m. N5 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 19. Mai 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vnrck und Verlag: vrühl'jche Unioerfitätz-Vuch- und Lteindruckerei «.Lange in Siehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein,- für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. 8rsch ernt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Die Zlottenmeuterei 1917 vor dem Untersuchungsausschuß. Das Referat des Abg. Briiuinghaus. Berlin, 16. Mai. Dor dem vierten ilnter- ausschuh des ^Intcrsuchungsausschusses des Aeichstages über die ilrfacn des Zusammenbruches sprach Abg. Brüninghaus (D. Vp.) zu der Marinemeuterei des Jahres 1917 in Entgegnung auf die früheren Darlegungen des Wg. Dittmann. Da der Bericht des Abg. Ditttnann von der These ausgegangen ist. dah dle militärischen Ausschreitungen, die sich schließlich zu regelrechten Meutereien auswuchsen, ohne politischen Hintergrund zustande gekommen wären und in allererster Linie die unzureichende Verpflegung die Ursache der Vorkommnisse gewesen wäre, schilderte Abg. Brüninghaus das System der Selbstverpflegung aus den Schiffen. Die Behauptung, die Offiziere hätten auf Kosten der Mannschaft ein Schlemmerleben geführt, sei schon aus diesen Verhältnissen als vollkommen aus der Luft gegriffen zu bezeichnen. Während die Tafel- gelber der Offiziere während des Krieges überhaupt nicht erhöht wurden, geschah dies mit den Verpslegungsgelbern der Mannschaften in sehr erheblichem Maße, sodaß schließlich nur noch eine Differenz zugunsten der Offiziere von 25 Pf. pro Tag und Kopf vorhanden war. AuS den Akten ist ersichtlich, daß man die auf einigen Schiffen bestehenden Schwierigkeiten der Verpflegung dazu benutzte, um eine systematische Verhetzung der Mannschaften auch in politischer Beziehung zu betreiben. Gegenüber der Behauptung Ditt- maiurs. daß in den Prozessen gegen die Matrosen der PlntersuchungSsührer terroristisch verfahrens sei, ging Brüninghaus ausführlicher auf die Fälle Rebe und Calmus ein. Rebes Gesinnung ergibt sich mcs dem Text zweier bei ihm beschlagnahmter Briefe, in denen er die russische Revolution verherrlicht, und weiter schreibt: „Der- Anarchie von oben muß die Revolution ent gegen gestellt loecken." Es handelt sich hier nicht mehr um Abstellung von Mißständen, sondern um das Sireitprogramm aktiver vor dem Feinde befindlicher Soldaten. Auch inr Fall Calmus sind die Beschuldigungen gegen den Marinejustizbeamten Dr. Lösch durchaus unrichtig. Der Abg. Dittmann hat im Sommer Calmus in Essen ausgesucht und dieser hat ihm gesagt, daß Kriegsgerichtsrat Dr. Lösch ihn immerfort mit Erschießen bedroht und belastende Aussagen gegen die Abgeordneten aus ihm habe herauspressen wollen. Hin dieses -3iel zu erreichen, habe Dr. Lösch scinrS ch w e sl e r nnb den Pf arrer von Essen kommen lassen, Die auf Calmus einwirken mußten. Dittmann Mußte bekannt sein, daß das grobeplnWahrheiten sind. 3n den Akten befindet sich im Original folgendes Schreiben: „Bitte den Herrn Kriegsgerichtsrat Dr. Lösch, mir eine ülnter- redung mit meiner Schwester Ida wegen meiner Derichtssache gestatten zu wollen." Der Pfarrer Rachel aus Essen hat in der Verhandlung vor dem Kriegsgericht unter Eid ausgesagt, daß er Ealmus auf Bitten der Eltern besucht und ihn ermahnt habe, die volle Wahrheit zu s a g e n. Die Behauptung des Calmus ist mithin glatt erlogen. Ich stelle fest, daß die Behauptungen, die Geständnisse der 'Angeschuldigkcn ivüren erpreßt, und die Protokolle gefälscht, sich an der Hand der Akten als unrichtig erwiesen haben. Die Behauptung, daß die Spitzelaussagen die Hauptgrundlage der Anklageschriften und der Urteile bildeten, ist geradezu eine Ungeheuerlichkeit. Wie sehr die Leute verhetzt waren und wie verhängnisvoll die Disziplin und Kampfkraft der Flotte vorübergehend Schaden gelitten hatte, geht ümzweideutig aus einem Brief der De - katzung der „Westfalen" hervor, der an den Kommandanten des Schiffes ge- r-chtet war und in dem gefragt wurde, aus welchen Gründen Kameraden verhaftet worden rien, wie lange man sic noch festzuhalten gedenke und was mit diesen Leuten geschehen werde, die unschuldig ihrer Freiheit beraubt würden. Don der genauen Beantwortung dieser Frage werde es abhängcn. welche Gegcnmah- rcgeln von der Schiffsbcsatzung getroffen werden müßten. Sollten, so heißt es in dem Brief weiter, unsere Hoftnungen auf Beantwortung unserer Fragen sich nicht bestätigen, so machen wir darauf aufmerksam, daß wir mächtig genug sind, unseren Willen zu erzwingen, wenn es sein muß, mit Gewalt. Dieses eine Dokument beleuchtet blitzähnlich die ganze Schwere der Situation. Abg. Brünmghaus behandelt sodann die Vorgänge auf dem Schiffe „Prinzregent Luitpold", die hih am 1. August 1917 ereigneten. Damals gingen Heizer heimlich von Bord, zogen in geschlossenem iftge zum Deich und kehrten erst zum Mittagessen viedcr an Bord zurück. Am vorhergehenden Abend (alte jemand an die Besehlstascl geschrieben: Denn morgen kein Kino, bann Ausflug ohne Ec- xuibnis." Elf Leute, die Rädelsführer, wurden mit ilrrest bestraft. Darauf folgte als Demonstration stgen die Bestrafung der Auszug von rund 400 Dtann. Der heiger Beckers hat sich einmal frei- rillig oorführen lassen und dem Untersuchungs- uhrer zugegeben, daß zur Erzwingung des Stock- nlmer Beschlusses der General st reik der Notte durch die Organisation erreicht werden rile. Hier brach der Abg. Brüninghaus das Referat cb, das am Mittwoch fortgesetzt wird. Die vorbereitende Abrüstungskonferenz. Amu 18. Mai ist wieder einmal in Genf ein vorbereitender Ausschuß zusammengetreten. Diesmal gilt es, die Grundlage für die Abrüstungskonferenz zu beschaffen, wobei die Ruhanwendung auf den Versailler Vertrag besonders nahe liegt. Der Vertrag bestimmt nun einmal, daß die Aufrechterhaltung des Friedens eine Herabsetzung der nationalen Rü st ungen auf das Mindestmaß erfordert. Der Völkerbundsrat wird außerdem verpflichtet, Abrüstungspläne auszuarbeiten, um sie den verschiedenen Regierungen zur Prüfung und Entscheidung vorzulegen. Run hat sich der Ablauf der Geschehnisse doch wesentlich anders vollzogen. Weder die Siegerstaaten noch die Reu- tralen haben den Grundsatz übernommen, die nationalen Rüstungen auf das Mindestmaß her- abzusehen. Während Deutschland seit sieben Jähren unaufhörlich von der Militärkommission getreten und gedrängt wurde, sich zu.en tw a f f - nen, haben die Siegerstaaten im umgekehrten Verhältnis sich bewaffnet. Wer heute das Rüstungsmaterial, das beispielsweise in Frankreich und in seinen osteuropäischen Vasallenstaaten aufgestapelt ist, zahlenmäßig mit dem vergleicht, über das diese Länder oder ihre Vorgänger vor dem Kriege verfügten, wird zugeben müssen, daß es in außerordentlicher Weise g e st e i g e r t worden ist. Das gilt für schwere Geschütze, das gilt für die gesamte Ausrüstung zu Wasser und zu Lande. Deutschland ist nicht eine einzige schwere Batterie zugebilligt worden, was indessen Frankreich nicht abgehalten hat, gerade diese Waffe unter Ausnutzung aller technischen Errungenschaften auszubauen. England, Frankreich und Italien haben überdies immer neue Kriegsschiffe auf Stapel gelegt, sodaß schon aus diesem Crunde nicht mit einer wesentlichen Herabsetzung der Marinestrettkräfte gerechnet werden kann. Sehr wahrscheinlich, daß gerade zur See ein neuer Rüstungswettstreit einseht, weil Italien seinen Einfluß im Mittelmeer durch große und größte Schiffskanonen gesichert sehen will. Es wäre nicht ohne Interesse, wenn der vorbereitende Ausschuß sich darüber einigte, zunächst einmal alle Staaten aufzufordern, zuverlässige Angaben über Almfang und Steigerung ihrer Rüstungen zu Wasser und zu Lande zu machen. Gewiß, der Versailler Vertrag enthält auch eine Bestimmung darüber, daß bei der Bemessung der Streitkräfte die geographische Lage und die besonderen Verhältnisse eines Landes berücksichtigt werden sollen. Wenn diese Bestimmung einen Sinn haben soll, so muß sie notwendig auf Deutschland An- Wendung finden. Es gibt kein Land in Europa, dessen Grenzen geopolitisch gleich u n g ü n st i g gezogen sind. England hat immerhin die vordere Lage in der Rordsee und dem Atlantischen Ozean, so daß es, gestützt auf eine überlegene Seemacht, die Hochstraßen Europas beherrschen kann. Frankreich ist nicht nur auf allen Seiten von militärgeographisch günstigen Grenzen umgeben, es hat auch die Möglichkeit, über das Mittelmeer die Verbindung mit seinem großen afrikanischen Kolonialreich aufrecht zu erhalten. Ganz anders Deutschland, dessen Nahrungsmittel- und Rohstoffversorgung durch den vom Versailler Vertrag erzwungenen Gebietsraub heute noch ungünstiger ist. als das vor und im Kriege der Fall war. Die ungünstige geographische Lage Deutschlands vor dem Kriege war es aber, die vor dem Zusammenprall unverhältnismäßig große militärische Rüstungen und Ausgaben tier» aP£tc- . Richt umgekehrt! Wenn Deutschland ruher die sog. Friedenskonferenzen mit offenem Freimut behandelte, so waren dafür nicht Cr- oberungsgelüste, sondern machtpolitische Tat- achen bestimmend. So hat doch Rußland, trotzdem oder gerade weil es 1898 die erste Friedenskonferenz nach dem Haag einberief, just in dem Jahrzehnt von 1898 bis 1908 im nahen und ernen Osten die gewaltigste Eroberungspolitik betrieben, die die Geschichte kennt. Sind die Völker der Erde heute friedfertiger geworden, nachdem Deutschland durch den verlorenen Krieg entwaffnet wurde? Das müßte doch ^>er Fall fein, wenn die These richtig ge° weseMoäre, daß nur der ehrgeizige Milttarisnrus Deutschlands die anderen Volker zu Abwehrmaßnahmen zwang. Die Siegerstaaten beherrschen den Erdball. Aber dieKriegehabentrotz- dem nicht aufgehört, die machtpolittschen Streitfragen, die zu gewaltsamen Auseinandersetzungen drängen und führen müssen, noch viel weniger. Dafür zeugt auch, daß die Siegerstaaten das Abrüstungsproblem nur theoretisch behandeln. Mussolini baut die italienische Flotte aus. Frankreich empfindet die These von den „Potentiellen Kriegsstärken". Hier hat offenbar auch die Kritik Houghtons eingesetzt, der in seiner Denkschrift für Coolidge die nicht nur beiläufige Bemerkung einflocht, daß das Abrüstungsprobleni von den großen Siegerstaalen überhaupt nicht ernst genommen werde. Diese Bemerkung hatte auch Tschitscherin auf gegriffen, um die Weigerung der Sowjet- Binion, sich an einer Abrüstungskonferenz zu beteiligen, irgendwie zu begründen. In Wahrheit denkt ja auch die Sowjet-Tlnion nicht daran, die Rote Armee aufzulösen, wie das Rykow im Dezember 1925 in Aussicht stellte, unter der Voraussetzung, daß alle anderen Staaten zu einer allgemeinen Abrüstung schreiten würden. So schiebt jeder Teil dem anderen eine Verantwortung zu, die doch keiner zu tragen gewillt ist- Einstweilen sieht Moskau mit verschränkten Armen zu, wie Polen sich wirtschaftlich und polittsch selbst aushöhlt, um auch ohne Vorstoß der Roten Armee zu einer Beute des Bolschewismus zu werden. Dann wird die rote Flut stärker und heftiger Deutschland zu unterspülen suchen, das Deutschland, das bis auf hölzerne Manöverkanonen und auf veraltete Maschinengewehre entwaffnet ist. Wir haben nichtsdestoweniger eine Vertretung nach Genf gesandt, von der wir hoffen und wünschen, daß sie nieder durch den Begriff der „Potentiellen Kriegsstärke" noch durch andere Einreden Frankreichs die wirkliche machtpolttische Lage Europas verwirren läßt. Die Eröffnungssitzung. Graf Bernstorff fordert die allgemeine Abrüstung nach dem deutschen Beispiel (Senf, 18. Mai. (WTB.) Die erste Tagung des Vorbereitungsausschusses für die Abrüstungs- vorkonferenz ist heute vormittag um 11 Uhr in öffentlicher Sitzung zusammengetreten. In dem Ausschuß sind 20 Staaten mit ungefähr 100 Delegierten und Sachverständigen vertreten. Die Presse aller Länder ist stärker vertreten als in der vergangenen Woche. Der Ausschuß wählte zum Präsidenten Loudon- Holland. An der heute nachmittag eröffneten Generaldebatte im Abrüstungsausschuß beteiligten sich nur die Vertreter Englands, Deutschlands und der Vereinigten Staaten. Lord Robert Cecil sprach über die Stellungnahme Englands zur Abrüstungskonferenz. Zwei Gesichtspunkte waren für England maßgebend: 1. wirtschaftliche Fragen und 2. die allgemeine Sicherheit. Die wirtschaftliche Lage Englands wäre die gleiche wie die der anderen Staaten, da alle gleichmäßig an den Lasten der Steuern zu tragen hätten. Die Frage der Sicherheit wäre für England ebenso bedeutsam wie für d>e anderen. Das britische Landheer habe für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Stärke der britischen Flotte hänge von der Stärke der Flotte der anderen Mächte ab. Die Große der britischen Luftflotte stände gleichfalls in einem bestimmten Verhältnis zu der Größe der Luftflotten der anderen Staaten. England sei bereit, in dem Umfang des Erreichbaren und Möglichen an einer allgemeinen Abrüstung mitzuarbeiten, doch müßte unter allen Umständen d i e Sicherheit des Landes gewährleistet bleiben. Hieraus gab der deutsche Delegierte, Graf Bernstorfs, eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Das rege Interesse, das man in Deutschland der Abrüstung's- frage entgegenbringt, hat politischen, militärischen und wirtschaftlichen Charakter. Aus sittlichen Gründen muß für die Zukunft die Vermeidung eines neuen Krieges angeftrebt werden. Ebenso erfordert dies die Politik, weil die Geschichte uns lehrt, daß übermäßige Rüstungen immer zu Kriegen führen. Aus Gründen der wirtschaftlichen Lage wird niemand bezweifeln, daß unser durch den letzten Krieg verarmtes Volk keine schweren Rüstungen mehr tragen kann. In der Präambel zum Teil 5 des Vertrages von Versailles geht dem die Abrüstung betreffenden Kapitel eine Erklärung voraus, daß diese Maßnahme zur Ermöglichung einer allgemeinen Ab- rüftung getroffen wird und bekanntlich haben am 16. Juni 1919 die Vertreter Deutschlands und der alliierten Mächte einen Schriftwechsel geführt, aus dem in durchaus klarer Weife hervorgeht, daß die Abrüstung Deutschlands ein vorläufig e s Z i e 1 z u e i n e r p l a n m ä ß i g e n all- gemeinen Abrüstung fein soll, wie dies auch ausdrücklich durch das Protokoll von Locarno vor- gesehen ist. Auf Grund der erwähnten Vereinbarungen hat das deutsche Volk vollkommen abgerüftet und seine Streitkräfte reichen zur Garantierung einer nationalen Sicherheit im Sinne des Artikels 8 des Völkerbundpaktes nicht mehr aus, eine Bestimmung, die andererseits alle Mit- fllieber des Bundes zur Abrüstung verpflichtet. Ohne Abrüstung wird der Völkerbund niemals er- fclgrcid) arbeiten können. Solange gerüstete Völker anderen gegenüberstehen, deren Rüstungen nicht ein- mal zur eigenen Sicherheit ausreichen, wird die Durchführung der Völkerbundssahungen erheblichen Schwierigkeiten begegnen. Deutschland, das seine Verpflichtungen zur Abrüstung vollständig erfüllt hat, darf mit gutem Rechte erwarten, daß d i e a n- deren Rationen ihm auf diesem Wege folgen werden, woraus sich für Europa, ja für die flanze Welt eine fortschreitende dauernde Befriedung und gegenseitiges Vertrauen ergeben wird. Daraus ergreift der amerikanische Vertreter, Gibson, das Wort. Amerika sei der Anschauung, daß vor allem die wirtschaftliche Lage der einzelnen Völker eine Abrüstung verlange, um auf diesem Wege eine allgemeine wirtschaftliche Erleichterung zu erzielen. Die Derhälttrisse in den! einzelnen Staaten wären so verschieden, daß die amerikanische Regierung der Ansicht sei. durch Regivnalabkommen leichter das Ziel der Abrüstung erreichen zu können, als dies durch eine universelle Regäung der Frage geschehen könne. Das Landheer der Vereinigten Staaten wäre bei Friedensschluß von vier Millionen auf 100 000 Mann herabgesetzt worden, doch wären die Amerikaner nicht so kurzsichtig, von den an- deren Staaten dasselbe zu erwarten, denn anders Verhältnisse setzten auch eine andere Heeres- stärke voraus. Das der Konferenz vorgelegte Programm sei sehr umfangreich, doch gelte es, aus ihm die Fragen herauszuschälen, die sich für eine praktische Lösung eigneten. Das Schlimmste wäre das gegenseitige Mißtrauen und die Verdächtigungen in der Welt, gegen die fein einzelner sich erfolgreich schützen könne. Deshalb wäre es wünschenswert, daß alle Rationen zusammenhielten und in gegenseitigem Vertrauen an die Ausgabe der Abrüstung herangingeiu Hieraus wird die Generaldiskussion geschlossen und mtt der Beratung der ersten Frage des Fragebogens begonnen. Die erste Frage lautet: Was versteht man unter Abrüstung? Lord Robert Cecil befürchtet, daß die Antwort alle Kräfte eines Landes umfassen könnte, unter Hineinziehung beispielsweise der finanzellen Lage eines Landes, seiner Landwirtschaft usw. Rach seinen Anschauungen sind unter Rüstungen nur diejenigen Kräfte zu verstehen, die im Kriegsfall sich sehr schnell, mobilisieren lassen: denn sonst mühte sich eine Abrüstung auch auf die Raturkräfte erstrecken. Paul D o n c o u r vertritt den entgegengefetzten Standpuntt. Rach seiner Anschauung besteht die Rüstung eines Landes nicht nur in Waffen, sondern auch in allen denjenigen Hilfskräften, die für die Kriegsführung von Bedeutung sein können. Frankreich, so erklärte er. befinde sich einem Lande gegenüber, dessen Reichtum, dessen hochentwickelte Industrie und dessen Eisenbahnnetze ihm gestatteten, im Kriegsfälle mit einer außerordentlichen Schnelligkeit feine Frie- densindustrie in eine Kriegsindustrie umzuwandelu. Ich kann nicht, ich will nicht daran denken, so erklärte Paul Don- cour, die Industrie dieses Landes einzuschränken, aber ich muh das Organ, das meine Kriegs- rüftungen beschränken will, fragen, was kannst du für mich tun. wenn ich angegriffen werde. De Marini (Italien) wünscht ebenso wie der Belgier Drouqueres bei der Beurteilung der Rüstung eines Landes alle Wirtschaftskräfte in Erwägung zu ziehen, ebenso wie die Ernährungsverhältnisse. die geographische Lage des Landes usw. Hieraus wird die erste Frage einer llnterfommiffion überwiesen und die Diskussion vertagt. Deutscher Reichstag. Annahme des deutsch-spanischen Handelsvertrages. n, 18. Mai. Aus der Tagesordnung stehen zunächst die Gesetzentwürfe über die Handelsabkommen mit Spanien. Portugal. Honduras und das Zusatzabkommen zum b e u t s ch ° s ra n z ö f i s ch e n Handelsab- n? nirVl c,n ’n dtoeitcr Beratung. Der Auswärtige Ausschuh und der handelspolitische Ausschuh beantragen die unveränderte Genehmigung. _ Abg Dr. Lejeune-Iung (Sn.): Die Beanstandung des deutsch-spanischen Handelsvertrags von 1924, die zur Kündigung führte, entsprach den allgemeinen deutschen Interessen, da Spanien zu weit begünstigt war. Demgegenüber enthalt der neue Vertrag wesentliche 35 e rbes s Lp ungen in der Mei stbegünstigung. Wir gemeßen den niedrigsten Zollschutz, den Spanien einem anderen Lande gewährt hat. Der Zollschuh für spanischen roten Verschnittwein wird hoffentlich so angewendet werden, daß unter Weinbau einen wirklichen Schutz hat. Die Diskriminierung der deutschen Waren in Spanien wird durch den neuen Vertrag beseitigt. W-r können also für den Vertrag stimmen, der für unsere Industrie und Landwirtschaft ein Vorteil bedeutet. England baut sein Schutzzollsystem immer weiter aus und fördert zugleich seine Ausfuhrindustrie durch Subventionen. Wir brauchen eine Handelsvertragspolitik, die sowohl dem gemeinsamen Abwehrbedürfnis Rechnung trägt, als auch in das übersteigerte Hochschutzzollsystem der weltwirtschaftlichen großen Mächte eine Dresche schlägt. Der Abschluß von Zollkonventionen wird zweifellos auch in anderen Ländern Anhänger finden. Zwischen Industrie und Landwirtschaft muh eine handelspolitische Einheitsfront geschaffen werden. (Beifall rechts.) Abg. H a m k e n s (D. Vp.) meint, daß der deutsch-spanische Vertrag nicht alle Anforderungen der deutschen Wirtschaft erfüllt Es fei bedauerlich, daß bei manchen Exportartikeln Spanien die Einfuhr aus England, Italien und Frankreich besser behandelt. Abg. Meyer-Berlin (Dem.): Der Vertrag mit Spanien bietet feinen Grund zur Genugtuung^ Der Vertrag von 1925 sei besser gewesen, aber der sei auf Drängen dec Deutschnationalen! gekündigt worden. Trotz aller Bedenken würden die Demokraten für den Vertrag stimmen. Abg. Wissel (S.) betont die Rotwendigkeit einer Förderung des E x Portes im Interesse der deutschen Gesamtwirtschaft Die Handelsabkommen mit Spanien. Portugal und Honduras werden gegen die Stimmen der Kommunisten und Völkischen, das deutsch- französische Zusatzabkommen und der deutsch-estnische Konsularvertrag gegen die Stimmen der Kommunisten und Völkischer sowie der Deutsch- nationalen an zweiter und dritter Beratung angenommen. Cs folgt die zweite Beratung deS völkischen Antrags auf Aufhebung des Gesetzes ,um Schuhe der Republik vow 21. Juli 1922. Der Rechtsausschuß hat sich gegen den völkischen Antrag ausgesprochen. Abg. Kube (Völk.): Der Beseitigung des Sraatsgerichtshofes zum Schutze der Republik müsse schnell die Beseitigung des_Schutzgesetzes folgen, damit der Willkürherrschaft Severings und seiner Umgebung ein Ende gemacht werde. Das Republik- jchutzgesetz fördere Spitzeltum und Gesinnungsschnüffelei. Die preußische Schupo ist nicht ein Instrument des Staates, sondern ein Instrument des bewußten Gegensatzes zur Reichswehr und zu ollen vaterländischen Kreisen im Volke. Abg. Frhr. o. Freytag-Loringhoven (Dntl.) stimmt dem völkischen Antrag zu und protestiert gegen die jüngste preußische Polizeiaktion gegen Claß und seine Freunde. Seit wann ist es denn Hochverrat, eine Verfassung ouszuorbeiten? (Unruhe und Rufe links: „Ist das nur Dummheit oder Frechheit?") Aus den Kreisen der Sozialdemokraten ist doch 1917 auch eine republikanische Verfassung ausgearbeitet worden (Lebhafter Wider- spruch"llnks), wenn auch dos Wort „Republik" darin nicht enthalten war. (Lärm bei den Sozialdemokraten.) Was will man von Dr. Neumann? Heute trägt doch jeder Bürgermeister sein Reichskanzlerpatent in der Aktentasche. Worum soll ein rechtsstehender davon ausgeschlossen sein? Wenn monarchische Gesinnung als Hochverrat gilt, dann muß die ganze Deutschnationale Dolksportei des Hochverrats angeklagt werden, denn keiner von uns leugnet seine monarchische Gesinnung. (Laute Rufe bei den Sozialdemokraten: „Sie waren ja Untertan des russischen Zaren während des Krieges.) Solche Angriffe gegen den deutschen Stamm der Balten richtet sich selbst. Die Putschaktion des preußischen Innenministeriums war nur möglich auf der Grundlage des Republikschutzgesetzes, darum muß dieses Gesetz fallen. Abg. Scholz (Dtsch. Dp.): Meine Freunde haben im Rechtsausschuh gegen den vollischen Antrag gestimmt, weil sie eine Ueberleitung der Bestimmung des angeforderten Gesetzes in das allgemeine Strafrecht wünschen. Inzwischen sind die bekannten Ereignisse in Preußen eingetreten. Namens meiner Fraktion stelle ich fest, daß die Vorgänge sie aufs äußerste erregt haben, und daß ich nicht anstehe, sie mindestens der Form nach als einen groben Mißbrauch dec gesetzlichen Bestimmungen sestzustellen. «Lebhaftes hört, hört! links, große Bewegung bei den Demolraten und im Zentrum.) Wir haben deshalb die Auffassung, daß nach dieser veränderten Sachlage es notwendig sein wird, die ganze Angelegenheit erneut einer Rachprüfung im Rcchtsaufchuß zu unterziehen mit dem Ziel, das Republikschukgesetz so schnell wie mng= lich oufzuheben. «.Unruhe > Abg. Levi (Soz.) Wir wissen, daß dos Aepublikschutzgeseh total versagt hat, daß es seine Schärfen nur nach links und nicht nach rechts wandte. Das ist nicht die Schuld des Gesetzes, sondern derer, die es angewandt haben. (Sehr wahr links.) Darum stimmen wir nicht für die Aushebung. Die Berfolgung der Hochverräter von rechts ist Sache des Reichsanwaltes Riel- Hammer, der dadurch gebührend gekennzeichnet ist. daß ihm im Prozeß gegen die Organisation „®“ die Angeklagten für seine Art der Anklagevertretung Dank sagten. Abg. v. Guerard (Zentr.): Der Abg. Dr. «Scholz hat in der Begründung seines Antrages auf Rückverweisung an den Rechtsausschuh gesagt, daß die gorm des Vorgehens der preußischen Staotsregicrung bei einer bekannten Aktion, ein grober Mißbrauch der bestehenden Gesetze sei. (Sehr richtig rechts.) Ich muß sagen, daß ich es für durchaus nicht richtig halte, hier in diesem Hause einen derartigen Dorwurf gegen eine Landesregierung zu erheben. (Bravo links und im Zentrum. „Ranu?") Ich muh daher namens meiner Fraktion diesen Vorwurf zurückweisen. (BeifaN im Zentrum.) Ich muß das um so mehr tun, als ich zwischen dem jetzt zur Beratung stehenden Punkt und dem preußischen Vorgehen keinen Zusammenhang erkennen kann. Wenn wir für die Rückverweisung an den Rechtsausschuß stimmen, so tun wir es nur nach altem Brauch. Der völkische Antrag wird an den Rechtsausschuß zurückverwiesen. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch. Die Putschdebatte im Preußischen Landtag. Berlin, 18. Mai. (DDZ.) Das Haus setzt die zweite Beratung des Rotetats fort. Abg. von Eynern (Dt. Vp.): Durch die Rede des Ministerpräsidenten ist der peinliche Eindruck, den die Polizeiaktion in der gesamten Oeffentlichkeit hervorgerufen hat, noch vertieft worden. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Auch das Zusammenspielen des Ministers mit dem Kollegen Heilmann war nur ein Zeichen für die rein parteipolitische Behandlung dieser Angelegenheit. (Sehr richtig rechts.) Die Polizei soll eine Waffe in den Händen des Staates sein, nicht aber ein Instrument einer Partei. Diese Waffe des Staates muß natürlich auch gegen störende Fanatiker auf der Rechten angewendet werden. Der Redner zeigt auf den Platz des Ministerpräsidenten und erklärt: Wir stellen die unbegründeten Angriffe auf die führenden Männer der Industrie an den Pranger. Diesen Herren ist der Ministerpräsident eine Genugtuung schuldig. (Lärm bei den Kommunisten und «Sozialdemokraten.) Es scheint mir, daß die unruhigen Elemente, von denen das Zentrum in seiner merkwürdigen Erklärung spricht, die die Wiederaufrichtung der Wirtschaft stören, in der Polizei sitzen. (Sehr wahr rechts.) Wir werden zwar dem Rotetat unsere Zustimmung geben, weil er keine politische Angelegenheit darstellt. Aber schließen «Sie darauf nicht auf unsere Gesamteinstellung. Wir werden durch Abstrich der Presseabteilung zeigen, wo wir des Hebels Kern sehen. Abg. Weisemann (Dir.) erklärt, daß die vorgenommenen Haussuchungen die Bestimmungen des Strafgesetzbuches verletzt haben, well die Grundlagen für diese Maßnahmen nicht vorhanden waren, lieber all zeigt sich wieder der Dualismus der deutschen Geschichte, über den DiSmarck so geklagt hat. «Schuld sind die sozialistischen Ideen und ihre Auswirkungen. Die Revolution, die durch Meineid und Verrat gewonnen ist (Unterbrechungen und Lärm links), ist ein Kompromiß, das seine Väter, die Sozialisten, am wenigsten befriedigt. Gegen die heutige Regierung in Preußen besteht in allen Kreisen ein begreifliches Mißtrauen. Die nationalen Kreise verwahren sich dagegen, daß die Hochverräter von 1918 verdiente Männer als Hochver räter bezeichnen. Das deutsche Volk ist auf der Hut. Ein zweites Ma», gelingt der Revolutions- überrumpclungsversuch nicht, l Widersprach links und in der Mitte.) Abg. Pieck (Komm.) erklärte, die Vorbereitungen zu einem Rechtsputsch hätten sich zu genauen Putschplänen verdichtet. Ein Zusammenwirken mit Offizieren der Reichswehr und der Schupo sollte diesen Plan in die Wirklichkeit umsetzen. Der Rote Frontkämpferbund werde in disziplinierter Organisation gegen die Bestrebungen auftreten, die Monarchie wieder aufzurichten. Er wird zu Pfingsten keine Revolution machen, sondern zusammen mit b c m Reichsbanner einen Werbetag für die Einigkeit des Proletariats obhalten. Das Zeichen ist dabei die Beseitigung der Republik der Bour- q o i s i e und die Schaffung der Republik der Arbeitermacht. (Sehr wahr! links.) In der Abstimmung wird der Notetat gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Kommunisten angenommen. Gegen den Nothaushalt des preußischen Staatsministeriums stimmte auch die Deutsche Volkspartei. In der dritten Lesung und in der Schlußabstimmung findet der ganze Notetat jedoch die Zustimmung des Hauses gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Kommunisten. Der Antrag der Deutschnationalen, der Genugtuung für die Persönlichkeiten fordert, bei denen unbegründet Haussuchungen vorgenommen worden sind, und der weiter die Bestrafung der verantwortlichen Beamten fordert, wird in namentlicher Abstimmung mit 141 gegen 216 Stimmen a b a e l eh n t. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch. Eine Erklärung des Iustizrats Claß. Berlin. 17. Mai. ($11.) Iustizrat Claß übermittelt der Presse eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Unter den sogenannten Rechtsgerichteten ist mir in ganz Deutschland niemand bekannt, der die Rettung des Vaterlandes durch einen Putsch für möglich hielt und demgemäß sich mit Putschplänen oder mit Absichten beschäftigte, wie sie in der veröffentlichten, anscheinend aus dem Jahre 1923 stammenden sog. Rotverordnung enthalten sind. Bei Unterhaltungen, die ich in Ausübung meiner bisher noch uneingeschränkten staatsbürgerlichen Rechte mit vielen vaterländisch Gesinnten über die verzweifelte Lage des deutschen Volkes zu führen hatte, stand in Öen letzten Monaten die wirtschaftliche Rot im Vordergrund. Es ist mein Recht und meine Pflicht, die ich mir von niemanden verkümmern lassen werde, meine Anschauung über Mittel, Wege und Männer auch anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Bei solchen Unterhaltungen habe ich meine Ansicht dahin ausgesprochen, daß die Rettung nur von einer Regierung kommen könne, in der öic besten Männer Deutschlands säßen, die genaueste Kenntnis der Wirtschaft und des Staates mit staatsmännischem Geiste und Sachlichkeit verbänden. Meine Beziehungen zu den nach der Ausdrucksweise der Linkspresse mit mir am meisten belasteten Herren Geh. Rat Dr. Hugenberg und Bürgermeister Dr. Reumann sind wie folgt: 2m Anschluß an Unterhaltungen mit Herrn Hugenberg über die verzweifelte wirtschaftliche Lage des Vaterlandes und die Art und Weise, wie ein völliger Zusammenbruch verhindert werden könne, habe ich ihm schließlich die Frage vorgelegt, ob er sich zur Verfügung stellen werde, falls der Ruf an ihn ergehe, ein maßgebendes Reichsamt zu übernehmen. Herr Hugenberg hat mir mehrfach ablehnend geantwortet. Dieses Rein des Herrn Hugenberg hat mich gelegentlich veranlaßt, ihn um sein Urteil über Herrn Dr. Reumann zu bitten. Als dieses wie mein eigenes sehr anerkennend lautete, haben wir vorgenommen, bei sich bietender Gelegenheit Herrn Dr. Reumann zu fragen, ob er, wenn der Ruf an ihn im Falle verfassungsmäßiger Um- oder Reuordnung der Regierung ergehe, sich zur Verfügung stellen werde. Herr Dr. Reumann lehnte bei persönlichem Zusammentreffen ab und bestätigte seine Ablehnung noch ausdrücklich mit Schreiben aus Lübeck vom 17. April des laufenden Jahres. Trotzdem habe ich den rechtswidrig bei mir beschlagnahmten Durchschlag und unter Verletzung des Briefgeheimnisses sowie des Urheberrechts von der politischen Polizei veröffentlichten Brief vom 23. April nach Karlstadt geschrieben, worauf Herr Reumann von dort mit Brief vom 25. April nochmals ablehnend antwortete. Die in der gestrigen offiziellen Erklärung des Herrn Reumann gegebene Sachdarstellung entspricht durchaus den tatsächlichen Vorgängen. Der ablehnende Brief des Herrn Reumann vom 25. April wurde von den Polizeibeamten gefunden, aber nicht beschlagnahmt. Er ist dann von meinen Angehörigen in meiner Abwesenheit den Beauftragten des 5jerrn Reumann übergeben worden. Bemerkenswert scheint mir, daß der Reu- mannsche Brief vom 25. April an derselben Stelle meines Arbeitszimmers gelegen hat wie mein Durchschlag vom 23. April. Meine Tochter und mein Sohn, die der Haussuchung beigewvhnt haben, erklärten mit Bestimmtheit, daß die Polizeibeamten, die gerade jedes Fach nach «Schriftstücken aller Art durchsucht haben, den Reumannschen Brief vom 24. April wiederholt in Händen gehabt haben. Es bleibt ihre Sache, weshalb sie diesen Herrn Reumanns Weigerung sofort einwandfrei beweisenden Brief nicht mit sich genommen haben. Was aus dem Reumannschen Brief vom 17. April geworden ist, ob er bei der durch die Haussuchung angerichteten Unordnung verlegt ober sonst in Verlust geraten oder mitbeschlagnahmt worden ist, habe ich in der kurzen Zeit meines Hierseins noch nicht feststellen können. Ich wiederhole, daß der Inhalt dieses Briefes genau dem entsprochen hat, was Herr Reumann in seiner öffentlichen Erklärung angegeben hat. Alle in diesem Zusammenhang gegen mich gerichteten Maßnahmen der politiscAn Polizei entbehren der gesetzlichen, aber auch ieber tatsächlichen Grundlage und verletzen ursprünglich verfassungsmäßige Rechte. Ich habe daher meinen Anwalt beauftragt, gegen die für diese Maßnahmen Verantwortlichen mit allen Rechtsmitteln vorzugehen und insbesondere wegen Hausfriedensbruchs, Verletzung des Briefgeheimnisses und Urheberrechts Strafantrag zu stellen. gez: Iustizrat Heinrich Claß." Friedensburg verteidigt die Polizeiaktion. Berlin, 19. Mai. (Wolff.) Der Polizei- vizepräsident von Berlin Dr. ‘Sriebenäburg, nimmt in der „Tägl. Rundschau" gegen die Vorwürfe Stellung, die der preußischen Polizei wegen ihrer Maßnahmen in der letzten Woche gemacht worden sind. Der Friedensburg führt an, daß die Haussuchungen der Polizei nach § 102 der Straiprozeßordnung berechtigt waren, 'weil einmal der Verdacht einer strafbaren Handlung bestand, und zweitens Gefahr im Verzüge war. Der preußischen Polizei sei bereits feit längerer -Zeit befannt gewesen, daß im Schcße bestimmter radikaler Organisationen Maßnahmen erwogen wurden, den häufigen Regierungskrisen durch Aufrichtung einer zunächst scheinbar verfassungsmäßig einzuleitenden Diktatur ein Ende zu setzen, die Weimarer Verfassung endgültig abzuschaffen und zu diesem Zweck, wenn erforderlich, durch Aufbietung gewisser Verbände auch äußere Machtmittel anzuwenden. Die Bestrebungen wurden plötzlich auch in Einzelheiten dadurch genauer aufgehellt, daß hochgestellte Privatpersonen, die offenbar aus wirtschaftlichen Gründen anfänglich an den Plänen beteiligt waren, in Gewissensnot die für Staat und Voll drohende Gefahr abzuwenden versuchten. Damit sei der Verdacht unzweideutig und ernsthaft begrünbet gewesen, daß sich die Beteiligten des Unternehmens des Hochverrates schuldig machten. Rach der festen pflichtgemäßen und übereinstimmenden Ueberzeugung der in Frage kommenden Dienststellen habe eine ernsthafte Gefahr Vorgelegen, die sich auch durch das aufgefundene Material über Erwarten deutlich bestätigt habe. Das Hegierirngsprogtamm des Reichskanzlers. Wien, 18. Mai. (WTB) Die „Reue Freie Presse" veröffentlicht eine Unterredung mit Reichskanzler Dr. Marx. Der Reichskanzler sagte u. o.: Die Regierungserklärung wird auf die schwebenden Fragen im einzelnen nicht eingehen, ausgenommen die Arbeitslosenfürsorge und die flaggen frage. Die Regierungserklärung wird mit Bezug auf den Brief Hindenburgs an Luther fest stellen, daß die Regierung alles aufbieten wird, um eine Lösung dieser Frage herbeizuführen, welche den Streit beilegt und eine Einigung herbeiführt. D ie Flaggenverordnung besteht zu Recht. Dos ist feine Herabsetzung von Schwarzrotgold, welche die Reichsflagge ist und bleibt, wie es die Verfassung bestimmt. Der Gesetzentwurf über die Fürstenabfindung werde so rasch wie möglich dem Reichstag vorgelegt und nach Möglichkeit noch vor dem Volksentscheid durchberaten werden. Ich bin Anhänger der Locarnopolitik, wie auch der Dölkerbundspolitik. Ich halte es auch für richtig, daß Deutschland an den Korn- missionsberatungen in Genf teilnimmt, die eine Lösung der Frage des Volkerbundsrates vorbe- reiten. Auch meine Regierung bleibt durchaus bereit, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu vollziehen, natürlich (Unter der Bedingung, daß Deutschland nicht irgend etwas zugemutet wird, was mit seiner Ehre nicht vereinbar ist. Die Beziehungen Deutschlands zu Oesterreich werde ich pflegen, wie sie mein Vorgänger gepflegt hat. Ich bin ein alter Freund Oesterreichs und bleibe es. Meiner Ansicht nach ist den Beziehungen zwischen Oesterreich und Deut' !land am besten gedient, wenn man keine polit-sch. i Reden hält, sondern praktische Arbeit verrichtet, namentlich auf kulturellem Gebiet. Die Deutschnationalen scheinen sehr ungehalten zu sein über die Abmachungen, die zwischen dem Zentrum und. der Deutschen Volkspartei am Sonntag getroffen worden sind, und die die Bildung der neuen Regierung ermöglicht haben. Es könnte also geschehen, daß die Deutschnationalen für ein Mißtrauensvotum stimmen. So werden die Sozialdemokraten sich wohl nicht darauf beschränken können, Neutralität zu üben, sondern werden die neue Regierung auch positiv unterstützen müssen. Das Ziel bleibt natürlich die Bildung einer festen Mehrheit für die 'Regierung. Das sicherste Mittel, dieses Ziel zu erreichen, ist die Große Koalition. Das kann natürlich nicht im Augenblick erreicht werden. Zunächst beabsichtige ich überhaupt so wenig wie möglich Aenderungen vorzunehmen, auch nicht in der Besetzung der Posten meiner nächsten Mitarbeiter. Der bisherige Staatssekretär der Reichskanzlei und der bisherige Reichspressechef bleiben im Amt. Parteien und Regierungs- eriUärung. Berlin, 19. Mai. (WTB. Funkspruch.) Zur heutigen Regierungserklärung und zu den gestrigen interfraktionellen Besprechungen im Reichstag teilt die „Germania" mit, daß Bestrebungen im Gange seien, den Standpunkt der Regierungsparteien zu der Regierungserklärung durch eine gemeinsame Erklärung zum Ausdruck zu bringen. Zwischen den beiden Flügelparteien der Regierungskoalition feien jedoch nicht unerhebliche Meinungs- verfchiedenheiten vorhanden. Auch die Frage eines Vertrauensantrages sei erörtert worden. Man wolle sich mit einem Billigungsvotum begnügen, wonach der Reichstag die Regierungserklärung zur Kenntnis nimmt und über alle anderen Anträge zur Tagesordnung übergeht. Dafür dürsten auch die Sozialdemokraten stimmen. Mißtrauensanträge gegen die Regierung dürften nur von den Kommunisten und von den Völlischen zu erwarten sein, haben aber keinerlei Aussicht auf Annahme. Die Sozialdemokraten würden sich damit begnügen, daß ihr angekündigter Antrag zur Flaggenfrage dem Ausschuß überwiesen werde, der über die Schaffung der Einheitsflagge beraten soll. Amerikanische Lkinrvanderungs- inspektoren nach Deutschland. Reuyork, 19. Mai. (WTB.° Funkspruch.) Demnächst begeben sich mehrere amerikanische Einwanderungsinspektoren nach den deutschen Auswandererhäfen, um ab 1. Juli d. I. dort statt in Ellis Island die Untersuchung der Personen vorzunehmen, die nach den Vereinigten Staaten auswandern wollen. Das bedeutet insofern für die deutschen Auswanderer eine wesentliche Erleichterung, als das in Deutschland erhältliche amerikanische Pahvismn lediglich zur Ueberfahrt berechtigte, die Erlaubnis zmn Anlandgehen aber erst von der Untersuchung der amerikanischen Auswanderungsbehörden in Ellis Island abhängig gemacht wurde, die unliebsame oder kranke Auswanderer wieder zurück übers Meer schicken konnten. Der Fehlschlag des Generalstreik Bergarheiter-Sekretär Hodgcs über die Folgen des mißlungenen Streiks. London, 18. Mai. (WTB.) Der Sekretär der Bergarbeiter-Internationale Hodges erklärte in einer Unterredung mit einem Vertreter der Preß Association: Der letzte Generalstreik ist fehlgeschla- gen, weil er eine riesenhafte, aber zwecklose A n- strenguNg mar, angesichts der Stärke der wirtschaftlichen Tatsachen und der sozialen Kräfte, denen er gegenübertrat. In den zwei grauen Wochen des Streikes lind die Erfolge der Gewerkschaftsarbeit eines halben Jahrhunderts zunichte gemacht worden. Die wirtschaftliche Lage in der Kohlenin- dustrie ist jetzt viel schlimmer, als vor dem Streik. Die Bedingungen der von der Regierung angebotenen Regelung spiegeln diese Tatsache wieder. Vor dem Streik konnten besiere Bedingungen für die englischen Bergarbeiter gesichert «fußen, als jetzt, nachdem blinde Leidenschaft eine Maschine ausprobiert hat, die zwar theoretisch ausgezeichnet funktionieren mußte, aber der menschlichen Natur und den harten Tatsachen nicht Rechnung trug. Jeder weitere Tag des Stillstandes in der Bergbauindustrie macht die Lage noch schlimmer. Alles muß sich jetzt darauf konzentrieren, wie man die Periode der unvermeidlichen gegenseitigen Opfer so kurz wie möglich machen und wie man erreichen kann, daß die Regierung, die Gruben- bescher und die Bergarbeiter sich sobald wie möglich an die große Aufgabe des Wiederaufbaues machen. Ungeklärte Lage in polen. Warschau, 19. Mai. (TU.) Die augenblick. liche Lage in Polen ist immer noch unklar, da die Verhandlungen zwischen den Rechtsparteien und dem «enatsmarschall Trompczinski in Posen noch nicht zu Ende geführt worden sind. Die Delega- tion der Rechten in Posen steht auf dem Standpunkt, daß die Nationalversammlung in Warschau nicht stattfinden soll. In Warschau sind die Vorbereitungen zur Wahl eines Präsidenten in vollem Gange. Als Kandidaten werden augenblicMch der frühere Premierminister Alexander Skrzynski, Marschall Pilsudski und der augenblickliche Stellvertreter des Präsidenten, Se,mmarschall Rataj genannt. Gegen die Kandidatur Ratajs haben die Linksparteien, hauptsächlich die Sozialisten, Widerspruch erhoben, da er ein Mitglied der Witospartei ist. Vilsudski selbst weigert sich, sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen. Die Parteien der Linken erklären, daß sie vorläufig noch keinen Kandidaten haben und keinen Herausstellen werden, bevor eine Antwort der Rechtsparteien in Pofen oorliegt. Kunst und Wissenschaft. Herrmann Abendroth in Paris. Generalmusikdirektor Herrmann Abend- roth aus Köln dirigierte in Paris mit ungeheurem Erfolg das 7. Konzert des Pariser Philharmonischen Orchesters. Ein Riesenprogramm deutscher Musik in vollendeter Wiedergabe: von Don Juan über Mozart, Cebu* manrö 4. Symphonie und Brahms (Violinkonzert °P- ru Wagner. Es standen Abendroth nur zwei Proben zur Verfügung. Unter seiner Füh- Ä d^ PEr Philharmoniker mit einer solchen Begeisterung und Hingabe wie noch nie Abendroth hatte sich Professor Georg Ku l e n k a m p f s Don der Charlottenburger Hoch- schule mitgebracht, und der spielte zum erstenmal u^”***? d-moll-aJio-Iinfonaert so hinreißend 1^011, daß das Publikum vor Begeisterung sich nicht halten konnte. Dabei hatte Kulenkampff keinen leichten Stand. Am Abend vorher spielte IffiL ai£ .^öendnach ihm Fritz Kreihler. Zwischen beiden bestand Kulenkampff voller Ehren. Das Publikum brachte ihm und Abend- roth, der ihn mit dem Orchester ganz wundervoll begleitete, große Ovationen dar. Frau Rika r eine ^hr hochstehende russisch-ita- liemsche Sängerin, trat in diesem Konzert zum ersten Male in Paris auf. Eie fang zwei Arien SRosart, die Arie der Oksane aus der Oper „Weihnachtsnacht" von Rimsky-Korsakoff und einen Teil der ganz frühen Suite „Frau und Hirtin von Strawinsky (op. 2). Das Publikum eierte Frau Cunelli mit Recht sehr und erzwang sich auch von ihr — wie vorher von Kulen- tampff — Zugaben. Abendroth bewährte sich als eim ganz fabelhafter Begleiter. Den Schluß deS Konzertes bildete das „Meisterfinger-Vorspiel". Jedermann weiß, wie ungeheuer schwierig eS besonders mit einem fremden Orchester ist, hier die so vielen und unendlich feinen Details mit der großen Linie zu verbinden. Wie Abendroth das fertigbrachte, war einfach unerhört. DaS Orchester rief ihm immer wieder zu' Auf Wiedersehen!" Es stand völlig im Banne seines überlegenen Mustkertums. - Abendroth und Äulenfambff zu Ehren fand im Internationalen Institut des Dollerbundes für geistige Zusammenarbeit ein großer Empfang statt. Aus aller Wett. Schwerer Bergeinsturz. Der bei Aachen an der belgisch-holländischen Grenze gelene Mäuseberg ist plötzlich ein- gestürzt. Bis jetzt wurden fünf Tote und 1 3 Derlehte geborgen. Man vermutet, daß noch weitere Personen unter den Gesteinsmassen Hegen. In den Berg waren zur Züchtung von Champigons Gänge gegraben worden. Die Ein- sttirzstellen sind teilweise bis 50 Meter tief. Beim Angeln ertrunken. In Rahebuhr bei Reustettin ertranken die Brüder Wilhelm und Erich Schulz beim Angeln. Sie hatten sich auf einen Kahn gestellt, der infolge unvorsichtiger Bewegungen umschlug. Vor einiger Zeit ist ein dritter Bruder auf ähnliche Art ums Leben gekommen. 3n einer Sandgrube verschüttet. Beim Spielen in einer Sandgrube bei Wug- nitz (Schlesien) verunglückten drei acht bzw. sieben Jahre alte Kinder durch herabfallende Sand- maffen tödlich. Ein viertes Kind konnte gerettet werden. ®rd Personen an Vergiftung gestorben. 3n Wanne-Eickel ist unter Bcrgif- tung-erscheinungen. die aus Mann. Frau und zwei Kindern bestehende Familie Vogel in das Krankenhaus clngeüc'ert worden. Dort sind der Ehemann und die beiden 12 und 4 Jahre alten Söhne gestorben. Die Frau liegt in bedenklichem Zustande darn eder. Die Vergiftung soll auf den Genus; vorjähriger eingeweck- ter Melde zurückzuführen sein. Sfuq in den Verner Bärengraben. In Beim fuhr am Dienstagabend ein rad- sährender 14jähnger Knabe mit seinem Rade heftig gegen die den Därengraben umgebende Schutzmauer, stürzte in den Graben hinunter und riß im Fallen einen an der Mauer stehenden elfjährigen Knaben mit sich. Der Bären Wärter konnte nach viertelstündigem Kampfe mit dem wütenden Därrn Hansi den älteren der beiden Knaben mit verhältnismäßig leichten Verletzungen befreien, während der Bär Ioggi den elfjährigen Knaben mit sich in den Stall ritz und ihn so übel zurichtrte, das; das Kind schließlich nach seiner Befreiung in hoffnungslosem Zu ft and ins Spital gebracht werden mutzte. Vie hessische Steuerpolitif. Am 11. Mai veröffentlichten wir in Ur. 109 des ©. 2L eine Zuschrift de- Hessischen Wirt» schaftS- und Ordnungsblocks (Bauernbund, Deutsche und Deutschnationale Volkspartei) gegen die Steuerpr^itik der augenblicklichen hessischen Regierung, auf die uns folgende Antwort des Presseamts des LtaatsministeriumL zugeht: Die Behauptung, der hessisch« Finanzminister sei bei der Inanspruchnahme des Hausbesihes durch die Londer-Gebäudefteucr zugunsten der öftentlichen Verwaltung an die oberste Grenze des nach Reichsgesetz Zulässigen herangegangen, ist unrichtig. Rach dem Reichsgesetz vom 10. Aug. 1925 über die Aenderung des Finanzausgleichs kann die sogen. Hauszinssteuer 50 Prozent der Friedensmiete betragen: in Hessen beträgt sie 39,24 Prozent. Für allgemeine Verwaltungszwecke dürfen 30 Prozent der Friedensmiete verwendet werden: in Hessen werden dafür von Staat und Gemeinden insgesamt 28,24 Prozent verwendet. Diese Ziffer verteilt sich auf Staat mit 14,5 und auf Gemeinden mit 13,74 Prozent. Für Wohnungsbau werden in Hessen rund 11 Prozent (mcht 8 Prozent, wie in fraglichem Artikel ausgeführt) verwendet. WaS die Belastung des Grundbesitzes durch die Londer-Gebäudesteuer in den verschiedenen Ländern anlangt, so seien die folgenden amtlichen Zahlen mitgeteilt, die voraussichtlich vom 1. Juli lfd. IS. ab Wirksamkeit erlangen. Land Gesetzliche Miete beträgt: Hundertte Aaud, iFurWoh. zi?sstku^nungsbau beträgt: ,B^C| lle der Friedensmiete Gemeinden erhalten: Preußen 100 40 (nicht 36 wie in dem Artikel ausge- fühtt). 20 7 Sachsen 100 40 20 6 Thüring. 100 35 10 12,5 Württemberg 100 35 (nicht 19°/0tole in dem Artikel ausgeführt). 15 5 Für Bayern und Baden können die entsprechenden Zahlen nicht angegeben werden, da die Materie z. Z. noch in Beratung steht. Z. Z. beträgt in Bayern die Londersteuer 36 Prozent der Friedensmiete bei 97 Prozent gesetzlicher Miete. Davon erhalten Gemeinden 8V3 Prozent und für Wohnungsbau werden 15 Prozent verwendet. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 19. Mai 1926. Stempelabgabe bei sportlichen Veranstaltungen. O lieber die Frage, inwieweit sportliche Veranstaltungen unter den Begriff der öffentlichen Darstellung fallen, hat das Oberlandesgericht zu Darmstadt in einem jüngst ergangenen Urteil folgendes ausqe- führt: „Sportliche Spiele und Wettkämpfe sind dann als „öffentliche Darstellungen" anzusehen, wenn die Veranstalter derselben den Willen haben, sie vor der Oefentlichkeit slattfinden zu lassen, so daß also unbestimmt wieoiele Personen Zutritt zu der Veranstaltung haben und nach dem Willen des Vereins haben sollen. Dieser Wille wird u. a. stets dann an» mnehmen fein, wenn die Leiter der Spiele, die betr. Vereine usw. öffentlich durch Dlakatc. Inserate oder Ausruf und ähnliches das Publikum auf die Spiele, deren Ort und Zeit Hinweisen. Keine öffentlichen Darstellungen sind Ucbungsjpiele und Stampfe, zu welchen sich nur aus Zufall, ohne den Willen der Veranstalter, Zuschauer in mehr oder minder großer Zahl einstellen. Ob die Einladung des Publikums zum Zwecke der Schaulust ober der Belustigung erfolgt, oder um ein höherstehendes Interesie zu wecken und 311 pflegen, ist für den Begriff der „öffentlichen Darstellung" gleichgültig. Auch der Sportsmann braucht und sucht die Anerkennung und den Beifall der Menge. Gerade die Erweckung des sportlichen Ehrgeizes des einzelnen fuhrt dazu, die Spiele und Stampfe der breitesten Oefsentlichkeit und deren Urteil zu unterstellen. Daß damit die Spottleute in erster Linie die ernste Förderung ihres Sportes und nicht die Erregung der Schaulust im Auge haben, ist für den Begriff Der öffentlichen Darstellung der Sportveranstaltung gleichgültig." Wie wir erfahren, hat das hessische Ministerium des Innern angeordnet, daß künftig bei ollen solchen gegen Bezahlung ftattfirbenben sportlichen Veranstaltungen (Fußball-, Rausball-, Schlagball-, Faustball-, Hockei)-. Golf-, Rugby-, Tennis-, leicht- unb schwerathlethischen Wettspielen, Wetturnen, Preisrodeln, Regatten, Wettschwimmen, Wasserball- spielen, rodsportlichen Veranstaltungen, die nickt unter Ziffer 91a UStG, fallen), sofern sie nicht als Uebungsspiele und Kämpfe im Sinne der erwähnten Entscheidung onzusehen sind, eine Stempel- n b g a b e zu erheben ist. Wohltätigkeits-Konzert. Wilhelm Schattier, Leiter der Schule für höheres Diolinspiel, Klavier und Theorie, veranstaltete am Montagabend Im Singsaal des Realgymnasiums ein Sch'ilerkonzert. dessen Reinertrag einem sehr wohltätigen Zweck zufliesten soll: Der Erlös des Abends wird vom Verern für das Deutschtum im Ausland an notleidende Kärntner Kinder überwiesen. In den Dienst der guten Sache hatte sich auherdem in dankenswerter Weife die Konzertsängerin Ida Stammler -gestellt. Fräulein Stammler (Mezzosopran) fang, von Fräulein Hella Maternus am Flügel verständnisvoll begleitet, zunächst Schuberts weitbekannten, schönen Trust ,,An die Musik", dann zwei Lieder von ©rieg (darunter die reizende, feinbewegte Weise „3m Kahn"), im zweiten Teil u. a. den ..Vesper- gefang“ aus dem Russischen, mit dem choralmastig ausschwingenden Jubilate und ein liebliches, gemütvolles Wiegenlied von van Rennes, und erntete den gebührenden, reichen Beifall für ihre Darbietungen. Den grösteren Teil des Abends bestritten die musizierenden Schüler und Schülerinnen der Schule Schüttler, die durchweg mit Hingabe und liebevollem Eifer bei der Sache waren und mit ihren hübschen, teilweise sehr lobenswerten Leistungen der musikalischen Lehrarbeit der Schule das beste Zeugnis aus '.liten. Aus der umfänglichen Vortragssolge — es ist an dieser Stelle nicht möglich, verdientermahen alle Mitwirkenden aufzuführen und ihre Vorträge zu würdigen — möchte wir nur ein paar Ramen mit besonderer Ancr.ennung heraus- greifen: Walter Einbrodt (Beriot, Kottzert dir. 7, 1. Sah), Hans Eise (Gnomentanz von Eberhardt). Werner Rohl (Alard, Brindisi valse), Rora Davids (Mohkowski, Spanischer Tanz Rr. 4) und den kleinen Ernst Dlum- schein. der sein Stückchen auswendig spielte. — Die Veranstaltung war erfreulich besucht, der Beifall herzlich und verdient, und es ist zu hoffen, dah der wohltätige Zweck des Abends aufs beste erfüllt wurde. —z. Bornotizen. — Tageskalender für Mit tw och Dehltatigkeits--Konzert zu Gunsten des Mädchen- Heims „Zuflucht": 8 Uhr Univrrsitätsaula — V. f- 33.: 81/2 Uf)r „Krokodil": Fortsetzung der Jahreshauptversammlung. — Der Go eths-Bund hat. so schreibt man unS, für morgen Donnerstag den altbekannten und beliebten Darmstadter Heimatdichter Robert Schneider zu einem Dichter- abend eingeladen, an dem der Dichter aus seinen humorvollen Darmstädter Dialektdichtungen vor- lesen wird. Zur Einführung seines Vortragsabends wird der Dichter einen kurzen Hinweis bringen über das Wesen, den Wert und die Pflege unserer deutschen Mundartdichtung. Cs ist zu ertoarten, dah dem Dichterabend, der eine Ehrung unserer hessischen Dialektdichtung bedeutet, allseitiges Interesse entgegengebracht wird. Der Abend beginnt mit Rücksicht auf die Rückfahrt des Dichters pünktlich zur festgesetzten Stunde. Näheres in der heutigen Anzeige. • tg. Spätfrostschäden. Die kalten Rächte der ersten Maihälfte Haden in den Gärten viel,ach Schaden angerichtet Stachel- und Johannisbeersträucher taffen einen Teil der ange- fetjten Früchte fallen. Selbst die als vollkommen Hari bekannte schwarze Johannisbeere ist davon nicht ausgenommen. An Erdbeeren sind die geöffneten Blüten erfroren. Diel gelitten haben die spätdlühenden Apfelbäume in den Sorten Bohnenapfel, Balken, Roter Ciserapfel, Malapftl. Kassler Renette. Die bereits geletzten Frühlohl-- Pflanzen werde,! durch die Saftstockung v!elsach vorzeitig in Samen schieben. Bei den ersten Anzeichen hierzu pflanze man neu •• Verbesserung der städtischen Straßenbeleuchtung. Der VeckehrSrercin hatte sich vor kurzem mit einer Eingabe um Verbesserung unserer Straßenbeleuchtung an die Sladwerwaltung gewandt. Darauf ist von der Verwaltung mitgc:eilt worden, dah die Straßenbeleuchtung in den Hauptvettehrrstra' en im Laufe dieses Sommers in der gleichen Weife verbessert werden soll, wie dies in der Reuen Väue als Probestrecke jetzt bereits ausgeführt ist. Die Verbefferungsarbei.en sollen rechtzeitig bis zum Herbstbeginn vollendet werden. Hoffentlich läßt cs sich ermöglichen, auch in der Beleuchtung der Rebenftrahen bis zum Herbst noch mancherlei zu verbessern. ** Die Reichsbank Gießen teilt im heutigen Anzeigenteil mit, daß sie am Pfingstsams- tag von 12 Uhr mittags ab geschloffen bleibt. ** A n b i e Rentner wendet sich eine Kundgebung in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir Hinweisen. •• Stadttheater - S 0 mmerspie 1 - zeit. Man schreibt uns: Es liegt auf der Hand, daß die sommerlichen Gastspiele von Bad-Aau- heim aus das heitere Genre bevorzugen müssen, da ja das Kurpublikum in erster Linie Unterhaltung im Theater sucht. So wird denn gleich das erste Gastspiel einen Schwank bringen, und zwar den „Irrgarten der Liebe" von Hans Sturm. Der Autor ist auch hier von den Aufführungen seines „Extemporale" her bestens bekannt. Die Reuheit. die am Dienstag, 25. Mai, zur Ausführung gelangt, weist dieselben Vorzüge auf wie sein früheres Werk, nämlich stark wirkende Situationskomik und harmlose Liebenswürdigkeit. „Der Irrgarten der Liebe" hatte in letzter Zeit in Berlin und Baden-Baden stärkste Erfolge zu verzeichnen. • D i e Freiwillige SanitatS- tolonne vom Roten Kreuz Gießen hat gestern ihren neuen Krankenkrastwagen erhalten. Schon gar ost machte sich der Mangel eines eigenen Sanitätsautos der Kolonne bei der Erfüllung ihrer freiwillig übernommenen Pflich ten im Dienste der Krankenbrsörderung recht fühlbar. Rach reichlicher Mühe und längeren Verhandlungen mit den maßgebenden Stellen sind die unternommenen Schritte jetzt doch von Erfolg gekrönt worden. Das Hess. Landesamt für das Dildungswesen hat im Interne der hiesigen Universitätskliniken die Anschaffung des Autos durch Beihilfe mit einem größeren Betrag ermöglicht. Auch die Verwaltung des Kreises Gießen hat einen Zuschuß zu den Anschaffungskosten geleistet. Weiter haoen der Proviu- zialausschuh der Provinz Oberhessen und das Hess. Ministerium des Innern die Angelegenheit durch Gewährung von zum Teil zinsfreien Darlehen gefördert. Der Wagen ist ein von dev Firma Otto Göbel gelieferter Adlerwagen, der mit allen Reuerungen ausgestattet ist und in bezug auf seine Leistungsfähigkeit allen Anforderungen entsprechen wird. Der Wagen wurde gestern bei seiner Ankunft von Vertretern der hiesigen Behörden besichtigt Die Herren sprachen sich nach einer stattgefundenen Probefahrt sehr anerfennenZ) über die Leistungsfähigkeit dieses Sanitätsautos aus. " Zum Saarsänger - Besuch in Gießen. Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wird die Vortragssolge deS Konzetts veröffentlicht, mit dem der Saarbrücker .■■■!■ J----y—^.Generab als er gegen 1 Don ZÄ ‘“Ä Asrr bk>n btt nn. ? V Mefe siegel c odiert .Nig^ü, ^nien Sc und | Nr. 115 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, 19. Mai 1926 Der Kampf um die polnische Wehrmacht. Von unserem militärpolitischen Korrespondenten. . Die erste Amtshandlung der neuen polnischen, inzwischen zurückgetretenen Regierung Witos war die Beschlagnahme des Kurjer Poranny, in dem der höchste polnische Offizier und ehemalige Staatschef, Marschall Pilsudski, die Regierung der Korruption und der groben Vernachlässigung der militärischen Interessen beschuldigte. Diese Maßnahme hat einen Militäraufstand heroorgerufen, dessen Folgen sich noch nicht übersehen lassen: sie wirft ein grelles Licht auf den Kampf, der seit Jahren in Polen um die Wehrmacht und innerhalb der Offizierlorps sich abspielt. Der Marschall Pilsudski hat seit seiner Verabschiedung im Jahre 1922 aufgehört, seinen Willen auf die Ausgestaltung der polnischen Wehrmacht mit allen Mitteln geltend zu machen. Er hat da- durch die Kluft, die in der polnischen Wehrmacht seit ihrer Gründung zwischen den Gruppen der Fachoffiziere und der Legionäre bestand, noch erweitert, die Gegensätze auf das politische^ Gebiet hinübergespielt und erheblich verschärft: das ganze letzte Jahr hindurch ereignete sich innerhalb des polnischen Offizierkorps ein Skandal nach dem andern: zahlreiche Deputationen brachten unter Führung von Generalen dem Marschall Huldigungen dar, als er gegen die Negierung und den im Amt befindlichen Kriegsminister, ihren höchsten Vorgesetzten, einen Pressefeldzug eröffnete. Bei einer feierlichen Gelegenheit wurden ihm auf seinem Landgut (Er» gebenheitsbesuche von Hunderten höherer Offiziere und Soldaten abgeftattct, bei denen regierungsfeindliche Ansprachen gehalten wurden. In Wilna wurde eine Kaserne ohne Genehmigung der Vorgesetzten von ihren Insassen in Pilsudskikasernc um» benannt. 3m November 1925 zwang er durch seinen mach» tigen Einfluß den Staatspräsidenten zur Verabschiedung eines persönlichen Feindes von ihm, des Generals Sikorski, und setzte es durch, daß zu dessen Nachfolger im Kriegsministerium ein ihm nahestehender General, Zeligowski, ernannt wurde. Und jetzt wiederholt sich dieses Schauspiel. Der Marschall verurteilt die ohne sein Einverständnis erfolgte Ernennung des neuen Kriegsministers und verlangt, daß das Kriegsministerium nur von Sachverständigen besetzt und nicht für Politiker freigegcbcn wird. Und in den Straßen von Warschau verteilen seine Anhänger zur Revolution aufhetzende Flugblätter mit dem Wortlaut: „Wir lassen das Heer nicht ver» schachern, wir lassen Polen nicht ausstehlen, es lebe der Oberbefehlshaber, Marschall Pilsudski!" Hatte der Marschall noch gestern erklärt, er werde nicht eher zur Armee zurückkehren, als bis er die in ihr herrschende Korruption bekämpft habe, so ist er heute doch an der Spitze der ihm ergebenen Truppen in Warschau eingerückt. Vor aller Welt werden durch diese Vorgänge endlich die Zustände im polnischen Wehrwesen auf» gedeckt, die den Sejm seit Monaten beschäftigten, und die die Regierungspresse seit Jahren zu verschleiern sucht. Polen hat bei einer Einwohnerzahl von 27 Millionen ein Heer von 300 000 Mann, also nahezu dreimal soviel Soldaten unter Waffen als das zweieinhalbmal so große Deutschland. Daneben besteht eine „Flotte", die allerdings diesen Namen kaum verdient, denn sie besteht aus einigen Torpedo» und Kanonenbooten, die bis jetzt ohne Nach- weis ihrer Daseinsberechtigung mit einem selbst für einen reichen Staat ungeheuer hohen Personal- und Geldaufwand im Danziger Hasen den für den Handeln unentbehrlichen Platz versperrt. — Das Heer besteht der Friedensgliederung nach aus dem Sricgsminifteriuin, 5 Armeeinspektionen, 10 Generalkommandos zu 3 Divisionen, 3 Kavallerieinspek- lionen mit 10 Kaoallcriebrigaden. 6 Fliegerregimen- iern, 2 Eisenbahnregimentern. 2 Fern sprech- und 3 Funkerregiment, mehreren Tankbataillonen, Flak- cibteilungen und Gaskompagnien. Dazu tritt das fog. Grenzschutzkorps zu 20 Bataillonen und 20 Öskadrons. Jede Infanteriedivision besteht aus drei Infanterie- und einem Feldartillerie-Regiment. Jedes Generalkommandos verfügt über ein Regiment schützen zu Pferde, ein Regiment schwerer Artillerie, ein Pionierregiment, einen Kraftfahr- und eine «Sanitätsabteilung. Die Ausrüstung des Heeres mit Waffen war mitsprechend seiner ursprünglichen Zusammensetzung r.us österreichisch-ungarischen, russischen und rein polnischen Kriegstruppen und seiner mit geraubtem ■freeresgut erfolgten Ausstattung überaus mannigfaltig: deutsche, französische und österreichische Gewehre waren bei allen Qnfanterietruppcnteilen nebeneinander anzutreffen, russische Kanonen und österreichische Haubitzen bildeten die Bewassnling der Feldartillerie. Die Instandhaltung, Munitio nierung, Ausbildung und der Nachschub waren bei diesem Durcheinander naturgemäß außerordentlich erschwert und durch gewaltige Lieferungen aus Frankreich und Versorgung aus der eigenen allerdings noch nicht recht leistungsfähigen Kriegs- industrie allmählich die Bewaffnung vereinheitlicht worden. Die Vorgänge, die sich dabei abgespielt heben, bilden den ersten Angrifsspunkt Pilsudskis. Seit Mo naten ist die Presse des Marschalls bemüht, die Skandale aufzudecken. Rach der Lodzer Rcpublika sind neben um fangreichen Veruntreuungen der Eisenbahnverwaltung auch 150 Mill. Zloty beim Kriegsministerium „verschwunden". Dort ist ferner die Rede von einer Fabrik „Arma", die keine einzige brauchbare Waffe lieferte und trotzdem 600 000 Zloty Vorschuß aus dem Staatsschatz erhielt. Ein militärischer Prüfungsausschuß mußte bei einem anscheinend vom Parlament geforderten Besuch in her Gasmaskenfabrik Protekt bei Radom 100 000 (Gasmasken im Werte von 2 000 000 Zloty als unbrauchbar bezeichnen. Ohne Widerspruch zu finden, kann die Gazeta Codzienna unter andrem erklären: Bekanntlich bezieht Polen alles Kriegsmaterial aus Frankreich, wo ein großer Konzern, an dessen Spitze Loucheur steht, sich die Aufgabe gestellt hat, wertloses Heeresgut an Polen zu verkaufen. Der Referent des Sejm-Ausschusfes für den Heeresyaus- halt steht dieser Gesellschaft nahe. Er verkauft uns in Gemeinschaft mit seinen Pariser Freunden für Hunderte von Millionen alte ausrangierte Waffen, die dann gegen riesige Summen von unserer Rüstungsindustrie umgearbeitet werden. Ungeheure Geldsummen oehen dafür wieder drauf und Hunderte einheimischer Betrüger verdienen dadurch neue Millionen. — Daß bei der Heeresverwaltung wahrhaft polnische Zustände bestehen, dafür ist der beste Beweis die Tatsache, daß schon im Jahre 1924 das Kriegsministerium unter dem Druck des Parlaments nicht weniger als 11 Untersuchungskommissionen einsetzte, um den Mißbräuchen der Verwaltung auf die Svur zu kommen. Ein Abgeordneter konnte bei der Beratung des Militäretats behaupten, man könne das Heeresbudget ruhig um die Hälfte vermindern, ohne dem Heere etwas zu entziehen, wenn nur den Unterschleifen und Diebstählen einmal ein Ende gemacht wäre! Man sollte eigentlich annehmen, daß bei solchen Zuständen im Heer der Sejm die Mehrausgaben aufs äußerste beschneiden würde: aber davon ist keine Rede. Obwohl die Finanzlage Polens seit Jahren katastrophal ist, — 1,5 Milliarden Zloty Einnahmen stehen bekanntlich schon 2 Jahre lang zwei Milliarden Ausgaben gegenüber — betragen die Heeresausgaben 1922 25,8, 1923 bis 1925 33 Proz. der Gesamtausgaben. Dabei sind erhebliche Aufwendungen, die Polen für rein strategische Bahnbauten, also zu ausschließlich militärischen Zwecken, in den Grenzgebieten durch englische und französische Firmen durchführen läßt, gar nicht eingerechnet. Unter diesen Umständen hat es wenig Bedeutung, daß der Heereshaushalt iji diesem Jahr mit knapper Mehrheit um 150 Millionen Zlotn im Zusammenhang mit her Verringerung der Gesamtstaatsausgaben um 500 Millionen Zloty gekürzt wurde. Nicht ohne Einfluß auf diese Ausgabendrosfelung wird das Ausbleiben von 100, nach anderen Nachrichten von 200 Millionen Frank sein, die Polen noch von Frankreich aus einem Rüstungskredit zu erhalten hatte und auf die es angeblich selbst verzichtete. Bezeichnenderweise werden die Ersparnisse in den Heeresausgaben nicht erzielt durch Verkürzung der Dienstzeit oder grundsätzliche Verminderung der Friedensstärke, sondern durch vorübergehende Verringerung des Rekrutenkontingents 1926 um 40 000 Mann, durch Vereinfachungen in der Verwaltung, Wegfall von Inspektionsreisen, durch Einschränkung des Pferdeetats und durch Verzicht auf (Einberufung von Reservisten. Auch denkt die Regierung nicht daran, Kosten zu sparen durch die Befreiuung. der Oberschlesier von der militärischen Dienstpflicht, die diesen bekanntlich für 8 Jahre feierlich versprochen war: eine Zusage, die trotz schärfstem Protest der oberschlesischen Presse gebrochen wurde. Selbst dieser wahrhaft geringfügigen Verkleinerung der Wehrmacht tritt Pilsudski mit seinen Anhängern entgegen; er wirft der gestürzten Regierung Vernachlässigung der vaterländischen und militärischen Belange vor und bekennt sich als ein Feind jeder Aenderung, solange nicht sein eigener Plan für die Umorganisation des Heeres zur Ver- wirllichung reif ist. Seine Gedanken wurden im 3anuar dieses Jahres von dem General Zeli- gvwsli im Sejmausjchuß für Heeresangelegenhcitcn oargeiegt; er führte aus: Schon feit Jahren tonne -polen trotz Anlegung des strengsten Maßstabes an die Mililortauglichkeil bei weitem nicht alle Tauglichen einstellen, b.i der Rah nen des Heeres tafür du klein sei. 70 000 Re.ruten jedes 3; hrganges tön» T'-all einer Mobilmachung ein Heer von Unansacbil- deten har, mit dem nichts anzufangen fei. Abhilfe tonne nur eine Verkürzung der Dienstzeit bringen, deren Voran Mizuno wieder eine größere Anzahl van Berufsosnzieren und -untere;fixieren sei. Dazu i I 3u lagen, das^ in Polen auf Offizier und Unter« Offizier n ir 1 Soldaten 1 wie cs günstiger für die Ausbildung cor nicht ge- dacht werden kann. Allerdings sitzt die große Bsehr- heil der polnischen Offiziere auf den Vure- aus; der wahre Grund zu dieser lieber» füllung der Bureaus liegt darin, daß die polnische Armee sich in besonders gründlicher Weise wit umfangreichen militärischen und wirtschaftlichen Mobilmachungsvorarbeiten befaßt, die nach ftanzö- sischcm Musler mit größter Sorgfalt und unter Berücksichtigung aller Krieaserfahrungen durchgesührt werden. — Als eine weiters Vorbedingung für die Verkürzung der Dienstzeit führte Zeligowski die Vermehrung der Uebungsplätze an. (Ein Soldat mit einjähriger Dienstzeit müsse mindestens ein halbes Jahr im Gelände ausgebildet werden. Als letzte Vorbedingung verlangte'der General eine gründliche militärische Vorbereitung der Jugend. Diese ist schon überall eingeführt. Jeder Regimentskommandeur leitet die Jugendousbildung in feinem Rekruiie- rungsbezirk. Ihm unterstehen dazu ein Stabsoffizier und mehrere jüngere Jnstruktionsoffiziere: in enger Zusammenarbeit mit den Verwaltungsbehörden und den Schulen wird die Jugend im Schießen und Geländedienst ausgebildet. Es liegt auf der Hand, daß das polnische Heer nach Durchführung dieses Planes eine größere Schlagfertigkeit und innere Kraft besitzen wird als bisher. Bleibt in dem jetzt ausgebrochenen Kampf um die Staatsgewalt der Marschall Pilsudski Sieger, dann wird die polnische Wehrmacht — daran ist ebenfalls kein Zweifel — trat; der trostlosen Finanzlage keine Verminderung, sondern eine wesentliche Verstärkung erfahren. Die Pilsudski treue Presie malt fortgesetzt in krassesten Farben die deutsche Gefahr: sie berechnet, daß die Aussichten Polens, einen Krieg gegen Deutschland siegreich zu bestehen, von Jahr zu Jahr steigen, da die noch im Weltkrieg mit der Waffe ausgebildeten starken deutschen Jahrgänge allmählich das wehrfähige Alter überschreiten. Im Zusammenhang damit wird eine systematische Deutschenhetze mit dem Ziel der Eroberung Ostpreußens, Danzigs und Westoberschlesiens getrieben. Mag nun die Militärreoolte enden wie sie will, eines steht fest: die polnische Wehrmacht besitzt trotz der disziplingefährdenden Offizierkrise und der offenbaren Korruption der Verwaltung durch ihre zahlenmäßige und materielle Stärke einen erheblichen Kampfwert und bildet gegenüber der ungeschützten deutschen Ostgrenze eine dauernde ernsthafte Gefährdung des europäischen Friedens. Oderhesfen. Tagung hessischer Richter in Bad-Nauheim. Dad-Rauheirn, 18. Mai. (WSR.) Am Samstag fand im hiesigen Kurhause die Vertret e r v e r s a m m l u n g der hessischen Richtervereinigung statt. An der Versammlung. der auch der hessische Innen- und Iustizrninister von Brentano beiwohnte, beteiligten sich etwa 50 Vertreter aus ganz Hessen. Am Sonntag weilte auch der hessische Finanz- mmister Henrich hier, der sich augenblicklich in Dad Salzhausen zur Erholung aufhält. Landkreis Gießen. ß. Leihgestern, 18. Mai. Das in der Bahnhofstraße gelegene An wesen der Brauerei Ihring-Melchior in Lich wurde von Karl Brück käuflich erworben, der sein Eisenwaren- und Hauswirtschafts-Geschäft hierher verlegt. — Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Po st Verwaltung das Amendsche Besitztum am Bahnhof Grohen-Linden zu erwerben und die Agenturen Grohen-Linden und Leihgestern hierher zu verlegen. s Steinbach. 18. Mai. Die Ortsgruppen des Lahnhöhe nbundcs galcn lich am Sonr.tagnachr. i ag .m Saale des ..Einhorns" ein Stelldia ein. -oic!c Orteeinirosncr waren erschiene : und laulchlen den im Einze - um» Ge- sa ntspi ! vorge'.rageven Stücken Großen Beifall sanden di- .nusikalifchc i Darbietungen der ' gen der Tr< c- C±ü(crgrupic. Di? Ungunst und Reiskirchen vom Äontn en abgehalten. !—! Saubringen. 18. Ma Am 6. Sunt hält der Lumdatalsan gerb und sein ö u n d e s w e r t u n g s l i n g e v. hier ab. D r- bimbcn mit diesem feiert her . 0' c s a n g v e r c i it Sau b ein gen" fein 53jährigcs Stiftm'.g^ est. Annähernd 20 Verein? d?r benachbarten Gemeinden haben ihre Beteiligung zugesagt. !—! Aus dem L u m data l. 18. Mai. Die verspäteten Rachtsröste der vergangenen Woche haben, wie man jetzt feststellen kann, einen Teil der Avfelblüten in unserem Tage fast vollständig vernichtet. 3n den Gärten find die zurzeit in Blüte stehenden Johannisbeeren und die Stachelbeeren, die sehr schön angefetzt hatten und eine reiche Grntc versprachen. dem Frost zum Opfer gefallen und fallen jetzt welk von den Büschen. Bohnen und Frühkartoffeln lassen ebenfalls ihre erfrorenen Blätter hängen. Kreis Friedberg. sf. Sriebbcrg, 18. Mai. Im Saale des Hotel Trapp sand gestern die feierliche Heberte idjung der Gesellenbriefe an 64 Prüflinge seitens des Bezirksausschusses für die Ortsgewerbevereine und Innungen statt. Der Vorsitzende des Ausschusses, Stadtverordneter Heß. begrüßte die zahlreich Erschienenen. besonders die Vertreter der Regierung, der Stadt und die sonstigen Ehrengäste. (Er konnte die erfreuliche Mitteilung machen, daß sämtliche 64 Prüflinge ihr Gramen bestanden haben, und betonte in einer weiteren Ansprache, daß zwar die praktischen Arbeiten im Durchschnitte gut ausgefallen sind, daß aber die theoretischen Leistungen noch sehr viel zu wünschen übrig liehen und daß man gezwungen wäre, in Zukunft in dieser Beziehung höhere Anforderungen zu stellen. Ramens des Kreisamtes richteten Regierungsrat Dr. Matze r, namens der Stadt Friedberg Beigeordneter Dr. Leuchtgens und namens der Gewerbeschule Gewerbelehrer Gerlach warme Worte an die Bestandenen: alle Redner betonten in ihren Ansprachen den hohen Wert des Handwerks und daß man immer mehr zu der .Ueberxeugung komme, daß die Handarbeit sowohl neben der geistigen Ausbildung und auch besonders neben der maschinellen Arbeit immer ihren Rang behaupten werde. Rach Austeilung der Gesellenbriefe an die jungen Gesellen ergriff der Syndikus der Handwerkskammer, Dr. Reif, das Wort: er wies in seinem Schlußworte darauf hin, welch hohen Rang in früheren Jahrhunderten das deutsche Handwerk eingenommen hätte, als noch wirkliche Meister und Künstler an der Spitze gestanden hätten, und gab der Üleberzeugung Ausdruck. daß das Handwerk sich in dem Kampfe zwischen Technik und Handarbeit auch heute noch durchsetzen tonne. K Rosbach v. d.H., 18. Mai. Wenn von der Bergstraße und anderen bekannten Kirschengebieten von einem beispiellosen Kirschenjahr berichtet wird, so kann von unserem Orte, dessen berühmter Kirschberg die größte oberhes» sische Kirschenkultur ist, nur von einer guten Mittelernte die Rede sein. Die Ernte verspricht besser zu werden als im Vorjahre, ist aber keine Rekordernte. Das gilt auch von den Kirschenanlagen des benachbarten Ortes O ck st a d t, die sich ebenfalls durch vorzügliche Lage am Taunusrand auszeichnen. Am meisten versprechen die Frühroten und Hängroten, weniger gut fallen die späten Falterkirschen aus, die in erster Linie für Einmachzwecke in Frage kommen. Mit der „Frühen am Markt" erhoffte man für Pfingsten die erste Ernte. Die schlechte Witterung der letzten Tage hat aber gegen den Wunsch der Kirschbaumbesiher einen späteren Termin festgesetzt. Kreis Büdingen. nr Ridda, 18. Mai. Wohl im Hinblick auf das bevorstehende Gauturnfest sind die hiesigen Weißbinder über und über beschäftigt. Eine ganze Anzahl von Häu- Pech. Don A. P. Tschecho w.*) Jljä Ssergejewitsch Peplow und seine Frau Kleopatra Petrowna standen an der Tür und hsrchten mit gespanntester Reugierde. Hinter der 2ür. im kleinen Salon, sollte nämlich eine Liebeserklärung vor sich gehen, und zwar zwischen ihrer *od)ter Rataschenka und dem Kreisschullehrer Stschupkin. „Er beißt an!“ flüsterte Peplow. vor Unge» duld zitternd und sich die Hände reibend. „Also auf, Petrowna! Sobald er nur anfängt von Gefühlen zu reden, nimmst du das Heiligenbild c-sn der Wand uyd wir gehen hin und geben ihnen unfern Segen ... Wir überrumpeln sie einfach ... Haben wir sie einmal mit dem Heiligenbild gesegnet, so ist die Sache unauflösbar... Sr kann dann nicht mehr zurück, selbst wenn er fih ans Gericht wendet." Hinter der Türe aber wurde folgendes ge- Ihcvchen: „So hören Sie doch auf," sagte Stschupkin u-nb strich sich an seinen tarierten Beinkleidern «in Zündhölzchen an. „Ich hab' Ihnen wirklich gar keine Briefe geschrieben!" .,3a, ja, reden Sie nur! Als ob mir Ihre Handschrift nicht bekannt wäre," sagte das junge Mdchen geziert lachend und sich unablässig im Spiegel betrachtend. „Ich hab' sie sofort erkannt! älitd wir merkwürdig Sie sind! Ein Lehrer der Kalligraphie und schreibt solche Krähenfüße! Wie fernen Sie andern das Schönschreiben beibringen, hxnn Sie selbst eine schlechte Schrift haben?" „Hm!... Das will noch gar nichts heißen. •) Wir entnehmen die kleine Skizze einem üralidj erschienenen neuen Bändchen der „Ro- oellenbücherei fürs deutsche Haus", das unter test Titel „Komisches und Tragikomisches" eine Auswahl der besten Humoresken des beliebten nrlfischen Schriftstellers gibt. Verlag Quelle & Meyer in Leipzig. Sn der Kalligraphiestunde kommt es nicht so sehr auf die Handschrift an, wie darauf, daß die Schüler nicht so übermütig werden. Einem gibt man eins mit dem Lineal an den Kopf, den andern läßt man knien... Was heißt überhaupt Handschrift! Leeres Geschwätz! Nekrassow war ein Dichter, und man schämt sich geradezu, wenn man seine Schrift ansieht. Seinen gesammelten Werken liegt ja eine Rachbildung von seiner Handschrift bei." „Das war Rekrössow, und dies sind Sie..." (Seufzer), „einen Schriftsteller würde ich mit Vergnügen heiraten. Er würde mir immer Gedichte zum Andenken schreiben!" „Gedichte kann ich Ihnen auch schreiben, wenn Eie's wünschen." „Worüber könnten Sie wohl schreiben?" „Heber die Liebe ... über andere Gefühle ... über Ihre Augen.. Sie werden ganz hingerissen, wenn Sie's lesen; Tränen werden Ihnen kommen!... Wenn ich Ihnen nun so ein recht poetisches Gedicht schreibe, werden Sie mir dann erlauben, Ihr Händchen zu küssen?" „Das ist noch was Rechtes! Das können Sie auch gleich haben." Stschupkin sprang auf und beugte sich über bad rundliche, nach Cierseife duftende Händchen. „Himm das Bild herunter!" sagte der alte Peplow hastig, seine Frau mit dem Ellenbogen stoßend. Er war vor Aufregung ganz blaß geworden und knöpfte sich eilig den Rock zu. „Komm! Was stehst du noch lange T* And ohne eine Sekunde Zeit zu verlieren, riß Peplow die Tür zum Salon auf. „Kinder..stammelte er mit bebender Stimme, die Arme emporhebend. „Der Herrgott segne euch, meine Kinder... Werdet glücklich, seid fruchtbar:... mehret euch .. „ilnb.. . und meinen Segen habt ihr auch...“ Hel, vor Glück weinend, die bereits mit dem Heiligenbild herzugeeilte Mama ein. Werdet glücklich, meine teuren Kinder! Ach," — hier wandte sie sich an Stschupkin — „Sie berauben mich meines einzigen Kleinods! So lieben Sie denn meine Tochter, tragen Sie sie auf Händen...“ Stschupkin sperrte vor Erstaunen und Schreck den Mund auf. Der Ansturm der Eltern kam so unverhofft und wurde so kühn geführt, daß er nicht ein einziges Wort hervorzubringen vermochte. „Reingefallen! Umgarnt!“ dachte er nur, starr vor Entsetzen. „Run sitzt du drin, Bruder! Kommst nicht wieder heraus!" ilnö demütig, als ob er sagen wollte: Rehmt mich hin, ich bin besiegt! neigte er seinen Kopf. „Ich fe—c—egne euch.. " wiederholte der Papa und weinte auch. „Ratäschenka, mein liebes Töchterchen ... stell' dich neben ihm hin ... Petrowna, gib das Heiligenbild her...!" Sm nächsten Moment aber versiegten plötzlich feine Tränen. Aerger verzerrte sein Gesicht und böse rief er seiner Frau zu: „Du dummes Schaf! Was hast du nur für CEtnö im Kops! Soll das ein Heiligenbild fein?“ »Ach, du mein li—ieber Herrgott!" Was war geschehen? Zaghaft richtete der Lehrer den Kopf in die Höhe und sah ... daß er gerettet war. Die Mutter hatte in der Eile und Aufregung anstatt des Heiligenbildes das Porträt des Schriftstellers Lashetschnikow von der Wand gerissen. Der alte Peplow und seine Gemahlin Kleopatra Petrowna standen nun. das Porträt in den Händen, mit verblüfft-verlegenen Gesichtern ba unb wußten nicht, was sie beginnen oder sagen sollten. Der Lehrer aber machte sich ihre Verwirrung zunutze und lief davon. Die Wölfe der Flüsse. Man nennt bisweilen den Hecht den „Tiger der Flüsse“, und diese Bezeichnung hat ihre Berechtigung, wenn man die Wildheit und Grausamkeit beobachtet, mit denen diese Raubfische die schwächeren Bewohner der Hnterwasserwelt angreifen und zerreißen. Aber mit größerem Rttht könnte man die Aale die Wölfe der Flüsse nennen, denn sie sind viel gefräßiger als die Hechte und ihrer Deute gegenüber no Oberkleen, 18. Mai. Die Bruderschaft Hütten berg des Iundeutschen Ordens veranstaltete hier am Sonntag eine Feier, die trotz des ungünstigen Wetters sehr zahlreich besucht war. Die Feier wurde geleitet von dem Großmeister Reuter aus Dornholzhausen. Die Einleitung erfolgte mit einem Felo- gottesdienst durch Pfarrer Schmidt, Wetzlar. 11. a. hielt der Komtur Der Ballei Rassau, Studienrat Kauer, Wetzlar, eine Ansprache. Musikvorträge trugen zur Verschönerung der Feier bei. Verpflegung wurde aus Der FelD- küche verabfolgt, <> Ebersgöns, 18. Mai. Gin hier gebürtiger Einwohner ist nach 45jährigem Aufenthalt in Amerika dieser Tage in seine Heimat zurückgekehrt. ch Hörnsheim, 18. Mai. Dieser Tage verließ der Landwirt Jakob Lind unser Dorf, um nach Amerika auszuwandern. Die hiesige, wie auch die Lühellindener Gefolgschaft des Iungdeutschen Ordens ließ es sich nicht nehmen, ihren Ordensbruder mit einem Fackelzuge zur Bahn zu begleiten, wie auch eine ansehnliche Zahl hiesiger Einwohner ihrem Mitbürger bis zum Dorfausgange das Geleit gab. (Der Scheidende, von dem zwei Brüder schon seit einigen Jahren in Amerika wohnhaft sind, gedenkt nach fünfjährigem Aufenhali in der Reuen Welt wieder in die Heimat zurückzukehren und tritt aus diesem Grunde die weite Reise ohne seine Familie an. kz. Aus dem H ü 11 e n b e r g, 18. Mai. In Den letzten Jahren hat sich in steigendem Maße das Bestreben nach farbiger Behandlung Der Außenfläche von Neubauten und toieDerfiergefteHten alten Bauten gezeigt. Zwar sind Die baukünstlerifchen Fragen, Die sich bei Dem Bestreben nach Farbigkeit ergeben. noch durchaus im Fluß, und es kann nicht Ausgabe Der Baupolizei sein, in diese Entwicklung hindernd einzugreifen. Die Bewegung, an Stelle Der früheren Eintönigkeit farbenfrohere Wirkungen zu erzielen, kann nur gutgeheißen werden, wenn sie auf den architektonischen Aufbau Der betreffenden Gebäude, sowie auf den GesamteinDruck des Straßenbildes Rücksicht nimmt. An architektonisch wertvollen Gebäuden ist Der Hüttenberg reich, und es ist eine Freude, zu sehen, wie Die alten, prachtvollen Holzbauten in neuem Gewände erstrahlen und trotzdem Die Würde des Alters nicht verwischt wird. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 18. Mai. Rachdem der Kreistag im Dezember Die Garantieleistung mit einer Mark für den Kilometer für Die Einrichtung einer Autopvst von Wetzlar nach R o d h e i m übernommen hatte, gab auch die Oberpostdirektion anfangs Januar ihre Genehmigung dazu, mit einer Zwischenfahrt morgens von Wetzlar nach Waldgirmes und zurück. Man gab sich der Hoffnung hin, daß diese Einrichtung bald zustande käme. Aber bis heute hört und sieht man nichts davon. Im Winter hieß es, die Wasserleitung und damit die Ortsstraßen in Waldgirmes sollten erst wieder hergestellt sein. Das ist seit Februar geschehen. Als das Auto noch nicht fuhr, verlautete, die Straße bei Raunheim müsse erst gewalzt werden. Auch das ist längst geschehen, und sogar am Ort saus gang gegen Waldgirmes um zwei Meter erweitert worden. Jetzt hmht es wieder, das Backhaus in Hof Haina, das an einer engen Kurve steht, müsse erst entfernt werden. Man hat früher mehrmals Probefahrten unternommen, ohne gegen dieses Haus zu rennen. Wenn auch Die Fahrt von hier nach Rodheim für einige Leute, wie Schornsteinfeger, und bei kreisärztlichen Sprechtagen in Rodheim eine willkommene Einrichtung wäre, so wird doch an der Rentabilität und bleibenden Einrichtung derselben stark gezweifelt. Sollte wirklich das Backhaus der Hinderungsgrund sein, dah die Autolinie bis jetzt nicht eröffnet worden ist, dann sollte man doch wenigstens zwischen Wetzlar — Raunheim — Waldgirmes mit Dem Betrieb anfangen. Diese Strecke wird, bei richtigem Fahrplan — der jetzige entspricht nicht den örtlichen Verhältnissen — ihre Rentabilität beweisen. Kreis Marburg. ]{ Marburg, 18. Mai. Der Professor der Theologie an Der hiesigen Uniberfitäi, Gustav Holscher, wurde von der Norwegischen Aia- Demie der Wissenschaften zuOslo zum Mitglied ihrer historisch-philosophischen Klasse ernannt. — Der ülniversitätsbund Marburg konnte anläßlich feiler diesjährigen Hauptversammlung insgesamt 815 0 Mi. für w i s sen s chas t - liebe Zwecke an Mitglieder des hiesigen akademischen Lehrkörpers bewilligen. Diese Dumme übersteigt Die Bewilligungen der Vorjahre um das Dreifache. Marburg, 18. Mai. (WSR.) Aus Der Genossenschafts molkerei Kufenthal haben unbekannte Einbrecher in einer der letzten Rächte neben anderen Molkereierzeugnissen 160 Pfund frische Süßrahmbutter gestohlen. sch. Marburg, 18. Mai. Als heute früh zwischen *7 und 7 Uhr auf dem hiesigen Haupt- bahnhof eine Lokomotive aus der Halle fuhr, wollte der Reservelokomotivführer Paul aus Marburg noch aufspringen und wurde dabei zwischen die Lokomotive und einen Pfeiler der Halle gedrückt. Mit schweren Quetschwunden und einem Schlüsselbeinbruch wurde Paul in eine hiesige Klinik eingeliefert. OberwefterwaldkreiS. & Marienberg, 18. Mai. Ab 15. Mai ist auf der Strecke Fehl —Ritzhausen —Erbach eine Verbesserung der Zugoerbindung eingetreten. Durch Einlegung eines neuen Zuges — ab Marienberg 9.20 Uhr norm., an Erbach 9.33 Uhr — ist Anschlußmöglichkeit nach Hachenburg gegeben. — Hier ist seit geraumer Zeit ein Einwohner, Vater von 5 Kindern, spurlos verschwunden. Man nimmt an, daß er ' den „wandernden Gesellen" zugesellt und seine Familie dem Schicksal überlassen hat. ASteckum-Püschen, 18. Mai. Am (Sonntag feierte der hiesige Mannergesangverein „Einigkeit" unter Beteiligung des Ober- westerwälder Sängerbundes seine Fah- nenweihe. Im Anschluß an die Weihe durch den Bundesoorfitzenden, Hauptlehrer Schiebt, fang der Bund im Massenchor unter Leitung des Sun» deschorleiters R. Groß das Westerwaldlied: ,Hch ziehe auf grünender Halde". Trotz der Ungunst der Witterung nahm das Fest einen guten Verlauf. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 18. Mai. Töte uns aus Kassel berichtet wird, ist es der Kriminalpolizei gelungen, zwei berüchtigte und langgefuchte Einbrecher in Vacha an Der Werra fest zunehmen, auf Deren Konto zahllose Einbrüche und Diebstähle, Die im Werratale verübt würben, fallen. ES handelt sich um Die beiden Arbeiter OttoGenS und Adolf Sowa. Otto Gens ist Der Bruder des am 5. Mai vom Schwurgericht wegen Ermordung des Kriminalbeamten Sack zum Tode verurteilten Anton Gens. — Der wegen Mordes und gemeinschaftlichen Raubversuchs vom Schwurgericht zu Drei Jahren Gefängnis verurteilte minderjährige Kellnerlehrling Corth hat die Strafe jetzt angenommen, Die dem in Fürsorgeerziehung Weilenden bekanntlich bedingt erlassen wird. — Gestern nachmittag 1.30 IHjr ist in Der Fahrgasse ein Mann in stark angetrunkenem ZustanDe mit einem MotorraD umhergefahren. Zur Verhütung weiterer strafbarer Handlungen, sowie zum Schutze seiner Person wurde er Ln Schutzhaft genommen. Auf Der Revierwache bekam er einen Tobsuchtsanfall und wurde durch Die Rettungswache nach Der StäDtischen Heilanstalt verbracht. Oberursel, 18. Mai. (WSR.) Die StaDt- verorDnetensitzung hat in ihrer letzten Sitzung Die Ausnahme einer Anleihe von 300 000 Mark beschlossen, Die hauptsächlich zu Wohnung sb a u z w e cken Verwendung finden soll. Homburg v. d. H., 18. Mai. (WSR.) Zu dem Leichenfund im Wehrheimer Wald wird noch gemeldet: Die Knochenteile lagen weit auseinander. Gefunden wurden u. a. verfaulte Kleidungsstücke, eine lederne Brieftasche, ein Tintenstift, eine Taschenschere mit Zigarrenabschneider, eine Zigarrentasche und ein Geldschein. Der Schädel zeigte an Der rechten Seite einen Einschuß und an der linken Seite einen Ausschuß. Ein Revolver wurde nicht gefunden. Ebenso fehlen Die Schuhe. Man nimmt an, daß Selbstmord vorliegt, unD daß Die Tat bereits 2 bis 3 Jahre zurückliegt. Anhaltspunkte über Die Persönlichkeit des Toten fehlen vollständig. Ermittelungen find eingeleitet. Höchst a. M., 18. Mai. (WSR.) In Der Rächt zum Sonntag gegen 12 älhr begab sich Der 19jährige Schneider W. mit seiner Braut an Den Main. An der alten Kranmauev sprang Der etwas angetrunkene junge Mann plötzlich in den Main. Einem Passanten, der auf Die Hilferufe des Mädchens herbeieilte, gelang es, Den Lebensmüden dem nassen: Element zu entreißen. Dieser war jedoch mit der Rettung nicht einverstanden, und versuchte, sich wieder in die Fluten zu stürzen, wobei sich zwischen ihm und seinem Retter ein Kamps entwickelte. Schließlich konnte er sich wieder freimachen und er sprang erneut in den Main, diesmal piit dem gewünschten Erfolg, denn ehe weitere Hilfe geleistet werden konnte, war er versunken. Die Leiche wurde gelänget. Hanau, 18. Mai. (WSR.) Das 31/- i # b* rige Söhnchen eines hiesigen Einwohners ist seit Sonntag nachmittag spurlos verschwunden, nachdem eS noch kurz vorher auf Der Straße gespielt hatte. Das Kind hat hellblondes Haar, frische Gesichtsfarbe und braune Augen. Bekleidet war es mit schwarzen Schuhen und Strümpfen und grünlich gestreifter Blute. Kreis Fulda. Fulda, 18. Mai. (WSR.) Der Bezirksausschuß in Kassel hat der Ausnahme einer Anleihe durch die Stadt Fulda in Höhe von 500 000 Mark zugestimmt. Der Ertrag der Anleihe soll zum Ausbau der Fuldaer Wasserleitung Verwendung finden. — 2n der Rächt zum Sonntag wurde in einer hiesigen Drogerie ein schwerer Einbruch verübt. 11. a. fielen den Spitzbuben 10 Pfund Kaffee, 2000 Zigaretten, verschiedene Flaschen Kölnischwasser und Schnaps, Zigarren und andere Wertgegenstände in Die Hände. — Auf Dem Bahnhof Wüftensachsen haben kürzlich Eisenbahnräuber einen Waggon erbrochen und vier Zentner Mehl gestohlen. Als Täter wurden jetzt zwei Arbeiter aus Wüstensachsen entlarvt. 3,5 Zentner Mehl wurden verdorben in einem Stall vergraben aufgefunDen. Der Rest war bereits verbraucht. Turnen, Sport und Spiel Turnerehrung. Dem Turner Joseph Geck vom Turnverein von 1846, Gießen, wurde mit Rücksicht auf seine turnerischen Verdienste der,Ehrenbrief des Mittelrheinkreises verliehen. Geck steht bereits im 69. Lebensjahr und ist noch eifriger Besucher der Turnstunden. 3. Bezirk Gau Hessen D. T. Df. Am Sonntag fand in Langsdorf der Be- zirksgelanbelauf im 3. Bezirk statt. Zum 1000-Meter-Lauf waren 23 Schüler an- getreten. 1. Heinr. Rib, Merkenfritz, 2. Ludwig Hildebrandt, Hirzenhain, 3. Rich. Diehl- mann, Unter-Schmitten. Zum 1500-Meter-Lauf traten 11 Mann an. 1. August Theiß, Rainrod, 2. Hugo Schäfer, Villingen, 3. Ludwig Möller,Hirzenhain. Zum 2500-Meter-Lauf traten ebenfalls 11 Mann an. 1. Richard Ulrich, Unter-Schmitten, 2. Ferdi Wolf, Unter-Schmitten, 3. Hugo Kraft, Nidda. Zum S000-Meter-Lauf traten 19 Mann an. Den Lhrensieg errang Hugo Seitz, Hirzenhain, 1. ffig. Seibel, Nidda, 2. Alb. Becker, Nidda, 3. Wilhelm Scherer, Geiß-Nidda. Im 5000-Meter-Mannschaftslauf errang Hirzenhain den 1., Unter-Schmitten den 2., Villin- gen den 3. Preis. Im 1000-Meter-Mannschaftslauf errang Langsdorf den 1., Unter-Schmitten den 2., Hirzenhain den 3., Villingen den 4. Sieg. Nach einer Ansprache durch den 1. Bezirksoertreter, Lehrer Wolf, Unter-Schmitten, und der Verteilung der Diplome fand am Mittag auf dem Sportplatz ein Beztrkssaustballspiel statt, zu dem 4 Vereine angetreten waren: Nidda 1. und 2., Hungen und Langsdorf. Nidda 1. errang Mt Bezirksmeisterschast. be- 18 Mai. 19. Mat. Geld Brief Marburg mit 5:0. •e.» ZIGARETTEN FABD FR DRE/DENA im 1 6 ■ Deviseamartt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. jährigen Ruderperiode wieder einige Erfolge schieden sein. Dre^ensträter in Paris qeschlaaen. 165. Mailand wurde von dieser Bewegung nicht ersaht, sondern verzeichnete im Gegenteil eine b c - deutende Besserung, Für ein Pfund wurden gestern noch 135 Lira, heute nur 128 bezahlt. Der 3loti) stellte sich gegen Reuyork kaum verändert auf 12, dos Pfund gegen Reuyork aus 4,865. 21m Geldmarkt erwartet man eine weitere Herabsetzung der Privatdiskonten, da tat« sächlich nur mit 43 Prozent Umsätze stattfanden. Monatsgeld wurde mit 5L bis 6,5 Prozent genannt, bankgirierte Warenwechsel 5.75 Prozent. Dorten kursc - lWD 2n Da 12 Uhr begab sich >er OB. mit leinet allen Stamnauet jlkme Junge Harn ’nem Passanten, der henS yrrbrieilte, gehen dem nassen l Dieser War jedoch icrftanben, und vn- ulen ju stürzen, Wo- fernem Setter ein hlich konnte er sich sprang erneu,t in it dein gewünschten ilfe geleistet Werden r. Die Leiche wurde Smft.-rttou Buen.-Airrs Brss.-Antw Chrilliania. gop-nhagcn Stockholm . HelfingforZ »talieu. . London. . yieutiorf . . Paris. . . Schweiz . . Spanien ■ Japan . . . Mo be Jan Wien in D.» Cefl- abaefi Prag ... Belgrad . . Budapest. . Duls arten Lissabon Danzig. . Konftintta- Athen Canada. . Urugnav Wirtschaft. Ausdehnung der I. G. der Farbenindustrie. Die JnteresfengemLinschaft der Farberrinbu- strie 21.»®. in Frankfurt a. M. übernimmt nunmehr auch die Farbwerke Mülheim vormals A. Leonhardt u. Eie., deren 2,7 Millionen Am. betragendes Aktienkapital sich in der Hauptsache im Besitz der Leopold Casella u Cie. G. m. b. H. in Frankfurt a. M. befindet. Gegen je 3000 Qim. Aktien der Mülheimer Farbwerks werden 2000 Reichsmark Aktien der 3. ®. der Farbenindustrir gewährt. Don einer anderen wesentlichen Ausdehnung bzw. Vergrößerung der Interessengemeinschaft der Farbenindustrie A. G. wissen die „Chemiker- Zeitung" und verschiedene Berliner Dörsenzeitun- gen zu berichten. Danach soll sich die 3. G. mit dem Gedanken tragen, mitten in Deutschland. und zwar zwischen dem Steinkohlen- und Draunkohlenrevier, eine grobe Kohlenver- schwelungSanlage zu bauen, um einen groben Teil des deutschen Bedarfes an Triebstoffen, wie Gasolin und Denzinersatz, herzustellen. Die „Chemiker-Zeitung" weih sogar schwn zu berichten, dah man binnen 2 Jahren mit einer Lieferung von 250 000 bis 300 000 Tonnen deutschen Triebftvffes durch die 3. G. der Farben- induftrie rechnen könne. An den deutschen Börsen haben diese Aus- dehnungs- und Dergröherungsbestrebungen der Verwaltung der Farbenindustrie 3. G. ein gewaltiges Echo gefunden und eine enorme Kurssteigerung hervorgerufen. Während vor 8 Tagen 3. G.-Aktien noch mit 155 zu haben waren, stiegen diese Aktien heute auf 168, und man will voraussehen, dah damit die Wertsteigerung dieser Aktien noch nicht erschöpft ist. Handballstädlekamps Siegen - Wetzlar 4:4 (2:2). R. 9m Anschluß an die große Siegener Stadt- staffel, die den Bezirksligaverein, die Siegener „Sportfreunde", in allen Klassen als Sieger sah, fand am Sonntag vor mehr als 1000 Zuschauern der Handballstädtekampf Siegen—Wetzlar statt. Unter Leitung des guten und energischen Schiedsrichters Kruse- Köln, wickelte sich ein sehr harter und außerordenllich schneller Kampf ab, der in seinen Einzelheiten durch die nicht besonders günstigen BodenverhölMisie beeinträchtigt wurde. Wetzlar spielte anfangs sehr nervös und fand sich erst, als Siegen durch seinen Mittelstürmer mit 1:0 in Führung gegangen war. B o ß . Wetzlar, glich aus. Einen mit Effekt geworfenen Ball ließ der Wetzlarer Hüter aus den Armen ins Netz springen. Paulus verwandelte einen Freiwurf direkt und stellte somit das Halbzeitergebnis 2:2 her. Nach dem rf Di, Wer OttSt Steig feto isK *» Äfft iooooo .Ws Menteilt "L /eöerne 2rtef« Tafchenschere mit Flasche und ein \an der rechts o« l’nken &itt -r wurde nicht », W. Nau nimmt und dass die Tat iutudliegt. In. Mchleit des Toten wngen find einge« Wechsel drängte Wetzlar zunächst, und Philipp gab Wetzlar nach vorangehender sehr guter .Kombi- Nation durch Schrägwurs von Linksaußen mit 3:2 die Führung. Diese wurde den Gästen durch zwei direkt verwandelte Freiwürse abgenommen. Mu nur noch cr Basis der gestrigen Kursnotierungen. Becker Stahl 30, Becker Kohle 54, Benz 73. Drown Doveri 77. Entreprise 10, Drowag 59. Krügershall 103. Rastatter 22. tifa 53, tifra 80. Das lebhaste Geschäft setzte sich auch im weiteren Verlaus fort. Montanakti en erzielten weitere Steigerungen, während für die übrigen Märkte das Interesse gering wurde. Der Geldmarkt hat wieder die alte Flüssigkeit erreicht, so dah bte Zinssätze wieder ein« rückläufige Bewegung antreten. Tagesgeld dürfte sich auf 5 Proz. stellen, MonatS- geld 5 bis 6'/z Proz., je nach Adresse. Pnvat- diskonten 41/« bis 4%, Industrieakzepte 5 biS 5'/i Proz. 3m Devisengefchäf t ist bett neue Sturz der westlichen Franken- Valuten bezeichnend. Die Pariser und dis Brüsseler Pfundparität erreichten gleichmäßig im Frühverkehr einen Stand von 175,5. Die italienische ßira konnte sich bis auf 130 in Pfund- parität erholen. Auch daS englische Pfund ist mit einem Gegenwert von 4,86,5 Dollar etwas niedriger. Die Mark ist unverändert. rankfurtcr Getreidebörse. Frankfurt a. M., 19. Mai. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,50 bis 29,75 Mark: Roggen, inländischer, 19 bis 19,25; Sommergerste für Brauzwecke 22 bis 24; Hafer, inländischer, 22 bis 23,50; Mais, gelb, 17,75; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 41,75 bis 42,25; Roggenmehl 28 bis 28,25; Weizenkleie 9,50; Roggenkleie 11 Mark. Tendenz: ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 18. Mai. Der heutige Berliner Produktenverkehr steht in Uebereinftimmung mit dem schwächeren Ausland erneut im Zeichen aller Ge- fchäftsstille. Die letzttägigen Schlußkurse, die schon gegenüber dem Beginn schwächer lagen, konnten sich heute nicht voll behaupten.Die Abschläge am Lokomarkt stellten sich für Weizen, wie auch für Roggen, auf ungefähr gleichem Umfange, und belegten sich zwischen 1 und 2 Mark. Die Schwäche fand Aum guten Teil auch durch manches Angebot Unterstützung. Gerste sehr still. Hafer ruhig, da die Deckungsfragen mit Ausnahme nach guten Qualitäten zum großen Teil nachgelassen haben. Mehl lustlos. Auch an der Stille in Futterartikeln hat sich nichts geändert. Im Lieferungshandel war für Roggen Lagerware, die wabrfcheinlich aus den abgenommenen Andienungen stammt, angeboten, doch zeigen sich hierfür wenig Käufer. Die ersten Kurse stellten sich für Mai 1,50 Mark, per 9uli und September 1 bzw. 0,50 Mark matter. Am Weizenmarkt drückt großes Angebot für 9uli und September. Diese Termine wurden 1 bzw. 1,50 Mark unter dem letzten Preisstand festgesetzt. Es wurden notiert (1000 kg): Roggen, märkischer, 175 bis 180 Mark; Sommergerste 189 bis 202; Gerste, inlän- dische, 171 bis 184; Hafer, märkischer, 197 bis 208; (100 kg): Weizenmehl 36,50 bis 39,25; Rog- genmehl 24,75 bis 26,25; Weizenkleie 10,60 bi$ 10,75; Roggenkleie 11,50 bis 11,80: 01.) DaS 3' efigen Einwohners spurlos ter» H tun vorher auf M Md hat heil» itäiarbe und braune it schwarzen Schuhen ich gestreifter DWl lda. BSOl.) Der 3«jitÖ- ier Ausnahme einer Stadt Fulda in jugeftimmt. Der um Ausbau der tung Derwendung m Sonntag wurde in x schwerer ®in» eien den Spitzbuben laretten, verschiedene i Schna-S. Zigarren >e in die stensachsen haben nen Waggon er- em Statt W<» lt fodli wtbraaM t will Spiel ruttj- I,i eom I«™««? it EÄ K erliehen. ® , ist noch eifriger v- S-iien D.T. z. Bezirks Daren il Mann lvr ec^irzenha'^ aten 2. , Hugo „ Jen Berlin, IS Mai Amerikanische Role» .«,,, Belgische Noten Dänische Noten ...... Snglilchk Noten . . Französische Note« ..... Holländische Roten Zltaltenische Noten Nonveaische Noten Deutsch. Lcsterr.,riw Kronen Rumänische Noten Schwedische Roten • ... Schweizer Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Mwartsche Not« . . Paris, 18. Mai. (WB.) Der jüngst ausgeschobene Boxkampf zwischen dem deutschen Schwergewichtsmeister Breiten st röter und dem französischen Halbschwergewichtsmeister Francis Charles fand heute abend statt. Charles schlug Breiten st räter in der zweiten Runde k. o. Frankfurt o-M. Berlin • S«61x«i. Ritr» Äniaua Tatum- 18.5 19 5 18 5 19 5 3*/ Tcutschr RcichSanlrtt» U.3975 0.8925 0.39 0.395 4», Deutsidk Rrich«anl<-id« _ 0.M- S'/s0/« Trursche Rrich-anleid« 0,37 0,385 0.36 _ 3° Tcutschr Reichßanleive 0.16 0 465 _ Tcuischc Svarpramlenanlelbe 0,23 _ 0,2475 _ <% Preuhischc ÄoniolS 0.38 — 0.37 0,380 «° e Hcstcn 0,37 -__ 0,:<65 Hessen 9% Henen....... 0,375 — 0.365 — Deutsche Derld. Dollar-Anl- 100 _ 95,5 _ dto Doll -SLav-Lnrreilug-'s — — **/o HoHturfen 12.25 12 05 1 12,12 _ 5% Äoldmerikaner 40,12 46.4 I - — Berlmer Handelsgesrllichatt Lommer;- und Prioat-BLnk 154,5 152.7* 152,9' 105.5' 105.5 105.5* 105.5' Tanni'l. und Raiionaldaak 127.5 127,5 126,7* 127* Dcutlche Bank 125 125' 125' Deutsche Bercinsdank 8K.5 - Divconlo Lommandii . . Mrialldank ..... Mitteldeutsche Kreditbank Ocslccreichische Lreditanstall 122 __ 121,2' 122* 94.25 108 108.5 109,75 110,5 6,85 6.9 6,9 6,8 Dcstbank . . — Bochumer Gntz ...... 94 59.5 52,12' 94.5* 61,5 52.75 Buder - ........ 59 51.5 62,75 Laro . ....... Deutsch-Lurembura . , 97 101' LZ 96.75 101,12 98.75' 103.6 Selsentirchener Bergwerke. Harvcner Bergbau lloliwerke Aschersleben . . . ne- iis»,5 119 115 120 118,5- Kaliwerk Westeregeln . . . 122,5 _ 123,7» 124.62 Laurahülte ...... Lberbedars . ....... 36 75 50,25 77,5 96.75- — 35,62 52 77.5 36.5 52 78.62* 99.-»5 Phönir Bergbau ...... 79,25*”1 99,9 Rbeinstahl ....... Riebeck Piontan....... Tcllus Bergbau ..... 5# 132,2* tzamourg-Amerika Paket. . . 132,5* 1.31,7* Norddeutscher Llovd . . 127,5* 130,2* 127'9* 131* Cheramische Wirke Albin . . 48,5 _ Zementwerk Heidelberg . . 98,75 98 vbilivv Holzmaun .... 72 71,5 _ Anglo-Tont.-Duano . ... _ 77 Chemische Mayer Alapin . . _ Iä"*':*:* Holjverioblung....... 106* 78,26 61 77.5 160,5* 76 61 - 165’ 79.4 168,2* 76,12 Rütgerswerke........ 78.12 echeidcanstalt ....... 111,75 111.75 — «llc> ElekirtzttälS-Geselllchaft 112- 115* 111,6* 114.7* Bergmann ...... 107 113 101 106* 114 Mamsrastwerkr ....... 99 Schulten ..... Siemens & HalLK ..... 100' 150.75 101,5 151,4 100' 148,6- 101,7' 150,5- Adlerwerte Klener ...... 63,25 63.9 64.9 65,75 63.25 63,4 63.25 64 Daimler Motoren. ...... Hevligenstaedr . Megnin........... 25,5 37,12 — Mowreuwert« Maonbetm — 48,5 — Rranffmntt Armaturen «onserveosabrtt Braun . . 17 40 — Metallgesellschaft Frankfurt. Pet. Union ..... 106,25 73,75 ! 74,5 — Schuhiabrtk vtn . . , 35 1 — 36 — Sichel. .......... 4 _ Zellstoff Batbbof ..... 120^ 121,75 119,5 121 Zuckerfabrik Frankeothal . . .«Zuckerfabrik Gaabäusel . . . 49,25] 58,4 I 49,75 58.5 Amtliche (Selb Kott rung Briei Amtliche Notierung Geld 1 Brief 168,89 169.31 168,74 169,17 1.685 1.689 1.685 1.689 11.81 11.85 11,25 11,29 91,36 91,58 91,09 91,31 110,34 110,62 110,21 110,49 112,26 112,51 112,26 112,54 10,552 10.592 10,557 10,592 15,28 15,32 16,18 16,22 20,414 20,466 20,406 20.458 4.195 4,205 4.195 4,205 12,14 12,18 11,28 12,02 81,13 81,33 81,14 81,34 60.41 60,57 60.42 60.58 1.978 1,982 1.973 1,977 0.616 0.618 0.622 0,624 59,225 59.365 69,25 59,39 12.41 12,45 12,416 12,456 7.40 7.42 7,397 7.417 5.855 5,875 5,86 5.88 3,045 3,055 3,043 3,053 21.425 21.485 21.415 21,465 80,92 81,12 80,90 81.10 2,21 2,22 2,235 2,245 5.59 5,61 5,69 5,61 4,197 4,207 4,197 4,207 4.305 4.315 4.295 4.305 Banknote n. 4,206 4,226 12,00 12,06 110,02 110,58 20,375 20,475 12,19 12,25 168,48 166,32 15,90 15,38 91,24 91,70 59,25 59,55 1,53 1.57 111,97 112.53 81,02 81,42 60,39 60,69 12.40 12,46 5.825 5.865 llk. W neben Schade&Flillgrabe W ® Riesen-Auswahl! Billigste Preise! 4411 also do Mtzlkl! tiellMi ACHTUN6! W» o, 8. -E per ‘ Piufid 30 Pi. öm ESS: ttütoti Liebigstr.71,T. 1685. Seltersweg 73. sr ■ff I '.TlTfl 111 ■. I. UII111H.... J ■ 1.1 ■ II m. /II. .‘^TTTr ui.: Saarbrücken Gegründet 1868 Gegründet 1868 7 b) c) d) 4433c ininiih *Wr 4409V Reich auf Entschädigung verklagt usw. 10 Uhr. 4412V Var "Wisse r mannswinde (fast neu). 43O1D 0,72 fm, 5. Kl. 0,93 fm. Einige Beispiele: mimmiWiiimiiimiiiiiimmmimn'H 4417a ■! Zum kühlen Pfingsten die warme Weste! 4435a IllälUJIllUIIIIIIIIIIIIIIW Erscheinen Gäste an wichtiger forderlich. langen« am w< sämtlicher Mitglieder und diesem Abend wegen äußerst Besprechung unbedingt er- 4419V Der Dorstand. Eintrittskarten zu Mk. 1.00 und 1.50 bei E. Challier, Neuenweg 9, Fr. Busch, Lindenplatz 12, und Lang & Wiederstein, Marktstr. 4, sowie in anderen durch Plakate kenntlich gemachten Verkaufsstellen Lebensfreude 5. Hugo Kaun: Lebenslied 6. Ludw. Thuille: Landsknechtlied 7. Rich. Wagner: Matrosenlied aus „Der fliegende Holländer“ Gerichtsvollzieher in Giehen, Steinstrabe 13. Sicher Pfingftmarkt Am Dienstag, 25. Mai (3. Pfingstfeier- taa) findet in Lich Schweine-, Ziegen- und Lämmermarkt statt unter Mitwirkung des Kreisziegenzuchtoereins Gießen, der mit diesem Markt eine Ziegenschau und eine Prämiierung verbindet. Auftriebszeit ist morgens von 9 bis Zusammenkunft bei der Feldscheuer am Wiesecker Weg. Versteigerung bestimmt. Kessel, Pfandmeister. nütierfl ,ieunmoi ioch em außerha perliche :ft und Menschenleid 1. Joh. Brahms: In stiller Nacht 2. Erwin Lendvai: Glockenlied 3. Hugo Kaun: Weine leise 4. Ant. Bruckner: Trösterin Musik Es werden deshalb alle diejenigen, welche noch nicht Mitglied der Deutschen Rentnerbundes sind, also auch die Personen aus freien Berufen, hiermit aufgefordert, unserem Bunde beizutreten, weil nur hierdurch ihre Interessen am besten vertreten werden. Anmeldungen werden entgegen- genommen jeden vienstagnachmittag von 2-4p/2 Uhr im verkausslsfal der Ortsgruppe, Oberrealfchule, vismarckstrahe. Nicht ungesagt soll bleiben, daß das Wohlfahrtsamt Gießen alles tut, um das bestehende Fürsorgegesetz so weitherzig wie möglich auszulegen und zu befolgen; über den Rahmen der ihm vom Gesetz vorgeschriebenen Befugnisse kann es jedoch nicht hinaus! Das Reich trägt die Schuld! Sch. VekmmLnmchzmg Die Reichsbank bleibt am Samstag, dem 22. ds. Mts. von 12 Uhr ab ge- -----------—- schlossen ===== ———■ 10 Minuten Pause _„■ ■ Heimatliebe 8. Hugo Kaun: Morgenlied 9. Herrn. Suter: Der Wächter 10. Rich. Neuberger: Der Tiroler Nachtwache 11. Felix Mendelsohn: Rheinweinlied 12. Heinrich Zöllner: Die Freiheit Versteigerung. Freitag, den 21. d. Mts. nachmittag 3 Ahr, werden zwangsweise gegen Barzahlung versteigert: 1 Vollgatter mit 22 Sägen u. 2 Wagen, 1 Leiter, 1 Halle mit Anbau, 1 Zimmer- Nutzholzverkaus. Zum Verkauf werden ausgeschrieben: Fichtenstämme: 1. Kl. 9,37 fm, 2. Kl. 1,40 fm, 3. Kl. 10,21 fm, 4. Kl. 29,50 fm, 5a-Kl. 38,78 fm, 5b-Kl. 31,54 fm. kiefernslämme: 4. Kl. 0,85 fm, 5. Kl. 0,49 fm. Fichlenstämme: 3. Kl. 1,61 fm, 4. Kl. M' Cßo Ä H itmei Stimm iängt 1 >at's S ererbt llicht a Jraden Ziere I mit AU Atmen! Akademischer Gesangverein Donnerstag, den 20. Mai, abends 8 Uhr, im groben Hörsaal der Universität. 4436D Dille Ent! M dah den m de schiedenen immer ni tritt Ob allgemein fest gewi McknÜh feiner ( wird, da zweiten heil des nassi/che. fäjigteit, keinerlei eS dem K vor den ebenso \\ Äachte lJehvenn führen v das Der dann.fr chen und Für suche, de beschleuni stellt Mu denen sie allen ( Laufstü ussterssj ^sevorz Männergesangverein „Liederkranz K ■ ’tirm ö' ipätec n und legt 3M 1 rafchung, )ber $U M, °! tines 2a Zugelassen sind nur Tiere aus seuchenfreien Orten Oberhessens. Aus Sperr- und Beobachtungsgebiet dürfen keine Tiere aufgetrieben werden. Händleroieh kann nur aufgetrieben werden, wenn es nach Einführung in den Kreis die vorgeschriebene Quarantäne durchgemacht hat und die Seuchenfreiheit durd) den beamteten Tierarzt bescheinigt ist. L i ch , 18. Mai 1926. Hess. Bürgermeisterei Lich. Völker. Das Holz ist mit Rinde gemessen, Fichten- und Kiefernstämme sind bereits entrindet. Die Verkaufsbedingungen können bei uns eingefehen werden. Bei genügender Sicherheitsleistung wird zinsloser Zahlungsaufschub bis 1. Oktober d. I. gewährt. Bei sofortiger Barzahlung fünf Prozent Nachlaß. Angebote, mit der Aufschrift „Nutzholzverkauf" versehen, sind bis zum Mittwoch, 26. Mai d. I., vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen. Lich, 12. Mai 1926. Hess. Bürgermeisterei Lich. Völker. DiTZIMEM-STUTTGART MlttstggMKWM nchmW 2 Uhr versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier zwangsweise gegen Barzahlung: al 3 Registrierkassen. 2 Standuhren, Gasherde bunker & Ruh — Gaggenau in größter Auswahl WfWet,®flWr.35 Erleichterte Zahlungsbedingungen. Auf Wunsch Ratenzahlungen. V - Beste Bezugsquelle für gute Schuhwaren für Damers, Herren und Kinder vom Einfachsten bis zur feinsten Ausführung Erednerstratze 14. Televh. 850. $4* ten M hin Der Zusammenschluß aller Rentner sowie aller nach dem bestehenden Fürsorgegesetz diesen gleichgestellten Personen (männlichen und weiblichen Geschlechts) aus freien Berufen, als wie: Aerzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Ingenieure, Rünstler usw. ist unbedingt erforderlich, um der Bundesleirung des Deutschen Rentnerbundes durch die Masse der Mitglieder in ihren fortgesetzten unermüdlichen und zielbewutzten Bestrebungen der Reichsregierung gegenüber den Rücken zu stärken. Während alle auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassenen Verordnungen durch Gesetze abgelöst worden find, ist die Rentnerversorgung bis heute nicht geregelt. Der große Kampf, der schon seit Fahren zwischen der Bundesleitung des Deutschen Rentnerbundes und der Reichsregierung geführt wird, besteht darin, daß sich letztere nicht für verpflichtet hält, in dem Maße das Los der Rentner, also eines großen Teiles des ehemaligen durch die Schuld des Reiches verarmten Mittelstandes, gesetzlich so zu regeln, wie sie dazu verpflichtet ist, und wie es das ganze Rentnertum verlangen kann und muß. Wir verlangen deshalb eine unserem verlorengegangenen vermögen entsprechende relchsgesetzlich gereaelte Rente und nicht nur eine Rlmosenabfindung, wie fie uns durch das bestehende ganz unzulängliche Zürsorgegesetz hingeworfen wird. Wir wollen als staatspenfionäre betrachtet und behandelt sein, so gut wie jeder Beamte i. R., denn wir, der verarmte Mittelstand, sind es gewesen, der den Staat zu dem gemacht hat, was er war, indem wir die Steuern aufgebracht und Kriegsanleihen gezeichnet haben. Wir haben alles dem Staat hingegeben im Vertrauen auf seine Kreditwürdigkeit und verlangen jetzt nur, dah er uns ein menschenwürdiges Alter gewährleistet. Unwürdig aber ist es, wenn ein Kulturstaat sich seine Schulden dadurch leicht zu machen sucht, indem er zur Abtragung diejenigen heranzieht, deren Schuldner er selbst ist. Es sei nur hier auf die einzelnen Bestimmungen des herrschenden Fürsorgegesetzes hingewiesen, als wie: Heranziehung unterhaltungsverpflichteter Angehörigen, Verpfändung von Inventargegenständen und Zimmereinrichtungen, Zimmervermietungen usw. Wer die Schuld an einem Unglück trägt, ist auch verpflichtet, dasselbe nach Möglichkeit wieder gutzumachen. Unab- lässig arbeitet die Bundesleitung des Deutschen Rentnerbundes in Berlin in diesem Sinne zu unserem Vesten. Sie ist Mitkämpferin für ein verbessertes durchführbares Aufwertungsgesetz; sie hat einen Gesetzentwurf zur Rentnerversorgung ausgearbeitet, der dem Reichstag bereits vorliegt; sie hat das Sportwesten, Schlupfwesten Modehaus (Pullover»), in Hunderten f f)l| _______ von Stücken zur Auswahl M UU Plagen per Stück I _ UdlUlIHNI Mk. 15.00. 12.00, S — Schulstrafle Bet imletütcc Verdauung und Verstopfung nehme man fciiicSlbfüürurittcl sondern esse nur regelmasttg 03505 ZiMM- bwt. Immer frisch zu baden im Reformhaus Kreuzplatz 5. Freibank. Donnerstag, den 20. Mai 1926, v. vor- inilt. 8 Uhr ob <403D WWeiW. WWWZ MW k WWW k Hofenn^ e WlMwM WWeA empfiehlt billigst Rips- u.Seidenmäntel Sommer-Kleider handln vielen Farben undÄAnn bedr. Bastseide, waschb. — feschen Formen □'□UU Kunstseide,mod.Jumpen QuU 59.-, 49.-, 39.-, UU form, 39.-, 29.-, 19.50,13 50, U Kostüme U. Complets lifaiRa Capeskleider in den neuesten For- _ ___ WulUu Jackenkleider men u. Farben, ganz flQOO Complets F QQO a. 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Mai 1926, von vormittags 49 Uhr ab, in der Gastwirtschaft Ludwig vom Schloß in Neustadt aus den Förstereien Neustadt und Allendorf folgendes Holz: 4413D Einige Eichen-, Kiefern-, Fichtenstämme und Fichtenstangen in kleinen Losen. 1 rm Eichen-, 2 rm Buchennutzscheiter. Brennholz: 170 rm Eichenscheiter, 140 rm Eichenknüppel, 1000 rm Eichenreiser 3. Kl., 70 rm Buchenscheiter, 100 rm Buchenreiser 3. Kl., 40 rm Kiefernscheiter, 70 rm Kiefernknüppel, 50 rm Fichtenscheiter, 20 rm Birkenscheiter, 12 rm Aspenscheiter und -knüppel. Das Nutzholz wird zuerst verkauft. Zahlungen können im Termin geleistet werden.______________________________ WWeuMM"WL Ausslommg Mein u-Drelsroeti o(e Brühiw Unlo.-DrufleteL L Lange. Gletzea. SLuislr.?. GoetheBimd Donnerstag, 20. Mai, abends 8 Uhr pünktl. im Kaufmännischen Dereins- haus, Nordanlage <4lsc MrtSdineider liest aus seinen Vorverkauf: Challier,Aichtmitglied.M. 1.50 Mitglieder Eintritt frei. Wegen Aufgabe des Artikels. :::: Damen- uni 'lerrenlahrräder:::: zu staunend billigen Preisen, darunter eine Rennmaschine komplett 150 Mk. Heinrich Appel, GIESSEN, 4429D: ...................................................... daS Ter Qv’ Hr. U5 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Aus dem Reiche der Frau. Mittwoch. 19. Mai 1926 3ie lernt das Kind gehen? Von Dr. Gustav Tugendreich, Berlin. Wie [ernt das Kind gehen? — Wie lernt das Kind atmen, schreien, saugen? DaS Kind ist da, und unmittelbar nach der Geburt itmet es ein und aus. schreit mit kräftiger Stimme und, an die mütterliche Brust gelegt, änpt es alsbald an, eifrig zu fäugen. Ä.emand )at S gelehrt! uralte Triebe, durch Jahrmillionen »ererbt und enttoidelt, werden hier wirlsam. Aicht anders verhält es sich mit den verschiedenen Droben der Kunst, sich fortzubewegen. Fast alle Tiere bringen die Fähigkeit, sich fortzubewegen, mit auf die Welt, genau wie die Fähigkeit des Atmens, Saugens u. a. Das Küken pickt die Schale auf und läuft munter umher. Das me.ftch- iche Küken wird nicht so vollendet aus dem nütterlichen Schoße In die Welt entlassen. Der leunmonatigen Entwicklung im Mutterleibe folgt 'och eine sehr viel längere Zeit der Entwicklung außerhalb deS Mutterschoßes. Daß aber die körperliche Entwicklung des Kindes, falls es gesund st und unter natürlichen Bedingungen aufwächst, ohne- besondere pflegerische oder erzieherische Maßnahmen verläuft, ist zweifellos. Die Entwicklung der sogenannten statischen Funktionen, also das 61 Ben, Stehen, Kriechen, Gehen ist aufs maste abhängig von der Entwicklung des Nerven- 'hstemS, insbesondere des Gehirns. Die unbefangene mütterliche oder ärztliche Beobachtung am wachsenden Kinde bestätigt das ohne weiteres, stimmt die Mutter das neugeborene oder wenige Wochen alte Kind auf den Arm, so sinkt sein Stinn haltlos auf die Brust. Wenige Wochen später wird der Kopf dabei aufrecht gehalten, und legt dann die Mutter das Kind auf den Bauch, so sieht sie zu ihrer freudigen lieber- raschung, daß es den Kopf hebt. Keinerlei Hebung »der Hilfe ist dazu nötig gewesen. Und ganz ebenso, ohne unser Zutun, sitzt das Kind, steht es ines Tages, fängt an zu kriechen oder auch gleich, aus der Stehhaltung heraus, sich an Gegenständen haltend, die ersten Schritte zu tun, und eines schonen Tages, nachdem dieser Zwi» chenzustand mehr oder minder lange gedauert bat, läßt es die Hand los von dem haltgebenden Gegenstand und geht frei daher. Wie wenig wir diese Entwicklung beeinflussen können, erhellt daraus, daß trotz der verschiedensten Aufzuchtmetho- hen m den verschiedenen Zeitaltern, bei den verschiedenen Böllern der Beginn des Gehens doch immer nach einem bis anderthalb Jahre eintritt. Ob der Säugling toi* in vergangenen Zeiten allgemein und auch heute noch bei einigen Böllern fest gewickelt wird, ob er — wie wir es für zweckmäßig halten — in der Bewegungsfreiheit seiner Gliedmaßen möglichst wenig behindert wird, das selbständige Gehen tritt zu Beginn des zweiten Lebensjahres ein — immer die Gesundheit des Kindes vorausgesetzt. Daß durch gymnastische Hebungen ein früherer Beginn der Geh- sählgkeit zu erzielen ist, dafür läßt sich bis jetzt keinerlei Beweis erbringen. Sicher ist aber, daß eS dem Kinde keinerlei Borteil bringt, wenn es vor dem normalen Termin laufen lernt; ebenso sicher ist es, daß es dem Kinde Nachteil bringt, wenn man den Beginn des Gehvermpgens gewissermaßen künstlich herbeizuführen versucht. Wir törnicn zur Mutter Natur das Vertrauen haben, daß sie das Kind gerade bann „freilaufen" läßt, wenn seine Organe. Knochen und Muskeln dazu bereit und fähig sind. Für das gesunde Kind sind daher alle Versuche, den Eintritt des großen Ereignisses zu beschleunigen, unnatürlich und schädllch. Man stellt Muskeln. Knochen und Sinne vor Aufgaben, denen sie nicht gewachsen sind. Daher ist vor allen Versuchen, durch Laufgürtel, L a u f st ü h l e usw. das Gehenlernen zu unterstützen, nur dringendzuwarnen. Die vorzeitige Belastung führt leicht zu Der- irümmungen der Deine und zu Senkungen des .Fußgewölbes, Schädigungen, die lange Zeit zur Heilung gebrauchen und deren Behandlung in Schonung der Deine, also in Deschränkung des Sehens liegt Mütter also, die nicht erwarten können, daß ihr Kind selbständig läuft, müssen Id D't dadur h bäßen b in einem Alter auf ärztliche Anordnung viel liegen müssen, in dem die anderen Kinder munter umherspringen. Achtung vor der natürlichen Entwicklung ist das oberste Gesetz aller körperlichen und geistigen Erziehung. Diese Entwicklung verläuft bei jedem Kinde in besonderer Dahn. Daher führen die beliebten Vergleiche des eigenen mit anderen gleichalten Kindern oft zu nichts Gutem. Für den Gesundheitsstand bedeutet es gar nichts, ob ein Kind mit zwölf oder mit vierzehn Monaten laufen lernt. Tlun gibt es freilich .Kinder, bei denen der Beginn des freien Gehens durch krankhafte Zustande weit über die Norm hinausgezögen wird. Wenn ein Kind in der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres oder gar noch später keinerlei Anstalten zum Gehen trifft, so muh stets ärztlicher Nat eingeholt werden. Meist wird der Arzt barm die schwerere Form der englischen Krankheit feststellen, die ja zu einer Schädigung der Knochen und Muskeln führt. In seltenen Fällen sind Knochen und Muskeln, der Gehapparat, gesund und in Ordnung; der Wille ist zu schwach, um diesen Apparat in Bewegung zu sehen; hier handelt es sich dann um Willensschwäche Kinder. Aur um eines haben sich die Ellern zu sorgen, daß bei dem zunächst unsicheren Gang das Kleine keinen Schaden nimmt; vor allem sind alle scharfen Gcken und Kanten an Schränken. Tischen usw unschädlich zu machen. Im übrigen beschädigen sich die Kinder bekanntlich äußerst selten ernstlich. Das geringe Gewicht, die geringe Fallhöhe des kleinen Körpers, die Elastizität der Knochen, sie wirken zusammen gegen eine schwere Verletzung beim Fallen. Natürlich wird das Auge der Mutter wachsam den ersten selbständigen Gehversuchen chres Sprößlings folgen. Empfehlenswert ist für den Kriechling und unselbständigen Geher das „Ställchen", das dem Kinde durch fein Geländer eine gute Gehunter- stühung gewährt und ariderseits die Gefahren des Fallens fast ganz beseitigt. Als Ersah hierfür kann auch das Bett des Kindes dienen, wenn das Gitter in seiner Höhe genug Sicherheit vor dem Herausfallen bietet. Man entfernt dann die Zudecke und läßt das Kind in diesem seinen „Ställchen" auf der mit einem Laken überzogenen Matratze seinen Tatendrang entwickeln. Was die Somitwrmofce bringt. Um es ganz kurz zu sagen: Spitzen, Dor- dürenstofte, buntgemusterte Voiles und Crepes, vorzugsweise Punkt- und Kugelmuster, und Taffet. Das sind die Stoffe, die verarbeitet werden. Doch sehen wir uns zuerst nach dem Prak- ttschen, der Heberhülle um. Capes und Mäntel wetteifern um die Gunst der Frauen, doch ist noch nicht recht ersichtlich, wem sie endgültig zufallen wird. Wo es der Geldbeutel erlaubt, vermutlich beiden ... Das Jackenkleid tritt noch mehr in den Hintergrund, und es ist auch verständlich, daß man zu den duftigen Sommerkleidern gern das leichte, lose Capes trägt, wird doch das zarte Material nicht so zerdrückt wie durch den Mantel oder die Jacke. Als besondere Neuheit falben wir an diesen Capes den Pelzkragen. Warum nur im Winter Pelze?, fragte die Reichspelzwoche, und die Frauen sagen beifällig: Ja, warum eigentlich ... Die Kleider haben. obwohl sie nur mäßig weit sind — enger als bisher die mit Glockenfalten gezierten winterlichen — alle die Tendenz zu flatternder Beweglichkeit. ein Effekt, der durch die schmalen langen Bänder erzielt wird, die den Kragen oder den Ausschnitt abschließen, durch Jabots und gereihte Volants. Namentlich die Bordürenstoffe verarbeitet man gern so, daß dem schlichtgehaltenen, mitteltief herabreichenden Taillentell die Dor- düre faltig in einem großen oder mehreren kleinen gezogenen Volants angeseht wird. Die buntgemusterten Stoffe: Voiles, Crepe marocains, leichte Seiden zeigen wunderschöne Farben, die sowohl dem Geschmack der Textil- fabrilen wie der Farbenindustrie das beste Zeugnis ausstellen. Auf farbigem Grund ließt man viel schwarze Musterung. Sehr beliebt find, wie gesagt. Punll- und Strichmustemngen: erstere von winzigen Pünktchen bis handtellergroßen Kugeln. Diel sieht man auch türkisch bunte Stickereien auf weißen Stoffen. Sind diese Buntftoffe für die Straße berechnet, so verwendet man für festliche Gelegenheiten, Gartenfeste usw. mit Bor- liebe Spitzen in matten Schattierungen, milchfarben, mahn', zartes Korallenrot, weiche Silber- spitze, blau. Mmmergrau, llchtgrün — kurz, alle feinen Pastelllönnungev. Spitzenkleider werden gern mit Perlstickereien in gleicher ober ab- stechender Farbe, ja auch mit biskreter Straß- Stickerei geschmückt Die Chantillyspihe ist das vornehmste Material für diese Kleider. Sehr viel wird Silberlame zum Unterkleid verwendet. abi.r sonst läßt man abstechende Unterkleider nicht gellten, sondern hält sie in der gleichen Farbe wie die Spitze. Eine Neuerung noch: der bunte, flache Son- nennschirm. den Chinesenschirmen nachempfunden. Sehr beliebt sind Sonnenschirme aus Daststoff, der bald großblumig, bald mit Keiner, immer aber bunter Musterung auftritt. Farbe ist Trumpf in der Mode dieses Sommers. Sibylle. Wohnkultur. In den letzten Jahren hat sich das allgemeine Interesse in erhöhter Weise der Wohnkultur zugewendet. Allenthalben werden in Borträgen und Aufsätzen fruchtbare Anregungen zu ihrer Hebung gegeben, die lebhafte Aussprachen und Erwiderungen zur Folge haben — em Beweis, daß das Be- dürfnis nach Besserung groß und die Wichtigkeit der Frage anerkannt ist. Leider wenden sich die Ratschläge der Fachleute zumeist an Siedler, an angehende Billenbesitzer oder an Menschen, die ein neues Heim von Grund aus aufbauen wollen und benen größere oder geringere Mittel dafür zur Verfügung stehen. So sind z. B. die interessanten Neuerungsoorschläge von Bruno laut nur für jene brauchbar, die ihre Räume auch architektonisch mit der Methode der Schmucklosigkeit in Einklang bringen können, wo also Möbel eingebaut, bilderlose Wände individuell bemalt werden können und breite, niedrige Fenster Vorhänge überflüssig machen. Eine normale Mietwohnung dagegen, mit ihren unmotiviert hohen Zimmern, den schmalen gestreckten Fenstern, dem Ofen, der gewöhnlich zwischen zwei Türen eingeklemmt ist, würde sich ohne Teppiche, ohne Bilder, ohne Vorhänge usw. in kläglichster Kahlheit präsentieren. Vorweg sei die paradoxe Behauptung aufgestellt, daß die wenigsten Menschen überhaupt eine Ahnung von häuslichem Behagen besitzen. Sie empfinden mit unklarem Bedürfnis, daß es angenehmer sei, die Stunden der Muße lesend auf einem Lehnstuhl beim sonnigen Fenster oder beim geheizten Ofen zu verbringen, statt auf einem har- ten Sessel bei Tisch, aber es bedarf so vieler komplizierter Vorkehrungen, bevor der gewünschte Zu- 'stand hergestellt ist, daß sie aus „Bequemlichkeit" lieber darauf verzichten. Der Lehnstuhl steht zwar beim Ofen, aber die Lamoe ist meilenfern davon und sendet keinen Lichtschein in die dämmerige Ecke; das sonnige Fenster lockt, aber nur der Blumentisch Mht davor; der müßte erst weggerückt, und der bequeme Stuhl, der irgendwo im düstersten Schatten hockt, an seine Stelle geschleppt werden. Nach ungeschriebenen Gesetzen stehen nämlich die meisten Möbel so, wie es herkömmlich ist, wie man sie in der gleichen Anordnung in tausend Wohnungen wiederfindet. Dem Büfett des Speisezimmers zum Beispiel sollte man unerbittlich den Krieg ansagen. Es war für eine Zeit gedacht, wo die Hausfrau große Schätze an Porzellan, Glas und Silberzeug ihr eigen nannte, sie zum Teil in feinen Fächern aufbewahrte, zum Teil auf feiner Platte zur Schau stellte. Heute haben sich die Zeiten leider geändert; in jungen Wirtschaften besteht fein llebermaß an solchen Dingen mehr, in alten schwindet es durch den Gebrauch hm, ohne daß Nachanschaffungen leicht möglich wären, und nicht allzu viele Familien von gediegenem Reichtum verfügen heute noch über Service für zwöli und mehrere Personen, vom Speise- bi» Z»m Motka-, vom Pier- bis zum Likörservice. Wa» übrig bleibt, ist die Kredenz ein Ungetüm, das sehr viel Raum einnimmt und ebenso veraltet wie unschön wirkt. In einem kleinen Schränkchen ist meist Platz genug für Glas und Porzellan, und was für den Alltag nicht gebraucht wird, kann in einem gewöhnlichen Wandfmrank ebensogut untergebracht werden. Damit wird das Speisezimmer zum Wohnzimmer, man gewinnt Raum für eine gemütlich« Ecke mit einem Tischchen, ein paar bequeme Sessel, einem Bücherregal oder für das Klavier, da» bisher in den ungeheitten Salon verbannt war. Vergönnt man sich noch die bescheidenen Kosten, außer der Lampe in der Mitte eine Stehlampe montieren ’u lasten, so hat man ein sehr gemütliches Zimmer, besten Behagen eben darin besteht, daß es benutzt wird und nicht bloß für Gäste da ift. In gleicher Weise gehe man mit dem Herrenzimmer und den übrigen Räumen vor: Man laste nur jene Gegenstände und Möbel darin, die man wirklich braucht und die Freude machen, und weise unnachsichtig alles ab. was bloß das Ansehen vor Fremden hebt Spricht man von Wohnkultur, so muß besonder» auch der Wandbekleidting gedacht werden, denn die Tapete ist es, die dem Raum das Gepräge gibt. Es aibt absolut waschbare und lichtechte Tapeten, mit denen reiche Vrunkwirkunaen erzielt werden, doch gibt es unter diesen auch Muster, mit denen Wohnungen ebenso billig wie geschmackvoll ausgestattet werden können. Auch dem Fußboden her modernen Wohnung muh eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet wer- den. Das geschieht durch Linoleum mit durchgehendem Muster, das bis auf den Grund reicht und daher nicht abgetreten werden kann, «owohl die Art de? Musters wie die Farbe des Linoleums muß dem Zweck, welchem der Raum dient, aber auch der Farbe der Wände und Möbel entsprechend, dekorativ angepaßt werden. Wohnkultur — das heißt, sich den Rahmen für feine Erscheinung und seinen Lebensstil schassen. S. H. Für die Küche. Verlorene Eier. In einer flachen Kasserolle erhitzt man Wasser bis zum Kochen, gibt etwas Essig und Salz hinein. In das Wasser schlage man vorsichtig. so daß sie hübsch beisammen bleiben, die Eier und lasse sie unter fortwährendem Schütteln der Kasserolle 2 biS 3 Minuten kochen, bis das Eiweiß ganz gestockt ist. Die Sier werden mit einem durchlöcherten breiten Sieblöffel aus dem Wasser gehoben; wenn sie richtig gekocht sind, müssen sie beinahe dieselbe Form haben, wie ein gekochtes, geschältes, kernweiches Ei. Gebackenes Hasche«. Man hackt beliebige, gekochte oder gebratene Fleischreste, mischt einen gewässerten, gehäuteten, entgräteten, feingehackten HeringSrücken, eine gD hackte Zwiebel, einen tiefen Teller voll geriebener, tagszuvor gekochter Kartoffeln, Salz, Pfeffer, geriebene Semmel, ein Ei und ein paar Löffel saure Sahne mit dem Fleisch, daß die Masse breiig erscheint, man kann auch etwas Mehl oder zerlassene Butter hinzugeben, fallt sie in eine mit Butter bestrichene Form und läßt das Gericht in mäßiger Ofen Hitze eine Stunde backen. Prager Speise. Neis wird mit Milch, etwas Zitronenschale, Salz und Zucker weich gekocht. QLpfelmuS hält man warm vorrätig. Man bäckt drei Eierkuchen, legt einen auf eine heiße Platte, streicht dick Apfelmus, dann Reis darauf. Cs folgt der zweite Eierkuchen mit Mus und Reis und als Deckel der letzte Eierkuchen, den man mit Zucker und Zimt bestreut. Das Liesl vom (Bnblerbräu. Eine Psingstgeschichte. Bon Georg Hirschseld/ „Misten Sie, was ich immer für die Hauptsache angesehen habe. Der Mensch muß ganz sein, was er ift Es kommt auf die Meisterschaft an. Da gibt es gar keine Berufsunterfchlede. Ein Bäcker, der diese Salzbrezeln backt, ift im Grunde mehr als ein Virtuose, der immer denselben falschen Ton spielt Sehen Sie sich das Mädel an. Ja, ja, die Blonde. Das ist Liesl. Ich beobachte sie jeden Mittwoch und Samstag. Sie ist Kellnerin, nicht wahr, und noch jung. Sie ist der Zenta, der dicken Kassiererin, unterstellt. Aber: sie beherrscht schon ihren Beruf. Sehen Sie mal den wundervollen Ernst, mit dem sie die Maßkrüge oorüberträgt. Sechs Stück in ihren kleinen Händen. Die Kalbshaxe, die sie Ihnen brachte, war ihr etwas Feierliches. Als Sie an den gemischten Salat erinnerten, nahm sie die Sünde der Kassiererin auf sich." Der junge Mann, an den diese Worte gerichtet waren, lachte erst zu Ende. Dann sagte er: „Das Mädel ist übrigens ganz entzückend. Im Ernst, Herr Professor. Direkt Botticelli. Herb und süß. Eine geistige Feinheit, die ins Odeon paßt, nicht ins Gab- lerbräu. Wenn Ich nicht morgen nach Rom weiter müßte — weiß Gott, ich würde sofort Bekanntschaft machen." Der ältere Herr hüllte sich in Rauch. Seine behagliche Stimme klang etwas härter: „Was heißt das? Das geht beim Liesl nicht so rasch." „Ich hab' ja in diesem Fall noch keine Erfahrung. Aber — wenn ich an die Münchener Mädeln im allgemeinen denke . . . Darf ich mir die Frage erlauben, ob der Herr Professor die Kleine noch nicht „näher" kennen, wenn Sie sie jeden Mittwoch und Samstag beobachten?" „Nein. Ich kenn' sie überhaupt nicht. Ich hab' erst ein Dutzend Worte mit ihr gewechselt." Die blanken Augen des jüngeren Musikers lächelten in sich hinein. Das Liesl hatte in ihrem Berufseifer nur Bruchstücke. dieser Unterhaltung aufgefangen. Ihr Bedienungsfeld umfaßte acht wohlbesetzte Tische. Da hieß es aufpasten. Dennoch fügte es nicht nur der Zufall, daß sie ihren Weg zum Büfett immer an dem Tisch des Herrn Professors vorbeinahm. Sie gestand es sich nicht ein. Aber so unbewußt ist kein Münchener Mädel, daß es sich nicht von einem Mann beobachtet fühlte. In diesem Fall war alles nur Ehrung und zärtliche Scheu. Es handelte sich ja um Herrn Professor Madlener, den berühmten Komponisten, den der Wirt als den wichtigsten Stammgast bezeichnet hatte, obwohl es ein Eigenbrödler war, der immer allein saß. Die Gesellschaft eines durchreisenden Schülers heute war eine Ausnahme. Doch, wie gesagt, von seiner Unterhaltung mit dem jungen Mann hatte Liesl kaum etwas aufgefangen. Es gehörte sich ja auch gar nicht, daß sie die Gespräche der Gäste belauschte. Nun kam einer der großen Augenblicke ihres Tages. „Sein Krügl" stand offen. Sie näherte sich mit rascher Zierlichkeit: „Noch eine Halbe, Herr Professor?" — „Ja, mein Kind." Diese drei Worte nahm Liesl wie einen Schatz mit. Um zehn Uhr verabschiedete sich der junge Herr. Bis halb elf saß Professor Madlener noch allein — dann ging auch er. Er war ein einsamer Junggeselle. Er ging recht mühsam. Liesl schoß zu ihm hinüber und brachte ihm erst seinen Stock. Dann half sie ihm in den Mantel. — „Danke schön. Ist bald Pfingsten", sagte er und sah sie zum erstenmal lange an. Sonst sagte er nur noch: „Auf Wiedersehen." Liesl kämpfte mit einer Bewegung, die nur dieser Frühling brachte. Das Lokal wurde leer. Die Mädchen konnten rasten. — „Geh' her", sagte die dicke Zenta. „Setz' dich zu mir, Liesl. Du läufst dir ja noch die Schwindsucht an." Sie strich ihrer jungen Gehilfin über das schimmernde Haar: .Bist ja so heiß. Ja, ja — das tut der Frühling. Mußt dir auch mal a Gspusi anschaffen, Madl. Bist groß und sauber — ;a — auf dich schaut ein jeder." „Aber Zenta!" Das war am Samstag gewesen. Arn nächsten Mittwoch fragte Professor Madlener plötzlich: ^Warst du heute in der Mai an dacht, Liesl? In der Frauenkirche, mein' ich?" Sie zitette. Es zuckte um ihren feinen Mund. „Ja, heut war ich . . ." „Ich nämlich auch. Ich hab' dich gesehen. Schön roafs — gelt?" • Sie nahm fein Krügl und eilte fort Als sie am Büfett die Bratwürste! für ihn hotte, dachte sie fiebernd: „Ich hab' ja für ihn gebetet, daß er nimmer so einsam bleiben möcht', der liebe, gute Herr!" . . . Sie kam mit den Würsteln zurück. Er starrte sie mit seinen großen, blauen Augen an. Sie wußte nicht, daß ihr die Tränen über die Augen liefen. „Na, Liesl, hast du Kummer?" „Nein, Herr Profesior." „Was machst du denn zu Pfingsten?" „Ich weiß nicht, meine Mutter bleibt immer daheim." „Besuch' mich doch. Ich fahr' am Samstag nach Dieffen. Da hav ich ein nettes Häusl und einen großen Garten. Besuch' mich, gelt? Das tut dir gut nach der vielen Arbeit in der schlechten Lust. Zu mir darfst schon kommen!" Sie nickte nur und sand kein Wort. Später sagte die Zenta mit forschendem Blick: .Liesl, Liesl, ich glaub', du bist heut aufgewacht. Das ist brav — zu Pfingsten. Ja, ja — 's halt ein närrischer Frühling heuer." Dann sah Zenta, wie Liesl dem Herrn Professor behilflich war. „Jesias Maria," dachte sie, „das dumme Madl hat sich doch nicht in den Madlener verliebt? Der ist zu alt für sie und ein Kriegs- inoalid. Sie schaut ihn wie ihren Herrgott an." — Wartend stand Robert Madlener in seinem Diessener Garten. Blau war der Himmel und noch blauer der Ammersee. „Das ist der sonderbarste Frühling, den ich je erlebt habe. Es gibt soviel Blüten, daß der Mensch nicht atmen kann." Diese schweren Gedanken wurden plötzlich unterbrochen — eine schmale, weiße Gestatt kam zögernd heran. War das Liesl? Ja, sie war es. Nun glaubte er sie erst wahrhaft zu sehen. Ein Hut mit hellem Band, ein lichtes Kleidchen, lichte Schuhe — das schwarze Berufskleid war verschwunden. Seltsam — er konnte wieder atmen. Er ging mit dcm entzückenden Mädchen durch den Gatten, er zeigte ihr sein Haus. Nach dem Essen im Wirtshaus ruderten sie. Sie genoffen den Feiettagsfrieden. „Mein Kind", sagte er, ihre schmale Hand haltend. „Machen der Herr Profeffor sich alles alleine?" fragte Liesl plötzlich. Es schien das Resultat einer tiefen Ueberlegung zu sein. „Natürlich, Kind. Ich hab' nur eine Zugeherin und esse im Wirtshaus. Auch in München. Ich war übrigens immer alleine." „Das muß wohl ein Künstler sein?" „Will ich nicht sagen." Nach dem Rudern wandetten sie am Ufer, bis die Sonne des ersten Feiertages sank. — „Darf ich deinen Arm nehmen, Liesl? Es fällt mir sonst schwer, so lange zu gehen." Sie bot ihm den Arm so freudig, daß ihm das schönste Thema seines Lebens einfiel. Er führte ins- geheim das ganze Adagio aus, während er an ihrem Arm ging. Liesl aber hatte den Ausdruck heiligen Mitleids in ihren Augen. Abends blieben sie in seinem Hause. Sie behalfen sich mit seinen Vorräten, die er hatte. Liesl briet Spiegeleier, und der Professor erklärte, nie etwas so Köstliches gegessen zu haben. Er sah aber allmählich, daß sie kein Zeitgefühl mehr hatte. „Nun mußt du fort — nach Herrsching", sagte er. Da erhob sie sich sogleich. Nun riß es ihn plötzlich hin. Er küßte ihren unberührten Mund. Liesl sank in sich zusammen. Sie meinte nicht, aber sie war entrückt. Sie konnte nicht ausstehen und sich rüsten und zum Schiff gehen. Es war ein Zustand, der ihn an seine Lähmung im Lazarett erinnerte. Es blieb ihm nur übrig, sie zu behalten. Er richtete ihr ein Lager und bettete sie darauf. „Ich werd's deiner Mutter erklären", sagte er. Doch da» schien ihr keine Sorge zu sein. Sie blieb auch den Montag bei ihm. Es wurde noch einmal Abend. — „Mein liebes Kind, mein einziger Besitz, du Hort meiner Kunst und meiner Hoffnung — ich bringe dich jetzt nach München, zu deiner Mutter und nehme die Angst von der allen Frau. Sie wird mir glauben." „Muß ich dann ins GablerbrSu zurück? Ich will schon, wenn du kommst." „Nein, das Alte liegt nun im Nebel für dich und für mich. Bleibe bei mir, fei mein Kind, bis ber Mann deiner Zukunft kommt." „Der ist schon da. Es gibt keine Zukunft sonst. Laß mich dienen, laufen, schaffen für dich'" „Liesl, du nimmst den Bann von mir. Bin ich nicht zu alt?" Als die Bäume seines Gattens Frücht« trugen», führte er sie in München zum Altar. 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mertens das war der Stationsvorsteher — BAD KREUZNACH Direkte Schnellzugsverbindungen nach allen Richtungen im herrlichen Nahetal, 15 Minuten von Bingen am Rhein. heilt Empfehlenswerte Gaststätten: Sole und Radium Europäischer Hof Pension v. 8,— Mk. an Parkvilia n Hotel Quellenhof 8 — Mk Auskünfte und Kurschriften durch die Kurverwaltung. 37828S H Schönster Frühjahrsaufenthalt Preiswerte Cafe Atmend Besonders preiswerte Strümpfe! Unterzeuge mit verstärkter Hauskapelle ‘“'c schwarz und farbig 0.65 0.95 1.10 *]95 225 4.75, 3.75, 2.85, makofarbig farbig 1.75 2.00 2.20 2.50 1.10, 250 Einsätzen . Extra-Größen Julius Schulze Markt 16 Gegr. 1859 Kreuzplatz 4415a 4410a Gardinen-Reste Lmdenplatz 1 abgegeben “iea M»X Frauen- und Kinderkrankheiten, Rheuma, Gicht, Ischias, Herzbeschwerden, Hautkrankheiten, Alterserscheinungen. werden ganz besonders billig .. 6.25, 4.75, 3.50, für starke Herren stets vorrätig Nur erstklassige Fabrikatel Erprobte Qualitäten! Damenstrümpfe Waschseide, schwarz il alle mod. Farben 2.75 Damenstrümpfe baumwoll-gewebt, Doppelsohle, Hochferse „sagte man, die letzten beiden Wochen wär' sie nicht gekommen. — Na, kann man sich ja gar nid) über wundern, nich? Hamburg ist doch viel vergnügter als Kiekvondiek. Und wo sie da immer so nette Gesellschaft hat--" War es der Ton, war es ein Blick — Frau Mar- grit wurde stutzig. Aber merken ließ sie es nicht. „Ja, sie hat sehr nette Kameraden." „Und Herr von Brockdorf, nich? — Ja, er hott' doch wohl hier schon 'ne kleine Neigung für sie. Ich Konzerte - Spiele — Theater - Sport Bedeutender Preisabbau. sagt' schon immer zu meinem Mann: Emil, sollst mal sehen, Frau Bunsen kriegt noch 'nen ganz vornehmen Schwiegersohn." „Da haben Sie wohl sehr falsch gesehen." „Na, sagen Sie das nicht! So ’n Mann, wenn er nicht mehr der Jüngste is, Gott, an die Vierzig muß er doch bald ran fein, die verlieben sich grab in die Allerjüngsten. Und neulich in ,Tristan und Isolde' — ich war da auf drei Tage in Hamburg mit meiner Kusine, Frau Berbohm — da sah ich sie doch zusammen. Und wie er sie ansah! — Sie haben mich beide gar nicht bemerkt, sie guckten bloß immer einer den andern an. Zu nützlich. Könnt' man ordentlich seine Freude an haben." Und wieder der schiefe Blick. Frau Margrit wurde es heiß und kalt. Was war das? Hatte es darum immer gerufen und gewarnt, und sie hatte es nicht verstanden? War ihr Kind in Gefahr? Ihr kleines, liebes, sanftes Rosekind? Sie zwang sich zum Lächeln. „Gut, daß wir alle Ihre lebhafte Phantasie kennen, Frau Qualmann. Da in der aufregenden Oper ist sie ganz mit Ihnen durchgegangen. Natürlich ist es besser, Rose geht mit einem Bekannten als alleine, dabei kann wohl niemand etwas finden. Was Sie sonst sahen — —" Und sie zwang sich zum Lachen. Erst als die andre gegangen, tarn es ihr zum Bewußtsein, daß sie schon von früheren Beobachtungen gesprochen hatte. War es möglich? Hatte Rose den jungen Brockdorf getroffen ohne Wissen von Mutter und Schwestern? Und das in Hamburg war nur eine Fortsetzung dessen, was schon früher begonnen? Sollte sie mit Thora darüber reden? Etwas warnte. Nein, sie mußte erst das Kind selber sehen. Und dann plötzlich die Unruhe: Warum war Rose die beiden letzten Samstage nicht heimgekommen? Zerstreut und anders als sonst war sie doch schon lange gewesen. Und sie hatten alle geglaubt, Iven Lornsen sei die Ursache. — Nur sie, die Mutter, hatte Zweifel gehabt. Da glaubt man, man lebt mit feinen Kindern und ist ihre beste Freundin und Vertraute, und plötzlich sieht man: Man steht ganz draußen vor dem Gitter, und sie haben ihre Geheimnisse für sich und ihr Innenleben für sich und gehen Wege, auf denen die Mutter nicht folgen kann. Weh tat das, bitter weh. Heimliche, brennende Tränen flössen in der stillen Nacht. Schlimmer aber Herren-Netzjacken 1.70, Farbige Garnituren als der eigene Schmerz war die Sorge um das Kind. Aribert von Brockborf war nicht ber Mann, dem eine Mutter gern eine Tochter anvertraute. Und wenn es nur Gemurmel war, was umging in der Gegend, und wenn keiner ganz klar sah betreffs seiner Ehe und ihrer Trennung — so ganz ohne Grund zucken doch die Menschen nicht die Achseln. Warum redeten sie nicht über Heider Steffen? Dessen Fehler lagen so offen zutage — man lachte nur über sie. „Morgen muß sie ja endlich kommen. Morgen muß es ja klar werden, was da gewesen ist. Und wenn ich morgen wieder schlafen gehe, wird es ohne Sorge fein. Rose wird mich auslachen, und wir werden auf die alte Klatschtante schelten. Wäre es nur erst morgen!" Der Morgen kam mit stöberndem Schnee und eisigen Winden. Man sah kaum über den Hof bis zur Straße, und der Strom war gar nicht sichtbar. Dina jagte auf dem Hof herum, biß in den Schnee, hetzte die Hühner, die sich gegen die Stallmauer drückten, wurde ihrerseits wieder von Ille gehetzt, bis ber Lärm von Rusen und Bellen über den ganzen Hof hallte. Thora kam gelaufen und schleppte ihr verzogenes Hundekind in das Haus, wo sofort alle Dielen voll Schneespuren waren, und Sina, in der Küche angebunden, mit Jammergeheul gegen solche Freiheitsberaubung protestierte. Frau Margrit sprang vom Webstuhl auf und kam in die Küche. „Thora, es ist nicht auszuhalten mit dem Tier. Kannst du es denn nicht abschaffen?" „Meine Dina? Mein einziges Vergnügen? — Und du willst immer Enkel haben? Die würden dir den Kopf noch ganz anders warm machen." Aber die Mutter lachte nicht. Sie sah in das Gestöber hinaus und sagte vor sich hin: „Wenn der Zug nicht Verspätung hat, kann Rose um fünf hier sein." „Sie wird schon kommen. Das ist doch ganz natürlich, daß sie da Sonntags mal mit ihren Gefährten zusammen fein will. Einmal ist sie doch nur in der Stadt. — Mutter, du bist wirklich wie eine Glucke, die Enten ausgebrütet hat." Frau Margrit ging still zu ihrer Arbeit zurück. Als es fünf schlug, stand sie am Fenster der Dorderstube und sagte: „Ich hätte zur Station gehen sollen ober Piepenstehl hinschicken. Wenn sie was zu tragen hat." Gemeinnützige Möbelversorgung für das Rhein»» Main- u. Lahngebiet: G. m. b. H. Versäumen Sie nicht unser reichhaltiges Lager zu besuchen in Schlafzimmern Einzel-Betten Einzel-Schränken Einzel-Kommoden Einzel-Matratzen in Eiche und Tanne lackiert auf langfristige Teilzahlung bis zu 18 Monaten Günstige Preise Moderne Formen Zweiggeschäfte: Bahnhofstraße 45 Hillebrandstraße 2 Herren-Jacken makofarbig.............4.50, 3.25, 2.25, Herren-Hosen Mittwoch, 19. Mai, abends 8 Uhr» Sonderkonzert Seltersweg 83 ■ ■aus der Handarbeit Das lachende Haus Roman von Sophie K l o e r ß. (Jacke u. Hose) einfarb.u.gestr.11.50,8.50, Einsatzhemden u. gestreiften Kurhaus u.Pa’asthotei,. „IO,— Mk. „ 7,50 Mk. „7,50 Mk. „7,- Mk. Denn wozu brauchte Thora zu wissen, daß sie zusammenschrak, sooft die alten Dielen droben knarrten, wenn eine Maus darüber hinlief oder die Dina — die nun schon eine große Töle wurde — auf dem Boden herumjachterte. Sie hatten doch immer über Männer gelacht und sie verspottet und sich so sicher gefühlt, da soll man bann eingestehen: „Nun hat es mich auch!" Nein, für hunderttausend Taler nicht. — Die Blamage! Wieder war eine Nacht, wie sie im Vorfrühling häufig genug waren hier oben. Schnee und Regen in buntem Gemisch und heulender Sturm, und dann immer einmal vom Strom her ein Knall, als würde eine Kanone abgefeuert. Es war oft aber nur das Eis, das riß, von der Flut gepreßt. Sooft der Knall durch die Nacht kam, blaffte die Dina, die vor der Zimmertür der Schwestern lag, scharf auf. Sie war immer noch ein aufgeregtes Ding, uno jedes ungewohnte Geräusch wurde mit Lärm begrüßt. Dann fuhr unten in ihrer Stube Frau Margrit zusammen. Sie konnte nicht schlafen. Es ging ihr etwas im Kopf herum, etwas, das allem entgegenstand, was gewohnt und selbstverständlich war. Frau Tierarzt Qualmann war nachmittags dagewesen. Eigentlich, wie sie sagte, um sich ein Webemuster zu holen, denn sie webte auch. „Und Rose hat ja wohl viele neue Sachen aus Hamburg mitgebracht, nich? Zu nett, da 'ne Tochter in der Stadt zu haben. Die bringt doch immer was Neues mit, nich? Kommt sie alle Samstag? Ja? So, Damenstrümpfe „Ruth“ Seidenflor, schwarz und alle mod. Farben 2.50 Damenstrümpfe „Mercedes“ feinster Seidenflor, Ersatz für Seide...... 2.50 Damenstrümpfe Mako, Doppelsohle, Hochferse, schwarz und stärkstes Radium-Solbad ||) «fog mit Mutterlauge 881 111,1 MWI1 Hotel Kauzenberg Hotel „Piepenstehl ist ins Dorf zum Pastor, den Tod von seiner alten Schwiegermutter anzumelden. Uebermorgen ist die Beerdigung. Seine Frau war eben in der Küche. — Siehst du, da hört man den Zug pfeifen; er fährt schon durch das Dorf. Verspätung hat er nicht." „Thora, lach' nicht über mich, aber mir ist so entsetzlich angst mit einemmal. Als wenn Rose nach mir ruft — als wenn —" sie drückte die Hand gegen das Herz und atmete schwer. „Wenn sie jetzt in zehn Minuten nicht hier ist —" „Sie wird schon." „Sie wird nicht. Ich spür' es. — Ich weiß doch, wenn meine Kinder in Not sind." Thora ging in das Gewächshaus. „Ille, ich kann nichts mit Mutter anfangen. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, daß mit Mucki was verkehrt ist. Red' du ihr mal zu." Ille kam in die Stube. „Mutsch, geliebte, weißt du, was ich hier hab'? Die erste Rose! Halb offen! Für dich! Ist sie nicht entzückend? Wir wollen sie hier auf deinen Schreibtisch stellen. Hast du nicht ein kleines Glas?" „Ja, ja, mein liebes Kind." Frau Margrit zwang sich zum Lächeln. „Hier ist eins--" Sie griff im selben Augenblick nach einer Stuhllehne und schrie auf: „Rose, Rose! Mein Gott, was ist mit dem Kind? — Ich ersticke vor Angst. — Ich jgf)re sofort hinüber nach Hamburg." „Mutter, es geht ja kein Zug mehr heute." „Doch, der D-Zug." „Der hält hier doch nicht." „Ich gehe bis Redebüll." „Unmöglich. Anderthalb Stunden und bei diesem Wetter." „Ich geh' sofort. In zwei Stunden kommt er ja durch." „Du gehst nicht", sagte Thora entschieden. „Wenn jemand geht, gehen Ille und ich. Du kannst dir den Tod holen. Und nun werde ich erst einmal in der Pension antelephonieren." Antwort aus Hamburg: „Fräulein Bunsen ist bald nach vier trotz des schlimmen Wetters fortgegangen und noch nicht zurück. Zur Bahn gegangen? Nein, davon hat sie nichts gesagt. Sie wollte zu Bekannten und käme zum Abendessen nicht wieder." (Fortsetzung folgt.) Villa Hindenburg „ Villa Viktoria „ Brennabor- Mer- und Klappwagen billigst» Preise a. größte AaswaM 4203D Aug.Kilblnger 8,- Mk. 8,50 Mk. 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