Nr. 275 Erster Matt 176. Zahrgang Mittwoch, 21. November 1926 Erscheint täglich.allster Sonntags und Feiertag». Beilagen; Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monainBg. Hilferding (Soz.) erklärt, die Schöpfer des Eisenkarkells hätten durchaus als marxistische Propagandisten der Tat gehandelt. Die kommunistische Opposition sei dagegen unmarxistisch, denn es handele sich hier um eine notwendige Höh er-Entwicklung der Wirtschaft. Eine gewisse äleberwachung sei jedoch notwendig. Reichsminister Dr. Curtius erklärt: Die deutsche Wirtschaft kann in einem völlig un- gefeftigten Zustand der Rohstahlgemeinschaft nicht an eine Herabsetzung oder Aufhebung der Eisenzölle denken. Der Pakt -hat keine Spitze gegen England. Trotz aller Sorgen, die auch das deutsche Volk erfüllen, werden wir im Interesse der politischen Befriedung Europas, vor allem aber im Interesse der nationalen Wirtschaft, das Zustandekommen der Rohstahlgemeinschaft begrüßen können. — Damit schloß die Aussprache. Der Vorsitzende, Abg. P e r l i» tiuö (Zentt.) erklärte zum Schluß der Verhandlungen: Wir stehen vor einer neuen Wirtschaftsepoche. Weite Kreise stehen noch als Beobachter abseits von dieser Entwicklung. Wir aber haben _ zur Reichs re gierung und zu den Wirifchaftsführern das Vertrauen, daß sie das eine nicht aus dem Auge lassen — das Wohl der Ration. die zur Verhandlung standen, kann niemand erwarten. daß acht Wochen nach dem Gespräch von Thoiry schon die Resultate oorgelegt werden können ' Auch die Militärkontrolle war ein Gegenstand jenes Gesprächs und mit dieser Frage beschäftigen wir uns jetzt. Die Reichsregierung ist der Ansicht, daß die fachlichen Vorausfetzungen für die Abberufung der Interalliierten Kontrollkommission jetzt gegeben sind. Die deutsche Entwaffnungsaktion ist materiell tatsächlich abgeschlossen In langwierigen Verhandlungen ist es gelungen, die strittigen Fragen bis auf einen kleinen Rest zu erledigen. Die einzelnen Punkte, über die zur Zeit verhandelt wird, können keine Veranlassung für ein weiteres Verbleiben der Kommission sein. Von den beteiligten Regierungen muß erwartet werden, daß sie nicht mehr zögern, aus dieser Sachlage die einzig mögliche Konsequenz zu ziehen. Auch in der Frage der nationalen Verbände hat die beuifdie Regierung alles getan, wa zur loyalen Ausführung des Versailler Vertrags erforderlich war. Die Regierung alles getan, was zur loyalen Ausfüh- niemals durch irgendwelche Verbände stören lassen. Sie wird überall da vorgehcn, wo die Verbände ihren Rahmen überschreiten. Ebenso wird sie darüber wachen, daß zwischen b e r a r t i g/c n Verbänden und der Reichswehr keinerlei Verbindung besteht. Angehörige der Reichswehr, die gegen diese Vorschriften verstoßen, werden unnachsichtig zur Verantwortung gezogen werden. (Beifall in der Mitte.) Bei dem Znoesligationsrecht des Völkerbundes handelt es sich nicht darum, die jetzige Kontrolle aus ein anderes Organ zu übertragen. Die Rechte des Völlerbundes haben einen ganz andern Charakter. Zur Klärung von Zweifeln, die in dieser Frage neuerdings aufgetaucht sind, ist die Regierung zu Verhandlungen im Völkerbund jederzeit bereit Kein Zweifel kann aber darüber bestehen, daß die Klärung der Investigationssrage nicht zu einer rechtlichen Voraussetzung für die Zurückziehung der interalliierten QEilitärlontrollfommi s on fü(r:n dar . D.r Minister betont bann die unbedingte Rotwendigleit, auf der Forderung der allgeme - nen Abrüstung zu bestehen. Wir müssen der Welt Immer wieder vor Augen halten, daß es ein unhaltbarer Zustand ist, den allgemeinen Rüstungsstanö ter Welt aufrecht uerhal en, a er einzelnen Staaten das Maß ihrer Rüstungen vorzuschre.bcn. (Sehr richtig!) Rachdem die baldige Räumung der besetzten Gebiete ein akutes Problem geworden ist, muh dafür auch eine Lösung gründen werden. Der deutsch-sranzösisc-.e Ausgleich, die Festigung der Beziehungen zwischen Den beiden Ländern ist der Angelpunkt der Konsolidierung Europas. Die gemeinsamen Aus- gaf en können nicht gelöst werden, solange nicht die trennende Schranke der Besetzung deutschen Gebietes beseitigt ist. (Lebhafte Zustimmung.) Aerchswehrmini er Dr. Gehler nimmt Stellung zu den gegen das Reichswehrministerium erhobenen Presseanschuldigungen in der Frage der politisierenden Wehroerbande. Er bringt seine ablehnende Stellung zu einer Verbindung der Reichswehr mit diesen Verbänden zum Ausdruck. (Abg. Hölle in sKomm.s: Glauben Sie denn das? Halten Sie uns doch nicht für dümmer als wir sind! — Stürmische, nicht endenwollende Heiterkeit im ganzen Hause.) Dr. Geßler geht dann auf die Veröffentlichung von Bruchstücken einer ihm zugesandten Denkschrift des Jungdeutftchen Dr- dens ein. Die Denkschrift des Herrn Ma rauh n vom Iungdeutfchen Orden gibt noch nicht eine einzige Reichswehrstelle und nicht einen einzigen aktiven Reichswehroffizier an, gegen den ich einfdjrciten könnte. Sie behandeln strittige Fragen zwischen früheren aktiven Offizieren und ihren Verbänden darüber, wer die richtige Vaterlandsliebe hat. In diesen Streit will ich die Reichswehr nicht hineinziehen lassen. Ich gehe allen beftifhmten Angaben rücksichtslos nach, aber ich kann nicht eingehen auf die übertriebene und oerallgemei» nernbe Hetze gegen d i e Reichswehr. (Rufe bei den Kommunisten: Ist das alles? Sie mißbrauchen schon sieben Jahre das Vertrauen des Reichstages.) Abg. Stöcker (Komm.): Dr. Strefemann hat es fertig gebracht, ohne Wissen des Reichstags mit Mitteln, die zu ganz anderen Zwecken bestimmt waren, eine führende Berliner Zeitung anzukaufen, damit sie seine faule Politik vertritt, lieber Frankreich schwebt nicht der Geist von Locarno, sondern der Geist Poincarss. Um so lächerlicher ist es, wenn setzt Hoetzsch Arm in Arm mit Strefemann und Breitscheid in den Genfer Räuberbund eintritt. Die Arbeiterklasse wird den Völkerfrieden herbeiführen im Bündnis mit Rußland und im Kampfe mit den kapitalistischen Pseudopazifisten. Weiterberatung Mittwoch. Das Pariser Presseecho. Paris, 24. Rov. (WTB. Funkspruch.) Die Rede des Reichsaußenministers Dr. Strefemann wird von der Presse noch nicht allgemein besprochen. ©irrige Blätter, so „Petit Parisien", stellen die Frage der Militärkvntrolle in den Vordergrund. Das Blatt erklärt, es hänge nur von Strefemann ab, das gegenseitige Dec* 1 rauen zu schaffen, nämlich dadurch, daß er so I rasch wie möglich die Ursachen beseitige, die dre Kommission Walch noch h.ndere, die Reichshauptstadt zu verlassen. Das sozialistische „Oeuvre" schreibt, da di« finanziellen Gegenleistungen, die Stresemann in Thoiry ins Auge gefaßt habe, vorläufig nicht in Betracht kämen, deshalb erkläre sich Stresemann nicht bereit, die Sorgen Frankreichs um ferne Sicherheit in Rechnung zu stellen und eine Völker- bundskontrolle anzunehmen, die kein Köder sei. Warum wolle er nicht in eine ständige äleberwachungsorganisation an gewissen Punkten der entmilitarisierten Rheinlandzone einwilligen? Der „Fi- garo" erklärt, die Rede Dr. Stresemanns zeige, daß die Reichsregierung bezüglich der wesentlichen Punkte keine Zugeständnisse an Frankreich zu machen beabsichtige. .Scho de Paris" schreibt, bedauerlicherweise spreche die Logik von Locarno und Thoiry für die Rede Stresemanns. Seit zwei Jahren spiele Frankreich bei allen seinen Abkommen mit Deutschland und den mit ihm geplanten Abkommen von vornherein die Hypothese der Gewalt und des schlechten Vertrauens aus. Wie könne Frankreich ohne seinem Wort untreu zu werden, heute Gewalt- und äleberwachungsmahnahmen aufrecht- erhalten, die ohne eine derartige Hypothese keinen Sinn hätten? Der englische und der italienische Schiedsrichter, die man in Locarno eingesetzt habe, konnten in diesem Punkte Frankreich nur Unrecht geben. Ein Vorschlag der „Malin". Vorzeitige Rheinlandräumung gegen ständige Kontrolle der entmilitarisierten Zone. Paris. 23. Rov. Der ..Malin" schreibt in einem zweifelsohne nicht ohne Fühlungnahme mit den amtlichen französischen Stellen geschriebenen Artikel. Deutschland erkläre, daß es seinen Enlwafs- nungsvcrpsiichtungen Genüge geleistet habe, und tatsächlich könne man sagen, daß, trotzdem noch einige Kapitel zu regeln seien, das Ende der Militär k o n t r o l l e in Deutschland mit riesigen Schritten herannahe. Menn die Kontrollkommissionen aus Deutschland zurückgezogen würden, träte Art. 213 des Versailler Friedeusvertrags in Kraft, und außerdem müsse auch die entmilitarisierte Zone kontrolliert werden. 3n beiden Fragen weigere sich Deutschland, übrigens mit Anter st ützung derEng- l ä n d e r, eine Kontrolle auzunehmen in Form eines ständigen Organismus. Die französi- idje öffentliche Meinung sei einmütig der Ansicht, daß die Rolle des Völkerbundes in der Entwass- nungskontrolle präzis sein müsse, bevor die Aeber- tvachung der interalliierten Militärkontrolle aufhöre. Die deutsche Regierung verlange vor allen Dingen das vorzeitige Ende der Rheiniandbesehung. Es fehle also, wenn man sich wirklich mit ihr über die Organisation wirksamer Kontrollmiltel sür die Zukunft verständigen wolle, nicht an Verhandlungsgrundlagen. Man könne, wenn man wolle, die B e - -atzung abkürzen unter der Bedingung, daß schon se lz t an Stelle der scanzösischen Truppen eine befriedigende Gestaltung der Kontrolle des Völkerbundes organisiert würde. Das fei vielleicht das einzige Mittel, um dem französischen Parlament eine beschleunigte Räumung annehmbar zu machen. Der französische Minister, der sie zu rechtfertigen hätte, gerate nicht in Verlegenheit, um zu beweisen, daß es besser sei, ein Regime ständiger Sicherheit an Stelle eines Besahungs- regimes treten zu lassen, das ja doch nach wenigen Jahren einEndeslndeu müsse. Wenn eine derartige Transaktion vor der öffentlichen Meinung in Frankreich vertreten sei, so sei ste für jedes deutsche Ministerium unerläßlich, das seinem Land Son- trollsysteme schmackhaft machen wolle, die in gewissen Punkten das in den Verträgen festgesetzte Recht überschritten. Doch derartige Verhandlungen seien nur möglich in einer allgemeinen Diskussion über die europäische Politik, so wie sie in Thoiry eingeleitet worden sei. Die Notwendigkeit ‘ der allgemeinen Abrüstung. P a r i s, 23. Rod. (TTl.) Der belgisch« Völker- bundsdelegierte Senator de Drouqudre, der bei den Genfer Abrüstungsverhandlungen eine führende Rolle spielt, veröffentlicht im^ Oeuvre einen Artikel unter der Tleberschrift: „Soll ab- gerüstet werden?" Gr kommt dabei zu folgenden bemerkenswerten Sähen: Die Hauptsache ist, daß die Frage einmal gestellt wurde. In Versailles hat sich Deutschland verpflichtet, abzurüsten, um die Vorbereitungen zu einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Rationen zu ermöglichen. Entweder müssen wir uns an das Deutschland im Vertrag gegebene Versprechen der allgemeinen Abrüstung halten oder erklären, daß wir es nicht halten werden und dem gemäß gestatten, daß auch Deutschland sich nicht mehr in vollem Wabe an sein Versprechen bä Ct Wir müssen aber entwaffnen oder wir steuern in unmittelbarer Zukunft einem Kriege zu. Ich zweifle daran, schreibt Drouquere zum Schluß, ob sich Regierungen finden, die vor ihren Völkern die schwere Verantwortung aus sich neBgieu werden, das Abrüstungsgesetz, wenn es einmal konkrete Formen angenommen hat, zu verwerfen. Indien und die Neichrkonferenz Bombay. 23. Rov. (WTD.) Die indischen Blätter äuhern sich im allgemeinen wenig befriedigt über den Bericht des Ausschusses der Reichokonferenz für die Beziehungen innerhalb des Reiches. Das in Kalkutta erscheinende B'.att ..Forward" schreibt: Indien wird in de r H a n d fremder Herrscher sein, während das Parlament absolut keine Kontrolle über die Dominions haben wird. Das Blatt ^Amrita Bazar Patrik" bemerkt: Solange Großbritannien eine Stimme in den Angelegenheiten der Dominions hatte, bestand wenigstens ein gewisser Schutz für das Volk Indiens gegen Ungerechtigkeiten von leiten der Vertreter der Kolonien, aber in der neuen Arra wird Großbritannien, selbst toeivn es dem indischen Volt helfen wollte, dazu nicht in der Lage sein. Das in Madras erscheinende Blatt „Aews India" ist der Ans.cht, daß Indien in Zukunft die Untergebene in einem Haushalt mit sechs Herrinnen statt bisher einer sein weö>e und fordert Indien dringend auf. die größten Anstrengungen zu machen, um den Dominions- Status zu bekommen. Das in Bombay erscheinende Blatt „Rational DieAusnahmegefetze MIiaUen. Mussolini über das Rom, 24. Rov. (TU.) Der italienische Ministerpräsident empfing den römischen Vertreter der Telunion zu einer längeren Unterredung, in der Mussolini erklärte, daß durch die von der Opposition ausgeübte, aber mißglückte Sabotage die ganze Ration tiefgehend beunruhigt würde. Das konnte die Regierung, die allein die Verantwortung trägt, nicht dulden. Daher war die Schäftung der strengen Maßregeln notwendig, die aber nur Ausnahmegesetze darstellen, welche durch die ungewöhnlich erregten Zeiten gerechtfertigt waren und auch zeitlich auf 5 Jahre beschränkt sind. Das besondere Gericht in Rom - und nicht außerordentliche Revolutionsgerichte, die. wie im Ausland« verbreitet wurde, über das ganze Land verteilt werden ollten — bedeutet an sich nicht im mindesten ein Mißtrauensvotum gegen unseren über jeden Verdacht der Parteilichkeit erhabenen Richter- tand, sondern ist lediglich eine Folge der Lang- amkeit unseres regulären Strafverfahrens, das zu reformieren wir noch keine Zeit gefunden haben. Es ist doch wider- innig, daß über ein vor mehr als einem Jahr begangenen Attentat noch kein Richterspruch ge- ällt werden konnte, weil die Formalitäten der Prozedur zu langwierig sind und allerhand Winkelzüge der Angeklagten eine Verschleppung des Prozesses ermöglichen. Das erweckt beim Volk älnwillen und sogar Mißtrauen gegen die bestehenden Gerichte. Dagegen wird eine Strafe, auch die härteste, als gerecht empfunden, wenn ie die unmitelbare Sühne ennes Verbrechens darstellt. Das neue Tribunal wird und muß schnell arbeiten. Die deutsche Presse verkennt den Einfluß, hen faszistische Regime. der „Grand Orient" in Italien hat und gehabt hat. Er ist immer international und antireligiös, destruktiv und unmoralisch gewesen. Die italienischen Ligen haben in der raffiniertesten Weise und völlig skrupellos jede vorübergehende Tlnzufriedenheit cinzekner Erwerbsllassen und einzelner Berufe und jede Schwankung im Strom der öffentlichen Meinung ausgenutzt, um die Ordnung im Staate und die Hierarchie im Heer und in der Beamtenschaft zu zersetzen. Dir find ein gesundes, nationalempfindendes und katholisches Volk. Wir können feine demoralisierenden Faktoren, keine Staatsfeinde und keine Kirchenfeinde dulden. Die politischen Beziehungen zu Deutschland sind durchaus freundliche. Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern nehmen einen immer größeren und erfreulicheren Aufschwung. Mein persönliches Entgegenkommen kann man daraus ersehen, daß in den letzten Tagen auch der Abschluß eines Ablösungsabkommens für den deutschen Besitz in Südtirol perfekt geworden ist und ich die Freigabe einer Anzahl deuts^r Drsitzungen verfügt habe. Auch bei Einzelfragen, w e z. D. der Frage der Handhabung der Militärkontrolle, könnte man zu einer Verständigung kommen, vielleicht im Anschluß an die englische Auffassung. Ans in Italien interessiert die epochemachende Erfindung des hervorragenden deutschen Gelehrten Dergins »über die Verflüssigung der Kohle in ßO- setzen, nämlich den Sprechanismus. ES handelt sich dabei um jene begabten Menschen, die alles können, über alles «reden uni) nie um eine Antwort verlegen sind. Wollte man sie darstellen, so brauchte man nur den Gesichistcll auf das Bild zu bringen, der sich unter ihrer Rase befindet. Sir wissen ihn sebr geschickt aufzumachen und können ihn in den alRrfeitenften Fällen eine Welle lang schließen. Wan kann getrost die Probe machen- sie werden nicht txrfagen. Öhr Sprechanismus wirkt exakt. Wir fitzen im C j.naahnabtdl und erzählen uns etwas von dec Elektrisierung der S senbghn. Der Herr mit dem SprechaniSmus hat kaum die ersten Satze aufgeschnappt, als er uns auch schon in» Wort fallt. Er ist durchaus nicht unhöflich, entschuldigt sich sogar, dah er und stört, aber er kann nicht umhin: er muh. Sein Ton ist nicht etwa beleidigend, als wenn wir Hanen wären ohne seine Weisheit: der Ton ist so wie bei allen SprechaniSmen: laut, gewissermahen sachl'.ch, selbstbewußt und ausgeleiert. Sobald ein Satz heraus ist, Poltern die anderen nur so hinterher. Eine Lawtne von Worten schüttet sich über uns. Wan kann kaum mehr Atem holen und gibt von vornherein das Spiel verloren. Der SprechaniSmus siegt auf der ganzen Front. So ist es aucfy an der Haltestelle der Slek° Irischen, im Geschäft, am Telephon, am Post- schalter, rm Konzert: manchmal sogar auf der Sparkasse. wenn man bort Kunde sein sollte. Die Leute mit einem Sprechanismus machen sich eben immer bemerkbar. Sie scheinen Furcht davor zu haben, daß einmal eine — Schweigepause emtröte. Das muh wohl eine Beleidigung für sie sein. 3kb rate allen, nur ja nicht einen unnützen Kampf führen oder einen durchaus vergeblichen Bekehrunasetfer zeigen zu wollen. Wan lasse sie reden und benutze die nächste passende Gelegenheit, um zu verschwinden. Losungswort: Rette sich, wer kann! H. R. Bornotizen. — Tageslasender für Mittwoch. Stadttheater: 7*/.HHr, »Week-end" (HebernSonn- tag), Ende nach 10 Uhr. — Lichtspielhaus. Bahn- hofstrah«: „Das Geheimnis von St. Pauli". — Aftoria-Lichtfp.ele: »Frauen und Pferde". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Auf d e Volks- und Schüler- vvrstelluna am nächsten Freitag, die Geisows hübsche Cyavakterkomödie „Der alte T ex t or" zu ermäßigten Preisen bringt, sei ganz besonders hinaewiesen. Es ist die letzte Aufführung des erfolgreichen Werkes. Bon der ßanbesuniperfität Nach oorläufiger Feststellung sind im laufenden Wintersemester an unserer Universität immatrikuliert: 1348 Studierende, ausschließlich Gasthörer, gegen |358 im Wintersemester 1925 30 und 1388 im letzten »ommersemester. Unter den Studierenden dieses Semesters befindet sich auch der älteste Sohn des früheren Großherzogs von Hessen. " Kirchliche Personalien. Heber- tragen wurden dem Pfarrverwalter Robert Wolf geben. Die ausgedehnte Wasserfläche harrt deS von den SiLsportlern erwünschten, allertings von den Richtsporllern gefürchteten Frostes. Für tu- sen sind die Aussichten angesichts des zur Zeit herrschenden gelinden Welt rs nicht günstig, indeh er wird kommen — früher oder später —: immerhin empfiehlt es sich, die Schlittschuhe hervor- zusuchen und instandzusetzen, denn Retter Frost termnt häufig über Rächt. Eine alte Eibe besitzen unsere städtischen Anlagen in dem früher Stein' schen Garten. Der strauchartige Daum von 7 Meter Höhe hat einen Kronen durchnusjer von 15 Meter Der kurze Stamm teilt sich nahe an der Erde in 5 Hauptäste. die zusammen einen Durchmesser von 65 Zentimeter aufweis.n. Da der jährliche Zuwachs bei der Eibe nur sehr gering ist uni) bei unserer Pflanze kaum einen Millimeter beträgt, könnte man bei Berechnung des Holzzuwachses auf ein sehr bedeutendes Alter schlic- Ben. Es ist aber belannt. daß die Eibe in der Jugend schneller wächst. Der älteste Teil des jetzigen Bürgermeistereigebaudes ist um das Jahr 1786 erbaut worden. An dieser Stelle — weit vor den Toren der Stadt — war Garten und Wohnung des Festungsiommandanten. Man wird vielleicht nicht fehlgehen, tnenn man annünml, daß der Baum aus dieser Zeit stammt und Mithin etwa 200 Jahre alt sein dürfte. Die Eibe war früher in den deutschen Waldungen häufig. Gegenwärttg ist sie verschwunden und zählt zu den aussterbenden Daumart in, die in wildem Zustande kaum noch angetroffen werden. Zahlreiche Ortsnamen, z. D. Eifa, deuten auf ein massenhaftes Dorkommen dieser Daumart hin, deren zähe Zweige für Dogen geschäht waren. Die Eibe ist giftig. Pferde und Rindvieh, die von den immergrünen Zwcigen fressen, erkranken. Cs ist darum bei der Anpflanzung von Eiben bei Auffahrten und in Gärten Borsicht geboten. Die von einer fleischigen, eßbaren Hüll: umgebenen Samen keimen erst nach 2 bis 3 Jahren. ** Hundertjähriges Geschästs- iubiläum. Am 15.Rovember waren es 100 Jahre, daß die Firma Ehr. Wallenfels, das Stammhaus der heutigen Firmen Denner, Krumm 8t Sauer sowie Wilhelm Wallenfels Sohn, als Kolonialwarenhandlung, der im folgenden Jahre noch eine Likörsabnk ungegliedert wurde, von dem Äaufmann Georg C h r. Wallenfels gegründet wurde. Das zunächst von den Erben des Doldarbeiters Joh. Ludwig Mannbcrger gepachtete Haus Marktplatz 17 ging im Jahre 1831 zum Preise von 5200 Gulden in den Besitz deS Pächters über. Im Jahre 1863 wurde von der Stadt Gießen der zwischen den Häusern Marktplatz 15 und 17 gelegene sogenannte Dibbemarkt für 750 Gulden erworben und das Haus in seiner jetzigen Gestalt ausgebaut. Dolle 40 Jahre stand der Gründer an der Spitze' seines Geschäftes, und erst Ende der 60er Jahre übergab er es, unter Trennung des Kolonialwarenaeschäftes von der Likörsabrik, seinen Söhnen Christian und Wilhelm. Das Kolonialwarengeschäft übernahm Christian Wallenfels unter der alten Firma in dem elterlichen Hause, während die ßiförfabri/ von Wilhelm Wallenfels unter seinem Rainen in die Drau- gaffe verlegt wurde. 3m Jahre 1893 ging das Kolonialwarengeschäft an den Sohn und Schwiegersohn des Inhabers, die Herren Richard Wallenfels und I. 3. Sauer über, die, da die Räume auf dem Marktplatz zu eng geworden waren, es nach ihren neuerbauten Geschäftsräumen Dleich- strahe 4 verlegten und als reine Großhandlung zu großer Dlüte brachten. Rach dem Ableben des Herrn Richard Wallenfels wurde das Ge- zu Wingershausen die evangelische Pfarrstelle zu Wingershausen. Dekanat Schotten: dem Pfarrer Albrech: T h a e r zu Ensheim die erste evang.- reformierte Psarrstelle zu Groh-Hmstadt. Dekanat Groh-Hmstadt: dem Pfarrer Ernst Siebeck zu Merlau die evangelische Pfarrstelle zu Echzell, Dekanat Ridda: dem Pfarrer Otto Metzler zu Rordheim die evangelische Psarrstelle zu Steinfurth, Dekanat Friedberg ** D ie Rotwohnungen aus Eisenbahnwagen an der Margarethenhütte find bereits gestern durch Dezug des ersten DlockeS im Umfang von fünf Wohnungen in Benutzung genommen worden. Ein weiterer Block von siinf Wohnungen wird voraussichtlich in den ersten Tagen des Dezembers vollendet werden, der folgende. ebenfalls fünf Wohnungen umfassend, soll etwa Witte ^ejember zum Bezug verfügbar sein. Erfreulicherweise läßt sich durch diese Art der Hnterkunstsbeschaf- fung rascher eine Befriedigung des allerdringlichsten Bedarfs erreichen, als wenn man den Weg der Fachwerkbauten beschritten hätte. • • Klagen über mangelhafte Straßenbeleuchtung im Hinteren Asterweg und am Ende der Scholtstrahe, zwischen tec Ste.nstrahe und dem Feld, gehen uns von ken Anwohnern dieser Strahente.le fortgesetzt zu. Aus e.genct Kenntnis der Verhältnisse müf- fen wir sagen, daß diese Klagen in vollem Umfange berechtigt sind. Die Stadtverwaltung sollte ten unhaltbaren Zuständen in diesen Außen- lezirken baldigst ein Ende bereiten; mit je einer Straßenlaterne wäre den Wünschen vollkommen Genüge getan. " Der Bürgersteig in der Reuen Baue am Platze der sog. .Krachenburg" ist jetzt in einwandfreier Weise hergerichtet worden. Durch die Asphallierung und die angrenzende saubere Ausführung der Gartenmauer hat dieser Stva° henteil ein sehr befriedigendes Gesicht erhalten, daS sich norteilbafter ausnimmt, als der frühere Dreckwtnkel an dieser Stelle Die Straße am Amtsgericht wird gegenwärtig weiter verbessert. Der Strahenab- Ichlutz nach dem Wiesengeländc zu hat jetzt provisorisch aus der linken Seite einen zum Wiesenweg abfallenden Weg erhalten, der später weiter «,Itet und für die Dauer bestehen bleiben r Hauptbürgersteig wird jedoch auf der rechten Straßenseite erstehen und ebenfalls durch eine Senkung des Straßenniveaus mit dem Wie- fenweg in Verbindung gebracht werden. Aus diese Weise wird die Straße in verjüngter Form an das Wiesengelände angrciizen, ebenso wird die Möglichkeit gegeben fein, die Bürgersteige mit Kinderwagen. Krankens ah rKeugen usw. zu befahren. Im Sabrbammgelänbe sind gegenwärttg Ausbesserungsarbeiten im Gauge, durch die man die umfangreichen Beschädigungen, die bei der Anfuhr von Baumaterialien und Pflaster- steinen entstanden sind, beseitigen will. • * D i e Abbruchsarbeiten an'dem alten Eisenbahnbrückenbau an der Cder ft ratze sind jetzt vollendet. Runmehr wird mit dec Chaussierung der in den Bereich der Baustelle fallenden Strahensirecke begonnen, mit der man bis Ende nächster Woche fertig zu werden hofft. Cs kann damit gerechnet werden, dah die Chaussee nach Wihrnar in etwa 10 Tagen wieder für den allgemeinen Verkehr frcigegebtn wird. * ' Bon der Eisbahn. Die Wieseek hat einen Teil des durch die Riederschläge der vorigen Woche „überflüssig" gewordenen Wassers an die Wiefenflächs an der Molttestrahe abgefchäft mit der Drvgengrvßhandluna Benner & Krumm unter der neuen Firma Denner. Krumm & Sauer vereinigt. Rach den noch im Desitze des Herrn Sauer befindlichen alten Äauftnricfen gehörte das Haus Marktplatz 17 ursprünglich dem Korporal im französischen 3n- fanterie-Regimeiit .Rassau" Ph. Jacob Mann- berget und seinen Geschwistern, die es seit dem Jahre 1713 besaßen und am 23. September 1762 für 1625 Dulden an Johs. Mannberger verkauften. Bürgermeister von Dießen war damals Kohlermann. Stadtschreiber 5>r. Dalfer. " Braucht Deutschland Kolonien? Heber diese Frage Hal bekanntlich der Bund der Kolonial-Freunde in (Sieben ein Preisausschreiben erlassen, das bis zum 1. Dezember beantwortet sein soll. Einige namhafte Gießener Persönlichkeiten haben dem Bund Geldbeträge für diese Werbearbeit zur Verfügung gestellt, so dah es ihm möglich war. die vorgesehenen Preise zu erhöhen. Es sind zehn Prelle zur Verteilung vorgesehen, die richtige Beantwortung der ersten Frage: „Braucht Deutschland Kolonien?" genügt, um einen Preis zu erhalten. •• Lehrlingsregelung im Handels- gewerbe. In Ergänzung unserer Notiz in Nr. 272 c om 20. Noo. teilen wir noch mit. daß in Betrieben ohne Angestellte nur 1 Lehrling gehalten werden darf. In Betrieben mit 1—10 Angestellten darf in jedem Jahr nut 1 Lehrling bis Hur Höchftzahl von 3 Lehrlingen, darüber hinaus für je 5 Angestellte ein weiterer Lehrling eingestellt werden. Angestellte im Sinne vorstehender Verordnung sind nur solche Personen, die eine ordnungsmäßige kaufmanniscye Lehrzeit durchgemacht haben oder mindestens vier Jahr« kaufmännisch tätig sind. Angestellte, die mehr als den vierten Test des Jahres abwesend sind, sind nicht mitzurechnen. ' Das nächstjährige Gauturnfest der D.T., dessen Abhaltung bekanntlich dem Turnverein Heuchelheim übertragen wurde, findet vom 9. bis 11. Juli 1927 statt. Bei der günstigen Lage des Festortes, tn unmittelbarer Rahe Gießens mit feinen guten Eisenbahnverbindungen nach allen Teilen des Gaues, ist mit einer Massenteilnahme nicht nur seitens der Wettturn er und »turnemnen, sondern auch sonstiger Festteilnehmer zu rechnen. Cs wird sich deshalb empfehlen, wenn die Vereine jeglicher Art des Gaugebietes bei Festlegung ihrer Gommerver- anftaltungen auf das Gcrusest Rücksicht nehmen und die obengenannten Tage frei lassen. WER 1 285000 Radiohbrer. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer ist im Laufe des Oktober um mehr als 39 000 gestiegen und betrug im ganzen Reiche am 1. Rovern der 1 285 000. •• Die Maul- und Klauenseuche ift neuerdings amtlich sestgestellt worden in Hungen, Steinbach. Treis a. d. Lda. (Kreis Gießen). Ober-Erlenbach (Kreis Friedberg), Dindsachsen und Dleichenbach (Kreis Büdinaen), Roth (Kreis Marburg) und Rodheim a. d. V. (Kreis Biedenkopf). Erloschen ist die Seuche in Gambach. Kaichen. Os.enheim, Bauernh.im, Ober-Florstadt. Vilbel (Kreis Friedberg), Orleshausen, Düdelsheim, Aulendiebach und Hof Leustadt (Kreis Büdingen), Bisienberg (Kreis Wetzlar). Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingefandte Manufkrlple ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Anzeigenauftrage sind lediglich an dl« Geschäftsstelle zu richten teile. Preis 50 Pfg. Das lVafihen mit SU MA ift fo einfach: Löf en Sie in warmem Waßer SU MA zu einer kräftig fihäumenden Lauge auf. Kochen Sie darin 15 Minuten. Leichtes Durchwafchen und mehrfaches Spülen bilden den Schluß. Wollfachen und Farbiges werden herrlich, wenn - ohne zu kochen - in SUMA gewafchen. 5UMA fchont die Wäfche wie kein anderes lVaJchmitteL Es enthält alles, ivas zur vollkommenen Wäßhereinigung nötig iß, aber keinerlei . bleichende Chemikalien oder fchädliche Befland- bin ich abends nicht mehr müde und verdroßen. 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Angebotsoordrucke werden, solange der Barral reicht, zum Selbstkostenpreis abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis Mittwoch, den 1. Dezember 1926, vormittags 11 Uhr, dem Eröffnungstermin, auf unserem Amte abzugeben; zur Eröffnung haben die Bieter Zutritt. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 22. November 1926. Hess, hochbauaml Gießen. Berth. Bekanntmachung. Betr.: Ergänzungswahl zur Jndustrie- und Handelskammer. Zur Vornahme der Ergänzungswahlen zur Industrie- und Handelskammer wird Termin bestimmt: a) für denWahlbezirk Gießen-Sladt auf Dienstag, den 30. November d. 3., vormittags von 10 bis 1 Uhr, im Sitzungssaale der Industrie- und Handelskammer, Lonystraße 7. Als Wahlleiter wird Herr Kaufmann Carl Röhr tätig fein. Es scheiden aus die Herren: Kommerzienrat Adolf Klingfpor, Leopold Mayer und August Noll; b) für den Wahlbezirk Llch-Hungen auf Dienstag, den 30. November d. 3„ vormittags von 10 bis 12 Uhr, in der Bürgermeisterei Lich. Als Wahlleiter wird Herr Fabrikant Georg Stammler aus Grünberg tätig fein. 9602D Es scheidet aus: Herr Heinrich Jhring in Lich. Die Ausscheidenden find wieder wählbar. Gießen, den 22. November 1926. 3nbuftrie- und Handelskammer Gießen. Schirmer, Kommerzienrat. Bekanntmachung. Betr.: Die Unfallversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen; hier: Beitragsleistung für 1925. Die Heberolle über die Beiträge zur Land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Jahr 1925, 2. Rate, liegt von heute an während der Zeit von vormittags 8 bis mittags 1 Uhr zur Einsicht der Beteiligten offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfrist kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene gegen die Beitragsberechnung bei dem Vorstande der Land- und forstwirtschaftlichen Berufsge- nossenschaft Einspruch erheben; er bleibt aber zur vorläufigen Zahlung verpflichtet. (§§ 1021—1023 der Reichsversicherungs- ordnung.) Gießen, den 23. November 1926. Derficherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Frey. 96176 In das Handelsregister A wurde heute bei der Firma Hermann Schmidt I. Witwe in Lich folgendes eingetragen. dem Kaufmann Otto Dieruff in Lich ist Prokura erteilt. Die Prokura der Johann Hermann Schmidt I. Witwe Johannette, geb. Walz in Lich, ist erloschen. 9607D Lich, den 18. November 1926. hessisches Amtsgericht. Donnerstag, den 25. November nachmittags 2 Uhr versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 3 Schreibmaschinen, 5 Schreibtische, ein Klavier, 1 Eisschrank, 4 Vertikos, vier Sofas, 1 Nähmaschine, 1 Toiletten- ipiegel, 1 Chaiselongues, 1 Registrier- kaffe, 1 Friseureinrichiung, 1 Grammophon, 2 Büfetts, 2 Warenschränkchen, ! Glasschaukasten, 1 Bücherschrank, I Standuhr, 1 Kredenz, 1 Arzneischrank, I Diwan mit 2 Sesseln, 1 Violine mit Lasten, 1 eleltr. Ventilator. 1 Feuer- öscher, 5 Kartentaschen, 1 Rollwagen, i Pferd, 2 Ballen Pergamentersah, 14 Kartons Schokolade. Voraussichtlich bestimmt: 1 Schweiß» apparat. 9626c Dern, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstratze 13. Vernickeln und Emaillieren von Motor- und brr ädern, sowie Auiomobilict'-n n. dergl. zu den bil-ignen '1L elfen. b921a ÄBmann & Schneider Telephon 1248 Kaiserallee 45. | Vermietungen | 2-Zimne. - Wohn, neu berneridjict, be- fttilnnnabmchei, zu vermieten Näheres in d. Geschäftsstelle ö. Giesr. 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Sen unb bebeutete, baß ber hessische Finanzer in feiner amtlichen Denkschrift für 1927 einen Fehlbetrag von runb 31 Millionen errechnet. Es ist an sich schon ein Qualifikationsnachweis, ber nicht überall Freude erregen wird, wenn ein Finanzminister innerhalb drei Wochen seine Auffassung über die finanzielle Lage seines Landes so ändert, daß er erst mit einem Defizit v-o n 31 Millionen Mark und nach drei Wochen mit einem Defizit von 0 Mark operiert Leider steh: aber bie neue Rechnung auf sehr schwachen Füßen. Es ist richtig, daß bie Länder von ben Slofien für die Erwerbslosenfürsorge in bem Augenblick entlastet werden, in bem bie Ar- beitslosenversicherung in Kraft tritt Man weiß heule nur, baß geplant war, das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung im Reichstag so zeitig zu verabschieden, baß cs mit dem 1. April 1927 in Kraft treten könnte. Inzwischen sind aber aus den verschiedensten innerpolttische:i Gründen erhebliche unb berechtigte Zweifel erhoben worden, ob es möglich sein wirb, sich über dieses Gesetz schon bis zum 1. April 1927 zu verständigen. Nun soll angeblich ber Reichsfinanzminister bereit sein, auch ohne dieses Gesetz ben Vänbern bie Ausgaben für bie Er- oerbslofentjilfc abzunehmen. Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! Der Reichsfinanzminister hat kürzlich mitgeteilt, daß sich die Finanzen des Reiches hart an einem Defizit entlang bewegen unb daß er neue Lasten deshalb dem Reich nicht aufbürben könne. Wenn man sich einmal bar- über klar wirb, bah bie Verwirklichung ber optimistischen Annahme bes Finanzministers Henrich für bas Reich eine Mehrausgabe von mehreren hundert Million en Mark bedeuten würde, so kann man sich eine Vorstellung bilden über die tönernen Füße, auf bie ber Finanzminister Henrich seinen Voranschlag stellen will. Im übrigen rechnet ber Finanzminister mit der Re i ch s- Hilfe. Was heißt bas? Das bebeutet, baß er einen Teil bes Defizits bes hessischen Staates in einen Pump bei ber Reichskasse ummanbeln will. Denn schenken wirb uns bas Reich bie Gelder selbstverständlich nicht oder vielmehr doch erst bann, wenn ber Sparkommissar in Hessen geprüft hat unb feine Bebinqungen erfüllt finb. Herr Henrich selbst will ja diesen Vertrag vorläufig überhaupt noch nicht vollziehen. Also hat bie Reichshilfe vorerst nichts anberes als ein Darlehen beim Reiche zu be> beuten. Ich muß sagen, ber Finanzminister ber Denkschrift vom 23. Oktober 1926 erscheint mir sehr viel klarer unb objektiver ,in ber Darstellung ber wahren finanziellen Lage als der Finanzminister vom 13. November. 5. Im übrigen versucht bann schließlich ber Finanzminister Henrich ben Wirtschafts - unb Drbnungsbloct von seiner klaren wirtschaftspolitischen unb finanzpolitischen Linie in bie Wirrungen ber Parteipolitik zu ziehen. Auf biefem Wege folgen wir ihm nicht. Der Wirtschafts- unb Orbnungsolock hat zunächst nur ein Ziel: Wir wollen ein Ende machen mit dieser Finanzpolitik, bie vor ber Katastrophe steht Wir wollen bie Steuerzahler und die Wirtschaft Hessens vor dem Erliegen bewahren und damit b i e Erhaltung Hessens als ein gesunbes ©lieb bes Deutschen Reiches herbeiführen. Die Finanzpolitik bes Finanzministers Henrich und ber jetzigen Linksregierung steht biejen Zielen im Wege. Deshalb rufen wir bas hessische Volk am 5. Dezember auf mit der Parole: Hinweg mit biefem Landtag! Die kommende Abrüstungskonferenz. Dvn Kapitän z. S. a. D. v. W a l d e h e r - H a r tz. Las Vorspiel zur Großen Abrüstungstonse- renz, die Im Jahre 1927 zusammen tret en soll, ist herflungen. Heble Motive und häßliche We sen haben es beherrscht. Seit drin 28. Mai hat bis Mitte Oktober in Genf eine U n te r kom m i s - sion des Völkerbundes getagt, der die Ausgabe gestellt war, die grundlegenden Fragen über die Abrüstung aller im Völkerbund vereinigten Staaten zu klären. Es hat sich hierbei nur zu bald ergeben, daß in den wesentlichsten Punkten sehr erhebliche Meinungsverschiedenheiten bestanden, die man kurzerhand im Wege der Abstimmung durch Feststellung der Mehrheit aus der Welt zu schassen suchte. Schon aus dieser Tatsache ergibt sich, daß die von der Unter- kommission festgelegten Grundsätze nicht s.hr lebenskräftig sein werden. Wenn Mars de Stunde regiert, wenn für ein Volk eiserne Rot- zeit anbricht, dann wird es sich den Teufel daran kehren, ob ihm diese oder jene Maßnahme durch Hüttendirektor und Glasbläser, wandernder Handwerksbursch und mythischer Einsiedler in der verschneiten Baude. Unb aus den geheimnisvollen Raturstimmen, aus der traurigen Ofanraflöle und der Melodie des venetianischen Gondell.edchens, die den Tanz des zarten Geschöpfes begleiten, klingt doch immer unb immer toieber die herzergreifende. einsame Weberflage: „*2L jeder Mensch hat halt ne Sehnsucht." Unb endlich auch dies ist Hauptmanns eigenste Wttse: Spiel zwischen hüben und drüben, zwischen Himmel und Erde, zwischen Märchenwundern und rauhen Wirklichkeiten; ob ihm zwischen den Grenzpolen des winterlich glitzernden, schlesischen Hei- matwaldes unb der erträumten Lagunenstadt ein faustisches Zweiscekenspiel vorgeschwebt hat — wer weih; wenn ihm aus Goethes zweitem Teil mystische 2lnregungcn zugeflossen sein sollten, dann hat er doch mit farblosen Wortkünsten und allegorischen Rebelschleiern nicht einmal den magisch leuchtenden Dämmerstil, das spukhafte Zwielicht des großen Symbolisten Maeterlinck erzwungen. 3n ben ersten Akten aber strömt das Geschehen aus den echten und klaren Quellen großer Kunst. Hier erlebt man Hauptmann den Dichter, ben Dramatiker, den Dühnenspieler. Wundervoll dieser Eingangsaft mit seinem balladesken Wechsel der Ereignisse, Worte und Stimmungen; die szenische Folge im Glücksspiel der Glasmaler, den Reden ber Waldarbeiter, bem Locken unb Gieren des Hüttengewaltigen, bem Erscheinen Hellriegels und dem Tanz^der Pippa mit bem alten Huhn. Hier hat der Tanz etwas von uralt-menschlicher, primitivster Lebensäußerung, ist spielerisch verschleierter Kampf immerwährender, immer regierender Kräfte in der Welt, ist einfaches Symbol für die ganze Dichtung zugleich. Die trollhaste Balz des alten Un- getums aus dem Geschlechte der Waldschratt und Rübezahl um das gläsern zerbrechliche Figürchen ist gleichsam der Vortcmz für die übrigen, bie um den gleichen Mittelpunkt kreisen. Den wllden Reigen zerreißt bie unheimlich hehenbe Szene um ben falsch spielenden Italiener; während ber draußen, von ben aufgeftörten Schenkenbesuchern niebergefd)kiqen, im Mvndlicht verblutet, schleppt ber alte Huhn bie zitternd zurückgebliebene Pippa fort. Er wird sie nicht behalten: der Michel Hellriegel, von ihrem Tanz geblendet, an ihr Fremdwesen verloren, spürt sie auf, findet sie wieder in ber Berghütte des Allen. Auf bie Winterbollade des Eingangs folgt das naturhaft-lyrische Zwischenspiel; in einer wunderbar feinen Liebesszene erfüllt sich das Schönste, was Hauptmann mit seinem Stück vermag. Im dritten Akt triumphiert Mythus und Gedankenwerk, eben die Stimmen übertönend, bie das Drama zum Märchen machen. Aber barm wirb ber lüsterne Direktor auf seltsame Weise geheilt, ber „ergebens! zerfrorene Handwerksbursch" Michel aus dem Schnee geborgen, unb auf einmal, fast unvermittelt, steht bie Stube in wunderlichem Glanz — Licht aus Süden, vorn andern Pol des Märchens her — unb Michel hält das Gondelschifschen als einen Wegweiser zum Traumland in Händen. Wieder taucht der alte Huhn auf, dem Fünkchen aus seinem längst erkalteten Ofen nachspurend; ein furchtbarer Zusammenstoß mit bem mythischen Daudenbewohner — Ur traft wider überlegenen Geist — und ber Glasbläser sinkt gebrochen zusammen. Einmal noch scheint er Macht zu gewinnen, einmal noch zwingt er Pippa zum Tanz, dann ist es zu Ende. Pippa hat getanzt, Pippa stirbt. Pippa ging vorüber. Aber noch die Tote wird dem erblindeten Hellriegel Begleiterin auf dem Sehnsuchts- Weg seines großen Heimwehs. — Die Forderungen für die Inszenierung lassen sich aus bem Gesagten ableiten. Was bie Dichtung nicht hergibt, kann freilich keine Aufführung schäften; man muß sich nur bemühen. Uneinheitliches möglichst zu überbrücken. Kürzlich wurde anderswo versucht, das Stück durch Zusammenziehung der beiden letzten Akte zu verdichten; ein sehr glücklicher Gedanke. Telekh spielte das Ganze mit unwesentlichen Strichen nacheinander herunter, wie es im Buche steht, unb mußte bafür schleppende Längen unb tote Stellen in Kauf nehmen, bie nicht notwendig, sondern überflüssig sind. Es muß für bie mobeme Wiedergabe eine Form der Vereinigung, Vereinfachung, Verdichtung gesunden werden. Gleich zu Anfang des dritten Aktes unb später kann erheblich gekürzt werben. Die Bühnenwirkung wird in jebem Fall nut gewinnen. Stark unb geschlossen, ohne eine brüchige Stelle, kam ber zweite M heraus; weitaus ber beste Teil ber Ausführung. Auch der erste war im wesentlichen gelungen. Doch schien die (allerdings in ber Regiebemerkung vorgeschriebene) Anordnung ber Gruppen im Raum ber Dynamik bes Dilbganzen nicht günstig, deften starke Belastung nach links aus der rechten Seite fast ohne Gegengewicht blieb. Die Szene mit dem ertappten Tagliazoni hätte gedrängter gespielt werden mü?fen; es gab im ent scheiden ben Augenblick eine fühlbare Leere. Die Besetzung zeitigte — von einigen Dialeft- unsicherheiten abgesehen — erfreuliche Leistungen. Als Pippa erschien Ingcdorg Scherer einmal in einer großen unb angcme'fenen Rolle, die Entfaltung gestattet und Möglichkeiten bietet Freilich auch einer schweren Rolle. deren ideale Verkörperung — im Sinne ber Dichtung — nur ganz selten gefunben werden wird. Man mag in den Tanz Szenen den elementaren Ausbruch die Entfesselung einer unwiderstehlich glie- derlösenden, beschwingenden Triebkraft vermißt haben — das Bild, das die Darstellerin durch die vier Akte bot, war so, wie man cs erwartete: ein verschüchtertes, geängstigtes, gejagtes Vögelchen, das im Geborgenem unb im Erlebnis des Unfahlichen sich in einer scheuen und hilflosen Anmut toieberflnbet. Auch hier tag der Höhepunkt der Gestaltung in ber durchsichtig zarten Liebesszene des zweiten Aktes. Reben ihr muß Eisig als Michel Hellriegel genannt werden, der mit dieser Rolle (jie gehört zum Heimatlichsten unb Deutschesten, was Hauptmann je geschaffen hat) eine neue, schöne Talentprobet ablegte. Er gab dieser Märchengestalt die ganz unbekümmerte Jugendlichkeit, Phantasterei, Fa- bulierfreube und verträumte Romantik, bie ihr in jedem Wort unb jeder Bewegung innewohnt, Lenau hatte den Hüttendirektor und traf den kalten, harten unb nüchternen Ton seiner Charge mit glaubwürdiger Scharfe. Telekh als Tagliazoni war gut in ber Maske, beweglich unb temperamentvoll in Geste unb Wort. Schubert hatte für den alten Huhn die dumpfe Tierhafttgkett unb ungeschlachte Wucht in der äußeren Erscheinung unb im rauhen Raturlautz einer fast ausgeglühten Sprache, bie erbgeift- hafte Dämonie bes Fabelwesens vermochte et doch nur ahnen * zu lassen. Ges s ers sprach schlicht unb mit kluger Zurückhaltung die weisen Worte des alten Wann; von seiner Rolle hat Schlenther, Hauptmanns Freund, einmal mit tiefer Berechtigung gesagt: Etwas mehr Major a. D.» unb alles wäre besser! — Die Ausführung wurde vom vollen Haustz lebhaft begrübt Dr. Th. , die Zufallsmehrheit einer Abstimmung in Genf verwehrt worden ist oder nicht. So wird niemand im Ernste glauben wollen, daß sich ein Land wie England, das wiederholt von einer Kohorte kleiner Staaten, die in Frankreichs Fahrwasser segelten, überstimmt wurde, die Festlegung in solchen Fällen als völkerrechtlich bindend anerkennt. löenn man des weiteren erfährt, dah die Mehrzahl der Beschlüsse in unmittelbarer Abhängigkeit von rein politischen Wünschen gesaht worden ist, so geht auch hieraus hervor, dah es sich in der Tat um recht brüchige Maßnahmen handelt. 3n erster Linie ist es F r a n k r e i ch gewesen. das sich mit Hilfe ergebener Anhänger eine Abstimmungsmehrheit so gut wie gesichert hatte und ganz offenkundig für die Verwirklichung seiner politischen Ziele kämpfte. Frankreichs Vorgehen ist es demnach zu danken gewesen, wenn die einfachsten militärischen Grundsätze politischer Auswertung unterliegen muhten. Frankreich hat mit Hilfe seiner Trabanten alles getan und nichts unterlassen, um seine eigene Macht zu stärken, Teutschlands Bedeutung hingegen klein zu halten. Cs strebt ganz unverhüllt dem Ziele zu, die unbestritten militärische Vormacht im Völkerbünde zu werden. Es hat durch die Blume erklären lassen, dah es solange nicht an eine Herabsetzung seiner Reservebestände an Mannschaften und an die Verringerung seiner Wehrmacht an sich denken könne, als thm die Aufgabe zufiele, für den Frieden in Europa aufzukommen. Die Gründung eines Zentralbureaus beim Völkerbund, dem eine Rachrichtensammel- und Austauschstelle angeschlossen werden soll, wird Frankreich ebenfalls für seine Zwecke ausnutzen, um sich eine Art internationalen Generalstabs zu schaffen. Las Bureau ist von der Hnterkommisfion bereits genehmigt wordeir Man hat auch festgelegt, dah es überraschende Untersuchungen an Ort und Stelle auf Anzeige irgendeines Staates hin vornehmen solle, damit auf diese Weise dir beschlossenen Abrüstun^smahnahmen nicht umgangen würden. 3m Verein mit anderen Staaten habrn die deutschen Vertreter darauf hingewiesen, dah die Durchführung derartiger Maßnahmen lediglich dazu dienen würde, die Völker gegeneinander aufzubringen, die Spionage zu begünstigen und die Verletzung militärischer Geheimnisse zu fördern. Außerdem sei es mit der Würde und der Souveränität eines Staates nicht vereinbar, wenn solche Kontrollen vorgenommm würden. Trotz dieser Einwendungen hat die Hnterkommisfion beschlossen, der Abrüstungskonferenz die Einsetzung des erwähnten Zentralbureaus mit allen Gerechtsamen zu empfehlen, ein glatter Triumph Frankreich! Es kommt aber noch besser. Bei Prüfung der Frage, wie der Begriff der F r i e d e n s r ü st u n- g en zu umschreiben sei, hat die Hitterkommission erklärt - und diese Erklärung würde selbst den Weisen Ben Akiba in Erstaunen versetzen — dah weder militärisch ausgebildete Reserven, noch in Depots lagerndes Kriegsgerät, ebensowenig die Organisation von Mobil- »nachungsbehörden Einrichtungen darstellten, die als Friedensrüstungen zu bezeichnen wären. Hingegen sei anzuerkennen, dah Polizeitruppen aller Art, Gendarmerie, Zoll- und Forstbeamte als Zähler der Friedensrüstungen zu gelten hätten; ferner alle Verbände, die auf Grund ihrer Zusammensetzung, Stärke, Ausbildung, Bewaffnung und Ausrüstung .ohne weitere Mobil- machungsmahnahmen als Feldtruppen verwendet werden könnten. Rach unserer Ansicht wird das Ziel der Abrüstung durch derartige Festset- jungen in nebelhafte Fernen verwiesen, denn die Bedeutung der ausgebildeten Reserven wird ebenso wie die Frage der Bedeutung des Kriegsmaterials auf den Depots in einer den tatsächlichen Verhältnissen schroff widersprechender Weise herabgesetzt. Offenbar beabsichtigt Frankreich die Millionen seiner auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht ausgebildeten Reservisten gegen das auf das freiwillige System ohne ' Reservisten angewiesene Deutschland jeder vergleichenden Bewertung zu entziehen. Daß die Erfahrungen des Weltkrieges die Bedeutung des Materials an erste Stelle rucken, scheint von l Frankreich übersehen zu werden. Dabei rüstet es selbst auf das fieberhafteste und unterläßt 5 nichts, um sein Kriegsgerät zu vervollständigen und zu vervollkommnen. Rur Deutschland ' soll hiervon ausgeschaltet werden. Es steht unter dem Zwange von Versallles und ist demnach an sich schon, was die Derellstellung von Äriegsgerät betrifft, von engsten Fesseln beschwert. Hm auf alle Fälle gesichert zu fein, ist Frankreich aber noch weiter gegangen. Es hat sich den Grundsatz anerkennen lassen, dah unter den Begriff ausgebildeter R.s.rvisten nicht nur solche Mannschaften fielen, die unter der Fahne gedient haben, sondern daß hierzu das gesamte technisch ausgebildete Personal eines Staates zu rechnen sei. Was Frankreich hiermit bezweckt, liegt auf der Hand. Es will gegebenen- falls ein Mittel haben, um seine eigenen, militärisch durchgebildeten Reservisten gegen angebliche Reservebestände Deutschlands aufrechnen zu können. Betreffs der chemischen Kriegsführung hat die Hnterkommis.ion beschlossen, sämtliche Staaten sollen künftighin verpflichtet sein, mit all ihren chemischen Erzeugnissen demjenigen zu helfen, der von einer anderen Macht mit der verbotenen Gaswaffe angegriffen würde. Der Erfolg wird unseres Erachtens der fein, dah dadurch die sogenannte Sanktion gegen den Gaskrieg zum verschärften Gaskrieg führen wird. Auch in Fragen der Luftstreitkräfte hat Frankreich es verstanden, s inen Vorteil voll zu wahren. Es hat dem seltsamen Grundsatz Anerkennung verschafft, daß zwischen der zivilen und militärischen Luftfahrt eine Hnterscheidungs- möglichkeit nicht bestünde. Man müsse vielmehr dem ZivUluftfahrpersonal einen militärischen Wert zumessen. Auch mit dieser Auslegung ist Deutschland am schwersten betrof- f e n worden, da es über militärische ßuftftreit» fräfte überhaupt nicht verfügt. Hnsere kurze Betrachtung zeigt uns, dah die Hnterkommissivn ganze Arbeit geleistet hat, um Frankreichs Vormachtstellung zu sichern. Deutsch» land hingegen milllärisch weiterhin zu vergewaltigen. Die Völterbundstagung hat zwar ein gewisses Einsehen bewiesen, indem sie bestimmte, es solllen künftig lediglich technische Gesichtspunkte bei den Beratungen über Abrüstungsfragen gültig fein. Ferner ist von der Tagung bestimmt worden, daß den Mehrheitsbeschlüssen die Ansichten der überstimmten Staaten beigefügt werden sollten. Ob hierdurch reinlichere Verhältnisse geschaffen werden tonnen, muß dahingestellt bleiben. Wir glauben es nicht. Allzu unverhvlen pocht Frankreich auf seine Macht. Hnd so lange es von seinen Trabanten nicht im Stich gelassen wird, wird es auch kaum ein anderes Verfahren einschlagen. Peruanischer Brief. Von unserem P-Derichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Lima (Peru), Ende Oktober 1926. Der Streit zwischen Peru und Chile um das Tacna-Arica-Gebiet, der immer wieder auch in die große Politik hineinspielt, hat trotz aller Vermittlungsaltionen immer noch keine Erledigung gesunden. Diese Landstriche zwischen den beiden wichtigsten Staaten der südamerikanischen Westküste, um die sich früher niemand recht gekümmert hat, sind nach der Entdeckung der Möglichkeit, aus ihren ausgedehnten Wäldern Kautschuk zu gewinnen, zum ständigen Zankapfel und Hnruheherd geworden. Der Versuch einer nordamerikanischen Kommission unter dem Vorsitz des Generals L a s s i t e r, eine Volksabstimmung durchzusühren, ist durch die Heberfälle, Gewalttätigkeiten und Sabotageakte aller At, die der peruanische Präsident L e g u i a in seiner Rede bei der Erö snung des Kongresses Chile noch einmal leidenschaftlich vorgeworfen hat, völlig gescheitert, so daß Lafsiter die Hnmöglichkeit seines Vorhabens einsah und das Land verlieh. Die Peruaner haben das Feld geräumt und den zurückgekehrten peruanischen Abstimmungsleiter Freyre Santander mit großer Begeisterung empfangen. Wenn man jedoch überlegt, welchen Erfolg die künstlich geschürte Volksbegeisterung und das mit vollen Händen hinausgeworfene Geld gehabt hat, so steht man vor einem Nichts. Vielleicht kommt für Peru noch einmal die Zeit der Ernte; jetzt ist wieder chilenisches Militär in die strittigen Gebiete eingerückt und dürfte wohl sobald nicht wieder hinauszubekommen sein. Der Tacna-Arica-Streit hat nicht nur politische Folgen für Peru gehabt, sondern sich auch in starkem Matze aus die ganze wirtschaftliche Lage ausgewirkt. Denn der Kursrückgang des peruanischen Pfundes ist zu einem erheblichen Teil auf die Politik der Regierung zurückzuführen, die, um alte Löcher zuzustopfen, neue weit größere ausgerissen hat. Der Haus- hallsplan des Staates war zwar nach außen hin immer int Gleichgewicht, aber am Ende jedes Haushaltsjahres war regelmäßig ein Defizit vorhanden, das dann durch Anleihen in London oder Reuhort gedeckt wurde. Zur Sicherheit sind entweder Teile der Goldreserve oder Steuern und Zölle verpfändet worden, so dah der peruanische Staat heute nur noch über wenige Einnahmequellen dieser Art direkt verfügen kann. Der Hauptgrund für die schlechte Bewertung der Peruanischen Währung ist das gesunkene Vertrauen in die Politik der Regierung, denn noch jetzt hat Peru eine Golddeckung von etwa 75 Prozent für das ausgegebene Papiergeld. Auch die Handelsbilanz Perus weist zahlenmäßig einen beträchtlichen Exportüberschuß aus, doch ist diese Aktivität nur mit erheblichen Einschränkungen für das Land wirksam. Die großen Expor.gewinne, die bei der Ausfuhr fast der gesamen Erdölindustrie und eines großen Teiles der Daumwoll- und Zuckerproduktion erzielt werden, bleiben restlos im Auslande, da diese Wirtscha.tszweige in ausiändifchcr Hand si,rd. 3nsbesondere steht die Erdölindustrie völlig unter nordameri.aniichem Ein luh. Hinzu kommt, dah zahlreiche wegen poetischer Gegnerschaft des Landes verwiesene Familien, die gerade zu den reichsten zählen, ihre Einkünfte aus Grundbesitz und Landwirtschaft in Frankreich ober England verzehren. Natürlich spielt auch eine gewisse Spekulation mit hinein, die von Reuyor! aus die Kursschwankungen des Peruanischen Pfundes mit Geschick zu ihrem Vorteil auszunutzen weih. Aeuherlich hat Peru und vor allem die Hauptstadt Lima in den letzten 3ahren einen außerordenllichen Aufschwung genommen. Wenn man von Lima nach dem Hasenort Callao auf der breiten Asphaltstraße, der Avenida Progreso, hinuntersährt, so sieht man zu beiden Seiten eine große Anzahl von Reubauten, die von Siedlungsgesellschaften, fogenannten „urbanisaciones“ errichtet worden sind. Rings um Lima entstehen neue Vorstädte, die durchweg aus kleinen modernen Ein- bis Zweifamllienhäusern bestehen, wodurch die allgemeinen Wohnungsverhältnisse erheblich gebessert und die Bestrebungen zu einer gewissen Citybildung sehr gefördert worden sind. Während noch vor fünf Fahren die Hauptverkehrsstraßen riesige Löcher im Katzenkopfpflaster aufwiesen, über die hochbeladene zweirädrige „carretas“ schwankten, verkehren jetzt überall Lastautos und unzählige Autobusse neben den vielen Privatautos, die kaum noch Luxusartikel sind, in den tadellos asphaltierten Straßen. Heber 16 000 Kilometer für Autos fahrbare Chausseen durch das ganze Land, von denen 6000 Kilometer schon fertiggestellt sind, sind im Daupro- gramm vorgesehen. Auch ausgedehnte Bewässerungsanlagen zur Gewinnung neuen Kulturlandes sind zum Teil schon in den letzten 3ahren unter Leitung nordamerikanischer Ingenieure ausgell'chrt worden, doch hat die Regierung nod> erheblich weitergehende Pläne. Peru hat in der Tat sehr große wirtschaftliche Möglichkeiten, deren rationelle Ausnutzung jedoch immer wieder durch die Politik verhindert oder hintan- gefwlten wird. Die einheimische 3nbuftrie gewinnt langsam an Boden, wofür die Z e m e n t s ab r ika t i o n ein lehrreiches Beispiel bietet. Wenn auch die Qualität des peruanischen Zements iwch nicht erstklassig ist, so liegt sein Preis doch so weit unter dem des importierten, dah man ein merkliches Nachlassen der Einfuhr feststellen kann. Leider wird hiervon besonders Deutschland betroffen, das in der Einfuhr an erster Stelle steht. Zur Zeit ist der Bedarf an diesem wichtigsten Baumaterial infolge der zahlreichen staatlichen und privaten Bauten außerordentlich groß. Auch Peru hat sich bei der .Umarbeitung des Tarifs vor drei 3'ahren hinter einer hohen Zollmauer verschanzt. Waren damals auch zunächst fiskalische Gründe maßgebend, so ist bei den neuen Aenderungsbestrebungen ein gewisser protektionistischer Einschlag unverkennbar. Eine Kommission von Regierungs, 3ndustrie- und Handelsvertretern ist mit der Beratung der Zollsätze beschäftigt und es ist nicht unmöglich, daß die 3mporteure allerlei unliebsame Heberraschungen erleben. Der deutsche Handel mit Peru hat das während des Krieges verloren gegangene Terrain so gut wie ganz wieder zurückgewonnen, wenngleich die Konkurrenz der Vereinigten Staaten, zum Teil wegen der kürzeren Lieferfristen und günstigeren Zahlungsbedingungen beträchtlich geworden ist. 3ntereffant ist es auch festzustellen, welche Anstrengungen England zur Stärkung seines Einflusses macht. Der General- Manager der „Times", Lints Srnjth, der kürzlich auf einer Reife durch Südamerika auch in Peru allen einflußreichen Stellen feinen Besuch machte und ein Bankett gab, tarn nicht nur studienhalber, sondern ausgesprochen als Handelspropagandist. Der Besuch Dr. Luthers, der von der peruanischen Regierung mit den größten Ehren empfangen wurde, hat zweifellos eine ganz ausgezeichnete Wirkung hinterlassen. Richt nur, dah Dr. Luther während seines Aufenthaltes auf einem Galadiner beim Präsidenten Gelegenheit! zu einer klugen Rede sand, daß er im Rundfunk zum ganzen Lande sprechen konnte, dah ein „Dr. Luther-Pokal" zwischen einem deutschen und einem peruanischen Fuhballklub ausgetragen wurde, usw., auch nachher wurde manch Zeichen dafür deutlich. 3m Senat fand der Senator Curlettt Worte wärmster Anerkennung für Deutschland, das sich nach einem unglücklichen Kriege durch rastlose Arbeit wieder emporgebracht fcü>e und es ist sicher, dah ganz allgemein eine Stärkung des deutschem Ansehens und eine Belebung der Beziehungen zwischen Peru und Deutschland angebahnt worden ist. Oberhessen. 4 Lanvtrcis HUctzen. n. G r o ß e n - L i n d e n , 23. Rov. Gestern begann hier der Kvchunterricht für die Fvrtbildungsschülerinnen. Der Hnter- richt wird in der Turnhalle erteilt, 20 Mädchen nehmen daran teil. —Lang-Göns, 23. Rov. Der Geflügel- und Kaninchen zu chk verein veranstaltete in der Turnhall.' eine Ausstellung, Me mit 200 Rummern beschickt war. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis. Hühner: Ehrenpreis und 1.Preis erhielten Otto May für Minvrki, Bürgermeister Müller für sc^varze 3taliener, K. Müller für schwarze Zwerg°3taliener, Rich. Kaiser für Lvmpschom, W. Vellen für gelbe 3t limer, Qt Grünebaum. K. Stoll, W. Bing. W. Rausch; 1. Preis unk» 2. Preis: Hch. Zeitz. 3. Preis: £tto Müller; 1. und 2. Preis: W Dem I.; Ebretlvreis und 1 Preis: W Dern II. für rebhubnfarbige 3ta- liener. Tauben: Drei Ehrenpreise: Rich. Kaiser (Hess. Kröpfer). Kaninchen: Wllh. Merz für Hasenkaninchen zwei Ehrenpreise, 1., 2 und 3. Preise; W. Wagner Tür Silber-Kaninchen Ehrenpreis. 1. und' 3. Preise; W. Merz Ehrenpreis für Schwarzloh-Kaninchen; K. Kehr dritte Preis für Schwarzloh. Der Besuch der Ausstellung war sehr gut. X Mttenborf (Lahn), 23. Rov. Nachdem die annähernd 100 Reklamationen, bi« aus Anlaß der neuen Lan dzuteilun g durch die Zusammenlegung der Grundstücke bei 6er Feldberernigungskommis.ion eingelaufen waren, zum größten Teil durch mündliche Verhandlungen erledigt sind, wird demnächst ein Schiedsgericht über die noch schwebenden Fälle en.scheiden. Viele für hiesipe Verhältnisse übergroße Parzellen wurden w i e- der geteilt; weiter wurde versucht, die Reklamanten durch Zutei ung von Austauschgeländ« -u befriedigen; wo nachweisbare Härten vorlagen, wurde Abhilfe geschaffen. Die neuen Wege sind jetzt genau abgegrenzt, die gesamte Feldmark zeigt gegen früher ein völlig verändertes Bild. 3edes Stück Land kann jetzt vom Wege aus erreicht werden, was früher unmöglich war. Der Erwerb von Baugelände ist nun auch viel leichter, da fertig abgegrenzte Bauplätze itv einer Anzahl vorhanden sind, daß ein Mangel an solchen voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht eintreten wird. Vor einigen Tagen fand die erste Verpachtung von Gelände der Ausmärker statt, die Pachtpreise bewegten sich zwischen 2 bis 6 Pfennig pro Quadratmeter. t Grünberg, 23. Rov. Bei der gestrigen Treibjagd in den staatlichen Waldun- ?l e n zwischen Weickartshain und Laubach, Ober- örfterei Riederohmen, wurden 14 Rehe, 3 Hasen. 2 Schnepfen und 2 Füchse geschossen. An der 3agd waren 20 3äger beteiligt. L Lich, 23. Rov. Zu den landschaftlich reizvollsten Punkten m unserer Hmgebung zähl! die Hardt, deren unbewaldeter T.il der volkstürn- Uchste Festplatz der Sicher ist und zu Volksversammlungen wie in vergangenen Zecken auch heute noch gern benutzt wird. Mächtige Sichen und Linden von ehrwürdigem Alter laden zur Rast ein und finden immer w edrr die Bewunderung der Raturfreunde, deren Weg Über die Hardt führt. Daß eine dieser mächtigen Linden zu den bemerlenswertest en Bäumen der näheren und weiteren Hmgebung gehört, dürfte aber nur wenigen bekamt sein, noch weniger die Tatsache, daß dieser jahrhund riealte Recke ferner ganz besonders typischen Gestalt wegen für würdig befunden worden ist zur Ausnahme in eins der bedeutendsten b o t a n i» und Bieber mit eigner ©emarLmg selbständig zu Pflanzenwelt", einer dreibändigen stattlichen Pflanzenkunde über die g.famt: Pflanzenwelt der Erde. Dort finden wir im 2. Band auf Düte 388 das wohlgelungene Bild des ehrwürdigen Baumes Das grotze Würfelspiel. (IRartina DilemarZ Roman von Franz Lover Kappus. 49 Fortsetzung Nachdruck verboten „Auch Lily ist hier", jprad) sie dann. Leises Un> behagen brannte in der Brust. Doch rasch kam sie darüber hinweg, als sie Carstens Stimme wieder hörte. „Lily?" „Du kennst Lily noch gar nicht", besann sich Julie. Immer erstaunter wölbte Carsten die Lippen. „Nur Martina kenne ich. Wie geht es Martina?" Ohne die Antwort abzuwarten, trat er zu Julio. ..Du bleibst doch da — einige Zett wenigstens?" Seine Mienen zuckten. Einmal mutz es gejagt werden, dachte Julie. Kurz nahm sie die Unterlippe zwischen die Zähne. 3um letztenmal stiegen weichliche Empfindungen aus. Warm schaute sie Carsten an. „Nur bis zum Abend, Bernhard Carsten. Es geht nicht anders." Julie seufzte verhalten. „Wir müssen nach Amerika. Lily ist nach Hollywood verpflichtet. Ich reise mit ihr." Die Hände auf dem Rücken, schritt Carsten zweimal auf und nieder. „Das ist ganz drüben, Hollywood?" „Ganz drüben, Bernhard Carsten. In Kalifornien, weißt du?" „Und euer Schiff?" Bom anderen Ende der Terrasse klang die Frage. „Die .Prinzessin Mafalda'." Nur eine Sekunde srockte Julie. „Uebennorgen schissen wir uns in Genua ein." Langsam kam Carsten naher. ..Gehen mir vielleicht in den Garten." Zwischen zwei flammenden Beaten saß Lily auf einer Bank und rauchte eine dünne Zigarette. Trällernd sprang sie auf. Unbefangen drückte sie Carsten die Hand. Wie herrlich er es hier habe, ver- I sicherte sie. Den ganzen Tag könnte man da herum- I lungern. „Wie zum Nichtstun geschaffen ist diese Welt." „Ein paar Wochen vielleicht", lächelte Carsten. „Aber ansonsten: immer muß der Mensch eine Beschäftigung haben." „Womit verbringen Sie eigentlich die Zeit?" fragte Julie. Namenlos lächerlich kam sie sich vor, weil sie Carsten nicht duzte. „Immerfort kann man jq nicht in den Büchern stecken." „Das tu' ich auch nicht." Auf einmal wurde Carsten lebhaft. Und er erzählte, wie er sich das Leben eingerichtet hatte. Jeden zweiten oder dritten "Tag fuhr er nach Neapel hinüber. Viele Stunden ging er im Nationalmuseum umher, schauend und staunend. „Was es da alles gibt: antike Waffen, Bronzegeräte, Papyrusrollen mit rätselhaften Schriftzeichen — lauter versunkene Wellen." Unruhig flog sein Blick. „Auch dqs waren Menschen aus Fleisch und Blut, auch das waren Menschen wie wir. Jeder hatte seine Freuden, jeder seinen Kummer." Sein Antlitz faltete sich ernst. „Vielleicht ist das der einzige Weg, den Frieden zu finden. Alle Unglücklichen sollte man in das Nationalmuseum nach Neapel führen." Der schwarze Diener brachte Erfrischungen: unwahrscheinlich große Pfirsiche, Ananasschmtten auf Eis, hellgrüne Turkestan-Melonen, dazu leichtes Backwerk in einer edlen Kristalljchale. Roter Chianti fiel in die Gläser. Noch eine Weile sprach Carsten weiter. Dann griff er nach seinem Römer. „Aus gute Fahrt!" Sonderbar glänzten feine Augen. „Biel Glück drüben, Fräulem Lily! Und auch hier." Stumm nickte er Julie zu. Die Gläser klangen aneinander. Mit einem Sag sprang Lily auf die Beine. „Ich will doch auch Sorrent sehen", sagte sie, als wundere sie sich über ihre Vergeßlichkeit. „Sie sind doch nicht böse, Herr Carsten?" Bezaubernd lächelte sie ihn an, ehe sie ging. Schweigend schritten Carsten und Julie auf und ab. Und Carsten erzählte. Wieder sprach er von allem, was er gesehen hatte. Auch über Rom wußte er schon Bescheid. Bramante, Michelangelo und Raffael waren ihm geläufige Begriffe. Aber nur Seine Zunge und sein Gedächtnis redeten. Alle die Schönheit war an ihm vorübergegangen. Allein die Distanz der Jahrhunderte rührte an Win Herz. Darüber wurde es abend. Beide Arme voll Blumen, kam Lily zurück. „Die ganze Gesellschaft ist mit dem Motorboot da," lachte sie atemlos, „denke nur, Mama: bie gan^e Gesellschaft!" Bis zum Molo begleitete Carsten Julie und Lily. Ein halbes Dutzend Herren brachten die beiden auf das Boot. Laute Stimmen schwirrten durcheinander. Knatternd hob der Motor an. UebermüUges Lachen scholl darüber. Ein heller Tenor schmetterte die ersten Takte eines Liedes. Dann warf sich der spitze Bug dem dunklen Wasser entgegen. Still stand Carsten auf dem Molo, bis der leuchtende Strich erlosch. XXXVII. „Ich weiß, daß ich eine komijchs Rolle spiele, yräulem Wklemar. Ich weiß das sehr gut." Bitter verzog Heddenhauien bas Gesicht. „Vielleicht verachten Sie mich eoen deshalb? „Verachte» ist ein au starker Ausdruck", sagt« Martina und blickte nach der großen Uhr der Bahnhofshalle. In einer halben Stunde ging ihr Zug. „Nur über Ihre Konsequenz staune ich, Herr Hed- denhausen." „Noch schlimmer. Sie kennen doch die Redensart: Nur Ochsen sind konsequent. Ich danke Ihnen für das Kompliment." Martina seufzte ungeduldig. „Das heißt: ich soll verschwinden?" Hedden- Hausen blähte den starken Körper. „Ach Gott, nun werden Sie ja Ruhe vor mir haben. Wie lange bleiben Sie eigentlich in Harzhurg?" Wie aus den Wolken gefallen war Martina. „Auch darüber sind Sie informiert?" Heddeichausen nickte Schmerzlich. „Der Fluch des Geldes. Alles ist mit Geld zu machen." Kurz starrte er vor sich hin. Dann zog er mit der Rechten eine tiefe Quart durch die Lust. „Nur eines nicht." Und er wiederholte: „Wie lange also?" „Drei Wachen, Herr Heddenhausen. So lange habe ich Urlaub." „Drei Wochen.' Heddenhausen verlor den Blick in den vielen drängenden Menschen. Immer neue Massen strömten heran. Frauen, Männer und Kinder ballten sich vor den sperren. Langgezogen klangen die Namen der Stationen. Ferne Lokomotiven pusteten. „Uebermorgen reise ich nach Ostende. Ich will es mal mit dem Spiel versuchen." Heddenhausen schwang die Faust hoch. „Was bleibt so einem armen Hund anders übrig?" »Roch niemand ist an gebrochenem Herzen gestorben; Sie erinnern sich doch, Herr Heddenhausen?" „„Haha", machte Heddenhausen, als freute er sich über die Wendung der Dinge. „Sehr gut erinnere ich mich." Beängstigend war der Ton, in dem er das jagte. „Keine Sorge, Fräulein Wilemar. Ich vertrage schon etwas." Der Zug nach Magdeburg, Halberstadt und Harzburg wurde ausgerufen. „Auf Wiedersehen, Herr Heddenhausen." Martina wandte sich dem Knäuel zu, der durch die Sperre absloh. Demütig blieb Heddenhausen an ihrer Seite. „Noch einmal Ihre Hand, Fräulein Wilemar! Vielleicht kommt es gerade auf diesen Händedruck an Roulettekugeln sind launenhaft. Ehe man sich's versieht, ist alles beim Teufel* Sein» Stimme wurde brüchig. „Nicht bäje fein, Fräulein Wilemar." „Biel Glück, Herr Heddenhausen", sprach Martina beklommen. „Auf Wiedersehen." Heddenhausen lachte verzweifelt. (Schluß folgt) »Jl’l iHf 1*1, &U ü* ’’ 9=9? t w Der i M , ausM !• ; Wart ( (8000).; hatte" ! meister SÄ fein w1 um"#) ■ des MS * Ve verschiede' Irrer ®e’ drn dich holen W d jiin^er l>< Ml str Ml Mu nachlrsest fltlM; " (»ach.dex ixr llnglu Weihnacht! Steife °° aller w macht und tito Dan nahmen i Balten. Läichmi Lchrerjä wichtige Kultur, Bilde Qi verwerte le. S Woche fa citoi 60 tägiger tung de- schaitlicher dich Äach jetzt Mi üiMl hc in Lehre sicheren beitender anrtgenl cs jetzt richt do tische und miri erklärliche Versuch n lich geling ms zur W für die z Apparate A Ec Ruhestand worden deck zu werden o arbeiten ; M: ton dem ^jähriger in treue öouplsachlj, deitertüche. Ute der SMlIi oll: Wt. Achtung ( h w । * be L°mmen. gierig riNttondh fo Neffe Schließlich Miii, die ffrl ltädtjj • NnleidJ sichten , Niten d v-rbsio, W bi£ Nachen unserer Heimat unter der Dezeichnung „TB int er- linde (Tilia cordata) bei L i ch in Hessen. Aach Photographie von F Rehnelt in Dießen-. Gew:h eine Tatsache, di' j den heimatstvlzen Sicher erfreuen und glrichze.tig noch mehr alS bisher mit Achtung vor diesem seltenen Aaturdcnkrnal erfüllen wird Kreis Friedberg. DSD. Friedberg. 23. Aov. Die Auf- Hebung der Richtlinien für die Besoldung der Demeindebeamten gestattet den Gemeinden, die Höhe der Gehälter ihrer Beamten selbst sestzuseyen. Teils ist die Herabsetzung des Eintvmrnens ohne Widerspruch durchgefuhrl worden. in vielen Fällen wurde jedoch Einspruch gegen die Reduzierung der Gehälter entweder durch die Beteiligten selbst oder die Ausllchts» behürden erhoben. QLn SamStag staich der Ern- sprach der Demeindebeamten von H ar h e r m vor Um « reiSauSschub zur Behandlung. Der Gemeinderat von Harheim hatte dle Gehälter der Gemeindebeamten um 20 Prozent gekürzt 2lach längerer Derhandlung des Streik- ausschussrS wurde folgendes Urteil verkündet: Ad 1 Dezember erhält der Bürgermeister 3000 Wart (3234 Mark), der Demeinocrechner 1900 (2000). Feldschützc 1600 (1885) Jahresgrhalt. 1914 hatten die Gehallssätze folgende Höhe: Bürgermeister 1270 Mark. Gemeinderechner 834 Mark. Feldschüy 800 Mark. Auf den Einspruch der Demeindebeamten von Rockenberg erkannte der KreiSanSschub dem Rechner 2000 Mark und dem Dchuldiener. der >wch sonstige Arbeiten zu verrichten hat. 1800 Mark Iahresgehall zu. Das Gehalt des Bürgermeisters wurde, obwohl von keiner Seite der Gemeinde ein Einspruch Vortag, um 500 Mark gekürzt, so daß das Einkommen des Bürgermeisters jetzt 3000 Mark beträgt. * Melbach, 23. Nov. Während man aus den verschiedensten Gebenden Obechessens ungünstige Iagdergebnisse vernimmt, kann ein gleiches von unserer Gemarkung nicht berichtet werden. Hier wurden dieser Tage bei der Treibjagd rund 250 Hasen geschossen. Dabei wurde nur die Hälfte des Reviers begangen. Kreis Büdingen. △ Büdingen, 23. Nov. Born 1. bis 11. Dezember bereist das Wanderkino der schulen des Kreises wieder die festgelegten Stationen, um Vorführungen, die ganz auf das nahende Weih- nacht-fest eingestellt sind, zu geben. Er werden oor- aeführt: „Das Mädchen mit dein Schwejelholzchen* (nach dem Andersschen Märchen). „Hans Huckebein der Unglücksrabe- (Busch), „Des deutschen Kindes Weihnachtsfest". Qm Laufe des Jahres wurden im Kreise von Berufsphotographen Aufnahmen aller wichtigen Baudenkmäler ufw. gemacht und di, Bilder zu einer 5) e i m a t f e r i e für daa Wanderkino zusammengestellt. Qn 195 Auf- nahmen ist alles wichtig Erscheinende im Bilde festgehallen. Weiter plant die Lehrlichtbildstellc die Schaffung einer Photoabteilung unter der Lehrerschaft, um möglichst schnell für den Unterricht wichtige Dinge aus Dem Gebiete der Natur, Kunst, Kultur, Geschichte. Geologie, Jugendseste u.dgl. im Bilde aufzunehmen und in Filmvorführungen zu verwerten. le. Stockheim, 23. Nov. 3n der vorigen Woche fand im Deitzelschen Saale dahier ein von etwa 60 Lehrern des Kreises besuchter fünftägiger Kursus für praktische G e st a l - lang des Unterrichts in Haus, und landwirtschaftlicher sowie gewerblicher Naturkunde statt. Schulrat Senner, der vor einigen Wochen über diese Sache vor der gesamten Lehrerschaft des Kreises sehr eindrucksvoll gesprochen und diesen Kursus ver- aiüastt hatte, konnte chn nicht selber leiten, hatte aber in Lehrer 'Barens, Frankfurt a. M.. einen sicheren und gewandten, ganz in seinem Sinne arbeitenden Leiter gesandt. Der Kursus verlief sehr anregend und belehrend. Jedem Teilnehmer wird cs jetzt wohl abgeschmackt vorkommen, den Unterricht da auf das Wort zu gründen, wo der praktische Versuch mit einfachen Mitteln möglich und wirklich die allein sichere Grundlage ist. Die erklärliche Scheu var so manchem etwas gefährlichen Versuch wird bei allen verschwunden sein. Hoffentlich gelingt es, in allen Gemeinden die im Verhältnis zur Wichtigkeit des Gegenstandes geringen Mittel für die zu |o modernem Unterricht notwendigen Apparate und Chemikalien auszubringen. △ Echzell. 23. Nov. Die hiesige, durch die Ruhestandsversetzung des Pfarrers Strack f re i gern o r b e n e Pfarrstelle wurde Pfarrer Sie- deck zu Merlau bei Mücke übertragen. Zur Zeit werden am Pfarrhause notwendige 'Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 23. Aov. Unter den von dem Derein für »chemische 3 n 6 u- st r t e", FabrtkFriedrichshütte mit Pension entlassenen Arbeit.rn ist auch der hiesige 76jährige Heinrich Ziffert. 41 3ahre hat er in treuer, fleißiger Arbeit der Fabrik gedient, hauptsächlich als Gärtner im Dienste der Arbeiterküche. Sein heiteres, freundliches Wesen machte den wackeren Alten bei Arbeitgeber,:, Arbeitskollegen und allen, die ihn kannten, be-> liebt. Ein großer Freund des Gesangs, war er 34 3ahre lang in dem hiesigen Männergcsang- verein aktiv und sang noch vor drei Jahren feinen schönen 1. Tenor. Kreis Alsfeld. te* Alsfeld. 23. Nov. Das Projekt der Errichtung einer Bade - und Schwimmanstalt, dos die hiesige Stadtverwaltung schon im vorigen Jahve beschäftigte, wird nunmehr zur Ausführung kommen. Die Lösung der Platzfrage bot große Schwierigkeiten, da die wichtigste Frage dabei, eine cinwandvfreie und ausreichende Wasserzuführung zu bekommen, von vornherein nur wenige Plätze in Frage kommen ließ. Nachdem man verschiedene Projekte ins Auge gefaßt hatte, einigte man sich schließlich in der letzten Stadtoerordnetenfitzung dahin, die Badeanstalt endgültig auf dem Gelände der städtischen Bleiche entlang des Dammes des Erlenteiches. unmittelbar an diesen angrenzend, zu errichten. Zu diesem Zwecke wurde die anstoßende sog. Stumpssche Wiese, die ca. 10 000 Quadratmeter umsaßt, käuflich erworben. Mit der Ausführung der Arbeiten, die als N o t st a n d s a r b e i l durch Er- werb^ose vorgesehen ist, wird alsbald begonnen wsrd«n. Die Anlage wird so eingerichtet, daß sie den neuzeitlichen Anforderungen des Schwimmsportes entspricht, so daß auch sportliche Veranstaltungen darin avgehalen werden können. Um die Kanalisation weiter zu fördern, wurde beschlossen, gleichfalls im Wege von Notstandsarbeiten die Un- tergaffe, Mainzer- und Obergasse zu kanalisieren, womit diese hauptsächlichsten Geschäftsstraßen endlich auch ein neuzeitliches Straßenpjlaster erhalten werden, das dringend notwendig erscheint. <0? Nieder-Gemünd en, 23. Nov. Gegenwärtig werden unsere Dorf st raßen und ein Teil der Gemeindefeldwege mit Schotter gedeckt. Wahrend in früheren Jahren die oteine durch hiesige Landwirte aus dem Feld zusammen- gesahren und, an Ort und Stelle geklopft, oder von den Basaltwerken in Nieder-Ofleiden oder Samberg bezogen wurden, wird das Deckmaterial in diesem Jahre als Abfallprodukt seitens der hiesigen Bahnmeisterei geliefert. Die Steine eignen sich zur Bedeckung der Straßen noch vorzüglich, anderseits bedeutet diese Art des.Bezugs für unsere Gemeindekasse nur eine verhältnismäßig geringe Ausgabe. = Ober-Ohmen, 23. Aov. Dem hiesigen Bolksbildungsverein wurde in Anbetracht seines vvlksbUdnerischen Wri:ns von dem Hess. Landesamt für das Bildungs- Wesen eine Beihilfe von 50 Mk. bewilligt. )' Grebenau, 23.Aov. Auf Beschwerde eine- Anwohners, dem die alten Linden auf dem K i r ch p l a tz zu viel Licht Wegnahmen, hat man vor kurzem die schönen alten Bäume, die, vom Ort und der Dahn aus gesehen, die Kirche idyllisch einhüllten, derartig toupiert, dah nur noch einige nackte Stümpfe übriggeblieben sind, die das Bild der Aacktheit noch erhöhen durch ihre Dürftigkeit. Das schöne Dlld einer Dorflirche ist nun seines Zaubers entließet. Hier wäre weniger sicher mehr gewesen. Man hätte durch ein ausgiebiges Auspuyen gewiß der Beanstandung abhelfen und doch auch das vielen liebgewordene Bill) unangetastet lassen können. . Kreis Lauterbach. WSA. Lauterbach. 23. Aov. Ein Buchhalter der Hutfabrik Wegener in Dli tzen- rvd ging nach Plnterschlagung einiger tausend Mark flüchtig, wurde aber bald danach bei DeNyandten in Westfalen verhaftet. Die älnterschlagung beging er, trotzdem er ein ganz ansehllliches Gehalt bezog. Das Geld hatte ec bei seiner Festnahme restlos Lurchgebracht. fl. Lauterbach. 23. Aov. Fetzt fand hier die zweite staatsbürgerliche Dil- dungstagung derReichszentrale für Heimatdienst statt. Die Beteiligung war gut, i insbesondere von feiten der Lehrerschaft. Die Lettung lag in der Hand des Herrn Karl Ollmert (Frankfurt). Vormittags sprach Studienrat Dr. Körber (Franlfurt) über: „Die groben Linien der deutschen Außenpolitik vor und nach dem Weltkriege". Studiendirektorin Dr. Kemff (Frankfurt) sprach über: „Die Zusammenhänge zwischen Staat und Wirtschaft". Studienrat Dr. König (Sieben) behandelte in seinem Dortrage „Staat und Volk" das Problem der Auslanddeutschen, der deutschen Minderheiten im Ausland. Sine staatliche Rückgewinnung Elsab-Lvtbringens lehnte er, obwohl selbst Elsässer, ab. Dagegen müssen wir mit dem deutschen Bolts tum jenseits der Grenzen geistig verbunden bleiben. Reicher Beifall lohnte alle Redner. Starkenburg. * Darmstadt. 23. Aov. In der Aähe von Biblis im Ried wurde dieser Tage bei Erdarbeiten ein fränkisches Grab aufgedeckt. Es wurden zwei fast vollständige Skelette gefunden, von denen eines einen deformierten Schädel auf- wies. Die Grabbeigaben bestanden in Ringen, Perlen, einer Brosche imb einem Schwert. Die Brosche besteht aus Bronze mit Silberverzierungen. Die Ringe sind aus Messing. Der Denkmalpfleger Prof. Dehn hat die Gegenstände bereits untersucht. WSA. Offenbach. 23. Aov. Der hiesigen Kriminalpolizei ist es gelungen, den 22jährigen Dienstknecht Paul Pannicka aus Treuen- brietzen, der von der Desscn^r Staatsanwaltschaft wegen Mordes, begangen Im Jahre 1924 in Dennewitz im Kreise Jüterbog an einem unbekannten Manne, gesucht wurde, zu ermitteln und festzunehmen. WSA. Groß-plmstadt, 23. Aov. In der Aacht zum Sonntag hat sich im benachbarten Wenig-plmstadtein schwer es Llnglück ereignet, das leider ein Menschenleben forderte. Die beiden Söhne des Schneiders Müller, der gerade Kleider ablieferte, während die Mutter sich zur Ruhe begeben hatte, wollten sich auf einem Spirituskocher Wasser warm machen. Dabei explodierte derselbe, wodurch der ältere Knabe sofort in Hellem Flammen stand. Dis Hilfe herbeikam, war ec so zugerichtet und am ganzen Körper verbrannt, dab er trotz ärztlicher Hilfe am andern Tage verstarb. Preußen. Streik Wetzlar. □ 21 uS dem Kreise Wetzlar, 23.Aov. Die Kreisstrabenbauverwattung hat an den an den Provinzial- und Kreisstraßen stehenden Ob st bäumen Fanggürtel anbringen lassen, die der Bekämpfung des den Obstbaumen schädlichen älngeziefers dienen sollen. Auch die an den Wegkreuzungen und -gabelungen befindlichen Wegweiser sind, soweit sie schadhaft waren, durch neue große gelbe Tafeln mit schwarzer Aufschrift ersetzt worden. Die Gestaltung der Wegweiser in der neuen Form entspricht einer Anregung des Siedlungsverban- des Ruhrkohlenbezirk zu Essen. xp. O d e n h a u s e n (Lahn), 24. Aov. Heute feiern Lehrer a. D. Müller und Gattin, geh. Bölk, in seltener Rüstigkeit und Frische das Fest der Goldenen Hochzeit. <> Hochelheim, 23. Aov. Einem Anträge .der hiesigen Gemeinde entsprechend, sind hier jetzt zwei. Haltestellen der Krastpo st- linie G ieb en—Ai ederkleen eingerichtet; die eine befindet sich bei dem oberen Dack- hause, die zweite bei der Postagentur. <> Ebersgöns, 23. Nov. Hier haben sich junge Burschen zusammengetan und einen Wan- Der Rechtsspiegel. Das Grundstücks-Vorkaufsrecht (Nachdruck verboten.) Die gegenwärtige neue Neichsgenchlsentfcheidung spricht aus, daß der öffentliche Glaube des Grund buchs (§ 882 BGB.) verjag:, wenn ein Grundstück verkauft wird, ehe das Dritten zugebilligte Lor- kaufsrecht im Grundbuch zur Eintragung «langt. Der Bäckermeister St. in Plauen halte den Klägern am 23. Mai 1923 an jeinem Grundstück ein Vorkaufsrecht für alle Berlaujsfälle cingeräumt und die Eintragung dieses Vorkaufsrechts im Grundbuch beantragt. Der Antrag ging beim Grundduchamt am 31. Ma: 1923 ein, mußte aber infolge Jormmangcls des Textes berichtigt werden. Erft am 24. September 1923 wurde nach entsprechender Berichtiguna das Vorkaufsrecht eingetragen. Indessen hatte der K. das Grundstück dem beklagten Fabrikanten (8. in Plauen verkauft und ausgelassen. Der Kauf wurde am 5. Juli 1923 beurkundet. Der Antrag auf Eintragung des Eigentümers ins Grundbuch ging beim Grundbuchamt am 6. Juli 1923 ein. Und zwar wurde der Beklagte am 24. September 1923 — am gleichen Tage, an dem das Vorkaufsrecht für die Klager in das Grundbuch eingetragen wurde — als Eigentümer des Grundstücks eingetragen. Die Kläger behaupten, am 30. August 1923 das Vorkaufsrecht ausgeübt zu haben, und verlangen Verurteilung des Beklagten, darein zu willigen, daß sie als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen werden. Das Landgericht Plauen erkannte auf Abweisung dieser Klage, das Oberlandesgericht Dresden dagegen trat den Klägern bei, indem es davon ausging, daß der öffentliche Glaube des Grundbuchs nach § 892 BGB. gegenüber einer Unrichtigkeit des Grundbuchs in Betracht kommt, daß das Grundbuch aber nicht schon dadurch unrichtig wird, daß eine beantragte Eintragung noch nicht erledigt ist. Das Reichsgericht hat dieses Urteil des Obcrlandesgerichls aufgehoben und gleich dem Landgreicht auf Abweisung der Klage erkannt. In den reichsgerichtlichen Entscheidungs- gründen hierzu heißt es: Das Vorkaufsrecht ist grundsätzlich nur auf die Zukunft gerichtet. Es muß enftanden fein und bestehen, bevor der Kaufvertrag abgeschlossen wird, gegen den sich seine Ausübung richten soll. Das dingliche Vorkaufsrecht entsteht aber erst mit feiner Eintragung in das Grundbuch. Soweit aus ihm Rechte hergeleitet werden sollen, ist die vollzogene Eintragung zum Grundbuch Voraussetzung. Nur auf das dingliche (eingetragene) Vorkaufsrecht können sich die Kläger stützen. Sie können aber dem Beklagten auf dieser Grundlage den Erwerb nicht streitig machen, weil sein Kauf bereits abgeschlossen war, als die Kläger das — dingliche — Vorkaufsrecht erwarben. Haftung der Reichsbahn für Hochwasserschäden durch die Bahnanlage. (Nachdruck verboten.) Bei einem Wolkenbruch in Hagen und Umgebung ergossen sich die Wassermassen des Malmekebaches infolge der angelegten Eifenbahnüberführung in die durchZeführte und deshalb niedriger gelegte Schwerter Straße. Sie überfluteten dabei das Grundstück des Bauunternehmers K. in Hagen-Eckesey. Eine starke Grundstückseinfriediguna wurde teilweise umgerissen, ein Kartoffelacker und ein großer Teil der tags zuvor gemähten Mischfrucht wurden überschwemmt, die Obstbäume wurden beschädigt, ein Teil der Gartenfrüchte verschlammte und die am Volmeufer befindliche Kaimauer mit ihrem Gitter wurde auf einer Länge von 150 Meter umgeworfen. Der Kläger macht die Deutsche Reichsbahngesellschaft für den Schaden verantwortlich, weil die Bahn bei dem in den Jahren 1904 bis 1915 erfolgten Umbau der Bahnanlage die unter der Eisenbahn durchgeführte Schwerter Straße ohne entsprechende Schutzvorrichtungen tiefer gelegt habe, so d"ß diese bei dem Wolkenbruch wie ein Flutkanal w.rkie, der die Wafsermengen des höher gelegenen M.ttmcke- baches aufnahm und sie dem Grundstück des Klägers zuführte. — Landgericht Elberfeld und Ooerlandes- aericht Hamm haben den auf Zahlung von 24 294 Mark gerichteten Klageanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Die von der betlngien Reichsbahngesellschaft beim Reichsgericht eingelegte Revision ist ohne Erfolg geblieben und zurückgewiesen worden. In den reichsgerichtlichen Cnlschei- dungsgründen hierzu heißt es: Die Dorinstanzen haben den Tatbestand des § 823 Abs. 1 BGB. als erfüllt angesehen und dementsprechend den Klage- anspruch für gerechtfertigt erklärt. Die Eisenbahn hätte mit derartigen Naturkatastrophen rechnen und gehörige Vorkehrungsmahregeln treffen müssen. Wenn die ganze Bahnhofsanlage nicht vorhanden gewesen wäre, hätte das Wasser, dem natürlichen Gelände folgend, sich über die ganzen Wiesen verteilt und auf dem Lause nach der Holme das Grundstück des Klägers nicht roejentlid) beschädigt. _ Vorsicht beim Uederholen. (Nachdruck verboten.) Kraftfahrer können nicht genug vor unvorsichtigem Uederholen gewarnt werden. Diese Unvorsichtigkeit besteht zumeist bahn, dah sie |u nahe an den zu überholenden Personen oder Fuhrwerken vorbei» fahren wollen, jo dah schon die geringste Bewegung aus ihre Fahrbahn zu Unfälle verursacht, wie sie täglich gemeldet werden. In solchen Fällen ist es schwer, den vom Auwmobilgejetz geforberten Ent» lastungsdewcis in der Richtung zu erbringen, daß der Lenker des Fahrzeugs „jede nach den Umständen des Falles gebotene Sorgfalt* beobachtet hat. Erst wenn dieser Nachweis erbracht wird, gilt das ungeschickte Verhüten des Verletzten als „unabwendbares Ereignis" im Sinne von § 7 Autornodilgesctz. Im gegenwärtigen Falle ist der Dachdecker» meister e. m Köln-Holweide auf der Straße außerhalb Mülheims, wo er auf seinem Fahrrad fuhr, von einem Kraftwagen der Motorenfabrik D., als der Chauffeur ihn überholen wollte, umgestohen und schrvcr verletzt worden. Das Landgericht Köln erkannte den Schadenersatzanspruch des Klägers zur Hälfte als gerechtfertigt an, das Oberlaltdesgencht Köln den Leistungsansvruch im vollen Umfange, aber nur im Rahmen des Automobilgesetzes. Das Reichsgericht hat es bei diesem Urteil belassen und die Revision der Betlagten zurückgewiesen. In der Urteilsbegründung heißt es, daß die Beklagten den ihnen nach § 7 Automobilgesetz obliegenden Entlastungsbeweis nicht erbracht haben. Das Ober- landesgericht hat auf Grund der Beweisaufnahme die Möglichkeit für gegeben erachtet, daß der Wagenführer mit zu geringem Abstand an dem Kläger vor- beifahren wollte, infolgedessen also nicht jede nach den Umständen des Falles gebotene Sorgfalt beobachtet habe. Auf diesen Abstand von dem Radfahrer kam es wesentlich an; wäre er größer gewesen, dann wäre der Kläger nicht schon durch eine vielleicht kleine, durch Unsicherheit verursachte Bewegung nach links in die Fahrbahn des Autos gekommen. Ungültigkeit einer Lebens- verficherungtrotzDorauszahlung der Prämie. (Nachdruck verboten.) Ein eigenartiaer Lersicherunasrechtsstreit hat unlängst das Reichsgericht beschäftigt. Der Erblasser der in Karlsruhe wohnhaften Kläger schloß am 31. Mai 1924 mit einer Berliner Lobensverfiche- rungsgesellschast einen Lebensvcrsick-erungsoertrag über 10 000 Mark ab und zahlte sofort im voraus die Prämie für ein halbes Jahr. Der Versicherungsschein wurde antragsgemäß unter Angabe des 1. Juni 1924 als Ansangstag der Versicherung ausgestellt, von der Direktion am 6. Juni unterzeichnet und von dem Be^irksvettreter am 8. Juni mit Quittung versehen. An» 9. Juni starb der Erblasser der Klager und erst am 10. Juni wurde der Versicherungsschein an seine Witwe ousgehandigt. Die beklagte Versicherungsgesellschaft verweigert die Zahlung der Versicherungssumme, indem sie geltend macht, daß der Vertrag nicht zustande gekommen sei. Hilfsweise socht sie den Vertrag wegen Irrtums und wegen arglistiger Täuschung über den Gesundheitszustand des Versicherten an. Sämtliche Instanzen — Landgericht und Kam- mergericht zu Berlin und Reichsgericht — sind ihr beigetreten und haben die Klage auf Auszahlung der Versicherungssumme abgewiesen. Aus den reichsgerichtlichen Entscheidungsgründen: Do der Vertrag frühestens mit dem Eingänge der Annahmeerklärung her Dersicherungsaesellschaft durch Aushändigung des Versicherungsscheins bei den Klägern zustande gekommen fein kann, so ergibt sich die Frage, ob ein Zustandekommen des Vertrages durch den indessen erfolgten Tod des Versicherten überhaupt verhindett morden ist. Das wird vom erkennenden Senat des Reichsgerichts bejaht. Durch den Versicherungsvertrag übernimmt der Desicherer gewöhnlich die Pflicht, die Versicherungssumme bei späterem Ein- iritt eines bestimmten Ereignisses zu zahlen. Soll die Versicherung sich auf einen früheren Fall erstrecken, so bedarf es einer besonderen Bestimmung. Demnach besteht bei einem Lebensversicherungsoertrage mangels einer faschen besonderen Bestimmung der Anspruch auf die Versicherungssumme nicht, wenn der Todesfall schon vor dem Vertragsschluß eingetreten ist. devk 1 ub gegründet, der den Namen „Club Edelweiß" fuhn. Der Club will durch Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung den Gedanken zur Förderung und Pflege der Heirnt- liebe stärken helfen. D Klein-Rechte nb ach, 23. 21od. Die Arbeiten an dem neuen Schulhausbau sind schon soweit vorgeschritten, daß gestern die Zimmerleute das Gebälke „aufschlagen" konnten. Es sind noch einige Maurerarbttten auszusühren, nach deren Deendigung das neue Schulhaus im Rohbau vollendet sein wird. Kreis Biedenkopf. T Dieber. 23. Aov. 2T8 unsere Borfahren sich on.ier8tofl abend eine Versammlung in den Derlachschen Saal einberufen, zu der alle Interessenten, auch die auswärtigen, schriftlich eingeladen sind. Hoffentlich kommt die Sache nun erchnch zu einem guten Llbschluh. Kreis Westerburg. CO Westerburg, 23. Nov. Die Gemeindevertreter in Waldmühlen beschlossen die Er- bauung einer einklassigen Schule mit Lehrecwohnung. Da das jetzige Schulhaus schon an Jahre 1832 erbaut ist und sich infolgedessen in sehr baufälligem Zustand befindet, kommt man hiV einem dringenden Bedürfnis nach. Die Bauausführung und -leitung untersteht dem Kreis- bauamt Westerburg. — Die unterhalb Steine- f r e n z über den E i f e n b a ch nach Girod füh. renhe Brücke war baufällig geworden. Der Bezirksverband ließ sie in diesem Sommer durch eine breite aus Eisenbeton ersetzen, so dah jetzt allen modernen Berkehrsanforderungen genügt ist. Dieser Tage ist die neue Brücke für den Verkehr freigegeben worden. Oderwesterwaidkreis. Höhn-Urdors, 23.Nov. In dem Stein- bruch der Gewerkschaft Albert bei Großseifen verunglückte ein Arbeiter dadurch, daß er im Augenblick, als die Seilbahn a n z o g, in eine Schlinge des Seils trat. Der Fuß wurde ihm über dem Knöchel glatt ab geschnitten. 8 Maingau. WSA. Frankfurt a. TL, 23. Aov. In der heuigen Stadtverordnetensitzung wurde das vom Magistrat vorgelegte A o t - stand s Programm in Höhe von über 3,5 Braucht Deutschland Unsere am 6. November gestellten Preisaufgaben waren in ihrer Fassung etwas schwer; wir stellen daher die erste Frage allein als Prcisaufqabe und haben hierfür 10 sondere Preise bereit* gestellt. Die Fragen vom 6. November werden wie vorgesehen bewertet. Einsendungen bis 1. Dezember erbelen an den Bunb der Kolonlalfrcunöe e.v., Eeschäftrstelle Liehen, Lahnstr. 15, Millionen Mark mit großer Mehrheit a n- genommen. Don dieser Summe hat die Stadt nach Abzug des Deichszuschusses 1 863 000 Mark aufzubringen. Fast die Hälfte des großzügigen Programms entfallen auf Arbeiten des Tiefbauamtes. Weiter stimmte das Stadtparlament mit großer Mehrheit einem Anträge des Hauptaus- 'chusses auf Erhöhung des Aktienkapi- kals der Frankfurter Flugplahge- l e l l s ch a f t G. m. b. H. von 200 000 auf 300 000 Mark zu. — Auf dem Wochenmarkt am Börne- dlah hat sich heute vormittag ein schwerer Unfall ereignet, dem ein Menschenleben zum Opfer siel. Eine Frau Stieben er aus Offenbach, die dort Einkäufe gemacht hatte, wollte, schwer bepackt, auf einen Straßenbahnwagen aufsteigen. Dabei glitt sie aus, stürzte zwischen den Anhänger und ein vorbeifahrendes Lastfuhrwerk und wurde dort eingeklemmt, wobei sie so schwer gequetscht wurde, daß sie bereits auf dem Transport zum Krankenhause v e r st a r b. — Der kürzlich in Offenbach nach einer aufregenden Jagd gelegentlich eines Einbruchs fest genommene Fassadenkletterer Hans Dreh hat auch rn Frankfurt in den letzten Wochen eine Reihe verwegener Einbrüche begangen. Er kletterte dabei an den Hausfassaden hoch und räumte Wohnungen und Bureauräume im ersten Stock aus. .lieber die Lage seiner Wohnung in Frankfurt verweigert der Bursche hartnäckig jede Auskunft. Allgemein wird angenommen, daß -arin noch große Mengen von Diebesgut lagern. Möglicherweise hat Breh auch bei Gleichgesinnten Unterschlupf gefunden: doch kann auch angenommen werden, daß er sich ein -Zimmer unter falschem Ramen gemietet hat und daß der Dermieter selbst nicht weiß, welch gefährlichen Besuch er beherbergt hat. — Am Samstagvormittag hat hn Schwanheimer Walde am Wasserweg In nächster Rähe der Frankfurter Grenze ein Mann mit einem Rasiermesser sich den Hals durchschnitten. Einige Spaziergänger, die den Dorfall von ferne beobachteten, fanden, als sie näher kamen, den Mann bereits verblutet am Boden liegen. Der Tote wurde als der 31 Jahre alte Friseur Wilhelm Ligg aus Frankfurt festgestellt. Er war seit längerer Zeit nervenleidend und arbeitslos. Die Rot im Verein mit feinem Leiden dürfte den Mann zu der Tat veranlaßt haben. Kreis Fulda. WSR. Fulda, 23. Rov. Wegen mehrerer D i e b st ä h l e, die sie bei verschiedenen Fuldaer Familien aus führte, wurde die bereits vorbestrafte und vor einigen Tagen erst aus der Strafanstalt entlassene Dienftmagd Sophie Seigert aus Margaretenhaun hier festge- nommen und dem Gerichtsgefängnis zugeführt. Aus dem Amtsderkündigungsblatt. Das Amtsverkündigungsblatt N. 94 vom 23. November enthält: Ergebnis der Hauptkörung im Körbezirk Gießen-Grünberg im Jahre 1926. — Maul- und Klauenseuche in Hungen, Treis a. d. Lda., Steinbach, Harbach und Queckborn. — Kreisstraßensperre. — Feldbereinigung Harbach. — Verbot von öffentlichen Tanzbelustigungen. — Straßensperre. — Dienstnachrichten. Die Einwohnerzahlen der hessischen Amtsgerichtsbezirke. WSR. In den „Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik" wird eine interessante Zusammenstellung über die Einwohnerzahlen der hessischen Amtsgerichtsbezirke veröffentlicht, aus der sich in bezug auf die geplante Aufhebung verschiedener Amtsgerichte interessante Rückschlüsse ergeben. Danach gibt es im ganzen Lande Hessen insgesamt 53 Amtsgerichte, wovon 22 auf die Provinz Starkenburg. 20 auf Oberhessen und 11 auf Rheinhessen entfallen. Der größte Amtsgerichtsbezirk ist Mainz mit 144 521, der kleinste die zwischen Baden und Württemberg gelegene Enklave Wimpfen mit 3300 Einwohnern. Rach Größen Verhältnissen geordnet, ergibt sich folgen bed Bild: Provinz Starkenburg: Offenbach 122971, Darmstadt I 89 465, Groß-Gerau 56 702, Darmstadt !I 55 984, Langen 33 971, Seligenstadt 30386, Lorsch 27 791, Dieburg 23 272, Lampertheim 22 448, Fürth 18 328, Michelstadt 17 536, Gernsheim, 17 260. Reinheim 17127, Zwingenberg 16 996, Bensheim 16 809, Höchst i. O. 16 249, Groß-Umstadt 15 599, Waldmichelbach 10 316, Reichelsheim 8322, Beerfelden 7759, Hirschhorn am Reckar 6030, Wimpfen 3300. Provinz Oberhessen: Gießen 70 972, Friedberg 36 616, Alsfeld 19 962, Dilbel 19 276, Butzbach 18 732, Grünberg 15 842, Bad-Rauheim 15 454, Ridda 15 206, Büdingen 14 077, Ortenberg 13 353, Lauterbach 12 672, Homberg 11271, Herbstein 11 245, Schotten 9091. Hungen 7964, Ulrichstein 7844, Altenstadt 7782, Lich 7410, Laubach 7393, Schlitz 6328. Provinz Rheinhessen: Mainz 144 251, Worms 53 454, Alzey 29 707, Oppenheim 29 847, Bingen 22 949, Ober-Ingelheim 22 794, Osthofen 21531, Pfeddersheim 17 602, Wöllstein 17 342, Wörrstadt 12 895, Riederolm 12 596. Schöffengericht Wetzlar. Q Ein Arbeiter aus Klein- Ginßen war wegen Widerstands unter Anklage. Ihm wurde zur Last gelegt, im Sommer in Dutenhofen gelegentlich eines Sängerfestes einem Landjäger gegenüber bei dessen rechtmäßiger Ausübung seines Dienstes widersetzlich geworden zu sein und den Beamten tätlich angegriffen zu haben. Der Angeklagte will von den fraglichen Vorgängen.nichts wissen, da er angeblich sinnlos betrunken gewesen sei. Demgegenüber ergibt sich aus den Zeugenaussagen, daß der Angeklagte nur angeheitert war und er daher für fein Tun voll verantwortlich fei. Das Urteil lautete auf 10 0 M k. Geldstrafe unter Auferlegung der Kosten des Verfahrens. Der schweren Urkundenfälschung sowie der Unterschlagung war eine Ehefrau aus Ehringshausen angeklagt. Die Angeklagte hatte von dem Sparguthaben ihres Kindes, für das vom Gericht ein Vormund bestellt ist, einen Betrag erhoben, um für das Kind Anschaffungen zu machen, verwandte aber einen Teil des Geldes für sich. Dem Vormund übergab sie dann eine quittierte Rechnung über angeblich für das Kind angeschaffte Kleidungsstücke. Diese Rechnung hatte sie gefälscht. Die Angeklagte war geständig und entschuldigte ihre Handlungsweise mit Not. Das Gericht billigte der Frau mildernde Umstände zu und erkannte auf eine Woche G e - f ä n g n i 5 und 20 Mk. Geldstrafe. Einem Gärtner und einer Frau aus Dillenburg war öffentliche Beleidigung zur Lost gelegt. Beide Angeklagte sollen in einer öffentlichen Versammlung einen Bezirksarmenpfleger durch eine falsche Behauptung beleidigt haben. Sie gaben dies auch vor Gericht zu. Der erste Angeklagte erhielt 20 Ml. Geldstrafe, hilfsweise vier xage Haft, die andere Angeklagte, die ihre Behauptungen vor Gericht wiederholte, erhielt 14 Tage Gefängnis. Dem Beleidigten wurde die Publikationsbefugnis bezüglich des Urteils zugesprochen. Vermischtes. Rach acht Iahren wegen Mordverdachts verhaftet. JnCharnitz, eurem Ort in der Lüneburger Heide, ist man nach acht Jahren einem Mord auf die Spur gekommen, den der R^aurer K e h - be in an seinen Kindern von zwei bis vier Jahren und seinem 70 Jahre alten Dater begangen haben soll. Kehbein wurde verhaftet. Reue elektrische Lokomotiven. Die Deutsche Reichsbahn hat kürzlich eine elektrische Schnellzug-Lokomotive von außerordentlich großer Leistungsfähigkeit in Betrieb genommen. Diese Lokomotive kann Schnellzüge bis zu 700 Tonnen Wogengewicht, entsprechend 17 V-Zugwagen, mit einer Geschwindigkeit von 110 Kilometer in der Stunde befördern. Hierbei werden dauernd 2400 P. S. und vorübergehend bis 4000 P..S. entwickelt. Die Lokomotive, die von der Lokomotivfobrik der AEG. erbaut ist, läuft gegenwärtig auf der Strecke Leipzi g—H alle. Ferner sind zwei große Schnellzuglokomotiven und sechs schwere Güterzuglokomotiven, die Güterzüge bis 2100 Tonnen Wagengewicht befördern können, im Dau. ----------------- x Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Bürgersteige der firofborfer Straße. Nachdem die Straßen an der Lahnbrücke neu hergerichtet sind und das Ganze ein Musterbild darstellt, wäre es zu begrüßen, wenn die Stadtverwaltung nun endlich Vorkehrungen treffen würde, die Bürgersteige der Krofdorfer Straße, die sich in schlimmem Zustande befinden, in Ordnung bringen zu lassen. Man bewirft die Fußwege ab und zu mit Gestein und Sand, doch ist damit einer Instandsetzung in keiner Weise entsprochen. Die „Sach- jenhäuser" haben doch sicher genau die Rechte, wie die Jnnenbewohner der Stadt. Deshalb bitten die Bewohner über der Lahnbrücke, endlich den Uebel- stand zu beseitigen. Bei Regenwetter sind diese Wege fast nicht passierbar, und durch das Sandstreuen verunreinigt man sich die Wohnung. Es wäre wohl das beste, die Fußwege würden ein Asphaltkleid bekommen. Hoffentlich entspricht die Stadtverwaltung baldigst diesem Verlangen. W. PH. Autler, mehr Rücksicht nehmen; Ich möchte hiermit auf einen Uebelstand, ja eine Rücksichtslosigkeit seitens vieler Automobilisten zur Nachtzeit aufmerksam machen. Ich habe öfters Fahrten mit dem Fuhrwerk nach auswärts zu machen, wobei man dann auf der Heimfahrt von der Dunkelheit überrascht wird. Befindet man sich nun auf der Landstraße und es kommt ein Auto in rasender Geschwindigkeit mit dem grellsten Scheinwerfer in Funktion daher, bann heißt es abfteigen, oder in den Chausseegraben hinein. Erst kurz vor dem Fuhrwerk erlischt der Scheinwerfer, dann sind aber Pferd und Führer geblendet, und es bedarf erst einiaer Minuten, bis man die Augen wieder gebrauchsfähig hat. Vorige Woche erst hatte ich das „Glück", auf der Fahrt von Grünberg nach Gießen fünf solcher rücksichtslosen Fahrer zu begegnen. Bei einem wurde mein Pferd unruhig, so daß ich nur noch knapp dem Chaufseegraden entging. Vergeblich versuchte ich die Nummer festzustellen denn es war mir durch die Blendung unmöglich. Man hat anderseits natürlich auch rücksichtsvolle Menschen, die, sobald sie ein Fuhrwerk entgegenkommen sehen, die Scheinwerfer abblenden. Wenn dies alle Fahrer täten; so wäre das Verhältnis zwischen Auto und Fuhrwerk sicherlich ein weitaus besseres, aber die meisten Autler betrachten sich in dieser Beziehung als die Alleinberechtigten der Landstraße. Deshalb, ihr Automobilisten: bei Nachtzeit auf der Landstraße rechtzeitig abblenden, sobald ein Fuhrwerk cntgegenkommt, denn auch hier stehen Menschen und Tiere auf dem Spiel. Nehmt Rücksicht! — — H. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der «Radio-Umschau".) Donnerstag, 25. Rovember. 12 bis 1 Uhr: Mittagskonzert der Kasseler Hauskapelle. 3,30 bis 4: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5,45: Konzert des Hausorchesters: Reue Tanzmusik. 5,45 bis 6.05: Die Lesestunde. 6,45 bis 7,15: „Die Reformmethode im neusprachlichen Tlnterricht, an deutschen Beispielen dargelegt. Vortrag von Geheimrat Mar Walter. 7,15 bis 7,45: Deamteyfortbild'.mgskursus, „Aktuelle Fragen der Steuertheorie (Steuerüberwälzung und Steuerbelastungsvergleiche)", Vortrag von Dr. Fritz Reumark. 8,15: Heiterer Abend. Anschließend bis 12,30: Tanzmusik. pffrsfehzarten sofort Röhe öie Attke gegen GScht und Rheumatismus. Sie wissen lein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister. Ein- Deibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Hebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet; aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie den folgenden Brief: „Ich möchte Ihnen heute meinen Dank aussprechen für die Wunder wirkenden Gichtosint-Tabletten. Leide schon 15 Jahre an rheumatischen Schmerzen im Arm, Rücken, sowie in den Deinen. Habe schon allerlei Mittel versucht, aber nichts half. Auf Anraten meiner Frau versuchte, ich auch einmal Ihre Gichtosint-Tabletten, und die Wunderwirkung blieb nicht aus. Ich spüre keine Schmerzen mehr. Bei meinen 66 Jahren kann ich wieder gut laufen und meine Arbeit verrichten. Ich sage Ihnen nun meinen besten Dank und kann jedem Leidensgefährten Gichtosint-Tabletten warm empfehlen. W. V. i. Sch." Solche Briefe besitze ich Tausende, und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurückgebliebene Harnsäure Salze, und diese müssen heraus, sonst nützt alles Einreiben und Warmhallen nichts. Zur Beseitigung der Harnsäure aber dient das Gichtosint. Sie können das glauben oder nicht, aber Sie sollen keinen Pfennig dafür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haben. Teilen Sie uns Ihre Adresse auf einer Postkarte sofort mit und adressieren Sie diese an: Generaldepot der Viktoria-Apotheke, 'Berlin A 235, Friedrichstraße 19; es geht Ihnen dann toll* ständig kostenfrei eine Probe Gichtosint mit weiteren Aufklärungen und genauer Gebrauchsanweisung zu. Wenn Sie sich überzeugt haben, so steht es Ihnen frei, mehr von dem Mittel zu beziehen, oder es in einer dortigen Apotheke zu kaufen. Gichtosint ist in allen Apotheken zu haben. 9579V Gardinen s im Spezialgeschäft kaufen! Sachkundige Beratung! Ausgesprochen billige Preise! Ueberragend große Auswahl! Kostenanschläge bereitwilligst! Seltersweg 81 im 9öl4a Hdesr Handarbeit Cafe Ernst Ludwig Donnerstag, den 25. November, abends 8 Uhr Gesangsvorträge des Herrn Curt Richter ehemaliges Mitglied vom Gießener Stadttheater Tanz Konaert der verstärkten Hauekapelle letzter Tanzabend vor Weihnachten «etac l F ■» HAUS DE LOTTERIE JUGEND Ziehung am 15. und 16. Dezember 1926 HAUPTGEWINN 3OOOOMK PRÄMIE 1OOOOMK LOS 504 GESAMTWERT DER GEWINNE 21OOOOMK Gewinnplan und Lose sind erhältlich in Gießen bei E. Legler, LotL-EInn., Südanlage 5; Peter Rau; Lahnstr. 21, Kolonial waren, Wilhelm S e m m 1 e r. Zig.-n. Losegesch., Seltersw. 25. 7485s6 Gießener Konzertverein Sonntag, den 28. November 1926, nachmittags 5 Uhr, in der Universitätsaula: DRITTES KONZERT Lotte Leonard aus Berlin (Sopran) 9516(5 Am Klavier: Paul Meyer aus Frankfurt Lieder von Schubert — Hugo Wolf - Richard Strauß Eintrittskarten: Mk. 4.—, 3.- und 2.— bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten Mk. 1.—, nur im Vorverkauf bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweiskarte. Sängerkranz Am Mittwoch, dem 1. Dezember 1926, abends 8 Uhr, in der „Neuen Aula“ der Universität: Samson Oratorium für Soli, Chor und Orchester von G. F. Händel. Solisten: Wally Kirsamer (Sopran), Agnes Braunfels (Alt), August Jordan (Tenor), Hermann Diersch (Baß), sämtlich aus Frankfurt a.M.* Frau Dr. Wolff (Sopran), Gießen. Chor: Gemischter Chor des Sängerkranzes Orchester: Kapelle des Reichswehr-Inf.-Rgts. Nr. 15, Gießen Am Flügel: Hella Maternus, Gießen Leitung: Albert Kasten. 96100 Preise der Plätze Mk. 4.-, Mk. 3.-, Mk. 8.-. Vorverkauf bei E. CHALLI ER, Neuen weg 9. tiPfcLSOPf. w. Ur. 275 Drittes VW Siebener Anzeiger (Seneral-Anzelger für Gvelheffei.) üilttwoch, 2-t. ^oveiiiber (926 Aus Natur und Technik. Die Entwicklung der Lokomotive. Don Dr.-Ing. Fr. Soltau. Das erste Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts hat bekanntlich eine beispiellose technische Entwicklung gebracht. Man braucht nur gn Kraftwagen, Flugzeug. Luftschitf und Rund- sunk zu erinnern, um die großen Fortschritte vor Augen zu führen. Auf dem Gebiete der Kraftmaschinen ist die Kolbendampsinalchine, die seit Watts Erfindung, also seit über 100 Jahren, unumschränkt geherrscht hat, bei mittleren Leistungen mehr und mehr durch den Dieselmotor und bet großen Leistungen durch die Dampfturbine verdrängt worden. DaS Wesentliche bei diesen Beispielen ist, daß an die Stelle des Alten grundsätzliches Neues gesetzt wurde. Um so erstaunlicher erscheint es, daß auf einem der wichtigsten technischen Gebiete nämlich aus dem des Eisenbahnwesens, nicht nur in den letzten Jahrzehnten, sondern von Anfang an keine grundsätzliche Aenderung mehr eingetreten ist. Welche Fortschritte hat beispielsweise die Dampflokomotive, die jetzt aus das ehrwürdige Alter von saft 100 Jahren zurückblicken kann, in diesem Zeitraum gemacht? Die Zugleistung ist ganz erheblich vergrößert und damit dje Achszahl und die Achsbelastung erhöht, die Wirtschaftlichkeit ist wesentlich verbessert, die Betriebssicherheit in hohem Maße gesteigert worden. Eine grundsätzliche Aenderung ist aber in diesen hundert Jahren nicht eingetreten', sogar die von Stephenson »entwickelte Grundform ist beibehalten worden. Ferner ist man mit Rücksicht auf die Einfachheit ix-r Bedienung schon seit etwa zwei Jahrzehnten nicht wesentlich von den bewährten Bauarten ab- gewichen Alte Lokomotiven werden also durch neue leistungsfähigere, im übrigen aber durch solche gleicher Bauart ersetzt. Wird sich nun die Lokomotive im Lause der nächsten Jahrzehnte wesentlich ändern? Zur Beantwortung dieser Frage ist einerseits zu beachten, daß durch Spurweite, Gleiskrümmungen towie durch den freien Daum über den Gleisen die äußere Begrenzung der Lolömotiven sestliegt: Abweichungen waren nur durch Umbau der Strecke möglich. Andererseits besteht ein stetig wachsendes Bedürfnis nach größerer Zugleistung, und gerade darin ist die Dampflokomotive mit etwa 2000 Pferdestärken so ziemlich ap der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Eine weitere Steigerung der Leistung ist bei einer Auspuff- lolbenmafchinc nicht mehr möglich, da ein einzelner Heizer die erforderliche Kohlenmenge nicht mehr auf den Rost befördern kann. Eine mechanische Rostbeschickung hat sich bisher nicht bewährt. Auch der Versuch, durch Einführung von Kohlenstaub- oder Oelfeueruna die Schwierigseilen der Rostbeschickung zu beseitigen, werden vohl keinen wirtschaftlichen Erfolg bringen, denn )ie Oelseuerung scheidet wegen des hohen Brenn- toffpreises für Deutschland auS: sie eignet sich nur für Länder, in denen Reichtum an Oel vorhanden ist, aber Mangel an Kohle besteht. Die Kohlenstaubfeuerung lommt, selbst wenn die feuerungstechnische Frage als gelöst angesehen werden soll, wegen des großen Raumbedarfs nicht in Frage: denn einmal braucht man zur rauchfreien Verbrennung von Kohlenstaub sehr große Brennkammern, deren Inhalt etwa drei- vis viermal so groß sein muß wie bei Oelfeue- rung; sodann macht die Unterbringung der er- svrderlichen Kohlenstaubmengen Schwierigkeiten. Abgesehen von Der Zerknallgesahr hat Kohlenstaub nämlich den Dachleil, daß sein Schüttgewicht wesentlich geringer ist als das der un- zermahlenen Kohle, d. h. es kann im gleichen Raum auf den Heizwert bezogen eine etwa um 10 v. H. größere Menge Steinkohle gelagert werden. Es kommt hinzu, daß Kohlenstaub mit Rücksicht auf die völlige Entleerung nur in trichterförmigen Bunkern untergebracht werden kann, die sehr viel Daum einnehmen. Soll die Dampflokomotive somit künftigen Ansprüchen genügen, so bleibt die einzige Möglichkeit, bei gleichem Brennstoffverbrauch wie bisher die Leistung der Maschinen zu erhöhen. Auf diesem Gebiete sind bisher durch Einführung von Heihdampf, Spcisewasservorwärmung und Technische Rundschau. Bon Dr. Franz Kittler. Auf dein Gebiete der Schiffahrt sucht man schon seit geraumer Zeit ein Ideal zu erreichen: das Schiss, das nicht sinken kann. Theoretisch evscheint es leicht, ein solches Schiff zu bauen. Wie der Kork schwimmt, weil er zahlreiche kleine Hohlräume enthält, die mit Luft gefüllt sind, so muß auch jeder Schiffskörper schwimmen, dessen Inneres aus derartigen kleinen Hohlräumen besteht. Es kann «ine ganze Anzahl davon voll Wasser laufen wenn nur genug übrig bleiben, um den Rumps des Schiffes zu tragen. Ein derartiges Schiff ist aber praktisch unmöglich. Die Maschinen, die Ladung und zahlreichen sonstigen Einrichtungen können nur in großen Räumen untergebracht werden. Ein Schwimmkörper, der nur «us kleinen Kammern besteht, liehe sich für die Zwecke der Beförderung überhaupt nicht aus- nützen. So ergibt sich die Dotwendigkeit. das Schiff in große Kammern zu teilen. Läuft nun eine bestimmte Anzahl dieser Kammern voll Wasser. so sinkt der ganze Schiffskörper unter. Es ist ja bekannt, daß man die Kammern: gegeneinander durch wasserdicht schließende Türen abscküießt, und daß man sie in besonderer Weise anordnet: es kann sich ein erheblicher Teil nut Wasser füllen, ohne daß ein Sinken eintritt. In Amerika toll aber nun ein neues Schiff gebaut werden, das nach einem besonderen Verfahren unsinkbar gemacht wird. Der Plan zu diesem wchiff rührt von einem der berühmtesten amerikanischen Schiffsbautechniter William T. Do- nellh her. Donelly ging bei der Konstruktion dieses Dampfers von der Erwägung aus. daß in jedem Schiff große Hohlräume vorhanden find, die nicht benötigt werden. In zahlreichen Laderäumen findet man Teile, die nicht benutzt sind. Ebenso in den Kabinen der Fahrgäste, im Maschinenraum und wo sonst es immer auch sei. Diese Räume stellen insofern eine Gefahr dar, als sie sich mit Wasser füllen können. Es ist Verbundwirlung bereit» we ei.lllche Verbe eräugen erzielt worden. Weiterhin besteht heute die Möglichkeit. Dampfdruck und Temperatur zu erhöhen, ferner den Dampf nicderzuschlagen oder ihn zum Vorwärmen der- Kclsi'ffpciscwas'crs zu benutzen. Hierdurch können noch beträchtliche Erfolge erzielt werden: allerdings wird dadurch die Lokomotive teurer und schwierig in der Unterhaltung; sie büßt ihre bisherige Einfachheit im Aufbau und in der Bedienung ein. Die Deschränlung hinsichtlich der Leistung fällt bei der elektrischen Lokomotive, die den Strom durch einen Fahrdraht erhält, fort Elektrische Lokomotiven sind daher schon für Leistungen von 3000 bis 3500 Pferdestärken gebaut worben. Ihre Zugkraft kann durch Kupplung mehrerer Maschinen, die gemeinsam von einem Führer bedient werden, noch erheblich gesteigert werden. Die Greife liegt dabei nur in der Möglichkeit, den erforderlichen Strom durch den Fahrdraht heranzuführen. Elektrische Lokomotiven haben ferner den Vorteil, daß die Anfahrzeiten verkürzt, und daß auch bei starken Steigungen hohe Geschwindigkeiten erzielt werden können: sie eignen sich daher besonders für Vorort- und Gebirgsbahnen. 3m Fernverkehr des Nachlandes dagegen kann die elektrische Lokomotive ihre Vorteile nicht zur Geltung bringen; dort ist die Fahrgeschwindigkeit bereits so groß, wie es die Streckenverhältnisse gestatten; eine wesentliche Verkürzung der Fahrzeit ist also nicht mehr möglich. Da ferner mit Rücksicht auf die Fahrdrahtleitung die Anlagekosten und damit auch die Zinslasten elektrischer Dahnen sehr hoch sind, werden elektrische Lokomotiven im Fernverkehr wohl nur dort wirtschaftliche Vorteile bringen, wo — wie etwa in Oberitalien — billiger, durch Wasserkraft erzeugter Strom zur Verfügung steht und keine Kohle im Lanoe vorhanden ist. Für den Fernvertehr verspricht die Diesel- motorlokomoffve besondere Vorteile. Sie ist nicht teurer als eine elektrische Lokomotive und braucht weder ein Kraftwerk noch Fahrleitungen; sie ist jederzeit fahrbereit und muß nicht wie Die Dampflokomotive dauernd unter Feuer gehalten werden. wenn sie nur stundenweise verwendet werden soll. Ein weiterer Vorteil besteht in der Möglichkeit, längere ©teerten zu durch fahren, ohne daß die Lokomotive wegen Wasser- und Brennstoffmangels gewechselt werden muß. Die Diesellokomotive hoher Leistung ist jedoch bisher noch nicht in größerem Ilmfange erprobt, und ihrer weiteren Entwicklung stehen technische Hin- teriiiffe im Wege. Zunächst macht Der Bau eines Dieselmotors großer Leistung und kleinen Gewichts Schwierigkeiten; es ist jedoch zu erwarten, daß auf (S>runb der Erfahrungen des Neugzeugmotoreirbaues und neuerer Versuche der Dau eines schnellaufenden Dieselmotors mit etwa 800 bis 1000 Umdrehungen in der Minute und einem Gewicht von 10 Kilogramm für die Pferdestärke möglich sein wird. Die Haupffchwierigleit besteht jedoch in der Hebertragung der Antriebsleistung auf die Achsen. Rach dem heutigen Stande der Technik kommen für große Leistungen nur die dieselelektrische Lokomotive, d. h. die Lokomotive, bet der der Dieselmotor Elektrizität erzeugt. die Dann die Räder antreibt, und die Diesellokomotive mit Zahnradgetriebe in Frage. Die dieselelektrische Loiomotive hat alle Vorlelle der elektrischen Lokomotive ohne den Dachteil der kostspieligen Fahrleitung; die Diefellokomotive mit Zahnradgetriebe tarnt wie ein Kraftwagen nur stufenweise auf die gewünschte Fahrgeschwindig- leit geschäftet werden, sie ist jedoch der dieselelektrischen Lokomotive im Wirkungsgrad überlegen und scheint bei Verwendung von hochwertigen Getrieben und Elettrornagnetlupp- lungett ebenso betriebssicher zu fein. lieber die energiewirtschaftlichen Vorzüge der Diesellokonwtive ist noch zu sagen, daß eine neuzeitliche Heißdampslokomotive Der Drennstoff bis zu 10 vom HunDert, die dieselelettrische Loko-- motive Dagegen bis zu 25 vom Hundert, die Ge- triebeDiesellotomotive sogar bis zu 30 vorn Hundert ausnutzt. Diesen Vorsprung einzuhoien wird Der Dampflokomotive unmöglich fein. Da wir jedoch in Deutschland Reichtum an Kohle haben, dagegen Treiböls aus Dem Ausland einführen müssen, wird die Dampflokomotive Wohl schon nun verhältnismäßig leicht, sie dagegen zu schützen, und sie in Einrichtungen umzuwandeln, die das Sinken des Schiffes verhüten. Man muh, um ein ständiges Schwimmen herbeizuführen, möglichst viele kleine mit Lust gefüllte Räume schassen — also das Schiff, soweit der Platz nicht anderweitig benötigt wird, in eine Art von Kork umwandeln. Diese UmtoanDlung geschieht nun folgendermaßen: Bei Den Dampfern sind gewöhnlich dop- pefte Döden angebracht, die mit Walser gefüllt werden, das zugleich als Dallast sowie als Trinkwasser usw. Dient. Ebenso besteht Die Schiffs- Haut des Rumpfes aus zwei Wänden, zwischen denen sich ein Hohlraum befindet. Dieser Hohl- raum nimmt Die Kohlen auf. Dei dem neuen Schiff muß der doppelte Doden bleiben. Dagegen wird dadurch Raum gewonnen, daß man es mit Oelfeuerung aus rüstet. Das Oel nimmt weniger Platz weg als Die Kohle. Man gewinnt an Laderaum, weim man Die seitlichen Hohlräume zwar beibehäft, wenn man sie jedoch schmäler macht. Zwischen den doppelten Wänden des Schiffsrumpfes bleibt daher ein schmaler Zwischenraum, der vollständig mit „Auftriebskästen" angefüllt wird. Diese Kästen find toeiter nichts als kleine mit Lust gefüllte hölzerne Würfel. Der Holzbehälter ist noch einmal mit einer Dlechhaut umgeben, Die luftdicht verlötet ist. So entsteht ein lust- und wasserdichter Würfel. Die kleinen Würfel werden nun so in Den Zwischenraum Der Schiffswandung eingeschichtet, daß dieser vollkommen von ihnen erfüllt ist. Auf diese Weise entsteht eine Art von Kork haut, wodurch die Schwimmfähigkeit beträchtlich erhöht wird. Dann werden aber auch alle freien und nicht benutzten Räume im Innern des Schiffes mit diesen Auftriebskästen ungefüllt. Man packt sie überall dahin, wo sich keine Ladung besindet. Man bringt sie an der Decke des Maschinenraumes und ebenso an Den Decken der Kabinen für Die Fahrgäste an. Es ist also gerade so. als ob man diese freien Stellen mit Kork ausfüttern würde. Die Auftriebs kästen werden derartig befestigt, aus diesem Grmrbe auch in den nächsten Jahrzehnten ihre beherrschende Stellung behaften. Erst wenn es gelingt, unmittelbar aus Kohle billige Treiböle herzustellen, wird sich die Diesil- lokornotive in größerem Maße einsühren können. In den Gebieten aber, wo die Mögliärlciten einer billigen Stromgewinnung gegeben ist wie im rheinischen und im mitteldeutschen 3nbuftrUgebiet und in Oberbayern, wird Die elektrische Lokomotive mit der Zeit vorherrschend werden. Wohin fährt er? Don Erich Winkler. Wenn man auf einer Automobilausftellung Die große Zahl wirklich technisch vollendet durch gebildeter und auch den Schönheitssinn voll be- sriedigender Wagen sieht, sö ist do^ -ein reiner Genuß, der eigentlich nur durch e i n Gefühl c.was beeinträchtigt werden kann, nämlich durch das: Wieviele Menschenopfer werden wohl alle diese Wagen wieder erforoern? Daß diese Frage nichl gan.i unberechtigt ist, ersieht man z. D daraus, daß in den Vereinigten Staaten allein im Jahre 1925 Die ungeheure Zahl von 22 500 Menschen Durch Krastwagenunfalle getötet worden ist — Das ist mitten im Frieden mehr als die Halste Der im Kriege 1870 71 getöteten deutschen Männer. Wenn man in Der Großstadt lebt, macht man ja auch Die Erfahrung, wie leicht man durch eigen Kraftwagen in ein besseres Jenseits befördert werden kann, wenn man Den Kurs, den ein heraimahenDer Wagen nehmen wird, falsch einschätzt. Erst neulich ist einer mit quietschenden Drernsen unmittelbar vor mir zum Stehen gekommen. Dabei wurde er, wie ich zunächst ast- nefjmen muhte, auch noch von einem meiner Duzfreunde gefteuen, Denn der Fahrer sagte zu mir: „Du alter Dussel!", wiewohl er schuko war und nicht i ch Erst daraus, daß er mich mit weiteren Vornamen anredete, die mir Der Stan- Desbeamte nicht verliehen hat — sie stammten zum größten Teil aus dem zoologischen Garten einschließlich der Hagenbeckschen Dölkerschau — crlannte ich seine Täuschung über unsere Delannt- schaft. Ich winkte ihm freundlich au und ging ruhig weiter, weil ich mich freute, Daß ich ohne blaues Auge davongekommen war, und daß er mich nicht meiner Witwe nach Hause bringen muhte. So habe ich mir auf der Automobilausstellung neulich mit besonderem Interesse die Sachen betrachtet, die zur Sicherung der wenigen, gleich mir noch zu Fuß gehenden Leute geschaffen worden sind, z. D. Die Fahrtrichtungsanzeiger. Man sieht hauptsächlich noch zwei Arten. Den von Zeih in Jena, mit dem die Mehrzahl Der Wagen in Der Halle ausgestaltet ist, und ihm ähnliche Erzeugnisse sowie den lbffelartigen Arm. Die Zerhschen Anzeiger bestehen aus einer runden schwarzen Scheibe mit einem sattgelben Pfeil, Der bei beabsichtigter Geradeayssahrt nach oben zeigt, bei bevorstehender Abweichung von Der geraden in Die neue Fahrtrichtung weist. Solche Anzeiger befinden sich meist rechts und links am Wagen, vielfach auch noch hinten. In vielen Städten sieht man sie saft ausschließlich. Bild 1. Richtungsanzeiger von Zeiß. Geradezu irresührend wirken Anzeiger dieser Art, die rechts und links durch einen Pfeil anzeigen, die beabsichtigte Geradeaussahrt aber durch ein Viereck, wenn sie nur einseitig angd- bracht sind. Da es ja Richtungszeiger gibt, die die Dogenrichtung nur durch ein Licht an Der betreffenden Wagenseite ankündigen, so tenft man natürlich, wenn man an einer Wagenseite ein solches viereckiges Licht fiehi. der Wagen werde nack dieser Sette einbieg em ut Wirft ichLeit will er aber geradeaus fahien. Solch: Richtungszeiger sind, weil sie 3rrtümer bcivorrufen, geradezu geeignet, Tlngluck-fälte h rbrizufuhren statt sie vermeiden zu helfen In Berlin hat sich mehr der löffelarttge Arni etwa von ixr Gestatt eine» verkleinerten! Eisenbahnhauplsignals - eingebürgert, der an einer Dagenseite oder neuerd..gs mehr unb mehr an beiden Seiten angebracht ist. Er hängt im Ruhezustand nach unten in einer Scheide und wird bei beabsichtigtem Dogen ari Der betreffe nöcn Pagenfette wagerecht gestellt: gcwöhid- lich enthüll er eil e cole. neuerdings häufiger eine sali gelbe Glühlamf. die sich bei seiner Wagereävtstettung von selbst ernschaltel Es Hal sich nun gezeigt, daß das allein noch nicht genügt, weit es Die Ausurerlsainkeit nicht hinreichend auf sich lenkt. Dazu ist es noch er- tcrDerlid), daß sich der Arm bewegt, daß er winkt, weil eben bewegte Gegenstände viel mehr ansfallen als ftillstehenoe; Darauf beruht ja auch die Wirkung der blinkenden oder eine Bewegung vortäuschenden Lichtreklame, und Deshalb winkt man ja auch mit der Hand. Eine befonDers hübsche Lösung dieser Aufgabe «Bild 2> haben Die Kolum- bu»tocrfe in Berlin auf Der Ausstellung oorge- fuhrt — sie blühte leider etwas im Verborgenen -. nämlich einen solchen in Kugellagern gelagerten, sehr sauber ansgeführten Winker, Der nach seiner Auslösung bis zu 5 Minuten tret pendelt und außerordentlich ausfallmb ist, ohne den Wagen zu verunzieren. Bild 2. Richtungsanzeiger der Äolumbudmerfe. Daneben verschwinden Die Richtungsanzeiger vollkommen, die nur aus Lampen oder feststehenden, vor Dem Abbiegen wahlweise zu Durchleucht tenden Pfeilen bestehen. Dei einer von diesen Vorrichtungen geschieht die Beleuchtung sellffi- tätig in Abhängigkeit von der Drehung des Steuerrades. Man kann den Pfeil aber auch von Hand einschalten: er erlischt auch Dann, wenn man das Steuerrad wieder geradeaus stellt darüber habe ich folgende Ansicht: Wenn sich der Dich tungsanzeiger in Abhängigkeit vom Steuerrad einstellt, so ist das- zu spät. Ter Fahrer wird aber in vielen Fällen aus gan$ natürlicher unb begreiflicher Faulheit das vorherige Einstellcn von Hand unterlassen, wenn der Pfeil ja doch bald durch die Drehung des Steuerrades aulleuchtet. Im ganzen bin ich der Meinung, daß es gut war, der Entwicklung freie Hand zu lassen, Denn nur Dann kann sich Die beste Lösung iin Wett bewerb herausbilden. Nachdem aber nun im wesentlichen zwei Formen -- die schwarze Scheibe mit dem Pfeil unb Der Winter -- das Feld er obett haben, sollte man entscheiden, Denn es ist für die Sicherheit des Verkehrs bei Fahrzeuge und Fußgänger am besten, wenn Die Zeichen einheitlich sind, und zwar einheitlich nicht nur in einer Stadt oder Provinz ober in einem Bun- desftaat, sondern einheitlich mindestens im ganzen Reiche, womöglich aber auf der ganzen Erde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dadurch eine ganze Menge von Menschen, die jetzt dem Moloch Verkehr zum Opfer fallen, am Leben erhalten werden könnten — und Das ist doch ein Ziel, zu dessen Erreichung es sich lohnte, eine Einigung herbeizuführen l daß fic auch bei Verletzungen des Schiffes nicht wegschwimmen können. Dadurch wird es ganz unmöglich, daß sich ein Schiff so vollkommen mit Wasser füllt, wie dies der Fall sein würde, wenn die Kästen nicht vorhanden wären. Donelly hat berechnet, daß ein Sinken nicht eintreten kann, wenn nur 15 v. H. des gesamten Schiffsraumes mit derartigen Kästen gefüllt sind. Diese Bedingung läßt sich auch bei Schiffen mit Kohlen- seucrp.ng erzielen, sosem man Die Pumpe etwas anders anordnet. Oll an muß überhaupt individualisieren. Bei manchen Schiffen genügt es, die Auftrtebskästen nur im Laderaum unterzubringen. Dei anderen wieder können auch die Zwischenräume der Schiffshaut für ander: Zwecke benutzt werden, sofern man das Gewicht durch eine genügende Anzahl von Auftriebskästen ausgleicht, die man an passenden Stellen verstaut. Allerdings nimmt dieses Verstauen Zeit in Anspruch. Aber diese Zeit wird nach Donelltzs' Ansicht dadurch wieder ausgeglichen daß sich die Versicherung für unsinkbare Schisse sehr billig stellen wird. Auf dem Gebiete des Luftverkehrs erregt gegenwärtig Die geplante Lustverbindung zwischen Paris unb Reuyork Aufsehen, die von dem französischen Ingenieur Louis Dreguet durch- gebildet werden soll. Dreguet ist einer der bekanntesten Konstrukteure von Flugzeugen. Wie sorgfältig er seine Ideen Durchgearbeitst hat, mag man daraus ersehen, daß Ne Verbindung selbst erst in fünf Jahren, allo im Jahre 1930, ins Leben treten soll. Die Zeit bis dorthin wird mit Versuchen und mit dem Dau eines riesigen Eindeckers ausgefüllt fein, der 75 Fahrgäste aufnehmen soll. Davon werden acht in den Erst er - Klasse-Kabinen, 52 in den Zweiter-Klasse-Kabinen unb 15 in den Kabinen dritter Klasse untergebracht. Es handelt sich um ein Metallflugzeug, das zusammen mit den Passagieren unb Dem Eepäck 55 Tonnen wiegen wirD Die Maschinen sollen 5000 Pferdestärken entwickeln, und es soll möglich fein, mit diesem Flugzeug die Strecke von Paris nad> Reuyork, also rund 6000 Kilometer, in 26 Stunden zurückzulegen, so daß man alfo Den Ozean in einem Tage überquert hätte. Die Daukosten belaufen sich nach dem Voranschlag auf rund neun Millionen Mark, die in 2000 Flugstunden amortisiert sein sollen. So sehr man Ne Kühnheit dieser Pläne auch schätzen tann, so handelt es sich doch, wie man sicht, um Projekte auf lange Sicht. Vom Standpunkt des deutschen Flugzeugbaues betrachtet, erscheint es nicht auige» schlossen, daß dieser schon vorher Verkehrsmittel zur Verfügung stellt, die gleiches oder vielleicht sogar noch mehr leisten. Entdeckung zweier Kometen. In Der Nacht vom 4. zuiy 5. November wurden kurz nacheinander zwei Kometen aufgefunden, deren erster ein zu der großen Klasse der unpcriodischen, nur einmal in Sonnennähe kommenden Schweis- [lerne gehörender, also neuer Komet ist, wahrend ber zweite ,vi den periodischen, also schon bekannten Kometen zahlt. Den neuen, gleichzeitig sechsten Kometen in diesem Jahre enldeckte der Direktor der Sternwarte in Barcelona, Cömas Solu, im nord- östlichen Teile des Sternbildes Walfisch nahe nördlich von dessen Stern Alpha als ein Objekt von Der geringen Helligkeit 12. 01 roße. Der Komet ist daher für das unbewaffnete Auge unsichtbar, da dieses nur Sterne bis zur 6. Größe wahrzunehmen vermag und jede weitere Größenklasse zweimal bis dreimal lichlschwächer ist als die ihr uvergeordnete. Da der Komet sich in südöstlicher Richtung fortbe- weat, bleibt er vorläufig im Sternbilde des Walfisches — Den periodischen, gleichzeitig 7. diesjährigen Schweifstern, den Kometen Neuimin 1916 II, fand der einstige Entdecker selbst, Neujmin, an der Sternwarte Simeis auf der Krim wieder auf. Das Gestirn stand im Sternbilde des Löwen zwischen dem Hauptsterne Alpha (Regulus) und dem Sterne Gamma, ist aber noch lichtschwächer als der erstgenannte Komet und besitzt nur die Helligkeit der Größe 14,5. Die Umlaufszeit dieses, bisyer nur in einer Erscheinung (1916/ beobachteten Kometen um die Sone beträgt 5 mal 5 JcHre; bei seiner Wiederkunft im Jahre 1921 ist er nicht gesehen worden. Wirtschaft. • Bevorstehender Aufruf der 3n« flationsvfandbriefe. In der nächsten Rümmer der Preußischen Gesetzsammlung gelangt die ^Zweite Verordnung über die Aufwertung der Ansprüche aus Pfandbriefen und Schuldver- schreibungen landschaftlicher (ritterschastlicher) Kreditanstalten, von Stadtschaften, Pfandbrief- äintern unb gleichartigen öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten für den städtischen Grundkredit und von Landeskulturrentenbanken" zur Veröffentlichung. Aach der Verordnung sind den Pfandbriefschuldnern der angegebenen Kreditinstitute, die die Aufwertungshypothek durch Einlieferung von Pfandbriefen zurückzahlen, die von ihnen bisher gezahlten Zinsen bis $u einem bestimmten Betrage zurückzuerstatten. 5>ie Verordnung gibt sodann den in der Verordnung aufgeführten Kreditanstalten das Recht, die von ihnen ausgegebenen Pfandbriefe aus eigenen Mitteln aufzukündigen. Durch dieses Kündigungsrecht sollen die Kreditinstitute in die Lage verseht werden, die in der Rachkriegszeit ausgegebenen Pfandbriefe, die sogenannten Znflationspfandbriefe, aufzurufen, um so die Durchführung der Aufwertung nicht unerheblich zu vereinfachen. * Die Insolvenzen der dritten N o - vemberwoche. Die infolge des Feiertages nur fünf Tage umfassende dritte Novemberwoche zeigt sowohl hinsichtlich der Konkurse (95 gegen 116 in der Zeiten Novemberwoche), als auch hinsichtlich der Geschäftsaufsichten (20 gegen 29 in der Vorwoche) feine wesentlichen Veränderungen. Nach Unternehm mungssormen verteilt, wurden Konkurse eröffnet bei einer Aktiengesellschaft (3 in der Vorwoche), 7 Gesellschaften m. b. S). (12), 1 Kommanditgesellschaft (1), 5 eingetragenen Genossenschaften (4) und 4 offenen Handelsgesellschaften (3). Geschäftsaussichien wurden über 3 G. m. b. 5). (4) und 2 Kommanditgesellschaften (—) neu verhängt. 25 Konkursverfahren wurden mangels Masse eingestellt. * Mannesmannröhren-Werke A.-G., Düsseldorf. Wie der DHD. von Verwaltungsseite erfährt, wird die Verlegung des Geschästs- fahres auf den 31. Dezember bereits der ordentlichen Hauptversammlung (am 16. Dezember) zur Genehmigung oorgelegi werden. Es dürfte für das per 31. Dezember 1926 ablaufende Geschäftsjahr von sechs Monaten mit ungefähr demselben Dioidenden- satz (5 Prozent), diesmal allerdings für ein halbes Jahr, zu rechnen sein. * Deutsche Petroleum A.-G., Berlin. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1925 vorgelegt, dessen Fertigstellung infolge der mehrfachen Aenderungen in der Organisation eine Verzögerung erfahren hat. Die damit zusammenhängenden Vereinfachungen und Ersparnisse haben bis zum Ende des Berichtsjahres eine genügende Auswirkung nicht mehr finden können. Der Abschluß weist daher nach Abzug von Steuern, Generalunkosten und Abschreibungen einen Verlust von 2 273 308 Rm. aus, der aus dem Reservefonds gedeckt werden soll. Im laufenden Jahr hat sich die Geschäftslage und die Liquidität der Gesellschaft wesentlich gebessert. * Hamburg-Amerikanische Paket- sa h r t - A.-G. in Hamburg. Die Zulassung der 21 Mill. RM. neuen Stammaktien zur Berliner Börse, deren Ausgabe in der Hauptversammlung vom 2. August beschlossen wurde, ist soeben erfolgt. In dem Prospekt wird ausgeführt, daß das laufende Geschäftsjahr 1926 bisher günstiger verlief, als das Vorjahr. Die Besserung sei in der Hauptsache auf das lebhafte Passagiergeschäft zurückzuführen, während die Höhe der Frachtraten nach wie vor in keinem richtigen Verhältnis zur Höhe der Betriebskosten stehe. Immerhin dürfe bei weiterem normalen Verlauf des Geschäftsjahres mit der Zahlung einer mäßigen Dividende gerechnet werden. * Barmenia-Lebensversicherungs- Gesellschaft in Barmen. Unter dieser Firmenbezeichnung wurde in Barmen eine neue Lebensversicherung gegründet. Die Gründer sind u. a. Allba Nordstern Lebensversichernng-A.-G., Berlin-Schöneberg, und der Barmer Bankverein. Die neue Lebensversicherung steht in engster Verbindung mit der Barmenia-Krankenversicherung und ist in erster Linie als Klein-Lebensversicherung gedacht. Franksurter Börse. Frankfurt a. M., 24. Nov. Tendenz erholt. Obgleich sich in den Ursachen für die Geschäftsstille an der Börse nichts geändert hat, war der Markt heute doch etwas freundlicher veranlagt, wobei sich aber nur für einige Spezialwerte etwas Interesse zeigte. Die zuversichtliche Stimmung war hauptsächlich getragen durch den Stillstand in der bisherigen scharf rückläufigen Kursbewegung, und ferner durch das erneut lebhaft einsetzende Geschäft in ausländischen Renten, von denen Türken und Bosnier bevorzugt wurden, ^(n den Aktienmärkten bewirkten verschiedentlich vorgenommene Deckungen bis zu 2 Proz. betragende Erholungen, die vereinzelt auch etwas darüber hinausgingen. Daneben waren aber auch neue Rückgänge festzustellen, die sich etwa im gleichen Ausmaße hielten. Die mehr stimmungsmäßige Besserung vermochte sich aber im Verlaufe nicht weiter auszuwirken, auch konnte sich eine größere Umsatztätigkeit nicht entwickeln, da die Zurückhaltung noch nicht überwunden ist. Am Montanmarkt wurden fester: Bochumer plus 1, Buderus und Harpe- ner je plus 0,5, Mannesmann plus 3 Proz. Deutsch- Lux und Gelsenkirchen blieben zunächst unverändert. Rheinstahl, Riebeck und Kali-Westeregeln gaben dagegen 1, 0,5 bzw. 2 Proz. nach. Am Chemie- markt behielten I. G. Farben ihre unsichere Haltung bei. Nach anfänglichen Schwankungen wurde die "erste Notiz auf 331* Proz. festgesetzt. Scheideanstalt minus 1,5, Holzverkohlung minus 0,5 Proz. Elektroaktien lagen ruhig und kaum verändert. Nur Siemens gaben erneut 2 Proz. nach. Der Bankenmarkt hatte etwas lebhafteren Verkehr. An der Spitze standen Darmstädter, die 5,5 Prozent anzogen. Metallbank plus 1,25 Proz. Die übrigen Werte dieses Gebietes waren behauptet. Schiffahrtsaktien bröckelten weiter ab. Ha- pag minus 1,25 Proz. Bauaktien leicht erholt. Wayß & Freytag plus 1,5 Proz. Zuckeraktien lagen uneinheitlich, aber überwiegend leicht anziehend. Stärker befestigt waren Frankenthal plus 1,87 Proz., dagegen Waghäusel minus 0,75 Proz. Motorenwerke leicht erholt. Zellstoff- a k t i e n stärker aufgebessert. Aschaffenburg plus 2,25 Proz., Waldhof plus 3,5 Proz. Oelwerte neigten jum Nachgeben. Maschinenaktien kaum verändert. Von ausländischen Renten waren Anatolier in einer neuen Aufwärtsbewegung begriffen. Deutsche Anleihen wurden etwas reger umaefetzt, jedoch ohne wesentliche Kursbesserungen. Im Freiverkehr war das Geschäft luftlos und die Kurse kaum verändert. Der spätere Verlauf brachte keine wesentlichen Aenderungen. Die Slurfe hielten sich auf dem leicht erhöhten Niveau. Am Geldmarkt ist die Lage weiter flüssig. Tagesgeld 4 Proz., Monatsgeld 5* bis 6) Prozent. Privatdiskonten 4* Proz., Industrie-Akzepte 47's Prozent. Im Devisen verkehr gaben Paris und Mailand gegen London erneut nach auf 139 bzw. 116. Das englische Pfund stellte sich gegen Kabel auf 4,8494. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,2135. Törientnrie. D«um: 5% Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche Reichsanleihe . 3V.% Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reichsanleide . Deutsche Sparprämicnanieih« 4% Preußische Konsuls . . . 4% Hessen........... 3'A% Hessen.......... 3% Hessen........... Deutsche Wertb. Dollar-Aul- dto- Doll.-Schatz-Antreisng. . 47o -iolltürken 6% Goldmenkaner Berliner Handclsqesellschqtt- Commerz- und Prrvat-Bank. Tann ft. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Diskonto Commandit . . . . Dresdner Bank........ Metallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Ocsrerrcichischc Kreditanstalt. Rcichsbank........... Bochumer Guß........ Buderus............ Caro.............. Dculsck-Luremburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... .Naliwcrkc Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurahültc........... Mannesmann Mansicldcr Oberbedarf Phönix Bergbau Rheinische Braunkohlen. . . Rheinstahl Riebeck Montan Tellns Bergbau Bereinigte Stahlwerke.... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo Cont Guano Chemische Mayer Alapiu. . . «Goldschmidt.......... Holzverkohlung F G- Karben-Industrie. . . Rütgcrswcrke......... Schcidcanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann........... Elektr. Lieferungen...... Licht und Kraft........ Mainkroftwcrke........ Schuckert............ Siemens & Halske...... Adlcrwerke Kleyer...... Daimler Motoren Hcyligenftacdt......... Meguin............. Mannheimer Motoren .... Frankfurter Alinaturen . . . Konservenfabrik Braun . . Metallgescstschaft Frankfurt. Pct. Union A.-G........ Schuhiabrik Herz....... Sichel.............. ?>cllstoff Aschaffenburg.... Wellston Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Wagl-äusel . . . Frankfurt a.M Berlin Schlua» | 1-Uhk- Schluß-: Anfang fiitts 1 tut'. Kurs I fturs 23. 11 24. 11. 23. 11. 24. 11 U.765 j 0.7775 0.76 0.7705 — — 0.70 , 0.72 0,(19 1 _ 0.69 0.705 0.« — 0,8307 9.8375 — — 0.43 - — — 0.70 0.715 0,73 — — — - 0,70 - 99 - — — 17,4 | 17.62 — 44.4 1 44.25 | 17,5 — — 267.5 265 191 190.5 189.5 190 257 • 262 257 262 181.9 181.62 IM),5 182 173 173.5 172,5 173.75 161,75 162 160 162 17k, 5 180.25 179.25 180.5 151 — 150 151 8.20 8,25 8.10 8.10 160 — 160.4 160 171.5 172.5 173 173 111.75 113 112 - 172.5 172.5 173.4 172.5 175 5 175 175.75 175 l&S 188 188 1SK.5 148 — 145,25 147.5 160 158 158 — 8.3.5 — 83,75 84 187.5 191 186.25 190 134 — 133,25 134.12 113,9 — 110.5 113 131.25 — 131.75 132 244 — 243 244 205.5 204 203.75 205.9 ISO 98 148 180.5 178 180 — 147.5 147,5 176.5 175.25 1 173 175.75 168 167 168 168 95 — 127.5 127,5 — 154,25 153,25 — — - 108,25 — 1391 141 (40,25 141.5 67 — — 331.5 331,5 329,75 330,5 137 — 136 135,25 180 178.5 — — 162.5 161,75 160.62 161.62 160,5 — 159.4 159.5 150 — 148 149 151 — 151 154 107.75 — — — 159.5 160.25 159 159.5 200 198 198 197,75 110,12 110,25 110 109 109,5 108,75 108 13 109,25 41 — — 59 — 59.5 — —— I — 41,75 — 16 — 55.25 —— — 179 180,25 — 123 — 122 —- 65 — . — 2.1 — 4,75 145.75 147.25 —- 225 228 225 228,25 95.5 97,9 95,13 119 119 119,25 I — Devifenmartt Berlin—Frankfurt