m. 246 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 20. Oktober 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Bezugspreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben, postschccksonto: Frankfurt am Main 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfilals-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Giehen. Zchnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 n.m Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20 1 , mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Will). Lange. Dexantworilich für‘Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Beck, sämtlich in Gießen. Eröffnung -er britischen Reichskonferenz. London, 19. Oft. (Wolff.) Heute vormittag wurde in der Westminster Abtei eine Ehrentafel für eine Million gefallener Soldaten des britischen Reiches vom Prinzen von Wales in Anwesenheit der Premierminister und anderer Dominionvertreter feierlich enthüllt. Um 11 Mr begann in Downing Street die Reichskonserenz. Ministerpräsident Baldwin begrüßte die Vertreter der Uebersee-Dominions. Er erinnerte daran, was von den früheren Konferenzen zur Entwicklung der einzelnen Teile des Reiches geschaffen worden war und kündigte an, daß die Erörterungen dieser Konferenz sich auf das gesamte Gebiet der Reichspolitik und auf ' das Verhältnis der einzelnen Teile des Reiches untereinander erstrecken werde, um sestzustellen, auf welche Weise die Dominions untereinander und mit dem Mutterland inniger verknüpft werden könnten. Mit einem stetigen Prozeß der Selbstverwaltung und der Entwicklung des Rationalbewußtseins ist dauernd auch die Rotwendigkeit verbunden, die Beziehungen zwischen der Regierung von Großbritannien und den Regierungen der einzelnen Teile des Reiches der veränderten Lage der Dinge anzupasfcn. Rirgends sei die Notwendigkeit für den Ausgleich der Beziehungen zwischen den Regierungen des Reiches deutlicher gewesen, als auf dem Gebiet der Außenpolitik. Baldwin erinnerte an die Rede Sir Edward Greys vom (Zähre 1911 vor dem Reichsverteidigungsausschuß, worin er sagte: „Der Ausgangspunkt der bevorstehenden Beratung über die Außenpolitik und die auswärtige Lage sei in Wirklichkeit die Schaffung unddie wachsendeStärke getrennter Flotten und Streitkräfte in den Dominions. Es sei möglich, getrennte Flotten in einem vereinigten Reiche zu haben. Aber dies sei nicht möglich ohne eine gemeinsame Außenpolitik, die die Aktionen der verschiedenen (Streitfräfte in den verschiedenen Teilen des Reiches bestimme. Daher habe die Schaffung getrennter Flotten es notwendig gemacht, daß die Außenpolitik des Reiches eine gemeinsame Politik sei. Baldwin fuhr fort, daß es sich jetzt um die Frage handele, wie man den Grundsatz der Selbstverwaltung in äußeren wie in Inneren Angelegenheiten mit der Rotwendigkeit einer auswärtigen Politik des allgemeinen Reichsinteresfes verbinde. Auf dem Gebiet der Reichsverteidigung sei ein ständiger Fortschritt zur Besserung der Möglichkeiten des Zusammenwirkens, wenn sich ötc Rotwendigkeit hierzu unglücklicherweise ergeben sollte, vor sich gegangen. Baldwin bezeichnete die Flotten der einzelnen Reichsteile, von dmrn der Bestand des Reiches letzten Endes abhäng'g sei, als die denkbar stärksten Bande, die das Reich zusammenhielten. Auf dem Gebiete des Land- heereS sei auch viel zur Erleichterung der Zusammenarbeit geschehen. Richt minder b deute die Luftflotte ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Mutterland und den Dominions, nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung, sondern auch ßern Z>e§ Verkehrs. Als das dritte nicht unbedeutendste Gebret. auf dem sich die Reichskonferenz betätigen könne, bezeichn:te Baldwin die Handels- und Auswanderungsfragen. Der Premlenninisler von Kanada, Mackenzie King, dankte dann Baldwin für die herzliche Tegrü- ßung. Zweifellos habe sich der internationale Horizont seit 1923 sehr aufgehellt. Ein deutscher Fortschritt fei sowohl in der Richtung politischer als auch wirtschaftlicher Stabilität in den meisten Ländern gemacht worden. Wenn auch noch einige ernste industrielle und finanzielle Schwierigkeiten weilethin außerhalb und innerhalb des Gemeinwesens bestehen, so könne man dennoch hoffen, daß eine Lösung bald gefunden werden wird. Wenn man an Fragen von besonderem Interesse für die Mitglieder des britischen Gemeinwesens mit gutem Willen und einer Erkenntnis ihrer lebenswichtigen Bedeutung her- antrete, so könne man hoffen, Wege und Mittel zu finden, um sie zum gemeinsamen Besten einer Regelung näher zu bringen. Hierauf schlug K^ng eine Adresse an das Königspaar vor, in der auf die „Liebe und Ergebenheit der unter der Krone vereinigten Völker des britischen Gemeinwesens" hingewiesen wird. Die Durchführung des Programms von Thoiry. Ein deutsches Dementi. Berlin, 19. Oft. (WB.) Gegenüber den in den letzten Tagen insbesondere in der ausländischen Presse auftauchenden Gerüchten, daß die deutsche Regierung die Absicht habe, zur Durchführung des Programms von Thoiry die Einberufung einer internationalen Finanzkonfe- renz vorzuschlagen, wird von zuständiger Seite festgestellt, daß diese Gerüchte jeder Begründung entbehren. Ebenso ist die Meldung einer polnischen Zeitung, wonach die deutsche Negierung mit Vorschlägen für die Regelung d e r Ost- fr a g e an die anderen Machte herantreten wolle, selbstverständlich völlig aus der Luft gegriffen. Zu dieser halbamtlichen Mitteilung bemerkt die „Tägliche Rundschau", daß diese Gerüchte auf einer völligen Verkennung der Sachlage be- Für die Freiheit der Wirtschaft. Das internationale Wirtfchaftsmanifest und der Versailler Vertrag. Der Appell zur Beseitigung der Einengung des europäischen Handels ift sicher ein Vorstoß gegen den Versailler Vertrag. Rahezu sieben Jahre ist dieses bösartigste Instrument, das die neueste Geschichte kennt, in Kraft, ilnö diese sieben Jahre haben genügt, der Wirtschaft Europas außerordentlich schwere Wunden zu schlagen. Tie Sieger sind nicht besser daran, als die Besiegten. Es gibt ja auch kaum eine wirtschaftliche und politische Torheit, deren Riederschlag sich nicht im Versailler Vertrag findet. Angefangen mit der Zerreißung geopolitisch bedingter Wirtschaftsgebiete, gipfelt der Vertrag in dem Widersinn, der Teutschland zwingt, im Verhältnis zum Gesamtwarenaustausch erhebliche Warenmengen ohne Gegenleistung in den Wirtschaftsorganismus zu stoßen. Der Versailler Vertrag hat nicht nur gewachsene und gewordene Wirtschaftsgebiete zerrissen, er hat auch neue Staaten geschaffen, die wirtschaftlich unfertig, ohne den Rückhalt eines einigermaßen ausreichenden eigenen Marktes den Produktionsprozeß nachhaltig gestört haben und noch stören. Ter ökonomische Widersinn des Versailler Vertrages hätte sich schon früher als gemeingefährlich offenbart, hätte eben dieser Vertrag nicht Teutschland auch gezwungen, jahrelang seine Grenzen für den ungehinderten Zustrom offen zu lassen. Frankreich, die Tschechoslowakei, Belgien und Polen haben die wirtschasts- und handelspolitische Wehrlosigkeit Deutschlands gründlich ausgenuht. Der Ruhreinbruch, der ein Verbrechen an der Wirtschaft Europas, also nicht nur Deutschlands war, hat den Versailler Vertrag, der den Ruhreinbruch möglich machte, als das gekennzeichnet, was er ist: als Wahmvih. Die europäische Wirtschaft, die eng und unlösbar in die Weltwirtschaft verflochten und verschlungen ist, war vor dem Kriege ein sorgfältig ausgebauter Organismus. So hoch entwickelt dieser Organismus auch schon war, so war er doch keine Vollendung. Unablässig wurde an ihm gebaut, um die gegebenen großen Wirtschaftsgebiete räumlich und enger zusammenzufassen. Es sei nur an den mitteleuropäischen Wirtschaftsblock erinnert, der kein Luftgebilde war, sondern auf harten Tatsachen sich gründete. Auch für Westeuropa waren Pläne der Zusammenfassung der wirtschaftlichen Energien vielfach ausgearbeitet und erörtert worden. Der Versailler Vertrag ging an dem geschichtlich Gewordenen ebenso vorbei, wie er geopolitisch bedingte Grenzen mißachtete. Er riß E l s a ß - L o t h r i n g e n aus der Wirtschaftseinheit des Deutschen Reiches, mit dem Erfolg, daß die lothringische Industrie ohne den deutschen Markt heute nicht leben kann. Roch verhängnisvoller war die Abtrennung des Saargebietes, dessen einzig geartete Entwicklung nur möglich war, weil das gewaltige deutsche Wirtschaftsgebiet einen fast unbegrenzt aufnahmefLhigen Markt bot. Allen Warnungen zum Trotz wurde Oberschlesien zerrissen, das nicht nur eine einzige Werkstatt war, sondern den deutschen Markt gerade so gebrauchte, wie etwa England die Schiffahrt. Dor dem Kriege gab es auf dem Festland, vom Balkan abgesehen, fünf große Staaten, die vielfach sich wirtschaftlich einander ergänzten. Belgien und die Riederlande waren die Durchfuhrgebiete, deren Wohlstand dabei besser fuhr, als heute Belgien mit seiner hochgezüchteten Industrie. Heute ist das Festland Europa in zwanzig Staaten zerrissen, von denen die neuen Staatsschöpfungen wirtschaftliche Zwangsgebilde sind, die im handelspolittschen Wettbewerb bei gegenseitiger Entfaltung aller Energien erdrückt werden müssen/ Polen leistet sich einen Wirtschaftskrieg gegen Deutschland, weil Deutschland sich mit Recht weigert und weigern muß, der lebensunfähigen polnischen Industrie die Tore sperrangellve'.t zu offnen. Das Manifest macht sich die Sache doch etwas einfach, wenn es glaubt, die Zerstörung der euröpäischen Wirtscha.t durch Riederlegung der Zollmauern ausheilen zu können. Cs ist doch wohl kein Zufall, daß selbst England, das noch immer von der Legende des Freihandels umstrahlt und umglänzt ist, einen sich im ganzen sehr achtunggebietenden Zollpanzer umgegürtet hat. England hat noch mehr getan: es hat auf die deutsche Einfuhr die fogenannta Wiederherstellungsabgabe gelegt, die zwar in den Rahmen des Dawesplanes paßt, nichtsdestoweniger die deutsche Einfuhr nach England stark behindert. Das ist nicht nur das eine. Das andere ist, daß die ökonomischen Ungleichheiten in Europa noch so groß sind, daß ohne deren Abschleifung eine europäische Zollunion schlechterdings unausführbar ist. Ein finanziell und wirtschaftlich zerrüttetes Land wie Polen verschleudert seine Ausfuhr, um überhaupt Absatz zu finden. Frankreichs und Belgiens Währung ist zerrüttet, aber gerade deshalb die Voraussetzung für einenAu- ßenhandel, der in diesem Umfang bei normalen Verhältnissen sich nicht aufrecht erhalten ließ. Frankreichs Wirtschastsführer, die das Manifest unterzeichnet haben, haben zwar in einem Zusatz erklärt, daß es heute für einen Staat unmöglich ist, zu leben und zu gedeihen, ohne mit den anderen Staaten Handelsbeziehungen zu unterhalten. Aber gerade Frankreich macht immer neue Einwände und Schwierigkeiten, sofern es gilt, diese Handelsbeziehungen auszubauen und vertraglich festzulegen. Es ist noch keinem Staat gelungen, in die starren Zollmauern Frankreichs Breschen zu legen, da die französische Handelspolitik wohl Zugeständnisse eintauschen, aber solche nicht gewähren will. Der Rohstahlvertrag konnte nur abgeschlossen werden, weil die lothringischen Cisenindustriellen der französischen Regierung klar machten, daß sie ohne den deutschen Markt ihre Werke schließen müßten. Das Manifest kann Bedeutung gewinnen, wenn die Männer, die es unterschrieben haben, s i ch für die Durchführung einsehen. Zunächst in ihrem eigenen Lande, was beispielsweise für England gilt, das nicht nur Freihandel predigen, sondern auch gewähren soll. Mit der Riederlegung der Zollschranken allein ist es nicht getan. Es muß auch eine gewisse Angleichung und Ausgleichung der Produktionsverhältnisse und Produktionskosten erfolgen. „Ein Ausfluß des gefunden Menschenverstandes". Reichsbankpräsident Dr. Schacht über die Bedeutung des Wirtschafts- Manifestes. München, 19. Off. (TU.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der mit zu den Mitunterzeichnern des Internationalen Ivirtschaftsmanifestes gehört, gab beute einem Vertreter der Telegraphen-Union zu dem Manifest die nachfolgende Erläuterung: „Das Dirtschaftsmanisefl, das von führenden Wirtschaftlern aus 16 vermiedenen Ländern unterzeichnet worden ist. kann in seiner Bedeutung unmöglich unterschätzt werden. Die wirtschaftlichen ?Persönlichkeiten, die ihren Namen unter dieses Mani- est gesetzt haben, haben es zweifellos nach reiflicher Ueberlegung getan. Ein Beweis dafür ist. daß die Sammlung der Unterschriften und die Bearbeitung des definitiven Textes etwa ein halbes Jahr in Anspruch genommen hat. Daß aucharnerikanische Namen sich bereitgesunden haben, diesem Manifest beizutreten. kann selbstverständlich nicht als eine amerikanische willkürliche Beeinflussung europäischer Verhältnisse gedeutet werden, fonbem ist nach der Richtung zu werten, daß von Vertretern eines Volkes, das über einen freien und unbehinderten Markt von 110 bis 120 Millionen Menschen verfügt, zum Ausdruck gebracht wird, welche unerhörten Auftriebskräfte von einem fo großen einheitlichen Wirtschaftsgebiet für die Wohlfahrt aller darin arbeitenden Individuen ausgehen. Selbstverständlich drücken die Unterzeichner dieses Manifestes, welchem Lande sie auch immer angehören mögen, nur ihre persönliche Ueberzeuguna aus. Daß die Regierung dieses oder jenes Landes sich mit den Unterzeichnern nicht zu identifizieren denkt, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber deswegen verliert dieses Manifest nichts von seinem Wert. Wir haben alle noch in zu lebendiger Erinnerung das Beispiel des Dawesberichtes. 2tls die Weisheit der Regierungen zu Ende mar, hatten wir es nur einer kleinen Gruppe von führenden internationalen Wirtschaftlern zu danken, daß ein wirtschaftlicher Ausweg aus den politischen Schwierigkeiten gefunden wurde. Denn heute Tlamen, wie diejenigen, die unter dem Manifest stehen, aus 16 Ländern für die wirtschaftliche Freiheit eintreten, so kann dies gewiß in der politischen Wagschale nicht seinen Einfluß verlieren. Wenn das Manifest auf der anderen Seite die wirtschaftlichen Fehler heroorhebt, die Krieg und Frieden gebracht haben, so verliert sich das Manifest doch nicht in historische Betrachtungen über Schuld und Sühne, sondern weist unbekümmert um alles, was geschehen ist, unbekümmert um politische Engherzigkeit, die noch in einzelnen Köpfen stecken mag, den Weg i n die Zukunft, den weg i n das Freie. Das Manifest ift nicht eine Auslastung der Regierenden, die durch alle möatichen Fesseln in ihrer Freiheit behindert sind; es ist ein Ausfluß des gefunden Menschenverstandes aller Völker, die den weg zur wirtschaftlichen und damit zur geistigen Zusammenarbeit srcimachcn wollen. Die Auffassung öes Präsidenten Loolidge. Neuyork, 19. Ott. (WB.) lieber die Stellungnahme des Präsidenten Coolidge zu dem europäischen Wirtschaftsmanisest berichtet Associated Preß aus Washington: Coolidge ist der Ansicht, daß zwischen den Methoden und Zielen der Zollsysteme der europäischen Staaten und dem Zollsystem der Bereinigten Staaten ein beträchtlicher Unterschied besteht. Der Präsident zweifle, ob durch Aenderung der Zollsysteme viel zur Belebung des europäischen Handels geschehen könne, ohne daß die Stellung Amerikas und seine Lebenshaltung beeinträchtigt würden. Coolidge ist der Meinung, daß das Manifest im wesentlichen die europäischen Staaten angehe, insofern in ihnen die Lebensbcdin- gungen keine weitgehenden Verschiedenheiten auf- wiesen und daher die Zollmauer nicht in derselben Weise wirkten wie in den Vereinigten Staaten. Skepsis in Amerika. Reuhork, 20. Olt. (WTB. Fumspruch. Reuter.) Hier wird tem W.rtschaftsmamfest keine besondere Bedeutung beigemessen. Ein führender Bankier bezeichnete das Manifest als ein harmloses und von frommen Wün- schen erfülltes Plädoyer. John Mitchell, der mit zu den Unterzeichnern des Manifestes gehört, erklärte, die vielfältigen, d:m Handel in Europa auferlegten Beschränkungen seien d c gesamteuropäischen wirtschaftlichen Wohlfahrt äußerst schädlich und hätten schon vor langer Ze t beseitigt werden müssen. Wie behauptet toirö, ist der Gedanke des Wrrtschaftsmanifestes im vergangenen Frühjahr in britischen Bank'.erskrei'en entstanden und man habe amerikanische Geschä'ts- leute um ihre Unterschrift ersucht, wohl mehr in der Absicht, dem Plädoyer größere moralische Stoßkraft zu geben, als um di? beteiligten Amerikaner auf ein scharf umrissenes Programm festzulegen. Das Echo in England. London, 20. Oft. (WTB. - Funkspruch.) Die meisten Morgenblätter nehmen in Leitartikeln zu dem Wirtschaftsmanifest Stellung. Die liberale Presse begrüßt es naturgemäß mit Wärme. »Daily Rews" spricht von einer historischen Botschaft, die eine meisterhafte älebersicht über die wirtschaftliche Lage biete. „Westminster Galette" hofft, eine der Wirkungen des Manifestes werde sein, die Vertreter des Freihandels in ihrer Stellung gegenüber dem gegenwärtigen Kabinett zu stärken, das leider begonnen habe, sich von dem Grundsatz des Freihandels zu entfernen. Lloyd Georges Blatt „Daily Chronicle" meint, die britischen Freihändler mußten ihre Befriedigung über die starke und weitverbreitete Bewegung gegen die Tarifmauern empfinden. Llnglücklicherweise werde Großbritannien gerade jetzt meßt von einer Regierung geführt, die feiner traditionellen Politik treu sei. Das Arbeiterblatt „Daily Herald" tagt, man stehe hier einem Versuch des Kapitalismus gegenüber, sich durch Konzentrierung, Zentralisierung und Reorganisierung der Produktion und des Handels Europas durch eine kleine Gruppe allmächtiger Danken zu befestigen. Mißtrauen in Italien. Rom, 19. Oft. (WTB.) Das Manifest des internationalen Danktrustes findet in der italienischen Presfe keine sehr günstige Ausnahme. Die „Lavora d'Italia" sieht darin eine Verschwörung des internationalen Judentums, das alle Länder unterjochen wol.e. Das Blatt erklärt, es wolle keinen antisemitischen Kreuzzug heraus- befchwören. Wenn aber diese jüdische Offensive nicht aufhöre, so müßten die Juden, die diesem Plan günstig gesinnt seien, als feindliche Ausländer behandelt werden. — Die „Tribun e“ und „Giornale d'I t a l i a“ meinen, der Ausruf stehe im engeren Zusammenhang mit der heutigen Trust - und Kartellbewegung und versuche, ihren Zusammenhang und Tragweite sowie ihre Endziele zu verschleiern. Diese verbergen sich unter der Maske des europäischen Wirtschastösriedens und unter dem Vorwand der Vorbereitung der Vereinigten Staaten von Europa, liefen jedoch nur auf den Schuh der wenigen Staaten hinaus, die schon über fortgeschrittene Industrien verfügten. Das wichtigste Problem für Italien sei, die gerechte Verteilung derRohstoffe, Aufhebung aller Ein- wanderungseinschränkungen und die Abschaffung aller Arten von staatlichen Subventionen ruhten. Wie bekannt, hat das Reichskabinett beschlossen, die durch das Programm von Thoiry aufgeworfenen Fragen zunächst einmal einer eingehenden fachmännischen Prüfung zu unterziehen. Damit ist ein Kabinettsausschuß betraut worden, der sich aus dem Reichsminister des Aeußeren, dem Reichsfinanzminister und dem Reichswirtschaftsminister zusammensetzt, und zu dessen Beratungen auch der Reichsbankpräsident Dr. Schacht hinzugezogen werden soll. Auch auf französischer Seite wird das Verständigungsprogramm vorerst nach seiner technischen Seite hin geprüft, und auch dort sind Sachverständige mit dieser Vorarbeit betraut. Die Sprachenfrage in E faß-Lothringen. Poincar6 über seine Reiseeindrncke. Paris, 19. Oft (WB.) Ministerpräsident Poincar 6 hat an den Rektor der Straßburger älniversität ein Schreiben gerichtet, in dem er feine Eindrücke zur Sprachenfrage aus seiner elsaß-lothringischen Reise zusammen- faßt. Er erklärt zunächst, daß die im il nter » richt des Französischen erzielten Fortschritte unbestreitbar alle Erwartungen übeif.legen. Der Unterricht in der Mehrzahl der elsässischen Schulen und in einem Teil der lothringischen Schulen sei und mü'fc zweisprachig sein. Vor 1371 habe Frankreich immer den Provinzen, die ihm durch den Frankfurter Verttag fortgenom- men seien, ihre Gebrauche und ihren „Dialekt" belassen. Das republilanische Frankreich hab« seinerseits diesen Gebieten versprochen, ihre Tra- Mtion zu respektieren. Es werde dieses Versprechen nicht verletzen. Hinsichtlich des Unterrichts und im besonderen der Sprache verstehe es sich von selbst, daß Frankreich niemals fcaran gedacht habe und daran denken werde, den Gebrauch des „Dialekts" zu beschränken oder zu beeinträchtigen. Dah Flämisch im Norden, Bretonisch in der Bretagne, Baskisch am Rande der Pyrenäen und Proven^alisch am Rande der Alpen gesprochen werde, das seien Verschiedenheiten, die in nichts die nationale Einheit bedrohten. Das Wesentliche sei, daß Französisch überall gesprochen und verstanden werde. Da aber der Dialekt nicht eine geschriebene und grammatikalische Sprache sei, und da übrigens während 50 Jahren die Deutschen ihm das Hochdeutsche übergeordnet hatten, habe Frankreich im Interesse der Familien gewollt, daß die französischen Schulen auch das Hochdeutsch in ollen den Gemeinden, in denen Dialekt gesprochen werde, lehren. Er halte es für unerläßlich, daß nach dem Verlassen der Schule die Kinder der Gemeinden, in denen Dialekt gesprochen werde, einigermaßen hochdeutsch sprechen und schreiben können Poincare fordert den Rektor der Straßburger Llniversitat auf, in den nächsten pädagogischen Konferenzen in diesem Sinne zu wirken Sin anderer Punkt, der seine Aufmerksamkeit erregt habe, sei der, daß der Schüler, wenn er mit 14 Jahren die Schule verlasse und in seine Familie zurückkehre, die nur Dialekt spreche, Gefahr laufen würde, bevor er zum Militärdienst komme, die praktische Handhabung des Französischen zu verlieren, wenn er keine Gelegenheit habe, sich darin zu vervollkommnen. Es.fei also angebracht, mehr und mehr in den Dörfern und in den Städten den N a ch - schulunterricht im Französischen zu entwickeln. Die Regierung werde hierzu ihre Llnterstützung geben. Das neue österreichische Kabinett. Rückkehr Dr. Seipels als Bundeskanzler. Wien, 19. Oft. (LU.) Die Entscheidung über die neue Regierung ist in den heutigen Abendstunden erfolgt. Die Einladung der Christlichsozialen an den Landbund, in die Koalition einzutreten und ein Mandat in der neuen Regierung zu übernehmen, wurde vom Landbund abgelehnt. Die weiteren Verhandlungen stehen daher auf der Grundlage der Christlich - sozialen-Großdeutschen Koalition. Am Nachmittag war vom Nationalrat in einer kurzen formalen Sitzung der Rücktritt des Kabinetts zur Kenntnis genommen worden, woraus der Hauptausschuß mit den Stimmen der Mehrheitsparteien Dr. Seipel mit der Bildung der neuen Regierung betraute. Dr. Seipel erklärte sich zur Annahme dieses Auftrages bereit und führte aus, er werde bereits morgen in der Lage sein, die Mitglieder seines Kabinetts in Vorschlag zu bringen. Die Wahl der neuen Regierung wurde auf morgen nachmittag 3 Ähr anberaumt. In einer Meldung der christlichsozialen Parteileitung und des christlichsozialen Abgeordneten- verbandes wurde beschlossen, an Stelle des ausscheidenden Finanzministers Kollmann Dr. Konrad Kienböck zu ernennen, der bereits in der letzten Regierung Seipel Finanzminister war. An Stelle des ausscheidenden Änterrichtsministers Dr. Rin- telen wurde der Abgeordnete Richard Schmidt ernannt, der in der früheren Regierung Seipel Spzialminister war. In den Abendstunden wurde der Beschluß gefaßt, den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Dr. D i n g h o f e r zum Vizekanzler und den Abgeordneten S ch ü r f f zum Handelsminister zu ernennen. Dem scheidenden Vizekanzler Dr. Waber wurde der Dank und das Vertrauen der Partei ausgesprochen. Die übrigen .Ressorts wurden wie folgt beseht: Ackerbau: T Haler (Christlichsozial), Heereswesen: Vau- goin (Christlichsozial), soziale Verwaltung: Dr. Resch (Christlichsozial). tXus den Reichstagrausschüssen. Der Reichskagsausschutz für verkehrs- ongelegenheilen besprach das Problem des K a n a l b a u e s mit Rücksicht auf die Durchführung der produktiven Erwerbslosenfürsorge. Abg. Engberding (D. Vp.) beantragte, die Frage zu prüfen, ob wir in Deutschland noch Kanäle bauen sollen oder nicht und dann die Vorlage betreffend den Bau des Aachen—Rhein-Kanals, des Hansa-Kanals und den Ausbau des Dortmund— Ems-Kanals als ein einheitliches Ganzes zu behandeln. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Hierauf verbreitete sich Abg. Engberding eingehend über diese Frage. Er kam zu dem Ergebnis, daß d i e Reichsbahn ihre Frachten erhöhen muffe, wenn sie rentabel arbeiten wolle. Abg. Könne (Dntl.) meinte, daß die Reichsbahn nicht die Garantie übernehmen könne, die Massen? Güter auf Jahre hinaus zu den gleichen billigen Frachtsätzen wie die Binnenschiffahrt zu befördern. Deshalb müßten Kanäle gebaut werden. Die Reichsbahn könne sich nur rentieren, wenn sie zunächst technisch auf die Höhe gebracht sei. Jede Verkehrsbesserung sei erwünscht, aber allerdings nur insoweit, als siebezahlt werden könne. Auch an der Frage der Rentabilität der neuen Kanäle dürfe nicht in allen Fällen achtlos vorübergegangen werden. Zum Schluß trat der Redner für die Aufhebung der Kanalabgaben bei den alten Kanälen ein; denn deren Herstellungskosten seien durch die Inflation gegenstandslos geworden. Auch müsse das staatliche Schleppmonopol aufgehoben werden. Abg. Schmidt (Dntl.) meint, grundsätzlich würden, falls die Mittel vorhanden seien, diejenigen Kanalpläne bevorzugt zu behandeln sein, die ein sonst eisenbahnarmes Gebiet erschließen und durch die unsere großen Binnenwasserstraßen zu einem wasserwirtschaftlichen System verbunden würden. Abg. Schumann (Soz.) hält eine Prüfung jedes einzelnen Falles für notwendig. Auch müsse man sich klar machen, daß Kanalbauten heutzutage in der Hauptsache durch riesige Baggermaschinen ausaeführt würden, die nur der Bedienung einiger Maschinenmeister bedürften. Deshalb habe auch die Vorlage für die produktive Erwerbslosenfürsorge nicht mehr die ausschlaggebende Bedeutung. Der Relchslagsausschuß für Rechtspflege trat in die Einzelberatung des Gesetzentwurfes über die G e r i ch t s k o st e n und die Gebühren der Rechtsanwälte ein. Bei dem Artikel, der die Gebühren in bürgerlichen Streitigkeiten neu ordnet, begründete Preußischer Ministerialrat Dr. Krücke die Bitte an den Ausschuß, der Finanznot der Länder dadurch Rechnung zu tragen, daß eine Zwischenstufe in den Gebührensätzen eingeführt wird, in der Weise, daß bei Wertobjekten von 2000 bis 5000 Reichsmark die Gebühr mit 1,5 Prozent festgesetzt wird. Der Tarif der Regierungsvorlage beläßt es in den untersten Wertstufen bei den augenblicklich hinter den Sätzen der Vorkriegszeit zurückbleibenden Gebühren und sieht als Ausgleich eine etwas stärkere Belastung der Streitwerte zwischen 5000 und 20 000 Reichsmark vor. Der Reichsrat hat vorgeschlagen, nur bei den Streitwerten von mehr als 10 000 Reichsmark eine Senkung der Gebühren eintreten zu lassen, und zwar von 1 v. H. auf 0,8 v. H. Der Beschluß des Reichsrates wurde abgelehnt. Weiter wurde § 10 (Absatz 2) des Gerichts- kostengesetzes behandelt, nach dem bei Ansprüchen auf Erfüllung einer auf gesetzlichen Vorschriften beruhenden Hnterhaltspflicht der Streitwert auf den Betrag des einjährigen Bezuges berechnet wird. Es erschien der Reichsregierung geboten, für die durch Hnfallhastung begründeten Renten den Streitwert auf den fünffachen Iahresbetrag sestzusetzen. Demgemäß beschloß der Ausschuß. Er nahm jedoch nach einem Antrag Dr. Barth (Dn.) noch folgenden Zusatz an: „Das gleiche gilt für die Berechnung des Wertes bei Geltendmachung der vermögensrechtlichcn A n» sprüche a u s dem Beamten- und Ar- beitsverhältni s." Der Reichskagsausschutz für soziale Angelegenheiten beriet über die Erwerbslosenfürsorge. Die Verhandlungen leitete mit einem Bericht über den gegenwärtigen Stand der Arbeitslosenfrage und die Fürsorgemaßnahmen der Regierung Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns ein: Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen ist gegenüber dem Frühjahr um rund 600 000 zu- rückgegangen und diese Entwicklung hält an. Sie ist durch die wirtschaftliche ©nttokftung verursacht, aber auch durch die Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung ist in seinem überwiegenden Teil in der Durchführung begriffen. Heber die produktive Erwerbslosenfürsorge ist mit den Ländern ein besonderes Notstandsprogramm vereinbart worden, daß sich mit dem Beginn der Winterarbeitslosigkeit auswirken soll. Die Reichsregierung glaubt, dah die wichtigsten Ziele erreicht sind, die sie sich bis zum Herbst gesetzt hat. Die Maßnahmen kommen überwiegend den langfristigen Erwerbslosen zugute. Die einfache Verlängerung der Unterstützungen wäre sehr viel billiger, sie würde aber alle Vorteile beseitigen, die eine Arbeitsfürsorge gegenüber der Unterstützung besitzt. Die Reichsregie»- rung hat sich deshalb zu dieser Verlängerung bisher nicht entschließen können, dagegen ersetzt sie den Gemeinden mit Wirkung vom 1. Oktober ab 50 Prozent ihrer Aufwendungen für dieaus - gesteuerten Erwerbslosen unter der Bedingung, daß die Ausgesteuerten wie die Erwerbslosen versorgt werden. Der Entwurf der Arbeitslosenversicherung hat jetzt den Reichsrat passiert. Daneben beschäftigte sich bie Reichsregierung vor allem mit dem Problem der älteren Angestellten und dem Ausbau der Arbeitsvermittlung, der Vermittlung jugendlicher Arbeitsloser auf das Land, der Ausbildung und Fortbildung der arbeitslosen Jugendlichen, dem Ersatz der ausländischen Arbeitskräfte durch deutsche. Berichterstatter Abg. Dreh (D.) erklärte demgegenüber, er habe Berichte, die die Verhältnisse wesenttich ungünstiger erscheinen ließen. Die Erwerbslosenunterstützung müsse wieder geregelt werden. Der Innenmarkt breche völlig zusammen. Selbstmörder und Familienmörder seien die Zeichen der Zeit. Abg. Bartz (Komm.) schildert an Beispielen aus Essen usw. die große Not der Erwerbslosen und Ausgesteuerten. Man brauche nur die Erlaubnis für Heberstunden über den Acht> stundentag zu beseitigen, um viele Tausende von Arbeitslosen zu beschäftigen. (Zuruf des Reichsarbeitsmini st ers: Das sind Fälle aus überholten Zeiten). Gegen die geplante Hmgestaltung der Erwerbslosenfürsorge werde seine Partei sich scharf wenden. Abg. Thiel (D. Vp.) hält es für erforderlich, zunächst einmal vom Finanzminister zu hören, wie stark die finanziellen Auswirkungen der Anträge fein würden. Auch Frau Abg. Teusch (Z.) vermißt den Finanzminister. Ihre Partei habe den Wunsch, die Sache nicht mit dem Finanzausgleich zu verquicken, damit in den Stadtparlamenten die gegenseitige Verbitterung bermieöen werde. Reichsminister Dr. Brauns bedauert die große Zahl der Heberstunden, die gefordert würden. Er werde sich mit den beteiligten Behörden zur Abstellung dieses Hebelstandes verbinden. Ebenso werde er gegen die ungerechtfertigt hohen Ordnungsstrafen einschreiten. Die Lage der deutschen Zigarrenindustrie. Berlin, 19. Oft. (TH.) In einer in Düsseldorf abgehaltenen Sitzung des wirtschaftlichen Ausschusses der Zigarrenindustrie wurde folgende Entschließung gefaßt: „Der Reichsverband deutscher Zigarrenher- steller spricht die bestimmte Erwartung aus, daß entsprechend den Ausführungen des Herrn Reichsfinanzministers bei der Industrie aguna in Dresden der Finanzausgleich baldigst zum Abschluß gelangt. Es muß unter allen Hmständen Vorsorge getroffen werden, daß die Gesamt- besteuerung (Reich, Länder, Gemeinden) ein gewisses erträgliches Maß nicht überschreitet. Bei der derzeitigen Belastung ist eine Gesundung des Wirtschaftslebens unmöglich. Hnsere Industrie befindet sich vornehmlich durch die übermäßige Zoll- und Tabak st euerbela st ung in einer schweren Krisis, da die Aufnahmefähigkeit des Publikums den durch die Tabakbesteuerung bedingten höheren Preisen nicht gewachsen ist. Es wird von der weiteren Entwicklung der Verhältnisse abhängen, ob und welche Maßnahmen wir zur gegebenen Zeit ergreifen werden. Gegenüber den immer wieder auftauchenden Gerüchten über Einführung eines Tabakmonopols oder sonstiger Zwangsbewirtschastung spricht sich der Reichsverband deutscher Zigarrenhersteller mit aller Entschiedenheit für die Beibehaltung der freien Wirtschaft aus. Die hierfür maßgebenden Gründe sind gelegentlich der Erörterung des Gutachtens des Dawes-Komitees dar- gelegt worden. Sie haben heute noch volle Geltung." Ausländische Ehrengaben für den Reichspräsidenten. Berlin, 19. Olt. (WTB.) Der Reichspräsident empfing heute den deutschen Botschafter in Paris, Dr. o. H o e f ch, ferner den von dem kubanischen Geschäftsträger eingeführten kubanischen Polizeiinspektor, Major Felix Pereira Pedina, der ihm seine seidene kubanische Fahne, ein Geschenk des Präsidenten der Republik Kuba, überreichte. Ferner empfing der Reichspräsident die vom Pekingslua zurückgekehrte Expedition der Deutschen Lufthansa. Der Expeditionsleiter Dr Knauß überreichte einen ihm von Panschen- L a m a, dem Oberhaupt des Lamaismus, als Geschenk für den Reichspräsidenten mitgegebenen gewallten Schal. Kunst und Wissenschaft. Die Tagung des Verbandes für kulturelle Zusammenarbeit. Wien, 19. Oft. (WTB.) Auf der gestern abend in der Hofburg von dem österreichischen Kulturbund veranstalteten Empfang des Verbandes für kulturelle Zusammenarbeit machte Prof. Alfred Weber- Heidelberg anläßlich der vor kurzem in Berlin erfolgten Gründung einer deutschen Gruppe und ihrer heutigen offiziellen Aufnahme in den Verband u. a. folgende Ausführungen: Rückhaltlose gegenseitige Aufrichtigkeit ist der eigentümlichste Grundsatz des Internationalen Verbandes für kulturelle Zusammenarbeit, der nicht die Trennungslinien verwischen will, sondern auf dem Urgestein der vorhandenen Unterschiede eine Brücke zur Ver- ständigung, Anregung und wechselseitigen Steigerung auszubauen versucht. Wir Deutschen kommen heute mit einer neuen, starken, mit einer bewußten Liebe zu Europa. Wenn es wieder ersteht, sind wir sicher nicht die schlechtesten Europäer. Wenn wir in den Kreis der über? nationalen Geistigkeit treten, suchen wir nicht nur Erweiterung unseres Horizontes, sondern Anregung und objektive Elemente: Wir erhoffen ein gemeinsames Werk. Wir wollen neue Noblesse zwischen den Völkern. Zu oft führte eine äußere Anregung nur zur Steigerung des gegenseitigen Hasses; deshalb wollen wir nichts von der hemmungslosen und plump vertrauensseligen Hingabe und dem kritiklosen Wissen, aber unser ganzes Streben geht auf gegenseitige Anerkennung. Der Vorstand der Goethe-Gesellschaft. Die Goethe-Gesellschaft wählte an Stelle des verstorbenen Professors Gustav Röthe den Berliner Literaturhistoriker Dr. Julius Petersen in den Vorstand. Die Wahl bedarf noch der Zustimmung der^ Hauptversammlung 1927. Archäologische Funde in Ungarn. In der Gegend der Stadt Szeged stieß der Direktor des staatlichen Museums bei Ausgrabungen auf einen wertvollen Fund. Der Fund enthalt 92 goldene Schmuckstücke, darunter edelsteingeschmückte Spangen ufw. sowie größere Mengen Goldplatten, die sämtlich aus dem fünften ober sechsten Jahrhundert herrühren bürf» ten. Man nimmt an, daß bie Wertgegenstände aus dem Schatz des Führers der Gepiden stammen und daß sie dort vor den mit den Gepiden im Kampfe liegenden Aoaren versteckt wurden. Aus aller Wett. Ein Automobilunfall Friß Kreislers in Irland. Wie aus Belfast gemeldet wird, ist der berühmte Geiger, Professor Fritz Kreisler, als er sich von seinem Belfaster Konzert eiligst im Auto zum Dampfer nach Glasgow begeben wollte, beinahe das Opfer eines Äutomobilunglücks geworden. Seine Autodroschke fuhr in der Nähe des Hafens in ein entgegenkommendes Automobil und wurde völlig zertrümmert. Einem Wunder ist es zu verdanken, daß der Künstler mit einem leichten Nervenchok davongekommen ist und bereits in Glasgow wieder auftreten konnte. Französische Einladung an Adel. Der bekannte Kunstjlieger Oberleutnant a. D. Hdet wurde von der Union der Zivilflieger Frankreichs eingeladen, auf einem im Dezember stattfindenden Kongreß für Luftfahrt einen Vortrag über konstruktive Fragen des deutschen Flugzeugbaues zu halten. Wie die „Münchener Neuesten Nachrichten" hören, beabsichtigt Hdet die an ihn ergangene Einladung anzunehmen. Flugzeugabsturz. In der Nähe der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin--Adlershof stürzte heute abend gegen 41Hhr ein bereits erprobter Doppeldecker anscheinend infolge Ded.enungs- fehlers aus 200 Meter Hohe ab. Der Flieger Seefeldt, der vor einem Jahr das Flug- patent erworben und bereits zahlreiche Flüge durchgeführt hatte, wurde t o t aus den Trümmern des Flugzeugs hervorgezogen. Ein Auto im Neckar. Ein der Darmstädter Bauabteilung der Elektrobaugesellschaft Dessau gehöriges Auto wollte dieser Tage auf der Ilvesheimer Fähre über den Neckar sehen. Nachdem es vorsichtig auf die Fähre gefahren war, roltte es plötzlich rückwärts ins W a sser. Der Chauffeur konnte sich noch rechtzeiOg retten. Das Auto jedoch stand bis zum Dach in den Fluten. Mit Hilfe der ganzen Ilvesheimer Feuerwehr konnte es nach mehrstündiger anstrengender Arbeit ans Land gezogen toeröen. Ein dreister Raubüberfall. Bei der Adler-Banl in Basel erschien ein gut gekleideter Herr und bat, ihm einen Betrag in französischer Währung umzuwechseln. Während der Kassierer das Geld aufzahlte, warf ihm der Fremde Pfeffer ins Gesicht und bemächtigte sich eines Bündels Banknoten. Der Täter konnte ergriffen werden. Erstickungstod zweier Kinder. Bei einem Stubenbranb in Bochum kamen bie beiben fünf unb zweieinhalb Jahre alten Kinder eines Hüttenarbeiters duxch Ersticken um. Das gesamte Mobiliar verbrannte. Schneefälle. Im Riesengebirge und in 0 st preußen ist bei starkem Temperaturrückgang Schneefall eingetreten. Die Königin von Rumänien in Amerika. Auf dem Hnionsquare in Neutzor fand eine Prote st Versammlung statt, in der erklärt wurde, der Besuch der Königin von Rumänien solle den amerikanischen Petroleuminteressen gegenüber den englischen Interessen dienen. Rumänien benötige Geld zur Stützung feiner Herrschaft in Bessarabien. Richter Panken, der i sozialistische Kandidat für den Neuhorker Gou- verneurposten, kritisierte den Heb ereifer bei dem Empfang der Königin, die das korruptest regierte Land der Welt repräsentiere. Die eWorld" führt aus, es zeige sich, daß der Stil der Königinnen sich ändere und daß die heutige Königin sich nicht mehr von der Menge fern halte, sondern mit allen heute üblichen M tteln um sie wirbt. Die Königin gab in der rumä,rischen Gesandtschaft in Washington ein Essen, an dem Vertreter Frankreichs, Italiens, Polens und der Kleinen Entente teilnahmen. Heute wird Präsident Coolidge die Königin empfangen. Ein Millionenkonkurs. Bei dem vor kurzem in Konkurs gegangenen Berliner Ex- und Importgeschäfts von (Talon), ber biefes Geschäft mit den beiben Teilhabern Süßermann unb Sußmann betrieb, unb dessen Bureau aus einem Zimmer unb einer Schreibmaschinenbame bestand, wurden nahezu 2 Millionen Mark Pas - s i o a festgestellt, denen keine Aktiven gegenüberstehen. Bei der Kriminalpolizei haben sich inzwischen bereits 20 Firmen der Leder-, Textil-, Stofs- und Baumwollbranche gemeldet, bei denen Ealow und feine Genossen große Einkäufe gemacht, aber keine Zahlungen geleistet haben. Auf Verfügung der Staatsanwaltschaft wurden Ealow unb seine beiden Teilhaber unter dem dringenden Verdacht des fortgesetzten Betruges unb Konkursverbrechens festgenommen. Täglich laufen neue Anzeigen ein. Eifenbahnattenlat bei Leningrad. Am Samstag ere.gnete sich in der Nähe von Leningrad ein Eisenbahnunglück, bai dem fünf Personen getötet wurden. DieHnlersuchung ergab, dah das Hnglück die Folge eines Attentats war. Der Verbrecher konnte bereits verhaftet werden. Er hat die Tat verübt, um die Passagiere des Zuges zu berauben. Tausendjahrfeier in Rordhausen. Die ehemalige Freie Reichsstadt Nordhausen am Harz begeht im Mai 1927 festlich ihr lOOOjähr. Stadtjubiläum. Die Stadt ist eine der ältesten Siedlungen Nordthüringens und am Harz, heute eine blühende Mittelstadt von 26 000 Einwohnern, die die mittelalterlichen Reize der Stadt zum großen Teil zu erhalten verstanden haben. Die Sparkasse im Backofen. In Groß-Rinderseld bei Mosbach hatte der Landwirtssohn Ersparnisse in Höhe von 240 Mark im Backofen aufbewahrt. In seiner Abwesenheit heizten die Eltern den Ofen, so daß dos Geld verbrannte bzw. verschmolz. Wettervoraussage. Anfänglich stärker, später schwächer bewölft. Winde allmählich auf nördliche Richtung drehend und wieder leichter Temperaturfall; außer strich- weisen Schauern trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,0, Minimum minus 0,5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 2,1 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 20. Oktober 1926. Welke Blätter. Der Herbstwind hatte an der Straßenecke einen großen Haufen welker Blätter zusammengeweht. Noch vor kurzer Zeit leuchteten sie in herrlichen, gotbenen, roten und braunen Farben aus dem Garten über die Mauer hinweg, jm Sommer halten sie mit ihrem dunklen Grün kühlen Schatten auf die sonnenheiße Straße geworfen, — nun lagen sie als großer fahlgelber Haufen, unschön anzusehen unb nutzlos auf der Erde. ,,W i e t r a u r i g“, dachte ich, verloren in die Betrachtung der Vergänglichkeit alles Schönen, von meinem Fenster aus. „Wie lu st i g“, dachten meine zwei kleinen Freunde vom Fenster gegenüber. Hnd sie sprangen flink die Treppen hinunter, zum Hause heraus, und mitten in den hohen losen Dlätterhausen hinein. Heißa, war das ein Vergnügen I Dis hoch an den Leib versanken sie zuerst darin, aber dann war er bald breiter und flacher gewirbelt, und da war t^eid) eine neue interessante Situation geschaffen: jetzt konnte man drin schwimmen I Hnd sie planschten und ruderten mit den Armen und „bespritzten" sich mit den Blättern. Es war ein herrliches Vergnügen, sowohl zum Erleben wie zum Anschauen. Aber leider nicht nur für mich. Zwei andere Jungens kamen des Weges, sahen sich den Spaß, Hände in den Hosentaschen, erst gründlich an, dann aber „Hände hoch" hinein ins Vergnügen! „Wir waren zuerst da", schrien meine kleinen Freunde erbost, und dann begann der Kamps. Die Blätter mit allem reichlichen Dtraßenstaub flogen den Eindringlingen um die Köpfe, sie rangen, sie schubsten und stießen sich, bis der schöne, traurige, lustige Dlätterhausen ein flaches, nutzloses Beet geworden war. Da zogen die Feinde befriedigt ab, meine kleinen Freunde aber trugen emsig den Haufen wieder zusammen, und wenn er nun auch noch etwas staubiger als zuerst war — wir sind alle (taubgeboren, und der Staub ist daher unser ureigenstes Element. Hnd so schwammen d'e Zwei bald wieder in Seligkett und staubigen Blättern, das Vergnügen war nun wieder recht groß. Hnd ich ging mit srischem Mut an m in Taae- werk, lächelnd und nachdenklich: es läßt sich alles wisper aufbauen, auch das zerftörteste besetzte Gebiet-Wenn der Fe'nd wieder abgezogen ist! Man darf nur den Mut nicht verlieren! E. v. M. Die neuen Postwertzeichen. WSN. In nächster Zeit werden, wie schon kurz gemeldet, die neuen Postwertzeichen ausgegeben werden. Der Leitgedanke bei der Ausgabe der neuen Marken war, dem deutschen Volke wie dem Auslande die hervorragendsten Vertreter deutscher Art und deutscher Geistesgröße im Bilde vorzu- fübren. Hm dem großen Werke die nötige Ge- schlosfenbeit zu geben, wurden Männer aus der Kulturepoche der deutschen Klassik gewählt, außerdem einer der größten Maler b:r deutschen Vergangenheit. Mit Z>em Entwurf für den äußeren Rahmen wurde auf Vorschlag des Reicbskunst- wcirts der Berliner Graphiker Luc ' an Zabel beauftragt. Die Marken werden in zehn Werten herausgegeben, so daß für jeden Wert ein besonderer Kops verwertet werden konnte, nur Goethe ist zweimal vertreten. Der W^rt von 60 Pfennig ist toegaelaften worden, weil er bei den gegenwärtigen Gebührensätzen nur selten gebraucht wird. Dafür sind zu den jetzigen Werten neu hinzugekommen d e Marlen zu 15 und 25 Pf., die für den Weltpostverkehr nötig sind und von der Geschäftswelt schon lange gewünscht werden. Im einzelnen sind die Köpfe und Farben fol- H Aöchstleisiung-MLZL Gr. 36-42 gutes Fabrikat H.-Derbystiefel, strapazierfähig holzgen. 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QL Daustadium eingetreten. Eine große Arbeiter- Schütz, geb. Walbschmibt, W'twe. 71 Jgbrr alt, Dom'bev Wetzlar: 4. H. Moosbach, Gie- kolonne ist zur Zeit mit der Beseitigung der alten Sicher Straße 74. 15. Marie Jakob.ne Dockel, geb. ßen- 5 H Schneider, Butzbach. Schienenüberführung beschäftigt. Diese Arbeit Michel, W twe, 69 Jahre alt, Sicher Straße 106. Han delsbrieswechsel: 1. Dreis Hch. wird in zwei Teilen ausgeführt, und zwar wird Heinrich Schmnhl, ohne Beruf, 64 Jahre alt, Moosbach Gießen: 2. Preis A. Domdeh, zunächst das Gleis Gießen-Lollar, sodann das Licher Straße 74. Wetzlar- 3 R Baum, Gießen: 4. H. Faah, I Gegengleis Lollar—Gießen umgelegt. Heute früh ** Bund der Kolonialfreunde. Gießen ' 5 W Söltzer, Butzbach: 6. W. hat man mit dem Herausnehmen des Gleises Ortsgiuope Gießen des Bundes der Kolonial- - - 1 Gießen—Lollar begonnen. Die schweren eisernen freunde hielt am Samstag ihre QEonat3beifamm- Träger wurden mittels Kranen gehoben und lung ab. die einen sehr guten Besuch zu ver- ' „.IririS-. ‘ y ' -\ jeiebnen hatte. Rach einer eindrucksvollen De- Diese Arbeit" ist, wie der Augenschein zeigte, gtüfiung, sowie der Bekanntgabe eingegangener für die Arbeiterschaft recht anstrengend und für Mitteilungen durch den 1. Vorsitzenden Mohr die Leitung in hohem Maße verantwortlich, da wurde die Gründung einer Mädchengruppe vorder Umbau sehr rasch vor sich gehen muß und der genommen. Mitglied Heß, Leiter der mänu- Zugverlehr auf dem banebenliegenben Gleis ließen Jugendgruppe, verstand es mit seinen feine Unterbrechung erleiden darf. Rach dem fesselnden Ausführungen über den Zweck der Herausheben der Träger und der Schienen ist j Jugendgruppen eine Führerin der Mädchen- weiter die alte Drückenmauer zum Teil abzutta- gruppe zu gewinnen. Frau Frieda Lösch wurde gen. Man rechnet damit, daß diese Arbeit bis als deren Leiterin bestimmt. Gleichzeitig wurde zu den frühen Rachinittaasstunden beendet sein auf Vorschlag des Mitgliedes Heß den beiden wird. Hierauf wird im Lause des Rachmittags Jugendgruppen ein Rame gegeben, und zwar die neue Brückenkonstruktion für dieses Gleis der männlichen der Rame ^Waterberg" und der herangeschafft und eingebaut. Nachdem die neue weiblichen der Rame ^Maua". Sodann hielt Brücke des einen Gleises gehörig befestigt ist, Mitglied Keil einen interessanten Vortrag über wird die Ilmbauarbeit in der beschriebenen Weise die Einrichtung eines Ozean-Dampfers an Hand an dem Gleis Lollar-Gießen vorgenommen. Man eines Modells, bas von der Hamburg-Amerifa- kann wohl damit rechnen, daß der Dahnver- Linie zur Verfügung gestellt worden war. Zum kehr in wenigen Tagen wieder unbehindert brr I Schlüsse der geschäftlichen Erledigungen wurden Damen-Halbschuhe, mol Form gutes Fabrikat Kräftige Kinderstiefel, Gr. 31-35 prakt Schulstiefel— flelegenheltskant Lederbes. Schnallenstiefel Sealskinfutter. kr.Ledsrioh'.e, Gr 31-35 D.-Leder-Spangenschuhe bequeme Form m. Absatzfl., Gr 36-42 Kräft. Kinderstiefel, Gr 23-24 Das beste für die uasse Jahreszeit ■ . Lederheselzle Schnallenstiefel Gei Äxte Ledersohle Gr. 36—42 Leder-Kinderstiefel m.Fleck gutes Fabrikat Kamelhaarstoff-Schnallenstiefel Ledersp..Filz-u. Ledersohle. Gr. 31-c5, Belegenheilikaul I Alleinst. Herr f. zur I io. ,, . I I Führung sein. Haus-1 Stellengesuche Halles eine ältere \ t... 1 ■ , Zg. WnMler Herr Ludwig Berlin im blühenden Alter von 19 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verschieden ist Großen-Buseck, Bochum, den 19. Oktober 1926. 8592D Beerdigung Donnerstag, den 21. Oktober, nachm. P/2 Uhr, in Großen-Buseck. Frau Helene Pauly geb. Herr im 66. Lebensjahre. Cafe Astoria Heute abend 81/, Uhr Gießen, Frankfurt a. M., den 19. Oktober 1926. 07292 Achtung! 07343 । Vermietungen Deutscher Beamtenbund Gießen, den 19. Oktober 1926. 8609D Ortsgruppe Bietzen Sämtliche Beamte von Gießen und Umgegend werden zu einer Statt Karten! Burg, den 15. Oktober 1926 | Kaufgesuche j Zahlreiches Erscheinen erbeten! 8587D Allen Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber, hoffnungsvoller, unvergeßlicher Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe der 5 Jahre in der Branche ttitifl ist, suchtSrcllcalsVer- fmtfer, Reisender, Lagerist oder Erve- dient, evtl, auch tn anderer Branche. Besitzt Führerschein für Motorrad. Schr. Angel', unter 07268 o. b. Gietz. An;, erb. Für die Hinterbliebenen: Frau A. Giegling Wwe. Allen denen, die mir und den Meinen beim Ableben meines lieben Mannes so sehr viel Teilnahme entgegengebracht haben, danke ich zugleich im Namen der Meinen recht herzlich In diesen Dank schließe ich ein die Vereinigung der 50er von 1854. j Dame od. Ehepaar ohne Kinder gegen Abgabe von zwei Zimmer mttKüchen- benutzung. DteWob- ! nung liegt in beit. fr. Lage d. Stadt. Schr. ! Ang.u.07164a.d.G.A. »MR 0 Industrie gröberes Quantum abzugeb. (frei Haus! Sr.’ßinöfn 1 FrankfnrierStr. 115 Heute vormittag entschlief unerwartet unsere geliebte Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Für Züchter Mehrere jg. Hähne (Gold • Wyandottes, reiurass.i, abzugeb. Langgöns, Holz- Heimer Str 20. Weitzkrant Ztr. 3 Mk., Wirsing Ztr. 5 Mk.. Winterzwiebeln. Winteräpfel, Quitten,dick.Meerrettich eingetroffen. Verknus Donnerstag von 8 Ubr am Brandplatz, Eingang Botanischer Garten. Jo» JkM, MOW1951. Die glückliche Geburt eines Töchterchens zeigen hocherfreut an Landmaschinen- schlosser selbständiger Monteur, mit allen ih’c- varaiurenanDresch« Maschinen, Motor- I pflügen und Binde- j mähern ufro. oertr, für sofort gesucht. Sckr. Angeb. unter 8605P a. d. Gies;. Anz Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Salomon Berlin. In tiefer Trauer: Dr. Erasmus Pauly und Angehörige, Heute abend 8 Uhr W VORTRAG -W von Missionar Keller, Heidelberg, im Johannessaal über tsl8D „Das Gottesurteil und seine Anwendung in Kamerun.“ Eintritt frei! Mbl. SlWszIinmer Vobnzimmer mit Küche an nur kinderl. Ehepaar alsbald zu verm. Dammstratzc 29. C L IVUUJ |. il ig zu verk. 0TW ilbcimitr. 10 p. am Donnerstag, dem 21. Oktober 1926, abends 8 Uhr, im Katholischen Dereinshaus, Liebigstratze eingeladen. Botlrog: tzerc Benot Löss. (Men. Mn Sie Einigung öet öenllißen BeomlenWt - zngieW Bendit Söer Den Mlen Snnöeslgg oom 1. Bis 9. Mosel ö. 3. la Berlin. 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Anz. $ Turnverein U von 1846, Gießen. Ordentliche Jahresversammlung am Samstag, dem 23. X. 1926, abends 8Vi Uhr, int Post- kellcr. Tagesordnung: 1 Berichterstattung, 2. Necknungsablage, 3. Bericht der Rech- nungSorüsungökom' Mission, 4. Wahlen in den Boritand, 5. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet 8598c der Vorstand. Hubertus. Heute: 8X)6j) ,,Hess. Hof". Tictsiiintz'Ptlciil (Sieben. 3ur fiennlnisnahme! Die Geschäfte eines Vereinsd encrS sind vom 1. Oktober ab dem Herrn MSCD Wilh.Schneider Invalide Ebelstratze 3S übertragen worden. R. d. Vorstand: W. Fritzel, L Bors. beseitigt schmerzlos LEBEWOHL PFLASTERBINDE MIT FILZRING blechdose (t Pflaster) 75 Pf. Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich in Apotheken u. Drog. Sicher zu haben bei: Aug. Noll, Kreuz-Drogerie; Hans Noll, Ludwigsplatz-Drog. und Neustadt-Drog ; O. Winterhoff, Drogerie, Kreuzplatz 9-10. 1001A Mittwoch, 20. Oktober 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 246 Zweites Blatt Kohleverflüssigung und Handelsbilanz. Don Dr.-Ing. Georg G o t h e i n, Reichsschatzminister a. D. Die Frage der Verflüssigung der Kohle — der Gewinnung von Mineralölen durch Hydrierung von Braun- und Steinkohle — ist aus dem langen Stadium der Versuche heraus. In kurzem wird die Produktion im großen beginnen. Das Kapitalkräftige Riesenunternehmen der I. G. oarben- industrie bringt neben einem eigenen Verfahren das nach seinem Erfinder Prof. Dr. Bergins genannte Berginoerfahren zur Anwendung und die von den Ruhrzechcn zunächst als Studlengesellschasl gegründete „Gesellschaft für Kohlenoerwertung' will das Verfahren des Prof. Dr. F i f ch e r - Mülheim ausbeuten. Man kann also hoffen, daß wir — ähnlich wie bei der Gewinnung des Stickstoffs — zwei wertvolle Produktionsmethoden in zwei verschiedenen Unternehmungen haben werden. Das find nicht nur wissenschaftlich-technische Großtaten, auf die wir Deutsche stolz sein können, sondern es hat auch einen außerordentlich hohen — heute natürlich noch nicht voll zu ermessenden volkswirtschaftlichen Wert; die Erfindung ist berufen, uns in unserem Mineralölverbrauch unabhängig vom Ausland zu wachen, unsere Handels- und damit auch unsere Zahlungsbilanz wesentlich zu verbessern. Was es für unsere Handelsbilanz bedeuten kann, erhellen kurz folgende Zahlen: Rach den bis Ende August vorliegenden Ergebnissen der Ein- und Ausfuhr wird im laufenden Kalenderjahr unsere Mehreinfuhr von Mineralölen einen Wert von 230 bis 240 Millionen Reichsmark erreichen. Wir können hoffen» in einigen Jahren diese Einfuhr nicht nur entbehrlich zu machen, sondern selber ein Ausfuhrland für Mineralöle zu werden. Daß solche Hoffnungen nicht Illusionen sind, beweisen die Erfolge anderer deutscher Erfindungen auf chemischem Gebiet. Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts führten wir zum Färben unserer Stoffe Tür etwa 36 Millionen Mark jährlich Krapp ein. Die Erfindung der Anilin- und Alizarinfarben durch A. W. Hofmann und Liebermann machte nicht nur jede Krappeinfuhr unnötig, sondern ermöglichte uns eine- Ausfuhr der genannten Farben, die im Jahre 1913 bis auf 143 Mill. Mark gestiegen war. Rach Anfang der neunziger Jahre mußten wir jährlich für 25 bis 30 Millionen Reichsmark I n - d i g o einführen. Nachdem es B a e y e r gelungen war, synthetischen Indigo herzustellen, stand 4897 einer Einfuhr natürlichen Indigos im Werte von 12,7 Mill. Mk. eine Ausfuhr im Werte von 4,8 Mill. Mk. gegenüber, aber 1913 wertete die erstere nur noch 0,4, die letztere dagegen 53,4 Millionen Mark. Während des Krieges und durch das Friedensdiktat von Versailles wurden wir freilich unserer Patente beraubt: aber die Güte unserer Fabrikate voll zu erreichen, ist weder den Amerikanern noch ben Japanern, noch den Franzosen, noch den Engländern gelungen. Ganz können sie unsere hochwertigen Teerfarben nicht entbehren. In den geringeren Sorten machen sie uns freilich einen empfindlichen Wettbewerb auf dritten Märkten, während sie von den ihrigen unsere Farben teils durch exorbitante Zölle, teils durch Einfuhrverbote fern halten. Trotzdem dürfte unsere Ausfuhr im laufenden Jahr wieder mehr an 200 Mill. Reichsmark herankommen, darunter einige 40 Millionen Reichsmark für künstlichen Indigo. Vor 20 Jahren führten wir für 110 Mill. Mk. Chilesalpeter ein; 1913 erreichte seine Einfuhr bereits 173 Mill. Mk. Die Erfindung des synthetischen Stickstoffes durch Prof. Haber und des Kalistickstoffes durch Prof. Caro machte diese Einfuhr nicht nur überflüssig, sondern wir werden in diesem Jayre für mehr als 100 Millionen Mark künstliche Stickstosfoerbindungen und für einige 50 Mill. Mk. Kalkstickstoffe ausführen, trotzdem unsere Landwirtschaft weit reicher und wesentlich billiger mit Stickstoffdünger versorgt wird, als das vor dem Kriege geschah. Diese beiden Erfindungen haben also unsere Handelsbilanz um über 300 Mill. Reichsmark verbessert, die oben genannten auf dem Gebiete der Farbenchemie um wohl ebensoviel. Es ist zu hoffen, daß wir in wenigen Jahren statt für 240 Millionen Reichsmark Mineralöle einzuführen, für ebensoviel ausführen. Dabei läßt sich mit Bestimmtheit voraussagen, daß der Verbrauch von Mineralölen, vor allem von Treibölen, Benzin und Benzol mit Tallimann. 1 Von Waldemar Keller. Wenn die Schiffe Ladung einnehmen. Ladung löschen, kauert an jeder Luke ein aufmerksamer Mann, das Notizbuch in der Hand. Entweder gehört er zur Besatzung und ist vom Schiffseigner gestellt oder der Verfrachter hat ihm seinen Platz angewiesen. 'Der Tallimann, so wird er genannt, lectt den Bleistift und macht eifrig Striche, malt Zahlen. Sieben Sack Mais. . .ein Kdrb Kohle... vierundzwanzig Rollen Draht — je nachdem. Am Schluß muß es stimmen. Es stimmt nie. Der Tallimann aber hat sich vorher vergewissert, wieviel da kommt oder geht, und mogelt. Darin ist er immer groß. Und am Schluß stimmt es eben. Auf den Segelschiffen, die nach der Westküste Südamerikas fahren, nach Chile oder Südperu, ist der Posten eines Tallimanns arg umstritten. Man begehrt chn. Wer jedoch leer ausgeht, dankt spater oft seinem Schöpfer. Es kommt nur ein Matrose oder Leichtmatrose in Frage, und selbstverständlich giften sich die andern, die Kohlen ausschauseln, Salpetersäcke übernehmen müssen, weil ausgerechnet dieser blöde Kerl, dieser Hein. daS feine „Dontje". den guten „Job" ergattert hat. Man kann 1000:1 weiten, daß, wenn der Tallisiann unglücklicherweise ein Leichtmatrose ist, sämtliche Schikanenschleusen sich öffnen. Dom Mittagessen wird für ihn nur ein Restchen Sauerkraut und eine Speckschwarte übrig bleiben, zumal der Brauch fordert, daß „erst mal die Leute, die arbeiten", 4hr Teil schöpfen. Steht der Aermste vor seinerScekiste und stopft sich die Pfeife, so wird einer behaupten, er sei im Wege. Dies geschieht meist wortlos, unter Zuhilfenahme der Zeichensprache: die Unterredung beginnt mit einem Knuff in die Rippen, und da es Ehrensache ist. jeden Knuft doppelt zurückzugeben, endet sie mit einer massiven Keilerei, vorausgesetzt, da«) derjenige, der den Dialog anfing, ebenfalls ein Leichtmatrose ist. Ein Matrose kann in diesem Falle tun, was er will. Wehe dem Jungen, der sich bvn einem „Vollen" nicht stillfchwergend knuffen laßt! Beschwerden sind an Bord von Segel- dem zunehmenden Automobil- und Luftverkehr und der wachsenden Anwendung von Dieselmotoren in der Schiffahrt eine sehr starke Zunahme erfahren wird. Unsere Zahlungsbilanz wird durch solche Erfindungen noch günstiger beeinflußt' als die Handelsbilanz allein. Die Anwendung unserer Verfahren zur Verflüssigung der Kohle wird sich nicht aus Deutschland beschränken, sondern sich auch auf andere Länder erstrecken, die nicht über genügend eigene natürliche Mineralöle verfügen. An diesen Anlagen wird sich das deutsche Kapital durch Einbringung seiner Patente beteiligen, werden deutsche Ingenieure und Chemiker die führenden Stellungen dabei übernehmen usw. Das ist sog. „unsichtbare Ausfuhr"/ die der Zahlungsbilanz zugute kommt. Das innige Zusammenarbeiten von Naturwissenschaft und Technik hat Deutschland groß gemacht: nicht minder die Tüchtigkeit seiner Ingenieure, Kaufleute und Techniker. Langsam und unter schwierigsten Verhältnissen müssen wir jetzt uns wieder heraufarbeiten. Aber, solange deutsche Wissenschaft und deutscher Crfindungsgeist blüht, können wir hoffnungsvoll in die Zukunft fehen. Thoiry in der Praxis. Don unserem Pariser 8.°Korrespontent. Wie soll die Thoiry-Politik praktisch Leitergeführt werden? Das ist das große Problem, das gegenwärtig in Paris im M.tte'punkt allen Interesses steht. Auf diese Frage vermag kein Diplomat, kein Politiker, und mag er sich der besten Beziehungen rühmen, eine klare Antwort zu erteilen. Aufsehen erregte kürzlich ein Artikel de Iouvenels im ..Matin", weil er die gesamte Thoiry-Politik ablehnt und rein negierend gehalten ist. Der Senator und Minister a. D. Henry de Iouvenel wird aber noch viel deutlicher in einem Artikel „Keine d e u t s ch - französische Entente ohne Europa", den er in der letzten Rümmer der politischen Wochenschrift „L'Europe Rouvelle" veröffentlicht. In diesem Artikel heißt es u. a.: „Wir können nicht gegen das int übrigen nur vage Versprechen der Mobilisierung der Dawes-Obligationen auf militärische Besetzung des Rheinlandes verzichten. Sondern wir müssen Garantien verlangen gegen den „Anschluß", gegen eine wirtschaftliche Entente gegen Polen. Heute ist die europäische Gefahr nicht mehr Westeuropa, sondern Osteuropa. Dort sind unsere Verbündeten. Wir haben die Rotwendigkeit begriffen, nicht nach Locarno zu gehen, ohne daß Polen und die Kleine Entente dort vertreten seien." Wie kommt de Iouvenel dazu, einen solchen Artikel zu schreiben? Wer hat ihn diktiert? Steckt Poincare dahinter? Wir haben diese Frage den maßgebenden französischen Politikern vorgelegt,' die wirklich kompetent sein dürften. Sie haben diese Frage auf das Entschiedenste verneint. Bleibt also nur eine andere Vermutung, de Iouvenel will Opposition machen und sich vorbereiten auf eine mögliche Regierungskrisis. Will er aber gegen die Politik der gegenwärtigen Regierung Poincare-Briand opponieren, so muh er selbst vor allen Dingen wissen, was er will und gegen die Pläne der gegenwärtigen Regierung andere Pläne bereit halten. 3a, aber hat denn Poincare tatsächlich irgendeinen Plan? Rein und abermals nein. Fest steht nur, daß Poincare jetzt selbst nicht mehr umhin kann, das Mellon-Beranger-Schuldenabkommen ratifizieren zu lassen. Diese Ratifizierung bleibt das A und O seiner Gesamtpolitik. Auch, wenn Amerika der Mobilisierung eines Teiles der deutschen Cisenbahnobligationen wohlwollend gegenüberstehen sollte. Darüber jedoch muh der Quai d'Orsay sich zunächst einmal Klarheit verschaffen. Deshalb seine Demarchen in Washington. Vorläufig sind sich weder Driand noch Poincare klar über die Tragweite und Auswirkungen dieser Transaktion. Der Finanzminister Poincare hat entschieden noch keinen festen Finanzplan. Seine allernächste Umgebung und seine intimsten Freunde versichern auf das Bestimmteste, daß er noch sehr weit davon entfernt sei, ein großzügiges Finanzprogramm etwa auch nur in seinen Grundzügen schon ausgestellt zu haben. Alle Fachleute sehen mit großer Besorgnis der zweiten Hälfte des Monats Rovembcr entgegen, die neue riesige Anforderungen an den Fiskus stellt. Die innerpolitische Lage Frankreichs bleibt mithin sehr gespannt. Andererseits aber beginnen die ö st l i ch e n 2 a s a l l e n st a a t e n Frankreichs immer unruhiger zu werden. Wir können aus das Bestimmteste versichern, daß sowohl Polen wie die Tschechoslowakei am Quai d'Orsay sehr energisch vorstellig geworden sind und die französische Regierung gebeten haben, über alle „Thoiry-Politik" nicht die östlichen Verbündeten zu vergessen. Sie argumentieren so: Deutschland hat freiwillig (also nicht unter dem Zwang des Versailler Vertrages) endgültig auf Elsaß-Lothringen verzichtet. D:u schland hat aber nicht seine östlichen Grenzen endgültig anerkannt. Seine mit uns abgeschlossenen Schiedsverträge ändern an dieser Tatsache garnichts. Wie weit soll also die Thoiry- Verständigungspolitik noch gehen? Was sollen wir, Polen und Tschechoslowaken, tun. wenn Deutschland auf diesem Wege der Bereinigung seiner Friedensverträge fortschreitet? Die Mahnrufe de Iouver.els sind daher nicht zu unterschätzen. De Iouver«u spricht ganz deutlich wiederhalt von der Kleinen Entente und schneidet damit bewußt eine für Frankreich sehr heikle Frage an. Denn in dem Mähe, in dem der Einfluß Frankreichs auf die Kleine Entente sich abschwächt, wird dort der Einfluß Italiens um so stärker. Und das ist ein Argument von ausschlaggebender 'Bedeutung für die französische Mentalität. — Die französische Regierung selbst ist sich ganz bestimmt noch nicht klar darüber, wie sie praktisch „Thoiry-Politik" treiben soll. Daher das Zaudern und Schwanken des Quai d'Orsay. Daher aber auch die auffallende Aktivität gewisser Kreise in Paris, die da glauben, ihre Stunde sei nicht mehr fern, und sie müßten sich sorgfältig darauf oorbcrcitcn! — Es macht sich in Paris seit einigen Tagen immer deutlicher eine ausgesprochene Stimmung gegen Thoiry geltend. Aus welchem Grunde, bleibe hier unerörtert. Diejenigen Stimmen, die in Deutschland unmittelbar nach Thoiry nicht laut genug Hosiannah schreien konnten, werden jetzt viel leiser. Die anderen hingegen, die von vornherein zur Geduld mahnten und von Anfang an sich sehr wohl klar darüber waren, daß sehr, sehr viel Zeit darüber vergehen würde, bis die Theorien von Thoiry sich in die Praxis umsetzen ließen, scheinen wieder einmal Recht behalten zu haben. Die Basler Mission in Gietzen. Völkerkundliche Ausstellung. In Gegenwart eines sehr großen Kreises geladener Damen und Herren unserer Stadt und der Umgegend wurde gestern nachmittag in den Räumen des früheren „Hotel Grohherzog" die völkerkundliche Ausstellung aus den Arbeitsgebieten der Basler Mission eröffnet. Unter den Erschienenen waren u. a. die Vertreter der Theologischen Fakultät unserer Landesuniversität mit Sr. Magnifizenz dem Rektor Prof. Dr. Zwick. Landgerichts- Präsident Reuenhagen, die Geistlichen unserer evangelischen Gemeinden in Stadt und ^and, Herren der Schulaufsichtsbehörden und des Schul- lehrdienstes zu bemerken. An Stelle des im Auslande weilenden Universitätsprofessors D. Dr. Frick hielt Missionar Lauk- Frankfurt a. M. die Eröffnungsrede. in der er die große Bedeutung der deutschen Mission für die hilfsbedürftigen Völker, aber auch für die Geltung des deutschen Ra- mens in der Welt gebühreich herausstellte. Hinter dieser Missionsarbeit. die mit dazu beitragen will, daß der deutsche Christenname wieder den alten hohen Klang bet' den andern Völkern der Erde findet, muh — wie der Redner mit Recht forderte — das deutsche Volk geschlossen stehen. Missionar Laut betonte, daß die Ausstellung dem heutigen Stande unserer deutschen Missionsarbeit. die ja durch die Kriegszeit mit all ihren schweren Rückschlägen auch hart betroffen wurde, entspricht, und wenn sie auch nicht so groß sei wie die vor dem Kriege hier gezeigte: Schau, so gebe sie aber doch ein getreues Bild von dem, was jetzt in der Mission geleistet werde. Anschließend sprach Missionsinspektor D. Dr. Oehler-Basel über die Arbeit draußen in den Basler Missionsgebieten, wodurch man ein recht interessantes Bild des missionarischen Wirkens in den Basler Aufgabenländern bekam. Aus den Worten des Redners klang hohe Begeisterung für das schwere, aber doch auch dankbare Wirken der Mission heraus, man Hörle jedoch auch hier die ernste Ermahnung, diese Arbeit von der Heimat aus in rechter Würdigung zu stützen und zu fördern, wo es nur irgend möglich ist. Pfarrer Bechtolsheim er grüßte im Ramen der evangelischen Gesamtlirchengemeinde der Stadt Gießen die Basler Mission und deren hier weilende Vertreter, er gab dcr Genugtuung darüber Ausdruck, daß diese lehrreiche Ausstellung hier gezeigt werde, und betonte, daß Gießen und Oberhessen schon immer ein Herd der Mission gewesen seien: besonders die Basier Mission ruhe hier auf gutem Grund und habe von hier aus immer tatkräftige Förderung erfahren. Auch für die Zukunft könne die Mission auf Gießen rechnen. Missionar Gaul brachte den Dank dec Basier Mission für den Gruß und die Sympathie der Stadt Gießen zum Ausdruck. Rach einer Kafseepause folgte die Führung der Gäste durch die Ausstellung. Aus dem asiatischen Arbeitsgebiet der Basler Mission sind China. Borneo und Indien in der Ausstellung vertreten. In der Abtellung China bemerkt man u. a. das Modell einer Ahnenhalle, verschiedenerlei Zaubermittel, das Modell eines Grabes und eines Wohnhauses: aus Borneo sieht man u. a. die Rachbildung eines Wohnhauses auf Pfählen, Taschen, Körbe, txid Schwert eines Kopfjägers usw.: Indien ist durch Götzen, vielerlei Hausrat, Spielsachen usw. veranschaulicht. Don dem afrikanischen Missionsgebiet lernen wir einiges von der Goldlüste und aus Kamerun kennen. Don der G o l d k ü st e siebt man u. a. eine Fetischfigur, Fetischgegenstände, allerlei Zaubermittel. Sllavereigegenstände. eine Regerhütte im Modell. Scharfrichtermühe und -messer, Kleider usw.: aus Kamerun erblickt man u. a. das Modell einer Wohnhütte und einer Misfionsstation, Waffen, Zaubergeräte, Haus- und Küchengeräte usw. Daneben kann man noch aus allen Gebieten Bücher in der betreffenden Landessprache, weibliche Handarbeiten. Schülerarbeiten, Schulhefte usw. sehen. Die hier gegebene Aufzählung von Ausstellungsgegenständen umfaßt nur einige besonders hervorragende Stücke bzw. Gruppen. Eine Fülle weiterer hochinteressanter Gegenstände kann wegen Mangel an Raum hier nicht registriert werden, obwohl sie auch recht fesselnd sind. Alles in allem: Die Ausstellung ist für jedermann, dessen Interesse über seinen engeren Heimatbezirk hinausreicht und wohl gar die ganze Welt umspannt, sehr sehenswert. Der Besuch dieser völkerkundlichen Schau ist nur zu empfehlen. Die Jahresversammlung des Oberhessischen Vereins für die Basler Mission sand am gestrigen Dienstag im Matlhäussaal statt. Sie wurde nach dem gemeinsamen Gesang des Liedes „Lobe den Herrn, den mächtigen König" von Dekan V o l p ° Laubach mit Schriftlesung (9er. 29, 11) und Gebet eröffnet. Er vertrat den verhinderten Vorsitzenden, Dekan G u ß m a n n - Kirchberg, der ebenso wie der gleichfalls verhinderte Superintendent Wagner die Versammlung grüßte. Der von dem Leiter verlesene Jahresbericht gedachte des Begründers des Vereins, des oerftorbe-ien Geh. Kirchenrats D. Schlosser, früher Gießen, zuletzt Frankfurt a. M., und des Missionsinfpektors D. Würz. Basel. Auf der großen Baseler Ms° sionswoche war der Verein durch den Dekan Guß- mann und Volp vertreten. Eine Sammlung für die Not von Herrnhut sollte nicht neue Oraan'.sa- Honen schassen: eine solche Zerstückelung würde nur Verwirrung schaffen. Bei der Aussprache wies Pfarrer K ö d d i n g • Eberstadt darauf hin, daß das durch das weitverbreitete Losungsbüchlein bekannte Herrnhut allein kein Hinterland habe, und hoffte durch die Arbeit des Hilfsbundes auf Vermehrung der Mission-liebe. schiften verpönt. Logische Folge: es ist ein gemischtes Vergnügen, als Leichtmatrose an der Westküste Tallimann zu sein. Ich kann ein Liedchen davon fingen. Die heißen Tage in Caleta Duena. Pisagua und Taltal vor zwanzig Iahren wären köstlich^ gewesen, hätte der erste Steuermann mir vergönnt, als schweißtriefender schwarzer Teufel im Bauch des Schiffes die Kohlenkörbe füllen zu Helsen. Vorsichtige Petillonm wurden glatt abgewiesen. „Du bleibst Tallimann!" sagte Herr Müller, und wenn Herr Müller etwas sagte, war's wie das Amen in der Kirche. So kommt es, daß meine Erinnerungen an Chile zu den grausam kahlen Küstenbergen in einem überaus Proportionellen Verhältnis stehen. Don 100 jungen Leuten, die Seemann werden, empfeUen sich 80 bereits nach der ersten Reise mit ergebenem Dank an Poseidon. Ich hab's immerhin nahezu vier Iahre ausgehalten: dann marschierten die Bücher auf. Ein wild Büffelnder versuchte, nicht ohne Glück, an die empirischen Erfahrungen eines verstaubten Primanerdaseins anzuknüpfen. Das Pflänzchen wuchs, trug Früchte, und siehe da: es waren lauter Feuilletons. Die Sonne stand freundlich am Firmament. Auch das Kriegsgewitter ging vorüber, der Himmel schien aufzullären... da zog mit einemmal eine gewaltige schwarze Wolke heran und schob sich vor das wärmende Licht. Die Wolke hieß: Inflation. Ein Feuilleton war gleichbedeutend mit einem Milchbrötchen. Auch der widerstandsfähigste Magen mußte kirre werden. Was tun? Das Pflänzchen schüttelte sich energisch und schaute in die Runde. Ein grauer Hamburger Märzmorgen verhüllte den Ausblick, aber von fern heulte die Sirene eines Dampfers. Die heißen Tage in Caleta Buena. Pisagua und Taltal wurden lebendig, es kam des Wegs ein alter Schiffskamerad, der half, und wenig später produzierte der Bleistift keine Feuilletons mehr, sondern malte Zahlen, kritzelte Striche, wenn die Säcke mit Mais, die Bündel Piassava, die Drahtrollen in die Leichter geschwenft wurden. Tallt- maiTTL Trotz der Vertrautheit mit den Dingen kamen sie einem spanisch vor. Ganz anders als früher. Fremd war man eingefügt in diese Masse der arbeitenden Hamburger Schauerleute Gezügeltes Denken war notwendig, um Teil haben zu können an ihren Unterhaltungen, und den Stehkragen, festgeknöpft an noch nicht völlig erschlage.en Zukunftshoffnungen, sah man schwarz werden mit einer gewissen Zufriedenheit, weil er so, nur so, in das Milieu der Dampf winden und Oellannen und Schiffsbesen hineinpahte. Der alte Adam jedoch ließ sich nicht anschwärzen, bewies eine geradezu unangenehme Reinheit des Fortlebens, lieber den Gewichten, die der „Pünner", der Wieger, auf die Dezimalwage stellte und die man zu kontrollieren hatte, tanzten boshaft de Haupt- und Relativsätze. Merkwürdige Zettel führte dieser Tallimann stets bei sich. Später schimpften die Redakteure und Setzer, weil solch eine infame Kritzelei, umrahmt von Fettflecken, jedem journalistischen Brauch Hohn sprach. Wenn irgendein Reugieriger fragte: „Was machst du da. Tallimann?", dann antwortete die Vorsicht: „Ich rechne was aus." Infolgedessen ging dem Tallimann. von Schiff zu Schiff, der Ruf nach, daß er, obwohl offenbar ein „Studierter", im Kopfrechnen überaus schwach sei. Schiefe Blicke? Richt einen einzigen hab' ich erwischt. Der steht hier und nimmt Talli — woher, wohin: das ist gleichgültig. Ieht jedenfalls gehört er zu uns. Er wollte auch zu ihnen gehören. er laute fein schönstes Hamburger Platt, das ihm. vom Segelsch ff her. irgendwo tief in der Kehle saß, und dieses Angleichungsbestreben wurde überall mit dem denkbar größten Wohlwollen ausgenommen. Dorbeigeraten, wenn einer meinen sollte, es sei mit Herablassung verwandt gewesen. Keine Spur! Aber mit jeder Kameradschaft. die, Schulter an Schulter, aus Arbeit wächst, war es sehr verwandt. Aus der Möncke- bergstraße traf ich, schmierig von der „Schicht" heimkehrend, einen Schriftstellerkollegen, der die Hande überm Kopf zusammenschlug: „Sie müssen sich ja totunglücklich fühlen!" Rein. Der Tallimann hat zwar, offen heraus, täglich dreimal gewünscht, daß der Dollar von seiner phantastischen Höhe koppheister in die Wolfsschlucht sausen möge, aber Qualen, aus dieser Arbeit resultierend, hat er nie empfunden. Dazu waren die Reize der llmgebung zu groß, die Entdeckungen rein menschlicher Art zu erstaunlich und blickweitend. Der Schauermann, der Oswald Spengler besser kannte, als der „Talli" mit dem rußgschwärzten Stehkragen. war ein beschwingendes Erlebnis: der Winschführer, der aus der „Hochzeit des Figaro" von Beaumarchais zitierte und genau Bescheid wußte um die Zusammenhänge dieses Stücks mit der großen französischen Revolution, machte einen müden Abend heiter und schön. Und wieso denn überhaupt: unglücklich fühlen? Hatte man nicht in Flandern mit diesen Leuten in einem Grab n gesteckt, mein Freßpaket dein Freßpaket, damals, als die Welt verrückt geworden war? D e Aufhebung jenes Gemeinsamkeitsgefühls, nun die Zu- sammenschweißung durchs Schicksal auf anderer Ebene sich wiederholte, wäre doch immerhin eigenartig gewesen. Aber ich verhehle nicht, daß selbst ein vom Kastengeist unberührter Tallimann zu dieser Feststellung, die von vornherein gegeben scheint, nur durch Rachdenken gelangen konnte. So wundersam ist man oft verstrickt. Und einige Monate später, als die Sonne der Rentenmark zu leuchten begann ... war nicht alles von neuem wie umgekehrt? Ich meine nicht das Aeußerliche. Man kam in die Dittmar-Koel- Straße, zufällig, sah die Menschen vor den Zahlstellen _ des Hafenbetriebsvereins und sagte sich kopfschüttelnd: da hast du auch gestanden. Und — seien wir ehrlich — man ging auf die andere Seite, damit nicht von irgendwo der Zuruf auffliegen möge: „Hallo, Tallimann!" Warum ich dies alles niederschreibe? Das kommt so. wenn man nachts alte Tagebücher durchblättert. Da steht der blaue Himmel über Pisagua. da prasselt der Regen auf das Schuppen dach im Hansahasen. und die eingefargten Klaviere schwingen am Drahtseil des düster ausgereckten Kran- ballens. Kein Wunder, daß man Zelle um Zelle nachdenklicher wird. Pfarrer Mahr, Missionar Laut sprechen für Wahrung der Pietät und Eigenart gegenüber der Baseler Mission. Pfarrer S t a u b a ch - Watzenborn-Steinberg gab den Rechnungsbericht. Einer Einnahme von 450 Mark steht eine Ausgabe von 179 Mk. gegenüber. Dem Rechner wird Entlastung gewährt. Missionsinspektor D. Dr. Oehler spricht dann über „Das Christentum in den chinesi? sch e n Wirre n". Die drei Weltideen des russischen Zarentums, des türkischen Kalifats und des chinesischen Kaisertums sind in den letzten Jahren zusammengebrochen und hinterließen fast überall eine antichristliche Bewegung. Die Ideen sind vielfach von Christentum und Mission eingeführt worden. Das Christentum hatte den nationalen Gedanken geweckt, und. der nationale Haß gegen die Fremden hat sich auf das Christentum übertragen. Die Gehilfen der Missionare bekommen den Titel „Jagdhunde der Fremden" von der Jugend Chinas. Den verarmten Regierungsschulen stehen die reichen Missionsschulen der Amerikaner gegenüber; dazu kommt der Einfluß des Bolschewismus. England ist für China der Feind, und so wird Rußland der beste Freund Chinas durch den politischen Gegensatz gegen England. Wie dieses offiziell der Vertreter des Christentums, so Rußland der des Antichristentums. Die gebildete Jugend erwartet aber im Buddhismus das Heil; die Schüler- und Studentenunionen haben aber die Macht. Daneben die bolschewistischen Bauern- und Arbeiterbünde, die groß sind in der Verbreitung verleumderischer Lügen gegen tue Christen. Die Kantonregierung, zwar bolschewistisch, hat sich doch frei von Moskau gemacht. Der christliche General Feng ist mit seiner Ueberzeugungs- treue dem Christentum sehr wertvoll. Weitherzige, geduldige Lieoe wird bei der Jugend das Vertrauen gewinnen; das Vertrauen der Bevölkerung zu den Missionaren in den Missionsschulen war noch nie so stark. Sie sind, teilweise erweitert, bis auf den letzten Platz besetzt; es galt nur, bei Demonstra- tionen durchzuhatten. Trotz der Unruhen hatte Basel in dem letzten Jahre 600 Heidentaufen: die Saat reift langsam. Die einheimische, von Basel gegebene Organisation ist ein gutes Ventil für die dortigen Kirchen. Gemeinsames Leiden bindet Missionare und Gemeinden noch mehr zusammen als das Geld. — Der Vortragende, der selbst den Weltkrieg in China erlebte, fand dankbare Zuhörer. Chinesische Poesie. hr. Am Dienstagabend sprach Missionsinspektor Dr. Oehler, der erst kürzlich mit dem theologischen Doktortitel ausgezeichnet worden ist, im großen Hörsaal der Universität über chinesische Poesie. Der Redner war selbst während 14 Jahren, von 1906—1920, in China Missionar, und hat Land und Leute liebgewonnen. Seinem Vortrag legte er eine Gedichtsammlung „Das Frauenherz" (erschienen bei der Union, Deutsche VerlagLgesellschaft, Stuttgart), zu gründe. Aus der ältesten Dichtung des Shi-king etwa 1000—600 vor Christi sind uns noch eine Reihe von Volksliedern erhalten, die heute völlig verachtet werden; Berglieder, Klagelieder der Bräute, ferner ernste Lieder. Konfutius hat sie gesammelt, aber er hat sie ganz anders aufgefaßt und ausgelegt, als sie ursprünglich gemeint waren. Er hat die Liebeslieder symbolisiert, die den Verkehr der Geschlechter untereinander damals viel freier und natürlicher erscheinen ließen als heute, wo es überhaupt keine Liebeslieder mehr gibt, da die freie Gattenwahl nicht gestattef ist. Die Kunstpoesie ist streng gebunden im Reim und Rhythmus. Die bedeutendsten Dichter sind Tu-fu und Li-tei-pe. Ihre Verse haben zunächst. Naturmotive zum Inhalt, besonders die Mondnacht; dann gibt es Herbst- und Abschiedslieder, ferner Lieder, die das Harren und Sehnen der Menschen zum Ausdruck bringen, Lieder voll Anspielung auf Mythologie und Sage, insbesondere die Sage von dem ,Wirten und der Weberin" und schließlich die sog. Westschloßlieder der verstoßenen, zurückgesetzten Haremsfrauen am kaiserlichen Hof, die nicht 'erwählt waren und in Einsamkeit warten mußten. Die Lieder besingen ihr schweres Schicksal. Eine Nachblüte hat im 12. und 13. Jahrhundert stattgefunden, aber die Dichter dieser Periode lebten nicht mehr in ihren Gedichten. Sie sind feingebildete Literaten, Gelehrte, aber (Epigonen. Zum ' Schluß verlas dann der Redner noch verschiedene Dichtungen der Gegenwart, auch solche einer chine-? * fischen Dichterin; wenn auch die Männer das Herz der Frau besser kannten und ihre Gefühle besser ' auszusprechen verstanden haben, als die Frau selbst, so zeugten deren Gedichte doch von einer einzigartigen Schönheit. Alle Lieder und Gedichte sind trotz ihrer Kürze getragen von einem feinen Duft und einer zarten Poesie, so daß man dem Redner, der eine ganze Fülle dieses hehren Stoffes anschaulich machte und verlas, dankbar fein muß. Viktor v. Strauß, der erste Deutsche, der sich mit chinesischer Dichtung abgegeben hat, hat einmal gesagt: Man sieht auch hier, wie das rein Menschliche unter allen Zonen und zu allen Zeiten sich gleich bleibt. Der Kampf um die Amtsgerichte. Lad-Nauheim wehrt sich kräftig. Bad-Nauheim, 19. Oft. Das Gerücht, das von der Zusammenlegung der Amtsgerichte in Friedberg und Bad-Nauheim erst zaghaft, dann aber in den letzten Tagen schon recht deutlich sprach, ist Wirklichkeit geworden. Ein Schreiben des Justizministeriums, das der gestrigen Sitzung unserer Stadtverordneten vorlag, machte mit den Plänen vertraut, die die Regierung beschäftigen. Es sollen durch das Zusammenlegen der beiden Amtsgerichte Ersparnisse an Beamten gemacht werden, zu prüfen sei nur, an welchem der beiden Orte bei größter Sparsamkeit die er- forderl'chen neuen Amtsräume am billigsten und vorteilhaftesten gestellt werden könnten. Die Stadtverordneten waren einmütig der Ansicht, daß die internationale Da de st ad t mit ihrem Fremdenverkehr, der das Gericht stark in Anspruch nehme, auf keinen Fall das Amtsgericht entbehren könne; es müsse das ganze Land in einem schlechten Lichte erscheinen. auch in den Augen des Auslandes, wenn die hier weilenden Fremden bei Inanspruchnahme des Gerichts nach außerhalb gehen mußten. Aber ganz abgesehen davon, brachten Verwaltung und Stadtverordnete in einstimmig angenommener Entschließung die Meinung zum Ausdruck, daß die Amtsgerichteinbeiden Städten erhalten werden mühten. Bürgermeister Dr. K a h s e r verurteilte die übertriebenen Sparmaßnahmen, die nur geeignet seien, Beunruhigung in unsere Bevölkerung zu tragen, unsere Wirtschaft brauche aber Ruhe. Deig. Notar Stahl, der den Dienstbetrieb an beiden Amtsgerichten genau kennt, halt die Zusammenlegung für gänzlich unmöglich. Allgemein wurde mit deutlicher Schärfe verurteilt, daß der Staat die Städte gewissermaßen Turnen, Sport und Spiel. Don der I. Klasse des Ardeiter- Turn- und Sportbundes. Wieseck I — Marburg I 5:4 (2:2). £ Mit einer beträchtlichen Verzögerung, die vom Platzverein verschuldet war, konnte das Spiel dieser Mannschaften seinen Anfang nehmen. Zu allem Aeberfluh war auch noch der verpflichtete Schiedsrichter ausgeblieben, so dah ein Einheimischer das Amt des Unparteiischen übernehmen muhte. Die Wiesecker Mannschaft zeigte ein stark jugendliches Gepräge, außer vier Aktiven wirkten sieben Jugendspieler mit, die aber durchweg ihrer Aufgabe gerecht wurden und recht ansprechende Leistungen zeigten. Die Arbeit im Sturm war zufriedenstellend, die Verteidigung war etwas zu schwach. Marburg verlegte, wie immer, seine Angriffe auf die Flügel, und verstand es bann, immer recht gefährlich zu werden. Unter dielen Umständen glaubte niemand an einen Sieg der Wiesecker, die erste Halbzeit zeigte aber, daß sie den Marburgern völlig gleichwertig waren. Das bis zur Pause erzielte 2:2-Refultat entsprach dem Spielverlauf. Das erste Lor erzielten die Marburger, Wieseck konnte bald darauf durch einen Hand-Elfmeter ausgleichen. Rach wechselvollem Kamps, der manch schöne Momente brachte, wehrte der Marburger Tormann ab, der abprallende Ball wurde vom Wiesecker Halblinken zum zweiten Tor verwandelt. Bald darauf wollte der Wiesecker Tormann eine Flanke abfangen, der verfehlte Ball wurde mühelos eingesandt und damit der Ausgleich abermals hergestellt. Rach der Pause zeigte sich zunächst eine Ueberiegenheit der Gäste, die aber alle Torgelegenheiten verpaßten oder verschossen. Auf der Wiesecker Seite schoß der Halbrechte zwei sichere Bälle knapp über das Tor. Marburg lieh einen Moment nach, und im Zeitraum von wenigen Minuten hatten die Wiesecker das Resultat auf 4:2 für sich gestellt. Die Freude über diesen Vorsprung dauerte nicht lange, denn in ebenso kurzer Zeit hatte der nun sehr energisch spielende Marburger Sturm die zwei Tore wieder aufgeholt. Ein unruhiger Kopf Marburgs, in dieser Beziehung nicht unbekannt, verursachte eine kurze Störung, das Spiel neigte sich dem Ende zu, jede Partei wollte den Sieg an sich reißen. Ein wegen regelwidrigen Angehens verhängter Elfmeter brachte die Entscheidung, er wurde von Wieseck verwandelt. Der Rest des Spiels zeigte kne Marburger wieder stärker im Angriff, die aber feine Erfolge damit herausholen konnten. — Das Spiel hat gezeigt, dah Wieseck in seinem Nachwuchs eine starke und gute Reserve hat, die aber bis zu Len nächstjährigen Verbandsspielen pfleglich behandelt werden muß. Lollar 1 — Heuchelheim I 3:4. Zwei alte Rivalen standen sich in Lollar gegenüber. Das vorausgesagte kleine Plus der Heuchelheimer drückt sich auch im erzielten Resultat aus. Der geringe Torunterschied zeigt, daß hart um die Entscheidung gerungen wurde und dah sich Lollar mit aller Energie der Niederlage widersetzt hat. Sofort nach dem Anstoß setzte ein lebhaftes Spiel ein, bei dem beide Mannschaften ein recht gutes Zusammenspiel zeigten. Lollar, das etwas hoch spielte, erzielte aus einem Gedränge heraus das erste Tor. Kurz darauf konnte der Linksaußen Heuchelheims ausgleichen. Der Kampf um die Führung brachte eine härtere Note in das Spiel. Durch einen Elfer kam Heuchelheim abermals in Vorteil, den Lollar, ebenfalls durch Elfmeter, einholen konnte. 3n der zweiten Halbzeit war das Spiel wieder ruhiger. Jetzt war es aber Lollar, das durch Elfmeter die Führung übernahm, und abermals durch Elfmeter konnte Heuchelheim ausgleichen. Der nun einsetzende scharfe Kamps, der auf beiden Seiten recht gute Leistungen zeitigte, brachte kurz vor Schluß Heuchelheim das vierte und Siegestor. Der Torschütze war der Halbrechte. Naunheim I — Alsfeld I 7:1. Zu ihrem letzten Derbandsspiel standen sich diese Mannschaften in Naunheim gegenüber. Dah Naunheim Sieger blieb, stand von vornherein fest, ebenso, dah sie auf eigenem Platz ein höheres Resultat erzielen würden. Eine besondere lieber» raschung bringen die obigen Ziffern also nicht. Die einzige und gröhte Ueberraschung ist die, dah es der Als selber Ersten während der ganzen diesjährigen Derbandsspieie versagt blieb, auch nur ein einziges Spiel für sich zu entscheiden, sie konnten lediglich einen einzigen Punkt aus einem unentschieden gebliebenen Spiel für sich buchen. Damit haben in der ersten Klasse die diesjährigen Verbandsspiele ihr Ende gesunden. Das vorge'ehene Gesellschw tssp'el G i e h e n I gegen Dorheim! fand nicht statt, da Dorheim am Sonntag noch ein Verbandsspiel auszutragen hatte. Wetzlarer Sport. B. C. — 5. L. Niedergirmes 3:0 (0:0). h. Zum ersten Male seit feinem Bestehen muhte der S. C. Niedergirmes einen Lokal- kamps in der Ligaklasse austragen. Man kann ihm als Neuling das Zeugnis ausstellen, dah er seine Sache recht gut gemacht hat. Dies gilt besonders für sein Spiel der ersten Halbzeit, das er grösstenteils leicht überlegen gestalten konnte. Mit großem Eifer, gepaart mit Schnelligkeit und forschem Draufgehen, lieh er feinen technisch besseren Gegner nicht zur Geltung kommen und hielt das Spiel vor allem durch die guten Leistungen seiner Hintermannschaft unentschieden 0:0, hätte aber gleichwohl mit einem Tore im Vorteil sein können. Erst als ihm nach Seitenwechsel durch eine zu harte Entscheidung des Schiedsrichters. der linke Läufer, der bis dahin fehlerlos sowohl spielerisch, als auch sportlich gearbeitet hatte, verloren ging, kam der Ballspiel- Club auf und verlegte das Spiel mehr und mehr in des Gegners Hälfte. Ein direkt von Linksaußen verwandelter Strafstoh und ein kurzer Schuh des M. St. waren die beiden ersten Tore für die Plahinhaber. In drei nachgespielten Minuten gab der Schiedsrichter noch 2 Elfmeter für den D. E. von denen einer verwandelt wurde. Mit nur zehn Mann kam Niedergirmes nur noch vereinzelt über die Mitte. 3m allgemeinen war das Spiel nur vor der Halbzeit interessant. Der Sieger zeigte eine ausgeglichene Leistung mit guter Läuferreihe und erfolgreichem Flügelspiel. Sein Sieg war den Verhältnissen nach verdient. Mit 5 Spielen und 7 Punkten rückt er nunmehr mit einem Spiel weniger auf den zweiten Platz hinter Germania Marburg. Niedergirmes hatte seinen besten Mannschaftstell in der Verteidigung, die aber dadurch, dah der Sturm den Ball nicht lange genug hielt, überlastet wurde. Dieser Ursache ist die Niederlage vor allem zuzuschreiben. Vormittags trat Nredergirmes zweite auf eigenem Platz der Ligareserve des F. C. 05 gegenüber, die, mit nur 10 Mann antretend, dennoch mit 1:0 - gewannen, nachdem der zehnte Marrn auch noch vor Halbzeit herausgestellt wurde. Giehen 1900 I. Jugend war zu Gaste bei Riede rg irmes I. Jugend und gewann überlegen mit 5:0. 3.6. Wehlar in die Lahnkrelsliga eingereiht. Am Samstag abend wurde in der Sitzung des Bezirksvorstandes von Hessen-Hannover der F. C. Wetzlar in die Liga des Lahnkreifes ein* gereiht. Damit erhöht sich der Bestand der Lahnkreisliga zahlenmähig auf 11 Vereine. gegeneinander aufhetze, um so auf dem Wege des Meistgebots zu feinem Ziele zu kommen durch Abwälzung neuer Lasten (Schaffung der neuen Amtsräume) auf die Städte. Von verschiedenen Rednern wurde daher der Standpunkt vertret en, dah von keiner der Städte dem Staat eine Zusage betreffs Schaffung der Amtsräume (man hat für unsere Stadt vorläufig die Summe von 85 000 Mk. berechnet) gemacht werden dürfe, die Forderung vielmehr klipp und klar abzulehnen sei. Schließlich fand aber doch noch ein Passus mit Mehrheit Annahme, worin zum Ausdruck gebracht wird: „Sollte die Zusammenlegung der beiden Amtsgerichte nicht zu umgehen sein, dann könne nur Dad-Na u- heim als Sih des Gerichts in Frage kommen, auch wenn der Stadt durch Umgestaltung und Vergrößerung des derzeitigen Amts- gerichtsgebüudä Kosten auserlegt würden.'' Eine Reihe von Stadtverordneten hatten vor der Annahme dieses Antrages gewarnt. Die Klärbeckenfrage, die schvn seit Jahren schwebt und im letzten Sommer wieder zu einem „Eingesandt-Krieg" in einem Friedberger Blatte geführt hatte, tritt nun in das Stadium ihrer Lösung. Auf Grund eines Beschlusses des Kreisausschusses wurde unserer Stadt die Konzession zur Errichtung einer neuen Klär? an läge zwischen Bad-Nauheim und Friedberg erteilt. Es lag ein Antrag vor, der die Bewilligung der Mittel und die Genehmigung &e£ sofortigen Baubeginns forderte. Mit großer Mehrheit wurde der Antrag angenommen. Die Baukosten belaufen sich nach dem vom städtischen $:cfbauamt aufgestellten Voranschlag auf 266 000 Mk. Hiervon werden 31 200 Mk. als Zuschuß des Arbeitsnachweises und 156 000 Mark als Darlehen aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge aufgebracht. Zu decken bleibt noch ein Rest von 78 000 Mk., zu dem aller Voraussicht nach auf Grund einer älteren Verpflichtung der Badefiskus einen Teil besteuern wird, zumal das Bad an der modernen hygienischen Anlage in erster Linie mit interessiert ist. Für Herstellungsarbeiten in der Moltkestraße werden 9000 Mk. bewilligt. Gutgeheißen werden die Wirtschaftsrechnungen für den städtischen Neubau Forst haus st raße 2—4 in Höhe von 77 485 Mk. und für die Wiederherstellung des Waldhauses in Höhe von rund 13 000 Mk. Lin Protest aus Hungen. 7^ Hungen, 19. Okt. Hat die F'nanznot des Hessischen Staates seiner Zeit zu einem großen Beamtenabbau geführt, so will man, wix es scheint, die Sparmaßnahmen jetzt durch Aufhebung von Aemtern fortsetzen. Es sind deshalb feit Wochen Erhebungen der Regierung im Gange über eine eventuelle Aufhebung des Amtsgerichts Hungen. Dies hat Aufregung nicht nur in Hungen selbst, sondern auch in den zum hiesigen Amtsgerichtsbezirk ge- hörigen Gemeinden hervorgerufen. Aus diesem Grunde fand gestern abend im großen Rathaussaal hier eine aus allen Schichten der Bevölkerung außerordentlich stark besuchte ' P r 0 t e st 0 e r - s a m m l u n g statt, bei der entschiedener Einspruch erhoben wurde gegen eine Aufhebung des hiesigen Amtsgerichtes. Wie von dem Versammlungsleiter, Bürgermeister Fendt, und in der folgenden Aussprache in noch überzeugenderer Weise von fachmännischer Seite dargelegt wurde, werde neben der großen Schädigung unserer Geschäftswelt die Ersparnis für den Staat nicht groß genug sein, um eine derartig einschneidende Maßnahme vorzunehmen und zu rechtfertigen. Es darf nach den mit den maßgebenden Stellen eingeleiteten Verhandlungen mit Bestimmtheit angenommen werden, daß unserem Städtchen sein Amtsgericht erhal- t e n bleibt. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Lang-Göns, 19. Okt. Am Sonntag beendete der hiesige Kriegerverein sein diesjähriges Preisschießen. Den ersten Preis (29 Ringe) erhielt Otto Rudolf, weitere Preisträger waren Wilh. G ö r l a cb , Otto B i n k, Otto Heikel, Karl Spies, je 28 Ringe, Richard Wiffig, Wilh. Bink, Friedrich Höfer, je 27 Ringe, Heinrich F la ch (26 Ringe), K. S ö h n g e, Hans A l t h a u s , August H e r b e l, August Kramer, je 25 Ringe, Heinrich Schöck -Holzheim (24 Ringe), Karl A u tz, Wilhelm Eckhardt, Konrad B r ü ck e l, je 23 Ringe. !— I Daubringen, 19. Okt. Der Kriegerverein hielt am Sonntag das Schluß- schießen seines diesjährigen Preis schiebens ab. Als beste Schützen kamen heraus: mit dem ersten Preis: Löb er, Fronhausen; zweiten Preis: Johannes Reif, Daubringen; dritten Preis: Wilhelm Walther, Daubringen (Präsident des Vereins) mit je 34 Ringen. Der neu errichtete Schießplatz befindet sich in der alten Sandgrube, ist mit versenkbaren Scheiben angelegt und ermöglicht es, ohne besondere Vorbereitungen ein jährliches Schießen abzuhalten. :—: Beuern, 19. Okt, Bei der am Sonntag oorgenommenen Wahl eines Gemeinderechners war die Wahlbeteiligung sehr rege. Es beteiligten sich bei rund 690 Wahlberechtigten 520 an der Abstimmung, das sind 75 Prozent. Ungültig waren 22 Stimmen. Don den 10 Kandidaten waren vor der Wahl zwei zurückgetreten. Die höchste Stimmenzahl vereinigte Landwirt Üudw. Stein II. mit 132 Stimmen auf sich. Dann folgen der Reihe nach Daniel Ludwig Sommerlab, Landwirt, mit 116, Wilhelm Fuhr, Steinhauer, mit 64, Philipp Wilhelm S 0 m m e r l a d , Kriegsbeschädigter, mit 54, Heinrich Bell 0 ff II., Kriegsbeschädig- ter, mit 38, Heinrich Koch III., Kriegsbeschädigter, mit 35, Heinrich Kumpf III., Landwirt, mit 33 und Philipp Karl Linden st ruth, Landwirt, mit 26 Stimmen. Zwischen den beiden ersteren, Ludwig Stein II. und Daniel Ludwig Sommerlab, finbet Stichwahl statt, bie am nächsten Sonntag oorgenommen wirb. * K e I f e l b a ch, 19. Okt. Unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft von hier und aus den Nachbarorten wurde jetzt das Denkmal sürdieGefallenen unsererGemeinde feierlich geweiht. Das Ehrenmal, von Architekt Schmidt, Gießen, stammend, ist mit dem Denkmal von 1870 71 vereinigt. Architekt Schmidt übergab das Dankes- und Erinnerungszeiel.en an Bürgermeister Weber, der es namens der Gemeinde in Schutz und Pflege übernahm und in seiner Ansprache dem Architekten und allen hochherzigen Förderern bei der Schaffung des Ehrenmals herzlichen Dank sagte. Pfarrer Hofmann, Londorf, hielt die Weiherede, Schulkinder sagten Gedichte auf, die Vereine ließen Kranzspenden niederlegen, und der Gesangverein umrahmte die Feier mit würdigen Gesängen. 3m Tiamen der noch lebenden fünf Veteranen von 1870/71 sprachen die Herren M e i s i n g e r und Schomber, ferner sprachen noch die Herren Becker für den Gesangverein und Dietz für den Turnverein. t. Reiskirchen, 19. Okt. Nachdem in der Umgegend die Maul- und Klauenseuche herrschte, hat sie nun and>«auf unser Dorf übergegriffen. Bei einem Landwirt mußten bereits zwei Stück Vieh abgeschlachtet werden. Da die Aussaat noch nicht beendet ist, kommen viele Landwirte mit den Herbstarbeiten, die zwar durch die frühe Ernte wett vorgeschritten waren, nun wieder in Rückstand. * Lich, 19. Okt. Im Gasthaus „Zum Adler" fand die Preisverteilung zum diesjährigen Abschießen des Schützenoereine „1913" verbunden mit einem Familienabend statt. Die Begrüßungsansprache hielt Fr. G 0 n d 0 l p h. Die Würde des Schützenkönigs für 1926'27 erwarb sich Heinrich B r i e g e l. Friedrich G 0 n d 0 l p h , Hermann S ü ß e l und Ludw. Volz III. wurden Inhaber des Schützenkreuzes 1926 27. Beim Preis- schießen errangen Friedrich G 0 n d 0 l p h , Hermann ^rüßel, Ludwig Volz III., Friedrich Trechs« l e r, Karl Schöne, Jakob S ü ß e l, Karl Röhm, Hermann Lemmer, Heinrich B riegel, Hermann U h r h a n , Heinrich Müller, Wilhelm Kraus, Friedrich Walz, Christian Mix und Karl Schmidt den 1. bis 15. Preis. Ferner gelangten noch 13 Trostpreise zur Verteilung. Wilhelm Kraus, Hermann Lemmer und Karl Schöne, sowie Heinrich B r i e g e l, Hermann U h r h a n und Ludwig Volz III. wurden je 1 Gruppenpreis zuerkannt. # Bellersheim, 19. Okt. Am nächsten Sonntag, unserer Kirchweih, sollen untere neuen Kirchenglocken eingeweiht werden. Seit der Glockenablieferung bestand unser Geläute seither noch aus zwei Glocken, wozu nun die beiden neuen hinzugekommen find, von denen die größte das ansehnliche Gewicht von 28 Ztr. aufweist. Kreis Friedberg. 'Friedberg, 19. Oft. Die Handelskammer in Friedberg hat sich nun auch entschlossen, dem Beispiele anderer Kammern zu folgen und Prüfungen für Geschäfts- stenographen abzuhalten. Die erste Prüfung findet am Sonntag, 28. November, statt, und zwar für Prüflinge aus den Kreisen Friedberg, Büdingen und Schotten. Da die Relchs- kurzschrift nun amtlich überall eingeführt wird, werden in der Abteilung 150 Silben nur noch Bewerber in der Reichskurzschrist zugelassen, während in den Abteilungen 180 Silben und höher auch nach anderen Systemen geschrieben werden darf. Da die Geschäftswelt immer mehr Wert auf das amtliche Zeugnis von Geschäfts- stenographen legt, ist zu erwarten, daß recht viele junge Kaufleute und Beamte in Erkenntnis der Wichtigkeit sich an der Prüfung beteiligen werden. B. Rodheim v. d. Höhe, 19. Oft. Am Sonntag veranstaltete die E v a ng elische Jungmännervereinigung Vilbel hier im Saalbau eine Hans-Sachs-Feier, bei der der Nürnberger Dichter in Prosa und Poesie zu Wort kam. Auf der Bühne wurden die bekannten Schwänke: „Der fahrende Schüler im Paradies" und „Der Rohdieb zu Fünsing" von den Dilbelern wirkungsvoll dargestellt. Der ebenfalls anwesende Wartburgverein Friedberg ergötzte durch den Vortrag von Dichtungen Peter Geibels in Wetterauer Mundart. Die Veranstaltung, die einen Einblick in das frische und frohe Treiben der Jugendvereine gab, stand unter Leitung von Pfarrassistent Hahlinger, Vilbel. Kreis Büdingen. I! Büdingen, 19. Ott. Die jünfte Gern e i n d e r a t s si tz u n g wurde hier mit Spannung erwartet, was auch der zahlreiche Besuch im Zuhörerraum bewies. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung: Ausschlag der meindeumlagen in 192 6. Insgesamt waren von 82 000 Mark auszuschlagen. Nach längeren Verhandlungen wurden folgende Aus- schlagssähe beschlossen: 0,20 Pf. auf je 100 Mark Steuerwerk der Gebäude und Bauplätze, 0,46 Pf. auf je 100 Mark Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes, 0,30 Pi. auf je 100 Mark Steuerwerk des land- und forstwirtschaftlichen Anlage- und Betriebskapitals, 0,30 Pf. auf je 100 Mark Steuerwerk des gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals, 1 Pf. auf je 1 Mark des für das Rechnungsjahr 1925 festgestellten staatlichen Gewerbeertragssteuersolls, 0,48 Pf. auf je 1000 Mark Steuerwerk der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz. Weiter wurde beschlossen, dah die neue Wasserleitung nunmehr sofort ausgebaut werden soll. Der Pferdsbachbrunnen soll zu diesem Zweck von der fürstlichen Verwaltung unter den von dieser gestellten Bedingungen gekauft werden. Die Stadt baut auf ihre Kosten eine Pumpstation die das Wasser aus der genannten Quelle auf den Christinenhos pumpt. Die Kosten dieses Projekts sind mit 7000 Mark veranschlagt. Weiter zahll die Stadt eine jährliche Anerkennungsgebühr von 200 Mark und endlich gibt die Stadt die Wohnung im Oberhof, die seither von Pfarre« Adam bewohnt war, der fürstlichen Verwaltung frei. # Stockheim, 19. Okt. In dem benach- 1 barten H eegheim ereignete sich dieser Tage ein Unglücksfall, der leicht noch schlimmere Folgen Kitte haben können. Der dortige Bürger- meister Spihnagel, der das Wagnergeschäft betreibt, war mit Holzaufschneiden mittelst der elektrisch betriebenen Sägevorrichtung beschäftigt, als ein etwa handlanges und etwa zwei Zentimeter dickes Holz stück absprang und mit voller Wucht dem Bedauernswerten sich in die Kiefernhöhle einbohrte, wodurch rm Mund erhebliche Derlehungen entstanden. Der sofort herbeigerufene Arzt vernähte die Wunden. Der Verletzte soll sich jetzt wieder auf dem Wege der Besserung befinden. )( Orten berg. 19. Okt. Zu Ehren des Försters a. D. H art mann - Lißbergund des Gerichtsvollziehers a. D. Meyer, d:e gestern ihr 80. bzw. 70. Lebensjahr vollendeten, fand auf Veranlassung von Staatsrat Dr. Web er-Kon- radsdorf unter Teilnahme von vielen Ungern der Umgegend eine Ehrenjagd statt, die aber vom Wetter nicht sehr begünstigt war. Abends schloß sich im Gasthaus »Zur Post ein Festessen an das zugleich auch dem als Forstmerster nach Höchst im Odenwald versetzten Oberförster Dr. Schwalb und seinem Rachfolger, Oberförster Dr Siepmonn. galt. Dersch'edene Ansprachen von Dr. Weber, Dr. Fuhr, Meyer u. n.. fotoic musikalische und gesangliche Darbietungen des Männerquartetts trugen wesentlich zur Er- hchung der festlichen Stimmung bei. Das Männc-rquartett ernannte Gerichtsvollzieher a. D. Meyer zu seinem Ehrenmitglied. Auch der Kirchengcsangverein, dem Herr Meyer seit seinem Bestehrm (1892) als aktiver Sänger angehört und dessen stellv. Vorsitzender er in den letzten Jahren war, veranstaltete am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Kinderschule eine kleine Feier und ernannte den alten Herrn in Anbetracht seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrendräsidenten. y. Wallernhausen, 19. Okt. Die Feld- bcreinigung in unserer Gemarkung ist soweit vollendet, daß kürzlich die Uebergabe der neuen Grundstücke an die Besitzer erfolgen konnte. Wenn auch mit einer größeren Anzahl von Reklamationen zu rechnen ist, kann doch die allgemeine Stimmung über die Feldbereinigung als befriedigend bezeichnet werden. Die Pfarrgrundstücke sind bereits verpachtet. Um auch den Arbeitern und kleinen Landwirten die Möglichkeit zu bieten, ein Grundstück zu pachten, war das Kirchengut in kleinere Teile von je 1000 Quadratmeter geteilt worden. Dafür wurden kaum glaublich hohe Pachtpreise geboten. Eine Abteilung kam durchschnittlich so yoch, wie früher ein ganzer Normalmorgen, nämlich auf 45 bis 50 Mk., demnach der Normalmargen aus über 100 Mk. Für die dem- nächstige Versteigerung von etwa 80 Morgen Massengrundstücke, sowie für die Verpachtungen von Gemeinde- und Vrivatgrundbesitz vermutet man auch jetzt schon hohe Preise, weil hier viele Steig- bzw. Pachtliebhabcr vorhanden sind. X. Borsdorf, 19. Okt. Um der hier herrschenden Wohnungsnot zu steuern, läßt die Gemeinde ein V i e r f a m i l i e n h a u s erbauen, wozu die erforderlichen Bauarbeiten noch in diesem Monat vergeben werden sollen. Kreis Schotten. -s- Schotten, 19. Okt. Die seit einigen Jahren bestehende Schuhmacher - Zwangsinnung des Kreises hat mit Zweidrittelmehrheit die Auflösung beschlossen. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß noch andere in der Nachkriegszeit beschlossene Innungen diesem Beispiel folgen werden. □ Laubach, 18. Okt. Gestern beging die hiesige Kasino-Gesellschaft die fünfzigjährige Feier ihrer Aeubegrün- d u n g. Es sind jetzt 50 Jahre her, daß die Gesellschaft den Beschluß faßte, eigene Gesellschaftsräume herzurichten, und mit dem gräflichen Hause einen Vertrag schloß, wodurch die „U n t e r m ü b I e“ ihr zu dem Zwecke eingeräumt wurde. D ese Aeugründung wurde vornehmlich durch die Gründung des Gymnasiums veranlaßt. Im Jahr 1877 wurden drei Räume (Herrenzimmer, Billardzimmer, Tanziaal) nebst Kegelbahn und Wohnung für den Kasinvdiener hergerichtet und noch im Herbst dieses Jahres bezogen. Die Untermühle wurde im Jahr 1587 unter dem Grafen Hans Georg zu Solms erbaut, dessen in Sandstein schön ausgesührtes Ehe- wappen (seine Gemahlin war eine Gräfin z u Schömberg-Glauchau) die Westseite des Gebäudes schmückt. Am Samstag fand zur Feier der Aeugründung ein D a n k e t t statt. Bei dieser Gelegenheit gab der erste Vorsitzende der Kasino- Geseftschaft, Kammerdirektor D i r n b a u m, einen lleberbUcf über die Geschichte der Gesellschaft. Seit nunmehr 75 Jahren läßt sich eine Kasino-Gesellschaft in Laubach nachweisen. Sie befand sich früher im Gasthof Hold in der Fried- richSstraße (jetzt Geschäftshaus S. Heinemann). Hier hatte sie einen besonderen Festsaal, ein Herrenzimmer und ein Billardzimmer. Im Garten war eine Kegelbahn. Das Bankett verlief in anregender Stimmung. Es wurde belebt durch gute Musik und durch verschiedene humoristische Vorträge, insbesondere auch durch treffliche bildliche Darstellungen des Kunstmalers Barnas, der sämtliche Mitglieder durch kennzeichnende Merkmale in wohlgelungenen Gestalten der Versammlung vorsührte. Ober-Schmitten, 19. Okt. In einer von Bürgermeister Mantel einberufenen Versammlung des Gemeinderats und der Vorstände der hiesigen Vereine wurde die Errichtung eines Gefallenendenkmals beschlossen. Es soll in dem hochgelegenen Schulgarten seine Aufstellung finden. Die Gemeinde will in diesem Falle einen anderen günstig gelegenen Garten der Schule zur Verfügung stellen. Gleichzeitig wurde angeregt, den etwa 250 Quadratmeter großen Platz gärtnerisch herzurichten, Ruhebänke aufzustellen, um der Einwohnerschaft Gelegenheit zu geben, im Schatten uralter Bäume eine Stunde innerer Einkehr zu verleben. Da das Projekt in dieser Form die Aufführung starker Stützmauern notwendig macht, erhöhen sich die Kosten bedeutend. Aber man hofft, bei der gewohnten Hilfsbereitschaft der Einwohner einen großen Teil der Arbeiten im Wege der Freiwilligkeit zu verrichten, um so die finanzielle Klippe umschiffen zu können. = Groß-Eichen, 19. Okt. Um den Landhungrigen Siedlungsland zur Verfügung stellen zu können, werden 2 4 Morgen des in unserer Gemarkung gelegenen Freiherrlich Riedeselschen Waldes „Buchholz" abgetrieben und angerodet. Die Gemeinde Groß- Eichen zahlt an die Freiherren von Riedesel 2000 Mark, die Landnehmer zahlen an jährlichem Pachtpreis 25 Mk. pro Morgen. ld. Aus dem vorderen Vogelsberg, 19. Okt. Nachdem die Obsternte beendet ist, sind zahlreiche Leute mit ihren Kindern mit „A e p seist o p p e l n" beschäftigt. Mit Stangen schlagen sie beim Abmachen übersehene Früchte herunter,'die zu Hause in Winter- und Kelterobst sortiert werden. Der „Arme-LeutekApfeswein" ist von ganz besonderem Wohlgeschmack, da er aus voll ausgereiften Aepfeln hergestellt wird. Obgleich dies eine allgemein bekannte Tatsache ist, beginnen die meisten Obstzüchter aus Angst vor Fekddiebstählen vier Wochen zu früh mit der Obsternte und erhalten so nicht vollwertiges Tafel- und Kelterobft. Auch der Wald hat seinen Tisch für die ärmeren Leute gedeckt: Die Bucheckern sind gut geraten! Auf Waldwegen und Waldwiesen sind viele fleißige Hände an der Arbeit, die wertvollen Früchte zu bergen, aus denen in den heimischen Schlagmühlen das bochgeschätzte „Eckernfett" gewonnen wird, das im rauhen Vogelsbergwinter manch kärgliches Mahl zur köstlich mundenden Speise wandelt. Kreis Alsfeld. = Ober-Ohmen, 19. Okt. Dieser Tage and im Bürgersaale unseres Rathauses eine Ver- ammlung der hiesigen Siedlungsgefell- ch a f t statt, in der üöer den Pachtvreis für das Siedlungsland, das die Gemeinde als Landlieferer zur Verfügung stellte, beraten wurde. Der seitherige Pachtpreis betrug 80 Pfund Roggen pro Morgen Land: der Geldbetrag regelte sich nach dem Durchschnittswerte der Produktenbörsennokie- rungen von September bis Dezember. Diese Kalkulation erwies sich, nachdem stabile Währungsver- hältnisie eingetreten waren, als unpraktisch. Nun gingen die Freiherren von Riedesel als der andere Landlieferer daran, einen anderen Pachtpreis vorzuschlagen, der jedoch erst voriges Jahr von den Landnehmern anerkannt wurde. Man einigte sich auf 18 Mark für den Morgen. Dieser Preis wurde jetzt auch von der Gemeinde zugrundegelegt und fand die Billigung der beteiligten Kreise. c? Lehrbach, 19. Okt Unsere Bürger- m e i st e r w a h l wurde auf den 7. November festgesetzt. Nur zwei Bewerber sind in den Wahlkampf getreten: der Beigeordnete Heinrich Pimper, Sohn des Kaufmanns (9g. Pimper, und der Landwirt Heinrich Stroh, Sohn des verstorbenen langjährigen Bürgermeisters Iohs. Stroh. V Grebenau, 19 Oft. Der demnächst beginnende Holzschlag im Bereiche unseres Forstamts durfte diesmal recht umfangreich fein. Er umfaßt etwa 10 000 Fm. Rutz- und Brennholz, sowie Durchforstungen von größerem Umfang. Bei den Holzschlägen sind auch zwei Abtriebe. — in den Forstbezirken Udenhausen und Dieben — die durch die Feldbereini- q u n g verursacht werden, da das betreffende Gelände in die Feldbereinigung einbezogen bzw. ausgetauscht wird. Im Hinblick auf die auch »M IIII IIIII« I I!,! IIII HW»IUI IWf——------- hier noch immer spürbare Arbeitsnot ist der ausgedehnte Arbeitsplan der Forstbehörde sehr zu begrüben, denn er verheißt den zahlreichen Holzhauern des „Gründchens" für diesen Winter anhaltende Beschäftigung. — Lehrer Rieger zu Udenhausen siedelt am I. Rod. nach Darmstadt über. Er wirkte nahezu 20 Jahre in dem kleinen, abgelegenen Dörfchen Die mangelnde Ausbildungsmöglichkeit für seine Heranwachsenden Kinder veranlaßte ihn, sich Wegzumelden. Die Stelle in Darmstadt wurde ihm schon Ostern 1925 übertragen. Allein die Unmöglichkeit, dort eine Wohnung zu beschaffen, verhinderte seither die Hcberfiebelung. Kreis Lauterbach. hml. Lauterbach, 19. Olt. Einen schweren Verlust hat das Schul- und Musikleben unserer Stadt durch den Tod des Lehrers Georg Kalbfleisch erlitten, der am Samstag unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe gebracht wurde. Don seiner langen Dienstzeit hatte er 18 Jahre an der hiesigen Stadtschule gewirkt. Seine reichen Gaben als Lehrer und Erzieher der Jugend haben ihn während dieser Zeit in großem Segen wirken lassen. Das Musikleben in unserer Stadt lag in den letzten Jahren zumeist in seiner Hand. Er verstand es, immer wieder Künstler zu gewinnen, und wirklich gute Musik den Bewohnern unserer Stadt zugängig zu m"chen. Selbst ein begnadeter Musiker war er Organist an unserer (Stabt- kirche, deren gewaltige Orgel er meisterhaft zu spielen verstand. Auch die Leitung des hiesigen Kirchengesangvereines lag feit Jahren in feinen Händen. Das letzte Konzert dieses Vereines im Frühjahr d. Js. brachte ausschließlich Kompositionen von Levrer Kalbfleisch's Lieblings- meister Johann Sebastian Dach. Cs sollte auch das letzte Konzert fein, das der Verstorbene leitete. Wie der Kreisschulkommission, so gehörte der Entschlafene auch Image Jahre der hiesigen Kirchengenaeindevertretung, sowie zuletzt dem Kirchenvorstande an. Der der Trauerfeier, bei der die Schüler der ersten Volksschulklasse die Männergesangvereine von Landenhausen und Lauterbach, sowie der hiesige Kirchengesangverein mitwirften, hielt Dekan Schlösser die Grabrede über das Schriftwort: „Wo ich bin, da soll mein Diener auch fein." Unter Worten der Anerkemrung und Dankbarkeit wurden zahlreiche Kränze von der Schulbehörde, den Kollegen des Verstorbenen, sowie den Körperschaften, denen er nahestand, am Grabe niedergelegt. DieTrauer um den Heimgang dieses Mannes und die große Teilnahme an feiner Beerdigung zeugten von der hohen Wertschätzung und Liebe, deren er sich in allen Kreisen der Bevölkerung, bei alt w.rd jung erfreute. Sein Gedächtnis wird in Ehren weiter leben bei allen, die ihn schätzen lernten. tz Grebenhain, 19. Olt. Auf einen Vortrag des Kreisftucrwehri'ispeftors hin wurde hier eine Freiwillige Feuerwehr gegründet, der alsbald 40 Mitglieder beitraten. Weitere Ansprachen des Kreisseuer- wehrinspettors und gemeinsame Liedervorträge gestalteten den Abend zu einer inrposanten Kundgebung für die Sache der Freiwilligen Feuerwehren. Starkenburg. * Darmstadt, 19. Ott. In der Zeit vom 18. bis 23. Oktober findet hier eine Gaswerbc- woche der städtischen Betriebe statt, die mit der Eröffnung einer Ausstellung von Kochherden und Gasapparaten der verschiedensten Art eingeleitet wurde. Der Eröffnungsfeier wohnten zahlreiche Vertreter der Stadtverwaltung, der Stadtverordnetenversammlung und viele geladene Gaste bei. = != Offenbach, 19. Okt. Oftenbach hak gegenwärtig einen Cinheitsgaspreis von 18 Pf. je Kubikmeter. Run beabsichtigt die Stadtverwaltung, diejenigen GaSmengen, die in den Wrntermonaten den Durchschnittsverbrauch in den Sommermonaten über ft eigen, nur zu 12 P s. jeKbm. zu berechnen. Aehnlich auch bei Automatengas. Das städtische Gaswerk hat festgestellt, daß mit diesem Preise gerade noch die Konkurrenz mit festen Brennstoffen gehalten werden kann, unter Berücksichtigung der Bequemlichkeit und Sauberkeit bei Raumheizung mit Gas. Die Reue- nmg soll also dazu anreizen, mehr als bisher Gasheiz einricht ungen zu verwenden, und tatsächlich hat sich ün Erwartung dieser Verbilligung bereits bei den Jnstaftationsgeschäf- len eine verstärkte Rachfrage nach solchen Heizkörpern bemerkbar gemacht. Auch das I n d list r leg as soft von dem Grundpreis von 17 Pf. bis zu 13 Pf. je noch Abnahme gestaffelt werden. Dadl'.rch soft dem Gas auch bei der Industrie vermehrter Eingang verschafft werden. Die Stadtverordnetcn-Verlamm- Lung hat nächsten Donnerstag über diese Anträge zu beschließen. Strafkammer Gießen. • (Sieben, 15. Okt. Sin Kaufmann Hatto mit einem von ihm gesteuerten Kraftwagen auf dem Marktplatz einen älteren Mann angefahren, so daß dieser am Kopfe und an der linken Hand Verletzungen nicht erheblicher Art davontrug. Der Kraftwagen war unmittelbar hinter einer Elektrischen her gefahren und war barm an der Stelle, wo die Elektrische nach links etwa- abbiegt. rechts herausgefahren, wobei sich der Unfall ereignete. Wegen fahrlässiger Körperverletzung war der betr. Kaufmann durch das Amtsgericht Gießen zu 40 Mk. Geldstrafe verurteilt) worden. Gegen d'?eses Urteil verfolgte sowohl die Staatsanwaltschaft, wie der Angeklagte Berufung. Bei dem heute eingenommenen Augenschein konnte sich das ©erlebt davon überzeugen, daß dec Ailge- ftagte die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht gelassen hatte, da auf einem so belebten, verkehrsreichen Platz unbed ngt gefordert werden muh. daß der Kraftwagenführer die Geschwindigkeit des Wagens so einrich^et. da.ß der Wagen auf der Stelle haften kann. Das Gericht hob dos erstinstanzliche Urteil, was die Strafhöhe anlangt, auf und verurteilte den Angeklagten, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, zu einer Geldstrafe von 75 M k., die im Ur.ein- bringlichke'tssafte mit 15 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind, und legte ihm außer den übrigen, nicht unerheblichen Kosten auch die Kosten des Rebenklägers auf. Ein wiederholt vorbestrafter Arbeiter hatte sich vor einigen Jahren wegen schweren Diebstahls vor dem Amtsgericht Butzbach zu verantworten. Weif er a.lch wegen anderer Straftaten "on verschiedenen Seiten gesucht wurde und schon vorbestraft war, ließ er sich unter einem falschen Raman, und zwar unter dem eines wirftich lebenden jungen Mannes, verurteilen und verbüßw auck unter diesem falschen Namen die gegen ihn crlamüe Gefängnisstrafe. Erch im vergangenen Jahre tun der wahre Sachverhalt on das Tageslicht. Wegen inteftektuefter Urkundenfälschung erhielt er vom Amtsgericht Butzbach 6 M o n a t e G e f ä n gn is. Sune gegen dieses Urteil zwecks Herabsetzung der Strafe eingelegte Berufung b/Ut? fernen Erfolg. In Anbetracht der Schwierigkeiten, in die unter Umständen der wirklich? RammStrager hätte geraten formen, hielt das Gericht die erkannte Strafe von 6 Monai-m Gefängnis für durchaus angemessen und bestätigte das amtsgerichtliche Urteil. Wegen eines vor mehreren Jahren begangenen Diebstahls e Niger Flaschen Weinbrand war ein junger Mann durch das Amtsgericht Dießen an Stelle von 5 Tagen Gefängnis zu einer Geldstrafe von 40 Mk. verurteilt worden. Da das Gericht sich aber heute nicht einwandfrei von seiner Täterschaft überzeugen konnte, erzielte er auf d e von ihm eingelegte Berufung hin Freisprechung. Ein wiederholt vorbestrafter Pferdehändler war wegen Betrugs durch das Amtsgericht Friedberg zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Da er in der heutigen Verhandlung ausgeblwben war, w-.rde d'e von ihm gegen dieses Urteil eingelegte Berufung kostenfäftig verworfen. W'ft er sich einem Pfandmeister, der im Auftrag des hiesigen Finanzamts wegen rückständiger Steuern die Zwangsvollstreckung durchfühlen sollte. Widersekte, mußte sich ein Kaufmann von hier wegen Widerstands genm die Staatsgewalt verantworten. Durch das Amtsgericht G'eßen war er zu 45 Mk. Geldstrafe evtl. 9 Sage Gefängnis verurteilt worden. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde zurückgewieten. da das Gericht sich auch heute nicht von der Erheblichkeit seiner Angaben überzeugen konnte, vielmehr den Angaben des Zeugen vollen Glauben schenkte. Wegen Körperverletzung eines Mitgesange- nen war ein Strafgefangener durch das Amtsgericht Butzbach zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden. Se ne Berufung begründete er damit, daß er sich in Rotwehr befunden habe. Doch stellte das Gericht auch heute das Gegenteil fest und bestätigte das erstinstanzliche Urteil. PonnefeMt'sTee JIä, seit 1OO Jahren bewahrt von Millionen getrunken Ich habe mich in Gießen als Rechtsanwalt niedergelassen. Mein Bureau befindet sich Liebigstraße 5 — Ecke Bahnhofstr. Fernsprecher 34 07149 Dr. Ludwig Rosenthal Dauernde, solide Existenz finden in jeder Stadt von ca. 50000 Einwohner und darüber intelligente, steißige und vorwärtsstrebende Herren durch Uebernahme des Vertriebes eines grundreellen Massenartikel in Verbindung mit Reklame nach neuem D.D.G.M. 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Drohend spitzten sich Lilys Züge. „Und jetzt frage ich Sie, Herr von Kreuth: haben Sie diese Existenz endlich gefunden?" Kreuth schob den Unterkiefer vor. „Noch nicht so recht", gestand er. Seine Gesichtsmuskeln zuckten. „Das ist traurig." „Tragisch, Fräulein Lily, tragisch." „Und?" forschte Lily. „Was soll weiter geschehen?" Einen Augenblick schaute Kreuth zu Boden. Dann warf er den Kopf zurück. „Ich bringe Geld mit. Ich bringe sogar viel Geld mit." „Was hindert Sie barm, abzuretten?" „Es soll ein schöner, runder Betrag werden; genial, um zwei oder drei Jahre davon zu leben. Noch eine Kleinigkeit fehlt an diesem Betrage." „Unbarmherzig fragte Lily. „Welche Summe haben Sie im Äuge, f)err von Kreuth?" „Ich nenne keine Ziffer." Ueberlegen kräuselte Lily die Lippen. Er nannte keine Ziffer. Darunter konnte man sich vorstellen, was man wollte. Noch einmal musterte sie Kreuth von oben bis unten. Tadellos sah er aus. Don einem allerersten Schneider mochte sein Frack herrühren. Eine goldene Zigarettendose lugte aus seiner Westentasche. Peinlich gepflegt waren seine Hände. Die Jazzband hob wieder an. Das Schlagwerk raste mit Blech und Trommel. „Schreiben Sie Martina regelmäßig?" „Ganz regelmäßig." Kreuth verbeugte sich vor Lily. „Der neue Paso Double von Maestro Petrini. Sie können mir keinen Korb geben, Fräulein Lily." Schon legte er die Hand an ihre Taille. Lange hatte Lily keinen so glänzenden Partner gehabt. Trotzdem dankte sie nach wenigen Takten. Etwas fraß in ihr. Etwas sträubte sich dagegen, mit dem Manne zu tanzen, nach dem die Schwester daheim vor Sehnsucht verging. Etwas lehnte sich gegen den ganzen Menschen auf. „Ich sehe Sie ja noch?'' „Möglicherweise", lächelte Kreuth und empfahl sich höflich. Aber an keinem der nächsten Tage sah Lily Kreuth wieder. Allerlei Ahnungen stiegen in ihr auf. War er abgereift, verbarg er sich vor ihr? Etwas stimmte da nicht. Lily zog Erkundigungen ein. Doch in keinem Hotel, in keiner der besseren Pensionen kannte man den Namen. Auch im Kursaal wollte man sich nicht erinnern. „Kreuth, Kreuth", sprach der elegante junge Mann im Bureau sinnend, den Bleistift an den Lippen. „Nicht, das ich wüßte." Er blätterte in dicken Folianten. Auf einmal lächelte er. „Da haben wir ihn ja. Benno von Kreuth, nicht wahr?" Lily bejahte. Das Lächeln des jungen Mannes verlor sich diskret. Er glaubte, im Bilde zu sein. „Herrn von Kreuth scheint es bei uns nicht gepaßt zu haben." Geläufig zitierte er: „Kaum gegrüßt, gemieden." „Also abgereift?" „Gleich am ersten Tage, ohne ein Wort." Der elegante junge Mann blickte verträumt vor sich hin. „Schade — auch vom geschäftlichen Standpunkt. Herr von Kreuth soll der beste Maitre de danse gewesen fein, den wir in dieser Saison hatten." XVI. Im Flur des Hauses in der Mauerstraße stieß Martina mit Bernhard Carsten zusammen. Trotz der Dunkelheit erkannte sie ihn auf den ersten Blick. Das war der Mann, wie er in ihrer Vorstellung lebte. Auch Carsten stutzte. Die großen blauen Augen, die sekundenlang an ihm hingen, alarmierten ihn. Aus dem Gefühl heraus fragte er: „Zu mir vielleicht?" Und er murmelte feinen Namen. „Ich bin Martina." Carsten räusperte sich und klingelte nach dem Portier. Kein Wort fiel im Fahrstuhl. Oben sagte Carsten zu Nettelbeck: „Telephonieren Sie Herold & Ribbeck: ich komme morgen. Ansonsten — Sie wissen: ich bin nicht da." Die Tür schloß sich. Martina stand wartend in der Zimmermitte. Mit der Hand wies Carsten auf den Fauteuil, seinem Schreibtisch gegenüber. Dann setzte er sich. „Martina Wilemar, wie ich vermute?" „Ganz richtig." „Ihr Herr Vater hat mir von Ihnen erzählt." Carsten lächelte wohlwollend. „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, Fräulein Martina." Er erhob fid) und reichte ihr die Hand. „Mädchen Ihrer Art sind selten. Nicht jede hat die Energie, sich so rasch um- zustellen. Sie haben die Energie gehabt. Das ist ein glänzendes Zeugnis." Carsten legte die gespreizten Finger ineinander, die Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt. „Wo arbeiten Sie eigentlich, Fräulein Martina?" „Bei der Holzindustrie A.-G. in der Schützenstraße." Carsten nickte befriedigt. „Kenne ich. Ein reelles Unternehmen. Dort gibt es auch Möglichkeiten, vorwärtszukommen." „3d) weiß nicht", sprach Martina hilflos. „Und Sie wollen doch vorwärtskommen?" „Gewiß will ich vorwärtskommen, Herr Carsten." Wie lange sollte das Gerede nod) dauern? fragte sich Martina. Man durfte nicht weiter zögern. Hundert Fragen brannten. Hundert Fragen mußten ausgesprochen werden. Es ging ums Letzte. Langsam rieb Carsten die Handballen gegeneinander. „Und wenn es dort keine Möglichkeiten gibt, so gibt es andere. Sie sind mit der Holzindustrie nicht verheiratet, Fräulein Martina. Auch bei mir können Sie unterkommen, wenn Sie wollen. Die Häuserverwaltung braucht einiges Personal. In der Direktion des Krankenhauses werden Hilfskräfte notwendig fein. Es wäre gerade der richtige Augenblick." „Id; danke Ihnen, Herr Carsten." Martina spürte, wie ihre Stimme bebte. Der Angelpunkt war da. Hier mußte man einhaken. „Ich danke Ihnen," sprach sie noch einmal. „Aber ich gebe meine Stelle nickt auf. Und in Ihre Bureaus will ich schon gar nicht. Es ist vollkommen ausgeschlossen, datz ich in eines Ihrer Bureaus gehe. Vollkommen ausgeschlossen." Noch breiter wurde das Lächeln Carstens, noch wohlwollender. „Warum sollte das ausgeschlossen fein, Fräulein Martina?" fragte er gütig. „Eine Arbeit ist wie die andere. Und bei uns hätten Sie die Möglichkeiten. Wir brauchen ernste, zieldewußte, peinlich gewissenhafte Menschen." Martina wuchs aus ihrem Fauteuil. „Es genügt, wenn Vater und Mutter von Ihrem Gelde leben." „Von meinem Gelde?" Carsten ergriff ein Lineal und schwenkte es hin und her. „Das gibt es ja gar nicht: von meinem Gelde. Wer etwas leistet, lebt niemals vom Gelde des anderen. Seine Arbeit fetzt sich in Geld um. Woher das Geld kommt, ist gleichgültig." „Das find die gewöhnlichen Fälle." Erstaunt blickte Carsten. „Und die ungewöhnlichen?" „Hier ist so ein ungewöhnlicher Fall/ Ruckweise richtete sich Carsten auf. Ein einziger schwarzer Strich waren seine Augenbrauen. Steil stand das Lineal auf der Tischplatte. „Da wäre ich wirklich neugierig." Er warf den Oberleib zurück. Mit furchtbarer Entschlossenheit sagte Martina: „Sie haben meinem Vater zu seinem jetzigen Verdienst verhalfen. Sie kannten meinen Vater damals nicht. Daß ein Zufall mitgespielt hätte, ist undenkbar. Sie haben es also jemanbejp zuliebe getan. Wer war dieser Jemand, Herr Carsten?" Carsten zog die Schultern hoch. „Wer es war —" »Ich will es Ihnen sagen: meine Mutter war dieser Jemand." „Das hat sie Ihnen erzählt?" kicherte Carsten. Dann tat er, als überlegte er. „Es ist sehr gut möglich, daß sie Ihnen das erzählt hat. Auch Gründe könnte man schließlich finden." Er wollte weiterreden, aber Martina fiel ihm ins Wort. „Sie kennen meine Mutter doch?" Carsten saß fest. (Fortsetzung folgt.) 8B38 Verlangen Sie BAUART RH 35 Z MOTOBEN-WESKE VORN- BENZ RBT-STAT- MOTORENBAU KOMPRESSORLOSE DIESELMOTOREN für öewerbP Betriebe Fahrzeuge u.Schiffe Kraftwerke Verkaufsbureau: Mannheim L15 I, Telephon 30429.7889D Meldung 4MA J. Pfeffer Marktplatz 8596a *01^3 Orinta’n Wurstwaren nur von Ochsen- u. Rindfleisch hergestellt. Offeriere jeden Donnerstag frisch Leberwurit, ff. Rldfdjtvurft, Zcrvelal- wurst.Dauerwurnu.WienerWürstrden Auch alles im Aufschnitt. [8603D H. Lublinski Ecke Stein- u. Dammstr. 41, Tel. 8S2. Bevor 0728t pelz«»«Pelzbesatz kaufen, besuchen Sie das Etagengeschcisi 6mfl®?lfel,lfifltitMe 141.5106 «Eingang durch den Laden« Teilzahlung! M WM'UW Im VkWllgMkll W Begonnen und nehme ick Anmeldungen jederzeit entgegen. — Daielbst werden M.ttchmen- Knopflöcher angefertigt. 8600V Stau H. Secker, Uaiserallee 18. 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Diese werden erst recht verständlich, toran man die geschichtliche Entwicklung des englischen Erziehungswesens zu überblicken vermag. Nirgends spiegelt sich vielleicht der konservative Charakter des Insellondes so deutlich wie m dieser Sonder- entwicklung, die seit den Sagen des fShttelalterä beharrlich ihren eigenen, Weg verfolgt hat. Sie fußt durchaus auf der mittelalterlichen Traditwn des damals über ganz Europa verbreiteten, m strenger Stufenfolge ausgebauten Systems, wie es sich in der Ausbildung für die drei Hauptberufe zeigte. Für den Geistlichen, Soldaten und Kaufmann galt es in jedem Fall das Erklimmen einer in ihren aufeinanderfolgenden Sprossen genau festgelegten Leiter. Jeder hatte unten anzufangen: unter innerhalb des Berufes ganz gleichen Bedingungen, und es hing gänzlich von seiner eigenen persönlichen Tüchtigkeit und Gewandtheit ab, wieweit er auf der Leiter gelangte. Diese durchgehende Einheitlichkeit, die alle umschloß, schuf eine Sphäre intellektueller Gemeinschaft und des Derstehens untereinander. Die Reformation, die auch in England mit vielem aufräumte, konnte die alte Tradition nicht zerstören, die, als mit der Renaissance das wiederbelebt« Interesse an der Wissenschaft zur Gründung der ersten Colleges führte, in diesen Gründungen zu neuer Blüte kam. Das war der Anfang der Universitäten Oxford und Cambridge, in deren Händen dann jahrhundertelang die Ausbildung der Gelehrten des Landes ausschließlich lag, eine wissenschaftliche Schulung unverändert getreu nach dem alten Muster trotz allen äußern Wechsels der Zeiten. Die dann im 19. Iahrundert einsetzende Schulreform zielte nämlich noch keineswegs auf eine Aenderung des ganzen Systems ab, sondern suchte vielmehr nur dessen Segnungen weiteren Schichten der Bevölkerung zugänglich zu inachen. Die neuen Schulen, die in großer Zahl errichtet wurden, übernahmen die Organisation der alten mit dem unveränderten Ziel der Vorbereitung für jene beide Universitäten, ohne daß die wichtige Frage danach, ob das alte System auch für die neuen Klassen des Volkes, die nach Erziehung verlangten, geeignet sei, überhaupt aufgeworfen worden wäre. Als dies sich dann durch die Praxis als unzulänglich oder überlebt herausstelkte, begannen die Leiter der großen höheren Schulen auf eigene Faust zu experimentieren. Dieses selbständige Vorgehen bestimmter Schulmänner, die ihre großen Anstalten nach eigenen Plänen neuorganisierten, ist typisch für das ganze victorianische Zeitalter. Diese Entwicklung erreichte ihren Wendepunkt dann in der großen Parlamentsakte von 1902, die in England den Schulzwang einführte und so von einschneidender Bedeutung für das ganze englische Schulwesen wurde. Die Begriffe „Vollserziehung" und „nationale Erziehung" haben in den letzten 20 Jahren die größten Aenderung en des ganzen Systems bewirkt, und wirtschaftliche und soziale Verhältnisse der Gegenwart stellen le: Durch üh ung te: reuen Re orm immer wieder unvorhergesehene Schwierigkeiten in den Weg. Dazu kommt die tief im englischen Volkscharakter begründete, dem deutschen Wesen so entgegenge etz'.e Abneigung gegen jedwede Theorie von vornherein. Es liegt dem Engländer viel mehr, alles erst einmal praktisch selbst auszuprobieren und dann auf den so gewonnenen Erfahrungen ein theoretisches System aufzubauen, wie es das Verfahren jener oben erwähnten Schulleiter zeigt. Aus dieser Tatsache erklärt sich zweierlei für di« gegenwärtige Lage: einmal, "Die Arbeitsschule. Don Prof. August Messer, Gießen. Die nachsolgenden Ausführungen sind einer im Mauritius-Verlage, Berlin, erschienenen Kleberschau des Verfassers über die Pädagogik der Gegenwart entnommen. Der Gedanke der „Arbeitsschule" selbst ist nicht neu — man glaubt ihn schon bei Platon nachweifen zu können. In der Gegenwart ist die Idee der Arbeitsschule in besonders wirksamer Weise theoretisch vertreten und zugleich erfolgreich in die Praxis eingeführt worden durch Georg Kerschensteiner, der, geboren 1854, als Gymnasiallehrer in Schweinfurth und München und von 1895 bis 1920 als Stadtschulrat in München gewirkt hat, wo er jetzt noch als Honorarprofessor an der Universität tätig ist. Seine pädagogische Bedeutung reicht fWilich weit über das Gebiet, das mit dem Wort „Arbeitsschule" bezeichnet werden kann, hinaus. In unserem Zusammenhang kommt vor allem Kerschensteiners Schrift „Begriff der Arbeitsschule" in Betracht. Als „Arbeitsschule" gilt ihm diejenige Schule die durch ihre Methoden und durch die Art ihres ganzen Betriebs die immanenten Dildungswerte ihrer Bildungsgüter auslöst. Damit ist schon gesagt, daß nicht etwa die durch Handfertigkeitsunterricht geleistete manuelle Betätigung das Wesentliche ausmacht. Vielmehr betont Kerschensteiner entschieden, daß das selbständige Denken (also die Deij'tandestätigkeit!) ein echtes, rechtes, wesentliches Kennzeichen der Arbeitsschule sein müsse. Besonders aber komme es darauf an, daß die „Arbeit" nicht nur Betätigung, sondern Selbstbetätigung fei, daß sie möglichst spontan, aus dem eigenen Selbst heraus erfolge. Er ist sich dabei auch klar über die Grenzen der „Arbeitsschule". „Erarbeiten", so führt er aus. lassen sich nur rationelle Eii^ichten und „Selbstprüfen", lassen sich nur Arbeiten, die entweder einer mit Maß und Zahl und Gewicht arbeitenden Autzenschau oder der logisch durchführbaren Jnnenschau zugänglich sind. Andere Werte lassen sich nur „erleben". Man darf aber „Erleben" und rationales „Erarbeiten" nicht in einen Topf werfen, wenn man nicht die ganze Idee der Arbeitsschule durch eine falsche Anwendung auf die irrationalen Werte in Mißkredit bringen will. 3n dem Gedanken des „Selbsttuns", der spontanen Betätigung von innen heraus be- dah auch heute noch allerorten eifrig experimentiert wird, wodurch man eine für den Ausländer sehr anregende, bunte Mannigfaltigkeit im Schulbetrieb erreicht, die nur des öfteren auf Kosten der Gründlichkeit zu gehen scheint, und zum andern ein unverhohlenes Mißtrauen und Widerstreben gegen den Gedanken der staatlichen Schule. Der Engländer will in diesem Punkt vom Ausland noch nicht lernen. Er stemmt sich mit Gewalt dagegen und sucht unter Betonung des sehr stark ausgeprägten älnabhängigleitsgesühls des freien Bürgers feine Privatschulen wenigstens mit einigen ihrer alten Einrichtungen zu retten. Die Entwicklung auf die staatliche Schule hin wird indessen auf die Dauer nicht aufzuhalten sein, wenn sie sich auch vielleicht in andern Formen als bei uns vollziehen wird. Schon letzt können viele der bekannten, großen Erziehungsanstalten sich nur durch finanzielle Unterstützung des Staates behaupten. Die wirtschaftliche Lage bringt das mit sich. Der englische Lehrer sträubt sich im Allgemeinen sehr gegen den Gedanken, ein Staatsbeamter zu werden. Er will auch die Vorteile der durch die Staatsschule gewährten Einheitlichkeit im Erziehungswesen nicht anerkennen, sondern glaubt an bessere Erfolge durch freies Wechselspiel vieler individueller Richtungen und Kräfte, die sich nur in den Grundprinzipien einig sind. Der Staat ist indessen an der Erziehung des zukünftigen Staatsbürgers immer mehr interessiert. Sein Einfluß wird daher mit der Zeit immer unmittelbarer werden. Die Hauptaufgaben sind gegenwärtig von den höheren Schulen zu lösen, da die Eltern immer weiterer K keife ihren Kindern eine bessere als die Elementarbildung mitgeben wollen. Rach der Statistik ist die Zahl der Kinder, die die Auf- nahmeprüfung für höhere Schulen abgelegt, in den letzten acht Jahren von 20 000 auf 47 000 gestiegen, also um mehr als das doppelte. Dieser große Zuwachs an Schülern, der voraussichtlich noch ein paar Jahre anhalten wird, macht die Lage der Schulen sehr schwierig und die Forderung nach tüchtigen Lehrkräften besonders dringend. — Die Aufgabe der modernen englischen Schule läßt sich unter dreifachem Gesichtspunkt zusamrnensassend als folgende ansehen: Sie soll dem Kinde das Kulturgut der westlichen Zivilisation vermitteln, es zu einem tüchtigen Bürger erziehen und seine individuellen Fähigkeiten und Talente ausbilden und fördern. Ein führender Schulmann in England hat das alles kürzlich einmal in folgendem Grundsatz zusammengesaßt: Wir müssen den jungen Menschen nicht nur arbeiten lehren, sondern ihn vor allem dahin bringen, daß er seine Mußestunden auf die beste Weise verbringt. Das ist ein typisch englischer Ausspruch aus dem Zeitalter des Kinematographs und Radios, der jedoch gewiß auch manchem Erzieher außerhalb des Landes der Wochenenden und Dankferien zu denken geben wird. Universitäten in Deutsch-Oesterreich. Von Dr. Siegfried Scharfe. Don den 100 Millionen Deutschen, die es schätzungsweise gibt, wohnen nur etwa 60 Millionen innerhalb der deutschen Reichsgrenzen. Dieser Tatsache entspricht die andere, daß es eine große Zahl deutscher Hochschulen gibt, die nicht in Deutschland liegen. Allein Deutschösterreich besitzt 9. bzw. 10 deutsche Hochschulen. Eine ansehnliche Zahl, wenn man sich klar macht, daß auf die reichsdeutsche Bevölkerung von 60 Millionen nur insgesamt 60 Hochschulen kommen, während Deutschösterreichs <Änwohnerzahl nicht einmal 6 Millionen ausmacht. Stellt man die Studentenzahlen gegenüber, so fallt der Vergleich zwischen Deutschland und Deutschösterreich noch, mehr zugunsten Deutschösterreichs aus, das über rund 20 000 Hochschüler verfügt, während es Deutschrührt sich der „Arbeitsschul"-gedanke mit dem der „Kunsterziehung"; denn er will ebenfalls die schöpferischen Kräfte des Menschen anregen und pflegen. So fordert denn auch Kerschensteiner von seiner Idee der Arbeitsschule aus bereits für die Volksschule nicht nur eine allgemeine Methode, die nicht den Schüler gängeln, sondern seinen Schaffensdrang anregen will, nicht nur Anleitung zum Beobachten, Spähen, Messen, Wägen und die Einführung eines manuellen Arbeitsunterrichts, sondern auch eine viel sorgfältigere Pflege des Zeichnens, das nicht eine Schulung, sondern auch eine Prüfung des Beobachtens sei. Der Forderung: jede Stunde eine deutsche Sprachstunde, stellt er die andere zur Seite: jedes Sachgebiet ein Zeichengebiet. Seine Untersuchungen über „die Entwickelung der zeichnerischen Begabung" sind für die Gestaltung des Zeichenunterrichts von stärkster Wirkung gewesen. Ferner hat Kerschensteiner den Gedanken der Arbeitsschule aufs engste verknüpft mit dem Gedanken, die Vorbereitung auf den Beruf schon in den sog. „allgemein"-bildenden Schulen, auch den Volksschulen, viel mehr als bisher zur Geltung zu bringen. Er begründet dies also: „Rur durch praktische, auf ein wohlumgrenztes Gebiet beschränkte Arbeit, die den Fähigkeiten des Einzelnen entspricht, gelangt der'Mensch zu wertvoller Blldung. Diejenige Arbeit nun. die dem einzelnen am nächsten liegt, wo er am natürlichsten und zugleich am freudigsten seine Kräfte einsehen wird, ist keine andere, als die ihm sein künftiger Beruf anweist, zu der ihn Steigung und Anlage ziehen. Es ist daher ein Vorurteil, wenn wir Deutschen uns daran gewöhnt haben, gerade die Berufsarbeit aus der Schulbildung auszu- scheiden und den Fachschulen gegenüber den allgemein bildenden Lehranstalten einen geringeren erzieherischen Wert zuzusprechen. Eine frühzeitige Berufsblldung muh in gar keiner Weise minoer- toertiger fein als die sog. SHIgemeinbtl&ung. Im Gegenteil. Die Anschauung vom Handwerks- mäßigen, Beschränkten, Einseitigen, die heute vielfach dem Begriff der Berufsausbildung aubaftet ist nur eine falsche Auffassung des Begriffs „Blldung". die beständig mit „Wissen verwechselt wird. Die wahren Kennzeichen der Bildung f nid frische Empfänglichkeit für alles Menschliche, Sicherheit des Urteile, Selbständigkeit im Erfassen und Durchführen einer Aufgabe, lieber» einstimnnrng von Einsicht, Wille und Handlung. Mit „Wissen" hat „Bildung"^ nur soviel zu tun, als es diese vier Eigenschaften"'notwendig machen. Jedes große einheitlich geschlossene Arbeitsgebiet, in dem sie sich entwickeln lassen, führt zur Bildung." Freilich wird sich eine stärkere Berücksichtigung des Berufs erst auf der Stufe der Fortbildungsschule durchführen lassen. Für deren fruchtbare Gestaltung — früher beschäftigten sie sich vielfach nur mit einer Lehrer und Schüler langweilenden Wiederholung von Volksschul- Pensen — hat denn auch Kerschensteiner bahnbrechend gewirkt, zumal er hier durch Einrichtung von Schulwerkstätten (bzw. von Schulküchen für die Mädchen) in den Münchener Schulen Vorbildliches geschaffen hat. Heber die Idee der Arbeitsschule ist eine ganze Literatur entstanden. Dah man diese Idee schon im Kindergarten durchführen kann, hat die auch bei uns mit Recht hochgeschätzte italienische Erzieherin S. SHaria Montessori in der Praxis gezeigt und in ihrem Buche „Selbständige Erziehung im frühen Kindqkalter" in überaus anschaulicher und überzeugender Weise bargelegt. Allmählich hat sich eine gewisse Klärung über den Anfangs oft sehr unbestimmt und in verschiedener Weise aufaefahten Sinn der „Arbeitsschule" ergeben; ebenso ist man ruhiger und gerechter geworden in der Beurteilung der bisherigen Schulleistungen. Ursprünglich dachte man bei den Wort „Arbeitsschule" vorwiegend an irgend eine Form von Handarbeitsunterricht, besonders für die Knaben (als Gegenstück für die Hausarbeit und der hauswirtschaftlichen Unterweisung der Mädchen); dann verwendete man den Namen vielfach auf die Auswirkungen der neueren Bestrebungen für „Kunsterziehung"; endlich stellte man sich auch unter dem Einfluß russischer und kommunistischer Pädagogen unter Arbeitsschule eine fabrikähnliche Produktions- ftätte vor, die für den modernen Wirtschaftsstaat vorbereiten soll. Gewiß sind alle diese Auffassungen der Idee pädagogisch diskutabel und besonders der Handfertigkeits- bzw. Werkunterricht hat sich einen gewissen, wenn auch noch zu bescheidenen Platz in unseren Schulen erobert, sei es, daß man ihm besondere Stunden (für Papparbeit, leichte Holzarbeit. Gartenarbeit, Modellieren usw.) zuweist, teils dah er als älnterrichtsprinzip zur Geltung kommt, sofern bei den verschiedensten Gegenständen die Schuler zur manuellen Betätigung angeregt werden. „Die land nur auf rund 80 000 Studenten bringt. Die deutschösterreichischen Hochschulen verteilen sich auf Wien, wo allein 5 Hochschulen ihren Sih haben (Universität, Technische Hochschule. Tierärztliche Hochschule. Hochschule für Bodenkultur und Hochschule für Welthandel), ferner Graz (UniDcrfrtät und Technische Hochschule», Innsbruck (Universität), Leoben (Montanistische Hochschule) und Salzburg (Katholisch-theologische Fakultät). Sie haben zum Teil ein ehrwürdiges Alter, namentlich die Universität Wien, die bereits 1365 gegründet worden ist. Die Kulturbedeutung der Hochschulen in Deutschösterreich ist vielleicht noch größer als im Reich. Gilt es doch nicht nur. den akademischen Nachwuchs für Deutschösterreich selbst auszuvilden, sondern — was vielleicht für die Erhaltung und die Pflege deutscher Kultur noch wichtiger ist — auch den Studenten, die aus den deutschen Gebieten und Sprachinseln in Ungarn, Rumänien. Jugoslawien. Polen und Italien zur Hochschule kommen, das nötige geistige Rüstzeug zu geben. Es ist ja bekannt, daß wiederholt deutsche Volkssplitter im Ausland ihrem Volkstum entfremdet wurden, weil ihnen die nötige geistige Führung fehlte. Man braucht nur an die Verhältnisse im früheren Ungarn zu denken, auf der anderen Seite an Siebenbürgen, wo ein zahlenmäßig äußerst geringfügiger deutscher Vollsten sich durch die Jahrhunderte behauptet hat, eben weil seine geistigen Führer deutsch geblieben sind. Die Hochschulen in Deutschösterreich können als Kultur- Mittelpunkte der deutschen Südmark nicht hoch genug bewertet werden, well von ihrem Bestehen geradezu die Existenz der deutschen Minderheiten in einer großen Zahl von fremdnationalen Staaten abhängt. Und man muß es den deutschen Professoren und Studenten in Deutschösterreich lassen: sie sind sich ihrer nationalen Verantwortung stets bewußt gewesen. Das gilt ebenso von der Abwehr gegenüber sremdnationalen Einflüssen an den Wiener Hochschulen, wie von der Schuharbeit, die in den Grenzgebieten (Tirol, Kärnten, Steiermark, Burgenland) geleistet wird. Die großdeutsche Frage ist für den deutsch- österreichischen Akademiker keine Frage mehr, ganz gleich, ob er einem katholischen Verband, einer Burschenschaft oder irgendeiner anderen Korporation angehört. Einzelne studentische Verbände, deren Schwergewicht in Deutschland liegt, haben schon feit Jahrzehnten ihre Verbandskorporationen in Wien und Graz und Innsbruck; und unter dem Einfluß des Weltkrieges sind, fast sämtliche Korporationsverbände diesem Beispiel gefolgt. Das zeigte sich besonders deutlich bei der grvßdeutschen Tagung in Wien im März, als mehr als 1000 reichsdeutsche Studenten nach Deutschösterreich kamen. Neuerdings sucht man die großdeutsche Einheit zwischen reichsdeutschen und deutschösterreichischem Hochschulwesen dadurch zu festigen, daß auf dem Gebiet der Dtudien- angleichung immer mehr die Unterschiede und Trennungen zwischen hüben und drüben zum Verschwinden gebracht werden. Schon jetzt ist es in den meisten Fakultäten möglich, daß reichsdeutsche Studenten in Deutschösterreich studieren und umgekehrt. Die Semester, die man an einer vorläufig noch ausländischen Hochschule verbringt, werden von den Behörden gegenseitig anerkannt. Auch die Studienpläne werden nach Möglichkeit einander angeglichen. Im übrigen gehört bereits seit mehreren Jahren die Deutsche Studentenschaft an den deutschösterreichischen Hochschulen zusammen mit der- reichs- und fudetendeutschen Studentenschaft tzu derselben Deutschen Studentenschaft Deutschösterreichs ©tubev.ten bilden den (»genannten Kreis 8. Gleichwohl läßt sich nicht verkennen, daß die deutschösterreichischen Hochschulen einen besonderen Typ darstellen. Der Hochschulbetrieb mutet für reichsdeutsche Begriffe in gewissem Sinne schulmäßig an. In fast allen Fakultäten wird das Sludium nach ganz bestimmten Plänen „absolviert". Man wechselt infolgedessen auch nicht so oft die Hochschule wie in Deutschland. Die vielberufene „akademische Freiheit" ist nicht derartig ausgeprägt wie bei uns. Auch der deutsch- österreichische Student unterscheidet sich nicht unwesentlich von seinem reichsdeutschen Bruder. Er stammi aus anberen Gosoilfchaftsschichten und hat manchmal eine kleinbürgerliche Prägung. Bezeichnend ist, daß man in Deutschösterreich als Student viel mehr in Studentenheimen wohnt, einfach weil in den meisten Fallen tallächlia) nur ein Existenzminimum zum Leben vorhanden ist. Wer deutsche Studentenart in Oesterreich genauer kennen lernen will, dem sei ein ein- oder mehrsemefkriges Studium in Wien. Graz. Innsbruck oder Leoben empfohlen. Die „Brüder au8 dem Reich" sind an Deutschösterreichs Hochschulen willkommen. Kindersprache und Sprachunterricht. Von Karl Rottger. In unfern heutigen Schulen tritt an Stells eines natürlichen Werdeganges und Wachstums ein künstliches „Lernen" der Sprache. Rach einem Sprachunterricht, wie es unser Sprachunterricht in allen Schulen ist. vollzieht sich deshalb das Sprachwerden am schwierigsten. Während das Kind in den ersten sechs Jahren feines Lebens die Sprache des Hauses, des Milieus, der Verwandtschaft, der Straße durchaus soweit kann, m fein Kindsein trcursponiert, daß es sich verständlich, oft sogar außerordentlich krefsend. urwüchsig eigen ausdrücken kann, — lernt es in den darauffolgenden zehn Jahren die Sprache der Schule und der Lehrbücher in den meisten Fällen nur unsicher, ja nur stümperhaft. Woran das liegt, damit hat sich die Schule und die Pädagogik noch wenig beschäftigt. Allenfalls hat man sich mit der Meinung begnügt, daß „der deutsche Sprak ein schwerer Sprak" sei. Das ist aber nicht richtig. Jedes Volkes Sprache ist für das Volk selbst weder leicht noch schwer — sondern nur ihm gemäß. Also mühte ein jedes normale Kind eines Volkes auch durchaus normal und ohne Qualen die Sprache lernen, -Unb es wird das auch der Fall fein, sobald der natürliche Gang der Sprachwerdung, der bis zum sechsten Jahre geschieht, nicht unterbrochen wird. — Wenn ein Kind, das Sprache dauernd, täglich, stündlich, natürlich organisch auf nahm, und im Verkehr mit Erwachsenen und seinesgleichen anwendete — nun plötzlich Sprache lernen soll mit dem Abwandeln der „Dingwö - ter“, nach den vier Fällen und der Zeitwörter (ich ging, du gingst, er ging), so muß das einen Bruch im Dprachwerden geben, der bei solchen Kindern, die Sprachgabe, eigen- schöpferische, haben, erst allmählich im Laufe langer Jahre ausheilt — während die Ansätze individueller Sprache bei allen anderen grundsätzlich verkümmern müssen. Run hat man gesagt, Kinder seien nachahmende Geschöpfe, sowohl was Sprache an» gehe, clls auch was andere Ausdrucksformen angehe. In der Wissenschaft ist sogar ein Streit vorhanden, (oft mir latent, manchmal auch aktiv) zwischen denen, die dem Kinde Elgen- schöpfung beim Sprachwerden zuschreiben, und denen, die in der Sprache Oes Kindes nur Nachahmung sehen. •UebrigenS ist die Gruppe derer. die das Eigenschöpferische des Kindes und feiner Sprache betonen, in der Minderzahl. Ich selbst stehe immer gern bei der Minderzahl; doch ist das nicht der einzige Grund, weswegen ich mich zur Gruppe derer um Steinthal und Lazarus bekenne, die schon vor Jahrzehnten, ehe die pädagogische Hochflut da war, sach'icheÜenso historisch wie psychologisch, auf Grund echt wissenschaftlicher Forschung das Sprachwerden der Schüler basteln ihre physikalischen Apparate, arbeiten experimentierend in der Physik- • und Chemiestunde, bringen in das Verständnis der Landkarte durch Arbeiten am Sand hau'en oder Sandkästen ein, wenden ihre Kenntnisse in der Raumlehre bei der Herstellung von allerhand Modellen an und was es sonst noch an Möglichkeiten des handtätigen Arbeitens gibt. Dabei fernen die Kinder auf Genauigkeit und Sorgfalt der Arbeit achten und spüren etwas in sich aufleimen von der rechten Wertschätzung der Arbeit, auch der Handarbeit, ein Ergebnis, was man auö sozialpädagogischen Gründen gern als einen Gewinn bucht (Eckhardt). Mehr und mehr ist man nun aber darüber einig geworden, daß auch in der neuen Schule Kem- und Hauptstück die geistige Arbeit fein muh. Schließlich muh ja auch alle Handtätigkeit, wenn sie nicht in rein mechanischer Wiederholung sich vollzieht, von geistiger Aktivität geleitet sein, und diese geistige Aktivität und Spontaneität, das Eigentätige und Schöpferische im Kinde anzu- regen und zu stärken und zu üben, das ist der allgemeine und wertvollste Sinn der Idee der „Arbeitsschule", ein Sinn, der den ganzen Unterricht durchdringen kann und soll und der es wohl zuläßt, daß er daneben auch noch in besonderen Fächern oder Veranstaltungen Verwirklichung findet. Von dieser weiten Auffassung aus aber ergibt sich, daß auch die „alte" Schule in einem gewissen -Umfange „Arbeitsschule" war. Wenn man sie in der Polemik als „Lern"- oder „Duch- schule" charakterisiert hat, so waren ja solche als Vorwurf gemeinten Bezeichnungen nicht unverdient, indessen darf man nicht darüber vergessen, dah in der „neuen“ Schule ebenfalls „gelernt" werden muh. Ein rechtes Lernen aber, das auf Verständnis ruht und zu einem Wissen und Können führt, das „in Fleisch und Blut" übergeht, kann ohne wirkliches Arbeiten nicht sich vollziehen. Ebenso wird die „neue“ Schule auch „Buchschule" sein müssen. Kerschensteiner hat natürlich völlig recht, wenn er blohes, lebensfremdes „Buchwissen" verwirft, aber dabei bleibt doch das Wort Lindes wahr: „Die Welt der Bücher ist so groß und das Kulturerbe, das darin niedergelegt ist, so unschätzbar, bau wir die Pflicht haben, die Jugend auf direktem Wege an diese schönsten Quellen heranzuführen." Freilich muh eben das rechte Verstehen und Gebrauchen; der Bücher ebenfalls „erarbeitet" werden. Pol'til flj Die Reform Landesfür Attributen sich gE Sie AesorM W W Wals mti MMS 9 Staats Deutschlm seinem Fürst sprich «f Ion Sr. A $llOi Die ne die Aeforma sv gut g W vm Sotti V. Martm w religiöse ' doch batl tot 6r vtrt' im Grund ! MM« hätte. TM Kaiser. IW archie der die ohne mit, einmt war da x\ Die Welt Deutschlan stecken Ka Gegner in geschlossene Gybl'schot i toiu Ger ich die römische Kaisertum, , der Gestalt gut deutsch macht alle 5 aller Degas der starke I ruhig unb tvuhte er ui sv unstet u 26 Jahren erreicht ba chenöen Ac getan. Aoch i An'stenheit, ^gner Da, äk schwer Wig und . Mach tote f M«eIIe al Schiedsrichter ®« nicht S=*°9 nich Ä-! ^gheit Er tätig« k^ schan d, Wen. Die ?aat entlto xQSQQttn' ^^schen un In N oben i Ä »fle K* >.T,v $«4 * Uesen. un, !! «Hb 5 !»• ’S s%: JDie 5 Bionoi*1^ * ’ä« iLimenew) HS Lni-hnst pflPft ^n^a’ Menschen unb Kinder darlegten. Der Streit aber, ob Nachahmung oder nicht, ist in ganz leichter Weise zu beheben. Das Kind ist insofern nachahmend, als es sich oft von dem Tun anderer zu eigenem Tun anreizen läßt. Die Leistung, die cs vollbringt, ist ober meist eigener Qlatur. Nachahmung im Sinne Erwachsener (z. D. bei Malern, Musikern, Dichtern) seht voraus: eine grohe Beherrschung von Mitteln — und die hat das Kind nicht. Das Kind kennt keine literarischen Formen, ober wo es in seiner Sprache echt ist, da klingt sie auch sch^ — man muh nur genauer hinhören. Wo seine Sprache unecht ist, da ist das Kind schon unter dem Einfluß von Erwachsenen „ver-bildet". Studentenspiegel. 2(115 alten Kalendern gekramt von M. Jung Nickel. Ein grober Gesell verachtete das Studieren, sagend: Es bleibe doch bei dem Sprichwort: Je gelehrter, je verkehrter. — Ein Verständiger aber sagte: dah dieses von dem Mißbrauch der' Studien wahr sei. Wer sich aber solcher rechtmäßig bedient, der erweist, daß es heiße: Je gelehrter, je geehrter, und je ungelehrter, je verkehrter. Als ein junger Edelmann sich rühmte: er hätte viele tausend Kronen verstudiert, sprach ein verständiger Mann zu ihm: Wann er einen finde, der ihm für all sein Studieren nur hundert Kronen wiedergeoen wollte, sollte er es für wohl verkauft halten. Es wollte ein Kantor von einem unstudierten Studenten reden und sagte: „Seine Studien sind wie die Noten im Choral: wenig und grob." Etliche studieren wie die Ameisen, die nur Zusammentragen und niemand damit nützen als ihnen. Etliche wie die Spinnen, die von sich viel Unnützes erfinden. Etliche wie die Bienen, welche aus vielen Blumen f)onig zu Wachs und Süßigkeit machen, sich davon nähren und auch anderen damit dienen. Die Unwissenheit ist eine Ungestalt oder Häßlichkeit des Gemütes, welche mit der äußerlichen Schönheit keine Verwandtschaft hat. Wirtschaft. *ZusammenschlußVereinigteStahl- werke-Demag. Wie der DHD. zuverlässig erfährt, schweben zwischen den beiden Gesellschaften Verhandlungen über einen engeren Anschluß der Demag an die Vereinigten Stahlwerke. Die Vereinigten Stahlwerke A. G. hatten als Entgelt für die in die Deutsche Maschinenfabrik eingebrachten Werke der früheren Thyssenschen Maschinenfabrik Mülheim a. d. Nuhr Genußscheine der neuen De- mag-Gesellschast erhalten, und zwar mit der Maßgabe einer späteren Verwertung. Infolge der neuen wirtschaftlichen Konjunktur will man jedoch eine solche Verwertung unterlassen, beabsichtigt im Gegenteil, die Beziehungen der Vereinigten Stahlwerke- Demag bedeutend enger zu gestalten, als dies der bisherige Freundschaftsvertrag beider Gesellschaften vorsieht. Im Zusammenhang mit diesen Erhebungen steht wohl auch der im Ruhrgebiet vielfach kritisierte Rücktritt Dr. Haerles wegen Differenzen mit Fritz Thyssen als Bestätigung für eine Wiederannäherung der Demag an Die Vereinigten Stahlwerke. Im übrigen werden die Vereinigten Stahlwerke von ihrem Prinzip, keine weiterverarbeitenden Betriebe neu anzugliedern, durch diesen Zusammensl'luß nicht abgehen. * Reorganisation der russischen chemischen Industrie unter Führung der I. G. F a r b e n i n d u st r i e A. G. Zur Durchführung des mit der deutsch-russischen Handelsgesellschaft „Rußgertorg" abgeschlossenen dreijährigen Lieferungsvertrages wird die I. G. Farbenindustrie 2l. G. Konsignationslager in Moskau, Leningrad, Charkow und einigen anderen Plätzen einrichten. Ferner wird die I. G. Farbenindustrie die Leitung bei der Reorganisation der russischen chemischen Industrie übernehmen und den Chimugol und andere russische Betriebe mit Facharbeitern versorgen. Russische Ingenieure sollen eine Ausbildung in Deutschland erfahren. Berliner Börse. 03 e r I i n 20. Olt. Die Aufwärtsbewe- t flung der Kurse setzte sich heute nicht fort. Die Spekulation schritt vielmehr zu (5>ett>rnnmit= I nahmen, da sie sich bei der jetzigen hohen Basis des Kursniveaus unsicher suhlt, und zeigte das » Bestreben, ihre Engagements freiwillig leicht abzubauen. Aus diesen börsentechnischen Gründen, die wohl auch Vorbereitungen zum Ultimo bedeuten, gelangte reichlich Material an den Markt, das auf die T e n d e n z drückte. Die Kursrückgänge betrugen 1 bis 2 Prozent, bei den besonders stark gesteigerten Werten 3 bis 4 Prozent. Eine Ausnahmestellung nahmen die Aktien der Darmstadter Bank ein, die infolge starker Nachfrage bei der ersten Kursfestsetzung um weitere 3 Prozent anziehen konnten. Ferner waren einige Spezialwerte, wie Daimler- Motoren. gut befestigt. Unter den ausländischen Renten zeigte sich für Russen Begehr, die ihre Steigerungen fortsehen konnten. Am Geldmarkt hat sich die Nachfrage etwas verstärkt, die Sähe erfuhren aber keine Veränderung. Tagesgeld war zu 3,5 bis 5 Prozent und darunter angeboten. Im Devisen verkehr trat ein empfindlicher Rückschlag für das englische Pfund ein. London gab gegen Kabel auf 4,8480 nach. Die lateinischen Valuten zeigten freundliche Haltung. Auch Oslo behauptet seinen höheren Stand der letzten Tage. Dörlenkurle. Frankfurt a-M. Berlin Sd)luu- Kurs 1-Uhr- fiure Schlich-»Anfang fint» 1'". Datum: 11). 10. 20. 10. 19. 10. 20 10 5% Deutsche RcichSanleihe . G.70 0 6975 0.7007 <% Deutsche RcichSanleihe • 0.6805 0.67 BV9% Deutsche Neichsanleibe 0,(18 — 0,6705 0.66 3% Deutsche RcichSanleihe • 0.83 _ 0.87 0,87 Deutsche Svarprämienanleihe 0 43 - 0.435 4°/o Preußische KoniolS • . . 0.08 >,6707 0.6675 <% Hellen ........ 3’/i°/n Hegen.......... 0.62 _ 0 654 3% Hellen........... Deutsche Wertd. Dollar-An l. dto- Doll -Schatz-Anweiing.') 95 — 0.645 99 — — - <% »jolllürken......... 16.8 18.25 1 16,3 5% Goldmerikaner ... . 45 - _ Berliner Handelsgesellschaft. Lommerz- and Prtvat-Bank 234 159.7a — 160.5 234.75 159.9 230.25 160 5' Dannst. und Naiionalbank . 240 46' 239 241' Deutsche Bank......... 187 188' 186.5 187.5' Deutsche BereinSbank .... Ito DiSconto Commandit . . . 174.5 175,5' 173.9 174.25 Metallbank.......... 165 163 164 Mitteldeutsche Kreditbank . . 150 149 5 150 5 Oestcrreichische Kreditanstalt 8.35 — 8,62 8.3 Weltbank ......... 70 — Bochumer «Äutz ....... 180 178 177,4 179 BuderuS .......... 116 113,75 114/9 114,5 Caro ............ Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. — _ 176 176.5 176 177 180,75 180 179 180.1' Harvcncr Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 18.’.5 17',5 180.5 178' 150 151 148 152.5' Kaliwerk Wcltcregclu..... 160,25 166 157,95 165 5 Laurahütte.......... 90 87,5 91.75 88.12 Oberbedarf.......... 85,5 85.25 84.5 88,5 Phönix Bergbau....... 139.75 139 139.75 138' Rheiuilahl ....... 166 167.25 165,25 166.75 Ricbeck Montan....... 168 166 167 166 Tellus Bergbau...... 92 Bereinigte Stahlwerke A.-G- - 157.25 157,5 155,5 tbanidurg.Amcrtka Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... 180.5 173,75 181 171,5 179.9 173 180,25 171,75 Lheranitschc Werke Albin . . 75 Zementwerk Heidelberg . . 135 135 _ Philivv HoUmann...... 114,5 144,75 144 145 Anglo-Cont-Gnano..... •— 103,9 104,25 Chemische Mäher Alapin . . -- 9- G- Farbeniudustric, A.-G. U31 330' 832 329' Goldschmidt......... Holzverkohlung........ Rütgerswerlc........ 144.75 145,75 136 144,5 50 136.5 51 134 135,9 135,75 Scheideanstalt ........ 184 184 «llg. ElckkrtzttätS-Gesellschast 169.25 168 168.4 167.75 Bergmann ......... Mainkxaftwerke........ H>8.25 168.25 165,5 167 109.9 — Schuckert.......... 147 — (45,25 146.25 Siemens A Halske ...... 209.5 206,13 207 203,75 Adlcrwcrle Klener ...... 101 105 101.75 >04 Daimler Motoren. ...... 95 99 93,5 99,5 Hehligenllaed«......... Meguin............ 28.25 56,25 — 56,5 _ Motorenwerke Mannbeim -- — — Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . 17,5 —- — 45 — — — Metallgescll choft Frankfurt . Pct. Union Ä.-G...... Schuhtadrik Herz . . .... 177 108.7 63,25 176 i ä’w 1 1 11 Sirbel - . ......... 6 5 — — — Zellstoff Waldhof...... 205 207 206 205.25 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Gaghauiel . . . 87.6 108 90 109,75 88 109,25 —■ frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 20. Ott. Tendenz: äln- ficher und überwiegend schwächer. — Die Börse eröffnete an den Aktienmärkten in unsicherer und ausgeprägt lustloser Haltung. Die Kurssteigerungen der letzten Tage gaben der Spekulation Anlaß zu Gewinnsidjerungen und Realisationen, wodurch teilweise ein empfindlicher Kursdruck hervorgerufen wurde, besonders die führenden Werte fanden nur zu stark ermäßigten Kursen Aufnahme. Nach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Tendenz zuversichtlicher, und unter Führung des Dankaktienmarktes, dem die Spekulation stärkeres Interesse zuwandte, entwickelte sich ein lebhafteres Geschäft. Am Montanmarkte waren einzelne Werte stark gedrückt, so Bochumer minus 2,5 Prozent, Deutsch-Lux minus 2 Prozent, Riebet! minus 3,5 Prozent, Gelsenkirchen. Phönix und Stahlvereinigung minus je 1 Prozent, Har- pener minus 1,5 Prozent. Höher wurden Rheinische Braunkohlen plus 1,75 Prozent und Klöckner plus 0,75 Proz. K a l i a k t i e n waren befestigt: Aschersleben plus 1, Westeregeln plus 3,5 Proz. Laurahütte büßten 3 Proz. ein. Die übrigen Werte des Montanmarktcs hatten nur geringe Einbußen aufzuweiseir. Am Chemie markte gingen I. G.-Farben um 2,5 Proz. auf 330 Proz. zurück. Scheideanstalt minus 2 Proz., dagegen konnten sich Galdschmidt befestigen. Am ElekBanknoten. tromarkt hatten nur AEG. eine ftärfere Einbuße von 1,5 Proz. aufzuweisen, während d'e übrigen Werte dieser Gruppe gehalten blieben. Von Bankaktien hatten Darmstädter bei lebhafter Nachfrage einen weiteren Kursgewinn von 5,5 Proz. zu verzeichnen. Deutsche und Metallbank je plus 1 Proz., dagegen Reichsbank minus 2 Proz., Commerz minus 0,5 Proz. Don Schi f f - f a h r t a k t i e n konnten Hapag ein weiteres Prozent gewinnen, während Lloyd 1,25 schwächer notierten. Von Autoaktien gingen Daimler um 1 Prozent zurück: Kleher behaupteten ihren letzten Stand. Am Oliarlt der Zeilst o f f a k t i e n zogen Waldhof um 0,5 Proz. an, dagegen hatten Aschaffenburger eine stärkere Abschwächung von 4 Prozent zu verbuchen. Stärker gedrückt waren auch O e l a k t i e n. Deutsche Erdöl minus 2,5 Prozent, Rütgerswerke minus 1,5 Prozent. Baustoff- aktien strebten weiter leicht nach oben, desgleichen Zuckeraktien. Deutsche Anleihen lagen lustlos und neigten weiter zum Nachgeben. Don ausländischen Renten fanden Russen stärkeres Interesse bei steigenden Kursen. Der weitere Verlauf brachte eine lebhaftere 41msahtätigkeit aus nahezu allen QlTärEten. Die Tendenz neigte wieder stärker nach oben, so daß teilweise gute Erholungen eintraten. Der Geldmarkt ist etwas leichter geworden. Tagesgeld 5,5 Prozent, Nkoncttsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent. Privatdiskonten 4,62 bis 4,87 Prozent, Industrieakzepte 5,5 Prozent. Im Devisen- verkebr konnten die lateinischen Valuten ihre letzte Defestigung behaupten. Paris 165.25, Brüssel 171,50, Mailand 114,25. Das englische Pfund war dagegen stärker abgeschwächt und gab gegen Kabel auf 4,8490 (gegen gestern 4,8505) nach. Die übrigen Valuten zeigten keine wefent- lichen Veränderungen. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Paris. . . 12,27 12,31 12.425 12.465 Schweiz . . 81,00 81,20 81,01 61,21 Spanien . 63,64 63,80 63.67 63,83 Japan - . . 2,052 2.056 2,050 2,054 Rio de Jan 0.559 0.561 0,574 0.576 Wien in D- Ccft. abgest 59,19 59,33 59,21 69,35 Prag ... 12,422 12,462 7,438 12,425 12,465 Belgrad . . 7,418 7,418 7,438 Budapest. . 0,875 5,895 6.878 5,898 Bulgarien -.037 3,047 3,036 3,046 Lissabon 21.475 21,525 21,425 -1,475 Danzig. . Konstantin. 81.37 81.57 81,38 81,58 2.167 2.177 2,157 2,167 Athen 5,24 5,26 5,24 5,2b Canada. . . 4,196 4,206 4,198 4,208 Uruguav . 4.195 4.205 4.20 4.21 Berlin, 19 Oklbr Geld Brief Amerikanische Note» ..... 4,192 4,212 Belgische Noten ....... 11,795 11.852 Dänische Noten ....... Englische Noten........ 111,42 111,98 20,315 20.415 Französische Noten ...... 12,29 12,35 holländische Noten ...... 167.48 168.32 Italienische Noten , 17.86 17,91 Norwegische Noten...... 102,41 103,01 Deulsch-Oesterr., ä ioo Kronen 69.05 69,35 Rumänische Noten...... w — Schwedische Noten...... 111,87 112,43 Schwei,er Noten ...... 80,75 81,10 Spanische Noten....... 63,49 63,81 UrÄfS'SJ? 91otcn *' ■ 12,397 5.842 12,457 5.882 2 Mk. fester. Auch in Gerste und Hafer zeigte sich eine Haussetendenz. In Mais und sonstigen Futterartikeln ist vereinzelte Umsatzbelebung festzustellen. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 265 bis 268 Mk.; Roggen, märkischer, 221 bis 226; Sommergerste 220 bis 266; Wintergerste 182 bis 192; Hafer, märkischer, 176 bis 192; Mais, loko Berlin, 195 bis 200; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36 bis 38,75; Rogaenmchl 32 bis 33,25; Weizenkleie 10,25 bis 10,50; Roggenkleie 10,50; Viktoriaerbsen 51 bis 58; kleine Speiseerbsen 35 bis 38; Futtererbsen 21 bis 24; Ackerbohncn 21 bis 22,50; Rapskuchen 15; Leinkuchen 20;. Trockenschnitzel 9,30 IX, • Amtsgericht Gießen. * Gießen, 25. Okt. Ein schon zwölfmal wegen Betrugs vorbestrafter Ingenieur aus Schlesien sitzt heute auf der Anklage- bank. Er hat einem hiesigen Kaufmann vorgeschwm- beit, er habe einen Benzwagen an der Hand, den er kaufen könne, es fehlten ihm nur noch 1000 Mk. dazu. Er wolle den Wagen weiter veräußern und das Geschäft gemeinschaftlich mit ihm machen. Der Kaufmann schenkte seinen Angaben Glauben und übergab ihm 3 Wechsel über zusammen 1000 Mk., die der Angeklagte sofort zu anderen Zwecken, Zahlung einer Schuld in Frankfurt und Ankauf eines Rades, verwandte. Den dritten Wechsel suchte er ebenfalls zu versilbern, was ihm jedoch mißlang. Sodann entlieh er sich bei einem Fahrrudhändler ein gebrauchtes Rad gegen das Versprechen alsbaldiger Rückgabe, versetzte es aber sofort bei einem Wirt für 20 Mk. Schließlich schloß er mit einem hiesigen Kaufmann einen Vertrag ab, wonach er Reklameneuheiten für diesen vertreib«! und zur Geldeinnahme berechtigt sein sollte. Er schloß in Köln, Bonn, Koblenz, Siegen, Limburg, Saar-, brücken usw. auch eine ganze Reihe von Verträgen ab unb vereinnahmte als Anzahlungen über 1100 Mark, ließ aber nichts mehr von sich hören. Wegen dieser Betrügereien^ wurde der Angeklagte unter Einbeziehung einer Frankfurter Strafe wegen Rückfallsbetrugs zu einer Gesamtgefängnts- strafe von 1 Jahr unter Aufrechnung von acht Wochen Untersuchungshaft verurteilt. Auch wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt. Rundfunk-Arogramm. Donnerstag, 21. Oktober: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Franz Liszt. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 7.15 bis 7.45 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8.15 bis 9.15 Uhr: Schuinann-Brahrns-Zyklus des Arnar- Quartetts. Zweiter Abend. 9.15 bis 10.15 Uhr: Opern-Abend Anschließend bis 12.30 Uhr: lieber- tragung von Berlin: Tanzmusik. pffrsithzarten Teinb gibt Grotricm-Steimveg Flügel und Pianos zu äußerst günstigen Zahlungsbedingungen nur im Pianohaus August Förster Gießen Bahnhofsttaße 65 B __85801 Chauffeure! 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