Nr. 247 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 21. ©Hoher 1926 Erlchetnr täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monalr-Le;vtz§kret»: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Tröger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern mfolge höherer Gewalt. Fernfprechanlchlülse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnrck und Verlag: vrühl'sche Univerfita1§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Siehen. 5chrif1leitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspiennig: für Re« Klameanzeigen von 70 n m Brerte 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20' mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Vr H Thyriot,- für den übrigen Teü Ernst Blumschcin; für den Anzeigenteil i. Berlr. H. Deck, fämtlich in Dietzen. 400Lahre evangelische Kirche in Hessen Die staatlichen Grundlagen der Re.ormaüon. Don Dr. Alfred Götze, 0. Prof-ssor verdeutschen Philologie an der Universität Dietzen. Mir nennen die Jahre von 1517 bis 1559 die Aeformationszeit, und selten stimmt ein Dame so gut zum Inhalt seines Zeitalters, denn diese vier Jahrzehnte, ettva die Regierung Karls V? umspannend, werden tatsächlich von Martin Luthers Wert beherrscht. Es ist das religiöse Jahrhundert, in dem sie liegen, und doch darf nicht jede Erscheinung darin rein aus religiösem Grund hergeleitet werden. Vielmehr wirren die grotzen Gegensätze der auswärtigen Polittk entscheidend mit, der weltgeschichtliche Än Papst, Kaiser und Sultan, der euro- zwischen dem Hause Habsburg und Frankreich. Die inneren staatlichen Zustände haben die Reformation hundertfältig beeinfluht: die Kämpfe zwischen Adel, Bürgern und Dauern, die Entwicklung des neuzeitlichen Staats mit seinen, Fürsten- und Beamtentum, seinem Anspruch auf feste, klare Souveränität, die Befreiung des einzelnen aus der Körperschaft — alle diese inneren und äußeren Einflüsse lassen die Reformation erst zu dem werden, was sie ist. Dabei liegen die Vorgänge, die die Welt von damals entscheidend bestimmt und in ihre künftige Richtung gedrängt haben, in Deutschland. Staatlich unterscheidet sich das damalige Deutschland von seinen westlichen Rachbarn dadurch, datz hier nicht die Einheit gesiegt hat, wie in Spanien, Frankreich und England, fontern die Zersplitterung. Das Kaisertum ist zum Landessürstentum mit ein paar allgemeinen Attributen gesunken. Kaiser Maximilian fühlte sich gewissermaßen als wohlwollender Dundes- geiwsse der zum Reich zusammengeballten Staaten. Er verteidigte die Grenzen des Reichs, aber im Grund doch nur aus selbstsüchtiger Absicht, well sonst auch seine Hausmacht Schaden gelitten hätte. Zunächst war er Habsburger, dann erst Kaiser. Reben ihm herrschte im Reich die Oligarchie der sieben Kurfürsten mit ihren Parteien, die ohne grotze, gleichbleibende Ziele einmal mit, einmal gegen den Kaiser gingen — alles war da zu finden, mir nicht Einheit und Ruhe. Die Welt ringsum hatte sich staatlich geeinigt, Deutschland konnte es nicht dazu bringen. Dabei stecken Kaiser Max, feine Regierung und seine Gegner im Reich voller Reformgedanken. Eine geschlossene kurfürstliche Resormpartei unter dem Etzbischof von Mainz, Berthold von Henneberg, will Gericht, Steuer und Heer vereinheitlichen, die römischen Juristen schwärmen für ein starkes Kaisertum, das Volk hofft auf seinen Erlöser in der Gestalt des Kaisers, denn die Bewegung ist gut deutsch und kaiserlich. Aber Kaiser Max macht alle Hoffnungen zu Schanden: er war trotz aller Begabung und geistigen Regsamkeit nicht der starke Retter, den die Zeit brauchte, der sich ruhig und stetig durchgesetzt hätte. Zu glänzen wutzte er und beliebt war er genug, aber zugleich so unstet und unstaatsmännisch, daß er in den 26 Jahren seiner Regierung nichts Endgültiges erreicht hat. Die ganze Reihe der vielversprechenden Reformreichstage hat nichts Lebendiges getan. • Roch ist das Reich der erste Staat der Christenheit, aber von allen Seiten rücken die Gegner heran. Roch sind die Grenzen weit, aber schwer zu verteidigen, das Kaisertum ist heilig und anspruchsvoll, aber militärisch so schwach wie staatlich. Der Kaiser war theoretisch die Quelle alles Rechts, Lehnsherr und oberster Schiedsrichter selbst über Fürsten, praktisch bekam er nicht einmal Steuern, wenn sie der Reichstag nicht bewilligte, und das war damals die schwierigste Körperschaft von der Welt, die mit ewigen Verspätungen und Vertretungen arbeitete, Beschlüsse mühsam faßte und kaum je durchführte. So war eigentlich nur eine passive Kraft, fein eigenes Leben, im Reich verkörpert. Dreihundert Jahre rollte es durch die Kraft der Trägheit noch fort, bis es völlig zerbröckelte, aber tätiges Leben und lebendige Entwicklung war schon damals nur in den Einzelstaaten vorhanden. Die Entwicklung hier im deutschen Kleinstaat entspricht der in den westeuropäischen Gesamtstaaten, der Entwicklung des spanischen, französischen und englischen Königtums.. In stetigem Wachstum waren Grafengewalt und Grundherrschaft zur Landeshoheit geworden, nach oben freier, nach unten immer fester. Die Stände dieser Einzelstaaten waren durch das Recht der Geldbewilligung zur Macht gelangt, dadurch wissen sie in unserer Zeit die Fürsten zu bändigen. Im Kanrps mit ihnen erstarkt der neuzeitliche Einheitsstaat, der, sobald er "ach innen gefestigt ist, auf Erweiterung nach außen drängt. Die Großen wachsen auf Kosten der Kleinen, und so ergibt sich eine ständige Auslese der Stärkeren, die bis 1866 fortgegangen ist. Mit dieser Abrundung geht bann wieder die stete Festigung im Innern Hand in Hand. In Heer, Gericht und Kirche bekommt der Fürst die Führung: die Verwaltung wird an einem Punkt gesammelt und an geschulte Schreiber ausgeliefert: hier ist der Punkt tpo die spanischen Habsburger einmal schöpferisch getoirlt haben. <5o wird Deutschland aus einem Reich mehr und mehr ein Staatenbund, der Kaiser verliert immer mehr von der Führung an die Fürsten. Diese deutschen Fürsten des 16. Jahrhunderts aber sind einander, von fern betrachtet, alle höchst ähnlich: alle kämpfen sie hart und plump gegen das Reich und gegeneinander. Die größeren Raturen unter ihnen haben etwas vom italienifdjen Renaifsanccfürsten an sich, waghalsig und gewissenlos bis zum Verbrechen, verschlagen und tapfer bis zum Heldentum. Die meisten sind aber deutscher und enger, die Mehrzahl lebt in dunzpfer Schwere dahin, herrisch aber patriarchalisch, schwunglos aber pflichttreu. Dieses Fürstengeschlecht nxm wird von der Reformation gepackt und von ihrem Gluthauch geläutert, es wird reicher in jedem Sinn, nicht nur äußerlich durch beschlagnahmtes Kirchengut, sondern auch durch Zuwachs an vertiefter Weltanschauung, geistigen Interessen und Sittigung. h Reben dem erstarkenden Fürstentum ging damals der Adel als Stand zugrunde. Fürsten wie Städte hatten sich gegen ihn entwickelt, und in Luthers Tagen wurde er unbarmherzig ein- gegliebcrt in die neue Ordnung, gegen die er unter Sickingen und Hutten ein lehtesmal, feurig genug, aber völlig unwirksam, Einspruch erhob. Wirtschaftlich ist der Adel tot, weil er fein Land ausgetan ober verkauft hatte und nun mit der sinkenden Kaufkraft des Geldes feine Einnahmen rettungslos sinken sieht. Mit der Geldwirtschaft der Städte, die diese Entwicklung beschleunigt, kann er den Kamps nicht aufnehmen, der Fürst aber, der seine Verwaltung zeitgemäß ausbaut, ist mehr sein Feind als sein Helfer. Durch die Juristen in der Verwaltung, das Fußvolk im Heer wird der Edelmann vollends entbehrlich: in ohnmächtigem Trotz gegen die Entwicklung, die ihn übertoältigt, macht er von seinen dürftigen, entlegenen Burgen aus die Straßen unsicher, sucht er sich in Fehde und Raub an Stadt und Bauer schadlos zu halten. Namentlich der Bauer ist es, an dem er seinen Unmut über die ihm ungünstige Entwicklung ausläßt, und doch wäre dieser, durch die Geldwirtschaft gleicherweise gefährdet, geschichtlich zum Bundesgenossen des Adels berufen gewesen, wie er in der weiteren Entwicklung sein Leidensgenosse geworden ist. Der Dauer des Ostens wurde durch die neue Rechtsauffassung zum Hörigen, dabei ging es ihm aber wirtschaftlich nicht notwendig schlecht, und jedenfalls war er nicht revolutionär gestimmt, schon weil es im Osten an Städten mangelte, und der deutsche Dauer noch stets den revolutionären Zündstoff aus den Städten bezogen hat. Dagegen war der Westen in loderndem Aufruhr. Hier hatten die alten Freien und Unfreien das Land erfüllt, bis sie sich in der Kolonisation der Lande östlich der Elbe Luft schafften. Auf diesen Abfluß folgte alsbald eine neue Auffüllung des alten Lands, damit Mißstände und Auflehnung namentlich in Schwaben und um den Main. Hier waren die Dauerngüter im Erbgang so oft zwischen mehrere Söhne geteilt worden, daß endlich die Herren eine weitere Zerspitterung verbieten mußten. Damit aber war ein ländliches Proletariat geschaffen, landlos und unzufrieden, jeder Einflüsterung zugänglich. Die Dauern des Westens werden durch die Aufnahme des römischen Rechts leibeigen. Die Herren, denen es selbst schlecht geht, bedrängen sie bis aufs Dlut, reißen Weiderecht, Fischfang und Jagd an sich, verzehnten und besteuern alles übrige, rauben Freizügigkeit und dörfliche Selbstverwaltung, verlangen schwere persönliche Leistungen, und )o wird der sinkende Stand der Verzweiflung in bte Arme getrieben. Der Haß des Dauern trifft vor allem die Kirche, die ihn drückt und ihm nicht hilft, daneben das neue römische Recht, das für die ländlichen Verhältnisse Deutschlands um so schlechter paßte, je bunter sie waren. An keiner Kultur hatte der deutsche Dauer jener Tage Anteil, jeder ©tanb verachtete ihn. Und gerade aus den Tiefen dieses Standes sollte der Mann kommen, der all diesen Dingen die entscheidende Wendung gab, freilich in ganz anderem Sinn, als daS arm verführte Volk anfangs gemeint und gehofft hatte- nicht auf dem Weg gewaltsamer Rückführung der alten „guten“ Zeit, sondern indem er das Gesamtbild der Lage ver- I schob unö so eine gesunde Entwicklung zu neuen, geordneten Zuständen ermöglichte. Unter Luthers Führung wich der Gedanke einer Revolution alsbald der großen Tatsache der Reformation. Das Lahr-1526. Von Professor D. Dr. Wilhelm Diehl, Prälaten der Hessischen Landeskirche. Von dem evangelischen Landeskirchenamt in Darmstadt ist angeordnet worden, daß bei Gelegenheit des diesjährigen Reformationsjestes der für die evangelische Kirche bedeutsamen Ereignisse des Jahres 1526 bedacht werden solle. Diese Anordnung hat, wie das ja das Schicksal so mancher Anordnungen von oberen Behörden ist, Anlaß zu allerlei kritischen Bemerkungen gegeben. Sie gingen weniger von Geistlichen als von sonstigen Gemeindegliedern aus. Man sagte: Wir finden es durchaus in der Ordnung, daß man in den althefflschen Pfarreien das Jahr 1526 sonderlich herausstreicht, denn dieses Jahr mit seiner Hornberger Synode ist zweifelsohne der Anfang der Einführung der Reformation in der alten Landgrafschaft Hessen gewesen. Aber, so fuhr man fort, was sollen mir mit einer Feier des Jahres 1526 in den vielen Gemeinden des gegenwärtigen Hessen-Darmstadt, die früher zu Territorien gehörten, in denen mit der Durchführung der Reformation erst in den 30er, 40er oder 50er Jahren, ja noch später begonnen worden ist. Die Kritiker hätten ohne Zweifel recht, wenn das Jahr 1526 nur d i e Bedeutung hätte, daß in ihm in einzelnen deutschen Territorien, darunter auch der Landgrafschaft Hessen, die Einführung der Reformation ihren Anfang nahm. Aber das Jahr hat noch eine andere Bedeutung, und in ihr ist es ein rechtes Jubeljahr für die gesamte evangelische Chrislen- bcit deutscher Zunge. Es ist das Jahr, das den Reichstag zu Speyer brachte, dessen Abschied einen Markstein in der Geschichte der Resormations- arbeit darstellt, mit dem schlechterdings nichts anderes verglichen werden kann. Nun habe ich freilich einen Satz ausgesprochen, der noch mehr Widerspruch Hervorrufen wird als die obgenannte Verordnung. Aber das macht nichts. Ich werde nämlich den ausgesprochenen Satz auch beweisen. Bei der Betrachtung der Geschichte der deutschen Reformation hat sich seit langen Jahren ein Mißstand eingestellt, der von weittragenden Folgen begleitet war. Man ist sich nicht völlig klar darüber, was unter „Reformatio n" zu verstehen sei. Die Altovrderen, die die Zeit Luthers miterlebten, hatten diese Klarheit. Für sie war „Reformation" die von den Oberen vorgenommene Umgestaltung des Kirchenwesens nach bestimmten Grundsätzen. Sie waren dabei keineswegs engherzig. Als Landgraf Philipp non Hessen im Jahr 1526, als Graf Ludwig von Stolberg im Jahr 1536, ober als der Rat der Stadt Friedberg im Jahr 1541 mit der Abschaffung der Messe in ihren Gebieten begannen, redeten die Zeitgenossen vom Anfang der Reformation in diesen Territorien. Aber „Reformation" war es für fie auch, wenn in späteren Zeiten ein katholischer Fürst das in seinen Landen zur Herrschaft gelangte luthe- rische Bekenntnis kraft obrigkeitlichen Rechts wieder durch das katholische Bekenntnis ersetzte, oder wenn kalvinistisch gesinnte Oberen ihr Land von dem lutherischen zum reformierten Bekenntnis überführten, wie dies z. B. Landgraf Moritz von HessenKassel in den Jahren 1605 ff. mit dem in seinen Besitz gelangten Marburger Lande tat. Es ist ganz klar, daß bei all diesen Maßnahmen mit dem Wort „Reformation" ein ganz anderer Sinn verbunden wird, wie wir ihn mit dem Wort verbinden, wenn wir „Resormationsfest" feiern und dabei Luthers Tat vom 31. Oktober 1517 gedenken. Dort handelt es sich um eine auf rechtlicher Grundlage begonnene Arbeit der Oberen, die den Zweck hat, dem Kirchenwesen ganz andere Form und Inhalt zu geben. Hier dagegen handelt es sich nicht um eine um,chaffende Arbeit, sondern den Beginn einer neuen geistigen und religiösen Strömung. Dort handelt es sich um etwas durch feste Rechtsordnung Gebundenes, in gewissem Sinn (Eingeengtes. Hier dagegen haben wir es mit einer Bewegung zu tun, die solche Bindungen weder kennt noch auch vertragen kann. Wenn wir das Wort „Reformation" gebrauchen, müssen wir uns klar darüber sein, ob wir das Wort im weiteren oder im engeren Sinn anwenden. Wenden wir es im weiteren Sinn an, dann beginnt die Reformation tatsächlich schon im Jahre 1517, wenn nicht schon früher. Gebrauchen wir das Wort in dem engeren Sinn — so nämlich, wie es die Alten gebrauchten —, bann muß der Beginn der Reformationszeit wesentlich später angesetzt werden. Er hebt da an, wo der erste Obere mit der tatsächlichen Umgestaltung des Kirchenwesens seines Landes im Geiste des „heilig Evangelium und Wort Gottes" den Anfang machte. Rach dem, was soeben ausgeführt ward, werden wir für die Festlegung des Beginns der Reformation im engeren Sinn in das Jahr 1526 gewiesen. In ihm beginnen die ersten Umgestaltungen des vorhandenen Kirchenwesens im Geiste der neuen Lehre. Führend war dabei vor allem Landgraf Philipp von Hessen. Die rechtliche Grundlage zum Beginn des Reformationswerks in ihren Territorien bot den evangelisch gesinnten Fürsten und Oberen, die sich Im Jahr 1526 zu diesem Werk entschlossen, die Erklärung, die Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Speyer im August des Jahres 1526 abgeben ließ. Indem in dieser Erklärung gesagt war, daß in Sachen des Glaubens bis auf weiteres ein jeder Reichsstand es so halten solle, wie er es vor Gott und kaiserlicher Majestät zu verantroorten sich getraute. war zugleich zugegeben, daß bis auf weiteres von der Durchführung des Wormser Edikts von 1521, bas jeben Anhänger Luthers mit ber Reichsacht bebrofjte, abgesehen werden solle. Damit aber war zum erstenmal die Schranke gefallen, die bisher für die evangelisch gesinnten Oberen zwischen dem Willen zur Tat und der Ausführung der Tat aufgerichtet war. Es war die Möglichkeit zum Beginn von Reformationen gegeben. Darin liegt die geschichtliche Bedeutung des Speyerer Reichstags von 1526. Man soll diese geschichtliche Bedeutung des Reichstags von 1526 nicht zu gering einschätzen. Vor allem ist festzustellen, daß alle Oberen, die in den Jahren nach 1526 das Reformationswerk in ihren Landen begannen, dies unter Berufung auf den Abschied des Speyerer Reichstages von 1526 taten. In ihm fanden sie die rechtliche Grundlage für ihr Werk. Aber noch etwas anderes ist festzustellen. Das weitere Schicksal des Speyerer Reichstagsabfchieds von 1526 ist mit dem Schicksal der Reformations- arbeit der Folgezeit aufs engste verbunden. Als auf dem zweiten Speyerer Reichstag, dem Reichstag von 1529, ber Abschieb von 1526 miberrufen warb, kam bas Reformationswerk in allen Territorien, in denen es feit 1526 begonnen worden war, auch in der Landgrafschaft Hessen, ins Stocken. Dieser Tatsache entspricht die andere, daß von dem Erlaß des Abschieds des Reichstags von 1529 an durch Jahre hindurch neue Reformationswerke nicht mehr begonnen wurden. Das ward erst anders, als im Jahr 1532 der Nürnberger Anstand die Beschlüsse von 1529 wieder aushob und die von 1526 wieder zur Geltung brachte. Sofort wurde in denjenigen Gebieten, in denen in der Zeit zwischen 1526 und 1529 mit der Reformation begonnen worden war, bas Reformationswerk roieber aufgenommen, wie bas an ber Geschichte ber hessischen Reformation beutlich feststellbar ist. Ebenso ist es bezeichnen!», baß es von 1532 an roieber zu neuen Resormationswerken kam, bie sich bann burch bie 30er unb 4ver Jahre in reicher Fülle fortsetzen. Gegen Enbe ber 40er Jahre kommt bann ein zweiter Rückschlag. Die Siege, bie Kaiser Karl im Jahre 1547 gegen seine lutherisch gesinnten Gegner errang, hatten bie Folge, baß bas im Jahr 15*32 gemachte Zugestänbnis roibcrrufcn warb. Sofort kam roieber eine Stockung in bie Entwicklung ber Reformationswerke. Wo solche kurz vorher — so in ber Pfalz — begonnen worben waren, würben sie alsoalb roieber hingelegt, zu neuen Reformationen aber bis auf weiteres nicht mehr geschritten. Erst ber Passauer Vertrag von 1552, der den Lutherischen wieder eine bessere Lage schuf, brachte ein Wiederaufnehmen ber Reformationsarbeit. Zur Illustrierung des eben angebeuteten Tat- beftanbes sei auf ben Gang bes Reformationswerkes in ben einzelnen Territorien hingewiesen, aus benen bas heutige Oberhessen zusammengesetzt ist. In ber Zeit vom ersten bis zum zweiten Speyerer Reichstag wurde mit ber Reformation in zwei Gebieten begonnen, nämlich tn ber Lanbgraf- schäft Hessen 1526 unb im Riebeselschen 1527. In biefe beiben Reformationen kam im Jahr 1529 eine Stockung, bie bis zum Jahr 1532 andauerte. Im Jahr 1532 begann bie Reformation in ber Grafschaft Nassau-Weilburg, bie z. B. im Jahr 1533 zur Bestellung von lutherischen Pfarrern in ben ©emeinben Ober-Rosbach, Nieber- Rosbach unb Roichelsheim in ber Wetterau führte. Es ist bezeichnenb, baß biefe nassau-weilburgische Reformation schon im Jahr 1529 so weit vorbereitet war, baß fie hätte beginnen können. Sie begann aber infolge ber 1529 vollzogenen Aufhebung bes Reichstagsbeschlusses von 1526 erst im Jahr 1532, also nach bem Nürnberger Anstanb. Im Jahr 1535 würbe bie Reformation in dem isenburgischen Ge- meinschaftsort Büdingen, im Jahr 1536 in dem Königstein, Solms und Hessen gemeinschaftlichen Ort Butzbach begonnen, woran sich die Reformation in der Grafschaft Könihstein anschloß. Anfang der 40er Jahre begann bte Reformation in ber Grafschaft Hanau-Münzenberg, ber Grafschaft Jsenburg-Birstein, ber Stabt Friebberg (1541), ber Ganerbschaft Staben (1543), ber Grafschaft Solms-Laubach (1544). Im Jahr 1546 schloß sich an biese Reformationen bie Durchführung von Luthers Lehre in ber B u rg g r a f s ch a f t Friebberg unb im Schützer Laub, sowie allem Anschein nach in ben frankfurtischen Lanbgemeinben Dortelweil und Nieder-Erlenbach an. Das Jahr 1547 brachte eine zweite Stockung, die bis 1552 andauerte. Nach bem Passauer Vertrag würbe bie Reformation in ber Grafschaft Solms- Braunfels (Anfang ber 50er Jahre) unb ber Grafschaft S 0 lms - Lich (Enbe ber 50er Jahre) eingeführt. Nachbem bargelegt ist, welche Sebeutung bem Speyerer Reichstag von 1526 als bem Ausgangspunkt ber Reformation im engeren Sinn, also der Umgestaltung bes Kirchenwesens nach Luthers Lehre, zukam, ist es notroenbig, einen Blick auf bas evangelische Wesen zu werfen, bas uns vor 1526 in unserer Gegend entgegentritt. Da muß vor allem zweierlei festgestellt werden. Zum ersten: daß schon vor 1526 in einer größeren Anzahl von Orten lutherisch gepredigt ward. In Alsfeld begegnet schon 1521 der Prior des dortigen Augustinerkiosters Tilemann Schnabel als Prediger des Evangeliums, ber um bieser Prebigt willen im Jähr 1523 die Stabt verlassen mußte. In Nibba wirken im Geiste ber neuen Lehre um bie Mitte ber 20er Jahre bie Brüber im Johanniterhaus Johannes Pift 0 rius, Heinrich Möller und Bechtolb Ringshausen; ferner in Ziegenberg ber Kaplan Laurentius Rauschenberger, sowie in Kirtorf ber katholische Pfarrer Konrab Hirz- w i g. Neben diese althessische Orte treten Orte, die zu anderen Territorien gehörten. Im Koniafteini- schen wirkt um die Mitte ber 20er Jahre in Butzbach ber Kugelherr Heinrich Rockenberger, sowie in Butzbach, Rockenberg, Oppershofen unb Ümgegenb ber katholische Pfarrer von Rockenberg Kaspar Wen ix, auch Kaspar Gibel genannt, in lutherischem Geiste. Als Prediger bes Evangeliums im Büdingischen begegnet um biefelbe Zeit der Dtidinger Pfarrer Heinrich Bellers, heim. Van diesen Männern, zu denen noch eine Reihe weiterer Prediger des „heilig Evangelium und Wort Gottes" kommt, geht — und das ist das Zweite — eine evangelische Bewegung aus, die weite Kreise ergreift. Namentlich werden in den Dann dieser Bewegung Bürger in den Städten und Bauern auf dem Lande geschlagen. Die Bewegung nimmt also den umgekehrten Gang wie die Reformationen, die sie ablösten. Sie geht nicht von oben nach unten. Sie beginnt in der Mitte, bei Geistlichen und Mönchen, die von Luthers Schriften angestcckt sind, senkt sich dann nach unten und richtet sich hierauf als Volksbewegung von unten nach oben. Ihr Ziel ist es, daß die Fürsten und sonstigen Oberen das Werk der Reformation an die Hand nehmen. Wo dies, wie im Hessischen und im Riedeselschen, im Zusammenhang mit dem Reichstag von 1526 geschah, flaute die Bewegung ab. Sie war überflüssig geworden. Wo sich aber die Oberen sperrten, da hielt sich die evangelische Bewegung und ward von Jahr zu Jahr stärker. Sie ward schließlich vielfach so stark, daß sie den Charakter einer gefährlichen Bewegung annahm. Es läßt sich dies alles an scher großen Zahl von Beispielen beweisen. Auf einige sei hier hingewiesen. In Butzbach war am Ende der 20er Jahre die evangelische Bewegung unter den Bürgern so stark, daß Ausschreitungen gegen die am alten Glauben hangenden Kugelherrn vorkamen. In dem benachbarten Ober-Mörlen wagte man es im Jahre 1528 nicht, den dort amtierenden katholischen Priester zu versetzen und einen anderen katholischen Pfarrer auf ihn folgen zu lassen, „angesehen, daß die Bauern zu Morlin in die anligende Landgrcffischen (hessischen) Flecken, do man Lutherische prediget, laufen, Predig hören, alle gelert werden und oill vom Glauben und dem Evangelia zu reden wissen, und so einer, der inen mit der Schrift nit begegnen künde, des Orts verordnet, würden üe inen verlachen, verachten und gantz vernichten, daraus nichts gute volgen macht". In Grüningen war im Jahr 1534 die evangelische Bewegung derart bedeutend, daß das Testament eines aus dem Ort stammenden Weihbischofs, in dem von der Stiftung von „Messen, Vigilien und solichen Sachen" die Rede war, als in diesen Punkten undurchführbar erklärt ward, dieweilen „in der Landart umbhere" große Endcrung, Uffstürtzunge und Verwerfung solicher Dinge" vorhanden sei. Von starken evangelischen Bewegungen künden uns ferner Akten aus den 30er und 40er Jahren, die aus Rockenberg, Nieder-Mörlen, Friedberg, Burg Friedberg, Ilbenstadt, Assenheim, Bad-Nauheim und anderen Orten vorliegen. Auf diese evangelischen Bewegungen ist bisher noch nicht genügend geachtet worden. Wer das aber tut, kommt zu der Erkenntnis, daß die Zeit, die mit Luthers Thesenanschlag beginnt, in zwei Perioden zu scheiden ist: die Zeit der evangelischen Bewegung und die Zeit der Reformation. Die Abgrenzung der beiden Zeiten ist für die verschiedenen Territorien und innerhalb dieser Territorien für die verschiedenen Gemeinden verschieden. Wo aber für ein Territorium die Zeit der evangelischen Bewegung aufhört und die Zeit der Reformation beginnt, da spielt jedesmal der Abschied des Speyerer Reichstags von 1526 oder eine andere, auf ihm fußende reichsgesetzliche Regeluna eine Rolle. Der Speyerer Reichstag von 1526 ist darum als ein Ereignis er st en Grades zu bezeichnen. Er hat die Rechtsgrundlage geschaffen, von der aus allein ein liebergang von der Volks bewegung zu der reformatorischen Arbeit der Obrigkeit möglich war. Dieser Uebergang war aber ebenso notwendig wie segensreich. Notwendig um dessentwillen, weil die evangelische Bewegung als eine von dem Willen der Obrigkeit nicht getragene Bewegung von Priestern, Mönchen, Bürgern und Bauern immer in der Gefahr stand, die Schranken, die gesetzt waren, zu überspringen und in das Fahr» wasser des Radikalismus zu geraten, wie das bei der Bewegung in einzelnen lichtscheu Orten zur Tatsache geworden ist. Segensreich um dessentwillen, weil erst die von der Obrigkeit an die Hand genommene Reformation die nötige Ordnung schuf, indem sie durch eine planmäßige Arbeit von oben nach unten das gesamte Kirchenwesen einer völligen Umgestaltung unterzog. Luthers Lebensanschauung im Spiegel seiner LibelSbersetzung. Don D. Hans Schmidt, o. Prof, der Theologie an der Universität Gießen. Wenn man die lebengestaltenden Kräfte, deren Wirken sich das Hessenland vor vierhundert Jahren durch sein Bekenntnis zur Reformation erschlossen hat, aufzählt, so gehört an die Spitze ein Buch: die „Biblia oder die ganze Heilige Schrift Akten und Reuen Testaments, verdeutscht durch Martin Luther". Was dieses Buch für d e Sprache und Sitte, für die Frömmigkeit und die Lebensführung unseres Volkes bedeutet hat, liegt am Tage. Als am 21. Oktober 1526 auf der Synode von Homberg an der Efze der von Martin Luther begeisterte französische Mönch Lambert von Avignon, berufen von Philipp dem Hochgemuten von Hessen, in 156 Thesen eine neue Ordnung der Kirche forderte, war einer der neuen Gedanken, den er vvrtrug, daß alltäglich in der Frühe ein Gottesdienst ge- halten werden solle, lediglich um die Schrift Alten und Reuen Testaments dem Volke vertraut zu machen. Von Martin Luthers Übersetzung lag damals erst das Reue Testament und von dem Alten Testament ein Druck der zehn Gebote und des Psalters vor. Aber auch damit war Martin Luther bereits eine Möglichkeit gegeben, täglich zlu den Hessen zu reden. Sprach er in diesen Druckschriften — denn die Bücher der Bibel gingen zunächst einzeln aus — nur als Heber« seher, das heißt als Verkünder und Diener der Gedankenwelt, der Erfahrungen anderer? Wer das meint, der verkennt, daß jede Lleber- sehung, zumal wenn sie von einem originalen und eigenwilligen Menschen stammt, auch etwas von seiner Wesensart an sich trägt. Besonders tritt das da hervor, wo ein Schriftwerk an sich dunkel oder mehrdeutig oder schwer verständlich ist. Solcher Stellen gibt es namentlich im Alten Testament nicht wenige. Es ist für jeden, der die Bibel in ihrer Ursprache liest, ein eigener Genuß, gerade bei ihnen die Übersetzung Martin Luthers aufzuschlagen. Seine Wesensart und Lebensanschauung treten einem dabei lebendig vor ' Augen. Ich greife drei Stellen heraus, die noch heute der Wissenschaft rechte Schwierigkeiten machen: Psalm 46,5; Psalm 90, 10; Psalm 116, 10. Der 46. Psalm — es ist das trotzige Lied, dem Luther seinen Choral »Ein feste Burg ist unser Gott" nachgesungen hat — spricht zuerst Die Einführung der Reformation in Hessen. Don D. vr. Gustav Krüger, o. Professor der Theologie an der Universität Gießen. Am 27. August 1526 faßten die zu Speyer versammelten Stände des Reichs mit Zustimmung der kaiserlichen Regierung den einhelligen Beschluß, daß „in Sachen der Religion und des Wormser Edikts jeder Stand so leben, regieren und es halten solle, wie er es gegen Gott und Kaiserliche Majestät zu verantworten sich getraue". Dieser Beschluß bedeutete kein Wohlwollen gegen die Reformation; er war lediglich Ausdruck der Tatsache, daß sich die streitenden Parteien nicht zu einigen vermochten. Endgültige Regelung erhoffte man nach wie vor von einem allgemeinen Konzil, dessen baldige Berufung dem Kaiser ans Herz gelegt werden sollte, zu dem es aber niemals gekommen ist. Durch den Wortlaut des Beschlusses war den einzelnen Ständen das Verhalten zur Reformation sozusagen ins Gewißen geschoben. Damit hatte auch für die Landgrafschaft Hessen die Stunde geschlagen, in der die schon lange im Fluß befindliche evangelische Bewegung in feste Formen gefaßt werden konnte. Landgraf Philipp hatte jhr anfangs keineswegs freundlich gegenüber» gestanden. Zwar hat seine Haltung schon in Worms den klugen päpstlichen Legaten Aleander in ihm den „ganz bösen Lutheraner" wittern lassen, und ohne Eindruck war Luther sicher nicht auf ihn geblieben, er hätte ihm sonst nicht gesagt: ,^)bbt Ihr Recht, Herr Doktor, so Helf Euch Gott." Als Regent ließ er sich dadurch nicht bestimmen. Das bekamen die Männer zu spüren, die in den Jahren nach Worms für die evangelische Bewegung in hessischen Landen eintraten: Tilemann Schnabel in Alsfeld mußte außer Landes gehen, Bartholomäus Riseberg in Immenhausen saß wochenlang zu Grebenstein im Turm, ehe es ihm gelang, zu entfliehen. Erft seit 1524 begann sich der Landgraf mit Ueberzeugung der evangelischen Bewegung zuzuwenden. Zeugnis dafür sind seine Briese, vornehmlich die an Herzog Georg von Sachsen, seinen Schwiegervater, gerichteten, aus denen seine persönliche Anteilnahme an der evangelischen Sache bei wachsender Vertrautheit mit Luthers Bibel und den Kirchenvätern heroor- leuchtet. So verstehen wir, daß er in erster Linie zu denen gehören wollte, die sich's vor Gott und Kaiser zu „verantworten" getrauten, mit der kirchlichen Reform in ihren Landen zu beginnen. Als Vorbild konnte dabei Kursachsen dienen, wo die Visitationen, d. h. die behördlichen Maßnahmen zur Aufdeckung und Beseitigung kirchlicher Mißstände sofort eingesetzt hatten. Aber Philipp ging seinen eigenen Weg. Er berief auf den 20. Oktober 1526 einen kirchlichen Landtay nach Homberg an der Efze: „Wir haben vor, mit allen unfern Untertanen geistlichen und weltlichen Standes in den christlichen Sachen und Zwiespalten durch Gnade des Allmächtigen zu verhandeln." Als seinen Berater in diesen Dingen hatte er Franz Lambert aus Avignon herangezogen, den Luthers Weckrufe und Zwinglis Redegewalt aus einem eifrigen franziskanischen Dußprediger zum feurigen Verfechter evangelischer Lehre umge° wandelt hatten. Am Sonntag, dem 21. Oktober, trug dieser Lambert in der Hornberger Kirche einer zahlreichen Versammlung von Geistlichen und Vertre- tern der Klöster, der Ritterschaft und der Städte 158 Streitsätze vor, die er in längerer Rede aus der Schrift zu erhärten wußte. Sein Gegner In der Disputation, der Franziskaner Nikolaus Ferber aus Marburg, vermochte nicht, ihn zu widerlegen, ent- blödele sich aber nicht, den Landgrafen selbst mit "spitzigen und hitzigen Worten" als Förderer einer bereits verdammten Ketzerei und Klosterräuber anzuklagen. Er unterlag, und die Synode beschloß, die Lambertschen Sätze zur Grundlage einer demnächst zu entwerfenden Kirchenordnung zu machen. Lambert war ein radikal gerichteter Geist. Sein Ideal war die Gemeinschaft der Heiligen, wie sie im Bekenntnis gelehrt wird, in dem Sinn, daß darunter zu verstehen sei der auf Grund persönlicher Willenserklärung erfolgte Zusammenschluß überzeugter Christen zu Gemeinden („Kirchen^), deren Glieder als die wahren Gläubigen sich von den Draußenbleibenden als Heiden geschieden wissen. Auf diesem Grundgedanken ist die Reformatio ecclesiarum (b. h. der „Kirchen", nicht der „Kirche") Hassiae aufgebaut, die der Landgraf durch Lambert ausarbeiten, aber nicht in feinem ober bes geistlichen Stanbes, fonbern gemäß den darin entwickelten Grundsätzen im Namen der Synode ausgehen ließ, und die als „Hornberger Kirchenordnung" berühmt geblieben ist. Besonders bemerkenswert ist darin die bewußte Durchführung des reformatorischen Grundsatzes vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen: die zur Gemeinde („Kirche") zusammengefaßten gläubigen Christen finden ihre regelmäßige (Erbauung in Gottes Wort, wählen sich selbst ihre Pfarrer („Bischöfe") und üben selbst die Kirchen- zucht, eine jede in sich und alle untereinander, indem sie alljährlich ihre Abgeordneten sich zur Synode, d. h. zur Beratung gemeinsamer Angelegenheiten, versammeln lassen. Diese Synode bestimmt aus ihrer Mitte Visitatoren, welche die Aufgabe haben, die kirchlichen Zustände der Einzelgemeinden und insbesondere die „Bischöfe" auf ihre Tauglichkeit mit Vollmacht der Absetzung zu prüfen. Dabei gab man sich der Hoffnung hin, daß nicht nur die hessischen Gemeinden, sondern auch die Gemeinden an- berer, dem Evangelium zugeneigter Gebiete sich an die neue Ordnung anschließen und so ein großes, gleichmäßig geordnetes evangelisches Kirchenwesen entstehen würde. Dieser eine geniale Hand verratende, jedenfalls gedankenreiche und von hohem religiös-sittlichen Verantwortungsgefühl getragene Entwurf ist nicht zur Ausführung gekommen. Philipp hat sich durch Luthers Abmahnung schrecken lassen, der ihn auf eine Anfrage warnte, „so ein Haussen gesetze mit o mechtigen Worten bet) uns furzunemen". Wohl )atte Luther in seiner „Deutschen Messe" grundsätzliche Aeußerungen getan, die Lamberts Gedanken entgegenkamen und diesen anscheinend beeinflußt haben. Aber er und die Wittenberger hatten zu viel Erfahrungen gemacht, um sich von einer zwar idealistisch empfundenen, aber den realen Verhältnissen nicht angepaßten Neuordnung Erfolg zu versprechen. So verschwand der Entwurf in der Versenkung. Nicht aber die Reformation, die der tat» kräftige Landesherr nunmehr selbst in die Hand nahm. Dabei bediente er sich vornehmlich des Rates seines Hofpredigers Adam Krafft, in dem wir den eigentlichen Reformator Hessens zu sehen haben. Vier vom Landgrafen ernannte Visitatoren, außer Krafft die landgräflichen Beamten Otto Hund, "Kraft Rau und Heinz von Lüder, erhielten den Auftrag, die nach dem Vorbild von Luthers „Deutscher Messe" zuerst an der Pfarrkirche in Marburg eingeführte neue Gottesdienstordnung allen Gemeinden des Landes als Muster zu überbringen, überall die katholischen Zeremonien zu beseitigen und Ordnung im Pfarramt, im Schulwesen und in der kirchlichen Vermögensverwaltung zu schaffen. Ein derartiges Vorgehen mußte natürlich den Widerspruch der geistlichen Oberen des Hessenlandes, insbesondere des Erzbischofs von Mainz, Hervorrufen. Aber Kurfürst Albrecht hatte mit der evangelischen Bewegung im eigenen Lande genug zu tun, um solchem Widerspruch handgreiflichen Nachdruck geben zu können. Auch bot ja der Beschluß von Speyer dem Landgrafen genügende Handhabe. So kam es zu dem Vertrage von Hitzkirchen (1528), in dem sich der Mainzer, widerwillig genug, Aur Anerkennung des selbständigen Vorgehens des Landgrafen verstand. Dieser aber setzte 1530 den Schlußstein der neuen Ordnung, indem er sein Land in sechs Superintendenturbezirke teilte: Marburg unter Krafft, Kassel, Rotenburg, Alsfeld, wo der inzwischen zurückgerufene Schnabel des Amtes waltete, Darmstadt und St. Goar. Daß solcher Neubau des Kirchen-, Schul- und nicht zuletzt des Armenpfleaewesens viele Mittel erforderte, liegt auf der Hand. Sie zu beschaffen, bot sich der reiche Klosterbesitz, der schon seit langem mehr dazu diente, wohlhübiae Gewohnheiten der Klosterherren als wohltätige Zwecke der Oeffentlich- keit zu befriedigen. Philipp durfte sich bei der Einziehung dieser Güter einer reinen Hand rühmen. Seinem Grundsatz, „von den geistlichen Gütern nicht einen Pfennig zu berühren , das heißt aber, sie nur zu gemeine i Nutzen zu verwenden, ist er treu gewesen. Auch fand er nur in wenigen Fällen, $.23. bei den Deutschherren in Marburg und den Zisterziensern von Haina, selbstsüchtigen Widerstand. Im großen und ganzen vollzog sich der Uebergang ohne ernstliche Reibungen und Schädi- gung. Von der guten Verwendung der freigeworde- nen Einkünfte aber zeugten die in den nächsten Jahren errichteten Kirchen, die fortschreitende Besserung der Pfarrbesoldungen, die Gründung von Schulen und vor allem von Hospitälern (Merxhausen, Haina, Gronau und Hofheim), in denen die Bedürftigen „ohne Heller und Pfennig, lauter um Gottes willen angenommen und ihr Geben lang mit Speise, Trank, Herberge und Kleidung ehrlich ver- sorgt und versehen" mürben. Viele Hunderte sind oft in diesen Anstalten zu gleicher Zeit verpflegt worden. Einen besonderen Ruhmestitel aber schuf sich der Landgraf durch die Gründung der aus Klostergut dotierten Universität Marburg (1527). Damit erhielt die reformatorische Lehre und mit ihr ber religiöse Fortschritt bie zweite Bildungsstätte: ranj ßambert, Adam Krafft unb Erhard Schnepf der spätere Reformator Württembergs, bilden das Dreigestirn, das über ihren Anfängen leuchtete. Daß bie Reformation Philipps, also eine kirchen- regimentliche Arbeit von oben her, so gute Erfolge 3ciligte, wie es tatsächlich ber Fall war, hat seinen Grund nicht zuletzt darin, daß sie überall auf der evangelischen Bewegung in den Gemeinden, also einer religiösen Bewegung von unten her, fußen konnte. Wie rasch Reformation unb evangelische Bewegung in Hessen miteinander verwachsen sind, bas soUte sich in der Zeit bes sog. Interims (1548) zeigen. Aach dem unglücklichen Ausgang des schmalkaldi- schen Krieges hatte ber Kaiser aufbem Augsburger Reichstag eine Regelung ber kirchlichen Angelegenheiten durchzusetzen verstanden, zufolge deren in Lehre und Brauch bie katholische Auffassung vorge» schrieben, ben Protestanten lebiglich Laienkelch unb Priesterehe, unb auch diese nur interimistisch, b. h. bis zum nächsten Konzil, zugestanden wurden. Der als Gefangener des Kaisers schwergeprüfte Landgraf willigte in den Beschluß. Aber seine Einführungsbefehle stießen bei ber Geistlichkeit auf unbeugsamen Wiberstand. Höchstens daß man sich, um ber Befreiung bes Lanbgrafen willen, bazu verstehen wollte, einige Zeremonien zu erneuern ober zu dulden. Aber das evanaelische Volk war selbst dazu nicht zu bewegen. Ein Pfarrer im Ornat durfte sich nicht blicken lassen, und auswärtige Meßpriester zu beschaffen, wollte ber Regierung bei bem überall be- stehenben Klerikermangel nicht gelingen. Man wußte in Hessen zu gut, was auf bem Spiele stanb. Suchte boch ber Erzbischof von Mainz, nun nicht mehr Albrecht, sondern Sebastian, die gute Gelegenheit auszunutzen, um die Gerichtsbarkeit über die hessische Geistlichkeit zurückzugewinnen. Weder bas Interim noch bie Mainzer Rekatholisierungsversiiche haben den Hessen Einbruck gemacht. Dem Lanbgrafen gegenüber aber rechtfertigten die Geistlichen ihre Stellung in bem schönen Schreiben, mit dessen Mitteilung diese Zeilen abgeschlossen werden mögen: „Wenn wir mit Gottes Hilfe beständig bleiben, haben wir Menschen unb Teufel zu Feinden, das ist gewiß. Aber die Menschen sterben, unb bie Teufel werden verdammt. Fallen wir aber ab unb verleugnen die Wahrheit, so haben wir Gott selbst, alle Engel und Heiligen zu ewigen Feinden, welcher Zorn unb Feindschaft ewig währt, davor Gott unteren gnädigen Fürsten unb Herrn, alle lieben Christen unb uns gnäbiglich bewahren wolle ewiglich. Amen." * Als nnpfehlenswerte Literatur zur Reforma- tivnsgeschichte Hessens verwe.se ich auf folgende Werke, wobei die mit * bezeichneten für einen allgemeinen Leserkreis bestimmt sind: Beiträge zur hessischen Kirchen- aeschichte, bisher 8 Bänbe, 1901—1926, im Selbstverlag bes Historischen Vereins für Hessen als Erziehungsdänbe bes Archivs für hessische Geschichte unb Altertumskunde erschienen. Darin: F. W. Schaefer, Adam Krafft, der Refor» mator Hessens. 5, 1911/12. S. 1—46; 67—110. * Diehl, Wilhelm, Reformationsbuch der evangelischen Gemeinden bes Großherzogtums Hessen. (Hessische Volksbücher 31—36.) 2. Auflage. Friedberg 1917, Selbstverlag des Herausgebers. *Diehl, Wilhelm, Evangelische Bewegung unb Reformation im Gebiet ber heutigen hessenvon „großen Röten", von Stürmen und Wirren einem Weltuntergang gleich: »Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken; wenngleich das Meer wütete und waltete, und von seinem Ungestüm de Berge einsielen." Demgegenüber tritt das Bild der „Stadt Gottes", die in unbewegter Ruhe im Sturm der Elemente steht. Der hebräische Urtext liest hier: „Em Strom, seine Bäche erfreuen die Gottesstadt, das Heiligste unter den Wohnungen des Höchsten". Wir wollen die verschiedenen Versuche, den Sinn dieser dunklen Stelle zu ergründen, nicht alte aufzählen. Einige erinnern an die Großstädte des alten Orients: Theben am Ril, Babel am Euphrat, Rinive am Tigris, die alle ihren mächtigen Schutz in dem Strom haben, zwischen dessen Armen sie erbaut sind. Andere wirsen auf die leuchtenden Bilder der Apokalhs t k vom Strom des Lebens hin, wieder andere gehen andere Wege. Wie hat Luther diesen schwierigen Text wiedergegeben? Als er zum ersten Male — 1513 — über den Vers im Kolleg vorgetragen hat, versucht er eine allegorische Deutung: Der Strom, so meint er damals, ist der „überströmende Reichtum" der „Gnade Gottes". In der ersten von ihm selbst gefertigten Handschrift seiner Übersetzung schreibt er die Worte an den Rand: „mala iaetificant“, zu deutsch: Auch das Böse muh Gottes Stadt zur Freude dienen. Als aber die erste Ausgabe der Psalmen- Uebersetzung vergriffen war und Luther und seine gelehrten Freunde in seinem Arbeitszimmer beieinandersaßen, um den Text der Hebersehung überzuprüfen, da — wir haben die Protokolle dieser Arbeitszusammenkünfte — schlägt Luther nacheinander folgende Übersetzungen des schwierigen Textes vor: 1. „Dennoch wirds ein fein lustiges ftettlin sein und fein wasser und brünlin haben," 2. „wird die stad Gottes fein lustig sein und fein wasser brünntein haben," 3. „sol die Stad Gottes in Freuden schweben" (darüber steht: „lustig fröhlich sein") 4. „eine feine stad sein, bleiben und yhre brünlin haben, wel (oder) mit hren brünlin." Wir sehen, wie der Wortlaut, den wir heute in unserer Lutherbibel finden, sich allmählich formt, der wunderschöne Satz: „Dennoch soll die Stadt Gottes fein luftig bleiben mit ihren Brünntein. da die Wohnungen des Höchsten sind." Was ist es, das diesem Sah einen so besonderen Zauber, eine so starke Stimmung gibt? Wenn wir ihn lesen, so "steht vor uns das Bild einer mittelalterlichen deutschen Stadt mit ihren Giebelhäusern, mit bewehrten Mauern und Türmen, vor allem aber mit immer rauschenden Brünntein auf ihren stillen Plätzen. Denn still muh es wohl sein, wenn man „der Drünn- tein“ achthaben soll. Rur dann hört man ihre Stimme. So einen sich in Luther die Empfindung für den heiteren Frieden, den diese Verse im Gegensatz zu dem drohenden Ungestüm der vorhergehenden atmen und die Worte vom Wasser. Anwillkürlich ist dabei der Strom ganz vergessen, und die „Bäche" sind zu Brünntein geworden, wobei die Wahl der Verkteinerungs- form, die Empfindung, die der Hebertet)er dem Gedicht ablauscht, aufs stärkste unterstützt. Wer spürte in dem schönen Bilde, das in diesen Worten vor die Seele tritt, nicht den deutschen Ratursinn, die träumende Liebe zur Heimat und die Fähigkeit des Dichters, die Dinge um sich zu seiner Seele reden zu lassen. Das alles lebt in Luthers Bibelübersetzung und macht sie zu einem so schönen und innigen Buch. Eine andere schwierige Stelle, bei der wiederum erst aus der Rachbesserung der Uebersehung vor der zweiten Auflage der Psalmen der uns allen von Kindheit an vertraute Wortlaut entstanden ist, ist Psalm 90, Vers 10. Er steht in einer tieternften Betrachtung über das menschliche Leben. Es ist wie ein Strom, wie ein Schlaf, wie das Gras, das früh blühet und bald welk wird. Im hebräischen Urtext klingt diese Betrachtung müde aus in dem Wort: „Linser Leben währet siebenzig Jahr und wenn es hoch kommt, so sind's achtzig Jahr. Lind fein Reichtum? Mühsal und Trug! Ja, es führet schnell dahin, als flögen wir davon!" In diese Worte hat sich Luther nicht zu schicken vermocht. Er überlegt hin und her. Lind dann plötzlich — im Protokoll jener Aevisions- sitzung — steht der Satz da, so wie e r das Leben empfindet: „Unser Leben währet siebenzig Jahr und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahr, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen!" Daß Mühe und Arbeit etwas Köstliches ist, das ist ein Grundzug in der Lebensbetrachtung Martin Luthers. „Ein Mensch — sagt er einmal — kann bei all seiner Mühe und Arbeit altes Gute haben, Freude im Herzen und ein gutes Gewissen, weil er weiß, daß fein Werk und Arbeit ein Gottesdienst ist." Und dazu fuhrt er als Beispiel an: „Eine arme Dienstmagd hat Freude im Herzen und kann sagen: Ich koche jetzt, ich mache das Bette, ich kehre das Haus, wer hat's mich geheißen? Es hat's mich mein Herr und Frau geheißen... Ei, so muß es wahr sein, daß ich nicht allein ihnen, sondern auch Gott ' im Himmel diene und daß Gott einen Gefallen dran habe. Wie kann ich denn seliger fein? Ist es doch ebensoviel, als wenn ich Gott im Himmel sollte kochen." Diese Hochschätzung der täglichen Mühe — ist sie nicht auch ein Stück deutschen Wesens. Die Träumer, die den in der Stille rauschenden Brünntein lauschen, ringen den Sturmfluten den Marschboden ab und bezwmgen den Wald in der steinigen Oede ihrer Berge. Und das Leben ist köstlich: denn es ist Mühe und Arbeit. Ein drittes Psalmwort, das ich als Beispiel anführen möchte, ist Ptelm 116,10. Hier scheint der hebräische Text sagen zu wollen: „Ich habe den Glauben bewahrt, wenn ich sagte: ich bin gar tief gebemütigt.“ Es scheint der Sinn zu fein, daß der Leidende, der hier von sich spricht, sich dagegen tertoa)rt, als sei er in seinem Leiden verzweifelt, als hätte er Glauben und Hoffnung verloren. Wie übersetzt Luther die schwierige Stelle? ..Ich glaube, darum rede ich! — Ich werde aber sehr geplagt." Ich weiß wohl, er hat in dieser Fassung schon im 2. Corintherbrief des Paulus ja schon in der alten griechischen Uebersetzung des Alten Testaments Vorgänger. Aber auch ihnen gegenüber ist ihm eigentümlich die Gegenwartsform. Richt — wie dasteht — „ich glaubte“, „ich habe geglaubt", sondern: „Ich glaube!“ Dadurch aber bekommt der Satz den kühnen Klang. Dadurch leuchtet das hohe Verantwortungsgefühl aus lhm, das Bewußtsein, nicht schweigen zu können — obwohl das klüger wäre und durch hundert Rücksichten geboten —, sondern reden zu müssen. Der Manm der dieses Wort geschrieben hat, blickt uns aus ihm an, wie er in Worms gestanden hat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders." Wir suchen In diesen Erinnerungstagen die Spuren der Männer einer großen Zeit. In der alten- Kirche von Homberg an der Efze werden ihre Gestalten am 21. Oktober vor uns lebendig werden, der Landgraf Philipp, Lambert von Avignon und die andern a e. Den, de sen Rie en- gestalt hinter ihnen, hinter jener ersten deutschen Synode, dem Ursprungsort der evangelischen Kirche Hessens stand, brauchen wir nicht zu sucken. Er ist mit seiner frommen und tapferen Ansicht vom Leben durch seine Bibelübersetzung — aber durch sie nicht allein — lebendig in unserer Witte. M 4 auf folgte 'Am fw rmen Vmb: (n Kirchen- 1901-1926, im •rein? für j)t[|en iios für hessische !r|d)ienen. Satin: asst, bet Resor- -46; 67-110, nalionöbuch -er Etohhermqtum» —36.) 2,au(tflßt es f)erousQeb«s. tische Bewegung ■ heutigen Hessen' nich mein Aerr h es wahr sein, «tn auch Sott' einen ®«lallen m seliger leint nn ich Gott im ilichen Mühe - rutschen ®elen8. jiille rauschenden Sturmsluten den denDolUr^ ib das ßM ist Srbeit r i* ati Deispiel /hier scheint [len: , M wenn ich lt“ Es scheut e‘ der hier von als sei er'N ,Ue er Glauben gierige Stellet Ich werde aber ser Fassung W ! ja schon m der »* *5 Sah de" *£ hohe MrantA öewuMN- der 6=^ in N'L i*lron rrn, alle lieben ren wolle ewig. pclheimen. in Anstalten für Epileptische unb Schwachsinnige. In großen Diakonisienmuttcrhäu- fern werden die weiblichen Strafte — jetzt -wischen 20- und 30 000 deutsche evangelische Diakonissen — für diese Arbeit ausgebildet, in großen Diakonen» Häusern die männlichen Diakonen. Steine Not, der man nicht nachginge! Nur daß aus dem vielfach kranken sozialen Organismus unseres Volkes immer neue Note hervorwachsen, die immer neue Hilfs» arbeiten erforderlich machen. Das ist das Bild, das sich uns beute zeigt. Sollen wir an diesem Bilde etwas ändern? Ich meine „nein". Und dennoch zeigen sich gewisse Linien, die für die Zukunft Wege weisen sollen. Ich möchte sie in aller Stürze so zu formulieren suchen: Gr ft en«. Bisher hatten wir vielfach ein Nebeneinander kirchlicher und freier Arbeit innerhalb unserer c "angeliscken Stirqen. Das Nebeneinander wurde cwlegcntlid) zum Widereinander. Ich meine, dieser Zustand müßte urnaestaltet werden. Unb aid'.t nicht bloß in der Weise, die durch die zusammenschlossen und chr Hinausdrängen über die Mauern von Münster verhinderten. Wenn Philipp sich in der Bekämpfung aller Umsturzbewegungen von niemand übertreffen ließ, so auch nicht an Humanität und Berstöndn's für die Irrenden. Nach dem Bauernkriege hat er Un- terluchungskommifsionen ernannt, um dem Uebel auf den Grund zu kommen, und die Wiedertäufer im eigenen Lande hat er in erster Linie durch Belehrung zu bekehren gesucht; Strafen wurden erst gegen Rückfällige verhängt, und die Todesstrafe blieb ausgeschlossen. „Es war ihm darum zu tun,* agt Walter Sohrn, einer der neuesten Darsteller einer kirchlichen Politik, „als christlicher Fürst von eien Untertanen verstanden zu werden, gcw'ß eine Absicht, die diesen Augenblick der hessischen lern- torialgeschichte zu einem bedeutenden in der genügen Entwicklung des deutschen Territoriums überhaupt erhebt." So war Philipp auf allen Gebieten des öftcnt- lichcn Lebens führend unb hat tiefgreifenbe Wir kungen hinterlaßen. Auf politischem w.e grilligem Gebiete war er ein Bahnbrecher für fruchtba-e Gebauten unb neue Möglichkeiten; mit dem hessischen hat daher das gesamte deutsche Volk Anlaß, seiner in Dankbarkeit zu gedenken. neue Verfassung vielfach angebahnt ist, daß die freien Bereinigungen in den Synoden Einfluß auf die Beschlüsse der Kirche nehmen. Auch nicht bloß in der Form, die gleichfall-; jetzt üblich wirb, baß die freie Liebestätigkeit zu einem größeren Teil auf die Einnahmen der Landeskirche an Kirchensteuern zurückgreift. Condern jo, daß eine klar geordnete Gemeinsamkeit hergestellt wird. Den freien Vereinen fall ihre freie Bewegung nicht genommen werben. Wir brauchen sie als Pioniere» als leicht bewegliche Hilfstruppen. Aber Vereine unb Kirche müssen in Zukunft in ganz anberer Weise als bisher ein Ganzes b i I b c n. Durch mangelnde Verständigung unter» einander darf auch nicht das geringste Teilchen Kraft verschwendet werden. Zweitens: Tie evangelischen Kirchen stehen etzt selbständig neben Staat unb bürgerlicher Gemeinde. Die Gefahr, daß Staat und Gemeinden ihre Front gegen die Kirche nehmen, scheint — Gott ei Dank — für jetzt überwunden. Wir danken bas zum großen Teil ber einfach nicht zu verkennenden, von keinem Einsichtigen zu übersehenben praktischen Wohlfahrtsarbeit ber Kirchen. Die evangelischen Kirchen werben, sofern Staat und (Bemeinben sich dazu willig zeigen, auch mit ihnen gern Zusammenarbeiten. In unseren verwickelten sozialen Verhältnissen müffen sie bas um der Gesamtheit des Volkes willen tun. Sie wollen keine Winkelkirchen sein, sie wollen Dolkskirchen fein, so müssen sie a u ch k i r ch« lich neutralen Instanzen die Hand reichen, sofern diese nur die Mitarbeit ber Kirchen wünschen. Nicht Trennung, sonbern Gemeinsamkeit ist hierin die Losung. Drittens: Unsere evangelischen Kirchen sind nach wie vor V o 1 k s k i r ch e n. Wohl Haven sich, z. B. in Inbustriebezirken, in großen Stabten, Hun- berttaufenbe von ihnen losgelöst. Aber das Volk steht im letzten (Brunbe immer noch zu ihnen. Wir haben noch oolkskirchliche Gemeinden. So müssen wir oolkskirchlich arbeiten. Unsere Aufgabe barf nicht fein, das noch vorhandene Volkskirchentum zu zerschlagen unb uns, wie neuere Stimmen fordern, auf eine „kommende Kirche" einzurichten, die dis volkskirchliche Einstellung nicht mehr kennt. Vielmehr müssen wir das Volkskirchentum, bas wir besitzen, als kostbares Gut festhalten, innerlich kräftigen unb fördern, reinigen und stärken. Das bedeutet nicht Kapitulation vor der Masse, das bedeutet Weiterarbeit auf einem Fundament, das Gott ber Herr ben evangelischen Kirchen gegeben hat. Viertens: Die evangelischen Kirchen wissen, baß bas Christentum in unserem Volk nicht mehr die Stellung hat, die es noch vor 100, ja noch vor 50 Jabren befafj. Sie müssen sich einrichten auf Gegensatz und Kampf. Niemand Darf es ihnen verdenken, wenn sie ihre Positionen wahren. Die Aus- einanderfetzuntz mit den gegnerischen Weltanschauungen ist ihr Recht und ihre Pflicht. Aber sie sollen den Kampf in Liebe führen. Ihr Ziel ist niemals, zu verletzen, sondern immer das, zu gewinnen. Sie wollen dem Volke dienen, und sie werden sich, weil es auch zu einem großen Teil um die Auseinandersetzung mit kleinen Splittergruppen, mit phantastischen Lehren ober auch mit absolutem Nihilismus handelt, dabei der Unterstützung vieler erfreuen dürfen, denen das Wohl des Volkes am Herzen liegt Fünftens: In ihrem Kampf um die Seele des Volkes müssen die evangelischen Kirchen Einfluß auf die Gesamtheit des Volkes zu behaupten suchen. Sie dürfen sich nicht scheuen, ihre Meinung zu sagen. Von der Parteipolitik müssen sie unbedingt die Hand lassen. Eine Kirche, die in Parteipolitik verstrickt märe, grübe sich selber das Grab. Alle Klassen des Volkes sind der Kirche gleich lieb. Aber die Vertretung ihrer Sache in der Oeffentlichkeit ist ihre Pflicht. Ungescheut muß die Kirche ihre Meinung sagen, nach welcher Seiten hin es gelte. Und je ernster unb aufrichtiger sie bas tut, um so mehr wirb man auf ihr Wort achten Wohl wirb immer versucht werben, was sie sagte, totzuschweigen ober zu verhöhnen. Eine evangelische Kirche, die bas Evangelium verkünbigt, darf sich dadurch nicht beirren lassen. Sie muß in aller Deffentüdjteit dem ganzen Volk gegenüber sagen, was sie zu sagen hat. Ich breche ab. Die Linien, die ich gezeichnet habe, müssen genügen. Es sind nur ganz große Linien. Und jeder Satz, den ick geschrieben habe, gibt Anlaß zu vielen Fragen. Aver wann auch nur bas, was ich mit biesen Sätzen ausgesprochen habe, ernstlich burchbacht wirb, wenn unsere evangelischen Kirchen nach biesen Linien handeln, werden sie der neuen Zeit gewachsen fein. menzuschließen, hat er nicht nur der neuen Lehre, sondern auch den Territorien die Möglichkeit gegeben, sich gegen den Kaiser zu behaupten. Er hat also ganz wesentlich dazu beigetragen, daß Deutschlands Geschick nicht einem undeutschen, ja antibeub jenen Kaisertum, mochte es sich auch deutsch nennen, üverantwortet worden ist. Weit über seine Zeit hinaus erstreckte sich die Bedeutung seines Wirkens. Die Zurückführung des Herzogs Ulrich von Württemberg in feine Heimat, die religiösen und politischen Antrieben entsprang, entriß den Habsburgern Württemberg, das Karl V. unter Rechtsbruch an sein Haus gebracht hatte, und brach ihre oorwal- tenbe Macht in Svddcutschland für immer: mit wieviel größerer Wucht hatte die Gegenreformation auftreten können, wieviel schwerer hätte Friedrich dem Großen sein Werk werden müssen, wenn Oesterreich sich auf ein von ihm beherrschtes Süd- deutfchland hätte stützen können. Aber noch andere Widersacher der Territorien waren zu bekämpfen. Revolutionäre Kräfte erhoben sich, deutsche Kräfte zwar, aber politisch nicht weniger unfruchtbar als Karls Kaisertum. Die elften Feinde waren die R e i ch s r i 11 e r , wie die Territorialfürsten durch den Zerfall des Kaisertums em- porgekommen, aber ein Zerrbild des Fürstentums darstellend. Ihre Zwergländchen, die vielfach nicht aus eignen Einkünften bestehen, geschweige denn Kulturaufgaben lösen konnten, bildeten ein Hindernis für die geistige und materielle Entwicklung der Nation, zumal die Ritter entsprechend den überkommenen Anschauungen ihren eigentlichen Beruf im Kriege erblickten und so grundsätzlich geordneten taatlichen Verhältnissen widerstrebten. Je mehr die größeren Fürsten auf die Durchführung des Land- riedcns, Beseitigung ber Selbsthilfe unb geregelte wirtschaftliche Beziehungen drangen, desto ungünstiger wurde ihre Lage; jeder Friedensbrecher fand in ihren Reihen bereite Helfer. Auch Hessen hatte während Philipps Minderjährigkeit nicht wenig von ihren Fehden zu leiden. Einen letzten gewaltsamen Ver- uch, die Entwicklung, die auf Aufsaugung dieser kleinen Gebiete durch die größeren Länder h'maus- lief, abzuwenden, stellte Cickingens Erhebung (1H23) dar. Es war eine Revolution, die, wenn sie auch nur zeitweilig Erfolg hatte, die größte Verwirrung mindestens in Süd- unb Westdeutschland hätte stiften muffen. Nimmermehr hätten die kleinen, in ewige Händel zerrissene Herrschaften ein geordnetes Staatswesen schaffen können. Unter den Fürsten, die durch energische Bekämpfung Sickingens dies Unheil abwendeten, stand ber Landgraf in vorderster Reibe: noch ehe ein kaiserliches Mandat zur Be- ftrafung des Friedensdruchs ergangen war, eilte er dem bedrohten Trier zu Hilfe und veranlaßte andere Fürsten, fick ihm anzuschließen; Seiner Energie ist es zuzuschreiben, daß nach Befreiung Triers der Kampf fortgesetzt unb durch rasche Niederwerfung Sickingens das Weitergreifen der Unordnung vermieden wurde. Zum zweiten Male bewährte sich Philipp als Verteidiger der Ordnung im Bauernkriege. Auch die aufständischen Bauern hatten keine lebensfähigen politischen Ideen. Niemand wird bestreiten, daß ihre Wünsche nach Hebung ihrer wirtschaftlichen unb sozialen Lage vielfach gerechtfertigt waren, aber wenn sie beanspruchten, eine neue Drbnung im Reiche aufzurichten, so fehlte ihnen dazu alles. Selbst die Führer der gemäßigten Odenwälder hatten keine Kenntnis von der äußeren Gestalt des Reiches, feinen inneren Verhältnissen, von den Pflichten und Rechten, die die Zugehörigkeit zu einem großen Staatswesen mit sich bringt. Insbesondere hatten sie keine Vorstellung von dem politischen Charakter, den das Kaisertum in der internationalen Habsburyischen Dynastie angenommen hatte. So konnten sie die Forderung auf Beseitigung aller Fürsten und Wiederherstellung der kaiserlichen Machtvollkommenheit stellen, in der Meinung, damit eine volkstümliche Politik begründen zu können. Eine größere Verkennung ber Tatsachen läßt sich schwerlich ersinnen. Wie bie Reichsritter befehbeten die Bauern im Ter- das deutsche Volk geleitet werden konnte. Das deutsche Nationalgesühl mußte sich daher dieser politi- scyen Vorstellung entgegensetzen; die Einzelstaaaten, die sich im natürlichen Selbstbehauptungstriebe nicht ihre in den letzten Jahrhunderten errungenen Be- sugnisse entreißen lassen wollten, wurden also in ihrem Widerstande gegen den Kaiser getragen von den Interessen der gesamten Nation. Und wie die Territorien mußte ber neue evangelische Glaube mit ben Gedanken Karls Zusammenstößen, denn die Religion des Habsburgischen Weltreichs sollte allein die katholische sein. Persönliche Ueberzeugung unb politisches Interesse wiesen Karl gebieterisch darauf hin. Territorium und evangelische Lehre waren somit natürliche Verbündete; auch unter den katholischen Fürsten hat Karl grimmige Gegner gehabt. Der Hauptführer im Kampf war Philipp. Dadurch, daß er als erster unter ben größeren Fürsten sich rückhaltlos ber neuen Lehre fjingab, vereinigten sich in ihm beibe oppositionelle Strömungen; baburaj, baß er sich sein ganzes Leben hinburch bemühte, seine Glaubensgenossen zu einer großen politisch-militärischen Organisation zusam« ritorium gerade die Macht, die allein etwas schaffen konnte unb fetzten ihre Hoffnund auf eine ihrem nationalen, sozialen unb religiösen Denken unb Fühlen ganz fernstehende Persönlichkeit und eine schattenhaft geworbene Einrichtung, bie nur durch biefe undeutsche Persönlichkeit neues Blut unb Leben gewinnen konnte. Don den radikalen Bauern- häufen vollends, die am liebsten alles, was nicht bäuerisch war, ausgerottet gälten, zu schweiaen. Um so größer war aber die Gefahr ber Anarchie, die Deutschland bedrohte, als unter den Bauern bie radikalen Richtungen immer mehr um sich griffen und die gemäßigteren zurückdrängten. Wiederum hat Philipp mit am ersten die Größe der Krisis erkannt. Noch ehe Hessen selbst bedroht war, schickte er dem gefährdeten Pfalzgrafen unb dem Schwäbischen Bunde Hilfe und nach'der raschen Bändigung der Gährung im eigenen Lande beteiligte er sich an der Ueberroältigung Münsters in Thüringen, des fanatischsten aller Bauernführer. Wie in der Sickingenschen Fehde ist ihm auch hier zum guten Teil der schnelle Erfolg und die Beschränkung des Feuerherdes zu danken. Die dritte revolutionäre Macht endlich, der Philipp entgegentrat, waren bie Wiedertäufer, in Münster, bie nicht weniger utopische, wenn auch anbere Ziele vertraten als bie Bauern unb wie biefe mit ihrem himmlischen Königreich einem allgemeinen Umsturz zusteuerten. Die Energie Philipps hat den Anstoß gegeben, daß die Nachbar- fürsten sich zum Widerstand gegen die Revolution Vie Aufgabe der evangelischen Rüche in unserer Seit. Don Professor D. Dr. Martin Schian, <3eneraljuperintenbenten in Breslau. Wir sehen in das 16. unb 17. Jahrhundert hinein: was sah man damals als Ausgabe ber evangelischen Kirche an? Predigt des Wortes unb Verwaltung der Sakramente. Alles andere überließ man zumeist den bürgerlichen Gemeinden. Man glaubte, das mit gutem Gewissen tun zu dürsen. Es gab damals kein Auseinanbergehen von bürgerlicher unb kirchlicher Gemeinde Es gab überhaupt keine gesonderte kirchliche Gemeinde, sondern nur eine Gemeinde, die nach der einen Seite hin bürgerlich, nach der anderen hin kirchlich war. Auch was die bürgerliche Gemeinde tat, war vorn kirchlichen Geiste durchtränkt. Die Länder und Gemeinden waren konfessionell einheillich. So war die Sonderung bürgerlicher und kirchlicher Arbeit auch unter diesem Gesichtspunkte nicht notwendig: sie trat gar nicht in den Gesichtskreis der Erwägungen. Die Zeiten änderten sich, als die konfessionelle Mischung kam, also zumindest zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Zeiten änderten sich noch stärker, als der ausgesprochen christliche Charakter des Staates wie der Gemeinden verloren ging. Die Zeiten änderten sich abermals, als mit ber Revolution 1918 die Trennung von Staat unb Kirche kam, als die Staaten zunächst (menigftens teilweise) kirchenfeindlich unb bartn gegenüber ben Kirchen (vielleicht auch gegenüber ben Religionen) neutral wurden. Jetzt sichen neben ben staatlichen und bürgerlich-gemeindlichen Organisationen in voller Selbständigkeit die Organisationen ber Kirchen unb ber Kirchengemeinden. Diese Wandlung kann nicht ohne Einfluß auf die Erkenntnis der Aufgaben der Kirche bleiben. Einst beschränkte sich bie Kirche auf Wort und Sakrament. Aber bie Erkenntnis ber ungeheuren sittlichen unb religiösen Notstände, die sich zumal in ben anwachsenben Stäbten einftellten, forderte eine neue Orientierung. Man begriff feit Johann Hin- rich Wichern in fteiaenbem Maße, daß bie evangelische Kirche sich nicht auf die Predigt, und sei sie noch so geistvoll, beschränken dürfe. Die Zeit for» berte Taten. Taten ber Liebe, Taten ber Hilfe, Taten bes sozialen Verstehens. Unb so stehen wir jetzt vor einer neuen Lage. Nur zum Teil ist sie ganz neu; zum anberen Teil sehen wir ihre Linien seit etwa 100 Jahren beutlich heraustreten. Etwa so läßt sie sich schilbern: Die evangelische Kirche will nach wie vor nichts anberes sein als bie Vertreterin bes Evangeliums im beut- fchen Volk. Aber sie faßt bie Aufgabe ber Vertre- rinq des Evangeliums jetzt viel weiter unb zugleich tiefer, als früher. Sie weiß, daß sie mit ber Ver- fünbigung im Gottesbienft längst nicht mehr bas ganze Volk erreicht. Sie weiß, daß zu ihren Abenb- mahlsfeiern nur ein (wenn auch oft noch recht beträchtlicher) Teil ber Gemeinde kommt. Sie erkennt, daß bas geprebigte Wort nicht imftanbe ist, in unserer lauten Zeit ben Einfluß auf bas Volksleben zu gewinnen, den bas Evangelium zu beanspruchen hat. Jnfolgebessen unternimmt sie alles, was ihr möglich ist, um biesem Wort bes Evangeliums größere Wirkung zu verschaffen. Sie sammelt bie Kin° ber zu Kinbergottesdiensten bie Jugenblichen zu Vereinigungen, in benen sie sich ber jugenblichen Psyche anpaßt. Sie bietet das Evangelium in aller» Hand freieren Formen unb bei befonberen Veranstaltungen. Sie ruft bie Massen, bie zu ben regelmäßigen Gottesdiensten nicht kommen, zu groß angelegten Evangelisationen ober Volksmissionen. Neben bie mündliche Predigt stellt sie bas gedruckte Wort. Eine kirchliche Presse in einem Umfang, von dem man sich noch vor kurzem nichts träumen ließ, ist ernporgewacksen. Bis ins kleinste Dorf hinein bringen bie kirchlichen ©emeinbeblätter; in den großen Zeitungen sucht man der Behandlung kirchlicher Fragen Eingang zu schaffen. Neben bas Wort stellt sich die Tat. Die Tat ber Liede in ber Gemeinbe- pflege, in der Diakonissen sich ber Kranken unb ber Armen annehmen. Die Tot ber Liebe in Krankenhäusern, Waisenhäusern, C ziehungshäuseim, Krüp- darmstäbtischen Lande. Darmstadt 1926, Selbstverlag des Verfassers. Friedrich, Julius, Die Entstehung der Reformatio Ecclesiarum Hassiae von 1526. Gießen 1905, Töpekmann. Herrmann. Fritz, Das Interim m Hessen. Marburg 1901, Elwertsche Buchhandlung. "Herrmann, Fritz, Hessisches Reformations- büchlrin für Schule unb Haus. Marburg 1904, Elwrrtsche Buchhandlung. Herrmann, F r i tz, Die evangelische Bewegung zu Mainz im Reformatiönszeitalter. Mainz 1907, in Kommission bei Hermann Ouafthoft. 'Herrmann, Fritz, D. Tilemann Schnabel, der Reformator der Stadt Alsseld. Alsfeld 1905, i. K. bei I. Cellarius Wwe. Kohler, Wilhelm, Hessische Kirchenverfasiung im Zeitalter ber Reformation. Gießen 1804, von Münchow. Philipp der Großmütige als Reichsfürst. Von Dr. Gustav R o 1 o f f, o. Professor der Ge° schichte an der Universität Gießen. Zwei große weltgeschichtliche Gegensätze beftim- nen bie Zeit bes Hessenfürsten, dessen Name uns heute wieder durch ein Gedenkjahr ins Gedächtnis gerufen wird: Der religiöse Zwiespalt und der damit eng verbundene Kampf ber beutfchen Teil- nächte, vornehmlich der Fürsten, gegen das Kaiser- tum. In beide Bewegungen hat der Landgraf be- itimmenb eingegriffen, so daß eine tiefere Schilde- rung dieser großen Ereignisse ohne eingehende Berücksichtigung seiner Perjönlichkeit nicht denkbar ist. lieber bie religiöse Angelegenheit und die Bedeutung, bie sie für Philipp unb Philipp für sie ge- coonnen hat, dürfen mir hier kurz hinweggehen, da sie an anderer Stelle ausführlich gewürdigt wird, aber seiner Stellung in ber anberen großen Schicksalsfrage ber deutschen Nation wollen wir einige Worte widmen. Der Gegensatz zwischen der deutschen Zentral- gemalt, dem Kaisertum, unb ben Sonbergeroalten ist so alt wie ber deutsche Staat selbst, unb das Ergebnis ber deutschen Geschichte bes Mittelalters war. daß das Kaisertum durch eine Verkettung von zahllosen persönlichen und sachlichen Umständen am Ausgang bes Mittelalters geschlagen mar unb an Bebeutung für bas beutfche Volk gewaltig verloren hatte. Das Leben ber Deutschen mürbe in ber Zeit Philipps schon viel mehr durch die Einzelstaaten, die Territorien, als durch die Zentralgewalt bestimmt. Kulturaufgaben konnten vom Reiche fast gar nicht wahrgenommen werden, nicht einmal den inneren Frieden, die Grundlage jeder höheren Kultur, konnte bas Reich fchlrmen. Es war bie Pflicht der felbftänbig gewordenen Territorien, hier unb in anberen Dingen einzutreten. Die Zukunft Dmtfch- lanbs hing davon ab, ob die Einzellänber dazu im» stände waren und ob sich aus ihrer Mitte eine neue zusammensassende Gewalt an Stelle ber Kaifermacht erhob. Es war das zwar eine Entwicklung ber fernen Zukunft, aber wir werden gleich sehen, wie Philipps Tätigkeit auch jür sie von Wichtigkeit gewesen ist. Zunächst hat Philipp das Seinige getan, um fein Land für die neuen staatlichen Aufgaben tüchtig zu machen: er hat verhindert, daß die verschiedenen, erst fo kurze Zeit unter dem Zepter des hessischen Fürstenhauses vereinigten Lande durch lokalen und standiscyen Eyoismus auseinanberge- rissen würben, er hat sie vielmehr durch zahlreiche Neuerungen in Recht, Verwaltung unb Wirtschaft fest zusammengesaht unb Hessen ohne Zweifel zu einem ber am besten regierten beutscken ßänber erhoben. Aber vor allem ist es ihm zu danken, daß die deutschen Territorien, aus denen die deutsche Entwicklung nun einmal beruhte, sich zu behaupten und zu kräftigen vermochten. Der um vier Jahre ältere Zeitgenosse Philipps, Kaiser Karl V., suchte, gestützt auf eine große yausmacht innerhalb unb außerhalb Deutschlanbs, das Kaisertum im alten Glanze unb seine lieber- macht über die Fürsten wieberherzustellen, freilich nicht aus Liebe zum deutschen Volke. Die Ideen, bie Ihn erfüllten, waren nicht beutsch, sondern universal. Als Herr Spaniens, deutscher, italienischer unb französischer Länder träumte er von einem Weltreiche, in dem Deutschland nur ein Glied war, und dessen Politik daher nicht burch die Sorge für DHHmmcoeMemeseueseMteeocm ___Achtung I Die Universalseife „Praktikus“ in der Tube! Ein vortreffliches Mittel für Haar- u. Körperpflege! Verlangen Sie nur Praktikus! Ein Versuch überzeugt! Als zweite Neuheit empfehlen wir: Cla,ro die Scheibenpaste, verhindert jedes Beschlagen und Trübwerden von Glasscheiben, speziell Auto-, Trambahn-, Schaufensfer- und Lokomotivscheiben. 07297 Generalvertreter für Gießen und Umg.: J. Dörner, Ludwig- straße 31. 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(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) hielt Nach Schlich der Sitzung wurde ein K 0 m sitzende bte Reichslandbundes, Graf Kalck -- r e u t h ihre Stellung zur gegenwärtigen Wirtschaftslage und zum Wirtschaftsmanifest. Minister lot Wirt- Europa genug gelitten haben, fein öffnen und das Gefängnis feiner fchaftsfchranken verlassen? fangs dieses Jahres im Hebergang aus der Krise in dem Stadium der wirtschaftlichen Depression. Die Erscheinungen des akuten Absturzes sind Erscheinungen eines stationären Zustandes gewichen, der für beide Teile der Wirtschaft an sich zunächst in seinen Wirkungen grobe Aehn- lichkeit mit dem Zustand der Krise hat. Die Zahl der Arbeitslosen blieb in Deutschland monatelang dieselbe. Erst in den letzten wie Mussolini fein Volk zur Unterbindung der übermäßigen Weizeneinfuhr auffordert, so muffen mir unser Volk zu einem großen Feldzug der Arbeit führen. Voraussetzung für diesen Feldzug sei die Sicherung der Rentabilität der Landwirtschaft, da die größten Arbeitsmöglich- kelten in der Intensivierung derselben lägen. am 15? August abgeschlossenen Handelsabkommen zu verhandeln. Dieser Nachtrag ist besonders dazu bestimmt, das Zollregime für die zwischen Deutschland und dem Saargebiet im Rahmen des internationalen Stahlkartells und der zusätzlichen Privatabkommen, über die gegenwärtig verhandelt wird, ausgetauschten metallurgischen Produfte zu regeln. ch a f t im Wege der Intensivierung komme ür den Wiederaufbau der Wirtschaft in Frage. Dies a. D. Schiele führte in seinem Referat über die wirtschaftspolitische Lage und die deutsche Landwirtschaft u. a. aus, daß die deutsche Politik sich gegenwärftg zu stark nach außen hm richte. Die Zusammenhänge zwischen der Politik von Thorry und dem Dawesabkommen, dem Transfersystem und damit auch unserer Wahrung seien zu ernster Natur, als, daß sie nicht eine allersorgfältigste Prüfung verlangten. Die unter allen Umständen zu erstrebende Gesamt- lösung der Reparationsfragen dürfe nicht durch eine lediglich den Interessen Frankreichs dienende Teillösung gefährdet werden. Die an Deutschland gegebenen Auslandskredite erweckten fälschlich den Anschein, als ob mit ihrer Hilfe das Traiisfersystem durchführbar wäre. Tatsächlich ginge aber durch sie eine immer stärkere 11 e b e r frem du ng unserer Wirtschaft nur mit sich selbst tätigen. De Wirtschaftsblüte in Amerika sei zurückzu- führen auf die stabile Währung und auf das Fehlen jeder inneren Schranken, während Europa ausgeteilt sei in 28 Gebiete, die zum Teil vosn der Inflation zerfetzt seien. Der Bericht beschäftigt sich alsdann mit der Lage in Griechenland, in Frankreich, in Italien und in Belgien und geht schließlich auf Deutschland über. Aus der der Internationalen Handelskammer zugegangenen interessanten Darstellung des Gesundungsprozesses nach der Inflation ergebe sich, daß der Kranke leide, aber daß es ihm besser gehe. Der englische Kohlenstreik habe einigen Geschäftszweigen in Deutschland Belebung gebracht. Kohlen und Eisen waren gut beschäftigt. aber es ist nicht genug Arbeitsgelegenheit vorhanden. es ist nicht genug Arbeitsgelegenheit vorhanden. sind. Der Kohlenpreis ist auf dem Weltmarkt unter die Gestehungskosten herab- gedrückt worden durch eine Konkurrenz, die nur durch die Inflation möglich war. Sir Allan Anderson schloß mit folgender Konklusion: Wir sehen aus diesen Berichten zwei große Gebiete diesseits und jenseits des Ozeans einander gegenüberstehen. Rach Größe, Bevölkerung, Produktionsfläche und Klima, nach Unternehmungsgeist und Betriebsamkeit hat keines von beiden Anlaß, aus das andere neidisch z» sein. Das eine Hot stabile Währung und keine inneren wirtschaftlichen Schranken, das andere hat viele Währungen, die nicht alle stabil sind und 28 Zollschranken, die immer weiter wachsen, während die bestellten Artikel in Arbeit sind, welches dieser beiden Gebiete kann gedeihen? Welches gedeiht tatsächlich? Ich las einmal die Geschichte eines Mannes, der in einem sinsleren Keller und dort ohne Wasser und Brot gehalten wurde. Durch seine Qual angetrieben, sprengte er die Kellertür aus und trat hinaus. Wann, frage ich mich, wird UNlMk' währleisten. Das deulsch-franzöfischeHandels- abkommen. Paris, 20. Oft. (WD.) Wie Havas berichtet, ist Ministerialdirektor Serruhs vom Handelsministerium in Begleitung des franzosl- schen Konsuls A r u a l als Vertreter des Außen- Ministeriums nach Berlin abgereist, um mit der deutschen Regierung über einen N a 4 trag zu dem zwischen Deutschland und Frankreich Deutschlands Entwaffnung Die Forderung der Botfchaftcrkonfcreuz. Paris, 20. Oft. (havas.) Die Votschafterkonfe- renz nahm eine Anzahl von Berichten über die Entwaffnung Deutschlands zur Kenntnis. In den Berichten handelt es sich um gewisse Punkte, in denen die Kontrollkommission weiterhin der Ansicht sei, daß sie noch nicht von der deutschen Regierung Genugtuung erhalten habe. Es handelt sich insbesondere um die Organisation des Oberkommandos, um die Fabrikation und um den Export von Kriegsmaterial, die Organisation der Polizei, die Veräußerung gewisser militärischer Gebäude, die B e f e st i g u n g von Königsberg sowie um die sog. Sport- verbände, die militärische Ziele verfolgten. Erst, wenn die Kontrollkommission der Botschafterkonserenz mitgekeilt haben werde, daß sie Genugtuung in allen diesen Punkten erhalten habe, werde die Botschafterkonserenz den Völkerbund ersuchen können, die Aufgabe der Militärkontrolle in Deutschland zu übernehmen. 3m übrigen wird betont, daß nach französischer Auffassung seit dem Abgang des Generals v. Seeckt eine Erleichterung in den Verhandlungen eingetreten fei. Die Frage der Teilnahme des Sohnes des Kronprinzen an den deutschen Manövern sei noch nicht abschließend behandelt worden. Die Frage einer Neuregelung der polnisch - litauischen Grenze, die aus Wunsch Litauens der Botschaf- terkopferen; zur Beratung vorlag, kam auch zur Sprache. Wie verlautet, soll der Standpunkt der Botschafterkonferenz ein ablehnender sein. Es wird darauf verwiesen, daß Litauen das Abkommen vom November 1922 anerkannt habe und demselben von England, Italien, Frankreich und Japan zugestlmmt wurde, daß daher andern statas q u o nichts zu ändern sei. Raum s WerkMi ob aaer, 'Me d- ten, ■ 1 denz gezeigt, so daß die Zahl derjenigen, die - Arbeitslosenunterstützung erhalten und die im haben Ianuar-Februar mehr als zwei Millionen be» jKuiei zuuiuyiiie trug, Ende August auf 1,55 Millionen zu rück- Diese ist aber dafür gegangen ist. Trotz dieser rückläufigen ^en- ..... 1 1 denz beträgt die Zahl der Arbeitslosen und der w AL. bsirv 30 gi Marlen °-50 an und ls Mk. 0.25 chA *• Telephon 1257, Das hessische Volksbegehren im Landtag. (Don unserer Darmstädter Redaktion.) D a r m st a d t, 20. Oft. Heute vormittag trat der Hessische Landtag zusammen, um über das Volksbegehren auf Auflösung des Landtags Beschluß zu fassen Das Volksbegehren steht als erster Punkt auf der heutigen Tagesordnung. Außerdem enthält diese noch 50 Beratungsgegenstände, so daß mehrere Sitzungen zur Erledigung der Tagesordnung erforderlich sein werden. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um IQi j plhr. Abg. Heinstadt verliest eine Anftage über die Tätigkeit der Deutschen Dau- und Siedlungsgemeinschaft (Sih in Darmstadt): die Anfrage besteht in einer Reihe von) Cinzelfragen über das Geschäftsgebahren der Gesellschaft. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft verliest hierzu eine Erklärung, die gegenüber dem Unternehmen zur Vorsicht mahnt. Der Minister unterstreicht diese Mahnung bei der Verlesung seiner Antwort. Abg. Widmann fragt wegen der Aufwertung von Sparkas sengut habeni an. Ministerialdirektor Spanier erwidert darauf, daß die Destimmunegn über diese Aufwertung demnächst bekanntgegeben werden. Cs wird hierauf in die Tagesordnung eingetreten und das Volksbegehren auf Auflösung des Landtags beraten. Abg. Kaul (Soz.) gibt als Berichterstatter einen ausführlichen Bericht über den bisherigen Verlauf der Beratungen innerhalb des Landesabstimmungsausschusses und des Gesetzgebungsausschusses (worüber bereite in der Presse arte» sührlich berichtet worden ist). Er verteidigt u. a. die Regierungsparteien gegen den Vorwurf der Verschleppung und bezieht sich int wesentlichen auf den Bericht des Landesabstimmungsleiters, namentlich in bezug auf das Zahlenmaterial. Es gelte zu entscheiden, so meinte der Redner, ob den gesetzlichen Erfordernissen deSVolksbegehrens Genüge geschehen fei, oder ob nicht wegen der großen Zahl von ungültigen Stimmen mancherlei Art das Volksbegehren abzulehnen sei. Zum Schluß seiner Darlegungen teilt der Redner den Beschluß des Ausschusses mit, daß den gesetzlichen Erfordernissen des Volksbegehrens Genüge geschehen sei. Dieser Beschluß wird zur Annahme empfohlen. Qlbg. Widmann (Soz.) bezeichnet dieses Volksbegehren als eine Verfälschung des Volks- Willens (Lebhafter Widerspruch rechts). Er wendet sich gegen die Llniversitätsprosessoren als Sachverständige. Wenn die Sozialdemokratie ein Begehren in dieser Form vor den Landtag gebracht hätte, so wäre dieses, bei anderer Zusammensetzung des Landtags, wohl abgelehnt worden. Der Redner beschäftigt sich längere Zeit mit den Unregelmäßigkeiten in den Listen, insbesondere mit den Doppeleintragungen, die eigentlich straftechtlich verfolgt werden mühten, was leider nicht geschehe. Weiter wendet sich der Redner gegen den Wirtschafts- und Ordnungsblock. Es kommt bei dieser Gelegenheit zu lebhaften Zwischenrufen. Eine Redeblüte „Honig aus dem Staub getaugt" erregt im ganzen Hause Heiteickeit. Die Schlußworte, die sich gegen den Wirtschafts- und Ordnungsblock richten, entfesselten lebhaften Beifall uni) Gegenftrndgebun- gen. Der Präsident bittet wiederholt um mehr Ruhe. Abg. Reiber (Dem.) erklärt im Namen seiner Fraktion, daß sie dem Beschluß des Ausschusses ihre Zustimmung erteile, damit erkenne sie aber nicht die Methoden an, wie das Volksbegehren zustande kam. Früher hätten die Landtagsperioden nicht lang genug jein können, jetzt dauerten sie den Parteien des Wirtschafts- und Ordnungsblocks schon mit drei Jahren zu lange. Der Redner meint u. a., die Verbreiterung der Regierungskoalition, wie sie von dem Abg. Dingeldei; erstrebt werde, könne durch das Volksbegehren nicht erreicht werden. (Leb- n.’llti 'Msi. w munique ausgegeben, in dem erklärt wird, daß Beschlüsse von sehr großer Bedeutung für das Kapital, die Arbeit und die einzelnen Interessenten einstimmig vom Ausschuß für Han- delshindernissc und dem Verwaltungsrat der Internationalen Handelskammer gefaßt worden seien. Diese Beschlüsse seien in einem Bericht zusammengefaßt, der von Sir Arthur Balfour der Internationalen Wirtschaftkonferenz des Völkerbundes unterbreitet werden würde. Die Beschlüsse legten die Heilmittel dar, die in den Augen der Geschäftswelt notwendig seien, wenn man einen wahren wirtschaftlichen Umsturz vermeiden wolle. Es wird gefordert, daß die obligatorische Visierung der Pässe abgeschafft wird, da sie die Reisen der Industriellen und Kaufleute behindere und die unsichtbare Ausfuhr verhindere, indem sie den Touristenverkehr beschränke. Die Ausländer müßten überall die gleichen Rechte haben, wie die Bürger der betreffenden Nation, vollkommene Bewegungsfreiheit, Wohnrecht und die Möglichkeit, sich niederzulassen. Man fordert für die Eisenbahn die Standardisierung des rollenden Materials, die allgemeine Annahme des 24-Stunden- Tages, Vereinfachung und Vereinheitlichung des Reglements und der Formalitäten. Der Ausschuß für Handelsbeschränkungen fordert die Freiheit des Handels mit R 0 hst 0 ffen. Man soll frei Rohstoffe kaufen können, ohne besondere Abgaben zu zahlen und ohne Ausfuhrzölle imb Beschränkungen für die Ausfuhr. Dagegen müßte den Rohstoffe einführenden Ländern eine Meistbegünstigung und vergünstigte Zolltarife den Waren derjenigen Länder gewährt werden, die Rohstoffe ansführten und ebenso den Waren, die aus diesen Rohstoffen hergestellt würden. Die Äunögebung betont weiter den Emst der Lage, der geschaffen wird, durch die Zahl und Höhe der Zollgrenzen, die soviele Länder umgeben und die eine ernste Beeinträchtigung des intemationalen Handels bedeuten. Weiter wird der Z o 11 ad v a Io r em verurteilt, der schwierig zu bewerten sei und dessen heikle Konzessionen und Vorrechte für gewisse Länder zu Praktiken führt, deren Wirkung die ist, bis ins Unendliche die legalen Zollsätze zu erhöhen. Paris, 20. Olt. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Sitzung des Verwaltunasrats der I n - ternationalen Handelskammer hielt der geschästsführende Vorsitzende Sir Allan Anderson eine Rede, in der er den Rechenschaftsbericht aus den Mitteilungen der einzelnen Ländergruppen erstattete. Er erklärte, er nehme für den Handelsverkehr unter den Völkern in Anspruch, daß er der herrschende Faktor ist, das Los der Menschheit zu bes'ern und nicht verdiene, ausgesperrt zu werden, wie er das heute ist. Das erste aller Handelshindernisse ist das Fehlen eines stabilen Zahlungsmittels und das nächst Bedeutungsvollste ist die Rivalität der Staaten untereinander, die die Wie- IMitt LllatzrLr.A Haltungigegel. M Herdtetlen, '-ufenfler, ®fn, >• Instrumenten Kntz'Portieren- MV llanbtohteiobn, ‘ isthre, lud» joiott Stellung als Kutscher 6. ttMtttt !u erst in der Äc- M'Mellr d. M Geigers. |072 5 End. Mädchen flotten burttouß ihren, baß Itton besserem HMe im w. W LtUuuft k ubw, iti) Mi Stobtvn. M Aimb. unirr iMa.d.G.Aincrb. Mädchen 18 Jahre, sucht stellt, uw er sich iud) noch elmaS Im lochen ausbllden am Schnitl. Hn- leboie unter w» 1 d. erb. Verschieden^ ..................... MM Wlli« werd, iachgemab u, prctSroeti gestimmt u. revar. MS MUMM! rcleolM M \ Inianlflbr.filn» SS» ® erlin , 21 Oft. Die Mitteilungen der „Boss. 3tg." aus dem Referentenentwurf eines Ausfüh- rungsgejetzes zum Artikel 48 der Reichsverfassung haben in Berliner politischen Kreisen beträchtliches Aufsehen erregt. In Regierungskreisen scheint man sogar einigermaßen bestiirzt zu sein und hat m aller Erle dann sich bemüht, von der Veröffentlichung der ,.Bosf. 3tg." vernehmlich abzurücken. Die Sachlage ist folgende: Der Artikel 48 der Re.chsver- fajfung ermächtigt den Reichspräsidenten zu besonderen Maßnahmen zur Siche- rnng ober Wiederher st ellung der öffentlichen Ordnung im Reiche^ erforder- tichen Falles mit Hilfe der bewaffneten Macht. Eine Reihe von Verfassungsbestimmungen darf der Reichspräsident zu diesem Zwecke, soweit es ihm notwendig erscheint, außer Kraft setze n.^Auch den Ländern gegenüber hat er in besonderen Hätten ähnliche Machtbefugnisse. Eingeschränkt sind diese Verfassungsbeftimmungen nur durch die Verpflichtung des Reichspräsidenten, dem Reichstag von feinen Maßnahmen unverzüglich Kenntnis zu geben. Auf Verlangen des Reichstages find die getroffenen Maßnahmen außer Kraft zu fetzen. Das nähere zu bestimmen, ist in der Verfassung einem besonderen Reichsgesetz vorbehalten geblieben. Der Reichsinnenrnrnister Dr. Külz hat sich nun seit dem Frühjahr d. I. bald nach seinem Amtsantritt mit diesem delikaten Problem der Diktaturgewalt des Reichspräsidenten beschäftigt und, mehr als sieben Jahre seit den Tagen von Weimar, in seinem Ministerium einen sog. Referenten - lichen politischen Zündstoff in sich birgt, dessen der, soviel'war bereits bekannt geworden, demnächst dem Reichskabinett zugehen sollte. Der Inhalt dieses , - - - ... Entwurfes, sofern man die Mitteilungen der „Voss. Wahrend des »werten ^ach^es der WrrksanÄert Ztq." als im wesentlichen richtig annehmen will, des DawesplaneS, Oluguft 1926 endete, bißet bereits heute in der Oeffentlidjfeit den Gegen- habe Deutschland 1176 Millionen Mark an den stand lebhaftester Kritik. Besonders sozialdemokra- Reparationsagenten bezahlt davon 455 MiUio- tische Kreise stehen dabei an der Spitze. In ein- nen (35 Prozent) m fremder Wahrung. Dieses idnen Punkten des Entwurfes sicht man nämlich Bartransfer war nur möglich durch den, Z u- ein erhebliches Hinausgehen über die Bestimmnn- farninen ström von auslandi sch en K re- gen des Artikels 48 der Reichsverfassung. So enthält d it en. Die Wirtschaftslage befand sich ^n» > B. der § 8 den Passus, daß das Verlangen des 1 mtä her Reichstages auf Außerkraftsetzung einer auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfasfung getroffenen Maßnahme nur hinsichtlich der allgemeinen Anordnungen als zulässig angesehen und eine Aufhebung mit rückwirkender Kraft überhaupt ausgeschlossen wird. Dabei wird nicht gesagt, welche Anordnungen etwa unter die „allgemeinen" fallen. Der Konftiktsstoff liegt aber nun weniger darin, , ------- __ bah an dem Entwurf in der linksgerichteten Presse Monaten haben sich Zeichen einer surl-enden —en- b es anders scharfe Kritik aeübt wird, sondern ist vor 1 ?v>rr e - zur Intensivierung der ^nndtvirtschaft. sjtzes führe. Für den deutschen Konsumenten Halle 20. Ott. (2.11) Auf der Tagung würde also nichts erreicht werden, weil dieser dann des Landbundes der Provinz Sachsen präzisierten restlos von der vertrusteten internatio- Reichsminister^a. D. Schiele und der Vor- | n a ( c n Ernährungsprobuktion a b - hängen würde. Einzig die Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirt- hafter Beifall linfsj Abg. Galm (Komm.) stellt Betrachtungen an über die Parteikonstellation im Reich und in Preußen; es ergebe sich daraus, daß die Koalitionsparteien nur ihre Absicht im Parlament verschleiern, später mit der Opposition über den Eintritt in die Regierung zu verhandeln. Die kommunistische Fraktion werde für bie Auflösung des Landtags stimmen. Der Redner verliest hierzu eine längere Erklärung, in der diese Beschlußfassung begründet wird. Abg. Dingeldey (D. Dp.) führt etwa aus; Der Abg. Widmann hat von den Verhandlungen des Landesabstimmungsausschusses als von einer Tragödie gesprochen; es fehlt aber noch der Schlußakt. Ich muß das Verfahren des Lanbesabftim- mungsausfchusses als eine Satire bezeichnen auf das, was der Gesetzgeber gewollt hat. Der wesentlichste Punkt, daß genügendUnterschris- ten für das Volksbegehren vorhanden find, war für jeden, der sich nicht die Ohren verstopft hak, längst bekannt. Selbst bei der allerböswilligsten Auslegung hätte die Zahl der Unterschriften genügt; was will dagegen sagen, daß monatelang „geschnüffelt" wurde, um Unredlichkeiten ober Fälschungen festzustellen. Die Behauptung des Aba. Kaul, daß eine große Zahl von Unterschriften nicht eigenhändig ist, hat sich bei näherer Prüfung bereits als falsch erwiesen. Wenn man einmal das Sammlungssystem der Unterschriften hat, muß man fehlerhafte Unterschriften mit in Kauf nehmen. Bei dem Volksbegehren über die Fürstenabfindung sind in den Listen auf den Bürgermeistereien viele Unregelmäßigkeiten vorgekommen. Die Demokraten mußten sich bei der Prüfung des hessischen Volksbegehrens von dem demokratischen Staatsrechtslehrer Anschütz-Heidelberg in einem Gutachten sagen lassen, daß man den Volkswillen in weitestem Sinne anerkennen müsse und ihm keine bureaukrati scheu Fesseln auferlegen dürfe Die sozialdemokratische Presse hat es so hingestellt, als seien vom Wirtschafts- und Ordnungsblock Fälschungen geduldet oder mit dessen Wissen durchgeführt worden. Wenn Fälschungen vorgekommen sind, so treffen sie nicht die Parteien, die das Dolksoegehren eingeleitet haben; eher sind Provokateure In den Reihen der Gegner zu suchen. Der Kernpunkt ist und bleibt, daß eine g e • , nügenbe Anzahl von Bürgern ihren Willen ausgesprochen hat; den polemischen Ausführungen ber Vorreoner werden wir nicht folgen. Es ist eine Phantasie des Reichstagsabgeordneten Ko« 1 rell, wenn er im Berliner Tageblatt behauptet, Dr, > Strefemann habe mir Ratschläge wegen der hessischen Politik zukommen lasten. Es ist das ein ei jedoch nicht als Wunsch bevorzugter Behandlung aufzufassen, sondern dadurch bedingt, daß die Landwirtschaft ihre nationale Aufgabe zu erfüllen wünsche, nämlich die Ernährung des deutschen Volkes auf eigenem Boden zu ge- glattes Märchen, eine Erfindung, die ich mit allem Nachdruck zurückweise. Zu dem Vorwurf eines Vorredners, daß hohe Staatsbeamte Urkundenfälschungen begangen hätten, hat die Regierung geschwiegen; sie sollte einen solchen Vorwurf zurückweisen. Dazu möchte ist noch feststellen, daß von einer Urkundenfälschung überhaupt nicht gesprochen werden kann. Die Beschwerden stammen aus den Bürgermeistereien Michelstadt, Bieber und Erzhausen; es ist merkwürdig, daß deren Bürgermeister alle Sozialdemokraten sind, aus anderen Gemeinden liegen keine Beschwerden vor. Wir haben nicht die Auflösung des Landtags, vor allem nicht in dieser komplizierten Weise gewünscht, sondern Ihnen (zur Linken gewendet) Öfters Gelegenheit gegeben, eine Aenderung der politischen Zustände in Hessen herbeizuführen, was aber immer abgelehnt wurde und so blieb kein anderer Weg übrig. Zn einem Artikel des .„Hessischen Volksfreund" wird unter Hinweis auf das eng'.tfche Beispiel lebhaft für eins Auflösung des Reichstags Stimmung gemacht; es wäre gut, wenn man nud) einmal einige Brosamen für die hessische Landespolitik in dieser Weise übrig hätte. Die ^rnge, ob man denen, denen man eine hohe Steuerlast auferlegt habe, noch ein weiteres Jahr die Steuern zu tragen, zumuten darf, wird von uns verneint Wir verlangen ebenfalls gewisse Entschädigungen vom Reiche aber wir verlangen vorher eine Bereinigung der hessischen Finanzen. Lassen Sie (zur Linken gewendet) die Kleinigkeiten mit den Unterschriften, damit kommen Sie aus den Schwierigkeiten der hessischen Politik nicht heraus. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Glaser (Bbd.) bemerkt, daß die Landbevölkerung ganz genau wisse, weshalb das Volksbegehren unternommen werde. Die Schuld an den fehlerhaften Unterschriften liege an der Regierung, die es abgelehnt habe, 21 u s f ü b r u n g s b *e ft immun g e n zu erlassen. Die meisten der unzulänglichen Unterschriften seien auf Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen zurückzuführen. Der Hauptgrund für das Verlangen nach dem Volksbegehren fei eine Herabsetzung der Staatsaus- gaben und eine Milderung des Steuerdrucks zu erreichen. (Beifall rechts.) Abg. Heinftadt (Zentr.) ist der Meinung, daß das starke Betonen des erfolgreichen Ausgangs der künftigen Volksabstimmung durch die Parteien der Rechten nur die Furcht vor dem anderen Ausgang verberge; es sei dies mit der Methode Coue zu vergleichen. Der Vorwurf der Verschleppung des Begehrens fei zurückzuweisen; durch eine Reihe von Umständen konnte die Prüfung der Listen nicht früher beendigt werden. Schuld an der politischen äln- ruhe in Hessen hat nur der Wirtschafts-- und Ordnungsblock. Ohne Zentrum ist an ein Gelingen der Volksabstimmung im Sinne der Rechtsparteien nicht zu denken. 3n längeren Ausführungen setzt sich der Redner mit einem Bericht über eine Rede des Abgeordneten Kindt gegen das Zentrum auseinander. Das Zentrum werde dem Ausschuhcmtrag zustimmen. Abg. Kindt (Dn.) stellt richtig, was er in der erwähnten Rede gesagt hat. Das Zentrum werde viele Anhänger verlieren, wenn es weiter so mit der Sozialdemokratie zusammengehe. Die Behauptung, daß der Wirtschaftsund Ordnungsblock schuld an der Erregung in Hessen sei, stelle die Dinge aus den Kopf; oft genug hätten die Rechtsparteien der Linien Gelegenheit gegeben zur AeiDerung der Zustände, aber man habe schließlich den Wirtschafts» und Ordnungsblock gezwungen, das Volksbegehren einzuleiten. Wenn einmal ein „Toter" sich in eine Liste eingetragen habe, so glauben Sie (zur Linken gewendet) doch selbst nicht, daß das ein Anhänger des Wirtschafts- und Ordnungsblocks war. Der Redner fragt an, ob im Bureau des Landeswahlleiters Listen mit den Ramen der Beamten angefertigt worden sind, die sich in die Listen für das Volksbegehren eingetragen haben? Daß über Hessen di e Geschäftsaufsicht verhängt wurde, wäre der beste Beweis für die vollständige Llnfähigkeit der Koalitionsparteien. die hessischen Finanzen zu verwalten. (Lebhafter Beifall rechts.) Ahn 1.30 Llhr werden . die Beratungen abgebrochen; nächste Sitzung Donnerstag 9 Llhr. I -------- r Der Stapellauf der „Neuyork". Die Taufrede Bürgermeisters Petersens. Hamburg, 20. Oft. (TTl.) Zu dem heutigen Stapellauf des neuen Hapagdampfers „Reuyork" hatte sowohl die Reederei als auch die Bauwerft „Blohm & Voß" zahlreiche Einladungen ergehen lassen. Der Hamburger Senat mit dem ^Bürgermeister Dr. Petersen an der Spitze war fast vollzählig erschienen, ferner Mitglieder der Bürgerschaft und eine Anzahl führender Persönlichkeiten des Hamburger Wirtschaftslebens. Von den St. Pauli-Landungsbrücken hatten zahlreiche Dampfer und Barkassen viele Schaulustige Nach der Werft gebracht. Punkt 4 Llhr betrat Bürgermeister Dr. Petersen in Begleitur^ von Geheimrat Cuno und der Gattin des Bürgermeisters wo n Reu York, Mrs. Walker, die mit Tannenreisern und Flaggen geschmückte Taufkanzel und hielt die Taufrede, in der er u. a. ausführte: Der Dürgermeister von Reuyork, Herr John Walker, hat mich gebeten. für ihn dem stolzen Schiffe, das wir in dieser Stunde seinem Element übergeben, die Taufrede zu halten. Wir begrüßen mit Herzlichkeit und Dankbarkeit seine Gemahlin, die über den Ozean gefahren ist, um die Taufe des neuen Schiffes unserer Hamburg-Amerika-Linie persönlich' zu vollziehen. Der Bürgermeister von Hamburg steht also hier für den Bürgermeister von Reuyork. Lassen Sie uns darin nicht nur einen Ausdruck persönlicher Kollegialität, sondern der inneren Verbundenheit von Reuyott und Hamburg im Zeichen der Weltwirt- schäft und des Weltverkehrs sehen. Der Idee des Friedens diene auch dieses Schiff, das eine weitere Derbindungsbrücke über den Ozean schlagen soll. Wir Deutschen glauben daran, daß atie und neue Welt sich finden werden im Dienste des Menschheits gedcmkens. Lassen Sie uns aus der Kraft solchen Glaubens diesem Schiff, das ein Symbol der Einheit der alten und neuen Welt ist, die Weihe geben und dem Geist jener Zeit huldigen, in der diese Sehnsucht erfüllt fein wird. Ich danke namens des Bürgermeisters von Reuyork allen denen, die dieses Werk ermöglichten. Ich danke Ihnen namens Hamburgs und hoffe von ganzem Herzen, daß dieses gemeinsame Werk der Kopfe und Hände helfen möge, die Rot zu lindern, die schwer auf unserem | Volke liegt, daß es neue Arbeit schaffen möge, i denn, unser Voll schreit nach Arbeit. Wenn du hineinrauscht in dein Element, wollen wir d i e Stadt grüßen, von deren Hafen das majestätische Sinnbild der Freiheit winlt, wollen wir uns freudigen Herzens zu der Mission bekennen, der du zu dienen bestimmt bist, der Mission, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen der alten und neuen Welt zu festigen und zu stärken, wollen wir dem Gelöbnis, durch die Arbeit unseres Lebens das gleiche Ziel zu erstreben, Ausdruck geben mit dem Rufe: „Die Idee des Friedens, des Rechts und der Freiheit, die das Fundament aller Menschheitskultur ist, hoch, hoch, hoch!" Mit den Worten: „Ich taufe dich auf den Ramen „R e w Q) d r f‘ zerschmetterte sodann Mist.' Waller die Flasche an dem nächsten Bug des Schiffes, worauf nach lautloser Stille unter Hochrufen der Anwesenden das Schiff stolz und sicher in sein Element glitt. Reichsminifter Dr. Külz zur inneren Politik. Der Finanzausgleich und die Länder. Dresden, 20. Oft. (WTB.) 3n einer demokratischen Wahlversammlung süytte Reichsfinanzminister Dr. Külz u. a. folgendes aus: Soweit man blicken könne, mache sich überall ein, starker Drang zur Zusammenfassung der politischen Kräfte bemerkbar. Der Sammlungsruf Gayl—Jarres, der Wirthfche Ruf nach der Republikanischen Union, seien Symptome solcher Entwicklung. Welche greifbaren Resultate sich jus den verschiedenen Sammlungsrufen ergeben werden, steht dahin; nur das eine steht fest: Je stärker und weit ausgreifender die Zusammenfassung der politischen Energien in den Einzelftaaten und dein Reiche ist, um so schneller und gründlicher wird positive und praktische Arbeit der Regierungen und Parlamente erreicht. Jede Unterstützung, ob sie von rechts oder links komme, sei gleich wertvoll. Das Wort: Niemals mit der Sozialdemokratie! sei für einen Angehörigen der Mittelpaneien ebenso töricht, wie das Wort: Niemals mit den Deutsch- nationalen! Die Frage der Staatsform soll man aus den Debatten ausscha11en; sie ist gelöst, vielleicht nicht überall, durch Vertiefung des subjektiven republikanischen Glaubens, sondern auch durch die „verstandesmäßige Einsicht 'n die unerschütterlich gewordene objektive Macht der Republik"!. Im Verhältnis zwischen Reich und Länder sei für die nächste Zeit das Zentralproblem der Finanzausgleich. Ohne Einschränkung und Vereinfachung sei eine dauernde Gesundung der öffentlichen Finanzen nicht möglich. Die Finanzpolitik des Reiches und der Länder müsse die berechtigten Bedürfnisse der Wirtschaft berücksichtigen. Im Weltwirtschaftsverkehr vollziehen sich starke Wandlungen zum Besseren. Die Erkenntnis wächst, daß über den von einem politischen Kurzblick aufgerichteten Grenzen hinaus die Win- schaft sich die Hand zu gemeinsamer Ordnung der Produktion und des Absatzes reichen müsse. Nach wie vor werde unsere ganze Entwicklung außenpolitisch bedingt. Es gilt jetzt, die Rechte der Deutschland gegenüber betriebenen Gewaltpolitik zu beseitigen. Das Ziel aller deutschen Außenpolitik sei nach wie vor die Befreiung Deutschlands und die Befriedung Europas. Das Kabinett Seipel. Das Regierungsprogramm. Wien, 20. Ott. (WTB.) Der Hauptausschuß des Ratwnalrates erflärte sich mit der Von Dr. Seipel Vorgeschlagenen M i n i st e r l i st e in der von uns gemeldeten Form einverstanden. Der Rationalrat genehmigte darauf die Lifte in namentlicher Abstimmung mit 91 gegen 59 Stimmen. Bundeskanzler Dr. Seipel unterbreitete dann das Programm seiner Regierung. Er wies zunächst darauf hin, daß die K v n t i n u i t ä t in den Regcerungen seit seiner ersten Wahl zum Bundeskanzler sowohl durch die Personen als auch durch die unverändert gleichgebliebeiren Grundsätze gewährleistet fei. Ein älnterschied bestehe nur in der verschiedenen Anwendung dieser Grundsätze. „Auf außenpolitischem Gebiete", erklärte Dr. Seipel, „bleiben die von den bisherigen Regierungen eingehaltenen Grundsätze unverändert bestehen." In den letzten Jahren habe niemand so viel Mühe darauf verwendet, zu sagen, wieviel Oesterreich mit dein großen Brudervolke, dem Deutschen Reich, verbindet, als er. In dieser Aufklärungsarbeit wolle er auch als Bundeskanzler nicht ermüden. „Wir sind überzeugt", so fuhr Dr. Seipel fort, „daß der in diesem Jahre erfolgte Eintritt des Deutschen Reiches in den Völkerbund uns die Möglichkeit bietet, mit dem großen Bruderreiche auch im Völkerbund zusammen zuarbeite n." Heber die inner- politischen Absichten der Regierung sagte der Bundeskanzler, die Regierung werde sich unentwegt an drei Grundsätzen halten: Wahrung des Gleichgewichts im Staatshaushalt, Vermeidung jedes Defizits in den Staatsbetrieben und Verwendung der bereits erzielten und noch zu erhoffenden Erhöhung der Staatsmaßnahmen zur Herabsetzung der Steuerlasten für die in der Wirtschaft tätige Bevölkerung. Die Dominions und die Außenpolitik. Chamberlain auf der britischen Reichskonferenz. London, 20. Okt. (WTB.) Der Staatssekretär des Auswärtigen, Sir Austen Chamberlain, erstattete heute auf der Reichskonfe-- renz einem ausführlichen Bericht über die außenpolitische Lage, wie sie sich feit der letzten Konferenz gestaltet hat. Darauf machte der Ober» fommiffar für Aegypten, Lord Lloyd, Mitteilungen über die Lage in Aegypten Der Präsident des Handelsamtes, Sir Ph. Lloyd- Grearne. berichtete über- die Lage des Welthandels und den Fortschritt des wirtschaftlichen Verkehrs zwischen den Mitgliedern des britischen, Reiches und der Kolonialstaatssekretär Amerh über Kron-Kolonien und Protektorate. Wenn sämtliche Verhandlungen auch vertraulich waren, glaubt der Berliner „Dag" doch initteilen zu können, daß Chamberlain u. a. etwa folgendes ausgeführt habe: Seit der letzten Reichskonferenz habe sich das Bild verändert. Damals habe man sich mit der Besetzung deS Ruhrgebietes und den VcrwiiÄungen. die dadurch drohten, beschäftigt. Jetzt sei der Horizont verhältnismäßig geklart. Coeurno habe einen Wechsel gebracht, aber auch neue Probleme, die zu lösen wären. Allgemein gesprochen läge die Aufgabe der Konferenz darin, die Stellung der Dominions zur Außenpolitik zu bestimmen. Vom Standpunkt der Dominions aus betrachtet liehen sich die Fragen ungefähr so zusammensassen: 1. Welches ist Ihre Stellung in der lieber» nähme der Verpflichtungen aus den Lo - carnoverträgen? 2. Inwieweit ist es möglich, eine gemeinsame Außenpolitik des Reiches zu formulieren? 3. In welcher Art können die Beziehungen der einzelnen Reichsteile untereinander verbessert werden? Zum ersten Punkt habe Ministerpräsident King sich zweifellos den Beschluß des kanadischen Unterhauses zu eigen gemacht, daß, ehe die kanadische Regierung irgendeinen Vertrag annehmen könne, der militärische oder wirtschaftliche Sankttonen mit sich bringe, die Genehmigung des kanadischen Parlamentes eingeholt werden müsse. Zum zweiten Puntte vertrete King die Ansicht, daß die Interessen der Reichsteile so verschiedenartig feien, daß eine feste Theorie für untergeordnete Fragen dec Außenpolitik nicht möglich sei. Er glaube jedoch, daß in allen fundamentalen Fragen, die das ganze Reich berühren, eine engere Z u- sammenarbeit aller Teile eingesührt werden solle. Baldwin habe diese Zusammenarbeit in seinen Ausführungen über die,Flotten erwähnt. Er habe gesagt, es sei möglich, in dem vereinigten Reiche separate Flotten zu haben. Es sei jedoch nicht möglich, separate Flotten zu führen, wenn das Reich nicht eine gemeinsame Außenpolitik treibe, die die Aktionen der Streitkräfte in den verschiedenen Reichsteilen leiste. Baldwin habe hinzugefügt, es sei offensichtlich, daß bei der Orientierung der Außenpolitik die Dominions zu Rate gezogen werden müßten. Er habe erklärt, das Problem sei, wie man die führenden Selbstverwaltungen in der Behandlung der Außenpolitik vereine, damit diese annehmbar für die verschiedenen Regierungen und Parlamente werde. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident empfing den deutschen Gesandten in Warschau, Rauscher und begab sich später zum Besuch des bremischen Senats nach Bremen. Der frühere deutsche Reichskanzler D r. Luther wird für Montag als Ehrengast der argentinischen Nation in Buenos Aires ermattet. Der Reichskunstwart Dr. Redslob hatte eine Besprechung mit einer Anzahl von namhaften Künstlern, die ihm ihre Ansichten zur Frage des Reichsehrenmals vom künstlerischen Standpunkt aus barlegten. Die Saarregierung lehnte in einem Schreiben an den Völkerbund die von der Handelskammer geforderte Wiedereinführung der Reichsmark ab, weil angeblich hierdurch der Vettailler Vertrag geändert werde. Angesichts des Rechtes Frankreichs, Grubenzahlungen in französischem Gelde zu leisten, entstünde ein Währungsdualismus, den die Saarbeoölkerung großenteils ablehne. * Königin Maria von Rumänien, Prinz Ricolas und Prinzessin Jleana machten einen offiziellen Besuch beim Präsidenten Csolid g e. Amerikanische Zeitungen heben die Tatsache hervor, daß Matta die erste Königin sei, die von dem amerikanischen Präsidenten empfangen wurde. Einer der ältesten sozialistischen Führer Amerikas, Eugene Viktor Sebs, ist gestorben. Er hatte als Präsident des Eisenbahneroerbandes zahlreiche große Streiks organisiert und war fünfmal sozialistischer Kandidat für d i e Präsidentschaft der Vereinigten Staaten, das letzte Mal, als er eine zehnjährige Gefängnisstrafe verbüßte, zu der er wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze verurteilt worden war. Das Mitglied des japanischen Oberhauses H i o k i, Japans Delegierter auf der chinesischen Zolltarifkonferenz im Jahre 1925 und der erste japanische Botschafter, der nach dem Kriege in Berlin akkreditiert wurde, ist gestorben. Aus aller Wett. Schnee im Schwarzwald. Freiburg i. Br., 21. Ott. (WTB. Funk- spruch.) Bei bis drei Grad Kälte ist heute nacht im Schwarzwald Schneefall ein getreten bis zu einer Tiefe von etwa 900 Meter herab. Auf dem F e l d b e r g beträgt die Reuschneedecke über 7 Zentimeter. Der Schneefall dauert an. Orkan in Weslindien. Wie das kubanische Konsulat in Miami meldet, sind in Havanna mehr als 150 Wohnhäuser durch einen Orkan beschädigt worden. Die Eommercial Eable Company gibt bekannt, daß die Verbindung mit Havanna durch einen Sturm von orkanartigem Ausmaß unterbrochen fei. Der Orkan, rückt nach Mitteilungen von meteorologischer Seite augenscheinlich gegen die Ostküste von Florida vor, Das amtliche Wetterbüro in Miami teilt mit, daß der Orkan mit verheerender Gewalt über den westlichen Teil der Insel Kuba hinweg- gegangen ist. Der vergrabene Goldschatz. Vor dem erweiletten Schöffengericht Aachen sand der Prozeß toegen des Diebstahls eines von der Firma William Prym G. m. b. H. Stolberg seinerzeit in ihren Waldungen vergrabenen Goldschatzes statt. Die Firma Prym vergrub im Jahre 192 3 deutsche und fremdländische Goldmünzen im Gesamtwette von 1600 000 Matt an verschiedenen Stellen ihres Waldbesitzes bei der Auffenburg. Das Geld war In 80 eigens zu diesem Zwecke angefertigten Zinkkästen verpackt, deren jeder etwa 20 000 Matt enthielt. Ende 1924 begann die Firma mit der allmähligen Ausg rabung der Goldmünze, um sie bei den Danken umzutauschen. Am Vergraben und Ausgraben waren bis Anfang 1925 nur Familieninitglleder beteiligt. Anfang 1925 zog die Firma dann den Privatsekretär des Hauses, den Angeklagten G r i n g s inS Vertrauen und zeigte ihm, wo noch Geld vergraben war. Grings setzte sich hierbei mit dem Förster Schweikert in Verbindung, und dieser hat dann im Verein mit dem Pächter D r ü ckmann nach dein Schatze gegraben, zunächst allerdings erfolglos. Später sand der Pächter dann allein Zinkkästen und Münzen und im Anschluß daran mit Brückmann zusammen noch zwei weitere Kästen an der gleichen Stelle. Der Fund, insgesamt 140 000 Mk., wurde zwischen Frings, Schweikert und Brückmann geteilt. Die Angeklagten waren in der Hauptsache geständig. Der als Zeuge vernommene Fabrikant Franz Prym gab an. aus Furcht vor dem drohenden Bolschewismus das Geld, das die Firma sich aus Holland ver- schaffl hatte, im Jahre 1923 vergraben zu haben, nachdem es bereits ein Jahr lang in den Geldschränken geruht hatte. Cs wurden verurteilt: Frings zu sechs Monaten, Schweikert zu vier Monaten und Brückmann zu drei Monaten Gefängnis. Blutige Familienlra.qödie in einem englischen „ Schloß. In einem Städtchen der Grafschaft West- Burton erschoß der 65jährige Colonel Edward W r a y seine Frau und seinen 21jährigen Sohn, versuchte das Schloß W e st h o l m e. das die Familie bewohnte, in Brand zu setzen und beging 'barm Selbstmord. Man nimmt an. daß der Colonel plötzttch irrsinnig geworden ist. Der neue Stuttgarter Rundfunksender. Seit ungefähr einem Jahr werden die m den großen deutschen Städten befindlichen Rundfunksender (Hauptsender) durch Sender größerer Leistung ersetzt, um die Detektor-Reichwelte in flUenJBeairfen nach Möglichkeit ^u erhöhen und die Teilnahme am Rundfunk unftftr breiteren Schichten der Bevölkerung zu ermöglichen. Als einer der letzten dieser Ersatzbauten befindet sich zur Zeit der an die Stelle des 1,5 Kilowatt- Senders tretende neue Stuttgarter Rundfunksender, der eine Röhrenleistung von neun Kilowatt und eine Telephonieleistung von etwa drei Kilowatt besitzen wird, im letzten Stadium der Montage. Die in Degerloch, einem kleinen Vorort. sechs Kilometer von Stuttgart entfernt, aus- gefühtten Arbeiten am Sender sowie an der an zwei je 100 Meter im Abstand von 138 Meter aufgestellten freistehenden Masten gespannte Antenne sind soweit vorgeschritten, daß mit der Inbetriebnahme des neuen Senders im Oktober dieses Jahres bestimmt zu rechnen ist. Wettervor Temperaturen und Bewölkung wenig verändett, nochmals trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9 Grad Celsius, Minimum 0,1 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 1,5 Grad Celsius. Aus -er prssWalhauprstadt. Gießen, den 21. Oktober 1926. / Die Basler Mission in Giehen. Ein Vortag über Kamerun. hr. Am gestrigen Mittwochabend stand em Mann am Rednerpult, der trotz seiner silberweißen Haare mit feiten jugendlicher Frische und hoher Begeisterung für seinen edlen Beruf und fein schweres Amt zu feiner gespannt lauschenden Zuhörerschaft sprach. Missionar Keller, jetzr in Heidelberg im Dienst der Basler Mission tätig, ist selbst 30 Jahre lang in Kamerun gewesen. Er sprach von der Religion der Küstenstämme in Kamerun und von den furchtbaren Geheimbünden, unter die die Eingeborenen dort versklavt sind. Der Gottesname in Kamerun ist kein einheitlicher, obschon in der Vorstellung im großen ganzen ilebereinftimmung herrscht. Man muß trennen zwischen Inland und Küste, und muh sich der Einteilung der afrikanischen Völler in die Bantuvölker und die nördlich von diesen lebenden Sudanesen bewußt bleiben. Ryambe ist der Rame des Gottes bei den Duala, dem Hauptvolk der Küste von Kamerun, dieser Rame aber erscheint, immer etwas abgewandelt, bei allen Böllern Kameruns. Ryambe ist der Schöpfer Himmels und der Erden, der alles gemacht hat. Zu dieser monotheistischen Vorstellung, manchmal allerdings mit Pantheistischem Einschlag, ist die Vielgötterei getreten: Dieser große Gott hatte ursprünglich mit den Menschen verkehrt, und zur Zeit des Vollmonds durften die Menschen auf einer langen Leiter zur Stadt des Gottes hin- aufkommen. Dann aber trat, ähnlich dem Sündenfall im Alten Testament, ein Zwischenfall ein. die Menschen betrogen Gott, der sich nun in die weite Ferne zurückzieht und den Verkehr mit den Menschen ganz einstettt. Weil er nicht mehr nahe ist, kommt die große Geisterschar dazwischen (Polytheismus). Dieser Geisterglaube führt zum Götzendienst, die Geister selbst sind unsichtbar, unfaßlich und unbegreiflich; die Menschen aber brauchen Sichtbares. Handgreifliches und schaffen sich ihre Götzen; diese Figuren, seien es menschliche oder tierische, sind in Kamerun aber nie Gegenstand der Anbetung, sondern nur Wohnsitz des Geistes. Die Leute tragen Amulette bei sich, vom tauberer gemacht, der Redner zeigte ein kleines Hom der Zwergantilope, das um den Hals getragen, und ein Bällchen, das um die Hüfte getragen wird. Diese Amulette schützen vor Krankheit, vor Diebstahl oder dienen zur Ermittelung des Diebes, oder bewirken, daß in der Familie reicher Kindersegen eintritt, das höchste Glück, das die Eingeborenen kennen, oder sie werden angewandt bei der Rache am Feind; wenn man seinem Feinde „Medizin legt", sv wirkt diese Drohung den Tod des Betreffenden. Wir können heute kaum mitfühlen, was die Heiden an solche Dinge anschlieht. Das furchtbarste aber, was den Eingeborenen die ungeheuerste Angst einflößt, sind die Geheim - b ü n d e, die Geistervereine, L o s a n g o genannt, deren es eine Unzahl gibt, die sich z. B. an den Elefanten, den Büffel, den Waldgeist Munki oder den Wassergeist Djengu anschliehen. Man muh erst einmal gehört haben, dah der Geheimbund der Munkis unbarmherzig den Leuten mit einem glühenden Hackmesser die Köpfe abschlägig oder das Djengu-Fest 18 Tage fang unter den albernsten Zeremonien gefeiert wird, um zu wissen, wo die stärkste Macht des Heidentums in Kamerun liegt; von diesen Losangos geht Furcht und Schrecken über das ganze Land aus. Zur Religion gehört fernerhin die Ahnen« Verehrung, die besonders im Inland ausgeprägt ist. Das Leben nach dem Tode stellt man sich ähnlich dem Leben auf dieser Welt vor: wenn ein Häuptling stirbt, so werden Leute umgebracht, damit der Häuptllng auch im Jenseits noch i Ä. Dl «ine schnell« Wirkung (Af.t-ftAelfSgf bei erzielt mit Vdermeyer» Vcruu on lojc. 8561a Fichttzndeckreiser das Haus 86378 I. D.: Dr. Rosenberg. Sammstrahe 24 I. Telephon 239. werden. 07294 6 n dä-weme- Krampfmitlcl iömtllche Sorten in Grigwalslaschen u. TI <1 n Kennen Sie Halpaus Mocca“? Kreoz-Drogeriß Bahnhofstr. 51 wenig verändert, lk'mum 9 @rab '*■ Mutige Mor- NW. Otto btt 1928. in Aetzen. amermi. -abrito stand em oh seiner silöer« Wr Frische und bien Seruf und xmü lauffynben Stellet, jeß? ioältt Wum to Ramet.un rot. der Mm» bm furchtbaren ingebotenen dort Freitag, dtlLMberMK nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 zwangsweise gegen Barzahlung: Ev 2 Kastenwagen, eine Ladentheke, zwei Schreibtische, 3 Diwans, 1 Vertiko, eine Kommode, 1 Musikautomat, 2 Rohrsessel, 1 goldene Uhr. 1 Schreibmaschine. 1 Stehpult mit 2 Drehstühlen, 1 Fahrrad, 2 elektrische Eisenbahnen. 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Lieferung von Maschendrahlgeflechi. Die Lleferung von 3120 lfd. Meter viereckigem, gut verzinktem Mafchendraht- gesiecht von 2 mm Drahtstärke und 60 mm Maschenweite, 1,20 m breit, in Rollen von 20 m Länge, sowie von 10 000 Stück verzinkten Krampen von 32 mm Länge, — frei Bahnstation Gießen — wird öffentlich vergeben. Liefertermin: 1. Dezember 1926. Schriftliche Angebote mit Aufschrift ..Maschendraht" sind bis zum 1. November 1926 an den Oberbürgermeister einzureichen. 86368 G i e ß e n , den 20. Oktober 1926. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg.______ 3u der leichtsinnigen Schießer«! am oonutagDor mittag bei der bekanntlich der Fahrburjche Hans H e n ß durch den Leichtsinn des Bäckergesellen Kronberg lebensgefährlich verles',t wurde, ist heute zu berichten, daß H e n ß immer noch in schwerkrankem Zustande in der Klinik liegt. In seinem am Montag als lebensgefährlich bezeichneten Befinden ist bis heute keinerlei Wendung zum Besseren eingeireien Der leichtfertige Schutze Kronberg wurde am Montag nach der gerichtlichen Vernehmung aus der Haft entlasten. " Persona l > e. 2n den Ruhrstand versetzt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Lang-Göns, Eduard S ch w i n n aus sein Rach- suchen wegen geschwächter Gesundheit mit Wirkung vom 1. November 1926. ** (Sin Beitrag zur gelang for- f d) u n g. Gestern nachmittag wurde von einem Feldschützen in der Gießener Gemarkung ein Rabe geschossen, der am Fuß einen Ring trug mit den Kennzeichen Zoologische Station Helgoland 31 713." " Luftfahrtpreisermäßigung für Schwcrkricgcbeschädigtc Die Deutsche Lufthansa räumt von jetzt ab Schwerkriegsbeschädigten, die sich durch einen amtlichen Ausweis legitimieren, auf ihre Flugpreise eine Ermäßigung von 10 Prozent ein. Bedingung für die Ausgabe des ermäßigten Flugscheines ist. daß dieser selbst auf dem Flugplatz gelöst wird " Anmeldungen , u in R u n d f u n k. Die Oberposldirektion Darmstadt schreibt uns: Wer eine Rundfunkanlage baut oder in Betrieb setzt, ohne vorher die Genehmigung der Deutschen Reichspost eingeholt zu haben, läuft bekanntlich Gefahr, nach der Funkverordnung mit Gefängnis bestraft zu werden. Trotzdem kommt es immer wieder vor, daß Rundfunkanlagen bei der Post erst angemeldet werden, wenn sic schon fertig oder sogar schon in Betrieb find. Bor solcher verspäteter Anmeldung iann nicht eindringlich genug gewarnt werden Wer sich am Rundfunk beteiligen will, wende sich zuerst an die Post, ehe er mit dem Bau seiner Anlage an- fängt. Die Anmeldung als Rundfunkteilnehmer ist bei den Postanstalten schriftlich durch Fernsprecher, durch die Briefträger oder auch mündlich am Schalter ober bei einer anderen Dienststelle möglich. ** Brieffendungen nach dem Ausland richtig freimachcn! Trotz wiederholter tm Ststchl. Die» bezeugt Herr -P. W. Lachmann in RotMin, indem er schreib! i „Weit Ohre tzrrba- Seise meiner wochier die nassen ?lechien binnen 14 Tagen gebellt und |e»t eine ganz flaue haut vorhanden ift. sage ich, sowie meine -Frau, den besten Dank. Weiner Schwester, weiche im »csickl rote d ecken hatte, auch auf der Nase, find die $leek Mtzel- suppe Ab 10 Uhr rvellsleisch mit Kraut. Fr. Louise Rupp. BESTE GESCHÄFTSREKLAME IST STETS EIN INSERAT IM GIESSENER ANZEIGER <7e^r7883 7>es z'e/Tip/b/iTrz? es izez/ra czez/s tt'tzra'/ "p x/ i/n ^ezzieÄzzz ezi 'Skol.l üden.~ ’YlXapp lüden* V arKe/A v Steinholz- / "Werke / (Firftel und JTCitesser coerben beseitigt, jugendlich-blühende Frnche bietbr erhalten. Denn (Sie für geregelte Tätigkeit und damit belfere Ernährung Ihrer H»aut durch tägliche gelinde Arvnaae mit JloftSeesand-JHandelftteie Sorge tragen. Dte Entstehung von Fairen u. Runzeln wird verhindert. 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Gutenberg schritt im festlichen Kleid des kurfürstlichen Hofbeamten: verneigte sich ehrerbietigst, wenn er von anderen Bürgern gegrüßt wurde. Aoch war es Zeit zum Beginn der Frühmesse. Der Meister der schwarzen Kunst lustwandelte sorglosen Sinnes durch die Gassen. Stand dann wieder eine Weile still und pfiff einem Vogel einen Triller vor, den das Vöglein im Daum sich wundernd beantwortete. Ernsten Gesichtes unb entblößten Hauptes durchmaß dann Gutenberg eine Weile später das Kirchenportal. Ein Dürgermädchen war vor dem Kircheneingang dem Meister begegnet: schwarz- braun, mit langen Zöpfen und großen Augen, die Wonne bedeuten konnten. Ganz ebenso, wie sie die Maler in den Aiederlanden auf ihren Bildern oft dargestellt hatten. Gutenberg erschrak leicht im Vorübergehen und setzte sich in der Kirche so, daß er das Mädchen immer vor seinen Augen hatte. Bis dato hatte er das schöne Mädchen noch nie in den Gassen der Rosenstadt gesehen Einmal wandte das Mädchen den Kopf und hielt für eine kurze Spanne. Zeit den Blick des bärtigen Mannes aus. Gutenberg hatte nicht acht auf das Wort des Priesters: doch kam es ihm auch wieder sündhaft vor, in der Kirche Liebesspiel treiben zu wollen. Spiel konnte es ja nur sein, da seine Jahre schon gezählt waren Als die Orgel nach der Messe verklang, ging Gutenberg dem Mädchen wieder nach, das aber bald hinter einem vorgebauten Balkengiebel verschwunden war. Später, am Aachmittagssest des Fronleichnamstages, erfuhr Gutenberg den Na- men des Mädchen: Iselinde. Aus Dacharach war sie gekommen und weilte zu Besuch bei Verwandten in der Rosenstadt am Rhein Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Merhessen) llr. 247 Dritter Blatt Die Derwattungsresorm in Frankreich und wir. Don Dr. Külz, Reichsminister des Innern Soweit die Derwaltungsreform keine Dureaureform, sondern eine Dehördenresorm verkörpert, ist sie weniger ein Problem ter Ver- waltungstechnik, als vielmehr eine S ach c d e s politischen Willens. Das Problem _ der Verwaltungsreform ist in Deutschland so gründlich und umfassend von berufenen und unberufenen Stellen erörtert worben, dal) es als voll erforscht und gellärt betrachtet werden kann. Rein theoretisch gesehen, liegen die Dinge im allgemeinen völlig klar. Aber mit die er theoretischen Erkenntnis ist nicht das geringste ge- Wonnen, wenn man nicht in den Staaten und in den Gemeinden den Akut aufbnngt, lieb gewordenen Gewohnheiten und an sich verständlichen Widerständen zum Trotz die Sache praktisch anzu^ssen^n vergleich mit deutschen Verhältnissen ist es nicht uninteressant, zu sehen, wie jetzt in Frankreich unter dem Druck der Inflationsnöte, die dort auch seit langer Zeit theoretisch nach allen Himmelsrichtungen hin ventilierte Derwaltungsreform in das Stadium der wirklich versuchten Lösung übertritt. Da ist es zunächst einmal kennzeichnend, daß man, wie bei uns zur Zeit die Steuernotver- ordn'ungen, zur Durchführung den Weg der parlamentarisch sanktionierten und kontrollierten Diktatur in Form des Crmächttgungsgesetzes beschritten hat, wie er durch Artikel 1 des französischen Finanzgesetzes vom 3. August 1923 eröffnet wird. Auch bei uns wird in den Ländern wohl kaum ein anderer Weg denkbar sein, wenn man zu greifbaren Ergebnissen gelangen will. In Ausnutzungbieser gesetzlichen Ermächtigung sind tief einschneidende Zusammenlegungen der Gerüchte, der Derwal- tungsgerichte und der Verwaltungsbehörden er» g Im allgemeinen hatte bisher jedes Arrondissement sein Tribunal d'Arrondissernent, sein Gericht erster Instanz. Grundsätzlich hat künftig nur noch jedes Departement in seiner Hauptstadt ein solches Gericht, und nur für besonders stark bevölkerte oder räumlich ausgedehnte Departements sind Sektionen dieser erstinstanzlichen Gerichte zugelassen. Wie gründlich man hier vorgeht, zeigt die ziffernmäßige Wirkung: Von 359 erstinstanzlichen Gerichten werden 227 ausgehoben. Während bisher jedes Departement sein eigenes Derwaltungsgericht hatte, werden künftig diese Conseils de Prefecture über mehrere Departements hinweg zusammengelegt in Coilleils de Prefecture Interdepartementaux, wodurch zwischen 100 bis 200 Stellen gespart werden. Stark ist auch der Eingriff in die Einteilung der Verwaltungsbezirke. Zwar werden die Arrondissements nicht völlig abgeschafft, wie das mehr- fach angeregt worden ist, aber durch eine Neu- gliederung der Departements in größere Arron» dissementsbezirke werden mehr als 100 Unter- präsetturen gespart, und durch eine Aenderung der Stellvertretung des Präfekten werden 70 Generalsekretarstellen bei den Präfekturen uber- fllissig. Außer den im vorstehenden gekennzeichneten Vereinfachungen werden die Militärverwaltung, die Marineverwaltunq und die Polizeiverwaltung von einer ganzen Reihe entbehrlicher Einrichtungen und Dienstzweige befreit. Diese französische Verwaltungsreform würde, frei ins Deutsche über» , eht bei uns etwa bedeuten: Verminderung der Amtsgerichte auf die Hälfte der bisherigen Zahl, Vergrößerung der Landkreis auf das Doppelte ihrer jetzigen Ausdehnung, Wegfall der Regie- rungspräsidien zugunsten der Oberpräsidien. Man stelle sich vor, was in den einzelstaatlichen deutschen Parlamenten sich ereignen würde, wenn ein Ministerium den Mut zu einer solchen Reform aufbrächte. Aatürlich wirds auch in Frankreich nicht ohne Sturm abgehen, aber man muß der französischen Regierung doch die Anerkennung lass«, daß sie dieses heiße Eisen herzhaft anfaßt. Die kommenden Debatten in der Kammer werden zeigen, inwieweit sie sich dabei die Finger verbrannt hat. Sehr klug hat die französische Regierung dabei das schwierige Problem der D e - Handlung der von derVereinfachung betroffenen 'Beamten gelöst. Die durch die Re'orm ihrer Dienststellen verlustig gehenden Beamten werden bis zu ihrer anbertoeiten Unterbringung im Staatsdienst bis auf weiteres den Behörden zugete.lt, auf die der Aufgabenkreis ihrer bisherigen Aernter übergeht und bleiben im vollen Genuß ihrer bisherigen Dienstbezüge. Diefe Maßnahmen beeinträchtigen zunächst die finanziell entlastende Wirkung der Reform, die voll erst auf weite Sicht sich auswirken kann, aber sie geben für unsere Verhältnisse doch wertvolle Fingerzeige. Entschließt man sich z. D. in Preußen zur Abschaffung der Reg.erungspräsidien, so jft das natürlich nur möglich, wenn man die Zuständig kett der Kommunallörper und kommunalen Verbände ausdehnt und die Oberpräsidien mit dem auch dann nicht entbehrlichen Teil der Funktionen der bisherigen Regierungen belehnt. Das be» toirtt sofort eine starke sachliche und funktionelle Vereinfachung, für eine spätere Zukunft auch eine erhebliche Personalersparnis, für die älebergangs- zeit aber bedingt es einen stärkeren Bedarf an Personal bei Kommunalkörpern und Oberpräsi- dicn, die für diese Zeit, die bei den aufgehobenen Regierungen frei werdenden Kräfte brauchen würden, wo sie dann nach und nach im Wege eines normalen Abganges überflüssig werden würden. , . Das Kabinett Poincare ist eine die stärksten Parteigegenfäye in sich vereinigende Regierung. Eine reine Parteireaierung würde auch in Frankreich eine solche Reform nie wagen können. Pomcare und sein Innenminister' haben es gewagt und haben sich für diese Reform stark gemacht. Das ganze Kabinett hat der Presse gegenüber erklärt, mit diesem Werk zu stehen oder zu fallen und Poincare hat darüber hinaus verlauten lassen, daß er sich auf Interpellationen über die angeordneten Maßnahmen nicht ein- lassen, sondern für jede einzelne die Vertrauensfrage stellen werde. Wenn in den deutschen Einzelstaaten die Regierungen und die Parlamente mit der gleichen Energie und Derant- wortungsfreudigkeit Vorgehen, wird auch bei uns eine Derwaltungsreform möglich sein, sonst niemals. Nur immer langsam voran. Der französische Kriegsminister P a i n l e v e hat die Dedeutung einer längeren Desprechung mit dem Kommandeur der französischen Rhein- armee vor der französischen Oeffentlichkeit dadurch herabzumindern versucht, daß er erllärt hat, er habe nur das schon vor Monaten besprochene Programm zur Verminderung und Umgruppierung der Desahungsgruppen durchgesprochen: von einer „überstürzten" Räumung des besetzten Gebietes könne keine Rede sein. Run ist es schließlich verständlich, wenn gerade der französische Kriegsminister die Armeekreise darüber beruhigt, daß man keine Ueberstürzung zeigen, sondern schön langsam vorgehen wolle. Man braucht daher nicht gleich aus einer solchen Aeuheruna herauszulesen, was nicht darin steht. Die Entscheidung liegt keinesfalls beim Minister Painlevä und der französischen Heeresleitung, sondern bei ganz anderen Faktoren. Es war ja von vornherein, in gewissem Sinne als deutsche Gegenleistung, in Aussicht genommen, Frankreich bei feinen Plänen zur Stabilisierung seiner Währung Hilfestellung zu gewähren, und wir haben immer wieder darauf hingewiescn, daß ohne Hilfe Amerikas durchgreifende Maßnahmen in dieser Richtung für Frankreich ausgeschlossen seien. Anfangs hat man sich in Paris gegen diese Erkenntnis gesträubt. Ieht hat man eingefehen, daß in der Tat die Unterstützung der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Finanzwelt unentbehrlich ist, und nun versucht man die verschiedensten Mittel, um aus der Sackgasse herauszukommen, in die man sich durch Herrn Poincare hat hinein- manöberieren lassen. Irgendwie muh diese Frage gelöst werden. Solange man keinen klaren Weg erkannt hat. behalten diejenigen Oberwasser, die die Fortdauer der Besatzung im Rheinland als Pfand - und Handelsobjekt betrachten. In diesem Sinne ist die Aeußerung Painleves auszufassen und zu beurteilen. Das alles hindert jedoch nicht daran, daß Deutschland immer von neuem und mit unver- Am selbigen Tage fügte es auch das Schicksal. daß der kurfürstliche Hofherr mit den Verwandten des Mädchens am Tische saß. Zuweilen scherzte der Meister und war dann wiederum eine halbe Stunde lang ernst und verschlossen. Aeugierig wurde er oft nach seiner Druckerkunst gefragt. Gutenberg neigte sich zu Iselinde hinüber: „Wollet Ihr nicht einmal in solch geheimnisvolle Werkstatt kommen?" „Das soll mir eine große Freude sein, edler Meister." Gutenberg lächelte zufrieden vor sich hin und sagte: „Kommt dann morgen um die neunte Stunde. Wir werden also zum Dechtermünz in die Druckerei gehen, wo ich Euch alles weisen will." Der Tag verging in Fröhlichkeit. Einmal hatte sich Gutenberg auch ein Herz gefaßt und er bat Iselinde zu einem Tanz. Das alte Herz des Meisters hüpste trunkenselig mit ihm auf der Festwiese, gerade ebenso, toie es die Dudelsackpfeifer haben wollten. Mit einer heimlichen Hoffnung stand Gutenberg in dieser Iuninacht an feinem Fenster in der kurfürstlichen Burg. Berauschte sich an der Aussprache des Aamens: Iselinde. Setzte sich in den breiten Lederstuhl und hielt Rede mit feinem Gott: „So spät schickst du mir noch einmal Freude in mein altes Herz? Willst du mir, Gott im Himmel, den Abschied von der Welt noch besonders schwer werden lassen?" Cs blieb still im Zimmer. Die Glocke im Wartturm schlug eins. Mond floß über die Rheinwellen, als sich Gutenberg mit einem letzten Blick in die Sternennacht zur Ruhe legte. Am nächsten Morgen hatte der Meister schon eine Weile gewartet, als iselinde mit ihrer Base an das Rathaus kam. Väterlich scherzend schritt Gutenberg neben den beiden her. Gingen dann in die dumpfe Druckerwerkstatt des Dechtermünz. Gutenberg gab auf alle neugierigen Fragen redlich Antwort. Iselinde sagte lachend: „Das Drucken sieht ja fast so aus. als ob man Wein keltern will." „3a, ein langer Hebelarm muß dazu fein, damit die Fauste die Spindeln perunt erbringen. — Adolf, leg mal ein 'Blatt auf diesen Satz. minderten: Rachdruck die sofortige Räumung von Rhein und Saar fordern muh, da diese Frage für uns nicht zum Gegenstand von Fe llchen und Schachern gemacht werden kann. Die Verträge von Locarno sind mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund in Kraft getreten und somit bestehl auch nicht mehr der leiseste Grund für eine Fortdauer der Besatzung, die auch durch den Vertrag von Versailles Frankreich nur als Sicherung gegen einen Angriffs- und Rachekrieg Deutschlands zugcftanden worden war. Diese eingebildete Gefahr Frankreichs ist beseitigt und somit muß auch die Sicherung dagegen beseitigt werden. Es kommt hinzu, daß die Fortdauer der Besatzung, wie wir gleichfalls stets betont haben, d i e Quelle dauernder Verstimmungen zwischen Frankreich und Deutschland bildet. Wenn in der allernächsten Zeit die interalliierte Rheinlandkommission endlich den weitaus größten Teil der noch vorhandenen und mit Recht so berüchtigten Ordonnanzen aufhebt, dann sind wir wiederum um einen Schritt vorwärts gekommen. Der wichtigste und entscheidenste Schritt jedoch ist die Zurückziehung der Besatz ingstrup- p e n, ohne die von einer wahren Verständigung nicht die Rede fein kann. Also sollte man auch in Paris die Lehre daraus ziehen, daß es nicht mehr heißen darf: immer langsam voran, sondern: f 0 - fort, gänzlich und endgültig! Oberhesien. Hanürverker-Tagung in Grünberg. t Grünberg, 20. Olt. Arn Sonntagnachmittag tagte hier der Handwerksausschuh des Dezirks Gießen unter dem Vorsitz von Pros. Dr. Krausmüller, Gießen. Die Handwerkskammer hatte drei Vertreter dazu entsandt. In eingehender Aussprache beschäftigte man sich mit einer Reihe von dringenden Handwerkerfragen. Allgemein kam dabei zum Ausdruck, daß der Zusammenschluß aller Dezirksverbände zum Zwecke der wirtschaftlichen Kräftigung des Handwerkerstandes dringend notwendig sei. und daß eine innige Fühlungnahme der einzelnen Verbände eintreten müsse, um auf diese Weise sich gegenseitig zu befruchten. Ferner wurde die Ansicht vertreten, daß die Verwaltung der Gewerbeschulen wieder an die Gewerb e- vereine übergehen müsse. Zur weiteren Klärung dieser Fragen soll Anfang Dezember eine Versammlung sämtlicher Dezirksverbände Oberhessens in Alsseld stattfinden, später soll auch Verbindung it Starkenburg und Rheinhessen aufgeiwmmen werden. Nachmittags 4 IHjr begann der allgemeine Handwerkertag, zu dem auch viele auswärtige Handwerksmeister erschienen waren. Nach der Eröffnung durch den 1. Vorsitzenden, Heinrich Schmidt II., Grünberg, sprach der Syndikus der Handwerkskammernebenstelle Gießen, Herr Röhr, über zeitgemäße Fragen des Handwerks, insbesondere über die Buchführung, das Lehrlingswesen, Steuerangelegenheiten usw. Der Vortrag fand reichen Beifall. Man erhofft von ihm eine beachtenswerte Belebung des Hand- werks. Landkreis Gießen. # Lich, 20. Ott. Mit dem Abbrennen eines Erinnerungsfeuers, dem Gesang vaterländischer Lieder und einer der Veranstaltung würdigen Ansprache gedachte am Montag abend eine kleine Schar der Großtaten u nsrer Väter von 1813. Möge der Geist, der unsere Vorfahren vor hundert Iahren be- feelte, in unferm Volke immer mehr an Boden gewinnen. 5 Harbach, 20. Ott. Ein hiesiger Epileptiker und Halbblöder entwich zum Gallusmarkt nach Grünberg, wo er sich zwei Tage herumdrückte. Er kehrte aber nicht nach Hause zurück, sondern schloß sich vermutlich einem der Schausteller oder Zigeuner, die in großer Anzahl da waren, an. Ietzt wurde er polizeilich in 11 fi ngen festgehalten und wieder nach Hause zurückgeholt. = Beltershain, 20. Ott. Nachdem die Zuteilung in der Feldbereinig ung erfolgt ist, fand mm die Versteigerung der Massengrund st ücke statt. Am Freitag Der Meister druckte und zeigte dann das mit großen, schwarzen Lettern bestandene Papier. Iselinde jubelte: „Ei, das ist ja Hexenwerk, Meister Gutenberg I" „Bald rnöcht' rnans meinen. Und ist doch so einfach: hätte jeder wissen können, gell?" „Nun müssen wir heim Meister. Die Tante schllt sonst arg. Habet Dank auch für alles, was Ihr uns da zeigtet. Werde in Dacharach erzählen vom Meister Gutenberg." „Wollt Ihr wieder gen Bacharach?" „Muh schon morgen hin. Gehabt Euch wohl, Meister." Gutenberg drückte den beiden Mädchen fest die Hand. Sah noch einmal in Iselindes dunkle Augen: sah das heimliche Feuer darin, das einem Manne Seligkeit bedeuten tonnte. Gutenberg wartete die Stunde ab, als der Reifewagen kam und Iselinde gen Dacharach bringen wollte. Schwermütigen Sinnes ging der Meister durch den Morgen. Dann fuhr das schwere Gefährt hinaus. Iselindes Onkel gab ihr Geleit. Gutenberg stand hinter dem Stadttor von Eltville und wartete, bis der Wagen durch den Dogen fuhr. Es brannte ihm in der Seele, als er Iselinde im Wagen ansichtig wurde: da fuhr seine heimliche Königin. Drach eine Rose vom Gartenzaun des Stadttorwäch-ters und wollie seiner heimlichen Königin diese als Gruß nachwerfen. Der Wurf ging fehl, die Rose fiel daneben: die Räder glitten erbarmungslos darüber... — Der Kleistpreis 1926. Der Beauftragte der Kleiststiftung, Dr. Bernhard Diebold, vertellt den diesjährigen Preis von 1500 Mark in zwei Teilen zu 1000 Mark und zu 500 Mark an die Autoren Alexander Lernet-Holenia für seine dramatischen Arbeiten „Oesterreichische Komödie", „Ollapvtrida" und „Demetrius", Alfred Neumann für den Roman „Der Teufel". Eine ehrende Erwähnung fällt auf Maitin Kessel für seine Großstadt- iwvellen und eine Gedichtsammlung „Gebändigte Kurven." Donnerstag, 21. Moder 1926 wurde zum erstenmal an Ort und Stelle versteigert, am Montag zum zweiten Male ohne Vorzeigen der Stücke. Es handelt sich um 72 Morgen Massenstücke. fast nur Ackerland. Die Versteigerung am Freitag ergab 43 033 Mk.. d e am Montag 57 COO Mk. (rund). Die B-träge s nd in 6 einjährigen Raten zu bezahlen, wovon die erste dieses Iahr noch fällig ist. Die gestundeten Ziele sind von diesem Iahre an mit Bankzinsen zu verzinsen. , • Grünberg, 20. Oft. Ain 27. Oktober sind 2 5 Iahre verflossen, feit unser erster Stadtpfarrer. Dekan Schmidt, seinen Dienst in Grünberg antrat. Er wurde damals als Vikar für Kirchenrat P u l l m a njt hierher berufen und hielt am Sonntklg, 27. Ott. 1901, feine Antrittspredigt. Später wurde er Verwalter der zweiten Pfarrstelle, die ihm am 10. August 1902 endgültig übertragen wurde. Als erster Siadtpsarrer wirkt Dekan Schmidt hier feit 29 Iuni 1912. Nachdem Dekan Röschen fein Amt als Dekan niedergel^gt hatte, wurde Pfarrer Schmidt auf dem Dekanatstag in Saasen im Iahre 1925 als sein Nachfolger gewählt. tOrünberg, 20. Olt. In der Gemeinderatssitzung am Montag mußte erneut zu der Frage der SteuerauSschläge, die den Gemeinderat schon wiederholt beschä tigt hatte, Stellung genommen werden. Entsprechend einem neuerem Vorschläge des Ministeriums, das Handwerk zu entlasten, und dafür die Sonder- steuer etwas zu erhöhen, setzte der Gemeinderat die Gewerbesteuer von 2 aus 1.30 bzw. von 10 400 auf 7600 Mk. herab und erhöhte die Sondersteuer von 53,7 auf 63 Pf. bzw. von 20 400 auf 24 000 Mk. Kreis Friedberg !?! Friedberg. 20. Ott. Viele Obstzüchter sind zur Zeit mit dem Anlegen von Klebgürteln beschäftigt. Leider wird die Maßnahme meistens nur von einzelnen durchgemhrt, da viele die große Bedeutung derselben noch nicht kennen. Die Delämpfungsmaßnahme richtet sich gegen den Fro st spanne r, dessen Raupen bei massenhaftem Auftreten die ganze nächstjährige Obsternte vernichten können. MSN. Vilbel, 20. DM. Im benachbarten fieibenbergen wurden vor einigen Tagen durch Lehrer Messerschmidt aus fianau Ausgrabungen vorgenommen. 20 Zentimeter unter der Erdoberfläche kam man auf Grundmauern, die ein Viereck bilden. Die Lage läßt auf die Grundmauern eines römischen Wachtturmes schließen. Weiterhin stieß man auf mächtige Sandsteinplatten. Eine 28 Zentimeter hohe sehr gut erhaltene Urne war zum Teil mit Knochenresten gefüllt. Man dürste also gleichzeitig auch ein Urnengrab gesunden haben. Kreis Büdingen. A Nidda, 20. DM. Auf dem Lande werden häufig nicht nur Wirtschaftsgebäude, sondern auch Wohnhäuser ganz oder zu einem großen Teil aus fiolzfachwerk ausgeführt. Sie wirken aber oft durch ihre Einfachheit nüchtern und lahl auf das Straßenbild. Namentlich gilt dies von vielen im vorigen Jahrhundert errichteten Wohnhäusern in Dörfern, während solcbe aus früheren Jahrhunderten durch ihre künstlerischen fiolzbauten Bewunderung Hervorrufen. Um nun den jetzigen Bauhandwerkern in dieser Hinsicht beratend und anregend zur Seite zu stehen, werden demnächst an der hiesigen Gewerbeschule besondere Kurse für Zimmerleute und Schreiner über Theorie und praktische Ausführung des hölzernen Stockwerks abgehalten, an denen Meister und Gesellen dieser Berufe teilnehmen können. bs. Ober-Widdersheim, 20. Ott. In einer der letzten Nächte wurden an dem Weg nach Steinheim drei junge wüchsige Obst- bäume von ruchloser Bubenhand gewaltsam in der Mitte des Stammes abgebrochen. Die Gendarmerie Hungen hat die Spur ausgenommen, die mit dem Kirchweihfest in Steinheim im Zusammenhang steht. Hoffentlich gelingt es, die Frevler, zu ermitteln, damit eine exemplarische Bestrafung eintreten kann, die hier am Platze ist. y. Echzell, 20. Oft. Hier wurde gestern der 38 Iahre alte Landwirt Georg I och e in zur letzten Ruhe bestattet. Das Ableben dieses tüchtigen Mannes ruft allgemeine Teilnahme hervor. Der Verstorbene litt in letzter Zeit an S ch 1 a f l o s i g k e i t und hat wahrschein- Dernhard Diebold begründet seine Preisverteilung mit folgenden Worten: Eine Aufmunterungsprämie, wie sie der Kleistpreis darstellt, wäre eigentlich nur an jüngste Stürmer und Dränger zu oerteilen. Da aber die meisten unter den sogenannten Jüngsten mir momentan den Menschen zu einteilig und Problemlos auf ein mechanisches oder erotisches Programm verpflichten, so suchte ich nach Dichtern, deren Wille auf das Menschenganze zielt. ®erm für die Dichtung gilt als Stoff die vieldeutige Totalität von Körper, Geist und Seele, wie sie der Denk- spieler Georg Kaiser in feinem Kopfe oder der Fanattker Hans Henny Iahnn aus seinem Blute mischt. Aber Kaiser ist für den Kleistpreis längst zu souverän geworden, und Iahnn wurde 1920 für den späteren „Richard" und die „Medca" schon im voraus belohnt. So traf ich auf die stilleren Temperamente Lernet, Neumann und Kessel, von denen der erste 29, der zweite 31 und der dritte L5 Iahre zählt. Lernet-Holenia verspottet die menschliche Kleinheit in seinen Lustspielen, die ich „Komödien ohne Worte" nennen möchte, da sie ihr Personal in raffinierter Welle mehr aus der Situation als aus dem sprachlichen Einfall reden lassen. Mit seinen Wiener Spielfiguren macht er das Leben äußerlich zum Schwank und steht durch seine Ironie doch himmelhoch über der Sensation der Schwantautoren. Sein bildhaftes Demetrius-Drama erreicht mit pathetischen Mitteln nur zum Teil die starke Realität, die er mit Grazie und Satire in den Komödien erzielte. Im Gegensatz zu ihm wirtt Alfred Neumanns Ausdruck weniger im Spiel der Worte als durch die Schwere und Präzision der denkenden Rede. Seine Dialektik vom Menschen überzeugt uns stärker im Erzählungsstil als in dem szenensicheren Erstlingsdrama „Der Patriot". Sind Lernet und Neumann noch irgendwie romanttsche Erleber und Gestalter, so quält sich der jüngere Kessel in seinen Großstadtgedichten und Novellen um die härteste und gefährlichste Gegenwart. lich gegen dieses Hebel eine zu groste Dosis Morphium genommen. Er verfiel in einen tiefen Schlaf, aus dem er nicht wieder erwachte, sondern nach etwa 40 Stunden verstarb. Er hinterläßt seine Frau mit zwei noch unerwachsenen Kindern, von denen oas älteste 6 Jahre, das jüngste erst 1/2 Jahr alt ist. !! Bingenheim, 20. Oft. 2lm Samstag statteten die Mitglieder des Kreistags und Kreisausschusses Büdingen dem K r e i s k i n d e r h e i m in Bingenheim einen Besuch ab. Der Einladung des Kreis- direltors Dr. Gaßner waren weiter gefolgt Frau Deg.-Rctt Keller, Darmstadt, als Vertreterin der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge, Staatsrat v. Weber als Vertreter des hessischen Roten Kreuzes, sowie einige Herren der Kreisverwaltung und die Bürgermeister aus der nächsten Hingebung von Bingenheim. Insgesamt waren über 30 Personen anwesend. Die Vorsteherin des Kinderheims, Schwester K ä t h'e Knoll, übernahm unter Mithilfe von Schwester Friedel Raum die Führung der Gäste. Zuerst wurde der „Küchenbau", der Hrsprung des Heims, und dann, der Entwicklungsgeschichte folgend, der „Langebau" besichtigt. Dieser Bau, der noch vor kurzer Zeit zerfallen und fast nutzlos dastand, ist heute mit geringen Mitteln in ein schönes Kinderheim umgewandelt. Im Erdgeschoß betrat man zuerst die maschinell betriebene Waschküche und dann die ebenfalls ganz neu und modern eingerichtete Küche. Im ersten Stock sind einige Schlafsäle, Spiel- und Aufenthattsräume von Kindern. Im zweiten Stockwerk befinden sich die Schlafzimmer der Schwestern. Die neuerdings eingebaute Dampfheizung ermöglicht, daß auch im Winter ohne Schwierigkeiten die Erholungskuren für die vom Roten Kreuz und die aus dem besetzten Gebiet überwiesenen notleidenden Kinder fortgesührt werden können. Rach dem Rundgang durch das Heim vereinte die Gäste ein einfaches Mittagessen. Hierbei ergriff Kreisdireltor Dr. G a ß n e r das Wort, begrüßte die Erschienenen und dankte den Schwestern für ihre aufopfernde Tätigkeit. Namens des Kreistags sprach Bürgermeister H e n - s e l, Hirzenhain. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß die vom Kreistag bewilligten Mittel so gute Frucht gebracht hätten. Staatsrat von Weber kam in seiner Tischrede auf bas gute Verhältnis des Roten Kreuzes zur Kreisverwaltung bzw. dem Kinderheim Bingenheim zu sprechen und wünschte, daß diese Einmütigkeit auch fernerhin bestehen bleiben möge. Zum Schlüsse teilte Frau Reg.-Rat Keller mit, daß das Kinderheini für die Zentrale in Darmstadt eine große Stütze und fast unentbehrlich geworden sei. Auch sie wünschte, daß der gute Geist, der zur Zeit darin herrsche, von Dauer sein und so dem Heim zu noch größerem Aufschwung verhelfen möge. — Nachmittags fuhr ein Teil der Mitglieder des Kreistags und des Kreisaus- schusfes noch nach Bad Salzhausen und besichtigte dort die K u r a n l a g e n. Der Aufenthalt in dem schönen Bad Salzhausener Park und an dem Brunnen litt jedoch sehr unter dem andauernden Regen. WSN. Ortenberg, 20. Oft. Der bekannte -und beliebte Ortenberger Kaltemarkt wird in diesem Jahre in der Zeit vom 31. Oktober bis 4. November abgehalten. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange. Der Markt wird in diesem Jahre zum 599. Male stattfinden. Der nächstjährige (600.) Markt soll in besonders großzügiger Weise begangen werden. ]:[ Hsenb 0 rn, 20. Oft. Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein eine Verlosung, deren Ertrag zur Anschaffung von Turngeräten dienen soll. Der erste Preis, ein Sofa, kam nach der Gemeinde Wenings. Anscheinend sind die dortigen Bewohner besondere Glückskinder, denn im vorigen Jahre kam der erste Preis des V. H. C., ein Auto, auch an eine Frau von Wenings. Die übrigen Preise verteilten sich in der Gemeinde und Um« • gegend. Kreis Schotten. ld. Schotten, 20. Oft. Der Vogelsberg, der j- früher mit der Verwendung von Landbau« Maschinen sehr zurückhaltend war, ist trotz der ungünstigen Zeitlage auf dem Wege, soweit es die Hanglage der meisten Grundstücke gestattet, an die Stelle der Handarbeit die Maschine treten zu lassen. So hat sich die Mähmaschine selbst in den Dar grotze Würfelspiel. (Zliarfina Wilemar.) Roman von Franz Lover Kappus. 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten „kennen," sprach Carsten gezogen und drehte die Augen, „wieoiele Damen kenne ich in Berlin? Es hat Zeiten gegeben, da man noch unter Menschen gegangen ist. Die Zeiten haben sich geändert." Er steuerte auf ein anderes Gleise. Sprunghaft berichtete er von seinem neuen Leben. Pausen klafften zwischen den Sätzen. Eckig wurden seine Bewegungen. Martina wartete. Jetzt hatte sie es nicht mehr eilig. Ruhig ging ihr Blut. Mit jedem Wort, das Carsten sprach, wuchs die Gewißheit. Aber man durfte nicht nachlassen. Die kalte Spannung, die den Körper so sonderbar starr machte, durste nicht weichen. Nicht weichen bis zum Schluß. Und sie sagte, als Carsten geendet hatte: „Meine Mutter kennen Sie also. Sie kommen auch öfter mit ihr zusammen. Selbst war ich einmal dabei, als sie aus Ihrem Auto stieg. Und der Ring, den sie manchmal heimlich ansteckt, ist von Ihnen. Carsten sprang auf, wich bis an die Wand zurück. „Das alles wollen Sie doch nicht leugnen, Herr Carsten?" „Kleine Spionin?" fragte Carsten. Wie ein Pfiff klang das. „'Man sicht manches, auch wenn man nicht spioniert. Und man hört manches, ohne daß man will." „Beim Telephon zum Beispiel —" „Auch beim Telephon. Wunderbar scharf sind die Sinne, wenn es um die eigene Mutter geht. Da gibt es gar nichts Wichtigeres als die eigene Mut- ter. Da hört man selbst im Schlaf, sieht im Traum —" Martina schwieg. Schwäche kroch heran. Wieder fühlte sie, daß sie Arme und Beine hatte. Wieder rieselte es den Rücken hinab. Carsten hatte sich gesammelt. Schrittweise kam er heran, umständlich setzte er sich. „Ich will Ihnen etwas sagen, Fräulein Martina." „Sie sollen sprechen, Herr Carsten." Lange überlegte er. Langsam sagte er bann: „Ich weiß nicht, was in Ihrer Phantasie vorgeht. höchstgelegenen Teilen des Gebirges Heimatrecht erworben; Kartoffelerntemaschinen haben sich in diesem Herbst auf den „rappelsteinigsten" Aeckern bewährt; die Kleinheit der Vogelsberger Aecker hält zunächst den Siegeszug der Sämaschine noch etwas auf. Dankbar freut sich der Vogelsberger Bauer der Erleichterungen, die Maschinenarbeit seinem Dasein voller Mühen bringt, und ersehnt die Tage, in denen die durchgeführte Feldbereinigung weitere Entlastung ermöglicht. —Schotten. 20. Oft. Hnsere Schulbehörde läßt es sich im Verein mit der Lehrerschaft angelegen sein, den Sparsinn unter der Jugend in jeder Weise z u fördern. So ging dieser Tage den Schulen des Kreises Schotten ein von der Dezirk^parkasse Schotten überreichtes Lesehest zu, das unter dem Titel „Empor aus eigener Kraft" für rege Sparsamkeit wirbt. Die Schulbehörde empfiehlt die Benutzung des Heftes im Hntcrricht, da sie sich von seiner zweckmäßigen Verwendung eine Forderung des Sparsinnes verspricht. — Am 11. und 12. Dezember soll hier eine Geflügel- und Kaninchen- schau stattfinden. Die Veranstaltung verfolgt den Zweck, die Geflügel- und Kaninchenzucht im Vogelsberg nach Möglichkeit zu fördern und ihr einen neuen Ansporn zu geben. □ Laubach, 20. Oft. Heute tritt der älieste Mann unserer Gemeinde, Schreinermeister Arnold Atzbuch, in sein 8 8. Lebensjahr. Im Wiederherstcllcn alter Möbel hat er ganz hervorragende Leistungen geboten; er verstand sich besonders auf die Polierkunst, worin er nicht zu übertreffen war. Im gräflichen Schlöße stehen zahlreiche Beweise seiner Kunst. Der alte Herr ist geistig noch sehr rüstig, jedoch haben seine körperlichen Kräfte nachgelassen. Bis vor wenigen Jahren betrieb er fein Geschäft noch in alter Frische; auch konnte er sich noch eifrig in (Bartenarbeit betätigen. Drei Frauen unserer Stadt haben jedoch schon ein höheres Alter erreicht; geboren im Jahre 1837, sind sie bereits in das 90. Lebensjahr eingetreten (Witwe Dr. Eckel, Witwe Lorenz Löwer, Frl. Marie Kolb). * Eichelsdorf, 20. Oft. Daß man gegen Kinder, d i e mit Steinen werfen, nicht streng genug einschreiten kann, beweist ein unglückseliger Vorfall in unserem Dorfe. Ein siebenjähriger Knabe warf einen Stein nach einem Hunde, traf aber einen gleichaltrigen Knaben namens Willy R a u so unglücklich ins Auge, daß dieser in die Klinik nach Gießen überführt werden mußte. Da der Augapfel verletzt ist, ist es nicht ausgeschlossen, daß die Sehkraft des Auges verloren geht. ld. C s ch e n r 0 d, 20. Oft. Einer Anregung des Kreisamts Schotten folgend, gründeten 65 Glieder unserer Gemeinde eine Freiwillige Feuerwehr. Da die Wahlen einstimmig erfolgten und auch der Gemeindevorstand einstimmig die Mittel zur Beschaffung der Uniformen bewilligte, ist zu hoffen, daß die Freiwillige Feuerwehr die durch scharfe Wahlkämpfe in Parteien gespaltene Einwohnerschaft einen hilft. ld. Aus dem Vogelsberge, 20. Oft. Die feuchte Witterung der letzten Zyt hat die Entwicklung der Ackerschnecke stark gefördert. In der Morgen- und Abenddämmerung sind die äußerst schädlichen Tiere auf der jungen Saat an ihrem Zerstörungswerke. Durch Streuen von gemahlenem Kalk, Kainit und Asche sucht man die Schädlinge zu vernichten. Am raschesten würde ftärferer Frost den Landwirt von diesen ungebetenen Gästen befreien. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 20. Okt. Ein im Distrikt Bornstrauch gelegenes Gelände, das Eigentum der Stadt ist, war vor drei Jahren zwecks Eröffnung eines Steinbruches an die Mi t- teldeutscheHartfteinindustrie verpachtet worden. Nach nur kurzer Betriebsdauer legte die Firma den Betrieb jedoch still mit der Begründung, daß die Pachtsumme mit dem Wert des Bruches nicht im Einklang stehe, und entzog sich deshalb auch in diesem Jahre der Zahlung der Pachisumme. In dem Prozess, den die Stadt gegen die Firma anstrengte, wurde letztere zur weiteren Zahlung der Pachtsumme verurteilt. Nunmehr hat die hiesige Firma Johs. Becker im Einverständnis mit der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie den Steinbruch wieder in Betrieb genommen. Hoffentlich gelingt es ihr, ihn rentabel zu gestalten, da die Abfahrt »verhält - Jch weiß nur das eine: mit allem, was Sie da Vorbringen, sprechen Sie einen fürchterlichen Verdacht gegen Ihre Mutter aus. Sie verstehen, welchen Verdacht ich meine?" „Ich verstehe." Glut schoß Martina in die Wangen. „Ich verstehe genau." Einen Augenblick lächelte sie fast. Es blieb ihr erspart, die Dinge beim Namen zu nennen. Wie vor dem Tode hatte sie davor gezittert. Doch gleich darauf brannten wieder Scham und Schande. „Deshalb bin ich ja hier, Herr Carsten. Ich muß Klarheit haben." „Sie sollen sie haben, Fräulein Martina. Ihre Sache ist es bann, sich mit Ihrem Gewissen auseinanderzufetzen. Auch wenn Sie erfahren haben, daß Ihre Mutter rein dasteht, wird Ihnen nicht leichter zumute sein. Im Gegenteil: dann erst werden Sie fühlen, was Sie mit Ihrem Verdacht an Ihrer Mutter verbrochen haben. Kein Mensch kann diese Last jemals von Ihnen nehmen." Martina fuhr hoch. Ihre Lippen waren weiß. „Man kommt nicht so ohne weiteres hier heraus, Herr Carsten! Man bombardiert einen wildfremden Menschen nicht mit Fragen, die einen fast erdrosseln. Man stellt die eigene Mutter vor diesem wildfremden Menschen nicht bloß. Das alles weiß ich. Das alles ist tausendmal abgewogen, tausendmal zergliedert worden." Schrill lachte Martina auf. „Was wissen Sie von meinen Nächten, Herr Carsten? Was wissen Sie von einem Kinde, das das Bild der Mutter wanken sieht? Das Bild der Mutter — begreifen Sie? Spüren Sie nicht, wie das alles zerbricht: die Jugend, das bißchen Sonne, das ganze Leben?" Atemlos sank Martina auf den Fauteuil zurück. „Und jetzt Ihre Antwort. Ich bitte um Ihre Antwort, Herr Carsten?" „Ihre Antwort!" Im Zimmer nebenan wurden Stimmen laut. Em Ungeduldiger stritt mii Nettelbeck Endlich ging er. Eine Schreibmaschine hämmerte gleich darauf los. Das Telephon übertönte für eine Sekunde das Geklapper. Unbegreiflich deuttich was alles zu unterscheiden. „Genügt Ihnen mein Ehrenwort?" fragte Carsten hohl. Sofort antwortete Martina: „Es sollte mir genügen — aber es genügt mir nicht." Drängend fragte sie: „Was wollen Sie mit dem Ehrenwort nisse nicht gerade günstig sind. — Jetzt, da die Bauzeit sich ihrem Ende nähert, ist es angebracht. einen Rückblick auf die Entwicklung des Hornberger Stadtbildes zu werfen. Wie allerorten, so trat auch hier nach dem Kriege die Frage der Wohnungsbeschaffung immer mehr in den Vordergrund. Aber infolge der Geldknappheit und der Hnsicherheit in der Wirtschaftsentwicklung fanden sich keine Bau- lustigen. Auch während der Inflation hat kaum jemand die Konjunktur ausgenützt. Rur die Stadt baute damals die S t a d t h a l l e und später zwei Beamtenwohnhäuser mit insgesamt fünf Wohnungen. Dann kam der Ruhrkrieg, durch den auch Homberg für sechs ausgewiesene Familien Wohnungen beschaffen mußte. Nach der Stabilisierung war weder Geld noch Kredit da. Später traten mehrere Baulustige zwecks Gründung eines gemeinnützigen Bauvereins zusammen, der in der letzten Zeit eine segensreiche Tätigkeit entfaltete. Durch seine Hilfe entstanden zwei Wohnhäuser mit zwei Wohnungen, sieben Neubauten stehen in Aussicht. 2m allgemeinen wurde in den letzten Jahren sehr rege gebaut, ganz besonders in der Ober-Osleidener Straße und in der Crnst- Ludwig-Straße. Eine weitere Straße soll demnächst entstehen, welche die Hauptstraße mit der letzteren verbindet und am Hotel „Hessischer Hof" ihren Anfang nimmt. Auch in dieser projektierten Straße sind schon Bauplätze erworben worden. Durch vom Staate und andern Behörden an Beamte und Arbeiter gewährte Zuschüsse war es diesen möglich, die Bauten zu beginnen. Seit Kriegsende sind in unserer Stadt mit über 1400 Einwohnern 23 Neubauten mit 31 Wohnungen errichtet worden. Hnter den Bauherren waren zu 44 Prozent Beamte, 22 Prozent Arbeiter, 13 Prozent Handwerker, 13 Prozent die Stadt und 8 Prozent Industrielle. Von Landwirten wurden nur einige Scheunen erbaut. Trotz dieser emsigen Bautätigkeit ist die Wohnungsnot noch nicht ganz behoben. Vom städtebaukünstlerischen Standpunkt aus ist jedoch bedauerlich, daß die Schönheit des Hauses, die doch das Stadtbild stark beeinflußt, oft allzusehr zugunsten der Zweckmäßigkeit und der Billigkeit zurücitrat. Beachtenswert ist, daß von den hiesigen industriellen Werken nur ein Wohnhaus für Werkangestellte erbaut wurde (Gebr. Himmelsbach). In dem Neubau der Heberlandzentrale sind ebenfalls noch zwei Wohnungen geschaffen worden. = Ober-Ohmen, 19. Oft. Gestern verunglückte die in den 80er Jahren stehende Witwe Keil. Sie kam beim Hantieren a m Herde dem Feuer zu nahe und geriet rasch in Flammen. Die Frau eilte auf die Straße, wo hilfsbereite Menschen die Flammen mit Decken erstickten. Mit sehr schweren Brandwunden, besonders am Kopse, liegt die Frau in bedenftichem Zustand darnieder. ^AusdemOhmtal, 20. Oft. 2m nächsten Frühjahr wird unsere sr.schgewalzts O h m st r a ße geteert. Diese Maßnahme ist sehr zu begrüßen, da diese Straße einen Teil der Hauptverkehrsstrecke Gießen—Lauterbach darstellt. (!) Groh-Felda, 20. Oft. Am Sonntag wurde in der hiesigen Kirche das diesjährige Gustav-Adolf-Fest des Dekanats Alsfeld gefeiert. Vormittags fand Jugend- Gottesdienst statt, mittags um 1 Hhr war Fest- gottesdienst, zu dem die Besucher von hier und aus der Hmgegend außerordentlich zahlreich erschienen waren. Die Festpredigt hielt Pfarrer L 0 r h - Durg-Gräfenrode, in der er das Wesen, den Zweck, das Ziel und den Segen des Gustav- Adolf-Dereins darlegte. Der hiesige Männer- gefangnerem verschönte den Gottesdienst durch treffliche Chorgesänge. In der Nachversammlung sprach Dekan Dr. Hnverzagt - Alsfeld, ein von Pfarrer Weber geleitetes Quartett fang einige Lieder, worauf der Ortsgeistliche, Pfarrer Weber, die Feier mit Dankesworten schloß. Die Veranstaltung hat allenthalben einen starken Eindruck hinterlassen. l. Elbenrod, 20. Oft. Bei der (Bürger» mei st erwähl am Sonntag wurde der Landwirt und Schmiedemeister Heinrich Wagner mit 133 Stimmen gewählt. Sein Gegner, Joh. Müller, erhielt 27 Stimmen. Linser seitheriger Bürgermeister, Karl Schröder, wird uns in Kürze verlassen, um in Kassel den Posten eines Direktors bei der Norddeutschen Hagelversicherung zu übernehmen. Schröder, der Kreisvvrsitzen- bekräftigen? Am Ende, daß Sie meine Mutter nur flüchtig kennen?" „Nein," sprach Carsten, „nein." Es handelte sich um Zeitgewinn. Auf einmal fehlten die richtigen Worte. Das Kind da mußte geschont werden. Das Kind da war unschuldig wie Gott im Himmel. Sonne wollte wieder in fein Leben. Ruhig schlafen sollte das Kind. „Nein, Fräulein Martina. Die Sache ist die: Ihre Mutter und ich — wir kennen einander schon sehr lange. Noch gar nicht auf der Welt waren Sie, als wir uns schon kannten. Eine Jugendfreundschaft also, eine Kindersreundschaft beinahe. Das sagt Ihnen genug. Man präsentiert solche Freundschaften nicht aller Welt. Nur Mißverständnisse können dabei herauskommen. Lange hatte ich Ihre Mutter nicht gesehen. Die Bedrängnis, in der sich Ihre Familie befand, führte sie wieder zu mir. Es war natürlich, daß ich tat, was ich konnte. Darum habe ich Ihrem Vater zu einem Erwerb verhalfen. Und das ist die ganze Geschichte — harmlos und über jeden Verdacht erhaben, vom ersten Wort bis zum letzten." „Und darauf geben Sie mir Ihr Ehrenwort?" „Darauf, Fräulein Martina." Martina ergriff feine Hand nicht. Stumm schüttelte sie den Kopf. Ihre blauen Augen flogen ruhelos, heiß. Fassungslos fragte Carsten: Mein Ehrenwort genügt Ihnen wirklich nicht?" Weit holte er mit der Hand aus. „Mein Ehrenwort?" „Ich will Ihr Ehrenwort nicht." „Schwer," murmelte Carsten, „sehr schwer." Leise sagte er bann: „Wie könnte ich Sie sonst überzeugen?" Deutlich spürte er, wie eine unbekannte Gefahr nahte. „Ich weiß ein Mittel," Martina schnellte von ihrem Sitz. „Sie werden doch nicht —" „Keine Sorge: die Mutter bleibt aus dem Spiel." „Nun?" fragte Carsten mit blauen Lippen. Martina ging um den Schreibtisch herum. Ganz dicht kam sie an Carsten heran. „Sie haben mir früher von Ihrem neuen Leben erzählt. Es sind schöne und große Pläne, die Sie verwirklichen wollen. Ihre Ruhe, Ihr Glück, Ihr ganzes ferneres Dasein hangt davon ab, wie dieses Werk gelingt. Es ist Ihnen ja Herzenssache, dieses Werk. So habe ich Sie verstanden." „So ist es auch." der im Hessischen Landbund und MitgUed de- Gesamtvorstandes ist, ist eine weit über die Grenzen des Hessenlandes bekannte Persönlichkeit. Sein Weggang bedeutet für unsere Gemeinde einen schweren Verlust. In den acht Jahren seines Bürgermeisteramtes hat er unsere Gemeinde ein großes Stück vorwärts gebracht. DaS elektrische Licht mit seinem Anschluß an die Edertalsperre, das Kriegerdenkmal, die vielen Wegverbesserungen und Neuantagen von Wegen und Straßen sind unvergängliche Markstei:.e seines Wirkens. Er war jedermann, vor allen Dingen auch den ärmeren Leuten, jederzeit ein treuer Berater und Helfer. Ganz besonders förderte er auch die Bautätigkeit. Die besten Wünsche begleiten ihn von hier in seinen neuen Wirkungsort. Kreis Lauterbach. ----- Vaitshain, 20. Oft. Hnsere Gemeind« erhält nun auch Feldbereinigung. Bei der- zur Zeit unter Leitung des Oberlandmessers Klinger aus Hungen stattfindenden Parzellen Vermessung wird ein neues Verfahren zur Anwendung gebracht, das zur wesentlichen Beschleunigung und Verbilligung der Arbeiten beitragen dürfte. Zur Feststellung der Entfernungen wird nämlich ein eigens dazu konstruierter neuer Apparat benutzt, während man sich seither hierzu allgemein der Metzstangen bediente. Für die ersten lausenden Ausgaben werden pro Morgen und Jahr eine Mark erhoben. Drei Prozent des Geländes sollen als Massengelände verwandt werden Starkenburg? WSN. Darmstadt, 20. Okt. Der zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilte ehemalige Student Mevn wird sich demnächst vor dem Bez.rks- schöffengericht in Darmstadt wegen der zahlreichen von ihm begangenen Fahrrad- und sonstigen Diebstähle zu verantworten haben. WSN. Offenbach, 20. Oft. Der 27 Jahre alte Posthelfer Alexander Klöding aus Annen in Westfalen, der feit einiger Zeit von der Staatsanwaltschaft in Hagen wegen Unterschlagung im Amte steckbrieflich verfolgt wird, ist gestern von der Kriminalpolizei hier ermittelt und f e ft g e • n 0 m m e n worden. — Bei Notstandsarbeiten am Bebelring wurde hier ein Arbeiter von herab stürzenden Erd massen voll st an« dig verschüttet. Seine Arbeitskollegen tonnten ihn glücklicherweise durch schnelles Ausgraben noch vor dem fast eingetretenen Erstickungstod retten. Der Verunglückte, der beide Oberschenkel gebrochen und auch innere Verletzungen davongetragen hat, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. An feinem Aufkommen wird g e • zweifelt. WSN. Dieburg, 20. Oft. In einer hier stattgefundenen öffentlichen Versammlung machte Bürgermeister Wick Mitteilung von den Schritten. die die Stadtverwaltung gegen die von der Regierung geplante Aufhebung des hiesigen Amtsgerichts getan habe. Das Vorgehen der Stadtverwaltung wurde von allen Rednern einmütig gebilligt. Es wurde schließlich eine Entschließung angenommen, in der gegen di e geplanteAushebung, die ein Musterbeispiel einer verkehrten Sparpolitik sei, einmütig Protest erhoben wurde. WSN. Groß-Gerau, 20. Oft. In der Nacht zum Sonntag wurde in das hiesige Kreisamt eingebrochen. Die nächtlichen Gäste sind vom Hof aus in das Haus eingedrungen und haben es anscheinend vor allem auf Geld abgesehen gehabt. Der Kassenschrank hat aber den Herren Einbrechern so viel Widerstand entgegengesetzt, daß sie nicht zu ihrem Ziele kommen tonnten. Daraus sind die Einbrecher in die Wohnung des Kreisdireftvrs Di^ Merck gedrungen und haben die Zimmer durch« sucht, wobei ihnen ein kleiner Geldbetrag in die Hände gefallen ist. WSN. Groß-Gerau, 20. Okt. Der Kampf um den kürzlich zum zweiten Male ausgeschriebenen Bürgermeisterposten scheint auch diesmal wieder mit unverminderter Heftigkeit entbrannt zu sein. Man kann schon von einer „S i n t« flut" von Offerten sprechen, wenn man hört, daß bis gestern nicht weniger als 14 0,Kandi- datenbriefe auf dem Bürgermeisteramt eingelaufen sind. „Halten wir uns also an das", sagte Martina. Unsicher schaute Carsten auf. Martina fuhr fort: „Niemand als ich wünscht sehnlicher, daß alles so komme, wie Sie es sich denken. Nicht nur um der armen Menschen willen, auch Ihnen zuliebe wünsche ich das. Vielleicht haben Sie wirklich viel gutzumachen, Herr Carsten. Sie allein können das wissen." „Ich danke Ihnen für Ihre Wünsche, Fräulein Martina." Weiche, warme Empfindunaen wallten in Carsten hoch. Niemals hatte Julie so gesprochen. Das kleine Mädchen mußte kommen, um ihm das zu sagen. Er langte nach ihrer Hand und drückte sie. Die Augen Martinas wurden weit. „Und nun, Herr Corstem frage ich Sie etwas." „Fragen Sie doch, Kind." Unerbittlich hielt Martina seinen irrenden Blick fest. Mit Nachdruck sagte sie: „Soll dieses Werk, an dem Ihr ganzes Sein, Ihr Seelenfrieden und Ihre Glückseligkeit hängen — soll dieses Werk zusammenbrechen, wenn Sie mich vordem beloaen haben? Schwören Sie mir beim Gelingen dieses Werkes, daß Sie die reine Wahrheit gesprochen haben!? Können Sie das schwören?" Martina beugte sich vor und starrte Carsten an. Einen Augenblick lächelte Carsten. Dann wurde das Lächeln zur Grimasse. Alles knotete sich in seinem zerwühlten Gesicht. Sekundenlang setzte sein Herzschlag aus. Aber die großen, blauen, fragenden Augen ließen ihn nicht los. Alles war versunken: nur diese Augen lebten. Sie drangen auf ihn ein, stachen wie Dolche, bettelten, schrien um Gnade, wimmerten hilflos und drohten wieder: der ganze Jammer eines jungen, gepeinigten Lebens brach aus diesen Augen. Keine Silbe konnte Carsten hervorbringen. Stumm saß er da, wüstes Sausen in den Ohren. Versiegt waren die Gedanken. Nicht ein Wort wollte sich formen. Und er sollte doch sprechen, sollte doch schwören. Immer aufs neue öffnete er die Lippen. Mehr und mehr entschwanden die großen, blauen, fragenden Augen. Endlich kamen die ersten,^ erlösenden Laute. „Ich schwöre Ihnen, Martina —" " Aber das Zimmer war leer. Allein saß Carsten an seinem Schreibtisch. Emsig tickte der Chronometer in seiner Westentasche. (Fortsetzung folgt.) Der DRTHOMßSON'S SEIFENPULVER Len: so Haitisch Flossen Um die Schlachlviehmärkte. Gegen die SperrviehmürHe, für Deibehal- wurde kürzlich bei einem 5 Fuß langen eine Entfernung von Pilzen von den glücklich du^chgesührt. wie ein Eskimo Ilcuyork ficht. sunkiioniert. durch das Fisches aus einen langen leit aus der — Der Otto Mauser, gart. 1926. - olbcne Gar?en. Gedichte. Don 44 S. 8°. Adolf Bonz & Co., Stuft» lieber 500 Seiten Lyrik. Wenn man entscheidet sieh das Schicksal Jhrer Wäsche, und Sie selbst haben es in derJÖand. benutzen Sie daher zum Waschen nichts anderes als wdfompson's Seifenpulver und Seifix (beides zusammen 4-54) Sie haben dann die §e - wißhe/f daß Jhre Wäsche geschont und nicht angegriffen wird. Buntes Allerlei. 3n einem Fischkrankenhnus. Die meisten Aquarien besitzen heutzutage einen besonderen Tank, in dem kranke Fische unlergebracht und von Tierärzten behandelt werden. Gewöhnlich begnügte man sich damit, die kranken Tiere hier zu isolieren und ihnen höchstens lästige Pilze, die auf den Schuppen sich ansiedeln, fortzunehmen. 3m Reuyorker Aquarium aber ist ein riesiger Wasserbehälter in ein Hessen in Berlin. Der Verein der Hessen in Berlin, der am 10. August gegründet wurde und bereits über 200 Mitglieder hat, hielt am 14. Oktober im Hotel „Russischer Hof" in Berlin wieder einen Hessenabend ab, der außerordentlich zahlreich besucht war. Rach geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden und musikalischen Darbietungen der Hauskapelle des Hotels kam die hessis^ Wesensart zum Durchbruch. Andreas Euler in oberhessischer, Kaufmann Heinrichs in rheinhessischer, Chemiker Dr. G ö l z und Ministerialrat Professor Maurer in Darmstädter Mundart unterhielten die anwesenden Landsleute mit heiteren Vortragen und weckten so in ihnen die Erinnerung an die ferne, geliebte Heimat. Der Abend bewies wiederum, daß die Gründung des Vereins ein sehr glücklicher Gedanke war, der in seinem weiteren Ausbau hoffentlich bald alle Berliner Hessen zu gemeinsamer Pflege des Heimat- und Zusammen- gehörigkeitsgesühls umfassen wird. Dazu können unsere Leser mithelfen, indem sie Adressen von in Berlin lebenden hessischen Verwandten oder Bekannten dem 1. Schriftführer des Vereins, Mi- nisterialamtmann Kriegbaum in 'Berlin- Halensee, Iohann-Georg-Strahe 12, mitteilen. Organ kann dann nicht mehr arbeiten, und dem Fisch muß Erleichterung geschaffen werden. Der Patient wird bei diesem Eingriff auf eine schräg gestellte Platte gelegt, so daß der Kopf unter Wa'ser bleibt. Dann wird eine behutsame Mas- .sage norgenommen, um die Lust heraus,zupress<.n. Genügt das nicht, so muß der Chirurge di- Blase mit einer Radel punktieren. Sehr große Fische sind schon im Reuhorler Aquarium operiert wor- Das lann hervorgerufen werd-'' zu Plötzliche Herausnebmen eines dem Wasser: der Fisch tut dann Alemzug, ohne vorher Die Flüssig- Blase ausgestoßen zu haben. Das richtiges Krankenhaus verwandelt, in dem ver- sch.e^ne Ope.a io. ea vorgenommen werden. Man hat beobachtet, daß die Genesung von Süßwasserfischen durch eine Anzahl von Bädern in See- wasser beschleunigt wird. Deshalb werden kranke Karpfen oder Forellen in emo Abteilung dieses „Krankenhauses" gebracht, die stets frisches See- walser enthält, während andererseits Meerfische kurze Zeit in Süßwasser gebracht werden.^Bei manchen Krankheiten ist das Eingreifen des Fisch- Chirurgen notwendig. Der kranke F'osienträzer wird in einen be'onderen Raum dieses Krankenhauses gebracht, wo ihn der Arzt mit einer Hand hält, während er mit der anderen den Eingriff vollzieht. So werden Geschwülste entern!, die sich manche Fische durch das beständige Gegenstößen gegen die Glaswände zufü^en, oder Wunden werden behandelt, die sich kämpfende Fische beibringen. Die äußeren Enden der Flossen werden oft beschädigt und mässen dann abgefchnitten werden. Eine schwierigere Operation ist die Punktierung der Schwimmbla'e, wenn diese nicht geben — in kochendem Wasser aufgelöst — vorzügliche \ \\ Fleischbrühe; sie ersparen das Auskochen von teurem Suppenfleisch. Deutschlands hielt in Frankfurt a. M. eine | stark besuchte Versammlung ab, zu der auch j die Landwirtschaftskammern. der Deutsche Fleischerverband, Schl ach t- unb Viehhofverwaltungen, sowie der Zentralverband der Deutschen Fleischec- g e h i l f e n Vertreter entsandt hatten. Rach einem Referat über die s euch en- veterinärpolizeilichen Vorschriften 1 ü r die Viehmärkte, dessen Forderung dahin ging, daß es nicht einzelnen Beamten überlassen bleiben dürfe, einen als Sperrmarlt zu erklären, wurde unter ausdrücklicher Zustimmung sämtlicher Viehhändlervcrbände aus dem Reiche (die sich in Süddeutschland jetzt zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben), folgende Entschließung e'nstimmig angenommen: ..Die in Frankfurt versammelten Vertreter der deutschen Landwirtschaft, des deutschen V'eb- handels und des deutschen Fleischergewerbes beklagen es außerordentlich, daß durch bie überst r e n g e Handhabung der Ausführungsbestimmungen des Reichsviehseuch enge seh es in verschiedenen Schlachtmärkten eine Entwertung des Viehes herbe'geführt wird, d-e auf die Dauer nicht tragbar ist. Die Versammlung hält es. bei Anerkennung aller Notwendigkeit einer wirksamen Bekämpfung der Viehseuchmi, durchaus nicht für erforderlich, bei vereinzelten Seuchenfeststellungen den ganzen Markt als S p e r r m a r k t zu erklären. Die bisherigen Bestrebungen sollten mit Rachdruck weilerverfolgt werden." Lieber die Montagsviebmärkte ergab sich, daß der Bund der Viehhändler Deutschlands gegen eine Verlegung ist, ebenso tote die Großviehhändler. Die Landwirt- schaftskammem können ihren Standpunkt noch nicht festlegen. Der Deutsche Fleischerverband tritt auch gegen eine Verlegung auf, die dem Flwschergetoerbe drei Arbeitstage rauben würde. Rur der Zentralverband der Deutschen Fleischergehilfen ist für Einführung der Sonntagsruhe, also für Verlegung der Montagsmärkte. tung der Montagsmärite. Bund der Viehhändler sie ehrlich und seßhaft bis zum Ende durchgelesen hat, drängt es sich unabweislich auf: was wirklichen Wert hat in diesem Bande, wäre im zehnten Teil des Umfangs leicht zu fassen gewesen. Gerade bei Gedichten — und heute zumal — kommt es auf selbstkritische, schärfste Auslese an, nicht auf wahllose Fülle. Allzuviel kranke Leidenschaft, allzuviel Eros, allzuviel Politik. Und immer wieder stößt sich Blick und Ohr an Absurditäten des Stils, am verkrampften Wort, am Reim um jeden Preis. Weniger wäre weit mehr gewesen. Die Verse und Bilder, die echten Klang und Farbe haben sind auf 50 Seiten untergebracht. (Nebenbei: Wer lieft heute Gedichte? Wer's aber tut, greift bestimmt eher zum schmalen Bändchen, als nach dem kleingedruckten Wälzer.) 532 allen Ange st eilten und Arbeitern, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, am 1. Oktober ein Jahr im Werk tätig sind und deren Einkommen 8000 Mark nicht Übersteigt, Prämien gewährt werden. Für das Jahr 1926 ist der Bemessung der Prämie ein Grundbetrag von 20 Mark zugrunde gelegt. Hierzu kommt ein Zuschlag, der sich nach Dienstalter und Leistung richtet. Dieser Zuschlag beträgt für 1926 3 Mk.. für jedes vollendete und anrechenbare Dienstjahr und eines weiteren Zuschusses von 10 bis 80 Mk., je nach der Höhe des Einkommens. Die Auszahlung dieser Prämien erfolgt Ende November. — Dem ..Höchster Kreisblatt* zufolge müssen in den letzten Tagen wieder giftige Abwässer in die Nidda geleitet worden sein, denn zahlreiche Fische treiben tot mit stark gedunsenem Leib auf dem Wasser. Woher diese die Fischerei außerordentlich schädigende Verseuchung kommt, konnte leider noch nicht festgestellt werden. WSR. Hanau, 20. Oft. 5in09 Rhernhefsen. WSR. Mainz, 20. Ch Der kürzlich in Reuyork verstorbene Deutsch-Amerikaner Louis T. Lehmeier h-at 13 verschiedenen Mainzer Krankenhäusern. Waisen- Häusern, Alten- und Krüppelheimen die stattliche Summe von 7 5 0 0 0 Dollars vermacht. Ein Testamentsvollstrecker hat die Verteilung der Legate an die Anstalten persönlich geleitet und beaussichtigt. . WSR. Mainz, 19. Oft. Die .Mainzer Volkszeitung" bringt eine Mitteilung, wonach sich beim Abtransport des Z u ch t = Hauslers Weon nach Butzbach zwei sogenannte .Damen" an diesen herangedrangt haben, um ihm Pralinees zuzu stecken. Die , Damen" konnten von den Degleltmannschaiten noch rechtzeitig an ihrem Vorhaben v e r hindert werden. Die Bevölkerung gab rhrem Mißfallen über das schamlose Vorhaben entsprechenden Ausdruck. Preußen. Langfristige Krsd.Le für Domänenpächter in Preußen. Wie der ,Amtliche Preußische Pressedienst" der Antwort des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten auf eine kleine Anfrage einiger deutschnationaler Landtagsabgeordneter entnimmt, ist durch Erlaß des Reichsgesetzes betr. Ermöglichung der Kapitalkredttbeschasfung für landwirtschaftliche Pächter vom 9. 3uli 1926 den Pächtern Gelegenheit zur Erlangung langfristiger, billiger Kredite gegeben. 3n geeigneten Fällen gewährt die Do- mänertoertoaltung selbst Darlehen zu geringem Zinsfuß in Form von Tilgungsschulden. Ferner beabsichtigt die Domänenverwaltung. Pachtrilckstände nach einem für die Pächter tragbaren Tilgungsplan einzuziehen. Die Verhandlungen hierüber sind noch nicht abgeschlossen. Krcis Wetzlar. kz. Garben heim, 20. Oft. Die Frage der Eingemeindung non Garbenheim nach Wetzlar Ist neuerdinas wieder zur Ruhe gekom- men. In einer Sitzung des Gemeinderates wurde in vergangener Woche die Eingemeindungs- frage als vorläufig nicht dringend von der Tagesordnung abgesetzt. Obwohl die hiesige Gemeinde 350 Prozent Umlagen erhebt, möchte man doch keinen Anschluß an Wetzlar, dessen Vorzüge weit hinter den finanziellen Nachteilen zurückstehen. Für die weitere Entwicklung der Stadt Wetzlar und insbesondere der Lahnkanalisierung wegen würde die Verbindung Garbenheim—Wetzlar, der Stadt von großem Nutzen fein. Es wird hier abgewartet werden, was die Zeit weiterhin bringen wird. Kreis Breveukopf. sch. Gladenbach. 20. Oft. Ein schwerer Unfall ereignete sich bei Wommelshausen. Ein Radfahrer kam durch den Schmutz der Straße ins Rutschen, verlor b c Gewalt über sein Rad und fuhr mit starker Gewalt gegen eine Telegraphen st ange. Der Bedauernswerte zog sich so schwere K o p f - und Schulterverlehungen zu. daß er nicht mehr transportfähig war und in einem Haus von Wommelshausen vorläufig unter- gebracht werden mußte. Kreis Marburg. sch. M a r b u r g. 20. Okt. Der Verein für Luftfahrt Marburg, der bereits im Besitz eines Segelflugzeuges ist, beabsichtigt, demnächst auch noch ein Motorflugzeug an- zukausen. Es handelt sich um einen Mark-Ein- decker, 30 P.S., der zwei Personen ausnehmen kann und als Sportflugzeug Verwendung finden soll. — Die Marburger 3u genb- herberge. die dem Gau Main, Lahn. Fulda des Verbandes deutscher Jugendherbergen angeschlossen ist, war in diesem Fahre nicht so gut besucht wie im Vorjahre. D e Besucherzahl im Fahre 1926 bis Oktober betrug 242 si während sich bte Gesamtzahl der Beherbergten im Fahre 1925 auf 3878 belief. Daß in diesem Jahre die hiesige Gegend weniger aufgesucht wurde als im Vorjahre. führt man auf die Geso lei in Düsseldorf zurück, die auch das Ziel unzähliger Wanderer gewesen ist. Oberwesterwaldkreis. WSR. Hachenburg, 20.Okt. Der Postbote Robert Stahl aus dem benachbarten Altstadt ist nach Unterschlagung von Zahlkartengeldern, deren Höhe noch nicht ermittelt werden konnte, flüchtig gegangen. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 20. Okt. Gemäß ministerieller Anordnung ist der Beginn der Polizeistunde für Frankfurt a.M. allgemein auf 2 111)r morgend festgesetzt worden. — Die st ä d t ische n Strand- und Luftbäder lind während der verflossenen Badesaison (Mai- September) von mehr als einer halben Million Badegäste besucht worden. — Vergangene Rächt gegen 11.30 Uhr wurde ein in der Keplerstraße wohnender junger Wann mit Stichverlehungen im Rücken in hilflosem Zustande aus einer Wirtschaft in der Eckenheimer Landstraße auf das Polizeirevier und von dort nach dem Heiliggeisthospital verbracht. Der Täter, ein in der Eckenheimer Landstraße wohnender Elektromonteur, wurde in das P o l i- zeigesängnis eingeliesert.— Vergangene Rächt wurde einer in der Rheinstraße wohnenden jungen Dame in der Rähe des Westend- Platzes von einem jungen Mann die Handtasche entrissen. Die lieberfallene rief um Hilfe, so daß eine in der Rähe vorbeifahrende Radfahrstreife der Schutzpolizei den Täter verfolgen und f e st n eh m e n konnte. WSN. Höchst a. M., 20. Okt. Die Farbwerke haben durch Anschlag bekanntgegeben, daß Wirtschaft. Die Kohlenproduktion in Hessen Tie monatliche Statistik der Kohlenprodultion des Volksstaats Hessen weist für den Monat September 1626 folgende Zahlen nach: An Rohbraunlohlen wurden gefördert 31 701 Tonnen, verkauft wurden davon 11 096 Tonnen: der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodrilten erzeugt: 15 Tonnen Braunkohlenbriketts und Aaßpreßsteine. Außerdem wurden in Hessen erzeugt eine Anzahl Tonnen Steinpreßkohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 11 289 Tonnen Rohkohlen, 1430 Tonnen Briketts, 3201 Tonnen Aaßpreßsteine, zusammen 15 620 Tonnen Braunkohlen und Braun- kohlenprodutte im Gesamtwert von 132 800 Am. * Ter Erzbergbau i m September. 3m Lahn- und Dillgebiet einschl. Oberhessen war als Auswirkung der Staatshilfsaktion eine Belebung der Nachfrage zu bemerken. Der Versand konnte weiter gesteigert und die Belegschaften entsprechend weiter erhöht werden. Die dem Siegerländer Bergbau gewährte Staatshilfe hat sich ebenfalls weiterhin günstig ausgewirkt. Mehr als 3000 arbeitslose Bergleute fanden auf den Gruben wieder Beschäftigung. Die Produktion der Bergwerke weist gegenüber April eine Steigerung von über 100 Prozent auf und fand vollen Absatz. * Daimler-Benz A.-G., Berlin. Wie der DHD. erfährt, schweben bei der Gesellschaft Erwä- gungen, die Flugzeugabteilung der Daimlerwerke in Sindelfingen bei Stuttgart vom Automobilbau abzutrennen und dafür eine eigene Gesellschaft zu bilden. Diese neue Gesellschaft soll mit so viel Kapital ausgestattei werden, daß sie den Bau der Leichtflugzeuge in größerem Umfange aufnehmen kann. vrnnffiirtev Börse. Frankfurt a. M., 21. Oft. Tendenz: Schwächer. — Der Beginn des heutigen Börsenverkehrs zeigte wieder große Unsicherheit und eine starke Zurückhaltung. Aach uneinheitlicher Eröffnung kam die Aeigung zum Aachgeüen schärfer zum Ausdruck, und zwar infolge bedeutenden Angebotes, das aus Banken - und Spekulationskreisen an den Markt kam. Allem Anschein nach sind in diesen Vorgängen bereits Vorbereitungen für den •Ultimo zu erblicken. Das herauskommende Material konnte aber ohne große Schwierigkeiten untergebracht werden, da Käufe aus Publikumskreisen die Abnahme erleichterten. Montanaktien lagen uneinheitlich, aber überwiegend schwächer. Größeres Geschäft entwickelte sich in Mannesmann, die um 2 Prozent höher eröffneten und im Verlaufe um weitere 2 Prozent anzogen. Höher wurden ferner: Rheinmetall plus 1,75 Prozent, Bochumer plus 1 Prozent. Deutsch-Lux und Gelsenkirchen gehalten, dagegen wurden niedriger: Buderus minus 1,25 Prozent, Harpener minus 1.5 Prozent, Klöckner minus 2, Phönix minus 2, Laurahutte minus 1,25, Rheinische Braunkohlen minus 0,25. Proz. Kali- attien strebten weiter leicht nach oben. Am Farbenmarkte gingen 3. G. um weitere 2 Proz. zurück. Scheideanstalt minus 0,87, Goldschmidt minus 2,5,* aber Holzverkohlung plus 1 Proz. Elektroaktien hakten Kursabschwächungen von 1 bis 2 Proz. aufzaweisen. Der Banken markt zeigte nachgebende Haltung. Deutsche minus 1,5, Commerz minus 1,25 Proz. Darmstädter unverändert. Berliner Handel plus 1 Proz. Schiffahrtsaktien lagen behauptet. Motorenwerke gaben 1 bis 2 Proz. nach. Auch Oel a f t i en schwächten sich ab. Deutsche Erdöl minus 1,5 Proz., Rütgerswerke minus 1,25 Proz. Schärfer rückgängig waren von Zel Istoffaktien Aschaffenburger, die 2,5 Prozent nachgaben. Von Bau a f t i e n gaben Heidelberg 1 Proz. nach, während Wayß & Freytag 0,5 Prozent anzogen. Süddeutsche Zuckeraktien setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Badischer plus 2,5 Proz., Heilbronn plus 2 Prozent, Offstein plus 1,5 Prozent, Stuttgart plus 1 Prozent. Am heimischen Anleihe markt zeigte sich Interesse für Kriegsanleihe, die leicht gebessert waren. Ausländische Renten notierten schwacher, besonders Türken. Der Freiverkehr war freundlich veranlagt. Brown Boveri 139, -Ufa 38,75 Prozent. 3m weiteren Verlaufe wurde die Stimmung zuversichtlicher, und besonders einige Spezialwerte kamen lebhaft ins Geschäft, wodurch die Gesamttendenz etwas fester wurde. Der Geldmarkt ist weiter leicht. Tagesgeld 5.5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent. 3ndustrieakzepte 5,37, Privatdiskonten 4,62 Prozent. 3m Devisen- verkehr machte die Befestigung der lateinischen Daluten heute stärkere Fortschritte. Paris zog gegen London auf 159,50 (gestern 164,50) an, Brüssel auf 170 und Mailand auf 110,50. Dagegen lagen das englische Pfund und die Reichsmark schwächer. London gegen Kabel 4,8475, die Reichsmark gegen Kabel 4,2015. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 20 Oktbr. 21. Oktbr. Amtliche Noti rung Amtliche Noticruna (Sclö Brie' G5C1Ö Brief Amst.-Non. 167,84 168,26 167,86 168,28 Buen.-AireZ L71U 1.714 1.710 1,714 Bns- Antw 11,94 11,98 11.93 11,97 Christinnia. 103,15 103,41 104.37 101,63 Kopenhagen 111,66 111,94 111.71 111,99 Stockholm . 112,21 112,49 112,21 112,49 Heliingsors 10,515 10.58« 10.547 10,587 dtalfen . . 17,98 18,02 18,51 18.55 London. . 20,342 2U,3‘>2 20,35 20,40 Vtcnnort . . 4,1965 4,2065 4.198 4,208 Baris. . . 12.425 12.465 12.775 12,815 Schweiz . . «1,01 61,21 61,02 01,22 Spanien • 63.67 63.8.3 63,77 63.93 Japan . . . 2.050 2.054 2,043 2,047 ’N io de Ian 0.574 0.576 0.563 0.565 Wien in D- Ceft. obgeft 59,21 59,35 59,21 59,35 Prag ... 12,425 12,465 12,428 12,468 Belzrad • . 7.418 7,428 7,418 7,438 Dudapeit. . 5.878 6,898 a.882 5.902 Bulaarien 3.036 3,046 >,0.36 3,046 Lissabon -1.423 .1,475 21,425 21,475 Danzig. . . Sl,38 81,58 61,39 81,59 .tionftüntin. Zt 1e57 2.167 2,15 2,16 Athen 5.24 5.26 5,09 5,11 Kanada. . - 1.198 4.208 4,20 4.21 llruflnali «.20 4.21 4.175 4.185 Banknoten. (Ohne Gewähr.) Berlin, 20 Oktbr Geld Briet Amerikanische Note»..... Belgische Noten ....... Dänische Noten . ....... Englische Noten....... . Französische Noten ..... Holländische Noten..... Italienische Noten...... Norwegische Noten..... D-msch-Oesterr, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... schwedische Noten . . ... Schweizer Norm....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Roten . . Ungarische Noten . ‘ . 4,189 11,93 111.37 20,315 12,49 167.53 17,90 103,14 59.05 2,23 111,92 80,8(1 63,64 12,385 5.845 4,209 11,99 111,93 20,415 12,55 168,37 18.09 103,66 59,35 2.27 112,48 81,20 03,96 12.41 5.885 90a 1 Liter-Dose ».! <-• ■ i F Marinaden aus frischen grünen Heringen, Rollmops, Bismarckheringe Hausfrau folge klugem Rate, | Lebensnytteknurvoin Schade! Holl.VollheringeSiück IOa Norw.VoliheringeSiück 7 a «'Mitt«... 45 S-Pfund-Klste....... 2.10 Oelsardine« oÄe„ D°,° 58, 52, 32-=, Stets frisch'. Fstr.Fleischsalat '/«Pfo. 40a Ist.Lachsschnitzel Pfd 60a aus eigenen Importen Die Marke der Kenner! Pfund 00,00,4.20,3.80,3.00 MlemW 0 _ K Auszugsmehl felnr$unil 28§ Tafelmargarine Mmd 65a' Moenus extra Mund 80s, MoeuusGold!>5 W-6ltt.&L60 Siedeier iostü 3®/, Deutsche Reichsmleipe 0.85 _ n K7 Deutsche Svarvrünncnanlcihe 0 41 _ erf.rjft. Bei Schweinen unterblieb die Notierung infolge geringen Auftriebs. — y Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 23. Oft. 1926. Freitag Abend 4 50, Samstag Vormittag 8.30, Aachmittag 3.30, Sabbatausgang 6.05, Wochengottesdienst: morgens 6 45, abends 5 00. Isr. Religionsgemeinde. Gottesd. i. d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den 23. Oft. 1926. Vorabend: 5.00, morgens: 9.00, abends: 5.25 und 6.05. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Skatspieler R. P. Wenn Sie die vier Buben und das Herzaß haben, wird selbstverständlich Hekz m i t fünf (es gibt auch hier das Spiel m i t!) gespielt; hätten Sie außerdem noch die Herzzehn und den Herzkönig gehabt, so hätten Sie mit sechs bzw. sieben usw. spielen können. Wenn Ihre Mitspieler das bestreiten, so müssen diese Herren im Skatspiel noch sehr viel lernen. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der.Radio-llmschau".) Freitag, 22. Oktober. 3.30 bis 4 plhr: Die Stunde der 3ugenö. 4.30 bis 5.40 ifor: Hausfrouen-Aachmittag. bifor: ilebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Siegfried", Der Ring des Aibelungen, zweiter Tag, Musifdrama in drei Auszügen von Richard Wagner. Von fleißigen Bie iicit «ohne Zucker- füitenntqi gesammelter ia Sctetisr- Honig allers.Qual.,10Pid.- Büchse Mitt’. 10 80, halbe Ml. (5.30, frfo. yinebn., bellet §Nce lionig Mk.!.—mehr, Probepäckchen Kleebonigü l'/.Psd. netto litt. 1.80 frans* nea Voreins. Gar. Zurlickn Obstplan- tnae ii.Hwnigversand Werder 25 an der Havel. ,7e8ss */ Med Cebertran ' Tebertran-S nulflon beste Qualitäten v Drogerie Win Wl 1^. Kreuzplah / V. 9 U. 10 Zrlsch ein getroffen: Äotott MAN von Haeberlein- Metzger, in Dosen und Paketen. * SMlMMUS Beim Znh.: QI. Stöckel. 07800 Mäusburg 16. Äfclie Cabliou Seelachs Seehecht u Schollen | Goldbarsch emvfieblt zu billigsten Tagespreisen Hamburger Fischhand'g. A. Koch Nachflgr. Schulstr.IE Tel. 1612. hPfd. 50 Pf. > \ I 1 • Fi ßE > ■ ■ / \ /1 ■