Nr. Y5 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 24. April 1926 Lrfcheini iä glich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblälter Heimat im Bild Die Scholle Movotä.l «zvcrrretr: 2 Reichsmarli und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüfse: Schriflleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hießen. Postscheckkonto: Frankfurt om Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen VrvS und Verlag , vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schriflleitung und Seschäftsstelle: Schnlttratze 7. Aanaymt von Anzeigen für die Tagernummer vir zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klamean.eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° . mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Hans Iüstel, iämtlich >n (Biefjen. Vas Abfindungslompromiß. Die Verliandlttngen der Parteien mit der prcnftifchen Regierung. Berlin. 23. Qlpril. (0003) Die Drsp.echun- aen am heutiger nachmittag im Reichstag über die Fürstenabfindung zwischen deil Regierungs- Parteien und den Sozialdemokraten haben, obwohl am Vormittag zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Ministerpräsidenten .eine Einigung über die Gestaltung des Gesekes erzielt zu sein scheint, zu keirrem irgendwie verbindlichen Vereinbarungen geführt. ES handelte sich lediglich um eine ganz unverbindliche Durchs prechu ng der Angelegenheit. Die Sozialdemokraten haben sich vollständig freie Hand Vorbehalten und sind der Meinung, daß auch bei verschißenen anderen Punkten der Vorlage, die Schwierigkeiten verursachen werden, sich solche Zufälle im Ausschuß wiederholen könnten, wie sie sich bei 8 2 abgespielt haben. Ä . • An die Besprechungen mit den Sozlaldemo- kraten schloß sich sofort eine weitere Besprechung der Regierungsparteien mit den Vertretern der deutschnationalen Abgeordneten Graf vonMerfeldt und Lohmann, Altona. Die Verhandlungen wurden so streng vertraulich behandelt. daß Einzelheiten nicht mitgeteilt werden können. Rur soviel kann gesagt werden, daß sowohl von den Demokraten wie auch von den Deutschnationalen neue Abänderungs- 0 n t r ä g c zu dem Kompromißentwurf vorbereitet sind. An den Besprechungen mit den Sozialdemokraten nahmen außer dem Rcichsjustiz- Minister Dr. Marx, der preußische Ministerpräsident Braun und der preußische Finanzminister Dr. H öpker-Aschoff teil. Dr. Marx und Dr. H ö p k e r - A s ch 0 f f beteiligten sich auch an der Aussprache mit dem deutschnationalen Vertreter. lieber die Vereinbarung zwischen den Parteien des Kompromißantrages und der p r e u ß i - schon Regierung teilen die Blätter mit, daß die preußische Regierung ihr Verlangen nach einer Erweiterung der Rückwirkungen aufge- geben hat. Vorgesehen ist ein Rückkaufsrecht. das die preußische Regierung sich auf verschiedene Schlösser und He-rschaften zu sichern beabsichtigt. Es handelt sich um die Besitzungen Glienicke, Babelsberg, Ccy:Ingen; Rorninten, Hubertusstock und Springe. Diese Regelung hat jedoch. wie die ..Tägl. Rundschau" erklärt, in den Kreisen der Deutschen Volkspartei Bedenken erregt. Rach der „Voss. 3tg." werden die mit der preußischen Reg'erung vereinbarten Arn- derungen des Kompromi> e ckwurses in Form eines Antrages dem Rechtsaus chuß vorgelegt werden, der nur von den Demokraten und dem Zentrum unterzeichnet ist, während es die Deutsche Volkspartei abgelehnt hat, den Ackrag mit zu unterschreiben. Sie wird aber für ihn stimmen. Das Auswerlungs-Volks- begehren. Berlin, 24. April. (WTD. Funkfpruch.) Wie die Blätter melden, wird der Sparerbund schon in den nächsten Tagen beim Reichsminister des Innern die Einleitung eines Volksbegehrens über d i e Aufwertung beantragen. Die Sammlung der notwendigen Unterschriften für die Zulassung ist im Gange. Der Vorstand des Deutschen Ü a n d w i r t s ch a f t s r a t e s ist bei der Deutschnationalen Volkspartei vorstellig geworden und hat auf die Beunruhigung hingewiesen, die entstehen würde, wenn ein Zulassungsantrag der Sparer für ein neues Volksbegehren Erfolg hätte. Die Kreditschwierigkeiten in der Landwirtschaft würden sich durch dieses Volksbegehren noch steigern. Der Landwirtschaftsrat fordert daher die Partei auf, den Gesetzentwurf der Reichsregierung, wonach die Aufwertungsfrage vom Volksentscheid ausgeschlossen sein soll, ihre Zustimmung zu geben. Das deutsche Eigentum in Amerika. Washington, 23. April. (Wolff.) Senator B 0 r a h erklärte einem Vertreter der „World", er habe den neuen Plan über die Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums im Senat in der Hoffnung eingebracht, auf diefe Weise eine baldige Rückerstattung des Eigentums zu erzielen. Sollte infolge der letzten Entwicklung durch die Vorlage die Lage kompliziert werden, so würde auch er gegen die Vorlage sein. Seine Absicht bestehe lediglich darin, den ganzen Skandal schnell aus der Welt zu schaffen. Amerika habe weder ein gesetzliches noch moralisches Recht, auch nur einen Cent deutschen Eigentums wegzunehmen, selbst wenn Deutschland seine Zustimmung durch den Versailler Vertrag und den Berliner Vertrag unter Zwang erteilt habe. Der deulsch-rus ische Vertrag. Moskau. 23. April. (TU.) Tschitscherin erklärte dem italienischen Botschafter, Graf M a n - zoni, der deutsche russische Vertrag stehe kurz vor der Unterzeichnung, da die Vertragspartner in den Hauptpunkten bereits e i n i g feien. Es fei auch die Frage eines r u f f i f ch - i t a l i e n i - ichen Vertrages berührt und beschlossen, die Vorarbeiten dazu baldigst aufzunehmen. Die Verhandlungen werden in Rom italienischerseits von Grandi, russischerseits von dem russischen Boi- schafter in Rom geführt werden. Der russische Botschafter in Paris, Rakowski, erklärte B r i a n b , daß sich der deutsch-russisä-e Vertrag weder gegen F ankreich noch gegen Polen richte, und daß er auch nicht die Frankreichs Außenpolitik. Driand über Italien, den Völkerbund und Marokko. Paris, 23. April. (TU.) Driand nahm in der heutigen Kammersitzung au auswärtigen Problemen Stellung. Heber die Beziehungen Frankreichs zu Italien sagte Briand: Die französische Regierung unterhält au Italien die besten Beziehungen. Italien hat sich aus einem Gefühl der Selbsterhaltung heraus freiwillig ein neues Regime errichtet. Das ist sein gutes Recht. Die französische Regierung wird stets daraus bedacht sein, eine Annäherung an das italienische Volk zu erstreben, das mit Frankreich gemeinsam den Krieg durchgefochten hat. Die französische Regierung wird alles unterlassen, was zu einer Entfremdung des italienischen gegenüber dem französischen Volke führen könnte. Das italienische Volk ist ein großes Voll, das sich jedes Iahr in ungeheurer Proportion vermehrt. Es ist durchaus begreiflich, daß es sich in einem Zu st and' der Gährung befindet und diese Gährung sich dann unter Hochdruck nach außen zu verbreiten sucht. Alle diplomatischen Beziehungen beweisen, daß von italienischer Seite keine Absicht besteht, den Frieden zu stören. Wir sehen jährlich eine große Anzahl von Italienern auf unseren französischen Gebieten, die tüchtige Arbeiter find und die wir als unsere Rassebrüder ansehen. Alle unsere Bestrebungen sind darauf gerichtet, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufrechtzuerhalten und nichts zu tun, was sie trüben könnte. Zur Völkerbundsfrage erklärte Briand, über die letzte Tagung des Völkerbundes wurde ein übertriebener Pessimismus an den Tag gelegt. Man hatte es Frankreich als eine Illoyalität anrechnen wollen, daß es Polen und Spanien zur gleichen Zeit in den Döllerbundsrat einführen wollte, als die Aufnahme Deutschlands vorgenommen werden sollte. Frankreich hat indessen aus feinem Wunsche, daß Polen einen Sitz erhalten sollte, nie einen Hehl gemacht. Diese Haltung entspricht im übrigen durchaus auch dem Geist von Locarno. Wenn Polen tatsächlich nicht in den Rat ausgenommen wurde, so wäre es an Frankreich gewesen, Polens Interessen im Rat zu schützen, gegebenenfalls auch gegen Deutschland. Das konnte der Sache des Friedens aber nur schaden. Die Haltung Brasiliens ist mit Unrecht als egoistisch getadelt worden. Brasilien sprach nicht für sich allein,, als es darauf hinwies, daß der südamerikanische Kontinent nicht entsprechend im Rate vertreten sei. Brasilien sprach für den südamerikanischen Kontinent. Ich habe die brasilianische Regierung in Genf freundschaftlichst ersucht, ihr Veto zurückzuziehen. Die deutschen Vertreier haben ja selbst die vollendete Loyalität Frankreichs in dieser Angelegenheit zugegeben. würden die deutschen Vertreter, wenn sie einen Anlaß gegeben, unsere Absichten zu bezweifeln, ein abermaliges Festhalten an dem Pakt von Locarno oorgeschlagen und unterzeichnet haben? Es unterliegt keinem Zweifel, daß gelegentlich der Septembertagung eine Lösung zustande kommen wird. Die französische Auffassung ist de, daß es in Zukunft weder große noch kleine Völker, sondern nur noch gleiche Völker gibt. Der Völkerbund ist unversehrt von der letzten Genfer Tagung hervorgcgangen. Der Geist der Solidarität wurde gestärkt und das Volk, das vom Völlerbund vorübergehend nicht ausgenommen wurde, hat sich von ihm nicht entfernt. Alle diese Tatfachen sind dazu angetan, auch in Zukunft nur Vertrauen für den Völkerbund einzulösen. Ein sozialistischer Abgeordneter interpellierte die Regierung über den Verlauf der Verhandlungen in Marokko und gab der Vermutung Ausdruck, daß sie nicht dazu angetan seien, zu einem posiitven Ergebnis zu führen. Dem widersprach Briand mit einer allgemeinen Erklärung, in der er die Aufrichtigkeit der Absichten Frankreichs betonte und zu verstehen gab, daß Aussichten auf einen günstigen Abschluß der Verhandlungen durchaus beständen. Marokko. Paris, 23. April. (Wolff.) Die aus spanischer Quelle über die Vorfriedensverhandlun- gen in Marokko eintreffenden Rachrichten kom- Verhandlungen zwischen Rußland und Polen über einen Neutralitätspakt stören könne. Der russische Botschafter in Warschau, W 0 jk 0 w , wird in den nächsten Tagen in Warschau eine ähnliche Erklärung überreichen. Der deutsche Vertreter für die Studienkommission des Völkerbundes. Berlin, 23. April. (WB.) wie wir hören, hat die Reichsregierung den deutschen Botschafter in Paris, von h 0 e s ch. ;um Vertreter Deutschlands in der Kommission zur Prüfung der 5rage einer Umgestaltung des Völkerbundsrals auserwählt. Die > komission tritt am 10. 2Hai d. 3. in Genf zusammen. Die Kohlenkrisis in England. London, 23. April. (Xil) Die heutigen Verhandlungen im englischen Kohlenbergbau verliefen r e s u l t a t l 0 s. Auf Vorschlag des Premierministers Val Win wurden eine Anzahl von Unlerkomitees ernannt, die sich mit den men zu dem Schluß, daß die Riflcute nicht aufrichtig den Frieden wünschten und Frankreich und Spanien deshalb in ihrem Entgegenkommen und ihrer Rachgiebig'eit nicht weitergehen tonnten. Generalresidcnt Steeg trifft am Sonntag in Madrid ein. Die Pariser politische Wochenschrift „Aux Ecoutes" meldets daß die Entfernung Abd eI Krirns aus dem Rifgebiet bereits grundsätzlich geregelt sei. Der Generalgouverneur von Marokko, Steeg, habe nach längeren Verhandlungen mit der Regierung Abd el Krims durch Vertrauenspersonen Abd el Krim ein Angebot auf Zahlung von 50 Millionen Pfund nach seinem Aufbruch aus dem Rifgebiet unterbreiten lassen. Abd el Krim sei auf dieses Anerbieten eingegangen. Rechbergs Pläne. Paris, 22. April. (WTB.) QI. Reck)berg, der deutsche Kaliindustrielle, dessen politische Pläne feit langem auf ein deutsch-französisches Bündnis abzielen, hat dem „Watin" auf seinen Wunsch mitgeteih, wie er sich die Grundlage einer französisch-deutschen Allianz denkt. 1. Die Verbindung von deutschen und französischen Industrieinter- essen, vor allen Dingen der Kali-, der Schwer-, der Stickstoff- und der chemischen Industrie. Die französische und die deutsche Regierung müßten den Industriellen ein Iahr Zeit lassen, um Kartelle zu bilden, die dann für 30 Iahre von beiden Seiten als unkündbar bezeichnet würden. Wenn nach einem Iahr die fraglichen Industriellen nicht zu einer Verpflichtung gelangt seien, würden die Regierungen ihrerseits intervenieren. 2. Eine französisch- deutsche Militär-Allianz. Frankreich und Deutschland sollen sich gegenseitig ihre Grenzen gegen jeden Angriff einer dritten Macht garantieren. Ein Liebergeneralstab werde gehütet, zusammengesetzt aus französischen und deutschen Generälen. Dieser Oencralftab solle das Recht der Inspektion für alle französischen und deutschen Truppen haben, wie den Plan für die eventuelle Verteidigung der beiderseitigen Grenzen ausarbeiten. Belgien und Luxemburg würden an der deutsch-französischen Industrieverbindung beteiligt sein. 3. Die Klauseln des Versailler Verlages, die die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich betreffen, würden hinfällig, ausgenommen diejenigen über die territorialen Grenzen. 4. Rach zwei Iahren würden alle von Frankreich besetzten deutschen Gebiete geräumt; jedoch würden die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs im Saargebiet durch einen besonderen deutsch-französischen Wirtschaftsrat gesichert. • 5. Der Dawesplan wird aufrechterhalten. Wenn jedoch die Klauseln dieses Vertrages durch andere für Franzosen und Deutsche günstigere Klauseln erseht werden können, würden beide Regierungen sie im gegenseitigen Einverständnis abändern. 6. Danzig und der Korridor würden Deutschland zurückgegeben. Danzig bleibe jedoch ein Freihafen für Polen. Der Hasen von Me- m c l werde Polen zur Verfügung gestellt. In Oberschlesien würde ein deutsch-polnisches Industriekartell gebildet ohne Abänderung der gegenwärtigen deutsch-polnischen Grenze. Gleiches Recht für die Deutschen in Polen. Dagegen würde Polen der deutsch-französischen Militär-Allianz angeschlossen werden. 7. Frankreich willige ein, daß Oesterreich, wenn es den Wunsch habe, sich an das Deutsche Reich unter Vorbehalt der übrigen interessierten Mächte anschließen könne. Falls sich Oesterreich an Deutschland anschließen werde, würde die Tschechoslowakei ihrerseits dem deutsch-französischen Allianzsystem angegliedert werden. 8. Die Llnterzeichnung dieses Vertrages setze ein für allemal jeder zukünftigen Polemik über die Kriegsverantwortlichkeit ein Ende Diese Frage würde in Zukunft als erledigt betrachtet werden. Lohnfragen im einzelnen befassen sollen. Das englische Bergbaucunt hat einen Plan für eine Regierungsanleihe an den Kohlenbergbau ausgearbeitet. Die Anleihe soll indessen nur dann gewährt werden, wenn sich die Grubenbesitzer zu einer Reorganisation des Kohlenbergbaues und zu einer Schließung einer Reihe unwirtschaftlicher Grubenbetriebe auf der Grundlage der Empfehlungen des Kohlenberichtes entschließen. Baldwin betonte während der Verhandlungen wiederholt, daß keine Fortsetzung der Kohlensubventionen erwartet werden dürfe und daß eine zeitweise Beihilfe für wirtschaftlich schwächere Bergwerke, die die Regierung bedingungsweise versprochen habe, streng begrenzt werde. Die Grubenbesitzer haben neue Lohnsätze an den Eingängen zu den Förderschächten anschlagen lassen, die am 1. Mai in Kraft treten sollen. Diese Lohnsätze stellen durchschnittlich eine wesentliche Herabsetzung für alle Distrikte dar. Die Politik der Woche. An die Stelle der österlichen Stille der letzten Wochen ist seit einigen Tagen eine ausgesprochene Hochkonjunktur in außen- und innerpolitischen Dingen getreten. An den Brennpunkten weltpolitischen Geschehens Überstürzen sich die Ereignisse, jeder Tag, jede Stunde verschiebt die Figuren aus Dem Schachbrett der großen Politik, kaleihoskoparug wechseln die Bilder, verwirrend in ihrer Dielheu und Gegensätzlichkeit bestürmen Nachrichten von allen Schauplätzen des Weltgeschehens den Leser und wollen in die großen Zusammenhänge sinngemäß eingeordnet werden. Die Ausdehnung des deutschen Sicherheitssystems auf den Osten durch den deutsch-russischen Vertrag, die Betonung des italienischen Imperialismus und Kolonisationsdrangs in feinem Gegensatz zu Frankreich durch Mussolinis Tripolissahrt und die englisch-italienische Verständigung über Abessinien, als Folge davon beschleunigte Friedensverhandlungen Frankreichs in Marokko, im Osten ein Netz von Neutralitätsverträgen Polens mit >u - mänien, Oesterreich und der Tschechoslowake:, drohende Kriegswolken im nahen Orient, wo die Türkei sich durch einen Angriff Italiens bedroht fühlt, dem der griechische Diktator Pangalos nur allzu gern sein Schwert leiht, das jedoch vermutlich England als Gegner auf türkischer Seite finden würde, schließlich tm fernen China der Sieg Englands über das bolfchewiftifche Rußland nach den blutigen Niederlagen der chinesischen Nationalarm c vor Peking und die Besetzung der nördlichen Hauptstadt durch die siegreichen Marschälle Tfchangtsolin und Wupeifu. Daneben laufen die finanziellen Verhandlungen einer Reihe europäischer Mächte mit dem Welt- banficr und Gläubiger Amerika über die Bezahlung der Kriegsschulden und Gewährung neuer Anleihen. Italien hat feine Schuldenreoe- lung schnell und glücklich unter Dach und Fach gebracht, trotz der Mißstimmung, die In weiten Kreisen des amerikanischen Volkes gegen Musiolini und feine imperialistlfchen Gesten herrscht, ist das Schuldenabkommen vom Senat bereits ratifiziert. Frank reich wird in Kürze feine Verhandlungen sowohl in London wie auch in Washington wieder auf- nehmen. Pariser Optimisten wollen heute schon wissen, daß P 6 r e t eine glücklichere Hand haben wird als sein Amtsoorgänger C a i l l a u x, und daß es ihm gelingen wird, die amerikanischen und eng- lischen Forderungen wesentlich zu reduzieren. Sehr unwahrscheinlich ist es jedoch, daß das amerikanische Schatzamt sich auf eine’ Verkoppelung der französisch-amerikanischen Schuldenregelung mit der deutschen Reparationsfrage einlassen wird, dergestalt, daß Frankreichs Zahlungsfähigkeit von dem Eingang der deutschen Reparationszahlungen abhängig gemacht würde. Eine besondere Rolle spielt zur Zeit auch die Frage der Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums. Der vom Staatssekretär Mellon unterstützte, den deutschen Forderungen entgegenkommende Vorschlag, die sog. Mills Bill, ist im Kongreß auf starken Widerstand gestoßen, so daß seine Annahme in der gegenwärtigen Parlamentssession sehr unwahrscheinlich ist. Das ganze Problem droht für die Vereinigten Staaten zu einer innerpolitischen Streitfrage ersten Ranges zu werden, der in dem kommenden Wahlkampf als Agitationsstoff eine große Rolle zugedacht ist, natürlich zum Schaden der deutschen Eigentümer, die von einer endlosen Hinauszögerung einer endgültigen Entscheidung nur Nachteile haben. Außenpolitisch von Bedeutung war in den letzten Tagen für Deutschland neben abm an anderer Stelle behandelten deutsch-russischen Vertrag die Stellungnahme Chamberlains zur Abkürzung der Besatzungsfristen im Rheinland. Es handelt sich bei der Erklärung des britischen Staatssekretärs im Unterhaus um eine Interpretation des bekannten Dokuments vom Juni 1919, in dem Wilson, Clömenceau und Lloyd George erklärten, daß die Alliierten zu einer früheren Beendigung der Rheinlandbesetzung bereit wären, wenn Deutschland Garantien für die vertragsmäßige Erfüllung seiner Abrüstungsoerpflichtungen gäbe. Deutschland hat abgerüftet, die Botschafterkanferenz hat dies durch'Beschluß vom 6. März in ihrem Bericht an den Völkerbund anläßlich der Ausnahme- verhandlungen in vollem Umfange ausdrücklich bestätigt. Und nun erklärt Chamberlain, der Versailler Beschluß von 1919 wäre lediglich eine Erklärung über die damals bestehenden Absichten der Alliierten, auf die Deutschland heute kein Recht habe sich zu berufen, mit anderen Worten, die Alliierten denken nicht daran, sich an die damals gegebene Zusage zu halten, sie nehmen weiter freie Hand für sich in Anspruch, die Besatzung solange im Rhein- land aufrechtzuerhalten, wie ihnen der Wortlaut ihres Dertragsscheins das Recht dazu gibt, ganz unabhängig von dem Stand der deutschen Entwafs- nung. Zur Bekräftigung seines Standpunktes erklärt Chamberlain weiter, daß die Botschafterkonferenz auf die Anfrage des Völkerbundes keineswegs erklärt habe, daß Deutschland abgerüftet und damit feine Verpflichtungen erfüllt habe, sondern sie habe lediglich ihrer Meinung Ausdruck gegeben, daß Deutschland wirksame Garantien für seine ehrliche Absicht zur Erfüllung seiner vertraglichen Der- pflichtungen biete. Mit anderen Worten, Chamber- Iain will der Wett weismachen, Deutschland habe noch nicht abgerüftet und die Fortdauer der Rhsin- landbefetzung bestehe auch weiter vollauf zu Recht. Das ist ein Umspringen mit der Wahrheit, das dem gerade von Chamberlain fast zu Tode gehetzten „Geist von Locarno" schroff ins Gesicht schlägt und eine würdige Parallele zu den üblen juristischen Haarspaltereien Poincaröscher Methode bildet. Es ist zugleich eine schwere Desavouierung des deutschen Reichsaußenministers, der erst vor wenigen Tagen in feiner Stuttgarter Rede die Notwendigkeit -egierung zu folgen. In der Staatsanwaltschaft ühten deshalb Persönlichkeiten fein, die sich • 1' f Tritt* Auf Kam a '~7** - if - -f . MU' >■ sei bei der mit Abbau- unerhörter allgemeinen scheuen vor 103 und mit ML mit gehörenden Kapitel des (Kap. 100 bis 107.) Abg. Böhm (Dntl.) würfe der Klassenjustiz, daß Richter Dom Lande soz. Presse wäre ein Cinzelsalt in Weise ausgebeutet worden. 3m brauche sich die Rechtspflege nicht zu dem Urteil der Oessentlichkeit. 2lbg. 6 cf) ü I (Zentr.) meint, es Staatshaltshaltes ein. wendet sich gegen Vor- er beschwert sich auch, der Anstellung und der Beförderung. Eramens- forderungen seien oft recht sonderbar: so feien in Gießen Fragen aus dem hannoverschen Kirchenrecht an den Kan- Hessischer Landtag. Darmstadt, 23. April. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 91, 2 Llhr. Eine Anfrage des Abg. Dr. Riepoth verlangt, daß notleidende Hausbesitzer in bezug'auf die Sonder- fteuer für den bebauten Grundbesitz genau so behandelt werden wie Mieter und Kleinrentner. Ministerialrat Dörr erwidert, daß die Für- sorgeperbände angewiesen werden, so zu verfahren. Abg. S ch ü l fragt an. wie es mit dem Verfahren gegen den Lehrer Heinrich Weber in Offenbach steht. Oberschulrat Diehl erwidert, daß demnächst ein Disziplinarverfahren gegen den Lehrer eröffnet wird. Das Haus tritt hierauf in die Beratung der zum Justizministerium Die Untersuchungshaft müsse möglichst abgekürzt werdeu. Für die Anstellung der elsässischen Richter könnte doch wohl besser gesorgt werden. Der Redner spricht dann über Fehlurteile: er führt besonders an den Fall F l e s s a (eine in Frankfurt wegen Mordes zum Tode verurteilte Krankenpflegerin) sowie den Fall des eingeschlafenen Schöffen in Offenbach und kritisiert im Anschluß hieran das Reichsgerichtsurteil, das sich mit dem Offenbacher Fall befaßt. Abg. Kindt (Dntl.) spricht über das Verfahren der Ehrengerichte, das einem Duell vorangeht, und verteidigt das Duellwesen, solange nicht ein wirksamerer Schuh der Ehre besteht. Der Redner hält den Sozialdemokraten mehrere Fälle entgegen, wonach sie von den Gerichten sehr glimpflich behandelt worden feien; sie hätten gar keinen Grund, über Klassenjustiz zu klagen. Der Redner verwirft die Immunität der Abgeordneten und verweist dabei aus den Fall des sozialdemok.atischcn Abgeordneten Sturmfels. '.v e^en 3KQnn geohrfeigt hat. aber wegen seiner Immunität nicht vor Gericht gestellt werden kann. „ ÄL Dr. Aiepoth (D.D.P.) bespricht den Abbauantrag des Abg. Schreiber, der den Abbau kleinerer Amtsgerichte ver- . ”9* un$ ^amit begründet, daß einem Amtsrichter als einzigem akademischen Beamten nicht zugemutet werden dürfe, auf dem Land? zu leben Demgegenüber betont der Redner, daß nicht solche Gründe, sondern nur Staatsnotwendigkeiten imö Ersparnismaß nahmen ausschlaggebend für einen Abbau sein müßten. Es sei ernstlich zu prüfen, ob bei Aufhebung eines Amtsgerichts nicht der Bevölkerung indirekte Lasten auferlegt werden. Auch müsse man die Verkehrsverhältnisse eines Bezirks eingehend betrachten und untersuchen. bevor man dazu schreitet, ein Amtsgericht aufznheben. Abg. Dr. Werner (Dn.) bringt mehrere Falle zur Sprache, nach denen Iustizbeamte nicht richtig in die Desoldungsordnung eingestuft sind. Minister von Brentano fordert, daß man eher einen Abbau der Aufgaben als einen Abbau von Beamten in der Iustizverwalt. ng vornehmen sollte. Die Aufgaben des Iuftizminiiteriums nähmen an Ämfana immer wehr zu, früher habe es einen besoicheren did aten gerichtet worden. Der Redner verlangt e'ne Beschleunigung dcrBeleidignngspro'.esfe und einen verstärkten Schutz der persönlichen Ehre. Die Richter müßten schneller in höhere Gehaltsklassen kommen als bisher. Der Redner unterbreitet dem Hause dann noch eine Reihe anderer Wünsche zur Rechtspflege. Sturmfels 1605.) verlangt daß Mißstände in der Rechtsprechuig öffentlich besprochen werden Die Gerichte müßten unabhängig sein: aber die Richter dürften nicht vergessen, ^iß sie vom Volke delegiert sind. Der Richter sei ein politisches Organ. Die Staatsanwaltschaft fei eine Politische Behörde unb habe den Weisungen der Regierun * ' r ~ ‘ ~' * — * Rot der Zeit nicht möglich gewesen ....._____ Maßnahmen an der Justiz vorbeizugehen, doch wirkten sich diese Maßnahmen erst später aus. Den Richtern müsse das Begnadigungsrecht verliehen werden: das Ansehen des Richters, auch auf dem Lande, werde dadurch ge- hoben. Eine Leihe von Aufgaben, die dem Justizministerium zustehen. konnten ohne Schaden für öie Rechtspflege anderen Instanzen übertragen werden, wie dies bereits in anderen Ländern geschehe. Der Redner macht im Anschluß hieran zahlreiche Vorschläge zur Vereinfachung des Iustizwesens: er tritt u. a. auch fü? die Beseitigung der Bezirksschöftengerichte ein und äußert Wünsche nach reicherer Ausstotttmg der Bibliotheken an den Gerichten sowie nach Gewährung von Mitteln für die Ausbildung von Juristen in Kursen. Bei Schluß der Sitzung werden die Kapitel des Iustizetats in Anwesenheit von nur 6 Abgeordneten angenommen. Es sind dies: Kapitel 100 (Minist e r i u m d e r I u st i z) mit 1035 Mk. Einnahme und 212 754 Ml. Ausgabe, Kapitel 101 (Gerichte) mit 3 040 000 Mk. Einnahme und mit 6 425 891 Mk. Ausgabe, Kapitel 102 und (Zellen st rasan st alt Butzbach Landeszuchthaus Marienschloß) einer Einnahme für Butzbach von 521810 feiten einmal nach der Stadt verseht werden, auch führt er Klage, daß die Eramensnoten zu hoch bewertet werden bei nicht künstlich gemacht, wie viele Richter meinen, sondern veranlaßt durch die Stellungnahme vieler Richter zur S.aatssvrm. Die Rechtspflege müsse in der Staats sonn verankert werden. Der Redner vertritt dann in längeren Ausführungen die Forderungen und Anschauungen des republikanischen Richierbundes. Abg. D i n g e l d e y (D. Vp.) meint, es wäre für die psychologische Wissenschaft eine dankbare Aufgabe einmal den älrsachen nachzugehen, welches die älrsachen für d i e Furcht um den Bestand der Republik maßgebend feien; innere Gründe hierfür gebe es nicht. Abg. Schreiber habe dem alten System vorgeworfen, daß es nur monarchische Richter angeftelft hätte; hierauf erwidert der Redner, dieselben Fehler, die Sie am alten Staat geißeln, nehmen Oie für den neuen Staat in Anspruch; wo bleibt denn da der Fortschritt. Richt in der äleberzeugung von dieser oder jener politischen Theorie, sondern Verwalter des Rechtsgutes zu sein, muh die Grundlage des deutschen Richtertums sein; alles andere ist Gesinnungsschnüffelei. Was hier gegen den Hess. Richtersland vorgebracht worden ist. daß er sich von politischen Gesichtspunkten habe leiten lassen, war ein sehr dürftiges Material. In der Weimarer Verfassung stehe auch ein Artikel über die Meinungsfreiheit, diese gelte auch für den Richterstand. Der Erschütterung des Rechtes Vorschub zu leisten, sollte feine Partei unternehmen. Der Deutsche Richter- Verein, der die Mitglieder des Republikanischen Richterbundes ausgeschlossen hat, habe dadurch keine Stellung gegen die Republik eingenommen, er hat selbst in leitenden Stellungen linksstehende Persönlichkeiten. Er will nur nicht, daß die Politik zur Grundlage eines Vereins von Richtern gemacht wird. Die Betrauung älterer Assessoren mit dem Richteraml, ohne daß sie fest angeltent sind, schädigt auf die Dauer die innere Autorität des Staates; es sollten darum Stellen, die längere Zeit in dieser Weise beseht sind, in feste Anstellungen umgeroanbelf werden. Das Justizministerium hätte sogleich Abhilfe geschaffen in dem Fall in Bingen, wo ein Staatsanwalt richterliche Funktionen versehen hat. Der Redner Dertritt den Standpunkt, daß der bedingte Straferlaß der Entscheidung des Justizministeriums Vorbehalten bleibt, doch könne man den Richtern die älebertragung der Entscheidung über den bedingten Strafaufschub überlassen. Der Vorredner wolle die an Duellvergehen Beteiligten mit entehrenden Strafen be- benfen, es handle sich hier doch nicht um ehrenrührige Vergehen. Ein Beleidigungsverfahren verwandle sich sehr oft in das Gegenteil als ein Ehrenschutz. Der Beleidigte wird häufig in die Stellung des Angeklagten gedrängt, weil er nicht zeugeneidlich vernommen werden kann. Abg. Dingeldey bittet den Iustizminister, daß er beim Reich für eine schärfere Bestrafung bei Beleidigungen eintritt; in Hessen sollte in jedem Fall der Beleidigung einer im öffentlichen Leben stehenden Persönlichkeit die Ossi- z i a l k l a g e erhoben werden. Weiter äußert der Redner eine Reihe von Wünschen zur Jugendpflege in der Justiz. Irgendwelche schwere Des Huldigungen gegen den hessischen Richterftcnrd könne man nicht erheben. Don der und einer Ausgabe von 976 810 Mk. sowie einer Einnahme für Marienschloß von 153 328 Mark und einer Ausgabe von 416 582 Mk., Kapitel 104 (Kriminalkossen) mit einer Einnahme von 100 915 Mk. und einer Ausgabe von 1 251 407 Mk., Kapitel 105 (Hochbau- toefen) mit einer Ausgabe von 387 775 Mk.. Kapitel 106 (Ctellvertretungs- und Aushilfskosten) mit 362500 Mk. Ausgabe und Kapitel 107 (Postgebühren) mit 200 000 Mark Ausgabe. Schluß der Beratungen um 2V2 älhr; nächste Sitzung Samstag 9 2hr. Die türkischen Sorgen. London. 23. April. (Täl.) Rach Meldungen der „Chicago Tribüne" aus Konstantinopel sollen die militärischen Vorbereitungen der Türkei sehr viel umfassender fein, als man bisher angenommen habe. Die Gesamtzahl der mobilisierten Truppen soll 250 000 Mann betragen. Die Angora-Regierung soll sich darüber klar geworden sein, daß nur der Verzicht auf M 0 ssul und die Oelgebiete in dieser Gegend einen g e- meinfamen italienisch-griechischen Angriff auf d i e Türkei verhindern könnte. In politischen Kreisen Angoras sei man sich aber über einen Verzicht auf Mossul keineswegs einig. In militärischen Kreisen fei man entschieden gegen alle Zugeständnisse in der Mossul- frage. Die russische Regierung soll der Angora-Regierung vorgeschlagen haben, sich als unabhängiges Mitglied mit der Sowjetrepublik zu vereinigen, wofür Moskau ein Militärbündnis mit der Türkei schließe und die türkischen Truppen mit Munition und Kriegsmaterial im Kriegsfälle unterstützen würde. Die Sowjetregierung habe im Falle eines Angriffes auf die Türkei außerdem noch die weitgehendsten militärischen älnterstützungen jugefagt. Kemal Pascha und eine starke Gruppe von Politikern befürworteten den Vorschlag Moskaus. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 24. April 1926. Abcschützen-Humor. Wer möchte nicht gern einmal dabei sein, wenn die Klemen zum ersten Male in den Schulbäntchen sitzen? Sie während der ersten Tage zu beobachten, bis sie richtig „warm" geworden sind, wie köstlich ist das. Bald haben sie ersaßt, daß der gesürchtete Lehrer es eigentlich sehr gut mit ihnen meint, daß er schone Geschichten zu erzählen weiß, luftige Bild, chen an die große Tafel malt, ja zur Not auch hilft, das Mäntelchen zuknöpfen beim Nachhausegehen. Und da tauen sie aus, die kleinen Plappermäulchen, und jedes möchte gern etwas erzählen. Da erinnere ich mich solch Heiner Heldenschar. Es war in einer Dorfschule. Während die meisten Kleinen recht lebhaft und im Anfang schwer zu bändigen waren, blieb das Fritzchen stumm. Drei Vormittage war er nun schon erschienen, hatte sich brav auf seinen Platz gesetzt; die Händchen fest gefaltet, so» er da und starrte den Lehrer an. Aber er war nicht zu bewegen, den Mund auszutun. Als dann am vierten Tag der Lehrer wie von ungefähr wieder mal vor Fritzchens Platz stand und fragte: „Na, Fntz, was willst du uns erzählen?" Da — wirllich, tat sich der kleine Mund auf, und strahlend erklärte der kleine Mann seinem Lehrer: „Scheenc Knepp hoste an de West." Ein andrer Bub, der auf der hintersten Bonk saß, stürzte eines Tages vor zum Pult (es war ge° rode, als der Lehrer vom Rotkäppchen erzählte und alle Kinder andächtig lauschten), stellte einen Fuß auf den Statt und befahl dem Erzähler: Jßinb’ mer mol mei Schuh!" — Kaum war diese Prozedur beendet, streckte sich auf der Seite, wo die Mädelchen saßen, ein kleines Fingerchen hoch: „Ei, Schullehrer, mein Unkel hot gesaht, du wärst en ganz Schroer (schro — grob oder noch schlimmer)." Einen kostbaren Spaß hat sich aber das anfangs fo stumme Fritzchen noch geleistet. Etwas langsam von Begriff, gab er wie em Fuchs acht auf alles, mos vorging. Eines Tages hatten sie gesungen von .Häuschen klein". Und gerade, als es in die weite Welt hinaus wollte, riß eine Saite auf der von Fritz so sehr bewunderten Geige. Schnell zog der Lehrer eine neue Saite auf, aber je mehr er fdjraubte und zupfte, desto unruhiger rutschte ba^ Fntzchen auf feinem Platz herum. Endlich konnte er bas iun des Lehrers nicht mehr länger mit an- leben, und zornig schrie er ihn an: „Du ruhst doch nit eher, bis fe widder kaputt is!" Liebe kleine Abc-Schützen, wenn ihr doch alle so unverfroren und ungekünstelt zum ersten Schulgang kamt wie diese Dorfkinder! E. P. Die NeichsgeiundtzeiLswoche. Ruch der gestrige Vortragsabend war außerordentlich stark besucht, so daß jedes Plätzchen in der Reuen Aula beseht war. Zunächst sprach Oberarzt und Privatdozent Dr. Moos über: Die Lungentuberkulose, ihre Verbreitung und Bekämpfung. Iustizminister gegeben, jetzt werde aber von ihm das Ministerium des Innern mitverwaltet. Die Zahl der Einläufe im Justizministerium habe sich gewalttg vermehrt. Die Richter brachen fast zusammen unter den Au f w e r t u n g s a r b e i- ten. Dem Abbau von Landgerichtsdirettoren ständen Bestimmungen des Gerichtsversassungsgesetzes entgegen. Viele Beamtenk.itegorien beklagten sich bei ihm über die schlechten Anstellungs- und Desoldungsverhältnisse, er müsse ihnen Recht geben, aber er müsse auch auf die Abbauanträge im Landtag Hinweisen, wodurch diese Verhältnisse geschaffen würden. Einige kleinere Amtsgerichte könnten abgebaut werden, es sei jedoch schwer, den Abbau durchzuführen, weil ein Richter nicht versetzt werden kann, auch werde sich ein Sturm der Entrüstung erheben, in dem Ort, dessen Amtsgericht auf gehoben werden soll. Auf den Gang der Beleidigungsklagen habe das Ministerium keinen Einfluß. Bei der Besprechung von sogenannten Fehlurteilen möchten die Abgeordneten doch in den hessischen Grenzen bleiben. Das Bad-Rauheimer LI rteil, das der Abg. Sturmfels kritisiert hat, sei tief bedauerlich; es werde in dieser Angelegenheit ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Minister weist im weiteren Verlauf seiner Rede darauf hin, d.rh Deutschland durch Abtreibungen jährlich mehr Menschen verliert als es Soldaten im Weltkrieg verloren hat; die Behörden dürften nicht achtlos an einer solchen Tatsache vorübergehen. Der von dem Abgeordneten Sturmseis hier vorgebrachtr "Fall, daß eine Frau aus besseren Ständen zuvorkommender vom Gericht behandelt worden sei, wäre nach Ausweis der Sitten völlig unzutreffend. Sn jedem derartigen Fall, wenn Einwendungen berechtigt wären, würde er einschreiten. Wirkliche große Beschwerden wären gegen die Justiz nicht vorgebracht worden; es sei das eine Anerkennung der Richter. Den angeblichen Fehlurteilen ständen Tausende von Urteilen entgegen, die niemand kritisiere. Die Beisetzung Perathoners. „ Wien, 23. April. (BZ.) Wie der „Neuen Fr. pretze aus Bozen berichtet wird, mar bei dem Leichenbegängnis des Altbürgermeisters Dr. Julius Perathoner eine besonders unfreundliche Haltung der italienischen Behörden zu bemerken. An verschiedenen Punkten der Stadt waren starke Karabinieri-Abtei- (ungen ausgestellt, und eine Gruppe Faszisten begleitete den LeiHenzug. Die Behörden taten alles, um die Feierlichkeiten zu beeinträchtigen. Die Prä- ,ektur »erbot, daß auf dem Rathaus, das Pera- choner 28 Jahre hindurch verwaltet hatte, eine gehißt werden durfte. Ebensowenig durfte eine Ehrenaruft gestellt werden, trotzdem Perathoner Ehrenbürger der Stadt war. Auch durften keine B 1 u m e n s p e n - mer «inn gebraut werden. Die italienische Poftzei «eß alle Kranzschleifen, welche in bin rotweißen Farben der Stadt gehalten waren, ab- schneid e n. Bet der Beerdigung Perathoners waren «ertreter ganz Südtirols anwesend. nicht nur auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen, sondern die auch für die republikanisch: Staats form eintreten. Das Ministerium sei nicht in biefcm Sinne verfahren. Ein Richter Amlsge- richtsrat Willenbücher in Bad-Rau heim habe in eurem Urteil das Arbeitszeitgeseh ein Gesetz für Faulenzer genannt Der Redner fragt an. ob gegen den Richter ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei. Ein anbzrer Richter habe ein Urteil erlasse!', ohne die Schössen zu be- fragen. In zweiter Instanz wäre bas auf eine Freiheitsstrafe lautende Urteil au gehoben worden. Der Redner toniml auch auf die Zunahme der Meineidsprozesse zu sprechen, die Untersuchungsrichter gingen sehr rigoros bei einer kleinen Unstimmigleft in den Qlitofagen vor. Ein Richter, der am schärfsten in dieser Richtung vor- gegangen sei, habe sich aus diesem Gebiete schuldig gemacht. In einem Verfahren gegen ein junges Mädchen aus guten Kreisen, das wegen Äb- treibung verurteilt worden war. wäre Strafaufschub bewilligt worden, in anderen Fällen, bei Frauen niederer Stände verfahre man anders. Die Beförderung nach Altersstufen sei kostspielig urü> belaste den Pensionsetat. Es müsse darauf gesehen werden, daß jemand in einen höheren Posten berufen werde, der auch längere Zeit darin bleiben könne. Manche Statistiken würden einfach aus dem Handgelenk gemacht, ohne genauere Feststellungen. Der Redner fordert die Aushebung der BLzirksschöftengerichte und die Wiedereinführung der alten Schöffengerichte. Die mittlerenIusti.,beamten wären les und der öffentlichen Körperschaften untergraben. Die Wiederaufnahme des Kampfes um die Äufroer- tur.g bedeutet endlich ein erneutes Aufpeitschen aller Leidenschaften, dos unser Bolt in feinen Gliedern gegeneinander hetzt und innerlich zerreißt. Auch die Reichsregierung hat die große Gefahr erkannt, die ein Volksentscheid über die Aufwertung für das Äoltsganze beMitet Sie hat dem Reichstag vorbeugend einen Gesetzentwurf porgelegt, der in Auslegung des Artikels 73 der Reichsverfassung be- ftimint, daß nur der Reichspräsident einen Volksentscheid über die Aufwertung veranlassen kann, da die Auswertungsgesetze die Grundlage des gesamten öffentlichen Finanzwefens, ja, unserer Währung, sind und für den Haushaltsplan, Abgabengesetze u. a. verfassungsmäßig der gewöhnliche Volksentscheid ausgeschlossen ist. Man mag darüber streiten, ob dieser Weg einer Interpretation der Reichsoer- faimng der richtige ist, um einen Volksentscheid über ine Aufwertung zu verhindern. Im Ziel werden alle Einsichtigen der Reichsregierung zustimmen, deren pflicht es ist, zu verhindern, daß neue Unruhe in unser Wirtschaftsleben getragen wird und wir um Jahre m unterem wirtschaftlichen Wiederaufbau zu- ruckgeworfen werden, zumal sehr wohl die Möglich- kelt besteht, durch eine Novelle zum Aufwertungs- Gesetz manche Mängel und Härten, die sich in der Praxis herausgestellt haben, zu beseitigen. vielfach ihrer Ausgabe nicht gewachsen. Zu Richtern sollten mir Persönlichkeiten ernannt werden, die in erster Linie Charaktere seien. Abg. Schreiber (Dem.) weist auf die Steigerung des Iustizetats hin. dies hänge mit der Zunahme der Arbeitslast der Gerichte zusammen. Es sei also jetzt kein geeigneter Zeitpunkt 5um Abbau auf diesem Gebiete. Auf dem ßanbe werde über die hohen Stempelgebühren geklagt. Der Iustizminister sollte alle Gebühren im Iustizwesen einmal auf die wirtschaftliche Tragbarkeit prüfen. Die Einzahlungen, bergenve Zahlungsverkehr wäre umständlich und kostspielig: das Zahlungswesen sollte in einer Hand vereinigt und den Gerichtskassen übertragen werden. Das Justizministerium täte gut, wenn es seine Gutachtertätigkeit einschränke: der bedingte Strafaufschub sollte den Gerichten übertragen werden. Aeberhaupt könnten viele Aufgaben den lokalen Behörden übertragen werden zur Entlastung des Justizministeriums. Abg Schreiber bringt u. a. auch zur Sprache, daß alle -Urteile in Hessen, die von Staatsanwälten m Vertretung von Richtern gefällt wurden, vom Reichsgericht als un g ü 11 ig erklärt Worten sind Der Redner begründet dann die Einsparungsantrage seiner Partei. Er wendet sich sodann dem Duellwesen zu und setzte sich unter An« fuhrung verschiedener Fälle mit Den Deutschnationalen auseinander, wonach Deutschnationale wegen Beleidigung linksgerichteter Persönlichkeiten verurteilt worden sind. Weiter äußerte der Redner Wünsche für einen modernen Strafvollzug. Die Kritik an der Rechtsprechung sei einer beschleunigten Lösung der Besatzungsfragen betonte. Innerpolitisch steht im Augenblick das Kompromiß über d i e Fürstenabfindung im Mittelpunkt des Interesses. Die Reichsregierung hatte e» bisher in falsch verstandener Zurückhaltung den Parteien überlassen, sich über die Form des Kompromisies einig $u werden bzw. eine Form zu finden, für die sich eine genügend breite parlamentarische Basis finden wurde. Die Verhandlungen im Rechtsausschuß des Reichstags sind nun insofern auf einem toten Punkt angelangt, als der § 2 des Gesetzentwurfes, der die Frage der Rückwirkung regelt, von den Sozialdemokraten, die die Annahme des § 1 durch ihre Stimmenthallung ermög- licht hatten, abgetehnt wurde. Es handelt sich für die Regierung nun darum, ob sie das Kompromiß mit den Sozialdemokraten oder mit den Deutschnationalen durchbringen will. Die Beantwortung dieser Frage nach der einen ober anderen Seite hin würde natürlich auf die Gestaltung des Entwurfs von erheblichem Einfluß fein. Don Bedeutung für den Entschluß der Regierung wird der Ausgang der Freitagbefprechungen des Kanzlers mit den Parteiführern und der preußischen Regierung fein, über deren Ergebnis zur Stunde noch keine authentische Nachricht oorliegt Indes läßt die Tatsache dieser Besprechungen den Schluß zu, daß der Reichskanzler auf eine Mitwirkung der Deutschnationalen offenbar nicht zählen zu können glaubt und deshalb auf dem Wege über den preußischen Ministerpräsidenten Braun die Sozialdemokraten für das Kom- Sromiß zu gewinnen versuchen wird. Die Krisis ün lechteausschuß hat das Erfreuliche, daß sie endlich die Regierung zwingt, die Zügel anzuziehen und selbst die Führung in einer Sache zu übernehmen, die sie allzulange schon recht lax betrieben hat, deren schnelle Bereinigung indessen unter möglichster Wahrung des Rechtsgrundsatzes des privaten Eigentums, im Intereste einer endlichen Beruhigung des Volkes dringend erwünscht ift Daß wir innerpolitisch auch bann nicht zur Ruhe kommen, dafür ist schon vorgesorgt. Offenbar ermutigt durch den Ausgang des Volksbegehrens über die yürftenenteignung hat der Sparerbund ange- fünbigt, daß er einen Volksentscheid über die Aufwertung herbeisühren will. Es besteht weitgehende llebereinstimmung darüber, daß die Aufwertungsgesetze vom vergangenen Sommer Härten und Unbilligkeiten enthallen, daß sie immer noch weil davon entfernt sind, alle Ungerechtigkeiten aus der Wett zu schaffen, die als Wirkung des verlorenen Krieges und der Inflation gewisse Kreise unseres Volkes und wahrscheinlich nicht die schlechtesten hart betroffen haben. Wer würde nicht gern die Hand dazu bieten, den Angehörigen unseres gänzlich verarmten Mittelstandes, einstmals eine unversiegbare Quelle der Kraft für Staat und Wirtschaft, für Wissenschaft und Kunst, wieder ein menschenwürdiges Dasein zu geben, statt sie mit allzu kärglichen Brocken abzuspeisen, wie C5 die Aufwertungsgesetze der Lage der Dinge nach nur vorsehen konnten. 3m Interesse des ganzen Volkes liegt die Bildung eines neuen Mittelstandes, die durch eine finanzielle Besserstellung der hart ringenden Reste des allen zweifellos beschleunigt wurde. Aber einem besiegten Deutschland sind auch in der Sorge um feine treuesten Kinder, die einmal alles für den Staat gaben, enge Grenzen gesteckt. Der Reichswirtschaftominifter Dr. C u r t i u $ hat uov einigen Tagen in seiner Karlsruher Rede in wenigen Strichen angebeutet, welche Quelle recht licher und wirtschaftlicher Unsicherheit und Rot eine erneute Aufrollung her gesamten Aufwertungssrage durch einen Volksentscheid im Sinne des Sparer- lnmbes für Volk, Staat und Wirtschaft aufreitzen ir-rbe. (P.-en erst gelingt es langsam, den Markt ' r .^npotaeien und langfristige Kapitalien zu er- schliss.kN, die eriicn Ansätze würden durch eine Ren- • ci ng der Aufwertung im Keime ersticken. Die oVe^m schon stark belastete Landwirtschaft würbe Im Durchschnitt sttrbt jeder zehnte Mensch an Tuberkulose. Der Krieg und die feindliche Hungerblockade haben die Tuberkulose-Sterbftch- keitszifser erheblich gesteigert, sie sinkt aber seit 1919 erfreulicherweise fortlaufend wieder. Der Erreger der Tuberkulose ift ein Zwei- bis Viertausendstel Millimeter großes Bakterium, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Cs wurde 1882 von dem deutschen Forscher Robert Koch entdeckt. Der Tuberkelbazillus hat int Vergleich zu anderen Bazillen eine erhebliche Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse. Im Wasser ist ■men .'terstl,uldu:.g cnipegengeben, die ihr bebe Uten wurde. Auch uem Hausbesitz, dein durch die zwangsweise niebr-g gehaltenen Mieten 1 01,c schon die Instandsetzung der Häuser oftmals wird, würden neue Schwierigkeiten bei der i . g inner Aufgaben erwachsen. Schließlich •e 11 ne Asnderung deo ätttleiheablosungsgeietzes, sie i?r Spareri'und verlangt, die öffentlichen Finanzen zugrunde richten und den Kredtt des Stao- D« i einer neu- vorstehen! erscheinen „Waud Ö? ti fitt w" Ä fa« in'"1 ’ 'M kulosi. * aiWt, rechtzeitig SZ übten Ae sonst M in der Lungenh? i^eben tzs Liegen 5 eine vH lungblv 6infe ost noch Lusicinbia Die die i- Lubcr mit den ö und diese LinslvursS iur 6inat beim Huste verteilt. « gebung 9 in einer arisgchust men der Daher toei kn sollen ihren desi bete 'M zierender -leider a Eentubest Krank sm gesahr m i ausluchen. platten'2o Hierar mann Ist schlechtskra den vir 01 Die 1 heünat ' Bereich j deutschen lenken, so roter, 3e; Der Lust v fid) tu U Monate. Manl Kunst des sal gab, fr nicht noch alter Du, gangenhei ter. Sie! Krieges, l Aetvußtsei m Gefahr wgefkn 1 Pflicht, die nach Ausl len. Auch erinnert ti riehen, de gedenke ülle Tolks innern - sH Mc «lande, P. umfassen. Kriegsg den. Auch deitnen J von jft Dolks trauet !°Ss selbst Der sein Melbares des " Äbchtnüa Mche. d wob gchea Nüchel tD0 ta? QTr Achen Ui Darüber h Kreise Qnt sseu gtbtd H veW empfind Dn Einte .- Ä ist 7 geno .• 1 5 diese *• Zw. L deisest, $ dich i?e8ui M Zahn,ehr. 5unf aber keine Entdeckung von den Denswerten der Vitamine gemacht hat. Kasimir heutigen 2ln- Hessen. Die Sie Mai-Miete in Wohnungsmiete für den Monat Mai wird, wie im April. 95 Proz. der Friedensmiete betragen. iiimnmi'.nnmimiiiinninnmninnniniffinnniimiiHiin 8r-tzeZvel.Zi«M»ilfiil!ig Diinkr ihre Aufmerk- in besserem neu erbauten Hause in guter ____c,o ripm einen ^U __i ind —. Laos mit 3entralbelAuna und eleUrildj hrsii Lage mit Zentralheizung und elektrisch MLR „Erste Hilfe" hin, deren Besuch fehlen ist. Räheres ift aus dem zeigenteil ersichtlich. Aus dem ÄLmtsverküirdigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblalt Ar. 3 3 vom 23. April enthält: Sttafjertberre in Grohen-Duseck. — Maul- und Klauenseuche in Grüningen. — Flugveranstaltung in Sich. — Hessische Altertmnskunde. — Reichsgesundheitswoche. — Straßensperre in Sieben. — Kanalisation in Rieder-Mörlen. — Dienstnachrichten. hohen Le . . wurde es auf einmal klar, wie richtig auch hier Amtsgericht Gießen. ' Giehen, 20. April. Ein Post-Assistent von hier, der bei einem Postschaffner in "Hlicte wohnl, führt mit der Reichspost einen Prozeh. 3n diesem wurde der Postschaffner eidlich als Zeuge vernommen und sagte dabei auS. der Post- Assistent habe, solange er bei ihm in OHicte wohne, gehustet und ausgeworfen und dabei öfter in den in dem Zimmer des Postschaffners stehenden Spucknapf gespuckt. Diese für den Post- Assistenten anscheinend nicht günstige Aussage war die Veranlassung zu neuen Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter, die schon seit längerer Zeit uneinig sind, und die sich schon früher gegenseitig verklagt haben. Der Postschaffner behauptet, der Post-Assistent habe ihm, aü> er mit seiner Frau Wäsche im Garten auf- gehängt habe, das Wort „Spucknapf" wiederholt zugerufen und hinzugefügt. er solle nur nicht vergessen, den Spucknaps dabei zu hängen. Auch habe die Frau des Post-Assistenten chm die Worte ..Meineid und Spucknapf" zugerufen. Er hat deshalb gegen beide Privatllage erhoben. Rach längerer Beweisaufnahme m der heutigen Hauptverhandlung, die im wesentlichen die Richtigkeit der Behauptungen des Privat- klägers ergab, nahmen der Post-Assistent und feine Frau die beleidigenden Aeuherungen mit Bedauern zurück und verpflichteten sich zur Zah- -raquaci usi|o$ a?eit bleiben ihm als freundliche Begleiter. Die Leiden und Erschütterungen vierjährigen Krieges, wie wenig leben sie noch in unserem Bewußtsein! Das ist gut so. Aber eS bringt uns in Gefahr, auch da zu vergesfen, wo niemals "ergeffen werden darf, wo eine höhere sittliche Pflicht, die Danlbarkeit. uns gebietet, den Wunsch nach Auslöschung deS Vergangenen zurückzustel- len. Auch wer an die Kriegszeit nicht gern erinnert wird, darf sich der Pflicht nicht entziehen, der Toten dieses Krieges zu gedenken. Diese Pflicht tätig auszuüben und alle Volksgenossen immer wieder daran zu erinnern — was leider bitter nottut — haben sich deutsche Männer und Frauen, die alle Stände, Parteien und Bekenntnisse ausnahmslos umfassen, im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammengesunden. Auch in Gießen besteht eine Ortsgruppe, weiteren Kreisen befannt geworden durch die von ihr regelmäßig veranstaltete Feier am Volkstrauertag. Der Gedanke des Dolkstrauer- tag« selbst geht auf den Volksbund zurück. Aber fein wesentliches Arbeitsfeld ist die unmittelbare Fürsorge für die Kriegsgräber außerhalb de« Reiche«, chre Ermittlung. Erhaltung und Schmückung und die Ausführung besonderer Dünsche, die von den Angehörigen für das Grab gehegt werden. Was auf diesem Gebiet geleistet worden ist, darüber soll ein Lichtbilder- Vortrag am 28. April, abends 8V4 Uhr, im Drohen Hörsaal der Unioerfität Aufschluß geben. Darüber hinaus soll die Teilnahme weiterer Kreise am Schicksal der Gräber unserer Helden neu geweckt werden. Jeder, der sich ihnen innerlich verpflichtet fühlt — und jeder Deutsche sollte so empfinden —. wird um fein Erscheinen gebeten. Der Eintritt ist frei. Frühgemüsekuren. Es ist die alle Erfahrung, dah alle Pflanzen, genossen, weit wirkungsvoller sind als ge- . ?.i >t. gekocht oder gebrüht. Doch fand die o.ioft früher dafür keine Erklärung und oLUe diese Beobachtungen wohl auch nicht gellen assen. Zwar hatte der große Hippokrates. wohl kl- weiseste Arzt aller Zeiten, schon getagt: Laß es dich nicht gereuen, auch vom gewöhnlichen Manne zu nehmen, was zur Heilung^dient. Seit Lpielplau Der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag. 25. Avril, abends 6V2 Uhr: Lohengrin Montag, 25. Llpril. abends 71/* UIjr: Othello. Dienstag. 27. April, abends 7l/8 ilfjr: Der Waffenschmied. Mittwoch, 26." April, abends 7 Uhr: Figaros Hochzeit. Donnerstag. 29. April, abends 7'/- Uhr: Der fliegende Holländer. Freitag, 30. April, abends 772 Uhr: Mignon. Samstag. 1. Mai, abends TVa llljr: De Fledermaus. Sonntag, 2. Mai, abends 7 Uhr: Don Juan. Schauspielhaus. Sonntag. 25. April, abends 8 Uhr: Der fröhliche Weinberg. Montag, 26. April, abends 8 Uhr: Brennende Erde. Dienstag. 27. April, abends 8 Uhr: Der Diener zweier Herrn. Mittwoch. 28. April, abends 8 Uhr: Der Diener zweier Herrn. Donnerstag. 29. April, abends 8 Uhr: Der Diener zweier Herrn. Freitag. 30. April, abends 8 Uhr: Christoser. Samstag. 1. Mai, abends 8 Uhr: Regen (Rain). (Sonntag, 2. Mai, abends 8 Uhr: Brennende Erde. Kirchliche Nachrichten. Evangel sche Gemeinden Sonntag, t'en 25. April. Jubilate. Giehen. Stadtkirche. 8. Pfr. Mahr. Zugleich Christenlehre für die Reukonsirmierten aus der Matthäusgemeinde. 9'/,: Pfarrafstst. Hertel. 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrassist. Hertel - Johanneskirche 8; Pfr. Bechtolsheimer. Zugleich Christenlehre für die Reulonfirmierten aus der LukaSgem. 9'/.,: Pfr. Ausfeld 11: Kinder- kirche für die Johannesgemeinde. Pfr. Ausfeld. Wiefeck. 9: Beichte 9 .: Predigtgvltesdienst: Lic. theol. Laun-Gießen. im Anschluß Seiet des Heiligen Abendm. Opfer für die AuSlandsdiaSpora. — Kirchberg. 10.11: heiliges Abendmahl f. die Jugend von Lollar. 17,: Daubringen. — Watzenborn- Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 9 Beichte an- schließ. Gottesdienst u. heil. Abendmahl d. jüngeren Verheirateten. Garbenteich: 1. St- äolische Gemeinden. Dietzen. Samstag, 24. April. 4", und 7 Deichte Sonntag. 25. April, 3. Sonntag nach Ostern, 6',, Beichte, 7 Meße, Rom. d. Trauen 8Kom., 9 Hochamt mit Predigt. 11 Messe, mit Predigt 2 Christenlehre und Andacht, Abends 8 Abendunterhaltung der Jungirauen-Kongregation im Vereinshause. — Grunberg. 9' . Messe mit Predigt. — Hungen. 9' , Hochamt mit Predigt. — Sich. 77. Messe mit Predigt wieder die Vollsineinung war, daß frische Rah- rung tocil besser ist als künstlich zubereilete. 5kt Kochprozeh zerstört den größten Teil der Vitamine und führt verschiedene organische Salze, wie den Kall in der Milch, in weniger leicht verdauliche Form übet. Jedenfalls beruht in der Erhaltung dieser Vitamine der gesundhells- fotbernbe Nährwert aller Frischkost und bamit zugleich der der Frühjahrsgemüsekuren, die unsere Säfte zu einem natürlichen Heilserum umbilden. Was hier gesagt wurde, gilt vor allem vom Spinat und Kopfsalat. Letzteren essen wir ja fast ausschließlich als Salat und nur selten aÜ Gemüse. Um aber Spinat frisch zu verzehren, muß man schon sehr tapfer fein, sagt Dr. G. Zenker in einem Aufsatz über Früh- jahrskuren. Das Wagnis gelingt aber sehr gut, wenn man zu dem Spinat Petersilie und Drunnenkresse mischt. Die Drunnenkresse hat sich übrigens bei uns lehr gut eingeführt, und man kann sie als Salat oder sein geschnitten auf Butterbrot genießen. Heute wird die Brunnenkresse in großer Menge in der Erfurter Gegend angebaut. Wer die „Reinigung" feines Blutes recht gründlich betreiben will, der esse nicht nur Kopfsalat in Form von Salat, sondern auch Spinat in der angegebenen Mischung im rohen Zustande. Spinat und Salat sind, wie auch die köstliche Erdbeere, reich an organischem Eisen. Rach Dr. D. wird der Spinat durch seinen hohen Ratriumgehall (35 Prozent) zu einem vorzüglichen Kurmittel bei Ll-ngenkrankhellen. Außerdem enthält der Spinat 2.5 Prozent Eiweiß. Das Rezept zu einer erfolgreichen Früh- llngsgernüsekur ist hierdurch gegeben. Gpd. Gießener Wochenmarktpreifc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt daS Pfund: Butter 190 bis 210. Matte 35. Käse 50 bis 140. Wirsing 30. Weißkraut 25. Rotkraut 30. gelbe Rüben 20, rote Rüben 20. Spinat 35 bis 40. Spargel 130 bis 140 Feldsalat ICO, Zwiebeln 20. Meerrettich 40 bis 80, Schwarz- wurzeln 30 bis 50. 'Kfjabarher 25 bis 30. Kartoffeln 4 bis 5. A-pfel 15 bis 30, junge Hahnen 120 bis 140, Suppenhühner 120 bis 140; das Stück: Tauben 100. Sier 10 bis 11, Blumenkohl 100 bis 200. Salat 20 bis 30. Salatgurten 130, Lauch 10 bis 15. Sellerie 20 bis 70; das Bund: Radieschen 20 bis 2-5 Vorno tizcn. — Taaeskalender für Samstag. Reichsgesundheitowoche: 8i Uhr, Neue Aula der Universität, Dortrag von Geh. Med.-Rat Dr. Wul- ger: „Gefahren und Bekämpfung der Infektions- frantbeiten"; 9i Uhr Zahnarzt Dr. Baum „lieber Mund- und Zahnpflege" (mit Lichtbildern). — Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität": 8 Uhr. „Liekngs- hohe"": Vortrag von Dr. Heil (Worms): „Sport und Körperpflege". — Städte-Wettkampf im Do.ren: 8{ Uhr, Turnhalle der Stadtknabcnfchule (Buichach gcaen Gießen in allen GewichtsNaffen). — Lichtsv .lhaus, Bahnhofstraße: „Die tolle Herzogin". — Palast-Lichtspiele (Kirchenplatz): „Ihre kleine Majestät". — Astoria-Lichtspiele: „Der UebcrfaQ auf den Goldexpreß". — Tageskale:: der für Sonntag. Stadtcheatcr: 7 Uhr „Düwtls "lEnde 9 Uhr). — Reichsgefundheitswoche: Palastl'chtfpiele (Kirchenplatz )oorm 11 bis 1 Uhr Vorführung des Films „(Srfte Hilfe" durch das Rote Kreuz. — Wohltätigleitskonzert zum Besten der Kriegsblinden: 3 Uhr nachm. „Liebigshöhe" (Orchester- Verein und Gesangverein Concordia). — Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsveveine Gießen: 8 Uhr. Saalbau Sauer, Dv':trag über „Erlebnisse in Drutsch-OstafrUa". — Bienenzüchter-Verein: 3 Uhr nachm. bei Kraft l Frankfurter Straße 81) Versammlung. — Oberhessische Sterbekasse (O.H. W.) 10 Uhr vorm. ..Rheinischer Hof" Generalversammlung. Licht ipreltheater wie Sam-tag. — Aus dem S l a d t t he a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: In der Vorstellung am nächsten Sonntag, die bekanntlich das Dauerndrama „Düwels" bringt, wird sich Herr Karl Juhnke in der stücktragenden Rolle das jungen Düwel vom hiesigen Publikum verabschieden. Herr Juhnke hat eine Reihe von Jahren dem hiesigen Stadttheater als beliebtes Mitglied angehört und eine Reibe von Figuren hier auf die Bühne gestellt, an die man sich gerne und dankbar erinnern wird. Sicherlich wird das Publikum dem scheidenden Künstler am Sonntag seine Anerkennung für die hiesige Tätigkeit nicht Amerikanischer Sängerbesuch in Frankfurt. WSR. Fr anksur t a.M . 23. April. Der deutsch-amerikanische Gesangverein Mß i e 6 e r t r a n 8" in Milwaukee (Wisconsin) ist am 14. April mit dem Dampfer „Botck" des Rorddeut^chen Llohd mit etwa 300 Teilnehmern von Reuhork nach Bremen abgefahren. Die Reisegesellschaft trifft am 25. April in Bre- merhaven ein. um von hier aus eine 3 81 ä g i g e Reife durch Deutschland. Oesterreich und die Schweiz zu unternehmen. Besucht werden die folgenden Städte: Bremen, Hamburg. Berlin. Leipzig. Dresden, Rürnberg, München, Innsbruck, Zürich, Stuttgart, Karlsruhe, Heidel- berg, Frankfurt a. M., Mai n>z , Köln, Hannover. Bremen. Fast in allen Städten ist neben der Besichtigung der Sehenswüri itcn ein Konzert oder ein Ko:: mers-Abend g sodaß man annehmen darf, dah die ameri a.ischen Sänger eine gute Aufnahme in Deutsch . Oesterreich und der Schweiz finden werden. Gernhardtscber Zither- u. Mandolinen- Chor, e. V. Proben ab 26. 4. Montag abends 8'/> Uhr im Katb-Bereinsban s Stadttheater Lonntan,27».Avril 27. donniag-W-Bt I. Bon 7 bis 91/, Uhr Süwels. Ein Banerndrama in 4 Aufzügen von Heinrich Sohnreri. Sonntag, 2. Mai, 28.5on:itag-flü.-B[iL Bon7 bis aeg. lOUhr IßariPtto Operette in 3 Akte» von Kollo. agssC Btoei $etttf*e | Neuer Marlen l| Vereine"" LGscrhütiS Fahrrad j Kaufgesuche j Georg Jung 18 Herr Wilhelm Hamel III Schneidermeister »u im 64. Lebensjahre. Frankfurter Str. 70 Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Wetzsteinstraße 42), den 23. April 1926. (Wohnungstausch Simmer- 2 bringt. 3665V Wir juchen für Aushilfe Mai, Funi Eintritt frei! StellsnLngedolej der Vorstand. 3682V gesucht. 3700c Verkäufe | Kasse 02' Der Vorstaub Erstkl.Bogelsberger Rind feine 3668V Perfekte Trachtlgcs Rind Wieseck, den 23. April 1926. 3638 D Ordentliches Wieseck, den 24. April 1926 3713V [Vermietungen j Steiner's Reform Haus der Handarbeit Paradies-Betten Settersweg 81 Reisenden fr jj».i preiswert zu verk. Wo. sagtd.GeschäftS- ftcUe d. G. «. 02893 gegen fette Bezüge u Provision zum Besuch von Privaten in Stadt n. 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Rückblickend auf das ereignisvolle und an das Oberhaupt des Rei- ches fast übermenschliche Anforderungen stel- lende erste Amtsjahr, richten sich an dem Gedenktage aus allen Gebieten des Vaterlandes, allen Parteien und Berufen die Gefühle tiefen Dankes und herzlicher Verehrung zu dem Manne, der nach einem Leben voller Arbeit und Verantwortung mit der Uebernahme der Reichspräsidentschaft das letzte und schwer sie Opfer seinem Volke brachte. „Pater patriae“,Jo hat ihn vor kurzem bei seinem 60jährigen Mtlitärjubiläum ein hoher Kirchenfürst genannt. Und fürwahr, vor Volk und Welt steht er da als der treusorgende VaterdesDaterlandes,dermit Güte und Milde, mit Gerechtigkeit und Frömmigkeit, mit Lebenskluaheit und doch festem Willen dem deutschen Hause vorsteht. Aufgewachsen in Ueberlieferungen und Anschauungen, die in so mancher Hinsicht mit der heute herrschenden Meinung nichts gemein haben, einer der wenigen Ueberlcbenden, denen es vergönnt war, Vreußens Aufstieg bis zur Reichseinheit zu erkämpfen, der Führer des deutschen Schwertes im gigantischen Daseinskämpfe, hat er s i ch selb st überwunden und auch im tiefsten Elend seines Vaterlandes seine Person in die Bresche gestellt. An seinen Ueberzeugungen hat er dabei sicherlich nichts aufgegeben, und die wunderbare Harmonie seiner Persönlichkeit wird dadurch in keiner Weise getrübt. Man weiß und fühlt es instinktiv, daß dieser in sich abgeschlossenen Persönlichkeit manche Zustimmung und manche Entschließung ungeheuer schwer, ja bitter gewesen sein muß. Dafür dankt ihm das deutsche Volk, namentlich diejenigen Kreise, welche die Vergangenheit nicht in den Staub ziehen lassen wollen, mit besonderer Wärme. Zeder, der ihn in seiner wichtigen Schlichtheit handeln und auf das Volk wirken sieht, hat die wohltuende und seltene Gewißheit, daß in diesem Manne sich das Aeußere der Gestalt und das Innere des Wesens und Wollens vollkommen decken. Wer die ungemachte, echter Pietät und tiefer Verehrung entspringende Begeisterung mit erlebt hat, mit welcher Hindenburg überall, wo es sich in deutschen Gauen zeigte, vom Volk empfangen wurde, der behält das in teurer Erinnerung, auch als einen Beweis dafür, daß das wirklich Große im Menschen auch heute noch den Deutschen in bezwingendem Banne hält. Da haben namentlich wir Rheinländer bei seinem zweimaligen Besuche im Westen empfunden, welche zu wirklichen deutschen Beken- nungstagen am Rhein wurden. Als er von der Freitreppe des Duisburger Stadttheaters Tauenden und Abertausenden vernehmbar, die Worte sprach: „Der Rhein ist unser Schicksalsstrom. Er gehörte uns, wenn wir einig waren, und wir verloren ihn, sobald wir uneinig waren; darum sei der Rhein uns immer eine Mahnung zur Einigkeit", traf er den Augenblick und packte die Volksseele. Möge sein Ruf zur E i n h e i t, den er überall als ein ceterum censeo ertönen läßt, nicht nur Augenblickseindruck hinterlassen. Keiner hat so das Recht zu mahnen und zu warnen wie er. Ueber Flaggenstreit und Formenfehde droht das deutsche Volk sich zu zerfleischen und das Wesentliche zu ver- gesien. Das Wesentliche aber ist, aufbaucnd auf der Vergangenheit, deren wir uns nicht zu schämen brauchen, und glaubend an das Recht und die Zukunft des deutschen Volkes, das bedrohte Leben der Ration zu retten. Dank dem Geschick, daß es uns in dieser Notzeit einen Mentor gab, dem alle vertrauen dürfen. Zn Liebe und Dankbarkeit gilt am heutigen Tage ihm unser verehrungsooller Gruß. Möge dem schwergeprüften Vaterlande der Himmel noch lange diesen Vater erhalten! Hygiene und Weltanschauung. Don Wolfgang Eberhard Schütz. Der Kampf mit der Rot ist die Signatur unserer Zeit. Wenn Emil Gott, der badische Dichter, sagte: Die vierte Ditte de« Vaterunser mühte besser lauten „Untere tägliche Rot gib unS heute", so mochte das Wort bei einer allzu ästhetischen Lebenseinstellung des DorkriegSmen- schen berechtigt gewesen sein. Die Zeiten haben sich gewandelt. Heute ist uns diese« Wort innerlich fremd, ja unerträglich geworden. Unsere DolkSkraft ist in jeder Beziehung durch Krieg und RachkriegSzeit geschwächt worden: nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern ebenso sehr gesundheitlich. Die Reichs- gesundheitSwoche zur hygienischen DolkSbelehrung wendet sich an alle Kreise unseres Volke«, vor allem auch an die Jugend, daß sie die Bedeutung eines gesunden Leibes und eines gesunden Geistes schätzen lerne. Was wir brauchen, sind Leuten mit festen Knochen, straffen Muskeln, mit einem kräftigen Herzen, mit einem gesunden, Hellen Auge für alles Große und Schöne, einen tapferen Sinn, einen starken Willen tict im Herzen tragend. Es war eine gewaltige Kundgebung, als am Sonntag im Lustgarten in Berlin die Sport- und Turnvereine aufmarschierten. Diese Kundgebung war ein einzig lauter Wille zur Erstarkung und Ertüchtigung unserer körperlichen Kraft. Die Berichte der Schulärzte, die Statistik der Reichsversicherungsämter, die Erfahrungen der Wohlfahrtsämter und der Jugendfürsorge sind erschütternd. Sie zeige:: eine ungeheuere Abnahme unserer Vollkraft. Der leitende Grundsatz der Reichsgesundheitswoche war mit Recht von Anfang, alles Abschreckende und letzten Fasern des Lebens blohlegt. nut allzu sichtbar. Unser Volk ist vielleicht darum mit am Weltkrieg zerbrochen, weil ihm feine Weltanschauung. schon durch die Krisis des modernen Denkens in Stücke zerschlagen, nunmehr völlig zerbrach. Wir brauchen eine neu-idealistiiche Weltanschauung, die ebenso sicher in der vollen Wirklichkeit steht, als sie sich gründet in der Idee der Pflicht, der Volksgemeinschaft und Verantwortung am Volk. Die die Verantwortung jedes einzelnen an seinem Volk betont und von daher dem Triebleben, dem eignen Willen, der Isolierung de« einzelnen, der radikalen Selbstsucht stärkste Hemmungen entgegensetzt. Die als Weltanschauung Kräfte bildend ist und sich verbündet mit dem. was an lebendigen Kräften in der Kultur unsres Volkes vorhairden ist. Träger eines solchen ReuidealiSmus muh Schule und Kirche. MMeZeilW Oberhessens und des angrenzenden Lahngebietes ist der seit 176 Jahren erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen anerkannt hervorragend ausgestatteten, in eigenem Nedaktions- und Druckereibetrieb bearbeiteten Beilagen Gießener Familienbiätter Dienstags und Samstags Heimat im Bild Donnerstags Die Scholle Ratgeber für Viehzucht, Feld- und Gartenbau Freitags Bestellungen nehmen entgegen in Gießen die Trägerinnen und die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, auswärts über 200 örtliche Vertriebsstellen und die Post. Häßliche zu vermeiden und mehr das Schöne, Kraftvolle zu betonen. Aber man soll sich auch da« Furchtbare und Erschütternde, das aus diesen Zahlen spricht, vor Augen halten, damit man die Rot sieht, die über uns gekommen ist. Tuberkulose, Syphilis, Rervenkrankheiten zehren am Mark unseres Volke« und verzehren es. Zum Wiederaufbau des Volles gehört, wa- nur allzu oft im politischen und wirtschaftlichen Kampf übersehen wird, der Wiederaufbau der Volksgesundheit. Aber es heiht, Symptome heilen, wenn man nur die Muskeln stählt, kranke Lungen heilt, Erholungsheime schafft. Sport und Spiel pflegt, statt den Schäden an die Wurzel zu greifen. Der Krieg liegt hinter uns. ein Schicksal, das über uns gekommen ist, nicht mehr zu ändern. Aber zu ändern sind die Verhältnisse, aus denen fortzeugend die Schwächung unserer Volkskraft kommt. Gewih, die Industrialisierung unseres Volkes, das Anwachsen der Städte und der Grohstadt mit ihrer Zusammenpferchung von Menschen und Verbrauch an Volkskraft, mit ihrer Wohnungsnot und der Zerstörung des Fa- mlliensirms, mit der Hetze des Leben- und dem Raub an innerer Sammlung und innerer Kraft, diese ganze Art, heute zu leben, sind die tiefsten Wurzeln der Vernichtung unserer Volls- kraft. Die Hygiene weist mit Recht zur Beseitigung dieser Mißstände hin auf Reform des Wohnungswesens, des Städtebauwesens, auf die Forderungen der Bodenreform, auf den Kampf gegen den Alkohol, die Aenderung des ungeheuren Mißverhältnisses zwischen Arbeitsforderung und Arbeitskraft heute in einem neuen Arbeit« recht. Aber noch tiefere, letzte Hintergründe unsrer geschwächten Volksgesundheit werden deutlich. Das Bild des Lebens ist komplizierter, als eS gemeinhin scheint. Erschreckend hat die Geburtenziffer abgenommen. Richt nur die Geschlechtskrankheiten sprechen hier mit. sondern ebenso sehr die Unlust zum Kind, begründet in Wohnungsnot, wirtschaftlichem Kampf, in Weltanschauung. Unsere Ehen zerfallen. Auch hier spricht die Statistll der Ehescheidungen gerade in der Großstadt eine ernste Sprache. Und wer das Leben kennt, weih es auch, ohne dah die Statisttk zu ihm spricht. Der letzte Halt fehlt: die Verpflichtung vor einander und für einander, da« Pflichtgefühl gegen die Kinder. Eine Weltanschauungs- not wird offenbar, besonders auf dem Gebiet nervöser Krankheit. Heute ist längst der Rerven- arzt zum Psychotheraputen geworden: mit Brom, Chinin. Erholungskuren ist es nicht allein getan. Die Sprechstunde des Arztes ersetzt vielfach den Beichtstuhl der Kirche. Der moderne Mensch muh erschüttert fühlen, dah körperliche Ruhe. Abwechslung, Vergnügen kein Ersatz für Freude, für den Halt der Weltanschauung ist. Der Zusammenhang zwischen Volksgesundheit und Weltanschauung wird, wenn man die Universität und Volkshochschule werden. Träger dieser Kräfte muh die Familie, vor allem die Frau sein. Es ist keine Frage, vom Aufbau der Familie und der Pflege des Familiensinnes hängt ein gutes Stück unsrer Volkskraft ab. Die lebendigen Kräfte, die von Person zu Person sich entfalten, sind wichtiger als die arohen Worte und die Gebärde der Intellektuellen. Die Antike hat wunderbar den harmonischen Menschen gepflegt; sie hat im Leiblichen und Seelischen m eins gesehen. Erst die Moderne hat zerrissen, was zusammengehört: Leibliches und Seelisches. Vergessen wir über de 1 materiellen Bedingungen des Lebens nicht den deutschen Idealismus als die grohe. volksbildende und volkserhaltende Kraft. Es gilt auch für unsre Zeit und wird immer stärker feine Geltung erweisen. was Schiller kündet: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut." Kirche und Schule. Lutherische Tagung in Metzen. Zweiter Tag. hr. Giehen, 21. April. Der zweite Tag der lutherischen Konferenz begann mit einer Morgenandacht um 8.30 Uhr im ©aal der Jo- hanneSlirche, die von Superintendent Landau- Marburg gehalten wurde, der übet Eph. 2, 8—10 und den evangelischen Gnabenbegriff sprach. Rach Gesang und Gebet erhielt Professor D. Paul Alkhaus - Erlangen das Wort zu seinem Vortrag über: „Die Kirche als Gemeinschaft (nach Luther)". Er ging davon au«, dah namentlich durch die Jugendbewegung unseres Volles eine neue starke Sehnsucht nach Gemeinde gehe. Ferner, daß die alte Kirche auf die Selbstbesinnung als Kirche gewiesen werde und ein neues Regen des Verantwortungsgefühl«, ein Sehnen nach Gemeinde sich zeige. Er knüpste daran die Synthese: Die alte Kirche und die junge Sehnsucht nach Kirche sollten sich finden in der neuen Kirche. In einem historisch gewandten ersten Teil zeigte er das Verhältnis von Wort und Gemeinschaft, die Lehre von der Kirche: nach der Confessio Augustana ruht die Kirche auf der Gegenwart Christi im Wort und im Sakrament. Die Orthodoxie weih wohl von der Kirche zu reden, nicht aber von der Gemeinde. Es fehlt völlig das wichttge Moment, dah die Kirche handelnde, letbenbe, kämpfende und kreuz trag ende Gemeinschaft < Luther) ist. Umgekehrt versteht der Pietismus von der Gemeinde, nicht aber von bet Kirche zu reden. Daher ist im Pietismus vieles fentimentaliflert, besonders deutlich zu sehen an den Kirchenliebem, denen doch die volle Gröhe der Kirche abgeht. 3m 19. Jahrhundert hören wir wieder nichts von der Gemeinschaft. In diese Theologie ging der Gedanke bet Gemeinschaft nicht ein. Während bei Luther beide«, Wort und Gemeinschaft, in innigster Durchdringung stand, können sich beide in der nachlutheri- chen Zeit nicht mehr finden. Von der Kirche aber kann man erst reden, wenn man das Wort und die Gemeinschaft zusammen verbindet. Der zweite Teil ging zunächst auf die Frage ein: Was ist Gemeinschaft? Die Einheit in Glauben. Gebet unb im Werk, die Fülle, die die Einheit umschlicht, und da« Mit- und Füreinander bet verschiedenen Erscheinungen. „bickWoIke der Zeugen" Das Wort aber muh so verstanden werben, daß eS den GemeinschaftSgebanken ein- fchließt und umgekehrt. Man darf aber nicht die Kirche des Wort« mit der Kirche der Worts verwechseln. Wenn wir die Kirche des Worts nennen, so bedeutet das nur, daß wo Gott uns begegnet, wir immer im Gewissen angefprochen sind. Die Kirche darf sich nicht dabei beruhigen, bah daS ®mngelium de« Wort« verkündigt werbe, bas Wort muh selbst Ausdruck des Gemeinschaftswillen- fein. Wie z. D. die Verkündigung des Apostel- Paulus zusammenhängt mit einer ganz konkreten praktischen Haltung, ober wie bei dem Missionar die mächtigste Predigt immer die ist. bah er freiwillig in ein srembeS Land zieht, belfen Sprache er lernt und bort seine Wohnung nimmt, so sollen auch bie Christen stets lebendige Zeugen des Wortes sein. Zu der Predigtlirche muß noch bie bedeutende Ausgabe hinzutreten, die in den Weihnachtsberichten der Hamburger Stadtmission und von Berlin-Ost 1925 al# „Schweigende Tat der Kirche" bezeichnet worden ist, b. h. die Christen müssen die Fleischwerdung Gotte« leben. Wir braueben ein Minoritentum derer, die zu den Verbitterten Mitverbitterte werden und zu den Kämpfenden Mitkämpfende, wir brauchen eine gleichnishafte Fleischwerdung. Die lutherische Kirche muh selbst da« Wort sein, sie darf nicht nur an da« Kreuz glauben, sondern muh selbst bas Kreuz sein So soll denn auch in der AbenbmahlSseier dieser Gedanke zum AuSbruck kommen. Sie muh auch Weihe zu der von uns geforderten Haltung des Worte« sein. An der Di-kusfion beteiligte sich neben verschiedenen Theologen auch ein Laie. Professor Althaus ergriff noch zweimal das Wort zur Richtigstellung und zur Antwort. Rach 11.30 Uhr schloß der Leiter der Versammlung, Superintendent Landau, die Kon- seren- mit Dank und Wunsch ab. Alm 12 Uhr fand ein gemeinsames Mittagessen im Hotel Hindenburg statt, dann trafen sich noch eine Reihe von Teilnehmern, um den Schisfenberg zu besichtigen. Preußen. Dillkrcis. WSR. Dillenburg. 23. April. 3m benachbarten Mandeln find in letzter Zeit Bestrebungen im Gange, die Silber - und Bleierzgrube „Kamerun" wieder in Betrieb zu fetzen. Die Grube ist In den 90er Jahren wegen Unrentabilität stillgelegt worden. Die Kure befinden sich durchweg in Händen von Kkeinbe- fitzern. Ein auswärtige« Konsortium hat nun in letzter Zeit versucht, die KurenmehrhÄt an sich zu bringen. Dem Vernehmen nach soll es ihm auch gelungen sein, einen großen Teil der Kure zu erwerben. Da sich das Konsortium einen Erfolg von der Jnoetriebnahme verspricht, dürfte in absehbarer Zeit damit zu rechnen fein. bl. Dillenburg. 23. April. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer jüngsten Sitzung u. a. mit dem Mieten in städtischen Wohnhäusern. S« wurden folgende Sähe beschlossen. 900 Mk. 1. Etage. 800 Mk. Erdgeschoß und 700 Mk. 2. Stock. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der da« Ministerium gebeten wird, so bald al« möglich das Seminargebäude freizustellen, um der Wohnungsnot weiter entgegenwirken zu können. — Mit der Ausführung des Bebauung-plane- der Stadt Dillenburg wurde begonnen. Vorerst werden die Strahenzüge errichtet werden. Das Projett wird zum großen Teil im Wege der produktiven Er- werbSlosenfürforge gefördert. bl. Herborn, 23. April. Im Wester- to d Iber Braunkohlenbergbau verschlechtern sich die Verhältnisse andauernd. War in früheren Jahren die Braunkohle br« West er - Waldes eine gesuchte Ware, so ist der Absatz heute äußerst gering. Die meisten Werke stehen still. Rur einige kleine Betriebe halten sich noch einigermaßen über Wasser. Die Ursache des Rückganges mag in dem überaus starken Angebot in rheinischen resp. englischen Kohlen und Briketts liegen. bl. Driedorf, 23. April. Die Autobuslinie von hier nach Weilburg wird in ständig steigendem Mähe benutzt. Jetzt erst tonn man sich ein Bild von der Rotwendigkeit bet Einrichtung machen. Die Bevölkerung ist seht erfreut über bie praktische Derbinbung mit dem Lahntal. □ Driedorf, 23. April. Auf her Hauptstraße Hachenburg — Herborn bi Hohen- r 01h fuhr ein Auto in einer K iroe gegen einen Daum. Der Anprall war so stark, daß der Führer des Autos durch das Verdeck der Limousine auf die Strohe geschleudert wurde und besinnungslos liegen blieb. Fuhrleute brachten den Verletzten nach Hohenroth, von wo er von dem herbeigerufenen Arzt ins Krankenhaus nach Herborn gebracht wurde. Den Verletzten hofft man In einigen Tagen wieder hergestellt zu haben. ES soll ein Generalvertreter der Farbwerke fein, her sich auf der Fahrt nach Berlin befand. .. _ XX Von der unteren Dill, 23. Apml. DaS überaus günstige Wetter der letzten Wochen hat die Frühjahrsarbeiten auf den Feldern sehr gefördert. D'.e junge Saat sproßt mächtig empor, man sucht.vielfach durch künstliche Düngemittel auch bei dem Klee nachzuhelfen. Jetzt sind die Landleute fleißig mit dem ■ 2 ; Mn Ohne Ock/acke, ohne EEEEEEEEEE ,£EEEEEEEE£L EEEEEEEEEEE xEEEEEEEEE ■^EEEEEEEE Emil I Bull a* „.^ebofe L'ch« bi3 , JNilfags3 5.teinbQ N|d)e 3 H' Donners 8i Uhr, ! Lchepp in Fochorle fiälberfloll, Saafer he Stimmt 43 im (in 3. bif 5.9i fyfstannt). (Neuhofstir 5. All, 37 f $t.l bis 4 »erjleigert; 52 El wt Jli hvlihitzr un 3-unb5.Hl UI pit Ul Reisffangen Jlubldxiler w°ld). Jluf lang, Neuh . Ferner 2 257, Eiche. Mte 13,5 Hainbuche 2 A Ficht, H Hain vuchk 19, (F *Uidje< Ktz, Pw, mj gingen I)0|; .Ochsten S'T D( Wirtschaft 1* fm Sh nnb 6 Sch lfnb vertat ^Das zu dieser Zigarette verwendete Papier ist besonders dünn, sowie mit Wasserzeichen-versehen und harmonisch zu der gewählten Mischung > abgrestimmt. Die uns bis heute schon zuteil gewordene Anerkennung seitens der k Raudierwelt laßt erkennen,daß die >Torwart2. JA Herren- isl Damsn-Kleiäeislo'fen / R B M auf Wuni-cb franko zum Versand. M Tausende ßeleblgnnpwchreiben .In. aas allen Teilen Deutschland». , Lehmann 4 Asimy. Spremberq479 Lkra Aeltcsie Tuchfabrik Deutschland», die ihre w Fabrikate an Jeden Privatmann versendet Vergebung do« Stanfllifatisubarbriteii Für die Kanalisation der Kaiser», Giehener- und Dismardstrahe in Hungen sollen nachfolgende Lieferungen und Arbeiten vergeben werden: Los 1 Lieferung der Steinzeugröhren von 15 und 20 cm und der Zementröhren von 15-50 cm l. TS>., sowie der Strahensinkkasten usw Los 2 Erd-, Maurer-, und Aohrver- legunasarbeiten (etwa 3400 cbm Kanalgrabenaushub). Die Pläne uud "Bedingungen liegen bei uns offen, AngebotSvvrdrucke können tu je 1,50 Mark für jedes Los von uns bezogen werden. Eröffnung der Angebote Donnerstag, den 6. Mai 1926, vormittags 9'/, Ahr bei Helsischer Bürgermeisterei Hungen. Freie Auswahl Vorbehalten. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Giehen, den 21. April 1926. Hessisches Kulturbauamt H. Steinbach, Aeg.-Baurai. 3660V Jagd-Verpachtung. Samstag, den 1. Mai, nachmittags 3 Llhr, wird auf dem Rathause zu Cleeberg die Zagdnuhung im 150 ha grohen Eleeberger Marktwald auf 9 Zähre öffentlich verpachtet Bermerlt wird, dah ein guter, jahrelang geschonter Wildbestand vorhanden ist. Für den Bezirk ist das heff. Jagdrecht mahgebend und ist derselbe von dem Bahnhof Hafielbvrn der Strecke Usingen-Wetzlar in 15Minuten bequem zu erreichen. Cleeberg, den 21. April 1926. Der Fagdvorsteher: Höhn, Bürgermeister. 3664V Bekanntmachung. Ortsansässige Personen, die in Bad- Nauheim die Kurmittel gebrauchen wollen, ohne dort Wohnung zu nehmen, erhalten nur dann Bäder verabfolgt, wenn sie eine von hier ausgestellte Ausweiskarte im Badehause vorzeigen können. Die Ausstellung von Ausweiskarten erfolgt im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 29. 3470B Giehen, 15. April 1926. Der Oberbürgermeister: Keller. Verlauf eines Bullen. Die Gemeinde WeiterShain verkauft einen abgängigen Bullen. Die Angebote sindverfchloffen pro Zentner Lebendgewicht in Reichsmark bis zum 30. April 1926 nachmittags 1 Llhr auf der Bürger-, meisteret abzugeben, woselbst die Bekanntgabe der Bedingungen und die Eröffnung der Angebote erfolgt. Bürgermeisterei WeiterShain Rei-chert. 3663 D Holz-Berkau. Donnerstag, den 29. April, vormittags 8$ Uhr, bei Herrn Gastwirt Wilhelm Schepp in Saasen, aus Försterei Saasen, Forstorte Bauschet, Breiteloh, Hainhege, Kälberstall, Kleiner Seng, Neuhofstanne, Saaser Hegwald und verschiedene: Stämme: 105 Stück Eiche 1. bis 6. Kl., 43 fm (in 7 Forstorten). 19 Stück Buche 3. bi» 5. Kl., 13 km (Eichwald und Neu- hofstanne). 1 Stück Aspe 4. Kl., 0,7 Im (Neuhosstanne). 44 Stück Kiefer 3. bis 5. Kl., 37 fm (41 Stück in Breiteloh in Nr. 1 bis 47, soweit nicht bereits früher versteigert; 3 Stück Saaser Hegwald). 52 Stück Fichte 2. bis 5b-Kl., 36 fm (Neuhofshege und Zeileichen). 11 Stück Lärche 3. und 5. Kl., 6 km (die 3. Klasse in Saaser Hegwald und Zeileichen). 6 Stück Tanne 2. bis 4. Kl., 6 fm (Zeileichen). Derb- und Reisslängen: Fichte: 179 Stück, 19,4 fm. Ruhscheiter: Eiche: 3 rm (Saaser Hegwald). Ruhknüppel: Eiche: 44 rm (2 m lang, Neuhosstanne). Ferner Brennholz rm: Scheiter: Buche 257, Eiche 30, Birke 2, Aspe 1, Kiefer 8, Fichte 13, Tanne 8. Knüppel: Buche 107, Hainbuche 25, Eiche 176, Aspe 2, Kiefer 66, Fichte 90, Lärche 2. Reisig, gern.: Buche, Hainbuche 338, Eiche 134. Stöcke: Buche 19, Eiche 10, Fichte 29. Sämtliches zur Versteigerung gelangende Nutz- und Brennholz ist rot gezeichnet, mit Ausnahme der Derb- und Reisstangen. Hessische» Zorstamt Grünberg. Holzversteigerung. Nächsten Dienstag, den 27. April, nachmittags von 2 Uhr ab, werden in der Wirtschaft Ruppert, Fellingshausen, zirka 190 km Kiefern bauholz, über 25 cm Dm., nnb 6 Schnittstamme öffentlich meiftbie- tend verkauft. Der Bürgermeister. Weber. Vollnkirchen „ 75 „ Die Kausbedingungen, denen . , Bieter zu unterwerfen haben, sind vom Bürgermeisteramt zu Groß-Rechtenbach gegen Voreinsendung des Portos zu beziehen. 3623D !! Die Marke höchster Vollendung!! Alleinige Vertretung für hiesigen Bezirk: Pianohaus R. Schönau Seltersweg 91. Reichhaltiges Lager auch anderer vorzüglicher Fabrikate in allen Preislagen. Langjährige Garantie. Weitgehendste Zahlungs - Erleichterung. Auf Wunsch ohne Anzahlung bei mäßigen Monatsraten. Bei Barzahlung höchster Rabatt. *« ■ ■■ - 3706a Großer Transport Zirka 20 Wie »WM tolMti und menWrn Sdilioes darunter mehrere egale Gespanne stehen ab Dienstag, den 27. April 1926 in unseren Stallungen Walltorftrahe 71 zum kommissionsweisen Verkauf. 3709d Telephon 862. Gebe. Isenberg, Gießen la Kreissäge I Welle, mit Ring-1 schmierlager, la600 Blatt. Gestell u Schiebetisch 50M so lauere Vorrat Carl Schunck TaplkT 2000 Ztr. vorrätig, liefert ieb. 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April 1926. 3630D Ullatein- Scknittmuater bei 3198a Salomon 4 Schulstraße 4 Henri llreHMi unserer über 5 Morgen grohen Zeisel- wiese Gemarkung Giehen, Flur 12, Ar. 68,69 ist besonderer Umstände halber neu zu verpachten. I Angebote an Ainn ck TlooS, A.--S, la eichenlohgrubengegerbte, naßgestreckte *“‘D Kernleder - Treibriemen In allen Breiten sofort ab Lager. Wiederverkiufer Rabatt Hch. Jeotiea, Gießen, Neustadt 32. Telefon 644. Sämtliche technische Bedarfsartikel. Vertretung der Leder- u. Treibriemenfabriken E. Luckhaus A.-G. ! Trinkt das gute Mainzer Aktien-Bier! Zum *elben Preise wie die einheimischen Exportbiere EmilSchmall Gießen BlergroßhandL tu Eisfabrik Telephon 83 -,UD Wieseck Sonntag, den 25. April 1926, im Saale des Gastwirts Heinrich B#aun Großes Konzert ausgeführt von der Kapelle Mank Musikalische Leitung: Herr Kammervirtuose L Kümmel-Darmstadt, Gastdirigent und Solist 3705V Anfang pünktlich 8 Uhr keichsgesundheitswoHe Vorführung des Films Erste Eilte in den Palast-Lichtspielen am Kirchenplatz: Sonntag, den 25. April, vorm. von 11 bis 1 Uhr Eintrittspreis 50 Pfennig Samstag, 24., Montag, 26., Dienstag, 27. April Vorführung des Films für Schulen Eintrittspreis 10 Pfennig 3B66D ROTES KREUZ, GIESSEN. —Weißlack-Möbel —? Schlafzimmer Mk. 350.— Kleiderschränke Mk 48.— Waschkommoden Mk. 65.— Nachtschränke Mk. 20.— Holzbetten Mk. 42.— Metallbetten Mk. 28.— eichene Speisezimmer von Mk. 550.— an, eichene Herrenzimmer von Mk. 450.— an, Mahagoni polierte Schlafzimmer statt Mk. 2200.— nur Mk. 1350.— Möbelhaus J. JTTMANN Inh.: A. Brumlik Bahnhofstr. 29 Suppen inWurstForm Sechs Teller feiner Suppe in den Sorten: Erbs fein, Erbs mit Speck, Erbs mit Reis, Blumenkohl, Spargel, Grünkern,Tomaten. Pilz, Ochsenschwanz, Krebs, Teigwaren ergebe ich,nur20Min.in Wasser gekocht, ohne alle Zutaten, denn diese vereinige ich alle in mir. Jeder Kaufmann hat mich. ♦Ich bin ja so leicht zu genießen ! Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Kriegsblinden am Sonntag, 25. April, nachm.3 Uhr, a. d. Liebigshöhe, unter gütiger Mitwirkung des Orchestervereins 1908, Gießen, musik. Leitung: Herr Kapellmeister H.Weller, sowie des Gesangvereins Conkordia, Gießen MUSIKFOLGE I. Teil 1. Militärmarsch (D-Dur)............................ Schubert 2. Ouvertüre zur Oper „Die Stumme von Portici“.. Auber 3. Erinnerung an Richard Wagners „Tannhäuser“.. Hamm 4. Gesangsvortrag: „Maiennacht“.................... L. Seibert 5. Fantasie aus der Oper „Lohengrin“ II. Teil 6. Ouvertüre zur Oper „Die Zigeunerin“............ Balfe 7. „Der Karneval v. Venedig“, Thema u. Variationen für Trompete, (Solist: Herr Schwarzlose)......... Arban 8. Gesangsvorträge: a) Reiters Abschied............. Hirsch b) Frühlingslaube..............Tschiwsch 9. Ungarische Tänze Nr. 5 und 6 ................... Brahms 10. In Treue fest, Marsch............................. Teike Änderungen vorbehalten 3öwd Cafe Amend :: Biliard-Saai :: 6 erstklassige Billard 2 Meister - Matsch unter Leitung des neuen Billardmeisters Herrn Bosnack-Magde- iiiiiiiiiiiiiniiiiinfi bürg iiimiiiimiiiiimiii ______________________________________ 3701c ■ -- ■ -11- ..-l'!" " I I! I 8u dem am 18. und 19. Juli d. IS. slatlfindenden 50* Stiftungsfeste beß Gesangvereins Eintracht, Hatten rod sollen die 02802 Plätze für Karussell, Zuckerbudeu usw. ver geben werden. Angebote sind schriftlich bis zum 10. Mai an den ersten Bor sitzenden Forst- wnrt Keil zu richten.__________________ vlumenlasten von unbegrenzter Haltbarkeit. Jedes aewlinschte Wich und Aarbe lieferbar. Aufträge für Vieferttnn und Bepflan- Auno baldigst erbeten. 37241) Hnöolf SHneiver, Sonenöantietrieh Schiffenderger Weg 61 Telephon 1247 [Verschiedenes! WM Wer erteilt Unter- rtcht. zwei- bis drei» mal pro Woche. abends v 7—8 Uhr? Schrift l. An geb. mit Preis unter 36811) an d Gietz. Anzeiger Untewrimsnet erteilt Nachhilfestunden bei massigen Preisen. Schr. Ang. u 02908 an den Gietz. Anz. Lsiwill welche tn den Nach- nnttagSnunden un- abhängig iit, und die Schularbeit, zweier Schiiiertnnen ge- wisienbast beaufsichtigen kann. per sofort gesucht. Schrift!. Angebote unter 37211) an den Gtetzener Anzeiger. DÜSSELDORF 1926 MAI OKT GROSSE AUSSTELLUNG GESUNDHEITSPFLEGE SOCIALE FÜRSORGE 7 LEIBESÜBUNGEN Verbunden mit derTJüffeldorfer I Vuriftau$ftellun$~' I Spielplan der 3 Gießener Lichtspiel-Theater Lichtspielhaus Bahnhofstraße 84 Bis auf weiteres: „Die tolle Herzogin“ nach dem bekannten Roman Im Gießener Anzeiger. In der Hauptrolle Ellen Richter als „Tolle Herzogin**. 6 spannende Akte, sowie das auserlesene Beiprogramm. Palast-Lichtspiele Lindenplatz Heute Samstag ab 8.15 Uhr und morcen Sonntag ab 3 Uhr: Gunar Tolnaes der Liebling aller Kinofreunde in seinem erttklassiaen Gesellschafts drama In 6 Akten „Ihre kleine Majestät“ Fernen „Pepp? end der Mann aos der Siedl“ Lustspiel In 2 Akten. Astoria-Lichtspiele Seltersweg Nur noch heute und morgen: „Tom Mix, der König der Cowboys“ in seinem neuesten, sensationellen Wildwestfilm in 6 Akten: „Der Ueberfall auf den Goldexpreß“ Ferner: Das ausgezeichnete Beiprogramm. 3678c Ernst Luckhardt Emma Luckhardt geb. Henrich Vermählte Gieren, den 24. April 1926 Weserstratze 10 p. i r Do-Be-G.m.b.H. Berlin Werkstätten für künstlerische Kleidung AUSSTELLUNG in Gießen,27. u. 28. April, Pension Brandei Neuen Baue 22 geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags Künstlerische Frauen- u. Kinderkleidung, Wäsche, Do-Be-Hauben, -Beutel, -Schals, handbemalte Decken, Kissen u. a. Qroß-Flugtag in Lieh auf den Wiesen an der Straße Lich-Bessingen am Sonntag, dem 25. April 1926 nachmittags von Vs4 bis Vs6 Uhr Kunst- und Schauflüge Fallscnirm-Absprünge Eintrittspreise: Erwachsene 1 Mk., Kinder und Erwerbslose 0 50 Mk. (gegen Ausweis). yeßOD Erfahrener Buchhalter übern, d. Beitr. v. Büchern. Bureau- arbeiten und berat. Unterstütz, zw. Ge- schäftöbebung. Schr. Angebote unt. 02858 an den Gietz. An». Alle Maurer- und Zement- arbeiten werden fachgeinäh und billig ausge- führt. 02881 Hei rieh Nuhn, Tenfelslustgärtch. 5. SeWlWU wird tadellos und preiswert repariert und ausgebügelt. Schrift!. Angebote unter 02915 an den Gietz. Anz. erdeten Teilhaber für vorziialich geschonte Nebjagb gesucht. Nur siieng weidgerechte Herren finden Berücksichti- gung.Babnfabrtvcn Gietzen 30 Minuten. Schr. Ang. u. 36591) an den Gietz. Anz. 5 - 6000 Ms zusammen oder geteilt auszuleiben. 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Man glaubte durch das Locarnowerk, für das sich ja Chamberlain in wohlverstandenem englischen Interesse so eingesetzt hatte, einen großen, vielleicht dauernden Erfolg im Sinne Englands erzielt zu haben. Man hatte sich soweit engagiert, als eben nicht zu vermeiden war, in bezug auf die Garantie der Westoerhältnisse Europas. Dian hatte sich von den Ostsragen desinteressiert, mit denen man nichts zu tun haben will. Man hatte Deutschland an dieses > Werk gebunden und in den Völkerbund herein* , gepreßt, in der Erwartung, auf diese Weise im > Völkerbund die eigene Position gegen Frankreich l zu verstärken und — was doch immerhin der hinter- ; gedanke bleibt — Deutschland so im Gefolge der | englischen Politik zu halten, jedenfalls von einer , selbständigen Verbindung mit dem Osten, mit Rußland fernzuhallen. Das letztere vor allem in der allgemeinen Betrachtung der Lage, die ja mit dem russisch-englischen Weltgegensatz heute nicht aktuell bezeichnet ist, aber im weiteren doch damit gekennzeichnet wird, zumal die russische Presse und Politik nichts unterläßt, diesen Gegensatz recht stark und an jeder Ecke hervorzutreiben. Das Locarnowerk selbst scheiterte zwar nicht, aber die Krönung kam nicht zustande mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Vielmehr trat eine Krise im Völkerbund ein, die es heute fraglich erscheinen laßt, ob überhaupt der Abschluß der Lo- carnobemühungen im Völkerbund gelingt. Und so trat hervor, was jeder eigentlich auch wußte, daß der Völkerbund an sich eine aktive Politik nicht machen kann, sondern das Wesentlichste eben bleiben die Beziehungen der Mächte in Allianz und Gegensatz. Damit gewann die deutsche Politik in einem gewissen Grade ihre Bewegungsfreiheit wieder, die sie mit den Sicherheitsoerhandlungen, mit dem Anschluß an Locarno und der Bereitwilligkeit, in den Völkerbund zu gehen, aufgegeben hatte. Man kann heute angesichts der deutsch- russischen Verhandlungen sagen, daß diese deutsche Politik mehr Glück als Verstand gehabt hat. Und das Neue in der Situation Europas empfindet — aus begreiflichen Gründen gerade darin empfindlich — die englische Politik darin, daß Deutschland ohne seine Schuld gegenüber dem Völkerbund volle Freiheit hat und ebenso volle Freiheit hat, sein Verhältnis zu Rußland nach seinen Inter- esien vorher aus eine neue Basis zu stellen. Wenn das auf der anderen Seite so überraschend empfunden wird, so kommt das daher, daß tatsächlich die deutsche Politik das Jahr 1925 hindurch stark die Richtung nach Westen eingeschlagen hatte, was die Möglichkeit erkennen lieft, daß sie zu einer „Westorientierung" bereit sei. Gerade die habe ich immer entschieden bekämpft. Denn wenn man nun schon einmal, wie es Dr. Stresemann tat, Anfang 1925 diese Sicherheitsoerhandlungen mit eigenen Anregungen begann, so lag auf der Hand, daß das zu einer Spannung mit Rußland führen mußte. Seit Dezember 1924 lag die russische Anregung vor, die Beziehungen zu Deutschland zu vertiefen und zu erweitern. Während des ganzen Jahres 1925 hat die russische Presse und Politik auch alles getan, sehr häufig in anmahlicher und übertriebener Form, Deutschland von dem Schritte nach Genf fern- zuhalten. Das war russisches Interesse. Deutsches Interesse war es, auch nicht den Schein einer einseitigen Westorientierung aufkommen zu lassen. Wer sicher und frei von Illusionen durch diese Verhandlungen ging, mußte gleichzeitig mit den nach Locarno führenden Erörterungen die Verhandlungen mit Rußland weiterspinnen und keinen Zweifel" daran lassen, daß einer vertragsmäßigen Bindung Deutschlands nach Westen ebenso eine vertragsmäßige Sicherung Deutschlands nach Osten, das heißt mit Rußland, ergänzend folgen müsse. Je früher und je offener man das aussprach, um so sicherer war man davor, daß das nicht eintrat, was eben jetzt eingetreten ist, nämlich wieder der Knall- essekt einer Ueberraschung darüber, daß Deutschland seine selbstverständlichen Lebensinteressen in solchen Vertragsabschlüssen wahrt. Dieser Knalleffekt, das Zusammenfallen der deutschen Antwort in Genf, der russischen Abrüstungsnote In Genf und der „Times"-Jndiskretion war sehr unerwünscht und unangenehm. Das Wesentliche ist das indes nicht. Genau wie beim Rapallovertrag muß die andere Seite sich daran gewöhnen, daß Deutschland seine Freiheit, nach leinen eigenen Interessen Verträge zu schließen, sich wahrt. Und was können die Westmächte eigent- Die Wetterberatung im Luftverkehrsjahr 1926. Don Dr. QI. Peppler, otbtL Honorarprofessor der Technischen Hochschule Karlsruhe, D'rektor der Badischen Landes- Wetterwarte. Die Vermehrung der Fluglinien und Starts erfordert auch in diesem 3ayre einen Ausbau deS schon seither bestehenden Flugwetterdienstes. Da die Organisation dieses Dienstes weitere Kreise, besonders diejenigen, die sich demnächst des Flugzeugs für Reisen bedienen wollen, interessieren dürfte, sollen die Maßnahmen, die seitens des Reichsverkchrsministeriums zur Sicherung deS Flugverkehrs in Kürze getroffen werden, hier geschildert werden. In diesem Iahre sind 21 Flugwetterwarten an nachfolgenden Flughäfen in Tätigkeit: Aachen, Berlin, Braunschweig, Breslau, Bremen, Dortmund, Dresden, Elbing, Essen, Friedrichshafen, Fürth, Frankfurt a. M.. Halle, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Königsberg, Köln, Leipzig, Lindenberg. Mannheim, Magdeburg, München, Plauen, Rostock, Stettin, Stuttgart und Weimar. Dagegen werden die Flughäfen mit geringerem Flugverkehr: Alleinstein, Baden-Baden. Braunschweig. Chemnitz. Darm- stadt, Düsseldorf. Erfurt. Flensburg. Freiburg (Dr.), Gera, Gießen, Görlitz, Kassel, Krefeld, Konstanz, Lübeck. Marienburg, Reichenhall, Schwerin, Sellin, Stolp, Stralsund, Swinemünde, Tilsit unö ZBi Hing en zunächst keinen Plahmeteoro- logen erhalten und von Rachbarwetterwarten fernmündlich beraten werden. Die Grundlage jeder meteorologischen Beratung deS Luftverkehrs ist neben dem allgemeinen funkentelegraphischen Beobachtungsmaterial, wie Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 24. April 1926 tich mehr verlangen, als wenn das geschieht im großen Rahmen der Verhandlungen und Abschlüsse, die in Locarno zustondekamen? Es wird doch der aufrichtige Versuch gemacht, diesen Vertrag zwischen Deutschland und Rußland mit der Idee^ von Lo- , carno. das heißt dem Gedanken des Sicherheits- ; und Garantieoertrages und mit dem Völkerbund- pakt, das heißt den Artikeln 16 und 10, in lieber* einftimmur.g zu halten und zu bringen. Auch ist keine Rede von einem Geheimabkommen, selbstver- »ländlich wird der Wortlaut des neuen deutsch-russischen Vertrages der Oefsentlichkeit und dem Völkerbund mitgeteilt. Der Haken ist aber nun, inwieweit die Auffassung, die wir von der Auslegung des Artikels 16 haben, und die wir unserem Abschluß mit Rußland zugrunde legen, auch von der anderen Seite, dem Völkerbund und seinen Mächten geteilt wird. Gerade im Hinblick darauf ist die sogenannte „Legalisierung" jenes Schreibens der vier Großmächte in Locarno an Deutschland über Artikel 16 unablässig von uns gefordert werden. Aber trotz des nachdrücklichen und unablässigen Drängens hat die Reichsregierung nichts getan, um eine Auslegung des Artikels 16, die den deutschen Interessen namentlich nach Osten gerecht wurde, von der anderen Seile bestätigen zu lassen. Niemand glaubt, daß jene (bekanntlich wörtlich dem Genfer Protokoll entnommene) Antwort von Locarno jeden Zweifel aufhebt und jsde Sicherheit gibt. Darum wird die Auseinandersetzung gehen, wenn der deutsch-russische Dertragsentwurs oder Vertrag bekanntgegeben ist. Wir wissen nicht, wie er aussehen wird, wir halten unser Urteil zurück, bis wir ihn sehen und wissen, wie er die Probleme des Artikels 16, des Neutralitäts- und Freundschaftsverhältnisses löst, und behalten unsere Kritik vor. Aocr daß dieser Schritt getan wird, daß der Locarnoverirag die Ergänzung durch einen deutsch- russischen Vertrag erfährt, war absolut notwendig, und ist richtig, und zu bebauem ist nur, daß das nicht früh genug und zu einem geeigneteren Zeitpunkt geschah. Der Kampf, der möglicherweise entsteht — schon rüstet Dr. Benesch seinen Fragebogen in dieser Beziehung! — muß durchgefochten werden! Deutschlands Recht, seine Interessen durch besonderen Vertragsschluß auch mit Staaten außerhalb des Völkerbundes zu wahren, ist unbestreitbar. Es tut das ja auch gar nicht, indem es aus dem Locarnowerk heraustritt. Daß es das nicht innerhalb des Völkerbundes tun kann, ist nicht Deutschlands Schuld. Daß es seine Lebensinteressen aus seiner zentralen Lage heraus und aus seiner Machtlosigkeit heraus, aus der Notwendigkeit, die Gemeinsamkeit mit Rußland zu vertiefen und zu verankern, wahrnehmen muß, ist gleichfalls klar, lind stößt man dabei noch einmal in der Auseinandersetzung um den Artikel 16 auseinander, so begrüßen wir das nur. Denn besser diese Auseinandersetzung jetzt als später, wo sie immer schwieriger würde! Nach beiden Richtungen also hatte die deutsche Außenpolitik mehr Glück als Verstand: daß sie frei vom Völkerbund diese Ergänzung des Westvertragswerkes herbeiführen kann, und daß sie damit noch einmal Gelegenheit erhält, die deutschen Interessen gegenüber Artikel 16 wahrzunehmen und durchzu- setzen. Daß Rußland mit Tschitscherins Note jetzt so brüsk dem Völkerbund absagte, und daß der Völkerbund m seiner Krisis Deutschland mit Studienkommission, Abrüstungs- und Wirtschaftskonferenz un- bedingt bei sich festhalten will, das sind sehr wirksame Trümpfe im deutschen außenpolitischen Spiel dieser Monate. Die Reichsregierung ist in diesen weittragenden Entscheidungen dem deutschen Volk dafür verantwortlich, daß diese Trümpfe nicht leichtsinnig weggegeben werden, und das Parlament soll über die innenpolitischen Kämpfe und Wirtschaftssorgen hinweg der Regierung, der Außenpolitik aufs schärfste auf die Finger sehen, daß das verhütet wird! Das Römische Meer. Von unserem römischen ki-Korrespondenten. Rom, Ende April. Bis zum Weltkriege war nur die Adria das Mare nostrum. Ein Titel, den der nur in Wien gemütliche, in Triest aber höllisch eifersüchtige k. k. Nachbar mit zäher Leidenschaft bestritt. Und im Grunde waren es mehr verletzte Eitelkeit und ge- kränkter Nationalstolz als naturpolitische Notwendigkeiten, die in Rom schon zum Kriege rüsteten, als man sich in den Kabinetten noch fleißig bemühte, den zerfressenen Dreibund einzumotten. Der Glücksfall eines Hasardspielers hat Italien bann richtig den erstrebten Titel gesichert. Freilich schoß aus dem blutgebüngten Boden der slawische Spröß- l i n g nach, und Rom hatte um so mehr Grund, den Erben als neuen Rivalen zu fürchten, als nun der Panslawismus plötzlich breitspurig im Herzen es den öffentlichen Wetterdienststellen schon lange für die Tagesprognose und die Wetterkarte zur Verfügung steht, und die Orientierung über die europäische Wetterlage abgibt, ein dichtes, speziell für die Flugberatung geschaffene Reh von Deobachtungsstationen innerhalb Deutschlands und nach Möglichkeit längs der Flugstrecken. Dabei muß durch die sprunghafte Entwicklung des Luftverkehrs der schon im Vorjahre bestehende Meldedienst wesentlich ausgebaut werden. Die Gliederung dieses Meldenehes ist eine dreifache: 1. Regelmäßig — von den Luftverkehrsplänen unabhängig — stündlich erfolgende Meldungen von 43 amtlichen meteorologischen Stationen, also durch meteorologisch geschultes Personal. Die Meldungen erfolgen von 5 älhr morgens bis 12. teilweise auch 2 äÖjr nachts. Die Meldungen aller deutschen Stationen laufen auf verschiedenen Wegen, teils durch Drahttelegraphie, teils durch Flugkabel oder auf dem Funkweg an die Zentrale des deutschen Luftfahrerwetterdienstes, das Aeronautische Observatorium Lindenberg, das die gesammelten Meldungen während der Zeit von 10 Minuten vor bis 8 Minuten nach jeder vollen Stunde auf Welle 1680 ausstrahlt. 2. Rur zu den Startzeiten, zu denen Flüge angeseht sind, meldende Postämter: Streckenmeldestationen. Die Beobachtungen erfolgen durch Postbeamte. Ihre Zahl ist im Interesse der Kostenersparnis gegen das Vorjahr wesentlich herabgesetzt worden. Eine Verminderung der Post- ämtermeldungen war möglich, nachdem die unter 1. genannten regelmäßig erfolgenden Meldungen erweitert worden waren. In Betracht kommen im ganzen für sämtliche deutschen Flugstrecken 11 Postämter. Die Meldungen werden an die nächst gelegene Flugwetterwarte auf dem Drahtweg oder telephonisch abgesetzt. Europas stand, mit dem einen Fuße an der Ostsee, mit dem andern an der Adria. Es gab eine Zeit nach dem Kriege, wo sich der Wille in Italien regte, den Gegner sofort zu fällen, bevor er anwurzeln konnte, aber hinter dem Willen stand nicht die nötige Kraft, denn D'Annunzios verwegene Haufen waren dem üppig ins Kraut geschoßenen Kommunismus nicht gewachsen. Die Umstürzler gaben, wie ihnen später der sieg.» reiche Faszismus als schwerste Schuld vorwarf, kampflos Stuck um Stück der Flanke Italiens preis, b. h. ber — auf ben irredentistischen Landkarten — zu Italien geschlagenen balmatinischen Küste bis Griechenlanb herunter, Fiume und Dalona. Als Musiolini die Macht ergriff, war es für einen Krieg mit dem inzwischen erstarkten Jugoslawien zu spät, man mußte gute Miene zum bösen Spiel machen, Frieden heucheln, bis die großen Rüstungen die diplomatische Maske überflüssig machten, ya, um sich gegen ein unerwünscht vorzeitiges Losgehen ber Flinten vom anberen Ufer her zu schützen, war es sogar ratsam, einen „A b r i a p a f t" zu schließen, ber allen unschulbigen politischen Kinblein als nacheiferungswerter Friebenswillendeweis vorgehalten werden konnte. Fast gleichzeitig schützte sich Musiolini durch einen ähnlichen Freunbschastsvertrag mit ber Schweiz gegen bie nordwestliche Gefahr, ohne baß ber Eidgenossenschaft bie ihr zugebachte Rolle als Schilbwache gleich zum Bewußtsein gekommen märe. Jetzt hatte Rom Rücken- und Flankenfreiheit, es konnte dem Haupt gegner ins Gesicht schauen: Frankreich. Die Gegensätze zwischen den lateinischen Schwestern sind in den letzten Jahren überall in bet Welt bis zum Aeberdruß erörtert worden, so daß es sich erübrigt, die Fragen von Korsika, Rizza, Savoyen und Tunis ins Licht zu rücken, Uebrigens darf dabei nicht vergessen werden, daß auch ein Mussolini trotz aller Kraftworte diese Probleme nur akademisch erörtern kann, solange die Hauptfrage nicht gelost ist: wo nehme ich die für die Kriegsmaschinerie nun einmal unerläßlichen Betriebsstoffe Eisen und Kohle her? Hier und nirgend anderswo ist die Achse für die auswärtige Politik Italiens zu suchen, hier ist Rom gebunden und nur durch Bündnisse und Konzessionen kann es sich von dieser wirtschaftlichen Knechtschaft loskaufen. Hier kommt sogar das wehrlose Deutschland dazu, das unter Umständen entscheidende Wörtlein bei der Auseinandersetzung im Mittelmeer um die Hegemonie mitzusprechen. Mussolini ist daher reichlich kühn gewesen, als er das kaiserliche Wort kopierte von der Zukunft, die auf dem Wasser liege, und darüber hinaus das ganze M i 11 e l m e e r als Mare nostrum erklärte. Wilhelm II. hatte in den gewaltigen Bodenschätzen seines Reiches wenigstens ein schier unzerstörbares Fundament für das schwungvoll gedachte, aber als Provokation in England aufgefaftte Wort: Mussolini dagegen stellt einfach eine Pyramide auf die Spitze, im Glauben, es genüge schon sich hinaufzuschwingen. die Dismarckstiesel anzuziehen, den Rapoleonshut aufzusehen und die Faust zu ballen. Die Pyramide wird aber nur dann nicht umfallen und ihn erschlagen, wenn sie auf der einen Seite von den starken maritimen Schultern Englands und auf der anderen von dem arbeitsamen Rücken Deutschlands gestützt wird. Ohne Bilder: was will Italien gegen Frankreich ausrichten, wenn ihm Deutschland kein Eisen liefert und England die Mausefalle in Gibraltar und Suez zuschließt? In den Stunden der Einkehr verschließt man sich denn auch in Rom dieser Erkenntnis nicht. Daher die Wut auf Deutschland, als es sich in Locarno und Genf Frankreich armäfterte, eine Wut, die sich in den Drennersanfaren entlud. Als sich Berlin nicht einschüchtern lieft, kam bald wieder die vernünftige Ue&erlegung obenauf und einer geschickteren deutschen Diplomatie könnte es gar nicht schwer fallen, die Südtiroler Frage aus der Welt zu schaffen. Der gegebene Dermittlungsweg geht über die Kolonien, die Italien so am Herzen liegen. Es besteht gar kein Zweifel darüber, daft Rom als erstes greifbares Ergebnis eines Verständigungsaktion die deutschen Mandatsansprüche in Genf unterstützen würde, sofern gleichzeitig, möglichst aber vorher Italien etwas von der kolonialen Erbmasse erhält. Inzwischen hat nun aber die Wilhclmstrafte wie üblich langsamer gearbeitet, als es für Mussolinis Ungeftüm erträglich ist. Er führte, wieder den deutschen Kaiser kopierend, den pomphaften Tripolis- ritt aus. der von Frankreich mit dem berühmten Panthersprung nach Agadir auf eine Stufe gestellt wird. Wie mir von wohlunterrichteter französischer Seite versichert wurde, ist darin der ausschlaggebende Grund für die Ci 'lcitung und Beschleunigung der Friedensverhandlungen 3. Gefahrenmelde st eklen, die nur bei unsicherer Wetterlage oder dem Eintritt gefahrdrohender Wettererscheinugen Meldungen abgeben. Hierfür kommen 2 Arten von Gefahrenmeldungen in Betracht: a) Postämter und Flughäfen, die bei unsicherer Wetterlage von den Flugwetterwarten telephonisch angerufen werden können. In der diesjährigen Flugperiode werden 105 derartiger Gefahrenmeldestellen in Deutschland tätig sein. b) Postämter, die nur bei Eintritt gefährlicher Witterungserscheinungen der nächsten Flugwetterwarte auf dem Drahtweg sofort Mitteilung machen. Hierzu sind insgesamt 3 6 Stellen vorgesehen. Die Flugwetterwarten haben dafür Sorge zu tragen, daß diese Gefahrenmeldungen baldmöglichst der Rachbarwetterwarle mitgeteilt werden, vor allem auch in den stündlichen Funksprüchen an Lindenberg wiederholt werden, damit dort eine älebersicht über die Gefahrenzone im ganzen Reiche gewonnen werden kann. Da an Sonntagen Kursflüge nicht stattfinden, wird aus Sparsamkeitsgründen nur ein ganz beschränkter Meldedienst weniger Stationen für gelegentliche Flüge aufrechterhalten werden. Streckenmeldungen werden nicht gegeben. Auf Grund des durch die verschiedenen Meldenehe zugeführten Materials erfolgt die Beratung des Flugzeugführers, die persönlich durch den diensttuenden Flugplahmeteo- rologen und durch Wetterzettel zu geben ist. die dem Piloten ausgehändigt werden. Diese Wetterzettel haben für alle Flugwetterwarten einheitliche Form, die sich im wesentlichen an den internationalen Wetterzettel anschließt. Eie sind in zwei Exemplaren herzustellen, deren eines der Flugzeugführer erhält, während das andere bei bett Akten der Wetterwarte bleibt. Rach dem mit Abd ec Krim zu suchen. Herr öauer- wein vom .Marin" tut doppelt begriffsstutzig, wenn er nun eine Inspektionsreise durch Italien zur Erforschung der italienischen Kriegsziele unternimmt. Man sollte meinen, deutlicher, als es Mussolini zum Ausdruck brachte, könne matt Tunis nicht ans ordern. Die Spannung über dem Mittelmeer nimmt von Tag zu Tag zu. 3m französischen Senat jammert man über die Unterlegenheit der Flotte gegenüber der italienischen, im römischen Senat jammert man umgekehrt. In beiden Lagern aber wird mit einem Fieber gerüstet, das man dem Völkerbund für seine friedlichen Bestrebungen wünschen möchte. Doch darf man mit Sicherheit annchmen, daß der gewerbsmäßig« Pazifismus ebenso prompt nach Beginn bei Kanonenkonzerts vom Leder ziehen wird, wie 1914. Mussolini hatte die Absicht, auf der Rückreise von Tripolis mit seinem Paradegeschwader auch Malta anzulaufen. Einige Stunden, nachdem das Wort vom „römischen Meer" gefallen war, wurde dieser Plan plötzlich in dasselbe Meer versenkt. Sollte etwa der Mann, der mit Chamberlain unter vier Augen gesprochen hatte, über das in Rapallo vereinbarte Maß hinaus- gegangen sein? Auch Lord Haldane wollte angeblich in der deutschen Flotte keine Gefahr für England erblicken, wollte sie am Schnürchen haben wie der Knabe sein Segelschiffchen. Mussolini wird doch nicht die Schnur abschneiden und n a dfce igenem Willen steuern wollen? Auseinandersetzung im Mittelmeer, ja, Italien gegen Frankreich, very well, aber alles hübsch unter Aufsicht der englischen Gouvernante. Auch Deutschland lieft sich ja auf 10:16 stellen. Mussolini hat nicht gut daran getan, einen Meerestitel zu fordern, den ihm der Union Iack wirksamer bestreiten kann als seinerzett den Untertitel der Doppeladler. Oberhessen. Landkreis Gießen. X Wieseck. 23. April. In dem weit über die Grenzen unserer Gemeinde mit Interesse verfolgten Rechtsstreit der Evangelischen Kirchengemeinde Wieleck gegen die bürgerliche Gemeinde Wiefeck wegen der Frage der Baulast an den kirchlichen Gebäuden hatte, wie erinnerlich, das Landgericht Gießen am 1. Oktober 1925 der Klage statt gegeben und die bürgerliche Gemeinde verurteilt. Die von dem Gemeinderat hiergegen eingelegte Berufung wurde nunmehr laut Urteil des Oberlandesgerichts Darmstadt vom 20. d. MtS. kostenpflichtig zurückgewiesen. i, Wiefeck, 24. April. Am Sonntagabend findet im Saale des Gastwirts Braun ein Konzert statt, das. wie die seitherigen derartigen Veranstaltungen, für unsere musckliebmde Einwohnerschaft ein Ereignis werden dürfte. Aus- sührender Teil ist die bekannte Kapelle M a n k - Wiefeck, die mufikalische Leitung liegt in den Händen deS Darmstädter Kammervirtuosen L. Kümmel. Die Piston-Solis dieses Künstlers. der bekanntlich ein Kind unserer oberhessi- schen Heimat ist, haben ihn weit über die Grenzen deS Hessenlandes hinaus einen Ramen gemacht. :—: Beuern, 23. April. Am Mittwoch begannen im neuen Schulsaal, der im vorigen Jahr durch den Abbau der dritten Lehrrrstelle freigeworden war, zwei Kochkurse für Mädchen von Beuern und Bersrod. An den Kursen nehmen 31 Mädchen teil, 25 von Beuern und 6 von Bersrod. Rur 10 davon sind Pflichtteilnehmer auS dem 3. Fortbildungsschnljahr, bie übrigen nehmen freiwillig an dem Kursus teil. Die Kurse werden geleitet von der Haushaltungslehrerin Frau Schneider in Großen» Duseck und laufen das ganze Jahr hindurch an einem Dor- bzw. Rachmittage. Die notwendigen Haushaltungsgegenstände sind auS Gemeinde» mitteln beschafft worden. Den Herd hat die Gemeinde Bersrod gestellt. — Am Mittwochabend fand im alten Schulsaal ein Aufklärungsvortrag für unsere Landwirte statt. Daurat Steinbach vom Kulturbauamt Gießen sprach über „Das Wesen und die Vorteile der Dränage“ und über „Die Gründung einer ö ff entlüften Wassergenossenschaft auf gesetzlicher, Grundlage". Kulturinspektor K u 11 m a n n ergänzte die Ausführungen des Redners. Heber die Rotwendigkeit der Dränageanlage gerade in unserer an vielen Stellen sehr nassen Gemarkung waren sich alle anwesenden Landwirte einig, so daß öie Gründung einer Wassergenossenschaft zur Trockenlegung des nassen Geländes Fluge vermerkt der Flugzeugführer auf der Rückseite des Wetterzettels den während des Fluges auf der Strecke angetroffenen Wetterzustand und übergibt den Zettel der Flugleitung, die ihn an die Flugwetterwarte aushändigt. Diese sendet die Wetterzettel wöchentlich der Zentrale in Lindenberg zur weiteren Bearbeitung ein. Die Angaben der Flugzeugführer über die tatsächlich angetroffene Witterung sind besonders wertvoll. Einmal geben sie die Möglichkeit, den Wirkungsgrad der meteorologischen Beratung festzustellen. dann können sie für eine aeronautische Meteorologie Deutschlands. die durch die Arbeiten des Flugwetterdienstes im Laufe der Zeit entstehen wird, An» haltspuntte liefern. Die Berichte werden um so wertvoller sein, je gründlicher die meteorologische Ausbildung des Flugzeugführers ist. Vorstehender, von der Zentrale des deutschen Flugwetterdienstes in Lindenberg entworsene Organisationsplan enthält nur die innerdeutschen Linien. Für die über die Grenze hinwegführenden Luftverkehrslinien wird vom Reichsverkehrsministerium in gemeinsamen Verhandlungen mit den beteiligten Flugwetterwarten eine besondere Regelung getroffen werden. Wegen der Sicherung der Strecken über Belgien, Frankreich und der Tschechoslowakei können Verhandlungen erst nach Abschluß der Pariser Besprechungen stattfinden. Die Abgabe der zahlreichen Meldungen zur Sicherung des Flugverkehrs, wobei zu den meteorologischen noch die erheblich umfangreicheren Betriebsmeldungen (Start-, Landemeldungen usw.) hinzukommen, stellt außerordentlich hohe Anforderungen an das Inlanddraht- und Funknetz. 3m 3ahre 1925 wurden allein durch daS Flugfunknetz 4.2 Millionen Telegramm- der goldenen Hochzeit. Beide Eheleute erfreuen sich noch bester Rüstigkeit. Kreis Schotten. Schotten. 23. April. Die Siedler im Läunsbachtal, über die bereits vor einem Jahr berichtet wurde, halten in ihrem weltentrückten Winkel aus! Die primitive Dauh ü t t e . in der sie anfänglich wohnten, ist einem masliven Steinbau gewichen, der auch die Lucke des Winters im Vogelsberg erträglich macht. War man allgemein geneigt, die Siedlung als fluchttge Laune schäumender Jugend aufzufassen, y) rechnet man jetzt damit, daß sie sich nicht nur erhalten, sondern vergröbern wird. Kreis Alsfeld. o. Alsfeld, 23. April. Die Aufhebung der Getränke steuern bedeutet für den Stadlsäckel einen jährlichen Verlust von 18 ^O^h rbach. 23 April. Leider verlieh uns dieser Tage nach nur halbiahrrger, aber erfolgreicher Wirksamkeit Lehrer Adam r. Er wurde zu Ostern ein Opfer des Abbaues. Alft Bemühungen, ihn hier zu halten, wo er such in kurzer Zeit durch ferne Gerechligkert mrd sein mit der Tat bewiesenes Interesse an der groben Aufgabe der Volksbildung sehr beliebt gemacht hatte, waren erfolglos. Sern Rachfolger ist Lehrer Loos Starkenburg. • Darmstadt. 23. April. Dec Verband der evangelischen weiblichen Jugend tn Hessen hat die ehemalige Gartenbauschule auf der Orbis höhe bei Zwingenberg gekauft, um in ihr ein Erholung s° und Freizeitheim für Mädchen, insbesondere für seine Mitglieder, einzurichten. D.e Einweihung wird voraussichtlich am 6. Juni stattfinden. WER. Jugenheim a. d. B., 23. April. Dor einiger Zeit wurde in der Rahe die aus- geraubte Leiche des Zugführers R e g n i h von hier gefunden. Die eingeleitete Untersuchung hat ergeben, dah Regnitz in der Dunkelheit auf seinem Rade einem von zwei Leuten begleiteten Fuhrwerk begegnete, dabei die Geistesgegenwart verlor und mit voller Wucht ab» gestürzt ist. Die Fcchrleute zogen ihres Weges weiter und liehen den Schwerverletzten, der kurz darauf seinen schweren Wunden erlegen zu sein scheint, in seinem Blute liegen. Wer die Leiche nachher ausgeraubt Hal, ist noch nicht aufgeklärt. Gegen die beiden Fuhrleute ist Anklage wegen fahrlässiger Lötung erhoben worden. Preußen. Eiszeitliche Säugetierfunde bei Braunfels. Wetzlar, 23. April. (WSR.) Im „Wetzlarer Anzeiger" veröffentlicht Dr. Richter vom Geologischen Institut der LIniversität Gießen eine Abhandlung über die kürzlich gemeldete Freilegung von Knochen eines riesigen Tieres in einem Steinbruch zwischen Braunfels und Tiefenthal. Die ursprüngliche Annahme, dah es sich um einen Saurier handele, trifft freilich nicht zu. Es handelt sich vielmehr um ein eiszeitliches Säugetier, das wvll- haarige Rhinozeros oder, wie es auch genannt wird, das Sibirische Rashorn. Die Knochen wurden in einer höhlenartigen Vertiefung des Dolomits, die vollkommen von Lehm. Dolomitsand und Schutt erfüllt war. ausgefunden. Durch den Druck des Gesteins ist das Skelett etwas aus seinem Verband gelöst worden. Gröhe Teile des Skeletts, wie die Wirbelsäule und die damit verbundenen Rippen, hängen aber noch zusammen und werden eine Aufmontierung gestatten Wie die Knochen und vor allem die eben erst angekauten Zähne zeigen, handcll es sich um ein junges Tier. Am besten sind die Zähnt erhalten. Die Knochen scheinen zwar auch noch gut erhallen, sind aber durch die Diffusion der Feuchtigkeit völlig entleimt und zeigen das bekannte geringe Gewicht und die Porösität diluvialer Knochen. Sic müssen deshalb einem kompllzierten Verfahren unterworfen werden, das durch Zuführung von Knochenleim die Wände der Poren wieder versteift. Lieber das absolute Aller des Tieres läht sich nichts Bestimmtes sagen. Das wollhaarige Rhinozeros hat während der ganzen Eiszeit gelebt, die eine sehr lange Zeitspanne umfaßte und nach neueren Forschungen auf rund eine Million Jahre geschäht wird. Die starke Schuttüberdeckung der Knochen Iaht aber ein Alter von 1 00 000 Jahren als wahrscheinlich erscheinen. Kreis Wetzlar. I Großrechtenbach, 23. April. Die hiesige Gemeinde beabsichtigt. ihren Friedhof zu erweitern. Die Erweiterung soll in der in absehbarer Zeit zustande kommen wird. Bürgermeister Lindenstruth dankte als Vorsitzender der Versammlung den beiden Rednern für ihre Anregungen. f Grünberg. 23. April. Mittwochabend fand die erste Gemeinderatssitzung in dem neuhergestellten Sitzungssaale statt. Der Saal mit seiner hervorragenden Malerei, sowie den neuen Möbeln macht einen guten Eindruck. Der Werdegang der Stadt ist sinnvoll und in kurzen Sähen angegeben; z. D.: „1186 legt Landgraf Ludwig 111. am grünen Berg eine Burg an“, „1222 steht bas Antonietcnlloster in Grünberg in Blüte", „1293 bekommt Grünberg eine Münzstätte", „1481 Stiftung des Gallusmarktes", „1521 wohnt Luther in Grünberg", „1593 wird dieses Rathaus von der Stadt erworben", „1618—48 (30jähr. Krieg) hat Grünberg unter Plünderung und Zerstörung fremder Truppen sehr zu leiden", .1813 Durchzug fremder Truppen", 1816 stürzte die alte Marienkirche ein", „1816—26 hebt sich Grünberg durch besonderen Meist zur gegenwärtigen Blüte empor" usw. — In der Sitzung verlas der Stadtrechner den Voranschlag f ü r 1 9 2 6. der mit einem bedeutenden Fehlbetrag abschlieht. Der Voranschlag wurde bis auf einige Punkte angenommen, jedoch die Frage her Deckung des Defizits noch nicht geflärt. — Die Iagdübertragung von dem Iagdteilhaber Pauli aus Friedrichsdorf im Jagdbezirk 5. zwischen Londons er und Alsfelder Straste, auf Rechtsanwalt Deilstein und Postmeister Theist als Mitpächter wurde angenommen. — 3m übrigen beschäftigte man sich mit kleineren Angelegenheften. * Hungen, 23. April. Der vom Hessischen Vaterländischen Block hier Der* anstallete national-politische und s p o t t- liche Lehrgang bedeutet durch die starte Beteiligung für den vaterländischen Gedanken einen großen Erfolg. Am Samstagabend sprach nach einem Referat von Oberst Kleinhans über die „Reichswehr", Dr. Jung über die Arbeit Der vaterländischen Verbände. Beide Dorträge fanden lebhaften Beifall.. Am (Sonntag- morgen waren sportliche Dorführungen durch Sportlehrer Schneider (Giesten). Zu gleicher Zeit fand ein Kleinkaliberschiesten statt. Am Sonntagnachmittag wurden zuerst Möglichkeiten gezeigt, sich selbst ohne Waffen zu verteidigen, danach sprach Herr Zimmer (Giehen) über „Die politische Lage in Hessen und im Reich". Den Abschluh bildete ein „Deutscher Abend", der nicht nur von den dem Hessischen Vater- ländischen Block angeschlossenen Verbänden, sondern auch von der Hungener Einwohnerschaft stark besucht war. Vorträge von vaterländischen Dichtungen, vaterländische Musikstücke, gemeinsame Ötefänge umrahmten eine Rede von Dr. Jung. Der unter starkem Beifall forderte, daß Die vaterländische Bewegung ein politisches Ziel haben müsse. Bei schneidigen Vorträgen der Kapelle Topp blieben die Deftnehmer noch lange zusammen. :|: TraiS-Horloff. 23. April. Ein seltenes Ereignis wird hier feit einiger Zeit von alt und jung eifrig beobachtet. Sin Storchenpaar hat sich neu hier niedergelassen, während man an vielen anderen Orten das Ausbleiben diese« schmucken Vogels beklagt. Anfänglich versuchte sich das Paar eine Ristgelegenbelt auf einer Gruppe alter knorriger Weidenbäumc in Der Rahe Des Dorfes zu schaffen. Anscheinend waren ihm diese jedoch nicht hoch genug. Deshalb haben sie sich nun auf dem Schornstein des Dalherschen Wohnhauses tn Der Rähe Der Kirche häuslich niedergelassen und in merkwürdig kurzer Zeft ein Rest gebaut. Allem Anschein nach widmet sich jetzt bereits die bessere Ehehälfte Dem Drutgeschäft. Kreis Friedberg OO Nieder-Flor stabt, 23. April. Eine in .der Wetterau seltene Pflanze ist jetzt im Walde bei W i ck st a d t sehr häufig zu finDen. - während sie im angrenzenden Florstädter Wald gar nicht vorkommt. Es ist dies der Aronstab < oder gefleckte Aron, (Aruni maculätum). der in Blüten» und Dlätterform sehr viel Aehnlichkeft mit Der unter dem Romen Kalla 'betonnten schönen Zimmerpflanze hat. Die Pflanze besitzt die Eigentümlichkeit, Insellen, besonders kleine Fliegen, in Den unteren Teil ihrer Blüte zu locken und einzufangen. Starre Haare verschließen den Ausgang, so dah das Insekt, das heraus will, in feiner Aufregung die Bestäubung bewirken muh. denn in dem unteren Teil her Blüte befinden sich Staubgefäße und Stempel. In allen Blüten sind gefangene Insellen zu finden, ein Beweis dafür, dah die Falle gut funktioniert. Im Sommer verschwindet die Pflanze bis auf den unteren Teil des Kolbens, der dann die roten Früchte trägt. : Reichelsheim (Wellerau). 23. April. Rächsten Sonntag feiert das Ehepaar Wilhelm Vogt im Aller von 83 bzw. 71 Jahren das Fest Worte befördert mft einer Spitzenleistung von 900 000 Worten im Monat September. Um diesen starken Anforderungen zu genügen, hatte das Reich schon im Vorjahre vier Flughafenfunkstellen in Hamburg-Fuhlsbüttel, München-Schleihheim, Königsberg-Devau und Berlin-Tempelhof errichtet, die sich aber wegen Der zahlreichen nach sämtlichen gröberen Städten des Reichs erstreckenden Flüge als nicht ausreichend erwiesen. Es wurden daher in diesem Jahre noch weitere elf Po st funk stellen zwecks Wahrnehmung des Flugsicherungsdienstes zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um die Funkstellen in Bremen, Breslau, Dortmund, Dresden, Erfurt. Frankfurt a.M. Fürth, Hannover. Leipzig. (Stettin und Stuttgart. Ilm reibungslose und rascheste Beförderung her Flug- sicherungSrneldungen durch diese 15 Flughafenfunkstellen zu gewährleisten, ist strengste Funkdisziplin erforderlich. Zu diesem Zweck ist die Funküberwachungsstelle in Staaken eingerichtet worden. Die dauern!) Den Flugverkehr auf den der Luftfahrt zugewiesenen Wellen überwacht. Weiter sollen auf gewissen Kabellinie?, die zum Teil schon fertiggeftelt sind, l#nb als Flugkabel bezeichnet werden, „Blitz- gespräche" zur älebermittlung dringender De» trtebämelDungen zugelassen werden. Eine für die Sicherheit de« Luftverkehr« auhervrdentlich wichtige Neuerung ist der Einbau eine« leicht bedienbaren Funkempfang«- und -sendeaeräts in Die <5Iug- yeuae. um dem Flugzeugführer während deS Anflugs, vor allem in Fallen Der Rot, gefahrdrohende Aenderungen der Wetterlage übermitteln zu können und ihm die Möglichkeft zu geben, Anfragen an den nächsten Flughafen und die Flugwetterwarten zu richten. Die Tele- phvnitteichwefte dieser Funkgeräte beträgt 250 bis 300 Kilometer. Ihre Sendestärke ist ausreichend, um von jedem Punll des Deutschen Reiches mindestens eine, meist zwei Flughafenfunkstellen zu erreichen. Weiter besteht die Möglichkeit zum ungedämpften Senden mit ca. 700, zum gedämpften Senden mit ca. 500 Kilometer Reichtvefte. Durch Den Einbau von Funkgerät in die Verkehrsflugzeuge wird es auch möglich sein, die Frage der funkentelegraphischen Ortsbestimmung, hie für die sichere Ra- Oigation von größter Bedeutung ist, einer Lösung zuzuführen. Funkpeilstationen sollen in Hamburg, Dortmund, Hannover und Berlin errichtet werden. Der weitere Ausbau dieses zunächst nur in Rordwestdeutschland bestehenden Boden Peilnetzes wird sich hoffentlich bald im ganzen Reiche ermöglichen lassen. Auch Der diesjährige Flugwetterdienst erfordert wieder eine Personalvermehrung, sowohl an akademisch gebildeten Assistenten als auch an sonstigen Hilfskräften. Erstere sollen bei der Schwierigkeit der meteorologischen Flugberatung durchaus Fachmeteorologen sein. Leider fehlt hierfür aber zum größten Teil der erforderliche meteorologische Rachwuchs, Universitäten und Hochschulen bieten bis jetzt nur noch in sehr beschränktem Matze, von wenigen großen ilni* versitäten abgesehen, die Möglichkeft eines regelrechten, meteorologischen Studienganges. Der Hochschulunterricht in Meteorologie sollte jetzt endlich eine befriedigende Lösung finden, denn es läht sich schwer einsehen, warum diese wichtige naturwissenschaftliche Disziplin, so alt wie alle anderen Fächer Der Geologie, Geographie, Dvtanft usw. und von gleicher kultureller und prakllscher Bedeutung wie diese, im Hochschulunterricht zurücksteh en soll. Weise stallfinden, daß bei dem zur Zeit im Gange befindlichen Ülmlegungsverfahren angrenzende Pläne her bisherigen Friedhofsfläche zugelegt werden. V Lützellinden, 23. April. Bei der gestrigen Ruhholzversteigerungim Markwald, die eine sehr starke Beteiligung aufzuweisen Halle, wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Kiefernstämme 26 Ml.. Fichtenstämme 20 Mk. pro Festmeter. Fichtennuhscheft 3 Meter lang 34 Mk. pro Schicht. — Die Gemeinde gehentt in Den kommenden Monaten Die Erwerbslosen mit Wegebauten zu beschäftigen, und zwar soll Der Grüne Weg, Der ein Hauptholzabfuhrweg aus dem Oberwald ist, weitere 500 Meter chauffiert, ferner ein Weg im „Bitzen" und der dabei befindliche Graben kanalisiert werden, ebenso will man ein Stück vom Hochelheim er Weg chaufsieren. Die Ar- beften sind von dem Regierungspräsidenten als Rotstandsarbeit anerkannt und Der Gemeinde ein Zuschuß aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge bewilligt. Die zu dem Wegebau erforderlichen Steine werden in einem eigenen Bruche der Gemeinde gewonnen, jedoch werden die Steine nicht durch die bisher übliche „ Frohnfahrten" an die betreffenden Stellen verbracht, sondern die Gemeinde wird Die Fuhr- teiftimgen vergeben. Dornholzhausen, 23. April. Der Ausbau des Weges von hier nach Lang-Göns als Verbindungsftrahe mit Chaussierung, Der Dau je einer Drücke über den Kleebach unh über den Schäferschen Mühlgraben, sowie die Durchführung von zwei Kleebachdurchstichen. über die in Rr. 67 des „Gieß. Anz." bereits berichtet wurde, sind von dem Regierungspräsidenten als Rotftands- arbeit anerfannt. Die Gemeinde ist zur Ausführung Der Arbeiten ein Zuschuß und ein Darlehen aus Mitteln Der produktiven Erwerbslosenfürsorge bewilligt worden. Dieser Tage fand die Vergebung einer Teilstrecke des zu bauenden Weges statt. Wenigstnehmender war her Bauunternehmer Schäf er von hier, dem die Arbeit übertragen wurde. Die Dauaufsicht wird durch das Kulturamt zu Wetzlar auggeübt. O Ebersgöns. 23. April. Ein ül n- glücksfall ereignete sich auf dem Schießstande des hiesigen Schützenvereins. Einem Mit- gliehe des Vereins, das die Schießergebnisse anzeigte. wurde beim Zulleben der Schießlocher auf Der Scheibe die re chte Hand durchschos- s e n. Wie sich der Unfall zutrug, ist bisher noch nicht festgestellt. Er verlautet, daß der Schütze die Warnungs lagge übersehen habe. Der Verletzte mußte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Der Schießstand ist am hiesigen Gemerndewald belegen; die betreffende Fläche gehört jedoch zum hessischen Staatsgebiet. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 23. April. In der Frühjahrsgeneralversammlung des hiesigen Spar- und Darlehnskassen- Vereins (Raiffeisen) gab der Vorsitzende, Buchhalter August Schmidt, zunächst den Rechenschaftsbericht über das verflossene Geschäftsjahr und schloß daran einige Aufklärungen über Den Verlust in Der Raiffeisenbank in Berlin. Rach her Bilanz des Rechners Schmitt hat Der Verein mit 128 Mitgliedern einen älmsah von 186 000 Mk. und einen Reingewinn von 802 Mk. erzielt, die dem Aufwertungsfonds überwiesen wurden. An Aufwertungsgeldern stehen dem Verein 7000 Mk. in Aussicht, während 88 000 Mk. aufgebracht werden mußten. Die Spareinlagen haben sich um 19 000 OHT. vermehrt. Dem Rechner, sowie Vorstand wurde Entlastung erteilt. Der seitherige Vorsitzende, sowie der Beisitzer Ludwig Ferber wurden einstimmig wiedergewählt. — Gestern wurden die Gruppen in unserer neuen Freiwilligen Feuerwehr gebildet. Die Wehr zähll 36 Mann. Als Brandmeister wurde Schornsteinfegermeister Albert Kachel gewählt. — August Best I. von hier kaufte die Wirtschaft Schlierbach in Bieber mit annähernd drei Morgen 2anD für 11 000 Mark. Oberlahnkreis. q Löhnberg a. d. L ahn, 22. Aprft. Heute nachmittag zwischen 2 und 3 Llhr wurde Den hiesigen Einwohnern und Der Einwohnerschaft des benachbarten Selters eine ungewöhnliche äleberraschung zuteil. Auf Dem Wiesengelände zwischen Den beiden Ortschaften ging unerwartet ein Flugzeug nieder. In wenigen Minuten hatte sich eine große Zuschauermenge angesammelt, um Den großen und hier immerhin noch seltenen Vogel aus allernächster Rähe bewundern zu können. Hatte doch die Mehrzahl Der Leute ein Flugzeug so nahe noch niemals gesehen. Es handelte sich um das Flugzeug D. P. 2. A. Werk Ar. 121. Hauptnummer D. 572 von her Fliegerschule Staaken bei In Der Ausgestaltung des meteorologischen Beratungsdienstes des diesjährigen Flugverkehrs ist jedenfalls von feiten des Reichsverkehrs- ministeriums alles getan worden, was nach Den gegenwärtigen Verhältnissen möglich war, um Die denkbar größte Sicherheit Dem Verkehr zu Klabund-Uraufführung in Frankfurt. Es ist ein dankenswertes Verdienst des In- tenhanten Weichert, daß Frankfurt die älr- auffuhrungsstadt K l a b u n d s geworden ist. 1925 war es „Der Kreidekreis", jetzt ist es das Drama „Brennende Erde". In Klabund ist ein Dichter unserer Zeft erstanden, nach langem, hoffnungslosem Suchen ist Der Dichter gekommen, Der Das Geschehen her Gegenwart Dichterisch zu erfassen weiß. Er greift Den Stvft aus den Wirren Der Jetztzeit und ballt ihn zu einem Drama, welches getragen wird nicht von innerer Spannkraft, aber von dem starken Klingen einer Dichterseele. Klabund hat nicht, wie viele, Weltgeschichte mit politischer Tendenz dramatisiert, er hat Menschen gezeichnet, deren Herzen gleich der Erde verbrennen in Verzweiflung und Rot. Der Brand zog von Westen nach Osten und nun brennt es im Osten, wir werden nach Rorden ziehen, wo Der Brand dem ewigen Eis nichts aitfjaben kann. So etwa spricht der ehrwürdige Vater Semion, Der Abt der Skopzen am Schluß des Werkes. Konnte einer Die Rot der Zeit besser zeichnen, als wenn er Tote sagen läßt: „Wir riechen Den Frühling und Blut, aber Die Lebenden merken es nicht, wenn Frich- [ing ist." Die äußere Struttur der „Brennenden Erde" ist folgende: Weit, weit im Osten lebt Die junge. sieHehnjährige Marusja bei Den from- Berlin. Sein Führer, Rob. Weigel- Frankfurt a. M., unh helfen Degleitmann, Ma? Jung- Berlin, befanden sich auf der Reise von Staaken nach Köln. Die unbeabsichtigte Zwischenlandung war dadurch notwendig geworden, daß eine Zündkerze ausgewechselt werden muhte. Rach etwa 20 Minuten war das geschehen, und her stolze Vogel erhob sich wieher in hie Lüfte, um seine Reise nach Köln fortzusehen. Kreis Lrmburq. WSR. Limburg, 23. April. Der neue Regierungspräsident Ehrler unternimmt soeben eine Informationsreise im Lahngebiet. Vorgesehen sind u. a. Besuche in Limburg, Bad Ems, Diez und Rassau, wobei Der Regierungspräsident überall Besprechungen mit den behördlichen Vertretern haben und Besichtigungen verschiedener Allagen unh Werke im Lahngebiet vornehmen wird. Zuerst stattete Der Regierungspräsident Der Stadt Limburg einen Besuch ab. Dabei machte ihm Bürgermeister Krüsmann Mitteilungen über die wirtschaftliche Lage Der Stadt, wäbrend Landrat von Breitenbach sich über diejenige des Kreises äußerte. Kreis Westerburg OO Westerburg, 23. April. Wer auf hohem Bahndamm an dem Westerwaldstädtchen Westerburg vorüberfährk, der sieht auf stolzem Berg» kegel das alte Schloß der Grafen £u Westerburg liegen. Die von Wind und Wetter nach Rorden hin geschwärzten Mauern verraten nicht, daß munteres Treiben hier Die Jugend oft vereinigt. Seit ungefähr einem Jahre hat nämlich der „Bund deutscher Jugend" (B. d. I.) begonnen, die zerfallenen Innenräume freundlich herzurichten, um vorüberziehenden jugendlichen Wanderern eine Herberge und Erholungsbedürftigen eine schöne Ruhestätte zu bieten. Auch eine Weberei hat der D. d. I. dort eingerichtet, um die schönen und farbigen Deider- wandstoffe anfertigen zu können. Jedem, der an Westerburg vorüberkommt, möchte man deshalb raten, dem alten Bau einen Besuch abzustatten. Am westlichen Hange des Schloßberges liegt das ..IrmtrautscheVasallenhau s", ein altes Gebäude wie das Schloß, das ehemals zur Beherbergung der „Vasallen" des Grafen von Westerburg diente. Die Gemächer im Innern dieses Hauses sind ebenfalls zerfallen. Die herrliche Lage, die einen Ausblick in das Limburger Becken gestattet und die noch feste äußere Mauer sind aber Grund genug, das Haus auch innen zu Wohnzwecken wieder herzurichten. Um dies zu verwirklichen, sind seit einigen Tagen Handwerker emsig an der Arbeit. — Die Rerother, einer der Iugendbünde in Deutschland, der die Jugendbewegung in geistiger und körperlicher Ertüchtigung unseres Rachwuchses aufgefaht wissen will, veranstalteten im Düchlerschen Saale einen wohlgelungenen Vortragsabend. Es war eine Freude, zu sehen, wie der Führer der Rerother mit einer jungen Schar von Ferien- jungens hier einmarschierte und von den Erlebnissen deutscher Studenten auf einer Wanderung durch Aegypten erzählte. Die Worte des Vortragenden wurden durch zahlreiche stimmungsvolle und künstlerische Bilder von all den Wundern und Schönheiten Aegyptens veranschaulicht. Dazwischen erschallten frische Landsknecht- und Reiterlieder der jungen Schar, wodurch die Zuhörerschaft Die Wanderung wahrhaft miterlebte. Hoffentlich kommen die Rerother bald wieder nach Westerburg. Oberwesterwaldkeeis. XX Hachenburg, 23. April. Die hiesige Jugendherberge mutzte geschlossen werden, weil die neue Forstschule Diese Räume für sich in Anspruch genommen hat. Insgesamt 300 Wanderer fanden im verflossenen Jahre hier ein Hntc f - mniein. Auch für Die Osterferien lagen etwa 10 -2i ^Meldungen vor, Die sämtlich zurück-- getoiefen werden mutzten. XX Roßbach. 22. April. Pfarrer Hopf ist nach Elkerhausen bei Weilburg versetzt und daher Die hiesige Pfarrei zur Reubesetzung ausgeschrieben. Holzarbeilen, ndmalerei usw. _j. . H-iandlunejen mern Brüdern, Die sie als Findling auf genommen haben. Da kommt Rjurik, Der Svwjetkom- missar; er hat von ihr gehört und nimmt sie mit Gewalt mit sich. Diese kindlich reine Ma- rusja ist Die Hauptgestalt Des Dramas. Sie bereinigt in sich gleichzeitig das, was Klabund von Ort unh Zeit sagt, nämlich legendäres Ruh- lanh und mythisches Heute. Ein Mädchen, in Dem die Religiosität zur Heber Steigerung her Gefühle aufwächst. Die verzweifelnd auf Erlösung Hoffenden, sie selbst, sehen in ihr Die neue Hei- landsmutter. Selbst Rjurik macht vor ihrer Reinheit halt. Ihr Schicksal aber ist, durch hundertfache Schändung zu sterben. Auf Der Flucht nach dem Kloster w rd sie mit Rikolaj, einem, Der sie liebt und ihr helfen will, gefangen und Rjurik schenkt sie Den Soldaten, Die Erde brennt und die Menschen verbrennen an ihrer Glut; sie bekämpfen sich, aber die frommen Brüder gehen unversehrt aus dem Würgen hervor und ziehen mit der Leiche Marusjas nach dem Rorden. Die Szenen sind Dichterisch stark, aber der Dichter Klabund gewinnt über den Dramatiker hie Hebet» Hand, und das ist schade, denn die Dramallk zerfällt dadurch oft in reine Stimmungsbilder, die der zusammenschweißenden Gröhe entbehren. Richard Weichert brachte eine geschlossene, der Dichtung vollkommen gerecht werdende Aufführung heraus, Die alle Möglichkeiten des Werkes erschöpfte. Das Gleiche gilt von Der Gesamtdarstellung, an Deren Spitze Carola Reher stand, die Gattin Klabunds. Ihre Marusja war eine Art heftige Simplizia, ganz und gar auf kindhafte Reinheit eingestellt. Die stimmungsvoll illustrierenden Bühnenbilder Ludwig Sievert« gaben dem Abend den äußeren, künstlerischen Rahmen. Das Publikum rief den Dichter, feine Gattin sowie Weichert und feine Getreuen wiederhoft vor Die Rampe. — L W Das lachende Haus. Roman von Sophie kloerß. 1. Fortsetzung Ruchdruck verboten Die Frau stand vor einer Katastrophe. Auster dem Zusammenbruch ihres Frauenglücks sah sie auch den ihres Dauses vor sich. Und als sie alles verkauft hatte, was irgend entbehrlich war, als sich in Nachbar Polematz ein Pächter für Aecker und Weiden gesunden, als sie hassen konnte, sich mit den Kindern durch,zuschlagen, kam die Frage: ..Und ist do nichts, was außer dem Allernotwendigsten noch einen kleinen Notschilling schasst?" Ja, da waren die Hühner und der Obstgarten und die Rosen — aber das alles schaffte nicht recht —, und dann war do das Weben. Sie halle es von Frau Kallies, der Lehrersfrau, an langen Winterabenden gelernt. Das feine Kunft- weben von Decken und Kissenplatten und reinem Damast und buntgebordeten Handtüchern, die alte Kunst des Marschlandes, die auf kleinen Handweb stuylen geübt wurde Wenn sie damit verdienen könnte? Bekannte verfchafsten ihr Hamburger Adressen, Geschäfte und reiche Privatleute wurden ihre Abnehmer: sie bekam so viel zu tun, wie sie nur schaffen konnte, und endlich kamen Anfragen, ob sie bisweilen in den kleineren Städten der Herzogtümer Sturze abhalten wollten in der alten, nun wieder neuen Kunst. So konnte sie mit den Kindern ohne große Sorgen leben aber müde wurde sie oft dabei. Doch die Kinder sollten frohe Menschen werden! Die Kinder sollten aller Lebensnot ein sieghaftes Lachen entgegensetzen! — Die Kinder sollten nicht vor der Zeit ihre Schultern unter das Joch beugen. Margrit Dunsen, die einstmals kleine Mädchen nicht leiden konnte, lebte und webte nur noch im Leben der drei Töchter, und wenn alles dunkel und häßlich, war und die Leute immer Geld forderten, das sie doch nicht halte, und heute Thora an Bräune log, gerade wenn Mutter noch Heide fahren sollte, und nächste Woche Ille bei ihrem Getobe den ganzen Küchenherd mit Geschirr niederriß, und im Frühling der Sanitälsrat sagte: „Rose muß in das Kinder- heim auf Sylt, ich verschaff' es Ihnen billig--", wo doch billig immer noch viel zu teuer war — ja, wenn alles und alles wieder über sie kam, daß sie gar nicht mehr aus und ein wußte —, und dann Hörle sie die drei zusammen lachen — lachen - lachen — wie nur die Bunsenmädchen lachen konnten —, dann strahlte ihr Herz, und ihre Augen strahlten: ,Lch bin doch eine reiche Frau' Ich bin doch eine gesegnete Frau/ Drei Jahre hatte sie noch dem Tod des Vaters die ewig verdroßene, nörgelnde Mutter im Hause. Die beanspruchte die sonnigsten Stuben, die besten Bissen, tausend kleine Bequemlichkeiten, für die Tochter nur mit viel Arbeit zu beschaffen, und war doch nie zufrieden. Und hielt der Tochter immer vor: „Wie du die Kinder verwöhnst! Das hat doch keinen Sinn! — Sie sind doch nur Hosbesitzerslöchter. Biel zu leicht machst du ihnen dos Leben. Glaub' mir, sie müssen es mol büßen, daß du sie so verziehst. — Und danken tun sie es dir auch nicht." „Traurig, wenn eine Mutter um Dank sorgt. Wenn sie mich liebhaben, ist alles gut. Und wenn sie glücklich werden, ist das mein bester Lohn." „Sie werden nicht glücklich. Du machst sie viel zu anspruchsvoll." „3d)? Die Kinder? Na, wir machen doch wirklich keine Sprünge." „Aber du hältst ihnen den Ernst des Lebens viel zu fern. Und der Unterricht beim Pastor und Lü:t- johanns Erzieherin — — das ist auch das reine Pläsier für sie." Margrit Bunsen lachte, lachte gerade so leichtherzig wie ihr Kleeblatt, und die Frau Justizrat dachte mit schweren Sorten an die Zukunft ihrer Enkelkinder. Es würde fid) rächen, es mußte sich rächen. Sie erlebte die Roche des Schicksals nicht, denn sie starb, als Thora fünfzehn Jahre alt war und der Mutter die Sorge um die Hauswirtschaft abnehmen konnte. Dann mußte Margrit Bunsen doppelt fleißig zu Kursen fahren, denn die Heranwachsenden Töchter kosteten immer mehr, die Jahre waren sorgen- überlastet und das große Hilfsmitttel töchterreicher Famllien — der wohlhabende Schwiegersohn —, das sah fid) gar nicht aussichtsvoll an. Und doch sahen die drei Mädchen, als sie er« wachsen waren, alle gut aus. Thora so stattlich. Die rostroten Zopfe dick wie Taue, die Haut wie Milch und Blut, die Augen von dunkelstem Blau, und wenn auch der Mund groß war und die Nase gänzlich rasselos, man sollte doch -MBenr; ■ suchen, wo man solch frisches, frohes Geschöpf zum zweitenmal in der Gegend fanb. Ille mit ihren schwarzen Haaren und der bubenhaften Figur glich ihr in keiner Weise. Sie war Zwar ebenso energisch wie die Schwester, sie hatte dazu eine geradezu glänzende Meinung von fid) selber, sie hatte in Gang und Haltung etwas von einem hellenischen Knaben, aber sie hatte — was die meisten Männer erschreckt — ein ganz gottloses Mundwerk. Der netteste junge Mann wurde non ihr in drei Minuten so heillos zerpflückt, daß er als Bewerber für die Schwestern nie in Frage kommen konnte. Sie lachte ihn einfach tot, ehe er noch den tleinsten Schritt in eins der Herzen hineingetan hatte. Rose, die sie Mucki riefen, war viel stiller, viel feiner, aber im Grunde doch echtes Bunsenblul. Mucki hatte der Vater sie genannt, weil er behauptete. das kleine Dingchcn hätte etwas von einem weißen, erstaunten Osterhasen an sich. Und bann war der Name geblieben. Vielleicht hatte Rose mit den lichten Haaren und den weichen Gliedern den größten Reiz für die Männer, aber sie kümmerten fid; nicht darum. Noch stand sie ganz im Bann der Schwestern, noch waren ihr Thoras Liebe und Jlles Beifall mehr als alle männliche Bewunderung. Es muß gesagt werden, baß die Auswahl männ licher Schönheit und Dewerdungsfähigkeit auch nicht groß war in der Gegend. Immerhin — Thora, die nun zweiundzwanzig war, hatte bod) schon drei richtige Bewerber gehabt. Der erste war Kristian Polematz. den Ille wegen seiner bid’en Gestalt und seines langen Pserdegesichts ..das Schaukelpferd" nannte. Er war der Sohn des Pächters, und sie kannten sich natürlich von kleinauf. Durch die Mutter ließ er anfragen. Margrit riet ihm gleich ab, aber er wollte nicht hören. Der Hof fiel bald aus der Pacht, er hätte sich gern als Herr hii eingesetzt. Thora war als Zugabe auch nicht zu verachten. Als er einen Korb bekam, nahm er das nicht tragisch. Beharrlichkeit hat schon manchen zum Ziel geführt. Landleute sind an Geduld gewöhnt. Der zweite war der Kandidat Levermann, der sich ein ganzes Jahr lang bemühte, die spröde Thora zu erweichen, sie aber nur immer mehr gegen sich erhärtete, bis er seine Neigung Ille zu- wandtc. was bei den Schwestern ungehemmte Jubel« stürme hervorries. So tarn er auch nicht zum Ziel. Der dritte Bewerber hieß Hinrich Mönk und war Erster Offizier aus der „Ühuringia". Thora lernte ihn bei einem Besuch in Hamburg kennen. Aber er war gar zu klein und trbtig. Gewiß war er ein ganz samoser Kerl, wenn er breitbeinig auf den Schilfsplanken stand, die Winde ihm um die Ohren beulten unb er feine ausgestülpte Nase in bas Wetter stemmte, aber es fehlte ihm alles, was ein Mädchen« herz schneller schlagen läßt. Unb bann hatte die schlimme Ille nach ber ersten Begegnung gesagt „Nase'? Der Mann hat bod) keine Nase, ber hat eine Regentraufe" So etroa-s genügt. ,Hütet euch." sagte Frau Margrit Bunsen bisweilen, „ihr lacht und ökelt so lange, bis ihr alles Glück weggelacht habt. Und einmal kommt die Stunde, wo es end) reut." „Reut uns nicht", antwortete das Kleeblatt. „Wenn wir sd;on unsere selige Freiheit aufgeben sollen, wollen wir wissen, warum und wozu. Du kannst leicht reden, kleine Mama. Du hast unseren Vater geheiratet. Wenn du uns solchen Mann vor« setzen kannst, wie unseren Vater, wollen wir auch andere Gesichter madjen." „Es war auch mit eurem Vater nicht alles Jubel und Seligkeit", sagte die Mutter leise. Die Töchter lachten. So mußte sie die Mädchen gehen lasten, wie dce selber wollten, und mit jedem Jahr geriet sie mehr unter die Herrschaft ihrer Kinder Erst hatte sie sich den Eltern fügen müssen, dann dem selbstherrlichen Manne, nun schwangen die lebensfrohen Kinder das Zepter. Und im Grunde — unb bas war ihre Schulb — fanb sie es ganz bequem, sich schieben zu lasten. Das alte Haus lag feit zweihunbert Jahren bort an ber Landstraße, und ebenso lange hatte der Hof seinen Namen „Kiekvondiek"; denn die Elbe war in früherer Zeit hart unter der Bodenwelle, auf ber sich das Wohnhaus erhob, vorübergeströmt. Im Lauf der Jahre hatten die immer neu hinausgescho- benen Buhnen so viel Land angeschlickt, daß der Strom jetzt ein paar hundert Meter entfernt war. (Fortsetzung folgt.) Edelliköre einbrände KUiUhrtf 34.391 > '«4. Die konkurrenjloy alte u.neue Holz-Lack.-, Linoleumböden besonder; auch Möbel. Jn. einiqan. Monaten. cj- er. Telephon 1154. »7141) Seidel & Daumann Gemnia-Fahrrädsr Äaem-iiBciiM Aßmann & Schneider Telephon 1248.2417. Kaiserallee 45. M&eian sie von. tuxs ocno/i Georg Appei Gießen -Mähmaschine! I! Saatkartoffel aus östlichem Sandboden, noch vom Lager abzugeben. Industrie, Wohltmann, Preuhen, blaue Oden- toälber (Driginalfaai). Hermann Sauer Bureau und Lager. Waltorstrade 26» Televbou 1154. ei6D Viktoria-Erbsen per Ztr. 14.— RMK. 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Doll >Schav>Anweiiug.*s — — — **lo Honturfcn........ 12.85 12,40 13 _ 5% Goldmcrikaner . . 43.5 43 — — Berliner Handrlöqesrllschaft Lämmer»- und Prioal-Bank 151,5 150.5 150,3* 106,75 106,8- 106,75 106.8- Tarmsl. und 'Jlarionalbont 128 — 128,25 128* Deutsche Bant 125.62 — 126,25 126- Deutsche BeremSbank . . . 87 — DiScomo Commandit 122,62 121,8- 122,75 122' Metall bank. ..... 93,5 9.3 — Mitteldeutsche Treditbank Oesteeretchiiche ^rebitanftalt 104 104.3- 105 105.1' 7,15 7.1 7 7,12 Westbank ....... — — Bochumer Satz....... 92 — 92,25 91,25' Budcr.iS ......... 61 60 60 _ Coro ........... 55.9 — 56 56 25* Deurich-Luremburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. 97 98,75 95* 96,25 98,37 95' 96.25 Zarpener Bergbau . . 110,5 — HO 108,3' Kaliwerke Aschersleben.... 128,5 — 130 131,4- Kaliwerk Westeregem..... 133 133.5 134.25 135 Laurahütte ...... 37,5 — 37.5 37 Cbcrbeönrf .......... 51 — 53,25 52,5* Phönir Bergbau ...... Rheimiahl ....... Nie deck Montan....... 80,5 94.5 78,62* 92,5’ 78.25 94 78,25' 93,37- 95.5 94,5 94 Tellus Bergbau...... 61 — Hamburg-Amerika Paket. . . 134,75 132' L33.75 132,5* Norddeutscher Llovo . . . 133 131,3* 132.36 130,5* Theramische Werke Mlbtn . . 47 _ _ — Zementwerk Heidelberg . . 99 — — - Pbilivri Holtmann .... 78,25 - 77 — Anglo-Cont.-Guano . ... Chemische Mayer Alapin . . — — 82 - — — 5- « ssarbcninduftric, A.-G. 148 147,3* 148 147,3' Äoldschmidk......... 83.4 86,12 83,75 83,75 Holzverkohlung ........ SiüigerSwerke........ 78,25 82,25 66,5 81 — Scheideanllalt ........ 111,5 — - «llg. ClektrUtlStA-Sesellschaft 104 75 104' 104.5 103,3* Bergmann ......... Mamkrastwerke........ 100 — 99 98,5' 96 — — Schurken.......... 92 90,5* 91.60 90* Siemens 4 HalSke ...... 123,5 122 123,5 123' Adlerwerke Kleger ...... 57 56,5 56,5 57,15* Daimler Motoren. ...... 66,9 — 66 65,37- Hcyligenkaedt ......... .30 — — — •Ui ta irin . ...... 40 —— — Motorenwerke Mannheim — — 54 ftranlhntcT Armaturen . . 26 — Konscroensabrik Braun . . 42,25 — Metallgescll chaft Frankfurt . 107,5 107,5 Del. Union L.-G..... 86 — 86,87 Schuhfabrik Her; ... 35 — 36 Sichel ......... 3.87 ^ellslo i Doldhos...... 125,75 — 126 —— Zackcrwbnk Frankenthal . . Hucfmabrir Waoböukel 53,5 59.87 — — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphifche Auszahlung. Banknoten. 23 Avril. 24 April Amtliche Non rung Amtliche Notierung («e(b Briei «Selb Bnet Amu-Nou 168.34 168.76 168.41 168,8:5 Buen.-Aires 1.730 1,707 1.696 1,700 Brss.-Antw 14,86 14.90 14,8x5 14,92.5 Christiania 90,34 90,56 90,24 91,46 Nopenhag.-n 109,78 110,06 109,84 110,12 Stockholm 112.24 112,52 112,26 112,54 HelimgforS 10.545 10,585 10,548 10,588 Italien . 16,86 16,90 16,88 16,92 London. 20,333 20,445 20.598 20,450 Oieuyork - — — — — VariS. . 13,14 13.98 14.10 14,14 Schwei; . 81,005 81,205 80,99 81,19 Spanien 60.27 60.43 60.52 60,68 Iavan - - 1 987 1.991 1,985 1,989 -Hio de Jan 0.581 0.591 0.594 0,596 Wien in D-- Cefl- abgefl 59,165 59,305 59,17 59,31 Prag . . 12,42 12,46 12,42 12,46 Pettrad . . 7,39 7,41 7,39 7.41 Dudav:ll - 5,855 5,875 5,865 5,88.5 Bulgarien 3,05 3.06 3,045 3,055 lk'ssabon 21,355 21 405 21,375 21,425 Dancig. . 80,87 81,17 80,89 81,09 llonst NttN. -',19 2,20 2,18 2,19 Athen 5,29 5.31 5,29 5,31 Canada. . 4,199 4,209 4.195 4.205 Uruguav 4.33 4.34 4.33 4.34 Berlin. 23 April Meld Brie. Amerikanische Viole»..... 4,187 4,207 Belgische Noten ....... 14.83 14,91 Dänische '.Roten ....... 109,5.5 110,09 Englische Noten ....... 20,368 20,468 Franw'ische Noten ...... 13.96 14,02 Holländische Noten .... 167,96 168,82 Italienische Noten...... 16,85 16,9-J Norwegische Noten. ... 90,37 90,83 Deuisch-Ocslerr . ä 100 Kronen 59,03 59,33 Rumänische Noten ..... 1,60 1,64 schwedische Noten ... 111.94 112,50 «chweiter Noten ... 80.89 81,2-« Soanikche No een ...... 60,20 60,50 Tschechoslowakische Noten • - 12,41 12 47 Ungarische Noten 5 83 5.87 Berliner Börse. Berlin, 24. April. Die unzuversichtliche und ui’ftete Tendenz, die während der ganzen letzten Woche herrschte, hat das Geschäft völlig z u m Erliegen gebracht. Die Prioatkundschaft der Banken blieb heute beiseite, und innerhalb der Börse selbst herrschte eine Ruhe, die nicht mehr zu überbieten war. Die Spekulation zog sich nach dem Hin und Her der letzten Tage vom Geschäft zurück. Bei dieser Lustlosigkeit waren die ersten Kurse mehr ein Zusallsprodukt. Die Heilung war nicht einheitlich, immer war ein freundlicher Unterton nicht zu verkennen. Die Flüssigkeit des Geldmark- t c s hielt unverändert an. Dem großen Angebot steht kein nennenswerter Bedarf gegenüber. Tagesgeld hörte man mit 3 bis 5 Prozent und darunter, Monatsgeld mit 5 bis 6 Prozent. Im Devisenoer- kehr herrschte die am Samstag Übliche Ruhe. Die westlichen Frankenvaluten waren gegen London leicht erholt, und .zwar Paris auf 144,50 und Brüste! auf 136,75. Die Diskontermäßigungen, die in einigen Ländern erfolgt find, blieben auf die betreffenden Währungen ohne Einfluß. Tücttcrvoraussattc. Bei nördlichen bis östlichen Winden leichte Bewölkung, tagsüber etwas wärmer, ohne Niederschläge von Bedeutung. Infolge langsamer Aufheiterung stiegen die Tagestemperaturen gestern kräf.ig an. Das Nordsee-Tief hat sich auf gefüllt, während der Druckanstieg über ganz Deutschland weiter fortgeschritten ist. Bon Westen her verlagert sich ein Gebiet hohen Drucks nach Mitteleuropa, das sich durch die Zufuhr kälterer Luft kräftigt. Da jedoch vor der Hand ein Mittelmeertief in unser Gebiet hineingreift, so stellt sich eine ausgesprochene Hochdruckwetterlage noch nicht her. Der Einfluß dieses Tiefs macht fich jedoch nur durch stärkere Wolkenbildung und verstärkte Lustbewegung bemerkbar. Gestrige Tageslemperaturen: Maximum 14,2, Minimum 3.7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 5,2 Grad Celsius. Büchertisch. — Martin Andersen Nexö. der Kopenhagener Proletariersohn, ist in Deutschland schon durch eine Reihe starker sozialer Romane bekannt geworden. Seine „Bornhol- m er Novellen", die der Berliner Verlag I. H. W. Dietz Nachf. in einer schonen Ausgabe herausbrachte, verstärken den Eindruck seiner großen Kunst. Cs sind arme Leute, einfältige Leute, kindlich im Glauben und Handeln, diese Dornholrner Bauern und Fischer, karg und rauh, wie die Natur ihrer Insel, scharf gesehen sind ihre Schicksale von dem Dichter, der einer der ihren war. 903 Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau".) Sonntag, 25. April. 8 bis 9 Uhr: Morgenfeter, veranstaltet vom evang. Posaunenchor Fechenheim a. M. 11,30 bis 1 Uhr: Uebertragung von Kassel: Hebung der freiwilligen Sanitätskolonne Kassel auf dem Friedrichsplah: »Praktische Rettung bei Unfall und Großunglück". 12 bis 1 Uhr. Mlttagsfeier: Heinrich Heine. 2 bis 3 Uhr: Die Stunde der Jugend. (Für Kinder vom 4. Jahre ab). 3 bis 6.30 Uhr: Übertragung von der Rennbahn Frankfurt a. M.-Riederrad: Flach- und Hindernisrennen, veranstaltet vom Rennklub Frankfurt a. M. 6,30 bis 6,45 Uhr: Stadtmedizinalrat Dr. Keding spricht über: „Der Sinn der Reichsgesundheitswoche". 6,45 bis 7,45 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Dolksbil» dunLg: Sagen und Märchen, vorgelesen von Frau Ria Dolland. 8,15 Uhr: Übertragung aus Leipzig: Neunte Sinfonie von Beethoven. Montag, 26. April. 4.30 bis 5,40 Uhr: Konzert des Haus- orchesters: „Gut Bayrisch!" 5,40 bis 6 Uhr: Die Lesestunde (Die Novelle): „Der Schuh von der Kanzel" von Konrad Ferdinand Meyer. 6 bis 6,10 Uhr: Übertragung von Kassel: Vortragszyklus des Kasseler Stadtgesundheitsamtes anläßlich der Reichsgesundheitswoche. Gewerk'ichasts- fefretär Landgrebe spricht über: „Der Wert der Leibesübungen für die werktätige Bevölkerung". 6,30 bis 6,45 Uhr. „ Freundfchaftsarbeit unter Völkern und Kirchen", Vortrag anläßlich der Jahresversammlung der Deutschen Vereinigung des Weltbundes für internationale Freundfchaftsarbeit, gehalten von Pfarrer Lic. Wallau. 6,45 bis 7,15 Uhr: Funkhochschule Frankfurt: „Charak- tergeftalten aus der Geschichte des neueren deutschen Unternehmertums: V. Emil Rathenau auf der Höhe feines Wirkens als Organisator der elektrischen Großindustrie", Vortrag von Prof. Dr. Künhel. 7.15 bis 7,45 Uhr: Englischer Sprachunterricht. 7,45 bis 8 Uhr: Englische Literaturproben. vorgetragen von St'idie.rrat Olbrich. 8 bis 8,15 Uhr: „Die Mainzer Stadtgesundhcits- Woche", Vortrag von Stadtmedizinaldirektor Rosenhaupt-Mainz. 8,15 bis 9,15 Uhr. Klavierabend Michael Zadora-Wien. 9,15 bis 10,15 Uhr: Übertragung von Kassel: „Musik und Musiker in der Karikatur". Anschließend bis 12 Uhr: Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Lonntaasoicnst >. Aerzte n. tvotb?ken a n25.4.26 Dr. Ktpver Dr. Menerhost. Hirschavoiheke. ____________^a' narrt: Di Bucbinael._________ 'HoninnttnliiftW Wememb , Edernr. 13. COottcef- UvU ’y bicnuc: 2onntag vormii'.ags 91 - llbr Sonnfai nadimitina?- 4 Uhr. "D iwm'i?1— ii ii i rarnrnmi n iiwhi Farbflecken aus weisser Wäsche Obst-,Kaffee-,Ka' sagt", Datz unter diesem Verbot die groben lesen geht, trifft und Decker «Sv Mei- sind: 01 -0 und beim die Augen schließt, so hört dem Geräusch deutlich den hastlosen, freundlich bewegten Rhythmus dieser aussuchen, man aus doch stets Stabt. stiftworte, schon halb verwittert, zu „©oll man dann hie nächtigen?" Wenn man diese Allee weiter man inmitten weiter sonniger Felder 11“ Schloß und Park Monrepos. Ein klassizistisches Rokoko: chlötzchen von ausgezeichneten Proportionen sieht auf einen See, um den ein dünner Park sich zieht. Sieben kleine, baumbestandene Inselchen liegen im See, auf einer ein kokettes Kapellchen, das man erst für ein Haus für die Enten halten möchte, die durch das glitzernde Wasser ziehen und die Bote umdrängen, in deren jedem ein Liebespaar sitzt. Mittägliche Sonnen- stille liegt über dem Ganzen, das Schloß schläft hinter geschlossenen Läden, eine Ente steht im Portal. Leiser Wind treibt das Voot, daß die sieben Inseln durcheinander schwimmen, und durch die Bäume sieht man auf das bäuerliche Feld, das von alledem nichts weiß. Ks Doch muh man schließlich in btt Welt zurück, und die immer wieder überraschende Freundlichkeit der Schwaben macht es einem leicht. Wie einem die Leute auf der Straße die Frage nach dem Weg am Gesicht ablesen und unaufdringlich Auskunft geben, wie der um eine Ecke voraus- fahrende Radler ein heransausendes Auto mit Hand und Mund nach hinten signalisiert, tote der bärbeißige Kleinbahn-Schaffner während des Aufenthaltes warme Milch holt für Mutter und Kind, all das kann man anderswo suchen. Rir- gends gibt es so freundlich-anständige Dienstmädchen, und Schutzleute von so strammer Herzensfreundlichkeit. Verbotstafeln findet man zwar allenthalben, daß man in Preußen zu sein meint, aber wo anders als in Schwaben kann es fein, daß man unter dem Verbot, das im Wildpark des Schlosses Favorit bei Ludwigsburg (Fafforidde-Bark, sagen die Eingeborenen) steht: „Das Verlassen dieser Allee ist strengstens unter- Schwäbische Eindrücke. Don Gerhard Kauter. Der Dahnhof ist für eine Stadt, waS der Anzug oder das Kleid für einen Menschen ist. Der normale Besucher sieht ihn zuerst und immer, und verwebt ihn untrennbar in den Gesamt- eistdruck, der ihm hinterbleibt. So kann ich an Stuttgart nicht denken, ohne zugleich den schönen neuen Dahnhof vor mit zu sehen, kantig, dunkel, schwer, mit dem viereckigen Turm. Mag er dem in der Geschmacksvertoirrung der Vorkriegszeit Heimischen nicht sehr einladend erscheinen, ich weiß nicht wenige, denen die Wahrhaftigkeit solcher Bauten ein rechter Trost ist! Auch sonst hält Stuttgart wenigstens in seinen neueren Bauten, was der Dahnhof verspricht. Selbst die Ladenschilder und die dort sehr beliebte Lichtreklame lassen eine durchgängig gute Kontrolle vermuten. Doch will ich als Gegenstück den wahrhaft entsetzlichen Galathea-Brunnen nicht verschweigen, der auf der Eugensplatte über der Stadt thront, 1889, glaube ich, mit städtischen und fürstlichen Mitteln aufgestellt, zu dessen Füßen zwei erschütternde Sphinxe lagern: An schlanken Löwenleibern gleitet der Blick, bemerkt betroffen die auch für Sphinxe ganz ungewöhnliche Fülle der Brust, um an den erbärmlich schmalen Schultern sogleich die Folgen solcher Verschwendung zu erspähen, doch bald dies alles über dem Gesicht zu vergessen, das von zwei, sehr wahrscheinlich blonden, unter dem Kinn verknoteten Zöpfen umrahmt, mit dem süß-dämlichen Ausdruck eines Pensionatsmädchens vor sich sieht, das arme Köpfchen noch belastet mit einer seltsam schneckenförmigen Steingestalt. Von hier oben, dem Kanonenweg aus, sieht man erst, daß diese liebenswürdige Großstadt wirklich eine Großstadt ist. In den Straßen fühlt man es kaum. Hier aber — man sollte abends hingehen, wenn es fast dunkel ist — hier steht man vor einem wahren Lichtermeer, das den weiten Talkessel füllt und an allen Bergwänden hinaufbrandet. Hier hat Rudolf Steiner, der Vielumstrittene, dessen Werk nach seinem Tode nun zeigen muh, ob es ohne ihn bestehen kann, hier hat Steiner die Waldorfschule gegründet, die für die Woche vor Ostern zu einer pädagogischen Tagung ein geladen hat. Was an den vielleicht tausend Menschen, die sich in ihr zulammenfanden, auffiel, war einmal das Erfreuliche, daß kaum ein Schalmeistergesicht zu bemerken war, andererseits das Befremdende, wie sehr die Anthroposophen einander und alle wieder Steiner ähnlich sind, dessen Bild bei Den Büchern ausliegt. Eine häufig fast anatomische Aehnlichkeit Der Gesichtszüge, vom Ausdruck ganz zu schweigen, die entweder eine konstitutionelle Anlage für diese Lehre vermuten läßt oder Ausdruck einer starken gestaltenden Kraft ist. (Ob Steiners oder seiner Lehre, auch das wird sich zeigen.) Wir wollen mit dem Pädagogischen nicht langwellen, obwohl Die Waldorfschule in Stuttgart Den guten Ruf hat, nicht langweilig zu unterrichten. Die eurhythmischen Vorführungen lind von allgemeinerem Interesse. £. «'S .> tJ a Ä. Wer noch mehr der Einsamkeit bedarf, wird in die Alb gehen und sie dort finden. Dies Gebirge, das eigentlich keines ist, nur eine riesenhafte Stufe, in der eine Ebene in langer Kalkwand zur anderen abbricht, trägt in allen Zügen Den Ausdruck des Vergehens. Wer weiß, daß diese Stufe einst bei Stuttgart stand (zu Zeiten, da es weder Stuttgart noch Menschen gab), wie der strömende Regen und Die Bäche sie immer mehr abwaschen und unmerklich weiter zurückschieben, bis sie sich einst an der Donau verlieren wird (zu Zeiten wiederum, wo Menschen wohl nicht mehr sein werden), wer weiß, wie vor undenöbaren Zeiten dieser Kalk entstanden ist in Meeren, Darin die Kalkschalen unzähliger Tiere zu Boden regneten, wer in der hohen sonnigen Luft die weichen, fliegenden Pastellfarben der Landschaft sieht, den grauen Kalk im noch braunen Frühlingswald unter Dunftblauem Himmel, Der spürt Den Frieden Der Vergänglichkeit und meint Den Wasserfall Der Zeit über diese ungeheure Klippe um sich rauschen zu hören. bödetal, wo die „Schmelzt zur Rast einladet und das Wegerichen sein Ende findet. Dem lieblichen Tälchen abwärts gehend, erreichen wir über Salz- böde und Odenhaufen die Station Friedelhauseu, um von hier die Heimfahrt anzutreten. Gesamtdauer der Wanderung von Krofdorf aus 4 Stunden. Bußbach—Münzenberg—Arneburg—Lich. Die Wanderung macht mit zwei Nachbarstädten bekannt, die sich noch ein recht mittelalterliches Gepräge bewahrt haben, und führt außerdem durch die abwechslungsreiche Landschaft der nördlichen Wetterau. Der Freund der Geschichte befindet sich fast überall auf' historischem Boden. Es wird zwar nur wenig Wald durchwandert, der ja jetzt noch entbehrt werden kann, dafür kann sich das Auge aber an blühenden Obsthainen und freiem weitem Blick in die Landschaft erfreuen. Man besichtige in Butzbach zunächst den ehrwürdigen Markt mit dem aus dem Jahre 1560 stammenden Rathaus. Don dort kommt man durch die Griedeler Straße auf die Lichor Landstraße, der man bis zur Straßenteilung (etwa 20 Min.) folgt. Sich rechts haltend, erreicht man in einer Viertelstunde Griedel. Ein Fußweg führt bann in 1| Stunden noch Münzenberg. Man kann von Butzbach aus aber auch den Weg über Rockenberg (ehemaliges Zisterzienser Nonnenkloster, ist jetzt Landeszuchtharts) nach dem „Wetterauer Tintenfaß" nehmen.' "Die Besichtigung der Burgruine endigt am besten mit dem Besteigen des einen Bergfrieds, der einen ausgezeichneten Fernblick auf Wetterau, Vogelsberg, Taunus und die Lahnberge gewährt. Durch das alte Städtchen, in dem manches Tor- und Giebelhaus die Aufmerksamkeit auf sich zieht, gelangt man bald nach Trais-Münzenberg. Von hier gehe man aber nicht die Landstraße weiter nach Muschenheim, sondern biege links ab und folge der alten Römern straße, die hoch über die Felder in einer knappen Stunde nach Kloster Arnsburg führt. Das letzte Stück des Weges mit der Berger Mühle zur Rechten ist besonders romantisch. In Arnsburg versäume man nur nicht, sich von dem Gärtner die wuchtigen - Klosterruinen zeigen und erklären zu lassen. Auf dem Weiterwege nach Lich benutze man die Markierung (blauer Ring) als Führer, der in knapp einer Stunde den Weg durch das romantische Gottesackertal und über die bewaldete Hardt nach dem Endpunkte Der Wanderung weift. Die letzte Wegstunde ist besonders genußreich. Die Gesamtmarschstrecke beträgt knapp 4 Stunden, so daß bei vernünftiger Zeiteinteilung die Wanderung auch als Halbtagestour bequem ausgeführt werden kann, zumal Der für die Heimfahrt in Betracht kommende Zug in Lich erst um 18 Uhr abends abgeht. ReiseliieraLur. — Sommer 1 926 in Deutschland. So heißt bas kleine, hanbliche, in ber Reihe Der „Deutschen Verkehrsbücher" soeben erschienene Heft ber Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung, in dem bie bemerkenswertesten Veranstaltungen für den nach Deutschland kommenden Fremden enthalten sind. Das kleine Buch bringt in alphabetischer Reihenfolge der deutschen Städte zunächst die allgemeinen größeren Veranstaltungen, danach die Messen, Sportveranstaltungen, Wettsahrtage. Das Der- zeichnis hat die Aufgabe, dem Fremden, der Deutschland nicht oder nur unvollkommen kennt, eine Möglichkeit der Orientierung zu bieten, welche interessanten Veranstaltungen innerhalb des Deutschen Reiches stattfinden. — Zu gleicher Zeit ist auch das Deutsche Reisemerkbuch, das den Titel trägt: „Wie der Fremde in Deutschland reift und was er wißen muß , für 1926 neu herausgegeben worden. Das Reisemerkbuch, bas in beutscher Sprache nunmehr in der Dritten Auflage vorliegt, bringt in neuer Bearbeitung alles für ben nach Deutschland reisenden Fremden Wissenswerte. Der Text ist so knapp und so eindringlich wie möglich gefaßt. Als Einführung wird eine Reiseroute durch Deutschland von etwa sechs bis acht Wochen entworfen. Dann folgen Aufschlüsse und die neuesten Bestimmungen über Eisenbahnverkehr, Gepäck- und Paßrevision, Ratschläge „Im Dienste des Reisenden", Schiffs- und Flugver- kehr, Paß- und Sichtvermerk, Geldverkehr, Verpflegung und Unterkunft usw. Ein besonderes Kapitel „Wo Kranke Heilung finden" ist den deutschen Bädern und Kurorten gewidmet. 80 kleine Bildchen aus dem schönen Deutschland, zu je zweien am Kopf ber Seite angeorbnet, schmücken bie Werbeschrift für Deutschlanb. Neu ist bie Beigabe einer schematischen Verkehrskarte Des Deutschen Reiches, auf ber auch bie Zugangslinien aus bem Ausland eingetragen sind. — „D a s R e i f e b u r e a u" (Deutsche Verlags- Aktiengesellschaft, Berlin W. 9. Das 2. Aprilheft ist an Ausstattung wie an Inhalt bem vorange- gangenen ebenbürtig. In fesselnden Artikeln und gut gewählten Illustrationen werden Land-, See- und Luftverkehr unterhaltend und instruktiv behandelt, wichtige Tarifbestimmungen und Fahrplanangaben bereichern den Stoff. Um nur einiges aus dem Inhalt anzudeuten: Dr. 21. Höher schreibt über „Die Organisation des deutschen Reiseverkehrs", Prof. R. Massinger über Den „Schwarzwald", Erich Köhrer über „Europas Flugzentrale", Harry Nitsch über „Luftverkehr und Hotels". IHM •i E b u O 6 y, y £ S«§£’ kainrncnhänge ur.D lehrt das Wesen anderer Volksstämme verstehen. Es erblüht Daraus Die teure Blume Der Vaterlandsliebe, und bei Der Herrlichkeit Deutschen Landes ist sie wahrhaftig nicht schwer gemacht, jene "Tugend, von Der Arndt in »Vaterland und Freiheit" sagt: „älnd seien es kahle Felsen und öde Inseln, und wohnte Armut und Mühe Dort, Du mutzt das Land ewig lieb haben!" Deutschland hat in Europa eine zentrale Lage, weshalb es ja mit Recht das Herz des Erdteils genannt worden ist. Darin liegt, wie wir im Kriege schmerzlich erfuhren, ein großer Rachteil, darin wohnen aber auch wesentliche Vorzüge. Es ist das natürliche Durchgangsgebiet für die vielen Kontinentreisenden. Sie mühen unsere Dahnen benutzen, und sie werden vielfach absteigen und hier und da rasten, um zu schauen, was unser Land Erohes, Schönes und Eigenartiges vor die Augen stellt. Die Bewohner der vielen umliegenden Länder werden häufig in erster Linie Deutschland zu ihrem Reiseziele machen, wenn sie überhaupt ins Ausland gehen wollen, weil es ihnen am bequemsten zu erreichen ist, und weil es ihnen so viel verspricht. Dem deutschen Volke kann es in Zukunft nur willkommen sein, wenn fremde Länder ihre Reisenden zu uns schicken. Es geht uns Dabei nicht- nur um Den materiellen Gewinn, Den wir wahrlich auch gut gebrauchen können, sondern wesentlich auch um ideelle Profite. ES ist wünschenswert, dah der Ausländer aus eigener Anschauung unser Land und Volk kennenlernt,' es werden sich dann bei ihm wahrscheinlich oft andere Anschauungen bilden, als sie ihm in Den verflossenen Jahren des Krieges und Hasses beigebracht wurden. Der Fremde wird vielleicht andere Völker kennen, die behaglicher im Wohlstand dahinleben, er wird jedoch kaum ein Volk finden, das in gleicher Rot und Armut noch immer ein gut kulturelles Dasein führt: er wird Den biederen deutschen Charakter selbst erfahren, er wird vor allem einsehen, dah das deutsche Volk so fleißig, so gewissenhaft arbeitet, dah ihm wohl eine gewisse Höhe der äußeren Lebensführung zu gönnen ist. Aus dem gleichen Grunde wäre es ja auch zu billigen, wenn der Deutsche, Dem es Die Umstände gestatten, auch einmal Die Grenzen seines Landes überschreitet, wenn er dabei in Der Fremde Die guten Sellen des deutschen Wesens bewußt verkörpert. Es gilt in Zukunft, daß sich die Volker Der Erde gegenseitig mehr als bisher verstehen lernen, daß sie nicht gegen-, sondern miteinander zu leben trachten, dah sie wohl nach Eroberungen streben, aber diese nicht durch Die Waffe Des scharfen Schwertes und Spitzen der Bajonette, sondern auf Dem Wege friedlichen Wettbewerbes zu erreichen suchen. Vaterlandsliebe und Weltbürgertum finden Dabei die beste Vereinigung. *84 Deutschland als Reiseland Von Paul Hoche. Wandern und Reisen ist ein echt germanischer Zug. Der Deutsche hielfs gern mit dem Wort Des Dichters: „Quag lauern und trauern, wer will, hinter Mauern, ich fahr' in Die Welt!" In Der Geschichte unseres Volkes gewahren wir den abenteuerlich Dahin iehenden Ritter, den wandernden Mönch, den fahrenden Schüler, der lustig dahin „feine Straßen" zieht, Den Sänger und den sorglosen Handwerksburschen. Erinnert fei nur an einige Männer, die leuchtende Vorbilder deutschen Wandermutes waren. S e u m e, der rüstige „Spaziergänger nach Syrakus", durchquerte mit dem Stabe in der Hand fast ganz Europa; Goethe legte sich selbst Den Raman „Wanderer" bei und behauptete, daß er das, was er nicht erlernt, erwandert hätte: auch auf die markige Gestalt eines Ernst Moritz Arndt fei hier hmgewiesen. Roch heute ist dieser Wandertrieb lebendig, noch heute heißt's vom Deutschen: Es treibt^ in die Ferne ihn mächtig hinaus! Wenn die schöne , Jahreszeit kommt, da prickeft's in den Gliedern. * da lockt uralte Sehnsucht „nach draußen", und es drängt die starke Flut besonders aus dem Steinmeer der großen Städte, und die Stuben- und Straßenmenschen eilen froh in die Arme ihrer Allmutter Ratur. Je weiter es geht, um so lieber ist's oft dem deutschen ©cmüt. Ferne Gefilde aufzusuchen, ist Dem modernen Menschen gar nicht so schwer. Blitzschnell trägt ihn das Dampfroß in ferne Gebiete, noch eiliger das Flugzeug über Land und Meer. Der Deutsche, der gern das All umspannt, sucht mit Vorliebe auch die fremden Länder auf unD nährt feine Seele mit neuen Eindrücken. An sich ist das zu verstehen, aber es wohnt diesem Streben die Gefahr inne, daß der Deutsche seine eigene Heimat übersieht, sie nicht genügend kennen lernt, daß ihm eine Reise grundsätzlich erst wertvoll wird, wenn's weit ins Ausland geht. Allen Deutschen, im besonderes aber jenen Fernreisenden, kann gar nicht eindringlich genug ans Herz gelegt werden, sich erst mal die eigne deutsche Heimat genau anzusehen, das eigne Vaterland kennenzulernen. Wir können unser Land als Reiseziel getrost an die erste Stelle setzen. Warum reifen Die Menschen in erster Linie? Um eine reizvolle, hervorragende Landschaft kennenzulernen. In dieser Beziehung kann Deutschland mit einer gesegneten Fülle aufwarten. Was andere Länder einseitig besitzen, wie Die Schwei; ihre Gebirge. Dänemark seine Ackerflächen. das findet sich in unferm Lande in mannigfacher Abwechselung vereint. Deutsche Alpen streben zu gigantischer Höhe, zahlreiche Mittelgebirge durchziehen Den Süden, es weiten sich nn Rorden Die unendlichen Ebenen des Tieflands, eS brausen Die Meeres wellen an Die stellen und flachen Küsten. Wer will, kann durch di« Radelwälder SüDdeutschlandS oder di« Duchen- ballen des RordenS schreiten, er kann an den al fern klarer, freundlicher Alpenfeen oder Der schwermütigen Gewässer deS Baltischen Landrückens sitzen und träumen; er kann sich an Den Gebreiten Der Getreidefelder erfreuen oder über blumige Wiesen und durch fruchtbare Obstgarten wandeln. Es gibt noch manche anderen schönen Länder auf Der weiten Erde, aber wohl keines. DaS unsere Heimat an Mannigfaltigkeit und Fülle der LanDschaften übertrifft Was den Reisenden außer der Ratur zu zweit und ebensosehr fesselt, ist der Mensch und des Menschen Werk. Was hat der Mensch aus seinem Lande gemacht, wie ist fein Werk geworden ? DaS zu beobachten ist ebenso reizvoll, als einen Menschen in und mll seiner Wohnung ’ zusammen zu sehen. Tlnd wenn je, so darf Der Deutsche in dieser Beziehung sein Haupt stolz, recht hoch erheben. Was Deutschland heute ist und wie eS sich darstellt,ist es zum großen Teile deS Deutschen eigenes Werk. Der nordische Mensch ist mll seinem Lande zu einer Einheit verwachsen, er hat feine Heimat nach sich gestaltet Mit ungeheurem Fleiß hat er an sich wie.an feinem Lande gearbeitet. Tlnzählig find Die Denkmäler, Die noch heute von einer langen Kulturgeschichte Des deutschen Menschen reden Wie Der Deutsche sann und schuf, wie er war, sagen uns die deutschen Burgen, Deutschlands Klöster, Die zum Himmel strebenden Dome, die alten und neueren Städte. Welcher Reichtum, welche- Streben! Ich muß hierbei an eine Stelle des alten Sebastian Frank aus dem Rembrandt- deutschen denken: „Die Deutschen sind ein zu allen Künsten, Sachen, Hantierungen so listig geschwind Doll, daß sie niemand nachstehen wollen." Eine Flut von Eindrücken prägt dem Reisenden ein, wie Zivilisation und Kultur unseres Landes von keinem anderen übertroffen werden. Dom deutschen Landwirt kann jeder lernen. Denn es gibt wohl kein Land, wo auf so geringer und oft noch so unfruchtbarer Fläche so viel herausgeholt wird tote auf unseren Feldern. In deutschen Fabriken sinnt Der Forscher über den neuesten Methoden, schafft ein gewaltiges Heer geschulter Arbeiter beste Waren. Deutsches Kunstgewerbe erzeugt Den vornehmen Schmuck des Lebens. Deutsche Schulen, von Der untersten bis zur obersten, haben dazu beigetragen, Daß wir in Den Stuf Der Denker und Dichter kamen. Die ärztliche Wissenschaft schuf Sanatorien, Heilstätten, Die Dem Deutschen Rainen in aller Welt Ehre machten. Wahrlich DaS Wort Des alten Sebastian Frank trifft auch auf das heutige deutsche Doll noch zu. Wer das große Werk eines ungemein fleißigen, eines fortgeschrittenen Dolles temrenlemcn will, der mag mal lange durchs deutsche Land hindiirchstreisen, oder noch besser, hindurchwandern. ES darf getrost behauptet werden, dah der Deutsche im allgemeinen seine Umgebung, seine weitere Heimat gar nicht genügend kennt. Sonst wäre nickt so viel Unkenntnis des eigenen Landes vorhanden, nicht fv manche absprechenden Urteile möglich. Reisen durchs eigene Land schärft den Blick für deutsches Sein und Werden. Es weiht ein in die wirtschaftlichen Zu- Wanderfahrten. Gießen — Waidhaus — Sanivafsn — Schmelz — Salzbödelal—Friedelhaufnr. Wohl eine der schönsten Wanderungen in der näheren Umgebung Gießens ist die Begehung des gelben Punktes, der an der Secinühle feinen Anfang nimmt. Autobenutzer fahren bis zum Zimmerplatz in Krofdorf, wo sie einen Weg nach rechts einschlagen, um in der Nähe des Friedhofes auf die Markierung zu stoßen. Das Wegezeichen geht an den hängen des Wettenbergs entlang, überschreitet die Wißmar—Krofdorfer Straße, von wo aus ein Feldweg in das anmutige Gleibachtal führt. In etwa 1$ Stunden, von Krofdorf gerechnet, erreicht man das Forsthaus Waldhaus (Einkehr). Der Weitermarsch sührt durch sckönen Buchenwald zu einem prächtigen Ausblick nach dem Perstal mit Mühlen und Dörfern und nach den Gladenbacher Bergen. Durch den Sauwasen, einen tieseinschneidenden Wiesengrund, geht es hierauf in mäßiger Steigung über einen Höhenrücken, der wiederum hübsche Blicke auf die Marburger Berge bietet, in das Salz- Was hier eigen und sympathisch ist, ist der tiefe religiöse Ernst, Dec Verzicht auf sinnliche Wirkung. Selbst Die Brine find mit Strümpfen beHeiDet. Manchmal glaubt man tanzenDe Geister zu sehen, lieber Die Bewegungen, Die Gruppen zu gesprochenen Worten machten, auch über Die Art Dieses Sprech errs, habe ich kein Urteil gewinnen könncen. Ganz stark aber war Der Ein- Druck Des Einzettanzes einer Frau zu Dem fchwe- benDen, wallenden Adagio einer Beethovenschen Violinsonate. Sofern es überhaupt Sinn Hot, Musik zu tanzen, Rhythmus und Melodie im Einzelnen und im Ganzen Durch Körperbewegung abzubilden, so erhielt man hier Den Eindruck Des Vollkommenen, gegen das Die Tänze Der Allzuvrelen ein eitles Spiel sinD. Denn Diese Musik war in Ehrfurcht und als Ganzheit gefühlt, so überzeugend, Datz Diese Weise nur immer Diesen Tanz zurückrufen wirD. Ob Das die Leistung einer eminenten individuellen Musikalität oder der anthroposophischen Schulung ist, ist aus der Ferne schwer zu sogen. Vielleicht beides, vielleicht eingeborene Musikalität verbunden mit jener immer neuen somnambulen Hingegebenheit, Die auch die Haah-Berkow-Spieler haben. Wenn man aus dem Lärm Stuttgarts — es lärmt immerhin — in die Stille Tübingens kommt, so kann man wohl bemerken, wie jede Stadt auch in Der Wirkung auf Das Ohr ihre besondere IndiviDualität hat, Deren wir Augenmenschen wenig achten, Die aber einem Blinden eindringlich genug sein mag. Wenn man auf Dem Tübinger Marktplatz vor Dem schönen Rathaus steht, um sich Den bunten Markt sieht, wie Professorenfrauen Radieschen laufen und offenbare junge Theologen schüchtern Blumen kw KM dH* phfii Gegen Gicht, stein- und Stoffwechselteiden! - Auskunft auch über Hauskuren durch die Badeverwaltung Ermäßige Mittelstandskuren 3 Wochen: Pauschalpreis Bk. 188.-. Erste, Hau» Der neue Badehot Sui- und Moorbäder Im Hause. SlcalUches So in Oiicrbrssen. Solche!.!»» mit schwach. Kehiensflurecehaft Uthiam-. Stahl-, Schwefelquellen, Inhalatorium, Hihensonse, ' Sonnenbad rr. Solousche ISeilwirhtiUgen bei Rheumatismus, Ischias. Skrofutose und Rachitis. Herrlicher, großer Perle end WoM. Ruhme Lage. 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