Samstag, 24. Juli 1926 176. Jahrgang Nr. 171 Erstes Blatt Das Kabinett Poincare )lg" Paris. 23. Juli. (WTB.-Drahtmeidung.) Wie t)avas mitteill. sind aus Grund der bisherigen ver- Handlungen polncarLs folgende Portefeuilles endgültig befehl: Ministerpräsident, Finanzen und Wiederaufbau: poincare, Justiz und elsaß-lothringische Angelegenheiten: Barthou, Auswärtige Angelegenheiten: Brianb, Inneres: Albert Sarraut, handel: Bokanowfky, Kolonien: Leon Perrier, Oeffentliche Arbeiten: Tardieu, Pensionen: Louis Warin, Krieg: painleve, Marine: Leygues. Unterricht: herriot, Ackerbau: Queuille, Arbeit: Andre Falllöres. eine Täuschung. Amerika blieb kühl bis ans Herz hinan. Der Krieg war für Wallstreet im wesentlichen ein Geschäft gewesen. Man hatte keine Lust, von dem Anlagekapital mehr einzu- büßen, als notwendig war. „QBir sollen den Amerikanern die Uniformen bezahlen, in denen -unsere Soldaten gefallen sind", hat Caillaux einmal in begreiflicher Erbitterung über die nüchternen Finanzleute in Washington gesagt und hatte damit noch nicht einmal ganz Recht, denn die Vereinigten Staaten bestehen ja nicht so sehr auf Bezahlung der eigentlichen Kriegsschulden, sondern wollen nur nicht auch die nach dem Waffenstillstand Frankreich vorgestrcckten beträchtlichen Summen in den Schornstein schreiben. die man in Paris unter der Aera Poincare für die ungeheuren Rüstungen und die Kolonial- | feldzüge verpulvert hat. Hetzt steht man vor dem Richts. Amerika gibt feinen roten Heller, bevor Frankreich nicht das Schuldenabkonnnen akzeptiert, gegen das sich die Kammer sträubt. So stand Herr de Monzie, Finanzminister im Eintagslabinett Herriot, in der denkwürdigen Rachtsitzung des 21. Juli vor dem Parlament und wendete verzweifelt beide Taschen: kein Geld für die laufenden Ausgaben, die Bank von Frankreich vor der Aussicht, ihre Schalter schlichen zu müssen. Der Rest des Mor° ganfonds, 30 Millionen Dollar müssen die Situation retten. Der Schleier fällt, die Wahrheit ist grausig. Panik im Parlament, Panik in Poris, Sturm auf die Danken. Strahentumulte. wie man sie in der Hauptstadt seit dem Kriege nicht mehr erlebt hat, Zusammenrottungen vor dem Palais Bourbon, Bedrohung von Deputierten, der Ruf nach dem starken Mann: Poincares Stunde . hat geschlagen. Ohne die sonst üblichen langen Empfänge und Beratungen erhält er vom Präsidenten der Republik den Auftrag zur Kabinettsbildung, 24 Stunden später präsentiert er dem Staatschef seine Ministerliste. Das „Kabinett der nationalen Einigung" geht an die Arbeit. Der Charakter des Kabinetts wird durch die Uebemahme des Finanzministeriums durch den Ministerpräsidenten selbst bestimmt. Man mag es als Ironie des Schicksals betrachten, das; gerade der Mann, dessen verfehlter Politik der starken Faust Frankreich ein gut Teil fernes heutigen Elends verdankt, nun als Retter in der Rot gerufen wird. Aber man wird auch anerkennen müssen, daß Poincare vieles mitbringt, was ihn zur Lösung einer Aufgabe befähigt, an der vor ihm so viele gescheitert sind. Bor allem gen.eßt er das Vertrauen der Danken und weiter Greife des französischen Bürgertums, Imponderabilien, die bei einem Kanrps um die Währung gar niayt hoch genug einzuschähen sind. Und bann hat er die Energie und den persönlichen Mut, nut aller Rücksichtslosigkeit auch Maßnahmen duraizu- sehen, die unpopulär sind. Ohne solche wird er ebensowenig auskommen, wie seine Vorgänger, die wohl die Erkenntnis hatten von dem, was nottut, aber nicht in der Lage waren, ihrer debörsc. M Es tourte ’ rom., Äoggen, uälänb. 21,25 518 emnehl, inlänb. nmehl 31,25 bis fett 11. Tendenz L__ 18! ,65 365 ,23 ,28 -.93 ,77 Ifl ,97 ,25 .71 395 825 es heißt: „Um 7 Uhr hat sich poincare ins Elysee begeben, um dem Präsidenten der Republik die endgültige Zusarnmenfehung seines Kabinetts mitzuteilen. Nachdem der Präsident der Republik die Ernennungsdekrete, die morgen früh im „Journal Osficielle" veröffentlicht werden, unterzeichnet hatte, stellte der Rlinisterpräsident seine Mitarbeiter dem Staatsches einzeln vor." Beim Verlassen des Elysees erklärte Poincare den Journalisten: Wir wollten ein Kabinett der nationalen Einigung bilden, in ■SpB__ V.X 9,69 >11.13 20, 9,2? 169,12 »99 i°,23 »,87 112,63 81,65 66,06 12,195 6.865 Uh 9.87 »2,2! Ul» 1U.I 10,16 U.70 <:S ä u O.M? W.52 «.« 7.62 9,8h . 3,05 21.475 81,80 3,in 6.03 <205 <205 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Mooats-vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der» lag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger -iehea. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. ’bÄ Ml. *^nt unb^ lent. 0 dar- « in Uebeweugung Geltung zu verschaffen. Daß die Kammer ihm keine Schwierigkeiten machen wird, ist so gut wie sicher. Hat er doch in seinem Kabinett, das sechs ehemalige Ministerpräsidenten zählt, Rationalisten reinsten Wassers, wie T a r - dien, einstmals Clemenceaus rechte Hand, und Leute des Linkskartells, wie Herriot. Zweifellos wird auch er vom Parlament ein Ermächtigungsgesetz fordern, und die Kammer wird nicht wagen, ihm das gleiche zu verweigern, was sie wenige Tage vorher Caillaux ablehnte. Das lag vielleicht wesentlich an der Persönlichkeit Caillaux'. Caillaux ist der Öffentlichkeit sowohl wie den Deputierten ein Duch nut sieben Siegeln, ein unheimlicher Mensch, dessen Gedanken keiner kennt, dem man aber alles zutraut, was er für seine Pläne förderlich hält. Höchst ungern bcaibt sich das Parlament ohnehin seiner Macht und seines Kontrollrechts. Einem Manne tote Caillaux würde ein Ermächtigungsgesetz das Sprungbrett zur Dikta t u r sein. Das war der allgemeine Glaube der ängstlichen Deputierten, und Cai Hau- tat nichts ihn zu entkräften. Ueber- dies hat Caillaux durch seine hochfahrenoe. schroffe Art sich viele persönliche Gegner geschaffen. auch die Erinnerung an seine Rolle im Weltkrieg, die Tardieu zur rechten Stunde aur- frischte, trug nicht dazu bei, ihn der Kammer als Finanzdiltator zu empfehlen. Es waren also persönliche Gründe, wenn man einen Mann nicht an's Ruder ließ, der schon hundertfältige Proben seines Könnens als Finanzpolitiker und Staatsmann abgelegt hat. . Man hat aber vermieden, diese wahren Gründe für den Sturz des Kabinetts Driand— Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klarneanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°. mehr. Thefttdakteur: Dr. Friedr. Will;. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. «d sich den Leib' racher - geh ne* [06 wieder to»« - Also, i geh - ne rote Binde nom lasche oerfNnben. cheiiere wiri>$ lc"' Jni- Es mor btt ließ. W A rl !3le/^in 9 Äfreren 'M. 5 °-rschw-m “eljr btei ober vier, HZ t 's wffl? ,nr'*kebfS ’mDrÖt»I,nan8 " hie breite- Unterstützung Poincarös darstellt. Morineau hat auf die Teilnahme im Kabinett verzichtet unter ausdrücklichem Hinweis darauf, daß er als Führer der nunmehr größten parlamentarischen Gruppe im Parlament die Unterstützung des neuen Kabinettes führen wolle. Wie allgemein angenommen wird, wird das neue Kabinett Poincare sowohl in der Kammer als auch im Senat eine große Majori- tät finden, jedoch ist die Stellung des Kabi- nettes von den Finanzplänen abhängig, die Poincare der Kammer am Dienstag vorlegen wird. Im Senat hat gleichfalls die Bildung des Kabinettes allgemeine Zufriedenheit ausgelöst. Sämtliche größeren republikanischen Gruppen des Senates haben Poincarö ihre Unterstützung zugesagt. Das neue Kabinett. Das neue Kabinett besteht aus vier Senatoren und neun Abgeordneten. Von den Senatssrak - Honen ist die Republikanische Vereinigung durch Poincars, die republikanische Linke durch Barthou, die radikale Fraktion durch Sarraut und Perrier vertreten. Von der Kammer gehören zwei Ra- dikale (Herriot und Quellte), zwei Sozialrepubli. faner (Briand und Painlevs), je ein Mitglied der radikalen Linken (Fälliges), den Linksrepublikanern (Leygues), der demokratisch-republikanischen Linken (Bokanowsky) und der demokratisch-republikanischen Vereinigung (Marin) an. Tardieu steht den Linksrepublikanern nahe. Mit 2lusnahme von Falliörss haben sämtliche Mitglieder des Kabinetts früher schon Ministerposten bekleidet. Sechs davon waren bereits Ministerpräsidenten. Der neue Ministerpräsident Poincare ist gebürtiger Lothringer, wurde in Paris Advokat, als Anwalt der Vereinigung französischer Dühnenschriftsteller schnell bekannt und durch seine schriftstellerische Tätigkeit bald Mitglied der Akademie. 1867. im Alter von 28 Jahren, wurde er von feinem Heimatdepartement in die Kammer gewählt, jchon 6 Jahre später wurde er zum erstenmal Minister, 1903 Senator, 1912 erstmals Ministerpräsident. Hatte er bislang das Finanzministerium verwaltet, so übernahm er nun das Außenministerium und nahm gemeinsam mit Delcasss die alte antideutsche Politik wieder auf, die in der früheren Aera Caillaux geruht hatte. 1913 wurde er gegen den Widerstand Clemenceaus mit 483 von 870 Stimmen zum Präsidenten gewählt. 1914 ging die Saat auf, die er und seine Mitarbeiter gesät hatten. Rach dem Waffenstillstand war er derjenige, der auf schärfste Friedensbedingungen drang und später feine Gelegenheit versäumte, als Gegner jeglicher Milderung des Versailler Diktats hervorzutreten. 1922 übernahm er als Rachfolger Driands die Kabinettsbildung und nun begann die Aera des Ruhreinbruchs mit all seinen Schrecken. DieMai- wahl von 1924 brachte der Linien einen ungeahnten Sieg, durch den Porncarö zum Rücktritt gezwungen wurde. Seitdem ist er in der Oefferrt- lichkett lediglich als begehrter Kriegervereinsredner hervorgetreten. Das Außenministerium wird weiter durch Driand verwaltet, das Kriegsministerium übernimmt wieder Painlev 6 , der es ja auch schon in den vorgehenden Kabinetten DriandS inne- gehabt hat. Deide sind Sozialrepublikaner uuö mehrmals Ministerpräsidenten gewesen. Auch H e r r i 0 t s politisch^ Laufbahn ist der Oeffcnt- lichkeit bekannt. Sechsmal Minister und Ministerpräsident war auch schon der neue Marlneminister Georges Leygues, der geborener Gascogner ist und als Literat sich einen Ramen gemacht hat. Lange Zeit war er auch Vorsitzender der Kammerkommission für auswärtige Angelegenheiten. Als Minister hat entgegengesetztesten politischen Ansichten und den verschiedensten Finanzprogrammen vereinigt, bekundet die sozialistische Fraktion, die ihr Finanzsanierungsund Währungsprogramm hat, ihre Entschlossenheit, jede Regierung zu bekämpfen, deren Aktionsprogramm ihr als wirkungslos und als eine Bedrohung ^^moralischen und materiellen Interessen der Arbeiterklasse erscheint. Herriots Eintritt. Verstimmung in der radikalen Fraktion. Paris, 23. Juli. (WTD.) Herriot hat an den Vorsitzenden der republikanischen Kammer- srattion. den Abgeordneten Cazal, einen Dries gerichtet, um seinen Entschluß zum Eintritt in das Kabinett Poincars zu rechtfertigen. Er er- llärte, er tue dies schriftlich, weil er nicht die notwendige Zeit gehabt habe, persönlich vor der Fraktton zu erscheinen. Rachdrm er entsprechend seiner äleberzeugung dieRechte des Parlaments verteidigt habe, sei er mit seinem Kabinett der republikanischen Cinten vor die Kammer getreten, um die Grundsätze und die neuen Dvttrinen der radikalen Partei zu vertreten. Aber trotz der ihm von der radikalen Partei gewährten Llnterstützung sei er geschlagen worden. Jetzt, wo man sich bemüht habe, wie in der Zeit des Krieges, die nationale Einigkeit herzustellen und man auch ihn aufgefordert habe, habe er sich vor seinem Gewissen nicht für berechtigt gehalten, den Mih- erfolg dieses Versuchs möglich zu machen. E r übernehme allein die Verantwortung für diesen Entschluß. Er stelle der Parier die "Beurteilung anheim, wie sie darüber auch denken möge. Er könne versichern, daß er der sein ganzes Leben lang vertretenen Lieberzeugung treu bleibe. Er sei nur von dem Willen geleitet worden, der Republik, dem parlamentari- «scheu Regime und dem Lande zu dienen. Die radikale Kammerfraktion hielt nachmittags unter dem Vorsitz von Cazal eine Sitzung ab. Das von ihr ausgegebene Kommunique besagt, daß sie das Schreiben Herriots lediglich zur Kenntnis genommen hat. Cs verlautet jä>och, daß es wegen des Eintritts Herriots in das Kabinett Pvmcarä zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen ist, insbesondere von M a l v Y wurde gerügt, daß Herriot seinen Entschluß ohne affuielle Benachrichtigung der Partei und ohne ihren Entschluß obzuwarien gefaßt habe. Die Aufnahme im Parlament. Starke Majorität für Poinear6 wahrscheinlich. Paris, 23. Juli. (TU.) 2m Palais Bour- bonne wurde die Rachricht von der Bildung des Kabinettes Poincare bei allen Parteien mit Ausnahme der äußersten Rechten und der Kommunisten, sowie eines Teiles der Sozialisten mit einem gewissen Gefühl der Erleichterung aufgenommen. Die Oppositton, die von Seiten der .Radikalsozialisten noch im Laufe des heutigen Vormittages dem Kabinetts Poincar6 gemacht wurde, hat jetzt eine Abschwächung erfahren. Die Teilnahme Herriots an dem neuen Kabinett wird, wie im allgemeinen angenommen wird, die Radikalsozialisten daran hindern, Poincare gegenüber eine ablehnende Haltung einzunehmen, so daß auf diese Weise das neue Kabinett als Gegner nur die Sozialisten und Kommunisten, sowie diejenigen finden wird, die vergeblich erwarteten, ein Ministerportefeuille zu bekommen Größere Bedeutung wird allgemein der Haltung Morine a u s beigemeffen, dem Führer der republikanischen Zwischengruppe, die eine entscheidende dem alle Parteien vertreten sind. Wir haben ver- sucht, unsere Aufgabe mit der größtmöglichen Großzügigkeit aufzufassen. Ich muß sagen, daß es mir nicht schwer gefallen ist, weil ich mich bemüht habe, mein Ministerium zu bilden, ohne die besonderen Wünsche weder der einen noch der anderen zu berücksichtigen. Wenn wir uns bei allen Anregungen ausgehaltcn hätten, die man uns gegeben hat, bann würden wir bis in alle Ewigkeit nach einer idealen Lösung suchen und im Augenblick gilt es wirklich, keine Zeit zu verlieren. Das Ministerium wird am Dienstag vor das Parlament treten. Ich werde sofort bei dem Bureau der Kammer unsere Finanzentwürfe ein» bringen. Die Haltung der Sozialisten. Paris, 23. Juli. (WB.) Die sozialistische Parlamentsfraktion hat folgende von Buisson, Renaudel und Morel vorgelegte Entschließung angenommen: Angesichts einer Regierung, die Männer mit den Caillaux klipp und klar zum Ausdruck zu bringen. Herriot, der den Angriff gegen die Regierung als Kammerpräsident leitete, hat vielmehr in der Toga des Gralshüters der bedrohten Verfassung mit weinerlicher Theatralik Prinzipien aufgefahren, mit denen man kein Land retten kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Wenn ihm auch der Sturz des Kabinetts geglückt war, so hatte er sich mit feiner verfehlten Taktik doch selbst um die Möglichkeit gebracht, Driands und Caillaux' Erbe zu übernehmen. Mit Recht hält ihm der „Vorwärts", das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, vor, daß außergewöhnliche Zeiten auch außergewöhnliche Maßnahmen cr- forteiten, daß eine Verfassung für normale, nicht aber für außergewöhnliche Zeiten bestimmt sei, und daß dem Parlament als dem Vertreter der Volke souveränität es frei stehen müßte, sich bestimmter Rechte zu begeben, denn ohne Regierungsvollmachten, ohne Verzicht auf den zu komplizierten parlamentarischen Mechanismus sei eine so fortgeschrittene Inflation nicht zu überwinden. Die Lektion kommt für Herriot nicht unverdient, verdient war auch die Riederlage, die b:e Kammer ihrem bisherigen Präsidenten bereitete, als er mit einem Kabinett vor sie hintrat, das den Stempel der Hilflosigkeit allzu deutlich an der Stirne trug. So blieb Herriot eine Episode und Poincare hatte die Genugtuung Rachfolger des Mannes zu werden, der ihn vor zwei Jahren, nach den Maiwahlen 1924 geftürzt hat. Bei uns in Deutschland löst die Wiederkehr Poincarss, möge sie auch aus rein innerpolitischen Gründen bedingt sein, begreiflicherweise gemischte Gefühle aus. Auch wir haben das größte Interesse daran, daß PoincarS eine Frankenstabilisierung und Finanzsanierung glücken möge, leidet doch gerade unsere Wirtschaft schwer unter dem französischen Währungsverfall. Aber wir erinnern uns auch, daß Poincars als einer der Urheber des Weltkrieges dokumentarisch bloßgestellt ist, daß ferner gerade er alles getan hat, durch spitzfindige Auslegung des Versailler Vertrages die Vernichtung Deutschlands zu vollenden, daß er es war, der den Rühre.ul ruch mit all seinen furchtbaren Folgen für unser Volk herbeigeführt hat. Eine gewisse Beruhigung ist es wenigstens im Augenblick, daß Briand auch weiter das Außenministerium verwalten wird, imd daß den Kabinettschef seine finanzpolitischen Sorgen wohl vorläufig abhalten werden, in die Uußcn- polilik aktiv einzugreifen. Aber man wird es uns nicht Übelnehmen dürfen, daß wir mit einigem Mißtrauen die ersten Taten des neuen Kurses erwarten. Es harren wichtige Dinge dringend der Erledigung: vor allem bedürfen die letzten Vorgänge im besetzten Gebiet einer baldigen Klä.ung, die Frage einer Reduktion der Besatzungstruppen und einer Verkürzung der Räumungsfristen steht noch zur Debatte, der deutsch-französische Handcls- öertrag ist noch immer nicht unter Dach und Fach und schließlich naht in wenigen Wochen die Genfer Dölkerbundstagung, die über unsere Ausnahme in den Völkerbund beschließen soll. Poincars ist kein Freund von Locarno und seinen Abmachungen: er wird sich nicht über sie Hinwegsetzen können, es wird jedoch unserer schärfsten Aufmerksamkeit bedürfen, einem Poincars gegenüber unsere Rechte zu wahren, die wir Männern wie Briand und Herriot nur mit unsäglicher Mühe abgerungen haben. nbörje. anhaltend regne« ingünstige Detter Harkt für Weizen ! weiter befestigt igroste Anregung, m des amtlichen n kleinsten Gren« »es Inlandes nur r ist, andererseits der uittenüablen sehr zurüchallen Tggen im Liefe« ?n Xonate etizxi durchweg 1 Ht äll Mte wtb •tirtOtectem Bvf laum ‘Berührtet W begehrt bei Es notierten her ilt und neu) 190 205; neue Winter« art, 200 618 210; Z8; Aaps 355 bis nehl 38 bis 40; Mizenüeie 10,50 bis 11.50; Heine :erbsen 21 bis 26, ckerbohnen 24 bis nen (blau) 15 bis Rapskuchen 14,80 j 19,80; Trocken« Dt 20,40 biS 20.90; Karl.__ leton t $•: Ä 11,26 10 B । U.66 i 0,399 1 <195 9,63 । »1.18 65,02 1.975 0.645 j M.38 ) i 1.412 ' <82 3,04 *♦ .425 1 <60 1 .342 5,0| .195 ' .195 1 DonBriand zu Poincare. Die Fieberschauer der Inflation schütteln Frankreich. Krankheitssymptome, die wir selbst erst in einem weit späteren Stadium des Markverfalls kennengelernt haben, zeigen, wie der französische Volkskörper heute schon empfindlich reagiert auf die Unterminierung seiner Wirtschaft. Die andere gesellschaslllche Struktur Frankreichs briftgt es mit sich, daß dort schon geringfügige Schwankungen der Wechselkurse ganz allgemein und viel härter empfunden werden, als dies bei unVv der Fall war. Für die breite Schicht des französischen Rentnertums, die keine gleitende Gehaltsskala kennt, ist natürlich jede, mit dem Frankensturz unvermeidliche Preiserhöhung für die Güter des täglichen Dedarss ein Gradmesser ihrer langsamen Verelendung. Trotzdem scheint die Erkenntnis von dem, was not tut, erst jetzt langsam zu dämmern. Das liegt wohl vor allem an der bekannten Steuer- scheu des französischen Kleinbürgers, der bei einer rigorosen Sanierung der Staatsfinanzen einen Teil seiner Rente einzubüßen fürchtet, und noch nicht glauben will, daß der Frank auch an innerem Wert verloren hat. Dazu kommt, daß weite Kreise der Großindustrie und des Handels sich mit Händen und Füßen gegen eine Stabilisierung sträuben. Man fürchtet die Deschränkung , , des Exportmarktes und die Reinigungskrisis, die Poincare stellte heute abend 7 U^r (eine Mitja auch Deutschland nach Einführung der Renten- arbeitet dem Präsiden en der R e p u b i k mark hat durchmachen müssen. vor. Von 6.30 Uhr ab trafen bie neuen Minister So ist es schon aus wirtschaftlichen Gründen v°r dem E y,ee em Zuech ersch.er.der Landw.rt- verständlich, wenn die Deputierienkammer als '^smlNlster QueulIle dann Barthou und greifbarer Exponent dieser Mentalität wohl in nach ihm B 0 k a no m {f tj1,, bet■ im besprach mit ihrer aroßen Mebrbeit einsah daß etwns ge- Pressevertretern erklärte, daß eine der schönsten fd>eben9 müsse daß sie sich aber bislang nicht Taten sei, die er kenne, dag politische Manner, die entschließen könnte, Maßnahmen gutzuheißen, die sich noch unlängst^mdselig ?egenubergestanden ihre Wähler unsanft aus dem gern gehegten Hutten, sich heute ausgelohnt und die Bildung des Tramn cvecken würden, eine Stabilisierung sei Kabinetts ermöglicht hatten, wodurch einer gesahr- vhne schwere Opfer des Volkes selber möglich Situation abgeholfen worden sei. Tar- Mit Mangel an moralischem Mut wird man bi eu erkundigte sich bei den Journalisten, wie die die Seelen läge der Herren Deputierten vielleicht Oeffentlichke.t das Kabmett ausnehme und war ub" am treffendsten bezeichnen. Das Problem „Wie die günstigen Antworten...e^eut Hierauf erschien sage ichs meinem Wähler?" glich dem heißen Eisen, Herriot, denmanbeglückwünschte. J o n a ö das feiner anpacken wollte. Jahrelang hatte man erklärte den Journalisten „Das neue Kabinett halt dem Volke erzählt, der bochc bezahle alles; als st-n Versprechen. Es .st punktl^ es. sind genau Dm das mit dem Inkrafttreten des Dawesplanes Minuten vor 7 Uhr. Alle M>nister begaben sich nicht mehr glaubhaft zu machen war, tröstete hieraus zum Präsidenten der Republik Kurz nach man den Bourgeois mit der sicherlich zu ertoar- | 7 Uhr wurde ein Kommunique veröffentlicht, in dem teni>en großen Geste des edelmütigen Amerika, das eines Tages die inzwischen ungeheuerlich angewachsenen Schulden streichen und in Erinnerung an den gemeinsamen Kampf gegen das „monstre allemand“ dem französischen Verbündeten mit einem großzügigen Pump ä tond perdu unter die Arme greifen werde. Auch das war Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag- vrühl'fche Univerfitätr-Vuch- und Sleindruckerei N. Lange in Giehen. Schriftiettung und SeschästrMe: Zchulstratze 7. er den verschiedensten Ressorts vorgestanden. Bekannt wurde er auch durch die Geschichte der Crbschafi von 15 Millionen Franken, die ihm Chauchard, der Gründer des großen Pariser Warenhauses nach langjähriger Freundschaft vermacht hatte. Auch der aus den Pyrenäen stammende Justizmlnister Louis Varthou ist schon Ministerpräsident gewesen. Auch er ist Mitglied der Akademie, als großer Diktor-Hugo-Kenner und leidenschaftlicher Bibliophile berühmt. Don Hause aus ist er Rechtsanwalt, wurde 1889 Deputierter, hat in verschiedenen Kabinetten die Posten eines Unterrichtsministers, eines Ministers der öffentlichen Arbeiten, eines Innenministers, eines Postministers und schließlich den eines Justizministers bekleidet. Während des Krieges war er eine Zeitlang auch Minister des Auswärtigen. 1922 wurde er zum Präsidenten der Reparationskommission ernannt. Als ein in Finanzfachen besonders befähigter Kopf gilt der neue Handelsminister Maurice Bokanowsky. Er ist von Haus aus ebenfalls Advokat, wurde 1914 Deputierter und machte sich als Generalberichterstatter für das Budget in der Finanzkommission schnell einen Namen. Da er jedoch kein glänzender Redner ist. hat er bisher kein wichtigeres Amt innegehabt. Er ist lediglich in dem kurzen Märzkabinett Poin- cares 1924 Marineminister gewesen. Der neue 3nnenminiffer Albert Sarraut ist 1872 in Bordeaux geboren. Wie die meisten französischen Politiker, war er ursprünglich Advokat, dann Schriftsteller, lange Jahre Deputierter des Dc- pcirlements Aude, mehrmals Unterstaatssekretär und 1911 bis 1914 Generalgouverneur von Jndochina. In Bivianis Kriegskabinett war er Unterrichts- Minister, kehrte aber bald nach Jndochina zurück. Bon 1920 ab war er in drei aufeinander folgenden Kabinetten Kolonialminister, im März 1925 wurde er Botschafter der Republik in Angora. — Durch seine außerordentlich geschickte publizistische Tätigkeit im Einkreisungfeldzug gegen Deutschland ist Andre Tardieu, der neue Minister der öffentlichen Arbeiten, berühmt geworden. Er ist geborener Pariser, der fick nach Abschluß seiner Studien dem diplomatischen Dienste zuwandte. Später wurde er Aus- laudrcdakteur des „Temps". 3m Kriege, an dem er zuerst als Soldat teilnahm, wurde er von der Regierung nach Washington geschickt, um dort die Interessen Frankreichs publizistisch zu vertreten. Während der Friedensverhandlungen war er dann einer der wichtigsten Helfer Cle- menccaus. in dessen letztem Kabinett er Minister der befreiten Gebiete wurde. 1921 übernahm er dann die Leitung deS Elemenceau-Dlattes„L'Ccho national", in dem er vor allem die Grundsätze des Versailler Vertrages verficht. Londoner Presseftimmen. „Mehr Besorgnis als Vertrauen". London, 23. Juli. (TU.) Die Rückkehr Poincar^s ruft in der englischen Presse keine sonderliche Degeisterunng hervor. Es sei ein Rame, so erklärt die „Daily Rews" an leitender Stelle, der im Ausland nicht viel Vertrauen genieße. Er sei der hervorragendste Vertreter derjenigen Schule, die Deutschland alles zahlen wolle. Er verfolge eine Politik, die nicht nur Großbritannien und Amerika gegenüber moralisch unfair sei, sondern in finanzieller Hinsicht auch verheerende Folgen für Frankreich selbst haben werde. Die „TS> estminster Gazette" führt aus, Poincare sei es gewesen, der durch die Ruhr- besehung den Gedanken vertreten habe, daß man .Deutschland zum Zahlen veranlassen und dadurch alles in Ordnung bringen werde. Der Dawesplan sei das Zugeständnis gewesen, daß die Erwartungen PoincaröS nicht zu 7 halten waren, und vielleicht werde sich erweisen, daß der Dawesplan selbst auch preiSgegeben werden müsse. Das Locarno-Abkommen sei einer der soliden Gewinne, die erst gesichert worden seien, nachdem Poincare beseitigt war. Vielleicht werde er Briand wegen dieses politischen Wechsels zürnen, aber er werde sein Amt unter Verhältnissen übernehmen, die wenig geeignet seien für politische Revisionen und für Veränderungen in der internationalen Politik. Poincars werde diesmal ein besserer Realist sein müssen, als bei seiner letzten Amtsführung, wenn er das Vertrauen wieder Herstellen und das parlamentarische System erhalten wolle. Der „Daily Telegraph" sagt, alle Freunde Frankreichs würden Poincarä in diesem Augenblick ihre guten Wünsche mitgeben, auch diejenigen, welche mit seiner früheren Amtsführung in verschiedenen Punkten durchaus nicht einverstanden seien. Es sei eine Ironie, daß die gleiche Kammer, von der Poincare jetzt die Mehrheit fordern werde, seinerzeit gewählt worden sei, um seiner Herrschaft ein Ende zu machen. Aber die allgemeine Empfindung sei, daß nicht mehr die Schanzen übrig seien, und daß es ein Verrat an Frankreich bedeuten würde, die gegenwärtige Möglichkeit unbenutzt zu lassen. Di« Zeit fordere eine nationale Regierung mit besonderen Vollmachten. Die drohende Gefahr sei ebenso ernst, als wenn plötzlich eine Kriegserklärung erfolgt wäre. Hoffentlich werde die französische Kammer dem glänzenden Beispiel der belgischen Kammer folgen, die ihrem König Vollmachten in den Finanzangelegenheiten erteilt Hat, und werde sich um Poincare scharen. Cs sei kein anderer Ausweg zu entdecken, der die parlamentarische Regierungsform erhalten könne. Lloyd Georges Blatt, die „Daily C h r o - nicle", schreibt, Poincarö sei als Premierminister und Außenminister ein Staatsmann gewesen, mit dem die Leiter der britischen Politik in der Vergangenheit nur schwer hätten auskommen können. Aber die Umstände, die damals die Reibungen verursacht hätten', würden hoffentlich nicht wiederkehren. Man müsse Poincare im Interesse Frankreichs und ganz Europas Glück zu seiner schwierigen Aufgabe wünschen. Im Gegensatz zu anderen Blättern äußert die ..Financial Times" starke Zweifel über die Aussichten des Kabinetts Poincare und sagt: Die Rückkehr Poincarös zur Macht erscheint wie ein Sieg der Hoffnung über die Erfahrung. Poincare hat einen beträchtlichen Anteil an den Methoden gehabt, die zu dem gegenwärtigen finanziellen Zusammenbruch geführt haben. Seine falsche Beurteilung der seinerzeitigen Lage hat ihn in den Augen des Auslandes aus der Reihe der großen Staatsmänner gestrichen. Seine Vergangenheit erweckt außerhalb Frankreich mehr BesvrgniSals Vertrauen, öUiajoici, mit weicher Begeisterung er in Frankreich selbst begrüßt wird. Ob sein Eigensinn, der einer seiner vorherrschenden Charaktereigenschaften ist, jetzt einem nützlichen Zweck dienen wird, bleibt abzuwarten. Aber auch dann darf man nicht vergessen, daß der Erfolg ober Mißerfolg der Kabinettspolitik von den unverantwortlichen Politikern abhängt, die in den letzten Jahren eine Regierung nach der anderen gestürzt haben. Berücksichtigt man dies, so ist es unmöglich, etwas anderes als ernste Besorgnis über die finanziellen Aussichten Frankreichs in der unmittelbaren Zukunft zu hegen. Frenrdenfeindttche Kundgebungen. Paris, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Gestern abend ist es auf dem Boulevards an den Abfahrtsstellen der Auto-Gesellschaft, die Rachtrundsahrten durch Paris für die Ausländer veranstaltet, zu feindlichen Kundgebungen gekommen. Die Wagen wurden mit Rufen und Pfeifen empfangen. Der Ordnungsdienst muhte eingreisen, um die Menge zum Auseinandergehen zu veranlassen. Rach einem Funkspruch aus Reuyork hat sich die amerikanische Presse bisher mit der kommentarlosen Wiedergabe der Meldungen von den fremdenfeindlichen Kundgebungen beschränkt. Senator Reed erklärte, daß solche Ausschreitungen gegen Amerikaner ungerecht und unberechtigt seien. Er werde einen Boykott gegen französische Waren Vorschlägen, wenn die amerikafeindlichen Kundgebungen weiter andauern würden. __h' Der ameriiümsche Gläubiger. Der Streit um die englischen Anleihen. London, 23. Juli. (Wolff.) Das englische Schatzamt hat eine Veröffentlichung bekanntgegeben, in der es zu den Erklärungen des amerikanischen Schatzamtes über die englische Schuld an Amerika Stellung nimmt. Die Schrift befaßt sich mit den Einzelheiten, die mit den von Amerika erhaltenen Anleihen zu- sammenhängen, und weist die Unterstellung zurück, daß die Schuld nur für reine Wareneinkäufe ausgenommen wurde, ferner, daß die Waren nur in Amerika eingekauft werden müßten und weiter das Geld nur für solche Zwecke verwandt werden dürfe, die das amerikanische Schatzamt gut hieß und endlich, daß das Geld nur in Tlebereinstimmung mit den von dem amerikanischen Kongreß aufgestellten Bedingungen für Kriegszwecke Verwendung finden dürfe. Großbritannien habe sich Pfunde und neutrale Valuten besorgt, um alle während des Kriegs auftretenden Bedürfnisse decken zu können und habe außerdem die Last getragen, seine kontinentalen Alliierten mit den von ihnen benötigten Pfunden zu versorgen. Wenn die Vereinigten Staaten sich bei Kriegsausbruch nicht fähig gefühlt hätten, diese zusätzliche Last von England abzunehmen und dies nicht als Tatsache hingestellt hätten, so wäre England in der Lage gewesen, aus denHilfs- quellen, die es seinen Alliierten zur Verfügung gestellt hatte, alle in Amerika notwendigen Ausgaben zu bezahlen, wodurch die englische Schuld an Amerika wahrscheinlich niemals entstanden wäre. Das brittsche' Schatzamt hält es für notwendig, diese Tatsachen zu erwähnen, weil sie zeigen, daß fein Vorwurf gegen England wegen der Verwendung der in Amerika aufgenommenen Dettäge erhoben werden forme. In Erwiderung der englischen Presseangriffe, daß Amerika jetzt dre Ausgaben für den Krieg eintreibe, den es früher seinen eigenen Krieg genannt hat, schreibt die „World", daß Amerika den Krieg nicht mehr als eine heilige gemeinsame Sache betrachte, weil die europäischen Alliierten bei Kriegsende gezeigt hätten, daß Amerika einem romantischen Unsinn gefrönt habe, als die Sieger den Waffenstillstand zur Teilung der Deute mißbrauchten. Als die Alliierten Deutschlands Kolonien nahmen und ihm ein unmögliches, törichtes System von Wiedergutmachungen auferlegten, war es für Amerika mit dem Gedanken der heiligen Allianz vorbei. Ls ist Zeit für Europa, einzusehen, daß dieser Gefühlsumschwung zu dem Mißtrauen gegen Europa hauptsächlich aus der Tätigkeit des Völkerbundes erfolgte. Es sei Amerikas Heber- zeugung, daß es von den europäischen Alliierten zum besten gehalten werde. Die „Rew Vork Times" meint, die englische Presse fühle, daß es mit der britischen Würde unverträglich sei, wie ein Fischweib zu schimpfen. Jedenfalls werde in den englischen Blättern der Wert der englisch-amerikanischen Freundschaft genügend gewürdigt, um sie nicht als überflüssig zu stören, pleberdies befinde sich England in der gleichen Lage gegenüber Frankreich und Italien wie die Vereinigten Staaten gegenüber allen ehemaligen Alliierten. Die Schuldentilgungsverträge sein ein abgeschlossenes Geschäft, und die gegenseitigen Beschuldigungen könnten nicht den Siegel von den Verträgen reißen. Rationale Leidenschaften dürften nicht künftige Verhandlungen stören, die bessere Ergebnisse zeitigen könnten. Rach der „Associatd Preß" beabsichtigt das amerikanische Schatzamt, die öffentlichen ÄuSein- andersetzungen mit Großbritannien über die Frage der Verwendung der von England in Amerika während des Krieges geliehenen Gelder nicht weiter fortzusehen. Der stellvertretende Schatzsekretär Winston erklärte, das ihm neuerdings zugegangene Zisfernmaterial beweise deutlich, daß der größte Teil der von England in Amerika während des Krieges gemachten Ausgaben für kommerzielle Zwecke erfolgt sei. Die Gehälter der Kontroll-Kommission. Berlin, 23. Juli. (Wolff.) Wie eine Korrespondenz berichtet, sind die Gehälter der Interalliierten Kontrollkommission neu festgesetzt worden. Danach beträgt das monatliche Gehalt eines Generals rund 2780 Mark, eines Obersten 2000 Mark, eines Oberstleutnants oder Majors 1680 Mark, eines Hauptmanns 1380 Mark, eines Leutnants 1000 Mark, eines Unteroffiziers 460 Mark und eines Gefreiten oder gemeinen Soldaten 360 Mark. Das Reichsehrenmai. ($in Vorschlag des preußischen Ministerpräsidenten. Berlin, 23. Juli. (TU.) Angesichts des Streites um das Ehrenmal für die im Krieg« Gefallenen Hat, wie der ' Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, der preußische Ministerpräsident an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, in dem er auf den ursprünglichen Plan hinweist, die sogenannte Schinkelwache in Berlin zu einem Erinnerungsmal für die Gefallenen umzugestalten. Durch die Wiederaufnahme dieses Planes würde vermutlich der jetzt entstandene Streit verstummen. Sollte sich die Reichskanzlei nicht für Berlin entscheiden können, so werde gebeten, sich dann wenigstens für das Rheinprojekt zu entscheiden, da die Rheinlande durch die Leiden, die sie in den letzten Jahren für ganz Deutschland ertragen muhte, einen Anspruch daraus haben, in erster Linie berücksichtigt zu werden. Aus aller Wett. Eine Radiogrohstakion in den bayrischen Bergen. Der Ausbau der Radiogroßstation des H erzog s st a n d e s, die mit einer Energie von 1000 Kw. arbeitet (Rauen arbeitet mit 400), und hauptsächlich dem Verkehr nach O st a s i e n dienen soll, ist jetzt von der Reichspost übernommen worden, nachdem die Arbeiten im Jahre 1924 eingestellt worden waren. Es ist beabsichtigt, die Einrichtung sobald als möglich in Betrieb zu setzen. Kampfflieger Müsthoff f. Der aus dem Weltkrieg bekannte Kampfflieger Wüsthoff, Inhaber des Ordens „Pour le Merite", der vor einigen Tagen bei Kunstflügen auf dem Dresdener Flugplatz abstürzte, ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Kreuzer „Hamburg" in Japan. Tokio, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der deutsche Kreuzer „Hamburg" ist als erstes vormals feindliche Schiff feit dem Kriege in Yokohama vor Anker gegangen. Er wurde in Yokohama mit bemerkenswert freundlichen Kundgebungen empfangen. Der Kreuzer wird am 30. Juli wieder in See gehen. Grohfeuer bei Reichardl. In der vergangenen Nacht geriet in Wands - deck auf dem Gelände der Reichardt-Schokoladen- Werke der rechte Flügel eines großen vierstöckigen Gebäudes in Brand. In diesem Gebäude befindet sich eine Nährmittelfabrik, welche zur Zeit jedoch still lag. Die Bekämpfung des Feuers wurde außerordentlich durch Wassermangel erschwert. Die Bade-Bassins der Kakao-Werke Rei- chardt wurden leer gepumpt. Zu diesem Zwecke mußten über die Bahngleise vis zur Unglücksstelle weit über 100 Meter Schläuche gelegt werden. Der Wind jagte einen ungeheuren Finkenflug über das Gelände und bedrohte stark die übrigen Gebäude, insbesondere die Stallungen Es gelang schließlich, den Brand in der Hauptsache auf den rechten Flügel des Gebäudes zu oeschränken. Bis in die frühen Morgenstunden waren die Feuerwehren tätig. Das Feuer selbst war eines der größten der letzten Jahre in Hamburg und Umgebung. Der Tod in den Bergen. Beim Abstieg vom Habicht bei Fulpmes sind der Leipziger Kaufmann Hohe und seine Tochter tödlich verunglückt. Eine mit einem Bergsteiger voranstcigende Touristengesellschaft wurde von den Stürzenden beinahe m i t- gerissen und nur durch den Führer am Seil gehalten. Schweres Boolsunglück. Am Donnerstag ereignete sich in der Rähe von Hadersfeben ein Bootsunglück, dem wahrscheinlich drei junge Leute zum Opfer fielen. Auf einer Ruderfahrt nach Flensburg—Sonderburg kentert« ein Doot mit fünf Insassen. Zwei Ruderern gelang es, an Land zu schwimmen. Man nimmt an, daß die drei anderen ertrunken sind. Elf Mann bei einer Bootsfahrt ertrunken. Dei Peterborough (Ontario) ertranken elf Mann im Alter von 16 bis 20 Jahren, die eine Bootsfahrt machten, als der Kahn während eines Sturmes umkippte. Vier der jungen Leute versuchten sich zu retten, indem sie sich an das umgestürzte Boot anklammerten. In dieser Lage blieben die älnglücklichen, die sämtlich Schwimmer waren, fünf Stunden lang. Allmählich ermüdeten sie und versanken in den hochgehenden Fluten des Sees. Unschuldig im Zuchthaus gestorben. Das Schwurgericht Auber hatte 1915 den Tagelöhner Michael Wagner wegen Totschlages zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wagner starb nach Abbüßung von drei Jahren und beteuerte noch kurz vor seinem Tode seine Unschuld. Wie in den letzten Monaten ermittelt wurde, hatten tatsächlich die Arbeiter Jakob und Rikolaus Triller und der Bürgermeister D e h von Holzheim bei Reumarkt in der Oberpfalz bei einer Prügelei den Totschlag verübt. Die Tater, die den unschuldigen Wagner ohne Gewissensbisse im Zuchthause hatten sterben lassen, wurden zu Gefängnisstrafen von einem bis vier Jahren verurteilt. Fremdenlegionswerber in Pommern. Aus Pommern berichtet das „B. T." das Auftauchen eines Werbers für die französische Fremdenlegion. Der Werber hatte fünf junge Leute, die er mit Alkohol traktierte, durch Versprechungen fort« gelockt. Vier von ihnen gelang es, zu entkommen. Von einem nimmt man an, daß er der Fremdenlegion in die Hände gefallen ist. Tornado und Hochwasser in Australien. Bei Melbourne hat ein Tornado zwei Kirchen und mehrere Häuser zum Einsturz gebracht. In der Gegend von Ereemantle stürzte durch Hochwasser des Swanflusses die große Gisenbahnbrücke ein, so daß die Stadt völlig abgeschlossen von aller Welt ist. Wettervoraussage. Rach zunächst heiterem, trockenem Wetter und kräftiger Erwärmung bei südlichen Winden erneute Regensälle. Gestrige Tagestempcraturen: Maximum 22,4 Grad Celsius, Minimum 12,7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 18,1 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 24. Juli 1926. Ein vergeblicher Wunsch an die Reichsbahn? In unserer Rr. 155 gaben wir einem Artikel Raum, in dem „ein Fahrplanwunsch an die Reichsbahn" vorgebracht wurde. Wir baten, den Personenzug 70 4 (ab Gießen 4 Uhr früh) 10 Minuten früher abfahren zu lassen, damit er in Frankfurt den dringend notwendigen Anschluß von Gießen her an den beschleunigten Personenzug über Darmstadt und Mannheim nach Süddeutschland, ab Frankfurt 6.23 früh, erreichen könne. In dankenswerter Weise hat die Industrie- und Handelskammer Gießen mit einem Schreiben an die Reichsbahndirektion unter dem 10. Juli unsere Anregung zu der ihrigen gemacht, „da auch die von uns (Handelskammer) vertretenen kaufmännischen Kreise an einer solchen Verkehrsverbesserung das größte Interesse haben". Leider waren unsere und der Handelskammer Bemühungen bis jetzt erfolglos, denn die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Erfüllung des Gießener Wunsches mit—dem nach- stehenden Schreiben vom 16. Juli an die Indust ie- und Handelskammer Gießen (einstweilen?) abgelehnt: „Der an sich sehr erwünschte Zusammenschluß des Pz. 704 (W) Gieß en-Frankfurt a. M. Hbf. mit dem B.P. 998 Frankfurt a. M.- Mannheim-Freiburg bzw. Basel in Frankfurt a. M. Hbf. läßt sich leider nicht ermöglichen. Der Pz. 704 (W) wird jetzt in Friedberg durch den Schnellzug l) 192 Berljn und Hamburg-Frankfurt a.M.-Basel überholt und nimmt dort den Anschluß vom Pz. 4262 (W) von Hungen auf, der wegen des Berufsverkehrs nicht aufgegeben werden kann. Auch liegen auf der Strecke Frankfurt a. M. West-Frankfurt a. M. Hbf. die Berufszüge 4102 (W) Stockheim- Frankfurt a. M. Hbf. (an 6.04 Dm.), 2004 (W) Usingen-Frankfurt a. M. Hbf. (an 6.09 Dm.), 2155 (W) Cronberg-Frankfurt a. M. Hbf. (an 6.15 Vm.), die sich im Abstand folgen, so dicht, daß Pz. 704 (W) betrieblich frühestens 6.21 oder 6.22 Vm., d. h. 1 Minute vor Abgang des B. P. 998 in Frankfurt a. M. Hbf., eintreffen könnte. Da eine Späterlegung des schon sehr beschleunigt durchgeführten B. P. 998 wegen seiner wichtigen Anschlüsse nicht angängig ist, sind wir zu unserem Bedauern nicht in der Lage, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Im übrigen erreicht Zug 704 in Frankfurt a. M. den um 6.30 dort abgehenden Personenzug 916 Darmstadt-Heidelberg und Mannheim und bietet für die Bedürfnisse des Fernverkehrs die Möglichkeit, auf die in Frankfurt um 7.04 und 7.15 abgehenden Schnellzüge nach Mann- heim-Daden-Daden und Heidelberg-Bafel überzugehen." Die Reichsbahndirektion bezeichnet den Zusammenschluß der beiden Züge mit Recht als „sehr erwünscht". Ihre trotzdem ablehnende Entscheidung mochten wir aber als n i ch t r e ch t st i ch h a l ° t i g ansehen. Wir find der Meinung, daß es bei gutem Willen möglich wäre, den Wunsch unserer Stadt nach dieser vortrefflichen Zugverbindung zu erfüllen, wenn man den Personenzug ab Gießen, wie erbeten, einige Minuten früher abgehen und dann in etwas erhöhter Geschwindigkeit laufen lassen würde, und wenn man dasselbe auch bei dem Zuge ab Hungen eintreten ließe. Beide Züge würden dann in einem früheren Zeitpunkte in Friedberg eintreffen. Wenn dort der etwa 10-Minuten-Aufenthalt des Gießener Zuges und der etwa 15-Minuten- Aufenthalt des Hungener Zuges auf nur 2 Minuten eingekürzt würde, so konnte der Gießener Zug mit dem Hyngener Anschluß noch vor dem V-Zug vielleicht bis nach Groß-Karben, sicherlich aber bis nach Nieder-Wollstadt vorankommen und erst dort von dem Schnellzug überholt werden. Die gewonnene Zeit würde dann wohl ausreichend sein zur früheren Ankunft in Frankfurt und damit zur Herstellung des Anschlusses an den beschleunigten Pcrsonenzug. Wenn die Reichsbahndirektion die Züge von Ufingen und von Cronbergals Hemmnis für den Gießener Zug anfieht, so wäre vielleicht zu erwägen, dem Gießener Zug den Vor- rang vor den beiden anderen zu geben, denn es ist doch wohl anzunehmen, daß von den zahlreichen Orten an der Gießen—Frankfurter Strecke mehr Interessenten für den beschleunigten Personenzug kommen werden als aus den wenigen Ortschaften der Kronberger Strecke. Wir mochten deshalb die Reichsbahndirektion bitten, noch einmal in eine E r- wägung des G i e ß e n e r W u n f ch e s e i n ° zu treten und dabei in wohlwollender Weise die Gesichtspunkte zu würdigen, die hier niedergelegt sind. Denn man kann sich doch wohl nicht gut auf den Standpunkt stellen, daß die weniger bemittelte Bevölkerung eben entweder mit dem Bummelzug fahren, oder gegen höhere Ausgaben den Schnellzug benützen möge. Erinnerungen und Gedanken auf einem Stadtbummel. Wer bei einem Rundgang durch die Innenstadt sich umsieht, wird finden, daß Gießen sich letzt langsam aber stetig verschönert. Eine beträchtliche Anzahl Häuser hat durch die Hand der Maler und Weißbinder ein stattliches, teilweise farbenfrohes Aussehen bekommen. Cs sei hier vorläufig nur auf die frühere Hirsch-Apotheke am Markt hingewie- sen, deren reiches Gebälk und Fachwerk dem Marttplatz zur Zierde gereicht. So alt wie das Gebäude ist das Aeußere allerdings nicht, denn Ende der siebziger Jahre wurde mit erheblichem Kostenaufwand durch den damaligen Besitzer, Apotheker Hempel, das ganze Balkenwerk erneuert und das Haus, das die Aufmerksamkeit der Fremden erregt, vor dem Verfall bewahrt. Es hat damals allerdings nicht an Stimmen in der Bürgerschaft und der Stadtverordnetenversammlung gefehlt, die nicht nur diesen Bau, sondern das ganze Bauviertel zwischen Marktplatz und Wettergasse niedergelegt wünschten und damit die Vergrößerung deS Marktplatzes herbeiführen wollten. Auch nach der Riederlegung der alten Häuser, aus deren Grund das zur alten Hirsch-Apotheke nicht passende Fabersche HauS steht, erhoben sich Stimmen für die Entfernung des Häuserblocks, weil der Platz den Ansprüchen des Wochenmarktverkchrs nicht mehr genügte. Die Errichtung des Kriegerdenkmals gab den Anstoß zur Verlegung des Wochenmarktes nach dem Lindenplah und in die Marktlauben, die nach Riederlegung d:s Schmied W'l herschen Hauses errichtet wurden mit der Absicht, nach btt Herstellung weiterer Marktlauben im Rücken btt Schlohgasse und nach Ueberdachung des Durchgangs eine im übrigen recht notwendig gewordene Markthalle zu schaffen. Das Dor- Haben konnte, nicht zuletzt wegen dringenderer Ausgaben, nicht durchgeführt werden, und es wird wohl auch unausgeführt bleiben, da dec Platz für eine Markthalle angesichts der Entwicklung der Stadt für die Dauer doch nicht genügt hätte. Eine bessere Ausgestaltung unserer Wochenmarkt- anlagen wird Aufgabe einer nicht allzu fernen Zukunft bleiben. r , _ lind nun zu einer anderen, mehr als Verschönerung denn als Verkehr-Verbesserung an^u- sprechenden Ausgestaltung des Strahenbilbcs in der Reuen DSue. Die wegen Baufälligkeit notwendig gewordene Aiederlegung der sogenannten Krache bürg hat wiederholt den .Gisst. An§" beschäftigt, nicht wegen der Riederlegung, sondern wegen deS mit einer Bretterwand umgebenen Platzes. Die Lokaldichterin Fraa Hannewackel hat s. Zt. den Zustand in Versen also besungen: .Ru guck dir aa die Bretterwand, Do, wo die Kracheborg mal stand. Brauchst kaa Fernglas mitzenemme, Kau Zwicker uff die RoaS zs klemme. Kannst beide Aage doch entzicke, Menn du aans tust uffs Astloch drücke. Woa« mer do all för Dlomme sieht Un woas do all dehinner blieht. Lieber Herr Professer Hansen, Sag. wie heiße all die Planzen, Die uff der Kracheborg Ruine So schee sprosse, blieh und griene." Die Bretterwand, eine willkommene Stelle für Zirkus- und Zigarettenplakate, ist nun verschwunden und hat einer Einfriedigung Platz gemacht, die sich sehen lassen kann. Aus Detonsockel steht ein weih gestrichenes Lottenspalier in Höhe der künftigen Baufluchtlinie. Hoffentlich sorgt nun der Besitzer des Grundstücks für eine die .Aage" des Publikums befriedigende gärtnerische Ausgestaltung. Gietzener Wochenmarktpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt do- Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 30 bi- 35. Käse (10 Stück) 60 bis 30. Wirsing 15 bi- 25, Weißkraut 15 bis 25. Rotkraut 35 Selbe Rüben 15 bi» 25, rote Rüben 15, Spinat 5 bi- 30, Römischkohl 10 bis 15, Dohnen (grüne) 20 bi- 30, (gelbe) 30. Erbsen 15 bis 20, Misch- gemüse 10, Tomaten 20 bis 100, Zwiebeln 15 bis 20. Pilze 25 bis 30, Kartoffeln 5 bis 6, Frühäpfel 15 bi« 20, Folläpfel 10, Dirnen 20 bis 30 Kirschen (Sauer) 40, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 30, Erdbeeren (Wald) 100, Mirabellen 60, Honig 40 junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 120, Tauben 80 bis 90; das Stück: Eier 12 bis 13, Dlumenkohl 30 bis 80, Salat 5 bis 10, Salat- gurken 20 bi« 50. Einmachgurken 4 bis 5, Ober- Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20 Pfennig. Borrrotizerr. — Tageskalender für Samstag. 21. Vg. 1867/1917: 8.30 Uhr, Schützenhaus, Sommer- fest. — Gabelsberger Stenographen-Derein v. 1861 und Damen-Derein: 8 Uhr „Karlsruhe" Ehrenabend für die Wettschrewer. — Lichtspielhaus, Bahnhof strahe: „Die Frau für 24 Stunden". — Aftoria- Lichtspiele: „Hochstapler der Liebe". — Tageskalender f ü r Sonntag. Stadttheater: Gastspiel des Künstler-Marionetten - Theaters Puhonny, 3iUhr nachmittag- Kindervorstellung Der Froschprinz"; 8 Uhr abends Houptvorstellung .Die Rache des Hakim" und .Egon und Emilia". — Spiel-Vereinigung 1900 E. V.: 91 o Uhr vormittags und 3 Uhr nachmittags Sportplatz an der .Liebigshöhe" Rationale Wettkämpfe in Leichtathletik. — Gießener Schwimm-Verein: 4 Uhr nachm'ttagS. Müllersche Dadeonstalt: Städtekampf im Schwimmen Kassel gegen Gießen. — Wiener Hoch- und Deutschmeister-Kapelle: 3i Uhr nachmittags und 8 Uhr abends, Volk-Halle, Konzerte. — Lichtspieltheater, wie Samstvg. — Au- dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben. Zu dem Gastspiel des Daden-Badener Marionettentheaters in einer Rachmittags- und einer Abendvorstellung am morgigen Sonntag im Stadttheater sei mitgeteilt, dah. wenn auch die Rachmittagsvorstellung in erster Linie für Kinder gedacht ist, sie doch so viel Sehenswertes und Amüsantes bieten wird, dah auch Erwachsene sehr gut auf ihre Kosten kommen werden. *** Straßensperre. Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten hat das Polizeiamt die Frankfurter Straste zwischen der Friedrich- und der Klinikstrahe bis auf weitere« für jeglichen Fährverkehr gesperrt. s. Ein angenehmer Spazierweg im Stadtwald. Anscheinend ist es vielen Einwohnern immer noch nicht bekannt, dah der bei jeder Witterung gangbare Waldweg, der am Flugplatz vorüber gradlinig duxch den Stolzenmorgen führt, den Ausflügler in 25 bis 30 Minuten nach Trohe bringt. Der Stolzenmorgen mit seiner dichten Pflanzenbesied- lung und seinem Reichtum an sonst nicht sehr häufigen Pflanzen verdiente es, mehr beachtet zu werden. WER. Gegen das Abspringen von fahrenden Zügen. Die Unsitte, dah Reisende beim Einfahren von Zügen in die Bahn- Höfe bereits die Türen der Abteile öffnen und sogar, bevor der Zug zum Halten gekommen abfpringen, nimmt in der letzten Zeit sehr zu. Ganz besonders kann dies bei Zügen, die vorwiegend dem Derufsverkehr dienen, beobachtet Werdern Abgesehen davon, dah sich solche ..eilige" Reisende großen Schaden an Leben und Gesundheit aussehen, gefährden sie durch ihre Handlungen and) die auf den Dahnsteigen stehendem Personen. Die Eisenbahn leistet für solche selbstverschuldeten Unfälle keinerlei Schadenersatz. Um dem Unfuge des vorzeitigen Türöffnens und Abspringen- entgegenzuwirken, werden jetzt von der Reichsbahn bei den hauptsächlich in Frage kommenden Zügen Streifdienstc eingerichtet, die die Aufgabe haben, Personen, die durch ihre unbedachten Handlungen sich und andere in Gefahr bringen, festzustellen unb der Bestrafung zuzuführen. *• Warnung vor einer Schwindlerin. Der Polizeibericht teilt mit: Vorgestern trat in Gießen eine Schwindlerin auf, die in einem hieligen xausyaus erschien, sich al-die Ehefrau eines hiesigen Zahnarztes vorstellte und allerlei Wäschestücke (Bettbezüge u. dergl.). aus Kredit kaufte unter dem Dorgeben, die Sachen am nächsten Sage nach ihrer Wohnung gegen Quittung zu schicken. Die gekauften Gegenstände wurden z. T. der angeblichen Frau Zahnarzt Ömitgegeben. Kurz darauf wurden deren den durch eine Verkäuferin nachgeprüft, wobei sich heraus stellte, daß der angegebene Zahnarzt mit seiner Familie verreist ist. Die Verkäuferin begab sich daraufhin auf die Suche nach der Betrügerin und hat sie auch im SelterSweg zufällig noch getroffen, wo sie die gekaufte Ware wieder hergeben muhte. Dieselbe Person hat noch in einem anderen Geschäft Waren im Werte von 34 Rm. auf Kredit gekauft, unter dem gleichen Dorgeben wie im ersten Fall, aber auch hier wurde der Schwindet noch rechtzeitig von dem Lieferanten erkannt, so daß er seine Ware sichern konnte. Leider denken die Geschädigten nicht gleich daran, die Polizei sofort zu verständigen, bamit die Festnahme solcher Personen gelingt. Als Täterin kommt eine junge Frau von mittlerer Figur in Frage. Sie hat blondes Haar, an der rechten Hand einen Trauring: sie trägt einen modsfarbigen Mantel und hat anscheinend die Gewohnheit, den Hut in der Hand zu tragen. *• Einbrüche. Der Polizeibericht meldet: In den letzten Tagen wurden hier mehrere Gartenhäuschen und älnterkunftsräume erbrochen und daraus Kleidungsstücke, Lebensmittel und dgl. gestohlen. Der Dieb treibt sich vorwiegend im Reustädter Feld und in den Gärten an der Lahn umher. Personen, die über den Spitzbuben Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht dazu beizutragen, dah dessen Festnahme gelingt, damit ihm das Handwerk gelegt wird. In solchen Fällen kann nur eine sofortige (telephonische) Mitteilung an die Polizei zum Erfolg führen. ** Fahnenweihe des Schwimm- v er eins. Der Gießener Schwimmverein begeht morgen vormittag 10l/8 älhr in der Müllerschen Badeanstalt seine Fahnenweihe. Die Wettkämpfe beginnen nachmittags 4 älhr. Räheres in der heutigen Anzeige. ** Das Fest der goldenen Hochzeit begehen morgen die Eheleute Karl Henzerling, Neustadt 46, Hierselbst. WSR. Reue Kraftpostlinien im Hinterland. Am 29. Juli werden auf den Strecken Wehlar-Rodheim und Stäben- bach-Rodheim Kraftposten eingerichtet. Die Kraftposten berühren die Orte Wetzlar, Wetzlar- Riedergirmes. Raunheim, Waldgirmes, Hof Haina, Bieber, Rodheim (Bieber), Fellingshausen, Frantenbach, Weidenbausen, Erdhaufen, Gladenbach. Der Fahrpreis beträgt 10 Pfennig für eine Person und einen Kilometer, * Das Abonnementskonzert unserer Reichswehrkapelle unter Leitung von Obermufifmeiftei Löber, das am Donnerstag auf der „Liebigshöhe" stattfand, erfreute sich wieder einer hohen Besucherzahl. Infolge des kühlen Wetters muhte das Konzert im Saale abgehalten werden, es wurde daher als Streichmusik durchgeführt. Das abgeänderte Programm brachte in abwechselungsreicher Folge Märsche, Ouvertüren, Große Fantasien und Charakterstücke, die sämtlich in trefflicher Weise zu Ged. gebracht wurden. Die Darbietungen fanden allgemein guten Anklang und wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Preußen. Kreis Westerburg. CO Westerburg, 23. Juli. Der Dberpri mancr Bernhard Kaesberger rettete den Schlosser Karl Kaiser von hier vom Tode des Ertrinkens. Kaiser nahm in der ehemaligen Tongrube des Kaufmanns Jacobi, die gegenwärtig von Grund- und Regenwasser ungefüllt ist, ein Bad. geriet dabei an eine tiefe Stelle und ging unter. Kaesberger gelang es mit Mühe, den Versunkenen zu umklammern und an Land zu bringen, wo Wiederbelebungsversuche von E r • folg gefrönt waren. — Man sieht Heuer die Leute wieder mit Kännchen und Eimerchen hinauswandern zur H i m b e c r c r n t e. Während sich im vorigen Jahre diese 21 rbeit wegen der gut entwickelten und sehr zuckerreichen Früchte lohnte, sind in diesem Jahre die Himbeeren sehr klein und wässerig. Das Sammeln ist infolgedessen sehr mühsam. Mrcis Marburg. WSN. Marburg, 23. Juli. In böser 2lhnung riß sich gestern früh am Schlachthof eine Kuh los, stürmte geradewegs in die Lahn und schwamm talwärts. 2In der Weidenhausener Brücke gelang es sechs Metzgern, die 2lusreiherin mit vieler Mühe an Land zu bringen. Maingau. WSR. Frankfurt a. M, 23. Juli. Etwa 100 Reuyorker Bäckermeister sind hier eingetroffen. Sie wurden am Bahnhof von dem Dorsiyenden des Verbandes der Bäcker Mitteldeutschlands begrüßt. Die Begrüßungsfeier fand gestern in der Loge „Carl" statt. Am Donnerstag wurden die Sehenswürdigkeiten der Stadt und am Abend die der Aepfelweinlokale Sachsenhausens besucht. — Der Regierungspräsident von Wiesbaden bat für die Ermittlung und Ergreifung des Täters des Mordversuchs an dem Schriftsteller Hafselmaher 300 Mark Belohnung ausgesetzt. — In der vergangenen Rächt tarn es in der Iordanstrahe zwischen mehreren Studenten zu einer großen Schlägerei, wobei der Student Robert Opitz schwer verletzt wurde. Er wurde durch andere Studenten ins Krankenhaus verbracht. Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Don Sonntag, 25. Juli bis Samstag, 31. Juli: Adrienne. Ans. 8 älhr. Sonntag, 1. August, geschlossen. —Schauspielhaus. Sonntag, 25. Juli: Week-end. Ans. 8 Ufjr. Montag, 26. und Dienstag, 27. Juli: Hebbels Ribelungen 1. Teil. Ans. 7x/i Ubr. Don Mittwoch, 28.. bis Samstag, 31. Juli, geschlossen. Sonntag. 1. August: Adrienne. Auf. 8 älhr. 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Hessische Bürgermeisterei Reinhardshain. Sieh. ______ 20% Rabatt auf sämtliche Preise für Manufakturwaren und Trikotagen Zagdverpachtung. Samstag, den 7. August, nachmittags 3 Uhr, kommt auf dem Rathaus zu Cleeberg die Jagdnutzung tm Bezirk 1 der Gemeinde Cleeberg bis 31. März 1934 zur öffentlichen Verpachtung. Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben. Die Größe beträgt 327,34 Hektar Waldungen und 320,66 Hektar Feld und Wiesen, zusammen 648 Hektar. Bemerkt wird, daß die Jagd einen sehr guten Wildbestand hat, welcher schon jahrelang geschont worden ist. Die Grenzen sind von den Eisenbahnstationen Butzbach 5 Kilometer und Brandoberndors 3 Kilometer entfernt. 6095V Cleeberg, den 21. Juli 1926. Der Jagdvorsteher. Höhn, Bürgermeister. ,a Qualität „„ AiaUMvA got bürgerliche Schlafzimmer von 350.— bis 1350.— Herrenzimmer „ 450.— „ 12^0 — Speisezimmer . 450.— „ 1050.— Alleinverkauf der Kuns’werkatatte Alfons Dön In Saulgau (Wflrt len berg) Möbelhaus J. Jttmann, Inh. A. 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Man kann beinahe von einer Diktaturepidemie sprechen — aber es ist dabei charakteristisch, dah beinahe überall entweder ein zunehmender Widerstand sich erhebt, oder dah die Diktatur von Anfang an auf schwankendem Boden gebaut werden muhte, lln- angesochlen bis auf seine Rasenspihe ist vorläufig nur Herr Mussolini, und so viel man äußerlich sehen kann, sind es auch die Sowjetgewaltigen in Moskau. Ihr Kollege Kemal Pascha dagegen wäre beinahe ein Opfer der ihm zugedachten Bomben geworden, und auch gegen Ptimo de Rivera hat es ein Komplott gegeben. Es ist eine^ interessante Frage, weshalb Mussolini der Fafzist und Stalin der Bolschewist sich am^ besten unter allen Diktatoren halten. Die Gründe sind bei beiden verschieden, wenn auch das Ergebnis dasselbe ist. Italie n steht heute im Vergleich zu seinen Rachbarn wirtschaftlich günstig da. Zwar kann die Lira auch nicht als gefestigt angesehen werden, aber das ist für die italienische Cxportindustrie, wie man weih, kein Schade. Italien kann exportieren, Italien kann seiner Industrie auch im Innern gute Beschäftigung geben durch den Ausbau der Wasserkräfte, mit denen es gleichzeitig seine Zahlungsbilanz verbessert, es braucht weniger Kohlen vom Ausland zu kaufen, und Italien erhält endlich einen erheblichen Zufluh von Geld aus dem Auslande, weil die italienischen Arbeiter in Frankreich — angeblich fast eine halbe Million ihre Ersparnisse nach Hause schicken. Man schätzt diesen Zufluß auf über eine Milliarde Lire im Jahre, und ohne Zweifel ist er ein wichtiges Moment für die relativ günstige italienische Wirtschaftslage. Die Arbeiterschaft ist beschäftigt, die Industrie verdient, die Banken und das Großkapital haben leinen Grund zur Beschwerde. Daraus erklärt sich die im Augenblick unzweifelhaft starke Position Mussolinis. Sic würde ins Schwanken kommen, sobald die Wirtschaftslage sich verschlechtert. Bei den Moskauer Diktatoren dagegen liegt der kritische Punkt für die Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft beim Bauern. Der Bauer ist heute der eigentliche Machthaber in Rußland, denn er produziert das Getreide und damit beherrscht er den einzig soliden Faktor der sowjetrussischen Wirtschaft. Daher mußte auch die Sowjet- diktotur auf dem Kongreß in Moskau zu Weihnachten 1925 sichtbar vor ihm kapitulieren. Beim Kemalismus in der Türkei liegen aus der einen Seite entscheidende Verdienste um die nationale Llnabhängigkeit und territoriale Rettung des Türkentums vor, auf der anderen aber ein höchst despotisches, alle freie Meinungsäußerung unterdrückendes Regiment. Daraus entstand schon im vorigen Jahre der Versuch zur Bildung einer parlamentarischen Opposition in Angora, die aber keine wirkliche Bewegungsfreiheit hat. und aus der Tatsache einer Opposition bildete sich der Altentatsplan von Smyrna. Richt nur unter den Angeklagten, sondern auch unter reu Verurteilten waren bedeutende Ramen, und dos Haupt der Verschwörer starb mit den Worten: „Rur zu. einem Leben ohne Freiheit ist der Tod vorzuziehen!" Man darf sich nicht darüber täuschen, daß in der Türkei alles auf Kemal Paschas Person gestellt ist. Fällt Kemal, so droht das Chaos. Seine ungeheure Energie drückt alle diejenigen Elemente mit Gewalt nieder, die teils aus äleberzeugung andere Wege gehen wollen. teils selber den Ehrgeiz nach der Macht besitzen oder zwar im Augenblick überrannt, jedoch keineswegs mit der radikalen Modernisierung und der zum Teil furchtbaren Härte der Diktatur versöhnt sind. Eigentümlich erscheint das spanische Seitenstück zu der Verschwörung der Antikemaltsten. Ms der General Primo de Rrvera die Zügel der Diktatur ergriff, tat er es mit der Parole: Los von dem korrupten und unfruchtbaren Parlamentarismus! Er begann sozusagen mit einem Appell von dem parlamentarischen an das „anständige" Spanien — und nun wollten ihm gerade die vornehmsten Vertreter der bürgerlichen Intelligenz und des Militärs den Stuhl vor die Tür sehen. Sie wurden gefaßt, aber es ist bezeichnend für die Lage, dah die Regierung nicht wagte, eine öffentliche Verhandlung durchzuführen. Einige Personen brachte man hinter Schloß und Riegel, andere wurden bloß in ihren Häusern interniert, und als der General nach Paris kam. pfiffen ihn Zehntausende von politischen Flüchtlingen aus Spanien mit ihren französischen Freunden aus, wo er sich zeigte. Der moralische Kredit der Diktatur in Spanien ist dahin. In Polen fing der Marschall Pilsudski mit großen Worten an. Er berief alle führenden Politiker zusammen und hielt ihnen eine Kapuzinerpredigt voll der stärksten Ausdrücke: „Diebe. Lumpen. Betrüger dulde ich nicht, usw." Es verging aber nur kurze Zeit, und schon zeigte sich, daß Pilsudski seinen Frieden mit den alten Parteien machen mußte. Heute erhebt die polnische Sozialdemokratie die ihn bis zur Revolution zu den Ihrigen zählte, in ihrer ganzen Presse die Anklage. Pilsudski wolle als verzweifeltes Auskunftsmittel den Krieg (NB. gegen Rußland mit Hilfe eines Aufstandes in der Ufraine), und fie behauptet, daß Kriegsvorbereitungen durch Verteilung der einzelnen Maßnahmen auf verschiedene 'Ministerien maskiert werden. In Griechenland sucht der General Pangalos schon eine ganze Weile nach einem Ministerpräsidenten, denn er hat gemerkt, dah sein ursprüngliches Ziel, die militärische Reorganisation und die Revanche gegenüber den Türken, mit dem englisch-türkischen Abkommen über Mossul zerflossen ist. Man könnte auch Portugal anführen, wo die Diktatoren in Kleinformat wechseln wie die Gänge beim Mittagessen. Auch in der Tschechoslowakei geht etwas vor. Die plötzliche 'Beurlaubung des noch sehr jugendlichen Generals Gajda, des Chefs des Generalstabs in Prag, hat alle möglichen Gerüchte entstehen lassen. Die nationalistischen rechtsgerichteten Parteien unter den Tschechen haben schon das Stichwort vom nationalen Märtyrer ausgegeben, und es ist schwerlich ein Zufall, dah Gajdas Beseitigung mit dem lärmenden Auftreten einer tschechischen Faszistenpartei zusammenfiel, die eine Kopie der italienischen ist. Die ganze Häufung der Diktaturen ist nicht Zufall. Sie ist ein Beweis dafür, dah die Zerrüttung. die von den sogenannten Friedensschlüssen nach dem Weltkrieg ihren Ausgang nahm, mit den Mitteln der herkömmlichen politischen Routine nicht gemeistert werden kann. Auch die Diktatoren schaffen aber die Sache nicht, und manche können umgekehrt zu einer neuen Gefahr für den Frieden werden. Auf diese Weise ist keine Bereinigung möglich. Sie kann nur geschehen. wenn bei dem Grundübel eingesetzt wird, d. h. wenn eine Revision der verbrecherischen Friedensschlüsse erfolgt. Panafrika und wir. Don Wolfgang Weber. Ter zähe Widerstand Abd el Krims, der Sieg der ägyptischen Freiheitspartei, die Haltung der Buren bei der Flaggenfrage - das alles sind Anzeichen einer afrikanischen Selbständigkeitsbewegung. Rur wenn wir die Ereignisse genau verfolgen, werden wir in der Lage fein, im Falle eines Mandats dieser entsprechend entgegenarbeiten zu können. Die Beobachtungen unseres Mitarbeiters in Afrika zeigen, wie weit die Bewegung im Innern vorgeschritten ist. Afrika hat feine Struktur verändert. Wenn ein ostafrilanischer Regerhäuptling halbnackt in seinem Auto herumfährt, wenn ein anderer im Sudan nach seinen Maskentänzen am Radioapparat die Pariser Oper hört, wenn in Gegenden. die vor 25 Jahren auf der Karte noch weiß waren, als erster Europäer ein Steuerbeamter auftaucht, so ist damit mehr als das äußere Gesicht Afrikas verändert. In Südafrika, in den Minen Südwests, an den Staudämmen des Sudan und den vielen hundert anderen Stellen, an denen sich der industrielle Geist die schwarzen Massen nutzbar macht, taucht das neue afrikanische Gespenst auf: s chwa rzer Kommunismus. Wenige Monate Arbeit und aus dem ungelenkten, in eine karikaturhaft wirkende europäische Kleidung gesteckten, einst so stolzen „Wilden" hat sich der selbstbewußte Afrikaner gebildet. Er betrachtet sich als den berufenen und überlegenen Feind der wenigen Weißen und hetzt die anderen Eingeborenen gegen diese auf. Die Autorität a priori, die der Handvoll Weihen riesige Gebiete zu beherrschen half, ist gebrochen und damit ist auch die Mauer gefallen, die früher den Schwarzen die Augen vor den Weißen schloß. Das ganze intensive, ungebrochene Interesse des Regers richtet sich dem weihen Erdteil zu. er macht sich heute mit den modernen Waffen vertraut und ist morgen vielleicht schon befähigt, in die Weltpolitik einzugreifen. Ein geistiges Zentrum der panafrikanischen Bewegungen liegt in Amerika. Dort hat sich unter den Regern, die bekanntlich vor 300 Jahren als Sklaven dorthin verschleppt wurden, trotz aller Unterdrückung eine Intelligenzklasse herausgebildet. Heute hat Rordamerika nicht weniger als 18 Reger-älniversitäten, die durch die wohlhabenden Schwarzen finanziert werden. Wie bei allen unterdrückten Rassen finden wir auch bei den amerikanischen Regern einen bewundernswerten Zusammenhalt und eine schrankenlose Opferfreudigkeit, wenn es darum geht, für eine nationale Idee zu handeln. Darauf baut Markus G a r v e h seine Pläne. Sein Lebenswerk ist es, den „afrikanischen Brüdern" zur Freiheit zu verhelfen. Er berief einen Regerkvngreh in Reuhork ein und hatte beispiellosen Erfolg. Zahllose Agenten durchzogen Afrika und gewannen Anhänger, solange, bis die amerikanische Regierung Garvey wegen „Urkundenfälschung" ins Gefängnis setzte. Aber sein Geist in Afrika lebt und sein Rame ist das Schlagwort in den Regerndörfern. Mit dem Regerprofessor Thales an der Universität in Kapstadt hat er seinen ersten Rachfolger gefunden und es ist gar nicht abzusehen, welche Bedeutung seine Tätigkeit für die Zukunft Afrikas haben wird. Für England und Frankreich bedeutet Gefährdung der afrikanischen Kolonien Erschütterung ihrer europäischen Stellung. England sucht die Krisis durch rigorose Trennung zwischen Schwarz und Weih hcrauszüschieben. In den kritischen Ländern, besonders in Kenya und ilganöa verwendet es bedeutende Mittel auf die Errichtung von Regerreservaten und Eingeborenenpflanzungen. in denen weder Inder noch Europäer geduldet werden und in denen den Schwarzen ihre alte Kultur und ihre Harmlosigkeit erhalten bleiben soll. Was England unter allen Umständen zu verhindern sucht, erhebt Frankreich in West- afrifa zum System. Cs will die Kluft zwischen Schwarz und Weiß Überbrüden. Der Schwarze, der eine Französin heiratet, wird französischer Bürger: wenn er das Kreuz der Ehrenlegion oder eine andere Auszeichnung erhält, ebenfalls. In der französischen Kammer sitzt ein Reger. Mit allen Mitteln strebt man eine innige Rafsenverrnischung an und trägt dadurch die afrikanische Gefahr unmittelbar nach Europa herein. Zwei Faktoren bestimmen den Weg der Bewegung : Religion und Rasse. Die Ausbreitung des Islam hat im siebenten Jahrhundert angefangen und ist noch ständig im Wachsen. Heute hat das rein islamitische Rordafrika Anschluß an das ebenfalls von der Küste her mohammedanische Südafrika bekommen, und zwar durch die Ausbreitung der ostafrikanischen Inder. Für England bedeuten sie eine größere Gefahr wie ihre in Indien selbst lebenden Stammes- verwandten, denn während dort die Gegensätze zwischen Hindu und Mohammedaner jeder Selbständigkeitsbewegung die Spitze abbrechen, handelt es sich hier ausschließlich um Islarniten. Der Geist Mohammeds reiht die Schranken der Rationen nieder, und wenn es darauf ankäme, so würde er selbst die der Rassen überbrücken können. Man ist sich hier vollkommen im klaren, daß im Falle der Entscheidung die Inder in Ost- afrika nicht auf der Seite der Weihen, sondern mit den Regern kämpfen würden. Aus Erkenntnis dieser Gefahr heraus ist vielleicht das Gesetz der Dienstpflicht aller Weihen von sechzehn bis sechzig Jahre entstanden, das die englische Regierung jetzt beschlossen hat und das in den nächsten Monaten in Kraft treten wird. Richt ohne Grund erstreckt sich diese Verordnung gerade auf Kenya, wo der Prozentsatz der Inder wie der mohammedanischen Reger der größte ist. Eine unmittelbare Katastrophe für die Weißen ist durch den Islam nicht zu befürchten, dazu ist das nationale und das religiöse Moment zu streng getrennt. Rur wenn es einmal eine Gelegenheit geben wird, gegen die Europäer zu kämpfen, dann wird es der Islam fein, der seine Gläubigen zu einem einheitlichen Machtmittel vereinigt. Eine aktivere Rolle spielen die 'Bewegungen, die unmittelbar mit der Eigenart einzelner afrikanischer Rassen Zusammenhängen. Der Ausgangspunkt sind die H a m i t c n, das eigentliche kriegerische Volk Afrikas. Hamijen sind die unbesiegten Bewohner der Sahara, deren „Kolonisierung" nur auf dem Papier steht. Hamiten haben sich ferner in Abessinien bereits selbständig gemacht und Hamitenblut fließt in den Adem der Riskabylen, deren Unterliegen nur Sache eines Rechenexempels war, die aber in dem fünfjährigen Kampfe eine beispiellose Widerstandsfähigkeit bewiesen haben. Und es ist vielleicht kein Zufall, dah an demselben Tage, an dem Abd el Krim seine Freiheitsfahne niederlegen mußte. Zaghlul Pascha in Aegypten sie aufnahm. Sein Wahlsieg war gleichfalls nichts anderes als ein Sieg der hamitischen Rasse. Ganz ähnlich manifestiert die Stellung, die sich die Duren in der letzten Zeit erobert haben, die Ueberlegenheit der Bodenständigen über die Landesfremden. Die gewaltige Demonstration in Pretoria am 10. Oktober 1925 bei der Enthüllung des Denkmals von Ohm Krüger hat bewiesen, daß der Geist des Präsidenten heute lebendiger ist denn je und daß der Versuch, die Kapländer zu anglisieren, mißlungen ist. Die Buren treiben eine außerordentlich kluge Politik: ihrer heutigen Schwäche vollkommen bewußt, halten sie sich zurück, beschränken sich auf eine Zentralisation ihrer Rasse um Pretoria und steigern die Bedeutung ihres Landtages von Jahr zu Jahr. Sein letzter Triumph über die englische Verwaltung war seine Haltung bei der Flaggenfrage, die den Union Jack und die englischen Farben entfernen will. Die Gefahr, die in der Entwicklung der afrikanischen Rasse besteht, wollen wir freilich auch nicht überschätzen. Da die Bewegung nie gleichzeitig, sondern an hundert Stellen zu hundert verschiedenen Zeitpunkten ausbrechen wird, so würde sie militärisch überhaupt keine allzugrohen Aufgaben stellen, wenn nicht gleichzeitig damit auch eine wirtschaftliche Erstarkung verbunden wäre. Sobald einmal der Außenhandel nicht mehr das Monopol des Mutterstaates ist und in die Hände der Eingeborenen übergeht, so wie heute bereits in die der Araber und Inder, verwandelt sich die politische Orientierung Europas in eine wirtschaftliche und die vollkommene Autonomie Afrikas ist erreicht. Denn wenn es sich eines Tages um eine Machtprobe handeln sollt'., hätte Afrika die beiden Mittel in der Hand, die heute China erfolgreich angewandt hat: Boykott und Auskauf aller Europäer. Daß wir Deutsche bei diesen Geschehnissen augenblicklich unbeteiligt sind und wegen des Mangels einer politischen Absicht von allen Rassen gern gesehen werden, das kann uns über den Verlust unserer Kolonien nicht hinwegtäuschen. Unsere Landsleute stehen in Afrika heute vor ganz anderen Schwierigkeiten wie früher. Kein Staat deckt ihnen den Rücken und sie leiden an Mangel an Kapital, das für die heutige afrikanische Kolonisation noch unbedingt erforderlich ist. Auf diese mangelhafte Art der Kolonisation können wir aber heute nicht verzichten. Afrika ist für ein Land mit hochentwickelter Industrie und Uebervölkerung unentbehrlich geworden. Die Bedeutung der afrikanischen Rohstoffe auf dem Weltmarkt ist in ständigem Steigen begriffen. Produkte, die früher ganz im Hintergrund waren, wie beispielsweise Persianerfette und Hanf, haben ihre Produktton verdrei- bis verfünffacht. Das ägyptische Daumwollgebiet erfährt durch dieStau- dämme und die anderen Bewässerungsanlagen eine erhebliche Erweiterung nach dem Sudan: der afrikanische Kaffee hat fich so verbessert, dah sich fein Anteil am Weltmarkt feit dem Kriege verdoppelt hat. Gerade Europa, das sich von dem amerikanischen Markt freizumachen sucht, befimrt sich in diesen Jahren auf Afrika. Dabei ist es nicht nur Rohstoffbasis, sondern durch die jetzt allgemein erfolgte Umstellung auf Maschinen auch Absatzgebiet für unsere Industrie geworden. So positiv die allgemeinen Aussichten für uns in Deutschland sind, so sehr wir beginnen, dort neben der wirtschaftlichen auch eine kulturelle Rolle zu spielen, so dürfen wir uns doch nicht darüber täuschen, daß wirtschaftliche Deziehungen keinen politischen Besitz ersehen tonnen. Die Existenz von Kolonien mag zeitlich begrenzt sein, und vielleicht gibt es in einem oder wenigen Jahrzehnten nur noch Chartered-Gesellschaften nach dem Muster von Portugiesisch-Ost, oder die Europäer haben überhaupt keine Rolle mehr zu spielen. Heute haben wir ihre Zurückgabe aber mit 'aller Entschiedenheit zu fordern und vor allem gleichzeitig auf der Wiedererlangung einer ungekürzten nationalen Freiheit zu bestehen, die sich auf dem geschloffenen Machtwitten der Ration aufbaut. DomoberhesfischenArbeitsmarkt „?“ Ridda, 23. Juli. Die von dem Himmelsbachschen Sägewerk auf Zeit eingestellten Arbeitskräfte werden jetzt, wo wieder normaler Geschäftsgang einseht, nach und nach entlassen. Auch die infolge großer befristeter Aufträge seither eingelegte zweite Schicht wird in aller Kürze wieder verschwinden und der üblichen einschichtigen Arbeitsweise Platz machen. Die von der Entlassung Betroffenen sind zum großen Teil Arbeitslose aus stilkgelegten Betrieben, die gern die Gelegenheit wahrnahmen, wenigstens für einige Monate Arbeit zu haben. — Die Staffelsche Papierfabrik steht jetzt schon über ein halbes Jahr still. Dem Vernehmen nach sind cs nicht allein wirtschaftliche Gründe, die die Stillegung bedingen, sondern privatrechtliche 2Iu3einanberret)ungen innerhalb der Firma sollen dabei gleichfalls eine wichtige Rolle spielen. Vorerst sind noch keine Anzeichen vorhanden, die auf eine baldige Wiederaufnahme des Fabrikbetriebes schließen lasten. Verkehrsbund Gberheffen. Im wirtschaftlichen Ringen unserer Zeit kommt der Vcrkchrswerbung eine weit größere Bedeutung als früher zu. Zahlreiche Städte haben das klar erkannt unß die entsprechenden Folgerungen daraus gezogen. Derkehrsvereine oder Dertchrsämter wurden gegründet bzw. den neuzeitlichen Anforderungen entsprechend auf- und ausgebaui Auf die verschiedenartigste Weise wurde angestrebt, möglichst sehr viele zahlungskräftige Fremde herbeizuführen, damit durch deren Kaufkraft das heimische Wirtschaftsleben eine Verstärkung gewinnen konnte. Die großen Städte hatten bei dem Wettbewerb um den Fremdenbesuch bisher naturgemäß den größten Erfolg, und sie werden hierbei auch künftighin in dec Regel stets das Ucbergewicht über die mittleren und kleineren Städte haben. Den großen Städten kommen dabei vortreffliche Eisenbahnverbindungen zugute, die eine sehr wesentliche Vorbedingung für den Fremdenverkehr sind. Mittlere und kleinere Städte sind in dieser Beziehung meist viel schlechter, oft sogar sehr übel dran. Auf diesem Gebiete Wandel zu schaffen, ist denn auch eine besondere, ständige und mühevolle Anstrengung der Verkehrsvercine oder Stadtverwaltungen derart benachteillgter Plätze. Zu den im Eisenbahnverkehrswesen recht ungünstig gestellten Gemeinwesen gehören auch unsere oberhessischen Städte. Die Provinzialhauptstadt Gießen hat ja dank ihrer verkehrsgeographisch günstigen Lage immer noch einigermaßen befriedigende Verkehrsverbindungen, obgleich auch hier allerlei zu wünschen übrig bleibt; wir haben uns in dieser Hinsicht schon oft ausgesprochen. Sehr übel sieht es dagegen mit den Eisenbahnverhältnissen der Provinzstädte, abgesehen von Bad-Rauheim und vielleicht auch Friedberg, aus. Für die kleinen Städte ist der jetzige Fahrplan viel zu weitmaschig. Besonders schlimm ist es aber mit dem Sonn- und Feiertagsverkehr auf der Reichsbahn. Bleiben schon im Werktagsfahrplan allerlei Bedürfnisse der Städte und des Landes unerfüllt, so sind die Mängel in der Zugfolge an Sonn- und Feiertagen noch weit schlimmer. Die Reichsdahn- verwaltting war bisher nicht dazu zu bewegen, eine Milderung des Verkehrsübelstandes durch erleichterte Gestellung von Sonderzug- verbindungen herbeizuführen. Wir erinnern hier nur 'an die lebhaften und doch vergeblichen Bemühungen der Stadtverwaltung und des Verkehrsvereins von Schotten um regelmäßigen direkten Sonntagszugverkehr von Frankfurt a. M. nach Schotten, und wir weisen ferner darauf hin, wie zeitraubend es ist, von Gießen aus an Sonntagen etwa den hohen Vogelsberg in der Gegend von Hartmannshain, oder die Gegend von Homberg a.d. Ohm zu erreichen, und wie wenig Rücksicht die Bahn daraus nimmt, daß der Ausflügler im Sommer doch möglichst bis um die achte oder neunte Abendstunde draußen in Feld und Wald bleiben und bann eine günstige Heimfahrtmöglichkeit haben möchte. Kein Wunder, daß unter alt diesen Umständen der Fremdenverkehr im Vogelsberg und in den Städten unserer Provinz bei toeitem nicht so rege ist, wie man es im Interesse des Wirtschaftslebens der Städte und des Landes wünschen muh, kein Wunder auch, dah nicht nur draußen im Reich, sondern sogar fdjon in Frankfurt viele den Vogelsberg und feine Schönheiten nicht kennen, ja mitunter von der Existenz des Vogelsberges überhaupt nichts wissen. Mit Recht wurde am Mittwoch auf der Tagung des hessischen Verkehrsverbandes in Bad-Rauheim von dem Regierungsrat Dr. Roesener, Darmstadt, festgestellt, „dah Oberhessen beim Ausbau des Verkehrs start vernachlässigt worden sei". Diese Lage her Dinge muß zu der Ucberlegung fuhren, wie Abhilfe erreicht werden kann. Bisher haben die Städte ihre Wunsche von Fall zu Fall bei der Reichsbahndirektion Frankfurt geltend gemacht, leider meist ohne jeden Erfolg. Der Hessische Verkehrsverband mit dem Sitz in Darmstadt hat sich bis jetzt ebenfalls nur recht wenig für Oberhessen bemüht: er hat zwar zu Anfang des Jahres eine Denkschrift an die Reichsbahndirektion Frankfurt geschickt, in der die Mängel des oberhessischen Eisenbahnverkehrswesens klar herausgestellt wurden, und er hat jetzt in Bad-Rauheim hinsichtlich der oberhessischen Hauptstrecken Forderungen erhoben. die berechtigt, aber keineswegs neu sind, denn diese Gedanken wurden — wir wollen einmal so unbescheiden sein, von uns selbst zu sprechen — schon lange vor dem Verkehrsverband im „Gießener Anzeiger wiederholt ausgedrückt und z. B. auch von der Industrie- und Handelskammer in Gießen zum Teil mit in rege Bearbeitung genommen. Wir dessen Weltruf in der Verwendung nur allerbesten Materials u. sorgfältigster Arbeit beruht. Trotzdem ist Brennabor nicht teurer als jedes andere Fahrrad unbestimmter Herkunft u. deshalb kauft der Kenner nur Brennabor Bas beste Rad m e i ft c r Fernruf 1367 t vorzu- sehe Beigeordneter Winbecker Bekannrinachnng. Die Stadtoerordneten-Versammlung hat in ihrer Sitzung vom 8. Juli 1926 die am Friedhöfe sollen die Miet-Preise als zu hoch um 15 Prozent herabgesetzt werden. Gin Antrag -Jakvb um Herabsetzung von 2 0 Prozent wurde nach längerer Debatte angenommen. — Für die immer dringender werdende Erweiterung des Dürgerhospi- tals liegen zwei Vorschläge vor. Der eine (40 000 Mk.) sieht nur die dringendsten Reparaturen vor, der andere (190 000 Mk.) den Anbau eines Flügels nach Süden. Es wurde einstimmig die Annahme des größeren Projektes beschlossen. — Der stäbtische Voranschlag, der kürzlich beraten wurde, schließt mit einem Fehlbetrag von 62000 Ml., davon ca. 30 000 Ml. durch Ablehnung der vorgesehenen Getrnnkesteucr Imn Ausgleich dieses Fehlbetrages schlug der Bärgermeistrr eine Erhöhung der Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer vor, die ungefähr 25 000 Ml. bringen solle, ferner die Aufhebung des Veschlusses über den Wegfall der Getränkesteuer. Die sozialdemokratische Fraktion erllärte, daß sie unter keinen Umständen: ihre ablehnende Haltung gegen die Getränkesteuer ändern würde. Don anderer Seite wurde die Erhöhung der Steuern bekämpft. Beigeord- neter Windecker beantragte, die Sache an den Finanzausschuß zu überweisen. Rachdem dieser Antrag abgelehnt war, ergab die nunmehr folgende Abstimmung einstimmige Ablehnung der 'Vorschläge des Bürger - Gießen, den 21. Juli 1926. Der Oberbürgermeister. I. 23.: Dr. S) a m m. Waschen Sie Ihre farbigen Wollsachen in einfacher kalter Lauge. PEDSIL sichert sorgsamste Säuberung. Kreis Friedberg sf. Friedberg, 23. Juli. Die gestrige S t ad t ve rv r dn e 1 e ns i tzu n g befaßte sich zunächst mit der Gewährung von Fre i b'ä d e r n an Schüler der Dvllss ch u l e. Der Antrag wurde genehmigt und die entstehenden Kosten von ca. 1000 Ml. bewilligt! dagegen wurden die an- gesorderten Kosten für die Einführung des obligatorischen Schwimmunterrichts an höheren Schulen abgelehnt. — In der Augustinerschule, in der zum größten Teil noch Gasbeleuchtung ist, soll elektrische Beleuchtung eingeführt werden. Die Kosten belaufen sich aus ungefähr 4500 Mk., die auf vier Etagen verteilt werden sollen: die erste Rate von 1500 Mk. für den Südbau wurde einstimmig bewilligt. — Der Bürgermeister teilte den Voranschlag d er Auaustinerschule mit. Die Ausgaben für Gehälter betragen 236 000 Mk., die Einnahmen von Schulgeld 76 000 Mk. Die Schülerzahl betrug am 15. Mai ds. Js. 527. Der -Zuschuß der Stadt beläuft sich auf 84 855 Ml. Beigeordneter Dr. L e u ch t g e n s beantragte, bei den 14 000 Mk. betragenden sachlichen Ausgaben die Rubrik „Lehrmittel usw.", für die 6000 Mk. ausgeworsen sind, um 3000 Mk. zu kürzen. Der Antrag wurde abgelehnt. Bei der Beratung des Voranschlags der Schillerschule (Höhere Dkädchenschule) teilte der Bürgermeister mit, daß der städtische Zuschuß 39416 Mk. beträgt. Stadtv. Beutel (Kommunist) stellte den Antrag, die Schillerschule ganz aufzuheben, da eine derartige Schule überflüssig und die Stadt nicht in der Lage sei, die Zuschüsse für zwei höhere Schulen zu leisten. Stadtv. I h l ist für Erhöhung des Schulgeldes. Der Bürgermeister teilte mit, daß er sich in dieser Hinsicht schon bemüht habe, das; aber für alle höheren Schulen gleiche Bedingungen herrschen. Der Antrag Deutel wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt, in gleicher Weise wurde der Voranschlag genehmigt. — Bei der Beratung eines Antrages der Erwerbslosen um Bewilligung von Raturalien (Brand, Milch usw.) wurde von verschiedenen Seiten festgestellt, daß eine Erhöhung der vom Reiche festgestellten Sätze nicht erlaubt und deshalb eine generelle Unterstützung nicht zulässig sei, doch soll in einzelnen, besonders dringenden Fällen eine Ausnahme gemacht, auch soll von selten der Stadt nach Möglichkeit für Arbeitsgelegenheit gesorgt werden. — In dem städtischen Gebäude Bahnhofstr. 65 B Gießen Der zweite Teil der Straße wird toegen eventueller Erweitereng des Bahnhofes vorläufig Hurückgestellt. stellte eine Anfrage über die immer unhaltbarer werdenden Zustände der Verseuch ungder Ufa durch- die Rachbargemeinde Bad°Rauheim. Der Bürgermeister teilte mit, daß nach Mitteilungen des Kreisdirektors von Seiten R a u h e i m s bereits -ein Projekt ausgearbeitet sei und daß im Frühjahre mit der Ausführung begonnen werde: der Staat werde dazu einen Zuschuß gewähren. Beigeordneter Dr. Leuchtgens ist der Ansicht, daß man diese Arbeiten mehr beschleunigen und schon im Herbste mit der Ausführung beginnen könne, damit sich der Zustand nicht noch bis in den nächsten Sommer hrnzöge. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 22. Juli. Unter Führung des Direktors Trautmann vom L a n dw i r t s ch af t s-a m t Grünberg fand am Samstag ein R u n d g a n g durch verschiedene Teile unserer Gemarkung statt, an dem sich 20 Personen beteiligten. Der Sachverständige verstand es, den Teilnehmern den Gang zu einem Erlebnis zu machen, durch das sie viel lernen konnten. Wenn der Stand sowohl bei Getreide, als auch bei Hackfrüchten durchweg als ein guter, stellenweise sogar als ein sehr guter bezeichnet werden konnte, so war doch Gelegenheit geboten, auf verschiedene Pflanzen- krankheiten und Schädlinge, sowie Mängel und Fehler bei der Bestellung hinzuweisen. An Pilzen, die das Wachstum der Pflanzen teilweise ganz erheblich stören, wurde festgestellt bei 'Wei- §en der Rost, bei Kartoffeln die Schwarzbeinigkeit und Phytophtera und bei den Kohlarten die Kohlhernie. Gerade die 3 letzteren haben ganz empfindlichen Schaden angerichtet. Diele Roggenähren waren vom Getreideblasenfuß angefressen. Bei Kraut und Runkelrüben tritt die Herzfäule zum Teil in starkem Maße als eine Folge einer Wachstumsstörung auf Wenn auch infolge verschiedenartiger Bodenbeschaffenheit, Bearbeitung und Düngung nicht für alle Grundstücke dieselbe ©aatgutmenge pro Morgen vorgeschrieben werden kann, so ergab doch der Augenschein die Tatsache, daß manche Landwirte noch viel zu dick säen! Anschließend an diesen Rundgang wurde unter Leitung des Ackerbautechnikers Bügler von der Landwirtschaftskammer das Gerstensortenanbaufeld des Pächters Müller (Henriettenhof) besichtigt. Unter den 9 verschiedenen Sorten zeigte Krafts „Starkenburger Landgerste" den besten Stand. Ob sie auch im Ertrag an erster Stelle stehen wird, bleibt abzuwarten. Abends versammelten sich die Teilnehmer, um zu hören, was Direktor Traut mann ihnen über Bekämpfung der beobachteten Krankheiten und Schädlinge, rationelle Düngung und richtige Saat zu sagen hatte. In klarer Weise behandelte er dann auch noch einige Fragen der Tierzucht, insbesondere die Bekämpfung des Scheidekatarrhs — •= Gedern, 23. Juli. (Aus der ® e • meinderatssitzu ng.) Der Bürgermeister gab zwei Schreiben der Bau- und Siedlungsgemeinschaft bett. Erwerb zweier Grundstücke und Gewährung eines lurzfristigen Darlehens bekannt. Es wurde beschlossen, daß die Gemeinde die Derhandlungen über den Ankauf der in Frage stehenden Grundstücke übernehmen soll. Die Ausführung eines Doppelhauses auf dem Bauplatz von Fay wurde gutgeheißen. Die Mitglieder der Baugenossenschaft haben Bürgschaft zu leisten bis zur völligen Bezahlung des Grundstückes. Tlm die Erbauung zweier Häuser durch die Baugenossenschaft noch im Spätsommer zu ermöglichen, wurde das beantragte kurzfristige Darlehen gewährt. — Der Bürgermeister teilte mit, daß der Kreis die 11m- gehungsstraße von der Ober-Seemer Straße über die „Breite Wiese" zum Brühl genehmigt hat. Zunächst kommt jedoch nur der Ausbau der Straße bis zur Weningser Straße in Betracht. Arbeitsvergeblmg Für den Neubau eines Reichs-Beamten- Wohnhauses in Gießen, Wilhelmstraße, werden öffentlich in getrennten Lofen vergeben : 6109V 1. Erd-, Maurer, Asphalt-, Beton- und Eisenbetonarbeiten usw., 2. 3inrmcrarbeiter, 3. Dachdeckerarbeiten, 4. 3pcnt)Ierarbcifc'n. Die Verdingungsunterlagen liegen auf unterzeichnetem Amte aus. Angebotsvordrucke sind gegen Selbst kosten, dort zu hoben. Die Angebote müssen verschlossen, mit enrsprechender Aufschrift versehen, postfrei zum öcrbingungstcrmm am 2. Aug. 1926 zu Nr. 1 um 10 Uhr vormittags, zu Nr. 2 um 104 Uhr vormittags, zu Nr. Z um 11 Uhr vormittags, zu Nr. 4 um 11 ■: Uhr vormittags dem Amte vorliegen, wo sie in Gegenwart der Bieter geöffnet werden. Gießen, den 24. Juli 1926. Baugruppe des Landesfinanzamts (Neubauleitung Gießen), Landgras-Philipp-Platz 4, Wachtgebände, Zeughauskaserne. SMMgsversteigerMg. Freitag, den 10. September 1926, vormittags 10 Uhr, wird durch das hiesige Amtsgericht im Sitzungssaal Nr. 101 (1. Obergeschoß) das im Grundbuche von Gießen dem Friedrich Karl Sack in Heuchelheim zugeschriebene Grundstück Flur 36 Nr. 140 = 1271 qm Acker, auf der Hardt, über den Gärten versteigert. Oie amtsgerichtliche Berfiigung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. 6105B Gießen, den 21. Juli 1926. 3. A. des Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgeriebtsvorsteher. haben bisher also nur zweimal die Stimme des Hessischen Derkehrsoerbandes für Oberhessen vernommen, häufiger aber für den Odenwald, der feinem Sitz ja auch viel näher liegt. Wie die Dinge stehen, halten wir es für zweckmäßig und allein richtig, daß die oberhesfischen Städte und Kreise sich zu einem f e I b ft ä n t) i g e n Verkehrsbund Oberhessen zusammenschließen. Wenn man auch in unserer Provinz nach dein Sprichwort: „Das Hemd ist mir näher als der Nock", verfährt, menn man also die Vertretung der oberhessischen Ver- fvbdurch eine eigene, alle G e - m e i n ro c f c n der Provinz umschlin - u c :: P e X) r g a iiifati o n bei den maßgebenden Stecken kraftvoller als bisher wahrnehmen wird, dann dürften wohl auch die Berkehrszuftände in unserer Provinz allmählich wieder günstiger werden. Zer- svlitterung schwächt, in der Geschlossenheit liegt Kraft; gerade heutzutage gilt mehr als je nur der Starke. Wir sind weil davon entfernt, etwa eine An Vereinsmeierei begünstigen zu wollen, aber wir glauben, daß unj^r Vorschlag einer Notwendigkeit gerecht wird. Erforderlich wäre es natürlich, daß diesem oberhessischen Verkehrsbund — man kann den Zusammenschluß natürlich auch anders nennen, denn der Name tut ja nichts zur Sache — nicht nur die Verkehrsvereine, soweit solche in unserer Provinz überhaupt schon bestehen, beitreten, sondern auch die Stadtverwaltungen, die Kreise, die Provinz, die Industrie- und Handelskammern, die örtlichen Organisationen von Handel, Handwerk und Gewerbe, der V. H. E., die Badeverwaltungen usw. Mitglieder und Förderer würden, denn hier geht es ja um das gemeinfame Ganze. Dieser Verkehrsbund müßte sich in erster Linie selbstverständlich den gemeinsamen Interessen widmen; daneben könnte er aber aud) noch Unterkommissionen bilden, die sich der besonderen Wünsche bestimmter Gegenden, Städte oder Gruppen (Bäder) anzunehmen, die entsprechenden Vorschläge, Eingaben und dgl. auszuarbeiten und dem Gesamtvorstand zur Weiterleitung und Vertretung zu übergeben hätten. Wir sind überzeugt, daß eine solche Zentralstelle im friedlichen Benehmen mit den zuständigen Stellen der Reichsbahn nur segensreich für unsere Provinz arbeiten würde. Aus nahellegenden Zweckmäßigkeitsgründen dürfte es sich empfehlen, den S i tz dieser Organisation nach Gießen zu legen; unabhängig von diesem Platz der Geschäftsstelle könnten u. E. Vorstands- ober Ausschutzsitzungen abwechselnd in den verschiedensten Städten der Provinz ftattfinben. Wir glauben, daß der Verkehrsverein Gießen wohl gerne bereit fein dürfte, in seinem Bureau der Geschäftsstelle der Provinzorganisation Raum zu geben bzw. die Miterledigung dieser Arbeiten zu übernehmen. Ein Derkehrsbund Obrrhessca könnte aber nicht allem auf dem Gebiete des Eiscnlmhnver- kehrswesen fruchtbringende Arbeit leisten, er könnte darüber hinaus im Reiche durch Propaganda für den Dogelsberg und Die vielen, hervorragenden Sehenswürdigkeiten unserer Städte Besucher und schließlich ständige Freunde herbeisühren die hier Erholung des Körpers und Erquickung des Gemüts finden könnten, auf der anderen Seite aber dem vielgestaltigen Wirtschaftsleben in uuferen Städten sehr förderlich würden. Wer, wie wir, alltäglich einige Dutzend Zeitungen durchsieht, unter denen sich alle großen und maügebenben Blätter befinden, wem der regelmäßige Einblick in viele Zeitschriften — darunter auch Reisezeitschriften — gestattet ist, der wird überall die bedauerliche Feststellung machen können, daß nirgendwo von unserem herrlichen Vogelsberg und seinen schönen Städten die Rede ist. Das deutsche Voll über Hessen und seine unmittelbare Nachbarschaft hinaus weih anscheinend überhaupt nichts vom. Vogelsberg. Das ist natürlich nur eine Folge der bisherigen Untätigfeit in der Derkehrswer- bung. Der große Strom der Reisenden und Touristen geht an uns vorbei nach den Städten und Landschaften, die sich draußen in der Welt bekannt machen. Die sog. „olnberührtheit der Landschaft" mag für einzelne eiwas schwärmerisch veranlagte Zeitgenossen höchst wertvoll sein, davon erfährt aber das Wirtschaftsleben in unseren Städten, Sommerfrischen und Bädern keinen Auftrieb, der doch überall sehr notwendig ist. Die Erfolge der Verlehrswerbung für den Taunus, den Odenwald, den Spessart, die Rhön usw. sollten uns Vorbild sein zu gleicher reger Werbearbeit. Diese Tätigkeit kann ein einzelnes kleines Städtchen, wie wir sie in unserer Provinz haben, nicht leisten, hier heißt es gemeinfam sich regen, uni) das kann nur durch eine Organisation geleistet werden, der geistige und natürllch auch materielle Kräfte von allen Seiten her ständig zuströmen. Sine solche gemeinsame Arbeitsstätte oberhessischer Verkehrswerbung wäre cm allumfassender Verlehrsbund, dessen Schaffung wir also auch aus diesen Gesichtspunkten heraus empfehlen. Hoffentlich finden sich tatkräfttge Männer in Gießen und in allen Teilen der Provinz Ober- Hessen, die recht bald das Werk schaffen, das wir hier anregen, damit es mit seiner Tätigkeit schon vom nächsten Jahre ab gute Früchte für unsere Provinz bringen kann Oberhessen. Landkreis Gießen. 8 W i r s e d, 23. Juli. Unser Mandoline n- v e r e i n, der unter der sachkundigen Leitung von Karl Pfeiffer steht, beteiligte sich an einem P r e i s w c 11 s p ie l in Gernsdorf (Kr. Siegen). Unter starker Konkurrenz gelang es den Wieseckern — es spielten im ganzen 15 Vereine — die ersten Preise in der ersten Klasse zu holen. Sie erhielten den 1., den 1. Ehrenpreis sowie den Hauptehrenpreis. Mit dieser vorzüglichen Leistung, die Spieler und Spielleiter ehrt, wurde der Lahnhöhenbund im Sieger» land würdig vertreten. * Lollar, 23. Juli. Der hiesige Orts- gewerbeverein bereitete feinem allseitig beliebten Mitglied Schreinermeister Heinrich Arnold anläßlich keines 50 jährigen Weifterjubiläums eine wohlverdiente Ehrung. Der Dereinsvorfitzende, Spenglermeister Georg Fuchs, beglückwünschte den Jubilar im Romen des Vereins und überreichte ein geschmackvoll angefertigtes Diplom. Die Glückwünsche der Handwerkskammer überbrachte Syndikus Röhr, Gießen, der dem verdionten Handwerksmeister gleichzeitig den Ehrenmeister» b r i c f der Handwerkskammer übergab. Im Romen des Dezirksverbandes der Handwerker- ncremigungen sprach Direktor Dr. Bünnings, Gießen, die Wünsche des Gießener Ortsgewerbe- vereins brachte Gewerbelehrer Hoggen- müller zum Ausdruck. Der Jubilar war durch die reichen Ehrungen ftchtlich bewegt und dankte in herzlichen Worten. t ® r ün be rg, 23. Juli. Das Landwirt- schoftskammergut Wart Hof hat die Heuernte beendet. Der Ertrag hat d.ie stärksten Hoffnungen weit übertroffen. Die Weide- flächen waren dermaßen reich mit Gros bestanden, daß das Weidevieh die riesigen Vorräte nicht verzehren konnte. Die Getreide- und die Kartoffelernte versprechen recht gut zu werden: besonders ist dos von der Gerste zu berichten. — Dieser Tage wurde hier ein kindlicher Reit- und Fahrverein gegründet. Sein Ziel ist, die Jugend im Reiten, Fohren und in der Pferdepflege ouszubilden und dadurch mit beigutragen zur Hebung des Gallus- mar k t e s. Bis jetzt sind etwa 30 Personen dem Verein beige treten. In einer demnächst stottsindenden Versammlung soll der Vorstand gewählt werden. 4- L i ch , 23. Juki. Das neue st ä d t i s ch e G e b ä u b c in der Ringstraße, am „Schwanensee" gelegen, das im vorigen Jahre begonnen wurde, kann in den nächsten Tagen bezogen werden. Es enthält vier Wohnungen zu je zwei Zimmer und Küche. Die monatliche Miete für eine Wohnung beträgt 25 Ml. a4ugust58rster Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Wit der Bamenhausse in der vorigen Woche dürfte zunächst die Hausse st immung an der Börse ihren Abschluß gefunden haben. 'Von den Bankaktien waren schließlich besonders diejenigen bevorzugt, die bei der vorhergehenden Hausse zurückgeblieben waren, so daß hierdurch ein gewisser Ausgleich, stattgefunden hot. Sicherlich dürsten die Banken mit ihrem Gewinn auch im Effektengeschäft im ersten Halbjahre recht zufrieden fein, und die Höherbewertung Der Bankaktien ist daher wohl verstä'.rdlich, toerui auch nichi vergessen werden darf, daß auf der anderen Sette infolge der Ermäßigung des Zinsfußes die Gewinne im Kontokorrentgeschäft sicherlich start zurückgegangen sind. Die Tatsache aber, daß die Danken der allgemeinen Stimmung Rech - nung getragen und die Spanne zwischen Soll- und Habenzinsen verringert hoben, läßt daraus schließen, daß sie in der erhöhten Tätigkeit aus dem Effektengebiete ein volles 2t?o«4i?a(enl gesunden haben. Es herrscht zur Zeit Ferien- stimmung an der Börse, und die briteferite Hitze in den Börsensälen hat viele Besucher verjagt. Die Glattstellungen, bie^ hiermit naturgemäß verbunden waren, haben eine gewisse Reinigung des Marktes gebracht, so daß die schwebenden Engagements außerordentlich em- geschrumpft sind. Beigetragen hierzu mag auch ein erneuter Warnungsruf der Deutschen Bank haben, die insbesondere auf die übermäßige Ausdehnung des Termingeschäftes hinweisl und der Auffassung Ausdruck gibt, daß die Zukunftschaneen der Ergebnisse bei vielen Werten in den gesteigerten Kursen bereits reichlich zum Ausdruck kommen. Eigentliche Faktoren, die geeignet wären, eine Depression an bet Dors, auszuüben, sind nicht eingetreten, wenn man von dem neuerlichen Sturz der lateinischen Voluten absieht. Daß die deutsche Industrie bei fallendem Frankkurs steigend unter dem Dumping unserer westlichen Rachbarn leidet, liegt auf der Hand. Auf der anderen Sette wirkt aber wahrscheinlich bet starke Kurssturz auf die maßgebenden Instanzen im Sinne einer Beschleunigung der Stabilisierungs- maßnahmen, so daß also jetzt bessere Aussatz dafür ist, daß unsere Exportindustrie in absehbarer Zeit von dem Druck aus dem Westen befreit wird. Im einzelnen hielten Gerüchte über weitere bevorstehende Finanzmaßnahmen der I. G. F a r b e n i n d u st r i e die Spekulation in Atem, so daß sich dieses Papier vorübergehend recht kräftig erholen konnte. Die Mitteilungen der Verwaltung über die Aufsichtsrats-Sitzung haben aber einstweilen diesen Gerüchten ein Ende gemacht, denn weder die erwartete Kombination mit der Deutschen Erdöl-Gesellschaft, noch die große Kapitalerhöhung, die wochenlang Gesprächsstoff an der Börse bildete, sind jetzt zur Tatsache geworden. Immerhin läßt das Kommunique darauf schließen, daß die Expansivnsbe- ftrebungen dieser Gesellschafl ihr Ende noch nicht erreicht haben, und somit wird auch die Farbenindustrie noch für geraume Zeit Objekt der Börsenpbantasie bleiben. Die nunmehr dicht bevorstehende Einführung der Aktien der Vereinigten Stahlwerke halt den Kurs her Muttergesellfchaften verhältnismäßig hoch. Auch hier zeigt die Uebemahme der Aktten der Bismarckhütte, daß noch alles in Fluß ist. Augenscheinlich beurteilt die Verwaltung der Vereinigten Stahlwerke den Stand der Handelsvertragsverhandlungen zwischen Polen und Deutschland recht günstig. Auch die Verhandlungen nach der anderen Seite, die nach einer Verständigung im internationalen Eiftngeschäft streben, scheinen neuerdings an Aussicht ge- '21bänberung des bestehenden Bebauungsplanes für das Gebiet zwischen Ciebig- strahe — Wilhelmstraße — Iheringstrahe — Aulweg beschlossen. Der Entwurf des Abänderungsplanes liegt in der Zeit vom 26. Juli bis 10. August 1926 bei dem Stadtbauamt zur Einsicht offen. 6V1B Einwendungen gegen den Plan find innerhalb der gleichen Zeit bei Vermeidung des Ausschlusses bei mir bringen. Beschluß Im Konkursverfahren über das Vermögen des Schuhmachers lind Schuh- warenhändlers Heinrich Müller I. in Gießen wird zur Anhörung der Gläubigerversammlung über Einstellung des Konkursverfahrens mangels einer den Kosten des Verfahrens entsprechenden Konkursmasse, Termin auf 6099B Donnerstag, den 12. August 1926 vormittags 10 Ahr — Zimmer 112 — anberaumt. Gleichzeitig werden in dem Termin die noch angemeldeten unb noch nicht rechtskräftig festgestellten Forderungen geprüft. Gießen, den 19. Juli 1926. Hessisches Amtsgericht. Eder-Verkauf. Die Gemeinde Rüddingshausen versteigert am Dienstag, dem 27. Juli, nachmittags 3 Uhr, im Hofe des Halters Heinrich Seipp I. wegen Inzucht einen kräftigen, gut genährten Eber. Kaufliebhaber werden hierzu höflichst eingeladen. 61120 Wegen Ankaufs eines jungen sprung- -sähigen Eders erbitten wir von Besitzern gcfl. Offerten. Bürgermeisterei Rüddingshausen (Post Londorf). ____Mü ff i g. DrucksaciienalierÄrt üeJert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und oreiswert die Brührschc Univ.-Druckerei. R. Lang* Filiale Lieh, Butzbacher Straße 12 Neue Pianos •“* von 40 Mark monatlicher Abzahlung an Wonnen gu haben, wobei vielleicht die Einsicht der krrm-ofifchen unb belgischen Werke, daß sie nur noch in hochwertiger Valuta verkaufen dürfen, wollen sie sich nicht einem empfindlichen Substanzverlust ausfctzen das ihrige beiträgt. Alles in allem genommen scheinen daher die Börsenaussichten auf lange Sichi nicht ungünstig zu liegen, sofern nicht die Verhältnisse am Geldmarkt einen Strich durch die Rechnung machen. Es liegen schon jetzt Anzeichen vor, daß man für den kommenden Herbst mit einer stärkeren Einengung des Geldmarktes rechnen muh. Man beginnt sich bereits auf die Finanzierung der Ernte vorzubereiten. Außerdem werden die Ansprüche des Reiches und der Sänket ganz erhebliche Summen absorbieren. Auf der anderen Seite wird aber allerdings zunächst der Geldmarkt durch die jetzt erneut einsetzende Kapitaleinfuhr aus dem Auslände befruchtet. Es sind bekoTmtlich "sowohl in Amerika, wie auch im europäischen Ausland in der letzten Zeit mit großem Erfolge eine Reihe von deutschen Anleihen aufgelegt worden, deren Gegen- wert ^nunmehr nach Deutschland zu fliehen beginnt. Einstweilen bleibt der Satz für tägliches Geld mit 3 bis 5 Prozent auherordenllich niedrig Auch am Wechielmarkt zeigt sich noch keinerlei Velebung. Die letzte Crmähigung des Reichs- bankdiskontes hat bisher den ougenschrinlich von der Aeichsbank gewünschten Effekt, dah ihr in gröberem Mähe Wechsel zugehen, nicht erreicht. Der Wechselbestand der Reichsbank bleibt immer noch ungewöhnlich niedrig. > - t * Konkurse und Geschäftsaussichten im Juni. Im Lause des Juni wurden im ..Reichs- ongeiger" 913 neue Konkurse — ausschliehlich der wegen Mangels an hinreichender Maffe obgelehn- ten Anträge auf Konkurseröffnung — und 477 an» geordnete Geschäftsaufsichten bekanntgegeben. Dem Mai gegenüber haben die Zahlungseinstellungen erneut einen Rückgang erfahren. Die Abnahme beträgt bei den Konkursen 12,7 v. H., bei den Geschäftsaufsichten 31 v. 3). i * Maschinenfabrik Badenia norm. Dm. Platz Söhne A.-G., in Weinheim. Der Hauptversammlung am 16. August wird eine Kapitolzusammenlegung im Verhältnis von 10:1 vorge- schlagen werden. Der Geschäftsgang ist den Verhält- ntffen entsprechend als gut zu bezeichnen, da die Landwirtschaft zur Zeit als Käufer für die von dem Unternehmen hergestellten Landmaschinen auftritt. Der Wiederaufbau vollziehe sich normal nach den vorgesehenen Plänen. Es werden laut „F. Z." zur Zeit über 300 Arbeiter und Beamte beschäftigt gegen 7—800 in der Vorkriegszeit. Der vorliegende Auftragsbestand dürfte sehr gut vier Monate Arbeit geben. Man re"chnet auch weiterhin mit guter Beschäftigung, da neue Aufträge ständig eingehen. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Danknoten. 22 Juli. 23. Juli. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief SünfL- Ron 169,10 168.64 169,06 8nen.-atrc5 i,7a: 1,707 1.698 1,702 Brss.-Anlw 9,63 9,67 9,83 9,87 Christi cmiu • 92, ai 92,77 92,03 92,27 , Äopenbagtn 111,18 111,46 111,20 111,48 Stockholm • 112,26 112,54 112,26 112,54 Helsingforü. 10,554 10,592 10,55 10,59 ytalien . . . 13.62 13,67 13,66 13,70 London. . 20,897 20,447 20,399 20.451 Meoyork - . 4,195 4.205 4,195 4.205 uTflTln . . 9,93 9,97 9,69 9.73 Schwei, . . 81,18 81,35 81,18 81,38 Spanien . . 65,92 66,08 65,02 66,18 Japan . . . 1,977 1,981 1,975 1,979 Rio de Jan. 0,633 0,645 0,645 0,647 Wien in D-- C eft ab gelt. 69,38 59,52 59,38 59,52 Prag .... 12,422 12,462 12,42 12.46 Belgrad . . 7.«2 7,435 7,412 7.432 Budapest. . 5,872 5,892 5,87 5,89 Bulgarien o,04 3.05 3,04 3,05 Lissabon 21,475 -1,525 21,425 21X475 Danzig. . . 81,38 81,58 81,60 81,80 Konstantin. 2,332 2,342 2,342 2,352 Athen- . 5,01 5,04 5.01 5,03 Uanaba. . . 4,197 4,207 4.126 4,205 Cruguav . • 4.195 4,205 4,195 4.205 Berlin, 23. Juli Geld Brief Amerikanische Noten ..... Belgische Noten........ Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deunch.Oesterr-.Li00 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... 4,18 9,88 110,91 20,37 9,60 168,28 13,96 91,77 59,47 1.92 111,97 81,30 64,84 12,39 5,825 4,20 9,92 111,50 20,47 9,64 169,12 14,04 92,25 59,87 1,96 112,53 81,7" 65,16 12,49 5,865 Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 23. Juli. Die Abend- börsc verlief still und ohne nennenswerte Um- sähe. Die Kursgestaltung blieb uneinheitlich, doch war die Stimmung freundlicher und ein Teil der Kurse konnte sich weiter befestigen. Die Abendbörse schloß geschastslos zu gehaltenen Kursen. Deutsche Anleihen: Sproz Reichsanleihe 0,507,5. Schuhgebietsanleihen 5,9. 4proz. Proust. Konsols 0.46, 3,5proz. do. 0,46. 4proz. Württemberger (36 421 55. Ausländische Renten Bagdad l 15.5. Bagdad II 19.37. Zolltürken 13. öproz. Goldmexikaner 46. 4.5proz. Irrigation 36. Bankaktien: Barmer Bankverein 109. Evmmcrzbank u. 128. Darmstädter Boni u 178,25, Deutsche Bank u. 164. Discontogesellschaft u. 149. Dresdner Bank u. 133.25. Metallbank 115. Mitteldeutsche Kreditbank 121.5. Oefterreichjsche Kreditakticn 7,3. Transportwerte Rordd. Llovd u. 142. Prinz Henry-Bahn 61. Kahlgrundbahn 53. Bergwerks- oktien Bcrzelius 43. Bochum 131.5 u„ Deutsch- Luxemburg 136 u.. Gelsenkirchen 157.5 u. Har- bener 140, Ilse Bergbau 132 u., Klöckncrwerke 107.5 u_. Mannesmann 119,12 u. ManSseld 107. Phönjr 10825, Rheinstahl 131. fiaitrdh: :ic 4825. Zndustrieaktien. Adlerwerke Kleyer 7525. AEG. 137,25 u.. Aschaffenburger Zellstoff 101,75. Bergmann 121 u.. Damag 42. Chemische Alber' 119.25, Eement Heidelberg 107.25. Daimler 85. Deutsche Erdöl 140.25. Farbenindustrie 248 u_. Frankierter Maschinmr «72,75, Goldschmidt 89. Goldenberg 156,25. Holzmann 78.5. Holzverkohluirg 51.5, Loh- meher 118.5 u„ Lechwerle 100. Reckarlulmer 83. Lutz Maschinen 32,5. Iunghans 87.75. Rüt- aerswerke 99. Schuckert 120.5 u.. Siemens & Halske 161,5 u„ Voigt & Häffner 90,75. Zucker Hc-.lbronn 74. Zucker Stuttgart 76. Brauereien: Schösfcrhofs 220, Löwenbräu 219,5, Tücher 156,5. (Heute, Samstag, bleibt die Berliner wie die Frankfurter Dorfe geschlossen. D R.) Börsen kurfe. Frankfurt a.M. Berlin Schluß bNuh» Datum: 22. 7. 23. 7. 22. 7. 23 7. 5% Deutsche ReichSanIeth« . <% Deutsche Reichsanleihe . 8’/«% Deutsche ReichSanleihe 0.49 0.503 0.49 11,502 0,45 0,4505 0 44 0,45 0,45 0,4505 3% Deutsche Rcichsauleihe . Deutsche Svarpramicnanleibe 0,52 '1.51 0.52 0.52 0.275 11,27 0,2725 0,2707 4°/o Preußische KoniolS - - - 4% Hessen......... 0,4425 0,45 0,42 0,42 0.45 0.4505 0,42 3Va% Hessen.......... 3% Hcnru.......... Deutsche Wertb. Dollar-Snl. bto- Toll.-Schav-Anmeliug.'! 96,5 96,25 13,05 13 45,75 46 0,44 - - 97.1 13 12.8 46 - 5% Äoldmerikauer . . . Berliner Haodelsaesellschast - Commerz- und Prwm-Bank 177 176 126.5’ 1-7,2’ 174' 178* 160,5’ 16-T 89,75 90 175’ 175* 126.5* 127.5* 175* 178* 160.2' .162,5* Darmst. und Nalionalbant - Deutsche Bank......... Deutsche Bcrcinsbaok .... Disconlo Commandil . . . Metallbank. ......... 147.7’ 149’ 114 114.5 120 121 147,2’ 148,7* Mitteldeutsche Tredübank. . 121.2* 120 5’ Ocsterreichische Lreditaustaü Westbank ........ 7.3 7,25 7,85 7.3 Bochumer Goh . ...... - I 131,5’ 86,5 ' 86.9 73 1 73 131* 131,7* 87,75 | 85 72,5* 7'» Buderus .......... Caro ........... Deutsch-Luremburg...... 136 136' 157,1’ 156.5' 135* 136,5’ 155.2' 157,2* Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpen er Bergbau . . . 140.5* 139* 138 136,25 138,5’ 1138,2* 135,25 135 5’ Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln..... 144 142 50 48 - i 61,25 106,5* 108,2* 131.5* , 132' 144 141,75 70 69 145 144 49,9 48,12 64' 63.12’ 107.5’ 108.5* 130,7' 131* 141^5 141,25 Oberbedarf .......... Phönix Bergbau..... . Rheinitahl....... . . , Rlebeck Montan....... Tellus Bergbau...... . Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... 146,2' 146,2' 141,7' 142 147 146* 143" 141* Theramische Werke Albto . . Zementwerk Heidelberg . . . 108.5 107,85 Philipp Holzmann...... 80 78,75 78.5 | 78,6 Anglo-Cont-Gumio..... 79 | 76,25 Chemische Mayer Alapin . . Holzverkohlung..... 251.7-1 247,5' 91,25 । 89 52.5 51.6 99 99 249,7' 248* 90,12 89,5 Rütgcrswerkc........ 100 98,5 Schcidcanstalt ....... 132,25 । 132,75 137,5* । 136.2' Mo- ElektrtzttätS-Gesellschast Bcrguiann ......... 136,7* 135,6’ 121’ 123* 120 123 94.75 i 92,5 Mainkraftwerke ....... Schuckert........... Siemens k Halske ...... 120.5 119,75 159 160 119,5* 119,5* 168,7* 159.2' Adlcrwerke Kleyer ...... 75,12 75,12 76 i 75.25 Daimler Motoren. ...... Heyligenstacdr......... 85 84 23,75 23.5 42.5 42 85 । 84.5 Megüin............. 43 4» Motorenwerke Mannheim 37.5 34 Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . 16 - 36,5 36,5 1 1 1 1 Metallgcscllichaft Frankfurt. 125 126 — __ Pct. Union A.-G...... Schuhfabrik ucti....... 82 82 35,25 35,25 3 3,12 82 83 36,5 35,75 3.5 - Sichel.............. Zellstoff Waldhof...... 154,5 152 153.75 152,5 Zuckerfabrik Frankentbal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 63,4 63 75,9 73 62 - 73 73,25 Berliner Produktenbörse. Berlin. 23.Juli. Der mit kurzen Unterbrechungen anhaltende Regen ließ die Tendenz im Berliner Produktenhandel sich stetig gestalten. Im Zeitgeschäft sogar bestand für Juli einiges Deckungsbedürfnis, so daß sich Steigerungen von etwa 1 Mk. in beiden 'Artikeln durchsetzen konnten. Herbstmonate wurden für Weizen bis 1 Mk., für Roggen 50 Pf. Rätsel-Eck«. Rösselsprung. pfen ge der und st« tieunb sam knü fall de wind grab an ver ein schäft die ban nes weit den be lo ihn und mensch blatt zwei in wenn irrt lieb ren der der ein nicht durch Bilderrätsel. Buchstabenrätsel. Ein Zach, das man im Unterrichte kennt, Jst's, was das ganze Wort uns nennt. Sind dem drei ßeidjen vorn genommen. So ist, was bleibt, ein Sofument; v Sind dem zwei Zeichen vorne abgelrennl. Ist, was noch bleibt, dem Kaufmann stets willkommen. Kreuzworträtsel. fr 15 17 12 16 18 19 20 26 1. Von links nach rechts: 7. Biblischer Frauenname; 9. Fluß in Thüringen: 10. englisches SBier; 12. Stadt in Ostfriesland; 14. Bauwerk; 16. Fluß in Frankreich; 17. sagenhafter König; 18. Verwandter; 22. Stadt im Rhein- land, 26. fportlicher Ausdruck; 27. Nebenfluß der Elbe, 28. feierliche Versicherung; 29. Gefrorenes; 30. Fluß in Turkestan. 2. Von oben nach unten: 1. Metall; 2. Insektenlarve; 3. Sprengbombe; 4. weiblicher Vorname, 5. Ton; 6. Strophenzeile; 8. Bad in Hessen; 11. Raubtier; 13. männlicher Vorname; 15. Schweizer Kurort; 18. musikalische Form, 19. Raubfisch; 20. örtlicher oder räumlicher Schluß; 21. mit Master gefüllte Einsenkung der Erde; 22. großer Schornstein. 23. Nebenfluß her Mosel; 24. Vorgebirge des Harzes 25. Zahl. Synonym. An Stelle eines jeden der nachstehenden Wön-t fall ein synonymes, sinn verwandle Wort nric^t werden. Die Anfangsbuchstaben dieser ergeben als bann, aneinanbergefügl. eine Naturerscheinung. 1. toben; 2. gestatten; 3. billigen: 4. scstnsh. men; 5. beugen; 6. verlangen. 7. hmbtim, 8. führen. 9. bekräftigen; 10. überlegen. Rösselsprung Rcdus. Verftcarätsel. Wie manchem war er aus den Höhn Ein Juehrer und Begleiter; Er sprach nicht viel, er tat nicht schön, Doch immer war er heiter. In Sonnenbrand und Sturmgebraus, Wie hielt er treu und tapfer aus. (Roehrig.) Werden die fettgedruckten Buchstaben richtig an, einanhergefügt, so ergeben diese einen Freund jedes echten Bergsteigers. Auflösungen. Röffelfprung. Diele Dinge sind's, Die wir mit Heftigkeit ergreifen sollen; Doch andre können nur durch Mäßigung Und dnrch Entbehren unser eigen werden. (Goethe, Torquato Tnstv.) Rückläufer. Reittier. Silbenrätsel. 1. Dorpat; Amati; 3. Strapaze, 4. Lausbub. 5. Ewer; n. Beresina; 7. Eimsbüttel; 8. Ninive; 9. Ili; 10. Stativ; 11. Talmud; 12. Solingen; 13. Ohlau; 14. Rudelsburg. Das Leben ist Sorg' und viel Ai-beit. Magische Quadrate. wald — Horn Hand — werk fach — mann < Fürs — buch. IBQälW w Kreuzworträtsel. Ergänzungsausgaben. Leu—Mund, Au—Tor, Nab—Ob, Deich—Graf, Part—Ei, Arg—Lift, Rohr—Bruch, Ton;—Bein, Ilm—Fluß, Eis—Feld. . Landpartie. Bilderräksel. Vier leichte Klavierstücke. niedriger. Gerste geht in Wintersorten zu fast unveränderten Vorlagskursen um. Hofer hat in besten Sorten bei leicht anziehenden Preisen etwas mehr Frage, sonst ruhig. Der Mehlabsatz bleibt durchaus schleppend. Futterstoffe wie auch Oelsaaten finden wenig Beachtung. Es notierten (1000 Kilogramm): Roggen, märkischer, 190 bis 193 Mk.; Sommergerste 190 bis 205; Wintergerste, neue, 154 bis 167; Hafer, märkischer, 200 bis 210; Mais, loko Berlin, 176 bis 178; Raps 355 bis 360; (100 Kilogramm): Weizen- mehl 38 bis 40; Roggenmehl 27 bis 28,50; Weizenkleie 10,50; Roggenkleie 11,40 bis 11,50; Viktoria- erbfen 36 bis 42; kleine Speiseerbsen 28 bis 32; Futtererbsen 21 bis 26; Peluschken 27 bis 28,50; Ackerbohnen 23 bis 26; Wicken 32 bis 35; Lupinen, blau, 15 bis 16,50; Lupinen, gelb, 20 bis 21; Rapskuchen 14,80 bis 15; Leinkuchen 19,50 bis 19,80; Trockenschnitzel 10,70 bis 11; Soyaschrot 20,40 bis 20,90; Kartoffelflocken 23,50 bis 24 Mk. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 23. Juli. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 32 nom., Roggen, inländ. 22,25 bis 22.50, Hafer, ausländ. 21,25 bis 23, Mais, gelb 18,75. Weizenmehl, inländ.. Spezial 0 43 bis 43,50. Roggenmehl 31,25 bis 31,75, Weizenkleic 9.75, Roggenkleie 11. Tendenz ruhig. Verantwortlich für Feuilleton i. V.: Dr. Fr. W. Lang e. SountanSdieust d. Aerzte u. Apotheken am 25.7.26 Dr. Steinreich. Dr. Geyer Hirschapotheke. Zahnarzt: Dr. Adam. ”D Einmaliges Gastspiel Berlin Danzig - Sofia Der Dorstand 6110 V Statt Karten Saalbau Sauer Holzheim, Juli 1926 05145 6126a m Hy rrosPekfe «onspreis WNU! 0A6ic J Morgen Sonntag: Tanz-Abend nimmt noch Kundschaft nutzer dem Hause an. Zu erfr. in der Geschäfts, d. (Sieb. Anz. [05120 ihnsti . 3 ^igS68101" 4erRes, §) h WMmWchM Wir ersuchen, die ausgeliehenen Bucher bis 2. August zurückgeben zu wollen. Die Bibliothek bleibt bis 15. September geschlossen. Ich empfehle besonders: Motore, ßeleuchtungs - Körper, Glühlampen, Bügeleisen, Reisekoffer, Einkochgläser Lauf-, Sprung-, Wurfkonkurrenzen, Staffeln) Beste süd- und westdeutsche Klasse am Start! Borlämpfe9,/21Iöroorin.,6ntfd)eiöungen31l[irnflM M veränderl Men, trohtt alles veram fein mächtig fern der 2 da noch de Geröll seiw Opserflamir nächtlichen Strahlenbü der deutsch« Unendlichke blieb die 6 fam Packeni Edda in 6 zu einem 2- Wasser flirt becker auf ! bei dem He Erinnerung Insel tauche und Zeit. F glväen des Kanonendor Felsen. Die beschiehen S sich, entrei! wie schon Herrschaft die Insel a mit den 6i gangeicheit herbei, alle und aus ih sie nie Den alte Safe! fflauä &rot. 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Beim Austritt aus dem Wald überrascht der Blick auf das malerische Städtchen mit seinem hochragenden Schloß, wohl einem der schönsten in den deutschen Landen. Ein Besuch des Schlosses sowie des großen wohlgepf legten Tiergartens mit gastlicher Försterei ist überaus lohnend. Einen hübschen Anblick gewähren ein Rudel Hirsche, die zutraulich in der Äähe des Forst- Hauses grasen. Aach gebührender Aast in der, durch ihr vorzügliches Bier bekannten Brauerei Wahl geht cs auf aussichtsreicher, mit alten Bäumen bestandenen Landstraße zur Perle des Lahntals Weilburg, das eine herrliche Lage hat- Auch hier ist eine Besichtigung des hochgelegenen Schlosses ziu empfehlen. Die ganze Wanderung dürfte etwa 3' ’2 Stunden beanspruchen. Ariedeihausen — Allenberg — löaldhaus — Krofdorf. Eine hübsche Waldwanderung ist die Begehung des roten Keils. Wir fahren nach Sta- ticn Friedelhausen, überschreiten die Lahnbrücke und gehen durch Odenhausen. Bald hinter dem Ort erhebt sich der unbewaldete Altenberg (29t Meier!, den wir besteigen, um von hier eine prächtige Aundsicht zu genießen. Bemerkenswert ist der Blick auf zwei älniversitäten: Gießen und. Marburg. Kurz hinter dem Berg beginnt der Wald, der uns für den größten Teil der Wanderstrecke begleitet. Aach etwa 10 Minuten kommen wir auf die rote Keilmarkierung, der wir bis zum Waldhaus folgen. Einige. bemerkenswerte Punkte treffen wir unterwegs, so den Toten Mann, kenntlich an einer uralten, mächtigen Hainbuche und später die sog. Brautbuche. An letzterer kreuzen wir die schwarze Punkt» mcrüerung: Gießen—Fronhausen. Zwischen beiden, 5 Minuten nach links vom Wege ab, hat uns der V. H. C.-Giehen durch Anbringung eines weißen Striches einen entzückenden Ausblick, den Dünsbergblick. erschlossen. Eine Ruhebank kennzeichnet die Stelle. Das zu unseren Füßen sich hinziehende liebliche Wihmarbachtal überragt in seiner iarposanten Größe der Dünsberg und einige benachbarte Höben. Aach etwa zweistündiger Wanderung erreichen wir das Forsthaus Wald- Ha. r. wo wir uns erholen können. Durch eines der 'chon früher erwähnten Täler. Gleibachtal (gelbe Punkte) oder Fohnbachtal (blaue Striche) wandern wir in l1 2 Stunden nach Krofdorf, von wo wir das Postauto zur Heimfahrt benutzen. Odenwaldwanderung Bad König — Kllngenberg a. Hl. Meine heutige Wanderung soll in Bad König beginnen, das an der Strecke Hanau bzw. Darmstadt-Eberbach liegt. Der Odenwald- dichter Karl Schäfer schreibt hierüber: Auf dir. o König, ruht ein Schimmer, die Heilkraft deiner Quelle rinnt. Du bleibst in deiner Anmut Frieden des Odenwaldes schönstes Kind! 3m breiten Wiesental mit hochgelegener, ehemals von Ringmauern umgebener Kirche, fürstlich Eröach-Schönbergischem Schloß ist der kleine Badeort gesegnet mit kohlensauren Eisenquellen, dem „ 5afnirbrunnen“ und ber ,Gustav-Marien- auelle", deren Stahlwässer zu Trink- und Badekuren gebraucht werden. Aach Besichtigung der Brunnen und des Schlosse- folge ich der Wegbezeichnung des Odenwaldklubs — gelber Strich —, benutze die schattige Straße durch das Kim- bachtal, im Wald am .Erlenbrunnen" und „Gesundbrunnen" vorbei aufwärts unb erreiche nach zwei Stunden bequemer Wanderung das Hainhaus. 3ch befinde mich nun auf der Wasserscheide zwischen Mümling und Mudau. Hier lag ehemals ein Römerkastell, dessen Umfassungsmauer auf der südlichen Seite sichtbar ist. 3nmittcn des Lagerraums eine Kapelle, eine Försterwohnung (Wirtschaft) und mehrere kleine 3agdgebäude. 3n den Anlagen Prachtstücke von alten Bäumen, besonders Zypressen. Aachdem ich mich hier ausgeruht und ge- stärit habe, folge ich dem gelben Strich weiter m I IIIII IW—I—BK— Die Krummhölzer. ; Roman aus den bayerischen Bergen. Don Michael Wagner. 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Es war ein junger Burscke in abgetragener feldgrauer Uniform mit roter Armbinde, der vom beschmutzten Rade sprang. Er keuchte vor Anstren- Kunb Aufregung. Sein Gesicht war schweiß- kt. „Habt 's ihr noch Mannschaften?!" stieß er atemlos, heiser hervor. Veri machte eine entmutigende, wegwerfende Handbewegung: „Da hast alles beinanb! — Was hälfst wollen?" Da erzählte ber Rabfahrer in kurzer stoßweiser Rede: „Auf der Freisinger Landstraße rücken die Weißen herwärts — in Gefechtsordnung — mit Artillerie! Unsere Radlerpatrouille Hofs gemeldet — oan davon haben f erwischt! — Höchstens noch a Stund' — dann schnallfs! — Von Quartier zu Quartier renn’ ich um Verstärkung — aber im oan wollen die Leuf nimmer raus — im anderen waren s' schon woanders hin — ober ausg'slogen!" Sein Blick streifte bas verlassene Gebäube. „Wie bei euch!" Dann fuhr er fort: „An bie fünfzig Mann sitzen von uns braufeen in Schützennestern und wollen aushalten — unb i soll Verstärkung bringen —" Ratlos ging sein Blick nun an den betretenen Gesichtern Der paar Männer. Da schob sich Veri Uracher ben Hut im Genick. „Also — bie anbern, sagst, wollen aushalten?" Der Bote zuckte bie Achseln. „Wollen wohl — aber bie Hälfte ist sicher schon fort — bie anbern halten her, unb wenn ber Teufel bie ganze Stabt holt!" Berts ftameraben schienen es als etwas Selbst- vcrstänbliches hinzunshrnen, baß er als ihr Wort- führer auftrat. Jetzt aber trat einer von ihnen, ein verwegen ausfehenber Bursche, ganz nahe an Veri heran unb sprach mit gebämpfter Stimme auf ihn ein: „Du hör'! — Da unten gibt ’s Schwerkapitalistenvillen — reihenweis’! Verstehst beutsch!? — Die Bruat kann ’s Krachen net vertragen unb schlieft in Kellerloch, wenn 's schnackest! — Bis die bis zum Dremhos (1/9 Stunde), biege nun links ab und wandre auf guter Straße nach Aorden bis zum Wegweiser „Aach Trennfurt". Run gehts durch herrliche Laubwälder bergab, im Angesicht das fruchtbare Maintal mit Trennfurt und dem gegenüber liegenden durch eine hübsche Brücke verbundenen Klingenberg (zwei Stunden). Aach 4f.>stündigem Marsche bin ich im Lande der guten Weih- und Rotweine. „Zu Dacharach am Rhein, zu Würzburg am Stein, zu Klingenberg am Main, hat man in unsren Tagen gar oftmals hören sagen, solln sein die besten Wein!" Das berühmte Tonbergwerk am Wege nach dem Schmallenberg ist eine Quelle des Reichtums für das hübsche altertümliche Städtchen, das in der glücklichen L?.ge ist. statt Gemeindesteuern er- heb:n zu müssen, al jährlich nicht unbeträcht iche Summen an Die Octsvürger verteilt. Von der mit schönen Anlagen umgebenen Burg bietet sich dem Auge ein reizendes Landschaftsbild. Wie ein Silberband schlängelt sich hier der Main durch die fruchtbaren Felder und Weinberge. 3m Angesicht der herrlichen Aatur muh man auf andere Gedanken kommen. 3n der Ferne klingt ein Lied herüber: O Wandern, 0 Wandern, du freie Burschenlust! da weht Gottes Odem, so frisch durch die Brust. Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt: Wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt! Wenn ich nun nach Hause fahre, trage ich den Höhenblick in mir und schaue mit ihm unseren Alltag an und was er bringt. Meinst du nicht auch, daß der jetzt ein anderes Gesicht er« hält und leichter zu ertragen ist? D-e Versorgung der Arlegs- beschädigten u. -Hinterbliebenen Von Albert Denner, Sekretär des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. Am 1. 3uli hat der Reichstag mit Mehrheit bie 4. A 0 velle zum Reichsversor- gungsgeseh und eine Abänderung des Gesetzes über die Beschäftigung Schwerkriegsbeschädigter verabschiedet. Die vor- auägeganr enen Verhandlungen, die besonders den 17. Ausschuß des Reichstages beschäftigten, waren äußerst schwierig. Es lagen zwei Entwürfe vor: einer von der Regierung, der wesentliche Verschlechterungen in bezug aus manche Bestimmungen vcriah. und einer von den Organisationen," der vor allen Dingen Stellung nahm zu dem Entwurf der Regierung und erneut wieder die schon lange geforderten Rechte der Kriegsopfer in bezug auf die Versorgung selbst usw. versah. Der Reichstag beschäftigte sich in erster Linie mit der Frage der Heilbehandlung für Kriegsbeschädigte. Seither bestand, entsprechend den Vorschriften des Reichsversorgungsgesetzes, eine Ersatzpflicht des Reiches gegenüber den Krankenlassen, weil diese die Heilbehandlung durchführten. Die Ersatzpflicht gegenüber versicherten Kriegsbeschädigten war am 1. April 1926 abgelaufen. Die Regierung sah hier eine Verschlechterung vor in ber Hinsicht, daß die Krankenkasse für ambulante Heilpflege bei versicherten Kriegsbeschädigten keinen Ersah mehr zu teilten habe. Auf Grund eingehender Ermittelungen wurde aber nachgewiesen, daß speziell in einzelnen Provinzen über 80 Prozent aller Heilbehandlungen auf ambulante Heilbehandlungen entfallen. Der Reichstag beschloß schließlich mit Mehrheit, dah die im Absatz 1 des § 14 des RVG. festgelegte Ersatzpflicht bis zum 1. April 1927 bestehen bleiben soll, und vor Ablauf der Frist erneute Verhandlungen über die Weiterführung zu pflegen. Eine weitere Verschlechterung wurde geplant in der Hinsicht, dah nichtversicherte Kriegsbeschädigte im Falle ihrer Erkrankung ihren Anspruch innerhalb 5 Tagen der zuständigen Krankenkasse zu melden hätten. Mit Recht wurde hier von verschiedenen Abgeordneten darauf hingewiesen, daß es eine unbillige Härte bedeute, wenn diese Bestimmung angenommen würde. Hat doch die Praxis bewiesen, dah mitunter die Beschädigten nach Lage ihrer wohnlichen Verhältnisse nicht imstande sind, innerhalb einer Frist von 5 Tagen ihren Anspruch bei der Krankenkasse geltend zu machen. Es wurde deshalb beschldssen, es bei den seitherigen Bestimmungen zu belassen, wonach ein nichtversicherter Kriegsbeschädigter innerhalb 14 Tagen seinen Anspruch bei der Krankenkasse melden muh. 3ch weise besonders darauf hin, dah die Krankenkassen im Falle späterer Meldung die Heilbehandlung ablehnen. Cs ist daher Pflicht jedes nichtversicherten Kriegsbeschädigten, sobald er an seiner Dienstbeschädigung erkrankt, unmittelbar bei der zuständigen Krankenkasse den Reichsbehandlungsschein zu beantragen. Die geplanten Verschlechterungen sind also abgelehnt worden, obwohl noch lange nicht die Forderungen der Organisationen, gerade in dieser Frage, in Erfüllung gegangen sind. Dies trifft besonders zu bei der Gewährung der Heilbehandlung an Kriegshinterbliebene. Auch hie^ ist erneut von sämtlichen Organisationen der Antrag gestellt toorben, die Heilbehandlung der Kriegshinterbliebenen von Reichswegen zu regeln. Dis jetzt wird immer noch die Heilfürsorge der Hinterbliebenen durch die zuständigen Bezirksfürsorgeverbände geregelt Wer die Bestimmungen der Reichsfürsorgepflichtverordnung vom 12. Februar 1924 in Verbindung mit den Ausführungsverordnungen ber Länder kennt, wird zugeben, daß die Durchführung der Heilbehandlung auf diesem Wege als äußerst unzulänglich anzusehen ist, weil auch hier, wie bei allen sozialen Ünterftüfeungen, bie Frage ber Bebürftigkeit eine große Rolle spielt. Es muh daher nach wie vor gefordert werden, dah die Heilbehandlung ber Hinterbliebenen von Reichswegen übernommen wirb. 3n ber Frage des Beamten sch eins ist von ber Mehrheit des Reichstages ein Beschluß gefaßt worden, der nicht die Billigung der Organisationen findet. Aach § 33 des RVG. hat ein Beschädigter mit einer Erwerbsminderung von 50 Proz. und aufwärts das Recht, Anspruch auf den Beamtenschein zu stellen, wenn dieDoraus- sehungen dafür gegeben sind. Die Regierung hat nun durch eine Verfügung die Versorgungs- behörden angewiesen, dah Anträge auf den De- amtenschein, die nach dem 31. März 1924 gestellt sind, abzulehnen seien, weil bie Frist für bie Anmeldung abgelaufen sei. Es hat sich in dieser Frage ein Rechtsstreit ent spönnen, und bas Reichsversorgungsgericht hat als höchste Rechts- instcmz dahingehend entschieden, dah für den Antrag auf Deamtenschein feine Frist bestehe. Weil 'ber Deamtenschein als ein Teil ber Versorgung anzusehen ist. Aach meiner Auffassung hätte sich auch der Reichstag ber Entscheidung des obersten Gerichtshofes anschließen müssen. Er hat aber leider in seiner Mehrheit beschlossen, baß für den Deamtenschein die Frist zur Antragstellung als abgelaufen anzusehen ist und nur noch im Wege des Härteausgleichs zu erteilen sei, wenn der Beschädigte nachweist, dah er in einer bestimmten Deamtenlaufbahn bald unterkommen kann und keinem anderen 3nhaber des Versorgungsscheins die Stelle Wegnimmt. Weiter kann der Beschädigte nach wie vor Antrag auf den Deamtenschein stellen, sobald er 50 Proz. und höher beschädigt ist. Der Antrag muß innerhalb 6 Monaten nach Zustellung des Bescheides gestellt werden. Die Begründung, dah die Frist als abgelaufen anzusehen ist. Wurde dahin zum Ausdruck gebracht, dah der Deamtenschein in zu vielen Fällen ausgegeben worden sei und zu einem wertlosen Papier herabsinke. Wenn auch gegenwärtig die Verhältnisse zur Unterbringung von Deamtenscheininhabern schwierig sind, so ist aber der Deamtenschein ein Dokument, das dem Beschädigten zu Lebzeiten gehört, und man kann nie die Verhältnisse beurteilen, durch die der Schein späterhin Wertvoll werden kann. Hinsichtlich der allgemeinen Verbesserung um Erhöhung der Gesamtrente hat der Reichstag leider versagt. Der Ausschuh hatte nun den Reichsfinanzminister ersucht, größere Mittel zwecks Erhöhung der Rente bereitzustellen. Dieser hat das Ansinnen glatt abgelehnt mit der Begründung, dah es gegenwärtig gänzlich ausgeschlossen sei, etwaige Mehrausgaben zu genehmigen. Der Reichsfinanzminister teilt hier unter keinen älinständen den Standpunkt der Organisationen, da schon wiederholt von allen Seiten darauf hingewiesen wurde, dah es sehr wohl möglich wäre, genügend Mittel bereitzustellen, um wenigstens die Gebührnisse in geldlicher Hinsicht denen des Mannschafts- versorgungSgesehes von 1906 gleichzustellen. Der Reichstag hat dann eine Entschließung angenommen, wonach die Reichsregierung ersucht wird, bei der Aufstellung des neuen Etats größere Mittel bereitzustellen. Eine Erhöhung wurde nur bewilligt bei der Pflegezulage, und zwar wurde die erhöhte Weißen dahin kommen, könnten wir uns a Pension für a Jahrl requiriert haben, Spezi! — Sei net blöd!" „Druck dich — Schuft!" Das war ehrliche Empörung, aus der heraus Veri dem andern diese Antwort hinscbleuderte. Der wich vorsichtig einen Schritt zurück, hellauf ihm ins Gesicht lachend: „Nachher muafe i’s halt alloanig probieren! Servus!" Damit wandte er sich, ohne weiter ein Wort zu verlieren, zum Gehen. Mit zusammengekniffenen Lippen schaute ihm Veri nach. „Schuft!" murmelte er nochmals. Nun waren ihrer noch dreie, die an seiner Seite standen. „Also — und jetzt? — Was wollt's — Dahin gehen, wo die mehrern hin find — ins Bett? — Oder mit dem Zigeuner dort? — Oder mit mir?" forderte er jetzt die Entscheidung von ihnen. „Unb du — was hast du im Sinn?" fragte einer zurück. „I werd' dahin geh'n, wo der Kamerad da herkommt!" Damit wies er auf den Radfahrer. „Respekt, Veri! — Und i geh' mit dir!" war die Antwort, von einem anerkennenden Schlag auf feine Schulter begleitet. „Und du, Wiesmüller?! — He, Schorsch?!" „Von mir aus! — Mir is alles gleich!" Ohne Bedenken, völlig gleichmütig, erwiderte es der eine. Der andere aber schien zu zaudern. „Na, Schorsch?^ wiederholte Veri seine Frage. Der also Angeredete schnaufte lief auf. „I sag' dir's gleich, roie’s is, Veri — aber i trau dem G’spiel nimmer!" „Guat is, Schorsch!" erwiderte Veri. „Du hast Frau und Kind — laß dich net aufhalten!" — Komm guat hoam und tua die rote Binden weg und ’s Gewehr! Wenn ’s guat ncmsgeht heut', nachher kannst ja allweil wieder kommen!" Mit diesen Worten reichte er ihm ohne weiteres flüchtig die Hand zum Abschied. Dann richtete er an den Radfahrer noch einige rasche Fragen über die Aufstellung von dessen Leuten. Als der ihm. alles Wissenswerte mitgeteilt hatte, sagte er: „Guat — fahr' weiter, Kamerad, zur —" hier nannte Veri eine benachbarte Schule, in welcher Rotgardisten gelegen hatten, „vielleicht hast dort mehr Glück!" Ein kurzer Gruß und gleich darauf sauste der Bote davon. „Auf geht’s!" sagte Veri zu seinen beiden Kameraden. Damit setzten sie sich in Marsch. Eben schlug es die sechste Morgenstunde, als Veri Uracher mit seinen Kameraden an der Stadtgrenze zwischen beiderseits der Straße durcheinander geschachtelten Heimgär/en dahinschritt. Hier hatten sich die Roten eingenistet. Das unübersichtliche Gelände mit seinen häufigen Zaun- und Heckenoerschneidungen, dem Strauchwerk und den vielen kleinen Hüttchen in den Gärten bot gute Deckung und versprach, auch einen etwa nötig werdenden Rückzug zu ermöglichen. In Nestern zu.drei, vier Mann lagen hier, über die ganze Gartenanlage verstreut, jene fünfzig, von denen der Radfahrer berichtet. Da die Mehrzahl der Leute schon kriegserprobt war, hatten sie es verstanden, sich die Vorteile des Geländes zunutze zu machen. Die einen verschanzten sich in den fester gebauten Blockhütten, die andern lagen hinter Zäunen und lebenden Hecken oder in rasch aufgeworfenen Schützenlöchern. „Runter von der Straß'!" wurden sie da von der Seite angerufen. Mit einem Satze waren die drei neben dem Zaun, hinter welchem der Mann postiert war, welcher sie angerufen hatte. „Wollt's ihr vielleicht schnurstracks zu den Wei- ßen 'nüber, he?!" meinte der Mann sarkastisch, als sie nähertraten. „Sieht man was davon?" forschte Veri hastig, denn ihn hatte das Gefechtsfieber schon ergriffen. „Hier und da schon — aber wennst noch a Stückl auf der Straßen da weiter spazierst, nachher hörst es desto besser — wenn dir die harten Vögerl um die Ohren pfeifen!" Der Mann erbot sich, ihnen gute Deckung zu weisen. Sie folgten ihm, bogen in einen schmalen, zwischen den Gartenzäunen dahinführenden Weg, um dann ein etwas erhöht auf einem Betonsockel stehendes Blockhäuschen zu erreichen. Hier sollten sie sich einrichten. „Die Kiesgruben da hinten is unser Verbandsplatz, daß ihr's wißt — und in dem massiven Schwei- xerfjäusl rechterhand steckt unser schweres Ma- schinengewehr!" erklärte ihnen der Führer noch, ehe er sie wieder verließ. Pflegezulage von 576 auf 720 Mk., die höchste Pflegezulage von 720 auf 864 Mk. verbessert. Gleichzeitig hat bie Regierung sich bereit erklärt, eine Abänderung vorzunehmen hinsichtlich der Zahlung der Pflegezulage an die Kriegsblinden, Wonach den Blinden ohne Rücksicht auf ihren Zustand die erhöhte Pflegezulage gewährt Wird, und bei denen, Wo weitere schwere Gesundheitsstörungen vorliegen, die höchste Pflegezulage. Gleichzeitia wirb auch ben Blinden die Pflegezulage bei der Heilanstaltspflege weitergewährt. Hinterbliebenenversorgung: Seither konnte eine Kriegerhinterbliebene, wenn sie sich nach dem Kriege wieder verheiratet hatte und ihr zweiter Ehemann innerhalb 10 3ahren starb, eine Witwenbeihilfe erhalten. Hier ist jetzt der Passus „innerhalb 10 3ahren" gestrichen worden, so daß auch Witwen, die länger als 10 3ahre in zweiter Ehe verheiratet sind, beim Tode des zweiten Ehemanns ebenfalls in den Genuß der Witwenbeihilfe kommen. Gleichzeitig gelten diese Bestimmungen rückwirkend. Sollten solche Fälle vorliegen, so ist es angebracht, daß die in Frage kommenden Witwen entsprechenden Antrag bei dem zuständigen Versorgungsamt stellen. Gleichzeitig hat sich die Regierung damit einverstanden erklärt, daß in der zweiten Ehe schuldlos geschiedenen Witwen ebeiTfatfeB im Wege des Härteausgleichs Witwenbeihilfe gewährt werden kann. Wo solche Fälle vorliegen, kann ebenfalls Antrag bei dem zuständigen Ver- forgungsamt gestellt werben. 3m engsten Zusammenhang mit dieser Rouelle muß ich auch das Gesetz über die Beschäftigung Schwerbes ch ä d i gt e r etwas behandeln. Hier ist vor nicht allzu langer Zeit vom Reichsgericht ein Urteil gefällt Worden, das Wesentliche Verschlecht er ungen in der Einstellung der Schwerbeschädigten brachte. Seither bestand die Bestimmung, daß ein Arbeitgeber verpflichtet war, auf 20 Arbeitnehmer einen Schwerbeschädigten einzustellen. Durch den Spruch des Gerichtes War hier eine bedeutende Verschlechterung geschaffen, indem von einer Zwangseinstellung direkt abgesehen werden sollte. Die Auswirkung hatte sich schon gezeigt in der Hinsicht, daß eine größere Anzahl von Schwerbeschädigten um ihre Arbeitsplätze tarnen unb gleichzeitig ben Fürsorgestellen die Einstellung erschwert wurde. Verlieren diese Leute ihre Arbeitsstellen, so ist letzten Endes der Staat wieder der Leidtragende, da sie nun von dort aus wieder unterstützt werden müssen, leider nach den bestehenden Gesetzen äußerst unzulänglich. Der Reichstag hat jetzt zu dieser Frage Stellung genommen und eine Abänderung des Schweroe- schädigtengesehes beschlossen. 3n erster Linie wurde der Artikel 21 Abs. 8 der Personalab- bauverordnung aufgehoben, wonach in Zukunft Schwerkriegsbeschädigten, wenn sie wegen ber Schwere ihres Leidens die Fahrt in der 3. Wagenklasse nicht aushalten' können, gegen Lösung einer Fahrkarte der 4. Klasse ein Platz in der 2. Klasse eingeräumt wirb. Wir hoffen, daß sich bie Reichsbahndirektion dieser berechtigten Forderung gegenüber den Schwerbeschädigten nicht verschließt. Dies sind bie wesentlichen Steuerungen, bie jetzt im Reichstag hinsichtlich der Gesamtversorgung der Kriegsopfer beschlossen worden sind. Wenn ich mein Urteil über die Auswirkungen zusammenfasse, so muh ich erklären, daß die berechtigten Wünsche der Organisationen, die sich im Rahmen dessen bewegen, was das Reich leisten könnte, nicht erfüllt worden sind. Es dürste nach meiner Auffassung im Reichstag bei der Beratung solcher Fragen durchaus keine Kritik ge’ben, sondern alle Parteien mühten so viel Verständnis aufbringen, um ben beutschen Kriegsopfern ihre berechtigten Wünsche zu erfüllen. Buntes Merlei. Japanische hihebäder. Die 3apaner verdienen wohl den Ehrennamen des körperlich saubersten Volkes der Erde, denn der Durchschnittsjapaner badet Sommer und Winter mindestens einmal täglich. Das japanische Bad unterscheidet sich jedoch in sehr bemerkenswerter Weise von den sonst üblichen Badeformen. Das Wasser ist außerordentlich heiß, hat eine Temperatur von 42 bis 45 Grad Celsius, niemals darunter. Um diese große Hitze gut zu vertragen, liegt man in Japan nicht im Bade, sondern hockt „Allzu hoamlich brauchen wir’s uns wohl net 5’ machen," meinte der eine von Veris Kameraden ironisch, „mir scheint, die Hauptfach' is, wenn ’s Türl hinten ’naus guat weit aufsteht und net z'weit weg is!" Dabei versuchte er angelegentlichst, sich vorn In- nern der Blockhütte freies Schußfeld zu verschaffen. „Jetzt muafe uns alles gleich sein, jetzt hoaßt's berhalten, folang’s geht! — Was hernach kommt —" sagte Veri düster unb zuckte die Achseln. „Mir is schon lang egal!" erklärte trocken der mit Wiesmüller Angesprochene, „aber wenn mich schon der Teufel holen soll, dann müssen a paar von bene ba mit!" Dabei wies er mit bem Daumen in bie Richtung, in welcher bie Truppen standen. „Verstanden! Billiger mach i’s amal net!" „In Belgien droben haben wir uns anno vier- zehn amal akkrat in einer solchen Stellung —," begann der andere zu erzählen, „wie die da is, drei Tag lang g'halten! Aber, Spezi, da haben's mit Granaten und Schrapnell herg’fetzt, daß man glauben hält’ können . . ." Er stockte. Der harte bellende Abschuß eines unweit abgefeuerten Feldgeschützes — ein heulendes Sausen — ein entsetzlicher Krach — ein Prasseln, Klirren, Klatschen — und zwanzig Meter seitwärts stand in geringer Höhe eine Schrapnellwolke. Träg kroch der Rauch über die (Bärten hin. Im Nu waren die drei in ihrer Blockhütte verschwunden. Der Raum war eng, sie mußten sich zusammenkauern. „So geht’s meistens los!" erklärte Wiesmüller in seiner sarkastisch-trockenen Art und spähte zum schmalen Fenster hinaus. Tak — tat — tat — hämmerte jetzt das nachbarliche Maschinengewehr mit ohrenbetäubendem Lärm los. „Siehst nixen?" fragte Veri aufgeregt, seinen Kopf neben den des andern an das Fenster zwängend. „Na — dunstig is —" Eine neue Detonation verschlang das übrige. „Die wollen uns scheint's erst a meng! mürb machen mit der Artillerie!" Tak — tak — tat — tarn es nun auch von drüben zurück. Tat — tat — tat — (Fortsetzung folgt.) bann; man bleibt nur kurz« Zeit im Wasser, unterbricht das Bad nach drei- bis fünfminut- licher Dauer durch tlebergteßungea und Waschungen außerhalb deS Bades und beschließt das Bad mit einer kalten Waschung. Bei Badekuren in den heißen Quellen des Landes hält man sogar Temperaturen bis zu 55 Grad CelsiuS auS, und der Entschluß, in diese Gluthitze einzutauchen, wird durch einen Dorspringer erleichtert. Welch hohen Wert man diesen heißen Badern beimißt, zeigt das Sprichwort, das einen der Badeorte folgendermaßen rühmt' .Es gibt nur eine Krank- heil. die selbst die Bäder von Kusatau nicht heilen können, und das ist die Liebe." Diese kurzen heißen Bader haben eine außerordentlich erfrischende Wirkung und Härten, da sie mit kalten Waschungen verbunden sind, die Badenden so ab, daß sie selbst im Winter nachher völlig nackt durch den Schnee nach Hause gehen können, ohne sich zu erkälten. Durch das sehr heiße Wasser werden die Hautgesäße zusammengezogen; man bekommt eine .Gänsehaut"; die Haut rötet sich stark, und es kommt zu einer vorübergehenden Lähmung der Hautblutgefäße, durch die das Ausbleiben der sonst zu fürchtenden Erkältung nach dem Bade erklärt wird. Der Körper, dessen Eigenwärme durch die Hitze des Bades weit übertroffen wird, kann keine Wärme mehr abgeben, so daß die Bluttemperatur bis 38 Grad uni) darüber steigt. Gleichzeitig erfolgt eine Beschleunigung des Pulses bis zu 120 und mehr Schlägen in der Minute. Bei liegender Stellung würde die ileberfüllung der Blutgefäße des Gehirns zu Schwindel führen, aber bei der sitzenden Stellung hleibt diese Erscheinung aus. Die Temperaturerhöhung, Pulsbeschleunigung und Hautröte hören eine halbe bis eine Stunde nach dem Bade auf. noch früher der die ganze Körverobersläche nach dem Bade bedeckende Schweiß. Die weitverbreitete Meinung, daß heiße Bäder erschlaffend wirkten, wird durch diese japanischen Bäder widerlegt. Vielmehr tritt eine außerordentliche Erfrischung ein, die viele Stunden anhält und eine gehobene Stimmung hervorbringt. Freilich müssen Gefäßsystem und Herz des Badenden gesund sein. Daher prüft der japanische Dadediener den Puls, bevor er das Eintauchen in die heiße Flut gestattet. Man hat in fachmännischen Kreisen erwogen, ob nicht die Einführung der japanischen Dadeform auch bei uns einen Gewinn bedeuten würde. Der Einzelne kann sich durch solche Hitzebäder erfrischen und auch für besondere sportliche Leistungen geeignet machen. Sodann aber brauchten die heißen Quellen unserer Kurorte, die bisweilen 60 bis 70 Grad Celsius haben, nicht erst bis auf die Hälfte abzekühlt zu werden, wodurch sie an Wirksamkeit verlieren. In Baden- Baden hat man bereits mit der japanischen Bade- form sehr gute Erfahrungen gemacht. Antz Dein -lmtsverknndigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 59 vom 23. Juli enthält: Ansteckender Scheidekatarrh in Ruttershausen. — Archäologische Wandtafeln für Hessen. — Straßensperre. — Dienstnachrichten. Rundfunk-Programm. Sonntag, 25. Juli. 8 bis 9 llßr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein Frankfurt a. M. 11 bis 12 ilßr: Vortragsstunde Dr. Rolf Prasch, Obers piel lei ter des Kasseler Staatstheaters. 3 bis 4 ilßr; Stunde der Jugend. 4—5 Ühr: Uebcrtragung von der Gerbermühle: Konzert deS Harmonieorchesters deS Frankfurter Ovchestervereins. 5 bis 6 üßr: Konzert des Hausorchesters: Händel-Opern. 6 bis 7 älhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: .Die Bibel verdeutscht", aus der älebersetzung von Martin Duber und Franz Rosenzweig. 8,30 älhr: Abschiedsabend von Heinz Hilpert: „Geschäft ist Geschäft". Anschließend bis 12 Uhr: ^Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Montag, 26. Juli. 4,30 bis 5,45 Hßr: Konzert des Hausorchesters: Paul Lincke. 5,45 bis 6,15 Ußr: Die Lesestunde. 6,15 bis 6,45 älhr: „Sprachen und Literaturen Hinterindiens", Vortrag von Dr. L.H. Schütz. 6,45 bis 7 llßr: „Die Zugspitzbahn". Vortrag von Dir. Otto Behrens, Berlin. 7 bis 7,30 älßr: „Einrichtung der ersten Schwimmrettungswache in Deutschland und ihre Erfolge", Vortrag von W. Frankl. 7,30 bis 8 älhr: „Georg Bernhard Shaw". Vortrag zu seinem 70. G. burtstag von Prof. Dr. Schultz. 8 Ußr: Heb. - Ira gung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Adrienne". Operette in drei Akten von Walter Doetze. Kirchliche Nachrichten. Evangelisch« Gemeinden. Sonntag, den 25. Juli. 8. n. Trinitatis. (Ließen. Lladlkirche. 8: Psr. Mabr. Zugleich Christenlehre f. d. Aeukonfirmierten a. d- Matthäus- gemeinte. 9' ,: Pfr. Decker. - JohanneSNrche. 8: Pfr. BechtolSheimer. Zugleich Christenlehre f. d. Aeukonfirmiert. a. d. Lukaögemeinde. 91/,: Pfr. Ausfeld. Zugleich Militärgottdienst. 8: Dibelbesprechung im JohanneSsaal. Pfr. Mahr. — Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d. männl. Jugend, nachmittags VL: Lollar. - Wieseck. 97,: Lic. Laun-Gießen. 7,11: Christenlehre. - Watzenbom-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 1. Garbenteich: 9 mit Christenlehre. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 24. Juli. 47, und 7 Deichte, 4' , Empfang deS Hochwürdigsten Herrn Bischofs in der Kirche, Sonntag, 25. Juli. 9. Sonntag nach Psingst. Firmung. 6'/, Beichte, 6 Messe, 7 Bischöst. Messe Korn, der Firmlinge. 8 Kom. 9 Hochamt mit Predigt, darauf Firmung, 11 Messe. 2 Andacht, 37, Abreise des Hochwürdigsten Herrn BischosS nach Alsseld. — Hungen. 97, Hochamt mit Pre- ebigt. — Lich. 7 Messe mit Predigt. {'"Verkaufe ) 2 Me noch billig zu verkaufen. 05100 Ernst Valentin ttrofdorfer Str. 20 Telephon ^80. Hühner rcbbubnfarbige, 26er Brut, an verkaufen. 05001 Wieieeck, Gießener Sir- 162. Zxb-Simmer- l)aus Südviertel, au verkaufen. Käufer kann eine Wohnung durch Tausch belieben. Schr. Ang. u. 05134 an den Gieß. Linz. HAUN im Südvlerlel, 3x6- Ztniiuer,Bndealmin. Garten, zu verk., eine Wobng.heaiehb.Äkäb. J. Baer, Ostanl. 29, Televh 871. 05097 Verkaufe S. N. 4- Cyttnder- Mtorrad 12P. 8 , Cardan-An- irieb, 3 Gange, Vccr* lauf. Kickstarte,Preis 700 Rm. auch evtl. Tausch mit Äletn-Motorrad. Eduard Uratz, Ober - Ohmen. Tel. Mücke 65. Hilfsmotorrad fteircr- und fübrer- fcheiusrel. für 125 au verk. 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