Dienstag, 23. Zebruar 1926 176. Jahrgang Nr. 45 Erstes Blatt vrmk und Verlag: Brül)l'fd)e Univerfilütr-Vuch und Ltemdruckerel «.Lange in Sietzen. Schrifileitung und Seschäsirftelle: Schnlftratze 7. Der Kampf um die Ratssitze Italien unterstützt den polnischen Anspruch. Staat und Kultur. Der Reichskanzler aus der Tagung des Schutzkartells deutscher Geistesarbeiter. Berlin. 22. Febr. (WB.) 3m Reichs- taasgebäude fand am Montagabend eine außer» ordentlich zahlreich besuchte Kundgebung für deutsche Geisteskultur statt. Mit dem Reichskanzler Dr. Luther wohnte auch 3nnero- minister Dr. Külz den Verhandlungen bei. Der Vorsitzende des Schuhlartells Dr. Everling eröffnete die Kundgebung und begrüßte den Reichskanzler und die Ehrengäste. Er verlas sodann ein persönliches S ch r e i b e n des R e i ch s- präsidenten. des fünffachen Ehrendoktors, der zu seinem Bedauern an der Teilnahme verhindert ist und bittet, überzeugt zu sein, daß er den Bestrebungen des Schutzkartells deutscher Geistesarbeiter sein lebhaftes 3 n t e r e Ha zuwende und mit besten Wünschen dessen Arbeit begleite. Dr. Everling schloß daran Gruße f u r den Reichspräsidenten und führte baim aus- Durch den B e r m ö g e n s v e r l u st der Bildungsschicht ist die gesamte Geisteskultur ernst- lich gefährdet, zumal noch eine Einkommenverminderung der geistig Schaffenden eingetreten ist. Zur Verarmung kommt noch die schwere Belastung durch den Krtegstrtbut. Mittelbar hängt das Ergehen der ganzen Kulturschicht auch vom Gedeihen der Wirtschaft ab. Es herrscht ein tiefer Pessimismus: aber gerckde da seht der Zweck dieser Kundgebung ein: „Sjaut die Pessimisten". ..Macht euch Mut", »Stellt euere Forderungen auf, nicht nur Forderungen an den Staat, fonbern auch an die Geistesarbeiter selbst'. Die 3ndolenz der 3ntellektuellen, die sich schwer organisieren, muß überwunden werden. Das „ Schuh kartell deutscher Geistesarbeiter" möchte eine Kerntruppe deutscher Gesittung zu- fammenfüßren, die nicht vergißt, daß deutsche Geistesarbeiter über ihre Derufsinteressen hinaus auch wertvolle 3dealgüter zu pflegen haben. Die Geistesarbeiter sehnen sich nach einer Politik mit dem Vorzeichen »Deutsche G e i st e s k u l t u r', die deutsches Eigentum und deutsches Cigen- gewächs ist. Wir erwarten, daß alles geschieht, dieses hohe Gut und seine Träger zu fördern. Wir hoffen, daß zäher deutscher Jleiß und deutscher Scharfsinn unsere Geisteskultur aus neuer wirtschaftliä)er Grundlage erhält. Unser wertvollstes Vermögen ist doch unsere Arbeitskraft. Lin Volk, dessen Führerschichten in schlichter Einfachheit und Arbeit aufwachsen, hat Aussicht, das tüchtigste Volk der Erde zu werden. Dann wird es auch heißen wie jetzt in Köln und Bonn: Deutschland frei' Aus mein Volk, laß deine Falken, deine Adler wieder steigen! Professor Karo-Halle sprach dann über die deutsche G e i st e s a r b e i t im Ausland. Er griff zurück auf die Wurzeln der deutschen Kultur, die vor dem Kriege im Ausland vermöge des deutschen Volkscharakters der deutschen Sprache nur rar gewesen seien. Der Deutsche, dem die bewußte Pro- paganba nicht liege, habe der Gegenpropaganda der Alliierten, die schon lange vor dem Kriege ein- setzte, keinen Widerstand entgegensetzen können. Aber auch jetzt beständen noch sogenannte wissenschaftliche und Geistesorganisationen, eigens zu dem Zweck gegründet. die „unwürdigen" Deutschen auszuschließen. Dieser Boykott sei amtlich bis zum Jahre 1930 fest- gelegt. Wenn aber je die Zulassung Deutscher erfolgen sollte, dann dürfe dies nicht ohne den Widerruf dieser Infamierung geschehen. Das sei vom Standpunkt der Selbstachtung eine Selbstverständlichkeit. Unser Gebot fei das Gebot des Wartens. Nur kein Verstehen um jeden Preisl In unserem Elend hätten mir eine starke Großmacht, das sei das geistige Deutschland. Vielleicht das wichtigste sei jedoch, daß wir die Pflicht der Dankbarkeit für diejenigen im Ausland nicht vergessen, die während der Kriegspropaganda immer noch für die deutsche Geistesarbeit in einer Art von Heldentum eingetreten feien. Darauf ergriff Reichskanzler Dr. Luther das Wort zu Ausführungen über „Staat und Kultur": Wenn er früher von dem Vorzeichen der „Währung und Wirtschaft" gesprochen habe, so habe es für ihn nie einen Zweifel gegeben, daß es für die deutsche Politik nur ein Doppelziel gebe: Staat und Kultur. Alle wirtschaftlichen und staatlichen Maßnahmen müßten letzten Endes nur dem Volk und dem Vaterland dienen. Staat und Kultur als Ziel seien das Bleibende, das nie Llntergehende. Alles andere sei nur Mittel zum Zweck. Leider sei die Tätigkeit der Reichsregierung beengt durch die Rot der Zeit und weiter begrenzt durch die Verfassung unseres Volkes. Rach der Verfassung fehle dem Reich in vielen kulturellen Fragen die Zuständigkeit. Die Ziele des Reiches sind verbunden mit der Zuständigkeit der Länder, die in dem Wesen des Deutschtums verwurzelt sind. Dem Reich fehlt im allgemeinen in Kulturfragen die Zuständigkeit. Das ist eine Tatsache, die doch der Arbeit der Reichsregierung eine gewisse Besonderheit gibt. 3 danken sehr gerne zurück in jene Zeit, wo ich Oberbürgermeister von Essen war. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/. mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Run hat sich auch Herr Mu.ssvlini in das widerwärtige 3ntriguenspiel um die Sitze im Dölkerbundsrat hineingemischt. Natürlich, er durfte ja dabei nicht fehlen, nachdem ferne ganze Außenpolitik von einem eigentlich unbegreiflicheir Haß gegen Deutschland beeinflußt wird. Man sieht iricht recht, inwieweit er selbst dabei noch der Führer oder inwieweit er.schon der Gefangene der saszistischen Ältras rs, die, um ihre Leute bei der Stange zu halten, einen außenpolitischen Rummel brauchen. 3edensalls hat er kaum gehört, daß da etwas am Werke ist, was gegen Deutschland ausgenutzt werden kann, schon meldet er sich zu Wort, um den Polen wohlwollend die Hand zu schütteln und ihnen zu versichern, daß er gerne bereit wäre, ihre Ansprüche zu unterstützen. Ob er daberw^klrch nupt sieht, wie er sich ins eigene „Tlersch schnerdet? Rach dem „gewonnenen Krrege hat Ztalren sehr rasch begriffen, daß die internationale Konstellation sich durch den überwiegenden Einfluß Frankreichs stark zu seinen Ungunsten verschoben hat, er suchte deshalb auch Anlehnung an England und nahm die Front gegen Frankreich, wobei es ihm sogar gelang, den Konfliktsstoff mtt 3 u g o s l a w i e n an der Adria zu E>efeiligen. Dadurch war es auch das Gegebene, daß 3talien Deutschland wenigstens moralisch stützte. 3eht mit einemmal macht es den Eindruck, als ob Mussolini den Kurs vollkommen herumschmeißen und engste Anlehnung an Frankreich suchen will; wobei er sich natürlich darüber klar sein muß, daß er dann weltpolitisch England gegen sich hat. Wie er unter solchen Umstanden bei den ungeschützten offenen Küsten 3taliens Mittelmeerpvlittk treiben, wie er vor allem die afrikanische Kolonialpolittk durchführen will, die doch zusammen mit Frankreich gar nicht zu meistem ist, das ist sein Geheimnis, und wir haben keinerlei Veranlassimg, uns feinen Kops zu zerbrechen. Wie ja überhaupt Deutschland diesmal in der angenehmen Lage ist, daß wir als Zuschauer im internationalen Parkett sitzen und ruhig zusehen können, wie die großen internationalen Akteure auf der Bühne unter sich einig werden. Für uns liegen die Dinge außerordentlich einfach: wir sind aufgefordert worden, in den Völkerbund einzutreten und haben die Bedenken zurückgestellt, weil die Pvlittk, die in Locarno einsehte, uns enger an die europäischen Mächte heranbrachte. Von keiner Seite ist auch unser Anspruch auf einen Sih im Dölkerbundsrat abgelehnt worden; wir haben von allen Mächten die Zusicherung, daß uns als Großmacht ein solcher Platz z u k o Hl m t. Selbstverständlich uns allein. Denn wenn die Zahl der Ratssihe beliebig vermehrt wird, entwertet sich für den einzelnen die Stellung, zumal wenn die Erweiterung des Rates in einer Form erfolgt, die eine Mehrheitsbildung unter französischer Führung von vornherein sicher stellt. Käme Deutschland, wie man uns nachsagt, mit der Absicht in den Völkerbund, ihn von innen heraus zu sabotieren, bann könnte uns diese Entwicklung nur recht fein, wir würden dann von uns aus mit entsprechenden Vorschlägen für Oesterreich, Rumänien und eine Reihe von anderen Staaten kommen können und auf diese Weise dazu mittjelfen, daß der Rat zu einem unförmigen Gebilde anwächst, dadurch arbeitsunfähig wird und damit der ganze Apparat sich von innen aushöhlte. Gerade weil aber Deutschland die Absicht hat, ehrlich mitzu- arbeiten, wehrt es sich gegen die Hinterhältigkeit Frankreichs, die dem primitivsten Begriff von Vertragstreue ins Gesicht schlägt. Daß wir jetzt, und zwar allein, in den Rat eintret en, ist eine Prestigefrage für uns geworden, mit deren Beantwortung das Vertragswerk von Locamo steht und fällt. Beinahe sieht es so aus, als ob Chamberlain sich diese Folgen nicht rechtzeitig überlegt hat. Er laviert so vorsichtig, daß man zu dem Schluß kommen muß, er habe Herrn Briand irgendwelche Zusagen gegeben, die ihm jetzt sehr unbequem sind. Denn der Beitritt Polens und Spaniens, zumal da Spaniens Vertreter im Völkerbund eine Französling reinsten Wassers ist, geschieht doch auch auf Kosten Englands, deshalb auch der Druck der englischen öffentlichen Meinung, die von einer solchen Verwässerung der englischen Machtstellung nichts wissen will. Aber auch die Amerikaner stehen dabei auf unserer Seite. Und das ist wichtig. Wir sind in der Locarnopolitik weiter gedrängt worden, als uns lieb war, weil ein Abbruch der Verhandlungen, nachdem sie einmal so weit gediehen waren, uns als den schuldigen Teil erscheinen ließ und uns vornehmlich in den Augen Amerikas erneut zum Störenfried gestempelt hätte, was sich praktisch in der Sperrung der amerikanischen Kredite auswirkte. Jetzt dagegen haben die Amerikaner durchaus Verständnis dafür, daß wir uns nicht in so plumper Form übers Ohr hauen lassen wollen. Und gerade das Eintreten Mussolinis für die polnischen Ansprüche ist nur geeignet, auch den nai- vesten Amerikaner aufzuklären über das Spiel, das hier gespielt werden soll. Mussolinis Drohrede von dem Marsch über den Brenner hat in Neuyork sehr ernüchternd gewirkt, so stark, daß vorübergehend der italienisch-amerikanische Schuldenausgleich gefährdet schien. Wenn er sich jetzt so massiv für die polnischen Ansprüche einsetzt, dann ist das nicht anders zu verstehen, als daß er damit Bundesgenossen gegen Deutschland suchen ohne zu bebercken. baß aus einer solchen Argumentierung beispielsweise auch Litauen, bas sich ja mit Polen als im Kriegszustände erachtet, gleiches Recht ableiten könnte. Damit gehen bie Bemühungen bet hiesigen Presse Hanb in Hand, ben Großmachtscharakter Polens zu erweisen, wobei bie Formulierung eines ehemaligen polnischen Gesanbten in ben Spalten des „Kurier Warszawski" von Interesse ist, baß der Abstanb Polens von ben Großmächten geringer sei, als der des nächst mächtigen Staates von Polen. Gleichzettig mit diesen mit allem Ernst geführten Erörterungen finbet bie Warschauer Presse noch breiten Raum für bie Polenkik mit der Haltung der deutschen, schwedischen und englischen Presse. Am schmerzlichsten berühren bie dem Gedanken einer Vermehrung der Ratssihe durchaus abträglichen englischen Stimmen. Ein Teil der polnischen Presse läßt sich hierbei zu heftigen Angriffen gegenfönglanb hinreißen und ein gelesenes Blatt ber in außenpolitischen Dingen maßgebenden Rechten spricht von „polenfettckllichen, jüdischen Einflüssen in London" und von „insularer englischer 3gnoranz in kontinentalen Dingen". So werfen bie aufgeregten Kommentare ber Presse bie Gefühle ber leicht erregbaren polnischen Öffentlichkeit zwischen Hoffnung und Enttäuschung hin und her. Da ist es gut, daß die Stimme des in außenpolttischen Dingen erprobten „Czas" zu hören, des Blatter der Krakauer Konservativen, zu denen sich ja bekanntlich auch Ministerpräsident und Außenminister Graf Skrzhns ki zählt. Das Blatt meint, daß Polen selbst im FaNe einer Rieberlage bei bet gegenwärtigen Campagne um einen ständigen Rats sitz sicherlich ben Vorteil gewänne, noch im Lause dieses Jahres einen nichtständigen Sih zu erhalten. Damit hat ber stets gut informierte „Czas' wohl ben wahren Hintergrund des polnischen Pressefeldzuges entschleiert. Drohungen Skrzynskis. London. 23. Febr. lWTB. Funkspruch.) Der „Daily Telegraph" schreibt, in diplvnmtt- schen Kreisen in Paris glaube man, daß Besprechungen des britischen Gesandten in Warschau mit dem Oralen S kr z Y n s k i eine gewisse Wichtigkeit beizumessen sei. Wenn Polen in seinen Bestrebungen nach Erlangung eines ständigen Sitzes im Dött.ibundsrat ein Mißerfolg bereitet werden sollte, würde vermutlich Graf Skrzhnski und sein gegenwärtiges Kabinett zurücktreten müssen und ihre Rachfolger würden sicherlich nach irgendeiner Art von Rückensicherung Ausschau halten, vielleicht durch eine Art von Annäherung an Ruß- land. Tschitscherin habe im September in Warschau Vorschläge gemacht, die vielleicht heute angenommen werden könnten. Brasiliens Ansprüche. R i o d e I a n e i r o , 23. Febr. (TU.) Dem Vertreter der „British United Preß" erklärte der brasilianische Außenminister Pacjeco, daß Brasilien ein Recht auf einen stündigen Ratssitz habe. Die Frage der Vermehrung der Sitze werde bestimmt vom Dölkerbundsrat in seiner Sitzung am 8. März zur Sprache gebracht werden. In Erwägung der Tatsache, daß Deutschland seinen Eintritt in den Völkerbund an die Voraussetzung der Zuteilung eines ständigen Sitzes knüpfe, muß die brasilianische Frage z u e r st geregelt werden. Brasilien habe versprochen, die Kandidatur Deutschlands zu unterstützen. Brasilien habe keines wegs die Absicht, irgendwelche Vorrechte in Anspruch zu nehmen. Was es wünsche, sei lediglich, mit den anderen Mitgliedern des Völkerbundes über das Problem zu konferieren. Dänemark gegen die Erweiterung des Rats. Kopenhagen, 22. Febr. (WTD.) Zur Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates schreibt die „Politiken", die verbreitetste dänische Zeitung, u. a.: Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund schafft ganz neue schwierige Verhältnisse. Cs ist möglich, daß bie kommenden 3ahre unruhig und stürmisch sein werden, und baß der Völkerbund in dem Bestreben, sich zu behaupten, auf viele Schwierigketten flößen wirb. Die Schwierigkeiten werden jedoch bann zunehmen, wenn die Zahl der Rats- mitglieber erhöht wird. Einen Rat wie der- jenige, für den die französische Presse sich letzt einsetzt, würde den Charakter des Völkerbundes total verändern und seine Bedeutung für die kleinen Staaten illusorisch machen. Wir tonnen daher nur sagen, daß wir mit großer Befriedigung die Stellungnahme Schwedens gegenüber den Erweiterungsplänen aufgenommen haben. Hnfer Rachbarland hat damit nicht nur die 3ntereffen ber kleinen Rationen, sondern auch blefenigen des Völkerbundes verteidigt. will. Dazu brauchen wir uns nicht herzugeben, das wird uns niemand in der Welt verdenken. Wenn also an dieser ganzen Kulissenschieberei jetzt der Lo- carno-Vertrag im letzten Augenblick scheitern sollte, bann sind wir nicht schuldig daran, sondern die Gegenseite. Wir haben den Beweis erbracht, daß wir ehrlich an der Neugestaltung der europäischen Verhältnisse mit arbeiten wollen. Macht man uns das unmöglich, dann können wir in aller Ruhe das Weitere avwarten. Chamberlains Rolle. Voreilige Zusage an Briand und Polen London, 23. Febr. (WTB. Funkspruch.) 3n der gestern abgehaltenen Sitzung des Parlamentsausschusses der englischen Liga für den Völkerbund führte ber frühere Vertreter Großbritanniens im Völkerbund, Fisher, u. a. aus: Es sei von äußerster Wich» tigkeit, die ständigen Sitze den Großmächten vorzubehalten, da diese bie Hauptlast in finanzieller Hinsicht und die Hauptlast der Verantwortung im Falle einet Krise zu tragen hätten. Die Zulassung Polens und Spaniens würde ganze Serien neue Gesuche heraufbeschwören, auch würde die anscheinend zunehmende günstige Stimmung gegenüber dem Völkerbund einen schweren Rückschlag erleiden, wenn nicht einer ber Sitze, bie für die Großmächte bestimmt seien, für Amerika freigehalten werde. Tom Shaw sagte, die Annahme der Entschließung werde Chamberlain in Stand sehen, in Genf zu berichten, daß es im brittschen Parlament in dieser Sache nur eine Ansicht gäbe. Schließlich wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Der Ausschuß betrachtet mit größter Besorgnis bie mit dem ausdrücklichen Zweck der Wahl Deutschlands in den Völkerbund und seiner Aufnahme als st än - diges Mitglied in den Völkerbundsrat ein berufenen Völkerbundsversammlung als Gelegenheit zur Behandlung weiterer grundlegender Aenderungen der Völkerbundsrats- nerfaffung zu benutzen. Der Ausschuß ist der Meinung, daß gegen jegliche Vergrößerung des D ö lker bund s r a t s die ernstesten Einwände bestehen und bittet die Regierung dringend, solchen Aenderungen in diesem Augenblick stärksten Widerstand entgegenzusehen." Bei Gelegenheit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts von Birmingham hielt Chamberlain eine politische Rede, in der er bat, nicht enttäuscht zu sein, wenn wegen Deutschlands Eintritt in ben Völkerbund und wegen der deutschen Stellung innerhalb des Bundes ein Streit ausbrechen werde. Er seinerseits sei überzeugt, daß das' Problem praktisch gelöst werden könne, ipenn die in Locarno versammelt gewesenen Persönlichkeiten wieder zusammenkämen und die Frage erörterten. Der „Evening Standard" glaubt, daß sich Chamberlain der polnischen Ratskandidatur gegenüber sehr wohlwollend gezeigt habe, ja er habe Briand von seiner Absicht unterrichtet, die polnische Kandidatur dem Kabinett zur wohlwollenden Erwägung zu empfehlen. Der CinspruchSchwedens sei letzten Endes nicht ausreichend, um die Zulassung Polens zu verhindern. Ebenso wie Schweden Polens Zulassung verhindere, so konnte Spmnen oder Polen die Zulassung Deutschlands zu einem stän- 1 bigen Ratssih verhindern, zumal beide Mächte von einer Großmacht unterstützt würden. Die in England vorherrschende Meinung sei die. daß der britische Außenminister weise getan haben würde, Polens Ansprüchen von Anfang an Widerstand entgegenzusehen. Chamberlain habe indessen die schwierige Ausgabe, sowohl Deutschland als auch Frankreich zu befriedigen. Polen und der Rat. Warschau, 2 Febr. Der bevorstehende Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die damit verknüpften Bemühungen Polens und anderer Staaten, die Zahl der ständigen Ratssihe zu erweitern, bildet das ausschließliche Thema der außenpolitischen Erörterungen der hiesigen Presse und der an Politik interessierten Kreise. Mit banger Aufmerksamkeit wird die Entwicklung der Angelegenheit verfolgt und jede diesbezügliche Stimme der Weltpresse gewissenhaft wiedergegeben. Die eigenen Ausführungen der polnischen Presse wiederholen meist das von Frankreich ausgegebene, schon bekannte Stichwort, daß „das durch den Eintritt Deutschlands gestörte Gleichgewicht durch die Beteiligung Polens mit einem ständigen Ratssih wiederhergestellt werden müsse", wobei geflissentlich übersehen wird, daß, wenn schon überhaupt, erst der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ein diesem angerufenen Gleichgewicht ähnliches Verhältnis schafft. Gleichzeitig versucht man hier in nicht recht verständlicher Weise aus dem Vertrag von Locarno die Aotwendigkeit eines ständigen Ratssitzes für Polen abzuleiten, während ein anderer Teil der polnischen Presse die Welt zu überzeugen sucht, daß gerade die Tatsache der mannigfachen deutsch-polnischen Dtsserenzen Oie wahrhaft Friedensliebenden veranlassen mutzte, Polen einen Sih im Weltareopag einzuraumen. Erscheinttäglich. außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. mattat$»Bt3ug$ptels: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger: lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. poftschetNonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen solche westliche Stobt gibt für den, der Städtebilder mit Verstand zu lesen vermag, den überzeugenden Eindruck der Stadt oho« auSgebretteten Mittelstand. Das bedeutet natürlich nicht ein Fehlen an Kultur schlechthin. Die Spitzenleistungen der Kultur find ja gerade da, wo die Spitzenleistungen der Wirtschaft mit am stärksten vorhanden sind und sind als Voraussetzung für wirtschaftliches Schaffen so notwendig, wie nur irgend etwas anderes. Und auf der anderen Seite steht das große Kulturwollen in diesen großen Arbeitermassen. ja es ist vielleicht lebendiger im 'Bewußtsein, als an anderen Stellen, wo eine gesetzte Volkskultur eine festere Grundlage des inneren Lebens abgibt. So ist mir von meiner früheren Arbeit her diese große Tatsache voll lebendig, daß wir ohne den geistigen Mittelstand doch nur mit Hilfskonstruktionen die Kultur in die breiten Volksmengen hineintragen können und letzten Endes bleibt ja das das Ziel, denn die Kultur muß immer eine Kultur des Volkes sein. Be- sonders wichtig ist eine solche feste Grundlage für geistige Aroeit in Zeiten, wie wir sie heute erleben, wo einmal die allgemeine Rot eine gewisse Abwendung von kulturellen Dingen überhaupt zur Folge hat. Aber wir wissen auf der anderen Seite auch, daß eine gewisse 'Breite des wirtschaftlichen Lebens die beste Tragfläche auch für eine gewisse Breite des kulturellen Lebens ist. Der Kanzler wandte sich dann besonders der Ausbildung des geistigen Nachwuchses zu. Hier habe die Not der Zeit den Werkstudenten geschaffen. Das sei eine Großtat der Zeit und der Jugend. Die Jugend dürfe sich nicht voreilig zu einer politischen Tätigkeit drängen, sondern müsse an diese Dinge erst im gereiften Alter herantreten. Der Kanzler wies Dann auf die im Etat des Innenministeriums für kulturelle Zwecke ausgeworfenen Mittel hin und erklärte, neben diesen materiellen Aufwendungen des Neiches handle es sich vor allem darum, der bedrängten Kulturschicht geistig zu Helsen. Der Kanzler erklärte weiter, wir hätten nicht das Gefühl des Unterganges des Abendlandes. 3m Gegenteil zeige die junge Kunst, besonders die Architektur, wie ununterbrochen vorangeschritten werde. Auch die neue Malerei sei ein Beweis für die geistige Regsamkeit unserer Jugend. Das Problem sei nicht Optimismus oder Pessimismus, wir brauchten den Optimismus und die letzte Grundlage dafür sei ein deutsches Selbstbewußtsein. Wir müßten als Deutsche durchdrungen fein von dem, was wir in der Welt bedeuten und wir wollten mit dem heutigen Ausland nur dann zusammenarbeiten, wenn man dort unsere Werke gebührend anerkenne. Wir müßten mit beiden Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Der Weg voll Entbehrung und harter Last müsse geführt sein von dem Willen zur Kultur, Kunst und Geist, um so das starke, das glückliche, das wieder freie deutsche Vaterland zu schaffen. Die Steuersenkung. D Dem Reichsrat ist der Entwurf eines Gesetzes über Steuermilderungen zur T r - leichterung der Wirtschaftslage ^gegangen. Der Entwurf sieht folgende Abschnitte vor: 1. Senkung der Umsatzsteuer 2. Steuerliche Erleichterungen wirtschaftlich notwendiger Betriebszusammenschlüsie. 3. Verlegung der Zahlungstage für die Einkorn- l mensteuer- und Körperschaftssteuervorauszahlungen. 4. Vereinfachte Erhebung der Vermögenssteuer 5 1926. 5. Vereinfachtes Verfahren bei der Lohnsteuer. 1. Vorgesehen ist, mit dem 1. April 1926 die Umsatz st euer von 1 Proz. auf 0,6 Proz. zu ermäßigen. 2. Der Entwurf sieht zunächst bei Verschmelzungen von Kapitalgesellschaften und bei Sanierungen im Sinne des § 13 zu b, c des Kapitalverkehrs- steuergesetzes eine Ermäßigung der Gesell- bd) a f t 6 ft e u e r auf 1 Proz. vor. Werden bei einer Verschmelzung Grundstücke eingebracht, so ermäßigt sich die Grunderwerbsteuer auf j'} Proz. Die Zuschläge zur Grund- erwerbsteuer und die Wertzuwachssteuer dürfen bei Verschmelzungen und Sanierungsmaßnahmen nicht erhoben werden. 3. Bis zum Empfang eines Steuerbescheids für einen Steuerabschnitt hat der Steuerpflichtige auf die Steuerschuld dieses Abschnitts am 10. April, 10. Juli, 10. Oktober und 10. Januar. Vorauszahlungen in Höhe von je i der zuletzt festgestellten Steuerschuld zu entrichten. Steuerpflichtige, die hauptsächlich Einkünfte aus Landwirtschaft beziehen, haben die Vorauszahlungen am 15. November in Höhe der Hälfte, am 15. Februar und 15. Mai in Höhe von je i der zuletzt festgestellten Steuerschuld zu. entrichten. Der Reichsfinanzminister ist ermächtigt, für Betriebe bestimmter Art, insbesondere Gartenbau, andere Dorauszahlungster- mine zu bestimmen. 4. Die Vermögenssteuer für das Kalenderjahr 1926 wird nicht besonders veranlagt. Sie wird in Höhe von £ des Zahresfteuerbetrages für das Kalenderjahr 1925 erhoben- die am 15. Mai 1926 vorgesehene Zahlung auf die Vermögenssteuer 1926 ist nicht zu entrichten. Der mit dem 1. Januar 1926 beginnende Haupt- seststellungszeitraum für die Feststellung der Einheitswerte nach dem Reichsbewertungsgesetz vom 10. August 1025 wird auf das Kalenderjahr 1926 ausgedehnt. Reu- oder Nachfeststellungen gemäß § 75, 76 des Re'chsbewertungsgesehes finden mit der Maßgabe statt, daß für Art und Menge des Vermögens zwar der Stand am Fesistellungszeitpunkt maßgebend ist. die Bewertung jedoch auf den Hauptfestslellungszeir- punkt vor Beginn des !. Januar 1925 abgestellt wird. Reu- oder Rachverantagungen gemäß § 12 des Verrnvgenssteusrg^setzes sind in der Weise vor zunehmen daß die Vermögenssteuer für das Kalenderjahr 1926 in Höhe von *; des Betrags erhoben wird, der für das Kalenderjahr 1926 zu entrichten sein würde 5. Nach § 93 des Einkommensteuergesetzes können Lvhnsteuerbeträge aus Antrag erstattet werden: ■j) wenn der steuerfreie Lohnbetrag Nicht in voller Höhe berücksichtigt worden ist b) wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse, c) wegen nicht voll guigebrachter erhöhter Wer- bungskost-m und Sonderleistungeu. Die Ersiattungsaniräge konnten bisher viertel- jährlich gestellt werden. Zur Vereinfachung des Verfahrens schlägt der Entwurf vor: 1. an Stelle der vierteljährlichen Erstattungsanträge jährliche Erstattungsanttäge zuzulasten, 2. daß an Stelle der Individnalabrechnung P a u s ch betröge treten (je nach dem Familienstand für jede volle Woche des Verdienstausfalls 1,70, 2,20 oder 2,70 Mk. Weiter schlägt der Entwurf vor, den Erhöhungsantrag nach § 75 des Einkommensteuergesetzes künftig nur dann zuzulasten, wenn die Werbungskosten nur die Sonderleistungen z u s o m- m e ti den Bettag von 40 Mk. im Monat übersteigen. Eine grohdeutsche Tagung in Wien. Wien, 17. Febr. Unter dem Ehrenschutze der Herren Vektoren sämtlicher österreichischer Hochschulen findet vom 10.—14. März in der Wiener Universität eine akademische Tagung statt, in der vor allem staatspolitische, kulturpolitische und wirtschaftspolitische Fragen des Gesamtdeutschtums im Hinblick auf einen Zusammenschluß Oesterreichs mit dem Deutschen Reiche eingehend behandelt werden sollen. Eine Reihe reichsdeutscher Professoren, wie Prof. Spahn-Köln, Prof. Brandt- Göttingen, Prof. Radler- -Königsberg, Dr. Gerber-Marburg, Prof. Hedemann -3ena, Prof. Laun - Hamburg, u. v. a. haben, ebenso wie gegen 1000 reichsdeutsche Studenten ihre Teilnahme zugesagt und werden in Wien, wo bereits alle Vorbereitungen getroffen sind, erwartet. Der große Erfolg dieser Einladung ist in erster Linie einer regen Werbetätigkeit der Veranstalter des Deutschen Hochschulringes im Rühmen der Mittelstelle für Iugendgrenzland- arbeit zuzuschreiben, die im Laufe des vergangenen Jahres in ganz Deutschland in ihren örtlichen Verbänden österreichische Fragen in den Vordergrund ihrer Arbeit gestellt haben. Besatzungsnot in Mainz. W^R, Mainz. 20. Febr. Aach einer amtlichen Statistik sind in der Stakst Mainz (einschl. der eingemeindeten Vororte Mainz ° Kastel, Mainz-Kostheim, Mainz-Mombach) noch von den Besatzungsbehörden beschlagnahmt: 1422 selbständige Wohnungen mit 9329 Räumen. Hierzu kommen noch die bei Privatleuten beschlagnahmten 808 Teilwohnungen mit 1802 Räumen. Total also: 2230 beschlagnahmte Wohnungen mit 11 131 d. h. auf 10 000 Einwohner in Mainz entfallen 546 beschlagnahmte Räume. Außerdem fommen hinzu: 19 Hotels mit 608 Betten. (Für den gesamten Fremdenverkehr verbleiben in Mainz nur 407 Betten.) Hiergegen stehen die Zahlen des deutschen Wohnungselends in Mainz: Von rund 7000 dringend vorgemeldeten Wohnungsuchenden sind 3472 ganz ohne Wohnung. Die französische Regierung hat ferr.er in Besitz: Ueber 100 private Bureau- unD Geschäftsräume, über 300 Räume aus dem städtischen Besitz, viele Lagerräume, eine große Anzahl von privaten und städtischen Anlagen, 4 Schulen, 141 Räume und 300 Betten im städtischen Kranlenhause, viele hundert Räume in staatseigenen Gebäuden, über 600 000 Quadratmeter Lagerplätze, Fabrikanlagen, Gebäude usw. Von einer Verminderung der Desahungstruppen in Rheinhessen ist nichts zu bemeden, geschweige denn von einer Herausgabe beschlagnahmter Wohnungen. Vielmehr sind in neuester Zeit entgegen den Bestimmungen des Vertrages von Locarno noch neue Beschlagnahmungen erfolgt. Der Fememordunlersuchungs- ausschutz. Berlin, 22. Febr. In der nichtöffentlichen Sitzung des Fememorduntersuchungsausschusses des Preußischen Landtages trug Berichterstatter Abg. Kühner (S.) einen Aktenauszug über das „Konto für nationale Aufklärung" aus der weiter zurückliegenden Zeit vor. Es haben damals nur Einzahlungen von solchen Grundbesitzern stattgefunden, auf dessen Gütern sich Schwarze Reichswehr befand, und es sind nur Auszahlungen für den Oberleutnant Schultz erfolgt. Der Ansicht des Berichterstatters, daß es nicht notwendig fei. noch weitere Zeugen aus der Arbeitgebervereinigung zu hören, traten die meisten der nachfolgenden Redner bei. Abg. Obuch (Konmi.) beantragte, die Beziehungen des Schultze zunr früheren Reichsminister Schiele sowie zum Reichslandbund zu klären. Ahg. Riedel (Dem.) beantragt eine Untersuchung darüber, ob die fogeneunten Landvolk- genvssenschaften mit den Schwarzen ReichSwehr- kommandoS identisch seien und ob Schultz deshalb vorn Abg. Meyer nicht ausdrücklich für diese Zwecke angestellt worden sei. Zum Schluß erörterte der Ausschuß die Modalitäten, unter denen demnächst im Untersuchungsgefängnis Moabit der Oberleutnant Schultz und der Feldwebel Klapproth vernommen werden sollen. Vor neuen Kämpfen in Marokko. Beschießung Tetuans. - Die Propaganda Abdel Krims. Paris, 23. Febr. (WTD.-Funkspr.) Rach einer Havasmeldung aus Rabat ist an der gesamten französischen Marokkofront gegenwärtig eine lebhafte Tätigkeit der Rifleute im Gannge, die überall Handstreiche versuchen. Die Rifleute verstärken ihr« Propaganda besonders in der Gegend des Uergha, wo sie die Stämme, die sich noch nicht unterworfen haben, veranlassen, die französischen Posten zu überfallen. Amtlich wird 'bekanntgegeben, daß die Rifleute neue Geschütze gegen Tetuan in Stellung gebracht haben. Am Sonnabend wurde der Mittelpunkt der Stadt stark beschossen. Ein hoher Beamter wurde getötet und mehrere Personen verwundet. *- __ Der Korrespondent des „Temps" glaubt die französische Öffentlichkeit auf Schwierigkeiten vorbereiten zu müssen. Abd el Krim sei geschickt genug, die Stämme an sich ju fetten. Er führe ihre Herden hinter seine Linien und ebenso die für ihre Ernährung notwendigen Ge- Ireidevorräte, sodaß die Stämme wohl oder übel ihm Gefolgschaft leisten müßten. Es sei sehr schwer, seiner Propaganda Einhalt zu bieten, weil die Propagandisten sich unauffällig, mit Sprache und Sitten vertraut, in den Dörfern der Eingeborenen bewegen könnten. Da die Marokkaner von Ratur aus dazu neigten, jede noch so unbedeutende Sache zu übertreiben, so finde die Propagandatätigkeit Abd el Krims einen fruchtbaren Boden. Aus aller Wett. Aiddh Impekoven und Caruso. Die Tänzerin Riddy Impekoven wurde zu einem Gastspiel vor Arbeitern in ihrer Heimatstadt Frankfurt a. M. geladen. Als Honorar wurden ihr „die Bedingungen EarusoS" genannt. „??“ fragt Riddy. „Das war so," erklärte man ihr, „Caruso erhielt für den Abend 1000 Dollar, — nur in seiner Vaterstadt fang er umsonst!" — Die Tänzerin nahm lachend die Bedingungen Carusos an. Vie hessischen Zörsier zu den veschlüssen der Finanzausschusses. Außerordentliche Tagung des Hessischen Oberförsterverbands« Bon vniecem nach Frankfurt entsandten Redaktionsmitglied. Frankfurt 22. Febr 3m Thvmasbräu in Frankfurt versammelten sich heute vormittag Me Mitglieder des Hessischen Oberförster-Der- bandes tot überaus stattlicher Zahl, um zu den Beschlüssen des Finanzausschusses Stellung zu nehmen, die wesentliche Abstriche an dem Etat der Forslverwaltung vorsehen. Zu der Ta° gwtg waren der Finanzminister, der Finanzausschuß, Der SechserauSschuß sowie die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen eingelaben. Von den Abgeordnetem waren Freiherr Ludwig von Hehl zu Herrnsheim (Deutsche Dolkspartei) und Dr. LeuchtgenS (Hess. Bauernbund)erschienen Oberforftmeister Heyer, der 1. Vorsitzende des Hess. Oberförster-Verbandes, eröffnete dir außerordentliche Tagung mit einem Hinweis auf die allgemeine Rot unserer Zeit sowie auf die Beschlüsse des Finanzausschusses. Sodann begrüßte er die Vertreter der Forstbehörde sowie die Laudtagsabgeordneten. Daß gespart werden müsse. sei selbstverständlich, der Verband verlange für sich keine Ausnahmestellung und habe dies schon vor einem Jahre dem Staatspräsidenten in einem Schreiben mitgeteilt: aber die Kürzungen im Staatshaushalt für 1926 führten zu einem Rückgang der Einnahmen. Deshalb muffe der Verband seine warnende Stimme erheben. Landforstmeister Hesse übermittelte Grüße des Finanz Ministers, der wegen dringlicher Geschäfts verhindert sei, der Versammlung bei* zuwohneu. Ferner entbot Der Redner den Gruß Der Forstabteilung, die bis auf wenige verhinderte Mitglieder hier vertreien sei. Der Wald sei eines Der wenigen Güter, aus denen noch eine Rente fliehe, daher sei es nottoenbig und eine Pflicht, diese Rente zu erhalten. Den Wald zu pflegen, dringe der Allgemeinheit Segen. .Abgeordneter Dr. Leuch Igens sprach als Mitglied des Finanz- und Sechserausschusses. Die Pflege des Waldes sei einer der Grundsteine, auf denen die Wohlfahrt unseres Landes beruhe. Der Hess. Landbund, Oer wirtschaftlich eingestellt sei, habe volles Verständnis für Die wirtschaftlichen Fragen, Die hier behandelt werden. Abg. Freiherr von Hehl zu Herrnsheim dankte im Ramen der Fraktion Der Deutschen Dolkspartei für die Einladung und bat. den ersten Vorsitzenden seiner Fraktion. Der am Erscheinen verhindert fei, zu entschuldigen. Die Rot klopfe überall an, sie gehe auch an unserem geliebten deutschen Wald mcht vorüber. Der Redner gab Der Hoffnung Ausdruck, daß vom Landtag leine Beschlüsse gefaßt werden, Die Den WalD schädigen. Die O p P o ) i t io n s p ar te i e n hät- ten Sparsam keitsmaßnahmeu Vorschlägen müssen, was eigentlich Die Aufgabe Der Regierung sei; sie hätten Dadurch manches Odium auf sich laden müssen. Es sei vorauszusetzen, Daß bewußt Fehler nicht gemacht würden. Weiter betonte Der Redner, daß er in erster Linie gekommen sei, nicht um zu reden, sondern um zu hören. Die Fraktion der Deutschen Dolkspartei behalte sich ihre Entschließungen bis zur Abstimmung vor, aber sie habe jetzt schon einen Antrag eingebracht, die Tagegelder und Aufwänden!- schädigungen wieder in den Staatshaushalt ein- 5 u ft eilen. (Beifall.) Der Abgeordnete schloß mit einem Glückwunsch zu einem erfolgreichen Verlauf Der Tagung. Der Vorsitzende sprach seinen Dank aus und verlas eine Reihe von Zustimmungen älterer und jüngerer Forstbeamtcn zu Der Kundgebung, teilte die Tagesordnung mit sowie die Beschlüsse des Finanzausschusses. Hiernach hat Der Ausschuß beschlossen, die Vorstände von 6 Forstämtern auf den Inhaber zu bewilligen. Eine Anzahl von Oberförstereien soll aus g eh oben und die Dienstverrichtungen auf die benachbarten Bezirke verteilt werden. Ferner soll eine Anzahl von Hilfsstellen gestrichen und die Zahl von 10 Oberförstern und 17 Assessoren auf zusammen 17 reduziert werden, Die DienstaufwandsentschäDigungen Der Oberförster wären zu streichen. Außerdem sind noch andere Beschlüsse zu Kapitel 1 von finanzieller Tragweite gesüßt worden. Für die Tagesordnung waren mehrere Reden vorgesehen. Zu dem Thema S t e l l e ü v e r - Minderung ergriff Oberforftmeister Heyer das Wort. Er führte aus, daß Professor Bühler schon vor Jahren die Frage wissenschaftlich untersucht habe, wie groß ein Forstrevier sein dürfe. Zu ihrer Beantwortung kämen nicht allein die Größe, sondern auch Die Lage, Die Parzellierung und eine Reihe anderer Umstände in Betracht; besonders auch sei zu berücksichtigen, ob das Gebiet eben, ober gebirgig spi. Die Revier- oröhe sei in Rord- und SüDDeutschland, Durch diese Umstände bedingt, wesentlich verschieden. Die Reviere sollte:! bei intensiver Wirtschaft Die Größe von 2000 Hektar nicht überschreiten. Die Fläche fei jedoch kein genaues Maß für die zu leistende Arbeit, weil Die Maleriakabnutzung auch eine wesentliche Rolle spiele. Im großen und ganzen müßten in ganz Deutschland die Reviere Keiner werden. Der Redner ging dann auf die besonderen hessischen Verhältnisse ein und machte auf die großen Veränderungen im Forstwesen auhnerffam, die sich seit 1879 vollzogen haben. Vorher umfaßte ein Revier rund 2660 Hektar: Dann würben Die Karnerald omänen auf gehoben und Damit ein ®e* bietsumfang von 11 Oberförstereien den bestehenden Oberförstereien aufgepackt. Die Arbeitslast Wurde dadurch stark vermehrt und es mußten u. a. zahlreiche Schreibkräfte eingestellt werden. Dadurch iam man nun auf den Gedanken, es müsse ab gebaut werden. Der Redner belegte seine Ausführungen mit vielen Zablenbeispielen und schloß: Wenn alle Einrichtungen auf Das Jahr 1879 ^rückgeführt würDen, brauchte man sich über Sparmaßnahmen nicht zu unterhalten. Forstmeister Maul-Raunheim sprach hierauf über Die Stellenverminderung Der Hilfskräfte. Set ReDner zahlte eine Reihe von Aufgaben auf, die Den Assessoren übertragen finD. Die Verminberung Der Reviere habe nicht unwesentlich Dazu beigetragen, Die Arbeiten zu vermehren. Viele Oberförstereien seien heute schon überlastet und tonnten kaum noch ordnungsgemäß ihre Arbeiten erledigen. Wenn die Beschlüsse Des FinanzausschusscS Durchgeführt tuürDen, so werde Damit Die Forfteinrichtung vollständig zum Erliegen kommen. 80 Proz. Des Waldes in Hessen seien jetzc noch ohne Forstein- richtung. Sie Einsparung Der Hilfsstellen werde • i finanziellem Rächtest Des Staates führen. Ueber Das Thema Fahrtesten referierte Oberforstmeister Sv. Baader- Schotten, Der ausführte. Daß der Abstrich von 27 500 Mark im Rahmen Des Budgets toentg bedeute, für Die Forstverwaltung aber viel. Insgesamt wären 77 400 Mark angefordert, so Daß Der Abstrich nicht weniger als 35 Proz. betrage. Ser Außendienst könne mit Dem Dienstfuhrwerk Dann nicht mehr versehen werden; das bedeute eine Verminderung Der ProDuktion. Betriebsaufsicht unh -leitung ließen sich aber nicht vom grünen Tisch ans regeln. unD Der Außendienst sei unbedingt notwendig. Sic Fahrkosten hätten nur einen geringen Anteil an Den Betriebsausgaben, sie betrügen auch nur einen geringen Bruchteil her Gesamtausgaben. Kein Privatbetrieb mit größeren Umsätzen arbeite mit so wenig Fahrkosten. Der ReDner wies auf Die besonders schwierigen Verhältnisse Im Kreife Schotten hin, wo Die meisten Förstereien weit abliegen und große HohenuntcrichieDe zu übertoinDen wären. Die LandtagSabgeordnelcn hätten wohl BaD-Rauheim, Die WeinbauDvmäne und andere Einrichtungen besichtigt, niemals jedoch einen Wald. Ser Redner lud Dann den Landtag ein, einmal sein Revier in Schotten zu besuchen (scherzhafte Zurufe: aber ohne Fuhrwerk?). Oberforstrat Kammer, Beerfelden, erörterte Die Auswirkungen Der Beschlüsse Des Finanzausschusses auf das Dienstfuhrwerk. Er verglich Die Bestimmungen über Die Pferdehaltung ufw. in Hessen mit Denen in Preußen. Sachsen und Württemberg. Aus den Dergleichen gehe hervor, Daß sie in Hessen schlechter wären unD Dringend einer Reuregelung bedürften. Der ziffernmäßige Erfolg Des Abstriches durch den Finanzausschuß werde ausbleiben. Auszeichnung der Holzhiebe. Aussortierungen usw. könnten ohne Inanspruchnahme von Fuhrwerk nicht Durchgeführt wcrDen. Der D i e n st a u f w a n D ist. wie Oberforst- meister Heyer ip einem weiteren Dortrag bemerkte. der MehraufwunD für besonDere Arbeiten. Man verlange, wenn die Beschlüsse Des Finanzausschusses verwirklicht würDen, geradezu, daß der Oberförster diese Unkosten aus seiner Tasche bezahlen müsse, was unmöglich sei. In anderen Ländern wäre Diese Angelegenheit ebensalls viel besser geregelt. Sie Sienftauf- wanbsentschädigung betrage gleichfalls nur einen Bruchteil Der Ausgaben am Gesamtertrag gemessen. Ueber Den inneren Dienst erstattete Oberförster Rausch Bericht. 3m Finanzausschuß wäre erklärt worDen, man wolle nicht schematis ch abbauen. 3m Anschluß an Diese Erklärung schilderte der Redner eingehend die Aufgaben und Den Geschäftsgang Der Oberförstereien. Seit KriegsenDe habe sich Die Arbeit stark vermehrt, namentlich Durch Die Übertragung Des Si eDlungswesens unD Durch Die Berechnung Der Einkommensteuer Der beschäftigten Arbeitskräfte. Die Berzögerung einer Holzversteigerung könne unter Umständen einen Ausfall von Tausenden Mark bedeuten. Ser Redner bat zum Schluß seiner Ausführungen Den LanDtag. Die Kosten für Die Hilfskräfte in Der beantragten Höhe zu bewilligen. Alle Ansprachen würben mit lebhaftem Bei- fall angenommen. Es folgte hierauf eine Aussprache. Die mit Der Annahme nachstehender Entschließung schloss ..Sie aus Anlaß der Beschlüsse Des Finanzausschusses des Hessischen Landtages auf Den 22. Februar 1926 nach Frankfurt a. M. einberufene von 150 Mitgliedern besuchte außerordentliche Tagung Des Hess. Obersörster - BerbanDcs ist sich einhellig über Die Derzeitige Rotlag e deS hessischen Staates klar. Es ist außer Zweifel, Daß Sparmaßnahmen ergriffen werden müssen. Der Derbandstag hält es aber für seine Pflicht, nachdrücklich zu warnen vor Beschlüssen. Deren Durchführung keine E r - fparnis beDeutet, sonDern eine wesentliche DerminDerung Der Reineinnahmen aus Den Staats- unD GemeinDewalDungen zum Rachteil Des Volkswohles. Er nimmt Deshalb zu Den Beschlüssen Des Finanzausschusses zu Kapitel 1; Forst- unD Kameralgüter wie folgt Stellung: 1. 3eDe weitere Verminderung Der Anzahl Der Forstämter kommt einem wirtschaftlichen Rückschritt gleich. Durch Den Abbau von 12 Forstämtern ist bereits Der Stand von 1879 bei weitem unterschritten. Denn seit Dieser Zeit hat Die Walbflache einen Zugang von 9000 Heitar erfahren. Außerbcm sink) in Den Forstänuern 14 000 Hektar Kameralbomänen. Die bis Dahin von eigenen BehörDen (Den Rentämtern) verwaltet warben, zugewiesen worden. Worum glaubt man nur bei bet Forstverwal- tuna auf den Stand von 1879 zurückgchcn zu müssen? 2. Die im Voranschlag wie seither emgestell- ten 27 Hilfskräfte (Oberförster o. R. und Forstassessoren) will der Fmanzaus'chuß um 10 vermindern. Der Abstrich von 10 Hckfsbeamten bedeutet, daß 143 000 Hektar Staats- und Gemeindewald in Hessen weiterhin ohne Forst- e i n r i ch t u n g bleiben soll. 3m Staatswald muh dann eine Wirtschaft getrieben werden, die weder über Vorräte noch über Abnutzung Rechenschaft geben kann. Die Gemeinden aber haben im Hinblick auf die in Hessen bestehende staatliche Veförsteruna einen rechtlichen Anspruch darauf, das; ihr wertvolles, in ihren Waldungen angelegtes Vermögen nicht einer derartigen planlosen Wirtschaft ausgeliefert wird. 3. Die Fahrkosten im Gesamtbeträge von 77 400 Mark für alle hessischen ForstLinter sind das Allermindeste, um die Leitung und Kontrolle des äußeren Dienstes aufrechtzuerhalten. 3m Rahmen der von der Forstverwaltung getätigten Gesamtumsätze betragen sie nur 0.4 Pro;.! Welcher privatwirtschaftliche Betrieb arbeitet derartig sparsam? 4. Der Dien st aufwand, den der Finanzausschuß völlig streichen will, stellt die Vergütung für den Mehraufwand bei auswärtigen Dicnstgeschäften dar. Er ist die pauschale Abgeltung für die Bezirkstagegelder. Warum erfolgt vieler Abstrich einseitig nur bei den Forstver- waltungsbeamten? 5. Der Revierverwalter kann den Außendienst nur dann pflichtgemäß ausführen und Höchsterträge erzielen, wenn für ausreichende und gut vorgebildete Schreibkräfte Sorge getragen ist. 3eder Abstrich an Schreibkräften bürdet dem bereits überlasteten Revierverwalter Schreibarbeiten auf, die ebensogut von billigeren Kräften ausgesührt werden können, und entzieht ihn her produktiven Tätigkeit im Walde." Parlamentarisches aus Hessen. Die Deutsche L o l k s p a r t e i hat im Land- t a g beantragt: Der Landtag wolle beschließen, die Negierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung darauf hinzuwirken, daß in dem geplanten A r - beitslosenverficherungsgeseh d i e Pflicht der Erwerbslosen zu einer b e - st i m m t e n A r b e i t s l e i st u n g gemeinnütziger Natur nicht nur nicht beseitigt, sondern zwingend fe st gelegt wird. — Die Tatsache, daß die nach den jetzigen gesetzlichen Bestimmungen von jedem Erwerbslosen zu leistende Pflichtarbeit vielfach nicht gefordert wird, hat bei der Bevölkerung, nicht zuletzt bei dem nicht erwerbslosen Teil der Arbeiterschaft, berechtigte Mißstimmung hervorgerusen. Um so mehr muß es befremden, daß in dem Entwurf des Ar- beitslosenversicherungsgesetzes die Pflichtarbeit praktisch beseitigt wird. Der Einwand, daß die Pflichtarbeit mit dem Wesen einer Versicherung nicht vereinbar sei, kann nicht durchschlagen, wenn man bedenkt, daß öffentliche Mittel auch nach Erlaß des Versicherungsgesetzes in erheblichem Umfange beansprucht werden, und wenn man berücksichtigt, daß wir in einer Not- ze i t leben, in der jeder Gesunde und Arbeits- sähige sein Teil dazu beitragen muß, Aufgaben gemeinnütziger Natur lösen zu helfen. Auf den Antrag des Abg. Dr. Werner unb Genossen, die Stellung der Regierung zu einem Mehrheitsbeschluß deS Landtags in der FortbildungSschulfrage, hat das Landesamt für das Dildungswesen folgende Antwort erteilt: Dem vom Landtage am 10. 3uli mit Mehrheit angenommenen Antrag Dr. Werner, Dr. Keller und Dr. von Helmolt kann nicht, wie im Anträge gesagt ist, durch eine Abänderung der Ausführungsbestimmungen entsprochen werden. Art. 23 des Volksschulgesetzes bestimmt eindeutig, daß Schüler und Schülerinnen, die nus der seither besuchten Lehranstalt' im 10. Schuljahre auStreten, bis zum Abschluß des 11. Schuljahres zum Besuche der Fortbildungsschule verflichtet sind. Hieraus ergibt sich, daß die Durchführung des Antrages eine Gesetzesänderung zur Voraussetzung hat. Rach Art. 71 V. Sch. Ges. mit der Ausführung des Dolks- schulgesetzes beauftragt, habe ich für die Ausführung des Gesetzes die volle Verantwortung zu tragen. 3ch habe deshalb die größten Bedenken, den in Frage stehenden Beschluß des Landtags ohne vorausgegangene Gesetzesänderung durchzuführen. 3ch bin jedoch bereit, in weitestgehender Auslegung des Art. 23, Satz 4V. Sch. Gef. die Schüler und Schülerinnen mit Obersetundareife vom Besuche der Fortbildungsschule allgemein überall da zu befreien, wo eine di e gesteigerte Allgemeinbildung der Schüler berücksichtigende Fortbildungsschulklasse oder eine ihrem Berufe entsprechende Fachklafse nicht vorhanden ist. Der deutschnationale Landtagsabgeordnete Dr. Werner bittet uns zur Ergänzung seines Antrags im Finanzausschuß mitzuteilen, daß er beantragte, den Gemeinden die Volksschullasten unter Zuweisung von entsprechenden Steuern zu überlassen. 2lus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. Februar 1926. Unser neuer Roman, mit dessen Abdruck wir morgen beginnen, ist ein Werk, das für den gesamten Kreis unserer Leserinnen und Leser interessantester Anziehungspunkt und eine von Tag zu Tag mit gesteigerter Spannung erwartete und verfolgte Lektüre werden durste: „Die tolle Herzogin" von Ernst klein ein moderner Abenteuerroman, der, in einem ungemein zwingenden und tatsächlichen Stil geschrieben, von den Lebensschicksalen eines Offiziers erzählt, den der große Krieg aus der vorgeschriebenen Bahn geworfen und in die weite Welt verschlagen hat, mitten hinein in die Schauplätze und wechselnden Stationen einer überaus fesselnden, verdichteten und verschlungenen Handlung: Alexandrien — London — Ostende. Die große Gesellschaft, die große Liebe, die große Politik, Spielerglück und Verbrecherjaad — das sind die Elemente, die unsere neue Geschichte bewegen. Ihre Menschen haben bei aller Romantik und Abenteuerlichkeit ein seltsam wirkliches Gesicht, ihre Begebenheiten den mitfüh- renden, schwingenden Rhythmus einer stürmischen Zeit. Der fröhliche Weinberg. Zur Aufführung des Lustspiels am Gießener Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau geht uns die nachfolgende Zuschrift zu. Habent sua fala libelli. Aber nicht nur Bücher, auch Theaterstücke erleben manchmal eigenartige Schicksale: jedenfalls kann man dies von Karl Zuck- mayers Lustspiel „Der fröhliche Weinberg" behaupten. Bevor es noch über die Bretter gegangen war, wurde es viel besprochen, da ihm der diesjährige Klelftpreis zuerteilt worden war. Diese Entscheidung wurde von verschiedenen Seiten bekrittelt, aber cs ist wohl zu begreifen, daß nach Ueberwindung von Symbolismus, Expressionismus und anderen Ismen, nachdem auch die jüngsten „Dichter" mit ihren Werken voll erotischen Gestammels und snobistischer Konstruktionsdramatik sich nicht als die Retter des deutschen Theaters erwiesen hatten, man auf einmal eine ganz andere Richtung ermuntern wollte. Zuckmayer nennt sein Stück ein „Lustspiel": er hat damit einen Irrtum begangen und überflüssige Vorurteile hervorgerusen. Denn „Der fröhliche Weinberg" ist kein „Lustspiel" in der hergebrachten Bedeutung des Wortes, er trägt vielmehr Züge, bringt Figuren, die sehr an den Schwank, ja an die Posse alten Stils gemahnen. Aber Zuckmayer bringt in seinem Werk, besonders in den beiden ersten Akten, so viel bodenständige Unmittelbarkeit, so viel ed)t empfundenen rheinischen Humor auf die Bühne, daß fein Erfolg wohl zu begreifen ist. Gewisse Derbheiten und Keckheiten im Dialog und Situation, wie sie die Buchausgabe enthält, sind vom Dichter selber nicht für die Bühne gedacht und für die Aufführung von Intendant und Spielleiter, die sich übrigens Dorstellungen des Werkes an andern Bühnen angesehen haben, gemildert ober ganz gestrichen werden. „Der fröhliche Weinberg" präsentiert sich also in Wirklichkeit als luftige Milieuschilderung aus dem rheinhessischen Volkslebens im Gewände eines derben Volksstückes, und wenn er auch kein Tummelplatz für Kinder ist, so kann sich der vorurteilsfreie Erwachsene doch recht gut einige Stunden an seinen Trauben erlaben. Es dürften hier einige Bemerkungen interessieren, die Zuckmayer, der Mainzer ist, in einem in den Mainzer Zeitungen veröffentlichten offenen Brief gemacht hat, als vor einiger Zeit ein Kampf um Die Aufführung des „fröhlichen Weinberg" am Mainzer Stadttheater tobte. Zuckmayer schreibt da u. a.: „Ich habe mein Stück geschrieben, um einfachen. unverbildeten, vorurteilslosen Menschen Freude zu machen, um das einfache starke Lebensgefühl, die Lust an primitiven, natürlichen Empfindungen zu wecken und zu beleben. ... In einem Augenblick, in dem ich über 70 Annahmen in ganz Deutschland, in der Schweiz, Oesterreich, Holland, Skandinavien erreicht habe, fommt es mir nicht darauf an, den Mainzern mein Stück aufzudrängen, wenn sie es nicht wollen." Unter den 70 Bühnen, an denen „Der fröhliche Weinberg" angenommen ober bereits aufgeführt worden ist, befinden sich die städtischen Bühnen zu Frankfurt a. M., das Landestheater Darmstadt, das Staatstheater Wiesbaden und das Stadttheater Mainz. Wenn das hiesige Stadttheater das Werk nun auch gibt, bleibt es nur seiner Tradition treu, interessante Werke als eine der ersten Bühnen herauszubringen. Auch in Stuttgart hatte man ursprünglich Bedenken gegen die Aufführung des Stückes. Ueber den Erfolg der am 7. Februar stattgehabten Erstaufführung schreibt das „Stuttgarter Tageblatt": „Der fröhliche Weinberg" wurde bei der Erstausführung mit wachsender Heiterkeit ausgenommen und am Schlüsse von stürmischem, völlig unwider- sprochenem Beifall umjubelt." Hier im Hessenlande dürfte cs ähnlich kommen, zumal die Einstudierung des Werkes in sorgfältigster Weise geschieht und in den Händen eines bewährten, zudem dialektkundigen Spielleiters liegt. H. St. .............. i„ iiiBniuMMa Wietzener Wochcnmarktpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 150 bis 170 Pfennig, Matte 25 bis 35. Käse 65 bis 140. Wirsing 25, Weiß, traut 15 bis 25. Rotkraut 30, gelbe Rüben 25. rote Rüben 20, Spinat 40, Unlerkohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 30 bis 35. Rosenkohl 70. Feldsalat 120 bis 150, Endivien 100, Zwiebeln 20, Meerrettich 50 bis 70. Schwarzwurzeln 60 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 25, Rüsse 60, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120; pro Stück: Eier 10 bis 12, Blumenkohl 60 bis 180, Salat 40, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 60 Pfennig. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 7.30 Uhr „Sakuntala" (Ende gegen 10 Uhr). — V. D. A.: 8.15 Uhr, Reue Aula der Universität. Lichtbildervortrag. — Gewerkschasts- haus: 8 Uhr, Lichtbildervortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Freies Volk". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Auf die heutige erste Wiederholung des indischen Märchendramas „S a k u n t a l a", das bei der Erstaufführung durch Darstellung unb Ausstattung einen außerordentlich tiefen Eindruck hervorgerufen hat, sei auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht. — Herr Julius B a st e, der im zweiten Jahre unserem Theater angehört, ist ab September d. I. an bas Mainzer Stadttheater für fein Fach engagiert worden. — V. D. A. Vortrag von Ferd. W e ck e r l i n g über bas Thema,, Auf der Donau zu den Do- brudschadeutschen" 8.15 Uhr in der Reuen Aula der Universität. — Eine Ausstellung niederdeutscher H a n d w e b e r e i e n ist am Mittwoch und Donnerstag im Ausstellungssaal der Buchhandlung Keißner zu sehen. Näheres im heutigen Anzeigenteil. — Pfarrer Korell spricht am Donnerstagabend im Katholischen Bereinshaus über „Amerika und Deutschland". Näheres in der heutigen Anzeige. — Frauenbund. Mittwoch und Donnerstag 4 und 8 Uhr im Hotel Prinz Carl Servierkursus. Näheres im gestrigen Anzeigenteil. — Zweigverein vom Roten Kreuz. Kommenden Donnerstag, 2.5. Februar, nachmittags 5 Uhr, Landgerichtsgebäuise, Saal 52, Mitgliederversammlung. ** Oef f ent liche Radioanlagen sind st e m p e l p f l i cht i g. Rach einer Verordnung der hessischen Regierung unterliegen Radioapparate, die in Wirtschaften der Unterhaltung der Gäste dienen, der Stempelsteuer- Pflicht. Erlaubniskarten erteilt das zuständige Kreisamt. ** Die Entrichtung staat 1 icher G e - iu erbe ft euer betrifft eine Bekannttnachung in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir hiermit besonders aufmerksam machen. ** Die Kurzarbeiterfürforge. Der Reichsrat genehmigte eine Verordnung über Kurzarbeiterfürsorge. Danach erhalten Arbeitnehmer eines geweblichen Betriebes, in dem regelmäßig bundestens zehn Arbeitnehmer beschäftigt sind, aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge Kurzarbeiterunterstützung, wenn in einer Kalenderwoche drei, vier ober fünf volle Arbeitstage ausfallen. Die Unterstützungen bürfen in jeder Kalenderwoche beim Aus- fall von drei Arbeitstagen einen Tagessatz, von vier Arbeitstagen zwei Tagessätze und von fünf Arbeitstagen drei Tagessätze der Erwerbslosenunterstützung nicht übersteigen. Die Unterstützung wird höchstens für die Dauer von sechs aufeinanderfolgenden Kalenderwochen gewährt. Sie ist zu versagen oder zu entziehen, wenn dem Kurzarbeiter anderweitige Arbeit nachgewiesen werden kann. Die Verordnung tritt am 1. März in Kraft. ** Keine deutschen Kriegsgefangenen mehr in Frankreich. In mehreren deutschen Blättern sind in der letzten Zeit wieder Nachrichten aiisgetaucht, wonach in Cayenne und in Französisch-Marokko noch ehemalige deutsche Kriegsgefangene festgehalten werden. Diese Meldungen entbehren jeder Grundlage. Die französische Regierung hat wiederholt erklärt, daß außer einem wegen Mordes zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilten Kriegsgefangenen sich weitere Kriegsgefangene in Frankreich oder feinen Kolonien nicht mehr befinden. An der Richtigkeit dieser Angaben zu zweifeln besteht kein Anlaß. Vielmehr haben sich die immer wieder austauchenden Gerüchte über zurückgehaltene Kriegsgefangene bei näherer Nachprüfung stets als unbegründet erwiesen. Mitteilungen der oben erwähnten Art sind nur geeignet, die Angehörigen vermißter Kriegsteilnehmer zu beunruhigen unb Hoffnungen zu erwecken, bie sich nachher als trügerisch erweisen müssen. Wichtig für Kriegsbeschädigte. Die Kriegerkameradschasl Hassia teilt mit: Kriegsbeschädigte, die auf Grund der Novelle vom 30. Juni 1923 aus der Rentenversorgung ausgeschieden sind (20 Proz.), erhalten eine einmalige Abfindung von 50 Mk., wenn ihr durchschnittliches Monatseinkommen 200 Mark nicht übersteigt. (Steuer, Kranken- faffenbeiträge usw. abgerechnet). Anträge sind umgehend an das Dersorgungsamt einzureichen, weil mit dem 28. Februar 1926 die Frist für diese Anträge abläuft.. Auch läuft an diesem Tage die Antragsfrist für die einmalige Entschädigung von 1000 Mark gegen Rückgabe des Beamtenscheines (Versorgungsscheines) ab, wenn die Besitzer infolge schwerer Leiden den Schein nicht ausnugen konnten. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gießen. Stadtkirche. Mittwoch, 24. Februar. Abends 6 Ahr: Passionsgottesdienst. Psarrassistent Hertel. ** Briefsendungen nach dem Ausland richtig freimachen! Trotz wiederholter Hinweise werden immer noch in großer Zahl Briei fenbungen nach bem Ausland von den Absendern unzureichend freigemacht. Volle Freimachung der Sendungen Regt im eigenen Vorteil der Absender, da sie den Empfängern auf diese Weise die Be Zahlung von Nachgebühren sparen, die in der Regel in doppelter Höhe des Fehlbetrags bei der Aushändigung der Sendung erhoben werden. Außerdem laufen die Absender nicht Gesabr, baß die Annahme der Sendungen von den Empfängern wegen der Belastung mit Nachgebühren verweigert wird, und daß die Nachgebühren dann von ihnen eingezogen werden. ** Von der Bezirks sparkasse Gie- ß c n. In her außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde der seit 20 Jahren bei der «Sparkasse als Beamter tätige Kasseninspektor Heinrich Frick aus Gießen zum Kontrolleur und weiteren Vorstandsmitglied gewählt. Nachdem am 16. d. M. seine Verpflichtung durch die Aufsichtsbehörde, das Kreisamt Gießen, ftattgefunben, hat der neuernannte Kontrolleur ferne Dienftgefchäfte nunmehr übernommen. Die Versammluna stimmte dem vom Aufsichtsrat der Sparkasse beschlossenen Ankauf eines kleineren Wohnhauses zwecks Unterbringung eines Mieters des Sparkassengebäudes zu, nachdem sich eine andere Lösung zur Beseitigung des emvsind- lichen Raummangels der Geschäftsräume, erhöhter Kosten halber, als nicht gangbar erwiesen hatte. Im Laufe des Spätfrühjahres wird ein Teil des internen Geschäftsverkehrs, wie Buchhaltung, Registratur usw. in den ersten Stock des Svarkassengeoäu- bes verlegt werben, währenb der Geschäftsverkehr mit bem Publikum sich nach wie vor in ben seit herigen Räumen des Erdgeschosses abwickeln wird. L Vom Tierschutz-Verein für Hes- s e n werden auch in diesem Jahre wieder Prämien an solche Dienstboten und sonstige Personen verliehen, die sich durch gute Behandlung und gewissenhafte Pflege der ihnen anoertrauten Tiere ausgezeichnet Haden. Meldungen dieser Art müssen an die Ortsvertreter des Vereins gerichtet werden, die sie dann dem Vorstand in Darmstadt einreichen. Für besonders rührige Werbung und den erfreulichen Erfolg hat der Hauptoorstand u. a. den Orts Vertretern Rektor E r b in Lich, Rektor Dr. R e i n in Wiefeck, Lehrer Bommersheim in Bad Nauheick und Lehrer Vergott in Nidda Anerkennung und herzlichen Dank in der Vereinszeitschrift ausgesprochen. * Evangelische Volksgemeinschaft. Aus der Kreisversammlung der „Evangelischen Volksgemeinschaft" im „Hindenburg" berichtete der Schriftleiter der „Evangelischen Warte", Pfarrer Hamburger, Staden, über den 1. Rednerkursus in Ober-Lais, der einen guten Fortschritt für die junge Bewegung bedeute. Bürgermeister Völker, Lich, verbreitete sich über die Wahl des Provinzial ausschusses: die von ihm dabei eingenommene Stellung erfuhr allseitige Billigung. An Stelle des verhinderten Landwirts Seum, Fauerbach, sprach Pfarrer Weidner, Ober-Lais, über die ungerechte Steuer- und Kreditverteilung in der Land wirtschaft. Der Kreisoorstand Gießen wurde in folgender Weise gebildet, wobei Zuwahl gestattet ist: Vorsitzender Bürgermeister Schäfer,' Watzenborn-Steinberg: Stellvertreter Pfarrer Sattler, Wieseck; Schriftführer Oberbahnhos Vorsteher i. R. Wahl, Lich: Beisitzer: Landwirt Theodor Schlag, Hausen, Bürgermeister Schmidt, Lollar, Kreiskassebirektor Kauß, Gie ßen, Studienassessor Kurz, Gießen. Abends beleuchteten „Wesen und Ziele der Evangelischen Volksgemeinschatt" Bürgermeister Völker unb Pfarrer Weidner: dieser konnte als Reichsgeschäftsführer Erfreuliches über den Stand der Bewegung im Reich berichten. In sehr temperament- vvller Weise sprach Pfarrer Ide, Höchst a. M. Unter Voranstellung der konfessionellen Gründe zeigte er, wie in seiner Jndustriegemeinbe die Gründung der E. V. gerade von der Arbeiterschaft begrüßt wurde. i,1;" Goethe-Bund. Der literarische Abend am letzten Sonntag brachte eine Fortsetzung des seinerzeit beifällig aufgenommenen Abends jüngster deutscher Dichtung. Standen damals Wilhelm von Scholz unb Will Vesper im Mittelpunkt, so kamen biesmal Wilhelm Schäfer, Felix Braun und Otto Stoessl mit erlesenen Anekdoten unb Novellen, Hans Friedrich Blunck mit einem Märchen von der Niederelbe zu Wort. In den Vortrag hatten sich bet Bundeswart unb Fräulein Gretel Auer geteilt: besonders sein vermittelte bie zarte Kunst von Frl. Auer bie Schönheiten bes dichterischen Werkes. ** Eine parlamentarische Seron* staltung der hessischen Gemeinde- beamten. Morgen. Mittwoch, findet in Darmstadt ein parlamentarischer Abend der hessischen Ge- meinbebeamtenschaft statt. Eingeladen sind außer dem Präsidium des Landtags sämtliche hessischen Landtagsabgeorbneten und die Presse. Direktor Zschech (Offenbach) wird einen Vortrag über die derzeitigen Rechtsverhältnisse der hessischen Land gemeinbebeamten halten. Ein zweites Referat wirb als Vertreter der hessischen Lanbburgermeister Bürgermeister H a i n z aus Dietesheim erstatten. Arbeitsvevgebung. Die zum Abbruch unb der Neuaufführung der baufäUtgen Kirchshossmaucr in Rödgen erforderlichen Erb- unb Maurerarbeiten sollen öffentlich vergeben werdet;. 1699C Angebotsvordrucke sind bei uns (Zimmer Nr. 18) gegen Erstattung der Selbstkosten erhältlich, woselbst auch die Bedingungen eingesehen werden können. Die Angebote sind verfchlosfen zu bem am Dienstag, bem 2. März d. vormittags 10 Uhr, ftattfinbenben Er oft nungstermin einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 22. Februar 1926. __________Kreisba'iverwaltung. Bekanntmachung Der Voranschlag der Gemeinde Stock. Haufen liegt vom 23. I. Mts. an eine Woche lang auf unserem Bureau zur Einsicht offen. Es ist bie Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ans. märker beizutragen haben. KOtD Stockhausen, 21. Februar 1926. Bürgermeisterei Stockhausen, Jochim. eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee« /Achtung! Sietzenervogelhaur Wolkengasse 17. Gebe bis zürn Camötaa. dem 27. Febr., bei jedem Kanarienhabn einen Bergsinken ober Dompfaffen gratis. Grosze Auswahl in erotischen Bügeln. Sehr btütfl. 01260 Bin unter 01252 Nr. 850 an das hiesige Fernsprechnetz angeschlosien. Ernst Müller A jk Kohlen-, Koks-, Brikett- * % und Holzhandlmig Crednerstrahe 14. Brennholzoersteigerung. Bei der am Freitag, bem 26. Februar 1926, vormittags 9' Uhr, ftattfinbenben Versteigerung im Stabtwald, Bezirk des Försters Arft, kommt außer den bereits verönentlichten Mengen noch folgenbes Brennholz aus Abteilung 98 zum «erkauf: 16988 3050 Wellen Cichen-Stammreisig, 990 Wellen Hainouchen-Stammreisig, 250 Wellen Erlen-Stammreisig, 100 Wellen Kiefern-Stammreisig, 430 Wellen Fichten-Stammreisig, 720 Wellen Weiden- u. Aspen-Stamm- reiftg, 50 Wellen Linben-Stammreisig, 1,1 rm Erlenknüppel. Zusammenkunft: Kreuzung Licher Str. — 8. Schneise. Gießen, 22. Februar 1926. Der Oberbürgermeister. I. B ' Dr. Rosenberg. RMWMAtt ^emtiDWn Ausstottiiüg Mein u. preiswert öle BrUhi fthe liniD.-Biutferei. H. fange. Gietzen, SttiuHtr. 7. & sind oft ausschlaggebend Ein schlecht geputzter Schuh zerstört den Eindruck einer sonst tadellosen Eleganz. In diese Verlegenheit kommen Sie nie, wenn Sie zur Schuhpflege immer Erdal Marke Rotfrosch verwenden, das die ursprüngliche Schönheit des Schuhes erhält. 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Hans Mierendorf, Eduard von Winter- stein usw., dargestellt. Ferner: Priscilla Dean, die rassige Filmschönheit in dem prachtvollen Stierkampf-Film Ole Sirene von Sevilla 7 Akte mit herrl. Originalaufnahmen aus Spanien. 1697c 8jäbriges MWw ((Stute) mit Wagen und Geschirr krank- heirshalber au verk. 01255 Steinstr. 43. Goldbarsch o. Kops, Pfund 40 Grüne Heringe, Pf. 20-»,3Pf. 55-) Frische FischkotelettS Pfund 35 und 40 Prima Cabliau o. K. im ganzen Fisch, Pfund 30 H im Ausschnitt, Pfund 35 -) ff. Seelachs ohne Kopf im ganzen Fisch, Pfund 25 <-, im Ausschnitt, Pfund 30 -) Bücklinge auS heutiger Sendung, Pfd. 32 -z, die Stifte 5 Pfund netto, Je 1.50 Rollmops Bratheringe, Heringe in Gelee, BiSmarckherilige, Kroniardinen die 1-Ltr.-Dose ./< 1. die 4-L,iter- Dofe J( 3.20 Sauerkraut selbstetngescknittenes, Pfund 18-;, 3 Pfund 50 -) 1711c WOHMM« Babnbosstr.27, Telephon 1631 Stehkragen mit Ecken, 4fach Mako................ Stehumlegkragen 4fach Mako............... 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Der deutsche bürgerliche (Verband verhielt sich trotz der angesagten scharfen Protestegegen die.Sprachen Verordnungen Verhältnis- mähig ruhig, während die slowakischen Autono- inisten, welche (Verhandlungen mit der (Regierung eingeleitet haben, völlig unbeteiligt blieben. Die Eturmszenen, bei denen es auch zu Tätlichkeiten zwischen einzelnen Abgeordneten kam, dauerten während des ganzen Exposees des Auhen- niinisters Benesch über die ungarische Geldfälscheraffäre fort, so daß trotz der angebrachten sechs Megaphone fein (Dort verständlich war, da die Opposition mit ohrenbetäubendem Geschrei, Pfeifen, Johlen und Autohupensignalen alles übertönte. Aus der (Rede des Ministers ist das Angebot bemerkenswert, mit Ungarn einen mitteleuropäischen Garantie Pakt abzuschließen. Die Tschechoslowakei sei bereit, in einem solchen Pakte dem Völkerbund dieselbe (Rolle einzuräumen, wie im Westpakte und sogleich, falls Ungarn dies wünsche, (Beweise dieser Politik zu geben. Auf Grund des Ergebnisses der Untersuchungen in Ungarn werde sich zeigen, inwieweit die Tschechoslowakei von der Freiheit Gebrauch machen werde, zu geeigneter Zeit mit dieser Angelegenheit vor ein internationales Forum zu treten, (öenesch sprach schließlich die Hoffnung aus, daß es in der ganzen Angelegenheit zu feinem ernsten Zwischenfall kommen und Daß man sich direkt einigen werde. Ueber das mitteleuropäische Locarno könne die Tschechoslowakei sofort mit allen eventuellen Beteiligten verhandeln und dies sei auch der Standpunkt Der ganzen Kleinen Entente. Gegen die Sprachenverordnungen fanden in den letzten Tagen große Protestversarnm- langen in Prag und in Aussig statt, in denen zahlreiche deutsche Parlamentarier, Parteiführer und Vertreter deutscher Kommunen gegen die Vergewaltigung des sudetendeutschen Volkes Durch die Sprachenverordnungen sowie gegen den Wortbruch Stellung nahmen, der sich darin äußere, daß die Regierung im Jahre 1921 zugesagt habe, sich vor Erlassung der Sprachen- vcrordnungen mit den deutschen Volksvertretern ins Penehmen zu setzen, was jedoch nicht geschehen 'ist. Der deutsche Verband hat gemeinsam mit der deutschen Rationalpartei, den deutschen Sozialdemokraten und den Kommunisten einen von über 100 Abgeordneten gefertigten Antrag überreicht, der (Regierung wegen Verletzung des international verbürgten Sprachenschutzes der nationalen Minderheiten durch die Sprachenverordnungen daS Mißtrauen auszusprechen. Der Streit der tschechischen Parteien über das Präsidium in der Kammer ist so gelöst worden, daß die Führer der verschiedenen Koalitionsparteien turnusmäßig miteinander im Präsidium abwechseln werden. In der tschechischen Presse machte sich in den letzten Tagen die lebhafte Befürchtung bemerkbar, daß Polen einen nichtständigen Sitz im Völkerbundsrat auf Kosten der Tschechoslowakei erhalten könnte. Deshalb äußern sich sämtliche tschechischen Blätter für die Zuweisung eines ständigen Ratssitzes an Polen. Interessant ist, daß die nationaldemokratische „Ra- rodni lisch" bereits auf die Schwierigkeiten Hinweisen, mit denen ein kleiner Staat als Ratsmitglied zu kämpfen habe, und betonen, daß die Frage des weiteren Verbleibens der Tschechoslowakei im (Rate im Herbste aktuell werden würde. Bei dieser Gelegenheit werde auch für Die Tschechoslowakei die Frage aufgerollt werden, ob es für sie praktischer sei, im (Rate zu bleiben oder nicht. Das Blatt erfährt aus London, daß Polen nicht einen ständigen Ratssitz, wohl aber einen gewählten erhalten würde. Die Frage des Verbleibens der Tschechoslowakei im Rate werde im Zusammenhang mit der polnischen Frage geregelt werden. Sein oder Nichtsein. Ein Kriminalroman von der Wasserkante. Von Moritz Schäfer. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Alles recht schön und gut", Hub einer' an und zuckte die kAchseln. „Aber wenn Sie auch nicht durchgegangen sind — wir wollen doch mal, da wir so hübsch hier versammelt sind, da wollen wir doch nu mal ganz genau wissen, woran wir sind." „Wie soll ich das verstehen?" Da drängle sich mit weitausladender Geste, als gelte es, eine Woge mit kräftigen Schwimmerarmen zu teilen, ein untersetzter Mann mit breitem Vollmondgesicht von hinten bis in die vordersten Ncihen. Der Vollmond, der allerdings durch vorgestrige Bartstoppeln ein wenig in feiner Leuchtkraft behindert war, trug eine Glatze, wie es sich für ein menschliches Abbild seines vielbesungenen himmlischen Musters ziemt, und über der Glatze saß ein mausgrauer Biedermeierfilz von so altehrwürdiger Form, daß man annehmen muhte, es fei ein vom Urahn überkommenes Inventar. In einem Kleidungsstück gleicher Herkunft stak des Mannes gedrungener Oberleib, nämlich in einem Bratenrock vom Schnitt jener seligen Tage, in denen der Großvater die Großmutter freite. Merkwürdig kontrastierten mit diesen Reliquien die Hosen, in denen die kleinen, dicken Spazierknüppel steckten. Die Buxen waren neu und verrieten in ihrem Würfelmuster einen von Teitenwinkel bis Teterow viel angestaunten Schlager der Abteilung „Web- und Wirkwaren" auf dem letzten Rostocker Pfingst- markt. Ohne viel Phantasie aufzuwenden, durfte man annehmen, daß der Träger dieser schönen Buxen, die übrigens in hohen Stulpenstiefeln mündeten, die nouveaut6e als Ersatz für die durchge- wetzten Unaussprechlichen seines Urahns erworben hatte. Auf diese ungezwungene Weise erklärt sich die Mischung aus Altehrwürdigem und Hypermodernem in der Erscheinung unseres Schwimmers, der sich, nachdem er die Wogen mit mächtigem Arm geteilt hatte, breit vor Lorenzen hinpflanzte und, auf seinen respekteinfliehenden Knotenstock gestützt, das Wort an die Menge richtete: „Ruhig, Lüt, lat m i man reden!" Turnen, Sport und Spiel. Turnen. gum Gauturnfest in Nidda. ll. Nidda, 22. Febr. Unsere Stadt rüstet schon eifria für das Gauturnfest am 12. Juli. Alle Ausschüsse sind in reger Tätiakeit. Besonders die Arbeit des Wohnungsausschufses schreitet rüstig voran. Gewaltige Vorarbeit ist zu leisten, denn man rechnet mit dem Besuch von 8000 Turnern, eine für kleinere Verhältnisse recht bedeutende Zahl. Wie schon jetzt gesagt werden kann, wird durch die Opferfreudigkeit der Einwohner Niddas und Umgebung die Unterkunftsfrage zur Zufriedenheit jedes einzelnen Gastes gelöst werden. 1. Bezirk des Gaues Hessen. Frauen-Wcrbcturnen in Gladenbach. Wn. Für das Frauenturnen fand am Samstag in Gladenbach ein fettens des Bezirks veranstaltetes Werbeturnen statt. Die Damenabteilung des Turn- und Spvrtvereirrs (Rar- burg hatte sich hierfür zur Verfügung gestellt. Der große Saal im „Deutschen Haus" konnte die Gaste raum fassen. Die Darbietungen, die aus sämtlichen neuzettlichen Hebungen des Frauenturnens bestanden, wurden mtt großem Beifall ausgenommen. Die Vorführung foUte vor allem zeigen, was eigentlich das neuzeitliche Frauenturnen ist und bedeutet. Dieser Zweck wurde voll und ganz erfüllt. Vom Hallen - Gerätewetturnen des 2. Bezirks (D. T.) Die Erfolge der Gießener Turnerschaft. -f Die erste turnerische Veranstaltung in 1926 war für die Gießener Turnerschaft ein voller Erfolg und recht verheißend für das kommende Jahr, das wiederum reich an Wettkämpfen fein wird. Es konnten Sieger werden: Turner stufe: Heinrich Wulkan, Tv. 1846, 17. Sieger, 140 Punkte: Ludw. Malkomefius, Mtv., 2. Sieger, 171 P.: Willi Strauch, Mtv., 3. Sieger, 170 P.; Fritz Stein, Mtv., 9. Sieger, 155 P. Jugend-Oberstufe: Tv. 1846: Otto Hein- stadt, 2. Sieger, 144 Punkte; Willi Reitz und Willi Schwan, 6. Sieger, 137 P-: Walter Loh, 10. Sieger, 131 P.: Wilhelm Wagner, 13. Sieger, 126 P-: Lorenz Schlamp, 15. Sieger, 123 P. — Mtv.: Rudolf Spuck, 1. Sieger, 145 P.; Werner Krause, 7. Sieger, 136 Punkte: Erich Seyb, 12. Sieger, 128 P.: Kurt Kohlhase, 13. Sieger, 126 P.: Heinrich Zammert, 15. Sieger, 123 P. 3ugenb = Unter ft ufe: To. 1846: K. Schick, 1. Sieger, 121 Punkte; Kurt Horeyseck. 3. Sieger, 118 P.: Karl Marx, 5. Sieger, 113 P.; August Schott, 9. Sieger, 106 P.; Franz Müller, 12. Sieger, 100 P.; Kurt Sänger, 14. Sieger, 98 P.; Karl Trechsler, 15. Sieger, 97 P.; Wilhelm Straub, 18. Sieger, 94 Punkte. — Mtv. Heinrich Mosbach, 2. Sieger, 119 P.; Fritz Spuck, 3. Sieger, 118 P.; Richard Strauch, 12. Sieger, 100 P.; Karl Sauer, 15. Sieger, 97 P. Schüler stufe: To. 1846: Philipp Schlamp, Fritz Werner, 3. Sieger, 118 Punkte; Max Hardt, Herm. Preiß, 4. Sieger, 117 P.; Otto Kern, Walter Krömmelbein, Otto Leinweber, Richard Loos, Ernst Weeg, 10. Sieger, 111 P.; Richard Sänger, 11. Sieger, 110 P.; Fritz Arnold, 12. Sieger, 109 P.; Herrn. Gudbub, 17. Sieger, 103 P.; Willi Schmidt, 17. Sieger, 103 P.; Erwin Bepler, 18. Sieger, 102 P.; Joseph Debus, Walter Gerhardt, 19. Sieger, 101 P.; Ludwig Schneider, 19. Sieger, 101 P.; Karl Schmid, Hans Vogt, 21. Sieger, 99 P.; Karl Habicht, 22. Sieger, 98 P.; Willi Ellermeier, 24. Sieger, 96 P.; Ernst Pfeffer, 25. Sieger, 95 Punkte; Hans Marquardt, 27. Sieger, 93 P. — Mtv.: Hans Bürck, 1. Sieger, 127 P.; Ludwig Lotz, Georg Schwan, 4. Sieger, 117 P.; Erich Ploch, 7. Sieger, 114 P.; Werner Bachmann, 8. Sieger, 113 P.; Gerhard Metz, Willi Sonntag, 9. Sieger, 112 P.; Karl Geller, Heinrich Seipp, 11. Sieger, 110 P.; Willi Becker, Karl Schäfer, 12. Sieger, 109 P.; Heinrich Krüger, 13. Sieger, 108 P.; Willi Steuer, 16. Sieger, 104 P.; Herm. Hafsekbach, 17 Sieger, 103 P.; Ludw. Vetter, 19. Sieger, 101 P.; Waller Paulus, Ewald Schäfer, „Ja, rede d u, Grotjahn", tönte ihm allseitige Zustimmung entgegen. Das also war Herr Grotjahn, der unentwegte Freund der Tugend und Feind jeglicher Unterdrückung, der in seiner neuesten Beschützerrolle aktiv geworden war. „Seggen Se man, min leim Herr Lorenzen," wandte sich der stopplige Vollmond an den Bankier, „Sei hebben uns ja woll wat to vertellen! Na, schenieren Se sich nid), legen Se man los." Er breitete die Arme über der Brust, wobei er den Knotenstock im stumpfen Winkel nach unten hielt, blähte die Backen und sah aus, wie ein gereizter, allerdings schlecht rasierter Posaunenengel, der bereit ist, sofort das Angriffssignal zu blasen. „Ich verstehe Sie nicht. Was soll ich Ihnen erzählen?" „Na, wenn Sei dpt immer noch nich roeten, dann soll'n Se bat hörn. Dörch alle ©traten werd ja bölkt. Sei warn bankrott!" „Das ist eine Lüge! Das ist eine fchändllche Verleumdung!" „Lat'n Se doch bat Monumentestahn! So 'ne Unschuldsmiene, bie importiert uns einfachen Menschenkinnings gornich! Die Sparlings pipen ja schon von die Dächer, uns' Geld war' futsch. Wie stecht bat bormit, he?" „Ihr Geld ist unversehrt! Gehen Sie zur Kasse!" „Dor sin wir all west. Sieberft der Herr Kassier hat sin Laben tomakt." „Soeben wird wieder geöffnet!" wandte sich Danselow, der aus dem Kassenraume herbeistürzte, atemlos zu Grotjahn. „Na also," rief Lorenzen, „geb’n Sie nur hin; überzeugen Sie sich'. Aber langsam! Einer nach dem andern! Sie erhalten Ihre Einlagen zurück. Bei Heller und Pfennig!" Während ein Teil der Menge nach den Kassen- räumen flutete, blieb ein anderer Teil unschlüssig und das Stichwort des Führers erwartend, in Lorenzens Zimmer zurück. Herr Grotjahn schien selber nicht zu wissen, wie er sich der veränderten Situation anpassen sollte. Er stürzte sich mit der Linken auf den Knotenstock und kratzte sich mit der Rechten hinter dem Ohr, daß der Biedermeierfil; mit verzweifeltem Schwung ins Genick rutschte. Bor einer Entscheidung versuchte der Vollmond jedenfalls die Lage zu klären. Willi Jakob, 21. Sieger, 99 P.; Richard Ritz, Kurt Schwan, 24. Sieger, 96 P. 3. Bezirk ©au Hessen D. T. i. Nidda, 22. Febr. Das vom 3. Bezirk des Gaues Hessen für den 28. Februar festgesetzte B c - zirksgeräteturnen, mit dessen Durchführung der Turnverein 18 5 9 Nidda betraut ist, mußte infolge verschiedener Umstände auf den 14. März verlegt werden. Bis jetzt sind die Meldungen schon in sehr stattlicher Zahl abgegeben worden. Die Beteiligung wird gegen bas Vorjahr erheblich besser fein. 5. Bezirk im Turngau Hessen D. T. bpw.Butzbach 21. Febr. Hier versammelten sich heute in der Restauration „Gambrinus" die Vertreter der Turnvereine des 5. Bezirks im Turngau Hessen zum diesjährigen Dorsihenden- lag. Aus dem Bericht sei folgendes wiedergegeben: Der Bezirksvertreter, Studienrat Schuchmann. Friedberg, eröffnete die Versammlung und erstattete einen kurzen Bericht über den äußeren Verlauf der Bezirksveranstaltungen im ab gelaufen en Jahre. Aufgabe der Vereinsvor- sihenden und der Turnwarte wird es fein, dahin zu wirken, daß die Bezirtsveranstaltungen in Zukunft von den Turnern viel stärker besucht werden als es seither der Fall war. lieber die turnerische Tätigkeit im abgelaufenen Jahr berichtete Bezirksturnwart Hartmann, Bad-Rauheim. Er machte u. a. darauf aufmerksam, daß bei Dereinswetturnen feine Cichenkränze ausgegeben werden dürften, die Bestimmungen der D. T. sehen den Cichen- franz als höchste turnerische Auszeichnung nur bei größeren Veranstaltungen der Organisationen vor. Im laufenden Turnjahr 1926 werden folgende Veranstaltungen innerhalb des Bezirfs stakt- finden: Das Bezirfsgerätewetturnen wird am 14. März in Bad-Rauheim abgehalten. Das volkstümliche Bezirks- wetturnen findet am 13. Juni in Ober» Mörlen statt. Der 100. Geburtstag des unvergeßlichen Turnerführers Dr. Ferdinand Goetz (24. Mai 1926) soll in Verbindung mit der Goetz-Wanderung am Sonntag vor Himmelfahrt (9. Mai) würdig begangen werben. Der durch die Erinnerung an den hessischen Turnvater Dr. F. L. Weidig geheiligte Schrenzer bei Butzbach wurde als Treffpunkt vorgeschlagen. Die Anregung fand einstimmigen Beifall. Der Turn- und Sportverein Butzbach trifft die Vorbereitungen zu der Veranstaltung. Mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Rotlage begrüßte der Vorsitzendentag die auf Abbau der turnerischen Veranstaltungen gerichteten Bestrebungen. Zwei diesbezügliche Anträge, die beim Gauturntag eingereicht werden sollen, fanden eine beträchtliche Mehrheit in der Versammlung. Einmal wird gewünscht, daß das Gau- voWtumen als besondere Veranstaltung in diesem Jahre in Wegfall kommt und mit dem Gauturnfest in Ridda verbunden wird; außerdem wird die Forderung erhoben, in diesem Jahre auf die Gauturnfahrt zu verzichten. Den Abschluß und zugleich Höhepunkt der arbeitsreichen Tagung bildete der Vortrag des im Gau und Kreis bekannten Jugendführers Gg. Reinhardt, Friedberg, über „Turner- jugenbbewegung und Geistesturnen“. Die Ausführungen, die trotz der vorgeschrittenen Zeit mit lebhaftem Interesse verfolgt wurden, waren von innerer Begeisterung für die Sache der Jugendarbeit getragen. Der inhaltreiche Vortrag, der den Vereinen noch im Wortlaut Zu- gehen wird, fand stärksten Beifall und führte zu einer anregenden Aussprache. Mit Worten des Dankes an alle, die die Bestrebungen der Turnerschaft unterstützen, nicht zuletzt auch an die im Dezirksgebiet erscheinenden Tageszeitungen, schloß Studienrat Schuchmann den Bezirkstag. „Sou. Wir trägen unser Geld wedder? Ist denn bat ollens 00k wohr?" „Es ist wahr! Sie werden's ja gleich selber sehen! Und fagen Sie jedem, der die Verleumdung weiter trägt, daß ich ihn vor Gericht fordern werde!" „Man langsam, man langsam, und immer gemütlich!" „Lat doch nach, Grotjahn," die Stimme eines Besonneren mengte sich ein: „du hörst doch, wir trägen unser Geld wedder!" „Unsinn, (egg’ ick," — der Vollmond schien zu einem Entschluß gekommen zu fein. „Gor nichts kriegt Ihr, als an poor leere Redensarten." „Mann — hüten Sie fick)!" „Dat Dräuen wär' nu woll an uns!" „So überzeugen Sie sich, wie die andern! Gehen Sie zur Kasse!" Da spreizte Herr Grotjahn die kleinen dicken Beine, daß die schönen Würfelmuster krachten, und den Knotenstock wie ein italienischer Fechtmeister fein Florett über dem Kopf wirbelnd, brach er in ein zynisches Gelächter aus: „Hahaha! Jawoll, an die Kaff! Weest du ok, nun Söhn, wat die Spar- kmgs noch vertellen? Din Wiew hält' de Kass' up- broken un mär’ verduft'." Ringsum Stille. Aller Blicke waren auf Lorenzen gerichtet, dessen Brust in schwerer Arbeit keuchte. „Noch ein Wort," rief er und entriß mit Gedankenschnelle Grotjahn den Knotenstock, „noch ein Wort, und ich schlage Sie nieder, wie einen tollen Hund!" Der Vollmond duckte sich. Offenbar war's mit seinem Mut vorbei, als er sah, daß der andere sich nicht einschüchtern ließ. Und jetzt versagten auch die, zu deren Führer er sich aufgeworfen hatte. „Dat is to oel, Grotjahn", mahnte der Besonnene, der schon einmal eingegriffen hatte, und versuchte den Hetzer am Slermel des Bratenrocks in den Hintergrund zu ziehen. „Geh' tu Hus und leg di flapen!" Gleichzeitig drängten eine Anzahl Depositäre aus dem Kassenraum zurück und nahmen dem Mann vollends den Wind aus den Segeln. „Dat is wohr — wir hebben allens trägen — Wir 00k." Diese und ähnliche Ausrufe schwirrten auf und veranlaßten die durch Grotjahn Zurückgehaltenen zu schleunigstem Abzug noch der 5:ass:. Nu' •_ Gruppe blieb :.och im Zimmer zurück. j Aus dem Arbeiter-Turn- und Sporlbund. Frauenturnen. £ Die zweite planmäßige Uebungsftunbc für 1926 fand am Sonntag in Gießen statt. Abermals hatte sich eine recht stattliche Zahl dazu vereinigt. Pünktlich zur festgesetzten Zeit konnte der Frauen- lurroart Mandler (Heuchelheim) antreten lassen. Wie immer, so wurde auch hier wiederum mit Geh- und Laufübungen der Anfang gemacht. Man tonnte die Beobachtung machen, daß die Abteilungen fid) schon mit diesen einfachen, im Frauenturnen unentbehrlichen Lockerungübungen besaßt haben. Die Masienübungen füllten fast den ganzen Vormittag aus. Am abwechslungsreichsten sind die Freiübun- gen, die in etwas schwieriger Form gehalten sind. Ein gut Stück körperbildende Gymnastik ist darin enthalten. Werden diese Hebungen fleißig geübt, bann wirb bas Frauenturnen in unsrem entlegenen Bezirke auch mehr aus den Kinderschuhen heraus- fommen und in Zutunst die Schwierigkeiten, die fid) ihm entgegcnfteUen, überwinden. Um den Lockungen des schönen Frühlingswetters gerecht zu werden, wurde die Turnstunde um 1 Uhr geschloffen. Am 21. März werden sich die Turnerinnen wiederum vereinigen, und zwar in Wieseck. Leichtathletik. Akademischer Ausschuß für Leibesübungen. 's- In einer akademischen Feier am Freitagabend in der Reuen Aula, bei der der Besuch aber weit besser hätte sein können, fand die Sieger- ver kündig ung und -Ehrung von dein Aal» lensp 0 rtfest des Akademischen Ausschusses statt. «Die Siegerliste ist in Rr. 36 des „Gieß. Anz." bereits veröffentlicht worden.) Besonders bedauerlich war, daß selbst von den Preisträgern etliche fehlten. Im Anschluß an die Siegerverkündigung wiesen die Ausführungen Seiner Magnifizenz des Rektors Pros. Dr. Bürker auf die wunderbaren Zusammenhänge und Vorgänge im menschlichen Körper bei der Ausübung der Leibesübungen hin. Die Muskeln find seine Maschinen, die im Gegensätze zu den technischen Maschinen bei erhöhter Inanspruchnahme immer stärker werden und sich immer mehr entwickeln und vervollkommnen. Die Verbindung zwischen Muskeln und der Zentralstation, dem Gehirn, der Hinweis auf den Gleichgewichtssinn und seine Funktion während der Vollbringung irgendwelcher ■Hebung u. a. in. wirkten überzeugend. Psychophysische Zeitmessung b c im Wettlauf" war das Thema, das sich Pros. Dr. Sommer gestellt hatte. Die Ausführungen, auf eigner Beobachtung aufgebaut, durch eigens für diese Zwecke hergestellte Apparate veranschaulicht und durch Lichtbilder erläutert, waren für den in der Sache Tätigen äußerst wertvoll, für den Fernstehenden zum' mindesten interessant. Es würde zu weit führen, hier auf die Einzelheiten einzugehen, nur sei nochmals mit Bedauern vermerkt, daß so toenige Besucher diese wertvollen Anregungen entgegennehmen konnten. Mit der Bitte, auch fernerhin im Akademischen Ausschuß für Leibesübungen treu zusammenzuarbeiten, schloß Geheimrat Prof. Dr. Sommer. ZandbnN. Wetzlar gewinnt den Städtekampf. Wehlar-Kassel 2:0 (1:0). tz. Man kann ruhig behaupten, daß die int Städtespiel am Sonntag gezeigten Leistungen einer gewissen Vollendung nahekommen. Das war der rein sporttechnische Wert der Veranstaltung. Der an spannenden Momentei: reiche und vor allem auch faire Verlauf des Kampfes war eine vorbildliche Propaganda für das Handballspiel, dessen Vorteile sich in der gezeigten Form bestätigten. Roch eins soll nicht unerwähnt bleiben, nämlich die Organisation der Dnanstaltung, die man mit Recht als mustergültig bezeichnete. Bürgermeister Dr. Kühn leitete 3.15 älhr den Kampf der beiden Städte bar-; eine an die Kasseler gerichtete herzliche Begrüßung ein, die durch ihren Spielführer, Studienrat Jung- Henn, dankten. Kassel wählte mit Wind und Sonne im Rücken. Gleich nach Anpfiff legte Wetzlar ein Tempo vor, dessen Durchhalten man „Nun," wandte sich Lorenzen an die Leute, „wer wagt es noch, von Lügen zu reden? Geht, geht, ihr ahnt ja nicht, wie weh Ihr mir tut." Mit seiner Kraft war es jetzt zu Ende. Er muhte sich an den Türpfosten stützen, die Knie versagten ihm den Dienst. „Wir danken Ihnen," rief der Antipode des zur Disposition gestellten Racheenqels, „wir danken Ihnen von ganzem Herzen! lind dem Grotjahn, dem Hetzer, dem hauen wir die Jacke so voll, daß er Zeit seines Lebens das Verleumden vergißt." Herr Grotjahn aber versuchte burd) eine verblüffende Schwenkung die Situation für fid) zu retten. „Wenn dat wirklich und wahrhaftig woahr ist," wandte er sich an Lorenzen und hieb ihm mit der flachen dicken Pfote auf die Schulter, „wenn dat all woahr is, bat Sei bat Geld t'rüggäben, bann soll'n Sei min Hofbankier wem." „Wer finb Sie benn eigentlich? Haben Sie überhaupt Gelb bei mir liegen?" Da steckte Herr Grotjahn in aller Gemütsruhe bie Hände in bie Hosentaschen und tat ben klassischen Ausspruch: „Geld? Bei Ihnen? Nee, feen Heller!" „Da hört benn bock Verschiedenes auf!" „So seggen Sei! Awerst ick, Tobias Grotjahn, ick jegg: man not sich de bedrängte Unschuld annehmen! Is dat nich so? Nu is de Spieß umbrecht, jetzt finb Sei be bebrängte Unschulb! Nu wär ick Sei bistahn!" „Latz jetzt bas Geschwätz und bitte um Verzeihung", mahnte ber Besonnene. Doch Herr Grotjahn gefiel sich in seiner neuen Beschützerrolle zu gut, um sich beirren zu lassen. „Ach wat, Verzeihung," sagte er, „bat kam all ut treuem Herzen. Ick heww mi irrt, bat kann jebroebber een' passieren. A'werst, wenn ick noch eenmol so'n verdammten Sperling droapen du, de wedder so'n Unsinn piept, dem drei ick bat Genick um! Dat Beest soll an ml benfen!" Sprach'-, nahm den Knotenstock wieder auf, den Lorenzen hatte fallen lassen, machte kehrt und stapfte zur Tür hinaus. Draußen verlies sich der Strom ber Sefriebigten. Aber noch waren die Aufregungen des Tages für -^n nicht beendet. (Fücksetz'.ng folgt) überall bezweifelte, das aber, sehr- zu Freude der Zuschauer, sich auch nicht einen Augenblick mäßigte. Kassel hielt stand! Beiderseits offenes Feldspiel brachte im Anfang noch keines der Tore in Gefahr. Schon jetzt zeigten sich beide Mannschaften auf allen Posten stark und richtig beseht. Auf der einen Seite setzte Iunghenn feine Kasseler Außenstürmer zum Angriff an, auf der anderen leitete Paulus die Wetzlarer Qlnflürnte ein, so ein wechselbolles Bild prächtiger Innenkombination zeigend. Besonders das Wetzlarer Innentrio leistete Erstaunliches an rasend-schnellem, bestimmtem Zuspiel und wirklich gelang in der Mitte der erftert Halbzeit nach Seitenwechsel rmm linken Läufer zum Rechtsaußen durch letzteren den Einheimischen der Führungstreffer. Dieser Borsprung wurde von Wetzlar gehalten uird stand vorerst nie in Gefahr. Rach dem Halbzeitstand (1:0 für W.) drängte Kassel mächtig auf Ausgleich. Ein an den Pfosten springender Ball hätte um ein Haar die Bemühungen zum Erfolg gebracht, der Ball nahm aber den Weg ins Feld zurück. Wiederholte Angriffe der Schwarzroten zwangen den ausgezeichneten Kasseler Hüter zur Hergabe seines ganzen Könnens. Die Zuschauer jubelten ob der prächtigen Leistungen und zollten beiden Teilen gleich starken Beifall. Verschiedentlich falsche, nicht regelrechte Abwehr und Zerstörrmg der Wetzlarer Hintermannschaft zwangen den aufmerksamen Schiedsrichter zu mehrfachem Eingreifen. Rasende Flankenläufe der beiden Kasseler Außenstürmer und immer und immer wieder das nahezu vollendete Dreiinnenspiel Wetzlars wechselten in bunter Folge. Einen seiner rasenden Angriffe schloß der Halblinke W.'s mit plaziertem Torwurf ab. Diesmal wart sich Kassels Hüter zu spät. Wetzlar erhöhte seinen Borsprung auf 2:0. Kassel ließ nicht locker und kämpfte, doch vergebens. Der große Kampf endete mit dem verdienten Siege der Wetzlarer Vertreter. Herr K l u t e aus Siegen war den; Spiel ein sehr genauer und aufmerksamer Leiter, mit dessen stets unparteiischen und korrekten Ent- scheidungen sich beide Parteien einverstanden erklärten. Der in allen Teilen schöne Kampf der beiden Städte um den Sieg hat allen große Freude bereitet. Roch nie zeigte ein Handballspiel so seine Werte und Feinheiten, noch nie haben wir mit einer solch inneren Befriedigung den Platz verlassen wie ani Sonntag. Das Rückspiel findet in Kassel an einem der nächsten Sonntage statt. Oberhessen. Landkreis Gießen ck. Heuchelheim, 22. Febr. Der Män - nergesangvereinDraubach a.Rh. plant am 1. Osterfeiertag hier ein Konzert zu veranstalten. Die Verhandlungen sind schon zu einen; gewissen Abschluß gelangt. Zur Leistung der Vorarbeiten wurde eine Kommission, bestehend aus den ersten Vorsitzenden der vier hiesigen Vereine gebildet. — Daubringen, 22 Febr. Die einzige Holzversteigerung, die am SamStag in mtferem Gemeindewald abgehalten wurde, zettigte ganz außergewöhnlich hohe Preise. Da nur Kiefern-, Fichten- und Tannenholz versteigert wurde, so bewegten sich die Versteigerungspreise in einer Höhe, wie sie anderwärts kaum für Buchenholz bezahlt wurden. Für Knüppel wurden bis zu 35 Mk. der Doppelraummeter, bis 20 Mk. für 3 Raummeter Fichtenreiser und für Stangen je nach Inhalt bis zu den höchsten Summen ge- 1 boten und genehmigt. — Der Landwirischafis- ^-kammer-Ausschuh für Oberhessen beabsichtigt, durch den Obstbauinspektor Wiesner im zei- tigen Frühjahr in hiesiger Gemeinde einen Obstbaumpflege- und Pfropfkurslls ab- Gießener Stadttheater. „Gräfin Mariza". Bor zwei Jahren wurde die „Gräfin'Mariza" in Wien aus der Taufe gehoben. Es soll damals ein sehr feierlicher und bewegter Akt gewesen sein, und jedenfalls war schon dieses erste Erscheinen hlenieden der Ausgangspunkt dessen, was man einen Siegeszug nennt. Diese Operette ist ein richtiger „Schlager" geworden und bis heute geblieben. Der beste Beweis dafür war bei der hiesigen Premiere ein volles HauS, ein rauschender Applaus und viele Wiederholungen und Blumen. Wenn man sich fragt, worin dieser Erfolg (der sich mit solcher Hartnäckigkeit behauptet) eigentlich besteht, so wird man vielleicht sagen können: darin, das) das Stück zwischen der guten Operette alten Stils und der modernen (die sich stellenweise stark der Revue annähert) einen glücklichen Ausgleich gefunden hat. Die Librettisten Brammer und Grünwald sind ja keine Reulinge mehr, und Emmerich Kalman, der Der die Musik geschrieben hat. erst recht nicht. Sie sind alle drei alte Theaterhasen und gewiegte Routiniers, die das Geheimnis des Erfolges auf ihrem Felde entdeckt haben, die ihr Publikum kennen und wissen, was „zieht" (immer und überall) und die ttug genug waren, zu sehen, was an der klassischen Operette überlebt ist, und was sich bis heute an ihr gehalten hat. IInö die wohl auch die moderne Konkurrenz scharf angeschaut und gemerkt haben, was sic gegen früher gewonnen hat. und was faul darnn ist. Es kommt nicht auf die Wthe an. Da hat es zu nllen Zeiten gute und schlechte gegeben. Aber man kann die Autoren dazu beglückwünschen, um nur eins herauszugreisen, daß sie soviel Geschmack bewiesen, aus die zahllosen Ein- bis Zweideutigkeiten und Ruditäten ibic schlechterdings bald an einer äußersten Grenze angelangt waren) als integrie- zuhalten, zu dem sich bereit« eine ganze Anzahl Teilnehmer angemeldet haben. : Reiskirchen, 22. Febr. Unter Dorf mit rund 970 Einwohnern hat eine so rege Bautätigkeit aufzuweisen, wie wenig andere Orte von dieser Gröhe. In den letzten 20 Jahren sind ganze Straßenteile neu entstanden, z. D. die Eisenbahnstraße, die parellel zur Bahn läuft. In der Hauptstraße, am Ausgang nach Gießen zu, sind ebenfalls 4 stattliche Reubauten, alle in der Rachkriegszeit, errichtet worden. Die Bleiche, links der Wieseck, wurde ebenfalls mit drei neuen Häusern bebaut. Auch in der Schulstrahe, gegenüber dem neuen Schulhaus. das aus dem Jahre 1913 stammt, sind einige neue Häuser entstände.;. An der Lindenstruther Straße ist nach dem Kriege die stattliche Wohnung für die hier stationierte Gendarmerie aufgeführt worden. t Grünberg, 22. Febr. Zu der geplanten Errichtung eines Finanzamtes in unserer Stadt wurde eine Vereinbarung dahingehend erzielt, daß die Stadt an der Käswiese (Gallus- platz) einen Bauplatz in Gröhe von 1600 qm kostenlos zur Verfügung stellt und die Auffüllung des Geländes, ben Bau der Straße und die Kanalisation ausführen läßt. Diese Zusage gilt nur. wenn mit dem Bau noch in diesem Jahre begonnen wird. Seitens der Gemeindeverwaltung wird Wert daraus gelegt, daß bei der Ver- gebung der Arbeiten die hiesigen Geschäftsleute Berücksichtigung finden. Im ganzen sollen etwa 400 qm bebaut werden. Die Frontbreite des Gebäudes, das drei Stockwerke hoch wird, soll etwa 30 Meter betragen. In dem Gebäude wird auch die Bezirks Sparkasse Unterkunft finden. Der Kostenaufwand wird auf 200 000 Mark geschäht. Mau hofft, daß das Reichsfinanzministerium sich mit dieser Abmachung einverstanden erklärt. Kreis Friedberg. r. Wölfersheim. 22. Febr. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde u. a. die Chaussierung des Haingrabenwegs beschlossen. Gutgeheihen wurde der vom Kulturbauamt entworfene Bauplan, wonach in etwa 600 Arbeitstagen, die zu zwei Dritteln den Orts- erwerbslosen zufallen müssen, 270 Kubikmeter Erde ausgehoben und 630 Quadratmeter Wegfläche gestückt und überschottert und die 4 Meter breite Fahrbahn einseitig gewölbt werden soll. Ferner wurde die Instandsetzung des Grasgartenkanals beschlossen; zur besseren Ableitung des Wassers sollen weitere Rohre gelegt werden. Schließlich wurde noch bestimmt, daß die Gemeinde für einen Vortrag über die Bekämpfung der Tuberkulose einen Saal stellt und die Hälfte der ünfoften trägt. Kreis Lchotten. Ig. Geber n, 22. Febr. Die Gederner Bant A. - G. hielt dieser Tage ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Bilanz und Gewinn- und Derlustrechnung wurden genehmigt. Der Reingewinn wird zu einer llproz. Divideirbe verwandt, außerdem mit je 1000 Mk. dem Reserve- und Pensionsfonds gutgeschrieben und der Rest für 1926 vorgetragen. Vorstand und Aufsichtsrat wurde Gntlastung erteilt Bei der Wahl der AufsichtsratSmitalieder wurden die Herren Sinn, Müller und Ziegler wieder-, die Herren Friedrich Müller. Gemeinderechner D o n a 11 und Lehrer Preusch - Steinberg neugewählt. Wetter wurde der Beschluß gefaßt, das Grundkapital durch die Ausgabe vmr 200 Inhaberaktien zum Rennbetrage von je 100 Reichsmark zu erhöhen, mit Dividendenberechtigung ab l.Iuli 1926. X Rain rod, 22. Febr. Am Samstag hielt der hiesige Kriegerverein einen Familienabend ab, der von etwa 150 Teilnehmern besucht war Bei dieser Gelegenheit wurde dem Dereinsvorsitzen- den. Altbürgermeister Biehl, bas Hassia-Ehren- 'rende Bestandteile der modernen Operette zu verzichten. Der klassische Operettenschauplatz ist einschieden Ungarn. Irgendwo so. wo die geographischen Schulkenntnisse etwas ins Wanken kommen, aber nicht weit von Wien und Budapest und der schönen, blauen Donau. Donau ist gleich das Stichwort sür einen Teil der Musik. Wiener Walzer und Donaulieder brauchen gar Nicht neu zu fein, sie sind dankbar, und wo paßten sie besser hin. als hier? Bitte, das Personal: Gräfin Mariza — schon der (Harne ist operettenmäßig und scheint den Ton anzuschlagen, auf den das Ganze musikalisch und milieuhaft abgesiimmt ist. (Man kann das nicht näher beschreiben.) Weiter: Fürst Moriz Dragomir Populescu — unendlich dankbare Rolle, stehende Figur, die kaum ein wenig abschattiert ist: Verschnürung. Monokel, ungarischer Schnurrbart, Küßdiehand-Kavalier von der weiland K. u. K. Reiterei. Rur noch einer: Graf Tassilo Endrödh-Wittemburg. Mit ihm ist die ganze Geschichte und Vorgeschichte erzählt. Die Vergangenheit weist nicht nur sechzehn Ahnen blauesten Geblütes aus, sondern auch den berühmten dunklen Punkt. Offizier — Abschied — ..Verwalter" bei der Gräfin, um Gelb zu verdienen, damit bas herzige Schwesterlein nicht unter dem Leichtsinn des armgewordenen Bruders zu leiden braucht. Die Fortsetzung durch drei Atte ist klar. Mariza behandelt ihren neuen Verwalter zuerst wie einen nassen Sack, zuletzt fallen sie sich in dieArme. Das ist das A und das O; bewährteste Schablone. Aber was dazwischen liegt, das ganze 3)rum und Dran. daS ist viel wichtiger, das trägt den großen Erfolg. Zum Beispiel: Gleich zu Ansang ein sehr niedlicher Kindertanz (die stereotypen Girls der Zettoperette, die hier erst später kommen, mit einem glücklichen Einfall ins Diminutiv übersetzt), so glücklich, daß sofort eine Wiederholung herausgeklatscht wird. Oder: Mariza hat sich „verlobt", um sich vor ihren vielen Anbetern zu retten. Ist gar nicht wahr. Sie hat aufs Geratewohl kreuz überreicht. Studiendirektor Hertsch, Schotten, hielt einen Vortrag über ..Kriegserlebnisse und Kriegserfahrungen", dem die Teilnehmer mit großer Spannung lauschten. Darbietungen des Gesangvereins, des Musikvereins und gemeinsame Gesänge füllten im übrigen den Abend sehr schön aus. * Eichelsdorf. 22. Febr. Zu dem bereits gemeldeten Absturz eines Astes der „Dicken Eiche"' in der Försterei Gichelsdorf sei noch folgendes mitgeteilt: Der etwa 1000jährige Baum hat einen mittleren Durchmesser von 1.80 Meter unfr eine Stammhöhe von 10,5 Meter, also eine mittlere Durchschnittsfläche von 2.5 Quadratmeter und einen Stamminhalt von fast 27 Festmetern. Der abgestürzte Ast mit 70 Ztm. mittlerem Durchmesser und 25 Meter Länge hat etwa 10 Fstm. Inhalt. Die beiden noch verbliebenen Aeste werden auf 12 Fstm. geschaht: somit besitzt die „Dicke Eiche" immer noch fast 40 Fstm. Kubikinhalt. Da das gewaltige Ratur- d e n k m a l abseits der Wanderwege des Vogelsbergs liegt, ist es wenig bekannt, zumal die früher bestehende Markierung Bahnhof Gichelsdorf — Dicke Eiche nicht wieder erneuert worden ist. Don der Bahnstation Eichelsdorf zur Dicken Eiche (40 Minuten) und weiter den Seidelweg benutzend, könnte ein prächtiger, durch tiefe Waldeinsamkeit und reizende Wiesen- tälchen führender Wanderweg nach Hof- Zwiefalten (insgesamt 2 Stunden) erschlossen werden. Von hier aus ist auf viel begangenen Pfaden der hohe Vogelsberg leicht zu erreichen (2V3 Stunden). — Dekan Sc r ibn zeigte und erläuterte in O ber-Schmitten und Gichelsdorf einen Filmstreifen vom Gustav-Adolfsfest in Gießen, der allen, die nicht an dieser gewaltigen evangelischen Kundgebung teilnehmen konnten, die Verbundenheit des evangelischen Deutschtums in Europa zum Bewußtsein brachte. * Eichelsachsen, 22. Febr. Wie in vielen Rachbargemartungen, so soll auch hier demnächst ein Basaltwerk in Betrieb genommen werden. das vielen einheimischen Arbeitskräften und Fuhrleuten eine Verdienstmöglichkeit bietet. Die Rentabilität des Steinbruchs ist jedoch durch die große Entfernung von der nächsten Bahnstation (Eichelsdorf. 7 Kilometer) von vornherein sehr in Frage gestellt. Kreis Lauterbach. Angersbach, 22. Febr. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl wurde Zimmecmrister Walter mit 343 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Landwirt Völler erhielt 266 Stimmen. Walter ist somit an Stelle des vor einigen Wochen verstorbenen Beigeordneten Möller gewählt. Lauterbach, 22. Febr. Am Sonntagabend gegen 8.45 Uhr wurde das Fuhrwerk des Fabrikanten Weiß von Frischborn auf der Straße zwischen Lauterbach und Blitzenrod durch das Personenauto des Sägewertsbesitzers Henkel, Lauterbach z u s a mme n gef a h r c n. Menschenleben kamen nicht zu Schaden. Die Insassen beider Fahrzeuge Tarnen mit dem Schrecken davon. Kreis Alsfeld. • AlSfeld, 22. Febr. Im verflossenen Jahre hielten in her hiesigen Dürergesell- schaft folgende Professoren der Landes^ Universität Gießen Vorträge: Professor C z e r m a k über Röntgenphysit, Geheimrat B e h a g h e l über die Entstehung von Sitte und Brauch, Professor Laqueur über die Staatsidee der Griechen und Römer. Geheimrat Sommer über Vererbungs- und Abstammungslehre. Auch für dieses Jahr haben sich eine große Zahl Gießener Dozenten als Vortragende in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. X Alsfeld, 22. Febr. Am, Samstagabend sand im neuen Theater- und Festsaale des ..Deutschen Hauses" die zweite V o r st e l l u n g des einen Ramen genannt. Auf einmal kommt einer, der wirklich so heißt: Baron Koloman Zsupan, Gutsbesitzer auf Darasdin (18 000 Schweine) verliebt sich sofort, spricht ungarisch, tanzt Csardas. Cfckrdas ist das zweite Stichwort, für den Schlager, der die ganze Operette populär gemacht hat: „Komm mit nach Varasdin, solang die Rosen blühn, da ist die ganze Welt noch rotweitzgrün." Es steckt wirklich Schmiß und Raffe in der Melodie (nicht im Tert). und man begreift die Volkstümlichkeit sofort. EL gibt noch einen Schlager: — der „Verwalter" mit dein Schwesterchen — ein sehr einschmeichelndes Duett vom Sonnenschein. Endlich einen dritten, her die raffinierte Schlußszene des ersten Aktes begleitet. Unb es ist erstaunlich, wie diese drei leitmotivischen Elemente der Partitur, in den beiden letzten Akten wiederholt, Steigerung und Rundung in das Ganze bringen. Der zweite Att ist theatralisch ausgezeichnet. Er gibt, von allem Beiwerk ent» neidet, die erwachende Liebe und Eifersucht der Mariza. Große, glänzend gespielte Szene mit dem Pseudoverwalter. Aelteste Theaterknisfe mit dem entdeckten Dries (Mariza kommt hinter die sechszehn Ahnen), eine geschickte Verwandlung, die acht Girls und ein starker Schutz Sentimentalität, der aber auss Parkett unwiderstehlich wirkt. Dritter Att. In allen guten Operetten spielt der dritte Alt: am andern Morgen. Hier auch, öettfater nach dem Rosenfest schafft ein herzbewegendes Lagerbild. Aber dann wirds (scheinbar) Ernst. Der Verwalter ist nach großem Krach am Abend zuvor endgültig hinausgeschmissen. Die Szene mit dem Zeugnis zwischen ihm und Mariza ist aber nur noch ein letztesScharmiltzel vor der Kapitulation, die übrigens durch das Eintreffen der fürstlichen Großtante Cuddenstetn zu Chlumetz mit einem geradezu unmöglichen Faktotum von Kammerdiener verzögert wird. Aber der mitreißende Rhythmus springt noch einmal auf: „Komm mit nach Darasdin — solang die Rosen glühn da ist die ganze Welt noch rotweißgrün". Diesmal ist es der Zsupan mit Stadttheaters Gießen vor sehr gut besetztem Hause statt. Zur Aufführung gelangte diesmal „Ser wahre Jakob", Schwank in drei Akten von Franz Arnold und Ernst Bach. Das glänzende Spiel der Gießener Schauspieler fand bei dem Publikum dankbare Aufnahme und erregte große Beifallsstürme. Man muß unserer Stadtverwaltung dankbar sein, daß sie unserer Stadt durch die mit dem Gießener Stadttheater getroffene Vereinbarung die Möglichkeit bietet, gute Theaterkunst zu bekommen. Man hofft, diese Einrichtung dauernd erhalten zu können. Für den nächsten Winter ist die Einrichtung von Theater-Abonnements für sechs Vorstellungen vorgesehen. Preußen. Ureis Biedenkopf. XX Biedenkopf, 22. Febr. Mit Rücksicht auf die Arbeitsüberhäufung der Beamten durch den ständig wachsenden Umfang der Geschäfte sind die Sprech st ii nden auf dem Landratsamt für die Bevölkerung auf drei Wochentage br schränkt morden. Es find die Tage Montag, Mittwoch und Freitag, und zwar hie— Ammittags- stunden von 8 bis 12 Uhr für das Publikum freigegeben. Auf eine Abfertigung außerhalb dieser Sprechtage kann nur in besonders bringenden Fällen gerechnet werden. XX Frankenbach, 22.Febr. Die Kreisverwaltung sucht in dankenswerter Weise die so überaus schwierigen Verkehrsverhöltniffe innerhalb des Hinterlandes zu bessern. In mangelhafter Weise geschähe dies aber nur, wenn (wie die Oberpostoirektion Frankfurt a. M. planen soll) eine Autoverbindung von Wetzlar nach Gladenbach durchgeführt werden sollte. Die Gemeinden hinter dem Dünsberg: Crumbach, Wilsbach, Niederweidbach wünschen vor allem Anschluß an die Stadt Gießen. Es gilt also nur, die bis Fellingshausen geschaffene Verbindung weiter a n s z u b a u e n , nimmt doch eine Reise nach Gießen für unsere Bewohner jetzt stets einen vollen Tag in Anspruch. Groß-Wiesbaden. WSR. Wiesbaden, 22. Febr. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung teilte Bürgermeister Schulte mit. daß die Stadt unmittelbar vor der Eingemeindung der Stadt Biebrich und der beiden Gemeinden Sonnenberg und Schier stein stehe, wodurch die Einwohnerzahl um etwa ein Drittel vermehrt und lünftig etwa 140 000 betragen werde. Im künftigen Groß-Wiesbaden müsse bann auch eine Reuorganifativn der Verwaltung, ein Ausgleich der zwischen den vier Gemeinden bestehenden Auffassungen und eine tunliche Gleichstellung der Bürger hinsichtlich der Steuerbelastung nfw. erfolgen. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der «Radio-Umschau".) Mittwoch, 24. Jebruar: 3.30—4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.15 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hauchorchesters: Aus Groß mamas Tanzstunde. 5.45—6.15 Uhr: „Die zehn Küsse, Oper von Bernhard Sektes , Vottrag zur Erstaufführung am 25. von W. W. Göttig. 6.15 bis 6.45 Uhr. „Emil Claar", Vortrag und Vorlesung aus seinen Werken von Frau Eyser-Eichenberg. 6.45 bis 7.15 Uhr: Funkhochschule: „Krebse, Spinnentiere und Tausendfüßer", Vortrag von Dr. W. E. Ankel. 7.15—7.45 Uhr: „Das gerichtliche Zwangsvollstreckungsverfahren", Vortrag von Obersekretor Heinz Biehn. 7.45—8.15 Uhr: Funkhochschule Frankfurt: „Die neue Gestalt der Philosophie der Gegenwart 11. Kritik und Umschwung", Vortrag von Prinatdo.zent Dr. Heinemann. 8.15—10.15 Uhr: „Die Journalisten", Lustspiel in vier Akten von Gustav Freytag. dem Schwesterlein. Wenig später liegt die Mariza in den Armen des — Grafen Tassilo Endrody- Wiktemburg. Das ist natürlich längst nicht alles. Rur Kostproben aus der reizvollen, pmnpös ausge- statteten Aufstihrung unter Westermeyer und Kapellmeister Sander vom Landestheatrr Darmstadt, der den musikalischen Part hatte und das verstärkte Orchester straff und diszipliniert unter beschwingter Stabführung zusammenhiclf. Mariza: Anita Franz als Gast. Eine reife, sehr bühnenmäßige Erscheinung, große Dame mit allen Allüren und Launen und Gesten, die dazu gehören, und einem frappierenden Toiletten' wechsel. Gefänglich erst in den beiden letzten Aufzügen ganz entfaltet, schauspielerisch die beste Szene im Mittelakt, wo sic schon sehr nahe daran ist, ihrem Partner ans Herz zu sinken: Steinbrecher war der gräfliche Gutsverwal- ter: eine überaus sympathische und liebenswürdige Darstellung, und ein weicher, schöner und reiner Stimmklang. Alois Resni als Gast gab den Populescu, der oben des näheren angedeutet wurde, unb war die entschieden drolligste Figur des Abends, mit einem herrlich echten Pußtadialekt. W e st e r m e.y e r machte sehr hübsch den phantastisch - ungarischen Schweinezüchter Baron Koloman und konnte gleich mit seinem ersten Auftritt die Vielsättigen, dankbaren Möglichkeiten der Rolle gleichzeitig entfalten. Elle Simon spielte mit viel Temperament und Tanzfreude dos gräfliche Schwesterlein. Max Patschky als Gast (Kammerdiener) entfesselte mit gefährlichen Kalauern stürmische Lachsalven. Sache einer geschmackvollen Regie wäre es geroefen.Jücr mildernd und beschränkend einzugreifen, - Mit großen Pausen wurde hie Aufführung so verlängert, daß im Schlußakt ein störender Massenausbruch einsetzte. Vom starken Erfolg wurde bereits zu Anfang gesprochen. Dr. Th. ; $ dasfeine.reine Cocos-Speisefett* Bach-Abend. Dom Kovzert'Lercin wird uns «eschrik ben: Das nächste, neunte 21 b o n n e tu c n 10 • konzert wird am kommenden Donnerstag, 2 5. Februar, abends In der StaVtktrche ftattfinden. Es ja rasch aus den Liederabend von letztem Sonntag folgen z» lasten, lag nicht in der Absicht der Konzertleitung, die einem späteren Termin unter allen Umständen den Vorzug gegeben stoben würde, wenn nicht schwerwiegende Gründe die Zurückoerlegung erzwungen hätten. Die bevorstehende Aufführung steht ausschließlich unter dem Zeichen Bach s. Mit einer Pastacaglia, Präludium und Fuge, auf der Orgel eingeleitet, werden aus dem köstlichen, überreichen Schatze Bachicher Kantaten drei der schönsten folgen. Zunächst die mit Nr. 169 bezeichnete „Gott soll allein mein Herze hoben", für Alt-Solo und Chor. In diesem Merke hat Bach in der kleinen sympathischen Einleitung und dem prächtigen Siciliano Teile seines E-Dur« Konzerts verwertet und einfach eine Singstimme dazu geschrieben. Die nächste, im Jahre 1731 cnl standene sog. Septuogesima-Kantote (Nr. 84) mit den Slnfangsworten „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke", ist für Sopran-Solo mit Solo Violine geschrieben, während dem Ehor her Schluszchoral zu- fällt. Alsdann wird das wundervolle Duett für So« pran und 'Alt „Wie eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten" aus der Kantate Nr. 78 „Jesu, der du meine Seele —" folgen, lind zum Schluß die gewaltige Neformations-Kanlaie (Nr. 79) „Golt der Herr ist Sonn' ixih Schild" aus dem Jahre 1735, deren erster Satz einem Triumphgesange gleicht. Der befomitc Bach-Biograph Schweitzer sagt von ihm: „Es bricht eine eigentümliche, blendende Helligkeit aus ihm hervor, als sähe man das Bild einer siegreichen Schlacht im Morgensonnenglanze". Bach hat — nur die uns erhaltenen gezählt — gegen 200 Kandaten geschrieben, die eine unerschöpfliche Fülle reichster und schönster Chor- lind Solo Gesänge enb stallen. Auf die Erbschaft dieses Allergrößten, der in feiner universalen, zeitlosen Bedeutung immer mehr erkannt wird, je weiter wir uns zeitlich von ihm entfernen, haben wir Deutschen wahrlich allen Grund, stolz zu sein. Die meisten dieser Kantaten sind für Chor und Solostimmen, ober auch für jedes allein, mit Begleitung her Orgel oder des Orchesters geschrieben. In vielen Fällen wetteifern die Solostimmen mit obligaten Jnstrumentalsoli und erheben sich so zu hinreißendem Schwung ,bes (9c- fanas. Die Orgelparlie liegt in ben Händen des Herrn Hopf, Organist an der St. Georgs-Kirche in Eisenach. der schon bei der Ausführung des 10. Psalms von Reger mit Erfolg hier initwirkte und dem allster dem anfangs erwähnteil Orgelsola auch die umfangreiche Begleitung obliegt. Für die Solopartien sind die Damen Margarethe Strunk und Elisaveth Böhm gewonnen worden. Sie sind den Besuchern unserer Konzerte als Stützeil des „Berliner Bokalterzetls" durch ihr wiederholtes Mulizieren in (fließen bekannt; den tiefen, einer Bratsche gleiche»» Kontraatt des Fräulein Böhm werden sicherlich viele noch in lebhaster Erinnerung haben. Die Biolinbegleituug wird Herr Konzertmeister H a e h n e l aus Naüheim ausführen, und die der Solo-Oboe der erste Oboist der Frankfurter Oper, Herr Ho en sch, mährend ein Teil des Kammer- orchesters mit Verstärkungen durch Frankfurter und 'Nauheimer Künstler die Kapelle bilden. Der Ehor wird von bem Akademische n Gesang v e r e i n gestellt und in Stellvertretung des noch be- urlctubten Herrn Professors Trautmann von Herrn Theodor K n n b t geleitet. Herr Knodt hat ben Chor bereits zur Reichsgrünbungsfeier am 18. Januar in der Aula geführt und sich der Vorbereitung der Bachkailtaten in hingebender Weife gewidmet. Das Konzert bietet die seltene Gelegenheit, eine große Orgel«Solofuge von sachkundiger, virtuoser Hand gespielt und drei der herrlichen Bachkantaten zü hören, und dürste für die große Gemeinde der Musikfreunde imd Gläubigen einen feiertägigeil Genuß bedeuten. Schöffengericht Gießen. Gießen, 22. Febr. Ein Kaufman aus Bad- Nauheim wurde wegen S i t t l i ch k e i t s v e r- brechens zu 3 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren E h r v e r l u t verurteilt. Di« Ver- hanblung fand hinter ver chlostenen Türen statt. Strafschärfend wurde berück ichligl, daß der 'Ange klagte wegen ähnlicher Verbrechen schon zweimal bestraft ist. Trotz her erdrückenden Beweise behaup- tet er, unschuldig zu sein, und trat einen umfang- reichen Alibibeweis an, der ober vollkommen zu« sammenbrach. Ein herumziehender Hausierer und seine Frau waren des Diebstahls von Feldfrüchten angeklagt, der Mann im wiederholten Rückfall. Sie wurden aber nur wegen Feldentwendung (llebertrelting nach bem Hessischen Feldstrafgesetzbuch) verurteilt, da der Wert der gestohlenen Früchte 15 Mk. nicht überstieg. Eine Mitangeklagte wurde mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Kleine Strafkammer Gießen. Gießen, 19. Febr. Ein Landwirt war vom Amtsgericht Friedberg wegen Beleidigung und Kör- perverletzung eines Felbfchützen zu SO Mk. Geld« strafe verurteilt worben. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde wegen seiner Porstrasen kosten- fällig verworfen. Durch Urteil des Amtsgerichts Butzbach war eine Landwirtsfrau wegen Betrugs mit 50 Mk. Geldstrafe belegt morden. Sie soll einem Kunden neben reifen auch unreife Zmelschen verlauft und dies bei der Lieferung verschwiegen haben. Gegen dieses Urteil verfolgte die Angeklagte Berufung. Die Verhandlung in der Berufungsinstanz ergab, daß der Kunde die Zwetschen selbst ausgesucht und bestellt hat. Der Staatsanwalt hält das Urteil erster Instanz für bedenklich, es handle sich hier offenbar um eine Angelegenheit zivilrechtlicher Natur. Das Berufungsgericht war der gleichen Ansicht und sprach die Angeklagte frei. Ein Unteroffizier hatte wegen Beleidigung eines Vorgesetzten 6 Wochen Mittelarrest erhalten. Auf seine Berufung wurde die Strafe auf 5 Tage Mit« telarrest herabgesetzt, da der Angeklagte inzwischen aus dem Heeresverband ausgeschieden ist und sich entschuldigte, der Vorgesetzte und die Militärve- hörde sich auch zu seinem Gunsten verwandt hatten. Ein Mädchen, das sich in Zwangserziehung und bei einem Pfarrer in Oberhessen in Diensten befand, wurde dort von seiner Miitter gegen ben Willen des zuständigen Kreisamts aus dem Dienst nach Haufe weggeholt. Das Amtsgericht Grünberg halte die Mutter von Strafe und Kosten freigesprochen. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein und begehrte auf Grund des § 76 des Jugendwohlfahrlsgesetzes vom 7. Juli 1922 Verurteilung der Angeklagten. Die Strafkammer gab der Berufung statt und sprach eine Geldstrafe von 50 Mk. aus. Gerichtssaai. verurteilter Uohrungsmltlelfälscher. MSN. Köln, 22. Febr. Das Kölner Schöffe»»- aericht verurteilte einen M e tz g e r m c i ft e r, der Kübel voll verdorbenen Fleisches zu W u r ft verarbeitet hatte, zu einem Jahr Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Dem Verurteilten wurde ferner die Befähigung abgesprochen, während fünf Jahren ein öffentliches Amt zu bekleiden. 'Buntes Allerlei. Schlangen gefällig? Jede Ha»»Sfrau weist, wo sie ihr Brot und ihr Fleisch, wo sie ihren Kaffee und ihren Zucker einkauft, aber wenn sie vor die Ausgabe gestellt würde, einen Stock Dienen, ein paar Riesenfrösche oder eine .Klapperschlange einzu- hvlen, würde sie gewiß in Verlegenheit geraten. Aber auch für diese und noch andere merkwürdige Waren gibt es Märlte, wie eine Englische Zeitschrift erzählt. Der Handel mit Schlangen ist ficmlid) ausgedehnt, denn die verschiedenen Zoo- ogischen Gärten haben einen großen Bedarf an Reptilien. Sn London gibt es mehrere Geschäfte, in denen man mit dem einladenden Ruf „Schlangen gefällig?“ begrüßt werden kann. @inc ausgewachsen« Riesenschlange kostet zwischen 400 und 1000 Mark, dagegen kann man eine der gefährlichen Brillenschlangen schon für 40 bis 100 Mk. bekommen (Sin großer Umsatz ist in kleinen, nicht giftigen Schlangen, die al« Futter für die seltenen Arten in den Zoologischen Gärten benutzt werden, die kann man schon für 2 bl# 5 Mark das Pfund einhandeln. Siner der größten Dienenmärkte ist zu Tecncnbal In Holland. 3m vergangenen 3ahr wechselten hier 1586 Dienenschwärme den 'Besitzer; die Gesamtzahl der verfauften Dienen belief sich auf gegen 30 Alll- lioncn und der Tbert ungefähr auf 6000 Akark. Riesenfrösche sind kein so begehrter Artikel, aber besonders große Eremplare sind doch von manchen Schausteller»» gesucht. Sin Mann, der kürzlich einen besonders großen Ochsenfrosch feil- bot. erzielte dafür 100 Mark. Sin unheimlicher VerlausSgegenstand ist Schlangengist: aber wer diese Mare an den rechten Mann zu bringen weiß, kann damit viel verdienen, beim es gibt gewisse Arten des Schlangengiftes, für die 300 Mark und mehr pro Gramm gezahlt wird. Die S(aal6lollettc der Elefanten. Die Sloalstoiletle eines Elefanten, die er für besonders festliche Gelegenheiten macht, ist nicht minder zeitraubend und schwierig als die Verschöne« rung, die sich eine Modedame angedeihen läßt. Von den Geheimnissen dieser Elesanten-Schönheitspflege erzählt ein Sonderberichterstatter der „Times of Indio", der Gelegenheit Halle, der Schmückung der Staatselesanten des Goekwar von Baroda belzU' wohnen. Zunächst erfolgt das Bemalen des Gesichtes, tlnb diese Operation erfordert mehr Sorgfalt als die raffinierteste Schntinkkunft. Es gibt dafür besonders geübte Maler, die zunächst auf der Elefantenhaut mit Kreide die Ilmriffe der Bemalung ausführen und dann das eigentliche Bild rasch und geschickt mit Wasserfarben anbringen. Die Köpfe der Elefanten werden mit verschiedenen Tieren verziert. So werden z. B. zu beiden Seilen des Gesichtes Tiger gemalt, und zwar Io, daß das Auge des Tigers benützt wird, wodurch das gemalte Tier einen besonders lebendigen Eindruck macht. In ähnlicher Weife werden Pfauen auf die Eie- fanlenköpfe gemall, »nährend man sich bei der Verzierung des Körpers mehr mit geomelrstchen Ornamenten begnügt. Maler, die Ihre Arbeit auf der Leinwand verrichten, haben keine Ahnung von den Möglichkeiten, die die geschickte Benutzung eines großen Pinsels auf einer Fläche gewährt, wie sie z. B. ein Elefantenohr darbietet. Sind die Elefanten bemalt, dann werden sie mit Aufbauten aus Gold und Silber und Elfenbein geschmückt. Ebenso müssen die Staatselefanten Ohrringe und kostbare Halsbänder tragen, prunket» im juwelenbesetzten Stimschmuck, und ihre Füße sind mit Spangei» und Fußbändern bedeckt. So groß »st die Last dieses überreichen Schmucks, daß man von den» Tier selbst kaum etwas sieht. Die Ernährung dieser Elefanten ist ebenfo sorgfältig wie ihre Toilette: sic erhalten jeden Tag große Mengen jchwmzen 'Pfeffere, Sol» und Del, und ihr tägliches Menü ist genau auf der Speisekarte angegeben, die über ihren» Platz hangt. Biicherttsch. Iß a e- Verlobte und Eheleute von der Rechtspflege unbedingt wissen müssen, um evtl. Prozesse, somit Geld und Aekger zu ersparen, enthalt das Duch. .Juristischer Ratgeber für Verlobte und Eheleute", nach dem gegenwärtigen Stand der Gesetzgebung. (Verlag Albert Roebelen. München. Schelling- slraste.) — Handbüchlein für Arbeitgeber and Angestellte über die wich 1 igsten Bestimmungen der An gest ellte »»verst ch e r u n g not» Oberinspektor E. G a l in , Aschaffenburg. Esisenslr. 3. Selbstverlag. Preis 30 Pfennig, 100 Stück 25 Mark. Boxe n. Q3on Dr. Willy Meisl. (Verlag illlftclu. Berlins. Das etwa 90 Seiten starke Büchlein, das ii» der Reihe der Stadion-Dücher den Dand 5 darsteUt. bietet terlsich und mit feine»» vielen Illustrationen den freunden des Dorfports reiche Anregung. 906. Wirtschaft. Von den Schlachtviehmärkten. A»» ben deutschen Schlachtviehmärlten der vorige»» Woche hat die Marktlage gegenüber der Vorwoche keine wele»»tliche Verschiebung erfahren. Der Handel hielt sich bei Rindern, Kälbern und Schafen in der Hauptsache auf mittlerer Linie: bei Schweine»» war die Tendeirz zu flotterem Geschäft vorherrfcheird. Die AuftriebS- zsisern toaren nur bei Schafen stärker rückgängig Die Preife sind auf allen Marktgebieten al- gut stetig zu bezeichnen. Oluf den nachstehende»» Märkten mürbe» für 1 Pfund Lebengewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 18-51 40-72 26-48 70-81 Bremen 28 - 55 35 - 70 45 - 57 67 - 76 Breslau 15 - 50 49 - 70 30 - 48 60- 78 Chemnitz 20 - 48 45 - 74 35 - 52 66 - 80 Dortmund 16 - 55 35 - 80 25 - 50 79 - 84 Dresden 20 - 50 50 - 70 30 - 55 58 - 80 Düffeldorf 20 - 57 35 - 80 - 72 - 84 Elberfeld 20-55 40-75 - 65-84 Essen 25-55 42-100 - 70-84 FrankfurlM. 15 - 53 40 - 72 25 - 50 65 - 85 Hamburg 14-51 30-75 - 60-81 Hannover 15 - 53 30 - 70 20 -52 65 - 80 Husum — — — — Karlsruhe 18 - 52 55 - 70 - 72 - 82 Kassel 20-55 42-60 — 70-86 Kiel 16-49 25-66 24-55 49-78 Köln 20-54 42-72 35-44 68-82 Leipzig 20 - 49 40 - 68 35 - 52 70 - 81 Magdeburg 18-50 28-62 22-44 68-83 Mannheim 12-55 52-74 24-36 68-82 München 23-52 55-82 - 58-80 Stettin 10 - 47 28 - 63 15 - 43 68 - 76 (Stuttgart 12-51 55-74 - 58-83 Zwickau 15 - 48 40 - 65 30- 52 70 - 81 Besserer Geschäftsgang bei Opel, Rüsselsheim. In der Fahrräher- »tnd Mo torwagenfabrikation werden von Tag zu Tag von den beurlaubten Werkangehörige»» wieder eine An zahl zur Arbeit zurückgerufen. Während der Molo» ivagenbau vier Tage wöchentlich arbeitet, wird im (flefamtbetrieb des Fahrradbaues nun schon volle sechs Tage gearbeitet. ” Japanischer Millionen-Auftrag für Siemen s. Wie der „Montag Morgen" erfährt, hat die Firma Siemens & Halske von der japanischen Regierung einen Auftrag zur Lieferung und Installation von kompletten antoinatische»» Tele phonanlagen für die Städte Kobe und Osaka erhal ten. Das Objekt beträgt 5 Millionen Mark. ' Vie Kukirolfabrik unter (8 c schäftsaufsicht. In einem Rundschreiben an ihre Gläubiger teilt die Kukirolfabrik Kurt ÄrffV in Groß-Salze bei Magdeburg mit, daß sie sich gelungen gesehen habe, den Antrag auf Geschäfts aufsicht zu stellen, nachdem ihre Bemühungen, einen größeren Kredit zu erhalten, zu keinem Ziele ge führt haben. Das Gericht hat dem Antrag am 19. Februar ftnttgegebcn. Berliner Börse. Berlin, 23. Febr. Die freundlichere Tendenz, die fich gern» Schluß der gestrigen Börse einffeUtc, hielt heule an. Allerdings fanden z>» den erften Kursen noch Verkäufe statt, so daß diese knapp gehalten werden konnten. Während der ersten Stunde entwickelte sich bann in einigen Spe 1,10 1 werten lebhafteres Geschält, das die Speht- lation zu Deckungen veranlaßte. Hiervon wurde de sonders der Montan »mb Schiffahrts« markt betroffen, wo Kombinationen über das Zusammentreffen zwischen Geheimrat Cuno mit dem Amerikaner Harriman ftlmuHerten. I»» Nachwirkung der Londonei Verhandlungen flogen Schuh gebieten teilen anfangs stärker an (auf 7,72). während K r ie g s a »»l e ! h e n eher zur Schwäche neigten. Die feste Haltung der Spcziallverte gab auch Gießener Konzertverein. <-va Lisrmann — Hindemith. Führt ein einzelner Künstler eh» abendfüllendes Programm aus, fa gibt die Kraft feiner Persönlichkeit bereits die Gewähr für die Einheitlichkeit des Geftaltens, denn die Reihe der von ihn» gewählten Gaben erweist fich als ein Spiegel feine-:. Ich--.. Schwieriger ist es aber, wenn mehrere Ausführende zu einem Einheitlichen verschmelzen wollen. Es gab eine Zeit, namenilich Im Zeitalter des Virtuosentums, wo man sich durch das Nebeneinander nicht störe»» ließ, nm nur der Große den Abend beherrschte, alle andere»» aber nur die Vortragsreihe füllten, wo das Publikum bei» Große»» hören wollte, alles anbcrc aber als angenehmes Beiwerk anfah. Unsere Großen mußten sich einst bamli abfinben, mit virtuosen Kunststucka-ei» für ihr Werk werbe»»: so wurde z. B. an» Abe»»d der Urausführung von Beethovens Violinkonzert auch noch ein Stück auf der nach unten gekehrten Violine gespielt: des Knabe»» Mozart ,.Hauptnummer" war das Spiel auf verdeckter Klaviatur u. a. n». Dieser Schwierigkeit beim Zusammenwirken trug bas letzte Konzert des Konzertvereins Rechnung, als es einer an sich mit charakteristischen Ausbrucksqua- litäten bedachten Altstimme ein ihm klanglich ver- mandles Instrument, bas Cello, entgegenstellte, so daß zwei ähnliche Klangivellen, nur in mehr oder weniger vorstellungshaster Deutlichkeit unterschieden, eine Welt des Ausdrucks erschlossen. Warm ver schmolzen waren beide besonders im letzten Teile des Programm». Mai» halte vielleicht ivlinschen mögen, daß der stärkste Vertreter dieses Ausdrucks- stiles, Mufsorgskl, noch mein in den Vordergrund erlebt hat, den» werden seine Welten überaus gegenwärtig, zeitgemäß erscheine»» und sich der konstruierten Welt des Expressionismus gegenüber mit wol'l Inender Kraft behaupten. Zu nernnmbern ijt nur, daß diese Musik vor rund 51» Jahren geschrieben wurde, sich aber jetzt erst mit Erfolg burchznsetzen scheint. Zwar vermag Mufforgski mit seiner Voran- ftellnng des Ausdrucks unter Znrlickdrängung des uns als Wesen der Musik erscheinenden, der Melodie, nicht jede»» sogleich zu gewinnen; aber seine Welt fand besonders'auch durch Gretschaninow ihre Weiterbildung, und dem Elndrtick seiner beide»» Lieder des Programms hat sich schwerlich jemand verschließen können. Wenn man in dieser Einstellung den beiden Künstler»» des Abends gegenübertritt, so wird die Einheit des Ganzen um Io deutlicher erscheinen. Rudolph Hindemith stehl der allermobemflen Musik äußerst nahe, und diese Einstellung läßt ihn selbst da, wo wir vielleicht »»»ehr das Spielerische in» Ab- lauf der Fort»» flu erkennen vermögen, gestalten »md neue Gesichtspunkte zur Erfassung des musikalischen Gehaltes gemimten. Da steht ihm ein warmer, voluminöser Eellotoi» zur Verfügung, wie mir Ihn nur selten bei ben Cellisten ber Gegenwart antreffen, um jo berounbernomürbiger ist die technische Meisterschaft und, baß dos (lello doch immer seine Eigenart trotz allem behält, was nicht allen Virtuosen des Instrumentes gelingt. Sei es die Welt Boecherinis, die er in technischer Eleganz und Ausdruck der Konlilene erschloß (die Springbogenkilnfte waren verblüffend), oder Bachs Präludium in sei- ncr energievoll gespannten Linienführung, ein Werk, das mit zu stärkster persönlicher Ausdrucksgestaltung werden kann und durch ihn wurde. Mit Davidosss Eellokonzert (A-Dtoll), das bem neurusfischen Stil nahesieht und vielleicht die Welt der russische»» Novatore»» vorbereitete, stellte er sich auf ben Baden virtuoser Musik, und das scheinbar Unmöglichste gelang Ihm spielend, besonders in ber mit ihren lech. „Ischen öchwierigkeilen ihresgleichen suchenden Kadenz. Halle man Hindemith bisher mehr im Kam« mermusikensemble kennen und schätzen gelernt, nun wird man ihn mit um so größerer Freude auch zu ben ersten Solospielern auf feinem Instrumente rechne»» können. Ein herzlich Glückauf! Den» Jnstrumentasislei» flehen, infofern er fein Instrument beherrscht, wenig Hindernisfe des Aus drucks gegenüber. Den» Sänger ist steis mit den» Eharakter der Persönlichkeit und damit auch der Stimme, als bem Aeußerungsmittel der Persönlichkeit, ein Weg gewiesen, aber auch gleichzeitig eine Grenze gesetzt. Alo Eva Jekelluv-Llßmam» das Podium betrat, da »ahn» ihre saft königlich-hoheitsvoll zu nennende Erscheinung das Publikum gefangen. Mai» hatte die- (er Erscheinung entsprechend eine pastose Altstimme voll dunkler Glut erwartet, und bei ihrem beseelten Gesichtsausdruck einen Vortrag voller Verinnerlichung. Aber es wurde eine Enttäuschung, als sie z», dem Vorträge sowohl der Liede» von Schubert als auch von Wolf eine lächelnde Miene atifsetzle, anstatt gerade durch die plastische Kraft ihres starken Gesichtsausdruckes die llßcllen ber Lieber mit zu erschließen. Leiber schien die Stimme auch nicht völlig ausgeglichen, besonder > die breite lächelnde Miindstetlung ließ manche Vokale, besonders ben „a'-Lant, flach bilden, bas „u" entbehrte ber Tragkraft. Erft die riifsifchen Lieder des letzten Teiles wurde»» fltim Erlebnis des Abend", so sehr sie sich auch um Schubert unb Wolf bemüht hatte. Dieses Ernste, Verhaltene des Ausdrucks, bas stimmte zu der persönlichen Erfcfaimmg und ließ sie mit volle»»» Recht als würdige Schülerin ihres gerade lu der Variragskunst einzigen Lehrers Raimund von Zur- Mühlen werden. Hier wirkte sie lebenswarm unb voll Gestaltungskraft. Warum fetzte sich die Sän- !;erln nicht für eine größere Auswahl von Mus- srgfkis Lieden» ein, etwa für die „Lieder und 'änze des Todes"? Dieser, wenn mich herben, aber doch so starken Ausdruastuitsl, hätte sie eine ebenso tiesfliche, überzeugende Kunderin werden können, wie sie es für die Lieder Gretschaninows „In ber Steppe", „Der Gefangene" wurde, oder für die schlichte Weihe des Vespergesanges. Am Flügel waltete Herr Paul 'Sieger Frankfurt, wie immer ein Begleiter, bereu es nicht viele gibt; alle guten Geister halfen Ihm am Gelingen. -In- Die Afrikareise von Leo Frodenius. Geheimrat Prof. F r o b e n i u S, der betnnntc Asrikaforfcher, gab. wie aus Frankfurt gemeldet wird, vor Vertreter»» der dortige»» Presse ein«»» Tleberbllck über die Ziele, die er sich bei seiner neuen Afrikafahrt gesteckt hat. Geheimrat Fro- beniuS plauderte dabei in anziehender Weise muh über die Methoden, die er bei feiner bisherigen Forscherarbeit beobachtet hat. Er stützte sich bei seiner Arbeit auf die Sagen, die sich in einer bestimmten Gegend Jahrtausende hindurch er- halte»» haben und die immer wieder, tote die Resultate seiner Forscherreise ergeben haben, aus bestimmte Vorkommnisse zurückzusühren sind. So sind ihn» bei seinem letzte»» Aufenthalt In Afrika von Eingeborenen viele Mitteilungen gemacht »vorbei», denen er zunächst skeptisch gegenüber gestanden hat. von denen sich aber ein Teil sch«» heute bewahrheitet bat. Frobenius tollt nun auf seiner neuen Grpevition den Dinge»» auf den Grund gehe»» und hofft, zu eigenartigen Ergebnisse»» zu kommen, die neue- Licht auf die Geschichte Rubicns und der anstoßenden Teile Afrikas werfen loerden. sSeheimrat Frobenius hat Frankfurt bereits verlassen, um die Reise nach Aegvvten miflutreten. 3n Aegypten. Rüblen und am Roten Meer werden unter der Oberleitung von Frobeniu« mehrere Unternehmimgen statt- sinden. die die Reise»» des Forscher- 1912 unb 1915 vervollständige»» und (veiler aufTlären solle»». An diesen Teil der Arbeiten der G-rpedilton soll sich bau»» unter Mitwirkung ernster und fa* sonnener Männer ein weiteres Unternehmen an» schließen, bei dem die AuSwlrkungSrndglichkeiten der moderne»» DetoegungSmaschlne»» im schwarzen Grdteil erprobt werden sollen. Äs dürste zu hvssei» sein, daß die z»» diesem Zwecke gebauten Automobile der Forschungsexpeditio»» bei ihrer Arbeit schnellere und sichere Hilfe bieten und größere wissenschastliche Erfolge ii» kürzere»' Zeil ermöglichen »oerbei» al« ein schwerfälliger Kamel- unb Gxpedltlonsiroß. getreten wäre. Es ist für unsere Zeit des E^- pressionismus bezeichnend, daß die teljten zehn Jahre unter bem Einfluß einer Mufforgski Renaissance stehen. Mussorgski war mH einer ber ersten, ber, einer Anregung feines Latibsrnaimes Dargomsichki folgend, ben Ausdruck in feiner Wahrheit als solchen über bic schöne Formgestaltung erhob. Wer die elementatc, primitive ‘ Mralt seiner Lieberz»)klen ober seilte Oper Boris Godunow" > Kaufet! Kochet! ) kosstet! Börsenkurse. chuß von 108* 6,9 I 133 5* I 131,2* m I — 126,7* jBant n oten. Wettervoraussage. Ä Brief zeitweise 3,12 102 40,25 2 von Beileidsbesuchen bitte absehen zu wollen. 1688D Gießen, den 23. Februar 1926. 1713V Holzfubmiffion 1 Eichen-Stämme 2. 116 76 25' 79' 4 I Devisenmarkt Berlin—Zrankfurt o. M. Telegraphische Ausza h l u n g. 1 13 22 16 mit mit mit mit 0,75 fm 6,10 fm 8,94 fm 4,92 fm Stück Stück Stück Stück 96* 85* 80* Al 126,2* 66 anl des feri 30. 85,75 42 43 85 5* «6 25 105 5 112 116 25 34,5 44 74.75* 75.75 80,25 131* 129,5 »I Jnl in- 108* 127.5* 125* 120,5* L bü 2D Kiefern-Stämme: Kl. 3 Stück mit 2,30 fm Kl. 1 Stück mit 0,83 fm Kl. 6 Stück mit 2,83 fm Dichten-Stämme: sin! toei au’ bei toi ge ge sch tii fo[( t ei zu de S< s- Krofdorf, den 22. Februar 1926. Der Bürgermeister: Brockmeier. 1695V 100* t,9 de bi 74 95,62* 82* 81* 98* 39,25 34 gri in Kl- da, für mit 2,43 Fstm. . 44,91 „ Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 vorn. Hermes Nene Kurse v 20. April. 146,9' 11-8' Tüchtiger Geschäftsmann sucht 500 Mk. gegen gute Sicherh. u. hohe Zinsen aus ein Jahr zu leihen. Schr. Ang. u. 01250 an den Giess. Anz. Gießen (Liebigstraße 15), den 21. Februar 1926. 72 5 119,5* I 85 | 99,5* I 6,8 1 0,033 | Die Beerdigung findet Donnerstag, den 25. Februar, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. 3. Kl. 12 Stück mit 20,31 fm 4. Kl. 32 Stück mit 35,36 fm 5s-Kl. 69 Stück mit 46,87 fm 2b"Kl. 1. Los etwa 125 Stück 36 fm 2. Los etwa 128 Stück 37,52 fm Angebote find, getrennt nach Sortimenten und Klassen, bis zum Freitag, 26. Februar I. I., nachmittags 4 Uhr, bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Verkaufsbedingungen bekanntgegeben werden. Vorherige Besichtigung des Holzes wird empfohlen, da spätere Einwendungen nicht berücksichtigt werden. Mainzlar, 20. Februar 1926. . Bürgermeisterei. Vogel. 63,12 5,5 102 5 40 yolzversteigerung. Samstag, den 27. Februar 1926, nachmittags 3 LIHr, kommen bei Gast, wirt Becker in Vetzberg aus dem Gemeindewald in Vetzberg zum Verkauf: 4,207 19.135 109,25 20,465 15 29 168.52 16.95 £0,73 59,24 112,48 80,98 59 33 12.452 5,87 66 81 25 125 2* 65 72 95* 81 75* 79.25* 97.5* 39 25 33,5 30 35 12! 6* 64 25 55.75 70 1 91 12 95 25* 80 86 78,5 97 38 33.1 23 29,12 । de zu D ar bi 145.7* 168* 127* 125,5* 120* 101* 6,9 84,25* 43,5 43.5* 87* 87.5* 106 5* 112 115 5 33 43.75* 75,5* 77,12* 81 132 7* 129.5* 88,75' Plötzlich und unerwartet verschied am 21. d. Mts unser langjähriger Gießermeister Herr Wilhelm Rohleder Wm betrauern in dem Dahingegangenen einen ebenso pflichteifrigen und schaffensfreudigen Mitarbeiter wie liebenswürdigen Kollegen, dessen Andenken in uns dauernd fortleben wird 139 Radelholz-Stämme 92 Stangen 1. Klasse 144 3. 4. 5. 42,62 89.25* 89,12* 107 5* 113,2» 115,62 45* 76* 178 25* I 1133,5* 1131,9* 3. Kl. 4. Kl. 5. Kl. 6. Kl. dA sie gelöst ho wesen si, unangebi Ze-chter Dolkerbui vollauf T Hbereinh Zw anve wesmal i s* 'Wilma versuche } Der 7 S" ■ 41 । 96 62.5 30 5.62 103 5 40 40 «UtQ| yr al, Mig j Finanz Sa? Mnfi ° ei K um?t \ 1859 Fünfziger 1909 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, von dem Ableben unseres lieben Vorstandsmitgliedes Herrn Wilh. Rohleder Gießermeister i. R. geziemend Kenntnis zu geben. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt und bitten wir um recht zahlreiche Beteiligung. 1712D Der Vorstand. Direktorium und Angestellte der Firma Ueyiigenstaedt & top. Werkzeugmaschinenfabrik u. Eisengießerei, Aktiengesellschaft. Berliner Produktenbörse. r 22m 5lbrr- Die älnternehmungS- lüft im Berliner Produktenhandel ist auch heute für Brotgetreide nicht umfangreich, wenn auch die um 1,5 befestigten Liverpooler Anfangs- Notierungen sich hier gleichfalls in etwc^ gesteigerten Kursen auswirkt. Das Fnlandangebot in Weizen ist infolge der sehr niedrigen Preise sehr gering. Die Verkäufer bleiben in ihren Forderungen unnachgiebig, so das; die Mühlen sich bei dem recht kleinen Mehlgeschäft nur sehr schwer versorgen können. Roggen reichlich vffe- riert, aber gleichfalls zu hoch gehalten. Gerste m besserer und vereinzelt auch in geringerer A^are abzusetzen, in mittlerer Ware schwer ver- käusttch, Hafer ruhig, Futtergerste unverändert. -Zettgeschäft hielten sich die Weizen- und Roggenpreise in mäßigen Grenzen. Weizen ver Marz 261 1,50 und per Mai mit 266 1 Mark über letztem Vortagsschluß. Märzroggen bei emem ersten Kurs per März von 160,50 und Mattieferung von 172,50 0,50 bzw. 0,75 Mark n°"^n Tonne: Weizen (märk.) 245, bis 248, Weizen (Pomm.) 244 bis 247. Kerzen (M^z) 261 bis 260. LSeizen (Mai) 266 bis 265 Roggen (märk.) 147 bis^57, Roggen p°lNM.) 140 b^ 144, Roggen (März) 160,50 bis A^gen (Mar) 172,50 bis 171,Gerste (märt.) Futtergerste 136 bis 142, Hafer (marf.) 150 bis 160, Hafer (März) 140, Raps 340; per Doppelzenttrer: Weizenmehl 32 bis K^'--R°SAnmehl 21,25 bis 23,25. Weizenkleie 10 brs 10,20, Roggenkleie 9 bis^ 9,20. Krankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 23. Febr. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 26 bis 25,25, Roggen, inländischer 17, Sommergerste für Brauzwecke 20 bis 22, Hafer, inländischer 18,50 bis 19,50, Mais, aelb 18,50, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 40 "bis - 40,50, Roggenmehl 25,25 bis 25,75, Weizenkleie 9,50 bis 9,75, Roggenkleie 9,75 bis 10. — Tendenz- Stetig. - Nutzholzversteigerung Donnerstag, 25. Februar L 3., sollen im Gemeindewald Mainzlar folgende holz- sortimente versteigert werden: Eiche: 126,25 | 127.7' 125 2* ; Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 23. Febr. Tendenz: Fester. — Die Börse wies heute eine freundlichere Haltung auf. Die Glattstellungen, die gestern zu einem Rückschlag geführt hatten, traten bei Eröffnung des Verkehrs nur noch vereinzelt hervor, infolgedessen konnten die Kursbesserungen wettere kleine Fortschritte machen. Der Stimmungsumschwung führte aber zu keiner wesent- lichen Belebung des Geschäfts, zumal die Spekulation aus ihrer bisher beobachteten Reserve noch nicht herausging. Einige wenige Spezial- werte beanspruchten lebhafteres Interesse. So wurden Schiffahrtsaktien Wetter favorisiert, wodurch die Kurse gegenüber dem Stande von gestern abend trotz des Dementis einer beabsichtigten Kapitalerhöhung bei Hapag gut gebessert waren. Hapag plus 1.5, Rordd. Lloyd plus 1 Proz. Begünstigt lagen Montanwerte, wo die Meldung von einer Ermäßigung der Fusions- steuer anregend wirkte. Die Aktien dieses Gebietes konnten sich um 2 bis 3 Prozent im Kurse erholen. Farbwerte waren nur mäßig gebessert. Rütgerswerke plus 2 Prozent. Bankaktien lagen vernachlässigt und waren kaum verändert. Maschinenaktien leicht erholt. Zuckeraktien zeigten Neigung zu einer leich- !^?1?ferung. Am K a f s a m a r k t war das Ge- schaft äußerst gering, die Kursgestaltung unregel- maßig. Am deutschen R e n t e n m a r k t hielten die starken Steigerungen für Schuhgebietsanleihe an. die von 7,25 auf 7,70 höher gingen. Das A, ?tefe-m Papier war ziemlich lebhaft. Auch in Kriegsanleihen fanden größere Umsätze statt, ohne daß jedoch ein merklicher Kursgewinn zu verzeichnen gewesen wäre (0,36). Daneben standen wieder Pfandbriefe im Vordergründe des Interesses infolge der Erllärung des Geschäftsberichtes der Preuh. Zentral-Doden-Kreditanstalt, die sich über den Wert an Pfandbriefen ausspricht. Der F r e i- verkehr lag still. Api 0,4, Beckerkohle 53, Venz 40 Proz., Drown-Doveri 70 Proz., Entreprise 10, Grvwag 55 Proz., Hansabank 75 Proz., Krügershali 86 Proz., Kabel Rheydt 105, Lisa 55 Proz., Llnterfranken 70.5 Proz. 3m weiteren Verlaufe begann die Sttmmung bereits wieder eine lustlose Haltung anzunehmen. Infolge von Gewinnsicherungen gingen die erzielten Kursgewinne zum Teil wieder verloren. Das Geschäft nahm einen lustlosen Charakter an. Am Geldmarkt ist eine kleine Versteifung festzustellen. Die Sätze sind aber noch unverändert. Tägliches Geld 5.5 Proz. Monatsgeld 6 bis 8 je Adresse. Bankdiskonten 5 bis 5% Proz. Industrie-Akzepte 6,75 Proz. Im Devisenverkehr war Paris gegen London leicht erholt mit 135,50. Bkark und Pfund liegen unverändert. der übrigen Börse eine Stütze. Besondere Beachtung sand die weitere Verbesserung der deutschen Außen- Handelsbilanz im Januar, die einen Ausfuhrüber- . - , 68 Millionen Goldmark zeigte. Auch die mehrfache Herabsetzung der Prioatdiskontsätze wurde beachtet, wobei man darauf hinwies, daß diese Bewegung nicht ohne Einverständnis der Reichsbank erfolgt fein könne und gewiße Rückschlüsse auf eine offizielle Diskontermäßigung zulasse. In diesem Zusammenhang dürfte von Interesse sein, daß heute vormittag Vizepräsident Kauffmann auf der Tagung der Landmaschinen-Industrie in Berlin erklärte, die Reichsbank werde doch wohl in den nächsten Wochen eine neue Diskontermäßigung vornehmen. Der Geldmarkt ist unverändert. Tägliches Geld 4$ bis 6 Prozent. 3m Devisenverkehr notierten Paris gegen London 135,50 etwas fester. Oslo war ebenfalls leicht befestigt. Warschau gegen Kabel 8. a !a gelb- und weihfleischige Speisekartoffelir gesunde, auserlesene Ware, empfiehlt H. Trechsler Steinstr. 73. Tel. 1581. iIV0p Kennen Sie schon das Original ,,8»ran« band“. D.R.Patent Nr. 3022!»t? Cs wird durch die ärttll Fachpresse als eine Umwälzung auf dem Gebiet der Ban- dagentechnik bezeichnet, ist unbedingt zuverlässig und dient für alle Arten von Brüchen, sowohl für Männer n. Frauen, als auch Mr ftinber, selbst tm zartesten Atter. Kein Gummiband, ohne Feder, ohne Schenkelriemen. Schriftt. Garantie! Tag und Rächt tragbar, daher viele natürliche Heilungen. Verlangen Lie sofort kostenlos Prospekt mit ärztlichen Gutachten und überzeugenden Anerkennungen. Bandagenhaus Julius Schreiber, Darmstadt, Rfedllngerstraße 33. 8ubmWonshoizverkauf. Aus hessischen Staats- und Gemeindc- Rutzscbeiter an 12 rm. Fichten-Derbslangen: 1. Kl. 63 Stück mit 10,34 fm 2. Kl. 677 Stück mit 43,20 fm Reisslängen: 1. Kl. 484 Stück mit 10,57 fm Bemerkt wird, daß das Eichen-Stamm- holz zu Wagnerholz geeignet ist. Die Zusammenkunft vormittags 9i Uhr am Waldeingang der Kreisstraße nach Treis a. d. Lda. 1606V Mainzlar, 19. Februar 1926. Bürgermeisterei. Vogel. Berlin, 22 Febr Amerikanische Noles Belgische Noten ...... Dänische Noten ...... Englische Noten ....... Französische Noten .... Holländische Noten .... Stalicnische Noten ' Norwegische Noten Dcutsch-Ocsterr., äioo Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten ’ Schweizer Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Llnaarische Noten Bekanntmachung. Die am 1. April 1925 zu monatlichen Vorauszahlungen auf die Reichseinkommen- und Körperschaftssteuer verpflichtet gewesenen Gewerbetreibenden, die im Sunt 1925 zwei Drittel der im Mai gezahlten Gewerbesteuerbettäge als Vorausbezahlung auf die staatliche Gewerbesteuer vom Ertrag zu entrichten hatten, haben zum Ausgleich mit den vierteljährlich zahlenden Gewerbesteuerpflichtigen am 10. März 1926 (mit Schonfrist bis Aum 17. März 1926) eine weitere Zahlung in höhe der im Monat Iuni 1925 (= zwei Drittel der im Monat Mai 19zo- fällig gewesenen Vorauszahlung an staatlicher Gewerbesteuer vom Ertrag zu leisten. 1702D Darmstadt, 10. Februar 1926. Der hessische Finanzminister. Henrich. Waldungen verschiedener Forstämter der Forstbezirksgruppe Alsfeld und aus dem Forstamt Nieder-Ohmen kommen zum Submissionsverkauf: 1703D Schnittholz: Kiefer 96 Fstm., Bauholz: Kiefer 4573 Fstm., Bauholz: Fichte 6190 Fstm., Sonstiges Stammholz: Kiefer 1475 Fstm., Sonstiges Stammholz: Fimte 2875 Fstm., Derbstangen: Fichte 25 Fstm., Nuhknüppel-Reisig: Fichte 510 Rm. Das Nähere geht aus dem Holzner- zeichnis hervor, das ebenso wie die Zahlungsbedingungen und Angebotsoor- drucke auf Anfordern kostenlos von unserem Sekretariat bezogen werden kann. Gebote sind verschlossen mit der Aufschrift „Submijsionsholzverkauf aus Staats- und Gemeindewald" bis spätestens Montag. 8. März d. 3.» vormittags 9 Uhr, bei dem Forstamt Alsfeld zu Als- eld einzureichen. Gebote, die nach diesem zermin einlaufen, werden nicht berücksichtigt. In den Geboten ist ausdrücklich anzu- 9kben, ob der gebotene Preis für 0eschältes oder nicht geschältes Holz gilt. Falls nichts vemerkt P' gelten die Gebote für nichtgeschältes Holz. In diesem Falle ist bei bereits ge- chältem Holz der Käufer verpflichtet, den Schalerlohn zu ersetzen. ttür jedes Forslamk bzw. jede Gemeinde, jede Holzart und jedes Los ist ein besonderer Angebotsvordruck zu benutzen. Eröffnung der Gebote! Montag, den 8. Mär; 1926, vormittags 10* Uhr, zu Alsfeld im Hotel „Deutsches Haus. । Darmstadt, 19. Februar 1926. hessisches Ministerium der Finanzen. IMt. für Forst- und Kameralverwaltung. 116 „ 3. 70 Rm. Radelholz-Ruhscheit 2 Mtr. lang. Das Holz liegt in Distrikt 1, 2a, 2b, Verkaufs- u. Zahlungsbedingungen werden im Termin bekanntgegeben. Geld 1.187 19.035 108.74 20,363 15.21 (67,68 16 87 96,27 58.94 111.92 80,58 59.03 12.392 5,38 Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank Darmst. und Naltonalbank . Deutsche Bank Deutsche Bereinsbank . . . . Disconto Commandtt . . . Metallbank Mitteldeutsche Creditbank. . Ocsterreichische Kreditanstalt. Westbank Bochumer Guß ...... Buderus . ........ Caro Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpencr Bergbau ..... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln. . . « , üaurahütte ...... Obcrbedarf ......... Phönix Bergbau ...... Rheimtahl Mcbeck Montan ...... Tellus Bergbau. .... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . Eheramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann Anglo-Cont.-Guano Chemische Mayer Alapin . Holzverkohlung Rütgerswerke Scheideanstalt W Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkrastwette ‘ Schuckert Siemens k HalLks «dlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt Meguin Motorenwerke Mauubetm Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Schuhfabrik Herz Ltchel. . . ....... . Zellstoff Daldhof ...... Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel • . . ttete Htt Mittwoch und folgende Tage. i7o»c C. II leintai Bahnhofstratze 59 Telephon 66. PHONE itoü ZWOFIINDLL Tel. 240 AUTO AUCH NACHTS. Tüchtige SWdetin nimmt noch Kunden ananh.d. Hause. Tag 3 Jt. Schr. Ang u. 01256 an den G. Anz. 25 Mark Belohnung bemientflen, der mir den Täler so anglbt, dah ich tbn nertditL bell kann, der ineinen bei Wibmar besindll Iischerkabngewalt- mähig entfernte. H, Benner II.. °»9Z Gießen, Seltersweg 83 Hth. Meist bedeckt, westliche Winde, etwas wärmer, zeitweise Niederschläge oder Nebel. Von Frankreich aus erstreckt sich heute ein Ge- biet hohen Druckes bis nach Süd- und Mittel- deutschland hinein, während sich das nordische hoch nach dem Baltikum verlagert hat. Der ausgedehnte Wirbel drangt nach Nordosten über Skandinavien hmaus, doch folgen weitere Teile desselben westlich DOn, Srlanb her. Vorübergehende Störungen sind wahrscheinlich. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 10,8 Grad Celsius. Minimum: Minus 0,4 Grad Celsius, heutige Morgentemperatur: 2 Grad Celsius. Niederschläge: 1,6 Millimeter. Die Gemeinde Mainzlar beabsichtigt, nachverzelchnetes holz im Wege schriftlichen Angebots zu verkaufen. 1607V 76.ü I 76 5 ->6 | 66,25 Dr. med. August Menz Liselotte Menz Minna Vetter geb Scheid. Krieger-Verein Glessen Abendkurse in allen kaufmännischen Fächern Vogtsche HandelsschuleGfeßen > öoethestraße 32 1708a Die Beerdigung unseres guten Kameraden u. Vorstandsmitglieds Wilhelm Bohieder nndet Mittwoch, 3 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt. 1696D Rege Beteiligung erwünscht. Der Vorstand. Statt jeder besonderen Anzeige. ”el!te wurde mir meine heißgeliebte, treue Gattin, mein liebes Mütterlein, meine gute Tochter, unsere liebe Schwiegertochter, Schwester Schwägerin und Tante Else Menz geb. Vetter im 34. Lebensjahre, kurz nach der Geburt unseres zweiten Töchterchens durch den Tod entrissen. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen ,m3rt7;jinnta? vormittag 10% Uhr verschied plötzlich und un- nXrt f -f