Nr. 220 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 20. September 1026 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezugrpreii: 2 Reichsmark und 20 Reichspfcnnig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: zranlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitäls-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm ljöhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfcnnig, Platzvorschrift 20 u/3 mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil i. Vertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. Die deutsch-belgischen I Beziehungen. Eine Zusammenkunft Banderveldes mit Stresemann. Brüssel, 20. Sept. (LU.) 3n belgischen Regier ungskreisen verhält man sich bezüglich Belgiens Stellung zu der Regelung des Gesamt- komplexes der deutsch-belgischen und deutsch-französischen Beziehungen sehr reserviert. Auch die Presse hält sich in ihren Kommentaren sehr zurück. Indessen wurden die Besprechungen zwischen Stresemann und Driand mit lebhaftem Interesse verfolgt, da Belgien eine politische Zusammenarbeit mit Deutschland wünscht. Einen Beweis hierfür bilden die Lösung der Affäre Graff und die letzten Unterredungen über Eupen - Malm 6 dh. Belgien will die Frage Eupen-Malmedh lösen, und man glaubt, dgh Frankreich dem keinen Widerstand mehr entgegensetzen werde. Man nennt als Entschädigungssumme 400 Millionen Goldmark. Man wünscht hier eine Verstärkung der deutsch-belgischen Wirtschaftsbeziehungen in der Erkenntnis der Tatsache, daß Deutschland das Hinterland für den Antwerpener Hafen ist. Man glaubt hier allgemein, daß Vander- velde in nächster Zeit eine Unterredung mit Stresemann über alle diese Angelegenheiten haben wird. Die hiesigen politischen Kreise sind bemüht, den Frieden zu befestigen und die beiden Völker einander näherzubringen. Diese Politik hat die Mehrheit im Lande, im Parlament und in der Regierung. Deutschland und Rumänien. Averescu bei Stresemann — Rumäniens Geldbedarf. Berlin, 18. Sept. (TU.) Dem Asien-Osteuropa-Dienst wird aus verantwortlichen rumänischen Kreisen Bukarests gemeldet, daß man dort der Genfer Unterredung Strese- mann-Averescu große Bedeutung beimesse. Im Auftrag Averescus hielten sich schon vor kurzem in Berlin Vertraute des Ministerpräsidenten auf, wo sie in Finanzkreisen die Möglichkeit einer engeren Wirtschaftsver- ständigung zwischen Deutschland und Rumänien sondierten. In Genf soll nun eine Anleihe besprochen worden sein, und zwar bestehe in Rumänien der Wunsch auf dem deutschen Geldmarkt, oder mit Deutschlands Hilfe in Amerika eine große rumänische Staatsanleihe auszunehmen. Hierfür sei Rumänien bereit, keine weiteren Ansprüche mehr auf die Vergütung der Banca Generala-Roten zu erheben und in feierlicher Form für sich auf die Anwendung des Artikels 14 des Versailler Vertrages zu verzichten, wonach Rumänien zur Sicherung seiner Forderungen an Deutschland jederzeit deutsches Eigentum beschlagnahmen darf. Um die Anleihe durchzusehen, betrachte man sogar eine Abänderung des rumänisch-polnischen Bündnisses bzw. eine neue Variierung für nicht allzu schwierig. In Berliner diplomatischen Kreisen glaubt man, daß diese von Rumänien skizzierte Lösung noch nicht spruchreif ist. Moskcmund diegusammenkunft von Thoiry. Moskau, 18. Sept. (TU.) Die geheime Zusammenkunft zwischen Briand und Stresemann hat in Moskau großes Interesse erregt. Rach Auffassung in politischen Kreisen wurden in dieser Besprechung die Probleme des Ostens nicht berührt. Die Zusammenkunft der beiden Minister, so betonte man, sei für Europa wichtiger als die Konferenz von Locarno und die letzte Tagung des Völkerbundes in Genf. Die Besprechungen würden zu einer Befreiung des Rheinlandes von der ausländischen Besetzung und zu einer ©tärfung der politischen Stellung Deutschlands in der auswärtigen Politik Europas führen. In den Kreisen der kommunistischen Internationale wird angenommen, daß nach der Besprechung zwischen Stresemann und Driand eine neue Aera zur Stabilisierung des Kapitalismus geschaffen sei. Die Komintern wird in einem Aufruf gegen die neue europäische Politik Frankreichs und Deutschlands protestieren. AbrWungsdebatte in Genf. Beschleunigung der Vorbereitungs- arbeiten für die Weltabriiftnngs- konferenz. Genf, 18. Sept (TU.) In der dritten Kommission wurde heute die Beratung über die Abrüstungsfrage fortgesetzt. Der polnische Vertreter führte aus, daß ein bewaffneter Konflikt in Zukunft alle Kriege, die es bisher gegeben hätte, in den Schatten stellen würde. Es sei notwendig, die Frage der Abrüstung auf das gründlichste zu prüfen. Die Arbeiten, die die bisherige vorbereitende Kommission geleistet hätte, seien wertvoll gewesen, doch dürfe man die Arbeiten nicht auf Kosten derGründ- lichkeit beschleunigen wollen und lieber den Termin der Einberufung der Abrüstungskonferenz hinausschieben, als nur ein Flick- toerf zu schassen. Der schwedische Vertreter ^bezeichnete das von der vorbereitenden Ab- rüstungskvmmission aufgestellte Programm als zu weitgehend. Es wäre praktischer, die Arbeiten auf besttmmte Puntte zu konzentrieren, da man hierdurch eher zu positiven Resultaten Beamtenschaft und Staat. Eine Rede des Reichsinnenministers Dr. Külz. Leipzig, 20. Sept. (LU.) Die diesjährige Bundeshauptversammlung des Sächsischen Gemeindebundes wurde am Sonntagvormittag eröffnet. Begrüßungsansprachen hielten u. a.: Kreishauptmann Dr. Marcus-Leipzig namens des sächsischen Innenministeriums, Bürgermeister Dr. Kubitt namens der Stadt Leipzig und der Vorsitzende des Deutschen Deamtenbundes, Kübel. Reichsminister Dr. Külz nahm Anlaß, sich in einer großangelegten programmatischen Rede über Wesen und Aufgaben der Beamtenschaft zu äußern. Dem oberflächlichen Beobachter will es scheinen, so führte der Minister u. a. aus, als ob in der äußeren! und inneren Struktur des deutschen Beamtentums sich gegen früher nur wenig geändert habe. Wer aber näher zusieht, der wird sehr bald finden, daß sich zum Teil grundlegende Wandlungen vollzogen haben und noch vollziehen. Die staatliche Wandlung seit 1918 faßt man am besten in dem Satz zusammen: Wir sind vom Obrigkeitsstaat auf den Weg zum Volks- staat gekommen. Gerade im Volksstaate ist der Beamte berufen, dem Staatsgedanken einen auf die Volksgemeinschaft hinzielenden Inhalt zu geben; er kann und muß ein Musterbeispiel dafür geben, daß die Idee des Staates und der G emeinschaft über dem eigenen Ich steht. Der Obri^keitsstaat arbeitet von Obrigkeit zu Untertan, der Dolksstaat von Mensch zu Mensch. Der Beamte ist Diener der Gesamtheit, nicht Bedienter einer Partei. Es gibt starke Strömungen, die das Berufsbeamtrn- verhältnis durch ein arbeitsrechtliches Verhältnis ersehen wollen. Demgegenüber muh mit allem Rachdruck betont werden: Das Berufsbeamtentum ist auch im volksstaat eine Staatsnotwendigkeit. Richt Abbau des Berufsbeamtentums. sondern Festigung, Modernisierung. Stärkung der Leistungsfähigkeit, das find die Forderungen der Gegenwart und Zu funff. Stehen aber staatspolitische Erwägungen hierbei im Vordergrund, so ist auf der Grundlage einer ar- reitsrechtlichen Theorie nichts zu erzielen, sondern es muß auch für die Zukunft gelten: Beamten- recht ist Staatsrecht. Daß sich aus dem Berufsbeamtentum als Konsequenz eine materiell, persönlich und dienstlich gesicherte Stellung des Beamten und der Rechtsanspruch auf Alters- und Hinterbliebenenversorgung ergibt, ist eine Selbstverständlichkeit. Die praktische Verwirklichung sieht freilich sehr verschieden aus. Die deutsche Beamtenschaft hat Anspruch auf ein Beamtenrechtsgesetz, das den Pflichtenkreis des Beamten nach neuzeitlichen Begriffen regelt und seine Rechte so sichert, daß auch der Schein jeder Willkür vermieden wird. Dieses lang erwartete Gesetz ist seit einiger Zeit im Reichsministerium des Innern fertiggestellt und gegenwärtig Gegenstand eingehender Aussprache zwischen Reich und Ländern. Dor Abschluß der Vorarbeiten wird eine enge Fühlungnahme mit den Vertretungskörpern der Beamtenschaft stattfinden. In einem bereits weiter vorgeschriebenen Stadium sind die neue Dienststrafordnung und das Bamtenvertretungsgesetz. Die Dienststrafordnung hat das Ziel, dafür zu sorgen, daß Verfehlungen und Uebcrgriffe von Beamten in einem zwar strengen, aber mit den nötigen Rechtsgarantien für den Beamten ausgestatteten Verfahren behandelt werden. Das Beamtenvertretungsgesetz soll den Beamten einen mitbestimmenden Einfluß auf die Gestaltung seiner persönlich dienstlichen Angelegenheiten sichern. Eine solche Vertretung ist eine unbedingte Notwendigkeit. Wesentlicher als diese Gesetze selbst ist ihre Handhabung inderPraxis, wobei Fürsorge und Wohlwollen für den Beamtenstand unbedingt im Vordergrund stehen müssen. Je höher das Riveau der Beamtenschaft, desto höher ist das Riveau der staatlichen Funktionen. Der Staat soll deshalb nichts unterlassen, um die Leistungsfähigkeit der Beamten zu erhöhen. Dazu gehören vor allem eine Erweiterung und weitherzige Handhabung der Foribildungsmög- lichkeiten der Beamten. Man spricht viel von Verwaltungsreform. Es gibt eine besondere Art von Verwaltungsreform, die davon ausgeht, daß die Selbständigkeit. Leistungsfähigkeit und Arbeitsfreude die besten Förderer und Mehrer des Ruheffekfs aller Verwaltungsarbeit sind. Zum Thema Beamter und Wirtschaft führte der Minister aus: Die Wirtschaft muß dem Staate dienen und ihn stützen helfen; der Staat muß die ihm dienende Wirtschaft fördern, schützen und stützen. Als eigenwirtschaftlicher Körper hat die Beamtenschaft für sich das notwendige Streben nach gesicherter Existenz. Das Besoldungsproblem ist aber nicht nur Gegenstand gewerkschaftlicher Aktion, sondern ein allgemein volkswirtschaftliches und staatspolitisches Problem. Das beste Mtttel, einen übertriebenen Materialismus zu bekämpfen, besteht darin, daß man die berechtigten und notwendigen materiellen Forderungen ohne Kamps und aus freien Stücken erfüllt. Die Beamtenschaft wird von einer Verteuerung der Lebenshaltung allgemein viel stärker und unmittelbarer getroffen, als andere Volksschichten. Auch die Art der Steuergesetzgebung ist für sie von meist einschneidenderer Wirkung. Die Wirtschaft sollte nicht verkennen, daß sie ein ganz unmittelbares Interesse an der Leistungsfähigkeit der deutschen Beamtenschaft hat. Durch mangelnde Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen der Beamtenschaft wird aber das innere Verhältnis zwischen Beamten und Wirtschaft zum Schaden der Wirtschaft erheblich gestört. Nur durch eine ausreichende wirtschaftliche Sicherung der Beamtenschaft können Erscheinungen wie Nothilfeorganisationen der Beamtenschaft ihres akuten Charakters entkleidet werden. Die Frage mag offen sein, ob es der Natur und Struktur der Beamtenschaft nicht besser entsprochen hätte, so, wie die Wirtschaft in Handelskammern, in Gewerbekammern und Landwirtschafts- fammern ihre Vertretung hat, ihre Organisationsform in Beamtenkammern mit regionaler und behördenmäßiger Gliederung und zentraler Spitze zu finden. Für die Entwicklung der nunmehr vorhandenen Organisationsformen ergibt sich zunächst eine große Grundforderung: Freihal - tung der Organisation von einseiliger Parteipolitik! Wie den Beamten die Freiheit ihrer politischen Gesinnung verfassungsmäßig gewährleistet ist, so muß in der Beamtenorganisation Raum für alle politischen Orientierungen sein. Für die Zukunft ist schließlich noch eine letzte große Forderung zu erheoen: Das wahre Berufsethos. Schon hat eine starke Vergeistigung der Beamtenbewegung eingesetzt. Der ethische Inhalt des Beamtentums ist aber von ganz bestimmter eigener Prägung. Ein Angehöriger des mittleren Beamtenstandes selbst hat es vor einiger Zeit so gekennzeichnet: Das Treuverhältnis ist es, das Bewußtsein, seinem Volke und Staat zu dienen unter völliger Selbstverleugnung uiH innerster Hingabe. Dem Minister, der schon während seiner Rede an besonders markanten Stellen durch Beifallskundgebungen unterbrochen wurde, wurden zum Schluß lebhafte Ovationen dargebracht. Dis Veranstaltung erhielt durch Darbietungen des Leipziger Gewandhausorchesters unter Leitung des Generalmusikdirektors Brecher einen glänzenden Rahmen. gelangen könne. Ein Mißglücken der Abrüstungskonferenz bezeichnete er als eine Katastrophe für den Völkerbund und als eine schwere! Enttäuschung für alle diejenigen, die ihre Hoffnungen auf ihn setzten. Eine Entschließung, die der jugoslawische Delegierte vorgelegt hat, fordert den Völkerbund auf, den Mitgliedern die Annahme der Grundsätze des Vertrages von Locarno zu empfehlen und seine Mithilfe beim Abschluß derartiger, dem Locarnopakt entsprechenden Verträge zur Verfügung zu stellen. In der Diskussion brachte ferner der französische Delegierte Paul Boncour eine Entschließung ein, in der es heißt, die Bundesversammlung fordert den Völkerbund auf, die vorbereitende Abrüstungskommission zu dem beschleunigten Abschluß der Arbeiten der technischen Kommission zu veranlassen, um in der Lage sein zu können, zu Ende dieses Jahres oder zu Beginn nächsten Jahres bereits das Programm der Weltabrüstungskonferenz oorzulegen, die noch vor Beginn der nächsten Völkerbundsversammlung- zusammentreten wird. In der Debatte wurde von verschiedenen Rednern der Gesichtspunkt einer wesentlichen Beschleunigung der Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommission hervorgehoben. Frankreich und Mussolini. Rom, 18. Sept. (Agenzia Stefani.) Der gestern abend nach Rom zurückgekehrte französische Botschafter wurde von Mussolini empfangen, der mit ihm eine lange Unterredung über die durch das letzte Attentat auf Mussolini geschaffene Lage hatte. Diese Lage wurde geprüft und geklärt, insofern es sich um die Haltung beider Regierungen handelt. Der Ministerpräsident und der französische Botschafter stimmten darin überein, daß es ratsam fei, jeden Grund für eine Trübung der herzlich- freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Rationen zu beseitigen. Rach offizieller Auffassung sollen sich die zwischen Rom und Paris eingeleiteten Verhandlungen auf die Gesamtheit der französisch-italienischen Beziehungen nicht nur auf die mit dem letzten Attentat auf Mussolini zusammenhängenden Zwischenfälle erstrecken. Mussolini halte an dem Standpunkt fest, daß der gegen ihn gerichteten Kampagne in Frankreich ein Ende gemacht werden müsse. Anliitalienische Kundgebungen aus Kovsika. CB a ft i a, 19. Sept. (Havas.) Auf das Gerücht hin, daß der Kommandant des im Hafen von Livorno liegenden französischen Post- dampfers „Liamone" gezwungen worden sei, bei einer dort veranstalteten faszistischen Kundgebung die französische Flagge auf Halbmast zu setzen, haben Mitglieder einer antifaszistischen Organisation in Bastia heute vormittag vor dem italienischen Generalkonsulat demonstriert und den Konsul gezwungen, die französische Fahne neben der italienischen aufzuziehen. Die Demonstranten zogen hierauf zum Hafen und zwangen die Kapitäne der dort vor Anker liegenden italienischen Segler, ebenfalls die französische Flagge zu hissen. Polizei, Gendarmerie und eine Infanterieabteilung find zur Aufrecht- erhvltung der Ordnung eingeschritten. Dolksrecht und Purlamentsherrschaft Don Generalsekretär K o l l b a ch, Darmstadt. Der Landesprüsungsausschuh in Hessen, dem die Prüfung der Unterzeichnungslisten des Volksbegehrens auf Auflösung des hessischen Landtags obliegt, hat uns bereits an dieser Stelle beschäftitzt. In einer seiner letzten Sitzungen hatte er bekanntlich dem Antrag Kollbach-Kleinkurt einstimmig zuge- ftimmt, wonach über die strittige Rechtsfrage, ob ursprünglich unvollständig vorliegende Unterzcich- nunoen, also „Mängel", auf Veranlassung des Landesabstimmungsleiters fristgerecht behoben werden könnten — wie es tatsächlich der Fall war —, Rechtsgutachten verschiedener Sachverständiger cingeholt werden sollten. Diese Rechtsgutachten sind von feiten der Staatsrechtler und Universitätsprofessoren Dr. G m e l i n , Gießen, Dr. Giese, Frankfurt n. M. und Dr. An schütz, Heidelberg, sowie der Der- roaltungsjuriften Ministerialdirektor Dr. Schwarz, D a r m st a d t, und Ministerialrat Dr. K a i sende r g, Berlin, in der vergangenen Woche in Darmstadt eingetroffen. Sie bildeten bann auch, wie vorauszusehen war, den unwiderstehlichen Anstoß für den beschleunigten Abschluß der Ausschußverhandlungen. , Die Rechtsgutachten beschäftigten sich in ihren Hauptausführungen naturgemäß mit der Frage, ob unter den obengenannten Voraussetzungen Mängel heilbar seien oder nicht, oder mit anderen Worten gesagt, ob die diesbezüglichen Unterschriften für gültig.ober ungültig bezeichnet werben müßten. Das Ergebnis dieser Untersuchungen kann aber kurz gefaßt werden: Lediglich der ministerielle Gutachter Dr. Schwarz vertrat voll und ganz den Standpunkt, daß es nach der erstmaligen Ablieferung der Unterzeichnungslisten auch während der für die Prüfung upd Mängelbeseitigung vorgesehenen gesetzlichen Frist nicht mehr angehe, Unvollständigkeiten bei Unterzeichnungen zu beheben. Ihm ist der auch zweifelsfrei erkennbare Wille des Eintragenden nicht maßgeblich, wenn nicht von vornherein auch der vorgefchrie- benen F o r m Genüge geleistet war. Dr. K a i s e n b e r g, der in den meisten Punkten dem voranstehenden Gutachten beipflichtet, erkennt jedoch die Möglichkest einer nachträglichen Vervollständigung, b. h. Gültigmachung ursprünglich unpoll- stänbiger Unterschriften an. Er macht bas jeboch seltsamerweise bavon abhängig, ob diese Unterschriften für den Erfolg des Volksbegehrens bedeutungsvoll sind: „Kommt man bei dieser Prüfung zu dem Ergebnis, daß die Zahl der fehlenden Unterschriften unerheblich war, und hält sich die Zahl der nachträglich gültig gemachten Unterschriften in den Grenzen der für unerheblich erklärten Zahl der fehlenden Unterfchriften, sa wird man billigerweise die Zahl der nachträglich gültig gemachten Unterschriften in die Zahl der an sich beigeorachten gültigen Unterschriften unbedenklich cinrechnen können." Es war ein guter Gedanke des Hess. Landes- abstimmungsleiters, die drei Staatsrechtler mit dem bereits vorliegenden Gutachten des Ministerialdirektors Dr. Schwarz von vornherein bekannt zu machen. Unabhängig voneinander sind nun diese anerkannten Sachverständigen alle drei mit aller Deutlichkeit, zweifelsfrei auf Grund des Wottlautes und des Sinnes der in Betracht kommenden gesetzlichen Bestimmungen, zu der dem Schwarzschen Gutachten gerade entgegengesetzten Entscheidung gelangt. So führte Dr. Giese u. a. aus: "Rach alledem kann ich mich der Rechtsauffassung des ministeriellen Gutachters in keiner Beziehung anschließen, muß vielmehr der Rechtsansicht des Landesabstimmungsleiters beitreten und die von ihm ergriffene Maßnahme als in jeder Hinsicht rechtmäßig anerkennen." Geheimrat Dr. Anschütz kommt zu dem Schluß: „Nach gewissenhafter Prüfung gelange ich zu der Ansicht, daß der Landes- abstimmungsleiter Recht hat, das Gutachten des Justizministeriums aber abwegig ist." Die außerordentlich interessanten und ausführlichen Darlegungen der drei Staatsrechtler machten beim Ausschuß tiefen Eindruck. Es wurde kein ernsthafter Versuch mehr unternommen, diesen Feststellungen zu widersprechen. Einstimmig erklärte daraufhin der Ausschuß bei zwei Stimmenthaltungen die belr. Unterzeichnungen für gültig. Damit stand der Einberufung der Schlußsitzung des Landesprü fungsausschusses nichts mehr im Wege. Die interessanteste und allgemein wertvolle Seite der erwähnten Rechtsgutachten bleibt aber noch zu erwähnen. Sie behandelt das Recht des Volkes in feiner Beziehung zur Parlaments- Herrschaft. Für die Gutachter war es eine zwingende Veranlassung, im Zusammenhang mit der beim hessischen Volksbegehren aufgetauchten Streitfrage dieses vielumkämpfte Gebiet zu betreten. Gar mancher hat feit dem Umsturz, im Zeitalter der „Parlamentokraten", die Frage nach dem „freien demokratischen Volksstaat" aufgeworfen. Es ist schon so, wie Dr. Gmelin ausführt: „Die Volksvertretung, die eben erst mit der Einführung parlamentarischer Regierung zum ausschlaggebenden Faktor geworden ist, möchte möglichst wenig von ihren Machtbefugnissen an andere Faktoren — und fei es auch das Volk selbst — abgeben. Allein diese einseitige Betonung des Ueberge- wichts des Parlamentes steht im Widerspruch zu dem in der Verfassung ausgesprochenen Dolkssouveränitätsprinzip." Wie sich diese Parlamentsherrschaft in den letzten Jahren, namentlich in kleineren deutschen Ländern, ausgewirkt hat, ist bekannt genug. Im Reich und in Preußen sind gewisse Gegengewichte durch Reichsrat und Staatsrat gegeben. Dagegen kann man mit Gmelin die Feststellung machen, daß dem Grundgedanken der demokratischen Verfassung nach „weitherziger Zulassung des Volkes zur Ausübung der Staatsgewalt" durchaus nicht immer Rechnung getragen wird. Diese Tatsache war es ja, die sich jedem unvoreingenommenen Beobachter der Sitzungen des Landesabstimmungsausschusses, immer wieder auf- drängte. Nicht umsonst hat man diesen Ausschuß den „Ausschuß zur Verhinderung des Volksbegehrens" genannt. Es waren keine demokratischen Erwägungen, mit denen so mancher Vertreter der Linken voller Mordlust „sich an die Prüfung der Unterzeichnungslisten heranmachte. All zu oft hing der Blick fasziniert an der das Volksbegehren tragenden Zahl 42 0001 Dabei mochte sich die Gemütsverfassung für die „Weitherzigkeit, die das Volksbegehren bet seiner Durchführung erträgt" und den „Leitgedanken der größtmöglichsten Erleichterung eines Volksbegehrens^ wohl nur sehr schlecht einstellen! Man vergaß oft genug, daß „die Auslegung des Gesetzes nicht nur nach seinen Buchstaben geschehen darf, sondern auch nach seinem G e i st geschehen muß." Geheimrat D r. Anschütz nahm ebenfalls Veranlassung, den Prüfungsausschuß, in dem die Vertreter der Linken die Majorität besitzen, an seine Pflicht zu erinnern: „Ich möchte noch der Meinung Ausdruck geben, daß es dem demokratischen Geist der neuen Verfassung des Reichs und der Länder, auch des Landes Hessen, durchaus entsprechen dürfte, wenn man die auf Volksentscheid und Volksbegehren bezüglichen Vorschriften dieser Verfassung und der einschlägigen Ausführungsgesetze so auslegt, daß ihre praktische Handhabung und Auswirkung nicht erschwert, sondern — innerhalb vernünftiger Grenzen — erleichtert wird. Oder anders ausgedrückt: Jene Vorschriften sollen im Zweiselsfalle nicht zuungunsten, sondern zugunsten des Zustandekommens der Volksentscheide und Volksbegehren interpretiert werden." In glücklicher Weise hat D r. Giese das Entscheidende zusammengefaßl: „Der moderne demokratische Staat beruht aus dem Grundsatz der Mehr- heitsentscheiduna. Die überstimmte Minderheit hat sich der Entscheidung zu fügen. Andererseits aber verlangt das demokratische Prinzip als Korrelat einen weitgehenden Schutz der Minoritäten. Dieser Schutz bildet heute eine der wichtig- ten Einrichtungen, nicht nur im internationalen, andern auch im nationalen Rechtsleben. Das In- titut des Minderheitenschutzes ist zu bekannt, als daß es durch Beispiele belegt zu werden braucht. Auch das Volksbegehren stellt eine staatsrechtliche Erscheinung des Minderheitenrechtes bar. Das Volksbegehren bietet einer Minderheit der stimmberechtigten Volksgenossen die Möglichkeit, aktiv auf den Gang der Staatsgeschäfte einzuwir- ken, einen unmittelbaren Einfluß auf die Tätigkeit oder auf die Einrichtung der obersten Staatsstellen auszuüben. Macht die Minderheit von dieser Befugnis Gebrauch, so obliegt dem Staat gegenüber einer solchen Aktion die rechtspolitische Verpflichtung, die Aktion möglichst pfleglich zu behandeln, ihr nicht nur keine unnötigen Schwierigkeiten in den Weg zu legen, sondern sie im Rahmen der gesetzlich bestehenden Möglichkeiten aus positiv z u f ö r d e r n. Erblickt man in solchem ' Verhalten des Staates eine politisch notwendige Auswirkung des Prinzips des Minoritätenschutzes, ja die Erfüllung einer politischen Pflicht des Staates, so muß es von diesem Standpunkt aus entschieden mißbilligt werden, wenn die einschlägigen Rechtsvor- schriften da, wo Zweifel über die Interpretation möglich sind, zuungunsten der Veranstalter eines Volksbegehrens ausgelegt und gehandhabt werden; vielmehr führt die Anerkennung Der eben gekennzeichneten politischen Pflicht des Staates zu der zunächst politischen Forderung, dann aber i u - ristischen F e st st e l l u n a, daß die maßgebenden Rechtsvorschriften im Zweifel zugunsten der begehrenden Volksgenossen und im Sinne des Zustandekommens des beabsichtigten Volksbegehrens auszulegen sind. Eine andere Ein- stellung würde das Wesen des Dolksdegehrens und die Bedeutung des Minoritätenfchutzes für den modernen Staat verkennen. Endlich muß beachtet werden, daß Träger eines Volksbegehrens wenn auch nicht das ganze Volk, so doch ein Teil des Volkes, m. a. W. zwar nicht der gesamte Träger der Staatsgewalt, aber doch ein wesentliches Stück dieses Trägers ist. In der demokratischen Republik bildet das Volk die Quelle, den Ausgangspunkt aller politischen Gewalt. Das Volk übt feine Staatsgewalt entweder durch die von ihm bestellten verfassungsmäßigen Organe ober aber selbst durch eigenes organisches Handeln aus. Wahl, Volksentscheid und Volksbegehren sind die wichtigsten Erscheinungsformen für diese unmittelbare Selbstausübung der Staatsgewalt durch das Volk. Insbesondere tritt auch beim Volksbegehren trotz der Minderheit — das Volk als oberstes Organ des Staates in Funktion. Es ist der Volks wille selbst, der hier eine verfassungsmäßig vorgesehene Erklärung ab- tzibt. Es ist ein S o u o e r ä n l t ä t s a k t, der sich in einer solchen Volksaktion abspielt . . . Darum ist auch beim Volksbegehren die politische Forderung berechtigt, daß der sich hier äußernde Dolkswille stärker gewertet werde, als die Meinung der sonst bei der Durchführung beteiligten staatlichen Stellen, daß dem Volkswillen vor allem keine nicht rechtlich unbedingt zwingenden forma l i st i sch e nH e mm u n g en bereitet werden. Denn das Volk bedeutet unendlich viel mehr, als die sog. Bureaukratitze; nicht sie, sondern das Volk ist der Herrscher, sein Vorrang muß nicht nur staatsrechtlich-theoretisch betont, sondern auch praktisch-politisch betätigt werden, wenn anders der „Volksstaat" nicht als bloße Idee auf dem Papier stehen bleiben soll." Solange der Parlamentarismus in Deutschland am Ruder bleibt, werden die in diesem Aufsatze genannten Probleme immer wieder in den Brennpunkt des politischen Interesses rücken. Der hessische Landesprüsungsausschuß, der an und für sich wohl bald der wohlverdienten Vergessenheit anheim- fallen wird, darf wenigstens das eine Verdienst für sich in Anspruch nehmen, auf einem bedeutsamen Gebiete des Staatsrechtes eine Entscheidung von hoher grundsätzlicher Bedeutung herbeigeführt zu haben. Reichshilse für Hessen. Da bisher über die Vereinbarungen, die ztoischen dem Reichsfinanzminister und dem Hess. Finanzminister wegen der dem Lande Hessen zu gewährenden Reichshilfe getroffen worden sind, nur eine kurze Mitteilung an die Oeffentlichkeit gelangt ist, so Ware, wie eine Erklärung in der amtlichen Darmstädter Zeitung besagt, das De- dürfnis weiter Kreise des Landes, hierüber eingehender unterrichtet zu werden, verständlich. Der Finanzmini ft «L werde dem Finanzausschuß hierüber Mitteilung machen. Diese Jnfar- mation soll dann zugleich der breiteren Oesfent- lichkeit zugänglich gemacht werden, und zwar nach der Sitzung des Finanzausschusses, der zweifellos einen Anspruch hat, zmiächst und vorher Informiert zu werden. 3n Abwehr gegen einen Artikel des Abg. Dr. Leuchtgens in der „Reuen Tageszeitung" in Friedberg werden dann längere Ausführungen gemacht, die auf ein Zurückweisen der Behauptung hinauslaufen, daß der hessische Finanzmiirister die Hnab- hängigkeit des Landes preisgegeben habe. Der wichtigste und durch Fettdruck hervorgehobene Teil der Erklärung lautet: „Der hessische Finanzminister ist bei der Reichsregierung wegen Gewährung von Zuschüssen zur Behebung der durch die Besetzung des Landes hervorgerufenen Rotlage wiederholt vorstellig geworden. Die Reichsregierung lehnt es begreiflicherweise an sich und grundsätzlich ab, Fehlbeträge, die im Staatshaushalt eines deutschen Freistaates erwachsen, aus Reichs Mitteln zu decken. Sie ist aber grundsätzlich geneigt, den besonderen Verhältnissen Hessens Rechnung zu tragen. Die Reichsregierung und die hessische Regierung werden daher gemeinsam in einer Kommission d i e gesamte Finanzwirtschaft des Landes einer Prüfung unterziehen, die sich insbesondere darauf erstrecken soll, inwieweit die besondere Rotlage Hessens auf die Besetzung eines großen Teiles des Landes zurückzusühren ist. Die Reichsregierung ist bereit, bis zum Abschlüsse dieser Prüfung Vorschüsse insoweit bereitzustellen, als zur Deckung des dringend st en Staatsbedarfs erforderlich ist. Insoweit auf Grund der beabsichtigten Prüfung die Reichsregierung die ileberseugung gewinnt, daß die besondere Rotlage des Landes Hessen im wesentlichen auf die Folgen der Besetzung und des Ruhrkampfes zurückzuführen ist, wird sie die ilmtoanHung derVorschüsse in Zuschüsse herbeiführen. Die Landesregierung hat gegen eine derartige Rachprüfung um so weniger Bedenken, als es ihr nur erwünscht sein kann, wenn eine völlig objektive und sachverständige Stelle in die Lage versetzt wird, ein ilrtcU über ihre Finanzgebarung abzugeben und wenn sie die Ratschläge über weitere Spar Möglichkeiten benutzen kann. Es bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß diese Rachprüsung teine Preisgabe der staatlichen Selbständigkeit des Landes bedeutet. Beide Teile, Reichs- und Landesregierung, bewahren das Recht der freien Entschließung, letztere, wieweit sie den Anregungen und Ratschlägen der Prüfungsstelle Folge leisten will, erstere darüber, ob sie die Voraussetzungen für eine Hilfeleistung als gegeben anerkennen kann. Schon das wird es nötig machen, mit der Reichs reg ierung Jahr für Jahr in erneute Verhandlungen einzutreten. Jedenfalls steht die Tatsache fest: das Reich hat seine grundsätzliche Bereiterklärung zu ausreichender Hilfe ausgesprochen, und das berechtigt die hessische Regierung dazu, der Aufstellung und Verabschiedung des Voranschlags für 1927 mit geminderter Sorge entgegenzusehen." Der Reichspräsident im Manövergelände. Mergentheim, 19. Sept. (WB.) Der Reichspräsident und der Reichswehrmini st e r begaben sich am Samstag früh um 7 Ahr ins Gelände der Gruppenmanöver, zu denen am Freitag der Aufmarsch erfolgte und an denen die fünfte und die siebente Division teil- nehmen. Die Manöver spielten sich in der Gegend von Groß-Ri nderseld ab. Vom frühen Morgen an sahen der Reichspräsident und der Reichswehrminister den wechselvollen Vorgängen auf der Höhe bei Groh-Rinderfeld zu, während der Ches der Heeresleitung, Generaloberst v. E e e ck t die Tätigkeit der Führer und Truppen besichtigte. Zwischen 12 und 1 Hfrr mittags wurde die Hebung abgeblasen und auf der Höhe südlich von Groß-Rinderfeld eine Kritik abgehalten. Die Entschlüsse der Führer sanden Anerkennung. Die Leistungen der Truppen wurden gelobt. Don der Bevölkerung in allen Dörfern und im eigentlichen Manöver- gelänbe wurde der Reichspräsident, der in gewohicker Frische dem Manöver bis zum Schlüsse mit regster Anteilnahme folgte, lebhaft u m j u b e l t. Hin 3 Hhr nachmittags begaben sich der Reichspräsident und der Reichswehrminister nach Mergentheim zurück. Am Abend gab der Reichspräsident für die militärischen Befehlshaber und ihre Stäbe ein Abendessen im Kurhause. Anschließend fand für die Offiziere der bei Mergentheim liegenden Truppenteile ein Bierabend statt. Am Sonntag besichtigte der Reichspräsident von Hindenburg einige O r t s u n t e r kü n f t e der Truppen in der Umgebung von Mergentheim und wohnte nachmittags einer Flugveranstaltung bet. Am Abend hat der Reichspräsident die Rückreise nach Berlin angetreten. Der neue Generalgouverneur von Kanada. London, 20. Sept. (TH.) Zum Rachfolger des von seinem Posten als Generalgouverneur von Kanada abberufenen Lords B y n g wurde Lord Willingdon ernannt, der am kommenden Samstag von England nach Kanada abreifen wird, um seinen Posten anzutreten. Aus aller Welt. Stnrmkatastrophe in Florida. Ein schwerer Orkan hat Miami und p a l m - beach durch Zerstörung der Telephon, und Irle- graphenleitungen von der Außenwelt abge- schnitten. Die Hafenanlagen von Miami sind fast völlig zerstört worden. Die Milttärbe- Hörden wurden um Lieferung von Lebensmitteln und Verbandszeug erfudjt Der Sturm wird als der Schwerste in der Geschichte von Miami bezeichnet. Auch in Tampa (Florida) hat der Sturm großen Gebäudeschaden angerichtet, viele Personen wurden durch Glassplitker und herabfallende Mauerstücke verletzt. Der durch den Orkan in Miama ungerichtete Schaden wird auf 100 Millionen Dollar angegeben. Der Orkan ist am Sarnstagnachmittag aus nordwestlicher Ricktung gekommen und hat sich dann nach Süden gedreht. In einer Stunde sind 20 Gebäude Zerstört und viele Stücke weit landeinwärts geschleudert worden. Die Straße nach Miami ist kaum passierbar. In Miami sind sie mit herabgestürzteo Dächern bedeckt, kein Gebäude ist unbeschädigt qe- blieben. Der Ort Hot weder Licht noch Wasser. Auch jeder Dohnverkchr ist unterbrochen. In Miami und Miami Leach hat die Unwetterkatastrophe nach den bisherigen Feststellungen 87 Todesopfer gefordert. In den Orten Llewiston und Moorehaven, die nur noch Trümmerhaufen sind, hat dec Orkan 140 Menschen getötet. Der Sherif von Iacksonville Hai den Gouverneur um die Absendung von 500 Mann Staatspolizei nach Miami ersucht, da die Zustände dort furchtbar seien. Das Fluhwasser stand während des Orkans bis vier Fuß hoch in den Straßen. Die Straßen sind mit Automobiltrümmern, Telegraphendrähtcn und Möbelstücken angefüllt. 250 Schisse, Dampfer, Iachken und Hausboote, die im Hafen lagen, wurden be- fchädigt. 2ler;te, Pflegerinnen und Lebensmittclziige find nach den von dem Orkan betroffenen Städten abgegangen. Die Küste ist in einer Länge von 60 Meilen verwüstet worden. Generalversammlung der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer. Dortmund, 18. Sept. (TH.) Auf der gegenwärtig hier tagenden vierten ordentlichen Generalversammlung der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer erstatteten bte Gewerkschafts- Vorsitzenden Ql e u m a n n und Warstein Bericht über die inner- und auherorganisatorischen Aufgaben der Gewerkschaft in der verflossenen Geschäftsperiode. Der Vortragende, Reumann, erwähnte, daß es bei den Verhandlungen über die Eisenbahngesetze als Kardinalpunkt hercmsge- stellt worden sei, daß die deutschen Beamten und die Arbeiterschaft der Reichsbahn nicht schlechter gestellt werden dürften, als die der Sieger st aaten. Die damals gegebenen Versprechungen seien leider nicht gehalten worden. Man versuche vielmehr unter der Parole „Erfüllung der Dawesgesetze" aus dem Betrieb herauszuholen, was irgend möglich fei. Die Deutsche Reichsbahn hätte früher hinsichtlich der Sicherheit Weltruf besessen, der leider zu einem Teil verloren gegangen sei, aber wiederum her gestellt werden müsse. Cs fei erwiesen, daß das furchtbare Hnglück bei Leiferde auf einen verbrecherischen Anschlag zurückzuführen fei. Es könne aber nicht bestritten werden, daß zahlreiche andere Hrtfälle der letzten Zeit ihre Hrsache in der Heberanstrengung des Personals und den Mißständen in der Verwaltung hätten. Die deutschen Lokomotivführer seien heute willens, an oer Aenderung der Verhältnisse mit- zuarbeiten. Gewerkschaftsvorsitzender War stein erklärte, daß kein deutscher Eisenbahner die Wirkungen des Dcttvesgutachtens habe voraussehen können. Die am 1. Januar 1925 in Kraft getretene Personalordnung habe einen scharfen Personalabbau zur Folge gehabt. Die Reichsbahn habe mit ihrem Vorgehen bewiesen, daß sie kein Verständnis für die Gage der Beamten besitze. Dringend notwendig sei die Erhaltung eines zuverlässigen und betriebsfähigen Beamtenapparates. Es könne nicht als ein Fortschritt angesehen werden, daß der deutsche Lokomotivführer, der sich bisher nur au£ den besten Handwerkern rekrutierte, nunmehr aus dem Arbeiterstunde entnommen werden solle. Auf die Vorbildung scheine die Hauptverwaltung nicht mehr den Wert zu legen wie früher. Die Leistungen des jetzt vorhandenen Spitzenpersonals seien Spitzenleistungen, die das Personal in unverantwortlicher Weise beanspruchten. Der Redner kritisiertc weiter die Leistung persönlicher Zulagen sowie das Prämienwesen, das unliebsame Zustände herbeigeführt habe. Die Lokomotivführer hätten alle Veranlassung, für eine Besserung ihrer 23er-- häktnisse Sorge zu tragen. Die zahlreicken Anträge, die sich gegen die unzureichende Besoldung wandten, führten zu einer eingehenden Aussprache über die wirtschaftliche Lage der Beförderungsbeamten. Die Vertreter aller Landesteile erklärten angesichts der schweren und verantwortungsreichen Leistungen dieser Beamten die Besoldung als zu gering. Sie verlangten einmütig eine Höherstufung im Einkommen und forderten wegen des schnellen Kräfteverbrauchs eine erhöhte Anrechnung der Lokomotivführer-Dicnst- jayre auf die Pension. Die Pflichten der Reichsbahnbeamten feien erheblich ausgedehnt, ihre Rechte aber wesentlich beschnitten worden. Die Vorsammlung begrüßte es, daß die Reichsregierung und das Parlament versuchen, die Verwaltungsrechte der Reichsbcchngesell- schast auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen. Aus den in der letzten Zeit vorgekommenen Unfällen und den Berichten darüber fei zu erkennen, oaß das frühere Vertrauensverhältnis zwischen Reicksbahnverwaltung und Beamtenschaft durch- brocyen sei. Dieser Zustand könne nur durch Gleichstellung der Reichsbahnbeamten mit den übrigen Refchsoeamten beseitigt werden. Weiteres Anwachsen der Typhusepidemie in Hannover. Vom Samstagabend bis Sonntagnachmittag ist die Zahl der Typhuserkrankungen abermals, und Avar von 1595 auf 1673 gestiegen. Die Zahl der Todesfälle beträgt bis gestern 56. Die Impfstellen wurden außerordentlich stark in Anspruch genommen. Vom Montag ab sollen dem Publikum fünf öffentliche Impfstellen zur Verfügung stehen. Einsturz einer Oderbrücke. Sonntagvormittag stürzte die bei Gartz neuerbaute Brücke über Sie Oder infolge der Senkung eines Mittelpfeilers ein. Die beiden großen Mittelpfeiler der Brücke, die am kommenden Sonntag eingeweiht werden sollten, sanken in die Tiefe. Drei Arbeiter wurden mit in die Fluten gerissen. Sie ertrunken. Ein vierter erlitt einen Beinbruch und schwere Rippen- verlehungen. Tödlicher Fallschirmabsprung. In Karlsruhe mußte ein von dem Flieger! Hdet mit feinen Kunstflügen hauptsächlich veranstalteter Flugtag infolge eines tödlichen Fallfchirrnabsprunges vorzeitig abgebrochen werden. Aus dem Flugzeug Hdets sprang ein LOjähriger Leipziger Student, der Pilot Fußöller, mit einem Fallschirm ab. Da sich der Schirm nicht öffnete, stürzte der Pilot, beti bisher neun glückliche Absprünge ausgeführt hatte, aus mehreren Hundert Meter Hohe in die Tiefe. Geheimrat Rcretbe f. Der Berliner Literaturhistoriker Prof. Dr. Gustav Roethe ist in Bad Gastein im Alter von 67 Jahren an Herzschlag gestorben. Tine Scheidungsklage des Prinzen Eitel Friedrich. Prinz Eitel Friedrich, der zweite Sohn des Exkaisers, hat beim Landgericht in Potsdam Scheidungsklage eingereicht. Wetters ra .. Bei wechselnder Lüftbewegung zunächst heiter, später langsame Bewölkungszunahme, warm und trocken. Gestrige Tagesttmperuturen: Maximum 24,6 Grad Celsius, Minimum 7,4 Grgd Celsius. Heutige Morgentemperatur 11 Grad Celsius. Schwere Bluttat und großer Brand in ßreienseen. Ein furchtbares Ereignis fehle in der letzten Rächt die Bevölkerung des Dorfes Freien- feen bei Laubach in starke Aufregung. Dort brach zwischen 1 und 2 Uhr morgens Feuer aus, dem drei Wohnhäuser und fünf Scheunen zum Opfer fielen. Als die Feuerwehr und die Bevölkerung zur Hilfe herbeieilten, fiel ihnen auf, daß in dem hause, dessen Scheune zuerst in Flammen stand, sich kein Mensch regte, und das haus auch verschlossen blieb. Beim Eindringen in das Gebäude sanden die Helfer die etwa 50 Iahre alte Grundstücksbesitzerin, Frau Louise Schreiner, mit cingeschlage- nem Schädel und ihren etwa 22 Iahre allen Sohn, den Landwirt Kart S d)reiner, mit durchschnittenem fjalfeLoJ in der Wohnung vor. Die ermordete Frau war verwitwet, ihr Mann ist im Kriege gefallen. Außer den tödlichen Schödelverlehungen weist die Leiche der Frau noch zwei Stiche auf, von denen je einer in der rechten und in der linken Brust sich befindet. In dem Orte gehen die verschiedensten Mutmaßungen über dieses furchtbare Ereignis um. Während auf der einen Seite Mord und Selbstmord vermutet wird, spricht man in anderen Kreisen von Mord. Genaueres ist bis zur Stunde noch nicht bekannt, die behördlichen Ermittelungen find vielmehr noch im Gange. Die Familie Schreiner lebte in guten Vermögensverhöktnissen. Ob Wertgegenstände oder Geld in der Wohnung fehlen, weiß, man bis zur Stunde gleichfalls noch nicht. Der große Brand ist offensichtlich an gesteckt morden, um die ‘Bluttat z u verwischen. Seiner starken Ausdehnung konnte nur mit hilft auswärtiger Feuerwehren Einhalt getan werden. Aur der ProvinMlhauptstM. Gießen, den 20. September 1926. Herbstanfang. Am 23. September, um 8.27 Uhr, nimmt für uns Bewohner der nördlichen Erdhalbkugel der H e r b ft feinen Anfang. Der Kalender verzeichnet an diesem Tage den Uebertritt der Sonne aus dem Zeichen der Jungfrau in das der Wage. Mit den gleichlautenden Tierkreissternbildern stimmen indessen die Kalenderzeichen heute nicht mehr überein; durch die Wirkung der Präzession, des Verrückens der Sterne gegen die Ordnung der Zeichen um jährlich 50.26 Bogensekunden, hat sich der H e r b st p u n k t, in dem die Sonne zur angegebenen Zeit steht, und mit ihm der Frühlingspunkt seit der Entdeckung der Prä- Zession durch den griechischen Astronomen Hipparch (um 200 v. Chr.) bereits um die volle Breite eines Tierkreisbildes rückwärts (nach Westen) verlagert und befindet sich gegenwärtig schon im westliche;' Teil der Jungfrau, nahe westlich von dem Sterne 3. Größe Eta dieses Sternbildes. Am 23. Septem- 1 ber durchschreitet die Sonne in ihrer Südwärtsbewegung den Himmelsäquator zum zweiten Male — zum ersten Male geschah dies am 21. März, dem Frühlingsanfang, in ihrer Nordwärtsbewegung —; die Sonne geht daher für alle auf dem Aequator gelegenen Orte mittags durch den Zenith, und Tag und Nacht sind bis auf geringe Abweichungen auf der ganzen Erde gleich lang, wir haben Aequin oi'tium. Das ist wohl auch der Grund, dessentwegen man vor mehr als zwei Jahrtausenden das Stern bild, in dem damals die Sonne zur Zeit der Herbst- Tag- und Nachtgleiche stand, Wage genannt hat; es sollte ein Symbol dafür fein, daß die Tage und Nächte sich wägen, d. h. gleich lang sind. Demgegen- über gab es allerdings bei den Römern, die das Sternbild, wenigstens feit Cäsars Kalenderreform Libra, „Wage", nannten, noch eine andere Lesart, der zufolge die Astronomen das Sternbild so bezeichnen, entweder weil es einer Wage gleichen soll, ober weil es sich zu den Füßen der Jungfrau befindet; denn diese ist. die Göttin ber Gerechtigkeit, ber die Wage als Symbol zugeteilt ist. Bon nun an verweilt die Sonne, für uns bis zum 22. De- zember, dem kürzesten Tage, immer tiefer sinkend, ein halbes Jahr lang südlich des Aeauators. Genau genommen aber fehlt an dem halben Jahre fast eine Woche. Da die Erde nämlich in unserem Winterhalb fahr in ihre Sonnennähe gelangt, bewegt sie sich im Winter etwas schneller als im Sommerhalbjahre, in dem sie ihre Sonnenferne erreicht; die einzelnen Jahreszeiten sind daher nicht gleich lang. Es wären nämlich: der Frühling 93 Tage, der Sommer ebenfalls 93 Tage, der Herbst 91 Tage und der Winter nur 88 Tage. Die Sonne verweilt also etwa 6 Tage länger nördlich des Aequators als südlich von diesem, und wir Nordländer erfreuen uns in astronomischer Beziehung eines gewissen Vorzuges gegenüber den Südländern. A. St. Em DerkehrsLag erster Ordnung war der gestrige Sonntag für unfere Stadl. Die Gartenbau- und Elektrizitäts- Ausstellung und der Oberhessische Handwerkertag Hatten nicht nur aus dem Kreise Gießen, sondern aus der ganzen Provinz Oberhessen nnd aus der preußische Rachbarschaft sehr große Besucherscharen hierhergeführt. In Len Straßen sah man schon am Vormittag, noch viel stärker aber am Rachmittag viele Mitbürger vom Lande sich bewegen, die den schäir geschmückten Schaufenstern ihre Aufmerksamkeit schenkten und hierauf ihr Interesse der Ausstellung zuwandten. Das in diesem Spätsommer: geradezu hochsommerlich-schöne Wetter bracht- den Besuchern die entspr«hende Feiertagsstim» inung. Die Reichsbahn und die Straßenbahn hatten Hochbetrieb. Auf der Reichsbahn wurden sämtliche Züge nach und von Gießen bei volles Wagenbesehung mit Verstärkung gefahren, zit dem Abendzug 8.23 Hhr nach Frankfurt mußtä sogar ein Vorzug geführt werden. Die Straßen» bahnwagen fuhren zum Teil mit Anhängern. Sämtliche Wagen waren gut beseht, in den frühes Rachmittagsstunden waren sie sogar stark überfüllt. (Mächtiger Betrieb herrschte natürlich in der Dvlkshalle, wo der Heimatdichter Georg Heß von Leihgestern mit seinen Hütten-» bergern, Schliherländern und Schwalmern ein sehenswertes Trachten- und Volksfest auf die Bühne brachte, das starken Beifall fand. Der Mensche,randrang zu der Dvlkshalle war mehrfa^ so stark, daß die Halle zeitweise ge- Bluttat nhu e» . /ffen toerben muhte, während im Innern eine drangvoll fürchterliche Enge herrschte. Die Besucherzahl der DolkShalle allein am gestrigen Tage wird auf 8 bis 9000 Personen geschäht. Dieser rege Besuch unserer Stadt tarn natürlich auch unserer Geschäftswelt, die die Geschäfte geöffnet hatte, zugute. Eine große Woche Der Straßenbahn. liniere elektrische Straßenbahn hat durch die Gart en bau - und Elektrizitäts-Ausstellung eine ungewöhnlich starkeStei- gerung ihrer Frequenz erfahren, die der Betriebsrechnung der Elektrischen sehr zustatten kommen wird. Die Straßenbahn beförderte wäh- rend der Ausstellungswoche bis einschließlich ge- stern abend insgesamt rund 73 000 Personen. Davon entfallen, in runden Ziffern, aus Samstag, 11. September, 6000, Sonntag, 12. Sept., 12 000, Montag, 13. Sept., 5800, Dienstag, 14. Sept., 5800, Mittwoch, 15. Sept., 8000, Donnerstag, 16. Sept., 8300, Freitag, 17. Sept., 5200, Samstag, 18. Sept., 7300 und Sonntag, 19. Sept., 15 000 Personen. OberheMsches Trachten- und Volksfest Der Freund gesunden, obrrhrssischrn Volkslebens kam voll und ganz auf feine Kosten, wenn er gestern nachmittag das in der Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung stattgehabte vberhessisch.e Trachten- und Volks- f e st besuchte. Schon lange vor Beginn der Veranstaltung war die Volkshalle bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Punkt 4 Lkhr zogen unter den flotten Klängen einer Musikkapelle die schmucken Mädchen und Burschen vom Hutten- bergcr-, Schützer- und Schwälmerland in die Volkshallc ein und begaben sich sofort aus die Bühne, die sehr stiimnungsvoll dekoriert war. Sie stellte den mit Maien und Lannengrün prächtig geschmückten Tonzplah eines oberhessischen Dorfes dar. Zuerst erfolgte ein kleiner ül.n- zug, bei dem die Farbeirpracht ter malerischen Trachten doll zur Geltung kam. llnfer ober- hessischer Heimatdichter Georg Heß aus Leihgestern, der das Fest sehr geschickt leitete, hielt zuerst in Leihgesterner Mundart eine launige Ansprache an das Publikum. Trotzdem oder weil er ein mächtiges Sprachrohr benutzte, war er leider nicht immer verständlich. Er wünschte, die Bewohner von Stadt und Land möchten sich besser verstehen lernen, keiner solle sich über i den ankern erhaben, keiner den andern für weniger wichtig halten. Seine mit viel Humor gewürzten Ausführungen lösten starken Beifall aus. Dann begann das Volksfest. Eine ober- hessische Kirmes mit ihrer urwüchsigen Fröhlichkeit und beschaulichen Gemütlichkeit wurde den Zuschauern „vorgefiert". Zuerst tanzten alle Mädchen und Burschen — Hüttenberger. Schützer und Schwälmer — einen hübschen Aundtanz, der den Frohsinn des jungen Volkes aufs höchste steigerte. Die Burschen jauchzten, die Mädchen lachten, es war ein erquickendes Bild heiterer, sonniger Iugendfreude. Dann tanzten Kinder in prächtiger Weise einen Reifentanz, der vom Publikum sehr beifällig ausgenommen wurde. Der Gesangverein „Gemütlichkeit" sang mehrmals flotte Lieder. Auch zwei Schuhplattlerpaare hatte man sich verschrieben, die ihre originellen Tänze mit viel Geschick und Ausdauer vorführten. Ganz besonders reizvoll war ein Schnittertanz, bet dem die Burschen bunte und mit bunten Bändern geschmückte Rechen und die Mädchen Girlanden trugen. Von den vielen Tänzen, die vorgeführt wurden, mögen ein flotter Galopp der Schützer, ein wunderschöner Walzer der Schwälmer und ein reizvoller Rundtanz der Hüttenberger besonders erwähnt fein. In den Tanzpausen entfaltete fid) auf der Bühne ein lebenswahres Bild urwüchsiger Kirmesfröhlichkeit. Die Kinder tummelten sich mit den kleinen Luftballons und anderen Spielsachen auf dem Platze. Das junge Volk fang ein fröhliches Volkslied nach dem andern. Der Polizeidiener, der selbstverständlich auch nicht fehlte, sorgte für Ordnung. Dem Bier wurde kräftig zugesprochen, selbst die übliche Kirmesschlägerei fehlte nicht. Es wurde alles geboten, was zu einer echten ooerhessischen Kirmes gehört. Jedem war es leid, als gegen 6 älhr das fröhliche Treiben ein Ende fand. Der Leiter der ausgezeichneten Aufführung, Georg Heß, wurde in dankbarer Anerkennung feiner Verdienste von der Ausstellungsleitung durch die äleberreichung eines wertvollen Bildes geehrt. Der oberhesfischeHan-dwerkertag am gestrigen Sonntag in unserer Stadt bereinigte eine sehr große Anzahl Handwerksmeister und Meisterinnen mit ihren Angehörigen auf der Liebigshöhe. Man greift wohl nicht zu hoch, wenn man den Besuch ter Tagung auf über 1200 Menschen beziffert. Vormittags fand zunächst die Ehrung von über 200 Jung- meiste rinnen und Iungmei stern statt, die nach bestandener Meisterprüfung durch Heber- reichung der Meisterbriefe ausgezeichnet wurden. Hierbei hatte Gewerbeschulrat Dr. Bünnings (Gießen) die Leitung der Feier, bei der Regierungsrat Dr, Krüger namens der Provinzial- direktion und des Kreisamtes Gießen, Beigeordneter Dr. Frey im Ramen der Stadt Gießen, Bauunternehmer Becker (Gießen) im Auftrag der Handelskammer, Professor Dr. Kraus- müller für den Gießener Ortsgewerbeverein und Ehrenobermeister Schmuck (Worms) Ansprachen an die Iungmeister und Iungmeifterin- nen und die Festversammlung richteten. Daran anschließend begann der H a nd w e r k e r ta g unter der Leitung des Gießener Ortsgewerbe- vere'nSvorsitzenden Professor Dr. Kraus- m ü l l e r. Heber die aktuellen wirtschaftspolitischen Handwerkerfragen in Reich und Staat sprachen Reichstagsabgeordneter Malermeister Havemann (Hildesheim) und der hessische Landtagsabgeordnete Schreinermeister Lautenbacher (Dieburg), ferner noch der Direktor der hefsifchen Handwerkskammer Schüttler (Darmstadt). Sänitlichen Rednern wurde lebhafter Beifall gezollt. In einer anschließenden Aussprache tarnen noch einige weitere Handwerksmeister zu Wort. Der Rachmittaq war der Besichtigung der Ausstellung und geselligen Veranstaltung gewidmet. lieber die Verhandlungen des Handwerkertags werden wir morgen berichten. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Rund um die Ehe". — Astoria-Lichtspiele: „Der unbekannte Soldat". ** D i e Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung hat einen außerordentlich starken Besuch gehabt. Nach den abschließenden Ziffern wurden bis einschließlich gestern abend verkauft: 1532 Dauer- und Beikarten, 26 425 einmalige Eintrittskarten für Erwachsene, 5071 Eintrittskarten für Kinder und Schüler, insgesamt alfo 33 028 Eintrittskarten. Am gestrigen Sonntag wurden allein 7640 Eintrittskarten verabfolgt, die in der vorstehenden Gesamtrechnung jedoch mitenthalten sind. Wenn man berücksichtigt, daß die Dauerkarten sehr rege benutzt wurden, so kann man wohl sagen, daß die Ausstellung insgesamt etwa 50 000 Besuche zu verzeichnen hatte. •• Erne lobenswerte Spende hat die hiesige Bäckerinnung für unsere Schulen gemacht. Sie stellte von den in der Volkshalle gelegentlich der Ausstellung gebackenen Brödchrn 500 Stück für kräftigungsbedürftige Schüler und Schülerinnen unserer Stadt zur Verfügung. Die freund-' liehe Spende darf der öffentlichen Anerkennung gewiß sein. " Wegen Urkundenfälschungen und Unterschlagungen verhaftet wurden die auf der Bürgermeisterei in Klein- Linden beschäftigten Schreibgehilfen W. aus Gießen und F. von Klein-Linden. Beide benutzten die amtlich vorgeschriebenen Ausweisungsformulare und Dirnststempel zu ihren unlauteren Manipulationen, ferner fälschten sie die Unterschrift des Bürgermeisters und erleichterten auf diese Weise in verschiedenen Fällen die Gemeindekasse um mehrere hundert Mark. Die Täter wurden von der Gießener Kriminalpolizei verhaftet und dem hiesigen Untersuchungsgefängnis zugeführt. Ein Teil der Beute konnte ihnen noch abgenommen werden. ** Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Samstag in der Wohnung eines Eisenbahners in Klein-Linden. Dort stürzte die schulpflichtige Tochter des Mannes so unglücklich in den Keller, daß sie eine schwere Gehirnerschütterung davontrug. ** Der Gabelsberger Sten ogra- Phen-Vereinvon 1861 beging, wie man uns schreibt, seine 65-Iahrseier in der Turnhalle. Ein von dem 1. Vorsitzenden verfaßter Vorspruch, der von Frl. Hofmann schwungvoll vorgetragen wurde, leitete die Feier ein. In seiner Ansprache warf der 1. Vorsitzende, staatl. gepr. Lehrer der Kurzschrift Franz Han ft ein, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Vereins und gedachte dabei vor allem des eigentlichen Gründers des Vereins, Lehrer Müller, der nachmalig Kreisschulinspektor in Oppenheim und Alsseld war. Dieser Mann hatte damals einen Anfängerlehrgang in der in Gießen noch ziemlich unbekannten Gabelsbergerschen Kurzschrift abgehalten und am 13. August 1861 mit seinen Schülern den Verein ins Leben gerufen. Aus dem Verein sind Männer mit Ramen von gutem Klang hervorgegangen, die sowohl im stenographischen, als auch im öffentlichen Leben eine Rolle fielen; der Redner nannte Ramen wie Direktor O. Bergen, Direktor M a y, Reg.-Rat Oppermann, Geh. Schulrat Dr. Pitz. Oberstudiendirektor Pfaff, Rechnungsrat Sch iffnie, Sekr. Wilhelm Loh, R. Hasenkrug u. a., sowie die Schriftsteller Ernst Eckstein und Dr. Alfred Dock. Redner lieh seine Worte ausklingen, indem er ein Gedicht von Iohs. Trojan „Ach hätt' ich doch stenographieren gelernt" zur Beherzigung aller, besonders aber der Jugend, zu Gehör brachte. Den Festvortrag hielt das Ehrenmitglied des Vereins, Oberstudiendirektor Pfaff- Darmstadt — ein geborener Gießener — üher das Thema „Eine Sprache — eine Schrift". Seine Ausführungen gipfelten darin, daß wir jetzt nach den jahrzehntelangen Syftemkämpfen endlich neben der deutschen Sprache mit ihrer einheitlichen Rechtschreibung auch eine deutsche EinheitskurzsOrift besitzen und die Stenographenvereine dazu berufen seien, dieses wichtige Volksgut zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes, zu hegen und zu pflegen. Reicher Beifall wurde dem Redner am Schlüsse seiner Ausführungen zuteil. Der 1. Vorsitzende des hess.- nassauischen Kurzschrifwerbandes „Gabelsberger", Lehrer Schopp- Mainz, überbrachte die Glückwünsche des Verbandes und feierte den Festredner als den Vater und Urheber der deutschen Cinheitskurzschrift. Ferner sprach noch der 1. Vorsitzende der hiesigen 1. Reichskurzschrift- Gesellschast „Gabelsberger", staatl. gepr. Lehrer der Kurzschrift A. Karnbach, indem er besonders auf die guten Beziehungen zwischen beiden Vereinen hinwies. Die 1. Vorsitzende des Damenvereins „Gabelsberger" hier, Frau Aug. Peter, feierte den Verein als den Vater des Damenvereins, während ein Vertreter des Vereins Marburg in beredten Worten die Glückwünsche seines Vereins übermittelte. Die übrigen Vereine der näheren Umgebung — Heuchelheim, Lollar, Wetzlar und Wieseck — hatten durch Entsendung zahlreicher Vertreter ihre Anteilnahme kundgetan. Auch ein Vertreter der Kr.eis- schulbehörde wohnte der Veranstaltung bei.. Rach dem Vortrag setzte der unterhaltende Teil des Abends ein. Ein von Mitgliedern des Vereins und des Damenvereins „Gabelsberger" flott gespielter Einakter „Es spukt" trug zu gehobener Stimmung bei, nicht minder auch das vorzügliche Konzert der Kapelle Topp. Ein Dlumen- spiel, getanzt von 4 Damen des Damenvereins „Gabelsberger", leitete zu dem Festball über, der die Teilnehmer noch recht lange zusammenhielt. Alles in allem eine schön verlaufene Feier, auf die der Verein stolz sein kann. Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 374 Ochsen, 85 Dullen, 622 Kühe, 287 Färsen, 302 Kälber, 135 Schafe, 3758 Schweine. Kirche und Schule. X Gladenbach, 17. Sept. -Untere alte, ehrwürdige St. Martinskirche erhält gegen- wärtig im Aeußeren einige Ausbesserungen. Die Dächer des Chors sowie des südlichen Seitenschiffs werden frisch mit Schiefer gedeckt und die südlichen Außenmauern neu verputzt. Leider ist in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig: zur Instandhaltung des Gotteshauses geschehen. Vor vier Jahren wurde nun eine durchgreifende Renovierung des Innern vorgenommen. Damals wurde der Chor, der durch Empore und Orgel verunstaltet wurde, in seiner gotischen Schlichtheit wiederhergesteltt. Es ist zur hoffen, daß trotz der Geldarmut nun alle noch notwendigen Ausbesserungsarbeiten bald vorgenommen werden können. Dckariatstag in Vilbcl. B Vilbel, 17. Sept. Am Mittwoch sand hier unter Leitung von Dekan H e u ß e l - Altenstadt und im Beisein des Superintendenten der Provinz Oberhessen. Oberlirchenrat Wagner- Gießen, der D e k a n a t s t a g des evangelischen Dekauats Rodheim statt, zu dem die zwanzig Dekanatsgemeinden ihre geistlichen und weltlichen Vertreter entsandt hatten. Die Tagung wurde durch einen Gottesdienst im Betsaal eröffnet, in dem Pfarrer Duchhold, Rieder-Eschbach, die Predigt übernommen hatte. Cs wurden vorgelegt der Rechenschaftsbericht des Dekanatsaus- schustes über die Jahre 1924 und 1925. Ferner stand der Voranschlag des Dekanats für die Jahre 1926 bis 1928 zur Besprechung. 2m Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Vortrag des Pfarrers Job, Rodheim v. d, H., über das Thema: „Die sittliche Gefährdung der Jugend unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen und die Rotwendigkeit und Ausgestaltung der Jugendarbeit, insbesondere in dem Gebiete unseres Dekanats". Die an das Referat anschlie- ßende Aussprache bewegte sich um die beiden Hauptgebtete evangelischer Jugendarbeit: Jugendfürsorge und Jugendpflege, und brachte die Erkenntnis von der Rotwendigkeit und den Willen zur Jugendarbeit bei den Tagungsteilnehmern zum Ausdruck. Explosion in einer Sprengstoffsabrik. WSN. S) a i g c r , 19. Sept. Am Samstagnachmittag flog aus bisher noch unbekannter Ursache das M i f ch h a u s der Spreng ft offabrif in Würgendorf in d i e Luft. Ein Arbeiter wurde sofort getötet, einer weiter schwer verletzt, während ein dritter durch den ausgeftanbenen Schrecken Sprache und Gehör verlor. Die beiden Verletzten wurden im Haiger Krankenhaus eingeliefert. Die Detonation war so gewaltig, daß sie stundenweit gehört wurde. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion Dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Wirtschaftlichkeit von Gas und Elektrizität. Von fachmännischer Seite wird uns mitgeteilt: Der im Gießener Anzeiger Rr. 217 vom 16. September 1926 enthaltene Aufsatz über „Elektrische Heißwasserspeicher" von Herrn Dipl.-Jng. Malkomesius enthält in seinem letzten Absatz Zahlen über den Vergleich der Wirtschaftlichkeit von Gas und Elektrizität als Wärmequellen, die durch nachfolgende Berechnung berichtigt werden müssen. Zunächst berechnet Herr OK. die Wärmemenge für die Erwärmung von Wasser von 0 Grad auf 85 Grad Celsius: schon Darin liegt ein Fehler, denn das Wasser kommt im allgemeinen aus keiner Leitung mit weniger als 10 Grad Celsius zur Verwendung. Um die Temperatur von 1 Liier Wasser (1 Kilogramm) um 1 Grad Celsius zu erhöhen, ist bekanntlich 1 Calorie (Wärmeeinheit, WE.) erforderlich, also um 1 Liter Wasser von 10 Grad auf 85 Grad Celsius zu erwärmen: 85 — 10 = 75 Wärmeeinheiten. Herr M. berechnet die Kosten für die Erwärmung von 90 Liter Wasser. Rach Der oben angeführten Rechnung sind hierfür erforderlich: 90 X 75 = 6750 WE. 1 Kubikmeter Gas hat in Gießen im Durchschnitt einen Heizwert von 5000 WE. Für Heißwasserspeicher mit Gasheizung werden 80 Proz. Der Wärmeeinheiten des Gases nutzbar gemacht, das sind 4000 WE. Der Gaspreis beträgt zur Zeit 0,20 Mk. pro Kubikmeter, so daß für Die Erwärmung von 90 Liter Wasser von 10 Grad auf 85 GraD Celsius ein Kostenaufwand von 6750 = 1,7 Kubikmeter Gas oder 34 Pfennig 4000 erforderlich ist. 'Bei Der Elektrizität als TDarmequelle errechnet sich Der Kostenaufwand wie folgt: 1 Kilowattstunde hat 8641/•> WS. Wirkungsgrad der elektrischen Heißwasserspeicher: 95 Proz. — 822 WE. Preis der Kilowattstunde (m der sperrfreien Zeit): 0,10 Mk. Somit sind erforderlich: 6750 8,2 Kilowattstunde oder 8 2 P f e n n i g. "822 Diese Gegenüberstellung ergibt ein Verhältnis von Gas zur Elektrizität wie 3 4:82 und nicht wie Herr M. angibt, wie 72:94. Es sei noch erwähnt, daß Herr M. mit einem äußerst günstigen Preis für Die Kilowattstunde gerechnet hat, während er Die Rabatte, Die für Gas zu Heizzwecken in weitem Maße gegeben werden, nicht berücksichtigt, wodurch sich aber das Verhältnis wesentlich zugunsten deS Gases verschieben würde. Dieselben Ausführungen gelten auch für die Raumheizung, und somit ist ohne weiteres auch hierfür Der Beweis erbracht, daß die Wirtschaftlichkeit Der Elektrizität selbst bei einer größtmöglichsten Senkung des Strompreises um ein Vielfaches hinter Der Wirtschaftlichkeit Des Gases zurückbleibt. Die von Herrn M. angelegenen Annehmlichkeiten (Reinlichkeit usw.) Der Elektroheizung Dürften Die Wirtschaftlichkeit für Die Elektrizität in keiner Weise erhöhen, da sie ja der Gasheizung in Demselben Maße zur Verfügung stehen. -r- LEBEWOH beseitigt Jhre HÜHNERAUGEI u. HORNHAUT! Blechdose (8 Pflaster) 75 Pfg. Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäd^r) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben bei: A. Noll, Kreuz-Drogerie, H. Noll, Ludwigsplatz-Drogerie und Neustadt - Drogerie, O. Winternoff, Drogerie, Kreuzplatz 9-10. 1001A ZWWvMlMIW. Freitag, den 5. Rovember 1926, vormittags 10 Ahr, wird am Amtsgericht Gießen, Saal 203, 11, Obergeschoß, das im Grundbuche von Gießen den Franz Lösch Eheleuten in Gießen zu- geschriebene Grundstück Flur 38 Rr. 161 --- 3006 qm Acker hinter der Pulvermühle, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. 7677c Gießen, den 30. August 1926. , Hessisches Amtsgericht. 3. 21.: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Arbeitsvergebung. Die bei Der Einrichtung von Wohnungen im Seitenbau des Schlosses zu Grünberg vorkommenden Maurer-, Zimmer- und Dachdeckerarbeiten sollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Die Bedingungen und Zeichnungen liegen vom 29. September 1926 ab bei uns zur Einsicht offen. Daselbst werden auch die Angebotsvordrucke, soweit der Vorrat reicht, zum Selbstkostenpreis abgegeben. Die Angebote stnd verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei, bis Mittwoch, Den 29. September 1926, vormittags 11 Ahr, hierher einzureichen. 7890C Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 17. September 1926. Hess. Hochbauamt. Verth. Statt Karten! Dr. 3. A. Schmidt Anna Schmidt geb. Pampe Vermählte Hamburg 24, Neubertslraße 26 ......... ...........-........ ,, 7696V. WM—M—H— Nächste Woche Ziehung der Gießener Pferdemarkt-Lose ä 1 Rm. Hauptgewinne: Ein kompl. Einspänner, ferner Pferde, Fohlen, Fahrräder, Nähmaschinen, Uhren usw. 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Er ist herrlich, wäre er persönlich zur Premiere dagewesen, die Beschauer hätten ihn vor Begeisterung abgeküßt.“ Die Vossische Zeitung: „Das Publikum lacht, brüllt und doch verbirgt sich hinter Chaplins ausgelassenen Spässen der bittere Ernst des Lebens. Dieser Charlie Chaplin ist einer der größten Schauspieler, die die Leinwand je gesehen hat" Berliner Morgenzeitung: „Goldrausch“ eroberte sich mit dem gestrigen Abend auch Berlin.“ Wir sind gespannt, ober auch dem Gießener Publikum gefällt, und was die Gießener Presse zu diesem „Goldrausch“schreibt? Berliner-Volkszeitung: „Goldrausch“ hat alle Erwartungen noch übertroffen, man wünscht allen, denen man etwas Gutes wünscht, daß sie diesen Film zu sehen bekommen.“ Frankfurter Zeitung: „Die Schönheit von „Goldrausch“ ist fast unbeschreiblich. Chaplin als Schauspieler ist in diesem Film größer geworden, als man ihn je sah. Dieser Film ist der Beste, den man bisher gesehen hat.“ Bernhard Brentano. Maximilian Harden, der berühmte Publizist und Politiker, und Karl Mathern. 7586c Anfang 8 Uhr. End^mach 10 Uhr. Der Dorverkauf beginnt am Samstag, den 18. Sept., in den gewöhnt. Kastenstunden. Stadttheater Dienstag, den 21. September 1926 WWelSMiMtzenlersM-WiWiü Erstaufführung! Für den Platz Giehen und Umgebung wird von bedeutendem Versich.-Konzern mit allen Branchen befähigter Herr als Austenbeamter gesucht, der sich neben der Akquisition neuer Geschäfte auch der Organisation widmet und daher über gute Umgangs- formen verfügt. Bevorzugt werden Fachleute, jedoch rönnen auch abgebante Beamte usw. für den Posten nach Ein- arbettung in Frage kommen, sofern sie Beziehungen zu besseren Kreisen besitzen Die Stellung ist angenehm u. aussichtsreich Schrift!. Ang. u. 7689D an d.Giehen. Anzeig. Leere Packkisten mittlere Gröhe, in beitem Zustand zu verkaufen. Robert HaasNchL, 06<” Seltersweg 18. Montag bis Donnerstag "VQ bin ich zu sprechen. Früher Frau d. Dr. A. 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Die Einzahlung kann Dienstags von 8 bis 1 LIHr bei unserer Kaste oder auf unser Postscheckkonto, Amt Frankfurt a. Main Ar. 10833 erfolgen. Gießen, den 18. September 1926. _________Hinkler. Rechner. 7682c U i-öf S K V'ü.e.v M W;- W M ;; :< ll W h ei W M M W. i W_! »AH W ??/ • '<• W MM UN fflj W MW -W »ZxM Äl Ml $61 i. M RW --Hi ÄW 6^W ■ 'H MW MW ZMW H ■■ ^d?W $ K MW» ■ AW .6 er MM WW' ... ■ ■e ^EWD ■ R Wl . - Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 20. September 1926 Rr. 220 Zweites Blatt Der letzte Tag der Feldmanöver der 5. Division. Don unserem militärpolitischen K.-Eonderbericht erstattet. Der letzte Tag der Divisions Übung en lvar wieder Dom prächtigsten Manöverwetter begünstigt. Für einen Teil der roten Truppen hatte er schon in der Dacht mit furchtbarem Ernste begonnen- Kurz nach 11 Hhr abends weckte Feueralarm die Belegung des größten Dorfes des badischen Bezirks Doxberg, Assamstadt. Der Feuerruf war kaum ertönt, die Feuerglocke läutete noch, als schon der zunächst gelegene Teil der Ortsbelegung alarmiert war und im Laufschritt zum Brandplah eilte. Äura darauf wurden vom Ortskommandanten, Major Ritter vonMolo die übrigen Truppen des Dorfes alarmiert und in Marsch gesetzt. Den Weg zeigte eine riesige Feuer- und Rauchsäule, die mit roter Glut den Aachthimmel füllte. Aus einem etwa 80 Meter langen zweistöckigem Wohngebäude mit Scheuern und großen Vorräten an Heu und Stroh im Dachstuhl, einer ehemaligen Ziegelei, schlug prasselnd das Feuer und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit weiter. In den Jammer der hilflosen Bewohner und das furchtbare Gebrüll des Viehs mischten sich die Kommandorufe der rasch den Brand- Platz füllenden Reichswehr, Heberall wurde zunächst von kleinen Kommandos, wie sie sich gerade zusammengefunden hatten, unter selbständiger Führung einiger beherzter Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften zugelaßt, um zu bergen, was noch zu retten war. Aus den rauch- erfüllten Stuben, teilweise aus den Flammen wurden die schlafenden hilflosen Kinder der zunächst betroffenen Familien heruntergetragen, wieder andere bargen das Vieh aus den Ställen, das sich gegen die Rettung sperrte, andere trugen Tische, Betten, Kommoden, Wäsche, Kleider und den ganzen wertvollen Hausrat heraus. Es wurden Ketten gebildet, die Eimer mit Wasser aus dem 100 Meter entfernten Dach von Hand zu Hand reichten, eine Maßnahme, die wegen Versagens einer Pumpe die ganze Rächt fortgesetzt werden mußte. Eine andere Pumpe lieferte einen Zahmen Strahl, der nicht zur Bekämpfung des Feuers ausreichte. Daher mußte der Dachstuht bis zu der, den Block in zwei Teile scheidenden Feuermauer abgerissen werden, um zu verhindern, daß das wütende Feuer auf dem Dach sich weiter ausbreitete. Es war erfreulich, hierbei zu sehen, wie unerschrocken und tapfer, teilweise tollkühn die Grenadiere aus Stuttgart, die Minenwerfer und Angehörige des Regimentsstabs des 13. Infanterie-Regiments aus Ludwigsburg in nächster Rähe des Flammenmeeres das Dachgebälke mit Stechhaken zufammenriffen und mit Beilen und Hacken auseinanderschlugen. Mehr als einmal mußten die Soldaten mit Gewalt, d. h. durch Befehl aus den schon brennenden Zimmern herausgeholt werden, weil sie ihre Rettungsarbeit nicht aus eigenem Antrieb beendigen wollten. Gin Hauptmann und ein Leutnant lösten sich, hoch auf dem First des Hauses stehend, an der Spritze ab, den Strahl mit Besonnenheit dahinlenkend, wo es am zweckmäßigsten war, um endlich dem Feuer Halt zu gebieten. Rach kurzer Zeit war der Brandplah militärisch abgesperrt, um Diebstähle und Behinderung der Arbeit durch Zuschauer unmöglich zu machen. Der Ortskommandant hatte mit Umsicht die ganze Brandbekämpfung organisiert und dem vereinten, heißen Bemühen der Einwohnerschaft und der Soldaten gelang es. bis 2 Htjr nachts, die Gefahr für den zweiten Teil des Gebäudes zu beseitigen. Major Ritter von Moio konnte nun bis auf eine Feuerwache die Orts- besahung wieder herausziehen. Auch die Gefahr, daß der Brand das ganze Dorf erfaßte, war endlich beseitigt, als es gelungen war, den elektrischen Strom abzustellen. Bange Viertelstunden waren bis dahin vergangen, in denen die riesigen Blitze des Kurzschlusses am ganzen Ortsnetz entlang tanzten mit unheimlichem Knistern und blendendem Licht. Ein wahres Wunder, daß die. auch durch die benachbarten Scheunen laufenden Drähte kein Unheil anrichteten. 'Beim Verlassen des Drandplatzes drückte der Bürgermeister dem Ortskommandanten in bewegten Worten den Dank der Einwohnerschaft für die Hilfeleistung aus und als am nächsten Morgen die Truppen Assamstadt verließen, umsäumten alle Einwohner die Straßen und tiefen den Württembergern Dank und frohe Grüße nach, die nun die zweite Rächt feinen Schlaf gefunden und Leben und Gesundheit für ihre Quartiergeber eingesetzt hatten. Der 3. Uebungstag brachte eine neue Lage: Eine rote Armee befindet sich in Verteidigungsstellung. Front nach Osten, mit rechtem Flügel bei Königshofen an der Einmündung der Hrnpher in dieTauber. Ihr gegenüber eine blaue Armee im Vormarsch nach Westen, die beabsichtigt, am 15. Sept, anzugreifen. Zur Umfassung des feindlichen Südflügels hatte das blaue Armee-Oberkommando eine rückwärtige Staffel, die 6. und 5. Division angeseht. und zwar die 6. über Mergentheim, die 5. über Assamstadt und Dörzbach: diese rastet seit 2 Uhr morgens mit ihren Anfängen ' bei Assamstadt und Rennst e 11 e n. — Der rote Oberbefehlshaber hatte die gemischte Abteilung R. als Armeereserve, die in Osterburken aus geladen worden war, in Richtung Kupprichshausen in Marsch gesetzt: sie rastete ohne Feindberührung nach dreistündigem Rachtmarsch 7 Uhr Dorrn, mit Anfängen bei Deroldsheim. Dort ging ihr die Rach- richt zu, daß blaue Kräfte über Mergentheim und weiter südlich im Anmarsch feien; ein Flieger wirft eine Skizze ab. aus der zu ersehen ist. daß blaue Truppen bei Assam st ad t, Reunstet t e n, Krautheim, Horrenbach und Dörzbach rasten. Sofort entsandte der Führer von Rot seinen Straßenpanzerwagenzug, der über Bobstadt ausholend, die blaue Marschkolonne in Assamstadt überrascht und auseinander- sprengt. Auch seine Radfahrer, seine Kavallerie und seinen Kavallerie - M. G. ° Zug verwendet der rote Führer in geschickter Weise zur Verzögerung des feindlichen Vormarsches. Immer wieder schlugen die M. G.-Salven der Kavallerie in Flanke und Rücken der blauen Marschkolonne, und mehr als einmal mußten die Gefechtstroß- fahrer der rückwärtigen Staffel von Blau zum Karabiner greifen, um sich der roten Reiter zu erwehren. — 8 Uhr vorm. erhält der Kommandeur der 5. blauen Division den Befehl, über Kupprichshausen, Buch a. Ahorn gegen den Rücken der feindlichen Stellung vorzugehen. An Truppen stehen zur Verfügung: dem Führer von Blau, Oberst v. Stülpnagel, das 13., 14. und das aus dem 2./15 und dem 5. Pi. Bat. bestehende I. R. 15: 2 Abteilungen des Art.- Regts. 5, die verstärkte l./R. R. 18 und die 1./Rächt. Abt. 5. — Der Führer von Rot, Oberst Heh n, verfügt über sein eigenes Inf.-Regt. 9, das 1. (Hess.) Datl. des I. R. 15 auf Lastkra ftwagen, das 3./I.R.15, 4 Batterien des Art.-Regts. 5, außerdem die 9. Kraftwagen-Batterie A. R. 5, auch die 2./R. R. 18 mit einem Kav.°M. G.-Zug und einem halben Radfahrerzug ist ebenso wie ein Straßenpanzerkraftwagenzug auf roter Seite eingesetzt. Der blaue Führer entschloß sich, den Vormarsch in zwei Kolonnen anzutreten und setzte rechts von Assamstadt über Windisch - buch, Schwabhausen. Schilling st adt- Ost, Uiffingen das verst. Inf.-Regt. 13 mit einer Art.-Abteilung unter Führung des Kommandanten von Stuttgart, Oberstlt. Fischer, an, und links den Rest der Division, also die Hauptkräfte, von Reunstetten über Obette itt ft ab t, Schilling st adt- West, Be - roldsheim, Eibigheim aus Buch a. Ahorn. Voraus wurde die verst. l./R. R. 18 geworfen mit dem Auftrag, die Höhe 390 westlich Schilling- st a d t beschleunigt in Besitz zu nehmen und bis zur Ablösung durch vorauszusendende bewegliche Teile der Infanterie (Radfahrer und vierspännige M. G.-Begleitzüge) zu halten. Die Tendenz des blauen Führers war dabei, etwaige auf dem roten Südflügel befindliche Kräfte, die aus westlicher Richtung weitere Verstärkungen erhalten Tiere besuchen mich nachts. Von Anton Schnack. Bin ich der Heilige Franz von Assissi, dem die Vögel sich auf die Schultern setzten, dem das das lärmende und wilde Rudel der Hunde untertan war, dem die Hasen, Füchse und Rehe in brüderlicher Eintracht durch Wälder und über Gebirgsschluchten folgten, um von seiner gütigen Vaterhand Rahrung und Segen zu erhalten?... Ich sitze in der Rächt des Südens, die Flügeltüren meines Zimmers zur Terrasse, die in die Wildnis eines großen Gartens führt, sind geöffnet, eine laue und schwelgerische Rachtlust streicht zu mir herein, mein Blick und mein Gedanke holen sich Kraft und Frische vom Dee, der dunkel und ungenau in der Tiefe liegt. Ein Licht flimmert von der gegenüber jtarrenben riesenhaften Felswand: es ist ein Haus, das über See und Raum hinweg zu mir herüberglüht. Ich weiß, nun wird es fein, ich höre es, ich fühle es, und plötzlich ist es da: ein verraufter, unheimlicher Tierkopf schiebt sich plötzlich aus der Dunkelheit in den Kegel des Lichts, der aus meinem Zimmer auf die Terrasse fällt. Habe toegt blickt mich ein Hundeauge an, das aus einem zerfressenen und schwärenden Kopfe blitzt. Das Maul klafft ein wenig auf, lauernd, furchtsam oder toll, mit einem einzigen Satze herein- dujagen und mir gegen die Brust zu springen. Hnbeweglich starrt fein Auge, aber ich sehe, es ist das Auge der Angst und der Furcht. Kreatur, Kreatur, geschlagen, verfolgt, getreten, gesteinigt, verhungert und ohne Unter- schlupf, ich weiß, was du willst! Ich weiß, daß du auf dem Suchen nach Rahrung bist, nach einem Brocken Fleisch oder einer Rinde Brot. Run macht das Tier plötzlich einen Schritt, ein weißer Hundeleib steht ganz im Licht, aber fein Auge bleibt unverwandt auf meinem Auge liegen, es hat sich hineingebohrt mit einer rätselhaften Kraft und> bei Gott, ich erblasse vor diesem unbeweglich starken Blick, in dem ebensoviel Verachtung als Qual zu flackern scheint. Erbarmungswürdig und wie an ein Marterholz steter Mißhandlungen und ewigen Hungers gebunden, steht der Hund, der unbekannte, fremde und verkommene, den die Rächt und das Ragen des Hungers auf die Terrasse gejagt haben, im Scheine meines Lichtes. Ich rühre mich nicht: Menschenauge ruht fest in Tierauge. Des Hundes Fell ist verschmiert von Dreck und Staub, die Haut ist mit blutigem Schorf überkrustet und die Rippen heben 'sich in starken Schattenlinien aus der eingesunkenen Tierflanke. Sein Blick ist von einer intensiven und schwermütigen Trauer, der ich mein Auge nicht zu entziehen vermag. Ich fühle, hier ist eine Auseinandersetzung, in der ich unterliegen muß, hier ist eine Anklage, der ich nichts Entlastendes gegenüberstellen kann. Ich fühle, hier bin ich vor den Richterstuhl der Ratur gestellt, die mich verurteilen wird mit ihrem brennendsten Urteil Aber ich fühle auch, hier bin ich nicht als Ich herausgefordert, sondern als Mensch, hier kämpft das Tier mit dem Menschen, hier kämpft ein rätselhaftes, krankes, von Menschen gemartertes und dem Hunger preisgegebenes Tier mit mir, dessen Tisch sich gleich mit Speisen und Getränken decken wird. Hier werde ich besiegt. Hier werde ich verurteilt an Stelle meines Mitmenschen. Aus Hundeauge spricht ein Gottesmund: Quäler, Schänder, Vernichter, Unbarmherziger! Ich sprang auf und rief ihn an: Hund, Kreatur, Freund bleibe, hier sollst du haben, was du brauchst und was du willst! Aber als ich meine Hand hob, sprang das erschreckte Tier mit einem gespenstischen und rasenden Sah in die Tiefe der Gebüsche. Denn das Furchtbarste schien ihm meine erhobene Hand, da er sich hundert erhobener Hände erinnerte, Hände mit Prügeln zwischen den Fingern. Hände mit Steinen, Hände mit Drohungen, grausame Hände, die ihm nur Demütigungen und Schmerzlichkeiten brachten . 3d> weiß, daß ich noch einmal gefordert werde, daß ich noch einmal mich vor dem Angesicht der Kreatur verantworten muß. Ich sitze da, bange Minuten und höre nichts als das Rauschen des Sees und den vollen Flötenton der könnten, auf den Flügel der roten Hauptarmee zurückzuwerfen und stets auf ihrer äußeren Flanke zu bleiben. Daher machte er seine linke Kolonne so stark. Der rote Führer erhielt um 7,30 Hhr vorm. durch Funkspruch einen Armeebefehl, die Höhen von Schwabhausen in Besitz zu nehmen und zu halten. Daraufhin wurde dos 1. (Hess.) Bataillon Infanterie-Regiments Rr. 15 auf Lastkraftwagen auf die Höhen bei Schwabhausen vorgeworfen, die übrigen drei Bataillone über Schilling- ftabt abgedreht und zunächst bis zu weiterer Klärung der Lage zurückgehalten. Der blaue Führer erhielt von dieser Bewegung alsbald durch Fliegermeldung Kenntnis. Später erfuhr er, daß der Feind die Höhen bei Schwabhausen nicht überschritten habe und schloß daraus, daß Rot sich dort zur Verteidigung einrichte. Er entschloß sich daraufhin zum Angriff mit Schwerpunkt links. Das verst. I. R. 13 sollte aus Gegend westlich W i n - d i s ch b u ch das gegenüberliegende Schwabhausen und die Höhe 389 westlich davon nehmen. I. R. 14 wurde auf den Würmbergteald und Schillingstadt angeseht. Dieser Angriff bot eine Fülle lehrreicher und spannender Qlugen- blicke. Die Bereitstellung zum Angriff vollzog sich rasch und planmäßig verhältnismäßig unbehelligt vom Feind. Sehr schnell war die Artillerie der rechten Kolonne, die 2. Abteilung des Art.-Regts. 5 aus -Ulm zur Hand, die außerordentlich wendig nach allen Seiten ihr Feuer jeweils auf lohnende Ziele zusammenfaßte und insbesondere die immer wieder in der Flanke anpackende rote Kavallerie ziemlich zerzauste. Leider läßt sich auch heute noch nicht die Wirkung des Artilleriefeuers überall da sogleich zum Ausdruck bringen, wo es wirksam wird. Zwar sind bei jeder Hebung Schiedsrichteroffiziere und Waffenwirkungsunteroffiziere in großer Zahl eingeteilt, die durch Fernsprecher und Funkgerät verbunden, über die Feuerwirkung von beiden Parteien unterrichtet werden, aber bis die Rachrichten dann bei den wechselvollen Kämpfen in den einzelnen feuerbedeckten Räumen zur Darstellung kommen, ist es oft zu spät. Die Einschläge der feindlichen Artillerie werden durch sogenannte Rauchkörper angebeutet, an denen lein Mangel ist. Die Waffenteirkungsunteroffi- ziere entzünden sie durch einen Reibsah und sie verbrennen unter Entwicklung einer großen, Hellen Rauchwolke. Es war ein dramatischer Augenblick als punkt 12.15 Hhr nachm. auf der ganzen Front der 5. Division mit einem Schlag das heftigste Artillerie- und M. G.-Feuer einfetzte und die Infanterie in lichten Wellen aus den Waldrändern, Geländefalten, Hecken und Gräben, die sich den Augen des Verteidigers verborgen gehalten hatten, hervorstürmten. Aus den beschossenen Höhen sprangen die Rauchsäulen der Artillerieeinschläge auf, der Angriff ging gut vorwärts. Die feindlichen Maschinengewehre und das Abwehrfeuer der Artillerie, das auf Leuchtzeichen einfehte, brachte dem Angreifer aber doch einige Verluste trotz der Auslosung der Infanterie in diele kleine Trupps. Man sieht ja kaum einmal drei, vier Mann beieinander. Schachbrettförmig nach der Breite und Tiefe, QHann für Mann, mindestens auf sechs Schritt auseinandergezogen, so bewegt sich die heutige Infanterie vorwärts: sie läßt da und dort breite Lücken, durch die hindurch die schweren Maschinengewehre den Feind mit ihrem Feuer überschütten. Feuer und Bewegung sind vollkommen im Einklang miteinander gebracht: kein Mann springt vorwärts, wenn nicht der Rebenmann oder das Rachbar- M. G. schießt, die vorwärts gekommenen Teile geben dann wieder den zurückgebliebenen Feuerschutz und so bahnt sich die Infanterie auch durch schweres Abwehrfeuer hindurch den Weg, bis sie mit dem aufgepflanzten Bajonett, die M. G.- Schühen noch im Laufen schießend, in den Gegner einbrechen. Mancher mag das Verschwinden der alten Manöverhöhepunkte, die Attacken geschlossener Kavalleriekörper, das offene Auffahren großer Artilleriemassen bedauern — sie sind unwiederbringlich verloren. Hnd wenn man sich Rechenschaft darüber gibt, es hat doch auch für den Zuschauer einen nicht geringeren Reiz, zu sehen: Rachtzikaden, aber doch fühle ich es wie aus der Tiefe der Rächt sich etwas gegen mich lautlos und schweigsam heranschleicht. Dunkel und schwarz krümmt sich plötzlich ein Kahenleib ins Licht: der Kopf des Tieres ist mir ganz zugewandt, zwei grüne Phosphorpunkte glühen mich glimmernd an, traurig und demütig und fast ein wenig verlegen, steht die Katze im grellen LiÄSstrahl, aber auch sie gibt nicht das Lauernde, Mißtrauische und Anklägerische los. Auch sie hat die Grausamkeit des Menschen an allen ihren zitternden Gliedern erfahren; auch sie schleppt die Funken ihres Lebens durch Verfolgung, Schläge, Steinwürfe und Hunger. Auch sie kennt nichts Gnadenloseres als die menschliche Gestalt, die vor ihr im Scheine eines warmen Lichtes fitzt, vor dampfenden und vollen Schüsseln, die für das Tier alles bergen, was es braucht. Ich fühle es, daß ich vor ihr an Achtung und Vergebung gewinnen muß, was ich vor dem Hunde verloren habe und nicht mehr gewinnen werde. Er hat meine erhobene Hand gesehen und an einen ©teintourf geglaubt, aber diese schwarze, wilde und heimatlose Katze soll mich entbinden von der Verachtung und der Verurteilung, die mir Gottes Auge durch das Auge des Hundes entgegenblißte. Gnade, flüstert meine Seele! Hnd ich nehme von dem gedeckten Tisch die kaum berührten und vollen Schüsseln mit Suppe, Gemüse und Fleisch und stelle sie hinaus in den dämmerigen Lichtkreis. Hnd ich stehe, wieder ins Zimmer zurückgegangen, einige qualvolle und lähmende Minuten aus. Wird mich die Kreatur zurückstoßen? Wird sie mich verachten, die jeden Grund zur Verachtung hat? Wird sie mich zurückschleudern mit ihrer entsetzlichen Furcht und ihrer wilden Flucht vor mir, dem Menschen? Wird sie mich für einen Peiniger halten oder einen Liebenden? Die Katze begnadet mich. Aus dem Dunkeln kommt das schleichende Tier wieder, mit großer Vorsicht, aber von noch größerem Hunger getrieben. Ich sehe sie an die Schüsseln heranschleichen, deren Dust sie betrunken, verwegen und unachtsam machen muß; ich sehe wie das auf der Öerantroortungsfrcubigfeif und Sclbft- tätigkeit des einzelnen Mannes rußt heute zum großen Teil bas Glück ber Schlacht. Jeder einzelne ist auf sich selbst gestellt, uni muß an seinem Platz im scharfen Feuer ein ganzer Kerl sein, wenn der Sieg errungen werden soll. Der denkende Soldat ist ein Produkt des großen Krieges. Ist die Führung der' heutigen Kriegsmittel, die Leitung der vielseckigen Operationen, bei dem ungeheuren Zuwachs ar« Material und der Ausdehnung der Kampftätigkeit in die Luft und auf den chemischen Krieg erheblich schwieriger geworden, so daß ein In- fanteriezugführer heute dieselbe Vorbildung wohl haben muß, wie früher ein Kompagnieführer, so find auch die Anforderungen an den einzelnen Mann wesentlich gewachsen. Ein Mann bedient ein Maschinengewehr, ein Mann fährt einen Kainpftvagen, ein Mann ein Flugzeug, damit ist die Gefechtskraft einem Einzelnen an vertraut, wie sie im Kriege von 1870 eine Kompagnie, eine Batterie oder eine Schwadron mit ihren Hunderten von Menschen und Pferden befaßen. Trotz dieser erwünschten Selbsttätigkeit hat der Gehorsam die Grundlage der Disziplin einer Armee leines- teegs an Bedeutung verloren. Eine Organisation ist ja nur dann zu höchster Wirkung zusammen- zufassen, wenn sie mit allen ihren Teilen und Teilchen reibungslos und mit unbedingter Zuverlässigkeit auf ein Ziel hinarbeitet. Dies ist in vollkommenem Maße nur möglich, wenn der Einzelwllle, die auseinandergehenden Meinungen der untergeordneten Stellen ausgeschaltet Werdern Es ist em hochersreuliches Zeichen für den inneren Wert und die Gesundheit unseres Heeres, daß es gelungen ist, Gehorsam und Unterordnung auf der einen, die Selbsttätigkeit auf der anderen Seite am Leben zu erhalten und zu segensreicher Wirkung zu bringen. Der Ton zwischen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften ist sachlich und forrefl im Dienst, kameradschaftlich außer Dienst. Auf Ausführung aller Befehle wird mit Strenge gehalten, sie werden ohne Widerstreben durchgeführt, das zu sehen, bietet sich seit Tagen Gelegenheit in den vielen Augenblicken, wo der Einzelne unbeobachtet ist, wo eine Paradevorführung für die Oeffentlichkeit ausgeschlossen ist, wie bei den Rachtmärschen und Rachtgefechten. beim nächtlichen Brückenbau, beim Durchschreiten von dichten Wäldern und besonders hinter der Front beim Troß und bei den Rachschubkobonnen. wo das Auge der Vorgesetzten weniger hinreicht. Zurück zu dem Angriff auf die Höhen von Schwabhausen. Bei einem <5tab meldet der Fernsprecher aus der vorderen Linie „Rot räumt die Stellung" Dies ist das Signal zum sofortigen Verlegen des Gefechts st andes. Die Melder, Radfahrer, Meldehunde, Fernsprech- und Dlinktrupps setzen sich in Schützen rudeln in Bewegung, der Kommandeur galoppiert mit feinem Adjutaicken und Rachrichten-Offizier, geschickt das Gelände zur Deckung ausnützend, vor, um rechtzeitig seine Kompagnien mit neuen Weisungen zu versehen. Das gelingt: Schwabhausen und die benachbarte Brauerei werden genommen, weiter westlich wird vorn Inf.-Regt. 14 der weitausgedehnte Würrnbergwald durchstoßen. Rot geht weiter zurück auf die Höhen nördlich Schwabhausen und südlich Schilling stadt. die von neuem angegriffen werden müssen. Die Hmgruppierung der Artillerie erfordert Stunden, am linken Flügel sind besonders fchwere Kämpfe zu erwarten, da die von zwei roten Bataillonen besetzte Höhe 390 auf 2 Kilometer hin das ganze Angriffsfeld beherrscht. Rach mehreren Stunden erst kam Blau in Besitz dieser Höhe, während der rechte blaue Flügel durch einen überraschenden Gegenstoß der Potsdamer Grenadiere zurückgeworfen wurde. Damit schloß um 3,30 Hhr nachm. der letzte Divisions- Manövertag. Er sollte auf der einen Seite die Kraft der Verteidigung erweisen, auf der andern dieSchwie- rigfeiten eines planmäßig vorzubereitenden Angriffs, der in 2 Zeitabschnitten die feindliche Vorstellung und die feindliche Hauptstellung zu zerschlagen hatte. Der Tag bewies in dec Tat, daß auch eine unterlegene Truppe in durchschnittenem Gelände sehr lange Aufenthalt bereiten und mit Mißtrauen sich um einen Schatten in ihrem Auge verringert, wie sie sich mit sicherem Zuschnappen ein Stück Fleisch aus der Schüssel holt und mit ihm ins Finstere schleicht. Ich sehe sie immer wiederkehren und mit ihr kommt plötzlich eine zweite, etwas hellere und graue Katze, die sich ebenfalls mit ergreifender Verwegenheit in den Dampf der Schüsseln stürzt. Run weiß ich, vor diesen Tieren bin ich entsühnt. Vor diesen Tieren habe ich das Auge Gottes milder und vertraulicher gemacht. Hnd sie kommen jede Rächt, schweigsam, lautlos, um von mir das zu nehmen, was ihnen der grausamere Mensch entzieht und verweigert. Henkerp^lichlen«. In jenen Zeiten, da noch jede Stadt, die das Recht des Strafvollzuges besaß, sich einen Henker hielt, war der Rachrichter eine bekannte Persönlichkeck, für deren Rechte und Pflichten genaueVorschrif ten bestanden. Der Henker lebte in einem abgelegenen Viertel ganz für sich; mit ihm als einem „Hnehr- lichen"ging kein Bürger um; er mußte sich aber feine Einkünfte, die er zum Teil in Raturalien erhielt, auf seine Gefahr verschaffen. In dem soeben veröffentlichten »Roten Buch" der französischen Stadt Langres finden sich genaue Angaben über die Pflichten des Henkers dieser Stadt im 16. Jahrhundert. Außer feiner besonderen Tätigkeit bei ber Bestrafung der Schuldigen hatte er noch die Aufgabe, einmal in der Woche die Brunnen zu reinigen, aus denen die Pferde tranken; dann hatte er sich zu vergewissern, ob die Mauern in gutem Stande seien. Dafür erhielt er eine bestimmte Menge von jedem Sack Getreide, den die Bauern der umliegenden Dörfer auf den Markt brachten. Auch andere 'Rdf)- rungsmittel standen ihm in bestimmten Mengen zu; es war ihm aber bei Androhung bet Prügelstrafe streng verboten, mit ber Hand Eier, Butter und Früchte zu berühren, die ihm von den Bürgern geliefert werden mußten, und da dieses Verbot sich auch auf seine Familie erstreckte, so mußte er im mer einen „nicht unehrlichen" Gehilfen haben, ber den Verkehr zwischen ihm und bet bürgerlichen Welt vermittelte. gelegt, daß die Schüler erst etwa eine halbe Stunde vor Hnterrichtsbeginn hier ankommen und alsbald nach Schulschluß wieder heimfahren ic kullert, von i rgendwoher hallen Schülerzugverkehrs nach und ein; er wünschte die Züge auf allen von Gießen Strecken so werde. In FahrplcmKonferenz in Gieren. Anerkennenswerte Zugeständnisse der Reichsbahn. der anschließenden Aussprache srch der Gewaltige zu ganzer Gröhe auf. das Schrelauge kullert, von i rgendwoher hallen Donnerschläge. „Maul halten! Umziehen! Marsch!" können. Ferner bat er um Ausbau des Ra h- Verkehrs durch Triebwagen, evtl, auch für die Schülerbeförderung, und erweiterte Geltung der Sonntagskarten. Das wären die wichtigsten Eisenbahnwünsche der Stadt Gießen, für deren Erfüllung man dankbar sein der Eindruck aller Sachverständigen unter den Zuschauern und der Pressevertreter, denen von der 5. Division in dankenswerter Weise während der Manöver Gelegenheit zur Verfolgung aller Einzelheiten der Hebungen geboten wurde. Auch die Zuschauer wurden an allen Tagen in liebenswürdigster Weise an die besten Hebersichtspunkte geführt und waren auch immer in großer Zahl herbeigeeilt. Der letzte Divisions-Manövertag erhielt ein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des Oberbefehlshabers der Gruppe 2, Generals der Infanterie Reinhardt, der seine alte 5. Division, wohin er kam, in seiner frischen, echt soldatischen Art begrüßte. General Reinhardt wird nun die Manöver der 5. südwestdeutschen gegen die 7. bayrische Division leiten, die sich zwischen Mergentheim und Würzburg abspielen werden. bindung von Fränkfurt nach Gießen auf 10,23 Hhr abends vorrückt. Der Theaterbesuch in Frankfurt wird dadurch für Gießener Interessenten unterbunden, weil nunmehr das Erreichen des letzten Zuges in Frankfurt durch die viertelstündige Vorverlegung der Abfahrt noch viel schwieriger wird, als bisher, ja sogar unmöglich, wenn man die Aufführungen bis zum Schluß genießen will. Es wäre zu prüfen, ob die Ab- fahrt des letzten Zuges von Frankfurt nicht doch später stattfinden kann. Sollte das mit Rücksicht auf Anschlüsse nicht möglich sein, so wäre zu veranlassen, daß der Personenzug 7 0 9, der jetzt um 11.05 Hhr abends in Frankfurt abfährt, aber nur bis Friedberg geht (dort an 12.18 Hhr) b is Gießen durchgeführt wird, evtl, aus Ersparnisgründen ab Friedberg als beschleunigter Personenzug mit Halt in Dad- Rauheim, Butzbach und Gießen (Endpunkt). Wünschenswert ist auch, dem P z. 70 4 (werktags) a b Gießen 4,0 0 Hhr früh in Frankfurt Anschluß an den beschleunigten Personenzug ab Frankfurt 6,23 Hhr vorm. zu verschaffen. Der Redner trat weiter für D e r b e f s e r u n g des Redakteur Blumschein. Gießen, bezeichnete die von Regierungsrat Dr. A o e s n e r. Darmstadt, vorgeschlagene Hmlegung des O-Zug- paares Hanau—Bebra über Gießen-^Kassel als nicht empfehlenswert. Die Städte an jener Strecke würden dadurch stark benachteiligt, und sie würden sich kräftig wehren. Man solle lieber die Züge auf der Strecke Frankfurt—Gießen beibehal- ten, die jetzt schon gut eingeführt sind. Man wisse, was man habe, es sei aber unbekannt, was man Wiedererhalte, wenn eine eventuelle Hmlegung später wieder rückgängig gemacht werde. Ministerialrat G e i b e l, Darmstadt, erklärte, daß nach der Auffassung des Hessischen Finanzministeriums die Schädigung der Provinz Ober- Hessen durch die geplante Zugeinschränkung größer sei, als die von der Reichsbahn erzielten Ersparnisse. Die Reichsbahn müsse unbedingt Rücksicht nehmen auf die Verhältnisse, und sie müsse zu Kompromissen geneigt sein. Das OZugpaar 191/192 müsse auch im Winter in Dad-Rauheim halten. Die von Dr. R o e s n e r, Darmstadt, vorgefchlogene Hmlegung des V-Zug- paares Hanau—Debra über Gießen—Kassel sei sehr schwierig. Der Fahrplandezernent Oberbauvat Pitz dankte den Rednern für die sachliche Behandlung der einzelnen Fragen. Er ging dann eingehend auf das Referat von Redakteur Blum schein ein und betonte, daß die Reitbahn durch den anhaltenden Verkehrsrückgang leider gezwungen sei, Derkehrsbeschränkungen eintreten zu lassen. Cs sei nicht böser Wille, wenn nicht aille Wünsche erfüllt werden könnten. Die Reichsbahndirektion stelle genaue Erhebungen über die Benutzung der Personen- und Schnell- AÜge an, und sie müsse alle Züge, bei denen infolge ungenügender Inanspruchnahme die Kosten nicht gedeckt würden, ausscheiden. Prinzip sei, mit wenig Zügen viele Wünsche zu erfüllen. Die Reichsbahn sei jedoch bereit, die O-Züge 2 75/276 (ab Frankfurt 5.12 Hhr nachm., an Gießen 6.42, bzw. ab Gießen 1.06 Hhr mittags) entgegen dem Entwurf int Winterfahrplan fort besteh en zu lassen. Die sog. Bäderzüge mühten leider im Winter fvrtfallen, da sie über Kassel hinaus nicht ausreichend besetzt seien. Einige andere V-Züge nach Hamburg bzw. Berlin mühten notgedrungen ebenfalls wegen mangelnder Besetzung jedes einzelnen Zuges bis Kreiensen zusammen« gelegt werden, jedoch würden direkte Wagen nach Berlin eingestellt, damit das Hmsteigen erspart bleibe. Die Weiterführung des Spät- abend-Pz. 709 von Friedberg nach Gießen werde wohlwollend geprüft werden. Hinsichtlich des Schülerverkehrs lasse sich im Augenblick leider nichts anderes machen, die Züge seien aber meist schon günstig gelegt. Triebwageneinstellung sei nicht möglich, da solche Wagen hier nicht vorhanden seien. Hinsichtlich der Sonntagskarten seien neue Anordnungen getroffen. Beigeordneter Kling-Bad-Rauheim wies darauf hin. daß das Däderzugpaar nicht nur wegen der Badegäste, sondern auch im allgemeinen Interesse notwendig sei und daher auch im Winter geführt werden müsse. Oberbaurat Pitz hält die Erfüllung dieses Wunsches zur Zeit für unmöglich. Hieraus sprach Redakteur Blumschein- Gießen in Fortsetzung feines Referats über den Verkehr in dec Provinz Oberhessen. wobei er nur die Hauptstrecken behandelte, im übrigen aber den örtlichen Vertretern als sachkundiger den Vorrang bei der Vertretung ihrer Forderungen liefe. Ter Redner trat zunächst dafür ein, daß der Pz. 557 Gießen- Alsfeld— Fulda ((ab Gießen 3.36 Hhr nachm.), der ab 3. Oktober nur noch an Werktagen gehen solle, auch im Sonntagsverkehr beibehalten werde, ebenso auch der Zug 562 Fulda— Alsfeld— Giefeen (ab Fulda 1.20 Hhr mittags). Weiter sei notwendig, daß ein späterer Zug von Fulda nach Gießen durchgeführt werde. Redner^ schlug vor, den Pz. 560, der jetzt von Fulda 7.20 Hhr abends nach Alsfeld gehe und dort 8 Hhr 40 Min. ankomme, bis Gießen durchzuführen. Ferner empfahl der Referent, die Pz. 505 und 513 aus der Strecke Giefeen — Gelnhausen, entgegen dem Fahrplanentwurf, fernerhin auch Sonntags zwischenRidda und Gießen durchzuführen. desgl. den L. 516, der 10 Hhr 43 abends ab Gießen bis Hungen fährt, bis R i L d a verkehren zu lassen. Ebenso sei der Pz. 4188 der Strecke Schotten — lichen Verhältnisse bedingt. Diesen Hmständen müsse man wohl auch durch Ermäßigung der Fahrpreise Rechnung tragen. Hierauf referierte Redakteur Blumschein vom „Gießener Anzeiger", stellv. Vorsitzender des ver- kehrspolitischen Ausschusses des Gießener Verkehrs« vereine, im Namen der Stadt Gießen über die Beschwerden und Dünsche zum Dlnlerfahrplan 1926/27. Der Redner betonte zunächst, daß er volles Verständnis für die finanzielle Lage der Reichsbahn habe, er forderte aber andererseits eine gleichmäßige Verteilung der Einschränkungen und eine gerechte Berücksichtigung der ®ünfd)e Oberhessens, die nicht ohne weiteres unter ben £ifcfe fallen dürften, hierauf wandte er sich im einzelnen zuerst den geplanten Zugeinschränkungen auf der Hauptstrecke Frankfurt—Gießen zu, worüber er u. a. bemerkte: Es ist notwendig, daß das v.Zugspaar 191/192 Hamburg- Frankfurt—Bafel, ab Frankfurt 11.29 abends bzw. ab Kastel 2.33 Uhr nachts, das jetzt Gießen durchfährt, HaltinGießen bekommt, damit die ober- hessische Provinzialhauptstadt, der Eisenbahnknoten« punkt Gießen an diesen Dienst mit wichtigen Aus« landanschlüssen in Nord und Süd angeschlossen wird. Bedauerlich ist der Fortfall des F r u h m o r g e n - v.Zuges 78 aus Hamburg, ab Gießen 5.42 Uhr nach Frankfurt: man wird sich damit aber ab» finden. Schmerzlicher ist, daß der v - Z u g 1 8 0 v o n Berlin, ab Gießen 7.31 Uhr früh nach Frankfurt, durch Zusammenlegung mit D 7 6 von Hamburg ebenfalls fortfällt. Wenn keine andere Entscheidung mehr möglich ist, möge wenigstens dafür gesorgt werden, daß man mit dem D 76 in Frankfurt guten und sicheren Anschluß noch Mainz erhalte. Gänzlich unverständlich ist die im neuen Fahrplan-Entmurf vorgesehene Streichung des O-Zugpaares 2 7 5/276 Frankfurt—Gießen— Hagen—Dortmund, D 2 75 ab 5.12 Ufer nach, mittags Frankfurt, an Gießen 6.42 Uhr, D 2 7 6 ab Gießen 1.06 Ufer mittags. Beide Züge weifen stets eine sehr gute Besetzung auf, sie sind also rentabel, für Gießen aber von höchster Wichtigkeit. Im Hinblick auf diese Tatsachen bat der Redner die Reichsbahn dringend, von einer Streichung dieses V-Zugpaares unter allen Umständen abjufefeen und Gießen und Dberfeeffen diese wich- tige Verbindung zu erhallen. Unverständlich findet man auch den vorgesehenen Fortfall des D - Zugpaares 27 / 28 (sogenannte Bäderzüge), ab Frankfurt 11.53 Hhr, ab Gießen 1.25 Hhr mittags nach Derlln, bzw. an Dießen (von Berlin) 5.28 Hhr nachm., ab nach Frankfurt 5.37 Hhr nachm. Auch dieses Zugpaar ist stets gut beseht es rentiert also. Es sollte deshalb beibehalten werden. Den Fortfall nachstehender Züge wird man bedauern, man muß sich aber angesichts der Lage der Reichsbahn damit absinden: D 8 2 (von Hagen) ab Dießen 9.58 Hhr abends nach Frankfurt, D 128 ab Gießen 5.4 4 H fe r nachm. nach Koblenz, D 81 (von Frankfurt) ab Gießen 8.40 nach Hagen D 75 (von Frankfurt) ab Gießen 10.18 Hhr abends nach Hamburg. Zu bedauern ist, daß durch die Zusammenlegung des D 77 und des D 179, ab Frankfurt 10.23 bzw. 10.36 Hhr abends, über Gießen nach Hamburg bzw. Berlin der Zug 10.3 6 Hhr abends ab Frank- furt fortfällt, wodurch die letzte Der- wieder, aber gerade an dem Tage seiner An- kunft — Zufall! — verließ die Harfe als Gattin eines amerikanischen Steuermanns die Stadt Rewcastle vn Hunter. Der schwer Enttäuschte heiratete aus Verzweiflung die Inhaberin eines Limonadeladens. Er wäscht dort heute noch die Gläser. Den Kopf voll von Erwägungen, ob es wohl das Richtige gewesen fei. der Tante Marie zu opponieren, kriecht man in die englische Leder- - blaue Flanellhemb. in den Troyer, zieht sich die Pudelmütze über die Ohren, gürtet bas breite Scheidemesser „um die Lenden". Der- wandlungsschauspieler. Oder bist du nun See- mant>L a l°n§L’ lonx way to Tipperary... Ich bin der Erste an Bord. Die anderen Jungens (es kommen noch sieben) feiern ver- A- .Pauli Abschied. Mutterseelenallein an Deck. Einige Matrosen vollbringen in der 'Takelage em geheimnisvolles Weck. Soll ich zu dem Mann in blauem Jackett gehen, ihn fragen... Da kommt er schon. Schwer und wiegend ist sein Gang. Er gibt mir ein Gewirr von Manilahanf, befiehlt. Bändsel daraus zu schneiden. Bändsel? O Cicero und Tacitus! Was sind Bändsel? Ich habe das Schlachtmesser in der H^nd, von der Stirne heiß... trotz der Dezemberkalte, ich weiß nicht, was ich anfangen fall, und ziehe es einstweilen vor, ehe ich eine Dummyeit begehe, mit martialischen Gebärden in dem Manilaknäuel zu wühlen. Der Koch, ein alter grauer Knabe mit lustig Plinkernden Augen, schlampt übers Deck. Bleibt N^.,,Junge- bring dich nicht um", sagt er. vsch lüfte höflich meine Pudelmütze, frage, was ein Bändsel ist. Der Koch schmeißt sich in die . V>ird zwei Zentimeter größer dieser lange Mann, bekennt er still bei sich, weiß wenig- stens was sich gehört, und dann seht er mir herablassend auseinander, was ein Bändsel ist 5Mtig schneidet das Messer draus los Aber nicht wahr, man kann solch einen Käsedolch nicht banbfeaben toenn man bisher nur Obst geschält unb Jkiftiffe gefplfet hat. Mit Grandezza saus die scharfe Klinge in den Daumen. M blick' ich zur Seite, wickle das rote Taschentuch um den gottsjämmerlich blutenden ~ 6amiel 'N der Wolssschlucht! «■ btt ©teuennann aus dem Kabelgatt heraus ich? Wahrscheinlich. Der Steuermann, er ist doch ein guter Kerl. verhöttnlsmähia geringen Verlusten bann doch noch den geschickt verschleierten Rückzug antreten kann. So war es dem Badischen I. R. 14 z. B. lange verborgen geblieben, daß das 3. Bat. I. R. 15 die Höhe 390 geräumt hatte, weil einzelne Maschinengewehre. bis zuletzt aus zahlreichen Wechselstellungen schießend, aushielten, während die Masse dos Feindes längst zurückgegangen war. Die Beweglichkeit des Verteidigers. der wiederholt seine Kräfte verschob, erschwerte dem Angreifer die Arbeit außerordentlich. Der Enderfolg wurde nur unter Einsatz aller Kraft errungen und die Truppe wäre wohl zur Fortsetzung der Verfolgung an diesem Tage nicht mehr fähig gewesen. Wie die vorhergehenden, so zeigte auch der letzte Tag der Divisions-Manöver Führer und Truppe auf der Höhe ihrer Aufgabe. Dies ist Die Viermastbark lag am Kirchenpauerkai. ®tn Riesenkasten. Damals eins der größten Segelschiffe, die unter deutscher Flagge fuhren. Ich stand davor, ganz klein und häßlich, und starrte hinauf zur Royalraa. Hatte meine Tante Marie mÄt recht, die. als sie hörte, ich wolle zur See gehen, rund heraus erftärte: .Er ist wahnsinnig!" Hatte sie nicht recht? Meine Zensur im Turnen war stets eine Fünf mit Stern gewesen. Es gab '• nn5, grauenhaftere Angelegenheit als etnen Riesenschwung am hohen Reck. Und nun follte ich freihändig, auf schaukelndem Kahn, zu dieser Kirchturmhöhe emporllimmen und da oben womöglich auch noch arbeiten? Alle guten Geister loben Gott den Herrn. Vielleicht konnte man sich drücken. Beim Riesenschwung hatte ich das auch immer getan. , rf jedenfalls gab es kein Zurück. Sich auslachen lassen bei Apfelkuchen mit Schlagsahne? Danke! Allt einem Heldenmut, der Gelassenheit vor- spiegeln soll, balanciere ich über den Landungssieg. Ein Mann in blauem Jackett. Zwirbelbart und mit fürchterlich schielendem Auge, brüllt- Was wollen Sie hier?!" Sanftes Einknicken in öle Kniekehlen, dann freundlich lächelnd.- Ich bin der neue ...Weiter geht's nicht Der Mann mit öem schielenden Auge grinst übers ganze Gesicht teuflisch, würde es in einem Roman feeifeen und betrachtet das Häuflein Hnglück von oben herab. Mensch, willst du den Stillen Ozean unsicher machen!?" Du, hat er gesagt. In Ober- sekunda wurde man „Sie" angeredet. Aurea prima.... Zu einer Antwort langt's nicht Der Steuermann denn der ist's, tritt einen Schritt nafeer bejufelt sachkundig meinen Bizeps oder oirimebr das, was an Stelle des Bizeps (Fünf E xtern) ein beschauliches Dasein führt. Er *än IWt man uns an yorö! - „Verzeihen Sie," wage ich einzuwenden. „ich werde mit der Zeit .Da richtet gibt mir lächelnd ein Endchen Leukoplast, und vergnügt schneid' ich weiter, bis der Koch zu» Essen ruft. 2lm Abend hat sich die ganze Korona im Mittschiffslogis versammelt. Wir sind acht Jungens und vier Leichtmatrosen, darunter de» MieSmacher aus dem Eisenbahnabteil. Die Leichti matrosen hallen sich würdig zurück und bilde» einen Verein für sich, denn mit so grüne» Bengels, wie wir sind, können die nicht bet« lehren. Das Logis ist eine Qualmhölle. Alle • schmoken, selbstverständlich aus kurzen Pfeifen wie es einem Seemann ziemt. Einer nach denk anderen wird bleich und erflärt: dieser Tabat tauge nichts. Schließlich stellt sich heraus, daß überhaupt kein rauchbarer Tabak an Bord ist Cs werden Lieder gesungen, Lieder von bei, Reeperbahn, die sie vor ein paar Stunden zuw erstenmal gesehen haben. Alle sind furchtbar wilde Gesellen. Der eine war Rechtsanwalts^ fchreiber, der andere hat Kaffeebohnen abgc* ü>t>gen, der dritte lammt aus Obersekunda, der vierte... wie gesagt : alles wilde Gesellen. Hub X orullen den Refrain, und sie schlagen mit den Fausten auf den Tisch, bis die Kehlen raufe werden. Da nimmt einer von den Leichtmatrosen die Mundharmonika und bläst: „Behüt dich Gott, es wär fo. schön gewesen..." Ganz still ist cs rundum, die 'Bänke vor den glatten Holztifchen werden leer, die wilden Gesellen haben sich in wre Kojen verkrochen, zuweilen geht ein leises Schluchzen durch den Raum. Dann wird das Licht ausgemacht, und einer erzählt im Dunkeln haarsträubende Geschichten von Sturmwetter in Schnee und Eis drunten beim Kap Horn, von der Faust des Steuermanns, von Erbsen und Dohnen ohne Fleisch, vom Löschen der Kohlenladung in der Wüsteuglut des chilenischen Rordens. Der Kerl ist ein Barbar. — Hnd wie geht die Geschichte nun weiter? Auf den ersten folgten viele Hunderte von Tagen. Ein paar der wilden Gesellen hat der O^ean verschluckt. Schadet Nichts, werden sie im Himmel sagen, lieber so gestorben, als Rechtsanwalts- schreiber bleiben sein Leben lang, und wie schön war es im Passat! dankte zunächst Beigeordneter Dr. Frey als Vertreter der Stadt Gießen der Reichsbadndirektion für die Möglichkeit der Besprechung dieser Ver- kehrssragen. Er bezog sich im übrigen auf die fach- kundigen Ausführungen des referierenden Vorred- ners und äußerte noch einige Wünsche bezüglich besserer Anschlußuerbindung mit Mainz sowie hinsichtlich des Schülerverkehrs. Der Vorsitzende des Hessischen Verkehrs- verbandes, Kaufmann Stemmer (Darmstadt) gab der Ansicht Ausdruck, daß die Reichs- bahnoerwaltimg mit den im Winterfahrplan vorgesehenen Streichungen von Zügen nicht durch- bringe. Er hält die Lebens Möglichkeit Ob er Hessens bei einem derartigen Fahrplan für ausgeschlossen. Die Streichungen im Winterfahrplan 1926 hätten zur Folge, daß einzelne Orte zehn Stunden ohne jede Zugverbindung seien. Der Geschäftsführer des Hessischen Verkefersver- bandes, Regierungsrat Dr. R o e f e n e r (Darrn- ftobt), bezeichnete es als dringend notwendig, daß auf der Strecke Frankfurt —Gießen ein drittes Schnellzugpaar eingelegt wird. Dies sei ohne besondere Schwierigkeit in der Weise möglich, daß das bestehende Ü-Zug-Paar Hanau—Bebra— Hamburg über Frankfurt—Gießen —Kassel umgelegt werde. Kommerzienrat Langsdorf (Friedberg), Präsident der Handelskammer Friedberg, wies darauf hin, daß kaufmännischer Geist sich nicht durch übermäßige Verkehrseinschränkung bemerkbar machen dürfe. Redner hält Butzbach bezüglich der Zugoerbindung besonders schlecht gestellt, ja, noch schlechter als ein Dorf in Ostpreußen. Er sprach die Befürchtung aus, daß durch die ungünstigen Derkehrsverhältnisse der Autoverkehr zukünftig der Reichsbahn schwere Schädigungen zufügen werde. Bürgermeister Dr. Völsing (Alsfeld) wünschte kerne Früherlegung des 7.58 Ufer vormittags ab Gießen nach Frankfurt gehenden O-Zuges, weil dann die Reisenden der Strecke Fulda—Gießen den Anschluß nicht mehr erreichen könnten. Oberregtcrung8rat Dr. Heß. Gießen, als Vertreter der Provinzialdirektion Oberhessen wies daraus hin, daß nur derjenige Kaufmann Erfolg habe, der am besten und billigsten liefere. Rach diesem Grundsatz müsse auch die Reichsbahn verfahren. Sie dürfe sich den Klagen des Publikums nicht verschließen. Kommerzienrat Schirmer, Gießen, emp- fahl, den Schülerverkehr durch Einlegung von Triebwagen zu verbessern. Landtagsabgeordnete Frl. Birnbaum, Gießen, bat, die kulturellen und wirtschaftlichen DerkehrSbelange zu berücksichtigen, und riet, sich eventuell auf die vom Hessischen Derkehrsverband vorgctragenen Wünsche zu einigen. f. Auf Einladung der Reichsbahndirek- tio n Frankfurt a. TR. fand am Samstag- vvrmlltag im Stadtverordneten-Sitzungssaale in Gießen eine Konferenz zur Erörterung der Einschränkungen im Winterfahrplan der Reichsbahn statt. An der Zusammenkunft nahmen teil Oberbaurat Pitz, der Fahrplandezernat der Reichsbahndirektion Franifurt a. M.. als Verhandlungsleiter, Ministerialrat G e i b e l als Referent für Verkehrswesen im Hessischen Finanzministerium, die Landtagsabgeordneten Frl. Birnbaum, Dr. Keller und Mann, Oberregierungsrat Dr. Heß (Gießen) als Vertreter der Provinzialdirektivn und des Kreis- amtes Giefeen, Vertreter der oberhessischen Kreisämter, Beigeordneter Dr. Frey als Der- tteter der Stadt Gießen, die Bürgermeister bzw. Beigeordneten einer Reihe oberhessischer Städte, die Präsidenten der Handelskammern Hetzen und Friedberg, Kommerzienräte Schirmer (Gießen) und Langsdorf (Friedberg), der Hessische Verkehrsverband Darmstadt, der Ver- kehrsverein Gießen und eine Reihe sachverständiger Herren. Oberbaurat Pitz von der Reichsbahndirek- tion Frankfurt begrüßte zunächst die Erschiene- neu. erläuterte dann kurz den Zweck der Sitzung und wies daraus hin, daß die Reichsbahndirektion sich nur schwer zu den im Winterfahrplan vorgesehenen Einschränkungen habe entschließen können. die lediglich durch die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt seien. Kommerzienrat Schirmer (Gießen), als Sprecher der Handelskammern Gießen und Friedberg. gab dem Danke der Kammern für die Einberufung dieser Sitzung und der Hoffnung Ausdruck, daß die berechtigten Wünsche Ober- Hessens bei bet Reichsbahndirektion Gehör finden, um so mehr als Oberhessen seither im Gifenbahnverkehrswesen recht stiefmütterlich behandelt worden fei. Oberbaurat P i tz legte dann an Hand der Derkehrsstatistik dar, daß der Eisenbahnverkehr im Sommer 1926 gegen 1925 wesentlich zurückgegangen ist. Im Sommer 1925 wurden im Bezirk der Reichsbahndirektivn Frankfurt a. TR. in Schnell- und Eilzügen rund 16 000 Fahrgäste befördert, gegenüber 13 600 im Sommer 1926. Die Zahl der in Persvnenzügen beförderten Fahrgäste betrug im August 1925 ----- 94 000. im Mai 1926 . dagegen nur 84 000. Der hierdurch entstandene Rückgang der Einnahmen hätte auS Rücklagen L der Vorjahre gedeckt werden müssen, was aber auf die Dauer unmöglich sei. Die Reichsbahn < müsse, wie jedes kaufmännische Hnternehimen, die Ausgaben mit den Einnahmen in Einklang bringen, was nur dadurch möglich sei. daß Züge, die eine Rentabilität nicht aufweisen, ausfallen. Weitere Einschränkung sei notwendig, zumal der Ausflüglerverkehr im Winter sich wesentlich vermindere. Kommerzienrat Schirmer, Präsident der Handelskammer Giefeen. betonte, es sei selbstverständlich, dafe aus finanziellen Gründen Einschränkungen erfolgen mühten, er wies aber auf die hierdurch eintretende Schädigung des Kauf- mamiSstandes hin. Die schlechten Verkehrsvev- haltnisse seien durch die ungünstigen wirtschaft- Mein erster TaganBörd. Von Waldemar Keller. Es ist schon lange her, aber eS haftet in der Erinnerung. Auf meinen ersten Schultag kann ich mich durchaus nicht besinnen, wohl deshalb, weil ich mir nie viel aus der Schule gemacht habe. Mein erster Tag an Bord ruft sich so leicht ins Gedächtnis zurück, als ob selldem nur eine Rächt vergangen wäre. Die Obersekundanermütze hatte ausgelitten unter den wütenden Stichen eines schartigen Küchenmessers. Kurz vor Weihnachten war's. Der Zug nach Hamburg ging in aller Herrgottsfrühe, durch den finsteren Dezembermorgen tastete ein Sechzehnjähriger nach dem Bahnhof, sah an den Hausern empor, von trüben Gaslaternen feier und da angehaucht, und stets von neuem sagte er sich. Dies alles wirst du vielleicht, vielleicht nie toieöer schauen. Abschiedsschmerz? Aber nein! Ein übermütiges Spielen mit dem Gedanken, daß am Ende dieser Sprung in die Weite... Ra ja! Wenn schon. In der dritten Klasse des Personenzuges saß außer mir nur ein junger blonder Mensch müde in der Ecke. Hinter Helzen wachte er auf. wir kamen rns Gespräch, und es ergab sich, daß er auf demselben Schiff angemuftert hatte. Zufall, sagt man. aber ich glaube nicht daran. Dies war ein letzter Versuch des Schicksals, mir ein Dein zu stellen. Denn der junge Mann hatte bereits eine große Reise hinter sich und erzählte haarsträubende Geschichten. Von Sturmwetter in Schnee und Eis. drunten beim Kap Horn, von der Faust des Steuermanns, von Erbsen und Dohnen ohne Fleisch, vom Löschen der Kohlenladung in der Wüstenglut des chilenischen Rordens, und hätte ich nicht dies alles und tausend schrecklichere Dinge seit Jahren aus den Büchern gekannt, mir wäre schließlich dabei schlecht geworden. S,) aber Bestätigung aus erster Hand, sagte ich mir. Fein! Das gibt^s also. Der andere, der die Seefahrt schon „dick" hatte und eine neue Reise nur deshalb antrat, toeit er sonst nichts zu beginnen wußte, erklärte mich für einen Idioten. In Australien versiebte er sich später in eine Rurse, versprach, wiederzu- rammen und sie zu heiraten. Er kam auch QI < b 6 n, jetzt Sonntags ab Schstten 7 abends, auch für den Winter auf dieselbe Zeit wünschenswert, um den Wintersportlern die Möglichkeit zu geben, später als im Entwurf vorgesehen, von Schotten zurückfahren zu können. Auch die Einführung von beschleunigten Persvnenzügen sei auf den Strecken Gießen—Fulda und Gieben—Gelnhausen wünschenswert. Regierungsrat Tr. Roesener-Darm- st a d t ist der Auffassung, dab die Einschränkung des Sonntagsverkehrs die Verbindung zwischen Stadt und Land stark gefährdet. Er brachte noch einige andere Wünsche bezüglich Oberhessens vor. Landlagsabgeordneter Dr. Keller (D ü - dingen) wies besonders auf die schlechte Verbindung auf der Strecke Gießen—Gelnhausen im Büdinger Vezirk hin, die es nicht ermögliche, einen v.Zug nach Frankfurt zu benutzen. Bürgermeister Dr. Völsing (Alsfeld) betonte mit Vachdruck, daß der Sonntagszug 3.36 Tlhr ab Gießen über Alsfeld nach Fulda nicht nur für sportliche, sondern in hohem Maße auch für wirtschaftliche Belange der Städte und Dörfer an dieser Strecke notwendig sei. Die Verbindung A lsf el d—H ers f el d sei auch sehr trostlos und dringend verbesserungsbedürftig. Dr. Weimer (Büdingen) ergänzte die Ausführungen Dr. Kellers bezüglich der Wünsche von Büdingen. Beigeordneter Kromm (Schotten) er- wartet, von der Reichsbahn weitgehendes Ent- gegenkonnnen bezüglich der Wünsche in Ober- Hessen. Oberbaurat P i tz wies auf die Schwierigkeit der Erfüllung der geäußerten Wünsche hin, und betonte, daß der Verkehr in Oberhessen begreiflicherweise geringer sei, als in der dichter besiedelten Jndustriegegend. Der Zugverkehr müsse nach den Bedürfnissen eingestellt werden. Die Sonnlagszüge werden nach Möglichkeit verbessert. Hieran schloß sich ein ausgedehntes, etwa zwei Stunden währendes rednerisches Ringen mit dem Reichsbahnvertreter über die Beibehaltung des Zuges 5 5 7 nach Alsfeld— Fulda, ab Gießen 3.36 Mr, auch an Sonntagen, der im Winterfahrplan nur für Werktags vorgesehen war. Bürgermeister Dr. Völsing (Alsfeld), KreiLdirektor Dr. Michel (Lauterbach). Redakteur Blum schein (Gießen), Bürgermeister Walz (Lauterbach), Kaufmann Stemmer (Darmstadt), Dr. R o e° Tenet (Darmstadt), Kommerzienrat Schirmer (Gießen) und andere traten wiederholt nachdrücklich für die Beibehaltung dieses Zuges an 'Sonntagen ein. Auch Ministerialrat (Seibel (Darmstadt) sprach sich dafür aus. Vach starker Selbstüberwindung seiner Bedenken sagte Oberbaurat P i h dann auch zu, daß dieser Zug auch für den Winter als Versuch im Fahrplan verbleiben solle. Die Wünsche hinsichtlich des Verkehrs V i d d a— © ießen waren durch einen neueren Erlaß der Reichsbahndirektion in bet Hauptsache bereits erfüllt; hinsichtlich des Pz. 513 konnte nicht eickgegengekommen werden. Das Ergebnis der Bemühungen um Verbesserungen des Fahrplans für Oberhessen gegenüber dem Entwurf ist nun wie folgt zusammenzufassen: Die v-Züge 275/276 Frankfurt-Gießen—Dortmund werden nicht gestrichen, sie bleiben erhalten. Damit ist Gießen die gute Mittagsschnellzugverbin- dvng 1.06 Uhr nach Frankfurt, ebenso die vorteilhafte Rückfahrverbindung 5.12 Uhr ab Frankfurt weiter geftd)ert. Der Nachmittagszug 3.36 Uhr ab Gießen über Alsfeld nach Fulda wird, entgegen dem Entwurf, auch im Winterfahrplan an den Sonntagen gefahren. Für werktags war er schon vorgesehen. Auf der Strecke Gießen—Nidda wird der Pz. 505 auch an Sonntagen bis Gießen durchgeführt, ab Nidda 2.07 Uhr, an Gießen 3.10 Uhr. Ferner wird der um 10.43 Uhr abends ab Gießen fahrende T 516 nicht nur bis Hungen, sondern bis uad) Nidda geführt, an Nidda 11.21 Uhr, Die Weiterführung des Pz. 709 Frankfurt— Friedberg spätabends bis Gießen wird von der Reichsbahndirektion wohlwollend erwogen werden, hoffentlich mit gutem Resultat. Mitteilungen über D 191/192 müssen jetzt der öffentlichen Erörterung noch vorenthalten werden. Kom.-Rat Schirmer -Gießen nahm am Schluffe der etwa vierstündigen Sitzung wohlbegründeten Anlaß, dem Vertreter der Reichsbahndirektion Frank- Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. $)., Berlin. 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten „Siehst du," sagte Ilse am andern Tag, „er wird schon warm. Ach, Riekchen, ich hab' ja so gefroren. Das war wirklich ein Freundschaftsdienst, daß ich durchaus nach Luft schöpfen mußte." „Du bist so gut, Ilse. — Aber sag' doch, ist Olaf Hammersmid wirklich abgereist?" „Wirklich." „Und — wird er dir schreiben? Hat er dir nicht ein bindendes Wort beim Abschied gesagt?" „Davon reden wir, wenn es Frühling ist. — Vergnügtes Fest, Riekchen." Und das Fest ging vorüber und brachte Ilse viele und kostbare Geschenke, aber das, was sie erwartete, einen Brief von Olof, brachte es nicht. Doch daran konnte viel schuld sein. Man munkelte ja auch, daß hie Grenze schon gesperrt sei für alle Post. Nichts ginge herüber und hinüber, was nicht von dänischen Beamten genau visitiert worden. Wenn man das weiß, ist man sehr vorsichtig mit seinen Briefen. Neujahr kam, und Krogs erschienen zum Gratulieren im Doktorhaus, und Frau von Krog sagte sich für einen Nachmittag zum Kaffee bei Hanse an, und Ilse hatte solch heimliches Gefühl, daß diese Ansage aus einem ganz bestimmten Grund erfolgte. Darum richtete sie den Kaffeetisch besonders hübsch, stellte einen Strauß von Stechpalme und Christrosen in die Mitte, zog das violette Taftkleidchen an, das so hübsch zu ihrer bräunlichen Haut stand, und setzte ihr süßestes Lächeln auf. Hanse be- trachtete sie und fragte: „Was machst du dich so hübsch, für Frau von Krog oder für Olaf Harnrner- smids Tante?" ' Eine Frage, die ohne Antwort blieb. Frau von Krog hatte aber gar nichts. Absichtliches, als sie nun an dem hübschen Tisch saß. Sie redete von allerlei Dingen, nur nicht von ihrem Heben Neffen, und erst, als es bald Zeit wurde zum Heimfahren, sagte sie so nebenbei: „Wir hätten Olaf so gern noch big zum Sommer bei uns behalten. Aber meine Schwester gehört zu den Müttern, die ihren Sohn verheiraten wollen. Obgleich furt, Oberbaurat Pitz, den herzlichen Dank der Versammlung für sein verständnisvolles Entgegen- kommen gegen die oberhesfischen Verkehrswünsche zum Ausdruck zu bringen. Oberhessen. Landkreis Gietzen. £ Wieseck, 18. Sept. 3n seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Oemeinbcrat mit der Wahl von fünf Mitgliedern zum Ver - bandsausschuß des Zweckverbandes W i e se ck/A l t en -B u se ck, dem die Einrichtung und Unterhaltung einer Kraftwagenlinie zwischen Wiese ck/A lten-Buseck und Gießen zwecks Beförderung von Personen und Gütern obliegt. 3n einer früher in Alten-Buseck stattgehabten gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte Wiesecks und Alten-Busecks waren die Statuten dieses Zweckverbandes, nachdem man sich über dessen Grundzüge schon früher geeinigt hatte, einstimmig beschlossen worden. Die zutage getretene Einstimmigkeit ist um so erfreulicher, als damit die ganze Angelegenheit auf eine gesunde Basis gestellt wird. Vach den beschlossenen Statuten hat über alle Angelegenheiten des Zweckverbandes ein Verbandsausschuh von acht Personen zu bestimmen, zu dem Wieseck fünf, Alten-Buseck drei Mitglieder entsendet. Aus der Milte des Ausschusses wird dann der Verbands« Vorsteher und der Rechner gewählt. Zunächst liegt dem Ausschuß die Erwirkung der ministeriellen Genehmigung des Zweckverbandes und damit gleichzeitig die Einholung der Konzessionserweiterung der schon bestehenden Autolinie Wieseck—Gießen bis nach Alten- Buseck ob. Vach Erhalt der Konzession, an deren Erteilung wohl nicht zu zweifeln ist, wird der bestehende Wagenpark um einen weiteren Wagen, zu dem eventuell noch ein Anhänger zu treten hat, vermehrt. Die Einrichtung eines neuen Fahrplanes, die Festsetzung der Fahrpreise auf der neuen Strecke, find weitere vorbereitende Arbeiten des Ausschusses. Das Verhältnis der beiden Bertragsgemeinden zueinander ist völlig gleichberechtigt gestaltet. Das Betriebsvermögen wird zu drei Viertel von Wieseck, zu ein Viertel von Alten-Buseck aufgebracht. Daneben hat Wieseck eine Halle für zwei Autos, Alten-Buseck eine solche für ein Auto zu gefteilen. Für eventuelle Streitigkeiten ist ein Schiedsgericht vorgesehen, zu dem jede Gemeinde ein Mitglied, das Amtsgericht Gießen den Vorsitzenden stellt. Die eventuellen Ueberschüsse oder Fehlbeträge gehen im gleichen Verhältnis 3:1, wie die Aufbringung des Betriebsvermögens. 3m Falle der Auflösung des Verbandes vollzieht sich die Liquidatton im gleichen Verhältnis. Treten keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten ein, so ist zu hoffen, daß mit Eintritt des Winters der Betrieb aufgenvmmen werden kann. Damit ist dann für Alten-Buseck, dessen Bevölkerung in wirtschaftlicher Beziehung restlos nach Gießen orientiert ist, einem lang empfundenen Mangel abgeholfen. Seither war die Erreichung der Arbeitsstelle oder der Besuch der Stadt aus sonstigen Gründen mit einem besonders bei schlechtem Wetter recht beschwerlichen Weg verbunden. Mit lebhaftem Interesse wird daher gerade von Alten-Buseck der weitere Verlauf der einzuleitenden Verhandlungen verfolgt und deren glückliche Erledigung erwünscht. Die nach einer recht ausgedehnten Aussprache vorgenommene Wahl der von Wieseck zu stellenden fünf Verbandsvorstandsmitglieder hatte folgendes Ergebnis: Bürgermeister Schomber, die Gemeinde» ratsmitglieder Benner. Bremer, Werner und als fünfter Adolf Seibert, der außerhalb des Gemeinderats steht. Bis zur Eröffnung des neuen Betriebs läuft der bereits bestehende Betrieb Wieseck—Gießen unter seiner seitherigen Leitung weiter. — 3m weiteren Verlauf der Sitzung wurde einer ministeriellen Anregung, die Gewerbeertragssteuer von 1,20 Mk. auf 1 Mk. pro 100 Mk. herabzusehen, debattelos zugestimmt. — Die Befestigung des durch Hochwasser beschädigten L a h n u f e r s bei der Badenburg hat schon frühere Sitzungen beschäftigt. Vunmehr einigte man sich auf einen Vorschlag der Baukommission, die Befestigung durch Flechtwerk vorzunehmen. — Eine ausgedehntere Aussprache erforderte der nächste Punkt: V o t « standsarbeiten. Hierzu lag ebenfalls ein Vorschlag der Baukommission vor, wonach der er doch noch so jung ist. So mußten wir ihn schon wieder hergeben." „Das klingt, als hätten mir bald eine Verlobungsanzeige zu erwarten." „Es scheint fast so. Da ist eine junge Gräfin Schimmelmann, sie haben Kronsborg, das Nachbargut meines Schwagers, aber sie haben auch noch auf Seeland große Güter —, nun, die junge Gräfin hat ein wenig zuviel getanzt im letzten Winter in Kopenhagen und soll sich in der Stille erholen. Das scheint der Anlaß zu seiner Rückberufung gewesen zu sein." Ihre Augen glitten wie zufällig über Ilse hin. Die saß und stickte an einem Pointlacedeckchen, setzte einen Still) genau an den andern und verzog keine Miene. --- „Ich weiß nicht, ob meine Schwester Glück haben wird mit ihren Projekten", fuhr Frau von Krog fort. „Olaf ist ein verwöhnter Prinz und hat bisher von den Eltern nie Widerstand erfahren. Ob er sich durchsetzen kann, wenn das einmal eintritt --- wer will es sagen?" „Warum sollte er auch gegen den Wunsch der Mutter handeln?" fragte Hanse liebenswürdig unbefangen. „Ihre Frau Schwester wird ihm gewiß etwas Liebes und Hübsches ausgewählt haben." Sie sah Ilse an, und Ilse hob ein wenig nur den Kopf, als sei sie ganz in ihrer Arbeit versunken gewesen, und setzte beistimmend hinzu: „Das denke ich mir auch." Als Frau von Krog gegangen war, blickten Mutter und Tochter einander nachdenklich an. „Das war Absicht", sagte Hanse. „Diese verschlossenen Aristokratinnen erzählen werdende Familienereignisse nicht ohne besonderen Grund." Ilse machte ein Hochmutsgesicht. „Grund? Sie mag gedacht haben, da wär' ein Grund, aber sie hat sich wirklich ganz getäuscht." Langsam und ordentlich legte sie die Handarbeit zusammen, fragte: „Kann ich wohl noch einen Augenblick zu Riekchen herumgehen?" und verließ das Zimmer. „Haltung! Haltung!" sagte sie sich innerlich, wie sie das Haus verließ, wie sie nebenan eintrat, die Tante begrüßte und mit Riekchen in deren Zimmer .ging- „Es ist aber gar nicht warm bei mir, Ilse. „Das ist ganz gleich. — Ich muß nur einen Augenblick mal allein sein. Zu Hause kommen gleich Eichenroder Weg bis zur Grabenstraße mit Wasserleitung unö Kanalisation versehen und chaussiert werden soll. Ebenso soll der Verbindungsweg nach der Alten-Busecker Straße in gleicher Weise ausgebaut werden. Dabei stellte sich die Votwendigkeit heraus, dem bisher namenlosen Weg einen Hamen zu geben. Gr soll nunmehr in Zukunft „G a r t e n st r a tz e" heißen. Zum Schluß wurde noch die Gossenpflasterung der Philosophenstraße vorgeschlagen. Die Vot- standsarbeiten wurden genehmigt. Gemeindcrats- mitglied Benner legte einen weitergehenden Plan vor, der Votstandsarbeiten auf lange Sicht vorsieht. Davon sind besonders zu nennen die Errichtung von sechs Zweifamilienhäusern, der Dau einer dringend notwendigen Turnhalle, die Herrichtung einer geeigneten Badegelegenheit mit Schwimmbad und die vollständige Renovierung einiger Strahenzüge. Zu einer Beschlußfassung über diese weittragenden Pläne kam es nicht, in einer besonderen Sitzung soll sich näher damit befaßt werden. — Die Vergebung der Wegebauarbeiten im Reuen Weg erfolgte an den Wenigstnehmenden, für die hiergegen geltend gemachten Einsprüche hielt sich der Gemeinderat nicht für zuständig. — Die Llebernahme der Bürgschaft für eine Reihe staatlicher Baudarlehen wurde beschlossen, ebenso die Beihilfe seitens der Gemeinde für einen Bauherrn, falls die erforderlichen Vorbedingungen erfüllt werden. — An der hiesigen Volksschule ist eine Lehrerinnen- und eine Lehrer- stelle definitiv zu besehen. Hierzu hat der Schulvorstand und der Gemeinderat ein Vorschlagsrecht. Die Beschlußfassung im Schulvorstand erfolgte einstimmig. Der Gemeinderat einigte sich in gleicher Einstimmigkeit auf die gleichen Bewerber. t. Aus dem Dusecker Tal, 20. Sept. Die Kartoffelernte ist in unterem Tal in vollem Gange. Gegenüber den Vorjahren werden die Kartoffeln fast einen Monat früher geerntet. Die älrsache zu dieser frühen Ernte ist der Umstand, daß die Grummeternte sehr frühzeitig beendet war. Die Emte farm als gut bezeichnet werden. Vor allem sind die Kartoffeln gesund. Sie fallen sauber, als wenn sie gewaschen wären, aus der Erde. Zumeist werden sie ausgeackert, und so geht auch diese Ernte, die nach jeder Richtung hin als sehr gut bezeichnet werden kann, einem raschen Ende entgegen. —Watzenborn-Steinberg, 17.Sept. Aus der letzten Gemeinderatssihung ist zu berichten: Einem Ersuchen der Stadt Gießen auf Verlegung der am 19. d. Mts. stattfindenden Kirchwethe wird nicht entsprochen. — Seitens eines Privatunternehmers ist die Eröffnung einer Autoliniezwischen Gießen — Watzenborn — Steinberg — Grü- ningenundHolzheim geplant. Das Unternehmen wird von hier begrüßt, die Gemeinde ist auch grundsätzlich zur Leistung eines monatlichen Zuschusses bereit, jedoch erscheint der von dem Unternehmer geforderte monatliche Betrag von 40 Mk. zu hoch. — Der Ausdrusch des Getreides ist hier seit etwa 2 Wochen vollständig beendigt. Der Ernteertrag kann als befriedigend bezeichnet werden, wenn auch durch die teilweise ausgetretene Lagerfrucht das Ernteergebnis sehr beeinträchtigt wurde. Einen durch- schnittltch reichen Ertrag brachte die ebenfalls schon beendete Grummeternte. Der Ob st behäng läßt im allgemeinen zu wünschen übrig. Der Ertrag an Zwetschen wird nur sehr gering fein. Auch die Aepfelbäume zeigen im Durchschnitt geringen Behang. Dagegen haben die Birnbäume durchschnittlich einen guten Ertrag geliefert. Aus all'diesen Gründen erbrachte auch die letzte Versteigerung des Gemeindeobstes den für unsere Verhältnisse außerordentlich hohen Betrag von rund 2600 Mk. — Die Kartoffelernte hat vor einigen Tagen ihren Anfang genommen. Lich, '16. Sept. 3n der gestrigen Sitzung beschäftigte sich der S t a d t v o r st a n d zu Punkts der Tagesordnung mit einem sehr wich- tigen Gegenstand, der Ablösung der städtisch e n A n l e i h e n. Es muh gesagt werden, daß hier ein Weg gesunden wurde, der für andere Gemeinden vorbildlich sein kann und der über das was gesetzlich vorgeschrieben ist, bedeutend hinausgeht. Vach den Ausführungen des Vorsitzenden handelt es sich um folgende Anleihen, die im Wege der Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den 3nhaber aufgenommen sind. Erste Anleihe vom 1. April 1882 mit einer Rest- schuld von 71 900 Mk. Zweite Anleihe vom die Kinder in meine Stube. — Nein, du störst mich nicht, Riekchen. Ich setz' mich an das Fenster--", sie legte den Kops auf die Fensterbank, aber meinen tat sie nicht. Nur einen Augenblick nichts sehen und nichts hören. Wie das fraß. Wie das drinnen riß im Herzen. Das ihr! — Und sie hatte sich küssen lassen! — Und sie hatte sich als Braut gefiihlt! — Und sie wartete geduldig, daß seine Eltern geruhen sollten, die bürgerliche deutsche Braut anzuerkennen. Und die hatten eine schöne, reiche, junge Gräfin für ihn an der Hand. Was tat da so weh? Das Herz ober der Stolz? — Fast schien es, als sei der Stolz noch viel tiefer gekränkt als die Liebe. Ein bitteres Stöhnen. Bon hinten legte Riekchen den Arm um sie. „Liebe, Liebste. Mein Ilfebitt, wer hat dir was getan?" „Frag' nicht. Frag' nicht." „So gern möcht' ich dir helfen." „Ich Helf mir schon allein. Nur ein bißchen Zeit. Nur erst das runterwürgen. — Riekchen-- ach Riekchen —" und nach einem tiefen Aufatmen: „Du sagtest mal, Georg ist nicht gewandt und nicht schön, ober er ist so ehrenhaft und gut. Das ist mehr. — — 2)ii hast recht, Riekchen, das ist mehr als Witz und Laune." Da ahnte das gute Riekchen, was die Freundin bedrückte, setzte sich still neben sie, sprach nichts mehr, strich ihr nur von Zeit zu Zeit leise über die Hand. Fiete hatte einen schweren Stand. Er kam mit Malergerätschaften, Leiter, Farbtopf und Pinsel- korb über den Markt und sofort sausten ihm drei Schneebälle um' die Ohren. Zwei gingen vorbei, der dritte saß vorn auf der Brust. Die Dreizahl der Angreifer verriet die Doktorskinder. Hinter der Kirche sahen sie vor, griffen wieder in die dicken Schneehaufen und jagten ihm neue Geschosse entgegen. Wenn er nicht ein ohrenbetäubendes Hohngeschrei entfesseln wollte, mußte er sich zur Wehr setzen. Leiter, Topf und Korb standen im Schnee, Fiete griff hinein in die weiße Masse und sandte einen faustgroßen Klumpen zurück. Aber gellendes Gelächter überzeugte ihn, daß er doch zu sehr im Nachteil mar. 1. 3uli 1904 mit einer Restschuld von 32 500 Mk., zusammen also 104 400 Mk. DorkriegSanleihen und dritte Anleihe vom 22. Dezember 1922 über 2 Millionen Papiermark (Goldwert 1268 Mk.). Vach kurzer Debatte trat der Stadtvorstand einem Vorschlag der Finanzkommission bei, eine Barak, l ö s u n g stattfinden zu lassen, um auch den vielen kleinen Anleihebesihern, die nicht unter die Ablösungsvvrschriften fallen würden, Rechnung zu tragen. Die Barablösung soll in der Weise erfolgen, daß bei Dorkriegsanleihen für 100 Mark Vennwert 12,50 Reichsmark und bei der Papiermarkanleihe für Anleihestücke zu 5000 Mark je 0,80 Reichsmark bzw. für 10 000 Mark je 1,60 Reichsmark vergütet werden. 3n diesen Ablösungsbeträgen sollen auch die seit 1.3anuar 1926 zu vergütenden Zinsen enthalten fein. Die Einlösungsfrist soll drei Monate betragen und der Tag des Beginns durch die Bürgermeisterei festgesetzt werden. Die zur Barablösung notwendigen Mittel sollen mit 5000 Mk. dem bestehenden Aufwertungsfonds entnommen und im übrigen durch Kapitalaufnahme gedeckt werden. — Sodann wurde über die Verbesserung der Druckverhältnisse der Wasserleitung in der Bahnhofstraße und Hungener Straße beraten. Hier ist infolge starker Verkrustung der Leitungsrohre eine erhebliche Verminderung des Wasserdruckes eingetreten. Dieser Zustand hat zu fortwährenden Klagen seitens der Wasserabnehmer' Anlaß gegeben, und ist bei Brandgefahr unhaltbar. Cs mußte unbedingt etwas geschehen, sei es durch Auswechselung ter bestehenden Leitungsrohre oder eine geeignete Rohrreinigung. Der Bürgermeister empfahl vom finanziellen Standpunkt aus die letztere Maßnahme als die weitaus billiger ins Auge zu fassen. Unter mehreren Angeboten auf eine gründliche Rohrreinigung fei dasjenige des 3ngenieurs Kurt Müller in Dernburg mit einem Kostenaufwand von ca. 1000 Mark, das empfehlenswerteste. Der Stadtvorstand stimmte der Vorlage zu und beschloß, die Arbeit so schnell als nur irgend möglich ausführen zu lassen. Aus der Mitte des Stadtvorstandes wurde bei dieser Gelegenheit der Antrag auf Bildung eines Wasserlei- tungsfonds, der zur Durchführung der Hauptleitung durch die Ringstraße dienen soll, gestellt. Der Antrag fand Annahme. — Als 3. Punkt der Tagesordnung beschäftigte den Stadtvorstand die Einführung einer 3nfla* tivnswertzu wachs st euer. Vachdem die Einführung dieser Steuer in der letzten Sitzung abgelehnt worden war, sah sich der Bürgermeister unter Berufung auf Artikel 97 der Landgemeindeordnung veranlaßt, eine nochmalige Beschlußfassung herbeizuführen. Den Gemeinden ist die Erhebung einer Steuer vom Wertzuwachs bei der Veräußerung von Grundstücken, deren Veräußerer das Eigentum an den Grundstücken in der Zeit vom 1. 3anuar 1919 bis 31. Dezember 1924 erworben haben, zur Pflicht gemacht worden. Die Einführung hat ttn Wege der Orts- sahung zu erfolgen. Vach einer lebhaften Debatte beschloß der Stadtvorstand, seine ablehnende Haltung aufzugeben und die Vorgelege Mustersatzung als gültige Steuerordnung für die Stadt Lich zu erlassen. Diese Steuerordnung soll mit der Beschlußfassung in Kraft treten. — Seitens des Vereins für Handel und Gewerbe besteht die Absicht, im Spätherbst dieses 3ahres eine Heimatausstellung für Handel, Gewerbe und Ortskunde zu veranstalten Er hat sich dieserhalb an den Stadtvorstand um UnterftMung gewandt, da ihm aller Voraussicht nach größere Unkosten erwachsen und von dem Verein allein nicht bestritten werden tarnten. 3m 3nteresse der Geschäftswelt stimmte der Stadtvorstand einem von der Finanzkommission gestellten Antrag, die Stadt möge sich an der Aufbringung eines Garantiefonds in Höhe von 400 Maä beteiligen, zu. — Als weiteren Punkt sah die Tagesordnung die Schaffung von Vot- wohnunaen vor. Einer ganzen Reihe von Wohnungssuchenden kann nur schnell geholfen werden, wenn sie in Notwohnungen unter gebracht werden. Unter Berücksichtigung dieses Um» standes sah sich die Wohnungsdeputation veranlaßt, dent Stadtvorstand den dringenden Antrag zu unterbreiten, die Stadt möge durch Umbau gebrauchter EisenbahnPersonenwagen mindestens 4 Votwohnungen schaffen. Vach den Ausführungen des Bürgermeisters stellt sich nach den von der Firma Ferrobahn in Darmstadt eingeholten Angeboten der Preis für eine komplette Wohnung auf 800 bis 1000 Mk. »MM Die drei sahen versteckt hinter Pfeilern und Ecken und ließen sich nicht erwischen. Ihm aber flogen die nassen Ballen sausend um den Kops und die Brust. Jetzt traf ihn einer an der Kehle und stäubte seine-Feuchtigkeit tief hinein in das Hemd. Wütend griff der lange Junge nach feinen Gerätschaften. Kaum war er wieder in Bewegung, jagte das Kleeblatt hervor und umtanzte ihn mit spottenden Zurufen. „Fiete, Fiete. Warum kommst du nicht mehr? Fiete, du gehst ja gar nicht mehr auf Eiern. Erlaubt Meister Kobe das nicht?" Heulend vor Wut kam Fiete bei der Mutter an. Alles hätte er ertragen, aber daß sie sein tiefstes Geheimnis über den ganzen Markt ausschrien, das ertrug er nicht. „Wart' nur, mein Fiete," sagte Madam Eagers und stand von ihrer Näherei auf, „das will ich doch sehen — und daß du dein Recht kriegen sollst." „Du gehst nicht zu Rottmanns. Ich will es nicht. Die frechen Gören machen mich da nur noch lächerlicher." „Laß du mich man gehen. Ich weiß schon wohin." Sie ging in das Pastorat und gleich in die Studierstube von Johannes Jessen. „Nun, Madam Eggers, was bringen Sie mir? Sie wollen wohl meine Frau sprechen." „Nee, Herr Pastor, ich komm' zu Ihnen. Dann warum? Sie sind gesetzt, daß Sie ein Helfer fein füllen in der Not und ein Berater für die Armen," „Dann sprechen Sie sich aus." Johannes Jessen hatte eine rührende Geduld. Sie wurde deshalb oft mißbraucht. „Ich komm wegen mein Fiete. Das kann so nicht gehen. Dabei geht er mir zugrunde. Er muß da wieder weg von Maler Kolbe und muß nach Heide, und muß auf die gelehrte Schule und muß fein Examen machen für die Universität. Das hot mich man zuerst so benommen, als wie Herr Pastor Rott mann--ja, und sagt mir so bautz vor den Kopf, daß ich en dummen Jungen hab'. — Nee, so geht das nicht." „Ja, aber — das ist eine teure Sache, Madam Eggers. 'Auf eine auswärtige Schule--so leicht geht das nicht." „Muß aber gehen, Herr Pastor Ich hab' da nu meinen Kopf aufgesetzt, und denn so soll das raoll werden. Aber Herr Pastor muß mir Beistand tun. Herr Pastor kann das." (, -".twtzung folgt.) 2 Toller M Danknoten. Börsenkurse. Berliner Börse. 2 Teller Suppe für nur 13 Pfennig 7697c 354 315 Da 3.30 bis 5.45 ilfjr: Konzert des Hausorche- fters: Aus neuen Opern. 5.45 bis 6.05 ilfjr; Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Das Verderben von Lebensmitteln", Vortrag von Dr. Strohecker. 6.45 bis 7,15 Uhr. „Mahnahmen für die diesjährige Herbstbestellung", Vortrag von Dr. Greve. 7.30 plhr plebertragung vom Frankfurter Opernhaus: „Die verkaufte Draut", Komische Oper in 3 Akten von Sabina. An- Frankfurt a. M., 20. Sept. Auftrieb: Ochsen, 85 Dullen, 302 Färsen, 622 Kühe, Kälber, 135 Schafe und 4303 Schweine. — die Direktion des Frankfurter Schlachtvieh- Marktes ab heute ohne vorherige Denachrichti- gung des Berichterstattungsdienstes eine Reu- einteilung der Schlachtviehpreisklassen vorgenommen hat, kann die Bekanntgabe der Preise erst morgen erfolgen. Rundfunk-Programm Dienstag, 21. September. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 20. Sept. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 28,50 bis 28,65, Roggen, inländ., 22,50 bis 22,75, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26, Hafer, inländ., 17,50 bis 18, Mais (gelb) 18,25, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 41,25 bis 41,75, Roggenmehl 33 bis 35, Weizenkleie 9,25. Roggcnkleie 10,50, Erbsen 35 bis 55, Linsen 45 bis 75, Weizen- und Roggenstroh (alt) 5,50 bis 6, (neu) 3,50 bis 4, Treber, getrocknet 15. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Büchertisch. — Das Hamburger Stadttheater, das nach voll- enbetem Umbau in Kürze eröffnet wird, steht im Mittelpunkt dtzs neuen Heftes der Zeitschrift „Das Theater" (Verlag Berlin W 9). Die Bedeutung der Oper für das Kulturleben Hamburgs, der Neubau und die Tätigkeit des Intendanten werden in knappen Abhandlungen gewürdigt. Nahezu vierzig Bilder geben die bedeutendsten künstlerisä)en Persönlichkeiten des Ensembles wieder, dazu kommen eine Reihe von szenischen Entwürfen und inter- Berlin, 20. Sept. Die neue Börsenwoche begann für Spezialwerte i n f e st e r Stirn- m u n g. 3m Mittelpunkte standen die Aktien der Darmstädter Bank, die mit einer neuen, ^M'^I^entigen Steigerung ihren bisherigen Hochstkurs noch überschritten, ferner alle Frei» g a b e w e r t e unter Hinweis daraus, daß mit der beginnenden Herbstsession des amerikanischen Kongresses die Freigabeangelegenheit wieder akilt wird, sowie schließlich der Markt der ausländischen Renten, wo die Kurssteigerungen der kurdischen, anatolischcn, serbischen und sonstigen Werte z. T. lebhafte Fortschritte machten. Von de>r Freigabewerten lagen nainent- Ucf) Schiffahrtsaktien stark befestigt I schließet: U Schallplatten' Wirtschaft. * Vor einer internationalen Rohei s en ko n v e n t i o n? Wie der DHD. aus ausländischer Quelle erfährt, sind die Besprechungen über eine internationale Roh eisen export- onDention mit den westlichen Ländern so weit ortgeschritten, daß man glaubt, dieses Abkommen zugleich nut der kommenden internationalen Z.°bstahlgemelnschaft zum Abschluß zu bringen. D:e Beteiligten dieses Abkommens, die auch den internationalen- Rohstahlgemeinschaitsverhandlun- gen nahe stehew sind sich in den prinzipiellen fragen einig. Don deutscher Seite werden noch eimge Detailsorderungen gestellt, die man in ?02,397 5,825 Brie, 4,196 11,46 111,68 20,42 12,03 168.42 15,40 92,13 69,25 112,28 81,22 63,81 12,457 5.865 Datum: 5% Deutsche RcichSanlethe • <% Deutsche Reichsanleihe . 8*/,% Deutsche Reichsanleih« 3% Deutsche Rcichsanleihe . Deutsche Evarprämienanleihe 4°/o Preußische KoniolS • . . <°/o Hessen 3Wi Hessen 3*/o Hessen Deutsche Wcrtb. Dollar-Anl. dto- Doll.-Schatz- Antreiing.*! 90 5 — — 1 —