Nr. 196 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 25. August 1926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drurf und Verlag: vrühl'fche Umverfitätr-Vuch- und Lteindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrabe T. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr HThyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Dor zehn Jahren. Die Fahrt der „U-Dcutschland". Am 23. August 1916 kehrte das Handelsunterseeboot „Deutschland" von seiner ersten Fahrt zurück. Zehn Jahre sind seit dieser großen Tat vergangen. Was alles ist in dieser Zeit über Deutschland hinweggebraust, wie haben sich die Zeiten geändert. Damals beschäftigte sich die ganze Welt mit dieser großartigen Erfindung des deutschen Geistes, heute denkt kaum jemand noch daran. Für damalige Verhältnisse war dec Dau eines Handels-^I-Dootes und die Durchbrechung der Blockade mit ihm eine gewaltige Leistung. Seit langer Zeit wax es wieder einmal gelungen, die feindlichen Reihen zu durchbrechen und Deutschland mit der Außenwelt in Verbindung zu sehen. Vicht nur der moralische Erfolg war infolge der glücklichen Fahrt des Handels-Ll-Dootes groß, sondern auch der materielle Vuhen, denn es brachte auf seiner Hinfahrt nach Amerika für 60 Millionen Mark Ware nach dein Auslande, und auf der Rückfahrt führte es eine nicht unbeträchtliche Menge hochwertiger Rohstoffe nach Deutschland, die wir unbedingt brauchten. Als das Doot im Hafen Don Baltimore lag, sperrten ihm 30 feindliche Kriegsschiffe die Ausfahrt. Man glaubte, unter allen Llmständen das Schiff unschädlich zu machen. Obwohl das TI°Boot ein reines Handelsschiff war und auch als solches von den amerikanischen Behörden anerkannt worden war, erklärten die feindlichen Marinen, daß es genau so wie jedes andere feindliche Kriegsschiff behandelt werden müsse. Trotz der TIeberwachung der Hafenausfahrt von Baltimore gelang es dem 12-Boot, zu entkommen. Später führte es noch einmal eine glückliche Fahrt nach Amerika durch, mußte dann aber außer Dienst gestellt werden, da bald darauf Amerika in den Krieg eintrat. Das Attentat auf den Berlin-Kölner D-Zug. Berlin, 23. Aug. (WTB.) Der „Montag" mel- der aus Hannover, die Kriminalpolizei verfolgt seit Soniuagnachi gemeinsam mit dec Ueberwachungs- stelle der Reichsbahndirektion Hannover eine ganz bestimmte Spur, die große Aussicht auf Erfolg bietet, -t'icse epur, auf die die Ucbcrivachungsstelle unabhängig von der Kriminalpolizei gekommen sei, führe nach Hillerse bei Meinersen, sowie nach Eiff - h o r n. eoUren die angestellten Ermittelungen den vermuteten Erfolg haben, so könnte man damit rechnen, daß der Tälerspätestens in 2 4 Stun- den verhaftet sein werde. Abgesehen von die- kr aussichtsreichen Spur werden noch andere Spuren verfolgt. Am Samstag und Sonntag wurden .ahlreiche Verdächtige verhaftet, die meisten wurden aber bereits wieder entlassen, da sie ihre Unschuld Nachweisen konnten. Andere befinden sich noch in t'wlizeigewahrsam, bis ihre Angaben nachgeprüft sind. Da neuerdings auch mit der Möglichkeit ge- .echnel wird, daß das Attentat vielleicht einen po- ! i t i s ch e n Hintergrund hat, und einer bc- aimmten politischen Persönlichkeit galt, die entweder den Nordexpreß oder einen der Schlafwagen der anderen drei in Frage kommenden D-Züge benutzte, sind auch in dieser Richtung Ermittelungen eingeleitet worden. Man versucht die Namen derjenigen Passagiere sestzustellen, die in der Nacht vom 18. jum 19. August Schlafwagenplätze im Nordexpreß, un Kölner Schlafwagenzug, im Hollandzug und in dem verunglückten Schnellzug D 8 innehatien. An der Unglücksstelle liegen von dem entgleisten Zug nur noch die Maschine und der Tender, die mit Hilfe von .Kranen und Winden wieder aufgegleist werden sollen, da sie nur verhältnismäßig schwach beschädigt sind. Unerhörte Beschlagnahmen in Südtirol. Berlin, 22. Aug. Nach einer Meldung des ..Berliner Lokalanzeigers" hat der Präfekt der pro- oinj Trient dem Herein fürdas Deutschtum i m Ausland mitgeteilt, daß auf Grund der bekannten Dekrete die kindergarlenoer- eine In Südtirol beschlagnahmt sind Die Besitzungen sind dem italienischen Front- iämpferbund überwiesen worden. Der verein hat gegen die Beschlagnahme seines Eigentums Einspruch erhoben. Hindenburg in Bayern. München, 22. Aug. (Priv.-Tel.) Der Reichspräsident traf am Sonntag früh mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 7.36 Tlhr über Hof und Regensburg in München ein. Bei der Einfahrt des Zuges in die Bahnhofshalle wurde der Reichspräsident, als er sich kurz am Fenster »eigte, vorn Publikum mit Hochrufen begrüßt. Ein offizieller Empfang fand nicht statt. Der Reichspräsident fuhr mit dem Zuge um 8.15 Alfjr vormittags nach Thann-Matzbach weiter, von wo er sich im Auto nach TZ s e n begab, um bem Forstrat Escherich einen Besuch abzu- statten. Der Besuch hatte rein privaten Charakter und galt dem Forstrat als einem alten Bekannten von der russischen Front. Um 3.15 cf 1 i>€c Reichspräsident die Rückf ahrt nach Lchann-Matzbach an und um 5.10 TIHr traf oer Zug wieder in München ein, wo eine kurze Begrüßung durch den Vertreter der Reichs- regierung, Gesandten Dr. Haniel v. Hain- hausen stattfand. Dann setzte Hindenburg in einem Polrzerauto die Fahrt nach Dietramszell, seinem Sommeraufenthaltsort, fort. der deutsche Katfyolitentag in Breslau. Revolution in Griechenland. Die Diktatur Pangalos gestürzt. Breslau, 22. Aug. (WB.) Zn der ersten geschlossenen Versammlung des Katholikentages wurde der Antrag des Zentralkomitees, den nächsten Katholikentag 1927 in Dortmund abzuhalten, einstimmig angenommen. Der Präsident, Landeshauptmann Dr. horion, eröffnete die erste öffentliche Sitzung des Katholikentages und begrüßte alle, die herbeigeeilt seien, insbesondere die deutschen Volksgenossen, die unter fremder Herrschaft nicht nur ihren Glauben, sondern auch ihre Rationalität, ihre deutsche Sprache und Kultur hochhielten. Sodann gedachte Dr. Horion der mex ikanischen Katholiken. Mit immer wachsender Entrüstung vernähmen die deutschen Katholiken die Rach- richten über die entsetzlichen Bedrückungen und Verfolgungen der Katholiken in Mexiko. Rach einer weiteren Begrüßungsansprache des Fürstbischofs von Breslau, Kardinal Bertram legte Runlius Pacelli Zweck und Ziel des Katholikentages - ar, nämlich nn Geiste der Gläubigen die Idee vom Königtum Christi zur helleuchteirden, alle Herzen durch schwingenden Flamme zu entzünden. Die geistige Herrschaft Christis müsse wieder unser Staatsleben beseelen. Das geistige Königtum Christi solle darüber hinaus endlich die Beziehungen der Völker und Staaten untereinander beherrschen. Richt Rationalhah dürfe ihnen das Siegel aufdrücken, sondern das Bewußtsein, daß alle aus der Hand desselben Schöpfers hervorgegangen seien. Die Präsidentin der Katholischen Reichs- Frauenorganisation Oesterreichs. Bundesrätin Jannt) Fürstin Slarhemberg, hielt dann einen Vortrag über das Thema ..Christus und die Familie". Heute sei ein heftiger Kampf gegen Kirche und Familie. Lauheit und Halbheit, der Mangel nach Ausgleichen und zu sträflicher Rachgiebigleit reifen die heutige Gesellschaft ins Verderben. Die Menschheit stehe an einem Wendepunkt ihres Kulturlebens, und es sei dringend notwendig, endlich zur Besinnung zu kommen und neue Wege einzuschla- aen. Die Auswüchse in der Mode, beim Tanz, beim Sport und Turnen, bei Vergnügungen aller Art, der erschreckende Riedergang in Kunst und Literatur, die beklagenswerte Richtung der heutigen Tageszeitungen, das alles seien Symptome der Krankheit unserer Zeit. Der Mangel an Verantwortlichkeits- und Pflichtgefühl der Eltern. der Mangel an Autoritätsbefinden und Ehrfurcht bei den Kindern sei die Gefahr für die christliche Familie. Die Bestrebungen gegen Mutterschaflszwang und die Beschränkung der Kinderzahl, der Kampf gegen die heute geltende Strafgesehordnung seien bedenkliche Momente des Zerfalls christlichen Familiensinns. Die ganze Gesellschaftsordnung sei in Gefahr. Die katholischen Frauen Deutschlands und überhaupt die ganze Frauenwelt müsse alles daransehen, um eine grundlegende Besserung dieser Verhältnisse herbeizuführen. Das Reich Christi müsse wieder aufgerichtet werden im Leben der Familie, des Staates und der Völker. Die Frauen dürfen nicht die Schmach auf sich laden, Lupen und Malmedy. Eine offiziöse Auslassung über die deutsch-belgischen Erörterungen. Berlin, 21. Aug. (WTB.) Zu den Meldungen der ausländischen Presse, insbesondere den Meldungen gewisser französischer Blätter über die Frage Eupen-Malmedy wird dem WTB. vonzuständi- g e r S e i te folgendes mitgeteilt: Die Tendenz aller dieser Meldungen liegt auf der Hand. Die Oeffent- lichkeit wird alarmiert, um d i e Absichten der deutschen Politik zu diskreditieren. Durch Vermischung wahrer und falscher Nachrichten soll der Eindruck erweckt werden, daß Deutschland die belgischen Finanzschwierigkeiten erpresse- risch zu mißbrauchen suche, daß die belgische Negierung sich dieser Erpressungsmanöver nur mit Mühe erwehren könne, daß es aber schließlich dem energischen Einschreiten dritter Mächte gelungen sei, die drohende Gefahr zu beseitigen. Darüber, was dritte Negierungen gegenüber der belgischen Negierung getan haben, können natürlich nur diese selbst Auskunft geben. Der deutschen Negierung ist nichts davon bekannt. Für sie ist der wirkliche Tatbestand ein sehr einfacher, der sich mit wenigen Worten wiedergeben läßt. Zwischen deutschen und belgischen Ainanzmän- nern sind schon vor längerer Zeit Besprechun- gen in Gang gekommen, die sich aus eine deutsche Mitwirkung bei den internationalen Btänen zur Sicherung der belgischen Währung bezogen. Ohne daß es einer besonderen deutschen Initiative bedurft hatte, ist dabei auch der Gedanke erörtert ,°& nicht die Möglichkeit bestände, ein deutsch-belgischen Zusammengehen auf finanziellem ", -^"^-'challllchem Gebiete dadurch zu fördern, daß gleichzeitig eine Verständigung über das künftige Schicksal der Kreise Eupen und Malmedy herbeigeführt würde. Es bedarf keiner Begründung, daß eine Bereinigung die- fer Frage auf dem Wege verständnisvollen gegen- in der Schicksalsstunde eines Volkes versagt, ihre Mission nicht erkannt und in den entscheidenden Kampf der Geister nicht eingegriffen zu haben. Der katholischen Frau, der deutschen Frau gebühre der Platz in der vordersten Linie der Kämpfer. Am Rachmittog fand unter außerordentlich starkem Besuch eine Versammlung der katholischen Arbeitervereine statt. Rach einer Begrüßungsansprache Dr. Horions betonte Reichskanzler Dr. Marx, in den Massenversammlungen der katholischen Arbeiter zeige sich am besten die Stärke des Katholizismus. Die katholische Arbeiterschaft sei der Sauerteig des Glaubens in der ganzen deutschen Arbeiterschaft. Jetzt sähen auch immer mehr die akademischen Kreise ein, daß in der Arbeiterschaft die Stärke der Zukunft liege. Vor 100 Jahren im Zeitalter der Aufklärung hätten die Gebildeten mit einer gewissen lleberhebung alles Christliche und Religiöse von sich gestoßen und so den Unglauben auch in die Arbeitermassen getragen. In den letzten Jahr- zehnten zeige sich umgekehrt, wie das starke religiöse Gefühl, das noch in der Arbeiterschaft lebt, auf die sogenannten besseren Stände übergehe. Eine schwere Sünde dieser besseren Stände wäre es, wenn sie nicht mehr Gemeinschaft mit Öen Arbeitern holten. Jetzt sähen auch immer mehr die akademischen Kreise ein. daß in der Arbeiterschaft die Stärke der Zukunft liege. Rach einer Rede des Kardinals Bertram, der daraus hinwies, daß die Kirche mit derselben Energie, mit der sie die Arbeiter an Berufstreue und Arbeitsalter mahne, auch vor die Arbeitgeber hintrete und sie an Gerechtigkeit, Liebe und Fürsorge für die Arbeiter erinnere, ergriff '21bg. Dr. Stcgerroalb das Wort zu längeren Ausführungen. Der christliche Gedanke müßte auch dem Arbeiter gegenüber vom Staate in Anwendung gebracht werden. So sei vor allem für kinderreiche Familien Erleichterung in steuerlicher Beziehung und bei der Sozialversicherung erforderlich. (Beifall., Die Arbeiter leisteten einen Dienst am ganzen Volk. Darum müßten sie auch kultur- und menschenwürdig entlohnt werden. Der Arbeiter muh an der Wirtschaft selbst in dieser oder jener Form beteiligt werden. Wir lehnen den Obrigkeitsstaat von früher mit seinem Dreiklassenshstem ab. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen den Volks- st aat, in dem alle Volksschichten Einfluß im Staat und Einfluß auf den Staat und auf die Wirtschaft haben. Erst wenn man dem Arbeiter das gewährt, kann man von ihm verlangen, daß er auch die Verantwortung gegenüber Staat und Wirtschaft übernimmt Stegerwald ging dann auf das Arbeitslosenproblem cm und erklärte, daß das Reich und die Länder ausgefordert werden müßten, für Arbeitsgelegenheit zu sorgen. 10 Milliarden Schulden des Reichs und der Länder sind durch die Inflation beseitigt. Es schadet garnichts. so fuhr Sieger- Wald fort wenn Reich und Länder wieder ein paar Milliarden Schulden aufnehmen, um damit Arbeitsgelegenheit für die Menge der Arbeitslosen zu schaffen. fettigen Entgegenkommens wesentlich zu einer Vertiefung der gesamten Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien beitragen würde. Auch in belgischen Kreisen schien man sich dieser Erkenntnis keineswegs zu verfchl-eßen, daher auch die verständige Haltung maßgebender belgischer Blätt°r. Es muß betont werden, daß diese Besprechungen nicht den Charakter offizieller Verhandlungen von Regierung zu Regierung angenommen Ijaben. Selbstoerständilch hat die Reichsregierung von den Unterhaltungen Kenntnis gehabt; ebenso selbstverständlich ist es, daß sie die Entwicklung der Dinge mit dem größten Interesse versolgt hat. Dieser Haltung der Reichsregierung den Vorwurf einer Erpressungspolitik zu machen, wie es französische Zeitungen tun, kennzeichnet sich angesichts des geschilderten Sachverhalts ohne weiteres als widersinnig. Jür Deutschland konnte und kann nichts anderes in Frage kommen, als eine Verständigung, die die Gewähr der Dauer dadurch erhält, daß sie in völlig gleicher weife den Interessen beider Länder entspricht, nicht aber eine verstän- bigung, die für den einen Teil nur ein Notmittel fein würde, um gegenwärtige Schwierigkeiten zu überwinden. Wenn, was die deutsche Regierung nicht weiß, die Idee einer solchen Verständigung ihre aktuelle Bedeutung letzt dadurch verloren haben sollte, daß dritte M^ä ch t e sich ihrer Verwirklichung widersetzten, so wäre das ein gefährlicher Versuch, in die friedliche, den wahren Interessen zweier Nachbarländer entsprechende Entwicklung mit den Mitteln machtpolitischen Druckes einzugreifen. Es wäre ein Versuch, der einen um so bedauerlicheren polittschen Rückschritt bedeuten würde, als er im Widerspruch stände mit dem «inn der Verträge von Locarno, deren Hauptbedeutung darin liegt, die Grenzen im Westen für immer zu befrieden und die Erörterung aller damit zusammenhängenden Fragen ein für allemal der Sphäre politischer Machlanwendung zu , entziehen. Paris. 22. Aug. (TTl.) Rach Meldungen aus Athen ist dort eine Militärrevolte ausge- brochen. die zum Sturz der Regierung Pangalos geführt hat. In der Rächt vom Samstag zum Sonntag marschierten gegen drei ilbr morgens ein großer Teil der Truppen und bewaffnete Organisationen nach der Stadl und besetzten sofort die Post und die Telegraphenämter und alle anderen öffentlichen Gebäude. Gegen sieben Ahr morgens überflogen Militärflugzeuge die Stadt und warfen Proklamationen an die Bevölkerung ab, in denen die Absetzung von Pangalos und seines ganzen Regierungsapparates verkündet wurde. Der Führer der ausständigen Bewegung Ht der General Son- dhIis, der auch bereits die Ministerpcäsident- schaft übernommen hat. Der Admiral K o n • duriotis, der sich zur Zeit aus der Insel Hydra befindet, wird voraussichtlich das Amt des Staatspräsidenten übernehmen Die Aufslandsbewegung ist überall glatt gelungen, ohne auf den geringsten Widerstand gestoßcn zu fein. Die großen Garnisonen von Saloniki und Patras und ebenso in anderen Gegenden Griechenlands haben ihre Zustimmung bereits erllärt. Auch die gesamte Marine hat sich mit der Absetzung von Pangalos einverstanden erklärt. Pangalos selbst ist fe ft genommen worden. Alle von Pangalos verhafteten politischen Führer und Offiziere wurden sofort freigelassen In der Stadt Athen herrscht völlige Ruhe. Die Gegner von Pangalos haben bereits seit längerer Zeit auf seinen Sturz hingearbeitet und immer mehr Anhänger gewonnen Die q. r r wärtige wirtschaftliche Krise, in "Der uch Griechenland befindet, begünftigte die Bestrebungen der Verschwörer. Durch das Willkür- Regiment Pangalos, vor allem durch die völlige Unterdrückung der Pressefreiheit und durch die zahlreichen Verhaftungen seiner politischen Gegner hatte sich ein großer -Unwille gegen ihn herausgebili-.t, der jedoch öffentlich nicht zum Ausdruck kommen konnte, da alle oppositionellen Regungen durch die Regierung Pangalos aufs schärfste unterdrückt wurden. Der neue Ministerpräsident General Kon- dylis nahm während des Krieges an dem «mazedonischen Feldzug auf Seiten der Alliierten teil und gilt für sranzoscn- und serbenfreundlich Athen, 22. Aug. (WB.) Die neuen Rlachl- baber haben durch die Agence d'Athenes folgende amtliche Meldung über den Staatsstreich verbreitet: Volk und Armee haben einstimmig die Diktatur Pangalos gestürzt. Der Führer der Revolution, General Kon- dylis, Hal den Admiral Konduriotis aufgefordert, die Präsidentschaft der Re- publik zu übernehmen, konduriolis hat die Aufforderung angenommen und wird heute abend in Athen eintreffen. Hauptzweck der Revolution ist: Vollständige Wieder- Herstellung der Freiheften des Volkes, Ansetzung von Parlamentswahlen, Gesundung der nationalen Währung. Genevar Kondylis ist ve- seelt von den herzlichsten Gefühlen für die Serben, seine Waffenbrüder, war er doch der erste, der im Jahre 1916 für die Verteidigung des griechisch-serbischen Bündnisses tämpste. Er ist ebenso beseelt von herzlichen Gefühlen gegen die großen Alliierten, mit denen zusammen er im Weftkrikämpfte. Unmittelbar nach der Ankunft des Präsidenten der Republik wird die Frage der Bildung eines neuen Kabinetts gelöst werden. Morgen wird General Kondylis mit den Parteiführern zusammentreffen, um über ein Zusammenarbeiten zu beraten mit dem Ziele, das Land zum normalen parlamentarischen Geben zurückzuführen. Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe. Die öffentlichen Dienste arbeiten in normaler Weise Das Voll veranstaltet Freiern aus Anlaß der Abwersung der Tyrannei. Eine Wendung in Mexiko? Mexiko, 22. Aug. (Reuler) Präsident Calles hatte zum erstenmal seit Beginn des Kirchenstreits mit hohen Würdenträgern der katholischen Kirche eine Besprechung über die Lage. Obwohl kein Uebereinfcmmen erzielt wurde, wird das Ergebnis doch als zufriedenstellend bezeichnet. Präsident Calles betonte ausdrücklich, daß die Gottesdienste wieder ausgenommen werden könnten, wenn die Kirche den Grundsatz anerkenne, daß Kirchengebäude Rationaleigentum seien. Wie die „Associated Preß" meldet, plant man von katholischer Seite &e Schaffung einer großen politischen Partei, die den Gedanken der Verfassungsänderung vertreten will. Die Partei würde sich jedoch nicht als katholische Partei bezeichnen, um eine Verletzung der Gesetze zu vermeiden, die die Beteiligung religiöser Gruppen an politischen Angelegenheiten verbieten. In e'.ner neuen erz- Erklärung heißt es: Eine Verfassung muß dre berechtigten Wünsche des Volkes zufriedenstellen. Aber bei der mexikanischen Verfassung ist dies nicht der Fall. Das Episkopat wünscht lediglich die zeitweilige Richt- anwendung der Regierungserlasse, bls^die Haltung des Volkes klargestellt ist. Die Erklärung unterstreicht die Rotwendigkeft einer Trennung von Staat urtb Kirche, zwischen denen dabei eine wechselseitige Harmonie herrschen müsse. Weiter bringt die Erklärung zum Ausdruck, daß man den von Calles in feinem Antwort brief an den Erzbischof an den Lag gelegten versöhnlichen Geist zu würdigen wisse und endet mit dem Wunsch, daß Calles der Ruhm bcschieden sein möge, für Mexiko eine Zeit heraufzuführen, wo im Rahmen einer wirklichen Demokratie Sozialisten, Liberale und Katholiken freund' schaftlich zusammenleben. Ser Reichskanzler zur außenpolitischen Lage. DieBefatzungstrrrPpen.— Der Völker- bn«d. D r es l a u, 21. Qlug. (WTB.) Auf der Generalversammlung des Augustinusvereins äußerte sich Reichskanzler Dr. Marx über einige außen- volitische Lagesfragen. Die deutsche Außenpolitik, so führte der Kanzler aus, wird nach wie vor beherrscht von dem großen Fragenkomplex, der sich an Locarno, die Besatzung und den Völkerbund knüpft. Freunde einer deutsch- franzAfischen Verständigung haben seinerzeit hohe Erwartungen an Locarno geknüpft. Inzwischen bat sich wohl gezeigt, daß weder allzu großer Optimusmus noch das Gegenteil hier am Platze war. Trotzdem können wir heute unbedenklich feststellen, daß Deutschland den Weg von Versailles über London nach Locarno nicht zu bereuen hat. Ich gebe zu, daß unsere Hoffnungen auf Locarno bis jetzt nicht in dem Maße in Erfüllung gegangen sind, wie wir es im Interesse unseres Landes und der Befriedung Europas gewünscht hätten. Wir vergessen aber nur allzu leicht bei der Beurteilung Der Lage von heute den Vergleich mit der Lage von gestern, und da hält der Vergleich doch entschieden zugunsten der Lage von heute aus. Allerdings ist die Tatsache, daß nach der Räumung der Kölner Zone die Truppenzahl in der zweiten uni» dritten Zone sich zunächst noch um einige Tausend Mann vermehrt hat, eine schmerzliche Enttäuschung für uns gewesen. Frankreich hat nicht in dem Maße seinen Truppenbestand vermindert, wie englische und belgische Truppen neu hinzukamen. Sie wissen, daß wir den Ausdruck „Chiffres Ror- maux" dahin irrterpretiert haben, daß darunter die Stärke der deutschen Friedens- garnisonen in den fraglichen Gebieten zu verstehen sei, urrd das sind etwa 50 000 Mann. Wir werden selbstverständlich nach wie vor uns an unfere Interpretation halten, aber die Hauptsache ist uns, daß tatsächlich eine fühlbare Verminderung eintritt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß fortgesetzt sowohl in London als auch in Brüssel und namentlich auch in Paris die Frage der Besatzungsverminderung von uns vorgebracht wurde. Eine größere Anzahl von Besahungstruppen wird in den kommenden Wochen das besetzte Gebiet verlassen. Selbstverständlich genügt uns eine Zahj von 10 000 Mann, die in der Presse genannt wurde, nicht. Eins ist allerdings notwendig, daß wir streng darauf bedacht sind, unliebsame Zwischenfälle im besetzten Gebiet zu vermeiden. Wenn wir diesmal nach Genf gehen, so müssen wir die Gewißheit haben, daß Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund auch wirklich ohne Reibung vonstatten geht. Sollten sich im übrigen in Genf wider Erwarten abermals Schwierigkeiten ergeben, so wäre damit eine Situation geschaffen, die für viele an den dortigen Verhandlungen Beteiligte ebenso unerträglich wäre, wie für den Völkerbund selbst. Die Haltung Deutschlands kennzeichnet sich nach wie vor durch die Bereitwilligkeit zur 'Mitarbeit in der Studienkommisswn und die Betonung des Interesses des Völkerbundes als Ganzes unter Ablehnung der ungerechtfertigten Begünstigung einzelner auf Kosten der andern. Wir streben insbesondere die Erhaltung der Aktionsfähigkeit des Rates an und lehnen jede Veränderung ab, die als „Sicherung" gegenüber einer künftigen deutschen Mitgliedschaft begründet wird, weil das dem Geiste des Völlerbundes widerspricht. Wir treten daher nicht als Gegner irgendwelcher einzelner Kandidaten auf, sondern verlangen nur, daß die Interessen aller Völker- bundsmitglieder bei der Gesamtregelung maßgebend sind. Zusammenstötze in Colmar. Paris, 23. 21ug. (WTB. Funkspruch.) In Colmar kam es gestern anläßlich einer von Anhängern der autonomistischen Bewegung, Kommunisten und elsässischen Katholiken, veranstalteten Protestkundgebung gegen die von der Regierung gegen die Unterzeichner des Heimatbund-Manifestes getroffenen Maßnahmen zu schweren Zusammenstößen. Anhänger der „Action Fran;aise" und Faszisten belagerten den Versammlungssaal, und es entstand eine regelrechte Schlacht, besonders mit den Kommunisten. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftun- Die Bildtelegraphie. Don Georg Wilhelm Graf von Arco, Direktor der Telefunken-Gesellschaft. „In aller Stille wird gegenwärtig mit größtem Nachdruck an der Vervollkommnung der Bildtelegraphie gearbeitet. Im Laufe der letzten beiden Jahre hat man in verschiedenen Ländern die Bildtelegraphie über Fernsprechkabel in dem Postbetrieb eingeführt. So beispielsweise in den Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Verfahren der Bell-Telephone Co. auf einer über 1000 Kilometer langen Linie. Ferner ist die Bildtelegraphie in Frankreich zwilchen Paris und Straßburg, sowie Lyon und Marseille zur Einführung gekommen. Die französische Bildtelegraphie wird nach dem sogenannten Belinschen Reliefverfahren durchgeführt und die dabei erzielten Bilder sind von hervorragender Schärfe. Die Bildtelegraphie kann aber allein von Photographien und sonstigen bildlichen Darstellungen für persönliche und öffentliche Zwecke keinen wirtschaftlichen Ertrag bieten. Die bisher recht geringe Inanspruchnahme der französischen Linien erhärtet diese Auffassung. Eine wirtschaftliche Grundlage ergibt sich aber sofort, wenn das Verfahren auch auf die bildliche Schriftübertragung durch den Schnelltelegraphen ausgedehnt wird. Dieses Problem ist nun in erster Linie eine Frage der erreichbaren Geschwindigkeitssteigerung. Die Telefunken- Gesellschaft hat zur Erreichung dieses Zieles in enger Gemeinsamkeit mit Dr. Karotus, dem be- famtien Leipziger Gelehrten, zusammen gearbeitet. Bei der Biloübertragung irgendwelcher Schriftstücke muß man in der Lage sem, im Höchstfälle etwa 1000 Buchstaben, bas sind ungefähr 200 Worte in einer gen vor. Gegen 10 Personen sollen verwundet worden sein. Freigabe von Schloß Oranienftein. Berlin, 21. Aug. (Priv. Tel.) Wie die „Voss. ,)ig." aus Wiesbaden meldet, hat die französische Regierung beschlossen, das ^Stammschloß des holländischen Herrscherhauses, schloß Dramenftein bei Diez a. d. Lahn, von der Besatzung freizu- geben. Die Besatzung soll Ende September z u - rückgezogen werden. Die internationale Stuöentenvereimgung. Der Streit um die Zulussnug der deutschen Sprache. Prag, 21. Aug. (TU.) An dem Kongreß der ConfädLration internationale des Ltudiants (Cie), der im festli chgeschmückten Rathaus eröffnet wurde, nahmen 230 Delegierte teil, die 36 Staaten vertreten. lieber das Verhältnis der Cie zur Deutschen Studentenschaft kam man in der ersten Sitzung zu sprechen. Die beiden Delegierten B a l i n s k y (Polen) und M a c a d a m (England) sprachen den Wunsch aus, die deutsche Studentenschaft möge der Cie b e i t r e t e n. Die Differenz zwischen der deutschen Studentenschaft und der Cie liege darin, daß die deutsche Studentenschaft auf Grund der Volkszugehörigkeit, während die Cie auf staatlicher Grundlage aufgebaut sei. Die Sitzung des Exekutivkomitees in Stuttgart im April d. I. habe die Gleichberechtigung aller Sprachen bei der Diskussion beschlossen. Jedoch soll die französische Sprache als einzige Protokollsprache zugelassen werden. Die deutsche Studentenschaft habe damals den Antrag gestellt, auch die deutsche Sprache zur Verhandlung zuzulassen. Dieser Antrag konnte aus formellen Gründen nicht angenommen werden, da es unzulässig sei, daß ein Verband, der nicht Mitglied der Cie sei, einen Antrag stelle. Gyuylas (Ungarn) kritisierte scharf das Vorgehen des Cie in der deutschen Frage, weil sie in der Gleichberechtigung der Sprache einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis habe. Die englischen Delegierten verteidigten den Standpunkt der Cie. Ihr Bericht wurde angenommen. Zu dem Bericht erklärt die d eu t s ch e Studentenschaft: Es entspricht nicht den Tatsachen, wenn S)crr Dalinski in seinem offiziellen Bericht die Behauptung aufstellt, daß die deutsche Studentenschaft den Antrag in der Sprachenfrage gestellt hätte. Die Ereignisse haben sich vielmehr folgendermaßen zugetragen: Rach- dem die Cie seit ihrer Gründung gegen die deutsche Studentenschaft eingestellt war, kam es endlich 1924 zum Abschluß einer Arbeitsgemeinschaft. Damals wurde der Antrag der schweizer Studentenschaft, die deutsche Sprache als direkte Verhandlungssprache anzuerkennen, angenommen. Einzig und allein aus formalen Gründen erhielt dieser Antrag, der also von einem der Cie angehörenden Rational- verband gestellt worden war, keine Rechtskraft. Die Erörterungen in Stuttgart fußten lediglich auf diesem Anträge und zielten darauf ab, die durch die Annahme des schweizerischen Antrages zugestandene Gleichberechtigung der deutschen Sprache auch tatsächlich sicher zu st ellen. In diesem Zusammenhang ist die Frage der Satzungsänderung der Cie in die Erörterungen mit einbezogen worden, ohne daß aber die deutsche Studentenschaft ihrerseits eine Satzungsänderung der Cie in irgendeinem Stadium der Verhandlungen beantragt hat. Aus aller Welt. Wirbelsturm über Berlin. Berlin und seine weitere Umgebung wurden am Sonntag von einem zyklonartigen Sturm und schweren Regengüssen heimgesucht. Durch den Sturm wurden allerlei Unfälle zu Wasser und zu Lande herbeigeführt. In der Rähe des Magdeburger Platzes wurde ein umfangreiches Stangengerüst zum Einsturz gebracht. An der Langen Brücke in Potsdam kenterte ein mit zwei jungen Leuten besetztes Paddelboot. Der eine Insasse ertrank, während der andere gerettet werden konnte. Auf dem Müggelsee kenterten etwa acht Segel- und Paddelboote. Die Insassen wurden sämtlich gerettet. Erdbeben in Süditalien. Auf den Liparünfeln bei Messina wurden mehrere Ortschaften durch Erdstöße heimgesucht. In M a l f a sind 400 einstöckige Häuser beschädigt. In S e l m o sind 60 Häuser beschädigt, von denen etwa 30 nun unbewohnbar sind. In Leni stürzten einige Häuser ein und die Bevölkerung hält sich auf freiem Felde auf. Die Insel F i l i c u d i hatte schwer zu leiden. Die Kirchen wurden schwer beschädigt. Ihre Türme müssen abgetragen werden. Beamte mit den ersten Hilfsmittel sind unterwegs. Auch Zelte Minute zu übermitteln. Will man eine solche Zahl von Zeichen auf einer gegebenen Fläche gut leserlich telegraphisch abbilden, fo sind mindestens 200 000 bis 250 000 foaenannte Bildelemente zu übertragen und scharf wiederzugeben. Der gegenwärtige Stand der bildtelegraphischen Uebermittlungsweise zeigt Schnelligkeit der Uebertragung, die mindestens dreimal so groß ist wie die Leistung des gewöhnlichen Schnelltelegraphen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß bei der Durchführung der drahtlosen Bildübertragung in Zukunft die sogenannten kurzen Wellen sich als die besten zur praktischen Verwendung erweisen werden. Die kurzen Wellen sind neuerdings bei Nacht mit gutem Erfolge zur Bewältigung großer Reichweiten, so z. B. der 12 000 Kilometer langen Strecke Nauen—Buenos Aires benutzt worden. Noch ist das Gebiet der kurzen Wellen in der Entwicklung begriffen, aber es ist für die Zukunft zweifellos von größter Bedeutung. Denn schon jetzt ist der Empfang amerikanischer Kurzwellentelephonie in Europa sehr klar und laut. Bei solchen lieber» mittlungsergebniffen würde sich der Gedanke des handschriftlichen Telegramms, das als Nachbildung übermittelt wird, des „gefunkten Ozeanbriefes" verwirklichen und damit eine gewaltige Umwälzung der heutigen Telegraphieform herbeiführen lassen. Wann die Bildtelegraphie in Deutschland in den allgemeinen Verkehr wird eingeführt werden können, laßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Denn noch sind zur praktischen Durchführung gewisse spezielle Probleme zu klären und auch die wirtschaftlichen Fragen zu lösen. Ich kann Ihnen verraten, daß die Tete- sunken-Gesellschaft auf der kommenden Funkaus- fieUuna mit einem hochentwickelten Apparat für Bildtelegraphie an die Oefsentlichkeit treten wird. Zum Schluß möchte ich im Zusammenhang mit der und Holz zur Errichtung von'Baracken wurde in die heimgesuchtcn Orte gesandt. Hoch Hingt das Lied vom brauen Mann. In Mannhei m ist ein mit zwei Männern und vier Kindern im Alter von vier bis acht Jahren besetztes Paddelboot unterhalb der Reißinsel g e - [entert. Während ein acht Jahre alter Knabe sich scsthalten konnte, trieben die übrigen fünf Personen ab. Sie wurden aber sämtlich von dem Fischer Boos gerettet. Boos hat damit im ganzen 25 Personen das Leben gerettet. Line Stiftung der „Heldin von Gaeta". Die kürzlich verstorbene Königin beider Sizilien, Maria Sophie, geborene Herzogin in Bayern, hat testamentarisch etwa eine halbe Million zur Gründung einer Franz-Maria- Christinc-wtiftung in Regensburg bestimmt, mit der begabten jungen Leuten Beihilfen für die Ausbildung und Fortbildung in geistigen Berufen gewährt werden sollen. Das bayerische Kultusministerium hat die Stiftung genehmigt. Königin Maria Sophie, die Gemahliit des letzten Königs, Franz II. beider Sizilien, ist als Zwanzigjährige berühmt geworden durch die mutige Verteidigung der Festung Gaeta gegen die italienischen Truppen Februar 1861. Lin Hamburger Spritschmugglerprozeh, fand jetzt vor den Hamburger Gerichten seine Sühne. Im März vergangenen Jahres wurde ein Zollbeamter ertappt, wie er eine Barkasse mit 40 000 Litern geschmuggelten Sprits durch den Zoll lassen wollte. Es wurde festgestellt, daß im ganzen rund 100 000 Liter Sprit in Hamburg verschoben worden waren. Der Barkassenführer wurde zuöMonatenGefängnis und 872 000 Mark Geldstrafe, der Kaufmann Berkhauer zu 1 Jahr Gefängnis und 2 Millionen Mark, der Makler Schulz zu 9 Monaten Gefängnis und 2 Millionen Mark und der bestochene Zollbeamte Redkienski zu 1 Jahr Gefängnis und 66 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Schwere Autounfalle in Norddeutschland. Am Sonntag fuhr auf der Friedländer Chaussee, 4 Kilometer hinter Neu-Brandenburg ein Auto kurz vor dem Dorfe Küssow mit voller Wucht gegen einen Chausseebaum, überschlug sich und wurde zertrümmert. Dabei fand der 32 Jahre alte Bankbeamte Walter Voß aus Neu- Brandenburg den Tod. Eine Dame und der Chauffeur erlitten Verletzungen. Der vierte Insasse des Autos, ein junger Landwirt, wurde auf die acht Meter hohe Böschung geschleudert, kam aber unversehrt davon. Der Chauffeur wurde in haft genommen. — Bei Neumünster (Holstein) schlug sich ein von dem Kaufmann Fritz Evers gesteuertes Auto, wahrscheinlich infolge Versagens der Steuerung. Evers und ein mitsahrender Lederfabrikant aus Neumünster wurde getötet. Der dritte Insasse, ein Bücherrevisor aus Altona, wurde schwer verletzt. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. August 1926. Schwimm- und Rudersport- Werbetag. Rachdem es am Samstag in Strömen geregnet hatte, und auch der Sonntagvormittag noch sich wenig einladend anlieh, hatte der Wettergott endlich ein Einsehen: die Sonne kam ein bißchen heraus, der Himmel klärte sich freundlich auf, und bei dein Bootshaus der Gießener Ruder-Gesellschaft hatte sich am Ende doch eine recht ansehnliche Zuschauermenge versammelt, die das reichhaltige Programm des Schwimm- und Rudersport-Werbetages mit lebhaftem Interesse verfolgte und tapfer bis zum Ende ousharrte, obwohl es gegen ' Abend recht kühl wurde, sowohl im Wasser, als auch außerhalb. Die Veranstaltungen wurden nach einem Musikstück mit dem sehr hübschen Reigenschwimmen eingeleitet, das von 16 Damen vom Gießener Schwimm-Verein in schmuckem blauen Dreh tadellos exakt vorgeführt wurde und viel Anklang fand. Hiernach folgte eine interessante Auffahrt der einzelnen Bootsgattungen: vom Paddelboot bis zum Rennachter war alles vertreten, was zu einer rechten Regatta gehört: Renn-Einer, Schul-Zweier, Schul-Doppel-Zweier, Renn-Doppelzweier ohne Steuermann, Schul-, Gig- und Renn-Vierer mit und ohne Steuermann. Die hieran anschließende große Freistilstaffel 8x50 Meter zwischen dem Turnverein 1846 (verstärkt durch einige Leute des S. V.) und dem Gießener Schwimmverein wurde nach spannendem Kampf vom Schwimmverein gewonnen. Lebhaften Beifall fand weiterhin das Schauspringen, woran sich T. D. und S. V. mit Damen und Herren beteiligten, und wobei durchweg ausgezeichnete Leistungen geboten wurden: es wurden die verschiedensten Sprünge vom kleinen, sowie vom 3-Meter« und 5-Meter-Drett, Kopfsprung mit und ohne Anlauf, vorwärts und rückwärts, Abfaller, einfache, anderthalbe und doppelte Saltos Bildtelegravhie noch bemerken, daß ebenso wie an jenem Problem auch an dem des Fernsehens eifrigst gearbeitet wird. Auch hier sind noch mancherlei Fragen zu lösen, aber auf Grund der gegenwärtigen Situation kann man zweifellos auch eine baldige Lösung des Fernsehproblems Voraussagen. Die Bilder werden beim Fernsehen grundsätzlich nach dem gleichen Schema zerlegt und zusammengesetzt, wie bei her Fernphotographie. Dabei aber werden besondere, äußerst schnell arbeitende optische Geräte, die unter guter Lichtausnutzung die genaue Auflösung und Wiedergabe des Bildnetzes gestatten, zu Hilfe genommen. Bereits vor mehr als Jahresfrist ist es Dr. Karolus gelungen, sehr gute Fernsehbilder zu erhalten. Die praktische Entwicklung seines Gerätes, das besonders darauf gerichtet ist, Diapositive, in erster Linie Kinofilme, im Wege des optischen Rundfunks fernsichtbar zu machen, wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen." Kunst und Wissenschaft. Die ökumenische Woche in Bern. Bern. 23. Aug. (TA.) Die ökumenische Sitzungswoche, die der Fortführung des bei der Stockholmer Weltkirchenkonferenz begonnenen Einigungswerkes der Kirche dient, nahm heute in Münster mit Ansprachen von Bischof Ostenfeld - Kopenhagen, Stefan- Sofia und Professor Sigmund Schultz-Berlin ihren Anfang. Die kommenden Tage sind Sitzungen der Kommissionen Vorbehalten, unter denen die bedeutendste der unter deutscher Leitung stehende Ausschuß für die Errichtung eines internationalen christlich-sozialen For- gezcigi. Die Damen-Brust-Staffel 4x50 bestritten S. B. und T. B. 46, die Lagenstaffel 4x100 der S. V. und eine kombinierte Mannschaft, die große Brust-Staffel 10x50 der T. V. 46 und S. V. mit zwei Mannschaften. In sämtlichen Stas- feten gab ce> guten spannenden Sport mit lebhaften Kämpfen: die ersten Plätze in allen drei Rennen belegte der Schwimmverein. Dazwischen wurde der Schüler-Vierer gerudert, den die „Hassia" für sich entscheiden konnte. Ein sehr hübsches Bild bot ferner das Gruppenspringen, woran sich T. V. 46 und S. V. wiederum mit Damen und Herren, diesmal in Gruppen zu dreien und fünfen, beteiligten. Großes Hallo und Gelächter auf beiden Ufern entfesselte das ebenso drollige, wie feuchtfröhliche Büttenrennen, bei dem es in heftig schwantenden und natürlich wenig stabilen Ruirdbütten mit den Händen von •Ufer zu Afer zu rudern galt, was durchaus keine einfache Sache ist. Die meisten Teilnehmer nahmen denn auch zur Schadenfreude aller Zuschauer ein unfreiwilliges Bad und tonnten ihr Fahrzeug leer oder wenigstens nur halbvoli an Land steuern. Hieran anschließend wurde zwischen der ersten und einer kombinierten Mannschaft des S. D. ein Wasserballspiel ausgetragenr dgs, von beiden Seiten flott und routiniert geführt, an interessanten und kritischen Momenten reich war und schließlich mit einem Siege 4:2 für die 1. Mannschaft des S. V. endete. Den Schluß der Veranstaltung machte der mit besonderer Spannung erwartete Achter, der, stets der Höhepunkt jeder Regatta, einen prachtvollen Anblick gewährte. Den ersten Platz belegte die Gießener Rudergesellschaft, den zweiten „Hassia", den dritten Verein Rudersport. Damit hatte die ausgezeichnete Veranstaltung ihr Ende gefunden, und man kann nach ihrem schönen und harmonischen Verlauf nur wünschen, daß der Tag den erstrebten Zweck einer recht weitgehenden Propaganda für den ebenso gesunden, wie volkstüm- lichen Wassersport in vollem Umfang erreicht hat. Stoppelfelber im August. WSR. Die eigenartigen Witterungsverhältnisse dieses Jahres haben es fertig gebracht, daß sich Heumahd und Getreideschnitt zeitlich eng zusammendrängten. Dieser Umstand hat nach so langen Regenwochen plötzlich eine intensive landwirtschaftliche Tätigkeit erweckt, die rasch und unvermittelt vielerorts der Landschaft jetzt schon in den Augusttagen einen verfrüht herbstlichen Charakter gibt. Das geschnittene Gras wachst zwar nach und reift zur Ernte heran, aber das Stoppelfeld bleibt. Kahl mit gelben Dorsten- büscheln liegt es da im Glanze der strahlenden Augustsonne — soweit wir heuer von solchem Glanze reden können —, und nicht ohne Wehmut denkt man an die goldgelb wogenden Getreidefelder, die dem Bild der sommerlichen Flur einen so eigenartigen, tiefen Reiz geben. Dce stolzen Roggenhalme, die in den blauen Himmel hinaufwachsen zu wollen scheinen, die sonngebräunten, vollkörnigen, schweren Weizenähren, die zierlichen Kornbüschel des Hafers, sie sind dahingesunken unter dem schwingenden, blanken Stahl; und ihr Sterben zum Wohl der Menschheit kündet — das Menschenherz kann sich's nicht verhehlen — das große Sterben in der Ratur ain. Hungriges Federvolk huscht, Rachlese haltend, über die struppigen Stoppeln, und schon beginnt auch die Jugend das leere Getreidefeld zum Startplatz ihrer Drachen zu machen. Kühl, gefühllos und unbarmherzig scheint der sommerliche Abendwind über das wunde Feld dahinzustreichen, der noch vor kurzem verliebt und zärtlich mit den flüsternden Halmen zu spielen schien. Dann bricht die Scholle unterm Schnitt des blanken Pfluges. Warmes, duftendes Erdreich wälzt sich über die kurzen Stoppeln und begräbt sie unter sich. Das Feld muh sich bereiten, die Wintersaat in seinen Schoß aufzunehmen. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Wiskottens". — Astona-Lichtspiele: „Das 2(benteuer im Nacht- expreß". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es wird nochmals auf die Aufführung des übermütigen Schwankes „D i e spanische Fliege" von Arnold und Bach am Dienstag, 24. August, hingewiesen. Es sind beschäftigt die Damen Marcks, Andre, Heyrn, Jüngling, Scherer und die Herren Goll, Schwanneke, Volck, Schubert, Eisig, Gehre und Stichel. Die Spielleitung liegt in den Händen des Herrn Goll. Wettervoraussage. Ruhigere und ständigere Temperaturen, Winde allmählich auf südliche Richtung drehend, nur zeitweise stärker bewölkt, durchweg trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 19,8, Minimum 10,5 Grad Celsius. Riederschläge: 0,7 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 15,4 Grad Celsius. WSR. Die Heide blüht. Auf trockenem Sandboden, auf sonniger Hochebene, im Schuhe des Kiefernwaldes, auf niedrigem Hügel leuchtet s ch un g si nst itu tes ist. Die Vollsitzung des Vollzugsorgans der Konferenz, die 66 Vertreter aus den protestantischen anglikanischen und orthodoxen Kirchen körpern der Welt zusammenführt, beginnt am 26. August. Gleichzeitig tagt der vorbereitende Ausschuß der ökumenischen Bewegung für Glaube und Verfassung, die eine kirchliche Einigung auf dem Boden einer Bekenntnisgemeinschaft anststrebt. Eine Darmstädter Schulmusikwoche. Das Z e n t c a l in st i t u t für Erziehung und Unterricht veranstaltet in Verbindung mit dem Hessischen Landesamt für das Bildungswesen vom 11. bis 16. Oktober eine Schulmusikwoche, die- unter anderem Dor- träge der Herren Staatssekretär Schulz vom Reichsministerium des Innern, Professor Dr. Hellpach, ehemaligen badischen Staatspräsidenten, den Professoren Luchtenberg, Schünemann, Jode, Thiel, Moser, Gurlitt, Arnold Mendelssohn, Roack, Rolle, Smend, Müller und anderen bringen wird. An den Abenden werden Symphonie- lonzerte, Chorkonzerte und Opernvorstellungen von dem Hessischen Landestbeater und der Mainzer Musikhochschule veranstaltet. Fachstudienwache auf Burg Hohensolms. In der Zeit vom 6. bis 10. September veranstaltet die Christliche Jugend in ihrem Bundesheim, der Burg Hohensolms, eine Freizeit für Pfarrer und jüngere Theologen. Es sind als Redner vorgesehen: Generalsuperintendent D. Klingmann (Koblenz), Bundeskanzler Schütz- ler, die Pfarrer Lang (Frankfurt). Becker (Die- tzen) und Petri (Hohensolms). uns jetzt das blühende Heidekraut ent» gegen. Die Heide überzieht sich mit Millionen honigreicher 'Blüten von rosenrotem Schimmer, fo dah das Grün der 'Blutter beip-;1,’: ganz wt« lchwinder. Obgleich die Blüten veri)ir'tnismätzig klein sind, ist das blühende Heidekraut doä) weithin sichtbar. Jeder Zweig der Pflanze trägt zahlreiche Blüten mit rc-tlicyen Blütenglocken. TS ist eine Lust, die Millionen von Infekten zu beobachten, welche sich jetzt in den Blüten »ummeln WEB A e h r c n l e s e n i st strafbar. Wiederholt ist darauf aufmerksam gemacht worden. dah das Aehrenlelen verboten und straf» dar ist. Neuerdings sind nun wieder Hölle zur Anzeige gekommen, wo Aehrenlefer sich der Schere bedienten, um rascher den Korb oder die Schürze zu füllen. Dolche Frevler werden besonders empfindlich bestraft. •* Der Aufgang de r Hühnerjagd ist vom Hessischen Ministerium des Innern für das ganze Land auf Montag, den 30. August, festgesetzt worden. Wegen der Hegezeit der Fa» 'anen verbleibt es bei den Bestimmungen der Verordnung vom 17. Dezember 1925. Die Jagd aus Fasanen beginnt danach erst am Donnerstag, den 16. September. k. Der Bund der Kolonialfreunde, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete am Samstagabend auf der Karlsruhe einen kolonialen A b e n d. Die Veranstaltung, welche in Form eines Familienabends durchgesührt wurde, brachte zunächst eine Reihe musikalischer Darbietungen. Das übrige Programm bestand aus einem von K. Tetzner gesprochenen Prolog, mehreren gemeinsam gesungenen Liedern, von denen ein Koloniallied leider ausgerechnet auf die Melodie ging: „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren", einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Mohr, einer peiteren Erzählung von O. Kern und schließlich noch aus Tanz. So anerkennenswert die Bestrebungen sind, für den kolonialen Gedanken weite Kreise, insbesondere auch die Jugend 'zu interessieren, so gehen doch die Meinungen über die Art der Durchführung dieser Bestrebungen weit auseinander. Die Ansprache des Vorsitzenden, die sich von den übrigen Darbietungen angenehm abhob, zeigte in kurzen Zügen die Bedeutung und die Rotwendigkeit der Kolonien für Deutschland als Absatzgebiet, Siedlungsmöglichkeit usw. Sie behandelte weiter die Fragen: „Können wir bei der heutigen Staats- sorm Kolonien verwalten?" und „Warum müssen wir die Kolonialbewegung zu einer Volksbewegung machen?" Zum Schluß betonte der Redner noch kurz die Bedeutung der Presse für die Kolonialbewegung, sowie die Rotwendigkeit der Wiedererlangung unserer Kolonien. < Vergeßliche Leute. Einer jungen Dame, die auf Bahnhof Gießen mit dem Berliner v-Zug nachmittags ankam, war auf ihrer Reise ein Kind in Obhut mitgegeben worden, das sie in Koblenz abliefern sollte. Rach dem Umrangieren des Koblenzer Wagens aus dem Berliner Zug vermißte die Dame plötzlich ihr anoertrautes Gut. Das Kind war aus feinem Wagen ausgestiegen und hatte sich in den Frankfurter- Zugteil beaeben. Darob große Bestürzung, zumal der Frankfurter Zug bei der Entdeckung schon fort war. Die Annahme des Stationsbeamten, daß das Kind nicht verloren, sondern nach Frankfurt gefahren fei, bestätigte sich bei einer Nachfrage in Bad-Nauheim, von wo es mit dem nächsten Zuge wieder zurückgelangte. Mit einer großen Verzögerung ging dann die Reise am nächsten Morgen weiter. " Die zweite Staatsprüfung im Justiz- und Verwaltungsfach für das Jahr 1926 beginnt Montag, den 11. Oktober. Die Prüfung findet im Sitzungssaals des II. Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Darmstadt statt. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind bis spätestens 25. September an den Iustizminister durch Vermittelung des zuständigen Landgerichtspräsidenten zu richten. ' Die Astoria-Lichtspiele auf dem Seltersweg sind am Samstag nach gründlicher Renovierung wieder eröffnet worden. Der Raum ist geschmackvoll hergerichtet und macht einen gediegenen Eindruck. Das Cröffnungsprogramm bringt einen Film „Das Abenteuer im Racht- erpreß", in dessen Mittelpunkt der bekannte Sensationsdarsteller Harry Piel steht. Ein lustiger Trickfilm vervollständigt das Programm. WSR. Der Baldrianstag. Alter Dvlksbrauch will es, daß am 23. August die Daldricmswuwel gegraben wird. In manchen Gegenden heißt der Baldrian auch Hexeickraut. wegen seiner schon im Altertum geschätzten Kraft. Sollte er doch gegen allerlei angehexte Krankheiten schützen, zu denen das Mittelalter auch die Pest rechnete. „Baldrian und Dibernell hält die Pestilenz zur Stell." Auch sonst hielt man die Pflanzen zu mancherlei Dingen gut. In den Bienenkorb gelegt, hält sie die Dienen im Stock fest und zieht andere heran. Ihre Wurzel erregt grimmigen Zorn, wenn man sie kaut, und DaS Mittelalter weih von einem Scharfrichter mit weichem Herzen zu erzählen, der vor jeder Hinrichtung ein Stück der Wurzel kaute, um sich hart zu machen. Eine ähnliche Anziehungskraft, wie bekanntlich auf die Katzen, hat die Baldrianswurzel, wie manche glauben, auf Forellen. **DiebekannteStrohhalm-Kunst- uhr wird zur Zeit im früheren Hotel „Groß- Herzog", Bahnhofstraße (Geschäftshaus der A. E. G.) gezeigt. Das Werk wurde in den Jahren 1892 bis 1907 von dem Schuhmachermeister Otto Wegener aus Strasburg in der älckermark erbaut. Die Ahr ist in sämtlichen Teilen aus Strohhalmen zusammengesetzt, deren Stabilität dadurch erreicht wurde, daß die Halme mehrfach i.ieinandergeschoben worden sind. Die einzelnen Teile sind lediglich durch Strohhalme verbunden irgendwelche Klebe- oder Bindemittel kamen nicht zur Verwendung. Auch der Mechanismus des Werkes enthält keine einzige Feder und keinen Metcrllteil, besteht also ebenfalls nur aus Strohhalmen. Bemerkt sei noch, dah alle Teile sichtbar sind, so daß sich der Beschauer in jeder Weise überzeugen kann. Eine ^Besichtigung dieser Uhr, die schon in vielen Städten gezeigt worden ist und überall Bewunderer fand, kann bestens empsohlen werden. ** Auftrieb auf dem heutigen Fran k- furter Schlachtvieh markt. 340 Ochsen, 64 Bullen, 460 Kälber, 51 Schafe, 4025 Schweine. Oberhessen. Landkreis Gießen. n. Grohen-Linden, 21. Aug. Aus der letzten Gemeinderatssitzung ist zu berichten: Rach einigen ergebnislosen früheren Sitzungen kam diesmal bet Voranschlag für Rj. 1926 unter Dach und Fach 5>te Erhebung einer Soukersteuer v:m b:' outen .indbesttz wurde mit Stimmrnmrhrhcck abgelrhnt. An Grundsteuern werden von Gebäuden und Bau- > lätzen 12 Ps. und vorn land und forstwirtschaftlich benutzten Grundbesitz 24 Ps. pro 100 Tut Steuerwerk erhoben. Vom Betriebskapital 55 Ps. pro 100 Mk. Steuerwcn Für 1 Ml. staatliche ®eir-rbefteuer aus der Festsetzung für 1925 kommen 90 Ps. zur Erhebung. Abgelehnt wurde der beantragte AnkarO der Universitäts-Mühl?. Flurschütz Georgi wurde im Geyalte auf gebeten und zwar mit Wirkung vom 1. Juli 1926. Die Erbauung eines Gemeind:wohnhauses sand leine Zustimmung. Ein Teil der bet der kommunalen Landesbank ausgenommenen kurzfristigen Kapitalien wurde in langfristige umgewandelt. Kreis Friedberg Bad-Rauheim, 20. Ang. Die Zahl der Kurgäste beträgt leit 1. Januar 25205, von denen heute noch 1141 hier anwesend sind. Bäder wurden seit 1. Januar insgesamt 264 330 abgegeben. Z Dad-Raubeim. 22. Aug. Das i n - ternationale Tennisturnier konnte heute noch nicht zu Ende geführt werden, weil der- gestrige Regentag ein Spielen nicht ermöglichte. Das Tournier weist eine vorzügliche Beteiligung auf, das Ausland ist durch Spanien, Amerika, Ungarn in sehr guter Klasse vertreten. Kreis Büdingen. <- Ridda, 21. Aug. Verschiedentlich wurde dieser Tage aus Höchst a. M. berichtet, daß in der Nidda Scharen von erkrankten Fischen anzutreffen seien, was mit Vergiftung durch das rötlich gefärbte Riddawasser in Verbindung gebracht wurde. Demgegenüber muß sestgestellt werden, daß das Wasser der Ridda bei der ziemlich selten vorkommenden Rotfärbung keinerlei giftige Bestandteile enthält. Verschiedene amtliche Untersuchungen, die aus gleichen Gründen in den Vorjahren angestellt wurden, haben ergeben, daß Forellen und andere im Bachbett der Ridda verkommende Fische auch bei Rotfärbung äußerst zahlreich vertreten sind und keinerlei Erkrankungserscheinungen aufweisen. ------ Wenings, 21. Aug. Der Bezirk Büdingen des Kinzig-Turngaues der Deutschen Turnerschast wird am 26. September hier sein diesjähriges Dezirksabturnen abhalten, zu der eine stattliche Teilnehmerzahl erwartet wird, da der Bezirk annähernd 20 Vereine umfaßt. Wie alljährlich so wird auch in diesem Jahre das Abturnen in einem volkstümlichen Turnen bestehen und in zwei Stufen geturnt werden. Für die Oberstufe sind als Uebungen vorgesehen: Steinstohen, Hochsprung, Weitsprung, 100-Meter-Lauf, Speerwurf und eine Freiübung, die gelegentlich der Kölner Kampfspiele zur Vorführung tarn. Anstelle von Steinstoßen ist für die Unterstufe Kugelstoßen vorgesehen. Rachmittags werden sämtliche Tbeltumer allgemeine Freiübungen zeigen. Teilweise werden auch von einzelnen Vereinen Musterriegen am Gerät gestellt werden. 4 Echzell, 21. 2lug. Unser Postamt bleibt uns, wie schon einmal vor etwa 12 Jahren, durch die erfolgreichen Bemühungen des Reichstagsabg. Dr. Werner erhalten, und bis auf weiteres wenigstens braucht sich unser Marktflecken nicht bloß mit einer Agentur zu begnügen. Kreis Schotten. ld. Schotten, 22. Aug. In der Vorkriegszeit war es gelungen, in vielen Jagden des Vogelsberges den Fasan einzubürgern. Verschwiegene Talmulden mit viel Gebüsch und kleinen Wasserläusen, ideales Gelände für dieses Geflügel, fanden sich überall. In der Rachkriegszeit weniger geschont, ist der Fasan an Zahl sehr stark zurückgegangen und kaum noch anzutreffen. Unweidmännisches Verhalten mancher Jäger, strenge Winter, und des Fasans schlimmster Feind, der Fuchs, haben dem bei uns kaum heimisch gewordenen Vogel so zugeseht, daß mit seinem Aussterben in unserer Gegend gerechnet werden muh, wenn nicht sofort überall sachgemäße Gegenmahregeln ergriffen werden. ld. Aus dem vorderen Vogelsberge, 22. Aug. Das O b st b a u m st e r b e n, das schon in diesem Frühjahre nach der Belaubung allenthalben in die Augen fiel, hat im Laufe des Sommers immer mehr überhand genommen, so daß man eben kaum ein Daumstück findet, auf dem nicht ein Opfer des Frostwinters 1924'25 zu bemerken wäre. Am härtesten sind die Zwetschenbäume betroffen worden, von denen viele bereits dürr sind oder Zeichen beginnenden Verfalls an sich tragen. Man rechnet damit, dah fast alle Zwetschenbäume zugrunde gehen und beginnt jetzt schon, Reuanpflanzungen vorzubereiten. Da die einheimischen Zwetschenbäume im Laufe der Zeit so entartet sind, daß eine reichliche Ernte gar nicht zu erwarten ist, verzichten einsichtsvolle Obstzüchter auf die überall zur Verfügung stehenden Setzlinge und bestellen bei Baumschulen Zwetschensorien, die einen lohnenden Ertrag versprechen. Kreis Alsfeld. ---Alsfeld, 21. Aug. Erhängt hat sich im nahen Reibertenrod der 80 Jahre alte Schmiedemeister Hch. Kasper. Die Ursache dieser Tat dürfte in Lebensmüdigkeit zu suchen sein. ch Erbenhausen, 21. Aug. Die Füchse schädigen in unserer Gegend sehr die Hühner- besitzer. Ungefähr ein Dutzend Hühner ist ihnen schon zum Opfer gefallen. Der Fuchs erscheint in der Regel von 7 bis 8 Uhr vormittags und nachmittags von 4 bis 5 Uhr. Aber alles Auf- passen hilft nichts. Wenn man sich auch schuh- fertig zum Empfang des Räubers bereit stellte, gelang es bisher doch nicht, ihn zur Strecke zu bringen.- Starkenburg. ’ Darmstadt, 21. Aug. An dem Ehrenmal für b i e Gefallenen auf dem Fried- Hof in Roßdorf bei Darmstadt wurden an den Treppenstufen von unbekannten D e n t mal’ Ichändern mehrere Stücke abgeschlagen. — Umherstreifenden Hunden in Roßdorf bei Darmstadt gelang es nachts in den Ziegenstall einer Witwe einzudringen. Sie bissen zwei Ziegen lot. — In Zwingenberg an der Bergstraße scheute das Pferd des Landwirts Lehr vor einem Auto. Lehr geriet unter den Kraftwagen und wurde schwer verletzt. — In einem Steinbruch bei Birkenau wurde ein Arbeiter von einem Rollwagen überfahren. Ein Bein wurde so schwer verletzt, daß es amputiert werden muhte. Preußen. Kreis Wetzlar. O Wetzlar, 21. Aug. Der Kreis Wetzlar erhebt eine Hundesteuer, die für den Hund 5 Mk. jährlich beträgt. Werden von einem Besitzer zwei oder mehrere Hunde gehalten, so beträgt die Steuer für den zweiten Hund 8 Mk. und für leben weiteren Hund 20 Mk. jährlich. Von der Zahlung der Steuer sind befreit: Hundc- besiher, die außerhalb des Weichbildes eines Ortes und mindestens in einer Entfernung von 100 Meter von anderen bewohnten Gebäuden wohnen. Schaf- und Schweinehirten für höchstens zwei Hunde, Besitzer von Ziehhunden i Fleischer- Hunden usw.), Polizeibeamte und Rachtwächter iir nur einen Hund, sowie blinde unb taube Versonen, die sich zu ihrem Schutze eines Hundes bedienen. Hundezüchtern, b. h. solchen Personen, die mehr als zwei Hunde zu Zucht- oder Handelszwecken halten, kann eine Steuerermäßigung in der Weise zugestanben werden, daß sie für ämtliche gehaltenen Hunbe für das ganze Jahr eine Pauschale von 30 Mk. zahlen. l. Garbenheim, 22. Aug. Gestern hat uiu er Landsmann Heinrich Lauser mit seiner Familie zum dritten Male seine Reise von Hamburg aus nach Charlottenthal-Lü be r i tz b u cht (Südwest-Afrika) angetreten, wo er schon fast 18 Jahre lang als Schreiner beschäftigt war. Vor etwa sechs Wochen kehrte er von dort zurück, da seine Frau mit ihren zwei Kindern noch anwesend war. Da er hier keine Beschäftigung inden konnte und als Engländer naturalisiert ist, beschloß er aufs Reue, dahin auszuwandern, wo keine Arbeitslosigkeit herrscht, um dort sein Glück zu versuchen. kz. Garbenheim. 21. Aug. Zahlreiche Reubauten haben sich an das ältere Garbenleim in der Richtung nach Wetzlar angereiht. Der ganze Dergeshang und die Landsläche zwi- chen der Garbenheimer Straße und der Bahnlinie gelten als wichtige Bauplätze. kz. Dorlar, 21. Aug. In den Wiesen des Lahntals hat man bereits mit der Grummet» ernte begonnen. Die blumigen Auen liefern dichtes, saftiges Gras. Die üleberschwemmung hat meist fördernd auf den Graswucys gewirkt. Wo das Wasser nicht allzu lange gestanden hat, ist das Wachstum des sauren Grases wenig zu beobachten. Man kann auch mit der diesjährigen Grummeternte recht zufrieden fein. <> Riederkleen. 21. Aug. Ein Motor- r a d u n f a l l ereignete sich auf der Provinzial- strahe Wetzlar—Butzbach in der Rähe unseres Ortes. Ein Motorradsahrer wallte ein Kuhfuhrwerk. das auf der linken Straßenseite fuhr und nicht auswich — angeblich hatte der Fuhrmann das Signal nicht gehört —. Überholen, kam dabei auf der durch das Regenwetter durchnäßten Straßenseite mit seiner Maschine ins Schleudern und stürzte. Während die Maschine nicht erheblich beschädigt wurde, erlitt bet Motorradfahrer derart schwere Verletzungen, daß sofort ärztliche Hilfe herbeigeholt werden mußte. Die Verletzungen sind glücklicherweise nicht lebensgefährlicher Natur. <> Groß-Rechtenbach, 21. Aua. Der Kreisausschuß hat auf Grund des preußischen Hebammengesehes eine Reueinteilung der Hebammenbezirke der Bürgermeisterei Rechtenbach trorgenommen. Hiernach find zugetellt die Gemeinden Groh-Rechtenbach und Klein- Rechtenbach der Hebamme Rühl, Groh-Rechtenbach, Vollnkirchen, Volpertshausen und Weidenhausen der Hebamme Frischholz, Volpertshausen, Ebersgöns und Oberkleen der Hebamme R o m p f, Oberkleen, Riederkleen und Dornholzhausen der Hebamme Braun, Doncholzhaufen, Hochelheim und Hörnsheim der Hebamme Mand- l er, Hörnsheim. Lützellinden der Hebamme Hohbach, Lützellinden. Münchholzhausen der Hebamme G e r l a ch, Dutenhofen und Reiskirchen der Hebamme Schäfer, Riederweh. Keine „Riederlassungsgenehmigung", wie das neue preußische Hebammengeseh die Genehmigung zur Ausübung des Hebammenberufes b^eichnet, ist erteilt worden den Hebammen zu Münchholzhausen. Niederkleen und Reiskirchen, weil durch die obige Einteilung der Bedarf an Hebammen gedeckt ist. Diese Hebammen haben jedoch das Recht, ihren Beruf bis auf weiteres an ihrem Wohnorte auszuüben. kz. Klein-Rechtenbach, 21. Aug. Das zwischen Klein- und Groh-Rechtenbach gelegene W a i» 1 enhaus „Z o a r". eine Zweiganstalt des Dia» konissen-Mutterhauses zu Kreuznach hat durch einen neuen Anbau in der Verlängerung der Haupts rontrichtung des Hauses ein stattliches Aussehen erhalten. Die Inneneinrichtung ist durchaus praktisch zu nennen. Den armen Kindern sind lustige Woyn- und Schlafräume zugewiesen. In kalten Tagen gibt die neue Zentralheizung eine angenehme Wärme durch das ganze Haus. Ein wohlgepflegter Garten breitet sich zwischen der Strahe und dem Hauptgebäude aus, in dem die Kinder unter liebevoller Anweisung der Schwestern auch kleine praktische Arbeiten verrichten können, ülnter schattigen Bäumen haben die Kleinen auf sauberem Sandboden einen prächtigen Spielplatz. Gegenwärtig beherbergt das Waisenhaus 41 Waisenkinder. Mit der Einweihung des Neubaues wird die 70-Iahrfeier verbunden. Der Weihetag soll am 26 September stattfinden. <> Griedelbach, 21. Aug. Auf der sehr abschüssigen Strahe zwischen hier und Oberweh ereignete sich heute vormittag ein Unfall. An einer auf der Fahri von Hasselborn nach Warburg befindlichen Zuglokomobile rih die Dremskette. Die Lokomobile geriet in rasende Fahri, wodurch der Führer an einer Kurve die Herrschaft über sie verlor. Die Maschine stürzte die 4 Meter hohe Strahenböschung hinab in einen Wassergraben. Während sich der Beifahrer durch Wsprung rettete, geriet der Führer unter die Maschine und wurde erheblich verletzt: er muhte im Sanitätsauto in das Städtische Krankenhaus zu Wetzlar gebracht werden. XX Groh-Alten st ädten, 21. Aug. Einen seltenen Anblick gewähren jetzt die an unserem Berge ausgebreiteten Flachslagen. Da die Leinwand immer wieder von der billigen Baumwolle verdrängt wird, fo ist auch der Flachsbau im hiesigen Kreise stark zurückge- gangen. 3a, es gibt schon viele Bezirke, in denen das schnurrende Spinnrad und das blaue Flachsfeld nur nach benr Hörensagen bekannt sind. Es ist daher erfreulich, daß der Staat, um die einzelnen Landwirte zur Bestellung von Aeckern mit Flachs anzueifern, fortgesetzt hohe Prozente der Saakauslage vergütet. Kreis Biedenkopf. kz. R o d h e i m. 21. Aug. Die neue Postau t o 1 i n i e Weylar-Rodheim bat sich bis jetzt recht viele Freunde erworben. Man war zu Anfang nicht davon überzeugt, daß sich hie neue Linie auch rentieren werde. Zu beobachten ist die Tatsache, daß die Linie für die augenblickliche Zeit verhältnismäßig stark gefahren wird. Einige ftarle Dllängel zeigt die neue Linie in bezug auf die Straften. Der Zustand der Straße von Waldgirmes bis Bieber als Faln- trahc für ein neuzeitliches großes Postauto ist, gelinde gesagt, miserabel zu nennen. Dte Straße ist viel au schmal, weshalb das Arno einem Erntewagen kaum ausweichen kann, außerdem zu ungleich, so daß der Wagen bei Regen keinen Hall auf der Straße findet. Vergangene Woche fuhr das Postauto im Regen von ^Waldgirmes itach Hof Haina mitten auf der Straße. Die Hinterräder rutschten auf die Seite in Den Graben und zogen die Vorderräder nad). Obwohl das Auto mit Winden hoch gezogen wurde, konnte es nicht mehr fahrbereit gemacht werden, weshalb ein von Wetzlar herbeigerusenes Auto das Postauto wieder glücklich auf die Fahrbahn bringen muhte. Eine andere üble Sache ist die enge Durchzugsstcahe durch Den Hof Haina. Rur im Schneckentempo ist die Durchquerung des engen Hofes möglich. Die Strecke von Wetzlar nach Bieber beträgt 13 Kilometer, von hier nach Gladenbach 24 unD von Gladenbach nach Biedenkopf 26 Kilometer. An jedem Ort ist gleich Anschlußmöglichkeit, so daß sich die Fahri von Wetzlar nach Gladenbach in kurzer Zeit ermöglicht. Ein Kilometer kostet 10 Pfennig, so daß die Autolinie Wehlar-Biedenkopf für 6,30 Mk. zu fahren ist. Dillkreis. bl. Dillenburg, 22. Aug. Zu dem am 29. August in Hirzenhain stattsinDenden Kreis- j u g e n b t a g hat die Reichsbahn-Gesellschaft folgende Sonderzüge eingelegt: Dillenburg ab 8.15 norm., Hirzenhain an 9.10 norm. Am Abend verkehrt ein Zug wie folgt: Hirzenhain ab 6.21 nachm., Dillenburg an 6.54. Herborn an 7.14 nachm. bl. Dillenburg. 20. Aug. Die Kreisverwaltung des Dillkreises richtet ihr besonderes Augenmerk auf die Gesunderhaltung der Bevölkerung: sehr zu begrüßen ist die Maßnahme Der Vermehrung von Krankenpflege st atio- n en. Etwa 30 Krankenpflegestationen sind in langer Arbeit zustandegebracht worden. Immer bleibt man Dabei bemüht, Neugründungen vorzunehmen. bl. Herborn, 22. Aug. Die Ausschei- dungskämpfe um Den vom früheren Land- rat des Dillkreises, v. Zitzewitz, gestifteten Wanderpreis im Schlagballspiel haben bei Den Schulen begonnen. In Hirzenhain toirD Der Endkampf stattfinden. Herborn war im vorigen Jahre Sieger. bl. Herborn, 20. Aug. Die bekannte hiesige QluDelfabrif von Wehr und Sattinger wird den Betrieb wieder in früherem Umfange auf nehmen. Damit dürfte einer Anzahl früher hier beschäftigt gewesener Arbeiter wieder auskömmlicher Verdienst gesichert sein. — Da die bisherigen Obdachlosenräume in unserem Rathaus den Verhältnissen nicht mehr entsprachen, hat Die Stadt in Der Turnhalle des Rathauses weitere neue Räume geschmackvoll hergerichtet. bl. Frohnhausen, 20. Aug. Der Spiel- und Sportverein „Dramen“ 1914 ist gegenwärtig mit Der Errichtung eines neuen Spielplatzes beschäftigt. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 3500 Mark. Die Gemeinde kam dem Verein sehr entgegen, indem sie einen Zuschuß gab und den Platz kostenlos zur Verfügung stellte. Immerhin fehlt noch ein 'Betrag von etwa 2500 Mark. Die Mitglieder beteiligen sich selbst an den Planierungsarbeiten und geben auch gerne einmal ein Dcherflein für Den guten Zweck her. bl. Herh ornseelbach (Dillkreis), 22. 8. In der Rächt vom Freitag zum Samstag brach in dem Anwesen des Landwirts Don s b ach Feuer aus, das schnell um sich griff. Die Wehren von Bicken, Ballersbach, Burg und Herborn konnten vereint mit der unfrigen den Brand auf seinen Herd beschränken. Wohnhaus und Scheune sind vollkommen eingeäschert. Die Entsteh ungsursachr konnte noch nicht ermittelt werden. Maingau. F r a nk f u r t a. M , 21. Aug. (WSR.) Vorgestern abend fuhr in Der Eschborner Landstraße ein Motorradfahrer ein Ginspännerfuhrwerk an. Durch den Anprall wurde die ganze Familie, bestehend aus Mann, Frau und Kind, vom Wagengeschleudertund verletzt. — Gestern wurde im Hauptbahnhof «in Arbeiter, Der an einem Tunnel beschäftigt war, von einer Rangierlokomotive erfaßt und zwischen Lokomotive und Tender gepreßt. In schwer verletztem Zustand wurde er ins Krankenhaus übergeführt. — In einer hiesigen Badeanstalt wurde eine P e r l e n h a l s k e t 1 e im Werte von 700 bis 800 Mark gestohlen. Die Kette besteht aus 201 echten weihen Perlen, wovon die größte erbsengroß ist und sich die anderen nach dem Ende verjüngen. WSR. Idstein, 20. Aug. Der zehnjährige Sohn des Majors Graham der hiesigen Besatzung, der seine Ferien bei feinen Eltern verlebt, wollte gestern zu Pferde einen Ausritt machen. In Der Nähe der Schützenhalle ging jedoch das Pferd durch und warf Den jugenD- lichen Reiter ab, Der schwerverletzt ins Militärkrankenhaus nach Wiesbaden gebracht wurde. Trotz aller Bemühungen verstarb er in der folgenden Rächt. Kreis Hersfcld. WSR. H e r s f e l d, 20. Aug. 3n dem benachbarten Friedewald ftürzte Der Laüdwirt Georg Schüftrumpf, Der mit Kornladen auf seinem Acker beschäftigt war, vom Wagen. Er zog sich eine schwere innere Verletzung zu, Die seine Heberführung in das Krankenhaus nötig machte. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 llhr mittags, 5 bis 7 llhr nachmittags. Samstag nachmittag schlossen. Jür unverlangt eingefandle Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenauftrage sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Verantwortlich für Den totalen Teil i. V.: Dr. Hans Thyriot. Suppen in Wurstform 267D Stadttheater aaa Von der Reise zurück 8W und Ernst Bach. 6754c Anfang 8 Uhr. Ende gegen 10 Uhr. Wi 8n Ihrem ©artera 6838c 2 ZZ£ 2 6839V Personen des Spiels: 6622c Neue L- V ffl P I Neue IS a*» stets billigst zu 6825V Durch Wunbsrtn fltinet fflnßer verbringen diel« Stellenangebote Astorialichtspiele im Same Bi haus Heinrich Hahn MS aa die Söhne ÜB) W Sechs Teller feiner Suppe in den Sorten: Erbs fein, Erbs mit Speck, Erbs mit Reis, Blumenkohl, Spargel, Grünkern,Tomaten, Pilz, Ochsenschwanz, Krebs, Teigwaren ergebe ich, nur 20 Min. in Wasser gekocht, ohne alle Zutaten, denn diese vereinige ich alle in mir. 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Höchste Sparsamkeit bei der Vroduttion ist nicht nur Erfordernis der Detriebsökonornck. deren .etztes Ziel die Steigerung der (Privatwirtschaft- ttchenl Rentabilität des Unternehmens ist. sondern sie ist unter den heutigen allgemeinen Wirt- Ichaftsvcrhältnissen auch Forderung einer auf die Gesamtheit gerichteten Wirtschaftspolitik, deren Streben in der Förderung der (volkswirtschast- ichen) Produktivität gipfelt. Höchste Sparsam- feit: sowohl im Materialverbrauch als auch tm Kraft- und Arbeitsaufwand, d. h. also, Durch- irringung aller technischen Vorgänge mit dem „ökonomischen" Prinzip, mit der Forderung nach der Erreichung des (vergleichsweise) größten Effekts bei (vergleichsweise) kleinstem Aufwand. So verbinden sich Technik und Wirtschaft: die Technik bestimmt, was an Produktion möglich und denkbar ist. die Wirtschaft untersucht, was an Produktion unter dem Gesichtspunkte der Ren- labilität und Produktivität berechtigt ist: die Wirtschaft stellt der Technik die Aufgabe, die Technik wird so zum „Arm der Wirtschaft". Wirtschaft und Technik: je vollkommener der Geist der Wirtschaftlichkeit die Technik beherrscht, >esto eher gehen „Rentabilität" und „Produftivi- .ät“ parallel: Die Ersparnisse an Material, Kraft, Arbeit kommen irgendwie der Allgemeinheit immer zugute, während die Verteilung des Gewinnes zwangsläufigen Gesetzen nicht unterliegt. Daraus folgert: je stärker die Technik ökonomisch gerichtet ist, desto mehr geht individuellem Gewinnstreben Steigerung volkswirtschaftlicher Produktivität parallel. Man kann — selbstverständlich — technische Verfahren monopolistisch ausnuhen, aber immer nur für begrenzte Zeit, denn sie werden entweder Allgemeingut oder sie veralten, d. h. sie kommen über kurz oder lang der Allgemeinheit entweder direkt zugute, oder indirett, indem sie neuen Fortschritt Hervorrufen. Mft diesen Gedarrten sei die derzeitige Tendenz moderner Betriebsführung umrissen: Ersparnis durch technisch-wirtfchaftliche Durchorgani- la tum des Betriebes. Das bedeutet: Kalkulation dient nicht mehr allein der Selbstkostenbestimmung, sondern sie greift über auf die Detriebs- suhrung selbst: sie ist nicht mehr nur Vorgänge- registrierend, sondern betriebsgestaltend: „Die Wirtschaft untersucht, was an Produktion berechtigt ist." Betriebsgestaltung und Betriebs- kontrolle findet die Vereinigung in der De- iriebsrechnung: in ihr versinnbildlicht sich die letzte Rationalität wissenschaftlicher Betriebssüh- rung. Erst die Auflösung aller fabrikatorischen Vorgänge in rechnerische Formeln ist Ausdruck letzter Oekonomik des Betriebes. Zweifellos bedeutet das Forderung eines nie zu verwirklichenden Idealzustandes. Leben, Wirllichkeit ist stets individuell, einzigartig, ist nie: Formel. Gesetz. Aber freilich: alle Mannigfaltigkeit seht sich aus Einzelheiten zusammen, läßt sich in Rönnen zergliedern. Hieraus gestaltet alle Wissenschaft ihre Erkenntnis vom Leben. Hieraus entwickell die Oekonomik ihre Gesetze. Zergliederung der Mannigfaltigkeit. Rückführuirg der Vielgestaltigkeit aus wenige Urformen: das ist — gleichzeitig — logische und wirtschaftliche, geistige und technische Rationalisierung. Rückführung der Mannigfaltigkeit auf wenige Urformen, das bedeutet Umwandlung des Qualitativen in Quantitäten. Zahlenmäßig sind Typen zu erfassen, nicht Individuen. Wir sahen: Alle Wirtschaft drängt zur Zahl, zur Rorm. Wirtschaft will Gesetz und Menge, denn das wirtschaftliche Gesetz ist nicht ohne Menge denkbar. Praktische Folgerung für Technik und Wirtschaft: jedes Fabrikat ist aus einzelnen Elementen aufzubauen. jÄ)es Element ist für viele Fabrikate zu verwenden. Mannigfaltigkeit wird durch verschiedenartige Zusammenstellung der Elemente erzielt. Bedeutsam sind die Voraussetzungen solcher Vereinheitlichung der Fabrikation: wirtschaftliche Schulung der Detriebsingenieure und Leiter der Konstruktionsbureaus, langjährige und vielseitigste Erfahrung, gutes, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Werk und Kunde. Der Kunde soll sich darauf verlassen dürfen: wenn das Werk ihm diese Form empfiehlt und nicht eine andere, so tut er das aus langjähriger Erfahrung und Arbeit heraus. Schließlich wird Mensch und Wetter. Don Hermann Heinze. Wohl jeder hat schon die Wahrnehmung machen können, daß Veränderungen des Wetters im körperlichen und seelischen Zustand der einzelnen Menschen eine sehr verschiedene Wirkung hervvrbringen. Es gibt viele, die gänzlich oder nahezu wetterunempfindlich sind, während andere (vor allem Rervöse. Rheumatiker, Reu- ralgiker und Menschen mit Wundnarben, z. D. unsere Kriegsverlehten) ein äußerst seines Wettergefühl besitzen und. wie man zu sagen Pflegt, ^,das Wetter spüren". Gewitter, Föhn, Schneefalle usw. werden von diesen Wetterfühligen schon stundenlang im voraus empfunden. Der Rervöse leidet unter einer gereizten Stimmung, unter Angstzuständen, Beklemmung, Mattigkeit, Mißbehagen und Unruhe. Die Leistungsfähigkeit ist erheblich vermindert, die geistige Spannkraft geschwächt, während zugleich manchmal die gereizte Stimmung sich in Temperamentsausbrüchen und Gewalttaten entladen kann. Prof. Dr. Willy H e ll p a ch, der frühere badische Staatspräsident, berichtet in seinem Werk „Gevpsychische Erscheinungen", daß in Italien häufig Verbrecher, die wegen irgendeiner Gewalttat sich zu verantworten haben, sich mit dem „Schirokko" (ein heißer Wiiid, der in den Mittelmeerländern oft auftritt und drückende Schwüle erzeugt) entschuldigen, und es geschieht regelmäßig, daß die Angeklagten mllder bestraft oder in besonderen Fällen freigesprochen werden, wenn zur Zeit der Tat nachweislich Schirokioplage herrschte. Es ist zuzugeben, daß Gewitterschwüle, Föhn und Schirokko eine seelische Depression bewirken und unter gewissen Umständen Affekthandlungen auslösen können, wenn dies letztere auch nur ausnahmsweise der Fall fein dürfte. Dennoch wäre es falsch, Wetterempfindlichkeit als einen krankhaften Zustand betrachten zu wollen. Dies ist schon deswegen nicht der Fall, weil es viele nervöse Menschen gibt, die keineswegs wetterempfindlich sind. Gleichwohl können zuweilen eigenartige Ursachen vvrliegen. Prof. jedes Fabrikat Zusammenfassung der Anregung und Erfahrung vieler: daraus beruht seine Fähigkeit, vielseitigen Bedarf zu decken. Es gibt freilich noch immer individuelle Wünsche, die rationelle Entwicklung verhindern: Herr Müller will rot, weil Herr Krause grün hat. Frau Sanitätsrat will oval, weil Frau Bürgernieister rund hat. und Herr Alois Bählmann möchte gern 12 verschiedene Muster vereinigt haben, weil er 12 und nicht 11 oder 13 Muster gesehen hat. Dagegen Hilst eins: Stolz des Einzelhändlers wie des Fabrikanten. Gewiß: der Einzelhändler will seinem Kunden mit ollem dienen können, und der Fabrikant will von sich sagen dürfen: auf meinem Gebiete ist mir nichts unmöglich. Dennoch' dos ist Sentiment, nicht Wirtschaft. Wirtschaft ist nüchtern, will Zahlen. Arme Wirtschaft kann sich nicht den Luxus überschwenglicher Dorkriegs- jahre leisten. Heute soll dcr rechnende Ingenieur herrschen, er dient der Allgemeinheit durch Vereinheitlichung. Vereinfachung und damit Verbilligung der Produktion. Wir wissen sehr wohl: die Stärke deutscher Wirtschaft lag vor dem Kriege in ihrer Anpassungsfähigkeit, hierdurch schlug sie viel fremde Konkurrenz aus dem Felde. Wir wollen nie und nimmer diese Anpassungsfähigkeit verlieren. Wir wollen sie nur weniger kostspielig gestalten, indem wir sie auf Variation der Elemente auf- bauen. Der Verkäufer oder Händler kann zwar mithelfen, neue Variationen zu ermöglichen, über die Gestaltung der Elemente habe der Ingenieur das alleinige Wort. Es ist das auch eine Frvge der Erziehung des Publikums. Der Kunde kauft schließlich doch das, was ihm der tüchtige Verkäufer verkaufen will. Und der einzelne Verkäufer weiß sehr wohl, daß er ?röheren Gewinn hat, wenn er von einem Fabri- at 10 Stück verkauft, als von 10 Fabrikaten je eins. So zeigt sich auch hier das Verflochtensein von privatem Gewinnstreben und volkswirtschaftlicher Produktivitätssteigerung. And auch der einzelne Kunde kommt zu seinem Vorteil: Serienfabrikatton ermöglicht viel größeren Rachdruck auf die Qualität des Einzelfabrikates, da die sorgsame Durchkonstruktion ein Serienerzeugnis natürlich viel weniger mit Kosten belastet als eine Einzelanfertigung. Alles Gedanken, die nicht neu sind. Rur geht man an ihnen oft achtlos vorbei. Sie zeigen, wie notwendig die Zusammenarbeit aller im Wirtschastsprozeß ist. und sie können vielleicht auch einmal ein Hilfsmittel sein: beim Verkauf moderner Serienerzeugnisse. Steiermart und Ostpreußen. Von Hermann Scharfenberg. Das schöne, sonnige Graz und das ernste, inanchmal sogar düstere Königsberg in Preußen haben sich verbrüdert und beschlossen, in regem Gedankenaustausch zu bleiben. Gelehrte unb Studierende sollen ausgetauscht werden, die Wandervogelgruppen besuchen einander, in Graz sind Ausstellungen ostpreußischer Künstler geplant und umgekehrt wird Königsberg bestrebt fein, Maler, Bildhauer und Graphiker bekannt zu machen, und außerdem wollen sich die kommunalen Behörden dieser beiden Großstädte einander ihre Erfahrungen und beschlossenen zu- tünftigen Maßnahmen wissen lassen. Diese Pläne sind ausgezeichnet und werden von allen, die ohne Hintergedanken den Zusammenschluß und die Verständigung der beiden gleichrassigen DolkS- stämme wünschen, aufrichtig begrüßt. Kennzeichnend ist es, daß die Anregung von Graz ausging. Graz und Königsberg haben vieles gemeinsam: beide sind Groß- und Universitätsstädte, beide vorgeschobene Kulturzentren, beide liegen in einem schweren Kampfe mit den Slawen. Diese Kämpfe sind in mancher Hinsicht verschieden: das ergibt sich zunächst aus den wirtschaftlichen Verhältnissen, die im Südosten ganz anders als im Rordosten sind. Dann fällt auch der Anterschied in den Charakteren der südslawischen und nordslawischen Völlerschasten auf. Dieser Anterschied ist beträchtlich und ist viel bedeutender als der Anterschied zwischen den Ostpreußen und den Steiermärkern, der weitaus geringer ist, als die meisten Deutschen im Süden wie im Rorden meinen, auch in keinem Verhältnis zu dem Unterschiede zwischen Aftbayern und den übrigen Reichsdeutschen steht. So kommt es. daß die Zustände im Südosten uns in etwas milderem Lichte als diejenigen im Hellpach berichtet u. a. von einem Mann, „der, neben allerlei vagen Reizbarkeits- und Ermü- dungssymptomen auf körperlichem und seelischem Gebiet auch unvermittelt eine ihm und den Seinen vordem unbekannte Wetterreaktivität zeigte: schon bei mäßiger Gewitterschwüle Schwindel, Kopfdruck, Schlafstörungen, Anfähigkeit zur Gedankenkonzentration, dazu bange Beklemmung, Gefühl eines herannahenden Anglücks, Todesgedanken zwischendurch bis zu (ebenfalls vorher an ihm nie wahrgenommenen) Iähzornsausbrüchen steigende Gereiztheit und Verdrossenheit. Rach einiger Zeit führte ein Zufall die Entdeckung von Etter in der einen Oberkieferhöhle herbei. Rach dessen Eitt- femunq und rasch eingetretener Ausheilung der Höhle schwanden mit überraschender Geschwindigkeit alle neurasthenischen Beschwerden und mit ihnen die Wetterfühligkeit auf Rimmerwieder- kehr. Der Fall zeigt (so fügt Hellpach hinzu) mit sozusagen experimenteller Klarheit, wie hier offenbar das Kreisen von Eitergisten im Organismus eine allgemeine Sensittvierung und damit auch Wetterfühligkeit zu erzeugen vermag. Es ist selbstverständlich, daß Wetterempfindlichkeit, die übrigens fast immer angeboren ist, nur in Ausnahmefällen die im soeben erwähnten Beispiel angeführten pathologischen Merkmale zeigt. Im allgemeinen ist sie ehr Leidenszustand, der sich am deutlichsten kennzeichnet in der Gewitterfurcht vieler Menschen. Während bei den einen die Schwüle vor dem Gewitter den Leidenszustand verursacht und die Entladungen (Donner, D'.itz und Riederschlag) als Entspannung des Druckes empfunden werden, erhöhen bei andern gerade die grellen und lauten Entladungen das Angstgefühl und erst die dem Gewitter nachfolgende Abkühlung bringt die erlösende Entspannung. Ohne weiteres ist erkennbar, daß die Wetterempfindlichkeit sowohl nach der psychischen Seite (in der Erweckung von Anruhe und Angstzuständen), als auch nach der physischen Seite (durch Mattigkeit, unruhigen Schlaf bei Gewitterschwüle, Wundschmerz ulw.) sich ausprägt. Im übrigen sind unter den Menschen die Wetterfühligen, wie Prof. Hellpach, der gerade Rordosten erscheinen. Die deutschen Zeitungen in Steiermark vermeiden jeden Ausfall und die südslawischen versuchen, sich desselben Der- Hattens zu befleißigen. Aber es ist doch nur ein Schein. Richtig ist, daß die slawische Gefahr im Rordosten brutal, im Südosten dagegen wie ein schleichendes Gift austritt. Ein genaues Bild der Lage der Südmark entrollte die Behandlung des Minderheitenproblems zu Belgrad im Mai dieses Jahres. Der slowenische Abgeordnete Pivko bezeichnete das slowenische Schulwesen in Kärnten als ein Schandmal! Dcr deutsche Abgeordnete Stephan Kratt legte die Verhältnisse sachlich und objektiv klar. Dies reizte jedoch den ehemaligen Anterrichtsminister Pribicevie wie ein rotes Taschentuch den Truthahn. Er wars Deutsch- Oesterreich Kulturschande vor, desgleichen dem Deutschen Reick) in bezug auf die innerhalb Preußens lebenden Polen. Als nun Dr. Kraft betonte, daß ja die Lage der Deutschen in Süd- slawien viel schlimmer als diejenige ter Slowenen in Kärnten und die der Polen in Preußen sei, erklärte der Kulturverfechter geradeheraus: „Wir werden den Minderheiten die kulturelle Selbstverwaltung niemals gewähren: denn unsere Verfassung schreibt den staatlichen Anterricht vor!" Die Arfachen zu einem derartigen Verhaften sind nicht allein Haß auf das Deutschtum, sondern tatsächlich auch Beschränktheit in großer Dosis, sonst ginge ein solcher Mann zum mindesten etwas diplomatischer vor. Was in Graz jedem auffällt, der von Rorden kommt, das ist die ausgesprochene Betonung des Deutschtums. In Innsbruck sieht man schon die Schutzleute mit dem deutschen Helm, so daß man nicht auf den Gedanken kommt, jenseits der blau- weißen Grenzpfähle sich zu befinden. In Graz spürt man auf Schritt und Tritt das Bestreben der Einwohner und der Behörden, alles zu vermeiden und auszumerzen, was an „österreichische Schlampigkeit" erinnern oder als solche ausgelegt werden könnte. „Hart sein!" lautet die Losung der Südmärker. Das „Preußentum" gilt ihnen als das zunächst wirksamste Heilmittel gegen das slawische Gift. Daher auch die Blutsbrüderschaft der Stadt Graz, der führenden Großstadt der Südmark mit Königsberg, der preußischen Krönungsstadt, dem Geburts- und Wirkungsorte Kants. Freilich erhält man manchmal den Eindruck, als ob den Guten zuviel getan würde. Die Verordnungen sind zum Teil sehr streng. Freilaufen des Hundes auf der Landstraße, Betreten des Dahntörpers, Pflücken von Pi^en und Beeren im Walde wird mit drei bis fünf Schilling geahndet. Sowohl in der Stadt vorn Schuhmann, wie auf dem Lande vom Gendarmen erhält der Sünder für die auf dem Tatort sogleich bezahlte Strafe eine Quittung ausgehändigt, wie es vor dem Kriege in manchen Gegenden des Deutschen Reiches eingeführt war. Run, diese Aeberstrenge ist Sache der Steiermärler. Sie werden schon wissen, weshalb sie auf8 Ganze gehen. Man muß nur die höchste Achtung vor einem solchen Volle haben, das nichts anderes als deutsch fein, in feiner Hinsicht den Brüdern im Rorden nach- stehen will und erbarmungslos an sich selbst erzieht. Das Deutschtum hat dort unten zähe, unbestechliche Wächter, wie es sich keine besseren wünschen kann. Sie werden niemals im Kampfe mit den Slaven untergehen, sondern unter den schwersten und ungünstigsten Bedingungen siegen. Die Steiermärker führen den Spitznamen „die alpenländischen Preußen". Das erzählen einem die Bauern auf den Almen sogar mit Stolz. Es verdient überhaupt betont zu werden, daß das Bekenntnis zum Deutschtum bei allen deutschen Parteien der Südmark ohne Ausnahme und auch zum Großdeutschtum an der Spitze des Programms steht. Freilich gibt es auch Elemente, die weniger aus Feindschaft, als vielmehr aus Lust am Kritteln (es müßten keine Deutschen fein!) Opposition treiben. Ihre Anzahl ist aber verschwindend gering. In der Hauptsache sind es solche, die aus irgendwelchen, vor allem verwandtschaftlichen Gründen, den Slawen zuneigen. Der Spottvers: Steiermärker Preis) Steiermärker Lais (Läuse) schuf der Herrgott scheffelweis! der aus Amänderung eines anderen Spottverses entstanden ist, kann als lleines Zeitdokument für diese Gesinnung gelten. auf diesem Gebiet besonders eingehende und ergebnisreiche Forschungen angestellt hat. erwähnt, nicht gleichmäßig verteilt. „Sie sind (so schreibt er) in der nordeuropäischen „Rasse" am häufigsten, wahrscheinlich, weil ihr die an den Wettereinflüssen am stärksten beteiligten schwülen Wetterformen am ungewohntesten sind. Sie finden sich im männlichen Geschlecht entschieden zahlreicher als im weiblichen, wenigstens nach den subjektiven Erlebnissen zu urteilen. Endlich sind Kinder weniger wetterfühlig als Erwachsene, wiederum in subjektiver Hinsicht: die objektiven Wirkungen fehlen ja bei ihnen keineswegs, aber das Kind hat nur in lehr beschränktem Maß den Drang und die Fähigkeit, Schwankungen seiner Disponiertheit bestimmten Arsächlichkeiten richtig zuzurechnen. Kranke, Rekonvaleszenten, Rervös- gewordene, durch Lebensanforderungen in Erregung Versetzte, aber auch die Städter im Vergleich zu den Landmenschen sind wetterfühliger." Man hat die Arfachen des Wettersinns in den Luftdruckschwankungen, sowie in den Veränderungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit gesucht. Aber Beobachtungen haben ergeben, daß Wetterempfindlichkeit ganz unabhängig von der Höhe oder Tiefe des Luftdrucks sich zeigte. Raheliegend dagegen ist, daß Menschen, die an Rheumatismus leiden, gegen Luftfeuchtigkeit empfindlich sind. Dr. Pfaff (Saarbrücken) führt die Wetterempfindlichkeit des Menschen auf Schwankungen der luftelektrischen Leitfähigkeit zurück, die, wie er sagt, das Zentralnervensystem beeinflußt und ebenso die (im Lause des Jahres schwankende) Wärmeregelung des Körpers. Dr. Pfaff beruft sich bei seiner These, daß der Wettersinn auf elektrischer Grundlage beruht, auf die Deobachtungsergebnisse des Schweizer Physikers Dr. Huber, der bei vielen föhnempfindlichen Personen eine andere körper- elektrische Leitungsfähigkeit feststellte, als bei Personen, die gegen Föhn unempfindlich waren. Daß luftelekttische Störungen oder Schwankungen auf viele Menfchen eine bestimmte Wirkung aus- üben, darf als sicher angenommen werden. Die Ergebnisse, die bisher auf diesem äußerst intet* Das Deutsche Reich kann das Lor- unteren Voltsgenossen der Süd.nark sehr erleichtern, ohne daß dies nach außen hin besonders in Erscheinung tritt. Es bari eben bei Maßnahmen und Verhandlungen mit dem gleichen Feind des Ror- dens niemals das Schicksal ter Südmärker vergessen. Die Grenz- und Zoll^vleichterungen müßten schon in nächster Zeit bedeutend erweitert werden: denn die wirlschaftl.avi Verhältnisse besonders Steiermarts tonnen Lei den jetzigen Verordnungen nicht gedeihen. Alle Klelnlichkeits- trämerei muß schwinden, nicht aoer nur bei den Deutschen, sondern auch bei den österreichischen Behörden! Die Aushebung des Sichtvennerk- zwanges im Verkehr zwischen Deutschland unb Oesterreich hat den Aftenländern viele Vorteile und Einnahmen gebracht. Es brauch', nicht verschwiegen zu werden, daß manche Reichsdeutschen mit einigen kleinen Enttäuschungen aus Oesterreich zurückgekehrt sind. Run, Steiermark und Kärnten tragen daran keine wchuld. Die Reichsdeutschen, die in die Sommerfrische reifen, froh darüber, einem Zwange weniger zu unterliegen, ließen sich in der Hauptsache an der Grenze, in Salzburg, Salzkammergut und Tirol nieder. In einigen dieser Gegenden sah man im Deutschen den Ersatz für den Amerikaner. Das Hinterland jebo±. eben Steiermark und Kärnten, das unter günstigen Bedingungen dem norddeutschen Gast aufwarten wollte, blieb anfangs ganz vom Zustrom der Frenrden frei. Die Enttäuschungen haben also auch die Arsache im Verhalten der Reichsdeutschen. Das soll jedem eine Lehre sein, tiefer in die Alpenländer zu dringen und sich von dem kernigen Deutschtum der Südmärker zu über* zeugen Ungarischer Brief. Don Dr. Gustav E r e n y i. Budapest, August 1926. Heber die kurze kommunistische Epoche von 1919 haben sich mittlerweile neue Schichten gelagert. Sie war damals im völlig erschöpften und ausgeschöpsten Angarn kein Gesinnungs- durchbruch, sondern bloß ein mißlungener Trumpf gegen die ersten Vorzeichen des Trianoner Friedensdiktates gewesen, der erst später in ein pseudobolschewistisches Geflunker ausartete. Auf die Räteherrschaft von vier Monaten folgte eine nicht minder turbulente Reaktion, bis sich der Staatskurs allmählich wieder in die als heilig und unwandelbar erklärte Dorkriegsverfassung ein- renfte. Heute hat der Kommunismus im ungarischen Volle, ja selbst in Kreisen der städtischen Arbeiterschaft keine Rährwurzeln mehr. Ungarn darf getrost als das bolschewistenfeind- lich st e Land des Kontinents bezeichnet werden. Richtsdestoweniger brodelt es unter der Asche. In Opposittonszirkeln der äußersten Linken besteht die Sehnsucht nach dauernd kassierten Freiheitsrechten, im Arbeiterlager nach Duldung einer spannkräftigen Gewerkschaftsorganisatton. Zur Riederhaltung einer solchen Stimmung wurde die Anklage gegen Rakosi und seine dreißig Parteigenossen von oben regelrecht konstruiert. Was geschah? Der gewesene Dolkstommissär für Handel, Matthias Rakvsi, obschon auf ungarischem Boden streng verfolgt, schlich sich — aus Rußland und Oesterreich kommend — ins Land ein, und unterhielt hier mit einigen extrem gesinnten Jungarbeitern Verbindung, um — wie er behauptet — die Wiedererrichtung einer kommunistischen Partei auf Am- toegen zu ermöglichen. Alles andere: die Beziehungen der fozialistischen Propagandagruppe von Vagi und seinen Leuten zur Bewegung Rakosi, eine vorangegangene Agitationskampagne in Wien, wobei der mit Recht berüchtigte Bela Kun die Hauptrolle gespielt haben soll, bleibt bloße Vermutung. Letztere Version wurde anläßlich der Voruntersuchung von Rakosi selbst, der eine furchterweckende Renommiererei keineswegs verabscheut, aufgebracht, durch die Aussagen anderer Angeklagter jedoch entkräftet. Es handelte sich also im wesentlichen um eine bloße Fühlungnahme, doch war eine gewisse Steigung zur Auflehnung zweifellos vorhanden. Dieser Situation bemächtigte sich nun die Staatsanwaltschaft mit vollem Elan, um den anhaltenden „Kurs der starken Hand" durch die Tatsache einer noch immer nicht ausgeglommenen revolutionären Leidenschäft zu motivieren. In essonten Gebiet der psychophysischen Beeinflussung des Menschen durch das Wetter gewonnen worden sind, dürfen als wertvolle Vorarbeiten gelten und werden gewiß ein Anlaß sein, diese Forschungen fortzusehen und die Zusammenhänge weiter aufzullären. 3n der Telephonie voran! Die neuen automatischen Slemter, die jetzt in Berlin eröffnet worden sind, zeigen, daß das deutsche Fernsprechwesen bedeutende Verbesserungen erfährt. Rach dem Urteil eines englischen Fachmannes hat die Telephonie bei uns überhaupt so große Fortschritte gemacht, daß sie nur von den Vereinigten Staaten übertroffen wird, während England weit zurücksteht. Die größte Verbreitung hat das Telephon allerdings in Rordamerika. Rach dem neuesten Bericht besaßen die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1925 16 072 758 Telephone. Deutschland wies nach den letzten Zahlen 2 385 177 Telephonanschlüsse auf, während das Vereinigte englische Königreich nur 1 264 024 Anschlüsse hat. Auf je 100 Personen kommen in den Vereinigten Staaten mehr als 14 Telephone. Die Stadt Reuyork allein hat 1 315 368 Anschlüsse, also beträchtlich mehr als ganz Großbritannien. Während des letzten Jahres, für das Zahlen angegeben werden, betrug die Zunahme der Telephone in den Vereinigten Staaten 833 407, in Deutschland 142 845, in Großbritannien 115 929. „In England ist das Telephon ein Luxus der Reichen", sagt der Fachmann. „In Amertta, wo ed für je 6 oder 7 Personen ein Telephon gibt, benutzt tatsächlich jeder Arbeiter und jeder Bauer das Hörrohr. In England brennen große Landhäuser mit unschätzbaren Kunstwerten nieder, well man nicht telephonisch die Feuerwehr herbeirufen kann. Die Leute auf dem Lande müssen zu Fuß oder zu Pserd den Arzt holen, gerade wie tm Mittelalter." Die Vereinigten Staaten haben mit ihren 110 Millionen Einwohnern mehr als zweimal so viele Telephone als ganz Europa, das viermal so viel Einwohner hat. < einem Plädoyer Heß! es der SffenKche Ankläger an schärfsten Redewendungen gegen dieses „organisierte Verbrechergezücht" nicht fehlen, wogegen Rakofi und seine Genossen durch empha- üsche Hochrufe auf die Proletarierdiktatur Eindruck zu erwecken fugten. Richt ohne einen flammenden Protest von Henri Barbusse und etlicher deutscher Heißsporne- aus den linksradikalen Reihen der Kunst und Politik wurde über die Hauptangeklogten eine achtjährige Zuchthausstrafe verhängt. 3m Endeffekte zeitigte dieser Tribunenprozeß auf allen Seiten Mißklänge, die man gerade im öffentlichen Interesse besser erspart hätte. Aber eine solche höhere Taktik, politischen Extremen aus dem Weg zu gehen, indem man sie ungeschoren läßt, ist eben der neuungarischen Mentalität: noch immer nicht geläufig. Aus diesem Grunde gelangt sie schwer zu einem ausgleichenden Regime her Mitte. Indes tritt die Notwendigkeit einer alle Konjunkturgegensätze überwölbenden großen '..Mittelpartei an Stelle der gegenwärtigen rechtsgefärbten, aber weüig gelenken Regierungsmehrheit immer gebietender in den Vordergrund. . Der unentwegt rege Graf De thlen scheint auch beizeiten die Uebsrzeugung gewonnen zu haben, daß eine besonnene Linksschwenkung und eine Konzentrierung der gemäß igten Elemente unter den heutigen Verhältnissen zur Wiedererlangung den parlamentarischen Aktionsfähigkeit unumgänglich nötig sei und ließ durch einen früheren Ainanzminister KallaY auf inoffiziellem Wege die Werbetrommel schlagen. Das Resultat scheint^ einstweilen noch recht fraglich, just wie vor zwei Jahren, als Dethlen der in ein reaktionäres und radikal-demokratisches Lager gespaltenen Hauptstadt einen regierungsfreundlichen MittetTurs auf oktroyieren tooltte, es aber letzten Endes bei einem loyalen Oberbürgermeister bewenoeu lassen mußte, während die Linksopposition auf das amtliche Manöver mit einem überraschenden Machtvorstoß reagierte. Auch heute löste die Proklamierung einer gouvernementälen Mittelpartei vorerst eifrige Fusionsbestrebungen der verschiedenen öenvo- kratisch gesinnten Fraktionen aus, ohne daß die Regierungsaktion breite Schichten mit sich fort- gerissen hätte. Und doch würden vor cülem die dringlichen Agenten in wirtschaftspolitischer Hinsicht ein engeres Zusammengehen ütlkrr nüchtern veranlagten Elemeitte erheischen. Die vom Völkerbund verhängte Finanzkontrolle ist seit kurzem zum überwiegenden Teil aufgähoben — der Oberkommissar des Völkerbundes., der Amerikaner Ieremiah Smith, hat Dudcjpest endgültig verlassen. Eine neue Goldwährung, der sogenannte „Pengö". tritt zu Reujahr cm Werte von beiläufig 70 v. H. der Markwährwng in Kraft, und Rotendruckerei sowohl als Äkünzamt befinden sich bereits in voller Tätigkeit. Obwohl sich nun das Finanzwesen schon seit Jahr und Tag völlig stabilisiert und aktiviert hat, obwohl die Insolvenzwelle der jüngsten Monoite in langsamem Abflauen begriffen ist, kann die Wirtschaftslage keineswegs als günstig bezeichnet werden. Gxport- und Absatzstockungen erschweren das Fortkommen der Landwirte, Industriellen urid Kaufleute in gleichem Maße. Hierbei spielt in erster Reihe der Mangel an brauchbaren Handelsverträgen mit den Rachbarstaaten und das dadurch bedingte Zollchaos entscheidend mit. Besonders häufig wird nach dieser Richtung die T s ch e ch o s l o w a k e i angegriffen. Man verargt ihr den jüngsten Agrarzollerttwurf, der der ohnehin brachliegenden ungarischen Mühlen- in&uftrie einen wetteren empfindlichen Hieb versetzt, und beschuldigt die Prager Regierung, die nun schon seit öfterem ungarischerseits in Gang gebrachten Verhandlungen über einen auskömmlichen Handelsvertrag durch verschiedene Ausflüchte immer wieder vernichtet zu haben. Zurzeit stehen abermalige Besprechungen über ein provisorisches Wirtschaftsabkommen vor dem Abschluß, aber zugleich ist die ungarische Oeffent- lichkett durch angebliche Massenausweisungen von Ungarn aus der Slowakei und aus Karpathen» rußland nicht wenig irritiert. Es scheint fein bloßer Zufall, daß sich die Beziehungen Ungarns zu Jugoslawien und Rumänien während der letzten Monate relativ günsttger gestaltet haben. Mit Jugoslawien kam bereits ein zufriedenstellender Handelsvertrag zustande, überdies fand zwischen den bei- Doppelgänger. Don Friedrich Freksa. Als wieder einmal in Darmstadt die Schule der Weisheit tagte, hatten sich unter der Führung des Grafen Kuno Hardenberg ewige welt- läufige Männer abseits von Tagore und Getue der großen Menge geflüchtet. Die vibrierende 2uft der Tagung und der gute „Woi" trieb im Gespräch sonderliche Blüten. Und so erzählte ein Arzt, den ich mit B. bezeichnen will, folgendes: „Eine Radtour hatte mich auf den Heltweg geführt, jene uralte Heerstraße aus der Römerzeit, die sich durch das Westfälische zieht. Ich suchte einen Ort auf, aus dem meine Vorväter vor vielleicht sechs Generationen nach Roröen ausgewandert waren. Es war ein heißer Tag, an dem das Harz von den Bäumen tröpfelte, und unter den Kiefern ein leichter brandiger Geruch herrschte, ein Tag, der Durst verlieh, so daß ich, als ich den Ort erreicht hatte, froh war, ein kühles Wirtszimmer zu finden. Es fiel mir nicht weiter aus, daß das Mädchen, das mir leichtes Bier und Branntwein vorsetzte; mich vertraut als Herr Dottor begrüßte. Sie mochte wohl dem Fremden das Richtbäuerliche ansehen. Aber wie erstaunte ich, als ein kräftiger blonder Mensch mit der Strickjacke herzutrat und sagte: „Schon wieder find Sie da, Herr Dottor, und haben sich erst vor einer halben Stunde etwas geleistet!" Erstaunt erwiderte ich: „Sie ipren!" „Mer Herr Doktor B.", sagte er, „machen Sie doch keine Töncheä!" Woher wußte dieser, vorher nie gesehene Mensch meinen Ramen? Ich forschte: ".Wann haben wir uns gesehen?" Da wollte er sich aus- schütten vor Lachen, toäfjrenb er rief: „Der kleine Schuh Steinhäger isnn Ihnen doch nicht zu Kops gestiegen sein!" Jetzt stand ich auf, schritt auf den Rlann zu, und schaute dabei von ungefähr auf die zur grell beleuchteten Straße sich öffnenden Tür und gewahrte mein Ebenbild auf mich zuiommer, einen Mann, der genau den gleichen Pfeffer- und salz" farbenen Anzug tote ich trug, mit meinem blonden Kor', meinem kurzgeschnittenen Bart, meiner goldgeränderten Brille auf der Rase. Ein Spiegel n er die Tür geworden, und mein Spiegelbild kam geisterhaft abgelöst auf mich zu. den Rachbarstaaten ein Austausch der politischen Gefangenen statt, während sich die Bukarester Regierung anschickt, ein für die anderthalb Millionen auf neurumänischem Boden verschlagenen Ungarn erträgliches Minderheitsgesetz zu schaffen. Diese beiden Mitglieder der Kleinen Entente haben jüngstens einen engeren Anschluß an Italien gefunden. Aber auch das offizielle Ungarn macht bei Gelegenheit aus fafzistischen Sympathien fein Hehl und es hat den Anschein, als wenn der werbende Einfluß von Mussolinis Außenpolitik sich über Belgrad und Bukarest auch auf das Land der heiligen Stefanskrone erstrecken würde. Die Kleine Entente ist seinerzeit von Herrn Benesch nicht zuletzt zur Umklammerung Ungarns ins Leben gerufen worden. Doch gegenwärtig hat sich das Blatt anscheinend gewendet. Dem umzingelten Ungarn ist im süd- europäischen Staatengefüge immerhin der Vorzug sicher, gleichzeitig das Zünglein an der W a g e zu sein. Für die fernere Gestaltung der kontinentalen Geschicke kann es nicht gleichgültig sein, in welcher Weise der ungarische Staat diese Vorzugsstellung auszunuhen weiß. WerkZhrsbund Oberhsffen. Der erste Schritt zur Schaffung einer großzügigen, auf breiter Basis entwickelten Propaganda- und Aufbauorganisation zur Behebung der zahlreichen und gravierenden Verkehrsnöte unserer Provinz ist getan: der De r kehr s- bund Oberhessen, dessen unabweisliche Rot- wendigkeit vor kurzem an dieser Stelle ausführlich erörtert, und dessen Gründung nicht nur von uns auf das Dringendste gefordert wurde, wird in allernächster Zeit Wirklichkeit werden. Am Samstagnachmittag fand im Restaurant „Hindenburg" eine erste vorberatende Sitzung statt, die eine erfreulich lebhafte Beteiligung aus allen Teilen der Provinz gefunden hatte. Die Versammlung, in der die Provinzialdirektion und die Stadt Gießen, die Kreise der Provinz Oberhessen, eine große Anzahl von Städten, die Badeorte, die Verkehrsvereine, die beiden Industrie- und Handelskammern und der „Gießener Anzeiger" vertreten waren, wurde durch Pro- vinzialdirektor G r a c f eröffnet, der die Erschienenen herzlich willkommen hieß und einleitend ganz kurz auf die Rotwendigkeit eines Zusammenschlusses zwecks Wahrung der oberhessischen Verkehrsinteressen hinwies. im übrigen aber betonte, daß die geplante Organisation keine Spitze gegen beir bestehenden Hessischen Verkehrsverband in Darmstadt bilden solle. Das erste, informatorische Referat hielt sodann Redakteur B l u m s ch e i n vom „Gießener Anzeiger". Er begann seine Darlegungen mit Worten des Dankes an alle die Stellen, die am Zustandekommen dieses ersten Schrittes mitgearbeitet haben, insbesondere an Oberbürgermeister Keller, Gießen, de'sen weitgehendes Entgegenkommen den äußeren Geschäftsgang außerordentlich erleichtert habe. Was die zu schaffende Organisation selbst angeht, so führte der Redner aus, so soll sie nicht das mindeste mit Politik zu tun haben, ebensowenig aber auch mit irgendwelcher Vereinsmeiersti; vielmehr soll der bisher vermißte Zusammen- schluß von Kreisen, Städten, Landgemeinden, Badeverwaltungen, Derkehrsvereinen ufto. hep- beigefübrt werden zu einer großzügigen Fremden Werbung und zur Behebung der dringenden alten und neuen oberhefsifchen Verkehrsnöte und -sorgen im Eisenbahn-, Kraftpost- und Rundfahrtwesen. An der eminenten Rotwendigkeit eines solchen Zusammenschlusses i.st nicht mehr zu zweifeln: sie wird bewiesen durch den Widerhall, den der Aufruf des „Gießener Anzeigers" in der ganzen Provinz Oberhessen gefunden hat. Der inS Leben zu rufende Bund wird ein sehr umfassendes Arbeitsgebiet vorfinden, das im einzelnen zu gliedern und organisatorisch zu ordnen sein wird. Rur einige, vesonders bremtenbe Fragen sollen heute als Beispiel hervorgehoben werden. Da ist zunächst das sehr schwierige, sehr verzweigte un2> leider nicht mehr neue Eisenbahnproblem. Daß die Besorgnisse und Beschwerden in dieser Richtung nur allzu begründet sind, macht neuerdings ein Blick in den neuen Fahrplanentwurf deutlich. Man denke nur an ben V-Zugverkehr Gießen—Frankfurt. Hier sind überaus starke Einschränkungen vorgesehen: zwischen Gießen und Frankfurt sollen nahezu sämtliche Schnellzüge in Fortfall kommen, im großen und ganzen wird Gießen im Verkehr mit Frankfurt nur noch auf Perfonenzüge und beschleunigte Personenzüge verwiesen. Auch auf den Strecken Gießen—Fulda und Ridda—Schottei, sollen empfindliche Aende- rungert eintreten. Das find nur Beispiele für das, was unserer Provinz geboten wird. Hinzu kommen die alten Fahrplanschmerzen im Hinblick auf den Sonntags- und den Rahverkehr. All diese Fragen, die hier nur wahllos und beispielshalber genannt sind, fordern gemeinsame Arbeit. Hinzu kommen die Zukunftsfragen: der Redner erinnert nur an das Projekt einer zweiten Ouerbaljn durch öen Vogelsberg von Alsfeld über Groß- Felda nach Schotten. Hier liegen noch sehr bedeutende Möglichkeiten zur Hebung des Verkehrs nicht nur, sondern zugleich auch zur Besserung der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung, ganz abgesehen von der werbenden Kraft, die von einer planvollen, zielsicheren Verkehrserschließung ausgehen kann und muh. Ebenso viel Aufmerksamkeit ersordcrt das Kraftpostwefen. Dieses muß noch mehr als bisher ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang ist u. a. auch dahin zu streben, daß für die Kurgäste Rundfahrten nicht nur in den Taunus, sondern auch durch Oberhessen, insbesondere durch den Vogelsberg veranstaltet werden, damit diese Fremden nicht nur die Schönheiten des Taunus, sondern auch die des Vogelsberges und der oberhessischen Städtchen kennen lernen, selbst dorthin gehen zur Äachkur und schließlich in kommenden Jahren hier wieder Einkehr halten und andere Reiselustige darauf aufmerksam machen. Das Wirtschaftsleben der Städte und Ausflugsorte Oberhessens kann davon nur Vorteile haben. Als drittes Ware auf rege Fremdenwerbung hinzu- wirken. Wer die großen deutschen Zeitungen verfolgt, wird mit Bedauern immer wieder feit» stellen müssen, daß das Land Oberhessen, daß insbesondere der Vogelsberg mit seinen vielen landschaftlichen Schönheiten im Reiche wenig oder gar nicht bekannt zu sein scheint. Hier ist noch eine rührige, fruchtbringende Arbeit zu leisten, und zwar gemeinsame Arbeit auf breitester, umfassender Grundlage. Vereinzeltes Vorgehen würde die Kräfte zersplittern und wenig Erfolg bringen. Eine Arbeit übrigens, die heute nur angedeutet werden kann. Heute sollen nur die Vorbereitungen zur Gründung des Bundes getroffen werden. Zum Zwecke einer gedeihlicheren Arbeitsteilung schlägt der Redner die (spätere) Schaffung von Ausschüssen vor, zunächst etwa einen Eisenbahn-Ausschuß, einen Kraftposten- Ausschuh und einen Werbe-Ausschuß. Alle willigen Kräfte mühten zur Arbeit im Interesse unserer Provinz mobil gemacht werden und in tatfrohem Schaffen gemeinsam vorgehen. Dann werde auch der Erfolg schließlich nicht ausbleiben. Provinzialdirektor Graes dankte dem Referenten für seine Darlegungen und eröffnete dann die Aussprache. Als erster Diskussionsredner sprach der Präsident der Handelskammer Friedberg, Kommerzienrat Langsdorf: er wies ebenfalls auf die schweren Derkehrsmangel in Oberhessen eindringlich hin und berichtete über die bisher leider erfolglos gebliebenen Bemühungen bei der Reichsbahndirektion in Frankfurt a. M. Die Einstellungen unb Zusammenlegungen von v-Zügen nehmen uns die besten Verbindungen weg. Der Präsident der Handelskammer Gießen, Kommerzienrat Schirmer, bedauerte lebhaft, daß ihm bis heute noch kein Fahrplanentwurf von der Reichsbahn gugegangen sei, obwohl in aller Kürze eine Handelskammerversammlung angesetzt sei, die sich ganz speziell mit Fahrplanfragen zu befassen gedenkt. In kurzen Worten betonte sodann Regierungsrat Weber- Schotten die Dringlichkeit der baldigen Schaffung der geplanten Interessenorganifation. Als Vertreter oev Stadt Bad-Rauheim unterstrich Beigeordneter Kling- Dad-Rauheim die überaus lebhafte Anteilnahme, die Rauheim, der „Diamant Oberhessens", am künftigen Verkehrsbund nehme. Es fei höchste Zett, sich gegen die Deiseitedrückung in Verkehrsdingen zur Wehr In diesem Augenblick, meine Herren, glaubte ich selbst, verrückt zu sein. Es war mir, als ob die Sehnren meiner Knie durchgeschnitten wären. Ich verlor den Atem und sank zurück auf die Bank, so daß der mich stützende Wirt ausries: „Aber, H-rr Doktor, was ist Ihnen?" Er wandte sich nach irgendetwas um und gewahrte in demselben Augenblick mein Abbild, das gerade die zwei Stufen zur Türe herauf geschritten kam. „Wer ist nun der Doktor?" schrie der Wirt. In diesem Augenblick waren drei Menschen ratlos. Die Geschichte klärte sich sehr eigentümlich, wissenschaftlich vielleicht höchst interefsant, auf: Ein anderer Zweig des Geschlechtes war in der Gegend sitzengeblieben, und, Spiel des Zufalls oder der achtundvierzig Keimchromosone, mein Verwandter aus so und so viel Graden: sah mir so ähnlich, als wollte er einen persönlichen Leibzeugen für die Mendelschen Erbtheorien erbringen." „Das wissen die Chinesen schon lange!" tönte die Stimme des Sinologen dazwischen. „Sie sagen: acht Ahnen habe ich, der Rennte bin ich!" Ich berühre diese kleine Geschichte aus dem Seben, um dem Leser klar zu machen, was für eine magische, sonderbare Ungeheuerlichkeit einem Menschen sein Doppelgänger Darstellt. Bei Doktor B. wurde diese Ungeheuerlichkeit noch versöhnt, weil er gewissermaßen einen Vetter siebten, achten Grades gefunden hatte. Er verzieh dem anderen die absolute Aehnlichkeit, weil er ja doch die Entschuldigung des eigenen Blutes fand. Aber wie niederschmetternd und erniedrigend wirrt die Erscheinung eines anöereit, der einem gleich sieht, wenn er einem am Hellen Mittag auf der Tauenhienstrahe, der Iungfernstiege, der Zeil, am Gürzenich, in der Ludwigstrahe oder der Grimmaschen Straße begegnet! Uralte Sagen und Mären werden im Menschen wach, wie etwa der Fremde in dec eigenen ähnlichen Gestalt die Frau oder die Geliebte betört hat, oder vielleicht auch viel böser im modernen Sinne, das Vertrauen des eigenen Bankkassierers erschlich. In der Tat, der Doppelgänger erscheint dem Betreffenden als em Abgesandter der Hölle, bestimmt, den eigenen Sinn, die eigene Vernunft zu narren. Und in diesem schweren Sinne der eigenen verletzten Persönlich- fcit haben die Romantiker den Dovpesgänger aufgefaßt. Ein tiefes Zeugnis für die Gefühlsverwirrung. die er anrichten kann, sind E. T. A. Hoffnianns „Elixiere des Teufels". Wer einen Doppelgänger sieht, wird unbewußt von jenem Eittsetzen besaiten, seine Per- sönlichteit habe sich gespalten und ein entronnener Teil ginge als eigenes Wesen für sich in der Welt herum. Ueberall in den Auszeichnungen genialer und darum in den Rerveu erregbarer Menschen, finden wir Bekenntnisse der Art, daß sie sich selbst in Schrecken oder Ahnung doppelt gesehen hätten. So auch bei Goethe, da er im Jahre 1771 von seinem traurigen Abschiede von Friederike von Brion berichtet, als er sich selbst zu Pferde in einem bisher nicht getragenen hechtgrauen Kleid mit Gold begegnete, ein Kleid, in dem er nach 2ahren später wirklich noch einmal nach Sesen- heim ritt. Es gibt vernünftige Erklärungen auch für die goethische Halluzination. Wir wollen sie uns ersparen, weil wir nur die große Erschütterung zum Bewußtsein bringen möchten, die immer der Doppelgänger bei dem Betroffenen hervorruft. Aber tote jede Tragik auch ihre einige Komik findet, so ist es auch mit dem Doppelgängertum, wenn cs berühmte Leute betrifft. Diese Doppelgänger aus niederen Sphären scheinen Satyrbilder der Ratur zu sein, um den Großen. Bedeutenden und Mächtigen ihr allzu Menschliches vor Augen zu stellen. Bismarck hatte einen Doppelgänger in Berlin in einem in der Finanzwelt sehr bekannten Herrn, namens Mamroth, einen Onkel des bekannten Feuilletonschristleiters der Frankfurter Zeitung. Als der würdige Herr Mamroth in schwarzen: Leibrock mit weißer Binde und großem Schlapp - Hut an der Wache vom Brandenburger Tor vom Tiergarten herein vvrbeischritt, trat die Wache ins Gewehr. Dabei besaß Herr Mamroth durchaus nicht die riesige Statur des großen Kanzlers, nur die Zuge seines Kopfes. — Kaiser Wilhelm der Zweite besaß einen Doppelgänger, der einmal Paris in Aufregung versetzte. „Der Kaiser ist da!" hieß cs auf den Boulevards. Sn einem Ladengeschäft war am 24. Rovember 1925 der Herr von Doorn erkannt worden. In dec Tat war es ein hoher französischer Beamter der Republik aus Le Havre. — König Eduard Vll. besah feinen Doppelgänger in Herrn Percy Mar- sten. Dieser bedeutende Finanzier war sehr stolz, mit dem König verwechselt zu werden und hatte | zu sehen. Der Redner sicherte die kräftige Unfa> stühung der Stadt Rauheim ju und äußerte namens dec Stadt den Wunsch nach einer engen Zusammenarbeit der Organisation mit dem Hessischen Beckehrsverband und dem Frankfurter Deckehcsverein. PcovinzialdirektorGraes stimmte dem zu, betonte aber die, ebenso wie beim Luftverkehr, erforderliche und dringend zu wünschende Selbständigkeit des Bundes. Herr Heuhcn- r ö d c r - Bad Selters erinnerte an die stiefmütterliche Behandlung dec Linie Bilbel—Stockheim— Lauterbach und wünschte, daß die Organisation ohne Egoismus arbeiten und auch die entfernteren und ganz entlegenen Orte und Gegenden berüdfidjtigen und erfassen solle. Bürgermeister Dr. Jansen-Butzbach begrüßte ebenfalls die bevorstehende Gründung, die einfach eine Rot- wendigkeit sei, und überbrachte hierzu die besten Wunsche. Im gleichen Sinnr äußerten sich mit warmen Worten für den Bund Bürgermeister Walz- Lauterbach und Bürgermeister Menge!- Schotten, der zugleich für den verhinderten Vorsitzenden des V. H. C.. Dr. Dr uchhäuser. das Wort ergriff und die Vorschläge des Referenten B l u m s ch e i n guthieß. Ebenso sprach Bürgermeister Böhm- Laubach insbesondere für den vernachlässigten Vogelsberg, den man endlich kennenlernen müsse, und kündigte den Beitritt von Laubach und Gedern an. Redakteur Blum schein dankte in seinem Schlußwort für die einstimmige Bereitwilligkeit zur Gründung des Bundes, der selbstverständlich gleichmäßig die Interessen der ganzen Provinz wahrnehmen solle. Unter Leitung von Provinzialdirettor Graef wurde sodann ein vorbereitender Organisations-Ausschuß gewählt, der sich aus zwölf Herren zu- sammenseht. Diese Herren sind: 1. Vorsitzender: Beigeordneter Dr. Hamm, Gießen, 2. Vorst: Bürgermeister Dr. V ö l s i n g, Alsfeld, Schriftführer : Redakteur Blumscheiu, Gießen, dazu als Beisitzer: Oberregierungsrat Dr. Heß, Gießen, Bürgermeister Dr. Seyd, Friedberg, Geheimrat R ö m h e l d, Ridda, Kaufmann D i e h m, Lauterbach, Bürgermeister Mengest Schotten. Beigeordneter P loch, Butzbach Bürgermeister H i l d n e r, Büdingen, Bürgermeister Dr. Rie- poth, Schlitz, und Bürgermeister Dr. Kayßer, Bad-Rauheim. Dieser Organisattonsausschuß soll lediglich die organisatorischen Grundlagen des Bundes ausarbeiten und hierüber einer endgültigen Gründungsverfammlung Bericht erstatten. Die Zusammensetzung dieses Ausschusses greift der des Bundesvorstandes in keiner Weise vor. Der Vorstand wird nach der Konstituierung des Bundes erst noch gewählt. Rach herzlichen Dankesworten des Referenten Blum sch ein an Provinzialdirektor Graef schloß dieser die Sitzung mit den besten Wünschen für die neue Organisation. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau".) Dienstag, 24. August. 4.30 bis 5.45 Uhr. Konzert des Hausorchesters: „Aus Großmutters Zeit", Alte Tanzmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.45 bis 7.15 Uhr: Uebertragung von Kassel: „Sprechkunst und Sprechchor". 7.15 bis 7.45 Uhr: „Die chinesische Sprache und ihre Literatur", Vortrag von Dr. C. H. Schütz. 7.45 bis 8.15 Uhr: Schachstunde. 8.15 Uhr: „Im weihen Rößl". Anschließend: Reue Schallplatten. Geschäftliches. Alljährlich gehen viele hundert Millionen an gutem deutschen (Selbe nach Holland, Dänemark usw. für ausländische Butter und Schmal,;, weil dec Konsum in teurer Molkereibutter in Deutschland weit größer ist, als die Erzeugung. Man fragt sich: Ist eine solche jeden Einzelnen benachteiligende Schmälerung des deutschen Nationalvermögens wirklich notwendig? Kann der Mehrbedarf nicht durch vollwertige einheimische Erzeugnisse wie die nahrhafte „Rama-Margarine-butkerfeln" bestritten werden? Wir würden alle bei dec Losung gewinnen: Keinen Pfennig mehc ins Ausland für teure Auslandware, wenn deutsche Erzeugnisse preiswert und gut zu haben sind. es sehr gern, wenn er in den Kaffeehäusern mit „God save the king“ begrüßt wurde. — Mir selbst begegnete es in meinem dceiundzwan- zigsterr Jahre gelegentlich einer Uraufführung in München, das; ich bei der Generalprobe in den Kulissen des Theaters einen schwarzbärtigen, bebrillten Herrn traf, den ich für meinen Bekannten und Gönner, den Drauereibesiher Herrn Ziegler aus Dachau, ansprach und kräftig die Hand schüttelte. In Wirklichkeit war es der theaterfrcund- liche Prinz Ferdinand von Bayern, dec diese Doppelgängerschaft mit vielem Humor hinnahm. In der Tat haben die Leute, die ihre Aehnlichkeit mit bedeutenden Tagespersonen erkennen, den Ehrgeiz, sich diesen so ähnlich wie möglich zu machen. Richt schwer fiel es dem Josef Urfacher, dem Hüttenwart im Wiener Wald, der eine außerordentliche natürliche Aehnlichkeit mit Kaiser Franz Joseph besaß. Die Iägertracht tat das Uebrige, nur Die Hutsorm mußte er möglichst ähnlich der des Kaisers wählen. Pietor Callni sah Theodore Roosevelt und Johann Merling, aus Heiligenstadl, ein ehrsamer Dachdeckermeister, Ohm Krüger, dem großen Präsidenten von Transvaal ähnlich. Der Zar und der Herzog von Vock hätten sich beinahe austaufchen können. Austen Chamberlain, der heutige Minister des Auswärtigen Amtes, ähnelt sehr stark feinem Vater, dem großen Joe, dessen Begabung er aber nicht geerbt hat. Doch trägt er sich peinlich nach Dem Muster des Vaters mit Monokel und Gardenie im Knopfloch. Lustig ist es. daß ein Pariser Lebemann dem König von Spanien ähnlich sieht. Zeppelin hatte ebenfalls einen Doppelgänger, wie Carnegie und Victor Hugo die ihren. Auch unser großer Reichspräsident Hindenburg hat seinen Doppelgänger. Die Anhänger der Theorie, daß solche Ähnlichkeiten fick auch im Charakter, wenn auch in einem minderen Ich widerspiegeln, wissen, wenn sie in die ernsten, pflichtgetreuen Züge dieses Doppelgängers blicken, daß dieser Qllamt dauernd unter schwerer Verantwortung gestanden hat. Heute ist er Stellwerkmeister a. D. Und ebenso, wie auf dem großen Weichensteller des deutschen Volkes hat auch auf ihm die Verantwortung für Tausende gelastet, wenn er die Weichen für feine Züge stellen mußte. Er trägt allo die charakterologisch bezeichneten Gesichtszüge unftres Präsidenten nicht umsonst. Turnen, Sport und Spiel. Leichtathletik. Der leichtathletische Dreiländer- kampf in Basel wurde von Deutschland überlegen gewonnen. Die Endergebnisse lauten: Deutschland Sieger mit 127V3 Punkten. 2. Frankreich 39' ... 3. Schweiz 63 Punkte. Ter deutsche Sieg war durchaus verdient. Aber nicht nur den Ländrrkamps hat Deutschland gewonnen, sondern auch zwei neue deutsche Rekorde wurden in Basel ausgestellt. Sn der 4, 100- Meter-Slaffel lief die deutsche Mannschaft Treibholz. Wege. Ho üben. Körnig mit 41.8 Sek. und in der 4x4OO-Meter-©taffel die Mannschaft Faist. Schmidt. E n g eist a r d t und Dr. Pelher mit 3.17.4 Min. einen deutschen Rekord. Leichtathletische Wettkämpfe in Gießen. £ Auf ^dcm Sportplatz der Spielocreinigung 1900 tarnct? am Sonntag die leichtathletischen Wett tämpfe des \ Bezirks (9. Kreis) des Arbeiter.Sport Bundes zum Austrag. Der Beginn der Dorkcimpsc. der um 8 Uhr festgesetzt war. verzögerte sich etwas, so daß die ganze Abwicklung des sehr reichhaltigen iporilichen Programms etwas in die Länge gezogen wurde. Die Endkämpfe am Nachmittag hatten ein zahlreiches Publikum angelockt, die die mitunter recht spannenden und erbittert umstrittenen Entscheidungen mit großem Interesse und viel Beifall verfolgten. Das Wetter ließ sich, besonders am Nachmittag, einigermaßen an, allerdings machte sich der heftige Wind unangenehm bemerkbar, und manches Resultat wurde dadurch ungünstig beeinflußt. Die gezeigten Leistungen befriedigten allgemein wenn man berücksichtigt, daß es sich hier nur um Sportler handelt, die ausnahmslos dem Arbeiterstande angehören. Die Resultate zeitigten folgendes Ergebnis: Mehrkämpfe. Fünfkampf für Sportler: 1. Artur Kröck. Heuchelheim. 241 P., 2. Otto Bach. Heuchelheim, 228 P.. 3. Otto Klinkei. Lollar. 218 P. Dreikampf für Altersklasse: 1. Wilhelm Wolf. Gießen, 175 P., 2. August Kunze- müller, Gießen. 132 P., 3. Ernst Ruppcl. Gießen, 127 P. Dreikampf für Sportler über 18 Jahre: 1. Gustav Lust, Gleiberg. 206 P., 2. Anton Rabenau. Allendorf a. d. Lda.. 174 P., 3. Karl Römer, Gießen. 172 P. Vierkampf f ü r Sugendliche (0 8 bis 10): 1. Richard Schäfer. Gießen. 372 P, 2. Georg Kraft, Alsfeld, 349 P.. 3. Willi Sparr, Gießen, 337 P Bierkampf f ü r Sportler, Jugend 11 — 12: 1. Ernst Pausch. Krofdorf, 296 P.. 2. Heinrich Hederich. Kinzenbach, 233 P., 3. Ernst Kreiling. Heuchelheim. 227 P. Bierkampf für Sportlerinnen Über 18 Sah re: 1. Renate Göbler. Gleiberg, 234 P.. 2. Lina Wilhelm. Lllsfeld, 168 P..3. Lina Wurstius, Alsfeld. 148 P B i erkämpf für Sportlerinnen unter 18 Sahren: 1. Emilie Lindenstruth, Heuchelheim, 253 P., 2. Anna Leib, Gleiberg, 216 P., 3. Anna Jung. Krofdorf, 210 P. Einzelkämpsc für Sportlerinnen. 75-Meter-Laus: 1. Anna Sung. Krofdorf. 10,4 Set., 2. Mine Seel, Gleiberg, 11 ©cf., 3. Emilie Lindenstruth, Heuchelheim. 11,2 Sek. 100-Meter-Lauf: 1. Renate Göbler, Gleiberg, 14.2 Sek., 2. Emmi Leib, Gleiberg, 14,3 Sek., 3. Lina Wurstius, Alsfeld. 15,1 Sek. 200-Meter-Lauf: 1. Renate Göbler. Gleiberg. 30.2 Sek., 2. Lina Wilhelm. Alsfeld, 31 Sek. Hochsprung: 1. Renale Göbler, Gleiberg, 1,27 Meter. 2. Lina Wurstius. Alsfeld und Lina Wilhelm. Alsfeld. 1.22 Meter. 3. Emmi Lindenstruth, Heuchelheim und Anna Sung. Krofdorf. 1.17 Meter. Schleuderball: 1. Emilie Lindenstruth, Heuchelheim. 27,20 Meter, 2. Renate Göbler. Gleiberg. 27,17 Meter. 3. Elfriede Borichel, Gießen. 24.97 Meter. Einzelkämpse für Iugendsportler. Speerwerfen: 1. Emil Gaub, Oppenrod. 38.65 Meter, 2. Gustav Pfaff. Launsbach, 35,32 Meter. 3. Wilhelm Hirschhäuser. Odenhausen. 34,45 Meter. Dreisprung: 1. Rudolf Oßwald. Wieseck. 10,05 Meter 2. Emil Gaub. Oppenrod. 10,03 Meter. 3. Heinrich Becker. Krofdorf. 10,02 Meter. Außer Konkurrenz: Philipp Deisler. Sprendlingen, 10,39 Meter. Hochsprung: 1. Heinrich Becker. Kros- dors, 1.60 Meter. 2. Emil Gaub. Oppenrod, 1,54 Meter. 3. Bernhard Roth. Oppenrod. 140 Meter. 1500-Meter-Lauf: 1. Wilhelm Steiß. Ovenhausen. 4:45,1 Min., 2. Karl Wilke. Gießen. 4:50,2 Min. Außer Konkurrenz: Georg Richter. Sprendlingen, 4:46 Min. 100-Meter-Lauf: 1. Heinrich Becker, Krofdorf, und Richard Schäfer, Gießen. 12,2 Sek. 2. Karl Klinke!. Lollar. 13 Sek. 3. Ernst Becht- hold. Krofdorf, 13.1 Sek. Einzelkämpfe fär Sportler. 100-Meter-Laus: 1. Karl Römer, Gießen. 11,3 Sek. 2. Gustav Lust. Gleiberg. 11.4 Sek. Außer Konkurrenz: Bruno Tage Sprend- üngen, 11,2 Sek. 400-Meter-Laus: 1. Gustav Lust. Gleiberg. 58,4 Sek. 2. Otto Bach. Heuchelheim. 1:01 Min. Außer Konkurrenz: Sohann Löfsler. Sprendlingen. 56,1 Sek. 1500-Meter-Laus: 1. Otto Balser, Gießen, 4:34,1 Min. 2. Otto Eckstein. Alsfeld. 4 46,1 Min. 3. Alfred Schleenbecker, Heuchelheim. 4:53.2 Min. 3000-Meter-Laus: 1. Otto Balser. Gießen. 9:59,2 Min. 2. Otto Eckstein. Alsfeld, 10:23,3 Min. 3. August Spamer, Sprendlingen, 10:7 Win. Dreisprung: 1. Braun. Staufenberg, 10,40 Meter. 2. Gustav Lust, Gleiberg, 10.19 Meter. 3. Arthur Kröck. Heuchelheim. 10,07 Meter. Außer Konkurrenz: Sohann Löffler. Sprendlingen. 11,17 Meter. Hochsprung: 1. Karl Mulch. Annerod. Sakob Kunz. Wehlar. Wilhelm Kämmerer. Wißmar. 1,52 Meter. Stabhochsprung: 1. W. Bechlinger. Rodheim. 2,90 Meter. 2. Rudolf Pfaff. Launsbach. 2,60 Meter. 3. Wilhelm Hirichhäuser, Odenhausen. 2,50 Meter. Kugelstoßen: 1. Wilhelm Schwarz, Annerod, 10,25 Meter. 2. Gustav Göbler. Gleiberg, 9,00 Meter. 3. Artur Kröck, Heuchelheim. Braun. Staufenberg. 8.60 Meter. Außer Konkurrenz: Sohann Löffler, Sprendlingen, 8,60 Meter. Diskuswerfen: 1. Wilhelm Schwarz. Annerod. 30,20 Meter. 2. Ma? Roack. Marburg. 25.10 Meter. 3. Sakob Kunz, Wehlar. 24,45 Meter. Außer Konkurrenz: Sohann Löffler, Sprendlingen, 25,30 Meter. Speerwerfen: 1. Wilh. Schwarz. Annerod. 34,70 Meter. 2. Gustav Göbler. Gleiberg. 34,45 Meter. 3. Braun. Staufenberg, 34,31 Meter. Hammerwerfen: 1. Wilhelm Schwarz. Annerod. 22,71 Meter. 2. Willi Sparr, Gießen, 17.55 Meter. 3. Ernst Rüspeler, Gießen, 17,42 Meter. Schleuderball: 1. Wilhelm Schwarz, Annerod, 50,45 Meter, 2. Gustav Göbler, Gleiberg, 48,10 Meter, 3. Robert Mandler. Heuchelheim, 41,10 Meter. Außer Konkurrenz: Soh. Löffler, Sprendlingen, 41,10 Meter. Staffel-Läuse. 4xl00-Meter-Staffel für Sportler: 1. Gießen 49,4 Sek.. 2 Heuchelheim 51,4 Sekunden, 3. Launsbach 53,3 Sek. Außer Konkurrenz 47,4 Sek. 3X200-Meter- Staffel: 1. Gießen 1:17 2 Min., 2. Heuchelheim 1:19,3 Min. Außer Konkurrenz: Sprendlingen 1:13,1 Min. 3X1000- Meter-Staffel’ 1. Gießen 9:15,4 Min., 2. Marburg 9:33 Min., Oppenrod 10:06,1 Min. Olympische Staffel: 1. Gießen 4: 14 Min., 2. Gleiberg 4:17,1 Min., 3. Heuchelheim 4:22 Minuten. Außer Konkurrenz- Sprendlingen 4:3,1 Minuten. Jugend. 4 100 -Meter-Staffel: 1. Gießen 50,4 Sek.. 2. Krofdorf 51.2 Sek.. 3. Oben- häufen 51.4 Sek. Außer Konkurrenz Sprendlingen 51,2 Sek. Schweden st affel: 1. Gießen 2:27 Min . 2. Gleiberg 2:34 Min. Außer Konkurrenz: Sprendlingen 2:22,2 Min. Sportlerinnen. 5 50 - Meter- Staffel: 1. Gleiberg 38.4 Sekt.. 2.- Gießen 39 Sek. Kleine olympische Staffel: 1. Gleiberg 1:4,4 Min., 2. Gießen 1:8 Min. Fußball. Bietzen — Heidelberg. L Cs ist schon eine geraume Seit her. daß Gießen in Heidelberg weilte und sich dortselbst eine 5:1-Riederlage holte. Sn dem am Sonntag stattgehabten Rückspiel wurde nun diele Niederlage mit verhältnismäßig leichter Mühe ausgeglichen. Gießen gewann das Tressen 7:1 und hätte bequem höher gewinnen können, denn Heidelberg entsprach nicht mehr den Erwartungen, besonders in der zweiten Halbzeit wurde das Spiel recht lasch durchgeführt. Möglich, daß die Gäste den sehr steinigen Platz scheuten und Berlehungen vermeiden wollten, nachdem durch diesen Umstand schon in der ersten Halbzeit em Spieler von ihnen ausscheiden muhte. Möglich ist auch, daß sie durch zwei vom Tormann verschuldete Tore entmutigt waren. Angenehm emp- sunden wurde die faire Durchführung des Spiels, von Heidelberg wurde es wohl etwas zu weich gespielt. Vom Anstoß weg setzte sich zunächst Heidelberg durch, so daß es den Anschein hatte, als ob Gießen wiederum den kürzeren ziehen mühte. Beide Mannschasten spielten zunächst recht nervös. Der Dann wurde gebrochen, als Gießen nach einem raumgreis enden Durchbruch durch den Halblinken in Führung gehen konnte. Heidelberg zeigte wiederum recht schone Leistungen, besonders der Linksaußen verstand es immer, sich freizu- spielen. An der Gießener Verteidigung fanden sie jedoch ein schwer zu überwindendes Hindernis, die war in glänzender Form, zudem ließen die Angriffe der Gäste die nötige Durchschlagskraft vermissen. Giehen brach abermals durch und der präzise Torschuß erhöhte den Vorsprung auf 2 Tore. Bald darauf verschenkten sie einen Elfmeter. 10 Minuten vor Schluß der ersten Halbzeit zeigten die Gäste eine hervorragende Leistung, das in wunderschöner Kombination erziecke Tor. das das einzige bleiben sollte, war wohl das schönste des Spiels. Einige Zeit vorher mußte ein Spieler der Heidelberger infolge einer durch einen Sturz zugezogenen Knieverletzung ausscheiden. War bis dahin der Ausgang noch zweifelhaft, so zeigte die zweite Halbzeit recht bald ein klares Bild. Heidelberg schien sich schonen zu wollen, während andererseits die Gießener Kombinationsmaschine ausgezeichnet funktionierte. Zunächst wehrte sich Heidelberg noch erfolgreich. Gießen jedoch, unterstützt durch den recht heftigen Wind kam kaum noch aus der gegnerischen Spielhälfte heraus. Das folgende dritte Tor für Giehen hatte der etwas unentschlossene Tormann Heidelbergs verschuldet, der Balt wurde gemütlich vom Wind iirs Tor getrieben. Auch das vierte Tor hätte ohne weiteres vermieden werden können, wenn sich der Tormann nicht als Feldspieler probiert hätte, allerdings muhte die Verteidigung auch etwas mehr auf der Hut sein. Bei diesem Vorsprung der Gießener wurde das Spiel von den Gästen kaum noch ernst durchgeführt, die Gießener Hintermannschaft blieb fest unbeschäftigt. Ohne besonders große Anstrenaungen wurde das fünfte Tor erzielt, dem in kurzen Zwischenräumen das sechste und siebte Tor folgte. Der Rest des Spieles flaute mehr und mehr ab, Gießen ließ ebenfalls sehr nach, jedenfalls, um die Riederlage nicht allzu hoch werden zu lassen. Der Schlußpfiff des Schiedsrichters machte einem Spiel ein Ende, von deck man sich, offen gesagt, mehr versprochen hatte. Es wurden zwar beiderseits recht ansprechende Leistungen gezeigt, aber dein ganzen fehlte notwendiger Elan — ein Gesellschaftsspiel vornehmster Art! V. s. B. Die Alte-Herreninannschaft zeigt seit geraumer Zeit einen Spieleifer, der lobende Anerkennung verdient. Snfolge Fehlens gleicher Mannschaften bei den benachbarten Vereinen müssen sie sich hin und wieder aktive Mannschaften als Gegner aussuchen, um sich sortlich betätigen zu können. Gestern war es die 2. Mannschaft Heuchelheims, der sich die alten Semester auf dortigem Plan verschrieben hatten. Angesichts der Altersverschiedcnheit beider Mannschaften war allgemein mit einem Sieg Heuchelheims gerechnet worden. Daß Gießen trotzdem gewinnen, ja sogar einen 8:2-Sieg lanben konnte, zeugt, trotz des Ersahmittelläufers, von beachtenswerter Spielstarke und dürs der Mannschaft mit Recht als Erfolg gebucht werden. Das Spiel wurde von beiden ©eiten in ruhiger und fairer Weise durchgesührt. Trotz des lebhaften Kampfes wurden nur zwei Strafstöße, deren Ursache übrigens unbeabsichtigt war, verschuldet, was der Sportdisziplin beider Gegner, besonders der des unterlegenen, das beste Zeugnis ausstellt. Anläßlich des obenerwähnten Umstandes betreffs Mangels an geeigneten Gegnern sei hier einmal empfohlen, sich mit den gleichen Vereinigungen der nächsten Vereine, etwa: Spielvereinigung 1900, F. E. 05 und B. C. 10 Wetzlar, Vereinigte und Germania Marburg und V. f. R. Butzbach zwecks Bildung einer Art Interessengemeinschaft in Verbindung zu setzen. Es wäre dies ein Weg, der zur Wiederbelebung des A.-H.-Sports im Lahntreis führt, was den beteiligten Vereinen sicherlich nicht zum Schaden gereichte. Denn trotz allem Fortschritt können die 3ungen von den Alten immer noch mancherlei lernen. Vielleicht könnte mit einer Pokalrunde Versuch und Anfang gemacht werden. Sportverein 1920 Heuchelheim - Yol.-Sportverein Friedberg 2:3 cf. Zu dem ersten Gesellschaftsspiel nach der großen Sommerpause hatte sich der hiesige Sportverein die erste Mannschaft des Polizei-Sportvereins Friedberg verpflichtet. Friedberg (teilt eine sehr gute Mannschaft, welche körperlich stark überlegen war. Das Resultat von 2:3 ist für Heuchelheim sehr schmeichelhaft. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß h. mit drei Ersatzleuten spielte, was eine oollftäiuDige Umstellung der Mannschaft bedingte, und daß weiterhin der sehr gute Halblinke gleich zu Anfang verletzt das Spielfeld verlassen mußte, und erst nach Halbzeit wieder, aber nur als Statist, mitwirken konnte. Snsolgedessen spielte Friedberg stark überlegen. Daß der Torunterschied nicht größer wurde, hat Heuchelheim seinem ganz hervorragend spielenden Tormann zu verdanken Ebenfalls gut Bei Heuchelheim waren die beiden Verteidiger, der rechte und der Mittelläufer. Der Sturm spielte ganz unter Form. Wenn die Mannschaft bei den jetzt einsetzenden Verbandsspielen einigermaßen -gut abschneiden will, so muß sie, besonders im Sturm. bedeutend eifriger spielen. Einen Kamps um den Ball sah man heute fast nie im Sturm. Bei Friedberg war der Mittelläufer und der linke Verteidiger besonders gut. Sm übrigen war die Mannschaft ausgeglichen, sehr eifrig und, waS besonders erwähnt werden muß, sehr fair. Schwimmen. Die Europa - Schwimm - Meisterschaften. do. Der vierte Tag der Europameisterschaften im Schwimmen brachte die Entscheidung im 400= Meter-Freistil, das erwartungsgemäß Arne D o r g- Schweden als Sieger sah. Deutschland konnte hierbei seht gut abschneiden, denn es gelang Heinrich, den zweiten Platz vor seinem Landsmann B e r = q e s zu belegen. Auch bei den Dorläufen im 100= Meter-Nuckenschwimmen, 100-Meter-Freistilschwim- men und im Kunstspringen waren die deutschen Vertreter stets unter den Ersten zu finden. Im Stampf um den Europapokal ist Deutschland führend. Mit 43 P. steht es an der opihe, gefolgt von Schweden mit 28 P., Ungarn 10 P., Oesterreich 8 P., Belgien 5 P. und Sturm in Schmalebeck Roman von phie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b.H., Berlin. 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Diesseits stieß der Doktorgarten an den Fluß. Seine Lindenlaube war immer voll Wasserfeuchte und Grasgeruch. Neben dem Garten lag ebenfalls eine Wiese, die zugleich den Abschluß des Pfarrgartens bildete; denn der ging nur bis zur Hälfte am Doktorgrundstück hin. Und die Wiese war beiden Familien zugleich die Bleiche für Wäsche und frischgewebtes Leinen. Juchzen und Lachen war am Wasser und im . Wasser. Aenne, Gitta und Hans platschten an der Schmale herum, füllten die Gießkannen und sprengten das Seinen, das Weber Kempe vor drei Tagen abgeliefert hatte. In der Laube saß Ilse und beaufsichtigte die Gesellschaft. Sie hatte einen Stoß Handlicher vor sich und nähte feine Hohlsäume an die Mschlußränder. Nähmaschinen kannte man nicht, und alle Wäscheschätze wurden mit zierlichen Stichen wie ein kleines Kunstwerk behandelt. Sie träumte dabei, bis ein lauteres Geschrei ihrer Trabanten sie auffahren ließ. Der Apfelichimmel! Mitten in der Schmale stand er, das Wasser blitzte um seine Hufen, sein Reiter schlug mit der Reitgerte nieder, daß die Tropfen stoben, und die Rottmanns- kinder halloten vor Bergnügen. „Hier darf keiner herüber!" rief Aenne. „Hier ist ein Privatgarten!" „Keiner darf 'rüber!" echote Hans. „Ich will aber gerade in den Garten. Der sieht mir so aus, als wohnte eine Prinzessin hinter den Rosen." „Die Prinzessinnen find wir!" rief Brigitte dreist. „Ach, ihr seid nur die kleinen Hofdamen! Eure Herrin — sie ist dunkel wie eine Italienerin. Und ihre Augen sind wie schwarze Edelsteine. Und wenn sie lacht, trillern alle Lerchen im Himmel. Da lachte das Trio schmetternd los. Lachte so arg, daß der braune Hans die Balance verlor und sich mitten in der Schmale niedersetzte. Die Wellen spritzten hoch, schalten leise, rannten eiliger — die Schwestern einzuholen —, und hinten hinein in die blauen Leinenhosen und vorn wieder heraus strömten die flinken Gesellen. „Steh doch auf, du wirst ja ganz naß!" rief der Reiter. „Leg' ich mich auf die Wiese und trocken wieder!" „So? Nun, wenn du solche Sachen gewohnt bist--" Er brach jäh ab. Da stand ja seine Prinzessin in der Laube, sah herüber zum Bach, und ihre Augen funkelten vor Vergnügen. So hatte sie sicher schon die ganze Zeit gestanden. Hatte alles mit angehört — Olaf Hammersmid ließ den Ajax mit drei Schritten an das Ufer traben, schwang sich herab, warf den Zügel über einen Ast und neigte vor seiner Herrin das Knie. „Der blonde Page meldet sich zum Dienst bei seiner Königin!" „Stehen Sie doch auf! Was für ein Unsinn! Die Kinder!" Aenne und Gitta starrten mit großen Augen die Szene an. „Euer Hoheit Damen wollten mir den Eintritt verwehren, aber ich drang sieghaft über Gräben und Mauern!" „Wenn Sie meinen Eltern einen Besuch machen wollen — mein Bater ist auf Praxis, und meine Mutter kocht Erdbeeren ein!" „Aus der Romantik in die Proscn — Nein, ick werde mir erlauben, den Besuch am Sonntag in der vorgeschriebenen Toilette zu machen. Alles zu seiner Zeit. Und jetzt eben — ich meine, es war nun Zeit für ein wenig Sommersehnsucht." „Sehnsucht ist fein gangbarer Artikel in Schmalebeck, Herr von Hammersmid. Dazu ist die Kost zu real und der Tag zu sehr voll Arbeit. Sehnsucht ist etwas für Leute, die nichts zu tun haben." Der schlanke, junge Mensch, blond, elastisch wie die dänischen Kavaliere seit manchen hundert Jahren schon gewesen, setzte sich auf die Rindenbank neben seine Prinzessin, und als sie mechanisch nach der Näherei griff, legte er seine Hand zwingend auf ihre Finger. „Nicht die Nadel rühren, wenn das Herz — es spricht so süß von Sommer und Sehnsucht. Und von all der blauen Ferne. — Oh, eure deutschen Dichter, sie kennen die Sehnsucht. Eichendorfs — lieben Sie Eichendorff? — Und der Heine, der so süße Lieder fingen kann! — Lesen Sie Heine?" „Er redet mir zu viel von Blumen und Sternen und Tauben und —" „Frauen sollen immer reden davon. Von Blumen und Sternen! Frauen sind Blumen und Sterne." Seine heißen, schlanken Finger wichen nichi von den ihren. Immer fester wurde ihr Druck. Das Blut pulste so stark gegen die Haut, daß jeder Pulsschlag hinüberglitt in ihre Nerven. Ilse versuchte die eigenen Finger fortzuziehen. Es wurde ihr heiß und unruhig bei diesem Gefangensein. Aber sofort faßte der Jüngling fester zu. LSoU ich Ihnen nicht ein kleines Berschen sagen von ihm? Ich liebe es sehr: Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne, Die liebt ich einst alle mit Liebeswonne. Jetzt lieb' ich von allen nur noch die ein —" Gellendes Geschrei auf der Bleiche. Ilse federte förmlich in die Höhe. Die verstrickten Hände flogen von selber auseinander, beide stürzten aus der Lindenlaube. Und ihnen entgegen kam Aenne gejagt, die Augen vor Entsetzen weit aufgerissen, den Mund verzerrt, Schreitöne fürchterlichster Angst aus- stoßend. Sie warf sich Ilse um den Hals, Hämmerte ihre Arme eisensest und stieß verzweifelt hervor: „Nimm ihn weg! Nimm ihn weg!" „Was beim? Was beim? — Aenne, um Gottes willen, was ist dir passiert? Besinn dich doch." „Nimm ihn weg, nimm ihn weg! Hu, oh huh, — auf meinem Rücken! Er krabbelt. Er hupst! Ilse, o — ah — der Heuschreck —" Von der Wiese ein höhnisches Geschrei: „Ist ja all lange weggesprungen. Aetsch! Letsch!" „Dumme Gören!" So zornig war die große Schwester noch nie gewesen. „Immer müßt ihr einen in Angst jagen. — Verzeihen Sie, Herr von Hammersmid, Sie müssen einen netten Begriff von uns bekommen. Sei doch endlich still!" Ein derber Puff in Aennes Seite ließ die sich von der Schwester lösen. , Du bist die Aelteste und schämst dich gar nicht!" „Und du knuffst einen noch, wenn man zu dir kommt. 3 gilt, i gilt, du bist ja nett geworden in Kiel." Wütend ging sic zu den Geschwistern zurück und packte Hans in die Haare. „Du hast ihn mir ange- setzt. Du saßt immer all das widerliche Zeug an. Weil ich dir die große Gießkanne nicht gegeben habe. O du gräßlicher Junge!" Der Braune hatte die dicken Patschen vor dem Magen gefaltet. Seine dunklen Beerenaugen blitz'cn vor heimlicher Freude trotz der zerrenden Schwe- fiernfinger. „Das war die gerechte Strafe Gottes." „Wollen wir uns nicht wieder in die Laube setzen, Fröken Rottmann?" Aber Jlsebill sah Frau Pastor Jessen über die Bleiche kommen und hinter ihr Friederike, und sie wußte, diese Schäferstunde hatte ein Ende gefunden, ehe sie noch recht begonnen. „Ick muß nach dem Leinen sehen, Herr von Hammersmid. Jetzt ist der Junge schon mit den Füßen auf den neuen Tischtüchern. Kommen Sie gut nach Hause und grüßen Sie bitte Ihre verehrte Frau Tante." Die letzten Worte wurden mit erhobener Stimme gesprochen. Frau Pastor Jessen machte schon so lange Augen. Mochte sie hören, daß es hier nichts zu vertuschen gab. Wieder spritzte das Wasser blitzend auf. Die Hufen klapperten auf den Kieseln. Ajax warf den Kops, und von drüben her grüßte der schlanke Reiter noch einmal mit tiefem Kopfneigen und einem Heben der Reitpeitsche. „War das nicht der Herr von Hammersmid?" fragte Helene Jessen und schickte ihre Blicke hinter dem Reiter her. Was für ein merkwürdiges Benehmen, hier durch den Fluß zu reiten. Wollte er euch besuchen?" „Es war mehr Zufall. — Guten Tag, Riekchen. Schlepp' doch nicht allein mit dem schweren Korb. Ich saß mit an." „Ach, laß uns . . ." „Och laß nur. Ich hab ihn ja schon so weit getragen." Sie setzte sich nieder und stand, starkknochig und gesund, mitten zwischen der Wiesen- und Wäschepracht. „Soll ich hier gleich austegen, Mutter?" Frau Pastor Jessen sah sich unschlüsfig um. Un- schliissigkeit war der Stempel iyres Lebens. Riekchen fragte auch nur der Form wegen. Fest hineingroi- send in die Wäscheballen, warf sie einen auf den Boden, rollte ihn mit schnellen Händen auseinander und befestigte die Enden an den eingeschla» genen Pflöcken. (Fortsetzung fotfit) Sieh Di Federal Berliner Börse. den heutigen 78-88 76-88 49-80 64-82 77-87 72-85 68-82 65-84 70-85 58-86 72-87 Banknote n. (Ohne Gewähr.) Berlin Bremen Breslau Chemnitz Dortmund Dresden Düsseldorf Elberfeld Essen Frankfurt M. Hamburg Hannover Hufum Karlsruhe Kastel Kiel Köln Leipzig Magdeburg Mannheim München Stettin Stuttgart Zwickau Schweine 75-86 63-78 66-80 72-85 77-84 65-86 68-83 75-85 70-82 65-84 66-82 72-83 Rt Soiü nicht et wurden. Sogar Affen, echte afrikanische Makaken, hat man in unseren Wäldern ausgesetzt. Diese zahlreiche Affenkolonie mußte jedoch wegen Tollwutverdachtes abge- schossen werden, und heute erinnert nur noch eine 3i/2 Meter hohe Sandsteinsäule bei Windhausen in der Rähe von Kassel an diese Tat des hes- fischen Dtaatsministers Marlin Ernst von Schliefen. Aus Kalifornien brachte man die Keinen Schvpfwachteln zu uns, die viel Geld verschlungen haben: chinesische Silber-, Gold- und Ringfasanen liefen anstatt im Zoologischen Garten im deutschen Wald spazieren, und die Pflege, deren unsere heimischen Wildhühner so dringend bedürfen, verwendete man auf afrikanische Perlhühner und iwrdamerikanische Truthähne. Man hat die schwarzen Schwäne Australiens, asiatische und amerikanische Enten zu uns gebracht, und machte in unseren schönsten Revieren indische AxiShirsche. japanische Sika. nordamerikanische Wapitis und Altaihirsche heimisch. Das sibirische Reh wurde ein Bewohner unserer Wälder und die skandinavischen Renntiere kamen in den Harz und auf die Kurische Rchrung. AN diese Einbürgerungsversuche, die doch nur Spielereien sind, erscheinen ebenso sinnlos wie die von chinesischen Rachtt- «allen, australischen Wellensittichen, amerikanischen Kardinalen uird gelben Kanarienvögeln. Während unsere Teichwirte mit dem grünen Wat- serfrosch schon genug zu tun haben, setzten merkwürdige Raturfreunde auch noch den doppelt so groben und gefrähigen Ochsenfrosch Amerikas aus. Anstatt unsere Sumpfschildkröte wieder einzubürgern. griff man in Bayern zur japanischen Schnappschildkröte, und im Tegeler Forst hat man sogar eine erhebliche Anzahl von Scheltopusiks, einer gefährlichen groben Blindschleichenart. und von schr bissigen südeuropäischen Zornschlangen ausgesetzt. M 2 W Aich lohn, Hfl mfol Fer Ans cichi Wick Tag- Volk fihü Wk richt $rufi tert) In Ge Unter Tages die A neu,: rates 5). nehme bunt Dud der l Wss ich fr sied gari sinan fenu Aegi, zur e auf b saßt, niens, ner fr Wei des L Tie [i chr to foffl biete 'M fonde lern ftanbi Ahe ihre ■ bishe! setzte fremt biete die ! gelas also jedvi der raubi Setri ‘.iogei und : Kinze! des Rhein für di insofei für e tann. darf Frei Erlcnü len w 2er' gerät mit nur Dero flieg« boten Dew blatt das de; L toitf) t v>ied °ezir arbeite l'chen über ( erreich Sandal durch W S wen M ; und ( grob« pacol« !'ch g ninerf Tebiei betrtet Mera Kbeit Mn, ™bten 1 bis 40 Millionen gegenübersteht, die vorläufig em* geführt werden sollen, wird sich die Kursbildung und insbesondere die Frage der Zuteilung jedenfalls außerordentlich schwierig gestalten. Man rechnet damit, dah erst in den späten Nachmittags- stunden die Entscheidung über Notierung ober Streichung fallen wird. Die übrigen Märkte traten heute vollständig in den Hintergrund. Das Geschäft war sehr ruhig. Die Spekulation schritt am Montanmarkte und an anderen Märkten, denen sie bisher größeres Interesse zugewandt halte, zu Rec.lis*tionen in der Annahme, daß mit der Einführung der Stahlwerksaktien di: Welle oorübergegongen sei. Die Tendenz war daher außerordentlich schwach. Die Kurse zahlreicher Terminpapiere und der favorisierten Nebenwerte waren um 4 Proz. abgeschwächt. Eine Ausnahme bildeten K a l i o k t i e n, die etwa 2 Prozent höher einsetzten. Der Geldmarkt ist fast unverändert. Tagesgeld 3* bis 5 Prozent. Im D c d isenverkehr traten nennenswerte Kurs- nercinderungen nicht ein. Paris gegen London 170. Mailand war stärker aba.'schwächt mit 150 gegen das Pfund. FraEurter SchLachLv^^rnarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M.. 23. Aug. Auftrieb. 404 Rinder (darunter 340 Ochsen. 64 Bullen). 460 Kalter. 51 Schafe, 4025 Schweine. Rinder (Odjfcn); Vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlao)tchertö 58 bis 63, junge, fleischige, nicht ost.^emäsle^e und ältere ausgemästete 50 bis 57, 9 genährte junge und gut genährte ältere 40. 49: (Bullen): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Sch lacht Werts 50 bis 56, voll-- jüngere 45 bis 49; (Färsen und Kühe), vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 58 bis 62, vollfleischige ausqe- mastete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu - 7 wahren 52 bis 57, wenig gut entwickelte Missen 47 bis 57, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 42 bis 57. mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 50, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 29. — Kälber: Feinste Mastkälber 75 bis 80, mittlere Mast- und beste Saugkälber 64 bis 74, geringere Mast- und gute Saugkälber 58 bis 63. geringe Eaug- tälber 48 bis 55. — Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 48 bis 52, geringere Masthämmel und Schafe 40 bis 47. Schweine: BoMeischige von 80 bis 100 Kilogramm 83 bis 85. unter 80 Kilogramm 76 bis 82, von 100 bis 150 Kilo- ramm 83 bis 85, Fettschweine über 150 Kilogramm 82 bis 84, unreine Sauen und geschnittene Eber 70. — M a r kt v e r l a u f: Rinder wurden bei mäßig regem, Kleinvieh bei regem Handel ausverkauft. Bei Schweinen verbleibt bei schleppendem Handel Aeberstand. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 23. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, neuer Ernte, 28,75 Mark: Roggen, inländischer, neuer Ernte, 21 bis 21,75; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26; Hafer, inländischer, 19,25 bis 20; Hafer, ausländischer, 20,50 bis 21,75; Mais, gelb, 18,25; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 41,75 bis 42,50; Roggenmehl 31,75 bis 32,50; Weizenkleie 8,75; Roggenkleie 10 bis 10,25; Erbsen 32 bis 48; Linsen 45 bis 75; ■’öeu, süddeutsches, gut, trocken 7 bis 7,50; Weizen- und Roggenstroh, alt, 5,50 bis 6, neu, 3,50 bis 4; Treber, getrocknet, 15 Mark. Tendenz: fester. Buntes Allerlei. „Lästige Ausländer" in deutschen Wäldern. Die furchtbaren Schäden, die durch die Ein- 1* uUn^ ungerichtet worden sind, haften uns noch lebendig im Gedächtnis. Man lallte aber aus dieser Erfahrung lernen und gegen vas sinnlose Etnburgern ausländischer Tiere in unserer Ratur einschreiten. Dies fordert Dr. Erich 3^°b^ÄnJ2.nr. Cinlm Aufsatz der Zeitschrift Der Raturforscher" und verlangt, daß wenigstens d,e Einburgerungsversuche von der Zustimmung der betreffenden Ministerien abhängig gemacht werden. Heutzutage kann jeder beliebige Tiere einführen, und es ist darin schon viel gesündigt worden. Eine der größten Geschmacksverirrungen war die Einbürgerung australischer Känguruhs in der Lausitz und in der Rheinprovinz Diese Hopser dehnteii ihre Streifzüge bis zum Taunus und in die Eifel aus und richteten Diel Unheil an. bevor sie von Wilddieben restlos ver. 'Deutsch Reserve-Dank meldet dem „Prakt. Amerikadienst" zufolge weitere 5 Millionen Dollar zur Ausfuhr nach Deutschland für die Reichsbank an. Bekanntlich wurden in der Vorwoche bereits 7.5 Millionen Dollar übersandt. Es handelt sich bei diesen Geldbewegungen um eine Verringerung der Golddepots, die die Reichsbank bei einigen ausländischen Rotenbanken besitzt. ~ Berlin, 23. August. Die für ! Tag vorgesehene Einführung der Vereinig t e n Stahlwerke-Aktien bildete einen sensationellen Auftakt der neuen Börsenwock-e Die Vorzeichnunben hatten schon am Samstag einen außergewöhnlichen Umfang angenommen der erkennen ließ, daß große Konzernzeichnunaen Vorlagen, und daß eine starke Repartierung Dorgenommen werden muß. Heute war der Andrang der Börsenvertreter zum Abgeben von Kaus- orders so groß, daß die Makler ihre Arbeit nicht mehr bewältigen- konnten und der Börsenvorstand ein besonderes Zimmer zur Entgegennahme der Kaufauftrage in Bereinigten Stahlwerke-Aktien zur Verfügung stellen mußte, vor dem die Bank- Vertreter in dichten Reihen anstanden. Es muß damit gerechnet werden, daß eine Ersatznotiz über- tjaugt nicht erfolgen kann. Bei der folgenden Nachfrage, die in die Milliarden geschätzt wird, und der ein Angebot von nur 30 Büchertifch. — Friedrich Rückert Gedichte. Herausgegeben von Dr. L. Magon. Mit vier Bildtafeln. (Verlag Strecker & Schröder, Stuttgart. In Leinen 3,50, in Halbleder 5,50 Mk.) Den vielen Freunden Ruckertscher Lyrik wird hier aus der Hand eines hervorragenden Rückert- forschers ein Band geboten, der das Bezeichnendste und Wertvollste aus seiner Lyrik her- aushebt. Die Gedichte sind nach einem einheitlichen und wohlerwogenen Plan aneinander- gereiht. Wo zwischen einem bekannten und einem noch wenig bekannten Gedich-t zu wählen war. hat sich der Herausgeber für das letztere entschieden. So fehlt manches Gedicht, das man sonst in einer Rückertauswahl findet, dafür ist manches Gedicht abgedruckt, das der Kenner der Rückertschen Lyrik bisher in allen Rückertantho- logien schmerzlich vermißte. Diese neue Ausgabe wird in ihrer vorbildlichen Ausstattung dem Lyriker Rückert weite Kreise erobern. 437 — „Stickereien und Spitze n", Blätter für kunstliebende Frauen. Alexander Koch, Darmstadt. — Sn der Hauptsache bringt das Augustheft Proben von Tülkstickereien aus der Werkstatt Emmy Swehdrisek-Prochaska. Wien; duftige Gebilde, Vorhänge, Decken und Einsätze aus zartem Material von phantasievollen Blumenmustern durchzogen. Die Arbeiten der Gewerbeschule des Selle-Vereins sind derber und handgreiflicher. sie suchen in Formengebung und Ausführung Anregung im frühen Mittelalter. Kleine Plaudereien in gepflegter Sprache unterstreichen die Tendenz der Zeitschrift, Dinge des täglichen Gebrauchs solide und besonders zu gestalten. Die Photographien sind ausgezeichnet, eine farbige Beilage gibt einen drolligen gestickten Teewärmer mit Motiven aus dem Märchenbuch. — »Das Leben" (Heft 3, Leipziger Verlagsdruckerei G. m. b. H. Dorrn. Fischer & Kürsten. Leipzig). — „Das Leben" war. als es zuerst erschien, eine sehr lesbare Sammlung von Skizzen aller Art und für jeden Geschmack. Seht unterscheidet cs sich in nichts von anderen Magazinen. Zwei ernste Erzählungen — eine davon stofflich wie formal sehr hübsch — eine komische und der Schluß eines recht amerikanischen Romans sind der Rest von ehemals. Dazu kommen Plaudereien, Anekdoten, pikante Histörchen und vor allem Photographien mehr ober minder verhüllter schöner Frauen, um baS Heft zu füllen und interessant zu machen. — Die Sllustrierte Zeitung (Verlag S. 3. Weber, Leipzig) behandelt in der Rümmer 4248 in einem längeren Beitrag u. a. die Ausstellung im Münchener Glaspalast und gibt in Bilderbeispielen den mannigfaltigen Charakter ' dec diesjährigen Schau anschaulich wieder. Die Kunst des Tanzens kommt in dem Beitrag „Das Russisch-Romantische Ballett" von Eva Oräfin von Baudissin zu Worte. Die Pracht der Blumen tritt in einem illustrierten Artikel „Orchideen' von Hans Brehmer leuchtend vors Auge. An einen alten Vorposten deutscher Kultur erinnert der Beitrag „Rarwa in Estland". 3is Reich der Raturwissenschaften schlagen die Beiträge ..Thunfischfang im Mittelmexr" und „Sonderbares aus dem Berliner Aquarium*. . < 5% Deutsche RcichSonleihe . 4'/° Deutsche Neichsanlciye . B*A% Deutsche Reichsanlethe 8% Deutsche Reichsanlcihe . Deutsche Sparprämienanleihe 4% Preußische KonsolS • . . 4% Hessen........ 3*/,% Hessen 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Aoircilug.’) 4% Zolltürken 5°/o Goldinerilana .... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Prtvat-Bank Daiinst. und Naftonalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Bercinsbank .... Diöconto Commandit Mrtallbaok........... Mitteldeutsche Credttbank. . Ocslerreichische Creditaustalt. Weltbank............ Bochumer «Suß ....... BuderuS............ Caro . »-Luxemburg...... irdiener Bergwerke . . Harpener Bergbau...... Kaliwerke AscherSlebeu.... Kaliwerk Westeregeln. . . . . Laurahütte........... Oberbedarf .......... Phönir Bergbau ...... Rbeinstahl........... Nie deck Montau ....... Tellus Bergbau...... . Homburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . , Cheramische Werke Albin . . Kwsntwerk Heioelberg . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mäher Alapin . . 9- ®. Farbenindnstric, Ä.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerkc Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Tesellschaft Bergmann , Matnkraftwerke..... Schockett . ....... Siemens 4 HalSve lldlcrwerlc Kicher ..... Daimler Ntotorcn. ..... Hehligcnstardt......... Meguin............. Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . . Schuhfabrik Herz Sichel.............. Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . Devisenmarkt Der! Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Wirtschaft. Don den Schlachtviehmärkien. An den deutschen Schlachtviehmärkten der Woche kennzeichnet sich die Marktlage im Wochendurchschnitt der unten angeführten Plätze als etwas weniger günstig als in der Vorwoche. In den Auftriebsziffern sind nennenswerte Verschiebungen nicht etngetreten. Die Preise hielten sich, ckbgesehen von geringfügigen örtlichen Schwankungen, etwa auf dem Riveau der Doraufgegangenen Woche. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: aftien, die ihre Aufwärtsbewegung um 1 bis 1,5 Prozent fortsetzten. Stuttgartzucker plus 2,5 Prozent. Deutsche Anleihen lagen weiter lust- Von ausländischen Renten konnten sich Türken etwas bessern. Der F r e i v e r k c h r mar sehr still. Benz 88,5, Brown Boveri 123, Gro- mag 60, Entreprise 7,5, Ufa 41, Ufra 91,5, Deutsche Petroleum 78, frankfurter Handelsbank 90 Proz. Im weiteren Verlaufe setzten sich bei belanglosen Umsätzen die Abschwächungen, besonders am Montan- und Farbenmarkte, fort. Tagcsgeld mar beute wieder etwas leichter erhältlich. Für Monatsgeld hörte man einen Satz von 5,25 bis 7,5 Prozent 3m Devisenverkehr lagen die westlichen ,yranfenualuten mäßig erholt. Paris gegen London 169,25, Brüssel gegen London 175,75. Mailand war Dagegen schwächer mit 149 gegen das Pfund. Börsenkurse. (Ohne Gewäßr.) * 3. G. Farben-Industrie A. G., Frankfurt a. M. Wie aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, errichtet die 3. G. Farben- Fndustrie in Duisburg ein Unternehmen, das sich mit der Herstellung von Sauerstoff aus der Luft befassen soll. Das Werk in Duisburg ist bereits seit drei Monaten im Bau. 3n spätestens einem Monat soll der Betrieb zuerst in kleinerem Umfang ausgenommen werden. Das Gesamtgelände beträgt zirka 30 000 Quadratmeter Frankfurter Börse. Frankfurt, 23. Aug. Tendenz: Schwächer. — Die Börsenlage läßt sich auch zu Wochenbeginn als unsicher bezeichnen. Starke Abgaben verursachten eine vom Montanmarkt ausgehende, nach unten neigende Tendenz, die fast den ganzen Markt beeinflußte. Die Spekulation beobachtete große Zurückhaltung, wozu sie sich auch durch die Zeichnungen aus die Aktien der Vereinigten Stahlwerke-A.-G. veranlaßt sah, und es ließ sich erkennen, daß sie das Bestreben des Publikums, das eher auf der Verkäuferseite stand, unterstützte. Nachdem im Frühverkehr von Bureau zu Bureau noch recht hohe Kurse genannt morden waren, setzte die Vorbörse bereits mit ganz empfindlichen Einbußen, die sich bei Beginn des amtlichen Verkehrs noch verstärkten. Am M 0 n t a n m a r f t verloren Deutsch-Lux und Buderus je 3 Proz., Gelsenkirchen 2,7, Harpener 4,5, Mansfelder 4,2 Proz. Einige Werte hatten dagegen leichte Besserungen zu verzeichnen, so Mannesmann plus 0,5 und Riebeck-Montan plus 4 Proz. Von Kaliaktien zogen Westeregeln um 2 Prozent an. Rhein. Braunkohlen 3 Proz. schwächer. Das Interesse für 9. G. Farbenindustrie hat sich wesentlich vermindert. Der Kurs dieses Papieres unterlag Schwankungen und ging im Verlaufe auf 289 Prozent zuruck, also minus 4 Prozent. Die anderen Chemiewerke waren um 1 bis 2 Prozent gedrückt Holzverkohlung senkten sich auf ihren früheren Stand von 55,5 Prozent. E l e k t r 0 a k t i c n hatten zumeist Einbußen von 1 big 2 P r 0 z Zu verzeichnen. Am Bankenmarkt erlitten Darmstadter Bank infolge großen Angebots einen Sturz von 7 Proz. Auch die anbereti Bankaktien waren 1 bis 2 Proz. schwächer. Metallbank gehalten. Bayri che Hypotheken konnten 1,5 Prozent anziehen. Schiffahrtsaktien lagen 2 bis 3 Prozent schwächer. Auto- und Maschinenaktien waren nur mafjig rückgängig. Baustoffaktien verloren etwa Prozent. Von Zellstoffaktien hatten Waldhof eine starke Einbuße von 6 Prozent aufzuweisen. Oel- aktien tendierten etwa 3 Prozent niedriger Ein erfreulicheres Bild bot der Markt der Zucker- Tschechoslowakei 2 P. 5m Wasserballspiel, wo nur noch die Begegnung Ungarn—Schweden .umsteht, nimmt Deutschland den dritten Platz ein. hier ist die Reihenfolge zur Zeit: 1. Ungarn 4 P., Schweden, 3 P., 3. D e u t s ch l a n d 2 P., 4. Bel- gien 1 P. Die Entscheidung im 400°Meter-Freistilschwim° men hatte folgende Ergebnisse: 1. Arne Borg- Schweden 5:14,2, 2. Heinrich- Deutschland 5:21,6, 1 Berges- Deutschland 5:25,6. In den Vorläu- Fen über 100-Meter-Rücken belegten die Deutschen den zweiten und dritten Platz. Hier waren die Ergebnisse: 1. und 2. Lundayl - Schweden und Bartha-Ungarn in totem Rennen 1:17, 3. Trenschel - Deutschland 1:19. 2. Vorkauf: 1. Bitskey-Ungarn 1:16,8, 2. Fr 0 lich -Deutschland 1:17,4. Im Kunstspringen waren die deutschen Vertreter ihren übrigen Gegnern weit überlegen und konnten in beiden Vorläufen die ersten Plätze einnehmen. Die Ergebnisse sind: 1. Vorlauf: 1. Mund- Deutschland 181,10 P., 2. Oeberg - Schweden 152,32 P., 3. Staudi n- g e r - Oesterreich 141,54 P. 2. Vorlauf: 1. Dr. Lechnir - Deutschland 182,44 P., 2. Arnold- Oesterreich 155,74 P. 3. Balaß - Tschechoslowakei 153,60. In Den Vorläufen über 100-Meter-Frei- ft i l konnten die Deutschen Vertreter jedesmal den zweiten Platz einnehmen und so die Berechtigung zur Teilnahme an der Entscheidung erringen. Im 1. Vorlauf traten nur der Schwede Arne Borg und Heinrich- Deutschland an. Die hierbei erzielte Zeit entspricht nicht den Leistungen beider. Die Ergebnisse: 1. Vorlauf: 1. Arne Borg- Schweden 1:08,6, 2. Heinrich-Deutschland 1:09,6. 2. Vorlauf: 1. Barany - Ungarn 1:02,6, 2. W e r- n e r • Schweden 1:04,6. 3. Vorlauf: 1. G a d 0 r f f y- Ungam 1:04,4, 2. Heitmann - Deutschland 1:06,4. In die Entscheidung kommen: Arne Borg, Heinrich, Barany, Werner, Gaborffy, Heitmann und als schnellster Dritter P 0 l l i. Der letzte Tag der Europa-Schwimm-Meister- schäften ergaben einen glänzenden Sieg Deutschlands. In jedem Rennen war es den deutschen Schwimmern gelungen, sich die Berechtigung zur Teilnahme an den Endkämpfen zu erringen und Damit im Kampf um Den Europa-Pokal sich wertvolle Punkte zu sichern. Im K u n st s p r i n- g e n wurde der deutsche Meister Mund mit 186,42 Punkten Europameister vor seinem Landsmann Dr. Lechnir und dem Tschechen B a l a c s. Auch die einzige Staffel, die zum Austrag gebracht wurde — 4 mal 200-Meter-Frei ft il-Schwim- men — sah die deutschen Vertreter in Front. Sie siegten mit der Mannschaft Heinrich, Heitmann, Berges, Rademacher in der Zeit von 9 Min. 52,2 Sek. vor Ungarn und Schweden. Der Gietzener Schwimmverein erfolgreich in Offenbach. 12 Zum Gau-Iugendfest des Kreises V Gau 1 des Deutschen Schwimmverbandes konnte der Gießener Schwimmverein leider nur eine ganz geringe Zahl von Meldungen abgeben, da an demselben Tag Der Schwimm- und Rudersport-Werbe- tag in Gießen stattfanD. Um so erfreulicher ist cs, daß Den wenigen nach Offenbach entsanDten Iugend- schwimmern schöne Erfolge beschieDen waren. Die Knabenlagenstaffel 3mal 50 Meter, Die Die Gießener Mannschaft (Lesch, Rau, Herbert) infolge Der schlechten ZugverbinDung im Alleingang nachschwimmen mußte, sah Den Gießener S. V. mit '/io Sekunde hinter Offenbach 96 auf dem zweiten Platz vor den Vereinen von Darmstadt, Frankfurt und Hanau. Willi Rau wurde im Knabenfreistilschwimmen (100 Meter) mit 1 Minute 21 Sekunden überlegener Sieger vor Schwarz (Darmstadt) mit • 1 Min. 32 Sek. Im Jugendbrustschwimmen (100 Meter) gelang es Rolf Kraft, bei 21 Meldungen den Dritten Platz in 1 Min. 37,5 Sek. zu belegen. Radsport. Strahen-Radfernsahrt „Unser August Lehr". Der Frankfurter Bycicle-Club veranstaltete am Sonntag zum dritten Male die Straßen- Rabfernfahrt ?Unfcr August Lehr" über 210 Km. Die Strecke führte von Frankfurt über Soden, Königstein. Wehrheim, Rodheim, Vilbel zur Hauptkontrolle nach Frankfurt, wo eine 20 Min.-- Zwangspause innezuhalten war. Von da aus ging es über Offenbach, Seligenstadt, Obern bürg, Reinheim, Darmstadt, Mörfeldeir zum Frankfurter Stadion. Morgens um 6,30 Ahr starteten die O, B- und -^-Gruppe in einem Abstand von je drei Minuten. Schon bei Soden sind die O unb B-Fahrer von den Fahrern der Gruppe A eingeholt. 3n scharfem Tempo werden nun die Berge bewältigt und kurz nach 10 LIHr zeichneten sich in der Hauptkontrolle Frankfurck-Eintracht- sportplatz die Ersten, G u g a u und Z e i h n e r. ein. Oluf dem zweiten Teil der Fahrt begann nun ein allgemeines Bummeln der Fahrer. Der Grund ist wohl auch zum Teil darauf zurückzu- führen, daß Gugau kurz nach Seligenstadt Ketten- schaden erlitt und das Rennen aufgeben mußte. Somit war der Favorit des Rennens ausge- schieden. Zweifellos hätte er mehr Leben in die Fahrer gebracht. Es bildet sich nun auf dem letzten Teil der Strecke eine starke Spitzengruppe von 12 Mann, die das Rennen geschlossen nach Hause fuhren. Kurz vor dem Ziel konnte dann 'm getoattigen Spurt Ze iß ner (Schweinfurt) als Sieger das Rennen beenden. Ergebnisse: 1 Meißner-Schweinfurt, 2. Otto Cap° Frank- furt a. M., 3. Max Günther- Chemnitz. 4. L Geher- Schweinfurt, 5. Emil Müller- Frank- sUtt a. M., 6. Hundertmark - Frankfurt a. M-, 7. Franken- Köln, 8. T oma s i n i ° Wiesbaden, alle dichtauf. Frankfurt a.M. Berlin Schluß! l-Uhr. Kurs 1 Kur» Schluß-lAnfang Kur» 1 •xur-. Datum-. 21.8. j 23.8. 21. 8 | 23. 8. 0,485 ! 0.4825 0.475 0.475 — — 0,45 0.43 —- — 0.43 0,425 0,51 — 0.5175 0.505 0,27 —— 0,2625 — 0,44 —- 0.4225 0.43 — — 0.425 0,4 t — 0,41 — 0.405 — — — — — — — — — 13,05 — 13 _ 45 — 45.13 — 219,75 — 218- 216- 143,5* —» 143' 141- 21.3- 207,7* 213‘ 207' 174.75 171.9- 174.2' 172' 94 — _ 107' — 167- 167- 134.75 — 144 114- 146 142.5' 8.6 8.9 8.6 9,12 90 — — 150' — 150’ 149,7’ 102,5 99,5 101,9 99,25 —— 85' 157' 154* 156,75 154' 182.2' 179,5- 182,5- 165' 160.5- 164.7' _ 140 — 141 _ 150 — 150,5 _ 55,25 — 55.5 75,5' — 74.5 _ 127,5- 126- 125,6- _ 147.7- 146 147' 145,5- 162 168 161,25 161 <0 —- — — 156' 152,2' 155 152,2- 154' 153,5- 154,5 160,2- — — _ 138 — _ 121 — 122,25 — — — 96,75 95,4 —- — _ 293,2' 291- 294- 290- 114,75 113.25 113,2- 112,4 58 55,5 — 121 118 119,9 117 — 159 — 162,5- 160- 162.4 159,4’ 161,5 159,5- 160 156' 111.25 — 138,5 136,7- 138,5- 136,2- 196,5- 195- 196.25 194,5’ 89.25 88,5 89,4 88,25 92.5 97,5 89,9 89,25 30,25 — _ 48,75 — 48 _ — — 30 — 16,75 — _ 41.5 — — 146,13 — _ 98,75 — 100 — — — 49 — —- — — _ 193 187 193 188,25 78 79 77 91 93 92 — »—Frankfurt a. M. Rinder Kälber Schafe 22-60 55-80 36-70 25-55 45-79 30-60 20-61 50-78 28-62 20-59 50-75 47-60 25—59 50-83 40-50 24-63 48-82 35-66 26—60 45-80 — 25-62 55-80 — 28-60 46-100 30-52 18-61 44-80 25-50 15-57 30-80 25-60 15-60 45-90 26—63 18-60 — _ 21-58 60—72 — 28-62 48-82 — 17-52 33-80 28-57 20-60 50-100 — 25-64 40-78 38-64 19-60 38-120 32-55 13-60 48-75 34-45 20-58 45-74 _ 10-57 28-74 20-56 14-58 55-75 — 15-58 45—75 35-60 > e Rei chsban f. Die 21 August. 23. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung v)cld Brief Geld Brief 168,24 168.66 168,17 168.59 Buen.-AmS 1,696 1,700 1,696 1,700 Brss.-Antw 11,62 11,66 11,485 11,645 Christlama. 91,91 92,15 91,91 92,15 Kopriihag.-n 111,49 111,77 111,47 111,75 Stockholm . 112,26 112,54 112,26 112,52 ßelfinoforS. 10,557 10,597 10,557 10,597 Italien. . . 13,79 13,83 13,49 13,53 London. . 20,377 20,429 20,374 20,426 Vleuhor! . . 4.195 4.205 4.195 4,205 Baris.... 12,45 12,85 11,93 11,97 Schweiz . . hl,01 bl.21 80,99 hl,19 Spanien . . 64,71 64.93 64,71 Japan .. . 2.018 2.022 2,015 2,019 »Ho de Jan. Wien in D.» U.644 0.656 0,645 0.647 Oeft. abgcst. 59,27 59,61 59,27 69,41 Trag .... 12,418 12,458 12,418 12,458 Belgrad . . 7.405 7.425 7,405 7,425 Budapest. . o,87 5,89 5,865 5,685 Bulgarien . -,04 5,06 5,035 3,045 Lissabon 21.40 21,45 21,375 -1,425 Danzig. . 81,68 81,88 81,65 Konstonftn. 2,32 2,33 2,31 2,32 Nthen. . 4,74 4.76 4,74 4,76 Canada. . 4,198 4,208 4,198 4,208 Uruguav 4.195 4.205 4.195 4.205 Berlin, 21. August. Geld Brier Amcrikanilche Note» .... 4,178 4,198 Slelgischc Noten...... . 11,67 11,73 Dänische Noten....... 111,32 111,88 Englilche Noten..... . , 20,35 20,44 Französische Noten ..... 12,07 12,13 Holländische Noten . . 167,88 16-8.72 Italienische Noten ... . 14.08 14,16 Norwegische Noten...... 91,67 92,13 Dcur!ch-2cstcrr, 5100 Kronen 59.19 59,49 Numaniichc Noten . . . Schwedische Noten..... 112,07 112,63 Schwencr Noten....... 80,97 81,37 Spanische Noten....... 64,49 64,81 Tschechoslowakische Noten . . 12.375 12,435 nngarifctic Noten....... 6.82 5.86