Nr. 275 Erstes Blatt 176. Zahrgang Montag, 22. November 1926 Eriche,nr täglich.außer Sonntags und Feiertags Beilagen; Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle Monali-eezugrpretr; 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummerrr infolge höherer Gewalt. Fernfprechanl chlüsse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten; Anzeiger Sietzen. poftfdj.Jfonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'S und Verlag: vrühl'sche UniversitatL-vllch- und SteinOrudcrei R. Lange in Ließet. Schriftleitung und Sesch^ftzstelle- 8chu!ffra^r?. Unnahme von Anzeiaen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen ov-, 27 mm Drene örtlich 8. auswärt« 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 । m Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20v . mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich iür Politik D Fr Wilh Lange, für Feuilleton vi H Tdyr.ot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den An» zeigentcil i. Dertr H.23c*, iämtlich in Gießen. Die Kontrollfrage. Die ersten Besprechungen des deutschen Unterhändlers in Paris. Paris. 22. Rov. (TU.) Legationsrat Dr. Forster vom auswärtigen Amt. der feit vier lagen in p»f> weilt, um im Auftrage der Reichsregierung D e c h a n d l u n g e n mit den zuständigen Stellen über die teilten, noch ungeregelten Fragen der Entwaffnungskontrolte zu führen, hat bereits eine Reihe von Linzelbefprechungen gehabt. in denen er den Standpunkt der deutschen Regierung auseinandersehen konnte. Eine Besprechung mit dem Generalsekretär der Botfchasterkonserenz, Rl a s f u g t y , Hot noch nicht stattgesunden, ist jedoch für die allernächste Zeit in Aussicht genommen. Da es sich um eine erste direkte Fühlungnahme handelt, wäre es verfrüht, schon heute etwas üoer die Lin- drücke"zu sagen, die Legalionsrat Forster bisher gewonnen hat. Doch hat es den Anschein, als wäre die Atmosphäre für direkte Verhandlungen nicht ungünstig. Die Zurückziehung der interalliierten Kontrollkommission. London, 22. Rov. (W. T. B. Funlspruch.) ,,'SaiIt) Telegraph" schreibt, es werde jetzt allgemein zugegeben, daß die interalliierte Kontroll. Kommission am 6. Dezember, dem Tage des Zusammentritts des Völlerbundsrates, aus Deutschland noch nicht zurückgezogen sein wird, u. a. weil 'Berlin bis dahin die von Frankreich in der Entwaffnungsfrage gestellten detaillierten Forderungen gar nicht erfüllt haben könne, doch verlaute, das) S t r e s e m a n n am 5. Dezember in Genf mit Chamberlain und Br ianb zusammentreffen werde. Zu den Verhandlungen über die Aufgaben der neu zu schaffenden Völlerbundskontrollkommission werde in britischen Kreisen erklärt, daß die britische Regierung niemals die Erklärung angenommen habe, bah „besondere und ständige Kontrollorgane" in der entmilitarisierten Rheinlandzone eingesetzt werden sollen, anstatt daß nur gelegentliche Unter- suchnngen vorgenommen werden. Frankreich und der Anschluß. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Paris, 20. Rov. (TU.) Einen interessanten Artikel über das Anschluhproblem und die mitteleuropäische Frage veröffentlicht heute die „Information". Das Blatt, das sich einer be- merkenswerten Objektivität zu befleißigen sucht, bezeichnet die Auffassung eines Teiles der fran- zösisä en Presse als durchaus irrig, dah der An- schluh Oesterreichs an Deutschland aps konfessionellen Gründen nicht zustande kommen werde unb verweist auf die Haltung der Sozialdemokraten. Von politischen Problemen hypnotisiert, vergesse man in Frankreich die to i rtschaft - liche Seite der Frage. Gerade die Wirtschaft- lichen Rotwendigkeiten aber seien es, die über . die Schwierigkeiten aus dem Wege zu einem neuen Mitteleuropa hinweghelfen würden. Wenn diese Metamorphose beendet sei, könne Frankreich Wohl an den Buchstaben der Verträge appellieren, aber die Anhänger des Anschlusses hätten triumphiert. Die Sieger von 1918 seien gegen die Entwicklung vollständig machtlos. Infolge der wirtschaftlrchen Entwicklung sei auch die Kleine Entente bedroht, zumal in der Tschechoslowakei die deutschen Parteien mitbestimmend geworden seien. Auch diese Entwicklung bezeichnet das Blatt als eine Folge zwingender wirtschaftlicher Rotwendigkeiten. Es weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dah in der Tschechoslowakei die Anhänger des Freihandelfystems in Mitteleuropa zahlreich seien. Gegen einen Zollverein Mitteleuropas seien die Westmächte nicht hx der Lage und auch nicht im Recht, vorzugehen. Zum Schluß meint das Blatt, es wäre zu überlegen, welche Politik man gegenüber einem Zentraleuropa ein- schlagen solle, anstatt die Frage zu stellen, wie man den Anschluß verhindern könne. Die Garibaldi-Affäre. Paris, 22. Rov. (TU.) Anspielungen der Pariser Presse auf die Entdeckung neuer Zusammenhänge in der Affäre Garibaldi lassen erkennen, daß diese noch weitere Kreise ziehen wird. So fordert der „Intransigeant" die Justizbehörde auf, der Oeffentlichkeit die volle Wahrheit über die Angelegenheit zu sagen, da diese sonst geeignet sei, Mißverständnisse zwischen alliierten Ländern hervorzurufen. Heber die Persönlichkeit der Gefährtin Garibaldis berichtet ein Blatt, dah es sich hierbei um die legitime Gattin de la Rosas, des Sekretärs des früheren katalanischen Abgeordneten Gerrouf, handelt, der kürzlich in Madrid verhaftet worden war. Die Gefährtin Garibaldis ist nicht geschieden und unterhält mit ihrem rechtmäßigen Gatten immer noch Beziehungen. Sie wurde schon seit über zehn Jahren vom französischen Spionageabwehrdienst überwacht. Man glaubt, dah ihre Teilnahme an verschiedenen italienischen und katalanischen Komplotten in Kürze enthüllt werde. Wie die Blätter melden, haben die f p a = Nischen Behörden angeordnet, dah diejenigen Spanier, die von Frankreich wegen Teilnahme am Komplott von Perpignan ausge? wiesen worden sind, nach Spanien zu - rückkehren können. Man will von ihnen nur die schriftliche Zusicherung verlangen, dah sie sich in Zukunft jeder politischen Tätigkeit enthalten werden Dos ßfietois in WWs WWMmz. Englands Autzenpo'rtrk und die Dominions. London, 20. Ro.'. (Wolff.) De britische Reichs lonserenz hatte c .nea Ausschuß gebildet, ter über die Beziehungen der einzelnen Reichs- teile zueinander einen Bericht auszuarbeiten hatte. Der Bericht liegt jetzt vor. Er sagt u. a.: Der Ausschuß ist der Ansicht, daß nichts gewonnen werden könnte durch einen Versuch, eine Verfassung für das Britische Reich zu schaffen. Großbritannien und die Dominions find selbständige Gemeinwesen innerhalb des Brtischen Reichs, gleich in ihrem Status, keines dem andern in irgendeinem Punkt । einer inneren oder äußeren Angelegenheiten untergeordnet, wenngleich vereint durch eine gemeinsame Untertanenpflicht gegenüber der Krone, und frei verbunden als Mitglieder des britischen Gemeinwesens. Jedes sich selbst verwaltende Mitglied des Britischen Reichs ist jetzt Herr seines Geschickes. Um aber Fragen der Diplomatie und Fragen der Verteidigung zu behandeln, ist auch ein gemeinsamer Mechanismus erforderlich, der von Zeit zu Zeit den sich ändernden Umständen der Welt angepaht werden kann. Die jetzige Praxis, wonach ter Generalgouverneur eines Dominions die amtlichen Beziehungen zwischen London und der Dominion-Regierung vermiitle, entspreche nicht der Gleichheit in der Rechtsstellung ter einzelnen Bestandteile des Reichs. In Zukunst mühten die amtlichen Beziehungen unmittelbar von Regierung zu Regierung hergestellt werden. Hinsichtlich der Beziehungen zum Ausland wird an die Vereinbarung vorn Jahre 1923 erinnert, wonach jede der Begierungen, die den Abschluß eines Vertrages beabsichtigt, diejenigen andern Regierungen' des Reichs benachrichtigen soll, die wahrscheinlich an dem Zwecke des Vertrages interessiert sind. Jede Regierung muh, bevor sie irgendwelche Schritte tut, durch die Verpflichtungen für die andern Regierungen geschaffen weäen. deren ausdrückliche Zustimmung erhalten. Es wird empfohlen, international.* Verträge, an denen das Reich beteiligt ist, nicht wie bisher im Damen der einzelnen Teile, sondern im Damen des Königs abzuschliehen. Bei Konferenzen, die unter den Auspizien des Völkerbundes stattfinden, werden die einzelnen Reichsteile durch gesonderte Delegationen vertreten, die auf Grund der im Jahre 1923 gefaßten Entschließungen zu» samrnenwirken. In der allgemeinen Führung der auswärtigen Politik liegt der Schwerpunkt zur Zeit bei der Regierung von Großbritannien. Dies muh noch einige Zeit so bleiben, dagegen sind fast alle Dominions zum Teil in beträchtlichem Mähe an der Führung der auswärtigen Politik, insbesondere hinsichtlich der Beziehungen mit ihren Rachbarländern, interessiert. Als Beispiel wird Kanada erwähnt, dessen umfangreiche Beziehungen zu den Bereinigten Staaten zu der Rotwendigkeit der Ernennung eines kanadischen Vertreters in Washington geführt haben. Jede Exequatur-Erteilung an ausländische Konsuln in den Dominions soll künftig nur mit Zustimmung und unter Gegenzeichnung der betreffenden Dominion-Regierung erfolgen. Heber das System zur Erzielung einer einheitlichen Willenbildung des Reichs führt der Bericht aus, daß besonders in der Zeit zwischen den Reichskonferenzen eine rasche Verständigung zwischen den einzelnen Reichsteilen, vor allem über wichtige außenpolitische Fragen, zu gewährleisten sei. Es wird als wünschenswert bezeichnet, dah Vertreter der Dominions in London und umgekehrt für die persönliche Fühlung sorgen. Die näheren Einzelheiten über diese Fühlungnahme sollen zwischen den einzelnen Regierungen vereinbart werden. Der Bericht wurde von der Konferenz einstimmig angenommen. Befriedigung in England. London, 22. Rov. (TU.) Dir Sonntags- blätter nehmen zu dem Bericht der Rcichs- konfcrenz ausführlich Stellung. Der ..Observer" bezeichnet die Konferenz als epochemach end. Als Haupterfvlg bezeichnet das Blatt die Tatsache, dah die Konferenz ein öl) ft cm direkter und persönlicher Berührung zwischen der Regierung von Großbritannien und den Dominions begünstige. Die „Snnday Times" schließt ihre Ausführungen mit den Worten, dah, falls alle künftigen Reichskonferrnzen so fruchtbar und harmonisch verlaufen würden, tote diese, man für das britannische Weltreich nichts zu befürchten brauche. Obwohl der Zeitraum fett der Veröffentlichung des Berichts nur sehr knapp ist, liegen den' Sonntagsblüttern bereits Kommentare über die Aufnahme in den Dominions vor. So wird aus Melbourne berichtet, dah man in australischen Kreisen mit BefrieM- g ung von dem Ergebnis Kenntnis genommen habe. Das Ende des englischen Bergarbeiterstreiks. London, 20. Rov. (TU.) Der englische Bergarbeiterstreik ist als geschlossener nationaler Kampf zu Ende. Durch die heute erfolgte Annahme der Vorschläge der Vergärbeitevexe- kutive durch die Delegiertenkonferenz kann der englische Kohlenstreik als Kampfhandlung der gesamten Bergarbeiterschaft als zu- sammengebrochen gelten. Immerhin ist mit der Möglichkeit zu rechnen, dah in dem einen oder anderen Bezirk der Streik noch etwas andauern wird. Am Freitag wird die Delegiertenkonferenz erneut zusammentreten, um die Berichte der einzelnen Distrikte über die Verhandlungsergebnisse entgegertzunehmen. Von dem von der Regierung vorgeschlagenen Schiedsgericht ist tm Augenblick feine Rede mehr. Die Frage werde anfangs nächster Woche vom Kabinett erörtert werden. Ein Teil des Kabinetts soll der Auffassung sein, daß eine Regierungsinter- oentton noch immer notwendig sei, damit den Bergarbeitern vernünftige Bedingungen unterbreitet würden. Andere Regierungs- Mitglieder sind dagegen bekanntlich der Auffassung, dah die Bergarbeiter, nachdem sie beschlossen haben, die Gewerkschaften als Appelationsgerichts Hof einzufetzen, nicht erwarten fönn» ten, dah die Regierung noch ein Schiedsgericht bilden werde. Das erste Bezirksabkommen. London, 21. Rov. (WTV.) Im Bezirk Rottinghamshire ist am Samstag zwischen den Grubenbesitzern und den Bergleuten ein Abkommen abgeschlossen worden, das für einen Zeitraum von fünf Jahren den 7V2 -Stundentag und die Errichtung eines Lohnamtes vorsieht, in dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber in gleicher Zahl vertreten sind. Das Lohnamt, das einen unabhängige:, Vorsitzenden haben wird, wird in bestimmten Zeiträumen die Löhne gemäß den ermittelten Ergebnissen sestzuseyen haben Der geringste Tageslohn soll 7 Schilling 11 Pence betragen. Dem Abkommen wird erhöhte Bedeutung beigemessen, da es als geeignet angesehen wird, den Weg für ähnliche Regelungen in anderen Bergwerksbezirken zu ebnen. hindert werden muh, und daß dahinter die Interessen einzelner Parteien zurückzutreten haben. Die Ultraradikalen. (Sine Konferenz der kommunistischen Opposition. Göttingen, 21. Noo. (WB.) Die kommunistische Opposition, die unter Führung von Iwan Katz steht, trat in diesen Tagen in Göttingen zu einer Reichskonferenz zusammen. Das Ergebnis der dreitägigen Verhandlungen war die Verschmelzung des Spartakusbundes mit der Allgemeinen Arbeiterunion zwecks Herstellung einer Einheitsorganisation auf bewußt klaffenkämpferischer Grundlage zur Herbeiführung der Weltrevolution. Die Tagung wurde geleitet von dem ehemals braunschweigischen Staatspräsidenten August Merges, der die Ziele des neuen Spartakusbundes dahin erläuterte, daß der Bund aus« f dj l i e ftj i d) als Kampforganisation und als Gegengewicht gegen die unter russischem Einfluß stehende kommunistische Partei Deutschlands gegründet sei und auf der ganzen Linie den Kampf gegen die Bourgeoisie mit allen Mitteln aufnehmen werde. Iwan Katz, der Führer der neuen Gruppe, ergänzte diese Richtlinien in einem mehrstündigen Referat dadurch, daß er erklärte, daß man auf eine Beteiligung am parlamentarischen System verzichte, und daß die dem Spartakusbund beigetretenen Abgeordneten ihre Mandate n t e b e r (e g e n würden. vieRegierungsbildunginSachfen Die Stellungnahme der deutschen Volkspartei. Dresden. 22.Rov. (5ÄI.) Gestern tagte hier der Landesausschuß der Deutschen Volkspartei, um über die politische Lage in Sachsen Stellung zu nehmen. Zur Frage der Regierungsbildung wurde eine Entschließung angenommen, die jeden Zweifel über die Stellung der Deutschen Dolkspartei ausschlieht. Sie lautet: Der Landesausschuh lehnt eine Regierungsbil- dung mit den Linkssozialisten entschieden ab. Er hält für die dem Wohl des Landes am besten dienende Losung der Regierungsfrage zur Zeit eine Koalition von Deutschnationalen bis einschließlich A 1 t s o z i a l i st e n, die über eine klare Landtagsmehrheit verfügen werde. Der Landesaus- schuh begrüßt es, dah die Deutschnationalen ihren Standpunft, eine Koalition mit den Sozialisten abzulehnen, aufgegeben haben. Er bedauert es, dah die Altsozialiften, nach den wiederholten Erklärungen der Vertreter der Deutschnationalen Dollspartei nicht bereit sind, mit der Deutsch- nationalen Dollspartei zusammen eine Regierung zu bilden. Bei dieser Sachlage und bei der ablehnenden Stellungnahme der Deutschnationalen zu einer MinderhÄtsregierung der Mitte, fehlt es bis auf weiteres an einer Mehrheit für eine Reubildung der Regierung. Für alle weiteren Verhängungen hat als oberster Grundsatz zu gelten, dah im allgemeinen Landesinteresse die Bildung einer Linksregierung ver- Wege zum soziale« Vsiksstaat (frinc Rede des R richSarbeitsmimsters Dr. Brauns. Dortmund, 22. Rov. (TU.) Der Gewerk» schaftsring der christlichen Gewerlsch.tsten hatte den Reic^arbeitsminister Dr. Braun? für Sonntag zu einem Dortrag über „lücgc zum sozialen Dollsstaat" eingeladen. Der Minister ging in seinem Referat zunächst auf die Entwicklung des christlichen GewerlschiftSlampfes in den letzten Jahrzehnten und be$ sozialen Rechts in der Rachkriegszeit ausführlich ein. Er führte ans: Eine Erscheinung, wie der grafte englische Bergarbeiterstreik, an dem die englische Wirtschaft während eines halben IahreS allmählia) verblutete, sei in Deutschland nicht möglich gc.Dcfcn. Dennoch habe es auch bei uns nicht an bedauerlichen Folgen der Wirt'chaftskrise gefehlt. Im Jahre 1923 seien 54 Millionen verloreü gegangene Arbeitstage, im Jahre 1924 deren 29 Millionen und 1925 immer noch 16 Blillionen zu verzeichnen gewesen. Wenn man die Fortschritte in der sozialen Fürsorge nach dem Kriege objektiv mit denen der Vorkriegszeit vergleiche, müsse man anerkennen, daß niemals mehr für die (Sinigung des Volkes und für die Sicherung der Gleichberechtiung der Arbeitnehmerschichten getan worden sei als in den letzten vier Jahren. Das Arbeitsschuhgesetz werde schon in den nächsten Wochen im Plenum verabschiedet werden. Die produktive 21 r- beitslosenfürsorge könne nur da einsehen, wo wertvolle öffentliche Interessen erhalten und geschaffen werden, z. B. bei der beschleunigten Beschaffung einer neuen deutschen Handelsflotte. Auf die finanzielle Tragbarkeit der Sozialpolitik eingehend, gab der Minister an, daft vom Reich allein im Rahmen des Tätigkeitsbereiches deS Arbeitsministeriums für soziale Zwecke im Jahre 1925 mehr als 1 600 Millionen Mark ausgegeben worden seien, denen eine Gesamtistausgabe von 7 Milliarden aegenüberstand. Soweit das objektive Recht in Frage komme, sei der soziale Staat bereits in weitem Ausmaße verwirklicht, doch müsse die neue Rechtsordnung, insbesondere auch die neue Sozialordnung noch mehr seelisches Gemeingut des Volkes werden. Neue Wege in der Erwerbslosenfürsorge. Der Freistaat Danzig unterstützt die Auswanderung. Bremen, 20. Noo. (TU.) Nachdem bereits am 29. September ein aus 270 Erwerbslosen bestehender Transpott aus Danzig an Bord des Norddeutschen Lloyd-Dampfers „Sierra Morena" nach Argentinien ausgewandert ist, trafen am letzten Mittwoch weitere 70 Erwerbslose in Bremen ein, um am 20. November gleichfalls die Reise nadj Argentinien anzutreten. Die Regierung des Freistaates Danzig hat anscheinend in der Erwerbslosenfrage neue Wege beschritten, indem sie solchen Unterstützungsempfängern, die sich zur Auswanderung melden und nach sorgfältiger Prüfung dafür geeignet befunden werden, die Erwerbslosen- reute a u f eine gewisse Zeit kapitalisiert und ihnen damit die Mittel, die zur Gründung einer Existenz in geeigneten überseeischen Ländern erforderlich sind, verschafft. Dr. Luther in Uruguay. Reichskanzler a. D. Dr. Luther, der im Flugzeug aus Buenos Aires in Montevideo eintraf, wurde vom Präsidenten Serrato empfangen und war Gast der Regierung, welche zu seinen Ehren ein Frühstück gab. Rach dem Empfang, den der deutsche Gesandte Schmidt-Elskop veranstaltete, und nach dem Essen im Deutschen Klub setzte Dr. Luther seinen Flug nach Brasilien fort. Amerikanische Flotten- intervention in Nicaragua. R e u y o r k, 20. Rov. (TU.) Rach Meloun» gen aus Ricaragua hat dort ein amerikanischer Zerstörer eingegriffen. Durch die Intervention der amettkanischen Marine konnte die Errichtung einer liberalen Regierung vereitelt werden. Die Stellung des Präsidenten Diaz, des Führers der Konservativen^ gilt als gesichert. Neuer polnischer Uebersall auf Reichsdeutsche. Berlin, 20. Rov. (TU.) Am Donnerstagabend sind zwei Reichsdeutsche aus Beu- then von der polnischen Polizei in Friedens- Hütte aus unbekannter Ursache verhaftet worden. Als die Inhaftterten kurze Zeit darauf enllassen wurden, fielen sie einer Banditenschar in die Hände. Die beiden Reichsdeutschen wurden übertoäüigt und unmenschlich mit Gummiknüppeln, Stöcken und Schlagringen Hugerichtet. Der Rame des Anführers der Bande ist bekannt. Von feiten des deutschen Generalkonsulats in Kattvwitz sind in dieser Angelegenheit bifclos matifche Schritte unternommen worden. Die Finanzlage Helsens. Von Finanz Minister Henrich, Darmstadt. I Ich verzichte herauf, dem Herrn Abgeordneten Dingeideq in seinem im „G. A-" oom 15.—18. Nov. veröffentlichten Äufsatz die zahlreichen Unrichtig- feiten und Entstellungen im einzelnen nachzuweisem die er sich in seiner Kritik leistet — man soll Kleines klein fein lassen —, und ich beschränke mit daram, die wesentlichsten Gesichtspunkte zu beleuchten, dir aus dieser Kritik erkennbar sind. Herr Dingelden meint: Wenn die Jahre 1923 bis 1925 ohne Fehlbetrag abschließen und sogar noch erhebliche Deckungsmittel für 1926 zur Verfügung bleiben, dann ist das auf den Raubbau zurückzu- sühren. den der hessische Finanzminister (nicht etwa der Reichsfinanzminister) an der Steuerkraft der Steuerzahler ansübte. Das wirk schon mehr erheiternd. Weist dec Voranschlag einen Fehlbetrag auf, dann ist das auf die Unfähigkeit des Fmanz- ministers zurückzufiihren. Bleibt dieser Fehlbetrag in der Rechnung aus oder verwandelt er sich gar in einen Ueberschuß, dann zeugt dies von brutaler Steuerpolitik. Wie sind denn die Ueberschüsse ,zustande gekommen? Für 1923 betrugen sie 3,7 Millionen. In den ersten neun Monaten des Jahres bis zum Ende der Jnslationsperiode sind bekanntlich Steuern säst nicht bezahlt worden, ihr Wert deckte nicht einmal 1 o.H. des öffentlichen Bedarfs. Im ersten Bierteliahr 1924 (hem letzten Abschnitte des Rechnungssahres 1923) führte die Reichsregierung zur Stabilisierung der Währung die bekannten rohen Steuern ein, deren Ertrag mangels zuoerlästiger Unterlagen im voraus nicht zu berechnen war. Die Lander und Gemeinden mußten ihre Steuern gleichfalls den veränderen Verhältnissen anpasien Zhe Wirkung war am Jahresschlnß eine starke Mehrein- nahme. Wer hat nun zuviel erhoben: das Reich oder die Länder und die Gemeinden, die für ihre Stener- berechnungep keine andere Grundlage hatten als die Angaben her Reichsregierung? Die Mehreingänge in 1923 waren an sich nicht besonders bedenklich, denn sie bedeuteten nur einen kleinen Ausgleich für die ungenügenden Steuerleistungen in den voraus- gegangenen neun Monaten des Jahres. Für 1924 war eine genauere Schätzung der Reichssteuereinnahme schon eher möglich. Die Reichsregierung verfuhr hierbei sehr vorsichtig, und die hessische Regierung ging bei der Schätzung ihres Anteils über hie Ansätze des Reiches hin an s. Das Ergebnis für das Reich war eine Mehreinnahme über den Etatsansatz hinaus von 2 Milliarden, an her die Länder unb die Gemeinden entsprechenden Anteil Hattern Und so hat es kein Land und fast keine Gemeinde gegeben, die nicht in 1924 erhebliche Ueberschüsse zu verzeichnen hatte. In Hessen entfallen von hem Rechnungsüberschuß von 6,8 Millionen auf Mehreinnahmen aus Steuern nur 2,7 Millionen, wenn man die weiteren 4,1 Millionen absetzt, die aus geschenkten Betriebsvorschüssen des Reiches herrühren, die also mit Steuerleisttrngen der hessischen Steuerzahler nicht das geringste zu tun haben. Es ist auch nicht richtig, daß die hessische Regierung dieser Entwicklung der Steuereinnahmen keine Rechnung getragen habe: bekanntlich hat sie in 1924 auf ein volles Quartal der Grund - und Gewerbesteuer verzichtet. Und nun betrachte man diesen nüchternen Tatsachen gegenüber die Behauptung des Herrn Abg. Dingeldey, her Rückgang her Steuerkrast und damit her wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in 1926 gegen 1922 sei vor allem auf die rücksichtslose und kapitalvernichtende Steuergesetzgebung des hessischen Staates während her abgetoufenen Jahre zurückzuführen. Ist das nicht grotesk? Worin besteht denn diese „rücksichtslose Steuergesetzgebung"? Die Grundsteuer sollte in den letzten drei Jahren je etwa 7 Millionen bringen. Davon entfallen etwa 3 Millionen auf die Gebäudesteuer, die bei weitem den geringsten Satz in ganz Deutschland hat. Ungefähr 3 Millionen lasten auf dem rein landwirtsäMlichen Grundbesitz, her nur in dem großen Besitz infolge der Staffelung stärker belastet ist als in den anderen Ländern. Dem Gewerbe sind gleichfalls 7 Millionen Sanhesfteuern auferlegt. Mangels einer zuverlässigen Veranlagung der Erträge wirkt leider die Steuer in einzelnen Fällen hart unb ungerecht, und es läßt sich bis zur Auswirkung einer richtigen Veranlagung des Ein- t kommens und des Vermögens in diesen Fällen nur ■ auf dem Wege her Billigtettserlässt unb der Sttm- Fbungen Helsen. Hiervon wirb in liberalster Weise Gebrauch gemachl Im ganzen ist es aber unbestrit- '• tene Tatsache, baß bie Belastung des Gewerbes mit staatlichen unb gemeindlichen Gewerbesteuern in Hessen erheblich geringer ist als z. B. in vielen Lan- besteilen Preußens. Die Sondergebäubesteuer hat in 1924 unb 1925 nicht wesentlich anders gewirkt wie in den übrigen deutschen Ländern. Erst in 1926 macht sich ihre unsoziale Tendenz besonders scharf bemerkbar. Die Regierung hat versucht, nach der sozialen Seile hin Abhilfe zu schaffen. Aber hier hllft nur eine grundsätzliche Neuordnung, wie sie für den endgültigen Finanzausgleich erwartet werden muß. Es darf aber doch auch darauf hingewiesen werben, daß bem Miethausbesitzer in her gleichzeitig erfolgten Erhöhung der Miete ein Ersatz für bie erhöhte Hauszinssteuer gewährt wurde. IL Das nun schon in allen Tonarten abgemanbelte Thema vom „Sparen" nimmt bei der Art her Behandlung, wie sie vom Ordnungsblock beliebt wird, kaum noch jemand ernst. Auch dem Herrn Abgeordneten Dingeldey fällt nichts besseres ein, als den Spuren des Herrn Dr. Leuchtgens zu folgen. Was soll bie immer wieder heroorgeholte Vergleichung von 1914 unb 1926? Wie oft ist schon nachgewiesen, daß zwischen diesen beiden Jahren ein Stück Weltgeschichte liegt, das revolutionierend in alle Verhältnisse eingegriffen hat. Wer nicht weiß oder es nicht wissen will, daß der Aufbau des Staates von 1926 mit seinen neuen Aufgaben ein ganz anderer ist als der von 1914, daß bas Besoldungssystem ein durchaus anderes geworden ift, daß nach bem Vorgehen des Reiches zahlreiche Beamtenkategorien gegen früher gehoben worden sind, daß schließlich her Wert her Mark von 1926 ein anderer ist als der von 1914, bem ist nicht zu Helsen, dem darf man seine Zahlenspielerei nicht weiter Übelnehmen. Aber wenn man den Zweck, den der Herr Abgeordnete Dingeldey beharrlich verfolgt, im Auge behält, bann hat man den Schlüssel zu seiner Art her Kritik, bann versteht man auch, warum er zum soundsovielten Male einen Ausspruch von mir anführt, der beweisen soll, bah ich mir feine Sorge über bie Ausgaben des Staates mache. (Der Sinn jener Aeußerung ist jedem Verständigen klar, ich kann es nur bedauern, wenn Politiker von her Stellung des Herrn Abgeordneten Dingeldey zu solchen Mtttelchen greifen.) Der Herr Abgeordnete Dingeldey hat es sich in diesem Kampfe zur Ausgabe gemacht, den Nachweis zu versuchen, bie ungünstige Finanzlage des Landes sei auf die Unfähigkeit des Finanzmimfters zurückzuführen. Bei einer anderen Finanzpolitik gäbe es feine Fehlbeträge, brauchte das Land weniger Steuern zu tragen, hätte bie Wirtschaft besseren Ertrag, fehlt nur noch: könne der Staat höhere Gehälter zahlen. Und den Beweis hierfür ersetzt man durch die Behauptung : Dec Finanzminister kann unb will nicht sparen, inäem man dabei die Methode verfolgt, auch der unsinnigste Satz, wenn er nur oft genug wiederholt wird,' findet schließlich seine Gläubigen. Darauf habe ich einfach keine Antwort, diese Spekulation auf bis Dummheit überlasse ich neidlos meinen Gegnern. Jederrncurn weiß, das Sparen, das Zurnckdrängen der Ausgaben gehört zu den ureigensten Aufgaben her Finanzminister, denen bie ihnen dieserhalb erwachsenbe Unbeliebtheit oft genug bescheinigt wirb. Unb wer meine Tätigkeit im Amte unb im Parlament aufmerksam verfolgt hat, weiß, baß ich darin keine Ausnahmestellung unter meinen Kollegen einnehme. Aber am wenigsten ift her Vertreter einer Partei zu einer derartigen Kritik berufen, gegen deren Ausgabesreudigkeit her Finanzminister sich oft genug wehren mußte. Es wäre eine Aufgabe, nicht ganz ohne Reiz, einmal bie Anträge zusammenzustellen, mit denen bie Deutsche Volkspartei eine Erhöhung der Ausgaben veranlaßt ober doch wenigstens versucht hat. Ich mache her Partei solche Anträge nicht gum Vorwurf, sie zeugen vielfach von einem guten Herzen, aber der glückliche Besitzer eines solchen guten Herzens darf billigerweise einem Finanzminister nicht den Vorwurf machen, das {einige fei nicht hart genug. Diel wichtiger als diese bedeniliche Kampfes- tpcife ist die Frage: wo unb wie kann denn überhaupt noch mit namhaftem finanziellem Erfolg gespart toerben? Lus dem Personalabbau ist nichts mehr zu holen, das ist anerkennt, auch bei dem „Wasserkopf der Ministerien" nicht, so lange nicht ganze Aufgaben Wegfällen. Wenn einmal die vom vorigen Landtag beschlossene Verringerung der Zahl der ‘Beamten bei den Ministerien durchgeführt sein wird, dann wird es sehr schwer werden, die ihnen Obliegenheit Aufgaben zu bewältigen. Die Gehalte der Beamten sind auch dem Herrn Abg. Dingeldey nicht zu hoch, er verwahrt sich zu meiner Genugtuung gegen den Gedanken, als fei er für eine Kürzung der Beamten gehakte zu haben (nebenbei: spricht da Herr Abg. Dingeldey für den Ordnungsblock im Ganzen?). Die Vorschläge, die auf eine rationellere Ausnutzung durch Arbeitskräfte, auf eine Verschiebung von Arbeit und Verantwortung von oben nach unten zielen, werden seit langem befölgt oder finden ihren Vie- derschlag in der noch ausstehenden Reform der Verwaltmrgsgefetzgebung. Was noch übrig bleibt, das ist eine durchgreifende Reorganisation der gesamten Staatsverwaltung, eine Frage, die in allen Äutturftaaten eine be- beutrame Rolle von brsoitderer politischer Tragweite spielt. 3n Verbindung damit steht die Beseitigung oder die E i n s ch r ä n hm g von Staatsaufgaben. Auch bei uns in Hessen ist hier noch manches zu tun, und ich habe wiederholt angedeutet, daß ich über diese schwierige Materie der Regierung ein Programm vor gelegt habe. Herr Abg. Siugelhet) beklagt sich darüber, daß man darüber in der Oeffentlichkett nichts erfährt. Ich bin zu einer Bekanntgabe nicht berechtigt, so lange das ®efamtminifterium nicht dazu Stellung genommen hat. Die Entscheidung wird aber nicht bei diesem liegen, sondern beim Laudtag, dem ich zugleich mit dem Voranschlag für 1927 (der naturgemäß ohne Berücksichtigung der finanziellen Auswirkung meiner Vorschläge auf gestellt ist) mein Sparprogramm vorzulegen beabsichtige. Herr Dingeldey muh sich damit abfinhen. wenn ich ihm auch heute nichts verraten kann, aber soviel kann ich zu seiner Beruhigung und in Aebereinstimmung mit seiner Auffassung sagen, daß die Aufhebung einiger Amtsgerichte oder Kreisämter von feiner großen finanziellen Bedeutung ist und für sich allein den ganzen Aufwand für ein Sparprogramm nicht rechtfertigen würde. Und warnen möchte ich auch vor einer Ueberschätzung der finanziellen Wirkungen solcher Maßnahmen überhaupt namentlich in Deutschland, so lange man dieses Problem nicht an der Wurzel anfaßt, nämlich an dem Verhältnis der Länder zum Reich. Ich toUI über diese Seite des Spirprogramms hier nichts weiter sagen, aber wenn, der Herr Abg. Dingeldey die Gelegenheit hat, über die finanzielle Wirkung von Verwaltungsreformen mit dem Finanzminister irgend eines anderen Landes zu reden oder einen amtlichen Bericht über Bedeutung und Auswirkung der Verwaltungreform in Frankreich kennen zu lernen, dann würde er recht Interessantes und Dachdenlliches erfahren können. Kunst und Wissenschaft. Eine Hauptmann-Uraufführung in Dien. Die Wiener Uraufführung von Gerhart Hauptmanns „Dorothea Ang er mann" in dem von Max Reinhardt geleiteten Theater in der Iosephstadt gestaltete sich zu einem künstlerischen und gesellschaftlichen Ereignis. Das Haus zeigte ein festliches Gepräge. Man sah den Bundespräsidenten Hainisch, eine Reihe staatlicher Funktionäre, den französischen Gesandten Beaumarchais und den Dichter Tristan Bernard. Dank der glänzenden Regietunst Reinhardts und der meisterhaften Darstellung fand das Stück stürmischen Beifall. Hauptmann, der der Ausführung beiwohnte, wurde stürmisch gefeiert und muhte nach jedem Akt auf der Bühne erscheinen. Eine deutsche Forsihungsexpedilion in Südamerika. Die Fvrschungseppedition des lln'.verfrtäts- professors Dr. Hans Krieg aus Tübingen unö seiner Begleiter Dr. Lin d n e r und M. Kiefer ist jetzt in Asuncion (Paraguay) wohlbehalten eingetroffen, nachdem sie ihre Arbeiten in den bis dahin nicht erforschten Teilen des Gran Chaco m Bolivien und Paraguay beendet hat. Das an Mühen reiche Unternehmen hat einen vollen wissenschaftlichen Erfolg gebracht. Marconi über seine neueste Erfindung. 3h Rom hielt in Gegenwart des Königs, der Königin und der Spitzen der Zivil- und Milttär- behördcn am Sonntag Marconi einen Dortrag über seine neueste Erfindung, bie Ausnutzung kurzer Wellen inBündelform für den Fernverkehr. Marconi führte aus, daß feine Erfindung auf zehnjähriges Studium zurüc^ehr, die heute schon so fortgeschritten sei, daß er von London aus habe mit Australien deutlich sprechen köniren. Marconi teilte weiter mit, daß England bereits nach den ersten Versuchen im Jahre 1924 zwischen London und Australien die Bedeutung der neuen Erfindung erkannt und sich rechtzeitig die Verbindung auf Grund des neuen Ä-stems nach allen seinen Dominions gesichert habe. Die Verbindung zwischen London einerseits und I Australien. Südafrika und Indien andererseits werde in wenigen Tagen hergestellt sein. Aus aller Welt. Stürmischer Sonstag in der Schweiz. Insolg- der heftigen Regengüsse der letzten Woche am Süd fuße der Alpen, die am Samstag noch durch einen Scirocco verstärkt wurden, sind im Kanton Tessinan verschiedenen Stellen große Ueberschwemmungen hervorgerufen worden. Bei Lugano hat der gewaltige Südsturm die Jiegel von den Dächern geschleudert und im Part großen Schaden angerichtet. Der Kai wurde überschwemmt. Beim Palast-Hotel wurden die neuen Kai-Anlagen weggerissen. 3n Para diso wurde die Badeanstalt durch den Sturm verwüstet. Seit 24 Stunden gehen heftige Gewitter über den ganzen Kanton Tessin nieder. Alle Flüsse und Bäche führen Hochwasser. Das Wasser der Seen steigt bereits. Die llfer» ortschaften sind überschwemmt. Das italienische Torpedoboot, das auf dem Lago Maggiore den Folldienst versieht, wurde durch das Gewitter in die schweizerischen Gewässer abgetrieben und mußte in Wagadino Schutz suchen. Ein Zug vom Sturm aus dem Gleis geworfen. 'Während der von Bezau nach Bregenz verkehrende Frühpersonenzug um 5.20 Uhr wegen einer durch den Sturm verursachten Be- schM>igung nahe der Haltestelle Winterbach anhielt, erfaßte ihn ein Windstoß und warf den aus einem Gepäckwagen und sechs Personenwagen bestehenden Zug mit Ausnahme der Lo» lomotitc aus dem Gleis. Hierbei wurden zwei Reisende leicht verletzt. Der Sturm im bayerischen Hochland. Aus verschiedenen Gegenden oes bayrischen Hochlandes laufen Rachrichten über schwere Sturmschäden ein. Am Königsee wütete vvm Samstagabend bis Sonntagfrüh ein heftiger Wirbelsturm, der vielerlei Schäden an den Häusern anrichtete, manche Dächer ganz abdeckte und Bäume entwurzelte. Auch in der Gegend des Kochelsees richtete der Sturm schwere Verwüstungen an. Schwere Sturmschäden in der Tschechoslowakei. Der bereits drei Tage dauernde Sturm, der großen Schaden anrichtete, hat Sonntag ungewöhnliche Stärke angenommen. Der Verkehr der schlesischen Landesbahn und der Ostrau—Karwiner Dahn ist bedroht. 3n Städten und Dörfern des Ostrauer Gebietes, wurde großer Schaden angerich.et. Lin der Elett^izitätszentrale der Witkowitzer Gruben warf der Sturm auf der Grube Karolina in Riährisch-Ostrau einen sechs Meter hohen Kühl türm um. Personen sind nicht verletzt worden. Das Unwetter in Frankreich. Das Unwetter in Subitamreia) hat ungehalten Aus Montpellier werden große Schäden an den Telephon- und Lichtleitungen gemeldet. 2m Rhone tat sind die Telephon- und Lichtlettungen auf wette Strecken unterbrochen. Der Sturm und die Regenfälle haben dort auch Sonntag angehalten. Aehnliche Rachrichten treffen aus Ser Kanal gegend ein. Ueberfchwemmungen in Spanien. In Spanien sind schwere Unwetter niehergegan= gen. Fast alle Flüsse sinh über bie Ufer getreten. Es werden zahlreiche Unfälle gemeldet. Viele Fischerboote werden vermißt. Neun Fischerboote zerschellten an den llserselsen vor San L u c a r. Mehrere Personen sind ertrunken. Orahtseilbahnunglück bei Neapel. In her Nacht zum Samstag wurde bie Stabt Neapel unb ihre Umgebuna von einem heftigen Gewitter heimgesucht, yn her Nähe von Posi- lippo brach bas Seil her Drahtseilbahn, die den Ort Marechiaro mit her kleinen Snfel La Ga- jola verbindet, ab. Eine Deutsche, bie sich in der Kabine her Drahtseilbahn befand, stürzte ins stürmische Meer. Alle zu ihrer Retuung unternommenen Versuche blieben vergeblich. Die Leiche ist bei Santa Lucia aus bem Meere gefischt worden. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um eine B a - ronin Helene P a r i s ch, die mit bem Schweizer Musiker Eherbulier verheiratet war und in Chur wohnte. Da sie lungenleibend war, hatte sie sich in bie Behandlung des Schweizer Arztes Dr. G r u e m- bach begeben, der auf der Insel Sä Gajola bei Posilippo eine Villa besitzt. Nachdem es nach verschiedenen vergeblichen Versuchen gelungen war, trotz des Sturmes bie kleine Insel mit einem Boot zu erreichen, sand man Dr. Gruembach in seinem Arbeitszimmer erschossen vor. Er hatte sich durch einen Revoloerschuß getötet. Schwere Boots Unfälle. Ein furchtbares Bootsunglück hat sich am Sonntagvormittag auf dem Plauerfee bei Brandenburg ereignet. Untoeit der Insel Buhnenwerder kenterte ein mit acht Personen besetztes Boot. Drei junge Leute ans Berlin und zwei Brandenburger ertranken. Ihre Leichen sind noch nicht geborgen. — Ein wetteres llnglück ereignete sich auf dem Wannfee bei Berlin. Infolge hohen Wellenganges kenterte ein mit vier Personell besetztes Boot. Während drei Personen mit vieler Mühe gerettet werden konnten, ist ein lljähriger junger Mann ertrunken. Line Gedenkhalle für bie Gefallenen der Lrupp-Werke. Im Essener Hauptverwaltung^geoaude der Friedrich Krupp-A.-G. wurde durch eine würdige Feier die Gefallenen-Gedenkhalle geweiht. Herr Krupp von Bohlen und Halbach sprach vor den versammelten Beamten und Vertretern der Arbeitnehmerschaft ernste Worte der Erinnerung an die für die Befreiung des Vaterlandes gefallenen rund 2 8 0 0 Werksangehörigen. An den Wänden der von hohen Säulen getragenen Gedenkhalle sind 14 mächtige, in Eisen- kunstguß arrsgeführlc Tafeln angebracht, die je 200 Ramen enthalten. Von der Dreschmaschine zerrissen. In M s ck l a r (Kreis Rotenburg) ereignete sich ein entsetzlicher llngllicksfall beim Dreschen. Der zehnjährige Sohn des Landwirts Adam Claus fiel in bie Trommel her im Betrieb befindlichen Dreschmaschine. Nur als Leiche konnte her unglückliche Junge aus der Maschine herausgeholt werden. (Eine Internationale Union der Rote-Lreuz-vereine. Die Internationale Sonderkonferenz des Roten Kreuzes nahm eine Entschließung an, die die Schaffung einer Internationalen Union "der Rotem-Kreuz-Vereine mit Sitz in der Schweiz vorsieht. Oberstes Organ derselben wäre die internationale Konferenz. Ein aus Vertretern der verschiedenen Landesvereine des internationalen Komitees und des Komitees der Liga der Roten-Kreuz-Vereine bestehender Rat, sorgt für die Durchführung der Konferenz beschllisse. Außerdem üben das internationale Komitee in Genf und das Komitee der Liga in Paris ihrs Funktionen im bisherigen Sinne aus. Die Ent- schlleßung wurde, von Großbritannien abgesehen, das sich der Stimme enthielt, einstimmig angenommen. (Seicheiterte Hkltumfeglung. Sic Jolle, auf der der Däne Ventegodt feine Weltreise macht, kenterte auf der Höhe von San Pedro Del Mar (Spanien) infolge hoher Wellen im dichten Rebel. Derttegäft und Hansen, sein Begleiter, kämpften gemeinsam' mehrere öiimben lang gegen die Wellen. Als Hansen die Kräfte verließen, rief ihm Vente- gvdt zu, zu versuchen, sich wenigstens über Wasser zu halten, während er von der Küste Hilfe holen wollte. Als Ventegodt die Küste erreichte, war es Rächt, und es dauerte lange, bis er Einwohner traf, so daß es unmöglich war, Hllfe zu senden. Es wird angenommen, daß Hansen ertrunken ist. Aus her provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. Aovember 1926. Ohne Brell gitt’s net. Bon Franz Gros. (Rachdruck verboten.) Eine ordentliche Brille ist für Biele ein unbedingt nötiger Gegenstand. Das weiß jedermann. Kommt da eines Tages ein oberhessisches Bäuerlein aufs Gericht, so ein alles,-verhutzeltes, ganz schlaues, kleines Bäuerchen. Besagtes Männchen, das feine sechsundachtzig Jahre auf dem Rücken trug, erschien mit Kindern und Kindeskindern — nur die unmündigen Urenkel waren daheim geblieben — und verhandelte mit ihnen über seine Einsitzrechte. Wohl eine Stunde und noch länger. Der Alle, der Ellevater, war zäh wie Iuchteickeder und lieh sich von feiner Sippe nichts abhandeln. Er verteidigte seine Auszugsstube, die er wegen eines Umbauet wechseln sollte, wie ein Dachs seinen Bau: „Eich hunn mei' Räachd. unn Räachd muß Räachd bleiwe, unn dodruff bestinn' eich!" Es schien an diesem Rechtsbewußtsein nichts abänderlich zu sein. Ich dachte an jenen dicken Vogelsberger, der in seiner queren Dickköpfigkeit dem Amtmann ins Gesicht sagte: „Eich dauh cäächd unn dauh u'räächd unn scheu niemand" und — verhandelte Wei er, so lange, bis der Alte gegen einige Batzen Abstand, die er herausschlug, doch endlich nachgab und die anderen erleichtert aufatmeten. Es war nahe an Mittag. Alle drängelten. Rur der Ellevater blieb ruhig. Er mußte die neue Vereinbarung zuerst unterschreiben. „Ohne Brell gitt's net,“ fnotterte er und suchte in seiner Rocktasche, in seiner Hosentasche, ja zuletzt ht seinem ledernen, großen Büchsenranzen, Den er über die Schulter hängen hatte. „Schreiben Sie doch ohne Brille, lieber Mann: es kommt ja hier garnicht Darauf an, daß Sie wie gestochen schreiben. Es muß nur Ihre Unterschrift dastehen," meinte ich ruhig. „Ohne Brell gttt's net,“ meinte aber Der Alte und begann von neuem zu suchen. „Ei, Gruhvadder. schreibt doch, wäi's der Herr Amtsrichter saht, Ihr werd' Euern Brell dehaam gelosse hu'," meinte epie Schwiegertochter. „Raa, eich hunn ’ern rnngestocht,“ knurrte der Ellevater, „ohne Brell gitt's net.“ Endlich, nach langem Suchen, entdeckte er glücklich feine Brille am unteren Westenrand zwischen Futter und Stofs. Denn in seiner Westentasche war ein großes Loch, und durch dieses verteufelte Loch war besagter Gegenstand in Die dunkle Tiefe gesunken. Wieder Dauerte es eine kleine Ewigkeit— schon murrten deutlich vernehmbar die Magen etlicher biederer Anwesender, d e um ihr gewohn.es Frühstück gekommen waren, bis „Die Brell" mühsam ans Tageslicht befördert war. Ihr Gestell war klapperig. Damit es auf der Rase sitzen blieb, war es hinten mit Bindfaden zusammengebunden. Zwei Töchter halfen in ihrer Zeitbedrängnis Dem Vater, Die Brille „überzuziehen“. Die Feder war sperrig und spritzte. Endllch, endlich stand flat und deutlich auf Dem Papier zu lesen: „Johannes Kaspar Schnell XXI.“ Stolz auf Die vollbrachte Leistung sah der Alte zu mir auf. „Eich saht's ja gleich, Herr Amtsrichter, ohne Brell gttt's net“ Doch was bemerkte ich? In Der Brille fehlten beide Gläser. „Herr Schnell, Sie haben ja keine Gläser im Brillengestell und es ist doch fein gegangen“, lachte ich. „Ei, do soll doch e ©etoerrer ’eninn schlah', wu fein Dann däi Meßgeb erer?!“ Tlnd bald Darauf — diesmal balD — toiirben sie mit Hilfe Der besagten Töchter ebenfalls zwischen Westenstofi und Westenfutter entdeckt „Eich hun 's glei gesaht“ knurrte Der Alte, „ohne Brell gitt's net,“ rückte den Büchsenranzen zurecht, setzte feine glänzende schwarzseidene Kappe auf den grauen Kopf und ging mit Den Worten: „Adjes beilamme, naut fot u’gut“ zur Türe hinaus. — Kürzlich ist Der brave Mann gestorben. Seme Ailszugsstube hier auf Erden ist für einen andern frei geworden. Ob wohl der selige Ellevater, getreu seinem irdischen Grundsatz: „Ohne Brell gitt's nst“, rechtzeitig feine Brllle, seine Brille m i t Augengläsern, Da Droben auf Die Rase wird setzen können, wenn er beim Petrus seine Unterschrift unter fein himmlisches En sitzrecht setzen soll? Das möchte ich gerne wissen. Wettervoraussage. Rachts Temperaturfall bis zu leichtem Frost, tagsüber wolkig, verhällnismähig mild und meift trocken. Bornotizen. — Tageskalenher für Montag. Stahttheater: 7.30 Uhr, Lustiger Abend von Prof. Marcell Salzer. (Ende 9.30 Uhr.) — Vortrags-Vereinigung: 8 Uhr, Neue Aula der Universität, Vortrag von Liedern zur Laute. — Deutsche Bau- und Siehlunasgemeinschaft: 8 Uhr, Katholisches Vereins- Haus, Mitglieheroersammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofitraße: „Das Geheimnis von St. PauU“.— Astoria-Lichtspiele: ..Frauen und Pferde". — Aus Dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Einstudierung eines Werkes von Gerhart Hauptmann hat immer Anspruch auf das lebhafteste Interesse des Theaterpublikums, zmnal Dann, wenn es sich um ein Werk des Meisters handelt, das bisher hier noch nie gegeben worden ist. Dies ist der Fall bei dem Glashütterunärchen „U n b Pippa tanzt", das am morgigen Dienstag zum ersten Wale in Szene geht. Sie -ci Lekolk* des eigenartigen Werkes spielt Sngeborg Scherer. In weiteren Hauptrollen sind beschäftigt die Herren Schubert, Gefsers. Eisig und Lenau- außerdem wirkt ein grober Tell des Herreu- prrsonals in kleineren Ausgaben mit Dir Spielleitung führt Herr T e l e k y. der auch bk 'Xolk des Tagliozvni. spielt — Die Vortrags -Bereinigung bittet uits. daraus hinzuweisen, daß an Stelle der für heule abend gewonnenen Müiutzener Äünftfer. die infolge eines in letzter Stunde unerwartet eingetretcnen Berdindernngsgrnades nicht kommen können. Dr. Peter Bach aus Berlin ernste und heitere Lieder zur Laute fingen wird. Dr. Bach, der in TKulirtreuen aus ter Nachfolger Lothes angesehen wird, tn dem Bestreben, auch das Lautenfpiel zu einer künstlerischen Höhe zu führen, hat mit seinen Lauten- lieX-r^benden überall b.gisterien Bri-all gesunden. Ein Abend origineller und bochkltivterlev Lav.tc.Bdnst ilt zu erwarten. (Sirhe hmltige An- ) — Kirchenkonzert 3m Abend des ersten Advent wird das Herren-Quartett, von Pfarrer Äa (b b e nn und Söhnen, das noch durch ein vor ,toei Jahren hier gegebenes Äon- »ert in guter Erinnerung steht, in der Iohaun.es- Nrche ein Kirchenkonzert veranstallen, in dem zumeist Choräle in den unvrrgleichlicheit Sahen von I. S. Bach zum Dorlrag kommen werden. Der Ertrag ioll der Zuflucktt zufliehen, die jetzt im wesentlichen fertiggestellt ist und demnüchst eröffnet wird. Näheres in der heutigen Anzeige. • " Der Totensonntag nahm gestern in unserer Stadt den gewohnten würdigen Verlaus. De Gottesdienste waren sehr start besucht und bereiteten der gläubigen Menge eine reiche Erbauung. Der Friedhof blldete am Vormittag und in len Nachmittagsstunden das Ziel vieler Hunderter Tesucher. Die C rabstütten waren mit Zeichen der Liebe in reicher Weise geschmückt. Auf i. em Heldensriedhof veranstalteten der Reichsvand der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen und das Reichsbanner Schwarz- Rvt-Gold eine Gefallenen-Ehrung, bei der Bezirksleiter Benner und Prof. Weitz- gerbet Ansprachen hielten, während der Ge- sangrerein ..Eintracht' und die Aeichsbanner- kapelle mit stimmungsvollen Gesängen bzw. In- strun entalmufik die Feier schön umrahmten. Bei dem unfreundlichen Wetter fand die Ehrung diesmal allerdings nicht so viel Teilnehmer. wie im vorigen Jahre. Bis in die frühen Abendstunden hinein hielt der Besuch des Friedhofs rege an. ' Kein Tanz in der Adventszeit. Das Polizeiautt teilt mit: Am Vorabend des 1. Advents (27. Aovember). sowie tn der ganzen Adoentszeit bürten öskeittliche Tenzbelustigungen nicht ftattfinöcn. Auch s.nd für b<*.i ersten Weih- nachLsfeiertag und für den Vorabend desselben sonstige öffentliche ÖuftbarteMen untersagt. Theatralische Aufführungen, Vorführungen in Lich ° sprelhäusem und Konzerte an den beiden letztgenannten Tagen werden nur bann zugelassen, wenn die Darbietungen ernsten ob?r belehrenden Inhalts sind und der besonderen Bedeutung und Weihe bieder Tage angepaht werden, ebenso rein sportliche Veranstaltungen, bte ohne öffent- liche Ämzüge oder Musik ftattfinben. •• Aufgehobene Sperre. Die Instand- setzun^arbeilen der Älmiksbrucke sind beendet. Die vom volliemmt an geordnete Sperrung der Brücke ist nun wieder ausgehoben worden. ’* Die Lehrlingshaltung in den Bäckereien und Konditoreien. Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft gibt bekannt, datz im Bäckerei- und Kondiwreigewerbe in Betrieben ohne Gehilfen nur ein Lehrling, in allen anderen Betrieben höchstens zwei Lehr- linne gehalten werden dürfen. Diese Vorschrift findet keine Anwendung auf Betriebe, in denen bei Inkrafttreten dieser Anordnung ber its mehr Lehrlinge beschäftigt werden. Neu Einstellungen von Lehrlingen dürfen jedoch nur unter Zugrundelegung der obengenannten Höchstzahlen erfolgen ,e ötraf tilgung bei Preistreibereivergehen. Die Verurteilungen in Fällen der Preistreiberei während der Inflation werden in ihren Folgen wenigstens teilweise dadurch gemildert, bah eine erleichterte Straftilgung im Strafregister in Preuhen gemäß der Auslü^rungs- verordnung des Justiz Ministers vom 21. August 1925 zur Verordnung über die Gewährung von Straffreiheit in Preuhen vom 21. August 1925 ermöglicht worden ist. Auf Antrag der Haupt- geuieinschaft des Den! lchen Einzelhandels hat der Preußische Iustizminister nüi Schreiben vom 22. Oktober 1926 ^ugesagt, alle auf Tilgung oder Anordnung der Auskunftsbeschränkung gerichteten Einzelgesuche wohlwollend zu prüfen unb hat gleicheripeilr eine wohlwollende Prüfung den unterstellten Vehörden zur Pfllcht gemacht. "Eine Schreibmaschine gestohlen. Der Poli^ibericht meldet: In der Nacht .zum 19. November wurde zum Nachteil der Einkaufsgesellschast der '.Bäderinnung in Älsield ein Einbruch begangen lind eine Schreibmaschine, Marke Slöroer-Nekord Nr. 67 7^4, gestohlen. Bor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen über den Verbleib der Schreibmaschine sowie Wahrnehmungen über die Täterschaft nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen. e* Werhat das Geld verloren? In der Kraftpost lllrichstein-Mücke wurde vor einigen Tagen ein Geldbeutel mit einem größeren Geldbetrag gefunden. Der Verlierer bat sich bis jetzt noch nicht gemelbei. Das Geld ist bei dem Postamt in Ulrichstein siche rgestelll. ** Auftrieb auf dem heuli gen Frankfurter Schlachtoiehmarkt 272 Ochsen, 46 Bullen, 745 Kühe, 298 Färsen, 24 Ffester, 478 Kälber. 257 Schafe, 3984 Schweine. Turnen, Sport und Spiel Die Iugendruderei in Deutschland. Nachdem der Deutsche Ludertag auf feiner Septembertagung in KÄn beschlossen hatte, auch Iugenk>- unö Schülec-Ruderv«chänLe aufzuneh- men. und zwar in der Form von Re^attavereinen, hat der Avrddeutsche Schüler- und Iugendruder- verband als erster sein Aufnahmegesuch eingereicht und damit den Weg von der Theorie zur Praxis beschritten. Es ist kein Zweifel, datz die Aufnahme genehmigt wirb, unb man darf weiter annehmen, datz diesem Beispiel andere Schüler- unb Iugendruderverbänbe balb folgen werden. Da auch das Damenrudern sich in den organisatorischen Lahmen des Deutschen Ruderverbandes eingliedern will, so fommt damit endlich die schon so lang erstrebte Zentralisierung des Rudersports in Deutschland dem Ziek einen erheblichen Schritt näher. 9 Die Ansänge des Schülerruderno gehen bei uns in das vorige Jahrhundert zurück. Oberlehrer Campe gründete 1830 in Ohlau den ersten Schülerruderverein, zog mit seinen Jungens auf längeren Wanderfahrten die Oder herunter und gab durch sein Beispiel Veranlassung zur Gründung weiterer Schülcrrudervereine in Frairkfurt (Oder) unb in Stettin. Fast zur gleichen Zeit enftanb auch im Norden Deutschlands, in Rendsburg, ein Schuler-Ruderverein, und wenige Jahre später wurden die ersten Versuche zur Einführung des Rudersports mt den Schulen auch an der Glbe, nämlich in Magdeburg, gemacht. Der Magdeburger R. C. fetzte es damals bei den dortigen Gymnasien durch, datz den Schülern von Ober- sellutda an gestattet wurde, an einem von Mitgliedern des Elubs geleiteten Ruderlehrgan teilzunehmen. Der Lehrgang kam auch zustand, und fand seinen Abschluß in einem Schüler- rennen. Leider blieb es bei diesem guten Anfang, ohne datz es zu einer organisatorischen Zu- saurmensassung des Schulerruderns tn Magdeburg gekommen wäre. Auch an der Oder ging die Bewegung nach dem Tod Lavrpes zunächst wieder zurück, und erst das große Interesse, welches der Damalige Kars er Wilhelm II. für das aka- demifche und Schüler-Rudern bezeigte, brachte eine Neubelebung. E.nen besonders irachhalccgen Anstoß erhielt das Iugendrudern 1915 durch die Gründung des Iugenbruder-Brrbanbes in Berlin. Zu Vieser Zeit, wo fast alle aktiven Ruderer im Feld standen und die zurückgebliebenen älteren Den Bercinsberrieb nur mit Mühe aufrecht erhalten konnten, mußte der Gedanke, die Heranwachsende Jugend zum Rudersport heranzuziehen. auf fruchtbaren Boden fallen. Die Hoffnung trog nicht. Die Schüler- und Iugendruderei nabnt eine glänzende Entwicklung, die zu zahlreichen Bereiirsgrundungen führte. Die Organisation wurde ausgebaut und gefestigt. Dem Iugend- ruber-QkrbanD Berlin folgte 1919 die Gründung des Weser-Schüler-Luderverbandes in Hameln, 1921 die des Westdeutschen Schülerruder-Derban- des in Köln, des Ostdeutschen Schülerruderverban- des in Stettin, des Jugend rüde rverbanbes .Ostmark" in Lands berg (Warthe), später des Kasseler Schülerruderverbandes und Anfang 1926 des Norddeutschen Schülerruderverbandes in Hamburg, der, da sich seine Gründung schon längst notwendig machte, eine besonder- schnelle Entwicklung nahm. Man darf die Zahl der heute in Vereinen zusammengeschlossenen Schüler rüderer auf rund 11000 angeben, womit aber noch nicht alle Schüler- und Iugendruderer erfaßt sind, denn auch in Herrenrudervereinen bestehen schon zahlreiche besondere Iugendabtellungen. Die Einführung in den Deutschen Ruder- verband, diese machtvollste Organisation im gesamten Rudersport, wird bestimmt einen weiteren Aufschwung im Gefolge haben. ES kann feinem Zweifel unterliegen, daß diese Entwicklung sich nicht lediglich zahlenmäßig auswirken wird, sondern in gleichem Maß in sport- technischer und sportethischer Beziehung. Die Ihre Nachbarin hat einen zufriedenen Gatten, sie gibt ihm aber auch täglich den gesunden u. wohlschmeckenden „Seelig’e knnd. Kornkaffee“. Ueberall zu haben. Pjundpaket nur 50 Pfg. Sonntag, den 28. November, abends 8 Uhr veranstaltet in der Johan neskirche das Horn-Quartett Kalbhenn ein 9Ö06D Kirchen-Konzert zum Besten der Zuflucht. Karten zu Mk. 1.—- und Mk. 2— im Vorverkauf bei E.Challier und abends am Eingang der Johanneskirche. Aufruf! Als sozialdemokratischer Abgeordneter sprach einst in der Opposition der heutige Staaispräfident den Sah aus: Hessen hat mit einem, höchstens aber mit2Mintstern genug. Hessen hatte 1914 4 Ministerien Hessen hat heute 1926 5 Ministerien. Das Ministerium des Innern mit den Abteilungen für Schule, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe hatte 1914 69 Beamte Heute haben aber entsprechend: Das Ministerium des Innern das LandeSamt für das Bildungswesen das Ministerium sür Arbeit und Wirtschaft 1926 198 Beamte Gs waren beschäftigt: In der Schulabteilung ..... 1913 29 Beamte 3m Landesamt für das Bildungswesen .......... 1926 61 Beamte Die Kosten der Zentralverwaltung betrugen.......... 1914 980099 Mk. 1926 1191765 Mk. Nur Nutznießer werden eine derartige Entwicklung begrüben. Im Interesse der Gesamtheit ist ein sofortiges Eingreifen notwendig. Gs gill auf Grund des Dolksentscheids vom 5. Dezember einen neuen Landtag zu wählen. Nach Artikel 24 der Hess. Verfassung währt die Dauer dieses neuen Landtags big Herbst 1930, was im Hinblick auf irreführende Meldungen besonders betont fei. 9569c Wähler unb Wählerinnen stimmt am 5. Dezember mit „Ja" und „schickt den Landtag beim!“ Hess. Wirtschasts- unb Ordnungsblock. Probieren Sie mit Pfund meine neu eingeführte Kaffee-Mischung Nr. 3 per Pfund Mk. 3.80 77340 | und Sie werden mein ständiger Kunde sein. J. M. Schulhof, Markts!raße 4 Zum Verkauf unserer erslllaisigen Gummi-Absätze suchen wir einen routinierten befähigten Reisenden der bei der Schuhmacher-Kundschaft in Hessen-Nassau feit Jahren gut eingeführt ist und Erfolge nachweifen kann. Gest. Offerten mit Lichtbild und Zeugnisabschriften unter E. D. 25798 an Rudolf Mosse, Hannover. 9561$s • MIH r Unsere „Halpaus Mocca“ muß überall zu haben sein, wo man gute und wohlfeile Cigaretten verkauft. Wir haben diesen Ehrgeiz, weil wir wissen, daß unsere Erzeugnisse nicht nur besonders gut, sondern auch besonders preiswert sind. Es ist unseren Bemühungen bis jetzt gelungen, in unserer „Halpaus Rarität Nr. 200“ eine Cigarette zu liefern, von der man ohne Uebertreibung sagen kann, daß sie die beste 4-pfg.-Cigarette Deutschlands ist. Dasselbe wollen wir auch in der 5-Pfg.-Preislage erreichen. Jeder Raucher soll auf Grund eigenen Urteils dahin kommen, daß er anerkennt: „Halpaus Mocca“ ist tatsächlich besonders gut und besonders preiswert. Haben Sie unsere „Halpaus Mocca“ schon geraucht? Kennen Sie „Halpaus Mocca“? Ausbildung der Technik, die Verfeinerung des Stils kann natürlich, wenn sich die Schüler in der Hauptsache selbst überlassen sind oder nur eine behelfsmäßige Aufsicht durch ehemalige Schüler, Lehrer oder Protektoren des Vereins haben, nicht in der gleichen Meise erfolgen, wie das möglich ist, wenn ein engerer Zusammenschluß mit Äud-ervereinen besteht, wenn Verbands- gesehe und Vcrbandsordnungen erzieherisch eingreifen. So gibt es schon jetzt die Bestimmung, daß kein Jugendlicher zu einer Iugendregatta zu- aelassen wird, wenn er nicht vorher bei einer Stilruderprüfung bewiesen hat, daß die von ihm gezeigte Ruderarbeit gewissen Mindestansprüchen genügt. Die planmäßige Aufsicht rudersportlich erfahrener Leiter wird sehr bald ihre Früchte tragen und dem Rudersport eine brauchbare, nach einheitlichen und erprobten Grundsätzen vorgebildete Jugend zuführen. W. K. FutzbaRergebmsfe von gestern. Mainbezirk. Die Ergebnisse der gestrigen Spiele im Main- bezirl brachten in der Reihenfolge der Tabelle keine wesentlichen Veränderungen. Der Fußball- sportverein Frankfurt gewann sein Spiel gegen Abschasfenburg glatt, wenn auch niedriger, als man erwartet hatte (3:1). Die Eintracht Fr-aal- surt konnte gegen V. f. L. Reu-Isenburg einen zahlenmäßig überlegenen Sieg (3:0) herausholen und sich weiter dicht auf den Fersen des Bezirks- meisters halten. Die größte Lleberraschung des Sonntags leistete sich der Sportklub Rotweiß, der gegen den Tabellenletzten Hanau 94 mit 1:2 verlor. Rotweiß hätte durch einen Sieg die Chance gehabt, sich mit Offenbach punktgleich zu stellen, das gegen Germania-Frankfurt unentschieden 2:2 spielte. Llnion-Riederrad bewies die Gefährlichkeit seines Sturms durch den glatt verdienten Sieg über Hanau 93 mit 2:0. Der westdeulsche Fußball. brachte im Berg.-Märk. Bezirk ein 3:3-Spiel der Fortuna-Düsseldorf gegen den B. C. 05, eine überraschende 2:4-Riederkage von S. S.-Elberfeld gczeL Düsseldorf 04. Im Rheinbezirk behauptete Sulz 07 durch den 5:1-Sieg über Mülheimer w. V. die Spitze der Gruppe 1, C. f. R.-Köln knapp mit 5:4 gegen Vingst 05 die der Gruppe 2, endlich Odenkirchen 07 durch den 2:1-Sieg über Eintracht --M.-Gladbach die Führung in der Gruppe 3. Sonst gab es nur wenige Meisterschaftsspiele. von denen in Hessen-Hannover der 5:2-Sieg des S. V.-Kassel über Kassel 03 zu erwähnen ist. 3m Bezirk Bayern scheint die Frage der Meisterschaft geklärt zu sein, denn 1. F. C. Rürnberg steht bis jetzt ungeschlagen immer noch an der Spitze und führt mit großem Vorsprung vor der Sp.-V. Fürth. Beide Mannschaften absolvierten gestern ihre Spiele siegreich. So gewann der Rürnberger Club gegen die Augsbu-ger Schwaben, wenn auch etwas inapp, so doch sicher mit 2:1. während die Sp.-V. Fürth die spielstarke Mannschaft von Macker-München in Fürth mit 3:1 abfertigen konnte. Aus eigenem Platz mußte der A. S. D. Rürnberg vom F. C. Fürth eine 3:5-Riederlage hinnehmen. Bayern - München bezwang die Fürther Rasenspieler mit 3:0 und 1360 München ebenfalls den F. C. Bayreuth mit 3:0. Württemberg-Baden. In Bückingen konnte der Karlsruher Fußballverein über Anion Döclriwen, die sehr spielstark sind und auf eigenem Platze einen gefürchteten Gegner abgeben, mit 4:1 siegreich bleiben, während die Stuttgarter Kickers die Stuttgarter Sportfreunde glatt mit 5:1 schlugen. Dadurch ist der Karlsruher Futzballverein mit V. f. B. Stuttgart mit 16 Punkten punktgleich geworden. 3m Rhrinbezir? kam es zu einer großen Aebcrraschung. Der Sp. V. Darmstadt, der bis jetzt die Tabelle mit 14 Punkten hielt, ließ sich auf eigenem Platze mit dem hohen Ergebnis 5:1 überfahren. Der glück- l'/che Sieger war B. f. L. Reckarau, der Tabellen- zweite, der sich damit an die Spitze seht. Der F. V. Speyer konnte gegen Phönix Mannheim mit dem Resultat bin 5:2 siegen, während V. f. R. Mannheim mit 3:1 dem F. C. Pirmasens unterlag. Maimheim-Maldhof besiegte die Mannschaft von Ludwigshafen 03 mit 3:1. 3m Bezirk Rheinhessen-Saar fiel das Lokalderby in Worms aus, dafür gab es aber in Wiesbaden eine Aeberraschung, als sich der Mainzer Fußballverein 05 mit 4:1 aus dem Rennen werfen läßt. Fußballsportverein Wiesbaden ist damit punktgleich mit den Mainzern geworden. 3n Rorddeutschland beweist der hohe 7:1-Sieg des Hamburger Sportvereins über H. S. Harburg die glänzende Verfassung der „Harderleute". Auch Holstein Kiel bewahrte seinen Ruf, indem es gegen Viktoria Hamburg mit 3:2 siegte. 3m Bezirk Berlin erregt die Riederlage der Tennis-Borussen einiges Aufsehen, denn 3:1 ist immerhin kein gutes Omen für die Borussen. Im Bezirk Berlin festigt sich die Hertha-Berlin ihre Spitzenposition mit einem 5:1= Sieg über Oberschöneweide. Kunstturnen Dresden-Lhemnitz-Leipzig. Den Städtekampf im Kunstturnen zwischen den drei Städtemannschaften, der am gestrigen Sonntag im Kristallpalast in Leipzig ausgetragen wurde, gewann nach spannendem Kampf die Leipziger Mannschaft überlegen mit 1999 Punkten. Chemnitz erzielte 1820, Dresden 1808 Punkte. Die besten Einzelturner waren O e l s n e r, Leipzig, mit 265 Punkten und Menzner, Dresden, mit 274 P. Breitensträler siegt über Fred Poung. Der deutsche Exschwergewichtsmeister Breite iv |t r ä t e r siegte gestern in Breslau über Fred $ o u n g kurz nach Beginn der dritten Runde durch rechten Kinnhaken, nachdem er seinen Gegner bereits in der zweiten Runde bis nenn zu Boden geschickt hatte. II». m l ■ WH tl ^_-,J,.lUWgrrfflOTO Amtsgericht Wetzlar. . Q Ein Kraftfahrer von Wetzlar war im September nach Einbruch der Rächt mit seinem Motorrad in übermäßigem Tempo und ohne Signale durch Wetzlarer Straßen geflitzt und hatte hierbei mehrere Straßenpassanten angefahren. Es wurde darauf gegen ihn durch Strafbefehl auf 100 Rm. Geldstrafe, Hilfsweise 20 Tage Gefängnis erkannt. Hiergegen erhob er Einspruch und erhielte eine Herabsetzung der Strafe auf 50 R e i ch s mark, h i l f swei s e zehn Tage Gefängnis. Ein z. Zt. hier in Haft sitzender Maurer aus Wiesbaden war wegen Betruges, begangen im strafschärfenden Rückfalle, unter Anklage. Der Angeklagte machre im Iuli 1925 die hiesige Gegend unsicher, indem er sich als Vertreter einer Mainzer Buchhandlung ausgab und Bestellungen auf eine Zeitschrift, die gleichzeitig mit einer Lebens- und ülnfallversicherung verbunden war, entgegennahm. Er lieh sich in jedem Falle eine Aufnahmegebühr von 2 Rm. auszahlen und händigte dann eine Versicherungspolice der Rürnberger Leöensbersicherungsbank AG. aus. 3n Wirklichkeit hatte ihn die fragliche Firma bereits einige Zeit entlassen und ihm die Berechtigung zur Entgegennahme von Zeitschriften entzogen. Gegen den schon erheblich borbeftraftan Angeklagten lautete das Urteil auf vier Monate Gefängnis. Büchertisch. — Max Sidow: Spiel mit dem Feuer. Rovellen zwischen Tod und Leben. Philipp Reclam, Leipzig. (Llniversal-Dibliothek Rr. 6700.) — Diese Rovellen fassen in sich tiefe Tragik und verklärenden Humor, Spuk, Abenteuer und Schicksal. Das aus brennendem Hause gerettete Kind drängt wieder zurück zum Feuer und schwebt als selige Flamme ins Lodern des ewigen Lichtes. Ein junger Maler will die Geliebte nach siebenjähriger Trennung Wiedersehen, wird in allerlei gespenstige Erlebnisse verstrickt, in deren Sput ihm das Bild der Langersehnten erscheint und wieder entflieht. Als er endlich die Geliebte wiedersindet, ist sie gestorben. Im „Kahenmord" zerbricht eine reine Kinderseele an Bosheit und Verleumdung. Das rätselhafte Verschwinden des Affen Moko hält eine ganze Stadt in Atem und klärt sich auf die heiterste Weise. Aber über die Spannung des rein Inhaltlichen hinaus umgreifen diese vier Geschichten die weiten Bereiche dec menschlichen, Seele und spiegeln in sich die unersorschliche Einheit zwischen Leben und Tod, ihren Widerstreit und unerforschlichen Zusammenhang. — Albert Soergel hat ein gut informierendes, literarisches Rachwort zu den Erzählungen geschrieben. 634 — Das Gymnasiu m. Im Auftrage des Zentralinstituts für Erziehung und ülnterricht herausgegeben von Oberstudienrat Professor O. Morgenstern. In Leinenband 12 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. - - Führende Männer der Llniversität und des Gymnasiums haben sich hier zusammengetan, ufn über die Bedeutung und Stellung des Gymnasiums in der Gegenwart ihre Meinung auszutauschen. So oet<» schieden die Mitarbeiter im einzelnen denken mögen, so sind sie doch einig in dem Gedanken, daß ein Dildungsideal, in dem Wilhelm v. Humboldt den Grund gelegt hat und das seit jener Zeit fast alle großen Deutschen als ihren geistigen Rährboden betrachten, auch in der Gegenwart nicht plötzlich schemenhaft geworden sein kann. Sie sind einig in der üleberzeugung, daß die Lebensfähigkeit des Gymnasiums von der .Kraft seiner A p o st e l a b h ä n g t, und daß darum die Lehre ^Vorbildung von entscheidender Bedeutung für die Zukunft des Gymnasiums ist. Das Buch ist in hohem Maße geeignet, die Freunde des Gymnasiums in ihrer Siebe zu dem ihnen vorschwebenden Bildungs- ideal zu stärken, die Gegner zu entwaffnen und sie von der Berechtigung des Gymnasiums zu überzeugen. Es wird ein Vademekum für alle im humanistischem Sinne Lehrenden und Berater aller derer fein, die zu vertiefter Erkenntnis der Eigenart und Sonderausgabe des Gymnasiums gelangen wollen. 594 — »Schattenbilder des Leben s". Unter diesem Titel gibt der juristische Verlag Otto Liebmann. Berlin W 57, eine neue Rcman-- reifje heraus. Kürzlich erschien ein neuer Band von dem bekannten Rechtshistoriter, Kammer- gerichtsrat i. 2t, Dr. Holtze: ..Die Rache ist mein! Roman aus Alt-Berlin". Der Roman aus dem Jahre 1710 ist nach den aufgefunbeitert Alten eines Mordprozesses, der damals ganz Berlin in Aufregung versetzte, in spannender Weise bearbeitet woä>en. Zugleich aber ist der Roman für bte Kulturgeschichte des beginnenden 18. Jahrhunderts von hohem Interesse. Der Verfasser hat es verstanden. „richtiges^Recht" bar- zustellen und trotzdem darum herum euCn „spannenden" Roman zu schreiben, der den ßerer bis zum Schluß in Atem hält. 673 \ N'r MaaenMen ärztlich empfohlen - überall erhältlich ® auo Qltal) un5 $)opfrn, oprie 3u “ QUlemigc^cvflellevin-.Ql.ti?. €>cicb<-rbräu TRündttftv General-Bcrireiuna: Georg veb Streit, «Meßen Klintkstrane 21.--Vertrieb für Giesten. Lllbert Merlan, Gießen, Ludwigstrahe. Winterkur für 4582-8 u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstnit Hof heim i. Taunus bei Frankfurt a M. I Prospekte durch Dr. M. Schulze -Kahieyas, Nervenarzt. von St. Pauli 18.—, in 6 Akten. — Ferner: 9559c 9565 D DRUCKSACHEN ALLER ART liefert In Jeder Ausstattung stilrein und preiswert Brflhl'sche Unlversltiu-Druokerel R. Lange, OleDen Mensch gegen Mensch Hervorragendes Filmschauspiel in 6 Akten. findet am Samstag, dem 27. da. Mts., abends 8.V< Uhr, im „PostkeUer" statt. Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die wir beim Hinscheiden unseres lieben Bruders Herrn Wilhelm Wlttllnger erfahren durften, sagen wir herzlichen Dank. Insbesondere danken wir dem Herrn Geistlichen für seine trostreichen Worte, dem Turnverein Wieseck und seiner Gesangsabteilung, dem Uhrmacherverband Gießen und Umgegend und seinen Freunden für das letzte Geleite. Die trauernden Hinterbliebenen. Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Frauen und Pferde Ein hochinteressanter Sport- und Sensations-Film Ein Detektivfilin in 6 Akten, aus dem Hafenviertel Hamburgs von Dr. Emanuel Altieri und Hans Jacob Dieser Film ist unter Mitwirkung der gesamten BIambarger Schatz- und Hafcn- poiizei hergesteilt, — In den Hauptrollen: Kari deVogtj Ernst Rückert, HanniWeiße usw. Ferner: Das lustige Beiprogramm Sowie: Die neueste Ufa-Wochenschau Vortrags-Vereinigung Heute abend 8 Uhr in der Neuen Aula der Universität wird an Stelle der unerwartet verhinderten Münchener Künstler der ebenfalls bestens bekannte Berliner Lautensttnger Dr. Peter Bach ernste und heitere Lieder zur Laute singen. Mitglieder Eintritt frei Nichtmitglieder Mk. 2. — 9560c Verein eliem. 116er Gießen. Die diesjährige AWMtal- oeMiiulung p.drf wip Hpu verdienen alle meine Rei- UGlu HIC IlGü sende, die nur fleißig olle Ladengeschäfte besuchen. 2 biö 3 solche Herren suche ich noch für dort n. Umgebung. Bedingung: la Retseersabrung, sofortlgcr Antritt. 9567A Paul Zischka, Hamburg; 36 Patent - Preisschilder - Fabrik. Wieseck, den 22. November 1926. 08139 Astoria-Uchtspiele Seltersweg Preislagen: Mk. 12.50, 15.—, 20.—, 22.50 und höher. Mandriola Mandoline) das volltönende Instrument echt italienische Mandolinen Fahr Puglisi, Ernbergher etc. in reicher Auswahl. Alleinverkauf: Musikhaus Älherl Vogl Nacht Frankfurt a. M., Fahrgasse 128 an der Constabler-Wache Fachmännische Bedienung. _____________________________________________9O52sl Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Ab heule: Das Geheimnis möbi oimmev zu vermieten 08051 Henielstrane 3 II. [Wohnungstausch Am 19. November verschied plötzlich und unerwartet infolge Herzschlags mein inniggeliebter treuer Gatte, unser guter Sonn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Emil Schneider im Alter von 39 Jahren. Für die trauernden Hinterbliebenen: Margarete Schneider geb. Göhcke Wetzlar, 20. November 1926. Beerdigung findet Dienstag, den 23. Nov. 1926, nachmittags 2*/, Uhr, von der Trauerhalle des Friedhofes Wetzlar aus statt. 9568 D Unserer werten Kundschaft zur gest. Kenntnis, daß wir jetzt direkten Fern- kprecham'Älrrst an 9570c Nr. 1719 haben. SchadeLWgrabe Male: Ludwigstratze 20 Wohnungsiausch. Gesucht: Schöne 5 Zimmer- o.grohe 4 Zimmer Wobn. Geboten: Kleinere 4-Zimmer-Wobn. in auier Lage. Umzug wird evtl, vergütet. Schriftl. Angeb unter 08136 an d. Gleb. Anz erb. | Mietgesuche | Größerer Laden mit anliegenden Nebenräumen LefterSweg oder nächster Nähe gesucht. Schr. Angeb. u. 95640 a.d.Gteß. Anz. war am ganzen Leibe mit behaftet, welche mich durch das ewige Jucken Tag und Nacht peinigten. Nach dem Lejcn. Ihrer Drucksache war mein erster Weg zur Apotheke, natürlich nur in dem Gedanken, eine Mark zu verschenken; aber ti kam anders. Nach einer Einreibung von kaum 14 Tagen mit -Huckcr'S Patent» Mrdlzloal.Sclse- waren meine Flechten vollständig verschwunden. DeZnalb lalle ich eS mir nicht nehmen, Ihnen 10CÖ mal Dank au sagen, denn ,,3uckcr'S Satent-Medizinal.Seise- ist nicht Mk. 1.50 sondern Mk. 100.— wert. Sergt. M? ä Stck. GO Mg. (15%lg), Mk. 1.- (25% Ig) und Mk. 1.50 (35% tg, stärkste storm). Lazu „Znckooh.Creme- ä 45, 65 und 90 Psg. In allen Apotheken, Drogerien und Darsümericn erhältlich. E Bei Gicht und Rheumatismus offenen Beinen, Asthma, sowie für die Körperentha .siluerung i&L 8735A Stern-Engel-Tee ein altbewährtes, wirksam, ßittfr. Mille!. Zu haben nur in den Apotheken, falls nicht vorrätig, wende man sich an Sl ern- Engel-Tee-Großvenrieb. Bad-Schandau (Elbe), Beweismaterial, Prospek Prtar Meer von der Reise zurück. 9572D Großzügiges u leistungSsäblges Unter» nehmen sucht für (Stehen und nähere Umgebung redegewandten Herrn als Vertreter gegen hohe Provision. Es handelt üch um eine Dauerstellung mit nachweislich groben Berdtenstmöglich- ketten. Rur wirklich besäbtgie. gut empfohlene Verkäufer kommen in Betracht, dagegen ist Kapital nicht erforderlich, reell Brovision sofort nach Eingang der Aufträge gezahlt wird. Schriftliche Angebote unter D563D an den Gießener Anzeiger. Kinderl. Ehev. sucht 2-3 Zimmer n. Klicke. Cff. unter F. K. postlagernd La ubach. 95ti2D {Stellenangebote] k«W ftir mittags gesucht Wolkcngasse 23, _____Laden. Uim | Verkaufe | 300 Himbeerstöcke (reich tragend) billig abzugeben [08141 Südanlage 23. £>. Kaufgesuche | BelQUllK- Oiumt 1000 Stück zu laufen gesucht. Schrift!. Angeb. mit Preis unter 08137 an den Gieß. An». Gesucht Einfamilienhaus zu kaufen 5 Zimmer und Zubehör. Schr. Angeb. unter 957ID an den Gien. Ann. ZWkMkR zu faulen gesucht. Schr. Slngeb. unter 08140 a. d.Gie^Anz. | Vereine | Volkshochschule. Der Kurö „Haupt» vrobicme des sitt» licken Lebens" -x-«bC fällt deute ans. Nächster Abend: Montag. 29. Rov. Stadttheater TienStag,23.Nov. 7. Dienstag-Hü.-BtfL v.7'/rb geg.i0'/,Uhr: Erstauffubrung: Uno Pinon tonjf! GlaShünenmärchen in 4 Akten («uta von Hauptmann. nt. 2(5 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenf Montag. 22. November 1926 nw । »nrtMu> Mn ran— Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Rabenau. Don Friedrich Schick, Queckborn. 3n der prächtigen Dollsschrift „Der Zigeuner" läßt Glaubrecht die Heldin des Buches die Geschichte eines Liebespaars erzählen, das durch den grvhen, die Rabenau erfüllenden See getrennt war, In dem ein Drache hauste, der alle sieben -Jahre losbrach und den Bräutigam bei einer pinübet zu seiner Geliebten mit hinabrih. Rach der ganzen Art Glaubrechts ist nicht anzunehmen, dah er diese Geschichte erfunden, sondern daß er sie als Dollssage bei seinen Verwandten in Londorf in Erfahrung gebracht n* c x . geologische Wissenschaft ist das Vorhandensein eines vorzeitlichen Sees in der Rabenau sestgestellt worden. 3ft es aber möglich, dah dre Kunde davon durch so viele ungezählte Iahrtausnrde sestgchalten werden konnte? Man konnte sich denken, dah ein genauer Beobachter der Landschaft und ihrer geologischen Beschaffen- - " a utr toarcn früher auch nicht dumm, ja, was Raturbeobachtung betraf, vielfach uns voraus solche Erkenntnis gewonnen mid sie zur mündlichen Lieberlieferung hat werden lassen. Run kommt aber durch die Entdeckung der Diluvialhöhlen bei Treis a. d. Lda. und vor allem durch die genauen trefflichen Forschungen Dr Richters heraus, dah in diesen Höhlen, bis an deren Fuß das Wasser des Sees ging Men- schen gehaust und eine große Kunstfertigkeit in der Herstellung von Steinwerkzeugcn entwickelt haben. Die Steintische, an denen sie ihre In- dustric betrieben, standen noch aufrecht in dem Höhlenschutt. Ist auch davon noch -eine mündliche Lieberlieferung vorhanden? Ich möchte es fast glauben, wenn ich folgendes lese: „wenn man von Allendorf auf Treis geht, muh man sich eilen, daß man nicht in die Dunkelheit kommt, sonst springen einem die Dommestein-Äickels auf den Buckel." So berichtet Pfr. Böchner, Treis, in den hessischen Blättern für Dollskunde XXIII, 1924, S. 19, eine an der Stelle der Höhlen haftende Sage. Was kann das bedeuten? Spuken da die eiszeitlichen Steinklopfer noch heutigentags? Ich habe vergeblich gewartet, dah ein Berufener diese merkwürdige Sage erklärt. So will ich den Versuch machen und bitte, wenn ich irregehe, um freundliche Berichtigung. Zu» nächst bemerke ich, dah in der Diluvialzeit der Weg von Allendorf nach TreiS den Höhlen nicht ausweichen konnte, sondern durch den See dicht an die Höhlen herangedrängt war. Bommen, bomben heißt in Oberhessen schlagen, daß es dröhnt. Es ist ein ganz geläufiges Wort, das sich aber merkwürdigerweise weder im Weigaird, noch im Crecelius noch im Dilmar findet, offenbar ein den dumpfen Schall nachahmend gebildetes Wort und gleichbedeutend mit dem griechischen bombeo dumpf tönen. Es ist zu vermuten, daß auch die Bombe desselben Stammes ist, denn Weigand schreibt: „Das französische bombe, italienisch und spanisch bomba, welche gleichsam „summendes Geschoß", von lateinisch bombus (aus griechisch der bombos) — dumpfer tiefer Ton, Summen, Rauschen." Bomben ist also eine vortreffliche Bezeichnung der bei der Arbeit auf den Steintischen aus den Höhlen heraustönenden Schläge. Rickels ist nach Crecelius als Abkürzung von Nikolaus 1. eine Schreckgestalt für Kinder, 2. ein wüst aussehender Mensch: nach Weigand „ein kurzer unansehnlicher Mensch". Der Ausdruck Bommestein-Rickels würde also die schreckhaften oder wüst aussehenden oder zwergartigen Steinwerkzeugkünstler bezeichnen können. Es sei daran erinnert, daß auch in unserer Heldensage die anderen Handwerksleute, in den Gestalten der homerischen Di« ver- Die Ankunft in Nom. Man hat Mussolini allerlei tönende Worte den Mund gelegt, die er bei seiner Ankunft in bereits in Kennrnis gesetzt worden waren, jubelten sie ihm ungestüm zu: „A Roma, a Roma!“ Rach Äom, nach Rom! Auf dem DaHnsteig sprach er ein paar kurze Worte: „morgen früh hat Italien kein Ministerium, sondern eine Regierung." Dann wandte er sich an den Stationsvorftand: „Ich möchte mit fahrplanmäßiger Pünktlichkeit abfahren Don jetzt ab muh alles vorzüglich klappen." In Civitavecchia, in Santa Morinella nahm er während des Zugaufenthaltes über die auf dem Bahnhof versammelten Faszisten Revue ab: „Der Sieg ist unser, man darf ihn nicht beschmutzen. Italien ist unser, wir werden es wieder auf den Weg zur alten Gröhe führen." So machte er sich auf den Weg nach Rom. Mussolinis Marsch auf Ron;. Aus der Lebensgeschichte des italienischen Diktators Wir bringen heute das spannende Kapitel von der großen faszistischen Aktion, die zur Diktatur führte, aus der bei Paul List in Leipzig erschienenen „Lebens- geschichte Mussolinis" von M. G. Sarfatti. Der Morgen des 28. Oktober tarn. Mussolini stand in Mailand, in seinem Arbeitszimmer in der Redaktion des „Popolo d'Italia", über Karten gebeugt. Auf den Karten lag ein Blatt Papier, darauf hatte der Llmftürzler mit reso- uiten raschen Schriftzügen eine Liste der Minister, die er für den Wiederaufbau Italiens für nötig hielt, entworfen. Ich beabsichtige keine Parteiregierung zu schaffen", sagte er. „Dur ein Teil der Minister sind Faszisten." „Wirklich, ich weih nkfrt recht —, ich kann mich noch nicht entscheiden —, ich muh erst meine politischen Freunde fragen — die Partei anhören", sagte ihm einer dieser von ihm in Aussicht genommenen zukünftigen Minister — kein Faszist —. der mit einigen Abgeordneten zu ihm gekommen war, um Dachrichten einzuholen. ..Ach was. Freunde". Halle ihm Mussolini geantwortet. .Ach was. Partei. Ich brauche dieses Spielzeug nicht. Dich rufe ich. nicht deine Partei" Zwischendurch klopften an die Tür seines Arbeitszimmers junge Krieger und junge Führer, traten mit römischem Gruß ein, nahm«. Befehle entgegen und gingen wieder. Alles vollzog sich schnell und schweigend. Das Hauptquartier der faszistischen Revolution war das Haus des „Po- Polo d'Italia" in der Dia Lovano und das Haus des „Fascio" in der Dia San Marco, das zwischen dem Srdwall der Bastion und dent Kanal liegt, und dadurch eine wundervoll befestigte Kaserne bildete. Der Zugang von den anderen Derkehrsstraßen her war durch ßaftautrö, Stacheldraht und Kordons gesperrt. Die in der „Easa del Fascio", in der nahen Gemeindeschule, in den Toreingängen der Häuser und auf der Straße untergebrachten Kämpfer waren schone, glühende, heldenhafte Iünglinge, gleichbar. Sie erhielten keine Löhnung; jeder muhte seine Ausgaben selbst bestreiten. Lind diese Arbeiter und Landleute, diese kleinen Beamten und Studenten waren zufrieden mit ihrer Mühsal, zufrieden mit dem bißchen Strohlager, mit dem Stückchen Brot, der Schüssel Soldatenkost, wenn sie nur ihren Duce sehen und ihm gehorchen durften. Diesseits und jenseits des trüben Wassers des Kanals, an den beiden Geländern der kleinen Brücke, war sozusagen eine Grenze inrprovisiert worden. „Was ist das für ein Rang? Ich glaube, er ist meinem gleich Wir können also du zueinander sagen", mehrte der Leutnant des regulären Heeres, der auf dem rechten Bürgersteig auf und ab marschierte, zum Zehnerführer des faszisllschen Piketts, der auf der anderen Seite im gleichen Takt auf und ab ging. Eine paradoxe Situation des Gleichgewichts, das durch ein Federgewicht zu einem blutigen Gemetzel Umschlägen konnte. „Wir werden vielleicht einen brauchen, der das Signal gibt, der die Hand aufhebt, um die Dinge aus den: Zustand der Ruhe und der Stille in die revolutionäre Dewo wegung überzuleiten", hatte der Duce in den Tagen der Dorbereitungen gesagt. „Dieser eine muß ich fein.“ Lind deshalb war er in Mailand geblieben, als es so weit war. Einen Tag nach dem Marsch auf Rom — der von den faszistischen Generälen geleitet wurde, während Mussolini sich in Mailand bereit» hielt —, also am 29. Oktober 1922, rief um die Mittagszeit der Generaladjutant des Königs von Rom aus den Abgeordneten Mussolini auf der Redaktion in Mailand an. Mussolini ging an den Apparat. „3a, gut. Ich danke Seiner Majestät. Ich wünsche die Bestätigung der offiziellen Berufung telegraphisch zu erhalten. Ich werde dann sofort neidung auf Grund der Ehezerrüttung beibeballen werden. 3n der sehr lebhaften Debatte stellten sich die Frauen auf den Standpunkt, daß sie grundsätzlich große Bedenken gegen die Bestrebungen zur Erleichterung der Ehescheidung im Hinblick auf die sittlichen Gefahren hätten, die jede Erleichterung des Ehescheidungsrechts in sich berge. Die erste Reichsfrauentagung der volksparteilichen Frauen verlief unter starker innerlicher und äußerer Teilnahme der Versammelten und zeigte ein erfreuliches Resultat jahrelang im stillen geübter politischer Erziehungsarbeit. Die Führerinnen, Par- lamentarerinnen aus Reichstag, Landtag und ftotn- tnunen. die Vorsitzenden der Wahlkreise dürsten die Tagung mit dem freudigen Gefühl zu Ende bringen, daß ein starker Impuls durch die volksparteilichen Frauenkreise geht. Vie deutsche Auswandetungsbeweguug. Ein richtiges Bild des Standes der überseeischen Auswanderung eines Landes erhält man nur dann, wenn man einen größeren Zeitraum als Dergleichsmaßstab nimmt. Den Verlaus der deutschen überseeischen Auswanberungsbcwcgung weisen am besten die HalbjahrcSzusammenstellun- aen des Statistischen Reichsamtes nach. Rach dem letzten Halbjahresausweis, umfassend die Monate Ianuar bis einschl. Iuni des Iahres 1926. haben insgesamt 34 231 Auswanderer das deutsche Reichsgebiet verlassen. Gegen das Vorjahr (32 748) bedeutet diese Zahl eine Zunahme der Auswanderer um 1483, gegenüber dem Iahre 1924 (30 388) eine Zunahme um 3843. Die Höchst- Ziffer des Jahres 1923 mit 40 872 ist hiernach erfreulicherweise nicht wieder erreicht worden: es ist aber doch seit 1924 wieder ein langsames Anschw eilen der Auswanderunas- ziffern zu beobachten. Auf die einzelnen Mo-- nafe des ersten Halbjahres 1926 verteilt, ergibt sich allerdings eine abschwellende Bewegung Es wanderten nämlich aus: Im Ianuar 5727, im Februar 4615, im März 6177, im April 7160, im Mai 7060, im Iuni 3492. Die Kurve steigt also in den Monaten März. April und Mai beträchtlich an, fällt aber im Iuni Karl ab auf ungefähr die Hälfte der Mai- zifser. Im Iuli 1926 steigt die Kurve mit 3761 um einige Hundert, im August 1926 mit 4466 ebenfalls nicht unbeträchtlich gegenüber dem Vormonat an, wobei in diesen beiden Monaten die über Antwerpen Ausgewanderten nicht berücksichtigt sind. Das Bild der deutschen überseeischen Auswanderung ist also ein sehr unregelmäßiges und schwankendes. Llm einen Lleberblick über die Berufs- verhältnisse der Ausgewanderten zu gewinnen, müssen von den 34 231 nachgewiesenen deutschen Auswanderern zunächst 1719 Personen, die gar keine Angaben über ihren Beruf gemacht haben, und 3497 Personen, die entweder keinen Beruf hatten ober ihn nicht näher bezeichneten, ausgeschieden werden. Es verbleiben also zur Derücksichttgung 29 015 Auswanderer. Hiervon waren 21 285 (73,4 v. H.) hauptberuflich Erwerbstätige und 7730 --= 26,6 v. H. Angehörige von Auswanderern. Die Zahl der mitgenommenen Angehörigen fällt also nicht sehr ins Gewicht. ausgenommen bei der Landwirtschaft, wo auf insgesamt 6607 Auswanderer allein 2634 Angehörige entfallen. Himmt man die Zahl der erwerbstätigen Auswanderer (Selbständige, Lln- sekbständige und Angehörige) in den drei großen Berufskategorien Landwirtschaft, Industrie und Handel zusammen, so ergibt sich, daß die Industrie aller Branchen immer noch die meisten Auswanderer mit 11 692 Menschen stellt, bann folgt gleich die Landwirtschaft mit 6607 Köpfen, und dann erst Handel und Verkehr mit 5658 Köpfen. Diese Zahlet lassen einen Schluß auf bie in der Metallzeit die Steinhandwerker ablösten, die Schmiede, noch als Zwerge erscheinen. Rach den örtlichen Verhältnissen können unsere Stetnkünstler auch keine großen Menschen gewesen fein, dafür sind die Tische und die Höhlen viel zu niedrig. Daß die Kutrde von solch einer, natürlich wett im Umkreis berühmten, Werkstatt sich Jahrhunderte im Dolksmund erhalten konnte, ist ohne weiteres begreiflich, jedoch durch ungezählte Iahr- tausende? Das kann man kaum fassen, aber muß man's nicht doch annehmen? Cs seht jedenfalls eine, wenn auch nicht am selben Platz so doch in der erreichbaren Umgebung, ununterbrochene Besiedelung durch Menschen, die sich miteinander verständigen konnten, voraus. Aehn» ftche, wenn auch nicht so weit in die zeitliche Tiefe hineinreichende mündliche Lleberliefemn- gen sind literarisch bekannt. Ich erwähne nur ein norddeutsches Dorf, in dem die Sage ging, daß in den Hünengräbern des nahen Waldes so viel goldenes Geschirr liege, daß man das ganze Dorf damit kaufen könne. Als Altertums- forscher bie Gräber aufdeckten, fanden sie eine große Menge zwar nicht goldener, aber doch bronzener Gefäße. Verkannte Tiere. Man sagt gewöhnlich .so tapfer wie ein Löwe", aber im Verhältnis zu seiner Gröhe, Kraft und Kampsesausrüstung ist bet Löwe lange nicht so tapfer wie z B. ein Fuchs, ein Schwein ober sogar ba£ bemütige Schaf. Dies betont ein Zoologe, der die menschlichen Verurteile in der Beutteilung bet Tiere untersucht. Et spricht dem Widder eine ganz besondere Tapferkeit zu und behauptet, daß dieses Tier jedem lebenden Wesen Trotz bietet: er scheut üch nicht, einen großen Bullen anzugreifen, wenn er die Herde bedroht, und vermag ihn oft zu überwinden. Er vetteidigt seine Schafe gegen den größten und wildesten Hund und sogar gegen den Menschen. Der Kampf zwischen zwei kräftigen Widdern ist eines der stolzesten und zugleich grausigsten Schauspiele und endet fast stets mit dem Tode eines bet beiden Kämpfenden. Auch das Wildschwein ist außerordentlich tapfer, und man sagt von ihm, es sei das einzige Sier, das mit einem Tiger aus derselben Quelle zu trinken wage. Schweine sind überhaupt arg verleumdete Siete, sie sind g. B. viel weniger gefräßig als ein Kanarienvogel: auch sind sie nicht so dumm wie man annimmt, sondern haben schon „Intelligenzproben" gegeben, bie benen des Affen und des Hundes wenig nachgeben Die sprichwörtliche Faulheit der Schweine ist ebenfalls eine Verleumdung, denn es gibt manche Teile Europas, in denen die Schweine hart und eifrig arbeiten Richtiger wäre es zu sagen, „so faul wie eine Katze", beyn die Katzen find wirklich sehr träge. Sehr verkannt wird auch der Esel; wenn man ihn zum Sinnbild der Dummheit gemacht bat, io tut man ihm Llnrechl. Er ist gewöhnlich schlauer als das Pferd. Wenn man den Esel in einem einge* zäunten Raum einspettt, bann muß man sehr darauf achten, baß das Gitter verttegelt ist, denn er wird es sofort aufstohen, um heraus zu kommen, wahrend das Pferd an dem Zaun entlangläuft und feiten bas Tor sinbet. Wenn das Pferd von wilden Tieren angegriffen wird, bann rennt es aus Leibeskräften davon. Der Gsel aber sucht sich einen günstig gelegenen Platz zur Deckung und leistet dann dem Angriff mit feinen mächtigen Husen Widerstand. Der Dar gilt als besonders „brummig“; er ist aber mit Ausnahme des Polatbäten eines der lustigsten und gutmütigsten Tiere, bas sich leicht zähmen laßt, wenn es freundlich behandelt wird. Die „Blindheit" der Fledermaus, die ebenfalls sprichwörtlich ist, verkennt die überaus scharfe Sehfähigkeit dieses Tieres, von dem man sagen kann, daß es mit bet ganzen Haut sieht, sich im Refften Dunkel zurecht- sinbet und die winzigsten Insekten wahrnimmt. Die Geschäftslage -er Hauptgewerbe in Deutschland zu. Don den einzelnen Industrien stellen die meisten Auswanderer: die Eisen- und Metallindustrie (4831). die Rahrungs- und Genuh- inrttelindustrie (1159), das Bekleidungsgewerbe < 1065) und das Baugewerbe (1694). während beispielsweise die chemische Industrie im ersten Halbjahr 1926 nur 143 Auswanderer gestellt hat. Scheidet man die Angehörigen ganz aus und beschrankt sich auf die selb- und unselbständigen Erwerbstätigen, dann zeigt sich folgendes Bild: auf die Land- und Forstwirtschaft ,ntf allen 3973 (18,7 v. H). auf Bergbau. Industrie und Baugewerbe 8261 (38.8 v. H.)_ auf Handel und Verkehr 4431 (20,8 v. H.). auf Verwaltung, Heer und freie Berufe 668 (3.1 v. Sy), auf Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege 318 (1,5 v. H.), auf häusliche Dienste und Lohnarbeit wechselnder Art 3634 (17,1 v. 5y.). Bei dieser Aufstellung stehen also die Haupt- gewerbe in der Reihenfolge Industrie, Handel und Landwirtschaft. Einen relativ hohen Prozentsatz der Auswanderer stellen auch die Hausangestellten. Unter den einzelnen Industriegruppen stellt nach wie vor die Gruppe Eisen- und Metallindustrie, Elektrotechnik und Feinmechanik das größte Kontingent mit 3467 erwerbstätigen Auswanderern, dann folgen das Baugewerbe mit 1205 (14.6 v. H.). das Bekleidungsgewerbe mit 830 (10.0 v. H.) und zuletzt' der Bergbau mit 353 (4,3 v. H.). 50 Ulk »WMA UKkkK Weil. Am Samstag beging der Landwirtschaft- .iche Lokaloerein Gießen in schlichter, eindrucksvoller Weise die Feier seines 5 0jährigen Bestehens. Dem Verein wurden bei dieser Gelegenheit zahlreiche Beweise der Wertschätzung und Zuneigung zuteil. Vormittags fand in der Neuen Aula der Lairdes- anioerfität ein Festakt statt, zu dem sich neben Mitgliedern die Vertreter von Behörden, össentlichen Korporationen, der einschlägigen Wissenschaft und Studentenschaft, sowie andere geladene Gäste zahlreich emgefunden hatten. Nach einem Orgeloortrag des Musiklehrers und Chormeisters G ö r l a ch hielt dec derzeitige Ver- > insvorsitzende Prof. Dr. Kl e berg er die EröffttUirgsansprachr. Er begrüßte zunächst die Jestversammlung, dabei tiamentlid) die Ehrengäste und die noch lebenden vier .Nitbegründer des Vereins und Veteranen der hessi- chen Landwirtschaft: Wilhelm Weil-Lang-Göns, Heinrich Noll VII., Gießen, Ioh. 3 u n g V. und Ioh. Wagner IX von Lang-Göns. Sodann gab s>er Redner einen Rückblick auf die fünfzigjährige (beschichte des Vereins. Dabei erinnerte ec vor allem an den Vater des Vereins, Albrecht Thaer, der während seiner landwirtschaftlichen Lehrtätigkeit in Gießen das Bindeglied zwischen Theorie und aaxis vermißte und dann zum Nutzen der Praxis und zur Förderung der Wissenschaft den Landwirt- ichastlichcn Lokalverein ins Leben rief. Der Verein .'lühte kräftig empor, und sein Gründer konnte chn S92 in bester Entwicklung an den Oetonomierat schiente als Nachfolger im Vorsitz übergeben. Durch Schlenkes Tatkraft wurde dec Verein weiter . usgebaut und konnte feinen Wirkungskreis über die Grenzen des lokalen Vereins erweitern. Schlenkes Nachfolger im Vorsitz wurde im Jahre 1903 der Landwirt Wilhelm K e y s e r, ein Mann von hervorragenden persönlichen Eigenschaften, der ein treuer Hausvater des Vereins war. Nach dem Tode Keyfers übernahm der derzeitige Vorsitzende Pros. Dr. K l e b e r g e r die Leitung des Vereins. Treu gestützt von allen Mitgliedern, geschickt ausgebaut im Innern, konnte dör Verein alle Stürme mit gutem Erfolg überstehen. 3m Kriege wurden bis 80 Prozent aller Mitglieder militärisch in Anspruch genommen, 16 Mitglieder deckt die fremde Erde und 22 weitere sind an den Folaen des Krieges gestorben. (Das Andenken an diese Helden wurde )urch Erheben von den Sitzen geehrt.) Das Betätigungsfeld des Vereins ist nach dem Kriege immer weiter geworden, neues kräftiges Leben regte sich, und nach einer Umorganisation hat sich der Verein rasch und kräftig weiter entwickelt. Sodann gab dec Redner folgende Ehrungen bekannt: Der langjährige 2. Vorsitzende Wilhelm Weil, Lang-Göns wurde zum Ehrenvorsitzenden, Heinrich Noll VII., Gießen, Ioh. Jung V., Lang-Göns und Ioh. Wagner IX., Lang-Göns, zu Eh reu- m i t g l i e d e r n , der „nimmermüde, opferwillige Kassierer" PH. K e h l e r, Lang-Göns, zum Ehren- v o r st a n d ernannt. Dec Verein ist den Ausgezeichneten herzlich dankbar und hofst, sie noch lange in ferner Mitte zu sehen. Zu dem Jubeltage waren bis zstb Stunde der Feier 182 Glückwunschkundgebungen ei«elaufen, darunter auch solche vom Hess. Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, vom Hess. Landesamt für das Bildungswescn, vom Hess. Ministerium dsr Finanzen und vom Reichswirtschastsministevium, dke sämtlich mit Dank begrüßt wurden. Die Glückwunsch-Ansprachen. Die lange Reihe der. Gratulanten eröffnete Se. Magnifizenz der Rektor der Landesunivrrfilät Prof. Dr. Z w i cf. Er sprach zunächst den Glückwunsch der Universität aus. wies dann rühmend auf die engen Beziehungen zwischen dem Verein unö der Landesuniversilät hin und betonte die reichen Segnungen, die aus dieser Derbiadrmg zwischen Praxis und Wissenschaft für beide Teile entstanden. Weiter begrüßte er die besondere Fürsorge, die die Regierung dem landwirtschaftlichen Dersuchswesen angedeihen lasse, und wünschte schließlich dem Verein eine gesunde und gedeihliche Weiterentwicklung unter treuen, zuverlässigen Führern. Oberregierungsrat Dr. Heß überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Provinzialdirektion Oberhefsen und des Kreisamtes Gießen. Er feierte die Landwirtschaft als den Rährstand unseres Volkes und rückte dann die bevölkerungspolitische Aufgabe der Landwirtschaft in den Vordergrund, dem: von ihr strömten dem Volksganzen immer neue Kräfte, immer frisches Blut zu, wodurch die Lebenskraft des Volkes immer wieder erneuert werde. Er betonte weiter die ideellen Worte der Landwirtschaft, die ihrer hohen Aufgabe nur dann gerecht werden könne, wenn sie sich als ein Teil des Dol'sgcmzen fühle, der darauf angewiesen fei, mit den anderen Volksschichten zusammen zu arbeiten. Eintracht aller Bolksklassen und gegenseitiges Verstehen, die Beseitigung alses Trennenden sei uns nötig, wenn wir wieder nach oben wollen. An dieser hohen Aufgabe auch in Zukunft kräftig mitzuarbeiten, sei eine vornehme Arbeit des Iubelvereins. Beigeordneter Dr. S e i b sprach in Vertretung des erkrankten Oberbürgermeisters namens der Stadt Gießen. Es sei ihm eine besondere Freude, an dieser Stelle auf die vortreffliche Arbeit der heimischen Landwirtschaft Hinweisen zu können. Die Stadt Gießen bringe den landwirtschaftlichen Fragen stets regstes Interesss entgegen, denn durch den Ankauf des Hardthof es sei sie ja einer der größten Grundbesitzer im Streife Gießen geworden. Tlnsere Stadt habe ein lebhaftes und unmittelbares Interesse an einer leistungsfähigen Landwirtschaft. Für die Steigerung des landwirtschaftlichen Ertrages habe der Verein Mustergültiges geleistet, dafür seien ihm die städtischen Verbraucher zu Dank verpflichtet. Die herzlichen Wünsche der Stadt'zu diesem Feste und für die Zukunft überbringe er gerne. Der Präsident der Landwirtschastskammer für 5 cf feit, Oekonomierat Hens el-Dotzelrod, brachte die herzlichen Wünsche der Kammer und deren Freude über die vortreftliche Arbeit des Vereins zum Ausdruck. Er wünschte auch für die Zukunft ein gutes Zusammen arbeiten aller staatlichen und wisfListchastlichen Stellen mit der praktischen Landwirtschaft, denn nur eine lebensfähige Landwirtschaft könne das für unser Volk und Wirtschaft Erforderliche leisten. Diese Tagung möge ein guter Schritt vorwärts in diesem Bestreben sein. Oekonomierat Breidenbach, Dorheim, als Vorsitzender des Landwirtschaftstammerausschus- ses für Oberhessen überbrachte die herzlichen Wünsche der gesamten oberhessischen praktischen Landwirtschaft. Er rühmte das feste Zusammenhalten der kleinen unö großen Landwirte im Iubelverein. und wünschte, daß diese vorbildliche Einigkeit überall herrschen nwg6. Weiter betonte der Redner das g-ute Zusammenarbeiten zwischen dem Verein und der Universität, wo- Deutschland, das Land der Nobelpreise. Don Dr. Friedrich Krüger. Dachdem erst vor einiger Zeit die Auslaich- presse gemeldet hatte, baffem dänischen Medianer Fibiger für seine Verdienste auf dem Gebiet der Krebsforschung der Robelpreis für Medizin verliehen werden solle, wurde dieser Tage bekanntgegeben, daß das Kollegium der Earoüngia, wie die Stockholmer Tlniversität genannt wird, beschlossen hat, den im vorigen Iahr zurtlckgesteilten medizinischen Preis von 1925 nicht zu verleihen, sondern statutengemäß zum Stif- tungssonds zu schlagen und den Preis für 1926 für das nächste Iahr zurückzustellen. Die Tatlache, daß seit 1915 nunmehr insgesamt sechs Nobelpreise für Medizin zum Stiftungstapital geschlagen worden sind, erregt Aufsehen: und die schwedische Presse hat schon bei früheren Gelegenheiten gegen dieses System ihre Bedenken geäußert. Auch von anderer Seite ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß gerade auf dem Gebiet der medizinischen Forschung die Fortschritte in der Hauptsache durch zahllose Einzel- lcistungen ermöglicht werden, so daß, wenn das Mediziner-Kollegium der Stockholmer älniversi- lät an seiner Auffassung festhält, die Gefahr besteht, daß der medizinische Robelpreis nur noch in seltenen Fällen zur Verteilung gelangt. Im vorigen Iahr kam von den fälligen sechs Aobelpreisen nur ein einziger zur Verteilung, nämlich der Physikpreis des Iahres 1924, den der durch seine Forschungen auf dem Gebiet Der Röntgenstrahlen bekannte schwedische (im Iahr 1886 geborene) Forscher Professor Siegbahn in ilpfala erhielt. Der Themiepreis des Iahres 1924» wurde einem besonderen Fonds überwiesen, während die Chemie- und Phhsikpreise des Iahres 1925 für dieses Iahr (1926)*) reserviert wurden. AlS im vorigen Iahr die 'Robelpreisftiftung das Fest ihres 25jährigen Bestehens feierte, verlautete, daß die Stiftung unter einer gewissen *) lieber die Verteilung der diesjährigen Preise haben wir bereits an anderer Stelle berichtet. Die Red. finanziellen Depression zu leiden habe. Unb es ist möglich, daß die in den letzten Iahren geübte Zurückhaltung bei dec Verteilung der Nobelpreise auf diesen Timst and zurückzuführen ist. Das Kapital, das Alfred Robel nach seinem am 10. Dezember 1896 erfolgten Tode hinterließ, hat er fast ganz für wissenschaftliche Zwecke bestimmt. Don den Zinsen des Vermögens — es handelt sich um etwa 35 Millionen Mark — sollten alljährlich an seinem Todestage hervorragende Wissenschaftler und Künstler durch Preise ausgezeichnet werden. Diese einzelnen Preise betrugen in den ersten Jahren etwa 200 000 schwedische Kronen; sie sind allerdings später kleiner geworden (etwa 120 000 schwedische Kronen). Gegenwärtig beträgt das Stiftungskapital etwa 30,5 Millionen schwedische Kronen. Allein in den letzten zehn Zähren wurden von der Stiftung etwa 3,5 Millionen Kronen an den Staat an Steuern abgeführt und es wird nun schon seit längerer Zeit von den schwedischen Gelehrten völlige Steuerbefreiung der Stiftung durch ein besonderes Gesetz angestrebt, um eine Stabilisierung der Stiftung durchzuführen. Es ist bezeichnend, daß an Öen bis 1925 zur Verteilung gelangten Nobelpreisen Deutschland mit 28 den größten Anteil hat. Nach Frankreich fielen 21 Nobelpreise, nach England 14, nach Amerika 9. nach Schweden 8, nach Dänemark und Holland je 6, nach der Schweiz 5, nach Oesterreich, Belgien, Norwegen und 3talicn je 4, nach Spanien 3, nach Polen 2, nach Nußland und 3nbieu je 1. Bon deutschen Gelehrten wurden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet: die Mediziner Behrend, Robert Koch, Ehrlich, Kosiel und Meyerhof, die Physiker Röntgen, Wilhelm Wien, Max von Laue, Planck, Lenard, Lippmaun, Stark und Einstein, die Chemiker Emil Fischer, Beyer, Büchner, Ostwald, Wallach, Werner, Wilstätter, Haber. Nernst .und Pregel. Den Literaturpreis erhielten Mommsen (1901), Euckeu (1908), Heyfe (1910) und G. fjauptmann (1912). Schließlich sei noch erwähnt, daß Bertha von Suttner für ihr Buch „Die Waffen nieder!" mit dem Friedenspreis ausgezeichnet wurde. Mit der dies- jährigen otifiung hat sich Deutschlands Vorsprung abermals vergrößert. Alfred Nobel, der 1833 geboren wurde und den größten Teil seines Lebens im Ausland ver- ducch Gewaltiges zum Hut)er. beider Leite geleistet worden fei. Dieses schöne Verhältnis möge auch weiterhin stets bestehen bleiben. Wissenschaft und Pcaris gehörten in der Landwirtschaft zusammen, der Landwirticha'tstammer- ausschuh werde in bietet Hinsicht stets fördernd fein. Prof. Dr. Sessous, Gießen, als derzeitiger geschäftsführender Direktor der landwirtschaftlichen Institute der älnivecsität Gießen feierte nach seinen Glückwun'chivorten das her.liche Ein- vernehmen zwischen dem Verein und der Alni= verfügt, und betonte, die landwirtschaftliche Wissenschaft in Gießen werde auch weiterhin bestrebt sein, dftft guten Beziehungen sorgsam zu pflegen und weiter zu entwickeln. Ieder Wunsch um Hilfe und .Unterstützung seitens der Pcaris werde bei der Wissenschaft stets offene Ohren und mitfühlende Herzen finden, und er hoffe, das; umgekehrt dasselbe sein werde, wie bisher schon. Landwirtschaftsschuldirektor Dr. D l r i ch, Wetzlar, gratulierte für die Verwaltung und die landwirtschaftlichen Vereine deS Krelles Wetzlar, lobte die guten, freundnachbarlichen Beziehungen zwischen hüben und drüben, und wünschte deren ungetrübten Fortbestand. Rechtsanwalt Haa 5, Gießen, überbrachte die Glückwünsche der Raiffeieu-Bank und der Raift- eisen-Genossenfchaften. Die Aacifeisen-Organisa- tion sei zwar noch jung in Oberhelfen, aber sie werde weiter ausgebaut, um den Landwirten zu helfen. Er stellte den Gedanken der Selbsthilfe der Landwirte wirksam heraus, und bat, auf dieser Grundlage den Schwierigkeiten der Zeit entgegenzutreten. Raiffeisen werde den Landwirten dabei gerne zur Seite stehen. Reichstags- und LandtagLabgeordneter Prof. Dr. Werner, Butzbach, (Dn.) erinnerte in seiner Glückwunschansvrache zunächst an den früheren Vereinsvorsitzenden S ch l e n £ e, dessen vorbildlicher 'Führerschaft der Redner huldigte. Er wünschte, daß dem Verein allezeit Führer wie Schleifte vorangehen möchten. Die Kämpfe der früheren Zeit, die damals bedeutsam waren, würden weit überholt durch das Ringen von heute. Großes stehe für die Landwirtschaft auf dem Spiele. Der Redner erinnerte in diesem Zusammenhänge an das Welt-Wirtschaftsmanisest und an die immer (tarieren Zusammenschluß» bestrebungen in der deutschen Industrie. Die Entwicklung ziele dahin, die Welt in Wirtschafts- Provinzen aufzuteilen. Die Landwirtschaft müsse dabei aufpassen, daß man nicht über sie zur Tagesordnung übergehe. Wenn die Landwirtschaft falle, werde auch die deutsche Wirtschaft in dec Gesamtheit fallen. Er wünsche dem Verein und der ganzen deutschen Landwirtschaft Glück und Heil für die Zukunft. Der Ec st chargierte der A g r o > r i a an der Universität Gießen brachte deren sowie der ganzen landwirtschaftlichen Fachschaft Gruße und beste Wünsche zum Ausdruck, hob weiterhin das treue Zusammenhalten der Wissenschaft mit der Praxis hervor und bat, daß das auch künftig zu beider Nutzen so bleiben möge. Ehrenvorsitzender Wilheun Weil (Lang-Göns) unö Ehcenoocstand Philipp Keßler (Lang-Göns) dankten in herzlichen Worten für die hohen Auszeichnungen durch den Verein.— Nunmehr folgte dec Festvortrag von Univerfitätsprofeffor Dr. Kraemer-Giesten. 3» wunderbaren Darlegungen schilderte der Redner die hohe Bedeutung der Landwirtschaft für unser Volkstum und unser Volksleben. Die Geschichte dec Kuttucvölker zeige, daß das Absterben der Bauern zum Untergänge der Völker führte, daß der Bauernstand der Quell alles Lebens der Nationen fei. Die Blutausfrischung der Städte könne nur dec Bauernstand Dringen. Das geschehe durch die Binnenwanderung. Der Zustrom vom Lande liefere vorwiegend die Kulturelemente, und wo er aufhöre, da beginne der Niedergang. Nach dem Dreißigjährigen Kriege waren die Städte tot, und die Bauern brauchten fast ein Jahrhundert, um sich zu erholen. Dann aber wanderte dec Uebecfchutz ihrer Kräfte wieder ab in die Städte, und so wurde der Geistesfrühling in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geboren (Klopstock, Wieland, Lessing, Herder, Schiller, Goethe). ^Dieser Strom frischen bäuerlichen Blutes in die Städte floß weiter, und es kam schließlich zu der herrlichen Entwicklung in allen Gebieten, die durch die Neichsgruodung gefrönt wurde. Dann folgte die gewaltige Industrialisierung und der Rückgang des Bauernstandes. Die brachte, aber gefühlsmäßig immer ein treuer Sohn feiner schwedischen Heimat blieb, hat bekanntlich sein Riesenvermögen durch die Erfindung des Dynamits erworben. Diese Erfindung gelang im Jahre 1866 Nobel, der sich schon in seiner Jugend in Gemeinschaft mit seinem Vater mit der Herstellung von Sprengstoffen beschäftigt hatte, in einer bei Hamburg gelegenen Fabrik. In vielen Ländern wurden bald darauf Dynamitfabriken errichtet. Dem idealistisch gesinnten Geist Alfred Nobels widersprach es, in der Erinnerung der Menschheit als Erfinder des furchtbaren Zerstörungsmittels fortzuleben. Und so beschloß er, das Riesenvermögeu, das er seiner Erfindung verdankte, dem Aufbauwillen der Menschheit und den segensvollen Forschungszwecken der Wissenschaft dienstbar zu machen. &er hohe Adel dieser Gesinnung, dec in der Nobelstiftung seinen Ausdruck fand, hat dem Warnen des Stifters einen Weltruhm eingetragen, der immer durch die Jahrhunderte leuchten wird. WannlötetderelektrischeSLrom? Man hat sich in neuester Zeit eingehend mit den Schädigungen beschäftigt, die dura) den el:i> irischen Strom im menschlichen Organismus hervorgerufen werden können, und über die Grgeb-- niss-e dieser Studien berichtet H. Aldenslebrn in der ^Elektrotechnischen Zeitschrift". Danach hängt die Lebensgefahr nicht von der Spannung, sondern von der Stromstärke ab; außerdem spielt die Dauer der Stromeinwirkung und die Strombahn im Körper, je nachdem Herz oder Gehirn durch- ftrömt wird, eine Rolle. Kommt der menschliche Körper mit einer unter Spannung stehenden Leitung in Berührung, dann richtet sich die Stärke des Stromes, der durch den Körper schlägt, nach dec Höhe der Spannung und dem Widerstand des Körpers. Messungen haben gezeigt, daß der menschliche Körper nicht wie ein metallischer Letter einen konstanten Widerstand besitzt, sondern einen sehr veränderlichen. So zeigte eine Messung mit Gleichstrom, daß dec Widerstand, von einem .Unterarm zum anderen gemessen, bei 10 Volt Meßspannung anfangs 19 000 Ohm betrug, dann auf 9000 Ohm sank und untec sonst gleichen Der- hältnissen bei 2 Volt 160 000 Ohm. bei 6 Doll 40 000 Ohm erreichte. Solche starken Schwankungen sind dadurch zu erklären, daß der Widerstand Landwirtschaft hat eine größere Zahl von Selbstän« digen, daher herrscht in ihr auch mehr Frohmut, Zu« sriedenheit und Heimatgefühl, auch wenn der Da- seinskampf noch io schwer in. Der Redner betonte, er glaube auch an die Heimatliebe der Arbeiter und an ein tieies Heiinweb dieser Entwurzelten und Bo» fcenberaubten. Unter Vaterland könne nur durch ein großzügiges Siedtungswerk innerpolitisch gesunden. Dio Moore und Oedländereien böten mehreren Millionen Deutschen Platz zu Bauernstellen: leider sei die Urbarmachung bisher von den Regierungen versäumt worden. Hier könnten Existenzgrundlagen ge» schaffen werden, das sei besser als Arbeitslosen- u.aerstützuna. Im Gegensatz zu dem Großstädter mit seiner Flachheit und Oberflächlichkeit sei der Landmann, der das immerwährende „Werde" in der Natur stündig beobachte, in seinem Denken wi» lensvoll, sachlich, gemessen, r.chig, langsam; er kenne leine Phrasen und kein Schwätzen. Daher komme Sin gerades und kraftvolles Gefühl seines eigenen Ich. und dieses gesunde Selbstgefühl dehne er aus auf alles, was zu ihm in Beziehuna stehe, auf Besitz, Scholle. Familie, Dori. Landschaft, Vaterland. Der Landmann, der mit Liede seinen Berufsstand durchdringe, wünsche auch Anerkennung seiner Arbeit in den Kreisen der Städter. Das deutsche Volk Hobe hoffentlich die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft erkannt und ebenso die Notwendigkeit ein» gciehen, sie nach besten Kräften überall zu fördern. Es solle keine Experimente machen, die Sozialisierung lehne der Bauer stets und entschieden ab, denn er wolle kein Funktionär oder kleinster Beamter fein, sondern er wünsche frei, doch geschult und gebildet als Persönlichkeit zu leben. — Der geistvolle Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Dach einem kurzen Dankeswort des Dor* sitzenden Prof. Dr. Kleberger wurdx^ die Feier mit einem Orgelvortrag geschlossen. Der weitere Verlaus des Tages. Gegen 2 Uhr nachmittags begann im Saale des Gesellschaftsvereins ein einfaches Festmahl, das die Teilnehmer der CBormittagd- feier un'd darüber hinaus noch zahlreiche Der- einsmitglieder ixreimgte. Bei dieser Gelegenheit: entbot noch die hessische Landtagsabgeordnete Frl. B i r n b a u m (Deutsche Volkspartei) dem Iubelverein herzlichste Wünsche zum Fetze und für seine Zukunft. Mit besonderem Stolz blicke sie als Gießenerin auf diesen Verein, der so wertvolle Arbeit für Gießen und seine Umgebung leiste. Als Frau aber rühme sie die Ehrfurcht vor Gott, die allezeit beim Landvolk herrsche. Indem der Landmann seinen 'Boden bebaue, wachse seine Liebe zum Boden, indem er nach oben schauend den Wolken und der Sonne nachschaue, wachse fein Vertrauen in die Macht des Göttlichen, die über uns thront. So werde der Landmann zum Hüter der Ehrfurcht vor dem Göttlichen. Die Rednerin grüßte die heimische und die gesamte deutsche Landwirtschaft und wünschte ihr eine glückliche Zukunft, auch zum Besten des deutschen Vaterlandes. Gegen Wend kam dann die srohgestinunte Geselligkeit in verschiedenerlei Art im Saale des Gesellschaftsvereins anregend und genußreich zu ihrem Recht. Gerichtssaal. Line Schlägerei und ihre Folge». DSR. Limburg, 20. Aov. Dor dem Großen Schöffengericht wurde gegen 14 junge Leute aus Langendernbach wegen Landfriedensbruch verhandelt. Bei einer Tanzmusik in Willmenrod am zweiten Weihnachtsfeiertag 1925 hatten die Angeklagten mit Burschen aus dem Rachbardorf Guckheim Krach beEommen. Auf dem Wege nach einer anderen Dorfwirtschaft, in der ebenfalls getanzt wurde, griffen die Langendernbachrr die Guckheimer an, so daß diese in das nahe Wirtshaus flüchten mußten. Die Angeklagten drangen, obwohl sich der Wirt entgegenstellte, in die Wirtsstube ein, griffen die Gäste an und schlugen alles, wa-s nicht niet- und nagelfest war. kurz und klein. Von den Angellagten erhielt der Haup-tkcnnpfhahn acht Monate, vier weitere je sechs Monate, vier andere je vier Monate Gefängnis. Die übrigen tourben freigesprvchen. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittag«. Somslag nachmittag geschlossen. des Körpers sich aus zwei ganz verschiedenartigen Tellen zusammensetzt, nämlich aus dem der Haut und dem inneren Widerstand. Der letztere ist sicher elektrolytischer Äatur. so daß durch Polarisationserscheinungen Gegenspannungen auftreten, die einen hohen Widerstand vortäuschen. Um diese Fehlerquelle zu beseitigen, muß man die Wider- stmtdsmessungcn mit Wechselstrom durchführen: aber auch dabei ergibt sich, daß Der Widerstand mit der Dauer der Einschaltung u.tb der Zunahme abnimmt, wenn auch in geringerem Maße als bei Gleichstrom. Der Widerstand nimmt bei steigender Frequenz stark ab. Natürlich werden alle diese am lebenden Menschen vorgenommmen Messungen mit niedriger Spannung ausgftührt. Aber bei tödlich versaufenden elektrischen älnfällrn, bei denen der Widerstand berechnet werden konnte, und bei der eleltrischen Hinrichtung in den Vereinigten Staaten hat man festgestellt, welche elektrischen Ströme den Tod herbeiführen. Bei etwa 2000 Volt beträgt der Körperwiderstand etwa 250 Ohm, während er bei zunehmender Spannung und Zeitdauer abnimmt. Wahrend Ströme von 0,05 Amp., krine Gefahr bringen, sind Ströme um 1 Amp. herum, wenn das Herz in der Strombahn liegt, unbedingt lebensgefährlich. Seltsamerweise sind noch stärcere Ströme nur dann aesährlich. wenn ihre Dauer einige Sekunden überstLigt. Die verhältnismäßig schwachen Ströme von 1 Amp. wirten so stark auf daö Herz ein, daß sie das sog. Herz flimmern Hervorrufen und schnell zum Tode führen. Stärkere Ströme dagegen greifen das Herz tveniger an, verursachen jedoch schwere Brandwunden. Die Annahme, daß der „eleltrische Tod" ein Erstickungstod sei, wie beim Ertrinken, har sich nicht als richtig erwiesen. Richt die Atmung versagt zuerst und erst dann steht das Herz still, sondern das Herz hört gleichzeitig mit der Atmung auf zu schlagen. Das Blut hat daher nicht wie beim Tob durch Ersticken Vlangel an Sauerstoff, sondern der Sauerstoffgehalt ist noch in normaler Menge vorhanden, weil das Blut keine Gelegeicheit halte, ihn an die Organe abzugeben. Deshalb muffen die Wiederbelebungsversuche bei elektrischen -Unfällen vor allem auf eine möglichst schnelle Beförderung des Blutkreislaufes geächtet sein. Gelingt es, ihn rechtzeittg in Gang zu bringen, so tritt der Erstickungstod nicht ein. Oberhessen. Lanvkrcis Gicgen. 7 Grünbcrg, 20. Nov. Bei der gestrigen Treibjagd in den staatlichen Waldun q e n bei Lumda, Atzenhain und Geilshausen wurden 20 Stück Rehwild aber nur einige f) a f c n geschossen. Betzeiligl waren 25 Schützen. f Ettingshausen, 20. Roo. Dec Volks -- sSngerbund Chattia wird leinen diesjö^ eigen Sängertag am 28. November in Nonne n r o t h abholten. Kreis Friedberg. Äf Friedberg. 2! Aov. A»i hakigen -Totensonntag sand im Stadtteil Fa u c r b a d> die feierliche Enthüllung de» dem A n denken der Kriegsopfer gttoilHneten r en. denkm a les statt. DaS von Dtldhauer Arno l d - Beuern geschaffene Werk fintet in ferner rünftlerischen Ausführung allgemeinen Beifall! an die Friedhofsmauer lehnt sich, unter dem Schatten einer mächtigen Luiherlinte und vor dem alten, ehrwürdigen GotteShaufe, die schlichte Gestalt eine» aus Muschelkalk ausgehauenen Feldgrauen. darunter steht die schlichte Anschrift: Sir starben für ihr Vaterland", *u beiden Seiten, in die Mauer emaelassen. befinden sich 39 Vteintchilde, welche die Aamen und den TodrS- lag der 39 Gefallenen enthalten. Zu der Feier hatte sich eine -rohe Menge eingefunden. Aach einleitenden musikalischen und gesanglichen Dor- rtägen fiel die Hülle, und der Ortsgeistliche. -Öfarter 3a »mann , hielt die Weiherede. Aach ihm sprach noch der katholische Geistliche von Friedberg, Kaplan Michel. '$>arm erfolgte die Üehergabe teS Denkmal» an die Stadt Friedberg, Bürgermeister Dr S e y d übernahm es in städtischen Schutz Sine grobe Anzahl von Kränzen wurde von te.t Vertretern der Vereiire mit entsprechenden Ansprachen nietergelegt, gesangliche Borträge der Schulkinder, der Vereine imb dex Do^elguartetts Friedberg-Fauerbach bildeten den Schluß der schlichten Feier. Pb. B u tz b a ch. 21. Aov. Aach längerer Pause 'and dieser Zage wieder eine Stadtverord - iretensltzung statt. Die ersten beiden Punkte, bei denen es sich um Erwerb von Stratzengelände handelte, gingen ohne Debatte durch. Ebenso auch Punkt 3. bei welchem eS sich um Erwerb von städtischem Gelände zur Erbauung von Wohnhäusern handelte. Hierbei stellte Stadtv. Dr. Schmidt den Antrag, daß der Erlös aus Grundstücken einem zu bildenden Grundstücks- Erwerbsfonds zugefühtt wird, um nach und nach wieder den städtischen Grundbesitz zu ergänzen: dieser Antrag tourte angenommen. — Der mit der Eigenste,m -Baugesellschaft aeschlossenr Vergleich über die Bezahlung der 'Bauplätze in der Zahnstrahe durch Gelöndetausch von etwa 400 Quadratmeter Größe in her Griedeler Str atze wirrde gutgeheißen. Die Stadt hat von der Komm. Landesbank 180 000 Ml. kurzfristige Vorschüsse teiltoeifc zu 9 und 10 Proz. Zinsen auf» genommen. Hiervon sollen 90 000 Akk. in ein sog. Dreijahresdarlehn. das zu Proz. verzinslich ist und mit 97 Proz. auSgezahlt wird, umge- wandelt werden. Der Vorlage wurde Augestimmt.— Zur Beschäftigung ter Erwerbslosen während ter Wintcrmvnate soll, wie bereits kurz gemeldet, iinc AvtstandSaktion durchgeführt werden. Der Finanzausschuß empfahl eine KanaHsationS- cripeitcrung und die Schaffung einer neuen Kläranlage. Kanalisiert sollen werden die Wallgasse vom Hause der Ortskrankenkasse ab. der untere Teil der Griedeler Straße vom Ha".se Gernsheim ab und die große Wentelgasse hinter der sog. Prinzenmauer. Die Kanalisierung wird etwa 71 000 All., die Anlage einer neuen Kläranlage rd. 30 000 Akk. Kosten verursachen. Heber diesen Puntt entspann sich eine längere Diskussion, an welcher sich Stadto. aller Franktivnen beteiligten. Mit 14 gegen 7 Stimmen wurde dann als Aot- standSaktion die Erweiterung der Kanalisation und die Errichtung ter Kläranlage nach den vor- qelegten Plänen beschlossen. Die Ailfbringung des nicht durch A.ichSzuschüsse gedeckten Restbetrags von etwa 44 000 Mt geschieht durch Kapttal- aufnahme. Die Verzinsung und Amortisation erfolgt durch eilte 30—SOproz. Erhöhung der Kanal- benutzungSgebuhrM vom 1. Januar 1927 ab. Hierbei tealte ter Bürgermeister noch mit. daß die Stadtverwaltung noch mit der Ausarbeitung ei leS Planes zur Errichtung eines Volksbates beschäftigt ist, der später besprochen werden soll. — Wie im Vorjahre sollen auch in diesem Winter an Bedürftige Winter beihllf en gewährt werden. Aach kurzer Aussprache beschloß die Versammlung, an Wohlfahrlsunterstuhungsempfänger, Sozialund Äteinratiiter, sowie an die nicht mit Aot- standSarbeilen beschäftigten Erwerbslosen nach Prüfung der Verhältnisse im einzelnen Falle entsprechend den Beschlüssen des Landtags, während ter Wintermvnate eine Beihilfe in bar oder Naturalien in Höhe von durchschnittlich 40 All. für die Haushattung zu bewilligen, die nach der Kopfzahl gestaffelt wird. Ledige mit eignem Haus- hcllt erbeuten die Hälfte. Verheiratete Erwerbslose erhalten von Beginn ter Aotstandsarbeiten 3 Ztr Briketts und 1 Ztr. Kartoffeln für die Familie. Ledige mit eignem Haushalt die Hälfte. Die Kosten in Höhe von 3000 All. werten zur Hälfte vom Staat ersetzt. Von den Staatsbaudarlehen für 1926 sind noch 5000 All. zu vergeben, die Bauunternehmer Kroh gewährt wurden. Weiter wird beschlossen, Baudarlehen, die ter Stadt für 1927 zufliehen, an solche Baulustige zu vergeben, di« in diesem Winter noch ihren Rohbau Herstellen inerten. Demgemäß wurden eine Anzahl Dau- Pariehen bedingungsweise zugesagt. — Weiter beschloß die Versammlung den Beitritt zum 'Verein Hafraba (Fernautostraße Hamburg- Frankfurt—Basel). um auch die Belange ter Stadt Butzbach wahren zu können. Kreis Büdingen. ,,T Aus dem Aiddatal, 20. 2kov. Die absonderlich milde Witterung des Ao- l*erntet hat noch einmal den Pflanzenwuchs belebt und eine Menge später Blüten zur Entfaltung gebracht. Vor den Fenstern blühen noch Geranien und Fuchsien in fommet* sicher Schönhe't. 3n den Gärten erstrahlen lang- ftielige Astern in allen Farben und wandern als Grabschnmck am Totensonntag zum Fried- hoi. Späte H e r b ft r o i c n und Gänseblümchen lind saft noch allgemein zu sehen. An den Feldrainen blühen Feldblumen die in normalen Jahren schon im Oktober absterben. Die Wiesen zeigen eine auffallend grüne Farbe, die daraus hinweifl. daß daS Gras in langsamem Wachstum begriffen ift. An besonders geschützten Stellen trifft man Heckenros en an. die Blüten treiben wollen. Auch junge Apfelbäumchen zeigen vereinzelt Blütenschmuck. DaS milde Herbst- weiter kommt ter Bautätigkeit, die in diesem Jahre spät einsetzte, sehr zu statten: erst im Herbst begonnene Neubauten tonnen noch im Rohbau vollendet werden. ld. Aue dem oberen Aiddatal e, 20. Aov. Während ter Herbstarbeit, die den Landwirten wenig Zeit zur Kleinviehaufzücht läßt, waren hier die F e r k e l v r e i s e bis nur 20 Akk. gesunken. Die größere Nachfrage nach Eintritt ruhigerer Zeit hat die Preise wieder auf 25— 30 Wk. hinaufgetrieben. Landwirte mit Pterdegelvann ziehen eS daher vor. Iungschweine. im nördlichen Kreise Büdingen zu holen. wo^6—8 Wochen alte Tiere schon für i 18—20 Ml. zu haben lind. Sobald ein Aach- lassen der Maul- und Klauenseuche den Händlern wieder mehr Bewegungsfreiheit gäbe, tarnen auch die Ferlelpreise hier wieder rasch zum Sinken. Kreis Schotten ld. Schotten, 21. Nov. Nachdem der Heu- preis auf 3,50 Mark gestiegen ist, ist der Heu- verkauf wieder lebhafter geworden. Auf den Stationen unterer Nebenbahn herrschte rege Verla d e t ä ti g k e i t. • Schotten. 21. Aov. Heute nachmittag sand im Beisein geladener Gäste die Grund- st einl egung des hiesigen Turnhall e- erweiterungSbaues statt, von dem wir bereits berichteten. Der Vorsitzende des Turn- und Gesangvereins eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache, in der er auf den Ernst der Zeit hinwieS. in welcher ter Bau in Angriff genommen werde, und verlas dann die beiden itr- funten, die im Grundstein niedergelegt wurden. Buchdruckereibesitzer Engel weihte dann mit drei Hammerschlägen ten Grundstein, an dem dann noch weitere Ansprachen von Bürgermeister M e n g e l, Baumeister Vonderschmitt, Lehrer Wolf, Regierungsbaurat A o d n a g e t gehalten wurden. Schlossermeister Zesch ky schloß dann mit einigen Dankesworten die würdige Feier, deren guter Verlauf hoffentlich ein günstiges Vorzeichen für den glatten Aufbau der neuen Turn- öalle ist. * Eichelsachfen, 20. Nov. Auf Grund einer Rechnung, die man im Anzuge des am Hubertus- tage in einer Schutzhütte im Lehnkopfe aufae- funbenen Toten fand, nahm man an, daß es sich um einen aus dem Rheinkande stammenden Maler handle. Nunmehr wurde von Steinbrucharbeitern unter dem Dache der Schutzhütte ein Päckchen mit den Papieren und einem Lichtbilde des Verstorbenen entdeckt. Der Tote ist der 1890 in Worms geborene Schlosser Adam Keim. Da das Lichtbild überdies mit einer Aufnahme des wegen Bettelei im Fahndungsblatte der Polizei ausgeschriebenen Adam Keim übereinstimmt, dürste die Persönlichkeit des Verstorbenen nunmehr einwandfrei festgestellt sein. Kreis Alsseld. X Alsfeld, 20. Aov. Heute _ fand im Siyungssaale des Rathauses die diesährige or- tentliche Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse Alsfeld unter Seituna des Direktors Justiz rat Dr. Reh statt. Aach Erstattung des Geschäftsberichts und Vorlage ter Rechnung vom Jahre 1925, die genehmigt wurde, fand die Aeuwahl für den am 1. 3aru 1927 ausscheitenden seitherigen Direktor Justiz- rat Dr. Reh statt, da Dr. Reh infolge Heber- nähme feiner hauptamtlichen Stelle als Direktor des Hefsischen Sparkassen- und Giroverbantes nach Darmstadt übergesiedelt ist. Gs wurde mit großer Mehrheit Beigeordneter und Kaufmann Wilhelm Dogeley zu Alsfeld zum neuen Direktor der Kasse gewählt. Dem ausscheidenden Direktor Dr. Reh widmete Kreisdirektor Dr. Stammler immens ter Aufsichtsbehörde warme Worte des Abschieds und der Anerkennung für seine verdienstvolle Tätigkeit für die Sparkasse Alsfeld und für das hessische Spar- kassenwesen. Für ten Dufsichtsrat sprach dessen Vorsitzender, Bürgermeister Dr. D ö l s i n g, gleichfalls ten Dank und die Anerkennung des Aufsichtsrates und unter Würdigung der hervorragenden Verdienste des Dr. Reh um die Entwicklung ter Bezirkssparkasse Alsfeld. Namens des Vorstandes und Der Angestellten der Kasse überreichte Rechner P o r t h dem Scheidenden eine künstlerisch ausgestattete Dankadresse. 3n bewegten Worten dankte Iustizrat Dr. Reh für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. Bei der dann folgenden sahungsmäßigen Ergänzungswahl teS Aufsichtsrates wurden die ausscheiten- ten Mitglieder Bürgermeister Dr. D Ö l s i n g, Bürgermeister Korell (Gudors) und Bürgermeister Kalbfleisch (Billertshausen) durch Zuruf wiedergewählt. — AuS dem Ohmtal, 21. Aov. Zur Zeit herrscht in unserer Gegend ungewohnte Aach- frage nach Wolle. Der Bedarf ter Landbevölkerung ist erheblich. Die ausländische Baumwolle stellt sich zu teuer, ter Dauer greift daher nach ter billigeren Landwolle. Diese aber ift durch Den rapiden Rückgang ter Schafzucht in ten letzten Zähren rar geworden. Da unser Tal noch über einige 'Schafherden verfügt, so ist es naturgemäß von ländlichen Käufern überlaufen. Aber es werten verhältnismäßig wenig Kaulakücylüfse getätigt da nur flute und Durchschnittswolle verlangt wird, während die Zabrik- auffäufer auch die schlechte Wolle zum selben Preis abnehmen unb noch ein Vorzugsangebot bei Stofsbeiug für die Woilverläuser gewähren. — Die hiesige Hartsteininduftrie Hal ihre ledigen Arbeitskräfte wegen Streik- androhung entlassen. Starkenburg. ' Darmstadt, 21. Aov. Dieser Tage fand hier eine von über taufend Pcr'onen besuchte Versammlung statt die von Dem Mieter- Verein Darmstadt einberufen war. um gegen Die vom Reich geplante Mieterhöhung von 30 bis 40«.. und den weiteren Abbau ter Mieterschutzgcseygebung Stellung zu nehmen Es sprach hierüber ter Vorsitzende des Reichsmieter buntes Hermann «Dresden). Die Anträge Der politischen Parteien im Hessischen Landtag auf Authebung des Mieterschuhgesctzes für größere Wohnungen, sowie für gewerbliche Raume jeder Art wurden vom hessischen Landes- verbandSvorsitzenden Wolt iMainz) und dem Geschäftsführer des VerbandeS. Fuchs (Ma:,iz'. einer scharfen Kritik unterzogen. ES wurde eine längere Entschließung angenommen, in ter die Erwartung ausgesprochen wird, daß die hessische Regierung zu den Anträgen eine ablehnende Haltung cinnimmt. Die vom Reiche in Aussicht genommene Erhöhung ter HeuiSzinssteuer von 30 bis 40" i wird darin abgelehnt. — Zn ter gestrigen Stadtverord netensi Yung tarn es wiederholt zu heftigen Debatten. So wurden für Die Entwässerung des Sportplatzes ter Technischen Hochschule 13300 Q1TL verlangt; d. fr die Stadt sollte die Kosten der Hochschule erlassen. Außerdem soll die Stadt 11 500 Mt. Zuschuß für ein Schwimmbecken gewähren. Insgesamt soll Die Stadt 25 000 Ml. bewilligen. Die Gesamtlosten ter Sportplatzanlagen betragen 125 000 All., die zum größten Teil von Der All Herrenschaft aufgebracht werden. Die Kosten für das Schwimmbecken wurden mit 26 gegen 22 Stimmen bewilligt; Die Sozialdemokraten und Kommunisten stimmten Dagegen, die Deutschnativiralen enthielten sich ter Abstimmung. Die anderen für den Sportplatz ge- forderten Summen wurden genehmigt. Tie deutschnationale Fraktion in derSradt-- ücrorDnetcntxrfanunlung hat bei der Verwaltung nachstehenden Antrag eingebracht: „Die Stabt- verordnetenversainmlung wolle beschließen: Die Verwaltung wird ersucht, zur Förderung des Wohnungsbaues bei Verkaufsverhandlungen über städttsches Gelände mit minderbemittelten Bau- lustigcn und gemeinnützigen Baugesellfchaften und dergleichen $reife zu vereinbaren, die — ganz unabhängig von dem Verkehrswert der Grundstücke — recht mäßig gehalten werden. WSA. Groß-Gerau, 20. Aov. Ein junger Händler mit einer Fuhre Kartoffeln tourte auf dem Wege von Bischofsheim nach Aau- heim von zwei Männern überfallen, Die ihn vom Wagen tenmterreifoeii wollten. Die kräftige Abwehr des Fuhrwerksbesiyers und ein herannastendes Auto ließen Die Wegelagerer Die Flucht ergreifen. Preußen. Automobiistrahe Frankfurt - Bad Homburg. WSA. F r a n k f u r t a. M., 21. Aov. Die seit Zahrzchnlen bestehenDe Notwendigkeit, zwischen Frankfurt und DaD Hornburg eine möglichst geradlinige Straßenverbin- Dung zu schaffen, unter Umgebung Der für jeden Kraftverkehr lebensgefährlichen Ortschaften Gonzenheim und Ober-Eschbach, scheint nunmehr in Die Tat umgesetzt zu werden. Am Freitag fand auf Einladung ter Stadt Homburg im Homburger Kurhaus eine Besprechung hierüber statt, an ter u. a. als Vertreter ter Provinz Oberhessen PrvvinzialDirektoc G r a e f und Oberbaurat Cellarius, für Die Stadt Frankfurt a. M. Stadtrat Schulz und Baurat Vespermann, ferner Kreisdirektor Gebhardt- Friedberg, Landrat von Erckelens- BaD Homburg, vom Bezirksverband Wiesbaden Landesbaurot Schneider und Regierungspräsident a. D. Dr. v. Meister, sowie schließlich Vertreter ter Stadt Homburg, der Gemeinden Gonzenheim unh Ober.Eschbach und ter interessierten Zndustriekreise teilnahmen. Es herrschte Einigkeit insofern, als für Die eventuelle Durchführung teS Projettes zwei Straßen sestgelegt wurden: eine etwa 21A Kilometer lange, die lediglich Gonzenheim und Ober-Efchbach umgeht und Anschluß an die gepflasterte Frankfurter Landstraße bei Bonames findet, sowie eine ausgesprochene Taunus-Fernstrahe, Die so verlausen soll, Daß eine ganze Reihe von TaunusstäDten und -ortschasten von ihr berührt werden. Mit der Weiterführung ter Verhandlungen wurde ein kleines Gremium unter Führung der Stadt Frankfurt als Haupttnteressentin betraut, das die endgültigen Vorschläge. inSbrfondere solche der Finanzierung, vorbereiten soll. Kreis Wetzlar. WSA. Wetzlar, 21. Aov. Aus einer Geschäftstour wurde gestern nachmittag ter Leiter ter hiesigen Aieterlassung der Singer-Aäh- maschinenfabrik, Emil Schneider, zwischen Altenkirchen und Aeulirchen aus seinem Motorrad von einem Unwohlsein befallen. Er stieg von feinem Rate ab und suchte Halt an einem Baume. Kaum Dort angelangt, erlitt er einen Herzschlag, Der Den sofortigen Tob zur Folge hatte. 8 Groß-Rechtenbach, 21. Roo. Der Kriegeroerband „Hüttenberg", dem die Kriegervereine in Ebersgöns, Oberkleen, Niederkleen, Dornholzhausen, Hochelheim, Hörnsheim, Groß- Rechtenbach, Lützellinden und Großen-Linden mit über 300 Mitgliedern angehören, hielt hier seine diesiährige terbitoerfammlung ab. Der Verbands- Vorsitzende Förster Grasse. Oberkleen, gedachte des verstorbenen 1. Vorsitzenden des Reichskrieacr- bundec- Generaioberst u. j) e e r i n g c n, dessen An- denken die Veriamnilung durch Erhebe«, van den eigen ehrte Es wurde beschlossen, das nächstjährige Verbandsiesi in Ebersgöns adzuhallen; der genaue Zeitpunkt ioll in der Frühjahrsversammlung sest- gelegt werden. <> H o ch e l h e i in, 21. Nov. Das von der hie- gen Evangelisten Gemeinschaft neu erbaute Vereinshaus, über das bereits früher im „Gießener Anzeiger" berichtet wurde, ist bereits im Rohbau feruggefteUt. Kreis Biedenkopf. # HaI; hausen b. Gladenbach, 21. Nov. Die hiesige Pfarrei mit dein Filialort Mornshausen ist seit dem Weggang von Pfarrer Fath nach Brecken- heim (im Juli d. I.) verwaist. Aus zwei Ausschreibungen meldeten sich zwei Herren, die aber alsbald ihre Meldungen zurückzoaen. echließlich gelang es dvw, zwei Herren zu Prabepredigten zu veranlassen, da-die Gemeinde aus ihr Wahlrecht nicht verzichten wollte. Die Probeprediglen wurden an den beiden letzten Sonntagen gehalten. Am 19 d. M. fand im Rohmen eines Gottesdienstes, ten Dekan Lehr aus Gladenbach abhielt, die Wahl eines neuen Pfarrers stakt. Hilfspredigcr T r a u t ro e i n, zur Zeil in Limburg tätig, erhielt 23 Stimmen. Er ift somit zum Pfarrer der hiesigen Gemeinde und von Mornshausen gewählt. Von 37 Siimmberech- Hgtcn waren 31 bei ter Wohl anwesend. Hoffentlich läßt die Einführung des neuen Pfarrers nicht mehr allzulange auf sich warten. Kreis Marburg. ][ Marburg, 20. Aov. Wie ter Magistrat mitteilt, ergibt die Gewerbeertragssteuer für 1926 mehr als im Voranschlag vorgesehen ist. Mit Rücklicht auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Gewerbetreibenden und Darauf, daß z. Z. noch nicht endgültig die Senkung Der Zuschläge für 1926 beschlossen werden kann, bat Der Magistrat deshalb für das dritte Vierteljahr 1926 die vorläufige Aussetzung der Erhebung Der Gewerbeertragssteuer beschlossen, ferner noch für Den gleichen Zeitraum auch Die Hebung von Berufsschulbeiträgcn einstweilen auszusehen. Die vor zwei Zähren bereits begonnenen Verhandlungen wegen Des weiteren Ausbaues derHaushaltungs- und Gewerbeschule für M ä dchen zu einem technischen Seminar sollen wieder weitergeführt werden. Dem zur Vorbereitung einer Autostraße Hamburg— Frankfurt—Basel gegründeten Verein „Hafraba" mit Dem Sih in Frankfurt ist Die Stadt als Mitglied bei- getreten und hat auch Sih im Aufsichtsrat. Gs wird ferner beabsichtigt, Die für Flu gver- anftaltungen in Frage kommenden W i e - s e n zwischen Marburg und Wehrda nördlich Der Stadt in Pacht zu nehmen. Das auf Der „Gesole i" gezeigte Marburger Stadtbild vom Stadion auS ist ter Studentenschaft überlassen worden. Gs findet seinen Platz im Institut für Leibesübungen in Berlin. ][ Marburg, 21. Aov Der Zahrmartt, ter zum Gedächtnis des Todestages ter heiligen Elisabeth im Volksmunde allgemein „Elisa- bethmarkt" bezeichnet wird, brachte der Stadt viel Verkehr, tefonters seitens ter Landbevölkerung aus den katholischen Ortschaften des hiesigen und Der anliegenden Kreise. Die Glisateth- kirch« blieb Den ganzen Tag zur Besichtigung geöffnet. * F r o n h a u s e n , 20. Nov. Bei der gestrigen Treibjagd in unserer Gemarkung, die von Gießener Ngern oeranstalwt wurde, kamen 2 4 H a s e n zur Strecke. * Bellnhausen, 20. Nov. Auf der Landstraße Bellnhausen—Roth geriet gestern nachmittag ein Auto durch Deraaserbrand in Flammen und wurde bis auf das Gerippe zerstört. Oberlahnkreis. e Löhnberg, 20. Aov. Aach Beseitigung mancher Hindernisse ist die Fertigstellung eines Denkmals für unsere Gefallenen endlich gelungen. Es ist auf dem Friedhof auf- gestellt worden. Der geschmackvolle Entwurf des Denkmals stammt von Regierungsbaurat a. D. Pfaff in Gießen. Das Modell ter Figur fertigte Bildhauer Ködding aus Gießen. Nnterwefterwaldkreis. WSN. Montabaur, 20. Nov. In der vergangenen Nacht wurde in dem Uhrmackeraeschäst von Krieg ein schwerer Einbrucysoieb- st a h l verübt. Die Mebe drangen von der Hofseite vollständig aus. Insgesamt erbeuteten sie in den L a d e n ein und plünderten diesen f a st Wertgegenstände in Höhe von 2300 Mk., darunter 5 3 Uhren und 30 goldene Ringe. Bei den Tälern scheint es sich um eine Diebesbande zu handeln, die in der letzten Zeit im Lahntal, be- sonders in Bad Ems und Nassau, ähnliche Einbrüche verübte. Maingau. WS2l. Frankfurt a. W.. 21. Aov. Der Magistrat beantragte bei der Stadtverordnelen- Bersammlung, tem Verband Deutscher Jugendherbergen, Zweigausschutz Main- Lahn-Fulda, für das Rechnungsjahr 1926 neben den bereits bewilligten 5000 Mk. eine weitere Beihilfe von 1 0 000 M k. zu bewilligen. Da die Herbergen im Gebiet des Zweigausschusses (Weilburg. Gersfeld, Gberbach, Butzbach, Büdingen) im Jahre 1925 von rund 6000 Jugendliche,« aus Frankfurt a. M besucht worden sind, so daß Frankfurt fast die Hälfte der Besucher stellt. — Die kritische Lage zahlreicher Familien, die zwangsweise aus zu Unrecht bezogenen Wohnungen ausgesetzt wurden, zwingt die Stadtverwaltung, nwglichst rasch Unterkunftsräume für diese Woy- nungslosen zu schassen. Mit Rücksicht auf Die vorgeschrittene Jahreszeit und die längere ^Äntzsrvoßrrücßs 9Ri£6e und doch Eßarakter" fcrbzrf öer moderne 9lau4er von einer ;ifje Bauzeit für Reubaracken muh die llnferbttnflung Ver Familien in bereits bestehenden gesundheitlich geeigneten Fabrikräumen erfolgen. Zunächst ist für einen derartigen Umbau ein der Stadtverwaltung zur Miete angebotenes neues Fabrikgebäude 'm Stadtteil Heddernheim in Aussicht genommen. Die Um* baulosten für den Einbau von ca. 30 Einzelräumen betragen 12 000 Mk. — Der 27 Jahre alte Georg Kaiser war in einer hiesigen S ch u h s a b r i t als Rachtpvrtier angestellt. Bei seiner Ablösung wartete er vor einigen Tagen in einer gegenüberliegenden Wirtschaft, bis sein Kollege den Revisionsgang durch die Fabrik antrat. Während dieser Zeit erbrach er die Pförtnerloge und einen Schiebladen und stahl einen größeren Geldbetrag. Erwürbe fe st genommen. — Im Rordend sind in letzter Zeit in den Rachmittagsstunden verschiedene Wohnungseinbrüche ausgeführt worden. Die Diebe hatten es hauptsächlich auf goldene und silberne Llhren. Ringe, Broschen, Radeln usw. abgesehen. Die Beute ist beträchtlich. WER. Oberursel, 2l.Rov. Gin Arbeiter aus Bommersheim, der in einer hiesigen Fabrik in Arbeit steht, wurde gestern mittag auf dem Heimwege voneinemKraft- wagen ge st reift, wobei er so unglücklich st ü r z t e, daß er in lebensgefährlichem Zustande im Frankfurter Marienkrankenhaus eingeliefert werben mußte. Wirtschaft. Der deutsche Autzenhandel im Oktober. Der deutsche Außenhandel ist im Oktober wieder passiv. Es beträgt der Einfuhr- Überschuh im reinen Warenverkehr 110 Mill. RM., insgesamt 266 Mill. RM. Die reine Wareneinfuhr im Oktober zeigt gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 167 Mill. RM. Die Einfuhr an Lebensmitteln und Getränken weist eine Zunahme um 78 Mill. RM. auf. Tie Einfuhr an Rohstoffen und halbfertigen Waren ist um 46 Mill. RM, die Einfuhr an Fertigwaren um 41 Mill. RM. gestiegen. Tie Ausfuhr zeigt gegenüber dem Vormonat ebenfalls eine Belebung. Auch hier erstreckt sich die Zunahme auf alle Gruppen: es zeigen eine Steigerung: Lebensmittel und Getränke um 14 Mill. RM., Rohstoffe und halb- fertige Waren um 8 Mill. RM. und Fertigwaren um 20 Mill. RM. Tie Einfuhr an Gold un d Silber ist gegenüber dem Vormonat um weitere 50,9 Mill. Reichsmark auf 157,9 Mill. RM. gestiegen, die Ausfuhr zeigt dagegen eine leichte Abnahme. Süddeutscher Produktenmarkt. swd. Die Tender der ausländischen Getreidebörsen war in der abgelaufenen Woche rück- flängig, auf Grund günstiger Ernteschahungen in Australien und Südamerika. Unter dem Einfluh der andauernd niedriger gemeldeten Kurse des Auslandes verlief das Geschäft an den deutschen Märkten sehr ruhig und ohne besondere Umsätze. Zurückgehende See- und Dinnenfrachten verstärkten ae stagnierende Bewegung. Gegen Ende der Woche veranlaßte das reduzierte Preisniveau Handel und Mühlen zu größeren Ääufen, auf Grund vorübergehend fester gemeldeter landkurse konnte sich lebhafteres Mehlgeschäft entwickeln. Die bei Fertigstellung dieses '3e= i-ichtes einlaufenden Rachrichten lassen jedoch ein weiteres Rachgeben der Kurse erkennen. Rahe Ware in betreibe ist unabhängig von der Gesamttendenz weiterhin gefragt, das Angebot in inländischer Ware noch immer nicht besonders groß. Die Preise für inländischen Weizen und Roggen haben daher nicht allzusehr nachgegeben, trotzdem die Mühlen mit dem Einkauf sehr zurückhaltend waren, und die Preise zu drücken versuchten. Inländischer Weizen wurde mit 30,50 - bis 30,75, inländ Roggen mit 25,25 bis 25,50 Umgesetzt. Für Pfälzer Roggen wurde zum Teil 25,75 verlangt, während hessischer Roggen mit *25,50 erhältlich blieb. Weizenmehl Spezial 0, südd. Fabrikat, stellte sich auf 41,50 bis 42, Roggenmehl 34,75 bis 37. Weizenbrotmehl 31.75 r bis 32,50. Das Geschäft in Gerste war belebt, und es wurde je nach Qualität 26 bis 29 bezahlt. \ Futtergerste war 21,50 bis 22,50 erhältlich. In inländischem Hafer war ruhiges Geschäft bei mäßigem Umfaß. Die Preise stellten sich auf 19,50 bis 20 Mart, während Auslandhafer je nach Qualität 20 bis 24 Mark bedangen. Das Futtermittelgeschäft blieb behauptet bei teilweise nenncnstoertAi ilmfäßen. Die Futtermittelanfälle der Mühlen erfreuen sich weiterhin guter Rachfrage Weizentleie wurde mit 11,25 fein und grob 11,75 bezahlt. Weizenfuttermehl mit 14,50 bis 15 und Weizennachmehl mit 22 bis 24 ab südd. Mühlen. In Platamais ist disponible und kurzfälligc Ware spärlich angeboten und sehr gesucht. Es wurden hierfür 20 Mark bezahlt, während spätere Termine 19,75 bedangen. Das Geschäft in Oelkuchen ist ruhiger geworden, jedoch hielten sich die Preise auf unveränderter Höhe. Erdnußkuchen 20,25 bis 20,50, Rapskuchen 16 bis 16,50. Biertreber nannte man 16.75 bis 17, während Malzkleie mit 15,50 erhältlich blieb. He. fBörlenterle. Frankfurt a-M. Berlin Schlug, fiur» I.Uhr. flure Schluß. Kur» Anfang üurs Datum: 20. 11. 22. 1t. 20. 11. 22. 11. 5% Deutsche NcickBanleib, . 4% Deutsche ReichSan leihe . 0.80 0,795 0.80 0.795 0,75 ö'/?/. Deutsche Reichsanleth, 3*/0 Deutsche ReichSanleihe - 0,76 — 0.74 0,7325 0,80 — 0,8605 0,85 Deutsche SvarorämienauleHe — — 0.47 4% Preußische .«orrlols 4°-> Hefien ....... 0,74 — 0,7405 0,73 3 WA Hessen.......... 3% Hessen........... Deutsche Dertb. Dollar-Ant. — — — __ — — 0,72 — 99 - 100,25 dto- Doll.-Schatz-Äukreiina-': — — <*/# Zolltürken........ 17.9 17.5 17,75 — 5°/e Toldmerikaner ... . 44 44 Berliner HaodelSgescllschast Lommerz- and PrivM««ank — 275 273 279 192,5 >94.5 193 194 Darmst. und Natioualbaak 259 * 262.5 261 Z63 Deutsche Bank....... 184 185 183,25 185 Deutsche Bereinöbank • . . — — Discomo Commandü ■ . 175,5 176 175 176 Metallbau!........ 185 187 174 188 Mitteldeutsche Treditbank. Ocsterrrichischr Creditamralt 154.5 8,25 154 8,25 152.5 8.15 154.5 8,16 Weftlxmk ......... - - Bochum» lSuß ....... 169 178 170.25 177 BuderuS .......... 113 114,5 113,75 Karo ........... — — — — Deurich^Lnxcmbnrg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 171 171 175,75 >78.75 169.25 171 175,75 178,5 Harpener Bergbau...... Kal,werke LlscherSlebeu.... 189 192,2-5 188.75 192 147 148 148 148.75 Kaliwerk Westeregeln..... 159.5 163,5 158.5 161.9 Laurahütte ........ . 83 — 85 88 Oberbrdars. .......... Phönix Bergbau ....... Rheiustahl .......... Niebeck Montan........ 110 114.5 112.5 114 5 133 212.75 184 135,5 212 185 132,62 212.13 183,13 134.75 213 185 Tellus Bergbau...... 99 Bereinigte Stahlwerke A,-G. 148.5 150 147.5 149.5 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddemscher Llovd . . . , 178 172 179 171 177.75 171 179.5 171,75 Lheramische Werke Albin . . 90 _ — _ Zementwerk Hetoelberg . . . 128,5 129 — — Ddilihv Holzmam: ..... 166,5 — 156,5 158,9 Anglo-Cont.-Guano..... — 108 _ Chemische Mayer Alapin . . I. G- Farbenindustrie, Ä.-G. Goldschmidt.......... — — - — 339 339.75 338,5 341 141,75 142,5 142,5 153,5 Holzverkohlung........ Rütgerswerke ........ 67.75 140 67.75 1413 138,5 139,5 Scheideanställ......... — 185,6 Sllg. Elektrizität^-Gesellschaft 165 165 165 166,5 Bergmann ......... Mamkraftwrrke ........ 164 166 162,25 164.9 109,9 ex6udert . . ......... 165,5 165,5 165 166.5 Siemens Jt fiwl&te - 202,25 202,5 203 «dlerwerkc öklener ...... 113 114,75 113,25 113,75 Daimler Motoren. ...... 113 113 114 114,5 Heyligensiaedl . . ..... , Meguin.......... . , Motorenwerke Mannheim 42,75 63,5 •__ 54 —- — : 25 — Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Broun . . . — _ — 185 1’4,5 125 *— Schuhfabrik Her; ....... - —- 63,5 — Sichel.............. Zellstoff Dasdhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Doobäoiei . . . — — 4.5 —— .25 90 113 235 91 115 226.25 89,25 112,75 236 Berliner Börse. Berlin, 22. Rov. Das Geschäft an den Aktienmärkten stand während der ersten Stunde im Zeichen einer allgemeinen Zurückhaltung und Stille. Das Publikum bewahrte im großen und ganzen seine abwartende Haltung, während die Spekulation nach den letzten Erfahrungen mit Baissevorstößen vorsichtiger geworden ist, und andererseits nach den vielfachen Hinweisen auf das hohe Riveau der Terminkurse auch keine neuen Hausseengagements einzugehen beabsichtigt. Die Ausführungen Geheimrats Klöckner waren zwar sehr opttmisttsch abgestimmt und gaben auch dem Montanmarkt eine Anregung, vermochten aber nicht die momentane Verstimmung zu beseitigen, die die Bekannt- Das große Würfelspiel. (Martina Milemar.) Roman von Franz Inner Kappus. 47. Fortsetzung. Nachdruck verboten Das Leben lief weiter. Allmählich glitt ab, was das Herz zerwühlt und die Nächte vergiftet hatte. Eins nach dem anderen blieb zurück. Man konnte sogar lachen und zufrieden sein. Nie noch hatte die Sonne so wohl getan, nie noch war der Juni so schön gewesen. Weiße und rote Rosen blühten überall. Manchmal standen Rosen auch auf ihrem Schreibtisch. Immer war es der Wärter der Anatomie, der sie brachte. Dieselben Hände, die die zerstückelten Leichen wieder zusammenflickten, setzten die Rosen in dem schlichten Wasserglas behutsam vor ihr nieder. Was lag schon daran, daß es dieselben Hände waren? Rein und natürlich war alles. Ewiges Sterben und ewige Wiederkehr bedeutete das Dasein. Ein anderes Gesicht hatte die Welt, seit man mit Doktor Morell über alles redete. Sogar die Liebe bekam eine andere Beziehung zu Mensch und Ding. Ewig unvergeßlich blieb, was Morell gesagt hatte. ..Fast immer irren die Menschen, wenn sie zu lieben glauben. Denn die Liebe ift fein Spiel, kein Rausch, kein Taumel für die Sinne. Die Liebe ist das Schwerste und Ernsteste, was uns Menschen geschenkt wurde. Die wenigsten haben den Mut, die Kraft und die Geduld zu der Liebe, wie sie fein folL" Es war schön, an Doktor Morell zu denken. Und es war gut, zu wissen, daß er nicht nach München ging. Kaum wagte Martina den Gründen nachzu- finnen, die ihn dazu bewogen haben mochten. Sofort verwirrten sich die Gedanken, sofort rauschte das Blut zu den Schläfen. Da war es schon kluger, sich einfach zu freuen, daß man ihn da hatte. Man mußte Geduld haben: Geduld, Mut und Kraft. Benno! ging es Martina durch den Kopf. Und schon faß sie bei dem kleinen Tisch und schrieb in einem Zuge: Lieber Benno! Warum sollen wir einander länger belügen? i vch weiß nicht, ob es die wirkliche, große Liebe war, die uns vor zwei Jahren zusammengeführt hat. Ich weiß nur das eine, daß heute kaum noch ein Schatten dieser Liebe lebt. Warum, durch wessen Schuld: lassen wir die Frage unbeanb wartet! Vielleicht haben wir uns vom Anfang an getäuscht, vielleicht hat uns das Leben auseinandergebracht. Nehmen wir die Dinge, wie sie sind, unb gehen wir jeder unserer Wege. Vergiß Martina. Gar nicht schnell genug konnte Martina den Brief in den Umschlag tun. Dann stand sie auf der Straße. Ohne eine Sekunde zu überlegen, warf Martina das Schreiben in den Postkasten an der Ecke. Irgendwo trat ihr der Briefträger entgegen. Wie früher einmal hob er den Finger und lächelte. „Ich habe etwas für Sie, Fräulein." Kurz kramte er in seiner Ledertasche. Der Umschlag zeigte die Schriftzüge Bennos. Martina drückte sich an die nächste Hausmauer unb las: Liebe Martina! Lange kämpfe ich schon mit mir. Seit Wochen befinde ich mich in einer fürchterlichen Verfassung. Näheres brauche ich Dir nicht zu erzählen. Du kennst Maria Sabukowa und weißt, welche Bewandtnis es mit ihr hat. Ich komme nicht los von der Frau. Ich kann nicht fein ohne sie. Ich gehe zugrunde, wenn sie nicht bei mir ist. Verzeihst Du mir? Du mußt mir verzeihen, Martina. Immer werde ich an Dich denken. Es hätte anders kommen können, wenn das Leben nicht so grausam wäre. Nun weiß der gute Gott, was aus mir wird. Leb' wohl, Martina! Benno. XXXV. Die Halle des kleinen Hotels in der König- arätzer Straße war ein enger, dämmeriger Verschlag. Seit einer Stunde faß Maria Feodorowna Sabukowa auf dem wackligen Rohrsessel unb wartete. Spärliches Licht drang aus der Lage des Portiers. Dunkle Gestalten eilten die knarrende Holztreppe hinauf und hinab. Aufgeregte ober müde Stimmen fragten nach Briefen unb Telegrammen. Schlüssel flirrten an runden Messingplättchen. gäbe der- stark passiven deutschen A .st en- handelsbilanz im Oktober hervorgerufen hat. Infolge Mangel cm Tlnternehrnungslust waren daher die Kursbesserungen zumeist nur unbedeutend, die Grundtendenz trotz der ruhigen Tlmsaßtättgkeit behauptet und für einige Spezial- werte freundlich, zumal auch der Geldmarkt seine Flüssigkeit beibehält. Tagesgeld war tzu 3 biis 5 Proz. und darunter in großen Posten angeboten und konnte kaum llnterfunft finden. Monatsgeld 6 bis 7 Prvz. Im Devisenverkehr gab Paris von seinem Höchststand von 127 gegen London wieder auf 136,50 stärker nach. Auch Mailand weiter abgeschwächt mit 118,50 gegen das Pfund. London-Kabel 4,85. Die Reichsmark wurde gegen Reuyork mit 4,2125 gehandelt. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 20. Novbr. 22 Nobbr. Amtliche Geld Jloti.rmta Brier Amtliche iotirrung Brief Limit--Nou 168,19 168,61 168.21 168,63 Buen.-LireS 1.709 1.713 1.769 1,713 Zrff.-Antw 58,51 58,65 58,53 58.67 Christiania. 107,77 108.03 108.49 108,77 siopenhag-:n 112,09 112,37 112,09 112,37 Stockholm 112.2.7 112,51 112,23 112,51 Helnngfors 10.586 10.626 10,58 10,62 Italien. . 17,63 17,67 17,28 17,32 London. ,'0,402 -'0,454 -0,399 iti.451 Neuvork • 4,207 1.217 1.207 4.217 PariS. ■ 15,80 15.84 14.9H Schwei, . 51,10 '1,30 61,VS M.28 Spanien . 63.72 63, SS io.77 63.99 Japan - - 2.065 ',069 .'.067 2,071 Nio de Jan 0.521 •.523 516 0.518 Wien in D-- Oeff- abgeft. 59,34 59,48 1,9.36 59,50 Prag ... 12,457 12.497 12,4.9 12.41: । Belgrad - - 7.422 7,442 7.42 :.4! Budapest • ■ '.89 .,91 5,892 5,912 Bulgarien 3,035 3,045 3,035 3,045 Lissabon 21,575 21,625 21,525 .-1.575 Danzig. . . 81,55 '1,75 81,62 81,82 Konstantin. 2,12 2,13 2,123 2,132 ?lkben 5.22 1.24 5,22 5,24 (Sanaba. . . 4.212 4.222 4,212 4,222 NruguaN 4,175 4,185 4.175 4.185 Berlin, 20 Novbr Geld Briet Amertkautlche Notei ..... 4.197 4,217 Belgische Noten ....... 58,37 58,67 Dänische Noten ....... Hl,77 114,33 Englische Noten. ....... Fran;östsche Noten ...... 20.363 20,461 15,83 15,91 Holländische Noten ...... 167,88 168,7? Italienische Noten ...... 17.60 17,68 Norwegische Noten...... Deatsch-Oesterr-, ä 100 Kronen 107,78 108.32 69,22 69.6? Rumänische Noien..... — Schwedische Noten ..... 111,92 112,48 Schweizer Noten...... 80,96 81,36 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Wotrn * - 63.49 12,43 l.3,81 12.49 Ung arische Noten ..... 5.86 5.90 frankfurter Börse. Frankfurt, 22. Rov. Tendenz: Befestigt. — Die Börse eröffnete die neue Woche etwas abwartend. Im Verlaufe fetzte dann ein lebhafteres Geschäft ein, das aber zunächst nur Spezia lwerte bevorzugte. Tie Stimmung wurde freundlich, obwohl bemerkenswerte Anregungen fehlten. Lebhaft und zu stark erhöhten Kursen wurden wieder Schantung umgefetzt, die von 16,7 auf 18,75 sprangen. Im Vordergründe des heutigen Verkehrs standen wieder Montanaktien, die von der bereits gemeldeten Preissteigerung für Exportkohlen kurs- mäßig weiter prositieren konnten. Die Umfaß» tätigfeit nahm aber trotzdem keinen größeren Umfang an. Die höchste Steigerung von 9 Prozent erzielten Bochumer. Gut befestigt waren weiter: Gelsenkirchen plus 7,75 Prozent, Rheinische Braunkohle plus 5 Prozent, Deutsch-Lux plus 4,75 Prozent. Oberbedarf plus 4,5 Prozent, Mannesmann plus 4 Prozent, Harpener plus 3,5 Prozent, Klöckner plus 3,25 Prozent, Phönix plus 2,4 Proz., Stahlverein plus 1,5 Proz. Rheinstahl minus 0,7 Proz. Kaliaktien gleichfalls befestigt. Westeregeln plus 4 Proz. Am Ehern i e m a r f t lagen I.--G.-Farben nach der stürmischen Aufwärtsbewegung am Samstag heute sehr ruhig und eher vernachlässigt. Der Kurs war kaum verändert (340 Proz.), Scheideanstalt plus 2,5 Proz., Goldschmidt plus 0,8 Proz., Holzverkohlung knapp gehalten. Clektroaktien hatten lustloses Geschäft bei nur wenig veränderten Kursen. AEG. unverändert. Lahm eher & Bergmann je plus ungefähr 2 Proz. Siemens plus 0.75 Proz. Bankaktien- standen etwas reger im Handel. Berliner Handel plus 2,75 Prozent. Darmstädter plus 3.5. Commerz plus 2. „Herr von Kreuth wird eine gute Fuhre haben", sprach der Portier tröstlich. „Sonst ist er immer schon um elf da. Manchmal nur wirb es auch Zwölf." Im selben Augenblick trat Kreuth durch die Tür. Die Sabukowa stand auf. Stumm faßte Kreuth sie beim Handgelenk und führte sie in sein Zimmer. Kaum ließ er sich Zeit, die Mütze und die öligen Handschuhe abzulegen. Schon stürzte er auf sie, die Arme zuckend'gebreitet. Aber die Sabukowa wich aus. „Still", flüsterte sie. Nur kurz brannte ein Kuß. Entschlossen starrte Kreuth sie an. „Nun? Gehen wir jetzt?" „Alles erledigt", sagte die Sabukowa mit weißem Lächeln. Ihr tiefes, gurrendes Lachen klang hinterher. „Du mußt deine Kräfte sparen. Ich habe alles erledigt. Noch diese Nacht reift er wieder nach Genf." Für eine Sekunde trat sie vor den grünlichen Spiegel. „Da bin ich also," Rasch drehte sie sich um. „Frei." Sie glitt auf einen Stuhl. „Mein Gepäck steht unten. Die Kleider, die Wäsche, die Schuhe, alles, was ich habe. Mein ganzes Vermögen." Ungläubig blickte Kreuth auf sie. „So leicht hat er sich darein gefunden?" „Nicht so leicht, mein Lieber." Erregung lief durch den Leib der Sabukowa. Rasch hob unb senkte sich ihre Brust. „Natürlich hat er getobt." Ihre Schulter» bebten. „Wie hätte er aus nicht toben sollen? Ich, nicht wahr? Aber schließlich: was kann so einer tun?" Einen Moment faß sie still. „Vielleicht kommt er roieber. Auch nach Montreux ift er wiedergekommen. Freilich, damals war ich mürbe. Du fort, das Geld zu Ende: die Lage war nicht rosig." Die Gedanken der Sabukowa machten einen Sprung. „Wir werden nicht verhungern, wir zwei." Wieder trieb es Kreuth heran. Die Kühle der Sabukowa peitschte ihn auf. Seit zwei Tagen hatte er sie nicht gesehen. Doch sie entwand sich seinen Armen. .Ich bin müde." Sie erhob sich, klingelte der Stubenfrau unb ließ ein Zimmer ausschließen. „Morgen, mein Lieber, morgen." Den nächsten Tag hatte Kreuth frei. Metallbank plus 2 Prozent. Schiffahrtsaktien vermochten aus der gebesserten Aussicht auf Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika nur wenig Rußen zu ziehen. Hapag plus 1 Proz. Dor günstige Absatz von Zellulose an die Kunstseidefabriken bildete ein anregendes Moment für Zellstof fwerte. Aschaffenburg plus 4 Proz., Waldhof plus 10 Proz ,235 Proz.) B a u a k t i c u lustlos und eher niedriger. Zuckeraktien leicht befestigt. A u t o a k t i e n_-uneinheitlich. Kleycr plus 1,75 Prozent. RS.Ai "vlus 1 Prozent, Daimler unverändert. Von Oelaktien zogen Deutsche Erdöl um 1 Prozent an. Deutsche Anleihen hatten ruhiges Geschäft bei nach- gcbenden Kursen. Im Auslandrentengeschäft zeichneten sich wieder Anatolier durch feste Kurse und lebhafte Umfaße aus. Der Frei- verkehr blieb umsaßlos bei behaupteten Kursen. Im weiteren Verlaufe blieb der -Unterton fest, doch tarn es vereinzelt zu einem Rachgebeir der Kurse. Das Geschäft stagnierte. Am Geldmarkt zeigte sich keine wesentliche Veränderung. Geld ist weiter angeboten. Lagesgeld 4 Prozent. Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,5 ProzeiU, Industrieakzepte 4,87 Prozent. Im Devisenverkehr nimmt der französische Franken wieder eine rückläufige Bewegung ein. Paris schwächte sich gegen London auf 134 ab (am Samstag 131). Mailand ebenfalls schwächer 117 gegen London. Mark und Pfund unverändert. c ankfurtcr Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,50. Roggen,inländischer, 24,50 -bis 24,75, Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26,50, Hafer, inländischer, 19,50 bis 20, Mais (gelb) 19,25 bis 19,50, Wcizcmiuchl. inlänüi sch es, Spezial 0, 41,50 bis 41,75, Roggenmehl 35 bis 35,75, Weizenkleie 11,50, Roggenkleie 12, Erbsen 40 bis 75, Linsen 50 bis 90, Heu, süddeutsches, gut, trocken, 8,75 bis 10, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 4,50, geb. 4 bis 4,25, Treber, getrocknet, 17,25 Mk. Tendenz stetig. Frankfurter «chlachwichmarrt. Frankfurt a. M., 22. Nov. Auftrieb: Rinder 1385 Stück: davon aus Oesterreich 9. darunter Ochsen 272, Bullen 46, Kühe 767, Färsen 298, Fresser 2, Kälber 478, Schafe 257, Schweine 3984. Rinder: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, Höchen Schlachtwerts: 1. jüngere 58 bis 61 Mk., 2. ältere 54 dis 58; sonstige vollst. 48 bis 53; fleischige 42 bis 47. Bullen, jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts, 50 bis 54, sonstige vollst, oder ausgemäftete 44 bis 49; fleischige 38 bis 43. Kühe, jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 50 dis 54; sonstige vollst, ober aus« gemästete 43 bis 49; fleischige 32 bis 42; gering ge- nährte 20 bis 21. Fäksen (Kalbinnen, Jungrinder), vollfleischige, ausgemäftete, höchsten Schlachtwerts 56 bis 61; vollfleischige 50 dis 55; fleischige 38 bis 49. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 73 bis 77; mittlere Mast- und Saugkälber 62 bis 72; geringe Kälber 51 bis 61. — Sch a f e : Mastlärn mer unb jüngere Masthämmel (Weidemast) 37 bis 42; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel unb gut genährte Schafe 30 bis 36. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfunb Lebenbgewicht 76 bis 78; vollsteischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfb. 76 bis 78; von ca. 200 bis 240 Pfd. 76 bis 79; von ca. 160 bis 200 Pfund 74 dis 78; fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfd. 70 bis 75; Sauen 65 bis 75. — Marktverkauf: Rinder bei anfangs regem, später abflauendem, Kälber und Schafe bei schlep pendem Handel ausverkauft. In Schweinen verbleibt bei gedrücktem Geschäft Ueberstand. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Amschau".) Dienstag, 23. November. 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Iugend. 4.30 bis 5.45 Tlhr: Konzert des Hausorchesters: Operettenmusik. 5.45 bis 6.05 Ußr: Die Lese- stunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: llebertragung von Kassel. Dr. Ernst Stimme! liest aus eigener, Werken. 6.45 bis 7.15 llßr: Englischer Sprachunterricht. 7.15 bis 7.30 ilßr: Englische Literatur- Proben. 7.30 bis 8 Ußr: Altdeutsche Tafel- Malerei". Dortrag von Dr. Oswald Göß. Assistent am Städelschen Kunstinstitut. 8.15 bis 9.15 Uhr. Opern-Abend. 9.15 bis 10.15 Uhr: „Der niederdeutsche Dichter Hermann Boßdorf". Dortrag und Vorlesungen von Prof. Dr. R. Dohse. Schon zeitlich früh pochte er an der Zimmer« rüi der Sabukowa. „Ausgegangen", sagte die Person mit dem Schlüsselbund. Bis zwölf saß Kreuth in der dämmrigen Halle. Man mußte achthaben auf diese Frau, rumorte es in ihm. Jeden Augenblick konnte sie wieder entgleiten. Daß ihr Gepäck im Siolel war, verschlug nichts. Solche Kleinigkeiten spielten keine Rolle bei ihr. Um vier Uhr hielt ein feiner, leise surrender Wagen vor dem Hotel: ein funkelnagelneuer Maybach. Die Dame in dem tiefen Fond war die Sabukowa. Ehrerbietig zog der fremde Chauffeur die Mütze, als Kreuth herantrat. „Gefällt er dir?" fragte die Sabukowa und schritt um das Auto herum. Kreuth lächelte verständnislos. Auf einen Wink der Sabukowa flitzte der Chauf- feur von feinem Sitz. Stolz ließ er die Schikanen des Wagens spielen. 9m Nu lag der Motor bloß. Verwundert blickte Kreuth auf das vertraute Bild der Zylinder und Röhrchen. Wie im Traume be- taftete er den weißen Gummi der Reservereifen. Langsam strichen seine Finger über das dunkelgrüne Leder der Polsterung. „Morgen um neun", nickte die Sabukowa dem Chauffeur zu. „Komm", sagte sie dann zu Kreuth. „Ich bin hungrig." "Was ift’s mit dem Wagen?" fragte Kreuth, als man drüben im Fürstenhof faß. Beunruhigende Ahnungen dämmerten. Am Ende war die Sabukowa reich, am Ende gehörte das Auto ihr. Sehr gut konnte alles Bisherige nur Komödie gewesen sein. Was ift’s also mit dem Wagen?" fragte Kreuth ein zweites Mal. „Wenn er dir gefällt: ich schenke dir ihn." Also wahrhaftig, dachte Kreuth unb schüttelte den Kops. Plötzlich war er bei klarem Bewußtsein. Schmerzlich schrumpfte etwas in ihm zusammen. Die Rolle konnte er nicht spielen. So tief war man trotz allem nicht gefunden. „Ich will das Auto nicht, Maria." Die Worte würgten ihn. „Ich will überhaupt nichts von dir. Ich will nur dich." Finster schaute er die Sabukowa an. Schiefgezogen waren feine Lippen. Die Sabukowa lachte auf. (Fortsetzung folgt) 1 E u 41 E :e c § a" Z - «5 £ = -Q ~ 2— S so s'e\o Sa? * at-.E r .1 HL -Z- V6C •a1*- . hi 3 3 £ 'S £ l i I . s- £ 2; s5 Gießener