Nr. 222 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 22. September 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanf chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläls-Vuch- und Zteindruckerei K. Lange in Stehen. Schnftkitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20 °/0 mehr. Thesredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil i.Vertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. Der französische Ministerrat für Briand. Fortsetzung der Verhandlungen von Thoiry. Das Volksbegehren in Hessen. Die Schlußsitzung des Abftimnrungsausschusses. Don unserer Darmstadter Redaktion. Darmstadt, 21. Sept. Dach Verlesung der Protokolle der letzten Sitzungen protestierte Abg. Widmann (Soz.) in einem Schreiben sowie auch mündlich gegen verschiedene Berichte und Betrachtungen über die Sitzungen des Landesabstimmungsausschusses in der Presse; er verlangt im Anschluß hieran u. a., daß die Damen von Personen mit Doppelunterschriften und die Damen der Ausländer in den Listen genannt werden. Ministerialrat Borne mann pflichtet einigen Beschwerden des Vorredners bei und wendet sich gegen e'ne Erklärung des Generalsekretärs Kollbach in einem Zeitungsartikel, daß der Landesabstimmungsausschuß ein „Ausschuß zur Verhinderung des Volksbegehrens" sei. Daß bis jetzt neun Sitzungen notwendig gewesen wären, zeige schon ein Blick auf das umfangreiche Aktenmaterial an. Er (der Vorsitzende) habe alles getan, um die Verhandlungen abzukürzen. Da der Ausschuß nicht zu einer plebcreinstimmung über die Beurteilung der zu prüfenden Angelegenheit gekommen wäre, so müsse er die Listen zu näherer Prüfung vorlegen, was wohl noch eine Sitzung in Anspruch nehmen werde. Dr. Kl ein kurt lBbd.) meint, verschiedene Mitglieder des Ausschusses seien sehr empfindlich gegen Angriffe in der Presse. Die Vertreter des Wirtschasts- und Ordnungsblockes wären in der Linkspresse geradezu mit Schmutz beworfen worden; niemals hätten sie jedoch dies in einer Sitzung zur Sprache gebracht. Der Redner schlägt dann oor, die Feststellung vorzunehmen, daß die notwendige Zahl von Unterschriften zur Einleitung der Volksabstimmung vorhanden ist; das könnte innerhalb einer Viertelstunde geschehen. Generalsekretär Kollbach (2). 23.) wendet sich gleichfalls dagegen, daß hier eine Presseschau veranstaltet wird. Von der an den Ausschußarbeiten geübten Kritik sei nichts zurückzunehmen; die in einem von ihm verfaßten Artikel erwähnte Bezeichnung „Ausschuß zur Verschleppung des Volksbegehrens" fei von weiten Kreisen der Bevölkerung gebraucht worden. Der Redner fordert, daß nicht erst wieder eine Prüfung bestimmter Angelegenheiten vorgenommen werde; denn dies sei bereits durch die Abstimmung erledigt, der Ausschuß solle sich nur von verschiedenen Tat- der Verschleppung erneut auf sich zu laden, die Feststellung der notwendigen Untersckriftenzahl vornehmen. Abg. Reiber (Dem.) erklärt, daß unbedingt eine Reihe von Eintragungen als Fälschungen anzusehen seien, namentlich die Doppeleintragungen, eine dreifache Eintragung, die Unterschriften von Ausländern und sogar der Name eines vor längerer Zeit Verstorbnen. Abg. Reiber befürwortet den inzwischen schriftlich eingebrachten Antrag des Abg. Widmann, daß die Namen der hier bezeichneten Persönlichkeiten öffentlich verlesen werden. Ministerialrat Bornemann sagt erläuternd, daß er vorhin bei seinen Ausführungen nicht eine längere materielle Prüfung im Auge habe, sondern der Ausschuß solle sich nur von oerschicgenen Tatsachen, die er in seinem Expose vorgebracht habe, auch aus den Akten überzeugen. Er müsse darauf bestehen, daß der Ausschuß nicht allein der Feststellung der Unterschriften zustimmt, sondern auch, daß dies vorbehaltlos geschehe. Dr. K l e i n k u r t betont, daß der Ausschuß nur die Aufgabe habe, die Zahl der gültigen Stimmen festzustellen und sonst w e i t e r n i ch t s. Ministerialrat D o r n e in a n n meint, er müsse auf die vorbehaltlos e Annahme der Entschließung dringen, damit nicht nachher in der Oeffentlichkeit behauptet werde, es handle sich bei verschiedenen DorfäUen um einseitige Feststellungen des Landesabstimmungsleiters. Er weist auf die Tatsache hin, daß in der Rothenberger Liste der Dame eines Mannes stehe, der bereits 30 Jahre tot sei. Weiter macht der Vorsitzende verschiedene Mitteilungen darüber, wie Bürgermeister Unterschriften als eigenhändig bescheinigt hätten, die es nicht waren. Ministerialrat Bornemann verliest hierauf eine Reihe von Ausländer-Eintragungen, und von Doppeleintragungen in den Darmstädter Listen. Generalsekretär Kollbach bemerkt dazu, daß die Vertreter des Wirtschafts- und Ordnungsblocks selbstverständlich die Eintragungen von Ausländern nicht billigen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen bittet Generalsekretär KoUbach wiederholt ums Wort, der Vorsitzende fährt aber in seinen Mitteilungen aus den Listen fort; daraufhin protestiert Generalsekretär Kollbach dagegen, daß seine Wortmeldungen nicht angenommen wurden und verläßt mit Dr. Kleinkur 1 den Saal. Die Sitzung wird abgebrochen. Der Vorsitzende beruft eine neue Sitzung auf 12.15 Uhr (eine Viertelstunde später) ein. Die Verhandlungen werden um 1215 Uhr wieder ausgenommen. Generalsekretär Kollbach protestiert nochmals gegen die Dichtberücksichtigung seiner Wortmeldung. Er erklärt, es bestreite ja niemand, daß Dvppelein- tragungen usw. erfolgt seien, aber zu verwerfen sei das Verfahren, daß hier einzelne Damen verlesen und daran kritische Bemerkungen, sogar hämische Zwischenbemerkungen von Aus- schußnritgliedern geknüpft würden. — Ministerialrat Dornemann meint, es sei parlamentarisch ungewöhnlich, daß jemand das Wort verlange, während ein anderer noch spreche. Paris, 21. Sept. (TU.) Der französische Mi- nifterrat dauerte von 10 Uhr vorm. bis 12.30 Uhr nachm. Der Ministerrat beschäftigte sich zunächst mit der Entlassung von etwa 110 Beamten der Finanzverwaltung. Hierauf verbreitete sich Briand über die Haltung der französischen Delegation in Genf und über seine Besprechungen mit Strese- mann. lieber den Verlauf des Ministerrats wurde vom Ministerpräsidenten folgendes Kommunique ausgegeben: Briand hat dem INinisterral über die Haltung und die Arbeit der französischen Delegation in Genf Bericht erstattet. Die Regierung beglückwünschte Briand zu den erzielten Ergebnissen. Briand unterrichtete den 2Tli- nisterrat auch über seine Unterredung mit Herrn Stresemann. Die Regierung stimmte mit ihm vollkommen überein in der Bedeutung dieser Besprechungen und hält es für vorteilhaft, dieselben fortzusehen. 3m nächsten Ministerrat werden die technischen Probleme behandelt werden, die die Besprechungen aufwerfen könnten. Nach Bekantgabe des offiziellen Kommuniques beglückwünschten sämtliche Minister Briand zu den erzielten Resultaten. Briand erklärte beim Verlassen des Ministerrates den Journalisten: „Das, was ich getan habe, ließ der Regierung volle Freiheit und die Regierung hat ihre Handlungsfreiheit in einem günstigen Sinne genutzt. Man glaubte, daß ich ermordet aus dem Kabinettsrat wiederkehren würde. Sie sehen, das nichts an diesen Gerüchten ist." Auch die übrigen Minister, so P o i n c a r 6 und Marin erklärten den Journalisten, daß volle Einigkeit im Kabinett herrsche. Das offizielle Havasbureau schreibt in seinem Kommentar: Wie sich Voraussagen ließ, habe sich keinerlei Meinungsverschiedenheit gezeigt. Nachdem der Ministerrat dem Grundsatz, die gepflogenen Verhandlungen weiterzuführen, zugestimmt hätte, habe eine Diskussion über die Entwicklung, die durch die Initiative der beiden Außenminister eingeleitet werden könne, eingesetzt. Art. 431 des Versailler Vertrages gestatte die Räumung des Rheinlandes oor den vorgesehenen Zeitpunkten, aber unter der Bedingung, daß Deutschland alle seine Verpflichtungen erfüllt habe. Was die Reparationen anbetreffe, so erfülle das Reich treu die Verpflichtungen nach dem Dawesplan, aber es scheine nicht, daß nach dem jüngsten Bericht das gleiche Ergebnis hinsichtlich der Entwaffnung erzielt worden sei. Die Regierung werde also im Einvernehmen mit ihren Sachverständigen die Verpflichtungen abzuschätzen und festzustellen haben, in welchem Maße sie als Sanktion die Fortsetzung der Besatzung rechtfertigen könne. Die Rückerstattung des Saargebietes an Deutschland vor der vorgesehenen Frist von 15 Jahren im Zusammenhang mit der Volksabstimmung ist durch den Versailler Vertrag vorgesehen. Die Bedingungen hierfür müßten sehr eingehend geprüft werden. Die teilweise Mobilisierung der Reichsbahn-Obligationen sei sehr wünschenswert, aber ihre Realisierung ergebe Schwierigkeiten, finanzieller und politischer Art, die eine eingehende Prüfung erforderten, da der Beistand Deutschlands nicht allein den Erfolg der Operationen bedinge. Man müsse auch mit den Dispositionen des Weltmarktes rechnen. Unter diesen Umständen sei es vollkommen natürlich, daß die Regierung mit allen unerläßlichen Garantien sich umgeben wolle. Erst nachdem sie im Besitze aller Elemente der Disposition sei, könne der Ministerrat in seiner demnächstigen Sitzung die Prüfung der offiziellen Bedingungen einer deutsch-französischen Abmachung, deren Anfängen sie jedoch schon jetzt zustimme, fortsetzen. Briand und der Frank. Briands Gegner im Kabinett. — Frankenftnrz und Außenpolitik. Paris, 21. Sept. (TU.) Das englische Pfund, das während der Börsenstunden sich um 174 herum stabil zeigte, zog nach Bekanntwerden des Ergebnisses des heutigen Ministerrats an und notierte in den Dachmittagsstunden über 175. Vielfach wird jedoch diese neue Hausse der fremden Devisen nicht nur mit den außenpolitischen Erwägungen innerhalb des Kabinetts zusammengebracht, sondern wird vor allem auf die innerpolitischen Spannungen zurück- geführt, welche die strengen Ersparnis- und Einschränkungsmaßnahmen der Regierung im ganzen Lande hervorgerufen und deren Rückwirkungen Abg. Widmann (Soz.) hält seinen Antrag auf Verlesung von Damen der Personen mit Doppeleintragungen usw. aufrecht. Der Antrag Widmann wird dann mit drei gegen zwei Stimmen, bei einer Stimmenthaltung (Abg. Heiustadt) angenommen. Ein gleichfalls eingebrachter Antrag Dr. Kleinkurt-Kollbach, ohne weitere Debatte einen Beschluß über die Zahl der gültigen Unterschriften herbeizuführen, ist damit a b g e l e h n t. Ministerialrat Bornemann fährt in seinen Mitteilungen über die Doppelunterschriften fort und macht dann nachstehende Mitteilung: 2087 Listen sind dem Ausschuß zu-- gegangen mit 152 863 Unterschriften; 205 Listen mit 15 859 Unterschriften sind von den zur Beseitigung von Mängeln zurückgegebenen nicht wieder an den Abstimmungsleiter zurückgekom- sich beim Wiederzusammentritt des Parlaments am 19. Oktober geltend machen werden und die die Lage der Regierung ernstlich gefährden könnten. Die Unterredung in Thoiry, so schreibt heute der Loucheur nahestehende „Paris- Midi", habe nur insofern seine Bedeutung für den französischen Franken, als die angebahnten Verhandlungen eine Krisis des französischen Staates verhindern könnten. Davon wäre man aber vorläufig noch weit entfernt und darum hätte auch die Kunde einer deutsch-französischen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit keinerlei Besserung des Franken bewirkt. heule hänge die Haltung des französischen Franken nicht mehr von dem Außenminister, sondern von dem Finanzminister ab. Auf der Linken wird im Gegensatz zu den das Kommunique des heutigen Ministerrats begleitenden offiziösen Erklärungen weiterhin von ziemlich starken Widerständen, die der Verwirklichung der deutsch-französischen Annäherungspolitik Driands entgegenftünben, gesprochen. Als Hauptgegner Briands werden Louis Marin und vor allem D a r t h o u genannt. Die Wendung des offiziellen Kommuniques, daß im nächsten Ministerrat über die technischen Probleme, die die Besprechungen zwischen Stresemann und Briand aufwerfen könnten, gesprochen werde, wird teils als Zeichen dafür ausgelegt, daß die Regierung entschlossen sei, die Verhandlungen mit Deutschland schnellstens betreiben zu wollen, teils aber auch dahin, daß eine einheitliche Auffassung in der Regierung noch nicht bestünde, daß jedoch die Aussicht vorhanden sei, daß diese bis zum nächsten Ministerrat am kommenden Donnerstag erreicht fein würde. Die Angst vor einem neuen Frankenstur; ist ganz außerordentlich groß. Die „Liberts" betont, daß die Tendenz der Wechselkurse der letzten Tage der Regierung ein Warnungszeichen sein müsse. Andere Organe, besonders Blätter der wirtschaftlichen Kreise, erblicken gerade in diesem Moment der Empfindlichkeit des Franken die ä u ß e r st günstige Lage Briands. Die heute aus Amerika vorliegenden Nachrichten über die Auffassung in maßgebenden amerikanischen Kreisen werden ziemlich pessimistisch beurteilt. Es wird betont, daß selbst die Verwirklichung eines Annäherungsprogramms zwischen Briand und Stresemann nicht jene seit Jahren von Amerika betriebene Politik in der Schuldenfrage abändern könnte. Dem Plan Briand-Stresemann würde man in Amerika schon deswegen eine internationale Anleihe zur Wiederaufrichtung des französischen Frankens vorziehen, um dem angelsächsischen Kapital den entscheidenden Einfluß in Europa zu sichern Die Mitarbeit der Parlamentarier in Genf. Gens, 22. Sept. (WTB.) Bei einem von den parlamentarischen Mitgliedern der deutschen Delegation veranstalteten geselligen Beisammensein mit den Übrigen Delegationsmitglicdern und einem kleineren Kreis von Gästen hielt der Abg. Dr. D r e i t s ch e i d eine Rede über die Zusammenarbeit zwischen den parlamentarischen Mitgliedern und der Delegationsführung. „Wir hoffen", so sagte Dr. Dreitfcheid u. a., „dem Ziele näher- gekommen zu sein und damit auch dem Willen des deutschen Volkes entsprochen zu haben." Dieses Ziel tn seiner letzten Formulierung sei die Sicher st ellung des europäischen Friedens. Mit diesem Ergebnis seien alle einverstanden, und er fühle sich veranlaßt, dem Reichsaußenminister den Dank der parlamenta- rischen Delegationsmitglieder für die vertrauensvolle Zusammenarbeit auszusprechen. Die Rede Dr. Breitscheids klang in dem Wunsche aus, daß Dr. Stresemann auf diesem Wege weitergehen möge, und er glaube, ihm versichern zu können, daß die in Genf ver- treteneii Parteien ihn auf diesem Wege begleiten und unterstützen würden. „Gegen die, die sich ihm entgegensetzen, werden wir kämpfen, und die, die nörgeln und zaghaft nebenherlaufen, können wir auf diesem Wege nicht brauchen!" Dr. Stresemann dankte für die wertvolle Unterstützung, die dem gemeinsamen Werk aus der Zusammenarbeit zwischen beamteter und parlamentarischer Delegation zuteil geworden sei. Diese Mitwirkung der Volksvertreter habe in vollem Umfange alles das gehalten, was er sich bei ihrer Inanspruchnahme davon versprochen men. Es sind 61 999 gültige Unterschriften vorhanden, 90 864 Unterschriften sind ungültig. 74 955 sind nicht von eigener Hand, 528? sind unleserlich oder unvollständig, 5606 Unterschriften mußten wegen nicht vorschriftsmäßiger Einzeichnungslisten zurückgewiesen werden, 848 wegen Strichelungen, 3641, weil ungenügend bescheinigt und 1022 aus sonstigen gesetzlichen Gründen (Doppeleintragungen usw.). Ministerialrat Bornemann verliest hierauf den nachstehenden Entwurf einer Entschließung mit folgendem Wortlaut: „Der Landesabstimmungsleiier hat die nach Artikel 10 des Gesetzes über Volksbegehren und Volksabstimmung vom 17. März 1921 festzustellende Zahl der gültigen Unterschriften mit 61 9 9 9 ermittelt. Er hat ferner bei dieser Ermittelung habe. Dr. Stresemann schloß mit dem Hinweis darauf, daß er für die Verschiedenheiten der Methoden und die Kritik an ihnen volles Verständnis habe, und mit dem Wunsche, daß es in der Frage des außenpolitischen Weges, den Deutschland beschreite und weiter zu gehen habe, keine Parteien geben möge. Wie die „Vossische Zeitung" erfährt, wird Dr. Stresemann Mittwoch von Genf abreisen und am Freitag vormittag dem Reichskabinett über seine Unterhaltung mit Briand und die in Thoiry getroffenen Vereinbarungen ausführlichen Bericht erstatten. Die Deutschen in Genf. Stresemann im Licht der schweizer Presse. Genf, 21. Sept. (WTB.) Die schweizerische Presse, die für die Beurteilung der in 7 Jahren entstandenen Traditionen und technischen Gewohnheiten des Völkerbundes besonders kompetent ist, erörtert ausführlich den Eindruck, den die gestrige» Darlegungen Stresemanns zu der Me- melfrage und der Finanzfrage Danzigs in der Ratssitzung gemacht haben. So schreibt der „Berner B u n d", Stresemann habe bisher in Genf, was selbst von einigen seiner Gegner anerkannt werde, gut a b g e s ch n i t t e n. Man unterstreiche seine Konzilianz, seinen staatsmännischen Blick und seine diplomatische Geschicklichkeit. Von den Befürchtungen, die da und dort gegen das Auftreten dec'Deutschen in Genf laut geworden fei, fei bis jetzt jedenfalls nichts eingetreten. Aehnlich äußert sich die „Neue Züricher Zeitun g", die u. a. schreibt, die neuen Männer und insbesondere Stresemann schienen sich mit Leichtigkeit und gutem Willen in die Traditionen und Arbeitsmethoden hineinzufin- den, die feit sechs Jahren ausgebildet würden. Zum ersten Male habe gestern Stresemann im Dölker- bundsrat das Wort ergriffen. S-me Interventionen feien in einfacher gemäßigter Form erfolgt, was sehr anerkannt worden sei. Der deutsche Vertreter habe seine Stimme somit schon jetzt in Fragen geltend machen können, die sein Land mitberührten, was eine unzweifelhafte Rechtfertigung für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bedeute. Die WeltVirlfchaftskonftretrz. In der Vollversammlung des Völker dun-es. G e n f, 21. Sept. (TU.) In der heutigen Sitzung der Vollversammlung wurde als wichtigster Punkt der Tagesordnung die Einberufung einer ilLirt- fchaftskonferenz beraten. Der Berichterstatter L o u- ch e u r betonte, daß die Verschlechterung der illge- meinen Wirtschaftslage im letzten Ishr es notwendig mache, in gemeinschaftlichen Erörterungen der gesamten Situation die Mittel zu finken, durch die eine Verbesserung sowohl der Weltwirtschaftslage als auch der Lage der einzelnen Länder erreicht werden könne. In erster Linie fei die Weliwirtschasts- konferenz berufen, geeignete Vorschläge zur Erleichterung des Abschlusses von In- dustrie- und Handelsverträge n unter den Nationen zu ermöglichen. Die Einberufung der Konferenz müsse so schnell wie möglich erfolgen, damit die weitere Verelendung bea Bevölkerungen vermieden werde. Dr. Stresemann hätte von der Tribüne des Völkerbynd-rs gejagt, daß die neue Weltlage die alten Formen der Wirtschaft gefprengt hätte und daß es nun gelte, neue Formen zu suchen. Ohne wirtschafiLichen Ausgleich zwischen den einzelnen Staaten wären Abrüstung und Sicherung der Völker undenkbar. Bei den Verhandlungen der Stahlindustriellen handle es sich um ein internationales Abkommen, es fei wünschenswert, daß nach MöglichkLit alle interessierten Staaten ihm beitreten. Der deutsche Delegierte, Freih. v. Rheinbaben, führte dann u. a. aus, die Weltwirtschaftskrise wäre insbesondere durch die Behinderung des Warenaustausches durch die neuen Zollgrenzen und die Währungsschwankungen hervorgerufen. Dor allem wäre es wünschenswert, den Warenaustausch zu erleichtern durch Verbesserung der Transportwege, Anpassung der Zölle und ähnliche Mittel. Er hoffe bestimmt, daß die Konferenz die rechten Mittel zur Lösung der Krise finden werde. Deutschland werde mitgeprüft, ob die in der Verfassung und in vorgenanntem Gesetz vorgesehenen Vorschriften (Ausführungsbestimmungen sind nicht vorhanden) beachtet sind. Er beantragt nunmehr auf Grund der angeführten Gesetzesstelle, der Landes- ubstimmungsausschuh wolle demgemäß vorbehaltlos Beschluß fassen: die Zahl der gültigen Unter- schriften ist mit 61 999 f e st g e st e l l t. Damit sind die in der Verfassung und iw dem erwähnten Gesetz vorgesehenen Vorschriften beachte." 'Die Entschließung wird von dem Ausschuß einstimmig angenommen. Ministerialrat Bornemann dankt in einem Schlußwort den Ausschußmitgliedern für ihre Mühewaltung. Die Entschließung wird jetzt dem Landtag vorgelegt, dem die letzte Entscheidung zusteht. arbeiten zur Herbeiführung einer Verbesserung der internationalen Weltwirtschaftslage. Das deutsch-französisch-luxemburgische Industrieabkommen sei als gutes Vorzeichen für den Abschluß weiterer Vertrüge zu betrachten. Der schwedische Delegierte Adelsvaerd bedauerte, daß die Kommission nicht den Mut gehabt hätte, einen festen Termin für den Zusammentritt der Weltwirtschaftskonferenz der Vollversammlung vorzuschlagen. Hierauf wurde die Resolution Loucheurs einstimmig angenommen. Sie sieht den Zusammentritt der Weltwirtschaftskonferenz zu einem möglichst schnellen Termin vor. Keine Aenderung der amerikanischen Schnidenpolitik. Mello» berichtet über seine Europareise. Reuyork, 21. Sept. (Reuter.) Der Staatssekretär des amerikanischen Schatzamtes, Mellon, hat dem Präsidenten Coolidge feinen ersten Besuch seit seiner Rückkehr von seiner Europareise abgestattet. Er teilte dem Präsidenten mit, daß kein Grund zu irgendeiner Aenderung der amerikanischen Schuldenpolitik vorliege und gab der äleberzeugung Ausdruck, daß die wirtschaftlichen Aussichten der Welt günstig seien. Er glaube, daß die Schuldenabmachungen keine Bürde für die Rationen darstellten und fügte hinzu, daß er das Gefühl habe, daß Frankreich sein Schuldenabkommen mit Amerika ratifizieren werde. Mellon stimmte mit dem Präsidenten überein, daß es verfrüht wäre, die Frage einer Reduzierung der Steuern während der bevorstehenden Session des Kongresses zu erörtern und daß es besser wäre, eine solche Erwägung um wenigstens ein weiteres Jahr zu verschieben. Die Meldungen über den Vorschlag, die deutschen Eisenbahnobligationen auf den Markt zu bringen, lieh Mellon unkommen- tiert. Es hat indessen den Anschein, als ob amtliche Kreise die Zeit noch nicht für gekommen erachten, um solche Schritte zu unternehmen. Es herrschen Zweifel darüber, ob der Weltmarkt in der Lage ist, alle Obligationen aufzunehmen, ohne zugleich ihren Kurs zu drücken. In amtlichen Kreisen wird die Meinung vertreten, daß sich in kurzer Zeit die Verhältnisse derartig ändern werden, daß die in Vorschlag gebrachte Veräußerung der Obligationen durchHhrbar ist. DerBergarbeiterstreik mEngland Die Bergarbeiter bestehen auf einem nationalen Arbeitsabkommen. London, 22. Sept. ($11.) Die Bergarbeiterexekutive hat dem Ministerpräsidenten mitgeteilt, daß sie nach wie vor auf ihrer Forderung bestehe, die Bergbaukrise auf der Basis eines nationalen Abkomme ns zu lösen. Sie halte sich dabei an die von Churchill am 8. September ausdrücklich und deutlich gegebene Zusicherung, wonach die Regierung den Grundsatz der nationalen Regelung sich zu eigen mache. Es habe aber nun den Anschein, als ob die Bergarbeiter einen Fehler gemacht hätten, indem sie die Erklärung Churchills überhaupt ernst nehmen. Denn Baldwins neue Vorschläge seien gerade das Gegenteil dessen, was Churchill versprochen habe. Wie verlautet, haben die Bergarbeiterführer unmittelbar nach Absendung des Briefes an Baldwin diesen gebeten, noch am Abend von ihm empfangen zu werden. Eine Polizeitruppe wurde in die westlichen Dergwerksreviere gesandt, wo es zu neuen Versuchen kam, die Rotstandarbeiter am Betreten der Betriebe zu verhindern. Bei einem Zusammenstoß wurden mehrere Personen verletzt. In einem Dorfe wurde eine Zündkapsel «auf das Dach des Hauses eines arbeitenden Bergmannes geworfen und dann mit einer Stange, an dec eine brennende Lunte befestigt war, entzündet. Es erfolgte eine starke Explosion, durch die sämtliche Fensterscheiben des Hauses zertrümmert wurden. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Eröffnung der holländischen Generalstaaten. Die Thronrede der Königin. Haag, 21. Sept. (Wolff.) Die neue Sitzungsperiode der Generalstaaten ist heute mittag von der Königin in der üblichen feierlichen Weise mit der Verlesung der Thronrede eröffnet worden. In der Thronrede wird zunächst betont, daß die wirtschaftliche Lage sich nur allmählich bessere und daß Handel und Industrie und ein Teil der Schiffahrt noch immer unter der Ungunst der Zeiten zu leiden hätten. Auch dre Landwirtschaft und der Gartenbau hätten unter Absatzschwierigkeiten zu leiden. Der finanzielle Zustand des Landes erfordere die äußerste Sorgfalt der Regierung. Allergrößte Sparsamkeit sei die Voraussetzung für die Mrlderung der Steuerlasten. Die De- ziehungen der Riederlande zu den anderen Ländern seien von der freundschaftlichsten Art. Sehr erfreulich sei. daß der Völkerbund durch den Eintritt Deutschlands an Bedeutung gewonnen habe. Rachdem die Thronrede noch die große Opferbereitschaft der gesamten Bevölkerung anläßlich der großen Raturkata- str o p h e n der letzten Zeit, von denen erst das Mutterland und später die Kolonien betroffen wurden, hervorgehoben hatte, beschäftigte sie sich zum Schluß mit den indischen Kolonien bezüglich deren größere Selbständigkeit in den inneren Angelegenheiten, eine energische Sozialpolitik zugunsten der einheiniifchen Bevöl- kerung und die Eröffnung einer medizinischen Hochschule in Batavia in Aussicht gestellt wird Der Verlesung der Thronrede wohnte auch die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten Kammer bei, die in früheren Jahren ru dec Eröffnung der Generalstaaten nicht erschienen war. Die Königin verläßt morgen Len Haag, um den diesjährigen Manövern beizuwohnen. MiUtärkrawalle in Holland. Amsterdam, 22. Sept. (TU.) In der Kaserne von Assen kam es am Montag, nachdem die Mannschaften einen Marsch hinter sich hatten und der weitere Ausgang bettoeigert wurde, in der Kantine zu lärmenden Zwischenfällen. Die Soldaten gingen mit ©feinen gegen den Anführer der Wache vor, demolierten die Kantine und schlugen die Fensterscheiben ein. Die Ruhe konnte erst wieder hergestellt werden, als die Wache scharf feuerte. Hierbei wurde ein an deii Krawallen nicht beteiligter Unteroffizier getötet und mehrere Soldaten verwundet. Anlaß zu den Zwischenfällen gab die Weigerung des Kantinenwirtes, wegen des lärmenden Verhallens der Mannschaften, weiter Bier auszuschenken. Auch in der Kaserne auf dem Ede-Platz in Amsterdam kam es zu einem ähnlichen Zwischenfall. Als einige Mannschaften wegen Beleidigung eines Majors verhaftet werden sollten, rottete sich ein stärkerer Trupp zusammen, der die Freilassung der Festgenommenen verlangte. Die herbeigerufene Militär- Polizei stellte die Ruhe wieder her. Belgiens LanierungspoM. Brüssel, 21. Sept. (WLB.) Im Ministerrat berichtete Bande r velde über die auswärtige Politik, insbesondere über die Arbeiten des Völkerbundes und die Inkraftsetzung der Abkommen von Locarno. Es wurde festgestellt, daß bisher keine Beschlüsse oder Bindungen bezüglich der von Deutschland vorgebrachten Wünsche erfolgt seien. Die belgische Regierung verfolgt mit Interesse die weitere Entwicklung der außenpolitischen Ereignisse. Finanzminister F r a n c q u i gab dann einen eingehenden Bericht über die belgische Finanzlage. Das Gleichgewicht im S taatshau shalt ist wiederhergestellt und die schwebende innere Schuld konsolidiert worden. Die der Tilgungskasse während der ersten beiden Monate ihres Bestehens zur Verfügung gestellten Einnahmequellen ermöglichten die Rückzahlung eines bedeutenden Teiles der im Auslande auf genommenen kurzfristigen Schuld. Auf viele Monate hinaus ist die Deckung für die Fälligkeiten der äußeren Schuld vorhanden. Die Rationalbank verfügt über die nötigen Devisen, um Schwankungen der Währung entgegentreten zu können. Die Bahn für die Stabilisierung des Franken, die die letzte Etappe des Finanzplanes darstellt, ist daher frei. Zur Stabilisierung des Franken wird geschritten werden, sobald alle Vorbedingungen für den Erfolg gegeben sind. Die Regierung steht zu diesem Zweck schon jetzt in Fühlung mit ausländischen Privatbanken sowie mit Emissionsbanken des Auslandes. I a s p a r teilte den Ministern mit, daß der König ihm die Verlobung des Kronprinzen Leopold mit der Prinzessin Astrid von Schweden angekündigt habe. Der Ministerrat beauftragte Iaspar dem Königspaar und dem Kronprinzen Leopold die ehrerbietigsten Glückwünsche zu übermitteln. Dre Krisis der Diktatur in Spanien. Paris, 21. Sept. (TU.) Wie die „Chicago Tribüne" aus Biarritz meldet, sind die Beziehungen zwischen Primo de Rivera und dem König vor allem dadurch verschlechtert worden, daß der König die versprochene A m - nejtie für die Artillerieoffiziere durchführen will, während Primo de Rivera auf eine trengeBestrafung dränge. Primo des Rivera lehnte den Gnadenakt als eine Desavouierung feiner Politik ab. Primo de Rivera habe zwei weitere Offiziere verhaften lassen, die er eines Mordanschlages gegen seine Person be- chuldigt. Die Haltung der Infanterie bleibe weiter unklar. Gewisse Infanterieregimenter würden in Madrid alarmbereit gehalten. Kunst und Wissenschaft. Eröffnung des Düsseldorfer Naturforschertages. In Düsseldorf wurde unter außerordentlich ‘■Heiligung die 89. Versammlung dec Ge- ellschaft deutscher Raturforscher und Aerzte eröffnet. Unter den Teilnehmern bemerkte man Den preußischen Kultusminister und den Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, die Direktoren und Vertreter der rheinischen Hochschulen und der Universität Münster, sowie zahlreiche andere Persönlichkeiten. Rach der Eröffnung durch Medizinalrat Professor Dr. Schloß mann begrüßte Kultusminister Dr. B e de r die Vecsamm- ung im Rainen der Reichsregierung und der Staatsregierung und bezeichnete die Gesolei als em Symbol des heutigen Deutschlands. Auch die leutrge Versammlung der deutschen Kulturforschec ei em Symbol des heutigen deutschen Kultur- Willens. Rach Begrüßungsworten des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, entbot Oberbürgermeister Dr. Lehr die herzlichen Will- lommensgrüße der Stadt Düsseldorf. Generaldirektor Dr. Vögler, Düsseldorf, hielt einen D°-t-°g üb°- Wissenschaft, T e ch n i k Ü n 6 ..1 । aJ t. Er verwies darauf, daß die $edb» nd alter als Die Wissenschaft und Wirtschaft PrÄ -fD £If toie b/e Geschichte Der Menschen lewst sei Dagegen sei Die systematische Naturwissenschaft em Kind der letzten Zeit. Die Tech- mk werde heute von der Wissenschaft in allen geilen öurerrungen und Die stärkste wissenschaftliche Auswertung wissenschaftlich-technischer Ar- beiten sehen wir im Flußstahl, Der heute in Der ™ r lt.n ^ngen im Werte von 10 MilliarDen Mark hergestellt wirD. ? n 9mJöei^r1en Verlauf der Tagung referierte Pro- teffor 2)r Stepp^ena (früher Gießen) über die Fortschritte auf dem Gebiet der Vitamineforschung. Professor 2r. E b b e ck e - Bonn und Prof. Otfried M U 2ublnJenc PMcn über die Physiologie Der Kapillaren, Professor Quervain-Bern und Professor v. Jouregg-Wien über Kcopfver- hutungen. Eine Tagung deutscher Gemeindetierärzle. h. *ÄerbQfnö Deutscher (Semeinbetieräry.e n Ü "l. Düsseldorf feine diesjährige Hauptverfam'm- & Kb' ,?er reichhaltigen Tagesordnung standen die aktuellen Fragen der F l e i s ch v e r g i f - tung.und ihrer modernen Bekämpfungsrn tbod" urch me bakteriologische Fleisch,mterluchung? die ansteckende B u t o r m u t d e r P f e r d e und ihre anitare Beurteilung und anderes. Zur Fraae der chmerzlose,, Betäubung der Schlacht- Here wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der Reichsoerband Deutscher Ge- memdetlerarzte hält einen Erlaß gesetzlicher Vorschriften für unerläßlich, die !>en Be äu- bungszwang für alle Schlachttiere verlangen, gleich- Ä'Ä St.nä* Aus aller Welt. Der Orkan in Florida. Die Berichte aus den vom Orkan heimgesuchten Gebieten lassen nodj immer kein klares Bild über die entstandenen Schäden und die Zahl der llien- schenopser zu. Die Schätzungen dec einzelnen Be- richterslatter gehen weit auseinander. Die «Zahl der ausgefundenen Opfer ist im Steigen begriffen, da das Meer mit der Flut zahlreiche Ertrunkene ans Land schwemmt. Man schätzt die Zahl der Token jetzt auf über 2000. Das Schicksal Der Stabte Mobile und Penfacola ist völlig unbekannt, da diese von jedem Verkehr a b - geschnitten sind. Die zerstörten Landstraßen sind mit Fliehenden überfüllt. Infolge von Plünderungsversuchen muß das kriegsrecht strikte durchgeführt werden. Die Behörden haben beschlossen, scharfe Maßnahmen gegen Den Lebensmittelwucher zu ergreifen. Miami bietet ein Bild völliger Verwüstung. Wegen des Mangels an Trinkwasser ist der Ausbruch einer Epidemie nicht unmöglich. Der Orkan reift mit einer Slundengeschwindigkeit von 120 Meilen in der Richtung auf Louisiana und Alabama weiter. Weitere Meldungen berichten von schweren Verwüstungen in Südalabama. Jtad) den vorliegenden Meldungen wurden folgende Ortschaften Alabamas vom Orkan heimgesuchk: Greenville, Flomaton, Jackson, Thistler. Berichte aus Pensa- cola fing noch immer nicht eingetroffen. Acht Regierungszüge find mit Lebensmitteln zur Hilfeleistung abgegangen. Weitere Schreckensnachrichten aus Florida, besonders aus Miami, treffen ein. Rur ein Haus und wenige Hotels sind in Hollywood stehen geblieben. Miamis Roliazarette erinnern an die Schreckensszenen des Krieges. Die Marinerefervisien wurden zum aktiven Dienst einberufen. Da die dortigen Truppen nicht ausreichen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. 3n Iacksonvllle ist ein hoher Re- gierungsbeamfer von Plünderern ermordet worden. Die Stadt Moorchaven hat äußerst schwer gelitten. Ganze Häuser wurden meilenweit forlgerissen. Dächer und Bäume flogen durch die Luft und töteten viele Menschen. Aeberall werden verirrte Kinder aufgegriffen und in Sammellagern untergcbracht. Der große Okeschobee-See hat seine Dämme durchbrochen und das Land überschwemmt. Gegen 100 Personen sollen ertrunken sein. Zahlreiche Schiffe müssen längs der Küste von Florida als verloren angesehen werden. 3n Pensacola soll das zehnstöckige Gebäude der amerikanischen Rationalbank unter der Wucht des Orkans zufammcnge- sl ü r z t sein. Deutscher Luftverkehr Sevilla— Buenos-Aires. Der deutsche-spanischen Gesellsch-aft Colon (Christoph Columbus) ist von der spanischen Regierung Die Konzession für eine Luftschifflinie Sevilla-Buenos-Aires erteilt worden. Die Konzession gilt vorläufig für die Dauer von fünf wahren. Die spanische Regierung hat gleichzeitig Der Gesellschaft eine Subvention von insgesamt dreißig Millionen Peseten (19 Millionen Mark) für die Dauer dieser fünf Jahre bewilligt. Pro Jahr si 3000° Meter-Lauf Joh. K i m p e l von hier mit IV2 Runden Vorsprung beim letzten Lauf vor sämtlichen anderen Läufern. — Die diesjährigen Herbstserien dauern vom 20. September bis 7. Oktober einschließlich. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 21. Sept. Rach langen Beobachtungen gelang es der Kriminalpolizei, drei vorbestrafte, gewerbsmäßige Einbrecher fest zunehmen und einen großen Teil der Beute wieder herbeizu- schaffen. Unter Anführung des Fuhrmanns Emil Kölmel aus Steinmauern, der erst eine dreijährige Zuchthausstrafe verbüßt hat, machten der Gärtner Friedrich Emmel aus Bergen und dec Arbeiter Heinrich Reumann aus Frankfurt a. M. hauptsächlich die Hofgüter und Bauernhäuser in der Umgebung Frankfurts unsicher. Fast täglich fuhren die Täter mit der Dahn fort und kamen morgens bepackt mit Einbruchsgut und von Bleichplähcn gestohlenen Wäschestücken zurück. — Der wegen Ermordung des Kriminalbeamten Sack im Mai vom Schwurgericht zum Tode verurteilte Kaufmann Anton Gens ist auf ein Gnadengesuch seines Verteidigers zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Lin TNislwagen als „Strafjenjierbe“. Schiffenberger Weg 18 steht schon feit Tagen über den Sonntag auf offener Straße ein schwer- beladener Wagen mit Schweinemist, der seinen flüssigen Stoss auf die Straße abgegeben und das vorübergehende Publikum sehr gestört hat. Dieses Produkt wird reichlich gewonnen, da 17 Schweine in einem engen Stall gemästet werden sollen. Wer hat diese Dinge gestattet? Besteht keine Vorschrift, daß der Mist in zugedeckten Gruben aufbewahrt wird und diese möglichst oft geleert werden? Man wundert sich sehr, daß ein in der Nähe wohnender Stadtverordneter hiergegen nicht Front macht. Ein Passant. SELFENPÜLVEgi kostet ein Tkaket fäompson's Seitenpulver Weil hierzu eine Packung genom tuen wind, die so einfach und billig wie nun ingend möglich ist. An den (Packung wind alles, am Matt nichts gespant-. Bekanntmachung. Folgender Nachtrag zur Ortspolizeiverordnung 00m 26. 2. 1897 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht: Auf Grund der Artikel 2 und 39 des Gesetzes, die Allgemeine Bauordnung betreffend vom 30. April 1881 und der §§ 3, 4, 6, 8 und 9 der zugehörigen Ausführungsverordnung wird nach Anhörung der Stadtverordneten-Verfammlung mit Zustimmung des Kreisausschuffes und mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 26. Juni 1926 zu Nr. M. d. I. 20 986 unter Aufhebung des Nachtrags vom 23. Februar 1911 folgender Nachtrag mit Wirkung vom 1. Juli 1926 erlassen: 77456 1. Der § 1 Absatz 1 erhält folgende Fassung: An im Sinne des Artikels 20 der Allg. Bauordnung zum größeren Teil bebauten Straßen und öffentlichen Plätzen find die Hofreiten einschließlich der zugehörigen, nicht als Bauplätze zu betrachtenden Gärten und Winkel in der Straßenfluchtlinie mit gefälligen Einfriedigungen von angemessener Gesamthöhe, die im allgemeinen minde- stensl,60 Meter beträgt, zu versehen. Wenn jedoch die Breite der Straße und die Höhe der an derselben errichteten Gebäude es als angemessen erscheinen lassen, kann die Gesamthöhe der Einfriedigung bis auf 1,20 Meter herabgesetzt werden. 2. 9n § 1 Absatz 2 ist das Wort „müssen" in Zeile 1 in „sollen" zu ändern. 3. Der § 1 Absatz 3 erhält folgende Fassung: _ An Stelle der festen Metallgitter können auch sauber gehobelte und mit gefälligem Anstrich versehene Holzgeländer auf massivem Sockel sowie in be= sondern Fällen auch Holzgelänöer ohne Massivsockel, lebende Hecken oder dergleichen zugelassen werden, wenn dieselben mit den Bauformen des betreffenden Gebäudes und insbesondere mit dem Straßenbild in Einklang gebracht werden. Gießen, den 16. September 1926. Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. F r e y. Kartoffel - Lieferung. Für das hiesige Landgerichtsgefängnis soll die Lieferung von 300 Zentnern guter, gesunder, gelbsteischiger Speisekartoffeln vergeben werden. Angebote sind bis Mittwoch, den 6. Oktober l. IS. vormittags 10 Ahr auf dem Sekretariat der Staatsanwaltschaft —altes Justizgebäude, Zimmer 9, Erdgeschoß— abzugeben. Zuschlagsfrist eine Woche. Gießen, den 17. September 1926. Der Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberheffen. Hoos. 773 ID MB W Tf'' •• une MVN/A te/kv- -»*. ^7'a^iY* ' 'V ■ EAÄ Bekanntmachung. Am Ireilag, dem 24. September 1926, nachmittags von 3 bis 4 Uhr findet in der Turnhalle der Stadtmädchenschule, Schillerstraße 8, ein öffenllicher Impftermin statt, in welchem den Eltern der in 1925 und früher geborenen, bisher noch nicht mit Erfolg geimpften Kinder in der Stadt Gießen Gelegenheit gegeben ist, ihre Kinder kostenlos impfen zu lassen. Die Nachschau findet Donnerstag, den 30. September, nachmittags 3 dis 4 Uhr statt. Die Impflinge müssen sauber gewaschen und in reiner Kleidung zur Impfung gebracht werden. 77446 Aus Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen, dürfen Kinder zu den Terminen nicht erscheinen. Gießen, den 20. September 1926. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Kartoffsllisferung. Die Lieferung des Winterbedarfs an guten, haltbaren, ausgelesenen Speisekartoffeln, und zwar: 7742C 1. für die Medizinische, Frauen- und Hautkliniken 800 Ztr. 2. für die Chirurgische Klinik und die Klinik für Ohren-, Nasen- und Hals- Kranke 750 Ztr. 3. für die Augen- und Kinder-Kliniken 250 Ztr. 4. für die Klinik für psychische und nervöse Kranke 500 Ztr. ist zu vergeben. Angebote nebst Muster sind an die Verwaltungen der einzelnen Kliniken bis zum Mittwoch, dem 29. September 1926, vor- mittags 11 Uhr, einzureichen. Die Lieferung kann auch geteilt vergeben werden. Zuschlagsfrist 3 Tage. Gießen, den 21. September 1926. Arbeitsvergebung. Für die Gemeinde Meseck sollen Ufer» b&feftigungsarbeiten an der Lahn Dienstag, den 28. September 1926, vormittags 8£ Uhr, auf der Bürgermeisterei zu Wieseck 7730D Fuhrleiftungen zu 400 Mk. Brechen von Steinen „ 200 „ Jnstandsetzungsarbeiten „ 770 „ veranschlagt, in einzelnen Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hess. Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eroffnungster- min einzureichen find. Zuschlagsfrist vierzehn Tage. Gießen, den 18. September 1926. Hessisches Kulturbauamt. I. V.: Mangold. [Vermietungen | Möbl.Ziminer zu vermieten (06477 Weserftrake 20 II. Gut möbl. Zimmer zu vermieten Niegelpsad 58. Daselbst auch ein Zimmer mit Koch- ; gelegenheil. s06462 - | Mietgesuche | Jur Kursusleil- ■ nehmet (4.—15. Oft.) einige [06470 möbl. Zimmer J mit Frühstück gesucht. Angebote mit Breis umgehend an Studienrat Hölzcl, Selterswea 79. Alleinstehend. Herr, 45Jahre alt, Stamm., sucht möbliertes Zimmer Bedingung: etwas gröber als gewöhnlich oderNebenraum vorhanden, der die Erledigung schriftlicher Arbeiten er. mögltcht. Pension u. Familienanschluß erwünscht. Schristl. Angeb. unter 06472 an d Gteß. Anz. erb |Wohnungstausch| Wer Ml Z-Wnini.-Woh».- gegen eine gleiche 7 in Kirchhain? Schristl. Angebote u, 06466 a. d. Gieß. Anzeiger erbeten. {Stellenangebote}' Tüchtige l0“83 redegewandte Vertreter für dauernd gesucht. Persönlich vorstellen am 23. 9. 26 zwilchen 2 und 5 Uhr in der Wirtschaft „Zum Lamm", Westanl. Jiiug. kräftiges MM für tagsüber gesucht. 06451 Moltkettrahe 2 II. kandwirtfchciffliche Kreis-Schau zu Lauterbach i.ß Mainzlar, den 21. September 1926. 7612 D 7733c 7749c Gerichtsvollz. in Gießen, Steinstrahe 13. WM Fernruf 119 Marktstr. 4. an der Abendkasse. 7729D ■ Sonntag den 26. September, nachmittags 2'/2-4 Uhr, reiterliche Vorführungen des ländlichen Reit« u. Fahrvereins Kauterback Die Beerdigung findet Donnerstag, den 23. September, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause aus statt. 77470 Wir laden die Landwirte und die sonstigen Interessenten zu dem Leluck der sehr stark deickidrten Ausstellung hiermit höklicklt ein hcmdwirfsckaitslrcininisr- flusfdiuh iür Oberhehen Karten zu 2.50, 2.- und 1.50 Mk. im Vorverkauf bei E. Challier, Musikalienhandlung, Neuenweg 9, und Univ.-Buchhandlung Dr. Meyer, Seltersweg 89 sowie IWmlWeiirZ.SMeiM nachmittags 2 Llhr, versteigere ich im »Löwen-, Neuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: _a) 1 Schreibtisch, 1 Bücherschrank, ein Büfett, 1 Registrierkasse, 1 Sekretär, 2 Warenschränkchen, 1 Friseur-Einrichtung, 1 Grammophon, 1 großes Reißzeug, 2 Wollperserteppiche. b) Bestimmt an Ort und Stelle: Eine sucht Stellung. Hund Vorhand 7,«D Angn st Scharf, Laaövbe i. W. Nagelmaschine. Dern, Lachs, Sardinen, Sardellen, Hummer, Schinken, Zungen und Wurst in Dosen, fertige Majonnaise, engl. Saucen. 7734D für Pferde, Seflügel, Erzeugnisse des OMt= und Ackerbaues, landwirfFdiaftl. Hlardiinen und Geräte, Molkereierzeugnisse und willen- fdiafflidie Arbeiten vom 25.bis 27. September in und an der Turnhalle Die Ausstellung wird Samstag, 25. September vormittags 11 Uhr, eröffnet und dauert bis Montag, den 27. September, mittags 12 Uhr Junges Mädchen, 21 Jahre ah, nicht Stellung a. 1.11. als fiinöetMuiein evtl, als Stil Ire bet ölt Ebevaar, Gießen und Umgegend bevorzug!. Gefl. Angebote an Drude Scheger, Aurich, Gut Eschen «Ost- frieöland). 06464 Pianohaus Augost Förster Bahnhofstr. 65 B GIESSEN Fernruf 1367 / Heute mittag 12 Uhr entschlief sanft und unerwartet unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater und Onkel Philipp Schleenbecker II. Gemeinderechner i. R. im 82. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, Darmstadt und Aachen, 21. September 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 23. September 1926, nachmittags 2 Uhr statt. 77350 Todes-Anzeige. Heute morgen 6 Uhr verschied meine liebe, gute, unvergeßliche Frau,unsere liebe,treusorgende,herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Gote und Tante KMMWKW nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 64 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Vogel, Bürgermeister. BMntag 3n dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Jos. Straub & Co., Inh. H. Natt, Gießen, soll nunmehr die Schluß. Verteilung erfolgen. Nach Befriedigung der bevorrechtigten Ansprüche bleiben den nicht bevorrechtigten Gläubigern mit MK. 7178,22 fest- gestellten Forderungen MK. 1174,76 zur Verfügung, oder 16,3%- Das Schlrchverzeichnis liegt auf der Ge. richtsschreiberei bei dem Hessischen Amtsgericht Gießen zur Einsicht auf. Gießen, den 22. September 1926. H. Friedrich, Konkursverwalter. 7748V Die Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung erweckte kein so großes Interesse wie meine äußerst günstigen Zahlungsbedingungen 5 Tage in Paris tür 80 M. Prospekte und nähere Auskunft bei: Buchacker, Staatl. Lotterie-Einnahme Neuen Baue II Gießen Fernspr. 1182 Vertreter des Westdeutschen Reisebüros L. Morgenweck, Frankfurt a. M., Römerberg 30. _____________ 774OD Nächste Woche Ziehung der Gießener Pferdemarkt-Lose ä 1 Nm. Hauptgewinne: Ein kompl. Einspänner, ferner Pferde, Fohlen, Fahrräder, Nähmaschinen, Uhren usw. Lose in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften zu haben. General-Vertrieb Buchacker, Staat!. Lotterie-Einnehmer Spar- und Sterbekasse! Groß-Leben! Große, guteingeiübrte Versicherungs- Akt.-Ges. errichtet für Gießen und Bezirk eine Spezial-Haupt-Agentur. Für organisationSbegabte, fleißige und zielbewutzte Herren gute Existenz Gewährt werden Provisionen und fester Zuschuß. Gefl. Offerten unter J. V. 2482 an Invalldendank Ann. Expid., Frank Inrt a. Main erbeten. ,729id Allemverkaufsrecht Bezirk sofort zu vergeben für einen '‘ ‘ft etngefübrten und glänzend bewährten, erprobten und begutachteten D.R.P. 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Bedingungen werden im Termin bekanntgegeben. Freie Auswahl unter den Angeboten bleibt vorbehalten. Zuschlagsfrist 8 Tage. Leihgestern, den 21. Sept. 1926. Bürgermeisterei. Lehrerstochter, 19 9?., sucht Stelle als Stütze mit Famtlienanschl. War schon in bess. Haushalt tätig. Gute Zeugnisse Vorhand. Etwas Taschengeld erwünscht. Schrtstl. Angeb. unter 7736V an d. Gieß. Anz. erb. Verkäufe | Gin Bnöerns’ffljer nionteiofen uno 2 Wim zu verkaufen. O6’J61 A. Dickere Schanzenstraße 8. Eierkisten billig nbzugeb. oc. Karte genügt. MM0 8—10 Zentner gute MklWsts- unö lusklWsel zu kaufen gesucht. Babing, Schiffen- berger Weg 53. Teleph. 1642. P06D Empfehlungen | Mitr/zTausend eigeiiBfl Bienenvölkern aus der Heide zurück' nefebrt,offeriere betten Scheibenhonig 18 Pfd. netto in Holz- kistchen zu Mk. 18.—, ftüssigcn Hcidcbo- nigin lO-Pfd.-Büchie zu Mk. 11— franko Nachn.,gar.Zurüdn. Lehrer a. D. Fischer, Imkerei u.Hontgver- sand, Oberneuland 7f> b. 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September ist in Estland die äleber- gabe der deutschen Schulen an die deutsche Kulturverwaltung erfolgt. Damit ist für das Deutschtum in Estland der feste Boden gewonnen, auf dem es sich in voller kultureller Freiheit und Anabhängigleit im Rahmen des estnischen Staates erfolgreich weiter entwickeln kann. Der kleine Staat Estland ist mit dem Gesetz über die Kultursclbstverwaltung der völkischen Minderheiten, das vom estländifchen Parlament im vorigen Jahr angenommen wurde, bahnbrechend geworden für die so heiß umstrittene Frage des gesamten Minderheilenrechts. Selbstverständliche nationale Pflicht mutz es fein, dieses bedeutsame Gesetz kennen zu lernen und mit aller Kraft dahin zu wirken, datz ähnliche Gesetze auch in den anderen Ländern verabschiedet werden, in denen es deutsche Minderheiten gibt. Die nachstehende Aebersicht über die wichtigsten Bestimmungen dieses Sstländischen Gesetzes lehnen sich möglichst eng an den ®e- sehestext selbst an. Als" Minoritäten gelten in Estland das deutsche, russische und schwedische Dolk sowie diejenigen auf estländischem Territorium liegenden Minoritäten, deren Gesamtzahl nicht kleiner als 3000 ist. Für diese Minorrtäten ist die Einrichtung von „völkischen Selbstverwal- lungsinstitutionen" vorgesehen. Der Aufgabenkreis der völkischen Kulturselbstverwaltungsinstitutionen umfaßt: a) die Organisation. Verwaltung und Aeber- wachung der öffentlichen und privaten Lehranstalten der entsprechenden völkischen Minorität; b) die Fürsorge für die übrigen Kulturaufgaben der entsprechenden Minorität und die Verwaltung der hierzu inß Leben gerufenen Anstalten und Anternehmungen. Für die vorstehend genannten Gebiete hat die Kullurselbstverwaltung das Recht, für ihre Glieder verbindliche Verordnungen zu erlassen. Die Organe der völkischen Selbstverwaltung sind der K u l t u r r a t und die Kulturver- waltung der entsprechenden Rationalität, die ihren Sih in der Hauptstadt des Landes haben. Zur Lösung und Ordnung von totalen Fragen werden vom Vollsrat örtliche Kulturkuratorien ins Leben gerufen, deren Tätigkeitsgebiet der Kreis mit den Städten ist. Die finanziellen Grundlagen der völkischen Selbstverwaltungsinstitutionen sind: a) die laut Gesetz vom Staate übernommenen Antosten und Verpflichtungen gegenüber den öffentlichen Elementar- und Mittelschulen! b) die Geldsummen und anderen mit dem Unterhalt der öffentlichen Mittel- und Elementarschulen verbundenen Verpflichtungen der lokalen Selbstverwaltungen, soweit und auf der Grundlage, wie sie laut Gesetz ihnen auf erlegt sind: c) öffentliche Anterstühungssummen des Staates und der Selbstverwaltungen für Kulturzwecke: d) öffentliche Steuern, die nötigenfalls vom Dollsrate den Gliedern der entsprechenden Minoritäten auf er legt werden, in der Höhe und auf den Grundlagen, wie sie im Voranschläge vorgesehen sind und auf gemeinsamen Antrag des Finairz- und Anter- richtsministers von der Staatsregierung bestätigt werden: e) Schenkungen, Sammlungen, Stiftungen, -Erbschaften und Einkommen aus eigenem Vermögen oder Unternehmungen. Die Zugehörigkeit zur völkischen Selbstver- waltungskörperschaft wird durch ein Rationalregister festgestellt, in das sich estländifche Staatsbürger der oben erwähnten Rationalität aufnehmen lassen können, soweit sie mindestens 18 Jahre alt sind. Kinder bis zum Alter von 18 Jahren der registrierten Glieder einer Minorität gelten nach ihren Eltern als zur Minorität gehörend. Wenn die Eltern verschiedener Rationalität sind, so wird die Rationalität der Kinder nach gemcin- famem Wunsche der Eltern bestimmt. Wenn eine Einigung nicht erzielt wird, so gehört das Kind zur Rationalität des Vaters. Die minderjährigen Kinder von Angehörigen der völkischen Minori- Johann Peter Hebel. Zu seinem 100. Todestag. Don Geheimrat Prof. Dr. Oskar Walzel. Hebels Raine wird oft genannt. Einsichtige Darstellungen der deutschen Dichtung des 19. Jahrhunderts haben immer wieder auf ihn hinzuweisen. Wird er aber auch viel gelesen? Manches aus dem „Schatzkälllein des rheinischen Hausfreundes" bleibt von Der Schule her in Erinnerung. Eine Geschichte wie die vom „Kanntt- verstan" ist wohl unvergeßlich. Allein wagen sich wirklich viele an die „Alemannischen Gedichte"? Die Mundart ist dem größten Teil der Deutschen fremd, nicht nur im Rorden, auch im Südosten. Man liest nicht gern mit dem Wörterbuch in der Hand. Wohl hat feit etwa einem Jahrhundert mundartliche Dichtung sich stark durchgesetzt. Sie hat sogar die Bühne erobert. Aber letzte Echtheit der Sprache wurde da meist aufgegeben. Richt bloß Anzengruber, auch Gerhart Hauptmann machte viel Zugeständni'se, um dem Zuschauer wie dem Darsteller die Ausgabe zu erleichtern. Konnte es anders sein auf einem Sprachgebiet, das fo vielerlei Mundarten birgt wie das deutsche, im Amkreis eines Volks, dessen Söhne sich wechselseitig so wenig verstehen wie die Deutschen? Richt bloß wenn sie mundartlich sich äußern, audj wenn sie ihr Schriftdeutsch reden, wird es den Süddeutschen schwer, sich den Rord- deutschen verständlich zu machen. And umgekehrt. Zu verschieden ist Wortschatz, Aussprache und Melodie. And so mag mancher ärgerlich Hebel zu den vielen mundartlichen Dichtern zählen, die ungebührliche Ansprüche an den Leser erheben und ihm vorwersen, sein Humor und sein Witz lägen nur in dem Angewöhnlichen seines Ausdrucks. Aebertrüge man feine Gedichte in reines Deutsch, bann ginge ihr bester Reiz verloren. Sicherlich gibt es eine Fülle von mundartlicher Dichtung, die auch den Kenner ihres Dialekts einzig und tat, welche das 18. Lebensjahr erreicht haben, gelten nicht als zur Minorität gehörig, falls sie sich nicht im Laufe eines Jahres registriert haben. Aus dem Qlationalregifter werden die Glieder der Minorität gestrichen, die durch den Tod ausscheiden, aüs der estlä irdischen Staatsbürgerschaft ausscheiden und die auf eigenen Wunsch aus der völkischen Selbstverwaltung ausscheiden. Minoritäten, welche Selbstverwaltungs-Institu- tionen ins Leben rufen wollen, teilen solches durch ihre Volksvertreter oder ihre kulturellen Organisationen der Staatsregierung mit. Als stimmberechtigte Glieder der völkischen Minorität gelten die volljährigen, zur Teilnahme an den allgemeinen Wahlen berechtigten Bürger, welche in dem Rationalregister verzeichnet sind. Die völkischen Selbstverwaltungs- Institutionen beenden ihre Tätigkeit: a) wenn das vom Kulturrate der entsprechenden Minoritäten mit einer Majorität von zwei Dritteln der gesetzlichen Anzahl seiner Glieder für nötig befunden ist: b) wenn die Zahl der Glieder unter 3000 sinkt oder die Zahl der im Rationalregister verzeichneten volljährigen Bürger unter die Hälfte der zur letzten Volkszählung festgestellten Anzahl volljähriger Burger der entsprechenden Minorität überhaupt sinkt. Die Bestimmung der Tätigkeit geschieht auf Grund von Verordnungen der Staatsregierung. Eingehende Bestimmungen regeln die Durchführung der Wahlen zum ersten Kulturrat. Die allein durch das mehr oder minder Befremdende lockt, in Versen oder überhaupt in Dichtung die Wendungen wiederzufinden, die sonst nur in der gewohnten Alltagsrede kleiner Sprachgebiete zu vernehmen sind. Auch Hebel wirkt mit diesem Mittel. Doch er hat noch anderes auszufpielen. Sein größter Ruhm indes ist, daß er als einer der ersten sich auf eine Bahn gewagt hat, die seitdem viel, vielleicht zu viel begangen worden ist. Er hat sich da als Schöpfer bewährt, er hat mindestens seinen wenigen Vorläufern den Rang abgelaufen. Er ist der eigentliche und der bekannteste Stifter der neuern Mundartdichtung in Versen. Im 18. Jahrhundert widerstrebte lange Zeit alles einem Dichten, das sich der Mundart bediente. Luthers Wagnis, den Deutschen eine einheitliche Sprache zuzumuten, kam um 1700 zu vollem Erfolg. Rur groteske Komik durfte noch zum Dialekt greifen. Die deutsche Aufklärung, der wir im wesentlichen unser Schriftdeutsch von heute danken, zog dem Mundartlichen engste Grenzen. Der Sturm und Drang erst, mit Rousseau dein Arsprünglicheren, Angebrocheneren, Anverbildeten geneigt, ließ der Mundart ebenso wie älterer Sprachform wieder mehr Raum. Doch die wenigen, die in größern Dichtungen sich der Sprache ihrer engem Heimat damals bedienten, drangen noch immer nicht über die Grenzen ihrer Heimatscholle hinaus. Sie taten nicht mit in einem Augenblick, der dem Dichten der Deutschen mächtig fortschreitende Entwicklung schenkte. Sogar wer wie Johann Heinrich Voß zu den wichtigeren Trägern dieses Fortschritts zählte, hatte Erfolge nur in Dichtungen, Sie im Bereich Der Schriftsprache blieben, nicht, wenn er das Platt seiner Heimat nutzte. Das ist ja, was für Hebel schwer ins Gewicht fällt. Er veröffentlicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts Idyllen in Versen und in der Sprache, die im Südwesten des Badner Landes von heute gesprochen wird, am Basier Rheinknie. Er wiederholt nur, was von Voß versucht worden war. Wahlen selbst werden in jedem Wahlkreise auf derselben Grundlage wie die Wahl der Kreisräte ausgeführt. Wenn an den Wahlen weniger als die Hälfte der in den Wählerlisten der entsprechenden Minorität verzeichneten Staatsbürger teilgenommen hat, wird der Kulturral nicht zu- fanunenberufen, und die Minderheit kann erst nach Verlauf von drei Jahren von neuem den Versuch machen, eine Selbstverwaltungsinstttution ins Leben zu rufen. Der Kulturrat beschließt vor allem, ob er auf Grundlage dieses Gesetzes und.der auf Grund dieser von der Staatsregierung erlassenen Verordnungen die Selbstverwaltung verwirklichen will. Im Falle, daß mit Zweidrittelmehrheit der gesetzlichen Zahl der Glieder des Kulturrates beschlossen wird, Die Selbstverwaltung ins Leben zu rufen, erklärt Die Staatsregierung nach ^entsprechender Mitteilung des Kulturrotes die Tätigkeit der entsprechenden völkischen Selbstverwaltung als eröffnet. Wenn aber der Beschluß mit einer geringeren Majorität gefaßt oder beschlossen worden ist. auf die Selbstverwaltung zu verzichten, fo löst sich der Kulturrat auf, und Die völkische Minorität kann erst nach Ablauf von Drei Jahren einen erneuten Antrag stellen. Im letzten Paragraphen nimmt Die Staatsregierung von EstlanD das felbstverftänDliche Recht für sich in Anspruch, im Verordaungswege entsprechend Den GrunDzügen Dieses Gesetzes eine nationale kulturelle Selbstverwaltung f ü r Die Staatsbürger e st ländischer Rationalität in den administrativen Grenzen derjenigen lokalen Selbstverwaltungen einzurichten, wo eine Minorität völlig in der Mehrheit ist. Voß schuf neben feinen allbekannten hochdeutschen Hexameteridhllen ein paar Idyllen in niederdeutscher Sprache. Auch sie verwerten den Hexameter. Hebel gibt einer ganzen Reihe seiner „Alemannischen Gedichte" das Schrittmaß des antiken epischen Verses. Da, wie dort, scheint Vers mit Sprache nicht völlig zusammenstimmen zu wollen. Aber gerade dies Angewohnte schenkt solchen mundartlichen Hexameteridyllen einen eigenen, lockenden Grundton. Er wurzelt in der Macht, Die niemals Der Antike zugefallen war. So strebt Die ganze Empirezeit nach einer Verknüpfung von Gegenwart und antikem Wesen. Aber nur Hebels Hexameteridyllen haben sich Durchgesetzt, nicht ihre plattdeutschen Genossinnen von Vohens Hand. Am Die Mitte des Jahrhunderts bewegte sich Die deutsche Idylle noch in einem erträumten Arkadien. Bei Salomon Geßner spielt der echte Schweizer Bauer eine sehr bescheidene Rolle neben Den rokokohast stilisierten Daphnis und Phyllis. Wieder vollzieht sich im Sturm und Drang die Wendung. Maler Müller führt Pfälzer Bauern in die Idylle hinein. Voß folgt mit feinen Idyllen aus Dem Leben Des norD- Deutschen Landgeistlichen, aber auch Der ostelbi- schen Bauern. Hebel erzählt, was Der Bauer im Wiesental erlebt oder erleben kann. Bereitet sich auf diesem Wege, Der Die Deutsche Idylle mehr und mehr ins Realistische hinüberleitete, Die deutsche Dorfgeschichte des 19. Jahrhunderts vor, so trägt etwa Hebels „Statthalter von Schopfheim" schon eine ganze Reihe der Züge, die später den Erzählungen aus Dem Leben füD- deutscher Bauern fast unentbehrlich geworden sind. Ihm vor allen gebührt daher Der Ehrenname eines Vaters Der neuern Deutschen Dorfgeschichte. Aber Hebel bietet nicht bloß Idyllen. Schon Goethe stellte in einer Besprechung, die mit fast peinlicher Genauigkeit die wesentlichen Merkmale von Hebels Gedichten buchte, Die Lieblingsgebärde der „Alemannischen Gedichte" fest. Sie berührt sich mit einer wohlbekannten Reigung von Goe- Billige MW Oes Mem SwWiMw. • Gießen, 21. Sept. 1926. Die erste Sitzung nach den Ferien stellte das Haus vor die Aufgabe, einige Entscheidungen von großer Bedeutung zu treffen. Eine Aeberraschung war das freilich für die Mitglieder des Stadtparlaments und für die anderen eingeweihten Kreise nicht, denn der Hauptpunkt war schon seit langen Monaten in vielen Sitzungen Der Ausschüsse sehr eingehend geprüft rind zur Entscheidung vorbereitet worden, und auch Die anderen wichtigen Vorlagen, über Die wir nach- stehenD eingehender berichten, waren ob ihrer Wichtigkeit bereits Gegenstand eingehender Beratungen in den Fraktionen gewesen. Erfreulich ist, daß Die Schulhausfrage, Der Hauptpunkt Der Tagesordnung, nun endlich Der Losung entgegengeführt toerDcn kann. Das Haus hat einstimmig beschlossen, ein neues Volksschulhaus unD ein Fortbil - dungsschulgebäude errichten zu lassen. Die finanzielle Seite Dieses Entschlusses soll später geregelt toerDcn, für heute handelt es sich darum, Die Lösung Der Frage in Gang zu bringen. Wer Die Verhältnisse kennt, Die schon feit Jahren für Die Volksschule unD für die Fortbildungsschule bestehen. Der toird Den Beschluß Des Hauses nur begrüßen. Diese Entscheidung ist eine Tat, Die endlich eine schmerzliche Anterlassung früher StaDtverordneten-Kollegien gut macht. Allerdings wird Die finanzielle Belastung für die Bürgerschaft stark werden, aber noch länger konnte mit Der Beseitigung Der üblen Rotstände wirklich nicht gewartet werden. Wir wollen niemand einen Vorwurf machen, müssen aber mit Dem Stadtparlament Doch sagen, es wäre besser gewesen, wenn man diese seit gut zwei Jahrzehnten bestehende Frage schon vor dem Kriege in Der besseren Zeit gelöst hätte. Die Versäumnis von Damals rächt sich jetzt in Der starken Belastung, um Deren Aebernahme auch in Der ungünstigeren Zeit wir nicht mehr herumkommen konnten. Die Krittk und Rörgelei, Die man hier unD Da in Der StaDt hort. Durfte Die StaDtver- orDneten nicht abhalten, Dieser großen Vorlage ihre Zustimmung zu geben. Daß Die Erwählten Dct Bürgerschaft sich von Der kurzsichtigen Kritik nicht abschrecken liehen, Daß sie ihre Zustimmung nach schwerem Ringen mit sich selbst und erst nach außerorDentlich eingehenDen Prüfungen Der Angelegenheit schließlich Doch. unD zwar einstimmig, gegeben haben, das verdient die Anerkennung aller Mitbürger, Die bei aller Angunst Der Zeit nicht wollen. Daß die schweren Rotstände in der Unterbringung Der Volksschule unD Der Fortbildungsschule noch weiter verlängert werden. Beifall verdient auch der Beschluß Des Hauses, zu dem erst kürzlich beschlossenen Wohnungsbauprogramm jetzt noch ein Zusatz- Wohnungsbauprogramm Durchzu führen. Dadurch werden weitere 50 Wohnungen beschaffen, die zur Linderung Der Wohnungsnot recht willkommen finD. Durch Den jetzigen Beschluß erhöht sich Die Zahl Der von Der Stadt für 1926 vorgesehenen bzw. finanzierten Woh- nungserstellungen auf 94, eine Tat, die sehr beachtlich und anerkennenswert ist. Daß die Rot- Wohnungen für Wohnungslose an der Margaretenhiitte überall nur wenig Begeisterung erwecken, versteht sich von selbst. Man hat es hier mit einer ausgesprochenen Rotmaßnahme zu tun, Die hoffentlich recht bald wieder verschwinden kann. Erfreulich ist Die Senkung Der Elektrizitätspreise, Der man in Der heutigen Sitzung zustimmte. Unterem Wirtschaftsleben und auch. Dem einzelnen wirb Diese Erleichterung sehr gut zustatten kommen. Es wäre jetzt nur noch zu wünschen, Daß Die hemmenDe Fessel Der Stadt aus ihrem Vertrag mit Der Provinz bald verschwindet, damit auch Den Stromabnehmern auf Dem Lande eine Vergünstigung zuteil werden kann. Sitzungsbericht. Anwesend: Oberbürgermeister Keller, die Bei- geordneten Dr. Seid, Dr. Frey, Iuftizrat Dr. Rosenberg und 39 Stadtverordnete. Der Zu- fchauerraum weist guten Besuch auf, da die großen Vorlagen dieser Sitzung besonderes Interesse finden. Zufah-Wohnungsbauprogramm 1926. Der Finanzausschuß beantragt, ein Zusatz-Wohnungsbauprogramm für 1926 zu genehmigen und den erforderlichen Kredit aus Anleihemitteln in Höhe von insgesamt 624 000 Mk. zur Verfügung zu stellen. Es sollen erbaut werden: 12 Wohnungen Auf der Weißerde (Kosten 144 000 Mk.), 8 Wohnungen rechts und links der neuen Treppe an der Licherftraße (Kosten 120 000 Mk.) und 30 Wohnungen — zu erstellen durch die Baugenossenschaft 1894 — Kosten 360 000 Mk. Das der Baugenossenschaft 1894 zu gewährende städtische Darlehen aus Anleihemitteln ist mit 8 Proz. zu verzinsen und mit ein Prozent zu tilgen. Die Sicherung des städtischen Kapitals hat durch Hypothekeintrag zu erfolgen. Der Unterschied zwischen der Sollmiete und der tragbaren Miete — etwa 600 Mk. je Wohnung — wird von der Stadt übernommen. Der Berichterstatter betont, durch diese Maßnahme wolle man die Wohnungsnot noch kräftiger als bisher bekämpfen, außerdem solle auf diese Weise vermehrte Arbeitsgelegenheit geschaffen werden. Damit die Wohnungsmiete für die Mieter tragbar werde, wolle die Stadl den Unterschied zwischen Soll- und 9ftmietc auf stch übernehmen. Es sollen nur kleine Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gebaut werden. Die Mittelstands «Bereinigung beantragt, im Schlußsatz des Ausschußantrages die Worte „etwa 600 Mk. je Wohnung" zu streichen. Diesem Ersuchen stimmt das Haus zu. Der weiteren Forderung der Mittelstands-Vereinigung, die „tragbare Miete durch eine besondere Kommission, bestehend aus Vertretern der Fraktionen, festsetzen zu lassen und die Wohnungen, solange die Wohnungsnot herrscht, nur an hiesige, beim Wohnungsamt eingeschriebene Personen zu vermieten, stimmt das Haus letzt nicht zu, es beschließt vielmehr Verweisung dieses Verlangens an die zuständigen Ausschüsse. Ein Mitglied der D. D. fordert Maßnahmen zur Belebung der Bautätigkeit im Nordostviertel. In der Abstimmung wird die Vorlage unter Berücksichtigung des obenerwähnten Antrages der Mittelstands-Vereinigung einstimmig angenommen. Notwohnungen für Wohnungslose. Vom Bauausschuß wird Die Errichtung von Rotwvhnungen für Wohnungslose an Der ehemaligen Margaretenhütte beantragt. Rach Den Ausführungen Des Berichterstatters sollen zu Diesem Zweck Eisenbahnwagen verwenDet toerDcn, unter Deren Standort Keller anzulegen finD. Da Die Sache sehr Drin- gettD ist, Witt man bestrebt fein, Die Fertigstellung noch vor Dem Winter zu erreichen. Kostenpunkt 93 000 Mk. Die sozialDemokratis che Fraktion lehnt Die Vorlage ab, weil sie Die Stadt finanziell zu sehr belastet. Der kommunistische Vertreter spricht sich gleichfatts gegen Die Vorlage aus. Von Dem Berichterstatter wirD betont, Daß Die Stadt in Den letzten vier Monaten an hiesige Wirtschaften für Dort untergebrachte Wohnungslose rund 21 000 Mk. bezahlt habe: Das könne nicht so Wetter gehen. Beigeordneter Dr. Frey spricht sich aus finanziellen und sozialen Gründen gleichfatts nachdrücklich für Die Vorlage aus, Damit Die Kosten gesenkt toerDcn, anDerfeits aber — was jetzt droht — verhütet wird, daß Familien mit Hab und Gut aus den Wirtschaften auf Die Straße gesetzt werden. Die Rotwohnungen toürDen natürlich hübsch hergerichtet toerDcn. Der Vorlage. wird gegen Die Stimmen Der SozialDemokratic unD Des Kommunisten zugelt i m m t. Schulhaus-Neubauten. Auf Antrag Des Schul-, Bau- und Finanzausschusses soll Das Haus beschließen: 1. Der Reubau für Die Volksschule soll auf Dem stäDtischen Gelände „In Den Eichgärten" nächst Der Wolfftraßc erstellt toerDcn. Die Pläne für Dieses Gebäude sollen unter Zugrundelegung des in Der Anlage nicDergelegteu Raumbedarfs auf gestellt werben. 2. Der Reubau für Die F or tbildungs- schule und Die Fachschule soll auf Dem städtischen Gelände an Der EreDnerstraße, Ecke Klinikstraße, erstellt weichen. Die Pläne für Dieses Gebäude sollen unter Zugrundelegung des in Der Anlage niedergelegten Raumbedarfs aufgestellt werden. Zur Begründung führt Beigeordneter Dr. Seib u. a. aus: Dieser Punkt hat für die Stadt besondere Bedeutung, einmal wegen der erheblichen finanziellen Anspannung, sodann wegen der Auswirkung auf Die nächsten 50 bis 100 Jahre. Das zwingt zu sorgfältiger Prüfung. Die Ausschüsse haben in vielen Sitzungen sich mit dieser Frage beschäftigt. Alle Losungen wurden eingehend erwogen. Die jetzigen Vorschläge haben schließlich einftimmige Annahme in den Ausschüssen gefunden. Wie notwendig der Bau für die Volksschule ist, braucht wohl nidji noch besonders hervorgehoben zu werden. Die Volksschule leidet schon feit 25 Jahren unter Raumnot. Es wurden Baracken erstellt, aber auch deren Lebensdauer ist vorbei, und sic müßten jetzt erseht werden. Es wäre nicht zu verstehen, wenn jetzt nicht eine gründliche Regelung vorgenommen würde. Schon vor dem Kriege war man sich darüber klar, daß der Schulhausneubau, notwendig war. Diese Rot- wendigkeit hat sich seitdem noch gesteigert durch die Einführung der Einheitsschule, die Der Volksschule eine erhöhte Zahl von Schülern gebracht hat. Bei Der Auswahl Des Platzes haben sich Die Ausschüsse nach vielen Bemühungen für das Ge- thes eigenem Dichten. Es ist Vermenschlichung von Raturvorgängen, aber auch von Begriffen aus Dem Leben Der Ratur. So WirD in Hebels HanD das Flüßchen, nach dem das Wiesental benannt ist, die Wiese, zu einem Bauernmädchen, das bergab zum Rhein hinwandert, um endlich Dem Rhein an Die Brust zu sinken. ODer Der Sonittagsmorgen tritt wie ein liebevoll beglüden- Der Mensch in Die Welt hinein, nachDem der Samstag sich müde und schläfrig zur Ruhe begeben hat. Mythologie ersteht hier, ganz unabhängig von alter Aeberlieferung. Hebel schafft Mythen und schenkt in ihnen Der Ratur etwas menschlich Racherlebbares unD Rachfühlbares, vor allem aber etwas Allgemeinverständliches. Denn Das ist ja Hebels bestes Können: Er weiß sich so auszudrücken, Daß jeDer unD auch Der Bauer, von dem er dichtet, ihn begreift. Das „Schatzkästlein Des rheinischen Haus- freunDes" weist auf jeder Seite Zeugnisse für Hebels Fähigkeit, allgemeinverständlich zu erzählen. Hier bedient er sich nicht des Dialekts, aber er trägt Die Dinge vor, wie man sie Dem einfachsten Mann am Wirtshaustisch berichtet. Gerade das ungewollt Schlichte seines Ausdrucks schenkt diesen Anekdoten und Belehrungen ihren eigenen festen und einheitlichen Stil. Kunstlos mag das scheinen. Es ist Kunst, behagliches Berichten mit so viel Knappheit und Treffsicherheit des Ausdrucks zu verbinden. Belehren wollen Die „Alemannischen Gedichte", belehren will vor allem das „Schatzkäsi- (ein". Hebel beharrt gern bei Der Hauptabficht Der Deutschen Aufklärung Des 18. IahrhunDerts. Er will Die Menschen vernünftiger unD Dadurch besser machen. An ihm läßt sich spüren, wie gesund Dies Streben war. Reben ihm wirkt Ro° mantif fast wie etwas Verfallartiges, krankhaft Tleberspanntes. Es ist Der gefunDe Grundton, Der nachklingt bei Hebels echtesten Gefolgsmännern, bei Jeremias Gotthelf und bei Gottfried Keller. Belehren Doch' auch sie gern, wenn sie dichten. fihtbc „Ön den Eichgärten" entschieden. Der Platz hat Len Vorzug, daß er städtisches Eigentum ist, Geländserwerb also nicht in Betracht kommt, er besitzt erhebliche Ausdehnung, so daß räumliche Beschränkung für den Bau nicht notig ist. Sn diesem Volksschulhaus sollen 20 Klassensäle von verschiedenen Ausmatzen hergerichtet werden, dazu eine Reihe Rebenräume, wie Phhsiksaal, Zeichensaal usw. Für die Fortbildungsschule gilt hinsichtlich der Rotwendigkeit dasselbe wie sirr die Volksschule. Vor dem Kriege wurde die Knabenfortbildungsschule außerhalb der üblichen Schulzeit in den Schulhäusern gehalten. Durch die neue Schulgesetzgebung 'ind die Verhältnisse wesentlich geändert worden. Der Unterricht in den Fortbildungsschulen ist jetzt als Tagesschule zu erteilen, hierfür können nun aber die Volksschulhäuser nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Deshalb sind neue Schulräume notwendig. Eine solche Schule kann nur in einem eigenen Gebäude richtig untergebracht werden. Die Ausschüsse und die Fachleute sind zu der übereinstimmenden Auffassung gekommen, zweck- mätzigerweise das gesamte Fortbildungsschulwesen zu konzentrieren. Sn diesem Gebäude sollen uutergebracht werden: die Gewerbeschule, die jetzt im Gewerbehaus in der Kirch strahe ist, dazu die gewerbliche Fortbildungsschule. Beide Schulen sind durch Personalunion des Schulleiters und der Lehrer so eng miteinander verbunden, dah eine Trennung nicht möglich ist. Ferner sollen darin Platz finden: die allgemeine Fortbildungsschule, die kaufmännischen Schulen (Handelsschule, Höhere Handelsschule und die dazu gehörige Abteilung der Kaufmännischen Fortbildungsschule) und die Mädchenfortbildung sichule, die jetzt ganz besonders ungünstig untergebracht ist. Endlich sollen dort noch der Ortsgewerbeverein und die Handwerkskammer-Reben st eile, die ja zu diesem Schulwesen gehören, untergebracht werden. Auf Beschluß der Ausschüsse soll die Gestaltung des Baues so vorgesehen werden, dah später auch noch Raum für den Aliceverein gewonnen werden kann, evtl, durch Anbau. Das Fortbil- dUngsschulhaus soll an Sie Erednerstraße auf den früher für ein Volksschulgebäude ins Auge gefahten städtischen Platz kommen. Dieser Platz hat neben dem großen Ausmaß noch den Vorteil, daß er in der Rähe der Bahn liegt, ein ilm- stand, der den auswärtigen Schülern zugute kommt. Die Aussprache eröffnet ein Vertreter der demokratischen Fraktion. Er wendet sich zunächst gegen die unsinnigen und auf Unwissenheit beruhenden Kritiken und Schwätzereien, die in der Bürgerschaft gegen diese wichtigen Vorlagen zu hören sind. Er stellt weiter fest, dah der nun schon seit Sähren bestehende Zustand in der Unterbringung der Kinder in der Volksschule nicht mehr andauern könne. Wenn die städtischen Körperschaften jetzt die Lösung dieser großen Aufgaben übernehmen müßten, weil es gar nicht anders mehr gehe, so sei das nicht ihre Schuld, sondern die Verantwortung belaste die städtischen Körperschaften, die nicht schon um 1900 herum für die Volksschule durch entsprechenden Bau gesorgt hätten. Die Kritiker sollten ihre Vorwürfe gegen die falsche Sparsamkeit in früheren Sahren richten. Weiter bringt der Redner einen Antrag ein, in den jetzt auszuarbeitenden Bauplan für das Fortbildungsschulhaus die Räume für die Aliceschule gleich mit aufzunehmen, da die Tlnterkunftsverhält- nisse auch dieser Schule sehr verbesserungsbedürftig seien. lieber diesen demokratischen Antrag entspinnt stch eine sehr rege Debatte. Für den Antrag treten nur der demokratische Sprecher und eine Stadtverordnete der Deutschnationalen V o l k s p a r t e i ein, während Oberbürgermeister Keller, der Wortführer der Deutschen 23olf spartet und ein weiteres Mitglied dieser Fraktion, der Führer der Deutschnationalen 23olf spartet, der Führer der Mittel- stands - Vereinigung und der Führer der sozialdemokratischen Fraktion sich mit Nachdruck g eg e n den Antrag wenden. Die Gegner des Antrages betonen übereinstimmend, daß sie volles Verständnis für die Nöte und Wünsche des Alicevereins hätten, im Augenblick aber der großen finanziellen Belastung wegen nicht mehr getan werden könne, als die Ausschüsse beschlossen und jetzt Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m.b.H., Berlin. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Es war großes Hallo auf der Bühne und noch mehr hinter den Kulisien, aber Riekchen war still: denn sie hatte nur zu wohl gemerkt, wie Georg, verscheucht durch das allzu offene Entgegenkommen der Mutter, sich zurückzog, und Ilse war mit den Gedanken fern in Jütland bei einem, der jetzt nach vier Wochen noch nicht ein Lebenszeichen gegeben hatte. Aber diese Gedanken waren heißer von Zorn als von Liebe. Sie achtete darum nicht auf den Bären, der zum erstenmal im Kostüm steckte, einem Büffelfell, das Apothekers von einem Neffen aus Winconsin geschenkt bekommen hatten. Es war eine Strapaze, dieses Büffelfell, aber Georg trug es mit Geduld, und Ilse versicherte ihm, jeder Schweißtropfen, den cs ihm entlockte, wäre ein Vorteil für seine Erscheinung. Also — man dulde. llnb endlich gelang es ihm, die Herzenskönigin in einem Winkel der Bühne zu fassen, wo sie allein auf einem Bock hockte und müde vor sich hinträuinte, während die acht Kinder zum siebenundzwanzigsten Male ihren Tanz durchprobten. „Fräulein Ilse!" — Sie fuhr zusammen. .Haben Sie fünf Minuten Geduld für mich?" Er würde doch nicht? — Wo sie es mit Riekchen so nett in em günstiges Fahrwasser gebracht hatte? „Fünf Minuten? Sagen wir drei. Oder wollen Sie auch in die anonymen Briefe hinein?" „Ich bin ja schon drin!" „Wie?" Er berichtete. „Und nun will mein Onkel — Sehen Sie, es ist ja für Riekchen unsagbar unange- nehm, wenn sie das erfährt, und sie weieß nicht, wie ich mich dazu stelle--" Er sah sie flehend an. So, als hoffe er noch immer auf ein Wort, das ihn aus dem Gemüsegarten in den Rosenhain riefe. Aber Ilse war nicht im geringsten geneigt, den Rosenhain zu öffnen. Im Gegenteil, sie schob ihn noch viel tiefer in den Gemüsegarten. „Ja, da bleibt Ihnen doch nur ein Weg, Georg. Sie müssen mit Riekchen verlobt sein, ehe sie etwas vorgeschlagen hätten. Später wolle man ganz gern auch der Aliceschule Helsen, jetzt aber sei es nicht möglich, die in Ansatz gebrachten li Millionen noch zu erhöhen. Die Belastung dürfe nicht so hoch kommen, daß unter diesem Druck die ganze Sache undurchführbar werde. Ein angenommener Antrag auf Schluß der Debatte macht schließlich der Erörterung ein Ende. Die Abstimmung ergibt zunächst die Ablehnung des demo- kratischen Antrages mit allen Stimmen gegen die der demokratischen Fraktion. Hierauf werden die oben im Wortlaut wiedergegebenen Anträge der Ausschüsse auf Errichtung der Schulgebäude einstimmig angenommen. . Oberbürgermeister Keller gibt seiner Befriedigung über dieses einstimmige Ergebnis der Beratung Ausdruck. Senkung der Elektrizitatspreise In Gießen. Auf Antrag des Dettiebsausschusses beschließt das Haus einstimmig folgende Verbilligung der elektrischen Strompreise: 1. Mit Beginn der Zählerablesung im Monat Oktober 1926 wird der Strompreis für den Lichtverbrauch im Stadtgebiet von 48 Pfennig auf 45 Pfennig für die Kilowattstunde herabgesetzt. 2. Ab 1. Oktober 1926 werden folgende Monats-Mindestverbrauchsmengen für Doppelzähler festgesetzt: In der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März eines jeden Jahres 45 Kilowattstunden, 1. April bis 30. September eines jeden Jahres 25 Kilowattstunden. 3. Der Preis für den (auf Grund deö Drei- fachtarifes) für Beheizung, von Speicheröfen (Warmwasserspeicher, Raumheizungsspeicher, Backöfen usw.) während der Rachtzeit bezogenen Strom wird von vorgenanntem Termin ab von 10 Pfennig auf 8 Pfennig für 1 Kilowattstunde herabgesetzt: die seitherigen Rabattsähe bleiben unverändert. 4. Die unter 1 bis 3 getroffenen Reurege- lungen gelten auch für den Stromverbrauch der Gemeinde Krofdorf. Der Berichter st atter hebt hervor, daß der Preis von 45 Pfennig wieder dem V o r - kriegspreis entspricht. Die Senkung der Preise sei möglich geworden durch die Verringerung der Produkttonskosten infolge des Abschlusses mit dem Preuhenwerk „Oberweser". Hjn- zukomme, daß sich auch der Absatz im letzten Jahre erheblich gesteigert habe: am l.Rvvember 1925 waren in der Stadt 4ZZZ Zähler vorhanden, am 1. August 1926 dagegen 5213; für das Lieber landgebiet seien die entsprechenden Zahlen 8316 bzw. 85Z0. Leider könne man dem Aeberlan dgebiet die Preissenkung nicht auch zukommen lassen, da die Stadt durch einen Vertrag mit der Provinz Oberhessen verpflichtet sei, draußen auf dem dem Lande in Oberhessen keinen niedrigeren Tarif einzuräumen als die Provinz. Rur Krof- dvrf könne die Vergünstigung eingeräumt werden. (Heber die weiteren Tagesordnungspunkte werden wir morgen berichten. D. Red.) Oberhesssn. Landkreis Gießen. f. Klein-Linden, 21. Sept. Die gestrige Versteigerung des Gemeindeabstes ergab, daß bedeutend mehr Obst an den Baumen hing, als man nach den allgemeinen Berichten erwarten durfte. Auffallenderweise trugen die Obstbäume auf sonnigen Höhen und Bodenerhebungen sehr reichlich, während an Bäumen in Vertiefungen und Senkungen keine oder nur ganz wenig Früchte hingen. Erwartungsgemäß waren die Preise ziemlich hohe: es bewegte sich nach vorsichtigen Schätzungen der Zentner Aepfel am Baum zwischen 15 bis 18 Mk. Zwetschen gibt es in unserer Gemarkung dieses Jahr sehr wenig. — Die Kartoffelernte hat seit einigen Tagen voll eingesetzt. Das frühe Absterben des Kartoffelkrautes hat zahlreiche Knollen nicht zur Reife bringen lasten. Man hört allgemein Klagen über die vielen Futterkartoffeln, während ausgewachsene Kartoffeln gegen die vorjährige Ernte bedeutend zurückstehen. Industrie und Blaue Odenwälder sind die für unseren Boden am zuträglichsten Sorten. — Eine sehr gute Ernte hat allgemein die Körnerfrucht gebracht. Seit Wochen läuft vom frühen Morgen bis zum spaten Abend die Dreschmaschine, und immer noch Haden eine ganze Menge Landwirte zu dreschen. Mancher seit Monaten Er- —ai■'<»। i iib 11 von diesem Bries weiß. Denn wenn Sie und Ihr Onkel auch strengstes Stillschweigen bewahren, der Schreiber, der dem armen Riekchen entschieden einen Possen spielen will, wird sein Gift auch schon vor anderen ausspritzen. Hat es vielleicht schon getan. Soll Riekchen darunter leiden? Die ist viel zu gut dazu. Ich glaube. Sie haben überhaupt keine Ahnung, wie gut sie ist. So ehrlich, so treu in Freundschaft und Liebe, so selbstlos —, ich fürchte nur, dah Sie viel zu gut ist für Sie." „O, aber---" „Sie würde Sie maßlos verwöhnen. Sie werden dick und bequem werden. Sie werden nie wissen, was für einen Schatz Sie sich da gewonnen haben, denn Riekchen würde es Ihnen nie vorhalten, und das muß man tun, wenn die Männer in ihrem Egoismus —" „Din ich so egoistisch?" Da mußte Ilse Iad)en. Nein, der gute Junge würde seiner Frau das Leben nicht schwer machen. „Sie gewinnen das große Los, Georg, wenn Sie Riekchen heimführen. Ich kann Ihnen das eidlich geben, denn sie steht mir so nahe wie keine andere Freundin." „Ja, ja — aber die Mutter —" „Die fällt Ihnen um den Hals. — Warum sehen Sie denn so unglücklich aus? Tante Jessen ist eine ehr nette Dome. Sie dürfen nur nicht dulden, daß ie in Ihrem Hause gleich Herrenrechte beansprucht. Ind überhaupt, wenn einer solch Glückspilz ist, daß ihm das Schicksal Riekchen Jessen geradezu in die Hand spielt, der kann auch wohl eine aufgeregte Schwiegermutter in Kauf nehmen. Etwas ist überall dabei." Da sagte Georg Grützmonn mit einem allerletzten Versuch: „Und Sie, Fräulein Ilse? Ich dachte einmal —" ..Sie dachten, ich würde mich auch bald verloben nicht? Haben viele Leute gedacht und dachten alle vorbei. Nein, ich werde eine nette, alte Familien- tante, und wenn wir dreißig Jahre älter sind, komm' ich jeden Donnerstag zum Whist, und---So ds- klingelt Eitel Bostrup, die Kinder sind fertig' Nun bringen Sie uns nach Hause. Ich geh' mit Eitel Bostruv voran, und Sie können mit Riekchen nachgehen. Und wenn wir dreimal um den Markt finb — oder wollen wir viermal sagen? —, dann wsrbslose kann sich bei dieser Arbeit wieder ein paar Mark verdienen. Klein-Linden, 21. Sept. Unter außerordentlich starker Beteiligung veranstaltete der hiesige Turnverein der D.T. unter der Leitung des l.Turnwarts Ernst Pfaff aus dem Turnplatz an der Pfingstweide sein diesjähriges A b t u r n e n. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis: Zöglings-Oberstufe (6 Teilnehmer): l.Sieg Rob. Stein, 2. Heinrich Morneweg, 3. Aug. Müller und Wilh. Volk. Zöglings-Llnterstufe (4 Teilnehmer): Ghrensieg Hch. Matern, 1. Sieg Wilhelm Müller, 2. Wilhelm Fey. Schüler, O b e r st u f e (9 Teilnehmer): l.Sieg Aud. Jung, 2. Rud. Äser, 3. Rob. Weller. Schüler, Linier stufe (6 Teilnehmer): l.Sieg Ernst Jung, 2. Walter Fink, 3. Wilhelm Müller. Damenabteilung (10 Teilnehmerinnen): 1. Sieg Emmy Malinowski, 2. Else Fink, 3. Elfriede Meller. Sonderwettkämpfe: Sieger der beiden Wanderpreise im volkstümlichen Turnen und Geräte-Wett- kampf: Fritz Morneweg. Besonderen Beifall sanden die rhythmischen Freiübungen der Damen und die Freiübungen der übrigen Turner. 1—1 Lollar, 21. Sept. Wie andere größere Gemeinden mit gegliedertem Fortbildungsschulsystem bereits seit ein bis zwei Jahren ihre hauptamtlich angestellten Fortbildungsschullehrer haben, so soll jetzt auch 2 o II ar nach Entscheid des Landesamts für das Dildungswesen einen solchen erhalten. Daher wurde im Juli dieses Jahres die Stelle eines Fortbildungsschullehrers für Lollar und Um- gegend zum freien Wettbewerb ausgeschrieben. Es hatten sich außer zwei definitiv angefteHten Lehrern noch fünf Schulverwalter gemeldet. Der Schulvorstand Lollar, dem die Bewerberliste zwecks Aeuherung seiner Wünsche vorgelegt worden war, hat sich nun in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für Lehrer Eberle, Treis, ausgesprochen. t. Großen-Buseck, 21. Sept. Gestern sand die Dbftüerftcigerung an der Kreisstraße zwischen der Ganseburg und Bersrod statt. Der izrost hatte im Frühjahr einen großen Teil der Blüten vernichtet, dementsprechend war auch der dbftertrag gering. Bei guten Sorten wurden sehr hohe Preise erzielt. So wurde ein Baum, der etwa 2 bis 2,5 Zentner brachte, mit 70 Mark bezahlt. Geringere Sorten hatten niedrigere Preise. Im allgemeinen war das Obst recht teuer, und die Verbraucher müssen sich in diesem Jahr mit einem geringeren Wintervorrat begnügen. * Grünberg, 21. Sept. Außergewöhnliche Vorbereitungen trifft unsere Stadt für den diesjährigen Gallusmarkt. Im Jahre 1481 wurde der Gallusmarkt durch Kaiser Friedrich III. der Stadt Grimberg gestiftet. Er war seit dem Mittel- alter bis zur Neuzeit einer der größten Märkte Mitteldeutschlands. In diesem Jahre soll er in ganz bedeutend erweitertem Umfange abgehalten werden. Am ersten Markttage (Mittwoch, 13. Oktober) findet außer dem herkömmlichen Schweinemarkt zum ersten Male Pferde- markt statt. Der neugegründete „Ländliche Reit- und Fahrverein für Grünberg und Umgebung" wird an diesem Tage mit einer einfachen Darbietung an die Öffentlichkeit treten. Am zweiten Markttag (Donnerstag, 14. Oktober) wird Rindvieh- markt abgehalten und gleichzeitig vom Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen eine große Prämiierungsschau des Kreisrinderzuchtoereins für Vogelsberge r veranstaltet. Mittags um 1 Uhr wird in der Turnhalle die Ziehung der Gallusmarkt- lotteric veranstaltet. Seit einigen Tagen ist der Vertrieb der Lose im Gange. An beiden Tagen bietet der Gallusmarkt, wie alljährlich, Krämermarkt, Tanz, Konzert, Volksbelustigung und Schaustellungen aller Art. T ©rünberg, 21. Sept. Der Vorstand des hiesigen Reit- und Fahr-vereins hat beschlossen. die Eintragung des Vereins beim Amtsgericht zu beantragen, ferner eine Haftpflicht- und Unfallversicherung einzugehen. Die Beteiligung am Reitunterricht ist aus allen acht Mitgliedsorten sehr stark, zumal der Verein bei dem bevorstehenden Gallusmarkt öffentlich auftreten wird. — Die Zwetschen versprechen hier eine knappe Mittelernte. Mit dem Einbringen der Kartoffeln ist man allgemein beschäftigt: mit dem Ertrag ist man recht zufrieden. I Lich, 21. Sept. Wie in früheren Jahren, so hielt der Bezirksiehrerverein Lich auch brauchen Sie keine Angst mehr vor anonymen Briefen zu haben. Hand drauf?" Georg schlug ein, wenn es auch nicht sehr mit Eifer geschah. Ja, ja. Dann war es also nicht anders. Ilse nahm ihn nicht. Auch dann nicht, wenn der kleine infame Däne nicht mehr um den Weg war. Und heiraten mußte _er wohl, das gehörte einmal zum Leben, und zu «chmalebeck ganz gewiß. Und Riekchen war ein gutes Mädchen, ein ganz ausgezeichnetes Mädchen. — Ein versöhntes Licht ging über der Stunde aut „Kommen Sie", sagte Ilse und legte die Hand auf den Arm des Zeichenlehrers. „Sie dürfen mich führen, denn es ist abscheulich glatt heute abend, und mir schwant, Georg Grützmann wird wohl genug mit Riekchen Jessen zu bereden haben. Die scheinen noch eine Extraüberraschung für morgen in Szene setzen zu wollen. — Ach, ist die Lust herrlich. Da im Saale ist ein ewiger Muff. Gehen wir noch ein bißchen um den Markt." Was tat - der fidele Zeichenlehrer lieber, trotz seiner Fünfundvierzig, als Arm in Arm mit einem hübschen Mädchen beim matten Sternenlicht durch die Nacht zu wandern. Wenn er auch keinen Mantel trug, er trug nie einen, so wurde ihm warm genug von der reizenden Nachbarschaft. Er fing an zu improvisieren. „Glück ist nicht Glück allein, Man muß es auck fangen, Mir ist ein reizendes Glück In die Arme gegangen." „Höchstens an den Arm. Und dann hinken auch wieder verschiedene Versfüße." „Laßt sie hinken. Bei meinem Eid, — Das sieht man nicht in der Dunkelheit." „Nein, Herr Bostrup, wenn Sie unerträglich werden, kürze ich den Weg ab. Trotz Georg Grütz- manns und Riekchens Ueberraschung." „Wovon befehlen, gnädigste Mamsell, daß ich reden soll?" „Erzählen Sie mir von Ihren Schülern. Gucken Sie noch durch die Beine?" „Das ist gar kein Grund zum Hohn. Man sieht die Welt erst richtig, wenn man sie verkehrt herum sieht. Passen Sie mal auf--" Wie der Blitz beugte er sich nach vorn hinüber und sah zwischen heuer feine FamiUenkonferenz in Steins Saalbnu ab. Rach längen Wochen schwerer und saurer Arbeit soll dieser Tag der Erholung und der Freude gewidmet fein und die Familien wenigstens einmal im Jahre versammeln und einander näherbringen. Durch rednerische, deklamatorische und musikalische Darbietungen gewährte der Verein seinen Mitgliedern reichliche Unterhaltung, bei der auch das obligate Tänzchen nicht fehlte. — Dem Lehrer Hch. Stroh, der an Ostern von Butzbach an Die hiesige Stadtschule versetzt worden war, sein Amt aber krankheitshalber nur mit Unterbrechung versehen konnte, ist auf seinen Wunsch eine Stelle an der Volksschule zu Griedel b. Butzbach übertragen worden. — Fortbildungsschullehrer Wilhelm Hotz, der seit vorigem Winter in Lich und einigen Orten der Umgegend amtierte, ist vor kurzem wieder nach seiner früheren Wirkungsstätte Mainzurückgekehrt. — Vorige Woche wurde in unserem Städtchen der Vorsteher des Finanzamtes Homberg an der Ohm, Regierungsrat Kratz, der Schwiegersohn des früheren fürstlichen Hof- gärtners Junker, zu Grabe getragen. Als Beweis seiner Beliebtheit und Wertschätzung mbg« Die Tatsache dienen, dah sämtliche Beamten seines Wirkungskreises, sowie eine ganze'-Änzahl seiner Mitbürger ihm das letzte Geleit gaben. Auch aus £er hiesigen Gemeinde folgte seinem Sarge ein stattlicher Trauerzug. Stiftsdechant Lenz hiell die Grabrede. Die Witwe wird in ihre alt« Heimat zuruckkehren. Ein Teil dec Hornberger Herren, wohl Mitglieder des Gemeinderates uni des dortigen Turnvereins, benutzte unter Jüh. rung des Bürgermeisters Spanier nach der Beisetzung die Gelegenhett, unsere neuhergerichtete und erweiterte Turnhalle eingehend zu besichtigen. Die Herren waren von der Einrichtung allseitig befriedigt. Kreis Friedberg. Bad-Rauheim, 21. Sept. Gestern fand die Verfteigeru ng der städtischen Aepfelernte statt, die kaum eine Mittelernte war. Kauflustige waren in großer Zahl zur Stelle. Trotzdem konnten die meisten Käufe zu Preisen getätigt werden, die bei der überall geringen Ernte an Aepfeln als verhältnismäßig wohlfeil bezeichnet werden können. Es kam der Zentner am Daum durchschnittlich nicht über 10 Mark zu stehen, was erträglich ist, wenn man bedenkt, daß für Fall- und Kellerobst, nach dem starke Rachfrage ist. zur Zeit in de» Wetterau 8 bis 10 Mark von den Händlern gezahlt werden. Die Birnen, die zur Versteigerung kamen, waren durchweg sehr billig. L Steinfurth, 21. Sept. Während in den meisten Gemeinden des Kreises Friedberg dir Schaffung eines E l t e r n b e i r a t s der in der neuen Dienstanweisung für die Volksschule aU Kannbestimmung vorgesehen ist, abgelehnt wurde, haben hier Gemeinderat und Schulvorstand sich in gemeinsamer Sitzung für die Einrichtung erklärt, da man sich bei richtiger Erfassung der dem Elternbeirat zugedachten Aufgaben nur segensreiche Vorteile für die Schule davon verspricht. Kreis Büdingen. — •— Ans dem Kreise Büdingen, 21. Sept. Die Ob st der st eigerungen an den Kreisstrahen finden in dieser Woche statt. Wahrend im vorigen Jahr die Aepfelernte sehr reichlich war und mehrere tausend Zentner betrug, sind dieses Jahr kaum ZOO Zentner vorhanden. Auch in diesem Herbst zeigt sich wieder die Goldparmäne als die ertragreichste, nie versagende Aepfelsorte. Unter den ZOO Zentnern befinden sich allein 300 Zentner Goldparmänen, dann folgen Baumanns Reinette, Boskop und rheinischer Bohnapfel. Die Birnen ernte ist äußerst reichlich, es sind hier als verbreitetste Sorten Reue Poitau, Pastorenbirne und Blu> menbachs Butterbirne. Als Seltenheit unter den Aepfeln seien die aus st erbenden Sorten der M o st a p f e l und der S p e i e r I i n g mit je nur 2 Zentnern erwähnt. Unter den reichtragenden Straßen feien genannt: Echzell-Berstadt, Ober-Mockstadt - Ranstadt, Büdingen-Von- Hausen-Orleshausen, Ortender g-Dergheim-Dl-i> chenbach, Mittelgründau, Eckartshausen-Altwie- dermus, Berstadt, Wölfersheim. Ie. Bleiche nbach, 21. Sept. Unter großer Anteilnahme der Dorfbevölkerung hielt der hie» sige, feit einem Jahre bestehende Klein- Kaliber-Schützenverein am Sonntag fein erstes Preisschiehen ab. Es wurden auf den gespreizten Beinen durch nach den beiden Nachfolgenden aus. Als er, durch einen kleinen Puff von Ilse zurückgerufen, wieder eine gerade Stellung angenommen, sagte er tiefernst: „Das war der Beweis. Ich habe eben auch zwei Menschen erst richtig gesehen." „Das werden die zwei Menschen nicht gewünscht haben." „Oh, der dicke, gute Georg! Oh, das brave, gute Riekchen! Was werden das für Musterkinder werden! — Immer aufrecht, nie kopfüber in der Welt." Aber Ilse reagierte nicht. „Hat Fiete nun abends bei Ihnen Zeichenunterricht?" .„Hat er. Der Benael hat mehr Talent für den Stift in seinen Fingerspitzen als Verstand in seinem ganzen Schädel. Aber die verdrehte Alte! Die war schon ein verrücktes Huhn, als sie noch in unserem Dorf steckte und Line Pimpernelle hieß. Mich konnte sie nie leiden. Ich hott' ihr mal, als sie zum Konfirmandenunterricht ging, die Röcke mit ihrer Nachbarin von hinten zusammengenäht. Ich war drei Jahre jünger und mußte beim Pastor die Stuben mit Sand streuen, weil mein Vater doch Küster war. Und der Herr Pastor ließ auf sich warten. Und dann blieb ich hinter der Tür, bis sie aufgerufen wurde, und es gab ein großes Hallo. — Sie ging mir nachher aber mit den Nägeln ins Gesicht — ich war acht Tage lang geschunden. Jetzt ärgere ich sie damit, daß ich den Jungen umsonst abends zeichnen lerne. Sie ist Gift und Galle gegen mich." „Nur, um Madam Eggers zu ärgern, tun Sie ein gutes Werk?" „Ganz richtig. Aus lauter Bosheit bin ich zu einer guten Tat gekommen." „Ich glaube, nun könnten mir auch wohl heimgehen." „Soll ich noch einmal durch die Beine gucken?" „Ist nicht nötig." Ilse hatte sich gewandt, und als sie Georg und Riekchen Hand in Hand heran- kommen sah,' lächelte sie ihnen entgegen. „Darf ich morgen kommen und Glück wünschen, Riekchen?" Die strahlte so, daß man cs selbst im matten Nachtdämmern sehen konnte. „Wünsch' mir jetzt schon Glück, Ilse. Du bist die erste, das bringt nur Gutes." (Fortsetzung folgt.) «Ä ~ h-U ft(d)7r SÄ’ ü«igf™8,,s Der d< Ser dnen 135 Dill. Stg" f3hr im Üä August v betrug un 523186000 5 bis August r Berlin, tigen Dörse im Märkten kn lahm im Hinl wirtende Drld' fang an. Dor! fri 5 Prozent in den nächst stzmnung erst fache zur Antwort a der Eisenl nicht cingcfrol sieht, als tocni Sisenwecke en • Einlö anleihe. ' Hessischen St mä& baM DolMoates t Reihe A und 1. Oktober 19 ßtüde der Ae Selb von ! rrtragsstei gleichen Tag erfolgt in Ar> der Dollar jui amtlichen 2ei Jeuhork im 2 gerechnet. itoi*0*"1?1 iä 4 überti« $0B«. er ,8en toot. 2ich UnJ1' ,§Dh irti$ * '& ywrtetn «T’l ZL'Z AsL Men. 2ha* Ayä । i lHre oit« F'“m8S b-rg. j-foist?.- Um eine QUittd" 'n..,n grvher Zahl ° dle meisten S fct bm der überall [Ö dn^Itnismähr Mch nicht j^t lfl W lst. wenn man l- ^ellerobst, M. 4ur Zeit in £ n Händlern ge> if out Dersteigeruna billig, PL Mhrenö tu btn Ises Nöberg btt i.ra ts, der in öer 'ie DoUschulc aü ist. abgelehnt rat und LchMr- 2ihung iür die in sich bei richtiger reirat zugedachten Vorteile für Me tgen. 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Tag: Vorabend 7.05, Vormittag 8.00, Sabbatfeier den 25. Sept. 1926. Vorabend 5.45, Vormittag 8.00, Vachmittag 4.00, Sabbatausgang 7.00Wochengottes° dienst: morgens 6.30, abends 5.30. Isr. Religionsgemeinde. Gottesd. i. d.Synagoge (Südanlage). Donnerstag, den 23. u. Freitag, den 24. September 1926. Donnerstag Laubhüttenfest. Vorabend 6.15, morgens 8.30, Freitag. Vorabend 6.15, morgens 8.30, abends 6.00. 17 38 148.5 96,9 2.8 181 75 90.75 frankfurter Armaturen . jtonfcrocnfabrif Braun . . Äetallgescllichaft Frankfurt Pet. Union 2L=®....... Schuhfabrik Her; . . .... Sichel............. Hellstoff Waldhos..... Zuckcrfaürik Frankenthal . Kiiderfßbrif Waobäukel . . Amtliche Noftcrung Geld । Brief Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst der isr. Religionsgefellfchaft. Donners ta g, den 23. Sept-, und Freitag, den Sept. 1926. Hüttenfest I. Tag: Vorabend 6.05, Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 23. September: 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Vincenzo Bellini. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.45 bis 7.15 Uljr: Vortrag des Afrikareisenden Hans Schomburqk. 6.45 bis 7.15 Uhr: H. Schienet, Spielleiter beim Staatstheater Kassel, über „Der Dichter Klabund". 8.15 bis 9.15 Uhr: Liebertragung von Kassel: Reuter-Vorlesungen. 9.15 Uhr: Zazz- Tanz-Konzerl. ÄMII.-VtOIl Bnen-AireS 9rff.«flntto. Christiania. «open Hagen Stockholm . fetlfingforS. Italien. . . London. . . Neovork . . Parts. . . Schwei, . . Spanien . . Japan . . . Wo de Jan Wien tn D-' Ceft. abgeft. Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. LMabou Danug. . . Konstantin. Athen. . Canada. . Urugnati . . 94.25 65 3.25 180.75 73,25 91,62 Wirtschaft. Der deutsche Außenhandel im August. Der deutsche Außenhandel zeigt im August einen Einfuhrüberschuß von insgesamt 135 Mill. Rm., im reinen Warenverkehr 36 Mill. Rm. gegen 108 Mill. Rm. im Juli und 33 Mill. Rm. im -Juni. Im einzelnen betrug die Einfuhr im August insgesamt 971 271 000 Rm.. im Juli 935 900 000 Rm., in der Zeit von Januar bis August 6 276 538 000 Rm. Die Ausfuhr betrug im August 336 425 000 Rm., im Juli 823 186 000 Rm. und in der Zeit von Januar bis August fl 449 471 000 Rm Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Sept. Es wurden notiert: Weizen (WcNerauer) 28,75 bis 28,90, Roggen (inländischer) 22,75 bis 23, Sommergerste (für Drauzwecke- 23 bis 26, Hafer (inländischer) 17,75 bis 18,25, Mais (gelb) 18,50, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 41,50 bis 42, Roggen- mehl 33 bis 34, Weizenkleie 9,25, Roggentleie 10,50. — Tendenz: Fest. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) * Einlösun g der hessischen Dollaranleihe. Rach einer Bekanntmachung der Hessischen Staatsschuldenverwaltung erfolgt gemäß den Bestimmungen der Dollaranleihe des Volksstaates Hessen vom 1. Dezember 1923 Reihe A und B die Einlösung der auf den 1. Oktober 1926 zur Rückzahlung gekündigten Stücke der Reihe A in Reichsmark mit einem Aufgeld von 15 Prozent nach Abzug der Ka° Pitalertragssteuer. Die Einlösung der auf den gleichen Tag gekündigten Stücke der Reihe B erfolgt in Reichsmark. In beiden Fällen wird der Dollar zum Durchschnitt der Mittelkurse der amtlichen Berliner Rotierung für Auszahlung Reuhvrk im Monat August 1926, gleich 4,20 Mr. gerechnet. Berliner Börse. Berlin, 21. Sept. Bei Eröffnung der heutigen Börse waren die Kurse an den Aktienmärkten knapp gehalten. Das Geschäft nahm im Hinblick auf die zum Ultimo zu erwartende Geldverteuerung keinen größeren Um» fang an. Vorläufig ist Lagesgeld noch mit 3,5 bis 5 Prozent angeboten, doch dürfte der Sah in den nächsten Lagen eine wesentliche An- fpannung erfahren Auch veranlaßte die Tatsache zur Zurückhaltung, daß die belgische Antwort auf den letzten Einigungsvorschlag in der E i s e n p a k t f r a g e bis heute vormittag nicht eingetroffen ist und daher der Anschein besteht. als wenn sich in der Haltung der belgischen Eisenwerke entgegen den allgemeinen Erwar- 12er Scheiben (50 Meter) liegend aufgelegt, kniend und stehend freihändig je drei Schuß geschossen, ein Schuh auf eine Chrenscheibe. In der Zöglingsabteilung erhielten von 15 Schützen 7 Preise: durchschnittliche Ringzahl 40. Am Preisschiehen der Alten beteiligten sich auch Richtmitglieder, von 46 erhielten 7 Preise: die beste Ringzahl war 73. Die Preise waren wertvolle Gebrauchsgegenstände. Kreis Schotten. —s— Hartmannshain, 21. Sept. Ein frecher Diebstahl ereignete sich in unserem Dorfe. Einem hiesigen Einwohner wurde am bellen Tage der größte Teil seiner ge rauch er- t e n Fleisch- und Wurst waren aus der Fleischkammer gestohlen. Der Dieb muß ein Feinschmecker gewesen sein, denn die weniger giften Nciucherwaren, wie Blutwurst usw., kieß er unbeachtet. Bis jetzt ist man über die Person des Langfingers noch vollkommen im unklaren. tungen noch kein Einlenken zeige. Bedenken erregten ferner auch die Zunahme der Insolvenzen in der letzten Woche und die Entwickelung der Außenhandelsbilanz. Das Interesse beschränkte sich auch heute in der Hauptsache aus Rentenwerte. An dem Aktienmärkten zeigten nur einige wenige Papiere Kursbefestigungen, während die Tendenz sonst meist nach unten gerichtet war. Im Devisenverkehr schwächten sich die westlichen Frankenvaluten erneut stärker ab. Paris ging gegen London auf 176,65, Brüssel auf 185,75 zurück. Mailand und Madrid lagen dagegen leicht befestigt, ebenso der Dollar mit 4,197 gegen die Reichsmark. ranffiirtcr Börse. Frankfurt a. M._ 21. Sept. Tendenz: Aktien lustlos. Renten lebhaft. Bei dem Mangel einer nennenswerten Beteiligung der Provinz am Börsengeschäft eröffnete der Verkehr an den Aktienmärkten recht st i l l, wobei die G e l d - Verhältnisse, die wieder ungünstiger zu werden beginnen, Grund zur Zurückhaltung boten. Die älmsahtätigkeit war so gering, daß für eine Reihe von Werten die Rotierung anfangs ausfallen muhte. Unter diesen Umständen waren die Kursveränderungen zunächst nur unbedeutend. Das Kursblld zeigte geringe Schwankungen nach oben und unten. Rach kurzem Verlaufe trat die Spekulation mit Abgaben hervor, wodurch die allgemeine Stimmung wieder schwächer wurde. Am Montan- markt verstimmte das Verhalten der belgischen Stahlinteressenten beim Abschluß des internationalen Slahlpaktes. Montanaktien lagen infolgedessen 1 bis 2 Proz. niedriger. Auch I. G.- Farben büßten 2 Proz. ein. Scheideanstalt minus 1 Proz. Goldschmidt schärfer gedrückt minus 2,5 Proz. Elektroaktien gaben ebenfalls 1 bis 2 Proz. nach. Bankaktien waren zumeist gut gehalten. Darmstädter plus 0,37 Proz. Schiffahrtsaktien lagen schwächer. Dau- stoff-und Zuckeraktien neigten zum Rachgeben. Im Gegensatz zu den Aktienmärkten setzte sich die Belebung am Markte der ausländischen Renten fort. Unter starker Beteiligung der Spekulation wurden namentlich für Türken und Russen größere Almfähe erzielt. Die Steigerungen waren aber minimal, und schließlich wurde auch dieser Markt von der ungünstigen Strömung der Aktienwerte beeinträchtigt. Das Interesse für heimische Anleihen, das sich gestern bemerkbar machte, übertrug sich auch auf den heutigen Verkehr. Die dlmsah- tätigkeit war bei leicht anziehenden Kursen ziemlich rege. Der Freiverkehr bot das übliche stille Bild. Benz 78 Prozent, Brown Bovrri 132 Prozent, Growag 60 Prozent, Frankfurter Handelsbank 85 Prozent, Ufa 39 Prozent, Becker- stahl 32 Prozent. Der weitere Verlauf blieb lustlos. Die Kurse gaben zumeist weiter nach. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 Prozent noch etwas angeboten, dagegen Monatsgeld mit 5,5 bis 7,5 Prozent je Adresse gesucht. Warenwechsel 5,38 Prozent, Bankakzcvte 4,75 Prozent. 2m Devifenverkehr trat eine Abschwächung der Frankenvaluten ein. Paris gab gegen London auf 176,50, Brüssel auf 186 nach. Mailand lag mit 133,50 behauptet. Das englische Pfund war gegen Kabel abgefchwächt auf 4,85ä/8. Die Reichsmark liegt weiter fest. 2t Septbr. Amtliche Notierung Geld Brie' 167.94 168,36 167,94 168,36 1,706 1,707 1.705 1,709 11,29 11,33 10,92 10,96 91,85 92,07 91,94 92,06 111,35 111,63 111,35 111,63 112,04 112,32 112,04 112,34 10,547 10,687 10,548 10,588 15,13 15,30 15,33 15,38 .'0,342 20,392 20,321 20,391 1,191 1,201 4,193 4,203 11,69 11,73 11,50 11,54 60,99 »1.19 61,01 61,21 63,57 63.73 53.74 63,90 2,043 2,047 2,04.3 2,047 0,638 ü,640 0.633 0.635 59,115 59,255 59,12 69,26 12,412 12,442 12,412 12,452 7,41 7,43 7,415 7,435 s,87 6.89 5,87 6,89 ',047 .1,057 3.047 J,057 21,475 21,525 -1.475 21,525 81,36 11,56 81,355 81,555 2,192 2.202 2,18 2,19 5,09 5,11 5,09 6,11 1,195 4.205 1.193 4,203 4.19 4,20 1 4,19 4,20 Frankfurt a.M. Berlin Schlu» i-Uhr. Schluh-I Ante i »nsang fturc Nur« Rur« Datum: 21.9. ; 22. 9. 21. 9. | 22. 9. 5e/p Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche ReichSauleihe . BVae/n Deutsche Reichgan leihe 0.499 0,505 0.49 ; 0.51 — ; 0.4625 0,475 * . — 0,4625 0.475 3% Deutsche NeichLanlcihe . — _ 0.615 0,65 Deursche Sparprämienanleihe 0,26 — 0,275 1 <°/o Preußische Konsols . . . 0.46 — 1,4625 0,475 4°/0 Hessen........... 0,43 — — 3*/io/o «essen.......... 3% Hessen........... — — — —— _ 0,435 _ Deutsche Werth. Dollar-Ank. 95,25 । _ dto. Doll.-Schav-Anweijug.*) — — — «•/o Zolltürkrn......... 16,25 16.5 16.4 _ 5% Goldmerikoner ..... 48,62 — 48 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank 217 142.7* 140.7* 217,7* 14t* 217,2* 141,2* Darmst. und Nationalbank . 226' 227.4* 225.7* 226,7* Deutsche Bank......... 169.5* 168,7* 170* 169,2* Deutsche BereinSbank .... 96,5 DiSconlo Commandil . . . 165.2* —— 164,7* 164* Metallbank........... 137 135,5 Mitteldeutsche Tredttbank . . 138,25 -- 138.2* Lesterrcichische Creditanstalt. 8,55 — 8,8 9 Wesrbank. .......... — -- Bochumer 'Su6 ........ 151.25 _ 152* 161,7* Buderus............ 94,5 — 93* 93 Taro ............ — __ 87* Deutsch-Luxemburg...... 149 — 151,2* 151,7* Gelsenkirchener Lcrglorrkr . . 163.5* 162,5* 163,2* 163* Horpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 162 136 162* 161,2* 137.9* 163* 137,7* Kaliwerk Wcitcrcgclu. .... 143,5 — 146 144.25 Laurahüttc........ . . 62,5 — 53,5 52,5 Oberbedars........... 73 71,5* 73,5* 73* Phönix Bergbau ....... Nheinftahl........... Plc deck Montan....... 118,5* 163.5* 117.5* 151,7* 117.9* 153* 117,5* 152,9* 150,5 151,7* 151* 150.2* Lelluü Bergbau...... 68,75 Bereinigte Stahlwerke A,-G. 139,5 139 Samburg-Anierika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . , 164.7* 162* 160.5* 163,9* 162,5* 162.5* 160* Theramtschc Werke Albtn . . 4.79 1 _______________ _ Zementwerk Heidelberg . . . 129.5 124.5 Philivv Holzmann...... 125,3 125,75 — Anglo-Cont.-Guano..... — — 97 Chemische Mäher Alechin . . — __- y. Ä. ‘jyarbeninbHftrte, Sl.-G. Goldschmidt.......... 278.2* 107.1 27 7* 104,5 278* 168 278* 103,12 Holzverkohlung........ Rütgerswcrkc........ 51 116,5 50 115,5 115 Tchcidcanstalt......... 162 162,25 Allg. ClckkrtzitälS-Gesellschaft 159’ 158,5* 158,62 158.a* Bergmann .......... Mamkrastwerke ........ — -* 156 156’ 104.25 — Schlickert............ 138 — 108,5* 137* Siemens t Haläkr ...... 199* — 198.2* 196,4* Adlerwerke Kicher ...... 63.25 x'l 81,75 81,75 Daimler Motoren. ...... 82.25 S1 81,12 80 Heyligenstaedt........ 28.75 — Megmn............. 43.1 43 _ Motorenwerke Mannheim — — 41,75 — Berlin, 21. Septbr. Geld Brief Amerikanische Note»..... 4,175 1,195 Belgische Noten ....... Dänische Noren ........ 11,28 111,09 11,34 111,65 Englische Noten........ Franwffsche Noten...... 20,305 20,405 11,92 11,98 Holländische Noten ...... 167,58 168,42 Italienische Noten ...... Norwccnsche Noten...... 15,46 91,67 15,57 92,13 59,275 Deutschesten., 5100 Kronen 59,075 Rumänische Noten...... _ Schwedische Noten ...... 111,74 80,07 112,30 81,16 Schweizer Noten....... Svamsche Noten...... 63.29 63,61 Tschechoslowakische Noten . . 12,391 12,451 Ungarische Noten....... 5,84 5,88 OVEWTOLLum 50% verbessert KÖLN TRIER HAMBURG DRESDEN dieses vorläufige Ergebnis unseres Entwicklungsganges nehmen wir vorweg,um dem Raucher Gelegenheit zu geben,die zurZeit vor sich gehende Qualitätsverbesserung zu beachten und mitzuverfolgen. die bedeutende Steigerung unseres Umsatzes und die Vervollkommnung der Betriebs-Einrichtungen, verbunden mit einer Umstellung des Arbeitsganges nach wissenschaftlichen Erkenntnissen,haben die Kosten der Herstellung erheblich ver- ringert.Auf diese Weise ist es uns möglich geworden,für unsere Tabakj-Einkäufe noch höhere Betrage aufzuwenden. CWir legen heute für unsere Overstolz Mischung 50% mehr an als vor einem Jahrfas heisst also gegenüber ^Qualität, die schon damals OVERSTOLZ zur meistgerauchten 5Pf-Zigarette Deutschlands gemacht hat. 3o unterscheidet sich unser heutiger Tabakpreis von dem früfyerew. JEETDEM vor einem halben Jahr unsere letzten Ankündigungen über OVERSTOLZ erschienen sind,ist eine zweite Overstolz-Fabrik entstanden.Sie hat es ermöglicht,die Produktion dieser Marke über 500 Milhonen im Monat zu steigern. Mit dem Bau einer dritten Overstolz- Fabrik ist bereits begonnen,die im Frühjahr 1927ihren Dienst aufnehmen soll. Für den Büchertisch. Schöne Literatur. — Die Gewaltigen. Novellen aus drei Jahrtausenden. Don Walther Eidlih. 203 Seiten. Paul Zsolnay Verlag. Berlin. Wien. Leipzig, 1926. — Eidlitz. zuvor aus Gedichten und einigen (nicht überall günstig beurteilten) Dramen bekannt geworden, deren wesentlichste sich um die Gestalten Moses und Hölderlin bewegen, erweist sich mit diesen! Buch als ein Erzähler von Bang. Drei Novellen greifen zurück in die Welt- Historie, kreisen um große Zentren vergangener Zeiten. Jerusalem, Hellas und Moskau — König David, der junge Alexander und der sowjetgewaltige Moskauer Wladimir (eine Namensverschleierung wohl) werden Mittelpunkt der Gestaltung. Wohlbekannte Menschen und Dinge und Ereignisse: dennoch ist alles neu, kraft eines Dichters. Jeder hörte als Kind aus der Bibel die Geschichte von David und Abfalom und Bath- seba und Tlrias. Wem ward sie so zum lebendigen. durchbluteten, menschlichen Erlebnis, wie diesem Eidlih, der das alles o et tieft verschärft, vergeistigt, seelisch lockert und auskämpft. Der starke, farbig in Mensch und Landschaft leuchtende. eifig und wuchtig daherfliehende Stil macht das Uralte zum Gegenwärtigen. Es ist Gewinn mrd dunkle Freude zugleich, das Königsschicksal sich zusammenballen zlu sehen: dies ist wohl die stärkste Leistung des Bandes. Ausgezeichnet auch in Sprache und Gehalt die geistig umrissene mrd geläuterte Alexandergestalt im Bingen mit sich selbst, gegen den herrisch-kalten Vater, um die alten Götter, die die Mutter ihn lieben lehrte. Auch die Moskauer Novelle ist leidenschaftlich erzählt, mit Feinheit gegliedert und zu Ende geführt. — Der Band ist eine klare und schöne Bereicherung der jungen Literatur. 399 — Traumroman. Von Hans Brandenburg. 76 Seiten. H. Haessel, Verlag, Leipzig. — Ein interessantes und sehr eigenartiges Buch. Branden- bürg gibt hier einen überraschend geglückten Einblick in die Welt, die mit Sigmund Freuds ebenso berühmter, wie anfechtbarer Traumdeutung hellsichtig erschlossen schien und doch heute noch, im alleraufgeklärtesten Zeitalter, Geheimnisse birgt, die eben allenfalls nur gedeutet werden können. Branden- bürg deutet aber nicht, gibt keinen Versuch, kein Experiment, zieht feine Schlüsse — er träumt, ganz einfach, zeichnet die wirre, bunte Figurenkette, die phantastisch filmhafte Bilderflucht und die „unlogische", doch wohl unterbewußt gebundene Ereignisfolge seiner Schlafvisionen auf, und es ist einem oft zumute, als ob man in einen Spiegel schaute. Wer Phantasie hat, wer träumen kann und gerne träumt und sich darüber Gedanken macht, als über ungelöste, geheimnisvoll verschlungene Arabesken des Seelenlebens, wird verwandtes Erlebnis spüren und Freude haben an diesem persönlichen und sehr seltsamen Buch. Man liest dergleichen nicht alle Tage. 463 - De ulschkun bliche Bücherei. Zn der bekannten Sammlung, die der Verlag Quelle und Meyer in Leipzig erscheinen läßt, sind wieder eine Anzahl neuer Hefte hrrausgekommen. Dr. Salomon bietet in einer Nummer Proben aus Walther von der, Vogelweide: im nriftelhixhdeulschen Tert sind hier die schönsten und zugleich charakteristischsten aus Walthers Gedichten. Schmuckstücke der gotischen Lyrik überhaupt. vereinigt. Die kurzen Ainnerkungen des Herausgebers sind, da für Laien zum Verständnis unentbehrlich, sehr zu begrüßen. — Hans Schauer fteUt in zwei Bändchen Dichtungen und literarische Zeugnisse zur Poetik des deutschen Barock zusammen. Die Auswahl ist sehr geschickt und trefflich geeignet, in die geistige Welt des krausen und welschen Jahrhunderts in Deutschland einzuführen. - Wilhelm Schneider („D rutsche Kunstprosa") legt stilistische Studien an Hauptwerken des 19. Jahrhunderts vor. Besonders prägnante Phänomene, führende Erzähler der Epoche. Heine, Kleist. Stifter, Keller und Nietzsche lieferten vorzügliches Material hierzu. — Ein nun verstorbener Altmeister der Germanistik, Kluge, beschäftigt sich in lichtvollen Darlegungen, auf gediegenstes Wissen gestützt, mit einem Sonderthema, das zu erörtern kaum einer berufener sein konnte, als er: mit deutscher Namenkunde. Das Bändchen liegt bereits in 4. Auflage vor. — Eugen Mogk endlich, namhafter Germanist und Folklorist, schreibt in gedrängter Form eine treffliche Einführung in das weite, vielgliedrige Gebiet der deutschen Heldensage. Vorangestellt ist erfreulicherweise eine knappe Darlegung der historischen Grundlagen der großen Sagenkreise, die das Büchlein in klarer Gliederung und zweckvoller Folge bespricht. 423—428 — Das Lebenswerk von Anatole France. „Das Leben der heiligen Johanna", ist von Friderike Maria Zweig für die deutsche Ausgabe bearbeitet und überseht worden. Das Werk wird mit vierzehn Abbildungen auf Tafeln, einem Plan Frankreichs aus dem Fahre 1429, in dem der Weg der Ieanne d'Arc eingezeichnet ist. und mit einem faksimilierten Brief des „Gottesmädchens" vom 3. M. Spaeth-Verlag in Berlin in diesen Tagen herausgebracht. — K n ut Hamsun läßt seine Gedichte zum ersten Mal gesammelt und gesichtet, in der ilcber- setznng von Heinrich Goebel unter dem Titel „Der wilde Chor" noch in diesem Monat im -I. M. Spaeth-Verlag. Berlin erscheinen. — Alfred Polgar: Noch allerlei Theater. (Ja und Nein. Schriften des Kritikers, Band III.) 239 Seilen. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1926. — Der dritte Band bestätigt und verstärkt die Eindrücke, die der zweite, schwächer bereits, als der erste, hinterließ: man tonn einen guten Einfall nicht auf Flaschen ziehen. An sich sind „Schriften des Kritikers", in feiner Auslese, als geistige Quintessenz kritischer Arbeit in vielen Jahren, durchaus eine aparte Sache. Aber es kommt eben auf die Auslese an. Dieser Band wirkt reichlich zusammen- gewürfelt. Die Kritik führt vom Wesentlichen zum Belanglosen. Vom Trauerspiel zum Brettl und Film, von Sophokles zu Chaplin, der als ein „Großer kleiner Kunst" gepriesen wird, worüber man streiten kann. Auch die eingestreuten Aphorismen sind recht ungleich. 377 — Hans v. Hülsen: Der Finken- stcinsche Orden. Novelle. Mit einem Nachwort von Hermann Dollinger. Reclams Uni- versal-Bibliothek Nr. 6660. - Hans v. Hülsen erzählt ein Zugenderlebnis aus seiner west- preußischen Heimat. Eine alte Pfarrkirche mit ihrer Orgel, ihren Glocken und ihrem geheimnisvollen Grustgewölbe gibt den Schauplah für Spiel und Verirrung eines Knaben, in dessen phantasievollen und sensitiven Anlagen man wohl Den werdenden Dichter ahnt. Beife und Kraft von Hülsens Darstellungskunst bewähren sich in dieser kleinen Erzählung ebenso wie in seinen großen Romanen. 473 — Adalbert Beinwald: „Peter von Horn". Die Geschichte eines deutschen Mannes. (Verlag F. Haberland. Leipzig. Ganzleinen geb. 5 Mk.) — Das Buch — ein Roman über die Zukunft unseres Vaterlandes — beginnt im Schützengraben, als die Revolution in unsere Reihen einbricht und führt in großen, ernsten Bildern durch den Wirrwarr der vielen unzulänglichen Rettungsversuche bis zur Befreiung unseres Volles von den inneren und äußeren Feinden. Am Schluß zeigt der Dichter das wiedergeborene Deutsche Reich, für das der Held Peter von Horn als General im Kampfe um die Ostmark sein Leben läßt. Zn diesem Manne, der aufgezehrt wird vom Eifer um sein heißgeliebtes Vaterland, reckt das unsterbliche Heldentum des deutschen Volkes aufs neue sein Haupt. 353 — Das fiebernde Haus. Roman von Walther von Hollander. 288 Seiten 8°. Ullstein. Berlin 1926. — Das Thema ist nicht neu: Gesellschaftskritik. Realistischer Spiegel der Nach- kriegs-Dekadcnce des Berliner Westens. Neuartig ist die Einkleidung, die Konzentrierung des Personals in ein einziges Haus, in eine der wohlbekannten. zahllosen Mietskasernen zwischen Nollendorfplatz und Kurfürstendamm. Die ersten Kapitel fesseln durch Detailschärfe und sicheren Aufbau. Die späteren Partien verflachen und ermüden, können auch durch die eingesprengten Traktate keineswegs innerlich gehoben werden. Die Fieberkurve fällt gegen Ende steil ab. 464 — Friedrich Wilhelm Mader. Gedenkblatt zum 60. Geburtstag. 47 Seiten 8n. Union. Deutsche Derlagsgesellschaft. Stuttgart. 1926. — Mader, der vor kurzem das 6. Lebens- jahrzehnt vollenden konnte, ist weiteren Kreisen vor allem als Zugendschriftsteller mit Reiseerzählungen im Stile Zules Vernes bekannt geworden. Die vorliegende Schrift vereinigt das vom Zubilar selbstverfatzte curriculum vitac für seine Freunde und Leser mit einer umfänglichen Auswahl aus Pressestimmen und anderweitigen Urteilen über Maders Schriften. 434 — Volkssagen und Erzählungen aus der Stadt und dem Landkreis Stolp. Gesammelt und herausgegeben von Prof. Otto Knoop. Verlag Oskar Eulitz. Stolp 1925. 378 Bildende Kunst. — Geschichte der Deutschen Kun st. Don H. und O. Luckenbach. 512 Seiten Gr.»8° mit 572 Abbildmrgen, 80 Tafeln in Schwarz- druck und 6 farbigen Tafeln. R. Oldenbourg, Verlag, München 1926. Zn Ganzleinen 18,50 Mk. — Die neue Kunstgeschichte der bekannten Verfasser unternimmt es mit Geschick und Erfolg, einen schier unübersehbaren Stoff zu sichten, zu schichten, zu gliedern und dein Leser (d. h. vor allem: dem Betrachter) so darzubieten und nahezubringen. daß er. wofern er Laie ist, nicht gleich von Anfang an den Mut verliert. Mit der starken, räumlichen Begrenzung ist sogleich i>ie Gesamtanlage des Werkes gekennzeichnet: es handelt sich hier um eine großzügige Einführung, um einen Ueberblick über die weitverzweigten, unendlich vielgliedrigen Stosfkreise deutscher Kunst, von den Anfängen bis zur nahen Gegenwart, der nur die wichtigsten Zusammenhänge vermitteln kann und will. Die Gliederung, nach der allgemeinen Einleitung, ist einfach und einleuchtend: Baukunst — Plastik — Malerei (und Graphik). Ein besonderes Lob verdient das Anschauungsmaterial, sowohl was die Auswahl, wie die Reichhaltigkeit angeht. Man muß sich darüber klar sein, wieviel in diesem Fall auf die Bilder ankommt. Der beste Text bleibt unzulänglich, wenn das Anschauungsmaterial (qualitativ und quantitativ) mangelhaft ist. Kleine Ausstände wollen an der Gesamtwertung dieser vortrefflichen Neuerscheinung nichts ändern. (Fig. 209, Baukunst der Neuzeit, scheint z. B. ein wenig vorteilhaftes Beispiel moderner Archi- teftur zu illustrieren.) Die neuefte Zeit ist füglich auf einen verhältnismäßig geringen Raum angewiesen: es kann hier naturgemäß nur Darauf ankommen, die lleberleitung und Den Anschluß an das Vorangehende zu geben. Register und Quellenverzeichnis befriedigen: bei einer späteren Auflage Dürfte die Hinzufügung der wichtigsten Literaturnachweise willkommen sein. Die Repro- dukttonen und Die übrige verlegerische Ausstattung des Werkes sind untadelig. 300 — Han dbuch des Kun st Marktes. Kunstadreßbuch für das Deutsche Reich, Danzig und Deutsch-Oesterreich. 792 Seiten. Antiqua- Derlagsgesellschaft Hermann Kalkoff, Berlin 1926. — Der bekannte Berliner Kritiker und Kunsthistoriker Dr. Osborn hat ein sachkundig und lebendig angepacktes Vorwort zu diesem ausgezeichneten Nachschlagewerk geschrieben, das, mit beDeutcn« Dem Fleiß und großer Genauigkeit gearbeitet, auf alle einschlägigen Fragen zuverlässig Auskunft geben und eine in weiten Kreisen schmerzlich empfundene Lücke im Bücherregal endgültig schließen durfte. 488 Philosophie und Religion. — Zufall und Schicksal. Von Erich Stern, a. 0. Professor an Der Universität Gieße n. (Wissen und Wirken Band 34.) Karlsruhe, G. Braun, 1925. — Die kleine Schrift sucht zu zeigen, daß der Desttmmbarkeit und Berechenbarkeit des Lebens Grenzen gesetzt sind, und daß der , Zufall" im Leben eine wichtige Rolle spielt. „Zufall" bedeutet aber nicht finn- uni) ursacheloses Geschehen. Zn der Aufdeckung der Zusammenhänge, welche hinter dem Zufall stehen, liegt eine Aufgabe, deren Tlntersuchung auch für weitere Kreise von Znteresse ist. Der Verfasser betont, daß die Struktur des Zufallgeschehens ganz verschieden sein kann: die Analyse der verschiedenen Formen des Zufalls bildet Den Inhalt Der vorliegenden Schrift. Zm Wesentlichen lassen sich zwei Reihen von Zufallsgeschehen unterscheiden: in der ersten hängt es ausschließlich von uns selbst ab, in der zweiten uon uns und von anderen, außerhalb unser stehenden Faktoren. Da, wo der Zufall für uns bedeutsam wird, d. h. lebensgestaltenden Einfluß gewinnt, sprechen wir von Schicksal. Auch das Schicksal hat also eine subjektive Komponente Bon hier aus führt Der Weg zu einer Erörterung Der Beziehung zwischen Religion und Naturwissenschaft und zu der Frage nach Der Möglichkeit von Zusammenhängen höherer Ordnung. Der Verfasser schließt mit Dem Hinweis, daß wissenschaftlicher Analyse Grenzen gezogen sind, und daß sie die Ehrfurcht vor Dem Uner- forschlichen nicht aufhebt. Die flüssig geschriebene Tlntersuchung behandelt Fragen, Die jeden Menschen immer wieder beschäftigen: sie Dürfte für weitere Kreise von Interesse fein. 393 — Wagner und Nietzsche. Don Pros. Dr. Zoh. M. Verwehen, Bonn. XI und 195 Seiten 8°. Verlag Strecker u. Schröder, Stuttgart. — Diel ist schon über das Verhältnis von Wagner und Nietzsche geschrieben, der geschichtliche Ablauf ihrer Freundschaft oft geschildert worden. Gerade Den Psychologen mußte es reizen, zu zeigen, wie es tarn, daß zwei geistig bedeutende Menschen, die aus gemeinsamer Quelle schöpften und sich innig zugetan schienen, so weit voneinander entfernen konnten. Der Bonner Philosoph Verwehen unternimmt es hier, die geistigen (SrunDIagen dieses aus Freundschaft sich zu Feindschaft wandelnden Verhältnisses llar- zustellen. Verwehen -untersucht die Hauptfaktoren ihrer Entwicklung, ihre Wesensart, die vor allem unbedingte Hingabe an das Werk zeigt, umreißt ihre Stellung zu Deutschland, dem Wagners ganze Liebe, Nietzsches funkelnder Haß galt, ihre Stellung zur Kunst, ihr geistiges und freundschaftliches Verhältnis zueinander. Zu Den interessantesten Kapiteln gehören Die beiden letzten, Die das Typische der Freundschaft zwischen Wagner und Nietzsche herausarbeiten und eine Gesamtwürdigung Der beiden Großen bringen. 394 — Deutschtum und Christentum. Don Prof. v. v. Walter. Langensalza, Hermann Beyer und Söhne. 95 Seiten. — Der Verfasser untersucht zunächst die beiden zur Behandlung stehenden Begriffe für sich und zeigt Dann ihr Verhalten zueinander bei ihrer Berührung und im weiteren Verlauf der geschichtlichen Entwicklung. Wir erkennen, wie gerade im Germanentum Die christliche Lehre so schnell und so tief Wurzel schlagen konnte, und wie Dann in Luther Die vollständige Verschmelzung zwischen Deutschtum und Christentum stattfindet, indem er die innige Verbindung von Furcht und Liebe im Frömmigkeitsgehalte herstellt in Dem Grund- und Eckstein seiner Lehre: Rechtfertigung allein durch den Glauben. Dann führt uns der Verfasser weiter durch die Weltanschauungen Der führenden Persönlichketten unD Die religiösen (Strömungen Der nachfolgenDen ZahrhunDerte, unD wir sehen mit Deutlichkeit, wie sie mehr oDer weniger von Luther abführen und wie DaDurch Die Der- binDung zwischen Deutschtum unD Christentum gelockert wirk). Daraus entsteht Dann klar unD einDringlich Der Ruf nach einem neuen Luthertum. 494 — Der Weg zur Vollendung. Mitteilungen Der Gesellschaft für freie Philosophie, Schule Der Weisheit, DarinstaDt. Otto Reichl, Verlag, Darmstadt — Zm 12. Heft Der vom Grafen Hermann Keyserling geleiteten Zeitschrift interessiert neben einer bemerkenswerten, philo- sophisch-päDagogischen Betrachtung Des Herausgebers über Das Verhältnis von Eltern unD KinDern vor allem das Buchreferat, wo man neben zustimmenDen WürDigungen von Tlnamuno unD RuDols BinDing u. a. eine ziemlich vernich-- tenDe Kritik über Fritz von TInruhs „Flügel Der Nike" lesen kann. 487 ~~ Basler Missions-Studien (Neue Folge). Unter Diesem Titel erscheint im Evang. Missionsverlag G. m. b. H., Stuttgart, eine Reihe von kleinen Schriften, Die, von Fachmännern bearbeitet, allerlei wichtige GegenstänDe aus Geschichte, Theorie unD Praxis Der Mission behandeln. Es liegen vor: 1. Afrikanische Bibelübersetzungen. Ein kurzer -Ueberblick für Die FreunDe Der Bibel unD Der Mission. Von Prof. D. Carl Meinhof, Hamburg. 2. GolDkörner im heidnischen Urgeftcin. Ein Vergleich der Sitten und Gebote Israels, hauptsächlich im Pentateuch, mit Denen der Heiden in Kamerun. Von Z. Keller. 3. Die Mission und Die Zukunft des Reiches Gottes. Von D. Theodor Oehler, Missionsdirektor. 397 Staat und Volkswirtschaft — Adolf Wagner, „D e r organische Staat". 8°. 88 Seiten, gebunden ' 1,60 Mk. (Bios-Bücherei.) R. Voigtländers Verlag. Leipzig. — Eine sinnreiche und anregende Auseinandersetzung zum Problem einer biologischen Staatsauffassung. Indem Wagner Der üblichen Auffassung vom Zeltenstaate unD Der Wertsetzung eines Staatswesens als einer Vergesellschaftung von Zellen entgegentritt, erblickt er im Organismus eine geschlossene Einheit, welche sich ihre Teile bilDet unD sie regiert unD im Staate einen Ausgleich zwischen Vielheiten, Die ihn bilDeu unD regieren. Dor allen Dingen bekämpft Wagner Die nur mechanistische Lebensdeutung unD Weltanschauung und erblickt in einer solchen geradezu das Grab jedweder Ethik und jeder geistigen Kultur, lieber allem Natur- und Lebensgeschehen waltet etwas Geistiges, das wir wohl ahnen, aber weniger begreifen können. Sofern dieses geistig schaffende Prinzip an einem bestimmten individualisierten Körper sich aus- wirkt und in dieser Auswirkung wieder von ihm abhängig ist, mögen wir es als Seele des Organismus erfassen. 346 — Dr. R. Kr 0 peit: Werbearbeit, Werbe- und Dertriebslehre für Kaufleute. 256 Seiten mit 14 Beispielen, 12 illustrierten Mustertafeln und 7 Organisations- Plänen. 7.50 Mark. (Erka-Derlag, G. m. b. H., Rhens a. Rhein.) — Im letzten Teil dieser Arbeit kleidet Der Verfasser den Zweck seines Werkes in Die folgenden Worte: Nach einer Einführung in das Wesen der Rellame und in Die Ergebnisse Der werbewissenschaftlichen Forschung erhält Die Unternehmung eine lleber- sicht über Zweck und Ziele Der kaufmännischen Werbung, werden Die Werbemittel erklärt unD besprochen unD in Der Werbevorbereitung Die Beschaffung Des Werbematerials und dessen Kosten gezeigt. Durch die Herausgabe eines Werbeeignungsschlüssels für Die Zeitungsrellame erhält der Kaufmann zum erstenmal ein brauchbares Hilfsmittel für Die selbständige Auswahl Der für seinen besonderen Zweck geeigneten Insertionsorgane. Kostenvoranschlag und Werbeplan verdichten sich zum Rellameetat. in dessen Rahmen Die Durchführung Des Werbefeldzuges stattfindet. Alles in allem: eine nach Der Zeit- folge geordnete Arbeitsanweisung für Die Reklame Der Unternehmung. oerbunDen mit dem Versuch. Dem kaufmännischen Nachwuchs durch eine „Werbelehre" Gelegenheit zur Selbstausbildung im Reklamewesen zu geben.“ 482 — Das steuerbare Einkommen des buchführenden Landwirts von K. Schlör, Oberregierungsrat bei der Zentralbuchprüsungs- stelle Der Reichsfinanzverwaltung, und A. Krin- ner, Diplom-Landwirt, Regierungsrat bei D. F. A., Breslau. Preis geh. 4,50 Mark, in Halbleinen geb. 5,80 Mark. Industrieverlag Spaeth & Linde, Berlin W. 10. — Gerade rechtzeitig zu den bevorstehenden Steuerveranlagungen für landwirtschaftliche Betriebe treten die Verfasser mit obigem Buche an die Oeffentlichkeit. Sie geben Dem Landwirte aus ihrer langjährigen betriebswirtschaftlichen und steuerrcchtlichen Erfahrung einen leicht faßlichen und doch Die Materie erschöpfenden Wegweiser an Die Hand. Das Buch beschränkt sich nicht nur auf eine bloße Erläuterung Der gesetzlichen Bestimmungen über das steuerbare Einkommen und die Ordnungsmäßig- kctt der landwirtschaftlichen Buchführung, vielmehr wird Dem LanDwirt an HanD eines nach Den verschiedensten Systemen unD Alten Der lanDtoirt- schaftlichen Buchführung durchgeführten Beispiels im einzelnen gezeigt, wie er seine Bücher führen muß, Damit sie von Den SteuerbehörDen als ordnungsmäßig anerkannt werden, und wie er auf Grund seiner Buchführung sein steuerbares Einkommen errechnen muh. 479 Verschiedenes. — Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens. Begründet von Dr. Löwen- selb und Dr. Kurella, herausgegeben von Prof. Dr. Kretschmer. Heft 126: Unfruchtbarkeit als Folge unnatürlicher Lebensweise. Don Prof. Dr. med. et phil. H. Stieve. Mit 20 Abbildungen. Verlag von Z. F. Bergmann, München 1926. Preis 3,60 Mk. — Die Abhandlung sucht, gestützt auf zahlreiche, einschlägige Literatur, das Problem der unbeabsichtigten Sterilität beim Menschen aus gewissen Bedingungen des modernen Kulturlebens abzuleiten und bringt, unter Berücksichtigung von Parallelexperimenten mit Tieren und anatomischen Dersuchen, die durch Abbildungen verdeutlicht werden, auch für den Laien lesenswerte Gesichtspunkte zur Sprache. 443 — Das Zeichenbuch Von Rudolf Koch 2. bedeutend erweiterte Auflage. (Verlag Wilh. Gerstung, Offenbach a. M. Ganzleinen 9 Mk., brosch. 7,50 Mk.) Eine Sammlung von 493 Zeichen, wie sie in Den frühesten Zeiten, bei Den Völkern Des Altertums, im frühen Christentum unD int Mittelalter gebräuchlich waren. Da sind astronomische und astrologische Zeichen, byzantinische und alte deutsche Kaisermonogramme, Apotheker-, Chemiker- und Steinmetzzeichen, Haus-, Hof- und Handelsmarken, christliche Zeichen und Runen, die alle mit den frühen Grundformen zusammenhängen, Die in Die Urgeschichte Der Menschheit zurückführen. Ein Geheimnis birgt jedes Zeichen, das sich nur dem Eingeweihten offenbart. Ein Zauber steht noch heute- hinter jedem, sei es das uralte Pentagramm aus frühchristlicher Zeit, das Monogramm Iustinians oder Karl des Großen, Die Hausmarken Der Fugger und Welser oder Die Zeichen Hans Sachs' und Michelangelos, ein gotisches Steinmetzzeichen oder eine Rune. Wir haben heute den Glauben an Die Zeichen zurückgewonnen — allerorts werden sie von Der Iugend wieder verwendet. Sie für Den Gebrauch unserer Zeit zu sammeln und zu erklären, ist Der Zweck Dieses Buches. Bei allen Der Vergangenheit entnommenen Zeichen wurde mit größter geschichtlicher Treue verfahren. Wissenschaftlich anerkannte Fachleute haben für einzelne Gebiete wertvolle Beiträge geliefert, Doch verfolgt Das Buch feine gelehrten Absichten, sondern soll im Gebrauch des täglichen, persönlichen und beruflichen Lebens seine Ausgabe erfüllen. In Diesem Sinne ist Dem vortrefflichen, volkstümlich gehaltenen Werke eine weitgehenDe Verbreitung zu wünschen. (299) — Thüringer Wald. („Meyers Reise- bücher". 25. Auslage 1926. Mit 22 Karten, 23 Plänen und 2 Rundsichten. Preis in Seinen gebunden 4 Mk.) — 3m Iubiläumsjahr des 1826 (in Gotha) gegründeten Bibliographischen Instituts in Leipzig erschien soeben in Der bekannten Sammlung „Meyers Reisebücher" der Führer „Thüringer Wald" (die 25. Auslage Des früheren Reisebuches „Thüringen"). Der insgesamt 300 Seiten starke Band umfaßt außer Dem Thüringer Wald sein nördliches Vorland von Merseburg im Nordosten bis Eisenach im Westen, sowie das südliche Vorland vom oberen Werratal bis Coburg mit einem Ausflug ins obere Maintal. Das Werk ist gegen die letzte Auflage stark erweitert und gründlich erneuert worden. Eine sehr begrüßenswerte Derbesserung ist Die Aenderung in Der Anordnung des Führers und Die Einführung zweier neuen Abschnitte mit einer anschaulichen Landeskunde und einem Abriß Der Landesgeschichte. In Dein ebenfalls sorgfältig berichtigten und ausgebauten farto- graphischen Teil ist die ilmgebungsfartc von Oberhof durch einen Neustich in größerem Maßstäbe erseht: ferner wurden neu aufgenommen zwei farbige Stadtpläne von Gotha und Gera. Die Der Iubiläumsauslage zuteil gewordenen Verbesserungen werden die Deliebthett des wegen seines reichen Inhalts, seiner Zuverlässigkeit und seiner vorzüglichen Karten bevorzugten Führers, Der sorgsam allen Bedürfnissen des Sommerfrischlers und Wanderers angepaht ist, noch steigern. Die besondere Wertschätzung des Buches kommt schon darin zum Ausdruck, daß der Thüringerwald-Derein Den Band als Vereins-Führer gewählt hat. Iedem Besucher des Thüringer Waldes wird Der Führer ein treuer Berater und unentbehrlicher Begleiter sein. 391 — Gesetze unD Verordnungen über den Kraftfahrzeugverkehr. Text- ausgabe mit kurzen Anmerkungen. Herausgegeben von O. Zimmermann, Syndikus des Leipziger Automobilllubs, Rechtsanwalt in Leipzig, und Dr. Mattar, Rechtsanwalt in Leipzig. Reclams Tlniversal-Dibliothek Nr. 6656 bis 58. — Die wachsende Leistungsfähigkeit Der Automobil indu- strie unD Die DaDurch erzielte billigere Herstellung Der Wagen hat eine entsprechende Zunahme des Automobilverkehrs gebracht. Die ursprünglich zu seiner Regelung erlassenen Vorschriften haben sich daher als unzulänglich erwiesen, unD es mußte, insbesondere durch Die mehrere Materien umfassende Regelung vom 5. Dezember 1925, das gesamte Verkehrswesen in automobilistischer Hinsicht den stärkeren VerkehrsanforDerungen angepaßt werden. Der vorliegenDe Band bringt Die einschlägigen Gesetze, soweit sie für die Allgemeinheit von besonderer Bedeutung sind, nach Dem zur Zett neuesten StanDe, mit kurzen Anmerkungen versehen. 472