Nr. 500 Erster Blatt 176. Zahrgang Donnerstag, 25. Dezember 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Poh|d);d!onto: 5rcmkjnn am Main nass, Vrvtf Md Verlag: vrvhl'sche Unlverfikätr-Vuch. und Stelndruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe Z. 6r|d)ttnt tflglid),aufoei Sonntage und Feiertag*. Beilagen: (BtetJtnn {Ja mtlien blätter Heimat im Bild Di« Schalle Dlonais-Bejngsprets. 2 Reichsmark und 20 Reichspsrnntg für Träger» lohn, auch Lei Nichterscheinen «inzeinerNummerR tn folge höherer Gewalt. 5ern|pred)an| d)lü||<: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Ltetzeu. Annahme von Anzeige» für die lagtenummtr bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 t»m höhe für Anzeigen oo.i 27 mrn Breite örtlich 8, ausroärt» 10 Netchspiennig, für Re- Klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Neichspsennig, Playvorlchlift 20“, mehr. ThefredaKtenr Dr fj-riebr Will) Lange. Verantwortlich tür Dol'.tilt Dr Fr Wilh Dange, für Feuilleton Dr H Ibgnot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchem, für den Anzeigenteil i.Bertr H.BcL. sämtlich in (Bienen. Fort mit den Besatzungstruppen. Die politischen Folgen des Landauer Urteils. - Krisis der Thoiry-Politik. Germersheim. Don unserem W. Pl.-Gonderberichterstatter. (Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Landau. Weihnachtswoche 1926. Quer durch das Reich führt der Weg nach den -westlichen Drenzlanden, über den Rhein. Uniformen cllenißalfacn. 3n allen Farben. Frenche G.iutc mischen sich mit dem einheimischen Dialekt. Tlan fühlt sch in einer anderen Welt. 04 ist französisch besetztes Gebiet. Dahinter liegt daS ^largeblet. Man weih eS. Ader Uxi4 es ist, fühlt man erst hier, wo man sieht und Höri, wie noch heut« Macht und Gewalt Grenzen verwischen können. Gewiß, cs hat sch vieles gebessert seit den Lagen bed ersten Einmarsches und seit den Leiden der Separa- tisteirunruhen Damals konnte man nicht ruhig üver die Straßen gehen in diesem Landstrich, ohne mehr oder weniger belästigt zu werden. Mail muhte Nerven und eine gute Portion guten Willens haben, wollte man nicht seine Ruhe verlieren. Aber kann man heute ruhig über diese ©traben gehen? Unfer Weg fuhrt nach Germersheim. Wir haben dem groben Prozeß Rouzl« r beigewvhnt. Rouzier? Germersheim? Beide Ramen bedeuten Geschichte, Leidensgeschichte. Wir kennen, weil unser Dorus es verlangt, die Geschichte der Zwischenfälle, die Gegenstand des großen Prozesses sind, wir kennen den Ausschnitt auS der Leidensgeschichte der .sonnigen Pfalz", der sich in diesem Prozeß auf tat Aber auch wenn das nicht so wäre . . . Wer in diesen Tagen die ehemalige Festung GermerSheim betritt, wird unmöglich jenen Druck von sich abtoeijen können, der sich vom ersten Schritt an aus Herz und Gemüt legt. Wir sehen vom Dahnhof aus im klaren Hellen Wintermorgen den düsteren Dau deS Ludwigs- toreS vor unS liegen. Wir schreiten hallenden Schrittes durch die düsteren Passagen dieies Dauwerles und gleich zur rechten Hand stellen wir fest: Qln dieser Stelle hat der Unterleutnant Im 311. französischen Infanterie-Regiment, Pierre Rouzier, mit Reitpeitsche und Revolverschüssen einen jungen Burschen traktiert, der, unbewaffnet, eine drohende Haltung gegen ihn eingenommen habe. Troy Revolver und Reitpeitsche. Französische ©ottaten in wenig sauberer, verwahrloster Uniform und wenig strammer Haltung betrachten unsere Lokal- studicn mit einer Mischung von Hohn und Wut. Man fühlt sich nicht mehr daheim im Vaterland. Wir durchwandern die engen Straßen des kleinen Jestungsstädtchens. Es ist Mittagszeit und trotzdem fast öde auf allen Wegen. Dlauweißrot gekennzeichnete Fouragiers kutschieren auf dorn holprigen Pflaster. 3n einer Gaststube erklärt uns die Wirtin mit mißtrauischem Blick, sie habe keinen Kaffee, sondern nur noch Dior. Ein kleines vierjähriges blondgelocktes Mädel lugt hinter dem Rock der Mutter mit fragenden Augen. Selbst in den jungen Kinderhcr-.en scheint das Mißtrauen gegen Menschen und Menschcnwesen zu keinem. Ein freundliches deutsches Wort zu der Kleinen und die Mutter wird sofort zugänglicher. Wir wollten etwas zu essen Haden. Es ist nichts da. Aber die Wirtin schickt sofort zum Fleischer um Wurst und zum Bäcker um Brot. Wir haben in der Woche nichts zu tun und haben Dorrat immer nur für die Sonnabende und Sonntage! — Wovon lebt man hier? Die Verhältnisse sind katastrophal. Germersheim war ehemals Festung. Außerhalb der Mauern durfte nichts von Bestand errichtet werden. Selbst der Bahnhof und feine Anlagen sind wie nur provisorisch gebaut. 6p wollte eS die Bestimmung, die den Bauplan einer Festungsstadt bestimmte. Germersheim konnte sich nicht ausdehnen. Wirtschaftlich an einem ganz günstigen Punkte gelegen, konnte es diese Konjunktur nicht ausnutzen und blieb Festung. Die Stadt hatte in deutschen Heilen rund 3000 Mann Militär und rund ebensoviel Bürger. Die Soldaten rekrutierten sich in Friedenszeiten meist aus den benachbarten pfälzischen und badischen Gemeinden. Das beLeutete So.nn- tagS Besuch von Müttern, Vätern und "Bräuten ober sonstigen Lieben. Für die Stadt und ihr Gewerbe war damit ein gesunder, regelmäßiger Absatz gesichert. Dazu halte sich auch in Germersheim ein recht lebhafter Warenaustausch, besonders in Land- und Weinwirtschaft, zwischn RechtS und Links des Rheins entwickelt. Ger- mesheim war also doch ein Platz, der seine Bürger ernährte. Der Krieg ging verloren, und die französische Besatzung zog ein. Mit ihr kam eine gegenüber der damaligen deutschen Währung als günstig zu bezeichnende Währung ins Land. Die Offiziere und Mannschaften b?r Besatzungstruppen waren kaufkräftige Leute. Germersheim merkte noch nichts von der Schwere der Bestimmungen des Versailler Vertrages. Das bedrückend« Moment der Besatzung trat zwar auch in aller Schärfe in Erscheinung. Aber wie es dem Menschen geht...: Wenns mir gut geht, kann ich viel ertragen. Unb ein klein wenig war man doch allenthalben durch Krieg und Rachkriegszeit egoistisch geworden. Dann aber begann der Druck stärker zu werden. Der Ruhr- e i n b r u ch führte zur Verschärfung der Grenzbestimmungen. Der Besuchertreis aus dem Badischen wurde kleiner und kleiner und blieb zuletzt ganz weg. Der FranLm marschierte allgemach denselben Weg wie die deutsche Mark. Der französische Soldat war kein guter Käufer mehr. Das hobenftänbige Gewerbe verödete mehr und mehr. Heute gibt es in Germersheim Geschäfte, die an Bruttoeinnahme monatelang ganze zehn Mark pro Woche zu verzeichnen haben. Der französische Soldat fühlt sich in seiner Haut auch nicht mehr wohl unb hat natürlich kein geeigneteres Objekt für seine llnzusriebenhe-it und — feilte Langeweile finden können, als d i c deu tckche Zivilbevölkerung. Daß der hetzerische Geist deS , siegreichen" Frankreich, der noch heute den wirllichen Friedenswillen der Mehrheit auch des französischen Volkes zu sabotieren sucht. das ©einige getan bat, ist ohne weiteres flat. Es macht sich vielleicht gerade heute anläßlich des Rouzier- Prozesses in krasser Form bemerkbar, waS dieser nimmertote Chauvinismus der Heimat s i e g e r für eine Gefahr für einen wirklichen Frieden ist. Jedenfalls kann man diesen Prozeß und seinen Hauptalteur, den Unterleutnant Rouzier, nicht betrachten oder behandeln, ohne dabei diese geistige Unterlage des heutigen Frankreich im Auge zu haben. Für diesen jungen Flegel, übrigens mit b?m Glicht eines Duckmäusers, war der Deutsche eben der .Boche", der minderwertige Mensch, den zu schikanieren und zu provozieren nationale Ausgabe sein mußte. Rouzier, der 24jährige Unterleutnant ohne eigentliche dienstliche "Bc- schäftigung, schikanierte und provozierte. Er hatte Revolver und Reitpeitsche. Daß die deutsche Zivilbevölkerung außer ihrem guten Willen, Besatzung und Befahungslasten zu erdulden, unbewaffnet war. war ihr eigenes Pech Als man auch in Germersheim ein wenig deutsche VergangenhUt ehren wollte und e i n Fest z u Ehren der tapferen Kämpfer veranstaltete, mußte jener sich überflüssig Fühlende die Gelegenheit benutzen, um den .Boches" beuubringen, daß solche Menschen keine nationale Vergangenheit haben dürfen. Mit der Reitpeitsche am Handgelenk treibt et sich durch das Fcstgctümmcl und rempelt die Leute an. Bei Schlägereien ist et stets der Erste. Sein Regiment wird marschfertig gemacht, um in die Heimat zurückzugehen. Der junge Bursche glaubte, diesen Streich der Regierung, die sich nach Locarno und Genf umorientiert hatte damit quittieren zu müssen, daß er sich schwor, seine „liebe" Garnisonstadt Germersheim nicht zu verlassen, ohne Blut haben fließen zu taffen. So streicht er am Vorabend des Abmarsches seines Regiments durch die Straßen, bereits in Zivil. Reitpeitsche und Revolver in Bereitschaft, und übt sich zunächst an einem sogar noch unschuldig verhafteten siebzehnjährigen Jungen, dem er. Dr. Luthers Heimkehr. Der Reichskanzler über die Eindrücke seiner Amerikareise. Bremerhaven, 22. Dez. (Wolff.) Der frühere Reichskanzler Dr. Luther traf heute in den ersten Morgenstunden mit dem Lloyddampser .Serra Ventana" in Bremerhaven ein. Da das Schiff die Quarantäne passieren mußte, fand die Begrüßung erst heute morgen kurz vor der Abfahrt des Lloydzuges nach Bremen statt. Dazu waren außer den Kindern Dr. LutherS u. a. Generaldirektor des Dord- deutschen Lloyd, Geheimrat 6 ti m m in g, Reichskanzler a. D. Geheimrat Cuno sowie eine Anzahl von Pressevertretern erschienen. In der Unterhaltung mit diesen lehnte es Dr. Luther auf das entschiedenste ab. sich zu der derzeitigen deutschen Regierungskrise zu äußern. Um so lebhafter und eingehender erzählte er aber von den Eindrücken, die er in Südamerika empfangen habe. In vielen Staaten fei er a l s Ehrengast begrüßt und behandelt toorLen. Don irgendwelcher Animosität bekam der frühere deutsche Reichskanzler auch nicht das geringste zu spüren. Er wurde vielmehr überall von der Bevölkerung und den Deutschen aus das herzlichste ausgenommen. Von d.r Treue und Anhänglichkeit, die die t-eilweise schon feit Jahrzehnten in Südamerika lebenden Deuts ch.e n ihrer alten Heimat gegenüber auch heute noch bewahren, sprach Dr. Luther mit wärmster Anerkennung. Die Deutschen, denen es sehr schwer falle, sich über die Lage in Deutschland zu inform eren, feien tece ftert reeeesen, zum erstenmal von eirem deutschen Manne persönlich zu hören, was seit Kriegsende in Deutschland vorgegangen fei. Auf **»' Frage, wie sich der Flaggenerlaß im Ausland auswirke, erklärte Dr. Luther, daß Überall, wo er hingekommen fei. die schwarz- weiß - rote Flagge mit der Gösch vorherrschend gewesen fei. Dr. Luther betonte noch besonders, daß der Zusammenschluß aller Deutschen der eigentliche Zweck fein cd Besuches gewesen sei. Die Kriegsschuldstage sei von den ausländischen Regierungen ihm gegenüber nie berührt worden. Den Äussuhrmög.ich- feiten der deutschen Industrie nach Südamerika glaubt Dr. Luther ein durchaus günstiges Horoskop stellen zu können. Das gilt insbesondere von den Erwartungen, die der deutsche Flugzeugbau an den Aufenthalt Dr. Luthers in Südamerika knüpkte. Die Relle von der Küste nach der kolumbianischen Hauptstadt sowie das Schlußstück der ganzen Re.se, der Weg von Buenos Aires nach Dio de Janeiro, wurde m t deutschen Flugzeugenzurückgelegt.ii.- sich in jeder Beziehung tadellos bewährt haben. Heute mittag fand zu Ehren Dr. Luthers eine Begrüß ung durch den Bremer Se - n a t statt, an dec auch zahlre iche Vertreter von Handel und Schiffahrt teilnahmen. Der Präsident des Senates, Bürgermeister Dr. Donandt. begrüßte Dr. Luther. Als Repräsentant und als Vorbild deutscher Tüchtigkeit und Kraft fei er in Südamerika mit großen Ehren empfangen worden. D.e Reife des verehrten Gastes werde in Südamerika für Deut chlands wirtschaftliche und politische Entwicklung von größter Bedeutung sein. Dr. Luther dankte herzllch für den gastlichen Empfang um) führte u. a. aus: In Bremen gilt das alte Wort' Navi gare ncccsse est, vivere non est necessc! Dieses Navigare est ist mir stärker als je zum Bewußtsein gekommen, und ich glaube, es geht mit der deutschen Seefahrt selbst für den schlichten und einfachen Beobachter so tatkräftig und wirkungsvoll voran, daß man die neuesten Entschlüsse deS Dorb- deutschen Lloyd, die von festem Vertrauen in die Zukunft zeugen, völlig in sich aufzunehmen vermag. Aber Seefahrt ist es ja nicht allein, und hier möchte ich dem alten Bremer Spruch zwar nicht widersprechen, ihm aber eine weitere Ausdeutung geben: Zum Nav.gare gehört vivere und zwar das über See. Unsere Seefahrt wird dadurch getragen, daß die deutsche Wirtschaft feste Anknüpfungspunkte gesucht und gefunden hat. Wenn meine Reise einen allgemeinen Zwack i.i bescheidenen Grenzen gehabt hat. so mag es der sein, d ehedem aus. So vegetiert man in Germersheim, dessen e nft ■ starke Mauern heute in Trümmern liegen und noch immer ein Bild der ödesten Verlassenheit für jeden Besucher bilden. Die Empörung im Rheinland. Koblenz. 22. Dez. TU.) Das Landauer Kriegsgerichtsurteil hat im besetzten Rheinland einen geradezu mederschcnettern"'en Eindruck gemacht. Man glaubt allgemein, das Urteil als Beweis dafür sehen zu mif en, daß die Bevölkerung der Rheinlande immer noch trotz Loearns und ThoUch derWillkürderBesatzunge- behörden ausgesetzt ist und daß noch keinerlei Anzeichen dafür bestehen, daß auch bei den Desatzungsbehörden der Geist von C-carr.o endlich eing«ogen ist. In Kreisen rheinischer Doii.iker wird daher auf das energischste betont, daß die Dinge, fo wie sie zur Zeil laufen, nicht weitergeyen können und daß die Versprechungen der Alliierten auf Abänderung der Verhältnisse im besetzten Gebiet von den Aassüh- rungSorganen nicht eingehaltrn merben. Man erwartet daher auf das bestimmteste, d^h sich dis Berliner Regierung zu einer energischen Politik ouftcffen wird und vor einer Fortsetzung der Besprechungen üvcr die Rhnnlandräumung schon in Verfolg der Li Locarno gegebenen Zusagen auf Rückwirlungen eine Abänderung der unhaltbaren Zustände in der Desatzungszone heröeisührt. 3n biesem 5u< sammenhang wird Deutschlarrd besonders darauf achte-: müssen, das; bei den für den März vorgesehenen neuen Verhandlungen ü er die Rheinlandsräumung unter keinen älinständen eine neue Kontrolle für das besetzte Gebiet in Gestalt von Zivillommissionen ge- schaffen wird, da das Landauer Kriegsgerichts- " urteil bewicsen hat. daß die Regierungen in den alliierten Hauptstädten nicht in der Lage sind, ihre Ausführungsorgane zu einer verständnisvollen und liberalen Behandlung der Bevölkerung der besetzten Gebiet: anzuhalten. Man wird es in ganz Deutschland im Gedächtnis behalten, Last auch heute noch schwerste Verbrechen an deutschen Staatsangehörigen bei der Praxis der Militärgerichte keine dem allgemeinen Rechtsempiin.^n erl^prechende Sühne finden. Amtliche deutsche Schr'tte Koblenz, 22. Dez. (IDolff.) Der Reichs- koinmissar für die befehlen Gebiete, Botschafter Freiherr Langwerth von Simmern, hat heute dem Stellvertreter des hiesigen französischen Oberkommandos gegenüber die tiefe Erregung der Bevölkerung des besetzten Gebietes über das Urteil in Landau zum Ausdruck gebracht und die Besorgnis ausgesprochen, datz dieses Urteil die von den Locarnomachten verfolgte Politik der Verständigung und Befriedung in beklagenswerter Weise beeinträchtigen Fenne. D.n gleichen Sinne hak sich der Rllchskomnisfar telegraphisch an den in Paris weilenden Präsidenten der Interalliierten Rheinlandkommission, T i r a r d, gewandt. Ferner ist, wie den Blättern mitgekeilt wird, Botschafter v. hoesch beauftragt worden, bei der iranzösischen Regierung Vorstellungen wegen des Falles Rouzier zu erheben, um alle juristischen Möglichkeiten zu erschöpfen. Wie der „vorwärts meldet, wurde der französische Botschafter in Berlin, de Margerie, bereits von Dr. Stresemann empfangen, der den Botschafter auf die allgemeine Entrüstung des deutschen Volkes über das Landauer Urteil und auf die sich hieraus ergebenden Gefahren für die verstündignngspolitik aufmerksam machte. Wie die „Tägliche Rundschau" über den Eindruck des Landauer Urteils in Berliner diploma- klfcken Kreisen erfahrt, fleht das Kriegsgerichtsurteil im krassen Widerspruch zu der durch Loeamo und Z;oiru e'mgeleileten Befriedungspolitik, die seinerzeit ausdrücklich durch die Rote der Bolschafkerkonferen; vom 14. November 1925 feftgelegk wurde, und in der Deutschland ;u- gesagt worden ist, daß in Zukunft in den Rheinlanden eine sehr liberal? Politik zur Anwendung gelangen und eine Revision der Rheinlandordonnanzen im Geiste des vertrauens und der Entspannung erfolgen werde. Sollte das mit dem deutschen Rechtsempfinden unvereinbare Landauer Kriegsgerichtsurteil rechtskräftig werden, so würde für das deutsche Volk eine neue Situation entstehen, deren möglichen Auswirkungen sich keine deutsche Regierung entziehen könne. Man weist in Berliner diplomatischen Kreisen daraus hin, dafz es keiner deutschen Regierung auf die Dauer möglich sein werde, der deutschen Oesfentlichkeit gegenüber d i e These von dem guten Willen der Gegenseite aufrechtzuerhalten, wenn die gegenwärtig In den Rheinlanden von den Besat- zungsbebörden getriebene Sonderpolitik nicht einer gründllcyen Revision unterzogen würde. Heber die juristischen Möglichkeiten, ein? Aende- tung des Urteils tjerbehufütjren, hören wir, datz eine Berufung nicht zulässig ist, sondern nur eine Revision, die nach französischem Recht binnen 24 Stunden nach dem Urteilstage eingelegt werden muh. Das ist befannllld) inzwischen geschehen. Die Reviflonsoerhandl'mg findet vor dem ^Kriegsgericht in Mainz statt. Sie wird sich lediglich auf die Prüfung der Frage erstrecken, ob das Urteil Fnu'gefjoben und die Sache zur nochmaligen Entscheidung an ein anderes Kriegsgericht verwiesen werden soll. Die Revision kann gc- mäh Artikel 74 des frcmzpsifckien Mililärstralgeseh- buches nur auf Formfehler gestützt werden. Die Bedeutung, die dem unerhörten Urteil der französischen Militärjustiz auch an den amtlichen deutschen Stellen zugemessen wird, erhellt unter anderem aus der Tatsache, dah ohne den geringsten Zeitverlust alle erforderlichen Schritte gegen dieses Urteil ergriffen wurden. Man mnh auf das bestimmteste erwarten, dah die französische Regierung, vor allem aber Briand, alles tun werden, um das empörende Unrecht nach Möglichkeit wieder gutzumachen. G schiehk das nicht, dann kann man wohl getrost all? Hoffnungen auf eine baldige wirkliche Befriedung Europas im vielberufenen Geiste von Locarno fallen lasten. Ein Schlag gegen die Verständigungspolitik. EineErklärttnstdcsNcichsministersDr.Bcll. Berlin, 22. Dez. (WTD.) Der Reichsminister für de besetzten Gebitt? Dr. Bell gab einem Vertreter des Wolsfschen Telegraphen- buteai'8 gegenüber folgende Erklärung über das fra-.zös.sche Krirglgrr.chtsurteil in Landau ab: M it Empörung und Entrüstung hat das gesamte deutsch: Volk das unerhörte Fehl' urteil des srarzöfischrn Kr.cgsgerichis Ln Landau vernommen. Rouzier ist fre gesprochen. Deutsche Bürger sind zu schweren Gefängnis strafen ver- urteüt, unter diesen auch ein Mann, der in einer Heidelberge.' Klinik an den Schüssen von Rouzier schwer fr.mf darnird rliegt und nun in einem, unserem Rechtsempfinden in3 G:s.cht schlagenden Abwesenhcitsverfahren zwei Lahre Gefängnis erhielt. Rouzier Xyit einen deutschen Bürger getötet und zwei andere Deutsche durch Schüsse verletzt, einen in lebensgefährlicher Weise. Zeder, der der Beweisaufnahme vor dem französische Gericht folgt, sah die Schuld klar hervorlr:ten. Trotzdem dieser Freispruch, der der Gerechtigkeit Hohn spricht. Diese Verhältnisse sind einfach untragbar. Wenn das Leben der Einwohner dem Kriegsgericht so leicht wiegt, so fühlt sich die Bevö.kerung in einem Zustand der Rechtlosigkeit, der im schre endsten Gegensatz stehl zu den Bemühungen, eine Rechtsordnung des Friedens zwischen Deutschland und Frankreich zu schaffe ’. 3m ganzen Volke können solche unbegreiflichen Vorkommnisse nur als ein Schlag gegen die Verständigungspolitik wirken. Llnser Mitgefühl wendet sich den schwergeprüften Volksgenossen cm R^:in zu. Wir wollen mit allen Kräften helfen und alles tun, um in diesem einzelnen Falle dem Recht zum Sieg zu verhelfen. Wir wollen aber darüber hinaus gegen ein System kämpfen, dem ein solches Fehlurteil entsprungen ist. Alle Deutschen müssen auS dem Landauer Urteil d^e Lehre ziehen, daß wir keine bringenßere Aufgabe haben, als. die, unserem Volke am Rhein die Freiheit und dem deutschen Staate die Souveränität in diesem Gebiete wieder zu erringen. Diesen Appell richte ich an das ganze deutsche Volk. So lange bie Besatzung auf deutschem Boden_ andauert., ist immer die Gefahr für solche tief- bedauerlichen Ereignisse gegeben, die bie schärfste Bedrohung der Verfländ'gungZ- Politik bedeuten, ülnerlähliche Voraussetzung ,ür die ersprießliche Fortführung dieser Verständi- gungspolit'k ist das Bewußtsein einer gesicherten Rechtfprech mg. Wir erwarten, daß d.e berufenen französischen Instanzen gerade im Sanbauer Fall alles tun, um das begangene Unrecht wieder gut zu machen Die einzige Sicherheit gegen die Wiederkehr solcher, bie gesamte Politik beider Länder schwer grfährbenoen Dorkemm- nisfe bietet die alsbaldige Beseitigung der Besatzung. Reue pariser Preffeftimmen. Paris, 23. Dez. (WTD. Funkspruch.) Linier dem schlechten Emdruck, den das Urteil des französischen Kriegsberichtes in Landau nicht nur in Deutschland, srndern auch in anderen Ländern herrorgerusen hat, beschäftigen sich heute ei ge Blätter mit der Angelegenheit. Die Mehrzahl schweigt aber immer noch. Der der Regierung nahestehende „Petit P a r i f i e n“ will den Sinn der Entrüstung in Deutschland nicht begreifen und erklärt: „Es handelt sich nicht so sehr darum, die in Landau verurteilten Persönlichkeiten zu verteidigen, vielmehr versuche man, um möglichst schnell die Räumung der Rheinlande zu erreichen, da die Lleorrredungsmittel sich als ohnmächtig erwiesen hätten, durch einen sogen. Skandal Frankreich einzuschüchtern." — Der „® a u 10 i s" leugnet, daß der Falt Rouzier mit der Desetzungssraze verbunden werden kann, erklärt aber bann: „Einerseits kann bas Llrteil von Landau, ob es gut oder schlecht ist, auf alle Fälle vor ein anderes Gericht, ja sogar voc ein internationales Schiedsgericht gebracht werden, da Frankreich und Deutschland Schieds- gerichtsverträge unterzeichnet haben und dem Völkerbund angehoren. Andererseits gibt es eine Politik von Locarno, 'die aber noch nicht den Friedensvertrag von Versailles annulliert hat, der das Statut der Rheinlandbes.tzung vor- sieht. Kann diese Politik durch ein einfaches Urteil in Frage gestellt werden, bann war Locarno für die Deutschen nur ein provisorischer Vorwand zur Entspannung, um sich möglichst bald von den Fesseln von Versailles zu befreien. — Der „Avenir" schreibt: „Wenn wir die militärischen Richter in Irgendeiner Form desavouieren, dann heißt das eine Politik des Verzichtes und der Feigheit betreiben." — 3n der „Vict 0 ire" schreibt Hervö: Er könne nur die Versicherung abgeben, daß abgesehen von einigem prosessionalen blöden Pazifismus daS Urteil mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen wurde. — „Ere N 0 u - veile" schreibt: „Das Urteil von Landau ist kein richterliches Urteil, eS ist ein politisches Urteil. 18 Monate nach Locarno haben wir das Recht, zu fragen, wer die Verantwortung dafür zu tragen hat, daß in Deutschland ein gerechter Sturm der Entrüstung entfacht worden ist. Wir glauben, dah es die Pflicht unserer republikanischen Freunde in der Regierung ist, unverzüglich die durch das Kriegsgericht oerudeUfen Deutschen begnadigen zu lassen. Auch Zxx5 radikale Blatt „V 0 l 0 n16" schreibt: Die Dinge könnten so nicht bleiben Die Regierung dürfe nicht zulassen, daß ihre eigenen Vertreter im Kriegsgericht ihre Politik in Gefahr brächten Eine sofortige Richtigstellung müßte erfolgen — „Matin" schreibt: Unter ben derzeitigen Umständen Ui ein Irrtum wie bas Landauer Urteil geeignet, beunruhigend zu wirken und bie Manöver ber Rationalisten zu begünstigen — Der gewerkschaftliche _Peuple" sagt: Man hätte allenfalls verstehen können, daß bieser Prozeß mit einem a l I- gemeinen Frei sprach endete, aber die Verurteilung aller deutschen Angeklagten und der Freispruch von Leutnant Rouzier sei ein Skandal. Das Urteil fordere die Begnadigung der Deutschen, und es fordere, dah die aufrührerischen rheinischen Generalstäbler zur Vernunft g bracht werden. Eine Vorstellung der deutschen Sozialdemokraten. Berlin, 22. Dez. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat an den Vorstand der französischen Sozialistischen Partei nachstehendes Telegramm gerichtet: Das Landauer Krieg^erichtsurterl erzeugt in ganz Deutschland tiefe Entrüstung, nach unserer Ueberzeugung mit vollem Recht. Der Freispruch Rouziers und die gleichzeitige Verurteilung der deutschen Angeklagten, darunter aktiver Republikaner, sind geeignet, der deutsch-französischen Entspannung entgegenzuwirken, die von den Aegierun- gen und von der Mehrheit beider Völker erstrebt wird. Wir ersuchen Euch, unverzüglich bei der französischen Regierung vorstellig zu werden, um mindestens au3 Anlaß des Weihnachtsfestes d i e sofortige Enthaftung der Verurteilten zu erwirken, unbeschadet der notwendigen Revision des Urteils. gez. Müller, Wels, Crispien. Die „Voss. Ztg." meldet aus Paris, daß die französische sozialistische Parteileitung auf das Telegramm beschlossen hat, bei der französifchen Regierung zugunsten der Aufhebung des Landauer Urteils sowie der sofortigen Haftentlassung der deutschen Angeklagten v 0 r st e l l i g zu werden Der Glückwunsch der Richter. Germersheim, 22. Dez. (WTD.) D.e französische Kommandantur hat, um Ausschreitungen ber erregten Devölkerang zu verhindern, angeorönet, daß bie Wohnung des fr: gesprochenen Rouzier bis zu dessen Abreise aus 0er- mcrSfjeim durch Gendarmerieposten bete a dj t wird De Bevölkerung zeigt tiefste Erregung über das Urteil. Diel besprochen wird, daß nach der Freispr^hung des Rouzier das gesamte Richterkollegium nrch ün Gerichtssaal auf den Unterleutnant Rouz.er zutrat und ihm ostentativ in Gegenwart der Verurteilten beglückwünschte. Ein englisches Urteil. London, 23. Dez. (W. T. 2. Funkspruch). „Daily Chronicle" sagt in einem Leitartikel: „Niemand kann überrascht fein, über den allgemeinen Unwillen, der in Deutschland über das franzis sche K.iegszerichtiurteil empfunden wird, denn gleichviel. ob irgendwelche b:r verurteilten Deut chen schuldig waren oder nicht, so scheint erhebliches Beweiämaterial vorzuliegen dafür, dah der freigesprochene französische Leutnant nicht unschuldig war. Die wahre Maral des Falles geht aber über Einze.'- pe.souen hinaus, sie deutet aus Die Notwendigkeit hin, die Besetzung zu beenden. Solange wie di? Besetzung andauert, können solche Zwischenfälle sich jeden Tag ereignen und so lange dies der Fall ist, kann es keinen sicheren beutsch- franzcsische.n Frieden geben." Keine Auslandreise Dr. SLres2manns. Berlin, 22. Dez. (Wolff.) Der Reichsminister des Auswärtigen wird mit Rücksicht auf die p 0 l i t i s ch e L a g e die auf ärztliches Anraten vor. gesehene längere Erholungsreise nach Aegypten jetzt nicht antreten. Eine Reise nach Oslo in Verbindung mit der Verleihung des Friedens-Nobelpreises ist für die nächste Zeit nicht geplant. Die Bünbmspolitifin Europa. London, 23. Dez. (Funksprach.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: „ym Zusammenhang mit der augenblidlid) ziemlich gespannten Sag: in Südosteuropa verdiene die Tatsach:, daß Sowjetruhlanb vor kurzem bei ausländische Werften eine Anzahl zum Teil großer U-Boote bestellt habe, die öffentliche Aufmerksamkeit. Objektive Beobachter in London teilten dies: Ansicht, dah irgendeine ausgesprochene französisch- russische Annäherung nv.wend'.gerweise zu einer italienisch-deutschen Annäherung führen müsse, wodurch Europa wiederum in verschiedene Lager geteilt werden würbe. Wirk.i he Staatsmä:mer der Westmächte mühten eigentlich in ber Lag? sein. eine solche Gefahr für bi: Wohlfahrt bes Kontinents zu verhindern, ab:r bas werbe nicht geschehen dnrch ben allgemeinen diplomatischen Brauch, unwillkommene Entwicklungen unbeachtet zu lassen. Deutschland und der neue Kurs in Litauen. Berlin. 22. Dez. Der litauische Gesandte in Berlin, der während des Umsturzes in Kowno weilte, erklärte, bah bie Beziehungen zu Deutschland durch bie Aenberung nur verbessert werben können, well bie persönliche Einstellung ber jetzt führenden Männer einem engeren Zusammmenarbeiten nur g ü n ft l g fei. Der, Memelländern gegenüber werde bie Regierung sich bemühen, zu einer Verstänbi- g u n g zu kommen, schon im Interesse beS Zusammen gehnis mit Deutschlanb. Die Regierung wirb ben Autonomieforberungen entgegenkommen unb bas Memelstatut genau beachten. Die englandseindliche Propaganda in China. London, 22. Dez. (Wolsf.) Die „Times" meldet aus Hankau, daß dort am 20. d. M. abends eine Versammlung abgehalten worden ist, an der eine größere Anzahl Delegierter teilnahm, um gegen d i e Engländer zu agitieren. Die Hauptredner waren nationalistische Führer. Das Thema war die Frage eines heftigen Boykotts gegen die Engländer. Borodin hiell eine Rede, in der er für den Sturz der Briten mit ihrem Alliierten Tfchangtsolin eintrat. Der Sohn Sun« yatsens ermahnte die Bersammlung, nicht zu glauben, daß die Engländer Freunde Chinas seien. Lampson arbeite in Wirklichkeit auf bie Zer- ftörung Chinas hin. Die einzige Methode sei, durch einen Bonkott vollständig jeden britischen Handel und jede vritische Industrie zu vernichten. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich. Paris. 22. Drz. (WB.) 3m Generalrat des Seine-Departements wurde befanntgegeben, daß am 21. Dezember in Paris und dem ganzen Seine-Departement 6147 Arbeitslose Anträge um Arbeitslosenunterstützung eingere cht hatten. Zwischen 'Vertretern des Innenministeriums und des Arbeitsministeriums wurde beschlosfen, d-ie Leiter der industrieller Betriebe auszu ordern, einen gewissen Ausgleich zwischen ausländischen und französischen in den betrefsen- den Betrieber beschäftigten 2[rbeit2r.t vorzunehmen. 3m Seine-D^vartement allein tinrrbm nur 1900 Personen gezählt, bi? sich um Arbeitslosenunterstützung bewarben. Dir Gesamtzahl ber Arbeitslosen in ganz Frankreich soll noch nicht 50000 erreicht haben. Tacna-Arica; La P az, 22.D:a. (WTD. Fsnkspruch.) Wie „El Diario" meldet, hat Peru in Beantwortung des von bem amerikanischen Staatssekretär Kellogg gemachten Vorschlags, das strittige Gebiet von Tccna-Arica an Bolivien abzutreten, folgendes vorgeschlagen: 1. Peru soll Tacna unb bie Stadt Arica erhalten: 2. Peru und Chile sollen an Bolivien das ganze Gebiet südlich von Tacna und Arica is zum Fluß Camarones abtreten: 3. Chile soll das Salpetergebie! von ChlldayS bsh.rlten: 4. Bolivien soll Port Ditor erhalten. 2f7 Wechselnd bewölkt mit vorübergehendem zeitweisen Aufklaren, starker Nachtfrost, auch tagsüber Temperaturen um den Gefrierpunkt unb darunter, trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Marimum: minus 5,0 Gr. Celsius, Minimum: 0,7 Gr. Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 5,7 Grad Celsius. Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskopf vorn 23. D^ember, morgens 8 Uhr. Windrichtung: Nord-Ost. Windstärke: stark. Lufttemperatur: minus 12 Grad Celsius. Höchsttemperatur in ten letzten 24 Stunden: minuS 6 Goad Celsius. Gesamtschneehöhe: 46 Zerrtimeter. Drschaffenheit der Schneedecke: puLrrformig. Sportmöglichkrit: vorzüglich. Odenwald unb Sauctlanb. Schneehöhe im Odenwald: 30—50 an. Sportmöglichkeit: Sehr gut. Schneehöhe im Sauerland: 30—60 cm. Sportmöglichleit: Sehr gut. 2Ius aller Welt. Tie Spartätigleit in Tcutschland. Am Ende der 3nflation war von 20 Milliarden Spareinlagen, bie Ende 1313 bei ben brutschen Sparla.sen vorhanden waren, ber 800. Teil, d. h. rund 25 Millionen Rentenmark übriggeblieben. Ülnmittelbar nach dem Aufhören t>:r Geldentwertung setzte nun die Spartätigkci: in Deutschland in sehr starkem Maße ein. 3m 3ahre 1924 betragen die Spareinlagen bereits wieder 600 Millionen Mark. 1925 1,6 Milliarden Mark und am 1. Oktober 1925 2.7 Milliarden Mark. Es handelt sich nun nicht allein um Spareinlagen, sondern auch um Kapitalum - Wandlungen, da die in der Inflation in Devisen, Aktien und Waren angelegt«!. Spareinlagen ihren Weg wieder zurückfandcn. ferner ein Teil der Aufwertung ben Sparkassen zufloß. 3edenfalls zeigt das Anwachsen der Spareinlagen eine erheb iche Kapitalneubildung. Bezüglich der Berufsbildung der Sparer entfällt ber größere Teil der Einlagen auf die gleichen Kreise, die vor bem Kriege ihr Gelb zur Kasse brachten. Bemerkenswert ist, daß trotz geringerem Einkommen der Zuwachs an Spareinlagen — die Umwandlung an der Kapitalanlage berücksichtigend — größer tsd als in ber Vorkriegszeit. Trotz verringerter Sparmöglichkeit wird also mehr als voc bem Kriege gespart — jedenfalls ein erfreuliches Zeichen. Kältewelle aus Nutzland. Mittwoch ist in Berlin ein plötzlicher Temperatursturz eingetreten, ber bas Thermorntter von 2 Grad Wärme in den Mittagsstunden auf 4 Grab Kälte In ben Abendstunden hat sinken lassen. Dieser Temperatursturz ist auf eine gewaltige Kältewelle zurück-uführen, die aus Rußland kommend, über Deutschland hereingebrochcn ist. Aus Königsberg wurden Mitt'oochabenb 14 Grab, aus München 9 Grab, aus Posen 8 Grad unb von ber Zugspitze 19 Grad Kalte gemeldet. katastrophales Glatteis in Lccds. 3nfolge Glatteises ere g-ietcn sich in Leeds mehr als 50 Unfälle durch Beinbrüche. Verrenkungen, Kopfwunden unb Quetschungen. Die Stadtverwaltung lieh Tausenbe von Tonnen Asche auf bie wie mit Glas überzogenen ©traben streuen. Wan sah viele gut gekleidete Leute, bie sich Stoss-Fetzen, Taschentücher oder Säcke um bie Stiefel gebimben hatten. Dean Gilbert in Konkurs. DaS Amtsgericht Potsdam hat über daS Vermögen des Komponisten 3ean Gilbert, ber in einer ganzen Reihe von beutschen Städten, so auch in Frankfurt a. M., Buhnen für Qpere t t enaufführungen gepachtet hat, ben Konkurs eröffnet Zu ben Leidtragen* den gehören neben den mnnittelbarcn Geldgebern auch zahlreiche Bühnenkünstler, ferner ein großer Theaterverlag und bie Lieferanten von Kostümen und Dekorationen. Die Passiven werden auf mehrere hunderttausend Mark geschäht. Aktiva sind nicht vorhanden. 3000 filier Dein In der Slrahrnrlone. Ein von Trier kommendes Weinauto geriet im Hunsrück beim Nehmen einer steilen Anhohe ins Rutschen, wobei ber Anhänger sich quer über die Straß? stellte. Vier Fuderfässer, enthaltend kostbare Tropfen des edlen Rebensaftes, rollten auf di e Erde. Drei bet' Fässer gingen in Trümmer und ihr 3nhalt ergoß sich auf bie Erb^ Auf ber Stelle, wo, sich bie Fässer entleert hatten, bildete sich alsbald eine Eisfläche, bie später einem Personenauto zum Verhängnis tourba. Einsturz eines Koksofens. Bei Pont ä Wouffon ist ein ün Dau befindlicher Koksofen, dessen Pfeiler schon etwa 30 Meter hoch emporragten, eingestürzt unb hat zahlreiche am Bau bejinbliche Arbeiter unter seinen Trümmern begraben. Dis jetzt find vier Tote geborgen, brei Arbeiter werden noch vermißt, neun wurden verletzt. Ein 77jähriger Greis vom Zuge gelötet Auf bem Bahnhof Rockenhauie.i b.i 3^reaz- nack wollte der 77 3ahre alt? frühere Gerber 3vyairn Diehl einen spielenden Knaben vor einer herarmahenden Rcmaiermaschine wogreißen. Dabei geriet b?r alte Mann selber uat?r bie Räi_er unb würbe auf ber Stelle getötet Der Knabe blieb unverletzt. Tödlicher Anglücksfall. 3m Spessartdorie Hain fiel bnrn Schweineschlachten das ö'/zjäh-.-izie Söhnten brr Familie Gensnec in eine mit heißem Wasser gefüllte Bütte. Dec Knabe erlitt dabei so schwere Verbrühung^, baß er noch am Abend verstarb. Schweres Fliegerunglück In Amerika. 3n Rantoul (3ULicidj sties-en wü-rend eines FlugeS über einem Felde in der Nnh? des hie* figen Militärflugplatzes zwci Militärflugzeuge in ber Luft zusammen Die vier Flieger, sämtlich Offiziere, würfen getötet. Entdeckung von Salzlagern In Galizien. Dci Bohrungen naj> neue.« Napytayuellen in Galizien hat die Standard Oll Company in der Nähe ber Stadt K 0 l 0 mea ein riesiges Salzlager entbedt Das Laqer soll nach vorläufigen Berechnungen eine Viertelmilliard: Tonnen Salz enthalten und einen Wert von 25 bis 30 Milliarden cloty ha'en. Anschlag auf einen elektrischen Zug In Holland. Montagabend wurde auf ei rjn nach cem Haag fahrenden elektrischen Zug ein Anschlag verübt. Drei Männer hatten an einer unübersichtlichen Stell? schwere Kanalisationsrohren über die Schienen gelegt Der Führer des Zuges bemerkte jedoch das Hindernis, konnte jedrch nicht mehr brrmsen, so baß der Zug mit doller Geschwindigkeit ü5?t bas Hindernis fuhr. Glücllicherwr se wurde eine Entgleisung dadurch verhindert daß eine Röhre In der Mitte zerbrach, Die Täter wurden in ben I Dünen, wo sie sich versteckt hielten, verhaftet Einziehung alter Rentenmarkcheine. Durch Bekanntmachung vom 20. Dezember ruft die Deutsche Rcntenbank die Rentenbank' diese Geiger von Florenz". Astoria-Lichtspiele: Lehrling. Die Versichcrungs- halbes Jahr vor Beendigung Zeit seiner Riederkunft entgegensieht, aus Weise aus der Welt zu schassen. Das Schloh der Piccolomini. Vorwinter. Aus den hohen Lehnen und Kämmen des Glotzer Gebirges schon die erste leichte Scknee- deche, in den Tälern aber tu lein ber Regen und Maisch. Kurz vor der i chechoilowokilchen Drenke hält der >ubotoarr 3uq auf einer kleinen um Diele Jahreszeit stillen SisenbahnNoiion. Lis zur Grenze iftS nur noch ein Ctcinmurf; ober eS war bisher nicht möglich, eine Schienenoerbindung zu der lall handgreiflich nahen 1 ch. postvwo ilchen Sioalsbahn herzustell-n ES ist heute «den leichter, die 21. en zu durchtunn.ln, als eine neue Bahnverbindung zwischen zwei Staaten zuwege zu dringen, die zu zwei verschiedenen Logein gehören. So gehl es denn auf SchusterS Rapren weiter bis Rachvd. Zu Seilen der Landstraße die ischechilcke Bahn und hinter ihr die huriig daherkoulchends Mellna. Zn Rachvd dasselbe niuirische Wetter, oder man weih nichi rechi. waS mürrischer ist: da»Weiter ober die Vevö.lerung wenn Ne ein deuischrs Gesicht sieht. ToS nicht belondcrS rege Leben in den tonst lo lauten Straßen weist wie stets die von den Tlchechcn dcvorzuolen bunten Förden auf. Rachvd ist und war schon immer stocktlchechisch. Do« deuilche Element verschwindet zisternmästig in ört über- wälügenden slawischen Mein heil. Von Rebelschleiern fast verhüllt schaut do« Schloh verschlafen auf die Stadt herab. 3d) steige die 333 Stasen tmanche zählen nur 331 > zum Schloh hinauf. Eine lateinische Anschrift über den, Portal erzählt wichtig, dost dies Kastell den '45 ic colomin i gehörte, einem Geschlecht. baS in Rom schon zur Eäfaren-Zsil sah und von den Etruskern stammt. Die Piccolomini! Mit ihren Ramen Neigen zwei andere aus den Tiefen der Vergangenheit: Wallen- stein und S chil ler. So stolz war n die Piccolomini aus ihre altrömische tzecluntt und lo treulos dabei war Octavio, der ausgezeichnete Feldherr, besten Rome noch heute leuchtcn würde, hätte er den Mann, dem er sich als Freund gab und der ihm blind vertraute. den Herzog von Friedland, nicht o schmachvoll oerr iten- Aber waS Hal''S. dast Ferbinand II. ihm noch Wallensteins Ermordung d>e Herrswo't Rachvd schenkte, die b s dahin Wallensteins 23er- irauten und Verwandten, den Grafen Terzth. gestört hatte? Was er so heiß begehrte und später, als er die Für'tenttone besah, durch eine Altersheirat noch erzwingen wollte, dies blieb ihm versagt: ein leiblicher Erde. Sv übernahm später seines äHeren Bruders zweiter Sohn die Herrschaft Rachvd Richt einmal das ward ihm vom Schicksal gewährt, dah lein ältester Reffe, Joseph Silvio 2Haj Piccolomini (der in Schillers ^Wallenstein" Octavios Sohn ist) das Erbe übernahm. Dieser Piccolomini, her ein untadeliger Held ohne Arg und niemals mit Wallensteins Tochter verlobt oder gar verheiratet war, fiel 1645 bei Iankau in Mähren. Sein Leib ruht in der Sladtplarrlirche von Rachvd. Octavio starb 1656 in Wien, wo er in der Kirche zu Roffau ruht. Wie Walle^eins Stern, so ging auch der der Piccolomjni unter- Viel später zwar, ober sur immer. 1757 starb die böhmische Linie aus. 1783 der letzte der italienischen Zweige dieses alten Geschlechtes. 3n den Prunkiälen des Rachoder Schlosi.'s ai-ec schauen diePiccolorn m.deren Geschlecht Petci Stuhl in Rom zweimal besetzt hat — die Päpste PiuSll. und PtuS lll. waren Piccolomini — bumm, mit rätselvollen Augen in die lal'c Pracht. Glutvolle deutsche Geschichte spricht aus den vielen Gemälden deS Schlostes. Viel Herzeleid viel Glanz: Völkeiscsticklale. auf die Leinwand gebannt. Und ich aime auf, als ich schließlich wieder örauhen bin. im Sprühregen, und sich ringsumher in der Tiefe die dunklen böhmischen Wälder dehnen, stun.m und weit. Briefkasten der Redaktion. lRechtSgulachten sind ohne Verbindlichkeit der Schrtstlcilung ) Brandstiftung. K Schlitz, 22. Dez. Der in der Rächt zum 12. Dezember In der Hofreite des Landwirts Dernges in Pfordt auSgebrochene Brand hat seins Aufklärung gefunden. Ein in Hartershausen bediensteter Knecht, der z u e rst auf der Brandstätte anweseird war. hat sich bei seiner gerichtlichen Vernehmung derart in Widersprüche verwickelt, dast er wegen 23erdachts der Brandstiftung verhaftet werden konnte. Bei seiner zweiten Vernehmung hat er die Tat eingestanden. Der Betreffend« hatte mit dem Dienstmädchen des Abgebrannten ein Verhältnis, daS nicht ohne Folgen geblieben ist und das er lösen wollte. Es wird vermutet, tast der Bursche das Feuer in der Absicht angelegt habe, das Mädchen, das in der nächsten Tn. fi. 728. Gesetzliche Bestimmungen über diele Angelegenheit sind hier nicht bekannt. Ortsüblich ist in Gießen, daß die Haustüren im Sommer um 10 Uhr, im Winter um 9 Uhr abends geschloffen werden. Falls die Streitfrage auf dem Rechtswege ausgetragen werden soll, müsten Sie sich an das Amtsgericht wenden. Stommflfd) In Rödgcu. Das Pferd hat keine Gallenblase. Die von der Leber erzeugte Galle fließt direkt In den Darm ab. Vermischtes. Der letzte Sieg der „schlanken Linie". Wenn bisher lledergeancht uns rundliche Körperformen der Frauen noch eine letzte Zu- fluchtsiätte im Orient befaßen, so wird auch diele jetzt von der .schlanken Linie" erobert. Mustapha Kemal, der so unnachsichtlich mit allen altüberlieferten Idealen und Vorlieben des Oltens aufräumt, will auch von der im Koran fo leiden- fchastlich gepriesenen Schönheit der Leibesfülle nichts mehr wissen. 3n einer Ansprache, die er vor der Vereinigung der Kon'tantinoveler hielt, rief er aus: .Wir essen zu viel in der Türkei, deshalb sind unsere Frauen so dickl" Die Zungtürkinnen, die die modernen Toiletten tragen wollen, müssen sich auch die dafür notwendige schlanke Linie zulegen, und so trifft man jetzt Anstalten, das Liebel an der Wurzel zu erfassen. Eine Amerikanerin, die an der Harvard- Universität studiert hat, Mist Sarah Tuck, ist von dem Präsidenten der türkischen Republik ge- Wonnen worden, damit sie den türkischen Gastwirten die Geheimnisse einer abmagernden Kochkunst auseinandersetzt. Sie wird viel zu tun fctben, denn die türkischen Mahlzeiten weisen noch vielfach zwölf verschiedene Gerichte auf, und beim Kochen wird mit Fett und Zucker nicht gespart. All de muh nun aushören, wenn nach Kalorien gekocht wird und auch der Türkin der Warnungsrus in den Ohren schallt: „Halloh, dein Gewicht!" Die preisgekrönten Löwennamen. Der ^Piccolo", bte Mittagsausgabr des in Rom erscheinenden .Giornale d Italia", hat unter seinen Lesern einen Wettbewerb über dir schönsten und passendsten Ramen für die drei neugeborenen Löwenjungen des römischen Zoo ver- anftaürt. Die meisten Stimmen haben die Ra- men Bebe, Rini und Toto erhallen, und zwar deshalb, weil in diesen für die .Könige der Tiere" eigenllich zu niedlichen Ramen die Verdoppelung der drei Sllben enthalten ist, aus denen der Saufname Mussolinis. Dmito, besteht. Die zwei .roßte Stimmeirzahi hatten die drei Ramen: Rizzo, Savohen und Tunis erhellten. Lln neues „Lebensellxier" Eine wirksame Methode der Verjüngung will der Professor der Universität Bologna, Francesco_ Eav^zi, gefunden haben. W.e römische Blätter brr'chten, hat er eine Anzahl von Männern aus den ärmeren Klaffen, öte zwi'chen 65 und 80 Jahren sind, ausgtwählt und nach feiner Methode behandelt. Die Erfolge sollen erstaunlich sein. Es finden dabei keine Operationen statt, sondern die Behandlung besteht nur in Einspritzung eines Stoffes unter die Haut. Eavazzi hält zwar die Methode Doro- noffS. die in der äleberpflanzung von Affen- drüsen auf den Menschen besteht, für wirksam, glaubt aber, dah diele umständliche und schwierige Art der Verjüngung unnötig ist. Sein ,Le- bensellxier" beruht auf der Tatsache, dah das »Hinter den Kulissen dos Zirkus" und „Wenn Die Liebe stirbt". '• DerWeihnachts-Zugverkehrab Dieben. Am 24. Dezember verkehren: Ein Vorzug 769 nach Hamburg. B. P. Z. Gießen ab 10.08 Dorrn.; ein Vorzug nach Hagen, B. P. Z. Dieben ab 3.10 nachm.; ein Vorzug nach Frankfurt a. M.. B. P. Z. ab Giehen 3.33 nachm.; ein Vorzug nach A lS f e ld. P. Z. ab Gießen 3.21 nachm.; ein Vorzug nach Marburg. P. Z. ab Dießen 3.15 nachm; ein Vorzug nach Frankfurt a.M. B. P. Z. ab Giehen 8.33 abends. ** Sonderzug nach Schotten. Am 24. und 31. Dezember verkehrt im Anschluß an den P. Z. 508 aus Richtung Gießen (ab Dieben 1.43 Uhr mittags, an Ridda 2.54 llhr nach- agsi ein Sonderzug mit 2. bis 4. Klasse von ikidda nach Schotten. Ridda ab 3.03 llhr Nachtrags, an Schotten 3.34 Uhr nachmittags. Schützt die Zugtierel An alle Glitzer von Zugtieren und Leiter von Fuhr- vcu'cn richtet das Polizeiamt die dringende Mahnung, bei Kälte und Straßenglätte ernstlich daraus Bedacht zu nehmen, dah die Zugtiere >or den nachteiligen Einflüssen der Witterung nach Möglichkeit geschützt werden, Oramentlich :st erforderlich, daß 1. die Zugtiere niemals langer als unbedingt erforderllch und niemals unbedeckt im Freien stehengelassen werden; 2. das Zaumzeug im Stall aufbewahrt, oder andernfalls vor deut Anlegen das Gebiß erwärmt wird; 3. die Hufeisen der Pferde zum Schutze gegen das Ausglellen gehörig geschärft oder mit Stoßen versehen sind. •* Gegen den F e u e rwe r k- U nf ug. DaS Polizeiamt weist daraus hin, dah das Schieben sowie das Abörennen von Zeuerwcrks- körpem innerhalb der Straßen und Hofreiten der Stadl verboten ist. Zuwiderhandlungen lind mit Geld- oder Haftstrafe bedroht, auch tritt Ein- h. 5. Der Lehrvertrag mit dem Lehrling muß zunächst von der Handwerkskammer adgesiempelt und in die Lehrlingscolle eingetragen fein. Falls tie bann diesen Vertrag der Ortskrankenkasse zur enntnis oorlegen, erläßt die Kasse den Erwerbslosenbeitrag für den Lehrling. Die Bersichcrungs- oslicht tritt aber ein holdes Jahr vor Beendigung der Lehrzeit wieder in Kraft. ** Der .arme Bucklige". AuS Allen- d o r f (L a h n) wird uns von unserem T-Berichterstatter m.tgeieiü: Dor einigen Xcgpt bat in einzelnen Häusern unseres Dones ein Bettler um Almosen. Infolge einer anscheinenden Rückgrats Verkrümmung erreg:? er überall Millerd unb wurde nur selten abaewiesen. Da hatte er in einem Hauke das Mißgeschick, dah ihm auf der Treppe sein Buckel herunter- rutschte. Dieser war näml ch aus Lappen, künstlich aufgebaut gewesen und be.m Marschieren allmählich zerfallen. Schiel! suchte Bruder Straubinger d.e HauStüre au gewinnen und verschwand aus Rimmerw.cderfehn. Das nächstcmal wird er feinen Buckel fester anschnallen müssen, um nicht wieder in Verlegenheit zu kommen. " Sie Frist für ö i e llmsatzsteuer- Zahlung. Der Hansa-Bund für Gewerbe, Han- del und Industrie hatte beim Rcichssinanz- Minister beantragt, die Frist für die Zahlung der ^Umsatzsteuer nach Aushebung der Schonfrist all- rein auf den 15. des Monats zu verlegen. viele Steuerpflichtige, namentlich solche mit auswärtigen Betrieben, in vielen Fällen nicht in der Lag« sind, die Umsatzsteuer rechtzeitig bis zum 10. deS Monats zu berechnen. Daraufhin tst zunächst für die Monate Dezember 1926 und 3anuar 1927 die Zahlungsfrist bis zum 15. des Monats verlängert worden. Der Hansa» Bund bemüht sich In einer neuen Eingabe weiter, diese vorläuiige Reuregelung zu einer dauernden Einrichtung zu machen. Kirchliche Nachrichten. Evangel sch« Gemeinden. Freitag, den 24 Dezember. Heiliger Abend. Giehen. Stadtkirche. 2',,: Weinachtsseier der Kinderkirche der Markusgemeinde. Psr. Becker. 3 Weihnachtsfeier der Kinderkirch: der Matthäus- gemeinde. Pir. Mahr. 5: Ehristab.ndandachl Pir. Becker. - Iohannesktrche 2' , Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Lukasgm. Vir. Bechtolsheimer. 3'/,: Weinachtsfeier dec Ktnderkirche der IohanneS- gemeinhe. PsrAuSseld. 5; Ehristadendandacht. Psr. Ausfeld. Katholisch« Gemeinden. Gießen. Freitag, 24. Dezbr. 4 u. 7 Beichte. Israelitisch: Gemeinden. Isr.ReNgionSaemrir);. Äottrj).d.Shnaaoge lSüdanlage). Samstag.den 25 Dez. 1926. Vorabend: 4 30, morgens. 9.00. Predigt, abends. 4.40 und 5.20. Gottesdienst der isr. ReligionsgeseUschaft. Sabbatfeier, den 25. Dcz 1926. Freitag abrnd 4 05. 6am4taqDormitiag8.3O,nad)millai3 30,(sabbatausgang 5.20, WochengolteSdienst: morgens 7.10, abends 4 00. Kus der provinzialhaupiftadt. ® i« Ü e n, den 23. Dezember 1924 Die Anwartschaft in der Angestellrenverficherung. Die ReichsverscherunaSanstalt für Angestellte erläßt hi. ichtiich b:r Rach- weiSverpflichtung über die Sntrcch - tung der Versicherungsbeiträge eine Bekanntmachung in dec es fcifjt: Rach einer Sond.rbe'ti nmu g des Angestell- tenverlichcrungsgesetzTs g lten alle Anwarlschaf- ten bis zum 31. Dezember 1923 als aufrechterhalten. ohne Rücksicht darauf, ob für einzelne Jahre zu wenig D:iträge oder (ein Betrag entrichtet wurde. Bon 1924 an aber muh in jedem Jahre eine bestimmte Mindestzahl von De'.tragS- monaten nachgewi sen werdm. sonst gehen die Ansprüche aus der Versicherung verlorm. Die Rachzahlungsfrist für freiwillige Beiträge für das Fahr 1 924 ende! mit dem 3 1. Dezember 1 926. Bis zum Schlüsse des IahreS 1926 hat jeder Versicherte, für den •eit 1913 wenigstens b.cr Detragsmonate auf 'Dnnti» der Vcrsicherungspllicht in der Ange- stellteiw-rsicherung nachgewiesen sind, noch die Möglichknt. seine Versicherung crufr.^ch!zu:rhalten, oder wieder ausleben zu lassen. Von öi?f:r Mög- lichkeit sollte jeder Versicherte, dm noch berufsfähig ist. Gebrauch machen. D e unbeschränkte Rack^ablung freiwill ger Beiträge ist nur für ein Jahr zurück zulässig, dagegen können zwar nicht mehr alle, wohl aber Beiträge, d.e not- wendig sind, um den Verfall der Anwartschaft zu hindern, für daS Jahr 1924 noch bis zum 41. Dezember 1926 nachentrich'.el werden. Das GeseN verlangt, dast der Ver'rcberle vom zweiten bis ästen Kalenderjahr fe ner Versicherung jähr- llch mindestens acht, vom 12. Kalenderjahr fe ner Dersicherung an jährlich mindesten- vier Dei- tragSmonat« nachweist. Wer im Fahre 1914 oder später In die A ci gestellten versichere mg e.ngetrcten ist, must demnach für 1921 acht DeitragSmonate Nachweisen können. Rur für denjenigen, der bere is seit 1913 der Angestelltenversicherung angehört, genügen für 1924 vier Deilrrgsmonate. Freiwillige Beiträge s nd mindestens in der Klasse zu entrichten, die dem Durchschnitt der letzten vier Pflichtbeiträge entspricht. einer niedrigeren GehaltSklass« ist die fre'.w llige Weit^rverüche- nmg nur zulässig, wenn diese Gehaltsklasse dem Einkommen entspricht. Die Be träge s'md durch Marken zu enttichten. Ein grüner Aushang im Schalterraum der Post unter.ichtet über die Beitrags Nassen. Rach einem am 3. D. zember 1926 vom Reichstage angenommenen Gesetz, dessen Verkündung in den nächsten Tagen zu erwarten ist. sind für Erwerbslose die z ir A.frechterhaltunn der Anwartschatt ersorderlichen Beiträge zur Ange- stelltenverfichrrung durch die Gemeindr aus Mitteln der GrwcrbS'osenfürsor^e zu entrichten. Die für 1924 noch nötigen Beiträge sind bis zum 31. Dezember 1926 In Klasse (2 Mk.s nachzuentrichten. Der Gemeinde lArbe.tsnachwe'.s) sind, soweit Beiträge fehlen, zu diesem Zwecke die grüne Versicherung starte und die etwa vorhandene Ausrechnungsbescheiingung über eine volle Karte vorzulegen. Ferner ist der Rachweis, ob der Eintritt in d e Angestelltenversicherung tm Fahre 1913 oder sVäter erfolgt ist und demnach vier oder acht Deitragsmonate nachzuweisen sind, durch Vorlage der alten gelben Versichrrungskarte. des Kontoabschlusses usw. zu führen Rückfragen bei der Reich-verfichera'ngsanstast /ind mog'ichst zu vermeiden. Zeder Versicherte besitzt d'e Unterlagen. aus denen erficbt'ich ist, ob und wieviel Beiträge noch erforderlich sind. Ctiicfocncr Wollicnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Das Pfund Butter 180 bis 190 Pfennig. Matte 35 bis 40. Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 8 bis 10. Weißkraut 5 bis 8. Rotkraut 10 bis 12. Selbe Rüben 10. rote Rüben 10. Spinat 25 bis 30. lnterkohlrabt 5 bis 8, G.ünkohl 20, Rosenkohl 40 bis 45. Felksalat 80 bis 120, Tomaten 50 bis 1.00, Zwiebeln 10. Meerrettich 35 bis 80. Schwarzwurzeln 35 bis 53, Kartosfe'n 6. Aev'el 15 bis 30, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 33. R is,e 60 bis 90. Honig 50. junge Hahnen 103 bis 110, Suppenhühner 100 bis 123. Gänse 103 biS 140; das Stück Tauben 50 bis 70. Sier 17 bis 23. Blumen- kohl 80 biS 150. Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 15. Rettich 10 biS 15. Sellerie 23 bis 40 Pfennig. Pornotizcn. — Tageskalender für DonnerS- tag. Verein für Bewegungsspiele: 8', Uhr, ^IniverfitätS-Eafe, auherord an Gewicht zugenomtpen, sind Im AuSscbcn! jünger geworden und haben bedeutend an Lebenskraft gewonnen. cheine zu 5 Rcntenmark — ohne Kopjbildnis mit Ausfertigungsdatum vom 1. Rovembei 1923 — zur Einziehung auf. Die aufgerufenen Scheine können bei den öffentlichen Kaffen noch bis zum 31. Januar 1927 in Zahlung gegeben, bei den Raffen der Reichs- bank aber bis zum 14. April 1927 gegen andere Rentenbankicheine ober gegen gesetzliche Zahlungsmittel umgctauscht werden. Mit Ablauf des 11. April 1927 werden die aufgerufenen Rentenbankfcheine kraftlos. An Stelle der aufgerufenen gelangen neue Scheine zu 5 Rentenmark vom 2. Januar 1926 mit dem Ropfbildnis eines Landmädchens mit einem Aehrenbündel, wie solche sich bereits feit 15. Juni 1926 im Verkehr befinden, zur Ausgabe. •* Pestalozzi-Feiern in ben S ch u - l e n. Am 17. Februar n. 9. sollen aus Anlaß bes 100. Tobestages Pestalozzis Schulfeiern in Hellen veranstaltet werben. Das Lanbesbilbungsamt hat an bie Schulbehörden ein Ausschreiben gerichtet, in dem es heißt: „Wo es angängig ist, empfiehlt es sich, die Feiern |o einzurichten, daß auch die Elternschaft daran teilnehmen kann. Erscheinen größere öffentliche Feiern nicht am Platze, so muß wenigstens für die Jugend in den Schulen eine Feier stattsinden. Je nach den örtlichen Verhältnisien können die Schulen gemeinsame Feiern veranstalten. Wo die Feier im engsten Rahmen gehalten wird und sich auf die Schulklaffen beschränkt, soll am 17. Februar die letzte Vormittagsstunde der Feier gewidmet werden; der Nachmittag ist dann fchulfret. Zur Durchführung größerer Feiern kann der Schulunterricht nach Bedarf ausgesetzt werden.- •• Das Verschieben von Briefen und Postkarten in Druckfachenfen- düngen bildet fortgesetzt d.e Ursache unlicb- famer Brief Verschleppungen und Dr.ef Verluste, älngeachtet wiederhotter Anmahnungen durch d e Presse und trotz unrnittelbirer E.nwirkung der Postanstalten auf die Absender werden viele Druckfachensendungen immer noch in so mangel- lyafter Verpackung zur Post eingll.efert, daß fie leicht zu Fallen für llnnc Sendungen werden. Als besonders gefährlich in dieser Beziehung erweisen sich, wie neue Feststellungen bestätigeit, die häufig zur Derfendung von Drucksachen benutzten offenen Briefumschläge, bei denen die Absender die am oberen RaiÄ oder an der Seite vorhandene Klappe nach innen einfchlagen. 3n den dadurch entstehenden Spalt verschieben sich unbemerkt Briefe, Postkarten usw., die dann in der Drucksache oft weite Irrfahrten machen. 2m eigensten Interesse des Publtt^ms muh em- dringl.ch davor gewarnt werden, die Klappe solcher Llmschläge nach innen einzuschlagen; viel besser ist es, d!e Klappe über d ie Rückseite lose Überhängen zu lassen. AlS recht zweckmäßig haben s.ch Umschläge bewährt, die an der Vrrschluhklappe einen zungenartigen Ansatz haben, der in einen äuheren Schlitz des Umschlags gesteckt wird. Sie sichern den 2nhatt vor dem Hcraussallen und verhindern das E.nfchieben anderer Sendungen; ihre möglichst ausgedehnte Verwerrdung ist im allgemeinen Interesse zu wünschen. Verhältnismähig häufig verschieben sich auch Briefe usw. in Zeitungen die unter Sire;sband verschickt werden. Cs ist daher brmgenb zu raten, die Zeitungen Zunächst zu umschuüren und dann die Strei, bänder so fest wie möglich um die Zeitungen zu legen. ” Weihnachtsfeier des Lyzeums und der Stubienanftalt i.E. Wie in ben Vorjahren, so veranstalteten auch biesmal roieber Lyzeum und Stubienanftalt eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier. Da ber Turnsaal ber Anstalt für eine solche Feier viel zu klein ist. so mußte bie Turnhalle am Dsroalbsgcrten dafür gemietet werben. Kurz nach 10 Uhr versammelten sich bort gestern vormittag bie einzelnen Klassen, bie erst noch zwei Stunden Unterricht gehabt hatten. Der weite Raum war bald bis bi bie letzte Ecke mit fröhlich plaubcrnben Rinbern gefüllt, beren Aufmerksamkeit aufs höchste gespannt war in Erwartung ber schönen Dinge, bie ihnen geboten werben sollten. Um 101 Uhr begann die Feier mit bem gemeinschasllichen Gesang des Chorals „Wie soll ich dich empfangen”. Hieraus wurde von einer Schülerin ber Unterprima das Weihnachtseoangelium vorgelesen. Alsdann zogen unter ben Klängen ber Musik in feierlichem Zuge alle bei bem Weihnachtsspiel mitwirkenden Schülerinnen in ihren prächtigen Roftümen burch den oaal auf die Bühne. Lautlose Stille herrschte während dieses Einzuges; wie gebannt hingen die Augen der Rinder an diesem farbenfrohen Bilde. Sosort begann nun die Aufführung des Märchens JIRarienfpier. In rascher Folge rollte Szene auf Sjcne dieses ansprechenden Stückes vor den Augen der Rinder ab. Das eindrucksvolle Spiel, bas durch jie^ung der Sckmßwasfe ein. Das Abgeben von die schönen Äoftüme wirkungsvoll belebt wurde explofwen Stoffen, Feuerwerkskörpern usw. an ' ' ‘ • • — Personen, von denen ein Mißbrauch zu befürchten ist, insbesondere an alle Personen unter 16 Jahren, ist Verboten. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden mü Geldstrafe bis Ku 150 Mk. oder mit Haft bestraft. Es w^rd auch nach Artikel 44 deS hessischen Polizeiitrafgesey- wiches auf die eigene Strafbarkeit von Gütern, Vormündern und sonstigen Personen hing:wicsen, kie eS an der nötigen B:aufsich;igung der unter ihrer Obhut stehenden Kinder uni) sonstigen Pflegebesohlenen fehlen lassen. insbesondece auch ber schöne Gesang und die Reigen der Engelschar hiellen Auge und Ohr der Zuhörer bis wletzt gefangen. Rach ber Ausführung verließen bie Mitspielendcn wieder in feierlichem Zuge den Saal. Rauschender Beifall belohnte die [ungen Künstlerinnen für ihre Darbietungen. Er war ihnen von Herzen zu gönnen, denn sie hatten großen Fleiß aufmenben und viel Zeit opfern müsien. bis sie lomcit waren, daß sie in Ehren bestehen konnten. Ganz besondere Anerkennung gebührt aber der Leiterin der ganzen Ausführung. Studimasiesiorin Dr. Lotte Block, die in langer Arbeit das Märchen- spiel vorbereitet hatte. Sie wurde in vortrefflicher Ißeiie in ihrer Tätigkeit unterstützt von ber Lehrerin Hedwig Seife, der Studienreferendarin Dr. Ra- Telephon 1639 Ludwigstraße 26 empfiehlt für die bevorstehenden Feiertage seine bekannten Lieferung frei Haus. Anerkannt beste Siption-Biere Täglich frische, hygienisch einwandfreie Abfüllung. ----- _______»0525 D Bierhandlung und Bierausschank Albert Merlau, Gießen erstklassigen Biere aus dem GießenerBrauhaus und zwar: Export,Pilsner,Bock ferner: Münchner Pschorrbräu in Flaschen und Siphons. IBESt AÄ v<6- 7.- Einzigartige OelegenheitBl 27. bis 31. Dezember 1926 nur 5 Tage 10690D SW Freihändiger Verkauf ESI (wegen sofortiger Barmittelbeechaffung für Rechnung des Auftraggebers) eines großen Postens echter ■ Perssr Teppiche ■ verschiedenster Größen und Provenienzen. U. a : Zimmerteppiche in den gesuchten Größen (Einzelstücke bis 6 m Lflnge), Brücken, Vorlagen, Verbinder usw. I Sämtliche Stücke sind von bester Erhaltung und Beschaffenheit. 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Insolgedessen hatten bisher die Gewerbe- und Kausmannsgerichle keinerlei organischen Zusammenhang mit dec Justizverwaltung. Die 3n- nungsschiedsgerichie sind interne Einrichtungen der einzelnen HonbwerkSinnungen. Das deutsche Handwerk hat seit Jahrhunderten solche Einrichtungen, vor denen eS Streitigkeiten zwischen den Handwerksmeistern und ihren Gesellen oder Lehrlingen zum AuStrag bringt. Diese Einrichtungen sind auch in der deutschen Gewerbeordnung alS InnungS'chietSgericht ousrecht erhal'en worden. Allerdings hoben bei weitem nicht mehr alle Innungen von der Möglichkeit der Einrichtung solcher Innungsschiedsgerichte Gebrauch gemach' Die grundsätzliche Dedeutuna des neuen Gesetzes liegt darin, daß die Arbeitsgerichte in Zukunft mehr an die ordentliche Gerichtsbarkeit herangebracht worden sind Zwei grundsätzlich versch edene Auflassungen über den Ausbau der Arbeitsgerichte waren vorhanden. Dmnfchnrt'onale u. Deutsche Volks- Partei erstrebten die völlige Eingliederung der gesam'en Arbe'tsgerich'e in die ordentliche Gerichtsbarkeit. 5) c So taldemokraten dagegen erstrebten den Aufbau der Arbeitsgerichte außerhalb der ordentlichen Justiz und hofften damit den Grundstock für die von ihnen erstrebten kommunalen Sozialbehörden zu schaffen. Der Gesetzentwurf, auf den das Gesetz ausgebout worden ist, hielt die Mitte -wischen beiden Vorschlägen. Die eigentlichen Arbeitsgerichte, also die erste Instanz, werden den Amtsgerichten nur angegliedert. Für jeden Bezirk eines Amtsgerichts soll ein Arbeitsgericht errichtet werden. Allerdings wird diele Errichttrna in Zukunft als unmittelbarer Staatsakt der Länder erfolgen. Dan stehen Kauf- mannSgerichte und Ge'^erbegerichte nicht mehr auf kommunaler Grundlage. Errichtung. Be» setzung und Dienstaufsicht ist in Zukunft den Landesjustizverwaltungen übertragen. Zwar sollen bMe im Einvernehmen mit den Landes- sozialbehörden verhandeln, ober der Grundsatz der Trennüng zwischen Derwaltung und Justiz ist gewahrt geblieben. Die Vorsitzenden und ihre Stellvertreter werden von den LanbeSjustixver- waltungen bestellt. Von selbstverständlichen LlebergangSbest Immungen abgesehen, sollen sie ordentliche Richter sein. Dei den Landesorbeits- gerichten, die den Landgerichten organisch eingefügt sind, und die zweite Instanz darstellen, müllen die Vorsitzenden und die richterlichen Beisitzer stetS ordentliche Richter sein. Das gleiche gilt für die dritte Instanz, dem Senat beim Reichsgericht. Reben diesem Ausbau der Arbeitsgerichte war strittig die Frage der Zulassung der Rechtsanwälte. Die Rechtsanwälte selbst hoben sich um ihr« Zulassung sehr stark bemüht. Ihre Zulassung bei der ersten Instanz, den eigentlichen Arbeitsgerichten, ist jedoch abgelehnt worden Die Arbeitn hmer aller Richtungen hakten sich dagegen gewendet. Es bleibt in Zukunft also bei dem bisher bereits bestehenden Zu stand. Die dritte Schwierigkeit, die sich in dem letzten Stadium der Gesetzwer'^ung zeigte, war die Frage der sogenanntenH andwerksgerichte. Wir haben bereit- daraus hingewiesen dah nicht mehr alle Innungen Innungsschiedsgerichte haben. Infolgedessen sah der Regierungsentwurf die Aushebung der InnungsschiedSgerichte vor. Für arbeitsgerichtliche Streitigkeiten zwischen Handwerksmeistern und ihren Gesellen oder Lehrlingen sollten allgemein die Arbeitsgerichte zuständig sein. Das deutsche Handwerk hat sich Evangelischer Kirchengesangoerein. Am gestrigen Mittwochabend brachte der Evangelische Kirchengesangverein Diehe, in ö?r überfüllten Stad:k rche das Weih- nachtSoratorium von Heinrich von Herzogenberg zur Aufführung. DaS Oratorium (op. 90) »Die Geburt Christi" ist geschrieben für Soll, Demisch'en Chor. Männer- und Knabenchor und Demeindegeiang mit Begleitung von Streichorchester, Flügel und Orgel. Als Solokräfte wirkten mit die Damen Thilde Walther (Darmstadt), 3da Stammler (Gießen). die Herren Lic. I. F. 2a un (Dietzen) und P. Schäfer tDarmstodt), sowie Stad'.organist Simon; di« musikalisch« Leitung lag in Händrn von Studienassessor Roller. — Das Werk, dessen Tert von einem Freunde des Komponisten, Friedrich Spitta, auS Worten der heiligen Schr.ft und (teilweise sehr verbreiteten) Kirchenliedern zu- sannnengestellt wurde, gliedert sich organisch in drei grobe Hauptabschnitte: Verheißung — Erfüllung - Anbetung. Der erste Teil, eingeleite: durch Orgelvorfpiel. Gemeindegesang, kurze Ansprache und G-bet. behandelt das Thema der Verheihung der Christgeburt im antiphoni- schon Wechsel von Chor und Einzelstimmen und wird wiederum durch dm gemeinsamen Gesang „Ich lag in schweren Banden" beschlossen. Im Mittelteil — „Die Erfüllung" — entfaltet sich vielstimm g der e'gent'.ich weihnachtliche Gehalt des Oratoriums. Hier liegen thematisch und musikalisch die Höhepunkte des ganzen Werkes, vor allem in der berühmter W^ihnachtserzählung des Evangelisten („Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot ausgiug vom Ka ser Augustus.. "), in der k nstvoll abgewandrlten. sehr alten Christgeburtweise ..Es ist ein Ros entsprungen" und in dem wunderbar innigen Zw egrsang und Wieg n- liedr Mer as rni> Ics:phr: »Ieseph. lieber Joseph mein" und „O gebrned.ite Rächt". Zum Schluß die Verkündigung des Engels und der zum Ge- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen- Oonnerstag, 23. Dezember 1926 Der spanische Flug. Don unserem v. U.^t. Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Es ist noch nicht lange her. daß der kühne Flug des Obersten Franco von Hueloa nach Buenos Aires die ganze spanische Wett in Begeisterung versetzte und weil mehr zu einer Annäherung zwischen dem Mutterland« und seinen früheren Kolonien beitrug, als es alle Reden und Festakte tun konnten. Der Außenminister 6r. Pangucis-Mesiias betont es wiederholt, daß Spanien seine vornehmste Ausgabe in einem möglichst engen kulturellen Zusammenschluß mit den Tachter.ändern Süd - und Mittelamerlkos sicht, und daß auch die politischen und Handelsbeziehungen zwi- schen allen Ländern der spanischen Raße möglichst eng geknüpft werden sollen. Das Ziel ist nicht ganz leicht zu erreichen, da sich die flügge gewordenen Kolonien zum Teil im System ihrer Verwaltung, in ihrer Psyche und in ihrer Art zu leben wesentlich vom Mutterlande unterscheiden, und die Madrider Ideale nicht den ihren entsprechen Es genügt, als Beispiel an die Vorgänge in Mexiko zu erinnern. Zwar bleibt immer das starke Pand der gemeinsamen Sprache, und ee bleiben die historischen (Erinnerungen, die sich von Generation zu Ge> ne-.ation fongeerbt haben. Hat Spanien durch den Transozeanflug Francos, der mit der Entdeckungsreise von Columbus verglichen wird, viele Bewunderer und Freunde in Südamerika gewonnen und sich den verlorenen Kolonialbesitz wieder nahe gebracht, so soll der Flug des Obersten L I o r e n t e noch Guinea, den er am 10. Dezember mit einem kleinen Hydroplangeschwa- der von Melilla aus unternahm, eine erneute feste Besitzergreifung der bisher recht stiefmütterlich be- handelten spanischen Kolonien symbolisieren. Nachdem Spanien nach dem unglücklichen Krieg mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika durch den Frieden von Paris Cuba verlor und das Sternenbanner über Puerto Rico und den Philippinen aufgezogen wurde, hörte Spanien im Bewußtsein Europas auf, zu den Kolonialländern zu zählen, denn die Kanarischen Inseln, die aus der Route nach Südamerika von den großen Ozeandampfern angelaufen werden, sind keine Kolonien, sondern vollberechtigte Provinzen. Jedoch ist Spanien noch immer ein Reich mit recht bedeutendem Kolonialbesitz Ihm verbleiben im Golf von Guinea die große Insel Fernando Po mit mehr als 2000 Quadratkilometern Areal, ferner die Inseln Annobon, Corrisco, Elobey grande und Chico, sowie die fruchtbaren, fast noch uner- forschten Landstrecken am Rio Muni, und am Rande der Sahara Rio de Oro Es hat zwar schon im vorigen Jahrhundert einige spanische Kolonialenthusiasten, wie z. B Iradier, gegeben, die vergeblich das Interesie ihrer Heimat für die afrikanischen Besitzungen anzustacheln versuchten. Einige Hundert Kolonisten wurden nach Fernando Po verschifft, jedoch der größte Teil erlag bald den Fiebern und die übrigen wurden ihrem Schicksal überlassen. Nur die Hauptstadt S t a. Isabel, der Sitz eines Gouverneurs, nahm einen gewissen Aus- schwung und ist heute eine Stadt mit hübschen Gärten und Faktoreien, hat aber noch lange nicht die Bedeutung, die ihr als Hauptstadt einer reichen Kolonie zukommt. Nur einmal im Monat gibt es eine regelmäßige Dampferverbindung mit dem Mut- terlanbe. Trotzdem Fernando Po den ausgezeich- netften Kakaoboden besitzt, so produziert es doch etwa zehnmal weniger als das viel kleinere portu- mit Recht dagegen gewehrt, daß Streitigkeiten aus dem Lehrvertrag in dieser Form geregelt würden. Der Lehrvertrag ist nicht ein Arbeitsvertrag. bei dem Arbeitsleistung auf der einen, Entlohnung auf der anderen S.'ite das ausschlaggebende darstellt, sondern in erster Linie ein Srziehungs- und DildungSverhält- n i s Die bürgerlichen Parteien waren zunächst geneigt, deshalb die Innungsschiedsgerichte für Streitigkeiten aus dem Handwerkslehrvertrag beizubehalten. Abgesehen von politischen Schwierigkeiten wäre das für das Handwerk aber kein Vorteil gewesen. Denn überall da. wo keine InnungsschicdSgerichte bestehen, war dann für Streitigkeiten auS d.m Lehrvertrag das Arbeitsgericht doch zuständig. Infolgedessen hat man beschlossen. bei allen Arbeitsgerichten be- f o n der« ,H andwerksgerichte" ziz er- meindegesang überleitende wucht g? Chor »Ehre sei Gott in der Höhe". Der dritte Abschnitt, „Die Anbetung", wird durch eine vom Kmderchor aufgenommene, sehr eigenartige und fein instru- mierte Hirtenmusik eröffnet. Ganz entzückend in feiner schlichten, fliehend bewegten Melodik der Chor „Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frauen...", voll weihnachtlicher Stimmung auch der Hirter.grsang „Als ich bei meinen Schafen wacht..." und der kleine Prosatext des Evangelisten „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sic in ihrem Herzen": den starken, polyphon gesteigerten Ausktang gab der schwierige Doppelchor und Cantus f rmus .Allo frit Gott di« Welt grliebt..Den Drschluß d'r schönen und weihnachtlich gestimmten Abend'eier bildete ein gemeinsames Gebet und der Gesang der Gemeinde. Die Pfälzer Liselotte und der Chriftbaum. Die Herzogin El sabcth Charlotte von der Pfalz, die bekannte Liselotte, die am Hofe Ludwigs XIV. ihr deutsches Wesen so urwüchsig bewahrte. ist uns ein lebendiges Sinnbild deutscher Charakterstärke, di? sich l.eghaft aas der barocken Welt der Ausländeret hervorhebl. Liselotte hat sich stets ihre L ebe zu ihrem Volk und besonders zu den Pfül-eim bewahrt: aus dem leeren und seelenlosen Prunk am Hofe des Sonnenkönigs blickte sie mit wehmütiger Rührung in das entschwundene Kinderparadies zurück, das sie in Deutschland gesunden hatte, und unaufhörlich schwärmen ihre 6rinn:r. n.^ea zurück ins Iugend- land. Wenn wir uns das Bild d eser urdeutschen Frau in dieser ur. deutschesten Umgebung v.rgegen- toärtigen, so berührt es uns besonders eigentümlich. daß Liselotte — worauf erst in jüngster Zeit hingewiesen worden ist — ein' wichtige Zeugin für die Feier des deutschen Weihnachts- sestes geworden ist und besonders mit als erfte uns von der Sitte des Lichterbaums erzählt. Die Entstehung des Christbaums, der für uns daS aiesisch« St Thome, io daß auch der Export der Ko- lonialprodukle aus Dem Hasen stockt Die Eingeborenen der Inscl, die Bubi», die zur Pamue- tamilic gehören, leben noch immer 'm Innern der Insel halbwild unter ihiem eigenen, fast immer be- trunlenen König dahin, der allerdings nicht allzuviel zu befehlen hat und keine Todesstrafen verhangen darf. Im übrigen geht er ebenso wie seine Untertanen nackt einher und trägt nur al» äußeres Abzeichen seiner Wurde einen uralten Zylinderhpt mit dreifacher Goldborte. Die (Eingeborenen sind degeneriert und können zu keiner geregelten Arbeit angelernt werden. Sie verbringen ihre Zeit mit Maringatan^en und mit der Bereitung eines berauschenden Getränkes. Auch dem bösen Gott RupS bereiten sie manche betrunkenen Feste, um ihn zu besänftigen, während sie den !luten Gott Morimv unbeachtet lassen. Die Mis- ionsschulen in Sta. Isabel üben keinen durchgrei- cr.den Einfluß auf die (Eingeborenen aus, die sich zwar gerne taufen lasten, um Patengeschenke zu erhalten, im übrigen aber ihren heidnischen Ge- vräuchen treu bleiben und sich soviel« tfraucn kaufen, wie es ihnen ihre Mittel gestatten. Die Pflanzer schen sich gezwungen, Kruneger aus Liberia zu engagieren, stoßen aber dabei, trotz aller Verträge oft auf Hindernisse von feiten der Regierung von Liberia. Die Regierung Primo de Riveras hatte nun schon lange den Entschluß gefaßt, den Mißständen in der Kolvnlaloerwaltung ein Ende zu bereiten. Dem Gouverneur der Kolonien wurden nicht unbedeutende Mittel für Straßen- und Wegebau zur Verfügung gestellt. Den Kolonisten werden Vorteile und Kredite gewährt, kolonialtechnische Expeditionen werden in das Innere von Fernando Po und Guinea ausgerüstet und fieberverpestete Landftrecken werden fanterl. Unter diesem Gesichtswinkel muß der Flug des spanischen Luftgeschwaders unter Oberst ßlorenic, das aus drei Hydroplanen, Typus Dornier-Wal, besteht, als ein wichtiges Ereignis betrachtet werden. Der Aufstieg wurde von großen Feierlichkeiten begleitet. Der päpstliche Segen wurde den Fliegern und ihrem Unternehmen erteilt. Ge- neral Castro-Girona bezeichnete die Flieger als Herolde Spaniens. Glückwunschtelegramme des Königs und der höchsten Behörden trafen ein, Ban- fette wurden veranstaltet usw. Der Flug geht über Casablanca nach Las Palmas, von dort über Port Etienne nach Dakar, weiter über Konakrn nach Monrovia, dann über Bas- s a n nach Lagos, und von dort nach S t a. Isa- bei. Im ganzen eine Strecke von 7090 Kilometer. Die erste (Etappe wurde laut den vorliegenden Meldungen aus Casablanca recht glücklich überroun- den, nur entsteht wegen eines Motordefeltes ein erzwungener Aufenthalt von einem Tage. Da die atmosphärischen Bedingungen günstig sind, so wird mit keinen weiteren unliebsamen Zwischenfällen gerechnet. Für die spanische Luftschisfahrt bedeutet dieser Flug nach Guinea ein neues Ruhmesblatt. Nachdem nun die Konzession endgültig an die Zeppelingesellschaft Colon erteilt worden ist, wird voraussichtlich binnen drei Jahren die regelmäßige Fluglinie zwischen Sevilla und Buenos Aires in Gang gebracht fein. Auch die deutsche Lufthansa wird bald ihre regel- Mäßigen Flüge zwischen Berlin und Madrid eröffnen. Dadurch wird Spaniens Bedeutung als Flugstation für die wette W?lt ins Große wachsen. richten, die auS einem Richter als Vorsitzenden und je aus einem Handwerksmeister und Handwerksgesellen alS Beisitzer bestehen. Danben wurde beschlossen, daß bei Streitigkeiten zwischen Meistern und Lehrlingen Klage beim Arbeitsgericht erst erhob:n werden kann, nachdem eine Verhandlung vor einem Jnnungsausschuh statt- gesunden hat und die Parteien innerhalb einer Woche den gefällten Spruch nicht angenommen haben. Diese neue Lösung wird deshalb ohne Zweifel den Wünschen des Handwerks besonders gerecht, weil sie eine Regelung für das gesamte Handwerk bringt, während bei der Aufrechterhaltung der Innung sschiedsgerichte di« Regelung nur für diejenigen Innungen bestanden hätte, die von einer solchen Einrichtung Gebrauch machten. schönste Symbol des Christfestes geworden ist, läßt sich ja nicht sehr weit zurückverfolgen. Zwar hat man auf die Lichterbäume Ind e iS und d e Daumverehrung d:r alten Germanen hingewiesen, aber daS sind doch nur sehr unsichere Vermutungen, die mit d:m We hnachtsbaum wenig gemern- sam haben. Daß grüne Zweige an den Festen als segenbringende Zeichen der Fruchtbarkeit angebracht wurden, ist ja uralt, und für daS WeihnachtSfcst wird uns die Derwe-d ng solcher Segenszweige zuerst im „Rarrenschiff" Sebastian Brants bezeugt. Die erste Kunde von einem Tannen bäum, der zu Weihnacht aufgerichtet wurhe, stammt ebenfalls aus Slratzburg. und zwar heißt es in einem Bericht vom Jahre 1605: „Auf Weihnachten richtet man Tann en - bäume in den Stuben auf; daran hängt man Rosen, aus vielfarbigem Papier geschnitten. Aepsel, Oblaten. Z.schgold. Zucker usw." Dieses Auftauchen des weihnachtlichen Tannenbaums im 17. Jahrhundert ist auch sonst noch hier und da nachzuweisen: so wird es in den Denkwürdigkeiten der Herzogin Sophe Dorotß.a von L.egnih erwähnt, und auch aus Dachsen gibt es vereinzelte Mitteilungen, die vermuten lassen, der Brauch fei während d^ Dreißigjährigen Krieges von den Schweden eingeführt worden. Das wertvollste Zeugnis aber ist das der L selotte, das uns den Glanz des k:rzeng schmückten DaumeS lebendig vorführt. Am 11. Dezember 1708 schrieb die mitteilsame Fürstin an die Herzogin Elisabeth Charlotte von Lothringen einen französischen Brief, in dem ihre Gedanken, wie so ost. in die Kindheit zurückschwe fen; sie gedenk! der Feier des St. Rikolastages in Deutschland und fährt bann fort: „Ich weiß nicht, ob Ihr ein anderes Spiel habt, das noch jetzt in Deutschland üblich ist; man nennt es ba$ „Christkinde!". Da richtet man Tische wie Altäre auf und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen auS, mit neuen Kleidern, mit S lberzeug, Puppen, Zuckerwerk und allem möglichen. Aut diese Tische stellt man dann DuchSbäume und bef.Rigi an jedem Zweig eine kleine Kerze. DaS sieht allerliebst auS, und ich würde eS auch zu dieser Stunde noch gern sehen.- Ich erinnere miuj, wie man mir z > Hannover das Christkindel zum letztenmal kommen ließ. Man läßt Schüler kommen, die e n richtiges Schauspiel aufsühren: zuerst erscheint der St^rn, dann der Teufel und Engel, hieraus Christus mit St. Peter und anderen Aposteln Der Teufel klagt die Kinder an und verliest e n langes Register ihrer Sünden. Christus sagt dnrauk, er sei gekommen, um ihnen Geschenke zu bring m; da sie aber so unartig seien, wolle er nicht be ihnm bleiben. Der Engel und St. Peter bitten für sie und versprechen, daß sie sich b'lsem werden. Das Christkind verzeiht ihnen, und Dl. Petrus und die Engel führen sie zu den Tischen. Wenn davon 5 oder 6 aufgestellt sind, so läßt sich nichts Hübscheres denken, denn all's ist mit bintfarbg n und silbernen Bändern behangen. Als mich St. Petrus, der ein junger Schüler mit einem frischen Bart war. bei der Hand nahm, merk e ich. daß es nur ein Spaß war . . ." Als Lis lotte bet ihrer Tante Sophie in Hannover, wo sie vier glückliche Jahre verbrachte, das „Christk ndel" zum letztenmal, feierte, da war sie 12'/, Jahre alt, und wehmütig gedenk sie in diesem und auch noch in einem anderen Briefe d^s LiÄterbau.ns, den sie so gern wieder einmal leuchten sehen möchte. Freilich gab es damals um 1630 in Hannover zu Weihnachten noch keine Taimen, sondern eS war der Duchsbaum. der mit Kerzen geschmückt wurde. Decker erinnert in se ner „Psälzer Volkskunde" daran, daß noch heute in vielen Dörfern der Pfalz der Weihnachtsbaum als „Duchsbaum" bezeichnet wird, und d elec immergrüne Daum war früher in fast jed m Garten der Vorderpfalz zu finden, wurde häuf g in Töpfen gezogen, zu Weihnachten auSg schmüctt und in die Stube gestellt. So schemen eS dem, auch Pfälzer Erinnerungen der Liselotte zu fe n, die hier mitsprechen. Rach d esem Zeugnis der Pfalzgräsin vergeht dann sreilich e n ganze- schweigendes Jahrhundert, bevor wir w ed r vom Lichterbaum zu Weihnacht hören, und erst au Anfang des 19. Jahrhunderts ist der brennend« 2 armen bäum bei uns allg meiner S.tte geworden, hat den Siegeszug durch die Welt angetreten. Oberhejjen. Landkreis Gieren £. Wieseck. 23. ®ej. In feiner jüngsten Sitzung beschäftigte fich der Gemcinderat zunächst mit der Reufest setzung der Hundesteuer für 192 7. Man einigte sich un afigemeinen auf die vorjährigen Öiix. Demnach ist an Gcmcindehmrdesteuer jährlich zu zahlen 4 Mr. für den ersten Hmrd. 8 Ml. für den zweiten und 15 Ml. für den dritten Hund — Die Gemeinde ist Gesellschafter der Bauhütte Gießen -Wetzlar. 5X'r wahrend der Inflation cingejablte Gesellschaitelxmteil im Betrag« von 1 Million Qltarf beträgt nach der vorgenommenen icOprozentigen Aufwertlmg nebU aufgelaufenen Zinsen 214 Mk. Sin A i'.rag. diesen Anteil auf 600 Mk. zu erhöhen, ver'iel der Av- lehnung. Don der rechten Seite des Gemein Berats wird verlangt, in einer der nächsten Sitzungen den Austritt der Gemeinde alS Gesellschafter zu vollziehen. — Der nächste Punkt batte ei « ansehnliche Zahl Zuhörer ang lockt; er betraf die Dinterbeihilf« sürDrwerbSlose, Sozial - und Kleinrentner. De Oesient- lichkeit wurde aber nur im theoretischen Teil der Verhandlungen zuaelassen. Sine früher stattgehabte Besprechung halte bereits die notwendigen Grundlagen geschasseit. nach denen die ülnterstützung zur Auszahlung gelangen sollte. Der Fürsorgetommis ion blieb die Ä lSsührung bestimmter Richtlinien Vorbehalten. A, Unterstützungen werden nach den gefaxten Brschlusien auSgezahlt: an unterhaltSpslichtige Hau»tUnterstützungsempfänger 40 Mk. und für jeden Zuschlag sempsänger 5 Mk.. an ledige Unterstützungsempfänger über 21 Jahre 30 Md, unter 21 Jahre 20 Mk. AlS Stichtag war der 18. Dezember bestimmt Wer an diesem Tage mehr alS 15 Tage «rwerbSlos war, erhält die vollen ülnierstützungssätze. Bei weniger als 15 Tagen Erwerbslosigkeit werden 50 Prozent vorstehender Sätze gewährt. Um die auszuzahlen en Beträge ihrer reinen Zweckbestimrnung zuzuiüh.en, soll in einigen Fällen die Auszahlung in Ra'.u- ralien erfolgen. AuS gleichem Grutrde erfolgt die Auszahlung der Sonderunterstutzung für Ledige unter 21 Jahren grundsätzlich nur an bereit Ellern, bzw an den jeto.-iligea Hau-HaltungS- vorstand. In gleicher Höh« bewegen sich die Sonderunterstützungssätze für Sozial- und Kl ;;i- rentner und für Personen, die der ösfentlichen Fütlorge unterstehen. Insgesamt werden an Win- terbeihilsen in unserer Gemeind« in diesem Jahre 6300 Mk. zur Auszahlung gelangen. (D Collar, 22. Dez. Der Gemeinderat bat in seiner gestrigen Abendsitzung den Vorschlägen der Fürsorgekommission auf Zahlung einer Weihnachlsbeihilse an d i e Erwerbslosen, deren Zahl wieder auf 322 ange» wachsen ist, zugeslimmt. Maßgebend für die Hohe der Zuweisung bleibt der Grad der Bedürftigkeit. Die vorgesehene Ausgabe beläuft sich auf 8Ö0 Mk. Hiervon hat die Gemeinde s mit 600 Mk. zu tragen, während der Restbetrag aus Kreis- bzw. Staatsmitteln ßurürferftattet wird. Die Hundesteuer soll für das Jahr 1927 in gleicher Höhe wie dieses 9abr zur Erhebung kommen. — Ein hier wohnhafter Gelegenheitsarbeiter, Kaufmann und Reifender, der wegen Unterschlagung seit Wochen verfolgt wird und sich auswärts aushielt, konnte gestern abend durch Wachtmeister Bambey in dem Augenblick verhaftet werden, als er zu einem kurzen Besuch seine Wohnung betreten hatte. I—I Daubringen. 22. Dez. Ges ter . nachmittag veranstaltete die Oberllasse unserer Schule eine Märchenlichtblldervorsührung, anschließend hielten die beiden anderen Klas en im Beisein deS Schulvorstandes «ine Weihnachtsfeier, bei der schön vorgetragene Gedichte und stimmungsvolle Weihnach'.s.ieder abwechselten. Am Abend hatte der dritte Jahrgang unserer Mädchenfortbildungs- schule unter Leitung von Frl. Säubert. Dießen. Lehrerschaft und Schulvorstand zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Den guten Leistungen der Schülerinnen wurde allgemeines Lob gespendet. — Laut Beschluß des Gemeinderats wird ein Teil unseres Dorfes kanalisiert. Die Arbeiten wurden den Unternehmern Bürgermeister Preis von hier und Ruhl von Lollar, die mit 25 000 Mk bei der Submission am niedrigsten und 7000 Mk. unter dem Hüchsl- nehmenden waren, zuerteilt. Die Arbeiten sollen von den Arbeitslosen 'vr3i?füf>rf werden, mit Gegen die Sensation. Ein Weihnachtswun^ch an alle Vereine des Hessenlandes! i Don Schulrat Heinrich Haslinger, Leiter der Zentralstelle zur Föcterung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen. Um die Weihnachtszeit werden dir Wünsche stärker und ausgeprägter: deutsche Art will es so, und sie hat dieses Fest unter unseren Hänten zu dem erhadenrn Fest drs Gewährens und Schenkens gestaltet. Wie müht sich jeder. Freude unter sein Dach zu bringen u.rd einen Schimmer von Zufriedenheit: wie härmen sich die Herzen und wie mühen sich die Hände! Und mr.tn ich mich nach meinem Aufruf , QLtDlaiLtag; Weihnachten war nut ein Fest für die Großen. Erst als diese Umzüge in Li: F.ier der We hnicht (ingeich.otzen wurden, entstand die Kinderb. ajeniung am Christabend, entwicke.tr sich unser heutiges Weihnachts- fest, das feinen eigentlichen Glanz von dem Jubel ter Kleinen erhall. Eine alle Sage erzählt, daß das Christuskind bei seiner Geburt ten Kindern etwas zum Geschenk mitgeoracht habe, und so war es natürlich, daß man auch der Kinder bei dem Erinnerungsfest an Christi Geburt gedachte. Sv entwicke.t: sich int 16. Jahrhundert die Sitte bet, ..Christbürden", für die wir den allesten Beleg vom Jahre 1563 aus Straßburg haben. Die „Christbürde" ist ein Bündel, in das die Geschenke zusammengebunden werden und das der „hei ige Christ" selbst bringt. U:bet den Inhalt dicket „Christhürden" vermeidet ter Pfarrer Thomas Dinita in einer Weihnachtsprrdigt von 1571: „Die Kinderlein finden in ihren Bündlein gemeiniglich fünferlei Dinge: Erstlich Geld, viel oder wenig, je nachdem der Haus-Christ vermag und reich -st doch .afs:n sich de armei Kurie: e n an einem Pfennig oder Heller, in Aepfel gesteckt, genügen und sind guter Dinge darüber. Darnach finden sich auch genietzliche Dinge, als Christstollen, Zucket werk. Pse'ferkuchen: daneben Aepsel, Birnen, Nuß und von gar mancherlei Art allerlei Bestes. Zum dri ten finden s e ergötzliche und zu Freuden gehörige Dinge, als Puppen und anderes Kinder rerk. Zum vier en finden sie nötige, zur Bekleidung und Zier des Lebens d:enstiiche Dinge, gar mancher'ei hübsche Kleider- .ein von jgu em Ge eug und Seiden in rein» luter Arbeit geXtigt Zum letzten finden sie auch, was zur Lehre, Gehorsam, Zucht und D sziplin gehört, als ABC-Säf:ein, Titeln und schöne Dücherle'n, Schreib» und Fedeweug. laviere usv. und die angeountene Christrute." öoldje Bescherungen, in tenen schon eine reiche Auswahl der Geschenke vereinigt war, wurden im 17. Jahrhuichert auch in ten Kirchen veranstaltet, und dann wurden die Geschenke nicht mehr in Bündel gebunden, sondern in Gefäße getan, die von ten Kindern hingestellt waren. So entstand eine neue Art ter „Einbescherung", die ter Nürnberger Chronist Warenseil gegen Ente des 17. Jahrhunderts also schildert: „In der Christnacht füllen die Ellern den kleinen Kindern die großen Schüfteln. welche jene für den Abend furchtsam, zitternd und doch auch wieder fröhlich leer auf die Tische gestelll haben, voll verschiedenartiger Geschenke, und übet diese freuen sich die Kinder, wenn der Tag graut, so daß sie vor Freude fast außer sich sind, gleich, als hä te das Christkind die Geschenke vom Himmel regnen lassen oder als hätte es sie in di: Schü sein he-un erge ror en." In ter gelehrten lateinischen Abhandlung des Wärt ember-er Juristen Kißling vom Jahre 1737 ist dann die Weihnachtstescherung dargestelll. wie wir sie noch heute haben. Die Geschenke werden am Heiligen Abend in dec Stute auf Tischen aufgebaut: die Kinder warten im Dunkel auf das ersehnte Klingelzeichen, und zur Erhöhung ter Feierlichkeit wird ter alt: kirchliche Weihnackts- brauch des L'ch'an ündens übernommen, intern Wachsstöcke die Telcherung hell erleuchten. AIS ßertlichet Dorbo'e des Heiligen Abendä erscheint nun der Weihnachtsmarkt. auf dem das Christkind all die schönen Sachen eintauft, die eS am Christabend unter die Kinder austeilen läßt. Eine dichten'che Schilderung einer solchen Bescherung wird zuerst von dem D'chter Pvra '745 gegeben: sie erscheint dann in Goethes Briefen kbon verk'ärt durch Den eben arflqekom- menen Wnbnach'Sbaum. und wird in all ihrer doe'ischen Roma-fk zu Anfang deS 19. Jaht- hu"dertS dargestellt, so in Sckleiermachers ..WelbnachtSabe-d" und in S. T. A. HoflmannS präch wem Weihnachtsmärch. d: begrüßen. Wie ungeheuer frisch wirken b : Ämter Werten des ersten Bildes, we.rn man auch Wagn^-schr Musik h er beziehungsvoll empli itet. weiche Märchenlyrik Chiflt d rch dem Engelsraum. und musilalisch wirk'.mgSvvll ist das K.rusperhäuOche, samt seiner Here illustriert. Lothar Wallcrstein hatte ter A f.ührung känstlerlsch: Sorgfalt zugew Hochelheim, 22. Dez. Im Anschluß an die Notiz in Nr. 297 des „Gießener Anzeigers" wird uns mitgeteilt, daß bei der amtctierürztlichen Untersuchung der Viehbestände der beiden Landwirte Maul- und Klauenseuche nicht sestgeslellt wurde. Es handelte sich lediglich um Maul- und Klauenseuche verdacht, der sich jedoch erfreulicherweise nicht bestätigte. Z Groß-Rechtenbach, 22. Dez. Bei einem von dem Pachter der hiesigen Gemeindejagd. Fabri- tont Hollmann - Wetzlar, veranstalteten F e l d- und Waldtreiben wurden 48 Hasen und ein 1 Fuchs geschossen. Die Jagd wu.de in der In- flation gegen eine hohe Papiermarksumme Der* Suchtet, Sie jetzt entsprechend aufgewertet ist. Der agdbezirk umfaßt rund 1800 Morgen Feld und 760 Morgen Wald. —S— S ch w a l b a ch. 22. Dez. Unser Ort dürfte wohl die größte Auswanderungsziffer unter dm Dörfern unseres Kreises zu verzeichnen haben. Aachdem dieser Tage wieder zwei junge Leute die Re se über den großen Teich angetreten haben, sind in den letzten 2 Jahren insgesamt 25 Personen von hier nach Amerika ausgewanden. tircid Westerbur. . 00 Westerburg, 23. Dez. Am Montag und Dienstag hielten die Pächter der Hunvsanger und Mols berg er I.rgd — Herren von Solingen — Treibjagd ab. Es kamen 53 Hasen. 3 Fasanen und eine Schnepfe zur Strecke. — Lange schon streiten sich in Westernohe die Grundbesitzer wegen der Konsolidation. Runmehr hat die Oberspruchlammer beim Oberlandeskulturamt in Berlin die Gegner abweisend beschieden. Mit der Vermessung der Gemarkung soll sofort nach Eintritt besserer Witterung begonnen werden, damit auch den Arbeitslosen durch Rotstandsarbeiten Beschäftigung g:gcben werden kann. Man rechnet, daß im Her ost 1929 jeder Grundbesitzer in die De- toirtfdnftimg seiner neuen Pläne treten kamt. — Dem (Zagdausseher Hugo Groß von Hallen- h a h n gelang es dieser Tage in der Pottumer Jagd einen prächtigen Fischreiher zu erlegen. — Bei der in den Gemarkungen Hund- fanget— Weroth abgehaltenen Treibjagd kamen 56 Hasen zur Strecke. — Am Dienstagabend fand in Westerburg eine Beamtenversammlung statt, in der versucht wurde, eine Zusammenarbeit der Vertreter der Beamtenschaft bei Stadtverordneten und Magistrat zu ermöglichen, da die Gegensätze, die sich in diesen beiden städtischen Körperschaften ausgetan haben, für die Realschule in Westerburg zu großem Schaden gereichen können. Ihr Weit et besteh en ist, falls eine Einigung nicht zustande kommen sollte, schon für die allernächste Zukunft (Ostern) sehr in Frage gestellt. Eine Entschließung soll an den Minister, an die Regierung und an den Schulrat gesandt werden, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die Westerburger Beamtenschaft dringend um Erhaltung der hiesigen höheren Schule bittet. Maingau. WSR. Frankfurt 0.1, 22. Dez. Die Stadt Frankfurt a.1 hat zum Weih- nachtLfeste dem Baron van Devervoor- de n, dem Präsidenten der Reederlandschen Äm- bulance zu Amsterdam, in dankbarer Anerkennung der den Kindern Altsrankfurts geleisteten Wohltätigkeiten die höchste Anerkennung der Stadt, die silberne Plakette, v^liehem — Man sollte es kaum für möglich halten, daß tie erst seit kurzem in Betrieb befindliche, mit erheblichen Kosten neuhergestellte Männer- schwimmhalle von gewissen Be.uchern in vandalster Weise beschädigt un) sogar ’mi * ■ i mn ■ । i o? < mi „Aber seine Verhaftung stand doch in allen Blättern." „Sie erschien in feinem einzigen Blatt!" sagte Dick. „Falls sie nicht in „Die neue Froschzeitung" eingeschaltet wurde. Vermutlich unter Personalnach- richten." Ray trat einen Schritt vor. „Was hat Sie hier- hergeführt, Gordon?" fragte er. .Ich möchte privat mit Ihnen sprechen", sagte Dick. „Es gibt nicht», was Sie mir nicht vor meinen Freunden sagen könnten", antwortete Ray. der un- mutig zu werden begann. ..Die Einzige, für die dieser Titel Geltung hat, ist Ihre Schwester", antwortete Gordon. „Gehen wir, Lew", sagte Lola achselzuckend. Aber Ray hielt sie zurück. „Bitte, einen Augenblick, Ist das mein Haus oder nicht?" fragte er wütend. „Sie kommen ganz einfach her, beleidigen meine Freunde, und werfen sie faktisch zur Tür hinaus. Ich bewundere Ihre Kühnheit. Dort ist die Türi" „Wenn Sie es so aufnehmen, so muß ich gehen!" sagte Dick. „Aber ich tarn hierher, um Sie zu warnen." „Pah, ich pfeife auf Ihre Warnungen!" ,Ich kam, um Ihnen zu sagen, daß der Frosch beschlossen hat. Sie Ihr Geld in Zukunft auch abdienen zu lasten. Das ist alles." Totenstille folgte, die endlich Ellas schwankende Stimme unterbrach. „Der Frosch?" wiederholte sie mit aufgeristenen Augen- „Aber Herr Gordon. Ray gehört doch nicht zu oen Fröschen?'' „Es wird ihm vielleicht noch neu sein, aber es ist trotzdem wahr. Ihre beiden Gäste, Ray, sind treue Diener dcs Reptils, Lola wird von ihm ausgehallen, genau so wie ihr Gatte —* „Lügner!" schrie Ray. „Lola ist nicht verheiratet. Sie sind ein eiender Lügner. Hinaus, bevor ich Sie selbst frinausmerfe!" _ Ellas stummes Flehen bewog Dick, wortlos zur Tür zu gehen An der Schwelle wendete er sich um und jein kalter Blick heftete sich auf Lew Brady. Im Froschbuch steht ein großes Fragezeichen bei Ihrem Namen, Brady! Seien Sie auf der Hut!" Brady fuhr unter dem Schlag zusammen, — berat es war ein Schlag. Einrtchtungsgcgen stänke entwendet werden. Wie im letzten Sommer im neueröffneten StaNonbad, sieht sich die Biderdirekt.on in vor- Gegend em Falle gleichfalls veranlaßt, sich mit einem Appä! an die Orssintsichkeit zu wenden, um bei den Gästen die wünschen $®;r:c Aufmerksamkeit auf die Feststellung derartig rüpelhafter Elemente zu lenken. lcknnachNchckrche Be'trafung und Ramcnsbllrnnlgabe tüefte.i ein vorzüglichem Abschreckungs- un) Erziehungsmittel sein, wenn andere Mitte! nicht helfen. tircis Fulda. WSR. Fulda. 22. Dez. 3n der Rähe deS Bahnhofs Kerzell bei Fulda geriet gestern ein Personenauto aus bis jetzt noch unbelanntec Ursache in Brand, so daß die Hellen Flammen daraus hervorschlugen. Kurz zuvor hatte der Lenker deS Wagen- an einer Tanlste.le Benzin eingenommen. Der Lenler konnte aus dem Wagen, der bis aus das Gerippe niederbrannte, nur noch seinen Kosser retten; alles andere verbrannte restlos. Buntes Allerlei. Die Monek Manet ehrte. Ter soeben dahingeschiedene Altmeister der impressionistischen Malerei. Claude Inet, hegte fein ganzes Leben lang die größte Verehrung für Manet, den Schöpfer deS Impressionismus, dessen Rame mit dein seinen wegen des Gleich- klangs oft verwechselt wurde. Er setzte es durch, daß daS erste Werk des Meisters, seine berühmte „Olympia", in ein Staalsmufeum tarn. Ta ei selbst damals - 1890 — mit seinen Bildern noch nicht viel verdiente, so kam er auf den Gedanken, eine Sammlung zu veranstalten, und ging mit einer Liste überall frerum. Er Krauchte aber länger als ein Jahr, um die nötigen 20 000 Franken zusammenzubringen. Erst dann konnte daS Werk erworben werden und war lange Zeit der Stolz deS Lurernbourg-MufeumS, bis es bann in den Louvre überführt wurde. Wortlose Geschäfte. Handel und Geschäft sind für unsere Vorstellungen mit einem großen Aufwand von Worten und allerhand Lärm verbunden. So mancher, der jetzt im Trubel der Wethnachtseinkäufe von all dem Geräusch um ihn her nervöS gemacht wird, möchte sich nach einem Lande sehnen, in dem Kaufen und Verkaufen sich in vollständigem Stillschweigen vollzieht. Solche Gebiete gibt es aber auf unserem Erdball, wie der bekannte englische Reisende P. T- Etherton zu berichten we.ß. 3m malaiischen Archipel gibt eS einen Stamm, der es für unglückbringend hält, wenn der Verkäufer ein Wort mit dem Kaufenden spricht. Geschäfte vollziehen sich dort auf höchst seltsame Weise. Der Händler, der etwas los werden will, legt seine Waren wortlos neben die Gegenstände, die er im Airs tausch zu erhalten wünscht, und jeder der beiden Handelnden nimmt von seinem Haufen etwas weg, wenn er die ihm von dem anderen angebotene Menge nicht für genügend hält. Dabei ist Schnelligkeit und Geistesgegenwart die Seele des Geschäftes, denn eine Pause wird als Zeichen des Einverständnisses betrachtet, und wenn man etwas zu lange zögert, kann man sehr rasch seine Waren gegen ein zu geringes Entgelt loS fein. An Der afrikanischen Küste in der Rähe des Golfs von Guinea ziehen die Eingeborenen einen Strich am Rairde eines Flusses und stapeln ihre Ware dahinter auf. Derjenige, der mit ihnen ein Geschäft machen will, legt das, was er bagegen bietet, auf der anderen Seite des Striches nieder. Die Mengen werden dann genau abgeschätzt, und man verständigt sich durch Zeichen, ohne daß ein Wort gesprochen wird. Stehen beide Waren in ihrem Wert in einem von beiden Parteien gebilligten Einklang, dann ist der Handel abgeschlossen. 3n Alaska gibt eS einen Indianerstamm. der alle Geschäfte nur durch die Vermittlung einer dritten Partei eingeht. Ein lieberbieten widerspricht den Gesetzen dieses Stammes: vielmehr über.'äht man die Festsetz ng des Preises einem Dritten, der aber sowohl die Zustimmung des Verkäufers wie des Käufers erlangen muß. Ist einer der beiden Geschäftsleute mit der durch den Dritten getroffenen Bestimmung nicht einverstanden, fo kann er das Geschäft durch diesen rüdgäng g machen lassen, und der Vermittler muß Dann anderweitig fein Glück versuchen. Wortlose Geschäfte«' sind bisweilen die Hätte er es gewagt, so wäre er Gordon auf den Korridor nachgefolgt, um weitere Informationen zu erbetteln. Aber dazu fehlte ihm der Mut, und er stand in seiner ganzen Rlesengröhe da und sah hilflos und traurig auf die Tür, die der Besucher hinter sich geschlossen hatte. „Um Gottes willen, lasten wir frische Lust herein!" rief Ray und riß dos Fenster auf. „Dieser Kerl lst ja die reine Pest! — Verheiratet! Und das will er mich glauben machen?---Du gehst schon, Ella?" Seine Schwester nickte. „Sage dem Later, ich würde ihm schreiben. Sprich für mich und beweise ihm, daß auch er oft Unrecht an mir begangen hat!" Sie hielt ihm die Hand entgegen. „Lebe wohl, Ray", sagte sie. „Vielleicht wirst du eines Tages zu uns zurückkehren?" Die Bewegung überwältigte sie und Tränen liefen über ihre Wangen. Sie drängte sich an ihn und flüftsrte: „D, Ray, Ray ist das denn wahr? Ge- hörst du zu den Fröschen? „Aber, Ella, es ist ungefähr soviel Wahres daran, wie an der Geschichte von Fräulein Bassanos Verheiratung. — Sensationen! Gordon will immer nur Sensationen Hervorrufen!" Ella nickt Lola zum Abschied ui, ohne ihr die Hand zu reichen. Lew Brady (ab ihr mit hungrigen Augen nach, als Ray sie zum Lut begleitete. „Was hat er gemeint, ßola?J fragte Brady, als die beiden znrück'olieben. „Gordon weiß etwas! Hast du gehört? Es sicht ein Fragezeichen bei meinem Namen! Das ist böse. — Lola, ich habe genug von diesen Fröschen. Sie gehen mir auf die Nerven!" „Du bist ein Narr", sagte sie ruhig. „Gordon hat genau das erreicht, was er wollte, er hat dir Angst gemacht." „Angst?" antwortete Lew. „Du hast keine Angst, weil du keine Phantasie hast! Ich bin in Unruhe, weil ich einzusehen beginne, daß die Frösche zchn- mal größer sind, als mir je geträumt hat! Sie haben neulich erst den Schotten Maclean getötet, sie werden sich's nicht zweimal überlegen, bevor sie mir den Garaus machen. Ich kenne die Frösche, Lola. Sie fmb imstande, jedes Verbrechen zu begehen, vom Morde angefangen! Der Frosch ist ihr Gott, ihr Idol. — Ein Fragezeichen bei meinem Namen? Ich könnte es beinahe glauben! Ich habe etwas über sie Folge von Ktattenunttrlchreden, so z. B m Indien. Die Kastengesetze sind hier so streng, daß es sogar in manchen G.genden dem M igllefr einer niedrigen Kaste verboten ist, zu dem Angehörigen einer höheren Gcsellsch rst-llasse zu ’ Meldungen, Auhlan M Ms V zeichen dat die Aktionl wirtjchastli' schädigt tm sich genölig den Kräfte Frieden die Sf-one -oben, mit gen nicht ofien mitM land die bi Festhaltens (ander und inneren Kr mögliche h Politik des nach den ei truppen - bestrebt sic bei den Aus d rückwärts I der Äantor gangfyunlt toegen der c värtigen D Lngrnvmmrn ist eben lei Ländern u euwpäilche- Das • seiner Pol! Licherui von Kanti der diese ( tisch lvird für den Pr< leuten den schäft Ar politisch de dringen nac mit Tschaug fehlt der chj btohkraft. 3njtoifd mübig. M des svtojeii Kantonregic der Äomim Kuomintanx nären Part lrmgen n?b beitem richi vorliogt, so bedrängte £ Politik durch Gerade Do "ur feiner \ auch den A auhewrdent/j auf das 'N Partei S?int" Querung k Gerung J °>nwlk d M ju 5, •A-fj all ^kannte § Übungen । fps St A-.d-n Ir v "nrner Äruckhg Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) 70 Jahre Gaswerk Gieken. Morgen vor 70 3obren — am 24. Dezember 1856 — Uxurden die Einwohner unseres alt- öert rauten Lahnstädtchens unter dem Hellen Schimmer der Deihnachtskerzen und unter dem kpernen, jubelnden Älang der Wcihnachtsglocken mit der ersten Gasbeleuchtung beschert. Eine geradezu glänzende Helligkeit gegen die vorher matte Oelbeleuchtung durchdrang an Dte- km Weihnachtsabend die größeren Straßen und Plätze unserer Stadt. Welche erstaunliche und ungeheuere Entwicklung dem hiesigen Gaswerke, mit dem die Straßen, Häuser und Einwohner der Stadt Gießen in so fttniger Verbindung stehen, innerhalb seines 70jährigen Bestehens belieben war, möge ein kurzer, im allgemeinen Interesse gehaltener Qtüibad bezeugen. Das am 24. Dezember 1856 vom Erbauer, bet Firma August Riedinger. Augsburg, in Betrieb genommene Gaswerk ging im Jahre 1862 in den Besitz des Herrn August Heß über. Vach Ablauf der 30jährigen DertragSdauer erfolgte am 1. Oktober 1886 der liebergang des Gaswerks aus dem Privalbesih in das Eigentum der Stadt Gießen unter Leitung d über die Ausdehnung ihres Machtbereiches, auch nicht allein auf die Nachricht über das Auftreten einer Delegatton der Kaatton- reglerung in Gens, die der Delegation der formell noch im Amt befindlichen Peking-Regierung das Recht absprach, das chinesische Voll beim Völkerbund zu vertreten. Sie wird vielmehr außerdem bekrästigt durch das Verhalten der zunächst beteiligten Mächte, die naturgemäß für die Regulierung ihres polittfchen Auftretens in China übet bessere Informationsquellen verfügen als die — von ihnen erst zensurierten — Agentur- melbungen, die uns erreichen, — das Verhalten Rußlands einerseits, Englands andererseits. Was England anlangt, so deuten alle Aw .zeichen daraus hin. daß diese Macht, die durch die Aktionen der Kantonregierung auf schwerste wfrtfchaftlich und doch wohl auch politisch geschädigt wurde, mindestens für eine gewisse Zeil sich genötigt fühlt, mit den siegreich fortschreitenden Kräften der nationalen Revolution ihren Frieden zu machen. Die Tatsache allein, daß die Exponenten Englands in China begonnen haben, mit den Kantonleuten Verhandlungen tricht nur anzuknüpfen, sondern dies auch offen mitju-teifen, läßt darauf schließen, daß England die bisher betricbeaie Politik des starren Festhaltens an den besonderen Rechten der Aus- länder und des Gegeneinander-Ausspielens der in eieren Kräfte Chinas nicht mehr für die einzig mögliche hält. So sehr es, wenn nötig, die Politik deS Zauderns versteht, so rasch hat es sich nach den entscheidenden Fortschritten der Kantontruppen — wenigstens äußerlich — umgestellt und bestrebt sich, wie des alten Fritzen lieber Gott, bet den stärkeren Bataillonen zu fein. Aus dieser Tatsache kann man ohne weiteres rückwärts schließen, daß die Gebietseroberunqen her Kantontruppen nordwärts von ihrem Aus- gangspunlt keineswegs so unsicher sind, wie wegen der angeblichen ..Ausdehnung ihrer rück- wärttgen Verbindungslinien" hier zuerst meist aangenommen tour'e. Der chinesische Bürgerkrieg ist eben kein 5trieg zwischen zwei europäischen Ländern amb kann nicht mit bett Maßstäben europäischer Strategie gemessen werden. Das Ziel Englands bei dieser Schwenkung feiner Politik ist klar: wirtschaftlich sucht es die Sichern nn g seines Handels in den jetzt von Kanton kontrollierten Gebieten bei dem. der diese Sicherheit allein gewähren kann; Poli- ttsch wird es alle Anstrengungen machen, um für den Preis seiner Freundschaft von den Kanton- leiden den Derzich t auf die Freundschaft Rußlands einzuhandeln, d. h. militär- politisch den Verzicht auf ein weiteres Vordringen nach Rorden und auf die Verbindung mit Tfchangtfolin, ohne riefe Verbindung aber fehlt der chinefifch-sowjetistifchen Allianz die letzte Stoßkraft. Inzwischen ist der Gegenspieler nicht müßig. Wenn die Berichte über das Auftreten des sowjetrussifchen Bevollmächtigten bei der Äantonregierung, Borodin — der z: gleich der von der Komintern entsandte politische Berater der Kuomintang, der chines schen nat onaftevoluttv- nären Partei ist — in öffentlichen Volksversammlungen neben ch-nriischen Intel!:kl'iellen und Ar- beite m richtig sind, wor in zu zw ife'n kein Ar laß vorlisgt. so enthü.: - sie mit einem Schlage die bedrängte Lage, in Die Rußland mit seiner Chinapolitik durch die engl sche Schwenkung geraten ist. Gerade Borodin hatte bisher, wie dies nicht nur seiner persönlichen -Reigung. sondern gewiß auch den Moskauer Instruktionen entsprach, sich außerordentlich zarückg-halten und fein? Tätigkeit ganz auf das Wirken im engeren Kreise der chinesischen Parteileitung beschränkt. Wenn er jetzt an die Oessentlichkeit hervortritt, fo ist damit bewiesen, daß die russische Politik den Zeitpunkt gekommen sieht, wo sie bei den breiten Massen der chinesischen Bevölkerung — mindestens bei den politisch interessierten Großstädtern — mit allen Mitteln und Sympathien werben und sich als den Verbündeten der erfolgreichen Revolution in Er- inaaenmg halten muß, um damit der Kanton- re gierung gegenüber ein Gegengewicht gegen die Einflüsse des neuen englischen Freundes in der Hand zu haben. Zugleich mag der Wunsch mit- spielen, die Kantonregierung so rasch als möglich, und noch stärker, als es bisher durch diplomatische Roten geschah, als die Verbündete Sowjetruß- landS vor England zu kompromittieren und fn die Annäherung zu erschweren. Deutschlands Stellung tn dieser Entwicklung ist nicht ganz einfach. In politischer Hinsicht allerdings ist sie erleichtert durch die befanaate Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen seit Kriegsende. und man wird bestimmt sagen können, daß die Kaaatonbewegung in keiner Weise Anlaß hat. von sich aus Deutschland pokftische Schwier gkeiten zu machen. Raturgemäß hat Deutschlands politische Haltung, gegenüber den inneren chinesischen Auseinandersetzungen immer nur die der äußersten und absoluten Zurückhaltung sein können, wobei für alle offiziellen Akte nur die völkerrechtlich und staatsrechtlich einwandfrei feststehenden Fakten zurRicht- schnür dietaen lötmen. Das würde auch dann gelten, wenn etwa die Frage, wem die rechtmäßige Vertretung Chinas im Völkerbund zusteht, akut werden sollte. Immerhin läßt diese — bisher trotz des Auftretens der Kantondelegatton in Genf noch akademische — Frage schon erkennen, daß hier einmal der Zeitpunkt kommen könnte, wo völlerrechtliche Fakten durch die polit.sche Entwicklung unwirk - s a m werden und wo wiederum neue politische Entschlüsse erst gefaßt werden müff?n, damit aus ihnen neue völkerrechtliche Tatsachen entstehen können. In diesem Falle wird Der deutschen Politik nicht viel anderes zu tun bleiben, als nach bestem Dwmogen festzustellen, welches Die to a ß re Meinungsäußerung des chinesischen Volkes über die Art, wie es regiert und also von wem es nach außen vertreten werden will, festzustellen und diese Meinung durch Die deutsche Stimme — und mehr als eine Stimme hat Deutschland ja vorläufig nicht in Die Wagschale zu werfen — zu unterstützen. Daß Dabei ang:sichts der einander widerstreitenden Interessen Engländs und Rußlands gewisse Schwierigke ten für die Haltung Deutschlands nicht ausoleiben werden, mag bedauerlich fein, ist aber nur ein Sonderfall Der allgemeinen Lage Deutschlands tn der Mitte Europas. Sind die politischen Fragen noch verhältnismäßig einfach, so ist leider zu befürchten, daß auf Dem Gebiet des deutsch-chines.schen Handelsverkehrs größere Schwierigkeiten auftauchen werden. Es mag dabei ruhig ausgesprochen werden. daß nach Mitteilungen führender am Oft» asienhandel interessierter Bankinstitute Der deutsche Kaufmann in Kanton von Dem Boykott Schanghais profitiert bat; Daß auf der anderen Seite die inneren Wirren wie für jedes Geschäft so auch für das des deutschen Exporteurs zahlreiche Störungen haben, insofern bestellte Waren nicht transportiert und nicht geliefert werden konnten, Kunden in Den betroffenen Gebieten in Zahlungsstockungen gerieten, Güter verloren gingen, hohe DersicArungsprämien zu zahlen waren, ist Har. Beides, Vorteile und Rachteile der Situation, ist nur natürlich. Wenn aber England wirklich zu einer Einigung mit Kanton kommt — was an sich tm Interesse des inneren Friedens und Der ungehinderten wirtschaftlichen Betätigung sowie der Schaffung flarer Rechtsverhältnisse vom Standpunkt des Kaufmanns aus wohl zu wünschen toäre —. so besteht natürlich Die Gefahr, Daß es sich die älnterftüßung Der neuen Regierung auch auf wirtschaftlichem Gebiet beza h len läßt. Dabei braucht man nicht an die große Frage Der chinesischen Zölle zu Denken. Die nicht von heute auf morgen bereinigt werden wird. Es genügt, sich vor Augen zu halten. Daß China ein Land ist. Dessen wirtschaftliche Möglichkeiten zu ihrer Aufschließung dringend ausländisches Kapital brauchen. Schon während Des Bürgerkrieges hat z. B. die Elektrifizierung des Landes erstaunliche Fortschritte gemacht, und außerdem hat auch hier Der Krieg w'e immer neu? wirtschaftliche Ansätze geschaffen (Motorisierung, Rüstungsindustrie. Verkehrsbauten). Sollte eine Beruhigung Der inneren Verhältnisse eintreten, so hätte man mit einem raschen wirtschaftlichen Aufblühen zu rechnen, da das sich vielfach unter Heranziehung fremden Kapitals in Der Form von Konzessionen, gemischten chinesisch-ausländischen Gesellschaften. Staatsaufträgen mit Anleihefinanz'erung abspielen wird. Diese wirtschaftlichen Detät'.gungssvrmen aber sind mehr oder weniger eng mit Dem politischen Einfluß, außer Dem natürlich mit Der Leistungsfähigkeit des bett. ausländischen Kap.talmarktes verbunden. 2lls Kapitalmarkt ist Londvaa ohneh aa überlegen. Daß DeutschlanD nicht auch noch Durch politische Einflüsse aus dem Geschäft verdrängt wird, muß Sorge einer bei aller Vorsicht Doch raschen, anpassungsfähigen und akttven Leitung Der Deutschen Politik fein. Die elsässische Wirtschaft und die Frankenhausse. Von unserem Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) Straßburg, Dezember 1926. Es ist eine seltsame Unruhe im elsäsfischen Wirtschaftsleben, leit Poincarös Währungspolitik mit einem Erfolg von vielleicht ungewollter Raschheit voranschreitet. Ein zusammenfassendes Bild zu gewinnen ist schwer, viel schwerer als sonst. Man ßat. Den Eindruck, Daß die Wissenden ihr Wissen für sich be haften und bemiß en, in Dean aber, was sie sagen, Den Dingen einen günstigeren Anstrich geben, als Der Wirklichkeit entspricht. Darum faatn man nur beschreiben, was man unmittelbar sieht, und man muß sich immer wieder selber warnen vor unberechtigter Verallgemeinerung über Den Deobachttmgsbereich hinaus. In einem war die Stellung Der elsässischen Wirtschaft zum französischen Währungsproblem von allem Anfang an anders als jenseits Der Vogesen. Das oft geradezu kindliche Vertrauen deS Franzosen zu seinem Franken, das man besonders in Der abgelegenen Provinz noch bis in Den letzten Sommer Donnerstag, 23. Dezember 1926 hinein, gepaart mit völliger Unkenntnis Der Währungsvorgänge beobachien konnte, bat 'Dem Elsaß eigentlich immer gefehlt. Man bat feine Kriegs erfahcungen mit der Mark nicht umfonft gemacht, nicht umsonst nachher auS unmittelbarer Röhe D^n deutschen Währung-- zerfall mit angesehen und auf Dalutareifen weidlich ausgenuht Man hat sicher für sicher genommen und beizeiten, als der Franken in die Tiefe zu gehen begann, feine übrigen Groschen in wertbeständigen Devisen angelegt Die sanden sich nicht nur in Der Geschäftswelt bis zum Ätämcr herunter, sondern auch beim Dauer, wenn er das fette Rind ober Den Tabak oder Die Hopfenernte verkauft hatte. Besonders die Hopscngegend. dir ja ihr Prodrckt metft unmittelbar an Den deutschen Käufer absetzte. daS sreande Geld Dabei ohne Mühe und Bankvermittlung bekomanen lonntc. war schon lange mit Devisen tollgestopft, wobei Der Dollar daS beliebteste GelD war. Eine andere Besonderheit kam hinzu. DaS Elsaß als Gre-nzland war, alS die Valutareisen in umgefebrtcr Richtung. auS Deut ch- land nach Frankreich. stattzufinden begannen, der gegebene Schauplatz dieses im ganzen überaus beträchtlichen Geschäfts. Als Die Löhne immer weiter hinter der sinkenden Kaufkraft des Franken jurücfblicbcn, schränkte auch hier natürlich die einheimische Bevölkerung ihre Käufe aus Daß unbedingt unvermeidliche Mürdestmaß eiat, bis zuletzt die befaaante Flucht in Die Sachwerte begann und zu einer kurzen Periode überstürzten Kaufens führte Diese Unregelmäßigkeiten des Käusersttoms wurden aber in beträchtlichem Umfang ausgeglichen durch die Einkäufe der Grenznachbarn, die im genauen Verhältnis des Rückgangs der Frankendevife wuchsen. Es war ja auch so bequem. Mülhausen hat Basel, Colnaar hat Freiburg. Straßburg hat DaS Kehler Drückenkopsgebiet uiuaaittelbar vor feiner Tür. UnD alle, alle fameat Gerade in Der Reisezeit des Sommers lohnte es sich auch von weiterher, dje Reife zu machen und mit einer Wanderung durch die schönen Vogesen Die Gelegenheit des billigen Einkaufs zu rcn binden. Run kam Di I W e n D e. Der Franken stteq. Der Zustrom Der Valutareisenden hörte ruckweise aus. Heute lohnt es sich nicht mehr, die Straßenbahnkarte von Kehl nach Straßburg auszugeben, um in Der großen Stadt einzukausen. Drüben ist's billiger. Bald wird man wieder mit Gewinn Den Tabak vom rechten Rheinuser nach. Dem linken schmuggeln Die Käuserschicht, Die in Der letzten Zeit so viel zur Belebung des elsässischen Ge'chäftsganges beigetragen hatte, ist mit einem Schlage verschwunden Die einheimische Bevölkerung ist aber keineswegs im gleichen Verhältnis kaufkräftiger geworden, und so herrscht jetzt Die absolute Stille. Allerdings, man fürchtet Die Katastrophe und man hosst noch auf das Weihnachtsgeschäft. Die Wechsel werden noch prolongiert. Auch hat man Die Mittel zur Belebung des Geschäftsganges, die sonst gewöhnlich nach Dem Weihnachtsgeschäft angewandt wurden um etwas Leben zu erhalten, Die prozentuale Preisherabsetzung auf die billige Massenware, jetzt schon angewandt. Aber was soll werden, wenn sie ihre Wirkung getan haben9 Auch Die Devisen Hamsterei bis ins Bauernhaus hinein hat sich schon von ihrer un- liebenSwürdigen Seite gezeigt. Zahlreich find Die Fälle, wo Die Geschäfte auf diesen Schatz zurückgreifen mußten, wenn es auch nur mit Verlust geschehen konnte. Wenn nach Den Feiertagen der starke Stoß gegen das Gefüge der Wirtschaft erfolgt. Den man allgemein erwartet, wenn das längere Kreditteren nicht mehr möglich ist, dann wird es Opfer geben, wahrscheinlich Opfer in großer Zahl. Denn es ist nicht mehr tnei Widerstandskraft übrig. Eines könnte retten, ein rascher Rückgang Der Preise des notwendigen Lebensbedarfs, der Kauflust für- andere Dinge frei machen könnte. Aber dafür besteht wenig Aussicht. Auch auf'6 Weihnachtsgeschäft wagen nur wenige zu hoffen. Die Ar- beitslofigkeit greift um sich, und es zeigt sich Dabei. Daß Die Hoffnung trügerisch war, man könne zuerst Die Ausländer abschieben. Die machen weiter ihre Erdarbeiten und dergleichen und die einheimische Arbeiterschaft beginnt nach Arbeitslosenunterstützung zu gehen. Rian hatte sich Die Frankensanierung anders vorgestellt. Bezirksverband Oberhessen der Deutschen Lebensrettungs- Ge^eAschaft (D. L. R. G.) Man schreibt unS: Am SanrStag fand im Hotel Köhler im Auftrage des Landesverbandes Hessen eine Versammlung statt, um Die Gründung ein es Verbandes Der Provinz Oberhes s en der Deutschen LebenS- rettungs-Gesellschaft in Die Wege zu leiten. Obwohl seither schon eine Reihe von Vereinen korporative Mitglieder Der Deutschen LebenSrettungS-Gesellschaft waren, ist es doch von größter Bedeutung, Daß Der Gedanke Der D. L. R. G. tiefer in das Volk hineingetragen wird. Zu Der Versammlung, in welcher Der Landes Vorsitz ende Roth aus Darmstadt einen aufklärenden Vortrag zu halten gedachte, waren eingeladen: Der Gießearer Schwimanverein, die beiden Turnvereine (T. V. 1846 und Der Mw.-, Die beide daS Schwimmen pflegen, sämtliche Rudervereine, Die PadDler-Gilde. Der Verein ilferfritif. ferner die Stadt Gießen und die Reichswehr. Interesse durch Entsendung von Vertretern bekundeten: Schwimmverein, Turmverein 1846, Männer-Turnverein, Verein Rudersport, Die Paddler-Gilde. Herr Roth, Darmstadt, stellte seinen Vortrag auf einen späteren Zeitpunkt zurück; er verbreitete sich nur kurz über Die Rottvendigkrit Der Gründung eines Bezirks verband cs Ober- Hessen. Die Aarwefenden teilten In voller Einstimmigkeit diese Ansicht. Man wählte als ersten Dorsitzenderr Herrn Pascoe sen. (Gießener Schwimmverein), als zweiten Vorsitzenden Herrn Mangold (Turnverein 1846). als etarfttoeUigen Schriftführer Herrn Paul (Männer-Turnverein), Den definitiven Schriftführer soll der Mw. stellen. Zum provisorischen Kassenwart wurde Herr Lang (G. Sch. V.) gewähft, die endgültige Bestellung soll später erfolgen. Als technischer Leiter wird Herr Pascoe jun. (G. Sch. V.) tätig sein. Den Arzt, Der laut Satzungen Den Vorstand ergänzt, wird die Gießener Turner- schast stellen, aber auch erst später benenne^ Damit war die Gründung des Bezirksverbandes Oberhessen der D. L. A. G. vollzogen. 3n der nun einsehenden Aussprache gab Herr Roth vielerlei Auskünfte und Anregungen und zeigte am Beispiel der ütaöt Darmstadt, welch ersprießliches Wirken bei planmäßiger Arbeit von der D. L. R. G. ausgehen kann. Es wurde beschlossen, anfangs 1927 mit einer größeren Versammlung vor die Oeffentlichkeit zu treten, in welcher der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen der D. L. R. G. sprechen wird. Hoffentlich findet der Gedanke der D. L. R. G. in Gießen sowie in der ganzen Provinz Oberhessen die nötige Beachtung, damit die großen Ziele, die nur im Interesse und im Dienste des Mitmenschen sich betätigen, auch bei uns ihrer Erfüllung nähergebracht werden. Die landwirtschaftlichen Schulen in Hessen. Die Zahl der Schüler in den hessischen landwirtschaftlichen Schulen im Winterhalbjahr 1926/27 beträgt, jeweils getrennt nach Uirterllaffe, Oberklasse und Gesamt^chl der Schüler, in Darmstadt 34, 32, 66; in Groß- Gerau 24, 34, 58; in Groß-Umstadt 25, 18, 43; rnHeppenheim 30, 22. 52; inMichel- stadt 24. 16, 40; in Reichelsheim r. O. 17. 15. 32; in Alsfeld 28. 26. 54; in Büdingen 22, 16. 38; in Butzbach 0, 23, 23 (nach einem Beschluß des ersten Ausschusses des Landtages wird der vorjährige Untcrfurfus an dieser Schule in diesem Winter als Oberkursus noch durchgeführt); in Grün berg 27, 27. 54; in Lauterbach 13, 19, 32; in Lich 21. 21, 42; in Ridda 27, 0, 27 (in diesem Jahre neu errichtet); in Alzey 48. 40, 88; in Gau-Algesheim 29, 22, 51; in Mainz 25, 22. 47; in Sprendlingen i. Rh. 18, 24, 42; in Worms 39. 39, 78; Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft zu Friedberg 32, 31, 63; Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (gemeinsame Klasse) 60. Die Gesamtzahl der Schüler beträgt 990. Auf eine Schule entfallen im Durchschnitt 50 Schüler. In Ausführung eines Landtagsbeschlusses wurden die Landwirtschaftsämter und die damit verbundenen landwirtschaftlichen Schulen zu Butzbach und Offenbach mit Wirkung Dom 1. Oktober 1926 aufgehoben. Das Landwirtschaftsamt und Landw. Schule zu Schotten wurde am 1. Oktober 1926 nach Ridda verlegt. Am gleichen Tage wurden in Butzbach, Schotten und Offenbach Landwirtschaftsamts-Außenstellen errichtet. Darmstadt baut eine Festhalle. * Darmstad t, 23. Dez. (Eigener Drahtbericht.) Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte gesterit den städtischen Beamten eine Winterbeihilfe. Sie beschloß, nicht der Landesregelung zu folgen, sondern übernahm die Reichssähe; es werden also auch die Gehaltsgruppen 7 bis 12 eine Beihilfe erhalten. Ferner genehmigte die Stadtverordnetenversammlung die Pläne für die Errichtung einer Fest Halle, und bewilligte hierfür einen Kredit von 300 000 Mk. Im kommenden Jahre finden hier eine große Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und das Kreisturnfest des Mittelrheinkreises der Deutschen Turnerschaft statt; 1928 wird ein Musik- f e st und 1930 eine Gewerbeausstellung hier abgehalten. Da die Stadt keine geeignete Festhalle besitzt und der städtische Saalbau sich schon bei den üblichen Veranstaltungen als zu klein erweist, will man tue Fest Halle bauen. Die Halle soll auf dem Exerzierplatz in der Rahe des Hauptbahnhofes errichtet und vorwiegend in Cisenkonstruktion, aber auch unter Verwendung von Holz ausgeführt werden. Sie soll 100 Meter lang und 50 Meter breit werden. Historischer Verein für Hessen. * Darmstadt, 22. Dez. Dec Historische Verein für Hessen hielt in Darmstadt seine Hauptversammlung ab. Rach dem Jahresbericht, den Direktor Dr. Dietrich erstattete, nahm der Verein seit dem letzten Jahre an Mitgliedern zu. Der Verein hat mehrere wissenschaftliche Ausflüge unternommen, darunter einen zweitägigen nach Sprendlingen in Rheinhessen; in gleicher Weise soll jm nächsten Jahre Ingelheim besucht werden. Die Herausgabe mehrerer wissenschaftlicher Schriften wurde vom Historischen Verein unterstützt. Der zweite Vorsitzende, Archivrat Dr. H e r r m a n n, berichtete über die Abteilung für hessische Kirchengeschichte. Der achte Band der „Beiträge zur hessischen Kirchengeschichte" liegt jetzt vollendet vor. uni) das erste Heft des neuen Bandes erscheint demnächst. Die Vereingung für Hess. Kirchengeschichte feierte in diesem Jahre ihr 25jähriges Bestehen in Friedberg. Die Zeitschrift des Historischen Vereins „Volk und Scholle" hat jetzt über 300 Bezieher. Aus dem geschäftlichen Teil der Verhandlungen ist mitzuteilen, daß der Vorstand wiedergewählt wurde. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 20. Dez. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen einen bereits wegen Blutschande vorbestraften Maurer in Billertshausen wegen Sittlichkeitsverbrechens vorhan- delt. Er hatte sich wiederholt an einem dreijähriger: Enkelchen vergangen. Strafe; 1 Jahr 8 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust. Eine große Erpresseraffäre beschäftigte heute das Gericht. Einem Eisenbahner, der auf verborgenen und verbotenen Liebespfaden zu wandeln pflegte, wurden von einem hiesigen Händler unter allerlei Drohungen und Beeinflussungen nach und nach 2300Mk.abgenommen, die er sich bei verschiedenen Kreditinstituten unter erheblichen Schwierigkeiten borgen muhte. Als er fast am Ende seiner Rervenkraft und finanziellen Leistungsfähigkeit stand, vertraute er sich einem Vorgesetzten an, der Anzeige veranlaßte. Die zeitweise unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindende Verhandlung, in der gegen 30 Zeugen zu vernehmen waren, endete mit Verurteilung des Angeklagten zu 9 Monaten Gefä n g nis. Wegen Einbruchsdiebstahls bzw. Hehlerei wurden schließlich noch zwei polnische Arbeiter zu 1 Jahr 3 Monaten bzw. 4 Monat en Gefängnis verurteilt. Wirtschaft. • Dörsenruhetage in Frankfurt am Main. Am Freitag, den 24. Dez., bleibt die Wertpapierbörse zu Frankfurt a.M. für jeden Verkehr geschlossen. Am Freitag. 31. Dez. 1926. findet die Wertpapierbörse von 11 bis 1 Uhr wie an den Sonnabenden statt. Die Abendbörse fällt an diesem Tage, wie gemeldet, aus. • Erhöhung der Kalipreise. Der Reichskalirat beschloß in seiner gestrigen Sitzung u. a. unter Stimmenthaltung der Arbeitnehmer und Angestellten einstimmig die Erhöhung der Kalipreise im Durchschnitt um 9.5068 Prozent mit Wirkung vorn 23. Dez. 1926. Die Verteilung der Erhöhung erfolgt so, daß die Preise einzelner Salzsorten mit geringeren, andere mit höheren Zuschlägen festgesetzt sind. * I.-G -F arbenindustrie AG , Frankfurt a.M. Wie wir hören, hat die I. G. Farbenindustrie AG. aus dem Besitze der AEG. die Grube „Auguste" bei Bitterfeld erworben, um den Kohlenabbau ihrer benachbarten Gruben schaftlicher zu gestalten. Sötlenfurle. Frankfurt a.M. Erlitt Scijiu:,. i-Ubc. Sckluhp Anfang fiurs fiur» Kur, Ourc Datum: 22. 12. 21. 12. 22.12. 23. 12. s°/0 Deutsche ReichSanleibe . 4% Deutsche RcichSanlcihe.. U.75Ö 0 68 0 7575 0.74 0,61 0,7575 0,7175 3Va% Deutsche Neichsanlcihc — — 0.69 0.73 3% Deutsche Rcichsanleibc . Deutsche Sparprämicnanleihe 4% Preußische Konsols . . . 0.79 0,137 — 0.795 0,425 0,7975 — — 0.685 0.73 4% Hessen........... 0,68 — O.7 — % Hessen.......... — — 0,665 — S’/o Hessen........... _ — — Deutsche Wertb. Dollar Anl. 97 - 99.85 — dto- Doll.-Schatz-Anweisng. - - — — 4°/o Zolltürken......... 16.2 1 15,7 — 5% Goldmettkaner...... 43 1 43,25 — Berliner Handelsgesellschaft. 272 — 270 273.5 Cammer;- und Privat-Bank. 220 225 221.25 221 Tarmst. und Nationalbank . 261 266.5 262 267 Deutsche Bank. ....... 187.5 - 186.5 190.25 Diskonto Commandit .... 176 178,75 176.75 179 Dresdner Bank........ 168 5 173.75 170 174.75 Mctallbank........... 175 179 175 176 Mitteldeutsche Kreditbank. . 166 176,5 165,75 174 Ocsterrcichischc Kreditanstalt. Neichöbank........... 7,9 159,9 - 7.8 161 7,75 163,<5 Bochumer Guß ........ 1-1 — 170 5 173 Buderus............ lll —- HO 112,5 Caro ............. Deutsch-Luremburg...... 0 172 171.4 173,4 Gelsenkirchener Bergwerke. . 171 — 172.75 174 75 Harpener Bergbau...... Kaliwerke Äschersleben.... 190 163.25 163,75 190 163 192.25 16.3,5 Kaliwerk Westeregeln..... 172 169,25 172.25 168 Laurahütte........... Mannesmann ........ 76 — 74,5 78,5 193.5 — 194.5 2'3 Mansseldcr........... 132.75 — 133.5 135 Obcrbcdars........... 115 .19 117.25 121.75 Phcinir Bergbau....... 129 130,75 128 129,75 Nneinischc Braunkohlen . . . 240 — 219 244.25 Nheinstahl........... Nie deck Montan........ 194 197 194 197.5 105 — IW 181.25 Tellus Bergbau........ 115,5 — — Bereinigte Stahlwerke.... — 148 146 147.4 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd..... 160,5 165.5 161,5 162,5 162,75 165,75 (62,9 162.5 Clietamische Werke Albin . . — — — — Zementwerk Heidelberg . . . 131.7.5 — — Philipp Hol;mann...... 163 166 164 165 Anglo Cont Guano..... — — 105.5 Chemische Mayer Alabin. . . — — — Goldschmidt.......... 143 — 140,25 144 Holzverkohlung......... G. Jarden-Jndnstrie. . . Rütgcrvwerke......... 72,25 315.25 319,75 314 319.5 130 — 131 133.5 Scheideanstalt......... 175 176,6 - — Allg. ClektrizitatS-Gesellschast 158 162.75 159,5 160 163 Bergmann........... 158 159 Elektr. Lieferungen...... 152 — 151,5 155,5 Licht und Kraft........ — 158.5 Mainkrasiwerke ....... 120 — — Schuckert............ Siemens & Halske ...... 158.5 162,5 159.9 163.5 196,75 198.5 195 199.4 Adlcrwcrke Kleyer ...... 110,75 111,5 109,62 HD Daimler Motoren. ...... 88 87 89 Heyligcnstacdt....... . .37,5 — Meguin............. 51,5 — 52 Mannheimer Motoren .... — — 42 - frankfurter Armaturen . . . 16 • — lionservensabrik Braun . . — Metallgeselvchaft Frankfurt. 179,25 — — Pet. Union A.-G........ 124 — 124.5 — Schnwabrik Herz ...... 6? — 57.12 — Sichel.............. — — 4.5 — Zellstoff Aschaffenburg.... Zellstoil Waldhof....... 150.5 233 235 150,25 231.5 234 Zuckerfabrik Frankenthal . . . Inckersabrik Waghäusel . . . 103 124,4 130 104 128,5 — Devisenmarkt Berlin Telegraphische —Frankfurt a. M. Auszahlung. 22. Dezbr. 23. Dezbr. Ämtliche Geld Noti.rmtg Briet Amtliche Notierung Gels i Brief Amst-' Rott Bucn.-Aires Brff.-Antlv Christiania. Kopenhagen Stockholm . HelsingforS. Italien. . . London. . . Neuyork . . Paris. . . Schwei; . . Spanien. Japan . .- Wo 6e Jan Wien in D-- Ceft. abgcsi Prag . . . Belgrad . Budapest. . Bulgarien Lissabon . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada Uruguay. - Cairo . . 167,67 1,731 58,34 105,42 111,74 112,06 10,55 18,67 0.347 1.1935 16,78 61,08 64,07 '.014 -.498 59.26 12,418 7.40 o,872 d,03 21.485 <1.4S 2, (195 5,29 1.19 • 265 .'0.879 2 168,09 1,735 58.48 105,68 112,02 112,34 10,59 18.71 -0,397 1.2035 16,81 M.28 64,23 2,048 ') 500 59,40 12,458 7.42 5.892 -.04 -1.53a tl. 68 2,105 5,31 4.21 4.275 20.931 inknote 167.66 1,747 58,29 105,34 111,75 112,04 10,55 18,85 20,339 4.189 16,66 81,04 63,98 2,050 0.509 59,18 12,41 7.395 ».87 3,027 21,545 11.10 2.095 5.28 4.187 4,255 20,874 n. 168,08 1,741 58,4! 105,60 i 12,02 112,52 10,59 18.89 20.389 4.199 16,70 ol,24 64.14 2,054 1.502 59,32 12,45 7,415 3,89 3,037 2t,59j 61,61) 2,105 5.31 4.197 4,265 20.926 Berlin. 22 Dezbr Geld Briet Slmcrikanilche Noten ..... Belgische Noten ........ Dänische Noten........ Englische Noten........ Frmtzoiische Noten...... öcmändischc Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten ...... Deutsch ^csterr , ä 100 Kronen 9iumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schwerer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten !..... Frankfurtc Frankfurt. 23. De An der letzten Börse vo die Sttmmung a 11 g e m Momente lagen nicht vor, latton noch Glattstellung stehender Baisse-Engagem die Aufwärtsbewegung ginn ter Börse standen tan afticn im Dordergr deutsche Credit, die 4,5 Pi Dank plus 3 Prozent, aktien konnten sich um 4,184 58,2 i 111.44 20,305 16,86 167.38 18,72 105,24 59,21 111,87 81,20 63,79 12.40 5,836 v <»örse. z. Tendenz r den Feie ein f est. außer daß chvn seit lä ents vornah regünstigend Bank- u unde, vor a ozent anzog Die übrige etwa 1 S 4,204 58,56 112,09 20.40» 16,94 168,17 18,82 105,76 59,51 113,43 81.6*) 64,11 12.46 5.876 - Fest. — riagen war Besondere die Speku- ngerem beim, dadurch Zu De- n d M 0 n - Hem Mittelen, Deutsche n Bank- Vrvzent bc- festigen. Arn Montanmarkt war ein Umtausch von Ilse-Stammaktien gegen Ilse-Denuß- scheine zu beobachten, so daß Genüsse bis 7 Prozent gesteigert waren, während sich Stammaktien um ca. 2 Proz. abschwächten. Im übrigen gewannen Mannesmann 4.5, Harpener 2,25 Proz. die Werte der Rhein-Elbe-Union 2 Proz. Kaliaktien lagen uneinheitlich Westeregeln minus 2 Prozent, Aschersleben plus 1,75 Prozent. Don Schiffahrtsaktien waren Rordllohd und Hapag um je 2,5 Prozent befestigt, da die Freigabebill tem amerikanischen Senat nunmehr zugegangen ist. Petroleum-Aktien setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Rutgerswerle plus 1.75 Prozent. Am Chemiemarkt befestigten sich I. G. Farben um 2 Prozent. Elektrowerte durchweg lebhaft und höher. Schuckert plus 2,5 Prozent, Lahmeyer plus 2 Prozent. Am variablen Markt zogen M a s ch i n e n w e r t e auf die Preiserhöhung^der Eisengießereien an. Auto- Aktien nur mäßig erhöht. Infolge günstig er Konjunkturnachrichten lagen Bauaktien außerordentlich fest. Zement Heidelberg plus 4 Prsz., Holzmann plus 2Prcz., Dyckerhosf plus 2 Proz. Zellstofs-Attien imDeränberL Auf die Abschlußm.t- teilung lagen die Werte des Metallbanckonzerns fester. Metallgesellschaft plus 4 Proz., Metallbank plus 1 Prozent. Der heimische Anleihemarkt lag ruhig, aber behauptet. Im weiteren Verlaufe wurde das Geschäft und die Tendenz schwankend. Die favorisierten Werte gaben bis zu 2 Prozent nach. Am Geldmarkt hat sich infolge großer Industrie- und Kommunal- Anforderung die Lage versteift. Tagesgeld erforderte 6 Prozent, MonatSgeld 7 Prozent für erste Adressen, und 8 bis 8' Prozent für zweite Adressen. Im Devisenverkehr traten keine besonderen Veränderungen ein. London-Paris 122.—, Mailand gegen das Pfund 108.25. Die Reichsmark stellte sich auf 20,3625 gegen Londost und 4.1975 gegen Kabel guj befestigt. Berliner Börse. Berlin, 23. Dez. Die feste Stimmung der letzten Tage übertrug sich auch auf die heutige Börse, der jetzt eine dreitägige Unterbrechung, des Cffektenverkehrs folgt. Ein weiteres Entlastungsbedürfnis war nach der vorübergehenden Abgabeneigung zu Beginn dieser Woche nicht mehr vorhanden, dagegen eine wachsende Unternehmungslust der Spelulation in verschiedenen Spezialwerten festzustellen, die in fester Haltung eröffneten und damit der ®c- famt&örfc die Tendenz vorzeichneten. An der Spitze standen bei den Kurssteigerungen B a n k- a k ti e n, vor allem Bayerische Hypothekenbank (plus 6 Proz.) und Bayerische Vereinsbank. Die Berliner Bankaktien zogen um etwa 3 Proz. an, Mitteldeutsche Credit plus 4,5 Proz. Arn Montan m a r f t hatten Mannesmann reges Geschäft zu verzeichnen und konnten sich um 7 Proz. befestigen. I. G. - Farben wurden mit 319,5 Prozent gehandelt. Ba uaktien sehr fest. Elektroaltien unter Führung von AEG. und Siemens weiter befestigt. Die durchschnittlichen Kursgewinne betrugen 1,5 bis 2 Proz., vielfach auch 3 Proz. Der heimische Rentenmarkt war nur wenig verändert. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 4V2 Proz. gefragt, für Monatsgeld mußten 71/« bis 8V2 Proz. angelegt Werdern Im D ev isenverkehr lag der Dollar international schwächer. Das englische Pfund konnte sich gegen Kabel befestigen, ebenso die Reichsmark. Paris und Mailand holten die gestrige Abschwächung wieder ein. Franksurtrr tz-etrcidcbö.se. Frankfurt a. M., 23. Dez. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer. 29,25 bis 29,50; Roggen, inländ., 24,50; Sommergerste für Drau- zwecke 25 bis 26,50; Hafer, inländ.. 19 bis 19,50; Mais (gelb) 19,50; Weizenmehl, inländ., Spezial 0 41 bis 41,50, Roggenmehl 35 bis 36; Weizenkleie 11,50 bis 11,75; Roggenkleie 12. Tendenz: Fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 22. Dez. Die recht beträchtlich, gesteigerten nordamerikanischen Getreidepreise wirken sich im Berliner Produktenhandel naturgemäß in unnachgiebigen, zum. Teil sogar erhöhten Forderungen, und andererseits in kleinem Angebot aus. Die Aufnahmeneigung war aber zu erhöhten Kursen nicht allzu umfangreich. Die vorletzte Börse vor den Festtagen eröffnete im Terminhandel für Weizen 1,50 Mark, für Roggen 2 Mark fester, für die starke Aufwärtsbewegung des festeren war die anhaltende Deckungsfrage ausschlaggebend. Gerste behält für geringe Qualitäten ruhige Geschäftslage, während die knappen ersten Sorten gefragt bleiben. Aehnlich ist der Hafermarkt. Von Hilfsfutter- stoffen, Kleie und Kartoffelflocken behauptet, im übrigen still. 3m Mehlgeschäst zeigt sich, abgesehen von vereinzelten Umsätze:: in Roggenmehl, keine größere Belebung. Es tourten notiert für 1000 Kilo: Weizen, märt., 262 bis 267; Roggen 233 bis 238; Sommergerste 217 bis 245; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märt., 175 bis 185; Mais (loko Berlin) 194 bis 197; für 100 Kilo: Weizenmehl 34,75 bis 38; Roggen- mehl 32,75 bis 34,50; Weizenkleie 13; Roggen- fleie 11,80 bis 12; Viktoriaerbsen 51 bis 61; kleine Speiseerbsen 31 bis 33; Futtererbsen 21 bis 24 Peluschken 20 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 22 bis 24; Lupinen (blau) 13,50 bis 14,50; Lupinen (gelb) 14,50 bis 15; Serradelle (neu) 21 bis 23,50; Rapskuchen 16,40 bis 16,50; Leinkuchen 20,80 bis 21,20; Trockenschnitzel 9,60 bis 9,80; Soyaschrot 19,30 dis 19,90- Kartoffelflocken 26.80 bis 27,20 Mark. Büchertisch. — Noch gerade rechtzeitig zum Weihnachtvsest erschien bei N. G. Elwert in Marburg eine prächtige Veröffentlichung über die Stadt „Alsfeld" ddq Dr. ferner Meyer-Barkhausen. (Preis 4 Mk.) Der Verfasser hat es verstanden, .gerade die reizvollen und malerischen Gesamt- und Einzelblicke sowie bie reiche Plastik und Architektur der Stadt in ausgezeichneten Aufnahmen darzustellen. Das Heft enthält 91 Abbildungen, 7 Pläne und 56 S. Text. Ohne Zweifel wird gerade die.se Veröffentlichung, die das erste Heft der Serie „Alte Städte in Hessen" bildet, besonderem Interesse begegnen. 857 — Baron Hermelin: Dor Prinz auf Wiereland (Verlag Hugo Eteinih, Berlin W 35). Was hier an „Erlebtem" und ..Erlauschtem" zusammengetragen ist, ist ein Schlüsselroman um die Person des ehemaligen deutschen Kronprinzen, mit einem reichlichen Schuß Sentimentalität und einem Wirrwarr von Anekdotenhaftem und Historischem, aus dem sich beim besten Willen kein ernsthaftes Bild über die Persönlichkeit des Kronprinzen gewinnen läßt. 657 — Der Ehrenbürger. Roman von Heinz Welten. (Universitas Deutsche Verlags-A. G.. Berlin.) - Ein Buch, das der Verfasser als „Roman Dp:: Spitzbuben und anderen ehrlichen Menschen" bezeichnet. In der Handlung kommen die heutzutage vielfach kunterbunten Verhältnisse auf Grund feine: Beobachtungen scharf heraus. Das Milieu der Kleinstadt ist dabe. mit glücklichen Strichen gezeichnet. Die mit feinem Humor gewürzte Erzählung bietet eine amüsante Lektüre. 738 — Dr. E. A Schmid. Eine Lanze für Karl May. 2. Auflage. Karl-May-Verlag. Radebeul bei Dresden 1926. — Die erste Auflage erschien vor sieben Jahren zu einer Zeit, wo nach dem zutreffenden Wort des Verfassers Karl Mays Rame schutzlos jeder Verunglimpfung ausgesetzt war. Das hat sich inzwischen geändert, dank Ludwig Gurlitts Schrift: Gerechtigkeit für Karl May und mehr noch dank der tapferen und geschickten Tätigkeit des Verfassers ter „Lanz?". Diese selbst enthält freilich weniger eine Apologie Mays, den Hauptinhalt der Kampfschrift bildet die urkundlich belegte Darstellung des erfolgreichen Vorgehens des Verfassers gegen die (von Hintermännern veranlaßte) unerhört verunglimpfende 'Lebensbeschreibung Mays aus der Feder eines gewissen Kle'mberg im „Deutschen Rekrolog". Der sachlich scharf, persönlich in vornehmster Form geführte Kampf, der damit endete, daß der Verleger die Schmähschrift zurückzog, ist ein Musterstück deutscher Polemik und de Schrift darum in hohem Maß fesselnd auch für die, denen Karl May und das „May-Probl^w" gleich- gültig ist. E — 100 Kreuzwort- und andere Rätsel. Verlag C. F. Pilger LCo., Berlin SW 48. Das Bändchen kommt mit seiner Sammlung neuer Rätsel, worunter jene vom Kreuzwort den breitesten Raum einnehmen, einem ausgesprochenen Bedürfnis unserer Zeit gefällig entgegen und darf als ein anregender Zeitver- fteiber gelten. Wer alles geraten hat, was einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, kann sich hernach zur Belohnung im Anhang vom Erfolg seiner Bemühungen und der Richtigkeit überzeugen. Aber es ist einige Vorsicht geboten, worauf ein launiges Vorwort den „lieben Löser" aufmerksam macht: Der Kanton in der Schweiz muß z. B. nicht immer „Uri“ fein, zum Glück gibt es auch noch andere. Ein Infekt ist nicht stets, wie du aus anderen Rätseln bestimmt schon weißt, die „Imme" und als Erfinder braucht „Edison" nicht unbedingt richtig zu fein. Also Vorsicht... 722 Den Freunden des Verlags F. A. Drockhaus (Sechste Folge 1926 27; Drockhaus, Leipzig) ist ein reichhaltig illustrierter Almanach gewidmet, der einen guten Ueber» blick über die vom Verlage im letzten Jahre geleistete Arbeit und die von ihm herausgebrach- ten Bücher — vorwiegend populär-wissenschaftlichen Inhalts — vermittelt; auf eine Reihe von ihnen, meist interessante Reisebeschreibungen, haben wir schon früher hingewiesen. 854 — Das Inselschifs. Eine Zeitschrift für die Freunde des Inselverlags. 8. Jahrgang Nr. 1. Weihnachten 1926. Insel-Verlag, Leipzig. — Dies ist eine Gabe für literarische Feinschmecker, ein recht weihnachtlicher Führer zum schönen und guten Buch; hier findet man ausgewählte Proben von dem, was der Verlag neuerlich publiziert hat; z. B. Szenen aus Max Mells feinem „Apoftelfpiel"; Uebertragun- gen Albrecht Schaeffers aus dem Chinesischen („Eisherz und Edeßaspis") und dem Spätlateinischen (Apulejus, „Goldener Esel"); Goethesche Aphorismen; einen Nachruf des Grafen Gobineau auf Stendhal; Erinnerungen Stefan Zweigs an gemeinsame Stunden mit Emile Verheeren und manches andere. Alles von Wert und Dauer, einiges auch mit guten Bildern geschmückt, das Ganze tadellos gedruckt, gediegen ausgestattet und dargeboten. Die Umschlagzeichnung stammt von Emil Preetorius. -- „Europäische Gespräch e". Hamburger Monatshefte für Auswärtige Politik, herausgegeben von Professor Dr. A. Mendelssohn ausgegeben von Professor Dr. A. Mendelssohn- Bartholdy. (Stuttgart. Deutsche Verlags-Anstalt.) 4. Jahrgang. Doppelheft XI XII. Rovember Dezember 1926. — Die Europäischen Gespräche beschließen ihren vierten Jahrgang mit einem eindrucksvollen Doppelheft. Sir Frederick Whyte, ter als Präsident der indischen Gesetzgebenden Versammlung den Geist des Orients kennen gelernt hat, wendet sich in einem Aufsatz „Asien, und Europa im 20. Jahrhundert" gegen das Schreckgespenst einer drohenden asiatischen Gefahr und erhofft vielmehr einen Fortschritt der Welt davon, daß Asien seine ureigenen Kräfte wiedererweckt. Vom Standpunkt des Europa- Polittkers dagegen untersucht Franz Carl Enders, „was Europa im türkis-griechichschen Krieg an Asien verloren Ijai", und fordert, daß wir unS auf das gemein-europäische Interesse besinnen und jeden Verlust einer europäischen Macht in Asien als eigenen zu empfinden lernen. In ähnlich kontrastierender Weise ergänzen sich die beiden Auffähe „Deutschland und Polen" von tem ehemaligen polnischen Generalkonsul in Berlin Karol Rose, der für Polen die geringere Gefahr und größere Derständigungsmöglichkeit immerhin nach der deutsche:: statt nach der russischen Seite sieht, und von Marcus König, ter unter dem Titel „Polens äußere Politik und innere Einstelllmg" deutscherseits die Schwierig- Feiten der Verhandlung mit Polen darlegt. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 24. Dezember: 3 bis 3.30. Die Stunbe der Jugend. 3.30 bis 5: Konzert des Hausorchesters: Weihnachtskonzert. 5 bis 5.45: Übertragung des Geläutes ter Weihnachtsglocken, darunter der Carolusglocke, vorn Franffurter Dom. 5.45 bis 6.15: „Das Spielzeug unserer Kinder", ein kulturgeschichtlicher Streiszug von August Kruhm. 6.15 bis 7.15: »Heilige Rächt". (Sine Weihnachtslegente in oberbayerischer Mundart von Ludwig Thoma. 7.15 bis 9.15: Uebertragung von Kassel. „Wichtelweihnacht". Märchenspiel in drei Abteilungen von Heinrich Ruppel. 9.15 bis 9.45: „Weihnachtsgruß an die fernen Gräber". Vortrag von Franz Geis vom „Dolksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge". 9.45: „Ein Winteridhll" von Karl Stieler. W-. M r m verleiht rosiges, jugendfrischii KTltilÄi S O Antlitz u. ein rein. zarterTelnt. U BI eBeflösSB Alles dies erzeugt die echt« .„/ferd-5eife fcf B» CE ti V ■'"3. Y<* SBf die beste Lillenmilchseife eBlllMIlllCH v. Bergmann » Co Radebeul. Überall zu habet