Nr. 299 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 22. Dezember 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Sronffnrtam mahne«. Vrvck vnd Verlag: vrühl'sche Univerfilälr-Vuch' und Steinöruderef 8. Lange in Siehrn. Schnflleitung und Seschäftzftelle: §-u!Nrahe 7. Annatzme von Hnze'ge» für die lagtsnummfr bi» zum Nachmillag vorher. Preis tür t mm Höhe für Anzeigen oo.i 27 mm Dreile örtlich 8, auswarl» 10 Reichspiennig, für ‘.Re- klamean^eigen von 70 m Drelle 35 Neichspfennig, Platzoorschnst 20 . mehr. Thefredokteu, Dr Friedr Wilh Lange. Tfranlworihui ur Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr $) Ibpnoi; für den übrigen Teil Ernst Llumschein; für den An« zeigenlei! i. Dem H Deck, iämtlid) in (Bieren Erlchelnt täglich, außer Sonntags und Feierlags Beilagen. Gießener FamtliendlLtler Heimat im Bild Die Scholle Monat,'kezucrxretr: 2 Reichsmark und 20 Relchspfennig für Trägen lohn, auch Lei Nichterscheinen einzelnerRummerM infolge höherer ißeroalt Fernfprechanf chlüffe: 51. 54 und UL Anschrift für Drohtnach» richten Anzeiger Liebe». Der Iustizskandal von Landau. Leutnant Rouzier vom französischen Kriegsgericht freigesprochen. - Schwere Gefängnisstrafen für die deutschen Angeklagten. Die Sabotage von Locarno Sine ungeheuerliche Provokation hat der Ber;eiLl„ec der deutschen Angellag en in Landau, der bekannte Essener Rechtsanwalt Dr. Grimm, den Strafantrag gegen Rouzier genannt. Was nun da« franzufi'.che Kriegsgericht als Urteil erkannt hat, geht weit über alle- Maß hinaus, was man an Fehlgriffen der f ranzös schen Justiz im beseh en Rheinland bisher gewohnt war. ES ist in seiner kras en Beugung deS Rechts, in seiner Verhöhnung al.er st.t.ichen Grundsätze eine Beschimpfung Frankreichs und der sranzösischen Armee, deren Ausgabe es war, ihre Reihen sauber zu halten von Elementen, die. wie Rou- zier sich gegen die Disziplin nicht nur einmal schwer vergangen haben. Die rheinische Bevölkerung hat wohl nach dein ganzen Derlaus d?S Prozesses kaum ntxf> mit Gerechtigkeit vor ben Landauer Gerichlts- schranken flerertact. Aber daß heute nach Locarno, Genf unb Thairy ein französisches Kriegs- gericht nicht einmal den Versuch macht, Recht au finden, das ist doch eine Enttäuschung, die die psychologisch« (SnttoiHunfl der deutsch^fran- zösischen Derständigung auf Jahre hinaus zurückwirft. Wie lange soll denn noch die Politik sich es bieten lassen, durch den Machtspruch einiger Subalternofsiziere desavouiert zu werden? Wie lange noch will Driand mit verschränkten Armen Ausehen, wie engstirnige Militärs seine Politik favouieren?? Wenn etwas die Rotwendigkeit der sofortigen Räumung des Rheinlands durch die französischen Truppen schlagend beweisen kann, so ist es dieser Justirskändal von Landau. Die dortigen Verhandlungen haben wieder einmal gezeigt, bah die Franzosen sich im besetzten Gebiet alS selbstherrlicher Staat im Staate fühlen, bah sie auch außerhalb ihres Dienstes als Herren auftreten, deren Zepter heute noch wie vor Jahren die Reitpeitsche ist. Dazu kommt noch diese törichte Angst um ihre angeblich bedrohte Sicherheit, die ia auch diesen famosen Herrn Rouzier beherrscht haben soll, als er seine Pistole auf wehrlose Deutsche abschoh. Warum bleiben die französischen Truppen nicht in ihren Kasernen und auf ihren Truppenübungsplätzen, wenn sie sich von der deutschen Bevölkerung bedroht fühlen? Warum werden die Besatzungen nicht aus den Städten herausg'zogen, wenn sie vor den „Provokationen" der durch ihr Auftreten mit Recht beleidigten Bevölkerung sicher sein wollen? Die Desahungsfrage muh jetzt gelöst werden, soll nicht durch diesen Arteilsspruch von Landau alles entzweig schlagen werden, tvas Driand und Strese» mann in her mühesligen Arbe.t v'eler Jahre an der Verständigung der beiden Völker aufgebaut haben. Der Spruch des Gerichts Landau. 21.De}. (IBSJt.) 3m Rouzlerprozeß verkündete der Gerichtshof gegen 7JO Uhr abends folgendes Urteil: Leutnant Rouzier. bei dem alle Schuldsragen verneint wurden, wird freigesprochen. h o l z m o n n wird wegen beleidigender Haltung gegenüber einem THitglieb der Besatzung zu zwei Monaten Gefängnis mit Strafaufschub verurteilt: Matthes wegen beleidigender Haltung und Beteiligung an den Sondernheimer Vorgängen zu zwei 3ahren Gefängnis; Fechter wegen beleidigender Haltung und Beteiligung an den Vorgängen Im Cofö „Engel" zu sechs Monaten Gefängnis; Arbogast wegen der Germersheimer Vorgänge zu sechs Monaten Gefängnis; 6 ö g l e r wegen Beteiligung an den Germersheimer Vorgängen zu sechs Monaten Gefängnis; Kegel wegen Beteiligung an den Sondern- helmer Vorgängen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Plaidoyers. WSR. Landau. 21. Dez. Der letzte Ver- handlungstag im Prozeh Rouzier begann mit dem Plädoyer des Militärslaalsanwalts Kapitän Tropet. der sich zunächst mit den sog. Rebenfällen, den Wirtschal tsstreitigketten auf der Sondernheim er Kirchweih und in der Wirtschaft „Zum Engel" Germersheim, beschäftigte. Der Anklagevertreter hielt es für erwiesen, bah Mathes unb Kett e l den französischen Soldaten Gaumont geschlagen haben. Es sei nicht Sache des Mathes und Kegel gewesen, gegen bie äleberschrei- tung der Tanzordnung durch die französischen Sowaten einzuschreiten. Der Anilagevertrcter hält es für richtig, bah Gorin in der Wirtschaft „Zum Engel" stark betrunken war. Er sei von Arbogast und Kögler in der Wirtschaft geschlagen, zu Boden geworfen und dann auf der Strohe von Fechter brutalisiert worden. Die Mißhandlung des Klein durch Rouzier sei ein bedauerlicher Irrtum, wie Rouzier selbst zugegeben habe. 3m Zusammenhang mit der Schilderung des gespannten Verhältnisses zwischen der Germersheimer Bevölkerung und der dortigen Besatzung, die der Anklagevertreter nicht recht verstehen kann, führt er aus, daß einige französische Reserveoffiziere nicht d e Haltung eingenommen hätten, die ihrer würdig gewesen wäre. Es wäre besser gewesen, wenn nach dem Zwischenfall in der Wirtschaft die französische Gerrdarmerie die Sache weiter verfolgt hätte, anstatt daß franzcs.sche Offiziere in Zivil — er meint dabei Rouzier und Filloux — eingegriffen hätten. Zu dem Zwischenfall am Lud» wigslor bemerkt Tropet, daß Rouzier als Fran» Avse erkannt und von Holzmann oder Klein geschlagen worden sei. Es wäre allerdings zuzugeben, daß Rouzier durch das Abgeben von zwei unnötigen Schüssen die Rotwehr überschritten habe. Sie VkiWWkWse der WW timten. Annahme der Regierungsvorlage im Landtag. Darmstadt, 21. Dez. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10'/, Uhr. D e Tribünen sind sehr stark besucht. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt „einmalige Rotstandsmaß- nähme für öle S t a a t s b e a m t en ", In Verbindung hiermit stehen die Anträge Delp (Soz.) und Genossen, Galm (Komm.) und Gen.. Dingeldey (D.V.) und Gen. sowie eine Eingabe des hessischen D e a m t e n b u n de s und eine Eingabe des Reichsbundes der höheren Beamten, Landesverband Hoffen. Die Regierungsvorlage will den Beamten der Gruppen 1—6 eine einmalige Beihilfe in Höhe von einem Viertel des Monatsgehaltes aus- zahlen, mindestens den ledigen 33 Mk., den Empfängern eines Frauenzuschlags 50 Mk.. den Empfängern von Kinderzulagen oder Kinderbeih lfen 5 Mk. für jedes Kind, b?n Vollwaisen insgesamt 10 Mk.; höchstens den Ledigen 63 Mk.. den Empfängern eines Frauenzuschlags 80 Mk. (statt 60 Mk.), den Empfängern von Kinderzuschlägen je 5 Mk. unb den Vollwaisen 15. Mk. Die Kosten dieser Maßnahme berechnen sich au fins gesamt 360 000 Mk. Der Antrag Delp (Soz.) will der Regierungsvorlage zustimmen und beantragt außerdem, den Staatsarbeitern ein Viertel ihres Monatseinkommens, mindestens aber 33 Mk. zu gewähren. Der Antrag Galm (Komm.) hat eine ähnliche Tendenz tote der sozialdemokratische Antrag. Der Antrag Dingeldey (D.V.) will den hessischen Staatsbeamten dieselben Beihilfen gewähren, wie das Reich, also auch den Gruppen 7—12. Die Gruppen 1—6 sollen '/<, und die Gruppen 7—12 */5 des Monatsgehaltes erhallen. Abg. W i d m a nn (Soz .) erstattet Bericht über die Regierungsvorlag?, über die Anträge der Parteien, die Eingabe der Beamtenbünde und über die Verhandlungen im Finanzaus- fch'.'ß. Abg. D i n g e l de y (D.V.) weist auf die schwierige Situation des Hess. Staates hin. Hessen sei in der Frage der Winterbeihilfen abhängig vom Reich und den anderen Ländern, und zwar moralisch abhängig. Es sei eine ernstliche Frage, ob eine derartige Beihilfe bei der Lage der hessischen Finanzen möglich sei. Eine Deckung des durch die Gewährung der Beihilfe entstehenden Fehlbetrags wäre aber möglich, weil eine Entlastung der hessischen Finanzen eingetreten sei, da der Reichsfinanz- minister erklärt habe, er werde die Kosten der Erwerbslosenunterstützung ganz auf das Reich übernehmen. Grundsätzlich beständen keine Bedensen gegen die Gewährung der Beihilfe im Rahmen der Rttchsbe Hilfe. Der Fi- nan'minister habe ursprünglich erklärt, eine Tel- hing sei für die Regierungsvorlage nicht vorhan- den, jetzt heiße es, die Mittel ständen bereit. Die Ausführun^ei keZ Reichssinan-m ni'ters, die die'er über die Winlerbeihilfe im Ausschuß gemacht habe, könne man sich zu eigen machen. Die Bezeichnung Weihnachisbeihilfe wäre hiernach nicht zulre'fend. Der Reichsminister lehne die Beihilfe für die R'.ichsarbe. er ab, weil diese aus Tarifvertrag angestellt seien. Im Tarnen seiner Partei erklärt der Redner, bah diele bereit sei, im Rahmen der Beschlüsse des Reichstags auch für die Arbeiter einzutreten. Was der Reicheminister über die Beihilfe für die Gruppen der Deam'en 7—12 gesagt habe, gelte auch für bie hessischen Beamten dieser Gruppen, die den Beamten in anderen Ländern gegenüber nicht benachteiligt werden dürsten. Abg. Dr. von Helmolt (Dbd.) verliest eine Erklärung. deS Bauernbundes, bah dieser nicht in der Lage fei, der Regierungsvorlage zuzustimmen. Die Erllärung besagt f ern Sinn nach, bah weite Kreise der Bevölkerung sich in einer Rotlage befänden und ein unsicheres Ei nkommen hätten; es fei ^aher nicht zu verantworten, bah den in gesicherter Stellung befindlichen Beamten eine Beihilfe gewährt werde. Abg. Kaul (Soz.) spricht für die Gewährung einer Beihilfe an die StaatZarbeiter; die Arbeiter befänden sich in der gleichen Rotlage wie die Beamten. Die Sozialdeinokratie könne dem Antrag der Deutschen Dolksparlei nicht zu- ftimmen. In seinen weiteren Ausführungen tritt der Redner für den sozialdemokratischen Eintrag ein. Abg. Hofmann (Zentr.) teilt einen De- schluh der Zentrumsfvaktion mit, In dem gesagt wird, die Zentrumsfcaktton spreche sich grundsätz- llch gegen jede außerordenttiche B:i')ilfe neben den Gehaltsbezügen aus. Sie erwarte, bah das Reich die Länder durch eine öecattige Maßnahme nicht wieder in eine Zwangslage versehe. Da die Fraktion es nicht für erträglich finde, bah die hessischen Beamten schlechter g e - stellt würden a l s die Reichsbeamten, habe sie sich entschlafen für kie älebemahme der Reichsrogclung einzutreten. Die hessische Regierung möge bei den schwebend n Verhandlungen mit dem Re^.ch auf Ersatz der Hessen aufgezwun- genen Ausgaben bringen. Abg. Reiber (Dem.) gibt eine ähnliche Erklärung für die demokratische Fraktion ab. Die Beihilfe fei bie Abgeltung «einer längst versprochenen DesoldungS« z u l a g e; auch aus diesem Grunde dürften die hessischen Beamten nicht schlechter gestellt werden alS die Reichsbeamten. Da wegen der Haltung zweier Fraktionen nicht die Aussicht bestehe, bah bie Reichssähe angenommen würden, so werde bie demokratische Fraktion für die Reglerungsvorl. g? stimmen. Der Redner bringt bann einen Antrag seiner Fraktion ein, bah den verheirateten Beamten der Gruppen 7 b s 12 noch vor Weihnachten eine Kinderzulage von 20 Mark gewährt werde. Abg. Galm (Komm.) gibt eine längere Erklärung ab, aus der hervorgeht, daß bie Kommunisten der Regierungsvorlage und dem sozialdemokratischen Antrag zustimmen. Finanzmini st er Henrich erhärt u. a., unter normalen Verhältnissen wäre es das Gegebene, die R e i ch s r e g e l u n g für bie Beihilfe zu übernehmen. Es sei hier nicht das erstemal, daß Hessen eine andere Regelung als das Reich vornehme. Zur Deckungsfrage bemerkt der Redner, daß der Betrag im Staatshaushalt vorgesehen fei, allerdings nicht in der Höhe, bie sich jetzt ergeben habe; wenn das Reich so vorgegargen wäre, wie im vergangenen Jahre, hätte der Betrag ausgereicht. Der Minister bittet zum Schluß seiner Aus führ ungen, die Regierungsvorlage anzunehmen. Abg. Scholz (D. D.) macht darauf au'merk- fam. baß bie Sozialdemokraten die Beihilfe für iie Gruppen 6 bis 12 ablehnten, weil fei te Geltung dafür vorhanden sei. gleichzeittg hätten sie einen Antrag eingebracht, den Staatsarbei- tem eine Beihilfe zu gewähren. Da dasür auch feine Deckung da fei. ergebe sich ein Widerspruch; es sei deshalb interessant zu erfahren, wie die Sozialdemokratte diesen Widerspruch auf- kläre. Abg. Dr. Werner (Dn ) stinnnt den R.ichs- säyen zu und weist darauf hin. daß dem Reichs- tag ein sozialdemokratischer Antrag Vorgelegen hatte, der höhere Sätze selbst für die Gruppe 12 vorsah. Abg. Leuschner (So;.) erwid.rt auf die Ausführungen des Abg. Scholz, bah bie Sozialdemokraten bie Beihilfen für tle Arbeiter und die Erwerbslosen für notwendiger hielten. Abg. Kindt (Tn.) macht darauf au'meck- fam, daß die Sozialdemokraten, aus Konkurrenzfurcht. den Antrag der Kommunisten übernommen hätten. Es folgen die Abstimmungen. Der Antrag Dingeldey wird in namentlicher Abstimmung mit 33 gegm 22 Stimmen abgelehnt. (Dageg n toarea die Sozia lleno- kraten und die Dauernbündler.) Der Antrag Reiber wird ebenfalls ab- gelehnt. Der Antrag Delp wird mit allen gegen die Stimmen des Bauernbundes angenommen. Damit ist auch die Regierungsvorlage angenommen. Ein Antrag Kaul-Leulchner (Soz.), den Erwerbslosen eine halbe Wechrnrate der Unter» stützung alS Beihilfe zu gewähren, wird abgelebt Die Tagesordnung ist damit erschöpft da Holzmann nach übereinstimmenden Aussagen der Zeugen schon nach dem Schlage mit her Reitpeitsche bei innungslos getourte., sei. A.n Kirchplatz fei Rouzier von MatheS o;r"olgt worden, dem sich später Heinrich Fechter. Otto Fechter, Hoffmann und schließlich auch Müller an- geschlo sen hätten. Rouzier habe wiederholt mit Schießen gedroht und hätte ben Eindruck gehabt. daß Mathes auf ihn zuspringe u.rd ihn angreise. Müller hätte Rouzier einen Faustichlag versetzt und dabei »Kaputt Ezall' gerufen. Rouzier habe nicht in gesetzlicher Rotws hr gehandelt. Der- Tod Müllers stehe in ei ;.m Mißverhältnis zu dem Faustschlag. Dageg n liege Provokation nach § 321 b?3 Code Penalc vor und es seien dem QI tgeFlagfen mH crnde ilmftänbe zuzubilligen. Bei d r Sirasbemesü '.g müsse in Betracht gezogen toerben. bah Reuzier nicht vorbestraft sei und auch nicht der bru.ale Mann sei, wie man ihn deu;icherseitS hin stelle. Müller hätte dagegen eiltei schlechten Rus gehabt, Mathes sei streitsüchtig und Fechter eine üble Rümmer. Holzinann sei bisher imbcftraft und hätte einen guten Ruf. Lr beantragte bann gegen Rouzier wegen vorsätzlichen Totschlags des Müller, rocg:a schwerer Körperverletzung des Matthes inb wegen leichter Körperverletzung des Holzmana ein Jahr Gefängnis unter Annahme einer Provokation durch die Deutschen unb insolgebessen unter Zubilligung mildernder Umstände. Die Strafe gegen die m lang klagten Deutschen stellte der Militärstaatsanwa.t in iX)3 Ermessen deS Gerichts, ersuchte j doch das Gericht, eine scharfe Tl ttersche.d mg za machen zni- sche.i Matthes unb F-chtec eine.s itS. a am, ÄegeL Kögler und Arbog ast artborerjeiti sowie zwischen ben anw senden A:g Tagten und de en, die sich der G richtsverhandlu ig e ilzogen h-aben, nicht nur, weil sie sich der Bestrafung entzogen haben, sondern auch, weil auf ihnen schwerere Beschuldigungen lasten. Hierauf ergriff Rechtsanwalt Dr. Führ das Wort zu seinem Plädoyer, in dem er i i? sogenannten Rebenfälle behandelte. Bezüglich _e3 Sondernheim er Kirchweih-Fal es kam der Rechtsanwalt eingehend auf die vorliegende Verwechslung des Angeklagten Kegel mit dem wirllichen Täter Wilhelm Albert zu sprechen. Der Angeklagte Kegel sei völlig schuldlos. Wilhelm Albert, der eigentliche Täter, habe sich bereit erklärt, vor Gericht zu erscheinen un ■> zu bekunden, daß er und nicht Kegel der Täter sei. Es fei ihm aber eröffnet worden, bah Albert sofort im Gerichtssaal verhaftet wer. en würde, wenn er als Zeuge erscheine und sich als Täter bekenne. Bezüglich des Zwischenfalles in der Wirtschaft „3um Engel" betonte der deutsche Verteidiger den Unterschieb in der Bekundung des französischen Zeugen Eaussimon bezüglich der Beschreibung der in Betracht kommenden Deutschen, woraus sich klar ergebe, bah der Angeklagte Fechter als Täter bezüglich der Mißhandlungen des französischen Soldaten Gorin nicht in Frage kommen kann. Rechtsanwalt Dr. Grimm betonte, baß bie einzige Frage, bie interessiere unb bie er behandeln werde, bie sei, zu beweisen, o b b i e Angeschuldigten bie Taten begangen hätten, bie ihnen vorgeworfen werben, ober ob sie sie nicht begangen Hütten. Er appellierte bann an bie Richter, jebe Prestigefrage beiseite zu lassen unb zu vergessen, baß cs sich um einen ber ihrigen handele. Sie sollten nur bie Tatsachen prüfen, und wenn sie ben Hauptangeklagten ^schuldig finben, f e st z u • greifen, gerabe weil es einer oer ihrigen sei, im Interesse ber Armee selbst, deren Vertreter bie Richter seien. Rechtsanwalt Dr. Grimm befaßte sich zunächst mit bem Mitangeklagten S) o l 3 m a n n , ber zuerst ber Körperverletzung an« geklagt war, bem jetzt aber nur noch eine einfache Uebertretug ber Verorbnung Rr. 40 (beleibigcnbe Haltung) vorgeworfen wirb. Die Fraae, ob man ihn beshalb verurteilen könne, verneinte Dr. Grimm, ba hierzu alle nötigen Voraussetzungen fehlten. Er be> grünbete diese Ansicht damit, baß hohmann, w.e auch bie anderen, in Rouzier nicht Den Offizier hätten erkennen können. Der Offizier aber, ber i n Zivil ausoehe, verzichte baburdi auf bie ihm durch bas Ausnahmegesetz ber Verordnung 40 ein« geräumten Vorrechte als Offizier. Anders fei bie Sache nur dann, wenn klar fcftgeftellt werbe, baß der Beleidiger gewußt habe, baß es sich um einen Offizier hanbelte, unb baß er bie beleibiger.be Haltung gerabe beshalb eingenommen habe, weil es ein Offizier war. Dies treffe aber hier keineswegs zu. Es fei Nicht erwiesen, baß holzmann im Augenblick seiner Haltung wußte, baß er es mit einem Angehörigen ber Besatzungstruppen zu tun hatte. Rach ber Anklageschritt selbst bestände bie beleb bigenbe Haltung barin, baß Holzmann Rouzier ins Gesicht gesehen habe. Diese hanblung habe an sich nichts Feindliches unb Beleidigendes, da Holzmann Rouzier nur „unter bie Nase gesehen hatte", ba er ja. wie die Anklageschrift selbst zugrbt, geglaubt habe, in ber Gestalt ben Freund 3anb« meier zu erkennen. Der bedauerliche Vorfall am Ludwigstor. ber Anfang von allem unb Ursprung des traurigen Dramas sei, sei also nicht durch Holz- manns Schuld entstanden, sondern Rouzier sei schuld daran, und zwar nur Rouzier. Rouzier sei auch nicht herausgeforderl worden. Mm einen Milderungsgrund zuzubilligen, sei nach dem französischen Gesetz Artikel 321 des Code pLosI eine Herausforderung durch Schläge oder grobe Gewalttätigkeit nötig. Da die Anklageschrift selbst einen 2nigrisf oder das Vorhandensein einer Gewalttätigkeit im Sinne des Artikels 3C9 verneine, so gehe logischerweise daraus hervor, dah eine Herausforderung in diesem Falle nicht vorhanden sei. Auch Mathes wußte nicht, dah es sich um einen französischen O fizier Han ele. Machen e bst hat auch leine beleidigende Haltung angenommen. Er sei Rouzier wohl gefolgt, aber doch a u f dessen Aufforderung hin. Ob er Rouzier in der Sandstraße mit seinem Stock bedroht habe, sei nicht richtig beri.’fen. Selbst die französischen < engen hü ten es nicht ficket behandlet und Rouzier selbst habe dies in der Voruntersuchung nicht genau angeben können. Es liege also keine beleidigende Haltung, -aber auch keine Herausforderung im Sinne des Gesetzes vor. Um eine beleidigende Haltung oder eine Herausforderung Larzustellen, muh die betreffende Handlung ungerecht und ungeseh- l i ch sein. Matheö und Müller wollten, als sie Rouzier so hartnäckig folgten, dah der andere nicht entkommen solle. Der andere hatte eine offensichtliche Körperverletzung an Holzmann begangen, und da er auf frischer Tat ertappt wurde, hatten Mathes, Fechter und Müller das Recht, Rouzier zu folgen und ihn der Wache zu überg'brn, un f.'lne Per- fonlichleit festzustellcn. Uebrigens hat Rouzier Mathes ja auch ersucht, ihm auf die Wache in der Kaserne Banden zu folgen. Müller habe die gleiche Idee gehabt, als er Mathes fallen sah und Aou'ier fragte, warum er seinen Freund erschossen habe. Was also Mathes und Müller gewollt hatten und was auch Fechter beabsichtigt habe, sei gerechtfertigt und gesetzlich gewesen. Selbst wenn Müller dem Rouzier einen Faustschlag gegeben habe, um ihn dadurch festzuhallen, so sei Müller im Recht und Rouzier im Unrecht. Zum Schlüsse seines Plädoyers beschäftigte sich Dr. Grimm mit dem Strafantrag deS französischen Staatsanwalts. „Gin Jahr Gefängnis für Rouzier! Ich war wie vom Blitz getroffen, als ich dicsen Strafantrag horte. (Ein Jahr Gefängnis für einen vorsätzlichen Totschlag! Dir beklagen einen Toten, wir beklagen einen anderen Menschen, vielleicht verstümmelt für sein ganzes Leben. Denn nichts anderes wäre, als die Mißhandlung des wehrlosen Klein, eine Tat, die so ganz die surchlbare Bru- talitäl Rouziers offenbart, dann würde schon diese Tal allein eine schlimmere Strafe rechtfertigen. Dr. Grimm erinnerte dann an die Zeit, als er während des Krieges Franzosen vor deutschen Kriegsgericht en zu verte , d a en hatte, unZ> er- ■ wühnte dabei den Fall, das; zwei deutsche ' Soldaten, die bisher unbestraft waren, und die sich in der Hitze des Kampfes hatten hdn- veißen lassen, zwei wehrlose Gefangene zu treten, mit 12 Jahren Zuchthaus bestraft wurden. DaS war grausam, das war hart, aber man muhte ein Erempel statuieren. Man hat hier von Locarno gesprochen und gestern habe ich schöne Worte von Annäherung gehört. Die Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, haben mich sehr enttäuscht. Die vielen Zwischenfälle und das Drum und Dran dieses Prozesses waren für mich eine tiefe Enttäuschung. Zuerst das Nationalist.sche Komplott, daun d e ' Bande Mathes. Das alles ist kläglich z u - s a m mm en gebrochen und nun dieser Strafantrag. Ein Jahr Gefängnis für vorsätzlichen Totschlag! Das deutsche Volk ist zur Annäherung bereit. Wir wollen Frieden nach allem El nd l des Krieges. Wir wünschen, daß die beiden Voller, die in diesem Kriege am m eisten gelitten haben, sich endlich zu genreinsamer Arbeit im Frieden zusammenfind-n: aber so geht das ' nicht. Sie kennen die S'ele des deutschen Voll s nicht. Wir sind leine Ritionalisten und keine Bande Mathes. Wir wünschen Frieden, aber w i r wollen auch unsere Würde gewahrt wissen. 3n GermeVhe'm wurden vom 3. bis 5. Juni 27 bayerische Fahnen und die offizielle deutsche Reichsflagge besudelt, die schwerste Beleidigung, die einem Volk: zustoßen das noch seine Ehre hat. Man hat uns keine Genugtuung gegeben. Wiederholen Sie nächt d n- selben Fehler. Wenn Sie ein Urteil fallen, dann wird es Widerhall finden in den kleinsten Dörfern, einen furchtbaren Widerhall. Ein Schrei der Entrüstung wird durch alle deutschen Gae.e hallen. Gin solches Urteil ist eine Provokation! Der Smiptüerteibiger des An- geklaglen Rouzier, der französische Advokat Mourier, Paris suchte zunächst zu widerlegen, daß es Rouzier war, der die Zwischenfälle provoziert habe und die Unruhe unter die Bevölkerung von Oer- mershrim brachte. Viele dieser Zwischenfälle seien in den Aeuherungen der Zeugen aufgebauscht. Als Beispiel hierfür führte er die Zwischenfälle bei vem Festzug des Kriegervereins im Juli an. Mourier verbreitete sich alsdann ausführlich über den Begriff der erlaubten Rot- wehr und kam zu dem Schluffe, dah er sich seiner Angreifer erwehren wollte. Er - müsse daher f r e i g e s p r o ch e n werden. Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt Garton, führte aus, daß dec Richter von heute ein Richter des Friedens sein müsse. Gerechtigkeit heiße, die Leidenschaften durch ein kluges und unparteiisches Urteil zu befriedigen. Man dürfe keinen Unterschied machen zwischen den deutschen und den französischen Angeklagten, zwischen der deutschen und der französischen Verteidigung, es gäbe nur eine Verteidigung und nur einen Angeklagten. Ron- zier, den man angegriffen habe, habe sich in berechtigter Rotwehr befunden oder habe geglaubt, sich in einer solchen zu befinden. Er müsse also freigesprochen werden. Die Deutschen seien unklug gewesen, aber vielleicht seien auch sie nicht sehr verant- wörtlich. Wenn man Frieden wolle, müsse der gute Wille aller vorhanden fein, um solche Vorfälle zu verhindern, denn solche Vorfälle könnten einen gefährlichen Rückschlag auf den allgemeinen Frieden auöüben. Um 6 Uhr zog sich der Gerichtshof dann zur Beratung zurück und fällte nach mehr als ein» stündiger Beratung den oben bereits wieder- gegebenen Spruch. Das Ber iner Presseecho. Allgemeine Enchörung über das Landauer Fehlurteil. Berlin, 22. Dez. (Wolff.) »Der Spruch wird in Deutschland die Herzen vereinen", so heißt es im n2ofalan$eiger‘ und so sind denn auch alle Berliner Zeitungen einig in der Empörung über das Urteil von Lcurdan und in der Forderung: Fort mit der fremden De- satzung von deutschem Boden! Die „Deutsche Ztg." sagt: Das französische Kriegsgericht hat ein „Urteil" gefällt, das dem Kriege dient. — Die .Kreuzzeitung" ruft aus: Sv also sieht Locarno inderPraxis aus. — Die „Deutsche Tagesztg." erklärt: Wir werden das Urteil von Landau nicht cergellen, wenn man uns wieder von französisch.r Seite mit Versprechungen irre zu führen sucht. Auch dieser Geist ist eine Realität, an der wir jedenfalls nicht vorübergehen werden. — Die „Deutsche Allg. Ztg." schreibt: Dieses Urteil ist ein blutiger Hohn auf das Rechtsempfinden aller Menschen. — Die „Tägl. Rundschau" betont: Eine schlimmere Sabotage der Politik Driands konnte Wohl in diesem Augenblicke nicht erdacht werd.-n. Ans dem ganzen ergibt sich ein neuer Beweis für die Unmöglichkeit der Aufrechterhaltung der fremden Besatzung auf deutschem Boden. — Wir sind to:it davon entfernt, so wird in der „Germania" auszesuhrt, für die Untat von Landau die französische Staatsleitung verantwortlich zu machen, aber wir möchten sie doch darauf aufmerksam machen, daß eine wirklich Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich eintreten kann, wenn die Engstirnigkeit lokaler Instanzen sich ungehemmt austoben kann. Es gibt auch in Frankreich einen Instanzenzng. 3m Interesse der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich wünschen wir, daß der Instizfrevel von Landau in einer Weise gesühnt wird, die der berechtigten Empörung in Deutschland Rechnung trägt. — Die „V o s p Z t g." schließt ihre Ausführungen mit den Worten: Die Räumung deutschen Gebietes darf nach dem Urteil von Landau auch nicht eine Stunde mehr vom täglichen Arbeitspläne der deutschen Regierung verschwinden. — Das „Berliner Tageblatt" sagt: Die Bemühungen der Diplomaten müssen fruchtlos bleiben, wenn man es Offizieren, die sich als Eroberer fühlen, überlasse, ihre Politik zu durchkreuzen. *— Der „Vorwärts" zieht aus den Vorfällen von Germersheim und dem Urteil von Landau folgende Lehre: Solange die Befatzung andauert. solange wird man die Gefahr laufen, daß ähnliche Zwischenfälle und ähnliche Kriegsgerichtsfehlurteile die Kluft zwischen den beiden Völkern immer wieder vertiefen, die die große Mehrheit auf beiden Seiten zu überbrücken bestrebt ist. — Die „Rote Fahne" nennt den Landauer Spruch ein Klasfenurteil, gegen das mit den deutschen Kommunisten die französ.schen Kommunisten Den schärfsten Protest erheben werden. Die französische Presse zum Landauer Urteil. Paris, 22. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die gesamte Dresse begnügt sich damit, das Urteil des französischen Kriegsgerichts in Landau abzudrucken, zum Teil bestehen die Berichte aus einer Polemik gegen bie deutschen Verteidiger. Nur das sozialistische „Oeuvre" äußert sich redaktior.'ell zu den Urteilen. Das Blatt schreibt: „Frankreich l st durch ein Kriegsgericht verurteilt. Als ich, so schreibt der Chefredakteur d^s Blattes, die Nachricht von diesem Urteil gehört habe, habe ich mit der Fault auf den Lisch geschlagen. Man hat mir gesagt: „Retzen Sie sich doch nicht auf, dieses Urteil ist noch schlimmer als verbrecherisch." „Jawohl, ich rege mich au . Sie können mir glauben, daß mir der kleine Leutnant Rouzier vollkommen gleichgültiy ist, er bildete sich ohne Zweifel gutgläubig em, daß unser Sieg das Recht für ihn bedeute, die Besiegten mit Reitpeitschen zu traktieren, die aus einem Wirtshaus herauskommen. Was besonders ernst an dem Urteil von Landau ist, ist, daß es im voraus diktiert zu fein scheint, daß es ein politisches Urteil ist. Man braucht nur die Rede des V Kapitäns Tropet zu lesen. War es eine Anklagerede gegen den Beschuldigten? Nein, es war eine Anklagerede gegen die äußere Politik Frank- r e i d) s. Man erkennt, daß es sich darum handelt, die Abkommen von Locarno zu verurteilen. Dieser Prozeß ist der Prozeß gegen das Pazifist,che Frankreich geworden, den auf deutschem Gebiet ein franzö- sischer Offizier geführt hat. In der Stunde, in der Deutschland inmitten einer ministeriellen Krise lebt, zwischen dem Frieden und der Revanche, hat man geglaubt, besonders geistreich zu sein, daß man sich nach der Seite des H a s s e s wandte, also jeden Ver- such der Annäherung nochschwieriger machte." Protest der deutschen Pressevertreter. Landau, 21. Dez. (WSR.) Die beim Rouzietprozeß anwesenden deutschen Pressevertreter haben an den französischen Außenminister Driand folgendes Telegramm gesandt: „Die anläßlich des Rouzierprozesses in Landau anwesend:n deutschen Pressevertreter protestieren als Augen- und Ohrenzeugen einmütig gegen das unerhörte Urteil Les Kriegsgerichts des 32. Armeekorps. Der Freispruch Rouziers ist eine schwere Verletzung des Rechtsempfindens des deutschen Volkes und der gefamten zivilisierten Welt." BotschaftervonHoeschbeiBrmnd P a r i 3 , 21. Dez. (WB.) Der deutsche Bot- schaf.er v. Ho eich hatte heute vormittag eine Unterredung mit Außenminister B r i a n d. Es kam dabei zu einer Ans p rache über gewiße Po'.üische Fragen, wie f.e sich nach dem Ergebnis der letz en G e n f c r Tagung darstellen. Insbesondere wurde auch die Frage berührt, in welcher Welse die o.anntlich noch ausstehenden zwei Punkte der Entwaffnungsforderungen zu behande.'n fein werden. Die Tschechoslowakei und Thoiry. Präsident Masarhk über die deulfch- tschcchischcu Beziehungen. Paris, 22. Dez. (W. T. D. Fun'spruch.) Ter Präsident der tschechoslowakischen Republik M a s a r y k, hat einem Sonderkorrespondenten des „Matin" ein Interview gewährt, in dem er zu dem Eintritt der Deutschen in das Tschecho- flowalstche Kabinett erklärt, es sei den in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen materiell und logisch unmöglich gewesen, in der von ihnen allmählich eingenommenen oppositionellen Haltung zu verharren. Die Zusammenarbeit sei eine Notwendigkeit gewesen für die Deutschen mehr noch als für die Tschechen. Sie sei zur Wirksamkeit geworden, weil man doch jetzt in einer Periode lebe, in der die natürlichen Kräfte in Europa erreichten, dah den Realitäten Rechnung getragen werde. Driand habe in Frankreich eine neue Poli- tif eingeleitet. Diese Politik billige er, Masaryk, vollkommen. Die Tschechoslowakei wolle Frankreich auf diesem W^ge folgen. Eine der wesentlichsten Bedingungen dafür fei, daß die Politik von Thoiry fruchtbar werde und daß Frankreich diese Politik im vollen Einverständnis mit Deutschland verfolge. Wenn Frankreich zu einer vollständigen Regelung der schwebenden Fragen mit Deutschland komme, wenn es, um nicht zu sagen, zu einer Einigung, so doch zu Herstellung freundschaftlicher Beziehungen mitDeutschland kommen könnte, so werde er über Deutschland eine viel wirksamere Kontrolle besitzen, als dies über dir es gegenwärtig verfügt. Es fei leichter zu wissen, was der Freund tue und denke, als zu wissen, was der Feind denke und tue. Vie SchMendebatte iu Amerika. Tas Wirtschaftsmanifest der Staatswissenschaftler. Washington, 21. Dez. (Havas.) In einer Besprechung dcs Manifestes der 40 Professoren an der Eolumbia-Ülniversität weisen autorisierte Persönlichkeiten, die dem Schatzamt angehören, darauf hin, daß die Professoren wohl über Summen verfügen könnten, an deren Aufbringung sie nicht interessiert seien. Dieselbo autorisierte Persönlichkeit, die sich zwar weigert, offiziös zu der Frage Stellung zu nehmen, erklärt jedoch, daß in den Vereinigten Staaten niemand aus dem Kriege Autzen gezogen habe und daß in den Vereinigten Staaten wirtschaftlich eine größere Blü te herrschen würde, wenn der Krieg nicht stattgefunden hätte. Amerika habe Gewinne erzielt, weil e3 als erstes Land sich wieder auf eine1 normale Grundlage gestellt habe. Die Beweisführung des Manifestes der Professoren sei oberflächlich und trügerisch. Man kenne nicht die Gründe, die sie veranlaßt hätten, dieses Manifest zu veröffentlichen. Wenn es den Schuldnerstaaten hätte dienen wollen, so hätte es gerade den Interessen dieser entgegen» gearbeitet Wenn man zum Beispiel den Fall Frankreich inS Auge fasse, so stellten die Unterzeichner des Manifestes fest, daß Frankreich gegenwärtig seine Finanzen in Ordnung bringe. Andererseits brächten sie aber zum Ausdruck, dah Frankreich erst wissen würde, waS eS zu bezahlen habe, wenn es die Schuldenabkommen ratifiziert habe, mit andern Worten, die Ülngewihheit würde weiter anbauern und jede Stabilisierung unmöglich machen. Ruhe in L lauen. KOwNo, 21. Dez. (WTB.) In Litauen herrscht überall Ruhe. Aur die nächtlichen Patrouillen und die vor dem Gebäude des Generalstabs in Kowno aufgefieilten Panzerautos und Tanks erinnern an die jüngsten Ereignisse. Der Straßenverkehr ist bis 11 Ahr nachts freigegeben. Der Führer der linksgerichteten Volkspartei, welcher zusammen mit den Sozialdemokraten die Opposition bildet, erklärte, die Partei werde wieder an den Sitzungen des Sejm t e i l n e h m e n, behalte sich jedoch vollständige Handlungsfreiheit vor. Sie mache ihre Taktik von der Regierungserklärung abhängig. Die Partei lehne die Entfesselung innerer Kämpfe ab. Aus aller Welt. Ecwerbslosenunruhen in Stettin. Nachdem schon am Montagabend eine Demonstration von etwa 1000 Erwerbslosen vor dem Rat- Hause stattgefunden hatte, die von der Polizei schließlich auseinandergetrieben werden mußte, versammelten sich Dienstag in den Mittagsstunden abermals etwa 1500 Erwerbslose vor dem Rathaus und entsandten eine Deputation zum Oberbürgermeister, die über Bewilligung von Weihnachtsunterstützungen verhandeln sollte. Dieser ver- sprach, die Deputation am Mittwoch wieder zu empfangen. Die Demonstration zerstreute sich darauf. Hierbei wurden scharfe Drohungen gegen die Magi- stratsmitglleder ausgestoßen, u. a. wurde die Er- ftürmung der Wohnungen einiger Magistratsmitglie- der am Weihnachtsabend angekündigt. Die Polizei hat umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Starter Schneefall in München. Nachdem bereits am Montagabend starkes Schneetreiben eingesetzt hatte, das sich zeitweise zu heftigem Schneesturm entwickelte, brachte auch der Dienstag in München und Umgebung reichlichen Sckneefall. Im Eisenbahnverkehr traten durch den Schneefall Derspätungen ein. Erdbeben in Columbien. Nach Meldungen von der Grenze von Columbien ist die Stadt C a r l o f a m a in Columbia durch ein Erdbeben zerstört worden Man glaubt, daß der Dülkan Cumbal sich in Tätigkeit befindet. 9n Tulcan (Ecuador), 95 Meilen nordöstlich von Quito, wurden mehrere starke Erdstöße wahrgcnommen. Ein von Jpiales (Columbia) abgesandtes Telegramm meldet, daß in der Gegend des Vulkans Cumal keine Opfer an Menschenleben zu beklagen sind. Wettervoraussage. Wolkig, keine wesentliche Aendewrng der Temperaturen, durchweg trocken, höchstens vereinzelt leichte Riederschläge in Form von Schnee. Gestrige Tag?stemperaturen: Maximum 2 6 Minimum minus 0.6 Grad Celsius Heutige Morgentemperatur: minus 1,6 Grad Celsius Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. Dezember 1926. Derkehrsbund Oberhessen. Der Desamtvvrstand des Derkehrsbun- des Oberhessen trat gestern nachmittag im Stadthars zu Gießen unter dem Vorsitz des Beigeordneten Dr. Hamm- Gießen zu seiner ersten Sitzung nach der Dundesgründung zusammen. Zunächst wurde die Wahl des geschäftsführenden Vorstandes vorgenommen, gewählt wurden: Beigeordneter Dr. Hamm-Gießen, 1. Vorsitzender. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g - Alsfeld, 2., Vorsitzender, Redakteur D l u m f ch e i n - Gießen. Schriftführer. Bürgermeister Völker-L.ch, Rechner, Bürgermeister Dr. S e Y d - Friedberg, Beisitzer. Sodann wurde festgestellt, dah die Anmeldungen« z u r M i t g l l e d s ch a f t, für die in erster Linie! die Kreis- und Stadtverwaltungen der Provinz, sowie die Derkehrsvereine. daneben aber auch Einzelpersonen in Betracht kommen, bisher schon recht zahlreich eingelaufen sind. Das Fundament des Bandes faim infolgedessen heute schon als sehr gefestigt angesehen werden. Das Arbeitsprogramm wurde vorläufig auf folgende Gebiete festgestellt: Stellungnahme zur Fahrplangestaltung der Reichsbahn und der Rei chskraftposten zwecks Verbesserung entsprechend den berechtigten Wünschen der oberhessischen Devöllerung, großzüg ge Derkehrswerbung im R e ich^. für den Vogelsberg, die oberhessischen Bäder und Städte. Einwirkung auf allgemeine Verkehrs- angelegenheiten der Staats-, Provinzlal- und Kreisverwaltungen. In den Vorstand deS Hessischen Verkehrsverbandes, Sitz Darmstadt, wurde Beigeordneter Dr. H a m m - Gießen als Vertreter des Verkehrsbundes Oöer- hessen entsandt. Runmehr sind die Arbeiten zur Gründung und Organisation des Bundes in allen Teilen abgeschlossen, so daß man jetzt mit der praktischen Tätigkeit beginnen känn. gehnlscheuerumbau zu einem Polizeiamt. Seit einer Reihe von Jahren entspricht das Gebäude des P o l i z e i a m t s in der Wcidengasfe nicht mehr den gestellten Anforderungen, Publikum und Beamte haben — das ist allgemein bekannt — unter den mißlichen Verhältwssen gleichermaßen zu leiden. Bereits seit der Verstaatlichung der Polizei wurden darum Aenderungen und Verbesterungen geplant, bis schließlich im Jahre 1923 erstmals Die vollständige Verlegung des Amtes erwöge» wurde. Die sog. Zehntscheuer am Landaras- Philipp-Platz wurde zum Umbau und zur Auf- nähme der Amtsräume vorgeschlagen. Dieser Plan, schon damals stark kritisiert, wurde, als sich die Raumnot und die schlechte Verfassung im alten Amtsgebäude immer nachteiliger bemerkbar machten, schließlich ernstlich beraten und zu Papier gebracht; die ersten Projekte wurden bearbeitet. An Hand dieser Entwürfe haben in wiederholten Verhandlungen, wobei auch scharfe Gegenstimmen nicht fehlten, endlich berufene Vertreter der Polizei- Verwaltung und des Baufaches des Staates und der Stadt sich für das Zehntscheuerprojekt grundsätzlich ausgesprochen. Es wurde festgestellt, daß seine Verwirklichung am raschesten Abhilfe der geschilderten Mißstände in der Weidengasje gewährleiste, und dah dieses Projekt allein Die Möglichkeit biete, auch mit verhältnismäßig geringeren Aufwendungen zum Ziele zu kommen, als es beispielsweise mit Erstellung eines Neubaues der Fall gewesen wäre. Denn nichts war unversucht geblieben, bis man zu dem heutigen Resultat kam. Neubauten wurden geplant und veranschlagt, Bauplätze von der Stadtverwaltung angeboten, über Ankäufe von bestehenden größeren Objekten wurden ernstliche Verhandlungen geführt und Aenderungsvorschläge dazu ausgezeich- net und berechnet, Zahlenveegleiche der Kosten für Neubauten, Ankäufe und Umbau der Zehntscheuer wurden angepelli. Aber bei all diesen Erwägungen rannte man immer wieder fest. Neubauten wurden zu teuer, die ausersehenen Bauplätze waren entweder ungeeignet bezüglich ihrer Lage und Gestaltung oder wegen der Grundoerhältnisse, welche allzu hohe Fundamentierungskosten oorciussetztcn. Ankäufen, auch solchen in unmittelbarer Nähe Der Zehntscheuer, standen neben zu hohen Forderungen auch die Räumungsschwierigkeiten oder erhebliche Ersatzansprüche usw. im Weg. Solche Bedenken fielen beim Zehntscheuerprojekt von vornherein weg. ES hatte obendrein den Vorteil, durch f:ine zwei'ellos ideal« Lage für ein Polizeiamt in unmittelbarer Aach- barschaft zum Regierungsgebäude bzw. im Zentrum der Stadt in Frage zu kommen. Run ist dieser Tage daZ Ausschreiben für die Arbeitsvergebung ergangen, nachdem Staat und Stadt noch in letzter Zeit über elnize wichtige Punkte, von denen im Besonderen die Verkehrsfrage genannt werden möge, eingehend« Auseinandersetzungen gepflogen hatten. Die Schwierigkeiten sind nun auch in dieser Hinsicht behoben. In allen Fragen wurde Einstimmiakeit zwischen Staat und Stadt zugunsten der Ausführung des Zehntscheuerprojekts erzielt. Das Polizeiamt wird mit dieser Bauausführung die programmgemäß geforderten Räume gewinnen, deren Gestaltung den Belangen der Polizei vollauf genügt; Wohl nicht große, so d^ch zahlreiche freundliche Einzel'immer mit Hellen Fensterplätzen und allem Zubehör, den erforderlichen Raumen für das Publikum und eine Wohnung werden geschaffen Es ist zu begrüßen, daß mit dieser Bauausführung erreicht wird, daß das Polizeiamt nun bestimmt und bald in würdige Räume übersiedeln kann. Was das Aeußere d s Gebäudes betrifft, w kann gesagt werden, daß es sich nach feinet Herstellung dem Ring der historischen Monumentalbauten am Landgraf-Philipplah würdig einfügen wird, für die Platzgestaltung weiter mitbestimmend, und k-aß in ihm ein Beispiel typischen ober hessischen Fachwerkbaues in der Provinzialhauptstadt erhalten bleibt Die Feftvordereitungen der Reichsbahn. RDV. Für die Weihnachts - undReu- jahrswoche wird allgemein mit einem lebhaften Reiseverkehr gerechnet. In den deutschen Bergen liegt bereits, nach den lebten Wettermeldungen, Schnee genug, um jede Art Wintersport auszuüben, uno toeim die Wetter- geifter nicht wider Erwarten uns Im Stich lasten, so werden Ski, Schlittschuh, Rodel und Bob in diesen Wochen nicht in der Schrankecke zu liegen °"Wch Mr hm,> Mte lnthn^"ein». “*, S ÄÄ? 7 «C fc Äm«« n» Wine im ^'Sten DÄ> ?M«6jü9fic .e'^*-für öS kj.u"6 ft«? «i ,, ^ötitanb tat irr $*' ö* ?4 a'wÄ ^3u*ha£ fik* mbau letamf. »Weidengch n'.cht Kn, Publikum unb gemein belannt - 1 Slelchermaben zu 3 der Polizei wur- mbesserungen o«. M erstmals bie "intes «woge» «r am fianborai. au unb zur Aus. laßen. »t ltMrri, wurde, l«cht« Persassung im Wfler bemerkbar atcn und zu Papier irden bearbeitet. iben in wiederholten Harfe Gegenstimmen ertreter der Polizei. >es Staates und der nojttt grunblä^id) int DerwirkVchun^ jiibttitn MMnde it, unb bab diese» bitte, auch mit ver- endungen zum Ziele orise mit Erstellung en wäre. >eblieben, bi» man zu !Ubauten wurden gt Je von der Stobtwr- ufe von bestehenden !liche Perhandlungen iqe dazu aufwtifr eiche der Kosten für iu der Zehnlschruec diesen Erwägungen Neubauten wurden lupläsze waren ent- ;r Lage unb Gestüt' Verhältnisse, welche kosten voroursetzten. littelbarer BH« der hohen Forderungen iten oder echebliche beim ZehnIIcheuer- ] ES bitte oben' i« jwii« >W' unmittelbarer W» >äu>? bzv. un > js'GW" rÄ? «V Ä* X U «Ärt behor. d-n tt^^ - s feflimmt v» itf "OH 2W .einig. u^I ^ette*1’ 6^’ul* brauchen. 3n den deutschen WintersPortort en sind alle Vorbereitungen zum Empfang der Gäste getroffen, neue WintersPortonlagen an verschiedenen Plätzen wrrden di« WeihnachtSgäste über- rafchen. Die Reichsbahn hat bereits alle Dortehrungen getroffen, um nicht nut den anwachsenden Verkehr reibungslos bewältigen zu können, sondern sie will auch die R.ise zum Wintersportort oder zum Besuch von Verwandten und Freunden in diesem Jahre so angenehm wie möglich gestalten. Aus den groben Hauptstrecken werden sowohl im Schnellzug-, wie auch Pers onen- zugoertehr die planmähig-rn Züge gröhten- teilS auf die höchst zulässige Wagen- zahl gebracht. Bei denienigen Zügen, die nach den Erfahrungen der früheren Jahre eine besonders starke Frequenz aufzuwci.en haben, werden auherdem Vorzüge un) unter ilmflänten noch Rachzüge eingelegt. Der im vorigen Jahr neu eingeführte Dorverkauf von Platzkarten zu den Dorzügen dir v- Züge, der beim reisenden Publikum Ankang gefüllten hat, wird auch für den diesjährigen W.ihnachtsvcriehr bei- behalten. Man kann sich auf diese Weise bereit- drei Tage vor dem Reisetag einen Platz In allen Reilebureaus, wiIch« gleichzeitig Dertretungen des Mitteleuropäischen Reiseoureaus sind, sichern. Damit die Dorzüge dm Rüsenr«n dieselben An- nehmlich/eiten wie die Houptzüg« bieten, werden ihnen an den Hauptreisetagen, am 23. und 24. D:zember, Speisewagen der Mitropa aus den 6lreden von Berlin nach Dresden, München. Frankfurt a. M., Breslau, Schneidemühl, Hamm unb Äöln beigegeben. Die Benutzung der Sonnlagsrückfahr- farten, die bekanntlich eine FahrpreiSermäfti- aung von 33V» Prozent bieten, ist in diesem Jahre für eine kurze Reise über die Festtage recht günstig Die Gültigkeitsdauer erstrecht sich übet Weihnachten, vom 23. Dezember 12 Uhr mittag- bis zum 27. Dezember morgens, und zu Reujahr vom 31. Dezember 12 Uhr mittags bis zum 3. Januar morgens, wenn die Rückfahrt an diesen Tagen (2Z. Dezember bzw. 3. Januar) bis 9 Uhr morgens angetreten ist. Bornotizcn. — TageSkalender für Mittwoch. Stadtthealer: 3,30 Uhr nachm., Märchenfpiet „Frau Ho.le" ((8nbe 5,45 Uyr). — Evangelischer Kirchengelangverein: 8 Uhr, Stadtkirche, Weh- nachsse-er mit Kirchen-Oratorium: „Die Geburt Christ!". — Lich.sp.e.haus Bahn^osstrafte: „Der Geiger von F.orenz": Astoria-Lichtspiele: DaS Rctz des SchiclsalS". e L. U. Bon der Landes-UniversitSt. Dem 1. Assistenzort an der Univ.-Augenklinik, Dr. Heinrich Kranz, wurde die venia legendi für das Fach der Augenheilkunde bei der Medizinischen Fakultät; dem Assistenten am Institut für experimentell« Psychologie und experimentelle Pädagogik, Dr. Johann Georg Hartgenbusch, die venia legendi für das Fach der experimentellen Psychologie bei der Philosophischen Fakultät, 2. Abtlg., er« “ Der Telephon verkehr Gieften — London ist feit feiner Einrichtung anfangs dieses MonatS schon wiederholt in Anspruch genommen worden. SS hat sich dabei heraus- aestellt, datz die Verständigung in allen Fallen sehr gut war. Der Einrichtung wird hoffentlich auch weiterhin rege Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit sie unserer Stadt erhalten bleibt. •• D i e Geldinstitute unserer Stadt werden am Weihnachtsh.'iligabend nur vormittags geöffnet fein: die Reichs bank schlietzt um 12 Uhr, die übrigen Institute um 1 Uhr. Abgesehen von der Reichsbank werden alle übrigen Geldinstitute auch am Montag. 27. Dezember, geschloßen bleiben. Die Geschäftswelt sei hieran noch einmal erinnert. " Die WeihnachtSferien der Dchu- l e n nehmen heute löten Anfang, sehr zur Freude unserer Buben und Mädels. Die Ruhepause wird indessen nicht allzu lange dauern, denn der Unterricht beginnt bereits am 6. Januar wieder. " Wichtig für Pensionäre der Reichsbahn. W.r die Gisenbahnstationskasse Dietzen und mitteilt, können Ruhestands beamte, Warteaeldempfängrr und Hinterbliebene im Bereiche der ReichSbahnoerwaltung die Rolzu-oen- bung noch vor Weihnachten bei der hiesigen Stationskasse in Emvfanq nehmen. Q Rohrbruch in der Wasserleitung. In Der letzten Nacht ist am Marktplatz vor dem Schuhhaus Herbert das Rohr der Wasterleitung geborsten. Einiae Keller in der Nähe der Unfallstelle stehen unter Wasser. Die Arbeiten zur Beseitigung des Schadens sind seit heute früh im Gange, sie ' werden allerdings dadurch erschwert, datz zwischen den Stratzenbahngleisen aufgebrochen werden muß und dabei Rücksicht zu nehmen ist auf die flüssige Abwicklung des Verkehrs. Im Lichtspielhaus Bahnhof- st ratze wird gegenwärtig der Film .Der feiger von Florenz^ gezeigt, dem eine besondere Bedeutung dadurch zukommt, datz in ibtn die berühmte Berliner Schauspielerin Elisabeth B e r g n c r zum ersten Dlalc vor den Kurteltaslen tritt. Diese Tatsache ist auch im Manuskript weitgehend berückichllgt worden, das gleichsam die Devile trägt .Ein Film um Elisabeth Bergner . Sie ist der Mittelpunkt und der Pol. um den sich die übrigen Figuren — mehr oder weniger Im Hintergrund bleibend — bewegen. In der Hauptrolle kann sie ihre eminente A^^rucksmäglichk.ll auL gezeichnet entfalten: die kindliche Liebe zum Doter, die Abneigung gegen bie .neue" Mutter, Enttäuschung und kindliches Weh, später, fein abgestuft, das Erwachen fraulichen Gefühls, die aufkeimende Ci.'be zum Manne. Hier offenbart sich reifstes künstlerisches Können, eine Glanzleistung. die daS Romanhafte der Handlung — hier Selbstzweck — nebensächlich erscheinen lätzt. Im Ganzen: ein Film von seltenem Format, der es wünschen Ützt. Slllabeth Bergner noch in anderen Filmrollen zu leben. ’• T i e Maul- und Klauenseuche ist neuerdings In folgenden Orten amtlich feflgefteUt worden: Grotzen-Linden. Alten-Buseck (Kreis ®le- tzcn), Dorn-Aisenheim (fir. Friedberg) Höchst a. d. Ridder (fir. Büdingen), Zell (Rr. Alsfeld), Fron- Hausen (Kr Marburg). Erlolchen ist die Seuche in Hattenrod. Harbach, Duerfbom, Röthges (Kreis Tiehen). DberroöUftabt. Niederflorstadt (Kr. Fried- berg), Vetzberg, Dillheim, Allendors, Stockhausen. Ulm und Werdors (fir. Weglar). •• Austrieb aui Dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: drei Kühe, 15 Färsen, 31 Kälber, 258 Schafe, 161 Schweine. weiteren Toren seinen Ausdruck sand. D. f. 2.- Dornheim Hal damit mit einem Punkt Dor- sprung die Tabellensührung übernommen. Gießen verliert In Hanau 1:4. Sin Spiel, das in sportlicher Hinsicht nach jeder Richtung befriedigte, sand am Sonntag in Hanau fta:t. Dietzen h alte das Pech, nur mit 10 Mann antreten zu müllen, Io datz die vier 6.ümiet nicht die er orde.Uche Du:ch,chlagskrast oufbringen konnten Trotzdem gelang es der Mannschaft infolge ihrer vornehmen Spielwe.^e. sich die Vvmpathicn her Zuschauer zu erwerben. DiS zur Pause konnte Dietzen durch einen vcr- wande::eu Eckball den AuSgie.ch txr?.ellen. Trotzdem Dietzen nach dem W.ederantritl oft ge ähriich wurde, gelangen keine weiteren Srsolgc, während Hanau drei weitere Tore erzielte. DaS EckenverhältniS lautete 13:1 zugunsten HanauS. Freier Turn- und Sportverein Wieseck. wicseck I — Doubrlngen I 5:1 (Ecken 8:2). £ Ein recht i.iterehantcä Spiel z.iglen am Sonntag obige Mannschaften auf dein Wald- fporrp.atz in Wieseck. Deidc Mannschaften welt- eiserien in der Dorsührung eines ruhigen und fairen Kampfes, was ihnen auch restlos gelang. Saubringen überraschte durch eine ganz famose Spielweise, nur wäre ihnen noch ein etwas sicherer Tormann zu wünschen. Wieseck stellte die auSgegliche, ere Els, die hauptsächlich im Sturm ein produktives Spiel zeigte, dem Mittelläufer fehlte daS genaue, präzise Zuspiel, ein Mangel, der durch die geleistete gute Abwehrarbeit mehr als ausgeglichen wurde. Bis zur Pause kam daS Spiel durch Selbsttor der Wiesecker auf 2:1 für Wicf.-ck Rach dem Seitenwechsel zeigte Wieseck ein brillantes Spiel. Bereits in der 7. Minute wanderte der Ball vor dem Daubringer Tor von Kops zu Kops, bis ihn der Mittelstürmer W elecks zum dritten Tor einköpfle. 15 Minuten später schvtz der linke Läu'er ein Prachllor als viertes, dem der Halbrechte nach abermals zehn Minuten das fünfte folgen lieft Zwischendurch erhöhte die Wielecker Mannlchast die Zahl der Ecken auf 8. Der einzige Erfolg der Daubringer während der zweiten Halb'eit war eine Ecke. Der mitunter etwas reichlichen Berleidiguna verdanken die Gäste, datz die Riederlage nicht hoher auifieL Freie Turnerschaft Gießen £ Für den Sonntag hatte sich Dirtzen c’.nen recht starken Gegner verpflichtet. Ib trat gegen Raunheim I an. Gleich zu Beginn setzte 'ich Raumheim in der Spielhälf.e der D etzener lest und konnte in kurzer ?e i drei Tore erzielen. Run gestaltete Gieften das Spiel offener, es konnte demzufolge mehrmals ae'ährlich werden und auch sein einziges und Ehrentor erzielen. Bi- zur Pause erzielte Raunheim noch ein viertes Tor. Rach dem Wechsel äutzerst fkotteS Spiel, bei dem Raunheim sehr gute Kombinat onsarbeit zeigte unb seinen Sieg auf 5:1 erhöhen konnte. Dietzens Ib stellte erneut unter Beweis, datz sie reif für die erste Klasse ist. Rundfunk-Programm deS ftrtinffnrter TcnderZ. (Aus der »Radio-Umschau".) Donnerstag, 23. Dezember. 3,30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 5,45 Uhr: Konzert des Hausorchesters- G. Puccini. 5,45 bis 6.05 Uhr Die Lesestunde. 6,15 bis 6.45 Uhr: Uebertragung von Kassel: „Zwei Ehristus'egenden" von Srlrna Lagerlof. 6,45 bis 7.15 Uhr: „Der Gesellschaftstanz (sein Drund resen, seine Entstehung, se ne Musik, seine gesellschastliche Bedeutung)", Dortrag von Earl Hagemann, Intendant des Staa'Sthca ers Wiesbaden. 7,15 bis 7.45 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8,15 b:S 9.15 Uhr: Heiterer Abend. 9,15 bis 10 15 Uhr: Streichquartette. Anschlietzend bis 12,30 Uhr: Tanzmusik. Sei vernünftig! Man kann attdi modern und frfiön lein, o3ne ge» raoe bie mit libcia.iö qrofter 11? flame anncDricfe» neu Mu el in lurnr. Vackniig zu raufen Vhn auf- iafienbitenjctai stch bic<* AiixAeit bet Haarwafchtnif ’rln — Das feit 199M nullionenlarf) bciuäbrte ^cltnon-finDfrorirftDitlver, welches bekanntlich die y'fl 're aanc wunderbar verschönert, enthält In einem Päckchen für 304 stets 2 abaeieilte Vollivaschiin en. L adurch stellt es sich neacu lurur. verva te Metel mit nur 1 Waichuna tatsächlich um die Hüllte b'U aer. fi-'ufen a ich Sie deshalb Mir nächsten tfaartüakfie das vorleilha'ieie OeIIvon, welches in icdein cimtülänfacn (McLltaft erhältlich ist Auch für "Inder ist vrilpon aaraniiert nnkchädllch. l> H Turnen, Sport und Spiel. Handball im Gau Hessen der D.T. 7Ntv. Gieften — Io. Heuchelheim 4:3. 0 Zu einem FreundschaftSsp.e« hatten sich am Sonntag auf dem Spielplatz des Männer- Turnvereins dir 2. Mannschaft des Turavere.ns Heuchelhcim und eine aus der 2. und 3. Mann- schast des Plahvereins eingesunden. Ob es ratsam war. den In nicht allzu guter D.rfassun^ befindlichen Platz zu benuh:n. toä;e einer Prüfung zu unterziehen, deren Ergrbn s sicher mit einer D.r- legung des Spieles gee:rd:t hätte. Das Spiel zeigte, datz Liner der Gegner über groftc spiel- technische F rtigkeiten verfügte; Fings cherheit und Stellungsspiel waren nicht ausgeprägt. Gieften hatte mehr vom Spiel, da tnxf) schon einige spielersahrene Leut? in der Mannschaft stand n: Heuchelheim legte ri s gen Eifer an den Tag. der ibm fast den Ausgleich gebracht HU:e. Für Heuchelheim ist es sicher von Dorieil. recht oft F.e^ndschaftSspie'e arSzu ragen, damit der rührige Turnverein endlich an den Gaurunden teilnehmen tann; eine Unmöglichkeit ist es nicht, und wenn der Wille vorhanden ist, dann wird die Tat und mit ihr der Erfolg kommen. V. f. B. D. f. D. Liga - .Hessen" 09 Kassel Liga 2:2. D. f. B. Ligareserve - 2IMar I 11:1. D. s. B. Dritte - Lich ll 1:4. Mit dem Spiel am Sonntag hat die diesjährige Derbandsspielrunde der Bezirksliga für den hiesigen Dertreter ihren Abschluh gefunden. Gs war ein typischer Puicktetarnpf, der in bezug aus technische FeinLsiten usw. nur selten etwas Besonderes bs-t, dafür jedoch um so reicher an Abwechlluirg und spannenden Momenten war. Schon allein durch das ungemein forsche Tempo, in dem das Spiel von Anfang bis Ende durchgeführt wurde, lag über dem ganzen eine ungewöhnliche Spannung. Die ,Kasseler Hessen" Kimen mit ihrer stärksten Mannschaft, sahen, datz D. f. D. nur mit 10 Mann antrat, und glaubten nun wohl auch bestimmt zu siegen. Die ersten 15 Minuten sahen denn auch wenig verheitzungs- voll für Gieften aus. Die gesamte Deckungsmannschaft muhte alles Können auf bieten, um Erfolge des stark drängenden Gegners zu verhüten. Die Derieidigung besonders leistete hierbei Hervorragendes. Kassels Angriffe waren mehr stürmifch als planvoll und scheiterten sämtlich an der zähen Abwehr der Platzelf. Erst als Möller für den ausgebliebenen Singel eingesprungen war, gelang es D. f. B, sich aus der Umklammerung frei zu machen und seinerseits allmählich zum Angriff überzugehen. Wahrend der Gegner sich anscheinend zu stark verausgabt hatte, baute die einheimische Läuferreihe mehr und mehr aus und unter,"tü 3tc den Sturm bei seinen Angriffsaktionen aufs beste. Rach äutzerst wechselvollem Spiel ging es torlos in die Pause. Sofort mit Wiederbeginn setzten beiderseits energische Angriffe ein. Auch jetzt war D. f. D. leicht überlegen einige sehr günstige Gelegenheiten wurden aber im liebereifer verdorben. Endlich gelang es P i t s ch. den Führungstreffer für frinen Derein zu er teien. Kassel trug nun eine Härte in das Srirl. die oft die Grenze des Erlaubten überschritt und vom Schiedsrichter hätte verhütet werden müssen. Richt zuletzt hierdurch kam ^Hessen" wieder mehr auf und konnte bald darauf den Ausgleich Herstellen, um wenig später auch noch in Führung zu gehen. Hierauf ging D. f. D. unter Aufbietung der ganzen Kraft zum Endspurt über und stellte das Ergebnis auf 2:2, bei dem es trotz starken Drängens der Platzmannschaft bis zum Schlutz- pfiff blieb. Dieses Ergebnis ist für die stark geschwächte D. f. D.-Mann|chaft als sehr gut zu bezeichnen. Die Ligareserve hatte sich die Erste von Atzlar zum fälligen Rückspiel hierher verpflichtet und schickte diese mit nicht weniger alS 11: 1 nach Hause. Obgleich die Gäste ebenfalls zue ^-Klasse gehören, reichte ihr Können nicht aus, sich Geltung zu verschossen. Lobenswert war ihr Eifer und ihr sportlicher Anstand, mit dem sie die hohe Riederlage hinnahmen. Die Dritte trat infolge Irrtums bei der Benachrichtigung mit nur acht Mann an und muhte sich demzufolge der Zweiten LichS mit 1:4 beugen Wetzlarer Fuhball. F.L. Wetzlar 05 — v. s. R. Butzbach 4:2. tz. Butzbach war in der Dorserie der erste Gegner deS §. E. und blieb damals mit 5:1 einwandfreier Sieger. D.esmal drehten die Wetzlarer den Spietz um und gewannen ihrerse.ts mit 4:2 in einem Sp el. das s c verdientermaßen eigentlich noch höher hätten gewinnen müssen. Bei Beg nn des Kampfes hatten beide Parteien nur 9 Mann zur Stelle. Wetzlar vervollständigte sich zuerst und legte in di.ser kurzen Zeit der zahlenmätzigen Ucberlegenheit nur ein Tor vor. währen), den Ehancen nach mindestens deren 3 halten fallen müssen. Als Bntzbach ebenfalls seine 11 Leute zur Stelle hatte, zogen die Gäste glrich. Richt nur das, sogar das Führungstor zum 1:2 Stand lieft nicht lange auf sich warten. All:rd ngs war d eser zweite Erfolg mehr als zweifelhaft. Trotz der 1:2-Führung der Gäste waren die F. C.er im allgemeinen und im Feidsp el die besseren, zeigten jedoch vor dem feindlichen Tor eine merkliche Unsicherheit. Erst nach dem Wechsel, eine Viertel- stunde vor Schlaft, stellt: der Wetzlarer QRtitel- laufet durch einen Prachtschuft das Ergebnis auf 2:2. Die rechte Wetzlarer Seite erz.elte dann in forschem Ansturm aus dem ©:t)ränge das 3., und als der gute Butzbacher Tormann einen Da!! unglücüich an den Gegner abschlua. daS 4. Tor. Unter fast ständigem Drängen der Wetzlarer, das nur von einzelnen Angriffen der Gäste unterbrochen wurde, setzten sich diese d.rrch 2 gewonnene Punkte in der Tabelle vor Butzbach und den B. C. Wetzlar. Die Äreismeifterjdiaftsfplcle im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Aeberraschungen in Friedberg. ~ Sensationeller konnte daS Zusammentreffen zwischen dem Tabellenletzten mit dem Tabelle «.ersten iroftl schwerlich gestattet werden. An dieser Stelle ist schon immer gesagt worden, daft in der Friedberger Mannschaft ein guter Kern steckt und daft widrige Umstände die seitherigen Riederlaaen verschulde en. Daft aber der Umschwung lo plötzlich und so überzeu'end kam. hatte niemand erwartet, vielmehr rechnete man mit einem Laren Sieg des Tabellenersten Mörfelden. Dieser hat scheinbar seinen Gegner bedeu'end unterschätzt, und als bann bei Halbzeit Friedberg bereits mit 4:1 in Front lag, war das Spiel bereits verloren. Die aufterorbent- lich ungünstigen Platzverhäl'nille mögen noch ein übriges dazu beigeiragen haben, so haft am Schlu'se Friedberg mit 6:1 Toren Mörfelden durch diese R'ederlage auf den zweiten Platz verweilen konn e. Dem Spielverlauf nach hatte Friedberg verdient gewonnen. Bornheim schlägt WirSbaden 4:0. Rach seiner letzten Riederlage gegen Mörfelden zeigte Bornheim diesmal ein entschlösse, e e3 6;ter, beson' ers in der S ü. men elfte. Rach zunächst ausgeglichenem Kamps übernahm Bornheim durch einen Slsmeier die Führung. Aach der Pause zeigte sich die Ueberlegenheit der Frankfurier immer deutlicher, waS in drei 08850 Re i und Hasen Im Aueschnltt Gänse Enten Puter Hahnen - Poularden | Mast-Tauben SCHWAAB Feinkost. (Schmelz, Milch, Run und vanille) zusammen Mk. 1.— Th. Schlierbach. Sonderangebot! 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Hubertus heute: ^‘d Hessischer Hof. Nr. 299 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Mittwoch, 22. Dezember 1926 ist und rocittrapenb, daß man bei einer Erörterung des Wohnungsproblems nicht daran wird Vorbeigehen können. Das Wohnungsproblem aber drkngt zur Lösung. Mit vollem Recht schreibt Staatsminister von Locbell einleitend zur Denkschrift: „Die Woh- nungslosen und die Arbeitslosen erwarten eine er- lösende Tat." General f) e r fo o g , 3U richten. Die nationalistischen Buren dagegen bewahren ihrem Führer gegenüber eine oorbilblidje Parteidisziplin und scheinen sich mit dem Gedanken versöhnt zu haben, Schritt für Schritt ihr heihumstrittenes Ideal eines völlig un» ----Die Klang, Farbe, Rhythmus des Szenenbildes. Man hat das sichere Gefühl: dies hier begibt sich in Mexiko. (Ohne recht zu wissen, warum.) Wer Wersel kann das: mit drei Worten eine Landschaft malen, der Phantasie mit sparsamsten Farben, ein paar flüchtigen Geigenstrichen, einem Trommelwirbel, einer Marschmusik, etlichen flatternden Wimpeln die Richtung weisen. (Einmal läßt der Kaiser, so nebenbei, die Worte fallen: „Ananas, Azur und Kolibri!..." 5>.c drei Worte geben der Szene Hintergrund, Ausblick und Stttn- mung; man schlictzt die Augen, man ist in Mexiko.) Ein bestrickender Einfall: Iuarez, das große, unmittelbarste Gegenspiel Maxim lians, bleibt unsichtbar. Rapoleon auch: aber Dazaine ist von innen und außen sein getreues Abbild. Iuarez spiegelt sich vielfältiger. 3m Einzelnen (in Di,z etwa), in Gruppen, in Massen derer, die ihm anhängen. Man sieht nicht ihn selbst, sondern seinen Schatten, ilnö der Schatten ist riesengroß, beherrscht die Szene fast stärker, als es eine lcibhastige Verkörperung vermöchte. D.e unheimlich ungreifbare Gefährlichkeit di:ses Degoers ist erstaunlich ins Drama gezaubert. Ein ausgezeichneter Zug, den Unsichtbaren durch daS Auge der andern erleben zu lassen. Ganz zuerst, wenn ein Kriegsberichterstatter einen kurzen Blick ins Rebenzimmer wirst, wo der Dürgerprüsident ausruht. Ganz zuletzt, im Epilog, wenn man 3uarez hinter einer zuckenden, jauchzenden, rasenden Bolkemenge einziehen sieht uni) hört. Man hat gelagt: Iuarez werde ..erklärt", wie der Schill:.Wallenstein durch sein Lager. Lind wieder dentt inan an den Friedländer: wenn Maximilian dem ärgsten Verräter (Lopez) am sorglosesten vertraut. Oder wenn man erlebt, wie der Einfluß einer ehrgeizigen Frau (der Kaiserin Char'.o te) den Untergang des unglücklichen Habsburgers besch.eunigt. SS fehtt an Raum und ist auch nach dem zuvor Gesagten nicht notwendig, dem Ganz der Er- eigni se im Einzelnen zu folgen. Werfel schrieb den tragisch umleuchtcten Schlußakt deS Habs- burgisch-mexi'anilchen Aben euere M t toeriren Worten: Maximilian ist „eine Fehlbesetzung", ein zarter, ganz nach Innen gerichteter, um 3deale ringender Mensch, ein Träumer, Schwärmer, Romanttrer: kein Hande'nder, kein Pol ti er. fein Feldherr: ht.f'oZ zwischen größeren Mach en. taub gegen gu'e Stimmen, Freunde, Helfer: blind vor Gegenkräften, vor offenen und heimlichen Gegnern: er will ein glückliches Mexiko, die Versöhnung mit 3uarez. die .Indianerreform" — er muh den Blutbefehl unterschreiben, sich Die Beurteilung, die die Tätigkeit des Generals Heruog auf der Londoner Konferenz sowohl in s. A. P.- wie m Na:. Kreisen Südafrikas gefunden hat, ist geeignet, auf die Einigung der vurischen 3 '.'1. P n t b bar cinzuwirken, um so mehr, als sich in Natal (Durban), viele, auch gemäßigte, englische Mitglieder der 5. A. P. um die Gruppierung des englischen Bcoölkerungselements unter der Parole „Südafrika erst als Teil des britischen Reiches" bemühen. In diesem Falle würde ein reines Burenkadinelt mit Sjerfcog und Smuts als prägnantesten Persönlich- keilen auf eine bauernde Mehrheit im Parlament und auf die Möglichkeit rechnen können, die jedem Buren oorschwebenden Ideale eines vom Aequator bis zum Kap geeinigten Durenreichs allmählich zu verwirkttchen. sollten die beiden burischen Lager die Brücke zu dauernder 3ufammcnarbeii finden, fo sind die Tage der britischen Fahne, der englischen j)crr|"d)ait und des englischen Elements in Südafrika endgültig vorbei. Der Reichsbürgerrat zum Wohnungsbauproblem. Der Reichsbürgerrat hat in einer im „Deut* chenspiegel" soeben veröffentlichten Denk- chrift ausführlich zu dem gesamten Problem Stel- ung genommen. Er erhebt die Forderung, daß die Wohnungszwangswirlschaft alsbald aufgehoben werden müsse, und daß man mit aller Energie die Maßnahmen zu ergreifen habe, die notwendig sind, um die bisher staatlich gebundene Wohnungswirt- schcift wiederum den Gesetzen der freien Wirtschaft überzuführen. Er legt mit überzeugendem Zahlenmaterial dar, daß das Haupthinbernis für einen ausreichenden Wohnungsbau weniger in dem absoluten Mangel an Kapital als vielmehr in der ungenügenden Rentabilität des baulich festgelegten Kapitals zu suchen ift Da sowohl die Herstellungskosten für Neuhäuser wie insbesondere die Zinsen für die Baukapitalien weit über dem durchschnittlichen Lebenshaltungsinder liegen, muß nach seinen Darlegungen die Hauptaufgabe darin bestehen, durch eine entsprechende Ermäßigung der Zinsen des Baukapitals den notwendigen Ausgleich herbeizuführen. Die Grundgedanken sind kurz folgende: JsteineReichswohnungszähIung notwendig? Der Rum-'er 53 brs ^Deutschenspie» gell (Berlin W 33) entnehmen wir: Die Reichsregierung wilc im fommeniKm Jahre eine allgemeine Wohnungszählung vorn:hmen. Sie glaubt, diese Zählung zu brauchen, um die Grundlagen für i) i e Wohnungsbau- Politik der nächsten Jahre zu schaffen. Die Zählung kostet selbstverständlich Geld, sogar viel Geld. Allein der Rüchsarbeitsminisdrr rechnet mit einem Kostenanteil des Reichs von 6XC0Ö Reichsmark. Wenn man den Wohnungsneubau der privaten^ Initiative wicder zuführ!, dann wird diese Zählung überflüssig. Statt einen umständlichen buceaukratischen Apparat in Bewegung zu setzen und Zählungen zu veranstalten, deren endgültige Ergebnisse erst nach mo.iate- lancer Frist zugänglich werden und auch dann wahrscheinlich fragwürdig bleiacn, sollte man es der freien Wirtschaft überlas,en, den Bedarf in der ihr gewohnten W:ise festzustellen. Die freie Wirtschaft besitzt ein sehr feines Fingerspitzengefühl für den tatsächlich:n Bedarf. Sie ist taufenbmal besser als jede Bureaulratie in der Lage, ihn festzu,stellen und ihn in wirtschaftlich einwandfreier Weise zu decken, wenn man ihr nur den Weg dazu freigibt. Die unproduktive Ausgabe der Wohnungszählung kann erspart werden, wenn man rechtzeitig daran geht, ben vorn Reichsbürgerrat in seiner kürzlich veröffentlichten Denkschrift vom Wohnungsbauproblem gemachten Vorschlag, auf den auch wir hingewiesen haben, in die Tat umzusetzrn. Gießener Stadttheater. Kranz BZerfcl: „Iuarez und Maximilian". Was ist uns Iuarez? Wer weint um Maximilian? Wer erinnert sich an das politische Zwischenspiel in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wer denkt noch an den längst begrabenen Kaisertraum A.tÖsterreichs in Mexllo? Kaum einer. Die riesigen Schatten der uns näheren Weltgeschichte verwischen alles, was als Episode vorherging. iliü> dies hier war nicht mehr als eine Episode: vor welthistorischen Kulissen zwar... aber flüchtige Erinnerung haftet demroch minder am Schulwissen, als etwa an zwei verbreiteten Bildern, die die scharfen Pointen des Intermezzos sinnfälliger auf die Rach- toelt brachten: sie schildern die „letzten Augenblicke" (beliebtes Motiv aller Historienmalerei!) und die Erschießung des gescheiterten Habsburgers Maximilian. Zwar kommt es — uns, heute — so wenig auf den Inhalt dieser Gemälde an. wie darauf, daß man die geschichtlichen Vorgänge kennt. Immerhin ist es förderlich, an d.e wichtigsten Daten zu erinnern. Rach der Abdankung Augustins I. war Mexiko Republik, die Republik Schauplatz dauernder Bürgerkriege. Ein Präsident stürzte den andern. Präsident Iuarez, der 1861 ans Ruder kam, zeichnete sich zunächst durch eine scharf antiklerikale Haltung aus, geriet auch bald in außenpolitische Verwicklungen: England. Spanien, Frankreich sahen ihre südamerikanischen Interessen bedroht. Währeird England und Spanien, nicht gewillt, die politischen Phantasien Rapo- leons III. mitzumachen, sich diplomatisch mit 3ua- xex verständigten, erklärten die hitzigen Fran- rosen den Krieg, landeten Truppen, beramen das Land militärisch in die Hand — und schoben den Erzherzog Maximilian (Bruder des Kaisers Franz Josef) auf den Thron der von ihnen errichteten Monarchie. Maximilian folgte gutgläubig der (französisch beeinflußten) .Stimme deS Volkes" von Mexiko. Iuarez wurde zwar in den Rorden deS Landes gedrängt, aber nicht unterworfen. Maximilians Stellung war äußerst unglücklich. Zumal das von den Franzosen erzwungene ,Blutd:kre." verschärfte die Abneigung gegen den fremden Kaiser, dessen Lage krllisch wurde, als Iuarez wieder vorzugeben begann, und die Franzosen (unter dem Druck Nordamerikas) die Räumung deS Landes begannen. 1867 schifften die letz.en unter Rapoleons Statthalter Baza ine sich ein. Maximilian glaubte bleiben zu müssen, obwohl seine Anhängerschaft sich schnell verringerte. Er wurde mehrfach geschlagen, gefangengenommen, zuletzt standrechtlich verurteilt und (19. Juni 1867) mit zwei Generalen erschossen. Iuarez zog als Sieg-er in Mexiko ein. Werfel sucht hier (und findet) den Ausgleich zwischen Geschichte und Tragödie, er gibt eine künstlerische Historiographie. Das h ißt: aus einem politischen Ein; eis all wird der menschliche Gehalt in einer dichterisch gestalteten Form herauskristallisiert. Der Vorgang wird in feinen inneren ilmriff en, mit seinen seelischen Hintergründen und Triebkräften anS Licht gebracht: nicht der politische, diplomatische, militärische Fall steht zur Verhandlung der Rachwelt, nur der menschliche. Wie Maximilian bei Lebzeiten wirklich gewesen ist, wie er innerlich ausgeschaut hat. wird vielleicht nie einer ergründen. Man ist — noch in den ersten Szenen der Historie — überhaupt im Zweifel, ob er so etwas sein kann wie ein Modell zum dramatischen Helden. Ist er nicht eine ganz passive, handlungsunfähige Gestalt, ohne Energien und Triebkräfte? Man merkt später: er ist es nicht. Rur: die Tragödie dieses Mannes — wofern es Tragödie ist — wurde ganz nach innen getrieben. Er ist (bei Werfel) und war (in der Desch chte) doch wohl mehr als nur eine Schachbrettfigur im Spiel der Mächte, zwischen den großen Spielführern Ra- poleon und Iuarez. Das Ganze ist auch mehr als nacherzählende, aufreihende, bilderstcllende Chronik: Raum, Zeit, Handlungselemente sehen sich in dramatische Energien um. Werfel erweist sich als e n Dialektiker großen Stils, der den aus Gegenpolen entspringenden, zur Spannung hochgetriebonen Gesprächsablauf glänzend beherrscht. Hier erlebt man kaum mehr die langatmigen Reflexionen und opernhaften Selbstgespräch: des alten Dramas: eine glückliche Gabe zu strenger Prägung des Wesentlich:n, eine scharfgeistige Sprache macht die Szene gleichsam durchsichtig, läßt zwischen den g sprachen en Worten die inneren Zusammenhänge wahrnehmbar Werdern Die Dildkrall Werfels offenbart sich ebenso im Ablauf des Ganzen, im szenischen Ausbau und Wandel der drei Phasen deS Äückes. wie im einzelnen, etwa in den sehr klar aus grellem Licht und prallem Schatten herauSmodellierten Umritten der handelnden Gestalten. Man spürt auch den Lyriker Werfel deutlich. und es ist — sonderbarerweise — kein Fehler, daß man ihn spürt. Er gab doS Atmosphärische der Historie, abhängigen Südafrika verwirklicht zu sehen. Buren sanden mit der Zeit Verständnis für die genialen Pläne ihres englischen Mitbürgers Cecil N h o d e s. sie haben eingejehen, daß die Parole: ein einheitliches südafrikanisches Reich vom Aequa- tor bis zum Kap der Guten Hoffnung! von den Buren übernommen werden kann, und daß es Umgruppierung in Südafrika. Von einem gelegentlichen Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Stellenbosch, im November 1926. Soweit man aus den sich stark widersprechenden Aeußerungen der verschiedenen südafrikanischen politischen Kreise ein gültiges Urteil bilden kann, ist die öffentliche Meinung in Südafrika mit den noch sehr nebelhaften Ergebnissen der britischen Reichs- konserenz .zufrieden. Selbstverständlich befleißigt sich die sübafrika- Nische Imgopresse damit, in den getroffenen Regelungen nur schwarze Gefahren für den weiteren Bestand des britischen Reiches zu sehen, vor allem die unionistischcn Organe der Natalprooinz glauben die britische Regierung vor voreiligen Schritten auf dem Wege zur Reichsdezentralisation warnen zu müssen und kündigen den Unabhängigkeitsbestre- Düngen ihrer südafrikanischen Landsleute nieder- deutlchen Stammes leidenschaftliche Bekämpfung an. Die südafrikanische Partei ihrerseits sieht in dem Ergebnis der Rcichskonferenz zum Teil die Verwirklichung eines Punktes ihres eigenen Programms und benutzt die Gelegenheit, um einige Unsreundlich- teilen an die Adresse des nationalistischen Premiers, dem Eindringen Iamesons, 1896, „The South Asrican League". Sehr zu denken gibt die Tatsache, daß die spitzsindigcn Gründer und Drahtzieher dieser irreführcnben Vereine stets einer und derselben Bevölkerungsgruppe angehön haben, nämlich der Randssinanz. dem Großlapital, das die Vernichtung der südafrikanischen Republik als höchstes poli- tisches Ideal betrachtete. Nach dem zweiten Freiheitskrieg entwickelte sich 1904 aus den Uederbleibseln dieser früheren Vereine allmählich eine organisierte Parteipolitik; dieselbe kapitalistisch eingestellte Gruppe hatte unter dem gleichfalls irreführenden Namen progressive (fortschrittliche) Partei eine neue Vereinigung gegründet, während die Burenführer Botha und Smuts ihre transoaalcr Gefolgschaft im „Volk" zu- sammenfahten, und eine dritte Gruppe, die der englischen Afrikaner, unter der Führerschaft colomons und Hulls die „Responsible Government Assoeia- tion ins Leben gerufen hatte. Aus dem ersten Wahl- kampf 1907 trat Louis Botha als Sieger hervor und bildete das erste Transoaaler Kabinett. Die „progressive"' Partei war vernichtend geschlagen worden. Als 1910 die Südafrikanische Union zustande kam, vereinigten sich die Surenparteien der verschiedenen Provinzen zur „Südafrikanischen Nationalen Partei", die spater „Südafrikanische Partei" genannt wurde, während ihre Gegner sich um die „Unionistische Partei" scharten und die englischen Industriearbeiter in den verschiedenen Bergwerksbezirke!. Ortsgruppen einer Südafrikanischen Ar- beiterpartei gründeten. Im Wahlkampf siegten die Buren noch einmal und Botha konnte auch als erster Premier der Union die Bildung des Kabinetts übernehmen. 1912 veranlaßten grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten den General Hertzog zum Austritt aus dem Botha-Kabinett und bald darauf wurde durch Gründung der Nationalen afrikanischen Partei gegen die Tendenz Bothas, zugunsten imperialistischer und kapitalistischer Interessen die unmittelbaren Belange des eigenen Stammes zu vernachlässigen, ein Gegengewicht geschaffen, das bald auf Kosten der S.A. P. so starke Bedeutung gewinnen konnte, daß die S. A. P. gezwungen wurde, bei anderen Parteien die für eine Aufrechterhaltung der Regierungsmehrheit erforderliche Unterstützung zu suchen. Im Wahlkampf 1924 wurde die „unlonistische" S. A. P. von den durch Wahlpakt vereinigten N. A. P. und Arbeiterpartei geschlagen und von den siegreichen Parteien eine Koalitionsregierung gebildet, an deren Spitze sich General Hertzog bis auf heute zu halten vermochte und in deren Schoß sowohl die Nationalisten wie die beiden Arbeiter* 'Vertreter ihren verschiedenen Grundsätzen treu bleiben konnten. Inzwischen ist von den alten Grundsätzen der S. A. P. nach ihrer organischen Verschmelzung mit den Unionisten praktisch nicht viel übrig gebileben: von den 52 Parlamentsmitgliedern der S. A. P. stnd 36 frühere Unionisten und nur 16 noch ehemalige „Sappen". General Smuts, der immer noch dem Namen nach als Führer d?r S. A. P. gilt, hat feit 1925 das Vertrauen der beiden Flügel feiner Partei mehr und mehr verloren und versucht nun meistens durch private Vermittler eine Wiederver- elnigung mit der Partei Hertzog zustande zu bringen. General Smuts mußte, wenn er seiner Partei nicht zum Selbstmord raten wollte, sein ganzes Augenmerk auf eine Entzweiung der beiden Regie- rungsparteien richten. Im vorigen Mai vermeinte er eine günstige Gelegenheit dazu im Flaggen- und Nationalitätsenlwurf des Dr. Malan zu erblicken. Jedoch bat die ganze Flaggenkampagne keiner Partei so empfindlich geschadet, als gerade der S. A. P., die doch die ganze Bewegung ins Rollen gebracht hatte. Vor allem in Natal und anderen britischen Bezirken haben verschiedene Mitglieder der S. A. P. in ihrem Haß gegen die Suren sich zur Gründung großer englischer Aktionsoereine, wie „Empire Group . „Unity League", „British Patrio- tic League" verleiten lassen, während die aus Kanada importierte Geheimorganisation der „Sons of England" große Verstimmung in den Reihen der 6. A. P.-Mitglie-er burischer Herkunft hervor- gerufen hat. zwecklos ist, die Verwirklichung diefes großen Zu- kunftsibeals durch einen überstürzten Kampf um die Unabhängigkeit der südafrikanischen Union in ihrer kleineren, heutigen Form zu gefährden. Mit einer erstaunlichen Folgerichtigkeit, ob Anhänger von Smuts oder von Hertzog, verficht jeder Boer die Eingliederung des Bafuta-Se;fchuana- und Swasi- lanbes sowie Nord- und Süd-Rhodesien und des ehemaligen Deutsch-Südwestafrika in die südafrikanische Union. Die Buren haben schon längst erkannt, daß ihnen in der Zukunft nicht mehr soviel Gefahren von feiten der Engländer als wohl von feiten der Farbigen asiatischer oder afrikanischer Herkunft drohen. Fest überzeugt, die südafrikanische Unabhängigkeit eines Tages auf evolutionistischen Wegen zu erreichen, bringen nach dem Vorbild der „Voortrekkers" früherer Zeiten die Soeren unaufhaltsam nach Norden vor. Jeder, der mit den ostafrikanischen Verhältnissen der Nachkriegszeit vertraut ist, wird das Anschwellen des boerischen „Treks nach Norden beobachtet haben: schon jetzt sitzen in den südlichen Gebieten des ehemaligen Deutsw-Ostafrika saft ausschließlich nur Suren. Diese haben nicht wie viele ihrer weißen Landsleute die Absicht, nach kürzerem oder längerem Aufenthalt dieses Gebiet wieder zu verlassen, sondern kausen sich ein und betreiben Land- und Viehwirtschaft. Neben dieser allgemein völkischen Tendenz der Buren, sich gegen die Engländer als Siedler zu behaupten, siegreich nach dem Norden vorzudringen und die ansässigen oder eingewanderten Farbigen in die für nötig befundenen Schranken der poli- tischen Willensäußerung und praktischen Tätigkeit ziirückzudrängen, geht eine allmähliche und interessante Zersetzung brr sübafrikonischen Parteien vor sich, bie auf eine künftige Umgruppierung schließen läßt. Wir wissen, daß in ben früheren Surenrepu- bitten nie etwas, das einer Parteipolitik ähnlich sieht, bestanden hat: organisierte politische Parteien waren unbekannte Größen. Sobalb aber die „Mitlander" Bevölkerung in gewissen Teilen der Republik infolge der Witwatersrandprvklamation (1886) plötzlich stark zugewachscn war, entstanden dort (von 1889 bis 1899> verschiedene Vereine, die die Gesetzgebung des Landes zu beeinflussen suchten. 1889 entstand „The Chamber of Mines", 1893 „Ratio- nal Union", 1895 „Reform Committee" und nach Das französische System am Rhein. Dieser Tage war der Gießener Bevölkerung Gelegenheit zum Besuch eines sehr interessanten Vertrages gegeben, um dessen Zustandekommen der Verein für das Deutschtum im Aus- land und derHilfsbundderElsaß-l.'o:h- ringer im Reich sich gemeinsam benn.ht hatten. Eduard Redelspe rg er, bekannt als Verfasser des Buches e,B cfetztes L a n d", sprach im großen Hörsaal der Universität über seine Erleb- nissc als französisches Mitglied der Rheinlondkommission. Geboren in Mar- kirch Im Elsaß, konnte der 9tebnet die auf Grund des Friedensvertrages von Versailles erfolgte Um- geftaltung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse selbst miterleben und wurde Zeuge des Empfangs, den die Bevölkerung den einriickenden Franzosen zuteil werden lieh. Zum Widerspruch geneigt und abenteuerlustig wie viele Elsässer, sah er cs als einen Wink des Schicksals an, als ihm 1923 die Möglichkeit offen stand, [einen bisherigen Aufenthaltsort in der Schweiz, wo er unbekümmert um die Politik gewohnt hatte, mit dem buntbewegten Leben am „Haut Commissariat de la Republiaue dane les Provinces du Rhin" zu vertauschen. Ausschlag, gebend für feinen Entschluß war neben dem Gedanken, ben nicht gerabc Geliebten Deutschen — unb waren nicht auch bie Deutschen von 1918 bis 1923 recht wenig liebenswert? — „im eigenen Lande Mores zu lehren", vor allem bie Ueberjeugung von einer gerechten Handlungsweise Frankreichs, da Deutschland mit dem Artikel 231 des Frieden-, ver- trags die Schuld am Kriege feierlich anerkannt hatte. Ganz im Hintergrund seines Fühlens und Denkens stand auch der Wunsch und bie Hoffnung, da: lang- ersehnte, seiner engeren Heimat Elsaß Lothringen übergeordnete Vaterland vielleicht in Frankreich finden zu können. Als äußerst anregend und interessant schilderte der Redner seine Tätigkeit in Koblenz, wo er von dein Haut Commissariat als . rechte Hand" dem Chef des „Nachrichtenl'Iatte.'" — eine unter französischem Einfluß stehende Zeitung — zur Verfügung gestellt worden war und nach z'wei^ monatlichem „staße" als Secrdtaire de Redartion du Nachrichtenblatt bestätigt, ben Rang eines Oberbeamten ber Rheinlandkommission inne hatte. Die Arbeit fesselte ihm von Anfang an und bestand in der Durchsicht aller den Franzosen zugänglicken Broschüren und Zeitungen zwecks Kontrolle der über Frankreich und das Rheinland erscheinenden Artikel und Ausbeutung her innerpolitischen Zwistig- von Dazaine und Lop^z v^ca.en Iahen, an der belgischen Prinzessin, „ber großen moralischen Chance seines Lebenö" scheitern, er muß bie Flucht versäumen, auf längst verlorenem ..osten bleiben, die Schlacht verlieren, sein Kaisertum und sein Leben dazu. Dies ist Maximilians 6d>idfal, dies der menschliche Gehalt des geschichtlichen Zwischenspieles in den Jahren 1861 bis 1867. Die Regie deSIntendanten Steingoctter wurde der weitschichtigen Historie in fast allen Teilen imponierend Herr: bie Aufführung machte eine feltfam fremde, seltsam nahe, erregte und dennoch versunkene Welt voller Leidenschaften und Kampf lebendig. Der Spielleiter bewahrte der Dichtung die großen und unerbittllch gezogenen Linien einer innerlich mit vielen Sä'eit verspannten Szenenfolge: er hatte einen farbigen, stilsicheren Rahmen um das Ganze gelegt (Bühnenbilder von Löffler) unb verfügte über eine wohlverteilte, treffsichere Besetzung: dagegen versagte die Ausführung in zwei Szenen, die Iuarez ganz gehören und die im Buch bezwingend wirken: im ersten und letzten Bild. Weder der Einzelne, noch die (ganz unbewegte und unbeteiligte) Volksmenge ließ die mitreißende Rähe des großen Gegenspielers ahnen: zwei sehr starke Ächterische Augenblicke des Stuckes wurden hier überspielt. Es geht nicht an, den Zettel mit dem Riesen- Personal abzuschreiben: nur die wichtigsten Ramen dieses Abends. Maximilian war bei G e f f er«. Er trug die große Rolle gesteigert durch alle Szenen unb bot eine ganz persönlich gefärbte Gestaltung: man konnte in einen Menschen hineinsehen, der einen, fast wider Willen, zum Mitgehen und zum Mitleid zwingt. Vornehm durch und durch, edel und männlich, ein Charakter bei aller Schwäche, allem Fehlgreifen, aller Zerrissenheit. An seiner Seite die anmutige, seine Erscheinung der Charlotte — Marysia Baumann — eine Frau voll Adel, Ehrgeiz und hochgezüchteter Rasse. Auf der Gegenseite (in fabelhafter Mask:) Dolcks Da-aine, ein unheimlich empvrg: kommen er Fellwebei: HankeS stürmischer, gleichwohl diplomatischer Dia;. — Don den übrigen: Lenau, der goldüberladene, eitle unb schuftige Lopez: Telekys glatter, treuloser Bischof: Goll und Wehrt: deS Kaisers gute, wohlmeinende, hilflose Freunde: van Malten, die begeisterte Abenteurerin Dalm-Salm. — Spielletter und Spieler konnten sich mehrfach zeigen. ES war ein großer Erfolg. Dr. Tb. 1. Das Bauen selbst muß völlig ber privaten Initiative überlassen bleiben unb sich nach bem vorhandenen Bedarf richten also nicht auf Kleinwohnungen beschränkt bleiben. 2. Die Zinsen für bas Baukapital müssen so ermäßigt werben, bah boburch bie Vermietung der r.eugcbautcn Wohnungen etwa im Rahmen brr heutiaen Miethihe, also ohne TLetfteigerung möglich ist. Erst nach einer weiteren Stärkung der Kaufkraft sollen bie Mieten bem Index angeglichen werben. 3. Diese Aufgabe soll rein prioatwirisch a f 11 i ch burchgcsührt werden. (Fine Bo» tätigung des Staates wirb abgelehnt Der Reichsbürgerrat roenbet sich gegen bie Betätigung der öffentlichen Hand auf wirtschaftlichem Gebiet, die stets mit weiteren Erhöhungen ber öffentlichen Lasten perbunben ift. Die Wege, bie zu bitfem Ziele führen, ohne neue Lasten zu bringen, werben eingehenb klargelegt. Das in bieser Denkschrift gesammelte Material so grunblegcnb, unb bie Vorschläge sind so klar I F neue Schreibmaschine, von jemand Geschultem ge- 22 Fortietzung 'Nachdruck verboten rieben, dessen kleiner Finger an der linken fianb wack ist, oenn das Qu und A sind durchlaufend Elk nahm einen der Zettel, auf denen die Nach, richten geschrieben waren und hielt ihn gegen das Licht. „Drei Löwen als Wasserzeichen", sagte er. „Eine Oberhefsen. Landkreis Gicftcn. )( Großen-Linden, 21. Dez. Der Dieb- stahl in einer hiesigen Wirtschaft hat schnell seine Aufklärung gefunden. Das entwendete Geld konnte der Bestohlenen z u r ü ck e r st o t t e t werden. Die Täter waren zwei junge Burschen, deren Eltern sehr geachtete Leute sind. * Watzenborn-Steinberg, 21. Dez. Am Sonntag veranstaltete die hiesige Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Krieaerb inte rbliebenen eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier. Die Kii'der verschönten das Fest unter der Leitung der Lehrerin Frl. Damm, durch hie Aufführung eines Märchen- sviels, während die Musikkapelle unter Leitung des fierm Ludwig 6 e ß vorziwlich musizierte. Eine Bescherung der Kinder beschlaft den schönen Abend. fh. Großen-Buseck, 21. Dez. Im überfüllten Saale des Gastwirts Brück veranstaltete die hiesige Volksschule eine Schulfeier, bei der die beiden unteren Klassen die Unterhaltung zum großen Teil bestritten. Ähre ernsten und heiteren Darbietungen, besonders auch ein Märchenspiel, wurden mit viel Eifer geboten imb fanden lebhaften Beifall. Lehrer O r t w e i n hielt eine wirkungsvolle Ansvrache, in der er die Wichtigkeit des Zusammenwirkens von Schule und Elternhaus betonte. Ge- Oer Frosch mii derMaske Roman von Edgar Wallace. meinsame Gesänge und Lieder der ersten Klassen bereicherten die Veranstaltung in bester Weise. Rektor I n d e r t h a l sprach zum Schluß allen Beteiligten den Dank der Schulleitung aus. Der Reinertrag der Beranstaltung soll zur Vergrößerung der Schulbücherei Verwendung finden. Bei dieser Veranstaltung zeigte sich aber wieder, daß in unserer Gemeinde ein hinreichend großer Saal nicht vorhanden ist. Hoffentlich wird die vom Gemeinderat vor längerer Zeil beschlossene Errichtung einer T u r n ha l l e bald zur Tat. 0 Lollar, 21. Dez. Die Gemeinde hat eine Baracke mit 3 Notwohnungen errichten lassen, die jetzt ihrer Vollendung entgegengeht. Eine Wohnung, bestehend aus 3 Wohn- und einem Küchenraum, wiro noch vor Weihnachten bezogen, während die zwei anderen, eine gleich große und eine um einen Raum kleinere, anfangs Januar 1927 beziehbar werden. Am Sonntag hat der Gemeinde- rct die Notwohnungen besichtigt. Es wurde dabei allgemein anerkannt, daß diese Art Notwohnunaen den Eisenbahnwagen, die ursprünglich vorgesehen waren, vorzuziehen sind. Die Gesamtbaukosten betragen 6600 Mk. — Zu unserer kürzlich gebrachten Notiz über schlechte Beleuchtung des Zugangsweges zum hiesigen Bahnhof sei berichtigend bemerkt, daß der Weg Eigentum der Eisenbahnverwaltung (nicht der Gemeinde) ist und demzufolge diese auch in rechtlicher Hinsicht zur ausreichenden Beleuchtung verpflichtet ist. Der Zustand läßt sich nur dadurch bessern, daß in der Mitte des im Einschnitt liegenden Weges eine Brennstelle errichtet wird. I—I Daubringen, 21. Dez. Am Sonntag verunstaltete der hiesige Männerturnver- e i n sein diesjähriges Abturnen. Geturnt wurde in vier Gruppen an Darren, Reck und Pferd. Die Leistungen waren im allgemeinen gut. Preise erzielten in der Oberstufe: 1. Preis mit 173 Punkten August Erb: 2. Pr. m. 134 P. Heinrich Walter: 3. Pr. in. 131 P. Heinrich Hofmann: 4. Pr. m. 125 P. Otto Reif: 5. Pr. m. 103 P. Heinrich Reif. OK Ittel ft u f e. 1. Pr. m. 113 P. ßuttolg Reinhard: 2. Pr. m. 97 P. Karl Kerber: 3. Pr. m. 94 P. Otto Hofmann: 4. Pr. m. 81 P. Ludwig Reif: 5. Pr. m. 74 P. Ludwig Geißler: 6. Pr. in. 70 P. Wilhelm Geißler. Unterstufe: l.Pr. m. 87P. Ludwig Hofmann: 2.Pr. m. ÄP. Heinrich Knöß: 3.Pr. m. 73P. Fritz Frey: 4.Pr. m. 71 P. Wilhelm Preis. Schüler gruppe: l.Pr. m. 133 P. Heinrich Reif: 2. Pr. m. 133 P. Wilhelm Schwalb: 3. Pr. m. 131P. Wilhelm Zecher: 4. Pr. m. 126 P. Heinrich Weimer: 5. Pr. m. 123 P. Karl Albach: 6. Pr. m. 115 P. Wilhelm Zecher. Erwähnt sei noch, daß durch nachträgliche Prüfung festgestellt worden ist, daß unsere Schülergruppe auf dem Bergfest in Kesselbach im August den Schülerwanderpreis des L a h n - D ü n s b e r g G a u e s im Laufen erhielt. Am Abend hielt dann nach Verteilung der Diplome im Saale der Wirtschaft Erb Dr. Bal- s e r einen Lichtbildervortrag über die Entwicklung des deutschen Turnwesens. An Hand von 50 Lichtbildern wurde die Entwicklrmg der deutschen körperlichen Erziehung vom Rittertum bis zu den großen Turnfesten des deutschen Turnvereins in jüngster Zeit gezeigt. Zum Schluß wurden einige schöne Aufnahmen aus alten Städtchen Oberhessens vorgeführt. z. Allen dort o. d. Lda., 21. Dez. Bei der vom Geflügelzuchtverein Allendorf und Umgegend am Sonntag hier veranstalteten Bezirks- Geflügelschau wurden folgende hervorragende Auszeichnungen zuerkannt: je einen Landwirtschaftskammer-Ehrcnpreis: A. Wassergeflügel: Louis Göbel, Londorf (indische Laufenten), Heinr. Käs II., Allendorf o. d. Lda. (indische Laufenten), Heinr. Käs II., Allendorf (Pckingenten). B. Hühner: Friedrich Bauer, Gießen (rote Rhodeländer), Heinr. Stein, Climbach (schwarze Minorka), Wilhelm Nachtigall, Allendorf (rebhuhnsarbige Italiener), Jost Benner, Allendorf (rebhuhnfarbige Italiener), Jakob Burk, Londorf (schwarze Italiener). C. T a u b e n: Ludw. Olemotz, Kesselbach, Karl Römer, Allendorf (hessische Krövfer). Je einen Ehrenpreis erhielten: A. Wassergeflügel: L. Göbel, Londorf (Emdener Gänse): August Bcckcl, Londorf (Japanische Höckergänse). B. Hühner: August Felzing, Gießen (Bantam, schwarz): Hch. Rem, Nordeck (Zwergwyandotten, schwarz); Wilh. Bauer, Gießen (Deutsche Zwerge, goldl.): Franz Funk, Gießen (Reichshühner, weiß): Karl Römer, Hachborn (rebhuhnfarbige Italiener); Joh. Zimmer, Allertshausen (Hamburger Silberlack): Ella war ihm immer eine nachsichtige, billigende, entschuldigende Schwester gewesen. Ein Puffer zwischen ihm und den Ermahnungen feines Vaters. „Komm zu Papa zurück, Ray, komm gleid)!” Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich kann nicht. Ich werde ihm schreiben. Ich gebe zu, daß ich unrecht an ihm gehandelt habe und werde ihm das auch in meinem Briefe schreiben, ober mehr kann ich nicht tun/ Es klopfte an die Türe. .Herein!" rief Ray. „Wollen Sie Fräulein Dastano und Herrn Brady empfangen?" fragte der Diener im Flüster- ton und sah bedeutsam nach Ella hin. „Natürlich will er mich empfangen!” rief eint Stimme draußen. „Wozu denn diese Formalitäten? — Ach, — ich verstehe---" Lola Bassano maß Ella aus halbgeschlossenen Lidern. „Das ist meine Schwester Ella," stellte Ray vor, „und dies sind Fräulem Bassano und Herr Brady/ Ella blickte nach der zarten Gestalt in der Türe und vermochte nur zu bewundern, was sie erblickte. Lolas schönes Gesicht, ihre Haltung, ihre wundervolle Hand, ihre Art sich zu kleiden, entzückten sie. „Gefällt Ihnen die Wohnung Ihres Bruders?” fragte Lola, die ihr gegenüber Platz nahm und ihre feibenbeftrumpften Beine übereinanderschlug. „Es ist sehr schön hier, und Horsham wird ihm ziemlich öde vorkommen, wenn er zu uns zurückkehrt", sagte Ella. „Ja, gehen Sie denn nach Horsham zurück?” Lola warf den Kopf in den Nacken und sah Ray voll in die Augen, während sie diese Frage stellte. „Ich denke nicht daran!" sagte Ray energisch. „Ich habe Ella schon vorhin gesagt, daß meine Arbeit hier mir viel zu wichtig ist, um sie aufzugeben. Lola nickte zufrieden und eine seltsame Kalte überkam Ella plötzlich. Eine Sekunde vorher war sie noch von Lolas Schönheit gefangen genommen gewesen. Nun aber schien ihr, als berge sich viel Grausamkeit in den Linien ihres schönen Mundes. „Sie müssen nämlich wissen, Fräulein Basiano, daß Gordon meiner Schwester die reinsten Spukgeschichten über uns alle erzählt hat/ (öcrtleßunfl folgt) teilen Deutschlands im Interesse Frankreichs. Auch andere Zeitungen huldigten der gleichen Tendenz, vor allem die „Revue Rhenan", die in Koblenz herausgegeben wurde und durchaus das Prinzip ime Poincarü vertrat, während auch das Pozi- fijtenblatt „Die Menschheit" durch seine Einstellung für Frankreichs Absichten die Wege ebnete. Eine gute Charakterisierung gab der Redner von seinen nächsten Mitarbeitern, deren einer es fertig brachte, Vorstandsmitglied der Liga für Menschenrechte in Koblenz zu (ein, und gleichzeitig in seiner Eigenschaft als Beamter der Haute Commission einen deutschen Kapellmeister, der auf einem Dampfer das uon den Franzosen verbotene Deutschlandlied spielte, anzelgte Von seinen Vorgesetzten rühmte Redels- perger den Präsidenten Tirard als nicht unsympathisch, während er den Chef seiner Dienststelle Charles Haeggi als kriecherisches, charakterloses und sehr gefährliches Subjekt schilderte. Auch mit Deutschen, Die als Spitzel oder Mitarbeiter an den französischen Zeitungen im Solde Frankreichs standen, kam der Redner oft in Berührung. Währungsschwankun- Sen und dadurch bedingte Wirtschaftssorgen, Fehlen er Auskünfte von der politischen Lage Innerdeutsch lands waren meist die Gründe, die sie Frankreich in die Arme getrieben hatten Aber auch Charakterlosigkeit wie die jenes Separatisten, der sich rühmte, „im Revolutionsmachen geübt zu sein, da er eo in München gelernt habe", fehlte nicht Hatte auch schon vorher manches Redelsperger befremdet an Der französischen Rheinlandpolitik, so brachte ihm doch erst die Separatistenbewegung noch langem inneren Kampfe Klarheit über die wahre Absicht und Einstellung der Franzosen. Er, der In dem Glauben an die gerechte Sache Frankreichs befangen, ein getreuer Mitarbeiter der Haute Commission gewesen war, sah und begriff mit schwerem Herzen französischen Geist und französische Politik. Die Erkenntnis des brutalen Unrechts gegenüber den Deutschen und Schamempfinden über die Mitschuld an ihrer Knebelung, veranlaßten ihn nach einer, durch die Auf- regung hervorgerufenen Krankheit, seine Demission einzureichen. Aus dem oben erwähnten Buche „Be- setztes Land", ein Schlüsselroman, in dem Redels- perger seine innere Umwandlung psychologisch be- gründet hat, las der Redner einige interessante Stellen vor. Höchst anschaulich schilderte er das angenehme Leben Der Franzosen im Rheinland, in großen schönen Wohnungen, unentgeltlich beliefert mit Heizstoff und Licht und bevorzugt durch Annehmlichkeit aller Art wie Steuer- und Zollfreiheit, wozu noch die hohen Gehälter kommen. So versicherte der Redner, daß sein Einkommen in Koblenz dos des dortigen-1. Staatsanwalts überstiegen höbe. Dieses Wohlstben der Fran-osen im Rb--l"l--nd fei. so meint er, die Hauptschwierigkeit für die Räumung. Die Erkenntnis der Verlogenheit französischer Politik und der Wunsch, wieder gutzumachen, was er an Deutschland gefehlt, gaben die Veranlassung zur Ausgabe seiner Stellung und der ba*v>if verknüpften angenehmen Lebensweise. In einer Konservenfabrik hat er als Tagelöhner gearbeitet, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Möchten alle die von dem gleißnerischen Franzosentum verblendeten Deutschen gleich ihm zur wahren Erkenntnis gelangen. „Ich kenne den Schutzmann nickt", sagte der Offizier. „Er war von einer mir fremden Tlbteilung. Ein größerer Mann mit einem schweren, schwarzen Schnurrbart. Wenn es eine Verkleidung war, bann war sie ausgezeichnet." Elk kehrte geknickt zurück. „Ich möchte das eine nur gerne wissen, was für ein C/.el der Frosch mit Ray Bennett treibt?" sagte Joshua Brvad. „Denn das ist jedenfalls die interessanteste Jntrigue der Froschstrategie/ Er erhob sich und nahm seinen Hut. „Gute Nacht! Ver- gessen Sie nicht, nach dem Kindergarten zu suchen, Inspektor", lächelte er beim Abschied und Elk durchstöberte das Haus vom Boden bis zum Keller, ohne das leiseste Resultat. „Ich glaube, daß sich hier eine sehr wertvolle Spur verrät", sagte Dick, indem er Elk ein Papier reichte. Dieser las: „Alle Ochsen müssen Mittwoch, 3. 1. A. hören! L. V. M. B. Wichtig!" „Es sind fünfundzwanzig Abschriften von dieser einfachen aber aufregenden Botschaft vorhanden", sagte Dick. „Und da ich keine Briefumschläge für die Instruktionen finde, so kann ich nur vermuten, daß Hagn sie entweder vom Klub oder von seiner Wohnung aus expediert hatte. So weit habe ich die Ziffern in der Organisation der Frösche feftgefteUt. Frosch Nr. 1 arbeitet durch .Sieben', der vielleicht — oder vielleicht auch nickt — den Ches kennt. Haan, desien Nummer, nebenbei erwähnt, dreizehn ist. die ihm auch nock viel Unglück bringen wird — ist der ausübende Cyef vom Bureau 7 und verkehrt nur mit den Leitern der einzelnen Sektionen. Sieben bekommt seine Ordres vom Frosch selbst, aber er darf auch ohne Anfrage arbeiten wenn sich Notfälle er- !;eben. Hier zum Beispiel," er klopfte mit dem Zeige - Inger auf das Papier, „ist eine Entschuldigung für le Verwendung des Mills, was meine Annahme bestätigt/ „Keine Handschrift?" „Nein, auch keine Fingerabdrücke." sei. Es war unverzeihlich von ihm gewesen, seinen Vater zu schlagen und er wollte ihm sicherlich so- gleich schrecken, um seinen Schmerz hierüber zu betonen. Aber es sollte kein kriecherischer Brief (ein, gelobte er sich, sondern ein würdiger und distan- zierender. Schließlich fielen doch in allen Familien derlei Stteitigkeiten vor. Und eines Tages würde er als reicher Mann zu seinem Vater zurückkehren und —-- Ray verzog unangenehm berührt die roten Lip- Pen. Es ging ihm ja jetzr recht gut. er besah eine teure Wohnung, jede Woche wurden neue knisternde Banknoten durch die Post an seine Adresse gesandt. Er hatte auch ein Auto,---aber wie lange würde es wohl so bleiben? Ray war kein Narr, nicht ganz so klug vielleicht wie er sich dünkte, aber auch nicht dumm. Warum sollte die javanische — oder irgendeine andere Regierung — ihn für Informationen bezahlen, die sich doch aus jedem erreichbaren Handbuche schöpfen ließen, die für ein paar Schillinge bet jedem Buchhändler zu kaufen waren. Er ließ den Gedanken fallen. Er besah die Gabe alles von sich zu schieben, was ihn störte. Er öffnete die Türe, die in sein Speisezimmer führte und blieb wie erstarrt stehen. Ella sah an dem offenen Fenster, den Ellbogen auf dem Sims und das Kinn in der Hand. Sie war blaß und tiefe Schatten lagen unter ihren Augen. „Ella, was um Gottes Willen machst du denn hier?" fragte er. „Wie bist du hereingekommen?" „Der Portier hat mir mit seinem Schlüssel geöffnet, als ich ihm tagte, daß ich deine Schwester sei", sagte sie apathisch. „Ich kam sehr zeitig heute morgen und ich will dich fragen, ob du nicht nach Horsham kommen und Mit Vater sprechen mochtest?" „Nicht jetzt, nein, — in ein paar Tagen", sagte er hastig. Tatsächlich fürchtete er sich nicht davor, seinem Vater zu begegnen. „Wäre es denn ein solch schreckliches Opfer, Ray, das alles aufzugeben?" Er machte eine ungeduldige Handbewegung. „Das alles nicht, wenn du damit die Wohnung meinst. Aber du und Vater, Ihr wollt doch, daß ich meine Arbeit aufgebe." --3ch glaube nicht, daß das dein Schade wäre." Das war ein neuer Ion und Ray starrte sie an. Justus Haas, Gießen (Wyanhotten, weiß): Heinrich Rem, Nordeck (Wyandotten, schwarz): Karl Römer, Hachborn (rebhuhnfarbige Italiener): Jakob Kriep, Nordeck (gesprenkelte Italiener); Heinrich Schmidt, Nordeck (silberh. Italiener): Hch. Theis, Rüddings- hausen (Hamburger Silberlack): Konrad Stelzenbach, Nordeck (Bantam,^Silber). C. Tauben: August Beckel, Londorf (Schönheitsbrioftauben mit blauer Binde): Karl Römer, Allendorf (schlesische Weiß- platttröpfer). Außerdem wurden noch zahlreiche erste, zweite und dritte Preise sowie lobende Anerkennungen zuerlannt. Als Preisrichter wirkten Jean Kolter, Bad-Nauheim, und Robert Peil, Heskem. .ftreie Friedberg < Bad-Nauheim, 21. Dez. Die Stadt- verordneten hatten in ihrer jüngsten Sitzung nur wenige Punkte von allgemeinem Interesse zu erledigen. Beschlossen wurde, wie bereits kurz mit- geteilt, einstimmig der Beitritt der Stadt zum Verkehrsbund Oberhessen. Auch der Ver- elnigung zur Bekämpfung der Stechmücken- und Schnakenplage tritt die Stadt als Mitglied bei. Da einige frühere Stadtverordnete ihr Amt als Vertreter der Stadt bei der B e z i r k s s p a r k a f f e Mathilden st ist niedergelegt haben, mußte eine Eraünzunaswahl erfolgen. Es wurden neu gewählt: Beig. Kissel und die Stadtv. Heß und Prae- fried. Mit dem Bau her neuen Kläranlage nach dem System Imhof ist im Herbst begonnen worden. Die Arbeiten müssen bis zum April beendigt sein, andernfalls die dazu verwandten Zuschüsse aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfür- sorge nicht selber gewährt werden können. Aus der Mitte der Versammlung wurde beanstandet, daß die Stadtverordneten nicht erst Gelegenheit gehabt hät- ien, die verschiedenen Systeme, die in Frage kommen, gründlicher kennen zu lernen. Eine nochmalige sorgfältige Prüfung der ganzen Frage wurde ge- wünscht, besonders auch die Frage, ob beim System Imhof noch Verbesserungen anzubringen seien. Der Vorsitzende teilte dazu mit, daß Aenderungen nicht mehr Dorpenommen werden könnten. Die Stadtver- ordneten hätten ja auch dem Projekt, wie es zur Ausführung kommt, zugestimmt. Es sei nur noch eine strittige Frage zu klären, und dieserhalb habe man sich bereits an die preußische Landesanstalt für Badem, Wasser- und Lufthygiene gewandt. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde über eine Weih- nachrsbeihilfe für die Erwerbslosen und sonstigen Unterstützungsempfänger Beschluß gefaßt. — Aus der wenige Tage zuvor stattgehabten vorletzten Stadtverordnetensitzung ist noch zu erwähnen: Nach- dem der Schulvorstand beschlossen, von der Einrichtung eines (Elternbeirats an der Stadt- schule abzusehen, schloß sich auch die Mehrheit der Stadtverordneten diesem Vorschläge an. Für eine Weihnachtsbeihilfe für d i e städti- schen Arbeiter wurden dem Bürgermeister 2000 Mk. zur Verfügung gestellt. Für die Verlegung von Regen- und Schmutzwasserkanälen in der Otto-Weiß-Straße wurden 10 500 Mk. zur Verfügung gestellt. Dem Landwirtschaftlichen Lokalverein wurden als Beitrag zur Unterhaltung der Bullen und Eber 1200 Mk. zugebilligt. — Die hiesige, sehr rührige Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft eröffnete ihre Winter-/ tätigtest mit einem Lichtbildervortrag, den Gouvernementssekretär a. D. Dietz (Darmstadt) über „De u t s ch - O st a s r I k a und seine Be- deutung für uns" hielt. Der Redner, der 24 Jahre in unserer ehemaligen Kolonie gelebt und als Farmer und Beamter deren Verhältnisse sehr gründlich kennen gelernt hat, verstand es meister- haft, die wirtschaftliche Bedeutung Oftafrikas und seinen Wert als Siedlungsgebiet zu schildern. Die zum größten Teil farbigen Lichtbilder ergänzten treffend die Ausführungen. — Der vorige Sonntag stand bereits im Zeichen größerer öffentlicher Weihnachtsfeiern. Der Turnverein 18 60 veranstaltete nach einem seit Jahren geübten Brauch am Nachmittag ein Weihnachtsschau, turnen seiner Jugendabteilungen und konnte da- bei an etwa 130 Knaben und Mädchen Geschenke austeilen, dank der Opferwilligkeit hiesiger uno aus- toärtiger Turnfreunde. Lehrer Oßwa 1 d, in dessen Händen die Vorbereitung der Feier lag, sprach in feinen Begrüßungsworten von dem so notwendigen Zusammenarbeiten von Elternhaus, Schule und Der- ein. Die turnerischen Darbietungen leitete Kreisturn- wart Friede (Frankfurt a. M.), der derzeitige Turnlehrer des Turnvereins 1860. Die E v a n g. Jünglings- und Männerverein hatte abends im Sprudelhotel ein volles Haus für feine Weihnachtsfeier, in deren Mittelpunkt die erbauende Festansprache von Pfarrassistent H o f m e y e r stand. Musik- und Gedichtvorträge und zwei ansprechend« Theaterstücke füllten das Programm. Der katholische Kirchenchor hatte gleichzestig In der Turnhalle des To. 1860 eine große, andächtige Ge- meinde um sich versammelt. Unter Leitung von Lehrer Winkler wurde das Müllersche Weihnachtsoratorium mit großem Erfolge aufgeführt. Montag nachmittag veranstaltete die Ernst-Lud- w i g - S ch u l e (Oberrealschule) ihre Welhnackt-leier in der Turnhalle des Tv. 1860. Eine sein zusam- mengestellte Vortragsfolge, in der auch ein oprea?« chor, ein Hirtenspiel und ein größeres Weihnachts- spiel nicht fehlten, verbreitete eine weihevolle Weihnachtsstimmung. Die Feier sand so viel Anklang, daß sie wiederholt werden muß. ♦ ♦ Gambach, 21. Dez. Am Sonntag fand im Saale der Gastwirtschaft Wilhelm Weisel eine Kaninchen und Geflügelausstcllung statt, die vom hiesigen Kaninchen- und Geflügelzuchtverein veranstaltet worden war. Es waren 50 Nurn- mern Hühner, 30 Nummern Tauben und 30 Nurn- mern Kaninchen zur Schau gestellt. Das gezeigte Material muß als sehr gut bezeichnet werden. Am Samstag fand die Wertung und Prämiierung statt, auf Grund deren zahlreiche Ehrenpreise verteilt werden konnten. Diese bestanden aus wertvollen Gebrauchsgegenständen, die vollen Beifall fanden. Die Ausstellung war für den Verein ein voller Erfolg. CO Nieder-Flor st adt, 20. Dez Gestern veranstaltete die hiesige Schule eine Weih, nachtsfeier für die Eltern und Angehörigen der Kinder im Saale des Gastwirts Lur. Die schönen, sinnigen Darbietungen, an denen Kinder aller Jchr- günge und Klassen beteiligt waren-, fanden freund- liche Aufnahme und lösten reichen Beifall aus. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete ein Weihnachtsspiel „Die Nackt vor dem heiligen Abend" und das Märchenspiel „Dornröschen". Schülerchöre der beiden Oberklassen stellten mit Weihnachtsliedern auf die Handlung ein und gaben ihr einen würdigen Abschluß. u Mit le Büdingen. le. Ortenberg, 21. Dez. Der Bezirks- lehreroerein Ortenberg hielt hier eine Versammlung ab, die trotz des schlechten Wetters sehr zahlreich besucht war: stand doch auf der Tagesordnung ein Vortrag des durch seine Heimat- sorschung über die Grenze des Bezirks bekannt ge- wordenen Lehrers Sauer-Oberlais Er sprach über Vorkommen von Eisenerzen in der Provinz Oberhessen und die Geschichte der Eisenerzgewinnung und - Verhüttung im Nidder- ta l: Eisenerze sind wie ein Kranz um den ganzen Vogelsberg gelagert. Radiale Vorstöße gehen bis zum Hohcrodskopf. Die meisten Lager sind schon in sehr früher Zeit ausgebeutet worden. Orts- und Flurnamen, die mit „Schmitten-, Schellen», Hammer" gebildet sind, weisen darauf hin Die Entwicklung des Eisengewerbes im Niddertal setzt schon im 14. Jahrhundert ein. Im obersten Teile dieses Tales bestanden im 15. und 16. Jahrhundert private, genossenschaftliche und landesherrliche Hütten ein- fachster Art. An den betreffenden Plätzen haben sich vis heute einschlägige Gewerbe hergebrachter Art erhalten („Blechschmiede", „Notring".Macher). Am meisten gefördert wurde das hier beheimatete Hüt- tenwesen durch die Stolberger Grafen. Streitigkeiten zwischen den zwei Teilhabern des in Frage kommen- Den Gebietes des alten Amtes Ortenberg haben oft die Entwicklung gestört, der Wettbewerb sie anderer- seits beschleunigt. Frühere Landesgrenzen hinderten und störten nicht die Beziehungen hiesiger mit den übrigen Hütten in Oberhcssen: es bestehen sogar Verbindungen mit dem Ausland (Rochefori-Dinant). Die Erzeugung ist in Anbetracht der einfachen Ver- bältniffe erstaunlick. Um 1602 sind im Niddertal die ersten Oesen gegossen worden. Durch den 30jährigen Krieg empfindlich gestört, setzt die Entwicklung nach- her wieder rege ein, und an ihrem Ende sichen die heutigen Eisenwerke in Hirzenhain. Sehr lehrreich und vielen neu waren die im zweiten Teile des Vortrages gebrachten Hinweise auf die kultur- und sprachgeschichtlichen Wirkungen des Eisengewerbes in hiesiger Gegend. Der ganze Vortrag zeugte von gründlicher Forscherarbeit. —/— Q i o be r g , 21. Dez. Die bhflge Steinbruchindustrie steht zur Zeit in voller (Blüte. Außer den schon längere Zeit betriebenen zwei Dasaltbrüchen von Seipel u. Scherer wurde in b:r Rähe des Friedhofs ein neuer Bruch durch 3ngenuur Laskowski) au8 Hanau in Angriff genommen, der ebenfalls schon eine größere Anzahl von Arbeitern beschäftigt. Der Fuhrwerksverkehr aus den Steinbrüchen und den Wäldern nach dem Bahnhof hat infolgedessen einen großen Al m f an g an- ckwach. Das zeigt, daß er nach t Fingersatz aircibt. Maschinenschreib-Amateure gebrauchen selten ihren kleinen Finger, besonders an der linlen Hand. Ich erwischte einmal einen Bankdieb, nur weil ich das wußte." Er las nochmals die Nachricht. „Alle Ochsen müssen am Mittwoch hören. — .Ochsen', bedeutet hier die Anführer, die Ochsenfrösche. Hm, wo hören sie zu? ,3. 1. 21.’, das gibt mir zu denken, Herr Hauptmann/ Dick sah ihn merkwürdig an. „Um 3. 1. Mittwoch nachts werden wir das Codcsignal L. 23. M. B abhören Wir werden den großen Frosch sprechen hören, mein lieber Elk!" XV. Am nächsten Morgen. Ray Bennett erwachte. Seine Schläfen hämmerten, seine Zunge lag trocken im Munde. Als er den schmerzenden Kopf vom Kissen zu heben versuchte, stöhnte er, aber es gelang ihm mit Willensanstrengung, aus dem Bette zu steigen und sich bis ans Fenster zu schleppen. Er stieß die bleigefaßten Fensterflügel auf und sah auf den grünen Hyde-Pork hinaus. Dann goß er ein Glas mit Wasser voll und trank es gierig, setzte sich auf den Rand des Bettes, den Kopf in den Händen und versuchte die Ereignisse der vergangenen Nacht zu überdenken. Er konnte sich ihrer nur trübe entsinnen, aber er war sich dessen bewußt, daß etwas Schreckliches geschehen war. Langsam erhellte sich die Erinnerung mehr und mehr und ntit schwerem Herzen ward er sich des furchtbaren Vorganges bewußt. Er (prang auf und begann hin und wieder zu gehen, bemüht, Rechtfertigungen vor sich selber zu ersinnen. Die Eitelkeit der Jugend weist Entschuldi- aungen für eigene Fehltritte nicht zurück und Ray stellte keine Ausnahme unter der Jugend dar. Nackdem er ein Bad genommen und sich ange- kleidet hatte, war er bereits zu der Ansicht aefom- men, daß viel, viel des Unrechtes an ihm geschehen genommen, so bah bei schlechtem IDetter die Ortsdurchfahrt nach dem Bahnhof sich in einem sehr schlechten Zustand befindet. SS wär: zu wünschen, daß die zuständige ÄreiS- b)w. Pro- vinzialbehörde hier durch Pflasterung bald Abhilfe schafft. Eine solche käme auch t*,i sehr lebhaften Kraftwagenverlehr zugute, die Staub- plage Im Sommer würde dadurch wesentlich verringert werden. Dasselbe gilt für die Ortsdurchfahrt im benachbarten Ortenberg. Air eie Schotten. • M u 3 dem Vogelsberg. 21. Dez. Seit bcm Einsetzen der Schneefälle ist auf mehreren Hauptlond st raßen der Streife Schotten und Lauterbach ein Zustand eingetreten, der für die Abwicklung des Verkehrs autzerordentlich unan- genehm ift Besonders der P e r f o n e n- u n o L a st- outoverkehr leidet unter diesen Erfchwernissen in hoh/m Matze. Z. B. ist die Landslrahe von U l - richstein bis Aum |og. streu.; an der Strotze Schotten — Lauterbach feit einigen Tagen stark d e r e i ft. Lastkraftwagen, Postoutos und ebenso Personenkraftwagen sind infolge dieser Miß. lichkeit wiederholt stecken geblieben und konnten erst noch stundenlanger Muhe in Kälte Schnee und Dunkelheit frcigemacht werden. Auch aus der Land- strotze Schotten — Ulrichstein sind Hemmungen durch Schneeverwehungen, die für die Passanten eine Quelle steten Aergernisies sind, die aber angeblich wegen Mangels an Mitteln nicht behoben werden. Die zuständigen Stellen der Kreisoerwaltungen Schotten und Lauterbach würden sich ein Verdienst erwerben, wenn sie ungesäumt hier das Erforderliche zur Behebung der Hebel- stände onordnen würden. Es bedürfte dazu nur der Anweisung und Vollmacht für den Strotzen- meister, mit Hilfe einiger Leute, die doch wohl schnell .zu haben wären, die Slratzen an den schlimmst versperrten Punkten passierbar zu machen. Die Kosten hierfür werden wohl so gering sein, datz der Etat tTer Verwaltungen dadurch in keiner Weise in Mitleidenschaft gezogen wird. Je schneller hier Abhilfe geschaffen wird, desto bester dürfte es fein unb desto sicherer dürfte man auch Unglücksfällen vorgebeugt haben. wg. G e b c r n , 21. Dez. Im hiesigen Krankenhaus fand am Sonntagnachmittag eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier statt. Der Ortsgeistliche wies in feiner Ansprache auf die ewigen Weihnachts- aedanken der Freude und Liebe hin. Der Jung- frauenuerein trug durch Chorgefang und ansprechende Darstellung eines Weihnacht-spiels zur Verschönerung der Feier bei, Gedichtvorträge von Schulkindern und ganz Kleinen bereicherten weiterhin die Feier. Alle Darbietungen wurden beifällig ausgenommen. Namens des Ausschusses des Kran- kenhauses sprach zum Schlutz Dr. Bin sack Herz- llchen Dank aus. ATrcie Alsfeld. — Ober-Ohmen, 21. Dez. Zur Befriedigung unserer Einwohner ist der U m b a u d e s h i e- figen elektrischen Ortsnetzes jetzt voll- endet worden. Damit sind die mancherlei Storungen in der Leitung nun beseitigt, die im landwirtschast- "chen Betrieb unb im Haushalt oft sehr lästig waren. d) Lehrbuch, 21. Dez. Arn Sonntagabend fand eine von der Schule veranstaltete Weihnachtsfeier statt. Zur Aufführung gelangten neben einigen kleineren Darbietungen zwei reizende Weihnachtsdichtungen, deren Rollen von den Kin- dem gut zur Darstellung gebracht wurden. Trotz geringer Mittel und beschrankter Raumverhältnist'e konnte man einige schöne Feierstunden ermöglichen. Es war eine rechte, zu Herzen gehende Weihnacht-. ^ier. Am hl. Abend findet eine ähnliche Feier unter Mitwirkung des Gesangvereine in der K irche statt. Starkenburg. Darmstadt, 21. Dez. Hier ist ein Gutsverwalter unter dem Derb ach! f c ft • 9 * ” o m m e n worden, im November des IahreS 1921 im Walde zwischen Darmstadt und Griesheim an einem jungen Manne im damaligen •Älter von 16 bis 18 Jahren einen Sexual» m o r d begangen zu habe.,. Der Ermordete foU Cl* Wanderbursche gewesen fein, der zur frag- Zeit in der Herberge in Darmstadt ge- toobnt haben soll. Das Opfer ist höchstwahrscheinlich der Fuhrmann Paul Dietrich oder ähnlichen Namens, geboren am 9. 3uni 1931 zu Köln, der vom 13. zum 14. Oktober 1921 und com 23. zum 24. November 1921 in der Herberge gewohnt hat. Aus eine Prefsenctiz vom 10. Dr- $cmber 1926 hat sich bis heut: niemand gemeldet. 3m Interesse der Aufklärung werden Verwandte, Angehörige und Bekannte des Dietrich nochmals dringend ersucht, sich zu melden. WEN. Offenbach, 21. Dez. Bereits vor einigen Wochen wurde dem Armenpfleger «Irtedrich Kirsch nachts durch Einbruch 2 00 0 2t m. Armengeld gestohlen. Am Montag nun wurde der A.menpfleger auf dem Nachhauseweg - et trug 4303 Mark Armengeld bei sich, die er in den nächsten Tagen auszahlen sollte - von einem Unbekannten, der eine schwarze Ha 1 bmaske trug, angehalten unb aufgefordert, das Geld hrrzugebrn. Es kam zu einem Kampf, in dessen Verlauf es dem Armenpfleger gelang, um Hilfe zu rufen, worauf der 2-äter die Flucht ergriff. Ein Schuh, den der Unbekannte auf Kirsch abgab. hatte glücklicher- weise sein Ziel verfehlt. Die Polizei hat inzwischen einen Mann feftge nommen, der als .tatet in Frage kommen könnte. WSN. Groh-Gerau. 21. Dez. Wie bereite berichtet, ist gestern der beim Städtischen Derussamt in Frankfurt a. 21t. als akademischer Berufsberater tätige Dr. Lü decke zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt worden. Dr. Lüdecke, der in Berlin unb Franks-irt a. 21t. 3ura und Staalswissenfchaften studierte, wurde 1920 zum Generalsekretär des Reichsverbandes der Dünbe der Kinderreichen Deutschlands gewählt, in welcher Eigenschaft er vielfach die Interessen der Kinderreichen bei den Reichs- und Staatsbehörden vertrat und auch die Herausgabe der in 50 030 Exemplaren erscheinenden Zeitschrift „Der Kinderreiche" besorgte. Von 1923 bis November 1925 war er beim Frankfurter Magistrat in der Fürsorge für die Rhein- und Ruhrverdrängten tätig. Später trat er zum Be- russamt über unb geht jetzt als Bürgermeister nach Groh-Gerau. Preußen. flrciö Wetzlar. WSN. Wetzlar, 21. Dez. Der Kreistag des Kreises Wetzlar beschloh in feiner heutigen Sitzung, sich der besonderen Hilfsaktion des Staates für die Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentner anzuschliehen und bewilligte, wie schon hin berichtet, für einmalige 'Äcib Ifen 25 000 Mark, mit deren Verteilung unb Aus ahlung sofort begonnen werden soll. Eine Vorlage, d.e zur Behebung jetzt beftebenber Mihstänbe den N - ubau eines Ocbäubce dorsah. in dem Räume für Tuberkulofe- sp rech stunden mit Röntgenapvarat, sowie eine Garage untergebracht werden sollten, wurde a b g e l e h n t, da der Kreistag die Verquickung beider Projekte nicht als wunsch.nswert an- fieht. Hierüber soll eine neue TJorlagc erfolgen. C-cine Zustimmung erteilte der Kreistag zur Herausgabe von Postkartenmappen mit Photographien der zahlreichen baulichen und landschaftlichen Merkmale des Kreises. Man sieht in diesem Vorhaben ein wirkungsvolles Mittel zur Verkehrswerbung. Weiter beschloß der Kreistag die Neuanschaffung eines weiteren Kraft wagens für d.e Kreisbehörde. Der Haushalt der Kreisspar- kaffe unb die Rechnung der Kreiskommu- na Hasse wurden genehmigt. Das Rechnungsjahr 1925 hat sich nur toen.g aus dem Rahmen des Voranschlages entfernt. Der Fehlbetrag für 1925 beläuft sich auf 74 209,22 RM. bei einer Gesamtausgabe von 2 071 644,93 RM. und einer Gesamteinnahme von 1 997 435 RM. Zu beachten ist hierbei, datz für Fürforgezwecke eine Mehrausgabe von 142 610,05 RM. gegenüber bem Vorjahre zu Duche steht, so bah ber eigcntl che Etat verhältnismäh g günstig abgeschlossen wäre. Der Kreistag genehm gtc ferner Satzungsänderungen des Arbeitsnachweises, der in Übereinstimmung mit andernorts getroffenen Entscheidungen künst ghin die Bezeichnung „Atbeits- amt" führen wird. Schließlich ist noch von Interesse, zu erfahren, dah der preußische Minister für Handel und Gewerbe der Errichtung e.nes KreiSkaufmannügerichts im Kreise Wetzlar unter Hinweis aus das bcmnächst zu erwartende Arbettsgerichtsgesey die Zustimmung versagt hat. Die nächste S.tzung des Kreistages muh bereits im Februar stattsinden. •Ö- Lützellinden, 21. Dez. Bei der gestrigen Treibjagd im Revier des Iugdpöchters H e n s o l d t - Wetzlar wurden 6 2 Hasen zur Strecke gebracht, ein für die diesjährigen Verhältnisse recht gutes Ergebnis. Rehe wurden geschont. — Der Gröhe unseres langgestreckten Ortes Rechnung tragend, soll ab 1. 3anuur in unserem Dorfe neben der bisherigen Haltestelle der Postautolinie Gießen —Niederkleen, une zweite Haltestelle, wie in Hochelheim, eingerichtet wer- den Kreis Marburg. II Marburg, 21. Dez. Die Landgemeinden des Kreises Marburg einschließlich des Städtchens Wetter hatten in diesem Jahre aus dem Verkauf des Gemeindeobstes eine Einnahme von 19 086,34 Mark gegen 35 940,46 Mark in 1925. An Ker Spitze steht diesmal, wie dies meist der Fall ist, die Gemeinde Bauerbach mit 3737,60 Mark. Es folgen bann Beltershausen mit 1956,20 unb (£ a I b e r n mit 1661,30 Mark. Die anberen Ge- meinben bleiben alle unter 1000 Mark. Die Stabt Marburg nahm aus bem Gemeinbeobst 1179,90 Mark ein, gegen 1321,30 Mark in 1925. Mairrgau. WSN. Frankfurt a. HL, 21. D.z Der Magistrat beschloß, den stöbt. Beamten unb Angestellten, sowie ben Lehrern eine Weihnachtsbeihilse tn gl ichem Umfang unb hi e elfter H l.e wie »ei Re ch • tnb Sto. t - beamten zu gewähren. Archer^em soll ben städt. Arbeitern eine einmalige Beihilfe von 20 Mark für Lebige, 25 Mark für HaushaltungS- vorstände unb 5 Mark für jebes Kind gezahlt werben. Arbet crinncn erhalten \ biefer Sätze unb evtl, die Kinderbeihilfe. Nicht voll, aber mindestens 24 Stunden in der Woche Bcschäs- tigte bekommen , der vorstehenden Sätze. Den ber.f.orier en Arbe.t.rn unb ben W twcn von stöbt. Arbeitern wirb 1\ ihrer Dezemberbezüge, höchstens jcboch der Sah eines a! iren Arbeiters ge a'j't. D e be'.ür ti en Altveteran en aus ben Felbzügen 1854. 1866 unb 1670 71, sowie bereu noch !cbenbe Witwen sollen eine einmalige Beihilfe nach ben Sätzen her allgvme nen Deihille für HilsSbedÜrskige erhalten. — Der '"egen zahlreicher Schwindeleien schon v el- fach vorlestraf.e 21 2a:re alte Kau'mann Friedrich Bergmann treibt zur Zeit wieder fein Un- trefen. Bergmann ver pncht jungen Leuten, ihren einen Füh-c schein zu beforcen bzw engagiert sie als Beifahrer. Dafür läßt er sich Geldbeträge auszah'en und versch'^indet bann auf Nicht - wieberschen. — Die Terli; er Polizei sahnbet gc'enaär iq nach dem 33 adrigen Efsek en- unb Börsenmakler R obe r t Rels au.- Frankfurt am Main u ib bem g'eichiltrigen an c Heb n B r- fenv^rtreter Kurt Henkel aus Steglitz, die nach'Betrug und Unterschlagung von Wertpapieren bi Hohe von etwa 15 000 Mark geflüchtet sind. Von der Marburqer ßreisbaFn. sch. Marburg, 21. Dez. Durch neue E r z - und E i s e n st e i n j u n d e in der Gegend von Mücke (Hefsen), über deren Bedeutung heule allerdings noch nichts Abschließendes gejagt werden kann, ist der bereits vor bem Krieg protektierte Plan einer Weiter führung der Marburger Kreisbahn, die heute in Drcthausen endet, aufs neue ausgerollt worden. Kestern sand in Drei- hausen (Kreis Marburg) die erste starkbcsuchte Versammlung statt, in der sich die Vertreter der an diesem Projekt interessierten Gemeinden eingehend mit dieser Frage beschäftigten. Allgemein wurde der Wunsch laut, daß die Wetterführung der Kreisbahn von Dreihausen nach Mücke jetzt, und zwar möglichst aus dem Wege der produktiven Erwerbslosensürforge, durchgesührt werden möge. Eine kapitalkräftige Gefellschast. die sich bae Nutzungsrecht für die großen Erz- und Eifenflein- lager gesichert habe, warte auf die Welterführung der Bohn. Gelände für die Bahn fei von den be- treffenden Gemeinden bei ihren Feldberciniqungv« arbeiten bereits fichergcftellt worden. Als zweckmäßig wurde es auch bezeichnet daß die Kreisbahn baldmöglichst von der Reichsbahn übernommen werde, da sich dann Frachtsätze und Fahrpreise ver- billigen würden. Zum Schluß dcr Versammlung wurde eine Kommission gewählt, die die Angelegenheit weiter verfolgen soll. gur Lahnkanalfsteruno. WSN. Diez a. d. Lohn. 21. Dez. Die Kosten der Lohnkanalisierung betragen 4 200 000 Mark. Es bleiben noch 1050 000 Mark zu decken, wovon der Unterlahnkreis 276 000 Mark aufzubringen hat. Der Kreistag erteilte die Zustimmung zu der Ausführung der Kanalisierung und genehmigte den Finanzierungsplan. vfiufiFicias denSbifochiitt'XocMemen. Erste Künstler mit durchaus persönlichem Ge- schmadc entwerten in enger Fühlung mit den Welt- modeplAtzen unsere Original- FORTSCHRITT- Modelle Mitunter ihrer Zelt ein wenig voraus. Ähnlich den Abendzeitungen, die bereits am Nadi- mittag ►scheinen, geben diese FORTSCHRITT. Schuhe der Dame von Welt das sichere Gefühl einer wirklich vornehmen Eleganz und dem Herrn, der ein vorbildlich verarbeitetes wertvolles Material schätzt, eine dem Preise vollwertige Gegenleistung. Wir bitten um cwangloee Besichtigung unserer neuesten FORTSCHRITT-Modelle. Gießen Mäusburg 12 Gießen Mäusburg 12 Spezial-Geschäft 1. Ranges IO'62a fflJHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIID Prima '°-'e Sc’iDlrmn ttuOerwt billig.’ Carl Sohunck. dniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'Hiin) Sypothekeoge d Günft freb nn Durch H0b7c F. Heidemann Frankfurt a. M. 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Warum denn so abfällig sein? Es gibt auch noch ideale und rücksichtsvolle Menschen. Tie wollen Sie mit der Laterne suchen? Brauchen Sie nicht. Bitte, gehen Sie zu Ihrem Finanzamt! Sie erklären sich glatt für geschlagen, nicht wahr? Aber grob seien dis Menschen bestimmt, dabei bleiben Sie? Keine Spur. Man muß nur von der richtigen Brillenseite gucken. Nicht Jeder wird gleich so wie „Jemand" aus die höfliche Frage feinet Mitmenschen: „Sic haben von mir gesagt, daß ich ein Cchafskopf bin. Ist das wähl?" die liebenswürdige Antwort geben: „Es ist wahr, aber ich habe es nicht gesagt." Es gibt auch noch gute „Individuen". Gott sei Tank, eine ganze Menge. Aber wir wollen von den Ironien des Alltags aufhüren und zu zwei guten edlen Menschen zurückkehren: zum Dr. Nabi, unserem „Tabakvoklor", unb unserem lieben Münchner Kindl, dem Wahrzeichen der alten weltbekannien Zuban-Zigareltenfabrik. Dr. Navi wartete im Flughafen von Konstantinopel schon lange auf bai Eintreffen des Kindls. Endlich wird das Flugzeug sichtbar. Wenige Augenblicke nimmt die Landung in Anspruch: nun stehen sich die beiden gegenüber. Ein wahrhaft rührendes Bild: der alle ergraute Dr. Nabi von großer massiger Gestalt, mit verwittertem tiejbr unen Antlitz, ein echter Sohn bei Orients, und unser Münchener Kindl von kleinem aber quecksilbrigen Format, mit frischem Teint, Hellen Haaren und blauen Augen des Abendlandes. Longe liegen sie sich vor aufrichtiger Freude in den Armen. Wohlauf Denn in unsere schöne Heimat. Dr. Nabi gibt seinem (Befolge das Zeichen zum Aufbruch. Tie Hörner erklingen. Langsam zieht die Karawane in den frischen Morgen hinein. — Übermorgen hören Sie mehr! Tie Geschmacksrichtungen der Raucher sind wandelbar wie die Zeiten. Wir gehen mit! Tie leichten süffig süßen Mischungen unserer Zigaretten sind Glanzstücke der heutigen Ziaaretten-Herstellungsatt. Trum seien Sie nicht nur Leoenskünstler, sondern werden Sie Künstler des Geschmacks! 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Dlumenspenden, Eektslalchen mit der heiligen Liebe zu tun, die uns am der Erinnerung an die Geburt der ewigen Aber Dell- usw. Tage Liebe ersten bunten dessen. Abschnitt-fette malte lch außerdem mit -Einten recht deutlich den vollen älamtit inS Erden leben da s Die Geschenke für der aus des SU ge- neS geworden und werden auch meistens in Geld ausge-ahlt — ein unzweideutiges Verfahren, das meinen« zu größerer Zufriedenheit führt, als die Auswahl unerwünsch'er Gaben, unter deren Verantwortung die wohlmeinende , Hausfrau Schweißtropfen der Annst vergoß. Dettn — kannte kannte man den Geschmack von Minna oder Anna — und kannte man ihn — wollte man ihm willfahren? Ich weih von einem jungen Mädchen, das durch ihre schlechte Laune Familie den Heiligabend verdarb, weil sie ihrem Platze einen gu'en Wintermantel statt erwünschten weißen Tüllkleides sand, das tragen ihr Leben ihr niemals Gelegenheit Herz erfüllen sollte? die Hausangestellten find längst zu einem festbestimmten Teil ihres Loh- Gaben oder Liebe. Don Gabriele Reuter. DaS WeitznachlSsest ist bei unS in Deutschland von der Gefahr beschattet, ein reineS ..Gabenfest" zu werden — nein, es ist es bereits längst geworden. UnD soll doch ein Fest der Liebe sein! Schließt denn eins das andere aus? Sind die WeihnachtSgaben, mit denen wir uns gegen- fettig zu erfreuen trachten, nicht ein Ausfluß unserer Liebe? Seien wir doch ehrlich: längst ist der Ärei» der Weihnachrsgeichenke rings um die Menschen zu einer harten Derpflichtungs- mauer angewachsen, mit vielen spitzen Ecken und Türmen und Kanten, an denen man sich wund stoßen kann, und auch mit manchem Hintertürchen, die zu allerlei Gcschäsiemacherei führen. Wie du mir, so ich dir... Ach — diese oder jene Beziehung müßte ausrecht erhalten werden — Die Weihnachtsnuß und ihre Geschichte. Bon Arthur I g e r. ES ist seltsam, ein echtes deutsches Weih- nachtSsest kann man sich schwerlich ofyne Aepfel und Rüsse denken. Aber während der Apfel für uns eine Frucht ist, die wir fast das ganze Iahr hindurch genießen, taucht die Ruh erst in den weihnachtlichen Tagen bei uns auf, um dann mit dem »bunten Teller" wieder bis zum nächsten Christfest im Orkus der Vergessenheit zu verschwinden. Gewiß verwendet man sie in geringer Menge auch in anderer Zeit als Zutat zu Torten oder anderem feinen Gebäck, aber Der Bedarf dafür steht in gar keinem Verhältnis zum Konsum anderer Früchte. Richt immer hat sich die Ruß mit der Rolle Der weihnachtlichen »Eintagsfliege" bescheiden müssen. In vorgeschichtlicher Zeit war der Ruß- baurn bereits im westlichen Mittelmeergebiet verbreitet, und die f»genannte »welsche Ruh" — aus welchem Rainen später die Bezeichnung »Walnuß" entstand — wurde schon in frühester Zeit in Europa und Asien angebaut, da der Baum nicht nur wegen seiner Frucht, sondern auch wegen seines Holzes inti> des Oelertrages von den Alten sehr geschätzt wurde. Wit dem Fortschritt des Strahenbaues ging man besonders in Frankreich und Italien auch dazu über, die Alleen mit Rußbaumkulturen einzurahmen. ihre Freuden uni) iVuuuncrr.uk Wir Haden uns ja lieb“, wir brauchen es doch nicht erst öu zeigen — das ist nicht gute, sondern böse deutsche Art, oft aus einer feinen Scham hervorgehend, viel öfter aus einer schlimmen Bequemlichkeit des Herzens! Liebe Leute — strengt doch eure Phantasie einmal etwas an: wie ihr euch gegenseitig erfreuen könnt — auch ohne kostbare Geschenke. Freilich ist es zehnmal leichter, in letzter Stunde zum Kaufmann zu lau'en und ein Irgendwas -u erstehen, was die Verkäuferin -..ich gerade tn die Hand steckt, als ernsthaft und wiederholt Darüber nachzudenken, wie der Ehemann seine Frau und diese ihn, wie Die CI.em ihre Kinder und Die Geschwister untereinander sich zu den Chrtstfeierlagen durch seelische Au.merk- sa^m keilen einmal so recht froh und zufrieden machen könnten! Seelische Aufmerk'amke ten — worin die bestehen, das kann ich euch nicht sagen, darauf müht ihr schon selber verfallen! Bald werden sie in einer häuslichen Hilfeleistung des Mannes für die müde Hausfrau sich auswirken bald in einer hingestreck en Hand, Die bedeutet „Lassen wir Vergangenes vergangen -sein, laß uns beide neu beginren!“ Es gibt Blicke, kleine Zärtlichkeiten, freunD- viert worden und bildete einen großen Handelsartikel. Die Stadt Aoellino war ein Haupt stapel- Plah der Heinen, wohlschmeckenden Frucht, die von da aus in ganzen Schiffsladungen in alle Welt ging. Ss wurden verschiedene Arte'n angebaut, die je nach dem Geschmack der Bevölkerung auch verschieden eingeschätzt wurden. So gibt eS den Goldhasel, Schlitzhafel, LambettShasel, Bluthasel und noch etliche andere Varietäten. Schon die alten Römer knabberten • gern die »nuces ponticae", die „Pontifche Haselnuß', und auch in Konstantinopel bildete fi? eine stets gern gekaufte Marktware. Eine Riesenhasel wurde tat Franken im vorigen Jahrhundert gezüchtet. Die beim Kloster Zell kultivierten berühmten »Zeller Rüsse" erreichten die doppelte Gröhe der normalen Haselnuß. Obgleich auch die Haselnuß bei uns tn der Hauptfach« zu Weihnachten in Erscheinung tritt, ist sie doch das ganze Iahr hindurch tn aller Welt ein beliebter Handelsartikel. Große Kulturen von ihr befinden sich besonders in Spanien und in der Tschechoslowakei. Wieviel dieser Eleinen Früchte konsumiert, kann man daran ermessen, daß schon vor etwa dreißig Jahren allein von Spanien runö hunderttausend Zentner im Jahre ins britisch« Reich eingeführt wurden. Man sieht, für manche Länder ist die Haselnuß durchaus kein »bitterböser Baum". Auch für unsere Äleinen nicht, wenn sie die runben Kügelchen aufknacken und sich den „guten Kern" ein* verleiben. Es müßte Denn gerade fein, daß fie dabei »des Guten zuviel" tun. boten hätte. Aber — ich denke auch der alten Köchin, Die mit spärlichen Gaben beDadjt. doch mit Tränen erklärte, noch nie ein so herrliches Weihnachtsfest gefeiert zu haben, Denn in ihren langen D'enstjahren habe sie niemals im Pimmer an Der richtigen ..Bescherung" teilrebmen Dürfen. UnD — man hatte ihren Jungen für die Feiertage einrefaben ...! Der Krieg hctt. wie mit manchem Mißbrauch allzu üpvlger Zei'en, auch mit der ..Gabenüberschwemmung" zum Ebristfest gehörig aufgeräumt. Wobl jede Familie hat Die Liste ihrer Gaben - emp'änaer nach Möglichkeit eingeschränkt — leider hat dadurch ja auch mancher arme Verwandte zu leiden, Dem Die LebensmittelsenDuna zur Rot- v-endiakeit geworden war. Gerade über solche ..Abstriche" muß Die heilig« Menschenliebe aus- sondernD walten! Ts ist jetzt eher das Gegenteil von früher einge'reten. Die herrlichen Dinge, die man schenken könnte, sind zwar alle wieder in buntester Pracht und Fülle vorhanden — doch es fehlt oft das Geld, sie zu erwerben und das ist vielleicht ein bet) rüden Derer Zustand, als wären sie gar nicht vorhanden. Das verbittert so vielen Haussrauen und zärtlichen Vätern das Gemüt und verdirbt ihnen das letzte, das höchste und köstlichste Geschenk, was ihnen zu geben doch übrig blieb sich selbst zu schenken, ihre Liebe. Güte, Herzlichkeit. Die feinste Blüte ihres WelenS zufammenzurasfen und sie auszugießen über Die Familie. — Um Gotteswillen laßt nicht Die Silage laut wer Den: Wie war es sonst, wie groß Der Christbaum, wie üppig Die Bäckereien. Vorüber ist vorüber — neu muß das Leben aufgebaut werden, nur so wird es gesund, wenn Weihnachten nicht zu einer Katastrophe für den Geldbeutel und zu einem Zankfest zwischen Mann u.ti) Frau auSartet, sondern wieder zu einem Fest des Geistes und des Gemütes werden soll. Aber ich rede zu solchen, Denen Die Weih* nacht-geschickte nur noch eine Legende versunkener Zetten ist: Vertieft euch Doch einmal in Den wundervollen Sinn dieser heiligsten Erzählung, laßt euer Herz von den Strömen der Einfalt, der Klarheit und Reinheit durchfluten, Die von ihr auSgeht — und ihr werdet sehen, wie vor diesem Frieden, Der aus Den Worten Der Heiligen Schrift quillt, all Die fürchterliche Geschäfts-, Haushalts-, Welt- unD Sorgenunruhe, Die euch quält, gestillt wirt). So daß ihr nun erst — so ihr guten Willen- seid, zu Dem Wissen über Die wertvollsten Gaben gelangt. Die ihr zum Fest euren Angehörigen aufbescheren könnt: den Menschen ein Wohlgefallen — nämlich den Menschen eures engsten Hauskreises ein Wohlgefallen an euch — an eurer guten Laune, eurer Herzlichkeit, eurem Eingehen auf ihre Interessen. Schmeichelei... Zeichen der Liebe, Heine, fröhliche, gütige Vorboten Des Christfestes. Weihnachtsschmuck. Es naht nun wieder das Weihnachtsfest mit seinem Lichterglanz und seinem Kerzenschimmer, ungeduldig ersehnt nicht nur von Den Klllnen, die tausend Wünsche und Hoffnungen an sein Erscheinen knüpfen, sondern auch freudig begrüßt von allen Erwachsenen. Dringt es doch auch ihnen Licht und Freude, ein lur,^s Aufatmen und Entspannen in das tägliche arbeitsreiche Leben, für viele ein frohes Wiedersehen mit fernen Angehörigen und für alle neue Hoffnung. Hoffnung auf die Wiederkehr des Lia-tes. aus längere, hellere Tage, auf den Frühling. Für die Hausfrau bringt das Fest allerdings auch vermehrte Arbeit mit sich, zumal sie doch ihren Ehrgeiz darin setzt, ihre Häuslichkeit von der allerbesten Sette zu zeigen. Denn wenn bei uns das Fest auch nicht, wie in anderen Ländern, vorwiegend in der Darbietung auserlesener kulinarischer Genüsse besteht, so ist es doch lelbft- verständlich, daß der Tisch besser beschickt wird, als in gewöhnlichen Zeiten. Sind es doch nun einmal die Mahlzeiten, Die alle Familienmitglieder, liebe Gäste, Freunde und Verwandte zusammenführen. Sie sollten daher, besonders in Den Feiertagen, so festlich wie möglich gestaltet werden und dazu gehört neben der Darreichung der bekannten und beliebten Weihnachtsgerichte auch eine festlich geschmückte Tafel. Es ist selbstverständlich, daß an solchen Festtagen Die schönsten Dachen, Die die Schränke bergen, zu Ehren kommen müssen. Doch tut die Hausfrau gut. beizeiten nachzusehen, ob ihr bestes Gedeck, das sie auflegen will, auch in tadelloser Verfassung ist. Richts ist ärgerlicher, als wenn im Augenblick des Deckens, toeim kaum noch etwas zu änDem ist, häßliche Kniffe und Falten an unrichtiger Stelle den Eindruck stören: denn Haupterfordernis eines festlichen Eindrucks ist nun einmal peinlichste Ordnung und strahlende Sauberkeit. Erst danach kommt Die übrige Ausschmückung Der Festtafel zu ihrem Recht Auf Blumenschmuck wird man bei Der Weihnachtstafel meistens verzichten. Weihnachten bat sein eigenes Recht. In diesen Tagen herrscht die Tanne, herrschen Die anderen wintergrünen Gewächse der Heimat, und an Stelle farbiger Blumen verwenden wir bunte Beeren, Die uns Die Ratur auch jetzt noch reichlich bietet, z. B. Die leuchtend roten Beeren des Ilex, Die matten, weißen Perlen der Mistel und noch manches andere. Die farbige Rote, Die Durch diese Beeren, durch gelbe und rote Aepfel und anderes Obst In den Tafelschmuck kommt, genügt vollauf; Denn alles wird doch überstrahlt von der Kerze, der in der Weihnachtszeit durchaus Der Vorrang gebührt. Sie ist uns das Symbol Des Lichts, Das in der Finsternis leuchtet und wie sie am Christbaum strahlt und am schönsten strahlt, wenn alle anderen Lichtquellen erloschen sind, so sollte fie auch beim Tasellchmuck noch mehr Verwen. Dung finden; ja, Die Beleuchtung Des Weihnachtstisches sollte eigentlich nur von Kerzen ausgehen. Mit anM festlichsten' wirkt über dem Eßtisch zweifellos eine sogenannte Weihnachtskrone, die man sich aus einem Reifen dreht und mit Bindfaden und reichlich Tannengrün leicht selbst Herstellen kann. Man bringt sie um die Hängelampe herum an und schmückt sie wie den Christ- Weihnachtsküche. Maronen. 'Die .Kastanien oder Marone« loerDen geschält, gebrüh!, enthäutet, in Zuckerwasser nur halbwc,ch gelocht. Auf 1 Pfund Frucht l , Pfund Zucker, starker Zusatz von Vanill.n. cm kleines Gläschen Portwein oder Tokayer. In dieser aromatischen Sauce Die Maronen ziehen lassen, sehr aufpassen. daß sie nicht zerfallen. Schwarzwild-Ragout mit roten Rüben. Brust und Schultern eines Frifchlinas werden abgettemU, sauber gewaschen, in passende Stückchen zerlegt, dann in einer Kasserolle mit Zwiebeln, Sellerie, Lorbeerblatt, zerdrückten Wacholderbeeren, Pfefferkörnern, Zitronenscheiben und drei roten Rüben mit dem nötigen Salz in halb Essig, halb Wasser und 1 ... Flasche Rotwein weich gelocht. UnterDeffen verrührt man eine gute Mehlschwitze, gießt die Fleischbrühe durch ein Haarsieb wenn Die Fleischstücke gar find, verkocht Die Brühe mit Dem Schüntzmehl zu einer glatten Tunke, gibt da- Ragoutsleisch hinein, läßt alleS zusammen nochmals aufkochen und tischt es zu Salzkartosfeln auf. Gebratene Ente oder Gans in Marinade. Man kocht von zwei Liter Wasser, dem nötigen Suppengrün, */, Pfuird Ochlen- lleisch imD zwei Kalbfüyen eine klare Brühe, fügt, nachdem sie durch ein Sieb gegoffen ist, zwei Glas Weißwein und ein GlaS Weinessig hinzu, läßt dieS zum Kochen kommen, gibt eine mit zwei Relken gespickte Zwiebel, ein Lorbeerblatt, etwas Estragon, Thymian mrd Basilikum hinzu unD schäumt den Sud, nachdem er zehn Minuten zur Seite des Feuers gezogen hat, gut aus Man fügt alsdann noch einen halben Teelöffel Liebig- Extrakt an Die Marinade, verrührt sie sehr gut. legt Enten- oder Gänsebratenreste (auf diese Flüssigkeit eine halbe Gans oder eine Ente), die man in zierliche Stück geschnitten hat, in eins Schale, nimmt das Fett von der Marinadenbrühe, seiht sie durch ein Tuch über das Geflügel und läßt sie zu Gelee erstarren. Will man das Geflügelgelee längere Zeit aufbewahren, fo gibt man eS in einen Steintops, übergießt es mit Rindsfett und bindet Den Topf Arc. Dieselbe QEarinaDe schmeckt vortrefflich, wenn sie über gebraten« Schweinskotelettv gegeben wird imD zu Gelee erstarrt. Man rechnet auf sechs Koteletts ein Liter Wasser unD alle obigen Zutaten zur Hälfte. Hase im Topf. Man zerlegt einen Hasen, sowie ein Pfund Durchwachsenes Schweinefleisch in mittlere Würfel, reibt einen Suppenkelle^ voll Schwarzbrot und schneidet drei große Zwie- beln in Würfel. Auf Den Boden eine« Schmortopfes gibt man zuerst eine Lage Brot, Dann von Dem gewürfelten Fleisch würzt mit Salz, gestoßenem Pfeffer, Lorbeerblatt und ein wenig Relkenpfesfer. Dann kommt wieder eine Schicht Brot, Fleisch usw. Ist der Topf gefüllt, g.etzt man eine Flasche Rotwein Darüber, verklebt Den Topf mit Mehlteig, kocht ihn zuerst auf dem Herd an und dämpft ihn dann noch reichlich -wer Stunden im Bratofen. Dcmach gibt man das Gericht im selben Topf zu Tisch. Sier auf Husaren-Art. Die nötige Anzahl genügend großer, in Butter geröstete« Scheiben englifchen Kastenbrots wird auf einer Schüssel geordnet, mit einer in Butter erwärmten dicken Tomatenscheibe wird jedes Semmelstück belegt, mit etwas Haschee von magerem gekochten Schinken unD Champignons, das mit ein wenig kräftiger Fleischbrühe angemacht worden ist. überfüllt und mit verlorenen Eiern belegt. die mit etwas holländischer Sauce überzogen werden. A p f e l - P i e. x/t Pfund roheS Rierensett wird gehäutet und mit 200 Gramm Mehl fein gehackt, etwas Salz, ein Si, eine Heine Tasse Wasser dazu geknetet und der Teig ausgervllt. Man schneidet zuerst den Deckel für öie mit Teig zu belegende Pieform und dann Den Rand und Boden Man füllt rohe Apfelscheiben, die mit Zucker bestreut werden, in die Form unD schließt sie mit dem Deckel, den man an den wohingegen sich der chankbare Schatten- und Fruchtspender — er kann es bei gutem Boden auf ein Alter von 100 Iahren und mehr bringen — In Baden, Franken, Schwaben, Schweiz und Tirol meist in Gärten und Obstpslanzungen findet. Untere weihnachtliche Ruh ist, wie man sieht, zum Teik auch deutscher Abkunft. 2Iber Der Bedarf des Ruhknackers ist um die Weihnachtszeit ein so großer, dah seine Brechzange bald tatenlos in die Tischlade gelegt werden mühte, kämen Die „Ausländer" nicht zu Hilfe. Da erfreut sich feit Jahr und Tag besonderer Wertschätzung die französische Ruh wegen ihrer feinen, appetitlich aus- sehenden Schale und ihres wohlschmeckenden Kernes. Das Dollswort sagt zwar, dah »in mancher rauhen Schale doch ein guter Kern" ist, doch ist Die Welt nun einmal Darauf eingestellt, auch auf das „angenehme Exterieur" zu sehen. Spielt doch in der Tat bei allem, was wir essen, neben Gaumen und Magen auch das Auge eine gewichtige Rolle. Don dieser »welschen" Ruh wird aber der Weihnachtsmann diesmal nicht viele Stücke in feinen Sack packen können- Frankreich hat nämlich Heuer eine Mißernte in Rüssen und so muh er eine Anleihe tn Rumänien machen. Da kriegt er sogar die gleiche Menge zum halben Preis. Ob freilich diese „billige Schwester". Die Moldau- nuh. Der nüsseknackenden Mitwelt zum Feste so munden wird, wie die zarte „Welsche", muh erst die Zukunst ergeben. 3m übrigen ist die Ruh eine Weltbürgerin erster Klasse. Sie gedeiht an den lieblichen Hängen unserer Bergstraße ebenso wie in den Pyrenäen und im Alpengebiet, in der Niederung wie auf Berglehnen unD, Anhöhen. Sie ist zum Teil sogar eine »Hochgeborene". In den Schweizer Alpen llettert fie bis 1100 Meter hoch und trägt Früchte von köstlichem Wohlgeschmack. In Rordamerika ist sie schließlich eine hochgeschätzte „Butterlieferantin". Der Dort wachsende »Butter- nuhbaum" — auch »schwarzer Walnuhbaum" genannt — liefert ein Oel, das zu feinster Kunstbutter verarbeitet wird. Es wäre, wenn man von der Weihnachtsnuh spricht, ungerecht, wollte man der Reineren bescheidenen Schwester der Wal nutz, nämlich der Haselnuß, nicht auch Erwähnung tun. Wenn sie auch nicht den Vorzug genieht, gold- und silberverbrämt am Christbaum hängen zu Dürfen, so wird sie doch in ihrer niedlichen Rundlichkeit auf jedem Weih nachts teller in zahlreichen Exemplaren vertreten fein. »O Haselnuh, o Haselnuh. du bttterböser Baum", heißt es in einem Liede von Oscar Strauß. »Bitterböse" darum, veil die Liebenden, die unter ihm sitzen, angeblich so schnell »ins Küssen hineinkommen". Ihm, ob da die .Hasel" gefabrbrobenDcr ist als etwa Der Flieder zur Blütezeit, bleibe dahingestellt. Sicher ist es aber, dah in unserer Zone die Pärchen höchstens unter einem Haselstrauch sitzen können, nicht unter einem Daum. Im Himalaja allerdings gibt es einen Hasel bäum, den sog. »türkischen Daum- hasel", der eine Höhe von 20 Metern erreicht. Die Haselnuh ist schon im Altertum füllt- bauut mit Ltchtern, Baumschmuck und Lametta, dis in langen Fäden zur Tafel berunterbängi. 2kus dieser selbst herrscht natürlich auch DaS dunkle Grün vor. das man guirlanDenartig auf Dem Tisch verteilt Dazwischen werden überall Weihnachtskerzcn. Die man in ausgehödtte. recht rotbackige Aepfel steckt, ausgestellt. Wirkungsvoll ist auch als Tafeldekoratton ein mit hübschen Tannenzapfen oer ierter Kran,;, aus dessen Dunf- lern Grün vier Kerzen hervorleuchten, entsprechend Den vier Advents Wochen. Man kann sich auch auf Die zwölf heiligen Rächt» beziehen unD ein Dutzend Kerzen nehmen. Wollen wir aber als Mittelstück Der Tafel eine Obstschale verwenden, in der ausgesucht schöne Aepfel liegen, so hüllen wir DaS Körbchen oder die Schale in Tanncngrün ein und lassen von Dein ebenfalls mit Grün umwundenen Henkel goldene unD silberne Rüsse auf die Aepfel herabhängen. Die Kerzen befestigen wir am Rande ober stellen sie im KreiS um Die Schale herum aus. Roch auf mancherlei Arten lassen sich Tanne und Wachslicht auf Der Tafel sinnvoll anbringen. 2ln schöngcformten Leuchtern befestigen wir mit leuchtend roter Landschleife Tannenzweige und Lametta Brennende Wachskerzen und würziger Duft der Tannennadeln, beide zusammen erst zaubern Die rechte Weihnachtsstimmung hervor. Eine willkommene Weihnachtsgabe. „Du hast mit Deinem so prakl scheu Geschenk, das nur Liebe und Interesse erdenken konnte, bei Grvßmuttchen den Vogel abg.schoisen. UnD das Merkbüchlein, das Du für sie eingerichtet, gleicht ja auch wirklich Dem Ei des Columbus. Eine so einfache Sache! Wieso ist man früher nie Darauf gekommen?" So schrieb mir meine Freundin nach dem vorigen We.hnachtsfeste. Ja, warum ist man früher nie auf diese Idee gekommen, Die doch so natürlich und selbstverständlich erscheint? — J'ch war im Herbst bei meiner gütigen mütterlichen Freundin für mehrereWochon zu Gast und freute mich täglich über die Rüstigkeit und außerordentliche Fr.sche der alten Dame. Rur über eins jammerte und klagte sie oft: „Mein Gedächtnis, mein Gedächtnis! 3a. ja. damit ist's vorbei! Uni) daß ich doch immer gerade das Hauptsächlichste vergesse!" Häufig war sie gerade nach dem Besuch guter Freunde tief niedergeschlagen, weil ihr da Die Gedächtnisschwäche besonders fühlbar wurde. Sie. die ihr Haus fast nie mehr verlieh, lebte um so intensiver das Leben ihrer Angehörigen, ihrer Freunde und Bekaimten mit, hatte für alles, was diese betraf, das regste Interesse und dachte bei so manchem, was sie horte oder las, daß es möglicherweise von Wert für diesen oder jenen fein konnte, und nahm sich fest vor, bei dem nächsten Wiedersehen davon zu berichten. Aber, v Jammer! sie dachte immer erst daran, wenn Die Betreffenden längst wieder fortgegangen waren. Richt anders erging es der Guten bei Den Visiten ihres Hausarztes. All Der kleinen Leiden, Die sie mal hier und da zwickten und zwackten und über Die sie einmal mit dem Doktor reden wollte, wurde bei der gemütlichen Unterhaltung mit Dem guten alten Santtätsrat mcht gedacht. War er dann fort, so erinnerte sie sich ärgerlich, daß sie wieder das Wichtigste, sich Rat zu erbitten, vergessen hatte. Einige Damen, denen die gütige Frau stets eine kluge Beraterin und Helferin toar,_ stellten sich gern zur Erledigung besonderer Einkäufe und solcher Angelegenheiten zur Verfügung, denen das einfache Mädchen, das Die alte Dame betreute, nicht gewachsen, war. Oft erwartete sie schon sehnsüchtig eine ihrer freundlichen Helferinnen, weil eine dringende Besorgung vorlag. Kam dann eine der ungeduldig Erwarteten, so erzählte die Gute angeregt von tausend anderen Dingen, aber der so dringende Wunsch fiel ihr erst wieder ein, als sie allein sah. UnD dann war sie ärgerlich über sich selbst und verstimmt über die große Vergeßlichkeit. Da kam ich denn auf die Idee, ein praktisches Merlbüchlein für sie herzustellen, das sich zu meiner Freude nun auch wirklich bewährt. Da Weihnachten, das Fest der großen und kleinen Geschenke, vor der Tür steht, ist es vielleicht der einen oder andern meiner Schwestern willkommen, wenn ich es kurz beschreibe. Ich nahm also ein nicht zu kleines, ziemlich dickes Rotizbuch, das ich in acht Abschnitte teilte. Ich schnitt die einzelnen Teile an den offenen Langseiten in Der Weise ein, wie es bei den allbekannten Adressen-Merkbüchlein der Fall ist. Bei dem Beginn eines jeden Teiles malte ich. jedesmal in anderer Farbe, den Anfangsbuchstaben des RamenZ desjenigen, für den die Rotizen bestimmt sind. An Den Kopf jeder gewünschten Teils noch mehr zu etl.ichtern. erh.elt außerdem jeder Aoschnitt ein verschieden bunleS Band als Lesezeichen, das zwischen den Seiten cingezogen unD befestigt wurde, v.' in gestickter Einbano bebt das Au-sehen. Daö Büchlein ist seit einem Iahte der unzertrenn ich' B gleitet meiner lieben alten Freundin. Ke a Besuch t Dem eine Rubrik gewidmet ist. verläßt daS Haus, ehe DaS geschriebene Gedächtnis befragt wurde. Vielle cht könnte ein solche Buch auch andern ein treuer Dem Der betreffende Teil gewidmet cft. Um das Auseina"derhalten und Auffinden Dei Buntes Allerlei. Prophezeiungen für 1927. Die berühmten frmyöfifajen Wahrsagerinnen, die alljährlich uni die Weihnachtszeit der aufhorchenden Menschheit die Ereignisse des neuen Jahres vorherverkünden, haben sich auch diesmal pünktlich eingestellt. Mme Albane de Siva, die seinerzeit das Ende des Krieges richtig voraussagte, verkündigt für 1927 große Reformen unb »viel Bewegung in der inneren und äußeren Politik". Sic deutet sogar für Frankreich einen Staatsstreich an, gibt aber dann die beruhigende Erklärung, die alte Regierungsform werde bestehen bleiben. Außerdem gibt sie natürlich das ständige Programm von Katastrophen, Erdbeben, Llnglücksfällen auf der Eisenbahn, in der Luft, auf dem Wasser usw. Kühn ist ihre Prophezeiung, daß „eine größere Sittenstrenge" sich bei den Franzosen bemerkbar machen wird. Eine andere moderne Pythia, Mme. Fraha, hält das kommende Jahr, das unter den Zeichen des Saturn und der Sonne steht, für glückbringend. Den Franzosen verkündet sie den „endgülttgen Sieg dcS Franc" und die Wiederkehr normaler Verhältnisse im Frühling. Daß der Rundfunk weitere Fortschritte machen und daß es an Unfällen nicht fehlen wird, glauben wir ihr ohne weiteres. Auch wird man ihrer Prophezeiung, daß die Menschen 1927 immer weniger höflich sein werden, eine gewisse Wahrscheinlichkeit nicht absprechen können Langschläfer. Cs hat zu allen Zeiten Leute gegeben, die nicht wie gewöhnliche Sterbliche dann, wenn sie schläfrig, müde oder krank sind, zu Bett gehen, sondern sich auch auS anderen Gründen im Bette aufhielten. Bernadotte, der König von Schweden, ging abends elf Uhr zu Bett und verließ eS erst wieder am folgenden Rachmittage um vier Uhr. Im Winter empfing er seine Minister im Bette und dort unterzeichnete er auch seine Akten. - Unsere Rähmaschinen verdanken ihr Bestehen dem Bette. Singer, der Erfinder der Aähmascbinennadel, lag im Bette und träumte — natürlich von seiner Maschine, die sein ganzes Denken im Wachen und Schlafen war. Im Traume sah er einen Ulanen, der mit eingelegter Lanze gegen ihn Misprengte. Das Fähnlein der Lanze aber flatterte aus einem großen Oehic an der Spitze der Lanze. Singer erwachte — die große Frage war gelöst: das Oehr gehörte an die Spitze der Radel und nicht wie bei der gewöhnlichen Rähnadel an bad andere Ende. - Dem Spanier Don Everardo Dlasco hatte ein Wahrsager aus den Sternen prophezeit, er würde nicht im Bette sterben. Der schlaue Tenor gedachte Rand festdrückt und mit Eigelb bestreicht. Eine Stunde Backzeit. Brennende Eierkuchen. Die fertigen Eierkuchen bestreicht man mit einem beliebigen Gelee und zerdrückten Makronen, stäubt Puderzucker darüber, befeuchtet sie mit gutem Kirschwasser oder Kognak und zündet sie beim Aufträgen an. Haselnuß-Brote. Die gleiche Masse formt man mit etwas Mehl zu kleinen, zierlichen fingerlangen Brötchen, und macht mit dem Messerrücken auf jedes zwei schräge Einschnitte. Man läßt sie über Rächt stehen und bäckt sie dann in mäßiger Hitze. Buntes Sandgebäck für den Weihnachtsteller. Besonders schön sieht ein Weihnachtsteller aus, wenn bunte Farben das Weihnachtsgebäck zieren. Rach folgender Anleitung läßt sich ein feines, ausgiebiges und hübsches Weihnachtsgebäck Herstellen: 250 Gramm Butter, 250 Gramm Zucker, 2 Eier und 450 bis 500 Gramm Mehl, je nach Größe der Eier. Alles zusammen wird gut verarbeitet und in die Strau- bensprihe gefüllt. Auf ein gut eingefettetes Blech werden dann Figuren gespritzt, wie Ringe, Stän- gelchen, Achter und Hörnchen. Der Leig soll ziemlich fest fein, damit sich die Formen der Straubensprihe gut ausprägen. Dieses Sandgebäck wird dann bei guter Hitze gebacken. Zur Der- bcficrung des Geschmacks kann verwiegte Vanille, Zitronenschale oder Bittermandelöl dem Teig beigegeben werden. Die Beigaben ergeben ein ganz Helles Sandgebäck. Fügt man gestoßenen Zimmt und Relken hinzu, oder Kakao, so wird das Sandgebäck bräunlid). Rimmt man ein wem; pulverisiertes Sandelholz — in jeder Drogerie erhältlich - hinzu, so bekommt das Sandgebäck eine rötliche Farbe. Empfehlenswert ist es, einen Teil deS Mehlquantums durch das blütenweiße, trockene Mondamin zu ersehen, weil dieses dem Gebäck den typischen, bräfeligen, sandigen Geschmack verleiht. Oder man kann einen Teil des Mehls durch zwei Mondamin-Puddingpulver ersetzen, die den gleichen Effekt erzielen. Diese Monbaminpulver gibt es in allen Geschmacksrichtungen, wie Mandel, Schokolade, Mokka, Zitrone, Himbeer und Vanille. Auf diese einfache Weise lann man in den Geschmack des Sandgebäcks viel Abwechslung bringen. Selbstverständlich muß die Gewichtsmenge des verwendeten Mondamins vom Mehlquantum abgezogen werden. Schlesische M o h n k l ö ß c. 1 Liter Milch wird mit 300 Gramm Zucker und 500 Gramm geliehenem Blaumohn ausgekocht. Zwei bis drei Eßlöffel Feingrieß macht die Masse bündiger. Run kann man nach Belieben gehackte Mandeln, ober Rütte, etwas Vanillin, Korinthen ober Sultaninen beifügen, doch geht es auch ohne bicse Zutaten. Der gekochte Mohn muß etwas abge'ühll, einen dickflüssigen Brei bilden. Man bestreicht den Boden einer großen Schüssel dünn mit Drei, belegt ihn dicht mit seinen Scheiben von einen Tag alten Wassersemmeln, bestreicht wieder mit Fülle usw., die letzte Schicht ist Mohn. Am besten loirb das Gericht einen Tag vor Gebrauch fertiggebracht. Die Semmelscheiben saugen jede Feuchtigkeit auf. Die ganze Masse läßt sich quer durch in Scheiben schneiden, die bunt gemustert erscheinen. Nürnberger Honigplätzchen für den Silvesterabend. Fünf ganze Eier werden mit 500 Gramm Zucker eine halbe Stunde lang gerührt. Dann wird noch folgendes hinzugefügt. 10 Gramm gemahlener Zimmt, 8 Gramm gemahlene Relken, 5 Gramm gemahlene Kardamone, 15 geriebene bittere Mandeln, 30 Gramm zerlassene Butter, die abgeriebene Schale einer Zitrone, 250 Gramm Honig, ein Kaffeelöffel vlül Backpulver, 150 Gramm Mondamin und ungefähr 500 bis 600 Gramm feinstes Weizenmehl. Das Mondamin als feinster Maispuder ist noch zarter und ausgiebiger als bas beste Weizenmehl. Aus der Teigmasse werden runde Plätzchen gestochen und bei Mittelhihc gelb gebacken. Roch warm, -verden sie mit in Wasser verrührtem Puderzucker bestrichen. nun cwig zu leben, und ging nicht mehr aus dem Bette heraus. Sechs lange Jahre hatte er Tag und Rächt darin bereits zugebracht, da trat ein Erdbeben ein, und im ersten Schreck springt er, um zu flüchten, aus bsm Bette, fällt aber und schsägt mit dem Kopfe gegen die Kante des Bett- Pfostens und — ist tot. — Ein wahrer Dirtuose im Bettliegen war der Engländer White, der als frischer und gesunder Mann sechs Jahre und sieben Monate im Bette lag. Er wechselte in dieser Zeit viermal seine Wohnung, ohne dabei das Bett zu verlassen. Er ließ sich vielmehr auch bei diesen Umzügen im Bette sortschasfen und einmal verzog er sogar von Quebec nach Montreal. selbstverständlich ebenfalls im Bette. — Auch von dem berühmten englischen Richter Torville wird erzählt, baß er sich von seinem Bette nicht habe trennen können, und deshalb die Parteien in sein Schlafzimmer kommen ließ und von dort aus die Verhandlungen leitete. Auch verbat er sich in seinem Testamente einen Sarg und bestimmte, daß man ihn in seinem Bette begraben solle. Wirtschaft. Der deutsche Außenhandel im November. paffiofalbo 193 Millionen Mark. Der deutsche Außenhandel zeigt im Rovember im reinen Warenverkehr einen Einfuhrüberschuß von 123 Mill. Mark gegen 100 Mill. Mark im Vormonat: insgesamt beträgt die Passivität 193 Mill. Mark. Die reine Wareneinfuhr zeigt eine Zunahme von 9 Mill. Mark. Die Einfuhr an Lebensmitteln liegt um 4 Mill. Mark höher als im Vormonat. Beträchtlicher ist die Verschiebung bei Rohstoffen und Fertigwaren: erstere zeigen eine Zunahme um 20 Mill. Mark, letztere eine Abnahme um 14 Mill. Mark. Die Ausfuhr im reinen Warenverkehr hat sich nur unwesentlich — um 3 Mill. Mark — vermindert. Während b;e Fertigwarenausfuhr eine Abnahme von 24 Mill. Mark aufweist, zeigt die Ausfuhr an Lebensmitteln und Rohstoffen eine Zunahme, und zwar erstere um 16 Mill. Mark, letztere um 5 Mill. Mark. Nahrungsmittelbedarf und Erwerbslosigkeit. Die innerdeutsche Wirtschaft wird von zwei Grundtatsachen besonders stark beeinflußt. Zunächst von der R a h r u n g s in i 11 e l e i n f u h r, die im letzten Jahresdurchschnllt monatlich rund 300 Mill. Mk. an bas Ausland abfließen ließ. Sodann von der Erwerbslosigkeit, bie einschließlich der Kurzarbeiterfürsorge den Staat und bie Wirtschaft monatlich mindestens 170 bis 180 Mill. Mk. kostet. Diese beiden Tatsachen stehen in enger Wechselwirkung. Wir hatten zwar vor dem Kriege auch schon eine starke Rahrungs- Mitteleinfuhr, diese konnte aber ohne weitere Erschwernisse mit dem Export bezahlt werden. Heute ist jedoch der Produktionsausfall durch die Erwerbslosigkeit so groß, daß man allein mit ihm unsere Rahrungsmitteleinfuhr aus dem Ausland ungefähr finanzieren konnte. Diese Zusammenhänge zwischen Rahrungs- mitteleinsuhr und Erwerbslosigkeit einerseits und Belastung der deutschen Wirtschaft andererseits sind bisher noch nicht genügend berücksichtigt worden. Auch das Arbeitsbeschaffungsprogramm besteht in der Hauptsache aus einer mehr ober weniger zufälligen Aneinanderreihung von Projekten, die vielfach rein lokalen ober politischen Wünschen ihr Entstehen verdanken, und bie alles andere bedeuten als eine organische Umgestaltung unserer Wirtschaftsstruktur, ober doch wenigstens eine Annäherung zu ihr. Straßenbauten, Oedlandkultur, Kanalbauten, Wasserkraftanlagen, Wohnungsbauten, Elektrisierung der Eisenbahn usw., alles das mögen Projekte sein, die für manches Einzelgewerbe oder für manche Gegend eine gewisse Entlastung bringen, bie abdr niemals ein einheitliches, auf bie Gesundung des Wirtschaftsorganismus als solchen gerichtetes Programm darstellen. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm begnügt sich mit dem sehr kostspieligen und — in der Gesamtheit betrachtet weniger wichtigen Ziel, aus Erwerbslosen vorübergehende Rotstandsarbeiter zu machen, anstatt dem viel wichtigeren Endziel zuzustreben, aus den Erwerbslosen wieder bodenständige Arbeiter mit dauernder und fest- begrenzter Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Das Endziel des Arbeitsbeschaffungsprogramms besteht also nicht darin, der Erwerbslosigkeit ein Ende zu machen, sondern darin, vorübergehend Arbeitslose gegen Rotstandsarbeiter umzutauschen. um dadurch eine Produktivität vorzutäuschen, die in Wirklichkeit garnicht vorhanden ist. Das Ziel eines wahren Arbeitsbeschaffungs. Programms m^e in einer dauernden U m - g c ft a 11 u n g »er deutschen Wirtschaft bestehen, die aus Erwerbslosen wirkliche Arbeiter macht, deren produktive Beschäftigungsmöglichkeit für absehbare Zeit gesichert ist. Das ist aber nur möglich, wenn die beiden Geundproblcme der deutschen Wirtschaft - Rahrungsmittelcin- fuhr und Erwerbslosigkeit - miteinander in organische Verbindung gebracht werden. Anders ausgebrückt bedeutet das die Rotwendigkttt, auf dem Wege über bie Landwirtschaft eine Entlastung bes deutschen Binnenmarktes herbeizuführen. Möglichkeiten, zu diesem Ziel zu gelangen, sind vorhanden. Es braucht nur darauf hingewiesen zu werden, daß die Landwirtschaft immer noch gezwungen ist, einen nicht unerheblichen Prozentsatz auslän» bischer Arbieitskräfte zu beschäftigen, an deren Stelle sehr Wohl zum guten Teil deutsche Arbeiter treten könnten. Die wesentlichsten Möglichkeiten. die hier in Betracht kommen, bestehen in der Verpflanzung solcher Landwirtschaslsange- hörigen, bie im Westen Deutschlands eine aus- reichende Betätigung in der Landwirtschaft nicht mehr haben, nach dem sieblungsarmen Osten. Durchgreifende Intensivierung der Landwirtschaft. Steigerung des Hackfrucht- baueS. Bau von Landarbeiterwohnungen. Wege- und Straßenbau auf dem Lande, Finanzierung des Bezuges von landwirtschaftlichen Maschinen usw.. alles das sind Dinge, die in den Rahmen eines wirllich großzügigen, organischen Arbeitsbeschaffungsprogramms eingepaßt werben fönn- ten, während dies bisher nicht der Fall ist. * Ausfall der Börse am ko mme n - menben Freitag. Wie der DHD. erführt, ist in bet gestrigen Schmig des Berliner- Börsenvorstandes beschlossen worden, am Freitag. 24. d. Mts den gesamten Börsenverkehr ruhen zu lassen. Die Aussetzung des Börsenverkehrs erstreckt sich demnach sowohl auf den Effektenmarkt, als auch auf den Devisenhandel, sowie auf die Metall- und Produktenbörse. ’ Deutschland weiterhin der größte Doheisenlieferant Amerikas. Die Roheiseneinfuhr Amerikas belief sich in den ersten zehn Monaten dieses Jahres, wie dem „I. K." berichtet wird, auf 413 300 (353 400) Tonnen. Deutschland war in der Berichtszeit mit einer Einfuhr in Höhe von 133 400 Tonnen der bedeutendste Roheisenlieferant Amerikas. Ihm folgte England mit 92 100 Tonnen, Britt sch-Indien mit 79 500 Tonnen. Holland mit 62 100 Tonnen und Frankreich mit 26 900 Tonnen. Dörlenkune. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. grankkurt a.M. Berlin Sd)Iu ,• fcurc t-Uht. Kur, Schluh» Rur« Anfang «triri Datum: 21. 12. 22. 12. 21. 12. 22. 12. 5% Dcullch- NeichSanleihe . 1.2375 0.745 0.7425 0 74 VU Deutsche NeichSanleihe . 0.69 — 0,6775 o.67 3'/,% Deutsch- Reich en leih: 3% Deutsche ReichSanletbe . Deutsche Svarvramicnanlethc 0.69 — 0.63 0.6675 U.M 0.440 _ 0.7975 0 44 0,795 4% Preußische ökonsolS . . . 0,69 — U 6775 0.67 4" Helsen . . ......... — — — X — 3'W. Hessen.......... 3% Hessen — — — — — — 0,65 — Deutsche Wertb. Dollar-Anl. 97,25 — — dto.Doll.-Schatz-Anwcisng. . *- — — — 4% Bolltürlcn......... 16.25 16 16.25 ** 5% Goldmcttkaner...... — — —- — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz und Pnvat-Bank. 274 5 216.5 216 275 217 5 270 216 75 Darmst. und Naiionalbank . 263.4 262 262 262 Deutsche Bank......... ISO 186.25 186 5 185.25 DiSkonlo ccoinmandit 174.7 1?4 75 175 174.75 Dresdner Bank........ 171 168 5 169.9 169 MctaUbank........... 176 174.5 175 165 Mitteldeutsche Kreditbank. . 165,5 167 166.5 — Oesterreichische Kreditanstalt. NeichSbank..... .... 7,7 161.5 — 7.8 I61.<5 7,9 160,25 Bochumer Guß........ 172,5 171 171.5 171,25 Buder,iS............ HU.5 109,75 110 109.75 6nro ............. ■■ — Deutsch Luremburg...... 171.9 171.75 171.75 Gelsenkirchener Bergwerke. . 172.25 — 173 4 172.5 Harpencr Bergbau..... Kaliwerke Aschersleben.... 189,9 155,5 188 158 189.9 156.25 187.75 158 Kaliwerk Westeregeln..... 164.5 166 164 166 Lnurahülte........... 77-25 - 75,5 75 Mannesman«......... 191. S — 192.25 191.75 ManSielder. ......... 135.75 — 134 75 133,62 Obcrbcdarf........... .21,5 — 118 117 Phönir Bergbau....... 129 - 129,4 127.75 Rheinisch« Braunkohlen. . . 243 241.6 239 Rheinstahl........... Nie deck Montan........ 195 178 — 195 178,5 193.25 181 TelluS Bergbau........ 104 6 — — Bereinigte Stahlwerke .... 147 — 146 145,5 Hamburg-Amerika Paket. . . 163.75 162 162,5 162,25 Norddeutscher Lloyd . ... 163,9 162 163.4 462.25 Cheramische Werke Albin . . — — — — Zementwerk Heidelberg . . . 131 - — — Philipp Hottmann...... 162.5 — 164 163 Anglo Cout Guano..... -* — 105,75 Chemische Mayer Alapin. . . — — —- «Goldschmidt.......... 142,25 — 141 142 Holzverkohlung......... I G Karben-Industrie. . . RülgerSwcrke......... 312.75 315 H5.25 314 130.5 — 131,75 133,5 Echeideanstalt......... 174,5 — — — Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 161 158,5 160.75 159 Bergmann........... — — 158 5 156,25 Elektr. Licserungeu...... 151 — 152,25 152.25 Licht und Kraft........ 158.5 — 157.5 156 Mainkraftwcrkc ........ 117 — Schultert............ 159.75 — 159 167,9 Siemens & Halöke ...... 197 — 197.25 — Adlcrwerke Kleyer ...... 111 109.75 110,75 109,75 Daimler Motoren. ...... 87 87.5 39 87 Heyligrnslacdt......... 37.6 - Meguin............. 51,5 51.9 — Mannheimer Motoren .... - — 39.76 — Frankfurter Armaturen . . . 16,25 — - Konservenfabrik Braun . . 57 w Mctallaelcll'chaft Frankfurt. 179 — — — Pct. Union A.-G........ 123 124 Schuh'abrik Herz....... — — 60 Sichel.............. 5 — 6 _ Zellstoff Aschaffenburg.... 151 151.5 150,25 151 ScHfloii Waldhof...... 233.5 232 <32 231.13 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 103.75 129 102 129 104 128.5 21. Dezbr. 22. Dezbr. Amtliche Geld Jloti rung Brief Amtliche 'Jloticruna Geld Brief Amst-Roti 167.79 168,21 167.67 168,09 Bucn.Aires 1.727 1.731 1,731 1.735 Brss.-Antw 58.35 58 49 58,34 58,48 Christiania 105.47 105.73 105.42 105.68 Kovenhagen 111.78 112,06 111.74 112,02 Stockholm 112.09 112,37 112,06 112,34 HclstngforS. 10.555 10.595 10,55 10,59 Italien. . London. . . 19,0J 19.04 18.67 18 71 .-0,349 -0.399 41.347 20.397 Ncuyork . . 4,1955 4.2055 4,1935 4,2035 Paris. . . . <6,98 17.02 16,78 16,81 Schwei; . . '1,12 '1,32 81.08 61.28 Svanien . 64.24 61.40 64.07 64.23 Japan . .. Bio de Jan 2.047 2,051 2,044 2,048 0.495 • .497 0.498 0.509 Wien in D » Ctft. obgcst 59,28 59.42 59,26 69,411 Prag .... 12,423 12.463 12,418 12.458 Bclirad . 7.397 7,417 7,40 7.42 Dudape't. >.877 d.897 3,872 |5,892 Bulgarien i.035 4,045 3.03 •>.04 Lissabon . -1.545 21,595 21,485 21,53a Danzig. . . 81.45 61,65 81,48 M.68 -stonst ntin 2.11 2,12 2.095 .',105 Athen. . . 5.34 5 36 5,2t 5,31 Canada 4.192 4.202 4,19 4.21 11 ru uav 4.26 4.27 1 265 4,275 Cairo . 20.879 20.931 20.879 20,931 Banknoten. Berliu, 21 Dezbr Geld Bne' Amerikanische Note»..... Belgische Noten ........ Dänische Noten ...... Englische Noten........ Französische Noten...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Nortvcgische Noten...... Deutsch s>sterr.5100 Kronen Numäniiche Noten...... Schwedische Noten...... Schweiler Noten....... Svanische Noten....... Tscheche« iowakische Noten . . Ungarische Noten . . ... 4.188 58,2 i 111,42 20,305 17,06 167.58 18 97 105.24 59.23 2,19 111,77 81.30 63.99 12.405 5,835 4,208 58,56 111,92 20.40a 17.11 168.2.- 19,07 105,76 < 59.53 2.21 112.33 81.70 64.31 12.465 5 875 Berliner Börse. Berlin, 22. Dez. Die vorletzte Börse vor der mehrtägigen Llnterbrechung des Verkehrs stand bereits vollkommen unter dem Eindruck der bevorstehenden Feiertage. Die Umsätze erreichten mir einen sehr kleinen Umfang, ba außer unbedeutenden Posilionsregulierungen kaum noch Reigung zu Engagements bestand. Die ersten amtlichen Kurse bröckelten infolge dieser Stille durchschnittlich bis zu 1 Prozent ab, vereinzelt auch bis lu Proz. Einige Spezialwerte waren schärfer gedrückt (Berliner Handel minus 3.5 Prozent.) Das Publikum beteiligte sich fast gar nicht mehr am Geschäft. Bei der Kulisse verstimmten Besorgnisse über die weitere Entwickelung des Geldmarttes, ferner fand daS Urteil im Landauer Prozeß eine außerordentlich günstige Aufnahme, da hierdurch die außenpolitische Entspannung stark bettnträchtigt werben könnte. Einiges Geschäft entwickelte sich in Mannesmann-Aktien und Dessauer Gas Auch I. G. Farben blieben zu 314 bis 315 Gedenket der hungernden Vögel! Prozent etwas gefragt. An b;n übrigen Marktgebieten bestand zu den Erst'otterungcn und etwas darüber hinaus ebenfalls Au,nahrn.neigung, doch hielten sich bie tatsächlichen Abschlüsse nach wie vor in eng begrenztem Rahmen. Heimische Renten bei behau vielem, teilweise sogar freund- ließen Kursen vernachlässigt. Am Geldmarkt sind bie Sätze unverändert. Monatsgeld 7 bis 8 Prozent. Im Devisenverkehr schwächten sich Paris und Mailand gegen London ab. Die üb.igen Valuten zeigten lei e n:nnensweitea Veränderungen. Frank ^rse. Frankfurt. 22. Dez. Tendenz: Still und uneinheitlich. Die Effektenbörse eröffnete äußerst ruhig, wie dies infolge der bevorstehenden Feiertage nicht anders zu erwarten war. Die allgemeine Gefchästsunlust führte überwiegend zu Kursabschwächungen in geringem Ausmaße. Wenn auch die Grund- st i m m u n g der Börse, ausgehend vom Montan- markt, als f e st bezeichnet werden muß, so traten auch gelegentlich neue Rückgänge ein. Am Montanmarkt verloren Bochumer 1,5 Prozent, Phönix 0,5 Prozent. Fest lagen dagegen von vornherein Mannesmann, bie 0.75 Prozent höher eröffneten, um im Verlaufe noch um 1 Prozent anzuziehen. Kaliakticn konnten aus den schon mitgetellten Gründen ihre Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen. Aschersleben plus 1 Prozent, Westeregeln plus16-Prozent. Auch I. G. Farben lagen bei rußigem Geschäft widerstandsfähig und befestigten (ich um 0,75 Prozent. Petroleumaktien setzttn ihre Aus- wärlsbewegung fort. Rütgerswerle plus 1,1 Prozent. Deutsche Erdöl plus 2,25 Prozem. Am Bankenmarkt blieb die Kapitalerhöhung der ADKA ohne Einfluß auf den Kurs. Fest lagen Commerzbank, die im Verlaufe um 1,25 Proz. anzogen. Elektroaktien stark vernachlässigt. Don den variablen Werten waren D a u a f t i e n gut behauptet und teilweise bis 1 Proz. höher. Süddeutsche Zucke raktien uneinheitlich. Waghäusel plus 1, Frankenthal minus 0,5 Proz. Auch Zellstoffaktien lagen nicht einheitlich. Heimische Anleihen lagen s.hr ruh g ohne nennenswerte Kursveränd:rung:n. ebenso fremde Renten. Im weiteren Verlauf blieb bas Geschäft still. Eine Ausnahme bildeten nur wenige Spezialwerte (Man esma n-Rö rer, Disconto- Kommmanbit), die reger umgeseht wurden. Lebhaft gefragt waren Kaliwerte, bie weitere 6 Proz. gewannen. Am G e l b m a r k t ist Tagesgeld leicht mit 5 Proz., dagegen Monatsgeld stärker gesucht. Der Sah stellte sich für erste Adressen auf 7 Prcz.. für zweite Adressen auf 8 bis 83/i Proz. Im Devisenverkehr schwächten sich Paris und Mailand gegen London ab. Paris 121,40, Mailand 108,25 gegen das Pfund. Die übrigen Valuten waren kaum verändert. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Dez. Auftrieb: 18 Rinder, 1105 Kälber, 258 Schafe, 161 Schweine. Kälber, beste Mast- und Saugkälber 78 bis 83 Pf., mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 77 Pf., geringe Kälber 60 bis 69 Pf.; Schafe, OKaft- lämmer und jüngere Masthämmel, 1. Weidemast 40 bis 43 Pf., mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 31 bis 39 Pf., fleischiges Schafvieh 28 bis 33 Pf. Marktverkauf Kälber und Schafe wurden bei lebhaftem Handel ausverlauft. In Schweinen unterblieb die Votierung infolge des geringen Auftriebs. Frankfurter ).tr. ivev^rfe. Frankfurt a. M., 22. Dez. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,25 bis 29,50; Roggen, inlänb., 24,50; Sommergerste für Brau- zwecke 25 bis 26,50; Hafer, inlänb., 19 bis 19,50; Mais (gelb) 19,50; Weizenmehl, inlänb., Spezial 0, 40,50 bis 41,25; Roggenmehl 35 bis 36; Weizenkleie 11,50 bis 11,75; Roggenllec 12. Tendenz: Fest. Gerichtsfaal. Der Zuchthäusler als Iubilar. ][ Marburg, 21. Dez. In der Sitzung beS erweiterten Schöffengerichts würbe ein 6 0 Jahre alter Zuchthäusler namens Seibel vorgeführt, der in den letzten drei Jahrzehnten nur mit geringen älnterbrechung-en dauernd hinter Schloß und Riegel gesessen hatte. Wie er selbst bei seiner Vernehmung ausführte, habe er Ende dieses Jahres sein 25. Jahr als Zuchthausinsasse hinter sich. Meist hatte es sich bei leinen vielen Straftaten um Diebstähle gehandelt. Im September ds. Js. war er, nachdem man ihm drei Monate seiner noch zu verbüßenden Strafe geschenkt hatte, aus dem Zuchthaus entlassen und bei einer Ziegenhainer Firma als Schreiner eingestellt worden. Der Firmeninhaber bekundete, baß Seibel ein fleißiger und tüchtiger Arbeiter sei. Dieser konnte bie goldene Freiheit aber nicht lange ertragen. Schon nach vier Wochen brach er gemeinsam mit einem Komplizen in dem nahen Wasenberg bei zwei Landwirten ein. Den Dieben fielen zwei Gänse, etwa 70 bis 80 Eier, mehrere Töpfe mit Schmalz und Butter, sowie ein Dutzend Hanfsäcke in bie Finger. Seibel wurde bereits am anderen Tage gefaßt, während fein Komplize noch nicht zu ermitteln war. Er gab an, daß er ttch mal ein Fettleben hätte leisten wollen. Das Urteil lautete, in Anbetracht der vielen Vorstrafen, auf 2 Jahre 3 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Dem Wunsch des Angeklagten, noch heute ins Zuchthaus in Ziegenhain überführt zu werden, damit er bas Weihnachts- f e st zusammen mit feinen „alten Kollegen und Bekannten" feiern könne, würbe entsprochen. Aus Dem Amtsvcrknndigungsblatt. * Das Amtsoerkündigungsblatt Nr. 102 vom 21. Dezember enthält: Abhaltung aus« märtiger Amtstage. — Maul- und Klauenseuche 'n Großen-Linden, Alten-Buseck, Hattenrod, Harbach, Quecfbom und Röthges. — Dienftnachrichten. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gege- r" feine*-’?' Verantwortung.) Liebe Ißeaferleitung! Wäre es nicht möglich, die aus Silvester festgesetzte Borstellung auf den Abend vorher zu verlegen und so eine Störung der Silvesterfeiern zu vermeiden? Im Namen zahlreicher Freitagsabonnenten.' O.