbau der Lupusheil statte wird am kommenden Samstagvormittag in feierlicher Weile feiner Bestimmung übergeben werden. •’ Personalien. Ernannt wurden der Vortragende Rat Oberregierungsrat Karl Weber aus Darmstadt zum Ministerialrat: der Vortragende Rat Obermedizinalrat Dr. Theodor Schrohc aus Darmstadt zum Ministerialrat in dem Ministerium des Innern, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege : der ständige Hilfsarbeiter Medizinalrat Dr. Otto Fresenius aus Darmstadt zum Vortragenden Rat in dem Ministerium des Innern, Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, unter Verleihung der Amtsbezeichnung als Obcrmedizinalrat, sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1926. 1,1 Doppel z u P o st e in l i e s e r u n g s- scheinen. Die Einzahlung von Geldbeträgen mit Postanweisung oder Zahlkarte wird von der Post amtlich bescheinigt. Die Bescheinigung ist eine öffentliche Urkunde, die die Einlieferung der Sendung zur Post beweist. Der Einzahler wird daher einen von der Post ausgestellten Einlieferungsschein nicht aus der Hand geben. Es kann nun vorkommen, daß der Absender eine Einzahlung bei der Post dem Geldempfänger durch eine Unterlage glaubhaft nachweisen möchte, ohne hierzu den Posteinlieferungsschein hergeben zu wollen. 2n einein solchen Falle ist es zweck- mäßig, sogleich bei der Einlieferung der Sendung ein Doppel zum Einlieferungsschein ausfertigen zu lassen. Die Ausfertigungsgebühr ist sehr mäßig: sie beträgt nur 10 Pfennig. Die Benutzung der Einrichtung empfiehlt sich für die Geschäftswelt besonders bei Aufgabe von Zahlkarten, da der Brief mit dem Doppel des Einlieferungsscheins eher als der Kontoauszug mit der Gutschrift des Zahlkartenbetrags in die Hände des Empfängers gelangt. ** Aenderung der Vorschriften über Kleinkrafträder. Durch die Verordnung über Kraftfahrzeugverkehr vom 5. Dezember v. Zs. sind, abgesehen von sonstigen Aen- derungen. die Vorschriften über die Kleinkrafträder wesentlich abgeändert worden. Als Kleinkrafträder gelten nur noch solche Krafträder, bereit Steuernutzleistung die Grenze von 0,7 Pferdestärken (bei Sesselrädern 0,9 Pferdestärken) nicht übersteigt. Krafträder über dieser Pferdestärke, also auch die bisher nicht zulasfungs- pflichtigen und die bisher steuerfreien von 0.70 bis 0,75 Pferdestärken (Sefselräder von 0,90 bis 1,0 Pferdestärken) sind vom 1. März an zu-- lassungs- und steuerpflichtig. Ferner dürfen diese Räder nur noch von solchen Personen benutzt werden, die sich im 'Besitz eines Führerscheins (Klasse 1) befinden. Vom gleichen Tage an müssen alle Kleinkrafträder mit einem polizeilich abgestempelten Kennzeichen versehen fern. Das KreiSamt Gießen fordert im neuesten Arntsver- kündigungsblatt alle Besitzer von Kleinkrafträdern und solchen Krafträdern, die nicht bereits bisher behördlich zugelafsen und mit polizeilich abgestempeltem Kennzeichen versehen sind, auf, ihre Krafträder im Laufe des Monats Februar auf dem Kreisamt zur Kennzeichnung bzw. Zu- laffung und Versteuerung anzumelden. Bei der Anmeldung find alle Papiere, die über das Kraftrad vorhanden sind (Gutachten eineS sachverständigen »der Ttzpenbescheinigung), vorzulegen: ferner ist. soweit erforderlich, die Erteilung eines Führerscheins zu beantragen. Wer nach dem 1. März ein Kleinkraftrad ohne ordnungsgemäß polizeilich abgestempeltes Kennzeichen oder ein steuerpflichtig gewordenes Kraftrad ohne behördliche Zulassung und Versteuerung benützt, wird, abgesehen von der verwirkten Steuer- ftrafe. mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bestraft. ** Eine Wichtige Entscheidung für Landwirte. Eine Landwirtin war beim Verbringen des in der eigenen Landwirtschaft gewonnenen Getreides, das in der Hauswirtschaft verbraucht werden sollte, verunglückt. Die lanb* wirtschaftliche Berufsgenossenschast erblickte in dieser Verrichtung eine hauswirtschaftliche Tätigkeit und lehnte jede Entschädigung für den Unfall ab. Das Reichsversicherungsamt nahm indessen einen anderen Standpunkt ein und verurteilte die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zur gesetzlichen Entschädigungsleistung. rq. D b ft = und (dartenbauveretn für den Kreis Gießen. Die diesjährige Hauptver- sammlung des Vereins fand am Samstagnachmittag im vollbesetzten Saale des Hotel Kobel statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Regierungsrat Wolf, mar zu entnehmen, daß der Kreisausschuß dem Verein zur Hebung des Obst- und Gartenbaues im Kreise Gießen 300 Mk. überwiesen hat, damit aus diesen Mitein einzelne Lokalvereine unterstützt werden können. Die weiteren Ausführungen ergaben das unerfreuliche Bild unserer Lage auch auf diesem Gebiete der Volkswirtschaft. So konnte der seit Jahresfrist bereits erledigte, sehr wichtige Posten eines .Kreisobstbaulehrers immer noch nicht besetzt werden, weil die für diesen Zweck bewilligte Summe von 1500 Mk. zur Besoldung einer geschulten Kraft ungenügend ist. Damit im Zusammenhänge erlahmt das Interesse an gemeinsamer, intensiver Zusammenarbeit, so daß von den Gemeinden des Kreises nur noch 9 durch Zahlung des Beitrags ihre Zugehörigkeit zum Verein bekundet haben. Der Vorsitzende ermahnte zum engen Zusammenschluß zu Gruppen innerhalb der Gemeinden, um in der Praxis zu zeigen, wie einträglich der Obstbau fein kann, wenn er rationell betrieben wird. In dem darauffolgenden Vortrag des Landes-Obstbauinfpek- tors Pfeiffer (Darmstadt) über „neuzeitliche Maßnahmen zur Hebung des Obstbaues" gab der Redner eine ganze Reihe wertvoller Winke und beachtenswerter Gesichtspunkte. Im Anschluß an diese, durch reichen Beifall belohnten Ausführungen gab Kreisobftbauinspektor i. R. Heberer noch einige Anleitungen zum Verpacken von Obst infog. Nor- malkisten von 33—35 Pfund. In der Aussprache wurde mehrfach Kritik geübt am Zustande der Obst- pflanzungen an den Kreisstraßen, wobei der Gedanke zum Ausdruck kam, daß die Straßenpflan- zungen als eine Art öffentlicher Obstgarten geeignet seien, das Verständnis für Obstbau und Sorten- kenntnis in die weitesten Kreise des Volkes zu tragen. Es wäre darum angebracht, die Obstsorten durch Anbringen von Namen aus beigesetzten Steinen zu bezeichnen, wie das in einigen Gegenden Deutschlands bereits mit gutem Erfolge eingeführt ist. Herr ^oberer (Heuchelheim) teilte mit, daß alle Straßenbäume im Kreise fortlaufend numeriert seien, lieber ihre Erträge werde seit vielen Jahren Buch geführt, so daß man den Wert eines jeden Baumes daraus ersehen können. Einzelne Anstände, die sich hier und da zeigen, seien auf Geldmangel zurückzufuhren. Vom Vorsitzenden wurde ihre Beseitigung zugesichert, sofern sie ihm unter Angabe der Oertlichkeit mitgeteilt werden. Aus der Mitte der Versammlung wurde weiter auf den Nutzen der Singvögel aufmerksam gemacht und das Anbringen von Mttsenkästen mit 27 Ttittrmeter Fluglochöffnung angeregt. Als nächster Versammlungsort ist L i ch in Aussicht genommen. Eine Gratisverlofung von Obstbäumen und Beerensträuchern beschloß die Der sammlung. ** Austrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 1 Bulle, 2 Färfen und Kühe, 1193 Kälber, 597 Schafe und 297 Schweine. Kirche und Schule. Tagung der Dorfkircheuvorsteher in Altenstadt. ' Am Montag fand zu Alienstadt bic achte Tagung der Dorfkirchenvorsteher Oberbeff en« statt. Wie in Grvhen-Linden war das Thema „'Ser Sonntag“. Die Vortragenden waren dieselben. Sine besonders heimatliche Rote erhielt der Vortrag dadurch, daß Pfarrer Ran von Wallernhaufen den Gottesdienst hielt, der ein Sohn Altenstadts ist. Am Gottesdienst am Haupttag predigte Obcrhefsens Superintiendent. Oberkirchenrat Wagner, über die biblische Orunblage des Sonntags. Zn der Versammlung des Rachmittags waren über 200 Kirchenvorsteher anwesend, unter denen man auch eine Anzahl aus preußischen Gemeinden des Hanauer Landes gewahrte. Der Vortrag eines oberhessischen Dvrfkirchen- mann es wurde von einer inhaltsreichen 'Besprechung gefolgt, die in einer einhellig gefaßten Entschließung gipfelte Die oberhessische Dorfkirche kann mit Freude feststellcn, daß ihre 'Bewegung immer weitere Kreise zieht. Kirchliche Nachrichten« Israelitische Gemeinden. 3fr. ReligionSgemeinde. GotteSd. i. d. Synagoge (Südanlage). Samstag, 27. Februar 1926. Dorabd. 5.45, morgens 9.00, Gedenkfeier zu Ehren der ®e- fallenen, abds. 6.10 u. 6.50. Sonntag, 28. Februar. Purim. Vorabd. 6.50 und morg. 7.30. Gottesdienst der isr. ReligionSgefellschaft. Sabbatfeier, den 27. Februar 1926. Freitag abds. 5.35, Samstag norm. 8.30, Gedenkfeier für die im Weltkriege Gefallenen, nachm. 3.30, Sabbatausgang 6.50. Wochengottesdienst: Sonntag morg. 6.30, an den übrigen Tagen 6.45 und abds. 5.30. Rundfunk-Programm deS Frankfurter SeuderS. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 26. Februar. 3,30 bis 4 Ahr: Die Stunde der Iugeird. „Malermeister und Meistermaler“, Vortrag von Direktor Menne (für Kinder vom 13. Jahre ob). 4,15 bis 3,45 Uhr: Hausfrauennachmittag. Programm u. a.: „Die Krankenpflege als 'Beruf". Vortrag von Generaloberin Agnes Karll. 5,45 bis 6,15 Albt: Die Lesestunde (Briefliteratur): Aus den Briefen der Günderode. 6,15 bis 6,45 AIHr: „Der Zauber des Orients", Vortrag von Sh'. Schmalz. 6,45 bis 7,15 AIHr. Stunde der Vereinigung von Freunden der Kurmainzer Geschichte. „Der Mainzer Dom, Geschichte und Schicksal des Baues", Vortrag von Pros. Dr. E. Reeb. Direktor des Altertums-RklseumS bet Stadt Mainz. 7,15 bis 7,30 AIHr: Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimatkunde. 7,30 bis 7,45 Albt: Fürn-Wochenschau. 7,45 bis 8,15 AIHr: Italienischer Sprachunterricht. 8,15 bis 9,15 AIHr: Selten gehörte Werke von Johannes Brahms. 9,15 bis 10,15 Alhr: Heiterer Abend des Hausorchcsters. Tjpw/ßab echie Sodener Päslillen gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung Der Voranschlag der Gemeinde Roberts, laufen für das Rj. 1926 liegt vom 26. d. Alts. 1 Woche lang auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Frist vorgebracht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Rabertshausen, 25. Febr. 1926. Hessische Bürgermeisterei. Reichhardt. 1761V Hinterbliebenen Die tieftrauemden den 24. Februar 192 t. Staufenberg, Bingen a. Rh., Mainzlar, Die Beerdigung findet Freitag, den 26. Februar, nachmittags 21/, Uhr, statt. 17671) Schilling,dienen,Frktstr.23 Ruhr Besichtigen, stauneni kaufen! 4 PS OK. WSport26 Mo, MHli nachmittags 2 Uhr daaentechnik bezeichnet, ist unbedingt zu- ^erfteiaere ick im Löwen". Aeuenweg oerlasng und bient für alle Arten vock etgere tcy trn dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: __ Brüchen sowohl für Männer u. Frauen, als auch für Kinder, selbst im zartesten Alter. 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Fachpresse als eine Umwälzung auf dem Gebiet der Ban- Eiform Briketts, WWWle, iDüriamfte, dWsle zeim« isWiiseu u. MWlWen, verbrennen fast geruch- und rauchfrei und hinterlassen nur wenig Rückstände. Erhältlich in allen größeren Kohlenhandlungen. 90A Am 23. Februar verschied nach längerem Leiden meine Hebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Lina Pfaffenberger im Alter von 36 Jahren. im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Eduard Pfaffenberger. Gießen, den 25. Februar 1926. Die Beerdigung findet Freitag, den 26. Februar, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. 01316 2 Mebolitapparate, 1 Materialien- schrank, 2 Schreibtische, 1 Musikautomat, 1 kl. Schrank, 25 Flaschen Wein, vier Gasherde, 1 Küchenherd, verschiedene Lacke und 2 Kannen Sikkativ. Hebbel, Hess. Gerichtsvollzieher Dammstratze 24. 1774D »ML gegen gute Sicherheit u. höbe Zinsen auf V. Jahr zu leihen ME. Schriftltcke Angebote unter 01291 an den Gieß. Anzeiger. DniiiiniiiiiiiniiiüinininiD Heute morgen entschlief sanft meine hebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmuter Frau Marie Schlapp geb. Geißler im 78. Lebensjahre. Karl Wehrum und Frau Friedel Wehrum geb. Neul | geben ihre Vermählung bekannt Gießen, den 25. Februar 1926. r ....................r..ii.T....i„...tT.ittTtT,........... 177ip | Danksagung Zur Vollendung meines 80. Lebensjahres sind mir freund^ liche Glückwünsche, schöne Blumengrüße und andere Zeichen der Liebe und Verehrung in so großer Zahl zugegangen, daß es mir unmöglich ist, sie, wie ich gerne möchte, einzeln zu beantworten. Ich muß darum die gütigen Absender bitten, meinen herzlichsten Dank auf diesem Wege entgegennehmen zu wollen und zugleich die Versicherung, daß mir mein diesmaliger, durch sie so sehr verschönter Geburtstag unvergeßlich sein wird. Gießen, 24. Februar 1926 K. Strack, Kirchenrat .......................................................... 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"2>e miss Mner^gepsl, *) Die R< öfiommeliei, Sebiete der N< Landarbeiter zu den klassis der deutschen lieihe wertvo Zebiete schloss Jahrelang hat wissenschastlichi Jahre 1905 al „staatliche II Snapp die ®t metallischen 2 streng logische gen versuchte, bie maßgebeni schöpf der Rei angegrissen, v aeruhml, hat sruchtenb aus War das Dr logische Gedc zen zuMchi charatterlsiert, sagt: „Senn . trieben werde Praktiker kann soll es sogar.1 lotener Mallr bleibt“ Aber Rna ernste Forsche tur durch un baren Humor vollen Tischr wissenftaftliä >sch erinnere i Vereins für seiner.Toch,er Peck von Ma, auf bie Stabt werkte, daß, B habe er jedoch '"e'ster heirate, km vor allen iwen wa,. . j 70. ® \A l,l st'll Im Stie9 JmM" Togen m® Georg 1842 zu ®!e, jrf&j Aoll-k' daß ste 'h? ähnlich und den jK versi * *%« iCs ''eß die sollte < Sm k ■ nur iw,1 not) ren die Mai 5e#n' ;mb bie desha^ iein Studium I Arbeiten Kna? 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Klaffe, 55 53,89 fm; 9,72 fm; Kie ernftänune 4. Klasse, 28 15,45 fm; Kie crnstämme 2,25 fm; Fichtenftämme 1,18 fm; 5: Fichtenstämme 1,13 fm; Holzsubmission. Ans den Waldungen der Gemeinde Oppenrod soll folgendes Holz auf dem Sub- Nutzholz-Derkaus. im Jnferefsentenwolde zu Leidenhofen durch Schriftgebot am 1. Marz 1926. Eichenffämme 17 Eichcnstämme Kl. 3, 9,26 fm; 22 Eichenstämme Kl. 4, 20,30 fm; 9 Eichen- stamme Kl. 5, 12,54 fm (darunter befinden sich Stämme der Güteklasse A); 10 rm Eichenscheiter-Nutzholz (Küferholz, 1,2 und 1 m lang); 18 rm Eichcnpsahlholz; 1 Bu- chenftamm .Kl. 4, 1,21 fm; 4 Fichtenstämme Kl. la, 0,49 fm; 5 Fichtenftämme Kl. 1b, 1,44 fm; 3 Fichtenftämme Kl.2a, 1,9lfm; 1 Fichtenstamm Kl. 2b, 0,55 fm; 6 Fichtenstangen 1 Kl.; 11 Fichtenstangcn 2.Kl.; 6 Fichtenstangcn 3. Kl.; 12 Kiefernftämme Kl. la, 3,09 fm; 16 Kiefernftämme Kl. 2a, 7,08 fm; 5 Kiefernftämme Kl. 2b, 2,82 fm; 1 Kiefernstamm Kl. 3b, 1,54 fm; 7 Kiefernnuicholz, 3 m lang. Die näheren Bedingungen werden Termin bckanntgegebcu. Zwangsversteigerung Freitag, den 26. Februar bs. IS., von vormittags 9 Llhr ab, versteigere ich öffentlich gegen bare Zahlung in dem Fabrikgebäude der Süddeutschen Drill- mafchinenwerke In Pohl-Göns: Eine gröbere Partie Vorderräder für Drillmaschinen, eine große Partie Schrauben, Muttern, Nieten, Bretter u. sonstiges Altmaterial, Arbeiterkleider- schränke und eine Schreibmaschine. ,,„D Aerrnbrodt, Gerichtsvollzieher. 'Angebote find getrennt für vorstehende Klassen je Festmeter verschlossen mit der 'Aufschrift „Angebot auf Eichen und Fichten" bis spätestens am 1. Mär; d. 3„ nachmittags 3 Uhr, bei dem unterzeichneten 'Waldvorstande einzurcid;en, wo alsdann die Eröffnung der Offerten erfolgt. Die näheren Bedingungen liegen beim Wald. Vorstände offen und werden vor der Eröffnung bekanntgegeben. 1744D Leidenhofen (Post Ebsdorf, Kreis Marburg a. d. Lahn), 23. Febr. 1926. Der Waldvorftand. 3 n h n n H r i <» h r i <41 SU r << i fi Lichen: Zaunpfosten, 2,5 m lang Scheiter und Knüppel Reisig Buchen: Scheiter und Knüppel missionswege verkauft werden: Kiefernftämme 3. Klaffe, 14 3. Kla se, 90 Stück mit 50,83 4. Kla se, 9 Stück mit 8,11 l'. Kla le, I ctiid* mit 1,99 Fichtenftämme 2. Klasse, 62 Stück mit 36,49 3. Klaffe, 2 Stück mit 2,04 Gemeinschaftlicher Nutzholzverkauf dec Gemeinden Lbcrs-Göns, Nieder-Kleen und Oberkleen. Am Dienstag, 2. 2Härj 1926, von vormittags 10 Uhr ab, kommt in dem Rat- Saufc zu Ober-Klcen aus den Gemeinde ialoungen Ebers-Göns, Rieder-Kleen und Ober Kleen folgendes Nutzholz öffentlich ikteistbietend zum Berkalif: 1725D 1. Gemeindewald Lbers-Göns: 6 Eichenstämme Kl. 3, 3,81 fm; 7 Eichenstämme Kl. 4, 6,29 fm; 6 Eichenstämme Kl. 5. 8,32 fm; 1 Eichenstamm Kl. 6, 1,81 fm (darunter befinden sich Stämme der Güteklasse A); 4 rm Eichennutzschei- tcr (Küferholz), 1,2 und 1 m lang); 1 Buchenstankm Kl. 4, 1,33 fm; 32 Fich° tenstämme Kl. la, 4,03 fm; 21 Fichtenftämme Kl. lb, 5,09 fm; 6 Fichtenftämme Kl. 2a, 1,90 fm; 62 Fichtenstangen, 1. Kl.; 134 Fichtenstangen 2. Kl.; 1 Kiefernstamm Kl. la, 0,28 fm ;5 Kiefernftämme Kl. 2a, 2,15 fm; 21 Kiefernftämme Kl. 2b, 14,32 fm; 5 Kiefernftämme Kl. 3a, 3,59 fm; 4 .Kiefernftämme Kl. 3b, 4,25 fm; 1 Kie- fernftiunm Kl. 4a, 1,58 fm; 6 rm Nutzholz 3 m lang). 2. Gemeindemald Nieder-ktteen. 1 Eichenstamm Kl. 2, 0,31 fm; 21 Kic- jernftämme Kl. lb, 5,42 fm; 15 Kiefern- flämme Kl. 2a, 6,74 fm; 6 Kiefernftämme Kl. 2b, 4,35 fm; 1 Kiefernstamm Kl. 3a, 0,91 fm; 31 Fichtenstämme Kl. la, 3,98 fm; 20 Fichtenftämme Kl. lb, 5,15 fm; 60 Fichtenstangen KI. 1; 24 rm Kiefern- nutzscheitcr Kl. 2 (3 m hing). 3. Gemeindemald Ober kleen. Groß-Rechtenbach, 22. Febr. 1926. Der Bürgermeister. Schneider. Nadelholz: 31 rm Rollscheiter und Knüppel. Außerdem Distrikt Schinhecken: 1160 rm Durchforstungsreisig. rofdorf, den 22. Februar 1926. Der Bürgermeister. Das Holz ist entrindet. Der Kaufpreis ist pro Festmeter anzugebcn. Die Gebote sind nach Losen und Klassen getrennt zu halten und müssen bis Dienstag, 2. März 1926, nachmittags 2 Ahr, auf der unterzeichneten Bürgenckristerei eingereicht fein, wo in Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet. Die Kaufbedingun- gen werden vor der Eröffnung bekannt- gegeben; können auch vorher cingcsehen werden. 1738D Oppenrod, 23. Februar 1926. Bürgermeisterei Oppenrod. Kloos. rm Reisig und sonstiges welchholz: 18 rm Rollfcheit und Knüppel 35 rm Reisig Holzverkauf. Aus dem Gemeindewald krofdors- Gleiberg kommen am Montag, 1. März 1926, vormittags von 10 Uhr ab, bei Wirt Moos in Krofdorf öffentlich meistbietend zum Verkauf: 1745D Distrikt Seiles 7a, c, d, e Krokelberg 8d Steinbusch links 13a Leschewald 14a Seileshau 15b und Totalität Sonntag, den 28. Februar, 8V2 Uhr im Katholischen Vereinshaus fflz-tel-MtiMeier Mit wirkende: Gesangverein Eintracht Redner: Fritz Fey, Frankfurt am Main Zu zahlreichem Besuch ladet ein Republikanischer Frauenbund. 1766D Sehr aut möbl. arosteS Zimmer mit elektr. Licht ab 1. März z. nenn. oivts Zlaiserallce 24 II. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Ollünftcr für 1926 Otj. liegt vom 26. d. M. bis einschließlich 4. deS kommenden Monats aus unserem Bureau zur Einsicht offen, Innerhalb dieser Frist können bei unS Einwendungen vorgebracht werden. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmarker herangezogen werden. |1775D Münster, den 24. Februar 1926. Hess. Bürgermeisterei Münster. Seh. km. W jKl'n Zimmer frei. Tel. 1085. 1MrD NM! Simmet zu vermieten 01296 Steinstraste 5k m. MSbl. Simmet i m. elektr Lichtz-vrm. Goetbettr. 18 II. In meinem Hause in Nidda (Garn- brinuSl ist ein Laden mit Schaufenster fteifletuorbeu tt. als- bald anderweitig zu vermieten. [1747D Otto Abt. Nidda. Telephon 218. Vertriebs - Niederlassung. ■Qn (Siesten wird für pal. ^iedarssartikel nicht Vertreter oes. Nevorz. tu. Herren, d. bei Drogerien, Friseuren u. Parfümerien eingef. sind. Gr. Gewinnchancen. 200 b.300^crsordl.Ang. il ü. H. 1305 an Ann.- Exp. Btisoher&Sars S.m.b.H., Siegen l.W. 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Programme und Eintrittskarten zu 2 und 1 Mk. bei Ernst Ehallier u. abends an der Kaste. 01089 lllllllllllllllllllllllllllllllllllf iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiit Nr. 47 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 25. Ze'oruar 1926 ........... । Bi,MBI—— W IBIIWI ■■!!!■ IUI i—TI------- ' ' ' --———~■ Georg Friedrich Knapp. Von Dr. P. Mombert, erb. Professor der Staatswissenschaften an der Universität Gießen. Im Alter von fast 84 Jahren ist vor wenigen Tagen in Darmstadt der bekannte Nationalökonom Georg Friedrich Knapp gestorben. Er ist am 7. März 1842 zu Gießen geboren worden. Sein Vater L. F. Knapp, ein bekannter Forscher auf dem Gebiete der chemischen Technologie, war damals Professor an der Universität in Gießen, seine Mutter war eine Schwester von Justus von Liebigs. Von ihr hat Schmoller, der sie noch persönlich kannte, gesagt, daß sie ihrem großen Bruder körperlich und geistig ähnlich und ebenbürtig gewesen sei. So haben also den jetzt verstorbenen Nationalökonomen enge Bande mit Gießen verknüpft und in der Festrede, die er am 11. März 1903 in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zum 100jährigen Geburtstage Liebigs gehalten hat, finden sich manche wertvollen Züge und Erinnerungen an ihn und das alte Gießen*). G. F. Knapp gehörte einer Generation von deutschen Nationalökonomen an, von denen jetzt nur noch Lujo Brentano unter den Lebenden weilt. Es waren die Männer, die im Gegensatz zu der bis dahin in Deutschland herrschenden Manchesterschule das wirtschaftliche Leben in seiner Entwicklung und seiner wirklichen Gestaltung kennen lernen wollten und die deshalb auf induktiv-historischen Wegen an sein Studium herangingen. So liegen auch die ersten Arbeiten Knapps auf statistischem Gebiete. Vom Jahre 1874 ab wandte er sich anderen Problemen zu, aber immer mit dem Streben, das Leben in seiner vollen Realität zu erfassen. Es waren zwei große Gebiete, denen von jetzt ab seine Forschungen gewidmet waren und deren Ergebnisse er es zu verdanken hatte, daß sein Name weit über die Grenzen Deutschlands hinaus einen so guten Klang besaß. Das eine war das Gebiet der Agrargeschichte, das andere dasjenige der Lehre vom Geld. Im Jahre 1887 erschien auf eingehenden archivalischen Studien aufgebaut, sein großes zweibändiges Werk „Die Bauernbefreiung und der Ursprung der Landarbeiter in den älteren Teilen Preußens", das zu den klassischen Leistungen der historischen Schule der deutschen Nationalökonomie zu rechnen ist. Eine Reihe wertvoller, kleinerer Arbeiten aus demselben Gebiete schlossen sich dann diesem großen Werke an. Jahrelang hat er dann nichts mehr von größeren wissenschaftlichen Werken veröffentlicht, bis dann im Jahre 1905 als Ergebnis langjähriger Studien die „Staatliche Theorie des Geldes" erschien, mit der Knapp die Grundlagen der bis dahin herrschenden metallischen Theorie des Geldes angriff und in streng logischer Darstellung den Beweis zu erbringen versuchte, daß dem Staat dem Gelde gegenüber die maßgebende Rolle zufalle, daß das Geld ein Geschöpf der Rechtsordnung sei. Von den einen scharf angegriffen, von anderen dieser Leistung wegen viel gerühmt, hat Knapp mit diesem Buche überaus befruchtend auf die ganze Lehre vom Gelds eingewirkt. Was das Buch vor allem auszeichnet, ist der streng logische Gedankengang, der vor keinen Konsequenzen zurückschreckt. Niemand hat diese Leistung besser charakterisiert, als Knapp selbst, wenn er im Vorwort sagt: „Denn eine Theorie muß auf die Spitze getrieben werden, sonst ist sie ganz wertlos. Der Praktiker kann sich mit Halbheiten begnügen und er soll es sogar. Der Theoretiker hingegen ist ein verlorener Marin, wenn er in Halbheiten befangen bleibt." Aber Knapp war nicht nur der gründliche und ernste Forscher, er war auch eine künstlerische Natur durch und durch und hat über einen wunderbaren Humor verfügt, der vor allem bei den prachtvollen Tischreden zum Ausdruck kam, die er bei wissenschaftlichen Kongressen so oft gehalten hat. Ich erinnere mich noch, wie er bei dem Festessen des Vereins für Sozialpolitik in Mannheim, zwischen seiner.Tochter und dem damaligen Oberbürgermeister Beck von Mannheim sitzend, bei einer Rede, die er auf die Stadt und ihren Oberbürgermeister hielt, bemerkte, daß, wenn er eine Tochter besäße — leider habe er jedoch keine — diese nur einen Bürgermeister heiraten dürfe. Seine künstlerische Begabung kam vor allem in dem prachtvollen Stil und den plastischen Bildern zum Ausdruck, die feine Schriften und Reden auszeichnen. Man kann das nicht besser dartun, als wenn man den toten Gelehrten noch einmal zu Worte kommen läßt. In der Gedenkrede auf Erwin Nasse, der niemals große Lehrbücher, aber eine Reihe tiefgründiger Abhandlungen veröffentlicht hatte, hat Knapp über die Art des wissenschaftlichen Arbeitens das Folgende gesagt: „Die wissenschaftliche Abhandlung —' möchte sie immer gepflegt und geachtet bleiben, denn auf ihr *) Die Rede ist jetzt abgedruckt in G. F. Knapps gesammelten Schriften „Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie". München 1925. Karl Lamprecht. Zum 70. Geburtstag, am 25. Februar. Von Dr. Alfred Weife. Es ist still geworden um Karl Lamprecht, seit der Krieg ihn uns, viel zu früh, in den Frühlingstagen 1915 entriß. Dabei war dieser Gelehrte eines jener Kraftzentren deutschen Geisteslebens, dessen Strahlungen in die weite Welt gingen und von ihr mit wachsender Anteilnahme erwidert wurden. Gehörte der Leipziger Kulturhistoriker doch zu jenen nicht eben häufigen Denkern, auf die der geopolitische Satz zutrifft, daß sie in Kontinenten dachten. Synthetiker aus innerster Berufung, mußte er im Zeitalter vorherrschenden Spezialistentums immer wieder erfahren, wie unbequem man ihn dort meist empfand, obwohl die Gesamtheit der Kulturwissenschaften darauf hindrängte, die im 19. Jahrhundert erarbeiteten Tatsaä^nmassen in fruchtbarer Synthese verarbeitet zu sehen. Lamprecht hatte diesen Mut zur Ueberschau und Einordnung des bisher Geleisteten in große Zusammenhänge und stellte in feiner vielbändigen „Deutschen Geschichte" ein gewiß sehr eigenwüchsiges, in Einzelfragen nicht immer stichhaltiges Werk in die Öffentlichkeit, aber er handelte, handelte unbeirrt, während eine Sturmflut von Kampfschriften seinen Weg kreuzte und Erwiderung heischte und fand. Es ließ ihm keine Ruhe, den geschichtlich bedingten Vorsprung der Naturwissenschaften als gottgewollte Selbstverständlichkeit hinzunehmen und die Formlosigkeit der Kulturwissenschaften zu verewigen. Er suchte nach Gesetzmäßigkeit im Ablauf der Geschehnisse und wurde nicht müde, Ansatzpunkte seines oordringenden Erkennens ausfindig zu machen, soweit der Stand der Wissenschast sie ihm nur immer bieten Tonnte. Wo und wie oft er bei diesem Unterfangen fehlte, ist gegenüber der beruht recht eigentlich die Wissenschaft! Woher soll das Lehrbuch seinen Stofs nehmen, wenn nicht aus der Abhandlung? Sie hat zwei mächtige Nebenbuhler: den deutschen Aufsatz, fürs Bedürfnis des Tages geschrieben, in Wochenblättern veröffentlicht, der dies ober jenes mehr oder minder „betont" und schließlich doch alles beim Alten läßt: und höher im Rang, die Rede des großen Stils, die uns mächtig erregt, Gefühl und Phantasie in Wallung bringt, aber doch mehr auf das Handeln der Hörer als auf ihre Erkenntnis wirken will und wirken soll. Beide nebenbuhlerische Kunstformen, Aufsatz und'Rede, werden in weiten Kreisen genossen und gewürdigt: aber die Abhandlung, die dritte und die bescheidenste in diesem Bunde, ist schlimm daran: sie spricht zum Verstand — und wer da auf ausgebreitete Wirkung hofft, der hat noch keine Abhandlung geschrieben." „Wie ein warmer Wind, der vom Süden her über die Alpen stürzt und über Nacht auf weiten Flächen die Schneedecke schmelzt, so wirkt die gewaltige Rede. Aber das Wetter schlägt um und ein einziger Tag genügt, so ist hie Straße über den St. Gotthard roieber tief verschneit und bleibt es, bis bas Wun- ber des Föhns sich erneuert. Dagegen sieht man an der Felswand bei Göschenen einen runden schwarzen Fleck, den Eingang einer künstlichen Höhle; im Hintergründe derselben arbeitet, von außen unbemerkt, eine Stoßmaschine, welche stählerne Meißel ins Gestein treibt; der Schutt, den die Pulversprengungen liefern, wird mühsam nach hinten abgeräumt. Nach einigen Jahren emsiger, heimlicher Arbeit'öffnet der langersehnte Durchschlag eine Straße nach dem sonnigen Italien, die nicht mehr verweht werden kann und so fest steht, wie der Fels, durch den sie führt. Die langsame Bohrarbeit der Wissenschaft kommt nirgends anders als in der Abhandlung zum Vorschein. Undankbarer Reisender, der du bei der Fahrt durch den Tunnel schläfst; undankbarer Leser von Lehrbüchern, der du zwar nicht gerade schläfst, — denkst du immer in deiner Behaglichkeit an die Forscherarbeit, die einem solchen Werke vorangegangen sein muß?" G. F. Knapp, dem die ökonomische Wissenschaft so vieles verdankt, hat beide Gaben in sich vereinigt. „Die langsame Bohrarbeit der Wissenschaft" findet sich in seinen großen Werken und in zahlreichen Abhandlungen, und daß er auch über die Kunst der Rede großen Stiles verfügt hat, das wissen alle diejenigen, die ihn einmal als Redner hören dursten. Griechische Eindrücke. Von unserem I. B.-Korrespondenten. Athen, Mitte Februar 1926. Vom Aufschwung des Piraeus, des Haupt- Hafens Griechenlands, wissen die Griechen Wunder zu erzählen. Bevölkerung und Handel sollen sich verdoppelt haben. Aber nichts verrät den Reichtum dieser Stadt. Die niederen, ungepflegten Häuser, die meist mehr als ärmlich gekleideten Menschen, und vorzüglich der unbeschreibliche, grauenhafte Schmutz in den Straßen, lassen die Vorstellung eines blühenden Handelsemporiums nicht recht aufkommen. Trotzdem beweist die griechische Statistik, daß wenigstens in diesem Falle der Schein trügt. Ich und meine Familie waren ihnen gleich verdächtig erschienen, den Schergen des griechischen DiktatorsP a n g a l o s , welche sich selbst als Hafenpolizei des Piraeus bezeichnen. Unsere Reisegesellschaft war vielleicht auch etwas sonderbar: Ein offenbarer Europäer mit einem türkischen Namen — meine Wenigkeit, eine verschleierte Dame mit einem kleinen Mädchen — meine Frau mit Tochter, ein junger Mann in Tscherkessen-Uniform — mein Schwager und schließlich eine, die Ungläubigen mit unfreundlichen Blicken betrachtende Negerin — unser aus dem Serail des letzten Osmanensuktans stammendes Kindermädchen. Trotzdem unsere Papiere in Ordnung waren, wurden unsere Sachen wüst und resultatlos durcheinandergewühlt, wir schließlich einer ebenfalls resultatlos verlaufenen Leibesvisitation unterworfen. Die Prozedur war einerseits brutal genug, um peinliche Empfindungen auszulösen, andererseits viel zu wenig methodisch und genau, um wirklich etwas zu finden, wenn wir etwas zu verbergen gehabt hätten. Schließlich mußten wir mit einem Auto zu einer besonderen Polizeiabteilung, einer Art „T s ch e k a", welche Pangalos zur Aufdeckung, gegen seine Diktatur gerichteter Verschwörungen kürzlich neu eingerichtet hat, fahren, wo wir einem Verhör unterzogen wurden. Ob ich türkischer Offizier gewesen fei, gegen die Griechen gekämpft hätte und was an solchen Polizistenfragen nur auszudenken war, wurde mir vorgesetzt, bis schließlich der über meine Sitte oer- ständigte.Selretär der „Vereinigung der ausländischen Presse" aus Athen ankam, der eine klassische Philippika losließ, in welcher er ausführte, daß ich ein bekannter Journalist sei und daß wegen dieses Fülle ungeahnter Anregungen, die es zeitigte, wirklich zu verschmerzen. Indessen ist auch über seinem Grabe der Streit der Kämpser für und wider nicht verstummt, sichtbarster Ausdruck seiner bis heute nicht abzuschätzenden Bedeutung für die Weiterentwicklung der historischen Gesamtwisienschaft. Vieles, was die engeren Fachgenossen Lamprechts noch vor Jahren belächelten, so etwa, wenn er von „seelischer Gesamthaltung" eines Volkes, eines Zeitalters sprach, ist Gemeingut weitester Kreise der Gebildeten geworden, nur nennt man es heute vielleicht modischer, aber darum nicht deutscher „Mentalität". Lamprechts Stellung im Geistesleben des wohlhabenden und geachteten, um nicht zu sagen gefürchteten Dorkriegs-Deutschland schattete weit, im ideellen wie materiellen Sinne. Von quellen- kritischer Einzelforschung bis zu vergleichender Betrachtung ganzer Kulturen, von weitausschauenden Plänen sür die Schafsung einer Walduniversität Leipzig bis zu den Fragen internationaler Hochschulpädagogik und Studentenorganisation, von tätiger Stellungnahme zu allen Nöten deutscher Kulturpolitik bis zu den gegenständlichen Beauftragungen dieser Art seitens des Reiches spannte sich Lamprechts Tätigkeitsfeld. Immer war es lebensvolle Wissenschaft, die er bot, stets fühlte er sich als Historiker mitverantwortlich am Schicksal der Nation. Denn größer, unendlich größer als der Wissenschaftler Lamprecht war sein Menschentum. Die tiefe Güte, die er jedem ernsthaften Wollen entgegentrug, dieses Zeithaben und Zuhörenkönnen inmitten eines übervollen Arbeitstages, das starke Ethos aller seiner Lebensäußerungen sind Werte, unvergeßlich jedem, der das Glück hatte, ihm entgegenzutreten oder gar an seiner Seite zu arbeiten. Wenn er seine Studenten bei schwierigen Problemstellungen zu eigener Stellungnahme aufforderte: „Nun, meine Herren, springen Sie über mich hin Zwischenfalles die „ganze Welt" schlecht von den Söhnen des Perikles reden würde. Was den Erfolg hatte, daß man sich entschuldigte, und uns unseres Weges ziehen ließ. Athen ist eine Stadt mit einer Anzahl teilweise^ recht hübscher, teilweise weniger hübscher, aber sich ourch eine fieberhafte Bautätigkeit rasch aus- breitender Vorstädte. Die Stadt selbst, ein Zentrum mit hohen Gebäuden, eleganten Straßen, eine typische „C i t y" fehlt. Alles erscheint unmotiviert auseinandergezerrt, wenige Häuser erreichen die zweite Etage. Auch die zahlreichen Neubauten scheuen die vertikale Entwicklung. Gesamteindruck: Provinzstadt auf dem Balkan. Straßenreinigung scheint man nicht zu kennen, — wenigstens sah ich nichts dergleichen. Athen steht in dieser Hinsicht weit hinter dem, einen recht schlechten Ruf besitzenden Kdnstantinopel zurück. Die Folge ist eine durch die Bautätigkeit noch vermehrte geradezu unerträgliche Staubplage. Es wurde mir versichert, daß dies demnächst anders würde, da eine amerikanische Firma eine Nutzwasserleitung vom Hafen nach Athen bauen werde, welche vorzüglich der Straßenreinigung dienen soll. Der Plan ist alt und bisher eine Hoffnung geblieben. Einen vorzüglichen, abretten Eindruck machen die von englischen Instruktoren ausgebildeten Straßenpolizisten, welche gegen Fremde sehr höflich sind und meist etwas französisch oder eine andere europäische Sprache sprechen. Auch das Militär, soweit man es in den Straßen der Hauptstadt zu sehen kriegt, ist sauber und fast kokett angezogen. Im übrigen sieht es möglichst unmilitärisch aus. Soldatischer Gleichschritt stößt auf unüberwindliche Schwierigkeiten und geschlossen marschierende Truppen laufen im Herdentrab durch die Straßen, einigermaßen an die heitere „freiwillige Feuerwehr" Konstantinopels, an die sogenannten Tulumbdschi erinnernd. Der Gesamteindruck dieser Armee wird dadurch nicht kriegerischer, daß die Schildwachen der sogenannten Evzonen, der griechischen „Bersaglieri" in ihrem Ballerinenröck- chen, ihrem Fez mit bis zum Rückenende herabhängender Troddel und ihren Pantoffeln mit den ungeheuren, wollenen Pompons an der Fußspitze, jedesmal wenn ein OffizieT vorübergeht, das Gewehr auf den Boden stoßen, daß es in allen Bestandteilen nur so flirrt, was einem alten Soldaten ebenso wehe tut, wie der Anblick eines auf Granitpflaster galoppierenden Reiters. Der Friede von Lausanne brachte Griechenland zwar den Verlust seiner kurzen kleinasiatischen Besitzherrlichkeit, aber den Zustrom hunderttaufender anatolischer Griechen, welche, wie bekannt allerdings gegen etwa eine gleiche Anzahl in Griechenland ansässiger Türken ausgetauscht wurden. Aber während die letzteren fast ausschließlich Grundbesitzer waren, welche ihre Felder, Häuser usw. nicht in die neue Heimat mitnehmen konnten — um die vorgesehene Barentschädigung wurden sie meist teilweise oder ganz geprellt — waren die anato- lischen Griechen zum größten Teil Kaufleute, Unternehmer u. dgl., welche ihr Vermögen zu exportieren vermochten. Wohl bedeutete die Fürsorge für den ärmeren Teil dieser Einwanderer der griechischen Regierung eine gewisse Last, jedoch der wohlhabende größere Teil brachte einen Zustrom reichlichen Kapitals, welches nach Beschäftigung suchte —, abgesehen von verschiedenen Erwerbszweigen, wie Teppichindustrie usw., welche die anatolifdjen Griechen nach Hellas verpflanzten und die hier rasch zur Blüte gelangten. Dieser plötzliche Kapitalzustrom brachte aber auch ein Gründungsfieber, dessen erste verderbliche Folgen sich zu zeigen beginnen. Die volkswirtschaftliche Kraft des kleinen Landes reicht nicht aus, das neuerdings feftgclegte Kapital zu rentieren und den durch eine progressiv passive Handelsbilanz verursachten Tribut an das Ausland zu verzinsen. Heute sind die meisten Achener noch ungeheuer stolz darauf, daß ihre Hauptstadt in wenigen Jahren ihre Einwohnerzahl mehr als verdoppelte oder daß die Zahl der hauptstädtischen Autos im letzten Monat von 10 000 auf 11500 schnellte. „Ganz amerikanisch", pflegen sie zu sagen. Aber die Ahnenden fürchten das Erwachen, denn die Handelsbilanz wird immer schlimmer und die Drachme fällt und wird im Sturz ins Unendliche nur manchmal durch recht radikale Hilfsmittel aufgehalten. * Eines Morgens wachte man ahnungslos auf und war um ein Viertel (eines Vermögens ärmer. Pangalos, der Diktator, hatte über Nacht eine Zwangsanleihe eingeführt. Von jeder griechischen Geldnöte mußte man ein Drittel abschneiden. Der größere Rest galt nunmehr 75 Proz. des Nennwertes. Der kleinere Abschnitt sollte innerhalb einer gewissen Frist gegen verzinsliche Staatsschuldscheine bei der Nationalbank eingetauscht werden können. Vorläufig lösten ihn nur die Geldwechsler auf der Straße mit einem Abzug von 40—50 Proz. ein. Pangalos hat auf diese Weise ein Viertel der schwebenden Schuld in konsolidierte Schuld verwandelt. Einfach und praktisch. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, daß vor einigen Jahren ein kon- stantinischer Finanzminster wegen desselben Manövers erschossen wurde und daß es damals Generals Pangalos und feine Freunde waren, die feinen Kopf gefordert haben. * Der erste Tag der Zwangsanleihe brachte den Fremden noch eine andere Ueberraschung. Pangalos bestimmte, daß für den Besuch der Akropolis Ausländer ein Eintrittsgeld von einem halben englischen Pfund zu bezahlen hätten. Das ist aus mehr al5 einem Grunde skandalös. Denn schließlich sind die ehrwürdigen Zeugen der griechischen Antike Gemeingut aller Kulturvölker und nicht Privateigentum der habgierigen hellenischen Epigonen. Uebri- gens ist das Leben für den Fremden nicht so teuer. Ein Zimmer in einem guten Hotel mittleren Ranges kostet etwa 40 Drachmen. Für denselben Preis kann man sehr gut Mittag essen. Autotaxen sind ebenfalls ziemlich billig; ich bezahlte für eine Fahrt von Athen nach dem Piraeus mit Gepäck 150 Drachmen. Der Weg nach Aegypten über Athen ist übrigens für Reifende aus Nord- und Mitteleuropa einschließlich Holland und Polen bequem und wohl der weitaus billigste. Die recht guten griechischen Dampfer nehmen für die Reise Piraeus—Kairo in der ersten Klasse 1400 Drachmen. * Ich wurde gewarnt, mit dem Kalpak auf dem Kopse mich in die athenischen Emigrantenviertel zu begeben, da der Haß der anatolischen Griechen gegen alles Türkische sicher zum Ausdruck kommen werde. Ich ging dennoch und stellte fest, daß ich von allen möglichen Leuten freudestrahlend in türkischer Sprache angesprochen wurde. Alle erklärten, sie würden gerne wieder nach der Türkei zurückkehren, wo sich viel mehr verdienen ließe. Die Mißhandlungen, welchen sie, nach Berichten der griechischen Propaganda, angeblich ausgesetzt waren, schienen sie vergessen zu haben. Der Weg zum Offizier im Reichsheer. Von unserem militärischen Mitarbeiter. „Ein Zugführer braucht kein Stratege zu sein. .Leutnantsdienst' zu tun heißt, seinen Leuten vor- fterben. Wer ein ganzer Kerl ist, braucht nur ein wenig Handwerk zu lernen." So sagt der junge Kriegsfreiwillige in dem Kriegsroman von Walther Flex. Und der kriegserfahrene, bedächtige Ernst Warche gibt ihm zur Antwort: „Leutnantsdienst tun heißt, seinen Leuten Vorleben. Das Vorsterben ist dann wohl nur' einmal ein Teil davon, aber drs schönere bleibt das Vorleben, es ist auch schwerer." Schöner kann das Wesen des Offiziersberufs nicht zum Ausdruck gebracht werden. Denn in der Tat ist das erste Erfordernis für einen Offizier wie überhaupt für jeden Führer: Die Persönlichkeit. Nach dem Wehrgesetz steht jedem Angehörigen der Wehrmacht und damit jedem unbescholtenen Deutschen nach Maßgabe seiner Fähigkeit der Weg zu den höchsten Stellen im Heere offen. Der Dffi- I ziersberus erfordert aber eine solche Reihe besonderer Eigenschaften, daß nur einige ihm voll ge= | wachsen sein werden. Grundbedingung ist eine aanBsamaasnuninBmMnsE durch nichts zu trübende Freude am Beruf, am Soldatenhandwerk, am Führerturn. Es ist klar, daß auf allen Gebieten des rein militärischen Wissens und Könnens der Führer feinen Untergebenen überlegen fein muß. Ueberficht über das Ganze, schneller Entschluß sind weitere Eigenschaften, ohne die ein Offizier nicht denkbar ist. Unbeugsam und mit Geschick ist für die Durchführung der gegebenen Befehle zu sorgen. Der Soldat muß fühlen, daß dem Auge des Offiziers nichts entgeht, und daß alle Fäden in feiner Hand zusammenlaufen. Da der Soldat dem Führer in jeder Beziehung und zu jeder Zeit untersteht, so ergibt sich, daß der Führer auch für das persönliche Leven seines Untergebenen verantwortlich ist. Der Offizier muß daher auch in der Seelenkunde Bescheid wissen. Nichts darf ihm unbekannt bleiben, keine Sorge seiner Untergebenen, kein Interesse, das der Leitung und Förderung bedarf. Jedoch nicht nur in den äußeren Angelegenheiten muß er ihnen Berater und Helfer fein tönnen, sondern vor allem auch in den weg!" und dazu ermunternd lachte, ober einem historisch nicht vorgebildeten Publikum die Größe des Reiches Kaiser Karls V. unter dem Bilde eines großen Bernhardiners begreiflich machte, „der durch die Hundewelt geht", immer war Sonne um Lamprecht, umspielt von Humor. An Erfolgen hat es ihm nicht gemangelt, drei Ausland-Univerfitäten (St. Andrew, Columbia, Oslo-Christiania) verliehen ihm das Chrendoktorat, in der englisch sprechenden Welt und in Dftafien war fein Name saft so bekannt wie daheim und sicher mehr geachtet. Reisen und Gastvorträge führten ihn in die Länder diesseits und jenseits des Atlantik, eine mehrjährige Vorlesungsperiode in Dftafien war geplant. 1909, zur Fünfhundertjahrfeier der ßeipAiger Universität, überraschte er die wissenschaftliche Welt durch sein großzügiges Institut für Kultur- und Universalgeschichte, dem er 1913 ein Forschungsinstitut angliederte, beide die ersten ihrer Art, währen die erste Weltausstellung für Buchgewerbe und 'Graphik, die Leipziger Bugra, ihm 1914 Gelegenheit bot, in der „Halle der Kultur" und ihrer psychogenetischen „Grundausstellung" sein Wollen auch bildhaft vor Augen zu führen. Da brach der Krieg aus, den er längst hatte kommen sehen, und der seine im besten Sinne menschheitlichen Ziele am schwersten traf. Kaiser und Reich beriefen ihn alsbald zu kulturpolitischer Arbeit in die kriegs- besetzten Gebiete zunächst der Westfront; mit heißer Anteilnahme leistete er die ebenso ehrenvolle wie aufreibende Arbeit. Kaum daß er sie abschließen konnte, riß ihn eine Leukämie jäh hinweg. „In serviendo consumor“, hätte er mit dem Großen Kurfürsten auch von sich sagen können. Nun ruht er schon zehn Jahre im Schatten der Buchen von Psorta, der Stelle, wohin er seine Studenten immer am liebsten führte: sein Streben aber lebt in seinen Leipziger Instituten. Alfred Biese. 2lm 25. Februar vollendet der in weiten Kreisen bekannte und geschätzte Literarhistoriker und Pädagoge Geheimer Studienrat Prof. Dr, Alfred Diese in Frankfurt a. M. sein 70. Lebensjahr. Biese wurde als Sohn des Aristotelikers und Hegelianers Franz D. in Putbus auf Rügen geboren. Seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er auf den Universitäten Bonn, Greifswald und Kiel. Rach seiner Promotion (1878) wirkte Biese als Lehrer in Kiel, Schleswig und Koblenz, wurde Ghmnasial- direktor in Reuwied und endlich in Frankfurt am Main, wo er jetzt im Ruhestände lebt. Bon den zahlreichen Arbeiten aus seiner Feder verdienen besonders hervorgehoben zu werden: Entwicklung des Raturgefühls bei den Griechen und Römern (82/84; Bd. ll: in Mittelalter und Reuzeit, 2. A. 91): Philosophie des Metaphorischen (93); Pädagogik und Poesie (Bd. l: 99. 2. QI. 08; II: 05, III: 13); Deutsche Literaturgeschichte (drei Bände 07/10, 23 Auflagen): Theodor Storm (3. A. 21) und eine Ausgabe der sämtlichen Werke von Theodor Storm (3. QI. 22). — Wer heute den Ramen Alfred Biese hört, denkt zuerst an die Literaturgeschichte, die, wie schon die Auflagenzahl andeutet, zu einem wirkliHen Hausbuche des deutschen Bolkes geworden ist. Wer aber das Glück und die Freude hatte, zu seinen Schülern zu gehören, wird wissen, was er dem feinsinnigen Menschen und seltenen Pädagogen verdankt und sich im Gedenken an seine Lehrjahre den herzlichen Wünschen anschließen, die wohl heute aus ganz Deutschland zu Alfred Biese dringen und ihn grüßen: in raultos annosl Fragen des Gemüts. Er muß imstande sein, sich über alles ein Urteil zu bilden. Es darf auf dem Gebiete des geistigen, seelischen und künstlerischen Lebens nichts geben, wo der Offizier nicht seinen Leuten ein Führer oder mindestens ein verständnisvoller Kamerad sein kann. Der Offizier muß in jeder Beziehung dem Soldaten ein Vorbild sein. Es ist demnach kein Zweifel, daß der Offizier zu den Gebildeten seiner Zeit gehören, die beste Schule durchgemocht haben muß. Sein äußeres Leben ist reich an Entbehrungen. Kein Mensch verfügt so wenig über seine Zeit wie der Offizier, der Tag und Nacht und an jedem Ort im Dienste des Vaterlandes steht. Sein äußerer Lohn ist sehr gering. Die Stellung des Offiziers in Staat und Gesellschaft war durch die Revolution erschüttert und äußerlich noch nicht wieder ganz die alte. Man muß also schon völlig frei sein von der Jagd nach äußeren Gütern, von der Sucht, in der Welt eine besondere Rolle zu spielen, wenn man Offizier fein will. Der einzige Lohn des Offiziers- berufes besteht in dem Bewußtsein, durch seine Arbeit dem Baterlande zu dienen, dem entwürdigten und mißachteten Staate wieder aufzul)elfen und der deutschen Jugend Ideale nahe zu bringen, denen sie in unserer Zeit des Materialismus außerhalb der Schule nur selten begegnet. Aus allen diesen Forderungen ergibt sich, daß der Offizier nicht zu jung sein darf. Rur ganz selten wird ein Mann, ehe er das 22. Lebensjahr erreicht hat, die nötige Menschenkenntnis und Lebenserfahrung vesitzen, um andere zu führen. Bei einem Söldnerheere, in dem die größere Anzahl der Mannschaften älter ist als der junge Offizier, fällt das Lebensalter doppelt ins Gewicht. Es kann daher heute fein Wehrmachtsangehöriger vor Vollendung des 22. Lebensjahres Offizier werden. Im einzelnen gestaltet sich der Weg bis zum Offizier folgendermaßen: Wer die Absicht hat, Offizier zu werden, meldet sich wie jeder andere Freiwillige bei dem Truppenteil der Waffengattung und in dem Standort, die ihm aufagen. Der günstigste Einstellungstermin ist der 1. April. Voraussetzung für die Einstellung ist körperliche Tauglichkeit — es werden sehr hohe Anforderungen gestellt —, Unbescholtenheit, Mindestgröße von 1,56 Meter. Vor dem 17. und auch nach dem 23. Lebensjahr kann keine, Einstellung mehr erfolgen. Die Freiwilligen habe- sich zu einer Dienstzeit von 12 Jahren zu verpflichten. An Papieren haben sie vorzulegen: Geburtszeugnis, polizeiliches Führungszeugnis, mit polizeilich abgestempeltem Lichtbild, Schulzeugnisse, gegebenenfalls Zeugnisse der Arbeitgeber, möglichst für die letzten zwei Jahre, Freiwillige unter 21 Jahren müssen außerdem die amtlich beglaubigte Einwilligung des gesetzlichen Vertreters, Vaters oder Vormundes, zum zwölfjährigen Dienst im S)eere vorlegen. Unbedingt anzuraten ist, daß nur Freiwillige, die das Reifezeugnis einer neunflaffigen höheren Lehranstalt besitzen, die Offizierslaufbohn ein- schlaaen. Alle anderen mit und ohne Primareife tun bei der übergroßen Konkurrenz außerordentlich schwer, das verlangte Ziel zu erreichen und sind im günstigsten Falle stets durch ein höheres Lebensalter gegenüber den mit ihnen gleichzeitig ein- getretenen Abiturienten benachteiligt, wenn sie einmal Offizier geworden sind. Das dienslliche Leben desjenigen Freiwilligen, der mit der Absicht. die Offizierslaufbahn einzuschlagen, eingetreten ist, unterscheidet sich in nichts von dem der anderen Freiwilligen. Er wohnt zunächst mit ihnen auf einer Mannschaftsstube und wird in keiner Weise bevorzugt. Naturgemäß wird er von Anfang an besonders scharf beobachtet und erhält frühzeitig neben dem übrigen Dienst eine Sonder- ausbildung, die ihn auf die sogenannte Fahnen- junksrprüfung vorbereitet. Die Abiturienten können nach 1| Jahren Dienstzeit zu dieser alljählich im Jtvi stattfindenden Prüfung zuaelassen werden. Die anderen haben in zwei wissenschaftlichen Prüfungen de^ Nachweis einer etwa den Anforderungen der Reifeprüfung entsprechenden Bildung zu erbringen. Dre Fahnenj^nkerprüfung ist eine rein militärische Prüfung. In ihrem theoretischen Teil werden die Kenntnisse verlangt, über die ein Gruppen- oder Beritt- oder Gelchützführer verfügen muß. Im praktischen Teil werden an die körperlichen Leistungsfähigkeit der Anwäter bedeutende Anforderungen gestellt: 100-Meter-Laus in 14 Sekunden, 1,30 Meter Hochspcung, 4 Meter Weitsprung, Radfahren, Freischwimmen usw. Daneben werden praktische Kenntnisse in der Handhabung der Waffen und Nachrichtenmittel, Erstatten von Meldungen, Anfertigen von Skizzen, Führen von kleinsten Einheiten im Gefecht und Aehnliches verlangt. Wer die Prüfung bestanden hat, wird, gleichgültig, welcher Waffe er entstammt, zum ersten Lehrgang der Jnfanterie- schule, der am 1. Oktober jeden Jahres beginnt, einberufen. Dieser Lehrgang dauert 105 Monate. Anwärter, die nach Charakter, Leistung und Führung in dem ersten Jahr als nicht brauchbar sich erwiesen haben, können auf eigenen Wunsch oder nach Ermessen der verantworllichen Stelle nach den gesetzlichen Bestimmungen entlassen werden. So wird verhütet, daß ungeeignete Elemente jahrelang sich mit durchschleppen und am Ende dann die Enttäuschung erleben, daß sie ihr Ziel nicht erreichen/ Das Ziel des ersten Lehrganges der Jnfanterie- schule ist, die Offizieranwärter m erster Linie zu ganzen deutschen Mänern, zu Soldaten von strengster Ehr- und Pflichtausfassung zu erziehen. Naturgemäß werden daneben auch hohe wissenschaftliche Anforderungen gestellt. 23 Wochenstunden sind dem fachwissenschaftlichen Unterricht, 14 dem praktischen Dienst gewidmet. Der erste Lehrgang schließt ab mit dem Fähnrichsexamen, das etwa dem früheren Offiziersexamen entspricht. Wer es besteht, kehrt nach kurzem Aufenthalt bei der Truppe nochmals auf 101 Monate zur Schule zurück zum zweiten Lehrgang, die Fähnriche der Infanterie und Kraftfahrtruppen auf die Jnfanterieschule, z.Z. in Ohrdruf, die Pioniere auf die Pionierschule in München, die Kavalleristen und Fahrtruppen auf die Kavallerie- schule in Hannover, die Artilleristen und Nachrichtentruppen nach Jüterbog. Der zweite Lehrgang dient zur Vertiefung und Erweiterung des auf dem ersten Lehrgang Gelernten. Kriegsgeschichte tritt als neues Fach hinzu, die theoretische und praktische Ausbildung der eigenen Waffe nimmt eine bevorzugte Stellung ein. Das Offizierseramen bringt den Abschluß. Wer es bestanden hat, wird zum Oberfähnrich ernannt. Der Oberfähnrich tut, zur Truppe zurückgekehrt, Zugführerdienst, er nimmt am Offiziersmittagstisch teil und wird zum gesellschastlichen Verkehr des Offizierkorps zugelassen. Nach einigen Monaten wird er dem Offizierkorps zur Wahl zum Offizier oorge- schlagen. Stimmt die Mehrheit des Offizierkorps der Walst nicht zu, so ist eine Beförderung unmöglich. Gewöhnlich werden die Oberfähnriche 41 Monate nach Rückkehr von der Waffenschule zum Offizier befördert. Im allgemeinen dienen bis zur Ernennung zum Offizier die Abiturienten vier, die Primaner fünf, die übrigen Freiwilligen sechs Jahre. Die Offizieranwärter mit Primarsife werden zunächst nur zum Leutnant ohne Rangdienstalter ernannt. Seine Festsetzung erfolgt ein Jahr später in der Weise, daß die Anwärter entsprechend ihrem Abschlußzeugnisse in der Reihe der dann zur Prüfung heranstehenden Offiziersanwärter aufgenommen werden. Wir sehen, der Weg zum Offizier ist schwer. Wer soll ihn gehen? — Nur, wer in opferwilliger, bewußter und freier Hingebung des eigenen Jchs an die Gesamtheit sich von keinem übertreffen lassen will. Oderhessen. LLndrrcis Gießen. £ Wieseck, 24. Febr. Die immer drückender werdende Wohnungsnot erfordert beschleunigte Maßnahmen, um in diesem Frühjahr die im Vorjahr begonnenen Neubauten, zu denen die Gemeinde verbilligte Baudarlehen gibt, feriigzustellen. Der jüngsten außerordentlichen Gemeinderatssitzung lag ein Kreditvertrag über eine größere Summe zu günstigen' Bedingungen vor. Im Prinzip erklärte sich der Gemeinderat damit einverstanden, wünschte aber, daß vor Abschluß des Vertrags der Finanzausschuß sich nochmals mit der Frage beschäftigt, der zur endgültigen Regelung die erforderliche Vollmacht erhält. — Die zweite Frage, die allen Gemeinden schwere Sorgen macht, ist die der Erwerbslosigkeit. Um hier mitzuhelfen, Arbeitsgelegenheit zu veschasfen, soll der Lichten- a u e r Weg ausgebaut werden. Die erforderlichen Arbeiten sollen ausgeschrieben und der den Zuschlag erhaltende Unternehmer vertraglich verpflichtet werden, zu den Arbeiten nur einheimische Erwerbslose, soweit sie hierzu geeignet sind, zu den vereinbarten Tariflöhnen ein- züstellen. Der Gemeinderat behalt sich geeignete Maßnahmen vor, um diesen Beschluß zur Durchführung zu bringen. Weitere Straßenbauarbeiten sind in Aussicht genommen, die aber erst dann in Angriff genommen werden können, wenn das nachgesuchte ministerielle Anerkenntnis als Notstandsarbeiten vorliegt. — Bittere Klage wurde darüber geführt, daß die Stadtverwaltung Gießen die Straße zwischen Wieseck und Gießen, für die die Stadt die Unterhaltungspfticht hat, mst Klopfsteinen bestreuen ließ. Jede noch so unscheinbare Vertiefung wurde mit diesen gefährlichen Steinen angefüllt, ohne daß vorher der Untergrund etwas gelockert oder die Steine mit weicherem Material überdeckt wurden. In einem Tage hat es der starke Verkehr nun mit sich gebracht, daß die Steine über die ganze Straße verstreut sind und dadurch ein Verkehrshindernis bilden, das so schnell als möglich beseitigt werden müßte. — In der dieser lageftattgefunbenen Generalvers a.mm I u n g der Freiwilligen Feuerwehr wurde der gesamte Vorstand einftimmig wiedergewählt. In seinem Jahresbericht hob der Erste Kommandant die aufopferungsvolle Tätigkeit der Wehr bei dem letzten großen Brand hervor und fand warme Worte des Dankes an den Gemeindevorftand, der stets ein großes Interesse an einer gut funktionierenden Feuerlöscheinrichtung bekundet habe. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der neugewählte Ge- meinberat auf dem einmal beschrittenen Wege weitergehe. Der oorgelegte Uebungsplan für 1926 wurde gutgeheißen. Zum Schlüße wurde gewünscht, daß der jungen Wehr, die unter großen Opfern zum Wohle der gesamten Gemeinde ins Leben gerufen wurde, aus den Kreisen der älteren Jugend mehr Interesse entgegengebracht wird, da noch weitere Mitglieder erwünscht sind. t Wieseck, 25. Febr. Am Dienstagabend wurde bei der Dodenburg eine männliche Leiche aus der Lahn gezogen, die am dortigen Wehr hängen geblieben war. Der Tote muß schon längere Zeit im Wasser gelegen haben, da er bereits völlig unkenntlich war. Irgendwelche Papiere, aus denen seine Personalien zu ersehen gewesen wären, sind nicht vorhanden. Er wird auf 25—30 Jahre geschätzt, hatte dichtes schwarzes Haar, war etwa 1,70 Meter groß und war bekleidet mit schwarzen Schnürschuhen, langen schwarzen Strümpfen, kurzer schwarzer Sporthose, grünlichem Sporthemd. Sämtliche Kleidungsstücke waren C. K. gezeichnet. Es scheint sich um eine Person jüdischer Abstammung zu handeln. Bis jetzt konnte nicht festgestellt werden, ob ein Hn» glückssall oder Selbstmord in Betracht kommt. Die Leiche, die schon stark in Verwesung übergegangen war, wurde auf den hiesigen Friedhof gebracht. y. D a u b r i n q c n . 24. Febr. Gestern abend tagte in der Wirtschaft von E. Schäfer dahier die gut besuchte ordentliche Generalversammlung des Vereins Kinderfreund Daubrin - gen. Er unterhält eine Kleinkinderschule und ist Träger dieses Wohlfahrtswerkes. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden, Dekans Guß» mann, ging hervor, daß bet' Verein 139 Ver- einsmitglieder zählt und ihm eine Reihe von Zuwendungen gemacht wurden. Besonders genannt und öffentlich bedankt wurde die Firma Rinn und E l o o s , Heuchelheim, die am Orte eine Fabrik unterhält, die Firma Scheidhauer und Gießing, Duisburg - Mainzlar, die Buderusschen Eisenwerke Lollar, der Frauenverein Saubringen, die Reichseisenbahndirektion Frankfurt (Main) und die Gemeinde selbst, deren Interesse an den: sozialen Werke von Bürgermeister Preis in warmen Worten Ausdruck gegeben wurde. Ebenso wurde dem langjährigen, verdienstvollen Rechner, Herrn A l b a ch , für den günstigen Abschluß gebührender Dank ausgesprochen. Bg. G r o ß e n - B u f e d, 24. Febr. Zum zweiten Male in diesem Winter ließ die Liga zum Schutze der deutschen Kultur im Saale Gastwirts Wagner einen Vortrog halten. Ingenieur Er tel-Gießen sprach über Rußland. Auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen vor, während und nach dem großen Kriege entwarf er ein Bild über die wirtschaftlichen, kulturellen und völkischen Zustande des neuen Rußland. Es folgte dann eine große Zahl von Lichtbildern, die die Ausführungen erläuterten. Rach einer kurzen Aussprache forderte der Redner, nachdem er die Ziele der Liga klargelegt hatte, zur Gründung einer Ortsgruppe auf. :—: Beuern, 24. Febr. Amtsarzt Dr. Orth vom Kreisgesundheitsamt Gießen hielt am Dienstagabend auf Einladung des hiesigen Volksbildungsvereins hier den zweiten Aufklärungsvortrag, und zwar diesmal für die Männer und Burschen unseres Dorfes. Auch dieser Vortrag erfreute sich, wie der vorige, eines überaus starken Desuches. An. der Hand von etwa 60 Lichtbildern schilderte der Vortragende die Verbreitung, Hebertragung und Heilung der verschiedener? Geschlechtskrankheiten. Reicher Beifall und der Dank des Vorsitzenden lohnten die für jedermann verständlichen Ausführungen des Redners. t Grünberg. 24. Febr. In dem Bericht betr. den Bau. eines Finanzamtsgebäu- des (Rr. 45 des „Gieß. Anz.") muh es richtig heißen, daß in diesem Gebäude auch die Bezirkskasse Unterkunft findet, nicht die Bezirkssparkasse. —.— Grünberg. 24. Febr. Eine große Jungviehweide wird gegenwärtig auf dem Warthof bei Grünberg seitens des Land- wirtschaftskammerausschusses für die Provinz Oberhessen angelegt. Es sollen bei günstiger Witterung 30 bis 35 Weidetiere eingesetzt werden. Durch Hinzunahme und Einsäen von weiteren 70 bis 80 Morgen wird in diesem Jahre die Weidefläche um das Doppelte vergrößert wer- Sein oder Nichtsein., Lin Kriminalroman von der Wasserkante. Von Moritz Schäfer 30. Fortsetzung. _ Nachdruck verboten. ..Na, dann sind Sie ja wohl befriedigt?" „Die Aktien tragen andere Nummern als die laut Depotschein hinterlegten Papiere. Möchten Sie mir nicht erklären —" „Nein, das möchte ich nicht! Sie sehen, die Papiere sind do, der Behörde gestehe ich ihr Kontrollrecht zu. Aber Sankt Bureaukratius hat bei mir nichts zu suchen." „Erlauben Sie — in einem korrekt geführten Geschäft —" „Ist Ordnung! Aber keine Pedanterie ! Und wenn ein Splitterrichter mit formalistischen Kinkerlitzchen kommt, dann sag' ich ihm höflich, aber bestimmt: „Ihr Besuch war mir sehr angenehm, aber es ist Zeit, daß mir ihn beenden! Falls Ihre vorgesetzte Behörde noch weitere Auskunft in dieser Sache haben möchte, stelle ich ihr anheim, einen mit banktechnischen Gepflogenheiten vertranten Beauftragten an mir zu schicken." Die Müdigkeit war verflogen. Der Zorn rüttelte an Lorenzen, daß er um Haaresbreite die Grenze streifte, bis zu der er gehen durste. Der Tresor flog zu, der Bankier ließ den Beamten stehen und wandte sich zum Gehen. Langsam folgte ihm der Kommissar. Er schien nicht beleidigt, im Gegenteil, er blickte mit einem gewissen Respekt auf den ooranschreitenden Mann. Daß der viel erlebt hatte, wußte er — daß Lorenzen noch mehr, noch schmerzlichere Ucberraschun- gen bsvorstanden, war nicht zu leugnen. Seine Ehre als Kaufmann war gerettet; wenn ihn die Nerven im Stich ließen, wer konnte ihm daraus einen Vorwurf nrndjen ? Jedenfalls war Klein gesonnen, sich keine Subalternempfindlichkeit zu leisten. So wollte er sich gerade empfehlen, ohne auf Lorenzens Schlußbemertung einziigehen, da hielt ihn der Bankier nochmals zurück: „(Eine Frage werden Sie mir noch gestatten, Herr Kommisiar. „W e s- h a l b wurde Mühlfeld verhaftet?" „Eigentlich," erwiederie der Beamte, und ein sarkastischer Unterton schwang in feinen Worten mit, „eigentlich wundere ich mich, daß Sie diese Frage nicht schon früher stellten." . Das Blut drängte Lorenzen in den Kopf. Aber er mußte zugeben, daß der Beamte recht hatte. Es mußte ja scheinen, als habe er Mühlfelds Verhaftung erwartet, weil er des Mannes Verfehlungen kannte. „Ich bin etwas zerstreut heute," murmelte er, „mir geht mehr durch den Kopf, als Sie ahnen, Herr Kommissar." „Ich ahne nicht nur, ich w e i ß. Weiß, was heute hier vorgcgangen." „Nun, dann werden Sie meine Sttmmunqen begreifen. Aber ich bin noch ohne Ihre Antwort.^ „Ihnen den Grund der Verhaftung zu nennen, bin ich eigentlich nicht berechtigt. Da Sie aber doch zweifellos Ihren Geschäftsfreund Mühlfeld richtig eingeschätzt haben, will ich Ihnen in Kürze mit- teilen, daß Ihre Vermutungen richtig sind!" ,Hch staune. Herr Kommissar! Von Vermutungen weiß ich nichts." „Verzeihung, wenn ich mich geirrt habe. Ich glaubte. Sie ahnten die Wahrheit. Nämlich, daß die Festnahme erfolgt ist, weil Mühl- fcld nn bringehben Derbacht der planmäßigen, fortgesetzten Verschleppung von steuerpflichtigem Kapital unb Vermögenswerten nach bem Ausland steht." x Lorenzen biß sich auf die Lippen unb schwieg. Der Kommissar wußte offenbar mehr, als er verraten bürste. Zweifellos ftanb Mühlselb schon längere Zeit unter Beobachtung, unb cs war ben fahnenden Behörden nicht unbekannt, daß er auch Lorenzen in seine Netze ziehen wollte. Einen Augenblick wallte ein heißer Dank an die Vorsehung in der Brust des Bankiers auf, daß sie ihn vor bem Sturz in die Tiefe bewahrt hatte; bann aber überfiel ihn rasch roieber eine bleierne Mubigkeit, eine Abspannung aller Nerven, bis als Reaktion nach ben Aufregungen ber vergangenen Stunben wohl begreiflich war. „Mühlfeld," fuhr der Besucher fort, „hat übrigens Komplizen. Er arbeitete nicht nur mit Kongenialen im Jnlande, sondern mit ganzen Konzernen in Dänemark unb wohl auch in ber Schweiz. Die Kapitaloerschiebungen großen Stils würben in ber letzten Zeit durch große Trusts besorgt, nachdem Herr Mühlfeld die letzten Schritte eingeleitet hatte. Die Verbringung von Bankaktien und Wertpapieren ins Ausland durch direkten Transport war zu gefährlich geworden, feit man einen Kutter abfing, ber zu biefen Zwecken präpariert war. Man weiß zu biefer Stunbe noch nicht, ob Muhlfelb zu bem Besitzer biefes Kutters in Beziehung ftanb, unb ob er an bem „Geschäft" beteiligt war, bas burch ben Abfang bes Fahrzeugs vereitelt würbe. Tatfack)e ober ist, daß er auf bem gleichen Wege öfter gearbeitet hat. Seit bem Zwischenfall ist er vorfich- tiger — unb so muß ich wohl sagen — auch großzügiger geworben. Die planmäßig inszenierte Kapitalflucht würbe durch ein genial ineinanbergreifen- bes System von Kanälen geleitet, bie alle an bestimmten Zentralen zuscnnmenliefen. Schabe, baß wir bem (Entrepreneur biefes Unternehmens einstweilen bie Ellbogenfreiheit beschränken müssen." „Können Sie mir vielleicht noch etwas Näheres über bie Festnahme sagen? Unter welchen Umstän- ben erfolgte sie?" „Muhlfelb wurde bei seiner Rückkehr von einem Ausflug nach Warnemünde verhaftet. Er hatte sich in ärztliche Behandlung begebend unb dort erfolgte bie Verhaftung nach Anlegung eines Notoerbanbes." „Eines Notoerbanbes? Ja, mein Gott, so ist er verwundet?" „Muhlfelb hat eine schwere Biß- wunbt>, bie sein Gesicht zeitlebens entstellen wirb. Er gibt an, baß ihn der Neufunblänber bes Kapitäns Hinriks überfallen unb so übel zugerichtet habe." Lorenzen war weiß geworden wie der Kalk an der Wand Was war da vorgefallen? Welche den. Ungefähr in zwei Jahren wird der Warthof als Jungviehweide für Fohlen und Rinder vollständig freigegeben. * Lich. 24. Febr. Am Monttrg nachmittag hielt im Kreise ehemaliger Schüler der Landwirtschaftsschule Lieh Prof. Dr. H. Kraemer (Gießen) einen Vortrag über „Fragen der heutigen Rindviehzucht". Der sehr gut besuchte Vortrag behandelte in überaus klarer und anschaulicher Weise diese für die obeichessische Landwirtschaft besonders wichtigen Fragen, insbesondere die die Gemüter so bewegende Rassenfrage. Der Standpunkt, den Prof. Kraemer in seinem Vortrag in diesen Fragen vertrat, ist dnstelbe, den bad Landwirtschaftsamt Lich als Wirtschaftsberater in seiner Aufklärungsarbeit bei den Landwirten des hiesigen Vezirks zum Ausdruck bringt. ~ Rodheim a. b. Horloff, 24. Febr, Am Sonntag bot der hiesige Gesangverein der Gemeinde einen Llnterhaltungsabend. Außer Begrühungs- und Schluhansprache durch den Vorsitzenden und Leiter, Lehrer Dietrich, setzte sich die Veranstaltung aus drei Teilen zusammen: Instrumental-, Vokalmusik unb DühnenstückL» Die Instrumentalmusik bot der Hungener Mando- linenklub in guter Weise, den vokalen Teil bestritt der festgebende Verein zum Wohlgefallen aller Besucher. Der Verein kann mit seinen Darbietungen zufrieden fein. Kreis Friedberg ss. Friedberg, 24. Febr. Seit einigen Monaten haben sich die hier bestellenden Jugendvereinigungen, wie der Wandervogel, der Quickborn, die Turnerjugend, die Pfadfinder usw. zu einem „Iugendrin g" zusammengeschlosfen, um sich gegenseitig näher (ernten zu lernen und bei Veranstaltungen zusammen auftreten zu können. Jeden Monat finden zur weiteren geistigen Ausbildung Vortragsabende statt; so sprach vor kurzem in einem derselben Kreisschularzt Dr. Balser über „Kassenhygiene". In dem vorgestrigen Vortragsabend sprach zuerst ©tabtofarrcr Ritter über „Die Gefahren des Alkohols und die Wichtigkeit des Gemeinbebestimmungsrechts", bamt Oberprimaner Zrehmann über die „Deutschen Grenzlande". Zum Schlüsse ergriff der frühere Freikorpsführer Gerh. R o h b a ch das Wort. * Friedberg, 24. Febr. Der hiesige Geschichtsverein kann am 1. April auf sein 30jahriges Bestehen zurückblicken. Ziel- bewußt Hai der Verein stets sich bemüht, die Wetterauer Altertums-, Geschichts- und Landeskunde zu forbern, eine Drücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen. Lieke unb Verständnis für Volk unb Scholle zu wecken. Er hat das int Jahresdurchschnitt von mehr als 5000 Personen besuchte Wetterauer Museum, das Stadtarchiv und die Stadtbibliothek ins Leben gerufen. gb. Butzbach. 24. Febr. Im ..Hessischen Hof" hielt ber Bürgerverein eine Mitgliederversammlung ab, in der zunächst über die Tätigkeit des Vorstandes in letzter Zeit berichtet wurde. Hierauf hielt Stadtbaumeister Scherrer einen Vortrag über die Schaffung von Wohnungen an Hand der von Regierungsrat Dr. Rind- f u 6 aufgestellten Leitsätze. Anschließend sprach Prof. Dr. Weide über den Fortbestand der Oberrealschule, der infolge der mißlichen Finanzverhaltnisse stark gefährdet sei. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Stadt ein übriges tun werde, um den Weiterbestand der Oberrealschule zu sichern. Stadtv. I a u tz betonte, daß man bie Oberrealschule unter keinen Umständen fallen lassen dürfe. Zunächst fei er dafür, daß man die Mittel für ein weiteres Jahr bewillige. Studiendirektor Dr. V i n g e l unterstrich noch einmal die Ausführungen Prof. Dr. Weides. An der weiteren Debatte beteiligten sich noch der Vorsitzende, sowie Kaufmann Bamm und Seippel. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, wonach die umliegenden Gemeinden nochmals um einen Zuschuß für die Schule angegangen werden sollen. Q Steinfurth, 24.Febr. Arn Sonntag fand in unserer Kirche ein L i ch t b i l drr v o r t r a g statt, der die Anwesenden in herrliche Partien der deutschen Alpenwelt führte und dann den Ort Ober-Ammergau mit seinen wundersamen Passionsspielen vor Augen führte, mit ah seiner Andacht und Ehrfurcht weckenden Kraft. Stunden der Andacht erlebte man da, die wohl des Ober-Arnmergauers Wort verständlich machen, „wer es erlebt, der wird eS nicht vergessen"! bs. Aus ber nördlichen Wetterau, 24. Febr. Erst jetzt ist es möglich, einen Lleber- blick zu geben über den Stand der landwirtschaftlichen Gewächse. Merklicher neuen Ereignisse sollten noch an seinen Nerven zerren? Der Bankier flehte ben Kommissar um nähere Auskunft an, boch 6er wußte angeblich nichts mehr unb empfahl sich rasch. Unb roieber ftanb ber gequälte Mann in seiner einsamen Wohnung, roieber hämmerten bie Schlafen, jagten seine Pulse. Wo war Anbrea? Warum kam sie nicht? Was roar bas mit Muhlfelb? Aus welchem Grunbe hatte ihn Pascha üb erfüllen? Daß auch ber Kapitän fein Telephon hatte! Diese Ungewißheit roar ja nicht mehr zu ertragen! — Da plötzlich schrillte bie Torglocke von neuem. — XXIII. Als Hinriks mit Fink Leoerrenz von ber Enten- jagb zurückkam, machte er ein bitterböses Gesicht. Nichts unb abermals nicyls war bas Resultat, unb ba soll man sich mal roünbern, wenn einem alten Seemann bie Galle überläuft! Getrosten hotte Ohm Hinriks zweifellos, bas ftanb so fest wie bas Amen in ber Kirche, und Fink Leoerrenz behauptete dasselbe von sich, faselte sogar etwas von einer Doublette, roas aber ben Kapitän zu einem entrüsteten „holt's Muk" veranlaßte. Jeboch was nützt ber schönste Schuß, wenn man keinen richtigen Hunb zum Apportieren hat! Der Hühnerhunb bes Försters, ben sich Onkel Hinriks ausgeliehen hatte, war keinen Schuß Pulver wert, jebenfalls versagte er bei ber Entenjagd jo vollständig, daß ber Kapitän vorzeitig zum Rückzug blies. So kam er benn mit seinem Begleiter verärgert bei feinem Hütung an unb wunderte sich, baß Pascha nicht schon von weitem freudig anschlug. Das pflegte er bis in bis letzte Zeit so zu halten, sobalb er Herrchen witterte, unb ber Kapitän legte Wert auf biefe Begrüßung seines vierbeinigen Freundes. Freilich, ber Hund mar alt, unb bei Hundegreisen zählt jeder Tag vierfach. Möglich, baß auch bie Nase nachließ. (Schluß folgi.) Schaden durch Auswinterung ist nicht entstanden. Vereinzelt lästt der Stand des Winterroggens zu wünschen übrig. Drohen Schaden hat in den Diederungen des Horloss- und Wettertales das Hochwasser angerichtet. Größere Flächen Winter- weizen sind ersosfen, da vereinzelt das Walser heute noch nicht abgelaufen ist-, in Vingenhenn z. D. wurde durch die strömenden Wassermassen nicht nur das Saatfeld von tiefen Furchen zer- rissen, sondern teilweise der gesamte Kulturboden fortgeschwemmt. Sehr gut hat bis jetzt der Klee überwintert; abgesehen von einzelnen versumpften Stellen zeigt er einen prächtigen Stand. Aller Voraussicht nach bekommen wir ein futterreiches Jahr. In den Baumstücken ist man überall mit den notwendigen Baumpflegearbeiten beschäftigt. Die Bienenzüchter sind allgemein mir der Lieberwinterung ihrer Völker zufrieden. Kreis Büdingen. △ Aid da, 24. Febr. Auf Veranlassung des Handelsvereins Aidda hielt im Hotel „Traube" Dr. Göbel von der Jndustrie- und Handelskammer Friedberg einen sehr lehrreichen Vortrag über „Gegenwartsfragen im Steuerwesen". An den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Aussprache, wodurch noch manche Frage geklart wurde. Kreis Scholten. lg. Gedern, 24. Febr. In Anerkennung ihrer25jährigen Zugehörigkeit zur freiwilligen Feuerwehr wurde den Mitgliedern Karl Diehl XL, Wilhelm Schneid- müller und Karl B i e g e r von Bürgermeister Müller mit ehrenden Worten Ehrenurkunden mit dem Ehrenzeichen überreicht. — Dieser Tage fand im Gasthaus „Zur Traube" eine Versammlung der Handel- und Gewerbetreibenden statt, in der Fragen zur Erörterung standen, die für Handel und Gewerbe von allgemeinem Interesse sind. Die rege Beteiligung an der Versammlung zeigte, daß die angeschnittenen Fragen, die zu einer Hebung unseres Städtchens beitragen sollen, größtem Interesse begegneten. Starkenburg. * Darmstadt, 24. Febr. Die Gemeinde Dornberg bei Groß-Gerau hat wegen finanzieller Schwierigkeiten die Eingemeindung nach Groß-Gerau beschlossen. Der Groß- Gerauer Gemeinderat hat sich grundsätzlich damit einverstanden erklärt; es sollen nun weitere Schritte zum Vollzug der Eingemeindung unternommen werden. — Bei Arbeiten für eine Stroßenherstellung in Auerbach ist in einer Tiefe von 5 Metern ein Mammutzahn von 1,30 Meter Länge freigclegt morben. Der Zahn wurde in der darauffolgenden Nacht aus der Bauhütte, in der man ihn aufbewahrte, g e st o h l e n. WSN. Darmstadt, 24. Febr. Wie aus Weimar berichtet wird, ist im Wettbewerb um die in Weimar zu errichtende S t a d l h a l l e der e r st e Preis in Höhe von 7000 Mk. den beiden Darmstädter Architekten Hummel und Rothe zugesprochen worden. WSN. Offenbach, 24. Febr. Die Offenbacher Stadtverwaltung hatte vor einiger Zeit gegen» den verantwortlichen Redakteur der „Offenbacher Zeitung" Strafantrag auf Grund einer Ausnohmeverfügung aus den Zeiten des Ruhrkampfes gestellt, weil das Blatt am 6. Januar anläßlich einer Steuerprotestversammlung der Offenbacher Gastwirte in einem Artikel „Ist d i e O f f e n- bach er Getränkesteuer rechtsgültig?" diese Frage an Hand eines juristischen Gutachtens verneint und ausdrücklich betont hatte, daß die Offenbacher Getränkesteuer analog den bleichgelagerten Fällen der Städte Worms und Gießen nicht rechtsgültig sei. Der General st aatsanwalt lehnte jedoch die Eröffnung des Strafverfahrens a b mit der Begründung, daß eine strafbare Handlung gar nicht vor liege da sowohl dos Oberlandesgericht wie der hessische Berwaltungsge- richtshof in den Fällen Worms und Gießen die Rechtsungültigkeitserkläruna der Getränkesteuer be- {tätigt hätten. Im Falle Offenbach liege der Fall ebenso. WSN. Langen, 24. Febr. In den letzten Tagen wlirden hier mehrere Personen verhaftet, die verdächtigt sind, einer Organisation von Banknotenfälschern anzugehören oder nahczustehen. Die Behörden beschäftigen sich bereits eingehend mit der Angelegenheit. ■ «■—SM—M3TOBBBg3aMaMnWWT8»— Die tolle Herzogin. Roman von Ernst Klein. Copyright by Earl Sünder, Verlag, Berlin. 1. Fortsetzung Nachdruck verboten Ibrahim ibn Abdullah grinste und ließ die Hand von der Türklinke sinken. „Höre an!" fuhr James Wood fort. „Ich habe an Geld tatsächlich nichts weiter auf dieser Welt als dieses Pfund da. Ferner besitze ich diesen Smoking, diesen Ueberzieher und diesen Browning. Jeder Händler gibt dir drauf mindestens zwei Pfünd —" Der Neger nickte. Das konnte stimmen. Besonders der Browning war ein hübsches Ding. „Also, mein lieber Ibrahim. Ich will diese Pfundnote oben als die letzte Chance meines Daseins ritliercn, und wenn diese Chance fehlschlägt, mir eine der sechs Kugeln dieses meines Brownings durch den Schädel schießen. Siehst du, da — hinter dem Ohr! Da geht es am sichersten und verursacht wenig Bluterguß. So ein Loch in die Stirn ist unästhetisch. Oder gar ins Herz'. Wäre schade um die weiße Hemdenbrust, nicht wahr? Ich bin zwar nicht so groß wie du, aber ich glaube, das Hemd würde dir doch ganz gut passen. So steht also die Sache. Wenn du mich ohne Entree heraufläßt und ich verliere diesen abgegriffenen Fetzen da, der meine letzte Chance ist, so schieße ich mich tot. Mausetot — versichere ich dir —, und alles, was ich auf, an und bei mir habe, gehört dir. Gewinne ich aber, was ja selbst in einer alexandrinischen Spielhölle möglich ist. gebe ich dir von meinem Gewinnst fünf Prozent ab. Einverstanden?" „Gewinnen, Sir? Dort droben?" Ibrahim zog verächllich seinen breiten Mund nach breiter. Herrgott, hat der Kerl ein prachtvolles Gebiß, dachte sich James Wood. „Man kann's ja versuchen", lächelte er. „Und du verlierst ja nichts dabei — im Gegent/il, du kannst auf jeden Fall nur gewinnen. Das kapierst du doch?" „Jawohl, Sir — aber--aber — — hm, wenn Sie gezwungen sein sollten, was ich übrigens nicht hoffe, sich die Kugel in den Kopf zu schießen —" „Hiniers linke Ohr — vergiß nicht!" selbst den Mann aus dem Sudan packte ein gelindes Grausen. Sein Vater war bei der Einnahme von Khartum mit dabei gewesen und hatte als wacke- Preußen. Die gesetzliche Miete für März. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, tritt in der Berechnung der Miete für den Monat März gegenüber dem Vormonat keine Veränderung ein. Es bleibt bei dem Februarsatz in Höhe von 84 bzw. 80 Prozent. Kreis Wetzlar. kz. Wetzlar, 24. Febr. Ein Schadenfeuer zerstörte abends die Feldscheune des Bauunternehmers S t e u I an der Altenberger Straße. Die freiwillige Feuerwehr war schnell zur Stelle und konnte noch die landwirtschaftlichen Maschinen retten. Heber die Ursache des Feuers ist noch nichts bekannt. J Wetzlar, 24. Febr. Der Ausbau des ersten Teils der Äaunborner Straße wird in ettoa 14 Tagen beendet sein. Die Arbeiten waren durch das schlechte Wetter während der letzten Monate stark behindert worden. Aunmehr ist auch eine gütliche Einigung mit denjenigen Hausbesitzern erzielt worden, die wegen Hergabe ihrer Vorgärten bei dem Bezirksausschuß Einspruch erhoben hatten. Für Anwohner und Passanten bedeutet die Fertigstellung der Straße und ihre Pflasterung mit Kleinpflaster die Erfüllung eines jahrzehntelangen Wunsches, der sich im Lause des Iahres noch nach der Richtung erweitern dürfte, daß Stadt und Kreis übereingekommen sind, auch den zweiten Teil der Straße ab Helgebach in gleicher Weise auszubauen. Wie weiter verlautet, besteht nunmehr auch die Hoffnung, den unteren Teil der Wühl- g r a b e n st r a ß e bis zur Rauborner Straße in der vorgesehenen Breite zu verbreitern. Bekanntlich muhte diese kurze Strecke von rund 100 Meter bei dem Ausbau seinerzeit eingeengt werden, weil das Besitztum der Gärtnerei Linsemeier hier im Wege und käuflich nicht zu erhalten war. Aachdmi nunmehr die Stadt durch den vor einigen.Monaten getätigten Erwerb des Rachbargrunbstückes Oster ein günstiges Austauschobjekt in die Hand bekommen hat, soll auch hier em Gelände- und Hausaustausch mit Herrn Linsemeier angebahnt worden fein, der eine Einigung in beiderseitig günstiger Weise erhoffen läßt. Dillkreis. bl. Hirzenhain. 24. Febr. Die neues Schule ist vollendet und wird am 26. d. Mts. ihre Weihe erhalten. Das Haus hat 4 Klassen und 4 Wohnungen für die Lehrer. Die seither zu Schulzwecken benutzten Räume werden von der Gemeinde in Anspruch genommen. bl. Ballersbach, 24. Febr. Der hiesige Turnverein erbaut eine neue Turnhalle. Im Rohbau ist das Haus bereits vollendet. Leider sind die Mittel zu knapp, um das Werk schnell zu Ende zu führen. bl. Frohnhausen. 24. Febr. Zwischen unserer Gemeinde und dem Rachbarort W e i d e l- b a ch wird mit dem Bau einerProvinzialstraße begonnen werden. Die Durchführung des Unternehmend erfolgt im Wege der produktiven Erwerbslosenfürsorge. Man wird dabei eine größere Anzahl Arbeitslose beschäfttgen. LJ bringen ft ein b. Eisemroth, 24. Febr. Am Samstagabend entstand zwischen hiesigen Burschen eine Schlägerei, in deren Verlauf ein junger Mensch mit einem Messer Derart in den Leib gestochen wurde, daß der Schwerverletzte sofort in das Dillenburger Krankenhaus überführt werden mußte. Der junge Mann soll hosfnungslvs darniederliegen. Zwei der Tat verdächtige Burschen sind verhaftet worden. Maingau. WER. Frankfurt a. M., 24. Febr. Am sogenannten „Heiligenstock" bei Bilbel ist zur Zeit die große Frankfurter Radiostation im Bau begriffen. Die Grundmauern zu den beiden Funktürmen find hergestellt, vier mächtige Sockel sollen die schlanken Eiseirpfeiler aufnehmen. Das Wohngebäude für das Bedienungspersonal ist im Rohbau fertiggestellt. Mit der Inbetriebsetzung dürfte am Gasthaus „Heiligenstock" ein lebhaftes Treiben zu erwarten sein. — Von heute ab kostet ein Laib Schlüchternbrot zu 1500 Gramm 54 Pfg. (seither 58 Pfg.), Frankfurter Weißbrot zu 900 Gramm 47 Pfg., früher 50 Pfg, helles Schlüchternbrot 900 Gramm 45 Pfg., früher 48 Pfg. — Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. teilt folgendes mit: Die von der Presse und durch Rundfunk verbreitete Rachricht von einem geplanten Uebetfall aus den beschleunigten Person e n z u g zwischen den Stationen Salmünster und Steinau ist f a l s ch. Cs steht lediglich sest, daß der Personenzug durch Ziehen der Rotbremse aus Bahnhof Steinau zum Halten gebracht worden ist. Ein mitreisender Gifenbahn- beamter gibt an, daß eine Person auf dem Trittbrett des fahrenden Zuges entlang gegangen sei, ein Abteil bestiegen und die Rotbremse gezogen habe. Rach dem Halten des Zuges sei die Person abgesprungen und habe sich entfernt. Von einer Belästigung von Personen kann keine RÄ>e fein. WSN. Oberursel, 24. Febr. Seit einigen Tagen wird ein Ibjöhriges junges Mädchen von hier vermißt. Es wurde zuletzt in Oberstedten und Bad Homburg gesehen, wo es unter falschen Angaben Unterkunft in einem Gasthaus und 'Aufnahme in einer Schule suchte. Es wird angenommen, daß das Mädchen sich nach Franksurt gewandt hat. WSN. H a n a u , 24. Febr. Im außerorbentlidjen Haushaltsplan der Stadt Hanau sind für Regulierung der Kinzigmündung 200 000 Mk. eingestellt worden. Die Bauarbeiten am Main- Hafen werden mit Ablauf dieses Jahres beendet fein. Für Wohnungsneubauten am Main- hafen ist eine Summe von 300 000 Mk. vorgesehen. Große Straflammer Gießen. * Gießen, 23. Febr. Gin Weißbinder aus Dorheim hatte für die Fahrt Frankfurt a. M.— Dorheim eine Cisenbahnfahrkarte gefälscht und war daher vom hiesigen Schöffengericht verurteilt worden, aber nur wegen Fälschung einer Privaturkunde. Das Gericht nahin an, daß die von der jetzigen Reichsbahngesellschaft ausgestellten Karten keine öffentlichen Urkunden mehr seien. Rachdem aber inzwischen das Reichsgericht entschieden hat, daß trotz Ueber» gange der Reichsbahn in eine Reichsbahngesellschaft die von dieser ausgestellten Karten öffentliche Urkunden bleiben, mußte der Berufung der Staatsanwaltschaft stattgegeben, und der Angeklagte wegen öffentlicher Urkundenfälschung bestraft werden. In ähnlicher Weise war ein Einwohner von Ruppertenrod wegen Privaturkunden- fälschung verurteilt worden: er hatte eine Fahrkarte Gießen—Mücke gefälscht. Auch er wurde unter Aufhebung des früheren Urteils wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde verurteilt. Hinter verschlossenen Türen wurde gegen einen Schweizer aus Lorbach verhandelt, der seine fünf Töchter mißbraucht hatte und deshalb zu 6 Jahren 6 Monaten Zuchthaus verurteilt worden war. Da verschiedene seiner Kinder im Gegensatz zu früher ihr Zeugnis verweigerten, konnten in der Berufungsinstanz nur in zwei Fällen Straftaten festgestellt werden. Die Strafe lautete auf 3Iahre 9 Monate Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Gerichtssaal. Der Fall Mack in der vsrusungsmstcm;. WSN. Darmstadt, 24. Febr. Gestern und vorgestern sand vor der ersten Strafkammer die Berufungsverhandlung in der Strafsache gegen den hiesigen Frauenarzt 5)r. Mack statt, der in erster Instanz wegen Lohnabtreibung zu 1* Jahren Zu chtHOus verurteilt worden war. Das Urteil der ersten Instanz wurde b e ft ä t i g t und nur die bereits verbüßten acht Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet. Der wegen Beihilfe Mitangeklagte Dr. Blum kam mit 4£ Monaten U n - tersuchun gshaft davon. Wirtschaft. Schwere Schädigung des deutschen Obst- u. Gemüsebaues. Infolge der erleichterten und ungehinderten. Einfuhr werden die deutschen Markte derartig von ausländischen Waren überschwemmt, daß sich für den heimischen Anbau das Fehlen von Rachfrage, die Schwierigkeit des Absatzes oder gar die Unmöglichkeit des Verkaufes fortwährend steigern. Im Jahre 1925 ist bie Einfuhr der hauptsächlichsten Gemüse- und Obstarten, wie Rotkohl, Weißkohl. Wirsingkohl, Blumenkohl. Zwiebeln, Bohnen. Tafeltrauben, Pfirsiche, Zwetschen, Apri- losen, Apfelsinen und Zitronen im Vergleich zu 1913 von 3 937 000 Doppelzentnern auf 6 060000 Doppelzentnern, alfo um 2 123 000 Doppelzentner oder um 54 Pn^ent gestiegen. Der Wert der eingeführten Mengen hat ftch von 71,6 Millionen M. auf 156,6 Millionen M. erhöht. Der Hauptteil entfällt aus Italien und die Riederlande, denen man weitgehende Zugeständnisse gemacht hat. Für die obengenannten Waren betrugen die Eins uhr auS Italien 1913 1 164 000 dz, 1925 2 094 000 dz, Zunahme in Prozent 79,9; aus den Riederlanden 1913 712 000 dz, 1925 1 429 000 dz, Zunahme in Prozent 109,7. Die Einfuhr nach Deutschland bat sich also für Italien fast und für die Riederlanbe mehr als verdoppelt. Reuerdings besteht die Gefahr, daß man auch Frankreich eine erleichterte Einfuhr ermöglichen teilt Frankreich hat bereits im Jahre 1925 400 000 Doppelzentner der genannten Waren gegen 172 000 Doppelzentner im Jahre 1913. also, wie die Bauernvereine mitteilen, weit mehr als die doppelte Vorkriegsmenge eingeführt. Infolge seines Frankensturzes überflutet es schon jetzt zu Schleuderpreisen den deutschen Markt. Die Gewährung einer Cinfuhrerleichterung würde vollends den Ruin der Obst und Gemüse produzierenden Landwirte bedeuten. G. P. D. * Der Pfandbriefumlauf Ende 1 9 2 5. Ueber die Entwicklung des Pfandbriefumlaufs im Iahre 1925 liegen jetzt zuverlässige Zahlen vor. Rach einer Statistik, von bet 34 Hypothekenbanken erfaßt sind, waren von bissen Instituten zu Ende des vergangenen Iahres insgesamt 745,25 Millionen Mk. Gold- und Rvggenpfandbriefe in den Verkehr gebracht, davon 91,90 Millionen Mk. Kommunalobligationen. Während im ersten Halbjahr der Monatsdurchschnitt der Umlaufssteigerung sich auf 51,91 Millionen Rm. stellte, betrug die Zunahme im zweiten Halbjahr nur noch durchschnittlich 13,52 Millionen Rm. im Monat. In dieser Entwicklung spiegelt sich deutlich das Abstoppen der Beleihungstäti^eit der Hypothekenbanken wider, zu dem sie durch die Pfandbries-Absatzschwierigkeiten, die bekanntlich im Sommer 1925 besonders scharf einsehten. gezwungen wurden. Bei einer Beurteilung dieser Umlaufsziffer muß man allerdings berücksichtigen, daß in ihnen noch nicht die Ziftem der Landschaften und der übrigen öffentlich-rechtlichen Pfandbrief-Institute enthalten sind. Insgesamt wird sich der Umlauf an Pfandbriefen und Kommunalobligationen per 31. 12. 1925 auf etwa 1100 Millionen Rm. gestellt haben. — Im Ianuar 1926 ist infolge der Anregungen durch die Pfandbriefhaufse wieder eine Zunahme der Emissionstäti^eit zu verzeichnen: diese betrug durchschnittlich wieder etwa 23 Millionen Rm. * D ie Koh lenp roduktlv n Deutschlands im Januar. Die Probuttionszkffern des deutschen Kohlenbergbaues im verflossenen Monat werden jetzt bekanntgegeben. Danach betrug die Gesamterzeugung an Steinkohlen 11 190 004 Tonnen (Januar 1925: 11928 542 Tonnen), an Braunkohlen 12 222 038 Tonnen (12 375 441 Tonnen), an Koks 2108110 Tonnen (2 385 103 Tonnen). Die Preßkohlenherstellung aus Steinkohlen belief sich aus 481695 Tonnen (433 310 Tonnen), aus Braunkohlen auf 2 919 641 Tonnen (2 976 781 Tonnen). In den einzelnen Revieren hat sich gegenüber dem Januar 1925 die Erzeugung an Steinkohlen, Braunkohlen und Kols im einzelnen ausnahmslos verringert. Das gleiche gilt von der Prehtöhlenherstellung, ausgenommen derjenigen der preußischen Becgwerks- bezirke, die an der oben angegebenen Gesamtsumme der Preßkohlenherstellung aus Steinkohlen mit 433 760 Tonnen partipizieren (Vorjahr 364 027 Tonnen). * Russische Aufträge für die Ruhrindustrie. - Die Industrie- und Handelskammer zu Essen teilt mit, daß seit einiger Zeit Verhandlungen zwischen Vertretern des sowjetrussischen Donogul-Trustes mit mehreren deutschen Jndustriefirmen aus dem Ruhrbezirk über verschiedene Lieferungen und Jnstallativns- rcr Mahdi st geholfen, englische Weiber und Kinder abzuschiochten. Doch war er gegen diesen hübschen, eleganten Franken-- Ibrahim bekam ungeheuren Respekt vor ihm. Der brachte es wirklich fertig und gewann „dort oben". Bah — er wollte das Geschäft wagen. Das Abkommen wurde schriftlich ausgezeichnet, von beiden Teilen unterschrieben, und Janies Wood steckte es zu sich, damit man es gleich bei ihm fände und dem braven Ibrahim keine weiteren Schwierig- teilen mackze. Kurz und bündig stand auf dem Papier: „Da ich freiwillig aus dem Leben scheide, hinterlasse ich all mein Hab und Gut, das ich auf meinem Körper trage, meinem Freunde Ibrahim ibn Abdullah, Maitre d'hotet in der Maison Astarte. Alexandrien, den 5. Oktober 1924. gez. James Wood. Ibrahim ibn Abdullah." Ibrahim reichte James Wood das Elfenbeinkärtchen und grinste: „Ich wünsche mir; Sir, daß Sie mir die fünf Prozent zahlen können." „Ich wünsche mir das auch!" Und James Wood stieg leichten Fußes die teppich- belegte Treppe empor. 2. Kapitel. Oben nahmen ihm zwei Fellachen Hut und Ueber- rock ab. Em dritter ließ sich die Eintrittskarte zeigen und öffnete eine teppichbehängte Tür, die in einen kleinen Empfanasfalon führte. Kein Menfck) war hier zu sehen, mit Ausnahme eines vierten Aeyypters, der mit tiefem Salaam vor James Wood die Portiere zum Spielsaol zurückschlug. Alle Achtung! Der Raum konnte sich sehen lassen! Ein kreisrundes Gewölbe, mit einer weilen Glas- kuppel überdacht, alles in Gold und Grün. Symbolische Farben? Ist Grün nicht die Hoffnung, das Gold zu gewinnen? James Wood nahm's als Omen und trat langsam naher. Wozu sick) Hals über Kopf in dos Duell mit dem Schicksal stürzen? Selbst ihm, der sich doch um die ganze Erde herumgespielt hatte, bot der Spielsaal der Maison Astarte Neues und Interessantes. Sieben Tische standen im Ringe längs den Wanden — Roulettetische. Im Orient liebt man es nicht, mit Bakkarat ober Trente-et-Quarante die Zeit zu vertrödeln. Die Elfenbeinkugel — das ist das Spiel des Orients. Sie ist lebendig. Ist ein Dämon, der über Menschenleichen springt. Sie klirrt. Sie schwirrt. Zauberisä) ist ihre Musik, wenn sie über die kleinen Messingfächer tanzt und tänzelt.--Die Nerven tanzen mit. Werden fortgerissen--Des Orientalen ganze Leidenschaft vibriert mit der kleinen weißen Kugel--- In drei, vier Reihen drängte es sich um jeden der Tische — ein lebender Völkeratlas Afrikas, Europas und Asiens. Weiße, braune, gelbe und schwarze Gesichter. Tadellose Smokings aus London und buntfarbene Kaftane der Araber. Kleine, mit hypermoderner Smartheit gekleidete Japaner und große, schweigsame Chinesen. Perser mit hohen Lammfellmützen und weißbeturbante Händler aus Omdurman. Blonde Enakssöhne aus Skandinavien und schwarze Jtalianos. Dunkelhäutige fette Griechen und jovial lachende Amerikaner. Es heißt, in Alexandrien sollen hundertsünfzig Sprachen gesprochen werden — ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber das weiß ich, daß in dem grüngoldenen Speisesaal der Maison Astarte mindestens ein Fünftel von den .hundertfünfzig zu hören waren. Und die Frauen? Ein Spielsaal ohne Frauen? Noch dazu in der Levante? Ausgeschlossen. Also Frauen waren da. Sogar ein paar recht hübsche. Ueppige Griechinnen aus Smyrna, Araberinnen und Mauresken — reizvoll, lockend, mit dunklen, verschleierten Augen. Manche dieser Priesterinnen modern aufgemacht, manche wieder im hei- mallichen Staat, die klirrenden Münzenkctten um den Hals---. Geschicktes Management — nickte verständnisvoll James Wood, als er sich in der Mitte des «aales mifstellte und Generalinfpektion abhielt. Eine, zwöi der Frauen schlenderten vorüber und warfen dem hübschen, eleganten Burschen aufsor- bernbe Blicke zu. Er lächelte zurück — hm, Weiber? Jetzt? Nachher--! Vielleicht--- Bei diesem Vielleicht zuckle plötzliche Nervosität in ihm auf. Gab es nicht einen anderen Weg nodj, das Schicksal in die Knie zu zwingen? Ein Pfund! Für hunderttausenbe armer Teufel ein Vermögen! Für ihn eine letzte Chance! Vielleicht! Unb wenn nicht? Man konnte morgen alles Mögliche versuchen. Sich im Hotel als Interpret anbieten. Eine Stelle als Schreiber in einem Pasfagebureau suchen! Neee — —. James Woob reckte ben schlanken, sehnigen Körper. Nur nicht sich degradieren. Als Lump zugrunde gehen — aber als vornehmer Lump. Noblesse oblige--! Unb bann--! Hatte Ibrahim ibn Abdullah nicht sein Wort? Er lächelte. Ein Gentleman hält dem andern seine Verpflichtung. Eine kleine Levantinerin schwebte an ihn heran. Dunkle Augen und weiße Zähne lachten zu ihm empor. „So in Gedanken, mein Kapitän?" Da unten sind alle hübschen, stattlichen Männer Kapitäne, Soldaten, Seehelden. Die Frauen des Orients bewundern so gern. Die Kleine war reizend. Ihr Mund war der eines unschuldigen Kindes, ihre Augen die einer in tausend Künsten erfahrenen Kurtisane. In ihren Nasenflügeln vibrierte die Rasse--- James Wood gab ihr Blick und Lächeln zurück. „In Gedanken? Kommt man hierher, um zu denken?" »Nicht für gewöhnlich. Man beginnt erst zu denken, wenn man fortgeht." Die Kleine war mehr als reizend. Sie war wie das Leben, so wie James Wood es liebte. Geheimnisvoll, mit Abgründen und liefen. Nur keine Langeweile! Man mußte den Teufel lachen hören, wenn man solch Weib küßte--. Und das da vor ihm war zum Küssen--- Schade — schade! Nur nicht schwach werden! James Wood schüttelte den Kopf. Sein Mund preßte sich zusammen. Wurde hart — Mit Erstaunen sah es die Schöne. „Sie sind traurig, mein Kapitän", sagte sie. „Sie haben Kummer?" „Kummer nicht. Aber kein Geld habe ich — das ist viel schlimmer. Nicht einmal soviel, um mir einen Kuß von Ihren schönen Lippen zu kaufen." „Oh--! Sie machte ein Mäulchen. „Vielleicht werden Sie gewinnen", tröstete sie. Aber deutlich hörte er aus ihrer weichen Stimme heraus, wie ihre Sympathie für ihn abnahm. Nur noch ans Höflichkeit blieb sie bei ihm stehen--- (Fortsetzung folgt.) und ter k Worten. 2 heilen gefii leitete Äei nur öeHal Stimmtest 5abe, Herr Mittel gesm zu rnktnolu KmmrhÄ ouhervrdent Der QI die Tara England ui Abkommen greifens d müsse man den alten Abkommen klar unö f man habe f Intervention entmilitarisb lache, daß n Mit den Gre »ufriebc tnü den Os Ich nützlich Aach e Dlskussionsi Cachin ö, 'säge ausst S*".' 5< vertrage 1 toeniget .Frankreich Jranfrek Paris in W ub-r Venter P« den soll, dw nbgeschlv!!°u Ser Denchk »artige Ar Paul Do Locarno k ausgegange neben alth gen von V len. mich griffen bat Krieg been wie die a Zriedensve Mhnahm« darunter I des. 2k so spreche ginn, der weil Deutsc die Enilvaj Schritt, t sehung der Provisor ftung des Miarisiert nahm, die intcrnat' Lafsmmg. Sie Unle sailles hä 1 die Siche Aahmen t f zwei Eintritt, die Mienischm Maußeröe bundsrates . 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Telegraphische Auszahlung. 97.77 39,5 Das Rehmen des Bauern würde gegen Sf4 d5 verhängnisvoll sein. 6 26 101,5 40 5 43 95 75’ 83,75’ 80,75’ 99* 39 H4 30 24 25. Dd2-f2 26. DF2-H4 27. d3-d4 28. Sdlxe3 Durch diesen 20. b2xc3 21. h3-H4 22. H4-h5 23. h5xg6 Bei oberflächlicher 20 1 42 95 5 62.75 27 5 । 6 t 103 75 | 41 43 Weih. Weih zieht und seht im zweiten Zuge matt Weih: 8 Steine Kc8, Dg2, Th4, Lbl, Lc3, Sd4 Se4, Ba4. Schwarz: 4 Steine Kd5, Sg7, Bb4, Bc6. Ein hervorragender Zweizüger! Partie Nr. 38. In der nachfolgenden Partie, welche im Moskauer Schachturnier gespielt wurde, bereitete Iljin-Genevsky als erster dem Weltmeister Capa- blanca eine Niederlage. Sizilianisch. Weih: Capablanca. Schwarz: Iljin-Genevsky. 145,75 108,5* 127,7’ 127,1’ 120,7’ 101 5’ 6,0 0.0275 86’ 45 44.25’ 88.5* 89.25’ 106.4* 115.5’ I 118.5 35.25 48.5’ 75,62* 19 25’ 83 glaubt man, daß Schwarz die längste Zeit gespielt hat, denn Weih braucht ja nur zwei starke Figuren auf der h-Reihe zu postieren, um dann einen sofortigen Sieg zu erzwingen. Die Frage ist jedoch hier: wie? 24. Sf2-dl Also war der 19. Zug des Weltmeisters nicht stichhaltig. Er hat hiermit ein wichtiges Tempo verschenkt. So etwas rächt sich manchmal bitter. 0,5375 0..I4 0.38 0,495 0 34 20. e7-e6 21. Tc8-b8 22. Tb8-b6 23. h7Xg6 Beurteilung der Stellung Der Schlüsselzug dcr glänzenden Gegen kombination Iljin-Genevskys. 0,10 0,88 o.n 0,36 0.343 03 99,5 Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orb ach. 24.2. 25. 2. 0.365 0 36 . 0,470 0,211 0.370 0.300 | DatNM: I 24. 2. arbeiten in der illraine gesührt werden, die einen beiderseitig befriedigenden Abschluh Geschäfte hoffen lassen. 3m Zusammenhang mit ist eine Studienfahrt in die ilnion Sowjetrepubliken geplant. * Betriebsstillegung. Wegen schwierigen wirtschaftlichen Lage hat sich Betriebsleitung der Emser Bleihütte entschlossen, den Hüttenbetrieb am 30. März vollständig stillzulegen. Den 11 Angestellten und 190 Arbeitern ist zu diesem Zeitpunkt bereits gekündigt wor- 100 Kg. 83 bis 85, unter 80 Kg. 78 bis 82, von 100 bis 120 Kg. 84 bis 86, von 120 bis 150 Kg. 83 bis 85. Marktverlauf: Kleinvieh bei langsamem, Schweine bei regem Handel ausverkauft: norddeutsche Mastkälber wurden über Notiz gehandelt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 24. Febr. Die Geschäftstätigkeit der Berliner Produktenbörse bewegt sich heute wiederum in engsten Grenzen. Der flaue Preisstand an den amerikanischen Börsen, sowie die vorliegenden um 1,25 d ermähigten Liverpooler Ansangsnotierungen lassen an dem Berliner Pro- duktemnarkt für Weizen Lokoware kerne beachtens-- tnerte Kursveränderung sich durchsetzen. Bestes Material ist nach wie vor knapp. In Roggen war das Geschäft ruhig. Das Mehlgeschäft läht sich in 'Weizenmehl etwas besser an, sonst ruhig. Bon Gerste nur allerbeste Ware gefragt. Bon Hafer nur Exportware begehrt, 3m Lieferungsgeschäft war die Tendenz für Weizen stetig, für Roggen dagegen schwächer. Märzweizen eröffnete Büchertisch. - Werner Jansen, Geier um Atari e n b u r g. Roman. 3» Ganzleinen gebunden 6 Mark. Verlag Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg. - Ohne Ironie, aber auch ohne Erbarmen zeigt Jansen die Richtigkeit cineS halben Jahrtausends an dem Schicksal seines Helden Heinrich von Plauen, der, als et um seines Volkes Rettung Opfer von eben diesem Volke verlangt, von den eigenen Ordensbrüdern gestürzt wurde. Heute, da die polnische Brandung wiederum gegen den deutschen Osten anstürmt, mag dieses Buch von ostmärkischer Vergangenheit Gedenken und Mahnung zugleich entscheidenden Zug bricht das Spiel des Weltmeisters schnell in sich, zusammen. 29. d4xe5 29. Dc3>^e3+ Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaitlon des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 50. Don D. Dalle. '. Preis „Piccolo Scachista". Schwarz. b c <1 e Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redakttonsttfch. Die Lokalgröße. Ein humorvoller Besucher der Shakespeare- Stadt Stratford-on-Avon bemerkte eines Tages aus Späh zu seiner Wirtin: „Wer ist denn eigentlich dieser Shakespeare, von dem man hier soviel hört? War es ein großer Mann?" Auf diese lustige Frage gab ihm die Dame die folgende ernsthafte Antwort: „In früherer Zeit hat man sich nicht viel um ihn gekümmert. Erst die Amerikaner haben ihn zu dem gemacht, was er jetzt ist." Die Bibliothek. Dora: „Man sagt, ein Kuh spricht Bände." HanS: „Ra, da wirst du dir aber bald eine Bibliothek einrichten müssen." Klug bedacht. Der Rittmeister unterwirft die Ställe einer grütldlichen Inspektion: alles ist in Ordnung, bis fein Adlerauge plötzlich einige Spinnweben an der Decke erblickt. „Was soll das bedeuten?" fragt er mit gerunzelter Stirn. „Zu Befehl, Herr Rittmeister," erklärt der Sergeant, „die haben chir oben gelassen, damit die Pferde nicht soviel von den Fliegen belästigt werden." Ein schwerer Gang. Der ebenso geistvolle wie bissige Mathematiker Kästner hatte einmal bei einer Gelehrtenstreitigkeit seinen Kollegen Michaelis schwer beleidigt. Dieser rief die Behörden um Hilfe an, und es wurde Kästner von der Regierung an» befohlen, Abbitte zu tun. Gr führte diesen schweren Gang folgendermahen aus: Leise schlich er sich in das Haus und klopfte zwei- bis dreimal an der Tür der Studierstube von Michaelis, ohne auf dessen „Herein!" einzutreten. Schließ- lid) öffnete der alte Theologe zornig die Tüt und blickte hinaus. Da rief Kästner: „O verzeihen Sie!" und sprang leichtfüßig die Treppe herunter. 132* I 128’ 129,5* I 127 6’ frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) F r a n k s u r t a. M„ 25. Febr. Tendenz: schwächer. — Die Abhängigkeit der Effektenbörse von Amerika, die bereits wiederholt zum Ausdruck kam, trat heute schärfer hervor. Die and) heute sehr matten Kurse an der Neuporker Börse verschärften die Zurückhaltung und beeinflußten die Stimmung recht u n g ü n st i g. Bei eng begrenztem Geschäft eröffnete der Verkehr in fchwadier Haltung. Der Kursdruck war recht empfindlich, zumal die Kauf- und Unternehmungslust der Spekulation durch 186 4’ 67.25 57 74.5 90 25 96 | 80,5 85 81.25 94,5* | 40 33,9 23 29 5% Deutsch-- NcichSanIeitze - 4% Dculschc Neichöanlcchc . 3'/.J°/n Deutsche Retchsanlctlic 3% Deutsche lRet»8anlelbe • Deutsche ^iiarpramtcnnnlciQt 4°/o Preußische KünsolS - - ■ 4*/» Hessen 3’/.7j> Hegen......... 3% Hessen Denttche Wert!). DoNar-Anl. bfo. Doll-Schav'Anwctsno.’t 6,893 5,873 6,893 Bnl arien 3,015 3,055 3,045 3,046 Lissabon d 24 1 21,255 21,245 21,295 Danzig - . > HO 89 S| .09 80,87 81.07 .Konstantin. 2,178 2,188 -.165 2,175 Atben. . 5 94 5.96 5 89 5.61 «Lanada. . . 4.179 4,189 1.178 1.188 UrnguaN . 4.32', 4.335 1,305 4,315 Berlin, 24 ffebv Geld Bries Lnicrikanikche Noten . . . . , Brlgische Notrn ..... . Daniichc Noten ....... Englische Noten........ Fr.i"8 81,01 09 35 13.455 5,88 zeige mit Preisen morgen an dieserStelle <7.38-0 Samstag Samstag von den bis den 27. Februar 6. 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