Rr. 46 Erstes Blatt 176. Zahrgang Mittwoch, 24.8ebruar 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniversitätL-vuch- und Lteindruckerei R. Lange in Sieben. Zchnstleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzrlgen für die Tagesnummer ob zum NachmMag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20% mehr. Eheftedakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Polttik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Sie Locarnoabkommen im sranzöfischen ttammeramschnh. Briand über den Völkerbundsrat. Paris, 23. Febr. Der Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat die Erörterung des Beria)tes Paul Boncours über die Ratifizierung des Abkommens von Locarno fortgesetzt. Der Bericht lautet im wesentlichen wie folgt: Im Sine des Protokolls von Genf müssen die Abkommen von Locarno angewendet und entwickelt werden. Durch die festgesetzte Verstärkung des Völkerbundes, durch die notwendigen Präzisierungen der Abkommen und durch die ununterbrochene Aktion Frankreicks in den Beratungen des Völkerbundes könne feine Sicherheit gestärkt werden. Die Abkommen von Locarno bedeuteten kein Ende, sondern nur einen Anfang, besser eine Etappe. Schon ermöglichten sie es, endlich eine Herabsetzung der Rüstungen einzuleiten. Der Völkerbund habe als Folge von Locarno bereits die vorbereitenden Arbeiten einer internationalen Entwaffnungskonferenz eingeleitet. Niemand wünsche mehr als Frankreich, daß die Lasten, die schwer auf seine Finanzen drückten, erleichtert würden, aber Frankreich habe schon erklärt und werde fortfahren zu erklären, daß dle Herabsetzung der Bewaffnung nur im Verhältnis der ihm gewährten Sicherheit erfolgen könne. Die Entwicklung der Entwaffnung' hänge also von den Präzisionen, die man dem Abkommen von Locarno gebe, und von der Zustimmung, die die Friedenspolitik innerhalb des Völkerbundes bei den großen Mächten finde, die sich bis jetzt noch ferngehalten haben. Wenn man zu einer allgemeinen Abrüstung gelangen wolle, so könne das nur geschehen auf Grund einer allgemeinen Sicherheit. Man fordere die Kammer auf, die Abkommen vertrauensvoll zu ratifizieren nicht nur derentwillen, was sie bringen, was schon bedeutend sei, sondern weil sie auch auf einen neuen Weg führten, dessen Ziel notwendigerweise eine allgemeine Organisierung des Friedens fein müsse. Ministerpräsident Briand gab zu den Ausführungen Boncours ergänzende Erklärungen über die Tlmstände, unter denen die Abkommen zustande gekonrmen seien. Er betonte besonders, daß. abgesehen von den veröffentlichten Texten, nichts weiteres diskutiert worden sei, und daß diese Texte namentlich die Frankreich durch den Versailler Vertrag zuerkannten Rechte nicht beeinflußten. Lieber die Frage des Eintritts Polens in den Völker» bundsrat befragt, gab, nach dem offiziellen Communique, Briand wörtlich folgende Erklärung- Die durch die Frage der Erweiterung des Dölkerbundsrates hervorgerufenen Polemiken sind ganz und gar unangebracht. Die Anterhänd-- lcr von Locarno haben sich mit dieser Angelegenheit überhaupt nicht zu beschäftigen gehabt. Es ist mehrere Male vor Locarno davon die Rede gewesen. Die Rationen, die daran interessiert sind, haben einfach die durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gebotene Gelegenheit benutzt, um eine Erweiterung des Völkerbundsrates zu fordern. Das ist wohl ihr Recht, woran zu rühren die Unterhändler von Locarno nicht haben denken können, denn es leitet sich von den Statuten des Völkerbundes selbst her. Wenn man die dazu berechtigten Rationen frei und objektiv das Problem diskutieren ließe, wür- den sie es sicherlich lösen, wie sie schon anders gelöst haben, die nicht gerade die leichtesten gewesen sind. Richt durch Vergiftung mit durchaus unangebrachten Polemiken wird man die Lösung erleichtern. In dieser Angelegenheit ist der Völkerbund der beste und einzige Richter. Ich habe vollauf Vertrauen zu ihm, daß er das Statut in Llebereinstimmung mit den großen Interessen, die ihm anvertraut sind, interpretieren und auch diesmal in vollkommener Unabhängigkeit sich aussprechen wird, ohne auf die für die Beeinflussung seiner Entscheidung berechneten Druckversuche Rücksicht zu nehmen. Der Bericht wurde sodann gegen vier Stimmen angenommen. Es wurde beschlossen, vom Plenum der Kammer zu verlangen, baldigst die im Hinblick auf die am 8. März beginnende Völkerburrdsversammlung eilige Diskussion vor- zunehmen. Polen als Schützer des europäischen Gleichgewichts. Warschau, 24. Febr. (TA.) Der Vizepräsident der Sejmkommission für auswärtige Angelegenheiten, Str 0 n s k i, sagte über die Aufnahme Deutschlands in den Dolkerbundsrat: Rach Artikel 4 des Dölkerbundpaktes dürften nur alliierte und assoziierte Mächte ständig im Dölkerbundsrat tagen. Als der Pakt am 28. Juni 1919 unterzeichnet worden sei, wäre niemand auf den Gedanken gekommen, daß die Erweiterung des Rates zugunsten Deutschlands, des direkten Antipoden der alliierten und assoziierten Mächte, beschlossen werden könne. Der Sachverhalt von 1919 werde dadurch abgeändert zuungunsten Polens. Polen habe gleichzeitig mit dem Versailler Vertrag einen S0 n d er v er trag über d ie nationalen Minderheiten unterzeichnet. Dieser Vertrag übertrage den Mitgliedern des Völkerbundrats besondere Rechte. Es sei deshalb unmöglich für Polen, vor Deutschland, dem Mitglied des Völkerbundrats, zu erscheinen, weil es unter Umständen gleichzeitig Richter Industrie und Landwirtschaft. Reichssandbundpräsident Hepp über die landwirtschaftliche und industrielle Arbeitsgemeinschaft. Berlin, 23. Febr. (TA.) Der Verband der deutschen Landwirtschaftlichen Ma- schinen-Industrie trat am Montag im Sitzungssaale des Reichswirtschaftsrates zu einer öffentlichen Tagung zusammen. Staatssekretär Hagedorn vom Reichsernährungsministerium überbrachte der Versammlung die Wunsche der Reichsregierung. Er wies dabei auf die schwere Wirtschaftskrise hin, die der deutschen Industrie besonders große Qlufgaben stelle. Eine Rationalisierung der Wirtschaft sei dringend notwendig. Die landwirtschaftliche Maschinenindustrie könnte durch Normalisierung und Typisierung vieles auf diesem Gebiet leisten. Der Vizepräsident der Reichsbank, Dr. K a u f m a n n , ging in seiner Begrüßungsansprache auf den gegenwärtigen Stand der Wirtschaftskrise ein. Er führte u. a. aus, die Kreditansprüche der Landwirtschaft kann die Reichsbank selbst nicht erfüllen, weil sie den notwendigen langfristigen Kredit nicht geben kann. Sie hat aber verschiedene Maßnahmen ergriffen und unterstützt, um langfristige Kredite für die Landwirtschaft bereitzustellen. Run zeigt sich jedoch, daß diese KrÄrite gar nicht untergebracht werden können, weil man das Grundbuch nicht schnell genug für die Unterbringung bereinigen kann. Die mit der Aufwertung verbundenen Regulierungen haben den Grundbuchämtern soviel Arbeit gebracht, dach sie kaum weiter kommen. Der Redner versicherte, die Reichsbank werde alle Kraft aufwenden, um für ihren Teil der Landwirtschaft und damit auch den von ihr abhängigen Industrieen zu helfen. Darauf sprach bet Präsident des Reichslandbundes, Hepp, übet das Thema „Landwirtschaftliche und industrielle Arbeitsgemeinschaft". In der Praxis der Landwirtschaft, so sagte er u.a., wie im wirtschaftspolitischen Leben erkenne ich die große Bedeutung der beiden Gruppen Landwirtschaft und Industrie, ihre gemeinsamen Interessen an einer Gesundung unserer Volkswirtschaft, dazu gehören aber die ganz besonderen Fäden, die gerade von der Landwirtschaft zur Landmaschinenindustrie und zurücklaufen. Ein Rückblick auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Vorkriegs-Deutschlands, die gekennzeichnet ist durch die Steigerung der Indu- strieleistung und daneben durch die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion, beweist die Richtig, (eit vou der Auffassung der Wirtschaft als eines organischen Gebildes. Bedeutungsvoll für die Be- urteilung der Landwirtschaft ist die Feststellung desien, daß mit der Produktionssteige- rung gleichzeitig eine stetig wachsende Aufnahmefähigkeit für industrielle und gewerbliche Erzeugnisse sich vollzog, die ihrerseits wiederum die gesamte Volkswirtschaft befruchtend beeinflußte. In der Tat war die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion eine ganz außerordentliche und blieb keinesfalls hinter der industriellen Produktionssteigerung zurück. Die Einsetzung für diese Mehrproduktion war die stetig sich hebende Kaufkrast und damit die Möglichkeit stärkerer Intensivierung durch die Anwendung vermehrter und verbesserter Produktionsmittel. 3d) bin der Auffassung, daß in der Landwirtschaft noch ein erhebliches Muß von Maschinen und Geräten bei der fortschreitenden Mechani- perung der Betriebe ausgenommen werden kann, wenn als Voraussetzung hierfür eine entsprechende Kaufkraft sich wieder zeigt. Gelingt es, in kurzem über die Krise hin.wegzukommen und den Zustand der Rentabilität und damit die gesteigerte Kaufkraft miedet hetzustellen, dann wird sich für die Maschinen Industrie sowie für die übrigen Industrien, die in irgendeiner Beziehung zur Landwirtschaft stehen, ein außerordentlich großes Betätigungsfeld ergeben. Das Interesse an einer möglichst schnellen Beseitigung der augenblicklichen Agrarkrise ist ein vollkommen gemeinsames, denn die Verkäufer können nicht existieren, wenn keine Käufer vorhanden sind. Das Interesse an dem Inland- käuser wird um so größer sein, wenn als Ersatz für ihn ein ausländischer Käufer nicht in Frage kommen kann. Hierbei müssen wir uns nach Lage der Dinge zu der Auffassung bekennen und das kann geschehen, ohne daß da etwa eine Gegnerschaft gegenüber dem Export und den Exportnotwendigkeiten zu konstruieren wäre, daß zum mindesten heute der Inland- markt und mit ihm die Aufnahmefähigkeit des Inlandkäufers geradezu zu einer Lebensnot- wendigkeit für die Gesamtheit geworden ist. Es gilt als Voraussetzung für die Wiederaufrichtung der Rentabilität, das Preisgleichgewicht wieder herzustellen, d. h., die Preisschere zum Schließen zu bringen. Auf der Lieferseite, d. h. auf der Industrieseite wird es notwendig sein, so billig wie nur irgend möglich, den Käufer zu beliefern und hierzu eine Preiskalkulation in schärfstem Maße durch- zufüßren. Auf der anderen Seite wird die Rot- Wendigkeit gegeben sein, durch Korrektur der landwirtschaftlichen Produktenpreise im Sinne einer steten Preisentwicklung ebenfalls zum Schließen der Schere beizutragen. Wir werden uns auch auf einem anderen Gebiet treffen, nämlich dein der Steuerpolitik mit der gemeinsamen Forderung der Anpassung der Gesamtsteuerbelastung an die Eteuertragfähigkeit und der hiermit in engster Verbindung stehenden gemeinsamen Forderung der Einschränkung der Ausgaben des gesamten Verwaltungsapparates in Reich, Ländern und Gemeinden. Die heutigen Kredit- und Verschal- dungsmöglichkeiten der Landwirtschaft sind aber nicht dazu geeignet, über zeitliche Schwierigkeiten Hinwegzukommen, sondern sie bedeuten die Strangulation der Wirtschaft. Wir befinden uns auch hier auf einem gemeinschaftlichen Gebiet der Schöpfung langfristiger Kredite für die Landwirtschaft, die in allererster Linie dazu dienen sollen, die heutige Kreditnot zu beseitigen. Im Ausbau des Beratungswesens der Landwirtschaftskammern, wie auch in gemeinsamer aufklärender Tätigkeit mit den großen freien wirtschastspolitischen Organisationen der Landwirtschaft sehe ich eine Vertiefung und Erweiterung des Arbeitsstofses. Die außerordentlich große Bedeutung, die heute die Technik in unserer Landwirtschaft hat, macht es zur dringenden Rotwendigkeit, bei der zuständigen Regierungsstelle, d. h. beim Reichsernährungsmini- fterium ein besonderes Dezernat zu schassen, das ich als Dezernat für Technik und Landwirtschaft bezeichnen möchte und das erfolgreich nur arbeiten kann, wenn es hauptamtlich besetzt ist. Grüne Woche. Die Berliner Grüne Woche hat ihren Anfang genommen. Früher hieß sie einfach die Große Berliner Landwirtschaftliche Woche. Sie bildete den Abschluß all der zahlreichen landwirtschaftlichen Wintertagungen draußen im Reich, und sie drückte dem äußeren Bilde des Berliner Verkehrsviertels für acht Tage ihren Stempel auf. Diesmal hat sie einen wohlklingenden Namen bekommen, den das Berliner Messeamt erfunden hat, das zum erstenmal auf dem Messgelände am Kaiserdamm eine Landwirtschaftliche Woche veranstaltet, sie nimmt aber äußerlich einen wesentlich anderen Verlauf als sonst. Der Landwirtschaft steht das Wasser an der Kehle. Vielleicht der beste Beweis dafür ist die Tatsache, daß der Land- b u n d , der sonst während der „Woche" seine großen wirtschaftlichen Massenversammlungen veranstaltete, auf deren Abhaltung hat verzichten müssen, weil er seinen Mitgliedern die gewiß nicht großen Ausgaben der Teilnahme an der Woche nicht zumuten will. Aus dem gleichen Grunde haben in diesem Jahre ja auch gerade die größten Landbünde in der Provinz ihre Tagungen ausfallen lassen müssen. Im äußeren Eindruck merkt man in Berlin also nichts von der Landwirtschaftlichen Woche an. Das Einzige sind die Plakate der „Grünen Woche" des Messeamts Berlin. Die Idee einer Landwirtschaftlichen Messe in Berlin wäre durchaus gut gewesen, wenn man sich entweder mit vollem Bewußtsein darauf eingestellt hätte, in einer geschlossenen und vorbildlichen Ausstellung dem Städter die tatsächliche Situation der Landwirtschaft und die privatwirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Bedingungen der Agrarproduktion vor Augen zu führen, oder wenn man der Landwirtschaft selbst die Hilfsmittel modernen Landbaues unter sorgfältiger Prüfung vorgeführt hätte. Beides ist bei der „Grünen Woche" ganz und gar nicht der Fall. Sie ist sachlich ein Fehlschlag, auch wenn das Berliner Messeamt kaufmännisch auf seine Rechnung kommen sollte. Dem praktischen Landwirt bietet die Ausstellung fast nichts, und der Großstädter kann sich schließlich Schreibmaschinen, Paradiesbetten u. dgl. auch sonst ansehen. Es gibt nun einmal nur die eine Große Landwirtschaftliche Ausstellung, die WanderausstellunaderDeutfchen Landwirtschaftsgesellschaft, die in diesem Jahre in Breslau abgehalten wird, und bei der der Landwirt nicht nur auf Zufälle und geschickte Reklame angewiesen ist, sondern bei der er jederzeit die Kontrolle der f a ch m ä n n i s ch e n P r ü f u n g e n zur Hand hat. Den Luxus mehrerer derartiger Ausstellungen, besonders wenn jede sachliche Kontrolle fehlt, kann sich weder die Landwirtschaft noch die für sie arbeitende Industrie leisten. Im übrigen kommt den Berliner Beratungen der Führer der Landwirtschaft eine nicht alltägliche Bedeutung zu. Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahren geleistet, was sie konnte, und sie hat mit der letzten Ernte die inländische Brotversorgung voll befriedigen können. Auch diesmal gilt die Mehrzahl der Beratungen der fachlichen Fortbildung und dem Austausch der Erfahrungen von Wissenschaft und Praxis. Aber all das kann die drohende Katastrophe nicht abwenden, wenn die Beratungen dieser Woche nicht zu endgültigen praktischen Ergebnissen führen, wenn die zuständigen Stellen sich nicht dazu aufraffen, sofortigeEntscheidun- g e n zu treffen. In wenigen Wochen ist die Frühjahrsbestellung im Gange. Das wirtschastsprogramm der freien Gewerkschaften. Berlin, 23. Febr. (WTB.) Die Freien ■ Gewerkschaften (Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Allgemeiner Freier Angestelltenbund, Allgemeiner Deutscher Beamtenbund) legen ihre Ansichten über die „Gegenwartsaufgaben deutscher Wirtschaftspolitik" der Oeffenllichkeit nunmehr in einer Denkschrift dar. Der Sinn der Denkschrift soll fein, daß sie Fragengebiete abgrenze, über die eine Verständigung mit dem Reichsoerband der Deutschen Industrie unmöglich sei. Während die Denkschrift des Reichsverbandes der Deutschen Industrie das jährliche Volksein- k 0 m m e n mit 43 bis 48 Milliarden angibt, kommt und Partei sei. Der Fall der nationalen Minderheiten, fügte Stronsti hinzu, fei nur einer Von tausend anderen Konfliktsmöglichkeiten, die in Genf unter der Beugung des Rechts und jeder Gerechtigkeit aufgerollt werden könnten. Eine anormalere Situation könnte nicht etntreten, denn das europäische Gleichgewicht würde zugunsten von Deutschland gestört. Die Rolle, die Polen, dem Lande, das zwischen Deutschland und Rußland liegt, zufalle, erheische gebieterisch eine andere Lösung. Gleichzeitig habe die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund die Bedeutung einer neuen Struktur Europas. Diese neue Struktur Europas erfordere angemessene Veränderungen im Einklang mit der A u s r ech t e r haltu n g des kontinentalen Gleichgewichts. Das britische Parlament gegen Chamberlain. London, 23. Febr. (WTB.) Der „Manchester Guardian" bemerkt zu der gestrigen Entschließung des Parlamentsausschusses für Völkerbundsfragen gegen die Erweiterung des Völkerbundsrates. daß alle drei Parteien in großer Zahl, und zwar durch bekannte Mitglieder auf Der Zusammenkunft des Ausschusses vertreten waren, unter ihnen auch eine beträchtliche Gruppe von Oberhaus Mitgliedern. Diese unzweideutige Stellungnahme von Mitgliedern aller Parteien und beider Häuser falle sowohl in England als auch im Ausland ins Gewicht. Auch der „Evening Standard" betont die volle Einstimmigkeit des Ausschusses, der zu mindestens zwei Drittel aus Konservativen bestehe. Das Blatt schreibt, je eher die Regierung ihre Haltung klar mache, um so besser sei es für Europa, den Loccrrno- vertrag und den Völkerbund. Die Präsidentschaft des Saar- gebiets. Paris, 24. Febr. (W T. B. Zuntspruch.) Rach dem „Avenir" hat der Abgeordnete Desire Perrh in der gestrigen Sitzung des Kanuner- ausschusses für auswärtige Angelegenheiten Briand Die- Frage über die Präsidentschaft der Regierungskommission des Saargebietes gestellt. Der Abgeordnete erklärte, der V e r l u st dieses Postens würde in Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs im Saargebiet als M i ß- erfolg zu deuten sein. Briand habe erklärt, daß jetzt die Zeit für andere Mitglieder der Regierungskommission gekommen sei, Den Vorsitz zu führen. Der Dersalller Vertrag sei schuld, daß man nicht die Rotwendigkeit eines ständigen französischen Vorsitzenden festgelegt habe, aber er könne jetzt nicht Darauf bestehen, daß Die Präsidentschaft immer Dem französischen Vertreter in Der Regierungskommission belassen whrde. Die Deutschenversolgung in Oberschlefien. B e uth en, 23. Febr. (Wolfs.) In einer Mitteilung des polnischen Staatsanwalts heißt es, die Untersuchung richte sich nicht gegen den Deutschen Volksbund als solchen, weil das recht- l i ch unmöglich sei. Sie werde vielmehr gegen Einzelpersonen geführt, die sich im Auftrage des Bundes zum Schaden des polnischen Staates betätigt hätten. Als Vergehen, die den verhafteten Personen zur Last gelegt werden, werden, vom Staatsanwalt angeführt: politische und militärische Spionage, Weitergabe von Informationen an eine fremde Regierung, Erleichterung der Fahnenflucht. Aus dem bisher noch nicht geordneten Material gehe ferner, wie polnischerseits behauptet wird, Hochverrat und Verrat militärischer Geheimnisse hervor. die Denkschrift dec Freien Gewcrkfchaften auf 52 bis 60 Milliarden. Aus dem Unterschied in der Schätzung des Volkseinkommens ergebe sich ein Unterschied in der Errechnung der S t e u e r l a st e n , die die Industrie mit 25 bis 30 Proz., die Gewerkschaften mit nur 17 bis 22 Prozent des Volkseinkommens bezifferten. Auf dem Gebiet der öffentlichen Finanz w i r t s ch a f t wird die Stellung des Staates nicht nur als Diener der Rechtsordnung, sondern als T r ä g e r s o z i a l e r F u n k t i o n betont. Dementsprechend werden die bekannten Forderungen erwogen, wie ausreichende Besoldung der Beamten, angemessene Versorgung der Kriegsopfer, Offenlegung der Steuerlistcn, Abbau der Umsatzsteuer, Reform des Einkommensteucrtarifs, Verwendung der ^)auszinssteuer für den Wohnungsbau, Steuerfreiheit der öffentlichen Betriebe, Ersparnisse am Beamtenapparat der Heeres- und Marineverwal- lung, Befreiung der Länder von den Fürstenabfindungen. Ein niedrigerer Zinsfuß sei erwünscht, dürfe jedoch nicht künstlich herbeigeführt werden, da er zu unbegründeter Bevorzugung einzelner Kredit- nehmer führe. Die Reichsbank müsse eine planmäßige Kreditverteilung nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten anstreben, handelspolitisch wird der Abbau der Zölle auf Rohstoffe und unentbehrliche Lebensmittel sowie der Ein- und Ausjuhroerbote gefordert. Bei 5)anbelsoernagsvcr» Handlungen fei zu beachten, daß jede Zollermäßigung im eigensten Interesse der deutschen Wirtschaft liege. Vie Aushebung der Luxussteuer. Berlin, 23. Febr. (WTB.) Wie der Reichsminister der Finanzen in seiner Etatsrede un- gekündigt Hal, ist die Aufhebung der Luxussteuer in Aussicht genommen. Es ist nur die Frage offen geblieben, ob in kleinem Ausmaße Vie erhöhte Umsatzsteuer bei solchen Gegenständen beibehalten werden soll, bei denen sie weder kulturpolitisch noch volkswirtschaftlich hcbcnHid) erscheint. Die Frage, ob eine solche Liste von geringem Umfange sich gufstellen läßt, oder ob dabei im einzelnen doch Schädigungen der in Betracht kommenden Unternehmungen zu befürchten sein werden, bildet noch Gegenstand der Unterhandlungen. Schon jetzt steht jeten- salls fest, daß die meisten der zur Zeit noch erhöht steuerpflichtigen Gegenstände aus der erhöhten Steuerpflicht ausscheidcn werden. Es gilt dies z. D. von Waren aus unedlen Metallen, Gegenständen der Keramik, der Porzellan- und Glasindustrie. Gegenständen der optischen und der Mufikinstrumentindustrie, Beleuchtungskörpern, Betleidungsgegenständen. Möbeln, Schuhen usw. Es wird nach Möglichkeit Sorge dafür getragen werden, daß für alle diese Gegenstände die Steuerfreiheit mit dem 1. April 1 926 eintritt, sofern nicht zu diesem Zeitpunkt die erhöhte Umsatzsteuer überhaupt wegfällt. Der Personalabbau in Preußen. Aus dem Beamtenausschuß des Landtags. Berkin, 23. Febr. (DDZ.) 3m Beamten- Ausschuß des Preußischen Landtages erstattete Abg. M e y e r - Herford (Dt. Bp.) Bericht über die Verhandlungen des Unterausschusses für den Personalabbau. Der Abbau fofi mit rückwirkender Kraft auch für die Gemeinden eingestellt werden. Die Vorschläge des Unterausschusses wurden im allgemeinen angenommen. El ne längere Aussprache ergab sich zu den § 8 ff. über Maßnahmen zur weiteren Dermin- derung der Persvnalausgaben in der l Staatsverwaltung. 3n Verbindung hiermit wurde ..der § 20, der sich auf das Schulwesen bezieht. » zur Besprechung gestellt. Der Vertreter der , Staatsregierung erklärte, daß die Destimmun- * gen unter allen Umständen aufrechterhalten werden mühten. Gehe man jetzt nicht dazu über, die Einstellung v.on Beamten soweit als mög- . lief) zu unterbinden, so bestehe die Gefahr, Dafji plan später zu einem erneuten Abbau kommen müsse. Abg. Bartels-Hamwver (Dem.) wendet sich gegen die Reueinstcllung, wenn sie nicht unbedingt erforderlich fei. Die Abg. Beuermann (Dt.Bp.) und Ebersbach(Dn.) wollen die Sparsamkeitsmaßnahmen der Staatsregierung nur mitmachen, toenn die Regierungsparteien geschlossen für die Vorlage stimmen. Abg. Frau Zigahl (Z.) seht sich für die Vorlage ein. Abg. Schwenk- Oberhausen (Wirt. Ver.) bemerkte, daß auch durch Aufhebung von zu gering besetzten Schulklassen gespart werden könne. Abg. König (S.) ist gegen eine schematische Liebertragung der einzelnen Bestimmungen auf die Schulverwaltung. 3m vergangenen Jahre habe man fünf Millionen für die Junglehrer bewilligt. Die Abstimmung wurde schließlich ausgesetzt. Eine weitere ausführliche Besprechung fand zu den Paragraphen statt, die die Bestimmungen enhalten, unter denen verheiratete weibliche Beamte entlassen werden sollen. Von den Demokraten, Sozialdemokraten und Kommu- nisteil war die Streichung dieses Gesetzesteiles beantragt worden. Abg. Meyer (Dt. Dp.) führte aus, daß es sich gerade um eine Ausnahmestellung der weiblichen Beamten handle. Ministerialdirektor Finnen betonte, die grundsätzliche Streichung sei mit Rücksicht auf die Reichsbestimmungen nicht möglich. Für die weiblichen Beamten, die nach dem 3. August 1925 auSgeschieden sind, sollen die erhöhten Ab- findungssähe bewilligt werden. Darauf wurde der Gesetzentwurf unter Ablehnung des Streichungsantrages gegen die Stimmen der Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Die Gewerbesteuer für 1925 und 1926 in Preußen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meidet, ist dem Staatsrat der Entwurf eines Gesetzes über die Regelung der Gewerbesteiler für die Rechnungs- iobre 1925 und 1926 zugegangen, nachdem für das Rechnungsjahr 1925 die Gemerbeertragssteuer nach dem im Kalenderjahr 1925 ober im Wirtschaftsjahre 1924/25 erzielten Ertrage, die Kapitalsteuer nach dem Stande des Gewerbekapitals vom 1. Januar 1925 veranlagt werden. Die Veranlagung der Lohnsummensteuer erfolgt nach der im Rechnungsjahre 1925 erwachsenen Lohnsumme. Die Steuersätze sind unverändert geblieben. Für das Rechnungsjahr 1926 sieht der Entwurf die Abkehr von dein bisherigen Vorauszahlungsfysteni vor. Der ter Veranlagung der Gewerbeerlragssteuer für 1925 zugrunde liegende Ertrag soll gleichzeitig maßgebend für die Veranlmmng 1926 fein. Bezüglich der Höhe des Steuergrundbeirages nach dem Geweroelapital bringt der (Siuitnirf für 1926 insoweit eine Aende- rung der Gewerbesteuerverordnung, als der Steuersatz auf ein Drittel des bisherigen Steuersatzes ge- senkt wird. Es soll nunmehr für den Teil des Gewerbekapitals, der 12 000 Mk. nicht übersteigt, ein Drittel v. T., für den darüber hinausgehenden Teil des Gewerbekapitals einhalb v. T. betragen. Ministerpräsident Braun und der Richterstand. Berlin, 24. Febr. (Wolff., Rach Blättermeldungen hatte auf einem Reichsbannertag in Hamburg der preußische Ministerpräsident Braun bemerkt, „daß sich leider einzelne Organe des Richterstanbes schützend vor die Feinde der Republik stellen und verhindern, daß endlich in das dunkle Treiben der Fememörder und vornehmlich ihrer Hintermänner hineingeleuchtet wird". Laut „Tägl. Rundschau" hat die Deutsche Bolkspartci im preußischen Landtag diese Aeuherung zum Gegen- ftanb einer kleinen Anfrage gemacht, in der die Frage gestellt wird, ob der Ministerpräsident diese oder inhaltlich gleiche Äußerungen g ct an habe, auf welche Tatsachen sich diese Dehaup- tungeir gründen, wer die Tatsachen fe st gestellt habe und ob alsbald gegen die beteiligten schuldigen Beamten auf Grund der festgestellten Tatsachen Strafverfahren oder Disziplinarverfahren eingeleitet worden feien. Das Kölner Zentrum gegen den Volksentscheid. Köln, 24. Febr. (WTB.) Der erweiterte Ausschuß der Kölner Zentrumspartei nahm gestern zur Fürstenabfindung Stellung. Gemeinden an den Unterweisungen des Reiches an das Land mit 65 Proz. beteiligt.) Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen ab ge« lehnt. Kapitel 9 wurde einstimmig, Kapitel 10 gegen 4 Stimmen und ebenso das Finanzgesetz gegen 4 Stimmen angenommen. Ein von Dr. Werner zu Kapitel 15 (Ruhegehalte usw.) gestellter Antrag ersucht die Regierung um eine Aufstellung, wie hoch die Belastung der Staatskasse durch die Pensionierungen im 65. Lebensjahr (Zwangspensionierung von Beamten) in den Jahren 1925 bis 28 sein wird, er wurde einstimmig angenommen. Der Ausschuß trat hierauf in eine Beratung über die Tagegelder der Staatsbeamten ein. Die verschiedenen Bestimmungen hierüber wurden von der Regierung in einer längeren Denkschrift dargelegt. Der Ausschuß hat sich davon überzeugt, daß die Tagegelder sehr gering sind, und die meisten Abgeordneten, die Anträge auf Streichung gestellt hatten, haben sic zurückgezogen. Der Denkschrift zufolge gibt es erst eine Vergütung bei 6 Stunden. Die Tagegelder sind in fünf Gruppen eingeteilt; sie beginnen mit 1,25 und steigen bis 4,20 Mk. Bei über 8 Stunden (Höchstsatz) beginnen sie mit 3,60 und steigen an bis 11,20 Mk. Zu Kapitel 38 (Kirchen) hat Abgeordneter Dr. ©reiner einen Antrag gestellt, keinerlei Unterstützung an Religionsgemeinschaften zu zahlen. Die Regierung weist in ihrer Antwort auf Artikel 158 der Reichsverfassung hin, wonach die Reli- aronsgemeinschaften ein Recht auf diese Zahlungen haben. Der Antrag wurde durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Zu Kapitel 9 hatte Abgeordneter Wcckler einen Antrag Ein neuer Roman wird von heute an im Gießener Anzeiger veröffentlicht. Das bis zum (Schluß außerordentlich fesselnd geschriebene Werk von Ernst Klein erscheint unter dem Titel Oie tolle Herzogin und schöpft aus den Verhältnissen der letzten Zeit. Aeu- besteller des Gießener Anzeigers erhalten kostenlose Nachlieferung der bereits erschienenen Fortsetzungen. Bestellungen werden entgegengenommen in Gießen durch die Geschäftsstelle und durch die Trägerinnen, auswärts durch 225 örtliche Bertriebsstellen und die post. Es wurde eine Resolution angenommen, ui der erklärt wird, daß sich 1. die Frage der Fürstenabfindungen nicht für einen Volksentscheid im Sinne deS kommunistischen Antrags eignet, 2. daß die entschädigungslose Enteignung, weil den sittlichen Gesetzen widersprechend, abgelehnt werden müsse, daß 3. ein Schiedsgericht eingesetzt werden müsse, dessen Mitglieder der Reichstag bestimme, und daß 4. die Fürstenabfindung im Rahmen der allgemeinen Verarmung des deutschen Volkes erfolgen, müsse. Aus dem Rechtsausschutz des Reichstags. Berlin, 23. Febr. (WTB.) Der RechtS- ausschuß des Reichstages seht die Beratung über die Vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürstenhäusern fort. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Vorsitzende, Abg. Dr. Kahl (Dtsch. Dpt.) bekannt, daß inzwischen das Sperrgeseh im Reichsgesetzblatt veröffentlicht also wirksam geworden sei. Cs wurde § 2 des Kompromißgesetzentwur- fer, der die Zuständigkeit des Re ichs. son« dergerichtes für die Vermögensauseinander- sehung zwischen den Ländern und den Fürstenhäusern behandelt, beraten. Rach § 2 soll das Reichsscrndergericht unter anderem zuständig sein für alle Auseinandersetzungen, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes nicht bereits durch • ein nach der Staatsumwälzung 1918 erlassenes Gesetz. ergangenes rechtskräftiges Urteil, gefällten Schiedsspruchs Vertrags oder Vergleichs endgültig erledigt sind. Ein Antrag des Abg. Dr. Barth (Dtschnat.), daß das Sondergericht nicht zuständig fein soll für bisher unbestrittenes oder anerkanntes Privateigentum, wurde abgelehnt. Der Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragte die Rückwirkung auch auf endgültig erledigte Auseinandersetzungen, da der § 7 des Kompromihentwurfes die Rückwirkungsfrage besonders behandelt, wurde dieser Antrag bis dahin zurüclgestellt. 3m übrigen wurde der § 2 mit seinen einzelnen Zuständig- keitsbestimmungen in erster Lesung vom Ausschuß angenommen. Der § 3 regelt die F r r st e n , innerhalb welcher Anträge aus Einleitung eines Verfahrens bei den verschiedenen Akten von Streitigkeiten bei Richtigkcits- und Restitutionsllagen usw. gestellt teerten müssen. Auch dieser Paragraph wurde angenommen. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 23. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags führte heute die Beratungen über die Kapitel 9 und 10 (Anteil an Reichssteuern. Landessteuern, indirekte Auslagen usw.) zu Ende: in Verbindung damit wurde der Entwurf des Finanzgesetzes beraten, der dieselben Sätze wie im vergangenen Jahre vorsieht. 3n einem Antrag Dr. Leuchtgens- Glaser wird gewünscht, den Finanzausgleich in der Weise durchzuführen, daß die UcbertDcifungcn vom Reich an Hessen im Verhältnis 1:1 zwischen Land und Gemeinden geteilt werten und daß das Land auf die Real- steuern zu Gunsten ter Gemeinden verzichtet. «Rach Artikel 2 des FinanzgcseheS werden die gestellt, für die Umsatzsteuer dieselben Vorschriften über die Zusammenlegung mehrerer Steuerziele bei geringen Beträgen zu erlassen, wie sie bereits für die Reichseinkommensteuer bestehen. Aus der Regierungserklärung war zu ersehen, daß die Bestimmungen teilweise schon getroffen find: der Antrag wurde daher für erledigt erklärt. Ein Antrag Reiber zu Kapitel 74 (Denkmalpflege), das ganze Kapitel zu streichen und die Aufgaben der Denkmalpflege ter staatlichen Dauverwaltung zu übertragen, wurde durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. 3n den nächsten Sitzungen werden noch einige kommunistische Anträge beraten sowie ein 'Verzeichnis der Regierung über Rebenvergütungen von Beamten. Der Landtag tritt Dienstag, 2. März, 10 Ute vormittags, zu einer längere Zeit dauernden Tagung zusammen. Der Hauptgegenstand der Beratungen ist ter Staatsvoranschlag für 1926. RückkehrdeutscherSeehelden Berlin, 23. Febr. Die „Westfalia", die auf der Reise nach Reuyork bei schwerstem Seegänge die aus 27 Köpfen bestehende Mannschaft des schiffbrüchigen holländischen Fracht- Dampfers „Alkaid" gereitet hatte, ist heute in den Hamburger Heimathafen zuruckgelehrt, wo dem Kapitän und der Besatzung ein begei ster- ter Empfang bereitet wurde. Auf den St.- Pauli-Landungsbrücken hatten sich zum Empfang ter Seehelten die von der Hapag geladenen Gäste, darunter ter Präsident des Senats Bürgermeister Dr. Petersen, versammelt. Eine Barkasse brachte sie nach der „Westphalia", wo die an ter Rettungsarbeit beteiligt gewesenen sieben Mannschaften und zwei Offiziere zunächst durch Bürgermeister Petersen mit Händedruck begrüßt wurden, worauf Ministerialrat Lahr im Ramen der Reichs re gierun g, des Reichswirtschastsmiuisteriums und des Auswärtigen Amtes eine Begrüßungsansprache hielt, in der er die vollste Anerkennung für die Hilfe aussprach, die die Mannschaft dem holländischen Schiffe geleistet habe. Hierdurch seien wieder einmal die Augen ter ganzen Welt auf die deutsche Handelsmarine gelenkt und das Ansehen Deutschlands gefördert worden. Mit dieser Rettungsfahrt habe die Mannschaft ein Stück Wiederaufbauarbeit geleistet, wie es in ter Heimat nicht in jahrelanger Arbeit geleistet werden könne. Ministerialrat Lahr verlas sodann das nachstehende, vom Reichspräsidenten v. Hindenburg an den Kapitän Graalfs gerichtete Telegramm: „Ihnen und der Besatzung der „West- salia" verdankt eine schteergefährdete Schiffsmannschaft ihre Rettung aus Seenot. Ich beglückwünsche Sie und Ihre Besatzung zu dem Gelingen des Rettungswerkes unb spreche Ihnen allen für den Mut und die Selbstaufopferung, die Sie hierbei bewiesen haben, im Ramen des Reiches Dank und Anerkennung aus. v. Hindenburg. Daraus überreichte Bürgermeister Dr. Petersen eine Ehrenurkunde des Senats, die Den Leuten der „Westfalia" Den Dank der freien Hansestadt ausspricht. Ein Protest Der Tiroler. Gegen die Haltung der Regierung Ramek. Innsbruck, 23. Febr. (WTB.) 2n einer Versammlung von Vertretern aller Tiroler Parteien, die heute unter Vorsitz des Bizebürger- meisters Fischer stattfand, wurden von allen Rednern die Erklärungen des Bundeskanzlers Ramek im Wiener Hauptausschuß und die Haltung Der österreichischen Bundesregierung in ter Südtiroler Frage scharf kritisiert. Mussolini habe die Aufrollupg ter Südtiroler Frage vor dem Völkerbund besonders fürchten müssen und es sei für Italien von größter Bedeutung gewesen, von Oesterreich die Zusage zu erhalten, daß die Südtiroler Frage nicht vor den Völkerbund gebracht werde. Diese Erklärung hätte sich Die Regierung Ramek s o teuer als möglich ab- kaufen lassen müssen. Der Preis hierfür wäre selbstverständlich nur Die vollständige kultu - teile Autonomie Südtirols und die Rücknahme sämtlicher entnationalisierender Dekrete gewesen. Der Redner forderte terk^ofvrtigen R ü cktritt der Regierung, die durch ihre klägliche Haltung ihre Unfähigkeit bewiesen habe. Die Tiroler Hütten fein Vertrauen zur Außenpolitik in Der Südtiroler Frage. Tirol selbst sei der Weg zum Völkerbund verwehrt. Deshalb suche Tirol Freunde in Der Welt und trachte danach, alle am Frieden und an der Gerechtigkeit interessierten Völker für die Tiroler Frage zu interessieren. Unter großer Bewegung wurde das Andreas-Hoser-Lied gesungen und zum Schluß folgendes Telegrämm an den amerikanischen Senator Bvrah abgesandt: „Die Versammlung der Vertreter des Volkes in Tirol bittet Den cDlen Friedensfreund. Tirols zu gedenken, das von dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini in offizieller Rede mit einem Einfall der Fasziften bedroht worden ist und dessen südlicher, unter italienischer Herrschaft stehender Teil mit un- menschlicher Grausamkeit gepeinigt wird. Wir erinnern daran, daß Wilson in feinen Memoiren die Zuteilung von Deutsch- Südtirol an Italien als den schwersten Irrtum des Friedensvertrages bezeichnet hat." Der Landeshauptmann von Tirol, Dr. Stumpf, hatte Besprechungen mit dem Bundeskanzler und dem Vorstand ter Christlichsozialen Partei. Eine parteiamtliche Erklärung ter Christlichsozialen Partei stellt fest, daß die Aussprache zwischen dem Bundeskanzler und dem Landeshauptmann eine befriedigende Klärung der Mißverständnisse, die sich aus ter Rede des Bundeskanzlers ergeben hatten, gebracht habe. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident empftng heute den österreichischen Gesandten Dr. Frank, der ihm die Bitte Der österreichischen Regierung überbrachte, gemeinsam mit dem österreichischen Bundespräsidenten das Protektorat über die Anfang März in Wien zu eröffnende Ausstellung führender Meister der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts zu übernehmen. Der Rcichspr äsi- beut erklärte sich hierzu gerne bereit. Ferner empfing ter Herr Reichspräsident heute den bekannten brasilianischen medizinischen Forscher, Prvsessor Miguel Cvuto, Der dom brasilianischen Geschäftsträger Geuillobel und Dem Professor Aogua Lima vom Tropeninstitut in Hamburg begleitet war. (Wolff.) Wie Die Blätter von zuständiger Stelle erfahren, wird die Reichsrcgierungi am kommenden Samstag aus Anlaß des Volkstrauertages anordnen, daß auf den Re- gierungägcbäuDcn ha l bst o ck geflaggt wird. Außerdem wird in den Sonntagmorgenblättern ein Aufruf der Rcichsregierung erscheinen. Der Herr Reichspräsident wird an der Kundgebung im Reichstag teilnehmen. Die Interalliierte Rheinlandkommission hat die Filme „V o l k i n R o t“ und „Bi sm ar d“ für die besetzten Gebiete verboten. Der deutsche Botschafter beim Quirinal. Freiherr v. Reurath, wird sich nach Berlin begeben und von dort nach etwa 8 Tagen nach Rom wieder zurückkehren. * Eine Vorstandssitzung des Deutschen Schutzbundes und Der Vorstänte Der ihm angeschlofsenen VerbänDe beschloß. Die Diesjährige Haupttagung Des BunDes in Der Zeit vom 19. bis 21. Mai in Gleiwiy u n D Beuthcn abzuhalten. Am Samstag, 22. Mai, findet dann die Fortsetzung der Tagung in G l a tz im schlesischen Gebirge statt. Am Pfingstsonntag begeben sich die Teilnehmer der Schuhbundveranstaltungen zur Iahrestagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland nach Hirschberg. Auf Der SchutzbunDtagung werten Die wichtigsten Fragen des Grenz- und Auslanddeutschtums ausführlich behandelt werden. Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm den kürzlich von dem gemeinsamen Ausschuß des Repräsentantenhaufts und des Senats angenommenen Gesetzentwurf an, durch den die Steuern für das kommende Fiskaljahr um 387 Millionen Dollar herabgesetzt werden. Der Gesetzentwurf bedarf noch der Genehmigung durch den Senat, bevor er Dem Präsidenten Eoolidge zur Unterzeichnung vorgclegt wird. Wettervoraussage. Aufklürend südliche bis westliche Winde, Temperaturen noch etwas ansteigend, nachts kälter, vorwiegend trocken, doch stellenweise Rebel- bildung. Der Ausläufer des Azoren-Hochs hat sich mit dem finnischen Hoch vereinigt, so daß sich heute ein großes Hochdruckgebiet von Spanien durch Mitteldeutschland bis nach dem Baltikum erstreckt, das im Osten sogar noch toeiteren Druck- anstteg zeigt. Dagegen hat das Warmluftgebiet an Ausdehnung und Stärke verloren. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,2 Grad Celsius, Minimum 5,3 Grad Celsius. Riederschläge: 1,6 Millimeter. Heutige Morgcntem- peratur: 6,3 Grad Celsius. Aus -er Prooinzialhauptstadt. Gießen, den 24. Februar 1926. Dolkstrauertag. Zu der Gedenkfeier zu Ehren unserer gefallenen ftrieqer, die am nächsten Sonntag, vormittags 11.30 Uhr pünktlich beginnend, in der Neuen Aula stattfindet, wird in unserem heutigen Anzeigenteil eingeladen. Die Gedenkrede wird Studienrat Lic. Dr. Adolph halten. Zur Deckung der Unkosten werden am Ausgang freiwillige Beiträge erhoben, die wesentlich dazu dienen sollen, die Schmückung der etwa 400 Kriegergräber auf den beiden hiesigen Friedhöfen am Volkstrauertag vorzunehmen und die Kosten der Feier zu bestreiten: ein etwaiger Ueberschuß dient dem Allgemeinzweck des Volksbundes. Dieser Zweck besteht in der Unterhaltung der Kriegerfriedhöfe ini Ausland und der Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen den Hinterbliebenen und dem Grabe ihres Angehörigen. Weitere Angaben im heutigen Anzeigenteil Äom Provinzialausschuh, Der Pvovinzialausschuh der Provinz Oberhessen beschäftigte sich in seiner süngsten Sitzung u. a. mit folgenden Angelegenheiten: ^.Besoldung des Bürger m ei st ers und der Gemeindebeamten in Her - g ers darf (Kreis Alsfelds. Der Gemeinderat zu Hergersdvrf beschloß, vom 1. April 1924 an dem Bürgermeister und den Gemeindebeamten nur die Friedensgehalter zu gewähren, während die Genannten Besoldung nach den ministeriellen Richtlinien begehrten. Auf Vorlage des Kreis- direktors zu Alsfeld, die Besoldungen im Verwaltungsstreitverfahren festzusetzen, lehnte der Kreisausschuß ebenfalls ab. die Richtlinien anzuwenden und setzte jährliche Pauschbeträge wie folgt fest: Für den Bürgermeister 400 Mk., für den Gemeinderechner 275 Mk., für den Polizei- diener 170 Mk.. für den Feldschützen 100 Mk. Hiergegen verfolgte der Kreisdirektor im vfsent- lichen Änteresse Berufung an den Provinzialaus- fchuß. Der Provinziolausschuh gab der Berufung statt und erkannte dahin, daß die Besoldungen des Bürgermeisters und der Gemcindebeamten nach den ministeriellen Richtlinien zu regeln sind, entsprechend den von dem Kreisdirettvr vor- geschlagenen Deschaftigungszeiten. Mit den Kosten des Verfahrens wurde die Gemeinde belastet. Turbinenanlage des Freiherrn Georg Riedesel zu Eisenbach in Altenburg (Kreis Alsfeld). Freiherr Georg Riedesel zu Eisenbach hatte, ohne zuvor eine Genehmigung des Kreisamts Alsfeld einzuholen, seine Wassertriebwerksanlage verändert, indem er an Stelle des bestandenen Wasserrades eine Turbine einbaute und den Damm des Mühlgrabens derart erhöhte, daß der Mühlgraben zu einem Staubecken hergerichtet war. Hiergegen erhoben acht unterhalb des Triebwerkes gelegene Mühlen- und Triebwerksbesiher der Schwalm Einspruch. Der Kreisausschuß zu Alsfeld hat, nachdem Freiherr von Riedesel nachträglich um Genehmigung zur Umänderung der Triebwerksanlage einge- fomtncn war, die nachgesuchte Konzession imter Bedingungen erteilt. Der Gesuchsteller erachtete die ihm gestellten Bedingungen für zu weitgehend und verfolgte Berufung. Die 8 Sriebtoerti- besiher verfolgten ebenfalls Berufung, well sie sich gegen wirtschaftliche Schädigung ihrer Triebwerke nicht genügend gesichert glaubten. Sn der Verhandlung vor dem Provinziolausschuh am 17. Oktober 1925 wurde Beweisbeschluß dahin erlassen, daß ein Obergutachten des Ministerialrats H e y l 'in Darmstadt, Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, einzuholen ist. Dieses Obergutachten war in der Verhandlung Gegenstand eingehender Aussprache. Der Provinzialausschuh erkannte wie folgt zu Recht: Unter teilweiser Stattgabe der Berufung des Antragstellers Frhr. Georg Riedesel und unter Zurückweisung der Berufung der Reklamanten Richard Krüger und Genossen wird in Abänderung des Urteils des Kreisausschusses des Kreises Alsfeld vom 12. Januar 1925 die nachgesuchte Konzession unter folgenden Bedingungen erteilt: 1. Die vorgelegten Pläne sind in genauer Uebereinstimmung mit der Anlage in dem gegenwärtigen Zustand zu bringen. 2. An dem Wehr ist eine Eichmarke anzubringen. 3. Sn dem Mühlgraben ist bei Station 280 eine nicht herausnehmbare, aus haltbarem Material hergestellte Grundschwelle einzubauen, deren Oberkante auf + 268.75 liegen muß. 4. Die Oberkante der vorhandenen Leerlauf- schütze im geschlossenen Zustande darf nicht über -I- 268,97 liegen. 5. Die Auserlegung weiterer Bedingungen und die Befreiung von den vorstehend auferlegten Bedingungen bleibt für den Fall Vorbehalten, daß der Betrieb des Antragstellers die Aufnahme weiterer Bedingungen oder den Verzicht auf die gestellten Bedingungen rechtfertigt. Die Kosten der Derufungsiirstanz sind von dem Antragsteller und von den Reklamanten je zur Hälfte zu tragen. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater: 7} Uhr „Das Dorf ohne Glocke" (Ende gegen 9$ Uhr). — Krieger-Verein: 84 Uhr „Postkeller", Jahres-Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Freies Volk". — Aus dem Stadttheater bureau wird uns geschrieben: Es fei besonders darauf hingewiesen, daß die heutige Aufführung des vD orfes ohne Glocke" mit der wertvollen und eigenartigen Musik Eduard Künuekes die letzte des Werkes ist. — Oberhessischer Geschichtsver- e in. Man schreibt uns: Rächsten Donnerstag, 25. Februar, dem letzten Vortrags-Abend des Vereins in diesem Winter, wird der Historiker an unserer Universität, Prof. Dr. Aubin, über den „Uebergang vom Altertum zum Mittelalter in rheinischen Städten" sprechen. Es dreht sich dabei um das in den letzten Sahren vielerörterte Problem des Zusammenhangs der antiken und mittelalterlichen Kultur kraft örtlicher Ueber- lieferung. An Hand von Beispielen aus dem rheinischen Städtekreis wie Tanten, Köln, Bonn, Trier, Saarbrücken, Kreuznach und Mainz wird dieses Problem geprüft, und der Versuch gemacht werden, das Maß der Kulturkonstanz oder der Veränderung genau zu bestimmen. Eine Anzahl von Lichtbildern wird geeignet fein, die Anschaulichkeit des vorgetragenen Stoffes zu erhöhen. Es wird auf die Anzeige in unserer Dienstag- Rummer hingewiesen. ** Das Ausklopfen von Betten, Teppichen ufw. Das Polizeiamt weift darauf hin, daß das Ausklopfen, Ausschütteln, Abkehrcn von Betten, Teppichen, Kleidungsstücken, Staubtüchern und ähnlichen Gegenständen nach Straßen und öffentlichen Plätzen hin unstatthaft und mit Strafe bedroht ist. Das Klopfen von Teppichen, Betten, Möbeln u. dgl., sowie ähnliche mit Geräusch und Staubentwicklung verbundene Verrichtungen sollten regelmäßig nur werktags in den Vormittagsstunden zwischen 8 und 12 Uhr vorgenommen werden. ** Grippe-Epidemie in Gießen. Nach Mitteilung des Kreisgesundheitsamtes werden Mr Zeit in Gießen Grippe-Erkrankungen in gehäufter Zahl beobachtet. Häufig ist hohes Fieber und manchmal auch Neigung zu Erkrankungen der Lunge damit verbunden. Wenn auch der Verlauf der Krankheit bisher ein gutartiger war und Grund zu Besorgnissen nicht vorhanden ist, so ist es doch ratsam, im Beginn solcher Erkrankungen sofort Bettruhe einzuhalten und ärztliche Hilfe zuzuziehen. ** Eine Kundgebung fÜr Oberschle- s i e n veranstalten Nektar und Studentenschaft unserer Landesuniversität am Freitagabend in der Neuen Aula. Näheres im heutigen Anzeigenteil. vo. DieWicderaufnahme des deutschen Luftverkehrs ist im Hinblick auf die Karwoche und das Osterfest vom 1. April auf den 6. April verschoben worden. Einlösung der Dollarschatzan- weisungen. Am 15. April werden die Schatzanweisungen des Deutschen Reiches von 1923 (Dr llarschahanWeisungen) fällig. Die Rückzahlung erfolgt von diesem Tage ab mit dem auf den Stücken angegebenen Rückzahlungsbetrage ohne Abzug in Scheck auf Reuyork, auf Wunsch auch tn Reichsmark zum amtlichen Berliner Mittellurse für telegraphische Auszahlung Reuyork. Da die Reichsbank die Rückzahlung der Dollarschahanweisungen übernommen hat, findet die Einlösung nicht, wie im Text der Stücke vorgesehen, bei der Staatsschulden-Til- gungskasse, sondern bei der Reichshauptbank Berlin statt.- Die Stücke können schon vom 15. März ab bei der Zeichnungsabteilring der Reichsbank in Berlin und den Reichsbankanstalten mit einem nach Abschnitten und Rummern geordneten Verzeichnis eingereicht werden. Keine Aufwertung der alten Reichsbanknoten. WTD. meldet: Sn verschiedenen Zeitungen sind in den letzten Tagen Berichte über Versammlungen des sog. Reichsbankgläubigerverbandes erschienen. Einer der Verbandsredner hat in diesen Versammlungen verschiedene Behauptungen aufgestellt, die den Tatsachen nicht entsprechen. Sirsbesondere hat er behauptet, die Reichsbank habe nunmehr ihre Bereitwilligkeit zum Abschluß eines Vergleichs über die Aufwertung der Reichsbanknoten erklärt. Das Reichsbantdirettorium teilt hierzu mit, daß diese Behauptung unwahr ist. Es ist niemals von der Reichsbank oder auf ihre Veranlassung von irgendeiner anberen Seite die Aufwertung der alten Reichsbanknoteir ertragen, oder gar eine Aufwertung vergleichsweise zugestanden worden. Vielmehr finJ> derartige Vorschläge ausnahmslos abgelehnt worden. •• Keine Fahrpreisermäßigung für Schüler- und Gesellfchaftsreisen zu Ostern und Pfingsten. Sm letzten Sabre sind während des starken Reiseverkehrs zu Ostern, Pfingsten und zum Sornmerferien- begimr in der Beförderung der Reifenden Un- zuträglichkeitcn und betriebliche Schwierigkeiten dadurch entstanden, daß zahlreiche Schüler- und Kindertransporte unter Snanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung ausgeführt wurden. Obwohl in vielen Fällen die Anträge der Schulen und sonstigen Körperschaften auf Bestellung von Sonderwagen und Freihaltung von Plätzen abgelebt werden muhten, führte die Abbeförderung der unangemeldet ausgetretenen Transporte zu erheblichen Schwierigkeiten, wie Platzmangel, Zügeverspätungen ufw. Sm Interesse einer möglichst reibungslosen und glatten Abwicklung des Ferienreisevertehrs sieht sich die Eifenbahnver- toaltung veranlaßt.' in diesem Sahr die Fahrpreisermäßigung für die vorbezeichireten Transporte und für sonstige Gesellschaftsreisen in der Zeit vom 1. bis 6. April, 21. bis 26. Mai und 27. bis 31. Suli nicht zu gewähren. ** Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Beuern, Ober-Hörgern, Ober-Erlenbach und Wölfersheim omtlid) feftgefteUt worden. In Avendorf a. d. Lda. ist die Seuche erloschen. ** Niederdeutsche Handwebereien. In der Buchhandlung Keißner befindet sich eine von O. K. P i e l e n g - Eidelstedt veranstaltete Ausstellung von Erzeugnissen der niederdeutschen Hand weberei. Es handelt sich um eine Anzahl hcmdge webter Gegenstände (Decken, Tücher, Vorhänge, Kleiderstoffe) nach alten Mustern, Erzeugnisse aus Kleinwerkstätten und Heimarbeit, die in ihrer Orna mentik vielfach auf altnordische Motive zurück- greisen. ** Nachnahme- und Postauftrags- verkehr mit dem Gebiete der Freien Stadt Danzig. Sm Verkehr zwischen Deutschland und dem Gebiete der Freien Stadt Danzig sind vom 1. März an den Sendungen mft Nachnahme, bei denen der eingezogene Betrag einem Postscheckkonto im Bestimmungsgebiete der Sendungen gutgeschrieben werden soll, die im De- stimmungsgebiete der Sendungen geltenden Zahlkarten beizufügen. Nachnahmesendungen nach der freien Stadt Danzig müssen mithin von Zahlkarten für den inneren Danziger Verkehr, Nachnahmesendungen aus der Freien Stadt Danzig von Zahlkarten des innerdeutschen Verkehrs begleitet sein. Ebenso sind auch von dem genannten Zeitpunkt an bei Postaufträgen, bei denen der eingezogene Betrag einem Postscheckkonto im De- stimmungsgebiete der Sendungen gutgeschrieben werden soll, die im Bestimmungsgebiete der Sendungen geltenden Postauftragsvordrucke mit anhängender Zahlkarte zu benutzen. Auf den Zählkarten sind die Beträge nicht einzurücken. Erwerbslosen Unterstützung auch für hoher bezahlte Angestellte. Entsprechend dem Wunsche des Reichstags hat der Reichsarbeitsminister nunpiehr auch diejenigen höher bezahlten Angestellten zum Bezüge der Er werbslofenunterstützung zugelassen, die in den letz ten zwei Jahren vor Eintritt ihrer Unterftüfoungs- bedürftigkeit nicht 6, sondern 3 Monate eine ange- ftelltenoersicherungspflichtige Beschäftigung ausge- übt haben. fRiSCHGHORNI ! FEINKOST-MARGARINE' Fordern Sie die „Blauband-Woche“ zu jedem Pfund. Deutscher Volkstrauertag 1926 Gedenkfeier zu Ehren unserer gefallenen Krieger Sonntag, den 28. Februar 1926, vormittags 11% Uhr pünktlich in der Neuen Aula der Universität. Gedenkrede: Studienrat Lic. I)r. Adolph. Weiter wirken mit: Karl Bolck, Mitglied des Stadttheaters: Rosemarie Nölkc (Gesang): Organist Simon (Orgel) und die Kapelle desl.(Hess.) Grenadier-Balls., lo.llnf.-Regts., Leitung: Obermusikmeister Löber. Die Einwohnerschaft Gießens wird zur Teilnahme herzlich eingeladen. Eintritt unentgeltlich. Jur Deckung der Unkosten wird am Ausgang ein fteiwilliger Beittag erhoben. Fahnenabordnungen können wegen Platzmangels nicht zugelassen werden. Die Ausgabe der Platznummern, die auf die Programme aufgcdruckt sind, erfolgt am Eingang. 1718V MMO Bentfflje NiegsglMklWörU, MmiMMen Dr. Frey, Beigeordneter. Trürnpert, Landgerichtsrat. — ———-- TANZUNTERRECHT Der für Februar angekündigte Frühjahrs-Tanzkursus beginnt Montag, den 01210 1. März abends 8 Uhr Gefl. Anmeldungen werden jederzeit entgegengenommen Privatunterricht zu jeder Tageszeit Tanz-Lehr-Bnstitut Bäulke WolfiÄwße 21 Ecke Lieber Straße Telephon 1055 (/14. April /Beginn neuer Kurse' Vogtsche BandelsschaleGieBen ^Goethestraße 32/ X. 1715a -y fllllllllllllllllllllllllllllllHID MM. Ab Donnerstag, den 25. 11. 26: "*D MWttlM. miWWIWmiWM Gießener Konzertverein Donnerstag, den 25. Februar 1926, abends 71/- Uhr, in der Stadtkirche: Neuntes Abonnementskonzert Bach-Abend Ausführende: M. STRUNK (Sopran) und E. BÖHM (Alt) aus Berlin, Hoforganist HOPF aus Eisenach, der AKADEMISCHE GESANGVEREIN, SOLOVIOLINE, SOLOOBOE und das KAMMERORCHESTER, verstärkt durch FRANKFURTER und NAUHEIMER Künstler. Leitung: THEODOR KNODT. Bach-Kantaten mit Soli, Chor, Orchester und Orgel Passaglia, Präludium und Fuge für Orgel. Eintrittskarten: 5, 4, 3 und 2 Mk. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten 1 Mk. nur im Vorverkauf beim Hausverwalter der Universität. Die für das 9. Konzert ausgegebene Abonne- mentskarten sind bis Dienstag gegen die Karten für die Kirche umzutauschen. 1664c Lichtspielhaus .Bahnhofstraße Heute letzter Tag: = Freies Volk = Der größte deutsche Volkefllm 8 Akte von allerersten deutschen Schauspielern, u. 2. Hans Mierendorf, Eduard von Winterstein usw., dargestellt. Ferner: PRISCILLA DEAN* die rassige Filmschönheit in dem prachtvollen Stierkampf-Film Die Sirene von Sevilla 7 Akte mit herrL Orlginalaufnahmen aus Spanien. „Freies Volk“ läuft ab Freitag in den Palast-Lichtspielen weiter. Ab morgen bis einschließlich Sonntag: Der Weibsteufel kanntenSchau- spiel von Karl Schönherr. 1728c Schnupfen |CR.EME DEHNE ' B ESTE * ‘u. DRQGERJEN | 0t THOMPSON?’ S8BS H Für Sie gibt es daher nur ei n Waschmittel M Qfe ‘jhvmpset&Seifienpulver W ß, I W vor tülhompson's Seifen- W pulver zeigt daß es richt die geringster schädlichen Bestandteile enthalt son I dern nur aus stark seifen^ haltigen Substanzen besteht. Hausbesitzer-Verein (E. D.) Gießen. Freitag, den 26. Februar 1926, abends 8 Uhr, findet im Katholischen Vereinshaus Hauptversammlung statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht 2. Rechnungsablage 3. Ersatzwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder 4. Realkreditorganisation 5. Stellungnahme gegen die Instandsetzungsstelle. 1720D Der Vorstand. ------ Letzte Quittungskarte (rot) ist vorzuzeigen. ------ Die anteilige Anfuhr der Unterhaltungsschotters für 1926 in den sechs Baubezirken des Landkreises zu vergeben. Leistungsoerzetch- nisse werden gegen Mk. 0.50 in Marken frco. -ugesandi. Angebote sind ein« zureichen bis 1.3.26, vorm. 11 Uhr, an Mattwerke Gießen. meD Liebigstr. 15. Arbeitsvergebung. Die zum Abbruch und der Neuaufführung der baufälligen Kirchshofsmauer tn Rödgen erforderlichen Erd- und Maurerarbeiten sollen öffentlich vergeben werden. 1699C Angebotsvordrucke find bei uns (Zimmer Nr. 18) gegen Erstattung der Selbstkosten erhältlich, woselbst auch die Bedingungen eingesehen werden können. Die Angebote sind verschlossen zu dem am Dienstag, dem 2. Mär; d. 3., vormittags 10 Uhr, stattfindenden Eröff nungstcrmm einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen. 22. Februar 1926. Krcisbauverwaltung. ScH«‘ee*ei1ß erhält jede Wäsche durch Kochen mit SiL Hervorrogen- des‘JleehentfemungSrtimeL Sil spart Selfie und etsefef jede besondere‘Sleieke Ohne Chlor DIE NEUEN SORTEN wirb man g „Die Stadt"-, Nronbetafov lag, der, am t ratiir", vor e Ausgabe und die (leilmeik c glücklich erM z. B. das De grüßen, perjö selbst da, wo n - In „H für Tvrach- - Widm Don ! den in Äerni suchung dvn Züge der Maria Ri - Es mag fremden, eine heit und en Menschen so in sich, der i 'm Leben sie geschlossen, be MN ÄS toitö sich ui*} Mmmenfasser einge^b) c ff« Iusar furchcms als so bestimm wurde - als Hg Mchters als ■ M eine gute elementaren 7 kKÄ Äi®5 seichen < Kkr Mw'i ”*if. in® Z°7> lind Sä Ääft a »■ Komplex h' tz" L" bi, vir Ga 's« einigen Fraue allem zu Cora im olgenden, etlichem Um. W ;rk KS er ernst g-n die uD im Eigenen, f M>ho? S zum Mythos thos des mag hin. Man fP1 raut ist, 01 riß geistiges Tasten ms-d 'ijerwandtleM' versuch das wiederum ° Kiivyist'scher - Willigkeit des zisierender, ai rung. Man fi net, vom Wes was man zur jo deutlich- (j Und man at einleitend ge sprühende, s dieses Buche zu erweitern sei! ein paar übrigens vor das gegen 6 ech in den lc 01!62 Pauline Kutzer. Gießen (Ederstr. 3), 23. Februar 1926. Die Beerdigung findet Freitag, 26. Februar, nachm. 2l/,Uhr, von der Kapelle d. Neuen Friedhofs aus statt. Nach einem arbeitsreichen Leben entschlief heute mittag 12 Uhr sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Herr Rudolf Kutzer im nahezu vollendeten 76. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinterbliebenen: lenden Entschließung 4. MusiKoortrag. 1737D MWMMMWV Rektor und Studentenschaft der Landesuniverfitat zu Gietzen laden Universität und Bürgerschaft, Damen und Herren ergebenst zu der am Freitag, dem 26. Februar 1926, abends 81/,4 Uhr, in der Neuen Aula stallfindenden Kundgebung für Oberschlesien ein. Ordnung: 1. MusikvorttLg. 2. Ansprache und Deutschlandlied. 3. Verlesung der nach Oberschlesien und Genf zu rich- Motore Gleich-und Drehstrom äußerst günstig abzugeben ludolf »öölger, Wantotftr. 35 Bekanntmachung. sämtliche Fuhrleistungen für Zwecke , des Stadtbauamtds eins c,l. Fahren der ' Leichenwagen für die Zeit vom 1. 4. 26 l bis 31. 3. 27 sollen Mittwoch, 3. März 1926, vormittags 10 Uhr, öffentlich ver- f geben werden. Die Unterlagen liegen bei uns offen und sind Anyebote rechtzeitig * abzugeben. Vordrucke sind bei uns erhältlich. 1729B Zufchlagsfrist 3 Wochen. Gießen, 23. Februar 1926. Stadtbauamt. Braubach. Spinat - Heldsalat sowie jedes andere Gemüse, ebenso lämtliches Obst und Südfrüchte der Saison entsvrechend, liefert zum billigsten Tagespreis 1733V Wilb. Brust, Obst- u. Gemüsegroßbandl., Bonn, Ellerstraße 87, Telephon 2372. Bekanntmachung. Stadttheater-Abonnement Die Einlösung des fünften Abschnitts der Abonnements für Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag hat am Donnerstag, 25. Februar 1926, in der Zeit von 3 bis Uhr nachmittags an der Kasse in der Vorhalle des Stadttheaters zu erfolgen. Zur teilweisen Deckung der wesentlichen Mehrkosten für das große Operetten - Gastspiel „Gräfin Mariza" wird von allen Abonnenten ein Zuschlag von 1 Mk. erhoben. 1630B Die zu zahlende fünfte Rate beträgt deshalb für: Proszeniumsloge, Rangloge und 1. Rang- Vorderplatz 11 Mk., 1. Sperrsitz und 1. Rang-Mitte 9 Mk., 2. Sperr itz und 1. Rang-Rückplatz 8 Mk., 3. Sperrsitz u. 2. Rang-Vorderplatz 6 Mk., 2. Rang-Mitte 5 Mk., 2. Rang-Rückplatz 4 Mk. Eine Einlösung an der Tages- und Abendkasse erfolgt nicht. Gießen, 20. Februar 1926. Der Oberbürgermeister. I. A.: K l i n g s p o r. mikcky M 001273 Donnerstag, 25. Februar Metzelsuppe In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. 655id .idiiiiiiiinini.iiiiiiiiiiiiiiiiiiiriniiiiüimmiiiiiiiii:1 1926 1901 Heute frische Fische Konsumverein Gießen u. Gmo.n?.ugh. per Pfd.25 $ 35^ 28^ 30 H 40 40^ 28 Dorsch ......... Rotbarsch.. .... 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FRANKFURT A M. Nr. 46 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Mittwoch. 24. Zebruar 1926 Für den Büchertisch. Literaturgeschichte. — E. T. A. Hoffmann. Der Künstler und die Kunst. Von Ernst Heilborn. Mit acht Tafeln. In der Reihe „Deutsche Lebensbilder". — Ullstein, Berlin. — Es ist nicht leicht, heute noch ein Buch von Wert und Dauer über Hoffmann zu schreiben. Jeder, der sich ihm heute nähert, steht, wenn anders er ernst genommen sein will, auf den Fundamenten, die Hans von Müller und Walther Harich gelegt haben. Dennoch findet auch dieses Werk sein Bestes im Eigenen; hier hat man eine Darstellung, die vom Mythos um Hoffmann ausgeht und, sich rundend, zum Mythos zurückkehrt, der im Anfang war: Mythos des magischen Menschen, des Künstlers schlechthin. Man spürt (wenn man mit den Dingen vertraut ist, am unmittelbarsten) in diesem Lebensauf- riß geistiges Schürfen, viel Liebe, feinnerviges Tasten ins Wunderbare, und spürt irgendwie ein Verwandtsein, das zur Deutung oder zum Deutungsversuch das Recht verleiht. In kurzen Kapiteln ist wiedenmi bemerkenswerte Abrundung erreicht. Essayistischer Reiz strömt aus meist glücklicher Eigenwilligkeit des Stils, aus unleugbarer Gabe zu präzisierender, auf kürzestes Maß gestellter Formulierung. Man findet in diesem Buch ganz ausgezeichnet, vom Wesentlichen her Gesehenes und Gesagtes, was man zuvor noch nicht las, nicht so einfach, oder so deutlich. (Das will etwas heißen in diesem Falle.) Und man ahnt — kein Widerspruch zu dem, was einleitend gestreift wurde — wie viel noch um die sprühende, funkelnde, brennende Hell-Dunkelgestalt dieses Buches ist, was auszuschöpfen, zu lösen und zu erweitern bleibt. Die Fundamente sind ja erst seit ein paar Jahren überhaupt gelegt. Sie tragen übrigens vor allem die ersten Kapitel des Werkes, das gegen Ende sich erstaunlich steigert und füllt; erst in den letzten Teilen des Ganzen entfaltet sich sein allereigenstes Gut. Heber den Abschnitt „Liebesleben und Erotik" (um einzelnes anzuschneiden) wird man geteilter Meinung sein können; begrüßenswert aber, wie einläßlich das Verhältnis zu einigen Frauen (außer Micheline und Julia), vor allem zu Cora Hatt, dargetan wird. Interessant, wie im folgenden, „Leben in Zeit und in Beruf", aus zeitlichem Umriß wiederum eine geistige Profilierung des Menschen Hoffmann gewonnen wird. Das Kapitel „Der Künstler und die Kunst" wird durch die (teilweise wenig bekannten) Reproduktionen sehr glücklich ergänzt. Anderes scheint weniger getroffen, z. B. das Verhältnis zu Callot ein wenig gering angeschlagen, und die Einflüsse von Novalis her doch wohl überschätzt. (Was übrigens bei Heilborn nahe lag, der, am bekanntesten als Herausgeber der „Literatur", vor einem Dierteljahrhundert eine kritische Ausgabe und eine Biographie von Hardenberg erscheinen ließ.) Die stärksten Eindrücke endlich hinterlassen die Kapitel „Stil", „Das Werk" und vor allem „Die Stadt"; dieser abschließende Abschnitt gehört zum Besten, was über Hoffmann geschrieben wurde. Zusammengefaßt: Ein gutes Buch, durchaus zu begrüßen, persönlich geformt und immer interessant, selbst da, wo man ihm nicht zu folgen vermag. 79 — 3n „Sprache und Dichtung". Forschungen für Sprach- und Literaturwissenschaft, herauS- gegeben von Harry Maync und S. Singer (beiden in Bern), erschien als Heft 36 eine Untersuchung von Dr. Emil Gasser über „Grundzüge der Lebensanschauung Rainer Maria Rilkes"; Dem 1925 (bei Paul Haupt). — Es mag auf den ersten Blick ein wenig befremden, eine Erscheinung von der seelischen Zartheit und empfindlichen Feinheit Rilkes, einen Menschen so voller Zurückhaltung und Einkehr in sich, der überdies, kaum 50 geworden, mitten im Geben steht, in diesem Buche so völlig aufgeschlossen, bestimmt und fast historisch dargetan zu finden. Aber das sind Erwägungen des nur ästhetisch Betrachtenden und Ausnehmenden. Beim tieferen Eindringen wird man das Werk begrüßen (auch der Rur-Aesthctiker, und gerade er. wird sich nicht ausnehmen) als eine Arbeit, die Kusammenfassend, bis auf weiteres abschließend und daher grundlegend sein dürfte für alles Kommende. (Unö es wird wohl noch manches kommen.) Gassers Abhandlung ist eine ungemein fleißige, belesene und grundgelehrte Untersuchung, die dennoch eine gerade hier entschieden zu fordernde, tastende, gleichsam sinnlich nachspürende Einfühlungsgabe in die dichterischen Imponderabilien nicht vermissen läßt. Das Buch gibt einleitend einen biographischen Ueberblid, weiterhin (sehr verdienstlich, obschon nicht immer eingehend) eine Kritik der vorliegenden Rilke- literatur, außerdem eine schätzbare, bebliogra« phische Zusammenstellung. Die Arbeit, die Rilke durchaus als Einheit, und zwar — was bisher in so bestimmter Form wohl noch nicht vertreten wurde — als romantische Einheit faßt, behandelt im ersten Hauptteil die Lebensanschauung des Dichters als Ausdruck seiner Persönlichkeit und gibt eine gute, sehr gründlich belegte Analyse der elementaren Begriffe im Weltbilde Rilkes, die man zusammenfassen kann als: Die Dinge und Gott. Mit Recht ausfiihrlich gibt dieser Teil anschließend die (für alle Glieder des (Seorgefreifed so sehr bedeutsame) formale Genesis. Der zweite Abschnitt — Rilkes Lebensanschauung in ihrer historischen Bedingtheit — untersucht (soweit wir sehen können, erschöpfend) Zusammenhänge und Einflüsse von außen her. Stark, vielleicht zu stark betont, aber im Sinne der Grundeinstellung des Verfassers, das Verhältnis zur deutschen Romantik, insbesondere zu Novalis. Allgemein anerkannt sind heute die bedeutenden Einflüsse von Westen her, von den französischen Symbolisten, den Beaudelaire (George!), Verlaine, Mall- arme. älebrigens auch Maeterlinck und Andre Gide. Aus den drei letzten Kapiteln des zweiten «und letzten Teils scheinen besonders beachtlich, weil bisher noch nicht, jedenfalls nicht so eingehend und ausschöpfend nachgewiesen: Rilkes Beziehungen zu Jacobsen und Ibsen. lind das Erlebnis Rußland, ein großer, geistig-seelischer Komplex, der aus der Gesamterscheinung des Rilkeschen Werkes nicht mehr wegzudenken ist. Das Buch lieft nicht immer leicht; schon wegen einer Fülle von Anmerkungen, die aus dem Text herausgezogen und am Schluß (auf etwa 80 Seiten) als ein mit Akribie gearbeiteter Apparat vereinigt wurden. 40 — Sir Gala hab: Idiotenführer durch die russische Literatur. 164 S. Bei Albert Langen. München 1925. — Ein äußerst merkwürdiges Buch; man macht die nicht uninteressante Bekanntschaft mit einem Autor, dessen früher erschienene Bücher, ein Roman „Die Der neue Insel-Goethe. Von Professor Dr. Hans Gerhard Gräf. „Was einer in der Jugend wünscht, hat er im Alter genug“ — dieses „brave und hoffnungsvolle altdeutsche Wort" hat Goethe, leicht umgebildet: „Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle", als Motto dem zweiten Teile von „Dichtung und Wahrheit" vorgesetzt und seinen Sinn daselbst im neunten Buch ausführlich und schön erklärt. Oftmals gedachte ich dieses Wortes und legte ihm einen neuen Sinn unter, als im Iahre 1905 Goethes Werke im Insel-Verlag zu erscheinen begannen als Teil der „Großherzog Wil- Helm-Ernst-Ausgabe deutscher Klassiker". Wie lebhaft hatte ich als Gymnasiast und Student mir gewünscht: die beiden Teile des „Faust", des „Wilhelm Meister" und „Dichtung und Wahrheit" in handlicher Taschenausgabe zu besitzen, um sie, bequem in Ioppe ober Rucksack geborgen, auf Wanderungen als treue Begleiter mitzuführen. anstatt bie damals üblichen vielbändigen Ausgaben schleppen zu müssen. Dieser Wunsch sollte mir nun spät, doch nicht zu spät erfüllt werden: bant dem zierlichen Format, dank vor allem dem vortrefflichen Dünndruckpapier nach englischem Muster erschien der ganze „Wilhelm Meister" auf wenig mehr als 1000 Seiten in einem schmiegsamen, bequemen Bande, beide Teile „Faust" mit allem Beiwerk sogar auf nur 572 Seiten, ja sämtliche Teile von „Dichtung und Wahrheit" beanspruchten nur einen einzigen Band von 829 Seiten, 17 cm hoch, 10 cm breit, 2 cm dick, noch nicht 250 Gramm schwer! wahrhaft ideale Reisebegleiter. lind dank diesen äußeren Vorzügen ist denn auch insbesondere der „Sauft“« Band in Taufenden von Exemplaren während des Weltkrieges unfern kämpfenden Männern und Jünglingen ein treuer Begleiter und Tröster gewesen. Jetzt, wo diese (im Iahre 1917 zum Abschluß gelangte) Goethe-Taschenausgabe soeben in neuer, wesentlich bereicherter Gestalt erschienen ist, geziemt es sich, erneut auf sie hinzuweifen und auch ihrer inneren Tugenden zu gedenken. Der Gesamttitel der neuen Ausgabe lautet jetzt „Goethes sämtliche Werke"; statt sechzehn Bände umfaßt sie nunmehr siebzehn, von denen acht die Dichtungen enthalten: zwei Bände Romane und Rovellen, drei die dramatischen, zwei die lyrischen und epischen Dichtungen, ein Band die Uebersetzungen und Bearbeitungen fremder Dichtungen. Die autobiographischen Schriften fiillen drei, die Kunstschriften zwei Bände, ebensoviele die „Aufsätze zur Kultur-, Theater- und Literaturgeschichte, Maximen und Reflexionen", sowie die Raturwissenschaftlichen Schriften. Innerhalb der großen Gruppen sind die einzelnen Werke nicht, wie früher üblich, nach ästhetischen und stofflichen Gesichtspunkten geordnet, sondern nach der Zeit ihrer Entstehung; die möglichst streng chronologische Anordnung hat sich als ebenso lehrreich wie genußreich bewährt und ist eine wesentliche Besonderheit dieser Ausgabe. Rund 1500 Seiten enthält die neue Ausgabe mehr als die alte. Eine so erstaunliche Bereicherung wurde ermöglicht erstens durch die Uebernahme vieles Ungeörurften, das zuerst in der großen Weimarer Ausgabe erschienen ist, sodann durch die Ausnahme von „Wilhelm Meisters theatralischer Sendung" und der ersten Fassung der „Leiden des jungen Werthers“, endlich dadurch, daß den Raturwissenschaftlichen Schriften statt nur eines Bandes von 706 Seiten zwei Bände von insgesamt 1598 Seiten ein« geräumt wurden. Diese bereicherte Auswahl aus den Schriften zur Raturwissenschaft ist ganz besonders dankbar zu begrüßen. Denn auf eine solche, alles Wesentliche enthaltende Auswahl auf diesem Gebiet kann, wie Max Morris mit Recht betont hat, „feine Ausgabe verzichten, die ein volles, ausgeglichenes Bild von Goethes geistiger Persönlichkeit bieten will." Außer fünf Tafeln zur Abhandlung „lieber den Zwischenkiefer des Menschen und der Tiere" und mehreren, dem Text eingefügten, auf Botanik und Physiognomik bezüglichen Abbildungen enthalten die Bände zur Raturwissenschaft dankenswerterweise auch einunddreißig Tafeln zur Farbenlehre, nach Goethes eigenen Zeichnungen, in vortrefflicher Rachbildung. Der Preis dieser, zur Zeit nächst der vergriffenen großen Weimarer reichhaltigsten Goethe-Ausgabe beträgt nur 150 Mark für das in Leinen, 260 Mark für das in Leder gebundene Exemplar. Für diejenigen, denen das ganze Werk auf einmal nicht erschwinglich ist, besteht die Möglichkeit, die Leinenausgabe einzeln zu erwerben und so nach und nach das Werk zrq beziehen. Die zierlichen Bände in ihrem geschmackvollen. schlichten Gewand werden der Bücherei auch des anspruchsvollsten Bibliophilen zum Schmuck gereichen. Alle aber, die in ihrer Wohnung unter Raummangel leiden (und wer litte heutzutage nicht darunter?) täten am besten, falls sie eine Goethe-Ausgabe brauchen, sich die neue des Insel-Verlags anzuschaffen, denn sie beansprucht, trotz der Fülle des Inhalts, auf dem Bücherbrett nur 35 Zentimeter Raum. Kegelschnitte Gottes", unb ein Werk über die kretische Kunst, sehr gelobt werden. Jedenfalls eine neue Art und eine originelle Methode der Literaturbetrachtung. Dor dieser Schrift, die gewidmet ist „dem Rückgrat der Welt", und die nicht weniger als acht, vornehmlich russische Motti aufzuweisen hat. schrumpft vergleichsweise etwa das „große Bestiarium" von Franz Blei zu einem harmlosen Kinderspäßchen zusammen. Die ästhetische Einleitung in ihrer vielfach antithetisch-aphoristischen Fassung ist ebenso anfechtbar, wie manches andere in diesem Buche, z. B. der Stil, der, oft krampfhaft eigenwillig, sich keineswegs immer von Geschmacklosigkeiten frei hält. Oder wie eine gewisse Einseitigkeit, besser gesagt: Zweigliederung des Organismus der russischen Literatur in die beiden Exponenten Dostojewskij und Tolstoj, gegen die in diesem Buche mit einem bemerkenswerten Temperament Sturm gelaufen wird, die mit allen Mitteln des Witzes, Spottes und grimmiger Ironie zersetzt werden. Vieles ist dabei zweifellos gesund und richtig empfunden. Oft spürt man die bezwingende Lächerlichkeit geistiger Dekolletierung. Besonders über Tolstoj werden bittere, aber wohl unanfechtbare Wahrheiten gesagt, älnd es hat etwas Imponierendes, hinter den mit einer ergreifenden Vollständigkeit entthronten, östlichen Götzenbildern dke Figuren der vom Verfasser fast spielerisch ins Feld geführten Gegenkönige Balzac und Strindberg aufwachsen zu sehen. (Obwohl die Methode des Gegeneinanderausspielens in künstlerischen Dingen stets ihre gegründeten Bedenken haben wird.) Es ist viel Licht und viel Schatten in diesem Buche. Manches ist voll Schwung. Esprit, treffender Schlagkraft und überzeugendem Angriffsgeist. Aber ebensoviel auch, was man als abstoßend, konstruiert, stilistisch und sachlich nicht einleuchtend ablehnen wird. (Beispielshalber: wo bleibt Turgenjew?) Sehr interessant, wie fich zuletzt die Angriffsfront verbreitert, und Galahad das gesamte, heutige Rußland erbittert und schonungslos in seinen geistig-weltanschaulichen Fundamenten bloßstellt. — Im ganzen, wie gesagt, eine unterhaltsame und ganz unalltägliche Bekanntschaft. 81 Verschiedenes. Die Deutsche Buch-Gemeinschast in Berlin SW 61, Teltower Straße 29 will die herrlichen Schätze unseres Schrifttums, aber auch Perlen aus der Literatur anderer Völker den breitesten Schichten nach einem groß angelegten Plan barbringen. Die Bücher sind auf holzfreies Papier gedruckt, künstlerisch ausgestattet und in Halbleder gebunden. Um sich in den Besitz der Bände zu setzen, muß man Mitglied der Gemeinschaft werden, man ist jedoch keineswegs verpflichtet, alles zu erwerben, was der Verlag herausbringk. Das Reuartige dieser Orgamfation besteht in dem freien Auswahlsystem. Man kann aus den Publikationen der Deutschen Buch- Gemeinschaft das Zusagende wählen und vierteljährlich 1 2 oder 3 Bände beziehen, wobei mit dem Mitgliedsbeitrag der Preis für das Buch abgegolten ist. Die Auswahl selbst, nach besten literarischen Gesichtspunkten zusammengestellt, ist eine wirtliche Armee des Geistes, in der Ramen wie Scheffel, Flaubert, Loti, Dostojewski, Tolstoi, Lagerlöf, ferner Shaw, Wilde und Kugelgen vertreten sind. Aber auch Ramen tote Georg Gngel. Anzengruber, Ramen aus allen Jahrhunderten, viele Ramen auch aus der aller* neuesten Zeit, wie Eulenberg, Otto Flake. Darüber hinaus erscheinen vierteljährlich neue Bücher, nicht nur Romane und Dichtungen, sondern auch Bücher aus dem Bereiche der allgemeinen Bildung und des Wissens, ferner auch Iugendschriften. Als Mitglied der Deutschen Buch-Gemeinschaft erhält man auch ein Magazin „Das Zeitungs- buch", mit interessanten Rovellen und Beiträgen ausgezeichneter alter und neuer Autoren. Das Fesselnde und Lockende an der Deutschen Buch-Gemeinschaft ist die Besonderheit, daß man nicht gezwungen ist, ein bestimmtes Buch abzu- nehmen, ein Buch, das man zwar ganz nett finden kann, zudem man aber doch niemals den Drang haben würde, es zu besitzen, sondern daß man nur Bücher der eigenen freien Wahl erhält. — Liesbet Dill: Marie Antoinette. (Verlag Trowihsch u. Sohn Berlin.) In der Haitischen Universitätsbibliothek hat Lies- bet Dill einen seltenen Fund gemacht; Drei Bände eines geheimen Briefwechsels der Kaiserin Maria Theresia mit dem Grafen Mercy-Argen- teau, dem Wiener Botschafter am französischen Hofe. Diese Briefe, die sich nur um Marie Antoinette drehen, geben ein erschöpfendes Bild der jungen Kronprinzessin und späteren Königin, und zugleich ein ungeschminktes Bild der damaligen Epoche; sie sind ein Kulturdokument ersten Ranges unb werden ewig jung bleiben, weil das Problem, das sie enthalten, durch die Jahrhunderte von gleich starkem Interesse für alle reifen Menschen bleiben wird, denn sie enthalten die erschütternde Tragödie einer Mutter, deren unermüdliche Erziehungsversuche ab« prallen an dem unbeeinfluhbaren Temperament ihrer Tochter. Liesbet Dill, die als Kind der Grenze die französische Sprache ebenso beherrscht wie ihre Muttersprache, hat mit großem Geschick diese Korrespondenz eines Jahrzehnts zusammengezogen, überseht, auch teils wörtlich zitiert, und gibt uns damit ein Stück Welt« und Lebensgeschichte, das man nur mit größtem Interesse und tiefer Erschütterung lesen kann. Maria Theresia wird uns eine Gestalt von Fleisch und Blut, eine kraftvolle, recht königliche und bewunderungswürdige Frau; Friedrich der Große steht als dräuender Schatten, gehaßt und gefürchtet, hinter allen Intriguen. lieberlegungen und politischen Plänen der Fürstenhöfe, und der Gegensatz: deutsch und französisch ist derselbe unüberbrückbare, wesensbedingte, damals wie heute. Im zweiten Teil des Buches wird der berühmte Halsbandprozeh mit seinen Unbegreiflichkeiten und Ungeheuerlichkeiten auf gerollt, jener „Auftakt der Revolution", wie Mira- bau ihn nennt. Und der dritte Teil schildert Marie Antoinettes letzte Tage. Es ist nicht zu fassen, daß die Heldin des ersten und letzten Teiles ein und dieselbe Person sein soll, unb doch ist sie es, denn alles ist streng historisch geschildert, ohne persönliche Färbung, aber in meisterhafter Erfassung des Milieus, der Stimmung: Glanz und berauschende Pracht, tiefste Resignation, innige Menschlichkeit und stilles, großartiges Heldentuni ziehen in packenden Bildern an uns vorbei, bis wir ergriffen das Buch aus der Hand legen. Und man fühlt: die Vergangenheit ist nicht tot, sie wirkt sich von Geschlecht zu Geschlecht aus, lebt weiter in uns und wird nach und leben, und jeder einzelne ist ein Baustein in der großen Geschichte der Menschheit. (65) Eva von Massow. Paedagogische Schriften. — Doelitz, Otto: Der Charakter der höheren Schule. Verlag Quelle & Meyer in Leipzig. 1926. Das Schriftchen gibt einen Vortrag wieder, den der Verfasser auf dem 6. ordentlichen Verbandstag des Thüringer Phcko« logenverbandes im Oktober v. I. in Iena hielt. Wenn es auch einerseits als eine Erläuterung der Richtlinien zu den demnächst einzuführenden neuen preußischen Lehrplänen angesehen werden kann, so offenbart es auf der anderen Seite die ganze innere Stellungnahme eines hochverdienten Schulmannes zu allen den Schulproblemen, die hn Laufe der letzten Iahre auf Versammlungen und in der Literatur behandelt wurden, und an denen die höhere Lehrerschaft nicht achtlos Vor* übergehen darf. Die höhere Schule hat als letztes Ziel die Aufgabe, den deutschen Menschen heranzubilden, dec unter klarer Erkenntnis der Ausgaben der deutschen Kultur seinem Volke als Führer dient. Soll dieser Führer den inneren Zusammenhang mit seinem Volke nicht verlieren, sondern eS ganz verstehen; soll ihn die Schule auch mit den sittlichen Kräften ausrüsten, die ihm den Erfolg feiner Sendung sichern, so muß dieser Schule ein Bildungsideal vorleuchten, das allein durch diese letzten, großen Aufgaben der Ration bedingt ist. Hier hat der Streit um Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der verschiedenen Schularten zu schweigen; sie sind alle Wege zu einem Ziel, zum Ziele deutscher Rationalerziehung. Deshalb muß in den höheren Schulen aller Art dem deutschen Bildungsgut die zentrale Stellung gesichert werden, und zwar in der Weise, daß diejenigen Stoffe, die die allgemeine nationale Bildung ausmachen: Religion, Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Philosophie in den Mittelpunkt des Gesamtunterrichts gestellt werden. Diese starke Betonung des nationalen Bll« dungsgutes wird der höheren Schule auch ihren selbständigen Charakter, vor allem der llniversität gegenüber sichern, denn wer in der wissenschaftlichen Erfassung der Kräste deutscher Kultur feine höhere Bildung erlebt hat, hat eine gewisse abgeschlossene Bildung erlangt. Aber nur in der Zusammenarbeit aller unserer höheren Schultypen kann die Gesamtarbett der unserer höheren Schule gestellten Aufgaben erfüllt werden. Doch nicht Verwischung der Dildungsmerkmale der einzelnen Schularten, fonöem ihre schärfere Herausarbeitung muß gefordert werden. Die Rational- erziehung darf natürlich keine Verengung bedeuten im Sinne nationalistischer oder gar chauvinistischer Einstellung. Unserer Jugend muß vielmehr immer der Sinn offengehalten werden für die letzten Ziele der Erziehung des Menschengeschlechtes. Wenn Rationalerziehung zugleich echte Humanitätserziehung ist, so wissen wir, daß Menschheitskultur nur erwächst auf dem Boden der Volkskultur. Da nun für die meisten Schüler I die höhere Schule einen Abschluß bedeutet, so hat sie Sorge zu tragen, eine möglichst abgerundete, harmonische Bildung im Sinne wahrer Humanität zu vermitteln, die ganz auf dem Grunde deutscher Kultur beruht, und jeden einzelnen in bewußter Einordnung in Volk und Staat zum Staatsbürger zu erziehen, der in starkem Dolks« bewußtsein wurzelnd, mit Hingabe an der Gestaltung des Deutschlands der Zukunft mitarbeitet. Unter diesem Gesichtspunkt erhalten aüch die einzelnen Unterrichtsfächer ihre ganz besondere Bedeutung, sie sollen nicht nur reinem Wissen oder einseitiger Ausbildung dienen, sondern sollen an der Formung dec Gesamtpersönlichkeit entscheidend mitwirken. Roller. — WilliamStern, Dr. Universitätsprofessor: Probleme der Schüler auslese. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig 1926. Die kleine Abhandlung ist der Abdruck eines Vorttages, der anläßlich der „Schulpolitischen Woche" in Altona im Sommer vorigen Jahres gehalten wurde. Er führt uns in leichtverständlicher, anschaulicher Sprache in das ureigenste Forschungsgebiet des bekannten Verfassers. Anlagen sind nach Ansicht des letzteren nicht in erster Linie Rechte, sondern Pflichten. Jeder Mensch hat neben den allgemeinen Pflichten, die er kraft seines Menschentums besitzt, auch noch die besondere Berufung, die aus seiner speziellen Veranlagung hervorgeht. Darum haben außergewöhnliche Begabungen auch außergewöhnliche Verpflichtungen. Der Verpflichtung des einzelnen, feine Gaben in möglichst wertvoller Weise zugleich sozial zu entfalten, steht nun aber auch die Verpflichtung der Allgemeinheit, des Staates, des Volkes gegenüber, die Begabungen zu pflegen und zu hüten. Ihnen muß nicht nur freie Dahn gegeben werden, sondern darüber hinaus müssen sie positiv gefördert werden. Es müssen also Einrichtungen des Aufstieges und solche der Auslese geschaffen werden. Von diesen beiden Gruppen ist die erste einigermaßen and gearbeitet, besteht doch die Möglichkeit, des lieber« gangs aus der gemeinfamen Grundschule in sehr verschiedene Zweige und Bahnen des Schulwesens. Doch bleibt diese ganze Organisation so lange unzureichend, als nicht der andere Gesichtspunkt, daß nun auch wirklich die rechten Kinder gefunden werden, zur Durchführung gelangt ist; und damit stehen wir vor dem eigentlichen Problem der Auslese. Diese muß nach Ansicht des Verfassers in gewissem Sinne schon im vierten Grundschuljahr beginnen, durch die Einführung von Sonderkursen. Aber auch später noch muß die Auslese ermöglicht werden, sie muß gleichsam elastisch sein und darf sich nicht auf ein bestimmtes Lebensjahr festlegen. Zur Auslese dürfen überall nur diejenigen Schüler zugelassen werden, deren Eltern es wünschen, dagegen sollen nach Ansicht des Vers, diejenigen Kinder, auch gegen den Willen der Eltern, von der Auslese zuruckgewie- fen werden, die dafür nicht geeignet sind. Die Durchführung der Auslese erfordert ein Zusammenarbeiten der Do Iks sch u Hehrer schäft und der Philologenschaft mit einer dritten Instanz, der Psychologie, derjenigen Wissenschaft, die sich die Begabungsforschung und Begabungsdiagnose zur Aufgabe gestellt hat. Den maßvollen Vorschlägen des Verfassers, denen wir im Interesse der Wichtigkeit des ganzen Problems eine recht weite Verbreitung in Lehrer- freifen wünschen möchten, kamt man Im großen ganzen zustimmen. (Roller.) Wupeifu. Don unserem F. M. >Vi.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I) Schanghai, Februar 1926. Kleber Marschall Wupeifu, nach Sun- h a t s e n, dem Vater der chinesischen Republik, wohl den bekanntesten aller 3ungchinesen, ist in Der Presse aller Länder schon viel geschrieben worden. Der letzte Artikel, der seine Biographie enthielt und den ich zu lesen bekam, begann mit den Worten: „Wupeifu, den ich gut kenne, dessen Gast ich dreimal war..." Dieser Artikel war in der Zeit erschienen, als Marschall Wu kraft seiner militärischen Lleberlegenheit die Geschicke des großen chinesischen Reiches entscheidend beeinflußte. Später,, als er, ein Geächteter, ein besiegter General, mit einer Prämie auf seinen Kopf, von Provinz zu Provinz fluchtete, rühmte sich niemand seiner Bekanntschaft, Hnb doch war es gerade dann, „rebus in adversis", daß man seinen wirklichen Wert erkennen konnte. Glück ist verdienter Zufall. Es war nur ein Zufall, der ihm vor etwa 20 Jahren auf der Kriegsschule Fengyuehsiang zum Kameraden und den damaligen Oberst Tsaokun zum Lehrer gab. 3n 20 Jahre längem harten und unerfreulichen Frontdienst hat Wupeifu es sich verdient, daß dieser Zufall, wenigstens teilweise, sein Glück wurde. Er hat für seinen ehemaligen Lehrer, der sich später mehr für politische Geschäfte interessierte, die militärischen Ausgaben erledigt, und so die Voraussetzungen geschaffen, die Tsaokuns Erwählung zum Präsidenten überhaupt in den Bereich des Möglichen brachte. Das war. nachdem Wupeifu 1920 die Anfu- Partei und 1922 Marschall Tschangsolin an der großen Mauer bei Shanhaikwan geschlagen hatte. Aber das chinesische Volk hat ein sehr gesundes Urteil über den Wert der Persönlichkeit. Cs liebt keine Führer, Präsidenten oder Kaiser, die immer andere mit dem Vollbringen der Heldentaten beauftragen. So standen, trotz aller, oder vielleicht gerade infolge aller Erfolge Wupeifus der Ernennung Tsaokuns zum Präsidenten allerhand Schwierigkeiten entgegen, die sich erst mit Hilfe von vielen Millionen englisch-amerikanischen Kapitals überwinden lassen. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, daß damals das ganze chinesische Kabinett bestochen worden ist. Niemand sagt, daß auch Wupeifu seinen Anteil abbekommen habe, obwohl er vielleicht es am wenigsten verdient hätte. Aber daß er es geduldet, ja, überhaupt ermöglicht hat, mußte er oft als Vorwurf hören, als sich das Regiment Tsaokuns als ein großes Fiasko erwies. Wupeifu hatte seit langen Jahren die erste brauchbare chinesische Armee auf modernen Grundlagen geschaffen. Das war sein Verdienst. Er hat diese Armee benutzt, einem korrupten Politiker zur Macht zu verhelfen. Das war ein Versager. Er hat sich dann benutzen lassen, die ehrgeizigen, wahnsinnigen Pläne des Präsidenten durchzuführen, welche auf eine Llnterwerfung ganz Chinas unter gleichzeitiger Brüskierung der Mächte herausliefen, ohne aber auch nur die geringste Gewähr für geordnete Verwaltung der eroberten Gebiete geben zu können. Das war ein Fehler. Aber schließlich hat Wu, als er all dies erkannt hatte, nicht den Mut gefunden, seinen Fehler einzugestehen. Das war ein Verbrechen. Man kann über Tschangtsvlin denken, wie man will: Daß er auf verwaltungstechnischem Gebiete für die drei mandschurischen Pro- vinzer Hervorragendes geleistet hat, steht außer Frcge. Nur ein Querkopf, dem an dem politi- > schen Prinzip der Einheit Chinas mehr gelegen war als an dem Wohl der einzelnen Provinzen, y konnte sich die Aufgabe stellen, China der Fähigkeiten eines Tschang zu berauben. Das war aber • Wupeifus Ziel, als er im Frühjahr 1924 seinen großen Angriff gegen die Mukden-Partei begann. Hnö man kann über Fengyuehsiang auch denken, wie man will: Als er aber durch feinen Verrat im letzten Sommer seinen ehemaligen Kameraden Wu in die Verbannung schickte, und China, wenn auch nur für kurze Zeit, die Per- ^sönlichkeit Tschangtsolins erhielt, war er zumindest das Werkzeug in der Hand einer Vorsehung, die es mit China nicht ganz schlecht meinen kann. Denn China hat viele Wus, aber nur wenige Tschangs. 3m Unglück hat Wupeifu gezeigt, daß er ein gerader Charakter ist. Wie es so in der Welt ist: Ein alter Fuchs, wie Tuanchiyue, dessen einzige Siege eigentlich das Vermeiden von Niederlagen sind, hatte die Macht, auf den Kopf eines ehrlichen Haudegen wie Wu eine Prämie auszusetzen. Damals ist Wupeifu nicht in eine internationale Niederlassung geflohen, um sich in allen Hauptstädten mit Festessen traktieren zu lassen. 3n den ungastlichsten Provinzen Chinas hat er auf die Treue seiner Mannen vertraut. Und das alte China Je6t noch, wenn es auch in Shanghai und Peking manchmal anders scheint. Das neue Dom- und Diözesan- museum in Mainz. Von Leo Sternberg. 3ch engekoube niemerme daz funne von Mykene ge Ganzlichiu schoene tagete nie ze Kriechenlant, die taget hie. Nicht Kellerluft eines Museums empfängt uns, Geschichte schlagt ihre Tore auf. Räume, wo Reichsversammlungen stattfanden, und der Primas von Deutschland zur Rechten und zur Linken Kronen austeilte, beherbergen die künstlerischen Zeugnisse kurfürstlichen Glanzes an der Stätte ihrer Entstehung. Der Dvmkreuzgang mit dem Jüngsten Gericht des großen Naumburger Meisters Dom Ende des 13. Jahrhunderts bildete den Auftakt. Durch ihn betritt man die hochorange glühende Kapitelshalle, deren Schmalseiten ganz von den sechs in Rodinscher Großartigkeit gehaltenen Aposteln eines Weltgerichts aus dem Jahre 1270 und der michelangelesken Figur des Baumeisters vom Ostlettner beherrscht werden, während an den Breitseiten die stolze Madonna aus der Fuststraße, die königliche Dornenkrönung vom 3ahre 1310, das berühmte Chorgestühl Daniel Brendels, ein spätgotischer Oelberg aus St. 3gnah und vorromanische Steinreliefs sich den Rang streitig machen. Die sich anschließende lichtblaue Kapitelstube beherbergt die aus den Mainzer Wirkereier» seit dem 15. Jahrhundert hervorgegangenen Bildteppiche des Doms, deren unvergänglich? Farben noch heute in allen Schattierungen leuchten. Unter ihnen fesseln immer wieder die beiden architektonisch und rhythmisch überlegen gestal- Natürlich hat Wupeifrr auch ein außenpolitisches Programm. Das braucht man ja hierzulande wie eine Visitenkarte. Wu sagt, er sei antijapanisch. Er sagt... aber das mag wohl daran liegen, daß 3apan ihm nicht so recht vertraut, und die großen Angebote immer anderen hat zukommen lassen. Man verstehe mich recht, Angebote, die China einen Vorteil bieten. Denn persönliche Vorteile haben noch nie Wupeifus Entschlüsse beeinflußt. Aber daß er nur aus Prinzip durchaus und immer antijapanische Politik triebe und treiben wird, erscheint reichlich unwahrscheinlich. Dazu ist Wu erstens ein viel zu opportunistischer Chinese... er ist doch letzten Endes nicht antijapanisch, sondern Prochine- fisch... und dann dürften doch selbst seinem beschränkten politischen Verständnis mittlerweile so einige Zweifel an der englisch-amerikanischen reinen Freundschaft für China aufgestohen sein. Wir werden wohl Wupeifrr kaum jemals als Bundesgenossen des 3apanfchützlings Tschangtso- lin sehen, inzwischen hat der Draht die Nachricht gebracht, daß dies doch geschehen ist. Die Einigung zwischen Wu und Tschang ist aber wohl auf eine Verständigung der beiderseitigen Hintermänner England und 3apan zurückzu- führen, die angesichts der südchinesischen Boykott- bctoegung zu einer Uebereinkunft gelangten. Die Red.) Aber von dem Antiimperialisten Feng, der nicht nur gegen 3apan. sondern gegen alles ist, was heute auf chinesischem Boden nichtchinesische Politik treibt, trennen ihn keine Schranken. Das ist der Politiker und der Heerführer Wupeifu. Es gibt noch zwei andere Wus: den Organisator und den P r i v a t m e n s ch e n. Uebergehen wir den ersten, der als Führer der Tschili-Partei deren geradezu sprichwörtliche Unfähigkeit in der Verwaltung auch auf sich beziehen muß. Tschangtsolin hat Städte geschaffen und Magazine angelegt. Wupeifu suchte seinen jetzigen Feldzug zu finanzieren, indem er in der Provinz Honan für drei Millionen Dollar Papiergeld zwangsweise auflegen wollte. Er mußte erkennen, daß ein krummer Weg nicht gerade wird, wenn ihn auch ein gerader Mensch betritt. Bleibt noch der Privatmensch zu betrachten. Der eingangs erwähnte Artikel weih viel Gutes von ihm zu berichten, schildert Wupeifu als neuen Typ Ostasiens in seiner Offenheit, Vertrauensseligkeit, Lebenslust. 3ch habe Wupeifu nur einmal, bei einem offiziellen Empfang gesehen. Er ißt gern, trinkt gern und redet gern. Wo ist da der neue Typ? Die persönliche Feindschaft zwischen ihm und dem christlichen General soll daher stammen, daß ihm Feng einmal zum Geburtstag eine Weinflasche mit Wasser zum Geschenk machte. Denn Fengyuehsiang ist Temperenzler. Das ist der neue Ty Ostasiens, der Temperenzler mit der Weltverbrüderungsidee. Der Mäßig- keitsvereinler mit dem Weltbeglückungswahn. Den alten Chinesen genügte es, die kleine Welt ihrer großen Heimat zu beglücken. Die. alten Chinesen trinken auch gern einen guten, lauen Reiswein. Sie kennen und lieben die Sprüche und Lieder der Philosophen und Dichter, die auch alle gern einen guten Tropfen tränten. Solch ein „alter Chinese" ist Wupeifu. Was brauchen wir denn einen neuen Typ? Er ist so schon recht sympathisch in der Menge der zweifelhaften Größen Chinas. Turnen, Sport und Spiel. Atemgymnastik und Fußballspieler. Von Sportlehrer Schneider, Gießen. Es wird im allgemeinen übel auf genommen, wenn man eine Körperübung einer vernünftigen Kritik unterzieht, denn jede hat ihre begeisterten Anhänger, die sie energisch verteidigen, ohne einzuräumen, daß sie irgendeinem Vorwurf unterliegen können. Richtig ist, daß alle Leibesübungen das Verdienst haben, im Organismus eine Reihe von allgemeinen Wirkungen hervor- zurufen, die geeignet sind, die Gesundheit und die Körperkraft des Menschen zu heben u'nd zu Steigern. Hieraus ergibt sich mit Notwendigkeit die Folgerung, daß keineswegs alle gymnastische Hebungen in allen Fällen und für alle Personen empfehlenswert sind. Man hat hier nach dem Resultat, das man erzielen will, eine Anzahl unter den verschiedenen Formen der Gymnastik zu treffen, und es gibt keine einzige Hebung, die unbedingt beanspruchen könnK, besser als alle anderen zu sein. Diejenige Hebung ist die beste, welche die günstigsten Erfolge in bezug auf das erstrebte Ergebnis gewährleistet. Dies ist beim Fußballspieler im Vortraining in erster Linie die Atemgymnastik, in zweiter Linie sind es bestimmte Freiübungen, die den durch das Fußballspielen vernachlässigten Oberkörper gleichziehen sollen. Warum gehört als Vortraining zum Fußballspielen eine gesunde Atemübung? Man kann die Symptome, die ein Fuballspieler darbietet, der unter dem Einfluß einer , angestrengten Hebung steht, in zwei Perioden einteilen: Dre erste Periode ist das Außer-Atem-Kommen, die zweite das Ermüden der am meisten angestrengten Körperteile oder Muskeln. Die schlimmste Periode, die auch während des Spielens am meisten auf tritt, ist die erstere, das 2lußer- Atem-Kommen, wohingegen eine Ermüdung des Körpers oder speziell der Beinmuskulatur meistens erst nach dem Spiele eintritt. Wodurch entsteht nun das Außer-Atem- Kommen oder welche Wirkungen hat die Atem- g'nmnastik dagegen? Die Hauptursache des AiEer- Atem-Kommens während des Spieles ist die übermäßige Erzeugung von Kohlensäure, welche durch die körperliche Anstrengung vergrößert wird. Die Kohlensäure ist für unseren Körper ein Gift, dessen Anhäufung im Lebenshaushalt nach einigen Minuten den Tod herbeiführen würde. Sie bildet sich unaufhörlich im Organismus während der ganzen Zeit, innerhalb deren die Wärme erzeugt wird, und wenn der Organismus unter gewöhnlichen Verhältnissen davon feinen üblen Einfluß merkt, ist dies dem Hmstande zu verdanken, daß er die Kohlensäure unausgesetzt durch die Lunge ausscheidet. Bei natürlicher Arbeit des Körpers erzeugt der Organismus nur soviel Kohlensäure, als bei natürlicher Atmung deö Menschen durch die Lunge ausgeschieden werden kann. Bringt der Organismus dagegen weniger Kohlensäure hervor als im natürlichen Zustande, so nimmt das Bedürfnis. Atem zu holen, ab. Ein Beispiel dafür ist der schlafende Mensch, er erzeugt weniger Kohlensäure als ein Wachender, und seine Atemzüge sind hierbei ruhiger und weniger zahlreich. Man hat beim Menschen für eine gegebene Zeit durch die Atmung erhalten: 0,35 Gramm Kohlensäure beim Schlaf, 0,60 Gramm Kohlensäure während des Wachens und Sitzens und 1,65 Gramm Kohlensäure während des Laufens. Die Anwesenheit der Kohlensäure im Heberfluß führt also zur Empfindung der Atemnot. Diese oder die Vermehrung des Bedürfnisses, Atem zu holen, führt eine Steigerung der Atmungstätigkeit mit sich. Während längerer oder kürzerer Zeit, je der nach der Fähigkeit und Geschicklichkeit des Menschen, Atem zu holen, wiegt die zunehmende Tätigkeit her Lunge den Heberschuh der Kohlensäureproduktion auf und das Hnbehagen bleibt erträglich. Wenn aber die Arbeit sich steigert, überholt schließlich die Kohlensäureerzeugung das Ausscheidungs- Vermögen der Organe; die Lungenzellen genügen nicht mehr, um alle Kohlensäure, die das Blut ihnen zuführt, abzusetzen, und dieses Gas sammelt sich an. Wenn in diesem Augenblick die Arbeit aufhört, so fällt die Gaserzeugung auf den normalen Zustand zurück, das überflüssige Gas wird ausgeschieden, das Hnwohlsein und die Atemnot hört auf. Wenn dagegen die anstrengende Hebung fortgesetzt wird, erreicht die Ansammlung von Kohlensäure schließlich eine hohe Dosis und tänn schwere Unfälle, ja sogar den Tod durch Ersticken herbeiführen. Da die Ausscheidung der Kohlensäure beim anstrengenden Fußballspiel durch die Lungenzellen erfolgt, so wird derjenige Spieler nicht so leicht an der Entfaltung seines Könnens durch die Atemnot gehindert, der sich durch Atemgymnastik eine kräftige und ausgedehnte Lunge verschafft. Hm dies zu erreichen, sind zwei Methoden empfehlenswert: 1. Gymnastische Hebungen, um den Brustkorb und die Rippen- möglichst auszu- weiten, um der Lunge ein größeres Ausdehnungsvermögen zu geben; 2. Atemübungen, um die Lunge selbst zu stärken. Zu 1 trägt eine mäßige Bewegung der Arme nach hinten, Kreisen der Arme seitwärts, Strecken nach vorwärts, Heben nach aufwärts, sowie der Hang mit gestreckten Armen dazu bei, die Rippen möglichst auszuweiten, den Gelenken der Rippenteile eine Beweglichkeit zu geben, die große Atmungsbewegung ermöglicht und sich dem Fest- bletben des Brustkorbes beim Ausatmen widersetzt. Zu 2: Brust-. Bauch- und Vollatmung. Bei der natürlichen Atmung des Menschen wird nur ein Teil der Lungenbläschen in Tätigkeit gesetzt, was zur Folge hat, daß diese Bläschen oder Zellen sich stark entwickeln, die nicht in Anspruch genommenen Bläschen nein bleiben und Reserveoläschen darstellen. Wird nun an die Lunge eine größere Anforderung von Tätigkeit gestellt, tote es im Fußballspielen oft der Fall ist, so treten die Reservebläschrn auch in Tätigkeit, sind aber durch ihre natürliche Beengtheit nicht in der Sage, den Anforderungen teten gotischen Rückladen das Auge, auf deren einer die Hoffnungsvolle auszieht, jubelnd „der Welt Ehre liebt mich seh re", obwohl die Dlu- mengetfter warnen „Sie ist fallz", und auf deren anderer an die Zurückkehrende, die erfahren hat „der Welt List sind mir unmehre", das Mahnwort der Dlumengeister ergeht: „Such got" I Wie in eine Kapelle tritt man unter die erlesenen Kunstwerte der Kapitelkammer. Noch gariz in dem alten Gold und den ursprünglichen Farben von 1485 leuchtet ein Schrein der heiligen Anna selbdritt mit feinen zarten blonden Hausbuchrnei sterengeln auf. Die heilige Katharina von Ilbenstadt tritt mit der schmalbrüstigen Grazie ihrer vergeistigten Körperlichkeit verträumt aus der Ecke. Die überaus weiche Madonna mit der Traube und die scharfgeschnittenen Köpfe der Heiligen Martinus und Donisazius hüllen sich in die intime Atmosphäre mittelrheinischer Herzensnähe. Auch der Schmerzensmann aus Alsheim, der an die Art des Hans Backofen gemahnt, und die Pietä von Appenheim, eines der ältesten Vesperbilder, gehören in diesen Kreis. Eine Vitrine aber bewahrt eine Anzahl von Köpfen, die beweisen, daß die vollendete Schöpfung über allen Zeiten steht und mit feurigen Zungen zu jeder Gegenwart redet. Es bleibt ein Rätsel, mit welchen Mitteln der Meißel zugleich das Siegel des Genies auf die mit ra» vennatisch stilisierter Krone geschmückte Stirn des Erzbischofs Gerhard v. Eppstein und die lächelnde Weltverachtung dämonischer Weltlust in die Grübchenwangen prägen konnte. Ebenso undurchdringlich und deshalb vielleicht demselben Meister zuzuschreiben: der lockenumrahmte Kopf, in dessen Gesichtszügen edele Zusammengerafftheit, Brutalität und Grausamkeit ineinander spielen. Einer problematischen Natur, die aus der Polarität der Erscheinungen Honig zu saugen gelernt hat, verdankt auch die zwiespältige Einheitlichkeit der lachenden Teuselsmaske ihre elementare Frische. Der Jünglingskops des Ostlettners von 1250 jedoch, dem die tiefumschatteten Augen wie die wunde Bewegung um Sippen und Stirn den Ausdruck unmittelbaren Lebens verleihen, verkörpert so duftig das leidvolle Spiel der inneren Kräfte, daß uns der sko- pasische Kunstgeist des 4. Jahrhunderts v. Ehr. anzuwehen scheint. Noch ist die wählerische Sammlung, die nicht durch Mittelmäßigkeit ermüdet, nicht allzu umfangreich. Nur Bestem ist eine Stelle eingeräumt. Aber, wenn nicht alles trügt, ist mit diesem vortrefflichen Grundstock die erste Bauhütte errichtet zur Pflege und Erforschung mittelrheinischer Kunst. Und darin läge seine vornehmste Bedeutung. Ganzlichiu schoene tagete nie ze Kriechenlant, die taget hie. Ein Denkmal für einen Hund. In der Stadt Nome in Alaska ist kürzlich ein Denkmal für einen Hund errichtet worden, bei dessen Enthüllung der gefeierte Hund „Balw" und sein Besitzer, der Eskimoführer Gunnar Kasson, zugegen sein konnten, lieber die Vorgeschichte zu dieser Ehrung lesen wir in der Zeltschrist „Jagd und Hundewelt": Jrn vorigen Jahre brach in Nome eine Diphlheritis-Epidernie aus, die rapid um sich griff, weil jedes Serum, aber auch die genügend große Menge Desinfektionsmittel fehlte. Da die Stadt bald in die Gefahr des Aussterbens geriet, sandte man trotz der herrschenden Polarnacht und der grimmigen Kälte verschiedene Schlitteiiexpeditionen aus, welche die fehlenden Arzneimittel herbeischaffen sollten. Der harte Winter und hoher Schnee ließen aber sogar gerecht zu werben, wenigstens nicht fo, als die täglich in Gebrauch genommenen Zellen es vermögen. Dieser Hmstand zwingt uns, durch Atemübungen die Leistungsfähigkeit der Reservebläschen zu steigern, und dies erreichen wir durch die Brust-, Bauch- und Dollatmung. Bei der Drustatmung soll die Luft nur in die Brust ein- und ausgeatmet werden. Die Dauchatmung führt man am besten in der Rückenlage aus. Hierbei muh die Brust völlig ruhen und das Zwergfell den Leib herausdrücken. Bei der Vollatmung füllt sich der untere Teil der Lungen, sodann die Brust. Bei all diesen Atemübungen soll soviel frische Luft wie irgend möglich in die Lunge eingeführt werden. Ebenso empfiehlt es sich, vor und nach diesen Hebungen alle in der Lunge befindliche Lust .auszustoßen, um die Gewähr zu haben, daß sich nun alle Bläschen wieder mit frischer Luft füllen können. Vorbedingung zu diesen Hebungen ist unbedingt der Aufenthalt in der frischen Luft. Sehr wohltuend wirken diese Hebungen für gesunde und kranke Menschen während des Aufenthaltes in Fichten- oder Tannenwald. V. s. B. (-) 3n Ergänzung des Montagberichts sei noch mitgeteilt, daß das in der Vorschau erwähnte Spiel der dritten Mannschaft gegen die erste des Sportvereins Nieder- Weise l "doch am Sonntag ausgetragen worden ist. Die eifrige Dritte konnte auch dieses Tressen zu einem respektablen Erfolg gestalten, indem sie die spielstarken Gäste mit einer 4:1 Niederlage nach Hause schickte. Nieder-Weisel stellte eine körperlich kräftige Mannschaft, die die fehlende Technik durch Eifer aufzuwiegrn versuchte. Bemerkenswert ist, daß sie die vorjährige Verbandsspielserie in der S-Klasse ungeschlagen! durchspielen konnte, während sie durch einen Irrtum für die diesjährigen Verbandsspielc weder vom Süd- noch vom Westdeutschen Verband verpflichtet wurde. Die V. f. D.-Mannschaft war in allen Teilen gut besetzt und hat den Sieg vollauf verdient. Das Spiel der zweiten Mannschaft wurde von Friedberg abgesagt. Oderhessen. Landkreis Gießen. X Klein-Linden, 23. Febr. Am Sonntagabend fand in der hiesigen Kirche ein Licht- bildervortrag unter Leitung von Pfarrer Ackermann statt. Den sehr zahlreich erschienenen Gemeindegliedern wurde in mehr als 45 Bildern „Jerusalem und das Heilige Land" vor Augen geführt. Gemeinsame Gesänge geistlicher Lieder verschönten die Darbietungen. * Lollar, 23. Febr. Am Samstag trat der hiesige Seeverein (ehern. Flottenverein) nach langer Zeit mit einem Lichtbildervortrag wieder in die Oeffentlichkeit. Heber „die Fahrten der Möve" während des Weltkrieges sprach in fesselnder Weise Eisenbahnobersekretär G o e r k e aus Offenbach, der ehemals als Offizier die „Husarenritte" dieses Schiffes mitgemacht hatte. Reicher Beifall wurde ihm zuteil. Major a. D. Volkmar, der Schatzmeister des Landesverbandes. legte die Ziele des Seevereins dar. :—: Beuern, 23. Febr. Aus Einladung des hiesigen D o lks b i ldun gs v e re i n s sprach am Sonntag abend im Saale des Christoph Wagner Professor Dr. Helmke von Gießen über „Die Römer in der Wetterau". Der Redner schilderte in leicht verständlichen Worten die Ansiedelungen der Römer im Süden und Westen unseres Vaterlandes vom 3ahrhundert vor bis ins dritte 3ahrhundert nach Christi Geburt. Reicher Beifall und der Dank des Vereinsvor- sitzenden loh'.cken die vortrefflichen Ausführungen. — Die Zahl Dor Erwerbslosen hat in dieser Woche 70 überschritten. Von diesen erhalten gegenwärtig 59 die ihnen gesetzlich zu- stehende^ Arbeitslosenunterstützung. s. A l b a ch. 23. Febr. Begünstigt vom schönsten Frühlingswetter unternahm der Lahn- Höhenbund am Sonntag eine Dundesfahrt nach Albach. um die hiesige Ortsgruppe zu besuchen. Die Veranstaltung im Saale der „Stadt Lich" nahm bei guten Reden, Instrumental- und Gesangsvorträgen einen allseits befriedigenden Verlauf. is. Steinbach, 23. Febr. Auch für unsere Gemeinde besteht jetzt Aussicht, ein direktes Verkehrsmittel mit Gießen zu bekommen. Eine Firma aus Bremen beabsichtigt, einen Autoverkehr zwischen Gießen, Annerod, Steinbach, Albach, Burkhardsfelden, Hattenrod, bis Grünberg zu betreiben. Der Betrieb soll ohne jede Derbiirdlichkeiten der betr. Gemeinden auf Kosten der Firma eingerichtet werden. Ob dies auf die Dauer möglich fein wird, bleibt abzuwarten, feine gestern abend auf dem hiesigen Rathaus abgehaltene Dürgerversammlung die geschulten Polarhunde scheitern, die ausgesandten Schlitten erreichten nicht einmal die Bestimmungs- ' orte und kamen unverrichteter Dinge fbicber zurück. Nur ein einziger Schlitten konnte den Hin- und Rückweg bezwingen und die sehnlichst erwartete Medizin bringen. Aber auch dieser Schlitten wäre unterwegs verkommen, wenn nicht der Führerhund „Balto" die Meute der Zughunde in einem fast menschlichen Berantwortlichkeitsgefühl immer und immer wieder angefeuert hätte zu neuer Kraftanstrengung. Dem Hüngertode nahe und mit erfrorenen Gliedern kamen die Hunde endlich und nach ungeheuren Strapazen am Ziele an, um mit den mitgebrachten Arzneien die Stadt vom Untergang zu retten. Bemerkenswert ist schließlich, daß Balto den großen Medikamentenschlitten auf der Rückreise ungefähr 50 Kilometer weit durch Nacht und Eis selbständig zurückführte, da der leitende Eskimo durch eine Schneelawine verschüttet worden war. EinvorgeschichtlichesKulturvolk in Südafrika? Das Museum des Staates Rhodesien (Südafrika) ist zur Zeit mit der Erforschung ausgedehnter Ruinenfelder im Zimbabwedistrikt (Südafrika) beschäftigt. Auf einem langgestreckten Landstrich an der Südgrenze von Portugiesisch-Ostafrika, der bei 60 englischen Meilen Länge etwa 40 Meilen breit ist, finden sich die Ueberreste von steinernen Häusern, von Aquädukten und anderen Bauwerken. Besonderes Interesse erregen in ausgedehntem Maße in Terrassen gelegte Berghänge: diese Terrassen werden durch steinerne Mauern gestützt. Es handelt sich hier offenbar um die Ueberreste eines alten Bewässerungslandes, welches von einem auf hoher Kulturstufe stehenden Volk etwa vor acht bis zehn Jahrtausenden angelegt sein muß. ftjgw fit -ßprfcpQu ^schäft go wieder- "XÄ wrden 5 Treffen Ä„Ä wKeder- ÄV!tltc olt. Oie die \tv-. Vvriahrige f unMagm Ne durch einen ^Ä*elc chdeutschen 3er« •J; ^'Mannschaft ’M und IM den 1 Mannschaft t>l. 'SK JfrfÄ r?K rZZ > in d°E ehlt Mn Wot tm bie wfiä e, Übungen für $ienb des Aus- icntDQlb. ' ilL ^en. ■t*r. Am Sonntag» rchr ein Licht- ng von Pfarrer ihlreich erfchiene- n mehr als 45 eilige Land" vor efänge geistlicher Angen. Samstag trat der lottenberein) nach dewortrag wieder „die Fahrten der ges sprach in ses° sekretär Voerle als Offizier die mitgmacht hatte. itciL Major a.V. ■ des Landesver- eeocreins bar. luf ßinlabung des eretnS sprach Christoph Dag« ron Tiehen ndrr u", Der Redner tzen Dorten die Silben und Westen hchunderi vor bis ) Christi Geburt. [ des Dereinsvor« hen Ausführungen, bslosen bat in i. Don diesen er« hnen gesetzlich zu- ang. ... mnstigt vom schon« hm der Lahn' eine Dundesfahü )rtsgruppe ju JJJ Saale der ..Stadt Instrumental' its befriedigenden t. Auch * bi, ein direktes iehen zu bekom nbeabW'5 ffliefien, Annerod, Melden. H-Nenrvd, ^-t-Lkob «.ff WZ SW Ss-i 'iekrfdrhund intmet und er Kraftan- ^>.2 erfrorenen irfttad) >ch " M den nut' , um w" g zu vom unterv 5en zl'ch. rKs ssBturv-l« * /-Msrikßs ^Db^ie"au69e6eI,tr EfrtfSf Oitofr* fli«n brcii ist' jO Wie" Ajufeni, i,einerneu ^«cson' ] -ZaUlve^aße >n '^SnE t'N^ k hoher . •*3 Var btt Ansicht, haft man bad Angebot nicht zurückweifen sollte. Es wurden deshalb Unterschriften zur Erlangung der Konzession von fast allen Anwesenden abgegeben, jedenfalls wäre es zu begrüßen, wenn die Lache zustande käme. •!• Stockhausen, 23. Febr. Dem Vernehmen nach soll der Betrieb auf der hiesigen Eisen st ein Wäsche Mitte dieser Woche wieder ausgenommen werden. Damit erhalt mancher Arbeitslose wieder Arbeit und Verdienst. Hoffentlich folgen die anderen Vergwerks- betriebe in unserer Gegend bald nach. Hreis Friedberg. gb. Butzbach, 23. Febr. Infolge eines Schlaganfalls entschlief gestern der langjährige ersie Geistliche unserer evangelischen Gemeinde, Pfarrer Loos. Ein allseits hochgeachteter und beliebter Seelsorger hat unsere hiesige Gemeinde plötzlich verlassen. Seit 1888 hier tätig, war er mit der Gemeinde verwachsen und hatte nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern auch für städtische und sonstige Angelegenheiten stets ein lebhaftes Interesse. So rief er den Evangelischen Arbeiterverein und den Evangelischen Kirchenchor ins Leben und half tätig und eifrig mit bei der Gründung des Gemeinnützigen Bauvereins. Sein Andenken wird in der evangelischen Gemeinde hochgehalten werden. — Der für den 18. März angesetzte Jubiläums-Faselmarkt kann infolge weiterer Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in den benachbarten Orten an diesem Tage nicht abgehalten werden. Die Faselmarkt-Gesellschast hat deshalb in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, den Markt und die damit verbundene Verlosung auf den 2 9. April zu verlegen. Die mit dem Faselmarkt verbundene Bullenauktion des Landwirtschaftskammerausschusses der Provinz Oberhessen wird voraussichtlich gleichfalls auf diesen Tag verlegt werden. C Bieder-- Flor st ad t, 23. Febr. Die Vorträge von Dr. Sell über die ^Tuberkulose als allgemeine Doliskrankheit" waren nachmittags und abends sehr stark besucht und wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Heber 100 Lichtbilder unterstützten sehr gut das Wort, zeigten die Gröhe der Gefahr und liehen bei den Zuhörern den Willen aufkommen, gegen diese Krankheit anzukämpfen. Kreis Schotten. □ Laubach. 22. Febr. Gestern fand hier im Gasthof „Zur Traube" eine zahlreich besuchte Versammlung statt zwecks Gründung eines Horloff-Wettertal - Sängerbundes. Es traten bei die Gesangverein» der Stadt Laubach („Eintracht" und „Harmonie"), der Stadt Hungen, der Dörfer Wctterfeld, Röthges, Gonterskirchen, Ruppertsburg, Villingen, Langd. Steinheim. Der Beitritt anderer Gesangvereine ist noch in sicherer Aussicht. Zum Bundesdirigenten wurde Rektor Schaad in Hungen, zum 1. Präsidenten Lehrer M o ? t e r in Gonterskirchen gewählt. — Auf der Holzversteigerung der gräflichen Försterbezirke Oberseen und Frcienseen, die vorgestern im „Solmser Hof" dahier stattfand, waren die Preise etwas höher, als auf der ersten Versteigerung, aber immer noch niedriger, als bei denen der Ilmgegend. Es kosteten pro Raummetern Buchenscheiter 12 bis 15 Mark. Buchen- knüppel 8 bis 10 Mark. BuchenstöckL 5 bis 7 Mark und teilweise, darüber: Vuchenreiferknüppel 4 bis 6 Mark. — Gestern abend hielt Oberstleutnant v. Hagen im ..Schühenhof" einen Vortrag über die Masurenschlacht vom Februar 1915. Der Vortrag war vom hiesigen Kriegerverein angeregt worden. Für das E h r e n d e n k m a l des Weltkriegs fand eine Tellersammlung statt, die ein gutes Ergebnis batte. „?“ Eichelsdorf. 23. Febr. Mit Beginn des neuen Schuljahrs wird zum erstenmal ein im allgemeinen äußerst starker Jahrgang in die Volksschule ausgenommen. Die Lücken, die die Kriegsjahre in die Schulbänke gerissen, werden allmählich von unten auf wieder verstopft werden. Hier werden nicht weniger als 26 SchulrÄlruten ausgenommen, eine Zahl, wie sie in der Vorkriegszeit nur selten erreicht wurde. Das starke Anwachsen der Unterklasse, die _ im neuen Schuljahr schon weit über 70 Schüler zählen wird, stellt die Gemeinde vor die Aufgabe, für die Beschaffung eines 3. Schulsaales Sorge zu tragen, um unhaltbaren Schulverhältnissen begegnen zu können. — Die Holzhauerarbeiten im Walde gehen, soweit sie nicht schon vorher beendet, im Lause dieser Woche größtenteils zu Ende. Die Ausgabe der Losholzscheine ist noch reicht erfolgt, dürste aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Holzversteigerungen in unserem Bezirk fanden gleichfalls noch nicht statt. ■i'hiibi i i ■ rii.ien Beschluss gefasst habe, die Debetzinsen uni 1 Proz., also auch 1 Proz. über Reichsbanksah herabzusetzen. Qlad) dem Verlaufe der Besprechung ist bestimmt zu erwarten, dass auch die übrigen deutschen Banken sich diesem Beschluss anschliehen. Der Reichsbankpräsident hat auch bei diesem Anlass die baldige Herabsetzung des Lombardsatzes auf 1 Proz. Über Reichsbanksah in Aussicht gestellt. * Besserung der Einnahmen der Reichsbahn. Verschiedene Berliner Blätter enthalten die Mitteilung, daß die bisherigen Februareinnahmen der Reichsbahn gegenüber einem Tagesdurchschnitt von 13,5 Millionen Mark Bruttoeinnahmen im Januar eine leichte Besserung aufweisen. ' Endgültiger Abschluss der deutschen Kommunalanleihe in Amerika. Von der Deutschen Girozentrale wird mitgeteilt: Die Anleiheverhandlungen zwischen dem deutschen Sparkassen- und Giroverband und dem Reuyorker Bankhaus Harrys Forbes & Co. sind am Samstag abend zum formellen Abschluss gelangt, und zwar zunächst über die erste Rate in Höhe von 15 Mill. Dollar zu den bekannten Bedingungen. Die Anleihe wird voraussichtlich in den nächsten Tagen in Reuhork aufgelegt werden. * Zeichnungserfolg der deutschen K o m m u n a l a n l e i h e. Die gestern in Reu - york zur öffentlichen Zeichnung aufgelegte Gerneinschaftsanleihe für die deutschen Kommunalverbände wurde fofort überzeichnet. ■ ö-Millivnen-Anleihe der Stadt Halle genehmigt. Die Regierung genehmigte die Aufnahme einer 5-Millionen°Anleihe durch die Stadt Sjalle. Ein Betrag von 275 000 Rkark, der dem Ausbau des Zoologischen Gartens dienen sollte, wurde beanstandet; er soll jetzt zum Wohnungsbau verwendet werden. 2 Millionen Mark der Anleihe sind für Grunderwerb und 650 000 Mär'! für die Anlage eines neuen Flugplatzes bestimmt. Berliner Börse. Berlin, 24. Febr. Das wichtigste Ereignis der Börse war heute eine scharfe Befestigung des französischen Frankenkurses. Schon gestern fanden an der Reuyorker Börse große Jnter- ventionskäufe statt, die anscheinend heute an den europäischen Deoisenplätzen fortgesetzt wurden. Der Kurs konnte sich daher auf 132,50 gegen London erholen (am Vortag noch 135,50). Auf die Tendenz der Aktienmärkte blieb diese Bewegung auffallenderweise zunächst ohne jeden Einfluß. Das Geschäft verlief vielmehr genau so wie bisher. D i e Grundtendenz war freundlich, doch stellten sich infolge der geringen Umsatztätigkeit nennenswerte Kursveränderungen nicht ein. Infolge der großen Zurückhaltung der Börse, die mit dem bevorstehenden Ultimo in Zusammenhang gebracht wird, blieb die erneut leichtere Tendenz des Geldmarktes, wo weitere Zinsermäßigungen bevorstehen dürften, und der große Erfolg bei der Auflegung der deutschen Städtearrleibe in Amerika ohne Beachtung. Insgesamt verlief somit die erste Börsenstunde bei stillem Geschäft in freundlicher Grundstimmung. Am Devisenmarkt lenkte die Frankenbewegung die Aufmerksamkeit auf sich, so daß andere wesentliche Kursoeränderungen aus* blieben. Am Börsengeldmarkt hörte man für tägliches Geld einen Satz von 41 bis 6 Prozent. Die rückläufige Bewegung des Privatdiskontsatzes dürfte vorläufig ihren Abschluß erreicht haben, da Die tolle Herzogin. Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. (Nachdruck verboten.) 1. Kapitel. Wie sagt Jean-Jacques Rousseau? „Ja, ich begreife, daß ein Mensch zum Spiele geht, aber nur bann, wenn er zwischen sich und dem Tode nichts mehr sieht als sein letztes Goldstück." Goldstück? James Wood drehte lächelnd die Pfundnote, die dieses letzte Goldstück repräsentierte, in den Fingern hin und her. Früher war's wenigstens ein Goldstück! Aber jetzt so ein schmutziger, abgegriffener Fetzen Papier? Der war die Barriere vor dem großen Nichts--. Pfui Teufel! Gold mar Romantik! Es glänzte, gleißte — tröstete. Der Fetzen da war nüchterne Realität. Poesielos, unbarmherzig — wirklich ein trostloses Ende. Lächerlich beinahe — Draußen im Osthafen von Alexandrien flammten auf den Fischerbarten die Lichter auf. Vom Fort Kait-Bei dröhnte der Siebenuhr-Schuß herüber-- Es war Zeit, Toilette zu machen. lieber eine halbe Stunde dauerte dieses wichtige Werk. Das letzte weiße Hemd---! James Wood lachte. Vielleicht wurde es fein Totenhemd. Dazu paßten die schwarzen Beinknöpfchen, die er in die Brust drückte. Zwei schwarze Punkte auf der tadellosen Weiße. James Wood hatte wieder eine sentimentale Anwandlung. Beinknöpfe! Die Perlen, die Manschettenknöpfe mit den Brillanten — die Krawatten- nabel *• W Ringe---? Alles die Weiber, die Karten — — — Unb jetzt «ne schmutzige, abgegriffene Pfundnote! Sorgfältig knüpfte er die kleine schwarze Schleife vor dem Spiegel. Ein Gedicht wurde daraus. Nur ein Gentleman kann sich seine Abendkrawatte so binden. James Wood nickte seinem Spiegelbild wohlgefällig zu--Wäre eigentlich schade um mich--— Aber ein Pfund! Er nahm den Browning aus der Handtasche und sah ihn nach. Ein Pfund und dann noch sechs Kugeln! man nun abwarten will, ob zu den weiterhin ermäßigten Sätzen etwas mehr Material an den Markt kommt. Dörlenwrle. Frankfurt a.M. Berlin Schluß l.Ubr. Schluß Anfang Aura Aura fiura Datum: | 23.2. | 24. :. 23. 2 24. 2 5% Deutsche Reichöan leih« ■ 4% Deutsche Reichsan leihe . '>.360 0.361 0.345 0 36 0,365 0,36) S'/?/» Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche ReichSanleib« . Deutsche Svarprämienan leih« 0,350 — 0 3325 0,355 0.49J 0 191 _ 0, 19 0,51 4«/o Preußische KonsolS • . . '1.91(1 0,34 0.335 0,3625 4% Hessen......... 0,310 — — — 31/»*/» Hessen . • ..... 3% Hessen ......... • Deutsche Werth. Dollar-Snl. — _ 0.35 0,31 — 91 - 91 dto. Doll.-Schav-Aulreisog.') 99,1 99,3 — <•/» Zolltürken......... 11,25 11,12 -- 5e/0 (Aoldmettkaner ... . 39.5 — — Berliner Handelsgesellschaft. tomunerj= und Privat-Bank 146.2* 108' - 146.2* 109’ 108.5* Darmst. und Natioualdank . 12?.2* 128' 128,5* Deutsche Bank......... 125.5 126,5* 127,5* Deutsche BereinSbank .... 72.5 — — DiSconto Commandit . . 119.75 121* 121,2' Metallbank.......... 8-1 86 — — Mitteldeutsche Creditbank. . 100.2* 101* 101.5 101' Ocsterreichische Credttanftalt ‘ .85 7 6,75 — Weltbank ....... 0,033 0,033 — — Lochumer Guß . ....... 86 — 87 87,5' 45,25 BuderuS ......... 44 44,62 43 Caro .......... . 43 25 — 44,73 45,13' Deutsch-Luremburg...... Gelsenkirchener Bergwerk. . 90* 91 90 25' 90’ 99.75* 90* 90.9* Harpener Bergbau . . ... Kaliwerke Aschersleben.... 109 109 107.2* 108.5' 113.25 — 113,5' 115' Kaliwerk Westeregeln..... 117,5 — 115,62 118.5 fanrahütte ■ ....... 54 — 33.62 35.75 Oberbedarf .......... Phönix Bergbau ....... Rheinstahl........... i4 47,25' 48' 77 25' 77,25' 76.75' 77,5' 81.5' 82* 81* 81.<5* Riebest Montan........ 82.fi 81 82,75 81,75 Tellus Bergbau. ...... 55 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . 133 2* 131* 132.5* 130,7* 133,2' 130,2* 132 9* 130.9* Cheramische Werke Albin . . — _ - Zementwerk Heidelberg . . . 76 5 77,25 _ Philipp Holzmaun ..... 66.5 66,75 — Anglo-Cont.-Guano..... — — 84.75 — Chemische Mäher Alapin . . — — 9 G Farbenindustrie, Ä.-G. Goldschmidt.......... 127* 126 9* 123,9* 127' 67.35 — 66,5 Holzverkohlung........ 57 5 —— — Rntgerswerke......... 74 — 74.75 74.9 Schcideanstalt ........ 90,5 90 5 — «— Allg. EleltrizitätS-Gesellschaft 95* —- 96* 96 5* Bergmann ......... — 82,25* 82,75' Mamkraftwerke ........ 85* ___ Schustert........... Siemens 4 Halske ...... S2* 82 81.5' 82.5* 100,5 100,5' 99,9* 100,5* Adlerwerte Kicher ...... 39.75 — 39 34 4 Daimler Motoren. ...... * — 34 Hehligenstacdt......... 22.5 — — -— Meguin. . . ........ 29 30 —— Motorenwerke Mannheim . — — 37,5 — Frankfurter Armaturen . . 20 — — — Konservenfabrik Braun . . . 41 — — —— MetaNgcscllHast Frankfurt. Pet. Union A.-G..... 95 — — —• 61,5 61.5 63.2) — Schuhfabrik Herz ... 27.5 27 25 27,5 — Sichel. .......... Zellstoff Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal . . 5 12 5 5 5 103 104 5 102,75 102,75 40 15 41.25 — — Zuckerfabrik Waabäustt . . . 4' 42 5 42 — Kranksurter Börse. Frankfurt a. M., 24. Febr. Tendenz unsicher. — In der Dörsenhaltung ist eine wesentliche Aenderung nicht eingetreten. Das Geschäft, das unter dem Zeichen einer allgemeinen, Lustlosigkeit steht, leidet unter dem Mangel an Aufträgen und dem Fehlen jeglicher Anregung. Die Stimmung war anfangs nicht unfreundlich, doch vermochten die ersten Rotierun- gen über den gestrigen Stand nicht hinauszu- gehen, da die Mehrzahl der Effekten sich bei Beginn knapp behaupten konnte. Etwas Interesse wandte sich schliesslich einigen Spezialwerten zu, die etwas reger umgesetzt wurden. Im allgemeinen herrschte aber grosse Zurückhaltung. Man hat den Eindruck, daß das Geschäft wieder in die Dahnen der Hmfahlofigkeit, die man als überwunden ansehen zu können glaubte, zurückfallen wolle. Am Montanmarkt stellten sich geringe Kursbesserungen bis zu 0,5 Prozent ein. Farbwerte gaben etwa 0,13 Prozent nach. E l e k t r o a k t i e n eröffneten auf dem gestrigen Stande. Am Banken- markt wurden Barmer Bankverein um 1 Prozent höher, während sich Reichsbankanteile um 0,5 Prozent abschwächten. Schiffahrtswerte bröckelten ab. Hapag minus 1 Prozent, Rord- llohd minus 0,25 Prozent. Am Einheits- markt der Industriepapiere war die Tendenz farblos. Etwas fester wurden Zement Heidelberg (plus 0,75 Prozent) und Wahss u. Freitag (plus 0,75 Prozent). Einen stärkeren Gewinn erzielten Zellstoff Waldhvf mit plus 1,5 Prozent. Zuckeraktien lagen leicht erhöht. Eine Reihe anderer Werte neigte dagegen mässig zum Rachgeben. Am deutschen Renten- markt hatten Schutzge bie t a n l ei hen eine neue Steigerung auf 7,85 aufzuweisen. Kriegsanleihe waren kaum verändert (0,361). Ausländische Renten waren überwiegend leicht abgeschwächt. Im Freiverkehr waren die Umsätze etwas lebhafter. Api 0,4, Deckerstahl 45 Proz., Deckerkohle 55 Proz., Denz 40 Proz., Drown-Doveri 70 Proz., Entreprise 10, Growag 56 Proz., Hansabank 75, Krügers- Hall 86 Proz., Petroleum 70 Proz., Kabel Rheydt 102,5 Proz., Ufa 55 Proz., Hfta 70,25 Proz. Die Dörse behielt auch im weiteren Verlaufe ein unsicheres und schwankendes Aussehen. Die Kurse begannen allgemein abzubröckeln. Rur im Terminhandel kam es zu einigen neuen Einsätzen. Am Geldmarkt hat sich das Angebot weiter verstärkt. Der Privatdiskontsah ermässigte sich auf 5 Proz. Tagesgeld war zu 5 bis 5,5 Proz kaum anzubringen. Monatsgeld je nach Adresse 6,13 bis 8,5 Proz. Industrie-Atzepte stellten sich auf 6,5 bis 6,75 Proz. Im Devisenverkehr zeigte der Pariser Franken eine wesentliche Desse- rung auf 133,90 gegen London. Die übrigen Valuten sind nicht nennenswert verändert. Devisenmartt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 23. Febr. 24. Febr. Amtliche Geld stoti rung Brief Amtliche Notierung (Seid Brief Slmst.-rston. 168.04 168,46 168.05 168,47 Buen-Aires 1,712 1,714 1.709 1,713 Brff.-Antw 19,07 19,11 19 07 19,11 Christiania. 91,34 91,56 91,37 91,56 Kopenhagen 109,24 109,52 109,01 109.49 Stockholm . 112,23 112,51 112,23 112,61 HMngforS 10.651 10,591 10.551 10,59i Italien. . 16.83 16,8/ 16.87 16,11 London. . 20,400 20,453 20,397 20,449 Neuhork - - 4,195 4,2)5 15,155 4,195 4,20: Paris. - . 15,115 15,125 15,165 Schweiz . 80,72 54,16 80,92 80.73 80,93 Spanien - 59,24 59.18 . 59,32 Japan . . - .928 1,932 1,923 1,91 Rio de Jan- Wien in D-- 1.619 0.621 0.618 1.620 Oest. abgest. 59.10 59.24 59,11 59,20 Prag .... 12,416 12,456 12,416 12,456 Belgrad . . 7.37 7,39 7,37 7,39 Budapest. . 5,873 5,893 5,87! 6,893 Bulgarien 3,1’45 3,046 31,295 3,045 3,055 Lissabon 21,245 21 24.. 21,255 Danzig. . . 80,t8 81,08 80 89 81,09 Konstantin- 4,1' 2,19 2,178 2,188 Athen. 5.94 5.16 5 94 5.96 Canada. . 1.178 1.188 4.179 4,189 Uruguav 4.325 4,335 4.325 4.335 Banknoten. Berlin, 23 Febr Geld Brief Amerikanische Note» ..... 1,137 4.207 Belgische Noten ....... 19.02 19,12 Dänische Noten ....... 109,08 109,62 Englische Noten........ 20,365 20,465 Franzönsche Noten...... 15.21 15 29 Holländische Noten ...... 167,73 168,." Italienische Noten...... 16 84 16,92 Norwegische Noten ...... 91,27 91 73 Deutsch-Oesterr., ä 100 Kronen 58.98 59,28 Rumänische Noten...... —- — Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ....... 111,92 80,69 112,48 81,00 Sp.nifchc gitfrn ...... 59.02 59,32 Tschechoslowakische Noten . . 12.392 12,452 Ungarische Noten...... 5,84 5,88 frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 24. Febr. Es würben notiert: Weizen, Wetterauer 26,25 bis 26,50, Roggen, inlänbischer 17, Sommergerste für Brauzwecke 20 bis 22, Hafer, inlänbischer 18,50 bis 21,50, Mais, gelb 18,50, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 40 vis 40,50, Roggenmehl 25,25 bis 25,75, Weizenkleie 9,50, Roggenkleie 9,75. Tendenz: Stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 23. Febr. Am Produttenmarkt wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, märk. 246 bis 250, do. pomm. 245 bis 248, do. März 260,50, do. Mai 266, Roggen, märk. 142 bis 147, do. pomm. 140 bis 144, do. März 159 bis 158,50 bis 159, do. Mai 140,50 bis 141, Gerste, märk. 164 bis 188, Futtergerste 136 bis 152, Hafer, mark. 150 bis 160, Raps 340; für 100 Kilo: Weizenmehl 32,75 bis 35,50, Roggenmehl 21,25 bis 23, Weizenkleie 10 bis 10,20, Roggenkleie 9 bis 9,20, Diktoriaerbsen 26 bis 33, kleine Speiseerbsen 23 bis 25, Futtererbsen 21 bis 23, Peluschken 20,50 bis 21,50, Ackerbohnen 19,50 bis 20,50, Wicken 22 bis 24, Lupinen, blau 11,75 bis 12,50, do. gelb 13,75 bis 14,50, Serradelle 22,50 bis 24, Rapskuchen 14,20 bis 14,75, Leinkuchen 19,50 bis 20. Buntes Allerlei. Tibetanische Reinlichkeit. Im Verbrauch von Seife soll man den Kulturstand eines Volkes messen können. Ländlich, sittlich, es gibt auch Gegenden der Erde, wo Reinlichkeit durchaus nicht zum guten Ton gehört. In Tibet, den Deutschen wohlbekannt durch Sven Hebins Reisewerke, fällt es keinem Menschen ein, einen Schmutzfinken schief anzusehen, denn dort ist jeder ein Schmutzfink. Captain Finch, einer der hervorragendsten Teilnehmer an der letzten Mount-Everest-Expedition, gibt deshalb in seinem bisher nur in deutscher Sprache soeben bei Drockhaus erschienenen Werk „Der Kampf um den Everest" den guten Rat, sich stets auf der Windseite zu halten, toerm man mit einem Tibeter spricht, denn diese haben in den Rasen des Europäers eine böse Eigenart, die allerdings durch die rauhen klimatischen Verhältnisse begreiflich und entschuldbar ist. Ein Tibeter von altem Adel erklärt Captain Finch einmal voll Stolz, dass er in feinem Leben zweimal gebadet habe. Einmal am Tage seiner Geburt und das zweite Mal am Sage seiner Hochzeit. „Ich bin noch heute der Heberzeugung," fährt in seiner Erzählung fort, „der Mann hat mit seinen Badeerlebnisfen ausgeschnitten, so penetrant war sein Parfüm." Finch sah nur ein einziges Mal einen Tibeter baden. Im seichten Wasser eines Teiches unweit Schikardsong sprang ein splitternackter Junge herum. Die Sache schien so interessant, dass man ihr auf den Grund ging. Es stellte sich heraus, dass der Badende der — Dorftrottel war. Er wusste nicht, waS er tat. Bekenntnisse eines Menschenfressers. Ein Prozess wegen Menschenfresserei, der in die düsteren Gebräuche des dunkelsten Afrika hineinleuchtete, wurde kürzlich in Rhassaland verhandelt. Ein Mann und eine Frau wurden toe- . gen Mords und Menschenfressers zum Tode verurteilt, und in dieses Verbrechen war auch ein alter Medizinmann namens Chiesa verwickelt, dem man zwar keine Beteiligung an dem Verbrechen nachweisen konnte, der aber in der selbstverständlichsten Weise von der Menschenfresserei erzählte. Er bekannte, dass er schon als Kind mit Menschenfleisch genährt worden sei; sein Vater hätte ihm die Speise gereicht, und seitdem fei die Begierde nach Menschenfleifch immer mehr in ihm gewachsen. Der alte Zauberdoktvr, der jetzt 64 Jahre alt ist, meinte, es gäbe nicht Besseres und Heilsameres als diese schauerliche Rahrung. | Die Menschenfresserei ist im Rhassaland verhältnismässig selten; sie wird aber manc^nal von den Medizinmännern empfohlen, weil sie behaupten, dass gewisse vorzügliche Eigenschaften von einem Verstorbenen auf den übergehen, der von seinem Fleisch isst. Die offenherzigen Bekenntnisse des Medizinmannes wurden ihm von den Eingeborenen sehr verübelt; gegen tausend Männer und Frauen hatten sich in der Rahe des Gerichtshofes versammelt, darunter drei Häuptlinge, und auf der Heimkehr in sein Dors wurde Chiesa zu Tode gesteinigt. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 16 vom 23. Febr. enthält: Depüten der Wiesen. — Massnahmen zur ilnterbrücfung der seuche in Allendorf a. d. Lda., Beuern, Ober- Hörgern und Leihgestern. — Kennzeichnung und Steuerpflicht für Kleinkrafträder. — Befreiung vom Besuche der Pflichtfortbildungsschule. — Feldbereinigungen Klein-Linden und Grossen- Linden. — Dienstnachrichten. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Hinschau".) Donnerstag, 25. Februar. 3.30—4 Ahr: Die Stunde der Jugend. 4.15 bis 5.45 Hhr: Konzert des Hausorchesters: Chopin. 5.45—6.15 Hyr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Hhr: .Hebertragung von Cassel: Dr. Hessling, Abt.-Leiter der Landwirtschaftskammer Cassel, spricht über .Die Verwendung der Milch im Haushalt". 6.45-7.15 Hhr: „Flock, Anekdoten aus dem Leben eines Hündchens", vorgetragen Dom Vers. Ed. Reinacher. 8.15—9.15 Hhr: Hebet- tragung von Cassel: Kammermusikabend Borodin. 9.15 Hhr: Cembalo-Konzert Alice Ehlers. Anschliessend bis 12 Hhr: Hebertragung aus Berlin: Tanzmusik der Kapelle Rapöe. Gelassen setzte er den Strohhut auf, hing sich den Ueberzieher auf den Arm unb verließ bas Zimmer. „Ich bin der Graf von Luxemburg" pfiff er vor sich hin. Stolz schritt er in der Halle des vornehmsten Hotels der großen ägyptischen Hafen- unb Handelsstadt an den weit geöffneten Türen des in hellem Licht erstrahlenden Restaurants vorüber. Das Diner hatte noch Zeit. Entweder die Pfundnote erwies sich als der Retter in der Not — na, dann konnte man sich ja etwas Fulminantes leisten. Oder — — bann langte das Silber- und Nickelgeld in der Hosentasche just noch zu einem Ab- fchieds-Cocktail--- «Wo kann man sich amüsieren?" fragte er den Portier. Der äugte ihn über seine Brille weg an. „Weiber?" James Wood zog eine Grimasse. „Spielen?" „So etwas ähnliches." Der Portier wurde sichtlich interessiert. „Da weiß ich etwas fehr Feines. Maifon Astarte, in der Rue Cherif-Pascha. Erstklassig! Soll ich dem Herrn einen Dragoman mitgeben?" Dragoman? Eine beinahe unmögliche finanzielle Belastung. „Nicht nötig. Die paar Schritte werde ich schon allein hinfinden." „Sehr wohl, mein Herr. Es ist Nr. 26 — gleich neben der International Agency? „Schön. Werde schon finden. Danke." Vor dem Tore stürzten sich die Dragomane auf James Wood. Er schob die schmierigen, schreienden und gestikulierenden Kerle beiseite. Einer von ihnen ließ sich nicht abweifen. War ein langer, hagerer Gesell mit einem von der Augenkrankheit ausgefressenen Auge. „Ich heiße Hassan! Ich ehrliche Mann!" lockte er. „Ich führen Mylord zu feinste Haus in Alexandrien. Maison Astarte. Khedive selbst Immer hingehen. Ich heiße Hassan--!" „Mach, daß du weiterkommst!" „Ich — nix Schwindler. Ich Kopte — nix schmutzige Araber — — Ich Christ — ich ehrliche Mann —" „Fahr ab!" Da tauchte die dunkle Gestalt des riesigen Sudanesen in der Polizeiuniform auf. Mit scharfem Blick sah das Auge des Gesetzes auf Hassan, den ehrlichen — —. Wie Windhauch verzog sich der — innerlich alle Flüche der Levante heraufbeschwörend auf den Filz von einem Franken, der sich nicht prellen lassen wollte--. James Wood bog in die Chsrif-Pascha. Nummer 26 war eines jener modernen Häuser Alexandriens, die so recht die verunglückte Kreuzung orientalischer unb okzibentalischer Geschmacklosigkeit darstellen — halb maurisch, halb Rokoko. Gott versenke solche Architekten in den Orkus, dort, wo er am tiefsten ist! Dem Mann mit der letzten Pfundnote war's aber egal, wie das Haus von außen aussah. Auf Fassaden gibt man nichts in solcher Situation. Er läutete. Ein üppig gatonierter Neger öffnete. Machte einen feierlichen Salaam unb ließ ben Gast ein- treten. Der riß ein paar erstaunte Augen auf. Fabelhaft, dieser Luxus, diese Pracht. Das Kasino in Monte Carlo eine armselige Bretterbude gegen dieses Treppenhaus mit fernen rosa Marmorstufen, seiner vergoldeten Ballustrade, seinen wundervollen Teppichen. Das Ganze zwar etwas barbarisch. Levante — aber doch verblüffend in seinem ersten Gesamteindruck. „Bitte um Verzeihung," sagte der Neger in auffallend gutem Englisch. „Der Herr muß eine Eintrittskarte lösen." „Selbstverständlich." Und James Wood griff in die Hosentasche, in der ein paar Piaster mit zwei, drei Schillingen ein armseliges Dasein fristeten. Der Neger eilte hinter sein Pult, nahm ein elfenbeinfarbiges Kärtchen, ergriff eine Feder und fragte: „Den Namen, bitte? Wir sind hier an gewisse Vorschriften gebunden." „James Wood." Mit großen, beinahe kalligraphisch schonen Buchstaben wurde der Name aufgeschrieben. Der Schwarze war ja ein Weltwunder. Stolz über seine Leistung reichte er James Wood die Karte. „Was habe ich zu zahlen?" fragte der und klimperte mit dem Silber. „Ein Pfund. Ohne Trinkgeld." Ein Pfund! Um ein Haar hätte James Wood laut herausgelacht. Der Neger glaubte, er machte sich über ihn luftig. „Oh, ich schreibe ganz richtig. Ich bin fein bummer Nigger, mein Herr, denn ich habe die deutsche Schule in Sansibar besucht." „Ich lache nicht üoer dich, schwarzer Schrift- gelehrter, sondern über mich. Denn schau, wenn ich dir das Pfund bezahle, bleibt mir nichts zum Spielen. Ich habe nur noch dieses einzige Pfund, mit dem ich da oben ein Vermögen gewinnen will — verstehst du?" Der Neger sah ihn mißtrauisch an. Der Mann da war doch zweifellos ein Gentleman. Er konnte Leute schon einschätzen--. Wollte der sich einen Witz mit ihm machen? Er kam hinter seinem Pult hervor und olickte den lächelnd vor ihm Stehenden drohend von unten bis oben an. War ein Prachtexemplar aus dem Sudan, sechs und einen halben Schuh hoch und mit Schultern, die so breit waren, daß sie plötzlich die ganze Vorhalle auszu- fullen schienen. Höchstwahrscheinlich hatte er nicht nur das Amt, die Leute hereinzulassen, sondern im Notfall auch hinauszuexpedieren. „Wenn Sie nicht zahlen können, dann muß ich Sie bitten, das Haus zu verlassen." „Ich denke nicht daran", sagte James Wood lächelnd. Der Neger sah aber in der Situation absolut nichts Humoristisches. Er legte seine breite Pranke auf die Türklinke und machte mit der anderen eine nicht mißzuverstehende Geste der Hinausladung. Unzweifelhaft war er ein gebildeter Mann, der sich Mühe gab, seine gute Erziehung selbst dem provokatorischen Benehmen dieses Kunden gegenüber nicht zu vergessen. „Wie heißt du, mein Freund?" fragte James Wood. Der Neger war so verblüfft, daß er gehorsam antwortete: „Ibrahim ibn Abdullah." „Gut, Ibrahim! Jetzt können wir uns besser unterhalten. Ich will dir ein Geschäft vorschlagen. Aber, lieber Ibrahim, hör' mich doch erst einmal an! Du bist ein kluger und verständiger Mann, ein Gentleman, trotz deiner schwarzen Haut, viel weißer als die ganze Gesellschaft, die du durch diese Tür hereinläßt —" (Foilsehung folgt.)