Nr. 274 Lrfter Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 25. November 1926 Erschein, »a glich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen. Dletzenar Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle Monats-kezug,preis: 2 Reichsmark and 20 Reichspfennrg für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge Höherei Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: gronffurt am Main 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vn'ck und Verlag: vrühl'fchc UniverfitütL-Such- und Zlemdruäerei K Lange in Sietzen. Zchriftieitung und Seschäftrstelle: Zchulittatze L Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen do.i 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Re- klameanzeigen von 70 n ra Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20" mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh Lange. Derantwortlich für Dohtih Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil i. Dertr. H. Deck, sämtlich in Giehen. Der britische Staatenbund. Das britische Weltreich hat sich eine neue Form gegeben. Bon nun an haben wir es nicht mehr mit London als dem Mittelpunkt eines gewaltigen von England regierten Kolonialreiches zu tun, sondern mit einem Bund einander gleichgestellter Staaten, der nach außen durch den Träger berStrone und dessen unmittelbare persönliche Vertreter repräsentiert wird. Ulan wird als Deutscher mit ftarlem Reid erfüllt, wenn man sieht, mit welcher Folgerichtigkeit und Selbstverständlichkeit die ®ngläni>er und ihre Ableger in den Kolonien in wirklich staatsmänni'chem Deist zur richtigen Stunde den Erfordernissen einer neuen Zeit Rechnung tragen und dabei peinlichst bemüht sind, alte Formen zu wahren und die Tradition hochzuhalten. Langsam, aber stetig ist im Laufe der Geschichte die ursprünglich autokratische Macht der Krone auSgehöhlt, ihr Glanz nach außen ungetrübt erhalten worden. Wenn sich ein Träger der Krone als Mensch und Staatsmann über den Durchschnitt erhob, ver- niochte er sich im Politischen Leben Englands vollkommen bura).,ufeijen und seine Persönlichkeit zur Geltung zu bringen. War das nicht der Fall, *o wurde die Regierung von Männern geführt, die bei allen menschlichen Fehlem und Schwächen eifrig daraus bedacht waren, das Ansehen bet Krone hin nach außen nicht zu schädigen. Diese Ersahrungssähe. die Lehre von der Einschätzung auch des politischen Wertes der 11 e - berliefetung sollten sich unsere unentwegten Demokraten, die ja so gerne in England das Htbilb ihrer Ideale erblicken, recht gründlich zu ßemüte führen. Daß sich die verschiedenen Dominions bereits seit langem innerpolitisch fast vollständiger S e l b- ftänbtgleit erfreuten und nun auch nach äußerer Anerkennung dieses Verhältnisses strebten, ist wiederholt geschildert worden. Daß der Weltkrieg auch in bezug auf die Struktur des bisherigen britischen Weltreiches und auf die Führung der auswärtigen Politik von weitreichendem Einfluß sein würde, war jedem klar, berjkß ein wenig um die Entwicklung der staats« recMichen Verhältnisse Englands und seiner Kolonien gekümmert hat. Vielleicht erinnert man sich auch daran, daß sich England im Beginn des Weltkrieges die militärische Unter ftüfoung verschiedener Dominions durch die Zusicherung sicherte, diese künftig mehr als früher an der Leitung der auswärtigen Politik zu beteiligen. Das wurde in die Wege geleitet durch die Einrichtung der Reichskonferenzen, die bisher nicht durchweg in vollster Harmonie verlaufen sind. Run aber haben sich auf der diesjährigen Reichskonferenz in London die englische Regierung und die Vertreter der Dominions in aller Stille, aber in eingehenden Beratungen auf eine völlige Reuordnung der Dinge aeeinigt. In einer gemeinsamen Erklärung wird der Oeffentlichkeit von den gefaßten Beschlüssen Kenntnis gegeben. Es ist wiederum ungemein charakteristisch für den Grundzug des englischen Lebens, daß man sich nicht auf einen Vertrag oder eine Reihe von Verträgen oder gar eine neue Verfassung sestgelegt, sondern in der Erklärung einfach fest gestellt hat, es habe sich bereits eine neue neue Ordnung entwickelt. Die englische Verfassung, von der so oft und so viel die Rede ist, besteht bekanntlich überhaucht nicht. Wichtiger als ein Stück Papier erscheint dem Engländer das, was er unter Präzedenz versteht, mit anderen Worten: die Anerkennung eines festgelegten Grundsatzes und die Hochhai- tung der Tradition. Also auch jetzt wieder bildet die Grundlage die verabredete gemeinsame Erllärung von Vertretern der englischen Regierung und der Dominions. Diese bUocn zusammen in Zukunft einen Staa t enbun d, der aber wiederum ganz verschieden ist etwa von dem amerikanischen und dem früheren deutschen Bundesstaat. Gemeinsame Interessen, gemeinsame Abstammung, gemeinsame Sprache, gemeinsames Recht und gleiche Kultur- Höhe sind die Bindemittel, die die Glieder des neuen Reiches, nach englischer Auffassung und mit Recht, fester zusammenkitten, als etwa ein gemeinsames Parlament ober sonstige Einrichtungen. Den Mittelpuntt bildet, wie bereits erwähnt. der König, der in den einzelnen Dominions durch einen Vertreter seiner Person Damit dem Volk unmittelbar näher gebracht wird. Freilich wird damit der jeweilige Statthalter ober Generalgouverneur auch des letzten Restes politischer Tätigkeit entkleidet und ebenso zum Dekorationsstück gemacht, wie es der englische König überhaupt ist. Der politische Verkehr zwischen den Dominions und England wird direkt von Kabinett zu Kabinett geführt und es ist wohl möglich, daß der nächste Schritt in. der Entwicklung der sein wird, den ständigen Vertretern der Dominions in einer Art von Reichskabinett Sitz und Stimme zu geben. Bis dahin werden die Dertteter der Dominions ungefähr als Botschafter behandelt, während sie selbst untereinander und bei anderen Mächten nach ihrem Belieben diplomatische und Kon'ular- vcrtreter unterhalten werden. Verträge abschlie- hen usw. Wenn man will, ist das äußere 'Band, das in Zukunft die Glieder d.eses neuen Staatenbundes zusammenhält, ein äußerst loses. Aber gerade durch die dem Engländer angeborene unverwüstliche Reigung zum Konservatismus dürfte sich der Bund als sehr viel stärker erweisen, als manche anscheinend viel festere Gebilde. In Die „Daily Mail" stellt zunächst fest, daß der Bericht deutlich die völlige Gleichberechtigung der Dominions mit Großbritannien niederlege. Er bringe jedoch keine Aenderung der wesentlichen Bedingungen, da die Dominions seit Jahren von Großbritannien praktisch unabhängig und in ihrem Status gleichgeblieben seien. Die liberalen Blätter sind im allgemeinen befriedigt, legen sich jedoch Zurückhaltung auf. „Daily Chronicle sagt, der höchst intereffante Bericht der Kommission zeige deutlicher als alles bisher veröffentlichte, daß das britische Reich bereits seine Konstitution habe, die durch den jahrelangen Gebrauch stillschweigend sanktioniert worden leü Sir Austen Chamberlain könne als bri- tischer Außenminister Kanada oder Australien nicht zu irgendwelchen Verantwortlichkeiten verpflichten. Er könne es aber andererseits wiederum, falls die Dominions ihn dazu bevollmächtigten. Die „Daily News" befürchten, daß der Bericht ausländische Beobachter zu der Auffassung verleiten könnte, daß diese Konferenz eine vitale Schwäche in der Struktur des britischen Reiches und ein neues Stadium in dem Prozeß der Auslösung bedeute. Indessen seien in dem Bericht sicherlich keine Anzeichen eines drohenden Verfalles wahrzunehmen. Es sei der angemessene und bedeutsame Ausdruck einer progressiven Zivilisation, die sich ihrer Pflichten in hohem Grade bewußt fei. „SB e ft m i n ft e Y Gazette" sagt, das britische Reich lebe weiter mit der Krone als Symbol der Einheit. Die neuen Bestimmungen setzten die Dominions in die Lage, dem Mutterlande in der Frage der Locarnoverträge zu gratulieren, bedeuteten also einen Schritt in der Richtung auf die Stabilisation in Europa, ohne ihnen selbst irgendwelche Verpflichtungen auszuerlegen. — Der soziallstische „Daily Herold" nennt den Bericht des Komitees ein Meisterstück der Ausflüchte. Das Komitee habe hochllingende Phrasen gÄ>roschen, den Wegfall von fünf Worten und die Einfügung eines Kommas in den königlichen Titel empfohlen, habe jedoch mit größter Geschicklichkeit jedes wirkliche Problem umgangen, das sich aus den gegenwärtigen Beziehungen zwischen „6c. Majestät Regierung in Großbritannien" und „Seiner Majestät Regierungen in anderen Teilen der Welt" ergebe. (Der Titel des englischen Königs lautet jetzt: Georg V. durch Gottes Gnade König von Großbritannien, Iüand und den überseeischen Dominions, Verteidiger des Glaubens, Kaiser von Indien.) der auswärttgen Politik wird sicherlich für die nächste Zeil der englische Einfluß noch über- wiegen, schon aus geographischen Gründen. Aber bei der großen Behutsamkeit, von der sich die englische Regierung in der Haltung den Dominions gegenüber hat lenken lassen, darf man auch -erwarten, daß sie entscheidende Schritte nicht tun wird, ohne sich der Zustimmung der anderen Gliedstaaten versichert zu haben. Ob sich daraus im Lause der Jahrzehnte eine Verschiebung des Machtzentrums innerhalb des britjdjen Weltreichs entwickeln wird, vermag niemand vorauszusehen. Vie englische presse. London. 22. Rov. ($11.) Der Bericht über die Ergebnisse der Reichstvnferenz und das künftige Verhältnis der Dominions zum Mutterlande wird in der heutigen Morgenpresse ausführlich behandelt. Die tonfern. „Time s" stellten mit Befriedigung, wenn auch mit einiger Zurückhaltung den günstigen Verlauf der Konferenz fest. Ihr Ausgang werde von ihren Tellnehmem zweifellos als ein ungewöhnlicher, man könne fast sagen, unerwarteter Erfolg betrachtet. Die Konferenz habe llug daran getan, dis Aufgabe abzulehnen, eine Konstitution für das britische Reich niederzulegen. Sie habe statt dessen ein autoritatives Bild des britischen Reiches geschaffen, wie es in Wirklichkeit sei. Der ebenfalls konserv. „Daily Telegraph" spricht die Hoss- nung aus, daß die Einzelheiten der in dem Bericht erwähnten wichtigen Fragen sobald wie möglich durchgesührt werden würden. Die hoch- konservative „M orningpost" ist sowohl mit ihrem Lob als auch mit ihrer Kritik recht zurückhaltend. Sie meint, keine formale Einheit werde genügen, die einzelnen Telle des brittschen Reiches zusammenzuhalten, solange es keine Einheit des Gefühls uiid der Interessen gäbe. Das britische Weltreich sei vorwiegend ein Bund zur gemeinsamen Verteidigung. Das sei eine Realität, für die die englischen Staatsmänner arbeiten sollten. Der „Daily Expreß" meint, daß der geschickt und taktvoll aufgebaute Bericht offenbar im wesentlichen dazu bestimmt gewesen sei, der Stellung des Generals H e r t z o g Rechnung zu tragen. England werde die negativen (Srgebniifc der britischen Reichs- kvnserenz begrüßen, well es über die paradoxe Wahrhell im klaren sei, daß je loser das Schiff des brttifchen Reiches fei, die einzelnen Teile um fo sicherer zusammen- gehalten werden könnten. Sonlteiii fcröetl WWMMlM SesAmUM. Eine Pariser Erklärung. P a r i i , 23. Rov. (TU.) Der „3ntranfigeant" brachte am Montag angeblich aus autorisierter Quelle einen Artikel, betitelt „Die reine Wahrheit über die Kontrolle der deutschen Rüstungen". Danach strebt man deutscherseits die Abschaffung der interalliierten Milllärkontrolle an, um gleichzeitig die Durchs üh rung desIn- vestigationsrechtes des Völkerbundes in Deutschland unmöglich zu machen. Das Blatt betont dabei, daß französischerseits -eine ständige Kontrolle der Rheinlande nach dem Abzug der Besatzungs- truppen vorgesehen sei, und daß Briand und Paul - Dvncourt diese Auffassung entschieden verteidigten. Der sehr lebhafte Widerstand im Döl- kerbundsrat habe aber verhindert, daß der Vorschlag der vorbereitenden Kommission bisher einer zweckmäßigen Diskussion unterzogen werden konnte.. Hier sei das Problem st ecken geblieben. Deutschland habe ebenso klar vor Locarno in Paris wissen lassen, es werde unter garkeinen Vorwänden zulassen. daß eine ständige Kontrolle, die im Versailler Vertrag nicht sestgelegt sei, auch nur zur Diskussion vorgelegt werde. 2Han müsse daher daraus bedacht fein, nicht die permanente Kontrolle im Rheinlande mit dem Jnoestigationsrecht auf dem gefamfen deutschen Gebiet, das im Sinne des Art. 213 des Versailler Vertrages aus- geübt werde, zu verwechseln. Dessen Durchführungsreglement habe der Völkerbundsrat seinerzeit mit Stimmeneinheit beschlossen. Dieses Reglement bestimme alle Einzelheiten. An der Spitze dieser Kontrollorganisation befinde sich General Desticker. Das Dokument könne nur wieder mit Stimmeneinheit des Rates abgeändert werden. Das sei die Auffassung, von der die französische Regierung nicht abweichen dürfe. Gegen diese laufe nun Deutschland Sturm. Es wolle eine Investigation ohne die Anwesenheit eines deutschen Verbindungsoffiziers nicht zulassen und damit die unangesagte Kontrolle des Völkerbundes verhindern. Darum müsse man von Deutschland, bevor die Abberufung der interalliierten Kontrollkommission stattfinde, die Unterzeichnung einer Verpflichtung verlangen, sich der Investigation, wie sie der Völkerbund ausgearbeitet habe, zu unterwerfen. Bon französischer zuständiger Seite bemerkt man zu diesem Artikel des „Intransigeant", daß der liebergang der Abrüstungskontrolle auf den Völkerbund in der von dem Blatt vor- geschlagenen Weise geregelt werden müsse. Erneut betont man. daß niemals die Absicht der französischen Regierung gewesen sei, eine permanente Kontrolle des Völkerbundes zu verlangen. Die' Organisation des Investigationsrechtes und die Tätigkeit der mit der Durchführung beauftragten Kommission bilde das Problem, das sich gegenwärtig darbiete und dessen Lösung bedingt sei durch die politischen Verhältnisse zwischen Deutschland und Frankreich. England wünscht beschleunigteErledigung London, 23. Rov. (TU.) 3n politischen Kreisen Londons wird die Rachricht bestätigt, daß sich Chamberlain aller Wahrscheinlichkeit nach zu der am ■«. Dezember in Gens stattfindenden Tagung des Völlerbundsrates begeben wird. Das wird auch für den Fall zutreffen, daß Briand und ©trefemann nicht an Sagung tellnehmen füllten. Die genauen Richtlinien der englischen Delegation stehen zwar im Augenblick noch nicht fest, lassen sich aber in .großen Linien wie folgt umschreiben: England wünscht die ganze Abrüstungs» frage sobald als möglich erledigt zu sehen. Indessen wird in politischen Kreisen auf die Schwierigkeiten, auf die man in dieser Frage in Frankreich stößt, hingewiesen, so daß die englische Diplomatie in Paris keine leichte Ausgabe haben werde. Auf englische Vorstellungen in Paris sei immer wieder die Liste der unerfüllbaren Forderungen vorgezeigt worden. Unabhängig davon laufe nach englischer Auffassung die Frage der k ü n f t i g c n K o n t r o 11 e der deutschen Abrüstung. Der bereits vor 18 Monaten fertiggestellte Plan für die Dölkerbundskontrolle sei deutscherseits in diesen und jenen Punkten beanstandet worden, worauf man Berlin habe wissen lassen, daß alle diese Einwande auf der am 6. Dezember stattsindenden Ratstagung vorgebracht werden könnten. Gleichzellig wird auf die französische Furcht hinge- wie^en, daß eine Zwischenzeit entstehen könnte^ falls die interalliierte Kontrollkommission aufgelöst werde, bevor man sich über den Plan der Dölverbundskontrolle geeinigt habe. Rach englischem Plan werde es sich um feine ständige Kommission mit einem bestimmten Vorsitzenden handeln, sondern im wesentlichen um die Aufstellung einer Liste von Sachverständigen, die von Fall zu Fall für die Untersuchung I bestimmter, von irgendeiner Seite aufgeworfener Einwände ernannt werden sollen. Frankreichs Heer. Don unserem Pariser W. 8.-Korrespondenten. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß das französische Budget für 1927 eine Friedensheeresstärke von rund 702 002 Wann vorsieht, a Jo genau siebenmal soviel a I s Deutschland, während aber natüc ich trotzdem Deutschland von Frankreich stets als der ..militärische" Staat verschrien wird. Rach dem Heeres« budget für 1927 wird die französische Armee 1927 eine Mannschaftsstärke von 31 028 Offizieren, 647 438 Mann und 157 320 Pferden auf- weisen. Hinzu kommen noch 49 000 Offiziere und Mannschaften in den Kolonien. In Frankreich selbst stehen 440 000 Mann, am Rhein 60 000 Mann. Für Marokko sind vorgesehen 2819 Offiziere, 82 795 Mann, 31 438 Zugtiere. Die militärischen Ausgaben für Marokko werden auf 680 Millionen veranschlagt. Das Protektorat beteiligt sich an diesen Ausgaben mit 41 Millionen gegen 26 Millionen im Jahre 1926. Indochina ist für militärische Zwecke mit 33 Mill.o- nen belastet, Französisch -Westafrika mit 8 Millionen und Madagaskar mit 2,5 Millionen. Die Levante-Armee besteht aus 648 Offizieren, 15 087 Mann und 5609 Zugtieren für deren Unterhalt 187,5 Millionen erforderlich sind. In Algerien und Tunis stehen 2646 Offiziere, 77 329 Mann und 19 473 Zugtiere. Frankreich, Italien und Deutschland. Von unserem Pariser W.-S.-Äorrefponbenten. Paris, 22. Noo. Die bekanntlich C a i l l a u x und dem Links- karlell nahestehende „Ere Nouvelle" beschäftigt sich mit der Stellung, die Frankreich gegenüber dem italienischen Faszismus in außenpolitischer Hinsicht ein« nehmen soll und schreibt, man dürfe sich über die praktischen Ergebnisse einer Verhandlung mit Musso- lini keiner Illusion hingeben. Gewiß habe das italienische Kabinett sich gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland ausge- prochen, aber wenn in dieser Frage die sranzüsi- chen und die italienischen Interessen sich decken, so olge daraus nicht, daß sich Frankreich, was seine ;anze außenpolitische Aktton anbetreffe, von den aszistischen Bestrebungen ins Schlepptau nehmen lassen dürfe. Welchen Preis werde Mussolini von Frankreich verlangen, um dieses bei seiner Opposition gegen einen möglichen Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu unterstützen? Die berühmte These vom lateinischen Block sei eine literarische These und politisch nicht aufrechtzuerhalten. Frankreich möge den Westblock errichten, natürlich mit Italien, aber auch mit Deutschland, selbst wenn Frankreich dann mit ihm gegen seinen ehe- Berlin, nicht in Rom müsse Frankreich das Schicksal seiner Ententen suchen. Der Faszismus sei nur ein provisorisch-glückliches Abenteuer. Früher ober später werde Italien sich Deutschland zu nähern suchen gemäß der Tradition Cavours und Crispis. Was werde denn geschehen, wenn Frankreich bann mit ih mgegen seinen ehemaligen Feinb im Bunbe stehen werde? Das Problem der deutsch-französischen Zusammenarbeit habe den V o r r a n g vor allen anderen. Italien könne in Paris und in Berlin eine ablehnende Haltung ein» nehmen und Nein sagen, aber es könne, auch wenn es faszistisch ist, nicht Paris und Berlin, wenn diese endgültig geeinigt seien, ein Nein entgegensetzen. Die französisch-italienische Spannung. Französische Licherheitsmatznahmcn im Grenzgebiet. Paris, 23. Rov. (121.) lieber die französisch- italienischen Verhandlungen wirb an gut unterrichteter Stelle erklärt, daß eine leichte Entspannung zwar eingetreten wäre, daß aber die politische Lage nach wie vor als ziemlich keikel zu betrachten sei. wie verlautet, besteht nach beiden Richtungen eine sehr scharfe lelegrammzen- s u r, und man hat ben Eindruck, daß von französischer Seite bereits zur Durchführung gewisser Sicherheitsmaßnahmen im italienischen Grenzgebiet geschritten wird, die man besonders in der rechtsstehenden preffe verlangt. So weist die „Liberi e“, die sich bisher immer sehr warm für eine französisch-italienische Verständigung cinfeßte, darauf hin, daß sich die großen italienische,'» Garnisonen mir 100 Kilometer von der französischen Grenze befänden, und daß der Zwischenraum immer mehr mit Militär belegt und mit Verteidigungsanlagen und Eisenbahnlinien ausgerüstet würde, während auf der französischen Seite nicht genügend Truppen vorhanden feien. Die großen französischen Garnisonen lägen 200 Kilometer von der Grenze entfernt. Einem italienischen Einfall könnte R i; z a kaum Widerstal'.d leisten und eine kleine italienische Armee wäre in der Lage, Rizza emzunehmen. Korsika könne überhaupt k e i- nen Widerstand leisten und könne von ein paar hundert Legionären mühelos beseht werden. Frankreich müsse klug genug sein, um Italien von dem versuch, in das französische „„beschützte Gebiet ein- znfallen, abzuhalten. Die Folgen der Frankenhausse. Paris, 22. Rov. (TU.) Die Franken- Hausse, die mit der Rückw an derung bedeutender Kapitalien aus dem AuS- .'und in Verbindung gebracht wird, hat in Paris zroße Beunruhigung hervorgerufen. Aach >em „Petit Parifien" beschäftigt lich die Regie- una mit Maßnahmen, die bei einem weiteren fallen der fremden Devisen zur Steuerung der >rohenden Arbeitslosigkeit in An- vendung kommen sollen. Das Gerücht über ein bevorstehendes Stabilifierungsdekret wird von der Regierung dementiert. Neuorientierung in Belgien? Was Frankreich von der belgisch-schwedischen Heirat fürchtet. Don unserem 8.-Korrespondenten. Paris, 22. Nov. Der rechtsgerichtete „Avenir" kritisiert lebhaft, öaß der Quai d'Orsay es außer Acht gelassen habe, jie möglichen Folgen der Heirat des katholischen 'Kronprinzen Leopold von Belgien, des Alliierten Frankreichs, mit der lutherischen Prinzessin Astrid oon Schweden vorauszusehen, die kein Wort i r a n z ö s i s ch könne, und die einem deutschfreundlichen Hofe entstamme. „Paris-Midi" !enkt die Aufmerksamkeit darauf, daß der belgische Kronprinz nur ein Achtel französisches Blut gegenüber sieben Achtel deutschem in seinen Adern habe, und daß das skandinaviscbe Blut diese Mischung ivch weiter verwässern könne. Zweifelsohne werde man sich damit trösten, zu erklären, daß König Albert, der Sohn einer Prinzessin von Hohen- zollern, eine bayerische Prinzessin geheiratet habe, und daß weder er noch die Königin 1914 gezögert hätten, ihre Pflicht als belgische Patrioten zu erfüllen. Dieses Argument habe seinen Wert, aber man muffe feststellen, daß es nicht genüge, diejenigen vollkommen zu beruhigen, bte die Legende von der Geschichte zu unterscheiden wüßten, und die in außenpolitischer Hinsicht nichts dem Zufall üüer- kassen möchen. In Belgien sei man sicherlich erstaunt gewesen, von der Heirat des Kronprinzen zur gleichen Zeit wie von seiner Berlobung zu erfahren. Die Königin habe sich, wie man erzähle, selbst bemüht, die Angelegenheit aufzuklören mit dem Hinweis, es fei eben alles wie der Blitz gekommen. Etwas Beunruhigung fei aber doch im Geiste des royalistischen belgischen Volkes zurückgeblieben, und zwar um so mehr, als flämische Zeitungen sich nicht genierten, zu behaupten, daß die Heirat ihrer Politik zum Triumphe verhelfen wurde. So könne man in der Zeitung „De Schelde" lesen: Stehen wir am Vorabend einer nach Norden gerichteten Politik, einer neuen belgischen Politik? Wir werden das bald wissen, und zwar aus der Art und Weise, wie die Belgier gegenüber den Flamen vorgehen werden. Chamberlain über den Völkerbund. Für eine Zusammenarbeit der europäischen Großmächte. London, 22. Nov. (WTD.) Der Staatssekretär des Aeußern Chamberlain naJjm im Parlamentsausschuß für den Völkerbund das Wort zu einem Rückblick auf die Sitzungen des Völkerbundes im März und September und erk ä te dann u a.: 3m Völkerbund sind alle Staaten gleich und die Zustimmung des geringsten ist ebenso notwend g, wie des größten, obgleich anerkannt toerben muß, daß einige Staaten durch ih-re Verpflichtungen mehr einsehen als andere und im Notfälle also größere Opfer bringen müßten. Dringend notwendig ist es, daß die vier großen europäischen Mächte im Völkerbund zusammenarbei- t en, bis der Völkerbund so stark ist, daß er seinen Willen oder fein Urteil jedem Staat auferlegen kann, der sich widerspenstig zeigen sollte. Nichts würde katastrophaler sein, als der Versuch, den Völkerbundsrat in zwei Lager zu spalten und nichts verhängnisvoller als der Gedanke, daß kleine Staaten selbst Nutzen daraus • ziehen könnten, wenn sie Differenzen unter den Großmächten herbeiführten. Chamberlain t warnte davor, daß Staaten nach Genf gehen mit der öffentlich verkündeten Verpflichtung zu einer * besonderen Politik, so daß sie daran ver- , hindert werden, ihre Zustimmung zu einer entgegengesetzten Ansicht zu geben, was häufig not- wendig sein werde, wenn eine Vereinbarung erzielt werden solle. Eine deutsch-englische Industriellen - Konferenz. London, 23. Nov. (WTD. Funkspruch.) Der politische Korrespondent der „Daily Mail" schreibt, i)ie vor Monaten begonnenen Vorbereitungen für eine erste Zusammenkunft zwischen den Verbänden der deutschen und der britischen Industrien sind jetzt beendet. Am Freitag und Samstag nächster Woche wird die Konferenz in London abgehalten werden. Der Verband britischer Industrien wird von seinen hervorragendsten Mitgliedern vertreten werden. Die Namen der deutschen Vertreter sind in London noch nicht bekannt. Zweck der Konferenz ist, einige der vorhandenen Schranken für den Handel zwischen den beiden Ländern zu beseitigen. Man hofft, daß die Konferenz einen Gewinn für weiter- reichende Schritte im Laufe der nächsten Jahre bilden wird. Die Desprechungen werden im wesentlichen einen praktischen geschäftl ichen Charakter haben und Fragen betreffen, die in den Bereich praktischer Wirtschaft der Gegenwart fallen. Der Verband britischer Industrien erwartet durch baldige, wenn auch kleine Erfolge den Weg für eine engere Zusammenarbeit im Handel zwischen den beiden Ländern zu bahnen. Irgendwelche Beschlüsse werden den beiden Körperschaften in ihrer Gesamtheit zur Betätigung unterbreitet werden. Die Prüfung der Äriegss tiuldfrage. Berlin, 23. Nov. (TU.) Im Reichstag ist zu der heute beginnenden auswärtigen Debatte ein Antrag sämtlicher bürgerlicher Parteien eingegangen, der die Reichs- regierung ersucht, in eine Prüfung der Frage einzutreten, wie die Satzungen des Bölter- b u n d e s und des ständigen internationalen Gerichtshofes Möglichkeiten bieten. eine Prüfung der Kriegsschuldfrage durch diesen Gerichtshof zu erreichen. Das Berginverfahren. Die Verwertung dec bisher als minderwertig geltenden Kohlensorten, wie Gasflammenkohle und Flammenkohle, die besonders in Staubsorm bisher so gut wie gar keinen Absatz sanden, ist den Kohlenforschern seit Beginn der wissenschaftlichen Erforschung der Auswertungsmöglichkeiten der Kohleprodukte ein schwer zu lösendes Problem gewesen. Es lag nahe, eine Lösung dadurch zu erreichen, daß man diese Kohlensorten durch besondere Verfahren veredelte und zur Grundlage einer neuen Iirdustrie machte. Dr. B e r g i u s ist nicht der erste, dem es gelang, aus derartigen Kohlen Oel zu gewinnen, aber sein Verfahren hat gegenüber anderen den großen Vorteil, daß es nicht eine reine Laboratoriumsarbeit darstellt, sondern daß seine praktische Auswertung sich absolut rentabel gestaltet. Auf der Kohlenkonferenz in Pitts- b u r g hat Dr. Dergius jetzt nähere Angaben gemacht über die Art und Weise seines Verfahrens und über die Gewinnung des Bergin, und damit die Aufmerksamkeit der interessierten Welt auf sich und seine Erfindung gelenkt. Das Berginverfahren beruht in feinen Grundzügen auf der Erwägung, daß in der Kohle die Bestandteile des Rohöls schon Vorhalten sind. Durch einen Reinigungsprozeh gewinnt man aus Rohöl Gasolin, das bei uns in handelsüblicher Form Benzin genannt wird. Dieses Benzin ist ein Grenzkohlenwasserstoff. in dem das Verhältnis von Kohlenstoft zum Wasserstoff wie 1:8 ist. In der zur Verfügung stehenden Kohle ist dieses Verhältnis dagegen 1:16. Praktisch betrachtet, kommt es also darauf an, entweder der Kohle Wasserstoft zuzuleitenr oder ihr Wasserstoff zu entziehen. Dergius wählt im Gegensatz zu anderen Forschern den ersten Weg. Bei einer Temperatur von 450 Grad Celsius und unter einem Druck von 150 Atmosphären leitet er der Kohle Wasserstoff zu. Das Ergebnis des Prozesses ist dann eint 40—70- prozentige Verwandlung der Kohle in Oele, je nach dec chemischen Zusammensetzung des verwandten Kohlenmaterials. Bei der Ruhrflammenkohle beträgt das genaue Verhältnis: aus 1000 Kilogramm Kohle wird gewonnen 150 Kilogramm Leichtöl, das die Eigenschaften des in der Natur gewonnenen Gasolin (Benzin) hat und den Namen „Dergin" führt, ferner 200 Kilogramm mittelschweren Oels, das z. B. im Dieselmotor noch Verwertung finden kann, 60 Kilogramm Schmieröl und 80 Kilogramm Brennöl. Etwa 20 Prozent der Kohle sind nach dem Prozeß unverändert. Außerdem wird als Neben- produtt noch 7 Kilogramm Ammoniak ge- wonnen. Wie gesagt, schwanken diese Zahlen etwa nach der chemischen Zusammensetzung der Kohle. Aber aus dem angeführten Beispiel geht schon die hohe Wirtschaftlichkeit des Berginverfahrens hervor. Denn, nimmt man Len Wert einer Tonne Flammenkohle mit 15 Wk. an, so haken die gewonnenen Produkte einen Wert von 45 Mk. Eine wirtschaftliche Auswertung auf dieser 'Basis erscheint durchaus gewährleistet. Die I. G. Farbenindustrie baut deshalb z. Z. zwei Riesenwerke in Duisburg- Meiderich und bei Halle. Aber auch das Ausland hat für diese epochemachende Erfindung des deuffchen Forschers weitestgehendes Interesse, wie der Erfolg der Darlegungen von Dr. Tergius in Pittsburg und darüber hinaus die Lizenzerwerbung eines englifchen Kohlenkonsortiums für England beweisen. Jedenfalls dürfte der neuentstehenden Großindustrie das denkbar beste Prognostikon zu stellen fein. Sozialdemokraten und Kabinett der Mitte. Neue Gegensätze in der Innenpolitik. (Eigene Information des „Gieß. Anz.") Berlin, 23.Dov. Heute beginnt nun endlich im Reichstag die außenpolitische Debatte. Wie wir hören, soll Dr. Stresein a n n sie mit einer längeren Rede einleiten. Die daran anschließende Debatte verspricht recht lebhaft zu werden, da die Fraktionen beabsichtigen, ihre „Kanonen" vorzuschicken, deren Reden bekanntlich mehr als die der anderen Parlamentarier beachtet werden. Zur Sprache kommt der gesamte Komplex der außenpolitischen Fragen, in deren Mittelpunkt das Thoirhpro- jekt und die Militärkontrolle stehen. Innerpolitisch taucht ein neuer Gegensatz zwischen Regierung und Sozialdemokraten am Horizont auf. Die A r b e i ts zei t f ra g e sdlte nach Den bisherigen Beschlüssen des Kabinetts nicht jetzt behandelt, sondern eine Entscheidung über sie er st in einigen Monaten getroffen werden In Kreisen der Sozialdemokraten wendet man sich ganz entschieden hiergegen Die Wirtschaft könne und dürfe nicht auf Kosten der Arbeiter, wie es die llnternsshmer wünschten, in Ruhe gelassen werden Das von den Gewerkschaften geforderte Dotgeseh zur Acbeitszeit- frage müsse sofort verabschiedet werden Mit dem „Laissez faire" der Regierung in der Durchführung des Notstandsprogrammes müsse es ein Ende nehmen. Die Deutsche Volks- Partei hat bisher schon die Erwerbslosengesetz- gebung recht unwillig mitgemacht. Von ihr ist deshalb stärk st er Widerstand gegen die von den Sozialdemokraten geforderte sofortige Regelung der Arbeitszeitfrage, d.e in dar Wiedereinführung des schematischen Achtstundentages gipfelt, zu erwarten. Außerdem gibt es noch andere Dinge, so z.B das Külzsche Schmutz- und Schundgesetz, über die sich Dolkspartn und Sozialdemokraten nur schwer einigen können In parlamentarischen Kreisen sieht man diese Schwierigkeiten jetzt wieder klarer, und so ist denn auch das optimistische Gerede von der unmittelbar bevorstehenden Wiedererrichtung der großen Koalition im Reiche verstummt. Es mühte fast ein Wunder geschehen, wenn man doch noch in der nächsten Zeit eine Drücke zu ihr finden sollte. Die offiziöse „DeutscheAllgem.Jeftung" Stresemanns Erklärung im Auswärtigen Ausschutz. Berlin, 22. Nov. (VDZ.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat heute nachmittag zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Entgegennahme eines Berichtes des Unterausschusses zur Frage der Militärkontrolle. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Reichsminister des Auswärtigen, Dr. St re se m a *n, folgende Erklärung ab: ,,3n einer Reihe von Zeitungen sind TNittet- lungen über Beziehungen der Reichsregierung zu der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" verbreitet worden, die in ihren Einzelheiten nicht richtig sind. 3m Lin- vernehmen mit dem Herrn Reichskanzler stelle ich darüber das folgende fest: Don dem gesamten Verlagsunternehmen der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", das seinerzeit von der preußischen Regierung im August 1925 erworben wurde, ist im April d.3. die Zeitung auf das Reich übergegangen, soweit die Minderheit der Anteile nicht im privaten Besitz sind Die durch diese Veränderung für das Reich entstehenden Ausgaben werden aus dem Dispositionsfonds des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichs- auhenrninisters gedeckt, die etatrechtlich zur Verfügung des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsaußenministers stehen. Zwischen dem früheren und jetzigen Besitzer sind Verabredungen über die allgemeine Haltung des Blattes getroffen worden, die der allgemeinen Tendenz des Blattes entsprechen." Hieraus trat der Ausschuß in die Beratung der Tagesordnung ein. Nachdem die Frage der Militärkontrolle in ausgedehnter Debatte behandelt worden war. beschloß der Ausschuß, die Beratung über den zweiten Punkt der Tagesordnung, den deutsch-niederländischen und den z deutsch-belgischen Schiedsgerichts- und Dergleichsvertrag, einer hierfür besonders anzuberaumenden Sitzung vorzubehalten. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs über den deutsch-polnischen Vertrag zur Regelung der Grenzoerhaltnisse und über das Abkommen be- treffend den gegenseitigen Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland einerseits, Polen und der Freien Stadt Danzig andererseits. Beide Vorlagen wurden vom Auswärtigen Ausschuß angenommen. Die Stellung der D« A. g. Berlin, 23. Nov. (Wolff.) Die Mchrzahl der Blätter beschäftigt sich mit der Erklärung des Ministers beä Auswärtigen Dr. Stres ermann im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages über den Ankauf der D. A. Z. durch das Reich. Die „Deutsche Tagesztg." sagt: Es muh äußerstes Befremden erregen, daß der Reichsaußenminister den Ankauf eines großen, bisher immer als unabhängig angesehenen Blattes, solange dec Oefsentlichkrit verschwiegen hat. In der „Germania" heißt es: Ein unmöglicher Zustand ist es, daß das dem Reiche gehörende Blatt aus Gründen reiner Parieipolitik die preußische Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien dauernd attackiert. Aehnlich äußern sich „D e r l. Tageblatt" und „D oss. Zt g“. die eine Aussprache ffn Reichstage über die Angelegenheit fordern. Die „Deutsche Allgem. Zt g." selbst veröffentlicht eine Erklärung des Verlages und der Redaktion, in der es heißt: Von finanziellen Zusammenhängen zwischen Zeitung und amllichen Stellen oder von irgendwelchen Bindungen an solche Stellen war urrä bisher nichts bekannt. Niemals ist die freie Meinungsäußerung der Redaktion von irgendeiner Seite unterbunden oder beeinträchtigt worden. Der „Vorwärts", der ebenso wie die demokratischen Blätter verlangt, daß sich der Reichstag mit der Ange- legenhett beschäftigt, will erfahren haben, daß sich der Reichsverband der Deutschen Preffe ebenfalls mit der Angelegenheit, soweit fie die Re- daktton betrifft, befassen werde. Der deutsche Wahlsieg in Oberschlesien. Beuthen, 22. Nov. (WB.) Von den Ge- meindewahlen in Polnisch-Oberschlesien liegen nunmehr endgültige Wahlziffern aus den Wahlkreisen Kattowitz-Stadt, Königshütte- Stadt, Landkreis Kattowih und Kreis Schwien- tochlowitz vor. Die Zahl der gültiger. Stimmen betrug in diesen vier Kreisen 240 953. Davon entfielen auf die deutsche Wahlgernein- schäft und die deutschen Sozialisten 132 063, auf die rein polnis chen Parte ie n 89 551 und auf die gemischten Parteien 19 339, davon 4340 auf die Kustos-Gruppe, 6357 auf die Kommunisten und 8642 auf die national» gemischten Mittel- und Mirtschastsparteien. Dieses endgülfige amtliche polnische Wahlergebnis bestätigt den großen Sieg des Deutschtums im Industrierevier, wozu die vier genannten Kreise gehören. Bezeichnend ist auch, daß beispielsweise im Qanbtreiü Kattowih bei dem Plebiszit im Jahre 1921 66 191 polnische Stimmen und 52 892 deutsche abgegeben wurden, bei den jetzigen Gemeindewahlen dagegen 42 780 deuffche und nur 34 830 polnische. Koalitionsverhandlungen in Vaden. Karlsruhe, 22. Nov. (TU.) Die zwischen dem Zentrum, den Sozialdemokraten, Demokraten und der Deutschen Volks- Partei geführten Verhandlungen zur Bildung der neuen badischen Regierung, die sich morgen dem Landtage vorstellen solfte, sind gescheitert, nachdem die demokratische Landtagsfraktion heute beschlossen hat, an ihrem früheren Standpunkt festzuhalten, wonach die Demokraten nur dann in die Regierung eintreten würden, wenn sie einen Mintstersitz erhalten. Die Verhandlungen werden augenb.ick.ich zwischen den Fraktionen des Zentrums, der Soz.aldemvkraten und der Deutschen Vollspartei über^die Regierungsbildung weitergeführt. Kunst und Wissenschaft. Eine schwedische Sonnenfillstern'S Expedition. Der Vorstand der schwedischen astronomischen Gesellschaft hat die Regierung gebeten, dem Reichstag vorzuschlagen, 5000 Kranen für eine Sonnenfinsternis-Expedition nach Norrland im Juni nächsten Jahres zu bewilligen. Die in Frage stehende totale Sonnenfinsternis kann vorteilhaft nur von einer einige Meilen breiten Spanne Land, welche sich über das südliche Norwegen und durch Norrland erstreckt, gesehen werden. Die totale Sonnensinstemis, welche am 29. Juni eintritt, dauert etwa 41 Sekunden. Die Dauer der teilweisen Sonnenfinsternis beträgt ungefähr 2 Stunden. Verschiedene ausländische wiffenschaftliche Expeditionen werden Schweden besuchen, um wichtige Observationen verschiedener Art vorzunehmen, welche nur während einer totalen Sonnenfinsternis ausgeführt werden können. Ein Darmstädter Ehrendoktor. Der Senat der Technischen Hochschule in Darmstadt hat «den Direktor der Odenwälder Hartstein-Industtie A. G., A. Klefenz in Darmstadt, zum Dr.-Ing. ehrenhalber ernannt Aus aller Welt Schweres Unwetter in Obentotien. Schwere Gewitter und heftige Regengüsse haben in Oberitalien bedeutenden Schaden angerichtet In Toskana wurden infolge des Hoch- ivassers verschiedener Dergbache mehrere Ortschaften überschwemmt. An der ligurischen Küste beschädigte ein heftiger Sturm zahlreiche Badeanstalten, Werften und Fabriken. Die Eisenbahn st recke zwischen Genua und Savona hat unter Erdrutschen schwer zu leiden. Ter Verkehr mußte unterbrochen werden: In Fi male und Borgo (Liguria) find infolge Hochwassers zahlreiche Einwohner"^-bch a ch l o s. Der Po, der seit einigen Tagen Hochwasser führt, riß in Mezziano bei Piacenza einen Deich ein. Die Bevölkerung hat die Häuser verlassen. Der Po hat nun seinen höchsten Wasserstand erreicht und ist im Abnehmen begriffen. Kälte im Schwarzwald. Im Schwarzwald ist ein plötzlicher Kälteeinbruch erfolgt. In den Berglagen herrscht anhaltender Schneefall. Auf dem Feldberg war die heutig« Tageätemperatur minus 2 Grad« Die Schneehöhe beträgt dort 7 Zentimeter. (Ein dreister Betrug. Bei der Reichsbahnhauptkasse in Dortmund erschien ein Mann, der Papiere vorlegte, auf Grund deren er eine Entschädigungssumme in Höhe von 48 000 Mark von ter Reichsbahn zu beanspruchen hätte. Nachdem das Geld ausgezahlt war. entdeckte man, daß die Papiere gefälscht waren. Der Polizei gelang es, den Schwindler zu verhaften, der über den Verbleib deS Geldes bisher jede Auskunft verweigerte. (Ein hoffnungsvolles Früchtchen. Das lleberfatttommanbo Karlshorst bei Berlin nahm in der Nacht zum Montag zwei Manner fest, die die Fasiade einer Villa emporgeklettert waren. Der eine war der 26 Jahre alte Heinrich Hoetzel, der andere nannte sich Walter Rohde und hatte auch Papiere auf diesen Namen bet sich. Die Kriminalpolizei entlarvte ihn jedoch als den 16 Jahre allen, vielfach vorbestraften Hubert Timm, dem nicht weniger als 15 Fassaden« klettereien und drei Wohnungseinbrüche zur Last fallen. Gattenmord aus Eifersucht. In Mülheim (Ruhr) ermordete nach ooraus- geganaenem Streit ein Rottenarbeiter feine Frau. Als Waffe diente ihm ein schweres Beil, mit dem er auf die im Bette liegende Frau einschlug. Den Beweggrund zu der Tat bildet Eifersucht des Mannes, der sich nach Verübung des Verbrechens selbst der Polizei stellte. Das Schicksal des Reisewagens des Präsidenten Krüger. Bei der Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes der Stadt London an die Premierminister von Südafrika, Neuseeland und Neufundland teilte der Lordmayor dem Premierminister H e r tz o g mit daß die Stadt London der Regierung von «üd- afrika den Reisewagen des Präsidenten Krüger schenken wolle, der von Lord Kitchener nach London gebracht worden war. Wettervoraussage. Wenig Aenderung des wolkigen, verhältnismäßig milden und meist trockenen Wetters. Gestrige Tagestemperaturen: Marimum: 9,1 Grad Celsius, Minimum: 4,4 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,1 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. November 1926. | Kreisausschuß Gießen. Der Äreisausschuh des Kreises ® i e / ßen bat in seiner gestrigen Sitzung über folgende Gegenstände verhandelt: Entschädigung für Viehverlust; hier: Entschädigung des Karl Weisel III. in M u s ch e n- beim. Dem Kläger war im März d. I. eine Kuh eingegangen. Da die Maul- und Klauenseuche als Todesursache nicht in Frage kam, wurde eine (Ent- schädigung nicht gewährt. Der Antragsteller gab sich mit diesem Bescheid nicht zufrieden und erhob Klage bei dem Kreisausschuh. In der gestrigen Verhandlung wurde festgestellt, daß die Kuh nicht an Maul- und Kauenseuche, sondern an Lungen- und Rippenfellentzündung eingegangen war. Die Klage wurde deshalb kostenpflichtig abgewiesen. Gesuch des Wilhelm Heßler aus Gillingen um Erlaubnis zum Betrieb einer Kaffee wirtschaft mit Branntweinausschank. Der Gesuchsteller beantragte die Erlaubnis zur Errichtung eines Cafes mit Wein- und Likörausschank. Die Bedürfnisfrage war vom Gemeinderat bejaht worden. Da in Vlllingen bereits 9 Wirtschaften bestehen, trug das Kreisamt Bedenken, die nachgesuchte Genehmigung zu erteilen. Das Kreisamt ging dabei von der Erwägung aus, daß ein Bedürfnis, Branntwein auszuschenken, für Dillingen nicht bestehe. Bei erneuter Vorlage an den Gemeinderat bejahte dieser wiederholt die Bedürfnisfrage. Dem Antragsteller wurde im Beschluhoerfahren die Genehmigung zum Betrieb einer Kaffeewirtschast erteilt, dagegen wurde der Antrag auf Erlaubnis zum Ausschank alkoholischer Getränke abgelehnt, weil auch der Kreisausschuß der Ansicht war, daß ein Bedürfnis hierfür bei dem Bestehen von 9 Wirtschaften und 1047 Einwohnern nicht bestehe. Gesuchsteller sah sich veranlaßt, von dem Rechtsmittel der mündlichen Verhandlung vor dem Kreisausschuß Gebrauch zn ii rbrechrns selbst urhältmMi« i MOUSON 0 CREME MOUSON-SEIFE "Her Rait», artiger Parfümierung. 3hr regelmäßiger Gebrauch bildet die beste Ergänzung der täglichen Creme Mouson-Hautpflege. H S rüget, 'nbürgerbriefes Minister nor. anh hüte der erfcog mit, ng von Süd- wirten ftruyt Äildjtner . mai. t-Ulr in « Papiere Tntschz, n 48000 eanspruchen ahlt war, lefälscht ^chlvinüler «bleib des it'Wu im. M bei««. Mi Männer tmpoigeflettert alte flrinrich oller Rohde lernen bei sich, rtoch als dm ifien Hubert 5o[[abtii- lungiein- ipt/foit. imber 1M8- I gen. tlletlUJ über Mndi GesÄüslS'^HseisWöSllüzelgeil erfordern heute eine forgfältige Textgebung und SatzauLftattung. Gute Satzleistungen find nur erreichbar, wenn die Anzeigen frühzeitig genug oufgegebea werden. Der Annahmeschluh für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nachmittag vor der Ausnahme. Empfehlungsanzeigen müssen, je nach Umfang und Satz- schwlertgkeiten, zwei bis drei Tag« vorher bestellt fein. Nur mit Sorgfalt und dem notwendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen IWrn den etnMten Wlg! dem Zauber der Stunde bin. Troy der zweistündigen Dauer des lustigen Abends war das Ende noch viel zu früh. Man hätte bei Marcell gut und gern noch eine Stunde ausgchalten, ohne irgendwie ermüdet oder gclangtociü zu sein. Der kleine, quecksilbrige, schnurrige Künst- ler hat gestern abend wieder einen starken Ersolg daoongetragcn, er ist feinen Freunden aufs neue liebenswert geworden. Man wird ihn gerne wiederkommen sehen. totTr S toäL ^gefüh^ Dlaiimum: W Cdpui. W w >erlustl h'ek! in Mu,4-°' b. 3. tw W tlauenfe*^ tourte -E 1 nicht lin en- und ÄW* Die W ®'ub S°ss-7'^ -ichank. W ''fÄ*1* N -L i»bn*s *5 «d #1# ony, .um fl e ii« huv t . kn. L"«- mi,% nua unb 19“ leiben. In lb '"folge Mtoaffer nnrn Deich L^ffen. " Der Totensonntag ist, wie in der Provinzialhauptstadt, auch draußen in den Orten der Provinz in würdiger, eindrucksvoller Weise verlaufen. Zahlreiche Berichte, die wir im Hinblick auf die Aaumverhältnifse im einzelnen nicht wiedergeben können, teilen mit, daß die Gottesdienste stark besucht waren und daß dabei die Kirchengesangvereine, die Iungfrauenvereine oder die Gesangvereine den feierlichen Ernst der kirchlichen Handlung durch gehaltvolle gesangliche Darbietungen noch erhöhten. In vielen Orten fanden mit Recht Gedenkfeiern für unsere im Kriege gefallenen Brüder statt. Ilm diese Feiern haben sich die weltlichen und kirchlichen Behörden und vor allem die Krieger- und Gesangvereine vielfach sehr verdient gemacht. •• E i n alter 116er gestorben. Oberst a. D. von M a r k l o w s k i, in den 80er Jahren Kommandeur des 3. Bataillons des Jnf.-Regts. 116, ist im 87. Jahre zur großen Armee abberufen worden. Wer den ritterlichen Offizier gekannt hat, wird ihm ein gutes Andenken bewahren. ** Personalien. Ernannt wurden die provisorischen Handarbeitslehrerinnen Emilie Lüdke zu Friedberg zur Handarbeitslehrerin an der Volksschule daselbst, Ottilie Weimar zu Collar zur Handarbeit-lrhrerin an de.' Dolls-- schule zu Lollar und ilmgegeni), Irene Scholl zu Friedberg zur Hairdarbeitslehrerin an der Volksschule daselbst: die Lehrer: Rudolf Blatt- n e r zu Grein, Kreis Heppenheim, zum Lehrer an der Volksschule zu Romrod, Kreis Alsfeld, Karl Löffler zu Romrod, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Engelrod, Kreis Lauterbach, Heinrich Schlaudraff zu Oppen, rod, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Leihgestern, Kreis Gießen. " Der S t r a h en b ah n v e r k e h r zum Friedhof erfährt vom Donnerstag ab eine Aenderung. Der erste Wagen fahrt mittags 122 Uhr ab Marktplatz zum Fr e.Hof, ber letzte von dort fahrt 4.35 nachmittags ab. ’* Helft dem Bienenkorb! Man schreibt uns: Im Mai 1926 waren es fünf Iahre, daß der Bienenkorb als Abteilung des Alice-Frauen-Bereins ins Leben gerufen tourX Bei der Gründung hatte man sich das Unternehmen als einen vorübergehenden Rotbc .1 gedacht, aber leider haben sich die Zeiten nod) nicht wieder so günstig gestaltet, daß es möglich wäre, die Einrichtung, die für viele eine lleine Beihilfe bedeutet, eingehen zu lassen. Es erscheinen fast in jeder Sprechstunde 12 bis 14 eifrige Dienen, die ihre Arbeiten gegen ent- sprechendes Entgelt ablie'ern und sich neue Arbeit mitnehmen. Ist die Bezahlung für weibliche Handarbeiten allgemein auch eine nicht sehr hohe, so wird sie von den fleißigen Händen doch gerne und dankbar entgegengenommen. Um die segensreich« Einrichtung fortführen zu können, ist man genötigt, wieder einen Teil der Arbeiten durch Verkauf abzusetzem Don heute, Dienstag, bis Mittwoch, den 8. Dezember, wird im Laden Seltersweg 50. seither Herrenmodengeschäft von M Dieringer, im Hause des Herrn L r i n k a u s eine Ausstellung mit Verkauf stattfinden. Alle Gönner des Bieirenkorbs werden gebeten, durch freundliche Unterstützung ihr Interesse an dieser Einrichtung wiederum zu bekuirden. (Siehe heutige Anzeige,) •* (Sin blühender Apfelbaum. Vor einigen Tagen brachte der „Gießener Anzeiger" die Nachricht, im fernen Sibirien grünten zum zweitenmal in diesem Jahre die Birkenwälder. Auch bei lins treibt das warme Novemberweller der letzten Taae mit Tagestemperaturen von 15 Grad und mehr Wörme allerlei sonderbare Bluten. An den Wegrändern blühen Löwenzahn, Schafgarbe, Kreuzkraut und sonstige wilde Blumen. Eierpilze, Parasol und bunte Täublinge sind in den Nadelwäldern nichts Seltenes, und in den Gärten kann man außer verspäteten Rosen und Nelken auch schon Veilchen finden. Gestern wurden uns knospende und blühende Zweige eines Apfelbaumes gebracht, die aus einem Garten unserer Stadt stammten. • Unfall an der Kreissäge. Gestern nachmittag kurz nach 2 Uhr verunglückte der in dem Geschäft von Wellhöfer, Marburger Straße, beschäftigte Otto Muller aus Launs- bach bei Arbeiten an der Kreissäge. Der Ver- Von der Offenbacher Lederwarenindustrie. Offenbach, 22. Nov. Der Krieg hat der Offenbacher Lederwarenindustrie schwere Wunden geschlagen. In den Ländern des Offenbacher Exports haben sich eigene Fabriken für .Lederwaren aufgetan, die sich durch die Länge der Jahre feftiaen konnten. Zollfchutzmauern des Aus-' landes erschweren den Export. Da gilt es für die Offenbarer Industrie, aufbauend auf einem alten, autgefchulten Arbeiterstämme, auf oieljähriger Er. »ahrung und unter Nutzbarmachung aller vorhan- denen Einrichtungen und Mittel neue Höchst- r e i ft u n g e n zu vollbringen und im Wettbewerb mit der Welt Offenbach wieder seine führende Stellung zu erringen. Unentwegt schaffen Berufsfortbil- dungsschule und Gewerbeoerein — letzterer in feiner Lehrwerkstätte für feine Lederwaren — an der Erziehung eines erstklassigen Nachwuchses. Ergänzend iff nun die Kunstgewerbeschule unter Pros. Eberhardt hinzugetreten mit einer neueingerichteten „Offenbacher Modellwerk st ätte fürfeineßeberroare n". An ihrer Spitze steht Regierungsrat Philipp Häusler, den man von Wien geholt hat, wo er als künstlerischer Spezialist große Erfolge erzielte. Die neue Anstalt will keines- wegs eine allgemeine „Schule" sein, sondern nur qualifizierten Kräften Anregungen geben zu künstlerischer Schaffensweife und bei ihnen in freier Ar- teitsart den guten Geschmack bilden. In freien Abend- und Samstagnachmittagsstunden kann hier der Strebsame reichliche Anregung und Belehrung finden. Eine ausgezeichnete Sammlung von fünft» lriischen und kunstgewerblichen Werken und Zeit-, schriflen, ferner materialkundliche Sammlungen stehen ihm zur Seite. Werkstätten für Buch, binderkunst undHandvergolduna schließen sich an, und schon erörtert man den Gedanken, der mit der Leberwarenindustrie in Zusammenhang stehenden Metallbearbeitung gleiche Pflege znzuwenden. Möge diesem strebenden Bemühen der Erfola zum Segen der schwerleidenden Industrie und ihrer Vertreter — Unternehmer wie Arbeiter — beschieden sein! unglüdi« 'trlitt an ber linken Hand fo schwere Verletzungen, daß er nach der ersten ärztlichen Hilfe von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roien Kreuz in die Chirurgische Klinik verbracht werden muhte. Dort wurden ihm zwei Finger abgenomen, den >Daumen hofft man erhalten zu können, während die beiden anderen Finger unverletzt geblieben find. • Beim Baumfällen verunglückt. Gestern vormittag war der Arbeiter Karl Leib aus W i h m a r in Gemeinschaft m t einer Holzfällerrotte im Walde beim Umlegen eines Baumes beschäftigt. Durch einen unglücklichen Zufall kam dabei ein anderer Stamm inS Stürzen und fiel auf den Mann, der hierdurch innere Verletzungen erlitt Er muhte von seinen Arkeitskameraden nach Hause getragen werden und wurde von dort durch die Giehener Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik überführt. *" Krisenfürsorge für Erwerbslose. Am 21. Rovernber ist das Gesetz über eine Krisenfürsorge für Erwerbslose in Kraft getreten. Hierdurch werden die Gemeinden verpflichtet, eine besondere Fürsorge für Erwerbslose, die die Höchstdauer der Unterstützung überschritten haben, einzurichten. Die Voraussetzungen für die Krisen- fürsorge sind grundsätzlich dieselben wie für die Erwerbslosenfürsorge. Insbesondere gilt dies hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit und Arbeitswilligkeit. Erwerbslose, die Krisenfürsorge erhalten, sind bevorzugt zu öffentlichen Rotstandsarbeiten heranzuziehen. An dem Aufwand der Fürsorge sind die Gemeinden mit 25 Prozent beteiligt. ®tc restlichen 75 Prozent trägt das Reich D.e Geltungsdauer des Gesetzes ist bis zum 31. März 1927 beschränkt. ' Die rückwirkende Entziehung der Hinterbliebenen-Rente. Die Kriegerlameradschaft „Hasfia" teilt uns über die rückwirlende Entziehung der Hinterbliebenen- Rente folgendes mit: Durch die 4. Novelle zum Reichsversorgungsgeseh vom 8. Juli 1626 ist be- kann.lich bestimmt worden, daß Hinterbliebenen- Rente auch rückwirkend entzogen werden kann. Der Reichsfiskus wollte diese Bestimmung bisher auch auf schcrebende Verfahren anwenden. Rach- dem jedoch das Aeichsversorgungsgericht entschieden hat, daß die Bestimmung erst vom 13. Juli 1926 in Kraft getreten ist, hat nunmehr, wie der Verband der Kriegsbeschädigten und Krieger- hinter bllebenen des Deutschen Reichskrie^erbundes „Kyffhäusrr" mi.teilt, der Reichsarbeitsminister die Hauptversorgungsämter angewiesen, alle dieserhalb vor dem Reichsverfvrgungsgericht schwebenden Rekurse des Reichsfiskus zurückzunehmen. ** Neue Wohlfahrtsbriefmarken. Zu- gunsten der Deutschen Nothilfe werben vom 1. Dez. an durch alle Postämter unb die Organe ber Deutschen Nothilfe im ganzen Reiche Wohlfahrtsmarken zu 5, 10, 25 unb 50 Pf. zum hoppelten Nennwert verkauft werben. Außerbem finb Markenheftchen mit acht Marken zu 5 Pf., unb sechs Marken zu 10 Pf. 'n grünen Umschlägen erhältlich. Der Verkauf durch die Poft bauert bis 15. Februar, ber Vertrieb durch hie Nothilfe bis 20. April 1927 Die Marken können mit ihrem einfachen Nennwerte zum Freimachen von ostfendungen nach dem Inland unb dem Ausland enutzt werden. Ihre Gültigkeit zum Freimachen hört mit dem 30. Juni 1927 auf. Die Marken sind im Muster ber vorjährigen Marken in mehreren Farben gebrückt unb tragen außer bem Reichsadler die Wappen der Lander Württemberg, Boden, Thüringen und Hessen. Die Restbestände der Wohlfahrts- marken ber Ausgaben 1924 unb 1925 find vernichtet worben. ** Marcell Salzer, der geschätzte und stets gern gehörte Vortragskünstlec, hatte gestern abend im Stadttheater wieder einmal seine Gemeinde um sich versammelt. Sie war diesmal nicht so zahlreich vertreten, wie bei feinen früheren Besuchen. Das ist bedauerlich. Die aber gekommen waren, hatten es nicht zu bereuen, denn Marcell Salzer war wieder in guter Form; er hatte — wie in Chemnitz, wovon er so lustig erzählte — einen „guten Tag". In vielfältigster Buntheit lieh er seine heitere Kunst schillern. Vom Lächeln ging es rasch zum Lachen, schließlich noch schneller „u starken Lachsalven. Zwischendurch streute er fein und klug berechnet die ae- haltvolle, ernste Dchäfersche Anekdote Über Ziethen und den großen Freigeist von Sanssouci, den alten Fritz. Aber das Schwergewicht des Abends lag auf der fröhlichen Seite: Roda Roda, Ludwig Thoma, Rosegger, Al'red Kerr, Morgenstern, Lichtenberg li.h er ausgiebig zu Wort kommen, und er toar allen ein glänzender Interpret, dialektisch und mimisch. Daß Bayern und das .gemiedliche" Sachsen nicht zu kurz kamen, die luftige Fahrt auch nach „Preußis H-Berlin" führte, ist ganz selbstverständlich Anter diesem spassigen Führer ging man aber gerne mit, gab man sich völlig Jubiläums-Geflügelschau in Friedberg. —Auf dieser Ausstellung, über die wir bereit» kurz berichteten, wurde jetzt die Preis Verteilung vorgenommen. Aus ber umfanareichen Liste der Ausgezeichneten fei folgendes berichtet: Abteilung Wirtjchaftsgeflüael t n Zuchtstämmen: a) Hühner: Kammer- Ehrenpreise: W. Boinmerc-Heim.Bettenhaufen (für Italiener), K. Völbei Berstadt: Ehrenpreise: I. Dör- nis-Laubach, A. Helfrich-Bingenheim, L. Mogk-Ech» zell, E. Reitz-Echzell, W. Schuchhardt-Gettenau: Gut. 2. Preis ft. Müller II.-Langgöns, b) Enten: (Ehrenpreis: ft. Beith-Reichelsheim, c) Gänse: Ehrenpreis: H. ftlingl-Ockstabl. Abteilung Großgeflügel: Hühner. Einzelausstellung: Ehrenpreise: Hch. Högy-Laubach, öri. Lorenz-Bab-Nauheim, Bürgermeister Th. Däl- ker-Lich, W. Rausch III.-Langgöns, E. Frey.Ober- Mörlen, L. Mogk-Echzell, W. Heß-Echzell, H. Hottes- Friebberg, K. Rübfamen-Gießen, Schmibt-Hilbe- branb-Butzbach, A. Walther-Dauernheim, W. Nern- Pohlgöns, Fr. Bauer-Gießen, G. Schultheis-Echzell, ft. Block Bettenhausen, 'BunbesmebuiUe auf Plymouth-Rocks 1926 A. Schneider IV.-Ostheim. Sehr gut: F. Funk-Gießen, Hch. Maus II.-Ruppertcnrod. F. Dörnis-Laubach, Bürgermeister Völker-Lich. ft. Philipp IV.-Steinberg, Schmidl-Hildebrand-Butz- bad), ft. Rübfamen-Gießen, R. Schmidt-Kolbenmühle bei Ettingshausen, O. May-Langgöns: Gut: F. Funk- Gießen, Ehr. Alles-Lich, H. Pfeiffer-Steinbera, Frl. Lorenz-Bab-Nauheim, ft. Rübsamen-Gießen, ft. Hel- ler-Lich, W. Rausch-Langgöns, ft. Philipp-Steinbera, N. Grünebaum-Langgöns, W. Nern-Pohlgöns, R. Schmidt-Kolbenmühle bei Ettingshausen, ft. Wick- Lich, R. Griesel-Laubach, Büraermeister Müller- Langgöns H. Graulich-Laubach. Zwerghühner: Vorzüglich, Ehrenpreis: ft. Horn-Friedberg: Ehrenpreise: H. Mogk-Echzell. ft. Horn-Friedberg, M. Pfeffer Bad-Nauheim, F. ftolter-Bad-Nauheim, ft. Daubertshäuser-Friedberg, A. Felsing-Gießen, ft. Müller II.-Langgöns: Sehr gut: W. Brauer-Gießen. Bürgermeister Völler-Lich, Fr. Bauer-Gießen, ft. Müller II.-Langgöns; Gut: H. Rein-Nordeck, Bürgermeister Völker-Lich, Fr. Bauer-Gießen, E. Boller- Langgöns, ft. Philipp IV.-Steinberg, A. Felstng- Gießen, ft. Müller II.-Langgöns. Wassergeflügel und Puten: Ehren- prsis: K. Rübsamen-Gießen. Sehr gut: K. Rüb- sarnen-Gießen. Abteilung Tauben: Kammer-Ehrenpreis: A. Hell-Ossenheim. Ehrenpreise: A Walcher-Bauernbeim, W. Möbs-Echzell, 3. Kolter-Dad-Rauheim. H. Müller Xl.-Ober-Hör- gern, Hch. Geier-Friedberg, W. Rausch-Lang- GönS, W. Groß-Echzell, M. Müller-Ober-Hörgern, Ph. Ostheim-Echzell, W. Reih-Echzell. K. Horn-Friedberg, L. Mogk-Echzell, Hch. Gen- zel-Dad-Rauheim. H. Pfeffer-Bad-Rauheim, H. Holler-Echzcll, W. Kath-Friedberg, K Wei- sel-Ostheirn. Sehr gut: R. Krinsel-Laubach, W. Rern-Pohl-Göns, R. Kaiser-Lang-GönS, H. Wagner-Lana-Göns, 3. Kolter-Bad-Rauheim. Gut: D. Kaiser-Lang-Göns, H. Geier-Friedberg, H. Wagner-Lang-Göns, E. Schimpf-Osthelm, Ä Well-Echzell, K. Wcisel-Osthcim. machen. Es wurde in der gestrigen Sitzung, die für die Errichtung der ftafseewirtschast erteilte ftonzession auf den Ausichank von Bronntweln und Wem erweitert. Gesuchfteller verzichtete auf die Erteilung der Erlaubnis zum Ausschank von Bier. Einspruch der Gewerkschaft Friedrich zu Hungen gegen einen Beschluß des Gemeinde- rats der Gemeinde Trais-Horloff, den Er- laß Dort Gewerbesteuer betreffend. Nach den Aus- führungen des Dettreters der Gewerkschaft Friedrich hat der Betneb bis Mitte August 1925 ftiUgriegcn. Aus dieser Veranlassung heraus halte das zustän- bige Finanzamt einen Teil der staatlichen Gewerbesteuer erlassen. Ein Antrag auf Ermäßigung der Gemeindegewerbefteuer war vom.Gemeinderat abgelehnt worden. Die Ablehnung wurde von dem Vertreter der Gemeinde damit begründet, daß der Gemeinde infolge Ausdehnung des Betriebs der Grube Grundsteuern verloren gingen, die Gemeinde fei deshalb genötigt, die ausfallenden Grundsteuern auf die Gewerbesteuer umAuIcgen. Die Klage der Grube Friedrich wurde kostenpflichtig abgewiefen, da die Frage des Erlaßes aus Billigkeitsgründen Cer Entscheidung des Gemeinderats nach dessen freiem Ermessen Vorbehalten ist. Beschwerde des Heinrich Uhrhahn lV'. zu L i ch gegen die Dertfestsetzung seiner wegen Lun- genseuche aeschlachteten Kühe Dem Beschwerde- tührer wurden im Mai d. I. zwei Kühe wegen Der- dacht der Lungenseuche abgeschlachtet Mit der von der Kommission vorgenommenen Taxation erklärte sich der Beschwerdeführer nicht einverstanden, weil ihm diese zu gering schien. Durch die zur jetzigen Sitzung geladenen Sachverständigen wurde feftge- stellt, baß es sich um zwei erstklassige Simmentaler Kühe gehandelt hatte, und daß die Taxation deshalb al, zu niedrig bezeichnet werden müsse. Der Vertreter des Staates bemerkte, daß Liebhaber- oder Luxuswerte nicht bezahlt werden könnten. Der ftreisausschuß kam auf Grund der Zeugenaussagen ber Ansicht, daß der gemeine Wert der Tiere auf je 1000 Mark anzunehmen sei. Beschwerde des ftarl ftlüder zu L i ch gegen die Wertfestsetzung seiner wegen Lungeni'euchever- dachts abgeschlachteten Kühe und Rinder. Der ganze Viehbestand de« Klägers, bestehend aus drei Kühen unb vier Rindern, mußte wegen des Verdachts der Lungenseuche abgeschlachtet werden. Auch' hier war der Kläger mit der ihm gebotenen Entschädigung nicht einverstanden. Die von dem Kläger als Zeugen benannten Personen bestätigten, daß das Vieh sich in gutem Nährzustande befunden habe und in feinen Milchleistungen mit an erster Stelle gestanden hätte. Die Tiere feien deshalb um mindestens 25—30 Prozent zu niebria geschätzt worden. Der Vertreter des Staates bestätigte, daß der Viehbestand des ftlücker wohl gut, aber nicht erstklassig gewesen sei. Dies sei bei. ber Schätzung auch berücksichtigt worden. Er müsie deshalb die Abweisung der Klage beantragen. Der Kreisaubschuß gab nach längerer geheimer Be- ratung der Klage insoweit statt, als er den Gesamt- »ert ber abgeschlachteten Tiere um rund 800 Mark höher annimmt, wie er von der Kommission angenommen war. Oberhesfische kirchlich- evangelische Frauenvereine. t Gestern fand im SaaLbau Sauer dahier die Herbstverfammlung der Ober- hessischen k i r chl. - e v a n g. Frauenver» eine statt, die nach einem kurzen durch Dekan Sußmann - Kirchberg gesprocherren Gebet von ber Berbandsvorsitzenden Fürstin Elisabeth Erbach-Schönberg eröffnet wurde. Daraus begrüßte die Dorsitzende der Gießener Frauenvereine die Anwesenden und verlas eine Ansprache deS leider am Erscheinen verhinderten Pfarrers A u S s e l d - ©leben über Antecstützung ber neu errichteten .Zuflucht' beim Evangelischen Schwesternhaus. Er lud zugleich zum Besuch des zum Besten der .Zuflucht" am nächsten Sonntag in der 3ohanneskirche stattfindenden Hörner- lonzerts d r Kapelle Kalbhem^GrcH n-Duseckein. Len Hauvtvortrag hiett Frau Studiendirettor Hummel- Altenburg (Thüringen) über das Thema: .Mütter sind eines Volles Schicksal". Sie führte etwa folgendes aus. Es geht mit unserem deutschen Dolle immer rwch sittlich bergab. Böller sterben nur an sittlicher Fäuln.s. Dagegen können die Frauen helfen, wie es nach dem Befreiungskrieg« auch gewesen ist. Diele hören den Dotfchrei unseres Volkes, di« evangelischen Frauenvereine, viele haben aber auch kein Herz str rhr Doll, viele andere leben im Leichtsinn oa&in. Die rechtliche Stellung der Frau ist heute gut geschützt, dagegen die ftttl che nicht. Der mütterliche Sinn der Krauenweit muß gestärkt werden. Deutschland hat die meisten fabrikarbei- tenden Mütter, ein Drittel aller ftinter dieser Mütter sind tagsüber ohne Beaufsichtigung: ein AergerniS sind die beamteten 5tauen, deren Männer ebenfalls Beamte sind. 3edes Mädchen sollte einen ganzjährigen Haushaltungslehrgang durchmachen müssen, damit es hausmutterttchen Sinn bekommt. 75 Prozent des gesamten Dolks- einkvmmenS gehen durch die Hände der Hausfrauen. Wir müssen sparen und es vermeiden, m^ländifche Waren zu kaufen, z. D Seide und -R^nerin gedachte der Bevölkerungspolitik unb des Geburtenrückgangs, dieser schrecklichsten Entartung unseres Dolles. Auch die Woh- mingsnvt spricht dabei viel mit; statt D.-lkShäuser iinb Dtadione sollten die Städte Wohmmgen ta.uen. Zum Schluß gab die Rednerin den zahl- reich anwesenden Muttern to.'ife Ratschläge für ipr -Sero alt en ihren erwachsenen und unerwach- lenen Ktnidern gegenüber. Die Mütter werden mn gutes Schicksal unseres Dolles, wenn sie im ftamtf der Geister auf Gottes Seite stehen, dann btrö unser deutsche- Doll leben und nicht unter- gehen. Dekan G u ß m a n n sprach der Rednerin für den gewlssenftärkenden Dorttag den Dank der CREME MOUSON ift Schönheils- und Hautpflegemittel zugleich. / Sie heilt XT7X Creme Mouson-Seife ist äußerst mild und von feiner, eioen- rauhe, rijfige Haut, beseitigt rote Flecken, Unebenheiten, lästr- artiger Parfümierung. Ihr regelmäßiger Gebrauch bildn die gen Hautglanz und verleiht einen vornehmen, matten Teint. Versammelten aus. 3n Oberhessen gibt es jetzt 44 Evang. Frauenvereine, davon 28 im Kreise Gießen Gießener rpück-enmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Das Pfund Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 35 bis 40, Käle (10 Stück) 60 bis 150. Wirsing 8 bis 12, Weißkraut 6 bis 8. Rotkraut 10 bis 12. gelbe Rüben 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 30, llmerkohlrabi 5 bis 8. Grünkohl 20, Rosenkohl 50 bis 60. Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 10, M: errett ich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 50, Kartoffeln 5 bis b, Aepfel 15 bis 35, Birnen 10 bis 25. Rüf'e 100, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 Gänse 90 bis 110; baä Stück Eier 16 bis 18, Blumenkohl 80 bis 160, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 40 Pfennig. Porrwtizcn. — Dageskalender für Dienstag. Stadttheater, Zu ilbr: »llnd Pippa tanzt" (Enle gegen IO1/* Hfrr). — D. d. A. 8'/, älhr, llniversi- täts-Caf^: Vortrag von Dr. Aubin. — Lichtsptel- haus, Dahnhoisttahe: ,Das Geheimnis von St. Pauli". — Astoria-Lichtspiele: „Stauen und Pferde". — Ei n Militär-Streichkonzert unserer 15er-Kapelle findet am nächsten Sonntagabend im Kath. Vereinshaus statt. (Siehe heutige Anzeige.) Die Quaker Schutzmarke bürgt für die echten Quaker Oats Achten Sie hierauf, wenn Sie auf wirklich feinen Geschmack Wert legen. Ueber 50 Jahre sind zur Vervollkommnung von QuakerQats verwendet worden. Kein anderes Präparat bietet Ihnen die gleiche Gewähr. 9205a 9600D 20. November 1926 08144 9588D | Ausgiebigkeit sind die hervortretenden Eigenschaften von Driesch-Kaffee l 9592 c Stolte. F Okriftel a. M. Kreis Höchst a. M. Köstlicher Geschmack | z. 3t Gießen St.-Iosephs-Krankenhaus Bekanntmachung. Betr.: Stratzenbahnbetrieb. Ab Donnerstag, den 25. bä. Mts. verkehrt der erste Wagen zum Neuen Friedhof 1.22 Uhr ab Marktplatz, der , letzte Wagen ab Friedhof 4.35 Llhr nachm. Giehen, den 22. 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Herr Dingeldey prophezeit für dieses Iahr (auch hierin folgt er getreu den Spuren des Herrn Dr. Leuchtgens) einen Fehlbetrag von rund 31 Millionen, dem keinerlei Reserven mehr gegenüber- stehen. Ich wills kurz und bündig machen: dieser alarmierenden Behauptung stelle ich meine Absicht gegenüber, für 1927 einen Voranschlag vorzulegen, der voraussichtlich keinen oder doch nur einen geringen ungedeckten Fehlbetrag ausweisen wird. Worauf gründet Herr Dingeldey seine Prophezeiung? 6r geht einfach von dem ungedeckten Bedarf des Iahres 1926 aus, wie er sich heute darstellt. Aber muh das auch in 1927 so werden? Rein, das muh es nicht. Zunächst fällt der Posten von 12 Millionen für Erwerbslosenunter st ühung aus, nachdem der Reichsfinanzminister in bündigster Form versichert hat, daß — einerlei, ob das Arbeitslosenversicherungsgesetz kommt oder nicht — die Länder von den Lasten der Erwerbslosenfürsorge vom 1. April 1927 völlig freigestellt sein werden. Herr Dingeldey rechnet dann weiter mit einem Betrage von 4 Millionen für Wohnungsbau, den wir in 1926 gegen dos Reichs- geseh zu wenig eingestellt haben. Aber was zwingt uns denn, in 1927 über den Betrag von 10 Millionen aus Steuereinnahmen hinauszu- gehen, wenn unsere Finanzlage es nicht erlaubt? Ich habe im Gegenteil die Hoffnung, mit einer Sringertn Summe (als Verzinsung von Baupitalien) auskommen zu können, wenn es gelingt, das Wohnungsbauprogramm schon in 1927 aus eine andere, zweckmäßigere Grundlage zu stellen. Wie im übrigen das Budget für 1927 aussehen wird, darüber will ich dem Herrn Abg. Dingeldey heute noch nichts verraten, er nuß sich gedulden, bis es abgeschlossen vorliegt. Dah dabei auch die R e i ch s h i l f e eine Rolle Vielen wird, ist angesichts der Vereinbarung mit dem Aeichsfinanzminister wohl nicht befremdlich. Wenn aber iwas zum Glück nicht zutrifft) die Behauptung des Herrn Abgeordneten Dingeldey wahr wäre, der Voranschlag für 1927 sch liehe mit einem Fehlbetrag von 31 Millionen ab, dann frage ich, welche „sachlich vertretbaren Der- einfachungsmöglichkeiten" hätten ausgenuht Werken müssen, um einen Fehlbetrag von 31 Millionen zu verhüten? Rur unter einer Voraussetzung wäre eine Durchkreuzung meiner Absicht -enkbar. Darüber weiter unten ein Wort. IV. * Auch in der Beurteilung der Reichshilfe zeigt ich Herr Dingeldey als der gelehrige Schüler x-s Herrn Dr. Leuchtgens. Er übernimmt von diesem, wenn auch etwas schüchtern und verklausuliert, das Schimpfwort „Geschäftsauffi ch t" und hat offenbar ebensowenig wie sein Vlockfreund ein Gefühl dafür, dah er damit den Kredit des Landes schwer schädigt. Alles, was zur Begründung hierfür angegeben wird, ist nichts anderes als haltlose Konstruktion. Es ist richt wahr, dah die Erkenntnis der Folge- .'rscheinuugen des Rhein- und Ruhrkampfes „erst unvermittelt im Iahre 1926 geboren" wurde. Seit mehr als zwei Iahre kämpse ich für den Gedanken der Reichshilfe. Vor P/2 Jahren hat der Hessische Landtag diesem Gedanken einstimmig zugestimmt, und im August 1925 hat ihn der Reichsrat ebenso einstimmig anerkannt. Was in 1926 „unvermittelt" in die Erscheinung Betreten ist, das ist die steuerliche Wir- u n g dieser Verwüstung der Wirtschaft im besetzten Gebiet, in Gestalt der verkürzten Steueranteile: vorausgesehen hat man sie schon lange vorher. Es ist nicht wahr, dah Hessen die erbetenen Zuschüsse nur dann erhält, wenn es zum gegebenen Tage sich verpflichtet, diejenigen Maßnahmen in seinem Staatshaushalte durch- zufühven, die ihm vom Reichssparkommissar auferlegt werden. Diese Behauptung entspricht weder dem Wortlaut, noch dem Sinne des Abkommens. Die Prüfungskommission seht sich aus 'Vertretern des Reiches und des Landes zusammen, sie hat keinerlei diktatorische Befugnisse. Ich habe dieser Prüfung unserer Zinanzgebarung ^ugestimmt, sie sogar selbst angeregt, weil ich die Heberzeugung habe, dah die hessische Regierung alles getan hat, was billigerweise von ihr auf dem Gebiet der Sparsamkeit verlangt werden kann. Andere Länder haben noch ein gutes Lieder zur Laute. Kothe und Lies Engelhardt, die Müncheiter, hatten abgesagt. Statt ihrer erschien, in letzter Stunde hilfsbereit einspringend, Lr. Peter Bach (Berlin) auf dem Podium der Reuen Aula und bescherte uns — mit seinen Lautenliedern — einen seinen und genuhreichen Abend. Der ausgezeichnete erste Eindruck war bleibend: eine sympathische Persönlichkeit, eine warme, wohllautende (übrigens sehr tragfähige) Stimme, tadellose, geschneidige Technik des Spiels: dazu eine mit gepflegtem Geschmack zusammengestellte, hochliterarische Vortragsfolge, mit phan- tasievvllen und stilsicheren eigenen Vertonungen. Den Auftakt bildete ein weiches Crescendo tum Text von Klopstocks berühmtem „Rosen- band". Alle folgenden Lieder waren zeitgenössischer Dichtung entnommen. Hermann Hesses schwermütige Verse „Es führen über die Erde Dege und Strahen triel", Rilkes wenig bekannte. „Ernste Stunde", von Wildgans ein leidenschaftliches und dennoch sehr zartes lyrisches Gebilde: „Du bist der Garten". Don Deer-Hoffmann eine merkwürdig aufgewühlte Berceuse (Schlaslied für Mirjam) und — funkelndes Glanzstück dieses Abends — Münchhausens „Ieanne Antoinette": es war zum Entzücken, wie sich die Melodie auf den graziösen Versen der Rokokofabel wiegte. Heiterer Abschluß des ersten Teils: Dehmels sehr bekanntes Wiegenlied für feinen Buben, pantomimisch belebt und voller Humor, zwei Grotesken von Rrngelnatz, und Otto Iulius Bier- baums drollig beschwipste Maikaterphilosophie. Dach der Pause: Zuerst drei Lieder von Stefan George: die ungemein persönliche, ge- fchllffene und exklusive Formkunst dieses Menschen ist sicher gerade für Lautenvertonungen schwer zu bewältigen. Aber die drei Gedichte Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Stück Arbeit zu leisten, bis sie den Grad von Geschästsvereinfachung erreicht haben, der bei uns in Hessen bereits Tatsache ist. Wenn die Reichsregierung etwa mißtrauisch geworden ist, dann ist das angesichts der demagogischen Hetze im eigenen Lande nicht zu vecwunk^rn: es gibt dagegen kein drastischeres Hilfsmittel, als die Reichsregiecung einzuladen, sich selbst von der Haltlosigkeit der gegnerischen Behauptungen zu überzeugen. So ist eigentlich in Wahrheit d c r „Ordnu 11 gsbl 0 ck" der Vater der „Geschäfts- aufsicht". Es mag bei dieser Prüfung Meinungsverschiedenheiten über einzelne geschäftliche Einrichtungen. über die Zweckmäßigkeit von De- hördenorganisationen, vielleicht auch über Einstufungen von Beamten geben, man wird vielleicht auch Anlaß haben, den einen oder den anderen guten Rat anAunehmen, aber im Ganzen wird man uns bestätigen, dessen bin ich sicher, daß die Behauptung, die ungünstige Finanzlage des Landes sei auch nur zu einem nennenswerten Teil auf den mangelnden Sparwillen der Regierung zurückzuführen, unrichtig ist. Hebrigens sei den Herren vom ..Ordnungsblock" zum Tröste gesagt: die „Geschäftsaufsicht" ist noch gar nicht Tatsache geworden Die Ausführung des Abkommens bleibt aufgeschoben bis zum Volksentscheid. Rach dem Zeugnis des Herrn Abgeordneten Dingeldey ist ja gerade die von mir befolgte Finanzpolitik Anlaß und Gegenstand des Volksentscheids. Das Abkommen mit der Reichsregierung ist aber ein ganz wesentlicher Bestandteil meiner Finanzpolitik. Gibt der Dollsentscheid meinen Gegnern Recht, dann ist 6amu auch das Abkommen mit Berlin verurteilt und somit gegenstandslos. Keine kommende neue Regierung wird daran gebunden sein, sie hat völlig freie Hand, die Finanzen des Landes nach ihrem Ermessen zu ordnen. V. Es konnte angesichts der ganzen Tendenz des Dingeldehschen Artikels nicht überraschen, daß der Verfasser auch meine vielberufene Aeuhe- rung über die eventuelle Aufgabe der Selbstständigkeit des Landes zum Gegenstand seiner Kritik machen werde. Aber auch hier wieder nichts als haltlose Konstruktionen. Wenn versucht wird, es so hinzustellen, als suche ich dem Kampf für die Erhaltung der finanziellen Selbständigkeit des Landes dadurch aus dem Wege zu gehen, daß ich seine politische Selbständigkeit aufzugeben bereit wäre, dann ist das genau das Gegenteil der Wahrheit. Wenn ich die finanzielle Lage des Landes zum Anlaß nehmen wollte, meinem Ideal des Einheitsstaates nachzuleben. wozu hätte ich mich dann jahrelang zu bemühen brauchen und mich beschimpfen zu lassen, um die Hilfe des Reiches zur Erhaltung der Selbständigkeit des Landes zu erlangen? Meine warnende Aeuherung vom 13. Ianuar d. I. ist nicht mihzuverstehen. Ich stimme dem Herrn Aba. Dingeldey darin durchaus bei, daß die Entwicklung zum Einheitsstaat nicht durch Ausnutzung der schwierigen Lage einzelner Länder gefördert wird. Diese Meinung teilt auch der Reichsfinanzminister. Er hat sre auf der letzten Konferenz der Finanzminister vorbehaltlos ausgesprochen. Es ist darum auch nicht richtig, wenn Herr Dingeldey behauptet, der ReichsfinanzMinister wünsche die Rot einzelner Länder im Sinne der Entwicklung zum Einhecks- staat auszunutzen. Er mag vielleicht solchen Ge- danlengängen prüfend nachgegangen sein, aber nach seiner unzweideutigen Erklärung in der Konferenz der Finanzminister gibt es hinsichtlich seiner Wlllensentscheidung keinen Zweifel. Ich selbst bin Anhänger des Einheitsgedankens und es wird mir wohl nicht verwehrt sein, mich zu ihm zu bekennen. Ich habe aber niemals unterlassen, zu betonen, daß für Hessen der Gedanke einer staatlichen Reuordnung solange nicht in Frage komme, als es unter Besetzung und ihreit Folgen leidet. Das wird nicht hindern, daß der Gedanke des Einheitsstaates auch in Hessen immer größeren Anllang findet, und ich glaube nicht, dah die Furcht vor der bayerischen Presse das hindern wirdi VI. Zum Schlüsse erfahren wir aus dem Artikel des Herrn Mngeldeh so etwas wie ein Programm des Ordnungsblockes: Das ist das einzig Positive und damit Erfreuliche des Artikels. Einem Teil dieser Forderungen kann ich durchaus z u st i m m e n, sie sind aber auch zu einem guten Teil in der Durchführung begriffen oder in Aussicht genommen. So die geforderte Dezentralisation der Verwaltung und die vom Landtag beschlossene Verminderung der Zahl der Dolksschullehrerstellen, ich waren virtuos gesetzt und verloren nichts von 'Dem aristokratischen Dust, der ihnen eigen ist: wir nennen „Meine weihen ara" und „Die blume, die ich mir am fenfter hege" als besonders aus- schöpfende Kompositionen. Dom Rest der Folge nur noch diese Damen: Dauthendey („Alle Dinge..Morgenstern („Der Seufzer") und Deranger („Der König von Vvetot"). Morgensterns barockem Einfall folgte die Vertonung in schnörkligen Arabesken, und Derangers bissiger Witz bekam im Bänkelsanger- ton spitze Pointen. Zum Schluß wiederum eine Handvoll Grotesken, wobei Ringelnatzens ebenso kurze, wie herzlich gemeinte Matrosenscherze den Vogel abschossen. Die Aula war, soweit wir sehen konnten, voll gesetzt. Diele mögen etwas anderes von dieser Veranstaltung erwartet haben: aber nicht wenige auch werden dankbar, angeregt und sehr befriedigt nach Hause gegangen sein. —y— Das „schmutzige Dutzend" und andere Klubs. London hat Klubs für jeden Stand und jede Neigung. Da gibt es Klubs der Droschkenkutscher und Versteigerer, Klubs für Flötenspieler und Anarchisten, für Weiberfeinde und für Schornstein' feger, für Witwen und für Bardamen. Viele dieser Klubs führen in verschwiegenen Straßen ein geheimes Leben, aber gerade darin liegt ihre Romantik. So gibt cs z. B. einen Klub der „Gelben Plüschhosen". Nach diesem Bekleidungsstück nennt man noch immer die Aristokraten der Hintertreppe, die einst mit besonderem Stolz die gelbe Plüschhose trugen und die Thackerey in einem Buch unsterblich gemacht hat. Die Mitglieder sind Kammerdiener, Haushofmeister, Lakaien und Grooms aus „besten Häusern". Man erzählt sich, daß einmal em solcher „Gelbbehoster" aus dem Klub ausgestoßen wurde. erinnere aber den Herrn Abg. Dingeldey daran, daß er dieser letzteren Maßnahme als für ihn zu weitgehend nicht zugestimmt hat. Die D e r - Minderung der Zahl der Abgeordneten könnte durchgeführt sein, wenn die agitatorische Hnrub-e, die der „Ordnungsblock' seit den letzten Wahlen unausgesetzt verursacht, es bisher zu einem ruhigen parlamentarischen Arbeiten hätte kommen lassen. Welche Arbeit unb Unruhe hat nicht schon das Volksbegehren verursacht, und wenn es Erfolg haben sollte, dann wird der neue Landtag wieder in unverminderter Abgeordnetenzahl erscheinen. Das Ministerpensions- gesetz wird geändert, sobald das angekündigte Aeichsgesetz vvrliegt. In der Frage der Hebertragung der Fachschulen an die Deruss- körperschasten werde ich mich vielleicht zu gegebener Zeit an das Programm des Herrn Abg. Dingeldey erinnern. Die Belastung der Gemeinden mit den Kosten der Volksschule unter Ruckübertragung der Realsteuern ist ein politisch unmöglicher Gedanle und führt zu keiner finanziellen Entlastung des Staates. Hnd die Zahl der Minister ist eine Frage, die von der jeweiligen politischen Konstallation abhängig ist, das weiß auch Herr Dingeldey. Aber so gut und richtig das eine oder das aitdere sein mag. auf die Gestaltung der Finanzlage hat das Ganze wenig Einfluß. Es mag den Politiker befriedigen, nutzt aber den Steuerzahlern wenig. Man wird mir gestatten müssen, daß ich die Dinge etwas nüchterner und ebenso aus der politischen Pcrspcitive betrachte, wie cs die Herren vom „Ordnungsblock" tim. Das wahre Ziel des OrdnungsbliÄs ist die Ersetzung der Weimarer Koalition durch eine Rechtsmehrheit. Das politische Recht, für dieses Ziel zu kämpfen, kann billigerweise nicht bestritten werden. Ob das auch für die Mittel gilt, die zu diesem Ziele führen sollen, ist eine andere Frage: sie sind der Gegenstand des gegenwärtigen Kampfes. Ich verneine diese Frage. Praktisch denkt sich der Ordnungsblock die Dinge wohl so: Erst einmal die Macht erobert, dann findet sich alles andere von selbst. Der unentwegte Anhänger des Blocks ist mit allem zufrieden, wies gemacht wird, für ihn ist die Hauptsache, wer es macht. Er wird darum nichts dabei finden, wenn der bisherige Faden weiter gesponnen wird, ober — um mit dem Abg. v. Helmolt zu reden — wenn der Saustall ungemistet bleibt. Dringt eine Besserung der Wirtschaft auch eine Besserung der Finanzlage — eine Entwicklung, die wir alle erhoffen —, dann hat der Ordnungsblock das Vaterland gerettet. Solche Erwägungen sind nicht ungeschickt. Sie übersehen aber für ihre Hoffnungen auf den 5. Dezember nur eines: Es gibt auch noch Wähler, die nachdenken. Ieitungsschau. In einem von hohem Verantwortungsgefühl getragenen Aufsatz behandelt der deutschnationale Abgeordnete H. E. von Lindeiner-Wildau in der „Deutschen Allgem. Zeitung", die uns im Winter bevorstehenden politischen Ausgaben und kommt auch auf die großen wirtschaftlichen Zusammenschlüsse der letzten Monate zu sprechen, die er als ein Zeichen eines unbe- sieglichen nationalen Lebenswillens der deutschen Wirtschaft ansieht, um dann aber fort» zufahren: „Man wird aber auf der anderen Seite die ernsten Gefahren, die sich aus dieser Vertrustung für den lebendigen Organismus der deutschen Wirtschaft ergeben, nicht übersehen dürfen. Ich kann mich dem Eindruck nicht entziehen, daß die Klassengegensätze innerhalb des deutschen Wirtschaftslebens niemals diese an Gehässigkeit grenzende Schärfe angenommen hätten, wenn nicht eine so weitgehende Entpersönlichung des deutschen Hnternehrnertums eingetreten wäre. Der Arbeitgeber ist dadurch immer mehr aus dem Gesichts- und Ideenkreise des Arbeitnehmers geschwunden, und der deutsche Arbeiter steht, vielfach vielleicht unbewußt, unter dem Eindruck, seine Arbeitskraft und sein Arveitserträgnis einer ihm unbekannten Macht hinzugeben, die er als eine ihm feindliche zu betrachten gelehrt worden ist, oder bei der er mindestens jedes gegenseitige menschliche Verhältnis vermißt. Diese Entfremdung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und damit diese Zerreißung organischer Zusammenhänge wird zwei Klos durch die neuen internationalen Bindungen weitere Fortschritte machen. Hm so nötiger wird es schon aus ideellen Gründen für einen Staat, der es sich überhhaupt zur Aufgabe macht, regelnd und fördernd in das Wirtschaftsleben einzugreifen, dafür Sorge zu weil man ihn beobachtet hatte, wie er auf einer belebten Straße ein Paket trug. Der Vorstand des Klubs erklärte ein solches Betragen mit der Würde eines Mitglieds für unvereinbar und meinte, der Mann hätte, wenn er schon ein Paket tragen müßte, sich zum mindesten einen Wagen nehmen sollen. Im „Knöpfe-Klub" finden nur Pagen der besten Hotels und Klubs Aufnahme. Ein merkwürdiger Klub ist der der Schornsteinfeger, der sich bezeichnend das „schmutzige Dutzend" nennt. Er ist nicht allein auf diesen Beruf beschränkt, sondern es werden Leute aufgenommen, die „täglich schmutzige Arbeit leisten". Der Raum, in dem man tagt, deutet dadurch, daß er keine Möbel enthält und recht vernachlässigt ist, schon auf das „Milieu" dieses Kreises hin. Der Klub der „Kochenden Damen" ist für die Elite der Küchenfeen reserviert: er tagt monatlich in den eleganten Wohnräumen eines Barons, der sich den größten Teil des Jahres auf Reisen befindet und daher seiner Köchin [eine Salons wohl ober übel überläßt: erörtert werden hier hauptsächlich „Mittel und Wege, um den Uebergriffen und Ungerechtigkeiten der Herrschaften zu begegnen". Eine Drücke aus Affen Reisende haben verschiedentlich davon erzählt, daß die überaus langschwänzigen Spinnenaffen Brasiliens aus ihren Körpern eine Kette bilden und sich von einem Daum aus so lange nach vorwärts schwingen, bis der letzte der Kette einen Zweig auf der gegenüberliegenden Seite eines Flusses erreicht: auf diese Weise sollen sie eine lebendige Drücke aus Affen bilden. Diese Erzählungen sind von den Raturkundigen stets ins Reich der Fabel verwiesen worden. Cs scheint aber kwch, als ob etwas Wahres daran ist und als ob von Affen jedenfalls eine solche Leistung versucht werden kann. Dafür spricht der Bericht des britischen Konsularbeamten I. R. Hindmarsh, den Londoner Blätter verösfent- Dienstag, 23. November (926 tragen, daß die berechtigten Wüirsche und For- bentngen der Arbeitnehmer erfüllt und gesichert werden, um die verstärkte Gefährdung des inneren Friedens, die aus dieser Entwicklung droht, hintanzuhalien. Es güt nach meiner Heberzeugung weniger objektiven, als vielmehr subjektiven Gefahren entgegenzutreten. Die lebendige Arbeitskraft und die willige Arbeitsfreude ist nun einmal das wertvollste Gut einer nationalen Wirtschaft. Wirkliche Sozialpolitik treiben heißi. diese Güter nicht nur äußerlich durch Gesetzesparagraphen zu schützen, sondern innerlich im Herzen und Willen! aller im Produktionsprozeß Tätigen immer neu zu. erzeugen. Aus einer solchen Stimmung heraus wird bann auch die Arbeitnehmerschaft am ehesten bereit sein, ben Rolloenbigkeiten Rechnung zu tragen, die nun einmal der längst noch nicht abgeschlossene Daseinskampf der deutsche Wirtschaft allen in iHv Tätigen auferlegt. Der große Interessenausgleich zwischen ben berechtigten Forderungen der als Arbeitnehmer tätigen Staatsbürger und ben Abhängigketten unb Zwangsläufigkeiten der deutschen Wirtschaft üt ihrer Stellung im Rahmen der gesamten Welt» probuktion wirb nur burch verständnisvolles Entgegenkommen beider Teile gelöst werden können. Dazu ist vor allem, nötig, daß auch die Rechte des deutschen Arbeitnehmers ihre gesetzgeberische Sicherung erfahren. Es banbelt sich also bei der Verabschiedung des Gesetzes über die Arbeitszeit unb über die Schaffung von Arbeitsgerichtei', geradezu um Kent- fragen des Fortbestehens der deutschen Wirtschaft. Diese Fragen können in wirklich staatspolitischem Sinne niemals von einer Partei gelöst werden, die sich bewußt und programmattlch nur als Vertreterin der einen Seite ansieht unb ber anderen ben Kampf angesagt hat. Die Verantwortung der deutschen Gesetzgeber ist in materieller und ideeller Hinsicht ungeheuer. We.mi bei der Lösung dieser Fragen llassenkampferische Gesichtspunkte mitwirken, bann ade deutsche Wirtschaft unb vor allem innerer Friede." In bet „Täglichen Rundschau" zieht der Fraktionsvorsitzende ber Deutschen Volks- Partei im preußischen Landtag, Regierungspräsident a. D. D. Dr. von Campe in einem „Verfassungstreue" überschriebenen Aussatz mit sehr ernsten Mahnungen gegen die Hnduld- sarnkeit zu Felde, die sich im politischen Leben gegen Andersdenkende breit macht. Er schreibt: „Den Schwärmern für Republik und Demokratie galt — und gilt auch heute noch — eigentlich nur der überzeugte Demokrat, der überzeugte Republikaner für verfassungstreu. Jeder andere ist zunächst einmal verdächtig. ^Iber sie selbst mußten schon so oft recht, recht viel Wasser in den Revolutionswein gießen. Sie sehen die loyale Daterlandsarbeit so mancher „Richtrepublikaner". Sie sehen, daß republika- nische Gesinnung nicht die notwendige Voraussetzung für Verfassungstreue ist. Sie sehen, daß Vaterlandsliebe, daß wtolz auf unsere große Vergangenheit in den Staat, auch in den Staat von heute hineintreibt. Sie sehen, daß in dieser Liebe,FN diesem Stolz, als einem gesunden Rähr- bodxn, Verfassungstreue ihre Wurzeln schlagen kann. Dieser Stolz braucht daher nichts Verdächtiges, nichts Gefährliches auch vom Standpunkte des neuen Staates zu sein. Ob wir uns hüben und drüben in solchen Gedankengängeg nicht finden könnten! Ein Voll kann nur bann seiner vaterländischen und persönlichen Arbeit mit Erfolg nachgehen, wenn es mit seiner Verfassung ins Gleichgewicht gekommen ist. Das schließt den Wunsch nach dieser oder jener Aenderung nicht aus. Aber die Grundlage muß stabil sein. Man darf sich nicht gegenseitig als Revolutionär und Reaitionär gegenüberfteben. Stolz auf eine große Geschichte sollte dem Revolutionär nicht ein Zeichen reaktionärer Gesinnung, sollte ihm selbst der stärkste Kraftquell für nationale Arbeit auch in dem neuen ganz anders gearteten Staate sein. Hnd monarchische Gesinnung darf nicht fernhalten vom Dienst an der Republik, darf den Monarchisten nicht zurückhalten, darf den republikanischen Staat nicht veranlassen, den Monarchisten zum Dienst am Staat nicht zuzulassen. Denn monarchische Gesinnung hemmt des vaterländischen Realpolitikers loyale Treue gegenüber einer republikanischen Verfassung nicht. Hindenburg ist ein leuchtendes klassisches Beispiel dafür. Aus solchen Gedankengängen konnte und sollte ber Streit um die Verfassung und die Verdächtigung der Verfassungstreue wegen nicht republikanischer lichen. Mit drei englischen Sportsleuten zusammen beobachtete er einen merkwürdigen Vorfall an dem sehr ruhig fließenden Praro-Fluß in Siam. Reun „Iangur-Affen" kreuzten den Strom und kletterten auf einen weit vorstehenden starken Ast eines Teakbaumes. Auf der anderen Seite des Flusses, ihnen grade gegenüber, waren acht andere Affen, während drei weitere auf einem Zweig darüber sahen und zuschauten. Ein großer männlicher Affe stemmte seine Hinterfüße fest gegen Den Baum und umwickelte ihn mit seinem Schwanz: bann nahm er einen anderen Affen in seine Arme, dieser packle wieder einen Gefährten, und so bildeten sie rasch eine offene Kette, die hin- und herschwang. Hnterdessen hatten auch die Affen auf der anderen Seite sich in derselben Weise ineinander verklammert. Die Bewegungen der Tierketten gegeneinander wurden immer schneller, wobei sie durch die sich wiegenden Aeste noch einen stärkeren Schwung erhielten, und nach einem Dutzend Versuchen begegneten sie sich in der Mitte des Flusses, der 12 Fuß breit war, unb vereinigten sich. Sofort, als die lebendige Drücke hergestellt war, verliehen die drei anderen Tiere, die schwächlich und müde aussahen, ihren Platz unb liefen über die Körper ihrer Gefährten herüber. Hnglücklicherweise aber glitt der dritte, als er bereits beinahe auf der anderen Selle an gekommen war, aus unb rih im Fallen den hilfreichen Kameraden mit sich, auf dem er gerade stand. Sv stürzten alle Affen, mit Ausnahme der zwei glücklich hinübergekommenen und dreien von ber Kette ins Wasser, wurden fvrtgerissen und ertranken. Die Heberlebenden liefen schnatternd und heulend an dem Hfer entlang, wie wenn sie helfen wollten. Dald aber standen sie davon ab unb liefen in den Wald. An diesen glaubwürdig beobachteten Vorfall knüpfen sich manche intet» essaitte Fragen über die Hilfeleistung der Affe» schwächeren Genossen gegenüber und über Wanderungen dieser Tiere. CMitinung gemildert oder ganz ausgeschie- o c n werden." Die „Deutsche Tageszeitung' knüpft m diese Aussiihrungen Dr. von Eampes an und lagt ihrerseits dazu: „Entscheidend für unser Thema ist, daß diejenigen, die der Verfassung der Republik in erster Linie schufen, immer wieder beteuert haben, jetzt solle der von ihnen bekämpfte Zustand des früheren Staates, das) abweichende Meinungen über die Staatsfornt ihre Träger zu (Staatsbürgern minderen Rechts machten. in Deutschland aufhören; und daß dieser Standpunkt auch in der Verfassung zu grundsätzlichem und deutlichstem Ausdruck gelangt ist. Es soll hier die Frage, ob diese Patentrepubli- t'aner schon damals unehrlich waren ober es heute erst find, nicht untersucht werden: fest steht jedenfalls. das) diejenigen Deutschen, die trotz monarchischer Grundüberzeugung zu ehrlichem Dienst am Staat auf dem Boden der bestehenden Verfassung bereit sind, auch verfassungstreu und jedenfalls in viel höherem Matze ver- fassimgstreu sind als die Terroristen^ S t r e- oer und Schnüffler, die allen Staatsbürgern, die nicht den monarchischen Gedanken feierlich abschwören, entgegen der Absicht und dem Sinn der republikanischen Verfassung die G l e ich- berechtigung im neuen Staat versagen wollen. Diese Patentrepublikaner, die in ihren Motiven stark auseinandergehen mögen, in dem Willen zur Anduldsamkeit aber einig sind, verhindern nicht nur gewaltsam, dah das deutsche Volk zu einem Ausgleich der inneren Gegensätze, zu Ruhe und Frieden kommt; sie geben auch nicht nur der Abneigung gegen diese Republik immer neue Rahrung — sie mißachten und beugen auch ganz bewußt die von ihnen selbst maßgebend geschaffeneVerfassung. Sie finD also nicht verfassungstreu, sondern ver- tassungsseindlich. In dieser Richtung bedurften die Ausführungen des Herrn Dr. v. Campe einer Ergänzung; einer Ergänzung aber, die durchaus in der Linie ihrer eigenen Logik liegt. Natürlich richten sich diese Ausführungen, nicht gegen diejenigen, die sich auch innerlich auf die Republik einzustellen suchen, weil sie ihre ungestörte Erhaltung in absehbarer Zeit um des inneren Friedens willen für notwendig halten; auch nicht gegen die Republikaner aus innerer Ueberzeugung, die in ehrlichem Ringen der Geister den republikanischen Gedanken in Deutschland zu vertiefen und zu stärken suchen; ihnen verargt auch der Monarchist ihr Bestreben nicht, der seinerseits bereit ist. sia) in dieser deutschen Rotzeit im Interesse friedlicher Zusammenarbeit der verschiedenen Volkskreise in der Werbearbeit für den monarchischen Gedanken Schranken aufzuerlegen. Sie sollen nur di- leider immer zahlreicher werdenden Patentrepublikaner treffen, deren .Unduldsamkeit in immer stärkerem Maße den inneren Frieden in Deutschland stört. D»nn diesen Patentrepublikanern geht es -- abgesehen von ideologischen Fanatikern — letzten Endes gar nicht so sehr um den republikanischen Gedanken, den sie ja durch ihren unehrlichen und aufreizenden Terrorismus seiner schädigen; ihnen kommt es vielmehr vor allem darauf an. mittels der Republik ihre parteipolitischen und oft genug auch persönlichen Geschäfte zu machen. Ihnen ist darum auch die republikanische Verfassung n u r Mittel zum Zweck, das sie zu handhaben suchen, wie es eben für ihre höchst persönlichen Zwecke am besten patzt." In Berlin finden in einigen Abständen Beleidigungsprozesse statt. Die der Reichsbank- präsi dent Dr. Schacht gegen Gegner der AufwertungSgesehgebung und Opfer der Inflation anstrengt, weil diese ihn in Versammlungen oder Presseartikeln als Schuldigen dieser Entwicklung hinstellen. Im „Tag" schreibt darüber Dr. G. Schulhe-Pfaelzer: „Ratürlich braucht sich kein rechtschaffener " Wann solche Verleumdungen gefallen zu lassen. Und Herr Schacht, der Kluge. Korrekte, ist doch wahrhaftig über solche Vorwürfe erhaben. Er selbst hat erklärt, daß ihn diese Beleidigungen, l persönlich falt liehen, er müsse aber im Staats- . interesse diese peinliche Sache klarstellen. F Daß dieser kühle Finanzmarm innerlich nur mit eisiger Ironie antwortet, wenn solche Spritzer » seine weiße Weste suchen, möchten wir gern glauben. Aber ebenso stark darf man bezweifeln, daß ein öffentliches Interesse diese häßlichen Prozesse erforderlich mache. Cui bono? Die Erbitterung steigt, keine verlorene Inflationsmark wird dadurch zurückerobert. Ein armes Opfer kommt hinter Schloß und Riegel, weil zufällig ein Kriminalbeamter das eine böse Wort notierte. Aber die Zahl derer, die ihren Zorn in unvorsichtiger Schrift und Ülebc zum Ausdruck brachten, ist Legion. In jedem Zeitungshaus, bei jedem Abgeordneten türmen sich seit Jahren die Briefe der Entrüstung. Im Petitionsausschuß des Reichstages, im Büro des Reichspräsidenten, allüberall wimmelt es von beleidigenden Schreiben. in denen die Verarmten Gott und die ganze Welt anftagen. Kämen alle diese hemmungslosen Kundgebungen vor den Kadi, so müßte die rächende Obrigkeit mindestens hmiderttausend Jahre Gefängnis verhängen. Cui bono? Macht man ein Unglück dadurch gut, daß man plan- . mäßig Reues schafft? Kann man auch nur einen der Betroffenen beschwichtigen, indem man Exempel statuiert? Vielleicht wird dieser ober jener eingeschüchtert nur noch heimlich mit den Zähnen fnitfdjen. Aber heilt man damit soziale Wunden? Allein die Salbe des verstehenden und verzeihenden Schweigens kann langsam Linderung schaffen. Mit platter „Aufklärung" ist ja auch nichts getan. Wenn sich Herr Schacht mit überlegener Miene und dem leichten Hohn des Besserwissenden hinstellt und die glatten, einwand- freien Tatsachen reden läßt, so bleibt das bei allen denen ohne Eindruck, die nicht mit dem Verstände, sondern mit dem enttäuschten Gefühl urteilen... Warum richten sich die Angriffe der Ergrimmten, Verzweifelnden gerade so häufig gegen Herrn Schacht? Warum nicht gegen den Reichssinanzminister? Schacht hat die Inflation ebensowenig gemacht wie die Rentenmark, die einst demokratische Wahlkämpfer für fein und ihr Konto in Anspruch nahmen. Unser Reichsbankpräsident liebt das schneidige Auftreten und hat 'ich mehr als einmal dazu verleiten lassen, den Svarern ohne Vermögen und Rente sowie den sonstigen Gläubigern a. D. ins Gesicht zu springen Selbstverständlich war er sachlich im Recht. Aper in gewissen Fragen kommt es nicht auf das AZas sondern auf das Wie an. ES war ein falscher Mut zur Unpopularität. Die Menschen, t men er ihre Dummheit beweisen wollte, hat er erst recht im Gehirn verwirrt. Seine Fingerspitzen versagten. Sonst hätte er empfinden müssen, daß es weiser sei,'auf Beweise zu verzichten. die durch ihre messerscharfe Richtigkeit verletzen. Der Selbstgerechttgleit deS einwandfreien Ge° ioaltigen im Reiche des Geldes setzten die Unterliegenden die Bosheit kleinlichen Aeides entgegen. Sie meinten, Herr Schacht wäre doch ein chwerreicher Mann pnd hätte darum gut reden. Warum sollte ein König auf dem Felde der Finanzen nicht auch ein guter Sachwalter seines eigenen Besitzes sein! Wer sich auf die Erhaltung und Mehrung des ©einigen nicht versteht, wird vielleicht auch dem öffentlichen Säckel nur chlechte Dienste leisten tonnen. (Ächerlich gehört persönlicher Reid, aus sachlicher Riederlage geboren. zu den gemeinen Betätigungen menschlicher Seele. Aber es war ja nicht nöttg. die schlechte Gegenwirkung durch krasse Betonung überkorrekten Hand^ns herauszufordern... Oberhessen. Landkreis Gietzen. XKlein-Linden,22. Nov. Ein gutes Stuck Kulturarbeit ist jetzt von unserer Gemeinde zu Ende geführt. Rachdem vor zwei Jahren mit ber Urbarmachung einer größeren Fläche Oedland links der Kreissttahe Gießen—Wetzlar begonnen wurde, war diese im Laufe des gegenwärtigen Jahres in kleineren Parzellen einer Anzahl verheirateter Erwerbslosen zur unentgeltlichen Benutzung überlassen worden. Runrnehr wurde die gesamte Fläche mit annähernd ICO jungen Ob st bäum en b e - pflanzt. Auch Privatbesitzer haben größere Parzellen mit jungen Bäumen bepflanzt, so daß große Obstplantagen entstanden sind, durch die die Wirtschaftlichkeit der Grundstticke bedeutend erhöht wird. — In dein Schaufenster ber Fahrrad- Handlung W. Jung VI!I. ist gegenwärtig das Modell eines Denkmals für die Gefallenen unseres Ortes im Weltkrieg ausgestellt. Falls cs zur Annahme gelangt, wird unser alter Friedhof eine gründliche Umgestaltung erfahren, da das Ehrenmal dort errichtet werden soll. Rachdem die Erträge früherer Sammlungen zur Aufbringung der Kosten für dieses Denkmal der Inflation zum Opfer gefallen find, soll jetzt durch neue Sammlungen von Haus zu Haus versucht werden, die erforderliche Summe aufzubringen. * Lollar. 22. Rov. Am Samstag abend sanden sich die Mitglieder der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr zu einer Feier zusammen, die dem einjährigen Bestehen der Feuerweh rkapelle gewidmet war. Die Stapelte hat unter der Leitung des Herrn Fritz Deines sehr erfreuliche Fortschritte in der musilalischen Vervollkommnung gemacht und schon wiederholt sehr beifällig aufgenommene Proben ihres Könnens abgelegt. In mehreren Ansprachen wurden der Kapelle und den Mitgliedern der Wehr beachtenswerte Worte gesagt; die Feier umrahmte die Kapelle mit ihren vortrefflichen Darbietungen. Reicher Beifall wurde den wackeren Musikern zuteil. : Beuern, 22. Nov. Am gestrigen Sonntag tagte in der alten Schule eine Versammlung, die von dem Wagenfchmied Karl Volk von hier wegen der Llutoverbindung Beuern — Großen- B u s e ck einberusen war. Volk will das Unternehmen, das schon Gegenstand vieler Verhandlungen war, als Unternehmer selbst in die Hand nehmen. Er wollte nun feststellen, wieviel hier wohnende Ar- beiter in Gießen tätig sind und das Auto benutzen wollen. Es unterschrieben 38 Mann, von denen etwa 30 wohl den ganzen Winter über in Gießen beschäftigt sind und für die Benutzung des Autos in Frage kamen. Volk beabsichtigt, Anfang nächster Woche einige Probefahrten zu machen mit einem 15- bis 20fitzigen Wagen amerikanifcken Systems, ähnlich dem, der auf der Strecke Holzheim—Gießen zur Zeit gefahren wird. Da dieser Wagen den ganzen Verkehr auf einmal nicht bewältigen kann, wäre Volk gezwungen, zu den Arbeiterzügen morgens und abends zweimal zu fahren, was beit Nachteil hätte, daß ein Teil der Fahrgäste auf die zweite Fahrt warten müßte. Sollte den Fahrgästen diese Art der Beförderung nicht zusagen, so hat Volk für diesen Fall bereits einen Lastwagen von 3 Tonnen vorgesehen, ber umgearbeitet etwa 40 bis 50 Fahrgäste fassen würbe. Dies wäre wohl die einfachste Lösung, jedoch wäre bei dem zweiten Wagen der Verbrauch an Betriebsstoff größer als bei dem ersten, leichteren Wagen. Man hofft nun, daß das Verkehrsmittel bald in Betrieb kommt. p Gr ü n b c rg , 22. Rov. An dem Fußwege Grünberg—Freiensen, Gemarkung Gisentnute, wo vor zwei Jahren der Wald abgeholzt und die Fläche zu Ackerland angelegt wurde, läßt gegenwärtig die Grubenverwaftung Weickartshain nach Eisenstein schürfen. In mehreren Versuchsschächten war das Ergebnis sehr gering, dagegen bei anderen, dem Wald nähev gelegenen recht gut. Hier hat man Lager von 7, 9 und 11 Meter Stärke angetroffen, und zwar von bester Qualität. Anscheinend erstreckt sich das Lager auch in den Wald hinein, wo später nach Einholung der Genehmigung weiter geschürft werden soll. Die Steine liegen so günstig, daß sie im Tagbau gefördert werden können. Wahrscheinlich wird der Abbau bald in Angriff genommen werden. Die Grube Weickartshain wird ihren Betrieb voraussichtlich im Dezember mit einer Belegschaft von 80 bis 90 Mann wieder aufnehmen. Die Grube Stockhausen befindet sich bereits wieder im Betrieb. is. Steinbach, 22. Rov. Ein hiesiger Fahrradhändler wurde dieser Tage von einem Gauner geprellt. Der Schwindler gab an, bei der Ueberlandanlage des Elektrizitätswerkes Gießen beschäftigt zu sein, und bat um ein Fahrrad, um in Lich rasch eine Besorgung erledigen zu können. Da gegenwärtig größere Reparaturen an der Leitung vorgenommen werden. schenkte der Händler den Angaben Glauben und überließ dem Fremden ein n e u e s D a m e n- Fahrrad. mit dem der Bursche auf Rimmer- Wiedersehen verschwand. — Rachdem die Maul- und Klauenseuche hier erloschen und die Sperre zwei Tage ausgehoben war. ist sie jetzt erneut in einem Gehöfte ausgebrochen. —o— Ober-Bessingen, 22. Nov. Bei ber jüngsten Treibjagd in unserer Gemarkung kamen 15 Hasen, 2 Rehe und 1 Fuchs zur Strecke, das ist kaum ein Drittel des Vorjahres. Hungen. 22. Rov. Am Samstagnachmittag besuchten die Lehrer des Bezirkes Hungen, sowie einige andere Interessierten unter Führung des Direktors Schiffmaun aus Hungen die Hünengräber bei den drei Teichen. Drei derselben wurden im Sommer unter Schiffmanns Leitung geöffnet. Zwei Gräber, die nach Vittingen zu liegen, waren Skelettgräber, in denen die Toten auf Steine gebettet wurden. Sie wiesen keine weiteren Furche auf. Bei dem dritten, das in dem Walddistrikt „Pfaffenwiese" liegt, handelt es sich um ein sog. Drandgrab. ES wurde ganz freigelegt und soll auch offen bleiben, do es die ganze Anlage eines solchen Grabes noch prachtvoll erhalten zeigt. An einem benachbarten Daum soll eine erläuternde Zeichnung angebracht werden. Ein ringförmiger Stein- toall umgibt die ganze Anlage, *Dic tn der Witte durch einen anderen Steinwall getrennt ist, so daß die Vermutung naheliegt, c3 drehe sich um ein Doppelgrab In der einen Hälfte wurde, wie Direktor Schiffmann ausführte, die Derbren- nungsstätte mit hochaufgehäusler Asche und nähe dabei Scherben eines Topfes sowie zwei Arm- spangei: aus Dronzedraht mit ovalem Querschnitt gesunden. In der anderen Hälfte sand man nur einen Topf. Jedoch find noch weitere Funde möglich, unter den Wurzeln dreier Bäume, die noch nicht gefällt werden konnten. Durch Einsetzen von Steinen wurden die genaueren Fundstellen sofort bezeichnet. Rach genauer Untersuchung der Funde durch Prof. Helmke-Gießen handelt es sich um ein Grab aus der Hallstadtzeit, es dürfte aus der Zeit um 750 v. Ehr. Geburt stammen. Reicher Dank wurde H-errv. Schiss- mann von den Zuhörern ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß er, der ein genauer Kenner der geologischen Verhältnisse unserer Gegend ist, denrnächst auch einmal die Führung einer geologischen Wucherung übernehmen möge. Utphe, 22. Rov. Da nach Beendigung der Feldarbeiten für Den Bauersmann nun die müßigere Zeit des Jahres kommt, hat unsere Voltsbibliothek wieder regelmäßige Ausleihtage eingerichtet, um dem verstärkten Lesebedürfnis im Winter Rechnung zu tragen. Dank eines Zuschusses der Gemeinde- und der Kreiskasse, sowie zahlreich eingezahlter Beitrage tonnte der B ü cherbestand um etwa 25 Bücher bereichert werden. Dies war allerdings nur dadurch möglich, daß fast alle Bücher von ter Gesellschaft für Volksbildung in 'Berlin bezogen wurden, die den ihr als Mitglieder angehöreichen Büchereien Vorzugspreise gewährt. In keiner Gemeinde sollte mehr eine Bücherei fehlen, zumal gerade heute nur wenige in der Lage sind, sich selb-- Bücher zu beschaffen. Außer» dem ist eine gute Bücherei auch das wirksamste Gegenmittel gegen die um sich greifende Schundliteratur. Unsere Bücherei, deren Bändezahl sich nun auf über 600 beläuft, wird wieder sehr rege benutzt. — Am Freitag wurde unter außerordentlich starker Beteiligung, auch von auswärts, unser langjähriger Flurschütz Eichenauer zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der trotz seiner 73 Jahre sich noch bester Rüstigkeit erfreute, hat fein Amt über 11 Jahre bekleidet und genoß allseitige Achtung. Wie an seinem Grabe hervor- gchoben wurde, ist er einer von denen — er war früher Bergmann -- die den ersten Schacht der Grube ..Friedrich" in Trais-Horloff an legten. Kreis Bnvnigen. Ridda. 22. Rov. Im Kafiiwsaaie hielt Samstagabend Dr. Gretschmann aus ©ieften einen interessanten Vortrag über Bergfahrten in Höhen zwischen 3000 und 4000 Meter über dem Meere. Sehr gute Lichtbilder trugen wesentlich zum Verständnis der Ausführungen bei. Dem Redner wurde von den zahlreichen Zuhörern reicher Beifall gespendet. Kreis Scholten, ? Schotten. 22. Rov. Im Rathaussaal Hierselbst fand eine Bürgermeisterder- f a m m l u n g unter Leitung des Krelsdirektvrs Geh. Reg.-Rctt Bocckmann statt. Verschiedene Gerüchte über geplante Abbau Maßnahmen der Regierung beunruhigen dauernd die Bevölkerung des Vogelsberges. Die Versammlung nahm entschiedene Stellung gegen diese Vorhaben und brachte zum Ausdruck, daß man sich gegen einen etwaigen Abbau des Kreisamtes, des Dauamtes scharf zur Wehr sehen müsse. Reuerdings schwirren sogar Gerüchte umher, nach denen die Regierung die Aufhebung aller Kreise plane und nur in jeder Provinz ein Amt belassen wolle. All diese Pläne bringen natürlich die Bevölkerung in dauernde, ungeheure Erregung. Auch wurde scharf verurteilt. daß die Regierung dem Vogelsberg sein eigenes landwirtschaftliches Amt genommen und verlegt hat. Wenn man den Vogelsberg wirtschaftlich heben will, so kann man dies nur durch tatkräftige Förderung seiner Vieh- und Weidewirtschaft erreichen, und dazu ist ein eignes, selbständiges Amt mit einem tüchtigen Spezialisten in Viehzuchtfragßn notwendig. Die Versammlung verlangte daher Beibehaltung bzw. Umwandlung der jetzigen Außenstelle in ein eignes selbständiges Spezialamt. Die Wünsche unö Forderungen der Bürgermeister wurden in einer Entschließung an die Regierung zusammengefaht. Besprochen wurde ferner die Abhaltung von Amtstagen in den drei übrigen Bezirken: Gedern, Laubach, Ulrichstein. Räher referiert wurde über die Einbringung der G em e i n de gefäl le, die bei der schlechten wirtschaftlichen Lage überall auf Schwierigkeiten stößt. Ebenso mürbe die Sicherstellung der Gcmeindeforderungen behandelt. In einem außerordentlich interessanten Vortrag sprach dann Oberforstmeister Dr. Baader über das neue Forstverwaltungsg.es etz. Auf die Wahl- sahrtswirkungen des Waldes, das staatliche Aussicht»- und Waldbewirtschaftungsrecht der Gc- meilidewälder, auf die Holzverwertung ging der Redner besonders ein. Eine Reihe anderer ^nlle, Anleiheablösungsgeseh. die neue Erwerbswsea- unterstützung u. a. m. wurden besprochen. Ein einfaches @ffen in der „Krone" schloß sich an. Rach- mittags wurden den Bürgermeistern unter Mitwirkung der Schottener Freiwilligen Feuerwehr drei verschiedene Motorspritzen vorgeführt, die gut funktionierten und große Wassermassen ausstrahlteir. Vom Kreis ist die Anschaffung einer oder mehrere» solcher Spritzen geplant. ane Schotten. 22. Rov. Im Anschluß an Öen Bericht über die feierliche Grund st ei n - legung zum Dau derneuenTurnhalle ist noch mttzuleilen: Der Bau ist schon rüstig vorgeschritten. Die Halle wird lediglich für den reinen Turnbetrieb hergerichtet und mit allen zeitgemäßen Geräten versehen werden (schwedische Sprossenwände, Rundlauf u. dgl.). Der Fußboden wird nach Art einer Scheuertenne aus Lehmboden mit Ochsenblut vermischt hergestellt, dadurch ist Staubfreiheit und Weichheit des Do- öens gesichert. Im neuen Dorderbau wird ein großer Singsaal für den Männergesangverein: 1 Ungerichtet, auch eine Wohnung für den Diener vorgesehen, in den unteren Räumen befinden sich Brause- und Wannenbäder, Zentralheizung und die Wirtschaftsräume. Mit Der alten Festhalle zusammen wird die bebaute Fläche ca. 1200 Quadratmeter groß fein. Die Bauarbeiton werden sehr gefördert, der Rohbau soll baldmög- lichst fcrtiggeftdlt werden. □ Laubach, 22. Nov. Bei der Treib j a g ö in den hiesigen Gemeindewaldungen (Pächter Fabrikant S ch u n k vom Windhof) wurden nur 11 Hasen (früher immer gegen 40 Stück) geschossen. 25 Jäger nahnicn teil! S H1 f r>, 22. Rov. Am c-amstag fand zwi- scheu den beteiligten Gemeinden Hungen. Schotten. Ridda. Ulfa. Rodheim. Rabertshausen Langd eine neue Besprechung über einen zu gründenden Zweckverband statt. Der die Führung einer Autolinie zwischen den genannten Gemeinden betreiben soll. Die ausgestellte Satzung wurde eingehend besprochen und soll den Gemcinderaten zur Genehmigung vorgelegk werden. Kreis Alsscld. M Alsfeld, 22. Rov. Die hiesige, unter Leitung von Studienrat G r a e b c r stehende sehr rührige Dürergesellschaft hatte Unioersi- tätsprofelfor Di. von Aster aus Gießen zu einem „Faustvvrtrag" gewonnen. Der am Samstagabend im Physiksaale Der Ober-Real- schule stattfand. Der Vortragende gab in seinen tief durchdacht ei, geistvollen 1' .stündigen Ausführungen ein Bild über die Welt- und Lebensanschauung in Goethes Faust". Er verstand, tem aufmerksam lauschenden Zuhörertreis in antdpaa- licher, allgemein verständlicher Weise ein Bild zu geben über Goethes uncrgriinDüdie-^JBfcifter- werk, inöbefonberc über die Idee Faust". Die Zuhörer dankten mit recht lebhaftem Beifall. er. Homberg a. d. O h m. 22. Nov. Seit einigen Tagen weilt hier eine Aurgradungs- kommission aus Belgien. bestehend aus drei Herren, die die wahrend des Krieges in Gefangenschaft in Homberg oder Umgebung verstorbenen und hier beerdigten belgischen Staatsangehörigen ausgraben. Sie befördert deren Gebeine mittels 'Autos in ihre Heimat. I Ruppertenrod, 22. Nov. Unsere Gemeinde plant für kommendes Jahr den Bau einer Wasserleitung, «chon vor dem Krieae, als unsere Nachbargemeinde Ober-Ohmen ihre Wasserleitung baute, wurden auch hier viele otimniti, für einen gleichen Bau in unserem Orte laut. Man verhandelte damals mit Ober-Ohmen über die Abgabe von Wasser, das feine Quellen in reichlichem Maße liefern. Die Quellen sind so stark, daß in Ober-Ohmen selbst in dem sehr trockenen Jahre 1921 noch Wasserüberfluß l)errschte. Am Dorf- misgang läuft aus der Vber-Ohmer Leitung noch so viel Wasser fort, daß damit eine ganze Ge- mcinde gespeist werden könnte. Man konnte sich seinerzeit aber nicht über die Abfindungssumme an Ober-Ohmen einigen. Dieser Tage weilten nun einige Herren der Kulturinspektion Gießen in Ober- Ohmen, um mit der Gemeinde über dic Abtretung von Quellen zu verhandeln. Es wurde beschlossen, daß Ruppertenrod in der Gemarkung Ober-Ohmen nach Quellen bohren kann, doch muß dabei das Gelände einige hundert Meter im Umkreis um die Ober-Ohmer Quellen gemieden werden, lieber die Zahlung einer Entschädigung ist noch nichts Bc- stimmtes beschlossen. Doch wird das auch hauptsächlich Sache der Grundeigentümer sein. Für unsere Gemeinde bedeutet der Bau einer Wasserleitung in der jetzigen Zeit eine große finanzielle Leistung, har sie doch erst mit vieler Miihe und ansehnlichen Kosten ein stattliches Schulgebäude errichtet. Aber alle Ortsbürger werden dem Plane zustimmcn, denn das Wasserschleppen, besonders im Winter, ist eine Plage. z. Elbenrod, 22. Nov. Zwischen der hiesigen Gemeinde und den beiden benachbarten preußischen Höfen Kraußenberg und A f t e r o d e besteht zur Zeit ein interessanter Rechts st reit. Beide Hofgüter gehören wohl schon feit Jahrhunderten in bezug auf Kirche und Schule zu Elbenrod. Als der Vertrag damals abgeschlossen wurde, gehörte der Kraußenberg vier Besitzern und Aste- rode zwei. Es wurde bestimmt, daß beide Höfe von allen Kirchen- und S ch u l l a st c n ein Achtel zu trggen hatten. So ist es auch die Jahre her gehalten worden. Inzwischen gingen auf dem Krau- fienberg zwei Güter ein, und das Land rourbe, versteigert. Die Zahl der Besitzer auf beiden Höfen verringerte sich demnach auf vier. Da diese in letzter Zeit in finanzieller Beziehung durch Reparaturen an der Kirche sehr stark herangezogen wurden, stell- len sie an die hiesige Gemeinde das Ansinnen, ihre Leistungen entsprechend der Verringerung der Besitzerzahl von einem Achtel auf ein Zwölftel hcrabzu- setzen. Die Gemeindevertretung lehnte dies, ebenso rote einen Vcrmittliingsoorschlag von einem Zehntel ab, indem sie sich auf das ftitherige Recht stützt. Infolgedessen haben Kraußenberg und Slfterodc die Absicht, sich in Kirche und Schule von Elbenrod zu trennen und sich an ihre politische Gemeinde, den preußischen Ort Hattendorf, anzuschließen. Schritte in dieser Beziehung sind schon getan. Für die Gemeinde Elbenrod würde dies beim Beharren auf dem bisherigen Standpunkte neben dein Aufgeben einer Jahrhunderte alten Gemeinschaft auch einen finanziellen Ausfall bedeuten, der sich im Lause der Zeit recht empfindlich bemerkbar machen dürfte. Im beiderseitigen Interesse ist auf eine Einigung zu hoffen. Ein magerer Vergleich ist immer noch besser als ein fetter Prozeß. Starkenburg. WER. Offenbach, 22. Rov. Der Sängerverein Offenbach kann Anfang Dezember Die H u n D e r t j a h r f e i e r seines Bestehens begehen. AuS diesem Anlaß wird am 1. Dezember unter Mitwirkung erster Kräfte ein Festkonzert im Frankfurter Saalbau ftattfinDcn. Am Samstag, 4. Dezember, wird im Offenbacher Stadtgarten eine akademische Feier veranstaltet werden. Außerdem ist eine große Jubiläumsausstellung vorgesehen. Preußen. Kreis Wetzlar. C Wetzlar, 22. Rov. Am nächsten Dienstag findet eine StadtverorDnelensitzung statt. Deren wichtigster BeratungsgegcnstanD wohl die Erweiterung Des Krankenhauses ist. Bekanntlich ist Dieses erst seit etwa zwei Jahren in 'Benutzung genommen, nachdem Das frühere Lehrerseminaraebäude Durch einen entsprechenden Umbau hierzu eingerichtet worden war. Durch eine tüchtige Anstaltsleitung, die besonders in operativem Sinne Hervorragendes leistet, ist Der Zuspruch von Kranken DauernD im Wachsen begriffen, so Daß Die AnstaltSräume schon seit langem nicht mehr aus reichen. Ärcis Biedenkopf. T Waldgirmes, 22. Hot). Glück im Unglück hatte ein Anstreicher von hier. Ser Wann war mit dem Anstreichen der Dachrinne an der Zigarrenfabrik von Rinn & LlooS beschäftigt, als in etwa 12 Meter Höhe die Leiter brach. Der Mann stürzte ab, tarn aber auf dem untersten Stück der Leiter, das bei dem Bruch gegen die Wand gefallen war. an unb blieb heil auf einer Sprosse sitzen. * Holzhausen b. Gladenbach, 2 2. 11. Zwei Burschen von hier, Söhne ehrbarer Eltern, versuchten heute morgen unbefugterweisc in das , HauS des Händlers R. hier e t n z u d r i n g e n. Sie wurden von der Tochter des Händlers, der verreist ist, überrascht und von äu Hilfe gerufenen Aachbarn verfolgt, die von ihnen mit Steinen beworfen wurden. Ohre Person a4i en konnten > estgestellt werden. Anzeige ist erstattet. Maingau. ÄSN. Frankfurt a. M., 22. Nov. Am Samstagnachrnittog wurde im Treppenhouse d«S Hauses Kronprinzenstrahe 5 ein Kind männlichen Geschlechts, das ungefähr 10 Tage alt war, ausgesunden. Das Kind wurde in ein Heim verbracht. Die Mutter konnte noch nicht ermittelt werden. — Ein junger Drogist, der in einem Geschäft des Stadtzentrums tätig ist, wollte dieser Tage eine Kiste öffnen. Dabei spritzte ein Holzsplitter derart ab, daß der Sehnerv des einen Auges getrosten wurde. Eine Operation vermochte leider do. Äuge nichtzu retten. Landesverband Hessischer Bürgermeister. • Darmstadt, 22. Aovember. Heute vormittag fand im Fürstensaal in Darm- stavt die 20 Hauptversammlung des Landesverbandes Hessischer Bürgermeister unter dem Vorsitz von Bürgermeister Alexander - Gonsenheim statt. Dieser begrüßte die zahlreich besuchte Dersammlung, rns- besondere die Regierungsvertreter, und den Der- rreter der Gewerkschaft Hessischer Gemeindebeamten. Anweseird war auch ein Vertreter des .Kreisamte? Alsfeld: künftig sollen Einladungen an die Kreisämter ergehen. Ministerialrat Kirnberger dankte im Hainen der hessischen Regierung für die Einladung. Er betonte die Bedeutung der autoritativen Stellung des Bürgermeisters tm heutigen Staatswesen. Die Selbstverwaltmrg gehe einer neuen Blute entgegen; Selbstverwaltung fei nicht Schrankenlosigkeit, sondern sie müsse Rücksicht auf die Rachbarn pnd den Staat nehmen. Der Redner übermittelte Grüße des Ministers des Innern, der am Erscheinen verhindert sei. Direktor Z e ch - Offenbach, der Vorsitzende der Gewerkschaft Hessischer Gemeindebeamten, wies in einer Begrüßungsansprache auf die vielen gemeinsamen Interessen hin, die seine Organisation mit der der Bürgermeister verbindet. 3n seiner Dankesrede machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß der Landesverband Hessischer Bürgermeister im Jahre 1927 fein 30jäh- riges Bestehen feiern könne. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung der Tätlgkeilsbericht des Vorsitzenden mit anschließender Aussprache über das neue Wahlgesetz, Vergütungsfragen, Versicherung und Verwaltungsresorm. Bürgermeister Alexander berichtete über die Bemühungen des Vorstandes, die Beschlüsse der letzten Verbands- Versammlung beim Ministerium zur Geltung zu bringen. Diese Bemühungen erstreckten sich hauptsächlich auf Besoldungsfragen, Pensionssicherung und Sicherungen bei einer Hichtwiederwahl. Besonders besprach der Redner die Aufhebung des Sperrgesehes und seine Auswirkungen auf die Bürgermeister. Die Vergütungsfrage zu regeln sei nicht gelungen. Weiter wurden die Bemühungen auf Abänderung des Artikels 96, Abs. 1 des neuen Wahlgesetzes erwähnt. Es wurden ausschließlich neunjährige Wahlperioden verlangt und eine Abänderung der Bestimmung, daß die vor Inkrafttreten des Gesetzes Gewählten nur eine Amtsdauer von sechs Jahren hätten. Wenn die Wünsche der Bürgermeister durch die Verwaltungsreform nicht erfüllt würden, so werde man sich an den Landtag wenden. Der Redner besprach dann verschiedene Versicherungsfragen. Im ganzen, so bemerkte der Vorsitzende, hätten die Bemühungen des Verbandes noch nicht das erwünschte Ergebnis gehabt. Regierung und Landtag müßten mehr entgegen« fomtnen zeigen. Hur in gemeinsamer Arbeit der Bürgermeister könne etwas erreicht werden; das Wirken der Bürgermeister stehe im Dienste der Allgemeinheit. Bürgermeister Albrecht, Düdelsheim, dankte dem Vorsitzenden für die Geschäftsführung und wandte sich dann gegen die Bestimmung des Wahlgesetzes, daß die vor Inkrafttreten dieses Gesetzes Gewählten nur eine Amtsdauer von sechs Jahren haben. Es sei unverständlich, daß die Regierungsparteien der Aushebung der Richtlinien für die Besoldung der Gemeindebeamten hätten zustimmen können; es zeige sich hier, daß diese Parteien den Parteiegoismus allem anderen voranstellen. Ministerialrat Weber meinte, es sollte nach Aufhebung der Richtlinien eine mehr individuelle Festsetzung der Vergütungen Platz greifen. So wie die Verhältnisse jetzt sind, mühten die Verwaltungsgerichte die einzelnen Fälle entscheiden: diese suchten nach einer einheitlichen Rechtsprechung zu urteilen. Die früheren Richtlinien wären nur eine Derwaltungsmahnahme gewesen, an die sich die Verwaltungsgerichte nicht zu halten brauchten, weil sie keine rechtliche Unterlage hatten. Es sei wesentlicher, so meinte der Redner, als einige Prozent mehr Vergütung zu erhalten, daß dafür Rechtsgrundlagen geschaffen würden. (Zustimmung.) An der ®urd)- führung der Wahlbestimmung, daß gewisse Bürgermeister nur _ auf 6 Jahre gewählt wurden, seien die Kreisämter unschuldig, denn man habe damals die Verhältnisse noch nicht übersehen können. Em anderer Redner sprach für Wiedereinführung der Richtlinien^ der Vorsitzende hält diesen Vorschlag nicht für zweckmäßig, sondern eher wäre eine Beschleunigung der Derwaltungs- reform zu erstreben. Bürgermeister H a i n z - Dietesheim wandte sich gegen den Landtag, insbesondere gegen die Regierungsparteien. Im Ausschuß für die Her» wallungsreform wäre kein ehrenamtlicher Bürgermeister vertreten, obwohl in Hessen mehr als 1000 vorhanden seien. Die Regierung tollte auch auf deren Interessen bei der Verwaltungs- reform Rücksicht nehmen. Der Vorsitzende schlug vor. eine kleine Kommission oder einen Vertreter zu wählen, um mit der Regierung zu verhandeln. Ministerialrat K i,r n berget schilderte die Zusammensetzung und di: Arbeitsweise der Haupt- und der Untertommiffion für die Dermal tungs- reform. Die Regierung werde einen Antrag in dem erwähnten Sinne unterstützen, doch sei die Unterkommission selbständig in ihren Entschließungen. Aus Vorschlag der 'Versammlung wurde Bürgermeister Hain; gewählt. Regierungsrat Dr. Krebs vom Ministerium des Innern hielt hierauf einen Vortrag über Probleme der modernen verkehrswlrsichast. Er erinnerte an den Erfolg der Düsseldorfer Ausstellung (Gesolei): was man hier gesehen habe, die.wirtschaftliche Belebung und die För- derung des Verkehrs, könne man in jeder Gemeinde bei Cängcrfeften. Jahrmärkten usw. wahrnehmen. Die Derkehrsverbesserungen einer Gemeinde könnten sich in allerlei Ziffern auswirken. z. B. bei Krankenkassen und bei anderen Einrichtungen. Der Redner machte verschiedene Zahlenangaben über den Verkehr. In Hessen gibt eS rund 5000 Kilometer Landstraßen und 1550 Kilometer Bahnlinien: die jetzt bestehenden 50 Kraftfahrlinien befahren heute schon 800 Kilometer Landstraße, d. t etwa die Hälfte des Dahnverkehrs. Die Bahn stemmt sich der Entwickelung entgegen, weil sie Reparationslasten zu tragen hat und Ueberschüsse dafür heraus- wirtschaften muh. Außer durch die regelmäßigen Kraftwagenverbindungen wird der Straßenverkehr in Hessen noch durch den allgemeinen Krast- wagenoertehr. namentlich durch den Lasrwagen- verkehr, ungemein stark beansprucht. Automobil, straßen liegen nicht im Reiche der Utopie: die Strecke Hamburg—Mailand wird sich allein durch die geringere Abnutzung verzinsen Der Redner schloß mit der Forderung, daß die Verkehrs- mittelfragc nur durch einen Ausgleich der verschiedenen Interessen geregelt wird, sowohl die Interessen der Bahn. wie di: deS Automobil- Verkehrs. Die Versammlung beschloß, daß Der Vorstand die Frage des Beitritts zu den Deutschen Volks - erholungSheimen prüfen soll. Der Beitritt zum Deutschen Dürgermeisterbund wurde abgelehnt, weil hessische Belange von diesem Verband nicht wahrgenommen werden. — Die Frage der Errichtung eines Unterstühungsfondv entfesselte eine lebhafte Debatte. Regierungsrat Dr. A h l legte bei dieser Gelegenheit die Bestimmungen über die Dersicherungspflicht der Bürgermeister dar. der die meisten unterworfen sind. Die Gemeinden sollten in erster Linie' für die bedürftigen, nicht versicherten Bürgermeister eintreten, denn sie hätten die Beiträge gespart. Die Angelegenheit wurde nach längerer Aussprache, in Der zahlreiche Versicherungs- fragen erörtert wurden, schließlich dem Vor- stand alS Material überwiesen. Auf Vorschlag von Bürgermeister H a i n z (Dietesheim) wurden 50 Prozent des Ueberschusses auS der Rechnung dieses JahreS dem Fonds überwiesen. Rach weiterer Aussprache wurde am Schluß der Tagung beschlossen, die nächste Hauptversammlung in Friedberg abzuhalten. Es soll damit die Feier deS 30jährigen Bestehens des Verbandes verbunden sein. Turnen, Sport und Spiel. der Schiedsrichter das Spiel wegen cingetretener Dunkelheit abbrach, stand die Partie 2:0 für Born- Aus dem Turngau Hessen, vezirksvorturnerstunde des 2. Bezirks. O Zur ersten planmäßigen Dorturnerübungs- stunde hatte der Bezirksturnwart Paul Schüler (Wetzlar) am Sonntag nach Gießen eingeladen. Von den 26 Vereinen des Bezirkes (Giehen- Wehlar-Grünberg) waren 37 Turnwarte anwesend. Die Freiübungen für die Gau- und Kreisveranstaltungen des kommenden Jahres wurden eingehend durchgearbeitet. Die Hebungen für das Wintergerätewetturnen in den einzelnen Bezirken wurden bekanntgegeben und praktisch durchgeübt. Die Besprechung Der Dereinsturn- toarte, Die sich anschloß, brachte manchen wertvollen Wink. Rachdem Bezirksturnwart Schüler Die Vereine zur Uebemahme des Geräte- wetturnens und des Bezirksturnfestes aufgefordert hatte, konnte er die anregend verlaufene Tagung schließen. Wetzlarer Sport. h. Das Hauplspiel des Sonntags endete F. E. Wetzlar Liga gegen Dillenburg Liga mit 3.0. Die Wetzlarer zeigten gegenüber dem Dor- fonntag eine wesentlich verbesserte Form. Gleichwohl hatte Dillenburg besonders in der ersten Hälfte nicht weniger Chancen zum Erfolg, trat diese aber ständig ins Aus. Wetzlar führte beim Wechsel bereits mit 2:0. Rach Seitenwechsel Drängte Dillenburg zunächst, konnte aber das Tor nicht finden, während Wetzlar einen Elfmeter mit wuchtigem Schuh verwandelte. Das Spiel endete mit einer starken Belagerung des Dillenburger Tores. F. C. 11 gegen Aßlar I 6:3. Hier zeigte die Reserve des Fußball-Clubs, daß schnelles Spiel und Lausen seine Wirkung nicht verfehlt. Hur durch stürmisches, entschlossenes Drängen des Wetzlarer Angriffs gewann dieser. Aßlar zeigte sich von Der besten Seite und gab einen gleichwertigen Gegner ab, dem allerdings noch der nötige Zusammenhang fehlt. Die Kreismeisterschaftsspiele im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Gießen I. gegen Bornheim I. £ Zum dritten Kreismeisterschaftsspiel trafen sich am Sonntag auf den Riedewaldwiesen in Frankfurt die Bezirksmeister des 2. und 3. Bezirks. Das Spiel litt infolge des Überaus schlüpfrigen Bodens. Bornheim stellte sich komplett, Gieften mit Ersatz im Sturm. Der Anstoß Gießens glückte, der Sturm fompiniertc sich durch und konnte sofort den gegnerischen Tormann beschäftigen. Die Bornheimer zeigten ein flüssiges Kombinationsspiel, das besonders in einem aufs raffinierteste durchgeführten Stellungsspiel seinen Ausdruck fand. Gießen hielt mit sehr viel Eifer das Spiel offen und konnte dem Bornheimer Tor recht oft gefährlich werden; dies hätte auch zahlenmäßig seinen Ausdruck gefunden, wenn der Sturm nicht reichlich nervös gespielt und sich dem Stellungsspiel der Bornheimer Verteidigung angepaßt hätte. In der 14. und 19. Minute i'hoffen Die Bornheimer zwei Ecken hinter das Tor. Im Anschluß an die letzte Ecke konnten die Gießener nach blitzschnellem Angriff in glänzender Weise un- haltbar einsenden. Gießen führte 1:0. Aber nach zwei Minuten bereits erzielte Bornheim seine dritte Ecke, und nach kurzem Geplänkel mußte der Gießener Tormann den Ball aus dem Netz holen. Der Ausgleich war da. Die Ueberlegenheit der Bornheimer nahm nun immer fühlbarere Formen an, bis zur Pause konnten sie ein Eckenoer- hätnis von 8:0 Herstellen, Torerfolge blieben jedoch aus. Stand bei Halbzeit 1:1. Nach dem Wechsel lag das Angriffsfeld der Bornheimer auf der etwas trockenen Hälfte, diesen Vorteil verstand die Mannschaft sehr geschickt auszunutzen. Bornheim zeigte ein glanzendes Spiel, Gießen wurde mehr und mehr zum reinen Defensivspiel gezwungen. Trotzdem gelang es den Bornheimern erst in der 17. Minute, die Führung zu übernehmen. Einige Minuten später folgte die 10. Ecke, in der 25. Minute die 11., die zum 3. Erfolg für Bornheim führte. Gießen stellte nun um und verstärkte die Verteidigung (nicht zahlenmäßig!): damit verhinderten sie zwar weitere Erfolge der Bornheimer, schwächten aber ihre Angriffe, die alle verpufften. Bis zum Schlußpfiff wurde an dem Resultat nichts geändert, nur Bornheim konnte die Zahl der Ecken auf 12 erhöhen. Das ganze Spiel wurde mit vorbildlicher Ruhe und Disziplin durch- geiührt, die in nichts an ein Punktspiel erinnerte. Dank ihrer überragenden Spielweise erzielten die Bornheimer einen 3:1-Sieg. Im Anschluß spielten die Iugendmann- schäften beider Vereine. Auch hier trafen sich zwei Bezirksmeister, die sich ein flottes und ansprechendes Spiel lieferten. Gießen hatte im aUge» meinen mehr vom Spiel, vergaß aber das Tor- f(fließen, was die Bornheimer besser konnten. Als heim. Bei regulärer Spielzeit hätte es wohl anders gelautet. Mörfelden und Hanau spielen unentschieden. Bei sehr unfreunDkichem Wetter trafen sich obige Gegner in MörfelDen. Hach Den gezeigten Leistungen ist anzunehmen, Daß Die Hanauer Mannschaft stark im Kommen ist. Mörfelden übernahm Die Führung, Der nach wenigen Minuten Hanau nicht nur Den Ausgleich folgen ließ, sondern nach weiteren 10 Minuten das Resultat auf 3:1 stellte. Jetzt erst bewertete Mörfelden seinen Gegner ernsthafter und konnte bis Halbzeit den Ausgleich Herstellen. Rach dem Seitenwechsel blieben für beide Mannschaften weitere Erfolge aus. Genau so unfreundlich wie das Wetter war der Verlaus des ganzen Spiels. Friedberg sichert sich das labcUenenbe. In Wiesbaden sand das Spiel Der F. T. FrieDberg gegen den V. f. R. Wiesbaden statt, das stark unter den ungünstigen Bodenverhält- nisfen litt. Trotzdem die Friedberger während Des ganzen Spiels mehr im Angriff lagen, blieben ihnen Erfolge versagt. Dies war auf Den hervorragenden Wiesbadener Tormann zurückzuführen. Den Einheimischen gelang es, bis zur Pause ein l:0°Resultat herzustellen, kurz vor Beendigung glückte ihnen Der zweite Treffer. Einige Friedberger Spieler verloren hierdurch die Verven und verliehen vorzeittg Das Spielfeld. Die Spiele tm 3. Bezirk der Arbeitersporller. £ In Wetzlar trafen sich am Sonntag die ersten Mannschaften Butzbachs und Wetzlars. Butzbach als Heuling muhte sich zwar den spielerfahreneren Wetzlarern 5:2 beugen, überraschte aber Durch seine angenehme und faire Spielweise. Halbzeit 3:1. Im Spiel H a u n b e im I gegen Lollar! überraschte das niedrige Resultat 2:1 für Raunheim, hatte man doch mit einem höheren Ergebnis für Den Sieger gerechnet. Raunheim zeigte ein merkbares Plus im Stellungsspiel, konnte die- aber nicht am Ergebnis ausdrücken. Dau bringen! (2. Klasse) brachte das Kunststück fertig, gegen Wieseckl (1. Klasse) ein unentschiedenes 0:0-Ergebnis herauszuholen. Dies ist ein starker Achtungserfolg. Trotzdem Wieseck bessere Technik zeigte, wäre doch ein Sieg Daubringens bald fertig gewesen. Heuchelheiml trat gegen die recht spielstarke erste Mannschaft Praunheims an, und hat sicher von Der hohen RieDerlage am Vor- fonntag viel gelernt. In Der ersten DiertelstunDe führte Heuchelheim bereits 2:0, es konnte das Resultat ois zur Pause halten. Rach dem Wechsel nahmen die Praunheimer das Spiel recht ernst und erzielten in kurzen Zwischenpausen drei Tore. Heuchelheim gelangen nur noch vereinzelte ungefährliche Durchbrüche. Giehener Schwimmverein. Die am Sonntag im Offenbacher Hallenschwirnrn- « bad veranstalteten flau offenen Wettkämpfe des Offenbacher S. V. v. 1 896 bedeuteten für den veranstaltenden Verein in jeder Hinsicht einen guten Erfolg. Das Abschneiden des G. S. V. bestätigte im großen und ganzen die gehegten Erwartungen, lediglich in der Herrenlagenstaffel kam es anders, als man dachte. Die Ergebnisse der Wettkämpfe, an denen der G. S. V. beteiligt war, sind folgende (Bahnlänge 14 Meter, Startsprung, Drehwende): Knabenlagen st affel 3 mal 4 Bahnen: 1. Offenbach 96 2 Min. 13,8 Sek., 2. Gießener S. D. 2 Min. 18,5 Sek. Der Offenbacher Brustschwimmer gewann einen erheblichen Vorsprung, der nicht mehr avfgeholt werden konnte. Damen - Iuniorbru st schwimmen acht Bahnen: 1. A. Heck, Offenbach 96 1,49 Min., 2. Mar- grit Jäger, Gießener S. V. 1 Min 53,4 Sek., 3. A. Hach, 1. Hanauer S. V. 1 Min. 57,7 Sek., Sri. Jäger bewährte sich bei ihrem ersten Start sehr gut, abgesehen von der unklaren Wende. Herren - Iuniorbru st schwimm en acht Bahnen: 1. Fuhr, Moenus-Offenbach 1 Min. 30,2 Set., 2. 3t Kraft, Gießener S. V., 1 Min. 37 Sek., 3. Deppner, 1. Frankfurter S. C Dieses Rennen war Fuhr von vornherein sicher. Knaben - S r e i ft i l ft a f f e I 3 mal 4 Bahnen: 1. Gießener S. V. (Mannschaft: Hartmann, Lesch, Herbert) 2 Min. 2,8 Sek. 2. „Rot-Weiß"-Darmstadl 2 Min. 10 Sek. Die Offenbacher 96er, die in diesem .Rennen mit etwa 1 Meter Vorsprung anschlugen, wurden wegen Frühstarts distanziert (Zeit 2 Min. 1 Set.). Die Gießener Knaben schwammen durchweg ein schönes Rennen und sind den bisher selten gkschtagen.u .ciiouujeiu in oieier Staffel gleichwertige Gegner geworden. 111. Senior- Lagenstaffel 3 mal 8 Bahnen: 1. 1. Frantfurtcr S. E. 4 Min. 26 Set.. 2. Jungdeutschland-Darmstadt 4 Min. 29,4 Set., 3. Gießener S. V. 4 Min. 35,2 Sek. Iungdcutschland und 1 Frankfurter S. C. brachten unerwartet gute Mannschaften an den Start, während Rolf Kraft, Gießener S. V., nicht aut disponiert zu sein schien. Immerhin gelang es. Den Frankfurter S. V. und Offenbacher 96 auf die letzten Plätze zu verweisen. Schwimmabteilung des Turn-Vereins von 1846. Die Schwimmabteilung Des Gießener T. D. v. 1846 übt jetzt an zwei Abenden in Der Woche im städtischen Dolksbad. Wie Das Schwimmen in Der D. T. DauemD an Ausdehnung gewinnt unD innerhalb der Vereine immer neue Schwimmriegen gegründet werben, so hat auch Die Schwimmabteilung Des Tum-Vereins von 1846 in Diesem Jahre einen Dauernden Zugang von Mitgliedem zu verzeichnen. Während im vorigen Jahre in Den Schwimmstunden nur etwa 25 Teilnehmer übten. sinD es in Diesem Jahre Durchschnittlich in jeder Stunde 45 Turner oder Turnerinnen. Diesen Zugang hat Die Abteilung Der zielbewuhten Arbeit ihrer Schwimmwarte zu verdanken. Außer Dem Lehrgang für Richtschwimmer unD Dem reinen Sportschwimmen unD Springen bildet Die Schwimmabteilung ihre Mitglieder auch zu Lebensrettern aus. Innerhalb Der D. T. finDen im Winter kaum Schwimmwett- kämpfe statt: Die Abteilungen verschiedener Vereine halten Deshalb Vereinswettlämpse ab. So wirk» auch die Schwimmabteilung des T. V. 1846 Anfang nächsten Jahre« Die Abteilung Des Turn- Vereins Wetzlar in einem Vereinswettkanrpf zu Gast haben. H. Buntes Allerlei. Der freundliche hoi. Die allgemeine Anschauung, daß Der Haifisch ein stets hungriges und gieriges Raubtter ist, das den Menschen anfällt, wird von Dem bekannten amerikanischen Zoologen und Direktor des Reuyorker Zoo. Prof. William V e c b e. nicht geteilt. Er hat vielmehr die Erfahrung gemacht, daß die Haifische dem Menschen, i>cr im Badelostüm und Tgucherhelm auf Dem Meeresboden herumspaziert, nicht das geringste tun. In seinem neuen Buch „Das Arcturus- Abenteuer", das Die Ergebnisse seiner ozeanographischen Expedition mit Dem Schiff „Qlrc- turus" bei Den Kokos- und GalapagoS-Jnseln erzählt, schildert er die angenehmen Begegnungen, die er mit Haifischen gehabt Hal. ..Mehrere Mitglieder unserer Gesellschaft," schreibt er, „darunter auch Ruth Rose und ich, stiegen in Dadekostümen und Taucherhelmen zum Meeresboden herab, um hier die interessante Tierwelt zu studieren. Dabei waren wir beständig von großen Haifischen umgeben, die über und unD um uns herumschwammen, hie und da einen Fisch erschnappten, uns selbst aber nur mit einer freundlichen Reugierde betrachteten. Zwei tarnen einmal langsam auf mich zu. Sie richteten ihre gelben, katzenähnlichen Augen auf mich, aber in diesen Blicken war nichts Schlimmes zu lesen, fonbern eher ein gewisses Wohlwollen, und sie schwammen dann friedlich weiter. Was Tiger- Haie anbelangt, die eine Länge von 30 Fuß erreichen, so möchte ich mich für ihre Gutmütigkeit nicht verbürgen. Wir hatten nur mit mittelgroßen Exemplaren von etwa 6 Fuß zu tun. Die uns gegenüber keine beunruhigenden Zeichen erkennen ließen." Stabte unter Jrauentjerrfdjaft. In Belgien sind kürzlich einige Städte durch den Ausfall der Wahlen ganz unter die Gewalt von Frauen geraten Da ist z. B. die Stadt Henck in der Provinz Limburg, wo alle Magistratsstellen vom Bürgermeister bis zum Laternenanzünder von den Frauen vergeben werden. Die Damen haben sich alle guten und einflußreichen Posten gesichert, und nur die Aemter, an denen ihnen nichts liegt, werden dem männlichen Geschlecht überlassen. So bleiben die Schutzleute in ihren Stellungen, aber das Amt des Polizeikommissars hat sich eine Frau angeeignet. Aehnlich ist es in der Stadt Wäret bei Lüttich, wo bei den Magistratswahlen ebenfalls die Frauen einen entscheidenden Sieg davongetragen haben. In belgischen Blättern wird den Männern „sträfliche Gleichgültigkeit" vorgeworfen, und man erwartet, daß sie durch das Frauenregiment dazu bekehrt werden, eifrigen und zahlreicher zur Wahlurne zu schreiten. Schwarze Spihnamen. Die Reger haben wie alle Raturvölker eine sehr anschauliche und bilderreiche Ausdrucksweise, unD bei ihrem Sinn für Humor sind sie groß im Verleihen von Spitznamen. Don solchen „schwarzen Spitznamen", Die er im Horden von Rigeria gehört hat, erzählt Der britische Filmregisseur Josfreh Varkas, Der kürzlich in dieser Gegend einen Film gedreht hat. „Ein Mann mit einem sehr lebhaften Temperament wurde von ihnen „Ruan safi“ oder „heißes Wasser" getauft. Einen sehr groben Menschen nannten sie „Dogo“ oder „Luftikus". Die weihen Mitglieder unserer Filmgesellschaft wurden zunächst mit dem Hamen ihrer Diener bezeichnet. So hieß ich „Baturin Owdu“, D. h. „Baturins weißer Mann", eine Adoptierung, durch die ich mich etwas getränkt fühlte. Als sie uns näher kannten, gaben sie uns alle sehr treffende Spitznamen. Der Kameramann hieß nur noch „Maidoro", d. h. „Besitzer des Buckels". Tatsächlich hatte Der Mann durch das jahrelange Sichbücken beim Ausnehmen Der DilDer hohe Schultern bekommen. Der Filmstar empfing den Titel: „Der Faule, Der unter Den Bäumen liegt". Wir fanden zuerst dafür keine Erklärung, aber dann bekamen wir heraus, daß er aus Furcht, seine Schminke möchte in der tropischen Hitze schmelzen, jede Gelegenheit benutzte, um sich unter die schattigen Bäume zurückzuziehen, bis er wieder zu spielen hatte. Ich besah Drei Hamen. Da ich zu Anfang alles anordnete und in einer etwas auffälligen Kleidung herumlief, taufte man mich „Maiyanga" oder „Prahlhans". Später hieß ich, .weil die anderen meinen Anordnungen folgten, „König der Arbeit", und schließlich, als ich wegen Der Schwierigkeiten oft mit einem kummervollen Gesicht herumging, nannte man mich „Sha wiya“, D. h. „Der, der Sorgen trinkt". Fragte man sie nach Der Bedeutung Der Hamen, so waren sie meist höflich genug, zu schweigen. Wer aber heftiger in sie drang, der konnte allerlei erleben. So erfuhr eines unserer Mitglieder auf seine häufigen Fragen nach der Bedeutung seines Spitznamens. dah er überall unter dem Titel bekannt war: „Der der geht wie eine Ente". Var grotze Würfelspiel. Martina wilemar.) Roman von Franz Toner Kappus. 48. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Einer von uns zweien muß ja weiter denken." Mit stillen, gebändigten Bewegungen fing sie zu essen an. „Wie ein Jahr so lang war der Vormittag", sagte er nach einer Weile, schon wieder verloren. „Jmmor wenn ich aus dich warte, fürchte ich, daß du verschwindest. Irgendwie verschwindest, ich weiß ja nicht, in einer Versenkung oder sonstwie." Mühsam raffte er sich auf. „Was isfs also mit dem Wagen?" Die Sabukowa legte Messer und Gabel hin. „Wie stellst du dir alles weitere vor?" fragte sie lächelnd. Als Kreuch nicht antwortete, nickte sie leise. „Darum muß ich an die Zukunft denken. Immer wollen wir doch beisammen bleiben?" „Immer," erwiderte Kreuth düster, „immer." Lauernd blickte er auf. „Wie das sein soll: ich habe keine Ahnung." Auf einmal riß er die Schultern herum. „Du bist reich — das ist das Unglück." Die Augen der Sabukowa senkten sich. „Ich bin nicht reich, mein Lieber." „Und das Auto?" „Wir wollen es kaufen, wenn es entspricht." Beide Hände hob die Sabukowa an den Hals. „Merkst du nicht, daß meine Perlen fort sind?" Ihre Zähne schimmerten. ,£fa, fort sind sie. Mit dem Erlös wird der Wagen gekauft. Der oder ein anderer. Zehntausend Mark sind angezahlt." Kreuth krümmte den Rücken und streckte ihn wieder. „Phantastisch", murmelte er. „Ich liebe dich ja", sprach die Sabukowa bedächtig. „Und ich liebe dich, weil ich mich selbst liebe. Darum will ich nicht, daß du für fremde Leute arbeitest. Du sollst dein eigener Herr sein." „Und dann?" Langsam fiel der Kopf der Sabukowa in den Nacken. Leise zuckte ihr schönes Gesicht. „C'est la vie“, sagte sie nachdenklich. „Warum sollten wir nicht versuchen, brave und glückliche Bürger zu werden?" Sie lächelte überlegen. „Die tollsten Kapriolen schlägt das Leben. Vielleicht ist so ein Dasein auch eine Extravaganz wie manches andere. Auf den Standpunkt kommt es an." Immerfort starrte Kreuch an denselben Punkt. Fernes, orgelndes Singen erklang. Wie hinter schweren Portieren verschmolzen die Geräusche des Lokales zu festlichen Akkorden. Endlich schaute er auf. „So weit hast du gedacht, Maria?" Die Sabukowa triumphierte. „Noch weiter." Sie griff nach ihrem Täschchen. „Mit dem Wagen allein ist es nicht getan. Auch eine Fahrtlizenz gehört dazu." „Eine Fahrtlizenz," wiederholte Kreuch, „freilich: eine Fahrtlizenz." Bekümmert nickte er. „Man ist sehr "sparsam damit. Monate kann es dauern, bis eine neue Autodroschke losgelassen wirb." Die Sabukowa blätterte in ihrem Notizblock. „Das ist unser Mann." Sorgfältig riß sie ein Blatt aus dem Block. „Morgen fahren wir nach Pankow. Eine alte Pferdedroschke ist in Pankow zu verkaufen. Die erstehen wir, zusammen mit dem Gaul. Damit haben wir eine Fahrtlizenz in der Hand." Tags daraus ging es mit dem leise surrenden Maybach in die Lindenstraße, hoch im Norden. Der alte Knoll war nicht sentimental. Seit vielen Wochen stand seine hochb'etagte Schimmelstute lahm im Stall, faustgroße Löcher klafften in der abgeschabten Polsterung der Droschke, zum Aussterben war das Geschäft ohnedies verurteilt. In wenigen Minuten wurde man Handelseins. Die Sabukowa bezahlte ein paar hundert Mark und nahm einen kleinen, schmierigen Zettel in Empfang. Pferd und Wagen erhielt der alte Knoll zum Geschenk. Kaum ein Wort sprach Kreuth auf der Rückfahrt. Ihm war, als glitte er über spiegelblanke See. Alles lag in Sonnenschein und Frieden. Sichere Küsten winkten. Auch die Sabukowa saß still. Auf einmal drehte sie den Kopf zur Seite. Ihr Lachen gurrte. „Wann tanzen wir?" „Tanzen, Maria?" Vergeblich wühlte Kreuth in den Schächten seiner Erinnerung. „Heute noch müssen wir tanzen", sprach die Sabukowa bestimmt. Kreuth ftaunte sie an. „Nie wieder will ich tanzen", sagte er leise. Aber schon in der nächsten Sekunde wußte er, daß er gelogen hatte. „Nie wieder?" Ein zweitesmal fragte die Sabukowa: „Nie wieder?" Ihr Antlitz spannte sich hochmütig. „Nur mit dir, Maria." Schon lächelte die Sabukowa wieder. „Es gibt keine außer mir." „Bis in alle Ewigkeit tanze ich mit dir", versicherte Kreuth inbrünstig. Hoch gingen die Wogen auf einmal. Wilde Brandungen rauschten. „Man wird dich kur; halten müssen, mein Lieber." Kreuth haschte nach ihrer Hand. Aber erst nach einer Minute reichte die Sabukowa ihm einen Finger. XXXVI. In Castellamare hallen Frau Julie und Lily die elektrische Bahn bestiegen. Mehr und mehr stockte das Gespräch zwischen ihnen. Lange schauten beide schweigend zu den Fenstern hinaus. Tiefblau leuchtete der Golf von Neapel. Winzige Dampfer und Fischerbarken schwammen in der Ferne .Bald waren nur noch die Rauchfänge und Zipfelchen der schimmernden Segel zu sehen. Irgendwo weit drüben mußte Posilipo liegen, wo man gestern am Grabe Virgils gestanden hatte. Scheinbar endlos breitete sich das Meer, weit und unermeßlich und irgendwie beruhigend. Das ganze Leben verlor seine Schwere. Klein und nichtig war alles. „Was Bernhard Carsten wohl sagen wirb?" fragte Julie plötzlich. „Auf biefe Ueberraschung ist er bestimmt nicht vorbereitet." Lily lächelte traumverloren. Erst später wanbte sie ber Mutter den Blick zu. Minuten vergingen, bis sie wieberholte: „Bernhard Carsten." Es war, als riefe ber Name lebhafte Erinnerungen. Tastenb fragte sie bann: „Hast du-ihn sehr geliebt, Mama?" Aus ihrem Platz wuchs Frau Julie in die Höhe. „Was spricht du da? Was fällt dir denn ein, Lily?" Ihre Lippen verschoben sich hart. Lily lüpfte die Schultern. „Und wenn?" Unmerklich ruckte sie mit dem Leid. „Nicht einen Augenblick habe ich es dir übel genommen. Der Mensch ist, keine Rechenmaschine. Nur die Gasser ringsum glauben immer, baß Un< geheuerliches geschieht. Dabei geht alles mit höchst natürlichen Dingen zu." Noch eine Weile schüttelte Julie den Kopf. Dann sank sie in sich zusammen. Hilflos flocht sie die Finger ineinander. „Ich hätte an euch denken sollen; an den Vater, an dich, an Martina." Aber Lily wehrte ab. „Die Familie ist fein Argument." Bekräftigend nickte sie den Worten nach. „Nichts ist ein Argument, wenn das Blut fein Recht fordert. Leben heißt erleben, Leben ist Bewegung." Sonderbar starr lächelte sie wieder. „Nur im Grab ist Ruhe. Früh genug kommt man ins Grab." In Sonne gebadet lag Sorrent. Nichk leicht war Carstens Haus zu finden. Auf dem Wege nach dem Capo di Sorrento träumte es einsam. Leuchtend grüßte das flachgegiebelte Dach aus den Palmen und Maulbeerbäumen des Gartens. \ Julie ging voraus. Ein schwarzer Diener führte sie auf die Ter. raffe. Im hellen Leinenanzug erhob sich Carsten von einem Tisch. Ueberall lagen Bücher uno aufge» schlagene Alben. Lachend schwenkte Julie den Arm. „Habe ich Wort gehalten, Bernhard Carsten?* Beide Hände streckte sie ihm entgegen. Einen Herzschlag lang stand Carsten unschlüssig. „Du hast Wort gehalten, Julie." Ties beugte er sich über ihre Rechte. Dunkelbraun war fein volles Gesicht, als er wieder aufrecht stand. „Es .st schön, daß du dich meiner erinnerst. Ich danke dir, Julie." Einen halben Schritt trat er zurück und musterte sie. „Prächtig siehst du aus: juntjr frisch, blühend." Fragend blickten seine 2lugen. Aber Julie lachte nur. „Und du, Bernhard Carsten? Was macht der Weltschmerz?" Nach allen Seiten drehte und wendete sie den schlanken Körper. „Gar nicht nach Welt« schmerz sieht es hier aus. Immer das Meer vor den Augen, der blaue Himmel über dir, ein Duft wie im Paradies — und die vielen Bücher — jetzt bist du doch zufrieden, Bernhard Carsten?" Julie überlegte einen Moment. (Fortsetzung folgt.) MEBM itn R! ui - KOI fr Ö,G Die kluge Hausfrau wird dort kaufen, wo sie sicher ist, zu billigen Preisen gute Waren zu erhalten. Dies ist der Einkaufs-Genossenschaft, Fall in allen Geschäften, die sich über das ganze welche zwecks gemein- Deutsche Reich erstreckt, schaftlichen Groß- Ein- zusammengeschlossen u. kaufs zu einer Zentral- daher besonders leistungsfähig sind. 9577a Edeka-Waren genießen den besten Ruf! Ein behagliches Heim imWinter bedingt einen gut regulierbaren und auch sparsamen Dauerbrandofen Großes Lager bewährter Systeme finden Sie bei Emil PistorNachfolger ältestes Spezialgeschäft in Hessen Marktstraße 10 Gießen Fernsprecher 61 __ 9556D Cafe Astoria Mittwoch, 24. Nov., abends 81/, Uhr Sonderkonzert ausgeführt vpn Mitgliedern der hies. Reichswehrkäpelle. - Ferner findet der Tanz-Abend anstatt Samstag Donnerstag, den 25. Nov., abends 8‘/2 Uhr, statt 08169 Saalbau Sauer GesellschaltsvereiD e.l(Klub) Gießen Einladung zur orb. Generalversammlung am Donnerstag, 9. Dez., nackm. 5_VzUhr, im Garienlaal deö Gesellschaftshauses. Morgen Mittwoch BV Letzter *tQ Tanzabend im alten Jahr! 08156 Vz-yfosot Wxisxufrfpxiriingund Qenuss ßeuficde Hausfrau haben muss: ^amabutteifd n Krnderreilutig „Der Klatts Ccca oder die Iteilcre .gratis! Tagesordnung: 1. Vorlage der Jahresrechnung für 1925 und Emlaftung des Vorstandes 2. Wahl der Revisoren f.d Rechnungsj.1926 3. Genehmigung d. Voranschlags für 1927 4. Erhöhung der Beiträge für orb. Mttgl 5. Beschlunfasfung über d.neuenLatzungen s Der Entwurf zu den Satzungen liegt im Lesezimmer vöm 25. d.M. ab in mehreren Exemvlaren zur Einsichtnahme aus 9588l) Der Vorstand. Summlbettilofle Ä hygienische artttej 1 sämtliche (Bummi waren , Orogsrle Wlnlerhoff t Kreuzplatz /) 9 u. io # (- Stimmung, Denken, Tätigkeit sowie jede Bewegung des Körpers sind abhängig vom Gehirn. Mattigkeit, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Nervenschwäche u. allgemeine Körperschwäche sind Zeichen mangelnder Nervenkrart. Wollen Sie sich munter fühlen, mit klarem Kopf und kräftigem Gedächtnis, wollen Sie Arbeit und körperliche Strapazen leichter ertragen, so nehmen Sie cs bringt Lebenslust und Tatkraft. Nehmen Sie Kola-Dultz eine Zeitlang täglich, es wird Ihre Nerven erfrischen, Unlust wird verschwinden und unter seinem Einfluß werden Sie von Unternehmungslust erfüllt sein. 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Rdeinstahl ....... Mebeck Moman....... 111..5 _ 112 5 in 184,75 211 186 131.5 204.5 180.75 123 211 5 184,62 132.75 205 180 TelluS Bergbau ..... 98.5 Bereinigte Stahlwerke A.-G. 150| 150 150 149 Hamvurg-Lmenka Vaket. . Norddeutscher Llovd . . 179 174 178 174 171.5 167,5 170,25 166,25 LbeeamNLe Werke Albin . 93 _ _ Zementwerk Heioelberg . . 128.5 - _ Pdilipp Holimano ... 157.5 157 155,75 Anglo-Coni.-Guano . ... — _ 110 Chemische Maper Alavin . — — _ 9- G ssarbenindustrie. Ä.-G. Goldschmidr......... Holj Verkohlung........ Nütgerswerkc ........ 339 14(1.1 330 HO 339.5 143,25 330,13 142 67.5 138 139,9 137,5 Lcheideanstalt ........ 183 — «llg. ElektrunätS-Gesellschast 165.75 162.5 164,75 161.9 Bergmann ....... 165 - 164 162 Matnkraftwerke ........ 108 109,75 Schuckert ......... 166 ,60 165.25 161.13 € innen» A Halske ...... 203,5 200 202 199 Sldlerwerke Kleyer ...... 114,75 110.25 113.62 112 Daimler Motoren. ...... 113 108,5 112,13 110 Heyligenllaedk......... 43 — Uieauin............ 54.25 - 57 — Motorenwerke Manobetm — — 41,25 — Frankfurter «rmaturtn . . Konservenfabrik Braun . . . 16 55 — — Metallgesell chofk Frankfurt . 183.9 — — Pc«. Union L.-G- . . . , 123 — 119.75 —— Schahlobrik Herz .... 65 — 63,5 — Sichel ......... 2,35 — 5 Zellstoff Waldvof...... 233.5 -25.25 234.25 226 91.5 115 121,5 91,25 116,75 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. HL Telegraphische Auszahlung. 22. Novbr. 23. Nobbr. Amtliche Noti rung Amtliche iNolieruna Geld Bt-i-f Geld Brief tim ft.« Oi oii 168,21 168,63 168.2:3 168,65 Buen-AireL 1,709 1,713 1,709 1.713 Brss.-Antw 58,53 58,67 68,53 68,67 Christianta 108,49 108.77 108,01 108,29 Kopenhagen 112,09 112,37 112,09 112,37 Stockholm 112,23 112,51 112,22 112,50 HEngfors 10,58 10,62 10,581 10,621 Italien. . 17,28 17,32 17,70 17,74 London. -0.399 40,451 20,40« 20,455 Nenyork . 1.207 4,217 4,208 4,218 Paris. • . 14.94 14,98 14,90 14.94 Schweiz . . 61,08 51.28 61.10 81,30 Spanien . 63,77 63.99 63,67 63,83 Japan . . . 2,067 2.071 2.067 2,071 ?Bio de Fan 0.516 0.518 0.512 0.514 Dien in D- Ceft abgest 69,36 59,50 59,365 59,505 Prag .... Belgrad • . 12,459 12,499 12,459 12,499 7.42 5,892 7.44 7,422 5,892 7,442 Budapest. • 5,912 5,912 Bulgarien 3.035 6,045 3,037 3,047 Lissabon 21 525 21,575 21,525 21,575 Danzig • - Sonftnntin. 61,62 61.82 81.61 61,81 2,123 2.132 2,123 2,133 titben 5,22 5,24 5.23 6.25 Canada. . . 4,212 4,222 4.212 4.222 Uruguay. . 4.175 4.185 4,175 4,185 Banknoten. Berlin, 22 Novbr Geld Briet Amerikanische Note» ..... Belgische Noten ....... Tänilche Noten ....... Englilche Noten. ....... Französische Noten ...... Holländische Noten ..... Ztalienische Noten.....‘ Norwegische Noten. ... Deutsch-Oeftrrr., i 100 Sir neu Namänischc Noten...... Schwedische Noten ...... Schweiler Noten ...... Spanische Noten ...... lschechoslowakische Noten . . Ungarische Noreo ... 4,199 58,43 111,91 20,37 15.06 167.85 17.26 108.30 69.25 2,25 111,94 80,88 63.64 12,43 5.855 4,219 58,73 112,47 20,47 15,11 168,69 17,34 108.84 59.65 2,29 112.50 81,28 03,96 12.49 6,895 Berliner Börse. Berlin, 23. Rov. An den Terminmärtten kam bei Festsetzung der ersten Kurse erhebliches Material heraus, das zu durchschnittlichen Kurs- rüdgänge n von 2 bis 3 Prozent führte. Sn verschiedenen Spezialwerten (Kohlen-, Bank-, Elektro- und Farben-Aktien) traten 6 i n- buhen von 4 bis 7 Prozent zutage. Auch der heimische Rentenmarkt lag schwä- Schach-Ecke. '.b e o i beitet von W. Ordach Alle für die Redattion bestimmten Mitteilungen, Lösungen ufto. sind zu richten an die Schachredaktion des ..Gießener Anzeigers". Problem Nr. 8S. Don D. Przepi' rlo Schwarz. b c d r • e h 8 L h Weih. Weiß zieht und setzt in zwei Fügen matt. Weih: 7 Steine Kgl; Dd8; Lf8; Sh8; Bc2, f7, g7. Schwarz: 9 Steine Kh6; Dg8; Tb4, bO; Lb3; Be5, g4, h5, h7 Ein selten geschickt konstruiertes Problem. (Endspiel Nr. 24. Weitz am Zuge, erzwingt das Remis. Weitz: 3 Steine Ke2; Tg2; Bh5. Schwarz: 5 Steine Ka2; Tbl; Lei; Bg7, h4 2 8 6 5 3 4 7 1 M 5 4 3 8 7 6 2 Don F. Amelung. Schwarz. ecket b c d e Weiß. g h 'a b g___h Lösung des Problems Nr. 86. Don N. Maximow. 1. Df3—15! ufto. Die alte Idee „Abzugsschach gegen Abzugsschach" ist hier sehr fein wtedergegeben. Lösung d«S Endspiels Nr. 23. Don N. Neti. 1. Tf 1 — f3, g3-g2; 2 Lb5-1i!, g2-gl D oder T; 3. Tf3-h3 matt. Anderes einfach. Richtige Lösungen zwn Problem Nr. 86 gingen ein von den Herren: Obersclundar.er B. Loos, 3. Schombert, Lehrer E Si non. h'.er; O.Stumps, Garbenteich; Rek.or Echaad, Hungen; L. Krai- ling 3., Hartenrod; Ooersetundaner K. Rausch. Reiskirchen. — Eine richtige Losung zum Problem Nr. 85 sowie Endspiel Nr. 23 erhielten wir noch von Herrn Lehrer Simon. Schachbrief.astrn. 3. Sch., Gießen. Ihr Lösungsversuch bei Problem Nr. 84 1. Tb5 scheitert an 1..... Sc3!. Aus der Lchachwclt. An dem in Berlin stattsindenden Schachturnier beteiligen sich folgende zehn Spieler: Bogoljubow, Grünseld, Spiemtann. Rubinstein, Samisch, v. Holzhausen, Iohner, Colle. AhueS, List. Bogoljubow scheint in schlechter F^r.n zu sein; in den beiden ersten Runden gelang es ihm nur, einen halben Zähler zu erringen, und zwar gegen Ahnes; gegen Grün eld unterlag er. Am 3. Dezember beginnt in Meran ein internationales Meisterturnier. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Nedakttonstifch. Reparationen. Als Frau Schmidt den dritten Lag weg war, nahm Herr Schmidt das Einhole-Netz und begab sich auf die Etrabe. Dort traf ihn ein Intimus und fragte: »Wohin, Schmidt, mit dem Äeh?" »Ich muh dringend ins Warenhaus!‘ antwortete Herr Schmidt umwölkten Antlitzes. »Was taufen ?" „Einen Aufwischlappen, ein Fleckenmittel, Brandsalbe, drei Korkenzieher, Porzellankitt, Leim und eine Flasche Möbellack — ich koche mit nämlich mein Essen jetzt selber...“ (Lust. Dl.) Dom fröhlichen Kommiß. In der Kaserne geht der Oberst um, zur Instruktionsstunde. Bei der darauffolgenden Besprechung mit den Kornpagnielührern hält er folgende Ansprache: „Meine Herren! Die Instruktionsstunden gefallen mir nicht. Sind zu langweilig. Immer bloß vom Gewehr und vom Schießen, da schläft der beste Rekrut bei ein. Muh interessanter gemacht werden I Abwechslung! Mal 'n bitzchen allgemeine Bildung dazwischen: Sonne, Mond und Sterne!" — Am nächsten Tage und an den folgenden heiht das Instruktionsthema bei allen Kompaanien: Sonne, Mond und Sterne! Nach einer Woche geht der Oberst den gleichen Weg, und danach spricht er zu den Herren Kompagnieführern also: „Ich freue mich, meine Herren, bah Eie meiner Anregung Folge Seleiftet haben. Aber eins ist mir aufgefallen: xx der 1. Kompagnie da läßt der Unteroffizier die Erde um die Sonne dreh'n, und wie ich bei der 9. Kompagnie bin, da dreht sich die Sonne um die Erde. Das geht auf keinen Fall! Meine Herren, ob sich die Sonne um die Erde dreht oder die Erde um die Sonne, ist mir ganz Wurscht — aber gleichmätzig muh es sein!" cher. Don Freigabewerten büßten B ch i s f - sahrtsaktien 6 Prozent'ein. Bon Kali- werten waren Salzdetfurth und Deutsche Kali um je 7 Prozent schwächer. Infolge dieser rückläufigen Tendenz kam auch im späteren Verlaufe eine nennenswerte Unternehmungslust nicht auf. Gut behauptet verkehrten nur verschiedene Maschinenfabrik-Aktien und die sog. Nebenwerte des Kassamarktes, da dieser die Steigerungen der letzten Zeit nicht mitgemacht hat. Der Geldmarkt ist unverändert flüssig. Tagesgeld 3 bis 5 Prozent, Monatsgeld 6 bis 7 Prozent. 3m Devisenverkehr unterlag Paris starken Schwankungen zwischen 133 und 135,5 gegen das Pfund. Auch Mailand verkehrte schwankend mit 117 bis 117,75 gegen London. Oslo neigte eher zur Schwäche. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 23. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,75 Mk.; Roggen, inländischer, 24,75; Sommergerste für Drauzwecke 24 bis 26,50; Hafer, inländischer, 19,50 bis 20; Mais, gelb, 19,50; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 41,50 bis 41,75; Roggenmehl 35 bis 35,75; Weizenkleie 11,50; Roggenkleie 12 Mk. Tendenz: Fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 22. Nov. Es notierten (1000 Kilo): Weizen. märkischer, 273 bis 276 Mark; Roggen, märkischer, 226 bis' 232; Sommergerste 220 bis 250; Wintergerste 195 bis 208; Hafer, märkischer. 182 bis 190; Mais, loco Berlin, 195 bis 200; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35,75 bis 38,75; Roggenmehl 32,75 bis 34,50; Weizenkleie 12,25; Roggenkleie 12 bis 12,25; Diktoriaerbsen 56 bis 60; Heute Speiseerbsen 32 bis 35; Futtererbsen 21 bis 24; Peluschken 20 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 23 bis 25; Lupinen, blau, 14 bis 15; Lupinen, gelb, 14,50 bis 15,50; Serradelle, neu, 22 bis 23. Letzte Nachrichten. Vertagung eines Mordprozesses. F r a n k f u r t a. M., 23. Nov. (WSN. Draht- ineldung.) Dor dem hiesigen Schwurgericht stand heute die Verhandlung gegen den 29jäh- ngen Kontoristen Wilhelm Herrmann aus Offenbach a. M. wegen der b e i d en M o r d e in der Dahlmannstrahe (wo Herrmann teeret z rüd- getoiefener Liebcsanträge das 25 Jahre alte Frl. Hufnagel und unglücklicherweise auch deren Schwägerin erschoß) an. Unter den geladenen Zeugen fehlte Frau Anna Hufnagel, die sich durch die Ladung als Zeugin derart aufregte, daß sie sich gegenwärtig in nichtvernehmungsfähigem Zustande befindet. Die Fvau, die durch die Tat des Angeklagten ihre Tochter und Schwiegertochter verloren hat unb_ die einzige Tatzeugin ist, weilt gegenwärtig in Darmstadt, da sie nach Mitteilung ihres Sohnes die Räume in der Dahlmannstrahe verlassen mußte, um nicht dauernd unter "dein Eindruck der traurigen Vorkommnisse zu bleiben. Kurz vor dem Aufruf der Zeugen kam es zu einer dramatischen Szene, als der junge Hufnagel, dessen Gattin auch ein Opfer dcs Angeklagten wurde, seiner (Srbitt.r. ng über die entsetzliche Tat in Zurufen gegen den Angeklagten, wie „Du Schuft ufto.“, Ausdruck gab. Die Verhandlung wurde vertagt. Geftyastliches. Zahlreiche Leute überzeugen sich täglich mehr von der Beliebcheit der Wrigley p. ft. fiaubonbons. Die kleinen Päckchen mit der lüft- und staubdichten rosa Wachspapier-Packung sind überall bekannt. Man spricht dem Saugtmmi insofern einen praktischen Wert zu, als die Zäbne durch das Kauen gut reingehalten werden. Das Zahnfleisch wird gestrafft, durch erhöhte Speichelbildung werden Mund und Rachen erfrischt. Raiffeisen-Tagung in Frankfurt. CSeCt Frankfurt a. Hl., 22. Rov. Zu der diesjährigen Verbandstagung des Raiffeisenverbandes Frankfurt am Main waren aus bet näheren und weiteren Hingebung. Frankfurts außerordentlich zahlreiche Interessenten erschienen, so daß der große Saal i)er Volksbildungsheimes bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Vorsitzende des Frankfurter Verbandes, Dr. Rolden. ging in längeren Ausführungen auf die Entwicklung des Frankfurter Verbandes in den Vachkriegsjahren ein und gedachte auch des Rückschlages, den die Ziele der Organisation durch die außerordentlichen Verluste erlitten, von denen die Rcriffeisenban A.-G. im vergangenen Jahre betroffen wurde. Der Generaldirektor der gesamten deutschen Raiffei'enorganisation, Freiherr d. (Braun,Berlin, gab dann «ine höchst interessante Zusammenstellung kund über die Entwicklung der Vaisfeisenorganisation, wobei er besonders eingehend auf die Raiffeisenbank A.-G. einging. Die Verluste, die diese Dank im vergangenen Jahre erlitten habe, seien dadurch entstanden, daß große Kredite ohne genügende Sicherheiten gegeben worden seien. Allerdings habe man für den Gesamtderlust von nahezu 40 Millionen Mark eine ganze Reih« von Pfändern in die Hand bekommen, deren Flüssigmachung aber bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage nicht gerade rentabel sei. So verfüge die Organisation über drei große Ozeandampfer von je 10 000 Tonnen, ferner über eine Wurstfabrik, über eine Gummiwarenfabrik, über Brauereien in Bayern, über chemische Fabriken verschiedener Art und außerdem auch über verschiedene Zigarrenlager in Berlin. Der Redner gedachte in anerkennenden Worten der Preuß. Zentralgenvssenschaftskasse, die in dankenswerter Weise in die Bresche gesprungen sei und einen Kredit von 40 Millionen gegen Bürgschaft der einzelnen Verbände zur Verfügung gestellt habe. Bisher sei es der Gesamtorganisation gelungen, Bürgschaften in Höhe von 36 Millionen zu leisten, die restlichen 4 Millionen dürften demnächst folgen. Der Gesamtorganisation sind jetzt 4 0 0 0 0 Genossenschaften mit 3 Millionen Mitgliedern angeschlossen. Er hoffe, daß es durch einmütiges Zusammenarbeiten ermöglicht werde, über die Krise hinwegzukommen, und daß bei weiter ansteigender Wirtschaftskurve auch die Pfänder ihrem Werte entsprechend liquidiert werden könnten. Als das Hauptziel der Organisation bezeichnete er die Bemühungen, die Produktion der Landwirtschaft in Deutschland auf die größtmöglich« Höhe zu bringen, um das deutsche Volk möglichst aus der eigenen Produktion heraus mit den notwendigen Lebensmitteln zu versehen. Hieraus gab der Generalsekretär G r i s a r einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit des Frankfurter Verbandes und seiner Genossenschaften. Dem Frankfurter Verband gehören darnach 70 0 Genossenschaften mit fast 6 0 0 00 Mitgliedern an. Diese zerteilen sich in 594 Kreditgenossenschaften, 68 An- und Verkaufsgenossenschaften, 16 Dresch-, 14 Winzer-, 3 Molkerei- und 3 sonstige Genossenschaften, Di« Spareinlagen, die bei den Kreditgenossenschaften am 1. Oktober 1923 nur 2500 Mark betrugen, stiegen am 1. Oktober 1924 auf 526 000 Mark. Bereits am 1. Oktober 1925 betrug die Sparsumm« 1,8 Millionen und erreichte am 1. Oktober 1926 die Summe von 3,1 Millionen Mark. Die Vorkriegssumme habe allerdings über 17 Millionen Mark betragen. Die Filiale Frankfurt der Deutschen Raiffeisenbank erzielte nach den Aus ührungen des Redners einen 11 m f a 1) mit den Vereinen in Höhe von 15,5 Millionen Mark mit der Hauptgenossenschaft einen solchen von über 26 Millionen Mark, während der Gesamtumsatz fast 77 Millionen Mark betrug. In seinen abschließenden genossenschaftlichen Betrachtungen und Bemerkungen dankte der Ver- bandsvorsihende Dr. (Kolben den Referenten für ihre wissenswerten Ausführungen und Anregungen, gab feiner Freude über die rege Anteilnahme der Genossenschaftler an dem Ver- bandstage Ausdruck und schloß mit der Erwartung, daß auch für die Zukunft die deutsche Landwirtschaft mit der gleichen Anhänglichkeit und Treue zum Verbände stehen werde. Daiffeisen-Hauptgenossenschast e. G. m. b. H. lWarrnanstalt) zu Frankfurt a. M. Die Genossenschaft hielt am Samstag ihre erste ordentliche Generalversammlung ab. Aus drm Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß das erste Geschäftsjahr ein günstiges Ergebnis gebracht hat. Das Wiederaufleben der Wirtschaft hat auch seinen günstigen Einfluß auf die Landwirtschaft ausgeübt. Der Warenabsatz belief sich im ersten Geschäftsjahr, das nur sechs Monate umfaßt, auf 1 002 227 Zentner im Gesamtwerte von 6144914 Mark. Die Bilanz weist nach den erforderlichen Abschreibungen und Rückstellungen einen Reingewinn von 24140 Mark auf, woraus 6 Prozent Dividende auf das Geschäftsguthaben der Mitglieder ausgeschüttet werden. Ferner werden zur Bildung eines Reservefonds 10 000 Mark, sahungsmäßiger Zuschuß an den Raiffeisen-Verband Frankfurt a. M. 5000 Mark und zur Bildung des Detriebsrücklagefonds 5283 Mark Rest verwandt. Die Zahl der Mitglied-Genossenschaften betrug am Ende des Geschäftsjahres 456 mit 471 Anteilen ä 500 Mark und 5000 Mark Haftsumme. Vüchertisch. — Joseph Ponten: Die luganesifche Landschaft. Mit zwölf Bildern nach Aquarellen non Hermann Hesse und Julia Ponten. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, Leipzig und Berlin. — In dieser Beschreibung einer Sommerreise nach Lugano will Ponten mehr geben als nur Beschreibung, mehr als ein zufälliges Feuilleton. Er will die Landschaft in ihrem Wesen erfassen, sich Rechenschaft geben über die Gefühle, die eben diese Luganeser Landschaft erweckt. Der Mittelpunkt des Erlebnisses ist der See. Ausgehend vom allgemeinen, was der „See* in der Landschaft bedeutet — er ist das Absolute, er sammelt in sich alle Empfindungen, Sin- neswahrnehmungen und Gedanken — kommt Ponten zur Besonderheit des Luganer Sees und zur eingehenden Schilderung der ihn umgebenden Ufer. In vollendeter Schlichtheit, dem natürlichen Weg am Ufer entlang folgend, gibt er ein Bild der Orte, der Rebenhügel und Wälder. Die Landschaft entsteht vor uns in Form und Farbe. Die Aquarelle von Hermann Hesse und Julia' Ponten verstärken den Eindruck des Wortes. Das kompositionell gleicherweise ausgezeichnete Werk betont zum Schluß die Absicht des Verfassers, der Naturbeschreibung neue Bahnen zu weisen in geophysischer Erf. fsung der Landschaft. Er will den naturschwärmenden Laien helfen durch ein Bewußtwerden und Klären der unoestimmten Gefühle vor ihr zu tieferem Erlebnis. 459 — Karl Herrmann: Öffentliches Recht und Zuständigkeit, Grundsätzliches de lege ferenda, Gießen 1927, Verlag Emil Roth. Der Verfasser zeigt in feiner kleinen 34 Seiten fassenden Drosckuire, wie durch das späte Heran- wachsen der Verwaltungsgerichtsbarkeit viele öffentlich rechtlichen Ansprüche heute statt vor den DerwlatungSgerichten aus Grund ausdrücklicher Kvmpetenzbestimmung vor den ordentlichen Gerichten geltend gemacht werden müfien. Aber auch wo keine ausdrückliche Kompetenz- Vorschrift bestehe habe die Rechtssprechung in falscher Ericnutnis Ansprüchen aus öffentlichen Rechtsverhältnissen den Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten zugewiesen. Der Der- fas'er polemisiert hier gegen die vielfach angegriffene Stellung des Reichsgerichts: aus einem öffentlichen Rechtsverhältnis könnten auch nur össeniiiche Rechten und Pflichten erwachsen, wenn auch die Rechtstitel oftmals analog lägen. In der Folge führt bann der Verfasser aus, daß für Fälle der Kollision zwischen öffentlichen und privaten Rechten, die er trotz seiner strikten Trennung zwischen privatem und öffentlichem Rechte für möglich hält, das öffentliche Recht vorgehe, und sieht dies als primär gegenüber dem vom öffentlichen Rechte abgeleiteten und begrenzten Privatrecht an. Das Schriftchen bietet manches Interessante, läßt aber auch manchen Zweifel unbeantwortet. (683) — Bevölkerungsbewegung und Devölkerungsbilanz in d.en Gemeinden des Volksstaates Hessen 1910 bis 1 925. Darmstadt, Hess. Staats- Verlag. — Dem Gemeindeverzeichnis für den Volksstaat Hessen, das für jede Gemeind« die Zahl der Wohnhäuser, die Zahl der Haushaltungen, die Bevölkerung nach Geschlecht und Konfession, die Volkszählung von 1910 und 1925 enthält, hat die Zentralstelle für die Landesstatistik jetzt ein neues Heftchen in gleichem Format folgen lassen über die Bevölkerungsbewegung und Devölkerungsbilanz in den einzelnen Gemeinden von 1910 und 1925. Die Heber- sichten enthalten: 1. die Einwohnerzahl vom 16. Juni 1925, 2. die Zunahme seit dem 1. Dezember 1910, 3. den Heberschuß an Geburten bzw. Sterbefällen dieses Zeitraumes, 4. den Wanderungsgewinn bzw. Verlust, ferner für den Zeitraum vom 1. Januar 1911 bis 1. Juli 1925: 5. die Eheschließungen, 6. die Lebendgeborenen, 7. die Totgeborenen, 8. die Gestorbenen ohne die Totgeborenen. Die Angaben für die Eheschließungen, für die Geborenen und Gestorbenen sind in folgender Weise gegliedert: 1911—14, im wesentlichen die Zeit vor dem Krieg, 1915—18, im wesentlichen die vier Kriegsjahre, 1919—22, die vier Jahre nach dem Krieg, 1923 und 1924, die nächsten zwei Jahre, erstes Halbjahr 1925, die Zeit bis zur Volkszählung. Bei den Gestorbenen sind außerdem die Kriegsjahre für die Zivil- und M.litärpersonen unterschieden. Aus den Tabellen ist für jede Gemeinde der starte Geburtenrückgang und die erhöhte Sterblichkeit während des Krieges zu ersehen, ebenso die beträchtliche Zunahme der Eheschließungen nach dem Kriege. Preis des Heftchens einschl. Versandspesen 1.65 Mk. 518 — Selbstkostenberechnung durch d i e Kalkulationsbuchführung im Zusammenhänge mit der Hauptbuchführung. Für die Praxis bearbeitet von Willy Stöckel. Reinhold Wichert, Verlagsanstalt «Soll und Haben", Berlin SW. 61. — Die Broschüre setzt sich die Ausgabe, die praktische Durchführbarkeit der „Sewstkostenberechnung durch die Kalkulations- buchsührung im Zusammenhänge mit der Haupt- buchsührung" zu zeigen. Ein allgemeiner Teil gibt eine Einführung in den Aufbau der Kalkulationsbuchführung. Den wichtigen und interessanten Gebiete der Kostenverrechnur^ und -Verteilung sind mehrer« Abschnitte gewidmet. Für die Hebernahme der Ergebnisse der Kalkulationsbuch- führung in die Hauptbuchführung sind zahlreich« Gesichtspunkte zu beachten, auf die in einem weiteren Abschnitte besonders hingewiesen wird. Hm den Zusammenhang der Kalkulationsbuchführung mit der Hauplbuchführung leicht verständlich zu machen, bringt der zweite Teil Zahlenbeispiele, auf die ein Geschäftsgang auf gebaut ist. Die Vorteile der Verknüpfung der Kalkulationsbuchführung mit der Hauptbuchführung werden so verdeutlicht. Ein Schaubild gibt einen klaren Heberblick über die inneren Zusammenhänge der gesamten Konten. 653 — Wir haben unsere Leser schon auf den in Lieferungsform, erscheinenden Bericht »Rasmussens T h u l e f a b r t. Zwei Jahre im Schlitten durch unerforschtes Eskimoland" des dänischen Forschers Knud Rasmussen hingewiesen. Dieser Tage erscheint die Buchausgabe des vollständigen Werkes, das durch die Person des Autors, des heute besten Kenners aller Eskimo- völker. und durch die Besonderheit drs_ Gegenstandes, der noch nie mit solcher Vollständigkeit und Liebe behandelt wurde, geeignet ist, berechn ticftes Aufsehen zu erregen. Wir werden das bei der Frankfurter Sozietätsdruckerei erschienerte Werk seinerzeit noch einer eingehenden Kritik unterziehen. Schöffengericht Gießen. : Gießen, 22. Noo. In der Nacht vom 15. zum 16. (September 1926 war in einem hiesigen Konfektionsgeschäft eingebrochen und eine steche von Anzügen und Mänteln gestohlen worden. Im Oktober gelang es, einen der Diebe sestzunehmen. Er wurde zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Der schon zehnmal wegen Diebstahls vorbestrafte Knecht Johann Balzer aus Schönfelden batte am 11. Oktober 1926 zu Friedberg-Fauerbach em Fahrrad gestohlen. Wegen wiederholten Rückfalldiebstahls erhielt er 2 Jahre Zuchthaus. Ein hiesiger Schausteller hatte bei einer auswärtigen Firma unter dem Namen seines Stiefbruders Waren bestellt, da er noch der fraglichen Firma Geld schuldete und deshalb nicht beliefert wurde. Wegen schwerer Urkundenfälschung wurde auf die Mindeststrafe von einer Woche Gefängnis erkannt. Rundfunk-Programm des frankfurter LenderS. (Aus der ,Radio-Hmscbau".) Mittwoch, 24. November. 3.30 bis 4 Hhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Hhr: Konzert des HauSorchesterS: Arthur Sullivan: Granville Bantock. 5.45 bis 6.05 Hhr: Die Bücherstunde. 6.15 bis 6.45 Hhr: Die Schachstunde. 6.45 bis 7 Hhr: E.ne Viertelstunde Raturkund« lSenckenbergviertelstunde), unter Leitung von Professor Drevermann. 7 Hhr: Hebertragung aus dem Frankfurter OpernhaaS: „Der Golem". Oper von Eugen b Albert. Sprechstunden der Redaktion. 12 bi» 1 Uhr mitlag», 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Unreigenaufträge sind lediglich an öle Geschäfts stelle zu richten „Seit ich den Tag mit Brotella als Frühstück beginne, bin ich ein besserer Mann; gesundheitlich, geistig, körperlich, in jeder Beziehung besser und leistungsfähige! Brotella bat mich zu einem neuen Menschen gemacht* Dr. pbit Wilb. Ungnade, Generaldirektor. fluch Sie können ein „besserer" Mann werden, wenn Sie zu der Erkenntnis gelangen, daß zu einem gesunden Körper in erster Linie ein gesunder, reiner Darm gehört; daß die Forderung des Tages beißt: Darmkulturi Ein reiner Darm — ein gesunder Körper: Körperpflege ebne Darmpflege ist keine Körperpflege. nad> Prof. Dr. Geweckt ♦ macht den Darm, macht den ganzen Körper gesund, weil es den Darm reinigt, kräftigt, glättet, schleimt und zur Selbstarbeit erzieht, weil es den ganzen Verdauungstraktus und damit den ganzen Menschen verjüngt. Brotella ist zugleich ein prächtiges, billiges, wohlschmeckendes Frühstück und Abendessen. Brotella-mlld, pfd. Mk. i.<0, BroteUa-ntark, Pfd. Mk. V-. apestaHeewUe für Korpulent«, fllr Zuckerkranke, für Nervte« je Pfd. Mk. MS. Neues Brotella-Kochbucb 25 Pfg. in Apotheken Drogerien Rdormbäueem Wilhelm Hiller, CJnmledx und NaAruneimlCUl-fabia, HäNNOVer. 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