Nr. (68 Erstes Blatt (76. Jahrgang Mittwoch, 2(. Juli (926 Lrlchetnttäglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugrprek: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech ansch lüsse: Schristleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruü und Verlag: vrühl'sche Univerfitäk-Vuch- und Ztelndruckerei R. Lange in Sichen. Schristleitung und Geschäftsstelle: schulstrahe?. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Rachmittag vorher. Preis für ( mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrist 20*/, mehr. Lhefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriol; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Um das Reichsehrenmal. Eine Kundgebung rheinischer Kreise. Koblenz, 21.3uli. (Täl.) Gestern nachmittag sand unter Leitung des Oberbürgermeisters Dr. Rüssel eine große Kundgebung für das Reichsehrenmal am Rhein statt. Vertreten waren der Oberpräsident der Rheinproviaz Dr. Fuchs, Landeshauptmann Dr. Horion, dieRegierungs- präsidenten von Koblenz, Wiesbaden und Köln, der Reichskommissar für die besetzten Gebiete Freiherr Langwerth von Simmern, die Abgeordneten des Reichs- und Landtags für die Wahlbezirke Hessen-Rassau, Koblenz, Trier und Köln, die Spihenverbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Handwerkskammer, Vertreter der Wissenschaft, darunter der Llniverfitäten Köln und Donn, der Landwirtschaftlichen Hochschule Bonn-Poppelsdorf und der Technischen Hochschule Aachen sowie die Landräte und Bürgermeister von Mainz bis Köln. Professor Dr. Schulte- Dorrn hielt einen kurzen Vortrag. Das Ehrenmal feile dem deutschen Volke von heute und den späteren Geschlechtern verkünden, daß das geschlagene. verarmte und bedrückte Reich doch die Mittel ausbrachte, den Taten der Gefallenen tiefe Dankbarkeit zu bezeugen. Das Ehrenmal dürfe nicht auf einem entlegenen Berge oder in einem Heiligen Hain sich erheben, der im Winter kaum besucht werde. Es gehöre dorthin, w o Tausende jahraus und jahrein es besuchen könnte n. Landeshauptmann Dr. Horion wehrte sich entschieden gegen das Verhalten des Reichs- innenminifters Dr. Külz, der es nicht für nötig gefunden habe, eine eingehende Besichtigung der rheinischen Ehrenm«l-lätze vorzunehmen. Zum Schluß der Kundgebung fand folgende Entschließung einstimmige Annahme: „Das Rheinland gibt seiner bitteren Enttäuschung über die Behandlung der Angelegenheit des Reichsehrenmals AuÄwuck. Einnrütig und eindringlich verlangt es ein Ehrenmal an dem Rhein. Dabei läßt es sich allein von der lleberzeugung und der geschichtlichen Tatsache leiten, daß der Rhein einer der bedeutendsten kulturellen und politischen Brennpunkte und daswahreHerz Deutschlands ist. Um den Rhein haben die Besten der Ration den Heldentod erlitten. Die Errichtung des Reichsehrenmals an einem nn wesentlichen geographisch ermittelten Platz würde eineVer- kennung der nationalen und inner- politischen Bedeutung des deutschen Rhein stromes bleuten. Dagegen würde ein Denk-.nal an der größten Verkehrs strecke Deutschlands am besten das Andenken an unsere Helden im ganzen deutschen Volk lebendig erhalten. Wir sind überzeugt, daß eine ruhige und vorurteilslose Prüfung durch das deutsche Voll nur zu dem Ergebnis führen kann: Das Reichsehrenmal gehört an den Rhein!" Ein Dermittlungsvorschlag. Berlin, 21. Juli. Angesichts des Streites um die Stätte für das Reichsehrenmal erinnert die „Voss. Zig." an den ursprünglichen Vorschlag des Reichspräsidenten von Hindenburg, das Reichsehrenmal in Berlin zu errichten. Es sei das beste, in der Hauptstadt des Landes das Erinnerungszeichen an die Gefallenen des Weltkrieges zu errichten, wo es allen Volksgenossen leicht zugänglich sei. Die landwirtschaftliche Professur in Gießen. Eine dentschnationale Anfrage im Landtag. Darmstadt, 20. Juli. Abg. Dr. Werner und die Fraktion der Deutschnationalen V o l k s p a r t e i haben wegen der Reubesehung der landwirtschaftlichen Professur an der Universität Gießen eine Anfrage an die Regierung im Hessischen Landtag eingebracht. Es wird an- gefragt: 1. Oft es richtig, daß die Universität Gießen für den freigewordenen Landwirtschaftlichen Lehrstuhl drei wissenschaftlich durchaus geeignete Herren bei der Hessischen Regierung zur Auswahl vorgeschlagen hat? 2. Trifft es zu, daß das Landesamt für das Bildungswesen, wie im Falle Goldstein, das althergebrachte, allein maßgebliche, allein Freiheit und Höhenlage der Wissenschaft sichernde Vorschlagsrecht der Fakultäten und des Senats mißachtete und sich bei eigenem Suchen nach ihm geeignet erscheinenden Kräften mehrere, zum Teil höchst interessante Absagen holte? 3. 3ft es weiter zutreffend, daß das genannte Lanbesamt am Ende einen Dozenten deutschen Ranrens aus Rumänien berief, den die Gießener Universität schon um deswillen ablehnen muß, weil sie von ihm weder Lebenslauf noch Lerngang kennt? 4. 3st schließlich das Unglaubliche wahr, daß jener gegen den einmütigen Widerstand der Universität ernannte Dozent zur Erreichung wissenschaftlicher Vollreife und Vollverwendbarkeit noch längere Zeit a u f Staatskosten aus der landwirtschaftlichen Hochschule zu Hohenheim ausgebildet werden soll? 5. Wie gedenkt die Regierung, bejahendenfalls, ihr Verhalten zu rechtfertigen? 3m Zeichen des Frankensturzes. Herriot ist der Mann der großen Gesten. Wie er am 17. 3uli in der Kammer aufstand, um die Demokratie vor der Diktatur zu retten, so rief er am 20.3uli die Franzosen zur Verteidigung des Franken auf. Es ist aber etwas Eigenes um die Rettung der Demokratie durch eine Regierung, die sich selbst für die Verteidigung des Franken die tragfähige Mehrheit überhaupt erst zusammensuchen muß. Was hinterher über die dramattschen Vorgänge in der Kammersitzung vom 17. 3uli bekannt geworden ist, beweist zunächst einmal, daß nicht Herriot, sondern Tar- dieu die Regierung Briand—Caillau? gestürzt hat. Als Tardieu auS dem Dunkel der Vergessenheit eine alte Flugschrift Caillaux. wieder hervorzog, trug er Unruhe und Verwirrung selbst in die Parteigruppen, die Eaillaux vielleicht doch noch unterstützt hätten. So ist Herriot reichlich unverhofft zur Führung der Regierung berufen worden, für die er in diesem Falle nichts, ganz sicher aber keinen festen Plan und feinen unbeugsamen Willen mit brachte. Es ist doch ein etwas magerer Ersah, die Franzosen zur Verteidigung des Franken auf- zurusen, was sie nach Gefallen und Gemüts- stimmung so auslegen können, daß sie die Annahme von Papierfranken verweigern oder sie aber mit vollen Händen zum Fenster hinauswerfen. Den Franken zu verteidigen, das ist doch eigentlich die Aufgabe der Regierung. Was soll der einfache 3aques Proudhomme dazu tun? Er hat fleißig kurz- und langfristige Schatzscheine gekauft, die heute um drei oder vier Fünftel entwertet sind. Er wird sie vielleicht behalten, in der Hoffnung auf den Segen, den ihm nacheinander alle Regierungen und Parteigruppen versprochen haben. Sockst kann der Durchschnittsfranzose wirklich nichts dazu tun, denn er ist es nicht, der die Finanzpolitik der Regierung bestimmt, der die Wechselkurse macht oder sich um den Außenhandel sorgt. Eaillaux glaubte, mit gewissen Dehelfs- mitieln durchdringen zu können. Er wollte sogar die Einkommensteuer abbauen, um einige Verbrauchssteuern und Monopole um so schärfer anzuziehen. Von Herriot ist einstwellen nicht bekannt, wie er es anfangen will, den Ausgleich im Haushalt herzustellen. 3mmerhin ist es ein Fingerzeig, daß er seine Regierung so geblldet hat, daß die Sozialisten nicht sofort in das Lager der Gegner übergehen. Aber dann muh Herriot sich zu dem bekennen, die die Sozialisten seit 3ahr und Tag unablässig als das einzige brauchbare Mittel bezeichnen, um den Frankenkurs zu befestigen. Dies Mittel ist die Kapitalabgabe, also die berüchtigte „Erfassung der Sachwerte", die wir auf dem Leidensweg der Mark auch haben lennengelernt 3n dieser Kammer ist jedoch keine Mehrheit für die Kapitalabgabe vorhanden, die ja. wie Eail- laux einmal hervorhob, nur die Sparer und Rentner treffen würde, nicht aber das mächtige Finanzkapital, das sich aus dem Franken in den Pfunde und Dollars geflüchtet hat. Schließlich, die Kapitalabgabe würde nicht einmal vorübergehend Abhilfe schaffen. Der Fehlbetrag im Haushalt ließe sich dadurch nicht verstopfen. Oder will Herriot morgen einen neuen Aufruf veröffentlichen, um die Franzosen darauf aufmerksam zu machen, daß der Imperialismus Geld kostet, das zu seinem Unterhalt Steuern. Steuern und nochmals Steuern erforderlich sind? Das wird Herriot nicht tun. Der Frankenkurs ist ihm unter den Härchen weggelaufen. Run muß er wissen, wie viel er braucht, um den Fehlbetrag abzugleichen, der mit jeder Kursverschlechterung des Franken größer wird. Gewiß, hoffnungslos ist die Lage nicht, denn selbst ein Pfundkurs von 250 Papierfranken braucht nach den währungspolitischen Erfahrungen, die feit 1919 in Europa reichlich gesammelt worden sind, nichts Schreckhaftes zu haben. Vorausgesetzt, daß eine Regierung den Mut findet, nicht nur Steuern zu fordern, sondern sie auch zu erheben. Und da hierzu die Zustimmung der Kammer notwendig ist, die aus Parteien und Abgeordneten besteht, so ist daran mit Recht zu zweifeln. Eall- lauf kannte den Widerstand, den ihm die Kammer entgegensetzen würde, lveshalb er sie mit diesen heiklen Dingen gar nicht erst befassen wollte. Herriot m u ß es nach seiner großen Geste vom 17. 3uli tun, weil er sich sonst eines Der- brechens an der Majestät des selbstherrlichen Volkes schuldig machen würde. Als Poincare in den Maiwahlen von 1924 geschlagen wurde, geschah daS ja in der Hauptsache, weil seine pol tischen Gegner die Folgen der Finanzpolitik Poincares in den schwärzesten Farben schilderten. 3n Deutschland hat sich die Legende festsehen können, als ob Poincare wegen des Ruhreinbruchs den Absagebrief der französischen Wähler erhalten hätte. Das heißt die Dinge auf den Kopf stellen. Herriot konnte Poincare werfen, konnte sogar ein 3ahr lang Ministerpräsident sein. Aber Ordnung in Frankreichs Finanzen hat er nicht schaffen können, weil es ihm an Mut gebrach, von den Franzosen Steuern und nochmals Steuern zu verlangen. Ob er diesen Mut inzwischen hinzugelernt hat, muh sich bald zeigen. Es ist etwas viel auf einmal, was er den 'Franzosen zur Der- tetbigung des Franken zumutet Soll alles aus eigener Kraft geschehen, sollen Auslandskredite ebenso abgelehnt tr-erben wie der Vollzug des Schuldenabkommens von Washington, dann wird 3agues Proudhomme tief, sehr tief in den Sparstrumpf greifen müssen. Auch das wird nicht von heute auf morgen möglich Jein. Cs gehört eben mit zur 3nflation, daß sich ihre Gefahr durch große Gesten allein nicht bannen läßt. vor -er Regierungserklärung. Paris, 21. Juli. (WIB.) Der Kabinettsrat Hal unter dem Vorsitz herriots fast den ganzen Dienstag beraten. Am Abend wurde folgendes Kommunique ausgegeben: Der Kabinettsrat hat die A u s a r b e i - tung der Regierungserklärung fortgesetzt, die Mittwoch nachmittag 5 Uhr dem Parlament verlesen wird und hat sich mit den sofort einzubringenden Gesetzentwürfen beschäfttgt. (Ein neuer Kabinettsrat wird Mittwoch nachmittags 2 Uhr und ein 2H i n i ft c r r a t 4_30 Uhr im Elyfö stattfinden. Die Tatsache, daß das Ministerium herriot bereits heule nachmittag vor die Kammer tritt, ist in politischen Kreisen viel erörtert worden. Man sicht darin den Wunsch der Regierung, unverzüglich den Schwierigkeiten des Schatzamtes zu begegnen. Die Regierungserklärung wird in der Hauptsache sich mit der Finanzlage befassen. Für die Bekämpfung der Währungskrise werden zur Debatte gestellt: Auswärtige Kredite, Einsetzung des Goldbestandes der Bank von Frankreich, Konsolidierung und Moratorium. Die Regierung wird für die Konsolidierung und das Moratorium eintreten, herriot wird unter Stellung der Bertrauensfrage die Entscheidung der Kammer noch für heute abend fordern. Es liegen breite sechs Interpellationen vor, von denen sich vier auf die allgemeine Politik der neuen Regierung beziehen und zwei auf die Erhöhung des Brotpreises In den Wandelgängen der Kammer herrschte reges Leben. Die allgemeine Auffassung ist nach wie vor äußerst pessimistisch. Am bedenklichsten ist wohl, daß Herriot innerhalb der eigenen Gruppe der stärksten Opposition begegnet. Die radikalsozialistische Gruppe, die mit dem Innen- Minister Chautemps verhandelte, konnte es trotz langer Debatte nicht über sich bringen, Herriot das Vertrauen auszusprechen. Es ist bezeichnend für die Stimmung in der Gruppe, daß sie sich über ihre Stellungnahme zum Kabinett, in dem doch mehrere Radikalsozialisten vertreten sind, nicht vor Kenntnisnahme der Regierungserklärung schlüssig werden will. Zu der Uneinigkeit bei den Radikalsozialisten kommt die unentschlossene Haltung der Sozialisten. Lson Blum mußte wegen der übereilten Zusicherung der Unterstützung für Herriot schwere Vorhaltungen über sich ergehen lassen. Diele radikalsozialistische Abgeordnete sind gewillt, sich nicht mit einem Kabinett Herriot abzufinden, tfranflin Bouillon und vrschiedene Parlamentarier der Rechten haben eine P.e tition abgefaßt, die dem Präsidenten der Republik unterbreitet werden soll. In ihr wird dringend die Bildung eines nationalen Kabinetts gefordert. Herriot erblickt in diesem Schritt eine schwere persönliche Kränkung. Der Abgeordnete M o r i n e a u (Radikalsozialist) hatte in der Kammer einen Antrag herumgehen lassen, in dem die Bildung eines parlamentarischen Ucberwachungsausschus- s e s gefordert wird, dem Senatoren und Abgeordnete angehören sollen. Er soll dauernd tagen und das Kabinett namentlich während der Ferien ständig überwachen. Der Antrag wurde innerhalb einer Stunde von 240 Abgeordneten unterzeichnet und wird morgen dem Präsidenten der Republik zugestellt werden. Meinungsverschiedenheiten im Kabinett. Paris, 21. 3uli. ($11.) Es wird bekannt, daß es in dem gestrigen Kabinettsrat zu stürmischen Auseinandersetzungen und starken Mei- nungsverschiedeicheiten gekommen ist. Die Pariser Abendpresse verkündigte in Sonderausgaben die sensationelle Rachricht, daß de M o n z i e wegen der Widerstände, die sich gegen sein Finanzprogramm ergeben, seinen Austritt aus dem Kabinett erklärte und erst nach längerem Zureden Herriots von diesem Beschluß wieder abzubringen war. Der Minister des Innern, Chautemps, erklärte heute morgen die Gerüchte von einer bevorstehenden Demission der Minister de Monzie und Dariac sowie von einem angeblich geplanten Attentat auf den Ministerpräsidenten Herri ot sür unbegründet. Herriot werde heute vormittag mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich eine Unterredung haben. De Monzie hätte die ganze Rächt an der Fertigstellung der Finanz- pläne gearbeitet. Die heikle Lags fordere entschiedene Maßnahmen, zu denen die Regierung entschlossen sei. Eine schlechte Presse für Herriot. Paris, 20. Juli. (WB.) Das Ministerium Herriot wird vom „Temps ‘ einllebergangs- Ministerium genannt. 3n dem Augenblick, in dem das öffentliche 3nteresse ein Ministerium der nationalen Einheit fordere, habe Herriot ein Ministerium kartellisti- icher Interessen gebildet. Roch schärfer urteilt das „Journal des Debats". Es schreibt, der Skandal sei begangen. Man habe nicht daran glauben wollen: man habe jedoch Unrecht gehabt. Die ganze Ration werde mit Erstaunen, Beunruhigung und Empörung vernehmen, daß in einem so ernsten Augenblick alles, was die össentliche Gewalt und daS Regime habe hervorbringen tonnen, ein Ministerium Herriot sei. Das sei ganz und gar das Gegenteil dessen, was der gesunde Menschenverstand gefordert und das öffentliche Interesse erheischt habe. Der „3ntranfigcant" teilt mit, daß das Experiment Herriots größere Aussicht habe, als das vorhergehende. Das öffentliche Wohl beruhe nur auf dem Einvernehmen eines ganzen Volkes. Das würde eines Tages der Fall sein, vorausgesetzt, daß es nicht zu spät fein werde. Selbst der radikale „Paris s»ü" macht starke Reserven. Er sagt: Wir haben ein Ministerium: daß wir eine Regierung haben, muh seine Handlungen uns beweisen. Das Blatt steift im übrigen fest, daß unter den gegebenen Umständen, was immer auch zur Durchführung der Fi- nanzfanierung vorgeschlagen werde, diese so geartet sein müsse, daß man rasch handele. Der Knanzminister de Monzie besitze eine große Geschmeidigkeit und eine seltene Intelligenz. Wenn er nun eine Politik unmittelbarer Durchführung gewählt haben würde, müsse man erwarten, daß er, was immer auch kommen möge, daraus bestehe: unter allen Umständen stabilisieren! Hierum drehe sich alles. Nervosität in Paris. Paris, 20. Juli. (TU.) Der Franken ist weiter gefallen. Auf der Börse kam es heute wieder zu aufregenden Szenen. Das Publikum hat in der Hauptsache französische Aktienwerte aufgekauft. Der Andrang zur Börse war so groß, daß die Polizei eingreifen mußte. Auch die Menge, die vor den Aushängeschildern Die Börsenkurse verfolgte, wurde von der Polizei zum Weitergehen gezwungen. Die Regierung beabsichtigt, den öffentlichen Anschlag der Devisenkurse zu verbieten. Die Pariser Warenbörse hat beschlossen, wegen der Lage Des Devisenmarktes vorläufig keine Warennotierungen mehr bekannt zu geben. Der Verband der Seidenfabrikanten von Lyon hat ein Telegramm an die Präsidenten des Senats und der Kammer sowie an die Finanz- und Wirtschaftskommissionen der beiden Häuser gesandt, in dem der Befürchtung Ausdruck verliehen wird, daß zahlreiche Seidenfabrikanten wegen der Frankenbaisse ihre Betriebe einstellen müßten. Die mit dem Frcmkenslur; zusammenhängende Preissteigerung ruft in der Bevölkerung starke Erregung hervor. Es ist bereite zu Ausschreitungen gegen Ausländer gekommen. An Fremde wird in verschiedenen Geschäften nicht mehr verlauft. Vor den Vergnügungsstätten des Montmartre, die von zahlreichen Holländern und Amerikanern besucht werden, ist es zu einer großen Kundgebung gekommen. Einige Amerikaner machten abfällige Bemerkungen über den Franlen- sturz und wurden von Franzosen zur Rede gestellt, woraus es zu einer Schlägerei kam. Die Polizei muhte einschreiten. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Verschiedene Zeitungen beabsichtigen, die Ramen der Kaffeehausbesitzer, die eine würdelose Haltung zeigen, zu veröffentlichen. In einem Stadtviertel haben die Kafseehausbesiher die Bezahlung mit französischem Geld verweigert und ihre Landsleute einfach aus dem Lokal gewiesen. Sie sollen jetzt Der Volksjustiz überliefert werden. Auf den Straßenbahnen und Omnibussen macht sich eine starke Gereiztheit gegen die nicht französisch Sprechenden bemerkbar. Die Lage des Schatzamtes hat sich derart verschlechtert, daß allgemein eine neue Aufgabe von 2 Milliarden als unumgänglich bezeichnet wird, um den Verfalltag Des 1. August, an dem große Zahlungen fällig find, zu überwinden. An zahlreichen Banken bildeten sich Ansammlungen, die von der Polizei zerstreut werden muß- ten. Erschwert wurde die Lage auch durch den Andrang der Besitzer der Bonds der nationalen Verteidigung, die die Kassen geradezu (türmten'. Dieser Ansturm der Anleihebesitzer veranlaßte (tail« laux, einen Schritt beim Präsidenten der Republik zu unternehmen, um ihn darauf hinzuwei- sen, die Panik der Anleihebesitzer zu bekämpfen. Mit Rücksicht auf die gewaltige Erregung der Bevölkerung und das Steigen der Devisen hat die französische Postoerwaltung die Durchgabe der Devisenkurse durch den Rundfunk bis auf weiteres verboten. Die Krifis des Parlaments. (Don unserem Pariser WS-Korresponilenlen.) Paris, den 19. Juli 1926. Ob ein französisches Kabinett mehr oder weniger von der Kammer gestürzt wird o .c. nicht: das bleibt fast gleichgültig. Denn Frankreich hat ohnehin einen in der ganzen Welt einzig dastehenden Rekord an Ministerverbrauch ausgestellt, indem es seit Ende März 1924 bis heute bereits acht Kabinette verbrauchte. Richt gleichgültig aber bleibt das Land der viel wicht geren Frage gegenüber: Was soll nun eigentlich werden? Wie sott die letzte Finanzkatastrophe uni) der völlige wirtschaftliche Zusammenorua- des Landes denn überhaupt noch angewandt werden? Wer sich im La,rde selbst auch nur_ ganz wenig umhört, wird > sehr bald fesptellen können, mit welcher Beunruhigung, ja direkter Angst, bas Land dies« letzte Regie rungskrifis kommentiert. Jntriguen, persönlicher Ehrgeiz und kleinlichstes Parteibonzentum sind die Ursachen für den völligen Verfall des französischen Parlamentarismus. Die Grunde dafür liegen natürlich viel tiefer. Aber weil das französische Parlament durch seine fortgesetzte, rein negierende, nur zerstörende „Arbeit" die französische Regierung der letzten Jahre lähmte, wurde die Jndtsziplin zur Regel, der Veamtenkörper völlig zerrüttet, jede Aufbauarbeit unmöglich, Die Kammer wurde zur Todesgefahr für die Ration, eine völlig ver- blendete parlamentarische Demagogie paralysierte jede aktive französische Politik. Die Frage, wer ist durch den plötzlichen Sturz des Kabinetts Vriand-Caillaust am meisten zu bedauern, die Kammer oder Briand und seine Mitarbeiter? ist durchairs noch nicht entschieden. Gewiß. Caillaux hat enttäuscht. Aber berechtigt etwa Herriot zu besseren Hoffnungen? Her- riet spielte sich mit einer besonders theatralischen Pose, wie er sie so liebt, zum »Retter der Republik" aus. Ein sehr bekanntes Mitglied der französischen Kannner prägte gestern das bittere Wort: „Hat die französische Kammer der dritten Republik eigentlich jemals etwas anderes geleistet, als „die Republik zu retten"? HerriotS Angriff auf die Regierung schien improvisiert: tatsächlich wußten davon nur seine intimsten Freunde, nicht etwa seine eigene Gruppe. Herriot redete von der Allmacht des Parlaments, aber so wie er und seine rein sozialistischen Freund- sie auf fassen, wenn sie die Souveränität des Staates einer allmächtigen Kanr- mermehrheit Unterstellen wollen. Ja, wenn eine solche allmächtige Mehrheit in der franz-fischen Kammer wenigstens noch vorhanden wäre! Wo ist denn eigentlich diese Mehrheit? Herriot vertritt doch nicht einmal seine eigens Gruppe, denn nur 43 von 136 Radikalen stimmten mit ihm! Herriot standen zwei Wege offen. Er konnte ein Kaämett d?r nationalen Einigung bilden oder eine rein kartclliftische Regie, ung. Der erste Weg war der schwierigere. Herriot wählte den letzten. Damit steht von vornherein fest, daß seinem Kabinett nur eine ganz kurze Lebensdauer beschieden sein kann. Allein die Ankündigung dieses Kabinetts genügte, um den Kursstand des englischen Pfundes in kaum 2 Stunden um 30 Punkte, nämlich auf 233 Fr., empor- schncllen zu lassen. Dis zum 25. August d. I. belaufen sich die neuen Verbindlichkeiten der französischen Regierung auf nicht weniger als 1.937 Milliarden Franken. Bis heute weiß noch niemand, woher diese Riesensummen genommen werden sollen. Denn Steuer- und Zolleingänge genügen dafür auch nicht im entfertesten Die franzöfische Staatskrisis wird durch die beginnende neue Aera Herriot nur verschlimmert. Sie war ernst genug, jetzt ist sie bereits gefährlich im höchsten Grade. Oder denkt Herriot etwa im Stillen an den 18. Fruktidor, und will er der fast unabwendbar gewordenen Auslösung der Kammer durch einen Gewaltakt nach dem Beispiele des 4. September 1797 Huvorkommen? Damit dürste er sich dann allerdings fürchterlich verrechnet haben. Herriot ist nicht der Staatsmann von solchem Format, wie er dazu nötig wäre. Frankreich steht am Vorabend ernster Ereignisse. Sie können rascher über das Land hereinbvechen, als man ahnt. Sie werden ganz bestimmt nicht aufgehalten durch das neue Kabinett Herriot. Das Ermächtigungsgesetz in Polen. Warschau, 20. Juli. (WTB.) Heute nachmittag hat der Sejm im Verlauf der zweiten Lesung der Derfassungsresormvorlage den Art. 8 angenommen, der dem Präsidenten das Recht gibt, wenn der Ministerpräsident einen entsprechenden Antrag stellt, den Sejm aufzulösen. Die Entscheidung über den Artikel 11, der dem Präsidenten das Recht geben soll, während der Dauer der Auflösung des Sejms Geseke auf dem Verfügungswege zu erlassen, steht noch ans. Am Donnerstag findet die dritte Lesung statt. Es wird behauptet, daß Ministerpräsident Bartel die Vertrauensfrage stellen werde, man spricht aber auch davon, daß die Regierung sich mit der Ermächtigung zufrieden geben wird, bis zum Oktober 1927, während der Sejm vertagt ist oder sich in Ferien befindet, Gesetze unter bestimmter Begrenzung auf dem Derfügungswege zu erlassen. Korsanty. Warschau, 21.Juli. Das offiziöse, von Der Regierung finanzierte und Pilsudski nahestehende Organ „Glos Prawdh" bezeichnet Kor- fanty als einen Dieb des öffentlichen Wohls, einen Menschen ohne moralische Gefühle, der beseitigt werden müßte „wie ein Aas, das die Luft vergiftet". Die Zeitung fordert die sofortige Absetzung Korfanchs vom Prasidenten- posten bei der Kattowitzer Schlesischen Bank, ferner Untersuchung feiner gesamten bisherigen Tätigkeit in Polen und in Oberschlesien. Es wird ihm vorgeworfen, daß er Gelder unterschlagen habe, öffentliche Einlagen in der Schlesischen Bank für seine persönlichen Zwecke ausgegeben und bei Steuermißbrauchasfären mit- geholfen habe. Der Streik im englischen Bergbau. London, 21.Juli. (WTB. Funkspruch.) „Mor- ning Post" zufolge wird in ganz Großbritannien in 600 von insgesamt 3000 Gruben gearbeitet. Im allgemeinen sind es kleine Bergwerke. Vor drei Wochen wurde in 300 Gruben gearbeitet. Infolge des Kohlenstreiks hat die Erzeugung von Roheisen aufgehört. Bei Beginn des Streiks waren 147 Hochöfen in Tätigkeit, Ende Mai 23 und jetzt keine mehr. Besatzung und Wohnungsnot. London, 20. Juli. (WTB.) Im älnter- hause richtete Rennis Smith an den Vertreter des Kriegsministeriums die Frage, ob man sich bei den zuständigen Stellen darüber klar sei, daß die -Unterbringung der englischen Truppen im Rheinland zu einem Rotstand auf dem Gebiete der Wohnungsversorgung für die Bevölkerung geführt habe. Er fragte weiter, ob das Ministerium bereit sei, die Angelegenheit näher zu untersuchen Der ülnterstaatssekoetär hn Kriegsministerium, Douglas King, antwortete, er habe keinen Anlaß anzunehmen, daß ein unbilliger Rotstand der behaupteten Art durch die Belegung mit britischen Truppen verursacht worden sei. Ich glaube nicht, so fuhr er fort, daß eine allgemeine ilnter- suchung dieser Frage zu irgend etwas dienlich sein tonnte, in Anbetracht der Tatsache, daß man sich in jeder Hinsicht darum bemüht hat und auch in Zukunft bemühen wird, daß die Unterbringung der englischen Truppen im Rheinland in den besetzten Gebieten ein möglichst geringes Maß von -Ungelegenheiten verursacht. Dserschinski f. Moskau, 20. Juli. (MTB.) Der volkskom- misfar Dserschinski, Vorsitzender des Obersten Volks- wirtschasisrates der Union der Sozialistischen So- wjeirepubliken, Präsident der vereinigten siaats- polit'.schen Verwaltung (OEM.) ist plötzlich an einem Herzschlag im Alter von 49 Jahren verschieden. Dserschinski wurde 1877 in Wilna geboren. Schon bald schloß er sich der litauischen Sozialdemokratie an, wirkte agitatorisch unter der Fabrikarbeiterschaft von Kowno, wurde 1898 zum erstenmal verbannt, entfloh spater auf dem Wege nach Sibirien, ging dann ins Ausland und kehrte 1906 nach Polen zurück. Neue Verhaftung, Verschickung nach Sibirien, Flucht ins Ausland, Rückkehr nach Polen, folgten. Während des Krieges war er in Moskau eingekerkert. Die Revolution befreite ihn und führte ihn den Bolschewisten zu. Er wurde bald allmächtiger Polizeichef, zuerst in Petersburg, daun in Moskau. Bald trat er an die Spitze der Tscheka „der allrussischen außerordenllichen Kommission zur Bekämpfung der Gegenrevolution", die später in die GPU. (Vereinigte staatspolitische Verwaltung) umgewandelt wurde. Sie wurde unter der Leitung Dserschinskis das berüchtigte Instrument zur Niederhaltung aller antibolschewistischen Strömungen und als eine Art Nebenregierung den Sowjets selbst unbequem. Neben diesen Funktionen eines Tschckapräsidcnten begleitete D. noch nacheinander die Posten eines Volkskommissars des Innern und eines Volkskommissars des Verkehrswesens. Zuletzt war er Vorsitzender des Obersten Volkswirtschaftsrates der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken. Amerikanischer Pazifismus. In einer Zeit, wo das Abrüstungsproblem von größter Aktualität ist und gerade aus Amerika, dem Dläubigerland der Welt, der Schrei nach Verminderung der Rüstungen den Europäern in die Ohren gellt, ist es interessant zu sehen, wie man sich in Amerika selbst pazifistisch gebärdet. Von geschätzter Seite geht uns ein Briefumschlag aus Baltimore zu, der i rn P ojt- stempel die Zeilen trägt: Let’s go Citizens military training camp! (Laßt uns zu dem militärischen Ausbildungsseld der Bürger gehen.) Bei diesem sehr pazifistischen Werberuf müssen wir uns daran erinnern, daß die militärische Ausbildung der amerikanischen Jugend offiziell vom Kriegsdepartement geleitet wird. Im vergangenen Jahre wurden dafür nahezu 6 Millionen Dollar ausgegeben. Mehr als 125 000 Schüler und Studenten von 226 ilniDerfitäten und höheren Schulen erhielten auf diese Weise durch 768 Offiziere und 1065 Unteroffiziere, die zu diesem Zwecke abkommandiert wurden, ihre militärische Ausbildung. In der Mehrzahl der amerikanischen Schulen ist der militärische Vorbereitungsdienst Pflichtfach für alle Schüler vom 14. Lebensjahr an. Bei der großen Sportbegeisterung der amerikanischen Jugend erübrigt es sich zu sagen, daß dieser militärische Vorbereitungsdienst mit großem Eifer betrieben wird. Vom Völkerbund. Genf, 21. Juli. (TU.) Die Unterkommission des Völkerbundes für Hochschulbeziehungen hat ihre am Samstag begonnenen Arbeiten beendet. Aus dem sehr mageren Kommunique ist an Bemerkenswertem nur zu ent- nehmen, daß die Enquete für die Errichtung einer in ter na tionalen politischen Hochschule fortgesetzt wird. Gestern begann die Un- terkommlssion für Kun st und Wissenschaft ihre Beratungen. Sie berät ein dem Institut für geistige Zusammenarbeit vorzulegendes Programm. Ihre Zusammensetzung ist interessant. Ein französischer Belgier führt den Vorsitz. Mitglieder sind ein französischer Schweizer, zwei Reichsfran- zosen, je ein Spanier aus Argentinien und aus Spanien, ein Italiener, eine Rumänin und endlich ein tschechoslowakischer Schriftsteller und der Wiener Kapellmeister Felix v. Weingartner. Zwei Franzosen, zwei Spanier, ein Italiener, eine Rumänin vertreten die lateinische, ein Tschechoslowake und ein Wiener die nichtlateinische Kunst und Wissenschaft- ______________ Aus aller Welt. Opfer des Badens. Aus allen Teilen Südwestdeutschlands laufen zahlreiche weitere Todesfälle infolge Badens im Rhein und seinen Rebenflüs'en ein. Bei Bingen ertrank ein 20jähriger Gärtner namens Eilers im Rhein. Im Strandbad bei Schier- ftein fiel ein neunjähriger Schüler den Fluten zum Opfer. Auch im Kasteler Strandbad ertrank ein elfjähriger Schüler infolge Herzschlages. An der Auspitze bei Mainz wurde die Leiche eines nur mit der Badehose bekleideten Schülers geländet, dessen Identität noch nicht festzustellen war. Auch das Paddeln hat wieder ein Opfer angefordert. Ein 17jähriger Vanllehrling fiel dabei in den Rhein und verschwand in den Fluten. Bei Ludwigshafen ertrank ein 17jähriger Lehrling aus Munden- heim. In der Ludwigshafener Schwimmhalle sprang ein 20jähriger junger Mann vom Sprungbrett herunter und brach sich dabei den Halswirbel. Er liegt jetzt zwischen Leben und Tod im Krankenhaus. Bei Kehl ist ein 32jäh- tiger Bahnarbeiter, bei Rheinsheim (Amt Bruchsal) ein 14jähriger Schüler im Rhein ertrunken. Auch aus Köln wird ein Todesfall gemeldet. Ein Gepäckträger fiel von der Verbindungsbrücke eines Rheindampfers inS Wasser und ertrank. Vom Reckar toerben ebenfalls weitere Opfer gemeldet. Bei Heilbronn wurde die Leiche eines Fährmanns geländet, der im Wasser einen Herzschlag erlitten hat. Bei Riedena u sind in der Jagst, einem Rebenflusse des Reckars, zwei junge Mädchen im Alter von 17 und 20 Jahren den Fluten zum Opfer gefallen. Bei Wiesloch ist der 17jährige Sekundaner Lederer, der in einem sogenannten Bruch badete, an eine tiefe Stelle geraten und versunken. Er konnte nur als I Leiche geborgen werden. Aus Weinheim wird gemeldet, daß bei Mörlenbach der 42jährige Fabrikarbeiter Schaab in der Weschnitz einen Herzschlag erlitt. Rettungsmaßnahmen waren vergeblich. Aus der Mosel wurden die Leichen eines französischen Soldaten und eines 12jährigen Schülers, aus der Kyll, eines Rebenflusses der Mosel, diejenige eines 16jährigen Lehrlings geländert. Im Main ist ein 21jährigec Schneider aus M.-Gladbach der eine Rctt)tour nach Franken machen wollte, beim Baden im Main in der Rähe von Würzburg ertrunken, während bei Katzwang an bet Regnitz ein 161/2iäbriger Mann ein Opfer des Badens wurde. Die Eltern vor den Augen des Kindes ertrunken. Rach einer Dlättermeldung ging die Frau des Vorarbeiters Rahke beim 'Baden in einer Tongrube bei Hegermühle unter. Ihr Mann, der in diesem Augenblick erhitzt an der älnglücks- ftelle eintraf, sprang ihr nach, wurde aber von einem Herzschlag betroffen und ertrank ebenfalls. Das Töchterchen der Verunglückten muhte Dom Ufer aus zusehen, wie seine Eltern den Tod sanden. Schwerer TNotorcadunfall. Auf der Chaussee zwischen Hattenheim und Erbach ereignete sich..ein schwerer Motorradunfall. Eine Wiesbadener Gesellschaft machte mit vier Autos und drei Motorrädern eine Vergnügungsreise in den Rheingau. Bei der Rückfahrt erlitt em Motorrad, auf dem ein Steuerbeamter aus Wiesbaden mit seiner Frau sah, einen Rad- defekt. Durch den gewaltigen Ruck stürzte die auf dem Hintersitz sitzende 28jährige Ehefrau ab und brach das Genick. Zwei, sofort an der Stelle anwesende Aerzte konnten nur noch den Tod feststellen. Internationale Gauner. Der Taschendiebstahl, bei dem am vergangenen Samstag in Berlin ein Amerikaner um 80 000 Mark gekommen ist, wurde nach den bisherigen (3rmit langen von zwei internationalen Gaunern begangen, die sich zur Durchführung ihrer Pläne bereits wiederholt des Flugzeuges bedienten. Es handelt sich um einen 30 bis 35- jährigen und einen etwa 60jährigen Mann, die beide nur gebrochen deutsch sprechen, sich immer wieder falsche Ramen zulegen, wahrscheinlich mit einer ganzen Reihe falscher Pässe ausgerüstet sind und seit Anfang Juni in Deutschland ihr Unwesen treiben. Sie haben bereits verschiedene mehr oder weniger einträgliche Laschendiebstähle in Deutschland ausgeführt, konnten aber noch nicht dingfest gemacht werden. Lin wetischwlndler. In Berlin wurde der Wett Schwindler Arthur Keil in Haft genommen. Keil hatte Anfangs April mit großer Reklame ein Wettunter- nehmen gegründet und eine monatliche Verzinsung der einbezahlten Gelder bis zu 65 Proz. versprochen. Die Verwaltung und Auszahlung der Gelder sollte in den Händen einer Treuhandgesellschaft liegen. Als die Staatsanwaltschaft zur Prüfung des Unternehmens eine Unter» suchungskommission einsehte, änderte Keil das Wettsystem in ein Sparsystem um. Keil hat die bis zum Mai erfolgten Einnahmen ordnungsmäßig bei der Treu^andgesellschaft hinterlegt. Von da an aber fehlt jeder Rachweis über die Verwendung der Gelder. Auch sind feit Mai weder Steuern noch Krankengelder abgeführt worden. Heber die Höhe der Einzahlungen läßt sich noch nichts Genaues sagen, doch sollen es mehrere tausend Mark fein. Spielklubschwindel. In Kolberg ist durch die Anzeige von Geschädigten die Kriminalpolizei auf ein von Berlin ausgehendes großes Schwinbeluntemehmen aufmerksam geworden. Drei „Direktoren" eines angeblich für Kolberg konzessionierten Spielklubs suchten gegen Kautionen bis zu 3000 Mark Angestellte mit Gefells.chafterbetei- ligung bei Bezügen von 12 und 30 Rm. täglich. In Kolberg erfuhren die Angestellten, daß fie; Schwindeiern in die Hände gefallen waren. Die Betrüger sollen etwa 35 000 Rm. erbeutet haben. Ende eines Strahenräubers. Im Walde bei Irrel (Kr. Bitburg) fand ein Förster im Walde eine männliche Leiche. Die Feststellungen ergaben, daß es sich um einen Straßenräuber handelte, der vor einiger Zeit mit mehreren Genossen einen Landbriefträger auf der Straße überfallen und beraubt hatte. Dabei war er auf der Flucht in den Rücken geschossen worden und hatte sich nach dem Walde geschleppt, wo er anscheinend langsam verblutet ist. Ein bestialisches verbrechen. In einem Brunnen bei Metschow (Uckermark) war vor einigen Tagen die Leiche ebner 56 Jahre alten Schnitterfrau gefunden worden. Die Feststellungen der Staatsanwaltschaft Prenzlau haben ergeben, daß die Frau verhungert ist. Sie muß noch lebend in den Brunnen geworfen worden fein, der von den Verbrechern mit schweren Dohlen wieder zugedeckt wurde, so daß sich die ülnglückliche aus eigener Kraft nicht befreien tonnte. Ihre Hilferufe mußten bei der weiten Entfernung zum nächsten Ort ungehört verhallen. Neues Bergsteigerunglück am Dachstein. Vorgestern stürzte der 26jährige Bildhauer Dito Blüchner aus Leipzig, der mit seiner Braut und drei Freunden eine Tour zur Dachsteinspitze unternommen hatte, beim Ucberqueren einer Rinne, als er seiner Braut, die abgerutscht war, helfen wollte, über eine 200 Meter hohe Felswand tödlich ab. Die Leiche konnte geborgen werden. Sie wird in Hallstadt beigesetzt werden. Lin Messer im Magen. In Geisenheim meldete sich ein auf der Wanderschaft befindlicher Bursche bei der Polizei und gab an, krank zu fein, da ein Mester in feinem Magen ihm große Schmerzen verursache. Eine Röntgenaufnahme im Rüdesheimer Krankenhaus bestätigte tatsächlich seine Angaben, und durch eine Operation wurde dem Messerschlucker das gefährliche Instrument aus dem Magen entfernt. Der Bursche befindet sich auf dem Wege der Besserung. Wettervoraussage. Bei südlichen bis westlichen Winden meist bewölkt, tagsüber etwas wärmer. Sonst verhältnismäßig kühl, strichweise leichter Regen. Kühlere westliche Luft ist ostwärts vorgedrungen und hat auf ihrem Weg in ganz Deutschland Veranlassung zu stärkeren Regenfällen gegeben, die in der letzten Rächt in Rord-Osk- Deutschland besonders ausgiebig waren. Den Westen her nachrückender höherer Druck bringt zunächst Verringerung der Riederschläge, doch bleibt bei westlicher Luftzufuhr der Witterungs- charakter unbeständig, zumal über England ein neues Störungsgebiet an Raum gewinnt. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 21,9, Minimum 14,8 Grad Celsius. Riederschläge: 6,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 15,6 Grad Celsius. Am der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 21. Juli 1926. Von der Einsamkeit. Don Reinhold Braun. Zwinge deine Einsamkeit, heilig dir zu dienen, daß sie dir mit heitern Mienen alles schenkt, was dich erfreut Schöne, selige Gedanken, manche tiefe Köstlichkeit und auf stilles Herzeleid ein paar Rosenramen. Weite Klarheit deinen^ Sinnen, Ewiges in deine Zeit, daß du magst aus Einsamkeit selber dich gewinnen. R. D. .Morgenbuch". Ich kenne eine Frau, eine sehr feine Seele. Mitten aus dem Glücke einer wundervollen Zweisamkeit wurde ihr der geliebte Mann in der Vollkraft der Jahre durch den Tod entrissen. Kinder besaßen sie nicht. Das Leben der Frau war von Stunde an eines der gänzlich einsamen. Aber wie wußte sie trotz des großen Schmerzes um den Heimgegangenen sogleich ihre Einsamkeit schöpferisch zu Leben! Cs war etwas Wurrd er bares um die Einsamkeit dieser Frau. Sie war ein Beweis von der hohen Lebenskunst der adligen Frauenseele, daß sie Herrin ihrer Einsamkeit von vornherein war und auch blieb. Es gibt eine Einsamkeit, die einer dunklen, kalten Kammer gleicht: es gibt aber auch eine Einsamkeit, die einem kostbaren Rosengarten gleicht, der wie hinter hohen Mauern liegt; aber doch sind in der Höhe der Mauern Altane, die den Blick in die Welt schenken. Die Einsamkeit ist immer das, was wir aus ihr machen. Wenn wir Menschen vom gestaltenden Leben und voller Sehnsüchte sind, wird auch unsere Einsamkeit edle Gestalt gewinnen. Wie man in seine Einsamkeit hineinschaut, so ^chauts aus ihr heraus. Und das ist das Seltsame, die Einsamkeit gibt das Dunlle unseres Wesens vervielfacht zurück, aber auch das Licht, Es liegt ganz an uns, wie sich unsere Einsamkeit zu uns verhält. Die dumpfe, unschöpferische Einsamkeit wird uns nach und nach gänzlich einspinnen, unlebendig und welk machen. Einsamkeit, die ganz Erde ist, kann den Menschen nach und nach auch begraben. Einsamkeit aber, in der der Himmel noch Macht hat, bleibt die Dienerin der Ewigkeit und damit unsere treueste und ehrlichste Dienerin. Der Himmel hatte auch Macht in der Einsamkeit jener feinen Menschenseele, sodaß man jedesmal, wenn man ihr begegnete, sagen muhte: „Ist sie nicht noch reifer, feiner, schöner in ihrer Seele geworden?" Sie machte zur Wahrheit, was ich in dem Gedichte am Eingang fordere. Sie lebte ihre Einsamkeit vorbildlich als der schöpferische Mensch. 3a, der Himmel hatte in ihr Macht, die himmlische Siebe und alles Dnaden- tum des Ewigen. And das war der größte Segen dieser schöpferischen Einsamkeit, daß sie den ganzen Menschen mit immer reinerer Liebe und der größeren Inbrunst füllte, anderen Gutes zu tun. Wie wuchs diese Frau an Seelen- und Geistesllarheit, wie gewann sie bte_ Höhe deS reifen Herzens, wie adelte sie ein gütiges Verstehen, wie wurde ihre Menschlichkeit immer leuchtender und beglückender. Ja, sie gewann ganz wunderbar ihr kostbares Selbst, ihre edle Eigenwüchstgkeit aus ihrer Einsamkeit. Ihr Wesensgrund war heilige Stille geworden, und die Wurzeln ihres Lebens senkten sich immer tiefer in Göttliches ein. So segnet Einsamkeit, wenn wir uns von ihr segnen lassen wollen. Selbst den Schmerz schafft sie um in höheres Leben. Fünf Regeln für Schwimmer. WSR. 1. Wer nicht mindestens eine Viertelstunde freischwimmen kann, schwimmen nicht über breite Wasserläufe; man täuscht sich leicht über die Breite, älebe auch in seichtem Wasser das Rückenschwimmen. 2. Schwimme nie mit vollem Magen, nicht nach großer Erhitzung ober Aurchgechter Rächt! Du kannst plötzlich sinken! 3. Große Strecken schwimme nie ohne Begleitung eines Rachens ober ohne Kontrolle am Ufer. 4. Wenn sich Anzeichen von Ermüdung zeigen, hebe nie gleichzeitig beide Arme, da man bann sofort sinkt. Wenn du sinkst, reiche dem Retter nur lose die Hand und umllammere ihn nicht. Versuche, dich auf den Rücken zu legen. Rufe jedoch nie scherzweise um Hilfe! 5. Wenn bu unsicher im Schwimmen bist oder an Wabenkrämpfen leidest, schwimme lieber zurück. Zeige keinen falschen Ehrgeiz; es könnte dich das Leben kosten! Bornotizen. — Tageskalender für Mitrwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon als Schwiegersöhne". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wie schon bekannt- gegeben, wird Ivo Puhonnys berühmtes Baden- Badener Marionetten-Theater am Sonntag, dem 25. Juli, nachmittags 31/- 41hr und abends 8 Uhr, je ein Gastspiel absolvieren. Die Vorstellungen finden bei kleinen und ermäßigten Preisen statt und bringen am Rachmittag das Märchen „Der Froschprinz", am Abend die Groteske „Die Rache des Hakim" und „Egon und Emilia". Jede Vorstellung beschließt das Auftreten der luftigen „Solomarionette n", die sich in der Abendvorstellung im Rahmen etnes Kabaretts produzieren werden. Das Baden-Badener Marto- nettentheater gilt als das weitaus künstlerischste und beste seines Genres und hatte z. D. bet früheren Vorstellungen in Dad-Rauheim am dortigen Kurtheater ganz außergewöhnlichen Bei- I fall errungen. r~‘ w- Das 6, AbvnnementSkonzert unserer R e i ch sw e hr kap ell e am morgigen Donnerstag, 22. Juli, auf der Liebigshöhe verspricht, wie man uns schreibt, einen genußreichen Abend. Aus der vorgesehenen Musik- solge sind außer Stücken aus Opern usw. „Das LiebeSmahl der Apostel' von R. Wagner, sowie -Prinz Eugen der edle Ritter" und historische Märsche von 1400 bis 1900 besonders hervorzuheben. Es sei noch darauf hingewiesen, daß bei ungünstiger Witterung bas Konzert durch Streichmusik ausgeführt wird. Der Oberhessische Geschichtsverein in Schotten. Anfang Juli unternahm der O b e r h e s s i - sche Geschichtsverein (wie wir in Ar. 157 bereits kurz berichteten. D. Red.) seinen diesjährigen Svmmerausflug nach Schotten, an dem etwa 40 Personen teilnahmen. Der Dür- cermüster von Schotten, Rechtsanwalt M e n g e l. Daurat Rodnagel und eine Anzahl weiterer - i rren hatten sich zur Begrüßung am Bahnhof cir.u’Junten. Rach einem kurzen Gang durch die Stadt. dem Daural Rodnagel kurz über das C-: I o ß und andere Bauwerke sprach, ging es - ach dem Rathaus. Der offizielle Empfang L . Vereins durch den Bürgermeister hatte einen außerordentlich herzlichen Ton. Aus alten Bildern, Büchern und Han.schriften war imSitzungs- saal eine kleine Ausstellung veranstaltet worden. Aach einer kurzen Begrüßungsansprache bot der Bürgermeister den Willkomm-Trunk in den alten Silberbechern der Stadt. Aach einer halben Stunde begab man sich in die gegenüber gelegene Kirche, wo Real- lebtet Dotter aus Alsfeld in seinem Dortrag übet das „Collegium Musicum“ in Schotten folgendes aus führte: Das „Collegium Musicum“, eine bürgerliche (Vereinigung zur Pflege der Kirchenmusik, entstand in der letzten Hülste des 16. Jahrhunderts. Es bestand auS 6 privilegierten Schottener Düngern, die allsonntäglich instrumentaliter und vocaliter die musica sacra pflegten. Leiter dieses Chorus musicus war der Konrektor an der Schot- lener Lateinschule, der auch den Organistendienst zu versehen hatte. Zur Unterstützung der Kirchenmusik wurden die Lateinschüler, roie sog. „Dis- lanlistenknaben" herangezogen. Für ihre De- mühungen wurde den Musikanten aus kirchlichen Mitteln alljährlich eine Summe Geldes, der .Singwein", gegeben, den sie miteinander verkehrten. Mitunter wurden auch Aoten und Instrumente aus diesen Mitteln angeschafft. Seine höchste Dlüte hatte das Collegium in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Aufschwung und Aiedergang hingen aufs engste mit den Verhält- nissen an der Lateinschule zusannnen. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind noch reiche Aoten- bestände in der Kirchenbibliothek vorhanden, die der Dortragende in den Jahren 1908 und 1920 eingehend durchforscht hat. Es finden sich darunter mehrstimmige Gesänge von Dodenschatz, Hammerschmidt, Walliser u. a., ferner mehrere Jahrgänge Kirchenkantaten von G. PH. Telemann und Liebhold, einem zu seiner Zeit bekannten Komponisten, über dessen Persönlichkeit aber heute undurchdringliches Dunkel lagert. Mit dem Derfall der Lateinschule um die Wende des Id. und 19. Jahrhunderts ging auch das Collegium Musicum seinem Ente entgegen. 1824 wurde es, ungeachtet des hefttgen Protestes seiner Mitglieder, auf behördliche Anweisung hin auf- ce'öst. Rach dem gemeinsamen Mittagessen im „hessischen Haus", bei dem Bürgermeister Menge! und Bau- r it N 0 dnagel noch einmal ihrer Freude über den Besuch des Vereins Ausdruck gaben und Geheime- rot Behaghel besten Dank für die freundliche Aufnahme sagte, hielt Prof. Rauch in der Kirche einen Vortrag über diese. Zur Baugeschichte der Liebfrauenkirche ist zu bemerken, daß in den drei bedeutendstenBauperioden die Bauabsicht ganz verschieden war. Man hat den ältesten Chorbau, den romanischen Westbau und den spätgotischen Neubau der Mitte und des Chores zu unterscheiden. Der Westbau gehört der hessischen Bauschule der Frühgotik an, und sollte, wie die St. Elisabeth-Kircke in Marburg, zwei hohe Westtürme erhalten. Dieser um die Wende des 13. Jahrhunderts begonnene Dau sollte die kleine romanische Kirche ersetzen, an die er angeschlosten wurde. Aber die Kräfte reichten zu dem geplanten Werk nicht aus, und ein halbes Jahrhundert stand der Neubau unfertig, bis um 1350 wieder — aber nun mit einem anderen Gedanken — begonnen wurde. Man wollte jetzt statt der langgestreckten Priesterkirche eine Hallenkirche errichten, wie sie öfters in Oberhessen zu finden ist, weit und einheitlich im Raum über ungefähr quadratischem Grundriß. Zunächst ließ man nun den begonnenen Westbau liegen und fing im Osten an. An Stelle der beiden Westtürme sollte ein stattlicher Dierungsturm treten. Den ursprünglichen Gedanken, den Westbau abzutragen, führte man jedoch nicht aus, sondern schloß auf beiden Seiten den neuen und den älteren westlichen Bau durch Treppentürme zusammen. Im Innern mußten die beiden Räume, so gut es ging, zusammengeflickt werden, und so entstand das unorganisch wirkende schmälere Gewölbejoch zwischen den breiteren stattlichen Gewölbeseldern. Die eckigen Pfeiler, die ehemals den Dierungsturm trugen, mußten im 18. Jahrhundert erneuert werden und wurden durch zwei stämmige Rundpfeiler ersetzt. Im Innern ist die Entwicklungsgeschichte des Baus an verschiedenen Merkmalen zu beobachten. Besonders bemerkenswert sind die feinen, an Marburg und Wetzlar erinnernden Blottformverzierungen der Kapitale der Pfeiler. Das Westportal ist mit einer Anbetung der Könige (um 1370) geschmückt, die man sich, wie alle mittel- all erliche Plastik, farbig vorzustellen hat. Am Südportal findet sich eine Statue der Mutter Gottes und zweier betender Stifter. Die Figuren des Haupt- norials erinnern an das Grabmal des Mainzer Erzbischofs Gerlach im Kloster Eberbach (geft. 1371) und gleichzeitig an die Gestalt des heiligen Severus in der Kirche in Erfurt (etwa 1370—80). Aeußerlich beachtenswett an der Kirche ist der schiefe Turm, der 1,80 Meter aus dem Lol fleht. In der Innenausstattung beansprucht der Aitar besonderes Interesse. Er stammt aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und gehört neben dem Friedberger und Otten- berger zu den namhaftesten Werken mittelrheinischer Malerei. Die Gemälde haben sich in voller Schönheit erhalten. Harmonie ist bei kräftiger Farbengebung durch den neutral wirkenden Goldgrund erreicht. Die Skulpturen bleiben an Wert hinter den Altar- gemälden zurück. Die Hauptfigur, eine Mutter Gottes, hat durch die Wiederherstellung ihre reizvoll zarte echte mittelrheinische Schönheit wiedergewonnen. Es ist ein typisch mittelrheinisches Kunstwerk, da der geistige Ausdruck durch die Beachtung des Körperlichen gemildert ist. An einer Seitenwand der Kirche ist das große spätgotische Triumphkreu; (Jesus am Kreuz, Maria und Johannes) angebracht, das früher auf dem Lettner, der Bühne zwischen Chor und Langhaus, stand. Im ganzen stellt sich so die Schottener Liebfrauenkirche als ein fünft- und kulturgeschichtliches Bauwerk von hoher Bedeutung dar. Trotztem während ter Besichtigung ter Kirche ter Regen wieder eingesetzt hatte, wanderte man nach dem schöngelegenen Luginsland hinauf, wo bei Kaffee und Kuchen selbst ein Tänzchen nicht fehlte. Der Rückweg führte zunächst zu dem Denkmal der gefallenen hessischen Forstbeamten. Don stiller Höhe blickt dies Mal wett hinaus ins Tal. Daurat Aodnagel sprach h-ier und an dem kurz zuvor berührten! alten Derterdigungswall einige Worte. In rascherem Abstieg wurde ter Bahnhof bald erreicht, und um 7 Uhr verlieb der Verein den Daten ter gastlichen Stadt Schotten. Die Teilnehmer des manchmal etwas feuchten Ausflugs waren voll befriedigt in dem Dewußtsein, wieder einmal ein Stück unseres rauhen und doch reizvollen Vogelsberges näher kennen gelernt, und ihir Wessen ter Heimatgeschichte bereichert zu haben. Dr. Walbrach. ch Schülerfahrt an den Rhein. Rund tausend Volisschüler aus dem Kreise Dießen unternahmen am gestrigen Dienstag eine Fahrt an den Rhein. Der Svnterzug brachte die Teilnehmer bereits um 9 Uhr vormittags nach Mainz-Kastel. Mit zwei Dampfern wurde die Strecke von Mainz nach Koblenz durchfahren. Allen Teilnehmern werden die Eindrücke der in allen Teilen wohlgelungenen Fahrt unvergeßlich fein. Die Vorbereitungen zu der Fahrt hatte der Vorsitzende des Kreislehrervereins Gießen, Lehrer Sommer von Grohen-Linten, übernommen. ** Aushebung der Preistreiberei- Verordnung. Im »Reichsgesehblatt" wird in den nächsten Tagen das Gesetz über die Aufhebung der Preistreiberei-Verordnung und die damit zusammenhängenden Verordnungen verössentlicht. Durch dieses Gesetz werden die Preistreibereiverordnung, die Verordnung gegen verbotene Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände, die Verordnung über die Aotstandsversorgung und die Verordnung über die Preisprüfungsstellen aufgehoben. Ferner kommen folgende Teile der Verordnung über die Handelsbeschränkungen in Fortfall: die Vorschriften über die Preisschilder und Preisverzeichnisse, die über den Marktverkehr und Versteigerungen und die über Zeitungsanzeigen. Das Gesetz sieht ferner vor, daß Vergehen gegen die hiernach aufgehobenen Destimmungen der notwirtschaftlichen Gesetzgebung, soweit sie noch nicht rechtskräftig abgeurteilt sind, straflos bleiben. Die Destimmungen ter Verordnung über Handelsbeschränkungen, über Untersagung des Handels, Schließung von Geschäftsräumen und über äußere Kennzeichnung von Waren, sowie Destimmungen ter Verordnung über die Auskunftspflicht bleiben in Geltung. •* Gießener Schwimmverein. Man schreibt uns: Am kommenden Sonntag veranstaltet der Gießener S. V. in ter Müllerschen Dateanstalt einen Städtewettkampf im Schwimmen gegen Kassel. Die kurhessische Hauptstadt wird vertreten durch den Kasseler Schwimmverein von 1 89 8, ter über eine leistungsfähige Mannschaft verfügt und in den sechs Wettkämpfen, die für ten Städtewettkampf qualifizieren, unseren Gießener Schwimmern einen gleichwertigen Gegner darsteltt. Das übrige Programm wird durch einen Klubwettkampf ter Jugendmannschaften des Wetzlarer Schwimmvereins und des Gießener S. D. ausgefüllt werden. Außerdem wird die Sprungriege des Gießener S. V. im Turm- und Kunstspringen zeigen, was sie in den letzten Monaten durch eifriges Training erlernt hat. Das Wasserballspiel gegen Kassel dürfte ein äußerst interessantes Spiel geben und auch zur -Unterhaltung ter Zuschauer viel beitragen. Ferner kommen einige Damen- wettkämpfe über kurze und lange Strecken zum Austrag. Die Pausen füllen die Damen des Darmstädter Schwimm-Clubs .Jungdeutschland" durch Reigen- und Figuren- schwimmen: ein Gebiet des Schwimmsportes, das vielen Gießenern vollkommen neu ist. Dieser Damenmannschaft geht em guter Ruf über ihr schwimmerisches Können voraus. Dei großen Schwimmfesten hat sie es immer verstanden, durch die exakte Ausführung ihrer Reigen und Figuren reichen Deifall zu gewinnen. Zusammengefaht, darf man wohl sagen: es wird eine erstklassige schwimmspottliche Veranstaltung werten, die einzige dieser Art in diesem Sommer. (Aäheres siehe gestttge Anzeige.) •• Schwalben und Spatzen. Ein Illeser unseres Dlattes in Aieder-Flor stabt berichtet uns: An meiner Wohnung ist seit Jahren ein Schwalbennest, das seine Bewohner schon öfter gewechselt hat. Ein Jahr hausten Spatzen darin, dann hatten es die Schwalben wieder für ein Jahr im Desih. In diesem Frühjahr war es vom Winter her von ten Spatzen noch beschlagnahmt, und ich konnte nicht beobachten, daß bei ihrer Rückkehr die Schwalben sich darum bemüht hätten. So brachte ter Sperling seine Drut ungestört heraus, aber jetzt sitzen die Schwalben in dem Aest, und sie scheinen sich, nachdem sic das verfallene Heim ausgebessert haben, recht wohl darin zu fühlen. Von einem Kamps konnte nichts beobachtet werten, ter Bc- sihwechsel war auf einmal Tatsache. Weder daS alte Sperlingspaar noch die junge Brut ließen sich seither wieder sehen. In früheren Jahren war öfter ein erbitterter Kampf zwischen ten beiten Vogelarten zu beobachten. Kirche und Schule. Synodaltagung für den Kreis Wetzlar. —4— Lützellinden, 20. Juli. Zu einem denkwürdigen Ereignis im kirchlichen Leben unserer Gemeinde g^taltele sich die Synodaltagung der Kreisgemeinde der Pfarrer und Kirchenältesten des Kreises Wetzlar, die am Sonntag und Montag in unserem Orte stattfand. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Koch, hatte gemeinsam mit dem Kirchen- vorstand die umsichtigen Vorbereitungen zu der Veranstaltung getroffen. Den Auftakt bildete ter Gottesdienst am Sonntagnachmittag, in dem Pfarrer Bierman n - Ebersgöns in der Predigt die Vorbereitung zu dem Fest bot. Als Text batte der Redner Markus 8, 1—9 feiner Ansprache zugrunde gelegt. Rachtem die hiesigen Gemeindeglieder an ihren Festgästen nach uraltem Brauch Gastfreundschaft geübt, bildete der am Sonntag veranstaltete Gemeindeabend den nächstfolgenden Teil der Tagung. Eröffnet wurde dieser von dem Supettntendenten der Kreissynode Wetzlar, Pfarrer Wieder- Garbenheim, ter die Tagung als Vorsitzender leitete. Rach kurzem Dankesgruh an die zahlreich erschienene Gemeinde für die freundliche Ausnahme der Synode legte er in kurzen Zügen die Aufgaben der Synode dar und schloß mit der Ditte, um tatkräftige Mitarbeit und Fürbitte der Gemeinde. Es folgten hierauf kurze Berichte ter Geistlichen aus ihrer Tätigkeit auf den verschiedenen Arbeitsgebieten der evangelischen Kirche. Als erster erzählte Pfarrer Kappell, Klein-Rechtenbach, von ter schwierigen Ausgabe und großen Bedeutung des Gustav-Adolf-Dereins für unsere evangelischen Mitbrüder in der Diaspora, und warb mit herzlichen Worten neue Freunde für diese gute Sache. Der Vertreter des Evangelischen Bundes, Pfarrer Schmidt, Wetzlar, wies in kurzen Ausführungen auf die Bedeutung dieses Bundes für unser deutsches Volk und die evangelische Kirche hin. Pfarrer L ü h l, Wetzlar, berichtete hieraus von ter Tätigkeit der Preußischen Hauptbibelgesellschaft, worauf Pfarrer Heider, Dorlar, Bilder aus ter Aeuheren Mission erzählte. Hieran anschließend berichtete der Ortsgeistliche Pfarrer Koch aus der Tätigkeit ter Inneren Mission innerhalb der Synode. Hiernach entwarf Pfarrer Schmidt, Wetzlar, ein anschauliches Bild über das Wirken ter Rheinischen Frauenhilfe: darnach sprach Pfarrer Pfaff, Volpertshausen, über Evangelische Jugend- und Wohlfahrtspflege. Im Schlußwort erzählte Pfarrer Hartmann, Oberkleen, rückschauend auf die Vergangenheit, von dem Entstehen der Reformation und ihrer Ausbreitung in unserer Gegend. Der hiesige Posaunenchor gab mit seinen Musik- vorträgen dem Abend einen würdigen Rahmen, wie auch der Gemischte und der Jungfrauenchor unter Leitung des Dirigenten Altenheimer zu einem erhebenden Verlaus wesentlich beitrugen. Mit Gebet und Segen des Superintendenten Wieder wurde der Abend beendet, der bei ten zahlreichen Besuchern einen starken Eindruck hinterließ. Die Kollekte aus den beiten Veranstaltungen wurde der Rheinischen Provinzialstudienanstalt zugeführt. Die Beratungen am Montag, an denen sich etwa 40 Synodalvertreter beteiligten, nahmen um 8 Uhr morgens in ter Kirche ihren Anfang. Rach längeren Ausführungen des Superintendenten Wieder über das Thema: „Kirche und Volksbildung", erstattete dieser hierauf den Geschäftsbettcht aus dem verflossenen Geschäftsjahr. 3m weiteren Verlauf ter Tagung, die am Rachmittag im Gvang. DereinShaus stattfand, bildeten kirchliche Angelegenheiten den Gegenstand ter weiteren Verhandlungen. Gin Kaffeekränzchen am Rachmittag bildete den Abschluß der in allen Stücken wohlgelungenen Veranstaltung. Erweitertes Schöffengericht Gießen. -Gießen, 19. Juli. Der Arbeiter Sch. aus L. war angeklagt, bei einer Witwe, mit ter er ein Verhältnis unterhalten haben soll, einen sträflichen Eingriff vorgenvmmen au Haden. Die Frau, die an einem Samstagabend noch Kuchen gebacken hatte und vollständig gesund war, erkrankte am folgenden Tag, wurde mehrere Wochen bettlägettg unb endlich in die hiesige Klinik eingeliefert. Hier starb sie alsbald nach der Einlieferung. Die Todesursache war Blutvergiftung, die, wie die Aerzte in zweifelloser Weise festste! len konnten, auf einen strafbaren Eingriff zurückzuführen war. Die Anklage lautete deshalb auch außerdem auf fahrlässige Tötung. Der Angeklagte leugnete die Tat. Direkte Beweise standen nicht zur Verfügung. Die Staatsanwaltschaft war nur in der Lage, einen Indizienbeweis zu führen. Rach umfangreicher Beweisaufnahme gelangte das Gericht zur Freisprechung mangels ausreichenden Beweises. Bei der ür- teilsVerkündung wurde aber hervorgehoben, daß ter Angeklagte sehr schwer belastet und nach wie vor bringend verdächtig sei. Amtsgericht Wetzlar. ü Unter der Anklage ter Unterschlagung hatte sich ein Kaufmann au3 Wetzlar zu verantworten. Der Angeklagte hatte als Vertreter einer Margattnesirma u. a. einen Betrag von 17 Rm. kassiert und nicht abgeliefert. Durch Strafbefehl wurden dem Angeklagten 70 Rm. Geldstrafe. Hilfsweise 14 Tage Gefängnis, zü- bittiert. Auf seinen Einspruch erzielte er Fret - sprechung, da seine Angabe, eS sei ihm bei ter Buchung ein Irrtum unterlaufen, nicht zu widerlegen war. Einen, Anstteichermeister auS Wesel, zuletzt in Riederquembach, wurde Betrug zur Last gelegt Der Angeklagte hatte von einem Wetzlarer Geschäftsmann Waren bezogen, für deren Bezahlung er einen Wechsel hingao. Einen Tag nach Fälligkeit des Wechsels ging ter Angeklagte zu dem Geschäftsmann und erklärte seine Zahlungsunfähigkeit. Hierin erblickt ter Geschäftsmann Betrug Der Angeklagte bestritt jede Detrugsadsicht und behauptete, auch er sei von seinen Kunden mit ter Bezahlung im St uh gelassen Worten. Das Gericht vermochte keinen Betrug festzustellen und criannte auf kostenlose Freisprechung mangels Beweise-. Degen Betrugs im Rücksalle stand ein Landwirt, ter zur Zeit im Gefängnis in Heidelberg sitzt, unter Anklage. Der schon mehrfach vorbestrafte Angeklagte kam eines Tages im März ds. Js. zu einem in Wetzlar lebenden Bürger. Er stellte sich fälschlicherweise als Bruder eines dem Bürger bekannten Offizier- vor und erzählte weiter allen möglichen Schwindel, so, daß er wegen seiner politischen Gesinnung von ter Polizei gesucht werte und daher nach dem Rorden wolle, um in Sicherheit zu sein. Die Weiterreise müsse er sicherheitshalber mit dem Auto troll- führen, da ihm die Dahn zu gefährlich sei. Es gelang ihm dann noch in ten Besitz eines Dar- leheirs von 150 Mark zu gelangen, dessen baldige Rückzahlung er versprach ohne jedoch bis beute einen Pfennig zurückerstattet zu haben. M't diesem Geld verschwand dann der Angeklagte r.iv bekannt wohin. Auf die Anzeige des Geschädigten hin wurde er in Heidelöe.g entdeckt und hinter Schloß und Riegel gesetzt. Der Angellagte war geständig, und will m Rot die strafbare Handlung begangen haben. Seinem Antrag auf Straffreiheit gemäß § 51 StGB, vermochte bad Gericht nicht au entsprechen, da er laut ärztlichem Gutachten für sein Tun voll verantwortlich sei Das Gericht sah einfachen Betrug als vorliegend an und erkannte auf 3 Monate Gefängnis und Auferlegung der Kostem Der Anttag der Staatsanwaltschaft lautete auf 4 Monate Gefängnis. Ein Landwirt aus Wetzlar, ter dadurch baß er mit einem Undichten Faß Jauche durch die Straßen von Wetzlar fuhr, diese mit lieblichen Gerüchen erfüllte, erhielt durch polizeiliche Straf- Verfügung 10 Mark Geldstrafe. Sein Antrag auf gerichtliche Entscheidung hatte Erfolg, beim er wurde fr ei gesprochen, da seine Angaben, bas Faß sei durch bas F ihren auf dem holperigen Straßenpflaster undicht geworden, nicht zu widerlegen waren. Gerichtsfaal. 15 Jahre Zuchthaus für «inen Totschläger. Karlsruhe, 20. Juli. (WSR.) Dao Schwurgericht verurteilte ten 44jährigen, aus Reckarbischossheim gebürtigen, in Pforzheim zuletzt wohnhaften Schuhmacher Karl F a n tz wegen Totschlages zur höchstzulässigen Strafe von 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Fantz sollte nach jahrelangen gütlichen Versuchen zwangsweise aus ter Wohnung entfernt werden. Deshalb erschoß et die Hauseigentümerin Augenstein, Mutter von neun Kindern, — ter Mann ist schwerkriegskrank — auf dem Treppenflur vor seiner Wohnung, als ihm wenige Stunden vorher die zwangsweise Räumung ter Wohnung übermittelt worden war. Aus dem -lmtsvertündigungsblatt. ' Das Amtsverkündigung-blatt Rr. 58 vom 20. Juli enthält: Hegezeit für Enten. -Bekämpfung von Viehseuchen. — Belehrung der Pilzsammler. — Maul- und Klauenseuche in Reinhards Hain. — Abgabe von Betriebsstoffen an Kraftfahrzeuge. — Kreisstraßensperren Beihilfe an die Volksbibliotheken Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaften. — Feldbereinigung Lindenstruth. — Straßensperren. -Dienst- nachrichtem Rundfunk-Programm de- Frankfurter Tenders. (Aus der.Radio-Umschau".) Donnerstag, 22. Juli. 4,30 bis 5,45 Uhr: Konzert deS Hausorchesters: Ouvettüren von Adolph Adam. 5,45 bis 6,05 Uhr: Die Lesestunte. 7,15 bis 7,45 Uhr: Stenographischer Fottbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 8,30 Uhr: »Sin Wend der Gegensätze". Anschließend bis 12 Uhr: ilebertragung von Berlin: Tanzmusik ter Berliner Funkkapelle. Briefkasten der Redaktion. Hundesteuer. Der in Wetzlar angemeldete Hund muß, da er sich mit Ihnen auch hier aufhält, in Gießen ebenfalls zur Steuer angemeldet werden. fi. 5L in weilershain. Die Hundesteuer ist eine I a y r e s steuer, deren Erhebung nur zur Erleichterung für den Steuerpflichtigen halbiert worden ist. Sie müssen auch noch für das zweite Halbjahr bezahlen. Das beste Hühneraugen-Mittel ist „(Sonina“. Erhältlich inParfümerie Lotz. Babnhosstraüe33'««,ss Bad Kreuznach Empfehlenswerte GasiStätten: Pension n ii Europäischer Hof Hotel Kauzenberg Hotel Klapdohr Hotel Quellenhof Kurhaus-Palasthotel Auskünfte und Kurschriften durch die Kurverwaltung. Kurheim Dr. Brogsitter andere Häuser schon von srei« 15 Minuten von Bingen nm Rhein; direkte Schnellzugsverbindungen nach allen Richtungen stärkstes Radium-Solbad heilt: Frauen, Kinder, Rheuma, Gicht, Alterserscheinungen. von 8,- M. an ii 8|— ii n ii 8,50 „ n ii 8|— ii n ii 10,- „ ii n " n 6i— ii n Klöppel-Spitzen E5 Statt Karten! Die Geburt ihrer Tochter zeigen an Teleph. 66 006.1 Näheres 05047 Koctbcttr. 48 a I. 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Am Montagabend 9 Uhr wurde meine liebe Mutter, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante Anna Balser geb. Moos von ihrem, mit Geduld ertragenem Leiden erlöst. Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Karl Balser. Achtung! Grone Sendung Eiuinach- und Salatgurken, Heidelbeeren, Johannisbeeren dicke Stachelbeeren, Aprikosen, Pfirsiche, Himbeeren, und Kirschen, sähe u. saure, eingetroffen 05051 Berkaus Donnerstag Brandplatz am Eingang vom Boiamschen Garten. Frau Frosch, Telephon 1051. WMMMlKi*et ÄÄ 0.08 „„ Gießen (Frankfurter Str. 50) Kaiserslautern den 19. Juli 1926 KtM sür tagsübe ' od. für ganz in kl. bürgerl. Haushalt gesucht. Zu ersr. i. d. GeschaitSst. d. Gici;. Anzeigers. 590 M Darlehen v. anst. foL Ehevaargeg.monatl. Rückz nebst Zinsen gesucht. Mehrs. Mö- bclsichrb. Vorhand. Nur Sctbstgeber. Schr. Ang. u. 05041 an den Gietz. Anz. Vertreter gesucht. 2ebensmitt.-Grob- hndlg. sucht gut ein- ges. vertrauenslv. Vertreter z. Berki. u. Schmals, Kokosfett,Hülsenfrüchten Evtl. iu. 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Nach Befriedigung der Pfand- gläubiger sind noch .k 1036.34 vorhanden, die gemätz § 60 St SD. zur Deckung der Masseansprüche ver- ivandt werden. DaS Schlutzverzeichnts der hierbei beteiligten Gläubiger liegt auf der Gerichtsschreiberei hiesigen AnitsgerichtS zur Einsicht aus. Gietzen, den 21. Juli 1926. L. Althoff, flonkurrverwalter. Bekanntmachung. In dem Konkurse über das Vermögen der Firma S. Monk, G. in. b. H. »u Metzen, soll die Schluh- vertetlung erfolgen. Dazu sind verfügbar ./< 3015.—. Zu berücksichtigen sind Forderungen im fe't- gestellten Betrage von .X 21 517.98, darunter keine bevorrechtigten, oder 14° 0 DasSchlutzverzeich-^ niS der dabei betet» lig'.en Gläubiger liegt aus der Ge- richtsschreiberei hiesigen Amtsgerichts zur Einsicht auS Gietzen, den 21. Juli 1926. G0l,D L. Althoff, Konkursverwalter. Unterrichtill Griechisch 11. Latein gesM. Schr. Ang. li. 05037 an den Gietz. Anz. Filialen in allen Stadtteilen 6055c Gasherde Junker &. 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Nr. 168 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 21. Zuli 1926 Aus Natur und Technik. Flügel Leitwerk - Schwimmer in einem solchen Flugzeug die un- Betriebsstoffmengen nicht mitführen fernungen weil man geheuren schraube vor sich: Der Empfänger nimmt der ankommenden Hochfrequenzwelle die niederfrequente Stromschwingung ab. Das Telephon formt diese für uns hörbar um. Wir müssen uns heute auf diese kurze Skizzierung beschränken und können nicht näher auf den Empfang eingehen. Dagegen wollen wir die Aufnahme der Ton- schwingungen im Sender noch etwas näher verfolgen. Don der gewöhnlichen Telephonie sind uns die Mikrophone für die Aufnahme der Sprache und ihre Umwandlung in elektrische Schwingungen bekannt. Das hier gebräuchliche Kohlekörner-Mikrophon eignet sich jedoch für die Rundfunkaufnahme höchstens unvollkommen für die älebertragung von kurzen Mitteilungen, weil es hier unter Umständen zur Verständigung ge- Vild 1. Einer der vier großen mittleren Schwimmer von der Seite gesehen. Flügel ausgeschnitten. Bild 2. Einer der kleinen seitlichen Schwimmer von der Seite gesehen, Flügel ausgeschnitten. dem Rückwege, damit man den Wind aus nutzen kann, da sich die in der Luft zurückzulegende Strecke beim Fliegen entgegen der Windrichtung verlängert. 3m allgemeinen urirb man auf dem Hinflug südlicher fliegen als auf dem Rückflug, da die Windrichtung in den nördlicheren Breiten mehr nach Europa zu. in den südlicheren mehr nach Amerika zu gerichtet ist. Der Vortrag schloß mit den Worten: „Dom Kanalfllrg Dleriots im 3ahre 1909 bis zum ersten gelungenen lleberseeflug Europa—Amerika, bei dem mehr als hundert Menschen gleichzeitig befördert werden können, ist scheinbar ein langer Weg — tatsächlich aber nur ein Schr tt in der gesamten Entwicklung der Flugtechnik. Diele Köpfe in allen Kulturstaaten arbeiten an der slugzeuge mit unbegrenzten Spannweiten Don Max Fischer GangK Motor Fluggastabteil- Schwimmer Wenn man mit dem Flugzeug den Ozean überqueren und so die Reisezeit von Europa nad> Rord- und Südamerika aus einen Bruchteil der jetzigen verkürzen will — und danach strebt man selbstverständlich —. fo ist das natür- lich mit den verhältnismäßig kleinen Flugzeugen nicht möglich die wir für unsere Landlinien durch Deutschland und selbst auf größere Ent- benuhen, schon aus dem Grunde nicht, Schwimmer Schwimmer schrauben Motor St abteij± Motor Gang Flugzeug von oben gesehen. Einsicht in die innere Einrichtung des Flügels. kann, die für solche Strecken gebraucht werden. Run könnte man daran denken, die bisherigen Flugzeuge einfach zu vergrößern, intern man sie doppelt, dreimal oder viermal so lang machte und ihnen die doppelte, dreifache oder vierfache Flügelspannweite gäbe. Leiter führt dieser Weg nicht zum Fiel, da die Gewichte der Träger, iirSbefondere für die Flügel, bei so großen Abmessungen zu hoch würden, so daß ebensalls zu wenig Auftrieb zur Mitsührung des Betriebsstoffes und der Ruhlast übrig bliebe. Run hat Herr Dr.-Ing. Rumpler aus der 15. ordentlichen Mitgliederversammlung der Wissenschaftlichen Gesellschast für Luftfahrt in Düsseldorf einen Vortrag gehalten, in dem er einen ganz eigenartigen Vorschlag für den Bau gewaltiger Flugzeuge gemacht hat, die er Flugzeuge mit unbegrenzten Spannweiten nennt, ilm zu verstehen, was er damit meint, denke man sich beispielsweise einmal sechs Flugzeuge so nebeneinander gestellt, daß sich die Flügelspltzen berühren: dann denke man sich die Flügel der nebeneinander stehenden Flugzeuge starr verbunden: So bekommt man ein Großflugzeug, bei dem die Last nicht mehr in der Mitte ver- einigt, sondern in weitgehendem Maße verteilt ist. Infolgedessen kann der Flügel, der aus der Vereinigung der Einzelflügel zustande gekommen ist, viel leichter gebaut werten. Das von Dr. Rumpler im Modell vorgeführte Flugzeug von 94 Meter Spannweite ruht auf 6 Schwimmern, die je 10 Meter seitlichen Abstand votteinander und ungefähr Fischform haben: sie enthalten die Detriebsstoffbehälter. Die beiten äußeren Schwinnner sind kürzer als die vier mittleren, die nach hinten auf eine Gesamtlänge von 39,3 Meter verlängert sind und auf ihrem Hinteren Ende das Leitwerk, die Höhen- und Seitensteuerung, tragen. Die sechssitzigen Abteile für die 130 Fluggäste befinden sich vorn im Flügel, haben Oberlicht imd einen Ausblick nach vorn. Einige Abteile nahe der Mitte sind breiter und dienen als Luxusaufenthaltsräume 1. Klasse. Die mittleren Räume gehören dem Kapitän, den Ofsi- zieren und den Flugzeugführern. Hinter diesen ab teilen zieht sich ein Gang von 1,90 Meter Höhe und 95 Zentimeter Breite durch den ganzen Flügel, also quer zur Flugrichtung. Dahinter sind die Motorenräume und zwischen ihnen die Räume für die Mannschaft, für Gepäck, Fracht und Post augeqrdnet. Das Gesamtgewicht des Flugzeugs beträgt 115 000 Kilogramm — 2300 Zentner, die Ruhlas- ist mit 20 000 Kilogramm — 400 Zentner angesetzt. Die Besahung soll 25 Köpfe zählen. Angetrieben wird das Flugzeug von zehn Motoren, von denen jeder eine Luftschraube treibt. Die Luftschrauben sitzen an der Hinterkante des „Flügels, je zwei über dem Zwischenraum zwischen zwei Schwimmern. Jeder Motor leistet 1000 Pferdestärken, so daß die Gesamtantriebskraft 10 000 Pferdestärken beträgt — das ist soviel wie die von fünf der größten Schnellzugslokomo- tiven. Die größte Geschwindigkeit des Flugzeugs soll im Mittel 275 Kilometer in ter Stunde betragen — gegen Ende des Flugs infolge der Entlastung durch den verbrauchten Brennstoff etwas mehr —; beim Sparflug sollen 200 Kilometer in ter Stunde zurückgelegt werden. Die größte Flugstrecke mißt bei Volleistung etwa 4400 Kilometer, die dabei in 16 Stunden zurück- gelegt werden, beim Sparflug 5400 Kilometer in 27 Stunden. Die Flugzeit für die 3900 Kilometer lange Strecke Azoren—Reuyvrk beträgt bei Volleistung etwa 141 _> Stunden, im Sparflug etwa 19i/2 Stunden, wenn Windstille herrscht. Beim Fluge wird man auf dem Wege nach Amerika einen anderen Weg einschlagen als auf großen Aufgabe. Es wäre eine Ruhmestat in ter Geschichte ter deutschen Flugtechnik, wenn es gelänge, dieses gigantische Werk einer Flugbrücke zwischen Europa und Amerika in Deutschland erstehen zu lassen." Das wäre es in ter Tat! Wie arbeitet ein Rundfunksender? Don Tipl.-Ing. Mangold, Duisburg. (Rachdruck verboten.) Die Rundfunkdarbietungen der zur Zeit ungefähr 20 deutschen Rundfunksender, zerfallen in einen Unterhaltung^- und Wirtschaftsteil. Ersterer wird hauptsächlich in den Rachmittag- und Abendstunden hinausgesendet und umfaßt neben Musikstücken noch Vorträge jeder Art und für alle Kreise ter Zuhörer. Der Wirtschaftsrundfunk gibt vom Sender Königswusterhausen zu bestimmten Zeiten während des ganzen Tages wirtschaftliche Meldungen von besonderer Dringlichkeit. welche von Banken, wirtschaftlichen Verbänden, Instituten und Konzernen usw. aufgenommen werten. Hierzu kommt noch neuerdings der Gemeinderundfunk, welcher über Königs- Wusterhausen belehrende, das ganze Reich interessierende, Darbietungen gibt. Außerdem besteht noch ein Presserundfunk. Aus dieser Aufzählung, welche bei weitem noch nicht vollständig ist, kann man ersehen, wie der Rundfunk heute schon in unser WirtschaftS- und Kulturleben eingreift. Die an ihn zu stellenden Anforderungen sind verschieden, je nachdem es sich um die Uebertragung gesprochener Worte oder um die Uebermittlung von Musik handelt, wo auf reinste und teste Wiedergabe ter allergrößte Wert zu legen ist. Wenn der Vortragende im Aufnahmeraum des Rundfunksenders in den Aufnahmeappavat spricht oder der Chor den tiefsten Bah ober den höchsten Ton singt oder Orchester ihre in physikalischer Hinsicht oft schwierigen Tongemälde erzeugen, immer haben wir es mit Schallwellen zu tun. deren Schwingungsgeschwindigkeiten je nach ter Lage ter Töne in der musikalischen Tonleiter ganz verschiedene sind, wenn auch die Schwingungszahl ter Grund töne sich etwa von 16 bis 5000 in der Sekunde bewegt, so gehen doch die Oberschwingungen wie Zischlaute und Fisteltöne. welche die Klangfärbung der einzelnen Musikinstrumente und den Charakter einer Sprache kennzeichnen, bis zu 20 000 Schwingungen in ter Sekunde. Diese Schallwellen können nun nicht direkt übertragen werten, ba$u ist ihre Geschwindigkeit nur 330 Meter in ter Sekunde und ihre Reichweite zu gering. Dem Rundfunksender fällt nun die Aufgabe zu, dieses breite, niederfrequente Tonband aufzunehmen, durch den Aether mittels der elektrischen Wellen in hoher Frequenz zu übertragen, und im Empfänger auf niedrige Schwingungen zu verwandeln und so dem Ohr wieder hörbar zu machen. 3m einzelnen ist ter Vorgang wie folgt: Die Schallschwingungen werten in niederfrequente elektische Schwingungen umgetoantelt, welche ein genaues Abbild der Tonschwingungen sind. Durch diese werden die erzeugten Hochfrequenzschwingungen beeinflußt. Diese beeinflußten Hochfrequenzwellen, welche wieder ein getreues Abbild ter Tonschwingungen darstellen, verbreiten sich nun mit der ungeheueren Geschwindigkeit von 300 000 Kilometer in der Sekunde von der Antenne des Senders durch den Raum, äleberall stehen nun hunderte und tausende von Empfangsaptaraten, welche sich auf die ankommenden Wellen abstimmen und diese durch ihre Antennen aufnehmen können. Run geht ter umgekehrte Weg nügt, wenn nur die Grundtöne einigermaßen richtig übertragen werten. Das menschliche Ohr ist dann in der Lage, sich die übrigen Zischlaute und Fisteltöne, welche erst die Feinheiten der Sprache und Musik ausmachen, selbst hinzu- zudenken. So ist also das Mikrophon, welches wegen seiner viel zu trägen Membran nur die Tonschwingungen bis zu 3000 übertragen kann und eine sehr störende Verzerrung ter höheren Töne zur Folge hat. nur als ein Behelf anzu- sehen. Cs kommen deshalb heute für die Aufnahme der Töne und ihre Umwandlung in elektrische Energie bessere Vorrichtungen in Frage. 3n erster Linie sind hier das Bändchen-Mikro- phon, das Kathodophon und das Reissche Mikrophon zu nennen. Das Bändchen-Mikrophon besitzt im Felde eines starken Elektromagneten ein sehr dünnes, l Zentimeter breites und 10 Zentimeter langes Aluminiumbändchen, welches zwecks Erhalt einer gewissen Steifigkeit mit einer Quer- riefelung versehen ist. Cs wird im Aufnahmeraum des Rundfunksenders so aufgestettt, daß es von allen Schallschwingungen möglichst günstig getroffen wird. Die Schallfchwingungen setzen Bändchen-Mikrophon. das Bändchen in Schwingungen, welche sowohl in Frequenz als auch in Aufeinanderfolge den erzeugenden Schallschwingungen genau entsprechen. Hierdurch wird in ihm ein elektrischer Strom induziert, welcher nach der bekannten linken Handregel flieht und in seinem Rhythmus wieder den Schallschwingungen vollständig entspricht. Da die Eigenschwingung des Bändchens sehr tief ist und nicht in Frage kommt, und auch die hohen Frequenzen wegen ter geringen Trägheit des Bändchens gut übertragen werden, so gibt das Bändchen-Mikrophon bereits bedeutend bessere Resultate als wie das Kohlekörnermikrophon. Hauptsächlich wird es zur Aufnahme von Musik benutzt und gibt diese gut wieder. Wenn beim Bändchen Mikrophon auch die Masse gegenüber dem Kohlekörnermikrophon schon bedeutend herabgesetzt Ist, so ist doch an}u(treten, einen Son auf nehmet zu besitzen, dessen schwingender Teil überhaupt mahelos ist. Dies wurde im Kathodophon erreicht, welches ursprünglich für die sprechenden Filme geschaffen und von Schema Kathodophon. >s*r» 4HI4 E. Lorenz A.-G. für den Rundfunk durchgebildet wurde. Hier wird die Eigenschaft ter Luft aus- genützt, in der Rähe stark glühender Körper für die Elektrizität leitend zu werten. Ein mit Kal- ziumoxyten überzogener Stift wird durch eine m die Oxydmafse eingelegte Platinspirale durch eine Heizbatterie auf hohe Temperatur gebracht Dem Stift steht am Ente des Aufnabmetrichters eine metallene Düse gegenüber. An beiten liegt eine hohe Spannung in der Art. daß der Stift den negativen Pol bittet. 3m Betrieb verhält sich nun diese Anordnung ähnlich wie die ®lct- tronenröhre. Durch den Stift werden negativ geladene Elektronen abgeftohen, die sich mit den Luftmolekülen zu 3onen verbinden und von ter positiven Düse angezogen werten, so daß ein dauernd fliehender elektrischer 3onenström entsteht. Diesem werden die im Aufnahmeraum entstehenden Schallschwingungen durch den Trichter zugeführt, welche eine Steuerung des 3onen- stromeS bewirken, da dessen Stärke von den Luftströmungen zwischen Düse und Stift abhängig ist. Die Steuerung des IonenstromeS entspricht nun genau den aufzunehmenden Schall- schwingungen. und das Ergebnis ist ein. den feinsten Teilen ter Schallschwingungen entsprechender Strom. Der Ionenstrom. die schwingende Materie des Kathodophon. ist vollkommen rnaßc- los und kann den schnellsten Schallschwingungen mühelos folgen. Mit einer Mikrometerschraube kann ter Luftspalt zwischen Stift und Düse genau eingestellt werten. Bei dem Reisschen Mikrophon, das in letzter Zeit viel zur Aufnahme verwendet wird, ist das schwingende Organ ein Kristallpulver, das zur Vermeidung aller Eigenschwingungen in Marmor eingeschlossen ist. Cs liegt in ter Strom- bahn und sein Widerstand wird d^ch die auftretenden Schallfchwingungen in deren Rhythmus geändert, so daß der Hindurchfließente Strom ein genaues Abbild ter Schallfchwingungen gibt. Die Schwankungen des elektrischen Stromes, welche durch die Besprechung ter Tonaufnehmer entstehen, sind sehr schwach und reichen nicht aus, um den elektrischen Schwingungen ter Antenne genügend starke Schwankungen aufzudrük- Fen. Deshalb müssen die aus der Besprechung entstehenden niederfrequenten Ströme zunächst erheblich verstärkt werten, ehe man sie dem eigentlichen Sender zuführt. Hierzu dienen Elektronenröhren und Derstärkeranordnungen, welche denen der Empfangsapparate ganz ähnlich sind, nur sind sie für bedeutend größere Energien eingerichtet. Da die Möglichkeit für viele Senter mit jeweils verschiedenen Wellenlängen bei Verwendung Furzer Wellen am günstigsten ist, so kommen im Rundfunk überwiegend Wellen von 200 bis 700 Meter zur Anwendung, welche durch vier Senderkonstruktionen ausgestrahlt werden können. Reben dem Schmidtschen Maschinensenter, dürfen wohl ausschließlich heute Röhrensender im Rundfunk Verwendung finden. Cs gibt solche nach ter Telefunkenschaltung (Gittergleichstrom- Besprechung), nach ter Huth-Kühnschaltung (Modulation durch Parallelröhren) und nach der Lorenz-Schaltung (Taktsenter mit ModulationS- «SA Schema des Telefunken-Telefoniesenders. Steuerdrossel nach Pungs). Der 2elefuntenf<#iter, welcher einer ter verbreitetsten Sender ist. arbeitet mit einer Hauptröhre in der bekannten Dreipunktschaltung. Um Schwingungen sicher zu vermeiden, besitzt er einen Zwischenkreis. Die Modulation d. h. die Ueterlagerung der hochfrequenten Schwingungen durch die Tonschwingungen. geschieht durch eine zweite, wesentlich kleiner gehaltene Röhre, deren Strecke Anode-Kathode zwischen Gitter und Kathode ter Senderöhre gelegen ist. Der Strecke Gitter-Kathode dieser zweiten kleineren Modulationsröhre werden die dem Vorverstärker entnommenen Sprach- ober Ton- ftröme zugeführt. Aus ter Schaltung ergibt sich, daß die Modulationsröhre als Widerstand wirkt, dessen Größe durch die Sprechströme in terem Rhythmus ständig geändert wird. Damit ist eine gleichzeitige Aenderung ter Gitterspannung in der Senderöhre und damit auch in ter Anodenenergie verbunden. Weil aber von letzterer die von ter Antenne ausgestrahlte Schwrngungs- energie direkt abhängig ist. so werten damit die hochfrequenten Wellen im Rhythmus von Sprache und Töne moduliert. Wenn wir zum Schluß noch einen Blick in den Aufnahmerauin eines Senders werfen, so ist zu beachten, daß Wände, Decke und Fußboden dick mit Teppichen belegt sind, um möglichst allen Schall von den Wänden aufzufangen und keine refkektierten Schallwellen in den Auf- nahmeapparat zu bekommen, da diese ter Aufnahme einen verschwommenen und verwischten Charakter geben würden. Das Saxophon. Don Ingenieur Karl Skowronnek. mf. Mancher, ter sein tanzendes Gebein nach den aufwühlenden Klängen des in seiner Gestalt an eine große Tabakspfeife erinnernden Saxophons geschwungen oder sich fein Quaken auch nur im Rundfunk angehört hat, wird glauben, es sei eine ganz neue Erfindung, weil er es eben in früheren Jahren nie gehört hatte. Tatsächlich ist es schon recht alt. Wie Kurt Sachs in seinem Reallexikon der Musikinstrumente erwähnt, hat schon ein Londoner namens Lazarus den Klari- nettenschnabel mit einer kegelförmigen Röhre verbunden. Desfontenelles in Lisieux gab seiner Klarinette bereits im Jahre 1807 eine dem Saxophon ähnliche Form mit zurückgelegtem Schnabel und auf gebogenem Schallstück. Dieses Instrument wird im Pariser Conservaloire aufbewahrt. Der eigentliche Erfinder des Saxophons ist der belgische Instrumentenbauer Josephe Antoine (genannt Adolphe) Sax. nach dem es seinen Romen hat. Er ließ es im Jahre 1846 in Paris patentieren, so daß es nun bereits über 80 Jahre alt tfL 1851 wurde es auf der ersten Londoner Weltausstellung gezeigt. Der „Kladderadatsch" brachte damals einen besonderen „Londoner Kladderadatsch" in mehreren Nummern heraus, in denen er die technischen Großleistungen jener Dölkerschau witzig darstellte: darin zeigte er auch ein hübsches Bildchen „Ein Sextetthorn von Sax in Paris", nach dem man sich vorstellen kann, wie dem deutschen Berichterstatter die Ohren davon geklungen haben mögen. Das Saxophon wurde in der Folgezeit mehrfach umgestaltet, so von P. Tournas 1879, von der Association generale des Ouvriers 1886, ferner von Fontaine-Besson. Berlioz sagt von ihm: „Sanft und durchdringend in der Höhe, voll und markig in der Diese, hat es in der Mittellage etwas lies Ausdrucksvolles. 3m ganzen genommen ist dies ein Klang ganz eigener Art. von unbestimmter Aehnlichkeit mit öem Do ne des Violoncell, der Klarinette und des englischen Horns und mit einer gewissen halben Schattierung der Blechinstrumente, was ihm einen ganz besonderen Ausdruck verleiht." In den Militärkapellen der romanischen und angelsächsischen Länder hat fich das Saxophon schon früh einen Platz erobert, und auch die Orchefterkomponisten dieser Länder haben es verwendet. so Thomas. Dizet. Verdi u. a. Sonst ist seine Verwendung auf einzelne Versuche beschränkt geblieben. Die französischen Militärkapellmeister beginnen bereits, es durch die Klarinette zu ersetzen, und so wird es vielleicht auch bei uns wieder der Vergessenheit anheimfallen, aus der es für kurze Zeit aufgetaucht war. Auch in den Musikinstrumenten spiegelt sich eben der Geist der Zeit, und so ist es begreiflich, daß das etwas aufdringlich wirkende Saxophon in der bewegten Nachkriegszeit eine Auferstehung feiern konnte, während es dem Geschmack ruhigerer Zeiten wohl weniger entspricht. Landessammelheizungen. (Nachdruck verboten.) Von Ingenieur Werner Ahrens. Jahraus, jahrein werden ungeheure Kohlen- mengen für den Hausbrand verbraucht, sei es in den unwirtschaftlich arbeitenden Zimmeröfen, sei es in den Haussammelheizungen, die wirtschaftlicher arbeiten und noch wirtschaftlicher waren, wenn jeder Bewohner die von ihm tatsächlich verbrauchte Wärmemenge bezahlen mühte. Aber bald läßt man einen Heizkörper bei offenem Fenster angestellt, bald heizt man unbenutzte Raume — die anderen Hausbewohner müssen ja den größten Teil davon bezahlen! Daß man wiederum die überflüssige Heizung der andern mitbezahlen muß, kann man nicht ändern. Die für die Erwärmung der Wohnungen erforderliche Heizftosfmenge werchet man auf, trotzdem an anderen Stellen Wärme im Ileberfluß vorhanden ist, die nicht ausgenutzt wird, ja, die vielfach restlos verloren geht, weil sie in der verfügbaren Form eben nur für Heizzwecke geeignet ist, aber ein Bedürfnis nach Heizung an Ort und Stelle fehlt. Diese Behauptung toirb an Hand folgender 'Betrachtungen verständlicher: In einer Dampfkraftanlage— Kolbenmaschine oder Dampfturbine — muß daS für die Kessel erforderliche Wasser von. seiner natürlichen Temperatur, sagen wir z. D. von 10 Grad, zunächst auf die Siedetemperatur gebracht werden. Dann wird das Wasser von 100 Grad Celsius in Dampf von 100 Grad Celsius verwandelt, endlich wird dieser Dampf in seinem Druck gesteigert. Bei einer Dampfkraftanlage, die mit 20 Atmosphären Druck und gesättigtem Dampf arbeitet, stellen sich z. B. die Verhältnisse für 1 Kilogramm zu verdampfenden Wassers wie folgt: 1. Erwärmung von 1 Liter Wasser von 10 Grad auf 100 Grad C = 90 Kalorien, 2. Lleberführung eines Liters Wasser von 100 Grad C in Dampf von 100 Grad C — 540 Kalorien, 3 Drucksteigerung des Dampfes 1 von Atmosphä rendrück auf 20 Atmosphären Pleberdruck — 34 Kalorien. zusammen 664 Kalorien. Der der Maschine zugeführte Dampf verläßt sie im wesentlichen in dampfförmigem Zustand. Daher kommt es, daß der unter 2. genannte Betrag fast ganz, und der unter 1. genannte restlos für die Arbeitsleistung verloren geht. Selbst bei einer Maschine, bei der der Dampf nach der Arbeit zu Wasser verdichtet wird und für die die Verhältnisse günstiger liegen als bei denen, bei denen er auspufft, bleibt die Aus» Reisen und Bequemlichkeit. Von Erich Keller. Seit der lustige Peitschenknall des Postillons und sein fröhliches Halali, von Goethe, Eichendorff, Seume, Lenau u. a. besungen, nicht mehr das freundliche Echo in den lieblichen Tälern Deutschlands weckt, der letzte städtische Postwagenlenker als steinernes Monument in einem neuen Postgebäude der Reichshauptstadt verewigt ist, scheint die Romantik des Verkehrs, die mit „Rossejagen, Peitschenknall" verknüpft war, vorüber. Nur die ganz Alten wissen noch, wie wundervoll eine Postkutschensahrt durch den Spessart, Schwarzwald, Odenwald gewesen ist und wie behaglich schmunzelnd der Wirt vom goldenen Engel, Rebenkranz oder goldenen Löwen seine Gäste bekomplimentierte, die für eine Nacht die lange Fahrt unterbrachen, um in den hochgetürmten Betten der kleinen Gaststube das unsanfte Rütteln der Postkutsche zu vergessen. Vorbei! Fast vergessen! Den Jungen schier unbegreiflich, die in schnittigen Autos über die Chausseen jagen, auf schmalem Paddelboot durch die Flußläufe rubern, fröhliche Hochzeitsreisen im Fluazeug feiern. Und doch, wie köstlich die alte Reiferomantik in den Städtchen eines Spitzweg, auf dem Ausguck alter Bastionen und dickgequaderter Wachttürme! Der Sauseschritt der Zeit eilt hastig, und all die Jungen lausen, fahren, segeln, auteln, fliegen mit. Beinahe schon ist der Schrei der v-Zug- lokomotive oder der Pfiff der Bummelbahn, der sentimental über Hügeln verklingt, überholt durch das Gebrumm der Motoren und Propeller. Der Peitschenknall des fröhlichen Postillons und sein Liedlein, das er in den Morgen sang, war das freundliche Echo der ausgezeichneten Aufnahme des Reisenden im kleinen, bescheidenen Gasthaus, das der behäbige und behagliche Wirt leitete, bestrebt, alle Wünsche seiner Gäste zu erfüllen. Der mit dem Windlicht in stürmischen Nächten leuchtete und die wollenen warmen Fußsäcke und das Plätzchen auf der Ofenbank für den erfrorenen Reisenden bereithielt. Das ist das Bedauerliche an unserer Zeit, daß jene bescheidene Behaglichkeit, harmonischer Einbeule an Arbert bei 20 Atmosphären Arbeits- I druck unter 20 vom Hundert des dem Dampf innewohnendem @ner giebetra ge6. Man möchte aber | nun die übrigen 80 vom Hundert doch nicht völlig als Verlust buchen, und die Kraftwerke müssen das auch nicht, wenn sie sich nicht darauf beschränken. Arbeitsenergie zu erzeugen, vielmehr auch den Abdampf auszunuhen. der noch für Heizzwecke wertvoll ist. Für sich selber haben die Kraftwerke allerdings im allgemeinen im Sommer feine Ausnutzungsmöglichkeit für den Abdampf, und auch bei großen Anlagen, wie z. D. bei unseren großen Elektrizitätswerken, geht auch im Winter der weitaus größte Teil der Abwärme verloren. Es ist kaum zu schätzen, welche gewaltigen Energiemengen in Gestalt von warmem Kühlwasser für das Niederschlagen des Dampfes, d. h. für seine Verdichtung zu Wasser, ungenutzt der Rhein, die Elbe, die Oder und unsere anderen Flüsse flußabwärts tragen und sie in den Weltenraum ausstrahlen. Energiemengen, für deren Beschaffung ungeheure Arbeit in den Bergwerken und zu ihrer Beförderung geleistet und riesige Geldmittel ausgewendet worden sind. Man geht daher jetzt dazu über, die Abwärme von Dampf-Elektrizitätswerken und anderen großen Dampfkraftwerken, soweit sie in der Nähe größerer menschlicher Siedlungen liegen, zur Heizung ganzer Stadtteile zu verwenden, und man hat in der Tat gelernt, die Wärme mit durchaus erträglichen Verlusten auf weit mehr als 1 Kilometer Umkreis zu verbreiten. Die Abwärme kleinerer ferner Werke farm man aber nicht auf große Entfernungen fortleiten, weil der unterwegs trotz bester Isolierung eintretenbe Wärmeverlust zu groß würde. Dagegen wäre es sehr wohl möglich, die Abfallwärme der Großkraftwerke weit fortzuleiten und so z. D. von dem 130 Kilometer von Berlin entfernten Golpa. das Berlin mit elektrischem Strom versorgt, und von dem im Entstehen begriffenen Großkraftwerk Rummelsburg aus den ganzen geschlossenen Bezirk von Berlin mit 3 Millionen Einwohnern zu beheizen. Warum kann man nun die Abwärme großer Werke auf große Entfernungen leiten, die kleiner aber nicht? Die Verluste kleiner Werke werden zu groß, weil in dünnen Rohren zu viel Wärme verloren geht. 1 Kubikmeter Wasser nimmt in einem Rohr von einem Meter Durchmesser eine Länge von 1.27 Meter ein und hat eine Wärme ab gebende Oberfläche von etwa 4 Quadratmeter. In einem Rohr von 10 Zentimeter Durchmesser aber nimmt er eine Länge von 127 Meter ein und hat eine Wärme abgebende Oberfläche von 40 Quadratmeter. Wollte man Berlin von den beiden Kraftwerken in Golpa und Rummelsburg beheizen. so könnte man stündlich 10 000 Kubikmeter warmes Wasser in 1.5 Meter weiten Rohren mit etwa 1,7 Meter Sekundengeschwindigkeit fortleiten. so daß es von Golpa in 22 Stunden nach Berlin käme. Während dieser Zeit würde seine Temperatur von 100 Grad nur auf 97 Grad sinken: beim Zurücksließen des auf etwa 45 Grad abgekühlten Wassers wären die Verluste natürlich noch erheblich geringer als 3 Grad. Das etwa 43 Grad warme Wasser könnte dann durch Abdampf wieder auf 100 Grad erwärmt werden und von neuem seine Wanderung nach Berlin antreten. 3m vorligenden Beispiel genügen die abfallenden Wärmemengen durchaus zur Erwärmung des Wassers im Winter, denn es fallen jederzeit 500 Millionen Wärmemengen in der Stunde ab, die stündlich die oben erwähnten 10000 Kubikmeter Wasser um 50 Grad zu erwärmen vermögen. Wo aber die im Winter abfallende Wärmemenge zur Beheizung nicht ausreicht, während im Sommer Abfallwärme un- ausgenuht bleiben muß, ist es sehr wohl mßgr lich, die im Sommer abfallende Wärme zu speichern und sie im Winter zu verwenden. Nehmen wir einmal an, wir hätten eine sog. Thermosflasche von 1/4 Liter Inhalt und etwa 3 Quadratzentimeter Oberfläche. In einer solchen Flasche kühlt sich der Inhalt in einer Stunde, wenn eine Außenwärme von 20 Grad vorausgesetzt wird, von 70 auf 65 Grad ab — mit abnehmender Temperatur natürlich langsamer, weil der Unterschied gegen die Außenwärme kleiner wird. Nun wollen wir uns einmal eine Thermosflasche denken, die 1000 mal so hoch ist und auch den 1000fachen Durchmesser hat. Ihre Oberfläche ist dann 1000 mal 1000, also eine Million mal so groß wie die der kleinen Flasche: ihr Inhalt ist aber 1000 mal 1000 mal 1000, also eine Milliarde mal so groß. Infolgedessen — weil nämlich ihr Inhalt und seine Wärmemenge 1000 mal mehr gewachsen ist als die abkühlende klang mit frohen und zufriedenen Gemütern, Rücksichtnahme auf den Geldbeutel des Reisenden, verschwunden ist in der Hast und der Gier nach Neuem, immerzu Wechselndem, großem Verdienen-Wollen. Die große Karawanserei, das Riesenhotel mit Empfangschefs, Direktoren, Portiers, Buchhaltern und Liftbons ersetzen den freundlich lächelnden Wirt. Schnelligkeit der Zeit! Ein Riß durch den Vorhang, der das Alte vom Neuen trennt, und eine Flut von schimmerndem Licht ergießt sich durch prächtige Pestibüle, flammt in wundervollen Sälen auf, kost seidenverhangen oder alabasterverkleidet in teppich- belegten Boudoirs. Kein Platz mehr für die buntbestickte Reisetasche: aus lackierten breiten Koffern quellen köstliche Dessous, seidene Strümpfe, hauchdünne Abendkleider. Svritzslacons auf facettierten Tischen, betäubender Duft von Woylgeruch und Luxus um die verwöhnte Frau oder den weltbum- rnelnden Elegant. Beide: Objekte für das Verdienen des Hoteliers. Reverenz vor der wohlgefüllten Brieftasche des Gastes, Dienstbereitschaft bei jedem extravaganten Wunsch, Scharen von Lakaien und Trinkgeldempfängern. Aber darüber der unsichtbare allmächtige Direktor, der seine Wünsche und Bedingungen schöngedruckt und glasumrahmt dem Reisenden als Zimmerschmuck verehrt.-- Schnell ist die Technik, und ungeheuer sind ihre Fortschritte: sicherste und größte Trägerin der Kultur. Ein Knips, ein Druck, und sie erscheint als die Dienerin der Menschheit; Wärme spendend, Licht gebend, Behaglichkeit verbreitend. Und dort ihr Meister: die Verwaltung des Hotels, die auch diesen Diener dem Reisenden nur gegen besondere Vergütung zur Verfügung stellt. Die Hoteldirektion, die — so oft! — „bei Strafe verbietet", den Spitzenkragen oder die Bügelfalte bei schnellem Gebrauch selbst zu plätten, die dekretiert, daß das warme Mundwasser nicht durch einen kleinen Selbstanschluß am Steckkontakt bereitet werden darf. Reisen ist Bequemlichkeit, der Wunsch unserer jagenden Zeit. Die moderne Technik ist der liebens« chürdigste Reisebegleiter. Würde es sein, wenn er nicht so oft unterstände dem Zwang des Hotel- gewaltigen. Aber von den Bergen stürzen brausend die Master in ungeheure Turbinen, in den Städten Oberfläche — und weil ja auch die Wandungen 1000 mal so dick würden, würden zur Abkühlung um 5 Grad 1 Million Stunden oder 115 Jahre nötig sein. Dabei ist vorausgesetzt, daß der Wärmeschuh im Verhältnis der Wandstärke wächst, was nur bedingungsweise zutrifft. Nun — wir brauchen die Wände wirklich nicht so dick zu machen, denn wir wollen ja die Wärme nicht 115 Jahre qufbewahren. ja nicht einmal ein Jahr, sondern höchstens ein halbes. Wie würde nun eine solche 1000 mal vergrößerte Thermosflasche in Wirklichkeit aus- sehen? Aus Glas wäre sie natürlich nicht. Wir müssen sie uns als einen ausbetonierten Stausee vorstellen. Wenn täglich etwa ' '4 Million Kubikmeter warmes Wasser anfällt, so sind das in 6 Monaten rund gerechnet 45 Millionen Kubikmeter. Das wäre ein Stausee von 45 Meter Tiefe und 1 Quadratkilometer Fläche. Das wäre nichts Außergewöhnliches. Notwendig wäre es nur, den See oben mit einem wärmeschützenden Stofs, also etwa mit schwimmenden Hohlplatten, abzudecken, denn wenn das Wasser Gelegenheit hätte zu verdampfen, so wäre seine Wärme bald dahin. So aber könnte damit gerechnet werden, daß die Temperaturabnahme 15 Grad im Laufe eines Jahres nicht überschreiten würde, und es wäM nicht schwierig, das Wasser, ehe es nach Berlin geleitet wird, durch Abdampf wieder auf 100 Grad zu erwärmen. Eine oberflächliche Berechnung ergibt, daß durch eine solche Anlage jährlich etwa 15 Millionen Mark an Kohlen erspart werden könnten — gewiß eine Summe, die eine Erörterung dieser Gedanken lohnend erscheinen läßt. Wie die Erzeugung der Elektrizität, die früher in einzelnen kleinen und kleinsten Kraftwerken geschah, mehr und mehr zusammengefaht und dahin verlegt wird, wo sie billig ist. nämlich an die Orte, wo die Energie — sei es in Gestalt von Wasserkraft oder von Kohle — vorhanden ist, so wird man später auch die Wärme da gewinnen, wo sie vorhanden ist: man wird nicht mehr an einem Ort Wärme ausstrahlen lassen und gewissermaßen den Weltenraum Heizen, denn das kann unsere Mutter Sonne viel besser, billiger und gründlicher, um dann an vielen anderen Orten mit der unendlichen Kleinarbeit der Zimmeroder Hausheizung in einem unwirtschaftlichen Verfahren mit teuren Heizstoffen dieselbe Wärmemenge wieder zu erzeugen, die man am ersten Ort umsonst haben kann: So wird man, wie man von der Ofen- zur Sammelheizung für ganze Häuser, dann für Häuserblöcke überging, und wie man sich jetzt zaghaft der Stadtviertel- und Städteheizung zuwendet, auch vielleicht einmal den weiteren Schritt zur Landes- sammelheizung tun; in fernerer Zukunft aber wird man vielleicht diese Heizungen zusammenschließen und die Wärme nach Bedarf über Länder und Erdteile hin- und herschieben, wie man das jetzt mit der immer einen Schritt vorauseilenden Elektrizität bereits zu tun beginnt. Arbeitslosigkeit und Weltwirtschaft. Don Professor Dr. Hermann Levy. Der Weltkrieg hat der gesamten internationalen Wirtschaft — die 11021. ausgenommen — ein fürchterliches Erbe hinterlassen: einen gewaltigen Rückgang der Kauffähigkeit aller Länder bei einer gleichzeitigen starken Ausweitung de sPrvduktionsgey ä Ilse s im Vergleich zu Vorkriegszeiten. Nichts Schlimmeres als das konnte der vor dem Weltkrieg so blühenden internationalen Wirtschaft zustohen. 2lur zwei Möglichkeiten scheint es zu geben, diesen: für die Nachkriegs-Wirtschaft katastrophalen Zustand zu begegnen. Den einen Weg haben die von der Verarmung zunächst am stärksten getroffenen Länder gewählt: es war der Weg des Papiergelddruckes und der Inflation. Damit wurde wenigstens die tatsächlich fortbestehende Verarmung überdeckt, und man konnte die Arbeiter einigermaßen beschäftigen Von dieser Möglichkeit machen heute noch Länder wie Frankreich, Belgien und 3tatieit Gebrauch, aber es zeigt sich auch bei ihnen schon heute dis Erfahrung, die wir in Deutschland mit der Inflation gemacht haben, daß diese nämlich eine Schraube ohne Ende ist und schließlich in einem Währungszusammenbruch enden muh. Die anders Möglichkeit war: eine gesunde Währung und damit gesunde Finanzen um jeden Preis zu erhalten, freilich Dafür das Opfer in Kauf zu nehmen, eine große Zahl drehen sich mit Riesentourenzahl die großen Schwungräder in den Kraftanlagen und über lachende Felder und Wiesen spannen sich die leise summenden Drähte von einem zum andern turmhohen Gerüst. Menschengeist, Kraft; vollkommenster Ausdruck der Technik, Diener der Menschheit. Bisweilen so seltsam unterjocht von der Habsucht nach dem Pfennig. Uraufführung in Darmstadt. 3n den Sommermonaten ist das Theater- leben in Darmstadt keineswegs tot, ja in mancher Beziehung lebendiger als sonst. 3m Kleinen Hause des Landestheaters finden Gastspiele statt, die vor einigen Jahren von Bruno Harprecht ins Leben gerufen wurden, der früher der hiesigen Bühne viele Jahre als einer der beliebtesten Darsteller angehört hat. Seit dem vergangenen 3ahre leitet Adalbert Stesfter, der Direktor des Bonner Stadttheaters, erfolgreich die Sommer- spiele mit einer Truppe, die sich vorwiegend aus Angehörigen der Bonner Bühne zusammensetzt, doch werden auch Mitglieder des Landestheaters als Gäste zugezogen. Da das Hessische Landestheaters nur sehr wenig das Gebiet des Schwankes, der Posse und der Operette pflegt, so findet das Darmstädter Publikum sein Verlangen danach in den Sommermonaten erfüllt; daher sind die Vorstellungen Der Steffterschen Truppe stets sehr gut besucht. Sogar Nachtvorstellungen finden am Wochenende außer den üblichen Abendaufführungen statt. Die Bekanntschaft der Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Operette wird den Darmstädtern fast nur durch die Stesstersche Truppe vermittelt. Am Samstag brachte sie sogar eine Uraufführung heraus, und zwar mit starkem und ehrlich verdientem Erfolg. Unter der Bezeichnung „Musikalisches Spiel in Drei Akten" wurde die Operette „Das Abenteuer der Marchesa". Text von Günther Bibo, Musik von Max Bertuch, zu einem Bühnendasein ins Leben gerufen, das zweifellos von längerer Dauer fein wird. Eine Operette alltäglichen Schlages ist die von Arbeitslosen zu haben und erhalten zu müssen. Unzweifelhaft war dies Der volkswirtschaftlich gesündere Weg. AVer die Wirkung mutz in einer Arbeitslosigkeit bestehen, Die so lange unbehoben bleibt, wie sich das Grundübel — die Schwächung Der internationalen Kaufkraft — nicht wieder hebt. Ein Blick auf wichtige Wirtschaftsländer der Welt illustriert das Gesagte. 3n England waren vor Dem Kohlenstreik, im März 1926, 9,8 Proz. Der Arbeiter beschäftigungslos, in Dänemark sogar 23,2 Proz., in Norwegen 24,1 Proz., in Holland 8,2 Proz., in Schweden 14,7 Proz., ja selbst in Kanada 7,3 Proz. Das sind außerordentlich hohe Ziffern, wenn man bedenkt, daß es sich in Friedenszeiten; bei Der Arbeitslosigkeit gewöhnlich nur um eine ganz geringe Prozentziffer hanDelte. Für Deutsch- lanD ist man in der Lage, einige detailliertere Ziffern zu geben. 3m Durchschnitt Des Jahres 1913 kamen im alten Reichsgebiet auf 10 0 offene Stellen 161 Arbeitsuchende. 3m Monatsdurchschnitt 1924 bereits 351, dagegen im Mai 1 9 2 6 nicht weniger als 648! Mitte 3uni betrug unsere Arbeitslosenziffer 1 7 4 9 000, eine geradezu erschreckende Ziffer, besonders wenn man bedenkt, Laß die Ziffer im Monatsdurchschnitt des 3ahres 1924 erst 645 000 betragen hatte. Seit Dem Winter hat freilich eine geringe Erholung Der damals noch ^eren Cr- werbslosenziffer ftattgefunben, welche fast gänzlich auf Saison-Nachfrage Der Landwirtschaft und des Baugewerbes zurückzuführen ist. 3m übrigen ist es interessant, zu beobachten, wie verschieden die Arbeitslosigkeit sich in Großstädten und anderen Distrikten auswirkt. So kamen auf je Tausend der Wohnbevölkerung nach Den Angaben des statistischen Reichsamtes in Großstädten mit mehr als 200 000 Einwohner 41,8 Hauptunterstützungsempfänger, im ganzen Deutschen Reich dagegen nur 28,6 und in Agrargebieten 15,1 Hauptunterstützungsempfänger. Das Arbeitslosenproblem ist sicherlich und wird heute schon in allen zivilisierten Ländern: als das schwerste soziale Problem überhaupt angesehen. Es handelt sich bei demselben nicht einfach darum, daß die Arbeitslosen der Staatskasse und damit Den Steuerzahlern enorme Aufwendungen verursachen. Denn diese sind'immerhin. wenn man an die andere Möglichkeit — der Inflation — denkt, das geringere Hebet Es handelt sich bei einer sozialpolitischen Betrachtung des Problems vor allem Darum, daß Arbeitslosigkeit chronischer Art für Den ganzen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organismus des Staates von schwerwiegendster Bedeutung werden kann. „Arbeit" ist nicht etwas, was man wie eine sachliche Ware behandeln kann, weil sie von Der Arbeitslust, von physischen wie psychischen Vorbedingungen. mit beeinflußt wird. Während man eine Maschine stillstehen lassen, einen Hochofen ausblasen kann, um beide wieder zu gewünschter Zeit in Betrieb zu sehen, unterminiert Der chronische Stillstand der Arbeit die Wurzeln der Arbeitskraft und Arbeitslust. Der Gedanke, die Arbeitslosenfürsorge ^produktiv" zu gestalten, irgendeinen Produktionsrnttgelt für die gewährte Unterstützung zu schaffen, entspringt dieser Erkenntnis, aber Die Durchführung' des Gedankens stößt nicht selten auf volkswirtschaftliche Bedenken, besonders wenn durch solche Arbeit der Arbeitslosen Der noch gesunde Teil des Arbeitsmarktes geschädigt wird. So hat auch der englische Großindustrielle und frühere Minister, Sir Alfred Mond, gefordert, man solle die Arbeitslosenunterstützung so organisieren, daß Unternehmer, welche Arbeitslose zu beschäftigen bereit wären, unterstützt würden. An Stelle des Gnadengeschenkes an die Arbeitslosen, solle die Subvention der Unternehmer treten. Aber auch Dieser Vorschlag scheiterte an dem nicht unberechtigten Gegenargumente, Daß eine solche Subvention eine einseitige Bevorzugung einzelner Fabrikbesitzer beDeuten und die Wettbewerbsfähig* feit anderer, nicht-subventionierter in ungerechter Weise schwächen würde. 3n anderen Ländern wird der Gedanke propagiert, und zwar sicherlich mit einigem Erfolg, durch die innere Kolonisation und Neubesiedelung Der Landwirtschaft, das heißt Die Schaffung kleiner Bauern- und Parzellengüter, der Arbeitslosigkeit der Industriedistrikte und Großstädte zu steuern. Eine sicherlich gefunbe Idee und gerade heute in Deutschland angesichts Der stark gesunkenen Bodenpreise erwägenswert. Aber Dieser Abhilfeplan wiederum erfordert eine langjährige organisatorische Arbeit und selbst Dann ist es zweifelhaft, ob die Siedelungsarbeit nicht in erster Linie Dazu Dient, Den weiteren Zuzug in Die überfüllten Stadtgebiete einzu- neue Schöpfung nicht, sondern sie gründet sich auf volkstümliche Elemente, geht aber in Der Musik vielfach eigene Wege. Das Populäre liegt in Der Milieuschilderung: sie ist sehr wirksam, zumal da sich in ihr eine Handlung abspielt, die zwar etwas phantastisch anmutet, jedoch immer folgerichtig bleibt. Auf Der Bibliothek Des Donauschlößchens Frohenstein arbeitet Der Professor der Literaturgeschichte an der Wiener -UniDerfität Hubert Würdinger an einer Abhandlung über Die Minnesinger. Frohenstein wird belebt Durch den Frohsinn Der Reserl-Marie, Der angeblichen Adoptivtochter des Schloßkastellans; auch Der Professor sieht sie gern. Auf Frohenstein landet durch Zufall, auf einer Wanderfahrt begriffen, sein Neffe, der Student Franz, Der sofort das Herz Der Reserl-Marie gewinnt. Die Schlotzherrin, die Marchesa Di Torelli, Die ein unruhvolles Geben führt, kommt einmal bei einer Automobilfahrt auf ihr Schloß in Begleitung des Generaldirektors einer Wiener Film-Aktiengesellschaft. 3hm hat sie Unterlagen für einen Film gegeben. Der ein Liebesabenteuer eines jungen Wiener Studenten mit einer italienischen Gräfin barstellt. Der Generaldirektor erzählt davon Dem Professor, Der daraus erkennt, daß er jener Student war. Die Schloßherrin war natürlich jene italienische Gräfin und Reserl-Marie ist ihr beider Kind, das nun Der Neffe des Professors als Braut h-imsühren. wird. Verläuft vieles im herkömmlichen Operettenstil, so sind doch in die Musik Die scharfen rhythmischen Klänge der Jazzmusik eingeDrungen, jedoch nicht in der üblichen lärmenden Manier. Namentlich Die Tanzeinlagen sind dadurch sehr wirksam und zugkräftig; sie erwiesen sich als die sichersten Stützen des starken Erfolges. Die wirtungssichere Textgestaltung und ebensolche Komposition ließen erkennen, daß man es in Günther Bibo und Mar Bertuch nicht mit Neulingen, sondern mit erfahrenen Dühnenkun» Digen zu tun hat. Sie wohnten Der Uraufführung bei und mußten zahlreichen Hervorrufen Folge leisten, ebenso Direktor Tiefster, der durch eine ausgezeichnete Inszenierung wesentlichen Anteil am Erfolg des Abends hatte. E. D. tömmen, nicht aber die dortige Ueberfüfiuna selbst zu beheben, so daß ihr also im besten Falle ein prophylaktischer Charakter zukäme. Die Internationalität des Arbeitslosenpro- blems scheint, so beherzigenswert sicherlich spezifisch nationale Abhilfepläne und Linderungs- Versuche sind, nach internationaler Abhilfe zu verlangen Man wird sich bei den Staaten, die ein wirkliches Interesse an dieser Frage Haden, daraus besinnen müssen, daß das Arbeitslosenproblem ohne eine Lösung des weltwirtschaftlichen Problems, das beißt ohne eine Behebung der gesunkenen Kaufkraft der Well, nicht gelöst werden kann. Daß z. B. die Zerrissenheit Europas in eine viel zu große Zahl autonomer, wenn auch kleiner Zollgebiete, die in ihrem Innern selbst zri hohen Kosten jedes Erzeugnis allein Herstellen wollen und damit das Volumen des europäischen Austauschhandels niedrig halten, eine wichtige Ursache der mangelnden Arbeitsgelegenheit ist, dürste außer Frage stehen. Ebenso hängt freilich die europäische Arbeitslosigkeit stark mit der Wirtschaftspolitik der überseeische,-. Aeuländer zusammen, die, wie die Bereinigten Staaten von Amerika und Australien, nach dem Krieg einerseits die europäische Warenausfuhr durch erhöhte Einfuhrzölle zurückgeschraubt haben und andererseits die Einwanderung durch verschärfte Gesetze beschränken. Es ist zu bedauern, daß auf diesem, für die Verminderung der Ar- deitslosen so wichtigen Gebiete von den europäischen Arbeiterverbänden und dem internationalen Gewerkschastsbunde bisher nichts erreicht werden konnte. Die Vereinigten Staaten aber sollten beginnen, einzusehen, daß auch Europa mit blofccm' ..Golde" und Kredit nicht genützt ist, wenn hinter diesen nicht die Möglichkeit erweiterter Produktivität, also vor allem verstärkter überseeischer Exporte, steht, eine Voraussetzung, die wiederum ohne intensiven Abbau der überseeischen Absperrungspolitik nicht denkbar ist. Oberhesfen. > Landkreis Metzen d. Heuchelheim. 20. Juli. Dem von dem hiesigen Radfahrer-Verein 19 2 6 am Sonntag hier obgehaltenen Radsport- Werbetag war bei dem ausgezeichneten Wetter ein voller Erfolg beschieden. An dem D e r e i n s r e n n e n am Vormittag nahmen 6 Fahrer der Rennfahrer-Gruppe und 5 Fahrer der Gruppe B teil. Punkt 6.15 älhr fiel der Startschuß zu dem ersten Rennen. Die 25 Kilometer lairge Strecke führte über Rodheim. Bieber, Forsthaus Haina. Waldgirmes. Dorlar. Ahbach. Kinzenbach. Abendstern zum Ziel bei der Wirtschaft Ludw. Schäfer. Als erster passierte Franz Hofmann in 49,41 Min. ein. In kurzen Abständen folgten dann Ernst V o l k - mann. Ernst Rinn. Emil Weber unb Ernst Hofmann. In der B.-Gruppe fuhr der Jugendliche Ludwig Christ die beste Zeit. Der Rachmittag brachte in der Gartenwirtschaft .Zum Schwanen' den Saalsport zur vollen Geltung. Da der junge Verein noch nicht in der Lage ist. auf diesem Gebiete etwas zu bieten, hatte er verschiedene Vereine aus der Umgebung eingeladen. Sämtliche eingeladenen Vereine waren erschienen. Was hier von den Vereinen erschienen waren 1835, „Germania" und „Wanderer"" Gießen, Krofdorf. Wißmar. Lollar, Wiescck und Grohen-Linden — im 6cr- und 8er- Rcigen von Damen und Herren, im Radball, sowie im 2er°Kunstfähren gezeigt wurde, übertraf alle Erwartungen. Reicher Beifall lohnte die Vorführungen. V Klein-Linden, 20. Juli. Am Sams- tagabend hielt der hiesige Gesangverein „Arion" seine diesjährige Generalversammlung ob. Dos Rechnungsjahr 1925 26 Hot dem Verein einen nennenswerten Rechnungsüberschuß gebracht Der gesamte Vorstand unter dem Vorsitz des Stadtbausekretärs L. Weinandt wurde einstimmig w i e d e r g e - wählt. Weiterhin wurde beschlossen, am nächsten Sonntag, 25. Juli, an Stelle des Grün- dungsfestes ein Waldfest abzuhalten. Im Mittelpunfridrs Festes wird die (Srnennuag mehrerer Mitglieder zu Ehrenmitgliedern anläßlich ihrer 25jährigen Mitgliedschaft stehen. Außerdem wurde die Abhaltung eines größeren Konzertes im Herbst beschlossen, in dessen Mittelpunkt ein größerer Chor mit Orchesterbegleitung stehen soll. — Bei einer Hausver steige- Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Aon Michael Wagner. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er hatte ihm rechtzeitig genug geschrieben und ihn zur Hochzeit geladen — da traf einen Tag vorher eine Postkarte von ihm ein mit der knappen Mitteilung, daß er dem Bruder alles Gute wünsche, wichtiger Geschäfte halber jedoch leider nicht abkommen tonne. Der Gedanke, daß Beri schon soweit in der dicken Luft Münchens steckte, daß er sich nicht einmal zur Hochzeit des eigenen Bruders mehr freimachen konnte, schmerzte Zeno unsäglich. Toni lachte nur über Zenos Bedenken, und der Vater setzte sich mit dem gewohnten Gleichmute darüber hinweg „Mein, was willst machen'" Am Festtage selber aber waren ihm die häufigen Fragen nach dem Verbleibe seines Jüngsten doch peinlich, wenn er es sich auch nicht anmerken lassen wollte. So saß Zeno mit seinem neuen Glück und den alten brüderlichen Sorgen neben seiner blühenden Marianne inmitten dieser stattlichen Festgesellschaft. Zwischen dem Mahle und dem später anhebenden Tanze führte an der Ehrentafel der Annodomini das Wort. Die Drummigkeit und das Griesgrämig- Spöttische hatte er zu Hause gelassen, und mit der strammen, grünen Galauniform, den frisch rasierten, wenn auch etwas philistriösen Schwerenöter und Witzbold angezogen. Und er ließ es einmal allen fühlen, wie dick er es hinter den Ohren habe — wenn er bloß wolle. Lachsalve auf Lmbsaloe kitzelte er mit seinen mehr ober weniger saftigen „auf den Tag" paffenden Witzen und Schnurren heraus. Oder gar, wenn er irgendeinen „in der Reißen" hatte dann bogen sich die andern vor Lachen, der greise H.H. Geistliche Rat, welcher ebenfalls als Ehrengast dir Tafel .schmückte, nicht ausgenommen. Und keiner war sicher vor der gutmütigen „Aufzwickerei" und dem beißenden Spott des Herrn Försters Dominikus Sankt- johanfer. Kein Wunder, daß es an diesem Tage über ihn nur eine Meinung gab: „Der Annodomini ist halt $in Urvieh!" tung der Philipp Weigel Erben durch das hiesige OrtSgerichr wurde trotz lebhafter Anteil- nahme der Bevölkerung der geringe Betrag von 4010 Mk. erzielt. Die Erben werden wohl schwerlich mit diesem Ergebnis einverstanden sein. t Treis a. d. Lda., 20. Juli. Am Sonntag- nachmittag wurde hier ein Iugendfest gefeiert. woran sich außer den Schulen auch sämtliche Vereine beteiligten. Um 1 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug unter Vorantritt der Kapelle des hiesigen Mandolinenklubs, die Schulkinder mit Blumenstäben in den Händen, die Vereine mit ihren Fahnen durch die Dorfstrahen nach dem Festplah „in der Wann'. Rach einem Vortrag des Gesangvereins .Liederkranz" entbot hier Bürgermeister Will den Anwesenden den WilUommengruß der Gemeinde, dann fangen Arbeitergesangverein ..Hoffnung" und Kirche ngesangverein je einen Ehor. der Mandolinenklud spielte ein Lied, worauf Lehrer H e d r i ch die Festrede hielt. Dann begannen in reicher Fülle die Vorträge. Spiele und Reigen der Schüler, die den Rachmittag ausfüllten. Zwei Freiübungen der beiden hiesigen Turnvereine schlossen das schön oerlaufene und zahlreich besuchte Fest. — Nachdem der Gemeinderat in den letzten Jahren sehr viel für die Herstellung der Gern eindewege in der Gemarkung getan hat, sind in diesem Sommer auch die Derg- und die P f a r r st r a ß e einer notwendigen Um- pflasterung bcz. Chaussierung unterzogen worden. Der Gemeinderat darf des Daickes aller Anwohner der betreffenden Straßen sicher sein. t Grünberg, 20. Juli. Der Gemeinde- r a t hatte bei der Beratung des Voranschlags mit Deckung des Fehlbetrages auf Empfehlung des Kreisamts die vorgeschlagenen Gemeinde- fteu ersähe genehmigt. Dieser Beschluß fand nicht die Zustimmung des Ministeriums, besonders wegen der hohen Belastung des Handwerks. Rach einer erneuten Durchprüfung des Voranschlags beschloß der Gemeinderat, auf seinem früheren Beschluß zu beharren. — Im Hinblick auf die hohen Kosten für den Reubau des Wasserbehälters wurde beschlossen, ein 5. u n d 6. Ziel Wassergeld zu erheben. Die überfüllten Schulsäle in der Oberrealschule machen eine Vergrößerung der Anstalt dringend notwendig. Mit 9 gegen 5 Stimmen beschloß der Gemeinderat die Errichtung eines Anbaues, der möglichst noch in diesem Jahre im Rohbau fertiggestellt werden soll. Die Kosten belaufen sich auf ungefähr 50 000 Mark. — Schließlich wurde noch die ungleichmäßige Verteilung der Kirchen st euer besprochen. Es soll evtl, eine anderweitige Regelung ins Auge gefaßt werden. gl Rieder-Bessingen, 20. Juli. Ein betrübendes Zeichen dafür, wie unsere Jugend gefährdet ist, zeigt ein Vorfall, der tich in unserer Gemeinde zutrug. Der noch nicht 14jäf)tige A. V. von hier öffnete mehrmals den Opfer- st o ck in der hiesigen Kirche und stahl die Gaben in Höhe von über 30 Mark. Das erbeutete Geld verwandte er für Näschereien. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in dem nahen Ettingshausen. Dort stahl die noch nicht strasmündige P. G. einem Arbeiter 200 Mark, von denen die Hälfte noch in der Wohnung der Täterin vorgefunden wurde. Auch hier wurde das Geld für Raschwerk ausgegeben. Kreis Friedberg. ss. Friedberg. 20. Juli. Vor kurzem fand im Stadtteil Fauerbach eine Versammlung statt, in der Herr Essinger- Butzbach über die Deutsche Bau- und Siedlungsgenossenschaft G. m. b. H. in Darmstadt sprach. Dieser Tage referierte der Redner auch hier über die gleiche Angelegenheit. Seine Bemühungen, für die genannte Genosienschast neue Freunde zu gewinnen, waren jedoch erfolglos, da ein Diskussionsredner die empfehlenden Darlegungen des Vortragenden so entkräftete, daß der Referent nichts mehr gegen die Einwände zu sagen wußte. Aus der Versammlung heraus wurde vor dem Beitritt zu der Genossenschaft gewarnt. B. Rodheim vor der Höhe, 20. Juli. Dieser Tage feierte unser ältefter Einwohner Balthasar Kaster HL seinen sieben- u n d a ch t z i g st e n Geburtstag in seltener Körper- und Geistesfrische. Der Hochbetagte hat vor zwei Jahren mit seiner heute noch rüstigen Gattin die goldene Hochzeit gefeiert. Mitten in dem Trudel saß der Urachervater in all seiner unnachahmlichen Ruhe und lachte dröhnend zu den Späßen des Försters. Der Toni tanzte wenig, nur dann und wann holte er sich eine hoch- busige Schöne nach seinem Geschmack, führte auch die Braut zum Ehrentanz, meist aber saß er hochroten Kopfes und breitspurig hinter einer Batterie geleerter Flaschen und feierte so den Tag auf seine Art. — Endlich, spät erst, flogen die Vögel ins Rest am Marktplatz — doch noch nicht ungestört, denn als letzte Nummer des Festprogramms schallte bei Fackeschein aus nicht mehr ganz treffsicheren üder- feuchten Kehlen ein sinniges Ständchen zu jenem Fenster des ersten Stockes hinauf, hinter dem Zeno und Marianne eng umschlungen standen. Und wäre es Sommer gewesen, dann hätte die früh ausgehende Bergsonne noch manchem Nachzügler ins übernächtige Antlitz leuchten können. So aber stand der Mond groß und vollglänzend über den verschneiten Bergen und mit dem sanften Schimmer seines alles übcrfilbemben Scheines mischte sich das reine Glück eines jungen Menschenpaares. Bor dem schmucken Schnitzerhaus am Marktplatz war ein kleines Gerüst ausgestellt. Ein Mann in farbenfleckigem Kittel hantierte darauf. Frühjahrsarbeit ... Zeno stand einige Schritte zurück auf der Straße, inmitten des warmen, vormittägigen Märzsonnenscheins, und unterhielt sich mit dem Mann auf dem Gerüst. „Morgen, Herr Uracher!" Zeno wandte sich um. Hinter ihm stand der Postbote und überreichte ihm nebst einigen Geschäftsbriefen auch eine Münchner Zeitung. „Danke!" Damit wollte sich Zeno wieder dem Hause zuwenden. Der Postbote jedoch schien es auf einen kleinen Plausch abgesehen zu haben. „Sauber muaß es zuagehen, in der Stadt drin — alles brunter und drüber! Kreuzhageldonnerwetter! Da steht 's in der Zeitung drin — i hab a wengerl nei'a'spitzt." . Zeno fühlte, wie ihm das Blut heiß zu Kopfe flieg. „So?" gab er möglichst unbefangen zur Antwort. „Is wieder was los?" vb. Butzbach, 20. 3ult Mit Rachfordern n ae n an Kirchensteuer beschädigte stch eine Versammlung unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Ioutz im .Hessischen Hof dahier. Beanstandet wurde die Höhe dieser Rachsorde- rungen, da diese für die mit Steuern ohnehin stark belastete Wirtschaft untragbar fei. Gegen die Festsetzung der Höhe des Prozentsatzes (19 vorn Hundert) könne kein Einspruch erhoben werden. dagegen, aber gegen die nachträgliche Erhebung für 1925. die nicht berechtigt sei, da das Gesetz erst vorn 2. Mai 1926 datiere In zwei zur Annahme gelangten Entschließungen wurde Einspruch gegen die Rack^rhedung erhoben, ferner eine Minderung der Steuer für 1925 und für 1926 gefordert. ‘Serbe Entschließungen sollen der Kirchenbehörde und dem Finanzamt zugeleitet werden. am. Staden, 20. Juli. Der hiesige Sportverein hielt am Sonntag ein wohlgelungenes Sportfest ab. 11m 8 Uhr begann es mit einem F e st g o 11 e s d i e n st, wobei Pfarrer Hamburger über 1. Kor. 3, 16 und 17 predigte und den Sport und die Körperpflege vom Standpunkt eines Ehristen beleuchtete. Anschließend begannen dann um 9 Uhr auf dem Sportplatz die Spiele. Rach einer Mittagspause bewegte sich unter Beteiligung sämtlicher hiesiger Vereine und der als Gäste erschienenen auswärtigen Sportvereine ein malerischer Festzug durch die Straßen. Anschließend daran fand das Endspiel um den von dem hiesigen Sportverein gestifteten Pokal statt, wobei der Fußballklub Geih-Ridda mit 1: 0 über Kohden siegte. h. Aus der mittleren We11erau, 20. Juli. In dieser Woche nimmt auch in der mittleren Wetlerau die Ernte der Halmfrucht ihren Anfaiig. Die Ernte ist allenthalben reichlich, doch läßt sich die durch die starken Regengüsse der letzten Wochen niedergedrückte Frucht nur teilweise mit der Maschine schneiden, wodurch sich die Arbeit trotz des günstigen! Wetters erheblich verzögert. Kreis Büdingen. Id. R i d d a. 20. Juli. Der Schnitt der Sommergerste hat begonnen. Wochen heißer Erntearbeit sind dadurch eingeleitet worden. Die infolge schwerer Regenfälle gelagerte Gerste kann vielfach nicht mit dem Reff, sondern nur mit der Grassense gemäht werden, wodurch die Erntearbeit wesentlich erschwert wird. Wenn der Wettergott gnädig ist, verspricht die Gerste einen reichen Körner- und Strohertrag. Da Saat- gerfte nicht überall gebeizt wird, flogt man hier und da über das Auftreten von Brand. Der Beginn der Kornernte läßt noch einige Lage auf sich warten. bs. Geih-Ridda. 19. Juli. Am Samstag fand ein Rheinausflug der Schulen aus der näheren und weiteren Umgebung von Ridda statt. Es beteiligten sich daran 370 Schulkinder und 150 Erwachsene aus den Dörfern Wallern- haufen. Oberlais. Ober-Mockstadt. Fauerbach, Michelnau. Ober-Widdersheim. Rodheim. Stein- Heim, Geih-Ridda, Gettenau. Rieder-Mockstadt und Dauernheim. Ein Sonderzug, der Ridda um 4 Uhr vormittags verlieh. brachte die Teilnehmer gegen 7 Uhr nach Mainz. Auf dem Dampfer „Rheinlust" der Mainzer Schiffahrts-Gesellschaft ließ man dann bei herrlichstem Sonnenschein in fünfstündiger Fahrt baä schönste Stück deutscher Erde an sich vorübergleiten, bis nach St. Goarshausen hin- und rückfahrend nach Ahmannshausen. Das Rationaldenkmal wurde besichtigt und wirkte in feinen wuchtigen Ausmaßen besonders auf die Kinder. Eine nochmalige dreistündige Dampferfahrt von Rüdesheim bis Mainz folgte dann, um 8 Uhr wurde mittels Sonderzuges die Heimfahrt angetreten. Für die Schulkinder und nahezu alle Erwachsenen war diese Rheinfahrt ein Erlebnis, an das sie zeitlebens denken werden. Vorbereitung und Durchführung dieser Fahrt lag in den Händen des Lehrers Lentz von hier, der keine Zeit und Mühe scheute, sein Werk zum guten Ende zu führen. th. Leidhecken. 20. Juli. In der heutigen Geweinderatssihung wurden die im Herbst vorigen Jahres gewählten neuen Mitglieder verpflichtet und in ihr Amt cin- geführt. Es wurde dann über die Wasserleitung Leidhecken — Staden beraten und beschlossen, nach Prüfung und Messung der Quelle und der Zuleitung Wassermesser einzuführen. In den „Wingerten" soll eine „Was los? — Na, sag i — net wenig!" tat der andere wichtig. — „Lesen S' bloß — den Zentral- bahnhof Harns in d' Luft gesprengt mit lauter Bomben rind Granaten! Und den Sturmangriff auf a Kasern' erst!" Hier hielt es der gute Mann für angebracht, eine die Spannung steigernde kurze Pause einzulegen, während welcher er feiner Nase eine ansehnliche Prise Schnupftabak zuführte. „Zuagehen muß es drin in der Stadt, wie im Krieg! Akkurat a so! — Jawoll!" Die verhängnisvolle Zeitung brannte Zeno in den Fingern. Es quälte ihn, den Mann so behaglich feine Sensation auskramen hören zu müssen. „So, so — bös muaß i aber gleich lesen!" „Ja, und nachher erst —" wollte der Neuigkeitenträger wieder anheben, aber Zeno war schon in den Laden getreten und schloß die Tür hinter sich zu. Er zog einen Stuhl an den Ladentisch heran, riß mit hastigen Fingern die paar Briese auf, überflog sie rasch und legte sie wieder beiseite. Aber die Zeitung! Ec fühlte feine Hand zittern, als er das Blatt vor sich ausbreitete. Wahrhaftig — hier — fpaltenlange Berichte: Räterepublik — die Regierung geflohen — Zeno stützte den Kopf in die Hand, während feine Augen gierig die sensationellen Nachrichten verschlangen. Dann mochte er nimmer — es ließ ihm keine Ruhe mehr — der Beri! — Der Beri! Daß der Bruder mitten in diesem Trubel steckte, ftanb für Zeno nun fest. Und daß irgend etwas geschehen mußte, um ihn der verhängnisvollen Umgebung zu entreißen, wiederum! Dor seinen sinnenden 2uigen tanzten die fetten, die Sensationen her- ausstellenden Zeilen hin und her — die ganze Zeitung grinste ihn an ... Der schrille Ton der Türklingel riß Zeno auf. Er fuhr herum, beinahe erjchrocken. Die Ladentür aber öffnete sich nur gerade so weit, daß sich ein bärtiger Kopf hereinschieben konnte. Ein imposanter '.Hafenbau dominierte ... „Mit Verlaub, Herr — HerrgoKsapra — ent schuldigen S* wollt' sagen, Herr Hergottschnitzer! Also — kann man sich bei Jhna a neuche Kegelkugel anmeffen (affen? —" Der drollige Anblick zwang Zeno unwillkürlich ein befreiendes Lachen ab. Er ging hin und öffnete die Tür vollends. Pflanzung Kirschbäume angelegt werben. Zum Schlüsse wurde noch der "Bau einer neuen Drü cke über die Horloff genehmigt. U n t er-ßdo mitten, 20. Juli. 3m Alter von 73 Jahren verstarb plötzlich der Landwirt Karl H i l s i n g e r vorn R e i n b ä u • f c r Hof. Der Verblichene, eine in landwirtschaftlichen Kreisen bekannte und geschätzte Persönlichkeit, erwies sich in der Zeit des Hcbcr- gangs zur neuzeitlichen Dewirtschastungsmethode als eifriger Förderer des Reuen. Vor einigen Jahren beteiligte sich der fast Siebzigjährige noch an dem Reitturnier in Friedberg und konnte fieggefrönt heimkehren. Kreis Schotten. ------- Gedern. 20. Juli. Die Elektrische ^leberlandzentrale der Provinz Oberhesfen lieh am Sonntag hier ihren Werbe- und Propagandafilm laufen und gab dadurch den Besuchern Gelegenheit, die Segnungen der Elektrizität auf den verschiedensten Gebieten, besonders auch in der Landwirtschaft, kennen zu lernen. Kreis -llsfcld. r'B rauerschwend, 20. Juli. Dieser Tage wurde einem hiesigen Einwohner nachts das fast noch neue Fahrrad aus einem unverschlossenen Stalle gestohlen. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den Dieb sestzunehmen. Rach einem zurückgelassenen Stock zu urteilen, ist der Spitzbube unter der Zunft der„Ritter der Landstraße" zu suchen. Wahrscheinlich hat er in der Scheune des Bestohlenen Übernachtet, bei eingehender Besichtigung des Gebäudes das Fahrrad entdeckt und geglaubt, die ihm für ein leichteres Fortkommen so günstig erscheinende Gelegenheit nicht ungenutzt lassen zu dürfen. Feuerwehrtag in Homberg a. d. Ohm. -er. H v rn b u r g a. d. O h m, 20. Juli. Am Sonntag fand hier der Kreis-Feuerwehrtag und der Verbandstag der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Alsfeld statt. ~ Eine Gefallenen - Gedenkfeier auf dem Friedhof leitete den Tag ein. Zunächst begann dann der Kreis-Feuer- w e h r t a g in der Stadthalle. Regierungsrat Strack -Alsfeld überbrachte in Vertretung des verhinderten Kreisdirektors die Grüße des Kreisamtes, bcfvnders begrüßte er den Vorsitzenden der Hess. Brandversicherungskammer Geheimrat v. Hahn und den Kreisseuerwehrinspektor Hölscher. Zum Schlüsse gab der Redner dem Wunsche Ausdruck, die Pflichtfeuerwehren möchten sich baldmöglichst in freiwillige Feuerwehren umwandeln. Bürger meister Spinner - Homberg begrüßte die Tagung im Namen der Stabt und dankte der Brandversiche- rungskammer für die Gewährung von Beihilfen für unser Gemeinwesen. Geheimrat v. H a h n entbot den Gruß der Brandversicherungskammer und wünschte gleichfalls die Umwandlung der Pflichtseuerwehren in freiwillige Feuerwehren. Kreisseuerwehrinspektor Hölscher berichtete in längeren Ausführungen über den Stand des Feuerlöschwesens im Kreise und ging dabei auf die besondere Ausbildung der Führer ein. Mit der letztgenannten Angelegenheit beschäftigte sich auch Geheimrat v. Hahn, der ferner hin- sichtlich der Gewährung von Unterstützungen Ent- gegci »kommen versprach, jedoch vor allzu großen Hoffnungen warnte. Mitgliedern, die 40 bzw. 25 Jahre einer Wehr angehören, wurden von dem Regierungsoertreter im Auftrage des Ministeriums Ehrenzeichen überreicht. Hierauf folgte derDerbandstagderFrei- willigen Feuerwehren. Die Verhandlungen nahmen einen harmonischen Verlauf. Rach der Mittagspause folgte das Exerzieren unserer Wehr mit anschließendem Brandangriff, wobei di« Gegen Hühneraugen und Hornhaut nur das seit 60 Jahren bewährtes M>MW MMWWW. Wirkt schnell, sicher und schmerzlos. Kein Pflaster anwenden! Pflaster verrutscht, daher wertlos. Taufende Anerkennungen. Packung 1.—M. franko. Erhältlich in den größeren Apotheken und Drogerien. 6ewss Dur echt mit der Aufschrift Radlauers Kronenapotheke, Berlin W. 8, Friedrichstraße 160. Nachahmungen weise man zurück. „Grüß Gott, Herr Förster? Aber so — gehn S* doch herein!" Herr Dominikus Sanktjohanser erfreute sich einer höchst seltenen, ausnehmend guten Laune. „Na, was macht 's Geschäft!?" erkundigte er sich gönnerhaft. „Wo steckt denn ’s Weibert — i mocht gern was Liebs sehen heut! Hätt' grab so a Gusto draus!" Nun, bamit hatte er heute kein Glück, benn bie Frau bes Hauses war eben zum Einkäufen ausgegangen. Dann unterhielten sich bie beiden ein Weilchen über bas Geschäft, und Zeno erzählte, mit welcher Freude er sich einarbeite und nun wieder beginne, selber ernsthaft zu schassen. Der Förster hörte aufmerksam zu, grunzte fo beiläufig einige» mal anerkennend in seinen Wildererbart hinein und bemerkte bann mit ber Miene eines Mäzens: „So, so! Hm, hm! Ja, ja! Wollen halt schauen! Wenn er sich guat macht" — hier stupste er Zeno von ber Seite her, — „ber Herr Künstler, nachher is' gar net ausg'schlossen, baß i ihm a amol einen größeren Auftrag zuakommen laß! Tjawoll!" Zeno lächelte. „Wie gesagt" — ber reine Schelm schaute bem Förster aus ben Augen, — „wie gesagt — entweder a neuche Kegelkugel — nach Maß in meine Hand — ober ein halbes Dutzend kunstvoll ausgeführte Pseifenstopser! Damit lang i bann, bis i stirb!" Hier streifte iein Blick bie ausgeschlagene Zeitung. Da war ber Annodomini mit einemmal wie ausgewechselt. .Lesses! A neue Münchner Zeitung? — Is' wirklich wahr, baß alle mitnanb ber Teisi holt in ber Stabt brin, han?" Damir riß er bas Blatt an sich, und bann schwang bie sorsterliche Nase fenfations» hungrig hin unb her unb auf unb ab. Dazwischen hinein vernahm Zeno ab unb zu einen brummenben Ton, wie wenn eine Hummel sich an ber Fensterscheibe zu schaffen macht. Er ließ ben Förster ruhig gewähren. Die Arme auf ber Brust verschränkt, lehnte er am Labentisch tisch unb starrte zu Boben. Eine geraume Zeit verstrich darüber. Enblich faltete Sanktjohanser mit energischen Griffen bas Blatt zusammen unb roarf's auf ben Tisch. Dann schlug er sich schallend euf ben Schenkel. (Fortsetzung folgt) ■IIIIIIIHIIWff WMM WWW Spezialgeschäft für Reiseartikel und feine Lederwaren Zur Reisezeit empfehle ich mein großes Lager in Reisekoffern aller Art. Bahnkoffer, Kabinen- u. Kupeekoffer in allen Größen und Preislagen von den billigsten bis zu den elegantesten Ausführungen. — Reisenecessaires und Rollen, Reisesdiuhe: Schwammbeutel, Rucksäcke, Hängematten, Aluminiumausrüstungen usw. al's'»u2r «WiM* vieren Tri.teo 1 Su folger> uns £' der ^>e o[[c Ä ungdK teO.f’ä ein uni, i°N I. 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M. Telegraphische Auszahlung. 1148,7' 1)44,5' 254* 90,5 149,7' 146- 124,5* 161,6* 77 87,5 139,1* 125’ 122* 162' 75,25 87 42,75 35 143’ 147,5’ 51 109* 134.7* 146* 85 37 3.5 154.5 64 eröffnete bei Haltung. Im 143* 140,5 147.5 50 67* 110.6* 135,2* 145 70 149,7' 145* 50 109,25 81,75 109,5* 134,5* 145.5 BR.OCKEN MALININ e^nnf' : Wilh. Erb, Gießen, Goethestr44. Tendenz: ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 20. Juli. Die Tendenz im gelb war zu 4 bis 5 Prozent angeboten, für erste Adressen bereits zu 2,5 bis 3,5 Prozent, Monatsgeld 5 bis 6 Prozent. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 21. Juli. Tendenz, überwiegend befestigt. Linier dem Einfluß der am Geldmarkt eingetretenen Erleichte« r u n g erhielt sich auch heute die freundliche Veranlagung der Börse, so daß die im gestrigen Abendverkehr eingetretenen Kursabschwächungen wieder ausgeglichen werden konnten. Die Unternehmungslust der Spekulation, die vorbörslich und zu Anfang des offiziellen Verkehrs ziemlich bedeutend war, wurde durch die Möglichkeit einer neuen Diskonter- mähigung durchdieReichsbank wesentlich gefördert. Den größten Außen konnten in- olge dieser Anregung in erster Linie die Stan- dardpapiere: 3. G. Farben - Industrie, (plus 3,5 Proz.). Deutsche Erdöl (plus 5 Proz.), Rheinstahl (plus 1,5 Proz.) erzielen. Die anderen Märkte hatten gleichfalls überwiegend Steigerungen zu verzeichnen, doch, getaktete sich das Kursbild im allgemeinen unregelmäßig. Am Montanmarkt waren fast sämtliche Werte um 1 bis 1,5 Prozent höher, dagegen büßten Kali-Westeregeln 3,5 Prozent. Von Cyemieaktien waren GoldschmiLt um 1,5 Proz. und Scheideanstalt um 0,5 Proz. gebessert. Von Elektrowerten zogen Lahmeyer um 0,75 Proz. und Schuckert um 2,3 Proz. an, während AEG. zum Aachgeben neigten. Sn Bankaktien war das Geschäft ruhig und die Kurse bis auf einzelne Ausnahmen gehalten. Bon Schiff- ahrtsaktien konnten Aordd. Lloyd 1 Proz. anziehen, während Hapag 0,75 Proz. nachgeben. Motorenwerte setzten die Aufwärtsbewe- gung fort. Kleyer und Daimler je plus 1 Proz. Auch M afchinenaktien lagen fester. Die Erdöl-Aktien waren stark gesucht. Außer den bereits eingangs erwähnten Deutschen Erdöl zogen Rütgerswerke um 1,75 Proz. an. Von Zuckeraktien befestigten sich Frankenthal um 1 Proz., dagegen blieben Waghäusel unverändert. Deutsche Anleihen hatten etwas regeres Geschäft bei leichten Kursavancen. Ausländische Renten behauptet. 3m Freiver- " kehr bestand 3nteresse für Ufa, die von 40 auf 44 Proz. anzogen. Sonst war das Geschäft auf diesem Gebiete umsatzlos. Decker Stahl 21 Proz., Brown Boveri 115 Proz., Growag 60 Proz.. Benz 80 Proz., Entreprise 6,5 Proz. Ufa 82,5 Proz. 3m weiteren Verlaufe schrumpfte das Geschäft stark zusammen, doch blieb die Stimmung im allgemeinen behauptet. Vereinzelt kam es zu leichten Kurserhöhungen. Der Geldmarkt zeigte erneut größere Flüssigkeit, indem Geld in großen Posten angeboten ist. Tagesgeld stellte sich unter 4, Monatsgeld war zu 4%. bis 6 Proz. je Adresse erhältlich. 3m Devisen- verkehr war der französische Franken starken Schwankungen unterworfen. Paris stellte sich gegen Mittag auf 233 gegen London. Brüssel lag mit 213 gegen das Pfund leicht befestigt, während Mailand mit 151 gegen London erneut abgeschwächt war. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 21. 3uli. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer. 32 Mk. nominell; Roggen, inländischer. 22,50; Hafer, ausländischer, 21,25—23; Mais, gelb, 18,25—18,50; Weizenmehl. 254* 51.25 100.75 135 138,9* 80,75 80 252* 92 99,75 Berliner Börse. Berlin, 21. Juli. Die Börse sich ein prächtiger Festzug durch den Ort nach | dem Festplah, wo der 3ubelverern einen De- I grüßungschor mit Orchesterbegleitung unter der Leitung von Ad. Altenkirch (Weilburg) vortrug Aach einer Ansprache des Dereinsvorsihen- den Weimer hielt Dr. Schwarte als Der- I tretet des Landrats und des Krersausschusses eine Degrüßungsansprache. Aach Ehrungen des Vereins durch einen Prolog und die Überreichung einer Fahnenschleife boten die Gastvereine zahlreiche Liedervorträge, ferner die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Weilburg ein vortreffliches Konzert. Den Abschluß des Tages bildete frohes Volks fest treiben. ♦ Runkel. 20. 3uli. Am Samstagabend vergnügten sich' mehrere junge Leute an der Runkeler Dleiche mit Vaden, als Plötzlich der 16jährige O t t o S ch l o s s e r von Schadeck, offenbar von einem Herzschlag getroffen vor den Augen seiner Gefährten in der Flut versank und von ihr fortgerissen wurde. Da die jungen Leute ebenso wie Schlosser des S ch w i m - mens unkundig waren, konnten sie dem Verunglückten keine Hilfe bringen. Die Aachforschun- gen nach der Leiche sind bisher erfolglos gewesen. Kreis Marburg. ]l Lohra, 20. 3uli. Hier fiel das U/-jährige Töchterchen des Maurers Schäfer in eine 3aucheg tu be und erftidte ehe ihm Hilfe werden konnte. 7. Nassauischer Bauerntag. bl. Herborn, 19. 3uli. Der dritte Festtag des 7. Aassauischen Dauemtages war das Hauptereignis für unsere Stadt. Sonderzüge, Autobuslinien und Lastwagen beförderten von nah und fern unaufhörlich Menschemnasfen in die Stadt; was nicht fuhr, kam zu Fuß, zum Teil von weit her marschiert. Die Arbeit der Fabriken und Verwaltungen ruhte vollkommen. Die Geschäfte hatten überaus stark zu tun. Herborn erschien zu einem großstädtischen Verkehrszentrum umgewandelt. Mit einer morgens um 8 Uhr stattfindenden Besichtigung der Stadt und der Umgebung wurde der Tag begonnen. Der G e - flügelzuchtverein für Aassau hielt im Hotel „Ritter" eine größere Versammlung ab, in der Fragen allgemeiner Art erörtert wurden. Gegen i/»2 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung; er passierte sämtliche Hauptstraßen der Stadt. Einer Landsknechtskapelle an der Spitze folgten historische Gruppen, die folgende Bilder zeigten: Gründung der Hohen Schule zu Herborn, Entwickelung der Wehrmacht, Tod der Schillschen Offiziere, das Turnwesen von einst bis heute, die Loreley usw. Die zweite Abteilung galt vollständig der Landwirtschaft. Hier war das Brechen des Flachses, eine Spinnstube, die Milch Verwertung, die Heuernte und ein Bienenkorb zu sehen. 3m dritten Teil waren Sport, Handel und Gewerbe ausgiebig vertreten. 3ns- besondere seien genannt das Fahrrad im Verkehr, das Mehgerhandwerk, das Wagnergewerbe und das Wandervolk her Pußta. Der Zug bestand insgesamt aus rund 50 Wagen; er war ausgezeichnet zusammengestellt und zeugt von gründlichster Arbeit. Der Vorbeimarsch währte etwa eine Stunde. Am Aachmittag herrschte auf dem Festgelände ein buntes Leben und Treiben. Die Ausstellungen blieben gut besucht. Maschinen wurden im Betrieb dem Publikum vorgeführt. Um 4 Uhr fand auf dem Festgelände eine Massenkundgebung statt. Hier sprach zuerst Reichstags- abgeordneter Hepp- Seelbach nochmals über die Lage der Landwirtschaft. Graf Kalkreuth sprach im Anschluß hieran noch kurz über die Rot der 3etztzeit für die Landwirte. Abgeordneter Hepp- Seelbach schloß mit einem Hoch auf unser Vaterland und den 7. Aassauischen Dauerntag. I Das Deutschlandlied wurde stehend gesungen. Bis in die Rächt hinein vergnügte sich jung und alt dann noch durch Belustigungen aller Art. Extraanfertigungen und Reparaturen in eigener Werkstatt. Billigste Preise! 6046c Solide Qualitätsware! i138.5* 1124.7* 123,5* ,162,2’ 1 76,5 I 86.5 142,2* >38.2* 146,5 50.5 64* 109,9* 133,9* 144,25 liner Produktenhandel war heute allgemein und zwar für Roggen infolge kleineren Angebotes in alter Ware bei anhaltender Aach- frage nach dem Westen. 3m Zeithandel stellte sich der Roggen für laufenden Monat, nachdem inländisches, Spezial 0, 43—43,75; Roggenmehl -- - — • - ■ - ~ ~ * " Mk. Wirtschaft. * D i e 3nsolvenzen in der dritten 3uliwoche. 3n der dritten Juliwoche ist gegenüber der Vorwoche ein stärkerer Rückgang der neueröffneten Konkurse von 164 auf 147 festzustellen, während die Geschäftsaufsichten von 74 auf 88 zugenommen haben. An den Konkursen sind Aktiengesellschaften mit 5 (7), G. m. b. H. mit 13 (12), Kommanditgesellschaften mit 1 (1), eingetragene Genossenschaften mit 3 (6), o. H. G. mit 6 (10) beteiligt. Geschäftsaufsichten wurden über 3 (5) G. m. b. H. und 4 (4) o. H. G. eröffnet. * Der Berg bau im Lahn-Dillgebiet und Oberhessen im Juni. Die nunmehr perfekt gewordene Subvention ermöglichte es, von den sonst erforderlich gewordenen weiteren Detriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen abzusehen. Es ist zu hoffen, daß es gelingt, die ganze Förderung zu den um 2 Rm. gesenkten Wetzlarer Richtpreisen abzusehen und wieder an eine Verstärkung der Belegschaft zu denken. * Lokomotivaufträge der Reichs- 254.7' 91 51,5 ' 100.5 ! 135,25 I 139* 123 95 122.2* 163* 76 । 86 | 24.5 I 43 31—32; Weizenkleie 9; Roggenkleie 11 5% Deutsche Reichsanlethe • 4°/0 Deutsche RcichScmleihe . 3Va% Deutsch.* Reichsanlethe 3»/, Deutsche Reichsanlcthe . Deutsche Svarprämicnanleihe 4°/o Preupiichc Konsuls • . • 4% Hessen 3>/s% Hessen 3% Hessen ... Deutsche Werth. Dollar-Anl. bto- Doll-Schatz-Antreisug.’s 4°/o Zolltssrkrn........ 5% Goldmcrikaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Pnvat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank .... Disconto Commandit Metallbau!..... Mitteldeutsche Credtibank . . Ocsterreichische Creditanstalt Weltbank ........ Bochumer Guh Buderus * . . Caro • • Deutsch-Lurcmburg Gelsenkirchener Bergwerk« . . Harvener Bergbau ...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln. . . » • ^aurahütte • • • Oberbedarf..... • • • • Phönix Bergbau ..... Rheinltahl . . . • « Riebcck Montan ....... Tellus Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... Cheramische Werke Albin > . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. G. Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rntgcrswcrkc Scheideanstalt Allg. ElektrizttätS-Gesellschaft Bergmann ......... Mamlraftwerke Schuckert....... . Siemens ± Halske ..... Adlcrwerke Kleyer ..... Daimler Motoren..... . Hcyligenstaedt Meguin Motorenwerke Mannheim Frankfurter Annaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgeselllchaft Frankfurt. Pct. Union A.-G Schuhfabrik Herz . • . . . . Sichel ......... Zellstoss Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckettabrik SBaobäufe! • . . die Auffassung hinsichtlich der zukünftigen Haltung der französischen Währung ist, geht daraus hervor, daß im Terminhandel der Wert des Franken noch geringer eingeschäht wurde. Per Ende 3uli war die Londoner Ufance 245, per Ende August 252 und per Ende September sogar 262 bis 265. Sorten tune. gegründet 1798 Alsfelder Motorfeuerspritze mitnnrtte, deren Leistungen allgemeine Bewunderung fanden. Sodann bewegte sich ein stattlicher F e st z u g durch die Stadt nach dem Festplatze, wo nach einigen wohl- j gelungenen Liederoorträgen unseres Gesangvereins I frohes Bolksfefttreiben die Einwohner und die Gäste noch lange beifammenhielt. Starkenburg. • Darmstadt, 20. 3uli. Der Provinzialtag der Provinz Starkenburg ist für den 31. 3uli nach Darmstadt einberufen worden. Es sind wichtige Mitteilungen und Beschlüsse über die Ferngasversorgung des rhein-mainischen Wirtschaftsgebietes zu erwarten. Außerdem wird ein Beschluß über die Erbauung einer Mainbrücke bei Rüsselsheim ge- I faßt werden. — Gestern schlug während eines Gewitters der Blitz in die Lichtleitung des Verwaltungsgebäudes der Hess. I Eisenbahnaktie ngesellschaft ein. Das Deckengebälk entzündete sich, doch konnte der Brand bald durch die Feuerwehr gelöscht werden. — Vor einigen Tagen erschien in einer hiesigen Zeitschrift eine Anzeige, in der kautionsfähige Herren zur Uebernahrne der Filiale einer Fabrik gesucht wurden. Cs handelt sich, wie jetzt die Polizei feststellt, um einen Schwindler, der mehrere Personen um erhebliche Beträge schädigte. Der Schwindler hatte sich im vornehmsten Hotel der Stadt einlogiert. Darmstadt, 20. 3uli. (WSR.) Das Postauto Darm st ad t—L i n d e n f e l s kam gestern nachmittag gegen 6 Ufjr in ein schweres Unwetter, das seine 3nsassen, insbesondere die toei6Iidjen, in größte Aufregung brachte. Bei Riedermodau wurde es bei stark einfehendem Regen derart dunkel, daß der Chauffeur kaum einen Meter weit sehen konnte. Unter Blitz und Donner steigerte sich das Unwetter zu einem Orkan. Bäume brachen in einem Meter Höhe glatt durch und legten sich quer über den Fahrdamm. Erst allmählich hellte es sich auf, und nachdem mit vereinten Kräften die Hindernisse aus dem Weg geräumt waren, konnte der Wagen seine Fahrt weiter fortsetzen. Preußen. Hauszinssteuermilter zur Instandsetzung von Attwohnungen. 3n Abänderung der preußischen Steuernotverordnung bestimmt der preußische Minister für Volkswohlfahrt, zugleich namens des preußischen Finanzministers, daß ab 1. 3uli die Mittel aus dem Hauszins st eueraufkom men auch für die 3nstandsetzung von Altwohnungen verwendet werden sollen. Aus den hierfür ergangenen Richtlinien teilt der „Amtliche Preußische Pressedienst" mit, daß die Gemeinden (Gemeindeverbände) bis zu 5 Proz. gemeindlichen Anteils an Hauszinssteuer für die Förderung der Bautätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungswesens für den bezeichneten Zweck ver- verwenden können. Erforderlichenfalls ist der Anteil bis zu 5 Proz. auch von den Gemeinden aus den dem staatlichen Wohnungsfürforgefonds zufließenden Beträgen für die 3nstandsetzung in Anspruch zu nehmen. Besondere Zuweisungen erfolgen jedoch für diesen Zweck nicht. Sofern | die Gemeinden von der bezeichneten Möglichkeit Gebrauch machen wollen, ist hierzu die Genehmigung einzuholen. Die staatlichen Mittel sind den Gemeinden in Form von Kommunaldarlehen gegen eine Schuldurkunde zu überlassen. Die Dar- , leben sind mit 2 v. H. jährlich zu verzinsen und innerhalb von drei Jahren zurückzuzahlen. Kreis Wetzlar. 7 XX Wetzlar. 20. 3uli. Seit mehr als zwei 3ahrzehnten sind setzt die Ortschaften Herrn a n nn st e i n, Raunheim und Waldgirmes im Kreise Biedenkopf vorn Amtsgericht Gladenbach abgetrennt und dem Amtsgericht in Wetzlar zugewiesen worden. Aus Zweckmäßigkeitsgründen hat man ferner die Dörfer Oden Hausen und Salzböden im hiesigen Kreise unter Abtrennung vom Amtsgericht Wetzlar dem Amtsgericht zu 'Fronhausen zugeteilt. Trotz wiederholter Anregung ist es bis heute aber noch nicht gelungen, noch weitere Gemeinden im südlichen Hinterland zwecks Zeit- und Geldersparnis der Bevölkerung mit dem nähergelegenen Amtsgericht Wetzlar zu vereinigen. Es kämen hier vor allem in Betracht: 1. Königsberg, von Wetzlar 14,3, von Gladenbach 21,9 Kilometer entfernt; 2. Bieber, von Wetzlar 10,8, von Gladenbach 20,4 Kilometer ab; 3. Rodheim, von Wetzlar 13, von Gladenbach 22,5 Kilometer und 4. Fellingshausen, von Wetzlar 16, von Gladenbach aber 19,3 Kilometer entfernt. Sollte es heute, da wir doch überall sparsamer und rationeller wirtschaften müssen, nicht an der Zeit sein, diesem Zustand ein Ende zu machen? Dberlahnkreis. Q Gräveneck (Lah n), 20. 3uli. 3n der , , v , Grube „Georg 3 o s e p h" wurde der Berg- bahn. Wie mitgetcilt wird, hat die Reichsbahn Auf- ruhigem Geschäft in widerstandsfähiger Haltung. Im mann Seewald aus Wirbelau durch herab- träge über 127 Lokomotiven, die teilweise schon für Mittelpunkte des Interesses standen J.-G.-F a r- stürzendes Gestein schwer am Kopf ver- 1927 bestimmt sind, verteilt. In der Hauptsache han- benaktien und die sich um sie gruppierenden letzt. Rach Anlegung des ersten Verbandes dclt es sich um Guterzuglokomotiven. Der 19 Mit- Werte, wie Rheinstahl, Deutsche Erdöl, Köln-Rott- wurde der Verunglückte nach Hause geleitet. Der glieber umfassende Verband Deutscher Lokomotiv- toeil usw. Diese Papiere verzeichneten zum Teil cm 13. d. M. verunglückte Bergmann hat einen fabrifanten hat die Aufträge quotenmäßig unter sich mehrprozentige Steigerungen, während im übrigen Schädelbruch und eine Gehirnerfchüt- verteilt, und zwar erhalten mittlere Betriebe, wie die das Ku rsnineau im allgemeinen gut ierung davongetragen. Lotomotlvfabrik Hohenzollern in Düsseldorf und die behauptet war. Eine Stütze fand die Tendenz ' Odersbach, 20. 3uli. Unter Beteilt- Maschmenbauanstalt Humboldt in Köln-Kalk, fünf durch eine mäßige Befestigung des fran- gung von 31 Vereinen aus nah und fern beging oder sechs Lokomotiven, während größere Betriebe, z ö s i s ch e n Franken, der sich nach 239 auf 228 5er hiesige Gesangverein „Frohsinn" I mie .Henschel & Sohn in Kassel 13 in Auftrag gegen London stellte. Brüssel behauptete sich au sein 5vj (ihriges Stiftungsfest. Rach! bekommen haben. 1213 gegen das Pfund, während Mailand mit 148 einem Fackelzug am Vorabend wurde den Mit- * D i e Franke nbaiffe. Trotzdem der gegen London eher eine Kleinigkeit schwächer lag. gliedern, die 30 und mehr 3ahre dem Verein französische Ministerpräsident Herriot ziem» Da man dem Stillstand des Frankenrückgangs nur ongehören, gelegentlich des Festtommerfes eine lich rasch sein Ministerium beisammen hatte, einen vorübergehenden Charakter beimißt, hielt die besondere Ehrung bereitet. Friedrich Kurz übte diese Tatsache keinen befestigenden Einfluß Zurückhaltung der Spekulation unver- wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, auf den französischen Franken aus. 3m Gegen- ändert an, und die Umsatztätigkeit beschränkte sich Theodor Stroh und 3ohann Krämer erhiel- teil, dieser fiel gestern an der Börse gegen Lon- fast ausschließlich auf die Farbengruppe. Am ien Ehrendiplome. Sonntag mittag bewegte | doner ilfance bis auf 242, und wie pessimistisch | Geldmarkt ist die Lage sehr flüssig. Tages- sich infolge der neuerlichen Feuchtigkeit die Erntearbeiten etwas verzögerten, 3 Mk. höher, Herbst- monate etwa 1 Mk. über letzten Stand. Weizen verbesserte seinen 3ulipreis etwas über 1 Mk., während spätere Sichten nicht viel verändert tagen. Gerste ruhig. Die Rachfragtz für Wintergerste ist vorsichtiger geworden. Ledigllch zur Ausfuhr nach dem Norden fanden einige Um» sähe statt. Hafer sehr still. Hier mangelt es vollständig an Unternehmungslust. Mehl ist in den Forderungen etwas erhöht, aber nur schwer abzusehen. Oelsaaten und Rauhfutterstoffe ohne nennenswerte Kursschwankungen. Es notierten pro Tonne: Roggen (märt.) 187 bis 191 Mk.. Sommergerste 195 bis 208, neue Wintergerste 149 bis 160, Hafer (märf.) 197 bis 206, Mais (loko Berlin) 176 bis 180, Raps 360; per Doppelzentner: Weizenmehl 38 bis 40, Roggenmehl 27 bis 28,50. Weizenkleie 10,50, Roggenkleie 11,40 bis 11,50. Diktoriaerbsen 33 bis 38, kleine Speisc- erbsen 28 bis 32, Futtererbsen 21 bis 26, Peluschken 26 bis 28,50. Ackerbohnen 23 bis 26, Wicken 32 bis 34,50. Lupinen (blau) 15 bis 16,50. Verantwortlich für Feuilleton i. 23.: Dr. Fr. W. Lang e. Frankfurt a.M. Berlin Schlug« । l-Uhc« flurs ! Kur» Schlub»! Anfang Kur» । aurc Datum: 20.7. | 21. 7. 20. 7 | 21. 7. 0.49 0.49 0,495 0.49 — 0.445 0,445 0.45 — 0.445 0,445 0.50 — 0.5225 0,52 0,251 — 1.2675 — 0,45 — 1.4625 0/445 0,41 — — — _ 0,42 _ 96,5 — 98,25 — 13,62 13,62 13.7 I 1 45 45 — 177 — 177,9* 174* 127.2* 126.7* 127.2* 127,2* 176* 174* 175* 174,5* 164* 162,2* 162* 162,2* 89.5 — — — 151.5* 149,5* 149' 149,2* 113 — — 120.5 121* 122* 7.45 7,65 7,5 7.5 135,5 135.5* >35* 134,7’ 89 88.5 88.5 89,25 7.3 — 74,5 — 139 7* 138- 138,9* 138,5* 160* 159,7* 160,5* 159.5* 20 Juli. 21. Juli. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Selö Brief Amst.-9iou 168,70 169,12 168,70 169,12 Buen.-Aires 1,707 1,711 1,708 1,712 Brss-'Antw. 9,44 9,48 9,41 9,48 Christiania. 92,03 92,77 92,03 92,27 Kopenhagen 111,21 111,49 111,23 111,52 Stockholm . 112,33 112,61 112,33 112,61 HelsingforS 10,553 10,593 10.552 10,592 Italien. . . 13.48 13,52 13,49 13,51 London. 20,407 20,459 20,416 20,461 Neuyork . . 4,195 4.205 4.195 4,205 Paris - . . . 8,58 8,62 8,94 8,98 Schwei; . . 81,2 J 61.40 81,18 81,38 Spanten ■ 65,78 65,84 65,95 66,11 Japan • . - 1.981 1.985 1,981 1,985 Rio de Jan. 0.653 0.655 0,645 0.647 Wien in D-- Cefi. abgest 59,31 59.45 59,39 59,53 Prag .... 12,423 12,463 12,422 12.462 Bell rad . . 7,412 7,435 7,412 7,432 Budapest. • 5,868 5,88-8 5.872 5,892 Bulgarien o,04 3,05 3,035 3,045 Lissabon 21,405 21,455 21,405 21,455 Danzig. . 81,37 81,57 81.37 81,57 Konstantin- 2,32 2,38 2,325 2,335 Athfl! 5,09 5,11 5,09 5,11 Uanada. 4,198 4,208 4,198 4,208 Cruguay 1.195 4.205 4.205 4.215 Banknoten. Berlin, 20 Juli Geld Briet Amerikanische Note« ..... 4,181 4,201 Belgische Noten ........ 9,48 9,52 Dänische Noten ....... 110,92 111,48 Englilchc Noten........ 20,381 ■20,481 Französische Noten ...... Holländische Noten ...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deulsch-Ocsterr, L100 Kronen 8,55 168,30 14,06 91,79 8,69 169,14 14,14 92,25 59.40 69,70 Rumänische Noten...... 1,9)5 1,955 Schwedische Noten...... 111,99 112,55 Schweizer Noten....... 81,30 81,70 Spanische Noten....... 65,59 65,91 Tschcchoslow.rkische Noten . . 12,387 12,447 Ungarische dtoleo....... 5,817 5,857