Nr. 271 Erster Blatt 176. Jahrgang Zrettag, 19. November 1926 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen; Vtetzener Familiendlätter Heimat im Bild Di» Scholle »anolr.bezucsrreir. 2 Reichsmark und 20 Reichspfenrttg für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanj chlüsse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Eieheti. postschccttonto: Krantfuttam Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrrck und Verlag: vrühl'sche Umverfitütr-Vuch- und Stemöruderei «. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe ?. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für \ rem höhe für Anzeigen dm 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- stlameanzeigen oon 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr Frredr Wilh Lange. DeranttooNlich für Politik Dr Fr Wilh Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Icd Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil i. Dcrtr H. Deck, sämtlich in Dieben. Die Oeffnung der deutschen Archive. Die letzte große Aktcnpnblikation der Reichsrcqierung. Berlin, 18. Noo. (WTB^ Wie amtlich miige- teilt wird, steht nunmehr die Drucklegung der endgültig lebten Banberreihe der großen Aktenpublika- tion der deutschen Reichsregierung, die die große Politik der europäischen Kabinette von 1871 bis 1914 umfaßt, unmittelbar vor der Beendigung. Die Echlußgruppe des Werkes umfaßt sieben Bände. Die neuen Bände werden durch die Deutsche D e r l a g s g e s e 11 s ch a s t für Politik und Geschichte in Berlin noch in den letzten Tagen des November an den Buchhandel ausgegeben und umfassen das Dokumentenmaterial des deutschen Auswärtigen Amtes über die auswärtige Politik der Jahre 1912 bis 1914. Sie schließen sich an das im Mai 1926 erschienene zweite Drittel der fünften Reihe an und führen den Titel: Europa vor der Katastrophe. Mit der letzten Gruppe wird das große deutsche Aktenwerk unmittelbar an den Weltkrieg herangeführt. Die letzte Abteilung behandelt die verhängnisvolle Periode der internatio- noien Verwickelungen und weltoolitifchen Mißver- ständnisse, die den Weltkrieg vorbereiteten. Das Do- fumentenmaterial der Bände 34—40 gewinnt so unmittelbarste politische Tagesbedeutung. Mit ihnen tut die Publikation als Ganzes den letzten entscheidenden Schritt aus ihr eigenstes Ziel: die Aufhellung der Ursachen des Weltkrieges xu. Mit Den jetzt erscheinenden Bänden wird der Anschluß des Aktenwerkes an die 1919 unter dem Titel „Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch von der Reichsregierung bei der Deutschen Berlagsanstalt für Politik und Geschichte in Berlin herausgegebene Urkundensammlung über die unmittelbare Vorgeschichte zum Weltkriege hergestellt. Damit ist dann gegen Jahresende 1927 die von der deutschen Regierung gewünschte breite Grundlage für die Klarstellung der Ursachen des Weltkrieges von deutscher Seite v o l l st ä n d i g geschaffen. Die Koalitionsverhandlunqen. Berlin . 19. Non. (prio.-IeL) Die Blätter betonen, daß bei den in dieser Woche erfolgten B e - fprechungen zwischen Vertreter der Fraktionen und der Reichsregierung bindende Vereinbarungen hinsichtlich der Bildung der Großen Koalition im Reiche nicht getroffen wurden. Heber die Haltung der Deutschen Bolts- vartei zur Frage der Großen Koalition schreibt öle „Tägliche Rundschau": Die Deutsche Bottsvartei ist grundsätzlich bereit, mit der Lozialoemo- kratie zusammenzuarbeiten. Sie legt aber wahrscheinlich entscheidenden Wert darauf, daß zunächst einmal ble Borausfetjungen geklärt werden, unter denen ein Zusammenarbeiten mit den Sozialdemokraten möglich ist. Das Arbeitslosen- verficherungsgefetz. Annahme im Reichstag. Berlin, 18. Rvv. (WB.) Der ReichsraL genehmigte in seiner öffentlichen Dollsitzung am Donnerstag das Arbeitslosenversicherungsgesetz, das am 1. April 1927 in Kraft treten soll. Träger der Versicherung sind die Krankenkassen. 3n die Versicherung sollen auch Angestellte einbezogen werden, die nach dem Angestelltenversicherungsgesetz versichern ngSPsllch» tig sind. Die auf 26 Wochen bemessene -Unter» stützungsdauer kann im Falle besonders ungünstiger Lage des Arbeitsmarktes auf 3 9 Wochen ausgedehnt werden. 3m Wege einer Krisenf ürsorge können auch diejenigen unterstützt werden, die die Anwartschaft nrch nicht erfüllt haben oder bereits ausgesteuert sind. Während sonst die Kosten der Versicherung nur von Arbeitgebern und Arbcitniehmern ausgebracht werden und das Reich nur im Rotfall mit Darlehen eintritt, sollen die Kosten der Krisenunterst utzung nach den Beschlüssen des Reichsrates, die der Regierung nicht annehmbar erscheinen, zu acht Reunteln vom Reich und zu einem Reuntel von den Gemeinden getragen werden. Die Regierung will dieses Verhältnis in drei Viertes imi> ein Viertel abgeändert wissen. Die Krisenunterstützung ist _Don einer Bedürftig- keitsprüfung abhängig, nicht aber auf Grund der von den Versicherten erworbenen Unter» stühung. Die Beiträge und Leistungen der Versicherungen sind nach sie b en L o h n k lassen abgestuft. Die von den Ausschüssen beigefügte Kurzarbeiter Versicherung wurde vom Plenum des Reichsrats auf Antrag der Regierung wieder beseitigt. Der Finanzausgleich. Annahme des Provisoriums im Reichskavinett. Berlin, 19. Rov. (£U.) Das Reichskabinett erteilte dem Finanzcrusgleichprovisorium seine Zustimmung. Das „Berliner Tageblatt" teilt allerdings mit, daß die Annahme nicht einstimmig erfolgt sei. Reichspostminister 6 t ing l habe seine Zustimmung versagt, da d'.e Bayerische Dolkspartei einen scharf ablehnenden Standpunkt einnimmt. Das Blatt gibt im übrigen übet den 3nhalt des neuen Provisoriums an, daß es nichts an der bisherigen Echlüsselverteilung ändert, dagegen eine wesentliche Umstellung der Garantien bringt, und zwar fällt danach die geson- Bit WWW M Mentt WMiksW. Reichspräsident von Hindenburg in Dresden. Dresden, 18. Rov. (TU.) Reichspräsident v. Hindenburg ist um 10.44 Uhr zur Teilnahme an der Einweihung der Infanterieschule auf dem Reustädter Bahnhof angclommen. Zum Empfange hatten sich als Vertreter der sächsischen Regierung die Staatsminister Dr. Kaiser und Dr. Dehne eingefunden, die zusammen nut iy>m Oberbürgermeister Dr. Blüher den Präsidenten begrüßten. Bei der Abfahrt nach der Garnisonkirche fuhren dem Wagen des Präsidenten der Chef der Heeresleitung, General Heye, und die Generäle v. L o h b er g und Reinhard voraus. 3m Auto des Reichspräsidenten hatte Dr. Gehler Platz genommen. 3n weiteren Autos folgten Reichsfmanzminister Dr. Reinhold, der sächsische Gesandte in Berlin, ' Dr. G r a ö n a u e r, Oo erbürgermeister Dr. B l ü h e r, sowie Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden. Brausender Jubel begleitete den Reichspräsidenten auf dem Wege nach der Garnisonkirche. Vor der Kirche hatte die Ehrenkompagnie Aufstellung genommen, deren Front der Reichspräsident unter den Klängen des Deutschlandliedes abschrttt. Unter feierlichen Orgelklängen betrat der Feldmarschall dann die Garnisonkirche zu einer tunen kirchlichen Weihefeier. Die Infanterie schule irnb die übrigen Truppen des Standortes formierten sich nach der Feier vor der Kirche zum Parademarsch. Der Reichspräsident begrüßte noch kurz den Offizierslehrgang, und unter den Klängen der Re- yimentsmusik des Infanterieregiments erfolgte 'dann der Vorbeima rs ch der Truppen. Während der sich anschllehenden Fahrt zur Infanterieschule brachten zahlreiche Schulen und Vereine dem Reichspräsidenten lebhafte Ovationen dar. Rachdem dieser bann die Lehrtruppen kurz begrüßt hatte, trat er vor die Front der zwischen dein alten Kadettenhaus und dem neuen Gebäude aufmarschierten Waffenschüler und hielt eine kurze Ansprache, in der er folgendes ausführte. Lter Beruf, den Sie sich gewählt haben, stellt hohe Anforderungen an Sie, die in der Erfüllung des Wortes stähen Duke et decorum est pro patria mori. KE Der Offizier muß sein und jederzeit muh er Im Dienste zeigen, daß er gewillt ist, zu besehlen, nur so kann er seine Untergebenen in schweren Stunden mit sich vorwärts reißen. Um bejefjten zu können, muß er aber selbst erst gehorchen lernen und sich dessen eingedenk fein, daß seine Untergebenen ein wertvolles Gut des Bater- landes sind und daß er sie ju braven aufrechten deutschen luännern erziehen soll. Der Offizier muß ein Freund und Berater sein. 1 Machen Sie sich den Begriff der Kameradschaft recht klar. Sie muß mehr sein als alltägliche Freundschaft; denn sie soll sich bewähren auch in größter Todesnot. Wenn Sie sich dessen alles bewußt sind, bann werden Sie auch in Ihrem öffentlichen Auftreten den rechten Ton der Ritterlichkeit frei von Ueberhebung finden und endlich bewahren Sie im Dienste Ähre Ehre rein. Seien Sie dessen eingedenk, daß Sie die Tradition der alten'Armee zu bewahren und fortzusetzen haben. Die Treue am Vaterland ist unsere heiligste Pflicht. So eröffne ich hiermit die neue Infanterie- schule in dem festen Vertrauen, daß sie eine Pflegstätte aller edlen deutschen Soldatentugenden jein und bleiben wird. Der Reichspräsident begab sich daraus in den Vortragssaal des neuen Gebäudes, den die Bildnisse des Reichspräsidenten und des Generalobersten von Seeckt schmücken. General von A r m s b e r g, der Kommandeur der Schule, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Reichspräsident zur Eröffnung der Infanterieschule nach Dresden gekommen ist. Er versicherte dem Reichspräsidenten, daß die Worte, die er an die Infanterieschüler gerichtet habe, in ihren Herzen Widerhall gefunden hätten und eine Richtschnur sein werden für ihr ganzes ferneres Leben. Ein Frühstück beschloß die Einweihungsfeier. Bei dieser Gelegenheit dankte der Reichswehrminister Dr. Gehler den geladenen Gästen für ihr Erscheinen und übermittelte seinerseits der Infanterieschui» die besten Wünsche für die Zukunft. Mit dem fahrplanmäßigen Zuge 3.48 Uhr kehrte der Reichspräsident und der Reichswehrminister nach Berlin zurück. "bette Umsatzsteuergarantie fort. Für die Streichung der Umsatzsteuer wird die allgemeine Garantie für die Länder von 2,1 Milliarden auf 2,4 Milliarden, also um, 300 Millionen erhöht. Außerdem übernimmt das Reich künftig die Lasten der Erwerbslosenfürsorge allein. Damit kommen den Ländern 300 bis 400 Millionen zugute, die sie bisher an den Lasten der Erwerbslosenfürsorge getragen haben. Schließlich verzichtet das Reich diesmal auf die Streichung des Paragraphen 35 des Finanzausgleichgesetzes. Die neuen Gerichtskosten. Berlin, 18. Rov. Der Rechtsausschuh des Reichstages setzte heute in der zweiten Lesung des Gerichtskostengesehes die Kostengebühren folgendermaßen fest: In b ü r g e r l i ch e n R e ch t s- streitigkeiten beträgt die Gebühr bei Streitgegenständen im Werte bis zu 20 Mark 1 Mark, von 20 bis 50 Mark 2 Mark, bei höheren Werten bis zu 1000 Mark 3 v. H., bis zu 2000 Mark 2 v. H., bis zu 10 000 Mark 1 v. H.; von dem Mehrbettage 1/2 t>. H. Abgerundet wird auf die nächsthöheren einhundert Mark. Beim Streitwert von mehr als 20 000 Mark auf die nächsthöheren eintausend Mark. Bei nichtvermögens- rechtlichen Ansprüchen wird der Streitwert auf 2000 Mark ausnahmsweise auf nicht unter 50 000 und nicht Über 60 000 Mark angenommen. Bei Zurücknahme des Anttags in der mündlichen Verhandlung ermäßigt sich die Gebühr auf ein Diettel. Im Strafverfahren erster Instanz steigen die Gebühren von 5 Mark bei Freiheitsstrafen bis zu einer Woche bis zu 300 Mk. bei Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren. Bei Bestrafungen in Geld beträgt die Gerichtsgebühr 10 v. H. der Geldstrafe, mindestens aber 5 Mark und höchstens 10 000 Mark und nicht über den Betrag der Strafe. Die D 0 r - s ch u ß p f 1 i ch t wurde nach längerer Debatte mit 13 gegen 9 Stimmen beibehalten, aber in einer Entschließung die Reichsregierung um Aushebung am 1. Januar 1929 ersucht. Paul Lensch f.' Im 53. Lebensjahre ist am Mittwoch Paul Lensch aus dem Leben geschieden, der jahrzehntelang in unserem innerpolttischen Leben, namentlich aber in der Sozialdemokratie, eine bedeutende Rolle spielte. Die sozialdemokrattsche Partei selbst wird aufatmen, daß einer ihrer schärfsten Gegner für immer die Augen geschlossen bat. Lensch, der aus gutbürgerlicher Familie stammte, sich aber frühzeitig der sozialdemottati- schon Bewegung anschloß und eine Zeitlang sogar öIj den Radikalsten gehörte, hat im Kriege, mehr noch in der Aachkriegszeit, gewaltig um» gelernt. Vielleicht ist das etwas zu viel gesagt: er blieb nach wie vor ein Kämpfer der deutschen Arbeiterschaft, erkannte aber, daß mit unserer auf internationale Gedankengänge eingeschworenen Sozialdemokratie die nationale Freiheit des deul'chen Volkes und seiner werktätigen Masse nicht zurückzugewinnen sei. 1914 tat er den ersten Schritt zur Opposition hinüber. Er verweigerte als Reichstagsabgeordneter die KrieZsttibute, nicht um dem schwer bedrängten deutschen Volk eine scharfe Waffe aus der Hand zu schlogen, sondern um den ausländischen soziallst.schen Parteien die Maske vom Gesicht zu reihen. Das ist ihm gelungen, die ausländischen Genossen trieben stärkste Kriegspolitik, ohne sich an die früheren Phrasen internationaler Verbrüderung zu erinnern und über das Kriegsende hinaus eine noch stärkere Vernichtungspolitik gegen den deutschen Arbeiter. Das Versagen der Sozialdemokraten auf nationalem Gebiete brachte ihn in wachsenden Gegensatz zur Partei, der er dann schließlich, wie mancher andere nationale Sozialdemokrat, Öen Rücken kehrte. Mit der llebernahme der Chefredaktion der seinerzeit Hugo Stinnes gehörenden „Deutschen Allgemeinen Zeitung" trat er aus der SPD. aus, die ihn von nun ab auch offen als Abtrünnigen behandelte und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfte, wo und wie sie es nur konnte. Mit dem Tode von Stinnes wurde die Stellung Paul Lenschs in der „D. 21. Z." unhaltbar, er schied aus der Chefredaktion aus, biente der Zeitung aber weiter als Mitarbeiter, um bis zu seinem Tode dem deutschen Volke in dem Ringen um seine nationale Freiheit publizistisch mit seinen reichen Erfahrungen und seinem tiefen Wissen zur Seite zu stehen. Die Regierungsbildung in Sachsen. Dresden, 13. Rov. (WB.) Heute nachmittag sanden zwischen Vertretern der bürgerlichen Parteien und der Altsozia- list en Besprechungen statt, die sich um die Frage der Bildung einer Regierungsloalitton unter Beteiligung der Deutschnationalen einerseits und der altsozialdemokratischen Partei Sachsens andererseits drehten. Die Besprechungen haben bisher weder im positiven noch im negativen Sinne zu einem Ergebnis geführt. Sie sollen anfangs nächster Woche fortgesetzt werden. Wie das WD.D. erfährt, wird die sozialdemokratische Landtagsfraktion den früheren Unterrichtsminister § ermann Meißner für das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten in Vorschlag bringen, und für das Landtagspräsidium den früheren sächsischen Wirtschastsminister Schwarz Vorschlägen. Der Aufstand auf Java. Haag, 18. Noo. (WB.) Ministerpräsident Dr. de Geer nahm in der Zweiten Kammer Bezug auf die kommunistische Bewegung in Westjaoa. Er betonte hierbei, daß die Regierung erst noch nähere Mitteilungen abwarten wolle, -ehe sie endgültig Stellung dazu nehme. Sie sei jedoch bereits jetzt der Meinung, daß das verbrecherische Auftreten der kommunistischen Aufständischen auf die denkbar kräftigste Weise unterdrückt werden müsse. Dennoch brauche diese Abwehr nicht zu einer 2lenberunp in dem neuen eingeschlagenen sozialen und politischen Kurs zu führen. — Wie aus B a - ta 0 ia gemeldet wird, durchziehen Aufständische raubend und plündernd die reichen Zuckergegenden. Die Plantagenbefitzer werden, um sich gegen die UeberfäUe wehren zu können, von den Behörden mit Waffen versehen. Die Lage ist weiter ernst. Fortsetzung des Streiks in England. Ablehnung der Rcgierungsvorschläge durch dir Bergarbeiter. London. 19. Roo. (XU.) DIc Hoffnung aus baldige Beendigung des kohlenkonsttktes sind im Schwinden begriffen. Rach einer Information des „Borwärts" aus London haben die Schluhergcbniffe der Distriktsabstimmungen im Bergbau eine außerordentlich schwierige Lage geschaffen. Wil einer vom Sekretär der Bergarbeiter Look aus rund 100 000 Stimmen geschätzten Webrheit haben sich die Bergarbeiter für b l e Ablehnung der Regle- rungsvorschläge entschieden. Die weitere Entscheidung liegt nunmehr bei der Delegiertenkonferenz, die am Freitag abermals Zusammentritt. (Eine führende Persönlichkeit der Bergarbeiter erklärte dem Londoner Bcrtreter des Blattes auf ok? Frage nach der praktischen Bedeutung der Ablehnung der Regierungsoorschläge, das Abstimmungsergebnis stelle eine Demonstration gegen ble Regierungsbedingungen dar. Die Delegiertenkonferenz werde jedoch die Distrikte anweisen, die Berhandlungen distrikts- weife auszunehmen. Vie Weltwcktschaftslonferenz. Amsterdam nid Tagungsort vorgeschlaien. Gens, 18. Roo. (TU.) -Die vorbereitende Wirtschaftskommission hat in ihrer heutigen Nachmittags- sitzuna den Bericht an den Dölkerbundsrat nach den Vorschlägen des Präsidenten mit geringen Aende- rungen angenommen. Die Aenderungen beziehen sich vor allem auf eine stärkere Hervorhebung der 5 i n a n 3 f r a g e. Die Tagesordnung hat gleichfalls noch einige Aenderungen erfahren. Die in dem Bericht des Präsidenten Dor^eldjlagcne Zusammensetzung d e r Weltwirtschaftskonferenz sowie der vorgeschlagene Termin des Zusammentritts am 4. Mai 1927 wurden ohne jede Aenderung von der Kommission angenommen. Die vorbereitende Wirtschaftskommission steht nunmehr vor dem Abschluß ihrer Arbeiten. Morgen nachmittag findet die Schlußsitzung statt, in der der gesamte Bericht an den Völkerbundsrat einschließlich der Angabe des gesamten Dokumentenmaterials für die Weltwirtschaftskonferenz von der Kommission angenommen werden wird. Wie die „Voss. Ztg." meldet, verbreitete sich in Genf das Gerücht, daß man dem Dölkerbundsrat den Vorschlag machen wird, die Weltwirtschaftskonferenz nicht stach Gens, sondern nach einer großen europäischen Handelsstadt einzuberufen, 3. B. Amsterdam. Man hofft, daß die Moskauer Regierung, die wegen ihres Konfliktes mit der Schweiz Genf ablehnte, somit keine Vorwände mehr haben würde, ihre Beteiligung an der Konferenz abzulehnen. Ratstagung und Kontrollfrage. Uebereinstimmnnq zwischen Berlin und London. Berlin, 18. Rov. (TU.) Die ausländischen Meldungen über eine bevorstehende Sonderkonferenz .der Außenminister Deutsch, lands, Frankreichs und Englands über die Investigationsfrage anläßlich der Ratstagung im Dezember werden in politischen Kreisen Berlins dahin beurteilt, daß man im gegenwärtigen Zeit- punkt der Verhandlungen auch über den formalen Verlauf der Dinge in Genf überhaupt noch nichts sagen könne. Die Londoner Meldun- gen, wonach versuchsweise die Frage der Investigation und die der Zurückziehung der De» sahungstruppen im Saargebiet auf die Tagesordnung der kommenden Ratssitzung gesetzt werden könne, können dahin verstanden werden, daß ohnedies das Programm der Ratstagung Angelegenheiten enthält, die bisher noch immer unerledigt sind. Dies trifft auch für die Frage der Desahungstruppen im Saargebiet zu. Ebenso sind einige Durchführungsbestimmungen für das Investiga- tivns Protokoll vom Rat formell noch nicht erledigt worden. Gegenüber verschiedener Pariser und Londoner Meldungen, die u. a. von einer Kandidatur Rollets an Stelle des Generals D e st i ck e r zum Vorsitzenden der Investigations- kommission und von einer deutschen Zustimmung zur Ansehung einer Kontrollkommission des Völkerbundes im Rheinlande sprechen, dürfte größte Skepsis geboten sein, lieber die grundsätzliche Auslegung des Artikels 213 des Versailler Vertrages bestehen zwischen England und Deutschland, ttoh gegenteiliger De- Hauptungen in der ausländischen Presse keiner- I e i Meinungsverschiedenheiten. Ein Investigationsplan der Botschafrerkonferenz. Paris, 19. Trov. (TU.) Von zuständiger französischer Stelle wird über die Verhandlungen in der Frage der Abschaffung der interalliierten Kontrollkommission mitgetcUt, daß augenblicklich eine Diskussion zwischen D-rlin und den alliierten Hauptstädten im Gange sei, die sich auf die Mission der zukünftigen Kontrollkommission des Völkerbundes beziehe. Die Dotschasterkonferenz habe in der Er- Wartung, daß Deutschland ihren Anforderungen Genüge leisten werde, bereits ein Pr 0 j ekt über die Kommission dem Dölterbunde vorgelegt. Der Völkerbund habe bisher zwei Entscheidungen gettoffen. Die eine dallere vom 27. September 1924 und die ergänzende zweite Entscheidung vom 14. März 1925. Sine Abänderung dieser Entscheidungen wäre nur möglich, wenn sie vom Dötterbunde einstimmig angenommen würde. poincares Sanierungsplan. Neue Ichuldenverhandlungen mit England und Amerika. Paris, 18. Nov. (£11.) „Echo de Paris" will aus der Umgebung Poincares erfahren haben, daß der Kinanzminister als Endziel der WährungLsamerung die Wiederher st el- lung der Ilmtauschmöglichkeit des Paviergeldes in Gold oder Devisen durch die Dank von Frankreich, d. h. die A b - ichaffung des Zwangskurses, ins Auge gefaßt habe. Voraussetzung dafür sei, dah fein Papiergeld mehr ohne leicht realisierbare Deckung ausgegeben wird. Die Hauptbedingung aber fei die Zurückzahlung von etwa vierzig Milliarden Franken, die der Staat bei der Dank von Frankreich geliehen habe. Weiter müsse eine Verminderung der schwebenden Schulden erfolgen. Poincare hoffe noch in diesem Jahre zwei Ml- llarden Franken zurückzahlen zu können. Poincare habe die Absicht, mit den Regierungen von Washington und London in yeue Verhandlungen über die Schuldenfrage einzutreten, um diese in einem günstigen Zeitpunkt vor das Parlament zu bringen. Der Achtstundentag in Frankreich. Paris, 19. Rov. (Lil.) Die Kammer beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Budget des Arbeitsministeriums. Abgesehen von einer kurzen Debatte, in der Vertreter der Linken die Regierung aufforderten, dahin zu wirken, dah der Senat das Washingtoner Abkommen über den AchtstundArtag endlich ratifizieren möge, verlief die Sitzung vollkommen ruhig. Von sozialistischer Seite wurde unter dem Beifall der äußersten Linken darauf verwiesen, dah in Deutschland von 1! Millionen Arbeitern nur 4lA Millionen mehr als 48 Stunden wöchentlich arbeiten, während in Frankreich der mittlere Arbeitstag neun Stunden betrage. Rach Schluß der allgemeinen Diskussion protestierte der Sozialist Masson gegen die Verschleppungstaktik in der Frage der Sozialversicherung. Poincar 6 kürzte die Debatte durch Stellung der Vertrauensfrage ab, worauf der Reihe nach die einzelnen Kapitel engen o m° men wurden. Es macht sich bei allen Abgeordneten das Bestreben bemerkbar, die ganze Budgetdebatte so rasch als möglich zu beenden, um freie Hand für die Wahlkampagne zu den bevorstehenden Senatswahlen zu erhalten, die angesichts der Affäre Marin sehr lebhaft werden dürfte. Keine Verpachtung der Saargruben. Eine Erklärung Kommerzienrats Röchling. Völklingen, 18. Rov. (WTD.) Kommerzienrat Dr. Hermann Röchling, der Leiter der Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke, gibt folgende Mitteilung an die Presse: Die kommunistische Fraktion des Preußischen Landtags hat eine Interpellation an die preußische Staatsregierung gerichtet, ob es wahr sei, daß die französische Regierung be° absichtige, die Saargruben an die Firmen de Wendet und Röchling zu verpachten. Was die französische Regierung beabsichtigt, ist mir selbstverständlich unbekannt. Daß sie mit mir über eine Verpachtung verhandeln könnte, ist aus vielerlei Gründen unwahrscheinlich, besonders aber deshalb, weil ich mich zu allen . Zeiten öffentlich dafür ausgesprochen habe, dah der preußische und der bayerische Staat bie Saargruben zurückerbal- 1 e n müssen, da es deren Verdienst sei, bau die Saarbeygleute seßhaft gemacht wurden und in- 1 folgedessen tn der Lage gewesen seien, in den j. schwierigsten Zeiten dem französischen Staat Widerstand zu leisten. Solche Verdienste um die nationale Sache könne man nicht dadurch belohnen, dah man versuche, dem preußische oder dem bayerischen Staate die Verwaltung der Saargruben vorzuenthalten. Auf diesem Standpunkt stehe ich auch heute noch Damit erledigt sich alles Gerede, als ob ich andere Pläne verfolge? Rußland und der Völkerbund. Rußland wünscht keine Vermittlung Deutschlands. Moskau, 18. Rov. (Telegrafenagentur der Sowjetunion.) Die „Isweitija" toelft auf die Ratschläge der deutschen Presse an die Tü rke i hin, dem Völkerbunde beizutreten, und betont, daß auch die deutsche Diplomatie sich in dieser Richtung betätige und dadurch die Bemühungen Englands und Italiens unterstütze, der türkischen Außenpolitik ihre lln- abhängigkeit zu nehmen. Die führenden Kreise Dc.. sAlands müßten bedenken, daß diese D'enste au England und Italien sich womöglich für Deutschland selbst als zu teuer ex- wersen könnten. Hinsichtlich 6er Ratschläge Deutschlands an die Sowjetunion, dem Völkerbunds beizutreren, müßten die öffentlichen Kreise Deutschlands, die glauben, sie müßten zwischen der Sowjetunion und dem Völkerbunde die Rolle eines „ehrlichen Maklers" fpieien, beten- fen, daß seinerzeit Bismarck erst nach Einwilligung beider Parteien die Vermittlerrolle übernommen habe. Es hieße über die Grundlagen der sowjetrusjischen Außenpolitik zu wenig un.errichtet sein, wenn man die Möglichkeit des Beitritts der U. S. S.R. zum Völkerbund in Erwägung ziehe. Die Behandlung der Opposition in Ruhland, Moskau, 19. Qlou. (Tll.) Stalin soll beschlossen haben, die Oppositionsführer wieder in hohe Staatsämter einzusetzcn. Er hofft auf diese Weife- eine endgültige Aussöhnung mit der Opposition herbeizwühren, und zwar sott Trotzki wieder zum Vorsitzenden des HaupttonzessionSanttes. Kamenew zum Botschafter in Tokio und Ossowskh zum Handelsattache ernannt werden. Weiter sollen hohe Posten an der Pariser Botschaft für Schljap- nikow und Miedwedew vorgesehen sein, wahrend Pjatakow zum Vorsitzenden der russischen Handelsgesellschaft bestimmt sei und Qlmtorg nach Amerika gehen sott. Das deutsche (Eigentum in Amerika. Washington, 18. Rov. (WTB.) Die 'Verhandlungen vor dem Finanzausschuß über die Zurückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums werden voraussichtlich längere Zeit andauern. Sie dienen der Sammlung umfassenden Materials. Anscheinend besteht allerseits der ernste WUle, eine Lösung zu finden. Die ursprünglich als Grundlage gedachte frühere Rew- ton-Vill ist augenblicklich zurückgetreten. 3m Vordergrund steht jetzt der Winston-Plan. Dieser sieht die Bezahlung amerikanischer Privatansprüche aus den bis September 1928 auf« -kommenden Daweszahlungen vor. Die Demokraten im Finanzausschuß sind diesem Gedanken anscheinend nicht abgeneigt, jedoch mit dem grundlegenden älnterschied, daß sie sich der Verwendung der Desatzungslosten widersetzen. David Hunter-Miller, der Rechtsbeistanü Wilsons in Versailles, legte gestern dem Ausschuß einen Plan vor, der aus gleicher Grundlage steht, aber unter Auss chaltung der Vesatzungskosten. Falls keine andere Lösung auftaucht, wird der Kampf sich um die Pläne Winstons und Millers drehen. Diese Frage wird von den Demokraten zu einer innerpolitischen Angelegenheit gestempelt werden. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den Grundsätzen Newtons braucht noch nicht aufgegeben zu werden. Die endgültige Entscheidung des Ausschusses ist nicht vpr Anfang Dezember zu erwarten. Der Aufstand in Nicaragua. Die Intervention der Vereinigten Staaten. Washrnglptz. 18- Rov. (Wolff.) ’Saü gemeldete Ersuchen Hicaraguas um eine ameri- konische Intervention wird erwogen, sobald Washington amtlich von dem Antrag des Präsidenten Diaz unterrichtet ist. Wie verlautet, hat die amerikanisch Regierung Informationen über mindestens fünf Freibeutereppe- d i t i o n e n von mexikanischen Häfen nach Ricaragua und Guatemala. Kel-. logg erklärte, er hoffe, daß das von Diaz gemachte Anerbieten der Amnestie und Zuteilung von Ministerstellsn an die Liberalen die Revolution in Ricaragua beenden teerte, dessen Ersuchen um Eingreifen ausländischer Stellen jeden Freund der Stabilität in Mittelpmerika mit Sorge erfüllen muß. Der Staatssekretär sagte ferner, daß im Augenblick die Frage einer mexikanischen Einmischung in die mittelamerikanischen Staaten, die offenbar eine Förderung radikaler Propaganda und bolschewistischer Philosophie bezwecke, andere Fragen, wie die der Meinungsverschiedenheiten über die Petroleum- und Landesgesetzgebung, in den Hintergrund schiebe. Wenn auch keine Anzeichen dafür zu bemerken seien, daß jene T^orien, irgendwelche ernste Wirkung auf Mittelamerika ausübten, so werde jedoch darauf hingewiesen, dah amerikanische- amtliche Kreise notwendigerweise angesichts des Zieles der mexikanischen Einmischung besorgt sind im Hinblick auf die geographische Lage dieser Länder zwischen den Vereinigten Staaten und dem Panamakanal. Sollte die Washingtoner Regierung die Lage für ernst genug halten, so würde das Ersuchen des Generals Diaz auf Intervention zur Grundlage für die Ents endung amerikanischer S e e st r e i t k r ä f t e in die Gewässer nach Ricaragua gemacht werden können, um die Waffenznfuhr aus Mexiko zu verhindern. Der amerikan sche Gesandte in Ricaragua, der sich auf Urlaub in Wrsh.ngton befindet, hat gestern den Präsidenten Coolidge besucht. EmdeutscherMakervonFaMLen gelyncht. Innsbruck, 19. Nyv. (Wolff.) Wie der in Innsbruck erscheinende Tiroler Anzeiger aus «Südtirol meldet, ist ein in Meran wohnender deutscher Maler wegen der angeblichen Aeußerung, er bedauere, daß die Kugel des Attentäters Mussolini nicht getrogen habe, von Foszisten in die Passer geworfen warben. Seme Leiche konnte noch nicht gefunden werden. Haber den Namen des Malers konnte noch nichts Näheres feftgestellt werden. Kleine politische Nachrichten. Nach der vorläufigen Zusammenstellung bei den ostoberjchlesischen Gemeindewah- l e n sind von den Deutschen 335 Mandate, von allen polnischen Parteien zusammen nur 265 Mandate in Den Gemeindevertretungen errungen worden. • Am 27. November tritt im Reichstag der Vorstand und am 28. November der Parteiausschuß der Demokratischen Partei zusammen. In der Sitzung des Parteiausschusses werden die Reichsminister Dr. Külz und Dr. Reinhold über die politischen und gesetzgeberischen Arbeiten des Winters sprechen. Am 21. November tritt in Göttingen nach Vereinigung der Opposition der Kommunistischen Partei Deutschlands (linke K. P. D.) mit der Allgemeinen Arbeiter-Union (Einheitsorganisation) zum Spartakusbund die erste Reichskonferenz des Spartakusbundes zusammen. Der Schulkreuzcr „Emden" ist am 17. November jn La Coruna eingetroffen und wird am 27. November nach Lanzareio in See gehen. Das Linienschiff J) aji n o d c r" ist am 16. November von Porte de Praia, wo es bei'onbers herzlich empfangen wurde, nach Palma in See gegangen. Auf der Durchreise nach Mexiko traf Prinz Heinrich von Preußen in Habana ein. Der Aufenthalt mährte nur wenige Stunden. Der Prinz übersandte dem Präsidenten von Kuba sowie dem deutschen Gesandten seine Karte, die erwidert wurde. Der neue Bundespräsident von Brasilien, Dr. L. Pereira de Souza, hat die Amtsgeschäfte über* nommen. Der neue Präsident empfing den deutschen Gesandten, welcher ihm die Glückwünsche des Reichspräsidenten und der Reichsregierung überbrachte, und erwähnte dankend das Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten und die Ernennung der Sonderbotschaft. Im brasilianischen Staate Rio Grande do S u l ist ein offener Aufstand ausgebrochen. Die Meuterer warfen von Flugzeugen aus Bomben auf die Stadt Santa Maria, wodurch eine Bank und ein großes Hotel zerstört wurden. * Der amerikanische Kreuzer »M e m p h i s", der sich zur Zeit auf einer Auslanbreise befindet, ist i« Hamburger Hafen eingetroffen, um auf Der Werft von Blohm & Voß sich einer Reparatur zu unterziehen. Kunst und Wissenschaft. Bibliokheksdau für das Deutsche Museum in München. Einer Sitzung des Vorstandes des Deutschen Museums wurden hie Vorschläge für die neuen Dibliothekspläne unterbreitet. Reben einer um» fangreichen Düchersammlung mit Lesesaal wird der Bibliotheksbau auch eine Plansammlung erhalten, ferner einen Kongrehsaal für 1500 Personen. Auf eine Einladung des Norddeutschen Lloyd wird Dr. p. Miller am 24. November eine Reis- nach Britisch- und Hollän» bi sch-In bien antreten. Da gegenwärtig im Deutschen Museum die Gruppen für das Bauwesen eingerichtet werden, für das sowohl die Wohnstätten der Naturvölker als auch di« P a • laste und Tempel Indiens von großer Bedeutung sind, ist zu hoffen, daß diese Studienreise für das Deutsche Museum von großem Nutzen sein wird, zumal sowohl die britstche als !auch die holländische Regierung ihre weitestgehende Llnt""stützung zugesagt haben. Professor Sranj (Einer f. In Wien ist Professor Franz Ejmex, einer der bedeutendsten Physiker Oesterreichs, im 2lltex von 77 Jahren gestorben. Bernhard Shaw und der Nobelpreis. In einem Schreiben an die Akademie spricht Bernhard Shaw feinen Dank für die Verleihung des literarischen Nobelpreises des Jahres 1925 aus, erklärt jedoch, dah er beschlossen habe, den Geldbetrag nicht anzunehmen, da seine Leser und Zuhörer ihm mehr Geld verschafften, als er für feine Bedürfnisse brauche. Er fordert daher die Akademie auf, die Zinsen des ihm zugedachten Betrages zur Förderung der literarischen und künstlerischen Verständigung zwischen Schweden und G-oßbritan- nien zu verwenden. Leider fei die schwedische Literatur noch wenig bekannt, da das für lieber» setzungen erforderliche Geld fehle. Aus aller Welt. Spielen mit Streichhölzern. In Neubiendorf bet Bebra war während der Abwesenheit der Eltern ein vierjähriges Kind in den Stall gegangen, hatte mit Streich- hölzern gespielt unb Feuer angesteckt. Das Feuer sprang schließlich auch auf das Wohnhaus über. Der Onkel des Kindes, der dies retten wollte, erlitt schwere Rauchvergiftungen. Eine alte Frau konnte nur durch das Fenster des ersten Stockes gerettet werden. Das vierjährige Kind fand man erstickt auf. Großfeuer in Mürren. In Mürren (Schweiz) brach am Donnerstag ein Großseuer aus, das sich infolge des heftigen Föhnsturmes rasch ausbreitete. Die Hotels Edelweiß und des Alpes sind niedergebrannt, die Hotels Palace unb Eiger stark gefährdet. Auch zwei Geschäftshäuser fielen den Flammen bereits zum Opfer. Hm Mürren brennt der Wald. 57 Häuser eingeäfchecf. Ein Großfeuer äscherte am Bußtag ti des Ortes Rappelsdorf bei Meimu- 57 Wohnhäuser mit Nebengebäuden, viel Vieh .... große Fuitervorräte wurden vernichtet. Aufdeckung einer Mordtat. I» Arnstadt wurde wegen Ermordung des seit Februar vermißten Fleischermeister Hartmann jetzt der 27jährige Hausschließer B'cker verhaftet. Auch die Frau des Ermordeten wurde feftgenommen. Becker, der mit Frau Hartmann ein Liebesverhältnis unterhielt, will Hartmann mit einem Fleischermesser getötet, die Leiche zerstückelt und in einen Leich geworfen haben. Die Leiche konnte noch nicht gefunden werden. Bluttat in den Berliner Elektrizitätswerken. In dem Bureau der Berliner Elektrizitätswerke am Schiffbauerdamm schoß der B u r e a u a n g e- st e l l t e L e m m auf den Vertreter des Personal- chefs Nißler, weil Lemm wegen unverträglichen Verhaltens zu feinen Mitangestellten zum 31. Dezember die Kündigung erhalten hatte. Lemm wurde verhaftet. Er behauptet, er habe unter unwiderstehlichem Zwang gehandelt, da er in den Elektrizitätswerken von Feinden umgeben gewesen sei. Lemm dürfte voraussichtlich auf feinen Gesundheitszustand untersucht werden. Nißler ist inzwischen g e st o r b e n. Ein rabiater Stadtverordneter. In Haltern wurde ein Handwerksmeister am Mittwoch abend auf der Mühlenstraße von dem kommunistischen Stadtverordneten Dreckmann a ng ef allen und durch Messerstiche schwer verletzt. Anscheinend liegt der Tat ein politischer Anlaß zugrunde. Herbei- geeilte Bürger verprügelten den Täter, der dann verhaftet wurde. Reun Ehefrauen hinter dem Sarge eines Satten. Im Gefängnis von C l i n g t o n (USA.) starb der wegen Polygamie zu längerer Kerkerstrafe verurteilte Jean Lawrence. Der Cefängnisdirektor verständigte zartfühicnderweise alle neun Ehefrauen des Verstorbenen, die auch alle erschienen und dem Sarge folgten. Die Erregung der Opfer des Don Quan war nicht gering. Wettervoraussage. Südliche bis westliche Winde, Regenfötte, noch mild. Gestrige Ta^estempermuren: Maximum 14,9, Minimum 6,3 Grad Celsius. Heutige Morgen- iemperaiuv: 6,7 Grad ÜelsiuZ. Aus der Provlnzialhauptftadt. Gießen, den 19. November 1926. Die Lektüre unserer Jugend. Soll untere Jugend Bücher lesen? Es gab eine Zeit, wo üoer diese Frage heftig gestritten wurde; begeisterten Befürwortern standen solche gegenüber, die jegliche Lektüre für die Jugend ublchnten. Dieser Streit ist längst entschieden. Es gibt wohl heute keinen ernsthaften Erzieher mehr, der nicht das Lesen eines guten Buches als em außerordentlich wichtiges Erziehungs- und Bildungsmittel betrachtet. Das Lesen eines guten Buches kann den Men fchen glücklich machen. Jeder Erwachsene hat es schon erfahren, wie ein Buch oft sein ganzes Innenleben im Banne hält, wie es ihn heraushebt aus den Sorgen und Widerwärtigkeiten des Alltags unb ihn hineinstellt in eine Welt voll Sonne und Licht. Wie viel größer ist die Wirkung eines Buches auf das viel empfänglichere Gemüt des Kindes. Bücher sollen bilden, unb ein gutes Buch wird diese Aufgabe stets erfüUen. Aber in Wirklichkeit ist es gar nicht in erster Linie der Bildungsdrang, der das Kind 3um Buche greifen läßt, sondern es ist das Sehnen seines Herzens nach einer Welt, in der es tcilnehmen kann an der Freude der Glücklichen und mitsuhlen den Schmerz der Traurigen, wo es miterleben darf den Kampf der Streitenden unb Mitempfinden das Trostbedürfnis derer, die das Leben geschunden und zerschlagen hat. Wird dieses Sehnen des Kindes richtig erkannt und wird ihm in diesem Seelen« zustanb ein gutes B u ch gegeben, so wirb es seichen Segen davon Haden für sein ganzes Heben. Ein Glücksempfinden wird das Kind überkommen, und seine Seele wird sich freimachLN von allem Häßlichen unb Unerfreulichen, bas sie belastet. Nur ein gutes Buch kann diese Wirkung auf daß Kind ausüben. Die Gefahren, die das Lesen eines schlechten Buches mit sich bringen kann, können außerordentlich groß sein. Es wäre falsch, wenn man alle Schlechtigkeiten, die von Jugendlichen begangen werden, auf das Lesen schlechter Bücher zurückführen wollte. Aber es kann nicht geleugnet werden, daß in sehr vielen Fällen die Lektüre schlechter Bücher mit dazu beigetragen hat. Jugendliche auf die Bahn des Verbrechens zu führen. Eine große Zahl von Gerichtsverhandlungen hat das mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt. Abgesehen von dieser ganz schlimmen Wirkung schlechter Lektüre sind auch bie sonstigen Schäden, die das Lesen ungeeigneter Schriften mit sich bringt, sehr groß. Schlechte Bücher vergiften die Phantasie des Kindes, verwirren seine Gedankenwelt und beeinflussen seinen Willen oft in der allorbedenklichsten Welse. Man hat rechtzeitig die Gefahren erkannt, die der Jugend von dieser Seite drohen, unb Bor beugungsmaßnahmen getroffen. Die Schule sucht durch Einrichtung von Schülerbibliotheken, die eine Auswahl guter Lektüre enthalten, den Geschmack des Kindes zu bilden unb dadurch auch Einfluß auf die häusliche Lektüre zu gewinnen. Letztere untersteht aber in der Hauptsache der elterlichen Aufsicht und Verfügungsgewalt. Die Eltern müssen deshalb dafür Sorge tragen, daß ihrem Kinde nur1 einwandfreier Lesestoff geboten wird. Es ist dies nicht leicht in einer Zeit, in der eine wahre Flut von Jugendschriften auf dem Büchermarkt angeboten wird. Was ist davon für das Kind geeignet und was nicht, wo hört der Schund auf, und wo fängt das Wertvolle an? Diese Fragen müssen gestellt und möglichst einwandfrei beant» wartet werden. Es ist ausgeschlossen, daß der ein« Seine sich in der Unzahl von Jugendschriften zurechtzufinden vermag, es sei denn, daß ihm ein reichliches Maß pon Zeit zu ihrem Studium zur Drsügung steht. Ihm wollen die Jugendschriften- Ausschüsse, die sich schon vor längerer Zeit überall in Deutschland gebildet haben, zu Hilfe kom« men. Diese Ausschüsse, die meistsne aus Lehrern bestehen, geben in periodisch erscheinenden Verzeichnissen, die für weniges Geld zu haben sind, eine große Anzahl guter Bücher bekannt, hie nach Fächern und Altersstufen geordnet sind. Jöder aber, der einem Kinde ein Buch kaufen will, einerlei, ob er ein Jngendschriflen-Derzeichnis beruht ober nicht, möge bei der Wahl des Buches von fo'genden Ueberlegungen ausgehen: Dem Kinde bedeutet bas Buch eine Ergänzung seiner jugendlichen Betätigung. Darum muß die Auswahl des Lesestoffes dem Bedürfnis des jeweiligen Alters ent- spxechen. Das Zwölfjährige hat nicht dieselben Neigungen wie das Siebenjährige, und das Sechzehn- ährlge bevorzugt wieder andere Stoffe. Im all- jemeinen lassen sich hinsichtlich der Vorliebe für liefen oder jenen Lesestoff im Leven des Kindes etwa ünf verschiedene Perioden erkennen: Zuerst kommt die Periode des Bilderbuchs, bie etwa bis zum 5 Jahre reicht. Dann erscheint Neues in dem Gesichtskreis des Kindes. Außer den Eltern und nächsten Verwandten treten andere Menschen, Tiere, Pflanzen upb Gegenstände außerhalb seines Kinderzimmers in den Kreis seiner Betrachtungen. Das Kind kennt aber noch nicht die Bedingungen, unter denen bas Leben in feiner Umwelt sich abspielt. Es glaubt alles, was ihm von Menschen, Tieren, Bäumen und Blumen, von Elfen, Zwergen und Kobolden erzählt wird. Es lebt in der Welt des Märchens. Diese Periode der Vorliebe für das Märchen dauert ungefähr bis zum 8. ober 9 Lebensjahr. Die fortschreitende Erkenntnis der Dinge in der Umwelt und das Belanntwerden mit der Tätigkeit der Mensche» erwecken dann in dem Kinde die Frstlde am Entdecken, Erfinden unb Erforschen. Es kommt bie Periobe. in der die Kinder Neifebeschrei- bungen, Schilderungen von Erfindungen imb Entdeckungen, vor allem aber A b e n l e u e r a el ch i ch- te n gern lesen. Man kann sie deshalb die A b e n- teuer-Periobe nennen; sie reicht etwa bis zum 13. Jahre. Nun kpmmt ein Aller, bas wohl als das kritischste der ganzen Jugendzeit anzusehen ist, das Alter zwischen 13 unb 16 Jahren. Die Kinder haben Inzwischen die Verhältnisse in ihrer Umgebung immer besser kennen gelernt, sie stehen Menschen und Dingen gereifter gegenüber und sind in der Lage, sich ein Urteil zu bilden. Die Kritik gegenüber der Umwelt setzt ein. Kritik bedeutet aber meist Kampf. Darum bevorzugt die Jugend in diesem Alter Lebensbeschreibungen berühmter Männer und Frauen, die durch Kamps sich durchgesetzt haben. Dramen unb Balladen werden jetzt gerne gelesen. Das Kind sucht nach Gestalten, die es lieben oder hassen, anbeten oder verabscheuen kann, es will jetzt keine Erzählungen. Man könnte dieses Alter bie Kamps-Periode nennen Nach ihr kommt die Zeit des gereiften Jugendaltcrs, die Zeit vom 16. bis 20. Lebensjahr. Es ist dies die Zeit, wo der Jugendliche anfängt, sich mit seinem eigenen Innenleben zu beschäftigen. Vielerlei Vorgänge haben sich Milllerweile in feinem Leben abgespielt, von denen viel ihm Erlebnisie brbeuten. Er sucht innerlich Stellung zu neh neu zu den Problemen, die vor ihm auftauchen, und sucht nach Personen, bic gleich ihm um die Gestaltung ihres Leben-, rtm n (Er greift nach bem Roman. Darum könnte man dieses Alter die Roman-Periode nennen. 3n ihr ist da« Lese« bebürfnis meist sehr stark, Fürsorgemahregeln für entlafjene Gefangene. Bekanntlich bildet die Fürsorge für entlasten« Strafgefangene eine Hauptaufgabe der Strofooll- streckungsbcl)örden. Damit, dost der Staat die uon den Gerichten auf Ärund der Strafgesetze erkannten Nreiheilsstrosen an den Missetätern vollstreckt, ist «s allein nicht getan. Aufgabe des Staate» ist e-, in jedem Falle zu prüfen, auf welche Weise sich der Rechtsbrecher in das bürgerliche Leben zurückfindet, und ihm hierbei soweit als möglich behilflich zu fein. Einen Versuch in dieser Richtung hat der mit den Staatsorganen j)unb in Hand arbeitende Hes» fische Schutzv«rein für entlassene Ge» f o n g e n e neuerdings dadurch unternommen, bofo er sich das Hosgut Hohenau am Rhein (Gemarkung Trebur, Kreis Groß-Geraus sicherte. Der Verein hat daselbst eine A u f n a h m e st « l l e für Strafentlassene eröffnet und hat den land. wirtschasUich-n Betrieb in einer den Vereinszwecken entsprechenden Weise eingerichtet. Das Ministerium der Justiz will seine Ziele dadurch fördern, daß es — pmächst versuchsweise — Straferlaß unter der Bedingung nrehriädriger Bewährung, d. h. tadel- freier, strafloser Levenssührnng, und gleichzeitig um lex der weiteren Bedingung gewährt, daß der in Frage kommende Gesungen« unmittelbar nach seiner Entlassung auf dem Gute Hohenau in Arbeit tritt. Die Minoestdauer der 'Arbeit daselbst soll ein bis drei Monate dauern. Die Strafverbüßung soll «ine Verkürzung um die festgesetzte Mindestdauer der Arbeit aus der Hohenau erfahren. Für Zuchthaus, fträflinge kommt die Beschäftigung aus der Hohenau vorerst nicht in Frag«. Fstp di« Aufnahme kommen auch nur solche Gefangene in Betracht, di« nach ihrer Persönlichkeit, insbesondere nach ihrer Führung in der Strafanstalt, die Gewähr dafür bieten, daß Pe in ber Aufnahmestelle einen ordentlichen, gesitteten Lebenswandel führen, fleißig sind und den Anordnungen des Leiters des Gutsbetriebs willig nachkommen, weil eine Beaufsichtigung der Entlassenen über das für den Arbeitsbetrieb und die Ordnung in einem landwirtschaftlichen Betriebe hin. ausgehende Maß weder ftattfinden kann noch stattfinden soll. 3n einem an die Justizbehörde gerichteten Ausschreiben hat der hessische Justizminister eingehend auf diese neue Einrichtung hingewicsen und den Strafvollstreckungsbehörden Weisungen erteilt. Es wäre zu wünschen, daß dieser neue Versuch der Gesangenenfürsorge in Hessen von Erfolg begleitet sei. Die Einrichtung des Gutsbetrieos in Hohenau ist jedenfalls ein« begrüßenswert« soziale Tat des Hessischen Schußoereins. Bornotizcn. — T a g e S ka le nde r für Freitag: ©tabitfceoter: 7.30 Ahr, „Die Jungfrau von Orleans" (»nbe gegen 10.30 Uhr). — V. s. B.: 6.30 Ufnr. „Universitäts-Cafi, Außerordentliche Hauptversammlung. — MjssionSbund „Licht im 8 Uhr, Neue Aula der Universität, Vortrag. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Mädchen- scheu". — Astoria-Lichtspiele: „3n letzter Minute". — ‘Die Herb st Versammlung ber evangelischen F ra u « n v e r ei n e Obere helfen« wird am Montag, 22. November, nachmittags Im Saalbau Sauer dahier stattfinden. Frau Hummel- Altenburg spricht dabei über das aktuelle Thema: .Mutter sind eines Volke- Schicksal'. Die Vortragende ist brr der großen Hauptversammlung der evangelischen Frouenvereinigung Deutschlands, die In der Psinaslwoche dieses Sahres in Darmstadt tagte, als Äolksredperin vorteilhaft bekannt geworden. Näheres siehe Anzeige. •* DaS Derkshrsbureau des Gieße n er VerkehrSvepeine in dem Tor- Haus am Seite rsweg. das gegeMoärttg noch in; Umbau begriffen ist, wird nach Fertigstellung in neuzeitlichster Weise ausgestatt-t. u. a. sott dort eine öffentliche Fernsprechstelle geschaffen werden, weiter will man, einem vor wenigen Lagen im „Gießener Anzeiger" geäußerten Wunsche Rechnung tragend, eine Verkaufsstelle für Gasmarken schaffen, ferner ist in Aussicht aenommen. auch Fahrscheinhefte der Straßen- vahn in Dem Bureau auszugeben. W itere im unterere der Gesamtheit liegende Einrichtungen sind im Werden begriffen, über die heute aber noch nicht berichtet werden kann. •* Eine WeihnachtSspende für bedürftige Gießener Kleinrentner hat der Verkehrs verein gestern abend in seiner Dor- stands- und Ausschuhsitzung beschlossen. Dem Verein sind von der Preisvecteilung gelegentlich deS BlumenschinuckwettbewerbD eine Anzahl Gegenstände (Wein, Zigarren, Bücher, kleinere Herrenwäsche) verblieben, die er in der oben» genannten Weise verwenden will. Der Beschluß verdient dankbare Anerkennung. " Kraftpost Giehen-Krofborf— Fellingshausen. Vom Postamt Gehen wird uns milgeteilt: Mit Wirkung vom 22. No- vember ab werden die um 5.35 nadjm. in Gießen Bahrchos abgehenden Fahrten der Kraitpostlinie Gießen - Krochorf—Feilingshausen, die bisher um 5-55 nachm. in Ärofbon endigten, b i s nach Fellingshausen durchLemyrt, wo die Wagen um 6.C8 nachm. ankommen und um 612 nachm. über Krofdorf nach Gießen zurückfahren. Diese Planänderung hat zur Folge, daß die Fahrten ab .^iofborl (Apotheke) 6.00 nadjm. nach Gießen und Diejenige ab Fellingshausen 7.05 nachm. z. ifdeu FellingShgUsen und Kro bork (Apotheke, in Wegfall kommen, ferner hie bisher um 6.25 uoch..i. in Gießen Bahnhof abfahrende Kraftpost luftig erst um 6.50 nachm. abfährt und nur bib Gosdorf (Apotheke) verkehrt. V-R. Verlegung des bursch en- schaftlich-ht st arischen Archivs von ließen nach Frankfurt? Aus Frant- fuct a. M. wird uns gemeldet: Wie verlautet be> steht die Absicht, das burschenschastlich-hiswrische Archiv, das sich z. Z. in Gießen befindet, und unter Leitung des um die Erforschung der Geschichte der Burschenschaft überaus Der dienten Geheimrat« Prof. Dr. Haupt steht, nach Frankfurt a. M. überzusühren- Der Frank- funer Magistrat ist bereit, die nötigen Raume im Siadlarchiv zur Verfügung zu stellen — Vis zur Stunde war es unS nicht möglich, eine Aeußerung von Gießener zuständiger Stelle über die Richttgteit dieser Meldung zu erhalten. Die Redaktion. *• Teilweise Straßensperre. Wegen Vornahme pon Jnstandsetzungsaroeiten an dem Dahngkeise der Frankfurter Straße hat das Polizeiamt die rechte Seite dieses Gleisüberganges aus der Fronksurler Straße, Richtung Gießen—Klein- Linden, für jeglichen verkehr bis auf weiteres gespellt. ” Ausgehobene Straßensperre. Die am 5. Oktober vom Polizeiamt angeordnet« Sperrung der Bahnhofstraße zwischen Schanzenstroße und Westanlage ist jetzt wieder aufgehoben worden, da die Pslosterarbeilen beendet sind. " Die Gewerbe- und.Maschinenbauschule Gießen hat am 1. November ihr Wintersemester begonnen. Auch in diesem Semester aeigte sich wiederum die große Raum» tnapvh ger, Untergr uppe Gießen, wird uns geschrieben: Wir beabsichtigen, in diesem Jahre ein« Weihnachtsfeier zu veranstalten, die mit einer Bescherung aller kriegsblinden Kameraden verbunden sein sott. Um diese zu ermöglichen, wandten wir uns an hiesige Firmen und Privatpersonen mit der Ditte, uni Spenden zur Verfügung zu stellen. Wie wir hören, ist eine Unterstützung unserer Sache verschiedentlich mit der Begründung abgelehnt worden, daß wir Konzert» karsen verkauft hätten, aber die in Aussicht gestellten Konzerte aus nicht bekannten Gründen ausgefallen wären. Wir stellen hiermit fest, daß wir mit derartigen Machenschaften nicht das geringste zu hin haben, und tonnen mittellen, daß Der in Frage kommende Schwindler strafrechtlich verfolgt wird. Klmzerte, die von uni veranstaltet wurden, sind stets ausgeführt worden. Wir dürfen annehmen, daß diese Zeilen genügen, um alle Bedenken gegen uns zu zerstreuen, und daß sich niemand adhatten lassen wird, an dem Erfolge unserer Weihnachtsbescherung mitzuwiicken. Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße zeigt gegenwärtig das Lustspiel „M öd. chenscheu" mit dem beliebten Filmkomiker Harold Lloyd in der Hauptrolle. Der Film ist einer der besten Schlager biefer Art, sehr geschickt aufgebaut und wirkungsvoll inszeniert. Dai Spiel entfesselt stürmische Heiteckcits.ius. brüche und läßt die Sorgen des Alltags für ein paar Stunden völlig vergessen. Das Programm wird durch zwei luftige Trickfilme, die in mühevoller Arbeit aus unzähligen einzelnen Zeichnungen zusammengesetzt wurden, bestens ergänzt. Ein Besuch der Vorführungen ist zu empfehlen, — z. Eine oberhessische Sänger-Erinnerung. ö Laubach, 18. Noo. Bekanntlich vereinigen sich neuerdings zahlreiche Gesangvereine unserer Heimat zu größeren Verbänden, um durch gemeinsames Dundessingen die Pflege des Liedes, sowohl des Volksliedes als auch des Kunstchors zu fprbem. Zu dem Zwecke hat sich vor kurzem decHorlosf-Wettertal-Sänger- bund gebildet, der eine ganze Re be von Gesangvereinen dieser Täler umfaßt. Diese Bestre. bungen sind jedoch nicht neu. Bereits vor einem Iahrhundert finden wir den Ansatz dazu. So gab ber verdienstvolle Konrektor Schaad zu Laubach (1600—90), dem seine treuen Schüler im Sagte 1900 auf dem Aamsberg ein schönet Denkmal der Verehrung setzten, im Sommer 1 839 die Anregung zu einem großen gemeinschaftlichen Gesangfest, woran sich die Vereine der Provinz fast sämtlich beteiligten. Schaad hatte den Gesangverein unserer Stadt begründet und erkannte die Bedeutung gegenseitiger Qlnregung und Vervollkommnung. Am 21. Juli vormittags, nach Beendigung des Gottesdienstes, trafen hi« Gesangvereine pon Lauterbach, Schotten, Grünberg, Hungen, Butz» bad) und Friedberg mit Musik unter dem Donner von Böllerschüssen auf 14 vierspännigen, mit Fahnen und Laubgewinden geschmüdlen Wagen in Laubach ein. Vorerst wurde eine Generalprobe abgehalten, die durchaus befriedigend aussiel. Um 2 Uhr fand in der Stadtkirche feierlicher Gottesdienst statt, der durch den Choral: „Herr, wir singen deiner Eher", den alle Vereine gemeinsam vortrugen, in stimmungsvvoller Weise verschönt wurde. Um 4 Uhr sand ein Festzug durch die Hauptstraßen statt. Die „Didaökaliä. Jahrgang 1839. Nrr-2l0, berichtet weiter „Sodann wurde das Gesangfest in dem gräflichen Schloßhof fortgesetzt. Hier hatte ber erlauchte Graf z u Solms-Laubach, ein wahrer Freund der Volksbildung und mithin auch eine« veredelten Dolksgesanas, für 300 Sänger eine geräumig« Tribüne erbauen lassen und lieh samt- lichen Sängern die erquickendsten Erfrischungen reichen. Der Graf wurde mit einem Herzlichen Lebehoch begrüßt und erwiderte dasselbe mit einem angemessenen Toast aus bi« Gesundheit Lr. König!. Hoheit des Grohherzogs. Dor 500—600 Zuhörern erklangen vierstimmige Gesänge geeigneter Volkslieder au- den „Frankfurter 8eftgefangen", Müllers Mannerchören und Operdjörcn. Gegen 6 Uhr zog das vereinte Sangetlorps auf eine nahe Anhöhe (jedenfalls „Ramsberg"), wo di« lieblichste Aussicht bem festlichen Tag einen neuen Reiz gab. Mit ein- brechender Rächt und nach beendigtem Abendessen führte der Zug zur Stadt zurück, und es begannen mehrere Feftbälle für sämtliche Sängerchöre, die erst am anderen Morgen in ungetrübter Heiterkeit endeten Ein dankbares Lebehoch erschalle noch lange dem erhabenen Regenten von Hessen, unter dessen erleuchteter Regierung ber Bolksgesang zu solcher Der- Dollfommnung gereift ist, daß sein dankbares Volk ein solches Fest feiern konnte, aber auch nicht minder dein edlen Grasen zu Solms-Laubach, ber alle so freundlich ausnahm. wie auch dein verehrten Kreisrat des Bezirks, ber durch zweckmäßige polizeiliche Anordnungen, besonders durch das Verbot des BranntweintrinkenS im Freien, diele Feier unterstützte, und endlich der großen Volksmenge, die |id) durch Anstand, Ordnung und Ruhe an diesem Tage so rühmlichst auszeichneie. Laubachs Sängerchor wird nie die freundliche Teilnahme und Mitwirkung der auswärtigen Vereine vergessen". Preußen. Kreiö Biedenkopf. T Waldgirme s, 18. Nov. Der hiesige A r • beitergesan averein „Bolkschor" unter der Leitung des Lehrers T h o in o i ch c w s k i, hier, gab am Sonntag ein außerordentlich gut besuchtes Honzert. Als Mitwirkende am Flügel halte sich die Musiklehrerin Frl. A n t h c s aus Frankfurt, die Schwester unseres Pfarrers, in uneigennütziger Welle in den Dienst der Sache gestellt. Einzeln und in Begleitung des Orchesters aus Krofdorf zeigte sie ihre Meisterschaft am Flügel und sand damit reichen Beifall. Die Gesänge des Vereins wurden gleichfalls mit großem Beifall aufgenommen, besonders auch die Äcjangseinlagen der Frau Thoma- s ch e w s k i. Der Verein kann mit seinem Erfolg zufrieden sein. Kreis Marburg. sch. Marburg, 18. Rov. Zur Förderung der Raturdenkmalvflege im Regierungsbezirk Kassel hat der Unt^rverband Kassel im Preußischen LandfreiStag gemeinsam mit dem Landeshauptmann eine Organisation ins Leben gerufen, die für Ober-Hsssen die Kreise Marburg, Frankenberg und Kirchhain umfaßt uno die Bezeichnung Landschaftsstelle für Naturdenkmalpflege in Ober- Hessen" führt- Sie setzt sich zusammen aus den ßanbräten und den von diesen ernannten Vertrauensleuten. — Ein Fall von Kinderlähmung wird auch aus Mellnau (Kreis Marburg) gemeldet. Cs handelt sich um eist Kind, das schon von Geburt auS etwas gelähmt ist, sich deshalb zur Behandlung in einer Marburger- Klinik befand und nun auch von dieser Krankheit noch befallen ist. Kreis Westerbura- CO Westerburg, 18. Poo. Bei einer im Distrikt Oberrod-Westtniahe stattgehabten Treib» j a g h kamen zwei Keiler, ein Frischling, 17 Reh«, 22 Hasen und 7 Füchse -ur Strecke. WSN. Frankfurt a.M., 16.Rov. Die Stadt Frankfurt a.W. ist dem Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hamburg—F r a n k f u r t—B a s e l (Hasraba) beigetreten, der seinen Sitz und seine Hauptgeschäftsstelle in Frankfurt a. M. hat und im Rahmen einer Vorcerellungsgesellschaft alle Arbeiten leisten will, die in technischer, wirtschaftlicher, finanzieller, verkehrsf)oZtischer und propaoandistischer Hinsicht zur Prü.ung der Durchführbarkeit und zur Vorbereitung ber Ausführung der Autostraße Homburg—Frank.urt—Basel geeignet und ersvrderltch sind. — Heule nacht gegen 2 Uhr wurden drei in Griesheim a. M. wohnende Männer von einem in der Gelnhäuser Gasse wohnenden Arbeiter infolge eines Wortwechsels durch Messerstiche so erheblich verletzt, daß sie im Hospital ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Der Arbeiter wurde festge- jwmmen. Einer ber Verletzten liegt im hoffnungslosen Zustande barnieder. — Der Magistrat hat soeben der Sia^toerordnelenver- fammlung eine ausführlich begrün bete Antwort hinsicktlich ber Beschlüsse der Versammlung vom 19. Oktober d. 3. auf Herabsetzung der Gewerbesteuer von 460 auf <00 Prozent, Beseitigung des Zuschlags zur staatlichen Grundvermögenssteuer und Aufhebung der Zuschläge zur Grundvermögenssteuer zugehen lassen. Sn Der Antwort teilt der Magistrat mit, daß er den genannten Beschlüssen nicht bel- zutretenvermöge. Begründet wird b e Ablehnung mit der Tatsache, daß zwar eine Mehr- elnnahine von 5,65 Millionen Mark zu erwarten sei, daß demgegenüber aber auch eine Mehrausgabe von 10,5 Millionen Mark zu decken sei. Mithin bestehe noch ein Fehl- beiraßüon s a st 4 Millionen Mark. Bei einer Herabsetzung der Gewerbesteuer müht« dieser Betrag anderweitig beschafft werden. — Der Ein- und Ausbrecher Andreas Kunkel ist bei einem Einbruch in Dieteshüm bei Mühlheim, den er mit seiner Braut ausfühoen wollte, fest genommen worden. Kunkel ist, wie vor einigen Tagen schon gemeldet, ein alter Bekannter der Polizei und durch seine Ausbrecherkünste ein besonders schwerer Junge. Seine Braut, Elisabeth Lachmayer, konnte sich der Festnahme entziehen, wurde aber bei ihrer Rückkehr auS Dietesheim festgenommen. Infolge der polizeilichen Derfolgmigen führte das Paar ein unstetes Leben. Mit falschen AuSwelLpapieren haben sie sich insonderheit vornehmlich in Bayern aufgebalten und vom Bettel gelebt. NachtS haben fie meist im Freien genächtigt. Amtsgericht Gießen. ' Gießen, 16. Noo. Ein Geschäftsmann von hier war von feiner geschiedenen Ehesrau verklagt worden, weil er sie mitzhandelt habe. 2n seiner Erwiderung aus die PrivaMage erklärte er u. a., der Rechtsanwalt der Privatklägerin suche aus der ^ache Kapital zu schlaoen. er lege thr immer Sachen vor, die sie unlerschreiven müsie. Die Pnoatklägerin habe selbst erklärt, sie könne nichts dafür und wisse von nichts, der Rechlsanwatt mache das von sich heraus. Offenbar sei dieser der Meinung, daß an den paar Haaren, die sie now hätte, noch etwas zu rupfen sei. Der Rechtsanwalt erhob daraufhin gegen den Gefchäftsmann Priootklage wegen Beleidigung, die heute oeraleichsweife erledigt wurde, nachdem er einen Bries seiner Klientin ooraelegl hatte, In dem sie ihn wiederholt aus» eindringlichste «rsuchle. unter allen Umständen doch die Prioatklage Segen ihren geschiedenen Ehemann zu erheben und urchzusühren. Trotz dieses Drängens wurde die Klage erft mehrere Wochen später erhoben. In dem Vergleich erklärte der Angeklagte, er hab« sich davon überzeugt, daß die von ihm in seinem Schreiben gegen den Rechtsanwalt erhobenen Vorwürfe unbegründet seien. Er bedaurc, den Erklänmgen dritter Personen, die ihm diese Angaben gemacht hätten, Glauben geschenkt zu haben und nehme diese Bor^ würs« mit Bedauern als unwahr zurück. Außerdem mhlte er «ine Buße von 30 Mark zu wohl tätigen Zwecken und Übernahm die Kosten des Rechtsstreits. = Xegp Natur] lodener Queflsolz, halfen Sodener war mbrunnenJI lichkeit zurückgewiesen werden die frische Lust gebracht Nachbarn horten, wie es Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen, 17. Nov. Den Deh«leuten L., Metzger und Landwirt in Holzhaufen v.d.H.. sind im Laufe der letzten Sabre neun kleine Kinder gestorven. Nach und nach begann man in der Bevölkerung zu munkeln, daß da etwas nicht mit rechten Dingen zugeha. Als im Somme- wieder der Tod des zweijährigen Kindes Heinrich erfolgte, weigerte sich der Arzt, das Todeszeugnis auszustellen: die StaatSan- waltschast nahm sich der Sach« an, und bas Er- mittetungsergebnis im Vorverfahren war derart, daß die Eheleute sich heute unter der An- llage ber fahrlässigen Lotung vor dem Gericht zu verantworten hatten. Der Ehemann L. ist viel älter als feine Frau und lebt in der Ueberzcugung, nicht der Vater ihrer Kinder zu sein. Infolgedessen kümmerte er sich nicht um sie, lieh sie — obwohl er heute seine kirchliche Gesinnung betonte — nicht taufen, wenn sie starben, wurden sie sang- und klanglos begraben, um die Gräber kümmerte sich kein Mensch; die Frau gibt zu, ihre Muttcrpflichten vernachlässigt zu haben, ihr Mann habe es nicht gern gesehen, wenn sie sich um die Kinder gekümmert habe. Uebrigens habe sie dem Kind soviel Milch und Zwieback gegeben, als es angenommen habe. Bis zu welchem Grade die Pflichtder- gesseuhelt der Mutter vorgeschritten war, ergab sich bei der Leichenöffnung des zuletzt verstorbenen Heinen Heinrich, bei dem allein noch einwandfreie Feststellungen getroffen werden konnten: das Dolliommen verwahrloste Kind befand sich in einem Ernährungszustand, wie er nach den Gutachten der Gerichtsärzte niemals im Krieg an den Hungerkindern beobachtet worden war. Das Kind war in den zwei Sahren seines Lebens nicht ein einzigesmal — abgesehen von dem Smpftermin, In dem es wegen Schwäch- mußte — an worden. Die oft verzweifelt Familie hatten „oben im Saustatt und schrien". DaS Anerbieten eines praktischen Arztes, der den Ehemann, aud; für den Fall, daß er nicht ber leibliche Vater der Kinder fei, auf seine Pflichten hrngewiefen unD dec Mutter seine Hilfe angebvten hatte, war unbeachtet geblieben, ebenso wie die Fur- sorgeschwestLr, die nach dem rechten sehen wollte, labgewiesen wvrden war. Die Folge der Vernachlässigung und unzweckmäßigen Ernährung war eine in den ersten Lebeismvnatsn ein* Ictzcnde Rachitis, d e zum T.de des Kindes führte. Sn Uebereinsttmmung mit dem Gutachten ber Gerichlsärzte und den Darlegungen der Htaatsanwaltsch^sr gewann das Gericht die Ueberzeugimg, daß die A,-.geklagten sich eines auf das schärfst« zu mißbilligenden grob fahrlässigen Verhaltens schuldig gemacht haben. An dec Zurechnungsfähigkeit des Ehemann L. ist trotz seiner zornigen Aufgeregtheit, die ihn beherrscht, nicht zu zweifeln: Denn ec auch seiner Frau die Erfüllung ihrer Mutierpflichten zweifellos erschwert hat, so wäre doch die robuste und energische Frau in der Lage gewesen, ihren Willen dem im Grunde gutmütigen Mann gegenüber durchzusetzen, wenn sie nur ernstlich gewollt hätte. Den Erfolg ihrer Nachlässigkeit hätten beide Angeklagten voraussehen können und mü len. Das Urteil lautete wegen fahr- lä siger Tötung-auf je ein 3abr Gesang n i s. Ter schon 13 mal vorbestrafte Techniker Paul Knobloch von Halle hatte im Sommer dieses Sabres in Gießen vecsch.ebene Geschäftsleute dadurch zur Hergabe von Waren und auch von barem Geld veranlaßt, daß er ihnen vortäuschte, er sei Ingenieur mit gutem Einkommen, während er tatsächlich ohne Stellung und völlig mittellos war. Wegen Rückfallbetrugs in vier Fällen wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Sn der Dacht vom 29. bis 30. Suli wurden in Bad-Nauheim versch.edene Äeileretn- bcüche verübt und dabei Schmalz, eingemachtes Obst. Wein, Käse ufto. in größeren Mengen gestohlen. Sn der übernächsten Nacht gelang es dann in Gießen einem Wachmann und einer Polizeipatrouille, den Gärtner Hans Henschel von Essen bei einem ähnlichen Kellerdiebstahl festzunehmen Sn seinem Besitz befanden sich ein Meißel und ein Stück Kuchen, die aus zwei weiteren Kellerdiebstählen aus derselben Nacht stammten. Henschel bestritt zunächst, bei den Nauheimer Liebstählen beteiligt'gewesen zu fein; als ihm bann vorgehalten wurde, daß dort seine Fingerabdrücke festgeslellt wordrn feien, gestand er. Strafe: 2 3ahre Gefängnis. Lec Knecht Franz Wilhelm H a v l t c e k aus Frankfurt a. M. hatte im Mai d. 3. eine Bescheinigung seines TienstHrrrn gefällcht und unter Vorlage derselben sich 20 Mark erschwindelt. Mit Rücksicht auf seine Vorstrasen erhielt er 3 Monate Gefängnis. schrie. Die alleren Kinder der in der Nachbarschaft wiederholt mit Bezug auf ihre kleinen Geschwister geäußert, diese seien Reform- Steiner’s- Paradies-Betten Ilse Gießen (Frankfurter Str. 33), den 18. November 1926 Achtung! Achtung! «II g*//—//■*■//=»«•// 8™iii*=*ii«*iib—*ii**ii^ -A 1,10 Hackfleisch 9507 D Gießen, den 19. November 1926. Gießen, den 17. November 1926. 08041 gesucht 9455D 9619D [9492a Seltercswes 81 Preiswerte Weine n 1923 Chateau Sir et St Martin du Puy.. 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Samstag, 20. November, abends 8 Uhr, in der Neuen Universität saula: Vortrag von Stadt - Missionsinspektor Pastor Thieme-Berlin, über das Thema: Das Evangelium u. die soziale Frage Programme zu 50 Pf. in der Pilgermission. Sonntag, 21. November, nachm. 3'/. Uhr: Dor träge von Misfionsinspektor Pastor Held- Wiesbaden und Pros. Lic. Unruh über das Thema: Ruhlands Gottsuchertum Abends 8 Uhr: Dortrag von Prof. Marcinkovslrij, Thema: 9506 D Aus der religiös. Arbeit in Rußland Beide Deranstaltungen in der Neuen Universitätsaula. Missionsbund „Licht im Osten". mengen. Verlangen Sie nur echtes Raffo! in Originalfiaschen u. weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein. Hersteller: Engelapotheke Gießen. Iu haben in allen Apotheken. Prima Existenz! | Hauö mit Kolo nialwarcn- und Ftichkonierven- geichäst «-nA an einem Jndnstrte- platze Nähe Darmstadt. Laden u. Woh- nunfl iofort bez'ehb. Preis 9)tt 15.000.- Anzaülg die Halste. Wolff,Moss No. Immobilien Bensheim a. d. B. 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Hätte sie eine solche, so hätte sie nicht die fast einstimmige Unterstützung des Volkes gefunden, und im Parlament wie außerhalb desselben hätte sich Opposition geltend gemacht. Kanada weih, daß es in bezug aus seine äußere Politik c i n Teil des britischen Weltreiches ist. Aber wir sind der Qlnficbt, daß wir den Amerikaner besser kennen, als der Engländer. Wir haben weit engere Beziehungen zu ihm. Wir befudyeu ihn häufiger und — namentlich seit der Prohibition — auch et uns. Wir verstehen ihn besser, als irgendein Europäer. Wenn er blufft und wenn er's ernst meint. Wir ziehen daher d e n direkten Weg vor und glauben, daß wir uns dabei besser stellen werden." Bereitet die Erkenntnis, daß fid> in den Ucberfeclänöem des britischen Reiches nach und nach Interessen entwickelt haben, die besser durch einheimische als durch englische Vertreter wahrgenommen werden können. in London auch nicht geringes Unbehagen, so kann man sich ihrer dort doch nicht mehr erwehren. Der Irische Freistaat ging zuerst voran und sandte Herrn T. A. Smiddy als diplomatischen Repräsentanten nad) Washington. Run folgt Kanada dem Beispiele. Wenn die anderen unter Selbstverwaltung stehenden Be- sitzungen und Kolonien sich auch dazu entschließen sollten, würde sich in Washington ein recht an- sehnliches Korps britischer Vertreter zusammen- sinden. Erhalten sie bei wichtigen Fragen einander zuwiderlaufende Instruktion aus der Heimat. oder sind sie selbst geteilter Meinung, dann mag es allerdings Verlegenheitspausen geben, sogar solche von längerer Dauer. Es mag sein, daß Kanadas Bevölkerung zum großen Teil es noch als einen Vorteil betrachtet, Mitglied der britischen Familie zu sein. Man wird aber nie hören, daß ein Kanadier sick einen „britischen Untertan" nennt. Höchstens bann, wenn er irgendwo im Auslande was „ausgefressen" hat und des Schuhes der britischen Krone bedarf. Die Vorgänge im kanadischen Parlament haben auch nicht gerade dazu beigetragen, die Hochachtung vor dem Vertreter der Krone zu schwellen, wie der Ausgang der Wahlen zeigt. All dies bedeutet natürlich keines^ Wegs, daß der Kanadier fid) nach dem Anschluß an die Vereinigten Staaten sehnt. Es bedeutet noch nicht einmal, daß er unter englischer Herrschaft — wenn man von solcher überhaupt noch reden kann — sich unglücklich fühlt. Bedeutung hat dieser Schritt lediglich als Anzeichen des immer stärker werdenden Selbstbewuht- seins der Teile des Reiches und ihrer 2lb- sicht, zur Erlangung der Gleichberechtigung auch selbständig vorzugehen. Der neue kanadische Gesandte in Washington ist ein verhältnismäßig junger Mann. Er wurde 1887 in Toronto geboren, studierte auf der dortigen Universität Geschichte und Rationalökonomie, besuchte Oxford auf eine Weile, hielt von 1913 bis 1915 in Toronto Vorlesungen über neuzeitliche Geschichte und trat 1919 als Teilhaber in eine Fabrik landwirtschaftlicher Ma- Hochschulnachrichten. Der Beginn des Jubiläumsjahres der Universität Marburg macht sich bereits durch die steigende Besucherzahl bemerkbar. So beträgt die Zahl der immatrikulierten Studierenden bis jetzt 2110, gegen 1829 im vorigen Winterhalbjahr. Im Sommerhalbjahr, das ja immer eine höhere Besucherzahl bringt, waren es 2387 Studierende. Unter den diesmaligen Besuchern befinden sich 267 Frauen. Es studieren 119 Männer und 15 Frauen Theologie, 678 bzw. 18 Jura, 368 bzw. 37 Medizin und 678 bzw. 209 Philosophie. Die auf Grund eines Berechtigungsscheins Zugelassenen sind in diesen Ziffern nicht mit einbegriffen. — Die philosophische Fakultät erneuerte dem Geh. Schulrat Prof. Dr. Erwin V o l ck m a r aus Homberg, Der über 40 Jahre als Direktor der Real- und Oberrcalschule in Offenbach wirkte, aus Anlaß feines 50jährigen Doktorjubi- läums das Doktordiplom. Der Gelehrte wohnt in Büdingen. — Der Generalsekretär des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich und Honorarprofestor für südwestdeutsche Landesge- schkchte an der Universität F r a n k f u r t a. M. Geh. Regierungsrat Dr. Georg Wolfram ist zum außerordentlid)en Senator der Deutschen Akademie der Wissenschaften ernannt worden. — Zur Wieder- bejetzung des durch den Tod des Prof. 21. Merz an der Universität Berlin erledigten Lehrstuhls für Meereskunde ist ein Ruf an den ordentlichen Professor für kosmische Physik an der Universität Innsbruck Dr. phil. Albert Defant ergangen. — Der Lehrstuhl für technische Mechanik in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung der Technischen Hochschule zu Dresden ist dem ordentlichen Professor Dr. Georg Prange an der Technischen Hochschule in Hannover angeboten worden. — Das Sächsische Ministerium des Innern hat an Stelle des an die Berliner Technische Hochschule berufenen Professors Dr. Heinrich T e s s e n o w dessen Nachfolger bei der Akademie der bildenden Künste in Dresden Professor Dr. Wilhelm Kreis zum Mitgliede des Akademischen Rates bis 31. Dezember 1931 ernannt. — Der Lehrstuhl für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiken an der Universität Greifswald ist (an Stelle von Prost W. Brünings) dem a. o. Professor Dr. Alfred G ü 11 i ch an der Universität Berlin angeboten worden. — Als Nachfolger vün Professor N e d e r ist der Privatdozent an der Universität M ü nst e r, Studienrat Dr. Erich Kamke zum außerordentlichen Professor der Mathematik an der Universität Tübingen ernannt worden. — Die Akademie für Geschichte der materiellen Kultur in Leningrad hat die Direktoren an den staatlichen Museen in Berlin, Geheimrat Th. Wiegand, Professor F. S a r r e , und den Generaldirektor des Archäologischen Instituts des Deut- schen Reiches, Professor G. Rodenwaldt zu korrespondierenden Mitgliedern gewählt. Die genannten drei Gelehrten haben im Sommer ds. Is. Rußland besucht und in Leningrad auf Einladung russischer Gelehrter Vorträge über griechische, römische und islamische Kunst gehalten. Maschinen und Brücken im Examen. In unserem Zeitalter, in dem die Maschine eure so große Rolle spielt, ist die Prüfung der verschiedenen technischen Anlagen überaus notwendig geworden. Iede Drücke, jedes Gebäude, jeder Kraftwagen, jedes Flugzeug usw. wird einem sehr eingehenden Examen unterworfen, um festzustellen, ob sie auch allen Anforderungen genügen. Dabei macht man immer wieder die merkwürdige Beobachtung, daß zwei Maschinen, die in ihrer Größe und Bauart ganz gleich sind, sich doch bei der Probe verschieden verhalten, und jeder Autofachmann weiß, daß zwei in derselben Serie hergestellte Wagen sich doch in ihren Eigenschaften voneinander unterscheiben. Besonders eingehend ist das Examen für die großen Autobusse. Sie werden, bevor sie eingestellt werden, mannigfach geprüft. Da gibt es eine „@leit- probe". Der Omnibus muß mit großer Geschwindigkeit auf einem schlupfrigen Boden fahren uno wird dann plötzlich angehalten. So bekommt man heraus, ob er zu sehr schleudert. Dann wird er auf einem sehr schlechten Wege ausprobcen. too- bei man die „Löcher" aufsucht. Daran laßt ftch die Federung des Gefährtes erkennen. Andere Prüfungen bestehen in Herabfahren von einem stellen Hügel und in einer Untersuchung seines Gleichgewichtes. Iede neue Drücke wird lorg- fältig aus ihre Belastung hin erprobt. Lokomotiven und schwerbeladene Waggons, die eine drei- bis viermal so groß" Last darstellen als die normale, werden über die Drücke gefahren. Bei der Prüfung der neuen Waterloo-Brücke in London benutzte man zu dieser Belastungsprobe 30 Omnibusse, von denen jeder mit 47 Sandsäcken beladen war, jeder Sandsack 40 Kilogramm schwer. Sehet Dogen wurde mit dieser Last einzeln ausgeprobt und durch Instrumente die Senkung der Konstruktion bis auf Viooo Zoll beobachtet. Ebenso werden Schifisletten einem strengen Examen unterworfen. Die größte Maschine für Prüfungen dieser Art, die es gibt, ist kürzlich in Dirmmgham eingeweiht worden. Sie tostet 1/t Million Mark, ist 120 Fuß lang und imstande, einen Widerstand bis zu 1250 Sonnen zu zerbrechen. Gerüste und Plattformen, auf denen große Menschenmengen stehen sollen, müssen natürlich auch auf ihr Gewicht hin genau geprüft werden. Man nahm früher an, daß das Gewicht einer Menschenmasfe 80 Pfund auf den Quadrat- fuh beträgt, aber in neuester Zeit hat man fest- gestellt, daß eine dichtgedrängte Menschenmenge 176 Pfund auf den Quadratfuß wiegen kann, und daß daher die Delastung, die bei der Prüfung verwendet wird, das Mehrfache betragen muh. Vom indischen Heiratsmarkt. Der indische Volksführer Gandhi veröffentlichte kürzlich in feiner Zeitschrift „Jung-Indien" den Brief eines vornehmen Hindu, in dem dieser gegen die Einführung europäischer Heiratssitten protestierte und erklärte, die indische Gesell- schastsordnung sei sehr viel besser als die europäische. was man daraus sähe, daß viel weniger Scheidungen vorkamen, und auch die Kinderheirat habe ihre großen Vorzüge, weil die Eltern besser wüßten, wer zusammen passe, als die jungen Leute selbst. In seiner Erwiderung gab Gandhi zu. daß man die Verheiratung von Kindern nicht ohne weiteres ablehnen dürfe. Tatsächlich bestehen die Kinderheiraten in Indien noch immer weiter: aber vom europäischen Standpunkt aus wird man sie nicht gutheißen können. I. T. Gwynn erzählt im „Manchester zustellen. 573 für An der lutherischen Kirche Rußlands. Der 23. und 24. Oktober waren große Tage die evangelisch-lutherische Kirche Rußlands, diesen Lagen wurden das 350jährige Bestehen Moskauer St. Michaeliskirche und das Neue Sparabsichten der Reichsbahn. Einschränkung des Personalaufwands durch Vereinfachung des Nebenbahnbetriebs. teuer, die Heinse unter dem Titel „Begebenheiten deS Gnkolp" übersetzte, der bessernden oder neu formenden Hand bedürfen? -Unt> vielleicht wagt es der 3n|clberlag, der diesen Goldesel in schöner Ausstattung herausbrachte, einmal, uns wenigstens das berühmte ,. Gastmahl des Lrimalchio" neu aufzutischen und damit die klassische Gestalt des Äeureichen aus dem neroni- schen Zeitalter dem noch unvergessenen Gesinnungsgenossen aus der Gegenwart gegenüber- Auf Vorposten. Ein Doppeljnbrlaum der evangelisch- 300jährige Bestehen der D t. Petri-Pauli- .Kirche daselbst festlich begangen. Bon allen Enden des weiten Landes waren weltliche und l geistliche Vertreter der lutherischen Kirche herbei- , geeilt, um an diesem denkwürdigen Feste teilzu- F nehmen. Aus Petersburg, aus der Ufraine, vom Kaukasus, von der Wolga, aus verschiedenen » Gegenden des fernen Sibiriens hatten sich 19 Pastoren und etliche Dutzend weltlicher Vertreter eingefunden. Ungemein rege war auch die Beteiligung der deutschen Kolonie Moskaus. Die Kirchen waren an den drei Festgottesdiensten zunr Er- u Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft in Berlin behandelt in einer 28 Seiten starken Druckschrift di« Frage der E i n - schränkung des Personalaufwandes durch Vereinfachung des Rebenbahnbetriebes. Wenn es auch im Eingänge der Druckschrift wörtlich heißt, „die Rotwendigkeit größter Sparsamkeit auf allen Gebieten des Reichsbahnbetriebes zwingt zur Prüfung der Frage, inwieweit eine Vereinfachung der Detrieosführung auf den zum Teil ohne Ertrag bleibeirden Rebenbahnen unter Wahrung der Betriebssicherheit durchführbar ist", so ergibt das weitere Studium der Sparvorschläge. daß die Nebenbahnlinien der Reichsbahn nach der Durchführung des v.rein- sachten Verfahrens in sicherhertstechnischer Hinsicht einen großen Rückschritt auf sich zu nehmen haben. Was „Vereinfachung" in diesem Zusammenhang bedeutet, soll hier kurz dargelegt werden. Zur Verminderung des Personalbestandes auf den Bahnhöfen ist nach folgenden Richtlinien zu verfahren: „Bahnhöfe und sonstige Betriebsstellen können als Zugmeldestellen dauernd oder zeitweise durch Anordnung der Reichsbahndirektion ausgeschaltet werden". „Auf betrieblich nur durch wenige Zugfahrten belasteten Bahnhöfen kann auch der Fahrdienstleiter zurückge- zogen werden". Ein Vorschlag, der die Betriebssicherheit in höchstem Maß« in Frage stellt, scheint Absatz 6 unter Abs.chnttt A zu sein, der wie folgt lautet: ..Auf unbesetzten Stationen ist Fahrdienstleiter und Liufsichts- beamtet der Zugführer, bei Zugkreuzungen der Zugführer des zuerst einfahrenden Zuges, bei Lleberholungen der Zugführer des überholenden Zuges". Was aber, wenn irgendwelche Umstände den Zugführer an der ihm zugedachten neuen Tätigkeit verhindern? Sehr zu denken gibt der Absatz 11. der besagt: „Dor der Einfahrt in unbesetzte Bahnhöfe hat jeder Zug, sofern für das Zugpersonal nicht sicher feststeht, ob die Fahrstraße frei ist und die Weichen richtig liegen, am Einfahrsignal oder wo ein solches nicht vorhanden ist. an einer nach Anordnung der Reichsbahndirektion auszustellenk^n Merktasel zu halten; der Zugführer hat sich vor der Weiterfahrt zu überzeugen, daß die Fahrstraße für die Einfahrt in Ordnung ist". Fast wie Hohn auf die Betriebssicherheit klingt der Sah: „Der Zugführer des ersten Zuges übernimmt die Obliegenheiten dcs Fahrdienstleiters, stellt fest, ob sein Zug so zum Halten gekommen ist. daß das Einfahrgleis für den Zug der Gegenrichtung frei ist und die Weichen richtig liegen." Schaeffer den alten Roman des Apujelus in neue Form gegossen. „Merk auf, Leser, du wirst dein Vergnügen haben", heißt o in der Einleitung. Und dann beginnt die Erzählung, di« Geschichte von Lu> cius, der in einen Esel verwandelt wird — dank thessalischer Hexenkünste — vielerlei Schmerzen und Leiden durchmachen muß, bis ihm die Göttin Isis erscheint und ihm anzeigt, wie er seine menschliche Gestalt wiedcrfinden könne. Ein Buch der Abenteuer und Verwandlungen, Verwicklungen und Verwechslungen, eine Satire auf die Zeit, ihren Aberglauben, ihre Menschen. Und eine Schatzkammer von Dichtung ba^u; in diesem Roman ist das Märchen von Amor und Psyche eingeschlossen, schönes Volksgut an Sagen und Geschichten ist durch diesen Roman an die Rachwelt überliefert und Boccacio und Shakespeare haben sich seiner dankbar bedient: hier liegen Keime, die in dem weilen Felde der Weltliteratur aufgingen. Und Schaeffer hat dieses Buch wieder lesenswert gestaltet, weil er es nicht übersetzte, son- dern neu formt«. Er hat sich in den apu- lejunanischen Schwulst, in seinen Sahbau, in seine Sprachspielereien, Assonanzen, Reime, Alliterationen mit Ohr. Auge und dichterischer Dildner- krast vertieft; so ward denn ein Buch, das dem Original bis in die kleinsten sprachlichen Feinheiten nachspürt: es enthält jetzt feine verwaschene und neutrale „Uebersehung", sondern eine sklavisch« und doch schwungvolle Reudichtung des alten Textes, es schwelgt in vertrackten Sahbildungen — man weiß, was die Römer auf diesem Gebiete leisten tonnten — in preziösen Ausdrucksformen, in Worterfindungen, barocken Stilkunststücken. Und so widerlegt Schäffer jenen hochmütigen Rode, indem er zeig:, wie Sprache und Stil dieses apulejanischen Esels Ausdrucksfornien des Verfassers und seiner Zeit sind. Sin jeder Dichter dürfte sich freuen, diese Rachdichtung geschaffen zu haben. Da Schaeffer dieser eine römische ‘.Konnan so trefflich geglückt ist, mag er prüfen, wie es mit den Ueberletzungen des petronifchen Romans steht. Sollten vielleicht auch jene Abenin diesem Schein groß und einfach wurden und über sich wuchsen ins Ewige. Wie er hier nun vor dem Bilde versunken stand, durchflutete es ihn heiß — denn er fühlte, als Meister Stephan diese Farben malte, da war um ihn dasselbe Licht gewesen. Der Dahingegangene war schon so weit gewesen, wie fein Nachfahr jetzt nach so langem Mühen gekommen war, und nun war der Augenblick da, wo es ihm beschieden war, weiterzuschreiten. und mit ergriffener Seele grüßte er den toten Meister in fernem Bilde. Währenddem war der Mann mit dem Schlüsseln von einem Bein auf8 andere getreten und hatte mißmutig mit der Aase geschnüffelt, wodurch er auf seine Art anfragen wollte, wie lauge das denn nun noch bauern solle. Ein paar alte Weiblein, die verloren in dem großen Dom gekniet hatten, waren auch herzuginchlürft und wunderten sich, was es an dem Diw, das sie ihr Leben lang gesehen hatten, noch zu sehen gäbe, und der Mann blinzelte ihnen zu und gab ihnen so zu verstehen, 'es seien wahrhaftig Narren genug auf der Wett. Da traten auch zwei Rats- Herren hinzu. Ihnen beiden war nämlich zu gleicher Zeit und unabhängig voneinander der Einfall gekommen, ob man sich nicht durch Anbringung einer Dachrinne ein Verdienst um die Ratskapelle erwerben könne, und so hatten sie sich auf- Kcht, die Umstände näher zu betrachten. Jetzt sie da einen Fremden in wortloser Ergriffenheit vor dem Bilde stehen, als gebe es da noch geheime Dinge, die solche Maler vor den andern Menschen voraus hätten, und um ihn zu erinnern, wohin die Phantasten doch kämen, sagten sie höhnisch: „Der Mann, der das Bild da machte, ist bei uns hier im Spital gestorben I" Dürer wandte sich, sah die überlegene Miene der Herren, das jetzt kaum noch verborgene Grinsen des Dieners und die wachen Mausäuglein der neugierigen Weiber, und er sagte zu den beiden: «Schande über die Stadt, die einen solchen Mann im Spital einsam sterben läßt" — und ging. Dor dem Ton seiner Stimme bekamen die Frauen Furcht, der Diener stand mit offenem Munde da, und die beiden Herren fickßen schnell wieder von der Dachrinne an. Oberhessen. Landkreis Gietzen 3 Lollar, 18. Nov. Heute begina der Kran- keniassenbeamte Heinrich Rohrbach VIII. bei dem hiesigen Buderusschen Eisenwerk sein 2 5. Dien st - j u b i l ä n m. Dem beliebten Jubilar wurden seitens des Werkes urrb seiner Kollegen wertvolle Geschenke überreicht. lD Lollar, 18. Rov. Der gegenwärtige Zustand der Landstraße Lollar — Gießen zeigt, daß die seither üblichen Straßen- befe st i Zungen für Strecken mit starkem Automobil- bzw. Lastwagenverkehr nicht mehr ausreichend sind. Die Straße, die erst vor 2 Jahren neu gedeckt und gewalzt wurde, ist schon wieder derart mit Löchern übersät, daß sie in ihrem Aussehen beinahe an eine in einer Kampfzone liegende Straße erinnert. Wenn für den Fußgänger der Aufenthalt auf einer solchen Landstraße im Sommer durch die mächtige Staubentwicklung fast unerträglich war, so sind es jetzt mit dem Eintritt der nassen Witterung der beim Vorllbersahren von Fayrzeugen nach allen Seiten fliegende Schmutz und das Wasser der Löcher, die ein Begehen der Straße fast unmöglich machen. Die dauernden Anstrengungen des Straßenaufsichtspersonals, durch Füllen der Vertiefungen mit Kleinschlag und Sand Abhilfe zu schaffen, bleiben bei dem regen Verkehr fast wirkungslos. Es wird daher allgemein sehr begrüßt, daß der Kreis Gießen im kommenden Frühjahr 5 Kilometer der Straße mit St l e i n p f 1 a ft e r versehen lassen will. Es ist dies die Strecke vom Ortsausgang von Lollar bis zur Gießener Stadtgrenze. Das Anfahren der Baustoffe von den Bahn- Ein antiker Roman. Von der alten römischen Romanliteratur! find nur zwei Werke erhalten: das eine sind die (von Heinse übersetzten) ..Begebenheiten des Enkolp", eine Äpiire aus der neroni- scheu Kaiserzeit, als deren Verfasser jener Petr o n i u s mit dem Beinamen Arbiter Sie- gantiarum gilt, der aus dem „Quo vadis-Roman Sienliewicz' hinlänglich bekannt sein dürfte. Das andere aber "sind jene Metamorphosen, die man auch, den „Goldenen Esel" nennt und als deren Verfasser A p u l c j u 8 genugsam beglaubigt ist. Von dem Dasein dieser Werte ahnen nur die Gelehrten und einige versprengte Liebhaber, die sich später an der Kostschüssel litera- rischer Feinsch.neckereien einfanden, zu welcher auch der reiferen Jugend der Zutritt noch verwehrt bleibt; denn Petronius und Apulejus haben sich auf Gymnasien unmöglich gemacht. Sie schildern Sittenbilder aus Verfallszeiten, ohne Beschönigung, aber mit schärfsten satirischen Ausfällen uni) als naturalistische Beobachter von Zuständen, die aller traditionellen römischen einfältigen Strenge und catvnischen, Herbheit spotten Dazu sind beide, besonders Apulejus, ihrer untlassischen, rustikalen Sprache wegen, berüchtigt. Genug, man kennt sie nicht. Des Apulejus „Goldener Esel" ist im achtzehnten Jahrhundert schon einmal von Rode überseht worden. Wenn aber diese Zeit das Altertum nannte, meinte sie immer das „klassische" Altertum, Rorm und Maßstab für alle Erscheinungen. So konnte auch Rode Icichtttch auf den Gedanken kommen, des Apujelus „Goldener Esel" sei in einem miserablen Latein versaßt, dessen Mängel der Ueberfefcet wieder aus- gleichen wollte — durch eigene verwischende Kunstfertigkeit. Jahrzehnt nach Jahrzehnt verging, bis es jetzt einem deutschen Dichter wieder einfiel, zu prüfen, ob dieser miserable Stil nicht vielleicht doch als Ausdruck einer Zeit und einer Persönlichkeit seinen eigentümlichen Wert habe, älnd so hat uns Albrecht schinen ein, deren Präsident er bald darauf wurde. Lleberzeugter Liberaler, folgte et im September 1925 dem Rufe des Ministerpräsidenten King, seinem Kabinett ohne Portefeuille beizutreten. Bei der Wahl kandidierte er in einem Ontario- Distrikt. der als Hochburg der Konservativen gilt; es gelang ihm denn auch kein größerer Erfolg, als daß er die Mehrheit seines Gegners unter 1000 Stimmen herunterzudrücken vermochte. Bezüglich des Betriebsmaschinendienstes und der Verwendung des Lokomotivpersvnals werden Vorschläge gemacht, die, wenn sie nicht Schwarz auf Weiß in der Druckschrift stünden, einfach unglaublich wären: „Die Bauart der auf den Reben- babnen verwendeten Lokomotiven läßt einen ikbergang auf die Lokomotive meß’ zu. Auf den Strecken bzw. bei denjenigen Zügen, bei denen auf einen Zugbegleiter verzichtet werden kann übernimmt der Lokomotivführer die Geschäfte des Zugführers, wäh- rendde r Heizern ufder Maschineverbleibt." Wer trägt die Verantwortung, wenn der allein auf der Maschine befindliche Heizer, von plötzlick^m üntooblfein befallen, die Herrschaft über die Maschine verliert? Morseschreiber, Läutewerke, Signale. Weichenlatemcn und Wegeschranken sollen infolge der unter Abschnitt A vorgesehenen „Vereinfachungen" des Betriebsdienstes in vielen Fällen entbehrlich fein und be- f eit i gt werden. Infolge der geringen betrieblichen Beanspruchung der Geleise und Weichen auf den Rebenbahnen soll ein Zeitraum von 5 Jahren und mehr zwischen den Ausführungen von gründlichen Durcharbeitungen „angängig' fein. Hinsichtlich des Streckenbegangs wird eine wöchentlich einmalige Begehung als ausreichend erachtet. Was die Reichsbahn weiterhin dem Publikum zumuten zu können glaubt, ergibt sich aus dem § 32 Absatz 2 „Besondere AuSsühmngsbest im m ungen zur Eisenbahn-Der- lehrsordnung": „Bei der Der- und Entladung von schwerem Reisegepäck auf unbesetzten Bahnhöfen müssen die Inhaber des Gepäcks erforderlichenfalls Hilfe leiste n.“ Aus den weiteren Ausführungen der Druckschrift ist zu entnehmen, daß zunächst auf bestimmten Strecken die besprochene? „Verbesserungen" durchgeführt werden sollen. In Betracht kommen die Reben- öahnstrecken in den Bezirken der Reichsbahndirektionen Königsberg. Stettin und Trier. Es kann heute schon gesagt werden, daß unter solchen ilmftänben auf den Nebenbahnstrecken die Sicherheit künftig eine Frage zweite n R a n g e s ist. Ganz abgesehen von dein imstande. daß eine weitere Belastung des Personals eintritt, ist der Zugverkehr auf den Nebenbahnstrecken mit den geplanten „Verbesserungen" derart vielen Zufälligkeiten ausgesetzt, daß man dort schon von einer Fahrt auf gut Glück sprechen muß. Mit Energie wird sich die Oeffentlichkeit gegen diese Pläne wehren müssen. Die Reichs- bahnverwaltt'.ng ist nicht zuletzt selbst daran schuld, wenn das Vertrauen in die Betriebssicherheit der Bahnen immer mehr erschüttert wird. Dürer und die beiden Ratsherren Von Herbert Kranz. Als Dürer von den Niederlanden, wo er längere Zeit gewesen war und Tage voll äußeren Glanzes und innerer Bedeutung erlebt hatte, wieder nach Nürnberg reiste, kam er auch durch Köln. Es war seine Gewohnheit, alles, was sich ihm nur an Kunst und merkwürdigen Dingen bot, mit Wachen Sinnen zu beschauen und zu betrachten, und so ging er auch im Kölner Dom aufmerksam umher. Als er in die Ratskapelle trat, stand er lange vor dem Altarbild. Es war verschlossen, und die Flügel zeigten dem Beschauer die Verkündigung, wie sie Meister Stephan jernaft hatte. Nach einer geraumen Weile holte ich Dürer einen Mann, der ihm das Bild auf- chließen sollte, und obwohl, er ihm ein Trinkgeld gab, tat der eß nur mürrisch und mehr, weil er gehört hatte, daß der fremde Maler vom verstorbenen Kaiser ein Iahrgehalt bekommen fßatte und es sogar voin neuen Kaiser weiter beziehe.. Dor dem Gemälde, auf dem die Könige knieten, stand Albrecht Dürer selbst in Anbetung und wie ein König. Fünfzig Jahre sahen seine Augen jetzt in die Welt, aber in diesem Herbst, auf dieser Reife waren sie ihm neu geworden. Ihm war, als habe er sich sein Leben lang durch die dämmrigen Kammern eines Berges empor- getaftet und nun stehe er im Freien, auf der Höhe. die Sowie war im Untergeben, aber sie leuchtete in einem beseelten Licht, daß alle Dinge Höfen Gießen und Lollar beginnt in den nächsten Tagen. Die Durchführung der Arbeit bringt auch zahlreichen Erwerbslosen für längere Zeit Beschäftigungsmöglichkeit. Es wäre wünschenswert und zu begrüßen, wenn sich nun auch die Stadt G i e - ß e n für ihren Teil dieser Straße dem Vorgehen des Kreises anschließen würde. £ Lollar, 18. Nov. Die Konzerte des Arbeiter-Gesangvereins „Vorwärts" find jedes Jahr ein Ereignis für unsere Gemeinde, an denen die Oeffentlichkeit lebhaften Anteil nimmt. Sv auch diesmal. Am Sonntag war der geräumige Saal der ,.Linde" überfüllt. Die gebotenen Leistungen überfliegen bei weitem die Darbietungen der üblichen Gesangskonzerte. Der Dirigent, Chormeister Meyer- Wiefeck, hat mit dem ihm zur Verfügung stehenden guten Slimmaterial einen ganz hervor ragenden Chor geschaffen, der sich mit allen Stummem des Programms reichen Beifall Holle. Den orchestralen Teil führte die Kapelle Krengel- Gießen burd). Die guten Leistungen fügten sich dem übrigen Programm würdig^ ein. Besondere Zustimmung fanden zwei Soli (Frick und Schwarz lose». Für den verßinbetten Tylophonisten lang als Gast Frl. Wanner- Gießen die „Geschichten aus dem Wiener Wald" und erntete reichen Beifall. Y. R'u tterSßaufen . 18. Roo. Wie schon mehrfach berichtet wurde, ist in diesem Jahr: die ßabntegulierung von Frvnha n - sen bis Friedelhausen Erfolgt. So gut und nützlich dieses Derk für die dortige Gegend ist, so gefährlich kann es für die Gemarkung Ruttershausen und Lollar werden, weil die Lahn bei den Buderusschen Eisenwerken in großem Bogen genannte Gemarkung durchzieht, wo seither schon jährlich Ueberschwemmungen vorkamen und manchmal beträchtlichen- Schaden anrichteten. Einsichtige Leute behaupten Wohl mit Recht, daß in Zukunft die Wassermassen der Lahn mit doppelter Kraft zu Tal getrieben werden und Verwüstungen anrichten können. Es wird Aufgabe der Sachverständigen sein, diese wich- tige Frage zu studieren. Die Vertretungen der interessierten Gemeinden sollten rechtzeitig alles tun, um durch Vermittelung des Kreisamtes, eventuell der weiteren Instanzen und des Landtages die Frage der weiteren Lahnregulierung zu fördern. — Z Geilshausen, 18. Nov. Am Sonntag hielt der „Lumdatal-Sängerbund", der Mitglied des „Hessischen" und des „Deutschen Sängerbundes" ist, hier seinen gutbefuthten diesjährigen Sängerta g unter dem Vorsitz des Lehrers Ziegler, Kesselbach, ab. Nach einem Rückblick auf die Tätigkeit des Bundes, dem 10 Vereine angehören, in diesem Jahr trat man in die lehr reichhaltige Tagesordnung ein. Es wurde beschlossen, das nächstjährige B u n d e s f e st in Geilshausen anfangs Juli abzuhalten. Damit soll ein Wertungssingen der Bundesvereine verbunden werden, wobei jeder Herein einen Pflichtchor (Volkslied) und einen selbst- gewählten Chor zu fingen hat. Die Leistungen sollen durch einen bewährten Fachmann begutachtet und jedem Verein eine schriftliche Kritik überlanbt werden. Ferner wurde beschlossen, einen Massenchor zum Vortrag zu bringen, der auf dem demnächst stattfindenden Bundesdirigententag, der auch den Pflichtchor wählen soll, bestimmt wird. fGrünberg, 18. Nov. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, mit Rücksicht auf die gespannte Finanzlage die B a r a b 1 ö s u n g der städtischen Anleihen aus früheren Jahren vorerst z u r ü ck z u st e 11 e n , bis man eine bessere Ueberfidjt über den Stand der Finanzen hat. Ebenso wurde die Aufwertung der Darlehen zum Bahnbau Grünberg—Londorf einstweilen noch 3 u r ü rf g e ft e H t. — Die hiesige landwirtschaftliche Winterschule, die jetzt in ihrem eigenen Gebäude untergebracht ist, wird in diesem Winterhalbjahr von 51 Schulern besucht. Davon entfallen 25 auf die Oberklasse, 26 auf die Unterklasse. Die Schüler kommen aus mhl- reichen Orten der engeren und weiteren Umgebung hierher. sl. Lich, 18. Nov. Ein junger, strebsamer und unternehmender Mitbürger unserer Gemeinde, der ältere Sohn Hermann des Geschäftsführers Schmidt der L i ch e r Tonwerke, ist jetzt einem Rufe nach Griechenland gefolgt. Dort soll in der Nähe der griechischen Hauotstadt eine der hiesigen ähnliche Ziegelei ins Leben gerufen werden, und Hermann Schmidt soll da bei der Anlage, Einrichtung und Arbeit mit seinen fach- männischen Kenntnissen beratend zur Seite stehen. Gestern ist er über Basel, Mailand, Brindisi nach feinem neuen Arbeitsfeld, Chaiandri bei Athen, abgereist. Die Annäherung in der Kriegsschuldfrage. Der wifsenschastliche Kampf gegen das Versailler Schuldurteil hat in den letzten Wochen von zwei hervorragenden Stellen eine Unter* stühung erfahren, deren Bedeutung nicht unterschätzt werdeickkann. Am 14. Oktober hat der belgische Außenminister Dandervelde anläßlich eines Frühstücks der Vereinigung der Ausländischen Presse in Brüssel es auf das lebhafteste bedauert, daß heute noch Millionen von (Belgiern und Franzosen an der Alleinschuld Deutschlands wie an einem Dogma festhalten. Und nur wenige Wochen später, am 2. November, hat Lord Grey bei einem Essen zu Ehren der Dominionvertteter eine Ansprache gehalten, in der er seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß der Versuch, die Kriegsschuld auf eine bestimmte Nation abzuwälzen, keineswegs die Feststellung der Kriegsursachen bedeute, sondern vielmehr nur die tiefsten Gründe für seinen Ausbruch verdunkle. D»iese Aeußerungen des britischen und belgischen Staatsmannes sind ein Erfreulicher Erfolg für die Kriegsschuldforschung. Ohne die un- abmffige Arbeit der Wissenschaftler aller Länder wäre dieser bedeutsame Schritt nicht erzielt worden. Wenn heute hier und da bereits der Gedanke an eine internationale Kriegsschuldkonserenz auftaucht, so ist der Zeitpunkt zur Verwirklichung dieses Gedankens wohl nicht mehr allzu- fern, wenn auch wohl noch eine gewisse Zeit vergehen wird, bis die Vertreter der einzelnen; Nationen sich mit Aussicht auf Erfolg zu einer Kriegsschuldkonferenz zusammenfinden können. Was heute möglich ist und was in verstört tem Maße durchgesührt werden muß, das ist das Zustandebringen internationaler Kriegsschulddiskussionen zwischen den einzelnen Sachverständigen, in denen gewissermaßen die Vorarbeiten für eine Konferenz geleistet werden müssen. Die Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung „Die Kriegsschuldsrage" haben seit Jahren diese Kriegsschulddiskussionen erstrebt und in mehreren Fällen auch erreicht. In dem soeben erschienenen Novemberheft „Die Kriegsschnldfrage" fordert die Schriftleitung wieder zu ein-: Stellungnahme auf, die einer Diskussion zwischen den beiden amerikanischen Professoren Harry Eimer Barnes und Bernadotte E. Schmitt gilt. Die interessanten Auseinander- fehungen der beiden amerikanischen Sachverständigen, die beide die Allemschuld Deutschlands! ablehnen. eine gewisse Mitverantwortlichkeit Deutschlands aber nach verschiedenen Gesichtspunkten beurteilen, veröffentlicht „Die Kriegsschuldfrage" in vollem Wortlaut. Man darf erwarten, daß diese amerikanische Kriegsschulddiskussion auch in der deutschen Oesfentlichleit ein besonderes Interesse finden wird. Das sehr reichhaltige' Novemberheft „Die Kriegsschuldfrage" kann burd) jede Buchhandlung. sowie durch den Verlag, Berlin NW. 6. zum Preise von 1 Mark bezogen werden. drücken voll. In der Gemeinde herrschte eine außerordentlich feierliche, gehobene Stimmung. Sehr viel trugen zur Feierlichkeit des Festes das herrliche Orgelspiel eines aus Petersburg zugereisten hervorragenden Künstlers und der kunstvolle Chor- und Einzelgesang bei. In begeisterten Reden gedachten die Festredner in gebührender Weise auch der Kulturmissbon, die die beiden ältesten evangelischen Gemeinden Rußlands erfüllten, indem sie viele Tausende von Jünglingen und Jungfrauen durch ihre vortrefflichen deutschen Mittelschulen hindurchgehen ließen und so im Wandel der Zeiten das Land durch tüchtige Kulturkräfte bereicherten. Auch manche andere wichtige Kulturanstalt haben die beiden Iubilare im Lause der Jahrhunderte ihres Bestehens geschaffen. Gegenwärtig erstehen jene deutschen Mittelschulen, die während der Revolution eingegangen waren, von neuem, natürlich jetzt nicht mehr als Kirchen-, sondern als Staatsschulen. Sie sind Kinder einer andern, einer neuen Zeit. Qlber ihre kulturellen Erbschaftsbezishuugen zu den altehrwürdigen evangelisch-lutherischen Gemeinden St. Michael und 6t. Petri-Pauli können sie nicht verneinen. ______________________ Sprechstunden der Redaktion. 12 dis 1 Uhr mittags. 5. bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. KrciS Ariedberg »f. Friedberg, 18. Nov. Mir dem Bau des schon lange geplanten evangelischen ®e- meindehauses schein' es nunmehr ernst zu werden. Die Gemeinde hat schon vor einiger Zeit ein passendes Grundstück an der Kaiserstraße gekauft, dessen Hintergelände eine sehr schöne freie Lage ha: und einen prachtvollen Bauplatz bietet. Die Kirchen- gemeindevertretung hat nunmehr in ihrer legten Sltzung beschlossen, eine Anzahl der den milden Stiftungen gehörigen Grundstücke an die Landes- kirche zum Preise von 30000 Ml. mit dem Rück kaufsrechte zu veräußern, außerdem soll das der evangelischen Gemeinde gehörige, früher als .Her berge zur Heimat" benutzte Gebäude verkauft und wahrscheinlich seinem früheren Zwecke wieder dienstbar gemacht werden. Auch will man einen G e - meindehausverein gründen. Man hofft, durch die Bereinrbeiträae einen Teil der Verzinsung aufbringen zu können. In dem projektierten Neubau soll ein größerer Saal vorgesehen werden, der mindestens 800—1000 Personen aufnehmen kann, da sich die hier befindlichen Säle bei besonderen Veranstaltungen schon lange als nicht ausreichend er- wiesen haben. Friedberg. 18. Roo. Ta» ursprünglich als Krieger ehrenmal zur Ausführung vorgesehene Projekt des Bildhauers Dam mann „Feldgrauer Soldat" findet keine Verwirklichung. Zur Ausführung dürfte ein Vorschlag des Hochbauamt- Friedberg kommen, der an die Errichtung eines Shren- turmce in Verbindung mit dem Ausbau des Wasserbezugsnehc» der Stadt Friedberg öentt. Gärtnerische Anlagen auf der Ober- wöllstädter Höhe werden den Shrenturm umfassen. In seiner Art wird die hiesige Krie- gercbrung vorbildlich für ganz Oberhessen fein. Bad-Nauheim. 18. Nov. Vertreter von Behörden und Vereinen uersammelten sich hier unter dem Dorsitz von Kurdirektor v. B o e h m e r zu einer Besprechung zwecks Gründung einer Volksbühnen gemeinde im Anschluß an den ^Verband der Deutschen Dolksbühnenuereine. Direktor Meißner vom Frankfurter Künstlerlheater und Bezirkssekretär Neuburg verbreiteten sich eingehend über die Organisation und die künstlerischen Ausgaben des Verbandes. Da sich für die Wintermonate das Bedürfnis für gute Theater- Vorstellungen gezeigt Hal, schritt man nach längerer Aussprache zur Gründung eines D o l k s b ü h n e n o e r e I n s in unserer Stadt. Dem Vorstand sollen Vertreter der Bad- und Kurverwaltung. der Stadt, der Gewerkschaften, des Bildungsvereins, des Vortrags- und Musikvereins, der Schulen und der Verkehrskommission angehören. Als erste Veranstaltung wurde die Aufführung von „Nathan der Weise" durch das Frankfurter Künstlertheater beschlösse:,. Ausdrücklich wurde in der Aussprache hervorgehoben, daß die Volksbühne nur während der Wintermonate hier gastieren könne, da im Sommer ja durch da» Kurtheater ein abweckslungsreiches fünft- lerisches Programm geboten werde. Kreis Büdingen. 4 Büdingen, 18. Nov. In Stockheim wurde eine Kreisgruppe des Kreises Büdingen der kameradschaftlichen Vereinigung ehemaliger hefsifcher Garde-Dragoner N r. 23 und des Bun des ehemaliger Leib- Dragoner Nr. 24 gegründet. Bei recht zahlreicher Beteiligung der Kameraden des Kreises Büdingen wurde für den Bau des Denktnals, das für die Gefallenen der beiden Regimenter und ihrer Äriegeforntotionen in Darmstadt errichtet werden soll, die schöne Summe von 110 Mark gezeichnet. An der Spitze des Vorstandes stehen: 1. Vorsitzender Prinz Stolberg, Rittmeister a. D., Orlenberg, 2. Vorsitzender Inspektor Hans Stiller. Büdingen. Außer der Denkmalsfrage wurden noch Regimentskriegsgeschichte und andere wichtige Punkte besprochen. th. Leidhecken, 18. Roo. Bei einer von den hiesigen Iagdpächlern abgehaltenen kleineren Treibjagd Im Waldrevier wurden 10 Hasen, 4 Rehe und ein Fuchs zur Strecke gebracht. Kreis Schotten. 6 Schotten. 18. Nov. Der Bezirks- Lehreroerein Lchotten beabsichtigt, den 100jährigen Todestag des großen Pädci- goacn Pestalozzi, der auf den 17. Februar 1927 fallen wird, durch eine große Feier zu begehen. Die Feier soll nicht nur eine solche für die Lehrerschaft, sondern insbesondere auch für die Allgemeinheit Schottens und der Umgebung sein. Es ift geplant, nach einer die Vcrd'..nste Pestalozzis roürbigenben Ansprache ein Theatersnick aufführen zu lassen, welches die Wirksamkeit des bedeutenden Kinderfreundes zeigt. Einige Vereine Haden ihre Mitwirkung bereit» yigcfagti Es darf damit gerechnet werden, daß diese Erinnerungsieier sich zu einem ganz großen Ereignis für unser Städtchen gestalten wird. Ober-Schmitten. 18. Nov. Die mr die Kirche in Eichelsdorf bestimmte neue Glocke wurde gestern am hiesigen Bahnhof ausgeladen, um in feierlichen Zug durch die Ortsstraßen der hiesigen Filialgemeinde geleitet zu werden. Schuljugend. Orts- und Kirchenoorstand. sowie zahlreiche sonstige Etnwohner begleiteten den grün geschmückten Klockenwagen. Bürgermeister Mantel begrüßte am Bahnhof die Erschienenen. Vor dem Geburtshaus des Stifters der Glocke, des Deutsch-Amerikaners Karl Braun, gedachte Dekan Scriba- Elrbclsdorf in dankbarem Erinnern des im Vorjahre verstorbenen Spenders der Geldmittel. Die Glocke wurde sodann nach Eichelsdors geleitet, wo Schuljugend und zahlreiche Gemeindeglieder von da sich dem Zug anschlossen. Man brachte die Glocke zur Kirche, wo sie zunächst bis zur Weihe am 1. Advent Aufstellung findet. Sie ist aus Bronze von der Firma Schilling in Apolda gegossen, wiegt etwa !• Zentner und trägt neben den sonst üblichen Inschriften des Stifters Namen, den sie auch fortan führen soll. ftreift Alsfeld. f—Ober-Ohmen, 18. Nov. Zur Zeit werden in die hiesige Orgel durch die Orgelbaufirma Nikolaus & Förster in Lich ein elektrisches Gebläse und neue Prospektpfeifen eingebaut, und das ganze Werk wird dabei einer gründlichen Reparatur unterzogen. Beim Beseitigen des alten Blasebalges, der wohl den zehnfachen Raum emnahm als der neue, entdeckte man ein auf die Innenseite geklebtes Papier, das folgende In jchrisi trug. „Diehe Orgel und die Orgel zu Koedin gen sind mit einander gemacht worden vom Drgel- und Instrumentenmacher Hartmann Bernhard von Romrod, meine Frau wahr eine gebohrene Schlößer von Elpenroth, mein ältester Sohn war 44 Jahr alt, der zweite 3 Jahr und der dritte 1 Jahr. — Rom- , rod, 12ten Oktober 1808." Unsere Orgel hat also das ft ältliche Alter von 118 Jahren. Sie war für damalige Verhältnisse mit ihren 2 Manualen und ca. 25 klingenden Registern ein Prachtwerk. Auch heute macht sie in dem stattlichen Ge Hause und den neuen Prospektpfeifen einen recht guten Eindruck, trotz ihres hohen Alters. Leider macht sich aber das Zerstörungswerk der Holzwür- nter immer mehr bemerkbar, jo dog in einigen Jahren mit einem Oraelneubau gtrtdinei werden muß. Die Prospektpfeifen und das elektrische Ge- bläse im Werte von 2500 Mk. können beim Neubau miiverwendet werden und sind also der erste Anfang zu einem neuen Werk, das außerdem noch —9000 Mk. erfordern wird. Die Kirche fteili für diesen Zweck jährlich einige hundert Mark in den Voranschlag. Das Orgelgehäuse steht unter Denkmalschutz und muh deshalb erhalten bleiben. Ueber die alteingesessene hessische Orgelbaufirma Bernhard ist iolgendes zu sagen: Der Erbauer der Orgel, Hartmann Bernhard in Romrod, war jedenfalls der Großvater des jetzt noch in G a m b a ch lebenden Orgelbauers Bernhard, der wegen seines hohen Alters feinen Beruf kaum mehr ausübt. Ein Sohn de» Romroder ’S. führte das väterliche Geschäft weiter, ein anderer gründete eine neue Orgelbausirma in Gambach. Zahlreiche Orgeln in unserer näheren und weiteren Umgebung wurden von den Gambacher Bernharde erbaut. Leider hat der jetzt noch lebende Orgelbauer Bernhard keine Nachkommen, io daß diese bekannte und geschätzte Familie ausstirbt. Die obenerwähnte Orgel in Köddingen, Kreis Schotten, ist das genaue Ebenbild unserer Orgel. Sie wurde im Dort- gen Jahre von der Firma Nikolaus & Förster rejia viert und mit neuen Profpektpfeifen versehen, eie befindet sich aber noch in bedeutend besserem Zustande als die hiesige Orgel. — Die hiesige Schule hat ein Har m o n i u m zum Preise von 370 Mk. angeschafft. Die von den Schülern auf dem Felde gelesenen Aehren ergaben einen Ertrag von 40 Mk.. eine Hansfaminlung 100 Mk. Die Gemeinde wird sich ebenfalls mit einem Zuschüsse beteiligen, außerdem stehen noch einige kleinere Stiftungen in Aussicht. Starkenburg D a r m st a d t, 18. Nov Gestern abend wurde zwischen König und Etzen-Gesäß auf den 49jährigen Tagelöhner Georg S ch l a n d e r von zwei unbekannten Männern ein Raubüberfall ausgeführt. Schlander wurde seiner Barsck)aft im Betrage von 23 Mark beraubt; außerdem erhielt er einen M esierstich in die rechte Brustseite. Da der Stich zunächst die Brieftasche traf, so wurde feine Gewalt abgeschwächt, und die Verlegung de» UeberfaQencn ist nur leichter Natur. Die Täter sind bis jetzt noch nicht ermittelt. QB6QL Offenbach u. M., lö. Aov. Am Bußtage, abends gegen 9 Xlljt. ereignete sich hier infolge des dichten, an Hamburger Verhältnisse erinnernden Nebels ein schwerer Anglücksfall. Das aus Hameln stammende, bei einem hiesigen FabrUaiUen in Stellung befindliche 21 Jahre alte Dienstmädchen Auguste Mönkeberg fuhr mit den, Fahrrad vom Vorort Bürgel nach Offenbach. Infolge des starken Nebels faj> das Mädchen anscheinend nicht die Lichter eines ihm entgegenfommenben Straßenbahnwagens, trotzdem der Wagenführer anbau» ernb schellte, um die Radlerin zum Ausweichen ’i bewegen. Sie fuhr direkt auf den Straßen- 1 ahnwagen los, stieß dabei mit ihrem Rade gegen i ic Stirnwand des Wagens und flog mit dem .topfe gegen den Reflektor. wobei sie sich den Schädel völlig zertrümmerte. Der Tod trat auf der Stelle ein. Gin bet beigerufener Arzt konnte nur noch feststellen, daß das Mädchen nicht überfahren wurde, fonbern nur infolge des heftigen Anpralls umS Leben igelomgien ist. Die Leiche wurde nach dem Friedhöfe gebracht. Den Wagenführer trifft keine Schuld. Rheinhesien. WSN. Mainz, 18. Nov. Da die Interalliierte Rheinlandkorninission ihren Einspruch gegen dn Aushebung der hiesigen Eisenbahn- werkstäite fallen gelassen hat dürste in absehbarer Zeit mit dieser Aufhebung zu rechnen sein. Die Entscheidung über den Zeilpunkl der endgültigen Auflösung liegt bei der Rcichsbahndirekiion Safld. Beschlüsse sind jedoch bis jetzt noch nicht gefaßt. Kirche und Schule. wg. Schotten, 18. Non Unter dem Vorsitz von Dekan D o I p - Laubach sand gestern die 6. und letzte diesjährige Konferenz der Gei st sich en des evangelischen Dekanats Scholten statt, die von Pfarrer B r i e g I e b > Bobenhaufen II mit Schriftlefung und (Bebet eröffnet wurde. Pfarrer Hochdahl ».Dexheim, der ;ur Zeit im Auftrag des Evangelischen Bundes als Wanderredner das Dekanat Schotten bereist, hielt sodann einen Vortrag über das „Konkordat'. Der Appell des Redners, angesicht.- der drohenden Gefahr, die ein Reichs- fonforbat bringen tonnte, sich feft zufamincnzu- schließen zur energischen Wahrung bir deutsch-prv teslannjchen Interessen, fand lebendigen Widerhall. Beim gemeinsamen Mittagsmahl widmete der Vor sitzende dem am 1. Oktober nach 45jähriger Amtszeit in den Ruhestand getretenen Psarrer Nebel»Lau- bad;, der 32 Jahre lang ein vorbildlich treues und tätiges Mitglied der Dekanatskonserenz gewesen war, ehrende und anerkennende Abschiedsworte, auf die Pfarrer Nebel erwiderte und die Versicherung gab, er werde auch im Ruhestand noch gerne Zeit und Kraft öcm Dekanat und den Amtsbrüdern zur Verfügung steilen. — Nach Schluß der Konferenz tagte noch unter Leitung von Pfarrer Römer Schotten der Vorstand der Dekanats-Krankenpflege. )( Ortenberg, 17. Nov. „Christus im Film", mit diesem Gedanken und dieser Tatsache wird sich gewiß mancher noch nicht abfinden können, vielleicht auch nad) der gestern abend in unserer Kirche stattgehablen Vorführung nod) nicht. Manches an diesem Film mar sicher noch unbefriedigend, aber vieles auch gut gelungen. Die Hauptbilder waren nach den Werken berühmter Meister gestellt, die Landschaftsbilder waren z. T. alänzend, die Dar- stellungen der Zeitgenossen Jesu sehr lehrreich, ein zelne Personen, wie Joseph, Maria, Herodes, Pilatus, Judas u.a. hatten treffliche Darsteller gefunden. Manche Szenen, z. B. die Gethsemane- und Streu- zigunasszene, waren von tiefergreifender Wirkung. Die Vorführung wurde von Gemeindeliedern stimmungsvoll unterbrochen uni) umrahmt. ■«!-. LU. . - T-- !,■.!!! J___ ich biet erstaunt, was eS dock) für Unteifdib be gibt! — Schon viele Jahre lüofrtie td) mir meine Haare selbst mit dem bewährten Hell von nnildeS Kopfwaschpulvori, das betnnnilid) die Haare ganz wunderbar verschönert und für 3D Pi. stets 2 abgeicilie Voll-Waschungen in einem Vädcben bietet. — Laste ich mich nun letzt- Inn au einem neuen Mittel auch um 30 Pf. verführen, sinde jedoch darin blök 1 Waschung, und meine Haare wurden davon durchaus nicht schöner wie blsber- — WaS habe ich aber von einer lurur. 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Ein Sport, der so hoch gepriesen wird wie der Schneelaus, darf verlangen, daß man sich seiner würdig ausrüstel. 2a von der Ausrüstung Gesundheit und Leben abhängig jein können, darf man an diese Frage nicht leichtfertig heramreten. Gediegene und durch und durch widerstandsfähige Hilfsmittel sind erstes Erfordernis und aller- notwendigster Selbstschutz. Auf alle Fälle muh die Ausrüstung vollständig sein. Auf der Tour kann ein vergessener Gegenstand unendlich viel Verdruß und Unangenehmes v.rursachen. Zumeist erfolgt der Aufbruch zur Winterfahrt in die Berge auch eilig und überhastet. Deshalb tut jeder gut, sich eine voll« ständige Liste der Ausrüstung anzulegett, und an die Türe seines Ausrüstungsschrankes oder sonst irgendwo sichtbar zu heften, um danach vor jedem Aus- marsch die Ausrüstung zu prüfen. Solche Liste muh alles enthalten, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll. Selbstverständlichkeiten, die man weglassen könnte, gibt es nicht. Die nachstehende Liste paßt für die Ausrüstung zum Skikurs und zu Skitouren in unseren Verhältnissen. Für hochalpine Taten muh man sich die Liste um eine Reihe wichtiger Gegenstände noch ergänzen. Die aber kennt der Alpinist, von ihnen braucht hier nicht die Rede sein. Selbstverständlich soll man sich in solche Liste auch die ganz persönlichen und individuellen Bedürfnisse notieren. a) St l e i b u n q : 1. Anzug, 2. Kopfbedeckung, 3. Schneehaube, 4. Unterzeug (Leibwäsche, Socken, Strümpfe, auch solche, die im Rucksack mttzunehmen sind),^5. Schlüpfer (Leder-, Wöll- oder Segeltuch- westc), 6. Wadenbinden. b) Ueberkleidung: 1. Windjacke, 2. Ueber- ziehfäustlinge, 3. Skistiefel, 4. Schneeschuhe, gut verpaßte Bindung, Rejeroeteile, vor allem Schraubenschlüssel für verstellbare Bindungen, 6. Traggurt oder Ziehlcine, 7. Seebundsfelle, 8. Reparaturzeug und Ersatzspitze, 9. Skiwachs für die verschiedenen Schneearten, 10. Lederfett, 11. Stöcke, 12. Rucksack, 13. Lawinenschnur, 14. Schneebrille, 15. Lichtschutz, salbe, 16. Kochapparat, 17. Brennmaterial dazu, 18. Laterne, Kerzen und Zündhölzer, 19. Messer und Touristenbesteck, 2Q. Bindfaden, Nähzeug, Sicherheitsnadeln, 21, Signalinstrument, Karten, Kompaß, Fernglas, 22. Taschenapotheke, 23. Hütten- schlüsiel, 24. Legitimationspapiere (Vereins- und Skiverbandsmilgliedskarte), 25. Rauchwaren, Pfeife, 26 Proviant und Feldflasche. Es ist angebracht, auch den Proviant noch listenweise zu gliedern. Wer lacht da? Sie meinen, es wird nicht einer barfuß ausrücken, ober seine Schneeschuhe vergessen. Noch einmal: Selbstverständlichkeiten gibt es nicht, und bann ist biese Liste bie Skala, nach welcher man sich im Anfang feines Stiläuferbaseins ausrüsten soll, unb späterhin auch eine frühzeitige Erinnerung an Dinge, bie vorbereitet werden müssen, z. B. habe ich auch meine Skier gespannt, die Bindung verpaßt, sind meine Schuhe genagelt, geschmiert ober beim Schuster? Oder hat mein Freund, dem ich kürzlich auf der Fahrt die Ersatzspitze leihen mußte, das Ding auch wieder zurückgebracht? Vorerst also wollen wir uns nach dieser Liste ausrüsten. Wenn eine Dame Skilaufen lernen will, geht sie — zur Schneiderin. So hat man früher einmal gespottet. Wer gut und richtig gerüstet sein will, muß sulchen Gang zum Sportausrüster auch als Herr machen. Früher, als man die winterlichen Verhält- uisse noch nicht so kannte wie heute, zog man sich, unter dem Einfluß der von einem Polarforscher zu uns gekommenen Kunde vom Schneelauf, geradezu polarmäßig an. Jahrelang blieb es io, bis lang- i sam sich die Erkenntnis Bahn brach, daß der Win- I rer bei uns gar nicht so schrecklich kalt ist und daß die eifrige sportliche Betätigung reichlich Wärme erzeugt. Und man lernte: nicht dick und rauh und schwer, sondern leicht und glatt, aber wind- und wasserdicht muß die Skiläuserauhenkleidung iein. Deshalb ziehen heute die Skiläufer kaum schwerer bekleidet aus als die Touristen zur Sommerzeit, wenn sie mit schlechtem Welter rechnen müssen Es ist nicht meine Aufgabe, nun auch bestimmte Schnitte vorzuscklagen ober vorzuschreiben, nur die allgemeinen Erfahrungen und Grundsätze können erwähnt werden, und die bestimmen ferner, daß der Anzug des Skiläufers und der Skiläuferin an allen Stellen, wo Schnee und Kälte eindringen können, gut zu verschließen ist. Entschieden von großem Vorteil ist der Schneeabwehr halber unb wegen der größeren Bewegungsfreiheit das lange Beinkleid, das auch schlank gewachsene Damen tragen können. Damen, die nicht auf große Touren gehen, haben es im übrigen gar nicht notwendig, als Herren durch die Welt zu stolzieren, sie sind im kurzem Rock viel eleganter. Man kann die merkwürdige Beobachtung machen, daß sich zumeist Anfänger, die fallend unb purzclnb am meisten mit dem Schnee in Berührung kommen, in rauhe, jchneefangenbe unb schneefesthal- tenbe unb somit schließlich näh'enbe Wolle fleiben. Diese Wollsachen sinb ganz nett unb fleibfam unb ganz praktische Kleidungsstücke fürs Herumstehen und Herumsitzen, für bie Bahnfahrt oder für die Gasthausbiele, aber als Außenkleibung zum Heben unb Wandern kann sie kein erfahrener Skiläufer empfehlen. Dasselbe gilt von Lederjacken. Solche Kleidung nehme man sich für genannte Verwendung und als wärmende Zwischenkleidung mit. Was der Skiläufer aber dringend braucht, Herr wie Dame, das ist die Windjacke aus wasser- und winddichiem Segeltuch. Die Kopfbedeckung soll so sein, daß sie bei Bedarf auch Ohren und Nacken schützen kann. Fäustlinge sind besser als Fingerhandschuhe. Die Leibwäsche bestimmt jeder nach Erfahrung, Gewohnheit und Geschmack. Nun etwas vom Ski! Der Rat, Skier zu kaufen, deren Spitze man mit ausgestrecktem Arme gerade noch erreichen kann, wenn sie neben einem stehen, ist doch wohl zu allgemein. Für Mittelgebirge und Sportgebrauch kann man etwas längere Hölzer nehmen, für alpine Touristik werden kürzere vorgezogen. Man achte vor allem auf gutes Holz. Schneeschuhe, die an der Spitzenaufbiegung Holzfehler auf- weisen, ober winbschief und krumm sind, sind unbrauchbar. Nicht immer sind die Hölzer von Anfang an genügend imprägniert, das heißt, mit fetthaltigen Stoffen durchtränkt. Wie man seine neuen Bretter behandeln soll, lasse man sich von seinen Freunden oder feinem Lehrer zeigen. Auch über den Gebrauch des Skiwachses höre man solchen Rat. Um ihn schriftlich auch noch einigermaßen erschöpfend geben zu können, müßte man Bücher schreiben und sich darin als Chemiker gebärden und auch vom Leser chemisches Wissen voraussetzen. Hier gilt es, Erfahrung zu sammeln. Die Verbindung des Fußes mit dem Ski besorgt die Bindung. Wenn ich erwähne, daß es Zeiten gab, wo das Thema „Bindung" anzuschneidcn in den Klubs scherzhafterweise bei Geldstrafe verboten war, wirb man leicht v-rstehen, daß es sich hier um eine heikle Sache handelt. Die Könner und Heber» legenen, die da sagen, Bindung sei Nebensache, haben nicht ganz unrecht. Wer den Ski beherrscht, der fährt ihn auch mit schlechter Bindung. Eines steht fest: man kann sich bei jedem Mißerfolg unb bei jedem Sturz auf die Bindung hiuausredcn. Es ist auch so üblich geworden. Eine gute Bindung aber, um wieder ernsthaft zu werden, erleichtert vor allem das Lernen ganz bedeutend. Das große Würfelspiel. (Martina IBilemar.) Roman von Franz lauer Kappus. 45 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Unb jetzt da hinten: was bezweckte bie Komödie? War die Frau verrückt geworden? Tiefer beugte sich Kreuth auf das Lenkrad. Beißende Glut saß im Nacken. Durch alle Adern jagte die Hitze. Natürlich ihr Atem, dachte Kreuth. Sie atmete ja do rückwärts. Ihre braunen Augen lagen auf ihm. Wie er das spürte, wie das durch Mark und Bein ging! Warum floppte er nicht? Warum riß er die Sabukowa nicht aus dem Wagen? Hallyh, was soll das? Aber das Auto fuhr und fuhr. Plötzlich lächelte Kreuth. Haha! Er hatte sie ja in der Gewalt. Was er wollte, mußte geschehen. Mas vermochte sie da hinten, wenn er ewig so weiterraste? Vorsichtig lugte er nach rückwärts. Weiß und starr schaukelte die Sabukowa auf und nieder. Hatte sie die Hand nicht gehoben? Haha, sie konnte die Hand heben, solange sie wollte. Schmal gewinkelt leuchtete der Griebnitzsee und versank. Die Häuser von Nowawes rauschten vorüber. Der Bahnhof von Potsdam sprang auf und blieb zurück. Schon war die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Sicht. Aber Kreuch riß den Wagen in schleuderndem Bogen herum. Was hatte er in Potsdam verloren? Rechts blieb die Stadt liegen. Der Brau- hausberg und der Telegraphenberg stiegen linksseitig an. Weiter ratterte das Auto in den ebenen Wald. Wieder griff Kreuth nach dem Schalthebel. Im selben Moment waren die Föhren beiderseits schon graugrüne, wehende Wände. Wie mit Nadeln stieß die Lust. Da fühlte Kreuth sich gepackt. „Halt!" rief die Sabukowa. Kreuch bremste jäh und lenkte den Wagen auf bas Bankette. In der Mulde des seichten Straßengrabens hielten die auswärtigen Räder. Die Sabukowa stieg aus. Ihr Leib in dem grauen Seidenmantel straffte sich. Kurz schritt sie auf dem federnden Grund hin und her. Dann trat sie an den Führerschlag. Ihre Lippen lächelten leise. „Da wären wir nun." Sekundenlang taute Kreuch an einem Wort. Gleich hinterher richtete er sich auf. „Was soll das Theater?' fragte er rauh. Sein Untertiefer sprang vor. Die Sabutowa legte den Kops zurück. „Ich wundere mich über dich, mein Lieber! Ich wundere mich sehr." ,Es gibt nichts zu wundern." „Die Art, wie du dich davongemacht hast: nicht nett war das." „Ach was", murmelte Kreuth und fühlte einen Knebel im Munde. Aus weiten Augen starrte er die Frau an. Immer näher tarn ihr Antlitz. „Und auch hier: warum hast du dich um mich nicht bekümmert?" fragte die Sabukowa tief und schwer. „Ein Leichtes wäre es gewesen, mich zu finden." Kreuth duckte sich. Dann wuchs er wieder in die Höhe. „Der andere hängt ja an dir." Die Worte gurgelten. „Das hat dich abgehalten?" „Das und überhaupt —" Tiefer beugte sich die Sabukowa in den Wagen. Ein kurzes, gurrendes Lachen klang. „Du hättest dem anderen doch an die Gurgel springen können! Etwas Aehnliches hast du ja einmal versprochen. Oder ist das schon vergessen?" Die Sabukowa begann, ihre Stulphandschuhe abzustreifen. Langsam tarnen die weißen Finger zum Vorschein. Dicht vor den Augen Kreuths dehnten und streckten sich die feinneroigen Hände. Ein Duft nach blühenden Orangendolden stieg aus der mattschim- mernben Haut. Mit aller Kraft drehte Kreuch den Kopf auf die andere Seite. Teilnahmslos standen drüben die Föhren. Zerschunden und armselig sahen die vorderen Reihen aus. Bis auf den Boden sickerte die Nachmittagssonne durch das Geäst. Dahinter wob gleichmäßige Dämmerung. Für eine Viertelsekunde schob sich ein knallgelbes Auto vor das Bild; fliegende Striche waren die Gesichter der Insassen. Gleich darauf war alles wie früher: stumm ragten die Bäume, hell leuchteten die Lichtflecke, wieder piepste ein Grünfink sein kurzes „Tiuii" ,Hch will dir sagen, was dich abgehalten hat", sprach die Sabukowa. „Dein Mädel hat dich ad- Der Läufer bedienk sich ferner der Doppelstöcke. Dies sind zwei gleiche, etwa brusthohe Stöcke, die oben eine breite Schlaufe und unten einen Schneeteller haben. Sie sollen leicht'und doch fest fein. Die erste Ausrüstung vervollständigt ein guter Rucksack, und darin soll der Anfänger Fausthand- schuhe, Schneebrille, Reseroeriemen unb Ekirepara- turzeug mit sich führen. Das genügt im großen ganzen für den Skikurs, weist auch für Fahrten im harmlosen Gelände. Nun sind wir skikursfertig. Mie „aus dem Ei gepellt", würde der Berliner jaaen, „wiea aus’n Schachten", der Münchner und „fesch beinanb" der Wiener. Was der Sonntag bringt. Die Kreismeister,cd afisspiele im Arbeiler-Turn- und Sportbund. £ Die erste Mannschaft der Freien Sumer- schäft Gießen geht am Sonntag einen sehr schweren Gang, sic hat auf den Frankfurter Riederwaldwiesen dem Q3. f. ß. 19 13 Dorn- Heim entgegenzutreten. EL ist dies die Mannschaft, die neben den Mörselder Turnern bis jetzt die meisten Aussichten aus den Titel ÄreUmeifter hat, uni) ohne Minuspunkte bei einem Torverhältnis von 10:5 die Führung besitzt. Die Mannschaft stellt ein geschlossenes Ganzes Dar, in der die E.ürmerreihe überragt. Die Aussichten der Gießener sind recht schwach, ihr Hauptbestreben wird sein müssen, das Resultat niedrig zu halten. Spielt die Mannschaft dagegen ein so technisch hochstehendes Spiel wie gegen Friedberg nach dem Seitenwechsel (natürlich in diesem Fall eineinhalb Stunden lang), so kann ihr unter älmstanden ein Unentschieden gelingen. — Dor- Her messen die Zugendmannschasten beider Vereine ihre Kräfte. Dei dem guten Stand der Jugendklasse im oberhessischen Dezirk werden die Gießener Jungen dies Tressen voraussichtlich für sich entscheiden. Mörfelden und Hanau treffen sich in Mörfelden. Dieses Spiel hat insofern Dedeu» tung, als abgewartet werden muß, wie Hanau gegen diesen Gegner auskommt. Nachdem die Mannschajt gegen Gießen 1:1 und gegen Dornheim 5:6 spielte, ist kaum mit einer hohen Niederlage Der Hanauer, die erwartungsgemäß erfolgen wird, zu rechnen. Ein interessantes, aber scharfes Spiel werden sich Friedberg und Wiesbaden (V. f. R.) in Wiesbaden liefern. Velden Mannschaften waren seither die Punkte versagt. Hier wird es darum gehen, wer das Ende der Tabelle ziert, und hiergegen werden sich beide Mannschaften kräftig wehren. Friedberg hat nach den -seither gezeigten Leistungen die meisten Aussichten auf den Sieg. Dom sonstigen Spislbetrieb. 3n Praunheim bei Frankfurt treffen sich die Dortige Erste mit Der ersten Mannschaft Der Freien Turnerschaft Heuchelheim. Heuchelheim geht mit schlechten Aussichten in den Kamps, zählt doch Praunheim mit seinem ganz vorzüglichen Sturm mit zu den besten Mannschaften des 9. Kreises. — Die Jugend Heuchelheims unternimmt ebenfalls einen Ausflug ins Preußische, Dodheimll soll den Gegner am Sonntag abgeben. — Rodheiml hat sich Naunheimll zu einem Spiel verpflichtet, dessen Ausgang völlig offen bleiben muh. Lahnkreisvorschau. h. Mit nur drei Begegnungen am kommenden Sonntag ist die Paarung äußerst ungleich. Zunächst hat Der D. C. Wetzlar auf eigenem Platz Die Butzbacher als Gegner. So sehr Diese in letzter Zeit gute und bessere Leistungen zeigten, glauben wir Doch nicht an einen Sieg Der Gäste, weil Deren Hintermannschaft zu schwach ist. Mit ihrem guten Sturm Dürften Die Butzbacher allerdings auch nicht leer ausgehen. — OckersHausen gegen Gladenbach könnte nur in Form einer Äeberraschung anders als mit einem Siege Der Ockershäuser, zumal aus deren unberechenbaren Platz, ausgehen. — Aehnliches gilt für das Tressen F. C. We hlar gegen Dille n- b u r g. Hier wird Wetzlar gewinnen und sich endgültig vom Tabellenende freimachen. Bezirksligavorschau für Hessen-Hannover. tz. S. C. 03 gegen Spielv. Kassel heißt das Hauptereignis des Sonntags in Der Nordgruppe des Bezirks. Nachdem Spielv. am vergangenen Sonntag einen so schweren Gegner wie Die S. Dg. Göttingen nur durch einen glücklichen Sieg überwand, kann sie im Falle eines Sieges Die Führung vor Dem Altmeister ..Sport" Kassel übernehmen. Bei Der derzeitigen guten Form Der 03er ist diese Möglichkeit nicht gerade gegeben. — Tura Kassel gegen Einbeck heißt Die zweite in Kassel stattsindende Begegnung. Hier kann man in Tura nicht ohne weiteres Den Sieger sehen. Denn Einbeck wußte sich bisher stets in achtunggebietender We se zu wehren, und wird nicht versäumen, am Sonntag das gleiche zu tun. — Das Göttinger Lokaltressen zwischen 05 und S.D g. vervollständigt das spannende Nordprogramm. Gießener Schwimmverein. Arn kommenden Sonntag findet in Offen» bad) das zweite Hallenschwimmfest in diesem Herbst in Gestalt von gauoffenen Wettlämpfen des Offenbacher Schwimmvereins von 1 89 6 statt. Das Meloeergebnis ist gut. Der Gießener S. D. ist auch diesmal wieder an einer Reihe von Wettkämpfen be eiligt. Als erste gehen vom G. S. D. die Knaben in Der Lagenstaffel 3x4 Bahnen (Dahnlän e vierzehn Meter) an Den Start. Sie werden gegen Offenbach 96 einen schweren S and haben. In Damenjuniorbru st schwimmen, 8 Dah neu, Das sieben MelDungen aufweist, wird FrI Hinrichs, Darmstadt, schwer zu schlagen sein Frl. Jäger, G. S. D.. sollte sich in diesen Rennen einen Platz sichern. Das Herren- j u n i o r b r u st s ch w i m m e n, 8 Dahnen, ist Den Osfenbacher Moenanen Fuhr nicht zu nehmen Rolf Kraft vom G. S. D. hat, wenn er tüchtig ins Zeug geht, Aussichten auf Den 2. Platz vor Den beiden Frank ur ern Deppner (E. F. S. E.> und Fechner (F. S. 2.). Die Entscheidung in Der Darauf folgenden Knabensreistil» ft a f f e I, 3x4 Dahnen, wird wiederum zwischen dem G. S. D. und den Osfenbad)er 96em liegen Einen äußerst harten und spannenden Kamps wird zum Schluß noch die Herrenlagen- staffel für 3. Senioren bringen. Hier sind außer Moenus, Offenbach, alle Gauvereine von Namen vertreten: Frankfurter Schwimmverein, I. Frankfurter Schwimmklub, Iungdeutschlank Darmstadt, Offenbach 96 und (Siebener S. D. Letzterer tritt in Der Aufstellung Rolf Kraft Pascoe, Dr. <3 cf an und wird mit dieser Mannschaft keine schlechte Rolle spielen. Die gute Ausgeglichenheit Der Mgnnscha t sollte ihr, toenr nicht alles trügt, zum Siege verhelfen. gehalten, dein kleines, blondes Mädel." Die weihen Finger streckten sich aus. Langsam faßten sie Kreuth beim Kinn und wandten sein Antlitz herüber. „Sieh mich doch an." Die braunen Augen der Sabukowa wurden schmal. „So ist es doch?" Kreuth keuchte unter ihrem Blick. „Unb wenn es so ist?" „Sehr anständig." Die Sabukowa lächelte müb. „Unzählige haben viel verloen, weil sie jo anständig waren. Und haben sich nicht genützt und nicht dem anderen Teil. Die Anständigkeit hat plumpe Beine. Ehe man sich's versieht, sind ein paar Herzen zerstampft." Weit offen standen die Augen der Sabukowa wieder. „Und das Glück? Wie selten geht das Glück mit der bürgerlichen Moral Hand in Hand!" Ganz leise fügte sie hinzu: „Unb doch könnte ich mir so einen Fall denken." Noch leiser seufzte sie: „Vielleicht." Mit einem Satz war Kreuth aus dem Wagen. „Was will das bedeuten?" Ungestüm drängte er an die Sabukowa heran. Aber seine Schultern begegneten ihren ausgestreckten Armen. „Du und ich am Ende?" Die Sabukowa riß den kleinen Lederhut vom Kopf. „Was weißt denn du von mir! Wie könntest du ahnen, was das heißt: seit Monaten hinter dir her, seit Monaten dir nach! In Italien, in der Schweiz, bis nach Berlin: immer du, du!" Die Sabukowa schüttelte sich, als ob sie vor sich selbst erschräke. „Ein Weib wie ich!" „Welchen Fall könntest du dir denken?" fragte Kreuth und spürte das Drängen einer Liebe, von der nicht einmal ein Traum gewußt hatte. Verlangend warf er die Hände vor. Aber seine Hände griffen Luft. Mitten unter den Föhren hielt bie Sabukowa schon. „Mein Guter," sprach sie gezogen, „so einfach ist bas nichi." Ginnenb schaute sie ins Leere. „So ein Rausch ist ein schlechter Begleiter. Nur solange der Rausch anhält, hat man den Mut, über den schmalen Steg zu gehen, darunter das Leden wirbelt und braust. Vielleicht taumelt man auch bis zur Hälfte: aber bann stürzt man rettungslos in bie Tiefe. Unb in ber Tiefe zieht Geröll unb Schlamm unb Schmutz." „Ich liebe bich ja, Maria", sagte Kreuth einfad und still. Die Sabukowa spannte den Leib. „Wieder — ober noch immer?" „Immer mehr, Maria." Nie burfte man von bie= ser Frau gehen, fühlte Kreuth sein Mut rufen. „Unb in einem Jahr, in zehn Jahren?" Nur einen Augenblick ftanb bie Sabukowa noch still. Dann lachte sie kurz, baß es wie ein heißer, bunfler Schrei war. „Ein Jahr, zehn Jahre: was schert bas mich!" Schritt für Schritt ging sie auf Kreuth zu. Zwischen beibe Hänbe nahm sie sein Antlitz. „Du," rieselte es von ihren Lippen, „bu, bu." Ihr Atem brannte. „Ich töte bich, wenn bu jemals er« wachst! Nie barfft bu erwachen, verstehst bu mich: nie!" Wie toll küßte Kreuch ihren Munb. Doch schon im nächsten Moment entglitt ihm bie Sabukowa. Ihre Stimme hatte bie gewohnte Farbe, als sie sagte: „Um bein kleines Mäbel soll bir nicht bange lein. Sie wirb sich wieberfinben. So sieht keine aus, Die verzweifelt." Kreuth lallte etwas. Die Wirklichkeit war ba. „Du kennst Martina?" fragte er nach einer Pause. Die Sabukowa bejahte. „Noch hält sie an bir fest. Aber damit belügt si< sich selbst. Eitelkeit unb Trotz spielen ihr ben Streich. Immer sinb Eitelkeit unb Trotz bie letzten Posten, die das Feld räumen. Längst sind Vertrauen unb Liebe abgezogen, längst ist bie Schlacht verloren: aber bie zwei Posten tun immer noch, als wollten sie eine Schlacht gewinnen." Weit schwenkte bie Sabukowa ihren Hut burch bie Luft. „Es soll bir nicht leib fein, mein Lieber. Kein gutes Paar hättet ihr beibe abgegeben." < Mit langen Schritten marschierte Kreuch auf unb ab. „Warum sprichst bu geringschätzig von Martina?" Die Sabukowa wunberte sich. „Wahrhaftig nicht geringschätzig", versicherte sie. „Gerabe im Gegenteil. Vielleicht ist sie sogar eine kleine Heilige, bein blonbes Mäbel. Aber bas ist er ja: eine Heilige unb bu — gestatte, baß ich lacfje!* Mit einem Ruck ftanb Kreuch still. (Fortsetzung folgt.) ■M ♦uh allein Hama butterem k- I lHixUMn ■- ■ - • - ----- Wirtschaft. * Die amtliche Großhandelsindex- ziffer. Die auf den Stichtag des 16. November berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüoer dem 10. November um 0,9 v. H. aus 131,8 zurück- gegangen. Don den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse um 1,4 v. H. auf 136,6 nachgegeben, während die Jndustriestoffe mit 122,9 nahezu unverändert blieben. Peters Anion AG., Frankfurt a. M., In dem niederländischen Prospekt für die Anleihe der Peters Union AG., ist dec Umsatz in dem am 30. September 1926 abgeschlossenen Geschäftsjahr mit 22 Mill. Am. angegeben. Hiervon wurden zwölf Prozent ins Ausland ausgeführt. Die Vergrößerung der Ausfuhr ist in erster Linie bewirkt durch die Wiedergewinnung der durch die Dalutakonturrenz verloren gegangenen Rohstoff (Kautschuk) wurde fast ausnahmslos aus Absatzgebiete. Der in der Hauptsache benötigte NiederländischeIndien bezogen. ' Zwangssyndizierung der Z i - garertenindustrie. Bekanntlich hat die -Zigarettenindustrie sich im Frühjahr dieses Jahres an das Reichswirtschastsministetium gewandt mit dem Antrag, ein Zwangssyndikat ins Leben zu rufen. Das Reichswirtschastsministe- rium hat aber, nachdem die Aenderung der Materialsteuer im Mai d. 3. eine Belebung des Zigarettenkonsums gebracht hatte, diesen Antrag nicht weiter verfolgt. Der Verband dec Deutschen Zigarettenindustrie will nunmehr erneut an das Reichswirtscha'tsminifterium herantreten, um eine Hwangskontingentierung auf folgender Basis herbeizuführen. 1. muß die Höhe des Gesamt- kontingents mindestens dem tatsächlichen Bedarf von Zigaretten entsprechen. Darüber hinaus ist eine wertexe Produk.ionsmöglichkcit zu gewähren, um den einzelnen Betrieben eine gewisse Entwicklung zu gestatten: 2. bei der Zuteilung eines Kontingents können npr die Betriebe berücksichtigt werden, die am 1. Juni 1926 noch gearbeitet haben: 3. das Mindestkontingent für jeden Betrieb ist seine heutige Produktion. Das Höchstkontingent ist der Durchschnitt der Produktion des Jahres 1925, wenn diese höher war. Wie gemeldet wird, ist in den Verhandlungen mit der Reichsgemeinschaft Deutscher Zigarettenfabriken ein Aebereinkommen erzielt worden, daß auch dieser Verband sich für die Zwangskontin- geniierung auf geschilderter Basis einsetzen wird, o daß in der nächsten Zeit ein neuer gemein- amer Antrag bei der Regierung auf Zwangsyndizierung eingebracht werden soll. Frat urter Börse. Frankfurt a. M., 19. Nov. Tendepz: schwächer. — Dec mährend der ganzen Woche anhaltenden Lustlosigkeit, Geschäfts st illc und schmä- cheren Haltung entsprach auch der heutige Börsenverkehr. Äorbörslich schien es, als ob die am Borabend hervorgetretene leichte Erholung eipe Fort, fctzung erfahren sollte, denn J.-G.-Farben befestigten sich auf 334 bis 335 Prozent, Mannesmann zogen auf 180,5 und AEG. auf 165,5 Prozent an. Beruhigend wirkte die Haltung an her Pariser Börse. Schweizer Käufe, die sich namentlich auf Elektroaktien erstreckten, gaben der Börse anfangs etwas Anregung, allerdings bei unregel- mätziger Kursgestaltung. Nach kurzem Verlaufe setzte aber die Abgabeneigung wieder in verschärftem Maße ein. Das herauskommende Material war zunächst nicht bedeutend, genügte jedoch, um bei der geringen Aufnahmelust die Kurse erneut um mehrere Prozent nach unten zu drücken. Schopf rückgängig waren I.- G.- F a r b e n , die sich auf 329 Prozent ermäßigten. Anlaß zu dieser neuen Schwäche gab u. a. auch das Scheitern verschiedener Fusionsverhandlungen, mit deren Zustandekommen die Börse bestimmt gerechnet hatte. Am Montan« markt erlitten verschiedene Werte sehr empfindliche Einbußen, so Nheinstahl, die mehr als 3 Prozent verloren. Wenig verändert waren anfangs Bochumer, Buderus und Deutfch-Lux. Harpener konnten 2,5 und Riebeck um 1,5 Prozent anziehen. Am E h e - m i e m a r k t waren Scheideanstalt um 2 Prozent 'fester, während Goldschmidt 3,5 hergeben mußten. Am Elektromarkt gewannen AEG. 1 und 1 Schuckert 5,75 Prozent. Bon Bankaktien r waren Berliner Handel um 3,5 Prozent gebessert, 9 die anderen Werte dieses Gebietes zeigten zunächst ■» nur wenig Veränderungen. Schiffahrts- a k t i e n befestigt, besonders Hapag plus 1,5 Proz. Autoaktien neigten zum Nachgeben. Zell, st o f f a k t i e n schwächer. Deutsche Renten lagen lustlos und kaum verändert. Am Ausland- r c n t e n m a r f t entwickelte sich lebhafteres Geschäft in Anatoliern, die sich befestigten.-Der weitere Verlauf stand unter dem Eindruck der Mitteilung einer Großbank, die ihrer Kundschaft den Rat gibt, ihre Engagements z u verkleinern. Die Kurse schwächten sich in stärkerem Umfange weiter ab. Z.-G.-Farben senkten sich aus 327,5 Prozent Der Geldmarkt ist nicht mehr so flüssig als an den Vortagen. Geld war vielfach gefragt. Tagesgsld 5, Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent. Privatdiskonten 4 5, Jnduftrieakzepte 5,13 Prozent, 9m Devifenver - kehr konnte sich Paris weiter befestigen auf 137,75 gegen London. Mailand notierte fast unverändert 115 gegen das Pfund. Mark und Pfund behaupteten ihren Stand. Bevz^r Börse. Berlin, 19. Rop. Das Geschäft blieb von einer lustlosen Stimmung beherrscht und war äußer st gering. Das Publikum nahm eine abwartende Haltung ein. Die Spekulation nahm verschiedentlich kleinere Deckungen vor, wodurch die Kurse verschiedener Werte leichte Besserungen aufwiesen. Schon während dec ersten Stunde setzten aber neue Positionslosungen ein unb das Kursniveau bröckelte allgemein wieder ab. Das Interesse für Aktienwerte ist überhaupt st art im Schwinden begriffen. Infolge des vielfachen Hinweises auf die übertriebenen Kurssteigerungen an den Terminmärkten war die Spekulation nicht geneigt, das herauskommende Material auszunehmen, so daß die Tendenz schwächer wurde. Die Lustlosigkeit ergriff auch den Renten markt, dessen Kurse sich nicht durchweg behanpten konnten. Fest blieben nur 4proz. Mexikaner, österreichische und ungarische Goldrenten und Anatolier. Der Geld- m a r l t ist weiter flüssig. Tagesgeld ist reichlich angeboten zu 3 bis 5 Prozent. Der morgige Differenzzahlungstag ließ eine stärkere Inanspruchnahme von Geld noch nicht erkennen. Mpnatsgeld 6 bis 7 Prozent. Im Devisen- verkehr hat sich das englische Pfund infolge der Haltung der englischen Bergarbeiter wieder etwas abgeschwächt auf 4,8490 gegen Kabel. Mailand notierte gegen London fast unverändert 115. Die Reichsmark wurde gegen Kabel mit 4,2130 gehandelt. Dörlenkorl«. 148 1(3 128,6 168 139.5 112 126 Banknoten. Ui 181 163 168 169.5 168| 114 157 111.5 131.8 211 180,6 148,25 4'1 67 333,25 141,W 332 138,6 159 104,5 3dl 139,6 168.3 113,4 126 65,5 167 112,85 16(1 203 114 114.13 58 43 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphilche Auszahlung. 111,6 tio,5 223 '20,6 92 75 111.25 ! 168-76 170 188.25 140 25 168,25 88.5 115 117.25 211 183 88 I 129 158 i 167 168.76 186 1166,75 110,2.5 Frankfurter Getreidebörse, Frankfurt a. M., 19. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,25 bis 29,50- Mark; Roggen, inländischer, 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26,50: Hafer, inländischer, 19,75 bis 20; Mais (gelb) 19,75; Weizenmehl, inlän- 160 35 j 8, । 112 132 'd j 211 1 181.76 I 99.5 ! 148 179,5 | 166.26 169 i-u 14M 157.13 84 115.5 131.6 208 5 179,5 147 177.13 169.9 163.1;, 162,6 334 142 01) j 143 184 9 । 166 i 163 ! 108; — 160,5 j 06 ; 302,35 i 163,6 ; 164 201.6 112 110,2-, voctzumu «Sotz....... BuveruL ....... . . (Eero ........ «« ■ Demlch-Luxemburg ..... Gelicnlirchkner Berwo-rke > Harvcucr Bergbau . . . . , Naliwerkc Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregels .... Laurahürte ..... . , CbcrbeDnrr ..... Piioinr Bergbau....... ’ju}cinftnb| ...... Aicbecl Montan TelluS Bergbau .... bereinigte Stahlwerke A.-E. Samburg-Äinenka Paket. . . vloibäcuthtcr y(otjö . . . LOeramrsche Werke tilbto . . Zementwerk Heidelberg . . Bbilivv HoUmunu .... Anglo-Lonk.-Guano . . . . Chemische Mayex Alaviu . . I. G- ^arbenindustrie, Ll.-G- KolLichmidt . . . Holzvcrkoliluug........ 'Jtütger»)Dertc ........ Scheideanstalt ........ ÄllgZkiektruuätS-Tekelllchakt Lehmann ....... Mainkrastwerk»........ Schuckert ...... Siemens i Halst» ..... Adlrrwerkc 61 lener ..... Daimler Motoren. ..... Henligenstaedi N'eauin A.otorenwerke Mannketm frankfurter -Irmararen SoitfrrDcnfabrif Braun • . Metallgesell chaft Stanffart. ‘Bel. Union A.-T SchUdrgbrik He« Sichel . . Zellstosl Waldhoi . . . . , Judrrfabri! Frankenthal . . Rucffriabri? Saooäufel 161 — 55 - 184 127.25! - 64 25 । 24 284 91 - Uf.Lü! H).76 Frankfurt a.M- Berlin Sd)lu,. fiurs VUtlt. fiuri Schluß nur» Anfang •iur-. Damm: 18. 11. |9. 11- 18. 11. 19. 11 5Teukichr LielchSaMeth« <7o Deutsche Reichsanleihe . iJ-7973 — W 0.80 — - 0,78 Deutsche Rcichsanleih« 3°/a Peuttche ReichSanleihe — — 0.14 M3 0,89 a.86 0.8801 0.8525 Deutsch-' L-vqrprümlcnanleihe - 0.476 4e/o Prcußllche fionlolj ■ . . —- _ 0.(403 0.725 0,73 V o yefien...... 3*4% tzksseu ......... 3°/o veven........... Tcutiche L-errb- Dollar-Aul. bto- Doll 'SchaU-AvN'eiing.^ 0,76 — 95 0.74 0,736 — — — _ Wo Zolltürlcn......... 17,85 17.9 18 5% Soförncritanc ■ . . 1 45,75 - Besttncr Handclsaelellschaft 279,6 274 -76 272.6 Loonneri- und Rnvat-BtUtk DarmU- und Ralionalbcmt 11'2 191 192.5 191,5 2fi>‘ 259 256.6 184 113.5 183 I84_ 183,26 peuttche Beremsbank .... Tiecontp Commandit 1/6.5 - 1'6,76 174 175 MelaUdank........ 178 175,25 174 Milteldcurschc Crcdilbank. . 154 155,25 - Oelterreichiiche LredikansiaU 8.35 — 8.13 8,12 Wellvank ........ 89.5 — 18. Novbr. 19 Novhr- Amtliche Aoki runa Amtliche ’Jlotierunu c^cld Brie' (Selb Brief 2lnin.>’Jioti 168,25 168,67 I68J6 118,08 vueii. Ajrce i.;u5 l,7U'J 58.70 1,71'J 108,11 1,714 Brü-Utmp) 68.56 58.6? Christiinufl IHM, 10M9 108.39 ftoDntljnfl.’ji 112.lö •12.43 113.06 •12,34 Storfholm 11'4.23 .11.51 112,21 112.51 Helnngfors 10,582 10.622 10,582 10.622 Italien 17,01) 17.94 l?.7.'l 17,77 London - -11.410 10,461 -0,397 20,443 '.Keunorf L2U8 1.218 1.207 1,317 PariS. . Schweiz • 14.58 14,52 14,96 15.02 l 14 '1.31 >1.29 SBöi.un >3.91 t:4,|3 >3,96 64,12 Japan .'.063 2,067 -'.065 2.069 -Hio de i>an Wien in D-' i.&b i.54i .527 feil, obgcfl if9.2'3 59.1« »9,36 50,60 ■ '2.467 7,423 12,497 7.44'- 12.491 (.441 Dudav.m. >.894 o.yii -.892 0,1'12 Bnl aricn 1,1)33 i.1142 4,037 -,'147 flijTq ßpn '1,625 -•l,Wü -1 494 -1,64 Donttn -•1.(3 51,61 81,71 .13 flonft nun 4.112 4. -22 .12 ?Itben 4.175 4,185 5.22 6.24 Kanada - - 2 12 2 13 ),212 1,222 Nruaucm 5.22 ö.24 4-1(4 4.185 Berlm. 18 Novdr (Selb IBnei Amerikanische ilioiea ..... Belgische Noten ...... Täni'che Noten ....... Engliiche Noien ...... Frninösiiche ‘.Koten ...... holländisch.- Wotefl .... UtUienischk Noten ..... Norwegische Noten Dculsch Cefterr ,ä)QOÄroncn Nnmcinischc Noten . . . Lchwedlsche Noten..... LchweUer No.cn Svanischc Noien .... Lschcchoslowaluchc «oten . . lmgorischc HIqicm . , , (.231 58 42 H1.87 91.372 14. h- 167.96 17 83 100,01 □9.13 HI.9I 80,92 6N.72 12.427 5.86 4.321 68.74 Ip.ij 20.472 14,71 I68.8U öV-4_ 112.60 •4.04 12.48? )-lslI disches (Spezial 0), 41,50 bis 41,75; Roggenmehl 35 bis 35,75; Weizenkleie 11,25 bis 11,50; Noggenkleie 11,50 Mark. Tendenz: fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 18. Nov. Die lehttägige Der lauung an den ausländischen Getreidemärkten übte im Berliner Produktengeschäft einen ziemlich kräftigen Einfluß aus. Die ermäßigten Offerten von den Weltmärkten weisen bei den augenblicklich ziemlich hohen Inlandspreisen eine Konkurrenz am Exportmarkt fast vollständig auf, so daß die Rotierungen für Weizen heute Abschläge von 2 Mark, für Roggen sogar bis 4 Mark aufweisen, da die gotbenmpen für amerikanischen Western-Roggen so erheblich ermäßigt wurden, daß sie beträchtlich unter dem Berliner Niveau liegen. Immerhin bot einmal das etwas erhöhte Liverpool und dann mäßiges Angebot aus der Provinz, der Allgemeintendenz eine leichte Stütze. Gerste in mittleren Qualitäten matt, sonst zu hoch gefordert. Für Hafer gestaltet sich der Verkehr im großen und ganzen ruhig. Mehl still; die Forderungen sind zu hoch, um bei den augenblicklichen schweren Absatzmöglichkeiten einen Ratzen za lttssen. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 273 bis 276 Mark: Roggen, märkischer, 224 bis 229; Sommergerste 220 bis 252; Wintergerste 195 bis 208; Hafer, märkischer, 188 bis 194; Mais, loco Berlin, 198 bis 203; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35,75: bis 38,75; Roggenmehl 32,50 bis 34,25: Weizenkleie 12,25; Roggenkleie 12; Vik- toriaerbsen 60 bis 63; kleine Sveiseerbsen 38 bis 41; Futtererbsen 22 bis 2d; Peluschken 21 bis 22; Ackerbohnen 21,50 bis 22,50; Wicken 24 bis 25; Lupinen, btgu, 14 bis 14,50; Lupinen, gelb. 15 bis 15,50; Serradelle (neu) 22 bis 23; Rapskuchen 16,20 bis 16,40; Leinkuchen 20,80 bis 21; Trockenschnitzel 9,50 bis 9,80; Sotzaschrot 19,30 bis 19 50; Kartoffelflocken 25 bis 25,50 Mari. BücherLijch. — „Das Theater (Verlag Berlin W 9) bringt auf dem zweiten Noveinbrc-Heft das Porträt des verstorbenen Sängers Joseph Schwarz als Titelbild. An einen Leitariikel „Das neue Lheaterpublitum" schließt sich ein illustrierter Londoner Brief an. Der belgisch,: Schriftsteller Pigrad berichtet über die Theaterarbeit in seinem Lande, der römische Korrespondent gibt eine gleichfalls illustrierte Darstellung der bärtigen Aufführungen. Besonders eingehend ist in diesem Heft die Arbeit der Bühnen im Reich vertreten, die ja in den letzten Wochen eine Fülle bedeutender Uraufführungen gebracht haben. Halle und Magdeburg, Mainz und Weimar, Dessau und Schwerin, Stuttgart und Breslau, Düsseldorf und Köln kommen in Wort und Bild ausführlich zur Geltung, darunter die neuen Werke von Rehfisch, Angermaher, Barlach und Wexfess viel erörterte Paulus-Tragödie. — Karl Joel: Der Ursprung der Aatur- philosopHie aus dem Geiste der Mystik. (Aus der Schriftenreihe zur Neubegründm g der Raturphilosophie, verlegt bei Eugen D.ederichs in Jena.) — Mit sicherem Ueberblick ist die Fragestellung hsrausgeschält, die dem Verfasser am Herzen liegt. Der festgefügte Gedankenbau duldet keine Abschweifung, so daß der Reichtum des angezogenen Materials in reinem Augenblick verwirrend wirkt und den Leser nicht eine Sekunde die Hauptsragestellung vergessen läßt. Der Verfasser geht bewußt von dem Punkt aus, wo für das Erleben des Menschen die Verknüpfung zwischen Innen und Außen liegt. Dies ist die Grundquelle des Gefühls, welches alles zur Einheit zu verschmelzen sucht und welches zu dem Erleben der Ratur in der Menschenseele und gleichzestitz der Menschenseeke in her Rasur führt. Damit wird für den Leser der Zusammenhang zwischen den geistigen Gestaltungen der vor- sokratischen Epoche, Der Renaissance und der xo-- MäNtischen durchsichtig, als deren tragen es Element der Verfasser das gesteigerte Leoensgefüh' erkennt. An Hand gründlichster Durcharbeitung wird so die innere Beziehung zwischen den großen Aatupphilosophen der Antike — Heraklit, Parmenides, Einpedokles — und der Renaissance — Jakob Böhme, Theo- phrastus von Hohenheim, Agrippa von Rettes-- heim — dargestellt. Ihnen allen ist die Einheit der Rasur, die Allbeseelung und' die Immanenz des Göttlichen in der Ratur das Grunderlebnis. Von hier fällt nun Licht auf die verschiedenen Seiten der Raturer-enntnis, die den einzelnen Stufen des individuellen Erlebnisses entsprechen. So sucht dgs gesteigerte Lebenlgesühl in der Ratur. nach deren Lebenskräften und entwickelt zugleich den Sinn für das Werden und die Wan-luna, hie Einheit und Unendlichkeit. Das Gefühl für ‘Ae Grenze des eigenen Ich entwickelt den Sinn für Ordnung und Gesetz, So sehen wir das ©rieben Umschlägen in die Betrachtung der Ratur. Dabei ist die gegenseitige Verbildl.rchung Der Ratur und des Seelisch- Menschlichen, welches Die unbewußt selbstverständliche Ausdrucksform der Naturphilosophen ist — weil sie Ratur und Seele zugleich auffasjen —, hier meisterhaft klar durchleuchtet. Zugleich wird nachgewiesen, daß starker religiöser Aufschwung und Verinnerlichung des Gefühls immer dann auch ftaitignb, wenn die Naturphilosophie blühte, beides in notwendigem Zusammenhang. Ja, baß Religiöse offenbart sich als ein der Ratur. Philosophie unmittelbar zugehöriges Element. Damit wird die iLinheitsoorstelsung des Materialismus scharf von Der Einheitsgorstellung der Naturphilosophie unterschieden. Denn jene sucht die Identität von Kraft und Stoff. Diese aber sieht im Stoff die Immanenz der göttlichen Kraft. 626 Dr. Olga d. Ungem-Sternberg. — Der K a t a l 0 g 1 0 8 5 oon Rudolf Bangel in Frankfurt n. Rj verzeichnet Gemälde aus her Sammluna des Grafen Fouche 2 Dlrante, die demnächst versteigert werdsn^oll. Der erste Teil enthält Gemälde französischer Meister, des Kreises von Barbizon und der Impressionisten; wir nennen Corot, Daubigny, Delacroix. Iacque Iongkind, Le- bourg, Lepine, Millet, Pissero und Scsley Aus dem zweiten Teil — alte Meister — ist erwähnenswert ein Anson van Dyck und ein deutscher Meister um 1530. Der dritte Abschnitt bringt rcieberum neuere Franzosen, z. B. Courbet. Dciumier. Benoir und Buillard. — Eine kurze Einleitung schrieb Meyer- Gräfe. Letzte Nachrichten. Eisenbahnunfall in Dutenhofen. Gestern, Donnerstag, n^ni.tag gegen 5 Uhr ereignete sich auf dem Vahnyof Dutenhofen beim Rangieren ein Unfall dadurch, daß ein Güterwagen entgleiste und sich quer üher den Schienenstrang stellte. Dadurch wurde dgs Gleis W e tz l g r—G i e ß e n gesperrt, so daß der Verkehr zwischen Gießen und Dutenhofen nur noch eingleisig durchgeführt werden konnte. Die Gegenabendzüge in beiden Richtungen erlitten beträchtliche Verspätungen, die sich auch auf die Anschlußstpecken übertrugen. Die AufgleisungsarbeÜen wurden sofort mit aller Tatkraft vorgenommen und biß gegen 7 Uhr abends vollendet, so daß von da ab der Verkehr wieder normal vonstatten ging. Menschen sind bei dem Unfall nicht zu Schaden gekommen, der Materialschaden ist gering. gusammenstoh Zwisten Kraftwagen und Molsrrad. 7" Eckartsborn, 19. Nov. Gestern nachmittag ereignete sich auf Der KrciLltLa^r zwischen Ortenberg und L i ß b e r g in der Nähe des hiesigen Bahnho s ein schwerer Zusammenstoß zwischen dem Kraftwagen eines Liß- bepger Mühlenbesitzers ugb dem Motorrad des Rechners der Gederner Vorfchußkasse. Das Motorrad wurde fast völlig zertrümmert, auch der Kraftwagen schwer beschädigt. Von den Fahrern wurde der Besitzer des Motorrads schwer verletzt; er erlitt einen komplizierten Oberschenkelbruch und eine Kopfverletzung und wurde nach Anlegung eines Verbandes ins städtische Krantenhaus nach Frankfurt verbracht. Der Krastwagrnbe- s i tz e r tarn güt einer Ärmverletzung und einem Nervrnchok davon, auch eine mitfahrende Frau aus Lißherg erlitt einen Nervenchok. Aerztliche Hilfe war sofort zur Stelle. Die Ursache des Unglücks soll barm zu suchen sein, Daß ber Motorradfahrer hei Der Begegnung mit Dem Kraftwagen sehr stark von der Sonne geblendet wurde. Familiendrama in Frankfurt. F r ank s u r t a.M., 19. Roo (WSN.-Drahi- bericht.) On der vergangenen Nacht hat sich der bei einer hiesigen Wertzeugf.rbrik beschäftigte, etwa 50 Jahre alte Prokurist Arnold Brau ner-Kreuther mit seiner Frau in feiner Wohnung durch Gas vergiftet. Hauseinwohner fanden in der Frühe an brr Dorp laß- tür einen Zettel befestigt, auf dem die Worte „Vorsicht! Gas!" standen. Die sofort benachrichtigte Polizei öffnete gewaltsam die Wohnung, koruttc aber nur iwch den Tod ber Eheleute feststellen. Aus bem Tifch lagen Ab- schiedsbriefe und ein Testament. Ueber die Gründe der Tat besteht noch Unllarheit. Rundfunk-Programm. Samstag, 20. November. 3,30 bis 4 Uhr: Die Stunde ber Jugend. 4,40 bis 5,45 Mr: Konzert des Hausorchesters: Franz Schubert. 5,45 bis 6,05 Uhr: Sie Lese- ftunbe. 6,45 bis 7.15 Mr: DeamteniortKild'Ungs- kursps: „Grunozüge des beutfchrn Strafrechts ili". Vortrag von Oberlandesgerichtsrat Dr. Aschaffenburg. 7,15 bis 7,45 Mr: „Erwerbslosenfürsorge und Sozialver.icherung", Vortrag von G. Adrahamsohn. 7,45 bis 8,15 Mr: „Die Entdeckungen und ihre Bedeutung für die europäische Wirtsch.rft", Vortrag pon Diplorn- handelslehrer Schneider. 8,15 Uhr: Fröhlicher Abend mit Hans Reimann. Anchließenb vis 12,30 Uhr: Tan-mM. .. -U— ..1 'M 9509c ree W V merkende DIE ZIGARETTE ZU 10PF. xzorxj rs- DQ ■ ■ *7=^/* Jät!'1 gänglik des lei von *3 Es lf' wat)v< Denn ging das1 diens tönm Tod wend 5 Dec' Mut eine Ä fteeben. 3m Au We ihn nid mal ®i sonden Seit si erlebet D« Wuns gelöst 3u es hiei Sehen werk, if Wei Fichtes eg wird göttlich absolut fe Die beutfd fimngieß l flfiebem me Danst, Eine l Nl run8 Nx ? nn reifst * t u m uiiitt suif EnGh ,eifie im n nehmen, fa| ®art betra -Laba f m, nähme des ^chen Ri D?rt heulioei ? Komm Grmi Lr lOrt D staubenden Zerbrechen, 2 ^'nanzie tn' fe Aember , iS*; Nung ß best hol her -i uni