Von Briand zu Herriot. Die Schwierigkeiten der französischen Regierungsbildung. Die Neubildung der französischen Regierung scheint diesmal besondere Schwierigkeiten zu machen. Bei den großen finanziellen Schwierigkeiten des Landes ist das nicht verwunderlich, zumal in An- betracht der großen Parteizersplitterung und der Widerstände, die sich dem Ringen um eine neue Mehrheitsbildung entgegenstellen. Achtundvierzig Stunden nach dem Regierungssturz ist es dem großen Taktiker noch nicht gelungen, ein Kabinett zu bilden. Seine bisherigen Versuche, ein Konzentra« tionskabinett von Poincarö bis Herriot zu bilden, haben eine Entscheidung noch nicht gebracht, ihn aber wohl von der Unmöglichkeit überzeugt, zwei in ihren innen- und außenpolitischen Auffassungen so entgegengesetzte Persönlichkeiten in einem Kabinett zusammenzuspannen. Hierzu kommt noch, daß der kleine radikalsozialistische Parteitag in einer Entschließung mit großer Mehrheit die Beteiligung an einem Kabinett der nationalen Einigung, wie es Poincarö vorschwebt, ablehnte. Eine Beteiligung Herriots erschien also von vornherein ausgeschlossen, wenn auch nach den Erfahrungen bei den letzten Abstimmungen über die Vertrauensvoten für die Regierung damit zu rechnen wäre, daß ein Teil der Radikalsozialisten, der sich um Franklin Bouillon schart, in der Kammer für die nach rechts er- weiterte Regierung stimmen würde. Ob allerdings dadurch eine verläßliche Mehrheit erreicht würde, muß bezweifelt werden, da die Opposition immerhin von vornherein über 200 Stimmen verfügen würde. Auch die Republikanisch-Sozialen haben sich gegen eine solche Kombination ausgesprochen, eine Tatsache, die um so bemerkenswerter ist, als zu ihnen ja auch Briand und Poincarö gehören. Poincars scheint die Möglichkeit, wieder in die Regierung zu kommen, besonders ernst behandelt zu haben. Seine Unterredungen mit P6ret, für dessen Nachfolge er in Aussicht genommen worden ist, deuten darauf hin. Die Hauptschwierigkeit für die Kabinettsbildung wird aber wohl darin liegen, daß es sich darum handelt, die neuen Minister auf ein bestimmtes Finanzprogramm zu einigen. Ein solches liegt eben noch gar nicht vor, wird vielmehr erst von dem Sachverständigenausschuß bearbeitet Und die Fertigstellung scheint nicht unerhebliche Schwierigkeiten zu machen. P6ret kündigte vor dem Rücktritt der Regierung an, daß das Sanierungsprogramm nicht vor dem 1. Juli fertiggestellt sein würde. Die Bildung eines Kabinetts der nationalen Einigung wird Briand wahrscheinlich aufgeben und den Versuch machen, ein Kabinett der Käufe zustande zu bringen, das vielleicht nach der Absage Herriots eine scharfe Nechtsorientierung zeigen würde. Aber auch ein solcher Versuch scheint wenig Aussicht auf Erfolg zu haben, da sich dabei wohl dieselben Schwierigkeiten ergeben würden, wie sie eine unsichere Mehr- beit mit sich bringen muß. Nach der Lage der Dinge ist es wahrscheinlicher, daß Briand seinen Auftrag in die Hände des Präsidenten zurücklegt und einem anderen Politiker die Bildung einer neuen Regierung überläßt. Unterdessen ist der Frank wieder gefallen, ein Zeichen, daß die Aussichten, bald zu einem Kabinett mit einem festurnrissenen Programm zu fomemn, das Aussicht auf Erfolg hätte, nicht gerade günstig beurteilt werden. Es ist damit zu rechnen, daß dadurch die Stimmung nur nervöser wird und die Möglichkeiten, zu einem Kabinett zu kommen, das einigermaßen Bestand verspricht, immer geringer werden. Frankreich scheint nicht mehr imstande zu sein, sich selbst aus der Finanzkrise herauszuarbeiten. Hinter der kommenden Regierung lauert schon eine Art Dawesplan, den die Amerikaner schon bereithalten und als die einzige Möglichkeit betrachten, Frankreich zu sanieren. Nicht mit den Zwangs- und Kontrollmaßnah- men, wie sie gegen Deutschland angewendet werden, aber immerhin so, daß er die französische Politik zur Abkehr von allen imperialistischen Plänen zwingt. Briand gescheitert. Paris, 18. 3uni. (Sil.) 3m allgemeinen hat das Ergebnis des ge st rigen Tages davon überzeugt, daß eine Wiederher st el- lung der nationalen Einigung oder, wie man auch sagen könnte, des Burgfriedens unter den jetzigen Verhältnissen unmöglich ist. Das liegt vor allem an der Haltung der Sozialisten, die von einer Wiederherstellung eines Burgfriedens, wie er während des Krieges bestand, nichts wissen wollen und dem Präsidenten der Republik deutlich zu verstehen gegeben haben, daß er unter keinen ilmstän- den eine Beteiligung der Sozialisten an der Regierung in Erwägung ziehen könne. Auch die Entscheidung des Kleinen Kongresses der Radikalsozialisten vermehrt natürlich die Schwierigkeiten. Sie macht es unwahrscheinlich, daß die Regierungsbasis bis zu den Gruppen der Rechtsrepublikaner ausgedehnt werden kann. Rach einer späteren Meldung sind die Bemühungen Driands zur Kabinettsbildung gescheitert. Briand hat den ganzen Vormittag hindurch ununterbrochen mit Poin - c ar 6 und Herriot verhandelt. Die Aussprache mit dem Kammerpräsidenten, die über Drei Stunden bis 1/22 ilhr dauerte, hat einen besonders dramatrschen Verlauf genommen. Trotz dringendster Vorstellungen ist es Briand nicht gelungen, Herriot umzustimmen. Herriot hat sich definitiv ge» wei gert, in das neue Kabinett einzutreten. Briand sagte den Journalisten, er werde dem Präsidenten der Republik um 21/» ilhr seine Antwort geben. „Sie sind scharfsinnig genug, um sie zu erraten." Der Fehlschlag der Mission Driands wird am frühen Rachmittag offiziell bestätigt Herriot beauftragt. P aris, 18.3uni. (Sil.) Briand hat dem Präsidenten der Republik um 3 ilhr nachmittags offiziell das Scheitern seiner Bemühungen mitgeteilt, ilm 4.30 Uhr erklärte Herriot beim Verlassen des Elhsee, daß e r den Auftrag zur Kabinettsbildung erhalten und angenommen habe. Herriot nahm sofort Besprechungen mit Sar- rout, Malvh und Chautemps auf und begab sich dann zum Präsidenten des Senates. Rach Dlättermeldungen soll Herriot bereits «ine Ministerliste fertig haben. Unter den politischen Persönlichkeiten, mit denen Herriot gestern abend verhandelte, befindet sich auch C a i l l a u x. Aus den Erklärungen Herriots geht hervor, daß eine Entscheidung, ob er das Kabinett bilden könne, nicht vor Samstag abend erfolgen kann, Uebrigens werde i m Ministerium Herriot, wenn es zustande» kommt, Briand nicht als Minister des A « u h e r n vertreten fein. Bis jetzt habe Briand sich noch nicht entschlossen, ein derarttges Angebot anzunehmen. Darüber muh sich jeder im klaren sein, daß er mit seinem Votum am 20. 3uni nicht nur entscheidet, ob man den ehemaligen Fürsten das geben will, worauf sie als gleichberechtigte Staatsbürger Anspruch haben, sondern viel weitergchend, ob wir noch Weiler in einem Rechtsstaat leben oder dem Bolschewismus die Wege ebnen wollen. Darüber hinaus — das geht aus dem Brief des Reichspräsidenten unzweideutig hervor — bedeutet die Annahme des Kommunistisch-sozialistischen Konfiskationsantrags Reuwahl des Präsidenten, Regierungskrise mit all ihren verhängnisvollen politischen und Wirtschaft- sichen Folgen, all ihren verheerenden Auswirkungen auf dem Gebiet von Handel und Wandel. R i e m a n d. der die ruhi-ge, ftcttgc Weiterentwicklung unseres politischen und wirtschaftlichen Lebens wünscht, darf an der Abstimmung am 2 0. 3uni teilnehmen. Er versündigt sich, wenn er dies tut. an sich selbst, an seinem Volke, weil mit der Annahme dieses Volksentscheids die Grundlagen des Rechtsstaates preis- gegeben werden. Der das unterstützt, macht sich zum Mitläufer und Bundesgenossen des Bolschewismus. Die Fraktionen des Hessischen Landbund e->, l«u- Deutschen Volke partei und der Deutschnationalen Volkspartei des Hessischen Landtags erlassen folgende Äunft- gebung: Am kommenden Sonntag soll das hessische Doll über den sozialistisch-kommunistischen Antrag auf entschädigungslose Enteignung des gesamten beweglichen und unbeweglichen Eigentums der ehemaligen deutschen Fürsten, also auch des früheren Grohherzogs von Hessen, entscheiden. Der Antrag ist ein vollendeter Raub und glatter Rechtsbruch. Er eröffnet den sozialistisch-kommunistischen Generalangriff gegen bas Privateigentum überhaupt und bedeutet, wenn er eine Mehrheit finden sollte, den Beginn der Bolsche- wisierung Deutschlands, wie sie von Moskau aus befohlen wird. Er will unbestrittenes und unbezweifeltes Privateigentum rauben und alle Hinweise seiner Urheber auf die Aufwertungsfrage find als schamloser Dolksbetrug zu kennzeichnen. Denn bei dem Antrag handelt es sich nicht um Aufwertung, sondern um restlose Eigentumsberaubung Wehrloser. 3n Bezug auf die Aufwertung ihres Privateigentums sollen die Fürsten nach unserem Willen nicht besser gestellt werden als die anderen deutschen Staatsbürger. 3m übrigen haben die Fürstenhäuser durch die 3nflation chr in Wertpapieren angelegtes Kapitalvermögen genau so unwiederbringlich verloren wie die anderen 3n- flationsopfer. Wer auf dem Boden des Rechtsstaates steht und das Privateigentum als Grundlage unserer Kultur ansieht, muß sich dem sozialistisch-kommunistischen Bestreben auf das entschiedenste widersehen. Das geschieht dadurch, daß keiner unserer Anhänger am Raubzug des kommenden Sonntags teilnimmt. Wir fordern alle unsere Wähler auf, am Sonntag, den 20. 3uni sich der Abstimmung zu enthalten. Die Konferenz der Kleinen Entente. Ein rumänisch-russisches Bündnis. Dled (Veldes), 18. 3unt (SU.) Heber die bisherigen Verhandlungen in Dled wird folgendes CommuniquH veröffentlicht: Die Konferenzvertreter der Kleinen Entente haben bei der allgemeinen Ueberprüfung der internationalen politischen Lage die vollständige Ue» herein st immung der Gesichtspunkte der Vertreter der Kleinen Entente feftgestellt. Gestern wurden alle Fragen der TageSorimung im einzelnen überprüft, besonders die Beziehungen jedes Staates der Kleinen Entente zu seinen Rachbarn. 3n der Rach» mittagssihung wurden die Ratifikationsurkunden der am 13. 3uni erneuerten Defensivverträge zwischen Rumänien und der Tschechoslowakei und zwischen Rumänien und Südslawien ausgetauscht. Auch die russische Frage wird aufgerollt werden. Dec deutsch-russische Vertrag wird in diesem Zusammenhang eingehend besprochen werden. Die Sens a t i o n des gestrigen Tages war die Erklärung des rumänischen Au - ßenministers, daß Rumänien ein Bündnis mit Polen abgeschlossen habe. Die Mitteilung erregte in diplomatischen Kreisen das größte Aufsehen. Die Vertrete^ 3ugoslawiens und der Tschechoslowakei erklärten bei der Konferenz, daß diese Tatsache einen völligen Umsturz der Grundideen der Kleinen Entente bedeute. Die Tschechoslowakei und 3ugoslawien seien darüber einig, daß sie niemals einen Vertrag eingehen könnten, der sich in irgendeiner Weise gegen Rußland richte. 3n der russischen Frage müßten sich 3ugoslawien und die Tschechoslowakei stets freie Hand Vorbehalten. Die Konferenz werde heute vormittag 10 Uhr fortgesetzt und soll bereits heute zum Abschluß, gelangen. Die internationale Arbeitskonferenz. Genf, 18. 3unL (TU.) Auf der Tagesordnung der heuttgen Vollsitzung der internationalen Arbeilskonserenz stand die Diskussion über den Bericht des Direttors des internationalen Arbeitsamtes über Marinefragen. Der argenttnische Arbeitnehmervertreter, Viola, vertrat einen ausgesprochenen p anamerikanischen Standpunkt und forderte mehr 3nteresse der europäischen Arbeiterschaft für die Lage der Arbetter in Amerika, Der indische Arbeiterführer griff darauf die englische Regierung scharf an, weil sie auf den Arbeitskon- ferenzen Verträge annehme, die sie nachher nicht ratifiziere. Die Konventton über die Bunkerarbeit fei bisher nur von 13 Staaten ratifiziert worden. Der japanische Arbettervertreter tadelte scharf seine Regierung, weil sie die auf der Konferenz von Genua eingegangenen Verpflichtungen noch nicht erfüllt habe. Der japanische und indische Regierungsvertreter suchten darauf den Standpunkt ihrer Regierungen zu rechtfertigen. Der norwegische Regierungsvertreter forderte die Ernennung von Marinesachverstän- digen beim internationalen Arbeitsamt. Hierauf sprach Albert Thomas, der Direktor des Arbeitsamtes, und warnte vor Gleichgültigkeit gegenüber den Arbeiten der Konferenz. Er wies auf die Bedeutung auch nicht ratifizierter Konventtonen für die Gesetzgebung der Staaten hin. Die internationale Arbeitskonferenz müsse mit den Regierungen der einzelnen Mitglieder auss engste zusammenarbeiien. Die Fortschritte des einen bedeuten auch Fortschritte für den anderen. Spanien und der Ratsfitz. Madrid, 18. 3unL (TU.) Auf einem Bankett im Palasthotel setzte Außenminister ^an* guas nochmals Spaniens Stellung zum Völkerbund auseinander. Er sagte, die Lage des Völkerbundes sei sehr kritisch. Man müsse sich fragen, ob der Völkerbund für den Krieg oder für den Frieden geschaffen sei. Wenn er für den Frieden geschaffen sei. dann ständen Spaniens Anrechte auf einen Rats- s i h außer allem Zweifel. Für den Völkerbund sei das Wichtigste die moralische Bedeutung eines Landes. Deutschland habe zwar k e i n H e e r und keine Marine, es besitze aber eine gewaltige moralische Macht und habe deshalb Anrecht auf einen ständigen Rats sitz. Für sich werde Spanien keinen andern als einen Tfänöigen Ratsskh zulassen. Andernfalls werde es sich xurüd- ziehen und die für den Völkerbund ausge- worfenen Kredite für andere Zwecke verwenden. Die spanische Regierung hat laut „3 n - formaciones" beschlossen, die Zahl der sp a- nischen Delegierten zur Abrüstungskonferenz von sieben auf drei herabzusetzen. Englisch-französischer Gegensatz in Gens. Genf, 18. Juni. (TU.) In der heutigen Sitzung dcr militärischen Unterkommission wurde von englischer Seite die Einsetzung von drei Unterkommissionen beantragt, die gesondert die Luft-, See - und L a n d st r e i t k r ä f t e behandeln sollen. Don französischer Seite wurde dem englischen Antrag heftige Opposition entgegengebracht, wobei die französischen Vertreter mit allen Mitteln die Ablehnung des englischen Antrags zu erreichen versuchten. Die Debatte nahm erregte Formen an. Der englische Antrag wurde gegen die Stimmen Frankreichs mit 11 gegen 7 Stimmen angenommen. Die deut- sch en Delegierten stimmten aus sachlichen Gründen für den englischen Antrag. Allgemein wird die Annahme des englischen Antrags als ein aus» gesprochener Steg der englischen Auffassung über die französische aufgefaßt. England hat es nunmehr erreicht, daß einerseits Marinefragen in einem Komitee von Sachverständige^ beraten werben und daß anderseits nach den Dor, ■k bti ? drs si° Tuches >TNt , 'men der «5® unter. die Aiw2,^unq nifc )n der ht E ein lunaer -ÄZZ.P Jiiann yi is erste i=Strafmanbat. Ujt a.X 17. (/uni. Die te oem betonten Flugzeug, t kürzlich wegen eines angeb« »rn der Luft einen Straf. Baumgart, der Führer einer wptet, dah er als solcher auf ^rechtigl gewesen sei, einen diesen rhp zu machen. 6t ’OO Meter in die hohe, als am ihm aber ein Detter 1 einmischte, ohne vorher die Äeichslultamtes eiiuuziehen. Regenböe und fuhr direkt, >ng in Frankfurt, nach dem lugplah, wo er glatt landete, izei kabelte sofort nach Franken, weh Harne und Art der on der Lustpolizei wurde ihm afbefehl Mktiert, yaen Das Bericht erklärte sich tage zu klären und ersuchte amt in‘Berlin um ein® ut* * ien bet Redaktion. i-er Feit von iZblslUtjt 1 llhr nachmittag, ms ihm rechnen. angt elngrsandte jne deigeWtt BMporto wird ^roa^rübetnommem^^^ ort eine^Mtin an die Leitung edes Wort stenographieren, das i Auftrage der RrlminalpolBci. chsand er und ihm übersprudelnd dar Ge- ^freudige Erregung. »EnM ; er aus. „@ott se> Dank 3®« ^Stübncr wird nicht ganj un fen Sie I°I°-> «' Utö»**** diehenschmidt. ,c *** ( bitte nervös. ..Sagen Kramer et°m ft 8# •*«■** enten?' iabren!” -Ä'S1-S -.«SjSS? nLt Aachen jflbe. W sortletzung 'E ■ 0.5& i.5o slfo"' Ur. W Erster Blatt 1T6. Jahrgang Samstag, 19. Juni 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-vezugLpreii: 2 Reichsmark und 20 Reichs Pfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schristleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Sranffuri am Dlain 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesten vrvck nnd Verlag: vrühl'sche Uviverfitütr Such' und Zteindruckerel H. Lange in Siegen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchnlstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20°/Ä mehr. Thefrcdakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Rechlsstaatodervolfchewismus? Don Reichstagsabgeordneten DrüninghauS. Die Weimarer Verfassung wird von der Mehrzahl derer, die sie seinerzeit in der Rationalversammlung angenommen haben, stets hin- gestellt, alS ein in seiner Art vollendetes Werk, an dem nicht gerüttelt oder gerührt werden dürfe. Kein vernünftiger Mensch wird bestreiten, daß die "Verabschiedung der Verfassung, ganz gleichgültig, wie man sich zu ihren Einzelheiten stellen mag, einen sehr wesenttichen Fortschritt gegenüber jenen ganz unsicheren staatsrechtlichen Zuständen bedeutete, die mit der Revolution in Deutschland ganz automatisch eingetreten toaren. Rach meiner Auffassung setzt jedoch die Durchführung der Weimarer Verfassung ein polittsch vollkommen reifes und durchgebildetes Volk voraus, das auch mit den überaus weitgehenden Befugnissen, die, abgesehen von der Schweiz, in keinem anderen Lande der Welt vorhanden sind, den Gebrauch zu machen versteht, der auf staatspolitischem Denken, wirtschaftlicber Einsicht und wohlverstandenen eigenen 3nteressen beruht. Der Volksentscheid, der am 20. 3uni zum erstenmal auf Grund der Reichsverfassung vor sich gehen soll, scheint mir ein klassisches Beispiel dafür zu sein, daß unser Volk die Rechte, die die Verfassung ihm gibt, vorläufig noch nicht richtig anzuwenden und auszuwerten versteht. Der zunächst von den Kommunisten einge- brachte Antrag auf entschädigungslose Enteignung der ehemals regierenden Fürstenhäuser, der richtiger zu bezeichnen wäre als Konfiskation des Eigentums einer bestimmten Klasse von Staatsbürgern, die vom Standpunkt der Antragsteller durchaus verständlich, da sie eben die jetzige staatliche Ordnung als solche ab- Iehnen, ebenso wie den Begriff des Privateigentums. Die Dermögenskonsiskation eines kleinen Teils der Bevölkerung bedeutet für sie lediglich den Anfang der von ihnen angestrebten Entwicklung. Die Kommunisten sind auch politisch ehrlich genug, das ohne weiteres zuzugeben. Dafür liegen beliebig viele Beweise vor, von denen ich nur einen anführen will: Der Abgeordnete Dr. Greiner (Führer der Kommunistenpartei in Hessen) sagte im Hessischen, Landtag, also ganz offiziell: „Wenn die Fürstenenteignung erst durchgeführt ist, dann steht der Weg offen, das gesamte Privateigentum zu enteignen. Dann kommt eins nach dem andern; das erstreben wir." Leider hat auch die größte politische Partei Deutschlands, die Sozialdemokratie, geglaubt, sich aus rein parteipolitischen Gründen den Kommunisten als Mitläufer anschliehen zu sollen. 3hr anfängliches Sträuben dagegen, das bei einer, wie der Raine besagt, doch immerhin demokratischen Partei durchaus verständlich war. hat sie mit Rücksicht auf die urteilslose Wählermasse beiseite geschoben. Sie ist damit Gefangene ihrer eigenen staatspolitisch und wirtschaftlich falschen Einstellung geworden und war gezwungen, Gründe für ihre Ansicht zu konstruieren. die naturgemäß einer ernsthaften Prüfung nicht standhaften können. Die mit einem geradezu ungeheuerlichen Aufwand von demagogischen Kunstkniffen aufgezogene Propaganda, die selbstverständlich vor groben Unwahrheiten — um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen — nicht zurückschreckt, hat dazu beigetragen, die Begriffe in der Oeffentlichkeit vollkommen zu verwirren, so dah viele unserer Volksgenossen, an deren nationaler und privatwirtschaft- licher Einstellung nicht zu zweifeln ist. in dem Glauben leben, sie täten ein gutes Werk und dienten der Gerechtigkeit, wenn sie beim Dolks- entscheid ihre Stimme abgäben. Man wird den bürgerlichen Parteien den Vorwurf nicht ersparen können, daß sie schon beim „Dollsbegehren" nicht für genügende sachliche Aufklärung der Bevölkerung gesorgt haben. Kein Menfch denkt doch daran, daß den ehemaligen Fürsten ihr früherer Besitz unverkürzt bleiben soll. Das hieße die staatsrechtlichen Folgen des Umsturzes einfach beiseite schieben, eine Handlungsweise, die, wie die Dinge sich entwickelt haben, nicht in Betracht kommen kann. Damit scheidet das, was den Fürsten früher als sogenanntes „Staatsgut" zustand, ohne weiteres aus. Das unzweifelhafte Privateigentum — und nur um dieses handelt es sich — wird nicht etwa, wie man dies durch lügnerische Plakate (z. D. „Drei Milliarden für die Fürsten, für das Volk nichts") die Oeffentlichkeit glauben machen will, restlos den ehemaligen Fürsten ausgehändigt. Sie sollen nicht anders behandelt werden als jeder andere Staatsbürger. Sie unterliegen ebenso — das übersehen vor allem die Sparer, Htzpothekengläubiger und sonstigen Geschädigten — Den gesetzlichen Bestimmungen wie jeder andere Angehörige des deutschen Volkes. Es handelt sich also bei der Entscheidung am 20 3uni nicht darum, den ehemaftgen Fürsten auf Kosten der Allgemeinheit, wenn ich mich eines etwas vulgären Ausdrucks bedienen darf, eine Extrawurst zu braten, sondern darum, ob mast sie außerhalb der Gesetze, außerhalb der verlafsungsmähigen Rechte, die jedem andern Staatsbürger zustehen, stellen will oder nicht. Es ist im höchsten G»de bedauerlich, dah nicht längst eine Regelung erfolgt ist, die unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Faktoren, vor allem auch der allgemeinen Verarmung unseres gesamten Dolles, eine Frage gelöst hätte, die, ganz abgesehen von ihrer innerpolltischen Bedeutung, sehr wesentlich mit dem Ansehen und der Würde des Deutschen Reiches verknüpft ist und daher auch zwangsläufig auhenpolittsch sich auswirken wird. arbeiten der Unterkommission bei den künftigen Ab- rüstungsverhandlungen die einzelnen militärischen Waffenkategorien der Länder miteinander ver t ichen werden und nicht die gesamten m i l i -- tälkischen Kräfte eines Landes. Der englische Streik. Eine Negierunflsvorlage über die Achtftundenarbeitszeit. London, 19. Juni. (WTB. Funkspruch.) Am Montag wird im Unterhause eine Vorlage eingebracht werden, die eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit in den Bergwerken auf acht Stunden fcstsetzt. Die Regierung beabsichtigt, diese Bestimmung für fünf Jahre in Kraft zu setzen. Eine endgültige Entscheidung über diesen Punkt wird aber erst am Montag in einer Sondersitzung des Kabinetts erfolgen. Zur gleichen Zeit hofft man auch, den Text des zweiten Gesetzentwurfes für d i e Reorganisation des Bergbaues fertigge- stellt zu haben, da die Regierung bemüht ist, im Unterhaus die beiden Gesetze als Teil eines vollständigen Planes vorzulegen. Die Achtstundenbill wird nur kurz fein und vielleicht nur zwei bis drei Sätze enthalten. Obwohl die Arbeiterpartei energischen Widerstand leisten wird, holst die Regierung doch, das Arbeitszeitgesetz in wenigen Tagen durchzubringen. Die Annahme des zweiten Gesetzes über die Reorganisation des Bergbaues wird wahrscheinlich schwierig sein, da mit einer Reihe von Abänderungsanträgen zu rechnen ist. Die Lage der Bergarbeiter. London, 19. Sunt. (WTD. Funkspruch.) Der ßekretär des Bergarbeiterverbandes, Cook, brachte gestern abend in einer Rede zum Ausdruck daß die Arbeiter vielleicht durch den Hunger zur Annahme niedrigerer Lohnsätze gezwungen werden könnten, daß sie sich aber selbst durch den Hunger nicht zur Annahme einer längeren Arbeitszeit oder zu bezirksweisen Lohnvereinbarungen zwingen lassen würden. Wie die Mvrgonblätter aus London melden, konnte zum erstenmal seit dem Begum des Streiks der Dergarbeiterverband von Lancashire die Streikunterstützung an seine 80000 Mitglieder nicht mehr zahlen. Neuer Amstutz m Portugal. Paris. 18. Juni. (Sil.) Nach Meldungen aus Lissabon hat General Costa gestern morgen den Ministerpräsidenten Cabecadas in einem Schreiben zur Demission aufgefordert und angekündigt, daß er selb st die Ministerpräsidentschaft und das Innenmini st erium übernehmen werde. Cabecadas ist z u rü ckg et reten. General Costa besetzte verschiedene strategische Punkte der Hauptstadt und lieh die T r u p P e n e i n - marschieren, vorläufig ist es In Lissabon ruhig. Die Bevölkerung befürchtet aber neue Schwierigkeiten. Nach einem Funkspruch aus Lissabon sind die Zivilpersonen, die bisher das Kolonial- bzw. Unterrichtsministerium innehatten, durch Militärs ersetzt worden. General Gomez Costa betonte in einer Erklärung. daß die gegenwärtige Bewegung einen . republikanischen Charakter trage. Der Finanzminister ist zurückgetreten und durch l einen General ersetzt worden. Major Philomen Tamara hat das Ministerium des F Innern übernommen. Der Finanzminister, der Minister des Innern und der Minister des Aeuheren haben ein Triumvirat gebildet. Neue Operationen in Marokko. Paris, 18.Juni. (TU.) Rach einer Meldung der „La V o z de G u i p u z c o a" aus Tetuan baden die französischen Truppen Sche- schauen besetzt. Die spanischen Truppen bereiten mit Unterstützung der französischen Kolonnen eine Operation vor, die zum 3ie(e hat, die Verbindung zwischen der östlichen und westlichen spanischen Zone herzustellen. Rach einer Meldung des „Journal s" aus Rabat gehen die Kämpfe zwischen den einzelnen marokkanischen Stämmen weiter. Bei Taza machte sich eine Gegenbewegung der Stämme geltend, die französische Flieger durch Bombenabwürfe niederzuschlagen versuchen. Der frühere französische Fremdenlegionär Siems, der deutscher Staatsangehöriger ist, befindet sich als Gefangener der Franzosen in Meknes und soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Reichsinnenminister Dr. Külz zum Volksentscheid. Berlin, 18. Juni. (SU.) Der demokratische Reichsinnenminister Dr. Külz gewährte einem Pressevertreter eine Unterredung über seine Stellungnahme zum Volksentscheid überdie entschädigungslose Enteignung der Fürstenhäuser. U. a. führte Dr. Külz als Bedenken gegen die entschädigungslose Enteignung an: „Nachdem wir seit acht Jahren die Revolution hinter uns haben und nachdem inzwischen in den meisten Staaten dieAuseinandersehungmitden Fürsten durch die Volksvertretung geregelt ist, geht es nicht an, sich zu einer Maßnahme zu entschließen, die ihrem Charakter nach revo- l u t i o n ä r ist. Gerade weil ich fest auf dem Boden der demokrattschen Republik stehe, bedauere ich diesen Volksentscheid aufrichtig. Denn ich wünsche, daß der heutige Staat nicht nur machtpolitisch befestigt dasteht, sondern daß er moralische Eroberungen bei allen denen macht, die ihm innerlich noch fernstehen. Ich halte die entschädigungslose Enteignung aber auch für eine große Ungerechtigkeit. Manche Fürsten haben für Kunst und Wissenschaft, für Kultur- und Wohlfahrtszwecke mehr Mittel aufgewandt, als ihnen aus der Zidilliste zuslossen und selbst zur Bestreitung der normalen Staatsaufgaben gan^ erhebliche Zuschüsse gegeben. Wenn man dies würdigt, so ist es mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit unvereinbar, alle Fürsten gleichmäßig ohne Entschädigung zu enteignen. Der Fall Lessing. Berlin, 18. Juni. (WB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt eine Erklärung bekannt, in der es u. a. heißt: „Die unterzeichneten Professoren von den preußischen technischen Hochschulen und Universitäten sind aus freier Entschließung zusammcngetreten. um den Versuch zu machen, die an der technischen Hochschule zu Hannover entstandenen Unruhen wenn möglich sofort zu beseitigen. Zu diesem Zweck haben sie sowohl mit Professor Lessing, wie mit der Vertretung der Hannoverschen Studenten Fühlung genommen. Die Studenten haben zugegeben, daß die an der Hochschule vorgekommenen Störungen und Unregelmäßigkeiten dem Recht und der akademischen Ordnung widersprechen, und daß darum zur Wahrung der akademischen und staatlichen Autorität die Durchführung der Disziplinarverfahren unvermeidlich ist. Andererseits hat sich Professor Lessing bereit erklärt, kollegial an der Befriedung der Hochschule mitzuarbeiten. Das unentziehbare Recht der venia legendi muß ihm gewahrt bleiben. Er beabsichtigt, die von ihm für diesen Sommer angekündigten Vorlesungen bis zum Schluß des Sommerhalbjahres zu Ende zu führen und erwartet, darin keine Störungen durch Studenten zu erfahren. Seine Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Hannover würde er mit Ablauf des Semesters ein stellen, in der Erwartung, daß er vom Ministerium ein dauerndes Arbeitsgebiet zur Durchführung seiner wissenschaftlichen Forschungspläne erhält. Die Unterzeichneten haben dem Herrn Minister empfohlen, auf dieser Grundlage das Weitere zu veranlassen." Gez. Dr. Orlich, derzeittger Rektor der technischen Hochschule Berlin, gez. Dr. Fleischmann, derzeittger Rektor der Universität Halle, gez. Dr. Scheel, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Hochschulen, gez. Dr. Nernst (Berlin), gez. Dr. Kahl (Berlin) M. d. R., gez. L ü - ders (Berlin). Hierzu schreibt der Amtliche Preußische Pressedienst: Nachdem die genannten Professoren dem Kultusminister die in der obigen Bekanntmachung enthaltene Lösung des Hoch- schulkonflikts empfohlen haben, hat der Minister diesen Anregungen im Einverständnis mit Professor Lessing entsprochen. Demgemäß ist dem Professor Lessing vom Wintersemester ab anstelle seines bisherigen Lehrauftrages ein dauernder Forfchungsauf- trag erteilt worden. Professor Lessing wird seine Vorlessungen bis zum Ende des Sommersemesters fortsetzen. Er wird der technischen Hochschule zu Hannover vermöge seiner venia legendi weiterhin als außerordentlicher Professor angeboren. Die Disziplinarverfahren gegen die Studenten werden von Rektor und Senat der technischen Hochschule ordnungsgemäß weiter geführt. Hessischer Landtag. D a r m st a d t, 18. Juni. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.45 Uhr. Ministerialdirektor Spamer beantwortet die von dem Abg. Dr. Werner etngebrachte Anfrage über den „Fröhlichen Weinberg" und den Potemkin-Film im Auftrage des Ministers des Innern. Der Antwort ist zu entnehmen, daß der Minister mit dem Fragesteller über den Unwert des „Fröhlichen Weinbergs" einer Meinung ist, aber, da die Ruhe nicht gestört werde, würden Aufführungen nicht verboten. Der Po- temkin-Film werde zur Zeit in Hessen nicht vorgeführt, röenn dies aber geschehen sollte, werde er verboten . (Lebhafte Bravo-Rufe rechts: erregte Zwischenrufe links.) Der Präsident stellt mit Zustimmung des Hauses fest, daß die beiden Gesetze über das Straßenwesen in Hessen und über das Bauwesen der Provinzen und Kreise am 1. April 1927 in Kraft treten. Hierauf stellt der Präsident den Antrag der Abg. Dr. v. Helmolt und Gen., Dingel- deh und Gen. und Dr. Werner und Gen.: „Abänderung der Hess. Verfassung vom 12. Dez. 1919" zur Beratung (Auflösung des Landtags durch einen Beschluß). Präsident Adelung macht daraus aufmerksam. daß die neue Geschäftsordnung hier in Kraft tritt, und zwar Art. 35 Abs. 2, der ausspricht, ein abgelehnter Antrag könne in derselben Landtagsperiode nur dann noch einmal beraten werden, wenn der Landtag das für zulässig erklärt. Es entspinnt sich hierüber eine längere Debatte, in der Abg. Dingeldeh (D.Vp.) den Standpunkt vertritt, daß es sich hier nicht um eine Wiederholung desselben Antrags handelt, sondern seinerzeit wäre es ein Inittattvaittrag gewesen, jetzt ein Ersuchen auf Verfassungsänderung. Unter welchen Motiven (zur Linken gewendet) Sie den Antrag ablehnen, ist uns gleichgültig, uns kommt es nur auf die Feststellung an, daß Sie ihn ablehnen. Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) vertritt den Standpunkt, daß ein neuer Antrag vorliegt. Abg. Bornemann (Soz.) vertritt die Anschauung, daß derselbe Antrag vorliege, weil der Sinn derselbe sei. Abg. D i n g e l d e y (D. Vp.) entgegnet: Der Sinn der Sozialdemokraten in der Abwehr ist derselbe, sie wollen ihre Mandate behaupten. (Unruhe links.) Der Antrag auf Zulassung des Antrages der Oppositionsparteien wird mit einer Mehrheit, die sich aus Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum zusammensetzt, abgelehnt. Das Volksbegehren für Auslösung des Landtags. Präsident Adelung verliest den Inhalt eines Schreibens des Wirtschafts- und Ord- nunasblocks, in dem nur die Sammlung der Unterschriften hingewiesen wird, durch die eine Auflösung des Landtags verlangt wird. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen wird die Einleitung eines Verfahrens zur Volksabstimmung gefordert. Der Präsident teilt dazu mit, daß er das Ersuchen an das Ministerium weiterleiten werde, das dann die vom Gesetz vorgeschriebenen Maßnahmen anordnen und zunächst einen Landeswahlleiter bestimmen werde. Nach Mitteilung des Präsidenten liegt ein Antrag der soz. Abgeordneten Kaul, Wi d -- m a n n und Gen. vor, in dem auf Anregel- mähigkeiten und Gesetzwidrigkeiten bei der Än- terschriftenfammlung hingewiesen wird. Darum sei eine eingehende Prüfung zu verlangen, ob die Unterschriften echt und eigenhändig vollzogen wären. Nach wetterer Debatte, an der sich die Abgeordneten Kindt (Dn.), Nutz (Ztr.) und Dr. von H e l m o l t (Dbd.) beteiligen, wird der Lieberweisungsantrag einst-immig angenommen. Es werden nunmehr Anträge zur Son- dergebäudesteuer beraten. Dem Hause ist ein Antrag der Abgeordneten Glaser und Fraktion, Dingeldeh und Fraktion, und Kindt und Fraktion über die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz zugegangen, der lautet: Wir beantragen: Die Veranlagung und Erhebung der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz auf Grund der reichsgesetzlichen Besttmmungen erfolgt in Hesien im Rechnungsjahr 1926 unter Aushebung der Verordnung vom 10. März 1926 durch ein Gesetz. Dieser Antrag wird nach kurzer erregter Aussprache abgelehnt. Ein Antrag Kindt (Dntl.) wünscht Rücksichtnahmen bei der Sondersteuer, ähnlich den Besttmmungen in Preußen für Bedürftige (Kleinrentner ufa>.). Der Ausschuß empfiehlt diesen Antrag ver Regierung als Material zu überweisen. Abg. Glaser (Bbd.) wünscht, daß die Sondersteuer nicht ihre Grundlage in einer Verordnung hat, sondern in einem Gesetz. Abg. Kindt (Dntl.) begründet seinen Antrag mit dem Hinweis auf zahlreiche Beispiele, die ihn rechtfertigten und bittet um Annahme, die Aeberweisung des Antrages der Regierung als Material, sei nur ein Begräbnis. Abg. H a urh (D. Vp.) schließt sich der Auffassung des Vorredners an. Abg. Lu? (Soz.) legt dar, wie die Verordnung zustande kam. Abg. Angermaier (Kom.) stimmt teilweise dem Anträge Kindt zu, will aber eine Erhöhung des darin verlangten Existenzminimums. Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) erklärt, der Abg. Lux habe behauptet, die Hess. Regierung sei verpflichtet, die Sondergebäudesteuer zu erheben, das sei nicht wahr. Die Desttmmung des Reiches verlange nur, daß Mittel zum Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden müßten; es sei einerlei, woher sie genommen werden. Die Reichsregierung hat den Ländern nur das Recht zur Erhebung gegeben, von einer Pflicht fönne nicht die Rede sein. Auch die Höhe der Steuer sei vom Reich nicht festgesetzt worden; gerade gegen die Höhe müsse man sich wenden. Abg. Dr. Niepoth (D. Vp.) erklärt dazu, weiter, daß das Reich die Länder nur a^uf die Sondersteuer verwiesen habe. Wenn die Linke sich auf die Reichsgesetzgebung berufe, so müsse man auch die Destimmung, datz 15 Prozent des Ertrages zum Wohnungsbau verwendet werden müssen, auch durchführen. Hat das die Hess. Regierung getan? Hat sie von den Erleichterungen nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen Gebrauch gemacht? Die Verantwortung für dre Höhe der Steuer bleibt an den Linksparteien, haften, wenn sie es auch vor der Oeffentlichkeit so hinzustellen suchen, als ob nur die Regierung für die Steuererhebung verantwortlich sei. Abg. Heinstadt (Ztr.) meint, für die Ausgestaltung der Steuer könnten die Länder nichts, sondern es handle sich um reichsgesetzliche Verpflichtungen. Abg. Ritzel (Soz.) macht darauf aufmerffam, daß die Sondersteuer durch eine Perordnung des Reichsfinanzministers Schlieben in Kraft getreten sei, die Rechte sollte erst einmal dafür soraen, daß diese Verordnung in ein Gesetz umgewandelt werde. (Zuruf: Die Verordnung ist durch das Ausgleichsgesetz gedeckt) Abg. Dr. Leuchlgens (Dbd.) erwidert darauf, datz die Steuernotverordnung auf dem Ermächtigungsgesetz des Reichskanzlers Marx beruhe; man dürfe also nicht die Verantwortung allein dem Finanzminister Schlieben zuschieben. Die H ö h e der Sondergebäudesteuer fei es, gegen die sich in erster Linie die Rechtsparteien wendeten. In der Höhe und in dem Umfang hätte dje Steuer nicht erhöht zu werden brauchen. Qfag. Haurh (D. V.) bezeichnet die Sonder- steuer als ungerecht und unsozial; kein Land erhebe so hohe Sondersteuern wie Hessen. Abg. Lux (Soz.) weist die Verantwortung für die Sondergebäudesteuer ebenfalls demReichs- minister Schlieben zu. Preußen und Württemberg erhöben höhere Sondergebäudesteuern als Hessen. Abg. Dr. Müller (Dbd.) bertritt die Auffassung, daß das Ermächtigungsgesetz das Entscheidende in dieser Frage sei. Abg. Dr. Werner (Dntl.) verteidigt Schlieben; die Sozialdemokraten trügen die Verantwortung für das Ermächtigungsgesetz, ganz allein wegen ihrer damaligen Stärke im Reichstag. Abg. Kindt (DM.) empfichlt nochmals seinen Antrag zur Annahme. Es folgen die Abstimmungen. Der Antrag der soz. Fraktion zur Sondergebäudesteuer wird gegen die Stimmen der Rechtsparteien angenommen. Zu dem Antrag Kindt wird der Ausschußantrag angenommen, diesen Antrag der Regierung als Material zu überweisen. Die Rechtsparteien stimmen dagegen. Ein Ersuchen sozialdemokratischer Abgeordneter für eine Neuordnungg der Desoldungs- ordnung, das nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt war, wird, weil Widerspruch erhoben wird, vom Präsidenten wieder abgesetzt. Schluß gegen 1 Uhr. Parlamentarisches aus Hessen. Gegen eine neue Schulgelderhöhung. WSN. Darmstadt, 18. Juni. In Anbetracht der Tatsache, daß Anzeichen dafür vorliegen, daß eine neue Hinaufschraubung des Schulgeldes, und zwar wiederum durch Berorbnung, also ohne Befragen her Volkskammer, erfolgen soll, brachte die Deutsche V o l k s p a r t e i im Landtag eine Kleine Anfrage ein, in der gefragt wird, ob die Negierung in der Tat eine neue Schulgelderhöhung beabsichtigt, und wie sie gegebenenfalls eine derart unsoziale Maßreael rechtfertigen wolle, die nicht nur für die Mehrzahl der betreffenden Eltern untragbar fei, sondern geradezu eine Minderungihres Bürgerrechts bedeute, da der Staat sich ihnen gegenüber Verpflichtungen entziehe, die er den Eltern der Volksfchüler gegenüber erfülle. Kunst und Wissenschaft. Tagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt. Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt hält vorn 16. bis 20. Juni in Düsseldorf ihre 15. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Die Beteiligung an der Tagung ist außerordentlich groß. Zahlreiche führende Persönlichkeiten der Wissenschaft und der Luftfahrtindustrie, Vertreter des Reichs, verschiedener Ministerien sind anwesend. Rach einem Begrüßungsabend wurde die Hauptversammlung eröffnet. Den Ehrenvorsitz bei den Verhandlungen hat Prinz Heinrich von Preußen übernommen. Den Hauptvortrag über „das Transozean" hielt Dr.-Jng. Rumpler. Rumpler zeigte zunächst, daß der Flug nach Nordamerika erheblich größere Schwierigkeiten biete als der Flug nach Südamerika, da 'mangels geeigneter Zwischenlandungsmöglichkeiten die größte frei zu überfliegende Strecke 3900 Kilometer betrage, gegenüber 2850 Kilometer nach Südamerika. Rumpler behandelte sodann die Schwierigkeiten, die sich der Konstruktion größerer Flugzeuge bei der bisher üblichen Bau- weise in den Weg stellen und in der Hauptsache darin zu fudjen sind, daß der Nutzlastenanteil mit steigender Vergrößerung immer geringer wird. Er vertrat den Standpunkt, daß für den Bau des Transozeanslugzeugs neue Wege beschritten werden müssen. Auf Grund des neuen, von Rumpler entwickelten Prinzips ist jedoch in Zukunft die Möglichkeit geschaffen, auch große Flugzeuge mit bisher für unmöglich gehaltenen Dirnen- sionen für mehrere hundert Personen zu bauen. Dr. Rumpler bezeichnet seine nkü^-Bauart mit dem Namen „Flugzeuge mit unbegrenzten Spannweiten". Dieser Leitgedanke wird noch weiter aus- gebaut, indem die Dezentralisation nicht nur für die Nutzlasten allein, sondern auch für andere Flugzeugorgane durchgesüyrt wird. So werden im ganzen zehn Motore vorgesehen, die über das Flugzeug hin verteilt sind. Ferner werden sechs anstatt der bisher angewendeten einen oder zwei Schwimmer ufa). vorgesehen. Auf Grund seines neuen Prinzips hat Dr. Rumpler die Konstruktion für ein großes Transozean-Flugzeug über eine Flugstrecke von mehr als 4000 Kilometer zur Beförderung von 130 Passagieren nebst Gepäck und 25 Mann Besatzung geschaffen. An Hand eines Modells sowie zahlreicher Bilder gab Rumpler eine ausführliche Be- arünbung der von ihm angewandten Leitsätze, sowie eine genaue Beschreibng des konstruktiven Aufbaus. Das neue Flugzeug wird eine Maximak- gefchwindigkeit von etwa 270 Kilometer besitzen und in Der Lage sein, die Strecke Hamburg—Neuyork mit Zwischenlandungen in Plymouth und auf bett Azoren in etwa 36 Stunden zurücklegen. Aus aller Wett. Rückkehr der deutschen hochseesloktt. Aus Kiel wird gemeldet: Die deutsche Hochseeflotte ist am Freitag in ihre Heimathäfen Furückgekehrt und zwar die Linienschiffe „Hefen" und „Elsaß" und der Kreuzer „Nymphe" nach Kiel, die übrigen Schiffe nach Wilhelmshaven. Rloforschlsf „Rheinland" verunglückt. Das 6500 Tonnen große Motorschiff „Rheinland" ist auf der Fahrt von Vokohama nach Hamburg mit einem japanischen Dampfer z u - sammengestohen und vierzig Meilen unterhalb Hankau auf Strand gesetzt worden. ' Das Schiff wurde schwer beschädigt. Unfall eines Flugzeuges Paris—Berlin. Ein framösilches Farman-Flugzeua ist auf dem Wege nach Berlin in der Nähe von Lüttich bei einer Notlandung völlig zertrümmert worden. Passagiere sind nicht verletzt worden. Das deutsche Flugzeug auf der Strecke Berlin—Paris ist trotz des schlechten Wetters fahrplanmäßig in Paris gelandet. Schreckenstat eines Wahnsinnigen. Ein seit langer Zeit als unheilbar wahnsinnig aeltenber Hüttenbeamter in Luxemburg brachte seiner schlafenden Frau eine schwere Schnittwunde am Halse bei. Die Frau besgß genügend Geistesgegenwart, den Wahnsinnigen im Zimmer einzu- faerren. Als Nachbarn zu Hilfe eilten, und die Tür öffneten, fanden sie den Mann in einer großen Blutlache liegen. Er hatte sich ebenfalls am Halse eine Schnittwunde beigebracht. Er ebenso wie seine Frau sind lebensgefährlich verletzt. Mutter und Kind vom Blitz erschlagen. Nach einer Dlättermeldung aus Augsburg schlug in Hoheneck bei Scharding der Blitz in das Haus eines Hofbesitzers ein. Die 46 Jahre alte Frau Therese Schütz und ihr vierjähriges Kind, die sich in dem Hause zu Besuch ^fanden,, wurden vom Blitz getroffen. Sie konnten nur noch sterbend aus dem in Flammen ausgehenden Hause geborgen werden. Zwei Fischer vom Blitz erschlagen. Als am Donnerstag bei Hamburg ein heftiges Gewitter niederging, befanden sich die beiden Honnstorfer Fischer Christian Ott und Franz Hölting auf der Elbe in einem Kahn, um zu fischen. Dabei traf ein Blitz den Kahn und tötete die beiden Fischer .Die Leichen wurden über Bord gespült und konnten noch nicht geborgen werden. Durch Hochwasser vernichtete Ernte. plötzlich einsehende, starke Regenfälle und Wolkenbrüche, die zum Teil von Hagel begleitet waren, überfluteten im Landkreis Ratibor weite Flächen, so daß bis gestern schon 7 000 Morgen unter Wasser standen. Der größte Teil'Der Getreide- und Hackfruchternte ist v e r- nr'chtet. Der Sutterm äuget ist allgemein. Die Landwirtschaft steht vor dem Ruin. Der Höhe- puntt des Hochwassers ist jetzt zwar überschritten, das Abfließen des Wassers wird aber durch die täglich einfetzenden starken RegenfäÜe verzögert. Der Spreewald unter Wasser. Dec Spreewald steht vollständig unter Wasser. Der Schaden ist unübersehbar. Das Wasser dringt in die Keller und Häuser ein. Das Hochwasser des Bodensees. Wie aus Konstaiiz gemeldet wird, hat das Wasser am Bodenseepegel bei Konstanz schon gestern die Höhe von fünf Metern erheblich überschritten. Eine ganze Reihe von Uferstraßen steht unter Wasser. Die Anlagen sind völlig unter Wasser. Der Schiffsverkehr vom Voden- see aus in die Nebengebvet« erleidet schwere Störungen. Der Relssedamm gebrochen. Wie aus Guben gemeldet wird, ist der Neissedamm bei Straga durch das Hochwasser auf 30 bis 40 Meter gerissen. Die Fluten deü Neisse ergossen sich auf die beiden vor dem Dors Pohsen liegenden Vordämme, die infolge des großen Andrangs der Fluten gleichfalls aufbrachen. Das Dorf Pohsen ist vollständig vom Wasser umgeben. Durch die Häuser fließt das Wasser der Neisse. Die Dorfstraße ist mtr„ er °"tn let. feine ?lt ""begrem?» mit nie wird Z • 6P=nn- Motion 2 me,,er aus. nettai 9runb lernt! n ?l!|®lmnier Konstruktion "8 über eine LL.«" t^ur8e|örb?nittn°Ä 64 »Nb 2.5 Mann e>nes Modells Li*^ ‘5er °'ne ausfüljriitDe P angewandten Ceitfäh# *«IM b« fonfSE XVth,,iM®Ä Ä«ÄÄ " Der Welt. ^chen hochsresloltz, cd gemeldet: Die deutsche drertag in ihre Hetmatbäsm >ar die Linienschiffe ,§e|. und der Kreuzer Hüm- ' übrigen Schiffe nach M. §GW nad) ')) ,■ ^uiupi,. ,%* i bii- ^nrerisa..Slgte leig'E.uls der»,üblich ?*»SS |QBbct 91uhloffr ^uptsech. ?W;?v»v-* Rheinland' vernngM n grobe Motorschiff .Rhein. Fahrt von Jokoham nach i japanischen Dampser zu- n und vierzig Mlm unter. Strand gesetzt tvvrden. Dabeschädigt. vgMges Daris—Berlin. Garman-Flugzeug ist auf dem )er Nähe von Lüttich bei einer । zertrümmert worden. «richt worden. Das beutfäe rette Berlin-Parir ist trotz i sahrMmWtz in W» Änes Dahnfinnigen. feit als unheilbar mhnsinnig ler in Luxemburg brachte seiner schwere Schnittwunde Zrau besaß genügend ltzeisies- Unsinnigen im Zimmer einzu- n zu Alse eilten, und die Tur m Mann in einer großen Blut. t sich ebenfalls am halse eine acht. Er ebenso wie seine Frau erlich verletzt. inb vorn Blitz erschlagen. ittermeliamg aus Auburg bei Schardrng der M )fbesthers ein. Die 46 W Uh und ihr vleriW m Hause zu Desuch befaM Wen. Sie konnten M as dem in Aamnm ausge- egen werden. , w $r» «W* !lb- *”Äu* f ein M Lcichcn den F>f)",^5schM gespült und M-cen * '^JEfälle ende, X begleitet ÄS Wot weite im LanMw w t, grüern größte WPWti aber durch eervald unter ßJW*’ «rfi Ü«*2-g& f** 2kebengeb^ Kafl0' & IluttN^ ich hgtcid)l^ enden A E^gnd S ZSxUUk' aufgewühlt. Gartenzäune sind eingestürzt. Bei einigen Häusern besteht Cinsturzgesahr, da sie vom Wasser unterspült wurden. Aus den Fluren steht das Wasser stellenwei'e biS zu 130 Meter Höhe. An der Cinbruchstelle arbeiten Pioniere aus Küstrin und die Einwohner der umliegenden Ortschaften. Sine todbringende Impfung. In Chemnitz starb der dretjährige Sohn eines Grohkausmanns, der wegen der Masernerkrankung eines anderen Kindes des Kaufmanns mit Vorbeugeserum geimpft worden war. Die Kriminalpolizei stellte bei der Sezierung der Leiche an der Vinstichstelle Eitererreger fest. Die weitere Abgabe des Serums wurde polizeilich gesperrt. Der Entdecker des Serums. Professor De g kw i h-Greifswald, gab bei seiner Vernehmung an. das; das verwandte Serum nicht genau nach Vorschrift angefertigt worden sei. Aus der provinzialhauptftadt. Gießen, den 19. Juni 1926. Regen und Feste. Ich begreife gar nicht, wie die Leut« in bi. [cm Jahre noch den Mut aufbringen, Som- merfeste und ähnliches im 'Freien zu arran» c rcr.. Die werden ja doch alle zu Wasser. Aber trotzdem wird niemand verzagt, alle bereiten Festzüg«, Iuxplatzbetrieb und ähnlich« für den Sommer bestimmte Veranstaltungen vor. 3itng' und Alt freut sich darauf, weiße Kleider werden gebügelt und plissiert, totifie, ebenso malerische wie durchsichtige große Tücher werden mit Gabelarbeit und in fieberhafter Eile fertig» gestellt, weiße Schuhe mit Kreide abgerieben. Bubiköpfe onduliert, für kleine Mädchen werden Kränzchen bestellt und unnatürlich kurze Kleidchen genäht, Matrosenanzüge der Buben erglänzen in fleckenloser Reinheit — und dann bricht der große Tag heran, mit Wollenballen, Regenschauern und »puffen und falten Winden. — und das schöne Fäst wird zu Wasser, so oder so, 86 es nun ausfällt oder stattfindet. Warum stellen wir unS eigentlich auch hier nicht um? All« Betriebe tun es doch. Warum, alfo nicht auch ein Festbetrieb? Man müßte nach meiner Ansicht von vornherein alle Feste als> W a f s e r f e st e arrangieren. Di« Badeanstalten müßten zweckmäßig für diese Saison beschlagnahmt und von den Stadtverwaltungen als Fest- lokale vermietet werden. Zur Belustigung könnten schwimmende Kletterstangen, Wasserschaukeln. Wasserwippen usw. dienen. Es würde preis- geschwommen, -gespritzt, -getaucht, -geangelt. Vorgeschriebenes Kostüm für Kinder und reifere Jugend: Badeanzug, für Damen evtl, mit Röckchen: elegante Herren würden zum Tanz vielleicht noch einen Gummikragen nebst flotter,imprägnierter Kravatte an legen. Für ältere Herrschaften kämen Bade- und Gummimäntel in Betracht. AlS passendes Getränk könnte man anfangs kalte Ente, abends zur Erwärmung einen steifen Grog wühlen, wie er stets an der Waterkant beliebt ist. Wasserdichte Schutzzelte für die Musiker müßten das Hinein- strömen deS Regens in die Blasinstrumente verhindern, glimmende Kohlenbecken Konten eine angenehme Illusion von Wärme verbreiten. Für die Tanzenden auf der nassen Wies« wären Gummischuhe der letzte Schrei (dernier cri). Wachstuchmühen mit Knallbonbons würden zur Belebung der Stimmung und als Vorbeugcmittel gegen rheumatische Kopfschmerzen von der Festleitung limsonst verteilt. Das Feuerwerk am Abend würde ersetzt durch ein Wasserwerk: Fontänen aller Formen würden beleuchtet von einem Scheinwerfer, der in einer Dadezelle, in der es nicht durchregnet, aufgestellt werden müßte. Eine Polonaise um Öre Pfützen könnte das harmonische, fccrchtfröhliche Fest beschließen. Zum Schluß würden alle Teilnehmer auf städtischen Wasserwagen stimmungsvoll nach Hause befördert. Alles Zerklopfen der Barometergläser, alle entontiulierten Bubiköpfe, alle verregneten Sommertoiletten unb ruinierten Hrrrenanzüg« wurden durch diese einfache DttriebSurnstellung fortfallen. Also: wer macht den Anfang? S. v. M. Gießener Wochenmarktpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 30, rote Rüben 20. Spinat 25 bis 30, Römischkohl 20. Spargel 70 bis 100, Erbsen 50, Mischgemüse 25, Tomaten 80 bis 120, Zwiebeln 20, Rhabarber 25 bis 30, Kartoffeln (neue) 15, (alte) 5, Aepfel 20 bis 40. Dörrobst 35. Kirschen 40, Stachel» beeren 20 bis 30, Johannisbeeren 40, Erdbeeren 100, Himbeeren 120, Honig 40, Suppenhühner HO bis 130; das Stück: Eier 11 bis 12. Blumenkohl 40 bis 100, Salat 10, Salatgurken 50 bis 65, Einmachgurken 15 bis 25, Oberkohlrabi 20, Rettich 15 bis 20, Tauben 90; das Bund: Radieschen 10 bis 15, gelbe Rüben 20 Pfennig. Bornotizen. — Tageskakender für Samstag. . Deamten-Dersammluilg, 8 Lihr, Turnhalle Os- waldsgarten — Gesangverein Sängerkranz, 8 Uhr. Liebigshöhe: Eommerfest. — Gesangverein Liederkranz. Philosophenwald: Familien- abcnd. — Turnverein von 1846; Schwimmabtei- lung, 9 Ahr, in der Turnhalle: Versammlung. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: »Die Försterchri- stel". — Astoria-Lichtspielc: „Tom Mix-Dik Turpin — Der galante Bandit". — Tageskalender für Son nta,a. Hessischer Vaterländischer Block. 4 Uhr, Universitäts-Sportplatz: Leichtathletische Wettkämpfe. — Spielvercinigung 1900. vorm. 91/* und nachm. 3 Uhr Rationale Jugend-Wettkämpfe. — Ra- turhcilverein, 3 Uhr. »Liebigshöhe": Kinderfest, 8 Uhr: Stiftungsfest - Deulschnationale Volks- Partei, 8*/i Uhr. Hotel Viktoria: Gemütliches Beisammensein. — Deutsche Dollspartei, 8'/, 116r, Hotel Hindenburg: Gemütliches Beisammensein. — Lichtspielhäuser: Wie Samstag. — Aus dem S t a d t t h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Der neue Schwank von Kastner und Möller „Die Dame, welche . . .?", der am Dienstag zum ersten Male hier gegeben wird, hat jüngst 6ei seiner Erstaufführung am Dad-Rauhcimer Kurtheoter einen geradezu stürmischen Heiterkeitserfolg davongetragen. Rach allen Anzeichen wird dieser Schwank für Öen in Dad-Rauheim nun abgespielten „ Fröhlichen Weinberg" einen Kafsenecsay bilden, und auch hier wird das Werk mit Rudolf Goll in der Hauptrolle als Amateurdetektiv sicher sein Publikum finden. Wettervoraussage. Zunächst unbeständig und Regenfälle, später vorübergehend ausheiternd und wärmer. Trotz kräftigen Druckanstiegs von Westen her bleibt der Witterungscharakter unbeständig, lieber dem Kanal liegt ein Ausläufer, dessen Regenzone unser Gebiet bald erreicht. Nach seinem Dorübergang ist zwar Erwärmung und Nachlassen der Niederschläge zu erwarten, doch ist diese Ausbesse- rung nur von kurzer Dauer, da nördlich der britischen Inseln erneut starker Druckfall einsetzt. •• Die Ergebnisse des Volksentscheids, die morgen abend von 7 bis 10 llftr bei uns einlausen. werden wir durch Aushang an unserer Geschäftsstelle bekanntgeben. *’ Kreistag des Kreises Gießen. Eine Sitzung des Kreistages deS Kreises Gießen ist auf Samstag, 26. Juni, vormittags 10 Llhr, in das Regierungsgebäude zu Gießen einberufen worden. Die Tagesordnung siebt vor: 1. Diensteinweisung von Kreistagsmitgliedern. 2. Rechnung und Derwaltungsbericht der Kreiskasse für dos Rechnungsjahr 1924. 3. Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben der Kreiskasse für das Rechnungsjahr 1926. 4. Tätigkeitsbericht der Dezirkssürsorgestelle und des Kreisjugendamts für das Rechnungsjahr 1925, sowie Bericht des Kreis- schularztes für 1925. 5. Besetzung der Stelle eines Kreisvollziehungsbeamten im Hauptberuf. '* Abschlagszahlung auf städtische Steuern. Zu unserer gestrigen Notiz über die Leistung von Abschlagszahlungen auf städtische Steuern wird uns von der Stadtverwaltung mit- geteilt, daß die Genehmigung der städtischen Umlagen inzwischen erfolgt ist. Da das hessische Ministerium eingeordnet hat, daß für das Jahr 1926 die Gemeinde-, Kreis- und Provin^steuern auf einem Steuerzettel zu berechnen und anzufordern sind, der Kreistag de- Kreises Gießen aber über die Kreis umlagen noch nicht Beschluß gefaßt hat, kann mit der Erteilung der Steuerbescheide noch nicht begonnen werden. Deshalb empfiehlt es sich für die Steuerpflichli sich die Tilgung ihrer Steuerschuld durch Abkühlungen zu erleichtern. ’* Der Herb st markt in Gießen (Schaumcsse) wird vom 26. September bis 3. Oktober stattfinden. Schausteller und Verkäufer müssen bis zum 10. Juli ihre Wünsche um Platzzuteilung bei der Stadtverwaltung Vorbringen. Siehe heutige Bekanntmachung. ** Personalie. Auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten tritt der Universitätsgarteninspektor Friedrich R e h n c l t zu Gießen mit Wirkung vom 1. Juli ab in den Ruhestand. * Aufgehobene und neue Straßensperren. Die Sperre der Kreisstrahenorts- durchfahrt in Langsdorf ist von morgen ab wieder aufgehoben. — Die Sverre der Kreisstraße Leihgester n—B ahnhof Großen-Lin- öen ist ebenfalls wieder aufgehoben worden. — Die Kreisstraße G r ü n b e r g—R öthges (Ortsausgang Grünberg) ist bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Autoverkehr gesperrt. Der Verkehr geht über den Alten Steinweg. —• Wegen Ausführung von Kanalisationsarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Hungen (Gießener und Kaiserstrabe) vom Dienstag, dem 22. d. Mts. ab bis auf weiteres für jeden Fuhrwerksverkehr gesperrt. Der Verkehr wird über Langsdorf—«Dettenhausen—Bellersheim—Inheiden—Llnterstadt Hungen bzw. Lich—Romienroth umgeleitet. •’ (Sin Konzert des Wiener Hoch- und Deutschmeister-Orchesters findet Ende Juli in der hiesigen Dolkshalle statt. Der Kapelle, die bekanntlich schon seit Jahren hl zahlreichen deutschen Großstädten mit stärkstem Erfolg gastierte, wird es auch in unserer Stad! an Besuchern nicht fehlen. Näheres wird demnächst im Anzeigenteil bekanntgegeben. G Der Film „Panzerkreuzer Po - te nilin“. Wie wir hören, hat das hessische Ministerium des Innern die KreiSämtcr angewiesen, die Inhaber von Lichtspieltheatern zur Vermeidung von Schäden darauf hinzuweisen, daß nach anderwärts gemachten Erfahrungen bei der Vorführung dieses Films die Besorgnis einer Gefährdung der öffentlichen Sicherpeit und Ordnung begründet erscheine, und ihnen die Bestellung des FilmS oder die Abnahme zu widerraten. Die Hess. Regierung ist dem Anträge Württembergs auf Widerruf der Zulassung des Films »Panzerkreuzer Potemkin" und die Beschwerde gegen die Ent'cheidung der Filmprüf- stelle Berlin beigetreten. " Zum Sportfest deS Hessischen Vaterländischen Blocks am morgigen Sonntag, 20. Juni, nachmittags 4 Uljr, auf dem älniversitätssportvlatz. sind — so schreibt man unS — die Meldungen sehr zahlreich eingelaufen. Zu dem Geländemarsch, der um 6 älhr morgens beginnt, haben sechs Mannschaften gemeldet. Das Kleinkaliberschießen hat eine besonders starke Besetzung gefunden, es treten dazu 24 Schhßgrupprn an. An dem Hindernislauf werden sich 12 Wettkämpfer beteiligen. Die gemischte ©löffel, die auf dem Sportplatz beginnt und durch die Stadt Gießen führt, wobei auch durch einen Schwimmer die Lahn zu durchqueren ist. sieht fünf Mannschaften am Start. Zu der 4mall00-Meter-Staffel sind sechs Mannschaften gemeldet. Besonders stark ist das Keulen- weitwersen besetzt worden. Cs find hierzu 20 Teilnehmer gemeldet, während sich am Keulen- zielwurf vier Mannschaften beteiligen. Am Ende deS Sportfestes wird ein Tauziehen stattfinden, bei dem der Stahlhelm-Frankfurt gegen den Kleinkaliberschützenverein-Atzenbain antritt. (S. gestrige und heuttge Anzeige.) ** Das Evangelische Wa 1 dfest am morgigen Sonntag bei der Ganseburg dürfte, so schreibt man uns, wie in Wetzlar ein Ereignis besonderer Art werden, zumal durch das Freilichtspiel „Andreas Hofer. Festredner ist Pfarrer H a u p t» Gießen. Der Posauncnchvr Oppenrod und der Kirchenchor Burkhardsfelden wirken mit. Da der Festplatz sehr geschüh-t ist. findet nur bei sehr schlechtem Wetter das Fest im „Hirsch" zu Reiskirchen und voraussichtlich später (6 Albt) in Burkhardsfelden statt. (Siehe heutige 2kn- -eig«.) ** Richtigstellung. In dem Artikel von Regierungsrat 2r. Rind fuß (Friedberg) „Neue Gedanken zum Wohnungsbau" (Gieß. Anz. Nr. 139 vom 17. Juni) befindet sich im dritten Absatz, Zeile 9, ein bedeutsamer Setzfehler. Es muß dort nicht 24 Millionen, sondern 24 Milliarden heißen. * Aus dem Gießener StandeS- dmtSregifter. Es verstorben in der Zett vom 1. bis 15. Juni: 1. Juni: Margarete Wilhelmine Dickorä, geb. Dchraner, 66 Jahre alt, Schanzenstrahe 8. Heinrich Schmitt. Lokomottv- führet L R., Sicher Straße 159. 2. Juni: Marie Laubenheimer, geb. Koch. Witwe, 76 Jahre alt, Frankfurter Straße 46. 3. Juni: Hans Reichler, 1 Jahr alt, Weidengösse 7. 4. Juni: Werner Decker. 2 Monate alt, Drandgasse 7. Marie Bräuning, Rentnerin, 65 Jahre alt, Plockstr. 2. 6. Juni: Marie Boaler, geb. Hahn, Witwe, 78 Jahre alt, Ludwigstraße 5. 7. Juni: Heinrich Sommerlad. Ofensetzer, 65 Jahre alt, Mühlstraße 26. Heinrich Amend, Lokomotivführer i. R.. 74 Jahre alt. Steinstraße 46. 9. Juni: Margarete Pflüger. Arbeiterin, 27 Jahre alt, Kaplansgasse 15. 10. Juni: Wichelm Müller, Rentner, 77 Jahre alt, Steinstraße 68. 11. Juni: Glisabethe Donarius. geb. Kramer. Witwe, 71 Jahre alt, In Löbershof 9. Luise Friedrich, Lehrerin i. R., 66 Jahre alt, Wilhelms!raße 14. 12. Juni: Christine Wagner, geb. Decker, Witwe, 76 Jahve alt, Steinstraße 69. Luise Herbert, geb. Werdenbach, Rentnerin, 78 Jahre alt, Sie« phanstraße 3. 13. Juni: Johann Haas, Handelsmann, 45 Jahre alt, Rittergasse 16. 14. Juni: Katharine Dettegast, geb. Füller, Witwe, 73 Jahre alt, Stephanftrahe 3 ** Deutschnationale Volkspartei: Man schreibt uns: Am Montagabend sprach im „Postkeller" in einer sehr stark besuchten Versammlung die preußische Landtagsabg. Qlnnagrete Lehmann über: _Fürstenberaubung und Mißwirtschaft der Linksparteien," Rach einer geschichtlichen Darstellung über die Entstehung der Fürstenvermögen besprach die Rednerin eingehend die Demiögensauseinandersetzung des preußischen Staates mit dem Hohenzollemhaus und die des hessischen Staates mit dem früheren Groß Herzog, dessen FamMenbesitz an Liegenschaften, Geld, Schmuck und ÄunftgegcnRänbtfl 200 Millionen betrug, wofür ihm eine Ghxtfcbflp kigung von 10 Millionen und einigen Schlösse^ zugestanden worden sei. In anderen deutschen Staaten waren ebenfalls Abfindungsverträge geschlossen worden, da brachte der Antrag der demvlrattschen Reichstagsfraktion, unter Ausschluß des Rechtsweges die Frage der Auseinandersetzung reu anjufangen, das Volksbegehren inS Rollen. Die Ansprüche der Fürsten ständen aber in gar keinem Verhältnis zu dem 160- Milliardenverlust an dem deutschen VolkSver- megen, der in der Nachkriegszeit durch die Miß- wirlschaft dieser Liittsparteien entstanden sei. betoniert bei dem Verkauf der Kaiserlichen Werft, bei dem Verlauf der Rieseickonservenfabrik Haselhorst, die für völlig wertlose Aktien an Dar mat und Genossen Überlegungen sei. Da^,u komme noch der Druck von außen durch den Dawesplan, durch den jährlich 21 , Milliarden deutschen VolkSver- mögens ins Ausland gehen. ES sei heuchlerisch wenn man dem Fürstenvermögen die Not der Rentner, Arbeitslosen und anderer Dollsgenossen gegenüberfteile und dabei verschweige, daß Scheidemann eine IahreSpension von 16500 Mark und 7000 Mark Reichstagsdiäten erhalte, der frühere sozialdemokratische Polizeipräsident Richter 12 000 Mark. Der frühere Oberbürgermeister Leinert 29 000 Mark. Ferner habe der Reichsbahn-Präsident ein jährliches Einkommen von 1/i Million, ebenso der Rcichsbarck- präsident. Letzterer habe zur Renovierung seiner Wohnung 1 .. Million erhalten. Wenn man wirklich der Not steuern wolle, so solle man doch an diesen Dingen sparen. Nur aus Angst vor ihren eigenen Taten und da man eine Qtbtoan- berr der Anhänger zu den Kommunisten be- für abe sich die Sozialdemokratie dem tont- mn en Volksbegehren angeschlossen. Ihre Führ hatten früher als Minister ganz ander» gedacht und gehandelt. Wohin aber da» Volksbegehren führen solle, das habe der Kommunist Dr. Greiner im Hess. Landtage offen ausgesprochen. Er sagte: „Wenn die Fürstenenteignung erst durchgesührt ist, dann steht der Weg offen, das gesamte Privateigentum zu enteignen. Dann kommt einS nach dem andern, daS erstreben wir." Die Lage sei also völlig klar. Darum fei die Parole am kommenden Sonntag nicht „Ja" oder .Nein", sondern „Zuhause- bleiben“. Langanhaltender Deifall lohnte die Ausführungen der Rednerin, dec der Dorsihend« den herzlichsten Dank der Anwesenden zum Ausdruck brachte. ** Der Hess. Polizei- und Schutz« Hunde-Derein 1914 Gießen hielt feine dritte Interne Prüfung ab. Als Richter waren die Herren Meines (Frankfurt) und Degen (Offenbach), als Prüfungsleiter W. D r r z b a ch (Gießen) tätig. Gemeldet waren 7 Polizeihunde und 5 Schutzhunde, die sämtlich mit dem Ausbildungskennzeichen Polizeihund bzw. Schutzhund bedacht werden konnten. Alle Hunde zeigten mit ihren be- währten Führern eine recht erfreuliche Arbeit. Anschließend an die Dressurprüfung fand noch eine Propagandavorführuna statt. Es wurde ein Grenz- Überfall auf Grenzschugbeamte gezeigt, wobei die Hunde „Solle* und «Hektor* unter ihren Führern Sri. Hüttenberger und Polizeiwachtnn er Ri en Hardt zeigten, dah sie selbst vor Feuer, Revolver- und Kanonenschlägen nicht zurückschreckten und ihre Führer im Kampf« mit den Schmugglern mit Todesverachtung verteidigten. Polizeiober- assistent K l ö s zeigte mit seinem „Tell* eine Arbeit am ungeschützten Mann, ein Beweis peinlichsten Gehorsams aus der Vraris. Diese Vorführungen sanden regsten Beifall. Bei der Preisoerteilung wurden die beiden Siebzigjährigen, die Herren Gendarmerieinspektor Kösinger und Wilhelm Bierau, die sich trotz ihres hohen Altere mit aller Hingebung dieser edlen Sache widmen, mit Führerzeichen bedacht. Jn Apotheken IahrlN tedewäbrt. 1426d Bei itrovanille Kopfschmerz Migräne Neuralgie Zahnschmerz Erhältlich in Droqenhandlungen Bekanntmachung. Betr.: Verpachtung der Marktlauben- Verkauss^ände und Verkaufsplätze auf dem Wochenmarkt. Die überdeckten Marktlauben-Verkaufs- stände sowie die Verkaufsplätze auf dem Wochenmarkt werden für die Zeit vom 1. Juli 1926 bis 30. Juni 1927 52338 am Samstag, dem 26. Juni 1926 vormittags Hi Uhr an Ort und Stelle meistbietend versteigert. Gießen, den 19. Juni 1926. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. llrüeitSvergebnng^ Zur Erneuerung des Kirchturms zu Lp-enrod werden die Zimmer-, Grob- schlosser-, Dachdecker-, Schreiner- und An- streicherarbeiten zum öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben. Angebotsvordrucke, Zeichnungen und Bedingungen liegen vom 21. d. M. ab auf der Kre^sbauver- waltung, Zimmer Nr. 18, offen, woselbst auch Angebotsvordrucke, solange der Dor- rat reicht, zum Selbstkostenpreis ausgegeben werden. Die Angebote find verschlossen. portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, spätestens bis zu dem am 28. Juni 1926, vormittags 10 Uhr, ftattsindenden Lerdingungstermin bei uns einzureichen. 5196C Gießen, den 16. Juni 1926. Kreisbauoerwaltung. Cellarius. Gegen Gicht. Stein- und StoHwechselleidenl - Auskunft auch über Hauskuren durch die Badeverwaltung. Ermäßigte Mittelstandskqren 3 Wochen: Pauschalpreis Mk. 1K9.—. Eratos Haus: Der neue Badehof. Sol- und Moorbäder im Hause BraifiaaMitottt! liefert in jeher gwÄajdUei WusHaftung preiswert bis DrühI'scheUniverfttitt». DrucktreL JL Cosa«. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Holzfubmisfion. Aus den Waldungen der Gemeinde Annerod soll nachstehendes Holz im Submissionsweg verkauft werden: Los 1: Fichtenstämme 3. Klasse, 6 Stück, 8,24 fm Los 2: Fichtenstämme 4. Klasse, 23 Stück, 20 fm Los 3: Fichtenstämme 5a-Klasse, 50 Stück, 28,85 fm Los 4: Fichtenstämme 5b-Klasse, 71 Stück, 23,27 fm Los 5: Lärchenstämme 3. Klasse, 1 Stück, 0,91 fm. Das Holz ist entrindet und ohne Rinde gemessen. 5223D Der Kaufpreis ist pro Festmeter an« Zugebeu. Die Angebote sind nach Klassen getrennt zu halten und müssen bis zum 23. 3unl 1926, nachmittags 2 Uhr, auf der unterzeichneten Bürgermeisterei einge- reicht sei«, wo in Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung ftattfinbet, und die Zahlungsbedingungen bekanntgegeben werden. Annerod, am 18. Juni 1926. Bürgermeisterei Annerod. Horn. Fabrik lechn. Svezialartikel seit, mehr als 25 fahren beiteb-, Lieferantin des Etfenbalrn-Zentralamieö und d. Groß- Industrie sucht f. hier u. näh. Umg. einen Allein-Vertreter zur Bearbeitung d. Tamvibetriebe. Nur Herren, die bet d. Industrie nachweisl. tdurch Reserenz-'Angabei bekannt sind, könn. berückftcht. werden Auch Herren, die nur mit einigen betrieben in Verbindung steh-, bet i. Adressen aufzugeb. AuSführl. Angebote erbet, u. U. 2.622 a. d. «AVA", Hamburg 1 Südseehauö. Arbeitsvergebung. Zur Errichtung einer Bedürfnisanstalt in dem südöstlichen Torhäuschen am Eelterstor sollen die erforderlichen Erd- und Maurerarbeiten vergeben werden. Angebote auf Vordruck sind bis zum Montag, dem 28. Juni 1926, vormittags 10‘, Ahr. bei uns einzureichen. Zeichnungen und Dedingungen liegen bei uns offen. 5252B Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 19. Juni 1926. Stadtbauamt. I. V.: Wettlaufer. Dr. Gürtler prakt. 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Da der Herbstmarkt ein beschränkter Markt ist, regelt sich die Zulassung ganz nach dem vorliegenden Bedürfnis; grundsätzlich werden nur solche Geschäfte zugelassen, die sich rechtzeitig um Plätze beworben haben, und denen die Zulassung vor Beginn des Marktes in Aussicht gestellt worden ist. Glückspielunternehmen jeglicher Art sind verboten; für Spezialisten ist nur ein begrenzter Raum verfügbar, nach dessen Vergebung weitere Interessenten nicht mehr zugelassen werden. Die Vergebung der Plätze geschieht ’ ...... 52158 zu verkaufen. 04344 C. Vogel, Auto- u. Wagen- lacktererei, Dammstrahe 8. Zwei schwere und ein leichter Fuhrwerks - wagen (Gießener Bauart) Umstände halber billig abzugeben. Wo,sagt d.GeschaftS- stelle d. G. A. 04315 Gut erhaltenes Damen- Fahrrad preiswert zu ver- daS schon in besserem Hause tätig war, gesucht. ES wollen sich Bewerberinnen mit besten Zeugnissen melden am Sonntag zwischen 4 u. 6 Ubr Wilhelmstr.16. Gesucht zum 1. 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Tagesordnung wird in der Versammlung bctanntgegeben.MMc HMM größere, gesneht. Schr. Ang. m Preis u. 04322 an d. G. An». ainniiiiiiiiHiiiiniiiiiiiiiiiD Sützes lMM befierBeschaffenbeit kauft fubrenweise Verwaltung öer Beterinörnnilen, Gießen, Frankfurter Straße 04. 6,uc fliiiiniiiiiMiiiiinin 2 MM. Ringe inderNähe d.Hauses verloren. Abzugeb. gegen Belohnung rHw. Atterweg 45. Stteno ve traulich! Zwei Freunde «Abitur.) in guter Stel lung, Mitte 20er, suchen d. Bekannt sch. zweier sonniger Mädels 1 i. Alter v. 19-22 I" Gute Bildung, ein- waudfr.Bergangenb. Beding. Ang.u.Dar- legg. d. Verhält., m. Bild, n. Nr. 1313 an Lsrs», Plockstr. 5. Vvreink | MW. Wanderfahrt Grün- berg fällt aus. Hierfür gemütliches Beiignimenfeiü b. Mitglied Braun, Wieseck. Abmarsch 3 Ubr nachm. Ecke Marburger Str. — Ostanlage. 5230V | Vermietungen | 4-3imm.-lBo!inungen «Neubau) m.Zentral- heizung usw.». vrm. Näb. i. d. Geschästsst. d. Gieß. An». 104215 5—6 große möbl. 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Sämtliches Holz ist ohne Rinde gemessen und entrindet. Ausmessung und kubische Berechnung ist erfolgt nach den ' für die Hessische Domanialverwaltung geltenden Vorschriften. Etwaige spätere Einwendungen wegen der Vermessung werden nicht berücksichtigt. Das Holz lagert überwiegend an versteinten Wegen oder in der Nähe derselben. Die Verkaufsbedingungen liegen auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Diesbezügliche Angebote haben getrennt nach Klasien für ein Festmeter in Reichsmark zu erfolgen. 5152V Offerten sind verschlossen mit der Aufschrift „Holzsubmission" bis zum IHontag, 21. Juni 1926, vormittags 10 Uhr, einzureichen, wo in Gegenwart der erschienenen Bieter die Eröffnung stattfindet. Wegen sonstiger Auskunft wolle man sich an Förster Lotz, dahier, wenden. Wieseck, den 15. Juni 1926. Hessische Bürgermeisterei Wieseck. S ch o m b e r. Mtelnle «PÄ. Sonntag, 20. Juni, abends 81/- Ubr, int Hotel Victoria: Geioölliches ““c Ter Vorstand. Aeirn. AlMe IMAM. Montag, den 21. 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Nach der Auffassung des Redners werde von vielen in Unkenntnis der Dinge mit der Gesundheit viel Mißbrauch getrieben. Um gesund zu werden oder sich gesund zu erhalten, sei es notwendig, die Wege zur Gesundheit zu kennen, sie aber auch zu gehen. Dringend notwendig sei ein persönliches Verhältnis zwischen Arzt und Patienten. Zu der Behandlung der Krankheiten übergehend, bemerkte der Redner, daß man im NaturheUverfahren nicht nur das kranke Organ, sondern den Körper, der durch die Krankheit in Mitleidenschaft gezogen sei, behandele. Es sei notwendig, die Körperkräfte und Körpersäste zu heilen. Der Arzt zeige nur den Weg hierzu, den der Patient gehen müsse. Redner zeigte weiter die Wege, die nach seiner Auffassung zur Gesundung führen. Lor allem sei eine Hebung der inneren Widerstands- träfte des Körpers notwendig. Einer der wichtigsten Faktoren sei hierbei die Ernährung. Vermeidung von Ueberernährung, Einschränkung der Eiweiß- zufuh.' sei dringend erforderlich. Redner besprach hierauf die Bedeutung des Obstes und Gemüses für die Ernährung, insbesondere auch die Wichtigkeit, dieselben in ungekochtem Zustand zu genießen. Redner trat der vielfach verbreiteten Ansicht entgegen, daß Eier und Fleisch besonders nahrhaft seien, und wünschte im Interesse der Volksgesundheit mehr Gemüse- und Obst- und weniger Fleischgenuß. Jede übermäßige Zuführung von Flüssigkeit sei dem Körper schädlich. Bei der Verwendung von Gewürzen an Speisen müsse man sehr vorsichtig sein. Zur Körperpflege übergehend, wies der Redner vor allem darauf hin, daß alle Schädigungen des Körpers zunächst die Haut treffen, außerdem würden in der Haut Abwehrstoffe gegen die Krankheiten gebildet. Aber auch bei Stoffausscheidungen spiele die Haut eine wichtige Rolle, ganz abgesehen davon, daß sie den Wärmehaushalt des Körpers reguliere. Die Naturheilbewegung nehme auf diese Tatsachen bei den Anwendungsmethoden gebührend Rücksicht. Redner kam dann auf die Luftbadbewegung zu svrechen, die erfreulicherweise Fortschritte mache, doch müsse in dieser Hinsicht immer noch mehr geschehen. Bezüglich gesundheitlicher Kleidung stellte der Redner fest, daß das Korsett nahezu überwunden sei. Die heutige Damenwelt bekleide aber einen Teil des Körpers zu leicht, den andern zu warm. Die Röcke seien nicht nur fußfrei, sondern oft sogar kniefrei. Die Kleidung müsse gleichmäßiger sein, und zwar leicht und doch warm unter Vermeidung jeden Drucks, das Schuhwerk nicht zu eng und spitz, Absätze nicht so hoch. Bezüglich der Wohnungsfrage bemerkte der Vortragende, daß noch sehr viel zu tun sei. Zur Besserung der Heizung der Wohnräume und Erwärmung des Fußbodens hält er Warmwasserheizung am Fußboden entlang für empfehlenswert. Zum Schlüsse sprach der Redner noch kurz über die seelischen und geistigen Verhältnisse und wies darauf hin. daß die Ursache der Nervosität meist in der Kindheit zu suchen sei. Im Elternhaus und in der Schule seien die Kinder öfters Erregungszuständen ausgesetzt, die sich später ungünstig auswirkten. Deshalb fei die Erziehung des Kindes für die späteren Gesundheitsverhältnisse außerordentlich wichtig. Die Trennung der Kinder in der Schule nach geistigen Anlagen sei von besonderer Bedeutung. Auch müsse das Selbstvertrauen des Kindes in weitgehendem Maße geweckt werden. 25-Iahrfeier der Gutenberg-Gesellschaft. WSR. Mainz. 18. Juni. Die Gutenberg-Gesellschaft. die am Johannistag 1901 zum Zweck der finanziellen Unterstützung des vor einem Jahre gegründeten Gutenberg- Museums und zur Herausgabe wichtiger Forschungen zur Druckgeschichte ins Leben trat, blickt auf eine 25jährige erfolgreiche Tätigkeit zurück. Die wichtigsten Arbeiten über die Frühdruckzeit, die in diesem Vierteljahrhundert erschienen sind, gingen von der Gutenberg-Gesellschaft aus. Am Sonntag, 27. Juni, dorm. 11 Mr, findet die 2 5. Generalversammlung die- -fer Gesellschaft im Rathaus zu Mainz statt, bei der der Buchdruckereibesitzer Karl Ernst P o e s ch e l - Leipzig, der Führer auf dem Gebiete der deutschen Buchdruckerkunst, einen Vortrag über das Thema „Deutscher Buchdruck gestern, heute und morgen" halten wird. Am Abend vorher, 26. Juni, um 10 Mr, bringen: die Mainzer Buchdrucker ihrem Meister eine große Huldigung am Gutenberg- benEmai dar, bei welcher Gelegenheit alle Fenster des Gutenbergplatzes illuminiert und das Denkmal beleuchtet wird. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Launsbach. 18. Juni. Es ist erfreulich, daß die ältere der beiden hiesigen Zig ar - renfabriken, die mehrere Wochen ihren Betrieb stillgelegt, mit Beginn dieser Woche die Arbeit wieder aufgenommen hat. In der neuen Fabrik sind etwa 90 Arbeiter voll beschäftigt. <> Oberkleen, 13. Juni. Die hiesige Jagd ist in zwei Bezirken bis zum 31. März 1928 verpachtet, und zwar der Bezirk links des Kleebaches in Größe von 323 Hektar Feld und 232 Hektar Wald an den Direktor Ros- ko t h e n zu Altenburg (Sachsen), der Bezirk rechts des Kleebaches, der 120 Hektar Feld und 73 Hektar Wald umfaßt, an die hiesigen Jäger Konrad Löw, Johannes Reuter und Jakob Watz. Die Derpachtug fand letztmalig in der Inflation statt, so daß nach Beendigung derselben jedes Jahr Verhandlungen zwischen der Gemeinde und den Pächtern über die Hohe der jeweils zu zahlenden Pacht stattfinden mußten, Um diesem Zustande ein Ende zu bereiten, haben sich die Pächter erboten, rückwirkend vom Jahre 1925 ab für den größeren Bezirk 1600 Mark und für den kleineren 200 Mark Pacht jährlich »unter der Voraussetzung zu zahlen, daß der im Jahre 1928 ablaufende Pachtvertrag um 6 Jahre bis zum 31. März 1934 verlängert werde. Der Jagdvorsteher hat dieses Vorhaben den Bestimmungen der Jagdordnung gemäß bekanntgemacht und die Bedingungen ausgelegt gegen die jeder Jagd- genosse (Grundstücksbesitzer) beim Kreisausschuß Einspruch erheben konnte. Von dieser Möglichkeit hat niemand Gebrauch gemacht, so daß die Verpachtung auf weitere 6 Jahre bis 1934 zu den oben angeführten Pachtsummen als geschehen zu betrachten ist. Die Jagd hat einen sehr guten Rehbestand; Schwarzwild kommt fast ständig als Wechselwild vor, ohne daß es auf den Feldern größeren Schaden angerichtet hätte. Der Pächter Roskothen läßt den Jagdschutz durch einen hauptberuflich tätigen Jagdaufseher aus- üben. Die Friedenspacht betrug 1310 Mark. Damals war die Jagd noch in einem Bezirke verpachtet. Die Teilung in 2 Bezirke ist erst nach dem Kriege vorgenommen worden. 00 Klein-Rechtenbach, 18. Juni. Nächst Hochelheim ist Klein-Rechtenbach diejenige Gemeinde des Hüttenberges, die über die größten Kirschen anlagen verfügt. Ebenso, wie in Hochelheim haben sich auch hier dis Erwartungen, die man auf die diesjährige Kirschenernte gesetzt hatte, nicht bestätigt. Durch Insektenfraß — die sogenannte „Kirschen- , fliege" — ist ein erheblicher Teil der Ernte vernichtet. Die Frühkirsche, die später blüht, als die Spätkirsche, zeigt einen besseren Behang. Im allgemeinen kann jedoch nicht einmal mit einer Mittelernte gerechnet werden. Kreis Biedenkopf. # Königsberg, 18. Juni. Die schon seit Winter im Bau befindliche S e i l b a h n der hiesigen Grube ist jetzt soweit fertiggestellt, daß heute die erste Probefahrt stattfinden konnte. Hoffentlich wird der Betrieb bald wieder voll arbeiten können, zumal man jetzt mit der Regierung zu einer Einigung über die Hilfsmaßnahmen für den Lahn- Dill-Erzbergbau gekommen ist. Oberlahnkreis. 0 Gräoeneck, 18. Juni. Lehercr K. Becker von hier verwaltete 28 Jahre lang das Amt des Schiedsmanns. Da er das Amt niederlegte, wählte die Gemeinde den jetzigen Lehrer K e 11 e r zum Schiedsmann. An Stelle des zurückgetretenen Schiedsmannstellvertreters Wilh. Hartenfels I. wurde Wilhelm Keller gewählt. — Die Freude auf die Kirschen ernte ist hier vollständig zu. n i ch t e geworden, denn der Frost hatte die jungen Früchte so gedrückt, daß der überreiche Behang re st los abgefallen ist. 0 W e i n b a ch , 18. Juni. Am nächsten Sonntag soll dahier das F e st des 50jährigen Bestehens des Kriegervereins, verbunden mit dem Kreis -Kriegerverbandsfe st gefeiert werden. Es ist das erste größere Verbandsfest Biedermeiers in Norderney. Ein alter Badebrief. Von Kurt Siern er s. Rorderneh, im Juli 1832. Mein angebeteter Engel! Am letzten Sonnabend habe ich mit dem „Patriot" von Hamburg aus die Reise nach der Insel Rorderneh in nur 14 Stunden zurückgelegt (O Schnelligkeitstriumph unseres Jahrhunderts! und das für 21 M. Hamb. Courant). Man kömmt sich auf diesem Dampfschiff wie in einem glänzenden, schwimmenden Caffee-Haus vor. Aus den Segelschiffen wurde man noch vor einigen Jahren mit einem hochräderigen Wagen durch die Wellen an Land gefahren. Jetzt nahm uns eine Schaluppe aus dem Dampfschiff auf und brachte uns aus diesem in bereitstehenden Wagen ins Dorf. An dessen Eingang empfing uns die Badegesellschaft freudig mit viel Halloh, und — zumal die jungen Damen der Reisegesellschaft — mit eifrigem Interesse und manchmal auch spitzigen Bemerkungen. Dor einem Zelt am Eingang wurden wir auch mit Musik von der Kapelle begrüßt. Ich ließ mir erzählen, daß Rorderneh etwa 170 Häuser mit fast 700 Einwohnern zählt. Du müßtest die einladende Sauberkeit dieser aus Backsteinen erbauten und mit Ziegeln bedeckten Häuser in holländischem Geschmack sehen, zwischen denen bequeme Trottoirs von roten Backsteinen hinlausen. Fast ein jedes Haus hat sein heckenumfriedetes Gärtchen; vor keinem fehlt ein gleichfalls mit rothen Backsteinen gepflasterter, terrassenartiger Raum, der durch ein darüber aus- gespanntes Segeltuch zu einer Art Veranda wird, die den Sammelplatz der das Haus bewohnenden Badegäste zum Frühstück oder zum Visitenempfang abgibt. Durch diese Vorrichtung wird eS uns möglich, fast immer im Freien zu verbleiben, auch außer der Bade- und Prorneniden- zcit. Die Einwohner lernen den Verdienst aus dem Verrniethen ihrer Wohnungen, der Bedienung und Aufwarthung der Badegäste von Jahr zu Jahr höher schätzen. Ihre Tracht hat nichts besonderes; die Männer tragen Matrosenkleidung, kurze Blusen, weite Beinkleider und runden Hut. Wichtiger scheint Dir die Frage, wie die Frauenzimmer angezogen gehen. Sie tragen sich ungefähr wie die ostsriesischen Bäuerinnen in der Gegend dort auch. Auf große Schönheit können sie keinen Anspruch machen, dagegen sind sie als tugendhaft und akkurat bekannt. Ein Vergnügen ist es, zur Ebbe auf dem völlig ebenen, sammetähnlichen Sandboden zu lustwandeln oder sich in die Dünen zu verlieren. Man kann sich hier leicht verirren, und manche sorgsame Mama hat hier auf Stunden ihre gut behütete Demoiselle Tochter plötzlich verloren, bis sie ein galanter Ritter nach Stunden wohlbehalten wieder anbrachte. Doch sind das Dinge, die hier zum täglichen Gesprächsstoff gehören, und ich habe keine Veranlassung mehr, Verirrungen und Zufälle zu arrangieren, nachdem ich, mich an Deiner Augen Glut versengte. Am Strand der Damen wie der Herren kann man sich in hölzernen Pavillons und Zelten auf» halten; man zieht jedoch die beweglichen Sitze vor, auf denen man wartet, bis man mit Baden an die Reihe kommt. Der gleiche Zweck führt hier schnell gegenseitige Bekanntschaft herbei, und muntere Gespräche, die mit kurzen Strandpromenaden abwechseln, machen dies Verweilen und Warten zu einer beliebten Unterhaltung. Es bildet sich im Freien eine Arth von Club, wenigstens für uns Herren, wobei die Pfeife und Zigarre ebensowenig fehlen als Anecdoten, witzige Einfälle und fröhliche Laune. Im Bad der Damen bezieht man zu dreien oder vieren die Badekutschen, von denen über 60 vorhanden sind. Dies sind geräumige, auf vier Rädern ruhende hölzerne Cabinetchen, zum Aus- und Ankleiden, worin man bis zu gehöriger Tiefe ins Wasser geschoben wird. Du findest darin einigen Comsort: Spiegel, Klingel, Kleiderriegel, Stiefelknecht, einen Fußteppich, oder man kann auch Kammerjungfer oder Bediente mit hineinnehmen. Man kann sich hier nach Laune und Vermögen einrichten. In dem unlängst erbauten Conversationshause trifft man sich. Da ich aber feine Dukaten zum Fenster hinauszuwerfen habe. im Kreise nach dem Kriege. Dem Feste wird Se. Exzellenz General d. I. a. D. A l b r e ch t beiwohnen. Kreis Marburg. sch. Marburg, 18. Juni. Heute nacht 1.45 Mr brach in Caldern (Kreis Marburg) in der Pfeifferschen Mühle Feuer aus, welches mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Trotz der verzweifelten Bemühungen der einheimischen und auswärtigen Feuerwehren war der Mühlenbetrieb gegen 5 Uhr morgens vollständig ausgebrannt. Auch das Wohnhaus wurde stark beschädigt. Der Mühlenbetrieb ist jetzt zum drittenMale nieder- gebrannt. Die Ursache des Feuers ist nicht bekannt, der Schaden soll sich auf zirka 50 000 Mark belaufen, die nur zum Teil durch Versicherung gedeckt sind. Leider ereignete sich bei den Löscharbeiten ein bedauernswerter Unfall. Der Arbeiter Karl Muth aus halbem, der sich ebenfalls an den Löscharbeiten beteiligte, wurde, als ein Kamin e i n ft ü r z t e, von einem Stein s o schwer verletzt, daß er nach Einlieferung in eine Marburger Klinik seinen Verletzungen erlegen ist. Muth hinterläßt Frau und ein unmündiges Kind. Maiugau. WSR. Frankfurt a. M. 18. Juni. Die Frankfurter Polizei hat in den letzten Tagen mehrere altbekannte, oft mit Gefängnis und Zuchthaus vorbestrafte Personen f e ft genommen. Es handelt sich um den 50 Jahre alten Schneider Heinrich Schneider, den 42jährigen Arbeiter Jean Müller von hier, den Schlosser Gregor Reubauer aus Langen und den Dachdecker Andreas Kunkel aus Offenbach. Die Verhafteten haben fast alle erst vor ganz kurzer Zeit die Strafanstalten verlassen. Die Polizei hat einen recht guten Fang gemacht; denn zahlreiche Einbrüche in Wasser Häuschen und Läden konnten den Herrschaften bereits nachgewiesen werden. Die Leipziger Polizei hat den Kaufmann Friedrich Täubler aus Do« batoen und die verheiratete Katharina Holy aus Griesheim fest genommen. Die beiden haben in mehreren Städten Seidendiebstähle aus» geführt. Einen großen Teil des Diebesgutes hat die Frankfurter Polizei wieder herbrigeschafft. Wie groß der Umfang der Diebstähle war, läßt sich daraus ersehen, daß bei den von der Frankfurter Polizei herbeigeschafften Stoffen 23 verschiedene Farben festgestellt werden konnten. Amtsgericht Gießen. ' Gießen, 15. Juni. Ein Landwirt von Leihgestern erhielt zu Reujahr eine Reihe sog. Uzkarten, durch die er .ich beleidigt fühlte. Er verklagte daraufhin drei junge Leute, einen Schlosser, einen Kaufmannsgehilfen und einen Lackierer mit der Begründung, diese hätten ihm je eine Karte geschrieben. Da sie ihre Täterschaft bestritten, sollte zunächst ein Gutachten des Gerichtschemikers Prof. Dr. Popp darüber eingeholt werden, ob die Angeklagten die Karten, geschrieben hätten. Nachträglich wurde jedoch dä- von Abstand genommen, da der Privatkläger die durch die Erstattung des Gutachtens entstehenden Kosten in Höhe von rund 100 Mk. nicht vorschießen wollte. Er nahm daraufhin die Privatklage gegen den Kaufmannsgehilfen und den Lackierer zurück und benannte diese beiden als Zeugen dafür, daß der Schlosser die eine Karte geschrieben habe. Nachdem jedoch die beiden in der heutigen Sitzung übereinstimmend beschworen hatten, daß sie nichts davon wüßten, daß der Schlosser die eine Karte geschrieben hätte, daß sie etwas derartiges auch nicht von dritten gehört hätten, blieb dem Privatkläger nichts anderes übrig, als auch diese Privatklage zurückzunehmen. Die Llzkarten kommen also dem Privatkläger recht teuer zu stehen, da die Kosten, die er für seine Klagen zu zahlen hat, sich wohl auf mehrere hundert Mark belaufen werden. Gerichtssaal. Das Urteil im Vernkasteler Winzerprozeh. B e r n k a st e l. 19. Juni. (TU.) Im Prozeß gegen die wegen Landfriedensbruchs an* geflagten Winzer wurde Freitag nacht gegen 12 Mr folgendes Urteil gefällt: E l f A n g e * lasse ich mich dort im Spielzimmer nicht sehen; dort spielen sie Tag für Tag ihren Whist, und zwei Holländer und ein Hamburger Kaufmann spielen am Billard, ob draußen die schönste Sonne oder stürmisch ist. Im Lesezimmer kann ich alle paar Tage die „Vossische Zeitung" oder die „Hamburger Nachrichten" zur Hand nehmen, so daß ich einigermaßen weiß, was in der großen Welt vorgeht. Im Tanzsaal bin ich jedoch nur selten zu finden, zumal man auch sonst Gelegenheit zur Konversation und Gesellschaft reichlich findet. Klug habe ich daran getan, meine Caffee- maschine mitzunehmen, weil die Insulaner samt und sonders den braunen Stärkungstrank nicht zu bereiten verstehen. Zu meiner Freude habe ich entdeckt, daß man hier die besten Austern von Borkum, um ein billiges bekommen kann, und ebenso vorzüglich wie zu Hamburg in Solt- manns Keller. Ich bin ganz in der Rähe, in Kruses Gast- Hos, einlogiert, und habe die sorgfältig gehegten Anlagen des Bosketts vor den Fenstern. Die Musit der tüchtigen Prager Kapelle und Augenweide habe ich, wenn ich will jeden Vormittag in aller Kommodität. Für meine 21/« Taler wöchentlicher Miete kann ich keinen besonderen Luxus verlangen; im königlichen Logierhaus hat man für 7 Taler 2 reichlich agreable Zimmer. Wenn ich in den Anlagen beim Konver- sationshaus eine Schokolade getrunken habe, und es wird durch Aufziehen einer Flagge die Ankunft eines Schiffes signalisiert, so klettere ich auch wohl zum Belvedere und genieße die weite Aussicht auf das Meer, das hier der Dr. Heine, Dein Lieblingspoet, vor einigen Jahren in Rorderneh im Sande lagernd, besang - „Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer. Wie Sprache der Heimat rauscht mir dein Wasser..." Der Anblia des offenen Meeres, das Kommen und Rahen der Wellen, welche ihre weißen Schleier an Die Brust des Badenden spülen, die frische reine Seeluft wirken nicht allein physisch wohltuend, auch auf das Gemüt des Menschen üben sie ihre heilende Macht. Rie wird die Salubrität und Reinheit der Luft durch fault agte werden freigesprochen. Die Angeklagten Roth-Zenter, Thanisch, Herrn. Heinz und Kieren werden wegen Landfriedensbruchs zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte M e n t - ges-Jakoby wird wegen schweren Landfriedensbruchs zu einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten und der Angeklagte Flesch zu acht Monaten verurteilt, der Angeklagte G ö r g e n wegen schweren Landfriedensbruchs, die Angeklagten Velten. Alfred Geller und Peter Geller, Frey. Zimmer, August Philipps, Pohl, Schwab, Jakob Ehlen wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Vergehen gegen § 133 Absatz 1 zu Gefängnisstrafen von Drei Monaten verurteilt. Die Kosten werden den zu Strafen verurteilten Angeklagten auferlegt. Mit dem Urteil verkündete das Gericht den Beschluß, die Vollstreckung gegen die Angeklagten Pohl. Roth-Zenter, Thanisch. Hermann Heinz und Kieren auf Drei Jahre mit Bewährung aus- zusehen. Der Onkel aus Amerika. WSR. Aschaffenburg. 18. Juni. Dor der Großen Strafkammer als Berufungsinstanz hatten sich gestern der frühere HotelpLsitzer und Viehhändler und jetzige Stoff- und Kleiderhändler Max Mildenberg aus Frankfurt a.M. und desseO Frau wegen Engrosbetrugs zu verantworten. Mildenberg hatte, als er zum St off handel überging, auch mit Aschaffenburger Firmen Geschäftsverbindungen angeknüpst und sich deren Vertrauen hauptsächlich dadurch erworben. Daß er zuerst mit prompten Zahlungen, schwer goldenen Mren, dann mit Dem Dollarreichtum seiner aus Amerika stammenden Frau und zuletzt dem amerikanischen Erbonkel operierte, so daß diese ihm großzügig Kredit, gewährten. In ungefähr 13 Monaten hatte er es verstanden, acht hiesige Konfektionsfirment um nicht weniger als 100000 Mark zu schädigen. Vier Firmen sind durch den Mann in Konkurs geraten, zwei stehen unter Geschäftsaufsicht, zwei andere sind in schwere Bedrängnis geraten. Rach stundenlanger Verhandlung kam das Gericht zu dem Entschluß, die Berufung Mildenbergs zu verwerfen und es bei dem erstinstanzlichen Urteil (P/a Jähr Gefängnis für Mildenberg, 5 Mona t e für seine Frau) zu belassen. Wegen! Fluchtverdachts wurde Milvenberg sofort in Hast genommen. Gemeinde, Ederstr. 13. GotteS- Dienste: Sonntag vormittags 9l/2 Ubr, Sonntag nachmittags 4 Uhr. C,D dessen Weltruf in der Verwendung nur allerbesten Materials u. sorgfältigster Arbeit beruht. Trotzdem ist Brennabor nicht teurer als jedes andere Fahrrad unbestimmter Herkunft u. deshalb kauft der Kenner nur Brennabor Oas beste Rad lenden Seetang verpestet: Jeden Morgen ist die Wonne neu, sich in die Arme der freundlich winkenden Seenixe werfen zu können. Eine so angenehme und ungezwungene Geselligkeit findet man kaum wieder; nirgend ist soviel Gelegenheit zum Anknüpfen neuer und Cultiviren gemachter Bekanntschaften als hier, wofür den besten Beweis, die Verlobungen, welche eine jede Saison hier zur Reise bringt, sowie die Anhänglichkeit und häufige Wiederkehr so vieler hier Gewesener abgeben. Vorzüglich gefallen mir die Teegesellschaften, wofür ich wöchentlich 16 Gr. bezahle. Der Kgl. Badedirektor — Rorderneh ist von Preußen an Hannover übergegangen — Graf v. Wedell und seine Gemahlin nehmen jede solche Gelegenheit wahr, die von verschiedenen Weltgegenden hier zu- sammentreffenden Gäste einander näher-zu bringen, so daß hier so etwas wie ein Concours de monde entsteht. Selbst die Gäste, die sich im Anfang ängstlich nur an ihre Landsleute halten und immer nur von den vaterländischen Klatschangelegenheiten sprechen, werden allmählich in den großen allgemeinen Cercle gezogen. Zu Abend esse ich nach der Charte für 4 Groschen im Conversationshaus; die Thable d’hote ebendort mit Suppe, Fleisch, Braten, Fisch. Compot für 14 Groschen finde ich recht wohlfeil. Für die übrige Zeit meines hiesigen Aufenthaltes will ich mir für 8 Groschen wöchentlich ein Sopha mieten. Des Abends bin ich des öfteren in eine Bremer Familie eingeladen, die mancherlei Bequemlichkeit und Geräthe, sogar ein Piano per Schiff aus Bremen herüberschaffen ließ; sie ist in jedem Sommer hier, wie ichs auch von einigen Hamburger Familien weiß. Heute nachmittag gedenke ich Die Franzosenschanze aufzusuchen, welche die Insulaner in den letzten Kriegen auf Rapoleons Befehl "hier er» richten mußten. Es sind noch Eingeborene im Dorf, die daran geschanzt haben. Die Gesellschaft, die mit von Der Parthie ist, erwartet mich. Darum schließe ich diese Zeilen für meine angebetete Antonia mit tausend Küssen Der unverbrüchlichen Liebe Ludwig. Mandern und Reifen Bäder und Sommerfrischen Nationale Eigenart und Reiseverkehr. Sine Zeitglosse hon Alexander v. Gleichen-Außwurm. Hier soll nicht vom Politisch-Rationalen, sondern vom Künstlerisch- und Traditionell-Ra- lionalcn die Rede gehen, vom Rationaltypus, der Rationaltracht, von Rational-Musik, Ratio- nolspiclen und -speisen. 3ft es nicht verwunderlich. daß gerade in der Zeit, wo sich dos Politisch- Rationale so stark hervordrängt wie noch nie, und zwar allerorten, wo sich nicht nur berechtigter Rationalstolz aufreckt, sondern auch unberechtigte Rationaleitelkeit, Jingoismus. Chauvinismus sich ochscnfroschartig bläht, das selbstverständlich Rationale von einst, das Künstlerische, der originale, lelbsteiaene Ausdruck der Ration überall in größter Sile wie mit heimlicher Beschämung abgeworfen und abgeschüttelt wird? Selbst den Rationaltypus gleicht man womöglich künstlich aus, Rasen werden mittels Paraffin gerade gebügelt, krauses Haar geglättet und statt einer bet Gestalt angepaßten, hergebrachten Tracht ist längst Modeuniform getreten, auch do, wo sie als Uniform wirkt. Menschen, die in der ursprünglichen, organisch entstandenen Tracht Prachtvolt und vornehm wirken, sind oft Karikaturen im allgemein europäischen Gewand. Aber die letzten Reste nationaler Eigenart wurden aufgegeben, die spanische Mantilla, der italienische Schleier, der türkische Fez. Der Chinese entsagte dem Zopf, der viele Jahrhunderte zu ihm gehörte, die Japanerin verleugnet die traditionelle Frisur und wählt den kurzen Schnitt. Märchenhaft muten Reisebeschreibungen an, die charakteristische Dinge von Land und Leuten aus der Dorkriegszeit erzählen. Zu dieser Gleichmacherei hat die Verbreitung des Automobils viel beigetragen, denn die nationale Derschiedenheit tat sich vor dem Triumph- zun des Kraftwagens vielleicht am auffallendsten und sichtbarsten kund durch das jedem Land eigentümliche Gefährt, durch seinen Lenker, durch die Pferde mit ihren Geschirren. Dem Fremden siel der Kutscher sofort auf als Träger nationaler Eigentümlichkeit. Der fesche Wiener Fiaker, Londons zierlich origineller Handsom, die Pariser charakteristischen Fahrgelegenheiten, nicht zuletzt der Omnibus mit der berühmten ..Imperiale", die Berliner Droschken, die orientalischen Wagen und Sänften, die römische Botto, — wie waren sie national eigentümlich und vom Stadtbild nicht wegzudenken. Wie die Berliner Postillone feierten jüngst die Londoner Handsom-Kuticher schmerzlichen Abschied von ihrem Berus, wobei glorreiche Erinnerungen aufgesrischt wurden an die berühmten Leute, die ein jeder gefahren, und die Spitznamen. deren sich die Wagenlenker erfreuten. Sind Spitznamen für Chauffeure denkbar? Kaum, sie sind zu gleichförmig in ihrer gleichförmigen Maschine. Hie und da geschieht noch etwas, um eine nationale Eigentümlichkeit vor dem gänzlichen DerschwindLN zu retten. Eine derartige Aktion seht nun in der jungen Türkei ein, die sonst alles so banal-europäisch wie nur möglich macht, für die türkische Musik, die vollkommen zu verklingen drohte. Sie wurde aus eigentümlichen Instrumenten vorgetragen und schwelgte ähnlich den Zigeunergeigen in Vierteltönen. Ihre Weisen gingen wohl weit zurück und hatten originellen Reiz. Sie waren einmal Mode im Westen wie gegenwärtig die Regermusik. Heute sucht man die Melodien zu sammeln, modern harmonisch auszugestalten und als offizielle Rationalmusik wieder einzuführen. Dieser Versuch der Modernisierung auf Befehl, auf künstlichem Weg ist kaum glücklich: alte Weisen gehören eben zu alten Zeiten, klingen von alten Zeiten und vergehen wehmütig hüt ihnen. Die Vergangenheit hat ihren eigenen strengen Rhythmus, ihre Logik in Farben, Tonen und Düsten, Deren Wesen wir entfremdet sind durch den veränderten Rhythmus oder vielmehr das ^lnrhythmische. Chaotische der neuen Zeit. Trotz des politischen Rationalismus wogt alles zu sehr durcheinander, reisen die Welten des Horeirs und Sehens zu schnell und schaffen sich zu aufdringlich Geltung. Wir sind nicht mehr stolz auf die Eigenart, wir entledigen un$ derselben und tauchen unter in allgemeinen Brauch. Man läßt sich allgemeine Bräuche und Mißbräuche ohne Gegenwehr gefallen. Vielleicht ist die Rationalspeisc das letzte, das sich national- eigentümlich erhält, wiewohl Vicht mehr mit dem Fanatismus geliebt und verteidigt, der einst selbstverständlich war. Aus meiner Jugend entsinne ich mich eines possierlichen Streitfalls. In einer Tischgesellschaft waren verschiedene Rationalitäten versammelt, deren Vertreter zufällig darauf kamen, iHre Rationalgerichte zu rühmen und insofern, als deren Güte von den anders Speisenden nicht anerkannt wurde, als alleinseligmachend für den Gaumen mit wahrer Leidenschaft zu verteidigen. ES ist jedoch 5emcrfen6toert. daß stets eine Richtung an vornehmer Tafel bestand. welche ausländische Speisen als reizvolle Kuriosität empfand und einführte. wie die Geselligkeit der eleganten Welt Tänze des Aus- lands liebte und heranzog zur Abwechselung oder Ergänzung der eigenen. Allen Gegensätzen zum Trotz gab es stets eine Weltbürgerlichkeil guter Dinge, bestrebt. Erfreuliches und Sympathisches nationaler Besonderheit in ein Sammelbecken heiterer Genuhbereitschaft aufzunehmen. Die Heilfaktoren der Nordfrresifchen Inseln. Von Dr. med. Petersen. Wenn in heutiger Zeit wirtschaftlicher Not mit ihrer neroenamreibenben Hast und Unruhe und den vielen, durch bic Folgen des verlorenen Krieges verursachten Schädigungen ber Gesundheit, die Frage nach einem Erholungsort auftaucht, so ist es heute besonders wichtig, einen Kurort auszuwählen, ber möglichst viele gute Heilfoktoren in sich vereinigt unb somit ben besten Erfolg für die Erholungszeit gewährleistet. Da mag dem Laien bei ber großen Zahl beutscher Kurorte unb Bäder bie Wahl wohl schwer fallen. Für einige Krankheiten gibt es eine Reihe von Kurorten altbewährten Rufes, wie z. B. für Nerven- leiben Ems, Neuenahr: für Leber- unb Gallenleiben Marienbab, Franzensbad, Bad Elster unb Karlsbad: für Lungenleiden die Höhenkurorte Deutschlands und der Schweiz. Für die Mehrzahl aller anderen Krankheiten, wie z. B. die Kalarrye der Luftwege und Atmungsorgane, für Asthma, Heuschnupfen, Rachitis, Skrofulose, die sog. chirurgische Tuberkulose (besonders im der Nachbehandlung), für Blutarmut, Appetitlosigkeit, Stoffwechselstörüngen, Blut- zirkulationsstörungen, allgemeine Körperschwäche (z. B. nach Operationen), Schlaflosigkeit unb Neurasthenie in ihren leichten Graden, sowie für das große Heer derjenigen, bie Erholung und Stärkung für ihr Berufsleben suchen, gibt es wohl kaum ein besseres Klima als bie deutsche Nordsee, bie auf Grund ihrer mannigfachen Heilfaktoren eine Quelle ber Gesundheit für das deutsche Volk ist. Die hervorragenden Heilwirkungen des Seeklimas sind bedingt durch verschiedene Faktoren. Im allgemeinen wird dem Unkundigen das Seebad als wichtigstes Heilmittel bei einem Aufenthalt an der See erscheinen, und in der Tat ist ein solches auch von so intensiver Wirkung auf ben Organismus, baß viele bei zu "langem und zu häufigem Baden ihre Gesundheit durch bie starke Wärmeentziehung unb bie kräftige, massageartige Wirkung des Wellenschlages schädigen, weshalb anzuraten ist, Seebäder in der Nordsee mit Vorsicht unb möglichst erst nach Einholung ärztlichen Rates zu nehmen. In den meisten Badeorten sind deshalb Badeanstalten für warme Seebäder vorhanden, um eine allmähliche Gewöhnung an kalte Seebäder zu ermöglichen. Seebäder wirken vorteilhaft auf die Blutzirkulation unb Hautfunktion ein unb sind ein gutes Entfettungsmittel. Viel wichtiger als Seebäder sind Sonnen» unb Luftbäder, weil bei denselben bie heilsame Einwirkung dieser Heilmittel auf ben ganzen Körper am vollkommensten ist: benn gerabe bie Sonne wirkt an der Nordsee durch die kurzwelligen, sog. ultravioletten Strahlen fast ebenso energisch wie im Hochgebirge. Ihre Bedeutung als Heilfaktor bei Rachitis, Skrofulose, Blutarmut und manch anderer Krankheit ist hinlänglich bekannt. Es sei nur noch hervor- gehoben, daß die Inseln der Nordsee im Verhältnis zum Inland und der Küste wesentlich günstiger gestellt unb hinsichtlich der Dauer der Sonnenstrahlung unb ber geringeren Bewölkung, und baß bic Zahl ber Regen- unb Nebeltage hier auch bebeutenb geringer ist, wie burd) klimatologische Forschungen nachgewiesen wurde. Außer der Sonne übt die mit Salzwasser gesättigte Luft, ber auch geringe Mengen Jod beigemengt sind, ihren sehr günstigen Einfluß auf ben menschlichen Organismus aus. Da aber ber Salzgehalt ber Luft entsprechend der Stärke des Windes zunimmt, wird jeder auch ben Wert des Windes für bie Gesundheit erkennen unb schätzen lernen, ber ähnlich dem Seebade wirkt, wenn man ihn im Luftbad auf sich einwirken läßt. Aus Gesagtem ergibt sich für ben Asthmatiker und alle diejenigen, bie an Katarrhen ber Luftwege unb Respirationsorgane leiden, ber Werk eines Seeaufenthalts, zumal bie Luft in den günstig gelegenen Badeorten mit unmittelbarer Hochfeeflut fast vollkommen bafterien- unb staubfrei ist. Rettewinke. Gesellschaftsreisen der Nordischen Gesellschaft. Die Nordische Gesellschaft (Lübeck, veranstaltet im Verfolg ihrer Bestrebungen, ben deuljch-nor bischen Kulturaustausch zu förbern, Mitte Juli b. I. eine Gesellschaftsreise von Sfanbinaoiern nach den brutschen Lutherstädten. Wittenberg, Eisleben, Erfurt, Eisenach unb Worms werben berührt: auch bem Thüringer Walb unb bem Rhein wird ein Be- such abgeftattet. Ebenso wirb auf einer anderen von der Nordischen Gesellschaft geleiteten Reise eine ungarische Reisegesellschaft die Lutherstädte besuchen. Deutsche können bei zeitiger Anmeldung an beiben Reisen teilnehmen. Auskunft erteilt bie Nordische Verkehrsgesellschaft (Abteilung Berlin), Berlin Halensee, Eisenzahnstraße 64. Warum das Handgepäck schleppen? Zu Beginn der eigentlichen Reisezeit kann man immer wieder eine ähnliche Beobachtung machen: Wie viele Reisende überbürden sich mit Handgepäck! Gröhe Koffer, kleine Kokser, Handtaschen. Aktenmappen. Mäntel. Schirme, Stocke — das alles schleppt mancher auf Reisen mit sich herum, der sich eine solche Belastung im täglichen Leben kaum zutrauen würde. 11 nö warum? — Aus falscher Sparsamkeit' Falsch ist diese Sparsamkeit, weil erstens die Gepäcktarife sehr mäßig sind, und weil auherdem der Aufwand für die Erneuerung der beim Transport verausgabten Körperkräftc. nicht zuletzt auch die ständige Sorge um das mUgeführte Handgepäck, die kleinen Beträge für die Gepäckbeförderung bei weitem auf- wiegen. So kostet z. B. die Aufgabe von 20 Kilogramm Handgepäck bis zu einer Entfernung von 50 Kilometer 80 Pf., bis 100 Kilometer 1,20 Mk., 200 Kilometer 2 Ml.. 300 Kilometer 2.60 Mk.. 400 Kilometer 3.20 Mk.. 500 Kilometer 3.80 Mk. und bis 700 Kilometer 4,60 Mk. Gibt man nur 10 Kilogramm aus, so ermäßigen sich die angegebenen Preise auf die Hälfte. Die' Sorge, das ausgegebene Handgepäck könnte etwa nicht zur rechten Zeit an dem Bestimmungsort ankommen. ist unbegründet. Reisegepäck, rechtzeitig aufgegeben, geht stets mit dem gleichen Zuge ab. mit dem der Reisende selbst fährt. Warum also die Schlepperei mit dem Handgepäck? Wanderfahrten. Großen-Duseck — Weilershain — Grünberg. Von Großen-Duseck, bis wohin wir die Bahn benutzen, wandern wir ben blauen Punkten nach über Bersrod und Geilshausen zunächst bis Wei- tershain, wo bei Gastwirt Theiß gute Unterlauft ist. Eine überaus genußreiche Wanderfahrt bietet die Begehung dieser Wegebezeichnung, die bereits in Gießen ihren Anfang nimmt, lieber Berg und Tal, durch Wald und Feld führt der Weg. ab und zu hübsche Ausblicke ermöglichend. So ist namentlich der Blick von dem Höhenrücken hinter Geilshausen, der das Busecker Tal vom Lumdatal trennt, überaus reizvoll. Hinter Wei» tershcrin, wo die Markierung, Die noch bis Vtfeber- Ohmen geht, verlassen wirb, nimmt uns für ein großes Stück prächtiger Buchenhochwald auf. Auch dieser Teil der Wanderstrecke (blaues liegendes Kreuz) der durch Stangenrod zum Schluß über würzig tzuftenbe, im Herbst mit Enzian bewachsene Triften führt, bietet reichlichen Genuß. Vor allem sei der Blick auf Ulrichstein und den gesamten Vogelsberg gebührend hervorgehoben. Am Endziel Grünberg, das wir nach östündiger Wanderung erreichen, sind gute Gastwirtschaften. Gießen—Watzenborn—Pfahlgraben—Butzbach. Wir gehen den Schiffenberger Weg entlang, dem blauen Keil nach, der uns auf der ganzen Wanderstrecke das Geleite gibt. An den Gis- teichen verlassen wir die Straße und gehen nunmehr auf dem alten Wahenborner Weg, einem einsamen Waldweg (bei der Kreuzung der gelben Punkte schöner Blick auf den Schiffenberg) nach Watzenborn, wo wir Rast machen. Hinter dem Ort stoßt das Wegezeichen in der Rähe der Grüninger Warte auf den Pfahlgraben. Durch Wald und Feld geht es nunmehr den letzten Spuren der Romerherrschaft in unserer Gegend nach bis Butzbach, das von Gießen in ettr|a 4I/2ftünbiger Wanderung erreicht ist. Eine Besichtigung des interessanten Städtchens, das noch manche kostbare Perle mittelalterlicher Baukunst aufweist, ist äußerst lohnend. Butzbach—Ziegen berg—Bad-Rouheim. Die Wanderung, für die 6 Stunden Marschzeit anzusehen sind, macht mit den schönsten Punkten des nordöstlichen (hessischen) Taunus bekannt: liebliche Waldpartien gestalten sie besonders reizvoll. Am Bahnhof Butzbach biege man gleich links ab in die Taunusstraße, die in wenigen Minuten in die schonen Taunuswälder führt. Herrlicher Waldweg bringt uns in «Ä Stunden nach dem kleinen hessisch, i TaunusdoH Haufen (305 Meter). Icnfti. des Ortes gebt es bergan: vor Eintritt in den Hochwald gewahren wir rechts die Oes. eine nur au.- drei Häusern bestehende Siedlung, die aber doch eine selbständige hessische Gern .nde vildot. die von der Bürgermeisterei Hausen mitverwaltct wird. Heber mehrere Ringwälle h.naus geht der Weg zum Hausbora <486 Meter). B 3 hier bin sind wir von Butzbach der neuen T-Markierung des Gesamttaunuslluds gefolgt. Das nächste Ziel der Wanderung ist das schön im Walde gelegene Jagdhaus Hubertus. daS zur ersten Rast cin- lädt Man wähle den Wog durch das stille Isseltal (blauer Strich) bis in die Geacnd der Isselteiche. Von hier ab halte man sich aber rechts Wenn man den schwarzen Strichen (vom Schnittpunkt mit den blauen Strichen an) die Führung anbertraul, kommt man unfehlbar zum Jagdhaus. Der Weiterweg nach Ziegenberg, daS mit seinem an Goethe erinnernden Schlosse herrlich im llfatalc liegt, ist der Glanzpunkt des Tages. Ein liebliches Waldw-esentälchen. in dem im oberen Teil schwarze Stria» und zuletzt blaue Striche den Weg weisen, gcot vomHubertus abwärts nach Ziegenbcrg. Oie Landstraße führt im llsatale weiter nach Ober-Mörlen und von da über die Höhe des Johannisbergs nach Bad-Rauheim. Der Tourist wird aber die schöne Waldwanderung verziehen, die von Ziegonberg hinauf nach dem Forsthaus Winterstein (rote Punkte) und von da nach kurzer Rast hinab nach Bad-Rauheim führt. ReifeMeratur. — W i e reist man in Norwegen unb Schweden? Ein Buch zum Lust- unb Planmachen. Mit Berücksichtigung von Finnlaitb, bei" Einreifegebiete unb Kopenhagens. Von Pros. Dr. Karl Kinzel. Mit mehr als 60 Starten, Planen unb Silbern. 1925. Verlag Friebrich Bahn in Schwerin in Mecklenburg. — lieber Kinzels Art zu reifen unb anderen Leuten bie Wege zu weifen bei mäßigen Ansprüchen an Kräfte unb Gelbbeutel unb doch höchsten unb schönsten Genüssen in Kunst unb Natur, braucht man nichts mehr zu sagen. 90 000 Bänbe seiner beliebten Führer für Tirol, Schweiz, Italien beweisen bas. So ist klar, was ber Reiselustige von bem neuen Buch zu erwarten hat. Auch bem, ber nach «mübenber Berufsarbeit neue Kraft für Leib unb Seele sucht, wirb schon beim Lesen ber vortrefflichen unb unterhaltenden Schilderung von Lanb unb Leuten bie Sehnsucht lebendig. Unb bazu bic bekannte praktische Anleitung auch für bies neue Reijebuch. Es grüßt hier ein Berglanb voll eigenartiger Reize, voll großartiger wilber Schönheit, ein anberes mit herrlichen Wäldern unb Seen; beide mit uns fo verwandten Kulturleben bereichern ihren Besucher. Es unterscheidet sich das Luch, das, aus warmer Begeisterung heraus versaßt, durchaus den Stempel des Persönlichen trägt, ganz beträchtlich von den landläufigen Reisebüchern, deren Inhalt in schematischer Auszählung von Reiserouten, Taren, Verpflegungen, Verkehrsmitteln u. a. erschöpft zu sein pflegt, denn damit allein kann der Reisende nichts an- fangen. Ein besonderes Kapitel mit einem kleinen Sprachführer, ein orientierendes Ortsverzeichnis bilden ben Schluß des sehr hanblichen Bandes. Das Buch hat viele und sehr gute Karten unb reichen Bilderschmuck. 275 — Eine neue Kurschrift über Radium- Solbad St reuxn ad) gibt bie Kurverwaltung soeben heraus. Das mit vielen Bildern versehene Büchlein ist auch für jenen Leser interessant, ber nicht gerabe bie Absicht hat, ein Bab aufzusuchen. Mit seinem allgemeinen Teil, der über bie Geschichte ber Stabt unb bes Babes unterrichtet, vorn Klima, der Umgebung, ben Verkehrsverbinbungen spricht, ist es ein guter Beitrag zur Heimatgeschichte ber südlichen Nahelande, indes ber folgende wissenschaftliche Teil in angenehmer Form über die Krevz- nacher Heilquellen unb Kurmittel sich verbreitet. — „D a s R e i f e b u r e a u", die von ber Vereinigung Deutscher Reisebureaus herausgegebene Deutsche Zeitschrift für Weltverkehr (Verlag Deutsche- Verlags-Aktiengesellschaft, Berlin W 9) befolgt im vorliegenden Heft 9 bas Motto: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen." Der Fachmann des Reisens findet eine sachkundige Studie über „Das Reisehandbuch" von Dr. Eddelbüttel, der Globetrotter einen fesselnd und aus klarer Anschauung geschriebenen, reich Illustrierten Aufsatz „Wie man in Japan reift" von Felir Baumann, ber Anhänger des modernsten Beförderungsmittels einen Ueberblicf über ben „Deutschen Luftverkehr 1926 von Dr. Heinz Orlovius, unb jeber für Reife und Verkehr interessierte Leser eine Fülle von amüsanten und wertvollen Notizen und Plaudereien über allerlei Verkehrsgebiets. Besonders heroorgehoben fei noch eine humoristische Sprachstudie über die Scherzbedeutung unserer Ortsnamen von K. I. Grün. Luitkurort Haos LogioM b.Schotten, (Wessen Christi.Pension u Restaurant i. schönster ruhiger u geschützter Lage des Vogelsberges, 350 tn hoch, direkt am Walde, für Autoverkehr a. d. Kreisstraße Schotten- Gedern, 14 Fremdenzimmer mit 20 Betten. Elektr. Licht. Wasserleitung, Radio, eig. 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Bei schlechtem Wetter im „Hirsch" zu Reiskirchen (50 Pf.). Statt Karten! Ihre Verlobung geben bekannt Liesel Lotz August Dittmar Li-b Dietzen Gontershausen Juni 1926 5218D .......——...................................... Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34 Des großen Erfolges wegen bis einschließlich Montag verlängert: Die Försterchristei Versäumen Sie nicht dies ganz außergewöhnlich gute Programm. I. d. EL: Lya Mara, Harry Lledke. Dazu Harold Lloyd In einer tollen Groteske. M„X: Prinzessin Trulala I. d.EL: Lilian Harrey, Harry Halm. Astoria-Lichtspiele, Seltersweg Nur noch heute und morgen: Tom M - R Turpin - Der galante Bandit Sensationsfilm in 7 Akten. — Ferner: SWF* Schottische Blutrache~w Film in 2 Akten. Montag: Tornado Ein Wildwestdrama in 7 Akten. Lollar 04290 04340 Gießen, den 17. Juni 1926 04330 Wieseck, den 19. Juni 1926 04332 !“*. Stadttheater n A k rrt 1 A M1 n A K ■ 04358 Karl Schmidt, Neuenwegs, Tel.<075 | Sonnwendfeier Sonntag, den 27. Juni 1926, auf Ende 10'/. Uhr Anfang 8 Uhr Zwei Achtzigjährige Burg Münzenberg ab Butzbach 1122 Uhr ab Butzbach I^Uhr Alle deutschen Volksgenossen sind herzlich eingeladen Der Festausschuss 5227V 5237c Dr. med. vet. Adolf Herrmann und Frau Elly geb. Heyd geben ihre Vermählung bekannt Leni Kahn Rudolf Marx Verlobte Frankenberg a. d. Eder Juni 1926 Für die uns anläßlich unserer silbernen Hochzeit erwiesenen Aufmerksamkeiten danken herzlichst Gustav Römer und Frau unter Mitwirkung der Kapelle Topp Darbietungen: Kaffeekonzert, Ansprachen, Volkstänze, Lieder, Musikstücke, Sonnwendfeuer, Lampionzug usw. Hinfahrt: ab Gießen 12^2 Uhr Rückfahrt: ab Münzenberg IMUhr Die Geburt eines kräftigen Mädchens zeigen hocherfreut an Heinrich Hinkler und Frau geb. Schulmeyer Waagen aller Art empfiehlt u. werden eichfähig hergesteilt. schmierlager, la 600 Blatt. Gestell Der Vorverkauf beginnt am Samstag, dem 19. Juni, in den gewöhnlichen Kassenstunden. (Oberen), 19. Ium 1926 MvKorbmöbel "M,e™ Private, bequeme Teilzahlung. ' T Katalogüb.ganze Wohn.>Einricht. RohrrnttbeHsbrik,, Mercedes “Lorch, WHbth Wer sich für wenig Geld recht freuen will, der besuche dieses Fest Eintritt 50 Pfennig (für Mitglieder frei). 5192V mm NATURHEILVEREIN. MMZ Saaibau Sauer Morgen Sonntag, 8 Uhr Moderner 04336 Tanzabend Die Musik wird ausgeführt von Mitgliedern der Militärkapelle. Steppdecken in Wolle und Daunen werden ange» fertigt und aufgearbettet. Verarbeitung von indantbrenfarbigem Satin. Lager von preiswerten Decken in schönen Farben. 04329 AtBeckcnhM, Walltochche 24 L Kein Laden! Btftaare. Jch a8 ] Immer . YOGHURT j Or. Axelrod’s Joghurt das ausgezeichnete Heil- und Nahrungsmittel. 5247a Zu beziehen durch die Milchhändler und die Verkaufsstellen der Dampfmolkerei Gießen Gebrüder Grieb. Auto L Aus nach wiejeck zur Ludwigsburg! Daselbst findet morgen Sonntag nachmittag im neuerbauten Saalbau große Tanzmusik statt. Großer Garten mit gedeckter Halle. Herrliche Lage direkt am Heegwald mit schönem Blick ins Busecker Tal und Flugplatz Gießen. Freundlichst ladet ein , Ludwig Werner. u.Schiebetisch 50 M. so lange Vorrat to82D Carl Schunck Prima hiderfettkäse 9 Pfd. Mk. 6.- franko DamHfkäiefabrik. «raA Rendsburg Dienstag, den 22. Juni 1926 Gastspiel lies Kerlhealers Bad-Nauheim Erstaufführung! s„8c Schwank in 3 Akten v. L. Kastner u. A.Möller WUSWKWlM Bezirksverband Gießen Im Anschluß an das Kleinkaliberschießen und den Geländemarsch finden am Sonntag, nachmittag um 4 Uhr, aus dem Univerfitätssportplatz leichtathletische wetttSmpse der Verbände statt. Ium Austrag kommen: Staffeln, Mannschaftskämpfe im Tauziehen,Hindernislaufe,Keulenweitwerfen und Keulenzielwerfen. Wir laden hierzu die Bevölkerung Gießens herzlichst ein. (Eintritt 50 Pf., Schüler und Studenten 25 Pf. Werweiß daß erhalten: GenosseSchetdemann RM. 16500 Jahrespension, Genosse Leinert RM. 22 000 Iahrespension, Genosse Fulda für einige Monate hessischer Ministertätigkeit RM. 15000 Iahrespension, wer weih daß unter der sozialdemokratischen Regierung die Marinewerft Wilhelmshaven zu einem Spottpreis verschleudert wurde, daß die Armeekonservenfabrik Haselhorst bei Spandau gegen wertlose Brehma-Aktien entäußert wurde und nach wenigen Monaten zufammenbrach, so daß Tausende von Arbeitern brotlos wurden, daß während der Revolution für Milliarden Heeresgut verschleudert und verschoben wurden, der weitz daß mit der Enteignung des Privateigentums der Fürstenhäuser niemanden gedient ist, daß vielmehr die Achtung vor dem Privateigentum schwinden wird. Allgemeine Enteignung wird folgen. Darum lautet die Parole für den Volksentscheid am Sonntag, dem 20. Juni: Stimmenthaltung. Wer durch Terror gezwungen wird, zur Abstimmung zu gehen, der gibt einen Wahlzettel ohne jede Kennzeichnung ab. Deutschnationale Volkspartei. Deutsche Volkspartei. 525]D la Hoiler unglaublich billig. Carl Schunck Leiste Garantie für sorgfältige Aus- sührung von Reva- raturen an 61“D Uhren und Goldwaren. Erich Beyer Babnbofstrafre 1. Wegen des unzuverlässigen Wetters findet der Familien-Ausflug am morgigen Sonntag nach der Hardt-Terrasse statt. Abmarsch wie vorgesehen. 5219V Um rege Beteiligung bittet der Vorstand. Sonntag, 20. Juni, aus der Liebigshöhe Sommerfest™ nv?™ Kinderfest WWW Beigen, Sinöetfoiele. MeMenler u. n. MenMutigev Ä-ls 15. Stiftungsfest ‘. Theater»Bortröge»Ml»Beigenfnlele nfro. darin, die m J Mllesleh gründ« schast, die Lord in größtem romantischen vcho. Die Mßoersst bald von England, ncten und ost M Lord Curzon bei lärmt, aber sie bild n deutete das D !ums also an: nicht nur ein gvlde von Tränen ist an gew n . r jn aiac Ä1 der 2 a[Igemeii »SS «•sä Fass sstfs sES stings. als Palast in Kalrutt ^hen Kompagnie straüven Teilung mit <0 Will. C schien. Als das L geschieden wurde, Maßnahme als 2 denn gerade dama tat mit elementare primitiv waren. w *3re 3nder too schwach vor dem ( anderer Ebene mit Bewußtsein endgü ®ein die große und das Ideal de ähnlich wie m Em l” Echten, im DM tische Erwägungen ist eine nicht ger Weltgeschichte, da! mungen überall gli sogar, als der D MnalitiT Der di Aömer in Indien wall auMen, so durch die llneinigfe du«h bi- Feindscha hanmedanem, und Nt bti nüchterne Daß die besten Ji achteten imb ihrer in Tleichaültiafeit ^riwinalroin 161 Fortsetzung. DD 0me5 k ^aussiui 9,'e'n 1 Nm bass?1 i= "°chToLe^ .■i’Ss iÄä;« & s,«®nui3f*tren S.C.?a,r di, utr 2 »ich ^<4 >e" Mannt I itat Dietzen i «I I h*9Hb.(Ebet i Hermann >eb. heyd ung bekannt 9. Juni 1926 ..................... W0 i Mädchens zeigen an inMer -chulmeyer Juni 1926 04330, :tt Kernen hochze'N en danken herzlichst und Frau Juni 1926 01331 16 ""eil-"dN^ " «*eMild>»»r,ffld /J^cke" : Ä**91 Water g, den 22. Juni ’928 । Wüte Wi* tauffüDrung! „•/ WZlDu ZALSS? ZvreiAchtigi*91 weil «rW^ ;chfe|j< nicht." Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Samstag, (y. Juni 1926 Nr. 141 Drittes Blatt Eine Nation im Werden. Zeitglosse zu den indischen Strömungen. Don Alexander Frhrn. von Gleichen-Rußwurm. Rätselhafter denn je ist das indische Reich, das für das englische Imperium immer schwerer zu halten und erhalten ist. wenn es auch nicht an gewissenhafter Mühewaltung gefehlt hat. Die Geschichte der indischen Dizetönige zeigt eii.cn großen Zug. Nachdem er kürzlich seinen Posten verlassen, wurde Lord Reading über die Stellung der Vizekönige interviewt, aber er antwortete nur mit allgemeinen Redensarten. Um so deut- * sicher sprechen die ausgebrochenen und immer wieder ausbrechenden Unruhen. Schmerzlich müssen sie noch zuletzt einen Lord Curzon berührt haben, der seiner Statthalterschaft in dem Buch »British Government in India" einen interessanten Rachruf widmete. Das Werk beschäftigte ihn bis zu seinem letzten Lebenstag. Unter anderem Bildermaterial enthält es die Darstellungen aller Residenzen der indischen Gouverneure van der ersten kleinen Festung »Fort William", die tragisches Ende sand und deren Ueberreste Lord Curzon erhalten lieh, von den provisorischen Regierungsgebäuden, die Clive und Warren Hastings als. Herrscher sahen, bis zum prächtigen Palast in Kalkutta, den Wellesleh bauen lieh. Trotz den Sparbefehlen der Direktoren der. indischen Kompagnie wurde ein kostspieliger Palast errichtet, umgeben von Gärten im Geschmack der Zeit. Wir lächeln wohl über eine gotische Ruine darin, die in Indien seltsam anmutete, aber Wellesleh gründete auch eine Musterlandwirt- schäft, die Lord Curzon hundert Jahre später in gröbtem Maßstab wieder aufnahm und die der romantifdjen Schöpfung Lebensberechtigung gab. Die Mißverständnisse, die den Dizekönigen bald von England, bald von Indien aus begegneten und ost schlimme Lagen hervorriefen, hat Lord Curzon bei seinen Dorgängern scharf erkannt, aber sie blieben auch ihm nicht erspart, und er deutete das Wesen des indischen Vizekönig- tums also an: »Ueber dem Thron bereitet sich nicht nur ein goldenes Throndach aus, eine Wolke von Tränen ist die letzte Krönung." Curzons Reformbestrebungen fanden wenig Erfolg. Zu spät kam wahrscheinlich sein Plan einer administrativen Teilung von Bengalen, dessen Bereich mit 70 Mill. Einwohnern ihm unübersichtlich schien. Als das Land in Ost- und Westbengalen geschieden wurde, erachteten die Einwohner diese Maßnahme als Angriff gegen ihre Rationalität, denn gerade damals brach die Idee der Rationalität mit elementarer Gewalt durch. Technisch-praktische Erwägungen wurden einfach umgerannt. Es ist eine nicht genug beachtete Gesetzlichkeit der Weltgeschichte, daß die stärksten geistigen Strömungen überall gleichzeitig auftreten. Dies geschah logar, als der Verkehr noch langsam und umständlich vor sich ging und die Propagandamittel primitiv waren. Um so deutlicher kommt das Jesetz heute zur Geltung. Wenn einige wenige Engländer mit der Energie und Umsicht alter Römer in Indien so lange prokonsularische Ge- toalt auSübten, so war dies zunächst ermöglicht i)urch die Uneinigkeit der indischen Fürsten, dann !>uvch die Feindschaft zwischen Hindus und Mohammedanern. und ferner durch die Ueberlegen- heit des nüchternen englischen Geschästssinnes. Daß die besten Inder diesen Geschäftssinn verachteten und ihren Stolz in Weltabkehr sahen, in Gleichgültigkeit dem indischen Treiben gegenüber, trug nicht wenig zur Dauer des englischen Erfolges bei. Die Inder waren nicht etwa nachgiebig und chwach vor dem Europäer, sie widerstanden auf anderer Ebene mit einem mystischen Stolz und dem Bewußtsein endgültigen höheren Menschentums. Mein die große Strömung der Verweltlichung unD daS Ideal der verweltlichten Richtung ging ähnlich wie in Europa dahin, eine nationaleMacht aufzustellen im Kampf mit anderen nationalen Mächten, im Besitz derselben kulturellen Crrun- genschaften und Möglichkeiten, im leidenschaftlichen Ringen nach gerechter und selbständiger Rationalität. Die ersten Dersechter dieses Gedankens hielten jedoch den freundschaftlichen Anschluß an 1 ®ng[ani>, an Europa, für notwendig und durch- —» 1 ■ H ■ 111 M ■■ ■ || H , Der dritte Schutz. Kriminalroman von Ole Stesani. 18. Fortsetzung. Nachdruck verboten. .Hoffentlich lerne ich ihn heute auch kennen!" iigte Kramer vergnügt. „Also um elf Uhr bei Ro- landseck!" Sie schüttelten sich abschiednehmend die -Hände. Dann gingen der Anwalt und Schulz zum Ufer hinunter, wo sie ein Boot auf die andere ■Seite des Stromes brachte. Dort stand bereits, zur Abfahrt fertig, ein Auto. Sie verabschiedeten den Chauffeur, Kramer setzte sick in das Innere, Schul - lahm das Steuer, und in sausender Fahrt ging es shemaufwärts. Molinfki sah ihnen mit brennenden Augen nach, tonn machte er sich mit Dietzenschmidt auf Den Weg nach Godesberg. — Der SSlachtplan war folgender: Der Anwalt uhr mit Schulz vor, um die Gegend zu sondieren md Erkundigungen einzuziehen. Um elf Uhr würde -in Motorkutter vor dem kleinen Restaurant Rhein- Akck — drei Kilometer nördlich von Rolandseck auf lern anderen Ufer gelegen — halten, in dem Dietzen- Ichmidt zehn Gendarmen mitbrachte. Ihnen sollte sch Molinsti anschließen. — Die Streitkräfte waren cuf drei Posten verteilt worden. Eine Abteilung »lieb auf dem Westufer, um Stübner abzufangen, len man in einem Auto von Aachen her erwartete. 2ie beiden anderen Abteilungen begaben sich auf Sen Fluh und wollten in Booten von zwei Seiten ler die Insel attackieren. IV. , Längst war die Sonne untergegangen. Schulz und Kramer lagen am Ufer und blickten stromab- I cärts Noch zeigte sich kein Licht, auch das Mokor- I boot war nicht zu Horen. Schulz zog ärgerlich seine Uhr und fluchte leise. Dorn Kloster Nonnenwerth ' s-hlug es elf Uhr. i, Kramer sah ruhig nach den beiden Inseln hin- । über. Der Mond war im Aufgehen und warf ein schwaches Licht üb?r den Strom, in Dem die Umrisse t*ir Inseln kaum erkennbar waren. Alles lag ruhig, i nur das Gurgeln des vorbeiströmenden Wassers war vernehmbar. . aus nicht für beschämend, indes die jüngere nationale Richtung immer allindischer wird, nur das Autochthone duldet und sich der älteren nationalen Richtung feindlich zeigt. Der bedeutendste Vertreter des ersten indischen Rationalismus war Surenbranath Baner- jea, dessen Rame gedeutet wurde »Surrandernol" (Gib nicht nach) und der in der Tat mit größter Zähigkeit fünfzig Jahre lang seinem Ideal diente. Er schrieb ein Buch »Eine Ration im Werden , das vom indischen Standpunkt aus ein ergänzendes Seitenstück zu Lord Curzons Werk bildet. Die halbhundertjährige politische Tätigkeit eines Staatsmannes aus Bramahnen- geschlecht, der im Alter von fast achtzig Jahren starb, als er die letzte Hand daran legte, schildern die Erinnerungen des Inders. Er tat Pionierarbeit für das neuerwachle Selbständigkeits- gefühl, als er sich entschloß, fast noch im Knabenalter (1868), nach England zu reisen, em Unternehmen, das er vor seiner Mutter verheimlichen muhte, denn wie alle vornehmen Hindufrauen hielt fie eine solche Reise für Frevel, und den Heiligen Geboten der Kaste widersprechend. Gegen solche festgewurzelten Anschauungen mußte der junge Danerjea kämpfen, um in Oxford au studieren und dann als einer der ersten eingeborenen Kandidaten für das »Indian Civll Service" aufzutreten. Ader auch gegen englische Dorurteile galt es Kampfstellung einzunehmen, denn obwohl die Inder nunmehr grundsätzlich zur Verwaltung des Landes zugezogen werden sollten, legte ihnen die Regierung manches Hindernis in den Weg. Unter dem Vorwand z. D., der Kandidat habe sein Alter nicht richtig angegeben, wurde Danerjea trotz des glänzend bestandenen Examens zuerst abgewiesen. Er führte aber aus, nach indischer Fcunilientradltion werde das Alter von der Empfängnis und nicht von der Geburt an berechnet und drang nach vielen Schwierigkeiten durch. Dank geschickter Verleumdungen entledigte man sich aber bald des ehrgeizigen Dramahnen und entlieh ihn aus dem Dienst. Die Kränkung blieb bitter, er fand jedoch einen neuen Weg politisch zu wirken, indem er sich dem Lehramt widmete und Professor der englischen Literatur in Kalkutta wurde. Seine Vortragstätigkeit reifte seine sprachliche Meisterschaft, die ihm später gestattete, als politischer Redner zu glänzen, und verschaffte ihm außerordentlichen Einfluß auf die Jugend. Er stellte fest, dah ihm Iugendbildung viel wichtiger dünke als die Beschäftigung mit politischer Tagesfragen und prägte über die Lehrtätigkeit das Wort: »Das Reich des Lehrers ist ein unendlich dauerndes Reich, denn es erstreckt sich unabsehbar in die Zukunft." Damals war die Zeit des siegreichen Rationalismus in Europa, der Deutschlands und Italiens Einigkeit brachte. Sehnsüchtig blickte der Inder nach diesen Beispielen und begeistert der Inder nach diesen Beispielen und begeisterte Einigkeit. Danerjea bekannte sich zu dem politischen Glauben der Gründer des „Indian Rational Congreh 1885", der Gleichberechtigung vor dem Gesetz für die Inder forderte, wie es bereite ein Gesetzvorschlag versprochen hatte, der aber dank engherziger englischer Gegenströmung nicht in Wirkung trat Im Jahre 1890 reiste Danerjea nach England unb hielt dort eine bahnbrechende Rede im Sinn dieser neuen Forderung. Rach Indien zurückgekehrt, vertrat er sie mit der jung erstandenen Macht der Presse, leitete dort die erste einfluhreiche Zeitung „the Ben- ßalce“ und verfocht seine Ansichten so unentwegt, dah er ins Gefängnis kam, eine Strafe, die ihm und seinem Dlatt natürlich große Popularität verschaffte. Am schärfsten kämpfte er gegen die von Lord Curzon befürwortete Teilung Den- galens, wie er selbst gestand, fanatisch und mit allen Mitteln. Diese Kampfführung riß eine furchtbare Kluft zwischen Engländern und Indern. Zuerst litt Danerjea selbst darunter, denn er hatte doch stets den Gedanken an ein Bündnis mit England bewahrt, voll hoher Achtung vor der westlichen Kultur. Der Anstoh, den feine erbitterte Kritik gegen die englische Bureaukratie gegeben, schwang jedoch weiter, und es entstand unter Tilak in Mahratta Deccan eine Hah- betoegung, die im Fanatismus des Dramahnen- tums wurzelte und damit arbeitete. Nach einer halben Stunde wurde selbst Kramer ungeduldig. Schulz ging mit stampfenden Schritten wütend auf und ab. „Verfluchte Schlamperei!" schimpfte er. „Wenn es noch lange dauert, fahren wir beide allein hinüber!" Kramer überlegte. „Gehen Sie in die Wirtschaft unb versuchen Sie Godesberg anzurufen. Vielleicht ist dort etwas passiert!" Schulz ging in das Restaurant. Nach vieler Muhe gelang es ihm, die richtige Auskunft zu bekommen. Sie lautete: „Motorboot mit Dietzenschmidt, Mollnski und zehn Gendarmen an Bord neun Uhr vierzig Minuten von hier abgegangen!" „Sie könnten zweimal hier sein!" fluchte Schulz, der sich nicht mehr halten konnte. „Bei der Schnelligkeit, die der Kutter hat!" Was kann nur geschehen sein? dachte Kramer, seine Unruhe mit eiserner Energie bezwingend. „Warten wir noch?" Als es zwölf Uhr durch die Nacht schlug, machte Schulz ein kleines Boot zur Abfahrt bereit. Sie warteten noch bis halb eins. „Sie werden sehen, sie gehen uns durch die Lappen!" sagte Schulz verzweifelt. „Nun," antwortete Kramer ernst. „Dann wollen wir beide tun, was in unseren Kräften steht." Er spähte noch einmal flußabwärts. Kein Laut war vernehmbar, kein Licht sichtbar. „Wir fahren!" _ Erlöst sprang der Kriminalbeamte mit einem oa6 in das Boot und schwang die Ruder. „Nicht so laut, Schulz!" warnte der Anwalt. „Man könnte uns von drüben aus hören!" Obwohl sie gegen den Strom rudern mußten, konnten sie schon nach einer Viertelstunde Die Ein- zelheiten auf Der Insel unierscheiDen. Sie gewahrten am Nordufer eine Holzhütte, Deren eines Fenster schwach erleuchtet war. ^ Schulz flüsterte: „Dort sind sie. Ich sehe deullich Lchatten! Sie landeten vorsichtig im Uferschilf, dessen J?alme sie behutsam niederbogen, um kein Geräusch zu verursachen. Hier waren sie vom Ufer aus unsichtbar. „Bleiben Sie auf dieser Seite!" flüsterte Kramer kaum vernehmlich. Dann sprachen sie kein Wort mehr. Diese Bewegung richtete sich schließlich gegen den Leiter Der großen Oppositionszeitung, wie immer die ersten noch gemäßigten Führer großer Revolutionen, die keineswegs durchaus mit der Tradition brechen wollen, zurückgedrängt werden von Grimm und Glut der radikal Denkenden, die anfangs mit ihnen gingen. Zwischen 1903 und 1910 mehrten sich Die politischen Morde, die Danerjea nicht guthieh, aber nicht aufhalten konnte. Im Jahr 1911 verzeichnete er den großen Erfolg, daß die Teilung Bengalens miedet aufgehoben wurde. Doch diesem Triumph vergällten ihm rasch die leidenschaftlichen Fanatiker, durch die er Schimpf und Mißhandlung erduldete. Er blieb jedoch unbeirrt in einer gewissen Loyalität zu England, die sich im Weltkrieg kundgab, als er 1919 den Posten des Ministers der Provinz Bengalen annahm. Die Zeit der gemäßigten Richtung .war jedoch vorbei. Gandhi sammelte begeisterte Anhänger, denen der „India Act" von 1919 durchaus nicht genügte trotz des Versprechens autonomer Regierung, die neue Partei der Swaraj brauchte dieselben Mittel gegen den großen indischen Staatsmann, die er selbst einst angewandt hatte. Er blieb jedoch feinem Beinamen »Gib nicht nach" treu und bekämpfte die rücksichtslose Revolution, wie er früher die rücksichtslose Bureaukratie bekämpfte. Obwohl Dramahne und Hindu, hielt er fest an der Ueber-cugung, daß Indien den Anschluß nach Westen richt entbehren könne und legte diese Ansicht feierlich nieder in seinem politischen Testament. »Wir müssen uns vorwärts bewegen". schrieb er, „und uns auf diesem Weg alles an fremder Kultur und Zivilisation aneignen, was für unseren Charakter heilsam und geeignet ist. unser Eigenleben stärkt und nützlich cin;u- weben ist in do.s Gewebe unseres Rationaldaseins. Zusammenarbeit und nicht der Eigensinn einer ablehnenden Ausschließung, Gemeinsamkeit und nicht Vereinsamung geben einen lebendigen und Leben bewirkenden Faktor der (Sntlridiung unseres Volkes. Jede andere Politik ist Selbstmord. So lautet meine Botschaft an meine Landsleute, nicht gesprochen in Eile und Ungeduld, sondern ein Ergebnis lebenslangen Denkens und Schaffens für mein Vaterland" Ich glaube, diese Botschaft können sich auch andere „Rationen im Werden" merken, und schließlich bleibt jede lebendige Ration im Werden. Die Sondergebäudesteuer. Vom Presseamt des hessischen Staatsministe- riumß wird mitgeteilt: 2lus Den bei den Behörden einkausenden Beschwerden gegen die Sondergebäude st euer ergibt sich, daß die Bestimmungen über diele und namentlich die zugelaslenen Steuererleichterungen vielfach nicht bekannt sind, trotz wiederholter Bekanntgabe in den Zeitungen. Es werden deshalb die in Betracht kommenden Gesichtspunkte und Anordnungen hier nochmals übersichtlich zusammengestellt: Reichsgesehliche ZwangSvorschrift. Beschwerden wegen Erhebung einer Sonder- gebäuöefteuer überhaupt sind zwecklos, denn die Steuer ist durch Deichsgesetz a n geordnet. Rach Dem Reichsgeseh müssen mindestens 35 Prozent Der Miete durch diese Steuer weggesteuert werden, es kann Dabei bis zu 50 Prozent gegangen werden. Hessen erhebt für 1926 = 39,2 Prozent der Miete. Von dem Zeitpunkte ab, von dem ab die Miete auf 100 Prozent festgesetzt ist. — und das ist spätestens der 1. Juli — haben andere Länder Belastungen von 36 bis 40 Prozent bestimmt oder vorgesehen. Hessen hat entsprechend seiner Finanzlage nicht die zulässig niedrigste, aber auch nicht die zulässig höchste Belastung: sie entspricht etwa der preußischen und der sächsischen, da Preußen und Sachsen vom 1. Juli ab 40 Prozent Der Miete erheben. DesteuerungSmahstab ist Der Steuerwert Des Jahres 1914, wie er der Grundsteuer unterliegt: die Vorkriegs miete wird bis jetzt nur in einem Lande der Steuer zugrunde gelegt. Die Aufstellung von Miet- k a t a st e r n ist auch in Hessen beabsichtigt, sobald Klarheit Darüber besteht, ob und in welcher Form die Steuer für längere Zeit weiterbestehen muh. Wenn die Friedensmiete geringer ist als 5 Prozent des Steuerwerts, dann ist eine Herabsetzung der Steuer möglich. Wer trägt die Steuer? Rach Dem Reichsgeseh ist der Haus- eigentümer Der Steuerschuldner: der Mieter hat die volle Miete zu zahlen. Die vorn 1. Juli 1926 ab 100 Prozent der Friedens- miete betragen wirb. Kann ec die durch Die Sondersteuer veranlaßte Mieterhöhung nicht zahlen, so hat er um entsprechenden Ersatz beim Wohlfahrtsamt nachzusuchen. Gleichen Anspruch hat Der Hauseigentümer für seine eigene Wohnung, wenn er Die volle Miete nicht tragen kann. Die Finanzämter haben mit Diesen Gesuchen nichts mehr zu tun. In jedem Falle zahlt der Hausbesitzer Die Steuer Der Ersah Dafür toirD ihm auch für Die letzte Erhöhung der Steuer in Der gleichfalls erhöhten Miete, soweit es sich um vermietete Räume handelt. Steuerbefreiungen und Steuerermäßigungen. Steuerfrei sind alle Gebäude, Die auch von Der Grundsteuer befreit sind. So läßt das Reichs- «ie waren behutsam aus Dem Boote gestiegen unD auf Dem Bauche kriechend auf Die Höhe Der Uferböschung gelangt. Hier trennten sie sich. Bald sich gebückt vorwärts taftenD, bald auf allen Vieren laufend, bewegte sich Kramer langsam um das Gebäude herum. Es war eine elende, anscheinend seit langem unbewohnte Holzlaube. Sie schien zwei Räume zu fassen. Das Fenster Des einen war schwach erhellt, em trübes Talglicht flackerte im Innern. Es war zu dunkel, um zu sehen, auf welcher Seite Die Emgangstür war. Darum schob sich Kramer so nahe heran, daß er direkt neben der Hüttenwand zu liegen kam. 3m Innern des Hauses rührte sich nichts. Ein leises Geräusch hinter ihm, aber ehe er sich umwenden konnte, fiel ein schwerer Körper auf ihn, Swei eiserne Fäuste preßten sich um seine (Burgei und zwangen seinen Kops so tief in den Sand, daß sein Hilferuf erstickt wurde. Unfähig, sich zu rühren und Atem zu holen, lag er da. Schon tanzten ihm bunte Flammen vor den Augen, ein wütender Schmer; wollte ihm Den Schädel sprengen, klebriges Blut rann aus Der Nase in Den ErDboDen, an Den das Gesicht gepreßt war. Da lockerte sich der Grift an seiner Kehle, ein Stnebef schob sich ihm in den Mund und Die noch kraftlosen GlieDer wurden auf geschickte Weise gefesselt. ... Dann hob ihn eine in Der Dunkelheit unkennt- ®cftQlt hoch und trug ihn leise wie ein Paket in das dunkle Zimmer Der Hütte. Dort fehlte sich Der Anwalt mit Dem Rücken auf Den Boden gelegt. Vergeblich bemühte er sich, Die dichte Dunkelheit mit den Blicken zu durchdringen. Er hörte nur Die Atemzüge seines Uederwältigers. Ein schmaler Streif schwachen Lichtes fiel in den Raum, jemand hatte die Tür zum Nebenzimmer ein wenig geöffnet. „Nun?" fragte eine leise Stimme dulch den Spalt. „Erledigt!" antwortete, ebenso flüsternd, der Mann, der im Dunklen neben Kramer stand. „Out." Der andere ließ den Türspalt offen, und Kramer hörte nun aus dem Nebenzimmer folgendes- Schritte entfernten sich von der Tür, es schien, als ob em Fenster vorsichtig geöffnet würde. Dentand rief mit verhaltener Stimme: „Schulzl" gcseh u. a. Die Steuersreit der landwirtschaftlichen OefonomiegcbäuDc. nicht aber auch Der gewerblichen Gebäude zu. Im weiteren sind nachstehende Befreiungen und Ermäßigungen zulässig: a) Einfamilienhäuser. Die vor Dem 1. Juli 1918 fertiggestellt und damals mit nicht mehr als 20 Prozent des Friedens wert es belastet waren, werden auf Antrag beim Finanzamt von der Steuer befreit, wenn sie nur vom Eigentümer bewohnt werden (Zwangsvermietung zählt hierbei nicht mit) und wenn Die Wohn fläche nicht mehr als 70 Quadratmeter beträgt. b) War ein Haus am 31. Dezember 1918 unbelastet (also schuldenfrei) oder mit nicht mehr als 30 Prozent des Friedenswertes belastet, Dann wird die Steuer (und zwar Staatsund Gemeindesteuer zusammen) auf Antrag herabgesetzt und zwar bei unbelasteten oder nur bis zu 20 Prozent belasteten Grundstücken auf 1 Prozent des Friedenswertes, bei einer Belastung bis zu 30 Prozent auf 1,75 Prozent des Friedenswertes. Der Hauseigentümer hat zu diesem Zwecke eine Bescheinigung an DaS Finanzamt abzugeben, die ihm von Dem Amtsgericht kostenlos ausgestellt wird. Beispiel: Auf einem landwirtschaftlichen Grundbesitz im Werte von 50 000 Mark lasteten vor Dem 31. Dezember 1918 10 000 Mark Hypothekschulden: das Wohnhaus (ohne OeEonomic- gebäuDe) hat 8000 Mark Steuerwert, mithin ent- hin entfallen hierauf von der Schuld 1600 Mark: Das sind 20 Prozent, mithin kann Ermäßigung der Steuer auf 1 Prozent des Wertes (= 80 Mart für Land und Gemeinde zusammen) verlangt werden. Bemerkt wird, dah das ReichSgesetz für schuldenfreie oder gering belastete Gebäude weitergehende Ermäßigungen zuläßt. In der hessischen Verordnung hat man zunächst noch Davon abgesehen, diese Ver- günftigung in vollem Umfange zu übernehmen, einmal weil bei der gegenwärtigen Finanzlage des Landes eine weftergehende Ermäßigung ohne Erhöhung anderer Steuern nicht möglich war, und zum anderen, weil es sich hier um Hauseigentümer handelt, die ohnehin meist schon dadurch im Vorteil gegen andere sind, Daß fie von Der letzten Steuererhöhung nicht betroffen toerDen, unD schließlich weil diese Art Der Vergünstigung in anderen Fällen nicht zulässig ist, in denen eine Rücksichtnahme mindestens ebenso berechttgt wäre. Hier muß das Reichsgeseh Aen- Derungen treffen. Man hofft, daß die Möglichkeit, gegeben wird, hier noch im Laufe dieses Steuerjahres weitergehende Erleichterungen zu gewähren. Hervorgehoben fei, daß dieses — abgesehen von Der Bestimmung des §11 Zifs. 5 Abs. 5 Des Reichsgesehes vom 10. August 1925, Die aber auf Grund einer Weisung an Die Finanzämter im Elnzelsall Berücksichtigung finden soll — der einzige Fall ist, in Dem eine vom Reichs- gefet; zugelassene Steuerermähigungsvorschrift Vach einer Weile erfolgte ein Gegenruf. -Hier ist niemand, Schulz, kommen Sie herein!" Auch Der Nebenraum befaß eine Tür. Kramer hörte, wie man sie öffnete. „Donnerwetter!" flüsterte Schulz' Stimme. „Wo stecken unsere Vögel Denn, Herr Rechtsanwalt?" „3ch weiß nicht, antwortete Die anDere Stimme. „Haben Sie Das Boot gesehen, Das am Ufer angefettet liegt? — Das Licht brennt aber verdammt trübe, Herr Rechtsanwalt. Wer hat es angezündet?" „Sehen Sie sich einmal an, was da auf Dem Tische liegt." WieDer ertönten leise Schritte, dann ein dumpfer Schlag, dem ein erstickter Aufschrei folgte. Ein Stuhl fiel mit Gepolter um, Kleiderrascheln wurde hörbar, Dann roar alles roieDer still. Die Tür wurde weit geöffnet. „Herein mit dem Mann! sagte eine Stimme, die dem Anwalt seltsam bekannt vorfam. Er fühlte sich aufgehoben und wurde ins Nebenzimmer gebracht. Das erste, worauf fein Blick fiel, war Schul;, Der gefesselt und wie leblos am Boden lag. Das zweite das Gesicht des Mannes, der ihn getragen hatte und nun auf einen Stuhl fetzte. Es war der weiße Negerkopf des Chauffeurs vom grauen Auto. Er grinste ihn an, während er ihm den Knebel aus dem Munde nahm. Der andere Mann hatte ein zweites Licht ange- Zündet und drehte sich riun zu Kramer um. Der Anwalt stieß einen Schrei der Ueberrafchung aus. Noch drehte sich ihm alles vor Den Augen von dem eisernen Griff, Der ihm Die Luft abgeschnürt hotte: aber inmitten Des Chaos um ihn roirbelnDer Dmge sah er wie eine Traumgestalt sich selbst vor sich stehen. Seine Gestalt im hellen Sommerüberzieher, fein Kopf, schmal, braun, mit geraden Augenbrauen unb kurzen Bartkoteletten, sein leicht ergrautes, seitlich gescheiteltes Haar, das in schräger Linie Die Stirn abgrenzte. „ ft?cr®0PPel8änger fefete sich ihm gegenüber und stellte das Licht zwischen sich und ihn, so daß der schein der kleinen Flamme auf zwei Gesichter fiel. Die sich gegenseitig ineinander zu spiegeln schienen. Sie blickten sich schweigend an r 1?er3°9 ber Doppelgänger den Mund und lachte lautlos. (Fortsetzung folgt) « V ' > I F vom Lande Hessen bis seht nicht voll über- nommen worden ist. c) Beträgt die F r i e d e n sm i e t e weni- aeralsSProzentdesSteuerwertes. dann kann die Steuer auf QIntrag herabgesetzt Beispiel: Friedenswert 100 000 Mark, tatsächlich* oder amtlich anerkannte oder nachträglich (etwa mit Hilfe des Wohnungsamtes vom Finanzamt) festgesetzte Friedensmiete 3000 Mark. daS fiip nur 3 Prozent des Steuerwertes. Die staatliche Steuer kann in diesem Falle aus 26 Prozent der Friedensmiete herabgesetzt werden. m , Die Bedingung, daß auch die Gemeinde eine verhältnismäßige Herabsetzung zugestehen muß, ist fallen gelassen worden für die Falle in denen die Höhe der Friedensmiete zweifelsfrei fest- ) d) Eine Steuerermäßigung tritt auf Antrag ein. wenn Mieträume ohne Verschulden des Mieters leer stehen. . . e) Die Vergünstigung unter c wird für Hotel- und Pensionsbetriebe in Kurorten. die nicht das ganze Jahr über regelmäßig in Betrieb sind, in der Weise gewahrt, daß als Miete die reine Mieteinnahme von den Zimmern (also ohne Ersatz für Bedienung. Mobiliar und Wäsche) einschließlich des Wirtwertes der vom Detriebsinhaber benutzten Wohnung, angenommen wird; beträgt diese Summe weniger als 5 Proz. des Steuerwertes, dann kann Ermäßigung beansprucht werden. f) Werden gewerblich genutzte Gebäude infolge von Detriebseinschränkungen oder ungünstigem Geschäftsgang gegenüber der Vorkriegszeit erheblich geringer ausge- nuht. dann kann beim Finanzamt Ermäßigung der Steuer beantragt werden. g) 2luf Antrag des Steuerschuldners ist die Steuerschuld in Höhe der auf die vermieteten Bäume entfallenden Steuer zu erlassen, wenn die ÜInmöglichkeit der Einziehung der Miete glaubhaft gemacht wird. Zahlungserleichterungen. a) In Fällen starker Verschuldung, oder bei geringfügigen JahreSeinnahmen kann dir Steuer für lange Zeit gestundet werden. Diese Stundung kann äußersten Falles bis zu einem Desltz- wcchsel gewährt werden, wenn eine Sicherheits- Hypothek bestellt, oder in anderer Weise Sicherheit geleistet wird. b) In Fällen, in denen Einsprüche erhoben oder Steuerermäßigungen verlangt oder Mietzuschüsse für Mieter oder Hausbesitzer beim Wohlfahrtsamt beantragt werden, kann für die beiden ersten Ziele auf Antrag erleichterte Stundung gewährt werden. Oberhessen. Landkreis Gietzerr. f. Klein-Linden, 13. Juni. Das in der Aacht auf Sonntag aus einer Scheune in der Frankfurter Straße gestohlene Fahrrad konnte wieder herbeigeschafft werden. Der Dieb war mit den örtlichen Verhältnissen sehr- gut vertraut; er erfreute sich aber nicht lange seines Raubes. Ein gehöriger Denkzettel seitens des Gerichts wird hier wohl die deste Erziehung sein. _ Ä . r. n. Großen-Linden, 18. Ium. Die hiesige Z w e i g f a b r i k der Firma B o ck L C o., Gießen, wird vorübergehend stillgelegt. Der größte Teil der Arbeiter dieser Fabrik findet Beschäftigung in dem Gießener Betrieb des Unternehmens. ± Staufenberg, 18. Juni. Bei der gestrigen Heugrasversteigerung der staatlichen Wiesen in unserer Gemarkung wurden durchweg sehr niedrigePreise erzielt. Die Wiesen befinden sich ausschließlich in sehr feuchter Lage mid liefern fast alle geringwertiges Gras. Zum größten Teil benutzen die Steigerer das HM- zum Streuen. Ob es einen vollwertigen Ersatz für Stroh bietet, ist allerdings mehr als fraglich. — Die Heuernte hat bis jetzt des ungünstigen Wetters wegen noch nicht beginnen können, selbst sehr eifrige Landwirte mußten zurückhalten. so mehr Arbeit beansprucht aber das Ausjäten des Unkrautes auf den Kartoffeläckern. Begünstigt durch das feuchte Wetter der letzten Wochen, zeigen die Kartoffelstauden einen herrlichen Wuchs, so daß das Häufeln jetzt überall geschieht. t Grünberg, 18. Juni. Dem Gesuche des Architekten Jäger um Abgabe eines Bauplatzes in der Theo-Koch-Straße für ein Doppelwohnhaus wurde stattgegeben. Dis zum 1. August muh mit dem Reubau begonnen und die Hälfte des Dauplahpreises bezahlt werden, die andere Hälfte dagegen bei der Auflassung. — Die Kanalisierung der Lon- dorferStrahesoll zwischen Heu- und Frucht- , ernte ausgeführt und die erforderlichen Vorarbeiten schon jetzt begonnen werden. # Aus der nördlichen Wetterau, 18.Juni. Die Frühkirschen, die einen guten Behang zeigen und nun bereits zur Reife gelangt sind, haben sehr unter derungünstigen Witterung zu leiden. Durch den vielen Regen platzen die Früchte auf. Man klagt bereits sehr über Fäulnis der Kirschen am Daum. Es wäre zu wünschen, dah bald trockene Witterung einträte, damit die Frühkirschenernte nicht ganz dem Verderben auSgeseht ist. Auch die späteren Kir- schensorten beginnen bald zu reifen. Kreis Friedberg. ss. F r i e 6 b e r g, 18. Juni. 3m Saale des Zentraltheaters hielt gestern abend Regierungsbaumeister H i l s d o r f auS Frankfurt a. M., der Leiter des Bezirkes Main-Hessen der ech - n i i ch e n Rothilfe, einen Vortrag über „Die Frage der technischen Rothilfe". Der Vortrag war gut besucht, in der Hauptsache von den Studierenden des Polytechnikums. Er wurre mit starkem Beifall aufgenommen. Rachdem der Redner in sehr sachlicher Weise die Rotwendig- feit und die Vorzüge der Technischen Rothilie und die verschiedenen Arten ihrer Anwendung geschildert hatte, wurden diese Ausführungen durch die Vorführung zweier sehr belehrender Filme noch anschaulich gemacht. 00 Nieder-Florstadt, 18. Juni. Bei der Anlage einer Wasserleitung In der Siedlungsstraße wurde in 1 Meter liefe das Gerippe eines Pferdes gefunden. Da das angrenzende Gelände in den letzten Jahren bebaut wurde, machte man öfters Knöchenfunde von Pferden. An einer Stelle fand man bei den Resten eines Pferdes auch die eines Menschen. Weiterhin wurden Teile von R ü st u n g e n gefunden. Es handelt sich hier um den Platz eines französischen Truppen- lagers aus den Kriegen gegen Preußen. §§ Ober-Flor st adt, 18. Sunt Di- letzten Regengüsse erweisen sich als schwere r S ch a d e n für die Landwirtschaft, namentluy . für die bevorstehende Heuernte. Das Wieser- gras, da?> in unserer Gemarkung, namentlich auf den Eigc . lumswiesen, einen vorzüglichen Stand auf weist, ist bet weiteren Regenfällen stark gefährdet. Durch eintretende Fäulnis am dichten Dodengras kann die Ernte qualitativ sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Kreis Büdingen. Aus dem Riddatal. 18. Juni. Unter der Einwirkung der schweren Regengüsse, die in der Rächt zum Freitag mentgingen. hat sich die Körnerfrucht zum Teil gelagert. In der Hauptsache sind es gutgedüngte, üppige Roggen- und Gerstenfelder, andere haben nicht gelitten. Auch das Gras fetter Wiesen ist an den Boden gedrückt. 'Baldiges Heuwetter kann es noch vor Fäulnis bewahren. — Die private Bautätigkeit auf dem Lande hat in diesem Jahre stark nachgelassen, wenn nicht ganz a u f g e h ö r t. Schuld daran ist die Schwierigkeit, Geldmittel zu beschaffen. Trotz großer Wohnungsnot wurden Reubauprojekte zurückgestellt. Die Bauhandwer- ker klagen über Mangel an Arbeit. Außer dringend nötigen Instandsetzungen an den Gebäulichkeiten, Erneuerung zerfallener Mauern und Wände. ITmbeden von Dächern usw. werden keine baulichen Veränderungen vorgenommen. Auch die gegen das Vorjahr etwas gesenkten Stundenlohne vermögen nicht aneifernd zu wirken. # Derstadt, 18.Juni. Das Dickwurzsehen, das in trockenen Jahren eine der zeitraubendsten Arbeiten des Landwirtes ist, ging in diesem Jahr flott vonstatten. Infolge der feuchten Witterung wuchsen die gesetzten Pflanzen sofort an, so daß das übliche Rachsehen für verkümmerte oder verdorrte Pflanzen in diesem Jahr dem Landmann erspart geblieben ist. Die Pflanzen haben sich bereits gut entwickelt. Kreis Schotten. ld. Schotten, 18. Juni. Die letzten Tage brachten für unsere Gegend die ersten Gras- ver st eigerungen. Die Preise blieben etwa 20 v. H. unter denen des Vorjahres. Für den Morgen wurden, sofern es sich um „süßes" Futter handelte, etwa 40 bis 45 Mark geboten. „Saures" Heugras galt pro Morgen 20 bis 25 Mark. Die Steigerer waren sehr zurückhaltend, da die leidigen Finanzverhältnisse, die unbeständige Witterung und der mitunter dürftige Stand der Wiesen zur Besonnenheit mahnten. Die „sauren" Wiesen haben ihre alte Anziehungskraft sehr stark eingebuht, da ihre Ernte in der Zeit des Rückgangs des Pferdefuhrwerk- Verkehr in den Großstädten von Jahr zu Jahr schwerer abzusehen ist, sehr zum Schaden vieler Kleinbauern, die früher eifrig bestrebt waren, aus der Bewirtschaftung gepachteter „saurer" Wiesen etwas herauszuschlagen. In den tiefer gelegenen Tälern des Gebirgs, würde mit dem Eintritt beständigen Wetters die Heuer n t e sofort beginnen. — Der Raps, der im Frühjahre die Felder des Dogelsberges gelb durchbänderte. beginnt nun zu reifen und wird in den tieferen Lagen des Gebirgs bereits a b g eerntet, da er einige Zeit liegen muh, um dürr zu werden, besteht bei den anhaltenden Regen- sällen dieser Tage die Gefahr, daß die Schoten aufspringen und die S a m e n k ö r n e r „a u s l a u- f e n". Bei hem vorzüglichen Ausfall der diesjährigen Winterrapsernte wäre dies für die Bauern des Vogelsbergs ein empfindlicher Schaden. =.= Schotten, 18. Juni. Am Mittwoch fand unter dem Vorsihe des Kreisobmannes Lehrer Linck (Rudingshain) eine Versammlung des Kreislehrervereins statt. Cs entspann sich eine lebhafte Aussprache über die hessische Beamtenkrankenkasse. Der Kreislehrerverein faßte eine Entschließung, in welcher der Vorstand des Hessischen Landes- lehrervereins gebeten wird, die Errichtung einer Krankenkasse für Lehrer innerhalb des Vereins ins Auge zu fassen. Weiterhin wurde die Frage der Wohnungsmieten für die Lehrerdien st Wohnungen erörtert. -.-Gedern, 18. Juni. Am Mittwoch unternahm Gewerbelehrer Lim pe r t mit den Schülern der hiesigen Gisenfachklasse der gewerblichen Fortbildungsschule und den beiden Hirzenhainer Eisenfachklassen eine Fahrt nach Wetzlar zur Besichtigung der Röchling- schen Stahlwerke. Die Schüler konnten da- NiitsEl-TMe. Silbenrätsel. a _ aar — alp — au — chcn — chi — dae — de — dorff — ei — eibl — garb — gau — he — hil — j — mark — ne — nin — nis — o — plitz — ris — salz — schürf — te. Aus vorstehenden 26 Silben bilde man 11 Wörter, die folgende Bedeutung haben: 1. europäisches Reich; 2. Nams aus der griechischen Mythologie; 3. Berg in Steiermark; 4. Badeort in der Provinz Hessen; 5. Schweizer Kanton; 6. Heilmittel; 7 weiblicher Personenname; 8. deutscher Dichter; !). Ort in der Schweiz; 10. Gewürzpflanze; 11. Bad in Böhmen. — Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben deren Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben .von hinten nach vorn gelesen einen Spruch. Glcrchklttrrg. Aus Fleisch und Blut Oder aus Glas Oder aus Stein; Nun rate das. Ich wohn' iy. Italien, In Frankfurt am Tb .? Arn liebsten doch bin Gefüllt dir mit Wein. Bilderrätsel. Vogel-Verstcck-Rätsel. In federn der nachstehenden Sätze ist je ein Vogel versteckt enthalten. Welche sind dies: 1. Ich rief in Karlsbad telephonisch bei ihm an. 2. Es ist eine Lust, arbeiten zu können. 3. Der Kranke nahm Eisen ein auf ärztliche Verordnung. 4. Man geht jetzt daran, den Graben zuzuschütten. 5. Es war in Ragaz eisig kalt im letzten Winter. 6. Er kam selbstverständlich pünktlich an. 20 17 23 25 15 26 Kreuzworträtsel. 1. Von links nach rechts: 21 27 3. Flächenmaß; 7. Ausruf; 9. Fischfett; 11. männlicher Personenname; 13. Tonart; 14. männ» durch einen interessanten Einblick in den ge- walttgen Betrieb einer modernen Fabrikanlage gewinnen. — Der Bau der Halle für hie Kleinkinderschule in der Rühe des Krankenhauses ist schon ziemlich vorgeschritten, so daß man hofft, diese noch in diesem Jahre ihrer Bestimmung übergeben zu können. — In dem Gehöft des Landwirts Böcher dahier wurde die Maul- und Klauenseuche festgestellt. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß sie durch am Prämiierungsmarkte gekaufte Ferkel eingeschleppt wurde. Id Ulrichstein, 18. Juni. Wegen Vornahme von Walzarberten auf der Teilstrecke Rnppertenro 6—H n t e r°S e i b e r t en r o d ist die O h m st r a ß e für einige Zeit für den Verkehr gesperrt. Der Postautoverkehr Mücke—111richstein muß daher von Ruppertenrod über Groß-Eichen, Sellnrod, Höckersdorf. Bobenhausen II, Ober-Seibertenrod umgeleitet werden. Da die Linie Mücke—Ulrichstein nunmehr teilweise mit der Autolinie Mücke— Feldkrücken zusammenfällt, durchfährt der Feld- früder Wagen bis zur Beendigung der Walzarbeiten mit Anschluß in Bobenhausen nur dre Teilstrecke Feldkrücken—Bobenhausen. (-) Stumpertenrod. 18. Juni. In unserem Orte hat sich ein S ch ü h e n v e r e i n gebildet, dem etwa 40 Mitglieder angehören. Schießleiter ist der Landwirt Heinrich Rahr - gang. =.= Oberseemen, 18. Juni. Der kürzlich wegen Wilderns festgenommene und durch einen Schrotschuß verletzte W. Faßbinder, der seither im Krankenhause zu Gedern untergebracht war, wurde nach Gießen überführt, wo er seiner völligen Heilung und späterhin feiner Aburteilung entgegensieht. Kreis Alsfeld. * Groß-Felda, 18. Juni. Gelegentlich des Turnfestes am vorigen Sonntag fand auch eine Geben kfeie r für den langjährigen Gau-Rechner Hermann P o st - Alsfeld statt. Dezirksvertreter G u n t r u m gedachte der hohen Verdienste des entschlafenen Turnbruders, dessen licher Personenname; 15. Körperteil; 16. Sumps- land; 18. rhythmische Körperbewegung: 20. Frucht- anpflanzung besonderer Art; 21. Borkenfaser; 24. Zeitraum; 27. Heilpflanze; 28. vertontes Gedicht; 20. Stadl in Italien; 30. europäische Hauptstadt. 2. Von oben nach unten: 1. Teil des Wagens; 2. Fluß in Litauen; 3. Gattungsbegriff; 4. Titel; 5. andere Bezeichnung üir Schall; 6. großes Gotteshaus; 8. unterster Teil des Pferdefußes; 9. weiblicher und männlicher Vorname; 10. diplomatisches Schriftstück; 12. Mineral; 17. englischer Admiral; 19. Tätigkeit; 21. körperliche Erfrischung; 22. türkischer Vorname; 23. Genußmittel; 24. Stadt in Südtirol; 25. Edelwild; 26. Abschiedswort. * Auflösungen. Silbenrätsel. 1. Dynamit; 2. Enkel; 3. Roßbach; 4. Raj ade; 5. Aargau; 6. Relief; 7. Ballade; 8. Engerling; 9. Neunauge; 10. Lombardei; 11. Alsen; 12. Canstein; 13. Hunte; 14. Talmigold; 15. Wenden; 16. Esau; 17. Rathenow. *" *• Der Narben lacht, wer Wunden nie gefühlt. Scherzrätsel. Niesen. Wenn jetzt auch Stürme tosen. Es kommt die Zeit der Rosen. SEI t gIeIlI [s Kreuzworträtsel. Bilderrätsel. E MIE Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch. Gemütlich. Frau Reureich ist in einer sehr feinen Gesellschaft und hat das Glück, neben Sr. Exzellenz dem Herrn Grafen von Ihenplih zu sitzen. 3m Verlauf des Gesprächs wird sie immer zutraulicher. Rachdem sie ihn zunächst „Exzellenz" tituliert hat, redet sie ihn später „Herr Graf", dann „Lieber Herr Graf", und endlich sogar „lieber Itzenplih" an. Da unterbricht Exzellenz und sagt mit einer kleinen Verbeugung: „Mein Vorname ist Julius, gnädige Frau." Leipziger Kostümfest. Gr war im Stadium höchsten Entzückens und bat die glutvolle Spanierin wonnetrunken um ein einzig Wort. Das göttliche Weib raffelte verführerisch mit den Kastagnetten, warf seine feuergefährlichsten Blicke und sprach also: „Weeßte, mei Sieher, hier hinne isses eenfach särchderlich heeh! Wännde mir imboniern willst, da gommfte jeh mit naus in de Gollonaöe un goofst mir äwas rächt Giehles." Leben treue Arbeit für die volkstümliche Surrt« fache gewesen fei. Das Andenken an diesen verdienstvollen Mann wird in Turnerkreisen stets in Ehren fortleben. I Ober-Breidenbach, 18. Juni. Die Feldbereinigungsarbeiten in unserer Gemerkung sind nach etwa sechsjähriger Dauer soweit gefördert, daß die Zuteilung der neuen Grundstücke in wenigen Wochen erfolgen kann. I Brauerschwend, 18. Juni. Der hiesige Basalt st einbruch ruht seit Mitte dieser Woche wegen Mangel an Aufträgen. Vorläufig soll versucht werden, an drei Tagen in der Woche den Betrieb aufrechtzuerhalten, doch wird mit einer gänzlichen Stillegung gerechnet, falls die Absatzschwierigkeiten fortbauern. Die Schließung des Unternehmens wäre im Hinblick auf die fast einzige Verdienstmöglichkeit eines großen Teiles der hiesigen Arbeiterschaft sehr zu bedauern. Rheinhessen. WSR. Mainz, 18. Juni. Gestern nachmittag 5 Uhr geriet in der belebten Schöffec- strahe ein sechsjähriger Junge, der auf einem sog. Roller durch die Straße fuhr, als er einem Automobil ausweichen wollte, unter den Anhänger einer elektrischen Straßenbahn, die nicht mehr rechtzeitig ab- stoppen konnte. Dem bedauemrswerten Jungen wurden beide Beine glatt vom Rumpfe getrennt. Für den Jungen, der sofort im Krankenhause eingeliefert wurde, besteht in hohe» Grade Leberrsgesahr. WSR. Weisenau, 18. Juni. Gestern nachmittag fiel ein lOjähriges Mädchen von der Waschbrücke in den Rhein. Das Kind trieb unter der 10 Meter langen Waschbrücke hindurch und tauchte dann wieder auf. Der Schiffer Max Post sprang in die hoch- gehenden Fluten und brachte das bereits bewußtlose Kind unter eigener Lebensgefahr wieder auf das Trockene. Die Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg. KM Sörse Sie W® xL bctDC9Un'mmer Kto s nämltch um D Krupp die a werke geblieben zuiammenzufchw Klöcknerwerke u Srage lornnen, flöln’Weuelfen l stacke Zurückhalt' ist das Meres' stündlich, da t Streikes aus der nachgerade erbet einer ftärl e Kohlenhald Kohlenfpndikats längerfristige 2 wohl damit red Kohlengesch wem, wie zu ei in Bälde zum 1 daß von der fe Serntinmär geringerem M Kaffamarkt nch schein, als wem Mn Besitz rea bekommen, sich Daß durch diese Wn auf die 5 Rückschläge Here ttner Erwahnun Die Aedt markt völlig gen. Die Avw am Liquide fm 1 SÄ,? fe™ z B®' »°°°^ ZU feg Ä T T E EL 10 G K T E E R S - L 1 E I LlldmStsel. etztauchStiinne toten, ml die Zeit drr Rosen. RU .4 D Uo rW® WW iRjffl tarrenkappe. darren Dom Dedaftionitisch. . Gemütlich. \ Am einer sehr feinen Sesell, s Muck, neben 6r. Stellen, dem n Jhenplih zu sihen. Im Erlauf m sie immer zutraulicher. Roch, chst .CMenz" tituliert hat. redet gerr Gras', dann .Lieber Herr ich sogar .lieber Jhenplih* an. jjellenj und sagt mit einer kleine» keinVorname istZuliuS, gnädige^ Pziger Kostümfest. rladium höchsten Entzückens und Spanierin toonnetmlen -um ein A göttliche Weib rasselte vertu». Kastagnetten, warf seine seuerge. e und sprach also: »Deebte, nri ire isses eenfach särchderltch ioniem loillst, ba gommste jehirt »nabe un goofft mir ätoaS räi)\, cheinhessen. «ü K die toWMe Turn- u Das Andenlen cm diesen per- mn wird in Turnerlreism stcti Kreidenbach. 18. 3unt ®J iqungsarbeiten in uniert: i nach etwa sechsjähriger Dauei. ■t daß die Zuteilung de' dstüäe in wenigen Wn «' dkn ot drei Tagen in der W **«^«*1 ^ hiesigen Arbeiterschaft I* -MW S-s*»- L ^rfenfqie^ ”tunten’ Maur lens; - -r, ««hl ^bsvnze«. ^lbenralsei. ' #V-»2hlN*; SÄ*** liefen. tmzworträtsel. Turnen, Spott und Spiel. Diener deutscher Schwergewichts.ueister Berlin, 18. Juni. Der Titelkompf um die Deutsche Schwergewichtsmei st erschüft der heute abend auf der Radrennbahn Berlin-Treptow zwischen Franz Diener und Paul S a m - son-Äorner ausgetragen wurde, endete nach 15 Runden mit dem Punktsiege Dieners, der somit neuer Deutscher Schwergewichtsmeister ist. Wittschast. Börse und Geldmarkt. Die allgemein sefte Börsentendenz, unterbrochen von vorübergehenden Abschwächungen, nahm auch in der vergangenen Woche ihren Fortgang. Abgesehen von den Auslandkaufen, die an sich der stärkste Rückhalt derDörse sind und in erster Linie aus den Kapitalfluchttendenzen auS den Ländern mttzurückgehen- d e r Valuta stammen, erhält in Deutschland selbst die Rationalisierungs- und Der^chmelzungs- betnegung die Spekulation tn Atem. Die Führung behält immer weiter die 3. ®. - Sarben- industrie. bei der die Expansion sbe- strebungen noch lange nicht zu Ende zu sein scheinen. Außerdem spricht man bei der Gesellschaft von umwälzenden Erfindungen auf dem Gebiete der Kohlen-Ehemie. Schließlich sucht sie auf ihren verschiedenen Gebieten, namentlich auf dem der Farben- industrie, internationale Verständigungen. deren eine bereits mit den schweizerischen Gesellschaften zum Abschluß gelangt ist. Die Aktien konnten in einigen Tagen den Divldenden- abschlag wieder hereinholen, und auch die Enttäuschung, die zunächst das Schweigen der Verwaltung in der Generalversammlung gebracht hatte, ist überwunden. A>n Vkontanartienmarkt überstürzen sich die Gerückte von Verschmelzungen außenstehender Werke mit den Vereinigten Stahlwerken, und es gibt kaum noch ein Papier der Eisenindustrie, das nicht an der Börse in Beziehungen zu den Vereinigten Stahlwerken gebracht wird. Richtig hieran dürfte zunächst nur sein, daß trotz aller Dementis Verhandlungen zwischen den Rombacher Werken und den Vereinigten Stahlwerken schweben, wobei es sich nicht, wie febon fnäher dementiert, um die frühere „Eoncordia"-Bergbau-Gesellschaft handelt, sondern um die Stahlinteressen von Rombach. also um die Concordia-Hütte und die früheren West- säliscken Stahlwerke. Ob allerdings die Mittel, die hiermit der Rombacher Konzern herein- bekommt, zu einer Sanierung reichen, dürfte zweifelhaft sein. Man wird früher oder später doch mit einer Zusammenlegung der Aktien rechnen müssen. Das grobe Interesse, das an der Börse neuerdings für Klöcknerwerke. H o esch und Köln-Reu essen herrscht, führt man ebenfalls auf Verhandlungen mit den Vereinigten Stahlwerken zurück. Soweit wir unterrichtet sind, handelt es fick hier u*m etwas ganz Anderes, nämlich um Versuche, unter der Führung von Krupp die außerhalb der Vereinigten Stahlwerke gebliebenen Konzerne unter sich ebenfalls zusammenzuschweißen, wobei in erster Linie die Klöcknerwerke und die Gute Hoffnungshütte in Frage kommen, während auf feiten von Hoesck. Köln-Neuessen diesen Plänen gegenüber noch starke Zurückhaltung gewahrt wird. 3m übrigen ist das 3ntcrelse für Kohlenaktien ver- ständlich, da die Einwirkung des englischen Streikes auf den deutschen Kohlenabsatz sich doch nachgerade erheblich bemerkbar macht und jetzt zu einer stärkeren Ermäßigung der Kohlenhalden geführt hat. Da man in Kohlenstzndikatskreisen darauf gehalten bat, längerfristige Abschlüsse zu erhalten, so darf man wohl damit rechnen, daß die Belebung des Kohlengeschäftes anhalten wird, auch wenn, wie zu ermatten. der englische Kohlenstreik in Bälde zum Abbruch kommt. Ausfällig bleibt, daß von der festen Börsentendenz fast nur die Ter m i nin ärkte profitieren, in wesentlich geringerem Maße die variablen Markte, und der Kassamarkt nahezu gar nicht. ©3 hat den Anschein. als wenn viele Besitzer von Kassapapieren ihren Besitz realisieren, um die Mittel frei zu bekommen, lick am Terminmarkt zu betätigen. Daß durch diese starke Konzentration der Spekulation auf die Terminmärkte die Gefahr stärkerer Rückschläge heraufbeschwören wird, bedarf kaum einer Erwähnung. Die Medioliguidation ist am Geldmarkt völlig eindruckslos vorübergegan- gen. Die Notiz für tägliches Geld ist nicht einmal am Liguidationstage selbst heraufgesetzt worden. Die starke Ueberzeichnung der aufgelegten 100 Millionen Vorzugsaktien der Deutschen ReichsbahngeseNschaft könnte auf eine außerordentliche Flüssigkeit auch am Kapitalmarkt schließen lassen, doch darf man mcht übersehen, daß es sich zum sehr großen Teile um Konzern- zeicknungeii handelt, die in Erwartung einer Üeberzeichnung gemacht worden sind. Da damit zu rechnen ist. daß die zur Aebetnahme der Vorzugsaktien benötigten Gelder nicht sofort absorbiert werden, sondern dem Geldmarkt noch eine geraume Weile zur Verfügung stehen werden, darf man auch mit einer weiteren Flüssigkeit des Geldmarktes zunächst noch rechnen. * * Der Erzbergbau im Mai. Die Förderung der Siegerländer Gruben weist im Mai einen beträchtlichen Rückgang gegenüber dem Vormonat auf. Man glaubt jedoch, daß der Don der Regierung erbetene Ausgleich für in Wegfall gekommene DorkriegSvergünstigungen dem Sieaerländer Bergbau ab 3uni gewährt werden wird. Ein beträchtlicher Teil der zur Zeit arbeitslosen Bergleute wird wieder eingestellt werden. Lahn- und Dillgebiet einschließlich Oberhessen: Die Lage des Eifenerzmarktes im Lahn- und Dillgebiet hat sich im Mai gegenüber dem Vormonat in keiner Beziehung gebessert, ja sogar noch weiterhin dadurch verschlechtert, als die Abnehmer mehr- monatliche Zab - ' 'le in Anspruch nehmen. Börsenkurse. v 140* 133.5' 135' 110,6 110, 94,5 90 130 141 141,5 138' 140,5 59.5 68 140' 1301 135.7* 114,75 Ul' 7,2 161 110.7' 148' 137,2' 139,9* 51,25 165 111 I 151' 140' 71 31 167 Hl 151 Ul,5* 158,7* 73.5 65.75 116,2* 72.75 59* 120* 129’ 1.35.5* 97,25 136,5 124.5 120 120,7* 74,25 163 110,7- 118 137.1* 84 133,7’ 112 110* 141,5- :137,7* 196,5* 84,5 201.7* 83,5 58 129 136* 116 142,5- 59 52,75 94,75* 201.7* 84,5 123* 119* 99,5 69,5 96.75* 124.5* 122 68.25 72 196.2* 83,5 56.5 94 134 123* 118 95 112,5* 158* 72,5 67,25 23 36 124' 133,5' 137,7' 143,7* :«• 56* 94.9* 122- 118 110,2* 7.05 1119.2* 74* 61,5* | 124* 133* 137,2* 139.7* 147.25 40.12 58 97.25- I 124* i 120.4 114,7* 160* 75.5 68 119 70 14t* 137.1* 46.6 99.5 69 15 33.25 “Ml 29,5 3 140 55.2'. 68 ffcrltnet Handelsgesellschaft. Commerz- and Prival-Bank '-fermft und «ailonaluanf Deutsche Boul Deuttchc vereinSbcmk • • ■ Discomo Lommandtt - - Mrtollbank......... Mitteldeutsche Crcbitbant . £cfterrnd)tfnnienanle,he 0.227 — 0,2207 _ 4% Preußilchc .'tontols 0,37 _ 0,::g05 4° o Hessen ... 0,32 _ _ M/r H-"-"....... — — — 3% (Hntn........... _ _ - Tcuksche Sertb. Dollar-Anl. 95,62 _ 97.5 _ dio- Toll.°Sckrav-Aiuretsna.*> — — <*'o ^onrürtcn...... 13,4 13,4 13.4 _ 5° o Gcldmerikaner ... 50,5 51,25 — — Devisenmarkt Berlin—Irankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 18 Juni. 19. Juni. Amtliche Noli-rung Amtliche 'Notierung Geld Brief Geld Bries 168,58 168.90 168,48 168,90 '0"en..Aires 1,695 1,699 1,696 1,700 12,04 -rn.-AntM 11,79 11,81 12,00 Uliriftiania. 92,63 92,83 92,65 92,89 »oprnhagen 111,26 111,54 111,25 111,53 Stockholm - Helsingforö 112.46 112,74 112,46 112,72 10,552 10,592 10,655 10,595 Ötalien . . 15,01 15,13 15,12 15,16 London. . 20,413 20.465 20,414 20,46« Neuyork . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Paris. . . Schweiz . . 11.59 11,61 11.74 11,70 81.195 81,395 61,185 81,385 Epantrn . 67.62 67.78 68.81 68.99 yapan . . . Mio de Ian. 1,990 1,994 1,962 0,653 1.966 0.653 0,655 0,655 Wien in D-- Cefl. abgeft 59,29 59,43 59,305 59,455 Prag .... 12,42 12.46 12,42 12,4« Äelgrad . . 7,435 7,455 7,435 7,455 Budapest. . Bulgarien 6,86 3,01 5,88 3,02 6,86 3,005 5,88 3,015 Lissabon 21,435 21,485 21,425 21,475 Danzig. . Konstgnttn. 80.96 «1,16 80,95 81,15 2,235 2.245 2,235 2,245 Athen. 5,19 5,21 5,19 5,21 Canoda. . . 4,199 4,209 4,199 4,209 Uruguan . . 4.235 4.245 4.235 4,245 Banknoten. Brief 4,205 12,00 111,52 20,485 11,75 169,11 15,39 93,23 59,70 1,82 112,71 81,70 67,62 12,455 5,86 Gelb 4,185 11,94 110,97 20,385 11,60 168,27 15,31 92,77 59.40 1,78 112,17 81,30 67,48 12,395 5.82 Berlin, 18 Juni Amerikanische Noten .... Belgische Noten ...... Dänische Noten ...... EngliiLe Noten........ Fran;ösische Noten Holläiibische Noten Ilolientsche Noten...... Norwegische Noten ..... Deutsch.Otiterr-.L 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten....... Spanische Roten .. Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Roten...... .Frankfurter Börse. Frankfurt, 19. 3uni. Tendenz: sehr fest. — Die Börse hatte zmn Wochenende neue Kurssteigerungen zu verzeichnen, die nicht nur einzelne Spezialwerte betrafen, sondern sich auf fast den ganzen Markt erstreckten. Die mit einer lebhaften Geschäftstätigkeit verbundene Aufwärtsbeweguiig wurde durch Auslandkäufe start gefördert. Die Spekulation betätigte sich in Rück- und Deckungskäufen, so daß die Umsätze einen für Samstage ganz erheblichen Umfang annahmen. Bon Chemiewerten standen 3. G. Farben weiter im Vordergründe und konnten den Kurs von 200 Prozent übersteigen. Das 3ntereffe der Spekulation wandte sich vor allem auch dem Mon- tanmarlte zu, wo Gelsenkirchen mit einer Steigerung von 3,5 Prozent die Führung hatten. Bochumer plus 4,5 Prozent, Deutsch-Lux plus 4,5 Prozent, Mannesmann plus 3 Prozent, Mansfelder plus 2,5 Prozent, Phönix plus 1,25 Prozent, Rheinstahl und Riebeck je plus 2 Prvz., Harpener plus 0,75 Proz., Buderus plus 0L5 Proz. Clektroaktien lagen ruhig, aber fest. Sehr begünstigt waren ferner Bankaktien. Barmer Bankverein plus 2,25 Proz. Die Werte des Metallbanlkonzerns gingen infolge lebhafter Rachfrage stark in die Höhe. Metallbank plus 1,75, Scheideanstalt plus 2,5, Metallgesellschast plus 2.25 Proz. Schiffahrtsaktien wurden anfangs von der festen Strömung mitgegogen. wurden aber später realisiert und gingen infolgedessen noch unter ihre gestrige Rotiz zurück. Motorenwerte wurden weiter lebhaft gekauft. Klcyer und Daimler je plus 1,5, 01611. plus 2,25 Proz. Mit Ausnahme von Zuckeraktien, die unsicher lagen, verkehrten die Werte des 6in- heitsmarklcs in fester Haltung. Heimische Anleihen hatten nur geringes Geschäft, Kurse kaum verändert. Bon ausländischen Renten zogen Mexikaner etwas an. Der Frei verkehr blieb fast umsatzlos. Decker Stahl 23. Brown Boveri 92. Entreprise 8. Growag 59, Krügers- holl 112. Ufa 37. ilnterfranlcn 77.5 Prozent. 3m Schlußverkehr hielt die Lebhaktigkeit auf den Hauptrnärkten unverändert an. so daß die Börse in recht fester Haltung schloß. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert. Lagesgeld ist zu 4 Proz. angeboten, während Monatsgeld zu 5.25 bis 6,75 Prozent je Adresse gefragt blieb. Prival- diSkonten 4,37 bis 4.5 Prozent. 3ndustrieakzep1e 4,87 bis 5,12 Prozent. Der Devisenver- t e h r steht weiter im Zeichen der Franken- b a i s s e. die sich in schnellem Tempo fortseyt. Paris gab gegen London auf 176,— nach. Brüssel ging auf 172,— zurück. Mark und Pfund sind unverändert. Berliner Börse. Berlin, 19. 3uni. Die heutige Börse zeigte eine ganz außerordentlich feste Haltung, die ihren Ausgang nahm von umfangreichen rheinisch-westfälischen Käufen. 3m Vordergründe des 3nteresses standen Montan w e r t e. die prozentweise Steigerungen zu verzeichnen hatten. Die Berichte über die Erhöhung der Kohlenförderung im Ruhrgebiet wurden günstig ausgenommen und fanden besondere Beachtung. Die feste Tendenz am Montonmarkt übertrug sich auch auf die übrigen Gebiete. Bank- und Schiffahrtsaktien lagen reckt fest, ebenso Kaliwerte. Von Farbenaktien standen 3. G. weiter im Vordergründe und überschritten den Kurs von 200 Prozent. Ferner waren eine Anzahl Spe;ialpapiere, wie Deutsche Erdöl, Dessauer Gas, Spritaktien usw. stark gefragt und hoher. Clektroaktien verkehrten dagegen ruhig und waren nur gering gebessert. Deutsche und ausländische Ren« t e n blieben vernachlässigt und waren fast unverändert. Am Geldmarkt ist die Lage weiter leicht. Tagesgeld 3,75 biS 5 Prozent. Monatsgeld 5,25 bis 6,25 Prozent. 3m Devisenverkehr setzte sich die rückläufige Bewegung der lateiniscken Valuten fort. Paris gegen London 176,25, Brüssel 172,25, Mailand 135. Madrid lag gegen London fest mit 27,75. Kabel Warschau etwas schwacher mit 10,25. Berliner Produktenbörse. Berlin, 18. Juni. Bei Beginn der heutigen Produktenbörse entwickelte sich für beide (Betreibe» arten eine Preishausfe. Bei Weizen konnte sich eine Steigerung von 3 Mk. durchsetzen, für Roggen gingen die Aufwärtsbewegungen noch darüber hinaus. Gerste bei mäßiger Frage behauptet, chafer ohne Umsätze, ober fest. Im Zeithanbel ist ber Juli- termin um 3,75 Mark fester, September unb Oktober bis 2 Mark erholt. Es würben notiert (1000 Kilogramm): Roggen, märkischer, 187 bis 192 Mark; Sommergerste 194 bis 205; Gerste, inlänbische, 180 bis 193; Hafer, märkischer, 197 bis 208; (100 Kilogramm) Weizenmehl 37,75 bis 40; Roggenmehl 26,75 bis 28,50; Weizenkleie 10; Roggenkleie 11,25 bis 11,40; Diktoriaerbsen 36 bis 46; kleine Speiseerbsen 30 bis 34; Futtererbsen 22 bis 27; Peluschken 23,50 bis 28,50; Ackerbohnen 24 bis 26,50; Wicken 33 bis 35,50. Aus Dem Amtsverkündiguttgsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatk Nr. 49 vom 18. 3uni enthält: Kreistagssitzung. — Die Unlerschutzstelluna der Dronzeglocken. — Straßensperr. — Belehrung der Pilzsammler. — Maul- und Klauenseuche in Alten-Buseck. — Feldbereinigung Röthges. — Straßensperre. — Dienstnachrichten. Spielplan Der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 20. 3uni, abends 7 bis 10 Uhr: Eine Nacht in Venedig. Montag. 21., abends 71/2 bis IO1/« ülhr: Der Troubadour. Dienstag, 22., abends 7 bis 10 ülhr: Margarethe. Mittwoch, 23., abends 71/« bis 10 ülhr: La Tradiata (Violetta). Donnerstag, 24., abends 7x/a bis 101/, älhr: Der Opernball. Freitag, 25., abends 7X/§ bis 10 ilfrr: Martha. Samstag, 26., abends 7x/2 bis 10 ülhr: Die Boheme. Sonntag, 27., abends 5X/, bis 10x/, Uf)r: Götterdämmerung. Schauspielhaus. Sonntag, 20. 3uni, abends 8 bis 10l/t ülhr: Orpheus in der Unter» Welt. Montag, 21., abends 8 bis 10x/2 Ahr: Orpheus in der Anterwelt. Dienstag, 22., abends 8 bis y , Ahr: Der fröhliche Weinberg. Mittwoch. 23.. abends 8 bis 101 £ Ahr: Orpheus in der Anterwelt. Donnerstag. 24., abends 8 bild' . Adr: Weh dem, der lügt. Freitag, 25.. abends 8 bis 10' , Ahr: Orpheus in der Unter* Welt Samstag. 26., abends 8 bis 10 Adr: Weck-end Sonntag. 27., abends 8 bis 93,4 Ahr: Der fröhliche Weinberg. Eingesandt. (Für Form und 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Znm Fall Lessing. Gestatten Sie, daß ich zu dem Bericht in Rr. 138 3hres Blattes solgcndes bemerke: 1. Der Artikel Lessings über Hindenburg (den auch ich nicht billige) ist am 25. April 1925, also vor dessen Wahl zum Reichspräsidenten, und zwar im Wahlkampf, erschienen. 2. Die Relegacionen in Hannover sind nicht deshalb erfolgt, weil „die Studentenschaft in ihrem Abwehrstreik verharrte", sondern weil sie „unter Anwendung roher Gewalt" (um einen Ausdruck deS preußischen Kultusministers Prof. Becker zu gebrauchen) die Vorlesungen Lessing- störte, ja unmöglich machte. 3. Der Minister urteilt über dies Vorgehen: „Die Studenten trieben in der Angelegenheit Lessings nichts andere-, als daß sie an Stell« von Recht und Gesetz den Behörden das Recht der Straße aufzwingen wollten. Das kann in einem Rechtsstaat nicht geduldet werden und wird von der preußischen Regierung auch nicht geduldet werden." Hat er nicht recht? Prof. Dr. Messer. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 20. 3uni. 3. n- Trinitatis. Gießen. Stadtkirche. 8: Pfr. Decker. Zugleich Christenlehre f. d. Neukonfirmierten aus der Mar- kusg. 9'/,: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche f. b. Mat» thäusgemeinbe. Pfr. Mahr. - Zohanneskirche. 8: Pfarrass. Schulcheis. Zugleich Christenlehre für Die Neukonfirmierten aus bet Zohannesgemeinde. 9'/,: Psarraffistent Schuitheis. 11: Kinberkirche für bie Culaägemcinbe. Pfarrer BechtolSheimer. — Konfirmanbenfaal (Liebigstr. 56.) 2: Taubstum- mengottesbienst. Pfr. BechtolSheimer. — Wiefeck. 9'/.: Pfr. Döll, Wirberg. — Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d weibliche Zugend. - Watzenborn- Garbenteich. Watzenborn »Steinberg: 1 Pfarrer Weber, Grüningen. Garbenteich: 1 Pfarrer Krämer, Steinbach. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, 19. 3unt. 4X/, unb 7 Beichte, Sonntag, 20. Juni. 4. Sonntag nach Pfingsten, 61/, Beichte, 7 Messe, Kom. der Jungfrauen u. Hausangestellten, 8 Kom. 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Predigt, 2 Christenlehre unb Anbacht, 3 Zungfrauen - Kongregation. — Grünberg. 9'/, Messe mit Predigt. — Hungen. 8 Messe mit Predigt. — Laubach. 1L Messe mit Predigt. — Lich. 10 Hochamt mit Predigt. Rundfunk-Programm des Frankfurter SenderS. (Aus der,Nadio-Amfch93362 w C Slim Wutbl flin»,11'81111 Ute» ®as °otlaii » f-i» H 396878<8 Kimmen f 1 wmen un9 3" Ul'iWet.8 Die 8*2664 y,n: ( rQ8Unien.e n 3107 2? 58?7151lam ^^8°-"°»' 1 ^««ngtn n 2