wk c*;* tenbörie. Tendenz im Der- tute allgemein Miet, olge Heineren Ananhallender Dachin Zeilhandel stellte len ®onat nachdem Wuchtigkeit die Ernte- Z M. höher, Herbst- »len Stand. Weizen etwas über 1 W.» ückt viel verändert ichsragi für Wmter- rden. LedlM zur fanden einige Hm- Aier mangelt e» rgslust. Wehl ist m öht, ober nur I.W«. lt ” gesucht. Außer :n fischen Erdöl r N- an. Bon 4 Frankenthal um Mel unverändert "etwas regeres Se. Auslän. .'M Freiver- ta. me von 40 auf ■ das Geschäft auf « Stahl 21 Praz, srvwag 60 Droz f5 'M Ufa erlaufe schrumpfte >ch blieb die Stirn- et. vereinzelt kam M. Der Geld- Mstglrit. indem >trn ist. Tagesgeld ib war zu WA bü i. 3m Devifen- fische Franken unterworfen, tag aus 233 gegen gegen das Pfund land mit 151 gegen Dar. eidebörsc. . I. Juli. Es wurden , 32 Wk. nominell; Zafer, ausländischer, •18,50; Weizenmehl. 13,75; ’Hoggenmchl ggenßeie 11 Mk. Nr. 169 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 22. Juli 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle. wonatr.Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der» lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'fche Umverfilälr-Vuch- und 81eindruckerei R. Lange in Stehen. Zchnstleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspf ennig; für Re- stlameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20*, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Der Sturz des Kabinetts Herriot. Ablehnung des Vertrauensvotums in der Kammer mit 290 gegen 237 Stimmen. - Demission Herriots. Poincare mit der Kabinettsbildung beauftragt. - Panikstimmung in Paris. Paris, 22. Juli. (WTB. Funkspruch.) In der Kammer ist gestern abend der von der Regierung angenommene Vertrauensantrag mit 290 gegen 237 Stimmen a b gelefjn t worden. Das Kabinett herriot ist also mit 57 Stimmen In bet Minderheit geblieben und ist jum Rücktritt gezwungen. Rlinisterpräsident herriot hat sich gegen 10JO Uhr mit feinen Mitarbeitern s L t ysee begeben, um dem Präsidenten der Republik die Demission des Kabinetts zu überreichen. Präsident Doumergue hat die Demission angenommen und den ehemaligen Präsidenten der Republik und mehrfachen Rlinisterpräsi- denten Raymond Poincarö mit der Bildung des Kabinetts beauftragt. Poincarö hat den Auftrag angenommen. Roch in der Rächt hat er mit Barthou, dem ehemaligen Handelsminister C h a u m e t und Albert Sarraut, dem französischen Botschafter in Angora, verhandelt, die er angeblich in fein Kabinett aufnehmen will. Dieses soll nur wenige Minister, vielleicht nur fünf oder sechs enthalten, heute vormittag will Poincare mit Briand, Painlevö und Bokanowsky verhandeln. poincare wird wahrscheinlich selbst das Finanzministerium übernehmen. Die Niederlage in der Kammer. Paris, 21. Iuli. (WTB.) Dor überfülltem Hause und mit ungeheurer Spannung, sowohl bei den Abgeordneten, wie beim Publikum, begann heute um 5 älhr die Kammersihung, bei deren Eröffnung Herriot sofort die Rednertribüne betrat, um die angekündigte Regierungserklärung zu verlesen, die folgenden Wortlaut hat: Die gestern gebildete Regierung hat ihre ganze Sorge auf das Finanzproblem konzentriert; niemals ist die Lage klarer und die Entscheidung dringlicher gewesen. Ungeheure Schwierigkeiten stehen zum Teil unmittelbar bevor, über die die Kammer unterrichtet wird und unverzüglich befinden muh. Wir sind der Ansicht, das) wir diesen Schwierigkeiten, selbst der dringlichsten, mit der Hilfe des Parlaments entgegentrelen müssen. Wir werden kein Schluß- dekret verlesen. Tlnser Programm gründet sich auf die Lieberzeugung, daß das Land sich selbst retten muß. Frankreich gedenkt die Schuld, die es zur Verteidigung der Freiheit eingegangen ist, in einem Maße und in einer Form zu bezahlen, daß es sicher ist, die Verpflichtungen, die es übernehmen wird, hallen zu können. Aber wir sind unnachgiebig insofern, als cs sich um die vollkommene Unab« hän gigteit seines Handelns auf allen Gebieten handelt. Wir weigern uns unter allen üirtftänbcn, die Grenzen des Rotenumlaufs zu erweitern. Unser Ziel ist die Stabilisierung der Währung. Aber wir wollen diese Leistung nicht mit aus- toärtiger Hilfe allein vollbringen. Die Devisen, die sich außerhalb Frankreichs in französischem Besitz befinden, müssen zurückgeschafft werden. Zu diesem Zweck wollen wir ein Devisenkonto bei der Dank von Frankreich eröffnen und schließlich die Rückkehr zum Regime der Freiheit der Kapitalien durch ein neues Amnestie- angebot vorbereiten, aus dessen Ablehnung fo empfindliche Strafen gesetzt werden sollen, daß sich niemand darüber wird hinwegsehen können. Wir sind der Ansicht, und erklären, daß, wenn die Dank von Fraickreich unabhängig sein soll, die Amortisationskasse autonom sein muß, und wir sind bereit, deren Mittel im Bedarfsfälle in der Form von Verfassungsgesehen zu gewährleisten, aber es ist notwendig, als Gegenleistung für die von den französischen Rentenbesitzern erlittenen Verluste eine Ausgleichssteuer auf alle Aktiven zu schaffen, die nicht im Dienste des öffentlichen Kredits stehen. Die Modalitäten dieser Angaben werden in der Weise näher geregelt werden, daß weder für Hinterziehung seitens der Steirer- pflichtigen noch für Mißbräuche seitens des Fiskus Raum ist. älebrigens gedenken wir dem Parlament einen Gesetzentwurf über die f)od)ftbcfteuerung vorzulegen, der auf alle Fälle die steuerlichen Lasten des Ertrages der Arbeit und der Spartätigkeit einschränft. Wir sind zu dem Augenblick angelangt, wo es gilt, die Vergangenheft zu liquidieren. Wir fordern Sie auf. uns auf dem Weg zu folgen, der vielleicht leidvoll sein wird, der uns aber zum Wohle des Landes führen muß. Wie alle Völker, die ihre Finanzsanierung durchgeführt haben, wollen wir b i e Lebenshaltung des Landes einfchränken. Die Einschränkungen werden beim Staate beginnen. Wir haben für diese höchst dringliche Ausgabe eine parlamentarische Einigung zusammengebracht, soweit dies bei den Spaltungen, die ein umnöglich beizubehaltendes Wahlsystem geschaffen hat, angängig war. Erklären sie sofort, ob sie eine andere Mehrheit für eine andere Formel haben, oder ob sie im Gegenteil der Ansicht sind, daß man, wie wir es meinen und erklären, die Gedanken der demokratischen Gerechtigkeit mit der Sorge um die nationale Selbstbehauptung vereinigen darf. Rach der Verlesung der Regierungserklärung, die von der Linken und einem Teil des linken Flügels der Mitte mit Beifall ausgenommen wurde, verlieft der Vizepräsident Brühe die von einigen kommunistischen Abgeordneten, darunter Cachin, eingebrachten Interpellationen über die Finanzen. Ministerpräsident Herriot erklärt sich mit der sofortigen Beantwortung der Interpellationen einverstanden, woraus Cachin sie begründet. Er wendet sich zunächst gegen das parlamentarische Regime, das immer mehr in Mißkredit geraten sei und es nicht verstände, die Inflation zu vermeiden, die in ganz Europa den Mittelstand ruiniert habe und die Demokratien zu Revolutionen geführt habe. Cachin wendet sich gegen die Industrie, die ihre ausi- ländischen Devisen nicht nach Frankreich bringe. Er sordert weiter die Schließung der Effektenbörse. Die französischen und die ausländischen Finanzleute und die Kapitalisten seien für das Elend des französischen Volkes verantwortlich. Sie müßten streng bestraft werden. Die Arbeiter- und Bauernregierung werde es nicht schwer haben, besseres zu leisten, als die bürgerlichen Regierungen. Hierauf folgt die Interpellation des radikalen Abgeordneten Borel über die Finanzlage. Er ergeht sich in längeren Ausführungen über die Schuldenregelungsabkommen, kann jedoch trotz der Bemühungen des Präsidenten den im Saal herrschenden Lärm nicht durchdringen. Nachdem die Begründung seiner Interpellation mit der Erklärung geschlossen hatte, es wäre viel bester, der Regierung sofort b a 93 er- trauen z u entziehen, als sie erst in einiger Zeit zu stürzen, denn Frankreich habe allzusehr unter der mangelnden Festigkeit der letzten Kabinette gelitten, ergriff der sozialistisch-republikanische Abgeordnete A u b r i o t das Wort, der die Regie- rungserklärung als unklar bezeichnete und anregte, mit England und Amerika neue Verhandlungen über die Regelung der Schulden Frankreichs bei diesen Ländern einzuleiten, um die Unabhängigkeit Frankreichs zu sichern. Darauf ergriff Finanzminifter de Monzie das Wort zn folgender Rede: Regierung und Parlament stehen vor einem Komplex von Fragen, die durch ihre Dringlichkeit ihre besondere Bedeutung gewinnen. Die Regierung wird dem Parlament die volle Wahrheit sagen. Als ich mich mit Caillaux über die Lage besprach, hat der der Dank von Frankreich zur Verfügung stehende Betrag noch 239 Millionen Franken betragen. Heute beläuft er sich auf nicht mehr als 60 Millionen. (Bewegung.) Heute vormittag hat der Gouverneur der Bank von Frankreich an den Finanzminister einen neuen Brief gerichtet, in dem er mitteilt, daß der Spielraum der Bank von Frankreich kaum noch ausreichend sei, und daß sie davorstehe. ihre Zahlungen ein st eilen zu müssen, daß sie aber geneigt fei, den Morgan- Fonds unter den früher angegebenen Bedingungen nutzbar zu machen. Um die Krise des Schatzamtes zu beseitigen, gibt es drei Lösungen: Man kann die Amortisierungen einftellen, man kann die direkten Steuern für das Iahr 1926, die noch nicht eingegangen find, diskontieren, man kann aber auch brüsk und sofort konsolidieren, was natürlich im ganzen Lande eine Panik Hervorrufen würde. Hierzu habe ich mich nicht entschließen können, ich habe vielmehr beschlossen, der Kammer einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Devisen des Schatzamtes wieder der Dank von Frankreich zurückgegeben werden sollen. Die Regierung wird die Vertrauensfrage nicht stellen. Wird der Antrag abgelehnt, dann werde ich trotzdem der Dank von Frankreich die Ermächtigung geben, die Dollarbestände des Morganfonds soweit es die Bedürfnisse erfordern, zu verwerten, damit die Pforten der Staatsbank nicht geschlossen werden. , ,, Der Gedanke der Währungsstabilisierung fei in Frankreich Problem geworden. Da jedoch die Frage der Eröffnung amerikanischer Kredite seit dem 15. Iuni nicht mehr gestellt werden könne, sei er genötigt, sich nach neuen Plänen umzusehen. Wir haben in Frankreich viel Reichtümer. Dir ziehen es vor, sie auszunühen, damit wir nicht das Ausland anzurusen brauchen. Es handelt sich um Reichtümer in Frankreich und in den Kolonien. Ich werde die Llmgestaltung von »Synthetisch Ammoniak" in eine Gesellschaft, die fein Monopol erhalten soll. Vorschlägen, ferner das gleiche System auch für Kali anwenden. Wir müssen den Deistand des Auslandes suchen, denn dadurch können wir die Kredite erlangen, die wir brauchen. Hätte die Kammer am letzten Dienstag den Caillauxschen Gesetzentwurf angenommen, dann hätte sie nichts erreicht, weil der Sachverständigenplan abhängt von den ausländischen Krediten, die man jetzt unmöglich erzielen farm. Der Finanzminister erinnert daran, daß er im letzten Iahre den Plan einer Zwangs» anleihe gefaßt habe, bei dem ein ^Unterschied gemacht werde zwischen denjenigen, die ihre Ersparnisse dem Staat zur Verfügung gestellt hatten und denjenigen, die weder Staatsrenten noch Bonds hatten, noch ihr Geld anderswo angelegt haben. Den ersteren würde man eine Herabsetzung des Zinsfußes auferlegen, wobei der Zinsunterschied in die unbedingt selbständige Amortisationskasse fließen würde, die andererseits mit der -von der anderen Kategorie der Staatsbürger geforderten Zwangsanleihe gespeist würde. Cs handele sich nicht um eine Kapitalabgabe, Werl in Frankreich sich nichts ohne die Zustimmung des Landes verwirkliche lasse. Ministerpräsident Herriot erklärt: Ministerpräsident Briand hat gewußt, unter welchen Bedingungen sich die Durch- sührung des Sachversiändigenplanes darstellte. Gegen die Pläne hätten nicht nur Zweckdienlich- keitsgründe, sondern auch prinzipielle Erwägungen gesprochen. Das Verlangen, daß Frankreich 62 Iahre schwere Lasten auf sich nehme, erfordere Erwägungen. Mein Patriotismus hat es mir verboten. Ich habe, wie die meisten Redner von Louis Marin bis Leon Blum erklärt haben, gewollt, daß Frankreich sich selbst rette. Herriot betont, er habe niemals das französische Kapital mobilisieren oder amputieren wollen. Die Regierung t ill, und darüber sind sich alle einig, daß in die Amortisationskasse nicht das Erträgnis einer Ausländsanleihe fließt, sondern Beiträge, die die Franzosen selbst leisten. Herriot versichert, die Regierung sei fein politisches Ministerium. Sie wisse sehr wohl, daß Frankreich sich in einer sehr ernsten Lage befinde. Die Regierung behaupte nicht, daß es nicht notwendig fein werde, die älmsahsteuer zu erhöhen, aber damit das Volk neue Steuern annehme, müsse es das Gefühl haben, daß Steuergerechtigkeit herrsche. Herriot erklärte zum Schluß, die Regierung lasse sich nicht nur von dem Wunsch: nach Gerechtigkeit leiten. Als glühender Patriot habe er die Auffassung, daß die Lage nicht ohne die Mitarbeit des Dolksempsindens wiederhergestellt werden kann. Ich erkläre an dieser Stelle, daß bas französische Dolf nicht den leichten und trügerischen Weg beschreiten darf, sondern einen dornenvollen Weg, den alle diejenigen Bölter gingen, die sich selbst sanierten, den Weg des heiles durch das nationale Opfer. Das ist der härteste Weg, aber der einziae, der das Land retten Ann, das ist derjenige, der dem Volk empfohlen werden muß, diesem Volk, das mit seinem Blut gezahlt hat und jetzt mit seiner Arbeit zahlen soll, Und nun meine Herren urteilen sie! Die Rede Herriots wurde auf der äußersten Linken und von einem Teil der Linken mit Beifall ausgenommen. Der Kammerpräsident teilt den Eingang eines Antrags Cazals und Genossen mit, der folgenden Wortlaut hat: „Die Kammer spricht der Regierung das Vertrauen aus, daß sie die von den älmständen gebotene energische Finanzpolitik durchführt und geht zur Tagesordnung über.“ Vor der Abstimmung ergriff Franklin Bouillon das Wort, um zu erklären, daß er gegen die Regierung stiminen werde. Er bezeichnet die von Herriot angegebenen Gründe für sein Eingreifen am Samstag als nicht stichhaltig. Richts schade dem Lande mehr, als fortwährende Krisen. Herriot erklärt sodann, die Regierung nehme den Antrag Cazal an und stellt die Vertrauensfrage. Es wurde eine öffentliche Abstimmung vorgenommen. Wie sich während der Abstimmung beobachten ließ, stimmten die Kommunisten gegen den Antrag, die Sozialisten dafür. Die Radikalen enthielten sich teilweise der Stimme, die Mehrheit der Radikalen stimmte aber für den Antrag, während einige dagegen stimmten. 2m Zentrum überwogen die gegen die Regierung abgegebenen Stimmen. Die Sitzung wurde hierauf zur Vornahme der Auszählung unterbrochen. Rach Wiederaufnahme der Sitzung wurde um 9.40 llfjr die Ablehnun g des Dertrauensantrages mit 290 gegen 237 Stimmen bekanntgegeben. Das Ergebnis wurde von den Radikalen und den Sozialisten mit dem Rufe: „Es lebe Herriot!“ ausgenommen, während die Kommunisten riefen: „Die Sowjets!“. Demostrationen vor der Kammer Paris. 22. Iuli. ($11.) Das Abstimmungsergebnis wurde in der Kammer mit eisigem Schweigen ausgenommen. Rur vereinzelt brachte man Bouillon, der gegen ein Vertrauensvotum gesprochen halte. Ovationen dar. Aus dem Platz vor dem Palais Bourbon ist es zu noch nie dagewesenen Demonstrationen gekommen. Die Menschenmenge, die von einem starken Polizeiaufgebot nur mühsam z irückgehal- ten werden konnte. lärmte während Der ganzen Dauer der Kammersihung. Immer wieder ertönte der einstimmige Ruf: „Rieder mit Herriot! „Kammerauflösung!'' Das Abstimmungsergebnis wurde draußen mit lauten Bravorufen begrüi;.. Rach Schluß der Sitzung' muhten sich die Mitglieder des Kabinettes Herriot durch eine Hintertür aus dem Gebäude entfcm.'n, lo.'il die ungeheure Menschenmenge vor der Ka.nmer eine drohende Haltung eingenommen hatte.^Die Kammer war noch am späten Abena von Tausenden von Menschen umlagert, die Kundgebungen, die sich zum Teil gegen die gestürzte Regierung richteten, veranstalteten. (Ein nationales Kabinett. Paris, 22. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Was kommt jetzt? Der Gedanke an eine nationale Regierung hat ganz ungewöhnlich an Boden gewonnen. Hervorragende politische Pcrsönlichkeit.n haben sich für sie ausgesprochen. Allerdings wird nur ein Konzentrationskabinett rechtsgerichteter Orientierung möglich sein, sobald Zentrum und Rechte durch Zuzug des rechten Flügels der Radikalsozialisten verstärkt würden. Der Präsident der Republik hat ja schon dieser S'l.n- mung durch die Berufung Poincares lech- nung getragen. Bon besonderer Bedeutung erscheint die Erklärung, die der der Radikalen Partei angehörende Bizepräsident der Kammer, B o u y s s o n, gegenüber der Presse abgab. Er äußerle, daß, wenn der Präsident der Republik einen der früheren Ministerpräsidenten zur Kabinettsbildung berufen sollte, wenig Aussicht bestände, daß der neue Ministerpräsident eine Mehrheit finde. Die Stammer wolle von den alten .Formeln nichts wissen und verlange neue. W i r brauchen einen neuen Mann, so schloß Bouysson, einen Führer, der fähig ist, die Politik und ihre Intrigen vergessen zu machen und der weiß, daß er, obwohl er nur allgemeinen Gedanken nachgehen kann, auch auf die kleinsten Einzelheiten Rücksicht nehmen muß. Gegen die Fremden. Paris, 22. Dull. (Ill.) In paris haben sich im Lause des gestrigen Tages neue Angriffe auf Fremdenautos abgespielt. Lin mit 50 Reisenden besetztes Auto wurde von heimkehrenden Arbeitern umringt. Rur durch die Geistesgegenwart des Lhausseurs konnte ein schwerer Zwischenfall verhindert werden. In eln§m anderen Stadtviertel wurden Ausländer von Frauen, die aus der Markthalle kamen, mit Rüben und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen beworsen. Berliner Prefsestimmen. Berlin, 22. Iuli. (WTB. Funkspruch.) Zu dem Stur; des Kabinetts Herriot schreibt der „Vorwärts": Herriot ist gestürzt worden, weil das Programm seiner Regierung eine st ä r- l e r e Heranziehung des Besitzes vorsah, während die Regierung Driand-Caillaux die Sanierung durch die Gewinnung ausländischer Kredite erreichen wollte. Herriot sei zum Teil als Opfer eigener Fehle r gefallen. Weil er gegen die Gewährung außergewöhnlicher Vollmachten an das Kabinett Briand protestierte, sei er zwar seinem republikanischen Gewissen gefolgt. Außergewöhnliche Zeiten erforderten jedoch außergewöhnliche Maßnahmen. Eine Derfafsung werde nur für normale Zeiten ausgearbeitet. Ohne Regierungsvollmachten lasse sich eine so fortgeschrittene Inflation nicht überwinden. Riemals wäre es in Deutschland gelungen, die Marl zu stabilisieren, wenn nicht Der Deutsche Reichstag Ermächtigungsgesetze angenommen hätte. Was jetzt kommen werde, sei nicht gerade erfreulich für die französische und die deutsche Demokratie. Poincare als Retter sei' ein trüber Abschluß zweijähriger Politik des Linkskartells. Die „Tägliche Rundschau“ meint: Die parlamentarische Lage in Frankreich sei im Lause der letzten Tage etwas geklärt worden. Es habe sich gezeigt, daß 'für die Durchführung des Programmes der Finanzsachverständigen unter der Führung von Caillaux keine Mehrheit in der französischen Kammer vorhanden sei. Der Sturz Herriots habe gezeigt, daß auch das sozialistische Programm der Kapitalsabgabe und der Sanierung aus eigener Kraft keine Mehrheit finde. ES bleibe nunmehr nur noch die Frage offen, ob ein Politiker der Rechten imftanbe sei, mit einem eigenen Finanzprogramm eine Mehrheit zu sinden. Der Eindruck in Amerika. London, 22. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Reu- ter veröffentlicht ein Stimmungsbild aus Reuyork, worin ausgeführt wird, die Aufmerksamkeit der Oesfentlichkeit konzentriert sich auf die Vorgänge in Europa, besonders in Frankreich. Das Gefühl herrsche vor, daß Frankreich seine Einwohner nicht besteuern wolle, um das zu beschaffen, was es von Rechts wegen der Bereinigten Staaten schulde. Je länger diese Schulden- reglung aufgeschoben werde, um so intensiver werde dieses Gefühl. Die „Neuyork Times" schreibt: Zum ersten Male sind sich die internationalen Finanzleute, darunter auch viele, die sehr franzosensreundlich sind, darüber einig, daß zwischen der gegenwärtigen französischen und der früheren deutschen Laae eine gewisse A e h n l i ch k e i t besteht. Eine Reihe von Männer aus der Finanzwelt ist der Meinung, daß die Lösung der französischen Krise durch einen Diktator mit außerordentlichen Vollmachten erfolgen könne, der imstande sei, die erforderlichen Maßnahmen durchzuseizen. Man äußerte aber Zweifel, ob ein solcher Mann außer Elemenceau gefunden werden könne. Dieser aber sei, wie man zugeben müsse, zu alt. Eine Persönlichkeit, die die notwendige Unterstützung in der Oeffentlichkeit finden würde, sei in Frankreich nicht zu entdecken. polens auswärtige Politik. Der Außenminister vor dem Sejm. Warschau, 21. Juli. (Wolff.) Der polnische Minister des Aenhern Zalewski gab im Auswärtigen Ausschuß des Sejm eine Darlegung über die auswärtige Politik Polens. Dre innere Arbeit in Polen sei so gewaltig, daß das Land, um sie zu bewältigen, alle nur möglichen Anstrengungen zur Erhaltung des Friedens machen müsse. Die Festigung des Einflusses und der Autorität des Völkerbundes bleibe immer das Ziel der polnischen Politik. Mit um so größerer Beunruhigung beobachte Polen die Möglichkeit einer Krise im Zusammenhang mit dem angekündigten Austritt Vrasi- l i e n s und mit einem eventuell, ähnlichen Schritt Spaniens. Unter diesem Gesichtspunkt nehme Polen für sich die Aotwrndigkeit in Anspruch, Garantien zu ständiger Mitarbeit im Völkerbund zu erlangen. Durch die Sicherung solcher Mitarbeit Polens im Rat werde es^ bcm Völkerbund ermöglicht, die Aufgaben zu erfüllen, zu denen er berufen sei. Der Minister besprach ferner die Bündnispolitik Polens und betonte, daß diese der Ausdruck der unveränderten friedlichen Politik Polens sei. Solcher Art sei vor allem das Bündnis mit Frankreich, das keinerlei Aende- rung erfahren könne. Die Verknüpfung der Interessen, die Polen und Deutschland verbinden, erforderten eine ständige friedliche Zusammenarbeit. Die polnische Regierung wünsche eine solche von Bitterkeiten freie nachbarliche Zusammenarbeit. Die polnisch-deutschen Beziehungen könnten, auf eine solche Voraussetzung gestützt, in hervorragendem Maße zu der Entspannung der internationalen Lage beitragen. Eine wichtige Etappe auf diesem Wege sei -die Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen. Ein deutsch-russischer Dertraa sei Gegenstand besonderer Wachsamkeit der polnischen Regierung. In politischer Hinsicht hoffe Polen auf einen günstigen Abschluß der Verhandlungen. Polen beabsichtige nicht, irgendwelche Blocks gegen irgendwelche Nachbarn zu bilden. Den baltischen Staaten und Finnland bringe Polen herzliche Sympathie entgegen und unterstütze ihre Bestrebungen nach Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Der Minister sprach ferner die Bereitschaft aus, mit Litauen in normale Beziehungen zu treten. Im Verhältnis zur Kleinen Entente beabsichtige Polen die Linie der Politik im Verhältnis zu jedem einzelnen Staat der Kleinen Entente fortzuführen. Schwere Bombenanschläge in Oberschlesien. 1 Kattow?h, 21. Suli. (Wolff.) Sn der i vorletzten Rächt wurde gegen das Verlagsgebäude des Korsanth-Blattes „Poss Ionia“ ein Bomben-Attentat versucht. Dank der Aufmerksamkeit eines Wächters wurden die Täter - durch die herbeigerufene Polizei gestellt, als sie gerade die Tat ausführen wollten. Fünf Personen wurden verhaftet. Bei einer wurde eine Dynamitbombe von 12 Kilogramm gefunden. Die Verhafteten sind sämtlich Mitglieder des Aufständischen-Verbandes. Sie geben zu, einen Anschlag auf die „Polonia" aus „moralischen Gründen" geplant zu haben. Sn derselben Rächt wurde im Theatersaal von Kattowitz- Sosephsdorf ein Bomben-Attentat verübt, in dem kurz vorher eine Veranstaltung des Simeon- Paul- Vereins stattgefunden hatte. Dadurch, daß die Bombe, die schon vor der Veranstaltung gelegt worden sein muß, verzögert zur Explosion kam, wurde ein unübersehbares Unglück vermieden. Der Sachschaden ist ziemlich erheblich. Den Tätern will man auf der Spur sein. Sn der Rächt zum Dienstag wurde ferner in Polowo gegen das Haus des Bruders deS kürzlich zu Ii/2 Sohren Gefängnis verurteilten Rektors Dudek eine Dynamitbombe geschleudert, die Dudek schwer verwundete und das Haus arg beschädigte. Auch in Hohenlohehütte ist ein Dynamitattentat gegen den Pfarrer Möchah verübt worden. Chamberlain leugnet die deutsche Abrüstung. London, 21. Juli. (WB.) Auf eine Anfrage nach dem Charakter der kürzlich von dem Leiter der Interalliierten Militärkontrollkommisfion der deutschen Regierung übermittelten Note in der heutigen IIn! rhaussitzung erwiderte der Staatssekretär des Aeußeren, Cbamberlain, angesichts der jüngst von der Presse über diesen Gegenstand gebrachten Meldungen sei er dem tatsächlichen Sachverhalt nachgegangen. Das Ergebnis sei so gewesen, wie er vermutet habe, daß nämlich in der letzten Zeit keine Noten besonderen Charakters von der Militärkontrollkommission an die deutsche Regierung gerichtet worden seien. Renvie Smith fragte: „Können wir annehmen, daß der Zu- stand der Abrüstung in Deutschland vollkommen befriedigend ist?" Chamberlain erwiderte: „Nein! Ich bedauere sagen zu müssen Nein!" Aus der Reichskanzlei. Berlin, 21. Juli. (TU.) Reichskanzler Dr. Marx verließ heute abend Berlin, um sich auf Urlaub zu begeben. Seine Vertretung übernimmt der dienstälteste Minister, Reichswchrminister Dr. G e ß l e r, auch während seiner kurzen Besichtigungsreise. In besonders dringenden Fällen übernimmt der jeweils in Berlin anwesende dienst- älteste Minister die Vertretung. — Der Reichspräsident hat den Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. K e m p n e r, auf seinen Antrag unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes in den einstweiligen R u h e st a n d versetzt und den Mini- Bom hessischen Verkehrs-Verband. Die Provinz Oberhessen im Eisenbahnverkehr. 2$. Dad-Rauheim. 21. Suli. Sm Sprudel-Hotel versammelte sich heute der erweiterte Vorstand des Hessischen Ver- kehrsverbandes ^u einer Schung nut sehr wichtiger Tagesordnung. Die Versammlung war aus allen Landesteilen sehr gut besucht. ®te- j e n war durch Oberregierungsrat Dr. H e ß vom Kreisamt, Dr. Zeidler von der Snbuftne- und Handelskammer und die Herren Schmieder und Maus vom Verkehrsverein vertreten. Der Vorsitzende des Landesverbandes, Kaufmann Stemmer (Darmstadt), erstattete nach kurzer Begrüßung des Vorstandes und der Gäste einen äußerst gründlichen Bericht über die Arbeiten des Verbandes, die sehr vielseitig waren. Sehr viel ist, zum Teil mit, zum Teil ohne Erfolg, für die Verbesserung der Eisenbahnverhältnisse getan worden. Leider konnte nicht verhindert werden, daß bei Einführung der F - D- Züge Gießen und Offenbach übergan - gen worden sind. Eingehend verbreitete sich der Redner über die in der vergangenen Woche in Stuttgart stattgehabten Tagung der süddeut- chen Verlehrsorganisationen, die sich in der Hauptsache mit dem Ausbau der beschleunigten Personenzugverbindungen in Süddeutschland be- afjte und sich grundsätzlich mit dem Snhalt der Denkschrift einverstanden erklärte, die als Antrag des Hessischen Verkehrsverbandes in Gemeinschaft mit mehreren hessischen Sndustrie- und Handelskammern von Regierungsrat Dr. Roe- e n e r bearbeitet worden ist. Für Oberhessen war von besonderem Snteresse das Referat, das der zweite Vorsitzende des Verbandes, Regierungsrat Dr. R o e s e n e r (Darmstadt) über die Provinz Oberhessen im Eisenbahnverkehr hielt. Der Referent, ein trefflicher Kenner der Materie, stellte fest, daß Oberhessen beim Ausbau des Verkehrs stark vernachlässigt worden sei. Vor allem seien die Sonn- und Feiertagsverbindungen auf den oberhessischen Strecken gegenüber den Werktagsverbindungen ganz wesentlich eingeschränkt worden. Es sei, um ein Beispiel anzuführen, auf die Dauer unhaltbar, wenn von Büdingen aus sich. um 5,53 ilfjr die letzte Fahrtmöglichkeit nach® i e h e n biete. Es sei deshalb als erstes ein ausreichender S onntagsverkehr einzuführen. Dann sei auch für Oberhessen der Durchgangsverkehr zu schaffen, ät)nlid> wie er im Odenwald durch den beschleunigten Personenzug Frankfurt—Michelstadt—Stuttgart bereits eingerichtet ist. Der Redner hält die Strecken ® test en—® e l n h a u s en und Gießen—Fulda, auf denen vor dem Kriege schon Eilzüge verkehrten, für den Durchgangsverkehr trefflich geeignet, und schlägt vor,_ eine B.-P.-Zugverbindung von Trier über Koblenz, Gießen, Grünberg. Alsfeld, Hersfeld nach Thüringen und Sachsen (Leipzig) und ferner eine Verbindung von Dortmund über Hagen, Siegen, Gießen, Gelnhausen nach Bayern (Würzburg, München) zu schaffen. Die Strecke Gießen—Gelnhausen sei in ganz besonderem Matze ausbauwürdig, würden durch ihre Einbeziehung in den großen Durchgangsverkehr vom rheinisch-westfälischen Sn- dustriegebiet nach Bayern doch 7 0 Kilometer erspart. Bei der Verbindung Trier—Leipzig würden unter Benutzung der Gießen-Fuldaer Strecke immerhin auch noch 40 Kilometer gewonnen. Sn der Aussprache fanden die Vorschläge des Redners dankbare Anerkennung. Dr. Zeidler führte aus, daß die Handelskammer Gießen schon seit 30 Sahren in der Richtung tätig gewesen sei. aber noch nichts erreicht habe. Die Handelskammer freue sich daher, daß sie in ihrem Bestreben nun die Unterstützung des Verkehrsverbandes finde. Ober-Reg.-Rat Dr. Heß dankte dem Verkehrsverband im Auftrage des Kreisamtes und der Provinzialdireklion für die Einladung. Das mangelnde Snteresse Oberhessens an den Bestrebungen des Verbandes, wovon der Vorsitzende in seinem Geschäftsbericht gesprochen, sei darauf zurückzuführen, daß in weiten Kreisen noch die Meinung herrsche, der Verband arbeite im besonderen nur für Starkenburg. Der Vorsitzende erklärte, der Verband kenne nur allgemein hessische Belange, die er für Oberhessen aber nur dann mit Rachdruck vertreten könne, wenn die noch „bestehenden" oberhessischen Gebietsteile mitarbeiten, das 'heißt, den Verband mit Anregungen, Anträgen und Materiallieferung recht häufig in Anspruch nehmen. Die Tagesordnung befaßte sich weiter mit der Frage des Wochenendverkehrs, der eine große Zukunft hat: sein Ziel istz das Land in die Stadt und die Städte auf das Land zu bringen. Die Bestrebungen sollen mit allen Kräften gefördert werden, was aber nur möglich ist, wenn sich das Hotel- und Gastwirtsgewerbe noch viel mehr dafür einseht. Rotar Stahl, Bad-Rauheim, will zur Hebung des Verkehrs auch die Einrichtung der Sonntagsfahrkarten noch weiter ausgebaut haben. Es müsse Sonntagskarten nach allen Richtungen und nach jedem Orte geben. Viel für die Verkehrswerbung verspricht man sich von der Herausgabe des Werkes „hessenland" und des kleinen hessifchen Verkehrsbuches, das von der Reichszentrale für deutsche Verkehrswerbung in Berlin in der Reihe der deutschen Derkehrsbücher herausgebracht wird. Auch ein hessischer Abreißkalender, für den durch einen photographischen Wettbewerb die Bilder beschafft werden sollen, kommt zur Ausgabe. Die Sitzung nahm einen sehr anregenden Verlauf. Sie hat gezeigt, daß die Geschäftsführung des Verbandes eifrig an der Arbeit war und bereit ist, noch mehr zu tun. „Wenn uns die Vereine Arbeit geben, so wollen wir auch Arbeit schaffen", mit diesen Worten schloß nach mehrstündiger Beratung der Vorsitzende die Tagung. Für ein Reichsehrenmal am Rhein. Der Hessische Verkehrsverband, der ursprünglich das Reichsehrenmal für die Bergstraße gefordert hatte, trat in seiner ebenfalls hier stattgehabten erweiterten Vorstands- sihung chafür ein, daß das Reichsehrenmal auf die Toteninsel bei Lorch (Rhein) zu stehen komme. Der Verband brachte seine Forderung in einer an die Reichsregierung, das Reichsinnenministerium, den Reichskunstwart u. a. Behörden gerichteten Entschließung zum Ausdruck, die einstimmig angenommen wurde. sterialdirektor der Reichskanzlei, Dr. Plunder, zum Staatssekretär in der Reichskanzlei ernannt. Demonstrationen in Wien. Wien, 21. Suli. (WTB.) Als heute Teilnehmer einer vom Republikanischen Verband der Kriegsopfer und Kriegsbeschädigten vor dem Rathaus einberufenen Versammlung zur Arbeitskammer ziehen sollten, um dort zu demonstrieren, stellte sich ihnen P o l i - z e i entgegen. Die Demonstranten, unter denen sich auch zahlreiche Komammisten befanden, durchbrachen die Polizeikette und griffen die Beamten an, die blank ziehen mußten. Mehrere Demonstranten und Beamte wurden verletzt, 30 Demonstranten festgenommen. Auch in den äußeren Bezirken Wiens kam es zu kleineren Zwischenfällen. Dort wurden zehn Demonstranten verhaftet. Unruhen in Indien. Kalkutta, 21. Juli. (WTB.) Die Kämpfe zwischen Hindüs und Mohammedanern sind e r - neut wieder aufgeflammt. Die Polizei sah sich genötigt, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, wobei sieben Personen getötet und mehrere schwer verwundet wurden. In den von den Unruhen betroffenen Stadtvierteln sind alle Läden geschlossen. Die Lage ist sehr ernst, da sich die Religionskämpfe auf ganz Bengalen auszudehnen scheinen . In Bangalore (Madras) haben die Arbeiter der Spinnereien wegen des Ausbleibens einer von ihnen erwarteten besonderen Lohnzuwendung begonnen, sich z u s a m m e n z u r o 11 e n. Die Polizei war genötigt, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, wobei vier Arbeiter getötet und 14 verwundet wurden. Einige Polizisten wurden durch Steinwürfe verletzt. Äunst und Wissenschaft. Ein Marburger Ehrendoktor. Der langjährige Vorsitzende des ärztlichen Vereins, Sanitätsrat Dr. med. Emil Sarde- m a n n, wurde wegen seiner außerordentlichen Verdienste um die medizinische Fakultät, seiner unermüdlichen Bemühungen um das reibungslose Zusammenarbeiten zwischen praktizierenden Äerz- ten und den ibüuerfitätäinftituten und wegen feiner ganzen auf die Hebung des deutschen Aerztestandes allgemein anerkannten hochgeschätzten Lebensarbeit zum Ehrendoktor der Universität ernannt. Generalmusikdireklor Wagner f. Sn München ist der GeneralMusikdirektor des Badischen Landestheaters in Karlsruhe, Ferdinand Wagner, nach einer Blinddarmoperation an Herzschwäche gestorben. Aus aller Welt. Austausch deutscher Schulkinder. Auch in diesem Sahre- hat der Verein für das Deutschtum im Ausland einen Ferienaustausch zwischen seinen reichsdeutschen Schul- gruppen und auslanddeutschen Schulkindern eingelötet. So findet gegenwärtig ein Ferienaustausch „Ostseestrand-Alpenland" statt. 258 Schulgruppenmitglieder des V. D. A. aus Danzig und Pommern sind nach Oesterreich (Linz a. d. Donau, Graz, Klagenfurt, SnnSbrud, Kufstein und Steier) eingeladen. Die gleiche Zahl österreichischer Kinder wird mit den V. D. A- Gruppen Anfang August zu einem vierwöchigen Aufenthalt nach Deutschland kommen. Vor einigen Tagen besichtigte eine auf der Durchreise nach Essen befindliche Gruppe deutscher Schulkinder aus Estland Berlin. Absturz eines Antennenmastes des Berliner Rundfunks. Mittwoch nachmittag stürzte der auf dem Rutgershaus in der Lühowstraße befindliche" Antennenmast der „Berliner Funkstunde" unter ungeheurem Gepolter auf die Lützow- stratze herunter. Die Antenne rutschte derart ab, daß das Gestell nach dem Sturz schräg an der Dorderwand des Rutgershauses lehnt. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Lediglich ein Handwagen und ein Radfahrer haben in diesem Moment die Unglücks stelle passiert. PrivatautoS, die das Abstürzen der Antenne hören konnten, konnten gerade noch durchfahren. Der Straßenverkehr ist gesperrt. Schwere Gewitter in Pommern. Seit drei Tagen wird die Provinz Pommern von schweren Gewittern heimgesucht. Eine große Zahl von Gebäuden wurde infolge Blitzschlages ein Raub der Flammen. Sn Weltin im Kreise Greifenhagen wurde ein Bauer auf dem Felde vom Blitz erschlagen, fein Gehilfe wurde schwer verletzt. Auch die benachbarte Ackermark, besonders die Gegend um Prenzlau, wurde schwer betroffen. Schweres Unwetter im Spessart. Das zu Heimbruchental (Spessart) gehörende Filialdorf Heimathen wurde von eir-em schweren Unwetter heimgesucht. Mit Blitzesschnelle und elementarer Wucht ging ein wolkenbruchartiger Regen mit Hagel vermischt nieder und setzte binnen weniger Minuten alles unter Wasser. Der orkanartige Sturm, der mit un- , erhörter Wucht tobte, drohte zeitweise, selbst die Gebäude niederzureihen. Das Wetter tobte nur zehn Minuten, aber diese Zeit war ausreichend. um große Zerstörungen anzurichten. Bäume von 30 Zentimeter Durchmesser sind wie dünne Stäbchen gebrochen und von der Gewalt des Sturmes weit fortgeführt worden. Die gesamte Ernte ist vernicht^. Man erwartet, daß die bayrische Regierung helfend eingro'fen wird. Unwetterverwüstungen Im Reckarlol. Sm oberen Reckartal ist ein so schweres Gewitter niedergegangen, wie man es seit Sahren nicht erlebt hat. Snfolge von Wolkenbrüchen ist der ganze Ernteertrag auf der Strecke von Rottenburg bis Tübingen total vernichtet. Opfer des Badens. Vom Rhein und Main werden neue Opfer des Badens gemeldet. Bei Dettingen ertrank im Main ein zehnjähriger Knabe. Bei Heidesheim versank ein Sattlerlehrling während des Badens im Rhein. Die Leiche konnte noch nicht geländet werden. Bei Gernsheim stürzte ein 12jähriger Schul- junge beim Spielen in den Winkelbach. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Bei Bingen stürzte ein Schuljunge in die Nahe. Ein ihm nachspringender Mann geriet dabei ebenfalls in Lebensgefahr. Glücklicherweise konnten beide noch von Passanten gerettet werden. Die Leichenschau des am Sonntag an der Ingelheimer A u im Rhein ertrunkenen jungen Mädchens ergab, daß dasselbe einem Gehirnschlag zum Opfer gefallen ist. Nach den Feststellungen der Behörden liegt fahrlässige Tötung vor, da das junge, des Schwimmens unkundige Mädchen von einem jungen Mann aus Scherz inden Strom Hn ein- gestoßen wurde. Nachdem der Täter sah) was er angerichtet hatte, verschwand er. Es wird nach ihm gefahndet. Am Radioapparat vom Blitz erschlagen. In der Nacht zum 20. Juli ging über Prag ein schweres Gewitter nieder, das ein Menschenleben forderte. In einem Vorort war der Sohn eines Fuhrmannes, der auf dem Boden einen Radioapparat hatte, beim Abendkonzert eingeschlafen. Ein Blitz, der in das Gebäude einschlug, ging entlang der Radioleitung und tötete den jungen Mann. vermißte Bergsteiger. Sn Snnsbruck werden zwei Münchener Touristen, angeblich Hochschüler, die Samstag von Hinterbärbad die Kleine Halt im Wolder Kaisergebirge bestiegen und danach zum Stripsen- jvchhaus absteigen wollten, vermißt. Es wird angenommen, daß sie verunglückt sind, da die Rettungsabteilungen nichts von ihnen entdeckten. Autounglück im Gebirge. Auf der Dberinntaler Straße riß ein von Gar- misch nach Schuls fahrendes Auw, worin ein Herr und zwei Damen aus Polen sich befanden, beim Ausweichen eines Lastautos die Wehrsteine um und stürzte 20 Meter tief ab, wobei es in Trümmer ging. Zwei Insassen und der Chauffeur find schwer, eine Insassin leicht verletzt. Schweres Brandunglück. Montag abend brannte die Besitzung der Kriegerwitwe Jung am Hutberg bei Beyers- d o r f (Grafschaft Glatz) in Abwesenheit der Besitzerin nieder. Hierbei kamen der Schwieger- o a t e r der Witwe und zwei Kinder im Alter von fünf und neun Jphren in den Flammen u m. Die übrigen drei Kinder konnten gerettet werden, erlitten jedoch erhebliche Brandwunden. Auch die Mutter, die während des Brandes von ihrer Reise zurückkehrte und bei den Rettungsarbeiten half, wurde erheblich verletzt. Durch Explosion einer Spiritusflasche verbrannt. Beim Rachgiehen von Spiritus aus einer Flasche verunglückte in Ziegeldorf bei Koburq der Gutsarbeiter Rikolaus Reuter tödlich. Die Flasche explodierte und verbrannte den Mann derart, daß er im Krankenhaus starb. Sein zweijähriges Kind trug ebenfalls Brandwunden davon; ein Teil der Zimmermöbel verbrannte. 3m Trauerzug verunglückt. Sn dem Prager Vorort Straschnih fand das Begräbnis einer Arbeiterin statt, an dem ungefähr 400 Personen teilnahmen. Sn einer engen Gasse wurden plötzlich die Pferde des Leichenwagens scheu und rannten in die Menschenmenge, die wegen Raummangels nicht flüchten konnte. Hierbei wurden 12 Personen, darunter einige Kinder, verletzt und eine Frau ge- t ö t'e t. Die Großmutter zweier Mädchen, die verletzt wurden, wurde irrsinnig und wollte sich kurz nach dem älnglück mit einem Kinderwagen, in dem sich der dreijährige Bruder der beiden verunglückten Mädchen befand, vor einen Straßenbahnwagen stürzen. Moderne Alchimisten. Das Strafgericht München hat gegen die aus Berlin stammenden Kaufleute älnrrch und Krusenbaum, die eine Reihe bemittelter Perfonen um Beträge bis zu 35 000 Mk. geschädigt hatten, das Urteil gefällt. Llnruh hat die Geschädigten durch ein Schwindelmanöver in den Glauben versetzt, als tonne er Gold a u s elektrischem Wege Herstellen. Er war geständig und wurde wegen fortgesetzten Betruges zu vier Sahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Krusenbaum, der angab. im besten Glauben gehandelt zu haben, wurde freigcsprochen. Zuchthaus für einen Landesverräter. Wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse hatte sich vor dem Ferien-Sttafsenat des Reichsgerichts der Arbeiter Hermann S ch l a f k e von Kattowih in nichtöffentlicher Sitzung zu verantworten. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, im Sahre 1926 in Verbindung mit polnischen Spionageagenten gestanden und versucht zu haben, militärische Rachrichten und Schriftstücke, die geheim zu halten waren, den polnischen Spionageoffizieren zu übermitteln. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse zu vier Sahren Zuchthaus und sechs Sahren Ehrenrechtsverlust, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht. Raubüberfälle. Sn der Gegend von Kattowitz treibt seit längerer Zeit eine gut ausgerüstete Räuberbande ihr Unwesen. Die Bande hat bereits 22 Ueberfälle und 38 Einbrüche verübt. Lin Teilnehmer der Zevpelin-patrouille gestorben. Sn Reibstadt in Baden flava im Alter von 79 Sahren der Tünchermeister David Diehm. Diehm gehörte im Suli 1370 der Reiter-Patrouille des Grafen Zeppelin an, die den bekannten Erkundigungsritt im Elsaß unternahm. Von den Mitgliedern der Patrouille lebt jetzt nur noch der Postagent Zillh in Seelingen bei Durlach. Wettervoraussage. Rach vorübergehender Aufbesserung und geringem Temperaturanstieg wieder zimehmende Bewölkung und Regeimeigung. Gestrige Tagestemperaturen Maximum 20,5° Celsius, Minimum 13,8 Grad Celsius, Riederschläge 8,6 Millimeter. Heutige Morgentempera- tur 16 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. 3uli 1926. Gartenbau- und Elektrizitäts- Ausstellung in (Sieben. 3n den Tagen vom 11. bis 19. September wird in der Volks Halle zu Gießen eine Ausstellung gezeigt werden, die für die weitesten Devölkerungskreise von großem 3nteresse sein dürfte. Bei der hohen Bedeutung, die gerade in der heutigen Zeit dem Gartenbau und der fortschrittlichen Entwicklung des Feldbaues zu- lommt, ist es erwünscht, daß über die Ergebnisse der Arbeit auf diesem Gebiet eine lleberstcht geboten wird, die dank der Beteiligung weitester Fachkreise sehr reichhaltig zu werden verspricht. Man wird hier mit den verschiedensten neueren Zucht^ und Forschungsergebnissen des modernen Gartenbaues und mit den Resultaten der verschiedenartigsten Feldfruchtanbautcn. unter Zugrundelegung der neuzeitlichen Düngungs-Methoden. bekannt werden. Aber nicht allein auf eine Ausstellung der Anbauproduktc wird sich die Veranstaltung beschränken: sie wird darüber hinaus auch Maschinen und Geräte zeigen, die in einem neuzeitlichen Landwirtschafts- oder Gartenbaubetrieb nicht mehr fehlen sollten. 3n glücklicher Verbindung mit der Schau werden zahlreiche belehrende Vorträge über Garten», und Feldbebauung die Hörer bekannt machen mit den neuesten Ergebnissen wifienschast- licher Forschung und Erkenntnis. Die andere große Abteilung der Ausstellung ist der Elektrizität gewidmet. Hier soll die vielfältigste Anwendung des elektrischen Stromes im Haushalt. Gewerbe und in der Landwirtschaft praktisch vor Augen geführt werden. Die Hausfrauen dürfte es lebhaft interessieren, zu sehen, wie mit Hilfe der Elektrizität gekocht, gebraten, gebacken, gewaschen, gebügelt und geheizt werden kann. Das Gewerbe wird beobachten können, welche großen Vorteile ihm die Elektrizität bei der Ausnutzung seiner Maschinen und Apparate bietet. Für das Bäckerei- gewcrbe wird cs besonders wertvoll sein, feststellen zu können daß die umständliche Heizung des Backofens mit den heutigen Mitteln durch die Verwendung der Elektrizität hinfällig werden kann. 3n elektrisch betriebenen Backöfen sollen in der Ausstellung frische Brötchen gebacken werden, die von den Besuchern an Ort und Stelle gleich auf ihre Antadelhaftigkeit hin geprüft werden können. Für das Mehgergewerbe, wie überhaupt für alle Betriebe, die auf Kühlanlagen angewiesen sind, dürfte es interessant fein, ui erfahren, daß die Kühlanlagen ebenfalls mit Hilfe der Elektrizität in einwandfreier Weise den Betrieben nutzbar gemacht werden können. Ferner wird man sehen, daß auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft für die Elektrizität nicht minder große Autzungsmöglichkeiten gegeben sind. 11. a. dürfte hier ein elektrisch eingerichteter landwirtschaftlicher Betrieb von besonderem 3nteresse sein. Ebenso wie in der Abteilung Gartenbau wird auch in der Abteilung Elektrizität täglich Gelegenheit geboten werden, den Augenschein durch Anhören gediegener Vorträge von sachkundiger Seite zu ergänzen. Aach alledem kann man wohl heute schon sagen, daß diese Gieheiter Ausstellung, an deren großzügiger Herrichtung mit Eifer gearbeitet wird, eine Stätte wertvoller Bereicherung für jeden Besucher werden dürste. Gießener Wochenmarktpreise. Cs kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt: Butter 170 bis 190. Matte 30, Wirsing 15 bis 25. Weißkraut 15 bis 25, Rotkraut 40, gelbe Rüben 20, rote Rüden 15, Spinat 30, Römischkohl 15, Bohnen (grüne) 25 bis 40, Dohnen (gelbe) 40, Erbsen 15 bis 20, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 20 bis 100, Zwiebeln 20, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 6, Frühävfel 15 bis 20, Falläpfel 10, Dirnen 20 bis 40, Heidelbeeren 35, Stachelbeeren 20 bis 30, 3ohannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 80. Pflaumen 25 bis 40. Mirabellen 60, Pfirsiche 80, Aprikosen 70, Honig 40, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 110 bis 120 Pf. das Pfund: -Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bis- 80, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 50, Cinmach- gurken 4 bis 5. Ober-Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20 Pf. das Stück: Radieschen 5 Pf. das Bund. Borrwtizcn. — Taaeskalender für Donnerstag: Liebigshöhe: 8.15 Uhr, Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. — V. s. B: 8.30 Uhr. „Postkeller' Versammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Frau für 24 Stunden". * ** Beihilfen an d i e Dolksbiblio- Ihcken im Kreise Gießen kann das Kreisschulamt auch in diesem Jahre wieder gewähren. Anträge, denen eine Angabe über den Umgang der Bücherei sowie über die ihr von anderen Seiten zufließenden Bcttäge beizufügen ist, können bis zum 15. August eingereicht werden. ' Anlagenkonzert unserer Militärkapelle findet morgen, Freitag, nachmittags 5 Uhr, am Liebigdenkmal unter Leitung von Obcrmusilmeister L ö b e r statt. Vorttags- folge: 1. „Hoch Heidecksburg!" Marsch, E. Herzer: 2. Ouvertüre zur Oper: .Martha" «Der Martt von Richmond», Frz. v. Flotow: 3. Fantasie a. d. Oper .Carmen", G. Bizet: 4. .Mondnacht aus der Alster", Walzer, O. Festras: 5. Fehrbelliner Reitermarsch für Heroldstrvmpeten und Kesselpauken. R. Henrion. ** Straßensperre. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten ist der Aul weg zwischen Liebig- und Wilhclmstraße vom Polizeiamt bis auf weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt worden. * Aus dem Gießener Standes- amtsregistcr. Es verstarben in der Zeit vom 1. bis 15. 3uli: 2. 3uli: Katharine Schulze, geb. Hubeler, Witwe, 80 3. alt. Wieseckerweg 19; Mathilde Grünewald, geb. Krug, Witwe, 66 3. alt. Doethestrahe 69; 3.3uli: 3akob Siegel, Dienstmann. 60 3. alt. Stephanstrahe 41; Apollonia Hemstege. geb. Mündel. 65 3. alt, Damm- strahe 29; Annemarie Kloß, 4 Std. alt, Reu- stadt 48; 5. 3uli: August Eichenauer, ohne Beruf, 78 3. alt. Licherstraße 74; 3ohannette Götz, geb. Ro'enkranz, Witwe, 74 3. alt. Steinstr. 63; Christian Reinhardt. Oberwerkmeister. 75 3. alt. Ostanlage 23; Anna Hauh, geb. Kurz, 44 3. alt. Aeustadt 49; 7.3uli: Anna Gesekus. geb. Aörling. 53 3. alt, Frankfurter Straße 132; 8.3uli: Elisabeth Büttner, ohne Beruf. 21 3. alt, Landgraf-Philipp-PlahlO; 10.3uU: Margarete Hilß, geb. Wolf. Witwe, 88 3. alt, Crednerstraße 1; 11.3uli: Frieda Lindenstruth, geb. Musch, 43 3. alt, Schiffenbergerweg 43; 12. 3uli: Heinrich Bölsing, Lehrer im Ruhestand, 71 3. alt, Keplerstrahe 9; Walter Herbert Hörig, 1 Woche alt, Frankfurter Straße 99; Marie Seih, Laborantin, 18 3. alt, Gutenbergstrahe 2. WSA. Vom Rundfunkwesen. Rundfunkteilnehmer, die ihre Rundfunkanlage abge- mcldet haben, müssen ihre Anlagen sogleich nach Ablauf der Genehmigung außer Bettieb setzen, d. h. sie müssen den Luftleiter und den Erdanschluß entfernen. Die Entfernung einzelner kleinerer Teile genügt nicht. Der Abbau muß binnen fünf Tagen nach Ablauf der Gnehmigung erfolgt .sein. Daß dies geschehen, wird durch Postpersonal nachgeprüft. Die Teilnehmer haben im Falle der Richtbefolgung der Vorschriften die Entfernung der Anlage im polizeilichen Zwangsverfahren, sowie Strafanzeige wegen Schwarzhörens zu gewärtigen. Die in den letzten Monaten ständig wachsende Zahl der Schwarzhörer zwingt die Deutsche Reichspost, in dieser Weise gegen diese vorzugehen. "Bahnsteigkarten berechtigen nur zum Betreten des Bahnsteigs! Von verschiedenen Bahnhofsverwaltungen sind in der letzten Zeit wiederholt Personen, die nur im Besitz von Bahnsteigkarten waren, in den Feriensonderzügen angetrofi'en worden, um Plätze für ihre Angehörigen freizuhalten. Dieses Verfahren zur Freihaltung von Plätzen ist unzulässig. Die Bahnsteigkarten berechtigen, wie schon der Name sagt, nur zum Betreten des Bahnsteiges. Jeder, der in einem Feriensonderzug mit Bahnsteigkarten angetroffen wird, wird unnachsichtlich in Geldstrafe genommen werden. •* Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: zwei Kühe, 822 Kälber. 146 Schafe. 234 Schweine. Hess, hauptverein der Gustav-Adolf-Ztiftung. wg. Strahlender Sonnenschein am deutschen Rhein, rheinische DegeisterungsfähiFkeit und überwältigende Beteiligung des evangelischen Kirchenvolkes von Oppenheim und Ämgegend, unter diesem Zeichen stand die diesjährige 83. Hauptversammlung des Hessischen Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stistung in Oppenheim, die in jeder Hinsicht einen glänzenden Verlauf nahm. Der Festsonntag wurde eingeleitet durch Gustav-Adolf-Gottesdienste und 3 u - gendgottesdienste in den Kirchen der Umgebung des Festortes. Nachmittags bewegte sich ein F e st z u g durch die Straßen der Stadt von einer Gröhe, wie man ihn noch nie in Oppenheim gesehen hatte. 3n der überfüllten altehrwürdigen Katharinenkirche, dem Wahrzeichen von Oppenheim, fand darnach der erhebende Festgottes- dienst statt, in welchem der Senior der Steier- marf, Pfarrer D. Spanuth - Leoben die begeisternde und gewissenschärfende Festpredigt hielt, die einen nachhaltigen Eindruck hirtter- ließ. Als Vertreter der Kirchenregierung hielt Prälat D. Dr. Diehl-Darmstadt eine an geschichtlichen Reminiszenzen reiche Ansprache. Geradezu getoaltig war die darauf folgende Volksversammlung auf der Landskrone, bei welcher Kirchenchöre und Posaunenchöre mitwirkten. Hier vernahm die zahllose Menge treffliche Worte des Vorsitzenden des Hauptvereins D. Dr. Freiherrn von Hehl zu Herrnsheim, des Superintendenten der Provinz Rheinhessen Oberkirchenrats Zentgraf, und lauschte gespannt den lebensvollen Ausführungen der Auslandsvertreter über die evangelische Diaspora in Deutsch-Oesterreich (D. Spanuth- Leoben), Tschechoslowakei (Pfarrer Müller- Olmüh), Siebenbürgen (Pfarrer Gabler» Leipzig). Rußland (Pfarrer Gurland, früher im Daltenland). Aegypten (Pfarrer E. Meyer- Frankfurt a. M., früher Alexandria), Brasilien (Pfarrer Gabler, früher Brasilien). Ein ebenfalls außerordentlich stark besuchter Familienabend auf der Land-kröne mit den üblichen Begrüßungen, Ueberreichung der Festgaben und musikalischen Darbietungen beschloß den ersten Festtag. Der folgende Tag war ernster Arbeit gewidmet. Vormittags trat im Kasino der D c r - waltungsrat zu seiner 3abressihung zusammen. Aach Eröffnung mit Schristlesung und Gebet durch Dekan M a h r ^Eppelsheim begrüßte zunächst der Vorsitzende die Versammlung. Darnach sprachen im Auftrag des Hessischen Landesverbandes der Vereine für das Deutschtum im Ausland Professor Dr. Breidenbach - Darmstadt und Pfarrer Gabler- Leipzig namens des Zentralvorstandes. Der Vorsitzende wies besonders nachdrücklich darauf hin, daß die Ausbringung von nur 141 000 Mark für die Zwecke des Gustav-Adolf-Vereins bei etwa 900 000 Evangelischen in Hessen als durchaus unzureichend bezeichnet werden müsse, und bat die erschienenen Abgeordneten, dahin zu wirken, daß die Gebefreudigkeit eine viel stärkere werde. Sodann schritt man zur Erledigung der geschäftlichen Punkte der Tagesordnung. Rach Prüfung der Rechnungen für 1923, 1924 und 1925 wurde dem Dereinsrechner Oberrechnungsrat Z u l a u s- Darmstadt Entlastung erteilt. Die Ersatzwahl des Vorstandes brachte Wiederwahl der Herren Ober- schulrat Ritsert, Landgerichtspräsident a. D. Theobald, Professor Dr. Zimmermann, Geh. Oberkonsistorialrat Dr. B e r n b e ck und Reuwahl von Professor D. Dr. Cordier- Gießen an Stelle des verstorbenen Pfarrers Loos- Butzbach. Darauf wurde dem Gesuch der Diasporagemeinde Biblis um Aufnahme in dem Unterstühungsplan stattgegeben. Der Unterstühungsplan fand nach Erstattung des 3ahresberichtes durch den Schriftführer Pfarrer Wagner- Bensheim einstimmige Annahme. Es wurden 33 000 Mark verteilt, und zwar dem Zentralvorstand in Leipzig 11 000 M., der Daugcmeinde Bürstadt 11 000 Mk., der Bau- gemeinde Gau-Algesheim 2000 Mk., der Gemeinde Herbstein zur Erhaltung ihrer Schule 500 Mark, den hessischen Sammelgemeinden zusammen 1500 Mk.. zur allgemeinen Liebesgabe 1000 Mart, an Gemeinden außerhalb Hessens 6000 Mk. Die Konfirmandengabe des 3ahres 1926 27 wurde der Gemeinde Ober-Roden zugesprochen. Als Abgeordnete zur Tagung des Gesamtvereins in Düsseldorf Dom 4. bis 6. Oktober, wurden gewählt 4 Mitglieder des Vorstandes: der Vorsitzende, der Schriftführer, Professor Dr. Zimmermann- Darmstadt, Pfarrer Storck- Heppenheim, ferner für Starkenburg Pfarrer Weiß- Bieber und Pfarrer D e r n b e ck » Hofheim, für Oberhesfen Pfarrer Decker- Herbstein und Hofprediger Widmann- Gedern, für Rheinhessen Dekan M a h r - Eppelsheim und Pfarrer Germer- Dingen. Als Fe st ort der nächstjährigen Tagung wurde, da Oberhessen an dec Reihe war, Gedern gewählt. Den Schluß der Verhandlungen bildete ein Vortrag des Pfarrers D e r n b e ck - Hofheim über das Thema ..WaS kann eine Daugemei.de an Selbsthilfe leisten?" Am Rachmittag tagten unter Leitung von Pfarrer Storck, Heppenheim, die Gustav- Adolf-Frauenvereine auf der Lands- kröne. Rach Derichterstattungen verschiedener Vertreterinnen wurde der Zusammenschluß der Gustav-Adolf-Frauenvereine zu einem Landesverband beschlossen und ein vorläufig gewählter Ausschuß mit den vorbereitenden Schritten beauftragt. Pfarrer Bern- b e ck, Hofheim, sprach zum Schluß über „Die Stellung der Gustav-Adolf-Frauenvereine innerhalb der deutschen Frauenbewegung". Eine an diese Versammlung sich anschließende Dampferfahrt zur Schwedensäule brachte dort eine kurze erhebende Feier. Am Abend begann dann noch der Lehrgang zur Einführung in Geschichte, Gegenwart und Zukunftsaufgaben des Gustav-Adolf-Vereins. Pfarrer Meyer, Frankfurt a. M. sprach über ..Geschichte und Gegenwart der deutsch-evangelischen Arbeit in Aegypten". Am Dienstag wurde der Lehrgang fortgesetzt. Es sprachen Pfarrer Gabler. Leipzig, über „Die deutsch-evangelischen Siedlungen in Brasilien", Senior D. Spanuth. Leoben -trf>cr „Das Werden der evangelischen Gemeinden in Deutsch-Oesterreich, besonders Steiermark". Pfarrer B e r t b e a u, Bad Kösen über „Die deutsche evangelische Kirche In Posen-Westpreuhen unter polnischer Gewaltherrschaft", Pfarrer G u r l a n d, Gödringen, über „Die Kirche in der Verfolgung", Pfarrer Gabler, Leipzig, über „Die (Siebenbürger Sachsen, ein treu-deutsch-evangelisches Volk" und Pfarrer Müller. Olmüh, über „Die neuen Verhältnisse in der Tschechoslowakei". Mit diesem Lehrgang sand die Tagung ihren Abschluß. Sie hat aufs neue die Rotweudig- feit, den Wert und den Segen der Gustav-Adoll- Vereins-Arbeit bewiesen und stand sowohl hinsichtlich ihrer äußeren Gestaltung, wie hinsichtlich ihrer inneren Höhenlage den Tagungen früherer Jahre in nichts nach. Der Verein kann mit Freude darauf zurückblicken. Buntes 'Allerlei. Flitterwochen im Urwald. Der 3uli ist ein Monat, in dem in England besonders gern geheiratet wird, und so stehen denn jetzt in London eine große Anzahl von Hochzeiten aus den Kreisen der britischen Aristokratie bevor. Unter den Hochzeitsgeschenken, die den jungen Frauen dargebracht werden, befinden sich Gegenstände, die man sonst nicht gerade aus dem Gabentisch bei Hochzeiten zu linden gewohnt ist. Da werden 3agbflinien geschenkt, riesige Schirme und überhaupt alle möglichen Dinge, die zu einer Tropenausrüstung nötig sind. Diese Sachen werden den Reuvermählten auf ihren Hochzeitsreisen gute Dienste leisten, denn die neueste Mode ist es. die Flitterwochen im Urwald zu verbringen. Eine solche Hochzeitsreise nach wilden Gegenden ist heute nichts Ungewöhnliches mehr. Rachdem der Herzog von Vock mit seiner Frau die erste gemeinsame Fahrt nach Ostafrika unternommen und dort manche Abenteuer gehabt hat. nachdem die Prinzessin Marie Luise ihre Ferien an der Goldküstc verbrachte, empfinden die jungen Damen plötzlich Sehnsucht nach der Wildnis und wollen den Honigmond ihrer jungen Ehe unter möglichst primitiven Verhältnissen und in romantischer Umgebung verbringen. Die Hochzeitsreisen nach dem 3nnern Afrikas sind daher sehr beliebt, und die junge Frau seht ihre Ehre darein, an allen 3agden und Reisen durch die unwegsamsten Gegenden teilzunehmen; sie trägt ihr Gewc >r und ihren Tropenanzug wie ihr Mann und wi.l in nichts hinter ihm zurückstehen. 'Altägyptische Debsluhle. Cs gibt eine Anzahl erhaltener Modelle und Originalstücke von Webstühlen aus dem alten Aegypten, und diese Funde werden ergänzt durch die Darstellungen des Webens in Wandbildern des Mittleren und Reuen Reiches. Trotzdem ist das Webeverfahren, das die Bewohner des Qlil- landes vor 3ahrtaujenden anwandten, nicht leicht zu deuten, denn die Vorgänge auf den Bildern sind stilisiert und geben kein unmittelbares Wirklichkeitsbild, und die Zusammensetzung der Ucber- reste ist äußerst schwierig. Eine bedeutende Forderung unserer Kenntnisse aus diesem Gebiete bildet die Arbeit von C. H. 3ohl, „Altägyptische Webstühle und Brettchenweberei in Altäghptcn". Der Verfasser besitzt neben der archäologischen Schulung auch ein großes Fachwissen, das für diese Forschungen notwendig ist, und er weist nach, daß der horizontale Webstuhl auch neben dem vertikalen im Reuen Reich weiter im Gebrauch geblieben ist. Diese ältere Form des Webstuhls wurde aber bedeutend verbessert, indem man Trennstab und Schlingenstab des zunächst rahmenlosen Stuhles durch ein System von zwei Geschirr-Rahmen mit Fußbedienung erfente. Der vertikale Webstuhl, dem man bisher eine übertriebene Bedeutung zumah, scheint nur zur Herstellung bunter gobelinartiger Gewebe benutzt worden zu sein und ist wahrscheinlich aus Dor- derasien eingeführt. Auch die Brettchenweberei wird für das alte Aegypten erwiesen, und zwar wird gezeigt, daß der berühmte Ramses-Gürtel im Museum von Liverpool auf diese Weise hergestellt ist, wobei sechseckige Täfelchen benutzt wurden. 'Büchertisch. — Aus dem Keyserlingschen Kreise heraus ist das Lehrbuch von 192 6 „Der Leuch» t e r" (Otto Reichl, Darmstadt) erschienen. Dieser „Leuchter" läßt seine Lichtstrahlen auf einschneidende Probleme unserer komplizierten Zeit fallen und sucht bald dieses, bald jenes Kulturgebiet von innen her zu erhellen und dadurch Anregung zu eigenem Denken und Handeln zu geben. Graf Keyserling selbst und Männer wie Groddeck, Wolfgang Muff, Dreesch, Graf Albert Apponyi und andere haben in ihrer bekannten Art interessante Beiträge geliefert über das „ Freiheitsproblem", über „Schicksal und Zwang", über „Verantwortung und Recht", „Macht und Bindung", „Disziplin und Autorität" und andere eindringliche Fragen der Gegenwart. Alle, die dem Keyserlingschen Kreise nahe stehen, werden voller 3nteresse den Lichtkreis dieses „Leuchters" zu durchforschen suchen. 244 — 3n der „Deutsche nHausbüchere i", Wien, erschien ein Band mit Erzählungen von Hermann Stehr. Wer seinen Heiligenhof- Dauer zu innecst erlebt hat, mag zunächst durch diese Erzählungen Stehrs enttäuscht sein, bald aber wird er empfinden, daß auch in diesem Büchlein seines Geistes Hauch lebendig zu spüren ist, und wenn er mit Gudnah durch das wirre Leben dieses Schiebers wandert, fallen ihm vielleicht die Worte Stehrs ein: So trägt den Himmel und die Hölle mit der Mensch im Leben seit dem ersten Schritt. Lind tote er will, formt sich ihm die Gestalt aus Engelsklarheit ober Fluch» gewalt. Doch finft die Schranke, die die Menschen trennt, von ihres Gottes etogem Element, sind wir in aller Wandlung durchgesiebt, daß nichts Vergängliches uns mehr umsttebt: Dann angeln sich des 3enseits Tore auf, um die wir irrten in des Daseins Lauf. 97 KAISER BORAX GRWWW liefert frei Haus H. Bottmann Marburger Strafe. eo8oD im Ausschnitt empfiehlt I. Iörd Wwe. 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Juli. abdS. 8 Uhr, in den Raumen der KarlSrub stattfindenden Ehrenabend für uilsereWettschrei- der laden wir unsere Rttlglteder mit Angehörigen hierdurch ein u. bitten um rege Teilnahme.Bertetlg. d. Urkunden v. Be- zirkswetlschretbentn Friedberg. Außerdem machen wir uns. Mitgl. darauf aufmerksam,das; wahr. d. Serien an jedem Freitag — ab 23. ds. — ü. abendS 7 Uhr ab Dlktatübnn- gen im Kaufm. Ver- einshacs abgehalken Georg Müssing nebst Kindern. Gießen (Schiffenberger Weg 71), 21. Juli 1926. Die Beerdigung findet Samstag, den 24. Juli, nachmittags 2Ve Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Statt besonderer Anzeige. Meine innigst geliebte, unvergeßliche Gattin, unsere herzensgute, unermüdlich treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Heute nacht entschlief sanft in dem Herrn nach langem, schwerem, mit Geduld getragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabeths Schmidt geb. Sommer im Alter von 58 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Peter Schmidt Gießen (Friedrichstraße 16 b), Todtnau, Wahlen, Bernsburg, Kirtorf, Frankfurt a. M., Niederweidbach, den 22. Juli 1926. Die Beerdigung findet Samstag, den 24. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. WO. 18623.30111926, nachmittags 2 Nhr, versteigere ich im Löwen, Beuenweg dahier zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Schreibladenkasse, 2 Divans, 2 Schreibtische, 1 "Rohrsessel, 1 Bücherschrank, einen Warenschrank, 1 Nähmaschine. Hebbel Hessischer Gerichtsvollzieher in Gießen, Dammstrahe 24. I. 6072D Das größte sportliche Ereignis Gießens, ja des Dez. Hessen-Hannover, find die Nationalen Wettkämpfe der Sp.-Vgg. 1900 am Sonnlag, dem 25. Juli 1926, auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe. 6070D Frau Louise Stephan geb. Hofmann wurde heute abend gegen 9 Uhr von ihren schweren Leiden erlöst. A. H. Heute abend 1/29 Uhr *«076 Postkeller. MM zur Durchführung eines f. Geschäftes auf einige Monate gegen h. Zinsen und Gewinnant. b. votier Sicherst, gesucht. Schr. Antrag, unter 05072 an d. G. Anz. Heinrich Hochstätter Brandplatz 1 :: Ecke Schloßgasse FRANKEL Seltersweg 52. Bekanntmachung. üm Dienstag, öem 27. Juli 0.35., üormiltflos 9.30 Mr werden im Sitzungszimmer der Sparkasse Rodheim a. d. D. folgende Gegenstände öffentlich meistbietend versteigert: 0. flppeL Wen, Seltersweg. Arbeitsvergebung. Unter Hinweis auf den Ministerial- erlaß vom 16. Februar 1893 und seine Ergänzungen werden nachstehende Arbeiten vorn zweiten Erweiterungsbau der Universitäts-Hautklinik in Gießen im öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben: 1. gesamte elektrische Installation: 2. Kellerfußboden in Beton (zirka 430 Quadratmeter): 3. Zwischenwände in Bimszementdielen (zirka 195 Quadratmeter). Zeichnungen, Bedingungen und Angebotsvordrucke sind auf unserem Zweig- b u r e a u einzusehen, die letzteren zum Selbstkostenpreise, solange Lorrat reicht, erhältlich. Angebote sind verschlossen und postfrei mit entsprechender Bezeichnung versehen bis Donnerstag, 29. Juli 1926, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen, woselbst Eröffnung in Anwesenheit etwa erschienener Bewerber erfolgen wird. Giehen, den 21. Juli 1926. Kaufgesuche - Altes Blei i33leiröbrero lauft BrühUcheDruckeret ' D Schulstr. 7'9 {Verschiedenes! Freibank. Nreitag, 23. Juli 1926, von 8-11 Ubr vormittags 6063D MWerlM Teppiche, Bilder, Bucher, Standuhren, Dorhänge, Lampen, Porzellan und andere Haushaltungsgegenstände, alles in bestem Zustand. Besichtigung der Möbel, welche evtl, auch einzeln verkauft werden, kann stattsinden am Donnerstag, dem 22., Freitag, dem 23., SamStag, dem 24. und Montag, dem 26. Juli, nachmittags von 5—7 LIhr. Die Zahlungsbedingungen werden bei der Versteigerung bekanntgegeben. Die Gparfflifc RMcm o. ii. Siebet. EWM tttlttfi in sehr nutem Zustande, evtl, mit prima zwcifpänn. Geschirr, zu verkaufen. Gießen, Schanzcnttr.S, Bureau. Tel.1673. im Alter von 42 Jahren. In tiefer Trauen Walther D507S 0508 Nach kurzer, schwerer Krankheit entschlief sanft unser herzgeliebtes Söhnchen und Brüderchen Hugo im Alter von 9 Monaten. In tiefem Schmerz und Trauen Theo Schäfer und Frau. Gießen (Neustadt 41), den 22. Juli 1926. Die Beerdigung findet Freitag, den 23. Juli, nachmittags 2*/2 Uhr, statt. 030/, Nr. 169 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag, 22. Juli 1926 brauchbare und sachliche CSerle gibt, sind mehr oder weniger einseitig eingestellt und klingen fast durchweg dahin aus, daß das „Marne- wunder" den Auf der deutschen Unbesiegbarkeit Sprachen —, so wenig konnte bisher eine wirklich klare und wahre Vorstellung der verhängnisvollen, geradezu tragischen Ereignisse anerkannt jcerben. De englischen und französischen Schilderungen, unter dene^ cs immerhin einige libt, sind mehr Endlich Klarheit über die Marneschlacht. Von Oberst Emmanuel. Soviel auch von Freundes- und Feindes- fene seit Kriegsende über die Marneschlacht aeschrieben worden ist — es sind in der Tat Hunderte von Bünden in den verschiedensten gebrochen und die Grundlage des Endsieges des Feindbundes geschaffen war. Auf deutscher Seite sind leider mehrere gehässige Schmähschriften ans Tageslicht gekommen, deren parteipolitischer Zweck es ist, das alte Heer unter der alten Führung herabzusetzen und zu verunglimpfen, gewiß lein schönes Bild in unserem Unglück, das auch die Gegenparteien mit Fassung, Zurückhauung, Würde tragen sollten. Andererseits liegen viele deutsche Aechtfcrtigungsschriften, meistens in Gestalt von „Memoiren" vor, die, so nützlich sie auch find, doch nur einseitige Auffassungen zu vertreten vermögen. Eine Fülle von Rätseln und dunklen Fragen drängte sich über die Anlage der Schlacht aus deutscher Seite, über den mangelnden Einfluß der deutschen Obersten Heeresleitung auf Len Gang der Schlacht, über die so heiß umstrittene „Sendung des Oberstleutnants Hentsch" von der Heeresleitung zu den Armeeoberkommandos, über den unglücklichen Rückzugsentschluh der 2. Armee Bülow, über die Art und Ausdehnung der Rückwärtsbewegung auf. Unter diesen Gesichtspunkten wurde das amtliche deutsche Geschichtswcr! über die Marneschlacht 1914 mit berechtigter Spannung erwartet. Jetzt liegt es in den Bänden III und IV des großen Werkes „Der'Weltkrieg 1914 bis 1918“, bearbeitet im Reichsarchiv, vor. Was die beiden ersten Bände geboten und für die ,Fortführung des Werkes versprochen haben, ist voll und ganz gehalten worden: eine klare Darstellung, die, ohne sich in Rebensachen zu verlieren, die großen Vorgänge nach Ursache, Verlust, Folge an der Hand der Urkunden darlegt, zugleich aber auch eine wahre Beleuchtung bringt, deren Aufgabe die rücksichtslose Unparteilichkeit ist. Die beiden Bände lesen sich, auch für den Richtberusssoldaten, so verständlich, *t> spannend, daß die Bearbeiter ihre nicht leichte Pflicht trefflich gelöst haben. Der Verlag (E. S. Mittler & Sohn. Berlin) hat das Werk in bewährter Weise mit vorzüglichen Karten und in gediegener Ausstattung, einfach und würdig, her- «lusgebracht. Der Band III behandelt den Zeitabschnitt „Don der Sombre zur Marne", der Band IV die Schlacht selbst. Man wird der Schristleitung die 'Berechtigung zuerkennen, daß sie zwei umfang* Teiche, kostbare Bände den Ereignissen zugewiesen Hat, welche das Ringen an der Marne betreffen. Die Vorgänge, getragen von dramatischer Spannung und erfüllt von erschütternder Tragik, sind Lon einschneidender, in gewissem Sinne von entscheidender Bedeutung für den Gesamtverlauf nnd den AuSgang des Weltkrieges geworden. Durch die Marneschlacht wurden wir in die Abwehr gedrängt. Das war dem deutschen Heere auf Grund aller seiner Ueberlieferungen und ^rziehungsgrundsähe so ungewohnt, daß unsere teste Kraft gelähmt war, daß wir nicht mehr Hammer, sondern Amboß wurden. Das ist unser Anglück gewesen. Das deutsche Volk von heute Hat aber einen Anspruch darauf, die inneren Zu- scrmmenhänge und die tieferen Ursachen der für unfer Vaterland so schicksalsvollen Schlachtent- Scheidung kennen zu lernen. Diesen Wunsch haben Die Bearbeiter erfüllt. Grundlegend für den Kampf an der Marne fcar der Befehl der deutschen Heeresleitung vom 27. August, abends, hervorgegangen aus den Uegreichen Eingangsschlachten im Westen, aus der Eroberung von Lüttich und Ramur, aus dem Liege von Tannenberg, aus den Erfolgen des A. u. K. Heeres in Südostpolen und Ostgalizien. Lo gipfelten denn die Anordnungen vom 27. August für die Westfront in dem Satze: „Seine Majestät befehlen den Doönarsch des deutschen Heeres in Richtung auf Pari s." Hierzu sollte Lie 1. Armee gegen die untere Seine westlich »er Oise, die 2. auf Paris, die 3., 4,, 5. über iie Marne, die 6. und 7. über die M»*el ober- ®alb Toul vorgehen, somit allgemeine Verfolgung mit dem Versuch, den Feind nirgends mehr zum Gießener Stadttheater. Blumcnthal-Kadelburg: Zwei Wappen. Der Regen war ein guter Verbündeter der Herren Blumenthal und Kadelburg: so mancher falte sich vor den rauschenden Wassern in Thalias Heim geflüchtet, der eine schöne Sommer- »acht sonst auch ohne Theater herumbringen Hann. Und wenn es auch nicht grade erste Qualität war, was uns die bewährte Schwankfirma da Dienstag vorsetzte, sondern nur ein recht antiquiertes und arg verstaubtes Gelegenheitsprodukt, so genügte es immerhin, die Regenstimmung bald fortzublasen und das Haus herzhaft lachen zu machen. Das Zusammentreffen eines adelsstolzen Reichsfreiherrn und eines smarten Selfmademan 3.t8 Amerika als Schwiegerväter eines sehr glücklichen jungen Paares, die unerhörtesten Vernicklungen, die sich mit einigermaßen Phantasie nid dazugehöriger Routine aus diesem Tatbestand ableiten lassen, sind zwar nicht gerade fefcr aktuell, auch schon oft und besser abge* wandelt worden, aber immer noch unterhaltsam, wenn Leute wie Goll und Teleky sich ihrer arinehmen. Goll hätte in seiner Maske vielleicht mehr die Intelligenz gegenüber der Pfiffigkeit unterstreichen dürfen, ohne seiner sonst prächtigen Schwanksigur zu schaden. Als junger Ehemann brachte Willi Hanke etwas reichlich Pathos in seine sonst sehr natürlich wirkende Verliebtheit, Olli? Krahmcr verleugnete als Miß Martz Forster nicht die Abstammung vom deutschen Gretchen. Sehr rund und nett war Tine Schn eider als geschäftstüchtige Brauerei- besitzerswitwe aus Chicago, den flotten Lebemann Halten kommen zu lassen. Hieraus entwickelten sich die siegreichen Schlachten der 1. und 2. Armee im Raum von St. Quentin, der 3.. 4., 5. Armee an bet Maas, an der Aisne, in den Argonnen, um Verdun, die Einschließung von Maubeuge, die Einrichtung der deutschen Macht in Belgien. Dagegen gelang der Durchstoß der 6. und 7. Armee über die Meurthe und Mosel vorerst nicht. Anter dem Eindruck der' (mit Ausnahme bei der 6. und 7. Armee) überall siegreich fortschreitenden Dersolgung drang am 2. September bei der deutschen Obersten Heeresleitung die Absicht durch, die Malle des französischen Heeres von Paris nach Südosten abzudrängen, wodurch sie der 6. und 7. Armee in die Hände getrieben tootben wäre, falls der ilebergang dieses deutschen Flügels über die obere Mosel gelang. Ungeheuer verantwortungsfchwer war der Entschluß vom 2. September: „Da hierbei auf tätige Anteilnahme der mit dem Schuh der rechten Heeresslanke betreuten 1. Armee verzichtet werden sollte, war der Verlauf der Verfolgung der 2. Armee für das Gelingen des Planes von höchster Bedeutung. Daneben fiel aber ebenso schwer die Frage ins Gewicht, ob der Druck 'der deutschen Mitte und des linken Flügels stark genug fein würde, die Franzosen auf der ganzen übrigen Front so zu fesseln, daß ihnen die Möglichkeit genommen wurde, durch Truppenverschiebungen großen Stils ihrem weichenden Westflügel nun Halt zu geben ober gar zu einem umfaffenben Gegenangriff zu schreiten." Hierin liegt im Grunbe genommen schon das Geheimnis, warum die Marneschlacht kein deutscher Sieg werden konnte, sondern trotz aller tapferen Einzelleistungen doch einen unglücklichen Ausgang genommen hat. Die Gründe waren: die Schwäche des deutschen rechten Flügels, die großen Geländevorteile der Franzosen in der Mitte, die Anmöglichkeit für die Deutschen, auf ihrem linken Flügel die uneinnehmbare Moselfront zu bewältigen. Die Franzosen unter 3 o f f r c hatten unsere nachteilige Lage mit Geschick ausgenuht und, allerdings durch Zahlenmehrheit und durch ihre ausgeruhten Truppen unterstützt, den Stoß gegen unsere Westflanke geführt. So hervorragend die 1. Armee Klucks focht, der sich hier als Heerführer auf der Höhe gezeigt hat, so wenig waren wir im Stande, den Gegenangriff der Franzosen, Engländer gegen die Lücke zwischen der 1. und 2. Armee abzuwehren — hierzu fehlte das, was die Hauptsache der Entscheidung stets ist, die große Schlachtenreserve. Die endgültige Entscheidung, zugleich die Quelle unseres Anglücks ergab der altbekannte deutsche Hauptbefehl vom 4. September abends. Er ordnete den allgemeinen Angriff an. „An dem Wortlaut fällt auf,“ sagt das neue Werk, „daß die 1. Armee zwischen Oise und Marne (also nördlich der Marne) verbleiben sollte. Tatsächlich befand sie sich, wie der Obersten Heeresleitung bekannt war. bereits mit dem größten Teil ihrer Kräfte südlich der Marne.“ General 3offrc rang sich gleichzeitig zum Angriffsentschluß durch: doppelte Amsassung der Deutschen von der Maas und von Paris her. Der 4. Armee (Langle de Cary) und der Armeeabteilung Foch fiel die frontale Abwehr zu. Die 3. Armee Sarrail sollte in nordwestlicher Richtung die westlich der Argonnen vor- gehenden Deuischen, die 5. Armee Franchet d'Esperay, die Engländer, die 6. Armee Mau- noury den deutschen Westflügel umfassend, angreifen. „Hiermit riß 3offre die Initiative an sich", sagt das Werk — leider mit Recht. Die sehr ausführliche Schlachtenschilderung lieft sich wie ein gewaltiges Drama. Alle Entschlüsse auf beiden Seiten sind quellenmäßig belegt. Wir sehen den verfrühten, nicht mit genügenden Kräften unternommenen Stoß der Armee Maunourtz aus Paris gegen das schwache, ganz umzingelte IV. Reservekorps Gronau nördlich der Marne, hierauf den Entschluß Klucks. feine ganze Armee über die Marne zurückzuführen und Maunourtz, wie es geschah, zu werfen. 3n der klaffenden Lücke zwischen der 1. und 2. Armee leistete die deutsche Reiterei unter Marwitz und Richthofen heldenhaften Widerstand, bis sie nach tagelangem Kampf vor den Engländern und dem linken Flügel der französischen 5. Armee hinter die Marne weichen mußte. Inzwischen rangen die 2. und 3. Armee in langsamem siegreichen Vorgehen. während die 4. mit großen Geländeschwierigkeiten vorteilhaft kämpfte, die 5. in den Argonnen sich wacker festbiß, die 6. und 7. noch vor der Moselfront standen. Da fiel die Entscheidung bei der 2. Armee: Bülow entschloß sich im Einverständnis mit dem Oberstleutnant Hentsch, dem Abgesandten der Obersten Heeres- leitung, die 2. Armee zurückzunehmen, da er ihre Westslanke nicht mehr für haftbar hielt. Hiermit war die Rorwendigkeit des allgemeinen Abbrechens der Schlacht und des Rückzuges gegeben. Als die entscheidenden Gründe des unglücklichen Ausganges führt das Werk an: Anhäufung zu starker deutscher Kräste (6. und 7. Armee) in Lothringen, wo sie brach lagen; notwendige Bindung von etwa drei Korps in Belgien (2 vor Antwerpen. 1 vor Maubeuge); Abgabe zweier Korps nach Ostpreußen; Fehlen einer gemeinsamen Leitung auf dem Entscheidungsflügel, also am Westflügel; zu scharfe Schwenkung der Deutschen an 'Paris vorbei nach Südosten, also Preisgabe der Westslanke; Mangel an einer großen allgemeinen Reserve hinter dem West» slügel; zu weite Entfernung der Heeresleitung (Luxemburg) vom Entscheidungspunkt; übertriebene Besorgnis des Generals v. Bülow, bestärkt durch Oberstleutnant Hentsch. um die Gefahr eines Durchbruches des Gegners in der Lücke zwischen der 1. und 2. Armee; Versagen des erkrankten Generaloberst von Moltke als Generalstabschef: „der unter blutigen Opfern er- ftrittene Sieg der deutschen Truppen konnte nicht behauptet werden, da der Wille des Feldherrn gebrochen war." Dem deutschen Heere selbst zollt das Werk höchste Anerkennung: „Das Schicksal der Armee von 1914, der unter so erschütternden Umftänöcnbcr heiß erkämpfte Sieg gerade in dem Augenblicke, in dem sie ihn sicher in der Hand zu haben wähnte, wieder entrissen wurde, und der selbst der Feind hohe Bewunderung gezollt hat, ist voll tief ergreifender Tragik!" Mit Ergriffenheit legen wir das Werk aus der Hand... Das neue Afghanistan. Don Karl Freiherrn v. Werkmann. Der Emir von Afghanistan hat sein Land zum Königreich erhoben. In diesem Teile Asiens zählen Titel noch. Sie dienen nicht nur der Befriedigung von Eitelkeiten, sondern drücken auch ein gewisses Maß von Ansehen, Gewicht und Macht aus. So ist denn auch die Erhebung des Emirs zum Rex nicht als eine einfache Rangerhöhung zu werten: sie bedeutet vielmehr, daß aus der Rivalität zwischen England und Ruh- Iani> die afghanische ilnabbängigfcit erstanden ist. „König vonAfghanistan" — das klingt wie ein Signal, wie der Trompetenstoß nach dem Wahlsiege Zaghluls in Aegypten, wie der Kanonendonner vor den Toren Pekings oder irgendeine andere Acußerung des 5teibeit8- willens bisher unterjochter, bedrückter oder abhängiger Völkerschaften. Richt nur in Europa ist eine neue Welt im Werden! Auch in Afrika und namentlich in Asien! Afghanistans Stärke — und zugleich seine Schwäche — lag allezeit in der Mißgunst seiner Rachbarn gegeneinander. Die Nützlichkeit eines Pufferstaates zwischen der russischen und der englischen Sphäre ist etwa hundert Jahve lang ein Dogma der asiatischen Polittk Rußlands und Englands gewesen; dieses Dogma hat dem Emir ebensolange eine gewisse Autonomie seines Landes gesichert — besser als alle Verträge und die schwache bewaffnete Macht, die auf seiner Sette hinter diesen Verträgen stand. Eine russische Blockade konnte Afghanistan zur Anlehnung an Großbritannien zwingen, eine englisch-indische Sperre zur Verständigung mit Rußland oder Persien; denn das von Persien, Rußland, Buchara, Indien und Belutschistan umklammerte, vom Meere abgeschlossene Land ist auf den Handel mit den Nachbarstaaten angewiesen. Geradezu virtuos hak Asghaniskan im vorigen Jahrhundert seine Rolle als Pufferstaat gespielt und es verstanden, aus der russischen und englischen Rivalttät Ruhen zu ziehens Der Emir bezog Subsidien aus London und Petersburg, und das Land vergrößerte sich nach beiden Seiten. 3m Weltkrieg mochte es dem Emir — damals H a b i b u l l a h Khan — scheinen, daß er die sogenannte Autonomie seines Landes, die eigentlich doch eine bezahlte Abhängigkeit von zwei Rachbarn war, in volle Unabhängigkeit wandeln könnte. Er glaubte an den Sieg der Mittelmächte und sah in Deutschland die Macht, mit deren Hilfe der Einfluß Englands und Rußlands zu brechen wäre. Ein klarer Kopf, ließ er es sich aber nicht beifallen, Deutschland schon im Weltkriege, etwa durch eine Operation aus Afghanistan heraus, beizustehen; er wollte nur mit einem siegreichen Deutschland gehen. Die deutsche Oberste Heeresleitung dachte anders. Sie verlangte von Habibullah Khan die Bindung russischer und angloindischer Truppen und bot ihm hierfür die Hilfe der Expeditton Rreder- und Schuldenmacher spielte Rud. Schwanneke mit viel Pläsier. Herrn Telekys Regie sorgte für ein flottes Spiel, dem das gutbesetzte Haus seinen Beifall nicht versagte. -c Vom stenographischen Dienst im Hessischen Landtag. Als kürzlich ein hessischer Stenvgraphentag in Darmstadt abgehalten wurde, erschien eine Festschrift, die eine sehr fesselnde Studie von Regierungsrat Scheible enthielt, betitelt „Hundert Jahre stenographischen Dienstes im Hessischen Landtag". Es ist darin ausgeführt, wie auf Grund der Wiener Bundesakte von 1815 in den deutschen Einzelstaaten die Verfassungen ins Leben traten und sich im Anschluß hieran ein parlamentarisches Leben entwickelte. 3n Hessen geschah dies im 3ahre 1820. Die Oeffentlich- feit der Verhandlungen bedingte die Verwendung der Stenographie; da es aber weder eine eigentliche Stenographie noch Stenographen gab, so wurden damals in den Parlamenten „Geschwindschreiber" angestellt, die sich einer abgekürzten Kurrentschrift bedienten. 3n Hessen führte seit 1820 der Geheime Oberkriegssekretär Zimmermann das Protokoll und dann Karl August Winter vom 15. August 1823 bis 1. März 1824 allein und später aushilfsweise. Von ihm berichtet Regierungsrat Scheible: „Kart August Winter war eine eigenartige Erscheinung nach verschiedenen Richtungen. Er hatte sich als dreizehnjähriger 3unge mit Kameraden gebalgt, wobei ihm eine eiserne Stange ins Auge gestoßen worden war. Das Auge ionr.t.' gerettet werden, eine linksseitige Lähmung von Hand und Fuß war zurückgeblieben. Dadurch war er im stenographischen Beruf sehr behindert. Die Natur hatte ihn nun einmal zum Stenographen geschaffen. Ungeachtet seiner beschränkten Fähigkeiten, über seinen Körper zu verfügen, wollte er im 3ahre 1820 nach Amerika, er kam aber nur bis England, wo er anscheinend in stenographische Kreise geriet und dort wohl die Anregung zur Kunst bekam. Nach sechswöchiger Abwesenheit kehrte er nach Württemberg zurück und bewarb sich im Dezember 1820 in einem Konkurrenzschreiben um eine Geschwindschreiber- stelle, die er auch neben zwei anderen Bewerbern (Kurrentschrcibern) erhielt. Gestützt auf sein geometrisches, Teile des Quadrats und des Kreises zur Darstellung des Alphabets benützendes System, BTdöetc er sich allmählich zu einem ausgezeichneten Stenographen aus. Für Südwest- deutschland war er damals jahrzehntelang „der“ Stenograph. (Babelsberger schrieb in einem Briefe über die Arbeitsweise Winters: „Dieser Mensch schläft nie über 3 ober 4 Stunden, diktiert vom Augenblick des Schlusses der Sitzung an — ohne zum Essen zu gehen oder sich sonst im mindesten zu erholen — Tag und Nacht unausgesetzt fort, bis er fertig ist. Er hat fein Bett in der Kanzlei samt dem Wecker für sich und den Schreiber, den er beinahe zu Tod schindet.“ Bei der sehr verwickelten Schnellschttft (über 6000 Abkürzungen) gelang es Winter nur sehr schwer, sich Schüler hcranzubilden, einer war der Student Theodor Kolb, der in der Zeit von 1829 bis 1849 in der Zweiten Kammer und bis 1857 in bet Ersten Kammer den stenographischen Dienst versah. „Kolb war Studierender der Rechtswissenschaft, brauchte aber, da seine Studien durch die stenographische Tätigkeit fortwährend unterbrochen wurden. 20 Semester bis zum Abschluß seines Studiums und weitere 5 3ahre, bis er die Staatsprüfung ablegen konnte." matzcr an, also — fast nichts. Oberstleutnant Niedermatzer, dieser unvergleichlich kühne und zähe deutsche Offizier, der auf einem abenteuerlichen Zuge durch die Salzwüsten Persiens ein paar aus russischer Kriegsgefangenschaft entwichene deutsche und österreichisch-ungarische Soldaten aufgelefen hatte und mit diesen bis Kabul gelangt war. sah bald ein. daß Habibullah eine fc riskante Politik nicht verfolgen konnte und wollte. Das Expcditions..korps" Niedermatzer und die Furcht Englands vor einer Sinnesänderung des Emirs genügten übrigens, um beträchtliche englische Streitkräfte an der afghanischen Grenze festzuhalten. Der Ausbruch der russischen Revolutton ließ Habibullah jeden Onanien an aktives Eingreifen in den Krieg endgültig aufgeben. Er hätte im Falle feines Vorgehens gegen England — und dieses allein kam damals in Betracht — die russische Hilfe gefunden, ob er wollte oder nicht. Der Emir fürchtete aber, mit Recht, den Einfluß der roten Armee auf fein Volk. Der unerwartete Ausgang des Weftkrteges stellte den Emir vor ganz neue Probleme. Seine Hoffnung auf die Deutschen war eitel gewesen. Die Dolschewisicrung Rußlands, die dadurch au*- gekommene betonte Gegensätzlichkeit zwischen Rußland und England setzte der Pufferstaatpolitik ein Ende, die aus einem Einvernehmen zwischen den beiden Rivalen geboren war. Man muhte sich in Kabul — so schien es — entschließen. ob man nun nicht doch mit Rußland gegen England gehen wollte. Das Eiitdrutgeit bolschewistischen Einflusses in Afghanistan forderte diese Ablenkung. Die große polftische Offensive des roten Rußland gegen England hat aber Habibullah Khan nicht mehr erlebt. Der erst 46jährige Fürst wurde am 20. Februar 1919 in dem Winterpalaste Dschelalabad tot ausgefunden. Aus feiner Schläfe sickerte Blut. Ein Revolverschuh hatte seinem Geben ein Ende bereitet. Amanullah Khan, der britte Sohn des Ermordeten, stteß dem treuen Kommandanten der Schloßwache den Degen mit den Worten ins Herz: „So räche ich meinen Vater!" Dann gab er die Hand seiner Schwester dem Hofmarschall. — Sind so zwei Wissende zum Schweigen gebracht worden? — Die offizielle Leseart nennt Nasrullah Khan, den Bruder des Ermordeten den Ansttfter, den Obersten Ali Raza den Verüber der Mordtat. 3m Orient bleibt über solchen ThroiUvechseln der Schleier einer tiefen Geheimnisses gebreitet ... Amanullah Khan, der neue Emir, erlag gar bald dem Einflüsse der Russen. Don ihnen aufge- stachelt, griff er — auf jeden Fall zu früh — die Engländer am Khhber-Passe an (Mai 1919). Dem Eindruck der Wirkung modernster Kampfmittel waren aber die Afghanen nicht gewachsen. Nach einem englischen Lustbombardement auf Dschelalabad und Kabul muhte der Emir um Einstellung der Feindseligkeiten bitten. Am 8. August 1919 wurde in Rawal Pindi der Friedensvertrag unterzeichnet. Die Bolschewiken, durch ihren Krieg mit den „weihen" Heeren lahmgelegt, hatten Amanullah keine nennenswerte Hilfe gewähren können. Der junge Emir muhte neue politische Wege einschlagen. Er sicherte sich nun zu diesem Behufs vor allem von beiden Seiten Frieden und Ruhe. Mit Ruhland schloß er 1921 ein Abkommen. das ihm eine jährliche Subvention von einer Million Goldrubel, die Anerkennung der ülnabhängigkeit Afghanistans und zollfreie Durchfuhr aller Waren aus und nach Ruhland brachte. 3m gleichen 3ahre entspannte ein Vertrag mit England die seit dem letzten Kttege beeinträchtigten Beziehungen, Auch in diesem Vertrage wurde die älnabhängigkeit Afghanistans betont und gewissen 3nöuftricn ein zollfreier Transitverkehr zugestanden. Seither ist Amanullah Khan ernstlich bemüht gewesen, sein Land mit neuer Kraft zu erfüllen. Er glaubte, das Mittel zur Erstarkung Abghanistans in feiner Europäisierung gefunden zu haben. Türken und Russen bauen ihm jetzt eine neue Armee nach westlichen Gegriffen auf. Die Russen haben im besonderen das Funker- und Fliegerwesen übernommen. Engländer. Franzosen, Deutsche, 3tatiener, selbst Amerikaner wurden herangezogen, um Paläste, Straßen und Telegraphen zu bauen, Spitäler einzurichten, die Hauptstadt zu kanalisieren, hier und dort den handwerksmähigen auf den industriellen Betrieb umzustellen. 3e bunter diese Schar von Technikern, Aerzten und Kaufleuten zusammengewürfeft ist, um so besser. Und je mehr Fachleute aus politisch an Afghanistan nicht interessierten Staaten kommen, desto lieber ist es dem Emir. 3n ihnen, die nur Wirtschafts- Noch bis zum Jahre 1897 war ein Vertreter des geometrischen Systems im Landtag, aber schon vorher hatte sich in den süddeutschen Parlamenten das Gabelsbergersche System durch- gesetzt. Don den Gabelsberger Stenographen nennt der Verfasser u. a. Professor Eduard Oppermann aus Giehen, der von 1862 bis 1867 die Landtagsverhandlungen allein aufnahm. Er trat nachher an die sächsische Landesanstalt für Stenographie über. Von 1884 bis 1919 besorgte Hofrat Reinhold Zehl den stenographischen Dienst im Hessischen Landtag; er war einer der ersten in Deutschland, der die Schreibmaschine in den Dienst der Stenographen stellte. 3n seinen Schlußbetrachtungen sagt Regie- rungsrat Scheible: „Anforderungen, wie sie vor 100 oder 50 3ahren an die Stenographen gestellt werden konnten, können heute nicht mehr erfüllt werden. Damals stand das ganze parlamentarische Leben noch in den Kinderschuhen und floß, bis in den Anfang dieses 3ahrhunderts hinein, in einem ziemlichen Gleichmaß dahin. Seit der Neuordnung der Dinge im Deutschen Reich ist die Schwierigkeit der Aufnahme der Verhandlungen außerordentlich gewachsen, nicht bloß hat die Redegeschwindigkeit weiter zugenommen, auch die Form der Verhandlungen weicht stark ab von der vor Jahrzehnten gebräuchlichen: Der nicht nur auf den 3nhalt, sondern auch auf die Form seines Vortrags bedachte Redner ist seltener geworden; ein neues Rednergeschlecht ist an seine Stelle getreten; die Zwischen- und Zurufe haben sich unheimlich vermehrt; die Hitze des politischen Kampfes überträgt sich beinahe auf jede Frage, stehe sie auch sonst der Politik noch so ferne. Es ist kein Zweifel, die früheren ruhigen, schöne". Zeiten der deutschen Aammerstenograph^ sind wohl unwiderbringlich dahin.“ nrteressen zu verteidigen haben, sicht er seine natürliche Freunde. Afghanistan ist also seit kurzem „im Werden". England muh heute mehr denn je wünschen, dah es an der indischen Grenze nicht auf Rußland stohe. älnd dieses ist wohl Meister im subservisen Angriff, scheut aber den offenen Kampf. So ist Afghanistan wieder, wenn auch anders als früher, zwischen England und Rußland eingeschaltet. Es spielt in den Kombinationen des einen und des andern als der Bundesgenosse der Zukunft eine Rolle. Diese Zukunst liegt allerdings noch in der Ferne. An der Wende zweier Zeiten stehend, gehört das Lcnrd doch noch weit mehr der Vergangenheit als der Zukunft an. Aber die Zukunft, wurde bereits eskomptiert: Der Emir wurde zum Könige ausgerufen, das junge Königreich von Rußland und England anerkannt. . Oberhessen. Landkreis Gießen. t Grünberg. 21. Juli. Der hiesige Schützenverein begann am Sonntag mit einem Preisschießen, das am nächsten Sonntag sein Ende finden wird. Außer den Mitgliedern sind auch andere Schützen zu der schieß- sporttichen Veranstaltung zugclassen. Geschossen wird mit Dehrmannsbüchsen auf drei Scheiben (1Z5 Meter) und auf eine Wildscheibe. Die Preisverteilung findet am nächsten Sonntag statt. — Rodheim a. d. Horloff, 21. < wird gefängliche Sie Turner un mit turnerischen tanze, bereichert sollen Kraftp kon Dc'.lbuk! K' DM Ma abend muhte d von der Aera-L! von Ebsdorf tordefcktes das mit zwei erfolgter Aefai a. Kl. fortsetzen der alten Stra teje« \ ein«r Äen>r!id Ivie r ^trfc lasse". " h,e s^Äen bc> <Ä 1 spa'cl »Äeibe'i ,.i?Ärnoid 3U,T-Bo(Pc gerl-ff Hör koerer 1 W Verblndu"« nnll« NNlA g «w auch kn g( ünlcmM, ^Kebacl Federvieh wurden vom Hagel erschlagen. Der Schaden ist sehr groß. Die hessische Regierung ist um Hilfe angegangen worden. WSR. Bingen, 21. Juli. Am Sonntag ließ ein hiesiger Einwohner seinen Hund im Rhein Fang- und andere Kunststücke ausführen. Als das Tier zum toieberr^Iten Male einem Stück Holz nachsprang, brachte es zum Erstaunen der Zuschauer statt des Holzes einen starken A al der sich zwar kräftig, jedoch vergeblich wehrte, ans ilfer zurück. Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar. 21. Juli. Die Kreisverwaltung beabsichtigt. vorn 27. Juli ab für Frauen und Mädchen über 18 Jahre aus dem Kreise Wetzlar einen sechswöchigen Kursus zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen für die Volksschulen des Kreises durch die Kreis- Handarbeitslehrerin Müller abhalten zu lassen. — Zur Verhinderung der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche hat das Landratsamt auf Grund der viehfeuchenpolizeilichen Bestimmungen eine Anordnung getroffen, nach welcher in Sverrbezirken sowie in einer Umgebung von fünf Kilometer keine größeren Menschenansammlungen, wie Tanzlustbarkeiten, Kirchweihfeste, Turn-, Sänger-, Missionsfeste usw. stattfinden dürfen. Grund zu dieser Anordnung hat der Umstand gegeben, daß die Maul- und Klauenseuche in letzter Zeit bösartig a u f g e.t r e t c n ist und in einem Falle festgestellt wurde, daß die Seuche durch Festteilnehmer verschleppt worden war. A Wetzlar, 21. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung beschäfttgte sich in ihrer jüngsten Sitzung mit der Beratung eines außerordentlichen Haushaltsplans für das Rechnungsjahr 1926, der mit einer Gesamtsumme von 759 000 M k. abschließt. Bürgermeister Dr. Kühn gab einleitend einen Tleberblick, wie sich der Plan im einzelnen zu-. sammenseht: er bemerkte, daß für die Errichtung der Kapelle auf dem neuen Friedhof bereits 40 000 Mk. ausgegeben seien, daß die Dauarbeiten in ihrem jetzigen Stadium nicht eingestellt werden tonnten, vielmehr wenigstens zur Fertigstellung des Rohbaues geschritten werden müsse. Ein weiterer größerer Ausgabebetras betrifft die Friedhofskapelle im Stadtteil Riedergirmes. Hierfür sind bereits 22 000 Ml. bewilligt und auch ausgegeben, ob« noch weitere 46 000 Mk. erforderlich. Einen weiteren wesentlichen Betrag erfordert die Instandsetzung verschiedener Straßen und Bürgersteige. Hier besteht jedoch Aussicht, daß diese Arbeiten als Avtstandsarbeit anerkannt und ausgeführt werden können, so daß mit einem wesentlichen Zuschuß und einem Darlehen aus Mitteln der produktiven Erwerbslofenfür- forge gerechnet werden kann. Andererseits haben Kreis und Provinz bedeutende Mittel für ©trabenbauten im Stadtgebiet vorgesehen, so daß die Stadt, um nicht die Ausführung der Projekte dieser Körperschaften in Frage zu stellen, sich mit gleichen Arbeiten anschließen müsse. Heber die Rotwendigteit der einzelnen Arbeiten entspann sich eine lebhafte Debatte. Bei der Abstimmung wurde der Haushaltsplan, entsprechend der Vorlage der Verwaltung, genehmigt und die geforderten Mittel bewilligt. Die Prüfung der einzelnen Kostenanschläge wurde dem Dauaus- schuß Vorbehalten. Dieser soll im Rahmen des Haushaltsplanes auch Beschluß darüber fassen, ob nicht einzelne weniger dringliche Arbeiten ; zurückgestellt und andere, dringlichere an ihrer Stelle ausgeführt werden sotten. — Einen wei- Flugzeug aber mußte es abei wurde glücklich der Strafe ü k z c u g an der 2 dig zertrüm 5ra VaMrai hat W schäft, Runft uni ein engeres I Gewinnung von s lechwarenf a ffcaßc der Hilfsarbeiter KreI aus Reises int rn. Mtinbiet» schweren Dvl. -lag Mud \\t ernichietedi, Zeit hx» rgelstücke fast ,p ! wie im Dirn« Gemarkung halle rauschende Ach rohe Mengen tn ei erschlagen Vn sische Legiemg ist n. )uli. Am 6onaia( feinen Hund im ’nftftüde ausführa ■iten Male einem es zum Srftmmer : einen starke jedoch vefMch OEentoalb tötlich verunglückt. Ein mit «t Tx^ler N schi" Sr. ;eyrma?8^ Jnö stau ySa j'Ä "bÄL soften im Laufe einiger Jahre wieter einsparen offen. Aach kurzer Debatte beschloß die Ver- ommlung. die Anlage zunächst mietweise -mzuführen: bei guter Bewährung soll dann yäter dem Gigentumserwerb nähergetreten werten. 00 Weid en Hausen. 21. Juli. Gemcindevor- rcher Arno l d von hier ist durch das Amtsgericht Wetzlar zum Ortsgerichts mann des Orte* j «nichts Bolpertshaufen ernannt worden. • '> Dornholzhausen. 21. Juli. Die Hlmbeerernte in ter zu dem Hose ..Strauch" lchörigen Waldfläche ist in diesem Jahre n i ch t ■) ertragreich, wie in früheren Jahren, früher konnte jedermann Himbeeren im »-«rauche" pflücken, fo viel er wollte Seit iitiflcn Jahren macht der Drsitzer dis Beeren- '>'lücken von seiner schriftlichen Erlaubnis gegen irren Punkt ter Tagesordnung bildete die Beschaffung einer automatischen Fern- lprechanlaae für das Rathaus. Die kosten dafür find auf 35 000 Mk. veranschlagt. Die der Vorsitzende bemerkt, sollen sich diese ^Mten und N, Endung gS Sen a,uftC ftj“ Dir 2r. ^WflentumiT **1 riickMch urg. h'Ü ^°n einem bunten mit AgL 4t Diele W, uch der Mh jj ^treibe, fotoie ’ gelitten. Dn ll. ar. ßrcisoermiltunj bi für Frauen pi e aus dein len fiurfis y tslehrerine» es durch die ibhalten zu la^.- ileroerbreitllnz w e hat das W* i polizeilichen ffen, nach welcher l° Umgebung von iun n Menschen-!'- tarkeiten. KirchM feste uslv. slallst^n bmmg hat b*r und Klauen vH »treten i»“}* e, dajj die GjJ I-jahiung eines Entgeltes abhängig. In guten Himbeerjahren finden sich Bcerensucher aus allen Orten ter näheren und weiteren Umgebung, bis aus der Vtetttrau ein. — Der Ausbau des Verbindungsweges von hier nach Lang- gons macht gute Fortschritte. Unter- icfjmcr Weimer (Waldgirmes), dem ein Teil des Wegebaues übertragen ist. hat dieser Tage । ach die Arbeit ausgenommen Der von dem Internchmer Schäfer hicrselbst in Angriff .> enommenc Dau einer neuen Brücke über Sen Klee'bach muhte infolge des hohen Dafscrs. das der Kleebach durch die starken SRcgcnfällc der letzten Zeit führt, vorübergehend 'ingestellt werden. Die Arbeiten an dem Wegebau selbst 4inb in vollem Gange. Auch die beiden »Kleebachdurchstiche *linb bereits in Angriff genommen Bei den Arbeiten sind 2 5 Erwerbslese beschäftigt Die Fertigstellung soll bis tum Monat September erfolgen * Braunfels. 21. Juli. Am nächsten Sonntag findet in der Lindenallee des hiesigen Schlohgartens das Brunnenfest statt, das roch den getroffenen Vorbereitungen sehr ab» ä nxchslungsreich werden dürfte. Eine Kapelle wird konzertieren, der hiesige Männer-Gesangverein lvird gesangliche Darbietungen zu Gehör bringen. Die Turner und Turnerinnen werden das Fest mit turnerischen Ausführungen, darunter Volks- ichnze, bereichern. Bei genügender Beteiligung l»Ifcn Kraftpostwagen von Wetzlar und non W c°. l b u r g hierher- und zurückfahren. Kreis Marburg. WSR Marburg, 21. Juli Am Montagabend muhte das Schulflugzeug D 6 9 0 hon der Aero-Lloyd Frankfurt a. M in der Rähe pon Ebsdorf lKr Marburg) wegen Mo- ivrdefektes notlandcn. Das Flugzeug, bas mit zwei Piloten besetzt war, wollte nach erfolgter Reparatur seinen Weg nach Frankfurt a M. sartsetzen Westlich von Hachborn an der alten Straße nach Staufenberg geriet das »Flugzeug aber ins Schwanken. Dor dem Walte mußte es abermals landen. Der Erdboden wurde glücklich erreicht, jedoch beim lieberqueren drr Straße überschlug sich das Flügen g an der Böschung und wurde vollstän- ■big zertrümmert. Die Piloten blieben un- »verletzt 9l1L »[«einen -u> i u e n 0 . c, Xi/ % «*»■, s hierfür »rdeA.-ü jn- Ä.“ ,*Sä tÄ* sei rtlffi und J Ä? Muingau. WS21. Frankfurt a. M., 21. Juli. Der Dragist rat hat beschlossen, das Amt für Wissen- Ilcyast, Kunst und Volksbildung zu beauftragen, ■ein engeres Preisausschreiben zur »Gewinnung von Entwürfen für eine neue ‘■»tf hrenplakette der Stadt zu erlassen. Heute nacht gegen 1 <2 Uhr wurde der Her- MauSgeber ter .uttioiuil-sozialistischen Zeitung Ficiheitssahne für Recht, Rasse und Reinheit", Anton H a s I e l m a h e r. vor seiner Wohnung Min der Kantstraßc von unbekannten Tätern $u berfallen und durch Messerstiche im Rücken Mlchwer verletzt. Rach Anlegung eines Rot- Pcrbandcs wurde Hasselmayer nach dem Kran- lerihaus verbracht. - Zwei junge Leute wurden hier fc ft genommen. die seit längerer 3 et t in den Wanderherbergen Reise- gesährten um ihre wenige Habe b e st o h l e n haben. — Heute morgen gegen 3 Uhr fuhr ein Motorradfahrer gegen die geschlossene ! i L chranke der Eisenbahn in der Jnsel- strahe. Die Schranke wurde stark beschädigt und tne auf dem Soziussitz sitzende Da mesoschwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert Die Gefahren, zu kurzer Badekuren. Von Dr. mcd. Franz Cohn. Die Idee der Mittelstands- und Pauschal- hiien, die jetzt eine große Anzahl deutscher Bäder nUgcgrifien haben, und die darin gipfelt, Kuren ja einem mäßigen fixen Pauschalsahe für einen jeHlmmten Kuraufenthalt festzusetzen und anzu- :i«ien, hat von neuem die Aufmerksamkeit der 'ir die Badekuren verantwortlichen Kreise auf die Sing# gelenkt, wie lange eine Erfolg versprechende Kur dauern soll und muh. Diese Bewegung ent- l'tang der Initiative der Balneologischen Ge- '(Llschast und bezweckte, dem wirtschaftlich ge- chDächten, andererseits aber auch in seiner Gesundheit erheblich geschädigten Mittelstände die vköglichkeit zu geben, mit erschwinglichen Mitteln lud) eine Badekur, die Arbeitskraft zu erhalten vbcr die eingebüfotc Gesundheit wieder zu er- lingen. Hand in Hand mit der Durchführung dieser "Cecil hochstehenden Grundidee sei aber auf die befahr hingewiesen, die darin besteht, für den Mittelstand aus Sparsamkeitsrücksichten zu kurze Suren festzusehen. Ich habe mich bemüht, gelegentlich des All- jetjicincn Deutschen Bäderlages im Jahre 1924 in encin Vortrage die Gefahren zu kurzer Kuren rngehend zu erörtern und möchte sie noch einmal lurz in breiterer OÖffentlichkeit anschneiden. In dem bereits erwähnten Aufsatz habe ich tarzulegen versucht, wie sich der Ablauf einer Kur im Bade gestaltet, der im wesentlichen in vier Abschnitte zerfällt: Den ersten Abschnitt bildet des Stadium anfänglicher Erschlaffung (in den trften fünf Tagen), das zweite Stadium bildet die trfte — vermeintliche — Besserung (6. bis 12. Tag), das dritte Stadium die Reaktion der Blech- und Eisenwaren beladener Wagen, der mittels eines Aufzuges hochgezogen wurde, rollte oben, da die Schutzvorrichtung versagte, über ein Dach das er durchschlug Dem in. dem darunter befindlichen Raume arbeitenden Manne wurde ter Schädel gespaltet. Kreis Weftcrbltr^. 00 Westerburg, 20. Juli. Ein schweres Unwetter zog gestern über die hiesige Gegend und wirkte sich hauptsächlich im südlichen Teil unseres Kreises aus. In der Gegend von Willmenrod. Gemünten, Langendembach, Rennerod und den südlich davon liegenden Ortschaften kamen schwere Hagelwolken zum Rieter- schlaa. Der vorhergehende Sturm knickte viele, z u m Teil alte Bäume. In Willmenrod fegte er im Ru die dort anläßlich des Jugendtages ausgestellte Ehrenpforte hinweg. Westerburg und die nördlicher gelegenen Orte blieben von dem Hagelwetter verschont. Aber auch hier bat der Sturm Kastanienbäume von >.. Meter Durchmesser in zwei Meter Höhe abgedreht. Der darauf folgende Regen schadete neben dem auf den Wiesen liegenden Heu hauptsächlich den G e r ft e n f c f b e r n. Sie find zum Leidwesen ter Landwirte zum größten Teil niedergelegt. Das Wetter hatte in 15 Minuten diesen Schaden angerichtet und zog dann, in Richtung nach ter Lahn ab. Dem gestrigen Gewitterregen folgen heute zahlreiche heftige Regengüsse, die auf das Einbringen und Die Qualität des Heues sehr nachteilig wirken. 7. Nassauischer Bauerntag. bl. Herborn, 20. Juli. Der vierte und zugleich letzte Festtag des Rassau ischen Bauerntages wurde heute früh mit der 21 u 6 ft e II u n g des Pferde- zuchtverbandes. des W e st e r w ä l d e r und Vogelsberger Züchter Vereins und des Ziegenzuchtvereins begonnen. Der Direktor der Landwirtschaftskammer sprach bei der Eröffnung kurz über die einzelnen Rassen und lobte die guten Viehbestände Hieran schloß sich eine Besichtigung der einzelnen Vieharten. Der Austrieb war recht stark. Rachmittags tourte die Preisvertei- lung vorgenommen. Damit war ter ' Rass. Bauerntag für 1926 beendet. Für das Publikum blieb bis zu später 2lachtstunde noch Gelegenheit zu Belustigungen aller Art. Die Tage werden allen Besuchern eine bleibende Erinnerung fein. Amtsgericht Gießen. Gießen, 19. Juli. Beleidigungen anläßlich eines Streites wegen eines Zaunes führten einen Bäckermeister St. und einen Bahnarbeiter H. aus Großen-Linden vor das Gericht. Beide sind Rach- barn. Als St. im letzten Herbst einen zwischen den beiderseitigen Gärten besindlichen alten, morschen Zaun entfernte, behauptete H.. der Zaun fei gemeinschaftliches Eigentum, und sprach von Diebstahl. Später wiederholte er diesen Vorwurf und ließ weitere Beleidigungen ähnlichen Inhalts fallen. Heute wurde einwandfrei fest- gestellt, daß der Vater des St. vor nahezu 30 Jahren den Zaun hat anfertigen lassen und ihn auch bezahlt hat. H. nahm daraus die gefallenen Beleidigungen mit Bedauern zurück und erklärte, er habe sich davon überzeugt, daß der Zaun Eigentum des Privatkläaers St. sei. Jeder Teil übernahm vergleichsweise die aus seiner Seite erwachsenen Kosten und die Hälfte der Gerichtskosten. Gerichtssaak. * Darmstadt, 21. Juli. Während des letzten Winters ereignete sich in Schonberg bei Bensheim beim Auftauen eines Autoinobil- motors eine Explosion, wobei der 15jährige Sohn des Maurermeisters und Leiters der Feuerwehr Phil. W i e n o l d ums Leben kam und zahlreiche Personen, die in dem Autoschutzpen. zugegen waren, durch Brandwunden schwer verletzt wurden. Das Bezirksschösfengericht hatte vor einigen Monaten den Eigentümer des Autos, den Mühlenbesitzer Heinr. Spahn, wegen fahrlässiger Tötung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Ferienstraskammer als Berufungsinstanz sprach ihn gestern frei. Rach Feststellungen von Sachverständigen, die den Vergaser genau untersuchten, ist die Explosion nicht auf die beim Austauen benutzte Lötlampe, sondern auf eine elektrische Zündung zurückzuführen. Lin D-3ug-Dieb. WSR. Wiesbaden. 21. Juli. Rach dem Gedränge während des Aussteigens aus Dein O-Zug Frankfurt — Köln vermißte ein Zivilfranzose seine Brieftasche. Er ver- Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbacfc Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „GiehenEr Anzeigers". Problem Nr. 71. Don 3. Kvlatz und C Kvckekkvrn. Schwarz, ab c d e f c h a b c d e t g h Weiß. 8 8 6 6 5 Wt/Z/Z . , Weiß zieht und seht in drei Zügen matt. Weiß: 3 Steine Kel; Dg5; Lf8. Schwarz: 1 Steiß Ka4. Endspiel Nr. 17. 8 6 5 4 3 2 1 a 8 6 5 7 o 1 Weiß. Don 3. 3espersen in Ebendbvrg. 4 3 2____h Schwarz, b c d e Weiß zieht und macht remis. Weiß: 5 Steine Kal; Dg7; Lei; Se3; Bb2. Schwarz: 12 Steine Kcl; Db7; Th2, 114; Ldl; Sc7; Ba5, b4, c2, e2, 13, f6.+ Lvsung te- Problems Rr. 69. Don 3. Trum. LDi2-a7!, c3xd2;2.Da7-f?+Ke2-dl; 3.Df2x d2 matt. 1..... Kc2-dl ober el; 2. Da7-al4-, Kdl-c2 ober, e2 3. Dal -bl ober fl matt. Aus der Schachivclt. Das Budapester Schachturnier, welches vorige Woche zu Ende ging, endete mit dem Siege der Meister Grünseld und Monticelli, welche den 1. bis 2. Preis teilten Kmoch sowie Rubinstein errangen den 3. bis 4. Preis. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Dor dem Kampf. Zwei Spanier hatten einen Ehrenhandel auszutragen und beschlossen, in einem Vorort von Madrid das Duell auszufechten. Zufällig trafen sie auf dem Bahnhof am Fahrkartenschalter zusammen. Der erste nahm ?ine Rückfahrkarte, der andere nur eine einzelne. „(Saramba.“ sagte der erste, „Öie erwarten gar nicht zurückzutommen, Herr! Ich nehme immer ein Retourbillet." „Ich niemals,'' sagte der andere, „ich benutze dann für die Rückfahrt immer die Karte meine« Gegners." Zustande. — „Was kostet das Auto?" — „Bei 5000 Mark Anzahlung und Monats- raten von je 2000 Mark insgesamt 24 000 Mark." — „Und wenn ich gleich bezahle?" — „Dann, mein Herr, bei 8000 Mark Anzahlung, betragen die Monatsraten 2500 Mark." — „Sie verstehen noch immer nicht. Ich will sofort bat bezahlen!" — Der Verkäufer wendet sich bleich ins Reben- gelaß und ruft die Kriminalpolizei an. Der Krake hier. Der bekannte Rezitator F. veranstaltet einen Vortragsabend, der sich eines sehr regen Besuches erfreut. Der Beifall nach jedem Vortragsstück ist groß, nut ein junger Mann in der teilten Parkettreihe bekundet fein Mißvergnügen durch Zischen und laute Zwischenbemerkungen. Das Publikum gebietet dem Störenfried Ruhe und klatscht jetzt demonstrativ Beifall. Als im zweiten Teil der Widersacher immer wieder Störungsversuche unternimmt, und laut: „Schluß, Schluß!" ruft, da reiht dem Vortragenden endlich der Geduldsfaden. „Wenn's ihnen nicht paßt, mein Herr", ruft er, „dann lasten Sie sich ihr Geld an der Kaste zurückgeben und entfernen Sie sich schleunigst." Der unzufriedene Gast verläßt ohne weiteres den Zuschauerraum, der Dorttagende folgt ihm, läßt sich die Karte geben und sagt zum Kassierer: „Zahlen Sie dem Herrn seine drei Mark heraus." Als nach glücklich beendetem Vortrag der Rezitator mit dem Kassierer abrechnen will, sieht dieser sich die Eintrittskarte des Skandalmachers genau an. „Himmeldonnerwetter!" ruft der Kassierer auS. „Der Kerl hatte ja ’ne Freikarte." ftänbigte die Polizei, und diese verhaftete zwei von ihm bezeichnete Personen, bei denen das vermißte Wertstück jedoch nicht gefunden wurde. Gegen Kaution wurden beide auf freien Fuß gesetzt. Als trotzdem Anklage erhoben wurde, erschienen beide nicht und die Kautionen verfielen. Durch Zufall, machte die Polizei beide wieder ausfindig, die sich als zwei polnische Juden entpuppten. Da nur einem der beiden, dem Hutmacher Moses Kuropatwa aus Warschau, der übrigens aus der polnischen Armee ausge- kniffen uiü) nach Deutschland geflüchtet war, die Tat nachgewiesen werden konnte, erkannte das Gericht gegen diesen auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten. Die vielfach übereignete Sicherheit. WER. Frankfurt a. M.. 21. Juli. Der hiesige Photograph Philipp Ortwein leistete sich geschäftlich höchst unfaire Dinge. Ursprünglich betrieb er in ter Schillersttaße ein Photographengeschäft. Gegen Liebereignung des Inventars nahm er ein Darlehen auf und verkaufte später das Lokal, wozu er keine Berechtigung hatte. Bald darauf nahm er ein zweites Darlehen, nämlich 1500 Mk., aus. wobei er die erste Ue&ereignung verschwieg. „Sicherheitshalber" übereignete er Mitte Dezember an ein und demselben Tag die gleiche Einrichtung an zwei Darlehensgeber für 3100 bzw. 2500 Mk. Keiner der Darletensgeber sah natürlich sein Geld wieder. Wegen Bettugs in drei Fällen wurde Ortwein zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Die Zahl'der Geschädigten dürste sich jedoch noch etwas hoher belaufen, da mehrere Hereingelegte es vorzogen, auf eine Anzeige zu verzichten. NundfunktProgramm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 23. 3uli. 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde ter Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr:^Hausfrauennachmittag. Programm u. a.: „Die Frau als Schöpferin ter Wohnung", ein Frauengespräch von Stadtbaurat Architekt Bruno Laut-Berlin. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunte. 1 bis 7.30 Uhr: Deamtenfortbil- dungstursus, „Wesen und Bedeutung ter Sozialpolitik", Vortrag von Dr. F. Reumark. 8 Uhr: ilebertragung aus Wiesbaden: Konzert des Kur- orchesters. Kur (13. bis 22. Tag) und das vierte Stadium die zunehmende Besserung und Heilung. Cs würde zu weit sühren, diese einzelnen Stadien eingehend zu schildern: es sei hier nur auf das dritte, das unangenehmste, Stadium hin- getoiefen, das sich in überwiegender Mehrzahl aller Fälle am Uebergang der zweiten zur dritten Kurwoche bemerkbar macht. In diesem Stadium fühlen sich die Patienten nicht ,nur subjettiv meist schlechter als im Anfang der Kur, sondern sie zeigen auch objektiv Crregungs- und Erschlas- sungszustänte oft recht hohen Grades, nach deren Ueberwinduna erst von einem wirklichen Kurerfolg gesprochen werden kann. Wird also die Kur in diesem Stadium abgebrochen, so ist die ganze Kur zumeist vergeblich gewesen. Der dann physisch erschlaffte Patient muß die anstrengende Heimreise antreten, sich reatflimatifieren und kehrt — vom Körperlichen ganz abgesehen, über den Mißerfolg enttäuscht — psychisch schwer geschädigt heim. Das gesamte Ergebnis der Reise ist ein negatives: .der Patient fühlt sich schlecht, oft schlechter als zuvor und hat mit ter Annahme nicht ganz unrecht, das oft mühsam ersparte Geld nutzlos vertan zu haben. Erfolg: Dem Kranken ist nicht genützt, die Badereise war angeblich erfolglos und das Bad gerät in Mißkredit Prüft man nun die Frage, ob sich denn wirklich die Kur nicht hätte bis zum normalen Ende — also Mindestens bis Ende der 4. Woche — austehnen lassen, so findet man in den meisten Fällen, teil’ diese Möglichkeit sehr wohl bestanden hat. Hätten sich nur die Patienten, als der Hausarzt von einer Badekur sprach, beizeiten über die Kostenfrage informiert und durch rechtzeitiges Sparen die Mittel bereitgestellt, unnötige Anschaffungen für Toilette usw. vermieden. durch eine Anfrage sich ein ihrem Geldbeutel passendes Logis im Kurort gesichert, sich im Bade alsbald mit dem Kurarzt offen über diese Frage ausgesprochen und auch im Bade alle unnötigen Ausgaben vermieten, so hätten die Mittel in einer großen Mehrzahl der Fälle zu einer vollen Kur ausgereicht, die dann auch meist vollen Erfolg gebracht hätte. Leider wird diese Umsicht in der Aufstellung und Durchführung tes Badereiseetats meistens außer acht gelassen: Es wird vorher darauflos eingekauft, mit unzureichenden Mitteln abgefahren, ein viel zu teures Logis gewählt und im Kurort Geld für allerhand überflüssige Dinge ausgegeben, so daß nach drei Wochen, mitunter auch schon früher die Mittel erschöpft sind und nichts anderes als schleuniger und plötzlicher Abbruch der Kur übrig bleibt, ter bann zwingend zu dem geschilderten. Mißerfolg führt. Leider wird auch von haus- ärzilicher Seite der Frage nicht immer die nötige Aufmerksamkeit gewidmet, die sie unbedingt erfordert. Hausarzt und Patient muffen sich Zeit und Mühe nehmen, sich eingehend über diese Frage zu verständigen und sich eine Information im Kurort selbst verschaffen, am besten durch eine schriftliche Anfrage bei einem vom Hausarzt empfohlenen Kurarzt selbst. Für reine Erholungs- und Luftkuren im Gebirge oder an der See. vielleicht auch für eine reine Brunnentrinkkur mag hier und da eine Dauer von 2 bis 3 Wochen ausreichend sein: sowie es sich aber um eine ernsthafte Kur die ja zumeist mit einer größeren Anzahl von Bädern verbunden ist, handelt. — die nicht, um eine schematische Bäderzahl zu absolvieren, in überhasteter Weise genommen werden dürfen — gehören mindestens vier Wochen zu einer Erfolg versprechenden Kur: Kuren von kürzerer Dauer sind zwecklos, ja sogar gefährlich. Gerade die Erfahrungen der Träger der Sozialversicherung, der Reichs- und der Landesversicherungsanstalten, der Knappschaften oder Krankenkassen lehren uns. daß in vier bis fünf Wochen Kurzeit, selbst bei dem sehr elenden Patientenmaterial dieser Dolks- freife der Erfolg fast nie ausbleibt Ter Versuch der Patienten mit kürzeren Mit- telstandskuren ift daher vom ärztlichen Standpunkt aus zu verurteilen. Jeder Patient, ter in ein Bad reifen will, muß sich daher zu rechter Zeit und in rechter Weise mit dieser Frage beschäftigen. Wir Badeärzte sind bestrebt, vorher, wie im Kurort selbst, die Patienten über diese Dinge aufzuklären und in jeder Weise zu raten und zu Helsen: wir bedürfen aber dringend der Einsicht und der Mitarbeit der Hausärzte und vor allem ter Patienten selbst, um deren Wohl und Wehe es ja hier allein geht, Abendbild nach dem Gewitterregen. Don Karl Semmel. Schwefelgelb breitet sich die Abendsonne hinter dem Berggipfel. Die Felder haben sich vom Regen sattgetrunken. Schwarz sind die liefern Fromm in die Wolken geschnitten. Die Wiesen voll Tau. So still ist das Land. Der schläfrige Modergraben ist flink geworden und ist für Stunden ein Flüßchen Die Aehrenhockerr lassen die Garben zur Erde nicken. Letzte Vogel fliegen durch den Abend. Voll RachdenNichkeit zieht sich ter Feldweg in der Ebene. Die braunroten Giebeldächer vom Dorf sind wie von unsichtbaren Händen blank gescheuert. Still und leer die Gassen. Am Abendhimmel Windwolken gleich wunderzartem Flor. Das Land jubelt wie Befreiung von des Tages Hitze. Ein Ausatmen zu Tausenden. So klar das 2Ibenbläuten vom Dorftirch- turm: erstirbt in fernen Wäldern zwischen Abendtau und Dämmerung. Und die Dämmerung kommt mit weit gebreitetem Schleier in Rachtgrau . , . Wirtschaft. Ein Silberstreisen im Ruhrgebiet. (Don unserem Essener Mitarbeiter.) Unter den deutschen Gauen hat — abgesehen von Berlin und vom Königreich Sachsen — keiner so unter der Arbeitslosigkeit gelitten, wie das Ruhrgebiet, der größte deutsche 3n- dustriebezirk. Wie das Ruhrgebiet in der Zeit der Aufwärtsbewcgung vor dem Kriege an der Spitze marschierte, so empfand es naturgemäß auch am härtesten den Druck der Wirtschaftskrise, einer Wirtschaftskrise von bisher unerhörtem Ausmaße. Die Provinz Westfalen, die den größten Anteil am Industriegebiet hat, zählte am 15. März ds. Is. 203 508 Erwerbslosenunterstützungsempfänger mit 248 000 Zuschlagsempfängern. Am 1. Juli waren noch 181 527 Unterstützungsempfänger und 223 000 Zuschlagsempfänger vorhanden. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen beträgt in den einzelnen Kreisen des Industriebezirls 48 bis 88 auf 1000 Einwohner: die Durchschnittszifser für die Provinz beträgt 36. Der Reichsdurchschnitt ist um 30 Prozent niedriger. Man kann es unter diesen Umständen verstehen, wie sehr man nach einem Silberstreifen ausschaut, der den Anbruch einer Besserung verheißt. Eine geringe Besserung ist unverkennbar eingetreten. Der englische Bergarbeiterstreik hat es dem Ruhrbergbau ermöglicht, einen Teil der alten Haldenbestände abzustoßen, manche Zechenhalden sind nahezu geräumt. Don weiteren Stilllegungen ist keine Rede mehr, der Rationalisierungsprozeß scheint, soweit die Montanindustrie in Frage kommt, beendet zu sein. Feierschichten werden nicht mehr eingelegt. Auf einer Anzahl Zechen konnten von den früher entlassenen Belegschaftsmitgliedern wieder Leute eingestellt werden. Das Kohlensyndilat hat die Gelegenheit benutzt, mit früheren Abnehmern von Ruhrkohle, die das englische Dumping ihm entrissen hatte, langfristige 05er tröge abzuschließen, so daß eine dauernde Vermehrung des Absatzes zu erwarten steht. Kommt es zu einer internationalen Kohlen- verteilungsregelung, so kann das Ruhrgebiet nun eine Quote beanspruchen, die ihm auch früher schon zustand, deren reale Unterlage es aber erst jetzt zurückgewonnen hat. Die deutschen Bergarbeiter, die eine internationale Regelung befürworten, gehen mit den deutschen Bergwerksbesitzern dahin einig, daß das Ruhrgebiet nach seiner technischen Vervollkommnung berücksichtigt werden muß. Die eiserne Rot hat den Bergbau und die Eisenindustrie zu rücksichtsloser Rationalisierung gezwungen. Manches schwächere älnternehmen ift dabei zugrunde gegangen; Tausende von Arbeitern mußten entlassen werden. Run haben wir den bitteren äkmwandlungsprozeß im großen Himer uns. Andere Länder werden folgen müssen; wir haben dann einen Vorsprung. Das Ausland beurteilt, wie der glänzende Erfolg der Anleihe des Slahltrusts in Amerika zeigt, die Konjunkturaussichten für das Ruhrgebiet nicht schlecht; man würde sonst auch den mit der Industrie auf Gedeih und Verderb verbundenen Kommunen des Industriebezirks nicht bereitwillig Geld geliehen haben. In der Organisation der Industrie ist ein sichtbarer Wandel eingetreten. Die Erkenntnis, daß Deutschland durch Qualitätsarbeit seinen Anteil auf dem Weltmarkt sich sichern muß, hat dazu geführt, daß die Schwerindustrie zur Verfeinerung übergeht. So hat, um ein Beispiel zu nennen, der zum Stahltrust gehörende Bochumer Verein seine Einrichtungen so vervollkommnet, daß das in seinen Hochöfen mit dem Koks der eigenen Zechen hergestellte Roheisen im eigenen Betrieb zu Schienen, Stäben, Knüppeln, Röhren, Drähten, Blechen umgewandelt wird bis zur Rasiermesserklinge. Der Lothringen-Konzern, eines der am vorsichtigsten geleiteten großen Montanunternehmen, baut in Bochum im Anschluß an seine Schachtanlagen Lothringen ein neues, großes Stahl- und Blechwalzwerk, das Qualitätsware Herstellen soll. Die Besserung wird sich, darüber darf man sich allerdings nicht täuschen, nur langsam vollziehen; aber der erste Silberstreifen ist da und kündet an, daß das Schlimmste nun hinter uns liegt und es allmählich aufwärts geht. Soll diese Entwicklung gefördert und nscht gehemmt werden, dann ist Vorbedingung, daß die inner- und außenpolitische Spannung abnimmt, daß wir vor Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen Von Michael Wagner. 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Also — höher gehl's doch nimmer! So a Viecherei! — Solche Krawaller! Da soll doch gleich —" hier folgte ein beliebter bayerischer Kraftspruch, dann eine Pause. „Ja — du sagst ja gar nix, Zeno!" Zeno schaute den guten Rauhhaarigen in seltsam traurigem Ernst an. „Was gibl’s da weiteres zu sagen, Herr Förster? — Denken S' doch an unfern Veri!" Da kratzte sich der andere verlegen Hinterm Ohr. „Ja so — der Veri! Sakkrawolt! — Ja glaubst denn du im Ernst, daß der Schlankl da mitmacht?!" Zeno nickte stumm. „Kreuzbirnbaumhollerstauden! — Da kann man doch uet zuaschaun, wenn der Lauser in der Stadt drin umanandreruluzzert! Herrgott — wann i der Uracher wär! Veri töt i sagen —" Und nun entwickelte der Förster vor Zenv, wie er es anstellen würde, um den Veri seiner ungesunden Umgebung zu entreißen. Oftmals wurde cs Zeno schwer, dabei ernst zu bleiben, ein Gedanke aber kam ihm immer von neuem: wenn der Vater auch so dächte! „Ständig bin i in der Unruh deswegen," sagte er darauf laut, und studier drüber nach." „Was sagt denn eigentlich der Vater?" „Allweil dasselbe — er laßt jedem fein' freien Laus!" „Unsinn!" polterte der Förster nun los, „man schaut doch net ziw, wie der Mensch ins Unglück rennt! Eines schönen Tags bringt halt der dumme Bua fein’ Kopf unrecht hin — was is bann?" Er machte mit der Hand eine abweisende Bewegung. „Wahr is, Zeno." fuhr er bann fort, „mit bem Uracher is ba net zum Reden — beim Toni is ja dasselbe! Grab als ob er blinb wär', so möcht' er mir manchmal vorkommen: Mergern könnt' man sich, obwohl's oan gar nix angeht!" „I werd' doch noch mit dem Vater reden!" „Reden! Reden!" hielt ihm der Förster gering- ßchätzigen Tones entgegen, „damit wirst bei deinem allem keine innerpotit.ichen und sozialen Krijen erleben, die das Sanierungswerk beeinträchtigen. In allen politischen und gesellschaftlichen Lagern sollte man dies erkennen und ablassen von nutzlosen Haarspaltereien, älnseres Volkes Zukunft erheischt Zusammenfassung aller Kräfte zu dem Ziele, Deutschland frei nach außen und innen zu machen. Der deutsche Außenhandel im Juni. Die deutsche Außenhandelsbilanz ist im Juni zum ersten Male in diesem Jahre passiv. Der Einfuhrüberschuß im Juni beträgt insgesamt 35 Millionen Reichsmark, im reinen Warenverkehr 33 Millionen Reichsmark, während der Mai einen Ausfuhrüberschuß von 27 Millionen Reichsmark, der April von 56 Millionen Reichsmark aufwies. Die reine Wareneinfuhr im Juni zeigt gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 89 Mill. Reichsmark. An der Steigerung sind sämtliche Gruppen beteiligt. Die Rohstoffe und halb- fertigen Waren weisen mit 62 Mill. Reichsmark die beträchtlichste Zunahme auf, es folgen dann Fertigwaren mit 14 Mill. Reichsmark und Lebensmittel und Getränke mit 11 Mill. Reichsmark. Auch die Ausfuhr weist eine, wenn auch geringere, Zunahme auf. Die reine Warenausfuhr ist um 30 Mill. Reichsmark gestiegen, daran ist die Rohstoffausfuhr mit 25 Mill. Reichsmark und die Fertigwarenausfuhr nur mit 3 Mill. Reichsmark beteiligt. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. Juli. Tendenz: Schwach. -- Die Eröffnung der Börse vollzog sich unter der Einwirkung des Sturzes des Kabinetts Herriot, und unter dem Drucke der Befürchtungen, die an eine Berufung, Poincares geknüpft werden, wodurch unangenehme Erinnerungen wachgerufen wurden. An der Börse herrschte daher anfangs die Abgabeneigung vor, und die Stimmung war nervös bei großer Zurückhaltung. Das Angebot, das Kursrückschläge bis 4 Prozent veranlaßte, war aber nirgends dringend. Am schärfsten waren F. G. Farben-Indstrie gedrückt, die bis auf 249,75 zurückgingen. ferner Gelsenkirchen, die bis auf 156 und Phönix, die bis auf 106 Prozent nachgaben. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs war die Stimmung etwas beruhigter, und auf Deckungskäufe konnten sich die Kurse wieder leicht erholten, erreichten aber in keinem Falle das gestrige Abendniveau. I. G.-Farben konnten unter lebhaften Schwankungen auf 251 anziehen. Anregung für die in diesem Papiere stattgefundenen regeren Umsätze bot die heute tagende Aussichtsratssitzung der I. G.. in der über weitere Verschmelzungen verhandelt werden soll. Arn Montanmarkt verloren Buderus 2, Mansfelder 1,5 und Rheinstahl 1,75 Proz. Elektroaktien schwächten sich überwiegend bis zu 1 Proz. ab. Auch Bankaktien verloren etwa 1 Proz. Eine stärkere Einbuße hakten Damatbank, die 2,75 nachgeben mußten. Schiffahrtsaktien schwächten sich bis zu 3 Proz. ab. Motoren - a f t i c n hatten Verluste bis 1 Proz. Deutsche Erdölaktien waren stärker gedrückt und büßten 3 Proz. ein. Zuckeraktien lagen uneinheitlich. Von B a u a k t i e n wurden Wayß & Freytag 1 Proz. höher, Zement Heidelberg 1,75 schwächer. Der deutsche Renten markt war gut gehalten und hakte auch etwas regeres Geschäft. Ausländische Renten waren eher abgeschwächt. Im Freiverkehr hatten Tl'fa eine neue Steigerung von 3 Prozent zu verzeichnen. Sonst war das Geschäft ruhig und ohne nennenswerte Kursveräirderungen. Brown Boveci 115, Growag 60, Rastatter Waggon 14, Ufa 47, Ufra 84 Prozent. Der weitere Verlauf brachte keine wesentliche Aenderung der unsicheren Stimmung. Reben neuen Kursabschwä- chungen zeigten sich auch leichte Besserungen. Der G e l d in a r k t ist unverändert flüssig. Tagesgeld ist zu 3,33 Prozent kaum anzubringen. Monatsgeld 4,75 bis 6,25 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,5 Prozent. Industrieakzepte 4,75 bis 4,87 Prozent. Im Devisenverkehr haben die politischen Vorgänge in Frankreich eine Erholung des Frankenkurs es bis auf 213 ermöglicht, im späteren Verlaufe senkte sich der Kurs auf 215. Brüssel notierte gegen London 207, Mailand 149. Datum: Frankfurt a. M., 21. Juli. Am Samstag, den 24. und Samstag, den 31. Juli 1926 bleibt die Börse für jeden Verkehr geschlossen. Börsenkurse. 5% Deutsch« Rcichßanleik)« ■ 4% Deutsche Reichsanleihe . 3Va% Deutsche Rcichsauletbe 3% Deutsche ReichSanleihc . Deutsche Svarprämicnanleihe 4% Preußische Kansals ■ . . 4% Hessen 3*/i% Hessen 3% Hessen ...... Deutsche Wertd. Dollar-Anl. dto- Doll -Scbav-Anweisna-*) 4°/0 Zolltürken 5% Goldmcrilaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Prtvat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Vereinsbank Disconlo Commandit Metallbank........... Mitteldeutsche Creditbank . . Lesterreichische Lreditanstalt Wcstbank........... Bochumer (Sag • BuderuS ........ Taro . »Luxemburg irchener Bergwerke . . Harpener Bergbau . . Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln LaUrahüttc ...... Oberbedars «... Phönix Bergbau ..... Rheinitabl Niebra Montan ....... Tellus Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . , Th^rainische Werte Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Philivv Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mäher Alapin . . I. G- fl-arbenindnstric, A--G- Goldschmidt Holzverkohlung Nütgcrswerke Echcidegnstalt Allg. ElektrizitätS-Geselllchaft Bergmann Mamkraftwerkc ....... Schlickert Siemens t Halske ..... Adlcriverke Klcher ..... Daimler Motoren- ...... Hchligcnstaedl Meguin............. Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . . Metallgcsell^chafi Frankfurt. Bet. Union A.-G Schuhfabrik Her; Sichel Zellstoff Waldhos . . Zuckyxfabnk Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . Frankfurt a.M. Berlin SchlUJ- l-Uhr- Schluß Anfang fiurs fiurs ftiw» fturc 21. 7. 22.7. 21. 7 i 22. 7 0.4875 0.5025 0.49 0.503 — — 0.4475 0,4525 0,4325 — 0,445 0,45 0.51 — 0,5175 0.525 0 255 — 0,265 — 0,455 — 0,445 — 0,41 - — — WB — — — 0,44 — 96,25 — 98,25 — — — — ew 13.62 13.4 13.75 __ 45,25 46.25 45,1 — 175 — 178,7' 175,5* 1-6.7' 126,5* 127.2* 126,5* 174* 173.7* 174,5’ 175.5’ 162.5* 161’ 162’ 161- 89.5 — — _ 148,5' 148,5* 149* 147,7’ 114.25 114 — 121 — 121,7’ 120,7- 7.5 7,3 7.35 7,35 — — — — 133* — 134* 132,5’ 88.5 86,5 89 87,25 72.5 — 73,5 73* 137' — 138,4’ 137,2* 159- 157* 158,9' 157,2* 142,5' 141 .7’ 142,4’ 141* 138 —— 138,25 144 — 145,7* 52 — 50,62 50,25 — — 64 109,1' 107.5* 108,1’ 107,9’ 134’ 133' 133,7' 133,2- 145.75 — 146- 145 70 — — 149' 146.2' 147,7’ _ 143,5' 142,5* 144* 143,2* 50 — — 109,75 108 _ 81 80,5 80,25 — — — 81,75 78 —— — 252,5’ 251.7* 252,9* 252,5* 92 91,25 90,75 51.25 54 — 101 100,25 99,5 133 134 — — 137,5’ 137,5* 138,2* 137* 124,25 — 123' 122,2* 93 — — — 123,7* — 122' 121,5' 161,6' — 161- 159,9- i t 76 77,5 76,25 87.5 86 86,5 86 23.75 — — — 43 — 43 — — 35,75 - 15 _ 38 — — 125,75 — — — 83 — 83,5 — — — 37,75 — 3 — 3,25 —— 155,75 — 155 — 64 64 — — 74,75 — — — Berliner Börse. Berlin. 22. Juli. Der Börse mangelte es heute an jeglicher Anregung. Die u n g ü n ft i g e Außenhandelsbilanz für den Monat Juni, die die optimistischen Erwartungen der Börse stark enttäuschte, wirkte verstimmend; ebenso bildete die F r a n I e n b e to e g u n g ein Moment der Unsicherheit. Der Kurs hat sich zwar rat) dem Sturz des Kabinetts Herriot etwas gebessert, doch verhält man sich gegenüber der weiteren Entwicklung der Lage in Frankreich abwartend. Publikumsausträge lagen nicht vor. Die ersten Kurse muhten bei der herrschender. Umsatzlosigkeit vielfach gestrichen werden. Die Rotierungen der Terminwerte bröckelten ausnahmslos um 1 bis 2 Prozent ab. Da diese Rückgänge in der Hauptsache ein Ergebnis der mangelnden Geschäftigkeit waren, konnte die Tendenz nicht direkt als schwach bezeichnet werden. Der widerstandsfähige Grundton war auch heute nicht zu verkennen und führte schon nach Schluß der ersten Börsenstunde zu einer Uebertoinbung der matteren Tendenz. Die Flüssigkeit des offenen Geldmarktes trug außerdem zu Besserungen der anfangs schwächeren Kurse bei. Tagesgeld war zu 4 bis 5 Prozent und darunter angeboten. Monatsgeld 5 bis 6 Prozent. Im internationalen Devisenverkehr meldete London heute vormittag folgende Kurse: Paris 210.-, Brüssel 206.- - , Mailand 148.50. Am hiesigen Platze setzte Paris mit 205.— gegen Vater fein' harten Schädel not viel ausrichten. Denn daß ihr Uracher alle mit'nand a b’fonbere Art von Schädel habt's, fo was wie Felsen ober Beton, wirst wohl selber wissen. Vielleicht bist du a Ausnahm' im Uracherg'schlecht — möglich!" Der Alte schob eine kleine Pause ein, zog seine Pfeife hervor und machte sie umständlich rauchfertig. Nach einigen paffenden Probezügen setzte er das Gespräch wieder fort: „Woast, Zeno, reden kann i in der hoalligen G'schicht selber mit dein Vater, als sein alter Spezi Annodomini vielleicht schon heut' abends, wenn er in den Sternbräu kommt. Aber vorgeh'n muaßt du schon alloa, wennst glaubst, es wär' dein' Brua- derpflicht — und dös is a! — Vom Toni red' i gar net — der scheert sich ja doch nix drum — eh' im Gegenteil!" Da lachte Zeno unmiUtürlid) auf, bitter, hart. Der Förster schielte durch den Pfeifenqualm zu ihm hin. „Ha! — beY Toni! — der kennt doch bloß sick) selber und fein’ Geldfack — alles andere is für ihn net ba! Er is mein Bruader — niemals aber möcht' i auf ihn ang'wiefeu fein! Gar niemals. Wiederholtes Kopfnicken gab Zeno zu erkennen, daß der Förster ganz und gar gleicher Meinung fei. „Ganz recht, Zeno! So is! — Und dem Vater haben allerhand fo Beispieler in d' Augen g'stochen, wie andere zur Kriegszeit reich worden sind — Der standen! Nachmachen möcht ’s der Toni, und euer Vater tät’s gern seh'n, wenn er’s fertig brächt'! Aber er sieht bloß den großen Geldhausen, den man verdienen könnt', und net die Art und Weis', roie’s g'macht wird! Drum is er a mit allem einverstanden, was der Toni treibt! — Sakkrawolt! — Der schönste und reichste Hof im ganzen Tal is der Krummhölzer — zu was denn bloß solche Tänz!" Der Förster schnaubte wie ein zorniger Gaul. Gesicht und Nase waren noch röter denn sonst, und letztere hatte viel zu tun, um bei dem heftigen Aus und Ab des försterlichen Hauptes in energischen Schwüngen der Rede den nötigen Nachdruck zu verleihen. „Also — hab' i recht oder net?" Zeno nickte nur; der Alte sprach ja gerade das ans, was es ihm leicht gemacht hatte, den Hof zu verlassen. „Gelt?" — Und dabei is der Uracher der rechtschaffenste Mensch sonst, den i kenn'! Aber seine schwache Seiten macht ihn blind! Zeno —!" ein klatschender Schlag auf den försterlichen Schenkel wurde hier eingeschaltet, „— und drum sag' i dir, denn du bist der oanzige von euch Uracher, mit dem man in Ruah über die Sach' dischkerieren kann — jo wahr i da vor dir sitz': der Toni reißt den Krummholzerhof um mit feiner Spekuliererei, die er im Kopf hat! Und euer Vater schaut zua als a Blinder — und bös is seine Schuld! — Wenn unser Herrgott da net noch an Strich durch d' Rechnung macht, nack)her gibt's amal a Unglück — fo wahr i der Annodomini bin, und ba gibt’s wohl koan Zweifel!" Der Forster hatte sich in eine ehrliche Aufregung hineingeredet. „(iigentlid) sollt 's mir leid tun, Zeno, daß i dir zu dein' Kummer um den Veri a noch bös g’fagt hab' — aber es hat mich schon lang druckt und g’rourmt — jetzt hat sich halt amal die Gelegenheit g'schickt! — Also gel — nix für unguat!" Da streckte ihm Zeno die Hand hin. ,Lm Gegenteil, Herr Förster!" sagte er herzlich, „i dank' Ihnen dafür von Herzen! — Woaß i doch jetzt, daß i net aüoanig so denk"!" Ein scharfer Blick aus den grauen Jägeraugen traf Zeno, stumm schauten sich die beiden so ungleichen Männer gleichsam gegenseitig ins Herz einige Sekunden — dann legte der Förster mit hartem Druck seine Pranke um Zenos Hand. „Guat is, Zeno! — Und wenn's dir recht is, nachher wollen wir Freund' sein von heut' ab, verstehst! Kannst „du" sagen zu mir und — sogar Annodomini! Was dös bedeut' — wirst wohl selber wissen!" „Aber, Herr Förster!" wollte Zeno einwenden, währxnd aus seinen Augen die Freude lachte. „Was hat rr g’fagt?! — Kreuzbirnbaumund- hollerstauden! — Dir gib’ i gleich — Herr Förster!" polterte der Alte los. „Also nachher — Annodomini! Reg dich net auf!" fiel ihm Zeno lachend ins Wort. „Laß dick; nur ja nimmer verwischen — gel, du!" brummte der Förster. Dann setzte er schmum zelnd hinzu: „Sakkrawolt! Da werden die andern alten Bock' vorn ganzen Markt aber Augen machen, wenn 's dös in b’ Nasen kriegen! Hat schon mancher das Pfund ein, um gegen Mittag wieder auf 213.— nachzugeben Gegen den Dortagskurs von 225.— bedeutet dies immerhin noch eine Besserung von 12 Punkten, die auf den Sturz des Kabinetts Herriot zurückzuführen ist. Brüssel wurde mit 210.— gegen London gehandelt. Mailand mit 149.—. Das englische Pfund lag gegen Kabel abgeschwächt mit 4.863. Dies dürfte vermutlich auf die anhaltende Krise im englischen Bergbau zurückzusühren sein. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Juli. Auftrieb: 2 Rinder, 822 Kälber, 146 Schafe 234 Schweine. Kälber: Feinste Mastkälber 62 bis 68, mittlere Mast- und beste Saugkälber 56 bis 61, geringe Mast- und gute Saugkälber 50 bis 55, geringe Saugkälber 35 bis 45. — Schafe: Mast- lämmer und Masthämmel 44 bis 48, geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 43, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 30 bis 34. — Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 75 bis 79, unter 80 Kilogramm 72 bis 74, von 100 bis 150 Kilogramm 75 bis 78, unreine Sauen und geschnittene Eber 60 bis 65. Marktverlauf: Kälber und Schafe bei anfangs regem, später abflauendem, Schweine bei regem Geschäft geräumt. Letzte Nachrichten, PoincarS bei der Kabinettsbildung. Paris. 22. Juli. (TTl.-Drahtmeldung.) P o i n c a r e begann heute vormittag mit den Verhandlungen zur Kabinettsbildung. Er beabsichtigt, ein Kabinett aus nur 8 bis 9 Mitgliedern zu bilden und die Posten der Staatssekretäre abzuschaffen. Dieses Kabinett würde sich aus 4 bis 5 Abgeordneten und 3 bis 4 Senatoren zusarninensetzen. Die Kabinettsbildung soll heute nachmittag 5 älhr abgeschlossen fein. Die Zusammensetzung wäre ungefähr folgende: Ministerpräsident und Finanzminister: P o i n c a r e, Kriegsminister: Painleve, Minister des Innern: S chr am ek, Minister des Aeuhern: Barth ou oder Briand, Iustizminister:<5arraut. Das Ministerium für Landwirtschaft und das Ministerium für öffentliche Arbeiten sollen zu einem Ministerium der nationalen Wirtschaft zusammengeschlossen werden. Dieses Ministerium ist Marin angeboten worden. Die Bildung des Kabinetts verläuft jedoch nicht ohne Widerstände. Um das Reichsehrenmal. Der Hessische Verkehrsverband an den Reichspräsidenten. Bad-Rauhei m, 21. Juli. Der Hessische Verkehrsverband hat in seiner Sitzung (über die wir auf der zweiten Seite dieser Ausgabe berichten. D. R.) folgendes T e l e- gramm an den Reichspräsidenten von Hindenburg abgesandt: „Seiner Exzellenz dem Herrn Reichspräsidenten, Berlin! Bei der endgültigen Wahl Des Platzes für das Reichsehrenmal zum Gedenken der im Weltkrieg gefallenen Deutschen besteht die ebenso seltene wie günstige Gelegenheit, den durch die Last fremder Besatzung schwer bedrückten deutschen Brüdern am Rhein zu beweisen, daß deutsches Reich und Volk an ihrer harten Rot nicht nur mit Worten und Gefühlen, sondern mit der Tat Anteil nehmen. Eine unbegreifliche Richtachtung wohlbegründeter, vielfältig zum Ausdruck gebrachter dringender rheinischer Wünsche wäre es, wenn unter den in die engste Wahl geftetlten Plätzen ein anderer Ort gewählt würde, als die Lorcher Inseln, die so herrlich inmitten des deutschen Schicksalsstromes gelegen, zu dem Jahr für Jahr als zu dem wahren Herzen Deutschlands Tausende und Abertausende von Deutschen aus Ost und West, aus Rord und Süd in Ehrfurcht und Andacht wallfahrten. Gw. Exzellenz bittet der heute in Bad- Rauheim versammelte Vorstand des Hessischen Verkehrsverbandes das bedeutende Gewicht Ihrer Stimme zugunsten der Errichtung des Reichs- ehrenmals am Rhein in die Wagschale werfen zu wollen." Verantwortlich für Feuilleton i. V.: Dr. Fr. W. Lang e. auf die „Beförderung" g'spitzt, und jetzt schnappt 's ihm so a junger Schlankl weg!" „I woaß aber auch die Ehr' wohl zu schätzen!" „Klar! — Brauchst gar net eigens zu betonen! — Aber i alter Esel bin halt amal in euch Uracher versessen! — Verstanden! So, und jetzt Schluß mit bem Kapitel! Was willst also mit dem Veri machen?" . Zcno fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Nach einigem Zögern erwiderte er: „I denk', i schreib' ihm vorerst mal einen eindringlichen Brief —" Der Förster nickte beifällig dazu und setzte bann gleich selber Zenos Gedankengana fort: „Ja, und er soll sein' Kohlrabi aus der Fallen ransziehn, eh ’s zuaschnappt — jawohl — und ob er dahoam net ’s schönste Leben haben könnt' — indem daß der Toni, seit ihm der Vater übergeben hat, sowieso notwendig einen Baumeister brauchen könnt', weil er die meiste Zeit — auf Reisen is! — Jawohl — und daß er a dummer Bua is, schreibst ihm, wenn er ba drin in der Stadt für nir und wieder nix sein Leben riskiert — und halt a fo —" „I werd' schau'n, baß i alles richtig mach' — vielleicht gibt er mir recht — unb —" „Unb druckt sich beizeiten! Nix anders!" Mit diesen Worten erhob sich der Förster und hielt Zeno die Hand zum Abschied hin. „Servus!" „Oho! — Pressiert ’s jetzt —" Der Förster wehrte trocken ab. „Red' net! I bin jetzt lang gnua ba auf bem Anstanb g'sessen! Und Überhaupts — so junge Meister unb Geschäftsleut’ sollten sick; viel mehr an d' Arbeit halten als wie ans Ratschen! — Servus!" Das war so Sanktjohanserische Art: Zum Schluß eine kleine Bosheit. Dessenungeachtet nahmen die beiden neuen Freunde aufs herzlichste voneinander Abschied. Und Zeno bat den Alten noch, er möge nur recht oft zu ihm kommen. Da lachte der andere, während er schon auf die Straße hinaustrat. „Haitaus, Spezi! — Möchtft mich ebber gern zum Hausfreund dressieren?! — Han? — Schlau- cherl du! — Aber dazua bin i schon z' alt!" ... Als Zeno in seine stille Werkstätte zurücktehrte, war ihm wohler ums Herz ... (Fortsetzung folgt.)