Nr. 221 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 21. September 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« fcheinen einzelner Nummern w*' infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvS und Verlag: vrühl'sche UniverfilSts-Buch- und Ltetndruckerei v. Lange in Sieben. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig-, für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Berantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An> zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. Die Zusammenkunft von Thoiry. Briands Empfang in Paris. Paris, 20.Sept. (WB.) Havas veröffentlicht mit bezug auf den morgigen Ministerrat, in dem Driand über seine Genfer Besprechungen und insbesondere über diejenigen mit Reichs- autzenminister Dr. Stresemann Bericht erstatten wird, eine Erklärung, in der es heißt: 3n gewissen Pariser Kreisen ist heute das Gerücht im Umlauf gewesen, daß innerhalb und außerhalb der Regierung Einstimmigkeiten hinsichtlich der von Briand eingeleiteten Verhandlungen bestünden. Dieses Gerücht entbehrt jeder Begründung, zumal Außenminister Driand bisher den übrigen Kabinettsmitgliedern keine Darstellung über den Verlauf dieser Verhandlungen gegeben hat. Driand hat bisher lediglich dem Ministerpräsidenten im Laufe einer kurzen Unterredung die großen Linien der Besprechungen von Genf und Thoiry dargelegt. Der „Quottdien" behauptet trohdem heute erneut, innerhalb des Kabinettes werde über das Programm der deutsch-französischen Annäherung eine Spaltung zwischen den Mitgliedern des Kartells und den Mitgliedern des nationalen Blockes Eintreten. Bei dem Ministerrat am Dienstag werde sich der Präsident der Republik sicherlich weigern, den Streit von Cannes gegen Briand zu erneuern. Alles hänge jedoch von einer einzigen Persönlichkeit ab, und zwar von Poin- care , den zweifellos seine Vergangenheit befangen halte, Poincarö, Darthou, Tardieu undBokanowski, so schreibt der nationalistische „Intransigeant" werden das größte Augenmerk darauf richten, ob die in Thoiry in ihren großen Zügen festgelegten Absichten sich auch in den Rahmen des Versailler Vertrages ein reih en lassen, und ob die Unantastbarkeit dieses Vertrages selbst gewährleistet sei. Es werde auch nicht an der Frage fehlen, ob der D a w e s- plan Deutschland überhaupt die Freiheit läßt, eine Sonderentschädigung zu leisten, von der seit Thoiry vielfach die -Rede gewesen sei. Dagegen erwartet man, daß Painleve und Perriot Driand in seinen Destrebungen unterstützen werden. Als interessantestes Moment einer deutsch-französischen Zusammenarbeit wird mit Vorliebe die Möglichkeit einer gemeinsamen Front gegen Washington in der Schuldenfrage in den Vordergrund geschoben. Deutschlands finanzielle Freiheiten sollen seit Bestehen des Dawesplanes und des Transferkomitees begrenzt sein, so daß Frankreich für die frühzeitige Räumung nur Versprechungen einer finanziellen Hilfe bekommen würde, die selbst von allen möglichen anderen entscheidenden Faktoren abhängig sein würden. Das Argument, daß die Räumung des linken Rheinusers auch von der Zustimmung Delgiens und Englands abhänge, wird aber selbst in den äußersten Rechtskreisen nicht als stichhaltig gehalten. Leidep bestehe nur das große Fragezeichen: die finanzielle Hilfe Deutschlands zur Wiederaufrichtung des französischen Franken! Die Rückwirkung auf England. Paris, 21. Sept. (TU.) Der „Temps" geht am Montag auf die Frage der Rückwirkungen einer deutsch-französischen Annäherung aus die englische Politik ein. Es gebe politische Gruppen in England, die behaupteten, daß der englische Einfluß in Europa nur bann von Bedeutung sein könne, wenn Deutschland und Frankreich zum mindesten Rivalen blieben. Auf keinen Fall dürfe die deutsch-französische Annäherung zur Folge haben, daß die Bande, die Frankreich, England und Italien verbinden, aufhörten. Es wäre ganz unverständlich, daß in England derartige Befürchtungen nach der Unterredung in Thoiry laut werden könnten. Im übnqen dürfe man aber nicht vergessen, daß seit sechs Jahren es gerade die Engländer gewesen seien, die Frankreich verhindert hätten, Deutschland zur strikten Einhaltung des Versailler Vertrages zu zwingen, und daß durch die Pression der englischen Regierung 1924 mit dem Dawesplan die Politik der Versöhnung und Verständigung mit Deutschland einsetzte. In maßgebenden Kreisen Londons wird die von gewisser Seite auf dem Kontinent verbreitete Ansicht, die in den letzten Tagen erfolgte Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich sei der - britischen Regierung keineswegs angenehm, da sie eine Spitze gegen England enthalten könnte, als „vollkommen absurd" bezeichnet. Es wird betont, daß ein großer Teil der Tätigkeit Chamberlains der Erreichung des erwähnten Zieles gewidmet gewesen sei, und hervorgehoben, ein wie großes Interesse England besonders jetzt, wo es durch die Locarnooerträge an das Schicksal Europas gebunden sei, an allem habe, was zur Förderung des europäischen Friedens und zur Beseitigung einer Kriegsgefahr auf bem Kontinent beitrage. Mißfallen in Italien. Mailand, 20. Sept. (TU.) Die durch die Unterredung von Thoiry zwischen Deutschland und Frankreich angebahnten diplomatischen Verhandlungen über eine umfassende deutsch-französische Verständigung haben in Italien kein Wohl- gefallen ausgelöst. Die Presse glaubt, Italien könne sowohl politisch wie wirtschaftlich von einer deutsch-französiichen Entente Nachteile haben. Wenn ein Abkommen zustande komme, so werde das in einem Umfange der Fall sein, wie es selten zwischen Staaten vereinbart worden sei. Mü MW M Dem MWOM. Genf, 20. Sept. (WTD.) 3m Dölkerbunds- rat erklärte der Präsident des Danziger Senats, Dr. Sahm: Wenn man die vom Finanzkomitee Danzig zwecks Erlangung einer Anleihe erteilten neuen Ratschläge hört, könnte man meinen, die Finanzen des Danziger Freistaates befänden sich in völliger Einordnung, während Danzig seinerzeit gelegentlich der Einführung seiner neuen Währung hier zur Art seines Vorgehens in Finanzfragen lebhaft beglückwünscht wurde. Um den Gegensatz zwischen den damaligen Feststellungen der Völkerbundsvrgane und dem soeben gehörten Bericht des Finanzkomitees zu erklären, schilderte Sahm die außergewöhnlichen Umstände, die das Defizit im Danziger Bü d g e t 1926/27 veranlaßten. Danzig entging nach der Stabilisierung der Währung nicht der folgenden allgemeinen Krise, die 1925 über Mitteleuropa hinwegfegte und die Zahl der Erwerbslosen in Danzig anfangs 1926 auf mehr als 20000 steigen ließ. Die Entwertung des'polnischen Zloty führte zu bedeutenden Verlusten bei Krediten, die den polnischen Kunden in Zloty gewährt waren. Der Zollkrieg zwischen Polen und Deutschland schädigte bestimmte Zweige von Danzigs Handel schwer. Ganz schwer lastet die Rot auf der Landwirtschaft. Besonders ungünstig wirkte auf die Finanzlage der Stadt außerdem das Sinken der Zolleinnahmen. Danzig, das mit, Polen in Zollunion lebt, erhält zwischen 7 und 8 Prozent der gesamten Bruttoeinnahmen der im Gebiet der Zollunion erhobenen Zölle. Der Anteil Danzigs belief sich im Rechnungsjahre 1924 auf 23 Millionen Gulden, 1925 auf etwa 19 Millionen Gulden. Rach den Ergebnissen der letzten Monaie würde dieser Anteil für das laufende Rechnungsjahr nur 8,6 Millionen Gulden betragen. Die Zollverwaltungskosten wurden für 1926 auf 6,5 Millionen Gulden geschätzt. Der Reinertrag Danzigs wird also zwei Millionen Gulden nicht erheblich überschreiten. Kein Wunder, daß Danzig die Aen- derung des Zollverteilungsschlüs- sels, dessen vertragliche Dauer am 1. 3anuar 1925 abgelaufen ist, zu erlangen sucht. 3n den vergangenen 3ahren hatte Danzigs Budget regelmäßige Überschüsse abgeworfen. 3nsolge der von mir geschilderten anormalen Verhältnisse entwickelte sich im Laufe des Etatsjahres ein Defizit, ja es mußten sogar schwebende Schulden in bedrohlichem Umfange, vorzugsweise bei deutschen Danken, ausgenonunen werden. 3n klarer Erkenntnis der kommenden Gefahren unterrichtete die Danziger Regierung die Organe des Völkerbundes, unter dessen Schuh Danzig steht. Auf Grund unseres Hilferufes beschäftigte sich das Finanzkomilee des Völkerbundes mit der Finanzlage Danzigs. 3n London hat das Finanzkomitee bestimmte Bedingungen formuliert, bei deren Erfüllung durch Danzig es eine Anleihe empfehlen zu können glaubte. Auf Grund des Londoner Berichts des Finanzkomitees hat Danzig dann einen Reformplan für seine Finanzen aufgestellt. Die neuerdings gefaßten Beschlüsse des Finanzkomitees haben schwer enttäuscht. Die weit über die Londoner Bedingungen des Finanzkomitees hinausgehenden neuen Bedingungen sind außerordentlich schwer und vielleicht in einigen Punkten schon jetzt als unerfüllbar zu bezeichnen. Die Enttäuschung wird dadurch erhöht, daß das Finanzkomitee als Anleihebetrag nur 30 Million en Gulden statt 60 Millionen empfehlen will. Dadurch wird zu einem sehr erheblichen Teil, unsere Hoffnung zerstört, durch produktive Arbeiten die große Zahl der Arbeitslosen zu verringern. Danzig hat schwebende Verbindlichkeiten in Höhe von 13 440 000 Gulden. Das Finanzkomitee wünscht nun, daß sich Danzig verpflichtet, für die Dauer der weiteren Prüfung der Lage von jetzt an ohne Genehmigung des Finanzkomitees keine weiteren lang- oder kurzfristige Schulden aufzunehmen. 3d> weiß nicht, wie Danzig die schwebenden Schulden, die sofort oder in den nächsten Wochen fällig werden, zurückzahlen soll. Danzig würde es dankbar begrüßen, wenn ihm der Völkerbundsrat nicht die Freiheit -nehmen würde, sich selbständig zu helfen. Erst am 11. September forderte die Bot- • fchafterkonseren; Danzig auf, die kosten für die alliierten Befahungstruppen in drei Jahresraten, beginnend vom 1. September d. 3. ab, zu zahlen. Da diese Tatsache von der Freien Stadt bei ihrer Finanzreform nicht verwertet werden konnte, wurde Danzigs Lage weiter verschärft. Ramens der Freien Stadt erbitte ich auch in dieser Frage ebenso wie hinsichtlich der Verhandlungen mit der Reparattonskornmission um die Unterstützung des Volkerbundsrats. Das Finanzkomitee hat sich bei seinen Beschlüssen lediglich von Finanzgesichtspunkten leiten lassen. Den VölkerbiHndsrat bitte ich hei seiner Entschließung auch soziale und politische Momente nicht außer acht zu lassen und Danzig behilflich zu fein, die hoffentlich nur vorübergehende finanzielle Rotlage zu überwinden. Rach den Darlegungen des Senatspräsidenten Sahm erklärte der polnische Außenminister Za- l e s k i, daß er auf die Einzelheiten des Berichts des Finanzkomitees nicht eingehen wolle und erneuerte die Versicherung, daß Polen zur Aufstellung eines neuen Verteilungsschlüssels für die Zolleinkünfte bereit sei. Der Völkerbundskommissar van Hamel sagte auf die Fragen des Ratspräsidenten, er habe im jetzigen Stadium der Verhandlungen keine Bemerkungen zu machen. Dann ergriff. Reichsminifter Dr. Stresemann das Wort, um in deutscher Sprache etwa Folgendes auszuführen: Die engen Beziehungen, die uns mit Danzig verbinden, werden es allgemein verständlich machen, daß die hier zu erörternde Frage großes 3ntereffe auf deutscher Seite erregt. 3ch möchte zunächst auf einen wirtschaftlichen Gesichtspunkt in der schwierigen Lage der freien Stadt Danzig aufmerksam machen, nämlich auf die s chweoenden Schulden in Höhe von mehr als 13 Millionen Gulden, die im wesentlichen von deutschen Danken gegeben worden sind. Angesichts dieser Lage sind in gewisser Beziehung die vorgesehenen Maßnahmen auch nach meiner Auffassung nicht hinreichend. 3ch hoffe, daß die Verträge, die zwischen Polen und Danzig geschlossen werden sollen, die Situation einigermaßen verbessern werden. 3ch Höffe, daß in absehbarer Zeit der Zollkrieg zwischen Deutschland und Polen beendet und normale wirtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder hergestellt sind und daß bann auch für Danzig eine normale Lage wiederkehrt. 3ndessen scheint mir die Frage noch nicht gelöst, wie Danzig geholfen werden soll, wenn die Aufnahme kurzfristiger Anleihen in der Zeit bis Dezember sich als notwendig erweisen sollte, aus Gründen wie z. B. einem Anwachsen der Arbeitslosigkeit. Hinzu kommt, daß, wie Präsident Sahm uns mitteilt, Danzig bei Aufstellung seines Budgets und Vorlage seines Reformprogramms die Auflage der Reparattonskommission nod) nicht kannte, wonach die auf gelaufenen Desahungskosten in drei Jahresraten getilgt werden sollen. Aus allen diesen Gründen richtet der Minister an den Berichterstatter, den belgischen Senator de Brouckere die Frage, ob es nicht möglich sei, daß bis zur nächsten Session des Völkerbundsrats die Bestimmung über die Unzulässigkeit neuer kurzfristiger Anleihen fallen gelassen werden. In bezug auf die schwebenden Schulden glaube er, daß Danzig Prolongationen erhalten könne und er sei ferner der Meinung, daß bei Aufnahme einer Anregung die Möglichkeit geschafien werden könne, Danzig gegebenenfalls für den Augenblick zu Helsen. Der Berichterstatter d e Brouckere empfahl die Annahme des Berichtes, der hinsichtlich der künftigen Finanztransaktionen nur Anregungen enthalte. Im übrigen halte er es für fraglich, ob es ratsam sei, die Sachverständigen- vorschläge abzuändern, da ja nicht der Rat die Anleihe gegeben habe. Lord Robert Cecil trat dieser Ansicht bei. Präsident Sahm trat sodmn für die Beschaffung derjenigen Mittel ein, die etwa bis zum Dezember durch Steigen der Arbeitslosenziffern notwendig werden könnten. Der Ratsvorsitzende B e - n e f ch schlug schließlich vor, ein Verfahren nach den Bedürfnissen Danzigs zu wählen, den Bericht anzunehmen und im Sinne einer Anregung Stresemanns sowie einem zuletzt auch von Sahm gestellten Anträge entsprechend, dem Vorsitzenden des Finanzausschusses Vollmacht >n ei teilen, der dann entweder unter Einberufung des Komitees oder auf eigene Verantwortung die erforderliche Genehmigung erteilen könnte. Diesem Antrag wurde widerspruchslos entsprochen und damit der Bericht angenommen, der folgende Resolution enthält: Der Rat billigt den Bericht des Finanzkomitees. Er nimmt Kenntnis von den Erklärungen der Vertreter Polens und der Freien Stadt in Bezug auf die Fortschritte in ihren Verhandlungen über die Verteilung der Zolleinkünfte. Er drückt den Wunsch aus, daß die Behörden der Freien Stadt dem Finanzkomitee bei seiner nächsten Sitzung einen zufriedenstellenden Reformvorschlag vorlegen sollen, und daß die verschiedenen Autoritäten, von denen die Schlußfolgerungen aus den in dem Bericht des Finanzkomitees vorgesehenen Verbesserungen abhängen, die Bereitschast zeigen, , die Lösung vorzunehmen, die eine endgültige Regelung des Problems der Danziger Finanzen möglich macht, und vertraut darauf, daß es unter diesen Umständen für den Finanzausschuß möglich sein wird, die Ausgabe einer Anleihe zur Sicherstellung der Wiederherstellung der Finanzen der Freien Stadt zu empfehlen. Das neue Zollabkommen zwischen Polen und Danzig. Genf, 20. Sept. (WTB.) Für morgen vormittag wird die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Danzig und Polen über die Festlegung eines neuen Verteilungsschlüssel s für den Danziger Anteil aus den Einnahmen der Danzig-polnischen Zollunion erwartet. Das Abkommen soll entsprechend den Vorschlägen des Finanzkomitees für Danzig ein Minimum von 14 und ein Maximum von 20 Millionen Danziger Gulden jährlich vorsehen. Internationale Abkommen über wirtschastrsragen. Von Professor W i t t s ch e w s k h. Die amtlichen und privaten Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über eine vertragsmäßige Regelung ihrer wirt- schaftttchen Beziehungen in einem bestimmt begrenzten Umfange sind nach sehr umständlichen Auseinandersetzungen zu einem Abs chluß gelangt. Das auf sechs Monate abgeschlossene Handelsabkommen und der Pakt der Eisenindustriel-, len werden, wie man voraussehen kann, dazu beitragen, die politische Atmosphäre zwischen den beiden Ländern aufzuhellen, ihre eigentliche Bedeutung liegt aber im Abbau der Schwierigkeiten, welche die beiderseitige Produktion und den Außenhandel beeinträchtigen. .lieber die Einzelheiten des Handelsprovisoriums und die grundlegenden Bedingungen des internationalen Eisenpakts sind so viele — zum Teil einander widersprechende — Mitteilungen in den Blättern verbreitet worden, daß es sich erübrigt, dieselben hier nochmals herzuzählen, hingegen erscheint es angezeigt, die internationalen Bindungen der Wirtschaftsverbände in ihrer Allgemeinheit zu würdigen. 3nternationale Abmachungen einzelner 3n- dustriegruppen über eine gemeinsame Wahrung ihrer 3nteressen sind nicht erst in neuerer Zeit in Erscheinung getreten. Wirtschaftsverständigungen bestanden in der chemischen, Metall-, fieber» und Textilindustrie in mannigfachen Formen schon lange vor dem Kriege. Ein Teil von ihnen ist, ohne daß die Oefsentlichkeit davon Rotiz nahm, in der Kriegszeit auseinandergesallen. 3n der Rachkriegszeit ist der Kartellierungsprozeß mit verdoppeltem Eifer von den beteiligten 3ndustrie- führern wieder ausgenommen worden. Von wichtigen Abreden nennen wir die Petroleum-Konzerne, den Sprengstofftrust, den Gemeinschaftsver- trag der Glühlampenindustrie, von anderen Vereinbarungen zu schweigen. Die zahlreichen Gründe für die Reubildung internationaler Wirtschaftsverbände liegen auf der Hand. Der Weltmarkt ist in die größte Einordnung geraten, und ein zügelloser Wettbewerb treibt auf ihm sein, die früheren Lieferanten schwer schädigendes Spiel. Die gegen die Zerrüttung ergriffenen Maßnahmen wie Zollschranken, Staatssubventionen, Dumpingstühen u. a. haben sichtbarliche Wirkungen nicht ausüben können, denn das Auskommen neuer 3ndustrieländer einerseits, die geschwächte Kaufkraft der Verbraucher andererseits verursachen Störungen, die auch durch den schärfsten Wettbewerb sich nicht ausschalten lassen. Deutschland ist von diesen Schwierigkeiten am härtesten bedrängt, Unfere zu großem Umfang emporgewachsene 3ndustrie muß in ihrer Entwicklung gehemmt werden, wenn ihr die Roh« ftoffquellen durch mißgünstige staatliche Konkurrenten vorenthalten werden, und der Absatz ihrer Fertigfabrikate an das Ausland durch die besser situierten 3ndustrieländer zurückgedrängt wird Deutschland ist aber durch feine Schuldverpslich, tungen und Reparattonslasten mehr denn je bar. auf angewiesen, den Wirkungsgrad seiner Wirt» schäft zu steigern. Ein Mittel hierzu bilden inter* nationale Vereinbarungen. Diese bilden den 3n- halt von Handelsverträgen, die zwar günstige Bedingungen für den internationalen Warenaustausch erstreben, aber stets nur zwischen zwei bestimmten Ländern geschlossen werden. Die meisten Fragen des privaten Wettbewerbs bleiben dabei offen, selbst wenn die Zolltarife gebunbefl oder ermäßigt werden. Handelsverträge erleichtern wohl den internationalen Warenaustausch, verschärfen aber auch den Wettbewerb. Dabei kommen bekanntlich Fälle vor, daß andere Länder in den Zollsätzen vor Deutschland begünstigt sind, oder daß neue Zölle gerade gegen deutsche 3n- dustrieerzeugnisse eingeführt freien. Voraussetzung für internationale Abkommerder Industriellen ist ihre nationale 2er- bandsorganisation. Die Koalitionen von Unternehmern der verschiedenen Wirtschafts- zweige sind naturgemäß zunächst nur auf die gemeinsame Wahrnehmung der inländischen 3nteressen gerichtet, sei es durch den Einkauf von Rohstoffen oder den Verkauf von Fertigfabrikaten- sei es durch die Abwehr voir Betriebsschädigungen oder die Produttionsförderung, sei es durch Konventionen oder in anderer Weise. Reicht der 3nlandmarkt zur Aufnahme der Produltton nicht aus, so muhte der Absatz ins Ausland e'nge» leitet werden, und hier nun entwickelt sich jener erbitterte Konkurrenzkampf, der häufig zu Preissenkungen für die Ausfuhrware nötigt, während die 3nlandpreise zum Ausgleich um ff höher angeseht werden. Die Verständigung mit der ausländischen Konkurrenz ist unter solchen Umständen dringend erwünscht, um so dringender, je größer die von den betreffenden Industrie- gruppen vertretenen Wirtschaftsinteressen sind. Das trifft zweifellos bei der eisenerzeugenden und eisenverarbeitenden 3ndustrie zu. Der mitteleuropäische Eisenpakt, dessen Ab» schluh gesichert ist, erstrebt eine Orbnüng öetl Welteisen Marktes. Die beteiligten Länder wollen sich in den Auskandabsah teilen, die Preiskämpfe einstellen und Ueberproduktion durch Kontingentierung ihrer Leistungen vermeiden. Zugleich sollen die Verbraucher zu möglichst gleichbleibenden Preisen beliefert werden. Die Abreden der Wirtschastsverbäyde über die Preishöhe ihrer Erzeugnisse sintt aber diejenige Seite des Karkellwesens, gegen die von jeher vielfache Angriffe sich richten. 3mmer wieder lieft man, es handele sich um „monopolistische Machtausbeutung". Es soll "tticht geleugnet wer» den. bah DtrtragSmäßige Bildungen tote Kartelle, Syndikate uftt>. häufig die Preisschraube zuungunsten -er Verbraucher kräftig airziehen. Eine monopolistische Beherrschung des Marktes können sie aber zumeist schon deshalb nicht erzwingen, weil, selbst toenn alle Unternehmer desselben Wirtschaftszweiges das gleiche Preisniveau ein- zuhalten sich verpflichten, durch Die gesteigerte Gewinnquote alsbald eine neue Konkurrenz hervorgelockt wird. Die Preise bleiben oft aus dem Papier, weil der einzelne Unternehmer aus Almtoegen seinen Vorteil wahrzunehmen weih. Auch wird gegen die Mißbräuche der Kartellierung durch Kartellgesehe ein Damm aufgerichtet. Daß bei der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung der Neuzeit der Zusammenschluß der gleichartigen Betriebe unter volkswirtschaftlichem Gesichtswinkel nutzbringend ist, wird kaum noch bestritten. Die Kartellgebilde verschaffen sich mehr und mehr Geltung innerhalb der staatlichen Gemeinschaft und über die Landesgrenzen hinaus. Sie leiten eine bessere Organisation der Weltwirtschaft ein und dienen in diesem Sinne dem Gemeinwohl. Die Annäherung aller ist bedingt durch die Solidarität der Interessen und führt zu einer Vereinheitlichung auf weltwirtschaftlichem Gebiete. Die Not der Zeit hat zur internationalen Arbeit gedrängt, ideale Tendenzen der Völkerversöhnung sind mit starkem Nachhall hervorgetreten! man kann von einer Blütezeit hinsichtlich der Bildung und Betätigung internationaler Wirtschaftsorganisationen sprechen. DieDolksparteiinHessen. Eine Rede des Abq. Dinqeldcy zur hessischen Politik. Auf einem Ausflug der Darmstädter Ortsgruppe der Deutschen DolkSpartei nach Auerbach an der Bergstraße, hielt der Landesvorsitzende der Deutschen Volkspartci, Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Dingeldeh eine Ansprache, in der er die zur Zeit im Vordergründe des Interesses stehenden Fragen der Politik des Reiches und Hessens behandelte. Der Redner führte u. a. etwa aus: Drer Jahre sind es jetzt her. daß zuerst als Reichskanzler, dann als Reichsaußenminister unser Parteivorsitzender Dr. Strcsemann die große Politik Deutschlands leitet, getragen von dem Vertrauen, das ihn nut uns verbindet und uns ihm verbunden hat. Wir müssen uns einmal vor Augen führen, wie Deutschland oussah als Stresemann die Verantwortung für die Politik annahm. Deutschland hat wieder begonnen, die Achtung anderer Nationen zu erlangen; vom Ziele sind wir noch weit entfernt, noch weit entfernt von der unserer historischen Vergangenheit entsprechenden Machtstellung, worauf wir Anspruch haben; aber die Grundlagen hierzu sind allmählich wiedergelegt worden Daß in Genf noch kein Anlaß zu Iubelhymnen gewesen ist das wissen wir, aber, daß man dort wieder mit Achtung von Deutschland spricht, das erreicht zu haben, ist das Verdienst Strese- manns. Der Glaube an Deutschland hat ihm den Weg gezeigt, den Weg auf dem eine bessere Zukunft für unser Vaterland gefunden werden kann Linser Blick in die hessischePolitik kann kurz sein; wir stehen immer noch unter den zerstörenden Wirkungen des Krieges und der Inflationszeit. Hinüberführen zu besseren Zuständen kann uns nur ein fester Wllle. Die Luxuseinrich- tungen und die Arabesken der Nachkriegszeit müssen unbedingt verschwinden. Lins ist der Weg zu einer Besserung der Zustande immer noch nicht versperrt. Es ist inuner noch besser, die Notwendigkeit einzusehen und dann zu handeln, als einem Berge von Scherben gegenüberzustehen, vor dem sich jetzt die hessischen Staatspolitiker befinden. Es ist nicht so, daß die Führer der Regierungsparteien und der hessische Finanzminister nicht zu einer Einsicht in die Zustände der hessischen Finanzen gekommen wären, wohl aber fehlte das Verantwortungsgefühl um die Folgen auf sich zu nehmen, wenn dabei auch einem großen Teil ihrer Parteifreunde vor den Kops gestoßen werde. Es ist kein besonderer Ehrentitel für die hessische Regierung, wenn sie sich vom Reich einen Sachver- ständigen verschreiben muh, um Ersparnisse in Hessen zu machen. Man wird also das tun müssen, was man aus eigenem Entschluß bisher nicht tun konnte, sichnachderDecke st recken. Alle amtlichen Erklärungen können an den Rückwirkungen und an den Tatsachen nichts ändern. Man hat versucht, die Verhandlungen mit dem Reichsfinanzminister als einen großen Erfolg hinzustellen. Aber wenn das Reich derartig in di« Finanzen eines Landes hineinredet. nimmt es auch d i e H e r r s ch a f t in diesem Staate in die Hand. Es bleibt, trotz aller gegenteiliger Versicherungen bestehen, daß Hessen dem Reich als Schuldner gegenübersteht und daß es sich allen Forderungen des Gläubigers zu unterwerfen hat zur Abwendung der Geschäftsaussicht. Wir haben das Vertrauen zum Reich, daß es seine Wacht nicht mißbrauchen wird, aber wir würden uns sehr gefreut haben, wenn Hessen von sich ans früher den Weg eingeschlagen hätte. Wir haben daraus hingewiesen und immer verlangt, daß die Regierung die Entschlossenheit aufbringe, um den Zustand der hessischen Finanzen zu ändern, aber sie hat von sich aus die Entschlossenheit nie aus- gebrächt. Man hat uns vorgeworfen, daß wir ständig unsere Angriffe gegen den hessischen Finanzminister richteten; niemals ist jedoch ein Wort gegen die Person und den Charakter des Finanzministers von unserer Seite gefalleii. Mir weisen es mit Entrüstung zurück, wenn man uns eine persönliche Kampfesweise gegen den Finanzminister unterschiebt; nicht auf die Person, sondern auf seine Amtsführung kommt es uns an; wir tun das. wozu jeder Staatsbürger berechtigt, ja verpflichtet ist, wenn wir an dem Finanzwesen Kritik üben. Wir würden unsere Pflicht nicht erfüllen, wenn wir nicht von Anbeginn an gegen diese Politik Stellung genommen hätten. Was haben wir denn getan? Wir haben das hessische Volk auf gerufen, um zu entscheiden vb es der Politik der Regierung in Hessen weiter seine Zustimmung geben wolle. Gibt es etwas Demokratischeres als einen Volksentscheid?! Gibt es etwas Selbstverständlicheres als daß das Volk befragt wird, ob es weiter so geführt fein will?! Lind nun die Tragikomödie des Landesabstimmungsausschusses! Wenn man eine Preisaufgabe ausseht, zur Herabwürdigung demokratischer Ideale, so würde ihn der Landesab- stimmungsausschuß mit seinen endlosen Verhandlungen erhalten. Was bleibt davon übrig, nichts als das Bestreben, den Arteilsspruch so lange als möglich hinauszuschieb en. Die Schreckenstat in Freienfeen Zu dem furchtbaren Ereignis in F r e i e n f e e n können wir heute weiter berichten, daß sich die Gerichtsbehörden gestern vormittag zu früher Stunde an die Stelle der Tat begaben. Von der Staatsanwaltschaft Gießen waren zugegen Ober- staatsanwalt Hoos, Staatsanwalt Dr. Eckert und die beiden Kriminalkommissare der Staatsanwaltschaft, vom Amtsgericht Laubach war Oberamtsrichter Zimmermann erschienen. Die Beamten nahmen die Aufklärung der furchtbaren Tat sofort mit aller Energie in Angriff. Wie wir von vertrauenswürdiger Seite hören, steht unzweifelhaft fest, daß der 23jährlge Karl Schreiner das furchtbare verbrechen selbst begangen Hal, daß er zuerst seine Mutter ermordete, Brand legte und darauf sich selbst durch zwei tiefe Schnitte mit seinem Rasiermesser den Hals bis auf die Wirbelsäule durchschnitt. Der Mutter hat er mit dem Beil den Schädel eingeschlagen, außerdem hat er ihr noch zwei Beilhiebe in das Genick versetzt. Die Mordwaffe wurde in einer Truhe im Hanse vorgefunden. Stiche in der Brust, wie gestern berichtet, weist die Leiche nicht auf, offensichtlich ist hier in der ersten Bestürzung seitens privater Per- sonen ein Irrtum unterlaufen. Das Rasiermesser, mit dem der Täter sich selbst entleibte, wurde unter dem Leichnam des Mannes oorgefunden. Im Gegensatz zu verschiedenen gestrigen Vermutungen kann mit Bestimmtheit gesagt werden, daß eine fremde Täterschaft nach dem Ergebnis der eingehenden Ermittelungen nicht in Frage kommt. Tas Haus war von innen verschlossen, es fehlten keinerlei Gegenstände, und es zeigten sich auch feine Spuren, die irgendwie auf eine fremde Person hingedeutet hätten. In dem Hause lebte mit der Familie Schreiner der hoch in den 70cr Jahren stehende Großvater, der recht hilfsbedürftig ist und in seinem hohen Alterszustand von dem grausigen Vorgang gar nichts bemerkt hatte. Das Verhältnis in der Familie war stets auf Verträglichkeit und Harmonie gestimmt, Streitigkeiten sind nie bemerkt worden!. Tie Familie Schreiner lebte in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Frau stand im 44. Lebensjahre und war Mutter dreier Kinder, des Täters, einer Tochter und eines I3jährigrn Jungens. Tie Tochter ist in Alsfeld in Stellung, der Junge befiirdet sich zur Kur in Bad-Nauheim. Der Täter führte einen ordentlichen, soliden Lebenswandel und erfreute sich im Orte allgemein des besten Ansehens. 3n der letzten Zeit zeigte er öfters grundlos ein etwas niedergeschlagenes Gebahren, und dieser gedrückten Stimmung ist es wohl auch zuzuschreiben, daß er am Samstagabend mehreren Einladungen zu geselligen Veranstaltungen nicht folgte. In der Nacht hat er dann die furchtbare Tat verübt, für die man nur die Erklärung hat, daß sie die Folge eines plötzlichen Wahnsinnsausbruchs sein Die Tat wurde erst bemerkt, als die Scheune auf dem Grundstück und die daneben liegenden weiteren Scheuern in Flammen aufgingen. Der Täter hat zur Verwischung seines Verbrechens die eigene Scheuer angesteckt, und von da aus sind die Flammen auf die übrigen Gebäude übergesprungen. 21(5 die Feuerwehr zum Löschen herankam, blieb in dem Schreinerschen Harste alles still, man drang ein und fand hier das entsetzliche Geschehen. Die gerichtliche Sektion der Leichen ergab den oben berichteten Tatbestand. Da der Sachverhalt durch das Unterfuchungsergebnis zur Genüge klar gestellt war, hat die Staatsanwaltschaft die Leichen zur Bestattung freigegeben. Die Sektion wurde von Kreis-Medizinalrat Dr. W alger-Gießen und Amtsarzt Dr. Orth- Gleßen vorgenommen. Dem Wüten des verheerenden Großfeuers sind insgesamt zwei Wohnhäuser und fünf Scheunen zum Opfer gefallen. Die Scheunen waren gefüllt mit der Ernte, die mit den Scheunen vollständig verbrannte. Der Schaden ist infolgedessen sehr- groß. Das Wohnhaus des Täters ist nur zur Hälfte niedergebrannt, während das andere Wohnhaus völlig in Asche gelegt wurde. Daß die Flammen einen solchen Umfang annehmen konnten, ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die Gebäude einen zusammenhängenden Block bildeten, zum anderen aber auch darauf, daß die Feuerlöscheinrichtungen der Gemeinde den Anforderungen der Neuzeit nickt gerecht werden. Der Oct hat keine Wasserleltung, und der kleine Ortsbach kann dem Wasseranspruch bei einer solchen Katastrophe nicht genügen. Zahlreiche Spritzen mußten erst von auswärts yerangeholt werden, um eine wirksame Bekämpfung der Flammen durchzuführen. Es muh als ein Glück angesehen werden, daß in der Schreckensnacht völlige Wind- ft i l l e herrschte. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte unter Umständen der ganze Ort in Flammen ausgehen können. Besondere -ln^rken- n u n g verdient die hervorragende Haltung der Feuerwehr und die tatkräftige Mithilfe der Einwohnerschaft von Freienseen, die ihr Aeuherstes aufboten, um mit den ungenügenden Bekämpfungsmöglichkeiten des Feuers Herr zu werden. Es wird nicht gelingen! Ich bm überzeugt, daß das hessische Volk, wo noch gesundes Empfinden für den Staat und feine Aufgaben vorhanden ist. sich gegen eine solche Finanzpolitik wenden wird. Es handelt sich bei dieser Art Finanzpolitik nicht um kulturelle Ideale, sondern um eine zielsichere parteipolitische Personalpolitik. Doch dafür ist die gegenwärtige Zeit zu ernst. Derartige Dinge können wir uns nicht mehr leisten. Trotz der politischen Kämpfe wissen wir, daß nicht allein das Bürgertum die Politik des Staates zu bestimmen hat, daß es nicht möglich ist ohne dio Arbeiterschaft, ohne die großen Berufsstande zu regieren. Genau wie jede andere Partei verlangen auch wir das Recht auf Mitbeteiligung am Staat. Das Schicksal des Hess. Staates wird besiegelt sein, es wird schlimm um seine Zukunft stehen, wenn die Regierung nicht andere Dahnen in der Politik beschreitet. Man könnte es verstehen, daß alles von dem Finanzminister daran gesetzt wird, um wenigstens die Notwendigkeiten der staatlichen Existenz aufrecht zu erhalten, wenn er zu einer Zeit, wo Handlungen von ihm verlangt werden, diese Aufgabe erfüllt. Wenn er aber das Spiel des Reichsfinanzministers spielt, der fein Interesse an Hessens Selbständigkeit hat, so versteht man das nicht. Auch wir erstreben den Einheits - ft a a t, den Staat mit einem dezentralisierten Verwaltungskörper, aber wir wissen, daß wir noch lange nicht so weit sind, und daß die Entscheidung hierüber bei Preußen und bei Bayern liegt. Das Spiel, das der kommende Demokratische Parteitag treibt, indem er nicht die hessischen Staatsfinanzen, sondern die Frage des Einheitsstaates auf sein Programm seht, ist nicht allein ein überflüssiges, sondern ein gefährliches; solange noch deutscher Boden beseht ist, sollte man die alten Grenzpfähle stehen lassen. And nun weg von diesen traurigen Dingen, sie bedeuten Kampf in schweren Zeilen, der von uns geführt wird mit einem lauteren Gewissen. Wir führen ihn nicht aus Haß oder Ehrgeiz, sondern weil uns ein anderer Weg zur Gesundung Hessens nicht gegeben erscheint. Was das Jahr 1927 bringen wird, weih heute noch niemand. Wir hoffen, daß es Dr. Strefemann gelingen wird, den Boden unseres Vaterlandes ganz frei zu machen. Was wäre geschehen, wenn Deutschland den Eintritt in den Völkerbund abgelehnt hätte?! Wem hätten wir damit einen Gefallen getan, doch nur Poincare, der von seinem politischen Glaubensbekenntnis bisher noch kein Iota aufgegeben hat. Große Politik muh aus dem Herzen kommen, sie muh aber geleitet werden von einem kühlen Verstand, der die Zunge im Zaume zu halten weiß. Wir wollen den Glauben behalten an den Erfolg der Politik der Deutschen Volkspartei im Reich und in Hessen. Beschleunigte Einberufung der Abrüstungskonferenz. Genf, 20. Sept. (TA.) Die Dritte Kommission für Abrüstungsfragen beschloß, die Abrüstungskonferenz, toenn nicht materielle Schwierigkeiten eintreten, bis zum September 1927 ein zuberufen. Dieser Beschluß bedeutet einen Sieg des französischen Standpunkts gegen den englischen und italienischen, die eine weitere Hinausschiebung der Konfereirz gern gesehen hätten. De Jouvenel begründete den französischen Standpunkt mit folgenden Wor- ten: „Ich bin bereit, im Namen der französisch:n Delegation die Verantwortung zu übernehmen -Unsere Sachverständigen sind fertig. Locarno ist ratifiziert. Deutschland ist da, laßt uns den Zu- ia mm ent ritt der Abrüstungskonferenz beschleunigen. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß wir nicht den Weltkrieg erlebt hätten, wenn wir rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen getroffen hätten. Es gibt keine technischen und keine politischen Schwierigkeiten mehr. Laßt uns mit der Arbeit beginnen.“ Britische Lage in China. Vor einem Militärbündnis Kantons mit Moskau. — Ein neuer Znsammen- ftotz auf dem Zangtsc. Moskau, 20. Sept. (211.) Die schwierige Lage der Sowjetunion in der Mandschurei hat zu einer Aenderung der Stellungnahme Moskaus gegenüber Tschangtsolin geführt. Die Sowjetunion hat durch Vermittelung gemäßigter chinesischer Kreise Tschangtsolin einen Aus gleich Vorschlägen lassen, über dessen Einzelheiten bisher jedoch rwch nichts bekannt gegeben wurde. Wie von gut unterrichteter Seite versichert wird, hat Tschangtsolin sich bereit erklärt, den russisch- chinesischen Zwischenfall als beigelegt zu betrachten, toenn die Sowjetunion ihm annehmbare Vorschläge in der Ostbahnfrage machen sollte. Die Regierung von Kanton hat Moskau ein Militärbündnis vorgeschlagen unter der Bedingung, baß Moskau die Kanionregierung als Zenlralregierung Chinas anerkennt. Verhandlungen find ausgenommen worden. Der Außenminister der Kantonregierung hat dem amerikanischen und dem japanischen Konsul mitgeteilt, daß er im Falle einer Intervention der Großmächte in China sich gezwungen sehen würde, alle Vertreter auswärtiger Regierungen aus Kanton auszuweisen. Wie aus Schanghai gemeldet wird, ist es gestern wieder zu einem Feuergefecht zwischen kantonesischen Uferbatterien und dem vor Hankau liegenden amerikanischen Kanonenboot „Pigeon" gekommen, wobei drei amerikanische Matrosen verletzt worden sind. Bevor der amerikanische Konsul in Hankau beim Oberbefehlshaber der Kantontruppen Protest einlegen tonnte, war von General Tschangkai- schek beim Konfularkorps in Hankau eine Note eingetroffen, die zur Vermeidung neuer Zusammenstöße die sofortige Rücknahme der ausländischen Kriegsschiffe vor Hankau fordert. Die Konsuln haben General Tschangkaischek geantwortet, daß sich die Anwesenheit ausländischer Kriegsschiffe im Rahmen der Verträge bewege und eine Rücknahme nicht in Frage kommen könne. Ein neues Wirtschaftsprogramm der Sowjet-Union. Moskau, 20. Sept. (TA.) Von gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß das Zentralkomitee des Politbureaus eine Sonderlommission damit beauftragt hat, einen neuen Plan für die Wirtschaftspolitik der Sowjetunion zu entwerfen. Den Vorsitz der Kommission hat der Volkskommissar Kujbychew übernommen. Die Kommission hat beschlossen, Privatkapital in Höhe von 10 Proz. des gesamten Kapitals an staatlichen Unternehmen zuzulassen, Prcvatkapltal beim Außenhandel mit der Mongolei zu erlauben und inländischem Kapital die Ausfuhr aus der Sowjetunion ohne besondere Genehmigung der Sowjetregierung zu gestatten ferner das Gesetz über die Arbeit der Waren- ©elöbörfen^in der Sowjetunion umzu- 1 Vk e°r liberale Programm hat die schärfste Gegnerschaf t der unentweg- tfn o mmu nist en gefunden. Man erwartet dre ofsizlelle .-f rnntgafre des Programms durch Stalin bereits für die nächsten Sage. ? Aus aller Welp Typhusepidemie in Hannover. Die Zahl der Erkrankten hat sich Montagnachmittag auf 1693 erhöht. Dis jetzt sind 73 Fälle tödlich verlaufen. Schweres Unglück beim Schaufliegen. Auf dem Flugplatz Hangelar bei Bonn stürzte beim Dallonabschiehen ein Flugzeug ab. Der Führer Turl war sofort tot, ebenso ein wachthabender Polizist. Die Flüge, denen zahlreiche Schullinder beiwohnten, wurden sofort abgebrochen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, deii 21. September 1926. Die landwirtschaftliche Professur in Gietzen. Anläßlich der bevorstehenden Wiederbesetzung der Stelle eines ordentlichen Professors für Landwirt- schäft an unserer Landesuniversität hat vor einigen Wochen eine Erörterung in der Presse stattgefunden, als deren Folge auch eine Anfrage des Abg. Prof. Werner und Fraktion an die hessische Regierung gerichtet wurde. (Siehe „Gieß. Anz.", Nr. 180 vom 4. August). Unter Bezugnahme auf dielen Vorgang wird uns jetzt von der Landesuniversität geschrieben: In der Presse wird „d e r F a l l P f a f s" immer noch weiter erörtert. Die Landesunioersität hat kein Interesse daran, wie sich aus folgendem ergeben wird. Der Senat hat feinen Zweifel darüber gelosten, daß die Art und Weise der Berufung des Herrn Dr. Pfaff ohne Mitwirkung der Universität einen schweren Eingriff in ihre Rockte bedeutete. In der Ueberzeugung aber, daß der Herr Hochschul- referent im Landesamt für das Biidungswcsen im Grunde nur das Beste der Universität wollte, und mit Rücksicht darauf, daß das Landesamtteine Bindung mit Herrn Dr. Pfaff eingegangen war, gegen die anzukämpfen dem Senat verfassungsrechtlich nicht möglich war, hat der Senat von der lieber- nähme der Betriebsleitung des Gutes Unterer Hardthof durch Herrn Dr. Pfaff Kenntnis genommen; dem Lehrkörper der Landesunioersität gehört Herr Dr. Pfaff noch nicht an, er muß sich erst noch habilitieren. An der ganzen Angelegenheit ist Herr Dr. Psaff selbst unschuldig, die Loyalität verlangt zu erklären, daß er eine langjährige, sehr gute Ausbildung erfahren hat und wohl eine Gewähr dafür bietet, daß das jetzt schon so schön entwickelte Versuchsgut den Zwecken der Landesunioersität, wie auch denen der landwirtschaftlichen Praxis aufs beste dienen wird. Den im Zusammenhang mit dem „Fall Pfafs" erfolgten Angriffen auf die Landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim steht die Landesumoersi- tät völlig fern. Wettervoraussage. Heiter bis schwach bewölkt, leichte Luftbewegung, noch keine wesentliche Temperaturänderungen, trocken. Die Sturmkatastrophe in Florida. Zwölfhundert Tote. — Unermeßlicher Sachschaden. N e u y o r k, 20. Sept. (TU.) Die Folgen der Sturmkatastrophe in Florida sind viel größer als ursprünglich angenommen werden konnte. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sind 12 0 0 ' Personen getötet und 6000 verletzt worden. Die „Neuyork Times" zählen all-in in Miami 500, in Hollywood 200 und in Fort Lauder- dale 200 Tote. Möglicherweise wird sich die Zahl der Toten noch ganz erheblich erhöhen. Im Hafen von Miami wurden 150 Schiffe zerstört, deren Bemannung (mehrere hundert Mann) wahrscheinlich ertrunken ist. Der Sturm ist der schwerste, der jemals über Amerika hinweggegangen ist. Der Orkan brach, von Westindien kommend, über die Bahamainseln nach Florida ein. Das Barometer erreichte einen nie gekannten Tiefstand. Der Sturm dauerte 9 Stunden und erreichte zeitweise 140 Meilen Geschwindigkeit. . Miami wurde in zwei FlulabstänVSk heimgc- suchl. Die zweite Flutwelle vernichtete in der Stadt alles, was die erste verschont hakte. Die meisten Wolkenkratzer sind e i n g e - stürzt. Sämtliche Häuser sind vernichtet oder schwer beschädigt. In Miami sind 4 0 0 0 0 Menschen obdachlos, lieber die Stadt wurde der Belagerungszustand verhängt. In Baltimore wurde fojfort ein Hilfszentrum eingerichtet, von wo ständig Züge mit Aerzten und Hilfsmannschaften nach dem Katastrophengebiet abgehen. Mehrere Ortschaften in der Nähe von Miami find gänzlich vom Erd- hoben verschwunden. Die gesamte Ernte ist vernichtet. Die Verzweiflung unter den Bewohnern ist grenzenlos. Die ersten Augenzeugen der Sturmkatastrophe. die mit den Rettungszügen in Iackson- vllle eintrafen, entwerfen ein erschütterndes Bild der Verzweiflung im Katastrophengebiet. Die Bergungsaktion ist infolge des noch immer hohen , Wasserstandes äußerst schwierig. Es mangelt vor • allem an Trinkw as ser, desgleichen an Lebensrnitteln. Hier sollen die Hllssmahnahmen zuerst einsetzen. Das Anglück ist dadurch bedeutend vergrößert worden, daß die Riesen- und Prachtbauten von Miama zum Teil auf Pfählen errichtet waren. Bei Beginn des Orkans war die ganze Gegend zunächst in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt. aus der unter dem loben des Sturmes und der Wassermassen Bäume, Hausteile ufro. niederrasselten. Die Bewohner eines bekannten Luxushotels flüchteten im ersten Schrecken in den Keller, ge- > folgt von einer unmittelbar darauf sich ergießenden Meeresflut, aus der sie sich nicht mehr retten konnten. Nach den Wetterberichten befürchtet man, daß die Orkantoelle in kürzester Frist Mobile (Alabama) und Pensacola erreichen wird. Der Drahtverkehr mit diesen Orten ist unterbrochen. Viele Schi ffe befinden sich in Seenot, darunter acht Passagierdampfer, die zwischen Neuyork und Florida verkehren und von denen keine Nachricht vorliegt. Präsident Covlidge hat zu einer Nationalsammlung für die heimgesuch- ten Opfer auf gefordert. Der deutsche Botschafter in Washington hat im Namen des Reichspräsidenten und der Reichsregie- rung Präsident Covlidge und der Regierung der Vereinigten Staaten das aufrichtigste Beileid ausgesprochen. Bornotizen. — TageskalenDer für Dienstag. StaDttheater: 8 ü^r, Gastspiel des Bad-Rau- Heimer Kuttheaters »Das goldene Kalb". — Deutsche Demokratische Partei: 8.15 Uhr, Gewerbeschule, Mitglieder-Versammlung. -- Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Goldrausch". — Astoria-Lichtspiele: „Der unbekannte Soldat". — Palast-Lichtspiele: „Der Flug um den Erdball". ** Rückkehr unserer Garnison aus dem Manöver. Morgen, Mittwoch, abends um 654 bzw. 7.24 Uhr wird unser 1. Batl. 15. Fnf.- Rgt. aus dem Manöoergelände hierher zurückkehren. Wie uns mitgeteilt wird, ist das Manöver gut, aber mit erheblichen Anstrengungen verlaufen. Unsere 15er haben seit dem Abrücken aus der Garnison keinen Regen gehabt, die Sonne meinte es im Gegenteil so gut, wie im Hochsommer. Der Empfang der Truppe dürste auch morgen abend die gleiche Herzlichkeit bekunden, wie stets bisher. •• Das Abstimmungsergebnis zum Schaufensterwettbewerb, dessen Feststellung außerordentlich zeitraubend ist, durfte, soweit es sich um die Bekanntgabe der 7 schönsten! Schaufensterausstellungen, der Preisträger im Blumenkorso und im Reklamewagenkorso handelt, in Kürze zu erwarten sein. Einige Tage später wird dann auch bekanntgegeben werden können, wer vom Publikum einen Preis erhält. Bis heute steht fest, daß insgesamt 4365 Stimmen abgegeben wurden. Während in den ersten beiden Tagen der Werbewoche die Beteiligung an der Abstimmung noch verhältnismäßig gering war, zeigte sich bereits am Dienstag voriger Woche besonderes Interesse, das seinen Höhepunkt in den letzten beiden Tagen erreichte, an denen die aufgestellten Briefkästen sich zur Ausnahme der Stimmzettel als fast zu klein erwiesen. Die Stimmzettel sind zum großen Teil recht sorgfältig und gewissenhaft ausgefüllt. Daß das Publikum bei der Prüfung der Schaufensterausstellungen nicht immer Aufmachung und Kunstsinn in vollem Maße würdigt, vielmehr das Oc'ginelle verzieht, erscheint verständlich, trotzdem zeigt die Abstimmung in sehr vielen Fällen einen guten Geschmack des Publikums. Was bezüglich der Bewertung der Schaufensterausstellungen gesagt ist, trifft natürlich auch auf den Blumenkorso zu. .Wir werden das Resultat nach der Feststellung sofort berichten *’ Reu Organisierung oberhessi - scher Landwirtschaftsämter. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, wird das Landwirtschaftsamt Butzbach am 1. Oktober auf- gehoben, während das Landwirtschaftsamt Schotten nach Ridda verlegt wird. 3n Butzbach verbleibt eine sogenannte Außenstelle, deren Leitung Landwirtschaftsrat Dr. Dienst übernimmt. Der jetzige Leiter des Landwirtschaftsamtes Butzbach, Landwirtschaftsrat Dr. Schad, ist mit der Leitung des Landwirtschaftsamtes in Aidda beauftragt, gleichzeitig wird Landwirtschastsrat Dr. Fischer vom 1. Oktober ab in gleicher Eigenschaft nach Ridda verseht. In Schotten verbleibt eine Außenstelle unter der Leitung des jetzigen Direktors Dr. H e l f e r t. Um den Schülern, die während des vergangenen Winterhalbjahres die älnterrichtsllassen in Schotten besuchten, die Möglichkeit einer abgeschlossenen Schulbildung zu geben, bleibt der Schulbetrieb des seitherigen Landwirtschaftsamtes Schotten für das Winterhalbjahr 1926/27 aufrechterhalten. Die aufzunehmenden Schüler sind an das Landwirtschaftsamt nach Ridda zu überweisen. " Einbruchsdiebstahl. 3n der Rächt zum 15. September wurde hier in der Marktftrahe in ein Herren-Bekleidungshaus ein Einbruch ausgeführt. Die Diebe drangen durch ein kleines Fenster über der Ladentüre in den Laden, kleideten sich an Ort und Stelle neu ein und liehen ihre alten Kleider zurück. Entwendet wurden 3 tAnzüge, 2 Gabadinmäntel und ein Gummimantel. Als Täter kommen zwei durchreisende Personen in Frage. Die Ermittlungen nach Die» sen sind im Gange. ** Fe st genommen wurden drei Personen wegen Bedrohung und Widerstandes, eine Person wegen Diebstahls, zwei Personen wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung. ** Die Kuh i st wieder daheim. Der Polizeibericht teilt mit: Die im vorletzten Polizeibericht gemeldete, in Gießen sichergestellte Kuh war auf dem Gutshof Altenberg (Kreis Wetzlar) gestohlen. Sie wurde dem Eigentümer wieder zurückgegeben. hessisches Süngerbundessest. Mainz, 20. Sept. Der im Oktober 1924 gegründete Hessische Säng erbund hat in den Tagen vom 18. bis 20. September in Mainz fein erstes Dundesfest abgehalten, zu dem aus den fernsten Winkeln des Hessenlandes und darüber hinaus aus dem benachbarten Preußen die Sänger zu Tausenden herbeigeeilt waren. Der Bund faßt in über 500 Vereinen etwa 15 000 Sänger zusammen. Der Samstag brachte zwei Gedächtnisfeiern auf dem Mainzer Friedhof, und zwar an den Gräbern von Peter Cornelius und Friedrich Lux. Bei einbrechender Dämmerung marschierte die Fahnenabteilung der an dem Dundesfest teilnehmenden Vereine in überwältigendem Zuge mit über 300 Fahnen vom Bahnhof nach der Stadthalle. 3m Anschluß daran vereinigte ein Degrühungsabend die Sänger und ihre Angehörigen. 3m Verlauf der Feierlichkeit sprach auch der hessische Fnnen- minister v. Brentano, der neben vielen Vertretern staatlicher und städtischer Behörden erschienen war, und der die Bedeutung des Volksliedes und des Männergesanges feierte. Provinzialdirektor älsinger - Mainz ergriff ebenfalls das Wort und gedachte insbesondere in ehrenvollen Worten der großen Verdienste des Sängerbundsvorsitzenden. Oberregierungsrat S i e g e r t» Darmstadt. Dem offiziellen Degrü- ßunosabend gliederte sich ein Festkommers an, der die nach Tausenden zählende Festgememde bis in die frühen Morgenstunden zusammenhielt. Der zweite Tag wurde eingeleitet durch eine Frauen lvbfeier im Mainzer Dom. Darauf fand wiederum in der Stadthalle die akademische Feier mit Weihe deS Bundes- banners stall. Aach Degrüßunosworten des Ersten Vorsitzenden, Oberregierungsrat S i e g e r t, ergriff der hessische Staatspräsident Ulrich das Wort und verlieh als Anerkennung der hessischen Regierung für die Destrebungen des Hessischen Sängerbundes dem Dundesvorsitzenden eine Ehrenkette. Darauf sprach Oberbürgermeister Dr. Külb-Mainz herzliche Begrüßungsworte für die ungefähr 11 000 erschienenen Sänger, worauf Schulrat H a s s i n g e r - Darmstadt eine beinahe einstündige Festrede über das deutsche Volksliedund dendeutschenMänner- g e s a n g hielt. 3m Anschluß an seine Ausführungen weihte er das neue Bundesbanner und übergab es dem Hessischen Bund. Die Feier wurde durch zahlreiche Ehrungen der sich besonders um den Hessischen Sängerbund verdient gemachten Persönlichkeiten und an die zahlreichen Sangesveteranen abgeschlossen. 3n den frühen Aachmittagsstunden durchzog ein l1/« Stunden währender Zestzug die überaus festlich geschmückten Straßen der Stadt. Der 3,5 Kilometer lange Zug versinnbildlichte das deutsche Lied. Er erfuhr durch zahlreiche Wagen, die volkstümlich und künstlerisch den deutschen Gesang verherrlichten, eine sinnvolle 3llustration. Sämtliche Korporationen, 3nnungen und Genossenschaften von Mainz waren in dem Zuge vertreten. Der Zug wurde eröffnet mit dem Kinderlieb, Minnesänger und berittene Fanfarenbläser an der Spitze. Alphabetisch geordnet folgten die Wagen mit „Alle Vögel sind schon da". Es schlossen sich an „Storch, Storch, guter", „Der Jäger aus Kurpfalz", „Fuchs, du hast die Gans gestohlen", „Ein Männlein steht im Walde". „Die Bremep Stadtmusitanten" und „Die Wanderlieder". Die zweite Abteilung bildeten Dolks- l"i ed c r. Sie begannen mit dem Wagen der „Lindenwirtin". Es folgten „Roch sind die Tage der Rosen", „Der Mai ist gekommen", „Am Brunnen vor dem Tore", „Sah ein Knab' ein Röslein stehn", „Gute Rächt, du mein herziges Kind", „3n einem kühlen Grunde", „Früh morgens wenn die Hähne krähn". „Pflücke die Rosen", „Aus der Jugendzeit", „Schätz der Wetterau". Zwischen diesen Wagen befand sich ein Reiter mit Pagen als „Aennchen von Tharau", und ein Radllub als Darsteller von „Rur einmal blüht im 3ahr der Mai". Rhcinlieder zeigte die dritte Abteilung. Das rheinische Wesen wurde hier in Wagen durch die bekanntesten und stimmungsvollsten Lieder wiedergegeben. Es seien erwähnt „Das Lied vom Rhein", „Vom Rhein der Wein", „Rhein mit Rebenflüssen", „Rheinisches Mädchen beim rheinischen Wein", „Das Herz am Rhein", „Elslein von Caub", „Loreley", „Rolandsbogen", „Das Wandern ist des Müllers Lust", „Es zogen drei Burschen wohl über den Rhein" und „Frater Kellermeister". Die vierte Abteilung bestand aus historischen Gruppen. Es waren da die „Leinenreiter", „Die alten Deutschen", „Der Komponistenwagen", „Der Moguntiawagen", „Hans Sachs", „Sängerkrieg auf der Wartburg" und „Frauenlob" zu Pferd mit Begleitung. Herolde zu Pferd schlossen den Zug. Reben 20 Musikkapellen gingen mit dem Festzug etwa 300 Gesangvereine mit Fahnen und ein Kinderchor von 160 Kindern. Der Zug war eine Höchstleistung, das Aufgebot so gewaltig, daß es in vergangener Zeit und in Zukunft kaum seinesgleichen finden dürfte. Es war ein Ereignis von markanter Bedeutung, bei dem sich Stammes- genossen aus dem unbesetzten Gebiete mit ihren durch die Besatzung bedrückten Mitbrüdern Einigkeit, Treue und Festhalten am Reich und am Rhein für alle Zeit gelobten. 3m Anschluß an den Festzug fand auf dem Halleplah eine Massenkundgebung des Hessischen Sängerbundes statt. Am späten Rachmittag wurden sowohl in der Liederhalle, als auch in der Stadthalle M a s s e n - ch ö r e der einzelnen Gaue und Tlnterbünde des Sängerbundes zum Vortrag gebracht. Der Abend war einem llnterhaltungsabend mit Konzert und Ball Vorbehalten. Den letzten Tag der Feierlichkeiten füllte ein rheinisches Volksfest aus, das u. a. am Abend eine Brückenbeleuchtung mit einer I Lampionregatta brachte. __________ Büchertisch. — Das neue Daheim (Rr. 50) ist erschienen. -Um einen reich illustrierten kunstgeschichtlichen Aufsatz von Prof. Dr. Frida Schottmüller „Alessandro Morello aus Brescia" ordnen fid> Beiträge über die Elfaß-Lothringische Frage, über die häufigsten Kinderkrankheiten, über das Auftreten falscher Kaiser vergangener romantischer Zeiten. Das Frauendaheim erzählt von einem Besuch im Landjugendheim Finkenkrug, berichtet vom Aufbau und Ausbau der Deutschen Spihenschule, plaudert von entzückenden Mode- neuheiten. — E. R. Schubert: Warum Ziegelbau? Eine Antwort aus Geschichte und Leistung der Ziegelindustrie. Mit 42 Bildern auf Kunstbruck- papier. Verlag der Deutschen Ton- und Ziegel- Zeitung, Berlin W10. — Das Buch enthält, einen Üleberblick über die Geschichte der Ziegel- Herstellung. Die Angaben über die Leistungsfähigkeit der Gegenwart berechtigen zu der Annahme, daß dem Ziegelbau die Zukunft gehört. Führende Künstler belegen durch Wort und Werk die künstlerische Bedeutung des neuzeitlichen Dacksteinbaues. Das Buch ist gut ausgestattet und kann als ein bemerkenswerter Führer für die Freunde neuer Dacksteinkunst und Daukeramik bezeichnet werden. Das erste Dundesfest des Hessischen Sängerbundes war glänzend organisiert und hat einen vollen Erfolg gebracht. Ein aussterbender Obstbaum. — Lich, 20. Sept. Unsere Gemarkung mit ihren großen und gut gepflegten Obstanlagen hat in diesem Fahre so gut wie keine Obsternte. Die Aepfelbäume versagten fast völlig, und in den höheren Lagen gibt es hier und da etwas zum „Stoppeln". Sehr gering ist «auch Der Ertrag der Zwetschenernte. Die meisten Leute sind froh, wenn sie etwas zu einem Zwetschenkuchen zusammenbekommen. Am besten sind noch die Dirnen geraten, eine Rekordernte, wie in Der Wetterau, haben sie hier aber nicht geliefert. Wo Die Dirnenernte für reinen Dirnenhonig nicht langt, da muß Zuckerrübensaft zur Streckung herangezogen werden. Sehr gut tragen im allgemeinen Die „Bockelb i r n" - Bäume. Die in unserer Gemarkung noch verhältnismäßig häufig anzutreffen sind. Sie fallen durch ihre riesige Höhe und ihre knorrigen Stämme auf und können als Die Veteranen unserer Obstgärten bezeichnet werden. Denn mit einem Alter bis zu 100 Jahren und darüber reichen sie in die Zeit zurück, in Der sich Der Obstbau erst in größerem Maße in unserer Gegend einbürgerte. Aber auch die Tage und Fahre dieses alten „Riesengeschlechts" in der Baumwelt werden gezählt sein. Denn da mit jedem Fahre Der eine oder andere altersschwache Bockelbirnbaum Der Axt weichen muß. junger Rachwuchs aber nicht vorhanden ist, steht in den nächsten Fahrzehnten das Aussterben dieses Baumes bevor, Der Dem LandschastsbilD jetzt noch ein besonderes Gepräge verleiht und auch unserer Vogelwelt vorzügliche Schlupfwinkel darbietet. Das Eingehen deSBockel- birnbaums wäre auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus zu bedauern. Denn seine Früchte sind, wenn auch sehr klein, eine ganz vorzügliche Honigbirne. Dabei ist der Daum bei geringen Ansprüchen sehr fleißig im Tragen. Aufgabe der kommenden Zeit wird es fein, den Bockelbirnbaum wenigstens in einigen besonders schönen Exemplaren als ein R a t u r d e n k m a l zu schützen, so wie es jetzt mit dem Speierlings- . bäum im Taunus geschehen ist. « 1/2 M 504 eine schnell« Wirkung erzielt mit VbermcyerS im Seslcht. Dies bezeugt Herr P. M. kachmann In SodyUn, indem er schreibt, „Weil Ohre Herba- Sets« meiner Tochter die nassen Flechten binnen 14 Tagen geheilt und jetzt ein« ganz klare haut vorhanden ist, sag« ich, sowie meine Frau, den besten Dank. Meiner Schwester, welche im Sestchl rolc E>«cken hatte, auch auf der Nase, find tue Flecken vergangen." Per Stück M. -.65, 3O»/o verstärkt M. t.- ZurNachbehandluna ist Herba- Sreme besonder« zu empfehlen. Zu haben In allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien. Adler-Trogcrie W- Waldjchmidt. Motte wie 7639c Hyazinthen, Tulpen, Narzissen (einfache und gefüllte) Crocus, Schneeglöckchen usw. sind in wirklich schöner Qualität elngetreffen! In der Westentasche des Herrn sowie in der Handtasche der Dame sollte niemals ein Päckchen WRIGLEY P. K.- Arbeitsvergebung des Hessischen Hochbauamts, vrucksehler-verichtigurig. Die Bedingungen und Zeichnunge liegen vom 22. September 1926 ab zu Einsicht offen. (Richt vom 29. ab.) 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Kirche, nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein herzensguter Mann, unser braver Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Wenzel Knöchel jun. im fast vollendeten 31. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Minna Knöchel geb. Klingelhöfer Wenzel Knöchel sen. nebst den übrigen Geschwistern und Angehörigen. Gießen (Leihgest. Weg 40), Brüx i. Bö., Veitsau und Berndorf (Nied.-Oestr.), den 20. IX. 26. Die Beerdigung findet statt: Donnerstag, den 23. 9. 26, nachm. 4 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus. 06445 Me Mk Mittwoch früh 9 Uhr eintreffend: FrischeSchellfiiche.Cabliauuud Seelachs tm Ausschnitt ff. Bratschellfische ».Goldbarsch Frische Fischkoteletts Frische Bücklinge das Pfund 40 Pf., die Kiste mit netto 5 Pfund ML 1.80 Laden m. gröberem Neben- raum in nut guter Lage zu mieten gesucht. Schrtstl. Angebote mit genauer Bezeichnung unter 06434 a. d. Gies;. Anz. »la. von Geschäftsmann vom Lande mit gui- gcbendem Kolonial- ivarengeschast, nut 1. 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Von 706 000 Pfund Einnahmen des Landes — allein 320 000 davon stammen aus den Diamantenminen — verschlingt das Unterrichts- Wesen rund ein Fünftel, über 120 000 Pfund; 35 Pfund auf ein Kind, dadurch, daß rund 13 Pfund davon auf Internatskosten entfallen. Denn 30 Proz. aller Schüler stammten von den weit zerstreuten und entlegenen Farmen und seien in Pensionaetn zu erziehen, und 70 Proz. dieser Zöglinge in Internaten könnten bei der Armut ihrer Eltern keine Gebühren bezahlen. Die Farmerschaft aber dürfe in der Erziehung ihrer Kinder den Städtern gegenüber nicht benachteiligt werden. Die deutsche Bevölkerung des Landes stimmt teilweise hier mit den Anschauungen des Administrators nicht überein. In den deutschen Privatschulen des Landes müssen ja auch Schulgeld und Pensionatsgebühren bezahlt werden. Sonst könnte sich ja das Deutschtum die Aufrechterhaltung des deutschen Schulwesens nicht leisten! Wirklich Mittellose von beidem zu befreien, dafür treten auch die Deutschen ein, ober sie sind auch für die Heranziehung vermögender Eltern zu den Schulausgaben, namentlich bei den höheren Schulen, um zu vermeiden, daß, wie in der Union, viel zu viel junge Leute ohne Begabung studieren und den Markt der intellektuellen und der geistigen Berufe mit einem gefährlichen Proletariat belasten. Immerhin wies der deutsche Vertreter, Dr. Hirsekorn, darauf hin, daß die Administration den Deutschen für ihr Schulwesen nur 5 Pfund pro Schüler bezahlt, daß also die Erziehung von 600 Schülern in deutschen Privatschulen eine sehr wesentliche Entlastung des Etats bedeute, die einzig von der alten Bevölkerung getragen werde. Der Administrator seinerseits aber betonte, es würden ja auch 600 Kinder der Deutschen in Regierungsschulen erzogen und für diese gelte also auch der Sah von 35 Pfund pro Kopf. Er konnte auch darauf verweisen, daß er für die höheren Schulen die Dreisprachigkeit durchgeführt habe, wodurch die Unterrichtsresultate sich zweifellos verbessert hätten. In der Union seien für Prüfungen nur die beiden Amtssprachen, Englisch und Afrikaans, zugelassen, er verhandele aber mit den Unions- behörden, um für Südwest durchzusetzen, daß die Abschlußprüfungen auch in deutscher Sprache abgelebt werden könnten. Er hoffe, daß das bald erreicht werde. Auch eine landwirtschaftliche Fachschule solle errichtet werden. (Sympathisch berührt es übrigens, daß der Administrator auch zur - besseren Unterhaltung der nach seiner persönlichen Erfahrung vielfach verfallenen Gräber alter Pio- niere 500 Pfund in den Etat eingesetzt hat.) In einer Viertelstunde war aber der ganze Unterrichtsetat erledigt. In der ersten Session sind die „ehrenwerten Mitglieder" doch noch nicht so eingewöhnt und mit Arbeiten derartig überlastet, daß für eingehendere Debatten wenig Raum blieb. In späteren Sessionen wird das ganz anders werden. Dann wird auch die jetzige Klage des Administrators, er sei enttäuscht darüber, daß sich nicht mehr Mitglieder an der Aussprache beteiligten und daß man nicht gründlicher auf die einzelnen Etatspunkie eingehe, schon schwinden. Zwei Aussprachen grundsätzlicher Art brachten doch noch ganz rnteressanteDebatten in diesem jüngsten Parlament. Einmal vertagte sich bei einer landwirtschaftlichen Frage das Haus, weil der Administrator nicht da war und weil man in Abwesenheit der „Regierung" nicht verhandeln wolle. In der nächsten Sitzung kam der Administrator darauf zurück und sagte, Südwest habe jetzt eine „Exekutive", die die Regierung darstelle und keine „Einrnänner"-Regierung mehr. Das Haus hätte also auch in seiner Abwesenheit tagen können, da ja der verantwortlicheDearbeiter der Referats in der Exekutive anwesend gewesen sei. Demgegenüber betonte ein deutscher Vertreter, die Exekutivmitglieder seien doch Landesrats- mitglieder, also Vertrauensleute des Landesrats in einem Beirat für den Administrator, aber *) Vgl. Rr. 209 vom 7. September. Aeweihe des neuenLimestumer im hessischen Taunus. Don der Höhe des Feldbergs zieht der vom Rhein kommende römische Limes (Pfahlgraben) lauf dem Taunuskamm zur Saalburg und von dort, auch heute noch ein Grenzwall (an der hessisch-preußischen Grenze), nach dem hessischen 'Kastell Capersburg, das in den letzten Jahrzehnten von Prof. Helmke (Gießen) gründlich erforscht wurde. Von da tritt die alte römische Anlage bald in hessisches Gebiet über, um dann bei Butzbach das Gebirge zu verlassen und auf der Main-Lahn-Wasserscheide ihrem nördlichsten Punkte bei Grüningen zuzustreben. Zwischen den größeren Kastellen Capersburg und Langenhain am Usatale liegt dicht bei dem einsttgen Blei- und Silberbergwerk Kaisergrube, unweit des Forsthauses Winterstein, auf hessischem Boden im Rieder-Mörler Walde ein alter Limesturm. In den Karten ist er wohl immer schon als Römerturm eingetragen gewesen, war aber nur an ganz spärlichen Resten zu erkennen. Trotz wiederholter Untersuchungen während der Tätigkeitszeit der Reichslimeskommissivn waren Form und Umfang des Turmes auf dem Gaulskopf — so heißt die 400 Meter hohe Erhebung im Wintersteingebiet, die ihres umfassenden Weitblicks wegen für eine derartige Anlage besonders geeignet war — nicht genau festgestellt worden. Erst der unermüdlichen Forscherarbeit von Prof. Paul Helmke (Gießen), des Denkmalpflegers für die Bodenaltertümer in Oberhessen, ist es gelungen, das Dunkel zu lichten und durch eingehende Untersuchungen, an denen sich kein Geringerer als Geheimrat Prof. Dr. Fabricius (Freiburg im Breisgau), der Dirigent der Reichs» limeskommissiPr, persönlich beteiligte, darzulegen, daß es sich hier um eine in unserer Gegend noch nicht festgestellte Form einer römischen Befestigungsanlage handelt, um einen „Burgus", der leine ganz besondere militärische Bedeutung hatte Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Dienstag, 21. September 1926 nicht Verantwortliche Regierungsleute. Wäre das in der Verfassung nicht beabsichtigt gewesen, so hätten doch Beamte und nicht gewählte Landes- ratsmitglieder in die Exekutive gewählt werden müssen. Im übrigen bedeute der Vertagungsantrag kein Mißtrauen gegen den Administrator, sondern im Gegenteil, eher ein Vertrauensvotum. Damit war dieser kleine Zwischenfall erledigt. Etwas lebhafter ging es zu, als der deutsche Abgeordnete Müller den Antrag stellte, „daß nach Ansicht dieses Hauses das Verfassungsgesetz für Südwest so geändert werden sollte, daß die deutsche Sprache eine der Amtssprachen für Südwestasrita werd e." Das ist eine von den Deutschen bei den Wahlen allenthalben erhobene Forderung, die Herr Müller als langjähriger Bürgermeister Windhuks, als welcher er in allen drei Sprachen arbeiten mußte, besonders gut begründen konnte, deren technische Schwierigkeiten er aber auch eben aus dieser Tätigkeit heraus kennt und offen dar- legtc. Er fand treffliche Worte für die Bedeutung der Muttersprache, hohes Lob für die Zähigkeit der Buren in der Verteidigung dieser heiligsten Rechte und nannte die Verweigerung des Rechts der deutschen Amtssprache in der Verfassung einen letzten Ausfluß der Kriegspsychose. Auch das Exekutivmitglied Voigts sand warme Herzenstöne für die Unterstützung dieser Ditte: „Seit 40 Jahren haben wir, die deutsche Bevölkerung, das aufgebaut und geschaffen, was Sie hier vorfanden, als Sie hierher kamen. Was unsere Kultur während eines Menschenalters schuf, nahmen Sie als etwas Selbstverständliches hin. Wir haben viel verloren. Gut und Blut geopfert und haben uns damit abfinden müssen. Das einzige was uns blieb, ist unsere Sprache und auch die noch zu opfern, dazu sind wir nicht bereit." Mit feierlichem Appell an die Großmut der Südafrikaner schloß sich der stellvertretende Vorsitzende des Hauses, Stauch, dem Antrag an. Demgegenüber zog sich der Sprecher der Unionisten auf die rechtliche Lage zurück, daß ein Unionsgeseh zur Aenderung der südwestafrikanischen Verfassung nötig sei. Er wolle den Antrag dahin umgeändert wissen, „das Haus sei der Ansicht, daß die Zeit für eine Verfassungsänderung noch nicht gekommen sei, daß es wünschenswert sei, eine Derwaltungs- unb Unterrichtspolitik innerhalb der Grenzen der Verfassung zu verfolgen, die darauf berechnet ist, das Ideal der gleichen Behandlung für die drei Sprachen zu erreichen". Herr I o o st e betonte auch die Schwierigkeiten, dreisprachige Beamte zu bekommen, wo es doch in der Union schwer sei, selbst zweisprachige Männer mit Fachwissen in genügender Zahl zu finden. Semgegen= über betonte Herr Dr. Hirsekorn, es sei doch eine große Verwandtschaft der deutschen und afrikanischen Sprache vorhanden. 50 Prozent der Südafrikaner sei ja doch deutscher Abstammung. Viele Beamte Südwests und darunter doch auch der Allererste verständen ja schon deutsch. Der Administrator selbst bat. die Frage auf drei Jahre zu vertagen, er wolle in dieser Zeit jedem Teil der Bevölkerung das geben und zukommen lassen, was ihm auf Grund der Verfassung zustehe. In der Debatte kamen zwar an sich auch die Sympathien der Richtdeutschen für die Deutschsprachigen zum Ausdruck und man bestrebte sich allseitig, die Deutschen nicht zu verletzen; man war sich auch nicht ganz einig über die Rechtslage, ob das unionistische Parlament schon innerhalb der ersten drei Jahre das Gesetz der Verfassung ändern könne, was die Deutschen unbedingt bejahten. In der Abstimmung wurde der Antrag zunächst mit 9 gegen 8 Stimmen angenommen, aber sämtliche Abgeordnete südafrikanischer Abstammung stimmten gegen ihn. Und das, obwohl Herr Iooste, der Führer der Rationalen Partei für Südwestafrika für sich und seine Partei zugesagt hatte, die Sprachenwünsche der Deutschen zu unterstützen, was eine Bedingung der Unterstützung feiner Kandidatur durch die Deutschen in Gobabis war und als Voraussetzung der Zurückziehung der eigenen deutschen Kandidatur für diese Wahlkreise galt! Er hatte damals telegraphiert: „Wir sind für eine administrative und Unterrichtspolitik, die der baldigen Erreichung des Ideals, vollständiger Gleichberechtigung der drei Sprachen nebst gleichen Möglichkeiten für alle, angepatzt ist". So endete dieser Tag mit einem nicht geringen Mihklang und es ist nicht abzusehen, wie er sich in dem Verhältnis der zwei unionistischen Parteien zu den Deutschen des und in eine Linje mit den Türmen des Oden- waldlimes zu stellen ist. Gustav Oberlaender, ein Deutsch-Amerikaner, der aus freien Stücken die Mittel für die erwähnten Untersuchungen bereitgestelll hatte, zeigte lebhaftes Interesse für das überraschende Forschungsergebnis und bewies seine seltene Treue und Liebe zur alten Heimat durch Gewährung weiterer Geldspenden. Die stattliche Summe hätte für den Wiederaufbau des Turmes ausgereicht, wenn nach vielversprechendem Bauanfang nicht die Inflation gekommen wäre, die mit der Entwertung des Geldes einen Strich durch die Rechnung machte. Da von heimischen Stellen keine Hilfe zu erwarten war, schien der Dau ein Torso bleiben zu sollen. Aber Oberländer wurde Retter in der Rot. Er stellte die noch fehlenden Mittel zur Fertigstellung des Turms, etwa 8000 Mark, gern zur Verfügung. Freudig wurden in diesem Jahre die Arbeiten wieder aufgenommen und bei dem vorzüglichen Dauwetter dieses Rach- sommers so schnell gefördert, daß nun das einzigartige Bauwerk vollendet dasteht, weit ins Land hineinschauend als ein Erinnerungsmal an längst vergangene Zeiten römischer und vaterländischer Geschichte, und als ein markanter Aussichtspunkt, der mit seinem selten schönen Blick auf Taunus, Wetterau und Vogelsberg, den Wanderer und Heimatfreund zum Besuch des an geschichtlichen Erinnerungen und landschaftlichen Schönheiten so reichen Wintersteingebietes anziehen wird. Am Samstag trug der Turm auf dem Gaulskopf festlichen Schmuck. Waldesgrün schlang sich um das Mauerwerk, und Flaggen in den Farben des Reiches und des Hessenlandes wehten mit dem amerikanischen Sternenbanner froh in den schönen Sommertag hinein und entboten den zahlreichen Gästen herzlichen Willkomm. Diese waren von Dad-Rauheim aus zur Weihefeier heraufge- kommen. Oberbaurat Haag vom Hochbauamt Friedberg begrüßte namens der Dienststellen, die am Dau beteiligt gewesen, die Gäste, von denen wir Landes auswirken wird. Die spätere, eingangs geschilderte einstimmige Annahme des Antrages auf Vernichtung der berüchttgten Dlaubücher in den öffentlichen Büchereien war ein kleines und auf jeden Fall kühlendes Pflaster auf diese Wunde. Ein Puiüt wurde schließlich noch besprochen, der für weitere deutsche Kreise Interesse hat: An und für sich besteht für Einwanderer nach Südwest, sofern sie nicht aus der Union kommen (dann brauchen sie keinerlei Mittel, ja sie erhalten sogar noch Reiseunterstühung). schon lange die Vorschrift der Hinterlegung einer Garantie von 40 Pfund für die Erwachsenen und 20 oder 25 Pfund für die Kinder, zinsenlos auf zwei Jahre! Die Vorschrift war aber sehr milde gehandhabt und auch durch irgend eine Bürgschaft eines angesehenen Einwohners oder durch die Tatsache eines abgeschlossenen Arbeitsvertrages abgegolten worden. Seit Juni wird sie aber wieder verschärft gehandhabt. Cs werden nur noch Garantien von Grundbesitzern als Ablösung der Bardeponierung angenommen, und das kommt in vielen Fällen natürlich einer Abhaltung tüchtiger Europäer, insbesondere deutscher Landwirtschaftseinwanderer gleich, die das Land zu seiner Erschließung doch bitter nötig hat. So kritisierten die deutschen Vertreter dieses System sehr lebhaft, zumal bisher noch kein einziger Fall vorgekommen ist, in welchem ein überseeischer Einwanderer die Hilfe der Regierung hätte in Anspruch nehmen müssen, um nach dem Mißglücken seiner Pläne in seine Heimat zurückbefördert zu werden. Bei dieser Gelegenheit kam auch zur Sprache, daß die unionistische Regierung in ihrem Etat 200 000 Pfund zur Unterstützung von Ansiedlern aus der Union in Südwest ausgeworfen hat. Der Administrator erklärte, die von dorther kommenden Siedler hätten sich zu 75 Prozent ausgezeichnet bewährt. Was mit den übrigen 25 Prozent geschieht, davon sprach er allerdings nicht! Die „Meteor"-Besatzung in Windhuk. Das deutsche Forschungsschiff „Meteor" weilte in Südwestafrika, seit zwölf Jahreii, seit „Eber", „Panther" und „Möwe" Südwest besuchten, das er st e Schiff der Reichsmarine, mit Jubel und Stolz oon den Deutschen Südwestafrikas begrüßt. Als das Schiff schon die Walfischbucht ansteuerte, erhielt es drahtlose Notsignale eines englischen Frachtdampfers, der in der Conceptionbucht gestrandet war. Trotz seiner schwachen Maschinen fuhr der „Meteor" sofort hin und beteiligte sich in aufopfernder Weise an dein Rettungswerk, das er erst aufgab, als feine sämtlichen Kohlenvorräte erschöpft waren und er mit dem Rest seiner Kohlen gerade mit knapper Mühe noch Walfischbucht erreichen konnte. Der englische Dampfer war auch von anderen später zu Hilfe eilenden Schiffen nicht mehr zu retten und mußte verlassen werden. Aus Anlaß der Anwesenheit der „Meteor"-Be- satzung in Windhuk erschien ein besonderes Festbuch, das das ganze festliche Programm enthielt. Wir heben aus der Fülle tvr Veranstaltungen den Empfang hervor, den die in fchwarzweißrotem Flaggenschmuck prangende Stadt Windhuk in Anwesenheit fast ihrer gesamten Bevölkerung, der Vereine und Schulen, mit Musik und Fahnen am Bahnhof der Besatzung bereitete. Der Kommandant, die Offiziere und die Wissenschaftler wurden dem anwesenden Administrator, dem Oberrichter und dem Bürgermeister oorgestellt. Im Rathaus begrüßte der Bürgermeister in englischer Sprache (der Vizebürgermeister übersetzte es später ins Deutsche) die Besatzung und betonte, er wolle das Wort Freude besonders unterstreichen, da er wisse, daß die Anwesenheit der „Meteors-Besatzung in Windhuk für einen großen Teil der Bevölkerung mehr bedeute, als eine Höflichkeitsbezeugung und ein lebendiges Band zur alten Heimat fei. Windhuk fei stolz, die Wissenschaftler heute hier begrüßen zu dürfen. Kapitän Spieß antwortete mit beifällig aufgenommenen Worten. Mittags gab der Ober- richter den Offizieren und Wissenschaftlern ein Frühstück, am Nachmittag sand ein wissenschaftlicher Lichtbildervortrag mit Filmvorführungen über die Arbeit des „Meteor" statt. Am Abend lud der Administrator Offiziere und Wissenschaftler zum Essen und besuchte später mit seinen Gästen den Ball der Fußballoereinigung. Der zweite Tag brachte eine Besichtigung der deutschen Schulen und dann eine Gefallenenehrung vor dem Reiterdenkmal, bei der Kapitän u. a. nennen: Ministerialbirektor Dr. Kratz, Darmstadt, von der Bauabteilung des hessischen Finanzministeriums; Seine Magnifizenz den Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. B ü r k e r, Gießen; Geh. Forstrat Dr. Walther, von der Forstabteilung des hessischen Ministeriums; Univ.- Prof. Dr.' Herzog, Gießen, Mitglied der Reichslimeskommission; Prof. Dr. Drexel, Frankfurt, Vertreter der Römisch - germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts; Landtagsabgeordneten Prof. Dr. We r ne r, Butzbach; Prof. Dr. Krausmüller, Gießen; Oberregierungsrat H o o s, Friedberg, den Vertreter des Taunusclubs „Wetterau"; Studienrat Schaum, Friedberg, den Vertreter des V.H. C. Oberbaurat Haag fand herzliche Worte des Dankes für alle, die ihre Kraft für die gute Sache eingesetzt haben. Anerkennung zollte er seinen Mitarbeitern im Hochbauamt, vor allem Regierungsbaumeister Leydhecker, Friedberg, der die Pläne zum Bau entworfen, dann aber auch den Bauhandwerkern aus Friedberg und Dad- Rauheim, die seine Anordnungen zur vollen Zufriedenheit ausgeführt hätten. Desonders aber nannte der Redner Prof. Helmke, der als eigentlicher geistiger Vater des schönen Werkes während des Daues als fachmännischer Berater wertvollste Mithilfe geleistet' habe. Mit sichtbarer Freude überreichte Oberbaurat Haag an Prof. Helmke den Schlüssel zum Turm. Prof. Helmke nahm darauf die Weihe des Turmes vor. Die Freude des Tages werde, so führte er aus, nur dadurch getrübt, daß der hochherzige Stifter des Werkes nicht anwesend sein könne. Mit tiefempfundenen Worten des Dantes zeichnete der Redner ein anschauliches Dild dieses seltenen Menschen. Der Redner fand aber wie Oberbaurat Haag auch nochmals dankbare Anerkennung für alle, die das Werk mit Kopf und Hand und mit viel Liebe zur guten Sache unterstützt und gefordert haben. Der Dauabteilung und der Forstabteilung des hessischen Ministeriums der Finanzen, dem Hochbauamt Friedberg (Oberbaurat Haag) und dem Forstamt BadSpieß einen Kranz niederlcgte, und Pater Ziegen, fuß sowie Pfarrer Ebers Ansprachen hielten. Ein Gartenfest und ein Bierabend beschlossen sodann den zweiten Abend, an dem der Vorsitzende des Deutschen Vereins, Herr Meiner, sowie der Dor- sitzende des Deutschen Bundes, Dr. Brenner, herzliche Ansprachen hielten und namentlich die Schlußansprache des Kommandanten, Fregatten- kapitan Spieß, stürmischen Beifall fand, besonders an der Stelle, als der Redner sagte: „Herr Administrator! Sie werden es uns deutschen Mannern nicht verdenken, wenn uns das Herz blutet bei dem Gedanken, daß dieses schöne, heiß erworbene Land nun nicht mehr unter dem starken Schutz der Heimat steht, daß dieses unser jüngstes afrikanisches Kolonialkind jetzt fremder Pflege anvertraut ist. Seien Sie ihm ein guter Pflegevater. Herr Administrator! Lassen Sie den Deutschen ihr ungebrochenes Deutschtum, es ist das Beste, was in diesen Männern und Frauen lebt: es ist das Beste, was Sie zum Aufbau und zum Gedeihen dieses Landes haben können. Lassen Sie ihnen ihre deutsche Sprache, ihre Kultur und ihre deutsche Seele, dann wird das Land in jener wunderbaren Entwicklung weiter gedeihen und blühen wie früher, und daneben werden Sie sich diese tapferen deutschen Herzen gewinnen und auf sie bauen können." Am dritten Besuchstag wurden Ausflüge auf Farmen gemacht. Den Abend beschloß ein Konzert und ein Ball und um 3 Uhr morgens erfolgte die Abreise der Gäste mit dem Zuge, wiederum in Anwesenheit fast der gesamten Bevölkerung und unter den begeisterten Klängen des Deutschlandliedes. Thorzow. Vor längerer Zeit hat bas Haager Schiebsgericht in bem Streit zwischen Deutschland unb Polen um den Besitz bes großen Stickstoffwerkes in Chorzow in bem uns geraubten Teil von Oberschlesien eine Entscheidung gefällt, in der bie Enteignung bes Werkes unb Besitzergreifung durch Polen als zu Unrecht erfolgt erklärt wird. Diese Entscheidung muh als endgültig anerkannt werden, da Polen sich selbst vorher dem Schiedsspruch unterworfen hat. Im Privatleben wäre es für einen anständigen Menschen eine Selbstverständlichkeit, einen Spruch auszuführen, der unter solchen Umständen ergangen ist. D i e Polen rührten s i ch nicht. Vor drei Monaten richtete bie Reichsregierung eine Rote an die polnische Regierung, in der sie um U e 6 e r = gäbe des Werkes an die rechtmäßigen Besitzer oder um die Auszahlung einer Entschädigung des gesamtes Werkes im Werte öon hundert Millionen Mark ersuchte. Die Polen rührten sich nicht. Wiederholte Mahnungen Deutschlands blieben fruchtlos. Run wurde damit gedroht, daß sich Deutschland abermals an das Haager Schiedsgericht mit der Ditte wenden würde, festzustellen, was für Rechtsfolgen aus der Entscheidung sich für Polen ergeben. Run endlich ist eine Antwort ergangen. In diesen Tagen findet in Genf die Neuwahl des Rates der Dölkerbundsversamm- Tung statt, unb Polen ist dabei der Hauptkandidat für einen der drei Sitze mit dreijähriger Laufzeit und Wiederwählbarkeit. Dabei hat zum ersten Mal Deutschland ein Wort mitzusprechen, und wahrscheinlich hat Polen von der französischen Delegation den Wink bekommen, sich etwas entgegenkommender gegen Deutschland zu zeigen. Die deutsche Tele- gation hat offenbar in Genf kein Hehl daraus gemacht, daß sie nicht in der Lage ist, für den polnischen Ratssih zu stimmen, da Polen sich bisher in jeder Beziehung unb in jedem einzigen Falle als der ausgesprochendste Gegner Deutschlands erwiesen hat. Es wäre in der Tat beinahe politischer Selbstmord, wenn Deutschland für einen polnischen Ratssitz stimmen wollte, solange feine bindende Gewähr dafür vorhanden ist, daß in der Haltung Polens zu Deutschland ein radikaler Umschwung auf der ganzen Linie eint ritt. Die Konstellation scheint in Genf für Polen doch nicht ganz so rosig zu sein, wie sie von Frankreich und Polen selbst hingestellt wird. Infolgedessen hat man sich in Warschau endlich dazu bequemt, in der Chorzower Angelegenheit eine Antwort zu erteilen. Wie sieht diese Antwort aus? Polen erfiärt sich großmütig zu Verhandlungen mit den eigentlichen Besitzern des Chorzower Werkes, d. h. mit der Bayerischen Stickstoffgesellschaft, bereit, denen im Falle des Scheiterns Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Regierungen Rauheim (Forstrat Ohl), Pros. Herzog, Gießen, dessen Rates sich Prof. Helmke öfters erfreuen durfte, der Bad- und Kurverwaltung Dad- Rauheim u. a. Stellen wurde nochmals herzlicher Dank übermittelt. Die fesselnde Weiherede machte anschaulich mit der Daugeschichte und den Zwecken bekannt, denen der alte Turm einst diente. (Wir verweisen unsere Leser auf den Aufsatz „Der Wiederaufbau eines Limesturmes bei Dad-Rauheim" in den Familien-Dlättern Rr. 74 vom 14. September 1926.) Der Redner schilderte die ideelle Dedeutung des jetzigen Turmes als eines Lehrobjektes für unsere studierende Jugend und als Aussichtspunktes inmitten einer reizvollen Heimatlandschaft. Die Ansprache klang aus in den feinsinnigen Weihespruch, der den neuen Limesturm als ein Denkmal der Dankbarkeit des Mannes, der feiner Heimat gern gedacht, als ein Denkmal der deutschen Baukunst und als ein Denkmal der deutschen archäologischen Wissenschaft pries. Mit lebhaftem Interesse wurde das Telegramm ausgenommen, das Geheimrat Prof. Dr. Fabricius, der zur Zeit in Weißenburg in Dayem am rätischcn Limes weilt, zur Feier entsandt hat, und das den folgenden Wortlaut hat: „Burgum limitis Germanici feliciter explicitum dedicantibus salutem. Ernestus Fabricius castris Biricianis limitis Raetiae.“ Prof. Helmke öffnete die wuchtige Tür, und die Gäste hatten nun Gelegenheit, das Bauwerk unter sachkundiger Führung eingehend zu besichtigen und sich von der Gediegenheit der Ausführung zu überzeugen, wie auch von dem einzig schonen Blick in die weite Umgebung. Eine Mittagstafel im gastlichen Forsthaus Winterstein beschloß dann die eindrucksvolle Fci r Prof. Herzog, Gießen, nahm in einem Schluß- wort, das den Dank der Gäste zum Ausdruck brachte, nochmals Gelegenheit, aus reicher Erfahrung heraus von der Bedeutung des Turmes zu sprechen, der stets ein Mahner zur Einigkeit sein möge. -d. Das Ergebnis der Giehener Ausstellung es 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten. und Die Wohl Lehrer Becker, Vorsitzender des .^>st° Gartenbanvereins, Giesten: Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G.m.b.H., Berlin. her hörte, wird er das Ziel, das sie ihm gesteckt haben, nie erreichen." „Oha, das sollt' sich man erst zeigenI" „Ja, es wird sich zeigen, wenn er körperlich und geistig überanstrengt und zusammengebrochen ist. Lassen Sie sich zum Guten raten, Madam Eggers, lasten Sie Ihren Sohn ruhig in seiner Lehre und reden Sie ihm nicht den Kopf dick. Besser ein tüchtiger Handwerker, als ein ewiger Student." „Herr Pastor will das nicht? — So — na, denn man nichts für ungut. Halt' ich mir ja denken können. Schöne Worte vor der Gemeinde, und wenn cs darauf ankommt--" Bautz, flog die Stubentür, Pastor Jessen stand ganz verdonnert und sah der aufgeregten kleinen Person nach. Das hätte er nie gedacht, daß die so rabiat werden könnte. Ilse war ein bißchen blaß geworden, fanden die Großeltern. Sicher hattet das gute Kind entsetzlich viel Arbeit mit den Vorbereitungen zur goldenen Hochzeit. Wenn sic auch beide taten, als merkten sie nichts, sie spürten doch die Heimlichkeiten unten im Hause, und da sie frisch und gesellig waren, freuten sie sich aus ihren Ehrentag. Sogar der Propst Lilie aus Altona hatte geschrieben, daß er kommen werde, um seinen lieben, alten Amtsbruder, bei dem er einmal Kandidat gewesen, einzusegnen. Wie ein Lauffeuer ging diese Nachricht durch ganz Schmalebeck. Ja, der alte Herr — man wußte, was man an ihm hatte. Die Gartenbau« und Elektrizitäts« a u s ft e l l u n g ist für unsere Stadt zu einem Ereignis geworden, das einer besonderen Rückschau wert ist. Um die Eindrücke der bei der Herrichtung der Ausstellung an hervorragender- Stelle tätigen Männer kennenzulernen, haben wir eine Umfrage veranstaltet, die zu den nachstehenden Erklärungen führte: Beigeordneter Dr. Selb, Vorsitzender des Volkshalle-Vereins: Am Sonntagabend ist die Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung zu Ende gegangen. Es darf wohl gesagt werden, daß sie für die Sttrdt Gießen ein bedeutsames Ereignis war. Der D. Sy D. (Dolkshalle--Verein) kann mit Recht für sich in Anspruch nehmen, daß diese Ausstellung für ibn ein Erfolg gewesen ist. Die vor nicht ollzulanger Zeit noch ziemlich umstrittene Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Dolkshalle dürfte wohl von niemanden mehr ernstlich in Frage gestellt werden. Die Halle hat sich für die verschiedenartigsten Veranstaltungen als durchaus geeignet erwiesen,- die Ausstellung hat ihr gewiß eine Reihe neuer Freunde gewonnen. Nachdem die Ausstellung einen guten Verlauf genommen hat, mag nicht verschwiegen bleiben, daß anfänglich doch auch ernste Bedenken auftauchten, ob sie nicht mit einem finanziellen Mißerfolg enden werde. Drohend standen dabei die Erfahrungen der in den letzten Jahren statt- gefundenen Veranstaltungen vor Augen. Es erschien zweifelhaft, ob es gelingen werde, das Gießener Publikum so au interessieren, daß ein genügender Besuch der Ausstellung erfolge. 2lls oberster Grundsatz wurde daher aufgestellt, die Ausgaben, insbesondere diejenigen für Vergnügungen. aus das notwendigste Maß zu be- schränten. Denn es ist viel leichter, ein Programm bei gutem Geschäftsgang zu erweitern, als es einzuschränken, nachdem einmal die rechtzeitig zu treffenden Abkommen mit den Beteiligten stattgefundon haben. Aus dem gleichen Gesichtspunkte heraus wurde die Dauer der Ausstellung aus acht Tage beschränkt. Denn es war zu erwarten, daß der Besuch bei dem doch nicht allzu- großen Kreise des in Frage kommenden Publikums Nachlassen werde, wenn jeder einmal die Ausstellung gesehen habe. Es kann dann erfahrungsgemäß nur durch außerordentliche, meist kostspielige Veranstaltungen neue Zugkraft geschaffen werden. Auch hier gilt das alte Sprichwort: „3n der Beschränkung zeigt sich der Meister." Der Besuch der Ausstellung ergibt sich aus .folgenden Zahlen. An Eintrittskarten wurden 1532 Dauerkarten nebst Beikarten, 26 425 einmalige _ Eintrittskarten für Erwachsene und 5071 für Kinder und Schüler ausgegeben Es war gut, daß die Halle nicht tmll- ständig durch die Ausstellung in Anspruch genommen war; sonst hätten diese Menschenmassen gar nicht untergebracht werden können Das Ge- Volkshalle mit der Straßenbahn bequem zu erreichen ist, werden die Nachteile ihrer Lage an der Grenze der bebauten Zone offensichtlich auf- gewogen. Eine dringende Notwendigkeit ist jedoch der vollständige Innenausbau der Volkshalle. Ohre älnfertigkeit erfordert bei jeder Veranstaltung besondere Aufwendungen, um die vorhandenen Mängel zu mindern. Eine endgültige Instandsetzung wird diese sich wiederholenden Aufwendungen vermeidbar machen. Der Eindruck der an sich architektonisch gut wirkenden Halle wird auf die Besucher ein noch wesentlich günstigerer werden. Unbedingt notwendig sind ein geeigneter Fußboden und eine Heizung, um eine Verwendung der Halle auch in den Wintermonaten zu ermöglichen. Es ist ohne weiteres klar, daß die paar Sommermonate nicht dazu genügen können, um den Betrieb der Halle wirtschaftlich zu gestalten. Die auch in den Wintermonaten fortlaufenden Kosten schließen, wenn ihnen nicht Einnahmen gegenübergestellt werden, jede Wirtschaftlichkeit aus. Es ist nicht zu verkennen, daß noch erhebliche Mittel aufgewendet werden müssen; es darf aber erwartet werden, daß sie sich bezahlt machen werden. Nachdem einmal der Plan, die Volkshalle zu erstellen, greifbare Formen angenommen hatte, gelang es unter hoch anzuerkennender Beteiligung der Gießener Einwohnerschaft in erstaunlich kurzer Zeit den Bau zu finanzieren und zu erstellen. Hoffentlich wird die Halle mit der gleichen Tatkraft und dem gleichen Opfersinn bald endgültig vollendet als neues Wahrzeichen der Stadt Gießen und des Gemeinsinnes ihrer Bürger. Direktor 5tolte, Leiter des städt. Elektrizitätswerkes: Es ist festzustellen, daß das Interesse an allen Gruppen der Elektrizitätsao- teilung sehr groß gewesen ist. Besonders erfreulich kam das bei den Däckereibetrie- b e n {jum Ausdruck mit dem Erfolg, daß Bäckerei- maschlnen während der Ausstellungswoche in drei Fällen verkauft wurden. Für den elektrischen Backofen bekundeten die Fachleute regste Aufmerksamkeit. Wenn hier noch keine Kaufe getätigt wurden, so war hierfür in erster Linie die Frage der Bezahlung, d. h. der Kreditgewährung ausschlaggebend; jedoch darf damit gerechnet werden, daß bei notwendigen Neuanschaffungen von Backöfen die Fachkreise auf den elektrischen Backofenbetrieb zurückkommen werden, denn man sagt sicherlich nicht zu viel, wenn man ihn als den Backofen der Zukunst bezeichnet. Das Elektrizitätswerk wird die Anschaffung solcher Defen durch günstige Tarifgestaltung sicherlich erleichtern. In diesem Zusammenhang darf gesagt werden daß die um etwa 10 Prozent höheren Anschaffungskosten des elektrischen Backofens gegenüber der bisherigen Ofenart durch die weitgehenden Vorteile in der Handhabung und Wirt- schastlichleit des elektrischen Ofens ausgeglichen werden. Lebhaft war das Interesse der Besucher auch an den Metzgerei Maschinen. Hier waren ebenfalls mehrfach Verkäufe zu verzeichnen. Das gleiche ist von der elektrischen Heiß Wasserversorgung für landwirtschaftliche Betriebe und von der Abteilung Holzbearbeitungsmaschr- nen, wo gleichfalls einige Käufer ihren Bedarf deckten, zu berichten. Soweit in diesen Abteilungen geplante Käufe j?ht noch nicht zustande tarnen, sind wertvolle Verbindungen angeknüpft worden, die natürlich sorgsam gepflegt werden und im Laufe der nächsten Zeit sicherlich auch Absatz zur Folge haben dürften. Endlich wurde auch eine elektrische Kühlanlage ab- gesetzt. Für die elektrischen Koch» und Heizapparate bekundeten die Hausfrauen regstes Interesse; namentlich hatten es ihnen die neuen Herdkonstruktionen mit offener Heizung angetan. Auch in dieser Abteiljung sind für die nächsten Monate Käufe vorgemerkt. Dasselbe gilt von den verschiedenartigen Heizkörpern. Für Dadeeinrichtungen mit elektri- cher Warmwasserversorgung war ebenfalls ein großer Interessentenkreis vorhanden, jedoch ließ auch hier die Geldfrage als aus- chlaggebender Faktor auf der Ausstellung noch keine Käufe zustande kommen; es sind aber mancherlei Beziehungen geschäftlicher Art angebkhnt worden. Ein gleiches ist für alle übrigen elektrischen Gebrauchsgegenstände zu sagen, die sicherlich den Absatz in der Branche erhöhen werden. dränge war dessen ungeachtet manchmal recht erheblich. Auch für die Aussteller selbst, deren ausgezeichnete Leistungen auch hier nochmals hervorgehoben werden sollen, verlief die Ausstellung durchweg günstig; s oviel man hört, waren sie durchaus zufrieden. Eine Reihe von Maschinen und Gegenständen wurde verkauft. Besonderer Beliebtheit erfreute sich der Däckereibetrieb und die von ihm erzeugten schmackhaften Produkte. Die Ausstellung hat zweifellos den Ausstellern durchweg beachtliche wirtschaftliche Vorteile gebracht, die sich teilweise erst noch nach Monaten durch Anschaffungen der Interessenten, zu denen sie durch die Ausstellung angeregt wurden, zeigen werden. Zu den Nichniehern gehört ferner die Straßenbahn, der die Ausstellung einen regen Verkehr brachte. Weiter bot sich Gelegenheit zur Beschäftigung einer großen Anzahl von Arbeitskräften. Der gesteigerte Verkehr in der Stadt brachte Raubet und Gewerbe Vorteile. Von den dem Publikum gebotenen Vergnügungen ist besonders das Kinderfest hervorzuheben. Mit Genugtuung konnte festgestellt werden, welche Freuden den lleinen Abcschützen und nicht zuletzt ihren Eltern bereitet worden war. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Ausstellungslotterie sich eines Zuspruchs erfreute, der in solchem Ausmaße nicht erwartet worden war. Die vorgesehene Zahl der Lose und dementsprechend die Gewinngegenstände mußten um das Zweieinhalbfache vermehrt werden. Schon am dritten Sage der Aus- stellung waren die vorgesehenen Lose vergriffen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß in den letzten Monaten sich offenbar die wirtschaftliche ßage in Handel und Gewerbe sowie In weiten Kreisen der Verbraucher wesentlich gehoben hat. Es ist erfreulich, dies feststellen zu können. Die Gartenbau- und Elektrizttätsausstellung sollte den Beweis erbringen, daß es auch in der jetzigen Zeit möglich ist, mit Erfolg A u s st e l l u n g e n z u v e r a n st a 11 e n; sic hat dies getan. Es ist daher damit zu rechnen, daß in den nächsten Jahren noch größere derartige Ausstellungen durchaesührt werden. Gießen bildet infolge seiner günstigen Lage den gegebenen Mittelpunkt eines größeren Wirtschaftsgebiets. Es wird die Ausgabe zu lösen sein, diese natürliche Entwickelung dadurch zu fördern, daß man den Verkehr durch geeignete Veranstaltungen hierher zieht und da- mit das wirtschaftliche Leben befruchtet. Für eine größere Ausstellung dürfte die Volkshalle nicht den genügenden Raum bieten. Es wird dazu notwendig sein, besondere Ausstellungshallen für Die Dauer der Ausstellung auf dem Triebgelände zu errichten, so daß die Volkshalle selbst im wesentlichen für Restaurations- zwecke zur Verfügung steht. Dabei ist hervor- zuheben, daß die Lage der Volkshalle siir den günstigen Verlauf einer Ausstellung offenbar durchaus nicht hinderlich ist. Dadurch, daß die über einen bereits ergangenen Schiedsspruch? Wenn man diese polnische Hinterhältigkeit in Zusammenhang stellt mit dem gesamten Verhalten Polens in der Verrechnungsfrage mit Deutschland, mit seinen Winkelzügen in den Verhandlungen über einen Handelsvertrag und das Niederlassungsrecht deutscher Reichsangehöriger in Polen, wenn man sich an die Schikanen erinnert, denen die deutsche ebenso wie die jüdische und weißrussische Minderhett in Polen ausgesetzt sind, wenn man daran denkt, wie hinterlistig selbst klare Entscheidungen des Oberkommissars Ealonder über die Schulverwaltung in Ost- Oberschlesien umgangen worden sind, dann begreift man, mit was für Gefühlen Deutschland der polnischen Tücke gegenübersteht. Solche Tücke und Hinterlist sind die Grundzüge des polnischen Charakters überhaupt. Unb deswegen wird trotz aller gleisnerischen Versprechungen polnischer Minister in Genf nie ein freundschaftliches Verhältnis zwischen beiden Ländern möglich fein. Hoffentlich wird das in Genf so zum Ausdruck gebracht, daß kein Zweifel 'entstehen kann. Nur wer an Zeichen und Wunder glaubt, wird einen vollständigen Wanbek in der Haltung Polens erwarten. Bisweilen fuhr in all die kleinen fröhlichen Proben und die vielen Beratungen ein Wind aus der großen Welt, der sagte: In Kopenhagen rechnet man von einer Woche zur anderen mit dem Ableben des Königs. In Kiel finden Versammlungen statt. Die jungen Studenten und ihre Professoren singen nicht „Schleswig-Holstein meerumschlungen" nein „Ich? Ja, wie von Herzen gern. Aber ich weiß wirklich nicht, wie das gemacht werden sollte." „Das gibt fo’ne Dinger, heißen Stipendier, — was? Ich hab' es mir schon eher sagen lassen. Sind für fleißige Studenten. Sollt es jo was nicht auch für fleißige Schüler geben? Denn fleißig rft mein öiete, das kann ich woll sagen. Und laßt sich fein' Arbeit verdrießen. Was kann ich ja auch tun, ich kann immer noch ’ne Stunde länger nähen bei Nacht, bloß, daß die alten Talglichter so teuer sind. Und denn--* sie fingerte aufgeregt an ihren Hutbändern, — „es sind doch reiche Leute in der Stadt, — wenn Herr Pastor--ja, und stellt es ihnen man richtig vor--" Pastor Jessen wurde es schwül. Er wußte auch nur zu gut von seinem alten Amtsbruder, wie wenig Fiete für die Gelehrsamkeit geschaffen war. „Das ist alles viel schwieriger, als Sie sich das denken, Madam Eggers. Bon den Summen, die da zusammen- tommen müssen, haben Sie nicht die rechte Vorstellung. Zuerst muß er doch irgendwo in Pension ober wenigstens ein Zimmer haben und Essen und Kleidung, und wenn es noch so bescheiden ist. Dann die Bücher, das Schulgeld--und bann dauert es Jahre-- „Wenn Sie und wollten man richtig, Herr Pastor." „Und vor allen Dingen, es wird ihm bitter sauer Sehen Sie, cs gibt hochbegabte Schüler und Studenten, die sich ihren Lebensunterhalt mit Stundengeben an jüngere Schüler erwerben--" „Hat mein Fiele hier all bei Rottmanns getan." „3a, na ja. Aber Voraussetzung ist, daß ihnen das eigne Studium Zeit dazu läßt. Daß sie selber leicht fassen und behalten. Und ihr Fiete dürste seine Zeit dringend für sich selber nötig haben." Aber Madam Eggers wiederholte störrisch: „Wenn Sie — und wollten man richtig, Herr Pastor." ' „Ja, und wissen Sie denn, ob das zum Segen Ihres Sohnes ist? Denn nach allem, was ich disVerschiedene elektrische Warmwasserspeicher, elektrische Heizöfen und Staubsauger haben bereits Abnehmer gefunden. Alles in allem ist zu sagen, daß die Ausstellung für die Ekektrizltätsabtei- lung ill wirtschaftlicher Hinsicht mancherlei wertvollen Gewinn gebracht hat. Darüber hinaus ist sie auch fruchtbar geworden für eine weitere Popularisierung der Elektrizitätswirtschast, namentlich auf dem Lande. Wie sich gtzeigt hat, ist die Landbevölkerung für elektrische Koch- und Heizapparate sehr interessiert, jedoch nimmt sie bedauerlicherweise einstweilen noch Abstand von Käufen, weil dem Lande der Vorzug eines billigen Stromtariss zur Zeit noch nicht zur Verfügung gestellt werden kann, da die Stadt durch eine vertragliche Bindung mit der Provinz einstweilen noch gehalten ift, für das Land keinen niedrigeren Taris als die provinzielle Elektrizitätsversorgung anzuwenden. Hoffentlich gelingt es, diesen Hemmschuh in beiderseitigem Interesse bald zu beseitigen. Einen befriedigenden geschäftlichen Abschluß der Elektrizitätsabteilung kann man aus alle Fälle mit Genugtuung verzeichnen. Gärtnereibesitzer Rud. Weber, Vertreter der Gärtner-Bereinigung: Als vor etwa 4 Monaten der hiesige V e r - kehrsverein an die Gartenbaubetriebe Gießens mit der Aufforderung zur Beteiligung an der gegenwärtigen Ausstellung herantrat, wurde diese Ausforderung zuerst mit einer hochprozentigen Skepsis ausgenommen, und das aus begreiflichen Gründen. Eine Gartenbauausstellung mit einer nur drei- bis viermona- tigen Vorbereitungsfrist ist nach gärtnerischen Begriffen eine Unmöglichkeit. Wenn der Verein der hiesigen Gärtner sich, wenn auch nach anfänglichem Sträuben, doch entschloß, sich an der Ausstellung zu beteiligen, so war hierbei die Ansicht bestimmend, daß nur durch ein Voraugen- führen der Kinder Floras das Interesse für die Dlumenwelt und damit auch dasjenige für die Gärtnerei wachgerufen werden kann. Daß die Ausstellung hierfür eine äußerst günssige Gelegenheit bot, zeigte sich von Tag zu Tag mehr durch die anerkennenden Worte und Fragen des besuchenden Publikums. Leider war es den ausstellenden Gärtnern bei der außerordentlichen räumlichen Beschränkung nicht möglich, die Erzeugnisse des Gartenbaues in wirkungsvollster Welse vor Augen zu führen, ein Mißstand, der sich ganz besonders bei der S ch n i t t b l u men - und D i n d e r e i a b t ei- l u n g bemerkbar machte, wo sich keiner der Aussteller recht entfalten konnte. Gerade dieser Abteilung wäre ein mehr als doppelter Raum vonnöten gewesen, denn hier hätte sich dem Besucher noch manches Schöne und Künstlerische bieten können, was aus den angeführten Gründen unterbleiben mutzte. Der Erfolg der Ausstellung für öie Gartner ist wohl mehr ideeller Art, und damit ist der Gärtner schon zufrieden. In der reichen Auswahl der zur Schwa gestellten Rosen und Dahlien hat auch so mancher Besucher einiges" gefunden, das er seinem Garten zuzuführen beab- sichtigt, und sind auf diesem Gebiet einige Erfolge zu verzeichnen, doch steht zu hoffen, daß ich die Gartenbesitzer im kommenden Frühjahr der gegenwärtigen Ausstellung erinnern werden. Nicht unerwähnt möge bleiben, daß alle in dem Führer angeführten Firmen wohl an der Ausstellung beteiligt waren, daß jedoch der Plan sowie das Arrangement in den bewährten Händen des Gärtnereibesihers Karl Becker lag. und schließlich erforderlichen Falles ein Schiedsspruch folgen solle. Damit soll offenbar in Gens der Eindruck erweckt werden, als ob das unschuldige Lämmlein Polen willens und bereit sei, alles menschenmögliche zu tun, um diese Frage aus der Welt zu schaffen. Das soll dann in Genf als Lockmittel benutzt werden, um Deutschlands Widerspruch au beseitigen oder als den Ausfluß gehässiger Gesinnung erscheinen zu lassen. Wenn die Leute in Gens so dumm sein sollten, auf diesen polnischen Schwindel hereinzufallen, dann hätten die Polen ihr Ziel erreicht. Vielleicht aber betrachtet man sich die polnische Antwort doch ein wenig näher. Es sollen Verhandlungen zwischen Polen und den früheren Besitzern eingeleitet werden. Worüber? Vielleicht über den Haager Schiedsspruch, der so klar und unzweideutig ist, daß nichts daran zu drehen und zu deuteln ist? Das Werk muß den Eigentümern zurückgegeben oder sein voller Wert bezahlt werden. Verhandlungen wären höchstens über die Form denkbar, in der das zu geschehen hätte. Was dann noch Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen für einen Zweck haben sollen, ist völlig unverständlich. Das Gerede von einem neuen Schiedsspruch ist eitel Blendwerk, denn was soll ein Schiedsspruch „Ich wüßte nicht." „Und die Mutter?" „Ja — die — die — Ich dachte doch, das bildete ich mir wohl ein. Sie wurde sehr nett, so-- Weißt du, seit ich vor Weihnachten bei ihrem Hause gefallen war. Sie tat so, als fei es- etwas Auffallendes, daß du die Kamelien schicktest. Wo es doch nur ein Dank war. Sie fing immer wieder davon an, und daß alle Leute sich darüber wunderten, und daß der Strauß viel zu kostbar gewesen fei. — Ich bin ihr in der letzten Woche Immer aus dem Wege gegangen. Aber Niekchen — Riekchen ist nicht so. Die 'st ganz natürlich und ehrlich." „Glaubst du denn, daß Riekchen ein kleines Sentiment für dich hat?" Der große Junge wurde rot. „Es mochte so scheinen." „Und die Leute reden — Wenn es dir so scheinen will, hüllest du vorsichtiger fein sollen. — Ich habe immer geglaubt, du inkliniertest in das Rottmannsche Haus." Da wurde er zur Päonie. Herr Nilius tat, als sehe er das nicht. „3a, dann mußt du sehen, die Sache zu rebreffieren. Denn durch uns darf fein junges Mädchen in ein häßliches Gerede kommen. Ich brauche dir wohl nicht erst zu sagen, wie du das anstellen sollst." „Nein. --Am Abend hatten sie Probe in der Post. Es war ein gewaltiges Rumoren im großen Saal, wo auf Fässern und Böcken ein Fußboden gelegt war, der die Bühne vorstellte. Kulissen hatte Eitel Bostrup gemalt, und Fiete Eggers hatte helfen müssen, die Farben mit gewaltigem Pinsel auf Wagenbretter zu streichen. Wasserfarben — man konnte sie wieder abwaschen. Unter einer anderen Bedingung hatte der Postmeister sie nicht hergegeben. Acht Kinder sollten tanzen, und vier junge Mädchen kamen als die Damen des Kartenspiels, wobei Ilse die Coeurdame traktierte. Sie wurden aber überfallen von dem Bären, der wieder durch den Coeurkönig verjagt wurde. Der König wurde vom jungen Lateinlehrer gemimt und trug ein Schild auf der Brust: Kandidat Rottmann, zum Zeichen, daß er den goldenen Bräutigam vergangener Zeit präsentierte. (Fortsetzung folgt.) I den Fräulein Rosens die Nähstube geleitet hätte und | kurz vor Weihnachten abgereist wäre. So eine hergelaufene Fremde, der war es auch zuzutrauen. Ein «chmalebecker tat das nicht. — Man atmete auf und beruhigte sich. Da kam es an Herrn Nilius. Herr Nilius, der so ungeheuer, so ganz peinlich exakt war, der so wenig auf feinem Ruf ein Stäubchen duldete wie auf seinem Chemisett, dessen kaufmännische Ehre so unantastbar war wie seine persönliche, Herr Nilius bekam einen ganz infamen Brief. In dem stand: Er sei ja als Ehrenmann in der Stadt bekannt gewesen, aber nun lege er darauf wohl fein Gewicht mehr. Da doch sein Herr Neveu, von ihm wie ein Sohn erzogen und gehalten, die jungen Mädchen in das Gerede bringe. Erst hätte er im Doktorhaus herurnfcharmuzicrt, dann im Pastorat, und das Mamsellchen Riekchen, das immer so täte, als könnte es die Augen nicht aufschlagen, heulte ihm nun bittere Tränen nach. Und die Frau Pastorin Hütte am letzten Sonntag früh einen Schreikrampf gehabt und würde zum Gespött in der Stadt, weil der erhoffte Schwiegersohn ihr so im letzten Augenblick aus dem Netz gegangen fei. Herr Nilius wurde krebsrot vor Aufregung, als er das las. So etwas ihm! — So etwas über feinen guten Georg, der gewiß nichts Unehrenhaftes getan! — Ja, aber wenn die Leute es fo auslegten? — Wenn das brave Riekchen darum ein zerbrochenes Herz durch das Leben tragen sollte? — Er griff zum perlengestickten Klingelzug und hieß den eintretenden Diener, feinen Neffen sofort herbei- rufen. Der kam treuherzig und eifrig aus der Brauerei herangelausen. Es kam selten vor, daß man ihn aus der Arbeit holte. „Lies!" — Und er las. „Was sagst du dazu?" Er sagte gar nichts; er starrte nur entgeistert den Onkel an. mecTtrft bCm Wef$en ^sfen Hoffnungen er- „Hoffnungen erweckt?" „Ihr seid ja jetzt da bei euren Hochzeitsaufführungs- ad)en viel zusammen. Hast du etwas gesagt, was sie so auslegen kann, als wolltest du dich um sie bewerben r ie sind auch durchaus geneigt, dies Schleswig-Hol- tem mit dem Schwert in der Hand gegen alle düni- chen Uebergriffe zu verteidigen. Und Olaf Hammersmid, der doch jetzt mehr denn e daran hatte denken müssen, feine Ilse unter allen Umständen feiner Treue zu versichern, der ließ noch immer nichts von sich hören. ,. Die anonymen Briefe waren wochenlang ver- Ichwunden. Die Schrnaledecker machten untereinander ab, das wäre die Kieler Nähmawsell gewesen, die bei Ausstellung ist zu Ende. Da erscheint , angebracht, den verflossenen Tagen eine kurze Würdigung zu widmen. Born Standpunlte des Durchschnittsbesuchers aus betra/tet spiel! natürlich die Besucherzahl und die ^oamit zu- sammenhängende Frage der Rentabilität eine große Rolle. Anders steht es mit den Aus- stellern in der Gartenbauabteilung, soweit sie dem Gewerbe angehören. Hier war Tag für Tag ein guter Besuch zu beobachten. Man betrachtete die ausgelegten Gegenstände, fand alle möglich« schöne und praktische Dinge und überlegte, wie weit der Geldbeutel dem Bedürfnis entgegenkommen konnte. Es darf gesagt werden, daß trotz der Seid- knappheit unserer Zeit mancher Einkauf getätigt wurde und mancher noch für die nächste Zukunft in Aussicht steht, lind das gilt nicht nur für allerhand Gebrauchsgegen- stände. Wer den Menschenstrom vor den Echnitt- blumentischen beobachtete, kann versichert sein, das; viele dieser Holden aus dem Blumenreiche im nächsten Jahre noch andere Gärten zieren. So dürfte mancher Aussteller seine Mühe und seine Kosten in einer wirksamen Reklame gut bezahlt finden, und eine gute Reklame ist immer der beste Gehilfe des Kaufmannes. Bei aller Förderung eines flotten Geschäftes soll aber nicht die ideelle Seite einer Ausstellung vergessen werden. Diele Besucher kamen sicherlich, um die mannigfachen Schönheiten der Ausstellung in sich aufzunehmen. Da stand einer in tiefer Versunkenheit vor bem Meer der Farben und ließ die stille Pracht, das rauschende Ge- woge seiner Mitmenschen vergessend, auf sich wirken. Ein Festakt für das Gemüt, dessen Saiten in diesem Augenblick nur in harmonischen Akkorden erklangen. Hnb wie viele waren es solcher Gemütsmenschen, bie nur immer kamen, wenn das Geräusch der Musik und bas Gedränge und Geschiebe sich verzogen hatten. Die oberen Schulklassen wurden in die Ausstellung geführt. Wo blieb das Auge der Kinder besonders haften — an der Dlumenpracht und den schönen Erzeug- nissey unserer Obstbäume. Hier lernten sie die Erzeugnisse des heimischen Obstbaues in ihrem Werte feinen und schätzen cc^e über südländischen Früchten. Hier sahen sie, was Ratur und Kunst in gemeinsamer Arbeit schaffen an den Obst- bäumen und Beerensträuchern, an den wundervollen Gebilden aus der Hand des Gärtners. Wenn sich hier die jungen Seelen stärkten in Liebe und Verehrung zur Ratur, bann werden sie auch in späteren Lebensjahren nicht imstande fein, sich in roher Weise an ihren Erzeugnissen zu vergehen. Die Gartenbauabteilung übernahm damit ein Stüd Heimatpflege. Oberhessen. v Landkreis Gieszen. f. Klein-Linden, 20. Sept. Die von den Bürgermeistereischreibgehilfen unterschlagene Summe stellt sich jetzt als höher heraus, als zuerst angenommen wurde. Durch die Nachprüfung der Rechnungsbücher konnten gestern vier weitere Fälle von Urkundenfälschungen festgestellt werden. Der Gemeinderat wird sich heute abend mit der Angelegenheit befassen. ® Watzenborn, 20. Sept. Beim Abladen von Kartoffelsäcken stürzte der 74jährige Jakob Hofmann II. vom Wage n und erlitt einen schweren Oberschenkelbruch. Der Verunglückte wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen mit dem Sanitätsauto nach der chirurgischen Klinik verbracht. —X— Alten-Buserk, 20. Sept. Dieser Tage fanden hier die Ob st ver st eigerungen der Gemeinde, des Kreises und von privater Seite statt. Aepfel und Zwetschen waren recht selten, sie erzielten deswegen außerordentlich hohe Preise. So war der Preis von 20 Mark für einen Zentner Aepfel am Baum keine Seltenheit. Birnen waren in großer Fülle oorhWden. Doch auch hierbei kann man nicht gerade von niedrigen greifen reden. Sie wurden sehr begehrt, weil sie bei dem Wegfall der Zwetschen in der Hauptsache zu Honig verarbeitet werden. — Neuerdings hört man Klagen, daß verschiedentlich Ob st bäume durch nächtliche Diebe geplündert werden. So konnten jüngst zwei junge Diebe auf frischer Tat ertappt werden. Hoffentlich werden sie den entsprechenden Denkzettel erhalten. !—! Baubringen, 19. Sept. Gestern wurde das hiesige Gemeindeobft versteigert, wobei folgende Preise je Zentner erzielt wurden: Landsberger Renette, am Baum, 8 bis 10 Mk., Boiken-Aepfel 10 Mk., Schöner von Boskoop 8 bis 10 Mk., Jakob Bebel 7 bis 8 Mk. Birnen: Gute Luise 7 bis 10 Mk., Pastoren-Birne 8 Mk. Die Apfelernte war sehr gering, während der Birnenertrag als gut mittelmäßig angesprochen werden konnte. Der Gesamterlös belief sich auf rund 400 Mark, immerhin angesichts des schlechten Behangs und des nicht allzu großen und noch sehr ausbaufähigen Obstbaumbestandes der Gemeinde eine bemerkenswerte Einnahme. — Gestern abend veranstaltete in der Wirtschaft von Joh. Emil Schäfer derSchule von Herchenhain unter der Leitung von Lehrer Weimer einen gut besuchten Unterhaltungsabend. Der Erlös kam den Schülern zugute, die auf diese Art ihre Reise- un ko st en bestreiten konnten. Sie genossen die Gastfreundschaft der hiesigen Schüler, die diese gerne und dankbar gewährten, da sie vor einigen Tagen bei einem zweitägigen Ausflug in den Vogelsberg von den Herchenhainern äußerst gastfreundlich während einer Nacht ausgenommen worden waren. : —: Beuern, 20. Sept. Linser langjähriger Gemeinberechner Georg Stein ist um die Entlassung von seinem Amt eingekom- men. 20 Jahre lang hat er mit seltener Gewissenhaftigkeit und Treue fein Rechneramt versehen. Sein hohes Alter, er steht im 75. Lebensjahr, hat ihn veranlaßt, ben schweren Posten eines Gemeinberechners für eine jüngere Kraft freizumachen. Im letzten Winter feierte Rechner Stein mit seiner Frau bie goldene Hochzeit. — Die neue F ö r st e r w o h n un g am Burghain, bie ber hessische Staat vor einigen Monaten von einem früheren Jagbpächter käuflich erworben hatte, staub seither leer. Um ber herr- schenben Wohnungsnot zu steuern, hat ber Staat biese Wohnung frei gegeben, so baß vor einiger Zeit zwei Familien in bas Haus einziehen konnten. —.— Treis a. b. Lba., 20. Sept. Der Ge- meinberat beschloß in feiner letzten Sitzung die Herabsetzung ber Gehälter ber G e- meinbebeamten. So erhält ber Bürgermeister ab 1. Oktober 2000 Mark statt wie seither 2964 Mark, ber Gemeinderechner 2000 Mart statt 3438 Mark: ber Flurschüh 1000 Mark statt 1908 Mark, ber Polizeidiener 300 Mark statt 1233 Mark, bie Schwester 1100 Mark statt 1938 Mark ri. L i ch, 20. Sept. Der Bund „für Haus und Schule" und bie beiden Trauender- einigung e n unserer Stadt veranstalteten am gestrigen Sonntag im „Hohler" eine Walöse i e r. Der Posaunenchor wirkte habet nfit, indem et verschiedene Musikstücke vortrug, darunter auch einige der neuen Märsche, bie man bei dem großen Posaunenfest im Sommer kennen und lieben gelernt hatte, und bie gemeinsamen Lieder begleitete. Stiftspfarrer 6 chorlem - mer begrünte die Teilnehmer, die sich sehr zahlreich eingefunben hatten. Stiftsbechant Lenz verbreitete sich in einer längeren Ansprache, in ter Humor und Emst sich mischte, über sehr brennende Erziehungsfragen für Haus, Schule und Kirche. Die Kinder deranstalteten im Waldes grün beim Klange bet Musik ihre munteren Reigenspiele. So wurde der Ausflug in den Wald, über dem zudem bet Glanz eines herrlichen Sommersonntags ruhte, zu einer rechten fröhlichen Familienfeier. 5 Reinhardshain, 20. Sept. Am gestrigen Sonntage fand das G u ft a v - A d o l f - F e st des Zweigoereins Grünberg der Gustav- Adolf-Stiftung hier statt. Als Festplatz hatte man den Was erturmsberg nahe unferm Dorfe gewählt. Begün tigt von wunderbarem Herbstwetter nahnl das Fe t einen harmonischen Verlauf. Fest- prebiger war Pfarrer Göbel- Wolf: er predigte über Gustav Adolfs Not und Liebe. Nach einer Kaffeepause, in der die Gemeinde Reinhardshain die auswärtigen Gäste in der gewohnten Gastfreundschaft bewirtete, fand die Nachfeier auf demselben Festplatz statt. Pfarrer Böll begrüßte die Fest- gofte, Pfarrer Grauling - Grünberg sprach für den verhinderten Vorsitzenden und redete von den Denkmälern des Gustao-Adolf-Vereins und dem, was sie »ns zu sagen haben. Ber Schriftführer, Pfarrer Siebeck - Merlau, gab darauf den Jahresbericht und bat um verstärkte Hilfe zum Werke. Der Ortspfarrer sprach hierauf das Schlußwort, ein Bank- und Mahnwort. Bie Schulklasse von Beltershain unter Leitung von Lehrer W e i d 1 bot einige Chöre, ebenso die Evang. Jugendvereinigung Merlau unter Leitung von Pfarrer Siebes. Auch war der F r a u e n o e r e i n M e r- l a u anwesend, beide Vereine hatten am Vormittag den Wirberg besichtigt und dort einiges vom Wir- berg in Vergangenheit und Gegenwart erzählt bekommen. Bie Festkollekte ergab 50 Mk., verkaufte Schriften und die Kindergabe brachten ca. 30 Mk. dazu, so daß ein schöner Ertrag für das Werk ein» ging. Kreis Friedberg. : Pohl-Göns, 20. Sept. Am Samstag wurde im Dorf ein älterer Mann von einem daherkommenben Auto, bas kein Signal gegeben haben soll, umgefahren. Der Mann mußte mit schwerer Gehirnerschütterung vom Platz getragen werden. Kreis Büdingen. Aus dem Ribbatal, 20. Sept. Die Brombeeren liefern in bi esem Jahre eine Rekordernte. Während in früheren Jahren ein großer Teil ber Früchte überhaupt nicht zur Reife kam, reifen unter der Einwirkung der heißen Herbstsonne von Tag zu Tag die schwarzen Beeren. Man sieht ganze Scharen mit Eimern und Töpfen dem Walde zu- streben, bie Früchte einzusammeln. In verhältnismäßig kurzer Zeit füllen sich die Gesäße. Die Aepfel, gutes Tafelobst, werden mit 1 8 M a r k pro Zentner angeboten und gekauft. In Kartoffeln hat sich noch fein einheitlicher Preis herausgebildet. Sie Produzenten verhalten sich abwartend. Kreis Schotten. Schotten, 20.Sept. Aus dem Gern ein de rat: Es wurde beschlossen, daß etwa 10 Morgen landwirtschaftlich wertloses Gelände in der Rähe des Stabt- Waldes aufgeforstet wird. — Die Kirche beabsichtigt, das erste Pfarrhaus, sowie das Innere der Stadtkirche Herrichten zu lassen. Die Stadt will ber Kirche hierfür einen größeren Betrag barlehnsweise zur Verfügung stellen. — Die neu angelegte Straße am Schiees- horst erhält bie Bezeichnung „lieber der Pfarrgalle". — Die Mietpreise in ben neuerbauten städtischen Miethaus in der Vogelsberger Straße werden auf je 32 Mk. monatlich, im Dachgeschoß auf 24 Mk., zwei Zimmer, Küche und Zubehör festgesetzt. — Die Höchstgeschwindigkeit für Autos und Mo - t o r r äb er bei Fahrten innerhalb ber Stadt soll auf 20 Kilometer festgesetzt und drei Warnungsschilder angebracht werden. — Für die in Aussicht genommenen Personenkraftwagenlinien 2. Fahrt 11 lrich stei n—A l s° selb u. dgl. wurde bie Garantiesumme von ber Stadt übernommen unter der Voraussetzung, dah den Fahrplanwünschen der Stadt entgegengekommen wirb. — lieber die Frage der Errichtung eines städtischen Schlachthauses sollen vor weiterer Beschlußsassung Besprechungen mit Sachverständigen und dem Kreisveterinäramt stattfinden. § Schotten, 20. Sept. Eine umfangreiche Arbeit wird zur Zeit in der Stadt vorgenommen. Der gesamte, durch Schotten fliehende Stadtbach wird bis zur Stadtmühle vollkommen i n Beton gefaßt und der Lauf r e g u l i e rt. An den meisten Stellen wird der Bach z u g e - legt, einzelne Plätze bleiben besonders als Stau- plähe bei etwaigen Bränden offen. Damit dürften die Klagen über Verunreinigung und üblen Geruch des Stadtbaches ein für allemal verschwinden. Auch die seither offene Stelle am Kreisamt wird vollkommen zugelegt, ber davor liegende tiefe Platz wird ausgefüllt und als Anlage schön hergerichtet. Wie man hört, soll an dieser schönen, in die Augen fallenden Stelle die Errichtung eines Brunnens als Gedächtnis- brunnen für bie im Weltkrieg gefallenen Söhne ber Stadt geplant werden. Der Platz wäre jedenfalls hierfür sehr gut gewählt. — Auch in unserer Stadt wird demnächst ein g lug tag stattfinden. Der Vogelsberg hat jedenfalls noch wenig Flugzeuge gesehen, und so wird diese Veranstaltung großem Interesse in der Bevölkerung begegnen. — Der Sportplatz auf dem Dockzahl ist von der Stadt neu hergerichtet worden. Er war stellenweise unbrauchbar geworden dadurch, daß ber Regen viel Erde abgeschwemmt und dadurch manches Gestein freigelegt hatte. Es sind viele Sprengungen vorgenommen und der Platz schön verebnet worden. «m Schotten, 20. Sept. Der neue Win-- terfahrplan kommt im allgemeinen ben Wünschen der Bevölkerung entgegen. Auch eine Rachmittagsverbindung an ben Sonntagen^ wie am Werktag ist geschaffen worben. Erwünscht wäre nur, bah der Rachmittagszug von Ribda am Samstag eine Stunde früher ginge, zum minbeften in ber Schnee- periobe, damit die Schiläufer, besonders aus Gießen Gelegenheit hätten, früher in ben Vogelsberg und auf den Hoherodskopf zu gelangen. Ober-Schmitten. 20.Sept. Gestern gegen Abend brannte an einem M ast e der Hochspannungsleitung der Heoerland-- zentrale innerhalb des Dorfes unter starken Lichterfcheinungen und Geräuschen ein Isolator durck. Die Umgebung des Mastes war mit elektrischer Kraft geladen. Ein Hund, der sich in der Rahe des Mastes zu schaffen machte. stob mit entsetzlichem Heulen davon und war nicht mehr zu bewegen, herbeizukommen. Am Abend wurde bie Leitung wieder Instand gesetzt, so daß für manche Orte der elektrische Strom 1* 2 Stunden ausblieb. Kreis Alsseld. H Alsfeld, 19. Sept. Am Freitag fand die erste Hauptübung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr mit der neuangeschaff- ten Motorfeuerspritze statt. Der Hebung wohnten Regierungsrat Strack vom Kreisamt Alsfeld, Bürgermeister Dr. Dölsing, sowie der Kreisfeuerwehrinspektor bei. Die überragende Wirkung der Motorspritze bei der Hebung fand allgemeine Anerkennung. In der auf die Hebung folgenden Mitgliederversammlung ber Wehr gedachte ber 2. Kommandant deS Ablebens des um die Feuerwehr hochverdienten ersten Kommandanten Ludwig Martin in herzlichen Worten. Bei der daraus tiorgenommenen Wahl eines ersten Kommandanten wurde der seitherige stellvertretende Kommandant, Bauunternehmer H. Knierim III. zum ersten Kommandanten einstimmig gewählt. An seins Stelle wurde ber bisherige 2. Adjutant Ferdinand Planz, zum 2. Adjutanten wurde Stabt- baumeifter 6 g n e r gewählt. Infolge der Anschaffung ber Motorspritze wurde ein Zug ber Freiwilligen überflüssig und daher aufgelöst, die Mannschaften wurden auf die anderen Züge verteilt. 00 Kirtorf, 20. Sept. Bei der gestern hier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Hahn mit 331 Stimmen wiedergewählt. Hoffen und erwarten wir, wie seither, auch fürderhin von unserem Ortsobsr- Haupt eine weise und gerechte Amtsführung, bei der auch der „kleine Mann" Gehör findet in seinen Noten. Kreis Lauterbach. K Bermuthshain, 20. Sept. Ber Kreis- feuerwehrinspektor inspizierte am Samstag unsere Feuerwehr und hielt im Anfcbluß hieran einen Vortrag über Feuerlösch- fragen, worauf auf Anregung des Bürgermeisters P f a n n ft i e l die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr beschlossen wurde, der die anwesenden Pflichtfeuerwehrleute sämtlich beitraten, ein Beweis dafür, daß Friede und Einigkeit in unserem Orte wieder eingezogen ist. 8 Rixfeld, 20. Sept. Bürgermeister Ra h n , dahier, feierte gestern sein 25jähriges Bie vst- j u b i l ä u m. Ber Gemeinderat hatte sich aus diesem Anlaß in seinem Sitzungslokal versammelt. Kreisdirektor Br. Michel war erschienen, sprach dem Jubilar die Glückwünsche des Kreisamts aus und überreichte ihm ein Schreiben, in dem die Hoffnung ausgesprochen ist, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch lange in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische sein Amt zu verwalten. 'Beigeordneter Habermehl gratulierte im Namen der Gemeinde und übergab einen von der Gemeinde gestifteten Sessel. Starkenburg. *■ Darmstadt. 20. Sept. Der bereits vor drei Jahren durch die Handwerkskammer unternommene Versuch, die Architektenschaft, die Bau- inbuftrie, das Baugewerbe und die Wohnung- fuchenden zu einer großen Organisation zusarn- menzufassen, die unter dem Ramen ^Hessischer Bauwirtschaftsbund" sich in ben Dienst dieser gemeinnützigen Sache stellen sollte, hat jetzt feste Gestalt angenommen. Es wurden drei Wohnungbaugenossen- schaften gegründet, die zur Zett achtzehn Häuser in Darmstadt erbauen. Diese sind im Rohbau fertiggestellt. Preußen. Grotzfeuer in der Rhön. WSR. G e r s f e l b, 20. Sept. In dem Dorfe Sandbach am Kreuzberg brach am Samstag Großfeuer aus. Den Flammen sind insgesamt 27 Bauernhäuser und 26 Scheunen, sowie zahlreiche Schuppen z u m Opfer gefallen. Im Anwesen des Postagenten Link, in dem ber Brand ausbrach, sind außer ben ganzen Erntevorräten auch ein Pferd, eine Kuh und ein Kalb lebendig verbrannt. Außerdem sind große Mengen Federvieh den Flammen zum Opfer gefallen. In einem anderen Hause sind 1200 Mark Spargeld mitverbrannt. -Unter dem Verdachte der Brandstiftung sind vier Personen, darunter Link und dessen Frau, von ber Staatsanwaltschaft verhaftet worben. Eine Hilfsaktion zugunsten ber zahlreichen um Hab und Gut gebrachten Familien soll eingeleitet werden. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 20. Sept. Wie alljährlich, fand am gestrigen Sonntag der ©cf anggottes- bienft ber evangelischen Sänger Bereinigung für ben Kreis Wetzlar in den ehrwürdigen Hallen unseres alten Domes statt. Mehrere Hundert Sänger und Sängerinnen aus allen Teilen des Kreises hatten sich, begünstigt durch das schöne Wetter, hierzu eingefunden. Die Leitung der Veranstaltung lag in den Händen des Dundespslegers Hauptlehrer P e r tz - Soest. Rach einem Orgelvortrag, Gebet und Schriftverlesung wechselten gemischte Chöre, Männer- und Frauen- chöre harmonisch abgestimmt miteinander ab. Zwischendurch fang die Gemeinde gemeinsam einige Kirchenlieder. Pfarrer Dr. Kusenberg- Wetzlar hielt bie Ansprache. —K— Aus dem Kleebachtak, 20. Sept. Ber gestrige letzte Tag der Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung in Gießen brachte der P o ft - autolinie Gießen — Niederkleen einen überaus starken Verkehr, der nicht einmal durch Einlegung einer Sonderfahrt bewältigt werden konnte. Biese Tatsache sowie die sich immer mehr ft e i g er n b e Inanspruchnahme dieses langersehnten Verkehrsmittels dürfte davon zeugen, daß die Behörden mit der Errichtung der Auwlinte nicht, wie vielfach prophezeit, einen Fehlgriff getan haoen, sondern daß hiermit einem Bedürfnis der Kleebachtalbewohner Rechnung getragen wurde. Kreis Marburg. 1[ Marburg. 19. Sept. Der heute vom Kurhessischen Verein für Luftfahrt, dem Marburger Verkehrsverein und dem Hessenflieger- Verein für Luftfahrt in Darmstadt hier veranstaltete erste Marburger Groh-Flugtag brachte der Stadt einen gewaltigen Frentdenver- kehr. Passagierflüge, Kunst- und Sturzflüge, ein Fallschirmabsprung und ein Wettfliegen von Kin- derballons boten viel Interesse. Gleichzeitig konzertierte das Musikkorps des hiesigen Ausbildungsbataillons. Trotz des glühenden Sonnenbrandes hielten die Massen bis zum Schlüsse aus. Abends fand eine Beleuchtung des Landgrafenschlosses statt. Kreis Biedenkopf. XX R o d h e i m a. b. Bieber. 20. Sept. Die Kreisverwaltung hat im Einvernehmen mit bem Schulrat bie Herbstferien für bie Tage vom 2 3. September bis zum 16. Oktober festgesetzt. Schulbeginn für das Winterhalbjahr ist Montag, 18. Oktober. Maingau. WSN. F r a n k f u r t a. M.. 20. Sept. In der Nacht zum 18. d. M. sind Biebe in der Beethovew straße an einem Haus am Bachkandel bis 3 um Balkon im erften Stock emporgell e 11 e r t, haben von dort aus eine Fensterscheibe aus der Balkontüre herausgebrochen und find eingestiegen. Gestohlen wurden 4 Perserbrücken, zwei silberne Korbe mit Henkel. Bie vier Perserbrücken haben sie später in einen Vorgarten geworfen Sie konnten dein Eigentümer wieder zurückgegeben werden. — Gestern vormittag wurde eine m der Bergerstraße wohnende ältere Fran in ihrer Wohnung infolge Gasvergiftung tot ausge- sunden. Wie verlautet, ist die Frau deshalb freiwillig in den Tod gegangen, weil ihr 25jähriger S o h n zuungunsten der Firma, bei der er beschäftigt war, größere Unterschlagungen begangen hat und flüchtig gegangen ist. Turnen, Sport und Spiel. Spielvereinigung 1900 Giehen. ö. Das VerbandSsptel der 2. Mannschaft der Spielvereinigung 19 0 0 im Meister- V. f. B. Gießen kam am Sonntag nicht zum Austrag, da der V. f. D. wegen seiner leichtathletischen Vereinsmeisterschaften beim Gau- Ausschuh Verlegung beantragt hatte, die ihm genehmigt wurde. Vormittags standen sich auf dem Sportplatz an ber Liebigshöhe die 3. und 4. Mannschaft ber Spievereinigung 19 0 0 im Meisterschaftsspiel gegenüber. Erwartungsgemäß siegte die 3. über die 4. mit 4:0 Toren. Tritt die 3. Mannschaft zu den Derbandsspielen immer komplett an, so dürfte sie bei der Frage nach dem Meister ernstlicher Anwärter sein. Die 1. Iugend 1 9 0 0's hatte die 1. Jugend vom Wetzlarer Fußball Club 05 zu Gast und siegte überraschend hoch mit 7:0 Toren. Die Einheimischen scheinen nun die richtige Mannschaftsaufstellung zu haben. Es war wieder System im Spiel, und der Erfolg blieb nicht aus. Im anschließenden Spiel gegen die Sonder- mannschast des Fußballsportvereins Frankfurt hatte der Platzverein nur 6 Spieler seiner seitherigen Ligaelf zur Stelle. Auch der Gegner erschien nicht in stärkster Aufstellung, bedingt durch Spielerausfall in seiner Liga-Reserveelf, die Derbandsspiele gegen die Offenbacher Kickers austragen muhten. Die Gäste zeigten das dem Fuhballsportverein eigene typische Kampsfuhballspiel, wie es auch im vergangenen Jahr die Meisterelf dieses Vereins hier vorführte. Mangelndes Schuhvermögen der Innenstürmer rückte aber einen Sieg der Sonderelf in Gießen in weite Ferne. Ihr einziger Treffer rührte kurz vor Schluß aus einem verwandelten Handelfmeter her, den der rechte Verteidiger 1900’8 unglücklicherweise verschuldete. Der Platz- Verein zeigte, besonders in der ersten Spielhälfte. trotz des reichlichen Ersatzes ein ganz ansprechendes Spiel. Zwei schöne Tore und kurz nach Halbzeit ein weiteres waren der Lohn für die Bemühungen. Trotzdem die Gäste gegen Ende der Spielzeit zu einem Spurt einsehten, brachten sie es nicht zu weiteren zählbaren Erfolgen, den Gießenern somit den 3:1-Sieg überlassend (Halbzeit 2:0). Der Schiedsrichter, ein Herr aus Marburg, war korrekt und schnell in allen seinen Entscheidungen. Die Spielvereinigung 1900 trug ferner ihre Vereinsmeisterschaften aus, wobei die 4X100-Meter Vorgabe-Staffel in der Pause des letzten Fußballspiels gelaufen wurde und die 1. Rennmannschaft trotz Ersatzes als 1. Sieger sah. Weitere Futzball-Ergebnisse vom Sonntag. Sp. Vgg. Münden — S. C. 03 Kassel 0:6. Düsseldorfer S. E. 99 — Fortuns Düsseldorf 1:2. Solingen-Gräsrath — F. C. 95 Solingen 2:0. S. C. Sonnborn — B. C. 05 Düsseldorf 1:1. B.V. Düsseldorf 04 — Eller 04 4:2. Schwarz-Weih Barmen — Germania Elberfeld 2:4. V. f. R. Köln — Kölner S. C. 99 3: 5. S. C. Düren — Godesberg 3: 2. S. V. Mülheim — Tura Bonn 2: 2. Barmen F. D. — C. f.R. Köln 2:2. Viktoria Köln — Dingst 1: 4. Kölner B. C. — Lindenthal 3: 0. S. V. Düren — Jugend Düren 2:1. S. 6. W.°Gladbach — S. V. Rheydt 2:2. Lürrip — Eintracht M.-Gladbach 1:7. Odenkirchen — Alemannia Aachen 7:2. V. f. D. Aachen — Borussia M.-Gladbach 2:3. Duisburger Spielverein — Preußen Duisburg 1:0. Weiderich 06 — Osterfeld 3:1. V. f. D. Ruhrort — Duisburg 99 3:1. 6.03.08 Duisburg — Preußen Krefeld 2:1. Sterkrade — V. f. B. Bottrop 7:1. 03. f. 03. Beeck — 6.03. Weiderich 2:4. Schwarz-Weih Essen — M. B. D. Linden 5:0. Preußen Essen — Preußen Bochum 5:1. T.S.V. Bochum - Essener 6.03.99 1:2. Union Gelsenkirchen — B. V. Buer 07 3:1. Erle 08 — Borussia Dortmund 9:1. Schalke 04 — Langendreer 10: 2. Union Franksurt-Riederrad — 03. f. L. Reu- Isenburg 5:1. Kickers Offenbach — F. Sp. 03. Frankfurt am Main 2: 0. Hanau 94 — Germania Frankfurt a. M. 1:1. Eintracht Frankfurt am Main — Viktoria Aschaffenburg 2:1. 6. C. Rot-Weiß Frankfurt a. M. — Hanau 93 3:0. .. F. C. Fürth — I. F. 6. Nürnberg (CfumStag) 1:3. F. E. Bayern München — I. F. C. Bayreuth 6:0. B. f. R. Fürth — Wacker München 3:2. Schwaben Augsburg — Sp. Dgg. Fürth 2: 5. 21. S. B. Nürnberg — München 1860 5: 4. T. Sp. Gde. Waldhof — F. C. Speyer 8:1. V. f. D. Mannheim — Ludwigshafen 03 9:1. Sandhosen — Sp. D. 1898 Darmstadt 3:2. Phönix Mannheim — Phönix Ludwigshafen 2: 3. Sp. V. Wiesbaden — Trier 05 4: 1. F. C. Dingen — Sp. 05 Mainz ausgefallen. F. D. Saarbrücken — Alemannia Worms 2:3. Wonnatia Worms — Neunkirchen Dorussia 8:0. I. F. C. Idar — Saar 05 Saarbrücken 2:4. S. C. Stuttgart — D. f. R. Heilbronn (Samstag) 3:2. Freiburger F. C. — Union Bückingen 1:1. V. f. B. Stuttgart — Kickers Stuttgart 4:1. Phönix Karlsruhe — S. C. Freiburg 2:3. Karlsruher F. V. — Sportfreunde Stuttgart 7:0. S. ®. Wacker 04 Berlin — B. F. C. Vorwärts 90 Berlin 1: 0. B. F. C. Preußen — B. F. C. Allemania 90 Berlin 5: 3. Union Oberschöneweide — Norden Nordwest 98 4:1. Hamburger Sportverein — Eimsbüttel 12:2. Holstein Kiel — Gaardener B. V. 7:0. Fortuna — V. f. B. 2:0. D j Sp. Vgg. — Olympia Germania Leipzig 3:0. & Wacker — Viktoria Leipzig 4:1. Turngau Lahn-Dünsberg. xy. 3m Lahn-Dünsberg-Gau des „Südwest» deutschen Turnverbands" fanden am Sonntag Fan st ballpokal spiele statt. Cs spielten die ^-Klasse in Aliendorf (Lumda), die 6°Klasse ih Mainzlar, während die Jugend sich in Wieseck traf. Erst im Jahr 1926 wurde das Faustballspiel im Gau eingeführt: unter diesem Gesichtspunkt sind die gezeigten Leistungen, insbesondere die der ^-Klasse, als gut zu bewerten. 3n A l l e n d o r f stellten sich dem Schiedsrichter die ersten Mannschaften von Allendorf, Hausen (Kr. Gießen) und Wieseck. Das Los ergab als erstes Spiel "Hansen—Allendorf. War auch die Allendorfer Mannschaft im Zuspiel Hausen gleichwertig, so konnte Hausen durch größere Ruhe das Spiel für sich siegreich gestalten. 46:44. 3n dem nachfolgenden Spiel Hausen gegen Wieseck zeigte sich die Ueberlegenheit der Hausener Mannschaft. 3n der ersten Halbzeit wählte Wieseck die Sonne im Rücken und konnte dadurch das Spiel zunächst offen halten (24:19 für Wieseck). Mit der Sonne im Rücken war aber Hausen der Sieg nicht zn nehmen, so daß der Schiedsrichter, Verbandsspielwart Lehrer Heil (Allendorf), beim Abpfeifen Hansen mit 48:38 als Pokalsieger verkünden konnte. 3n Wieseck traten die Ingendmannschaften derselben Vereine an. Während die Allendorfer die Wiesecker Iugeird, die mit Ersah spielen muhte, mit 20 Gewinnpunkten abfertigen konnte, leisteten die kleinen Hausener besseren Widerstand, und erst beim letzten Ball entschied sich das Spiel zugunsten von Allendorf mit 66:65. 3n Mainzlar traten Londorf, Wieseck und Allendorf an. Ergebnisse waren nicht zu erhalten. Neue Rekorde bei den Leichtathletischen Kämpfen in Kassel. 3n Anwesenheit einer großen Zuschauermenge nahm das Nationale der Hessen-Preußen !. in Kassel am Sonntag einen glänzenden Derbruf. Es brachte neue deutsche Rekorde. Ergebnisse: 2000-Meter- Laufen: 1. Walperr, Kassel, 5,34 Min. (Rekord): 2. Friede, Breslau, ' 5,41 Min. 4xl00-Meter-Staffel: 1. Phönix. Karlsruhe, 42,1 Sek.: 2. Hessen-Preußen, Kassel, 44,4 Sek. 3n gemischter Staffel wurde ein Rekord aufgestellt und zwar in der Zeit von 41,9 Sek. Sprinterdreikämpfe über 50, 100 und 200 Meter: Gesamtergebnis nach Puick- ten. 1. Van der Berge, 12 Punkte: 2. Dörner Berlin, 9 Punkte. 200-Meter-Lauf: 1. Faist, Karlsruhe, außer Konkurrenz in 21,8 Sek.: 2. Van der Derge in 22 Sek.: 3. Dörner in 22 Sek. 400-Meter - Laus: 1. Paulen (Holland) in 49 Sek.: 2. Stortz, Halle, 49,6 Sek 800-Me ter-Lauf: 1. Wolliner, Kurhessen-Polizei, in 2:02,2; 2. Doltze, Stettin, in 2:04,8 Min. Schweden staffel: 1. Phönix, Karls- ruhe, 2:02,6 Min.; 2. Hessen-Preußen, Kassel. Diskuswerfen: 1. Hoffmeister 42,09,2 Meter. HandbQll-Städtekampf Berlin - Halle. 3m Handballstädtekampf Berlin-Halle unterlag am Sonntag in Halle die Berliner Mannschaft 10:7 (8:4). Nurmr in Wien. Vor 40 000 Zuschauern startete am Sonntag der finnische Meisterläufer Nurmi in einem 3000-Meter-Vorgabe-Laufen in Wien. Unter dem begeisterten Beifall des Publikums lief er die Strecke in dec Zeit von 8:27,6 Min. Zweiter wurde Deckaart (Wien). Peltzer in Stockholm. Bei den internationalen Leichtathletik-Wettkämpfen im Stockholmer Stadion siegte am Freitag Dr. Peltzer im 1000-Meter-Lauf vor Svensson in 2:29,9. Der über diese Strecke geplante Rekordversuch hatte bei der ungünstigen Witterung keine Aussicht auf Erfolg Am Sonntag siegle Dr. Peltzer beim Larijen über 400 Meter in 49,4 Sek. Najuck deutscher Tennismeister. 3n Hamburg erreichten die Endspiele um die Meisterschaft der Derufstennisspieler am Sonntag ihren Höhepunkt. Nachdem Richter -zunächst Paul Rauch 6:1, 6:1, 6:1 abgefertiat hatte, mußte er sich Najuck 6:3, 6:1, 6:2 beugen. Boxen. Der Boxkampf Samson-Körner gegen den Engländer Gibsy Daniels im Berliner Sportpalast am Sonntag endete durch Aufgabe Samson-Körners, der sich eine Muskelverzerrung zugezogen hatte, in der sechsten Runde. Wirtschaft. Frankfurter Herbstmesse. Die Vorbereitungen für die Frankfurter Herbstmesse vom 26. bis 29. September sind abgeschlossen. Die Beschickung hat gegenüber dem Frühjahr vor allem insofern eine Besserung erfahren, als eine ganze Reihe von namhaften Firmen neuerlich ausstellen werden, die im Frühjahr ferngeblieben waren. Um einen kurzen Ueberblick über die Einteilung der Messe zu geben, sei mitgeteilt, daß im „Haus Offenbach" Lederwaren, Bijouterien. Galanteriewaren, Toiletteartikel, Seifen, Parfümerien, Reklameartikel, Spielwaren und Musikinstrumente untergebracht sind, im Haus „Schuh und Leder" Schuhe, Leder und Zubehör, in der Kunstgewerbehalle eine Werbemittel- und Organisationsschau, im „Haus Werkbund" eine italienische Kollekttvausstellung, in der Möbelhalle große und kleine Möbel, Polstermöbel und Zubehör, in der Südhalle Stahlwaren, Haus- und Küchengeräte, Glas, Porzellan. Steingut, Dürsten. Besen, Pinsel, Korbwaren, im „Haus der Moden" Textilien aller Art. Auch die Technische Messe und die Stände im Freien sind gut beschickt. Den Messebesuchern ist Gelegenheit geboten, die große ausgezeichnete Textilschau „Von der Faser zum Gewebe" zu besuchen, die in der Festhalle etwa hundert Textilmaschinen im Betrieb vorführt. »geben. Zell st off- und ballen. Recht feste Haltung t a-M., 21. Sept. Tendenz: Fest, aber unsicher - Die Stimmung der Börse ist günstig zu bezeichnen, wenngleich der Geschattsumfang gegenüber gestern eine VermiNiXrung erfahren hot und eine gewisse Unsicherheit erkennen ließ. Der günstige Fortgang der Verhandlungen der Rohstahl- gem ein schäft, deren baldiger Abschluß erwartet wird, stimulierte und gab namentlich dem Montanmarkt em festes Gepräge. Lebhaft waren auch Auslandsrenten im Geschäft besonders Türken Russen und Ungarn waren in Den Vordergrund geruckt, während Mexikaner eher zum Nachgeben neigten. Ein totes Dild bot dagegen der deutsche Rentenmarkt. Nur für Schutzgebiet trat erneut etwas 3nteresse her- n°r Montanwerten zogen plus 2 Prozent, Dochumer ? m 75 . Prozent, Harpener plus 1 Prozent. Kaliaktien waren weiter befestiat Dagegen gaben Gelsenkirchen (minus 0.5 Proz ) und er"ige Mdere Werte dieses Gebietes leicht nach. Am Chemie mar kl lagen 3. G.° Farben MnherQ?Öer\ Elektroaktien verkehrten ruhig und eher etwas niedriger. AEG. minus 0.75 tidrt und Kraft minus 2, Siemens minus 1 Proz Bankaktien lagen nicht einheitlich. Darm- ftadter gingen um 1 Proz. zurück. Schiff- fahrtsaktlen befestigt. M o t o r e n a k t i en neigten zum Nachgeben. Zellstoff- und ^uckeraktien gehalten. Recht feste Haltung bekundeten die Werte des Metallbank- i>?u88 2 r plus 3,75. Metallbank plus 2, Metallgesellschaft plus 4,5 Proz. Von * Engere Zusammenschlußbestre- bungen 3. G. Farbe nindu st rie-Rhein- st a h l. Der DHD. ist auf Grund von Informationen aus zuverlässiger Quelle in der Lage, über Absichten der 3. G. Farbenindustrie zu berichten, die einen engeren Anschluß der Rheinische Stahlwerke A. G. an die 3. G. Farbenindustrie zum Gegenstand haben. Diese Information weist ttotz aller Dementis der I. G. Farbenindustrie zweifellos auf die Absicht des Erwerbs der Aktienmajorität bzw. des vollständigen Aufgehens der Rheinstahl A. G. im Farbenkonzern durch Fusion hin. Die Farbengemeinschaft, die bekanntlich seinerzeit bei Abschluß des Kohlenlieferungskontraktes auch ein Aktienpaket der Rheinstahl A. G. erwarb, hat diese Beteiligung durch Aufkäufe in der letzten Zeit sehr verstärkt. Ihre Anstrengungen, noch nähere Verbindung mit Rheinstahl zu erhalten, erklären sich aus den erwähnten bekannten Kohleinteressen, wobei für die I. G. Farbenindustrie besonders auch der große Besitz an unverrihten Feldern von Rheinstahl in Zukunft interessiert. Durch den englischen Kohlenstreik und die Besserung der Kohlenwirtschaft ist die Stellung der Rheinstahl A. G. gerade in der letzten Zeit bedeutend stärker geworden, so daß das Interesse dec I. G. Farbenindustrie an einem engeren Zusammenschluß von Rheinstahl dadurch ebenfalls stärker werden mußte. Bei der Lagerung der Rheinstahlaktten dürfte es für die I. G. Farbenindustrie keineswegs möglich sein, ihre Absicht durch reinen Dörsenerwerb der an der Rheinstahlmajorität fehlenden Aktten zu verwirklichen, da die größeren Pakete fest in den Händen der bekannten alten Gruppe liegen, die nur unter besonderen Bedingungen zur Abstoßung ihrer Aktten bzw. zu einer Fusion mit dec I. G. Farbenindustrie bereit sein dürfte. Hier scheinen bereits aussichtsreiche Verhandlungen 'eingeleitet worden zu sein. Einen Einfluß auf die Vereinigte Stahlwerke A. G. haben die Absichten der I. G. Farbenindustrie nicht, da die verhältnismäßig geringe Rheinstahlquote an der Vereinigte Stahlwerke A. G. durch eine Fusion mit dem Farbenkonzern lediglich in das Portefeuille des Farbenkonzerns übergehen wird, ohne daß gegenseitige Interessenkollusionen der beiden größten deutschen Konzerne zu be- ürchten sind. Berliner Börse. , ^"lin, 21. Sept. Das Geschäst an der heutigen Börse war auch in den Spezialwerten wesentlich ruhiger als an den letzten Ta- £cn-Spekulation scheint sich jetzt langsam auf den Ultimo einzustellen und neigte auf den favori- lerten Märkten zu Gewinnmilnahmen, oder war nur zu niedrigeren Kursen Käufer. In Schiffahrtsaktien. aus ländischen Renten und verschiedenen Rebenmarkten traten daher leichte Rückgänge ein, die jedoch über 1 Prozent nicht hinausgingen. In fester Haltung eröffneten nur B a n k a k t i e n. unter Hinweis auf angebliche neue Kapitaltrans- aktionen bei einzelnen Instituten, ferner von Montan aktien Rheinstahl auf die Nach- richten über das Interesse der Farbengruppe an öiefer Gesellschaft, und Harpener unter Nachwirkung der günstigen Monatsberichte aus dem Bergbau. schließlich Anleihen auf spekulative Käufe hin. In den übrigen Aktienwerten war die Hal- tung nach Festsetzung der ersten Kurse unsicher. Am Geldmarkt hielt die Flüssigkeit an. Tagesgeld 3,25 bis 5 Prozent, Monatsgeld 5,75 7 ^roaerit. Der D e v i se n v e r k e h r war ruhig. Die Frankenvaluten gaben im Verlaufe teidjt nach. Die Reichsmark liegt weiter sehr fett mit 4,1965 gegen Kabel. frankfurter Börse. Datum: Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 21. Sept. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer. 28,50 bis 28,65 Mk • Roggen, inländischer, 22,50 bis 23; Sommergerste ur Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, ausländischer. 17.50 bis 18; Mais. gelb. 18.25 bis 18,50; Weizenmehl, inländisches. Spezial 0. 41,25 bis 41 75- Roggenmehl 33 bis 34; Weizenkleie 9.25; Row genkleie 10,50. Tendenz: fest. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 20. Sept. Auftrieb: 1363 Ander, ^runter 354 Ochsen (6 aus Oesterreich), 85 ?"üen, 622 Kühe, 302 Färsen; 287 Kälber, 135 Schafe: 3758 Schweine. Es notierten (50 Kilo- gramm ß«benbgeroid)t): Ochsen, vollfleischlge, aus- aemaftetc, jüngere 60 bis 64 Mk., ältere 58 bis 63; sonstige vollfleischige 50 bis 57; fleischige 42 bis 48; jeritm genährte 35 bis 40. Bullen: jüngere, voll- -Ochsten Schlachtwerts 50 bis 54; sonstige vollfleischlge oder ausgemästete 44 bis 49. Kühe- lagere, oollfleischige höchsten Schlachtwerts 51 bis 55, sonstige vollfleischige oder ausgeinäftete 43 bis Daustvffaktien wurden Holzmann 1 Proz. niedriger. Bon Oelwerten waren Rütgerwerke befestigt. Der Freiverkehr blieb umsatzlos. Drown Boveri 132. Entreprise 8, Growag 60, Franks. Handelsbank 85. Ufa 39 Proz. Vorkriegspfandbriefe notierten auf gestriger Dasis. Weiter zeigte das Aktiengeschäft teilweise nachgebende Tendenz. Nur Rheinstahl lagen au Meldungen über angebliche Verhandlungen mit der Farbengruppe fester. Der Geldmarkt ist weiter flüssig. Tagesgeld 4,5 Prozent angeboten. Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent, Warenwechsel 5.37 Prozent, Dank-Ahepte 4,75 Prozent. Im Devisenverkehr lagen die westlichen Frankenvaluten weiter leicht abgeschwächt. Paris gegen London 174, Brüssel 180,25. Dagegen konnte sich Mailand auf 133.50 gegen das Pfund befestigen. London notierte gegen Kabel weiter schwach mit 4,855. Börsenkurse. 5% Deutsche ReichSanlethr . 4% Deutsche ReichSanlcihe . 3'/,°/» Deutsche RcichSanlethr 3% Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Sparprämienanleihe <% Preußische Koniols • . . 4% Hessen 9'/,°/« Hessen 3% Hessen . Deutsche Werlb. Dollar-Anl. dto- Doll -Schatz-Anweilng.*) <°/o Zolltnrken . 6°/o Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Lommerz- und Prtvat-Bank. Darmst. lmd Nationaldank . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank . . . . DiSconio Commandit . . • Metalldank.......... Mitteldeutsche Lreditbank. . Oesteireichischc Lreditanstalt. Westbank............ Bochumer »Saß Buderus. . ........ Taro Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... Kaliwerke AscherSlcden. . . . Kaliwerk Westeregeln. . . . . Laurahütte .......... Oberbcdarf ......... Phönir Bergbau . Rhcinstahl........... Niebeck Montan ...... Tellus Bergbau ..... Bereinigte Stahlwerke A,-G- Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd .... Thcramlkche Werke Albin . . Zunentwcrk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Gnano..... Chemische Mayer Alapin . . I. G. Farbcnindustrie, A.°G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung RütgerSwerke Scheideanstalt Lllg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamkraftwerke ...... Schlickert........... Siemens 4 Halske Adlcrwerkc Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligensiaedt . , , Mcguin............. Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . Mctallgesellichafl Frankfurt. Pet. Unton A.-G........ Schuhfabrik Herz....... Sichel Zellstoff Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waabäulel . . . Frankfurt a.M. Berlin Sd)hu> Kur» l-Uhr- Kur» Schluß-! Anfang knr» 1 Kur-- 20.9. 21. 9. 20. 9. 21. 9. 0,4925 — u.485 0,4875 — 0,45 0,4575 0,455 — 0.45 0,45 0,54 — 0.615 0.61 — __ 0.27 — — 0,45 0,46 0,43 <— — •— — — — , - — — 0.445 — 100 — 100 — — — — — 15.9 | 16,25 16 48.9 1 48,5 49,12 1 **" 219,2' — 220' 220* 139 142,7’ 139,2’ 142,5* 227.2’ 226,5* 226* 226,5* 172 171* 170* 170,7* 96.5 — 165* 165.2* 164,2* 164,7' 134 136,75 135 — 136,5* 139.5* 8.5 8,5 8,55 8.7 68 — — — 152’ 152,75 152' 152* 95 — 94.5’ 93.5* 88 — 88 88.25* 152* — 152’ 152,5’ 165’ 164,5’ 165" 165,5’ 160,5* 162 160* 162’ 136.75 137 137* 138,5* 144 145* 145,75 52 — 54 53,75 73,5 — 73,5 73,5’ 120’ 119.4’ 119.6* 119,2’ 153* 153’ 152* 153.9" 155 —- 153* 152,5’ 69 — _ — — 140,2* 140,5 164.7’ 165* 164,2* 165,5’ 162.5* 162,7’ 162* 162,7* _ _ 129,5 — _ | 126 126,5 127I — — — 101,75 97,75 — 283’ 281.7* 282.5* 281.5* 107,9 107.5 108 118 50,75 — —. 117 117,25 116 116,62 158,25 164.75 — 161* 160’ 160,7’ 160.9 159’ — 157,75 158,75 107,75 — 138.7* — 110* 138,6* 202’ 201’ 201,5* 208.5’ 84,12 83,25 83 82,5 82 — 81,12 82.5 28,75 —- 14 — 43,62 — — 42 — — — — ' _ 38.1 — — — 144 — — 95 — 94.75 — 60 — 59.5 — — 3.25 178,5' — 180 181.5 74,65 — 75,75 90,75 90,75 91,5 — 20 Septbr. 21. Septbr. Amtliche Notirung Geld 1 Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Amft.-rNolt. 167,92 1,706 168,34 167,94 168,36 Buen..Aires 1,710 1,706 1,707 Brss.°Antw. 11,35 11,39 92,07 11,29 11,33 Ehnstiania. 91,85 111,35 91,85 92,07 Kopenhagen 111,63 111,35 111,63 Stockholm . Helsingfors. 112,08 112,36 112,04 112,32 10,55 10,59 10,547 10,587 Italien. . . 15,21 15,25 15,13 15,30 London. . 20,341 20,391 20,342 20,392 9? en York . . 4,191 4,201 11.77 4,191 4.201 Porig.... 11,73 11,69 11,73 Schwei, . . 60,98 61,18 80,99 81,19 Spanien . . 63,54 63.70 63,57 63,73 Japan . . . 2,043 2,047 2,043 2,047 Rio de Jan Wien in 0.638 0.640 0.638 0.640 Oest. abgest 69,11 69,25 69,115 69,255 Prag .... Belgrad . . 12,412 12,452 12,412 12,442 7,413 7,433 7,41 7,43 Budapest. . Bulgarien . 6,867 6,887 6,87 5,89 3,047 3,057 3,047 3,057 Lissabon 21,625 21,575 21,475 21j525 Danzig. . . 81,36 81,56 81,36 81,56 Konstantin. 2,195 2,205 2,192 2,202 Athen. . 4,89 4,91 6,09 5,11 Canada. . 4,195 4,205 4,195 4,205 Uruguay . • 4.19 4.20 4.19 4.20 ________________Banknoten. Berlin, 20 Septbr. Geld Brief Amerikanische Note» ..... Belgische Noten . ....... Dänische Noten........ Englische Noten ...... Französische Notes ...... Holländische Noten..... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-0estcrr..Lioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten . . . , , Schweizer Noten....... Spanische Noten...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... 4,175 11,30 111,07 20,32 11,97 167,53 15,26 91,65 69,00 2,22 111,72 80,75 63,39 12,38 5.835 4,195 11,36 111,63 20,42 12,03 168,37 15,34 92,13 69,30 2,26 112,28 81,15 63,71 12,44 5.875 50, fleischige 32 bis 42; gering genährte 20 bis 30 Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischlge, ausgemästete höchsten cschlachtwerts 58 bis 62; ooll- fleischige 50 bis 57; fleischige 45 bis 50. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 86 bis 90; mittlere Mast- und Saugkälber 75 bis 85; geringe Kälber 60 bis 74. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel 45 bis 49; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel 37 bis 44; fleischiges Schafvieh 30 bis 36. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfd. Lbendgewicht 80 bis 82; vollfleischlge Schweine von ca. 240 bis 300 Pfd. 80 bis 83; von ca. 200 bis 240 Pfd. 80 bis 84; von 160 bis 200 Pfd. 80 bis 83; fleischige von ca. 120 bis 160 Pfd. 76 bis 80; Sauen 65 bis 75 Mk. . -- Don den Schlachtviehmärkten. An den Schlachtviehmärkten der vorigen Woche hielten sich die Auftriebsziffern auf der gleichen Höhe, wie in der Vorwoche. Die Marktlage gestaltete sich für Rinder, Schafe und Schweine, namentlich aber für die erstgenannten, etwas weniger günstig, während sie. bei Kälbern im Vergleich zur Vorwoche eine leichte Besserung aufweist. Demgemäß konnten auch-di« Preise für Kälber an einer Reihe der unten genannten Plätze eine leichte Befestigung erzielen. Bei den übrigen Gattungen war die Preisbildung wenig einheitlich, neigte aber an der Mehrzahl der Derichtsplähe eher zur Schwäche. Auf den nachstehenden Märkten wurden für ein Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert; Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 22—57 58-94 34-65 73-84 Bremen 25-55 46-120 32-58 60-77 Breslau 20-62 55-83 36-62" 72-85 Chemnitz 24-62 60-85 43-57 75-8? Dortmund 28-63 63-100 40-55 75-84 Dresden 25-61 67-88 33-67 70-85 Düfleldorf 26-64 55-90 — 70-86 Elberfeld 25-62 65-100 — 72-85 Essen 28-62 55-120 36-52 73-84 FrankfurtM. 18-62 60-88 30-50 65-85 Hamburg 15-57 35-88 25-58 65-81 Hannover 15-58 40-90 25-60 70-81 Husum 18-58 — 43-52 — Karlsruhe 21-60 60—76 — 76-86 Kassel 25-63 55-76 — 74-87 Kiel 17-50 33-77 28-57 49-77 Köln 20-63 56-120 35-53 74-88 Leipzig 24-62 65-90 30-64 74-87 Magdeburg 20-60 35-80 25-55 70-85 Mannheim 14-61 56-86 36-46 70-84 München 17-60 66-83 — 80-86 Stettin 10-57 35-83 18-56 70-84 Stuttgart 14-60 65-82 — 64-85 Zwickau 15-56 72-85 30-60 76-87 Gießener Wochenmarktpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 100, Wirsing 10 bis 15 Weißkraut 8, Rotkraut 12 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 10, Dohnen (grüne) 15 bis 20, Dohnen (gelbe) 25, Unterkohlrabi 8, Tomaten 20, Zwiebeln 15 bis 20. Meerrettich 40 bis 80, Kürbis 10, Kartoffeln 4, Frühäpfel 12 bis 15, Falläpfel 8, Birnen 10 bis 15, Zwetschen 15 bis 18, Brombeeren 50. junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Eier 15, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 30, Cinmachgurlen 2 bis 4, Endivien 8 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig. Nundfunk-programm. Mittwoch, 22. September. 3.30 bis 4 Uhr: Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchefters: Neue Tänze. 5.45 bis 6.05 Uhr: Dücherstunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Luftverkehr nach dem Osten", Vortrag von Herrn Scharlach. 6.45 bis 7.15 Uhr: »Eine deutsche Farm im schwarzen Erdteil", Vortrag von Käthe Woldmann. 7.15 bis 7.45 Ubr: Schachstunde. 7.45 bis 8.15 Uhr: „Mannheims Stadtbild", Vortrag von Stadtoberbau- direttor Zizler. 8.15 Uhr: Gastspiel der Direktton Sander-Graef: „Madame Pompadour", Operette in drei Akten von Leo Fall. Letzte Nachrichten. Das Ergebnis des hessischen Volksbegehrens. Darmstadt, 21. Sept. (Eigener Drahtbericht.) Der Landesabstimmungsausschuh zur Prüfung des Volksbegehrens in Hessen beendete heute seine Arbeit. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Der Landesabstimmungs-Ausschuh wolle demgemäß vorbehaltlos Beschluß fassen: Die Zahl der gültigen Unterschriften ist mit 6 1 999 fe ft ge ft eilt. Damit sind die in der Verfassung und in dem Gesetz vorgesehenen Vorschriften beachtet." Die Fortsetzung der Besprechungen. Paris 21. Sept. (TU.) Der Vertreter des „Excelsior" will aus autorisierter Quelle erfahren haben, daß Stresemann im Falle einer Billigung der Abmachungen Driand-Strese- nann durch das französische Kabinett, schon An- Stuber nach Paris kommen werde. Außerdem bestehe bie Möglichkeit, daß die nächste Tagung des Völkerbundsrates im Dezember in Berlin stattfindet, wodurch Driand Gelegenheit haben würde, sich nach Berlin zu begeben. Driand vor dem Kabinetlsrat. Paris, 21. Sept. (SU. Eigener Draht« bericht.) Soeben wird vom Ministerpräsidenten olgendes Communiquc herausgegeben: Driand hat dem Ministerrat über die Haltung und Arbeiten der französischen Delegation in Genf Bericht erstattet. Die Regierung beglückwünschte Driand zu dem.erzielten Ergebnis. Driand unterrichtete den Ministerrat auch über eine Unterredung mit Dr. S t r e s e - mann. Die Regierung stimmt mit ihm vollkommen überein über dir Bedeutung dieser Besprechung und hält es für vorteilhaft, sie fvrlzusehen. Im nächsten Ml- delt, die die Besprechungen aufwerfen könnten." nisterrat werden die technischen Probleme behan-