Nr. 249 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 25. Oktober 1926 (Er|d)etnt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle Monars-Lezugrprei§: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanf chlüffe: 51, 54 und 112. Anfchrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zrankfvrtam Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vrrckimd Verlag: vrühl'sche UniversitälL-vllch- und SteindruSerei R. Lange in Stehen. 5christleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze r. ■■nni-irrrjp»m»MWiiwn«i. i n i mi— bum »na— I—Illl —I ■ — ■ I ■ ■!> I ■ t 11 ■ IIII ■ I ■■ —m Umrahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» hlamcan-,eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrifl 20v . mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot^ für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den Anzeigenteil i.Dertr. tz.Beck. sämtlich in Giegen. Die Botschafterkonserenz und Thoiry. Seit den Tagen von Versailles besteht in Paris als Fortsetzung der am 10. Januar 1920 beendeten Friedenskonferenz eine Vertretung der interalliierten Mächte, die unter dem Namen „Botschafterkonferenz" nunmehr schon fast sechs Jahre hindurch die Politik der Siegerstaaten gegen Deutschland unter hem Druck der französischen Militärpariei auf das unheilvollste beeinflußt hat. An dieser Körperschaft scheint die Verständigungspolitik von Männern wie Herrist, Briand und Chamberlain, die von London im Jahre 1924, über Locarno und Genf nach Thoiry geführt hat, spurlos vorüberge- gangcn zu sein. Wie wäre es sonst möglich, daß kaum sechs Wochen nach Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund und nach den detitsch-französischen Desvrechungen von Thoiry diese selbe Bolschafter- konferenz, deren bloße Existenz schon ein Hohn auf die Briandsche Verständigungspolitik ist, wiederum eine ihrer berüchtigten Kontrollnoten an die deutsche Regierung richten will, als ob seit den Tagen, da Poincaräs Haß ungezügelt und ungehindert gegen Deutschland tobte, in Europa nichts geschehen sei? Seit 1921 hat Deutschland restlos abgerüstet. Das Hunderttausendmannheer, das uns der Versailler Vertrag beließ, hat all die einschneidenden Beschränkungen in Organisation Und Bewaffnung, die die Sieg^uns im Friedensdiktat vorgeschrieben hatten, restlos ourchgeführt. Munition und Waffen aller Art sind abgeliefert oder verschrotet, die Festungen sind geschleift, die Schutzpolizei auf Verlangen der Kontrollkommissionen wohl zehnmal umorganisiert und neu eingekleidet. das System der „Zeitfreiwilligen" beseitigt, die Stellung des Chefs der Heeresleitung nach den Wünschen der Botschnsterkonferenz neu geregelt. Aus Grund dieses Tatbestandes erklärt die Prüfungskommission des Völkerbundes, der im Frühjahr dieses Jahres unser Aufnahmegesuch vorlag, daß Deutschland seinen Verpflichtungen zur Abrüstung in vollem Maße n ad) gekommen sei: auf dieser Basis vollzieht Deutschland im September dieses Jahres feinen Eintritt in den Völkerbund: auf derselben Basis spinnen die für die Außenpolitik ihrer Länder verantwortlichen Gtantemanner Deutschlands lind Frankreichs unter hilfreicher Assistenz ihres britischen Kollegen die Fäden weiter, die zu der sogenannten „Gesamt- lösung" des deutsch-französischen Problems führen M'llen: in Berlin und Paris sind bereits die zustän- uigen Ministerien in die Bearbeitung der technischen Einzelheiten eingetreten. Und nun ersteht wieder, wie ein Rudiment aus längst vergessenen Zeiten, die Botschafterkonferenz, um wie ein deus ex machina diese ganze Verständigungspolitik mit einem Federstrich für null und nichtig zu erklären. Denn anderes kann es nicht bedeuten, wenn man heute, nach fünf Jahren deutscher Abrüstung, mit kleinlid)sten Bagatellen, die Kontrollfrage erneut aufzurollen versucht. Der Wortlaut der Kontrollnote liegt zwar zur Stunde der Reichsregierung nicht vor. Was aber daraus durch die offiziöse Havasagentur schon be- könnt geworden ist, läßt zur Genüge erkennen, daß es der Gei st Poinca-rös und Fachs war, der auch diese Note diktiert hat. Es gibt eben in Paris auch heute noch eine starke Gruppe von Militärs und Diplomaten, die mit letzter Kraft um ihre politische Existenz ringen. Es wäre beschämend für die alliierten Regierungen, wenn sie ihre offizielle, durch ihre Außenminister vertretene und von dcn Kabinetten gebilligte Politik durch die Intrigen einer ehr- geizigen Klique durchkreuzen ließen, die sich nicht damit abzufinden vermag, daß ihre unheilvolle Rolle endgültig ausgespielt ist. Es würde aber doch von eine mgesährlichen Optimismus zeugen, wenn man sich in Deutschland nicht klar machte, daß diese neue Aktion der Dotschafterkonferenz nur möglich war, weil ein Mächtigerer sie deckt. Man wird die Kontrollnote als eine neuen Beweis dafür nehmen müssen, daß nicht alle Mtglieder des Pariser Kabinetts mit vollem Herzen bei der Briand- schen Verständigungspolitik sind, und daß namentlich Poincarä die alliierten Botschafter nicht un- ermutigt gelassen haben wird, eine Handlung ein- zuleiten, die einer Sabotage der Politik von Thoiry gleichkommt. Die einzelnen Forderungen der neuen Kontrollnote betreffen Dinge, die feit Jahren zwischen der Dotschafterkonferenz, den Militärkontrollkommissionen und den zuständigen Stellen der Reichsregie- rung auf das eingehendste erörtert worden sind. Ueber die meisten Punkte wurde schon vor langer Zeit eine Einigung erzielt. Um so erstaunlicher ist es, wenn die Dotschafterkonferenz es wagt, ohne jede fachliche Begründung immer und immer wie- b e r b i e gleichen Dinge auszugraben, lediglich um die politische Atmosphäre zwischen Deutschland und Frankreich nicht zur Ruh« kommen zu lassen. Dabei sollten doch die letzten Vorgänge in Deutschland, die zum Rücktritt des Generalobersten von See'ckt geführt haben, auch der Bolschafterkonfe- renz die Augen barpber geöffnet haben, daß von einer, wenn auch nur verschleierten Militärdiktatur in Deutschland keine Red« fein kann. Es muß daran sestgehalten werden, daß der Rücktritt Seeckts aus rein i n n e r politischen Gründen erfolgte. Wenn die Botschafterkonferenz nun ihre Genugtuung darüber äußert, so ist das em erneuter Beweis für den überaus schmerzlichen Verlust, den das deutsch« Volk erlitten hat. Aber es ist gänzlich abwegig, wenn die Botschafterkonserenz daran die Forderung nach neuen Direktiven für Seeckts Nachfolger in der Heeresleitung knüpft. Die Stellung des Chefs der Heeresleitung ist bereits nach den Wünschen der Kontrollkommission neugeordnet, er ist heute schon mir noch der militärische Berater des Botschafter von Hoefch bei Briand. D e erste Fühlungnahme zwischen den Thoiry-Mächten. Paris. 22. Off. (111.) Don zuständiger Seife wird soeben folgendes Kommunique verbreitet: Der deutsche Botschafter v. hoesch Halle heule mittag ! eine Unterredung mit dem französischen Auhen- , Minister Briand. Die Unterredung bedeutete die 1 erste Fühlungnahme des Voifchaffers mit dem fran- ! zösischen Außenminister nach seiner Rückkehr. Es I wurden dabei in großen Zügen die durch die Unter- j redung von Thoiry aufgeworfenen Probleme berührt. Herr Briand reift heute nachmittag für drei bis vier Tage aufs Land. Rach feiner Rückkehr, d. h. in der zweiten Hälfte der nächsten Woche soll eine erneuteUnterredung ces deutschen Botschafters mit Briand ffattfinöcn. Die havasagentur will erfahren haben, daß im Laufe dec Unterredung das Gesa ntproblem der deutsch-französischen Annäherung zur Sprache gekommen ist. 3m übrigen habe die Unterredung feine neuen 2H 0 m e n f e gebracht. Die Annäherung werde durch eine tägliche Anstrengung, die lange Monate sich fortfehen werde, und deren wesentlichstes Ziel die Schaffung eines neuen Geisteszustandes fei, solide Grundlagen erhalten feunen. Für den Augenblick seien für die Annahme der für das Saargebiet und die Mobilisierung eines Teiles der deutschen Eist.-bahn- obllgationen vorgefchlagcncn Lösungen Schwie- rlgfeifen praktischer Art vorhanden. Indessen könne ein gemeinsamer guter Dille nicht verfehlen, der Sache des Friedens zu dienen, indem er den staius quo in Europa konsolidiere und die Lösung der wirtschaftlichen und finanziellen Probleme, die zwischen den beiden Ländern aufgeroor- : fen feien, beschleunige. Das Pariser Echo. Paris, 22. Oft. (WTD.) Zur heutigen ilnlerrebung des deutschen Botschafters v. Hösch mit Briand schreibt der „Temps", augenblicklich befinde man sich noch im Beginn der ersten Phase, d. h. bei den politischen Besprechungen. Wollte man die Bewegung überstürzen, dann würde man sich der Gefahr auS» setzen, alles zu kompromittieren, um so mehr, als keineswegs feststehe, daß die Geister jenseits des Rheins schon genügend vorbei eitet seien, die Dinge un'er ihren wahren Gesichtspunkten zu betrachten. Gewisse Argumente wie das der Unvereinbarkeit der Auftechlerha hing der Rhein- landbesahung mit dem Vertrag von Locarno und dem Eintritt Deutschlands in den Böllerbund müßte 1 ti? Deu s ei aus jederDiskussion beseitigen. Andererseits, wenn sie die Vorprüfung des Problems erleichtern wollten, dadurch, daß sie eine günstige Atmosphäre für die Verständigung schafften, mühten sie sich entschließen, jede gegen die gerechten Forderungen der Botscha ierkonferen; hinsichtlich der Entwaffnung Deutschlands gerichtete Politik auszugeben. Es fei keine An- Näherung möglich ohne vorherige moralische Entwaffnung und feine moralische Entwaffnung, wenn Deutschland nicht beginne, in voller Aufrichtigkeit feine Verpflichtungen hinsichtlich feiner materiellen Abrüstung zu erfüllen. Das „Journal des D 6 b ats" schreibt, der Minister, der leiten wolle, müsse wissen, wohin er gehe und auf welchem Wege er zu gehen gedenke. Er dürfe nicht bei allen Passanten nach dem Wege fragen. Will unsere Regierung eine Wiederaussöh- nung oder eine Wiederherstellung normaler Beziehungen zu Deutschland? Es scheint wohl, daß die französische Regierung das selbst nicht wisse, daß sie Die Dinge miteinander verwechsle. In Gens, Thoiry und Paris sei man gerade so vorgegangen. als ob man sofort die Wiederaussöhnung erzielen könne. Die Sprache der deutschen Blätter bekunde jedoch einen Willen zur Lüge und eine Beharrlichkeit, die unvereinbar sei mit dem Vertrauen, das eine Wie- deraussöhnung notwendigerweise zur Voraussetzung habe. Die ehemaligen Feinde Frankreichs hätten nicht darauf verzichtet, den Versuch zu machen, Frankreich zu düpieren und sich Instrumente zu schassen, mit denen sie ihr eigenes Volk täuschten. Die Ausnahme, die die Bemerkungen der Bot- schafterkonseren; über die Entwaffnung fänden, ici bezeichnend. Die Annäherung an Deutschland könne nur etappenweise erfolgen mit Vorsicht und Zurückhaltung. Wenn man nicht vermittelnde Etappen einlege, würde man Zusammenstöße und einen Bruch Hervorrufen. — Dcr „Petit P a r i s i e n" glaubt, die Unterredung mit Brrthelot deute Darauf hin, daß Herr v. Hosch nicht bei Tr.anb den Eindruck erwecken wollte, daß man sich jenseits des Rheins so sehr beeile, die Unterredungen fortzusehen. Es sei nicht unmöglich, daß bei den gestrigen Besprechungen mit Berthe- lot auch die Gerüchte über die Rückkehr des ehemaligen Kaisers nach Deutschland zur Sprache gekommen seien. Das Blatt glaubt mitteilen zu können, daß die Reichs- regierung formale Versprechungen gegeben habe, die Rückkehr des Kaisers nach Homburg v. d. H. oder an einen anderen Ort Deutschlands werde weder autorisiert noch geduldet werden. Abschwächungsversuche. Reine Beschlüsse der Botschafter onferenz? Paris, 22. Oft. (WTD.) Der „Temps" veröffentlicht eine offenbar von amtlicher Stelle beeinflußte Erklärung über die Sitzung, di« die Dotschafterkonferenz am Mittwoch abgehalten hat. Die hierüber in der deutschen Presse veröffentlichten Rachrichten stammen aus französischer Quelle, 5um Teil von der Havasagentur. Der „Temps" stellt nun fest, daß diese Berichte zu weitgehend find, wenn sie von Entscheidungen der Dotschafterkonferenz sprechen. Irgendwelche Beschlüsse im eigentlichen Sinne des Wortes seien nicht gefaßt worden. Die Konferenz hätte lediglich, wie alle 14 Tage, den letzten Bericht der Interalliierten Milftär- kontrollkommission über den Stand der deutschen Abrüstung studiert und auf Grund dieses Berichtes festgestellt, daß das Reich mit Ausnahme der Frage des Oberkommandos die letzten Forderungen der Dotschasterkonferenz noch nicht in vollem Umfange erfüllt hätte. Hierbei würde es sich hauptsächlich um die Kasernierung der Polizei, des Verkaufes von Kriegsmaterial, Bereinigungen militärischen Charakters, die Befestigung von Königsberg und die kurzfristigen Anwerbungen der Reichswehr handeln. Da auf diese Weise die Dotschafterkonferenz ihre dem Reichstage verantwortlichen Reichswehrministers. Nicht anders sieht es mit den übrigen Forderungen in der neuen Kontrollnote aus. Daß das Reichswehrministerium keinerlei illegale Rekrutierungen zuläßt, hat es erst bei der Affäre des Kronprinzen- fohnes bewiesen. Die Festung Königsberg taucht ebenfalls immer wieder als Streitpunkt in den alliierten Kontrollnoten auf. Der Artikel 180 des Versailler Vertrages bestimmt, daß „das Befestigungssystem an der Süd- und Ostgrenze Deutsch- lands in seinem jetzigen Zustand bestehen bleibt". Das heißt also, daß wir das Recht haben, auch die Festung Königsberg in dem gleichen Zustand, den sie im Jahre 1919 gehabt hat, zu « rhalten: nichts anderes geschieht, und auch hierüber sind zwischen der Berliner Kontrollkommission und dem Reichs- wehrministerium kaum noch Meinungsverschiedenheiten. Ebensowenig über die übrigen Punkte, die die Note der Botschafterkonferenz aufführt. Warum also diese neue Beunruhigung, wenn nicht politische Zwecke damit verfolgt werden? Ist diese Aktion wirklich nur eine Extratour Poin- carss und der Pariser Partei der Unversöhnlichen oder versteckt sich dahinter der Gedanke, durch neue Forderungen billige Handels- Objekte für Briands Politik zu schaffen? Es wäre eine gefährliche Bahn, die man damit betreten würde. Das deutsche Volk, das die Politik von Thoiry gebilligt hat, das eine Bereinigung des deutsch-französischen Verhältnisses dringend wünscht, das noch in London und Locarno auf die Vertragstreue feiner Kontrahenten baute, ist inzwischen hellhörig geworden. Es ist nicht mehr in der Lag«, wiederum der einseitigen Erfüllung getroffener Abmachungen zuzustimmen, es ist voll höchsten Mißtrauens, und diese neue Kontrollnote der Botschafterkonferenz würde wahrscheinlich nicht geeignet sein, die bestehende Atmosphäre zu verbessern. Die Politik der Demokraten. Berlin, 22. Oft. (VDZ.) Die demokratische Reichstagsfraktion trat heute im Reichstage zu einer gemeinsamen Sitzung mit den Vertretern der demokratischen Fraktionen der Länder zusammen. Reichstagsabgcordneter Graf Dernftorff berichtete über d.e Genfer Vorgänge. Thoiry sei das größte Ereignis feit dem Waffenstillstand. Man habe in Genf den Eindruck gewonnen, daß Driand mit seiner Politik stehe und falle. Auch Poincars sei ein anderer geworden. Der Redner behandelte dann de Abr üstungsfrage, die di« wichtigste der Fragen des Völkerbundes sei. Gelänge es nicht, zur Abrüstung zu kommen, so werde der Völkerbund soviel an Prestige verlieren, daß es fraglich sei, ob er aufrechtzuerhalten sei. Frau Ministerialrat Dr. Bäumer ging auf die Arbeit in den Kommissionen ein. die vielfach noch sehr dilettantisch vor sich gehe. Zukünftig werde man Wert darauf legen müssen, repräsentative Politiker und führende Parlamentarier in di« politischen Vollversammlungen zu schicken, in die Kommissionen aber mehr amtliche Sachverständige. In der sich anschließenden Aussprache skizzierte Reichsinnenminister Dr. Külz die Linienführung, die sich aus Genf und Thoiry für die Reichsregierung ergibt. Als moralischer Erfolg fei hervorzu- heben, daß die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege durch die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund endgültig erledigt ist. Genau wie von Versailles bis Genf werde auch der Weg von Thoiry bis zum Endpunkt ein dornenvoller fein. Zum mindesten werde es Monate dauern, bis ein endgültiger Erfolg da fein werde. Zum Schluß wandt« sich der Minister gegen jede Soldatenspielerei der Wehrverbände, die uns außenpolitisch gerade in der jetzigen Zeit außerordentlich schaden könnte. In der weiteren Aussprach« betonte Reichs- tagsabgeordneter Erkelenz die Notwendigkeit, auch vorhergcgangcnen Schlußfolgerungen nicht ab* zuändern hätte, so habe sie auch ke in e Beschlüsse zu fassen gehabt. Die Aufgabe des Interalliie tm Milftä.o t oftio nitces f:i daher, ihre Arbeiten foftzusetzen und dm deutschen Behörden, mit denen sie in Verbindung stehe, ihre Einwände betreffs der Richtbefolgung der Militärklausel des Versailler Vertrages bekannt- zugeben. Mündliche Verhandlungen. Berlin, 22. Oft. (VDZ.) Aus Quellen, die Fühlung zu interalliierten Kreisen haben, wird mitgeteilt, daß damit zu rechnen ist, daß das Versailler Militär-Komitee, an dessen Spitze bekanntlich Marschall F 0 ch steht, voraussichtlich die Führer der äleberwachungs- lommissiou zur mündlichen Berichterstattung nach Paris beordern wird, bevor weitere Schritt« unternommen werden. Ferner erwägt man, ob sich nicht in einer mündlichen Aussprache zwischen den lei.enden militärischen Steilen, der alliierten und den maßgebenden deutschen Stellen eine schnellere (Beilegung der noch schwebenden Disserenzpunkte erreichen ließe, als sie durch eine Fortsetzung des Roten- Wechsels möglich wäre. Endlich wird versichert, daß die vorhandenen Difscrenzpunkte keinesfalls unüberblickbar sind. Man glaubt, daß ein direkter Meinungsaustausch sehr schnell zum Ziele führen dürfte. Die englische Auffassung. London, 23. Oft. (HavaS. Funkspruch.) In autorisierten englischen Kreisen erklärt man, daß. wenn die Dotseyasterkonsecenz die Frag« d:r Entwaffnung Deutschlands noch nicht dem Völkerbünde anvertraut habe, dies nicht daraus zurückzusühren sei, daß diese Ent- wassnung noch nicht vollständig genug sei, sondern weil die Kontroll-Kommission noch nicht über alle Punkte Deschluh gefaßt habe. So lange dies noch nicht geschehen sei, könne die Dotschafterkonferenz vom Völkerbünde nicht verlangen, daß er die Kontrolle übernehme. Keine Rückkehr Wilhelm II. London, 23. Oft. (WTD.-Funkspruch.) 3m Zusammenhang mit den kürzlichen Meldungen über eine mögliche Rückkehr des ehemaligen Kaisers nach Deutschland wurde der Reuter- Derichterstalter in De r li n gestern abend z u - verläsiisi dahin unterrichtet, daß der frühere Kaiser bisher noch kein Gesuch an di« deutsche Regierung gerichtet hab«, nach Deutschland zurückkehren zu dürfen. Ein solches Gesuch würde von der deutschen Regierung ablehnend beantwortet werden. Die deutsche Regierung sei lest entschlossen, dem früheren Kai'er keinesfalls die Erlaubnis zur Rückkehr zu geben, weil seine Rückkehr Unruhe unter einem großen Teil der Devölkerung Hervorrufen und auch verhängnisvollen Einsluß auf die öffentliche Meinung im Ausland« haben würde. Dor Ablauf des Gesetzes zum Schuhe der Republik im nächsten Juli werde die Regierung weiters Schritte tun, um die Stellung des deutschen Kaisers feftzulegen. die Diskussion über die D ft f r a g e zu beginnen, die in nicht zu ferner Zeit akut werden könnte. In der Nachmittagssitzung referierten die Abg. Erkelenz und Dr. Haas über die Frage der inneren Politik. Es wurde betont, daß die demokratische Partei einet einheitliche Bauernpolitik treiben müsse. Vie Neamtenkrisls in Oesterreich. Bundeskanzler Scipe! gegen das Beamtcnstrcekreclit. Wien, 22. Olt. (WD.) Der Bundeskanzler Seipel hat heute die Verhandlungen mit den Bundesangestcllten über deren Forderungen mit einer allgemeinen Ansprache begonnen, in der er den Verhandlungswillen des Bundesregierung betonte, die Beamten jedoch ersuchte, von ultimativ gestellten Fristen abzusehen, damit nicht ein eRervosität in die Verhandlungen hineingetragen würde. Eine Aufwertung der Gehälter werde erst möglich fein, wenn die Wirtschaft wieder wirklich erfolgreich gestaltet werden könne. Die Beamten wurden aber, wenn dem Rotftande in den breiten Gruppen unter ihnen ein ©nbe gesetzt fei, auf einen Streik Verzicht leisten müssen, und dieser Verzicht werde schriftlich festgelegt werden müssen Finanzminiftee K i e n b 0 e ck betonte, daß nur die Einnahmen zugrunde gelegt werden können, die unter Berücksichtigung der Sicherheft der Wirtschaft als gerechtfertigt erscheinen. Die Dominions und die britische Außenpolitik. London, 22. Oft. (WD.) Laut „Manchester Guardian" wurde die Frage der Vertretung der Dominions in gewissen britischen Auslands-Botschaften vom Premierminister: hessische Regierung dazu, der Aufstellung und Verabschiedung des Voranschlags für 1927 mit verminderter Sorge entgegen,tufcfcn. In einem weiteren Kapitel „Gegenwarts- fragen und Zukunjtssorgen" wird aud geführt, bah die Hilfe des Reiches nicht von der Der- Pflichtung enthebe, auch weiterhin die au her st e Sparsamkeit im Staatshaushalt walten zu lassen. Als Grgenwartsaufg. den werden u. a. Fluhregulierungen, Entwässerungen, Wohnungsbau, Steuererleichterungen für Winzer, Sondergebäudesteuerermähigungen, Erhöhung des Wohnungsgeldes der Staatsbeamten angeführt. Hessischer Landtag. Darmstadt, 22. Oft. 2ln erster Stelle der Tagesordnung steht der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes über Volksbegehren und Volks- a b st i m m u n g. 2lbg. Kaul lSoz.) erstattet Bericht über diesen Entwurf, der eine Reihe zumeist formale Aenderungen trifft (amtliche Stimmzettel, gestempelte ähnfchläge usw.). Die Abstimmenden tragen in die Stimmzettel das Wort 3a oder Rein ein, oder machen durch ein Kreuz oder auf andere Weise in dem Kreis kenntlich, ob sie mit 3a oder Rein stimmen, oder streichen eines der vorgedruckten Worte, 3a oder Rein Die Vorlage wird ohne Widerspruch in erster und sogleich auch in zweiter Lesung angenommen. Das Hails stimmt hierauf mehreren fleinerxm Regierungsvorlagen ohne Debatte zu. Ein Antrag des kommunistischen Abg. Angermeier richtet sich gegen die hohen Strompreise für elektrisches Licht und Kraft der Hessischen Eisenbayn A - G. Die Gesellschaft beziehe hUt gen Ausgleichsstronr, könne den Strom weit billiger an die Verbraucher ab- aebeir, zahle aber den Direktoren auherordentlich hohe Geeilter. Der Ausschuhantrag, der diesen Antrag zur Berücksichtigung empfiehlt, wird angenommen. Ein Antrag Dr. Werner und Gen. wegen Förderung'landwirtschaftlicher Erzeugung (Forderung des Roggenbaues) wird durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Ein Antrag der Abg. Weckler. Blank, Heinstadt und Hattemer wegen Rückgabe von Siedlung s g e l ä n d e an Landlieferer wird angenommen. Eine Anfrage des Abg. Dr. Werner über einen Erlah des Landesbildungsamtes über die Befreiung jüdischer Schüler vom Llnterricht an Samstagen wird nach kurzer Debatte erledigt. Weiter liegen ein Antrag Fenchel und eine Anfrage des Abg. Dr. Werner und Genossen vor über die Neubesetzung einer landwirtschaftlichen Professur an der Universität Gießen. Abg. Dr. Werner (Dn.) spricht über den in der Öeffentlichkeit schon vielfach behandelten Fall Pfaff und schließt daran eine Erklärung, dah nach der jetzigen Sachlage seine politischen Freunde von einer weiteren Erörterung des Falles a b s e h e n wollen. Ministerialrat L ö h l e i n c erklärt: Wir können es der Zukunft überlassen, wie sich die Haltung dec Regierung rechtfertigt. Es handle sich nicht um einen Eingriff in die Universitätsrechte, sondern um eine Notlage: denn es mußte in wenigen Tagen eine Entscheidung gefällt werden. Der Redner schildert dann die ganze Angelegenheit in der Weise der vor einigen Wochen auch im Gießener Anzeiger veröffentlichten RegierungserUärung über die Schwierigkeiten der Berufung. — Der Antrag des Ausschusses, den Antrag Fenchel durch die Regierungs- autwort für erledigt zu erklären, wird angenommen. Die Anfrage Dr. Werner ist damit ebenfalls erledigt. Eine Anfrage ter komm. Abgeordneten Frau Roth wegen Lieferung von schwerer Munition an eine Darmstädter Maschinenfabrik wird von einem Regierungsvertreter dahin beantwortet, dah es sich gar nicht um Granaten, sondern um Attrappen handelte, bte keine Munition enthielten: es habe sich dabei um die Prüfung eines technischen Verfahrens gehandelt. Zu Arif ragen deS sozialistischen Abgeordneten Storck und der kommunistischen Abgeord- neteir Frau Roth über einen Zusammenstoß von Stahl Hel mleuten aus Darmstadt und F.ankfurt mit dem Zug des Ar- beitersängerfestes in Gadernheim am 4. Juli 1926 gibt Abg. Frau Roth eine längere Schilderung der Vorgänge als Bericht- erstatterin. Sie bemerkt dazu, dah bis heute noch leine Antlage gegen die Stahlhelmleute erhoben worden sei. Der Regierung wirft die Rednerin vor. dah sie die ^Bevölkerung nicht gegen die faschistischen Verbände schätze. 'Abg. Storck (Soz.) weist aus die faszistisckren Verbände auf der linken Seite hin, worauf ihm der kommunistische Abgeordnete Galm das Wort ..Verleumder zuruft. Dieser erhält dafür einen Ordnungsruf. Abg. Storck wendet sich gegen die Hebungen faszistisaier Rechsverbände und fordert, daß die Regierung dagegen einschreitet; dann geht der Redner näher auf die bekannten Vorgänge in Gadernheim ein und übt namentlich an der Leitung der Schutzpolizei Kritik, die allerdings auf höhere Anweisung gehandelt, oder richtiger gesagt, nicht gehandelt habe. Die politische Polizei wäre in anderen Fällen stets gleich zur Stelle gewesen, in Gadernheim aber nicht. Minister von Brentano wäre jedoch einige Tage später an Ort und Stelle gewesen, um Erhebungen anzustellen. Die Ausfüh- rungen des Redners gipfelten in einer Anfrage an die Regierung, ob sie Die für die Sicherheit der Bevölkerung gefährlichen nationalistischen Verbände verbieten wolle. Abg. Hauck (Rat.-Soz.) bemerkt, dah die Siahlhelmleute unabsichtlich nach Gadernheim gekommen roärcit, weil die Straße nach Lindenfels für die Automobile unpassierbar war. Abg. Kindt (Dn.) wendet sich in scharfer Weise gegen eine Aeußerung des Abg. Galm, die alS eine Befriedigung über den Mord an der Zarenfamilte gedeutet werden konnte. Abg. Kindt wirst dem Abg. Galm vor, er habe den Mord verherrlicht, und zwar auch den Mord an einer hessischen Prinzessin. Wegen der von ihm gebrauchten Ausdrücke Rohheit und Terticrt- heit wird Abg. Kindt zur Ordnung gerufen. OberrcgierungLrat Dr. S i e g e r t teilt mit, die hess.sche Regierung habe alles getan, was nach Lage der Sache von ihr verlangt werden konnte. Die Polizei habe ihre Schuldigkeit getan, sie habe die ckckntersuchung der Vorfälle rechtzeitig unternommen, und sie sei auch so schnell als möglich in Gadernheim zur Stelle gewesen. Die Angelegenheit wäre dann der Staatsanwalt- B r u e e diese Woche vorgebracht werden. Unter den Dominions bestehe eine st a r I e Meinungsverschiedenheit in dieser Frage. Südafrika, der irische Freistaat und bis zu einem gewissen Grade auch C a n a d a drängten aus größere Befugnisse der Dominions, ihre eigenen Ange'.egenheiten zu führen. Australien, Reu-See - und R e u - F u n d- l a n d dagegen seien bestrebt, daß das Reich geschlossen zu den Fragen der auswärtigen Beziehungen Stellung nehmen soll. 3n der Frage des Locarnopaktes würden Australien und andere Dominions bereit fein, ihn zu unterzeichnen: wenn aber andere Dominions beschließen sollten, sich nicht daran zu beteiligen, so wollten auch sie sich sernhalten. Es besteht die Möglichkeit, dah aus der Reichskonferenz vereinbart werden wird, die K a n d i d a t n r e i n e s Dominions für einen Sitz im Völkerbundsrat zu unterstützen. Die Finanzlage Hessens. <5ine Denkschrift des Ainanzniiniftcrinrns. Don unserer Darmstadter Redaktion. Finanzminister Henrich veröffentlicht eine Denkschrift über die Finanzlage Hessens: er begründet diesen Schritt damit, dah der Abschluh der Rechnung für 1925 in der Hauptsache leststehe und die Steuermahnahmen des Landes in Verbindung mit dem bis jetzt bekannten Ausschlag der Einkommenfteuer für 1925 ein getreues Bild der Wirtschaftslage unö ihrer Ursachen geben. Der Öeffentlichkeit soll damit die Möglichkeit gegeben werden, unbeeinflußt von parteipolitischen Verzerrungen, ein eigenes Urteil zu bilden. An die Spitze feiner Betrachtungen, zu denen wir uns eine eingehende kritische Stellungnahme Vorbehalten, stellt der Minister drei Tatsachen: 1. Bis zum Ende des 3ahres 1925 war die Finanzlage des Landes durchaus normal und gesund, sie konnte — abgesehen von den besonderen Beschwernissen der Besetzung — den Vergleich mit jedem deutschen Lande von ähnlicher Wirtschaftsstrultur aushalten. 2. Seit Beginn des 3ahres 1926 haben Ar- beitslosigkelt und Steuerausfälle einen Umfang angenommen, der in gleichem Maße in keinem anderen Lande zu beobachten ist und die es dem Laute immöglich machen, ohne ausgiebige Reicks- Hilfe eine geordnete Finanzwirtschaft aufrecht- zuerhaltcn. 3. Diese Hilfe ist von der Reichsregierung in Aussicht gestellt. ES folgt nun eine Betrachtung über den Abschluh der Rechnung für 1925. M.m habe mit einem Fehlbetrag von 7,5 Millionen Mark für 1925 rechnen können: ein Abgeordneter habe diese Summe noch als viel zu niedrig bemessen bezeichnet. „3n Wirtlichkeit", so heißt es dann in der Denkschrift, „wird der Fehlbetrag ohne Berücksichtigung der auf 1 bis 2 Millionen zu beziffernden Einnahmerückstände etwa 1,5 Millionen Mark betragen, obwohl von Ende Dezember ab geradezu plötzlich eine Erwerbslosigkeit einsetzte, die das Land für das letzte Vierteljahr des Rechnungsjahres 1925 mit rund drei Millionen belastete, die nur zum kleineren Teil in den Krediten des Voranschlags Deckung fanden, und obwohl eine im Voranschlag versehentlich nicht vorgesehene Mehr- ausqabe von drei Millionen bei den Pensionen zu verrechnen waren. D.e Ursachen für dieses günstige Ergebnis sind zum Teil in den Mehr- erträgnifien der Einkommensteu^er im ersten Halbjahr 1925, zu einem guten -teil aber auch in den im Laufe deS 3.ihres Durch- geführten Sparmaßnahmen zu suchen. Da aus 1923 und 1921 eine Reserve von 10,5 Millionen vorhanden ist, so könnte hieraus nicht nur der verhältnismäßig Heilte Fehloelrag von 1925 sondern auch Der voranschlagsmäß:g auf 7.8 Millionen berechnete Fehlbetrag des Budgets 1926 restlos gedeckt werden." Die Denkschrift weist am Schluß des Abschnittes nochmals ans den katastrophalen Rückgang der Einkommensteuer hin und aus die Erwerbslosigkeit in Hessen, die fast daS Doppelte des Reichs- durchschnittS betrage. Es wird hierauf der Voranschlag von 1926 besprochen, der einen um 0,6 Millionen (9,1 gegen 8,5 Millionen) höheren Fehlbetrag aufwies und der den auf die Retchssteuergesetzgebung zurückführenden Ausfall an R e i d) & ft c u e r ü b e r m c t f u n • gen durch die gleichfalls reichsgesetzlich angeordnete Erhöhung oer Sonder gebäude st euer auvzugleichen suchte. Der ursprüngliche Fehlbetrag des Voranschlags wäre durch die Beschlüsse des Landtags von 9.1 auf 7,8 Millionen berabgebrütft morden. Dieser Fehlbetrag hätte durch die noch vorhandenen Ueberschüsse früherer Jahre voll aeberft werden können und es würden sogar noch Mittel verbleiben, um Steuererleichterungen daraus zu decken. Weiter werden dann die Ausfälle durch die Erwerbslosenfürsorge, die Wirkungen der Besetzung, namentlich des Rhein- und Ruhrkampfes, der Rückgang des Anteils des Landes an der Einkommen- unb Körperfchaftssteuer sowie der Ausfall der Einschätzung der hessischen Landwirtschaft zur Einkorn- menfteuer für 1925 besprochen. Es wird schließlich bargclegt. daß der rechnungsmäßige Fehlbetrag 1925 (etwa 1,5 Millionen) und der nach dem Abschluß des Voranschlags für 1926 sich ergebende Fehlbetrag von rund 7,5 Millionen auS den vorhandenen Icke- berschüssen deS 3ahres 1923 voll gedeckt werden könnie, es bliebe noch ein kleiner Ueter- schuß für 1927. Für 1926 komme aber neu • hinzu: für ErwerbZiosenfürsorge etwa 12 Millionen, Ausfall an ReichSsteu^rüberweifungen bis zu sechs Mil bnen. Für dies Su i men s i Deckung im Lande auS lausenden Einnahmen nicht zu schaffen, auch nicht durch die allerschärfsten Sparmaßnahmen, hier könne nur daS Reich helfen und es sei dazu verpflichtet, wie der hessische Finanzmirnster es immer wieder und wieder betont und nachgewiesen habe und tote es der Reichsrat bereits im August 1925 durch einen einstimmig gefaßten Beschluß grundsätzlich anerkannt hat. Die Reichsregierung und die hessische Regierung würden gemeinsam in einer Kommission die gesamte Finanzwirtsch h oes Landes einer Prüfung unterziehen. Die Reichsregierung fei bereit, bis zum Abschluß dieser Prüfung Vorschüsse bereit zu stellen Es bedürfe keiner besonderen Hervorhebung, daß diese Prüfung keinePreiSgabe derstaat- l ich e n Selbständigkeit deS Landes bedeute. Bride Teile, Reich»- und Landesregierung, bewahrten sich das Recht der freien Entschließung. Die Tatsache stehe fest, dah daS Reich feine grundsätzliche Dcreiterklärung zu ausreichender Hilfe ausgesprochen habe und das berechtige die schäft übergeben worden und die politische Polizei habe bet der Untersuchung mitgewirkt. Die Ermittlungen stände^ unm.ttelbar vor dem Abschluß. Es werden dann noch einige kleinere Vorlagen erledigt. Rächste S.hung Mittwoch, 27. Oktober. Kleine politische Nachrichten. Der bisherige Pressechef der Reichsregierung. Ministerialdirektor Dr. Kiep, wird voraussichtlich als Botschaftsrat nach London gehen. Zu seinem Rachfolger als Pressechef ist der bisherige D.rigent der Presseabteilung, Geheimrat Zechlin, in Aussicht genommen. X' An Stelle des verstorbenen deutschnationolen Reichstaasabg. Grafen v. M e r f e l d t wird der Ge- werkschaftssekreiär Ewald Sauer aus Dillenburg in den Reichstag eintreten. * Im Anschluß an eine kommunistische Protestver- ammlung gegen den Vergleich mit dem Hohen- zollernhause kam cs in Berlin in den späten Abend- tunten in der Potsdamer Straße zu ernsten Zu- ammenftößen zwischen Polizei und Roten Frontkämpfern. Ucbcr 50 Verhaftungen wurden von der Polizei vorgenommen. In Hamburg wurde im Prozeß Warburg-Fritsch der deutschvölkische Agitator Fritsch zu vier Monaten Gefängnis wegen fortgesetzter übler Nachrede verurteilt. Die Beleidigung wird besonders in zwei Artikeln des ,Ham- mer erblickt. In denen es heißt, Warburg habe sich im Kriege ungewöhnlich bereichert. Auch wird Ihm der Vorwurf des Landesverrats gemacht. Die Ehe des Prinzen Eitel Friedrich mit der Prinzessin Sophie Charlotte von Preußen, Herzogin von Oldenburg, ist geschieden worden. Als schuldiger Teil ist Prinz Eitel Friedrich erkannt. * 3m Freistaat Danzig hat die fast genau drei Wochen andauernde Regierungskrise ihr Ende gesunden. Die neuen Koalitionsparteien, Deutschnationale. Zentrum, Liberale und D-am- tenpartei haben sich auf eine Liste von 14 Senatoren geeinigt, die am Mittwoch durch Wahl vom Dolkstag bestätigt werden soll. • Der Gouverneur der Bank von England, Montagu R o r m a n, wird in kurzem nach Berlin reisen. Toi der Berliner Besprechung werden die großen deutschen Goldgufkäuse in London eine wichtige Rollen spielen. * 3n Triest wird am Sonntag der neue italienische Panzerkreuzer „Trieste" vom Stapel gelassen, der 10 000 Tonnen verdrängt und das erste seit dem Kriege in 3talien gebaute Kriegsschiff ist. 3ri Schanghai sind 15 amerikanische Kriegsschiffe, darunter 12 Panzerkreuzer, eütgclaufen. Kunst und Wissenschaft. Marronis neue Erfindung. Marconi teilte dem Direktor der Qltarconi- ftation in Rom mit. daß er mittels feiner Apparate in England mit feiner kanadischen Station durch sieben Sage mit der Geschwindigkeit von mindestens 100 Worten in der Minute gleichzeitig empfangen und gesendet habe. 3n der Arbeitszeit von durchschnittlich 18 ©tunten sei eine Geschwindigkeit von durchschnittlich 250 Worten in beiden Richtungen und in mehreren aufeinanderfolgenden Stunden erzielt worden. 3n den cn. 168 Stunden der offiziellen Probe sei die Lurchschnittsgcschwindigkeit 130 Worte in beiden Richtungen gewesen, wodurch sämtliche telegraphischen Verkehrsmittel übertroffen worden feiern. Ter öffentliche Verkehrsbetrieb werde am Montag eröffnet werden. haupkoerfammlnng der Deutschen Akademie in Köln. 3n Gürzenich fand die erste Hauptversammlung der deutschen Akademie in Köln in Anwesenheit des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, des KardiUal-Erzbischofs Dr. Schulte, sowie Zahlreicher prominenter Führer ter Wissenschaft und Wirtschaft statt. Der Präsi- tent der wissenschaftlichen Abtellung der deutschen Akademie, Gebeimer Hofrat Dr. Hermann Oncken (München) sprach über die geistliche und stttliche Kultnrbedeutung des Auslanddeutschtums. Dritte Berliner Wellanschauungswoche. Dom 25. bis 29. Ottober findet in ter Berliner ckckniversität die Dritte Berliner Weltanschauungswoche statt. Es sprechen: Prof. D. Lüttg e (Heidelberg) über „Moderne Skepsis". Dr. Wilhelm Stapel (Hamburg) über „Reue Volksbildung", Dr. med. Künkel (Berlin) über „Moderne Psychosen", Professor D. Dr. Cordier (Gießen) über „Reue 3ugcnb“ unö Lic. Dr. Schreiner (Berlin) über »Die religiöse Entscheidung". Aus aller Welt. Eine Aufostrahe Köln—Düsseldorf. Die Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer sprach sich für den Plan einer linksrheinischen Kraftwagenstraße vonKöln nach Düsseldorf aus, die bem ungeheuer gestiegenen Kraftwagenrerkehr gerecht werden soll. Die Straße soll vierspurig und 16 Meter breit erbaut werden. Die Kosten werden auf 17 Millionen Mark geschätzt und sollen aus Darlehen und Anleihen, sowie auS den zu erwartenden Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge aufgebracht und durch Abgaben für die Straßenbenutzung amortisiert werden. 3n die Fremdenlegion verschleppt. Beim Finanzamt Hamborn ging von dem Steuorassistenten Weiß, ter seit einiger Zeit spur- los verschwunden ist, die Miteilung em, daß er in die französische Fremdenlegion oerfchleppt worden fei und sich bereits in Marokko befinde. Er hat in Gemeinschaft mit seiner Frau feinen Urlaub im Elsaß verbracht und ist von dort nicht mehr zurückgekehrt. Seine Frau hatte ihn zum letzten Male gesehen, als er sich anschickte, eine Bergbesteigung zu unternehmen. Meuterei auf einem deutschen Dampfer. Der deutsche Dampfer „Olga Siemens" (3347 Tonnen) legte bei Basra an und hißte die Polizeiflagge. Ein Offizier, der sich an Land begab, teilte mit, daß Mitglieder der Mannschaft am Donnerstagabend versucht hätten, den Kapitän zu ermorden und den Versuch am Freitag wiederholt hätten. Die Jrakpolizei ging an Bord und verhaftete zwei Männer. Erdbeben an der kalifornischen Küste. Drei heftige Erdstöße festen Donnerstag die Bewohner der kalifornischen Küste in Schrecken. Das Zentrum des Erdbebens befindet sich zwischen San Francisco und Monterey. 3n San Francisco zerbrach eine große Anzahl Fensterscheiben. Die Bevölkerung verlieh panikarttg die Häuser, um die Parks aufzusuchen. Die hohen Gebäude bewegten sich hin und her, außerdem werten Erdstöße in Oakland und auS San 3of6 gemeldet, ckcknglücksfälle sind nirgends zu verzeichnen. Wettervorc:"5s?.^7. Winde aus nördlicher bis östlicher Richtung, wechselnde, zeitweise abnehmende Bewölkung, stellenweise Riederschlagsschauer, Rachttempera- turen wieder niedriger. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 3L Grad Celsius, Minimum: 2,1 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 2.9 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. Oktober 1926. Dom Schwätzen. (Aachdruck verboten.) Horaz hat eine seiner schönfkewOben mit den Worten begonnen: Odi profanum vulgus et arcea, Favete linguis ... Zu deutsch: 3ch hasse daS „ge* meine" Volk und halte es von mir ferne. Schwelget stille... Der Dichter dachte gewiß nicht daran, etwa d i e kränken zu wollen, die im Reineren Stands geboren sind und im Schweiße des Angesichts mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen. Der Künder der Gemütswerte, der Dichter, wendet sich mit den zwei Worten: Favete Unguis — Schweiget stille —, hütet — nur für einen Augenblick — Eure Zunge!, an alle 3ene, die ihn durch Schwätzen im hohen Fluge und in der Tiefe seiner Gedanken st ö r en wollen. Er kennt sie und meint sie gewiß, die Schwäher! Wo sind sie nicht zu finden. 3n allen Kreisen stecken sie. Keine Menschenschicht ist bavon ausgenommen. 3ch kann nicht sagen, daß die Frauen mehr schwätzten, wie viele wissen wollen, als die Männer. 3ft aber schon der beständig daraufloS redende, wih- und pointenlo-se Mrn'ch denen, die ihn anhören müssen, kaum erträglich, um wieviel mehr ist es noch 3en er, der mit seinen Wort- redereien auch noch eine üble Absicht verbindet. Während 3en er sich seiner — sagen wir Lang- Welligkeit — kaum ober sogar fast me bewußt ist. da ihm das „Erkenne dich selbst" etne vollkommen fremde Fähigkeit ist, weiß der letztere genau die Wirkung seiner Worte abzuschähen. 11 nb auf diese Wirkung fonurtt es ihm gerate an! Das sind die „Ohrenbläser", die in jedem Volke, in jeder Gemeinschaft Vorkommen, in hohen und niederen Ständen, unter den Männern und unter den Frauen, bei alt und jung. Her sitzen sie bei Bier ober Wein, dort hinter ter Kaffeetasse ober ber SelterSwasserflasche, ja ich weih, dah selbst im Gotteshause, als der Diener des Wortes zu den Gläubigen sprach, die Flüsterstimme des Ver- leumders im Hlntergrunte ihr bedauernswertes Opfer suchte — und fand. Wie schon Gott in den zehn Geboten das unnütze Anrufen seines Ramens — im Schwatzen — verbietet, so verbietet dieses Grundgesetz aller Gesetze — es ist j»a eigenillch etwas Selbstverständlickes — mit den Worten: .Du sollst kein falsch' Zeugnis reden", auch bas Verunglimpfen, das Verleumten, kurz das ..Vir- schwatzen" ber Menschen untereinander. Richt nur vor Gericht unter dem Eiteszwang, in ter Schule, in ter Volksversarnrnlrmg, nein auch auf der Straße, im „Freunbes"kreise, und in der Familie! 3ch hörte vor kurzem einen Sohn, einen angesehenen Arzt, seine betagte Mutter rühmen: Die habe sechs Kinder, von denen fünf — verheiratet — in derselben Stadt wohnten. Allwöchentlich gebe die Mutter reihum: in jeder Familie erscheine sie gewiß einmal in ber Woche auf eine Stunbe zu Besuch. Alle Kinder seien zu jeder Zeit einig, geschwisterlich einig. Warum? Weil die Mutter niemals im einen Hause erzähle, was sie im anderen gesehen oder gehört habe. IInb wenn b:e Mutter zu ihm. dem Arzt, in seine Stadt zu Besuch komme, erzähle sie. wie lieb und gut die Kinder vi-tennbet seien vnb von den Erfolgen ober Misterfolgen d^ Enkel schweige sie in feiner Weife ganz, ckcknb doch trage seine Rüge, gütige Mutter stets die Sorgen aller auf dem Herzen. 3ch weih, dah das wahr ist. was mir ter Arzt erzählte, denn ick kenne ihn und seine niemals — schwätzende Mutter. Diese Frau ist keine Zwischmtträgerin: sie bringt keine „21 eulgleiten" von einem ins andere Haus, sie fragt auch nicht nach solchen. Was wichtig und hörenswert ist. to:rb ihr schon von sewst gesagt. ..Sie richtet nur freundliche Gruße aus" - von Haus zu Haus. And das wird ihr gedankt. Dann geht sie wieder. Wie anders ist es mit den Topfguckern und Topfguckerinnen. deren Rase stets riechen will, was in RackbarS Küche gekocht wird. ^Habt ihrs schon gehört", „wißt ihrs schon?" Mit solchen Fragen geben sie dann auf die Gasse und — schwätzen: Die restlos und unverbesserlich Unwahren. die der Eirrsichtige sofort erkennt, und die bei weitem Schlimmeren: die H a l b w a h r e nl So. wie der ..Halbnarr", ber noch nicht reif ist für bic Verwahrung, vielfach schlimmer ist als ter arme ersichtlich Geistesgestörte, den man in einer Anstalt unterbringen wirb, um so viel schlimmer für seine Mitmenschen ist ter H aIbwahre. Sein Lügenneh zu finben und zu entwirren ist oft sv schwer unb gelingt auch manchmal nie! M t raih- nierter Bosheit gehen Fe zu Werk:, die Brandstifter an der öffentlichen Wahrheit ui großen Dingen, d'e Schwäher — in kleinen. Wo man sie fassen möchte, im Parlament ober tm ®c- richtssaale: sei es wo es fei. entwinden sie stöber suchrn sie sich zu entwinden: mit schlanneuartiger Gewandtheit. Die schillernden - Menschen mit den gespaltenen Z mgrn! Gegen sie Hilst nur die Wahrheit, deren Sch lte überall stehm •unb mit denen ein jeder sich wapvnen foTL Richt daß 3cter — Jedermann b:e „Wahrheit Tagte. Das gäbe Mord imb Totschlaci. M't Güte komme einer zum andern — imd mit offener, ehrlicher Sprache Ein jeder aber hüte l seine Zunge — vorm „Schwätzen". ®. — I Mfcr K $il £ G A M tdmi tz St Ä! ■ Id K w Mer g veMde bet ab, i bände, der N :cr M! gen 0*0- pflegen- ' genieß, b-FE .Denise j 5* Ja der drunten MtenoM mar eine i sitzen Dea^ tommenu itziiM bunb ans Deainlcnc auch nut GewerW Deomier, erfolgt £ nach dem Jeomleiwi glieder. mit der al nen mM Dundeslag vertretenen folgten Zu! verbreitete gaben H darüber zr Mell al Mvegen Mchsam' wissen 1 dungsspe verlangt das Deo setz Moi amtenvel Beamten beratung! lich tem, ^cnfcftaifc demnächst ( dn Deuts« beraten. Q ci'ioärom n.ntenSCTl häufigen Ichnft de entgegen.; fordert i statt des von Der der Bear Politik ifl steuer jun züglich be. tenbund a. rechten, so die insbesc amten d-er Deutsche D Deamtenhc liehen, sich vielseitigen sind, zu t Redner, t «mtenscha^ forderte r lein und In b mann b-, antenbund lich nvchma lungen mit bund scheit: Amgangco TWrast töw. 35, Kasr (j Weihkram Silben 81 bis 20, 1 Aosenlohl bis 35, ßt ^chirarztv Gallapfel Mse so, Hühner K wjtt 15 b ^divirn Qaudj 5 50 gj W 'Btt. '■ 1926. k°DVd« mil L 1 mir fernT'^ , ^tan. ttba l. Wfai Qtanb» » S°* te Sw Wendel Unguis - üe 2e«. die ihn Nuge unb m j* wollen. 1 l« grtvih, die A allen Kreisen Vr tif davon aut- ’• M bit Frauen 7 wollen, als die händig darauflos lllkn'ch denen, die um wieviel ml leinen MW wxWvM. - lagen wir Lang- ar last me betoufjt h selbst" eine örfl« V weist der letztere Dvtte abziWhm. t es ihm gerade an! die In jedem Dolle, men, In hohen und Mnnern und unter 5'er fäat fie bei er Ruffectafk ohrr i i weist, dast fefbl? >t des Dorier iMmm M Der- ar dedauerntzweries ie schon Tott in den rufen seines Damms t, so verbietet dieses e8 ist ja eigentlich ; - mit den Dorten i nß reden", auch daS iden, kur; daS .Der- ireinander. Dicht nur zwang, in der Schule, nein auch auf der , unö in bei Sammel nen Sohn, ernen an- .(? Mutter rühmen: denen fünf - verladt wohnten, all* . reihum: in feder inmal in der Doche M Binder seien zu lich ein'g. Daram^ i im einen Hause eren gesehen oder Mutter;u chm,dm L>»da-L Ute, denn ich IM- lÄwSMiie JEL- fit bringt kZSZ 11 d e y nch Un* > unverbe>^ ^>dic >rte. ■r^r» x-Ar js-stss n- s>» n51 %«* P'AZ Beamten-Dersammlung. Die Ortsgruppe Diehen des Deutschen Beamtenbundes hatte für Donnerstag abend zu einer Beamten-Versammlung eingeladen. Der Borsitzende der Ortsgruppe, Rektor Loos, sprach in etwa zloeistündiger Rede über die Einigung der deutschen Beamtenschaft, und gack damit zugleich einen Bericht über den 5. Bundestag, der vom 7. bis 9 Oktober in Berlin stattfand. Der Referent sagte u. a.: Die Ansicht, der man oft in Deamtenkreisen begegnet, der Deamtenbund sei überflüssig, ist falsch. In einer Zeit, too überall in der Welt sich diejenigen zusammenschliehen^ die gleiche Interessen verfolgen, kann auch für die Beamten das Heil nur im Zusammenschluß liegen. Die deutsche Beamtenschaft hat in den letzten 3af)rcn deshalb so wenig Erfolge errungen. Werl sie so stark zersplittert war. In der Revolutionszeit war eS gelungen, die gesamte ‘-B23n}toy(£ait im Deutschen Beamtenbund zusammenzuschlieyen. Meser Zusammenschluß dauerte aber nicht lange, verschiedene Organisationen bröckelten bald ttne- der ab, zuletzt bestanden fünf verschiedcNr Verbände Dieser Zustand lähmte die Stosskraft der Beamtenschaft: deshalb beschlossen die Fuh- .er des deutschen Deamtenbundes, mit den übrigen Organisationen Einigungsverhandlungen zu pflegen. Zunächst verbandelte man mit dem Allgemeinen deut'chen Deamtenbund. Diese Verhandlungen scheiterten, weil der Allgemeine Deutsche Deamtenbund sich weigerte, seine sogenannten gemischten Organisationen, das sind Verbände, in denen neben 'Beamten auch Angestellte und Arbeiter sich befinden, auszulösen. Da der Deutsche Deamtenbund aus prinzipiellen Gründen auf dem Doden der reinen De- amtenorganisation steht und stehen bleiben will, war eine Einigung mit dem Allgemeinen Deutschen Deamtenbund nicht möglich. Zustande gekommen ist die Einigung mit dem bisher dem christlich »nationalen Deutschen Gewerkschafts-' bund angeschlossenen Gesamtverband deutscher Deamtenaewerlschasien. Es ist zu hoffen, daß auch mit den beiden übrigen Organisationen. dem Gewerkschaftsring und dem Reichsbund höherer 'Beamter, in nicht zu ferner Zeit eine Einigung erfolgt. Der Deutsche Beamtenbund umfaßt letzt nach dem Zusammenschluh der beiden größten Beamtenorganisationen rund 1,1 Millionen Mitglieder. Er stellt also eine gewaltige Macht dar, mit der alle öffentlichen Instanzen werden rechnen müssen. Dies zeigte sich schon auf dem Bundestag in Berlin in der Act, wie die dort vertretenen Behörden und die Presse den erfolgten Zusammenschluh aufnahmen. Der Redner verbreitete sich bann über die wichtigst;n Ausgaben des Deutschen Dramtenbundes. Dieser hat darüber zu wachen, dah der Beamtenabbau, der offiziell als beenbet erklärt worden ist, nicht auf ilmtoegen doch noch weitergeführt wird. Gleiche Wachsamkeit ist notwendig gegenüber einer gewissen Methode der Verlängerung des Desol- dungssperrgesetzes. Der Deutsche Deamtenbund verlangt alsbaldige Vorlage eines Gesetzes über das Deamtenrecht. Er erwartet, dah dieses Gesetz besonders klare Bestimmungen über die De- amtenvertretung enthält. 'Bei Gesetzen, die die Beamtenschaft angehen, verlangt sie ein Mit- beratungsrecht und wünscht ein Verfahren, ähnlich dem, wie es bei der Beratung der Reichs- i-7knftftraferbnimg zur Zeit geübt wird. Bei der demnächst einsetzenden Verwallungsrefvrm fordert der Deutsche Beamtenbund das Recht, mitiliberalen. Auch die Fragen der Wirtschaftspolitik erfordern die grösste Aufmerksamkeit der De- a.ntenvertretung. Hier gilt es vor allem, den häufigen Vorwürfen, die aus Kreisen der Wirtschaft den Beamten gegenüber erhoben werden, entgegenzutreten. Der Deutsche Beamienbmü) fordert im endgültigen Reichswirtschaftsrat anstatt des vorgesehenen einen Vertreters eine Zahl oon Vertretern, die der Zahl und Bedeutung der Beamtenschaft entspricht. In der Siedlungs- Politik ist zu fordern, dah die gesamte Sondersteuer zum Wohnungsbau zu verwenden ist, Bezüglich der Besoldung hosst der Deutsche Beam- tenbuni) auf möglichst baldige Vorlage einer gerechten, sozial aufgebauten Besoldungsordnung, die insbesondere den schwere Rot leidenden Beamten der unteren Gruppen Hilfe bringt. Der Deutsche Deamtenbund fordert die Errichtung von Deamtenhochschulen, die es den Beamten ermöglichen, sich die geeignete Ausbildung für die vielseitigen Aufgaben, die ihnen heute gestellt sind, zu verschaffen. Zum Schluh wünschte der Redner, dah dec äußeren Einigung in der Beamtenschaft auch die innere folgen möge. Er forderte von den Beamten mehr Standesbewuht- sein und stärkeres Solidaritätsgefühl. In der Aussprache vertrat Herr Hans- mann den Standpunkt des Allgemeinen Beamtenbundes. Postassistent Rorth verbreitete sich nochmals über die Gründe, die die Verhandlungen mit dem Allgemeinen deutschen Beamtenbund scheitern ließen, imd gab noch verschiedene Anregungen, wie man das Ansehen und _ die Stoßkraft der Deamtenorganisation erhöhen könne. Gies;euer Wochenmarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund Butter 150 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 150. Wirsing 6 bis 10, Weißkraut 4 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 15 bis 20, Hnlerkohlrabi 5 bis 10, Grünkohl 20, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100. Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurze n 45 bis 50, Kürbis 8, Kartoffeln 5, Falläp'el 10, Aepfel 12 bis 30, Dirnen 10 bis 15, Rüsse 60, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 80 bis 100: das Stück: Gier 15 bis 17, Blumenkohl 30 bis 150. Salat 10, Endivien 10 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 10, Öauä) 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50 Pfennig. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Deutscher Ostbund: 8 Uhr, „Hindenburg", Versammlung. — Freiwillige Gall'sche Feuerwehr: 8 Uhr, Turnhalle Oswaldsgarten, 71. Stiftungsfest. — Turnverein 1846: 8.30 Ute, „Postkeller", ordentliche Jahreshauptversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren". — Palast-Lichtspiele: „Verkaufte Mädchen". — Astoria-Lichtspiele: „Der Teufel von Rio Grande". — Tageskalender für Sonntag. Etadttheater: 7 Ahr, „Das aoldne Kalb" (Ende 9.15 Ahr). — Völkerkundliche Ausstellung der Baseler Mission in den Räumen deS früheren Hotels Groß Herzog: 11 bis 12 Ahr vorm., 2 biS 7 Ahr nachm. — Volkshochschule: 8 Ahr, Großer Hörsaal der Aniversität, Eröffnungsfeier mit Vortrag. — Gesangverein „Heiterkeit": 4 Ahr, Reue Aula der Aniversität, Konzert. — Lichtspieltheater wie Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau Wird uns geschrieben: Der Schwank „Das goldene Kalb" von Mathern und Schwartz, der im Sommer wahre Heiterkeitsstürme erregt hat, wird am kommenden Sonntag mit Herrn Goll in der Hauptrolle wiederholt: an den andern Abonnementsabenden wird das Werk nicht gebracht, worauf ausdrücklich hingewiesen sei. — Am Mittwoch, 27. Oktober, wird zum erstenmal „Der alte Texto r", Eharakterkomödie von Hans Geisow, gegeben. Das Werk ist zum ersten Male vor zwei Jahren am Frankfurter Schauspielhause zu Goethes 175. Geburtstag mit schönem Erfolg gegeben worden. Es bringt Bilder aus dem Leben der Eltern und Do.eitern Goethes, und jedermann, der sich für Goethe interessiert — und welcher Gebildete täte das nicht — findet Vertrautes und Interessantes, da viele Züge „Dichtung und Wahrheit" entnommen sind. Die hiesige Aufführung dürfte auch im Lokalkolorit weitgehenden Ansprüchen genügen, da ein geborener Frankfurter, Herr Karl Volck, die Spielleitung inne hat. — Der Konzertoerein schreibt uns zur Ergänzung der bereits erfolgten Ankündigungen und Vorbesprechungen folgendes: Der Leitung des Konzertoereins ist es gelungen — als Preis langjähriger, bisher indessen vergeblicher Bemühungen — ein Uebereinkommen mit dem Snmphonie- Orchesier in Frankfurt herbelzuführen, auf Grund dessen im bevorstehenden Winter drei große Orchesterkonzerte in das Programm ausgenommen werden, das baburch eine wesentliche Bereicherung unb Vielseitigkeit erfährt. Das Symphonie-Orchester steht in Gießen, wie auch anderswo, unter Leitung des bekannten Chor- und Orchesterdirigenten Dr. Stefan Temesva ry aus Frankfurt a. M. Das erste Konzert wird am Donnerstag, 11. November, abends, im Stadttheater stattfinden und als Hauptwerk eine große Brucknersche Symphonie bringen, und zwar die bisher in Gießen noch nicht gehörte vierte (die sogenannte romantische), die als eins der schönsten Werke dieses großen Meisters gilt. Als Solistin wird an diesem Abend die ausgezeichnete Altistin aus Berlin Eva Liebenberg mitwirken und eine Reihe Händelscher Arien mit Begleitung des Orchesters singen. Die folgenden zwei Symphonie- Konzerte sowie ein weiteres geistliches Chor- Konzert, in welchem zum Gedächtnis unseres verstorbenen unvergeßlichen Prof. Trautmann Brahms Deutsches Pequiem zur Aufführung formt, werden ebenfalls von Dr. Temesvary, dem derzeitigen Leiter der Konzerte der Offenbacher Konzert-Gesellschaft, dirigiert. Sein künstlerischer Ruf als früherer Kapellmeister am Stuttgarter Landestheater, wie auch als Leiter des Cäcilien-Bereins in Frankfurt und das von den Montags-Konzerten in Frankfurt rühmlich bekannte Symvhonie-Orchefter bürgen für ein gutes Gelingen. Auf diese Weise wird dem vielfach geäußerten Verlangen nach Orchester-Konzerten entsprochen und unseren Musikfreunden Gelegenheit geboten, durch ein ständiges, gut eingespieltes und homogenes großes Orchester (nicht ein ad hoc zusammengestelltes) die Meisterwerke der Orchestermusik, sowohl klassischer wie moderner, unter erprobter, kongenialer Führung zu hören. •* Die völkerkundliche Ausstellung der Basler Mission im früheren „Hotel Groß Herzog" erfreut sich fortgesetzt eines außerordentlich guten Zuspruchs. Die Besucherzahl beträgt bis jetzt nahezu 3000. Von allen Seiten wird die große Reichhaltigkeit der Ausstellung anerkannt. Ein Besuch dürfte sich besonders am Samstagnachmittag und am Sonntag empfehlen, da für diese Zeit keine Schülerbesuche vorgesehen sind. ** Gewerbe- unb Maschinenbauchule Gießen. Als Abschluß des Sommer- emesters fand an der hiesigen Maschinenbauschule liefet Tage die Schlußprüfung unter dem Vorsitz des staatlichen Prüfungskommisjars, Regierungsbaurats Zwilling, und in Anwesenheit des Vertreters des Ländesamtes für bas Bildungswefen in Darmstadt, des Vertreters der Stadt Gießen und der Vertreter von Industrie und Handwerk statt. Zur Prüfung hatten sich 39 Schüler gemeldet, von denen 6 mit „gut" bestanden, 31 mit „bestanden" und zwei „nicht bestanden" abschlossen. Das neue Semester beginnt am 1. November mit einer sehr großen Schülerzahk, so daß wieder außerhalb der Anstalt verschiedene Säle gemietet werden mußten. ** Schuhmacherfachschule Gießen. Eine sehenswerte Ausstellung der Prüfungsarbeiten der Schuhmacherfachschule, Abteilung der Gewerbe- und Maschinenbauschule, ist in dem Schuhgeschäft Berg, Mäusburg, hergerichtet. Die Arbeiten der Schüler zeigen sehr gute Leistungen und sind zum großen Teil mit der Note „sehr gut" bewertet worden. —d. Städtische Grundstücksverpach- tu n g. Zu der gestrigen letzten Grundstücksverpachtung der Stadt Gießen waren viele Interessenten erschienen. Es wurden gute Preise erzielt. 3m Durchschnitt kosteten je 100 Quadratmeter Grabstücke im Eisenfeld-Wetzlarer Weg 2 bis 2,50 Mk., auf der Insel beim Elektrizitätswerk 2,50 bis 3 Mk. Die Grabgärten zwischen der Lahn und dem Wißmarer Weg kamen auf 6 bis 8 Mk. Pacht je 100 Quadratmeter. •* Wem gehört das Oelgemälde? Der Polizeibericht meldet: Bei einer auswärtigen Behörde ist ein Oelgemälde sichrrgestellt worden, das anscheinend gewaltsam aus seinem Rahmen entfernt wurde. Das Gemälde stellt die 14 Rothelfer dar. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und trägt angeblich das Signum: „I. C. Beckers". Das Motiv ist ein religiöses: man sieht eine Gruppe von Heiligen, darunter die Madonna und Hubertus, den Schutzpatron der Jagd, in grüner Uniform mit Hirsch. Das Bild soll vermutlich in der Gegend von Gießen gestohlen worden fein. Personen, die insbesondere darüber, wo ein solches Bild gestohlen wurde, Angaben zu diesem Vorgang machen können, werden er- sucht, der Kriminalpolizei Gießen alsbald Mittellungen zukommen zu lassen. •• Fe st genommen wurde heute vormtttag in der Herberge eine wegen schweren Diebstahls steckbrieflich gesuchte Person. ** Personalien. Ernannt wurden der Lehrer Lubw. Schmandt zu Helpershain-zum Lehrer an der Volksschule zu Köbdingen, Kreis Schotten: ber Lehrer Karl Stieler zu Oder-Sorg zum Lehrer an der Volksschule zu Flensungen, Kreis Alsfeld: der Lehrer Hermann Hofmann zu Reibertenrod zum Lehrer an der Volksschule zu Eifa, Kreis Alsfeld: der Dersorgungsanwarter Johann Georg Högel aus Laubach vom L Oktober 1926 ab Aum Amtsgehilfen bei dem Hessischen Landertheater; die Vermessungspraktikanten Georg Kolb beim Derrnesiungsamt zu Büdingen und Heinrich Lang beim Vermessungsamt zu Nidda mit Wirkung vom 1. Oktober 1926 ab zu Vennessungssekre- tären; ber Amtsgehilfe an ber Realschule und dem Prorealgymasium in Laubach Valentin Erbes zum Amtsgehilfen an ber Aufbauschule in Alzey mit Wirkung vom 1. November 1926 ab Aufgehobene Kreis st raßen- sperre. Nach Vollendung ber Reparaturarbeiten hat bas Kreisamt Gießen bie Sperrung ber Kreisstraße Gießen—Krofborf wieder aufgehoben. k. Deutschnationaler Handlungs- gehilfen-Derband. D.e Ortsgruppe Dießen des D. H. D. begann am Donnerstagabend hn Saalbau Sauer die für das Winterhalbjahr 1926/27 vorgesehene Vortragsreihe mit einem Vortrag des Ingenieurs E r t e l (Gießen) über das Thema: „QI u f Zickzackwegen durch Rußland". Der Vortragende gab zunächst einen kurzen Ueberblick über Sitten unb Gebräuche in Rußland, insbesondere über die russische Dollspshche. Er wies besonders darauf hin, daß die Schilderungen über die Verhältnisse In Rußland in sehr vielen Fällen nicht den Tatsachen entsprechen. Wer sich ein Bild über die Verhältnisse in Rußland machen wolle, müsse mit der breiten Masse des russischen Volles Fühlung nehmen, müsse die russische Volksseele erfassen. Redner schilderte dann eingehend die Eindrücke während seines 13jährigen Aufenthaltes in Rußland, insbesondere während feiner 7jährigen Internierung in Sibirien, wohin er nach Ausbruch des Krieges als Zivilinternierter mit Schwerverbrechern gebracht wurde. Völlig abgeschlossen von der Welt haben dort viele unserer deutschen Brüder jahrelang ohne irgendwelche geistige Ablenkung gelebt. Für den Vortragenden brachte der Ausbruch der Revolution in Rußland insofern eine Besserung, als seine Heranziehung zur Pflichtarbeit erfolgte, die ihn in angesehene Steifung brachte und ihm gleichzeitig die Möglichkell gab, in unmittelbarer Rähe der Leitung der Revolution zu kommen. Der Redner erläuterte dann weiter die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse und wies durch statistisches Material nach, daß Produktion und Umsatz gegenüber der Zeit vor dem Kriege ganz enorm gesunken sind. Das Wirtschaftsleben liege in Rußland furchtbar darnieder, so daß selbst bei den Führern des Bolschewismus teilweise wieder die Auffassung Platz greife, daß nur eine Rückkehr zur kapitalistischen Wirtschaftsform Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse bringen könne. Sich an die Jugend wendend, warnte der Redner vor allzu großen Hoffnungen bei einer Auswanderung nach Amerika vielleicht biete Rußland in den nächsten Jahren wieder die Möglichkeit für den jungen Kaufmann, dort vorwärts zu kommen. Von einem militärischen Bündnis Deutschlands mit Rußland dürfe keine Rede sein, da die derzeitige „Rote Armee" in Rußland alle derartigen Hoffnungen zuschanden mache insbesondere aber für einen Kampf gegen reguläre Truppen unbrauchbar sei. Der Redner ist der Auffassung, daß wir hilfesuchend weder nach Osten noch nach Westen schauen dürfen, sondern uns selbst helfen müssen. Dies könnten wir nur, wenn wir auf uns selbst vertrauen und einig seien. Im Anschluß an die interessanten, oft mit Humor gewürzten Ausführungen des Vortragenden wurde eine größere Anzahl von dem Redner selbst aufgenommener Lichtbilder über Land und Leute, Sitten und Gebräuche aus den verschiedensten Teilen Rußlands gezeigt, die ebenso wie der Vortrag von den zahlreich Erschienenen sehr beifällig aufgenommen wurden. Der Kampf um die Amtsgerichte. Eine Entschließung dec Industrie, und Handels, kanimer Friedberg. Die Industrie- und Handelskammer Friedberg für die Krebse Friedberg, Büdingen und Schottert hat zu der Frage der Zusammenlegung der Amtsgerichte Friedberg unb Bad-Rauhe i m in ihrer Vollversammlung am Donnerstag wie folgt Stellung genommen: Die Industrie- und Handelskammer hat aus verbürgten Zeitungsnachrichten und durch Mitteilung amtlicher Stellen erfahren, daß das Hess. Ministerium der Justiz beabsichtigt, aus Ersparnisgründen das eine von den be-ben 3Imtß- gerichten Friedberg und Dad-Rauheim eingehen zu lassen und das Gebiet des aufgelösten Amtsgerichts demjenigen des verbliebenen anzugliedern. Wenn auch die Kammer nicht besonders über ihre Ansicht gehört toorbcit ist, so halt sie es doch für ihre Pflicht und ihr Recht, zu dem Vorhaben der Regierung Stellung zu nehmen. Die Kammer erhebt gegen die beabsichtigte Neuerung die allerernstesten Bedenken und ersucht das zuständige Ministerium, es bet dem bestehenden Zustand zu belassen. Rach Ansicht der Kammer verlangen sowohl d'e eigenartigen, durch dm Weltverkehr e'ner Kurstadt bedingten Verhältnisse von Brd-Rauheim. als auch die zentrale Lage der Kreisstadt Friedberg, daß an beiden Plätzen d'e seit über 50 Jahren bestehenden Amtsgerichte erhalten bleiben. Sie kann aber auch in der Verschmelzung der Amtsgerichte keine nachweisbare Ersparung erblicken, da es als eine Unmöglichkeit erscheint, daß knmch die Zusammenlegung der Gerichte die Arbesismenge verringert wird, und daß dadurch eine Personalverminderung erz'elt werden kann. Wäre b:?5 aber wirklich der Fall, dann würde die Einsparung in der Verwaltung weit überwogen durch d'e dem in beiden Städten ansässigen Verkehrsgewerbe zugefügte Schä 6 i- gu n q und durch die Mehrkosten, d'e den Parteien und Zeugen durch Zeitaufwand und größere Snt- fermmg vom Wohnort verursacht Werdern Unter allen llmständen nach aber die Kammer Widerspruch dagegen erheben, daß den in Frage kommenden Städten angesvnnen wird, geldliche Opfer zugunsten des Landes zu bringen und das Verbleiben der Amtsgerichte an ihrem derzeitigen Ort durch das Anerbieten von Zuwendungen an den Staat zu erkaufen. Die Kammer ist der Mcimrng. daß die Aufgaben des Landes auf dem Gebiete der Justizverwaltung in keiner Weise von den Gemeinden, auch nickt in finanzieller Hins'cht, übernommen werden können. Einspruch der Friedberger StabfoerwaIfang. WSA. Friedberg, 22. Oft. Wie vir erfahren, hat nunmehr auch die hiesige Stadt- Verwaltung in einem längeren Schreiben an das hessische Ministerium der Justiz Einspruch gegen die geplante Aushebung bc8 Amt s ge richt es In Friedberg erhoben. Buntes Allerlei. Drollige Verwechslung. Denn jemand, wie es auch Goethe zu- wellen beliebte, unter angenommenem Romen reift, so wird und darf es selbst eine Berühmtheit nicht wundem und verdrießen, unerkannt zu bleiben; im Gegenteil, es ergeben sich häufig aus solcher Pseudvnymität die launigsten Situationen. Einst hatte, so wird erzählt, R e i ch a r d t. bet Komponist, zu August Lafontaine, dem berühmten Moderoman'chr'.ftsteller. die beide in Halle wohnten, gesagt, daß er in einigen Tagen ihm einen Kaufmann auS Hamburg zuführen werde, und wirklich kam er auch mit einem Fremden zu ihm, den er ihm mit einigen Worten vvrstellte. die er nicht verstand und für das Gewöhnllche nahm. Man ging in den Garten. Den Fremden interessierte die lange Baumallee. Er blieb am Ende des Ganges stehen, betrachtete lange die Aussicht und äußerte dann, eine so imposante Masse von großartigen Gebäuden. wie sich hier auf einen Blick darstelle, nie. selbst in Italien nicht, gesehen zu haben. Das Gespräch lenkte sich davon auf Kunst und Altertum, und Safoniaine hörte mit Erstaunen, wie kenntnis- und geistreich dieser Kaufmann war, an welchem fein Interesse von Minute zu Minute wuchs. Es war ganz gegen seine Sitte, jemand um seinen Barnen zu fragen, diesmal aber sagte er beim Abschied: „Mein Herr, Sie haben mir ein so großes Interesse eingefwßt, daß ich nicht unterlassen kann, Sie um Ihren Barnen zu bitten." — „M ein Barne i ft Goethe", war die Antwort. — „Mein Himmel," sagte Reichardt, „ich Habs Ihnen ja beim Eintreten gesagt." — „Das wollen Sie gesagt haben? Einen Kaufmann aus Hamburg haben Sie mir angekündigt, und beim Eintreten haben Sie nichts gesagt, sondern nur etwas gemurmelt. Wenn Eie künftig Goethe ankündigen so sprechen Sie deutlich. Herr! Sie brauchen bloß seinen Barnen zu nennen. Aber", so wendete er sich zu Goethe, „im Grunde ist mir das Mißverständnis recht lieb; denn hätte ich Ihren Barnen gewußt, so hätte ich gleich nichts anderes von Ihnen erwartet, als waS ich gehört habe." Schnell eilte er nun aber zu seiner Frau: „Geschwind, Fielchen, Goethe!" Die gute Frau aber sah nichts weiter als — was mancher Kritiker auch nur gesehen hat — feinen Zopf. Es ist auch vorge- kommen, dah man scherzhafter Weise einen anderen für Goethe auSgab, wie im April des Jahres 1775 als Klopstock den Einfall hatte, den ihn begleitenden Bote dem Superintendenten Kaiser in Gimbeck als Goethe vorzustellen, als der er mit sehr vielem Respekt empfangen ward. „Selbst durch G.mbeck, wo man gar nicht liest." so schrieb Bole an Merck, „lief die Baco- richt. daß Goethe da sei, wie ein Lauffeuer." Die Entwickelung machte nachher allen viel Spaß. Daß Goethe aber noch im Jahre 1818 auf Grund einer Ramensähnlichkett mit einem anderen verwechselt wurde, ist eine Begebenheit von solcher Komik, dah man ihrer gern mit Schmunzeln wieder gedenkt. Am 5. Mai 1824 unterhielt sich Goethe mit Eckermann über die Aussprache des B und P, D und T, G und K, wobei die ergötzlichsten Erfahrungen zum besten gegeben wurden, die beide an Weimarer SHauspie.ern zu machen Gelegenheit hatten. 3m Anschluß daran erzählte Goethe die drollige Verwechslung. deren Gegenstand er selbst gewesen war: „Als ich vor einigen Jahren mich einige Zeit in Jena aufhielt und im Gasthof „Zur Tanne" logierte, ließ sich eines Morgens ein Studiosus der Theologie bei mir melden. Bach- t-em er sich eine Weile ganz hübsch mit mir unterhalten, rückte er beim Abschiede gegen mich mit einem Anliegen ganz eigener Art hervor. Er bal mich nämlich, ihm doch am nächsten Sonntag zu erläutern statt meiner predigen z u dürfen. Ich merkte sogleich, woher der Wind ivehte, und daß der bo'fnungsvolle Jüngling einer von denen sei. die das D und K verwechseln. Ich erwiderte ihm also mit aller Freundlichkeit, ;ah ich ihm in dieser Angelegenhett zwar persönlich nicht helfen könne, daß er ater sicher seinen Zweck erreichen würde, wenn et die Güte haben wolle, sich an den Herrn Archidiakonus K o e t h e zu toenben (ter zugleich Professor der Theologie an der älniversität war). F. A. H. Kirchliche NachvichLen. Evangelische Gemeinden. Eonnlag. den 24. Oktober. 21. n. Trinitatis. Gießen. Stadtkirche. 9'/,: Missionar Lauk 11: Kinderkirche f. d. Malthäusg. Missionar Lauk 6: Missionar Schweikhart. - IohanneSkirche. 9'/,: Missionar Keller. 11: .ßinderkircbe für die Lukasg. Missionar Keller. 6:Missionar Schlaudrass. — Kirchberg. IO; Erntedankfest. Kollekte. 11: heil. Abendmahl f. d alten Leute von Stauen berg, Daub- ringen. Ruttershausen. Bachmitt. 1'/.: Mainzlar: heil. Abendmahl für die allen Eemeindeglieder. Kollekte. — Ltch. 9‘ 3 Stistsdechant Lenz. - Kin- dergottesdienst fällt aus — 2 Stittsdechant Lenz (Einführung der Konsirmanden). — Wiefeck. Erntedankfest. 9'/,; Opfer lür die Gießener Zuflucht für gefährdete und gefallene Frauen und Mädchen. 10'/.: Kinderlircke. — Matzenbvrn-Garbenteich. Watzenborn - Strinberg: 9 Beichte, anschl. Gottesdienst unb heil. Abendmahl der jung. Verheirateten. (Kollekte). Sarbenteich: 1. Kaiholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 23. Oktober. 4’/, u. 7 Beichte. Sonntag, 24. Oktober. 22. Sonntag nach Pfingsten. 6'/, Beichte, 7 Messe, Kom. d. Frauen, 8 Kom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 5‘/. Christen! u. Andacht. An den Werktagen ist abends 8 Rosenkranzandacht mit Segern — Grünberg. 9'/, Messe mit Predigt. — Hungen. 9'/, Hochamt mit Predigt. - Lich. 7'/, Messe mit Predigt. eonntaaSbientt b. Aer tte u.Avotbeken am 24 10.26 llr. Meyerhofs. Pros Dr. Honigmann. Engelavoib. 8ahuorÄt: Dr riöam. ist der neue Preis für die feit fünfzig *4 50 Jahren als mildes und zuverlässiges ■ ____ Abführmittel unübertroffenen in allen JL JUt Apotheken erhältlichen Apotheker Rich. 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Die Trauerfeier findet Montag, den 25. d. M., vormitttags 11 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes in Gießen statt Die Beisetzung erfolgt in aller Stille in Darmstadt Von Blumen- und Kranzspenden bitten wir abzusehen. 07309 1 D Den Me Sei Weiten ' überführ, Dessinger grhen, dc Men, g M ihr *fai, Um: 3 bk hier Jutta der Freilich besonder den am Fischzu, jene fie andere, stückelt, Irehgie hat de überha leine c einen, er da, • Zasse, Dogef nett in dein üeöerho erspäht onge S= Wen, Dosser, Li Mt, ystig S’wii 2j ®n«"ler £le ” g< WS" fei«'”" ««A »i'J nen- 5™ 1^,. ftung^a beion- und S Mrc^^i Ä mit । kialau unbw>i sicher mi sich bei 0 ' Wni Aurchbild langen! menschen ling^zur Mrend Iungdeu hin vech organ scheu 3i selbe- d Mall" «Vöhlit U sieb maßen di s-xdening wachsen i vvrbereitu wichtige 2 sie noch n zösischen - lvwalei 1 Cs 1 Meine auf i>ie Amer geradez^ und ml rifa wi betrieb« falle bi ligen? so toiri kurzer. herä/yni W Mi Wgsfäh toten r. geübt ui bildunz mit W ßebran1 oder 6 wissens, zeitig i cUftoei1 tischen tiefet 1 den M Atthte seinem ' er besitz an diese: wird üb nach klar Italien n Ausbildi 3 Lahre den die 07.-86 neQcn G. 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Vertr.: Emii Eeciier, ßanunsir.43, Gießen,Tei. 1193 iSS® lrb'>uTÄ,^e Weil nnb :Mn! ?flW PK ■ fist* °W?L Mr: ä ÄS&*n5 M« 6e'V» S-:rff SSt. nQie alles Kind IX'i?rt"W1 wer- ywlWoiieSS sbcrn Aciitd)t.3tt>r noc&ote um. o'zgg L^eiu«ieii_?h^ schirm uaMb. E°e,be. 'end. ilb^uoebcn b. 'r. ttnxch. ^x- MU iomutii Einladung;ur Generalversammlung i Dienstag, L,2.Ost.. abends 8'8 Ubx, im Äerrinslokal: te* NWUM rageLordnung laut Lalznngcn. ^rr Vorktand. SMWIki". Moniaa abend: 31*10*' JWU- Stadttor kM S-5» Maxhexn. ZSs WM»N AÄS «S’filÄ8’0’ rM B M Sbxet wt62w^ V "V. cft» kÄtzlS «Wfe* i B«W Samstag, 23. ©ttober 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 249 Zweites Blatt Den Vereinigten Staaten liegt die Million ob. aber diese Mission besteht nicht darin, in eine Situation, die bereits über mehr Worte als nötig verfügt, noch neue Worte hineinzutragen. Es ist auch nicht unsere Mission, Geld auszuborgen. Jeder Dollar, den wir Europa leihen, dient nur dazu, den Tag der Abrechnung hinauszuzögern, dient nur dazu, Armut und Elend zu verlängern, die schon vor dem Kriege akut waren und es heute in noch höherem Maße sind. Eine der Hauptaufgaben des Völkerbundes bestand bis heute darin, Vorsorge für die Aufnahme von Anleihen zu treffen, die doch nur verhindern, daß man den Wirklichkeiten ins Antlitz blickt. Was früher über das Leihen von Geld bei einem Geschäft gesagt wurde, bezieht sich mit gleichem Vachdruck auf das Geldleihen bei Ra- tionen. Die Völker Europas brauchen kein Geld, obgleich sie davon überzeugt sind. Es gibt in Europa auch nicht eine Bedingung, die sich durch Geld allein heilen ließe. Cs ist nicht die Mission der Verewigten Staaten, einen falschen Geist des Internationalismus zu kultivieren, der nur zu einer Vermengung der euro.väischen Sorgen mit unseren eigenen führen würde. Ihre Aufgabe ist vielmehr, durch Beispiel daheim und im Auslande zu zeigen, daß der gegenwärtige Zustand Europas gänzlich unnötig ist und lediglich auf das Schuldkonto eines falschen wirtschaftlichen Systems kommt. Es klingt ganz hübsch, über. Internationalismus zu schwatzen und über den Schaden, den engstirniger Vationalismus der Welt zugefügt hat. Für die Völker bedeutet es höchste Torheit, sich als Erbfeinde zu betrachten, nur weil sie getrennten Regierungen unterstehen. In diesem Sinne hat sich Vativnalität als Betrug erwiesen. Eine Vation ist lediglich eine homogene wirtschaftliche Einheit. Ist sie nicht gleichen Ursprungs und läßt sie sich nicht wirksam re» gieren, dann ist sie keine wahre Einheit. Oesters schon hat sich eine Vation, die als eine wirtschaftliche Einheit betrachtet wurde, in zwei oder mehr Teile gespalten. Wir haben schon wodschaftcn eingerichtet worden. Die militärische Vorbereitung wird als Pstchtfcich in den Schulen bzw. als Verpflichtung für die Jugend auch außerhalb der Schulen eingeführt. Auch die weibliche Jugend soll pfl.chtmähig imSani- täts-, Rettungs- und Fürsorgcwesen ausgebildet werden. In einem besonderen Dauerkursus sollen die Leiter der Ausbildung vorbereitet werden. Die Gemeinden haben Schieß- und Hebungs- Plätze zur Verfügung zu stellen. Dir sehen, ringsum in der Welt wird die Jugend planmäßig zur Wehrhaftigkeit, zur Disziplin und entschädigungsloscn Pflichterfüllung erlogen. Dem Deutschen aber hat der Feind die Hände gebunden, der wohl weih, daß ein Mann, der in der Jugend den Geist der Wehrhaftigkeit, die Freude an der Unterordnung unter eine große Organisation nicht gelernt hat, in reiferem Alter schwerlich diese Eigenschaften zum Heile des Vaterlandes noch erwirbt. Fischreiher im Licher Grund. Von Karl Rudolf Fischer, Laubach. Dem aufmerksamen Raturbeobachter, der um Die Zeit des Sonnenunterganges die art dem weiten Wiesengelände des Licher Grundes vorüberführende Kreisstraße von Lich nach V'.eder- Bessingen entlang wandert, wird es nicht entgehen, daß sich hier alltäglich eine Anzahl von großen, grauen, stelzbeinigen Vögeln aufhalt, die durch ihr unglaublich scheues Benehmen sofort aufsallen, wenn sie sich von Menschen beobachtet fühlen: Fisch- oder Graureiher sind es die hier an der Wetter und den das Wiesental durchziehenden Flut- und Bewässerungsgräben der Jagd auf allerhand kleines Getier obliegen. Freilich vermag der Reiher, tritt er häufig auf, besonders gn Forellenbächen empfindlichen Schaden anzurichten, an größeren Gewässern, in denen Fischzucht gedeiht, wird es sich aber meist um jene kleinen Weißfische, Gründlinge, Ellrihen und anderes geringes Zeug handeln, die er unzer- stückelt, mit dem Kopfe zuerst, in seinen stets frehgierigen Rachen hineinwürgt. Beim Fischfang hat der Reiher, der ein sehr scharfes Auge und überhaupt hervorragende Sinncswerkzeuge besitzt, seine eigene Methode. Stundenlang vermag er auf einem Fleck auszuharren, steif wie ein Dock steht er da, hochbeinig und hölzern, mit eingezogenem Halse, was den Anschein 'erweckt, als ob der Vogel bucklig sei. Do wartet er, bis seine bernsteingelben Augen mit dem seltsam stechenden Blick, in dem seichten Wasser, das ihm bis an die Federhosen reicht, ein Fischchen in seiner Vähe erspäht haben. Wie ein Blitz zuckt dann der lange 8-förmig gebogene Hals mit dem messerscharfen, lanzenspihen Storchschnabel plötzlich ins Wasser, und ehe sich's der Fisch versieht, schnickt der Reiher den Hals im Vu kerzengerade in die Luft, sperrt die klammerfesten Schnabelhälften lauf, daß der Fisch m den Rachen fällt und schluckt ihn hinab. Die Wiesengräben dagegen pürscht er langsam entlang mit jenem schleichenden. für alle scheuen Tiere charakteristischen Gang, vorsichtig Schritt vor Schritt sehend, dabei alle Augenblicke ihre Umgebung scharf musternd und nimmt alles auf, was nur irgendwie genießbar ist: Frösche, Blindschleichen. Wasserratten, aber auch Libellenlarven und Wasserkäfer, ja selbst wozu die Armee Handwaffen, Geschütze, Munition usw. liefert. Es gibt in den Vereinigten Staaten keine Universität oder Hochschule ohne eigenen, gut ausgestatteten Schießstand. Ganz ähnlich sind die Bestrebungen für die militärische Jugendvorbereitung in England. Vom 14. bis 20. Lebensjahre werden die Jungen militärische vorgeschult durch eine Menge von Jugendvereinigungen, die teilweise den Charakter unserer Pfadfindervereine tragen. D.e höheren Schulen stellen sich auch die Heranbildung von Ofsizierersah für Die Territorialarmee zur Aufgabe, während an einer Reihe niederer Schulen ebenfalls mit. staatlicher Unterstützung Jugendvereinigungen für den Unteroffizier- und Mannschaftsersah sorgen. Auch in Polen besteht seit Mai 1925 ein Oberster Rat für körperliche Erziehung und militärische Jugendvorbereitung beim Kultusministerium: entsprechende Komitees sind bei Woje- lange gelernt, daß unsere staatlichen Grenzen keine Wirtschaftsschranken sind, xmd wir schenken ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Europa aber richtet politische Grenzen auf und ver- sucht diese dann mit katastrophalem Ergebnis z u Wirtschaftsgrenzen zu gestalten — so zum Beispiel Deutschland und Frankreich. Den Amerikanismus verteidigen, heißt nicht einen engherzigen Rationalismus befürworten. Die wesentlichen Grundsätze des Amerikanismus sind das Ziel, dem die ganze Zivilisation zustrebt. Das ist keine Ruhmredigkeit, sind doch diese Grundsätze weit älter als die Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten wurden nur zu einer Pflcgstätte, In der diele Prinzipien zu voNer Reise gebracht werden konnten, damit alle Rationen der Erde die praktische Rat u r der Freiheit zu sehen und sie beim Sehen zu erkennen vermöchten. Es ist die Mission der Vereinigten Staaten, der Welt die Realität und Dauerhaftigkeit bestimmter Grundsätze vor Augen zu halten. Krieg wird nie durch die Pazifisten verhindert. Friede nie durch die Kriegshetzer errungen werden. Solange auf der Erde diese kriegerische GeisteSstimmung besteht und über Instrumente verfügt, ihre Absichten durchzuführen, ist Krieg möglidx. Krieg als Methode, um etwas zu erreichen, wird heute abgelehnt, und wird in der Zukunft immer schärfer abgelehnt werden, bis selbst der kriegerische Geist die Ruhlosigkeit Die Mission der Vereinigten Staaten Don Henry Ford. Kaulquappen und Regenwürmer sind ihm recht. Cs ist eine grundverkehrte Ansicht, wenn das Volk glaubt, daß der Reiher sich nur von Fischfang ernähre und darob als ausschließlich schädlicher Vogel zu gelten habe und ausgerottet werden müsse. Im Gegenteil, der Reiher vermag «auf der anderen Seite auch wieder nützlich zu fein. Ist er doch gerade im Herbst auf Öen: abgeernteten Wiesen einer der leidenschaftlichsten Mäusevertilger, wodurch er den Schaden, den er zweifellos und besonders zur Brutzeit an Fischereigewässern verursacht, wieder wett macht. So hat Floericke einmal berichtet, daß er bei Gewölk- und Magenuntersuchungen von Vögeln (darüber besteht eine nette Schrift von ihm: „Detektivstudien in der Vogelwelt") im Herbst in einem einzigen Reihermagen die Reste von über 20 Mäusen gefunden habe. Schon allem deshalb verdient es der Reiher, nicht bis zu ferner vollständigen Ausrottung verfolgt zu werden, iuio dann ist es doch ganz klar, daß er bei ferner großen Seltenheit keinen wirklich fühlbaren Schaden anzurichten vermag wie früher. Daher ist es die Pflicht aller Jäger, ihn dort, wo er sich noch als Raturdenkmal aus unserer Ahnens in den einsamsten Forsten verborgen hält, zu schuhen und ihn nicht mehr nach der langst veralteten Anschauung zu verfolgen die nur »nützlich und „schädliche" Tiere gekannt hat. Gerade bei uns in Hessen ist in dieser Hinsicht so viel gesündigt worden, daß wir es gar nicht mehr gut machen können, und man wenigstens verlangen kann, daß das geschont wird, was sich m unsere Tage hinübergerettet hat und uns noch verblieben ist. Denn nur noch ganz wenige Orte sind es in Hessen, die den Reiher als Drutvogel beherbergen. wenngleich er sich auf dem Durchzug allenthalben noch öfters sehen lassen Zeit der hessischen Landgrafen die Aeih^beize auch bei uns noch in voller Dutte unk) m hohem Ansehen stand, wurden die Reiher mit allen Mitteln gehegt und durch strenge Verordnungen geschützt, ja sogar künstlich gezüchtet, tote uns Landau berichtet, wobei in eigens dazui ein gerichteten Reiherhäusern die Heranzucht der für die Beize erforderlichen Reiher betrieben ward. Hierfür war ein Oberfalkenmeister angestellt, dmx «auch die Obhut und Ueberwachung der zur Ausübung der beliebten, mittelalterlichen aus der Glanzzeit des Rittertums stammenden Jagdwexle Militärische Zugendausbildung im Ausland. Von unferm militärpolitischen K-Korrespondenten. Die meisten Militärmächte der Welt haben die aktive Dienstzeit auf 1 bis l1/» 3aVc herabgesetzt. Gleichzeitig sind seit dem Kriege aber die Anforderungen an den Soldaten ungeheuer gestiegen. Früher wurde die Beherrschung einer einzigen Waffe verlangt. Heute muß gehörige einer Jnfanteriekompagine z. D. neben seinem Gewehr das leichte M G. und dle Hand- qranate beherrschen und mit Pistole, Gewehr gtanate und schwerem M. G umgehen können. Viele Mannschaften sind im Nachrichtendienst auszubilden, d. h. sie müssen das Fernsprech- und Blinkgerät handhaben und ms and halten kön- neu. Kurz, der moderne Soldat nmh r^ben der früher schon unentbehrlichen korperUchen Lei- stungssühigkeit auch eine erheblich« Menge von besonderen technischen Kenntnissen und Fertigkeiten besitzen, wie sie früher nicht verlangt wurden. Daher ist es kein Wunder, daß Staaten, die in der Ausgestaltung ihrer Heeresmacht freie Hand haben, die kurze Dienst- »dt mit der Waffe lediglich für die Spezi a l a u s b i 1 du n g ihrer Soldaten verwenden und von diesen verlangen, daß sie erst nach gründlicher militärischer Jugendvorbereitung sich bei der Fahne eaifmben. Mindestens ebenso schwierig, wie die technische Durchbildung des Mannes, auf alle Fälle aber langwieriger ist die Erziehung des Massen- menschen zum Soldaten, des disziplinlosen Jünglings zum Mann. Was bei uns'in Deutschland während des Krieges von den sog. Jugendwehr- intD Jungdeutschlandgruppen aus private Initiative hin versucht wurde, das wird dort vorn Staate organisiert. Der Zweck der sog. militärischen Jugendausbildung ist in allen Staaten verleibe: die Jugend soll geistig an militärische Auffassungen und den soldatischen Pflichtbegriff gewöhnt und körperlich so vorgebildet werden, daß sie beim Eintritt in das Heer schon einigermaßen diszipliniert und allen körperlichen Anforderungen des Dienstes mit der Waffe gewachsen ist. In Frankreich hat diese Jugend- vvrbereitung schon lange vor dem Krieg eine wichtige Rolle gespielt. Rach dem Kriege wurde sie nod) mehr ausgebaut und auch in den französischen Vasallenstaaten Polen und der Tschechoslowakei eingeführt. Es leuchtet ein, daß Staaten ohne allgemeine Wehrpflicht noch größeren Wert auf die Jugendvorbereitung legen müssen. In Amerika und England finden wir eine geradezu vorbildliche Organisation. Körperliche und militärische Erziehung der Jugend in Amerika wird in erster Linie an den höheren Schulen betrieben. Die höheren Schüler sollen im Kriegsfälle brauchbare Führer abgeben. „Sind die richtigen Führer da, — so ist der Gedankengang — so wird es im Kriege nicht fd>toer fallen, in kurzer Zeit das ganze Volk zu guten Soldatenheranzubilden. Voraussetzung dafür ist allerdings die in Amerika glänzende körperliche Leistungsfähigkeit des ganzen Volkes, auch der breiten Masse, die durch den Sport allgemein geübt und erreicht wird. Die militärische Aus- bilöung ist in allen vom Staat geleiteten oder mit staatlicher Unterstützung betriebenen höheren Lehranstalten P f l ich 11eh rf ach. Kein Schuler oder Student, her militärtauglich ist, besteht eine wissenschaftliche Prüfung, wenn er nicht gleichzeitig in der militärischen Ausbildung Leistungen aufweist. Darin liegt, abgesehen von dem praktischen Vutzen, den diese Einrichtung hat, ein tiefer Sinn: die militärische Ausbildung lehrt den Menschen, daß er Pflichten, nicht nur Rechte hat und daß er im Falle der Rot feinem Vaterlande alles zu opfern bat, was er besitzt. Die militärische Jugendvorbereitung an diesen Schulen ist Sache der Armee. Sie wird überall mit großem Fleiß und Ernst und nach klaren Vorschriften betrieben. Auf den Gymnasien imd Realschulen beginnt die militärische Ausbildung mit dem 14. Lebensjahre und dauert 3 Jahre. Auf Universitäten oder Hochschulen werden die Studenten 4 Jahre lang ausgebildet, Ein neues Buch Fords „Das große Heute — das größere Morgen" ist soeben in der Übersetzung von Curt und Marguerite Thesing bei Paul List in Leipzig erschienen. Der geniale Wirt- ■ schastler verkündet hier ein Evangelium pes Wohlstandes, das durch Verbesserung der Organisation und vernünftige Verwertung der Rohstoffquellen verwirklicht werden kann. Für uns Deutsche besonders interessant sind seine weltpolitischen Anschauungen, wie sie in dem folgenden Abschnitt des Werkes zum Ausdruck kommen. (554) Die Aufrechterhaltung des Friedens unter den Rationen gilt als ein Ideal, dem zuzustreben unsere höchste Pflicht ist. Rie- mand kann das Unetwünschte eines Krieges in Zweisel ziehen. Krieg bedeutet Serftorung. Er lenkt die Produktion ab, für die Bedürfnisse der Menschheit zu sorgen: er gibt der Welt nichts, raubt ihr aber vieles. Jedoch Krieg ist keine Ursache, Krieg ist eine Wirkung. Er ist eine Wirkung der Armut — besonders der Gedankenarmut. Genau so lange wie große Massen des Volkes in Armut leben, genau so lange toirD es Krieg geben. Der Antrieb, Krieg zu führen, der ja hauptsächlich dem Wunsche entspringt die Fruchte von eines anderen Produktion an sich zu reißen, wird stets bestehen, bis die Völker der Erde gelernt haben, im Ueberfluh für sich selbst zu produzieren — bis der Rachweis erbracht ist, daß es bequemer ist, selbst zu erzeugen, als zu rauben. Vereinbarungen, keine Kriege mehr zu fuhren, Verträge, die Streitigkeiten zwischen Rationen schiedsgerichtlich zu erledigen und all die diplomatischen Paraphemalen sind lediglich ephemere Versuche, Kriege zu verhindern, da sie den Krieg als eine Krankheit behandeln — wahrend er nur das Symptom eines krankhafte n Z u st a n d e s ist. Ja, es ist mehr als nur möglich, daß derartige Vereinbarungen, wie sie in dem Völkerbund und seinem Anhängsel, dem Wellschiedsgericht, zum Ausdruck kommen, in Wahrheit Förderer des Krieges sind, da sie die Erforschung der eigentlichen Ursachen behindern. Verträge zur Beschränkung der Rüstungen stehen auf einer anderen Basis, da sie ganz offen den Krieg als solchen anerkennen. Man vereinbart für die Gegenwart, die Ausgaben einzuschränken, sich für den nächsten Krieg bereitzuhalten, und macht auf diese Weise Energie frei, die der Pro- Auktion zugute kommen kann und damit vielleicht zur Verminderung jener Armut beitragt, die Kriege erzeugt. . Jeder Krieg hat einen wirtschaftlich en Anlaß: auch jene Kriege, die aus bloßer Gesetz- losiqkeit zu entspringen scheinen, lassen sich stets auf Armut zurückführen. Roch nie ist Armut durch ständige Wiederholung irgendwelcher -worie aus der Welt geschafft worden. Riemand glaubt heute noch an Aladin und seine Wunderlampe. wertvollsten Stücke ihres Porzellan- und Silber- schahes vermißt, und gerade die, welche man dem verehrten Gast auszeichnend in Benutzung gegeben. Der eben noch Gefeierte erschien nun als der schwärzeste Betrüger, als Mensch mit kranken Trieben bestenfalls, und für einige Zeit waren die Gesellschaften der kleinen Stadt von diesem unterirdischen Gesprächsstoff nicht wenig angeregt. Uebrigens hatte man Takt, Standesgesühl und Porzellan genug, um an eine gerichtliche oder private Verfolgung des Diebes nicht zu denken. Die Geschichte war gerade daran, ihre Reize zu verlieren und in Vergessenheit zu geraten, als her Professor ein Schreiben des Berüchtigten erhielt, darin er noch einmal für zwei Tage feiner Rückreise als Gast sich ankündigte. Diese Anmeldung, deren bescheidene Sicherheit man unter anderen ilmftänben als Ehrung empfunden hätte, versetzte die Beteiligten in Die sensationelle Verlegenheit, wie man dem Wiederkehrenden begegnen solle. Schließlich bewog die Aussicht, das Unglaubliche mit eigenen Augen sich wiederholen zu sehen, dem bösen Spiel mit guter Miene bei- zuwohnen. So sand sich der Gast bereits am Abend nach seiner Ankunft wieder durch eine ausgesuchte Gesellschast geehrt. Mit Mokkatassen in der Hand stand man umher, die Aufmerksamkeit nur halb auf das Gespräch gerichtet, und jederzeit gefaßt, einen Silberlöffel in der Fracktasche des Gastes verschwinden zu sehen. Der so Belauerte indessen scheint von diesen Blicken nichts zu spüren: unbefangen geht er durch die Gruppen, seine Tasse balancierend, um sie schließlich als leer unb darum nutzlos auf einen mehr als mannshohen, doch ihm bequemen Schrank zu schieben. Man hielt sich musterhaft, und nur einem sehr aufmerksamen Beobachter wäre es auf gefallen, wie einige Herren auf Zehenspitzen und gereckten Kopfes durch die Zimmer gingen. Auf Schränken, Gardinenbrettern und hinter breiten Bilderrahmen erblickten sie alles verlorene Gut des vorigen Besuchs in Staub und Spinnenweb verwahrt. So unschuldig tote ahnungslos fuhr tags darauf der Gast nach Hause, dem Gelächter nun die Hausfrau überlassend, die m vier Wochen nicht auf ihre Schränke sah. eines Krieges erkannt hat. Kann sich jemand vorstellen, daß die Vereinigten Staaten einen Krieg beginnen? Kann jemand glauben, die Vereinigten Staaten würden sich weigern, einen gegen sie begonnenen Krieg zum blutigen Ende zu sühren? Richt unsere allbekannte Hinneigung zum Frieden schützt uns, andern unsere allbekannte Abneigung zu dulden, daß irgend jenxand unseren Frieden stört. Der Pazifismus ist eine vortreffliche Lehre, wenn er in jenen Teilen der Welt gepredigt wird, in denen der kriegerzeugende Geist noch wuchert. Die Banditen der Welt bewaffnen und die gesehesliebenden Bürger entwaffnen, ist nicht der rechte Weg, Den internationalen Räubern Halt zu gebieten. Den anständigen Bürgern anraten, als Beispiel für Die Thugs ihre Waifen nie^erzuiegen, verrät ein Durch nichts begründetes Vertrauen in Die Empfänglichkeit vor Meuchelmördern für das christliche Beispiel. Das ist eine fromme Fiktion. Militaristen sind unfähig, Frieden zu bringen. Sie sind Spezialisten der rohen Kraft, wie die Pazifisten Spezialisten der Sentimentalität sind. Die Völker sind weder so sanftmütig, tote die Pazifisten sie gerne sehen möchten, noch so ua- barmherzig. toie Die extremen Militaristen es wünschen. Aber die Völker ftnD Dabei, sich in der Strategie des gesunDen Menschen- verstanDes auszubilDen. Die Tatsache, daß unser Volk kein Kriegsbeginner ist, hält es nicht ab. ein Kriegsverhinderer zu sein, und zwar ein so tatkräftiger Kriegsverhinderer, daß Die Kriegsbeginner sich hüten werden. Was wir am meisten als Schwächung unserer Wirkungskraft fürchten müssen, xst die Hinnahme politischer Versprechungen als Bürgschaft für Gedanken und Tat. Der stärkste Einzelanlaß für die Verarmung Europas seit dem Kriege lag in dem hilflosen Sichverlassen auf die Re- g i e r u n g e n, etwas zu tun, was eine Regierung nicht zu tun vermag. Die Ironie dieses Systems liegt darin, daß Die Regierung, die sich dieses System zu eigen macht, fortfahren muh. immer mehr und mehr selbst zu tun; und Da Die For- Derungen noch mehr zunehmen, schwindet Die Fähigkeit, überhaupt etwas Durchzuführen. Denn Die Regierung verfügt über nichts, was nicht von dem Volke stammt: und ein Volk, in dem Der Geist Der Selbsthilfe vernichtet ist, steuert weniger und weniger zu Dem bei, was e8 wünscht, bis enDlich Volk so gut wie Regierung einer vollkommenen Hilflosigkeit anheim- fallen. Als DuhlanD jene erstaunliche Wendung vollzog und den offiziellen Kommunismus mit einer teilweisen Rückkehr zum Privatunternehmen vertauschte, bestätigte es einfach Die U n e r - läßlichkeit Der Selbsthilfe für jeDes Volk. Die Regierung kann ein Monopol, aber aber sobalD wir uixs in Die Politik cinlassen, kehrt unser Kinderglaube zurück und wir halten es für möglich, Daß irgendeine Anordnung von Worten in einem Vertrage, ein Beschluß oder ein Gesetz gleich Alabins Lampe etwas zu schassen vermögen. Daher ist eine Kriegserklärung nicht besonders bedeutungsvoll. Die Dereixrbarung. keinen Krieg anzusangen. ist gleichfalls nicht sehr wichtig: von wirklicher Bedeutung ist aber, daß man den Krieg nicht mehr als eine Ursache behandelt. denn das ist im günstigsten Falle etwas Regatives, daß man sich auch nicht müht, den Krieg zu verhindern oder den Friedenszustand zu wahren, sondern daß man allgemeinen Wohlstand schafft. Wohlstand kann zu Der natürlichen DaseinsbeDinguny gemacht werden Das ist bewiesen worden. Die Vereinigten Staaten haben diesen Beweis geführt. mit dem „Federspiel" übertragen war. Aus der genannten Quelle geht weiter hervor, daß die Beize im Jahre 1785 in Hessen aufgehoben wurde, das Reiherschuhgesetz aber noch bestehen blieb, bis man den stattlichen Vogel etwa zehn Zähre später auf die Beschwerden und Vor- ftellungexx der Fischeveiberechtigten als schädliches Raubzeug erklären und gegen Schuß Prämien ab- schiehen ließ. Daher hatten sich nur wenige Kolonien ins vorige Jahrhundert hinübergerettet, eine der letzten großen hessischen war die bei Lang- Göns. die über 30 Horste umfaßte und 1883 durch das zuständige Forstamt vernichtet wurde, worüber Gewerberat Dr. Gerhard vor längerer Zeit an dieser Stelle berichtete, und von der eine Abbildung in Dem vom Verfasser heraus- gegebenen „Vogelbuch von Vogelsberg. Wetterau tunb Rhön" enthalten ist. Weitere hessische Reiheransiedlungen waren vorhanden an der Badenburg bei Gießen, wo auch einige her bei Lang-Göns ihrer Riststätte beraubten Tiere eine neue Zuflucht fanden. Diese in der Gießener Gegend liegenden Kolonien hatten xhr eigentliches Jagdgebiet im Lahntal. dehnten aber ihre ©treifjüge bis an die Forellenbäche des Vogelsberges aus. Die sie nach halbstündigem Flug erreichten. Hier haben sich die letzten ober- hessischen Reiherhorste am längsten halten können, unter anderem an den Mooser Teichen und am Gederner See. Andere Angaben über ihr heutiges Drutvorkommen sind unrichtig. Der hohe Gast. Anekdote von Gerd Kauter. Ein Gelehrter von hervorragendem Ruf, feiner Bildung und übrigens ungewöhnlicher Körperlänge — er mochte wohl zwei Meter hoch sein — weilte als Gast im Hause eines Kollegen in einer kleinen Universitätsstadt. (Sine Woche hindurch versammelte man fast an jedem Abend Die angesehensten Bürger Der StaDt und Universität um seine vornehme, hohe, etwas weltfremde Gestalt. Als er nach acht Sagen reifte hinterließ er ein Andenken, wie er es sich nicht besser wünschen konnte. . , , Doch sollte es nur zwei Tage Bestand haben. Aus Dem Hause des Professors verbreitete sich in die StaDt das Gerücht, Die Hausfrau habe beim Aufräumen ihres Tafelgeschirres einige Der keine Vorräte erzeugen. Sie kann Preise fest- sehen, vermag aber keine Kaufkraft zu schaffen. Sie kann Preiszuschläge in Form von Versprechungen verordnen, aber sie vermag kein Geschäft zu befähigen, auf eigenen Füßen zu stehen. Gesetzgeberische Maßnahmen gewähren höchstens mangelhaften Einrichtungen Schutz und hallen diese am Leben. Außenpolitische Umschau. Von Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. d. D. Mit dem Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeiten in Deutschland beginnt nun natürlich, was auch notwendig ist, eine schärfere und ein- dringendere außenpolitische Debatte. Es ist die Schuld der Regierung, wenn dabei vor dem großen Komplex, der mit den Schlagwörtern: Thoiry, Wirtschaftsmanifest und dergleichen bezeichnet ist, immer noch die Militärkontrolle steht. Unablässig haben wir gefordert, daß diese Fragen bereinigt sein müßten, ehe Deutschland in den Völkerbund einträte. Aber diese Chance ist nicht genutzt worden I Man glaubte darüber hinwcggleiten zu können, und schleppt jetzt diese Schwierigkeiten weiter. Immer noch sind die bekannten Streitfragen nicht erledigt. Immer noch existiert die interalliierte Militärkommission. Immer noch existiert sogar die Botschafterkonferenz in Paris! Denn wir hören, daß sie einen Bericht der interalliierten Kontrollkommission entgegengenommen habe, der über die bekannten Streitfragen spricht: Oberbefehl, Königsberger Festungswerke, Herstellung und Ausfuhr von Kriegsmaterial, angeblich ungesetzliche Einstellung von Soldaten und die Frage der sogenannten Wehrverbände. Und es scheint sich jetzt Nun, nachdem über die erst genannten Fragen die Einigung wenigstens vorbereitet ist, die Auseinandersetzung auf den letzten Punkt zuzuspitzen, auf die Forderung Frankreichs, diese Verbände a u f z u l ö s e n. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser erneute Vorstoß sich ganz in erster Linie gegen die Verbände auf der rechten Seite, gegen die nationalen und vaterländischen Wehrverbände richtet, und auch der Außenminister wird wissen, daß er da der Forderung der anderen Seite nicht entgegenkommen darf. Thoiry: Der Gedanke also dieses Zwiegespräches vom 17. September war „eine Gesa m t l ö s u n g" der zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Streitfragen in Angriff zu nehmen und dafür gegebenenfalls deutsche finanzielle Opfer in Aussicht zu stellen. Daß damit ein schwieriges Kapitel begonnen wurde, haben vielleicht die beiden Staatsmänner in Thoiry in der ganzen Genfer Hochstimmung sich selber nicht ganz klar gemacht. Iedenfalls ist bis heute irgend ein wirklicher Fortschritt in den Erörterungen nicht erreicht worden, dafür sind die Schwierigkeiten und Llnklarheiten dieses Problems erst recht hervorgetreten. Beginnen wir mit der deutschen Seite dabei. Das Wort „Gesamtlosung" der deutsch- französischen Differenzen ist insofern gefährlich, weil auch eine deutsch-französische Gesamtlösung im großen weltpolitischen und weltwirtschaftlichen -Zusammenhang nureine „Teillösung" sein kann. Die Frage ist aber sehr ernst und gewichtig, ob eine Teillösung dieser Art im wirklich verstandenen Interesse Deutschlands auf lange Sicht hinaus liegt. Die Idee von Thoiry, durch Mobilisierung eines Teiles der deutschen Ersenbahnobligationen der französischen Währung zu Hilfe zu kommen und dafür französische Zugeständnisse am Rhein und an der Saar einzulauschen, ist und bleibt durchaus abhängig von der Bereitwilligkeit Nordamerikas, dies Geldgeschäft zu unterstützen, indem es die Obligationen aufnimmt. Eine amerikanische Bereitwilligkeit aber wird zwingend abhängig gemacht von der Bereinigung der französischen Schulden an Nordamerika. Man k^nnt und begreift die amerikanische Politik zu dieser Frage einfach nicht, wenn man glaubt, es Y toür’be gewissermaßen am Schuldenabkommen . Frankreichs mit der Union vorbei eine Art 5:.Bvrlösung" gelingen. Wir bekämpfen diese Unklarheit nachdrücklich, weil sie gefährlich ist, "'Illusionen erweckt und geradezu gegen Deutschlands wahres Interesse geht. Denn damit wird an Vorteile und Interessen gerührt, die wir nun einmal aus dem Verhältnis zu Nordamerika und insonderheit aus der Transferordnung für uns haben, und unter keinen Umständen aus der Hand geben dürfen. Umgekehrt aber: ratifiziert Frankreich sein Schuldenabkommen mit Nordamerika, dann wird ja für es die Bahn zu einer Anleihe in Nordamerika an sich frei, und fragt es sich dann, wozu einen solchen Gang noch mit Zugeständnissen an Deutschland erkaufen? Es liegt gerade im deutschen Interesse, diese Kernpunkte so scharf wie möglich herauszuheben und darauf hinzuweifen, daß in unserem Interesse die große Gesamtlösung der Repara- tivns- und Schuldenfrag« in einem ist, auf die letztlich die nordamerikanische Finanz und Politik zielbewußt hinarbeitet. Von französischer Seite betrachtet, liegen die Dinge so, daß man offenbar einen Anlauf nahm, Amerikas Zustimmung zu dem Obligationengeschäft, das Frankreich über augenblickliche Schwierigkeiten hinweggeholfen hätte, einzuholen. daß man aber schließlich diese Sondierung in Washington nicht unternommen hat. Man erkannte, daß dort eben ohne Ratifikation der Schulden nichts zu machen sei, und fand die Unterstützung der Engländer und Belgier für diesen Vorstoß nicht. So war man wieder am alten Fleck, und die Idee von Thoiry kam so darum mithin nicht weiter. Dafür wuchs die Neigung, in bezug auf etwaige Zugeständnisse Deutschland noch mehr zu belasten. In dieser Beziehung hat sich Herr de Iouvenel besonders hervorgetan, wohl in der Absicht, vergessen zu machen, wie elend seine syrische Mission gescheitert ist. Iouvenel war es, der vor allem in die Erörterung die O st f r a g e n hereingezogen hat. Für Franlreich liegt der Gesichtspunkt ja auch nahe, daß dem Sicherheitspakt im Westen ein Sicherheitspakt im Osten folge, daß mithin Deutschland auch die polnischen Grenzen anerkenne, damit den Grund zu einer deutschpolnischen Verständigung lege, und so Frankreich die Sache leicht macht. Es liegt auf der Hand, wie eine derartige Verbindung von Ost- und Westfragen die Fortführung des Thoirygesprä- cyes belasten, erschweren, besser gesagt, unmöglich machen würde. Aber diese Winke aus Frankreich haben vielleicht das Gute, in Deutschland den Blick wieder etwas nach dem O st e n zu lenken und darauf hinzuweisen, daß man ungestraft aus die Dauer die enge Verbindung nicht vernachlässigen darf, mit der gerade für Deutschland die Ost- und W e st a n g e - legenheiten miteinander stehen. Wir sind vielmehr überzeugt, daß wir in den nächsten Wochen und- Monaten sehr viel Veranlassung haben werden, über die Ostprobleme und ihr Verhältnis zu Deutschland zu svrechen, besonders, weil sie ja nun auch im Rahmen der Mlker- bundsarbeit Deutschlands zu behandeln sind. Während dieser Auseinandersetzungen ist, vorbereitet nicht nur durch den Stahlpakt und die englisch-deutsche Industriellenbesprechung, sondern ganz besonders durch die bekannten auffälligen Zusammenkünfte der großen Bauherren an der Riviera, das Manifest der Wirtschaft zustandegekommen, eine Erklärung von führenden Wirtschaftlern, insonderheit Bankiers zu den Kernfragen des wirtschaftlichen Wiederaufbaues. An sich enthalten diese Forderungen nichts besonderes Neues. Neu und bedeutsam ist, daß sich darin Angehörige von über einem Dutzend verschiedener Nationen einschließlich Nordamerikas und zwar Männer von sehr weitreichendem Einfluß zusammengefunden haben. Und das ganze ist eine Art Ultimatum, eine Art Formulierung der Bedingungen, unter denen die ganzen großen wirtschaftlichen, Industrie- und Dankkreise ihre Hilfe den danach verlangenden Staaten Europas zur Verfügung stellen wollen. Man kann sich dabei mancherlei interessanten und recht ernsthaften Gedanken über das Verhältnis von Staat und Wirtschaft hingeben. Praktisch ist das wesentliche, daß dergleichen Stimmen laut wurden. Stimmen von solcher Bedeutung und solchem Willen. Praktisch ist jedenfalls der Fortschritt zu begrüßen, den auf diese Weise die Bewegung auf den Zusammenschluß und den Ausgleich in Europa macht. Wenn man sich den Weg von der Brüsseler Sachverständigenkonferenz 1920 bis zu diesem Wirt- schafts manifest überlegt, sieht man. daß immerhin ein Fortschritt so zu verzeichnen ist. Aber das war auch allerhöchste Zeit dazu, daß man begann, zu begreifen, wie Europa unweigerlich in den Abgrund stürzen muß, wenn es sich nicht allmählich zusammenfindet und zusammenfinde weiterhin mit der großen Wirtschaftskraft Nordamerika. Daß damit noch keine Lösung gegeben ist, ist klar. Die Forderung erhebt sich leicht, die Zollschranken möchten niedergelegt werden. Aber es dreht sich bei der Zollpolitik nicht nur um einen sinnlosen und überspannten, schikanösen Protektionismus von Kleinstaaten, die durchaus eine eigene Industrie aufziehen wollen. Es handelt sich bei den Entscheidungen über Zoll- und Handelspolitik letztlich zugleich auch um große Entscheidungen des Staatswillens, der staatlichen Selbständigkeit,' der wirtschaftlichen Selbstgenügsamkeit eines Staates. Wir brauchen nur an die Notwendigkeiten der deutschen Schutzzollpolitik dabei zu denken, um sofort zu sehen, wo dann in Konkretem die Schwierigkeiten für die Wege, die jenes Wirtschaftsmanifest weisen will, liegen. Aber ganz im allgemeinen gesprochen, ist zu begrüßen, daß die Stimmung und der Wille zum Zusammenschluß, zum Ausgleich in den Dingen, die nun einmal Europas Gesamtschicksal sind, in den letzten Monaten so mächtig angeschwollen sind. Und Deutschland, das Land der Mitte, von all diesen Ueberlegungen, Schwierigkeiten und Vorschlägen in erster Linie berührt, kann gar nicht anders, als dabei Mitarbeiten. Mitzuarbeiten aber nur vom festen Boden seiner Lebensinteressen und seiner Lebensnotwendigkeiten aus, als ein Staat, der unter allen Umständen zur dollenUnabhängigkeit und Gleichberechtigung wieder emporstrebt! Spielplan ver Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 24. Oktober, 5.30 bis 10.30 Uhr: Der Ring der Nibelungen (3. Tag) „Götterdämmerung". Montag, 25., 7.30 bis 10.30: „Der Opernball". Dienstag, 26., 7 bis 10: „Figaros Hochzeit". Mittwoch, 27., 6.30 bis 10: „Mamvn". Donnerstag, 28., 7 bis 10.30: „Carmen". Freitag, 29., 8 bis 10: Einmaliges Tanzgastspiel Clotilde und Alexander Sacharoff. Samstag, 30., 7.30 bis 10.15: „Intermezzo". Sonntag, 31., 7 bis 10.30: „Mamon". Schauspielhaus. Sonntag, 24. Oktober, 7.30 bis 10 Uhr: „Prinz Friedrich von Homburg". Montag, 25., 7.30 bis 9.45: „Alles um Geld". Dienstag, 26., 7.30 bis 10: „Prinz Friedrich von Homburg". Mittwoch, 27., 7.30 bis 9.45: „Alles um Geld". Donnerstag, 28., 7.30 bis 9.30: „Das Spiel vom Schmetterlingstraum", hieraus: „De rgespaltene Sarg". Freitag, 29.. 7 bis 10.15: „Nibelungen, 1. Teil". Samstag, 30.. 8 bis 10: „Der Revisor". Sonntag, 31., 7.30 bis 9.45: „Alles um Geld". Oberhessen. Landkreis Gieren. !—! Mainzlar, 22. Oft. Ani Sonntag fand das diesjährige A b t u r n e n unseres Turnvereins statt. Das Turnen bestand aus einem Gerüte-Neunkampf und einem Vierkampf in volkstümlichen Uebungen. Sieger wurden: Oberstufe. Neunkamps: 1. Ludwig Becker ll., 2. Ludwig Zecher, 3. Wilhelm K l i n g e l h ö f e r. 4. Otto Sommer, 5. Heinrich Spuck. Diertamps: 1. Wilhelm K l i n g e l h ö f e r, 2. Otto Sommer, 3. L. Becker if.. 4. Heinrich Spuck, 5. Ludwig Zecher. Unterstufe, Neunkampf: 1. Carl Rühl, 2. Friedrich Spuck, 3. Hans Pauly, 4. August Kern, 5. Heinr. Pfeiffer. Vierkampf: 1. August Kern, 2. Wilhelm Vogel, 3. Ludwig Grölz, 4. Hans Pauly. 5. Carl R ü h l. Der Nachmittag wurde durch vorzüglich ausgeführte Geräteübungen der Werberiege des Turnvereins Lollar ausgefüllt. X Allendorf a. d. Lahn, 22. Oft. Nachdem die Ucbergabe der neuen Grundstücke aus der Feldbereiuigung erfolgt ist, beginnen jetzt die Landwirte mit der Urbarmachung des Landes. Es ist vielfach eine mühselige Arbeit, da alte Wegestücke, Reine und Gräben in die neuen Besitzungen fallen. Das neue Wegenetz wird jetzt ebenfalls ausgebaut, wobei viele Erwerbslose Beschäftigung finden. t Grünberg, 22. Okt. Die hiesige landwirtschaftliche Schule eröffnet am Montag, 8. November, vormittags 9 Uhr, ihr 6. Winterhalbjahr in den Räumen des Landwirtschaftsamts Grünberg, lieber die Bedeutung und den Wert einer guten Fachausbildung ist sich heute wohl jeder alte und junge Landwirt klar, und jeder weiß, wie wichtig deshalb der Besuch einer landwirtschaftlichen Schule für unsere Heranwachsenden Zungbnuern ist. Die Unterrichtszeiten sind auch in diesem Jabre wieder so gelegt, daß der Unterricht mit guter Zugverbindung von allen Richtungen an sechs Wochenvor- mittagen und zwei Wochennachmittagen stattfinden kann. Man beachte die Anzeige in dieser Ausgabe. iGrünberg, 22. Okt. Aus derGemeinberat s s i tz u n g: Der in der vorigen Sitzung des Gemeinderates beschlossene Saiz für die Gewerbesteuer von 1,30 und für die S o n d e r st e u e r (63 Prozent) ist vom Kreisamt wiederum nicht genehmigt worden. Infolgedessen hat der Gemeinderat den Steuersatz für Gewerbesteuer auf 1,30 belassen, dagegen den Satz für die Sondersteuer auf 537/10 festgesetzt. Der voraussichtliche Steuerausfall soll durch Abstriche an verschiedenen Boränschlagspositionen gedeckt werden. — Einige Bauplätze wurden in der Gartenstraße zu 1,50 Mark je Quadratmeter abgegeben. Im Laufe dieses Winters soll diese Straße durchgebaut werden. — Im übrigen beschäftigte sich der Gemeinderat mit kleineren Vorlagen. ' W i r b e r p. 22. Okt. Reiseprediger Wie - mer von Neudietendorf hielt in Beltershain. Lumda und R e i n h a r d s h a i n Lichtbildervorträge über das Werk der Mission der Brüdergemeinde in Surinam und im Himalaja. Trotz der Herbstarbeiten — in Beltershain sind die Bauern durch die Feldbereinigung noch im Rückstand mit der Saat und in Reinhardshain ist noch die Dreschmaschine im Gang — waren beide Vorträge gut besucht. K e s s e l b a ch, 22. Okt. Zu der Weihe des hiesigen Denkmals für die Gefallenen ist noch zu berichten: Das Ehrenmal steht auf einem Platze am Eingänge des Dorfes an der Kreisstraße nach Geilshausen, der in würdiger Weise hergestellt, mit einer Bruchsteinmauer und einem geschmiedeten Tor versehen wurde. Eine den Platz im Halbkreis umziehende Hecke wurde beschnitten und ergänzt, sowie zwei Blaufichten innerhalb der Gedenkstätte angepflanzt. Die hinter dem Denkmal stehende stattliche Linde wird nach Auswirkung des vorgenommenen Baumschntttes bald ihre Zweige schützend über den ganzen Platz ausbreiten. Dem vorhandenen schlichten Denkstein von 1870/71 aus heimischem Lungstein hat Architekt G. Schmidt, Gießen, zwei Flügelsteine, ebenfalls aus Lungstein, mit erhabener Beschriftung und einfacher Bildhauerarbeit angefügt und den Sockel um eine weitere Stufe erhöht. Der Gedanke, das vorhandene Denkmal mit dem Gedenkzeichen für die Gefallenen des Weltkrieges zu vereinen, ist ansprechend und in diesem Falle in geschmackvoller Weife zur Ausführung gekommen. Dank der Opferwilligkeit der Gemeinde und der namhaften Spende eines angesehenen Ortseinwohners konnte die Verwirklichung des Planes in kurzer Zeit erfolgen. Die Arbeiten sind durchweg von Kesselbacher Handwerkern ausgeführt worden, so die Stein- und Bildhauerarbeit von Groß ha us, die Schmiedearbeit von Kaufmann und Schaaf, die Schrei- nerorbeit von W i e ß n e r, die Maurerarbeit von Peter S ch ö n w e i ß, die gärtnerische Anlage von Zeiger mann. Das Kreisamt Gießen hat in dankenswerter Weise die Stellung der Mauer auf ein dem Kreisamt gehöriges Gelände, ferner die Entfernung eines Apfelbaumes gestattet. * Birklar, 22. Okt. Der hiesige Schutzen- verein beendete am Sonntag sein Preisschie - ß e n. Trotzdem der Verein erst in diesem Fahr gegründet wurde, haben die Mitglieder beim Schießen recht gute Resultate erzielt. Es wurden geschossen von zwei Schützen je 35 Ringe, vier Schützen je 34 Ringe, sechs Schützen je 33 Ringe, fünf Schützen je 32 Ringe, drei Schützen je 31 Ringe, und mir 29 Ringe fiel der 30. Preis. Kreis Friedberg. B. Ober-Rosbach, 22. Okt. Der schon lang geplante und oft erörterte Bau einer Wasser lei tun 9 beschäftigt in letzter Zeit erneut das öffentliche Interesse, nachdem die Ausführung des Plans mit Rücksicht auf den Gesundheitszustaw der Bevölkerung und die wirtschaftlichen Forderm: gen der Zeit sich nachgerade als unabweisbar ge zeigt hat. Zum Zwecke einer alsbaldigen Verwirklichung des Vorhabens fanden sich hier die Bürger meister von Ober, und Nieder-Rosbach, Rodhekm v. d. i). und Holzhausen zu einer Besprechung mit den Vertretern bes Kreisamts Friedberg zusammen. Don der Entscheidung der einzelnen Gemeinderäke wird es nun abhängen, ob das quellenreiche Ober- Rosbach das Wasser liefern soll und mit dem sofortigen Bau der Leitung einem Wunsche weiter Kreise der beteiligten Gemeinden entsprochen werden kann. B. Holzhausen v. d. Höhe, 22. Okt. Auf Veranlassung der evangelischen Geistlichen der s ü d- westlichen Ecke des Kreises Friedberg fand dieser Tage bei der evangelischen Einwohnerschaft von Rodheim v. d. H., Holzhausen, Ober- und Nieder-Rosbach, Petterweil, Rieder- und Ober-Eschbach und Rieder-Erlenbach durch evangelische Schwestern eine Lebensmittelsammlung für die Anstalt für Fallsüchtige in Rieder- Rnmstadt statt. Das Ergebnis der Sammlung wurde in zwei Waggons nach der Anstatt abgeschickt. Kreis Büdingen. -t. Ridda, 22. Okt. Für die Erneuerung unserer Stadtkirche gingen am Sonntag beim kirchlichen Erntedankfest in der Kollekte rund 100 M k. ein, gewiß ein sehr beachtenswertes Ergebnis. Nidda, 22.Okt. Die Turnhallenbau-Lotterie, die im Frühjahr ausgeschrieben wurde, teilt das Schicksal so mancher anderen, deren Lose nicht genügend Absatz fanden. Man hatte sich der Hoffnung hingegeben, daß die ebenfalls zum Turngav. gehörenden Städte Marburg und Wetzlar als Abnehmer mit in Frage kämen. MiKY erteilte Preußen keine Genehmigung zur Vertreibung der.Lose. Hm ungeduldige Loseabnehmer nicht länger warten zu lassen, entschloß sich nun der Turnverein, die Zahl der Lose auf 13 200, die Höhe der Gewinne auf insgesamt 4000 Mk. herabzusehen, so daß die Ziehung am 31. Oktober stattfinden kann. v Bad Salzhausen, 22. Okt. In der Villa des Bankdirektors Deutsch, hier, wurde ein schwerer Diebstahl ausgeführt. Ein großer Koffer, der wertvolle Kleidungs- und Wäschestücke enthielt, wurde aus dem Hause gestohlen, ohne daß der Diebstahl bemern worden war. Ein Landwirt fand am Waldesrand in einiger Entfernung von der Straße nach Nidda mehrere Kleidungsstücke, ebenso wurden auf der Altenburg Wäschestücke gesunden, die von dem Diebstahl herrührten. Obgleich die Polizei heute mit einem Spürhunde Nochsorschungen vornahm, fehlt bis jetzt noch jede Spur von den Dieben. th. Leidhecken, 22. Okt. Nachdem voriges Jahr das Dach unserer Kirche teilweise neu geschiesert wurde, ist jetzt auch die andere Sette neu hergestellt worden. Ferner wurde die seitherige W a s s e r n o t dadurch behoben, daß in der Wasserleitung Staden-Leidhecken selbsttätige Luftventile eingebaut wurden. )( Orfenberg, 22. Okt. Am Sonntag wurde im Erntedankfestgottesdienst eine Kollekte für die hiesige Schwesternstation, die Epileptische Anstalt und andere wohltätige Zwecke Vvrgenommen. Der Ertrag belief sich aus 72 Mark. # Aus dem Niddertal, 22. Oll. Daß in den nächsten Tagen der bekannte „Kalte Markt" in Ortenberg abgehalten wird, macht sich schon seit einigen Wochen in unserer Gegend bemerkbar. Denn ganze Scharen Zigeuner, meist Pferdehändler, durchziehen, wie alljährlich in der Zeit vor dem „halten Markt", die Dörfer des Niddertales und der weiteren Umgebung. Es ist keine Seltenheit, daß sechs bis acht Wagen dieser Gesellen vor dem Dorfäusgang ausgestellt sind. Kreis Schotten. Gedern, 22. Okt. Auf dem Wege von hcer nach Merkensritz gingen einem älteren Manne aus Neuhof die Pferde durch. Der Mann geriet unter den Wagen und wurde derart schwer verletzt, daß er blutüberströmt liegen blieb. In diesem Zustande fand ihn ein vorüberfahrender Fuhrmann und brachte ihn zum hiesigen Krankenhause. Kurz vor dem Krankenhause st a r b jedoch der Bedauernswerte. Ober-Schmitten. 22. Okt. Der im Vorjahre verstorbene Deutsch-Amerikaner Karl Braun, der, wie bereits berichtet, der Kirche zu Eichelsdorf 300Dollar testamentarisch zuwies, hat auch seiner Heimatgemeinde O b e r - Schmitten die gleiche Summe über- wiesen. Ihr Verwendungszweck steht noch nicht fest. Den hier lebenden nahen Verwandten des Die Kandierung macht den seit 40 Jahren bewährten „Seelig's Kornkaffee“ so beliebt. Sie ist es, die ihm jenen kaffeeähnlichen Wohlgeschmack verleiht, den gerade der Ehemann so schätzt. Ueberzeugen Sie sich: 1 Pfundpaket „Seelig’s kand, Kornkaffee“ kostet ja nur 50 Pfennig. 10 billiges Baugeld zu nur S°/e Zins rourben von der Bausparkasse ber Gemeinschaft der Freunde Vuftfurort Wüstenrot in Inapp 114 Jahren an 600 Bau- (parer zum Bau von Eigenheimen unb gemeinnützigen öauten vergeben Wer nach einem Eigenheim strebt, ver- lange alle Unterlagen. Sofortige Darlehen werden nicht J1, Diesbezügliche Anfragen zwecklos. Die Gemejn. jchaft der Freunde ist bie erste,älteste,größte.erfolgreichste, leistungSfahigite unb sicherste Bausparkasse Deutschlands. .. - .....—.... ...... . „v . wä.-.. -. Neue Herbst- und Winter-Mäntel Unsere Preise sind mr unsere anerkannt guten Qualitäten als besonders vorteilhaft zu bezeichnen. Alle Gröben und Weiten ML 59- 69.- 79.- 69- 98-115-135- « Wagener L Schlöte! n i verstorbenen, ‘c'v: nicht das Glück haben, in den Klagendsten wirtschaftlichen Verhältnissen zu /eben, ist dagegen noch leine Mitteilung über ein Vermächtnis für sie zugegangen. 1 D b e r - ß a i s , 22. Ott. Eine haussam nv lung im Hinblick auf den sehr guten Ausfall der Ernte erbrachte in unserem Kirchspiel nahezu 10 0 Mark. Die Hohe dieses Dankopfers ist recht erfreulich. . - Stumpertenrod, 22. Vit. Del der Erntedankfest-Kollekte in unserem Dorfe kam am vorigen Sonntag im Gottesdienst der ansehnliche Betrag von 3 5 Mark zusammen. In dem benachbarten Köddingen wurde aus demselben Anlast in der Kirche 4 2 Mark gesammelt die zum größten Teil für eine Anstalt der Barmherz.gkelt in Gießen bestimmt sind. .. . , . Kaulstoß, 22. Olt. Eine auswärtige Firma eröffnete hier im Frühjahr einen n e u e n Steinbruch, der sich jedoch infolge der hohen Fuhrlöhne zur Bahnstation schlecht rentierte. Die Firma sah sich daher veranlaßt, den Steinbruch wieder st i l l z u l e g e n. 3m benachbarten Hartmannshain legte em anderer auswärtiger Unternehmer einen Steinbruchbetrieb infolge angeblich schlechten Steinmate- rialS eoenfalls still. Nunmehr übernahm die Gemeinde zur weiteren Ausbeutung den B e - trieb, um die Arbeitslosen der Gemeinde während teu kommenden Winters beschäftigen zu können. <6? Groß-Eichen, 22. Ott Der diesjährige Sängertag des Ohm-Lumdatal- Sängerbundes findet am nächsten Sonntag in Groß-Eichen statt. Kreis Alsfeld. D Burg-Gemünden, 22.Oft. Dieser Tage wurden einem hiesigen Landwirt nachts zahlreiche Strümpfe der sechsköpfigen Familie gestohlen. Der Fall ist sehr - rätselhaft, da die Strümpfe vor der Haustür unter einem Vordach hingen, abseits von der Straße, und nicht weit davon im Hofe der Hofhund lag. Die Täter waren bei ihrer Arbeit sehr wählerisch und ließen den Bewohnern die schlechteren Strümpfe zurück. In derselben Nacht wurde einem anderen Landwirt eine zweiteilige Egge vom Acker weg g c st o h l e n. Von den Tätern fehlt jegliche Spur. Kreis Lauterbach. V Schlitz, 22. Olt. Qlm Mittwoch nahmen wieder die wöchentlichen Zusammenkünfte des hiesigen Frauenvereins, der unter der Leitung der Gräfin Wilhelm von Schlitz auf fast 100 Mitglieder angewachsen ist, mit einer sehr stark besuchten Versammlung in dem der Kirche gehörenden Gemeindesaal ihren Anfang. Mitglieder des Iungfrauenvereins stellten auf der Bühne zahlreiche „Lebende Bilder", von denen besonders „Der Säemann", „Aehrenleserinnen". „Unser täglich Brot" lebhaften Anklang fanden, desgleichen ein gut eingeübter Schnitterreigen, in dem die jungen Mädchen in der kleidsamen Schlitzerländer Nationaltracht auftralen. Die Dar- bieiungen wurden von Liedern, passenden Gedichten wtd von Sprüchen aus der Heiligen Schrift umrahmt. Die wohlgelungene Feier wurde mit Ansprachen unserer beiden Pfarrer eröffnet und geschlossen. Starkenburg. • Darmstadt, 22. OIL Gestern stattete Professor Dr. de Marnah-Baruch auS Neuhork, der Präsident des amerikanischen Hilfskomitees für Deutschland und Oesterreich, das die Q u ä k e r s p e i s u n g e n in Hessen durchge- führt hatte, der Stadtverwaltung einen Besuch ab. 3m Hotel „Zur Traube" fand abends zu Ehren des Gastes ein Essen statt. Professor Dr. de Marnah-Baruch hat der Stadt Darmstadt eine größere Summe zur n t e r st ü h u n g H i l f s b e dü r f t i g e r überwiesen. WSN. Darmstadt, 22.Okt. Gestern startete auf dem Flugplatz der 18jährige Willy N ö h r i g mit dem Piloten Busch zu seinem ersten Flug und auch gleichzeitig zu seinem ersten Fallschirmabsprung, der aus einer Hohe von 700 Meter erfolgte. 3nfolge des starken Windes wurde Röhrig abgetrieben und landete auf dem Friedhof an der Nieder-Nam- städter Straße. WSN. Griesheim b. Darmst., 22. Okt. 3n der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde einstimmig der Errichtung einer Wasser* leitung zugestimmt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 300 000 Mk. DR.THOMPSONft SEIFENPULVER V \ «U44 dm 2 kleine (Posten im f>aus ha/tbueh. dieJhre klasse kaum empfindet u. doch verdanken Siedte sen beiden unbedeutenden Ausgaben eine blendend weiße Wdsehe WSN. Groß-Gerau. 22. Oft. In der vergangenen Nacht wurde wiederum (innerhalb von vier Tagen zum zweiten Male) im hiesigen ftrcisamt eingebrochen. Die Diebe öffneten den Kasfenschrank, der jedoch völlig leer ivar. Dann drangen sie in das Paßbureau und in das Kreis- wohlfahrtsamt und durchstöberten alle Bchältniste. Es steht noch nicht fest, ob sie dort das vermutete Bargeld gefunden haben. Untersuchuny ist eingeleitet. — In den letzten Tagen hat die Zahl der Bewerbungen um den hiesigen Bürger- m e i st e r p o st e n gewaltig zugenommen. Bis zum gestrigen Tage waren nicht weniger als 3 2 9 Bewerbungen, darunter fünf von Personen, die sich bereits bei der ersten 'Ausschreibung beworben haben, eingelaufen. Diese Ziffer wird jedoch sicher eine Erhöhung erfahren, da bekanntlich kurz vor Toresschluß der Ansturm am stärksten ist. Allein an den beiden letzten Tagen haben sich 42 bzw. 36 Kandidaten gemeldet. Der Gemeinderat muß sich nun der dornenvollen Arbeit unterziehen, die sehr reichliche Spreu vom Weizen zu sondern. WSN. Heppenhe.m. 22. Ort. Am Mittwochnachmittag ereignete sich auf der Bergstraße in der Nähe von Heppenheim ein schwerer Unfall. Zwei 12jährige Zungen spran- gen wahrend der Fahrt aus ein Lastauto mnd stellten sich hinten aus die Klappe. Während der Fahrt aber fiel diese herunter, wodurch die Knaben auf die Straße geschleudert wurden. Mit schweren Kopf- und anderen Verletzungen wurden die Knaben im Krankenhaus eingeliefert. Preußen. Dillkrcis. bl. Dillenburg, 22. Olt. Die Regierung hat dem D i l l k r e i s die Ausführung großer Notstandsarbeiten bis zum nächsten 3ahre verboten. 3n Anbetracht der hohen Erwerbsloseuziffern trifft die Anordnung schwer, zudem noch eine ganze Reihe von Projekten der Ausführung harren. Man sucht jetzt mit allen Mitteln eine Abänderung des Verbotes herbeizusühren. — Die Kreisverwaltung wird ein Darlehen von 12 0 00 Wart aufnehmen und es in drei Teilen an die Gemeinden Heisterberg, Gusternhain, Rabenscheid und Wald- aubach zum Ankauf von Saatfrucht geben. Die Landwirte dieser Gemeinden wurden durch das Unwetter in diesem 3ahre schwer h e i m g e s u ch t, weshalb Hilfe dringend not tut. —• 3m Laufe dieses 3ahres war die Bautätigkeit im Kreise recht lebhaft. Auf dem Land wie in den Städten konnten eine Reihe Privatbauten errichtet werden, meistens finanziert aus Darlehnsmittetn. Geringer bauten dagegen in diesem 3ahre die Behörden Wohnhäuser für ihre Beamte. Man sieht, daß es bei manchem Baulustigen mit dem nötigen Willen zur Tat geht. .Kreis 233cffcvbiirq. OO Westerburg, 22. Oft. Auf der Landstraße Rennerod-Waldmühlen st ü r z t e am M.ttwoch- abend der Bureaugehrlfe Denker aus Ober- Rohbach, als er vom Landratsamt in Wester- ünirg nach Hause fahren wollte, mit feinem Motorrad durch A n f a h r e n an einen Baum. Der Verunglückte trug mehrere Knochenbrüche davon und mußte mittels Kraftwagens in das Krankenhaus zu Marienberg verbracht werden. — Ein weiterer ernster Unfall ereignete sich am Donnerstag morgen gegen 5.30 Uhr auf der von Winnen steil abfallenden Straße nach Westerburg. Während drei ältere Arbeiter sich nach Westerburg zu bewegten, überholte sie ein jüngerer, der keine Beleuchtung an seinem Fahrrad hatte. Dieser fuhr einen von den drei Arbeitern, einen etwa 50 Jahre alten Mann, an und schleifte ihn einige Meter mit. Dann stürzte er selbst von feinem Rad. Beide hatten sich, besonders im Gesicht, schwere Verletzungen zugezogen. Dr. 3nhülsen von Westerburg leistete die erste Hilfe. Der jüngere Arbeiter muhte dann sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden, da sich Zeichen von Starrkrampf bei ihm bemerkter machten. * Dom Westerwald, 22. Oft. Durch das Arbeitsbeschasfungsprogramm der Reichsregierung ist es ermöglicht worden, auch der Basaltin - dustrie des Westerwaldes größere Aufträge zuzuleiten. Ferner find aus Holland erhebliche B e fte l l un g e n bei den Steinbruchbetrieben unseres Bezirfes eingegangen. Wenn die Witterung nur einigermaßen günstig bleibt, kann man wohl damit rechnen, daß zahlreiche Arbeiter auch in den Wintermonaten lohnenden Verdienst an unseren Basaltbrüchen finden können. Cbcrtvcftcrtvalblrcii?. & Höhn,22. Ott. Gestern nachmittag ist auf dem hohen Westerwald der e r ft e Schneefall eingetreten, nachdem schon vorgestern zahlreiche Regen- und Schneeschauer den frühen Eintritt des Winters angefünbigt und unsere Landwirte zur schnellen Bergung der letzten Feldfrüchtc angetrieben hatten. Die Schneedecke lag gestern abend bereits etwa 10 Zentimeter h o ch. In den Waldungen hat die nasse Schneelast durch Abbrechen von Acsteii vielfach Schaden angerichtet, ebenso ist der F u h r w e r f s v e r - f e h r auf einigen Landstraßen durch timgestürzte Bäume recht behindert worden. ©erichtsfaaL Drei Jahre Zuchthaus für versuchten Gatlenmard. WSN. Aschaffenburg, 22. Oft Vor dem Schwurgericht halte sich der zu 100 Prozent erwerbsunfähig geschriebene Kriegsbeschädigte Hermann Seltsam wegen Mordversuchs, begangen an seiner eigenen Frau, zu verantworten. Der Angeklagte hatte feit drei Jahren mit einer gewissen Maria Krauß ein Liebesverhältnis angegangen. Er verkehrte bereits in der Familie des Mädchens und erklärte dessen Eltern, daß er sich von seiner Frau scheiden lassen und das Mädchen heiraten wolle. Tatsächlich machte er auch den Versuch zur Scheidung, doch konnte er keine stichhaltigen Gründe Vorbringen und wurde abgewiesen. 3m 3uli unternahm er nun an einem schönen Tage mit seiner Ehefrau eine Kahnfahrt auf dem Main. Mitten im Strome wechselten beide die Plätze, wobei er, wie die Beweisaufnahme ergab, seine Frau ins Wasser warf. Die Frau stieß gellende Hilferufe aus, klammerte sich am Bootsrand fest und konnte schließlich von dem früheren Kriminalkommifsar Geiger, der zufällig in der Nähe am Ufer angelte, vom Tode des Ertrinkens gerettet werden. Das Urteil lautete für Seltsam wegen des Verbrechens des versuch.en Mordes auf eine Zuchthausstrafe von drei 3ahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. Zuchthaus für Strafjcnräubcr. WSN. Frankfurta. M., 22. Okt. Das erweiterte Schöffengericht beschäftigte sich jetzt mit dem während der letzten Frankfurter Messe im O st p a r k erfolgten Raubüberfall. Ein 61 jähriger Landwirt aus dem Kreise Bingen kam damals mit etwa 110 0 Mk. nach Frankfurt, um sich ein Postscheckkonto anzulegen. 3n der Altstadt traf er ein 24jähriges angeui a,co Landmad chen aus Baden, das aber in Wirklichkeit eine geriebene und hinterlistige Dirne war. Er machte mit ihr Spaziergänge, besuchte Wirtschajten und Kinos und landete schließlich im Ostpark, wo das ßlcttigci lüftet sein Ende finden sollte. So geschah es auch, nur ganz anders, wie es sich de. verliebte Landmann dachte. Zwei Bur ich en folgten dem Paar zwei Stunden lang auf Schritt und Tritt. 3m Ostpark angelangt, tarnen die beiden Fremden, die sich als Kriminalbeamte a u f s p i e 11 e n, auf einen Wink der Dirne näher herbei und verlangten den Personalausweis. Siner der beiden stellte dem Lanömann die Luft ab. während ihn der a obere seiner tausend Mark beraubte, worauf alle drei flüchtig gingen. Der Uebcrfallene traf di» Dirne spater wieder und ließ sie f e st n e h m e n. Die beiden Mittäter fuhren nach Hanau und Aschaffenburg und verjuxten dort, sowie auf verschiedenen. Kirchweihen, das Geld restlos. Nach etwa 14 Tagen konnten beide verhaftet werden. Das Schöffengericht verurteilte die Dirne Marie Birk- -meicr zu fünf Jahren Zuchthaus und den Knecht Adam Kappes zu sechs Jahren Zuchthaus. Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten, den Arbeiter Albert Weiß, wurde abgetrennt, da er auf seinen Geisteszustand untersucht werden soll. Rundfunk-Programm des Araukfnrttr Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonntag, 24. Oktober. 8.30 bis 9.30 Ubr: Morgen,eier, veranstaltet von der ev.°luth. Dreieinigkeitsgemeinde ung. Augsb. Konfession Frankfurt a. M. 11.30 biS 12 Ähr: Elternstunde. 3 bis 4 Uhr: Der'uch eines Funkverkehrs zwischen einem Flugzeug und dem Sender. 4 bis 5 Ubr: Die Stunde der 3ugend. 6 bis 7 Uhr: ., Finnländische Dichter als Volkserzieher", Vortrag von Geheimrat Al'red Diese. 7 bis 7.30 Ubr: „Moderne Gymnastidysteme", Vortrag von Dr. Paul Laven. 7.30 bis 8 Ubr: „Das Haus der 3ugeub", Vortrag von Dr. Franke. 8.30 bis 9.30 Ähr: Opern-Abend: Verdi. 9.30 bis 10.30 Ubr: Vortragsabend Dr. Erich Fortner: „Oesterreichische Dichtung und österreichischer Humor"'. Anschließend bis 12.30 Uhr: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik. Montag, 25. Oktober. 3.30 bis 4 Ubr: Die Stunde der 3ugenx 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Blasmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: Beamtensortbildungskursus: Vortrag von Dr. Fritz Neumark. 7 bis 7.30 Uhr: Englischer Sprachunterricht. 7.30 Uhr: Uebertragung aus dem großen Saal des Saal- baues: Zweites Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins. Der Plan über die Herstellung von unterirdischen Telegraphenlinien in Gießen (Frankfurter Straße — Südanlage — Bleichstraße —Goethestraße —Neuen Bäue und Gartenstraße) liegt bei dem Telegraphenamt in Gießen von heule ab vier Wochen aus. 87051) Gießen, den 23. Oktober 1926. Telegraphenbauamt. Ärbeitsvergebung. Für die Feldbereinigung Holzhelm sollen Dienstag, den 26. Oktober 1926, vormittags 9 Ühr, auf der Bürgermeisterei zu Holzheim 8487D Fuhrleiftungen zu .... 435 Mk. Drainage-Arbeiten zu . . . 3300 „ veranschlagt in einzelnen Losen, vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hess. Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Erösfnungster- inin einzureichen sind. Zuschlagssrist vierzehn Tage. Gießen, den 9. Oktober 1926. Hessisches Kulturbauamt Gießen. Steinbach. Bekanntmachung. Betr.: Eröffnung des ordentlichen Lehrganges 1926/27 an der Hess. Landwirtschaftlichen Schule Nidda. Der ordentliche Lehrgang 1926/27 an der Hess. LandwirtschaftlichenSchuleNidda beginnt Montag, den 8. November 1926. Das Schulgeld beträgt für Hessen 25 Mark, für Nichtheffen 30 Mark. Anmeldungen nimmt vorläufig die Bürgermeisterei Nidda entgegen, wo auch jede weitere Auskunft erteilt wird. Nidda, 15. Oktober 1926. Hess. Landwirtschaftsamt Nidda. Dr. Schad. 8531D Neu aufgenommen Mützen (REST) Kreuzplatz 6 8699a Offeriere prima Tilsiter ww einzelne Brode, pro Vfund Mk. 1.05 ab Meierei gegen Nachnahme. 86791) Otto Lienau Pannangen. '13oft Mehlanken. Oftpr. f üntoieder N Lchwamme billigste 'Prelle Urogerie Wialerholl Kreuzplah 9 u. 10 V 7914a y Vergebung von Walzmaterialien. Die sofortige Lieferung von zirka 640 cbm Walzschotter 150 cbm Basaltsplitt 80 cbm Basaltsand 8703D frei Verwendungsstelle, krelsslrahe Ruppertenrod — Ulrichstein bei Unter- und Ober-Seibertenrod (Kilometer 5,498 bis 6,600) soll durch schriftliches Angebot vergeben werden. Verdingungsunterlagen können von unterfertigtem Amt gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden. Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin am Montag, 1. November b. 3., vormittags 11 Uhr, dahier einzureichen. Schotten, den 21.Oktober 1926. Der Regierungsbaurat bet der Kreisverwaltung. Nodnagel. Verdingung. Für den Neubau des Jubiläums-Kunst- instituts sollen die Schreinerarbeiten (Fenster) in einzelnen Losen öffentlich vergeben werden. Die Unterlagen hierfür können gegen Erstattung von 2 Reichsmark für Teil I sofort und von 2 Reichsmark für Teil II ab 30. Oktober 1926 vom Neubauamt bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift bis zum: 8702V 30. Oktober 1926, mittags 12 Uhr, Teil I und bis zum 5. November 1926, mittags 12 Uhr, Teil II einzureichen. Marburg (Renthof 281), 22. Okt. 1926. Neubauamt für das Jubiläums-Kunstinstitut der Universität Marburg. 3« W-6ile Statuier- und vittoria-Zahrräder Mk. 125. — Gleichzeitig empfehle Ztoewer Nähmaschinen sowie prima 8276D Gefeit unö Herde Günstige Teilzahlungen. Besuch kostenlos. A. Ruhl jr., Klein-Linden Bfin?,ttweide :: Televb. 1170 u. 670. Geschäfts-Empfehlung! Der werten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend Attr gefL Kenntnisnahme, daß ich meine Bau- unö Möliel-Schreinerei ab 1. November 1926 Steinstr. 72 eröffne. Gleichzeitig empfehle ich mich zur Ausführung aller in dieses Fach einschlagenden Sdjretneratbetten und bitte mein Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. Achtungsvoll Mi SW. 5®tetnermelfter Liebigstrane 31. 07373 WWiOtiröT Net ösuemoes Seim? Bessere Witwe. 47 Jahre, kinderlos, stattliche Erscheinung, fleißig und tüchtig im Haushalt «feine Landwirtschaft!, sucht sofort in sranenlofenHauShall Wirkungskreis. Beste Referenden. Schriftliche Angebote unter 07366 an den Gießener Anzeiger. 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Studentenkarten zu Mk. 1.— bei Herrn Sekretär Ritter, Universitäts-Gebäude. h6H0c Gießener Konzertverein Sonntag, 31. Oktober, nachm. 5 Uhr, Universitätsaula: Erstes Konzert Das Peischer- Quartett vom Staatstheater Wiesbaden Streichquartette von Haydn, Mozart und Beethoven Eintrittskarten; 1. Platz 4 Mark. 2. Platz 3 Mark, 3. Platz 2 Mark bei Emst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten 1 Mark nur im Vorverkauf bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweiskarte. — Abonnements für die zehn Winterkonzerte= 1. Platz 30 Mark, 2. Platz 20 Mark bei Emst Challier, ebendaselbst ausführliche Prospekte. - Die bestellten Abonnements liegen zur Abholung bereit 87J4c lehrt 07325 FrL G. Brandt, Lich (Oberheseen). (Montags und Donnerstags in Gießen). 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Schwarzfärben aller Metall- Gegenstände auf galvanischem Wege Herstellung von gestanzten und gedrückten Metallteilen, auch nach Zeichnungen GttoSöbelvorm (Ingen Hauff mann Lampen- und Metallwarenfabrik 8593D Gießen, Schiffenberger Weg 50 Gießener Anzeiger (Oeneral-Anzeiger fgr Oherhesfen) Samstag, 23. Oktober 1926 Ur. 249 Drittes Blatt Die geschmackvolle Maßkleidung Nachdruck verboten. 23. Fortsetzung. den Gießener Interessen zuwiverlaufen. Soviel uns bekannt ist, steht auch die Post dem Reichsbahnvorschlag ablehnend gegenüber. Ebenso steht fest, daß in maßgebenden Kreisen des Kleebach- tales keine Neigung vorhanden ist. der Reichsbahn zu folgen. Rur Großen-Linden allein leistet der Reichsbahndirektion Frankfurt Gefolgschaft, was man ja verstehen kann. Im ganzen gesehen, steht ^Die Interestente'.rschaft der Kraftpostlmie ■auf dem Standpunkt, daß dieser Betrieb in der bisherigen We se weiterzuführen ist. Damit sollte sich auch die Reichsbahndirektion Frankfurt zufrieden geben: sie sollte es fertigbringen, auch mal zusehen zu lönnen. daß der andere große Reichsbetrieb eine wirtschaftlich annehmbare Dache in der Hand hat. Denn Vie Reichsbahn muh ja doch nicht alles nur für sich haben! üble äußere Anblick dieser städtischen Umgebung^- zoncn ein deutliches Zeugnis ablegt. Hier tritt nun neuerdings stark der Gedanke auf, diese Gebiete durch ein großzügiges, planmäßiges Vorgehen zu sogenannten städtlschen Kultur- a ü r t e l n , auch Grüngiirtel genannt, auszuge- ktalten. Der Vorkämvfer dieser Gedanken ist seit Das große Würfelspiel (Martina Vilemar.) Roman von Franz Laoer Kappus. „Aussehen: sehr gut!" Lily verbesserte sich. „Der Gefamteindruck nämlich: sehr gut. Vielleicht ist er etwas schmaler geworden, aber sonst: tadellos. Zu tadellos, beinahe, Martina." Was bedeutet das: Zu tadellos? Du sollst nicht in Rätseln sprechen, Lily." Hastig fügte sie hinzu: „Weiter!" . „Und was sagt er? Es sei noch etliches in Schwebe. Das war alles, was ich aus ihm heraus- bekommen konnte. Bis heute weiß ich nicht, was er damit gemeint hat." „Geschäfte wahrscheinlich." Ungläubig sann Martina den zwei Worten nach. Was für Geschäfte konnten das sein? Zögernd fragte sie: „Hat er Geld? Don etwas mußte er doch leben, seit Schwarzkopf verhaftet war?" Lily sprach rasch: „Geld scheint er zu haben. Selbst hot er das betont Es soll eine bestimmte runde Summe werden, die er mitbringen will. Zwei ober drei Fabre sollt ihr davon leben können. Das ist doch hübsch, Martina? Denke nur: zwei oder drei Jahre ohne Sorgen — das ist eine lange Zeit. Zehnmal kann er in der Zeit eine Stellung finden. Und du brauchst nicht mehr in dos dumme Bureau." Eine Weile sah Martina still vor sich hin. Dann sprang sie auf und sagte: „Das mit der gewissen runden Summe — das weiß ich längst. Oft genug hat er mir das geschrieben. Aber das andere: Warum verheimlichst du mir das andere, Lily?" Mit beiden Händen rüttelte sie die Schwester: „Du sollst mich nicht schonen! Ich sehe es dir an: du weißt genau, womit Benno Geld verdient! Warum sagst du mir nicht, was du weißt?" „Mein liebe, liebes Kind!" Lily schlang den Arm um Martina. Feucht schimmerten ihre Augen. „Wenn ich dir das ersparen könnte!" Sie preßte die Schwester an sich und streichelte ihre Wange. „Diel zu gut bist du für dieses Leben, viel zu gläubig, viel zu rein. Es geht ja so toll zu draußen in der Welt: Herrgott — was hat die neue Zeit aus den Menschen gemacht!" Mit einem Schrei riß sich Martina los. „Du sollst sprechen, Lily!" Ausgespreizt waren ihre zehn Finger. „Komm, setze dich hierher. So. Und jetzt gib mir die Hand. Ganz still mußt du bleiben." Lily verhielt für einen Moment den Atem. Dann sagte sie sonderbar flatternd: „Also: Herr Benno von Kreuth ist maitre de danse. Das scheint fein neuer Beruf zu fein." „Maitre de danse?" Martina wußte mit dem Wort nichts anzufangen. „Tanzlehrer, Tanzmeister?" fragte sie mit großen Augen. „Ja", nickte Lily. „Auch eine Errungenschaft unserer Zeit." „Und damit kann man so viel Geld verdienen?" „Warum nicht?" Aus einmal spielte Lily eine Rolle. Ohne daß sie es wußte, bekam ihr Anttis einen kalten, überlegenen Ausdruck. „Warum nicht? wiederholte sie mit wissenden Filmblicken. „So ein maitre de danse wird unter Umständen gut bezahlt. Fünfzehn bis fünfundzwanzig Franken pro Abend sind der Durchschnitt in der Schweiz. 9n Interlaken ober Davos kann er es auch auf dreißig Franken bringen. Dazu kommen dann natürlich die Trink- gelber. Je nichtiger, je beliebter einer ist, um so mehr machen die Trinkgelder aus." Lily lächelte mondän. „Es ist wie überall." ,Lch verstehe trotzdem nicht", sagte Martina, zu Tode getroffen. „Du mußt wißen," erklärte Lily, „ohne maitre de danse kommt heute kein besserer Betrieb aus. Jeder Kursaal, jede Tanzbar, jeder Tearoom halt einen ober mehrere solchen jungen Leute. Die Damen wollen ja tanzen, nicht immer sind genug Herren zur Verfügung. Außerdem ist jeden Augenblick em neuer Tanz da. Und man muß dock auf dem laufen- Öen bleiben. Da ist der maitre de danse wirklich em Bedürfnis. Er weiß in allen komplizierten Schritten und Figuren Bescheid, benimmt sich gut, ist glanzend angezogen, kurz: er füllt seinen Platz aus. 3m übrigen —" Jäh brach Lily ab. Plötzlich wurde chr bewußt, zu wem sie redete. Mit verzerrtem Gesicht saß Martina da. „Wer gibt die Trinkgelder?" fragte Martina leise, obwohl sie wußte, welche Antwort folgen würde. „Die Damen selbstverständlich." inoffiziellen Gelegenheiten wird der Smoking getragen. Bei den Ueberklcidungsstücken zeigt der dunkle Winterpaletot in seiner Form wenig Veränderung im Vergleich mit der Mode der letzten Jahre. Der Günstling der Mode wird auch in diesem Herbst und Winter der Ulster fein. Man wird ihn in allen Varia- tionen tragen. An weniger falten Tagen wird zum Adendanzug der Frackschlüpfer getragen, mit weiten Armlöchern und feibengebedten Revers. Den Frack- Havelock sieht man seltener, ebenso das Abendcape. Am praktischsten ist ein Abendmantel, der sich sowohl zum Frack, wie zum Smoking eignet und der die Form eines anliegenden, rückwärts glatt verlaufenden Paletots hat. Zum Abenddreß wirkt im Winter vornehm der Abendpelz mit dem Sealotterkragen in Schalform und dem Jnnenfutter aus Sealbisam. Für den allgemeinen Gebrauch scheinen sehr zweckmäßig und praktisch die neuen Ulsterpelze, die in der kalten Jahreszeit den Dienst des Straßenulsters übernehmen. Mannigfaltig sind trotz aller Einfachheit die Arien, Formen und Stoffe, die sich dem Herrn für feine Garderobe im Herbst und Winter präsentieren. Aus ihnen das auszuwählen, was der individuellen Eigenart, dem Geschmack, dem Wirkungs. und Gesellschaftskreis jedes einzelnen Rechnung trägt, ist das Geheimnis der persönlichen Modekunst. Gern wird der Herr, der auf gute Kleidung Wert legt, hierbei den Rat des geübten Fachmannes, des Maßfchnei- ders, heranziehen, der gemäß feiner Einstellung auf individuelle Arbeitsleistung ja auch berufen ist, der Persönlichk^t in der Kleidung beredten Ausdruck zu verlechen. XVlll. ,Hch wundere mich, daß du so etwas ernstlich erwägen kannst, Bernhard Carsten. Ich wundere mich grenzenlos. Wie bist du nur auf die Idee gekommen?" Julie staunte mit weiten Augen. Carsten schritt auf* und ab. „Alles liegt auf derselben Linie. Reiner Tisch muß gemacht werden. Auch das gehört dazu." Er blieb stehen und ließ die Finger um die silbergetriebene Schale spielen, darin dunkle, große Weintrauben wie rundgeschlisfene Türkisen leuchteten. „Warum willst du dich von deinem Manne nicht scheiden lassen? Warum sollen wir nachher nicht heiraten? Die Gründe bist du mir immer noch schuldig." Er hob den Kopf. „Nun?" „Sonst bist du weniger kurzsichtig, Bernhard Carsten/ Julie umspannte das schmale ff nie. „Grotesk so etwas. Denke dich in meine Loge: Fast drei- undzwanzia Jahre lebe ich mit Ernst, zwei erwachsene Töchter sind da, Großmutter könnte ich fein, und muß jetzt aus einmal wie auf Kommando: scheiben, heiraten! Muß id£ dir das noch weiter aus« malen? Ich meine, es genügt" „Das sind die Gründe?" fragte Carsten bedächtig. Er glaubte, tiefer zu sehen. „Was sonst?" Das Lächeln Julies lockte. Aber der harte Zug in Carstens Antlitz blieb. „Vielleicht denkst du: Aus dem Regen in die Traufe. Vielleicht schreckt dich alles, was um mich geschieht. Die Leute toben ja förmlich. Morgen spricht der Stadtverordnete Priebe. Uebermorgen ein anderer. Jeden Tag fliegt mir ein neuer Akt auf den Tisch. In alles steckt die Baupolizei ihre Rase." Reichsbahn und Rrastpostiinie Gietzen—Rleebachtal. Die Reichsbahndirektion Frankfurt ist in den letzten Tagen mit einem recht merkwürdigen Vor- schlag herausgekommen. Sie regt in einem Schrecken an die Oberpostdi.el-ion Darmstadt ecne-L, e c- lung der Kraftp 0 stlinie Gleß e n— Kleebachtal an; eine Linie soll nach ihrer Ansicht von Gießen über Klein-Linden, Lützellinden nach Groß-Rcchtenbach ge^en, dte andere von Großen-Linden über Hörnöhecm, Hochelheim nach Niederkleen führen. Zur Begründung u):c5 Vorschlages spricht die Reichsbahndirektion von ungenügender Berücksichtigung der Reichsbahninteressen, ferner gibt sie an, auch die Bevölkerung des Kleebachtales könne durch den letz.gen Fahrplan n-cht befried gt werde:,, ^e sucht dann ihren Vorschlag mit verschiedenen Mitteln schmackhaft zu machen, und sie bezeichnet ihn recht kühn als „im allgemeinen Interesse der Beteilig- ten" liegend. Wer gewohnt ist, den Dingen auf den Grund »u sehen, wird nicht im Zweifel darüber fein, daß Die Reichsbahndirektion in dem Schreiben an die Oberpostdirektion doch allzu stark pro domo spricht. Cs ist natürlich ihr gutes Recht, ja, ihre Pflicht, mit Eifer für die Reichsbahn- interesfen einzutreten, aber sie darf dabei die Dinge doch nicht derart hinstellen. wie fie es in ihrem Schreiben tut. Zunächst ist zu dem Vorschlag der Reichsbahndirckt on zu ben,erken, daß vor der Inbetriebnahme dieser Krastpost- linie sämtliche Anschluhgerneinden — mit Ausschluß von Großen-Linden, das an der Dahn liegt und infolgedessen nicht interessiert war, weshalb es ja auch keinerlei Garantie-Verpflichtung für die Kraftpvst-Verbindung emging — ausreichend Gelegenheit halten, sich über die Gestaltung des Fahrplanes zu äußern. Diese Wünsch« sind richtunggebend gewesen bei der Fahrplanausstellung, und soweit später Aenderungen oorgenonunen worden sind gaben praktische Erfahrungen h:er- zu den Anlaß. Die Reichsbahndirektion Frankfurt darf schon glauben, daß man die „allgemeinen Interessen der D?teiligten", d. h. der an der Kraftpvst liegenden Gemeinden von Gieße n aus besser erkennen und berücksichtigen kann, als von Frankfurt aus. Weiter sei der Reichsbahndirektion gesagt, daß doch nicht alle Fahrten der Kraftpostlmie nur Eisenbahnanschlußzwecken in Gießen dienen müssen, daß vielmehr der größere Teil der Fahrten der Bevölkerung einem Zwecke dient, der in der Stadt Gießen zu suchen ist. Wir wollen nicht annehmen, daß die Reichsbahndirektion der Bevölkerung des Kleebachtales und der Stadt Gießen Schwierigkeiten bereiten will. Um so merkwürdiger berührt aber ihr Vorschlag, bei dem das Außerachtlassen der berechtigten Interessen bet Krastpost-Tlnschluß- gemeinden doch grundlegend ist. Die Kraft- pvstlinie in ihrer heutigen Ausgestaltung rentiert, 0. h. fie ist lebensfähig und infolgedessen auch in ihrem Fortbestehen gesichert. Wenn man sie noch dem Vorschläge der Reichsbahndirektion in zwei getrennte Linien teilen würde, durch di« der Derkehrszusammenhang eines wirtschaftlich geschlossenen Bezirks gelockert oder gar zerrissen werden müßte, so würde das Fundament des Kraftpostbetriebes stark erschüttert, unter Umständen fo stark, daß der ganze Bau zusammen- brechen würde. Es ist Tatsache, daß die Stadt Gießen kein Interesse daran hat, weiterhin 50 Prozent der gesamten Garantiesumme für diese Kraftpostlinie zu tragen, wenn durch deren Fnhr- plangestaltung die Möglichkeit einer Ablenkung des Verkehrs von Gießen nach Frankfurt geboten wird. Ob die Reichsbahndirektion oder die Gemeinde Großen-Linden, die in dieser Frage zusammenstehen, bisher aber von einer Garantieleistung für die Kraft Po st nichts merken ließen, wohl bereit wären, den eventuellen Ausfall der Gießener Garantiesumme auf sich zu übernehmen? Wir glauben diese Frage schon heute verneinen zu können. Jedoch möchte die Reichsbahn einen betriebswirtschaftlich für die ganze Kraftpostlinie sehr wertvollen Teil aus dem Gesamtgebäude zur „ausreichenden Berücksichtigung unserer Reichsbahnbelange" heraus- lösen, wahrend fie anscheinend gar nichts dabei findet, die jetzt gebotene Möglichkeit des Kraftpostverkehrs der Kleebachtalorte untereinander zu zerreißen und ferner den von der großen Mehrheit der Bevölkerung gewünschten, möglich st einfach gestalteten Verkehr mit dem Wirtschaftsknotenpunkt G.eßen zu komplizieren und zu erschweren. An einer älmgestaltung des Krastpostbetr'.ebs^ nach den Wünschen der Reichsbahndirektion können die Klcebachtal-Gemeinden kein Interesse haben, denn die Auswirkung dieses Planes würde der großen Mehrheit der dortigen Bevölkerung nur Verkehrsnachteile bringen, jedoch alles Risiko auch ferner in vollem Umfange allein den Gemeinden überlassen. Seitens der Stadt Gießen wird der Vorschlag der Reichsbahndirrktion Frankfurt abgelehnt: Gießen hat, wie gesagt, keinen An.aß, Pläne zu begünstigen, die in ihrer Auswirkung Das Maßschneibercigewerbe in Gießen I kündigt in unserem heutigen Anzeigenteil | eine Werbewoche an. Man bittet uns aus diesem Anlaß, den nachstehenden Detrach- nadenwegen und - st raßen, zahlreiche einge- fhcute Wohnungen, die Verkehrsanlagen und endlich und nicht zuletzt die für einen intensiven fffeinboben- betrieb unentbehrlichen Einrichtungen für die planmäßige Versorgung mit Wasser und Dungstosssn: in letzter Beziehung will Migae die bisherige ftnb- tische A b f a H w i r t s ch a ft gründlich um- gestaltet und in den Dienst der Bodenkultur dieser Grüngürtel gestellt wissen. Sicher haben ja die natürliche Entwicklung und die Maßregeln unserer Städte bisher schon viel in der Richtung dieser Ziele getan, aber so richtig be- mußt, planmäßig, großzügig und nachdrücklich sind diese Dinge bisher im allgemeinen doch noch nicht in Angriff genommen worden. Dafür wären eine ganze Reihe ineinandergreifender Maßregeln großen Stiles erforderlich, die aus dem eben Dargelegten zum großen Teil heroorgehen. Besonders aufmerksam gemacht sei hier noch darauf, daß sich für die Verwirklichung dieser Gedanken auch eine umfassende städtische Bodenpolitik unb bie Gründung besonderer Organisationen, sogenannter Gartentür- sorge-Gesellschaften, notwendig machen roirbc, die dem intensiven Kleingarten- und ffleinbobenddrleb überhaupt in jeder Weise ocganisawrisch, technisch, finanziell usw. Hilfe leisten sollen. Gewiß ist diesen Miggeschen Ideen unb Vorschlägen gegenüber nüchternste Prüfung höchst not- menbig und angebracht: vieles wird std) wohl bet objektiver Kritik als undurchführbar und vieles an» dere als nur sehr langsam und allmählich zu erreichen Herausstellen. Im aroßen und ganzen wirb man aber doch die Idee dieser städtischen Kulturgürtel billigen und ihre Verwirklichung anstrebcn müssen. Sie liegt nicht nur im allgemeinen Zugr dcr Zeit, sondern auch bas kommende preußische Städte- baugesetz wird die Städte auf solche Dahnen drängen. Außerdem ist aber auch der Gedanke sehr der Erwägung wert, ob nicht durch derartige Maßnahmen, unmittelbar oder mittelbar, eine erhebliche Milderung der städtischen Arbeits- unb Erwerbslosigkeit herbeigeführt werden könnte. Aufwertung der durch die Hypothek gesichert nperfönlichenzorderungen Bon Juftizinfpektor Schröder, Butzbach. Einen von einem bekannten Rechtclehrer her- rührenden Ausspruch über die Stellung des Drittschuldners in der Zwangsvollstreckung kann man unbedenklich auf das Auswertungsgesetz anwenden und umformen: „Der bedauernswerteste Mensch im Aufwertungsverfahren ist der Gläubiger!" Mit der Anmeldung seines Anspruchs auf Aufwertung hat er, wie ich in meinem Aufsatz über seine Mitwirkung bei der Eintragung im Grundbuch ausführte (Gieß. Anz. Nr. 208 vom 6. September 1926), noch lange nicht seine Schuldigkeit getan. Diese Darlegungen bezogen sich indessen nur auf die Aufwertung des dinglichen Rechts, d. h. tungen Raum zu geben: Die Dame. Schon feit langem war die Mode nicht fo individuell eingestellt, wie dicjeii Herbst. Die besten Kenner und Fachleute streiten; jeder schwört auf eine andere Linie, und jeder wird wohl auch recht behalten, denn der jeweilige Charakter der Trägerin spricht das letzte Wort. Der kluge Fachmann, der Schneider, die Schneiderin weih auch diesen Herbst zu raten, was für jede Figur das richtige ist. Das Kostüm mit kurzer Jacke, wozu eine gute fachmän- ' c Verarbeitung unerläßlich ist, wird die schlanke 12.nie weiter betonen. Es wird im Rücken etwas blusig, um der Linie etwas Weiches, Frauenhaftes zu geben, von vorn bleibt die kurze Jacke in Herren- faffon als klassische Modeform. Der Mantel für den Vormittag wird seine gerade Linie vorn wieder annehmen, während er für den Nachmittag und Abend eine blusige Weite, sehr oft mit gepufften Aermeln, annimmt. • Da das Material zu den verschiedenen Formen auch ganz verschieden sein muß, ist jeder Dame Gelegenheit geboten, ihren eigenen Wünschen, ihrem Charakter Ausdruck zu verleihen. Für den Nach- mittag und Abend werden weiche, fallende Stoffe, wie Chiffon, Crepe, Georgette und reinseidener Velourchifson das Ideal für die weiten blusigen Formen sein, lieber diese spinnweben-dünnen Gewänder, die für den Nachmittag Tn dunklen Tönen, besonders in Blau, Schwarz, Enzian unb Burgunder bevorzugt werden, wird ein Mantel mit dem Pelz nach innen, dessen Kanten und Kragen von demselben Material sind, das schönste fein; für das weniger gefüllte Portemonnaie wird es nur zu einer Verbrämung nach außen langen. Für den Abend werden helle und leuchtende Farben, sowie Jett und Straß sich mit Brokat den Rang ablaufen. Für die kluge Frau wird die Kunst, gut angezogen zu sein, darin bestehen, der jeweiligen herrschenden Mode etwas Persönliches zu geben. Die kluge Frau weih, daß der gute Stofs, die gute Verarbeitung dazu unerläßlich sind; sie weiß, daß eine geschickte Hand dem einfachen Kleide eine besondere Note zu geben versteht; sie weiß das Geheimnis einer erstklassigen Arbeit zu schätzen, weil es die ©e- währ für ein individuelles, geschmackvolles und gutsitzendes Kleidungsstück bietet Der Herr. Einfach, ruhig und vornehm ist die Devise der neuen Moderichtung. Der Salkoanzug schließt für gewöhnlich einreihig auf drei Knöpfe, aber auch Der zweireihige Sakko findet zur Zeit wieder viele Anhänger und wird besonders im Winter bevorzugt. Die allzu salopp anmutende Taillenlosigkeit hat einer leichten Schweifung, einer diskreten Betonung der Figur Platz gemacht. Für Besuche und offizielle Anlässe während des Tages ist der auf einen Knopf gearbeitete schwarze Rockanzug (Cutaway) sehr beliebt. Bei Westen, die aus dem gleichen Stoff- material wie der Rock bestehen, ist im Ausschnitt bie weihe Kante ber Unterweste zu sehen. Das Bein- kkeib wirb in ben bekannten grauen Streifenmustern bazu getragen. An bie Seite bcs Rockanzuges tritt g ü r t e l n , auch Grüngürtel genannt, auszugestalten. Der Vorkämpfer dieser Gedanken ist leit langem der bekannte Gartenarchitekt und Letter der Eiedlerschule Worpswede, Leberecht M 1 g g e. Was soll der ffulturgürkl oder Grüngürtel enthalten? Er steht bei Migge unter dem beherrschenden Gedanken, daß diese stadtnahen Gebiete vor allem ber gegebene Bereich für bie Versorgung der Städte mit den heimischen Bodenerzeugmsjen, für die gartenmäßige Betätigung und die Erholung dcr städtischen Bevölkerung bilden. Mit anderen Worten diese Kulturgürtel sollen eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Betätigungsfeld für bie große Binnen! olonisation sein, in der Migge einen großen Teil unserer Zukunft erblickt, und die allerdings, wie man zuaeben müssen wird, eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit ist. Der Kulturgürtel soll vor allem ausgedehnte Dauerkleingartengebiete für bie städttft" e Bevölkerung, die aber in moderner intensiver Weise zu bewirtschaften wären, aufnehmen, ferner zahl- reidje Erwerbsgärtnereieu, landwirtschaftliche Klent- fieblungen und auch die direkt städtische Land- und Forstwirtschaft, außerdem die in Anlehnung an die Kleingärten zu schaffenden modernen Volks- parks, die Sport- unb Spielplätze, bie Friedhöfe, ein Syfte in von P r 0 m e • Städtische Kulturgürtei. Don Dr. ff. v. Mang 0 Idt. Jedem einsichtigen Beobachter ber Verhältnisse wirb sich bie Tatsache aufdrängen, baß bas unsere großen unb mittleren Städte näher umgebende u n - bebaute Land, etwa bis zur Grenze der städtischen Derkehrszone, unter mannigfachen besonderen Bedingungen steht. Wenn es auch nur zum kleinen Teile dazu berufen sein wird, in absehbarer Zukunft bebaut zu werden, so hat es doch die Aufgabe, einer dringenden Bedürfnisbefriedigung der städtischen Bevölkerung zu dienen: Ais Erholungsgebiet, als Dersorgungsgebiet, als Auf- nahmeftelle für zahlreiche notwendige technische und sonstige Anlagen u. bgl. m. Da sich so auf diesem Gebiet eine Menge verschiedener, oft einander widerstrebender Zwecke kreuzen, so bedarf es hier auch einer besonders stark eingreifenden und planvollen Ordnung. Ferner drängt der hohe, teils offen vorhandene, teils wenigstens als möglich zuzugebende wirtschaftliche Wert dieses Bodens zu ganz besonders intensiver Bodenkultur. Es braucht nicht befonbers bewiesen zu werben, baß ber tatsächliche Zustanb dieser Gebiete den Erfordernissen vielfach nur in recht geringem Grade entspricht, wofür schon der oft so Das Maßschneidereigewerbe in Gießen I fast gleichberechtigt ber kombinierte Anzug, bestehenb • • ‘ 1 aus einem Marengosakko unb einem grauen, gestreiften Beinkleib, bas burchschnitllich etwas Heller ist als beim Cutaway. Ms Abendanzug, besonders bei größeren Veranstaltungen, hat der Frack wie einstmals die Führung. Im intimen Kreise und bei Carsten beschrieb eine weite Geste. „Kein angenehmes Leben wäre bas, wie?" Julie sprang auf. In beide Hände nahm sie sein Gesicht. „Du meinst das doch nicht im Ernst, Bernhard Carsten?" Ihre Stimme zitterte. „Man muß auf alle möglichen Gedanken kommen", sprach Carsten unsicher. „Vielleicht hättest du nicht einmal so unrecht. Im Augenblick ist die Lage ja wirklich nicht rosig. Immer knapper wird das Geld, die Außenstände kommen nur schwer herein. Und was das Bauen kostet —" Carsten murmelte Zahlen. Plötzlich trat er einen Schritt zurück. „Ich habe ein neues Angebot auf bie Villa." Sein Blick kreiste um bie weite, kostbare Pracht. „Ein viel günstigeres Angebot als bas erstemal. Mit allem, wie es ba liegt unb steht: ein schönes Vermögen. Wir könnten es brauchen." „Tu, wie bu willst", sagte Julie erblassend. Nein! rief es in ihr. Dem Manne durste man fein Schicksal nicht verketten. Der ging einen Weg, auf dem sie ihm nicht folgen wollte. Ihr Bedarf an bürgerlicher Enge war gedeckt. Dazu brauchte man sich nicht scheiden zu lassen. Dasselbe hatte man zu Hause. Carsten kam näher. „Vielleicht sollten wir das Opfer doch bringen?" sprach er leise. Seine Augen forschten in Julies Mienen. Ungewöhnlich lange blickte er sie an. War das Martinas Mutter? Warum suchte er die Züge der Tochter in ihrem Antlitz? Was würde Martina anU worten, wenn sie jetzt da säße? Was wollten diese bohrenden, törichten Fragen überhaupt?" „Es ist dein Haus, Bernhard Carsten", lächelte Julie. Sie wandte sich ab und schaute durch das hohe Fenster. Gleichmütig hoben und senkten sich draußen die Aeste der Föhren. Eine halbentblätterte Ranke schaukelte gegen die Scheiben. Graues Gewölk hing über den Wipfeln. Dämmerung sank. Julie fröstelte. „So werde ich Doktor Morell fragen", sprach Carsten in die Stille. „Doktor Morell? Du willst wieder nach Kassel fahren?" Befremdet schüttelte Julie den Kopf. Doch Carsten sagte: „Seit heute ist Morell hier." „Da wird er Besseres zu tun haben." (Fortsetzung folgt.) „Natürlich die Damen." Das Zimmer kreiste um Martina. Wieder fühlte sie sich umschlungen. Zärtliche Worte klangen an ihrem Ohr. Eine braune Hand strich ihr bas Haar aus ber Stirn, boa ihren Kopf zurück, faßte ihr Kinn. Ganz nahe standen zwei bunkle Augen. Ein warmer Atem flüsterte: „Auch barüber kann man hinwegkommen! Auch bamit muß man fertig ©erben! So ober so. Schon immer habe ich es dir gesagt, Martina: Das Leben ist ja so gemein. Du hast keine Ahnung, wie gemein das Leben ist!" Minuten ober Stunben vergingen. Dann löste sich etwas tief in der Brust. Endlich konnte Mar- tina weinen. der Hypothek selbst, die 50 Prozent des Goldmark- betrags nicht übersteigen kann. 3n einer Reihe von Fällen aber kann eine höhere Aufwertung der durch die Hypothek gesicherten persönlichen Forderung verlangt werden, z. B. wenn sie auf einem Gutsüberlassungs- vertrag oder auf den Beziehungen aus der Auseinandersetzung unter Miterben beruht, oder wenn es sich um eine Kaufgeldforderung handelt, die nach dem 31. Dezember 1908 begründet worden ist. Diese Abweichung von dem normalen Höchstsatz ist nur zulässig, wenn der Gläubiger sie vor dem 1. April 1926 beantragt hat. In Fällen, in denen Anmeldezwang bezüglich der Aufwertung der Hypothek auf Grund des Vorbehalts der Rechte oder kraft Rückwirkung bestand (also wenn Zahlungen nach dem 1. Januar 1918 und vor dem 15. Juni 1922 unter Vorbehalt, nach letzterem Zeitpunkt bis zum 14. Februar 1924 auch ohne Vorbehalt angenommen wurden), wurde in der Regel auch die Höheroufwertung der persön- lich en Forderung beantragt. Oft geschah dies sogar cchne Angabe eines bestimmten Betrags, etwa In der Form: „(5s wird Aufwertung der oersönlichen Forderung über 25 Prozent des Goldmarkbetrags beantragt und die Bemessung der Höhe richterlichem Ermessen archeimgegeben." Diese Anmeldung wurde von der Aufwertungsstelle gleichzeitig mit der Anmeldung der Hypothekenaufwertung dem persönlichen Schuldner, der meistens mit dem Grundstückseigentümer personengleich sein wird, zugestellt. Run bezieht sich aber die von der Zustellung ab laufende dreimonatige Einspruchsfrist des Schuldners und Eigentümers nicht auf die persönliche Forderung. Wenn er die Frist verstreichen läßt, ohne Einspruch zu erheben, hat er damit nicht etwa stillschweigend den An- fpruch aus höhere Aufwertung der per« Iönlichen Forderung anerkannt; in dem vorhin erwähnten Falle weiß er ja noch nicht einmal die Höhe des verlangten Betrags. In Fällen, in denen die Hypotheken noch im vollen Betrage bestehen, also Zahlungen nicht geleistet sind, war eine Anmeldung der H y p o 1 h e k e n aufwertung, also des dinglichen Anspruchs, überhaupt nicht ersordcr- (Id), wohl aber der Antrag auf Höheraufwertung der persönlichen Forderung zu stellen, wenn die Voraussetzung dafür vorlag; die dreimonatige Einspruchsfrist des Schuldners kommt hierbei überhaupt nicht in Frage. Eine Bestimmung darüber, was die Aufwertungsstelle zu unternehmen hat, wenn der Schuldner sich auf den Antrag aus Höheraufwertung der persönlichen Forderung nicht äußert, enthält das Aufwcrtungsgesetz nicht. Die Praxis bei den Aufwertungsstellen wird sehr verschieden (ein. Teils werden sie, wenn der Gläubiger keine Mitteilung über eine Einigung macht, Termin zur Eintgungsver- handlung bestimmen, teils auch vorher eine Aeuße- rung über etwaige gütliche Einigung verlangen. Man könnte auck den Standpunkt vertreten, daß die Aufwertungsstelle gar nichts mehr zu unternehmen hätte und die Sache bis auf Anruf beruhen lassen könnte. Dem Gläubiger Ist daher sehr zu empfehlen, von seinem schweigsamen Schuldner eine Gr- kläruna über die Auswertung der persönlichen Forderung zu verlangen und, falls eine Einigung erzielt wird, der Aufwertungsstelle Mitteilung zu machen, damit nicht möglicherweise ein Termin festgesetzt wird, der Kosten verursacht. Auf keinen Fall sollte er Anfragen der Auf- Wertungsstelle einfach unbeachtet lassen. Er hat das größte Jnteresie daran, daß die Höhe seines Aufwertungsanspruchs f e st g e lt e l l t wird. Sollte der Sd)uldner zugleich der Grundstückseigentümer sein und sich bereit finden, auch zur Sicherung des Betrags der persönlichen Forderung, der die normale Aufwertung von 25 Prozent des Goldmarkbetrags übersteigt, eine Hypothek eintragen zu lassen, so wird der Gläubiger klug daran tun, seine persönliche Forderung etwas herabzusetzen, da er einen Anspruch auf ihre Sicher st ellung nicht hat. Ist eine Einigung mit dem Schuldner nickst zu erzielen und hat die Aufwertungsstelle einen Termin nicht bestimmt, so muß der Gläubiger hierauf antragen; kommt es nicht zum Vergleich, so muß die Aufwertungsstelle entscheiden. Die LahnreqEerung bei Fronhausen. ][ Fronh ausen, 22. Ott. 3n Anwesenheit von Vertretern der Kreisbehörden, sowie einer großen Zuschauermenge aus Stadt und Land erfolgte heute nachmittag derDurch- ftich deS Zweiten Abschnittes der Lahnregulierung, die eine Länge von 400 Metern hat. Die zwei großen Fiuhkrüm- mungen, die so oft die Ursache von äleber- schwemmungen bildeten, und die sich besonders seit der Regulierung der Ohm und der Wohra, sowie des Schutzdammes bei Marburg in sehr bedenklicher Weise bemerkbar machten, dürsten damit in der Hauptsache beseitigt sein. Das Flußbett der Lahn ist jetzt hier um etwa einen Kilometer verkürzt. Der obere Teil des alten Flußbettes ist bereits zugeschüttet. Die letzten Arbeiten an dem rund vier Kilometer langen Hochwasserschutzdamm, der sich von südlich Roth bis zur Eisenbahnbrücke bei Friedelhausen erstreckt, sind noch im Gange. Die unvorhergesehenen Schwierigkeiten, die durch das Deseitigen der im neuen Flußbett lagernden Reste des sogenannten Gchenksn- waldes entstanden sind, dürften eine Ueberschrei- tung der auf 320 000 Mark veranschlagten Kosten verursacht haben. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. •• Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 85 vom 22. Oktober enthält: Einlösung der Dollarschatzanweisungen. — Kreisstraßenfperre. — Ergebnis der Hauptkörung 1926. — Hegzeit für Rehwild und Hasen. — Eröffnung des ordentlichen Lehrganges 1926/27 an den landwirtschaftlichen Schulen. — Statistik der Weinmost- und Obsternte. — Maul- und Klauenseuche in Steinbach. — Versammlung des Kreisobst- und Gartenbauvereins in Gießen. — Wasserversorgung der Gemeinden. — Schutz der Onheidener Wasserquellen. — Straßensperren. — Dienstnachrichten. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Allen kr.tischen, unter Anführung sachlicher Momente zur Vorsicht mahnenden Stimmen zum Trotz hat das Gefamtniveau der Aktienkurse in der lausenden Woche eine weitere Steigerung erfahren. Während die Spetulation sich auf dem Boden dieser hohen Kurse durchaus nicht sicher fühlte und fast täglich zwischen Glatt st ellungen und Rückläusen umherpendelte, gelangten seitens der Bankenkundschasi und woht auch des Auslandes um'angreiche Kaufaufträge an den Markt, die den Anlaß zu den mehr oder weniger bedeutenden Kurssprüngen gaben. Für verschiedene Werte mögen hierbei anregende Gründe vorgelegen haben, so für die Anpassung der Rhein-Elbe-Kurse im Hinblick auf die gemeldete Absicht einer Fusionierung der drei Gesellschaften dieser Gemeinschaft (Gelsenkirchen, Deutsch-Luxemburger, Bochumer Verein). 3m gairzen dürften die Käufe aber wieder ein Ausfluß der wirtschaftlichen Zuversicht fein, der man nicht ohne Grund in den meisten Auslassungen über die Entwicklung der deutschen Industrie und des Handels neuerdings begegnet. Bei objektiver Berücksichtigung dieser Tatsache und auch der an sich bestehenden Notwendigkeit, die sich immer mehr durchsetzende Hebung des inländischen Kapital- und Geldmarktes nicht durch eine Derflauung der Börse zu beeinträchtigen, muh aber doch betont werden, daß die Auswertung dieser nur sehr allmählich fortschreitenden Gesamtbesserung anscheinend etwas zu sprunghaft erfolgt. Die Deutsche Bank hat durch ihre Gegenüberstellung der Reports und Lombards nach ihrem jetzigen Stand mit den früheren Terminen des laufenden Jahres wohl ebenfalls diese Feststellung treffen wollen. Wenn sie aber sagt, daß nicht die Höhe der in das Börsengeschäft geflossenen Report- und Lombardgelder an sich, sondern das Tempo ihrer Steigerung zu Bedenken Anlaß gäbe, so muß dem entgegengehalten werden, daß vom reinen volkswirtschaftlichen Standpunkt aus eine stärkere Versorgung der Industrie und des Handels mit Krediten wünschenswerter ist, als eine derartig weitgehende Förderung der Effektenumsähe, wie sie sich aus den Zweimonatsbilanzen ergibt. Auf der Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat man ja von kompetenter Stelle gehört, welche Kreditnot draußen im Lande noch herrscht. Die Großbetriebe haben zwar ausreichende Dersorgungsmöglichteiten, nicht aber die Mittel- und Kleinbetriebe. Man kann nicht einsehen, warum die bei den Banken verfügbaren freien Gelder zum allergrößten Teil der Effektenspekulation zugute kommen, weil hier den Danken die verhältnismäßig leichtesten und größten privatwirtschaftlichen Gewinnaussichten gegeben sind, während auf der anderen Seite der weitaus größte Teil der übrigen Wirtschaft keinen Aufschwung nehmen kann, weil die ankurbelnden, billigen und reichlichen Kredite fehlen. Wenn immer wieder die Rolle der Banken als eine der Spitzen und Hauptregulatoren der Volkswirtschaft (und mit Recht) herausgestrichen wird, dann muhten diese auch solche volkswirtschaftlichen Gesichtspunkte bei ihrer Geschäftstätigkeit und nicht nur das eigene privatwivtschastliche Interesse in den Vordergrund stellen. Das soll keine Kritik, sondern nur ein Hinweis darauf sein, dah zweifellos die Aktienhausse nur so großen Umfang an» nehmen konnte^ weil die Banken ihre neu zuströmenden Gelder In einem von ihnen selbst als bedenklich bezeichneten Tempo als Reports und Lombards ausliehen. Die weitere Entwicklung der Kurse dürste nun im Grunde ebenfalls davon abhängen, inwieweit die Großbanken in dieser Politik sortfahren. Dorläufig wird ziemlich allgemein bestritten, dah eine Einschränkung in dieser Hinsicht geplant sei. Wenn man das berücksichtigt, wird wohl klar, dah die verschiedenen schwebenden nationalen und internationalen wirtschaftlichen Projekte, wie überhaupt die Aktivität der deutschen Industrie eine so weitgehende börsenmäßige Auswertung erfahren haben. Man sollte aber nicht nurauf Hoffnungen bauen, sondern auch die realen De- wertungsmahstäbe nicht ganz auher acht lassen. Der Spekulation ist das hier Gesagte sicherlich bereits zum Dewußtsein gekommen, denn sie ist in ihren Operationen neuerdings ungemein vorsichtig. Zum Teil kündigt sich allerdings auch schon der -Ultimo in ihrer größeren Reserve an. Am Geldmarkt ist das Hauptmerkmal der gegenwärtigen Lage ein überreichliches Angebot von Tages gelb, dem ein t a a - l i ch uachlassenderDedarf gegenübersteyt. Die vom AuSlande hierher gelangten, aus Emissionen und Reuinvestierungen stammenden Gelder finden nur schwer Unterkunft. Am Privatdiskont- markt genügt das Angebot durchaus nicht der Rachsrage, so dah die Rotizen eine sinkende Tendenz zeigen. Mit der soeben erfolgten letzten Ermähigung haben die Sähe fast wieder ihren im lausenden Jahr niedrigsten Stand erreicht. Der Neichsbankpräsidenl über die ReichsbankpoUlik« WD. Im Wirtschafts-Enquete-Ausschuß bestritt in der Sitzung vom Donnerstag Reichsbankpräsident ' Dr. Schacht bei der Darlegung der Finanzpolitik der Reichsbank jede Einwirkung der T r a n f e r f r a g e auf die Reichsbank und erklärte die wirtschaftlichen Grundsätze des D a - wesplanes als gesund. Man dürfe jedoch den Plan nicht ein für allemal als die Dibel der Wirtschaft ansehen. Selbstverständlich seien im Dawesplan auch Fehler gemacht worden, vor allem durch die Trennung von Post und Eisenbahn vom Staat. Die G e l d p o l i - tik und die Verkehrspolitik dieser öffentlichen Einrichtungen dürften nicht privatwirtschaftlich eingestellt fein, sondern müßten, was heute nicht immer geschieht, die höheren gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkte I berücksichtigen. Rach längeren Ausführungen über die Vereinheitlichung des Geld- und Kapitalmarktes und über die Herabsetzung des Zins« Rätsel-Ecke. Silbenrätsel. a — den — do — el — ell — eu — gon — t — i — ku — lu — man — mu — ne — ne — o — o — pe — vel — pyr — rä — re — renn — rit — ro — se — se — se — sen — sis — stieg — ter — them — vam — roa — win — ze — zos. Aus vorstehenden 38 Silben wolle man 15 Wörter mit folgender Bedeutung bilden: 1. blut- saugendes Geschöpf ; 2. Muse; 3. Kamm weg im Thüringer Wald; 4. weiblicher Personenname; 5. Stadt in Dänemark; 6. Erzählung; 7. Stadt in Italien; 8. Fisch; 9. Stadl in der Mark Brandenburg; 10. männlicher Personenname;- 11. ägyptische Göttin; 12. Fluß in England; 13. Bao in Schlesien; 14. amerikanischer Staat; 15 Fisch. — In diesen Wörtern ergeben, wenn sie richtig gebildet sind, die erste uno die dritte Buchstabenreiye, beidemal von vorn nach hinten gelesen, ein Sprichwort. Kreuzworträtsel. 3 5 6 8 9 11 26 50 10 \Vt- 15 15 \25 \28 121 2/Ä IrT 7 11 lüiPi □Ql SHE 0 E3 VQ ■taee™ oaml 1. Don links nach rechts: 1. Wildschwein; 4. griechische Göttin; 7. Stadt in Südtirol; 8. Hohepriester; 10. Bergweide; 12. englischer Adelstitel; 13. Wurfspieß; 14. Naturerscheinung; 15. Wasser in fester Form; 16. große Tur; 18. Bad in Hessen-Nassau; 21. Titel; 22. Schicksalsgöttin; 24. Derkchrsanstalt; 25. anderer Ausdruck für Rettich; 27. Fluß in Hannover; 28. Hafenstadt in Arabien; 29. Inhaltslosigkeit; 30. Weltkörper. 2. Don oben nach unten: 1. Wie 8, wagerecht; 2. Gaststätte; 3. Tonkünstler; 4. (Betreibeart; 5. Titel; 6. wie 7, wagerecht; 7. Teil des Baumes; 9. rumänische Münze; 11. Nebenfluß der Drau; 16. Teil des Klaviers; 17. Schlangenart; 19. französischer Revolutionär; 20. Stadt in Hannover; 21. Blume; 23. Nebenfluß der Fulda; 24. geographische Bezeichnung; 26. Nebenfluß der Donau. Zr»rsflitt:ttansg<'.be. j'i11___t '• i 8 Die schwarzen Flächen sind auszuschneiden und so zusammenzusetzen, das; die weiße Silhouette des Kopfes eines Gärtnerburschen umschlossen wird. Suchrätscl. Samaria — Rienzi — Faecher — Odense. In den vorstehenden vier Wörtern sind drei bzw. vier Buchstaben zu streichen, so daß noch drei übrigbleiben. Diese müssen, aneinandergereiht, eine herbstliche Naturerscheinung ergeben. Niveaus untersuchte Dr. Schacht die mit den Auslandstrediten zusammenhängenden Erscheinungen, wobei er mit besonderem Rach- druck dabei verweilte, daß die auf der deutschen Wirtschaft ruhende jährliche Zinsen- und Rückzahlungslast durch Hereinnahme weiterer Auslandskredite fortwährend vergrößert und dadurch die augenblicklich sehr günstig aussehende Zahlungsbilanz im Laufe der Jahre ständig verschlechtert wird. Unter allen Tlmständ n so sagt.' der Reichs- bankpräsident, muß in diesen Dingen Maß gehalten werden. Dazu kommt die reparations- polilische Seite der Auslandskredite. Die zur Zeit bei der Reichsbank durch AuSlandS- k r e d i t e zusamm-enkommenden Devisenbe- ständebrauchen wirnicht. Deshalb würde ich eine Frage des Reparationsagenten, ob wir Devisen für den Transfer abgeben können, mit „3a" beantworten können. Wir täuschen derzeit eine Transferfähigkeit vor, die mit absolutester Sicherheit nach geraumer Zeit nicht mehr vorhanden fein wird. Wir müssen uns deshalb unbedingt auf dem Gebiet der Auslandskredite einschränken. Das große internationale Verschuldungs- Problem ist nicht nur für Deutschland, sondern wird auch für eine ganze Reihe anderer Länder akut. Die internationale Tendenz kann nur dahin gehen, eine Begrenzung aller politischen Schulden auf das wirtschaftlich und transferpvlitisch tragbare Maß herabzusetzen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprach zum Schluß von der Rot- Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen Unzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten Bilder-Nätses. Mätfet. Man sandte mir zum frohen Feste Ein weißes Haus voll schwarzer (Säfte;, Ich öffnete die geschlossene Tür, Da sprachen die lieben Gäste zu mir. Auflösungen. Silbenrätsel. 1. Scharmützel; 2. Irawadi; 3. Chile; 4. Herat; 5. ©affran; 6. Endivie; 7. Leckerli; 8. Banane; 9. Sansibar; 10. Tempelhof; 11. Zirkus; 12. Ur- künde; 13. Langeland; 14. Erfurt; 15. Nikolaus; 16. Kadi; 17. Eriwan. Sich selbst zu lenken, ist des Freien Teil. Man riecht es am Golds nicht, wie es verdient worden. Kreuzworträtsel. NIC BQQG Bilderrätsel. ro B 1(3 ni i0i W ini IE3I BI EM 5 r|a|t sUEl i AKjH E MflEk Tauschrätsel. Marke — Tau — Stelle — Sporn — Geber — Mohr — Reck — Schank — Same — Karte -< Form — Kauf — Quart — Ocker — Dorn —< Mehl — Gras — Finte — Kaffee — Weste —» Raute. Muenchener Oktoberfest. Tätigkeitsrätsel. Sperling. Gleichklang. Ein Trager. 1. Gepäckträger. 2. Träger Mensch. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Der Täter. Auf dem Holzplatz des Großhändlers Preger verschwindet hin und wieder ein ansehnlicher Dalken oder ein Dutzend Bretter. Kein Mensch weiß, wer's gewesen ist, und Preger ärgert sich grün und gelb. Eines Tages kommt der klein« Preger zum Vater gelaufen und erzählt: „Baler, unten hat sich der Vorarbeiter einen Riefensplitter in den Finger gezogen i" Da nickt der alte Preger grimmig: „Jetzt weiß man, wo's Holz bleibt...!!!" (Lust. Dl.) Numero Sicher. Der Iustizrat Sauerbrey hat auf dem Revier ermittelt, daß sein Klient eben zum Verhör nach Moabit abgeholt wurde. Er nimmt sich sofort eine Autodroschke: „Rach dem Kriminalgericht, 4ßortal II, und dort warten Sie auf mich, bis ich wiederkomme." „Warten? Ja, wer weeh denn, wie ville Sie kriegen??" (Lust. Dl.) Wendigkeit, daß die ausländischen Regierungen mit Deutschland gemeinsam dieses Problem prüfen. J^Dpfschmeri Migräne Neuralgie Zahnschmerz :____________ Onur »vtc onurtUii. i i2üid vergilbte Wasche wieder blendend weiss Frau K. R in L. schreibt: „Mein Mann, der herzleidend ist. verträgt Quieta tadellos, was er vom Bohnenkaffee nie sagen konnte " Gold 120 Pfg.. Gelb 90 Pfg.. Rot 55 Plg.. CrOn 28 Pfg. Quieta ist 2—3 mal so ausgiebig wie Bohnen- und Malzkatteel ITCIZM -*>05 jauU. ill/ii, Ao» “ o»W Uhne ochladc^ öhm ezray.- !1 Törten tu rle. Berliner Börse. Berlin, 23. Ott 3m Vifetteu-Freiverkehr herrschte das an Samstagen übliche ftille Bild. Auch -u Beginn des amtlichen Verkehrs hielt die Geschäftsstille an. Publikumsorders lagen bei Festsetzung der ersten Kurse noch nicht vor, sodaß sich anfangs nicht übersehen lieh, welche Stellung die Dankenkundschast einnahm. Die Spekulation legte sich daher gröbere Zurückhaltung auf und schritt nur hier und da zu Deckungsläu'en. Die Terminpapiere zeigten daher vereinzelt kleine Erholungen, verkehrten aber im ganzen in der ersten Stunde in uneinheitlicher, eher nachgebender Haltung. D.e Kursveränderungen hielten sich allgemein in engsten Grenzen. Immerhin tvar bemerkenswert, dah die Baisse- ^rankrurl a.M. Äcrlin -chiu,.| Nur. 1 l-.lar* Kur» üchiuft-ILnfana «ttr» ! •In* Tottrn: >1. III | 23. Hl 22. 10. | 23 10 5®/, Trutfctie IHckbSanfdbt 4% Deutsche 'JicKtisanleifae 8'/»•/« Deutsche N.ich anleibr J 7025 ' 6 691 > 0.7'05 !' .697*1 — 1 — 1.681)7 ,1 .6725 o to — 1.6607 .66,5 3% Deutsche Reichsuileiye U>2 — 0.87 | U 82 Dcuiiche Svarvrumtrnanletde U 405 — 0.41 — 4°/, Preußische «onkolö - ■ • 0 155 • 6<07 । ,6<<5 4» o Hesseh...... 0,00 I — — 8 '/»•/« ^cflcn......... 3% He>sen.......... — s — — — — I E 0,62 1 Deutsche Drrtb Dollar-Ank. 95 — — dro Doll ‘Grtfoe-Sliirreifng/i — — — 4®/e Hoatnrlcn 18 4 18 18,3 1 — 6e/e Soldmerikaner . . 44 62 — — Berliner HandelSarlrllscholl Cortunerj. und Prtvat-Bonk 2 armfL und Natioaalbaok Teutiche Bank ..... 233 : 164 75 1 230 25 162.75 235 1 164 7' i 232 162 5 45 184 5* 1 240.5 182 5 r 7 । i85,r 239.5 I81.6i Deutsche verrinSixmk • ■ • 103 ! —* — TiSconto Lommandit Dkrtallbank 1» 161 170 159.5 173 2 , 164 1,0.25 160 Mnuideutiche Lrrdllbank ■ Leesterreschikwe Crevitan stall 148 — 148 | 149 8.45 1 8.5 ' 8,5 Westbank ........ 78 — - 1 — v och unter Ini - - - 176.5 | 177,5 , 172.75 BuderuS ......... 111 5 109.5 111,4 HO — 176 1 — Teuiich-Luremburg ..... (Sclsenkirchcnce ttcratoerte . 174,5 1 177.5 171,6 174 5 177 171.5 174 fiarpenci Bergbau ... Sahrocrif Aschcröledea.... 1 2.25 158 5 ItO 156 4 183 5» 157.2* 180 157 Kaliwerk Westeregeln .... 172.5 169 75 171.5 169.5 "7 80 84.5 78 5 CbtrbtDarf .......... k-9 — 87,75 84 5 Phonis äerabas ...... 135 75 133.75 135.5* 133.5 Rbeimiabl ....... Äicdeck 'Uiontan..... . 173 Ib9 173 169 164.25 162 5 65.7a 164 TelluS Beradau ..... 08.5 — — Bereinigte Stahlwerke A.-G- 151 150.75 152 149.5 Hamdurg-Amenka Vater. . . 183.5 Ü8 R9 187 Norddeutscher Lloao . . . 175.5 171 5 174,9 170 Lberamiiche Werke VKbtn . . 76,25 — — Zementwerk Heidelberg . . . 132 13 t — — Pbiiivv CoUmunn...... 141 139.75 137 Anglo-^ont -Kuano . ... — | — 103 100.5 trbemische Maner Alapin . . — - — — y ffnrbcninbuftrtc, A.-G. J28‘ ! 323 75 824' 323.5 Goldschmidt......... 140 139 142,5 140 Holzverkohlung........ RutgerLwerke....... 51.25 131,5 124.5 129.75 129.62 Lcheidcanstalt ........ 180 5 176.25 E- — «lla Elekn-uitätr-Geselllchast 1635 163.9 165.9 163 Bergmann ......... 163 — 163 160,25 Moinkraitwerke........ 107,25 — — — Schulten ......... 11! 141.75 142 141 Sie men« h HalLki ...... 207 203 2il5,75 202.5 Adlerwerke -Meyer ...... 108 1 104.12 107.75 104 Daimler Motoren. ...... 97 9 1 93.25 06.5 94,75 Henliaensiaedt....... . 23 — — yj/ectuin . ...... 58.9 — 60 — Motorenwerke Mannheim — 35,75 — Frankfurter Armaturen . . . 19 1 “ — — .sioiiserveniadnk Braun - . 43 • - Metall gesell chatt Frankfurt • 172.5 169 — Pet Union 116 — 108 — etbubiabril Her»...... 63,5 — 1 “ Lichel — 4 Henfto^ Wnldbok..... 201 197.5 201 198 25 KUtftriQbrif Frankenthal . . Zuckerfabrik Waabautet . . . 95 115 94.75 112 95.9 116,25 1 — bewegung bereits zum Stillstand gekommen ist und nur noch einzelne Papiere stärkere Einbuhen erlitten. Für verschiedene Werte lagen besondere Anregungen vor. Für 3. G. F a r b e n stimulierte der Fortschritt in den amerikanischen Verhandlungen des Farbeickonzerns. Eine günstige Ausnahme fand die beabsichtigte engere Verbindung der Hapag mit der Deutsch-Australischen und Kosmos-Linien S ch i f f a h r t s a t t i e n zeigten unter Einwirkung dieser Nachricht eine freundliche Tendenz. Für Montanaktien bot der Vorschlag des Präsidenten des ameri- kanischen Stahltrustes auf Einberufung einer europäisch-amerikanifch-eir Eisentonserenz zur Her- beisührung einer Verständigung eine gute Anregung. Diese Meldung wurde lebhaft dabattiert, und die Aussichten, dah demnächst die Etsen- verständigung über Europa hinausgreifen werde, veranlahte die Spekulation zu schleunigen Deckungslausen in Montanaktien, so dah diese eine feste Tendenz zeigten. Am Geldmarkt traten keine Veränderungen ein. Tagesge.d ist zu 3 PL 5 Prozent reichlich angeboten. Monatsgeld stellte sich auf 5,75 bis 6,5 Prozent. 3m D e - Visenverkehr hielten sich die Hauptvaluten zumeist ungefähr auf gestriger Basis. Oslo konnte sich gegen London weiter besesttgen auf 19,30. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt .576 59,37 12,465 7,425 9,905 3,019 41.475 81,60 2,155 5,11 4.21 4,185 a n I n o t e 167,91 1.710 11.89 105.12 111.70 112,18 10,56 18.28 20.358 1,199 12.66 61,00 63,22 2.052 0.585 59,26 12,432 7.41 J.88 .,03 21,425 61,42 4,14 5,14 4,201 4.175 N. 168,33 1.714 11.93 105.38 111.98 112,46 10,60 18 32 40,402 4.2IN 12.70 81.20 63,38 2.056 0.587 69,40 12,472 7,43 6,90 3.04 21,475 61,62 2,15 5,16 4.211 4.185 Berlin, 23 Oktbr Meld Brüt Lmertkanilche Vtotai ..... Belgische Noten........ Dänische Noten . ....... Englische Noten ...... Frantönsche Noten ...... Holländische Noten...... sttnlienische Noten...... Norwegische Noten..... Deutsch Qesterr.,i 100 Lronen Rumünischc Noten...... Schwedische Noten • ■ ... Schweizer Noten ...... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Note» . . Ungarische Noten ..... ; rankfurtc F r a n k f u r t, 23. Okt. Börse eröffnete zum Wache oben gerichteter Tendenz, bc einer starken Zurückhaltung den Ausführungen des Reic über der Ueberspekulativn 4,182 11.73 111.39 40,326 12,62 167.58 18.33 105.04 69.05 111.82 bO.70 65,41 12,392 5.845 v Börse. Tendenz unfi nschluß in tc ch blieb das 6 beherrscht. T i)5bantpräjibe schienen eine 4,202 11,79 111.95 20.426 12,68 168,42 16,41 105.56 59,35 112.38 81.10 63.76 12.452 5.885 her. — Die Iweise nach Geschäft von ie roarnen- nten gegen- nachhaltige Kauft in Giessen I ist mit (yuiucLuiiyeii |uiv ju/uzci. -mcyi ist ruhiger geivorden. Nur für sonstige Futter- i stosse und Oelsaaten bleibt die Tendenz unver- I sich in kleinsten Grenzen, selbst die ermähiqten Forderungen sind schwer zu erzielen. Auch Mehl Büchertisch. — Feine, ausgewählt literarische Kost bietet das neue lvierte) Heft vom ,3 n s e l s ch rf s' ; x. D. einen fast unbekannten Bericht (Aus Lausanne, 1766) über den jungen Mozart. daS „Wunderkind". Eine Abhandlung Bergemanns, dem wir die schöne Büchner-Ausgabe verdanken, über Bettinas Weg zu Goethe. Heinrich Manns Einleitung zum berühmten, galanten Noman von Laclos. Die Vorwort aerse Stefan Zweigs zu fernem glänzend geschriebenen, neuen Noveilenband, auf b«n wir an anderer Stelle zurücklommen. Bemerkungen deS verstorbenen Gustav Roeth« zur Manesseschen Handschrift. Eine ch.ncsische Novelle aus der Ming-Zeit. Franzikus-Legenven. Ülnd manches andere; es ist eine Freude, in dem geschmackvollen und sehr ernsthaften Heft zu blättern. — DaS neue Daheim (Nr. 3) bietet u a. eine reich illustrierte Abhandlung üben „Neue Prunkgläser". 3n zwei weiteren Auf- sähen behandeln Alice Henkel sachkundig daS „Spielturnen" unserer Kleinsten, und F. Bergmann die Geschichte und den heutigen Stand der Derufsfeuerwehr. Daneben steht eine abgeschlossene Mczartnovelle, „Intermezzo" von Amadeus Grohmann. DaS Frauendaheim mit wichtigen Ratschlägen und ernsthaften Plaudereien über moderne Raumkunst, allerlei reizende Modeneuheitcn, Frauenberuf und Hauswirtschaft, ferner der farbenfrohe künstlerische Bildschmuck, aktuelle Abbildungen und die selbständige Kinderbeilage „Arche Noah" vollenden den Inhalt des vielseitigen Heftes. — Die „Koralle- (Ullstein, Berlin) . dem Oktoberheft zu einem größeren Format übergegangen. Interessant find die Ausnahmen der blühen- den Jucca-Bäume auf dem Berge Wilson in Kalifornien und die verzweigten Korallenskelette mit knospenden Kelchen, die Bilder von Flußpserd-Iag- den in Ostafrika und der Himmelsausschnitt, der von der größten Sternwarte der Welt aus ausgenommen wurde. Aufnahmen von javanischen Wa° jang-Orang-Spielen zeigen uns Menschen von einer Schönheit der Gestalt und Bewegung, wie sie selten zu sehen sind. Studienrat Holzel plaudert an Hand von lehrreichen Bildern über das Thema „Was die Federn des Waldes erzählen", Dr. Welten über gs- jährliche Gastfreundschaft in der Pflanzenwelt, Dr. Heilborn über aussterbende Tiere ändert. Es notierten. (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer. 271-274 Mark: Bog gen. märkischer 224—229; Sommergerste 220—270; Wintergerste 186—193; Hafer, märkischer. 179 bis 195; Maiü, loco Berlin, 197—202; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,50—39,25; Rrggen- mehl 32,50-34; Weizenkleie 10,75-11: Roggen- ficie 10 90—11; Dittoriaerbsen 54—61: Heine Speiseerbsen 35-39; Futtererbsen 21-24: Qlder- bohnen 21—22,50; Rapskuchen 15,20-15.40. Wirkung auszuüben. Das Geschäft nahm einen schleppenden Verlauf, zumal sich auch die Zahl der Kausausträge erheblich vermindert hat. Einig« Dcckungckäuse. die unter dem Einfluß der flüssigen Geldmorktlage vorgenommen wurden, brachten für verschiedene Papiere leichte Erholungen mit sich, doch war die Tendenz im allgemeinen unsicher und unregelmäßig. Dies gilt besonders für die I. G. Farben, die anfangs auf 324 (plus 1,25 Prozent) gebessert waren, dann aber wieder auf 323 Prozent zurückgingen und später weiteren Schwankungen unterworfen blieben. Scheideanstalt erlitten eine Einbuße von 3,25 Prozent, während Goldschmidt gehalten waren. Etwas angeregter verkehrten Montanaktien. Gebessert waren: Deutsch-Lux plus 1, Gelsenkirchen plus 2, Harpener plus 1, Mannesmann plus 0,75, Rheinifche Braunkohlen plus 1,5, Phönix plus 0,75, Rheinstahl plus 2, Riebeck plus 2,5, Stahloerein plus 0,75 Prozent. Einen stärkeren Kurssprung hatten Ilse-Bergbau zu verzeichnen, die um 6 Prozent anzogen. Kali- werte gut erholt, besonders Westeregeln plus 2,25 Prozent. Niedriger wurden: Buderus minus 1,25, Mansfelder minus 1 Prozent. Laurahütte waren scharf angeboten und fenkten sich um 6 Prozent. Elektroaktien waren überwiegend gebessert. AEG. plus 0,37, Siemens plus 1,5 Prozent. Am Bankenmarkt war die Kursgestaltung uneinheitlich. Berliner Handel minus 2 25 Prozent, aber Darmstädter plus 0,5 Prozent, Dresdner plus 0,75 Prozent. Motoren aktien gleichfalls unregelmäßig. Kleyer plus 2 Prozent, aber Daimler minus 1 Prozent. Bauaktien gingen weiter zurück. Zement Heidelberg minus 1 Prozent. Oelaktien niedriger. Auch Zuckeraktien neigten weiter zum Nachgeben. Stark gedrückt waren Heilbronn minus 3,5 Prozent, Badischer minus 3 Drozent. Von sonstigen Aktien büßten Metallgesellschaft 3,5 Prozent ein. T e x t i l - A k t i e n weiter rückgängig, Hammersen minus 1 Prozent. Deutsche Ren - t en gehalten. Schutzgebiet 10,5. Das ausländische Nentengeschäft war unbedeutend, die Kurse ermäßigten sich leicht. Der Freiverkehr blieb umsatzlos. Benz 94, Brown-Boveri 141, Entreprise 10, Frankfurter Handel 82, Growag 62, Rastatter Waggon 14, Ufa 38,5 Prozent. Im weiteren Verlaufe nahm das Geschäft einen ausgesprochenen lustlosen Charakter an, nur in einigen Montanwerten fanden geringe Umsätze statt. Am Geldmarkt bliebt die Lage weiter flüssig. Tagesgeld 4 Prozent. Monatsgeld 5? bis 7* Prozent. Privatdiskonten 4i bis 4j Prozent. Im Devisenverkehr waren wesentliche Veränderungen nicht zu verzeichnen. Paris gegen London 160,50, Brüssel 172,50, Mailand 111. Das englische Pfund stellte sicb auf 4 8484. Die Reichsmark war mit 4,2043 gegen Kabel scharf angeboten und weiter abgeschwächt. berliner Produktenbörse. Berlin, 22. Ott. 3m Gegensatz zu dem äußerst ruhigen und schwächeren Vormittagsverkehr, tvar bei Beginn deS amtlichen Verkehrs die Tendenz für Weizen wieder fest. 3n Deckung der in den letzten Tagen besonders nach England getätigten Vorverkäufe sanden die ä conto der erhöhten Frachten gleichfall3 heraufgesetzten Forderungen im Trrminhandel Bewilligung, trotzdem Amerika und England schwächer meldeten. Mit Ausnahme des Oktober, der 0,50 Mark niedriger eröffnete, notierten Dezember und Mai 1,50 bis 3 Mart hoher. Roggen wurde recht uneinheitlich. März 0,75 Mark befestigt. Am Markt der Gerste und des Hafers hat sich die Lage kaum verändert, die Geschäftsabschlüsse bewegen Gegen spröde^M K BsBS gibt sömmehueichen Teinb Schachteln zu 20,30,60 » ko Pfg, Haut: Frankfurt a. M. Restaurant Kölner Hof am Hauptbahnhof (rechts) Neu eröffnet! Sehenswert! Anerkannt erste Küche — Kleine Diners — Reichhaltige Tages-und Abendkarte zu mäihgen Preisen. 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