Nr. 19 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 25. Januar 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezugrprels: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Brühl'sche Universitatt-Buch- und Lteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: ZchMrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20' , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilb. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den An- zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Vor neuen Aufgaben. Das neue Kabinett ist -war gebildet, die Regierungserklärung jedoch bis zum Dienstag kommender Woche verschoben. Reichskanzler Dr. Luther will sich und seinen neuert Mitarbeitern nach den Kämpfen der letzten Tage of'enbar eine Atempause gönnen, bis vor dem Reichstag neue Kämpfe um Regierungsprogramm und Ver- trauensvotutn beginnen. Daß das Kabinett Luther hierbei erneut zu Fall kommt, ist trotz seiner verschwindend kleinen parlamentarischen Basis in höchstem Grade unwahrscheinlich. Richt so sehr, weil die Opposition in sich gespalten ist und sich kaum zu einem gemeinsamen Mißtrauensvotum zusammenfinden würde, als deshalb, weil keine der großen Opposittonsparteien, weder die eben aus der Regierung ausgeschiedenen Deutschnationalen noch die eben den Eintritt in die Regierung verweigernden Sozialdemo- traten, in der Lage wären, an die Stelle der gestürzten Regierung Luther etwas anderes zu sehen als das Chaos. So tritt das neue Kabinett trotz seines Minderheitscharakters an seine Arbeit heran unter durchaus günstigen Aussichten auf ein langes Leben und eine ersprießliche Tätigkeit zum Wohle des Bolksganzen. Damit ist denn nun endlich eine Regierungskrisis beendet, deren letzte Phase eine nicht weniger unerfreuliche Borgeschichte hatte als die vorausgegangenen. Seit Dr. Luther sich um den Auftrag des Reichspräsidenten mühte, eine „neutrale Regierung der Mitte" zu bilden, einen Auftrag, den er auf streng parlamentarischem Wege zu lösen suchte, stand die Person des demokratischen Parteiführers Dr. Koch, den man für das Innenministerium vorgesehen hatte, im Mittelpunkt des Kampfes. Cs ist ohne Zweifel, daß ein Innenminister Koch neben dem betont links gerichteten Dr. Marx als Iustiz- minisler und neben zwei weiteren Demokraten, eine starke Belastung für das Kabinett Luther bedeutet hätte, nicht so sehr wegen seines von den Bayern so gefürchteten Tlnitarismus, als weil seine Person das Kabinett des Charakters eines „neutralen Kabinetts der Mitte" entkleidet hätte. Eine starke Wendung nach links wäre unvermeidlich gewesen. Man kann nicht behaupten, daß die Bayerische Bolkspartei geschickt operierte, als sie zur Begründung ihres Widerstandes gegen Koch auf alte abgetane Geschichten zurückiam und Dokumente hervorzerrte, die an eine auch für Bayern nicht unbedingt erfreuliche Periode erinnern. Es wird gerade in diesem Punkt auch dem Reichskanzler der Dorwurf nicht erspart ' bleiben können, die Initiative zu sehr den Parteien Überlassen zu haben, die schon daran waren, sich unheilbar die Köpfe zu verkeilen, als der ernste Appell des Reichspräsidenten sie zu ihrer Derantwortungspflicht zurückrief und damit die Krisis überraschend schnell beendete. Dr. Luther mußte sich sagen, daß eine parlamentarische Regierung schaffen nicht heißt, die Parteien die Regierung schaffen zu lassen und selbst die -Zügel am Boden schleifen zu lassen. Die Parteien haben zu oft ihre Tlnfähigkeit zur Lösung einer Regierungskrisis von sich aus erwiesen, als daß eine Wiederholung dieses Experimentes Erfolg versprach. Dem energischen Zupacken des Reichspräsidenten verdankt es das deutsche Volk, wenn der Staatskarren diesmal nicht unrettbar in den Sumpf geriet. Diese entschiedene .Haltung des Staatsoberhauptes, sein aktives Eingreifen in das politische Getriebe zum rechten Augenblick läßt von seinem staatsmännischen Walten auch für die Bekämpfung der Grundübel unserer wirtschaftlichen Not — man denke nur an die längst überfällige Verwaltungsreform an Haupt und Glie dem, an die Durchführung eines straffen Sparprogramms in allen Zweigen öffentlichen Lebens — Erfolge erhoffen, die ohne die Autorität feiner Persönlichkeit kaum durchzusetzen sein werden. Damit sind wir schon bei einem der wesentlichsten Punkte, die wir in der Regierungserklärung des neuen Kabinetts erwarten. Es wird uns nicht wundern dürfen, wenn diese Regierungserklärung sich mit einer kurzen Skizzierung der dringlichsten vorliegenden Aufgaben begnügt, ohne sich auf die Art der in Aussicht genommenen Lösungsversuche einzulassen. Eine gewisse Farblosigkeit der Regierungserklärung wird man in Sauf nehmen müssen, um dem Kabinett in seinen ersten Lebensstunden fruchtlose parlamentarische Auseinandersetzungen zu ersparen und es so schnell wie irgend möglich zu positiver Arbeit kommen zu lassen. Wenn das Kabinett selbst nur ein weitausschauendes, großzügiges Programm hat und sich in sich selbst geschlossen genug fühlt, es in die Praxis umzusetzen, soll man die Parteien möglichst wenig damit behelligen. Der Charakter des Kabinetts als rein bürgerliche Regierung gibt die Gewähr dafür, daß wir bei der bebeutfamften Regierungsaufgabe, der Bekämpfung d e r W i r 11 ch a f t s k r i s i s, vor sozialistischen Experimenten bewahrt bleiben. Der neue Reichsfinanzminister Dr. Reinhold, dem bei der Inangriffnahme dieser Aufgabe eine ausschlaggebende Rolle zufällt, hat in diesen Tagen bei Einbringung des sächsischen Etats eine Rede gehalten, der auch für sein neues Tätigkeitgebiet programmatische Bedeutung zukommt. Er unterstrich geflissentlich die immer noch in weiten Kreisen gern verkannte Tatsache, daß wir ein durch Krieg und Inflation verarmtes Volk find, das sowohl in feinen einzelnen Gliedern als auch als Volksganzes, nur durch Arbeit und Sparsamkeit in seiner privaten wie in seiner staatlichen Lebenshaltung wieder auf die Beine kommen können. Nur durch Arbeit und Sparsamkeit können wir von innen heraus der Geldkrisis als. einer der Hauptursachen unserer Wirtschaftsnot zu Leibe gehen. Die strikte Durchführung eines großzügigen Sparprogramms, Die Etatsberatungen im Hessischen Landtag. (Don unserer Darmstädter Redaktion.) D a r m st a d t 22. Ian. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9Vs Tkhr. Abg. Din gelbe y richtet eine Kleine Anfrage an die Regierung wegen verschiedener Härten bei derEinzie- h u n g der Einkommen st euer. Don der Regierung wird erwidert, daß die Regierung zwar nicht unmittelbaren Einfluß auf das Reichssteuerwesen habe, aber sie werde sich mit dem Landessinanzamt in Verbindung setzen. Eine Kleine Anfrage des Abg. Dr. Rie- poth wünscht Auskunst über die Stellungnahme der Regierung zur Anstellung hauptamtlicher Kräfte für die Berufsberatung und die Aufbringung der Kosten. Minister Raab erwidert, daß demnächst die in Betracht kommenden Instanzen die Angelegenheit erörtern; von dem Ergebnis dieser Beratungen werde er, der Minister, feine Stellungnahme abhängig machen. Das Haus' tritt zunächst in die Beratungen des Antrages Dr. Werner ein über die Ernennung des Kapellmeisters Rvsenstock zum Generalmusikdirektor des Hess. Landestheaters. Der Ausschuß hat den Antrag wegen älnzu- ständigkeit an das Plenum zurückverwiesen. Abg. Kindt (Dntl.) erflärt, es komme hier nicht auf die Fähigkeit des Generalmusikdirektors bei der Behandlung des Falles an, die anerkannt würden, sondern auf d i e Vorkommniffe im Theaterausschuß. An dem in Frage kommenden Sage wäre der Ausschuß erst spät zu- sammengetreten, weil der Finanzausschuß so lange tagte. Auf der Einladung stand keine Tagesordnung; es war nicht bekannt, daß die Ernennung Rosenstocks unmittelbar bevorstand. Dem Ausschuß war mitgeteilt worden, daß etwa 65 Bewerbungen vorlägen, und zwar von den ersten Kräften. Die Sitzung des Ausschusses wäre sehr kurz gewesen, da Generalintendant Legal noch an einer anderen Sitzung teilnehmen muhte. Herr Rosenstock habe, wie der Generalintendant mit- teilte, auf eine Entscheidung gedrängt. Es sei aber mit keinem Wort gesagt worden, daß die Ernennung sogleich erfolgen sollte. Vorzeitig habe der Generalintendant die Sitzung verlassen und 1/,2 Stunde später sei auch Staatsrat B a l f e r weggegangen. Niemand im Ausschuß habe die Ernennung noch an demselben Tage erwartet. Es wurde verlangt, daß mehrere der Bewerber einmal in Darmstadt dirigierten. Das war die Meinung der Mehrheit des Ausschusses; es ist ihm vorenthalten worden, daß die Ernennung bereits beschlossen war. Es war nur mitgeteilt worden, daß die anderen Bewerber höhere Gehaltsforderungen stellten als Herr Rosenstock. Am nächsten Sage wäre dann die Ernennung des Eeneralmu1ikdirektol.s erfolgt. Der Sheateraus- schuh fei vom Landtag eingesetzt worden, damit die Abgeordneten Mitglieder des Verwaltungsausschusses seien; der Ausschuß habe nie auf ein Recht, das ihm zustehe, verzichtet, er habe also bei der Ernennung des Generalmusikdirektors m i t z u w i r k e n. Wenn die Regierung den Ausschuß nur einberufe, um ihm „blauen Dunst" vorzumachen oder ihn als Dekoration zu verwenden, so müsse dagegen Verwahrung eingelegt werden. Auf Grund der Erfahrungen habe der Ausschuß sich umgebildet und zu seinem Vorsitzenden den Abg. Dingeldey gewählt. Der Sheaterausschuß habe nur dann einen Zweck, wenn er toi rk 1 ich mitzureden hat. Der Redner teilt dann einen Antrag mit, in dem die Ernennung Rosenstocks mißbilligt wird. Man wisse sehr wohl, daß die Ernennung nicht rückgängig gemacht werden könne, aber cs soll dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß das Verfahren bei der Ernennung unrechtmäßig war. Abg. Dr. Büchner (Dem.) wendet sich gegen den Vorredner und gibt zu, daß es besser gewesen wäre, dem Ausschuß eine Sagesordnung mitzuteilen. Ieder habe aber die ääeberzeugung gehabt, daß die Ernennung des Generalmusikdirektors bald erfolgen müsse. Daß sie noch an dem gleichen Sage geschah, wäre auch wohl nicht ursprünglich in der Absicht der Regierung gewesen. Der Redner wendet sich gegen die bisherige Arbeitsweise der Sheaterkornmission; aus allem, was von der Gegenseite vorgebracht wurde, spreche nur der Antisemitismus. Cs fei zu begrüßen, daß Rosenftock zum Generalmusikdirektor ernannt worden fei. Abg. Dingeldey (D. Vp.) gibt eine kurze Erklärung ab, in der auf das bisherige, beanstandete Verfahren hingewiesen und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß durch die Reu- bildung des Sheaterausschu;ses Fälle wie dieser künftig vermieden werden. Die Leitung des Orchesters biete keinen Anlaß zu Beanstandungen, daher werde seine Partei dem Mißtrauensantrag nicht zusttmmen. Abg. Leuschner (605.) und Abg. Frau Hattemer (Ztr.) erklären sich im Rainen ihrer Parteien mit der Ernennung des Generalmusikdirektors einverstanden. Finanzminister Henrich legt dar, daß der Sheaterausschuß kein Milbe st immungs- recht hat; dieser Auffassung wären auch die meisten Parteien des Hauses. Abg. Dr. Werner (Dntl.) spricht über jüdische und germanische Musik und verlangt, daß deutsche Musik auch von Deutschen interpretiert werde. Abg. G a l m (Komm.) fordert, daß der Landtag sich mit anderen Dingen bei der Arbeitslosigkeit weiter Kreise beschäftigt. Abg. Dingeldey (D. Vp.) entgegnet, daß Abg. (Salm mit diesen Ausführungen nur Agitation treiben wolle. Der Landtag habe nicht nur über materielle, sondern auch über kulturelle Fragen zu entscheiden. Der Redner wiederholt seine vorher abgegebene Erklärung und wiederholt auch sein Lob über die Leistungen des Generalmusikdirektors Rosenstock. Abg. Dr. Müller (Bbd.) erklärt, für ihn und seine Freunde bleibe der Eindruck bestehen, daß der Ausschuß mit der Ernennung des Generalmusikdirektors überrumpelt werden sollte. Abg. Kindt (Dntl.) erwidert auf Ausführungen des Abg. Dingeldey, die Deutsche Volkspartei habe die Deutschnationale Volkspartei im Stich gelassen. Abg. Dingeldey (D. Vp.) betont nomals, daß der Fall Rosenstock keinen Anlaß biete, gegen die Ernennung zu stimmen. Nach Erklärungen des Finanzministers sowie der Abg. Dr. Werner (Dntl.) und Dr. Müller (Bbd.), Dr. Büchner (Dem.) und Kindt (Dntl.) wird abgestimmt. Der Mihbilligungsanlrag Dr. Werner wird gegen die Stimmen der Deutschnationalen und des Bauernbundes abgelehnt. Hierauf werden die gestern nachmittag zurück- gestellten Abstimmungen vorgenommen; es werden die Ausschußanträge angenommen. Darunter ist ein Antrag, in dem die hessische Regierung ersucht wird, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden, daß sie ein Verbot des Verschnitts ausländischen Weißweins mit deutschen Weißwein erläßt. Ferner ist damit auch ein Antrag auf Aufhebung der Immunität des sozialdemokratischen Abg. Sturm- f e l s a b g e l e h n l, der als Rechtsanwalt einen Prozeßgegner geohrfeigt hatte. Nach einer Pause werden die Verhandlungen mit der Besprechung des Finanzexposes des'Finanzministers und des Staatsvoranschlags für 1926 wieder ausgenommen. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.). Das Expose des Ministers sei für seine Partei eine Enttäuschung gewesen, da er zu der Rotlage Hessens keine positive Stellung genommen habe. Wohl habe er Zahlen zusammengestellt, habe aber nicht versucht, hinter die Zahlen zu leuchten. Die letzten Etats balancierten mit 76, 71, 112 und (1926) mit 132 Millionen Mark; das sei für Hessen mit seinen 1,3 Million Einwohnern eine erschreckende Tatsache. Sroh der Rotlage würden f ü r das Landesamt für das Bildungs- Wesen f a st ein Viertel de r Gesamtausgaben angefordert. Es sei eine billige Feststellung, daß die finanziellen Forderungen des Reiches die schwierige Lage des Landes schaffe. Der Finanzminister erkläre immer, man müsse sparen, aber jedes seiner Budgets nehme in jedem Iahre zu. Es werde nicht einmal der Versuch zur Sanierung des Etats gemacht. Der Fehl- das nicht nur hübsch sauber auf dem Papier steht ober sich mit der Ernennung eines Sparkommissars samt dem zugehörigen Personalapparat begnügt, muß mit seiner ordnenden und reinigenden Tätigkeit in den Ministerien einsetzen und alle Zweige des öffentlichen Lebens erfassen. Dann wird es auck' möglich sein, die öffentlichen Lasten hinunterzuschrauben und die Stenern wieder ai:f ein für die Wirtschaft erträgliches Maß herabzusetzen. Zn dieser Politik bekennt sich auch der neue Reichsfinanzminister, er wird bald mit ihrer praktischen Durchführung beginnen müssen, wenn seine Hilfe für die nur noch mühsam atmende Wirtschaft nicht zu spät kommen soll. Hand in Hand mit dem Reichsfinanzminister müssen der Reichswirtschaftsminister, der Volksparteiler Dr. Brauns, zu arbeiten haben, dieser auf eine Minderung der sozialen Lasten hin, die als Folge einer Regeneration der Wirtschaft selbstverständlich ist, jenes auf eine Belebung des inneren Marktes, durch vernünftige Maßnahmen auf dem Gebiete der Preisregusterung und des Kartellwesens. Um diesen Hauptkern des innerpoliti,chen Regierungsprogramms gruppiert sich eine Reihe anderer Probleme, die jedes für sich schon geeignet sind, die Meinungen aufeinanderplatzen zu lassen. Genannt seien nur die Fürstenabfindung, für die die Regierungsparteien den Vorschlag eines Sondergerichtshofes machen werden, die Sozialdemokraten und Kommunisten dagegen das Volksbegehren auf entfchädigungslofe Enteignung vorbereiten, oder das R e i ch s s ch u l g e s e tz, über das die Meinungen ebenjo wie über ein K 0 nk 0 r - d a t mit dem Päpstlichen Stuhl schon im Kabinett selbst zwischen dem neuen Reichsinnenminister Dr. Külz und dem eifrigsten Verfechter der Bekenntnisschule, dem Reichsjustizminister Dr. M ar x , weit auseinandergehen dürsten oder die Fustlz- reform oder die allmählich wohl von allen par- leien als notwendig empfundene Wahlref 0 rm; kurzum soviel Probleme soviel Streitpunkte. Was dem neuen Kabinett an schwierigsten Aufgaben außerdem auf außenpolitis ch e m Gebiet beoorsteht, ist heute an anderer Stelle schon von berufener Seite kurz zusammengefaßt. Angesichts dieser gewiß nicht leichten Gesamtlage, die das neue Kabinett vorsindet, wird man es besonders begrüßen, daß ein Wechsel im Re ichswehr- m i n i ft e r i u m vermieden wurde. Das Verbleiben Herrn Dr. Geßlcrs, der das besondere Vertrauen des Reichspräsidenten genießt und auch im Volke als die beste Gewähr für eine gedeihliche Entwicklung unseres kleinen Heeres gilt, ist ein bebe t r a g von 16,1 Millionen stimme wohl rechnungsmäßig, jedoch die Grundlagen dieser Berechnung wären fehlerhaft. Der Fehlbetrag werde wahrscheinlich das Doppelte betragen. Rach den Worten des Finanzministers wäre eine Politik, die Ausgaben ohne Deckung zulasse, eine Bankerottpolitik; der Finanzminister charakterisiere damit seine eigene Politik. Hessen stehe mitten in einer Banteroktpolitik, denn für viele Ausgaben fehle die Deckung. Selbst die Frankfurter Zeitung habe sich gegen die Darstellung des Finanzministers gewandt, daß das Reich in erster Linie an dem Finanzelend der Länder schuld sei. In dem Artikel werde von den Ländern eine Einschränkung der Verwaltungsausgaben verlangt. In keinem anderen deutschen Staat fei ein solcher Aufbau der Kulturaufgaben vorhanden, wie in Hessen; hier könne vieles abgebaut werden, um überhaupt das Volk am Leben zu erhalten. 36 Millionen Mark für das Landesbildungsamt wären für einen Staat w.e Hessen zu Diel. In Hessen komme auf 21 000 Einwohner eine höhere Lehranstalt, in Sachsen beispielsweise erst auf 50 000. Das kleine Hessen habe zwei Hochschulen; die Technische Hochschule erhalte jetzt den vierfachen Zuschuß als in her Vorkriegszeit. Ieht, nachdem die Ausgaben so hoch gestiegen seien, wäre der Finanzminister für die Aufgabe der staatlichen Selbständigkeit Hessens; das sei nur eine Flucht vor der Verantwortung, eine Treulosigkeit vor der Geschichte und ein Selbstmord schlimmster Art. (Diese Ausführungen werden von der Linken des Hauses mit lebhafter Unruhe ausgenommen.) Weder Preußen noch Bayern würden den Banterottstaat Hessen übernehmen. Würden sie es tun, so würden sie für den Abbau sorgen, den Hessen nicht vornehmen will; es würden z. B. die höheren Schulen und die Universität Gießen dann abgebaut werden. Der Bauernbund habe nicht die Stimmung gegen das Steuerzahlen, die draußen im Lande herrscht, gefördert, wie behauptet wird, sondern gehemmt. Die Realsteuern würden viermal erhoben, darunter leide namentlich die Landbevölkerung, die vielfach die Steuern gar nicht mehr bezahlen könne. Dieser Lage müsse Rechnung getragen werden. Wenn jetzt keine Abbaumaßnahmen erfolgten, so würden sie in Zukunft, unter dem Zwang der Verhältnisse, durchgesührt werden müssen; unbedingt mühte der aufgeblähte Verwaltungsapparat Hessens verkleinert werden. Im anderen Falle könne der Staat seine Beamten nicht mehr bezahlen. Als der Redner die heutige Lage der Landwirtschaft mit der der Bauern unmittelbar vor dem Bauernaufstand von 1525 vergleicht, kommt es im Hause zu starkem Widerspruch und Zwischenrufen der Linksparteien. Der Redner schließt mit einer Warnung 1>or den Folgen des gegenwärtigen Systems. Abg. Dr. Niepoth (D.V.): Tatsächlich wäre die Erregung unter der Landbevölke r u n g über die Steuern vorhanden. Bei der Veranlagung werde es vielen Leuten klar, daß sie Steuern bezahlen sollen, obwohl sie keine Einnahmen haben. Weiter weist der Redner auf das ft arte Anwachsen des Personalaus w a n d e s im Etat hin (5 Millionen Mark). Wenn ein Land unmäßig hohe Realsteuern einführt, so braucht es sich nicht zu verwundern, wenn der Anteil an Ueberweisungen vom Reich dadurch gemindert wird. Der Finanzminister weiß als einzigen Ausweg aus der Krisis nur die Steuererhöhung. Die Neuregelung soll dann durch eine Verordnung des Gesamtministeriums erfolgen; es ist das eine Scheu vor der Verantwortung. Die Schätzung des Ertrags der F r i e b e n 5 m i e t e im Etat ist falsch, sie ist z u hoch, namentlich für das platte Land. Der Redner bringt hierfür Beispiele bei. Er rechnet nicht 5 Prozent, wie der Finanzminister, sondern nur 3,25 Prozent Ertrag heraus. Rian dürfe gespannt sein, ob das Ministerium von den Ermäßigungen für bestimmte Gebäude (Eigenheime usw.) Gebrauch macht. Die Aeußerung des Finanzministers, er werde nie seine Hand zur Verminderung kultureller deutsamer Aktivposten für das neue Kabinett. Es wäre eine begrüßenswerte Folge der praktischen Zusammenarbeit in der Regierung, wenn nun endlich die Mißstimmungen zwischen Dr. Geßler und seiner Partei beseitigt würden, die dank dem emsigen Schüren einer gewissen Presse in den letzten Monaten höchst unerfreuliche Formen angenommen hatten. Charakter und Zusammensetzung der neuen Regierung verheißen eine ersprießliche Arbeit zur Beseitigung der außerordentlichen Schwierigkeiten, die ihr harren. Vom Parlament wird ihr aller Wahrscheinlichkeit nach kein Hindernis in den Weg gelegt werden, wenn es auch immerhin einer geschickten Taktik bedürfen wird, um den mancherlei Klippen aus dem Wege zu gehen, die sich der Durchführung eines so einschneidendeii Programms, wie es sich dem Kabinett Luther aufzwingt, aus dem Wege zu gehen. Der Kanzler wird nun mit der altgewohnten Energie und Frische die Zügel der Regierung an- ziehen müssen, Dann wird auch das Vertrauen des Volkes zu seinem Wollen und seinem Können nicht ausbleiben, das schon immer seine stärkste Stütze im Kampf um des deutschen Volkes Wiedergesundung war. Ausgaben bieten, habe Aussehen erregt; die erste Pflicht eines Staates fei aber, seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Die (Zentralisierung der Verwaltung wirke nur herteuemb; für die Verwaltung der Das- serstraßen habe der Finanzminister daS zugegeben. Der Redner weist auf die Abnahme der Schulkinder hin; mit den Fortbildungsschülern sei es ähnlich. Hier könne unbedingt an Ausgaben gespart werden. Die Pslegeanstalt Phi - lippshospital habe gegen früher weniger >>nsassen, aber das Pflegepersonal sei an 3aM höher und auch die Pflegekosten wären höher. In Goddelau ist die Zahl der Pfleglinge um 20 Proz. zurückgegangen, aber nach dem Doran- ichlag muß ein Erweiterungsbau vorgenommen trotten. DaS Personal (ohne Aerzte) hat sich fast verdoppelt. Wagt man bei solchen Feststellungen zu behaupten, daß nicht abgebaut werden könne?! Denn man 25 Berufsbera- l e r hauptamtlich an st ellen und der notleidenden Wirtschaft auferlegen will, so hat man bald überhaupt kein Geld mehr, um sie zu bezahlen. (Aus eine direkt an den demokratischen Abg. Dr. Büchner gerichtete Frage, ob er sie für nölig balle, ruft dieser nein!) Zum Schluß seiner Ausführungen stimmt Abg. Dr. Riepoth dem Sah des Finanzministers zu, daß ein Volk, das, sich selbst aufgebe, verloren sei. Abg. Lux (Soz.) meint u.a. die Einkommensteuer laste besonders auf den Kleinbauern, die großen Landwirte würden von der Steuer verschont. Seine Partei verlange eine Aenderung des Reichseinkommensteuergesehes. In seiner Gemeinde sei ein Landwirt mit 32 Morgen Land von der Einlommensteuer befreit worden. Die weiteren Ertlärungen des Redners sollen dem Rachweis dienen, daß die Landwirte viel zu wenig Steuern zahlten. Abg. Dr. Büchner (Sem.) glaubt, die Debatten im Hause würden nicht von Ruhen fein, sondern nur die Gegensätze verschärfen. Im Finanzausschuß wäre noch Gelegenheit, über Ersparungen zu reden. Andere Länder ständen ebenfails nicht günstig sinanziell da. Die schwierige Lage Hessens beruhe in der Besetzung des Landes, nicht in der Finanzwirtschoft des Staates. Finanzminister Henrich stehe jetzt sieben Jahre an der Spitze des hessischen Finanzwesens. Diele Kreise des Volkes hätten es schwerer als die Landwirte. Die allzu hohen Gehälter und Pensionen mühten wahrscheinlich in Zukunft abgebaut werden. Hessen sei fein bankerotter Staat, der Staatsbesitz sei fast noch unbelastet. Finanzminister Henrich erklärt. Abg Dr. Leuchtgens sei ein anderer in den Ausschuh- sitzungen als in der Oeffentlichkeit. Der Minister nennt ihn einen unverantwortlichen Hetzer. Der Redner geht dann auf Einzelheiten der Ausführungen von Dr. Leuchtgens ein und erklärt ferner zu den kritischen Aeuherungen des Abg. Dr. Riepoth, daß er von diesem in mehreren Punkten mißverstanden worden sei. Es gebe keine Gesundung der Finanzen des Landes, wenn nicht eine Reuordnung des Verhältnisse zwischen Reich und Ländern stattfinde. Rächste Sitzung Samstag. 9 ilhr. Die ausgebliebenen „Rückwirkungen". Ans dem Reichstagsausfchutz für die besetzten (tzcbiete. Berlin. 22. Ian. Der Reichstagsaus- schuß für die besetzt en Gebiete nahm zunächst den Bericht des Auswärtigen Amts über die Rückwirkungen des Vertrags von Locarno entgegen. Vorher begrüßte der Vorsitzende den neuen Justizminister Dr. Marr, der die erste Gelegenheit benutzt habe, um als Minister für die besetzten (tzebiete sein großes Interesse an den besetzten (gebieten zu bekunden. Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Schmid, führte an, wie die Besatzungsbehörden sich allmählich auf den neuen G e i st eingestellt hätten. Gewalttaten seien nicht mehr vorgekommen, Versammlungen nicht mehr verboten, das Zioildele- aiertensystem abgebaut und auch nicht durch ein Militärdelegiertensystem ersetzt. Inzwischen habe unser Reichskommifsar in Koblenz sein Amt angetreten und die Fühlung mit der Rheinlandtom- miifton ausgenornnien. An der Räumung der Kölner Zone zu Anfang Februar sei nicht zu zweifeln. Die Belegung der zweiten und dritten Zone mit Besatzung habe vor Locarno 86 000 Mann betragen. Die Belegung betrage jetzt 81 500 Mann. Dcse geringe Verminderung entspreche nicht der Zusage der Lotschasterkonsereyz, die Bejahung auf die normalen Ziffern herabzufehen, denn diese habe 1914 alles in allem 50 000 Mann betragen. An Garnisonvrten seien lediglich verschwunden: acht in der belgischen, zwei in der englischen und vier in der französischen Zone. Vom französischen Ober» tommanbo seien angekündigt, daß zum 1. April 1926 eine Reduzierung der französischen Armee um etwa 5000 Mann ftattfinden werde. Ebenso soll bis zum 1. April die Zahl der Gendarmen auf ein Viertel herabgesetzt werden. Abg. v. Tuerarb (Zeittr., sprach fein Bebauern aus, daß Die Kreisdeleaierten! beispielsweise noch vielfach nicht verschwunden! seien und die Wohnungen einfach nicht räumten. Ein schweres Kreuz für die Bevölkerung feien die französischen Gendarmen. Sie müßten unbedingt abgebaut werden. 3n vielen Orten feien nur weitere Srs chwerungen, aber keinerlei Erleichterungen zu verzeichnen. Abg. Wallraf (Dn.> wünscht, daß Der Reichskommissar nicht so sehr den Rur-Diplomaten spiele, wie es den Anschein habe, sonst müßte ihm wieder ein Beirat gegeben werden. Die Hauptsache fei die Verminderung Der BesayungS- truppen. Bisher fei Da* besetzte Gebiet noch sehr enttäuscht über daS Ausmaß Der Rückwirkungen. Abg. von Srhander (Dn.) sagt, daß für das Eintreten wirklicher Rückwirkungen ein Wechsel im Präsidium Der Rheinland- kommisfion unerläßlich fei, insbesondere die Abberufung des Herrn Tirard. Eeneralkommjsfar Schmid erklärt. am 1 3unt 1924 hätte die Rheinlandkommission m Koblenz 280 Famil i en Wohnungen besetz' n .hab' Am 1. Oktober 1925 seien es nur noch 127 Doi,- nungen gewesen. Von fremden Gerichten Ver- 1 urteilte säßen noch 230 Deutsche in Den Gesängnissen, unter Denen sich aber fein politischer Gefangener mehr befinde. Abg. Dr. Becker (Dt. Vp.) sprrcht sich u.a. für Die Unterstützung Der Sportvereine des besetzten Gebietes auS. Abg. Dr. Rasch ig «Dem.- hebt hervor, daß in Ludwigshafen feit einigen Lagen eine separatistische Zeitung erscheine. Es wäre nicht schwer zu erraten, woher das Geld für die Zeitung komme. Einstimmige Annahme sand Dann ein Antrag des Abg. Dr. Becker (Dt. Dp.), der die Regierung ersucht, mit allem Flachdruck daraufhin- zuwirken. daß Die Besetzung des Rheinlandes und Die Abtrennung des Saargebietes vor Ablauf der Frist tefeitigf und die Hoheitsrechte des Deutschen Reiche- in diesen Gebieten wiederhergestellt werden. Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, soll Die Stärke Der 'Desahungstruppen auf Die deutsche Vorkriegszeit - Lruppen- stärke herabgesetzt und die Anzahl Der besetzten Orte vermindert werden. Zur Entlastung des Wohnunasetats sollen insbesondere Die herbei rateten BesahungStruppen Die besetzten Gebiete verlassen unD die Gendarmerie und Geheimpolizei Der Besatzungsmacht beseitigt werden. Die Rheinlandbesetzung. London, 22. Jan. (WTB.) Die Wochenschrift J5 a t u r b a t) Review" führt zur Frage Der otärfe der Besatzungstruppen im Rheinland aus, die Auffassung der Botschafterkonferenz, daß die Zahl der Truppen in der zweiten und der dritten Zone statt 55 000 75 000 Mann betragen solle, erscheine auf jeden Fall befremdend und geradezu unsinnig, ja sogar gefährlich nach den auf der Locarno-Konferenz gemachten freundlichen Zusagen. Selbst in deutschen Kreisen, die ständig für den Eintrit Deutschlands in den Völkerbund arbeiteten, frage man sich letzt, ob es der Mühe wert sei, Delegierte nach Genf zu entsenden, solange die versöhnliche Politik der dortigen britischen und französischen Vertreter durch die Haltung der französischen und britischen Vertreter der Botschafterkonferenz wirkungslos gemacht werden könne. Deutscher Reichstag. Berlin. 22. 3an. Ohne wesentliche Debatte toirD DaS Etatgesetz angenommen und Das Haus geht zur Absttmmung von Entschließungen und Anträgen über, von Denen nicht weniger als 350 zum Etat vorliegen. Angenommen wird eine Ausschuhentschließung, in Der Die Regierung um baldige Vorlage eines Versorgungsge- setzes für politische Beamte ersuch wird. In einer weiter angenommenen Entschließung wird ein Ausführungsgesetz zu Artikel 48 Der Reichsversassung l Ausnahmezustand) gefordert. Gegen Die Stimmen Der Sozialdemokraten. Der Demokraten und Des Zentrums wird eine Entschließung angenommen, die Die Aufhebung Der Aepublikschutzgesehe verlangt. Die SorDcrungen anderer zur Annahme gelangten Entschließungen gehen dahin, daß künftig die Rettungsmedaille wieder verliehen werden und ein Dolkstrauertag zum Gedächtnis Der Gefallenen eingeführt werden soll. Die Entschließung des HauptauSschusse!- auf Einführung eines Schuhgesehesaegenden Alkvholismus unter Einbeziehung eines brauchbaren Dem cinDebeftimmungsrechtes. Dazu liegen Aenderungsanträge vor. Die sich gegen da- Gemeindebestimmungsrecht und gegen eine Trockenlegung wenden, wird mit 191 gegen 164 Stimmen an den Hauptausschuß zurückverwiesen. Zn einer weiteren Entschließung wurde die Regierung ersucht, mit allem Rach druck Darauf hin- zuwirken, daß bei Der Räumung der ersten Besatzungszone eine entsprechende Der Minderung der gesamten D e s a tzun g s st ä r ke erfolgt. Mit knapper Mehrheit wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf Errichtung eines Kar- tellregisters und eines unabhängigen K a v- tellamts angenommen. 3m Hammelsprung wurde schließlich ein sozialdemokratischer Antrag auf Mitwirkung von Gewerkschaftsvertretern bei Maßnahmen zur Produktionssteigerung angenommen, worauf sich das Haus auf Samstag vertagte. Die Ursachen des Zusammenbruches. Der Ausbruch der Revolution bei der ReichSmarine. Berlin, 22. Jan. (B. D. Z.-Funkspruch.) Der parlamentarische Untersuchungsausschuß des Deutschen Reichstages, der die Ursachen des Zufammen- bluches von 1918 erforschen soll, trat am Freitag zu einer Sitzung zusammen, die sich mit den U n - ruhen in der Marine beschäftigte, die den ersten Anstoß zur Revolution von 1918 gegeben habe. Der sozialdemokratische Abg. D i 11 in a n n stellte zunächst aus den Akten des Reichsmarine- amles fest, daß seit Kriegsausbruch bis Ende 1917 auf den Schiffen der Marine folgende Strafen verhängt wurden: 180 Jahre und 5 Wochen Gefängnis, 181 Jahre und 1 Monat Zuchthaus und zehn Todesurteile, von denen 2 vollstreckt worden sind. Als Ursache Der Erbitterung der Mannschaft bezeich. net er den großen Unterschied zwischen der Beköstigung der Mannschaften und der der Offiziere auf den Schiffen im Kahlrübenwinter 1916/17. Die Mannschaft sei davon überzeugt gewesen, daß die Lebensrnittel der.Kriegsschiffe zum großen Teil in die Offiziersmesse gewandert seien, wo die Offiziere trotz der Rot der Zeit große Schlemmereien und Zechgelage abgehalten hätten. Als bann auf mehreren Schiffen die Mannschaften demonstrativ mehrere Stunden lang dem Dienst fernblieben, habe man als Ursache dieser Insubordination Verhetzung durch die USP. angegeben. Tatsächlich sei damals bei den Mannschaften die Sehnsucht nach einem Verständigungsfrieden und die Hoffnung auf die Internationale sozialdemo- krattsche Konferenz in Stockholm sehr groß gewesen. Es seien auch Unterschriften gesammelt lüorben, für eine Erklärung, in der der Wille zu einem Verständigungsfrieden der Stockholmei- Konferenz unterbreitet werden sollte. Keineswegs aber sei dabei an eine Sabotage Der Lcmd- verteidigmlg gedacht worden. Die Führer der USP. hätten non diesen Listen gar keine Kenntnis gehabt. ^>e seien zwar von einigen beurlaubten Motrojen "ufgesuchi worden, die ihnen aber lediglich Beschwerden über schlechte Verpflegung und Behandlung vorgebracht hätten. Während her Flottenä-es die im Jahre 1917 vorgekominenen Entfernungen vorn Dienst auf hie Unterernährung und die durch die lange Kriegsdauer verursachte Abspannung zurückführte, hätten erst die beiden Kriegsgerichtsräte aus der Sache eine Verschwörung gemacht. Die Untersuchungsrichter hätten bei der Vernehmung der Angeklagten und Zeugen einen unerhörten Druck aus- geübt und auch mit gefälschten Protokollen ge arbeitet. Die Kriegsgerichtsräte Dr. Dodring und Dr. Lösch hüten mit einem Heer von Lockspitzeln förmlich eine Menschenjagd organisiert. Die Spitzel- nnssggen seien die Hauptgrundlage dieser Anklageschriften und der Urteile geweseil. In einem Rechtsgutachten für Staatssekretär v. Capelle habe Geh. Admiralitätsrat Dr. Fetisch sofort erklärt, daß Die Vorbedingungen des Kriegsoerrats nicht gegeben feien. Admiral v. Scheer habe diese rechtlichen Bedenken gegen die Todesurteile ausdrücklich anerkannt, aber dennoch die Todesurteile bestätigt, um ein Exempel zu statuieren. Am 5. September feien die Matrosen Reichspieksch und Koebel, beide Teilnehmer der Seeschlacht am Skagerrak, auf dem Schießplatz Wahn bei Köln erschossen worden. Der Abgeordnete bezeichnete diese Erschießung als einen militärischen Willkürakt aus politischen Motiven und einen Akt des Terrors gegen die Frie- densresolution des Reichstages und gegen die USP. Er bestritt im übrigen ausdrücklich, daß die USP. jemals Meutereien veranlaßt ober gefördert habe, sie habe die Landesverteidigung nicht schwächen, sondern lediglich einen Verftändigungsfrieden ohne Sieg und Niederlage herbeiführen wollen. Der neue Reichsernährungsminister. Berlin, 22. 3ati. (1DB.) Der Herr Reichspräsident Hal den Regierungspräsidenten in Münster, Dr. haslinde, zum Reichsernährungs- minifter ernannt. Der neue Reichsernährungsminister Dr. Heinrich Haslinde ist am 21. Mai 1881 in Berlin geboren. Er besuchte dort das Gymnasium und studierte in Bonn, Heidelberg, Münster, Paris und Berlin. Dann war er als Gerichtsreserendar tätig und später als Regierungsassessor. 1903 wurde er in Äipzig zum Dr. jur. promoviert. Als Assessor war er dann bei den Landratsämtern Brilon, Hörde und Arnsberg tätig. Am 21. Dezember 1916 wurde er Landrat in Arnsberg. Den Krieg machte er als Bat- tcrieführer mit Am 17. Oktober 1922 wurde er an Stelle des ausscheidenden Grafen von Meroeldt Regierungspräsident von Münster. Politisch steht er dem Zentrum nahe. Vertragstreue im Geschäftsverkehr. Berlin, 22. Jan. (WTB.) Der Reichsoerband der Deutschen 3 n b u ft r i e , der Zentraloerband des Deutschen G r o tz h a n ö e l s, der Reicks- verband des Deutschen Handwerks und die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels teilen gemeinsam nachstehende Erklärung mit: „Auf Grund mannigfacher Beschwerden, Die aus weiten Kreisen der Wirtschaft über Nichterfüllung von Verträgen zwischen Lieferanten und Abnehmern auftraten, vertreten Die genannten Verbände die Auffassung, daß die pünktliche Erfüllung abgefcklof- sener Verträge nach wie vor Pflicht des Kaufmanns ist und im Interesse der Gesamtwirtschaft gefordert werden muß. Dazu gehört auch, daß bei Ueberschreitung der Zahlungsziele die vertraglich geschuldeten Verzugszin- f e n gezahlt werden. Die genannten Spitzenver- bänbe halten es für ihre Aufgabe, in gemeinsamem Einvernehmen auf eine Verständigung über die Gestaltung der Kaufbcdingungen zwischen der beteiligten Organisation hiyzuwirken und auch an ihrem Teil dazu beizutragen, daß die guten tauf- männischen Gepflogenheiten früherer Zeiten wiederhergestellt werden. gum Tode des Freiherrn von Richthosen. Berlin, 22. 3an. (WTB.) 3m Oktober und Rovember vorigen 3ahres wurden in Deutschen Blättern Gerüchte veröffentlicht, Daß Der Kampfflieger Freiherr von Aichthofen auf seinem letzten Fluge unverletzt hinter Den feind- lichen Linien gelanDet und Dann von ka- naDischen Truppen erschossen worden fei. Der TraDe Commissioner Der kanaDischen Regierung teilt mit, Daß Die kanaDische 3nfanterie sich nicht in Dem Kampfgebiet be- f u n D c n hat, wo Richthofcn zur LanDung gezwungen war. Durch Aussagen medizinischer SachverstänDiger vor einem Rntersuchungsgericht wurde nachgewiesen, Daß Freiherr von Richthofen Den töDlichen Schuß aus Der Luft empfangen hat. Die Kugel ist in den Körper von hinten unD oben cingcDrungcn. Unter Den kanadischen Heeresangehörigen. Die mit Dem Biktoriakreuz ausgezeichnet wurden, lommen Die Namen eines Leutnants SutherlanD und eines Sergeanten Bri nicht vor. (Euchens Protest gegen die Bedrückung Tirols. Weimar, 22. Jan. Der große Jenaer Gelehrte, Geheimrat Prof. Dr. Rudolf Eucken, der erst vor kurzem seinen 80. Geburtstag feiern konnte, hat eine Einladung zum Internationalen Kongreß für sittliche Erziehung in Rom mit Rücksicht auf die schwere Bedrückung des Deutschtums in Südtirol, die den elemen-- tarften Geboten der Moral widersprechen, a b gelehnt und gebeten, diesen Olrunb seiner Verhinderung öffentlich auszufprechen. Die Wirren in China. Peking, 22. 3an. General Feng-Butz s i a n g hat seine Abreise nach Moskau wegen heftiger Schneestürme im Gebiet von -Urga verschoben. Vor vierzehn Tagen hatte Feng be- lanntlich mitteilen lassen, er sei entschlossen, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen und ins Ausland zu gehen. Diese Mitteilung war jedoch von vornherein nicht allzu ernst genommen worden. Eine weitere Rleldung besagt, die von b n Führern der Kuo-Min-pchung (nationale ©treitträitc Oberbefehlshaber: Feng-Vu- hsiang) vorbereitete Expedition gegen Marschall Tschanglsolin habe zum ersten Ziele Ttschintsch.au, einen Haien in Liao-Tung Mandschurei). Die Truppen sollen Tschangtsolins Schanghai'Knarr und Tsching-Wang-Tao besetzt haben und jetzt über Schrng-Di in Richtung Tientsin unterwegs sein, ohne bisher auf Widerstand gestoßen zu sein. Das Heer Kuo-Min-Tangs sei in völliger Auslösung begriffen. Tschangtsolin soll im Einvernehmen mit Wu-Pei-Fu handeln. Rach Der Meldung der Agentur 3nDo-Pacific aus Tokio beabsichtigt China, mit Den Mä ch- ten einzeln über die Abschaffung der Verträge zu verhandeln, Die nicht auf dem Fuße der Gleichberechtigung abgeschloffen find. China werde diesen Vorschlag Damit begründen. Daß Die Mächte sich im Verlaufe Der jetzigen Jurist enkonferenz über diese Frage nicht einigen könnten. Die holländische Regierungskrise. Haag, 22. 3an. (WV.) Der mit Der Bildung eines' außerparlameniarisckCn Kabinetts beauftragte Leiter der christlich-historischen' Kammerfraktion, Dr. de Visser, hat den vor längerer Zeit empfangenen Auftrag zur Kabinettsbildung wieder in die Hände Der Königin zurückgelegt. Die Königin erteilte Dem bekannten Haager Rechtsanwall Dr. Limburg, Mitglied des Exekutivrates der Provinz Südholland, den Auftrag zur Zusammenstellung eines außerparlamentarischen Kabinetts. Dr. Limburg hat Den Auftrag angenommen Kunst und Wissenschaft. Reue Ritter des Pour le nitrite für Wissenschaften und Künste. Berlin, 23. Jan. (WTB. Funkspruch.) Den „Pour le m6rite für Wissenschaften u. Künste" haben die Herren Professor Hilbert (Göttingen), Professor P e n ck (Berlin) und Graf von Kalcki reuth (Elsen bei Harburg) erhalten. Ein literarischer Fund. 3n einem Tlrkundrnbcmd des Dens he imev Stadtarchivs wurden durch Zufall Bruchstücke einer handschriftlichen deutschen Ucber- setzung deS Reuen Testaments auS dem 14. 3ahrhundert gefunden, die als Heftstreifen zum Aufheften der städtischen ür- funben benutzt worden waren. Es handelt sich um einen Abschnitt aus dem Lukasevangelium, hinter den bisher bekannten Evangelienübersetzungen stellt das Bensheimer Fragment die älteste Dar. Man nimmt an, Daß Die älebersetzung im Kloster Lorsch entstanden ist. Ein Deutscher Professor nach HelsingforS berufen. (WB.) Die Medizinische Fakultät der Universität Helsinosfors hat beschlossen. Dem Senat Die Berufung des Professors Der physiologischen! Chemie an Der Llniversität Würzburg, Ackermann, nach Helsingfors vorzuschlagen. Aus aller Welt. Die Spartätigkeit in Deutschland. 3n Der Deutschen Sparkossenzeitung ist eine Statistik über Die Spareinlagen nach Dem Stand vom Oktober 1925 enthalten, welche Den Einlage» bestand .pro Kops" der Bevölkerung nach der neusten Volkszählung errechnet. Hiernach betragen die Spareinlagen m Den einzelnen! Bezirken des Deutschen Giro- und Sparlassenverbandes auf einen Einwohner in: Ostmark: 13,09, Pommern 22,62, Brandenburg 21,95, Berlin 13,16 Schlesien 14,42, Sachsen-Anhalt 17.18, Hannover 30,17, Rheinprovinz 35,87, Westfalen 35.61, Hes sen-Äassau 22.23, Hessen-Darm- ft a b t 25,04, Baden 25,02, Sachsen 12,19, Bayern 12,70, Württemberg 22.67, Reichsdurchschnitt 21.59 Mark. Hiernach steht an erster Stelle dos inbustriereiche Rheinland mit 35,87 Mark, es folgen Westfalen mit 35,61, Hannover mit 30,17, Hessen-Darmstadt mit 25,04 und Baden mit 25,02 Wart. Die Gxploslonskatastrophe in Moabit. Als Ursache Der Explosionskatastrophe in dem Hause Kirchstraße 9 in Moabit (Berlin) wird nach Den bisherigen Ermittelungen Der Sachverständigen eine Entzündung von ausgeströmtem Gas angenommen. Der Berliner Magistrat hat sich bereit erklärt, Die Beerdigungskosten für die Todesopfer und die Krcmkentzaus- kosten für die Verletzten zu tragen. Die Leichen der zehn Todesopfer sind zur Beerdigung frei-, gegeben worden. Ein vierbeiniger Hahn. 3m landwirtschaftlichen Betrieb des W i l s e- der Heidemuse um s befindet sich gegenwärtig eine SeheTiswurdigkeit: ein vierbeiniges Hähnchen, das von normalen Eltern abflammt und auch normale Geschwister besitzt. Wahrend Abnormitäten dieser Art gewöhnlich nach toenigen Tagen eingehen, ^st dieses Tier bereits sieben Rkonate alt geworden und erfreut sich anscheinend bester Gesundheit. Zwischen Den normalen Beinen stehen zwei kleinere, bei denen an einem die Kralle fehlt. Der Hahn soll Dem Zoologischen Garten inMünstev überwiesen werden. Zum Dritten Male mit Zwillingen beschrntt. 3n FreirachDors im ÄnterwesterwalDkreis wurde eine Familie zum Drittenmalc mit Zwillingen beschenkt. Das erste Mal waren es zwei Buben, Dann folgten zwei Mädchen, jetzt wieder zwei stramme Buben. Der Tod im Fahrschacht. 3n einer Fabrik in Braubach beugte sich em 22jähriger Arbeiter über einen Führungsschacht. 3n diesem Augenblick wurde sein Kopf von einem Fahrgestell erfaßt und so furchtbar verletzt, tah der Tod auf Der Stelle eintrat. Wettervoraussage. Weitere Milderung und Riederschläge, nur in höheren Lagen Schnee. Winde aus südlicher Richtung, vorwiegend bedeckt. anfänglichem erneuten Temperatur fall in Der Rächt hat wärmere Luft einen überraschenden Vorstoß in unser Gebiet gemacht, bei gleichzeitigem starken Drucks«ll. Das mit feinem Kern zwischen Island und 3rland liegende Störungs- gebiet hat sich verstärkt und gewinnt besonders in West und Mitteldeutschland an Raum, während Lustdruck und Temperaturen im Osten noch unüeränDert sind. Gestrige Tagestemperaturen' Maximum 0.6, Minimum minus 3,2 Grad EelsiuS. Aieder- fchläge: 0.3 Millimeter. Heutige Morgentempe-- rdtur: minus 1,2 Grad Celsius. V?. ->,. ^nbdn ArKtz andische Sskrise. nlarjs^?">r M. flich-hsstH^ 1". bot öen L r ?uhrag hfr ^4Äbn?(’^ «in eLe walt Dr L i^7 t<£ te. m^^^urg, ^ÄÄSh! ft?™« rnmen *' ^c' ^t>urg Wwh. «Jf**** S'ftffinS <■ -ch-ttin Ral<1 ischer Sun». 7 durch Zufall Druck, chen deutschen Leber- n Testament- aut >rrt gesunben, die alt >ten der Mischen Ur- »aren. E« handelt sich uv ßulaäetxmgelhim. Unter Eoangelienübersetzung«, Fragment die älteste dar. • Aeberlehung m Kloster nach hrlsingsorS bmsa. Eche Fakultät der Uni* 1t beschlossen, dm 6enat ellorS der physiologisch« M Würzburg. 3(fc‘r- rs vvrzuschlagrn. ler Welt. it in Deutschland. SpaMeryeiwng ist eine infamen nach bän Stand ten, vckche ben ffitfafle- bet Ievölkerung Mng errechnet tzier- Mgrn in den eiMinm duv° und ÄyarWeE rhner in: Ostmark: 13,09, Mrg 21R, Berlin 13,16 i-AnM 17,18, Hannover nz 35,87, Westfalen 35,61, 223, Hesfen-Darni- 02, Sachsen 12,19, Äayem 22,6<‘, Äeichsdurchlchaitt lehr än erster Stelle da« ib mit 35,87 Mar . £1. Hannover mit 30,1/. 25,04 und Baden mit ftrophe in Moabit. losicmSkataswphein^m Woabit littelungen der Sa^ sLL Sbte Strmtaft ti** wailk ichen ,jch gege? ms,besm^ yn,. ürdlgkelt- ^(tctn ab ^rmalev .. ^sjyk, l0kM/-L gevohnli- «■ L ei* alle 5 Sekunden ein fertiges Auto auswirst. Er wird vorgeführt und erläutert von Dr. Kurt H. B u s s e - Hannover. Rähere« ist im Inseratenteil unserer Donnerstag-Ausgabe ersichtlich. — Zur Do rs ührung der Lohelandschule am 25. Januar, abends 8 Uhr. im Katb. Dereinshaus wird uns geschrieben: Die Schule Loheland gibt in diesem Winter durch gym- naslische Vorführungen weiteren Kreisen Einblick in die Arbeitsweise. Die Gymnastik Lohelands leistet Erziehungsarbeit durch Körperbildung. Aufgebaut auf lebendiger Anschauung deS menschlichen Körpers sucht sie durch Vertiefung in das Wesen der Bewegung den Sinn zu wecken für den organischen Ablauf aller Bewegung, und aus der Erkenntnis ihrer Gesetzmäßigkeit die Fähigkeit zu entwickeln, die eignen Bewegungen frei in ihren Zusammenhang einzugliedern. •* Wiederbelebung der Bauwirisch a f t durch steuerliche Begünstiflun- g en. Der hessische Finanzminister hat bestimmt: Wohnungsneubauten, die im Kalenderjahr 1926 begonnen werden, bleiben für das zur Zeit der, Fertigstellung laufende und für die nächstfolgenden fünf Rechnungsjahre auf Antrag grund- steuerfrei: entsprecheirdeS gilt für den verhältnismäßigen Teil der Grundsteuer von solchen Reubauten, dje nur zum Teil Wohnzwecken dielten. Die Heranziehung deS Hofreitegrundes zur Grundsteuer bleibt unbenihr-t. Gin Bau gilt in diesem Sinne als begonnen, wenn mit der Ausführung des Mauerwerkes begonnen wurde. Die Finanzämter sind ersucht worden, hiernach zu verfahren, und weiterhin ermächtigt worden, die Steuerbefreiungen, die auf Grund früherer AuL- schreiben bisher nur für kürzere Zeit bewilligt werden konnten, auf Antrag ebenfalls bis »um Ablauf des 5. auf die Fertigstellung folgenden Rechnungsjahres auSzudehnen. ** Bevorstehender Ablauf der Anmeldefrist für die Aufwertung der N e i ch s a n l e i h e. Die Frist für die Anmeldung zum Umtausch der Reichsanleihen und der vom Reich übernommenen Länderanleihen alten Besitzes und für die Anträge der Anleihealtbesitzer auf Gewährung der Altbesitzrechte läuft am 2 8. F e b r u a r d. 2. ab. Die Anträge und Anmeldungen sind bet Banken, Sparkassen und Genossenschaften cinzu- rcichen. Eine glatte Erledigung der Anmeldungen und Anträge ist nur möglich, wenn die Einreichung nicht auf die letzten Tage der Frist hlnaus- geschoben wird. Nach Ablauf der Frist werden die nicht angemeldeten Anleihen alten Besitzes wertlos. Anleihealtbesitzer mit einem Einkommen bis zu 1500 Reichsmark, die Altbesitzanleihen von insgesamt weniger als 1000 Reichsmark haben, erhalten eine Bar- abfindung. Eine Frist für Anträge auf Barabfin- dnng läuft noch nicht. Die näheren Vorschriften über die Stellung der Anträge auf Barabsindung werden erst in einigen Wochen erlassen. *• Gefechtsschießen unserer Garnison. Das l.Batl. 15. Inf.-RgtS. hält in der Zeit vom 22. bis 30. Januar — ausgenommen den 24. Januar — ein Gefechtsschießen im Gelände zwischen Alten-Duseck und Großen-Duseck, nördlich der Straßen Alten-Buseck—Großen-Bu- fed ab. DaS Schießen findet statt jeweils von }Vermietungen | Mer zu verm. (545D Ludwigttr. 20 v WM Btönsi Reuen Baue 22 (Bin möüi. 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Das gefährdete Gebiet erstreckt sich von der Straße Alten-Duseck—Großen-Buseck cttixi 21/s Kilometer nach Borden und wird während des Schießens von her Truppe abgesperrt toerben. Den Anweisungen der Absperrnngspoiten ist Folge zu leisten. Schußrichtung von Südwesten (Distrikt Leimeukaute) nach 'Aordoslen. Die Straße Allen- Buseck—Grvßen-Buseck kamt während des Schießens benutzt werden, doch ist ein Betreten des abgesperrten Geländes nördlich her Straße verboten. ** Karneval und 23 e r g n ü g u n g 3 • [teuer. Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im neuesten Atnicoerkündigungsblati die nachstehende Bekanntmachung an die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises: „Angesichts der Rot der Zeit und im Hinblick auf die wachsende roirt- schastlche Bedrängnis weitester Bevölkernngskreise sind für die bevorstehende Faftnachtszeit karnevali- stijche Veranstaltungen nur in beschränktem Maße zu gelassen worden. Es bedarf deshalb keiner weiteren Ausführung, daß derartige Beranstalkungen in der heutigen Zeit besondes scharf zur Vergnügungssteuer herangezogen werden müssen. Wir empfehlen daher allen Gemeinden, in denen dies noch nicht geschehen ist. bei karnevalistischen Veranstalt langen und Kostümfesten eine erhöhte Vergnügungssteuer sestzusetzen. Es dünste angebracht sein, dem Gemeinderat etwa das Zehnfache der gemahn- lichen Vergnügungssteuersätze für karnevalistische Veranstaltungen zur Genehmigung vorzuschlagen. Falls eine erhöhte Steuer beschlossen werden sollte, sehen wir der Vorlage des betreffenden Gemeinderatsbeschlusses entgegen." Auswärtige AmtStage des K r e i s a m t S Gießen finden im ersten Halbjahr 1926 wie folgt statt: 1. in Grün berg jeweils am letzten Freitag der Monatc; Januar (29.), März (26.), und Mai (28.), vormittags 91,4 bis 1 41hr, int Rathaus: 2. in Hungen jeweils am letzten Montag der Monate Februar (22.), April (26.) und Juni (28.), vormittags 9l/z bis 1 Uhr im Rathaus. Anliegen der Kreis- eingesessenen aus heu AmtsgerichtSbezirken Grünberg, Homberg und Lau buch fönnen an den AmtS- tagen in Grünberg, solche der Kreiseingesesseneir aus den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Cid) und Aidda an den Ämtslagen in Hungen vorgebracht werden. * * A n gesch 0 s s e n. Gestern abend gegen 7 Uhr schoß ein IZjähriger Schüler in der Schloß. gaffe dahier mit einem Tesching und traf hierbei ein Mädchen mit der Kugel in die linke Schulter, wo das Gesclioß fterfenblicb. Die Verletzte wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne nach der Klinik gebracht. ** Garderobedieb stahl. Gestern rourben von dem Flur des Chemischen Laboratoriums in der Ludwigstraße nachstehend beschriebenen Mäntel gestohlen: Ein neuer graubrauner Herrennlster mit schrägen Taschen, hinten mit Gürtel versehen, im Werte von 120 Mark: ein brauner Damen-Plüsch- mante!, mit bunter Seide gefüttert, unten etwas umgenäht, im Werte von 150 Mark. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen über den Verbleib der Mäntel nimmt die strtmmalpoliqei Gießen entgegen. ** Hessischer Philologenverein. Matt schreibt uns: In den Osterferien, am 15. und 16. April d. I., findet in Gießen die diesjährige Hauptversammlimg des Hefsischen Philo- logenvereiiis, her sämtliche akademisch gebildeten Lehrer Hessens umfaßt, statt. Die Vorarbeiten der Ortsgruppe Gießen für diese Tagung sind bereits im vollen Gange, so daß zu erwarten ist. daß zahlreiche Berussgenossen diese Gelegenheit benutzen werden, trotz her Schwere der Zeit ihre alte Musenstadt aufzusuchen, alte Erinnerungen aufzufrischen und gleichzeitig die Interessen ihres Standes und Berufes in Gemeinschaft mit den Amtsgenossen zum Ausdruck zu bringen und neue Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Evangelischer Bund. Der hiesige Zweigveretn des Evangelifch?n Bundes veranstaltete gestern abend in x Stadtkirchr einen Familienabend, der trotz der schneidendeil Luft, die durch die Straßen ging, gut besucht war. Professor Weichelt aus Marburg rezitierte Konrad Ferdinand Meyers Dichtung „Huttens letzte Tage". Man kann dieses Werk als die reifste Schöpfung des deutsch-schweizerischen Dichters, dessen 100. Geburtstag man Im vorigen Jahre gefeiert hat, anfehen. Humanismus und Reformation läßt der Dichter hier in klangvollen, sein abgerundeten Zweizeilern vor uns hintre- ten, indem er auSmalk, wie hem kranken Hutten, der auf der Insel -Ufnau im Züricher Äee ein Asyl gesunden bat, vor seinem Tode seine wichtigsten Erlebnisse im Gedächtnisse borübcrglclten. Erstaunlich war, daß her Vortragende die ganze Dichtung mit geringen Auslassungen frei aus dem Gedächtnis rezitierte. Lehrer Heinrich ß i in 0 n trug durch meisterhaft vollendetes Orgelspiel, Fräulein Ida Stammler duich feelenvollen Gesang zur Ausgestaltung deS Abcirds bei. • • F r e l wi r t s ch a s 1 s b u n d lieber das Thema ^Reichsbankpräfldent Dr. Schacht, der •Urheber der vermehrten Arbeitslosigkeit und Teuerung" sprach der Vorsitzende deS Freiwirt- schastsbundeS, Fi. B a r t e l S , am Dienstagabend im Saalbau Salier vor einer gut besuchten Versammlung. Raclchem am E.ngang feines Vortrages der Redner betont hatte, daß bisher keine Regierung etwas zur Hebung der wirtschaftlichen Rot getan, ging er darauf mit der Reichsbank scharf ins 0>erlcht, die schon unter Havenstein vielen gerissenen Volksgenossen Vorteile verschafft habe. Stinnes und andere hätten die Konjunktur ausgenutzt, und Schacht habe bctmiflt Krise und Arbeitslosigkeit veranlaßt. Von den 800 Millionen, die Amerika als Darlehen an Deutschland gab, seien 400 Millionen in die Keller her Reichsbank gewandelt, die anderen 400 Millionen für Reparationszahlungen verwendet, der Volkswirtschaft aber lein Pfennig zugeführt worden Zwei Milliarden Mark habe das deutsche Volk zu viel an Steuern gezahlt, diese Tatsache sei geeignet, im ehemals feindlichen Auslande hie Sanktionsbegierde zu steigern. Wir hätten In Deutschland nicht zwei, sondern drei Milltanen Ar- bcitslofe, weil außer den Arbeitern auch selbständige. Handwerker und «kiucrbctreibenbc ohne Verdienst seien. Amerika habe mit seinen 800 Goldmillianen Deutschland tributpflichtig gemacht, und Frankreich, Polen und Italien seien auf dem besten Wege, Amerika gegenüber ebenso tributpflichtig zu werden. Die (Goldwährung nütze uns nichts, beim in dem Augenblick, In dem die angekündigien 10- 1111b 20.Markstücke erschienen, verschwänden sie in den Taschen ihrer Besitzer. Der Krieg konnte nur deshalb nahezu fünf Jahre dauern, weil er mit wertlosem Papiergeld finanziert wurde. Das Prcissenkiings gesetz bezeichnete Redner als eine Komödie schlimm ftcr Art. Das Gesetz habe die Arbeitslosigkeit verschuldet, weil in Erwartung seiner Wirkung das Volk nur das 'Allernotwendigste kaufte, d. h. alle warteten auf billigere Preise, die Folge fei lieber- füllung der Warenlager. Die Arbeiterschaft habe den Rachteil davon, infolge Arbeitsmangels würden die 'Arbeitslosen zu Lohndrückern. Der FreimirtschastS'- bimb fordere u. a. Festigung der Kaufkraft, Abschaffung bc"* arbeitslosen Einkommens, Bodenreform auf Grund der alten germanischen Boden- rechts, Einführung der Freigeldwährung, deren Zweck und Wirkung vom Redner eingehend erfläri wurde. Den Arbeitern empfahl er Zusammenschluß nicht durch die zur Zersplitterung führenden politischen Parteien, sondern durch wirtschaftliche Vereinigungen mit den Gewerkschaften, Handwerk» Cammer.', den freien Berufen und alle anderen im wirtschaftlichen Leben stehenden Verbindungen, und Einführung von Verrechßungvchecks, wodurch Geld für Zahlungen nach außen frei werde. Der viel besprochenen Aufwertung der alten Tausendtnark scheine steht Redner skeptisch gegenüber. Wenn auf- gewettet werde, so kämen vielleicht 10 bi» 20 Proz. in Frage, aber nur für die Stücke, die bi» 1. August 1925 angemelbct gewesen seien. Wenn Deutschland den richtigen Weg zur Lösung der |o- zialenFragc gehe, dann weide auch das Ausland dazu gezwungen und das Mort wahr: „Und c» wird am deutschen Wesen, einst die ganze Welt genesen". Die folgende Aussprache verlängerte die Versammlung biß nach Mitternacht. Der Streit der Meinungen über vorwiegend wirtschaftliche Fragen wurde zwischen dem Referenten und einigen jüngeren Akademikern, anscheinend Voikswittschaftlern, ernst und fachlich geführt * • 031 e f) f c u d) e. Unter dem Äinbvlebbestanb hc6 Landwirts Friedrich Peter' Zimmer zu Lich ist der Ausbruch der Lungenfeu.che amtlich festgestellt worden. Rachbem hic Ostaul- und Klauenseuche in Allenhvrf a. d. Lda. iveiler um sich gegriffen hat, mürben die Gemeinden TreiS a. d. Lda. und Londorf zum BeobachtungS- gebiet erklärt. Bei lästigem Husten raten wir Ihnen, die von Aerzien als hnlilae HUste »linedtzin hervorragend bcnntaditetcti „@daitia" OuftcHbouboud zu nehmen. 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Lebensjahre. In tiefer Trauer: Karl Rock und Kinder. Solms-Ilsdorf, den 22. Januar 1926. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. Januar, nachmittags 21/, Uhr statt ?24D Berichtigung. Cki-Klub Lauerland OrtSgr. Gienen (im D. 2. B.) Die nächüe Mttglieder- versammlung nnt Donnerstag, dein 2s.3an.i926, abends 8'/? Uhr im (Stile Astorta C49B I. N. der trauernden Hinterbliebenen: Christian Weidig. Äörve u. Stühle werd. bill. geflochten Schäfer .y.7 LöwengasselSI Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Dr. Hermann Alker. Gin gios;er Transport erstklassig. tel$- plenle schwereren, mittL und AslSW R. 1 0818 25 905 Rlqeh. 0818 25 908 reh. 03394 23 472 fahl, Wiederbeschaffung gute Belohnung. EmmericherWaren-Expedition Lindenplatz 1 Telephon 1257 gehe. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme an unserem schweren Verlust, bitte ich auf diesem Wege unseren innigsten Dank entgegen nehmen zu wollen. Stadttheater Lonntaa,24.Jan., 15. nntag-M.-vrsl. von 7 bis geg. 10 Uhr Wiener Eint. 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NWcK Überall •rhlltilch. qG* * Auf Wunsch Bezugs- I* quellen-Nachwel« durch: Sternwoll-Splnnerel oc c Nr. 19 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 27. Zanuar 1926 Außenpolitische Umschau. Von Professor Dr. Otto Hoetzsch, M.d.R. Durch die Auseinandersetzung um die Besatzungszahlen im Rheinland ist tue ^rage nach dem „Wann" und „Wie" des E i n - tritts von Deutschland in den Völkerbund noch im anderen Sinne akul geworden, als kürzlich mit dem Streit um die Vertretung in Genf. Denn es liegt offen zutage, und kann' nicht bestritten werden datz die andere Seite die Zusagen in bezug auf die Herabsetzung der Besatzung nicht gehalten hat, die m Locarno gemacht worden sind. Die Bedeutung und der Ernst die es Bruches von Zusagen werden auch nicht dadurch abgeschwächt, bafc der Vertrag, was gar nicht besonders betont zu werden braucht, ja nach gar nicht in Kraft getreten ist. Dieser Gesichtspunkt gilt für alles, was im Vertrag selbst steht und natürlich erst Rechtskraft erhält, wenn die Voraussetzung dazu, der Eintritt Deuschlands in den Völkerbund, Tatsache geworden st. Zu dem Inhalt des Vertrages aber gehören Fragen wie die Zahl der Besatzungstruppen gar nicht. Die andere Seite hat ja sogar ausdrücklich vermieden und abgelehnt, irgend etwas Schriftliches dazu von sich zu geben. Hierfür vielmehr ist durchschlagend, daß, wenn der „Geist von Locarno" das nach ihm benannte Vertragssystem wirklich schaffen sollte, für Bestimmungen jede Voraussetzung fehlt, wie die des Friedensvertra- §es über die Besatzung im Rheinland ober die weit inausgerückte Abstimmungsfrist im Saargebiet. Darüber ist von deutscher Seite von Anfang kein Zweifel gelaßen worden, und darüber kann auch für jede unbefangene Betrachtung gar kein Zweifel sxin. Sonst ist das Operieren mit den Worten „Gleichberechtigung^ ein sinnloses Ballspiel. Wenn nun in Locarno eine sofortige Gesamträumung, was eigentlich das Gegebene gewesen wäre, nicht in Frage kam, so besteht doch kein Zweifel darüber, daß von der anderen Seite eine „erhebliche" Verminderung der Besatzungstruppen bestimmt in Aussicht gestellt, zugesagt worden ist. In diesem Glauben hat die deutsche Vertretung die Verträge unterzeichnet, in diesem Glauben hat der Reichstag die Verträge ratifiziert. Run meldet jetzt der gewöhnlich ausgezeichnet unterrichtete diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph", die Botschafterkonferenz wolle die gesamte Besatzung des Rheinlandes auf 75 000 Mann festsetzen. Geflissentlich wurde gleich gesagt, daß das nur vom Unterausschuß ausgegangen sei, nur Absicht sei und dergleichen mehr. Aber wie liegen die Dinge? In der zweiten und dritten Zone haben vor Locarno 86 000 Mann gestanden, im 'Augenblick stehen dort einschließlich der Besatzung des Brückenkopfes von Kehl 78 000 Mann. Für den 1. April steht eine Herabsetzung aus 73 000 Mann in Aussicht. Die Annahme war, daß die erhebliche Verminderung bestehen solle in der Znrückfüh - rung der Besatzungszahlen auf d i e deutsche Truppen st ä r k e, wie sie vor dem Kriege in diesem Gebiet war. Davon ist ja schon die Rede gewesen 1920, als das Rheinlandabkom- men verhandelt wurde. Und wenn die Rote der Botschafterkonferenz vom 16. November die Bereitwilligkeit ab sprach, die Besatzungsziffern auf die „annähernde Normalziffer" herabzusetzen, so war selbstverständlich auf deutscher Seite die Vorstellung, es würde sich damit in einer ganz absehbaren Zeit eben um 45000 bis 50000 Mann handeln. Wir sind also mit der anderen Seite um volle 75 000 Mann auseinander, und der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" hatte mit seiner Zahl im wesentlichen ganz recht. Das ist der Kern der Sache! Daneben spielen noch eine ganze Reihe von Enttäuschungen in bezug auf die Milderung des Besatzungsregimes, namentlich in der Wohnungsfrage. Durch die Räumung von Köln sind Schwierigkeiten entstanden, die die andere Seite nicht dadurch löst, daß man einfach soundso viele Truppen in die Heimat zurücknimmt, sondern man bringt sie zunächst in der zweiten und dritten Zone unter, drängt dort alles, sehr zusammen, braucht dort natürlich n o ch mehr Wohnungen. So sind an einer Reihe von Stellen große Schwierigkeiten entstanden. Kurz: Auch der entschiedenste Anhänger von Locarno muß zugeben, daß das konkrete Ergebnis der sogenannten Rückwirkungen hinter den bescheidensten Erwartungen zurückbleibt. Darin liegt aber die Gefahr einer großen Spannung, und zwar innerpolitisch wie außenpolitisch. Denn man kann sich nicht denken, daß sich die jetzt mühevoll gebilbeic Regierung halten kann, wenn sie die andere Seite nicht zur Erfüllung ihren Zusagen veranlassen kann und trotzdem den Antrag auf Eintritt in den Völkerbund stellen würde. Außenpolitisch wird, was von vornherein gesagt sei, die ganze Frage von Locarno damit aufgerollt. Denn nun gilt das allerdings, daß das Vertrags- merk noch nicht in Kraft getreten ist, und natürlich ist es dann überhaupt gefährdet, wenn Deutschland den Eintritt in den Völkerbund unter diesen Umständen weit hinausschiebt. Heber den Emst dieser Sachlage soll die neue deutsche Regierung Frankreich und England gar nicht im Un- Die Dümmste. Von Alexander von Gleichen-Rußwurm. Im Audienzsaal des Potsdamer Schlosses waren die Damen versammelt. Nach langem Zögern hatte Friedrich der Große die Gnade gezeigt, sie empfangen zu wollen, ein seltenes Ereignis, denn er haßte, „mit den Frauenzimmern über nichts zu sprechen" und so die kostbare Zeit zu vergeuden. Aber von den Damen trug jede etwas auf dem Herzen, und die Zugelasienen saßen ober ftanben, mit ihren schönsten Toiletten angetan, erwartungsvoll im Saal. Der König hatte keine Eile, die Audienz zu eröffnen. Die Höflichkeit des Monarchen, pünktlich zu sein, war nur in militärischen Dingen sein Fall. Doch nach einiger Zeit öffnete sich die Flügeltür zu seinem Kabinett weit — wohlwollend möchte man sagen —, und wer einen Blick in den Neben- raum erhaschte, sah die bekannte Gestalt des Königs — die Hände am Rücken — langsam auf und ab gehen. Am preußischen Hof war das Zeremoniell zwar streng geregelt, und jeder wußte so ziemlich Bescheid, wo er hingehörte, aber manchmal gab es eine ungelöste Rangfrage zwischen Zivil und Militär. So auch jetzt. Zwei-ältere Exzellenzen warteten gespannt rechts und links der Tür, gewillt, sich den Vortritt der ersten Audienz streitig zu machen, die eine lang und rappeldürr, die andere von umfangreicher Beleibtheit. Nun stürzten sie gleichzeitig vor, jede drohend den Blick aus die andere gerichtet und bereit, sich mit Gewalt den Eingang zu bahnen. Doch sie stutzten vor den forschenden Augen der Majestät und standen einander gegenüber wie zwei böse Hunde aus Porzellan. Einen Augenblick betrachtete der König beluftigt das Spiel, bann ärgerte er sich, als es kein Ende nehmen wollte, und rief mit scharfer Stimme, daß alle erzitterten' ,,La plus sötte entrera la pre- mi6re!" — Die Dümmste soll als Erste hereinkommen. — Das wirkte wie ein Blitz, die beiden Exzellenzen hielten wie versteinert den Atem an, und ein furchtbares Schweigen legte sich über den Saal. Doch am Ende des Raumes, dort, wo sich die jüngeren Frauen zusammendrängten und fürchteten, bei der schlechten Laune des Königs gar nicht mehr zu Worte zu kommen, erhob sich rasch ein hübsches, zierliches Dämchen, trippelte anmutig auf seinen Stöckelschuhen durch das lange Zimmer, ging zwischen den versteinerten Exzellenzen durch die Tür, trat entschlossen in des Königs Kabinett und machte eine tiefe Reverenz. . „Wahrscheinlich bin ich bte Dümmste in dieser erlesenen Schar." Friedrich betrachtete sie erstaunt, schon halb belustigt. „Sie ist also die Dümmste, Sie mag bleiben. Er winkte — die Flügeltür wurde geschlossen, und Frau von Rothagen hatte ihre Audienz. klaren lassen. Ehamberlain und Briand, die sich dieser Tage in Paris treffen, werden über diesen Punkt sehr ernst zu sprechen haben. Denn es liegt ja sowohl dem Engländer wie dem Franzosen viel daran, daß das Locarno-Werk in Straft trete, und Briand im besonderen kann in dem Durcheinander seiner Kabinettskrisis eine Erschütterung seines außenpolitischen Erfolges, der sein stärkstes Aktivum ist, gar nicht brauchen. Die neue deutsche Regierung hat also gleich eine sehr wichtige und ernste Aufgabe vor sich. Damit steht zwar nicht direkt, aber mittelbar im Zusammenhang, daß gleichzeitig auf die Einladung zur vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf geantwortet werden muß. Auch Amerika wird dort erscheinen und hat soeben die Kosten für seine Vertretung bewilligt. Es macht aber bestimmte Vorbehalte, namentlich verlangt es, daß die Frage der Rüstung zur See, die sich Amerika vorbehält, von der R ü st u n g zu Lande getrennt werde, während Frankreich, Italien und Japan aus begreiflichen Gründen diese Trennung nicht zugeben wollen. Rußland hat noch nicht formell geantwortet. Es wünscht nicht, daß man in der Schweiz tage, weil es der Schweiz die Freisprechung der Mörder Worowskis nicht vergessen kann, und weil seitdem zwischen Rußland und der Schweiz eine Art Kriegszustand besteht. Aber es scheint, als ließe sich dieser Gegensatz überbrücken; auch darüber sprechen Chamberlain und Briand, denen auch daran Unter dem Drachen. Don unserem Ki.-Mitarbeiter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Gent, Mitte Januar 1926. Aus feuchtkaltem Nebel fällt schweres' ©lot- kengedröhn in die engen Verkehrsadern, der alten Kaufstadt Gent. Alte Mütterchen unter schwarzem Kapuzmantel gleiten langsam in die Rich- tung irgendeiner der vielen gewaltigen Kirchen. Glanzende Limousinen, in denen die „Zeep"- Darons, die Kriegsschieber und Inflationsgeier flämischen Stils, ihre Wichtigkeit spazieren fahren, sausen an armen Wägelchen vorbei, auf denen die Gelegenheit? krämer ihre Dutzendware den gleichgültigen Passanten anpreisen. Anheimelnde Laute platzen schwer diphtongiert aus dem dumpfen Lärm der Geschäftsstraßen; dann und wann fange ich einen kurzen Satz des abscheulichen Zwittersranzösisch auf, hinter dem Frau Neureich aus den Ctappenjahren ihre dürftige Bildung zu verbergen sucht: Auch ein trauriges Ergebnis der „penetration pacifigue“. die in Flandern wie im Elsaß unbehinderte Blüten treibt. Gerade will ich auf die breite Säulentreppe der Universität hinsteuern, als ein Trupp laut lachender flämischer Studenten daherkommt; dieselben Gesichter, ähnliche Mützen wie damals, zu bekämpsen; dann kam die Heimkehr als ^Sieger". der Terror des belgischen Flamenhasses, die Plünderungen der Aktivistenwohnungen durch den Mob, die Prozesse, die Verurteilungen und Einkerkerungen und zum SUuß die versrssungs- widrige Beschlagnahme des Vermögens: Flanderns schwerste Zeit! In allen Gesichtern, wohin ich auch blicke, sehe ich leuchtende Augen, überall geballte Fäuste; es ist nicht nur jugendlicher Optimismus, studentischer Sturm und Drang, begeistertes Schwärmen von Einzelnen! es ist die communis opinio aller dieser Leute, der Arbeiter und Bürger, der Frauen und der Mädchen, der Priester und der Soldaten, die ihren Ausklang in dem staatsgefährlichen Sah eines strammen Artilleriesergeanten: „Es ist unsere verdammte Pflicht, Belgien zu verraten... 1" So ringt Belgien mit seinem flämischen Problem, für das es teilte Losung finden iann, denn Lösung heißt für Belgien, kann nur heißen: das Ende. Die Diplomatie der Großmächte hat hier im Wetterivinkel Westeuropas ein unmögliches Gebilde entstehen lassen, das bis jetzt noch nicht dem Frieden allzu gefährlich geworden ist. Nach alter Methode versucht Belgien, dem Problem mit Hakb- lösungen unb Kompromissen gerecht zu werden, die aber niemanden befriedigen. Im schnellen Tempo wächst die Lawine des radikalen slä- mischen Nationalismus und reißt die alten bei- VMW große HeimafMaO Gießener Anzeiger Das MMSWGZmMKHH liegt, daß die Russen dort erscheinen. Bleibt die Antwort Deutschlands. Es ist kein Zweifel, daß diese Antwort b e - jahend lauten wird. Die Abrüstungsfrage ist- mit dem letzten Beschlüsse des Völkerbundes in ein neues Stadium getreten, und, wie man auch zu ihr stehe, Deutschland muß bei ihrer Erörterung beteiligt sein. Daß damit die Schwierigkeiten der Ueberlegung, welche Stellung Deutschland einnehmen soll, erst beginnen, liegt ja auf der Hand. Aber die einfach zusagende Antwort genügt keinesfalls! Auch Deutschland hat und noch mehr als Nordamerika feine Vorbehalte, die es jetzt sehr bestimmt auszusprechen gilt. Es ist doch ganz unmöglich, daß ein Deutschland zur Konferenz über die Abrüstung als „aleich- berechtigte" Macht erscheine, während die Angelegenheiten der M i l i t ä r k o n t r o l l e, der Kontrollkommissionen noch nicht völlig geklärt sind. Man hat davon in der letzten Zeit so wenig gehört. Ist die Kontrolle nun formell zu Ende? Verschwinden die Kommissionen gänzllch vom deutschen Boden? Wir wünschen durchaus nicht, daß das in einem für die andere Seite angenehmen Halbdunkel bleibt, sondern es ist vorher erst Klarheit darüber zu schaffen, und in welchem Sinne diese uns notwendig ist, das brauchen wir nicht erst besonders zu sagen, Klarheit auch über die Investi - gationsfrage,bie Aufrechterhaltung einer Kontrolle, wie sie in diesem Beschluß.in Aussicht genommen ist, und damit in Zusammenhang gleich den Artikel 213 des Versailler Vertrages, nach dem Deutschland sich verpflichtet, jede Untersuchung zu dulden, die der Rat des Völkerbundes mit Mehrheits-Beschluß für notwendig erachtet. In diesen Bestimmungen und Beschlüssen liegt von Anfang an ungleiches Recht, während die Voraussetzung für eine gedeihliche Besprechung der Abrüstungs- fiagen die volle Gleichberechtigung ist. Man stelle sich doch vor, daß in Genf die Russen und Türken (die bekanntlich keine Militärkontrolle mehr haben), in diesem Sinne unbestritten als gleichberechtigt erscheinen, und die Deutschen als Mitalieder zweiter Klasse, gegen die jederzeit eine Untersuchung beschlossen werden kann, erscheinen sollen. Das ist unmöglich, das muß vorher geklärt werden! Es gibt also Arbeit, drängende außenpoli- tifche Arbeit, für die neue deutsche Regierung, und Zeit darf nicht mehr damit versäumt werden, nachdem dur-^ das Gezerr der Parteien geschlagene se---> Wochen wertvoller Zeit auch für die Außenpolitik nutzlos verstrichen sind. als unter deutscher Besetzung die Universität flämisch geworden war. Damals stand in Gent alles auf dem Kopf. Stolz trugen die Burschen ihre Gesinnung durch die Straßen und bekannten sich gern zu dem Schimpfnamen „Patissiers de Pempereur“, den ohnmächtiger Flamenhaß erfunden hatte für die aktivistischen Studenten der alma mater in Gent. Auch heute noch wie in der Kriegszeit tragen die Studenten die Löwennadel, das Kennzeichen unentwegter flämischer Freiheitsliebe. Kurz entschlossen rede ich einen an und lasse durchblicken, daß ich Deutscher bin, der die Universität einmal sehen möchte. In seinen Augen sehe ich etwas wie staunende Freude zucken, eine Flamenhand streckt sich, tastet etwas zögernd nach meiner Rechten und, ehe ich zur Besinnung komme, stehe ich mit meinem neuen Bekannten vor „blilenspiegel", dem Hauptquartier der Flamenkämpfer. Drinnen bestürmt man mich mit Fragen, ob Deutschland nicht bald wieder so stark werde, um die Franzosen über die Marne zurückzujagen, und ob man in Deutschland Flandern vergessen habe. Arbeiter, Priester, Soldaten unb Mädchen, alt und jung, sind hier versammelt, alle wollen sie von Deutschland hören; sogar der leutselige Wirt, der im belgischen Kerker einige Jahre lang seine Deutschfreundlichkeit hat büßen müfsen, huscht vorbei, um einige Brocken meiner Erzählung mitzuneh- men. Hier erfahre ich auch Einzelheiten, wie das Unglück über Flandern gekommen ist: die verhängnisvolle Treue der Flamen gegenüber dem „Koburger", ihr Vertrauen auf seine Gerechtigkeit und auf die deutsche Gesinnung der Bayerntochter. Wie die Zeitungen damals gehetzt und spaltenlang von den deutschen Kriegsgreueln berichtet haben; wie die Führer sich trennten in Passivisten und Aktivisten; wie tragisch die Stunden an der Pser waren, wo die Flamen gegen den tatsächlichen Freund für den mit Belgien verbündeten Feind kämpfen mußten; von Sturmangriffen höre ich, in denen flämisches Blut für eine Sache floß, die nicht die Flanderns war; wie trotz aller Zensurmaßnahmen der belgischen Militärbehörde an der Front Gerüchte durchsickerten über den neu entbrannten Nationali- tätenkampf in der besetzten Heimat, Über die flcv» mifierte Universität, über die Verwaltungstre- nung ufw. Dann tarnen die schweren Tage des letzten Kriegsjahres, die Verfolgungen von fetten der Heeresleitung, die Aufreibung der flämischen Regimenter bei nutzlosen Sturmangriffen gegen die starre deutsche Front, eine beliebte belgische Methode, um das flämische Clement im Staat gischen Staatsparteien mit auf den antibelgi- schrn Weg. Schon liegt die Partei der Liberalen, durch die 'Belgien vornehmlich gegründet worden ist, auf den Boden. Die Klerikalen und Sozialisten müssen sich zur flämischen Tat aus- raffen, um ihre Wählermassen nicht $u verlieren. Noch ein letztes Mal haben sie über die Schleichwege des feierlichen Versprechens vor der Wahl und des nochmaligen Wortbruchs die flämischen parteifreudigen Staatsbürger betrügen können. Die letzten Provinzio.lwahlen haben jedoch gezeigt, daß diese Methode nicht mehr einschlägt. Die flämische Frontpartei ist in fast allen Provinzen in der Lage, einen entscheidendM Einfluß auf den Gang des Geschäfts auszuüben; schon lehnte der Provinziallandtag Westflanderns die Kredite für das belgische Nationaldenkmal ab, schon verließ die Verwaltung Ostflanderns die amtliche Zweisprachigkeit und ordnete den ausschließlichen Gebrauch der flämischen Sprache an. And schon forderten die Provinzen: Antwerpen und Limburg die Befreiung des Mtivistensührers Dr. Börms, der in der Zeit des Krieges Vorsitzender des Rates von Flandern war. Der Kultusminister Huysmans sieht sich gezwungen, an der von den flämischen Studenten boykottierten Genter Universität Professoren zu ernennen, welche auch in der Kriegszeit die belgisch-feindlichen Aktivisten öffentlich unterstützten. Der zwischen Holland und Belgien vor kurzem unterzeichnete Vertrag wird an dem durch die Flamen in Holland und in Belgien organisierten Widerstand in beiden Parlamenten scheitern und das belgische Heer, die letzte Stühe der Regierung, ist der bedrohlichen Gefahr aussgesetzt, sich in flämische und wallonische Nationalregimenter aufzulösen. Auch die Wirtschaftskrise wirkt verheerend auf die durch die flämische Freiheitsbewegung schon überhitzten Gemüter. Die Stabilisierungsversuche der Regierung räumen den neuen Gläubigern in London, Neuyork und Haag weitestgehende Interventionsrechte ein, die sich bald in der inneren Verwaltung bemerkbar machen werden. Jeder Tag bringt verletzende Kundgebungen gegen die belgische Verfassung. Die flämische Studentenschaft steht geschlossen und siegesbewußt im jungflämischen Lager. Weitblickende Führer bahnen das Bündnis zwischen den Deutschen im Elsaß und den nationalgesinnten Bretonen in Nordfrankreich an. Holland erwacht langsam aus seinem langen, völkischen Schlummer, und auch das Dolksbewußtsein des flämischen Elements in den französischen Norddepartements nimmt klarere Formen an, von der französischen Blutarmut begünstigt. . Die Kabinette in Loirdon und Parrs sehen bereits Möglichkeiten aufsteigen, welche die weitere Behandlung Deutschlands als gegenscttiges Tauschobjctt matt setzen dürfte. Der Thron des Koburgers in Brüssel ist bedenklich ins Wackeln gekommen; der Granvella der heutigen Zeit, Msgr. Mercies, der deutsch-feindliche und sla- menhassende Kardinal, Erzbischof von Mecheln, wird voraussichtlich der letzte belgische Kirchen- sürst sein, der durch eine unchristliche Ausbeutung des katholischen Gewissens Flanderns die flämische Flut einzudämmen versuchte. Schon lassen die verbissensten Französllnge ihre Sohne und Töchter von niederländischen Lehrern in der flämischen Kultursprache erziehen: sie wittern kommende Stürme und stellen sich eben um. Ihre Gesinnungstüchtigkeit wird die Flamen, die in absehbarer Zeit das eigene Schicksal in die Hand nehmen werden, nicht darüber hlnwegiäu- schen daß sie von der Zeit Burgunds bis zum heutigen Tag der Pfahl in Fleische Flanderns gewesen sind. ________________ „Unb Sie wünscht?" „Majestät", begann sie, ein wenig schüchtern unb leise beängstigt, aber ein wohlwollenber Blick der großen Augen bes Königs gab ihr Mut unb, von Jugend an selbst beherrscht, legte sie ihr Anliegen in kurzen Worten bar: Ihr Mann, erzählte sie, ber als Offizier in des Königs Dienst gern unb tapfer stehe, sei entschlossen gewesen, im Herbst seinen Abschieb einzureichen, aber nach seiner Majestät jüng* per Kabinettsorber sei bies den Offizieren bei strengster Strafe verboten, unb ba sie nicht klug ge= nug fei, sich selbst zu raten, bitte sie ben König, sich ihrer väterlich anzunehmen. „Majestät müssen ent- schulbigen, ich bin nun einmal bie Dümmste unter ben Damen." Unb roieber machte sie mit zauberhafter Anmut bie große Reverenz. Ein Nicken bes Königs ermunterte sie fortzufahren. „Mein Mann bliebe am liebsten Offizier unb weiß auch nichts von meiner Demarche. Aber wir finb arm, unb zwar sehr arm. Nun hat mir ein entfernter Oheim, ein Original in Ifjuringen, ein schönes großes Gut vermacht unter ber Bebingung, daß mein Mann bie Wirtschaft führt unb ben Dienst beim Regiment quittiert. Der Kinber wegen, Majestät ..." „Lasse Sie sich scheiben unb heirate einen Krautjunker." „Ich liebe meinen Mann, unb er liebt mich. Das Hang so einfach, so natürlich und herzenswarm, baß es den König eigenartig berührte. Er wußte, seine Offiziere unb Kavaliere hätten darüber gelacht. Ein unbekanntes Gefühl schlug mit starker Welle an seine Seele unb er sagte ebenso einfach, doch ein wenig unsicher: „So, so." Geschickt benutzte sie bie kleine Pause, plauberte von ben Kinbern, ihrem Mann unb bem Gut, flocht ein, baß ber Rittmeister lieber ben Pallasch führe als bie Lanbwirtschaft, unb enbete, sie wisse ja, baß alles töricht sei, was sie vorbringe, aber ber König selbst trage Schulb an ihrem Gestänbnis, benn er habe nun einmal bie Dümmste zu sich befohlen. Ein Lächeln ging über Friebrichs ernst burch- surchtetes Gesicht. . f r Er nahm bie Klingel zur Hanb, zwei schrille Tone schlugen an ihr Ohr. Sie wollte erschrocken schweigen unb trat einen Schritt zurück. Als aber ber Sekretär erschien, vom zlbjutanten gefolgt, sagte ber König lakonisch: „Dem Rittmeister von Rothagen wirb ber erbetene Abschied bewilligt." Dann schnitt er ben gerührten Dank mit den Worten ab: „Sie hat eine bumme Situation klug ausgenützt. Das verbient Belohnung im Salon wie im Feld." Unb zum Abjutanten geroenbet, ber steif an ber Tür ftanb, fügte er hinzu: „Man soll mir eine Flöte bringen. — Die übrigen Damen ein andermal." Man kann sich bie Gesichter im Saal vorstellen, als diese Botschaft verkündet wurde unb bie kleine Frau von Rothagen nach halbstünbiger Aubienz durch die Reihe der Wartenden schritt. Die Berufsberatung. Qiitcb 6cm Reichsarbeitsnachweisgesetz ist die Tcruf#beratung eine freitvillige Ausgabe brr Ar bei ts Nachweise. Sic kann aber durch die Gesetzgebung der Länder zur Pflicht- a u s g a b e erhoben werden. In einzelnen Q3un- trsst aalen «z. B. in Badern. Württemberg) ist tieS bereits geschehen. In Hessen wird die Einführung erwogen. Es- würde dann Gießen als Berufsberatungsstelle für die ganze Provinz Obcröeffcn in Betracht lammen. Zur Aufklärung über Wes en und Zweck der Berufsberatung hatte daher der Vor- sihende des öffentlichen Arbc.tsnachweises für das nördliche Obei helfen «Stadt und Kreis Gießen und die Kreise Alsfeld. Lauterbach und Schotten) Beigeordneter Dr. Frey drei aus diesem Ge° biete erfahrene Herren — Dr. Schenk vorn Landesamt für Arbeitsvermittlung für Hessen, Hessen-Aassau und Waldeck in Frankfurt.- Gewerbeschulrat Dipl.-Ing. D ü n n i n g s. Direktor der Gewerbe- und Maschinenbauschule zu Gießen, und Herrn Schorle in m e r. Leiter des Berufsamtes für Stadt und Kreis Darmstadt — au Borträgen über diese Frage gewonnen. Die Versammlung sand im Großen Hörsaal der Uni. nerfitäl statt, sie war sehr zahlreich besucht. Bei- geordneter Dr. Frey begrüßte die Erschienenen und wies in kurzen Worten aus die erhöhte Bedeutung einer richtigen Berufswahl und Berufs- i auslese hin. Darmstadt und Offenbach haben bereits vorbildliche segensreich wirkende Berufs- beralungsstellen. Gießen wird in absehbarer Zeit ebensoweit kommen. Hierauf sprach Dr. Schenk über Die Berufsberatung als Mittel zur toirt* schaftlichen Gestaltung von Industrie und Handwerk. Anschließend an ein treffendes Wort Friedrichs des Großen, daß so mancher zu einem Berufe käme, der besser etwas ganz anderes geworden wäre, führte der Redner etwa folgendes aus: Wir haben den Zugang auf dem Weltmarkt fast ganz verloren. Unsere Aufgabe ist es. ihn wieder zu gewinnen. Darum muß überall an Stelle der Massenproduktion Qualitätsproduktion treten. Dafür genügt aber nicht allein die manuelle Geschicklichkeit der Arbeiter, sondern sie muh begleitet sein von geistigen Fähigkeiten. Darum müssen die Arbeiter (hier im weitesten Sinne des Wortes gebraucht) sorgfältig ausgewählt toerbeit. Diese Auslese geschieht zur Zeit an drei verschiedenen Stellen: 1. im Psychologischen Laboratorium der Universität. 2. am Berufsamt und 3. im Werke selbst. Die Methoden der Auslese sind noch nicht vollkommen: Trugschlüsse über die fernere Entwicklung jugendlicher Menschen im 14. bis 15. Jahre sind unausbleiblich. Aber diese Tatsache darf nicht entmutigen. Gut ist es, wenn die Induslriewerke mit der Hochschule Hand in Hand arbeiten. So steht z. B. das Charlottenburger Institut mit 120 Betrieben in Verbindung. Aehnlich ist es in Hamburg und an anderen Orten. Daß die Reichsbahn und Reichspost ausgedehnten Gebrauch von der Eignungsprüfung machen, ist genügend bekannt. Rur dadurch ist es möglich, Leute in die Fabrik und in einen bestimmten Beruf zu bekommen, die tatsächlich an dem Platz ihren Manu stellen und mit Lust und Liebe ihre Pflicht tun. Die öffentliche Berussberatungsstelle ist politisch neutral und darum ganz unabhängig u/rch jeder Seite. Sie kann aber die Mitarbeit der Schule und des Arztes nicht entehren: ;denn der Mensch ist keine Maschine. Sein Willens- und Gemütsleben, fein Charakter muß Fand) bei der Berufswahl in Rechnung gezogen werden. Hier kann nur der Lehrer Aufschluß geben. Infolge des Rückganges der Geburtenziffer werden wir 1930 nur halb so viele Lehrlinge haben, als uns 1914 zur Verfügung stauben. Diese Tatsache allein genügt schon, um zu j Zeigen, wie wichtig eine Berufsberatung werden muh. Sodann ergriff Gewerbeschulrat B ü n n i n g s das Wort zu seinem Vortrag Eignungsprüfung und Berufswahl. Ausgehend vom Grundsatz des Taylorsystems: den richtigen Mann an die richtige Stelle, unterstrich er manche Ausführungen seines Vorredners noch einmal und fuhr u. a. wie folgt fort: Wer Berufsberatung ausüben will, muh die Kenntnis recht vieler Berufe haben. Rur dann ist es ihm möglich, ein wahrer Berater, ein „weltlicher Seelsorger" zu fein. Als Beispiel wies der Redner auf den Schreinerberuf hin. Für die Auslese dafür gibt cs nicht weniger als 21 Apparate. Ein dafür geschaffener Hobel, der auf einem Papierstreifen in Kurven die Art und Weife der Arbeit des Geprüften aufzeichnet, wurde vorgezeigt. Roch bat die Berufsberatung viele Gegner, aber die Erfolge und ihre Bewährung, die sich ziffernmäßig feststellen läßt, muh diese mehr und mehr zum Schweigen bringen. Trotzdem darf nicht verschwiegen werden, daß es sich heute noch ] vorwiegend um die negative Auslese handelt, d. h. die Prüfung wird in den meisten Fällen nur sagen, für welchen Beruf sich der Prüfling ! nicht eignet. Auch dieser Redner betonte die I Bedeutung der Schule und ihres Urteils über den Schüler bei der Berufsberatung. Ans die I verschiedenste Art und Weise muß versucht wer- I den, ein Bild des Kindes zu gewinnen. Das iann durch den Fragebogen des Berufsamtes und durch die Personalbogen, die die Schule führt, geschehen. Eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe bleibt aber das immer. Zu der Personalauslese kommt in der Prüfung die Kom- plexdiagnose, d. h., neben der Eignungsprüfung stellt man prattische Aufgaben, um des zu Prüfenden Geschicklichkeit und Anstelligkeit zu ersah- i ren. Zu beachten sind auch die Ermüdungs- und Uebungscrscheinungen. Auch sie prüft man mit mancherlei interessanten Aufgaben. Kurz: es ist heute möglich, die verschiedensten Seiten des phisischen und psychischen Menschen zu prüfen, um ihn dann einem seinem Wesen und seiner Persönlichkeit entsprechenden Beruf zuzuführen. Als letzter Redner sprach Herr Schorlem - m e r Darmstadt über: Die Einrichtung eines DerufSamtS für Stadt und Land. Er lieh uns einen Blick in die Praxis der Berufsberatung und ihre Schwierigkeiten tun. Auch er legte großes Gewicht auf das Urteil der Schule und bedauerte, daß die Fühlung zwischen Elternhaus und Schule in vielen Fällen leider zu lose fei. Aber auch der Arzt muß gehört werden. Das Berufsamt muß aus der Besprechung mit den Eltern und dem Kinde und bent Zeugnisse des Arztes und der Schule das Fazit ziehen. Rach seiner Meinung ist die Berufsberatung fast unentbehrlich. Zwar ist die Unterbringung der Lehrlinge sehr schwierig. Oft müssen viele verwandten und ähnlichen Berufen zugeführt werden. Auch der richtige Meister muß gefunden werden. In Darmstadt hat das Berufsamt in jeder Innung einen Vertrauensmann, der verteilt die Jungen. Wer soll Berufsberater sein und werden? Redner ist der Meinung, daß man das nicht „erstudieren" kann: praktische Kenntnisse, pädagogisches Geschick, gesunder Menschenverstand, Kenntnis der Eignungsprüfungen: das alles ist ihm vonnöten. Der Vorsitzende dankte den Vortragenden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Ausführungen der Redner auf fruchtbaren Boden gefallen sein möchten. Im Hinblick auf die vorgeschrittene Zeit sah man von einer Aussprache ab. Oberhesfen. Landkreis Giesren. berg und auf Der Strecke Fried-- rlchsdorf— Holzhäusern eingetreten teuren. beseitigt. Aus der Street Friedberg— Holzhausen ist gestern zum erstenmal wieder ein <5ug Durcpi das durch den Dammrutsch beschädigte Gleis gefahren. ■ $$ dD* Staude im, 22. Jan. Rach Mitteilung Der hiesigen Kriminalpolizei hat sich gestern mittag der hier zur Kur weilende Gen- darmenewachtmeister a. D. Michael Staibl von seiner Pension entfernt und ist noch nicht 8.’ir,u,A84.6rt ist 48 3a6re alt, 1,(0 Meter groß, hat untersetzte Figur und war bekleidet mit langem Lodenmantel und dunklem Anzug, Darunter grün schwarzer Sweater Staibl ist schwermütig veranlagt, so daß die Möglichkeit besteht, daß er sich ein Leid angetan hat. Sr trug beim Weggang einen Spazierstock, war aber ohne Hut. Zweckdienliche Mitteilung an die hiesige Kriminalpolizei erbeten. Butzbach, 22. Jan. Die fiskalische Jagd der vormaligen Oberförsterei Hochwei- sel wurde zum jährlichen Pachtpreis von 1400 Mark (vor dem Kriege 1900 Mk.) auf 12 Jahre neu verpachtet. Pächter sind Dr. Achenbach - Frankfurt a. M. und Fabrikant Boger- Weimar Das Revier ist rund 530 Hektar groß, säst ausschließlich Wald. Kreis Schotten. l Schotten, 22. Jan. Das hiesige Kreis- amt hat fein Verbot fürkarnevalistis chv Lustbarkeiten erlassen, sondern will nach Anhörung des betr. Gemeinderats und gutachtlicher Aeußerung der Bürgermeisterei von Fall zu Fall seine Entscheidung treffen. Damit hat es einen Standpunkt-eingenommen, Der Konzessionen nach beiden Seiten zuläßt. lg. Ober-Lais. 22. Jan. Am Montagabend fand hier ein Degrüßungsabend statt als Auftakt der für die beiden folgenden Tage vorgesehenen Tagung Der „Evangelischen Volksgemeinschaft". Ramhafte Vertreter der neuen Bewegung kamen dabei zu Wort und legten Ziel und 'Wesen derselben Dar. Pfarrer Weidner- Ober-Lais begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die äußerst zahlreich erschienenen Anhänger Und Freunde Der Evang. Volksgemeinschaft und kennzeichnete deren Ziel dahin, daß sie die evangelischen Belange noch nachhaltiger vertreten wolle, als dies seither int Rahmen der großen politischen Parteien geschehen und möglich gewesen fei. Als nächster Redner sprach Ide aus Höchst a. M. über das Thema „Arbeiterschaft und Evangelische Volksgemeinschaft". Insbesondere verbreitete sich Der Redner über die Rot im besetzten Gebiete und zeigte, daß hier ein Betätigungsfeld vorhanden fei, welches der Evang. Volksgemeinschaft Gelegenheit gebe, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Apotheker V e es en m ey e r° Gedern führte aus, warum eine Evang. Volksgemeinschaft notwendig sei, und bewies diese Rotwendigkeit an drastischen Beispielen. (Besetzung einflußreicher De- amtensteilen durch Vertreter des Zentrums, Reu- gründung von Klöstern u. Dgl.) Daraus sprach Pfarrer Hamburger-Staden in längerer Rede über Den Zusammenschluß der verschienen Berufsstände und das Verhalten des Christentums zum Reubau unseres Volkstums, um sich im weiteren Verlaufe feines Vortrages eingebenD über Politik und Religion im Laufe der Jahrhunderte von Luthers Zeit bis zur Gegenwart zu verbreiten. Sämtliche Vorträge fanden eine äußerst aufmerksame Zuhörerschaft. Kreis Larrterlmch. 4k Lauterbach, 22. Jan. Wie uns von der Bürgermeisterei Lauterbach mitgeteilt wird, hat die Oberpostdirektion Darmstadt den Antrag auf Einrichtung einer Kraftpostlinie Ulrichstein—: Meiches—Dirlammen—Allmenrod—Lauterbach a d- gelehnt. — Im Kalenderjahr 1925 wurden im Standesamtsbezirk Lauterbach 101 Geburten und 40 Sterbefälle beurkundet. Eheschließungen anden 35 statt. Preußen. Kreis Wetzlar. J Wetzlar, 22. Jan. In Der heutigen Stadt verordn ete ir-D e r s a m m l u n g, Die Die Entstehung der deutschen Hausmusik. Die feinste Blüte unserer deutschen Musikpflege hat fid) in der „Kammermusik" entwickelt, die für die „Kammer", für das Haus bestimmt war. Aus diesem innigsten Musikgenuß in den eigenen vier Wänden erwuchs jenes feine Verständnis für Die Tonkunst und jene breite kulturelle Grundlage, auf Der Die klassische Zeit Der Deutschen Musik entstehen konnte. Der umfangreiche Konzertbetrieb unserer Tage und Der überall eindringende Rundfunk lassen Die Haus- mufil immer mehr in Den Hintergrund treten aber wir sollten nie vergessen, daß hier Die Möglichkeiten des reinsten Genusses liegen und daß Der Deutsche, Der Die Hausmusik recht eigentlich geschaffen hat, sie auch am besten zu würdigen weih. Dieses Heraufblühen Der häuslichen Musikpslege läßt sich in einem eigenartigen Werk verfolgen, das Kathi Meyer unter Dem Titel »Das Konzert" in der Reihe Der in Stuttgart erscheinenden musikalischen Volksbücher heraus- gegeben hat. Es ist ein „Führer durch Die Geschichte Des Musizierens in Bildern und Melodien", und der verbindende Tert zieht nur Die Entwicklungslinien von Der Antike bis in unsere 3*i9e. Die Musik des Altertums war „Freiluft- mufu", Die sich nicht in die Wohnung verpflanzen ließ, die ja überhaupt bei dem antiken Menschen nicht Die Rolle spielte wie bei Dem modernen. Aber auch im Mittelalter wohnte die Tonkunst nicht in den Häusern, sondern in Den Kirchen, unD wo neben Den Gesängen und Chören der Geistlichen weltliche Lieder sich regten, da wurden sie zumeist im freien angeflimmt. Die Musik war ja auch kunstloser und einfacher, war stets der einstimmige, unbegleitete Gesang. Erst vom 9. Jahrhundert an erscheint die Mehrstimmigkeit, Die große musikalische Tat Des Abendlandes, durch Die eigentlich erst Die Musik in unserem Sinne beginnt. Es war eine ungeheure Neuerung, Die auf die Menschen des Mittelalters etwa einen ähnlichen Eindruck machte wie heute die Neuerungen Schönbergs, Die wieder von Den gewohnten tonalen Grund' lagen abweichen. Nun begannen sich allmählich mehrere Menschen mit mehreren Instrumenten zum gemeinsamen Musizieren zu versammeln. Die Minnesänger werden im „Harfen- und Geigenspiel" ausgebildet, begleiteten sich selbst ihren Liedern oder wurden von Musikern mit Schalmei und Fiedel im Vorttag ihrer iunstvollen Strophen unterstützt. Eine Hausmusik in unserem Sinne aber finden wir in Der Minnefingerzeit noch nicht. Die Musik mußte erst in anderen Kreisen heimisch werden, Deren Leben sich mehr im Häuslichen entwickelte. Im Meistergesang wird Die Musik der Ritterzeit verbürgerlicht: doch sind Die Uebun- gen und Vorführungen Der Meistersänger eine ojfentdd)c Angelegenheit, zu Der man sich in einem von Der Stadt Angewiesenen Raum, in einer Kirche oder Schulstube, bereinigte. Wohl toivo ein Hans Sachs auch zu Hause geübt und l^Le.cl O^n, aber das geschah nicht zum eigentlichen Vergnügen, sondern mehr zur Vor l bereitung. Auch das „Collegium Musicum“, zu Dem sich Die Studenten Der Renaissancezeit zu- lamnienfaten, ist noch ein gemeinsames Musizieren bet wöchentlichen Vereinigungen ober Testen. Immerhin Drang durch diese Musik- gemeinschaften Die Pflege Der Tonkunst in immer toeitete Kreise, die sie Dann auch ins Haus trugen. Die „Collegia Musica“ des 16. Jahrhunderts pflegen bereits Die Instrumentalmusik, oie hauptsächlich durch Geige, Laute, Kniegeige und Hackbrett, eine Urform des Klaviers, t>er- ircten war. Daneben gibt es kleine Streichorchester von 8—12 Mann. Neben Den Instrumenten, Die nur zum Ersatz einer Stimme herangezogen wurden, bildet sich Die Gruppe der (£flcTt 2lttordinstrumente heraus, Die für mehrere 3nftrumente eintreten und auch allein die ganze Ausführung übernehmen. Die Instrumentalmusik löst sich allmählich von Dem bis dahin herrschenden Gesang ab. Laute, Klavizimbel und Clavicord treten für Die Saiteninstrumente, die Orgci für die Blasinstrumente ein. Die kleine ..Handorael", die überall hingebracht werden kann, wird zum Hauptinstrument, bei Tanzvergnügen und Gartenfesten, kommt aber erst in Deutschland, wo das Musizieren durch hie klimatischen Verhältnisse immer stärker an Den Innenraum gebunDcn blieb, zur eigentlichen Ent- saltuyg. Sie wird im 16. Jahrhundert dasjenige Instrument, um das sich Die Hausmusik zu konzentrieren beginnt. Hier gelang es, nach vielen Versuchen hie „wohltemperierte" Orgel zu konstruieren, d. h. ein Instrument, aus dem Die Oktaven harmonisch so ausgeglichen traten, daß Die Verwendung sämtlicher Dur- und Mollhat- monien möglich wurde. Es war der Vorläufer des wohltemperierten Klaviers der Bachzeit. Im 16. Jahrhundert tritt so die instrumentale Kammermusik gleichwertig neben den Gesang und verdrängt allmählich Die. menschliche Stimme, so Daß wir seit 1650 etwa vorwiegend instrumentale Hausmusik haben, Die Hausmusik, Die auch heute noch vor allem gepflegt wird. Die Konzerte. die im Hause von einem kleinen Kreis von Liebhabern aufgeführt werden, gewinnen gegenüber Den mehr repräsentativen Veranstaltungen in Der Kirche und am Hofe an Bedeutung, und im 18. Jahrhundert wird bann Die Kammermusik" herrschend. Die intime und "abgeschlossene Stimmung her Rokokosäle gestaltet auch Den Festraum aui- „Kammer", und in jedem Palais veranstaltete man wöchentliche Koiueri- in Denen der Fürst, Graf oder 'Saron selbst mittoirft und jeder seiner Bedienten ein Instrument beherrschen muß. Friedrich Der Grwße ist als Hauptspieler seiner Flötenkonzerte nur Die unö bekannteste Erscheinung Dieser allgemeinen Sitte. Und was bei den Adligen zum „ guten -vn gehört. Das wird auch im Bürgerhause allgemeiner Brauch. Run entwickeln sich jene unoergangltdjen Formen Der Kammermusik, das „Konzert". Die Suite und Sonate, und nur aus Dielet musikalischen Atmosphäre deS Hauses, Die Die ganze Kultur DurchDringt, ist die Kunst eines Bach und Haydn, Mozart und Beethoven zt; erklären. - -■■■ -----... ------- 1;— tzen. inr®Ä "t twW«fit die auch HausE, ° qon- ^rLTn Ä* cinSn aeSi^nfle* ^'KanPttE iflttwn b2jtun0. Hose AM- >L dann J> ,k!°!»>- «Ä j-d-« < Ä *»«8 ,f oder §nslr.!l' gebrich nur i>,c :lötentoJJer^eflie*2 ’ vieler nM “W» CÄ Site 1 Zielitz , »ÄS» 5 ZK Ä ** lvbcrg. ai ö« flSL’S* Cne Dchra^rlrr nn k^tenOr' L'S'K ers auf t^Vjp ?r Strecke W°f Mu£S WA?t **'* bLZ im, 99 .> WZ 'tf1 Äuni । *n tnar '*$*<««* i.®? f'8!alif»e 'l6*«i S»4ll>t|, ÄW * MW ” ®l auf 12 3,^ Mr U Sr. » oübi'ifant "Böget- 530 Hektar M, sotten. । n-, Das hiesige Sreifr '-karnevalistischtz i. sondern will nach inderats und gutW. gemeisterei von Fall 'ressen. Somit bat es men, der Konzessionär ’• San. Am Montag« ähungsabend statt als i folgenden Tage vor- r Zdangelischen . Aamhaste Vertreter in dabei zu Dort uni )er!elben dar. Psarrcr egrühte in seiner Eierst zahlreich erschiene- ide der Evang. Bolks« aete deren Ziel dahin, Zckange noch nach« als ineS [eitler im en 'Parteien gegeben 'IIS nächster Heiner Ql. über das Heim cksche Lvlisgmein- ■\W sich der Ärdnei Miete mb zeigte, (b vorhanden sei, wel- lneinschast Gelegenheit mg nachzulveisen. Apo- Gedern führte aus, Gemeinschaft notwendlg tvendigkeit an brajti- cinfluhreicher De- r des Zentrums, Deu- bgL) Daraus spracy Stäben in längerer hluß der verschiedenen rhalten des Christen- Lolkstums, um sich i® Dortrages eingehend im Lause der W bis zur S-gM>art zu Erträge fanden eine Cerschaft. terbach. mitge» ®lrt'K ideriahr öef)urs „SÄ#*1“ von Erwerbslosen stark besucht war, gab zuerst Bürgermeister Dr. Kühn einen kurzen Bericht über das verflossene Jahr. In seinen Ausführungen hob er besonders den starken toirtsckmft- schaftlichen Niedergang von Handel und Industrie in der lebten Hälfte des Jahres hervor und die dadurch für eine Industriestadt wie Wetzlar in immer steigendem Maße sich auftürmenden Not- mahnahmen für die Erwerbslosen. Die Hüse von Staat und Reich sei ungenügend bei der Geldnot der Gemeinden. Ausblictend glaubte er doch, daß mit Beginn des Frühjahrs eine Besserung zu erhoffen sei, wenn auch nicht m dem gewünschten Maße. Als erster Punkt der Tagesordnung stand ein Antrag der Verwaltung aus Einrichtung gröhererAot st ands arbeiten für Erwerbslose. Bekanntlich hat das Reich größere Summen zur Verfügung gestellt um den Gemeinden darlehnsweise Zuschüsse bis zu 80 Prozent hierzu zu geben. Bau- und Finanzausschuß hatten sich bereits mit den Vorschlägen beschäftigt und diese im allgemeinen gutgeheißen. Trotzdem entspann sich bei diesem Punkt eine längere Debatte. Die Zahl der von einzelnen Stadtverordneten vorgebrachten neuen Projekte war so groß, daß dies selbst den Bürgermeister in Erstaunen setzte. Am Ende der Aussprache konnte dann die Zustimmung der Versammlung zu einer Reihe von Arbeiten festgestellt werden, von denen die wichtigsten der Ausbau der Lauerstraße, die Fortführung der Turm- straße bis zum Wuhlgraben, ein Teilausbau der Iohannishofstraße, Planierungsarbeiten an der Kestner- und Gotterstraße, sowie eine Wetterführung der Kalsmuntstraße sind. Weiter sollen Feldwege instandgeseht und der vorgebrachte Wunsch auf Ausbau eines Weges als Rodelbahn berücksichtigt werden. Die Kosten dürften 180 000 Mark betragen. Auch bei Punkt 7 entspann sich eine lebhafte Debatte über die Festlegung einer neuen Straßenflucht am G oet h ebrunnen und von da zur Goelhestraße. Bekanntlich sind die Verkehrsverhältnisse durch den Goethebrunnen, Der unter Denkmalschutz steht, sehr schlicht und erheischen eine baldige Aenderung. Dem will die -Verwaltung durch Verlegung der Straße auf die andere Seite des Brunnens und Schaffung einer großen Schleife nach der Goethestrahe abhelfen. Das Projekt, das eine vollkommene Aenderung im bisherigen Städtebttd mit sich zu bringen scheint, sand vielfache Kritik, doch waren bessere Vorschläge nicht vorhanden. Man einigte sich schließlich einmal auf Festlegung derStrahen- flucht und Vorbereitung des Ausbaues des unteren Teils der Serpentine. Die nächsten Punkte der Tagesordnung, Ausnahmegenehmigung für den Dau eines Wohnhauses, Vertrag mit dem Spar- und Bauverein wegen Verwal- tung der städtischen Mietwohnungen und Orts- satzung der kaufmännischen Berufsschule wurden ohne größere Debatte genehmigt. Bei dem folgenden Punkte, Reuwahl des Sparkasse- vorstandes beantragte Stadtverordneter Wieser Anterbrechung der Sitzung auf 5 Minuten. um den Fraktionen Gelegenheit zur nochmaligen Aussprache zu geben. Rach Wiederaufnahme der Verhandlungen war eine Einigung aller Fraktionen nicht erzielt und es wurde zur Verhältniswahl geschritten. Hierbei kamen zwei Wahlvorschläge zur Abstimmung, und zwar einer von der vereinigten Sozialdemokratischen und Demokratischen Fraktion und der andere von den übrigen bürgerlichen Fraktionen. Auf den ersteren entfielen 14, auf den letzteren 13 Stimmen. Gewählt sind hiernach die Herren Poppe und Bergmann von Nr. 1 und Hiepe und Mengersen von Rr. 2. Der letzte Punkt der öffentlichen Sitzung fand in der Wiederwahl des Herrn Gustav W a l d f ch m i d t als Mitglied der Hospi- talverwaltung seine Erledigung. rtr. Dorlar, 22. Jan. Gegenwärtig findet im Konfirmandensaal der hiesigen Gemeinde ein fünftägiger Krankenpslegerkursns statt. Die sehr lehrreiche Veranstaltung zeigt den etwa 67 teilnehmenden Personen die nötigen Handreichungen bei der Pflege eines Kranken. Der Kursus geht aus von einem Schwesternhause in Barmen, das die Leitung einer Krankenschwester übertragen hat. 00 Niederkleen, 21. Jan. Bei der heute nachmittag hier ftattgefunbenen Pfarrerwahl wurden insgesamt 22 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die Bewerber Kulke 13, Schauß 7 und Gams eine Stimme. Ein Stimmzettel war unbeschrieben. Da der Bewerber Kulte mehr als die 5)älfte der abgegebenen Stimmen erhalten hat, ist er als zum Pfarrer der hiesigen Kirchengemeinde gewählt zu betrachten. Pfarrer Kulte steht zur Zeit in Seelow bei Frankfurt a. d. O., seine Schwiegereltern, eine in Niederkleen gebürtige Familie Schäfer, wohnen in Gießen. Kreis Marburg. ][ Marburg. 22. Ian. In der hiesigen Klinik starb gestern ein elf Jahre alter Junge aus Fronhausen an den Folgen einer Kopfverletzung, die ihm einzweiIahreälte- re r Junge vor 14 Tagen mit einer Latte, in der sich ein Raget befand, beigebracht hatte. Maingan. WSR. F r a n k f u r t a. M„ 22. San. Dieser Tage hat sich ein P o st s e k r c t ä r vom Post- amt I erhängt. Er stand im Verdacht, obwohl er einer der schärfsten Beamten war und mehrere Driefmarder entlarvt hatte, felbh -Unter» schlag ungen begangen zu haben, da er Gelder auf der Bank liegen hatte, über deren Herkunft er die Aussage verweigerte. Da ihm nichts nachgewiesen werden konnte, wurde das gegen ihn eingeleitete Verfahren trotz dringenden Verdachtes niedergeschlagen. Amtsgericht Gießen. Gießen, 16. Jan. Häufig kommt es vor, daß unwahre, die in Betracht kommenden Personen schwer beleidigende Gerüchte verbreitet werden, ohne daß es gelingt, deren Urheber zu ermitteln. Heute stand eine Beleidigungsklage zur Verhandlung, in der die ursprünglichen Verbreiter der unwahren Behauptungen trotz der Länge der Zeit restlos ermittelt werden konnten. Beleidigt wurde durch diese Schwätzeren ein junges Mädchen. Der Vater des Mädchens klagte nun. Zwei der Verklagten verglichen sich schon vor der Hauptverhandlung, während die dritte es zu einer umfangreichen Beweisaufnahme kommen lieh. Danach mußte auch sie sich zu einem Vergleich bequemen, ihre Äeuherungen mit Bedauern zurücknehmen und sich zur Zahlung sämtlicher Kosten einschließlich 60 Mark Sonderhonorar des Verteters des Privat- ilägers verpflichten. Zur Warnung! Warnung vor Schwindel mit Hypotheken. (Nachdruck verboten.) Die derzeitige außerordentliche Geldknappheit läßt häufig Geldfuchende mit Leuten in Verbindung treten, die sich ihnen zur Geldbr- schasfung anbieten, deren Ruf und Vergangenheit und damit deren Vertrauenswürdigkeit sie aber nicht im geringsten kennen. Häufig kommt cs auch vor, daß sich vertrauens u n würdige Persönlichkeiten an Grundbesitzer wenden — es soll das ein ganz besonders beliebter Trick sein — denen sie die Gewährung eines Darlehens als Selbstgeber versprechen. Meistens stehen derartige Persönlichkeiten mit irgendeiner Kasse von zweifelhafter Geschäftsgeba- r u n g in Verbindung, deren Rechner oder fDuftige einflußreiche Mitglieder sie „genauer kennen". Läßt nun ein Grundstückseigentümer für einen solchen „Helfer in der Not" im Grundbuch eine Hypothek, namentlich eine Brief Hypothek eintragen, so gibt jener „Helfer", der mit Bestimmtheit pfandlos zu sein pflegt, dem nunmehrigen Hypothekenschuldner in der Regel einen im Verhältnis zur eingetragenen Hypotheken- summe ganz geringen Dargcldbetrag, läßt sich aber (Mit Skk UwetWi Bügel! W« die Mett! vom Grundstückseigentümer den Hypothekenbrief aushändigen, was wiederum häufig durch allerhand schöne Redensarten erreicht wird. Hat der „Geldgeber" nunmehr den Hypothekenbrief in der Hand, in dem vielleicht sogar zu lesen steht, daß vorgehende Hypotheken nicht vorhanden sind, so „verlauft" der „Geldgeber" die hypothekarisch gesicherte „Forderung" an jene mehr oder minder „gutgläubige" Kasse — derartige Kassen sind immer „gutgläubig" — und der Grundstückseigen-- tümer ist mit Sicherheit der hereingefallene Teil. Er bekommt vom Grundbuchamt die in Gestalt der Abtretung vollzogene Tatsache mitgeteilt, daß der „vertrauenswürdige" Geldgeber ihn genas- führt hat. Denn nun verlangt der neue Gläubiger, die „gutgläubige" Kasse, vom Schuldner, der bisher für feine Gutgläubigkeit ein Trinkgeld erhalten hat, die Herauszahlung der ganzen hypothekarisch gesicherten Summe. Lind der Hypothek- tefteller muß bezahlen. Er könnte sich wohl an feinen „Wohltäter" halten, allein dieser ist pfandlos! Tue die Augen auf oder den Beutel! Die Herausgabe des Hypothekenbriefes darf seitens des Hypothekenbestellers oder seitens des Inhabers eines solchen Briefes an einen Dritten nur Zug um Zug erfolgen: hie Brief, hie Geld. Denn ein Hypothekenbrief i st, wirtschaftlich gesprochen, nichts anderes als bar Geld. Das muß jeder wissen. Die Staatsanwaltschaft sollte solche Fälle, wenn sie zu ihrer Kenntnis gelangen, unerbittlich verfolgen und die beschriebenen Wohltäter dorthin bringen lassen, wohin sie gehören, nämlich hinter Schloß und Riegel. Denn sie sind Wucherer und Betrüger von ganz besonderer Gefährlichkeit. Jeder derart Hintergangene sollte den- Fall zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft bringen. Gegen das gigeunerunwesen. Die am 1. März 1905 in Kraft getretene Polizeiverordnung über die Bekämpfung des Zigeuner Unwesens wird vom Kreisamt Gießen den Bürgemeistereien der Landgemeinden und den Gendarmeriestationen in Erinnerung gebracht. In den Vorschriften heißt es: Zigeunern ist das Tragen und Mitsichführen von Hieb-, Stoß- und Schußwaffen und von Munition für Schußwaffen verboten. Das Zusammenreisen der Zigeuner in Horden ist untersagt. Ein Zusammenreisen in Horden liegt schon dann vor, wenn eine Zigeunerfamilie von einer anderen Zigeunerfamilie oder einer einzelnen Person, die nicht zur gleichen Familie gehört, begleitet wird. Zigeunern ist es untersagt, auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen, sowie auf freiem Felde ohne vorhergehende ausdrückliche Erlaubnis der Ortspolizribehörde zu lagern oder Wagen au^uft eilen. Dais Lagern im Walde ist unter allen Umständen untersagt. Wenn Zigeuner in einer anderen Weise als in öffentlichen Gasthäusern übernachten, haben sie, vorausgesetzt, daß die erforderliche Erlaubnis der Ortspvlizeibehörde erteilt wird, für die Dauer ihres Aufenthalts ihre Legitimationspapiere bei der Ortsspolizeibehörde zu hinterlegen. Die Wagen der Zigeuner müssen an leicht sichtbarer Stelle mit einem Schild versehen sein, auf welchem der Name und die Heimat des Eigentümers deutlich lesbar angegeben sein muh. Die Bestimmungen finden auch auf Personen, welche nach Zigeunerart umherziehen, Anwendung. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Polizeiverordnung werden, soweit nicht in bestehenden Gesetzen höhere Strafen angedroht sind, mit Geldstrafen bis zu 30 Mark bestraft. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 170 bis 180, Matte 30 bis 40, Käse 60 bis 70, Wirsing 20 bis 30, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 25, rote Rüben 20. Spinat 50, Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30, Rosenkohl 07, Feldsalat 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 20, Dirnen 30, junge Hahnen 130, Suppenhühner 130, Nüsse 70. Endivien 120 Pfennig das Pfund; Eier 19 bis 20, Blumenkohl 60 bis 180, Lauch 5 bis 15, Sellerie 20 bis 70 Pfennig das Stück. Aus dem Amtsverkündirv ^»sblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 6 vom 19. Januar enthält: Die Ianuarmiete. — Auswärtige Amtstage. — Bekämpfung des Zigeunerunwesens. — Steuerabzug vom Arbeits- (oftn. — Wahlen der Mitglieder und Stellvertreter des Kreisausschusses. — Wahlen der Bürgermeister. — Fleischbeschau. — Bekämpfung der Obstbaumschädlinge. — Feldbereinigung in Ober» Steinberg. — Dienstnachrichten. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 7 vom 22. Januar enthält: Kosten des Mahn- und Zwangsverfahrens. - Wahlen des Provinzialausschusses. — Karneval 1926. - Anschlußgleis Kesselbach. — Falsche Rcntenbanl- scheine. - Gefechtsschießen. — Lungenseuche in Lich. — Maul- und Klauenseuche in Allendorf a. d. Lda. — Dienststunden deS Kreisschulamts. Errichtung einer Satzung für den Bezirtsfürsorge- verband. - Dienstnachrichten. Turnen, Sport und Spiel. Handball. Wer wird Meister von Hessen-Hannober? tz. Die Kasseler Kreisbehörde hat die Polizei Kassel als Meister bestimmt, trotzdem diese noch nicht alle Verbandsspiele absolviert hät. Ob sich der zweite Kasseler Handballmeisteranwärter das wird gefallen lassen? Wie verlautet, haben die Hessen-Preußen auch sogleich gegen diese Maßnahme Einspruch eingelegt, der am Samstag, 23. Jan., in Kassel durch den T. B. A. entschieden wird. Nichtsdestotrotz hat der T. D. A. durch seinen Obmann für Handball. Willing, die Durchführung der Bezirlsendspiele verfügt, und zwar derart, daß zunächst am 24. Jan,. 11 Uhr vormittags, in Kassel auf dem Polizeiplatze sich Polizei-Kassel und F. C. Wetzlar gegenüberstehen, mit Rückspiel am 31. d. Mts. in Wetzlar. Die Wetzlarer müssen bereits am Samstag abend nach Kassel, um dem eigentümlichen Spielbeginn gerecht zu werden. Wie stehen die Chancen dieses Treffens? Bisher kam es nur einmal zu einer Kraftprobe zwischen den genannten Vereinen; diese nahm auf dem grünen Rasen einen für die Wetzlarer mit 2:1 siegreichen Verlauf, und am grünen Tisch blieb die Polizei Kassel überlegener Sieger. Wie wird es am Sonntga werden? Im allgemeinen hat der Kasseler Gegner seine Aufstellung und seine Spielweife vom Vorjahre beibehalten und gibt damit einen äußerst starken Rivalen ab, trenn auch sein bester Stürmer Schenk, durch lange, schwere Krankheit in seiner Form zurückgeworfen, nur noch in der Hintermannschaft steht. Aber Weingärtner und Marzinkowski sind nach wie vor die gefährlichen todsicheren Schützen der Polizei, während in ihrer Verteidigung Pape ein Torhüter von Klasse ist. Der F. C. 05 Wetzlar steht also vor einer schweren Aufgabe, die er nur durch Hergabe des Aeußersten lösen könnte. Seine Leistung ist abhängig von dem Können seines Sturmes und der Widerstands- fähigleit seines Torwächters; denn die Polizei kommt sicher zum Schuß und — schießt nicht schlecht. Wie sich der außer Paulus junge Sturm gegen den großen Gegner abfinden wird, steht dahin. Seine bisher gezeigten Leistungen lassen aber, besonders bei Halbwegs gutem Boden Torerfolge erwarten. An einer Stelle jedoch sind die Kasseler verwundbar. Ihre Achillesferse ist ihr Alter. Die kolossal zähen Wetzlarer »erben das Tempo steigern und steigern müssen, um dem Gegner die Lust au nehmen (so war's schon einmal im Vorjahrei), unb das kann ihr Gewinner fein. So wünscht es ihnen der Lahnkreis I Am die BezirkSfuhbaUmelsterschast Don Hessen-Hannover. tz. Die Serie geht langsam zu Ende. Kur- Hessen Kassel spielt am Sonntag sein zweitletztes Spiel gegen Hessen 09. Die Hessen werden natürlich schon au8 Lokalrivalität versuchen. den Altmeister aus dem Rennen zu werfen. Es ist jedoch mehr als fraglich ob ihre Kräfte dazu ausreichen, denn ihre Spielweise ist der Kurhessens technisch doch ein Bedeutendes unterlegen. Als Hauptkampffaktor bringen sie ihren kolossalen Eifer mit auf den Plan, der meist wie auch hier mit großer Durchschlagskraft gepaart ist. Nur mit Aeberraschungserfol- gen würden sie den Sieg an sich reiften können. Kurhessen ist trotz allem als knapper, aber sicherer Sieger anzusprechen. And damit wäre man der Meisterfrage nicht um einen Schritt näher gekommen. Die Entscheidung ist und bleibt der Kwnpf am 31. Januar: „Sport" — Kurhessen. Die Vereinigten Marburger werden in Hann.-Münden dessen guten Torhüter nicht oft, die Mannschaft der S.Vg. aber sicher schlagen. Flug Ubets nach St. Moritz. S t. M o r i tz , 22. Jan. (WB.) Der deutsche Flieger Übet ist heute mit seinem Flugzeug eigner Konstruktion von München nach St. Moritz geflogen, wo die Landung auf dem vereisten St. M o r i tz e r See erfolgte. Übet gebenkt von hier aus Flüge ins Engabin unb bie Grau- bünbner Alpen zu unternehmen. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 24. Ian.: Siegfried. Montag. 25 : Die Hugenotten. Dienstag, 26. Der Rosenkaraller. Mittwoch 27., nachm. 21/2 Ahr: Die Weihnachtsglocke; abends 6^/z Ahr: Die Zauberflöte. Donnerstag, 28.: Martha. Freitag, 23.: Der Waffenschmied. Samstag, 30., nachm. 2V- Ahr. Die Weihnachtsglocke; abends 7 Ahr: Eine Nacht in Venedig. Sonntag, 31., nachm. 21 z Ahr: Die Weihnachtsglocke; abends 7 Ahr: Othello. — Schauspielhaus. Sonntag, 24. Jan., vorm. 11V- -Uhr: Vergnügliche Matinee von Hans Reimann; abends 8 Ahr: Der fröhliche Weinberg. Dienstag, 26.: Die jjagb Gottes. Mittwoch 27.: Die Hochzeit der Schäferin; hierauf: Der Wald. Donnerstag, 28^: Die Jagd Gottes. Freitag, 29.: Das große Welttheater. . Samstag, 20.: Die Hochzeit der Schäferin; hierauf: Der Wald. Sonntag, 31.. nachm. 3V2 Ahr: Der Kreidekreis; abends V/a Ahr: Wer niemals einen Rausch gehabt. Büchertisch. — „Das Buch für A l l e", im Verlage der Anion, Deutsche Verlagsanstalt (Stuttgart, Berlin, Leipzig, Wien), die gedieaene alte Familienzeitschrift, die vorübergehend ihr Erschei- nen eingestellt hatte, ist mit dem neuen Jahr in den 58. Jahrgang eingetreten und hat, wie die vorliegenden sechs Hefte erweisen, mit sorgsam ausgewähltem, abwechslungsreichem, immer anregendem und belehrendem Text und zahlreichen Illustrationsbelgaben ihre guten Traditionen zu wahren gewußt und wieder aufgenommen. — Die neue Nummer 4218 der „Illustrierten Zeitung" (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig) wird eingeleitet durch einen sehr unterrichtenden Aufsatz von Generalleutnant Heinrich Meyer .Oesterreichs Bestimmung einst und jetzt", ein Tb:ma, das unverminderte Aktualität besitzt. Dem Andenken an HanS Sachsens 350. Todestag ist von Dr. F. Bock ein Gedenkblatt gewidmet. Der Naturfreund wird sich durch den Artikel „Wenn der Fluß seinen Lauf ändert" von Dr. W. Bvllweg angeregt finden. Don völkerkundlichem Interesse ist der Beitrag von F. O. Koch „Der Schirm im Fernen Osten". Mehr ins technische Gebiet führt den Lefer der Beitrag von Dr. Hildevrandt ..Fortschritte im Flugwesen". Mit künstlerischen Beiträgen ist die vorliegende Nummer besonders reich auegeftattet. Das Januarheft 1926 der „Innen- Dekorativ n" führ! in über 56 großen Abbildungen, Sepiaton- und Farbenbeilagen zunächst eine Anzahl fein empfundener Landhausentwürfe von Professor Eduard Pfeiffer-München vor, Hausgedanken aus der Geisteslage einer beschwingten Nüchternheit, zart von seelisch-geistiger Bedeutung erfüllt, einiach, reif und festlich. Als Hauptverösfentlichung folgt bann die Wiedergabe einer Reihe von Ansichten und Innenräumen des neuen „Wohnhauses Alerander Koch" in Darmstadt iArchttetten F. A. BreuhauS und H. Roßkotten), eines Hauses. daS mit feinem gediegenen Außen- und 3nnenbau, mit seinen gewählten Kunst schätzen, seiner gehaltvollen Lebensform als ein Wohnhaus anzusprechen ist. in dem die Ansprüche modernen, von der Kunst Der* ebelten Wohnens bis ins Letzte berücksichtigt worden sind. Zum Abschluß bietet bas Januarheft bann noch eine Reihe bemerkenswerter schlichter Wohnräume nach Entwurf von Prof. Heinrich Tessenow, Bertsch, Niemeyer, von den „Deutschen Werkstätten" A.-G. ausgeführte Wohrr-, Eß- und Schlafzimmer in geklärten Typen, bie dem Bedürfnis nach einfachen Wohnungseinrichtungen in vortrefflicher W.iie entgegenkmmen, Im ganzen also ein Aeberblick über neuzeitliche Haus- rind Wohnungsgestaltung, der verschiedensten Lebenshaltung angepaßt, dem Programm dieser Zeitschrift getreu: für alle Schichten des Volkes die Werte der neuen Wohnungskultur zugänglich zu machen und in allen Kreisen die Freude an dem wohlgesormten Heim, an der wohleingerichteten Wohnung zu wecken. (Der Einzelpreis dieses Januarheftes beträgt 3 Mk., der Vierteljahresbezug der „Innen-Dekoration" 6 Mk. Verlag Dr. Alexander Koch, Davinstadt.) —A l e n h o r st 1 92 6. Almanach der Hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg. 125 Seilen, mit Kalendarium, bildlichen Wiedergaben und Leseproben. 852 — Fr. W. Foerster: Religion und E h a r a f t e r b i l bu n g. Psychologische Anter- suchungen und pädagogische Vorschläge. Rotapfel- Verlag, Zürich und Leipzig. 464 Seiten, geb. 7,60 Mk. Foerster macht die Religion, d. h. bie christliche Religion zum Mittelpunkt des ganzen menschlichen Lebens. Religion ist für Foerster nicht Mittel, sondern Grundlage. Er weist hin, wie wenig auf bloßer Wissenschaft, am allerwenigsten aus Naturwissenschaft, ein allgemein binbenbeS Sittengesctz sich aufbauen lasse und zerstört alle die Illusionen, die auf einer rein wissenschaftlichen Grundlage die Well sittlich gestalten wollen. 864 Kivchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 24. Januar. 3. n. Epiphanias. Stadtkirche. 9'/,: Missionsprediger ßauLll: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Missionsprediger Lauk. 5: Pfarrer Becker. - IohanneSkirche. S'/,: Pfr. Bechtolsheirner. 11: Kinderk. f. d. Lukasgemeinde. Pfarrer Vechtolsheirner. 5: Pfarraff. Schultheis. - Kirchberg. 10; Lollar nachm. llÄ- Daubringen nachmitags Dienstag, 26. Januar, abends 8%: Bibelstunde Lollar. Donnerstag, 28. Januar, abends 8'/,: Bibelstunde Daubringen. — Wieseck. 10. — Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 1 Garbenteich: 10. Briefkasten der Redaktion. (Rechts achten sind ohne Verbindlichkeit der Redaktion.) E. S. 150. Ohne Einwilligung des Verkäufers können Sie von dem abgeschlossenen Vertrage nicht zurücktreten. Ihr nachträglicher Widerruf ist belanglos. Nehmen Sie den (Segenflanb ab. K. S. Anter der Dorausfetzung, daß der Wasfennehrverbrauch den Anspruch des Vermieters an sich rechtfertigt, worüber Die sich am einfachsten nötigenfalls auf dem Gas- und Wasserwerk unterrichten, müssen Die den ange» forderten Betrag bezahlen. Der Forderung^ berechtigte kann mehrere Ziele zusammenkommen lassen. Lassen Sie sich seine Forderung spezifizieren. Es greift die regelmäßige Verjährungsfrist von 30 Jahren Platz und nicht die sechsmonatige des § 558 DGB. 30jähriger Abonnent. 1. Das geltende Erbrecht bestimmt, daß Geschwister, die Nebenberufen sind, zu gleichen Teilen erben, und daß an Stelle verstorbener Geschwister deren Abiömm- linge nach Maßgabe des tz 1924 des DGB. treten, z. B. der Sohn des Erblassers schließt seine Kinder, die Enkel, aus. 2. Das Aufstellen eines Holzschuppens an Ihrer Mauer ist gestattet, das Herausnehmen von Backsteinen ohne Einwilligung verboten. Sie dürfen die Wand verputzen lassen. Der Nachbar muß dieses dulden. Für Schaden. der ihm dabei entsteht, sind Sie ersatzpflichtig. Kommen Sie zu feiner gütlichen Einigung, müssen Sie gerichtliche Klage erheben. v. N. Wenn Sie glauben, daß Ihre Steuer- fähigkeit durch das Studium Ihres SohneS wesentlich beeinträchtigt wird, müssen Sie, beim zuständigen Finanzamt einen Antrag stellen, daß Sie den Sohn beim Steuerabzug mit anrechnen können. Ohne die Einreichung und Ge^ nehmigung eines solchen Antrages darf der Steuerabzug für diesen Sohn nicht vorgenommen werden. D-häJttKh In Drogenhan^luo^on I ■Jftl I Gießen (Am Kugelberg 23), den 23. Januar 1926 einzureichen. 475c Giessener Konzertverein Cellarius. 7O8c Fstm. Eichenstammholz 3.bis 6. Kl. Mittwoch einzulösen. Wagner. 700D 2.8 Rm. Graf. 601D 7328 Ausstellung im MeluuSMWteu im Saal 0434 RHONE |62D und Horn. 531D Nachmittags 5 Uhr für Kinder 718D Abends 8 Uhr für Erwachsene, W a g n e r. 6980 Eintritt frei. Jedermann herzlich willkommen Vogel. 6030 Aus Los 6 708c i# erteilt 0316 8: 104 Nordanlage 19 I. w w n tf 7460 Winter. 3560 der mit sehr Be- 8 8 8 8 1: 2: 3: 4; 5: 6: 7: 2 19 21 41 72 47 Eschen- Lärchen- 1 1 1 5 1 7 2 23 56 8 2,15 0,74 1,58 33,23 172,03 355,53 19,71 26,60 34,54 52.68 3,14 Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 15. Januar 1926. Kreisbauverwaltung. Cellarius. Gießen, den 22. Januar 1926. Der Oberbürgermeister: J.V. 0r. Rosenberg. 1,76 20,73 18,39 28,60 38,43 15,93 30,09 0,57 0.85 0,99 2,19 0,28 1,21 1,67 23,92 34,63 128, CD**D Iagdverpachtung. Mittwoch, den 27. Januar l. I., nachmittags 2'/, Ahr. soll die der Gemeinde Mainzlar gehörige Jagd auf die Zeit von 6 Jahren und zwar vom l. Februar 1926 bis 31. Januar 1932 auf dem Rathaus dahier öffentlich verpachtet toerben. Der Jagdbezirk besteht in 540 Morgen Wald und 1540 Morgen Feld und schließt an den Bahnhof Mainzlar an. Nähere Bedingungen werden vor der Verpachtung bekanntgegeben. Mainzlar, den 20. Januar 1926. Bürgermeisterei Mainzlar. Loseeinteilungen nebst Versteigerungsbedingungen können zum Preise von50Pf. für das Stück von unterzeichneter Stelle bezogen werden. Zahlungsbedingungen: Die Holz- geldschuld kann gegen Stellung sicherer Bürgschaft bei Beträgen bis zu 700 Mk. biF Martini 1926 und bei höheren Betragen zunächst an den (M. An». B. Brennholz. Scheiter,Rm.:Duche315, Hainbuche4, Eiche 12; Knüppel, Rm.: Buche 60, Eiche 26: Reisig, Wellen: Buche 3645, Eiche 2555; Stöcke, Rm.: Buche Eiche 75, Fichte 4. toieiliOD Kleider, Blusen und Röcke Sportjacken zu jedem annehm' barem Preis. Seihe. 8Bahnhofstraße8. Iagdverpachtung. Dienstag, den 2. Februar ds. IS., nachmittags 2l,t Llhr, soll auf hiesiger Bürgermeisterei die bet ©emeinbe Londorf zustehende Wald- und Feldjagd auf weitere 6. Klaffe 5b „ Holzverstetgerungen der Fürstl. Oberförsterer Lich. Dienstag, den 2 6. Januar, werden aus den Distrikten: Höler, Kellersberg, Fuchsstrauch, KolnHäuserkops und Schmerhütte versteigert: Raummeter: Scheitholz Buche 153, Eiche 11, Birke 5, Weich Holz 2, Nadelholz 5: Knüppel Buche 91, Eiche 107, Weichholz 5, Nadelholz 5, Stockholz Buche 75. Eiche 50, Nadel- Holz 12; Wellen Buche 2300, Eiche 5500 (in der Hauptsache Forstwellen), Hartholz 400, Weichholz 300; außerdem 3. 4. 4. 5a 5a 5b 5b 3. 3. 4. 5a 5b Nutz-und Brennholz - Versteigerung im Licher Stadtwald. In den Distrikten Eisenkaute, Mönch- köpfe, Schweinstallshege und Eichwald werden nach vorheriger Zusammenkunft am Kreuzungsweg der Mittel- und Suhl- schneise, Anfang bei Nr. 191 am Freitag, dem 29. Januar d. IS., vormittags 10 Ahr, versteigert: A. Nutzholz. Stämme: Hainbuchen 3.-5. Klaffe 7 Stück — 2,07 Fstm., Ahorn 6. Klaffe 15 Stück 1,27 Fstm.; Derbstangen: Ahorn 33 Stück = 1,11 Fstm.; Nutz- kn ü p p e l, Rm.: Eiche 41, Fichte 3; Nutz- reisig, Rm.: Fichte 17; Bohnenstangen: Fichte 80 Stück. Um die sehr scharfen Zahlungsbedingungen unserer Lieferanten erfüllen zu können und die Belieferung nicht zu gefährden, sehen wir uns gezwungen, unsere verehrte Kundschaft zu bitten, die aus dem Jahre 1925 noch rückständigen Rechnungsbeträge spätestens bis 10. Februar 1926 zu begleichen. Wir bitten höflichst, der durch die allgemeine Geldknappheit überaus schwierig gestalteten Lage der Kohlenhändler Rechnung zu tragen. 11 Raummeter Buchennuhrollen, einige Bohnenstangen, Eiche-Deichseln GWMsllkMWlW äotöoliWs MeinslWS Montag, den 25. Januar, abends 8 Uhr * Iagdverpachtung. < Dienstag, den 26. Januar dS. IS., nachmittags 2 Llhr. soll auf dem Rat- Haus dahier die der Gemeinde Annerod zustehende Jagd bestehend in 151 Hektar Wald und 385 Hektar Feld, auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Bemerkt wird, daß die Jagdgrenze 2 Kilometer von der Station Grohen- Buseck und 2 Kilometer von der Station Rödgen liegt. Die Bedingungen werden bei der Verpachtung bekanntgegeben. Annerod, den 14. Januar 1926. Hessische Bürgermeisterei Annerod. WöwooMeniMn Zur Herstellung des Kieinpflasters auf der Straße Klein-Linden - Großen» Linden sollen die Pflasterarbeiten in 3 Losen getrennt oder zusammen öffentlich vergeben werden. Los I = 4650 qm „ II = 4003 „ „ III = 4200 „ Angebote nebst Bedingungen auf 6c- sonderem Vordruck, der bei uns käuflich ist, sind bis Dienstag, den 9. Februar I. Js., vormittags 11 Ahr, einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen', den 20. Januar 1926. Kreisbauverwaltung Gießen. Holzversteigerungen der fürstlichen Gberförsterei Lich Dienstag, den 2. Februar, werden aus dem Mönchwald (Weidenseeeck), nahe der Straße Albach-Burkhardsfelden versteigert: Raummeter Scheitholz: Buchen 49, Eichen 3, Birken 2, Fichten l; Knüppel: Buchen 119, Eichen 67, Birken 5, Erlen 3, Fichten 8; Stockholz: Buchen 18, Eichen 2, Fichten 14; Wellen Reisholz: Buchen 1620, Lichen 1000; Raummeter Nutzrollen: Buchen 24, Schichthaufen: Fichten 15; Festmeter Derbstangen: Fichten 1. und 2. Klaffe zirka 20. Zusammenkunft 9'/, Uhr vormittags auf dem Schlagweg (Lich - Burkhardsfelden). Bei schlechtem Wetter findet die Versteigerung nach vorheriger Besichtigung des Holzes bei Gastwirt Wilhelm Hinter in Burkhardsfelden statt. Mittwoch, den 3. Februar 1925, Nutz- unb Brennholzversteigerung in nächster Nähe des Albacherhoses, gute Abfuhrlage nach Gießen. Zum Ausgebot kommen: Buchenschnittholz Fstm. II. Klaffe 23, III. 45, IV. 10, Eichen III.3, Eschen VI. 1, FichtenI. 13, II. 21, III. 38, Kiefern II. 6, III. 3 (letztere imHäuserberg),Raummeter NutzrollenBuchen 15, Scheitholz Buchen 108, Eichen3,Fichtenl6, Knüppel Buchen 10,Eichen 1,Birken 1, Fichten 8, Stockholz Buchen 70, Eichen 13, Fichten 54, Reisholz Wellen Buchen 1200, Eichen 300, Fichten 1100. Zusammenkunft 9'/a Uhr vormittags am Albacher Hof. Beginn der Nuhholzver- fteigerung pünktlich l-/2 Uhr nachmittags. Bei schlechtem Wetter findet die Versteigerung in Steins Saal (Lich) nach vorhergehender Besichtigung statt. 7280 Ilm zu hm verkaufe ich meine Restbestände in Hainen- ii. Holz auf dem Submissionsweg verkauft werden: "" ' * " ' 3 Fichtenstämme 3. Klaffe 5,24 Festmeter werd, gegerbt. WT0 Stcinftr. 38 I. L ZaalderZtadtmiffion ......Löberstratze 14 ====== Sonntag, den 24. Januar 1926 Lhma-Missions- Lichtbildervortrag Fichtenbauholz 3. » 4. „ » 5a „ 5b . Weihtannenbauholz 3.u.4.Kl. » 5a Klaffe 5b . Fichtenderbstangen 1. Eichen-u.Eschenderbstg.1. Kl. Eichennutz Inüppel. Bltlen- WWesen noch zum AuSnah- mepreiS 100 Stück Mr. 9.- 50 /, n 5.— auf Vager. 731D Hcrm. Sauer, Waltlorftraße 36 H. Teleoh. 1154. Jagdverpachtung Montag, den 1. Februar d. I.. vormittags 11 Llhr, wird auf hiesiger Bürgermeisterei die ca. 230 ha umfassende Jagd auf 6 Jahre verpachtet. Abt. 1 „ 8 » 1 - 8 tr 1 „ 8 tf 1 8 „ 8 „ 1 „ 1 , 1 1 HolzsubmMon. Aus den Waldungen der Gemeinde Annerod soll folgendes Drucksachen aller Att Itt vrühl'sche UniverfitStr-Druckerei. v. Lange, Siehrn, Schulstr. I. fiefernng oon SleWae und MergriiMWWkerimleii. Zur Unterhaltung der Krcisstraßcn sollen nachstehende Materialien öffentlich vergeben werden: 4000 cbm Unterhaltungskleinschlag 5000 „ Waljlleinschlag 600 „ Splitt aus bestem Basalt sowie 1500 „ scharfer Kies (kein Sand). Lieferungsbedingungen und Berwen- dungsstellen können bei uns eingesehen werden. Angebote auf Vordruck, der bei uns käuflich ist, sind bis DienStag, den 2. Februar dS. IS., vormittags 10 Uhr, Grete Stückgold Sopran aus Berlin am Klavier: Hans Altmann, Frankfurt a. M Gesänge von Schubert - Wolf - Giordoni - Pieroccini- Caccini - Rossini und Rich. Strauß Eintrittskarten: 5.-, 4.-, 3.- und 2.- Mk. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten Mk. 1.— nur im Vorverkauf beim Hausverwalter der Universität. Mit diesem Konzert beginnt die zweite Hälfte des Abonnements, wir bitten die fällige zweite Rate bis spätestens fiW WWMWWlW Landbau und Handwerk Lehrweise von Rhoden-Langgarrd Job. Fischer H. Sauer 719D J. Happel 6g. Schäfer Ed. Klinkei Carl Schott Kohlen-, Koks- und Brikett-Vertrieb Fritz Schott Emil Lotz Aug. Struck W. Neuhaus Hch. Trechsler Ed. Sack Dan. Wirths Nacht. „ „ - „18: 122 „ 5b „ 39,10 Das Holz ist entrindet und ohne Rinde gemeßen. Der Kaufpreis ist pro Festmeter anzugeben. Die Gebote sind nach Losen und Klassen getrennt zu halten und müssen bis Mittwoch, den 27. Januar 1926, nachmittags 2 Uhr, auf der unterzeichneten Bürgermeisterei eingerercht sein, wo in Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung ftattfindet. Die Kaufbedingungen werden vor der Eröffnung bekannt gegeben, können auch vorher ein- gesehen werden. . 530D Iagdverpachtung. DienStag. den 2. Februar 1926, nachmittags 2‘/3 Uhr. soll auf dem Rathaus die hiesige Gemeindejagd auf 9 Jahre verpachtet werden Die Jagd besteht aus 1105 ha Feld und 302 ha Wald. Dieselbe weist noch einen guten Bestand an Hasen. Rehen und Rebhühnern auf und läßt sich bequem von der Station Gambach, welche mitten in der Gemarkung liegt und auch von der Station Kirch- Göns (Station der Main-Weserbahn) in 5 Minuten erreichen. Außerdem befindet sich im Walde eine Jagdhütte, wo die Jäger gut übernachten können. Gambach, den 16. Januar 1926. Hessische Bürgermeisterei: Beck. 699D Iagdverpachtung. Freitag, den 29. Januar 1926. nachmittags um 2l/t Uhr, soll auf dem Bureau der Bürgermeisterei die gesamte Jagd, umsaffend ca. 3400 Morgen Gelände, darunter ca. 680 Morgen Wald, der Gemeinde Geilshausen öffentlich meistbietend auf 6 Jahre verpachtet werden. Geilshausen ist Bahnstation der Dahn Grünberg —Lollar—Gießen. Die Bedingungen werden im Derpachtungstermin bekanntgegeben. Geilshausen, den 18. Januar 1926 Hessische Bürgermeisterei Geilshausen. ZWIffllL Tel. 240 AUTO AUCH NACHTS. Künstliche Zähne in Kautschuk zu 2 Ji, Kronen, Brücken, Plomben zu billftv neu Breis n Tetl- anblunn gestattet. 20jähr. Praxis. 0548 grau Königer Dentistin 29 Stemftlahe 29. Motors allerbeste Fabrikate. In allen Größen allerbilliffst. 42c Carl Schunde. Unterricht i. Reichskurzschrift und Stolze-Schreh «AL Gießener Anzeiger (Senercii-Attzeiger für Gberheffen) FfE>acr»-_ . >w> « atjwMLUMOi>ft!in,.fcgmi^ .w—MWBW|m;1|1 »|ip-| n—CT Die Zukunft des Radio. Eine UnLerredun - mit Staatssekretär Dr. Bredo rv. - Die Wrrtjä-aft- lichen Aufgaben des Radio. —Das Problem der Bildüberiragung. Angesichts der Tatsache, daß sich das Ra- diowesen in allen Ländern der Welt und insbejondere seit seiner Einführung in Deutschland auch bei uns großen Interesses erfreut, baten wir den Schöpfer und Leiter des deutschen Funkwesens, Staatssekretär Dr. Hans Bredow, um eine Unterredung über „Die nächsten Zukunstsmöglichkeiten und Aussichten des deutschen und internationalen Funkwesens". Dabei erklärte Staatssekretär Dr. Bredow: „Es ist erfreulich zu sehen, wie der deutsche Rundfunk ständig wachsendem Interesse aller Kreise begegnet und demzufolge auch ständig an Ausdehnung zunimmt. So hat der deutsche Rundfunk gegenwärtig bekanntlich mehr als eine Million Teilnehmer. Wenn ich mir die nächsten Zukunftsaussichten für das Rundfunkwefen in Deutschland betrachte, so bin ich überzeugt, daß die Teilnehmerzahl auch weiterhin rasch steigen wird. Einmal liefern die Rundfunkgesellschaften jetzt so reichhaltige, vielseitig und künstlerisch hochstehende Programme, daß meiner Auffassung nach für jeden Geschmack etwas darin zu finden ist. Sehr zur weiteren Vermehrung der Teilnehmerzahl wird auch die jetzt endlich erfolgte Freigabe des Empfanges im besetzten Gebiete beitragen, sowie die Eröffnung von Sendern, die stärker als die bisherigen sind, in den meisten deutschen Rundfunkbezirken. Einen anderen Anlaß dafür, daß meiner Ansicht nach die Zahl der deutschen Rundfunkteilnehmer noch mehr anwachsen wird, sehe ich in dem Ausbau einer technischen Neuerung, mit dem schon begonnen worden ist. Es sollen nämlich Ucber trag ungen von Programmen von einem Sender auf den andern in ständig wachsendem Umfange erfolgen, wie dies kürzlich bereits auch in einer „Lohengrin"-Auffüh- rung von Berlin aus über die meisten deutschen Sender vorgenommen wurde. Diese Uebertragun- gen gehen durch Vermittlung von Fernsprechkabeln vor sich und sind, auf lange Strecken angewendet, sehr kostspielig und technisch außerordentlich schwierig. Nichtsdestoweniger wird diese Einrichtung aber immer weiter ausgebaut und auch mit der Zeit auf das Ausland ausgedehnt werden. Ueber den Zweck der gegenseitigen Programmbereicherung hinaus aber bedenke man, daß durch diesen Programmaustausch eine kulturpolitische Tal von großer Bedeutung durchgeführt wird. Es ist klar, daß der Austausch künstlerischer Erzeugnisse außerordentlich zur Annäherung aller Völker beiträgt, ganz abgesehen davon, daß solche drahtlosen kulturellen Verbindungen sich auch mit entfernteren Völkern und Ländern Herstellen lassen und so das gegenseitige Wissen umeinander bereichert wird." „Neben den künstlerischen Aufgaben hat das Funkwesen auch auf wirtschaftlichem und erzieherischem Gebiete Aufgaben zu erfüllen", warf hier der Besucher ein. „Sind Sie, Herr Staatssekretär, in der Lage, mir Mitteilungen über die auf diesem Gebiete stehenden Pläne zu machen?" „Der kürzlich in Betrieb genommene Deutschlandsender", entgegnete Dr. Bredow, „der auf Welle 1300 Meter auf große Entfernungen zu hören ist, will in erster Linie dem Fortbildungswesen dienen. Man arbeitet auch schon in dieser Richtung. Denn gegenwärtig findet ein pädagogischer Kursus für ^chrer statt. Darüber hinaus sollen allmählich auch andere Berufe, so z. B. Gesundheitswesen, Verwaltungsdienst, Landwirtschaft, Handwerk und andere Gebiete in diesen erweiterten Kreis des Rundfunkwesen einbezogen werden. Ein wichtiges Gebiet, dem das Funkwesen dient, ist der N a ch r i ch t e n v e r - kehr. Und hier ist durch seine ganze Art das Funkwesen besonders für die überseeischen Verbindungen geeignet. Die überseeischen Funkverbindungen dienen vor allem dem wirtschaftlichen Verkehr. Die Entwicklung des überseeischen Nachrichtendienstes über Funklinien hat in neuester Zeit technisch weitere Fortschritte sowohl bezüglich der Schnelligkeit als auch der Betriebssicherheit gemacht. Beispielsweise werden jetzt i n China und in Japan regelmäßig deutsche Funkmeldungen ausgenommen. Schon lange findet außerdem ein guter wechselseitiger Verkehr zwischen Deutschland einerseits sowie Nordamerika, Südamerika und den meisten europäischen Ländern anderseits statt. Darüber hinaus aber hat sich das Funkwesen für die Sicherheit des Schiffsverkehrs und des Flugwesens geradezu unentbehrlich gemacht. Nicht nur, daß der Nachrichtendienst und die Aufnahme von Wettermeldungen dabei eine große Nolle spicken. Die Navigation kann vielmehr mit Hilfe der Funkmeldungen außerordentlich erleichtert werden." „Welches, glauben Sie, Herr Staatssekretär, werden die nächsten Zukunftsmöglichkeiten des Radio fein?" fragte der Besucher, worauf Dr. Bredow erwiderte: „Die nächste Entwicklung wird meiner Ansicht nach unter dem Zeichen der drahtlosen B i l d- übertragung stehen, mit der man sich jetzt überall beschäftigt und der sich viele Wirtschaftler und Konstrukteure widmen. Diese Arbeiten haben auch bereits sehr wertvolle Resultate gezeigt. Denn schon jetzt ist es möglich, Handschriften sowie Schreibmaschinen- und Druckschrift mit großer Geschwindigkeit durch Funksender zu übertragen und durch geeignete Empfänger im Faksimile wiederzugeben. Die Anwendung dieser Technik auf die Praxis wird von außerordentlichem Nutzen sein. Wenn setzt beispielsweise jemand nach Südamerika oder in ein anderes entferntes Land Briefe, Karten oder dergleichen schickt, so dauert es Tage und Wochen, bis diese Sendungen an ihren Bestimmungsort gelangen. Bei Anwendung der neuen Technik, die vornehmlich im internationalen Verkehr und auf große Entfernungen wertvoll ist, wird ein Teil des jetzt durch Eisenbahn, Schiff oder Flugzeug beförderten Briefverkehrs auf diese neuen Verkehrswege abwan- dem. Mit welcher Geschwindigkeit solch ein Nachrichtendienst durchgeführt werden kann, geht daraus hervor, daß die elektrischen Wellen, auf der diese Verbindung sich abspielen, mit ihrer Fortpflanzungsgeschwindigkeit von 300 000 Kilometern in der Sekunde jeden Rekord schlagen. Man sieht, mit welchem Ernst und Eifer an dem Ausbau des Funkwesens gearbeitet wird. Ich bin überzeugt, daß, wenn das Wachstum des Funkwesens so weiter geht in Deutschland, wie bisher, wir in Zukunft auf jedem Gebiete viel Nutzen und Segen durch das Radio erfahren werden." Ur. st) Drittes Blatt________ du ne Ahnen des Lscarnovertrages. Von Professor Dr. Hans F. H e l m o l t. Darüber, daß das, was wir trotz der Londoner Unterschrift unter dem Namen „Locarno" zu begreifen pflegen, eine ausgesprochene Reaktionserscheinung ist, sind wir uns alle klar. Intellektuell führte dabei die späte Einsicht in die Unerträglichkeit des alle schädigenden Krieges nach dem Kriege: sekundierend wirkte die ideelle Sehnsucht nach einem wenigstens einigermaßen anständigen Friedenszustande. Die Mehrheit der Völker wie der Individuen ist nun einmal dem Heroenzeitalter entwachsen. Daneben kam der ganzen Aktion entschieden zugute der allgemeine Eindruck, daß sie etwas Neues, der Übeln Lage höchst modern Angepaßtcs darstellte. Ist es aber wirklich an den?? Schwerlich. Wer tiefer gräbt, wird bald auf recht ehrwürdige Wurzeln stoßen. Die Ahnentafeln des Locarnovertrages, vulgo: des Sicherheitspaktes, weist, sofort in die Augen fallend, eine Gabelung in zwei Hälften auf, wie es nur natürlich ist: eine männliche und eine weibliche. Die Ahnfrau nennt sich „Idee des Ewigen Friedens". Ohne von den Prophezeiungen der Sibyllinischen Bücher, den Weissagungen der Chi- liasten oder andern Schwärmereien hier Notiz zu nehmen, sei zunächst an den Traktat vom Ewigen Frieden des Abb« Charles-Jreenee Castcl d e Saint-Pierre aus dem Jahre des den spanischen Erbsolgekrieg abschließenden Utrechter Friedens (1713) erinnert. Der Abbe ist wohl der erste Publizist, der, mit Bewußtsein die Gefahren des Schwebezustandes eines Gleichgewichts der Kräfte erkennend, für die Herstellung eines Völkerbundes eintritt. Ueberaus charakteristisch ist dabei zu beobachten, daß einer der Hauptgründe für die Rechtfertigung und Verwirklichung seines Gedankens ausgesprochen metallischer Natur ist. Wie Frankreich letzten Endes nur durch die Londoner Rede des nordamerikanischen Botschafters Houghton vom 4. Mai 1925 („Das volle Maß amerikanischer Hilfe kann nur erlegt werden, wenn das amerikanische Volk die Versicherung hat, daß die Zeit zerstörerischer Methoden und Politiken vorüber und Die Zeit für friedlichen Aufbau gekommen fei") nach Locarno geführt worden ist, genau so bildet die Erwägung, daß die von Europa während des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts aufge- wandten Kriegskoften mehr als das Vierfache des Kapitals betrugen, dessen Zinsen ganz Europa überhaupt genieße, den stärksten Trumpf im Spiele des Abbö de Saint-Pierre. Und man darf getrost behaupten, daß die trotzige Abkehr von solch vernünftigen Vorschlägen, wie sie das leichtsinnige und frivole Jahrhundert von John Law bis Charles de Ealonne auszeichnet, die französischen Finanzen jenem Bankerott entgegen getrieben hat, aus dem sie lediglich durch die gestohlenen silbernen Löffel des glorreichen italienischen Feldzuges von 1796 bis 1797 gerettet worden sind. Von einer wesentlich höheren Warte aus griff um dieselbe Zeit der Deutsche Immanuel Kant in feinem philosophischen Entwürfe „Zum Ewigen Frieden" (1795) das Problem an. Gründlich fordert er vor allen Dingen das Aufhören der stehenden Heere, die Beschränkung der Staatsschulden, den Grundsatz der Nichteinmischung und die Unzulässigkeit der Erwerbung eines selbständigen Staates durch einen anderen, ehe an die Errichtung eines Bundes freier Völker zu allgemeinem Frieden gedacht werden könne. Daher dient nach und neben ähnlichen Schritten von Grotius, Leibniz, Montesquieu^ Rousseau und Voltaire, von Lessing, Herder und Bentham gerade Kants unsterbliche Arbeit allen Friedensfreunden zum Stützpunkte. Das Dauerhafteste und darum Segensreichste an ihren Bestrebungen, wie sie in buntem Wechsel des neunzehnte Jahrhundert mehr oder weniger in Mit- schwingung versetzt haben, ist entschieden der Schiedsgerichtsgedanke vorzüglich gefördert durch eine planmäßige Ausbildung des Völkerrechts. Der internationalen Idee in vornehmem Sinne dienten namentlich Henri Sunant und Heinrich Stephan mit ihren bahnbrechenden Anregungen zu der Genfer Konvention und dem Weltpostverein. Ihren Verdiensten gegenüber verblassen die des Zaren Nikolaus II. und des Kaisers Wilhelm II. um Friedenskonferenz und Arbeiterschutz einigermaßen. Immerhin hat die weibliche Wurzel des Sicherheitsvertrages, bei Sein oder Nichtsein. Ein Kriminalroman von der Wasserkante. Von Moritz Schäfer. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Heinz Wallot kannte Margot seit vier Jahren. Er hatte den Heimgang ihrer Mutter, die er schätzte und verehrte, tief und innig mit betrauert und war erschüttert Zeuge des harten Geschicks, das seine kleine Freundin betroffen. Gerade das harte Los des Kindes war cs, das ihn auf das Spezialstudium der Augenheilkunde lenkte. Es wollte ihm nicht in den Sinn, daß die behandelnden Professoren die Blindheit Margots für unheilbar erklärten, und rastlos betrieb er seine Studien, von der stillen Hoffnung geleitet, Margot doch noch ein Helfer sein zu dürfen. Denn Heinz Wallot liebte das blinde Kind, das gerade, als er feine Reisen antrat, die Schwelle zum jungfräulichen Alter überschritten hatte. Die Neigung hatte das Herz des großen Jungen mit einer Kraft erfaßt, die Dauer verhieß, und Margot erwiderte feine Gefühle, wenn sie auch noch zu jung war, um sich über den wahren Charakter ihrer tiefwurzelnden Sympathie Rechenschaft geben zu können. Aber wenn von Heinz ein Brief einlief, in dem er in seiner lieben, frischen Art von seinen Reifen und den Fortschritten seiner Studien erzählte, war es allemal ein Fest für die Blinde. Onkel Otto setzte bann die große Hornbrille auf und las Margot das Schreiben langsam und bedächtig vor. Im Winter saßen sie am behaglich brummenden Kachelofen, plauderten von Heinz, und der alte Hinriks brummte ebenso behaglich wie sein Ofen. Margot mußte Onkel Otto „Du" nennen, er litt es nicht anders. Ihren Vater verehrte Margot mit einem kindlichen Vertrauen; unbegreiflich erschien es ihr jedoch, daß zu feinen intimeren Bekannten ein Mann gehörte, dem sie trotz oder vielleicht gerade wegen feiner gleißnerischen Außenseite ein unbesiegbares Mißtrauen entgegenbrachte. Dieser Mann, ein reicher Müßiggänger und leidenschaftlicher Anhänger 'jeglichen Sports, verkehrte viel im väterlichen Hause und wurde von Lorenzen mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Fedor Mühl- felb war in seiner äußeren Erscheinung der voll- allem Utopischen, bas in ihren Ausläufern gärt unb rumort, so manches beachtliche Blättlein getrieben. Beträchtlich gefunbere Säfte zeichnen bas Blut des Ahnherrn des Locarnopaktes aus; wir taufen ihn den Grundsatz des europäischen Gleichgewichts. Keine Frage, daß er vor allem bei der ganzen Sache von Anfang an Pate gestanden hat: Großbritannien, stark beunruhigt durch den mit Deutschland verbündeten Bolschewismus, der an dem indischen Eckpfeiler des Reiches rüttelte, und durch den Imperialismus eines meuchlings übermächtig gewordenen Frankreichs, suchte die bewährte Balance of power wiederherzustellen. In zäher Kulissenarbeit ist das dem endete Gent, dem ein täglich drei- bis viermaliger Kvstümwechsel oberstes Gesetz bedeutete. Beispiels- weise ritt der Dreißigjährige morgens im Herrendreß nach Barnstorf, erschien dann um 11 Uhr in weißem Flanell zum Tennis, warf sich mittags in feierliches Schwarz, um im Klub zu dinieren, bestieg nachmittags in Marineblau seine Jacht und saß abends, die unvermeidliche Gardenie im Knopfloch, in der Proszeniumsloge des Stadttheaters. Die schwarzen, etwas schräggestellten Augen gaben dem Beau mit der tief in die Stirn fallenden Haarlocke einen süffisanten Ausdruck. Am kleinen Finger der Rechten trug er einen Platinring mit funkelndem Solitär, das rechts Armgelenk umspannte ein mit Türkisen inkrustiertes Goldband. Beide Schmuckstücke waren offensichtlich dazu bestimmt, die frauenhafte Weiße und Schlankheit der kleinen, peinlich gepflegten Hände und des elegant gemeißelten Armansatzes ins rechte Licht zu rücken. Es war unnachahmlich, wie Mühlfeld seine Rechte mit dem prachtvollen Einsteiner auf der Logen- brüftung wie ein Miniaturmonument der Eitelkeit aufzubauen wußte. Bei einer Ballfestlichkeit erregte er Aufsehen durch eine kleine Uhr, die in seinen linken Lackschuh eingelassen war. Wenn er dann lässig in einem Fauteuil lehnte und die Beine übereinanderschlug, konnte man nicht nur die durchsichtigen Strümpfe aus Tramaseide, sondern auch den femininen Fuß und die jumelenumranbete Uhr nach Gebühr bewundern. Ausfallen um jeden Preis war das Bestreben dieses Mannes, und da er in der ruhigen Mittelstadt wenig Konkurrenz hatte, gelang es ihm unschwer, dieses Ziel seines Ehrgeizes zu erreichen. Fedor Mühlfeld hielt bei der Hochzeitsfeier im Rostocker Hof den Damentoast. Das kam ihm zu, denn als Junggeselle, der sich jede Passion gestatten konnte, war er in der Frauenwelt eine viel beachtete Persönlichkeit. Die gesund und normal empfindende Schicht freilich spottete über ihn und hielt ihn für einen eitlen Gecken, mit dem fein ewiger Bund zu flechten fei; andere jedoch, die von seiner „originellen" Blassiertheit gefesselt waren, hielten seine wohlgepflegten Hände für einen erstrebenswerten Besitz und glaubten, im Schatten seiner Effekten- und Devifenstapel sei es herrlich, ein eheliches Mittagsschläfchen zu halten. So sahen ihm die Toleranten seine mondänen Launen hervorragenden,von der Unzulänglichkeit der Sowjetpolitik unfreiwillig unterestützten diplomatischen Geschicke Lord d'Abernons restlos gelungen. Seine Bemühungen haben zahlreiche Vorgänger gehabt. Doch durchaus nicht immer ist die Initiativ dazu von England ausgegangen. Immer kam es vielmehr auf die Macht an. So war das eigentliche Ziel der „Ewigen Richtung" vom 11. Juni 1474, die den 160jährigen Kampf zwischen der Schweiz und Oesterreich beendete, die Bekämpfung der Uebermacht Karls des Kühnen von Burgund. So war bas phantastische „Grand dessein", bas Su11y seinem König Hinrich IV. von Frankreich untergeschoben hat, hauptsächlich auf bie Vertreibung ber spanischen Habsburger aus unb seine illegitimen Zerstreuungen gerne nach, unb ber schöne Fedor hätte nur einen der gut manikürten Finger auszustrecken brauchen, um sofort eine willige Beute greifen zu können. Aber er streckte den Finger nicht aus. Er verschwand zuweilen eine oder zwei Wochen, um einem amüsanten kleinen Abenteuer extra muros nachzugehen, unb selbst ber kostspieligste Eheersatz dünkte ihm erstrebenswerter als die lebenslängliche Belastung mit einem noch so dekorativen Hauskreuz. In dieser witzelnden Manier pflegte er in Bekanntenkreisen von der Ehe zu sprechen, und wenn er jetzt in seinem Damentoast offiziell den Segen der Ehe pries, so war das eine zu nichts verpflichtende Floskel. Daß die schwungvolle Phrase die Herzen mancher töchtergesegneten Mama mit Entzücken erfüllte und bei der ober jener mehr ober minder Schönen trügerische Hoffnungen auf- keimen ließ, war ein in seinen Wirkungen wohl- berechneter Witz. Andrea kam dieser Mann in seiner affektierten Pose unsagbar komisch vor. Sein Toast aber mutete sie fast wie eine Blasphemie an. Ihr grabes, ge= funbes Empfinben hcite sehr rasch die innere Hohlheit dieses Charmeurs erkannt, und der Ruf feiner galanten Abenteuer, mit denen er sich wie mit einem Hidalgomäntelchen drapierte, ließ Mühlfeld nach ihrer Ansicht am allerwenigsten geeignet erscheinen, die Frauen zu feiern. Aehnlich erging es Margot, die vom Tisch aufstand, um nicht mit dem ihr in der Seele verhaßten Menschen anstoßen zu müssen. Andrea freilich konnte nicht umhin, ihr Glas mit dem seinen zusammenklingen zu lassen, wobei sie ein Blick aus seinen lüsternen Augen traf, der ihr das Blut in die Stirn trieb. Dabei lächelte der Schönling, der in seinem tadellos sitzenden Frack angetänzelt tarn, und die paar Worte, die er an das Ehepaar richtete, waren von solch weltmännischer Verbindlichkeit, daß ihm Lorenzen in in strahlender Freude dankerfüllt auf die Schulter klopfte. „Mein lieber Feodor," sagte er, „Sie glauben gar nicht, wie glücklich ich bin! Ich hoffe. Sie werden auch meiner jungen Frau jederzeit die freundschaftliche Gesinnungen entgegenbringen, mit denen Sie mich auszeichnen!" Mühlfeld verneigte fid) leicht und hauchte Andrea einen Huldigungs- kuß auf die Rechte. Die Neuvermählte aber entzog ihm rasch, wenn auch urn-'ffäTl:c. tic H.md — . war ihr, als sei cm S crpion darüber gelaufen. Samstag, 25. Januar 1926 Deutschland abgestellt; doch Ravaillacs Dolch verhinderte 1610 die Durchführung der gewaltigen Föderation schon in ihren ersten Anfängen. Umgekehrt schob 1785 Friedrichs des Großen Fürstenbund den grundstürzenden Plänen Kaiser Josephs II., die in einem österreichischen Bayern und einem witelsbachischen Burgund gipfelten, einen unverrückbaren Riegel vor. In diesem Zusammenhänge darf auch an Napoleons I. gigantische Kontinentalsperre von 1806 erinnert werden insofern, als sie der lästigen, den Satz von der Freiheit der Meere aufhebenden Seeherrschaft der Briten den Todesstoß versetzen sollte, indem das übrige Europa in jener allgemeinen Blockade geeint wurde, die im sechzehnten Artikel der Völker- bundssatzung von 1919 zu unserm und der Schweiz Mißvergnügen wieder auferstanden ist. Dod; nach den aufregenden Stürmen und Gewittern des napoleonischen Zeitalters erstand unterm 26. September 1815 in der Heiligen Allianz das merkwürdige Gebilde, das den Grundsatz vom europäischen Gleichgewicht am dauerhaftesten verkörpert hat, weil es sich in dem mit bewundernswerter Zähigkeit verteidigten Kontinentalsysteme des Fürsten Metternich über drei Jahrzehnte lang trotz aller Versuche, dies Bevormundungsjoch abzuschütteln, doktrinär und praktisch zu behaupten vermochte. Damit glaubte man maßgebenden Ortes tatsächlich die alleinseligmachende Welt-, Staatsund Gesellschaftsordnung großen Formats aufge- richtet zu haben. Was 1744 der Rechtsprofeffor Ludwig Martin Kahle oder 1798 der Minister Graf Ewald von Hertzberg über die Staatswage als politisches Alleinheilmittel philosophiert hatten, das war in Metternichs System Ereignis geworden. Eine Wiederholung des Ehrgeizes eines Karl V. oder Ludwigs XIV. schien künftig ausgeschlossen zu fein. Doch da tarn die Februar- unb Märzrevolution von 1848 unb warf bas stolze Gebäude mühelos uver den Haufen. Nun war die Bahn für den Nationalstaat frei. Seine herrlichste Schöpfung war das Deutsche Reich Bismarcks. Aber seine theatralische Aufmachung nach dem Sturze des Rest'sschrnieds täuschte ein „Deutschland, Deutschland über alles" vor, das den bewährten Kontrolleur jeder Art von Universalmonarchie, Großbritannien, von neuem in die Arena rief. Und als es 1918 mit nordamerikanischer Hilfe seine gottgewollte Mission erfüllt sah, da blieb ihm nur noch die Nebenaufgabe, bas allzu übermütig geworbene Frankreich in seine „natürliche" Schranken zurück- zuweisen. Auch diese ist unter überaus kluger Lancierung ber „Sicherungs"-Vorschläge d'Aber- nons, Cunos unb Stresemann in Locarno erledigt, in London unterschrieben, besiegelt unb petschiert worben. Was mag wohl bei der letztgenannten Zeremonie der unselige Lord Henry Castlereagh gedacht haben, dessen Bildnis auf die zur Staatsaktion hm 1. Dezember versammelten Nachfahren im Geiste herabblickte? Im Herbst 1818 hatte er, der beharrlichste Gegner des Korsen, zu Aachen ber Sicherung bes Bourbonenthrones zu Liebe Frankreichs mit liebenber Schonung behandelt und das unruhig fid) gebärende Nationalgefühl der Deutschen unter rüst sische Zensur, stellen helfen. Einhundertundsieben Jahre später kredenzte ein anderer englischer Staatssekretär des Aeußern dem Deutschen Botschafter in London den „Liebesbecher". Damit beißt sich unsere Schlange in den Schwanz. Locarno-Londons zahlreiche Ahnen haben wir in ihren hervorragendsten Gliedern kennen gelernt. Wenn auch der Einschlag der mütterlichen Reihe, der Einfluß der Idee vom Ewigen Frieden, unverkennbar ist, so geben den Ausschlag doch entschieden die Väter und Großväter, die sich nach dem — fortgesetzt wechselnden — Gleichgewicht der Mächte nennen. Locarno gehört unter die Rubrik Europäisches Gleichgewicht, für die es nach vielfältiger Erfahrung eine starke Formel weder gegeben yat noch geben wird. Diesen Hebel mit ber Fabrikmarke „Idee ber Staatsräson" bei passender Gelegenheit kräftig anzusetzen, bas ist künftig eine ber Hauptarbeiten unserer führenden Staatsmänner. Der Renaissancemensch Machiavelli wird wieder Schule machen und selber eine neue Renaissance erleben. Die Ehe ließ sich gut an. Die kurze Hochzeits- reife hatten Lorenzens in Südtirol verbracht, bann hatte man von Meran aus eine Autotour nach ber Stilfserjochstraße unb einen Abstecher nach bem Gardasee gemacht. Enbe Oktober traf bas Paar wieder in Rostock ein, da die Geschäfte ein längeres Fernbleiben des Bankiers nicht erlaubten. Auf ber Reife batten sich die Gatten mehr aneinander angeschlossen und waren sich auch seelisch näher getonunen. Lorenzen betreute seine schöne junge Frau mit liebevoller Hingabe. Er war von ritterlicher Zuvorkommenheit, ohne sich ihr aufzudrängen, und Andrea empfand wohltuend die Reserve, die sie nicht mit ungestümen Werbungen belästigte. Ein Gefühl war mer Dankbarkeit keimte in ihr auf, unb wenn auch die große Liebe fehlte — die Achtung konnte die junge Frau ihrem Gatten nicht versagen. Sein Charakter erschien ihr verehrenswert, und Andrea sagte sich, daß die in stürmischer Leidenschaft geschlossenen Ehen meist ein jähes Ende nehmen. So haderte sie denn nicht mehr mit dem Geschick, das ihren auf dem Grund ber Seele schlummernden Blütenträumen keine Erfüllung gewährt hatte, sondern fand sich ab mit dem Gedanken, an eine ruhige und sorgenfreie Zunkunft an der Seite eines Mannes, der ihrer Ergebenheit wert mar. In Rostock hielt man Fühlung mit der Gesellschaft, ohne ein „großes Haus" zu machen, wozu aud) die Zeiten nicht Anlaß gaben. Die wirtschaftliche Depression, die infolge der katastrophalen Markniederganges der Entfaltung einer üppigen Geselligkeit Schranken zog, hatte zwar keinen Einfluß auf die Verhältnisse des Geldmagnaten, der durch kühne und erfolgreiche Spekulationen fortfuhr, seinen Besitz zu mehren. Aber die Klugheit gebot, nicht durch provokatorische Prunkentfaltung aufreizend zu wirken. Diese weise Zurückhaltung war ganz nach dem Sinne Andreas, bie ohnehin wußte, daß sie Neider genug hatte. War sie doch aus bezahlter Abhängigkeit heraus in eine bevorzugte soziale Sphäre erhoben worden und sühlte sie doch, wie Kastengeist und Scheelsucht eifrig am Werke waren, Flecken an der Sonne ihres Glückes zu entdecken. Aber so eifrig die Mißgunst auch ousspähte, sie fand keinen Anlaß zu giftiger Nachrede. An- öreas Vergangenheit mar unantastbar, ihre Ehs mar von ungetrübter Harmonie, unb ihres Mannes Emfst.'ß und Bebeutung muchsen von Tag zu Tag. i (Fortsetzung folgt.) Oslo. Bon Dr. Heinrich S t a d e l m a n n. AlL im Jahre 1914 „europäische Kultur in blinder Wut die Waffen gegen sich selbst richtete" ja sogar die Welt der Wissenschaft von fanati- sirrender, zerstörender. Haß ausstrcuender Massensuggestion ergriffen war. tonnte der neutral sich verhallende Bordländer nur auf die Zeit warten, wo die Menschen der Einsicht wieder Zugänglich wären: er sah das grausige Drama, dem die besten menschlichen Werte Zum Opfer fielen, und konnte nicht verhindern, was geschah. Der Kulturelle hatte keine Möglichkeit einzu- greifen: allein Gelegenheit bot sich ihm genug, auf Menschheitswerte sich zu besinnen: dir wollte er den sich selbst geistig 'Vernichtenden in Erinnerung bringen, wenn alle „über die Menschheit losgelassenen alogischen und unethischen Elemente", die menschlichen Unwerte, verschwunden wären. Somit ergab sich für den Nordländer eine Zeit der Vorbereitung. Besonders Norwegen war während der Kriegszeit in dieser Art auf Erneuerungsarbeit bedacht. Das hat besonderen Grund. Schon lange vor dem Krieg war der Norweger daran, die Eigenwerte seines Volkes, wie sie sich durch dessen unbeeinflußte Kultur aussprechen, also Werte individuell menschlicher 'Art aufzuspüren, sie zu sammeln und zu pflegen. So mühte er sich bereits seit Jahrzehnten um eine allgemeine in seinem Land giltige norwegische Schriftsprache. Sprachforscher gingen zu den ländlichen Gebirgs- und Talbewohnern. mit deren Dialekten sich zu befassen, die eine Grundlage für eine gemeinsame norwegische Sprache ergeben sollte. Viel Aufmerksamkeit widmete man dem Ausbau des norwegischen Volks- museums aus der Halbinsel Dhgdö in der Nähe von Oslo. Einige Häuser und Museumsgebäude enthalten eine Menge Gegenstände aus der Zeit des alten Norwegens: sehr zahlreiche Dauernhäuser aus den verschiedenen Gegenden und aus verschiedenen Jahrhunderten, zurückreichend bis vor das Iahr 1300, sind 'n den Anlagen aufgebaut. Alter Volksfleiß und altes Volksempfinden, ausgedrückt durch norwegisches Handwerk und Kunstgewerbe, steigen heute in der Heimat int Wert? Wenn Norwegen den alten Namen Oslo für seine Hauptstadt kürzlich zurücksorderte. so ist das als ein Zeichen norwegischen Willens überhaupt aufzufassen. Norwegen sehnt sich zurück nach den Wurzeln seiner Kraft. Stark und tatenlustig, eng verbunden mit seiner Heimat, deren Charakter die Bewohner tragen, baut der Norweger sein eigenes menschliches Empfinden organisch aus. Geradezu ein Beispiel gibt Norwegen den Völkern Europas durch seine Achtung vor heimischen Kulturschaffenden. Wer als Fremder die Grabstätten Djörnsons und Ibsens in Oslo gesehen hat, den wird das aus diesen Nuhestätten sprechende innige geistige Verbundensein des ganzen Landes mit seinen Großen liefst ergreifen. Eine Ibsen-Aufführung im National-Theater zu Oslo unter Leitung seines Theaterchefs Half- dan Ähristensen verdeutlicht die zielvolle - Hingabe des Norwegers an landsmätmischen Geist. Können wir heute begreifen, daß eine Stadt einem Künstler ein großes Atelierhaus schenkt, damit der Schafsende sein Werk ungestört vollenden kann: und ihm einen Platz von 275 Meter Länge und 60 Meter Breite zur Verfügung stellt, um sein Werk dort aufzubauen? Oslo hat dem ' heimischen Bildhauer Gustav Vigeland Atelier und Grundstück geschenkt, wo das gewaltige Kunstwerk, ein Brunnen, werden und leben soll. Sinnbild des Lebens, diese „Fontene". Sechs nackte Riesen tragen den großen, mächtigen Wasserbehälter, um den herum in Ausbiegungen zwanzig Baumgruppen in freistehender Bronze- Plastik sich gruppieren. In dem Geäste und unter den Kronen dieser Bäume wickelt sich der Lauf des Menschenlebens ab. durch nackte Figuren dargestellt: Unschuldvolle Unbefangen^it und reine Linerfahrenheit: spielende Naivität: träumerische Erwartung geheimnisvoller Zukunft: Ausgelassenheit und Freude: Reife: Enttäuschung: Entsagenmüs'en: Kreislauf des Menschenlebens aus der Erde. In gewaltigen Ausmaßen ergeht sich Digelands Geist. Gerade infolge seiner starken Betonung eigener Kultur kann der Norweger auch jede andere Dolkskultur schätzen. Denn er erblickt aus jeder einzelnen die Kultur überhaupt, das einzige alle Menschen zur Menschheit schließende Band. Don Norwegen wurde der Gedanke verkündet, daß „die Menschheit eine Einheit in weit tieferem Sinne ausmacht, als man sich im Iahr- hundert der Nationalitätsidee gedacht hat". Der derzeitige Rektor der Universität in Oslo, Fredil Stang, hat diesen Satz gesprochen. Einerseits sucht das geistige Norwegen durch Aufdeckung und Pflege heimischer Kultur diese gegenüber anderen Kulturen abzugrenzen, andererseits erfahren wir, daß es durch Blohlegen innerer Zusammenhänge der verschiedenen Kulturen über engende Grenzen zwischen den Nationen hinausstrebt und „die gesamte Menschheit im Zusammenhang zu sehen" versucht. Das eine bedingt das andere. Was beide gemeinsam haben, ist die Achtung vor der Kultur. Als der Krieg vorüber war, konnte das geistige Oslo f*i*;e Vorbereitungsarbeit verkünden. Während der Kriegszeit, unter dem Eindruck der Erniedrigung der Menschen, wurde in Oslo „das Institut für vergleichende Kulturforschung" gegründet. Das Institut für vergleichende Kulturforschung in Oslo strebt darnach, „von dem einzelnen zum allgemeinen, von den einzelnen Völkern zur gesamten Menschheit" vorzudringen: nicht, wie im Zeitalter der Aufklärung mit Hilfsmitteln einer spekulativen Metaphysik, sondern durch reales, methodisch zu behandelndes Gr- kenntnismaterial. Der hohe Norden wird ausgesucht, wo verschiedene um das Polarmeer ansässige Volksstämme unter gleichen Naturverhältnissen ein gemeinsames Kulturgepräge angenommen haben. Dies als erste größere Arbeit des Instituts. Schon auch sind junge Forscher unterwegs, in Kaukasien, wo sich allerlei aus der Heinlat vertriebene Völker versteckt niederliehen, nach alten Kulturresten, besonders sprachlicher Art, zu suchen. Viel anderes ist noch geplant. Vergleichende Aechtsforschung wird die jeweiligen Anschauungen über das Verhältnis des Menschen zur Umwelt bloßlegen: desgleichen eine vergleichende Aeligionsforschung Archäologie, Ethnologie. Folklore, Sozivbrgie. Das Forschungsgebiet ist ungeheuer weit und tief. Fredrik Stang hat 1917 in Oslo die Gedanken über das Institut für vergleichende Kultursorschung auf der Versammlung der Interparlamentarischen Union, die aus Repräsentanten der Parlamente der drei standinavischen Länder bestand, entwickelt: kurz darauf war das mensch- heitlich bedeutungsvolle Unternehmen sicher- gestellt. Norwegen selbst gab aus der Staatstasse drei Millionen Kronen zur Errichtung des „Staatlichen Forschungsfonds von 1919"; die Gemeinde Oslo gab noch eine Million als Grundfonds für das Institut. Der norwegische Staat tat noch ein übriges, er bestimmte eine Viertelmillion vom Ueberschuß der Geldlotterie zur Verfügung des Forscherfonds. Stehen auch die Nationalversammlungen der drei Länder, repräsentiert durch die parlamentarische Union, hinter dem Ruf an die anderen Kulturvölker zur Mitarbeit: und hat das Institut einen gemeinschaftlichen nordischen Hintergrund: ist es seiner Organisation und ganzen Leitung nach sogar ausschließlich norwegisch, so besteht doch der Wunsch, in streng internationaler und wissenschaftlicher Unparteilichkeit Forscher aus allen Säubern zu gemeinschaftlicher Arbeit zu sammeln. Neben inländischen Gelehrten hielten im Institut bereits Gelehrte ans Kopenhagen. Paris. Helsingsors, Oxford. Chicago. Berlin und Leipzig Vorlesungen und Hebungen ab. So sehen wir Norwegen mit seinem Haupt Oslo an der Spitze einer neuen kulturellen Bewegung. Norwegen, das unter allen europäischen Ländern das dazu berufene ist. Denn kein anderes Volk lebt so nah den Wurzeln seiner Kraft als das norwegische. Hat es auch im Laufe von Iahrhunderten durch weltliche und geistliche Elemente schwere Heimsuchungen sich gefallen lassen müssen, so hat es doch den Zusammenhang seiner eigenen menschlichen Geschichte sich bewahrt. An alten Sitten und Gebräuchen, Sinnesart und Überlieferung hält der Norweger heute noch fest. Vergangenheit ist des Norwegers Neuland, worauf er Aufbau gründet. Im Einklang mit sich selbst erhofft der Norweger eine ungestörte Friedensarbeit: zum Zusammengehen in Kulturarbeit ruft er Europas Völker auf. Industrie- und Handelskammer Gießen. lieber die erste Iahressitzung der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns berichtet: Die 25jährige Zugehörigkeit des Herrn Carl Röhr zur Industrie- und Handelskammer gibt dem Vorsitzenden, Herrn Kommerzienrat Schirmer, willkommenen Anlaß, dem in diesen 25 Jahren treu bewährten Vertreter und Verfechter der Interessen des Einzelhandels den wärmsten Dank für die der Kammer geleisteten Dienste auszufprechen und zugleich dem Wunsche Ausdruck zu verleihen, daß sein kluger Rat und seine fleißige Mitarbeit noch recht lange der Kammer erhalten Dieiben möge. In schlichten Worten dankt der Jubilar für die ihm von der Kammer dargebotene Ehrung, erkennt seinerseits mit großem Dank an, daß die Wunsche des Einzelhandels stets bei der Kammer ein williges und verständnisvolles Gehör gesunden haben und verspricht auch fernerhin treueste Pflichterfüllung im Dienste und zum Wohle von Handel und Industrie des Kammerbezirkes. In einem Rückblick ans das Wirtschaftsjahr 1925 llird Ausblick auf das neue Jahr wird von dem Vorsitzenden etwa folgendes ausgeführt: „Mit mancherlei Hoffnungen, die er persönlich nicht geteilt habe, seien gar viele Kaufleute in das Jahr 1925 eingetreten: doch der ganze Verlauf des Jahres habe diese Hoffnungen zu Schanden gemacht und nur schwerste Enttäuschung gebracht. Die verhängnisvolle Wirtschaftskrise fei — abgesehen von den außenpolitischen Ursachen und Wirkungen — nicht zuletzt dadurch entstanden, daß Reich, Länder und Gemeinden in völliger Verkennung der wirtschaftlichen Lage die Steuerschraube weit über das Maß der Erträglichkeit angezogen haben. An der Hand von reichlichem Ziffernmaterial und von Aeßerun- gen hervorragender Wirtschaftskreise zeigt er, wie diese unvernünftige Finanz- und Steuerpolitik zahlreiche Unternehmungen auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens zur Unrentabilität und schließlich zum Zusammenbruch geführt hat. Auch die ungeheuerlichen sozialen Lasten, die durch die beabsichtigte Umwandlung der Erwerbslosenfürsorge in eine Arbeitslosenversicherung sogar noch erheblich vermehrt werden, seien mit der gegenwärtigen Lage der Wirtschaft keineswegs vereinbar. Aber selbst durch diesen katastrophalen Niedergang der deutschen Wirtschaft ließen sich die verantwortlichen Parlamente in Reich, Ländern und Gemeinden durchaus nicht belehren. Industrie und Handel roür» den sich deshalb gezwungen sehen, gleich der Landwirtschaft sich gegen bie schweren Hindernisse, die ihnen durch die völlig verfehlte Gesetzgebung auf steuer-, sozial-, Handels- und verkehrspolitischem Gebiete in nicht mehr zu verstehender Weise bereitet würden, kräftig zur Wehr zu setzen. Freilich sei nicht viel Hilfe von dieser Seite zu erwarten: im Gegenteil, man müsse 3- B. in Hessen mit weiteren Belastungen rech- nen, wie die Verhandlungen im Hessischen Landtage zur Genüge beweisen. Die Wirtschaft müsse daher zur Selbsthilfe übergehen, die darin zu bestehen habe, daß der gesamte Produkttonsprozeß vereinfacht und verbilligt werde. Als Mittel zu diesem Ziele werden bezeichnet: kleinste Läger, möglichst niedrige Käufe, schärfste Prüfung aller Unkosten und kurzes Zahlungsziel, denn bekannttich werden durch Gewährung längerer Zahlungsfristen die Waren nur verteuert. Leider fei jedoch in Industrie und Handel die so dringend notwendige Einigkeit zu einer solchen Selbsthilfe nicht vorhanden. Aber auch diese Selbsthilfe allein kann nicht zum Ziele führen, wenn nicht das deutsche Volk in seiner Gesamtheit Vernunft annimmt und zur Einfachheit und Sparsamkeit zurücktehri. Wie Has stolze Preußen sich nach Jahren schwerster Demütigung und Verarmung wieder zur führenden Stellung durchgehungert habe, so müsse heute die gesamte deutsche Nation diesem großen Vorbilde folgen; dabei sollten die führenden Gesellschaftskreise mit gutem Beispiele vorangehen. Denn fein Stand und feine Volksschicht dürfe heute für sich den Anspruch erheben, seine Lebenshaltung genau ,o wie vor dem Kriege zu gestalten, dazu sei das deutsche Volk in feiner Gesamtheit viel zu arm. und elend geworden." Rätsel-Ecke. Silbenrätsel. Aus den Silben: a — a — bee den ben — dek — boh — du — e — ein — eis — erb — fel — go —- gcl — gras - grau — griph — t — im — fer — ko — le — li — lin— lo — long — loto — ma — mo — mor — nenz - - per — re — rc — rich sal - sche schwal — schwänz — send — sy - ta --- tau — tha — ti — tut — woll zin sind 19 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Zitat ergeben. 1. Flugzeug, 2. Brettspiel, 3. Rätselart, 4. Säugetier, 5. Gattenfrucht, 6. Brennstoff. 7. Zahl, 8. Vogel, 9. Frechheit, 10. Farbe. 11. Wasserpflanze, 12. Männername, 13. Klassiker. 14. Muse, 15. Badevorrichtungi, 16. ©ott, 17. Schmetterling, 18. tropischer Daum, 19. Erz. Besnchskartcnrätsel. Irene Nattng Woher kommt diese Dame? — Die Lösung erhält man durch Umordnung der Buchstaben. dumm ren heit be- merftt und rote» sind lo» stumm! gen oer* ! un» stets ben soll die schöp» nur prei» ich will des daß chen die dach-! sen- denn schen to» sind ! nein ich weit j der» hla- gc vol» in ler meist gen ja ich soll fer frem»| sen la- selbst gin- der Rösselsprung. i daß tem klug ren men-; gc« j rod» : sonst Telegrammrätsel. — ...---Bogel, .---.. Insekt, ..--. — Mondbild, — . — .. — Derdioper, ...---Waldvogel,---...kl. Boot, —. —. —. Flächenmaß. ...---Gesichtsstellung, ..--. Wasserstraße, — — Eisenoxyd. Für die Punkte unb Striche sind Buchstaben zu setzen, so daß Wörter von genannter De^ deutung entstehen. Die auf die Striche entfallenden Buchstaben nennen ein Sprichwort. Kreuzworträtsel. Bon links nach rechts: 1. Stufenleiter, 4. Teil des Baumes, 7. Auszeichnung, 8. Gegenteil von weit, 10. preußischer Staatsmann, 13. Haustier, 15. Naturerscheinung, 16. natürliches Wasserbecken, 17. biblischer Berg im Alten Testament, 19. Verwandter, 21. Teil des Baumes, 24. mit Bäumen bepflanzte Straße, 27. poetische Form für Adler, 28. Tafelfisch, 29. geographische Bezeichnung. 30. Romantiker, 32. asiatische Rinderart, 33. geographische Bezeichnung, 34 Hülsenfrucht. 35. Fluß in Schleswig-Holstein, Von oben nach unten: 1. .Unsanfte Berührung, 2. Anteilschein, 3. klösterliches Stift, 4. Ortsveränderung, 5. Nebenfluß der Donau, 6. Haustier, 9. Teil des Hafens, 11. Fruchtkörper. 12. seemännischer Ausdruck, 14. Angehöriger eines europäischen Volksstammes, 16. Trophäe der Indianer, 18. Bergwiese, 20. Fluß in Afrika, 21. Nebenfluß der Elbe. 22. Oberflächenformation, 23. Postwertzeichen, 24. weiblicher Vorname, 25. griechische Göttin, 26. Baum, 30. Tierleiche, 31. Monatsname. Auslösungen. Kreuzscharade. an bau berg auf Anbau — Bergbau — Berg auf, Berg ab! — Anna berg — Abbau — Aufbau. Dersehratfel. Jonathan, Edmund, Damast, Elfriede, Retorte, Krawatte, Rostock, Ärger, Mostrich,' Emphase, Rimesse, Lausitz, Orchester, Belfort, Turniere. Schwester, Emmaus, Irrlehre, Neumond. Erbstück, Warschau, Adorf, Rotfeder, Eisbär. — Ieder Krämer lobt feine Ware. Silbenrätsel. 1. Odol, 2. Begonie, 3. Eigelb, 4. Robbe, 5. Hanau, 6. Oesterreich, 7. Forum, 8. Kalium, 9. Ramsau. — Oberhof, Krummhuebel, Geographisches Zahlenrätsel. Merseburg — Meersburg. Kreuzworträtsel. EJQ3B 3*330 Q B00 0Q0 Q Bö RBCSBH 0?1 EBB BE0 QQI3 QÖQQ Q 33QB BHB BBQ S0F3Q Q Q3QQ ana ma rasra 30 C3BBBQ B3 3 QQQ BBG3 Q I QBBQ BSBG Magische Zahl. 142 857 X 2 = 285 714 X 3 = 428 571 X 4 = 571 428 X 5 = 714 285 X 6 = 857 1 42. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisK. Sttleinhelt. Max Bumster, Direktor und Hauptgesellschafter der „Isis und Osiris G. m. b. H., Fabrik feinster ägyptischer Zigaretten" hatte sich ein Schmuckstück für fein Privatbureau Angelegt: eine Sphinx, — nicht besonders groß natürlich, aber für ein Zimmer immerhin etwas zu ansehnlich. Klumpig war sie neben seinem Schreibtisch aufgebaut. Bumster strahlte. „Nach so ’nem Ding hab' ich schon lang’ gesucht. Paßt das nicht famos zu „Isis und Osiris"? Ist es nicht prachtvoll?" „Schön, sehr schön, Herr Bumster. Aber echt ägyptisch ist es wohl doch nicht?" „Nu, die Zigaretten doch auch nicht." Metamorphose. Wütender Kunde: „Sehen Sie sich mal das an!" Angestellter in einer Dampfwäscherei: „Nun ja, die Spitze ist doch sehr schön geworden!" Kunde: „Spitze nennen Sie das? Das war mal ein Laken!" Diese programmatischen Ausführungen wurden von der Versammlung mit lebhaftestem Beifall ausgenommen und dem Vorsitzenden dafür allseitig warmer Dank gezollt. Der seitherige Vorstand, bestehend aus den Herren Kommerzienrat Schirmer als Vorsitzender, Kommerzienräten Grünewald und Kling- s p o r als stellvertretende Vorsitzende und C. Röhr als Rechner wird durch Zuruf einstimmig wieder- gewählt. Der im Entwurf vorgelegte Voranschlag für das Rechnungsjahr 1926 wird genehmigt: ebenso findet der Geschäftsbericht über die Tätigkeit der Kammer seit der letzten Sitzung die Zustimmung der Versammlung. Kirche und Schule. Dorskirchenlagung in (Sieben. Olm Montag, 2 4. (Januar, und Dienstag, 2 5. 3 a n u a r, veranstaltete die Dorfkirchenvereinigung wissenschaftliche Tagungen zu Gießen und Alsfeld, und zwar Montag in Gießen im Gemeindesaale der Matthäus-Gemeinde, Dienstag in Alsfeld im Saal „der Erholung". Die Tagungen beginnen mit dem Vortrag von Pastor D. theot. v. Lüp ke- Göttingen: »Die Einsegnungsfrage und die kirchliche Sitte". Nachmittags spricht Pfarrer Mahr-Gießen über: „Die Verschulung der Religion und die D o r f- kirch e". Die Tagung ist im Gegensatz zur Dorstirchenvorstehertagung in Großen- Linden eine Tagung, die sich an Geistliche, Lehrer, Freunde ländlicher Erziehungs- und Kulturarbeit wendet. Es wird viele interessieren, den Begründer der Dorfkirchenbewegung, den trefflichen. Schriftleiter „der Dvrfkirche", Pastor D. von Lüpke leimen zu lernen. Pfarrer Mahr gehört ?,u den ältesten Mitarbeitern der Dorfkirchenbewegung und hat in zahlreichen Artikeln grundsätzlicher und prat'ttscher Art in der Dorfkirche die Sache zu fördern gesucht. * wg. Schotten, 22. Ian. Die erste diesjährige Konferenz der Geistlichen des evangelischen Dekanats Schotten fand dieser Tage hier statt. Sie wurde eröffnet mit Schriftlesung und Gebet durch Pfarrverwalter Naumann - Ober-Seemen. Dekan D o l p - Laubach gab dann die amtlichen Eingänge und Verfügungen bekannt und erstattete Bericht über die am 11. d. M. in Gießen stattgefundene Konferenz der Dekane Oberhessens. Pfarrverwalter Layer- Mittel-Seemen verlas hierauf sein Referat über „Die Behandlung des Vaterunsers im Religionsunterricht". Zum Schluß machte Pfarrer Römer - Schotten, der Leiter des evangelkschen Wohlfahrtsdienstes im Kreise Schotten, noch einige Mitteilungen über Wohlfahrtsfragen und -auf gaben. is. Steinbach, 22. Ian. Aus der kirchliches Statistik unserer Gemeinde ist für 1925 folgendes zu berichten: Der Durchschnitts- besuch eines Gottesdienste betrug 172 Erwachsene und 92 Kinder. Am heiligen Abendmahl nahmen 1407 Personen teil, Eheschließungen wurden 10 vorgenommen. Getauft wurden 22, konfirmiert 31 Kinder. Beerdigungen fanden 10 statt. An Kollekten und Liebesopfer gingen ein 714 Mk. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Der frische Zug, der feit Jahresbeginn an der Börse herrscht, blieb auch in der- vergangenen Woche vorhairden. Diejenigen allerdings, die alaubten. daß numnehr die Dahn für eine geradlinige Haussebewegung bereitet sei, haben sich einer Täuschung hingegeben, und man kann wohl sagen, daß die technische Verfassung der Börse derartige langanhaltende Bewegungen noch auf lange Zeit hinaus nicht zuläht. Getragen wird doch >bte derzeitige Bewegung im wesentlichen von der eifrigen Propagandatätigkeit im Ausland für deutsche Werte. Ob der Erfolg dieser Tätigkeit von längerer Dauer ist, das vermag fein Mensch zu sagen. Sicherlich werden in oen sich hieraus ergebenden Kaufaufträgen Pausen eintreten, und diese Pausen müssen uatur* gemäß abschwächend wirken, da die Spekulation, die früher bei größeren Bewegungen den Haupt- laltor bildete, während das große Publikum Mitläufer war, jetzt weiter nichts ist als Mitläufer, während das Ausland der Hauptfaktor ist. Die Spetulation lebt aber nach wie vor von der Hand in den Mund und neigt stark dazu, ent- fianLene Gewinne schnell zu realisieren. Aus diesen Erwägungen heraus ist der Verlauf der letzten Vörsentage, wo oft innerhalb weniger Minuten Lendenz um schwänge eintraten, zu verstehen. Die Grundtendenz bleibt aber nach wie vor recht zuversichtlich, und wahrend man noch vor kurzem mit ungünstigen Gerüchten operierte, um eine Bewegung zu inszenieren, arbeitet man zur Zeit mit Erfolg mit günstigen Meldungen, die die Tendenz an der Stirn tragen. So hat man es verstanden, einen Bummel in Canada- Aktien zu machen, lediglich aus dem Grunde, weil in Canada eine Partei die Mehrheit erhalten hat, der man eine wohlvollendete Haltung gegenüber der Freigabefrage zuspricht. Auch scheinen gewisse Kreise bereits den Moment für gekommen zu halten, um rein spekulative Vorstöße zu machen. Dies dürfte in gewissem Grade bei Aord-Llohd-Aktien der Fall sein. Daß unter diesen Llmständen auch übertriebene Dividendengerüchte einzelner Gesellschaften eine Rolle spielen bedarf kaum der Erwähnung. So darf man gegenüber der Dividendenschätzung für Harpener doch wohl allergrößte Vorsicht anraten. Es erscheint sehr zweifelhaft, ob ein reines Kohlenwerk, wie die Harpener Gesellschaft es ist, bei dem notorischen Verlustgeschäft in Kohle am Rebenprodukt so viel herausgewirtschaftet hat, daß nicht nur dieser Verlust gedeckt, sondern auch noch darüber hinaus ein ausschüttbarer Gewinn erzielt ist. Die Flüssigkeit des Geldmarkts bleibt in unverminderter Kraft bestehen, und man wird damit rechnen dürfen, daß schließlich doch ein Teil des flüssigen Kapitals in Ermangelung kurzfristiger Verwendung dem langfristigen Markte zugeführt wird. Es ist jedenfalls eine außerordentlich bedauerliche Erscheinung, daß bei der notorischen Kapitalnot in Deutschland kurzfristige Gelder, da sie in Deutschland keine Verwendung finden, im Ausland Unterkunft suchen. Obwohl im Laufe der Woche am Privatdiskont- markt zweimal Ermäßigungen des Zinssatzes statt- gesunden haben, sind auch zu diesem ermäßigten Zinsfüße kaum Privatdiskonten erhältlich. Besonders charakteristisch für die Geldmarktlage ist, daß heute bankgirierte Warenwechsel mit I Proz. gesucht sind, während sie noch vor wenigen Wochen kaum mit 9 Proz. untergebracht werden konnten. Die Ermäßigung des Reichsbankdiskonts hat bisher nicht die vielfach gefürchtete Folge einer stärkeren Anspannung der Reichsbank gehabt. 3m Gegenteil, der letzte Ausweis zeigt Rückflüsse in recht erheblichem Maße. Bedauerlich ist, daß die Reichsbank sich nicht entschlossen hat, die Spanne zwischen Diskontsatz und Lom- bardzinsfuh aus das frühere Maß von 1 Proz. herabzusetzen. Sollte sie sich vielleicht bei dieser Hinterlassung von Rücksichten auf die Privatbanken, für die bekanntlich der Lombardzinsfuß der Maßstab für die Kontokorrentkredite ist, haben leiten lassen? * * Interessengemeinschaft Farbe n-industrie A.G., Frankfurt a. M. Die an der Interessengemeinschaft Farbenindustrie A. G. Frankfurt a. M. beteiligten Danken beantragen die Zulassung von 465,60 Mill. Rin. neuer Stammaktien der Interessengemeinschaft Farben- industrie A. G. in Frankfurt a. M. zur Frankfurter Börse. * Fried. Krupp A.G., Essen. Wie der DHD. von Verwaltungsseite erfährt, sieht sich die Firma Krupp gezwungen, in den Lokomotiv- und Waggonbauabteilungen sowie Last- und Krastwagenbau ca. 1000 Arbeiter und 200 Angestellte zu entlassen, so daß die Belegschaft dieser Abteilungen nur noch ca. 300 bis 400 Mann beträgt. Bekanntlich ist auf der anderen Seite die Abteilung für Maschinenbau besonders für größere Maschinen sehr befriedigend beschäftigt. * Das Ende der Deutschen Werke A. G. Der A.-R. der Deutschen Werke A. G. hat in einer dieser Tage stattgefundenen Sitzung ein Angebot der Viag angenommen, das gesamte Vermögen der Deutschen Werke QI. <3. mit allen Rechten und Verbindlichkeiten zu übernehmen und der Deutsche Weicke A.G. nach Ablauf des Sperrjahres diejenigen Mittel zur Verfügung zu stellen, die zur Einlösung der ausstehenden Aktien der Gesellschaft zu pari notwendig sind. Bekanntlich hat die Gesellschaft ihre Produktionsstätten durchweg in eigene örtliche Unternehmungen umgewandelt, so daß sie nicht mehr als eine Holding-Gesellschaft geblieben wäre, und das auch nur bis zur Liquidation, die sich über einige Jahre hingezogen hätte. Der Abschluß für 1924/25, der gleichseitig vorgelegt wird, ergibt einen Reingewinn von 469 405 Rm., der vorgetragen wird Frankfurter Börse. (Eigener Drahtberich! des „(Siebener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 23. Ian. Tendenz: Anentschieden, später erneut fest. — Rach der gestrigen scharfen Aufwärtsbewegung eröffnete die Börse bei Wochenschluß in unsicherer Stimmung bei uneinheitlicher Kursgestaltung. Es kam zu einem allgemeinen Spitzenausgleich. Weitere namhafte Kurssteigerungen wurden auf keinem Gebiete erzielt. Auch die Umsatz tätigtest hielt sich zunächst bei großer Zurückhaltung in engen Grenzen. Gegenüber den gestrigen Abendkursen betrugen die Veränderungen am Montan markt, soweit die Kurse nicht behauptet lagen, 0,25 bis 0,50 Proz. Von Kaliaktien schwächten sich Aschersleben um 1 Proz. ab, Westeregeln minus 0,5. Chemiewerte hielten sich im allgemeinen auf dem gestrigen Stande, nur Holzverkohlung, die im Kurse etwas zurückgeblieben waren, hatten eine Steigerung »wn 0,75 Proz. aufzuweisen. Die Kurse des Elektrvmarktes blieben zumeist gehalten. Clektr. Lieferungen plus 2 Proz., Licht und Kraft minus 2,5 Prozent. Der Dankenmarkt lag ruhig und kaum verändert, nur Reichsbankanteile erlitten eine Einbuße von 1,75 Prozent. Für Schiffahrtswerte zeigte sich nur geringes Interesse, die Kurse lagen etwas unter ihrem gestrigen Stande. A u t o a k t i e n waren leicht gebessert. Zellstoffaktien behauptet. Bau- st o f s a k t i e n angeboten und niedriger, besonders Heidelberger Zement. Auch Zuckeraktien zeigten eine rückläufige Tendenz. Die Werte des Einheitsmarktes lagen unregelmäßig, doch waren auch hier nur unwesentliche Veränderungen zu verzeichnen. Der heimische Anleihemarkt wies keine Veränderungen auf. Von Auslandrenten blieben Ungarn gefragt und wurden höher, Türken lagen ruhig aber fest. Der Freiverkehr bot das übliche stille Bild. Api 0,4, Beckerstahl 44,5 Prozent, Beckerkohle 49 Prozent, Venz 32 Prozent, Drown-Boveri 55 Prozent. Entreprise 10,5, Gro- wag 48 Proz., Krügershall 84 Droz.. Ufa 52 Proz. Afra 58 Proz. Im Verlaufe" trat größeres Interesse für die führenden Werte des Montan- und Elektromarktes hervor. Besonders gesucht waren Harpener. Phönix und Rheinstahl, ferner A. E. G., Schuckert. Elektr. Lieferungen usw. Auch für Schiffahrtswerte wurde die Rach- fragc etwas lebhafter, und das Geschäft nahm wieder einen größeren Aufschwung. Die Kurse zogen um 1 bis 2 Proz. an. Da hiervon auch die anderen Märkte günstig beeinflußt wurden, konnte die Börse in fester Haltung schließen. Der Geldmarkt ist weiter leicht. Tägliches Geld war bei 6 Proz. kaum gefragt, Monatsgeld zu 7 bis 7l/2 Proz. für erste Adressen angeboten, für zweite Adressen 9 bis 9'/z Proz. Jibustrie-Akzepte 7'/r Proz. Bankdiskonten 6‘/< Proz. Der Devis enverkehr zeigte keine Veränderungen. London notierte gegen Kabel fest mit 4,861/4. Paris gegen London horte man mit 129,86. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,2006. Börsenkurse. . Berlin Frankfurt a.M. 5% Deutsche Reichsanletbe 4% Deutsche Reichsanlcihe . Bl/«% Deutsche Reichsanlcihe 3% Deutsche Reichsanlcihe - Deutsche Cvarpramienanicihe 4% Preußische Ronsolö . . . 4° o Hessen .... . . .. 3Wn Hessen.......... 3% Hessen Deutsche Werth. Dollar-Anl. dto. Doll.-'Schatz-Anlreifng.') *°/o Boatürtcn........ 5% Goldmcrikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft • Commerz- und Pnvat-Bank Darmst. und Naiionalbank ■ Deutsche Bank......... Deutsche Beretnödank .... Disconto Comnumdil .. . Metallbank.......... Mitteldeutsche Kreditbank. • Oesterreichische Creditanstalt. Weltbank . ....... Bochumer Gllß » . BuderuS • ■ . ...... Taro ............ Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. Harpener Bergbau ..... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte • • . Oberbedarf. ........ Phönix Bergbau ...... Rheiuftahl Riebe,k Montan ....... Tellus Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Paket. . , Norddeutscher Llovd . . . Eheramische Werte AlbM . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cout-Guan o Chemische Mayer Alapin . . I. G- Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütgerswerke ... Scheidcanstalt Alla. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann . . ...... Mainkrailwerke ...... Schuckert . Siemens & Halske ..... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren..... . HeyligeuKaedt ...... '"ieauin..... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgcscllchost Frankfurt - Pct. Union A--G Schuhlabrik Herz . . Sichel • . ....... Zellstoff Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . Sdjluj» Kurs bUfct- Kur« ^chiub-IÄniang Kur» 1 'hi-'. Datum: 22.1 23 I. 22.1 | 23 V 0,23j 0.235 0,2375 0,2575 0,235 0 235 — ü 25 0 25 0,353 — 0,2375 0 13 — 0.13 — 0,24 — ü 25 — 0,24 — — —> 0.24 — 0,25 — — — 0,235 90.25 — 91 5 —- 98,55 — 98,8 —- 9,12 9 2 — 41,75 41 5 — 142,7* — 1'4* 143.5* 101* — 102* 102* 116,5* — 116,5* 117* 117 2* 116,5* 111* 60 — — — 113 4- —— 112 7* 112,5* 85.5 9 — — -16* 96* 98,5’ 96* 6.62 6.5 6,62 6.62 0 032 0 032 — — 84,5* 81,5* 39 39.25 .33.9 — 43,5* — 41.5* 42* 87,76* 87,5' 85 5* 83 5* 92* — 92 25* 92.1° 111 2* 112.2* 111,7* 1122* 121 120 117.5. 1 9* 112,7* 122 25 119 123,5 34.5 — 84.5 87 47* — 46.5* 47.5 76,62* !6.25» 76* 71,75* 69..5 • 69,5* 68 69* 825 — 82 0 ) — —- — 113 7* 113,1’ 11.3* 113 7» 122,5* — 123,2* 123,5* — — — 73.25 — — — 56 — 57.5 — — 79 87,5 —— — 126 123.2* 126.2* 127* 65 — 64,75 65 55 — 72 72,5 _ 86 — — 99,12» 99 6* 98* 1 0» 85* (5* 85 86* .8 — —— 80,5 80* 78 25’ 74.5* 86,5* 9’i,5* 90.5* 97,75* 3 .25 32 30.25 — 82.5 — 33 25 — 16,5 — E. 30 — 30 —e — — 25 —• 22 — — — — — 96.5 97 — — 55 55 54 20 5 29 5 18.5 3,25 3 2.25 —— 82 92,5 92 5 — 57 75 57 — — 48 47,25 —- —- Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Tel egraphifche Auszahlung. Banknoten. 22 Jan. 23. Jan. Amtliche Noti rung Amtliche Notierung Meld Brief Geld Brief '2imit.«yton 168.54 168,1)6 168,51 168,93 Buen.-Aircs 1,735 1,740 1,735 1.739 Brss.-Antw 19 06 19,1 > 19,06 19.10 Chrissiania. 85,29 85,51 85,34 85,56 Kopenhagen 103.97 104,23 103,8? 104,13 Stockholm 112,24 112,54 112,20 112,48 Helssngfors 10,545 10.585 10,54,1 10,585 Statten. . 16 93 16,97 16 935 16,975 London. . 20.397 20,446 20,395 20,447 Neuyork . . 4.195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . 15 695 15.735 15,695» 15,735 Schweiz . . 81 03 81,20 80.99 81,19 Spanien. 59.35 59,49 59,40 59,54 1,8.5 Japan . . . 1.882 1,886 < ,87t 'Hio de Jan Wien in D-- 0 633 1.635 0,632 0.634 Oest. abgest 59,06 59,2 > 12,456 59,05 69,19 Prag ... 12.416 12.416 12,456 Belgrad . . 7,42 7,44 7,42 7,44 Budapest. . Bulgarien 5.873 i,893 5,87 3.89 2,885 2,8'5 2.905 2,915 Lissabon 21 225 21,275 21,225 21,275 Danzig. . 80 88 81,08 60.89 81.09 Konstantin. 2,213 2,22. 2,215 2,225 Alben 5 79 5.81 4,198 5.74 576 Canada. . . 4 188 4.188 4,198 Uruguay 4,325 4.335 4,325 4,335 Berlin, 52 Jan Geld Brief Amerikanische Note» ..... 4.117 4.217 Belgische Noten ....... 19 00 19 10 Dänische Noren ....... 103,14 101,26 Englische Noten........ 20,357 20,457 Französische Noten ...... 15,78 L» 86 Holländische Noten ...... 168,22 169.0'i Italienische Noten...... 16 94 17,02 Norwegische Noten . ... 85,09 85 51 Deutsch-^esterr., a 100 Kronen 58.97 59,27 Rumänische Noten...... — Schwedische Noten..... 111.97 112.53 Schweizer Noten....... SO,955 81 35 i Spanische Noten ....... 59,15 59 45 Tschechoslowakische Noten . . 12.398 12,458 Ungarische Noten ...... 5.83 5.87 _ Berliner Börse. /Eigener Drahtberichi des .,Gießener Anzeigers".) Berlin, 23. Jan. Die gestrige Abend-Hausse in Frankfurt und der sehr feste Verlauf des heutigen Frühgeschäftes ließen für den amtlichen Mittagsver- tehr umfangreiche neue Kurssteigerungen erwarten. Der Beginn war in dieser Einsicht jedoch eine Enttäuschung, wahrscheinlich deshalb, weil durch den um eine Stunde früheren Beginn des Samstagsverkehrs die Kundenorders noch nicht vorlagen. Infolgedessen lagen die beiden augenblicklich führenden Gebiete, der Montan- und Elektromarkt, gegenüber dem Bortagsnioeau anfangs zwar behauptet, nicht aber wesentlich höher. Nur AEG., Siemens und einige weitere Elektropapiere eröffneten 1 bis 2 Proz. höher, trotzdem aber unter den heute früh erreichten Sätzen. Die Grundstimmung war jedoch durchaus fest, und man erwartet für den weiteren Verlauf noch größere Schwankungen. Lebhafte Umsatztätigkeit entwickelt sich nach Festsetzung der ersten Kurse in einzelnen Schiffahrtswerten, namentlich in Hansa-Dampfschiffahrt. Es werden von der Börse noch weitere Transaktionen im deutschen Reedereigewerbe erwartet. Ferner wurden ausländische Renten und Pfandbriefe reger umgesetzt. Tägliches Geld 6 bis 8 Prozent. Monatsgeld 8| bis Prozent. Der Devisenverkehr war sehr still, nennenswerte Veränderungen lagen nicht vor. Berliner Produktenbörse. Berlin, 22. Ian. Trotz flauer Preismeldungen aus dem Ausland zeigte Beginn des amtlichen Miltagsverkehrs der Berliner Produktenhandel ziemliche Widerstandsfähigkeit. Die Nachfrage seitens der Exporteure wie auch der Mühlen stand hier nur in geringem Umfange dem Markte gegenüber, da das um eine Mark ermäßigte Angebot schwer Deckung finden konnte. Im Lieferungsgeschäft war nur Märzweizen bei Beginn unverändert, während Mailieferung um eine Mark zurückging. Roggen per März eine Mark schwächer. Mailieserung stellt sich auf 1351/2. Hafer unverändert, Gerste hatte kaum Umsätze zu verzeichnen, Futterartikel lagen ohne wesentliche Veränderung. Es notierten für je 1030 Kilo: Weizen, märk. 244 bis 250, do. Pommern 244 bis 250, do. März 266, do. Mai 272, Roggen, märk. 144 bis 151, do. Pommern 144 bis 151, do. März 174, do. Mai 186,5 bis 186, Gerste, märk. 178 bis 205, Futtergerste 145 . bis 163, Hafer, märk. 159 bis 170, do. März 182,5, do. Mai 180, Raps 340 bis 345; für je 100 Kilo: Weizenmehl 32,5 bis 36, Roggenmehl 22 bis 24, Weizenkleie 11,25 bis 11,5, Roggenkleie 9,75 bis 10,25, Viktoriaerbsen 26 bis 36, kleine Speise- erbfen 22 bis 25, Futtererbsen 20 bis 22, Peluschken 20 bis 21, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 21 bis 23, Lupinen, blau 12 bis 12,5, do. gelb 14 bis 15, Serradelle 18,5 bis 19,5, Rapskuchen 15,25, Leinkuchen 23,5 bis 23,6, Trockenfchnitzel 8 bis 8,10, Torfmelasse 8.2 bis 8,5, Kartoffelflocken 14,7 bis 15,2, Soya-Schrot 20,2 bis 20,3. Buntes Allerlei. Der Riesenmagen der Menschheit Ueber die ungeheuren Mengen, die die Menschheit in einem Jahre verzehrt, plaudert Dr. Emil Carchaus in einem Aufsatz in Rr. 16 des „Daheim". Man sieht sich die Bilder an und ist erschüttert: die Cheopspyramide mit ihrer Höhe von 148 Mir. verschwindet gegen die 678 Mtr. hohe Kartoffelpyramide, die den Iahresweltverbrauch darstellt; aus dem jährlich verbrauchten Zucker läßt sich eine Säule aufbauen. die zehnmal höher ist als der Eiffelturm, schüttete man die jährliche Weizenernte auf einen Haufen, so liehen sich etwa 100 Peters- kirchen in ihm begraben, rund ebensoviel Kölner Dome bedeckt die Mais-, ebensoviel Reichstagsgebäude die Reisernte. Wir ziehen noch einige Zahlen aus dem Aufsatz heran. Jährlicher Reisverbrauch 80 bis 95 Millionen Tonnen, Weizenverbrauch 106 Millionen Tonnen, Maisverbrauch 105 Millionen Tonnen, Roggen nur 47 Millionen Tonnen, Kartoffeln 150 Millionen Tonnen, Zucker 24,5 Mittionen Tonnen. Beim Vieh ist der Verbrauch schwer festzustellen. Von rund 550 Mittionen Weltbestand an Schweinen werden etwa 180 Mittionen jährlich geschlachtet, 450 Mittionen Stück Rindvieh und 550 Millionen Schafe gibt es auf der Erdkugel. Lieber Geflügel läßt sich nur sagen, daß 1912 in Deutschland allein 80 Millionen Stück Federvieh gezüchtet wurden. Zu diesen Mengen kommt noch der Verbrauch an Obst (Deutschland allein hat 170 Mittionen tragende Obstbäume), Wild, Fischen usw. — Es ist kaum glaublich, welche Massen den Riesenmagen der Menschheit passieren. Große Helrumfunde in Kanada. Helium, das leichteste und seltenste aller Gase, hat in neuester Zeit verschiedene praktische Verwendungen gesunden, besonders zur Füllung von Luftballons. Während bisher dieses Gas in großen Mengen fast nur in den Vereinigten Staaten gefunden wurde, ist jetzt ein bedeutendes Heliumvorkommen zu Jnglewood, wenige Kilometer von Toronto entfernt, in Kanada entdeckt worden. Im Jahre 1917 gab es nur 200 Kubikfuh Helium auf der ganzen Welt, und der Kubikfuß war 1500 Dollar wert. Jetzt ist der Wert von 1000 Kubikfuß etwa 70 Dollar; aber auch bei diesem Preise sind die neuen Heliumfunde sehr gewinnbringend, denn die Quellen von Jnglewood werden mindestens 100 000 Ku- bikfuß im Jahre liefern. Was ist Sago? Viele wissen keine Antwort darauf. Sago besteht ebenso wie das Getreidemehl aus Stärke, also aus mikroskopisch kleinen Körnchen eines Kohlehydrats (aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff), und ist wie jenes ein vorzügliches Nahrungsmittel. Wie alle Stärke stammt auch der Sago aus Pflanzen, aber nicht wie das Mehl, Gries, Graupen usw. aus den Körnerfrüchten der Getreidearten, sondern aus Palmen, und zwar aus den Zetten des Marks der Stämme, die also zur Gewinnung geopfert werden müssen. Dasselbe wird dabei zerrieben (ähnlich wie die Kartoffeln, um Kartoffelstärke zu erhalten) und mit Wasser geschlemmt. Die Stärke setzt sich dann als feines Pulver ab. Ist die Massehalb trocken, so läßt man sie durch ein Sieb auf eine heiße Melallplatte fallen. Dadurch entstehen Körner, die oberflächlich verkleistert sind. In dieser Form, die also eine künstt.che ist, kommen sie in den Handel. Demgegenüber sind sie ähnlich den Reiskörnern, den nattirlich gewachsenen Fruchtkörnern der Reispslanze. Der echte Sago stammt von der Sagopalme Ostindiens und der Molukken. Dort bilden Kuchen aus Sago die Hauptnahrung des ärmeren Volkes. Ein Daum soll 5 Zentner Sago liefern. Schon Marco Polo brachte den Sago nach Venedig; aber in Deutschland kennt man ihn erst seit 1744. Richt so gut ist der Sago des Palmfarns (Cycas). jener unseren Radelhölzern näher stehenden Pfanze Ostasiens, deren Wedel bei uns als Zeichen der Trauer Särge und Tvtenkränze schmücken. Spielkarten-Moden. Überall auf der Welt gibt es heutzutage Spielkarten, und das Kartenspiel hat sich im Lause weniger Jahrhunderte eine immer größere Beliebtheit errungen. Trotzdem ist dieses Spiel, mit anderen LInterhaltungen der Menschheit verglichen, verhältnismäßig jung. Zwar sotten die Chinesen schon 1120 v. Ehr. Spielkarten gehabt haben, und die Chroniken erzählen von einem Kaiser, der das Kartenspiel erfand, um die Damen seines Hofes, die sich langwettten, zu unterhalten. Aber wie so viele chinesische Rachrichten aus grauer Vergangenheit steht auch diese auf schwachen Füßen. Das älteste Spiel Karten das sich noch erhalten hat. soll sich im Museum der Londoner Asiatischen Gesellschaft befinden, es wird behauptet, daß diese Karten 1000 Jahre alt seien, aber der neueste Historiker des Kartenspiels. A. Proctor, meint, sie seien sehr viel jüngeren Datums. Jedenfalls hat das Altertum, soweit uns bekannt ist, keine Karten gekannt, und auch in Europa dürften sie bis ins 14. Jahrhundert nicht in Brauch gewesen sein, denn Petrarca erwähnt sie nicht in seinem Dialog über die Spiele, in dem er doch sonst alle damals üblichen, Formen der Unterhaltung aufführt. Die erste authentische Erwähnung der Spielkarten in Europa findet fick in Frankreich im Jahre 1392. Unter den Rechnungen von Charbot Poupart, dem Schatzmeister Karls VL, sindet sich eine Eintragung über eine Bezahlung für die Bemalung von Spielkarten. Damals müffen also die Karten schon erfunden gewesen sein, und man kann danach diese Erfindung in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts setzen. Die Herstellung der Karten war damals sehr kostspielig, und erst als mit dem Holzschnitt und der Radierung brauchbare Reproduktionsverfahren auftraten, bürgerten sich auch die Kartenspiele mehr ein. Wir besitzen herrliche Beispiele für die künstlerische Ausstattung der Spielkarten in den frühesten Erzeugnissen der deutschen Graphik. Die Zahl der Karten, die zu einem Spiel gehören, hat im Laufe der Jahrhunderte gewechselt; erst waren es 21 Stück, dann wurden 78 Karten für ein Spiel verlangt. Zuerst waren König, Königin, Ritter und Diener unter den Figuren vertreten; dann verschwand der Ritter, und aus dem Diener wurde der Bube. Der gereizte Hungerkünstler. Ein neuer „Sport", der den Vorzug hat. keine großen Unkosten zu verursachen, scheint in Frankreich populär zu werden. Seit einiger Zeit treten in verschiedenen Teilen des Landes Hungerkünstler auf, die den Ehrgeiz haben, einen neuen Hungerrekord aufzustellen. In einer lothringischen Ortschaft soll vor kurzem ein junger Mensch 28 Tage lang hungergekün- stelt haben. Diese Leistung hat einen anderen Künstler in Paris, namens Volly, nicht schlafen lassen. Er lieh sich in der Empfangshalle einer Pariser Zeitung in einen Glaskäfig einsperren. der unter feierlichen Zeremonien versiegelt wurde, und in dem Volly sich seit 11 Tagen und 11 Rächten mit Hungern beschäftigte. Gegen ein Eintrittsgeld von einem Franken konnte man den Hungeickünstler bei seiner Tätigkeit beobachten. Das Geschäft ging glänzend; Tag und Rächt strömte das „kunstbegeisterte" Publikum an dem gläsernen Käfig vorüber und bewunderte Volly, der in Frack und weißer Binde auf seinem Sofa lag. Seiber soll es dabei nicht an schlechten Schmerzen gefehlt haben, und besonders in den Nachtstunden machten sich herzlose Besucher ein Vergnügen daraus, vor den Augen des Hungerkünstlers riesige Schinkenbröte zu verzehren. So wurde Volly allmählich nervös, bekam plötzlich einen Wutanfgll und zertrümmerte mit ein paar Fußtritten den ganzen Glaskäfig. Der Künstler wurde schleunigst ins Krankenhaus gebracht, wo er sich unter dem Einfluß vorsichtiger Ernährung bald wieder erholte. Den Hungerrekord hatte er nicht gebrochen; aber wenn auch sein künstlerischer Ehrgeiz unerfüllt bleibt, so haben ihm die 11 Tage Qualen doch immerhin 40 000 Franken Eintrittsgeld eingebracht ,die er nun dazu verwenden kann, sich von feinem Hunger zu erholen. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonntag, 24. Januar. 8.30 bis 9.30 Uhr: Morgenfeier veranstaltet vorn Wartburgverein Frankfurt a. M. 12 bis 1 Uhr: Mittagsständchen des Hausorchesters. 4 bis 5 Uhr: Die Stunde der Jugend. 5 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert, veranstaltet von dem Zithervirtuosen Wilhelm Zorbach. 6 bis 7 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Klang der Landschaft in gesprochener Dichtung", Vortrag mit vortragstttnstle- rischen Demonstrationen von Friedrich Karl Roe- demeyer, Lektor an der Universität. 7 bis 7.30 Uhr: Große Erzieher: Aus den Werken von Lohe. 2. Vortrag. 8.30 bis 9.30 Uhr: Aus neuerer französischer Dichtung. 9.30 bis 10.30 Uhr: Übertragung von Kassel: Unterhaltungsmusik. Anschließend bis 12 Uhr: Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Montag, 25. Januar. ' 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Schlagcr-Revue. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr: „Theater — Film — Funk", ein Vortragszyklus von Dr. Martin Ku- nath: erster Vortrag. 7 bis 7.30 Uhr: Funkhochschule Frankfurt (Abt. Völkerkunde): „Die Grundlagen der chinesischen Kultur III“, Vortrag von Prof. Wilhelm. 7.30 Uhr: Übertragung aus dem großen Saal des Saalbaues: Siebentes Montags- konzert des Frankfurter Orchestervereins.________ Sonntagsdienst d.Aerzte «.Apotheken am24.1.26 Pros. Dr. Honigmann. Dr W. Klein. Hirschapotheke. ___________Zahnarzt: Dr Kockerbeck_________ Ncuaportolrfcbe «Gemeinde, Ederstraße 13. (tzottcsdrculle: Sonntag nachm. 3l/2, abdS. 8VS U6r, Mittwoch abb.8Ubr. - Gäste herzt, willkommen. GlD MerZSMiMN Wmf summen die 166000 Gewinne und 2 Prämien, die tn der Hauvt und Sckllukklasse der 2G./252. Preukisch-Lüd- deutschen Klassenlottc ie zur Ausspielung kommen. Das ufelbegcbrte „Große LoS" beträgt 500 000 N Äk. und bei seinem Zusammenfall mtt Der Prämie von 500000NM. entsteht der größte Gewinn im günstigsten Falle von 1 'Million NM., der sogar auf 2 Millionen NM. anwachsen kann, wenn der Zufall eS fügen sollte, daß der glückliche Gewinner die tn Betracht kommende 'Nummer in den beiden Abteilungen H und 11) spielt. Außer dem Großen Los von 2 X 500000 NM. werden u. a. noch ausgespielt 2 X 300000 NM., 2 X 200000 NM., 2X100000 NM., ferner an Mittelgeminnen, die bekanntlich sehr beliebt sind, 120 X 5000 NM., 350x8000 NM., 600 X 2000 NM., 1250 x 1000 RM. In Verbindung damit wird darauf hingewiesen, dan die Lottertegewtnne nach dem neuesten Neichseinkommensteuergesetz frei von der Einkommensteuer sind. Nur wer das Los 5. Klasse besitzt und vor Beginn der Ziehung bezahlt hat, hat nach den be* stehenden Bestimmungen tat ( wwmnsalle Anspruch ans den Gewinn, yiiemanb versäume eß daher, fein Los zu der großen Haupt- und Schlußziehung rechtzeitig zu erneuern oder zn bezahlen. Die Erneuerungsfrist läuft am Mittwoch, dem 27. Januar, abends 6 Uhr, ab Die Ziehung beginnt an, 3. Februar und endigt am 27. Februar. Tie Gewinnlisten erscheinen et nm am 12. März. 182id Geschäftsempfehlung Der verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend zur Kenntnisnahme, daß ich von heute ab mein Beerdigungsinstitut durch ein Leichen-Transportauto erweitert habe. Alle Aufträge nach hier und auswärts werden prompt und billig ausgeführt. 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