Nr. 42 Erstes Blatt 176. Jahrgang Zreitag, 19. Zebrnar 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichs Pfennig für Träger- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnltk und Verlag: vrühl'sche llniverfitäts-vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Schnftlettung und Geschäftsstelle: §chnlstrabe7. Annahme von Anzeigen für die lagesnammet vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20*/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil 5ans Iüstel, sämtlich in Gießen. vasneuewirtschastsprogrammderReichsregierung Regierungserklärungen im Haushaltausschuß. 3m Haushaltausschutz des Reichstags wurde die bereits im Plenum eingeleitete Aussprache über die Wirtschaftslage und das neue Regierungsprogramm fortgesetzt, wobei zunächst Dr. Reinhold, der Reichskanzler sowie die Minister C u r t i u s und Brauns den Standpunkt der Regierung in allen Einzelheiten begründet haben. Die ^leberwindung der deutschen Wirtschaftsnot durch geeignete Matznahmen herbeizuführen, muh, wie in den Erllärungen der einzelnen Regierungsmit- alieder übereinstimmend betont wurde, das Ziel der gemeinsamen Anstrengung sein. Reichskanzler Dr. Luther hob hierbei mit Rachdruck hervor, Dah die Reichsregierung, um eine möglichst rasche Zusammenfassung aller wirkenden Kräfte zustande zu bringen, den dringenden Wunsch habe, dah ihr Finanzprogramm im Haus- haltausschuh sofort eingehend erörtert werde. Hierbei kam cs zu zugespihten Auseinandersetzungen zwischen Parlament und Regierung, gegen deren Willen zuletzt die Vertagung der Aussprache bis zum Wochenende beschlossen wurde. 3m einzelnen nahm Reichsfinanzminister Dr. Reinhold die Gelegenheit wahr, seinen Grundsatz, dah keine Ausgaben ohne Deckungen gemacht werden dürften, noch einmal nachdrücklichst zu unterstreichen. Die von ihm angekündigten Steuers enkungen betrachte er nur als Teilmaßnahmen im Rahmen des großen Programms. 3m übrigen gab er Räheres über die Absicht der Regierung bekannt, Kredite für die Reichsbahn und die Industrie zur Verfügung zu stellen. Daß grundsätzlich diese Projekte keinen Widerspruch im Parlament finden werden, dürfte von vornherein anzunehmen sein. 3nteressant war hierbei die von Dr. Reinhold gemachte Mitteilung, daß gegenwärtig die Regierung gezwungen sei, für die Unterstützung der Erwerbslosen eine Summe von vierzig bis fünfzig Millionen monatlich zur Verfügung zu stellen. Wenn demgegenüber einhundert Millionen der Reichsbahn zur Investition überwiesen werden, so bedeutet im Gegensatz zu der Erwerbs- losenunterstühung diese Anlage eine durchaus produktive Verwendung flüssiger Mittel. Die hierfür der Wirtschaft zugehenden Aufträge der Reichsbahn würden wesentlich dazu beitragen, die industriellen Unternehmungen zu stützen und die Ziffer der Arbeitslosen zu senken. 3m großen ganzen erwies sich die Etats- a u f st e l l u n g, die der Reichsfinanzminister noch einmal begründete, als durchaus gesichert. Auch die Veranschlagung höherer Erträge aus Zöllen und Verbrauchssteuern sowie dem Branntweinmonopol dürfte als nicht zu hoch eingesetzt anzusehen fein, so daß der durch die Steuersenkungen verursachte Ausfall an Reichseinnahmen noch kein allzu großes Risiko bedeutet. Dr. Reinhold hat zwar aus den Erklärungen der Danksachverständigen, insbesondere des Reichsbankpräsidenten, die sichere Auffassung entnehmen können, daß das Reich ohne 'Bedenken, Anleihen aufzunehmen in der Lage sein könne. Vorläufig aber will er von diesem Hilfsmittel noch keinen Gebrauch machen und lediglich die wirklich werbenden Ausgaben, die in Zukunft wieder späteren Generationen zugute kommen, auf dem Wege der Anleihe decken. Mit Recht verwahrte er die Reichsregierung gegen den Vorwurf, daß sie bei der auherordentlich hohen Anspannung des Etats mit der Absicht umgehe, soziale Ausgaben, die erfüllt werden müssen, einzuschränken oder abzudrosselm Sehr stark trat in den darauf folgenden Erklärungen des Reichskanzlers sowie des Reichs» arbeits» und Wirtschaftsministers die Solidarität der Gesamtregierung in dec Beurteilung des von Dr. Reinhold aufgestellten Programms hervor. Die bereits vom Regierungstisch aus seinerzeit angekündigte Gewährung eines Betriebskredits von dreihundert Millionen an die Industrie, um ihr so die Möglichkeit zur Herstellung von Exportwaren für Rußland zu geben, hat wohl ebenfalls begründete! Aussicht, den Beifall aller Parteien zu finden. Schwierigkeiten dürften für das Wirtschaftsprogramm der Regierung im großen ganzen nicht mehr bestehen. Dorauszusehen ist natürlich, dah jede der Parteien noch ihre Spezialwünsche in Vorschlägen formulieren wird; dabei wird es besonders bei ber_ Frage der Erhöhung der Er- werbSlosenfürsorge noch einige Widerstände zu überwinden geben. Gerade hier treten hohe Ansprüche von neuem hervor, deren Befriedigung mit den vorhandenen Mitteln nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten bieten dürfte. Bcsher hat in der allgemeinen Kritik die Wirtschaft selbst zu den im Plenum gemachten Vorschlägen Dr. Reinholds noch keine Gelegen- heit zur eingehenden Stellungnahme gehabt. Die Aussicht auf Steuersenkungen und Vereinfachung der Steuererhebung betrafen ja auch Forderungen, die seit längerer Zeit in immer dringlicheren Kundgebungen seitens aller Wirtschaftskreise geltend gemacht wurden. Die ganze Politik der Steuerherabsetzung ist natürlich nur möglich, wenn die Wirtschaftslage sich nicht noch weiter katastrophal verschlechtert. Insbesondere dürfte die auf den Export angewiesene Industrie noch eine Reihe von Wünschen zu äußern haben, wie sie die Ausführungen des Reichswirt- Kchaftsministers Dr. C u r t i u s schon anbeuteten. Vor allem wird hier das endliche Zustandekommen der Exportkreditversicherung als eine Maßnahme betrachtet, die unmittelbar der Exportförderung zu dienen bestimmt wäre. Auch werden gewisse Gegenmaßnahmen der Reichsregierung gegen das Dumping der valuta- schwachen Länder, vor allem Frankreichs und Italiens, als Voraussetzung für den wirksamen Schuh der deutschen Cxportindustrie gefordert. Daß vorläufig der Rotlage der Landwirtschaft keine Erwähnung gefunden hat, dürfte sich wohl aus der Beschränkung erflären, der das Eesamtprogramm mit Rücksicht auf den Spezialetat des Finanzministeriums unterworfen war. 3m weiteren Verlauf der Verhandlung werden gewiß bei den sozialpolitischen und wirtschaftlichen Forderungen auch die Belange der Landwirtschaft eingehende Würdigung finden. Sitzungsbericht. Berlin, 18. Febr. Der Sitzung des Haus- baltausschuffes des Reichstages wohnten heute der Reichskanzler und die Mitglieder des Kabinetts bei. Der Zweck dieser Sitzung war die Entgegennahme einer Regie- rungserk.lärung über die Finanzlage des Reiches, die von der Regierung als bestimmend angesehen wird für die Stellungnahme zu den sozialpolitischen unt> wirtschaftlichen Forderungen, die in anderen Reichstagsausschüssen von den Parteien gestellt worden sind. Bei Beginn der Sitzung ergriff Reichsfinanzininister Dr. Reinhold das Wort. Er erklärte, daß die Regierung sich nicht zu Steuersenkungen entschlossen habe, weil etwa eine besonders günstige Lage vorhanden fei, sondern wett die Regierung überzeugt fei, daß die deutfche Wirtschaft so in Rot ist, daß zu dem Programm der Reichsregierung auch eine Steuersenkung gehöre. Durch Steuersenkungen allein kann jedoch die Rot nicht behoben werden. Wir müssen alle Kräfte darauf richten, die Krisis zu überwinden. Außer den Steuererleichterungen hat sich das Kabinett auch eingehend mit Fragen beschäftigt, die es möglich machen werden, dieWirtschaft wieder anzukurbeln. Schon in den nächsten Tagen wird die Frage zum Abschluß kommen, der Reichsbahngesellschaft eine gewisse Summe zur Verfügung zu stellen, damit die Reichsbahn dringend notwendige Investitionen vornehmen kann. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß Tausende von deutschen Arbeitern unbeschäftigt sind, während die Eisenbahn außerordentliche Reuanschaffungen notwendig hat und diese nur aus Gründen der Finanzierung scheitern. Die Regierung muh sich mit dem Reichstag zu einer Rotgemeinschaft zusammen- schliehen, um die Krisis zu überwinden. Der Ertrag der Steuern wird vermutlich über den Vorauschlag hinausgehen; es ist dabei aber zu bedenken, daß durch die -Unter» ftühung der Erwerbslosen, die 40 bis 50 Millionen Mark monatlich beträgt, große Anforderungen an die Regierung gestellt werden. Wir werden noch einen Rachtragsetat verlegen müssen, der insbesondere die Anforderungen für das Investitionsprogramm der Reichsbahn enthält. Den Minderertrag aus den für 1926 dor- geschlagenen Steuersenkungen habe ich auf etwa 550 Millionen geschätzt. Etatmäßig sollen die Mindereinnahmen in folgender Weise erseht werden: Herangezogen werden der Zinsgewinn von 1926 mit 133 Millionen, 47 Millionen Minderausgaben und Mehreinnahmen im Etat der Reichsschuld, 173 Millionen aus verfügbaren Kassenbeständen unter Mitverwendung des eventuellen Überschusses von 1925, der Rest von 197 Millionen aus Anleiheri. 127 Millionen des Extraordinariums von 70 Millionen der C.-Schahscheine. Das würde dann in dem Rachtragsetat dem Reichstag borge» schlagen werden. Ehe wir uns aber zu den Steuersenkungen entschlossen, haben wir auch eine genaue Heber» sicht über das Etatsjahr 1927 ausgestellt. Wenn wir die Umsatzsteuer nicht — wie es unser Wunsch war — aus 0.5 Proz., sondern auf 0,6 Proz. senkten, so war die Rücksicht aus 1927 maßgebend, weil in diesem Jahr sonst der einmalige Ausfall von 125 Millionen nicht zu decken gewesen wäre. Für 1927 rechnen wir mit einer Gesamtausgabe von 4,996 Millionen gegen 4,782 Millionen im Jahre 1926. Diese Erhöhung ist dadurch notwendig, dah wir für die Reparationsleistungen 1927 965 Millionen einsetzen müssen. Den Ausgaben des ordentlichen Etats für 1927 von 4996 Millionen werden Einnahmen von 4826 Millionen gegenüberstehen, so daß sich ein Defizit von 170 Millionen ergibt. Zu seiner Deckung stehen zunächst alle die Ersparnisse zur Verfügung, die wir im Etat von 1927 vornehmen wollen. Die Ersparnisse für 1927 werden auf etwa 50 Millionen eingeschätzt; dazu kommen 7wch 145 Millionen aus den Ausgaben des außerordentlichen Etats, die in Zukunft wieder durch Anleihen zu decken sind. Das Reich denkt zunächst nicht daran, an den Anleihemarkt zu gehen. Aber wenn wir an ihn appellieren wollen, so glauben die Danksachverständigen, daß ein solcher Appell jetzt erfolgreich fein könne. Wir wollen lediglich die wirklichen werbenden Ausgaben, die in Zukunst wieder späteren Generationen zugute kommen, auf dem Wege der Anleihen decken. Wenn wir die Steuersenkung durchführen, wird unser Etat außerordentlich angespannt fein und wir werden Mühe haben, mit den vorhandenen Mitteln durchzukommen. Dabei ist selbstverständlich daran gedacht, daß die Reichsregierung irgendwie soziale Ausgaben, die erfüllt werden müssen, nicht drosseln will. (Unruhe und Zurufe links.) In keiner Weise ist daran gedacht. Zum Beweise führe ich an, daß die Reichsregierung in einer ihrer ersten Sitzungen beschlossen hat, in der Kurzarbeiterfrage die Wünsche der Reichstagsmehrheit weitest» ?ehend zu erfüllen und auch in der Erwerbsofenfrage das zu tun, was die Rotlage der Erwerbslosen erfordert, fotoeit es finanziell und wirtschaftlich verantwortet werden kann. Wir müssen deshalb darin einig fein, alle Ausgaben, die wir in dieser Zeit der Rot nicht tragen können, abzuwehren und gemeinsam einen Weg zu finden, daß Ausgabenmehrbewilligungen nicht beschlossen werden können, ohne daß entsprechende Deckung für sie gefunden wird. Die Senkung der Umsatzsteuer ist, soweit Reichssteuern in Frage kommen, die Senkung, von der wir uns wirtschaftlich einen Erfolg versprechen können, da sie auf der einen Seite unsere Konkurrenzfähigkeit, aus der anderen Seite die Konsumfähigkeit der breiten Masse steigert. Alle anderen Senkungen würden diesem Ziele nicht dienen. Wir müssen eine Rotgemeinschaft zwischen der Reichsregierung und dem Reichstag bilden unb diese Rot- aemeinschaft muh in irgendeiner Form auch eine Bindung erfahren. Kommen wir dazu, dann glaube ich, dah die Wiederankurbelung der Wirtschaft uns hilft, die Krisis rascher zu überwinden unb uns auch in den Stand setzen toirb, in Zukunft über die Einnahmen zu verfügen, die uns die Erfüllung unserer staatspolittschen Aufgaben baldigst bei äußerster Sparsamkeit ermöglicht. Reichskanzler Dr. Luther betonte, daß alle Kräfte von Reichsregierung und Reichstag zusammengefatzt werden müßten, um die ftrrchtbare Rotlage zu lindern, in der sich gegenwärtig das deutsche Volk befinde. Um dieser Zusammenfassung willen habe die Reichsregierung den dringenden Wunsch, sofort ihr Programm im Haushaltsausschuh eingehend erörtert zu sehen. Alles mühte jetzt dem Ziel untergeordnet sein, die deutsche Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Rur so fei es möglich, der großen Masse der Rotleidenden, insbesondere den Erwerbslosen und Kurzarbeitern, wirksam und dauernd zu helfen. Oft genug sei es in der Öffentlichkeit und im Parlament betont worden, dah die Ursache der Rotlage der deutschen Wirtschaft in der über das erträgliche Matz hinausgehenden Steuern zu suchen sei. Run müsse man auch die Folgerungen daraus ziehen. Der Steuersenkungsvorschlag der Regierung, der ein Ergebnis des Willens der Regierung zur Ueberwindung der Rot sei, sei nur möglich auf der Grundlage der grundsätzlich optimistischen Auffassung, dah überhaupt und gerade auch durch die Erleichterung der Steuerlasten die Wirtschaftslage sich in Zukunft erheblich bessere. Da es sich um ein Gesamtprogramm handle, so müsse die Reichsregierung besonderes Gewicht darauf legen, dah der Ausschuß auch feinen Beschluß über die Er wer bslo sen - f r a ge in Würdigung des Gesamtprogramms fasse und besteht deshalb auf der sofortigen Erörterung des Programms. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns schließt sich den Erklärungen seiner Vorredner an. Er betonte, auch in seinem Ressort sei es unmöglich, die Leistungen auf irgendeinem Gebiet zu erhöhen, wenn nicht das ganze Wirtschaftsprogramm der Regierung gefährdet werden solle. Reichswirt?chaf1sminister Dr. CurtSus verbreitete sich über die Maßnahmen, mit denen die Negierung zu einer Wiederbelebung der Wirtschaft und zu einer Besserung des Arbeitsmarktes beitragen will. Es soll u. a. der Reichsbahn ein Kredit von 100 Millionen zur Inangriffnahme von notwendigen Erneuerungsarbeiten gegeben werden. Ferner legte der Minister die Dringlichkeit der Durchführung der geplanten A u s- suhrstcigerung nach dem Osten dar. Die Denkschrift über die Exportförderung nach Rußland gehe dem Haushaltsausschuß zur eingehenden Beratung nunmehr zu. Rach langwierigen Berhand- lungen habe sich das Reich entschlossen, 35 Prozent des erteilten Auftrages zu sichern in der Erwartung, daß die Länder sich bereit erklärten, etwa weitere 25 Prozent der Ausfallbürgschaft zu tragen, | so daß noch etwa 40 Prozem des Risikos von In- I dustrie und Banken übernommen werden müßten. | Es sollen durch die Uebernahme des Risikos durch das Reich nicht nur einige große Geschäfte gesichert werden, sondern es handle sich darum, daß zusätzliche Exporte nicht allein von der Großindustrie, sondern auch von der Klein- und Fertigindustrie ganz allgemein gesichert werden sollten. In die Finanzfragen der Lander wird sich das Reich nicht einmischen. Die Summe von 300 Millionen Reichs« mark, die insgesamt in Aussicht genommen ist, werde in zwei Teile zerfallen: 150 Millionen für kurzfristige Kredite von etwa zwei Jahren und darüber hinaus und weitere 150 Millionen, die auf vier Jahre kreditiert weredn sollen. Der Minister fuhr dann fort: „Wir hoffen weiter, den Export dadurch fördern zu können, daß wir den Plan einer Exportversicherung zur Durchführung bringen. Die Verhandlungen darüber sind im Gange. Weite Kreise der ganzen Wirtschaft in Industrie und Handel drängen auf den baldigen Abschluß, so daß trotz der vom Hamburger Exporthandel geäußerten Bedenken in den nächsten Wochen die endgültigen Besprechungen ftattfinben können." Der Reichswirtschaftsminister ging sodann auf die Notwendigkeit der Steigerung des Exports der Ruhrkohle ein. Er lehne jede Subsidienpolitik nach dem Vorbild Englands hierfür ab. Andererseits müsse unter allen Umständen die Hilfe des Reiches unserer Kohlenindustrie in dieser schweren Lage zuteil werden. Heber die einzuschla- genden Wege fänden zur Zeit Verhandlungen statt, über die er demnächst im Reichshaushaltsausschuß berichten werde. Eine weitgreifende Erleichterung unserer Lage verspreche er sich von einer verstärkten handelspolitischen Aktivität. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten und der Bayr. Volkspartei wurde dann mit 15 gegen 13 Stimmen beschlossen, die Aussprache über die Regierungs- erllärungen zu vertagen, bis der Wortlaut vor- liegt, was voraussichtlich am Freitag der Fall sein wird. — Der Ausschuß setzte bann die Aus- spräche über die Erwerbslosen fort. Die Abstimmung über die vorliegenden Slnträgc wurde auf Freitag vertagt. Im Reichstage fanden dann im Laufe des Rachmittags Besprechungen zwischen dem Reichskanzler, dem Reichsfinanzminister, dem Reichswirtschaftsminister, dem Innenminister und den Vertretern der Regierungsparteien über die Erwerbslosenunlerstühungen statt, wobei folgendes Kompromiß zustande- gekommen ist: Die Unterstützungssätze in der Er- werbsloiensürsorge werden in den Ortsklaffen A, B und C mit sofortiger Wirkung erhöht 1. für Alleinstehende unter 21 Jahren um 20 Prozent. 2. für Alleinstehende über 21 Jahre um 10 Proz. 3. für alle übrigen Hauptunterstühungsemp- fänger ebenfalls um 10 Prvz., jedoch nur, wenn sie bereits acht Wochen nacheinander unterstützt worden find. Die Höchstsätze sind nicht geändert worden. In der Berücksichtigung der Kinderzahl tritt keine Aenberung ein. In der K u r z a r b e i t e r s r a g e ist der Beschluß des Sozialpolitischen Ausschusses von der Regierung akzeptiert worden. Darnach tritt keine Differenzierung nach Ledigen und Verheirateten ein. Der Unterstützungssatz für den Kurzarbeiter beträgt für den 3., 4. und 5. freien Arbeitstag den Tagessah, den der Kurzarbetter als Vollerwerbsloser erhalten werde. Deutscher Reichstag. Berlin, 18. Febr. Auf der Tagesordnung steht die Weiterberatung des Haushalts des Reichsjustizministeriums bei dem Kapitel Reichsgericht. Abg. Dr. Levi (Soz.) verurteilt die Judikatur des Reichsgerichts im Landesverratsprozetz. Diese Rechtssprechung steht im Widerspruch zu den gesunden Rechtsgrundlagen. Die Existenz der militärischen Geheimverbände in Deutschland ist nur möglich, weil das Reichsgericht jede Aufdeckung solcher Geheimverbände als Landesverrat bestraft. Während der Reichswehrminister die militärischen Geheimverbände aufs schärfste angelernt hat, sind viele Menschen vom Reichsgericht zu vielen Jahren Freiheitsstrafen verurteilt worden, weil die Führer der Reichswehr das Vorgehen gegen diese Geheimverbände als Landesverrat bezeichneten. Der Titel des Reichsgerichts und der Rest des Etats werden bewilligt. Es folgt die zweite Beratung des Etats des Reichs- arbeitsministeriums. Abg. K a r st e d t (S) verlangt eine energische Zurückweisung der in der Denkschrift der Arbeitgeber aufgestellten Forderungen auf Abbau der sozialen Fürsorge. Das Reichsarbeitsministerium zeige überhaupt eine weitgehende Schwäche den Arbeitgeberverbänden gegenüber. Der Redner fordert ein Arbeitszeitgesetz, das den Achtstundentag festlegt, und die schleunige Ratifizierung des Wa g 1 0 » ne rAbkommens. Das Arbeit-S'gerichts- g e s e tz müsse schleunigst DorgelegK werden. Mit feiner Angliederung der Arbeitsgerichte an die ordentlichen Gerichte könnten die Sozialdemokraten nicht einverstanden fein. -Die Verwaltung in Reich und Ländern sabotiere geradezu die sozialen Beschlüsse des Reichstages. In einer Zeit, in der rauschende Festlichkeiten veranstaltet, in der den abgedankten Fürsten Millionen geschenkt werden, müsse auch Geld für die notleidenden Erwerbslosen und Sozialrentne:' da fein. Abg. Stegerwald lZ.) säildert die große Rotlage der deutschen Wirtschaft u'std des deutschen Dolkes. 3n einer solchen Not sei eine objektive Wiuck>igung der Tätigkeit des Arbeitsministers sehr erschwert. Die Beiträge für die verschiedenen Zweige der Sozialversicherung betragen in Deutschland rund sechs Milliarden. Es ist zurückzuweisen. wenn von der Erwerbslosenfürsorge in der Weife gesprochen wird, als würde durch sie die Arbeitsunlust gesteigert. Tatsächlich beziehen einige Hundertausendr von Offizieren und Beamten an Pensionen mehr als für die vielen Arbeitslosen zusammen ausgegeben wird. (Hört! Hört!) Deutschland kann im internationalen Wettbewerb nicht allein arbeiten. GS muh sich auch in sozialpolitischer Beziehung den Nachbarstaaten anpassen. An einer verständnisvollen Zusammenarbeit der Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern fehlt es bei uns noch. Darum brauchen wir um so mehr eine zweckmäßige Ausgestaltung des endgültigen Reichswirtschaftsrats und die paritätische Zusammensetzung der verschiedenen Wirt- fchaftskammern. Wir leiden unter einer Arbeitslosigkeit, wie sie bisher noch nicht erlebt wurde. Wir müssen Wege suchen, um durch Förderung der Industrie und durch Einschränkung der Einfuhr unsere Wirtschaft neu beleben und Arbeitsgelegenheit schaffen zu können. Bor allem brauchen wir Kredithilfe für das Baugewerbe. um einmal die Zahl der Erwerbslosen zu vermindern, dann aber auch das Wohnungselend zu mildern. Es werden also Auslandskredite notwendig fein, zu deren Derzinsung der Ertrag der Hauszinssteuer verwendet werde. Aach diesen Gesichtspunkten beantragt das Zentrum, daß die Reichsregierung sofort, gegebenenfalls in Anwendung des Art. 10 der Reichsver- fassung, Maßnahmen treffen möge, die die Wiederaufnahme der Bautätigkeit sicherstellen. (Der Art. 10 besagt, das Reich kann im Wege der Gesetzgebung Grundsätze aufstellen für das Bodenrecht, die Bodenverteilung, das Ansiedlungs- und Heimstättenwesen, die Bindung des Grundbesitzes, das Wohnungswesen und die Bevölkerungsverteilung.) Die Ctatsberatung wird daraufhin abgebrochen und in 2. und 3. Beratung eine Novelle zum Tabak st euergeseh angenommen, wonach die D e d ü r f t i g k e i t s p r ü f u n g bei der Unterstützung der erwerbslos gewordenen Tabakarbeiter künftig Wegfällen soll. Der Fememord- unterkuchungsausschutz. Berlin, 18. Febr. Der Fememordunter- fuchungsausschuß des Preußischen Landtages setzte die Zeugenvernehmung fort. Kommerzienrat Ernst von Borsig erllärte, ihm sei die ganze Sache aus den Zeitungen Ende des vergangenen Jahres bekannt geworden. Er habe sich dann als Leiter der Bereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände informiert und erfahren, daß im Juni oder Juli ein Darlehen von 5000 Mark durch Herrn von Zengen für eine Organisation deS Zentralverbandes der Landarbeiter gegeben worden und dieses Darlehen im Oktober oder November wieder zurück- gezahlt-worden sei. Seine Ueberzeugung sei auch heute noch, daß von einer Unterstützung des Fememörders Schultz keine Rede fein könne. Gr selbst habe von Schultz auch erst durch die Rettungen gehört. Auf weitere Fragen erklärte der Zeuge, daß von Zengen, soviel er wisse, dem linken Flügel der Deutschen Bolkspartei angehöre und daher für eine bewußte Unterstützung der Fememörder garnicht in Frage fönte. Jetzt stehe ■ von Zengen in keinem Dienstverhältnis mehr zur Arbeitgebervereinigung. Abg. Kuttner verliest eine Abschrift eines r Briefes vom 4. Januar 1926. Darin erklärt ' Herr von der Linde, Herr v. Zeugen habe ihm ,e gegenüber mehrfach zugegeben, daß er den in den Zeitungen genannten Zweck nicht gekannt habe. Es habe sich für ihn darum gehandelt, die Gewerkschaften in die Hand zu bekommen. Aus der weiteren Befragung ergibt sich, daß der Abg. Metzer annahm, die 5000 Mark kämen nicht von der Arbeitgebervereinigung, sondern aus privaten Kreisen. Ueber die Herkunft 'der großen Zahlungen befragt, die aus das Konto des Abg. Metzer „Ausschuß für nationale Ausllärung" nach der Verhaftung des Schulz eingezahlt worden, und deren Absender im Gegensatz zu anderen Zahlungen aus dem Konto nicht ersichtlich sind, erklärt der Zeuge Metzer, sie stammten aus Kreisen seiner Parteifreunde. Dors.: „Hatten diese Zahlungen auch etwas mit der Unterstützung des Schulz zu tun?“ — Zeuge Metzer: „Zum Teil: Ja!" - Bors.: „Würden Sie, Herr Zeuge, dem Ausschuß zur Klärung der vier größeren, bisher unbekannten Zahlungen Ihre Kasse überlassen?" — Zeuge (ganz erregt): „Das lehne ich entschieden ab!" Ueber die Der- wendung von Geldern zu politischen Zwecken brauche ich niemandem Rechenschaft zu geben!" Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 18. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beriet heute Ka- pttec 10 (Landessteuer, indirekte Auflagen usw.). Es lagen hierzu eine Reche von Anträgen vor. Ein Antrag Felder (Ztr ), der aber auch von Abgeordneten aller anderen Parteien unterzeichnet ist, wünscht von der Regierung, daß sie beim Reich für die Erhaltung der Untererheber st eklen eintritt. Der Antrag wurde der Regierung zur Berüchichtigung überwiesen. Ein Antrag Werner will eine Erhöhung der Stempel st euer für karnevalistische Bergnügungen. Der Antrag ist zwar für dieses Jahr überholt, er wurde jedoch der Regierung überwiesen mit dem Ersuchen, bei einer Ueberprüfung des Stempeltarifes auch die Gebühren bei Kinodarbietunaen zu erhöhen. Eine Dorstellung Reitzlein-Mainz wegen Erhebung der Hauszins steuern nach der Friedensmiete wurde der Regierung überwiesen mit dem Ersuchen, die Regierung möge von der Sondersteuer für den bebauten Grund- heM^peitgehenden Gebrauch machen. Ein Antrag Dingelöetz, .die Sondersteuer nicht zu erhöhen, sondern für- Eigenheime, unbelastete oder gering belastet? Grundstücke zu ermäßigen, wurde durch $ie Regierungsvorlage über die Sondersteuer fM den bebauten Grundbesitz für erledigt erklärt/ Auch ein Antrag Dr. Niepoth über ' die Beitreibung rückständiger Steuern wur.ve für erledigt erklärt, da die Regierung entsprechende Maßnahmen getroffen hat. wenn eins Notlage des Steuerpflichtigen vorliegt. Ein 2Mrag Dr. Greiner, die Sonder- fteuer nicht ,U erhöhen und den staatlichen Sleueranteil d-äran in vollem Umfang für Neubauten zu verwenden, wurde abgelehnt, weil reichsgesehliche Bestimmungen dem entgegen- stehen. Eine Dorstellung eines Offenbacher Hunde- besihervereins wegen Herabsetzung der Hundesteuer wurde von der Regierung ab» gelehnt und vom Ausschuß gegen zwei Stimmen für erledigt erklärt. Dagegen hat sich die Regierung bereit erklärt, einem Antrag Weckler, einer Neufassung des Hundesteuergesehes nachzukommen. Ein Antrag Dr. Müller wünscht zur Der- anlagung der Einkommensteuer bei landwirtschaftlichen utid gewerblichen Betrieben, daß die Regierung bei der Reichsregierung vorstellig wird, damit der Arbeitsverdienst der Haussöhne auch dann abzugsfähig ist, wenn diese einer Sozialversicherung nicht angehören. Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen abgelehnt. Eine Vorstellung der Dentisten wegen Befreiung von der Gewerbesteuer wurde für erledigt erklärt. Kleber das Kapitel selbst wurde noch nicht abgestimmt, aber Kapitel 62 (gewerbliche und kaufmännische Schulen) wurde angenommen. Der Voranschlag der Landesuniversität Gießen soll in der nächsten Sitzung beraten werden. Eine Vorstellung Gansmann imd Gen., der sich auf die Technische Hochschule in Darmstadt bezieht, wurde der Regierung als Material überwiesen. Ein Antrag Dr. Leuchtgens will, daß die Professoren der Technischen Hochschule, die nicht rein technische Fächer lehren, abgebaut werden. Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Widmann, den Assistenten für Turn- und Sportpflege zu streichen, wurde mit 7 gegen 4 Stimmen angenommen und hierauf das Kapitel gegen zwei Stimmen genehmigt. Dann wurde noch zu Kapitel 77 (Volksschulen) der Bericht erstattet und hierauf die Sitzung geschlossen. Parlamentarisches aus Hessen. Darmstadt, 18. Febr. Die Abg. Böhm (Dntl.) und Gen. haben nachstehenden Antrag im Landtag eingebracht: Die Regierung wird beauftragt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, demzufolge: 1. von solchen Gewerbesteuerpflichtigen, die den Kleinhandel mit Waren verschiedener Gattung als Großbetrieb betätigen, die Waren, in offenen Verkaufsstellen feilhalten, oder im Wege des Versandes verkaufen. Warenhäuser. Basare, Versandgeschäfte, Abzahlungs- und Versteige- rungsgeschäfte mit einer besonderen Detriebs- steuer belegt werden. 2. Die Steuerpflicht beginnt bei einem Betriebsvermögen von 150 000 Mark. 3. Die einzelnen Warengattungen werden festgelegt unter Ausschluß der Produkte der Landwirtschaft. 4. Es tt>irt> eine progressive Erhöhung der Steuer' nach der Zahl der geführten Waren, sowie nach der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer festgelegi. 5. Gewerbetreibende, die Verkaufsstellen oder Lager, von denen die Waren zum Verkauf abgegeben werden, unterhalten, ohne daß sie an den betr. Orten ihren Wohnsitz oder Hauptbetriebssitz haben, sind zur Entrichtung einer Sondersteuer als Filialsteuer verpflichtet. Die Steuer wird zur Hälfte dem Lande überwiesen. Der Dritte (P etitionsausschuß) des Landtags ist für Dienstag, den 23. d. M. vormittags 10 älhr einberufen. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Antrag Dr. Werner, den Gipfel deS Hvherodskvpfes unter Denkmalschutz zu stellen. Der Gesetzgebungsausfchuß des Landtags erklärte in feiner letzten Sitzung zahlreiche Vorstellungen, namentlich von Einzelpersonen, durch die erteilten Regierungsantworten für erledigt. Die Abstimmung über eine Vorstellung der Gemeinde Illnhausen bei Büdingen wegen des Fische- r e i r e ch t e s wurde zurückgestellt, da erst noch die Frage geklärt werden soll, ob jenes Recht, das den ehemaligen Standesherren zustand, als ein Privatrecht oder als ein öffentliches Recht anzusehen sei. Zu einem Antrag Dr. W e r n e r, der verhindern will, daß Verbrecher verbrecherische Anlagen weiter vererben können, wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, daß sie die Angelegenheit prüft und evtl, dem Landtag hierüber eine Vorlage zugehen läßt. Die Ratssitze. Eine Rede Chamberlains über das Völkerbundsproblem. London, 18. Febr. (WTB.) Bei dem von der Vereinigung der auswärtigen Presse zu Ehren Chamberlains gegebenen Frühstück hielt dieser eine Rede, in der er erklärte, die in Locarno begonnene Politik könne nicht in einem Monat ober einem Jahr oder selbst in ein paar Jahren durchgeführt werden. Sie müsse allmählich entwickelt und gesteigert werden durch langdauernde geduldige Bemühungen der beteiligten Nationen. Es gebe ein Problem, das die Sorge vieler Personen in diplomatischen Kreisen sei, die Stellung des Völkerbundsrates. „Glauben Sie nicht — betonte Chamberlain —, daß ich Ihnen eine Erklärung abgeben will, die ich noch nid)t im Unterhause abgegeben habe, und die ich tatsächlich im Unterhaus noch nicht geben kann, da die britische Regierung — wie ich glaube — sehr mit Recht noch keine endgültige Entschließung über diese Frage gefaßt hat. Alles, was ich im Augenblick sogen kann, ist, daß man dieses Problem nicht im Lichte von Kriegsverhältnlssen betrachten bars und nicht fragen darf, wie wir eine besondere (Gruppierung von Mächten verewigen und die mutmaßliche internationale Rivalität ausgleichen können. Wenn wir uns dem Problem aus diesem Wege nähern, dann gibt cs keine Lösung. Die einzige Frage, die " man sich zu stellen hat, ist, wie der Rot am besten die Eignung erhalten kann, die ungemein verantwortungsvollen Aufgaben zu erledigen, die ihm jetzt obliegen, ferner, wie wir den Völkerbund und den Rat so organisieren können, daß er die Kraft hat, den Frieden zu bewahren, und daß seine Gutachten und Entscheidungen moralische Autorität haben. Die Entscheidung des Völkerbundsrates wird in keiner Form beeinflußt ober gelenkt werden durch den Versuch, eine Partei innerhalb des Rates zu schaffen. Das wäre die völlige Verleugnung alles dessen, wonach wir streben sollten. Sie wirb nicht diktier? werben durch irgendeinen Wunsch, eine Mehrhsir für diese ober jene Auffassung herzustellen. Die Entscheidung des Rates mit Stimmenmehrheit ist nach unserer Verfassung in nahezu jedem Falle, und ich glaube, ich kann ruhig sagen, in jedem wichtigen Falle, überhaupt keine Entscheidung, denn E i n st i m m i g k e i t ist erforderlich. Aber es ist nicht die Aufgabe des Rates, auf Mehrheitsentscheidungen hinzuarbeiten. Seine Aufgabe ist es, Differenzen auszugleichen und den Boden für eine Einigung zu finden im Geiste der kcnnerabschaft. Die Delegierten werden im Rat zusammenkommen, nicht um eine gewaltsame Lösung burchzusetzen, fonbern um eine Lösung zu finben, bie von allen Beteiligten gern und frei akzeptiert werben kann. Kleine politische Nachrichten. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags ist auf Freitag vormittag 11 Uhr zu einer Sitzung einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt das Thema: Volkerbundratssihe. Der Reichsmini st er des Aeußern Dr. Stresemann trifft am kommenden Sonntag von Bonn, wo er an der Bcfreiungsfeiev der dortigen Universität teilnimmt, zu einem eintägigen Aufenthalt in Frankfurt a. M. ein. Sein Besuch trägt rein privaten Charakter. Nachmittags wird er in einem engeren Kreise der Deutschen Volkspartei weilen und abends Gast des Klubs für Handel, Industrie und Wissenschaft sein. Oefsentliche Ansprachen wird der Minister nicht halten. * In Dresden fand eine von Frau Iustiz- minister Dr. Dünger einberufene öffentliche Frauenversammlung statt, die den Zweck verfolgt, Mittel und Wege zum Dau von Wohnungen zu finden und dem verhängnisvollen Wvhnungselend zu steuern. Nach eingehender Aussprache wurde die Gründung einer Frauenvereinigung beschlossen, die sich über das ganze Deutsche Reich erstrecken soll, unter der Bezeichnung Reichsgemeinschaft deutscher Frauen (Wohnungshilfe). Als Nachfolger des abberufenen Grafen Bosdari soll der derzeittge italienische Gesandte in Buenos Aires, Graf Aldrovand- Marescotti di Diano zum Botschafter Italiens in Berlin ausersehen fein. Der neue Mann steht den Kreisen um Mussolini sehr nahe. Während des Krieges war er Kabinettschef Son» ninos, danach Gesandter in Sofia. An zuständiger amtlicher Stelle war eine Bestätigung dieser Nachricht noch nicht zu erlangen. Auf allen Bahnhofsgebäuden, Haltestellen und Wärterhäuschen der Bahnlinien in der Provinz Denezia-Tridentina ist die Beifügung des deutschen zum italienischen Namen ab- geschafft worden. Die Eisenbahnstrecke nach dem H e d s ch a s ist von Damaskus and in einer Länge von 7 Km. zerstört. Ein von Palästina kommender Zug ist entgleist, mehrere Wagen sind zertrümmert, drei Syrier wurden getötet, eine Anzahl verletzt. Auch die Strecke Damastus-Rayak ist aufgerissen. Französische Ar- ttllerie hat Ansammlungen von Aufständischen östlich von Damaskus beschlossen. Die türkische Kammer beschloß heute einstimmig die Einführung des Schweizer bürgerlichen Gesetzbuches in der Türkei, wodurch weltliche und geistliche Saft itutionen im öffentlichen und sozialen Leben des türkischen Volkes getrennt werden. Die Polygamie tirirb verboten und jeder volljährigen Person steht es frei, sich zu der Religion zu betonten, der sie anzugehören wünscht. Kunst und Wisfenschast. Zurüügestellte Kündigung. Wie in einer Assistentenversammlung mitgeteilt wurde, hat das badische Kultusministerium die vor einigen Tagen ergangene Kündig ung aller Assistenten an den badischen Hochschulen auf ein Vierteljahr zurückgestellt. Die Kündigung war bekanntlich erfolgt. um eine Herabsetzung der Bezüge einzuleiten. Berufung. Der bekannte Chemiker der Höchster Farbwerke Dr. Max Hessen 1 and hat einen Ruf als ordentlicher Professor der chemischen Technologie und Warenkunbe an bie Handelshochschule in Königsberg i. Pr. erhalten, chessenlond wird sein Amt mit Beginn des Sommersemesters antreten. Aus aller Wett. DieLawinenkataftropheinNordarnerika Das Lawinenunglück in der Nähe von Ding Ham in ältha hat nach soeben eingetroffenen ausführlichen Derichten außerordentlich schwere Opfer gefordert. Disher sind 75 Tote geborgen worden. 50 Personen werden vermißt. 40 Häuser sind völlig zerstört, ebenso die weit- berühmte Mormonen- Kirche. Ein Vorort ist völlig verschwunden. Die Katastrophe kam so schnell, daß den Menschen keine eZit blieb, sich zu retten. Ein in der Nähe gelegenes Kupferbergwerk entsandte sofort sämtliche Arbeiter zur Hilfeleistung. Die Bergungsarbeiten fmb außerordentlich schwierig, da nach dem Niedergang der Lawine sofort an verschiedenen Stellen Feuer entstand. Die geborgenen Toten sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Ursache der Katastrophe wird auf das nach dem Schneefall der letzten Tage plötzlich ein setzende Tauwetter und einen darausfolgenden 24stündigen Schneefall zurückgeführt. Das Rote Kreuz hat in den umliegenden Ortschaften Hospitäler zur Aufnahme der Verletzten errichtet, ikberall spielen sich ergreifende Szenen ab. Schweres Schachtunglück. Hamborn, 19. Febr. (W. T. B. Funk- spruch.) Durch Zubruchgehen des mittleren Teiles einer Strecke der Schachtanlage 2 bis 5 der Gewerkschaft Friedrich Thyssen, Hamborn, verunglückten gestern abend 3 Bergleute tödlich. Die ünfallftelle wurde sofort von der Direktion der Bergbehörde befahren, die Anordnungen zur Bergung der Verunglückten traf. Eine entmenschte Mutter. Nach einer Blättermeldung fand auf der Strecke F a l k e n a u—G aßlih in Böhmen ein Bahnwärter einen etwa dreijährigen Knaben, der quer über den Schienen lag und an Händen und Füßen so gefesselt war, daß er sich nicht rühren konnte. Auf die Frage des Bahnwärters. wer ihn hierhingelegt hätte, antwortete das Kind: ..Meine Muiti. Aus die Frage, wohin sie gegangen sei, erwiderte das Kind: „Sie ist Schokolade holen". In der freudigen Erwartung, daß die Mutter bald mit der versprochenen Süßigkeit zurückkehre, war das Kind still liegen geblieben und wäre, wenn es von dem Bahnwärter nicht zufällig gefunden worden wäre, von einem Zuge zermalmt worden. Trotz eifriger Nachforschungen ist es bis jetzt noch nicht gelungen, die entmenschte Mutter zu ermitteln. Derbrecherjagd in Thorn. Im Hotel Adler in Thorn erschienen zwei junge Leute, wegen deren auffälligen Benehmens die Polizei benachrichtigt wurde. Bei dem Erscheinen der Polizei töteten die beiden älnbe- kannten einen Polizisten und verwundeten zwei andere durch Revolverschüsse schwer. Darauf entflohen sie auf einem Wagen in der Richtung auf Dromberg, wobei sie weiterschossen und noch zwei Frauen verwundeten. Zu ihrer Verfolgung wurde Militär alarmiert. Trotzdem sollen sie entkommen sein. Verhaftung eines Methylalkoholfabrikanten. Nach Feststellung der Staatsanwaltschaft hat bie Firma Julius Bruchsaler, Fabrik chemisch-technischer Probukte unb Chemikaliengroßhandlung in Offenburg, seit August v.I. größere Mengen Methylalkohol (Methanolalkohol) beschafft und dies gefährliche Gift als hochprozentigen neutralen Branntwein größtenteils an Branntweinbrennereien unb Händler in Mittelbaben weiterverkauft. Der Genuß von Methylalkohol kann schwere Schüben, vor allem Erblinbung unb auch den Tob bes Menschen zur Folge haben. Der Inhaber der Firma würbe verhaftet. Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Der Rechtskonsulent Hübner und die Witwe Minna Glaß waren vom Schwurgericht Landsberg wegen Vergiftung des Mannes der Frau Glaß zum Tode verurteilt worden. Sie find jetzt zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Wettervoraussage. Bei westlicher Luftströmung Fortdauer des veränderlichen Wetters mit Strichregen, wenig veränderte Temperaturen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 10,2 Grad Celsius, Minimum 0,9 Grad Celsius. Niederschläge: 12,4 Millimeter. Heutige Morgen- temperatur: 2,9 Grad Celsius. Aus der Provmzialhauptstadt. Gießen, den 19. Februar 1926. Geheimrat Rudolf Stammler. Heute, am 19. Februar, vollendet der bedeutende Rechtswissenschaftler Geh. Justizrat Prof. Dr. jur. et phil. Rudolf Stammler in Wernigerode, wo er im Ruhestand lebt, sein 7 0. Lebensjahr. Stammler, aus Alsfeld gebürtig, gehört einer sehr alten hessischen Familie an. Er studierte in Leipzig und Gießen (1874—77), und promovierte (77) an der hiesigen Landesuniversität, übrigens summa cum laude mit einer Dissertation über die strafrechtliche Bedeutung des Notstandes. 1877—80 arbeitete Stammler im hessischen Staatsdienst, wurde dann Privatdozent in Leipzig, Extraordinarius in Marburg (82), Ordinarius in Gießen, wo er 84—85 sein Lehramt ausübte. Von Gießen wandte sich Stammler nach Halle, von dort im Jahre 1915 nach Berlin, wo er übrigens auch jetzt noch, während der oommerfemefter, Vorlesungen abhält. Die philosophische Fakultät in Königsberg hat ihn zum Ehrendoktor promoviert. — Stammlers Lebensarbeit galt der Rechtswissenschaft, deren tiefsten, philosophischen Problemen er sich zuwandte, nachdem er seine früheren Schriften vornehmlich der Methodik des juristischen Unterrichtes gewidmet hatte. Von seinen zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen tönen an dieser Stelle nur einige her- ausgegriffen werden, wie die „Methode der geschichtlichen Rechtstheorien" (88), „Theorie der Rechtswissenschaft" (11), „Wirtschaft und Recht nach der materialistischen Geschichtsauffassung" (3. A. 14), von neueren Arbeiten das „Lehrbuch der Rechtsphilosophie" (22) und „Der Richter" (23). — Der Dekan der hiesigen juristischen Fakultät, Prof. R o - s e n b e r g , hat sich nach Wernigerode begeben, um Geh. Rat Stammler die Glückwünsche der Fakultät zu überbringen. Auch ist, wie wir hören, soeben zu Ehren Stammlers eipe Festschrift über Rechtsphilosophie erschienen, bie dem Jubilar überreicht werden soll. Aus der evangelischen Kirchengemeinde Giehen. Im abgelaufenen Jahre 192-5 fanden j» der evangelischen Kirchengemeinde Gießen 4 4 5 Tau - fen statt; sie verteilen sich wie folgt: Matthäusge- meinde 91, Markusgemeinde 73, Lukasgemeinde 157, Johannesgerneinde 124. Konfirmiert wurden 480 Kinder; aus der Matthöusgemeinde 116, Mar- fusgemeinbe 108, Lukasgemeinde 141, Johannesge- meinde 115. Getraut wurden 166 Paare; aus der Matthäusgemeinde 25, Markusgemeinde 33, Lukasgemeinde 59,Iohannesgemeinde49. Kirchlich beerdigt wurden 227 Gemeindeglieder; aus der Matthäusgemeinde 49, Markusgemeinde 44, Lukasgemeinde 68, Iohannesgemeinde 66. Im ganzen wurden 256 Gottesdienste für Erwachsene und 109 Kinbergottesbienste veranstaltet. Die Zahl bcr Kirchenbesucher betrug in beiben .Kirchen am 1. Dftertag 3328, am 12. Sonntag nach Trin. 1591, am 3. Advent 1860. Viele Gottesdienste und Andachten fanden in den Anstalten und Kliniken statt. Am heiligen Abendmahl nahmen insgesamt 4471 Gemeindeglieder teil. Die einzelnen Gemeinden veranstalteten viele Familienabende mit Vorträgen, gesanglichen und musikalischen Darbietungen. Der Wartburgverein, der Bund für christliche Erziehung in 5)aus und Schule, sowie der evangelische Arbeiterverein veranstalteten ebenfalls Vorträge, zum Teil mit Lichtbildern und Darbietungen anderer Art. Das wichtigste Ereignis im abgelaufenen Jahre war die Feier des G u st a v - Adolf- Festes, die hier vom 20. bis 23. September unter großer Teilnahme stattfand. Don den auswärtigen Teilnehmern wurde allseitig anerkannt, daß die Feier mustergültig verlief. Dank gebührt den Familien, die Festqäste bei sich aufgenommen haben, den Ordnern des Festzuges, sowie' allen Gemeindegliedern, die sich an den Vorbereitungen für bas Fest beteiligt haben. Am 26. März wurde der für Ober- Hessen neu ernannte Superintendent, Oberkirchenrat Karl Wagner in der Stadtkirche in sein Amt ein- gcführt. Nach einem Zeitraum von 51 Jahren hat somit der Superintendent seinen Wohnsitz in Gießen eingenommen. Im Bestand der S t a d t geistlichen trat keine Aenderung ein, der Pfarrer der Anstalten Heinrich Adolph trat am 1. Juli in den Ruhestand, an seine Stelle trat Ernst Amandus M ü 11 e r , seither Dekan und Oberpfarrer in Lauterbach. An freiwilligen Gaben für firchlidu? und religiöse Zwecke gingen ein 34 305 Mk. Sic Zahl der Evangelischen in Sieben betrögt insgesamt 28 526, davon entfallen auf die Matthäus- gemeinde 6204, auf die Martusgemeinde 4499, auf die Lukasgemeinde 9679, auf die Johannesgemeinde 7670, von den Militärpersonen sind 476 evangelisch. Man ersieht daraus, daß die Vermehrung der evangelischen Bevölkerung hauptsächlich für den Süden und Osten der Stadt zu verzeichnen ist. Infolge vielfacher Erkrankung von Dekanatsgeistlichen hatten die Gießener Pfarrer oft Aushilfe in auswärtigen Gemeinden zu leisten, so in Heuchelheim, Reiskirchen, Hausen und Bußbach. Hochwasser. Die Regenfälle der letzten Tage, insbesondere die starken Niederschläge in der Nacht zum Donnerstag, haben unseren Wasserläufen so starken Zufluß gebracht, daß erneut Hochwasser zu verzeichnen isi. Die Lahn ist erheblich gestiegen und hat ihre Ufer überflutet, immerhin sind die Wassermassen des Flusses in Gieß.-n bis jetzt noch nicht so hoch ange- wachsen, wie bei der letzten Ueberschwemmung. Dagegen ist die Lahn unterhalb unserer Stadt wieder sehr ff art in das Vorfeld übergetreten. Die Wiesen und Weder zwischen Dutenhofen, Atzbach und Kin- zenbach sind weithin überschwemmt, ebenso ist der Verbindungsweg zwischen Dutenhofen und Atzbach erneut stark in den Fluten. Diese Ausdehnung des Walsers dürfte wohl vor allem auf die Wieseck zurückzuführen sein, dis bei Vein fetzigen Hochwasser gestern abend ihren höchsten Stand im bisherigen Verlaufe dieses Winters erreichte. Die Wiesen hinter dem Gerichtsgebäude sind breit überflutet, an einer Stelle erreichte das Wasser sogar die Marburger Straße! Weiter aufwärts im Wiescck- tal stehen auch die Wiesen zwischen Trohe und Wieseck unter Wasser, ferner erreichten die Fluten dort die Straße Trohe—Wieseck. In der letzten Nacht ist allerdings ein gewisser Rückgang der Flut eingetreten, jedoch dürfte diese Besserung nicht allzu lange andausrn, denn heute vormittag gegen 10 Uhr setzten erneut ansehnliche Niederschläge ein, die im Augenblick der Niederschrift dieser Zeilen noch andauern. In den Feldern und Gärten ist natürlich schon wieder allerlei Schaden entstanden. Aus der Provinz liegen gleichfalls Hochwasser- nachrichten vor. Die Lum da ist über ihre Ufer getreten und hat weite Wiesengründe, in verschiedenen Orten auch Teile der Dörfer unter Wasser gesetzt. Besonders gefährdete Mühlen mußten den Betrieb einstellen: die zum Bahnhof A l l e n d o r f führende Straße ist überflutet. Ebenso hat die Ohm in starkem Maße ihre Ufer verlassen. Bei Wettsaosen z. B. hat sie eine Breite von über 100 Meter, glücklicherweise ist sie bis jetzt aber'noch nicht an das Ackergelände herangekommen, sondern hat mir die Wiesen überflutet. Horloff und Nidda führen natürlich auch gewaltige Wassermassen zu Tal. In Ober-Florstadt ist das Wasser schon in die tiefer gelegenen Gassen eingedrungen. In dem Wiesengrund zwischen Ober-Flor st adt, Reichelsheim und Leidhecken war gestern nach- inittag das erste Anzeichen des Hochwassers in Gestalt von kleinen Seen zu bemerken. Das Wasser steigt bis jetzt noch weiter. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz erstattet jetzt ihren Jahresbericht für das Jahr 1 925 (22. Jahr des Bestehens), dem wir folgendes entnehmens Zu Beginn des Jahres setzte eine starke Inanspruchnahme der Krankentransporteinrichtung der Kolonne ein, weiche auch im Lause des Jahres anhielt. Es verging kein Tag, wo nicht die Hilfe der Kolonne in mehreren Fällen tn Anspruch genommen wurde. Anforderungen, wie die des abgelaufenen Jahres, nur mit freiwilligen Kräften ohne ständige Wache gerecht zu werden, war nur möglich durch die opferfreudige Bereitwilligkeit fast jedes einzelnen Mitgliedes. Durch Tlebernahme des Sanitätsdienstes anläßlich Bes 32. Mittelrheinlschen Kreisturn- festes, wobei die Kolonne in Zusammenarbeit mit Schwestern vom Roten Kreuz und des Alice- Frauenvereins in über 400 Fällen in Anspruch genommen wurde, ist der Beweis erbracht, daß auch die Kolonne Gießen den größten Anforderungen gewachsen ist. Bei der Ausübung des Rettungsdienstes im Allgemeinen und bei den großen Aufgaben der Kolonne im Besonderen machte sich das Fehlen eines eigenen Krankenkraftwagens recht fühlbar. Ist es doch bis heute" trotz aller Anstrengung der Kolvnnenleitung noch nicht gelungen, die Mittel zur Anschaffung eines so sehr benötigten Wagens aujzubringen. Ein großer Teil Kranker von außerhalb konnte so den hiesigen Kliniken und Krankenhäusern nicht zugeführt werden. Ein Teil wurde mit der fahrbaren Trage im Packwagen der Eisenbahn, andere mit provisorisch eingerichteten Privat-- kraftwagen befördert. Möge im Laufe dieses Jahres der Wunsch der Kolonne, einen eigenen Krankenkrastw.rgen zu besitzen, zum weiteren Ausbau und zum Segen der Hilfesuchenden in Erfüllung gehen. Der Mitgliederstand betrug zu Beginn des Jahres 61. Zu den inaktiven Mitgliedern wurden überschrieben 2. Freiwillig ausgetreten sind im Laufe des Jahres 3, Reuaufnahme 9, Mitgliederstand am Ende des Jahres 65. Inaktive Mitglieder zählt die Kolonne 10. Auszeichnungen wurden für 15jährige Dienstzeit verliehen an die Mitglitt>er K. Becker, A. Lamm, H. Matheis, A. Rinn. Für 9jährige Dienstzeit dem Gruppenführer W. L u ch Der Vorstand setzt sich zusammen: 1. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Wiener, 2. Vorsitzender Provinzialinspekteur und Kolonnenarzt Dr. Gros, Ehrenkolonnenführer H. Balser, Kolonnenführer L. Kratz, seinem Stellvertreter K. Graulich, den Zugführern H. Kraushaar und P. Hartmann, den Gruppenführern O. H a r i g, H. Pfeiffer, W. Luch, W. Rink (Zeugwart), E. Malkomesius, R. W a ck w i ß (Rechner der Sterbekasse). W. Steuerwald, I. Heiß ler (Schriftführer), als Beisitzer K. Becker, A. Rinn, H. Winne ck e r (Rechner). Die Tätigkeit der Kolonne im abgelaufenen Jahr stellt sich u. a. wie folgt dar: Es wurden, am 9. 3. beginnend, zwei Alarm- und 8 Hauptübungen abgehalten. Die erste Alarmübung erfolgte am Sonntag, den 13. September, Dorrn. 8.30 Tlhr. ^lnfallannahme: Zusammenstoß eines besetztes Lastkraftwagens mit der elektrischen Straßenbahn. Die zweite Alarmierung fand in der Rächt vom 17. auf 18. Rov. durch die Eifenbahndirektion Frankfurt a. M. statt. Die Kolonne wurde zur Unterstützung Rettungshilfszuges der Station Gießen bei einem angenommenen Eisenbahnunglück in Butzbach benötigt. Anläßlich dieser Hebung erhielt die Kolonne Gießen von der Deutschen Reichs- bahngesellschast, Direktion Frankfurt a. M., ein lobendes Anerkennungsschreiben. Im Laufe des Jahres, hauptsächlich im Sommerhalbjahr, wurden an Sonn- und Feiertagen 40 Wachen im Depot in Bereitschaft gehalten. Bei diesen Wachen wurden 46 Hilfeleistungen, darunter 34 Krankentransporte ausgeführt. Bei sonstigen Veranstaltungen wurden 26 Wachen verlangt und dabei in 55 Fällen erste Hilfe geleistet. Außer diesen Wachen übernahm die Kolonne den gesamten Rettungsdienst anläßlich des 32. Mittelrheinischen Kreisturnfestes, in der Zeit vom 31. Juli bis 4. August, ununterbrochen, mit über 400 Hilfeleistungen. Auch beim dem großen 116er-Tag vom 5. bis 8. September wurden ständige Wachen gestellt und in 36 Fällen erste Hilfe geleistet. Im Laufe des Jahres stellte die Kolonne Sanitätsbegleitung bei 6 Sonderzügen. Davon 5 mit den hiesigen Schülern und Schülerinnen an den Rhein und bei einem Sonderzug des Oberhessischen cd. Frauenbundes nach der Wartburg. Es wurde hierbei in 30 Fällen die Hilfe der Begleitmannschaften in Anspruch genommen. In der Zeit vom 23. Oktober bis 4. Dezember hielt unser Kolonnengrzt Dr. Gros einen Ausbildungskursus in der ersten Hilfeleistung ab. An demselben beteiligten sich 18 Herren. Die aktiven Mitglieder nahmen an dem Kursus ebenfalls teil. An Hilfeleistungen sind — die eingeklammerten Zahlen sind die des Vorjahres — zu verzeichnen 2360 (1650), darunter sind Krankentransporte 1260 (1236), mit dem Krankenkraftwagen ausgeführt 417 (282), mit der fahrbaren Trage 650 (795), mit dem Fahrstuhl 136 (110), mit Privatkraftwagen 55 (12), mit dem Sanitätsschlitten 2 (5). Cs handelte sich um Knochenbrüche 96 (86), innere Erkrankungen 420 (538), ansteckende Krank- heien 18 (26), Frauen-Krankheien 152 (164), Blinddarm und Bauchfell 210 (174), Rerven- und Geisteskranke 94 (81), sonstige Verletzungen 270 (167). Von den Hilfsdesinfektoren der Kolonne wurden in 22 Fällen Desinfektionen ausgeführt. Aus unserer Verleihanstalt für Krankenpflegegeräte wurden insgesamt 227 (220) Gegenstände ausgeliehen. Die Verleihanstalt konnte durch einige Geräte, darunter einen fahrbaren Krankenbettisch und eine Säuglingswage erweitert werden. Auch in diesem Jahre war eine rege Nachfrage nach den Geräten der Verlechanstalt und konnte manchem Kranken aus dringender Rot geholfen werden. Durch die ständige Bereithaltung von Sauerstoff konnten in zwei Fällen Menschenleben gerettet werden. Bornotizen. — Lageskalender für Freitag: Stadttheater 7.30 iUjr: »Jugendfreunde' (Ende nach 10 Tlhr). — Akademische Feier 8.15 Tlhr. Reue Aula der Universität. — Kulturamt der Gießener Studentenschaft: 8 Hhr, Großer Hörsaal der Universität, Lichtbildervortrag. — Baugenossenschaft 1894: 7.30 Hfjr, Saal des früheren Hotels „Einhorn", Vortrag. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Die Puppenkönigin". — D i e Volkshochschule bittet uns, nochmals auf den Vortrag „Der Lebensraum des deutschen Volkes" hinzuweisen, den Studienrat Dr. König morgen, Samstag, 20. Februar, im großen Hörfaal der Universität halten wird. Näheres in der heutigen Anzeige. ** Der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen beschäftigt sich morgen, Samstag, vormittag 8.30 beginnend, in öffentlicher Sitzung im hiesigen Regierungsgebäude mit folgen öen Angeleaenhetten: Klage des Bezittsfüttorgever bandes Bochum-Land gegen den Bezirksfürsorgever- band Friedberg wegen Erstattung von vorgelegten Fürsorgekoften. — Besoldung des Bürgermeisters und der Gemeindebeamten in Herpersdorf; hier: 'Berufung des Kreisdirektors des Kreises Alsfeld gegen das Urteil des Kreisausschusses des Streifes Alsfeld vom 26. November 1925. — Gesuch des Paul Schuchardt zu Gießen um Zulassung als Kraftfahrzeugführer: hier: Berufung des Gesuchstellers gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 4. Januar. — Turbinenanlage des Frhrn. Georg Riedesel zu Eisenbach in Altenbura, hier: Berufung gegen das Urteil des Kreisausfchus- ses des Kreises Alsfeld vom 12. Marz 1925. ** Ein Schadenfeuer entstand gestern nachmittag nach 1' _■ Uhr in einer Schreinerwerk- ftätte auf dem Grundstück Walltorstrahe 63. Dort brannte der Dachstuhl der Werkstätte. Die Flammen wurden durch die schleunigst erschienene Wache, die um 1.45 Uhr alarmiert wurde, gelöscht, bevor sie größeren Umfang annehmen konnten. Die Aufräumungsarbeiten nahmen erhebliche Zeit in Anspruch, so daß die Wache erst um 4.22 älhr in das Depot zurückkehren konnte. Die Entstehungsursache ist bis jetzt nod) nicht sicher festgestellt. Der Schaden, der durch Anbrennen von Brettern und durch die Wassermengen entstanden ist, dürfte ziemlich erheblich sein. ** Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Es verstorben in der Zeit vom 1. bis 15. Februar: 1. Februar: Katharina Hahn, geb. Dörr, 71 Jahre alt, Henselstrahe 3. 4. Februar: Elisabeth Appel, geb Funk, 56 Jahre alt, Westansage 64. 6. Febr.: Johanna Decker, geb. Schwarz, 46 Jahre alt, Bahnhofstraße 24 Anna Günther, geb. Mattern, 43 Jahre alt, Frankfurter Straße 150. Friederike Karoline Menges, geb. Jüngst, 63 Jahre alt, Landmann- ftrabe 18. 7. Febr.: Therese Schäfer, geb. Her- thum, Witwe, 72 Jahre alt, Gartenstraße 18. 8. Febr.: Anna Arlautzki, geb. Grabowski, Wwe., 64 Jahre alt, Kleine Mühlgasse 8. Johannes Graf, Friedhossarbeiter, 69 Jahre alt, Ebel- strahe 39. 10. Febr.: Ludwig Schäfer, Händler. 68 Jahre alt, Asterweg 5. 11. Febr.: Hedwig Baumann. 1 Jahr alt, Lindengasse 14. 12. Febr.. Marie Elisabeth Heppner, geb. Weickert, 77 Jahre alt, Marburger Straße 9. Helene Kraehling, 1 Jahr alt, Kaiser-Allee 113. Wilhelm Kraushaar, Gastwirt, 46 Jahre alt, Frankfurter Straße 7. Ursula Schönhals, geb. Schauer, 40 Jahre alt, Weserstraße 1. Luise Günther, geb. Hermann, 63 Jahre alt, Kaiser-Allee 48. Eberhard Rosenbecker, ohne Beruf, 75 Jahre alt, Kleine Mühlgasse 8. Elise Lenz, 1 Monat alt, Wehsteingasse 43. Johannes Schäfer, Weißbinder- meister, 61 Jahre alt, Bleichstraße 6. 14. Febr.: Marie Klee, ohne Beruf, 54 Jahre alt, Sicher Straße 74. Rudolf Poschmann, 14 Jahre alt, Wetzlarer Weg 43. 15. Febr.: Elisabeth Adolph, geb. Engelhardt, Wwe., 72 Jahre alt, Kaplans- gasse 11. ** Die Eifenbahn-Fahrpretser- Mäßigung für Iugendpflegevereinr. Die Geltungsdauer der von der Eifenbahnver» Wallung für das Kalenderjahr 1925 au8geftdlten Bescheinigungen (gelbe Karten) über die Anerkennung der Iugendpflegevereine zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung ist, wie von zuständiger Seite mitgetetlt wird, biß zum 30. April 1926 verlängert worden. K st ■/v MH:.. Bekanntmachung. Auf die Bekanntmachung des Kreisamts Gießen, Amtsverkundigungsblatt Nr. 13 vom 12. Februar 1926, über die Erhebung von Deckgeld für Bedecken von Stuten (Deckzeit 1925) werden die Stutenbesitzer hiermit aufmerksam gemachi. Gießen, 16. Februar 1926. (1561B Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Bekanntmachung. Ab 20. Februar 1926 ist bei der unterzeichneten Behörde jeden Samstag vormittag Amtstag. Es wird ersucht, Besprechungen usw. tunlichst auf diesen Tag zu legen. 15646 Gießen, den 17. Februar 1926. Hessisches Kulrurbauamt Gießen. Steinbach, Negierungsbaurat. sanft im 73. Lebensjahr meine Nach kurzem schweren Krankenlager entschlief liehe Trau, unsere liebe Mutter, Schwester, Großmutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau Auguste Kehr geb. Haubach. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Philipp Kehr Lokomotivführer i. R. Gießen (Schützenstraße 8), den 19. Februar 1926. Die Beerdigung findet am Montag, dem 22. d. M., nachmittags 21/, Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. oim Hühnerfutter r Fischmehl, Garneelen, Muschelkalk. Sflflt-Wenianö, Hiflnslmtfl 17. Vrenn- un-Rutzholzverfteigerung Montag, den 22. Februar 1926, vormittags 91/, Llhr beginnend, soll im Annervder Gemeindewald folgendes Holz versteigert werden: 114 Stück Fichten-Derbstangen 1.U.2.KI. 10,80 Fstm., 49,2 Rm. Kiefern-Scheit, 28,4, Rm., Fichten-Scheit, 13 Am. Weiß- tannewScheit, 29,3 Rm. Kiefern-Knüppel, 100,2 Rm. Fichten-Knüppel 9 Rm. Weißtannen- Knüppel, 3710 Stück Fichten- Wellen, 201,5 Rm. Fichten-Stöcke. Die Zusammenkunft ist auf der Grünberger Straße beim Hochbehälter. Annerod, den 16. Februar 1926. Bürgermeisterei Annerod, Horn. 1520V Gießen, Kirtorf, Darmstadt, Frankfurt a. M., Bielefeld, Landeshut (Schl.), 18. Febr. 1926. Im Namen der Hinterbliebenen: Clara Hepding geb Schaub Hugo Schaub, Forstrat Else Schaub geb. Frank. Die Beerdigung findet Samstag, den 20. Februar, nachmittag 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Von Beileidsbesuchen und Blumenspenden bitten wir abzusehen. 01180 Gestern abend um 8 Uhr ist unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Elisabeth Schaub geb. Schultheis Witwe des evang. Pfarrers Jakob Schaub in Ulrichstein, nach langem, schwerem Leiden in ihrem 85. Lebensjahr heimgegangen. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme an unserem schweren Verluste unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Gießen (Bleichstraße 6), den 19. Februar 1926. 0tmfifl$en6Otten liefert to jeder gewünscht«, Ausstattung preiswert die Brüh lstch e Uni» erfttäte. Druckerei, Lange. Kiefernstämme Fichtenstämme 5a 111 5 6 3 5 2 3 4 4 8 12 1 1 1 11 38 dingungen bekanntgegeben werden. Albach, den 17. Februar 1926. 1548V Hess. Bürgermeisterei Albach. Lenz. Stück 2,65 Fstm. „ 3,35 „ „ 3,18 „ „ 0,84 „ - 0,81 „ ° 1,13 ., „ 12,97 „ „ 35,62 „ „ 62,83 ,, Nutzholzsubmisfion Die Gemeinde Albach derlauft auf dem Submisstonswege Eichenstämme Kl. 4 ' „ 5b 279 ; 92,75 Das Holz ist mit Rinde gemessen. Die Gebote sind nach Klaffen getrennt zu halten und müffen bis zum 23. Februar 1926, nachmittags 3 LIhr, auf unterzeichneter Bürgermeisterei eingereicht sein, wo die Oeffnung flattfindet und die Belm Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau E. Schäfer. 1558V Heinrich Findt V. im 67. Lebensjahre. Sichertshausen, den 18. Februar 1926. 1573V Die Beerdigung findet Sonntag, den 21. Febr., nachm. 2 Uhr, stati^ Gestern abend entschlief sanft nach längerem Leiden, fest im Glauben an seinen Erlöser, mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater Die trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Findt und Kinder. Beachten Sie die Schaufenster Neustadt Nr. 79. NOchmsleiMM.ZnbmiW. Dienstag, den 23. Februar 1926, kommt im Muschenheimer Mark- und Gemeindewald folgendes Bau- und Ruhholz zur Versteigerung: Eichen-Stämme 3. und 4. Kl. 3 Stück — 2,69 Fstm. Eichen-Stämme 5. Kl.21 Stück — 8,20 Fstm. 6. „ 46 „ ™ 10,04 , Kiesern-Stämme 3., 4. und 5. Kl. 23 Stück =•-■ 9,66 Fstm. Lärchen-Stämme 3. und 4. Kl. — 9 Stück = 2 Fstm. Fichten-Stämme 3. und 4. KL = 19 Stück — 27,52 Fstm. Fichten-Stämme 5a- und 5b. Kl. =93 Stück = 48 Fstm. Fichten-Derb- und Reisstangen 187 Stück. DasEichenholz ist erstklassigesWettholz. Zusammenkunft vormittags 9", Uhr am Wetterbergskopf. Donnerstag, den 25. Februar, wirb nachstehendes Holz im Wege schttftlichen Angebots verkauft: 4 Eichen-Stämme 1. Kl. — 7,92 Fstm., 5 Stück 2. Kl. — 7,42 Fstm. 6 Eichen-Stämme 3 Kl. = 6,47 Fstm., 20 Stück 4. Kl. - 12,52 Fstm. 10 Eichen-Stämme 5. Kl. — 3,19 Fstm. Alles erstklassiges Werkholz. 2 Fichten-Stämme 3. Kl. = 1.83 Fstm., 24 Stück 4. Kl. = 26,77 Fstm. 57 Fichten-Stämme 5a-ÄL — 40 Fstm. Angebote find bis 10 Uhr vormittags bei uns einzureichen. Die Eröffnung erfolgt in Gegenwatt etwa erschienener Bieter. Die Bedingungen werben vorher bekannt gemacht. Muschenheim, Len 16. Februar 1926. Bürgermeisterei Muschenheim. Becker. 1549V Preiifi. telsoheriörsto Krofdorf. Nadelholz -- Nutzholz ° Berkaus durch Schriftgebot am 2. März 1926. Los 1: Krofdorf,24b. Fichten-Stämme, 2375t. mit 244 Festmeter Los 2: Krofdorf, 24c, 26a. Fichten-Stämme, 81 Stück mit 59 Festmeter Los3: Salzböden,74.Fichten-Stämme,2965t. mit 71 Festmeter Los4: Stoppelberg, 85,87,89,91,92Fichten- Stämme, 58 Stück mit 46 Festmeter Los5: Salzböden, 74. Fichten-Derbstangen, 381 Stück 1-3. Klaffe Los6: Krofdorf, 9, 24, 26. Fichten-Schicht- nutzholz, 35 1., 18 2., zuf. 53 Rm. (2 Meter lang). f 1550V Sämtliches Holz ist geschält und mit Rinde gemessen. Näheres aus dem Holzmarkt Nr. 39 vom 15. Februar 1926.' Einreichungstermin: l.März 1926, Ober- fSrsterei Krofdorf (Kreis Wetzlar). Eröffnungstermin: 2. März 1926, im Geschäftszimmer daselbst, 10Uhr vormittags. JWW Wir wollen die in unserem Geschäft in den letzten Monaten angesammelten Reste, zusammen mit Abschnitten ganz besonders billig abstohen! Wir veranstalten daher am Samstag20.Februar,u.Montag-- Luar einen Verkauf von Die zum Verkauf kommenden Waren sind im 2. Stock übersichtlich zum Aussuchen ausgelegt. 16683 MD Iagdverpachtung. Mittwoch, den 24. d. M., nachmittags 2 Llhr, soll auf dem hiesigen Rathaus der 2. Teil (links der Ohm) der Gemeinde Wald- und Feldjagd nochmals öffentlich meistbietend auf 6 Jahre verpachtet werden. Meder-Ohmen, den 17. Februar 1926. Hessische Bürgermeisterei Rieder-Ohmen. Aeeb. 155 ID Restposten III •tthff ftfimnffo 130c:mbreit, lnQual, Streif.- utlr 2/UUIUlil, u. Blumenmust., Reste, Meter MBetwuiwu-S MHionfieiine örene merotalnt 80om,reine Wolle, moderne Drucks, Reste ßrepemarotoin? mol? Dr ER'/tc. Modehaus Salomon, Gietzen, Schulstr. 4 Meter i cm br. .. Mir. Restposten I Anmhnn Innhir 80 cm breit, einfarbig und yklllökll'AklIM gestreift, Reste.... Meter Aomhoti Tnrfio fein und starkfädige, gute yrWkll'rllW Qualität, Reste.... Meter 9emöen-Hefiel eflnötotö-Hefte ti. -Avschnille °K°°L 9emöen-5imerelenn.-6Wulte! Reste btS 3 Meter ..................... MMl-SMei!'ll.-WW brei'tzReste von 2—3 Meter........................ Unnoti Toffrinc Stickerei-Ersatz, für solide •UUyHr<)"|lUll“ Wäsche, Kupon von 10 Mir. ßrfiiirion Jumv.- u. Blutenformen, bunl-Saltn UUJUljni od. Stamosen, ein Restposten, Stück Snrioffon laDrell od.Damast, enge Nummern nOlltUllI Wert bis Mk. 12.50, Restposten, Stck. tzemSk». Behtlelöer unö llnteitolOeii reich mü Stickerei ob. Hohlsaum, Restp., Stck. weist Trikot für Damen, Wert DnHulJUlcIl bis Mk. 5.-, im Restposten, Stllck Restposten II Mfo-BUlIR Ä"atc: TcmÄ ßihÖMon fiiamnfott uocm breit, la Hauö- Ü)UJuljClr38tiuiu|tU macherware, modernste Muster, Neste.......................Meter Wrzen-SM iL-Soitane kleingemustert S'M'MllWlie oder VM-CM bedruckt, moderne Muster, Reste...Aieter IWM-AllSM. Ä S» Mti-WW Se Siiöereibre,,e 5TTHTnTnnTffnTnTiTIiTnTTnTTTn?TnnTTTTTnTTTTffTnnTnTnTnTTHnT!TTTTTnTTTT!TriTTn!TTnnffff 1 en Heinrich Driesch Seltersweg 70 Seltersweg 70 ......................................................................""'uuuuuuutpiullütlE 1546a 1570c Eintritt 50 Pfennig. Lichtspielhaus 1 1 0H90 und alle Sorten Futter. Hochwart: 1574c rm und Fichten- und Kiefern Eichenreisig jSteilenangebotel Miau 01191 schloffen. gesucht. 1547 D Weimer Stt. 50. 14,0 51,5 34,6 rm rm rm 122, des 68,5 305 38,8 54 vormittags 9£ Uhr beginnend. Abt. 86 bis 93 und 94, 95, 96, 121, 126 und 128 (Stadtwald), Bezirk am Sonntag, in der /Beginn neuer Kurse' Vogtsche flapdelssiihiilpfiipflpn MuuuvivuuumuuiuUull ^Ooetheetriße 31// 1529« >/ AcßenkrAgelhM Wolkengaffe 17 la Kanarienhähne von 9Mk. an, Weibchen 2 Mk., Rachtigallen,Waldvögel, ausländische Vögel. Goldfische, Käfige, Tauben rm Buchen- und Fichtenstöcke Fichtenderbstangen 1. Kl., 7,54 fm Eichen- und Kiefernscheiter Fichtenscheiter Eichen-, Birken- und Kiefernknüppel Brennholz Versteigerungen Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen versteigert werden: 15626 I. Dienslag, den 23. Februar 1926, vormittags 9$ Uhr beginnend, Abt. 1 bis 15 und 16 bis 31 (Fernewald), Bezirk des Försters Arft, Forsthaus Zusammenkunft: Kreuzung Licher Str.- 8. Schneise. Das Holz aus den Abteilungen 1 bis 15 (Fernewald) und 86 bis 93 (Stadtwald) wird nicht vorgezeigt. Vorherige Besichtigung empfohlen. Gießen, den 18. Februar 1926. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. R o s e n b e r g. SAALBAU SAUER Sonntag, 21. Fehr., abends 81/» Uhr 16. Großes Militärkonzert ausgeführt von der hiesigen Reichswehrkapelle Fernsprecher 1294 Sprechstunden von 8-9, 3-4 Uhr Für die dem Forstamt nicht bekannten Pachtliebhaber ist Ausweis erforderlich. E i ch e l s d o r f, den 18. Februar 1926. Hessisches Forstamt Eichelsdorf. B echtel Konkursverfahren. Hebet das Vermögen der Firma Pascoe, Aktiengesellschaft in Gießen, wird heute am 17. Februar 1926, nachmittags 6 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. 15636 Der Bücherrevisor Will in Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 7. März 1926 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschluhfaffung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwatters, sowie über die Bestellung eines Gläubigeraus» schuffes und eintretenden Falls über die In § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Dienstag, den 16. März 1926, vormittags 91/, Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer 101, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 7. März 1926 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht in Gießen. 133 440 Habrilchem. Baustoffe sucht sofort in ganz Deutschland seriöse Baufachleute auch rüstige, abgebaute Baubeamte als Vertreter bet nuten Verdtenstmöglich- feiten. 1565A Angebote unter F. T. 323-1 an AU Haasenstain & Vogler, Frankhirt a. BI. Försters Arft: 34,7 rm Buchen-, Eichen- scheiter 27,3 rm Buchen-, Eichen- Zagöverpachtuug. Donnerstag, ben 4. März 1926, vormittags 10’} Ahr, sollen in der Lehrschen Gastwirtschaft zu Eichelsdorf (Oberhessen) die Staatsjagden des Forstamts Eichelsdorf auf die Dauer von 12 Jahren öffent- A.WWW.MWMM Gießen, Walltorstrahe 13. knüppel rm Fichtenknüppel Wellen Buchen- und Vezirks- Geräte- wettumen dem 21. Februar 1926, neuen Turnhalle Tüchtiger, energischer Zigarren- und Wiekelmeister III!Ii>I,M,IIIIIIIIIIIIlIIiII,III!IIIIIIII,IiIMIIiIIIiIlsIIIIIIIIIIIIIiIIilIIIi.IIIllllIII der erfolgreiche Tätigkeit nachweisen kann, von größerer Fabrik Gießens per sofort, evtl, später, gesucht. Schriftliche Angebote mit Lebenslauf, Lichtbild, Angabe von Referenzen unter 1542D an den Gießener Anzeiger. Samstag, 20. $eür., avem 8 nur, im Grotzea Millol Oec AlllmM: Vortrag vonSrn. stuöienrot Dr. König: Ser MeMlM öes Mßeii Bolles. Eintritt zur Deckung der Unkosten 1 Mk., für Mitglieder und Hörer der Volks» Hochschule, sowie für Studenten 50 Pf, bet Borzetgen deS Ausweises an der Abendkasse. 1554c Volkshochschule Gietzen. SS in Heuchelheim. = Beginn 9 Uhr vormittags. Nachmittags 3 Uhr Schauturnen und Siegerverkündigung. - Um zahlreiche Beteiligung bittet: "'"c Die Bezirksleitung. Fichtenknüppel Wellen Buchen- und Fichtenreisig Emmmcher Wares-Expedition Lindenplatz 1 Tel. 1257 286,6 rm Fichtenstöcke 49 Fichtenderbstangen 1. Kl., 7,05 fm 7 Fichtenderbstangen 2. Kl., 0,39 fm *13 Fichtenreisstangen 1. Kl., 0,20 fm Zusammenkunft: Kreuzung Karl- schneise-Hauptschneise (Fernewald). II. Freitag, den 26. Februar 1926, Dr.Hei«wSpeiyel Gartensträße 17 istsd von der Reise zurück Bin unter Nr. 745 an das Telephonnetz Gießen angc: sich verpachtet werden, und zwar: Jagdbezirk II: 456 ha Wald und Wie Jagdbezirk III: 190 ha Wald und Wie en Jagdbezirk IV: 574 ha Wald und Wie en Jagdbezirk VII: 388 ha Wald und Wie en Die Pachtbedinaungen sind gegen Entrichtung der Gebühren erhältlich. Nähere Auskunft durch das Forstamt, Fernruf Nidda 59. 1566V Feinkost! Oelsardinen, Hummer, Langusten, Lachs, Gänseleber, Filetheringe in Mayonnaise,Lachsbutter,Anchooys- Paste, Sardellenbutter, Fleischsalat mit Mayonnaise, Ochsenmaulsalat. Feine Braunschweiger Wurstwaren, Viele Sorten Käse, Pumpernickel. 1. hWAlen f.Wobn-u. Geschäftshäuser u. Landwirtschaft, beiBaranzahl. zu7—9^Ztnsen,sehr günstig auSzuleihen durch F. W. Saraiie, Frankfurt a. Tel. Römer 2578. Dienstag abend schwarze Handtasche in der Restauration G r e i l i ch, Frankfurter Siraße, eure liegen geblieben. Diejenige Person, die sie nittgenommen hat, wird gebeten, dieselbe dortselbst wieder abzugeben. | Vereine | Notare allerbeste Fabrikate, in allen Größen allerbilligst 42c Carl Schunck. Heute: Harry Liedtke, Maria Jacoblni in OiePuppenkönigln Komödie in 6 Akten. — Ferner: Onkel Bräsig 5 Akte nach „Ut mlne Stromtid“ von Fritz Benter. Dazu: Die neueste Wochenschau. Fräulein oder unablMMeFm evgl., mittL Jahre, aus guter Familie, findet auf dem Lande iBahnstat.) in einem BeamtenhauShalt angenehme Dauer« stellung als Pflegerin der leicht er- krankten Hausfrau. Kenntnisse t. Kochen, Nähen und in Handarbeiten erwünscht. HauSmädchen vorhanden. Schriftliche Angeb. unter 1568V an den Gieß. An- seiger erbeten. Aelteres, in Küche u.Haus erfahrenes Mädchen f. sofort ges. Otl62 rvolitorstratze 711. flllllllllllllllllllllllllllllllllD Tüchtiges Mädchen das kochen kann, für sofort ge- sucht von 01179 ZlnuVrosHomeffer Moltkestr. 18 1. uiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiD Ehrliches, anständ. 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Ang. mit Preis u. 01175 an den Gieß. Anz. Nr. 42 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, 19. Februar 1926 Turnen, Sport und Spiel. Warum Hauben in Amerika versagte. (Don unserem Deuyorler awh.-KorresPondenten.) Das Austreten Houbens in den Vereinigten Staaten hat ohne Zweifel eine gewisse Enttäuschung bereitet. So wie in der Heimat, hatte man auch in Amerika damit gerechnet, der deutsche Meisterläufer werde besser abschneiden, als es tatsächlich der Fall wurde. Es muß aber hervorgehoben werden, daß selbst die amerikanischen Sportkreise freimütig zug-eben, daß für Houben eine ganze Reihe von Llmständen überaus ungünstig waren. Houbens Größe liegt im 100 Meter Lauf, in Amerika mußte er wesentlich kürzere Strecken laufen. Dei dem Rennen in der Reuhorker Dahn fiel es besonders beim 2. Laus, dem über 60 Dards, auf, daß Houben zum Schluß stark aufholte, sodaß durchaus die Möglichkeit eines Sieges bestanden hätte, wenn bo8 Rennen über 100 Dards gegangen wäre. Lind zu zweit: Houben war vorher selten auf einer Holzbahn gelaufen. Auch diesen Umstand eickennen die Amerikaner als einen Rachteil für ihn an, auch wenn nicht Houben selbst in Gesprächen darauf ausdrücklich hingewiesen hätte. Zu diesen Erklärungen technischer Ratur, die für Houbens Versagen eine Entschuldigung bedeuten, tarn noch ein phhsisch-phhhsikalisches Moment. Das amerikanische Klima unterscheidet sich stark von dem deutschen. Fast jeder Deutsche, der nach Reuhork Eommt, wird in der ersten Zeit seines Aufenthaltes unter dieser Klimaveränderung stark leiden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß beispielsweise Sänger, die in Europa einen Rainen hatten, in Reuyork dadurch enttäuschten, da ihre Stinnne infolge der Klimaveränderung versagte. Es ist bestimmt anzunehmen, bäh diese physiologische Einwirkung in sehr hohem Maß die Konstitution des deutschen Meisterläufers beeinträchtigte. Es kommt hinzu, X6 eine längere Seereise an sich schon anstrengt. Unter dem Eindruck, unbedingt gewinnen zu müssen, war Houben stark nervös. Er sah sich zudem vollkommen neuen Derhältnissen gegenüber. Houben, dessen Stärke im guten Start liegt, hatte ihn in Amerika nicht ein einziges Mal, der beste Beweis für seine Rervosität. Run ist der flinke Krefelder wieder auf der Rückreise. Man hat in Amerika mit großem Bedauern empfunden, daß Houben von der Deutschen Sportbehörde nicht noch mehrere Starts erlaubt wurden. Gerade in dem Augenblick, Wi dem man annehmen formte, er werde soweit durchtrainiert und aklimatrsiert sein, daß sich die verschiedenen Beeinträchtigungsmomente seiner Leistungsfähigkeit vermindern oder gar verlieren würden, fann er auf Grund des Verbotes nicht mehr laufen. Gerade vom deutschen Standpunkt aus ist das recht bü>auerllch. denn Houben begann sich hier trotz seiner Riederlagen Freunde zu gewinnen, und die Zeitungen beschäftigten sich mit ihm viel mehr als zuvor. Daß Houben durch sein Auftreten in Amerika der deutschen Sache genützt hat, darüber besteht nicht der geringste Zweifel. Bezeichnend dafür ist das Derhalten der Bostoner, die wegen ihrer Kühle selbst in dem phlegmatischen Amercka verschrieen sind. Auch in Reuyork kam es zu begeisterten Huldigungen. Ein Sportsmann vom Weltruf Houbens nutzt eben seinem Land schon durch das bloße Auftreten, und das in besonderem Maß. wenn es sich um einen von sportlichem Ehrgeiz und Fairneß durchglühten Kämpfer handelt. Die Amerikaner lieben Käinpfernaturen, und Houben ist eine. Warum hat man ihm verboten, öfter zu laufen?, diese Frage liest man fast in jeder amerikanischen Zeitung, die sich mit dem Auftreten des deutschen Meisterläufers näher befaßt hat. Man beachte diese Stimmen in Deutsch- lcmb und lerne daraus. Fußball. Um bie deutsche Meisterschaft. In Süddeutschland ist die Derbandsrunde bereits in vollem Gonge. Die überraschenden Ergebnisse der beiden Spiel- fonntage sind noch in aller Erinnerung. Am Aus der Geschichte der Planelen-Entdeckungen. ' Wahrend man in früherer Zeit, vom Altertum bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts, außer der Erde nur fünf große Planeten, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, kannte, mehrte sich die Zahl der die Sonne umkreisenden festen Körper durch Entdeckung neuer in der Folgezeit allmählich, seit Mitte des 19. Jahrhunderts aber mit großer Schnelligkeit. Am 13. März 1781 fand zunächst W. Herschel in Bath (England) den Planeten Uranus auf, der sich in doppeltem Abstand wie der Planet Saturn um die Sonne bewegt — seine mittlere Entfernung beträgt 19,2 Sonnenweiten oder „astronomische Einheiten", d. h. Entfernungen der Sonne von der Erde, deren jede 149,5 Millionen Kilometer entspricht, indessen Saturn nur in einem Abstande von 9,5 astronomische Einheiten um die Sonne kreist. Run hafte man in der Reihe der Planeten schon längst eine große Lücke zwischen dem im Mittel 1,5 Sonnenweiten entfernten Mars und dem 4,9 Sonnenweiten entfernten Jupiter be- merft, in der man mit Recht einen Planeten vermutete, aber noch nicht'hatte aufspüren können. Da glückte es am 1. Januar 1801 Piazzi in Palermo, den hypothetischen Körper aufzufinden; es war der von chm Ceres genannte Planet, «in im Vergleich mit den bekannten Hauptplaneten ungemein kleiner Körper, der sich tatsächlich in jener Lücke um die Sonne bewegte. Doch am 28. März 1802 fand Olbers in Bremen einen zweiten solchen Planeten, die Pallas, der ebenfalls in die Lücke gehörte, am 1. September 1804 Harding in Lilienthal einen dritten, die Juno, und am 29. März 1807 wiederum Olbers einen vieften, die Desta. Damit war erwiesen, daß zwischen Marz und Jupiter an Stelle des einen vermuteten großen mehrere kleine Körper kreisen, man nannte sie daher kleine Planeten, Planetoiden oder Asteroiden. Aber fast vier Jahrzehnte gingen vorüber, bis es am 8. September 1845 Menvke in Driesen gelang, den fünften kleinen as der Sonntag bringt. Um die Westdeutsche Meisterschaft. tz. In der Verbandsmeisterrunde des Westdeutschen Spielverbandcs startet am kommenden Sonntag unser Bezirksmeister „S p o r t" - K a s s e l zum erstenmal. Er trifft hier auf den Duisburger Sportverein, den neunmaligen westdeutschen Altmeister. Duisburg zeigte am vorigen Sonntag gegen „Sportfreunde" Siegen nicht die überragende Leistung, die man erwartet hatte, wenngleich auch die Siegener Elf ihr Spiel seit dem Vorjahre bedeutend verbessert hat. Demnach geht „Sport" einen schweren Gang, auf dem bestimmt für die Hessen keine Sorbeten zu holen sind, denn wer die west- deutsck/en Spitzenvereine kennt, weiß, daß bis zil deren Können für den Hessenmeister noch ein weiter Schritt ist. Wir müssen schon mit einem Torunterschied von 3—4 Toren zuungunsten der Kasseler rechnen. V. f. B. (—) Der lommende Sonntag sieht die Liga- Mannschaft des Vereins für Bewegungsspiele in Marburg in einem Freundschaftsspiel gegen die dortige „Germania". Diese war es, die V. f?Q5. in der letzten Derbandsspielserie durch ein Llnentschieden (4:4) und einen Sieg (3:2) die einzigen drei Verlustpunfte abringen konnte und nur mit einem Punkt hinter dem Lahnkreismeister zurückblieb, um sicherer Zweiter der Tabelle zu werden. Wer aus dem Spiel als Sieger hervorgeht, dürste bis zum Schlußpfiff des Schiedsrichters eine offene Frage bleiben. Die Germanen werden beweisen wollen, daß sie dem Rivalen mindestens ebenbürtig smd, während die V. f. D.-Elf sich verpflichtet fühlen muh, Meisterkönnen zu zeigen. Auherdem sollte sie diese Gelegenheit benutzen, ihren durch die beiden letzten Riederlagen etwas notgelittenen Ruf wieder zu heben. Es kann ihr gelingen, wenn die Hintermannschaft wieder die große Form des Vor- sonntags zeigt und der gesamte Sturm sich zu der früher gepflegten Spielweise zurückfindet. Zu letzterem ist ferner Bedingung, daß auch der Mittelläufer sich zu besseren Leistungen als gegen Kassel und Darmstadt aufrasft. Man darf gespannt fein, wie die Elf ihre Aufgabe lösen wird. Die zweite Mannschaft empfängt voraussichtlich die zweite vom V. f. B. Friedberg zu einem Gesellschaftstreffen. Ob es der Gießener Zweiten möglich ist, ihre Siegesserie der letzten Wochen fortzusetzen, kann ebenfalls erst nach dem Spiel gesagt werden. Rachdem sie einen Sonntag ausgesetzt, will auch die Dritte wieder zu ihrem Recht kommen; sie hat sich Rieder-Weisel hierher verpflichtet. Die I. Jugend Mannschaft fährt nach Butzbach, um gegen die gleiche be$ V. f. R. ihr letztes Diplomspiel auszutragen. Der Termintabelle nach hat die II. Iugend- mannschaft die der hiesigen Spielvereinigung im fälligen Diplomwettspiel zum Gegner. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. £ Mit vier Mannschaften tritt am Sonntag die Freie Turnerschaft Gießen auf den Plan. Den Reigen eröffnet um 1 Uhr auf dem Sportplatz Trieb die junge Handballmannschaft, die die Handballmannschaft der Freien Turner Kinzenbachs, ebenfalls eine Neugründung, zum Gegner hat. Ob der Sieg den Gießenern ohne weiteres zuzusprechen ist? Um 2 Uhr folgt ein Fußballwettspiel der 2. Mannschaft der Gießener gegen die gleiche Dorheims. Das Hauptinteresse dürfte dem Spiel der ersten Mannschaften der genannten Vereine zuzusprechen sein, denn hier treffen sich zwei Bezirksmeister, der des 3. und der des 6. Bezirks. Dorheim, das den Meistertitel schon eine Reihe von Jahren hält, bietet Gewähr dafür, daß guter Sport geboten wird. Nach welcher Seite sich die Siegesaussichten neigen, ist bei den fast gleichen Gegnern schwer zu sagen; komplett dürfte Dorheim ein kleines Plus für sich haben. — Die Gießener Jugend fährt nach Wetzlar, um dort ihr Glück zu versuchen. In Fronhausen spielt die dortige 1. Mannschaft gegen die gleiche von Rodheim n. d. B. Ein weiteres interessantes Gesellschaftsspiel wird in Naunheim ausgetragen. Hier hat sich die dortige erste Elf, bekanntlich Neuling in der ersten Klasse, die Heuchelheimer Erste zu Gast geladen. Letztere muß sich sehr anstrengen, wenn sie siegreich bestehen will, andererseits wird sich Naunheim, das seither recht gut abschnitt, nicht ohne weiteres überwinden lassen. HandbaK-StädLespiel Kassel - Wetzlar. tz. Das Zusammentreffen der beiden Städte, die im Bezirk Hessen-Hannover im Handballsport führend sind, bedeutet für alle Handballinteressenten ein großes Ereignis. Kassel hat zu dem am kommenden Sonntag im Wetzlarer Spilburg-Stadion stattfindenden Kamps seine beste Garnitur gemeldet, gegen die die Wetzlarer unter Hergabe des Aeußer- ften bestehen sollten. Ausgezeichnet ist bei Kassel der Innensturm mit Köhl e r und Iunghenn, sowie die Verteidigung mit Lauen st ein und besonders Gros im Tor. In der Wetzlarer Städtevertretung ragt die starke Besatzung des Innensturmes hervor. Die Leitung des Spiels liegt in den Händen eines Siegener Schiedsrichters Im Reiche. Rasensport: Trotz der Pokalrunde findet in Süddeutschland doch die drifte Meisterfchastsrunde statt, die Bayern-München — F. V. Saarbrücken, V. f.R. Mannheim — S. Vg. Fürth, Karlsruher F. V. — Hanau 93 im Kampf sieht. Auch in Westdeutschland nehmen die Meisterschafts-Schlußspiele ihren Fortgang, im Rorden beginnen sie, im Baltenverband werden sie fortgesetzt. In Drandenbrug und Mitteldeutschland sind die an den Schlußspielen teilnehmenden Meister zum großen Teil noch zu ermitteln. Im Südosten bringt der Sonntag zwei der noch ausstehenden Entscheidungen über die mittelschlesische und (end- gülftg) über die oberschlesische Meisterschaft. Auch im Handball und Hockey werden die Meisterschaftsspiele neben Freundschafts-Bewegungen fortgeführt. Turnen und Leichtath letik bringen wenig Betrieb. In Stettin ist ein nation. Hallensportfest geplant, in Stuttgart werden die Südwestdeutschen Hochschul-Meisterschaften im Geräteturnen, im Waldlauf und im Schwimmen durchgeführt. Wintersport: Auch für den kommenden Sonntag sind ein« Reihe von Wintersport-Veranstaltungen vorgesehen, doch dürfte in vielen Fällen die ungünstige Witterung eine Durchführung nicht gestatten. So ist die Deutsche Skimeisterschaft abermals um eine Woche verschoben worden. In Oberwiesenthal sollen die Dundesmeisterschaften des Ar- beiter-Turn- und -Sportbundes zur Durchführung kommen. Die polnischen Skimeisterschaften sind in Zakopane ausgeschrieben. Die Bobmeisterschaft von Oesterreich ist auf dem Semmering vorgesehen. In der Hohen Tatra beginnt eine große Wintersport-Werbewoche aller Wintersportarten. In Kihbühel ist ein internationales Skispringen in Aussicht genommen. Der Eislauf findet seinen Höhepunkt in den Weltmeisterschaften im Eisschnelläufen in Trondhjem (Rorwegen). Radsport: In der Dortmunder Westfalenhalle geht ein Dreistunden - Meisterschaftsfahren als Vorprüfung für das dortige Sechstagerennen vor sich. vorigen Sonntag zeigten wieder di« Münchener Bayern ihre LIeberlegenheit gegen Hanau 93. wiederum verlor der K. F. V., diesmal gegen den süddeutschen Altmeister, wenn auch nur mit einem Tor Llnterschied, gegen den V. f. R. Mannheim, während Saarbrücken gegenüber der Futzball- kunst der Fürther Hochburg die Segel streichen mußte. Den bis jetzt gezeigten Leistungen nach werden München und Fürth das Ende unter sich ausmachen. Der Westdeutsche Spielverband begann erst am vorigen Sonntag mit den Endspielen seiner Dezirksrneister, von denen eines. „Sport" Kassel gegen V. f. R. Köln, abgeseht wurde. Die große Lleberraschung im Westen brachte der Kampf des Altmeisters Duisburger Sp. V. gegen „Sportfreunde" Siegen tnit seinem unentschiedenen 1:1-Ergebnis. Der Ausgang des Spieles Turu Düsseldorf — Arminia Dielefeld entspricht im Verlauf, Sieg und Resultat mit 3:1 den Erwartungen. Der Rorddeutsche Juhballverband brachte zunächst zwei Bezirksmeister heraus. Der Hamburger S. D. schlug Altona 93, die Iäger- mcmnschaft. nach wechselvollem Kampfe 5:4. Arminia und S. C. Hannover spielten um den Südbezirkstitel 2:1. Die weiteren Teilnehmer an der Meisterschaft sind noch: „Holstein" Kiel und Bremer S. V. D. M.D. D. Verband Mitteldeutscher Ballspiel-Vereine. Hier sind die Gauspiele noch nicht beendet. Favorllen sind bis jetzt: Fortuna Leipzig, S. D. Dresden, Chenrniher B. C., Wacker Halle, Magdeburg 96, S. D. Erfurt oder Jena. Im Daltenderband fiel die Entscheidung in der Pommernmeisterschaft zwischen Titania und S. C. Stettin erst nach Spielverlängerung zugunsten der Titaneir mit 3:2. Diese, sowie Königsberg und Danzig sind die Anwärter auf den Meistertitel. Inzwischen sind die amtlichen Termine des Bundes für die Bundesmeisterschaftsfpiele erschienen: am 16. Mai Vorrunde, am 30. Mai Dorzwischenrunde, am 6. Juni Zwischenrunde, am 13. Juni Endspiel. h. Die Termine der Süddeutschen Meisterschafts-Rückspiele. vo. Für die Rückspiele der Süddeutschen Meisterschaft 1926 hat der Verbands-Spielausschuß des S. F. V. folgende Termine festgelegt (die Spiele finden auf den Plätzen der erstgenannten Vereine statt): 14. März: Hanau 93—SVg. Fürth; F. V. Saarbrücken—V. f. R. Mannheim; Karlsruher F. V.—Bayern-München. — 28. März: D. f. R. Mannheim-Karlsruher F. V.; S. Vg. Fürth—F. D. Saarbrücken; Bayern-München—Hanau 93. — 4. April: F. V. Saarbrücken—Bayern-München; S. Vg. Fürth—V.f.R. Mannheim—Hanau 93—Karlsruher F. V. — 11. April: Bayern-München—S. Vg. Fürth; Hanau 93—V. f. R. Mannheim; Karlsruher F. D.—F. V. Saarbrücken. — 25. April: F. D. Saarbrücken—Hanau 93; S. Vg. Fürth—Karlsruher F. V.; V. f. R. Mannheim—Bayern-München. Aus- und Abstieg in Hessen-Hannover. tz. Rach Anhören des Verbandes ist der Bezirk übereingekommen, den noch freien 15. Platz in der Bezirksliga durch Ausscheidungsspiele zu ermitteln, da mit den drei auf steigenden Kreismeistern des Bezirkes erst 14 Vereine in der Dezirtsliga enthalten sind. Die Spiele finden auf neutralen Plätzen im Cinrundenshstern statt. Beteiligt sind zunächst die Tabellenzweiten bet Kreisliga aller drei Kreise des Bezirkes. Reu ist, daß auch die beiden (bisherl) Abstiegskandidaten, Gießen 1900 und Osterode, nunmehr teilnehmen, so daß diese Spiele also zugleich nicht nur über Auf-, sondern auch über Abstieg entscheiden. Die Cinzelteilnehmer sind die Labellenzweiten: vom Kreis Südhannover: Spiel und Sport Rortheim: vom Hessenkreis: voraussichtlich Lura-Kassel (hier ist der Kampf um den zweiten Platz noch nicht endgültig entschieden); für den Lahnkreis: Germania 08 Marburg. Ferner: Gießen 1900 und Germania Osterode. Die Ansehung erfolgte bereits durch den T. L. A.: Am 28. Februar Gießen — Kassel in Marburg, 7. März Kassel — Rortheim in Göttingen; Marburg — Osterode in Kassel, 14. März Rortheim — Osterode in Göttingen, 21. März Gießen — Marburg in Marburg, 28. März Kassel — Osterode in Göttingen, Gießen — Rortheim in Kassel, II. April Gießen Planeten, die Asträa, zu entdecken. Bald darauf wurde die Welt in noch größeres Staunen versetzt durch die Entdeckung eines neuen Hauptplaneten des Reptun, der seine ferne Dahn noch weit außerhalb des ilranuS, in einem Abstande von 30 Sonnenweiten vorn Zentralgestirn beschreibt. Adams und Leverrier hatten das Dor- banöenfein und den Ort dieses dem bloßen Auge immer verborgen bleibenden großen Körpers durch Rechnung aus Störungen des Uranus ermittelt, und Galle in Berlin fand ihn sehr nahe dem bezeichneten Orte am 23. September 1846. Mit dem Reptun ist nun die Reihe der Hauptplaneten, außer der Erde also sieben, abgeschlossen; jedenfalls war bisher alles Suchen nach einem noch innerhalb der Merkurbahn vorhandenen, sonnennächsten Planeten bei totalen Sonnenfinsternissen vergeblich, und einen jenseits der Reptunbahn in weiter Ferne wandelnden Körper, einen „Transneptun", hat gleichfalls noch keines Sehers Rohr erspäht. Dahingegen scheint die Zahl der IIeinen Planeten schier ins Un- gemessene zu gehen. Rachdem Hencke 1847 noch den sechsten, die Hebe, aufgefunden hatte, setzte eine rege Entdeckertätigkeit, gewissermaßen eine Jagd nach Planetoiden ein, deren Erfolg sich beständig steigerte, besonders seitdem 1891 die photographische Aufsuchungsmethode in den Dienst der Sache gestellt worden war. Am 12 August 1923 glückte es Reinmuth in Heidelberg-Königstuhl den 1000. kleinen Planeten aufzufinden. Als erfolgreichste Planetenentdecker seien in chronologischer Ordnung genannt: Luther in Bilk, E. H. F. Peters in Clinton (V. St.), Pa- lisa in Wien, Charlois in Rizza, M. Wolf, Kopfs und Reinmuth in Heidelberg, unter denen wieder Palisa und Wolf die erste Stelle einnchmen. Alljährlich tieröffentließt das Astronomische Rechen-Institut in Berlin-Dahlem, das die Riesenarbeit der Dahnberechnung der bekannten und neu hinzukommenden kleinen Planeten zu bewältigen hat, durch die astronomische Zentralstelle die Ergebnisse der neuen Entdeckungen. Gegenwärtig liegt die Mitteilung über den Jahres- zeitraum vom 1. Juli 1924 bis 30. Juni 1925 vor. In diesem finb nicht weniger als 7 9 neue Planeten entdeckt worden, davon 25 von Reinmuth, 17 von M. Wolf, 9 von Beljawsky (Simeis auf der Krim), 7 von Albitzky (ebenda) usw. Für nur 13 von den 79 neuen Objekten konnten gesicherte Bahnen berechnet werden, zu denen sich noch neun frühere gesellten, sodaß 22 mit neuen Rummern, 1025 bis 1046, versehen werden konnten. Berücksichtigt man indessen, daß seit Juli 1925 bis jetzt bereits wieder viele neue Entdeckungen zu verzeichnen sind, so darf man die Zahl aller bekannten Planetoiden auf mindestens 1100 veranschlagen. Ihre wirkliche Zahl “toirb woht kaum jemals festgestellt werden, da die meisten zu winzige Körperchen sind. Die größten von ihnen, die zuerst entdeckt wurden, namentlich Ceres und Vesta, besitzen Durchmesser von 300 bis 400 Kilometer, bei den meisten ist der Durchmesser Heiner als 100 Kilometer und bei den kleinsten etwa 5 bis 7 Kilometer. Ihre Gesamtmasse entspricht etwa dem 900. Telle der Erbmasse. Frankfurter Theater. Rach langer, nur allzulanger Pause steht Kleists „K ä t h ch e n von Heilbronn" wieder auf der Bühne des Schauspielhauses. Der Abend zeigte, daß dieses Schauspiel auch in unserer, so unglaublich nüchternen Gegenwart den gleichen Zauber ausübt, wie einst zur Zeit unserer Großeltern, denen diese Liebeslyrik noch bedeutend näher lag. Es ist das Hohelied weiblicher Liebe und weiblicher Demut, welches aus der Gestalt des Käthchens auf Hingt; dieses Mädchen ist der Traum und die Sehnsucht eines Dichterherzens. Ein wunderlich romanftsches Rittermärchen führt uns auf die stolzen Schlösser und durch die grünen Wälder Schwabens. Bunte Bilder ziehen vorüber, abschließend mit dem fröhlichen Hochzeitszug, da die demütigste der Frauen zur Kaiserstochter und Prinzessin von Schwaben erhöht und von ihrem geliebten Wetter vom Strahl, einem echten, red?*"! Rit'e-. d / .....* Zwiespalt feiner Gefühle hin und her geriss . i wird, zum Altar geführt wird. Kleist hat hier einen Frauenthpus geschaffen, der ganz und gar von der Macht überstarker Gefühle getragen wird, fast nachtwandlerisch seiner inneren Berufung folgt. An diesem Schauspiel hat der Dichter mancherlei seilen und ändern müssen, viele Kürzungen waren unerläßlich, aber die Stärke des Gefühls, welches dem Werk innewohnt, tragt es und trägt die Hörerschaft weit weg aus dem Alltag. Wir Realisten des Lebens, der Wesensart dieser Gestalt innerlich fremd, lassen uns wundersam gefangen nehmen von der Macht der Dichtung, von bet reinen Kindlichkeit dieser wahrhaft naiv liebenden Seele. — Die Aufführung unter der Regie Fritz Peter Buchs war von lebendiger Eindringlichkeit und kam der ganzen Märchenstimmung des Spieles entgegen. Hertha Schwarz ließ das Käthche? vollkommen im Geiste Kleists vor uns erstehen; sie vermied sehr glücklich irgendwelche krankhaft exaltierte, leicht mit der Rolle in Verbindung gebrachte Züge dem Wesensbild dieser Gestalt anzuheften. Leopold D i b e r t i s Wetter vom Strahl zeigte stellenweise erfreulich starke Natürlichkeit, die er leider durch zu grob aufgetragene Barschheit störte. Eine wundervolle Kabinettsleistung schuf Robert Taube als Kaiser und lieferte damit wieder einen Beweis seiner feinfühligen Darstellungskunst. Charakteristisch ausgezeichnet war auch Maria Krahn in der gewiß nicht leichten Rolle der Kunigunde, ebenso Alexander Engels als Waffenschmied. Ludwig Sievert gab dem Spiel einen naturalistischen, die Handlung aufs beste illustrierenden Rahmen. Die Ausführung wurde äußerst beifällig aufgenommen, wiederholte Hervorrufe holten am Schluß die Darsteller und den Regisseur, in erster Linie aber Hertha Schwarz, auf die Bühne. L. W. Araufführung im Frankfurter Opernhaus. Im Opernhause ist die älrausführung von Bernhard Selles heiterer Oper „Die zehn K st f s e“ für Donnerstag. 25. Februar b. Is., angesetzt. Segen Osterode in Kassel. Marburg — Kassel, 3. April Marburg — Dortheim in Kassel. Wit dieser Ansehung dürfte die endgültige Klärung in der Auf- und Abstiegsfrage erfolgt fein, die wohl auch allen Teilen gerecht wird. Sehet Anwärter hat es selbst in der Hand, sich als Dezirksligaverein zu qualifizieren, wenngleich die Aussichten auch verschieden sind. Am stärksten erscheint wohl Lura-Kassel (wenn diese teilnimmt I). Aach ihm Spiel und Sport Aortheim und Germania-Marburg, während man den bisherigen Dezirksligamannschaften von Gießen 1900 und Osterode wenig Aussicht auf Erfolg beimessen kann. Für die finanzielle Unterlage der angesehten Runde ist es wichtig, dah die Behörde für die genannten Tage und Orte Spielverbot erlassen hat. Der FaL Linnighäuser. WSR. Frankfurt a.M., 18. Febr. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, hat das Derbandsgericht des Süddeutschen Futzballver-- bandes den Beschluß gefasst, beim Derbands- vorstand den Antrag auf sofortige Wiederaufnahme des Verfahrens in Dachen Hanau 93 — Frankfurter Fustball- sportverein (Fall Linnighäuser) zu stellen, und das Verfahren selbst noch vor Sonntag zur Durchführung zu bringen. Handball. Die Meifterschaftskämpfe der Mittelrheinlurner stehen nach dem Spielverlauf vom vorigen Sonntag wie folgt: Vereine Spiele gern. T. V. Seckbach 5 5 T. G. Dffenbad) 5 3 T. u. Spo. Butzoach 5 1 T. u. Spv. Kl.-Auheim 5 1 verl. Punkte — 10 2 6 4 2 4 2 Um die westdeutsche Meisterschaft tz. Die Verbandsrunde zeigte bisher folgende Ergebnisse: Rasensport Mühlheim—Münster 08 2:1; Westfalia Bochum—F. C. Wetzlar 8:3; V. f. B. 08 Aachen- Hagen 05 3:3; Rasensport Mühlheim—F. C. Wetzlar 3:1. Die Tabelle zeigt folgenden Stand: Mühlheim 2 Spiele 4:0 Punkte, Bochum 1 „ 2:0 „ Hagen 1 „ 1:1 Aachen 1 „ 1:1 „ Münster 1 „ 0:2 „ Eller 04 0 „ 0:0 „ Wetzlar 2 „ 0:4 Die deutsche Hochschulmeisterschast im Handball hat in dem in Leipzig stattfindenden Schlußspiel die Universität Breslau mit 6:2 (4:0) gegen die Technische Hochschule Hannover gewonnen. Leichtathletik. Westdeutsche Leichtathletik 1926. vo. Für das Jahr 1926 sind im Gebiet des Westdeutschen Spielverbandes 12 internationale, 27 nationale und 60 auf den W. S. V. beschränkte Veranstaltungen geplant. Die Termine der internationalen Feste sind: 23. Mai Internationale Rheinkampfspiele m Düsseldorf. — 24. Mai Internationale Weltkämpfe in Duisburg. — 29. und 30. Mai Internationales in Kassel. — 30.Mai internationales Sportfest in Bochum. — 13. Juni internationale Wettkämpfe in Duisburg und Düren. — 20. Juni internationale Veranstaltungen in Münster und Goch (Rhein). — 27. Juni internationale 25-Kilometer-Gehen in Düsseldorf. — 4. Juli internationale Wettkämpfe in Essen und Krefeld. — 29. August internationales Leichtathletikfest in Aachen. Radsport. Lahnlal-Radsahrerbund. c. In seiner jüngsten Sitzung setzte der Bundesvorstand für das kommende Sportjahr folgendes Programm auf, das nun auch die Zustim- mu:'.g der Bundesversammlung fand. Es kommen zum Austrag: Saga von einem Schissskoch. Von Friedrich Sieburg. Zur Reinigung eines durch den trostlosen Anblick großstädtischen Komforts getrübten Auges begibt man sich in Kopenhagen am besten zum Nordhafen. Dort schlafen Kutter, Schoner und Galeassen vor Anker. Sie zeigen die Urform, die bestimmt ist durd) Wind und andrängendes Wasser, sie sind unverändert wie das Meer, das ihre Umrisse bestimmte. Ihre gedrungene Schlankheit ruht im gestillten Hafenwasser aus. Unter dem Klüverbaum schmiegt sich die Gallionsfigur an den Bug, eine rotbackige Jungfrau mit gelben Haaren und grünem Fischschwanz, versehen mit dem törichten Lächeln einer lieben Heiligen, oder ein türkischer Seeräuber mit knallrotem Turban, der sich wegen der beschränkten Raumverhältnisie nicht eigentlich kriegerisch entfalten kann — man versteht, er ist zur Strafe hier angebracht — aber doch mit schinelzend blauen Pluderhosen sein bestes für die Verzierung des Fahrzeuges tut, oder es schmiegt sich ein geschlängelter Fisch mit einer vergoldeten Krone. Das alles ist meist frisch gestrichen, denn der Frachtenmarkt ist lustlos, Holzladungen werden zu reinen Schleuderpreisen verschifft, und viele Kapitäne trinken einen in der Stadt, während die Leute das Schiff malen. Die Fahrzeuge heißen „Meerstern", „Ave Maria", „Polarlicht", „Fahrwohl", „Hoffnung". Eines heißt der „Seekönig" und ist sowohl das kleinste als auch das berühmteste. Es ist ein vorzügliches Eisschiff, nicht länger als zwei Zimmer, und segelt allsommerlich nach Thule hinauf, der dänischen Handelsstation in Nordgrönland. Der Reeder dieses Schiffes ist Knud Rasmussen, es hat ihn zu seiner letzten Expedition hinaufgebracht in eine entlegene und unbekannte Welt, und es soll nicht verschwiegen sein, daß der Motor dabei meistens stehen blieb. Nun geht der „Seekönig", durch seinen Ruhm durchaus nicht verändert, alljährlich mit Jagd- patronen, Petroleum, Wolldecken und Blechtöpfen über den Atlant, umsegelt ohne Aufhebens das Kap Farvel, durchkreuzt die durch schweres Eis berüchtigte Meville-Bucht und liefert endlich sein Gerät am Schuttstrand von Thule ab, um beloben mit Weißfüchsen und Walrohzähnen und unter häufigen Im Mai: B un de s m c i st e r s ch a f t über 150 Km. auf der Strecke Marburg — Giehen — Wetzlar — Herborn — Dilleirburg — Laasphe — Marburg. Im Juni: Dundeswanderfahrt. Strecke Gisselberg — Odenhausen — Lollar — Treis a. d. Lda. — Londorf — 'Rüddingshausen — Leidenhofen — Gisselberg. Im Juli: 75 -- Km. - Einzelfahren (D u n d e s f e st). Strecke Marburg — Cölbe — Eckelshausen — Gladenbach — Oberweimar — Riederweimar — Marburg. Im August: Wanderfahrt. Strecke Marburg — Äi'X'V'iin — Alsfeld — Ziegenhain — Treysa - Kirchhain — Marburg Im Septe.i.ber: 50-Km. -Mannschaf ts« fahren. Strecke Marburg — Dreihausen—Rüddingshausen — Rordeck — Ebsdorf — Ronhausen — Marburg. Sämtliche Rennen werden in drei Klassen: A-, B- und Altersklasse ausgefahren und sind offen für den Lahntalradfahrerbund und die Mitglieder des „Hessischen Radsahre "bundes 1922". Die genauen Tage werden mit den Ausschreibungen bekanntgegeben. Wassersport. Der Senior der deutschen Paddler, In diesen Tagen vollendete einer der ältesten deutschen Paddler, der Oberst v. Die st in Stettin, in voller Frische jein 75. Lebensjahr. Sein Name ist mit der Verbreitung des Kanusports in Deutschland und mit dem Aufschwung des Deutschen Kanu-Verbandes eng verknüpft. Sein letztes größeres Verdienst im Deutschen Kanu-Verband war die im Jahre 1924 erfolgte Gründung des großen Wanderlagers der deutschen Kanusportler aufber Insel Rügen, das im letzten Jahre von vielen Hunderten besucht wurde. Die Zukunst der Arbeitslosenversicherung. Vom Geh. Regierungsrat Dr. jur Max Seidel, Berlin-Friedenau. Die Frage einer Arbeitslosenversicherung, die unter den heutigen Verhältnissen von besonderer Bedeutung für die Gesamtheit der Arbeitnehmer geworden ist. hat bereits eine Entwicklung von Jahrzehnten hinter sich. Ramhaste Sozial- und Kommunalpolitiker, darunter Iastrow, Badtke. Most, Lindemann, Georg Schanz und andere haben die Literatur auf diesem Gebiete vermehrt und gefördert. Es war int Verlauf der umfang« reichen Erörterungen auch kein Zweifel darüber, ob eine Arbeitslosenversicherung eingerichtet werden soll, sondern es ergab sich letzten Endes nur die Frage, ob die Einrichtung einer solchen Versicherung Bestcntdteile der öffentlichen Verwaltungen oder Sache der Interessenten sein soll, außerdem, ob sie technisch durchführbar erscheint. Es kam auch zu einer besonderen Prüfung der Frage ob gerade die Gemeinden die Aufgaben dieses Gebietes zu übernehmen haben. In dieser letzteren Frage ist der Standpunkt verschieden gewesen. Auf dem Deutschen Städtetag von 1911 hat Oberbürgermeister Adickes, Frankfurt a. W., sich für Arbeitslosenversicherung ausgesprochen, aber nur in der Voraussetzung, daß es sich um eine Reichseinrichtung handelt. Andererseits ist schon damals darauf hingewiesen worden, daß die Entwicklung der öffentlichen Verwaltung die größeren Städte in der Auswahl neuer Verwaltungsaufgaben an der Spitze sieht und dah dann, wenn die lokale Begrenztheit in die Erscheinung trat, eine Verallgemeinerung neuer Aufgaben im Wege der staatlichen Gesetzgebung herbeige- fuhrt wurde. Dazu kommt, daß die Gemeinde zu den Interessenten der Arbeitslosenversicherung gehört. Einrichtungen, die es verhindern, daß der Arbeiter beim Eintritt einer Arbeitslosigkeit auf die Armenpflege angewiesen ist — und zu diesen Einrichtungen gehört die Arbeitslosenversicherung — sind für die Gemeinden unmittelbar von Bedeutung. Das Bestreben, von fünf Anlässen zum Eingreifen der Armenpflege, nämlich: Alter, Invalidität, Krankheit, Arbeitslosigkeit. Witwen- und Waisenschast, vier durch öffentlich-rechtliche Einrichtungen zu decken, ist ja durchaus verständlich. Die Frage der technischen Möglichkeiten einer Arbeitslosenversicherung ist schon vor einem Jahrzehnt bejaht worden. Es hat (wie im Handwörterbuch der Kommunal-Wissenschasten, erster Maschinenstörungen unverzüglich wieder nach Kopenhagen zu reisen. Solche Reisen bauern einige Monate und bedeuten jedesmal ein seemännisches Heldenstück, wovon jebodj nicht gesprochen wirb. Ich liebe diesen Schoner sehr, jedesmal, wenn er im Hafen ist, besuche ich ihn und klimme die steile Treppe zu Kapitän Pedersen hinab, der dann meist mit Tinte und Feder beschäftigt ist und Zigarren raucht. Manchmal auch sehe ich mir den „Seekönig" nur von außen an, ich betrachte ihn, wie er sich ganz leise im matten Anschlag des Wassers wiegt, ich höre die gedämpften Stimmen der Leute im Vorderschiff, die Ankerkette quietscht ganz schwach, und mir wird dann immer seltsam traurig und müde im Kopf. Ich schleppe mid) nach Haus und alles kommt mir sinnlos vor. Im letzten Frühling kam ich einige Stunden vor der Abreise des „Seekönigs", ich flieg nicht nur zum Kapitän hinab, sondern auch ins Vorderschiff. Und hier traf ich den Schiffskoch. Das Schiff wurde gerade beloben, bas Deck lag voll von Kisten und Tauen, Petroleumflecke überall, Fetzen und Krempel in jedem Winkel. Es kann nicht anders fern, wenn ein Schiff lastet. Wo ich auftauchte, bat mich immer einer fast mädchenhaft um Entschuldigung, man sei beim Laden, in zwei Stunden sei alles sauber, der „Seekönig" sei sonst ein gepflegtes Schiff; ich fühlte: sie lieben diese alte Schute. Der Schifsskoch allein war nicht geschäftig. Er saß in feiner kleinen Küche, deren Ofenrohr freundlich durchs Kambüsendach ragte, vor einem eisernen Herd mit gewaltigen Töpfen und Kesseln darauf. Der Mann erhob fid) artig, als ich eintrat, und bat ebenfalls um Entschuldigung, man sei beim Lasten, da sei immer Durcheinander, und in zwei Stunden fei die Küche wieder blitzblank. Der Schiffskoch hatte sehr dünnes, gelbes Haar, das sich fest um die hohe Stirn schmiegte, seine Augen waren blau und ein wenig furchtsam, sie sahen mich fest und freundlich, ja, ich mochte sagen, fromm an. Leider hatte er im Oberkiefer nur einen Schneidezahn, und ich dachte bei diesem Anblick daran, daß ein Hauptnahrungsmittel dieser Braven Walrohhaut ist, an welcher freilich eine dicke Schicht gelber Speck hängt und auch ordentliche Brocken von dem schwarzen, saftigen Fleisch. Der Koch hielt sein merkwürdiges Haupt ein wenig auf die Schulter geneigt und er« Band, ausgesührt wurde) noch nie einen Der- sicherungszweig gegeben, der bei seiner Begründung über ein so umfangreiches statistisches Material verfügte. Eine Auseinandersetzung galt dem Bedenken, daß der Versicherte es selbst in der Hand habe, den Dersicherungsfall herbeizuführen. Auch in dieser Frage ist darauf hin- zuweisen, daß die Möglichkeit den Dersicherungsfall herbeizuführen, auch vielen anderen Der- sicherungszweigen zu eigen ist und man vielfach bei diesen Dersicherungen damit rechnen muh, dah gerade die Tatsache der Versicherung eine größere Häufigkeit des Dersicherungsfalles herbeiführen werde. Zu den Gründen, weshalb eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit gewählt wird, gehört auch, daß der Arbeiter nicht genötigt sein soll, jede beliebige Arbeit anzunehmen und namentlich nicht eine solche, die ihm die Rückkehr zu seiner früheren Arbeit erschwert. Die Frage, welche Art Arbeit den Arbeitslosen zugemutet werden kann, ist in der früheren Literatur der Entscheidung paritätischer Kommissionen Vorbehalten worden. Von den bisher getroffenen Einrichtungen auf dein Gebiete der Arbeitslosenversicherung lassen sich folgende Gruppen finden: I. Die Zwangsarbeitslosenversicherung. 11. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung mit den Untergruppen: a) freiwillige Arbeitslosenversicherung in ständigen Versicherungskassen; b) Selbsthilfe der Arbeiterorganisationen und der Arbeitgeber; c) das Zuschuhsystem (Genter System). Die cbligatorische Arbeitslosenversicherung wurde zum ersten Mal praktisch 1895 in Sankt Gallen in der Schweiz durchgeführt.' In England wurde 1911 eine solche Arbeitslosenversicherung für verschiedene Berufsgruppen beschlossen. Man hat damals ein Urteil darüber vertagt, bis die Versicherung auch Zeiten der Depression durchgemacht habe. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung in selbständigen Versicherungskassen ist in Berlin, Leipzig und Köln eingerichtet worden, ohne größere Bedeutung erlangt zu haben. Ihre Verpflichtungen konnten die Kassen nur mittels hoher gemeindlicher Zuschüsse erfüllen. Die Selbsthilfe der Arbeitnehmerorganisationen aus dem Gebiete der Arbeitslosenunterstützung ist für die Gewerkschaften von jeher eine Selbsterhaltungspflicht gewesen, wobei die Beiträge für die Arbeitslosenunterstützung zugleich mit den allgemeinen Gewerkschaftsbeitragen erhoben wurden. Aber auch Arbeit g e b e r, wie Carl Zeih, Lanz, Mannheim, Mohr, Altona usw. haben Einrichtungen getroffen, um im Falle der Arbeitslosigkeit Unterstützungen gewähren zu können. Das Zuschuhsystem, unter der Bezeichnung Genter System bekannt, (in Gent 1900 eingeführt) besieht in der Förderung gewerkschaftlicher Selbst- Versicherung der Arbefter durch Zuschüsse zu den gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützungen aus öffentlichen Mitteln (Staat und Gemeinde) unter bestimmten Voraussetzungen und Beachtung der Ordnungs- und Kontrollvorschriften. Dadurch wird der Ausbau der Unterstützungseinrichtuntzen gefördert. Das System kann örtlich oder für größere Gebiete aufgebaut werden, und man kann von einem Siegeszug dieses Systems auf gemeindlicher Grundlage sprechen, nachdem Straßburg es im Jahre 1907 eingeführt hat. Es folgten dann Mühlhausen i. Els.. Erlangen, Mannheim, Berlin-Schöneberg (damals noch selbständige Stadt), Freiburg i. Br., Köln, Stuttgart, Offenbach a. M., Schwäbisch-Gmünd und Kaiserslautern. Die Voraussetzungen der Unterstützungen sind insbefondere ein bestimmter Aufenthalt in der Gemeinde und Wartezeit. Der bewilligte Gesamtzuschlag pro Jahr wird genau bestimmt. Straßburg hat z. B. 1910 und 1911 ungefähr je 6000 Mk., 1912 ungefähr 3600 Mk. ausgezahlt, und zwar 1910 auf 338. 1911 auf 288, 1912 auf 203 Unterstützte. Die Voraussetzungen und Bedingungen, an welche die Gewährung der öffentlichen Zuschüsse geknüpft ist, zeigen große Mannigfaltigkeit. Voraussetzung ist allgemein, daß die Arbeitslosigkeit unfreiwillig und nicht die Folge von Invalidität, Krankheit, Unfall, Streit oder Aussperrung ist. Der Zuschuß hört auf, sobald dem Arbeiter „passende Arbeit" im Berufe nachgewiesen ist. Die Voraussetzung ist ferner bei den gemeindlichen Arbeitslosenversicherungen ein bestimmter Aufenthalt am Orte, um auf den Zuzug Arbeitsloser oder schlechter Risiken hemmend einzuwirken. zählte, daß er diese Reife nach Thule hinauf nun zum 7. Male machen solle. Kartofteln hat er genug an Bord, so meint er, auch Erbsen und vor allem Kaffee, an Fleisch fehlt es auch nicht gerade, aber richtig schön wird es erst, wenn man ins Eis kommt und frisches Fleisch schießen kann. Kapitän Pedersen liebt es zu jagen, man rechnet daher bestimmt mit einigen Seehunden, vielleicht kriegt man sogar ein Walroß. Die Augen des Kochs strahlen milde bei diesem Gedanken, er streichelt gütig seinen größten Kessel, er zaubert mit dieser Bewegung behagliche Bilder vor von arktischen Sommernächten, wo der Schoner fid) leise in der atlantischen Dünung wiegt und wortkarge, aber freundliche Seeleute, die bärtigen Köpfe aufgestützt, mit der Gabel in dampfenden Fleischschüsseln fahren und später die Pfeifen in Brand setzen. Er erzählt auch ein wenig von diesen Nächten, wie schön sie sind, wenn er feine Kessel gereinigt, das Geschirr gespült und Kaftee aufgesetzt hat, — wenn dann die Kameraden den Kaffee riechen und die Köpfe in die Küche stecken, während draußen die blaße Polarsonne auf den Gletschern der Küste ausruht. Er sprach still und besessen davon, stützte fid) gegen den Türpfosten, ließ seinen Blick über Deck schweifen und sagte: „Ja, es ist ein liebes Schiff." Id) wünschte leise gute Fahrt und ging. Als drei Stunden später der „Seekönig" in See gehen sollte, war der Schiffskock) verschwunden. Er hatte „geräumt", wie man hier sagt, er war flüchtig geworden, war ausgerückt, desertiert. Niemand konnte das erklären, niemand hatte auch Zeit, darüber nachzudenken, denn das Schiff mußte fort, und ein Koch mußte beschafft werden. Knud Rasmussen wurde telephonisch benachrichtigt, er hetzte in der Stadt herum, um einen Koch zu finden. Er fand keinen, es ist ein bißchen weit bis nach Thule. Also segelte der „Seekönig" ohne Koch ab. (Die Leute waren wohlgenährt, als sie im Herbst zurückkamen.) Während das liebe Schiff um Kap Farvel ging, wurde der Schiffskoch in Kopenhagen ergriffen. Im Seeverhör rührte er die Richter durch seine Milde, es kam ein Vergleich zustande, er zahlte feine Heuer zurück und wurde entlassen. Die Versuchung, den Mann aufzujud)en und nad) den Gründen seines Handelns zu fragen, war groß. Ich habe ihr widerstanden, weil ich mich vor der Vielfach ist eine obere Altersgrenze für die Versicherten festgesetzt (60 ober 65 Jahre). Die Höhe des Zuschusses ist meist auf 50 Prozent der Derbanbsunterstüyung bemessen unö beträgt meist höchstens 1 Mk. für den Unter- stützungstag. Begrenzt ist ferner die Dauer der Zuschüsse (meist 60 Tage im Jahre). Die Zahlung der Zuschüsse erfolgt vorschußweise durch die Gewerkschaftskassen, die der Gemeinde Einsicht in ihre Buch- und Kassenführung gewähren. Die Kontrolle der Arbeitslosen erfolgt einmal durch die Gewerkschaft, daneben durch ein» ober mehrmalige Meldungen auf dem städtischen Arbeitsamt (Arbeitsnachweis). Die weitere Entwicklung der letzten Jahre im einzelnen zu schildern, würbe an dieser Stelle zu weit führen. Es ist nunmehr dem Reichswirtschaftsrat und dem Reichsrat der Entwurf eines Gesetzes über Arbeitslosenversicherung zu- gegangen, und der Deutsche Städtetag hat als unmittelbar beteiligte Organisation einen Gegen- entwurf dazu geschaffen. Träger der Arbeitslosenversicherung sind nach dem Entwurf die Landesarbeitslosenkassen, diese Träger sind rechtsfähig. Die Organe der Mafien sind der Ausschuß und der Vorstand. Die Vertreter der Arbeitgeber werden von den Arbeitgeberbeisitzern und der Arbeitnehmer von den Arbett- nehmerbeisitzern des Kassenausschusses aus ihrer Mitte gewählt. Die Sitzungen der Ausschüsse, Vorstände usw. find nicht öffentlich. In ben einzelnen Paragraphen beS Entwurfes werben bie erforderlichen Bestimmungen getroffen, insbesondere auch über die Versicherungsleistungen, über die Art ber Arbeiten, die den Arbeitslosen zugewiesen werben dürfen, über die Wirkung eines Ausstanbes ober einer Aussperrung auf die Arbeitslosenunterstützung, über die Anwartschaftszeit, über bie Bemessung der Arbeitslosenunterstützung. Es bestehen fünf ßoljn- klassen mit berechneten Einheitslöhnen: wöchentlich 10 bis 15 Mk.. 25 Mk., 35 und 40 Mk. Für die Zugehörigkeit zu den einzelnen Lohn- klassen ist der Arbeitsverdienst in ben letzten drei Monaten der Arbeitnehmertätigkeit maßgebend. Die Hauptunterstühung beträgt 40 Proz. des Einheitslohnes. Als Familienzuschlag werden für jeden zuschlagsberechtigten Angehörigen 5 Prozent des Einheitslohnes gewährt, aber in keinem Falle mehr als 65 Prozent insgesamt. Es wird bann weiter geregelt die Versorgung Arbeitsloser für ben Fall der Krankheit, das Verfahren in sonstigen Angelegenheiten usw. Ein besonderer Abschnitt beschäftigt sich mit den Maßnahmen zur Verhütung und Beendigung ber Arbeitslosigkeit, ein weiterer Abschnitt mit ber Aufbringung ber Mittel, wobei nach dem Entwurf Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Frage kommen, nach dem Gegen- enttourf des Städtetages aber zu einem Drittel Zuschüsse des Reiches, der-Länder und ber Gemeinden mit je 1 j. Der Entwurf beschäftigt sich ferner mit besonderen Arten der Versicherung, mit allgemeinen Bestimmungen, Liebergangsbestimmungen und Strafbestimmungen. Man wird zugeben, daß es sich hier um eine ber wichtigsten Vorlagen handelt, die überhaupt in den letzten Jahren auf sozialpolitischem Gebiete zur parlamentarischen Verhandlung und zur Erörterung durch die Oesfentlichkeit gegangen sind. In ber Begründung zum Gegenentwurf dieses Gesetzes betont ber Deutsche Stäbtetag die Rotwendigkeit, die bereits angebahnte Heber- führung der Erwerbslosenfürsorge in eine Arbeitslosenversicherung baldigst durch den Erlaß eines Reichsarbeitslosenversicherungsgesetzes zum Abschluß zu bringen. Mit der jetzt schon durch bas Gesetz vorgesehenen fast ausschließlichen Deckung des Bedarfs der Arbeitslosenfürsorge aus Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist es unvereinbar, noch an der Dedürftig- keitsprüfung und damit am Fürsorgecharakter ber jetzigen Regelung festzuhalten. Auch die sonstigen Reste des Fürsorgecharakters, die noch in die gegenwärtige Gesetzgebung bineinrageu, müssen baldigst durch restlose Lleberführung in ein Arbeitslosen - Derficherungsgesetz beseitigt werden. Das neue Arbeitslosen-Derficherungsgesetz muß als Einrichtung einer sozialen Versicherung sowohl den Anforderungen des Versicherungs--. Prinzips entsprechen, als auch sozialen Rücksichten' Rechnung tragen. Rach diesen Gesichtspunkten werden sowohl die Leistungen der neuen Arbeitslosenversicherung zu prüfen fein, als auch bie Heranziehung ber Versicherungsinteressenten zu Beiträgen. Endlich wird sich zwangsläufig aus Aufklärung, die er den Richtern jo hartnäckig verweigert hatte, ein wenig fürchtete. Er hatte doch gesagt, es sei ein liebes Schiff, und er war trotzdem ausgerückt. War der Mann sechs Jahre im Schlaf gegangen und plötzlich, als die Ankerkette zum siebenten Male klargemacht wurde, erwacht? Waren ihm plötzlich die Nächte nördlich des 75. Breitengrades anders erschienen? Hatte er daran gedacht, wie er manchmal nachts erwachte in seiner engen Koje, und wie bann die Wellen an seinem Bett vorbeirauschten, und wie die Stimme des Mannes in der Ausgucktonne leer durch die weiße Nacht sd'oll? Er war ja sehr allein in diesen Stunden, und die Punkte des Erdballes, wo die Menschen nun nach Wärme zusammenkriechen, waren ja sehr fern. Bielleicht hatte er gedacht, wenn das Packeis brüllte, stöhnte und fefirie: Ich will Stimmen hören, keine Kommandos, Stimmen, Kinderstimmen, ein Weinen, eine beruhigende Frauenstimme, sogar ein wenig Musik und Geläut auf der Straße. Oder er hatte in den Nebel gesehen, der nun schon die zweite Woche mit ihnen zog, und plötzlich gewünscht, in Augen zu sehen, in Kinderaugen, Frauenaugen oder vielleicht sogar nur Pferdeaugen. Er hatte das alles wohl nicht gedacht, aber cs hatte sich in ihm angesammelt, ganz langsam, er hatte es selbst nicht bemerkt. Er hatte gefühlt, daß er allein fei, und bann war bie Welt über ihn hereingebrochen. Er hörte schon Pedersens Donnerstimme: „Gangspill klar! Anker auf!", da war er an Land gehuscht, auf die Straßenbahn gesprungen, hatte sich ein Billet gelöst: „Ein UmfteigebiUet zum Rathausplatz!", und dabei hatte sein mildes Herz gebrüllt: „Gerettet! Zum Rathausplatz! Gerettet!" Vor einigen Tagen habe ich den Schiffskoch auf ber Straße gesehen, barum schreibe ich dies. Er stand vor dem Bahnhof, auf dem Kopfe trug er die Mütze bei Dienstmänner. Er sah zufrieden aus und spähte nad) Leuten, denen er das Gepäck tragen konnte. Um ihn brauste ber Platz, ben heransausenden Autos wich er geschickt aus, er verschwand in der Menge. Die Stadt erglühte in Flammenschrift, Schcinwer fern, Megaphonen, Geschrei: Augen überall, Men- sck)en trabten, Stimmen und eine Welt erschollen. Mir wurde müde und traurig im Kopf. Ich schleppte mich nach Hause. Silles kam mir sinnlos vor. «Xs1 F, für d«,^ J CA L.tzK KZ >LÄ; E-r Stt. den Arbrii. I aug gr I L3ufl*' * M Sm. I ^NimtnunZ ^?«stche. bie X^en.übtt Lnmer Aus- ^Ahmig, übn ^ Bemessung bet I Ä01 ^nsLohn- Wffl: tvöcheut. ■ « unb 40 X "d*n Lohn- n“ 'n Öen letzten )mertättgtelt maß. '9 beträgt 40 W mlienzulchlaa totr- ^en Angehörigen 'Mährt, ober in Prozent insgesamt, u Die Aersorgmg er Krankheit, Vas Mheiken uftD. Ein sich mit den Mh. Secnbigung der Abschnitt mit bet ei nach dem SnI- i bet unb Arbeit- nach dem Gegen- c zu einem Drittel inbet unb der Ge- curf beschäftigt sich . der Versicherung, len, Hebetgang8be= Mgcn. Man wird eine der wichtigsten ' aupt in den leiten Gebiete zur porla- - nd zur Erörterung igen sind. Segenenttvurf die- M etaNetag Vie ngebahnte Hofier- otge in eine Ar- durch den Eriah znunAgefetzeS zM »er jetzt schon durch fast ausschliestlichen Arbeitslosenfürsorge her unb Arbeitnch- ) an ber Bedürftig' n Mrsorgecharaklcr ^halten. Auw die echarakterS. die noch aebung hineinragen, llose Verführung herungsgeseh be|ei- .Dersicherungsgesen ‘lialcn Derficherung des Dersichemngs. sozialen Rücksichten stn Gesichtspunkten ber neuen Arbeits sein, als auch die ungsinteressenten zu em so echs Jahre 'M ietoS-dn irbe, 27 sreile" itle er .. -naen i""N $1" ’fff" f ies Mannes S» ü* ifen Stunden, und «, i°s°'7„> hafeA M uveitc en. 6r^ j atr alte stch- M nW be Land^Htgel^ lh°IZtet'!Zu^" ^-sfskoch üU' S&s S-xÄ -Wln ericho '^ Leistungen und Risikoverteilung die Organisation ber Versicherung ergeben. Aus diesen Erwägungen heraus sind die einzelnen Vorschläge des Gegenentwurfs gemacht worden, insbesondere wird der § 56 des Entwurfes entschieden abgelehnt, weil es nicht angängig ist. an die Hergabe von Darlehen die Bedürftigkeitsprüfung zu knüpfen. Solche Darlehen kommen nur in Zeiten schwerer wirtschaftlicher Krise und umfassender Arbeitslosigkeit in Frage. Die Vedürftigkeitsprüfung bei großen Arbeitsnachweisen würde also gerade dann einsetzen. wenn 1OOOO von Arbeitslosen an sich bereits die Unter ftüfcung beziehen. Der Entwurf wendet sich auch dagegen, daß Arbeiter von der Arbeitslosenunterstützung ausgeschlossen sind, die nicht wenigstens ein Drittel des normalen Arbeitsverdienstes erwerben können. Wenn man diese Arbeitnehmer zu Beiträgen heranzieht, muß man auch entsprechende Unterstützungen zahlen. Mit der Beschränkung der Pflichtarbeit erklärt sich der Gegcnentwurs des Städtetages einverstanden, weil insbesondere in ländlichen Bezirken die Gefahr des Mißbrauches naheliegt. Der Städtctag beanstandet weiter die Beschränkung des Anspruches auf Arbeitslosenunterstützung, wenn diese innerhalb der letzten 12 Monate durch 26 Wochen gewährt ist. Es würde also ein Angestellter oder Arbeiter, der 30 Jahre Beiträge gezahlt hat, nach 26 Wochen keine weitere Unterstützung erhalten. Das scheint nicht angängig zu sein. Der Städtetag gibt eingehende Vorschläge für eine bessere Berücksichtigung des Versicherungsprinzips. Der Entwurf hat die Kurzarbeiterunterstützung ganz bei Seite gelassen, was im Hinblick auf die Erfahrungen der letzten Jahre bedenklich erscheint. In Fällen von Wirtschaftskrisen ermöglicht die Kurzarbeiterunterstützung den Betrieben die Erhaltung eines Stammes geschulter und eingcarbeiteter Arbeitskräfte. Die Betriebe können zweifellos in diesem Falle nach Ueberwindung der Krise leichter wieder zur Ausnahme des vollen Betriebes übergehen, als wenn sie ohne Kurzarbeiterunterstühung gezwungen sind, einen großen Teil ihrer Arbeitskräfte auszustellen, dazu kommt, daß solche Ausstellungen die Erwerbslosenfürsorge stark belasten, und trotzdem den einzelnen Arbeiter und seine Familie schlechter stellen, als wenn Kurzarbeiterunter- stühungen gewährt werden. Mindestens , für Krisenzeiten muß deshalb die Kurzarbeiterunterstützung im Gesetz vorgesehen werden. Ein Mißbrauch der Einrichtung ist durch entsprechende Kautelen zu verhüten. Der Städtetag fordert außerdem eine Verbesserung der Bestimmungen über Rotstandsarbeiten, wobei er in der Praxis eine Erleichterung der Verwaltungsarbeiten an strebt. Die übrigen Vorschläge und Bemerkungen des Städtetages beziehen sich auf die Mittelaufbringung und die Organisation und kommen am Schluß zu dem Ergebnis, daß es die beste organische Lösung des Arbeitsversicherungsgesehes sein würde, wenn Arbeitsnachweisgeseh und Ar- beitslosenversicherungsgeseh in einem Gesetz organisch verbunden erlassen würde. Diese Lösung würde aber eine Reihe von weiteren Streitfragen aufrollen und neuerdings die Einführung der Arbeitslosenversicherung außerordentlich verzögern. Es ryuß aber das Bestreben des neuen Arbeitslosenversicherungsgesehes sein, die Vorarbeit für eine spätere Zusammenfassung der beiden Materien bereits zu leisten und diese Zusammenfassung nicht aus dem Auge zu verlieren. Der vom Städtetag ausgearbeitete Entwurf trägt diesen Gedanken durch möglichsten Einklang mit der Arbeitsnachweisgeschgebung Rechnung, während der Entwurf der Reichsregierung hier Dissonanzen aufweist, die die später notwendige Einschmelzung der beiden Gesetze in eine einheitliche gesetzgebende Regelung erschweren. Es besteht für denjenigen, der sich mit den Hauptfragen des Gesetzentwurfes und mit den Vorschlägen des Städtetages beschäftigt, kein Zweifel, daß der Gesetzentwurf der Regierung einer gründlichen Umarbeitung unterzogen werden muh. Ein neuer Beitrag zur Kriegsschuldfrage. (Von unserem Pariser W. S.-Korrespondenten.) 3m Verlage von Alfred Costes, nie Mon- sieur-le-Prince in Paris, ist soeben ein neues Sein oder Nichtsein. Ein Kriminalroman von der Wasserkante. Don Moritz Schäfer. 25. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Genau stand Mühlfelds Programm noch nicht fest, als er sich zum Stelldichein mit Andrea begab. Nur in allgemeinen Umrissen hatte er seine Pläne zurechtgelegt, für Varianten war je nach den Umständen Muße genug. E i n Bedenken hatte er: wenn man Lorenzen schuldig werden ließ, wenn der Bankier plötzlich einsah, daß er sich in dem vermeintlichen Freund grausam getäuscht hatte — hieß das nicht gerade das Schicksal heraufbeschwören, das Mühlfeld vermeiden wollte? Würde nicht Lorenzen, wenn der Verräter ihn der Depotunterschlagung bezichtigte, den Spieß umkehren und der Behörde den Judas als den größeren Verbrecher denunzieren? Möglich, aber dann war seine Glaubwürdigkeit erschüttert. Beweise gegen Mühlseld waren nicht beizubringen und die Denunziation erschien unter dem Gesichtswinkel eines gemeinen Rachcakies! Immerhin war es geratener, die ganze unliebsame Eventualität durch genialen Schwung aus dem Wege zu räumen. Man brauchte ja nur bei der schönen Beute den Koder anzulegen unb konnte offiziell vor den Be- horoen mit der Beschuldigung der Depotunterschlagung zuruckhalten. Ja, bei Licht betrachtet, schien diese Lösung sogar besser zu sein! War erst Andrea gefügig, bann würde es genügen, ihrem Mann den Nasenrrng anzulegen, der den Stier falls ihn die Wut packte, in die Knie zwang. Ein Spiel, der Aufregung des Sportmanns wert! . . . Und nun, Fedor Mühlfeld, zieh' die Wildledernen cm die schmalen Ehrenfinger und setz den Seidenzylinder auf dein onduliertes Gelock. Noch ein Schuß new-mown-hay aufs batist'ne Taschentuch, so, jetzt ruf' deinen Kammerdiener unb laß ihn mit Kennerblick begutachten, ob das Finish des Gentleman erreicht ist! — Noch einen Blick in den Pfeilerspiegel über der karrarischen Marmorkonsolc deines fürstlichen Vestibüls — bann, ihr diskreten Kelims, dämpft den Schritt eures Gebieters, bis die Pforte sich auftut die ihn auf den Weg feiner Schande entläßt. . . Werk von Pierre Renouvin. Privatdozent an der Pariser Universität, erschienen, betitelt „Der unmittelbare Ursprung des Krieges". Dieses Werk rückt die unmittelbare Schuld Poincaräs am Ausbruch des Krieges in ein ganz neues Licht. Pierre Renvu- vin ist einer der ganz wenigen Franzosen, denen Einblick gewährt worden ist in die Archive des Quai d'Orsay. Rur dadurch ist ihm die Feststellung möglich geworden, daß eine der wichtigsten Depeschen des berühmten französischen Gelbbuches. das dort die Rr. 118 trägt, von der französischen Regierung wissentlich und absichtlich gefälscht worden ist. Es handelt sich um die weltberühmte Depesche des damaligen französischen Botschafters in St. Petersburg, Palöologue, vom 31. 3uli 1914, ein Falsifikat, das übrigens auch eine der wichtigsten Grundlagen bildet in dem Buche Poincarüs „Ser Ursprung des Krieges", das Poincars geschrieben hat, um die ungeheure Schuld, die er auf sich lud, von sich abzuwälzen zu versuchen. Auf der Seite 146 des Buches von Renouvin heißt es wörtlich: „Schon im Morgengrauen des 31. 3uli was der Wortlaut der Mobilmachungs- order in St. Petersburg plakatiert. Palsologue setzte seine Regierung hiervon durch ein sehr kurzes Telegramm in Kenntnis: „Die allgemeine Mobilmachung der russischen Armee ist befohlen worden." Dieses Telegramm, das aus St. Petersburg um 10.43 Uhr vormittags über Bergen nach Paris geschickt wurde, kam dort erst abends 8.30 Uhr an. Während eine gleichlautende Depesche von St. Petersburg nach Berlin von dem deutschen Botschafter, Graf Pourteles in Berlin schon 11.40 Uhr vormittags anlangte. Die bestimmte Rachricht von der allgemeinen russischen Mobilmachung war also in Deutschland 9 Stunden f rüher bekannt als die französische Regierung überhaupt davon Kenntnis hatte." Diese Depesche Rr. 118 findet man im offiziellen Gelbbuch der französischen Regierung nicht, sondern dafür eine ganz andere, 15- 20 Zeilen umfassend, die den Tatbestand völlig auf den Kopf stellt und etwas ganz anderes besagt als die ganz kurze tatsächliche Originaldepesche von Palsologue. Renouvin weist im Einzelnen nach, daß diese Depesche in all ihren Einzelheiten in Paris hergeftelll worden ist. Man erkennt deutlich die Handschrift des Ministerpräsidenten und ' Außenministers B i v i - a n i. Das Buch beschäftigt sich dann ausführlich mit dem so denkwürdigen Besuch des deutschen Botschafters v. Schoen in Paris am Quai d'Orsay am 31. 3uli 7 Uhr abends. Vi Viani habe, so heißt es, hierbei die Unwahrheit gesagt, wenn er dem deutschen Botschafter gegenüber behauptete: „Ich bin keineswegs unterrichtet über eine angebliche russische Mobilmachung. von der Sie sprechen." Poincara hat sich später damit entschuldigen wollen, daß der telegraphische Verkehr zwischen Petersburg und Paris infolge Ueberlastung der Linie stark behindert sei. Renouvin weist nach, daß auch diese Behauptung unzutreffend ist. Oberhessen. Landkreis Gießen. , : Aus dem Busecker Tal, 18. Febr. Wer heute die Landstraßen durch unser Tal wandert, wundert sich über die ungezählten □Käufe, die an den Straßengräben und Rainen dahinhuschen. Trotz der Bekämpfung dieser Schädlinge im letzten Herbst und trotz des nassen Winters treten sie in großen Mengen auf. Jetzt wäre die rechte Zeit zur Bekämpfung der Mäuse: denn eine Maus am Ende des Winters ist mehr „wert" als zehn im Herbst. Wenn sich jetzt die Gemeinden zusam menschlieben und gemeinschaftlich gegen die Schädlinge vorgehen, so dürfte der Erfolg nicht ausbleiben. Unsere Arbeitslosen, die die Bekämpfung durchführen könnten, würden zugleich diese Gelegenheit begrüßen, für einige Zeit Arbeit zu finden. : Lich, 18. Febr. Die vor längerer Zeit gemeldete Lungenseuch e in hiesigen Viehbeständen darf als erledigt betrachtet werden. Sie war bekanntlich aufgetreten unter dem Viehbestand des Fürstlichen Hofgutes und in der Hosreite des dem fürstlichen Hof benachbarten Landwirts Friedrich Zimmer. Gegenwärtig ergänzen die Betroffenen wieder ihre Viehbestände. XX.” Am steilen Ufer der Stolteraa, mit herrlichem Blick auf den buhnengeschützten Strand von Warnemünde, roalbumfäumt, meerumrauscht, lag in beschaulicher Einsamkeit Ohm Hinriks Haus. Nur drei Zimmer im Parterre unb ein Giebelstübchen, in dem Andrea als Mädchen gewohnt hatte, umschloß der zierliche Bau; aber in den puppenhaften Räumen wohnte die Zufriedenheit, träumte der Genius der guten alten Zeit. Hätte nicht ein Kakadu die tiefe Stille bisweilen mit heiserem Schrei zerrissen, man hätte glauben können, das Häuschen fei ausgestorben. Aber es war nach Onkel Ottos und Fink Le- verrenzens Weggang doch noch ein Lebewesen da. Das war ein blinder Neufundländer, den Kapitän Hinriks vor 12 Jahren direkt importiert hatte. Lange Zeit hatte ihm das treue Tier in unerschütterlicher Anhänglichkeit gedient, und noch vor kurzem hatte Pascha die Enten apportiert, die Ohm Otto schoß. Aber jetzt, da ber einst tiefschwarze Rüde das kanonische Hundealter um ein Beträchtliches überschritten hatte, da ihm die Zeit bereits die Schnauze grau und die Rute weiß zu färben begann, jetzt war's mit seinen Jagdgängen vorbei. Zu einem Kringel zusammengeschmiegt, lag ber Veteran vor dem alten Ledersofa, das in seiner bequemen, breitausladenden Fülle an winterlichen Abenden den Schauplatz des Tabakkollegiums bildete. Ader mochte Pascha auch alt und blind sein — so scharf waren seine Sinne noch, daß er als Wache genügte, denn jeder verdächtige Laut drang an das Gehör des freuen Tieres, ließ ihn knurrend vorstehen, um im Notfall „Herrchens" Tuskulum mit dem letzten Aufgebot seiner Kräfte zu verteidigen. Ja, der Onkel konnte sich später mit Recht darauf berufen: „Wer das Leben auf den Meeren gewohnt ist, der verschließt nichts, zumal wenn er einen Pascha zum Wächter hat!" Der Kakadu warf dem Hund zuweilen Sonnenblumenkerne, zuweilen einen „Schafskopf" an die Hängeohren. Dann schüttelte sich Pascha wohl zuweilen und knurrte leise im Traum. Wenn aber den Kakadu die Einsamkeit allzusehr plagte und das Phlegma des Vierbeiners gar zu dumm war, dann ließ er's nicht mehr bei dem ,^Schafskopf" bewenden. sondern zog fein ganzes Schimpfregister. Unb bäte war nicht klein. Die Fürstlich« Gutsverwaltung hat in den letzten Tagen große Transporte rwrddeutfchen buntscheckigen VieheS bezogen. — Der Schulhausneubau, der schon viele Jahre für unsere Stadt eine Rotwendigkeit ist, beschäftigt gegenwärtig wieder die Gemüter. Man kann sich über die Plahfrage nicht einigen. Viele wünschen den ruhig gelegenen Platz in der Verlängerung der Amtsgerichtsstraße, in den sogenannten Röder- gärten. Wieder andere halten den fürstlichen Hopfengarten, hinter dem Schwanensee nach der alten Stadtmauer zu, für geeigneter. Der letzte Platz ist allerdings durch den starken Verkehr der angrenzenden Bahnhofstraß« nicht gerade ruhig gelegen. Einen alten Plan aus früheren Jahren, das Schulhaus auf die große Weide an die neuangelegte Ringstraße zu bauen, wird man wahrscheinlich fallen lassen, denn die Hochwasser der letzten Jahre haben diesen Platz oft überschwemmt. Die Schulhausfrage hat allerdings noch viele Gegner, die sich von einer Qlottoenbig- keit des Reubaues nicht überzeugen können. ^ltphe, 18. Febr. Dieser Tage hielt der hiesige Turnverein in der Rühlschen Wirtschaft seine diesjährige Hauptversanrmlung ab. Bei der Reuwahl des Vorstandes wurde Ludwig Weber zum Vorsitzenden gewählt. Der Beitrag wurde für aktive Turner auf 30 Pf^ für Zöglinge auf 20 Pf. monatlich, für passive Mitglieder auf 1,20 Mk. jährlich festgesetzt. Kreis Büdingen. th. L e i d h e ck e n. 18. Febr. Bei der in unserem Rachbarwalde Rieder- Mockstadt abgehaltenen Holzversteigerung wurden für 2 Rm. Buchenprügel 18 bis 21 Mk., für 1 Rm. Reifer 1 Mk. erzielt. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 18. Febr. Die hiesige Kasino Gesellschaft brachte für ihre Mitglieder die bekannte Posse „Pension Schöller" in vorzüglicher Besetzung und mit großem Beifall zur Aufführung Der Abend brachte einen vollen Erfolg, so daß der Winterh ilfe über '300 Mk. zuslietzen konnten. — Rach längeren Bemühungen ist es der Stadt gelungen, für geplante Rotstandsarbeiten Zuschüsse bzw. Darlehen vom Reich und Staat zu erhalten. Es sind vorerst geplant: Herstellung eines Rieselfeldes in ber Elach, (Gemarkung in der Verlängerung der Langgasse) und Verlegung eines Ringkancttes von der Wirtschaft „Kühler Grund" bis zur Elach. Die Ausschreibung der Lieferung und Arbeiten ist bereits erfolgt, mit der Ausführung soll sofort begonnen werden. Bedingung bei der Ausschreibung ist, daß die Unternehmer bei der Arbeit einen gewissen Prozentsatz Erwerbsloser mitbeschäftigen. — Am hiesigen Polytechnikum hat sich vor kurzem ein Flugwissenschaftlicher Verein gebildet, der gegenwärtig mit dem Bau eines Leichtflugzeuges beschäftigt ist. Der Verein beabsichtigt, demnächst Flugversuche in der Rähe Friedbergs, wahrscheinlich am Hoherodskopfe oder der Herchenhainer Höhe zu unternehmen, auch eine Beteiligung an dem Rhönfluge ist in Aussicht genommen. Um wettere Kreise für die Sache zu interessieren, ließ der Verein im Zentraltheater den RosMen-Rhönfilm laufen, der einen interessanten Einblick besonders in das Leben und Treiben auf der Wasserkuppe während der Flugzeit gewährte und die verschiedenen Typen der Flugzeuge ohne und mit Hilfsmotor vor- führte. • Bad-Äauheim, 18. Febr. Die ©utäte f o r m G. m. b. H. hielt ihre Generalversammlung bei gutem Besuch in Frankfurt a. M. ab. Der im letzten Geschäftsjahr auf neue Rechnung oorgetragenc Verlust von ca. 362 000 Mark hat sich in diesem Geschäftsjahr um ca. 200 000 Mark erhöht. Der Grund für den neuen Verlust liegt darin, daß in der Geschäftsstelle Würzburg noch erhebliche Verlustgeschäfte aus dem Jahre 1924 abzuwickeln waren. Die Geschäftsstelle München hatte unter äußeren Einflüssen zu leiden und konnte sich deshalb in diesem Geschäftsjahr nicht erholen, während die Geschäftsstellen Berlin, Kassel und Stuttgart, sowie vor allem die Zentrale in Bad-Rauheim befriedigend gearbeitet haben. Zur Verlustdeckung stehen zur Verfügung: ca. 87 000 Mk. Kapital und Reserven, ca. 66 000 Matck ausstehende Beteiligungen, ca. 80 000 Mk. Verlustdeckungsbeitrag ausgeschiedener Mitglieder, insgesamt 233 000 Mk. Der verbleibende Verlust wird durch eine Kapitalserhöhung, die ca. So sah's in Ohm Ottos Wohnzimmer aus, durch besten geöffnete Fenster jetzt die ozonreiche Luft hereinströmte, so daß außer den Eingeweihten niemand wissen konnte, bis zu welcher Beschaffenheit Pfeifentabak Leoerrenzscher Mischung Stubenluft „verbessern" kann. Draußen aber war das Schmuckkästchen des kleinen Besitztums angeheftet. Wie ein blütenum- ranktes Vogelnest hing die von Seedorn und Winden und japanischem Hopsen bunt übersponnene Veranda vor der Eingangstür. Wer ins Haus wollte, mußte diese Veranda passieren, die an ihrer einzigen gemauerten Wand gar absonderlichen Schmuck trug. Das war eine Sammlung exotischer Waffen vom Bumerang des Australnegers und dem Wurfkeil der Kaffem bis zum Äffagai der Hottentotten, von der Bola der Gauchos bis zur Schleuder der Turkmenen. All diese mehr oder minder schimmernde Wehr mit Schilden, Lanzen und Pfeilen zum Tableau zusammengestellt, zierte als eigenartige Supraporta die Eingangstür, während die oberen Seiten, rechts und links der Tür, von je einer Gruppe ausgestopfter, fremdländischer Tiere eingenommen waren. Da sah man links ein Ichneumon und eine Pardelkatze, über denen ein Lämmergeier seine Schwingen breitete, während rechts ein prächtiger Paradiesvogel über einem jungen Krokodil und einem Pavian thronte. Eine etwas krause und willkürliche Zusammenstellung, über die jeder zünftige Zoologe den Kopf geschüttelt hätte, die aber in jedem Stück eine Erinnerung an des alten Seemanns Reisen durch alle Weltteile in sich schloß. Don der Decke herab aber hing das Hauptschmuckstück der Veranda: ein völlig aufgetakeltes Modell des Transport- dampsers „Otto Hinriks". Noch lag die Sommersonne prall auf den silbern aufblitzenden Fluten des ruhigen Meeres, da nahten sich Schritte der löeranba. „Pascha" fuhr auf und ließ ein leise drohendes Knurren vernehmen. Doch gleich daraus wedelte er sreudig und stieg am offenen Fenster hoch. Die Besucherin ging ins Haus und schmeichelnd begrüßte sie der treue Hund. Sie ließ die Türe offen und Pascha folgte ihr auf die Veranda, wo sie sich in einen Korbsessel niederließ. „Pascha!" rief ihm eine wohlbekannte Stimme entgegen, „ich bin's, i mein Hundl, deine Freundin Andrea." 600 000 Mk. erbringt, gedeckt. Gleichzeitig wird dem -Unternehmen dadurch neues Betriebskapital zugeführt. Die Bilanz wurde genehmigt. Aufsichtsrat und Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt Kreis Alsfeld. Alsfeld, 18. Febr. Am 29. unb 30. Mai findet hier eine Tagung sämtlicher Zweigvereine deS Vogelsberger Höhenklubs statt. Auch der I u ng - P.H. C.- Verband unter ber Leitung von Professor Bender wird daran teilnehmen. Starkenburg. * Darmstadt, 18. Febr. Gestern abend wurde ein vierzehnjäriger Junge in der Alexanderstraße von einem Automobil überfahren. Der Lenker des Autos fuhr davon, ohne sich um den Jungen zu kümmern. Zwei Schutzleute versuchten, das Auto aufzuhalten, was ihnen aber nicht gelang; es konnte jedoch die Rümmer fest gestellt werden. Die Verletzungen des Jungen sind glücklicherweise nur leichter Ratur. Darmstadt, 18. Febr. (WSR.) Am 15. Februar waren in Stadt und Kreis Darmstadt insgesamt 5560 stellensuchende Personen vorhanden, von denen 4620 LlnterstühungSempfänger waren. Sowohl in der Stadt, wie im Kreise sind die Zahlen wiederum etwas zurückgegangen. WER. Offenbach, 18. Febr. Gestern mittag kurz nach 12 Alljr ereignete sich im Haus» Diebererstraße 75 ein blutiges Ehedramc^ dem zwei Personen zum Opfer fielen. Der 38jährige Lehrer Friedrich Michel, der während des Krieges in Konstantinopel als Handelslehrer angestellt war, heiratete dort eine etwa zehn Jahre ältere Frau mit drei Kindern. Die Ehe war aber nicht glücklich, waS hauptsächlich auf den Altersunterschied zucückzuführen sein dürfte. Rach dem Kriege verließ er seine Frau unb kehrte nach Deutschland zurück, im Glauben, daß seine türkische Ehe ungültig sei. Die Frau, die aus guter Familie stammt und Tochter eines türkischen Reeders ist, folgte ihm nach Deutschland nach. Das deutsche Gericht erklärte feint türkische Ehe für gültig und verpflichtete ihn zum -Unterhalt seiner Frau und des aus dieser Ehe hervorgegangenen vierten, jetzt achtjährigen Kindes. Das weitere Zusammenleben der Eheleuts gestaltete sich sehr unglücklich und es kam immer wieder zu Streitigkeiten, die gestern ein tragisches Ende nahmen. Im Verlaufe eines neuen sehr heftigen Streites jagte die Frau ihrem Manne eine Kugel in den Hinterkopf unb brachte sich einen Schuß in die Schläfe bei. Die Frau war sofort tot, während der Mann in den Abendstunden im Kran- kenhause feinen Verletzungen erlag. * Schloß Re ichenber g (Obento.), 18. Febr. Am 150. Jahrestage ber Geburt des Arztes, Raturforschers und langjährigen Präsidenten der Kaiserlichen Leopoldino Karolinischen Deutschen Akademie Dr. Christian Gottfried Rees von Esenbeck — geb. 14. Februar 1776 auf dem Dergschloh Reichen berg, geft 16. März 1858 zu Breslau — fand hier im Ölefert- schen Kur- und Erholungsheim eine von Reichelsheimer Herren veranlaßte Feier statt, die den Erschienenen über das Jugendleben, die Ahnentafel nach den Quellen des Gräfl. Erbachischen Archivs und die Tätigkeit als Forscher unb Schriftsteller des hervorragenden Gelehrten in einer anerkennenswerten Ausführung berichtete. Auch wurde angeregt, zum dauernden Gedächtnis des berühmten Odenwälders ReeS von Esenbeck hier an seiner Geburtsstätte ein« Gedenktafel anzubringen. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Hoh ensolms, 18. Febr. Landwirt und Bauunternehmer KarlRoth ist als D ei - geordneter der Bürgermeisterei Hohensolms durch den Oberpräsidenten bestättgt worden. — Die zehn meist kleinen Gemeinden des Hohen- solmsec Landes durften in besonderem Maße in der Grundstückszusammenlegung die Fürsorge des Staates und der Provinz erfahren. Die Bürgermeisterei Hohensolms ist die erste des Kreises Wetzlar, welche in ihrer Gesamtgröhe von 6163,9 Hettar die Zusammenlegung der Felder restlos durchgeführt hat. Pascha legte sich zu ihren Füßen unb ließ sich mit offenbarem Behagen bas alte Fell krauen. Eine ganze Weile blieb es still. Nur bas Meer raschte leise unb die Bienen summten um die Blüten. Da knirschte unten der Kies unb abermals fuhr Pascha droyend auf. Doch ein Zuruf Andreas beruhigte ihn. „Es ist gut, mein Hund. Kusch' dich." Widerstrebenb und doch gehorsam legte sich der Neufundländer nieder. Aber er witterte scharf nach der Richtung, von der die Schritte näher kamen, unb sein unterdrücktes Knurren zeigte an, baß sein Argwohn nicht geschwunden war. Obgleich ihr in dieser Stunde ber Sinn wahrlich nichl nach Aeußerlichkstten stand, mußte es Andrea doch auffallen, wie seltsam ber sonst so korrekte Gent seine Kleidung gewählt hatte. Er kam in Cut und Lackschuh, ja er trug sogar den Zylinder! In solchem Aufzug hätte er allenfalls bei einem Promenadenkonzert in der Stadt paradieren können — aber was sollte die Flaggengala am Sttand? Tief senkte sich der Seidenhut, mit artiger Zu rückhaltung hauchte Mühlfeld einen Kuß auf Andreas Hand. „Ich danke Ihnen, meine Gnädigste, daß Sie zu dem Stelldichein gekommen sind!" „Stelldichein?" In ihrer Stimme war trotzige Abweisung. „Das Wott scheint mir beplaziett, Herr Mühlfeld!" „Mille fois pardon! Es sei fern von mir, damit den Schatten einer Vertraulichkeit anbeuten zu wollen." „Also kommen wir, bitte, rasch zur Sache. Warum wünschten Sie biese Zusammenkunft?" „Meine teure Freundin!" Er suchte Andreas Hand zu haschen, die sie ihm schnell entzog. „Sie werden mir hoffentlich nicht zürnen, wenn ich —“ „Herr Mühlfeld, Sie versprachen mir, daß ich unter dem Schutz eines Kavaliers stehen werde. Ich hoffe. Sie halten Wort." „Jederzeit, meine Gnädigste, jederzeit. Ich werde ohne Umschweife reden, wenn auch das, was ich Ihnen sagen muß, in dieser Form falt, hart, brutal klingen muß." „Diese Tonart ist mir immer noch lieber als die andere." (Fortfetzung folgt.) CO Aus dem Hüttenberg, 18. Febr. Eine seit Menschengedenken Übliche Sitte konnte man auch dieser Tage wieder in den Gemeinden des Hüttenberges beobachten. Am Fastnacht- Dienstage gehen arme, ortseingesessene Personen von Haus zu Haus, um ein Stück Wurst, Speck, Kuchen oder dgl. „aufzuheben" (zu sammeln). Auch Müllerburschen gehen mit einem Strauße am Hute, der an die Zeiten der früheren militärischen Musterungen erinnert, zu den Kunden ihrer Mahlherren, um sich gewissermaßen als Lohn für das Auf- und Abtragen der Frucht- und Mehlsäcke ein Fastnachtstrirckgeld zu holen. Leider fällt dieses Trinkgeld auch nicht mehr so wie vor dem Kriege aus, weil es bei dem größten Teile der Landwirte an Geld mangelt. i Dornholzhausen, 18. Febr. Zur Untersuchung des Tieberfalles auf den Reisenden Panknin der Firma Fertsch & Co. zu Friedberg, über den in Rr. 36 des „Gießener Anzeiger" vom 12. Februar berichtet wurde, stellte ein Beamter der Staatsanwaltschaft hier an Ort und Stelle Ermittelungen an. — 3m Distrikt „Dreikoppelshecken" des hiesigen Gemeindewaldes befindet sich eine ganze Anzahl Hügelgräber, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Gegenstände von bedeutendem archäologischem Werte bergen dürften. Es haben vor längeren Jahren auch Ausgrabungen durch Professor Helm, Berlin stattgefunden, bei denen eine Anzahl Gegenstände gefunden wurden, die auf Herkunft aus der Bronzezeit schließen liehen. Die Gegenstände sollen seinerzeit dem Museum in Berlin zugeführt worden sein. Es dürfte sich empfehlen, die Ausgrabungen von berufener Seite sortzusetzen, da mit weiteren Funden sicher gerechnet werden kann. z. Ebersgons, 18. Febr. Die Maul- und Klauenseuche ist hier erloschen. Der aus Ort und Gemarkung gebildete Sperrbezirk ist aufgehoben. Dagegen sind Ort und Gemarkung als Beobachtungsgebiet erklärt wollen. <> Niederkleen, 18. Febr. Nachdem der Antrag der hiesigen Gemeinde auf Unterstützung des Wasserleitungsbaues aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge die Genehmigung des Regierungspräsidenten gefunden hat, sind dieser Tage die Arbeiten für die Herstellung des Ortsrohr- netzes mit ben Hausanschlüssen und des Hochbehälters vergeben worden. Auf die Ausschreibung der gesamten Arbeiten waren 6 Angebote eingegangen, von denen sich das niedrigste auf 20 738,60 Mk., das höchste auf 27 590,60 Mk. belief. Auf die Herstellung des Hochbehälters allein waren zwei Angebote eingegangen, die beide rund 5Ö00 Mk. betrugen. Die Ausführung der gesamten Arbeiten wurde dem Bauunternehmer Zöller von Dornholzhausen zu seinem Angebote von 20 738,60 Mk. übertragen. Der Hochbehälter soll ein Fassungsvermögen von 80 Kubikmeter erhalten. Mit den Arbeiten soll schon in den nächsten Tagen begonnen werden. Es werden in erster Linie die Erwerbslosen der hiesigen Gemeinde und darüber hinaus, soweit erforderlich, auch solche aus den Nachbargemeinden Beschäfti- gUM finden. Der tiefer gelegene Ortsteil soll neben der Wasserleitung auch eine Kanalisierungsanlage erhalten, deren Kosten zum Teil von der Gemeinde, zum Teil von den interessierten! Hausbesitzern getragen werden sollen. O Oberkleen, 18. Febr. Bei der diesjährigen Drennholzversteigerung wurden folgende Preise erzielt: Eichenscheitholz 10 bis 12 Mk. je Rm.» Eichenknüppel durchschnitt- .lich 10 Mk. je Rm.» Eichenstockhvlz 4 bis 6 Mk. je Rm., Eichenwellen 8 bis 10 Mk. für 50 Stück, l Duchenscheitholz 40 bis 45 Mk. für 2 Rm., Buchenknüppel 35 bis 40 Mk. für 2Rm., Duchen- ? stockholz 6 bis 8 Mk. je Rm., Buchenwellen: Ast- , wellen bis zu 25 Mk. und Forstwellen bis r zu 35 Mk. für je 50 Stück. Kiefernknüppel bis zu 24 Mk. für 2 Rm., Kiesernstvckholz 3 bis 5 Mk. je Rm., Kiefernwellen 6 bis 8 Mk. je 50 Stück, gemischte Wellen 4 bis 7 Mk. je 50 Stück. Kreis Marburg. Marburg, 18. Febr. (WER.) Sn Marburg sind jetzt falsche Zweimark st ücke aufgetaucht, die sich, ähnlich wie das in Friedberg verbreitete Falschgeld, fettig anfühlen und anscheinend dunkler sind als die echten. — Bei Ebsdorf geriet ein Auto in ein Sumpf- gelände. Die Insassen konnten sich in schwer angefeuchtetem Zustande aus dem Auto herausarbeiten. Das Auto selbst mußte am anderen Tage mit starken Pferdekräften aus dem Sumpfe herausgezogen werden. Kreis Usingen. !—1 Cleeberg, 18. Febr. Gestern fand im hiesigen Gemeindewa ld die Buchen- brennholzversteige rung statt. Die Preise waren etwas gedrückter als diejenigen der letzten Brennholzversteigerung, was wohl daran liegen mag, daß im oberen Kleebachtal schon zahlreiche Breimholzversteigerungen stattfanden, so daß sich die Mehrzahl der Landwirte der waldlosen Gegend des unteren Kleebachtales genügend eingedeckt haben dürften. Das Klafter (4 Rm.) Buchenholz-Scheit erzielte einen Preis von 60 Mk., Duchenholz-Knüppel 45 Mk. und Buchenwellen kamen das Hundert auf 25 Mk. Maingau. Frankfurt a. M., 18. Febr. (WSR.) Der sozialpolitische Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, bei der Stadtverordnetenversammlung die Bereitstellung von zehn Millionen Mark für Rötst andsarbeiten zu beantragen. Die Deckungsfrage wurde noch nicht erörtert. Kirche und Schule. Dorfkirchentagnng Berlin. Am Dienstag und Mittwoch, 2 3. und 2 4. Februar, findet in Berlin, im Muschelfaal des Rheingold, nahe dem Potsdamer Platz, ein Dorfkirchentag statt, dessen Arbeit der dorfkirchlichen Zugendfrage gewidmet ist. Die Eröffnungsansprache hält der Vorsitzende des Deutschen Dorfkirchenverbandes, Probst Köln-Garwitz. Den einleitenden, grundlegenden Vortrag hält Pfarrer Mahr-Gießen über „Die Psychologie der Landjugend". Es folgen Vorträge über: „Ländlicher Konfirmanden-Llnterricht" (Pastor T r a u e - Schwarz), „Kirchliche Jugend arbeit auf dem Lande" (Pastor Dr. N a g e l - Prenzlau), „Dorfkirche und ländliche Fortbildungsschule" (Probst Wulff-Blankenhagen). Am Mittwoch wird Aber „Dorfkirche und Dauernhoch- schule" (Dr. theol. v. L u p k e - Göttingen). „Dorfkirche und freie Zugendvereine auf dem Lande" (Zugendpastor Lic. Holtz- Schwerin). „Dorfkirch e und weibliche Zugendpflege im Dorfe" (Pastor Hoffmann-Krippehna) referiert werden. Die Mitglieder der Dorftirchenvereinigungen und Freunde ländlicher Kulturarbeit sind eingeladen. Wirtschaft. Die Kohlenprobuktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Volksstaates Hessen weist für den Monat I a - nuar folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 38 265 Tonnen, verkauft wurden davon 14547 Tonnen: der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 687 Tonnen Braunkohlenbriketts. Außerdem wurden in Hessen erzeugt eine Anzahl Tonnen Steinpreßkohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 14547 Tonnen Rohkohlen, 50 Tonnen Briketts, 689 Tonnen Raßpreßsteine, zusammen 15 286 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwert von 88 846 Mk. in Giessen S * Der amtliche Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 17. Februar berechnete Großhandelsindexzifser des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem Stand vom 10. Februar (118,8) um 0.5 Proz. auf 118,2 zurückgegangen. Gesunken sind die Preise für Getreide, Schmalz, Rindfleisch, Hopfen, einige Textilrohstoffe, Baumwollgarn, Kupfer, Zink und Gasöl. Höher lagen die Preise für Schweinefleisch, Blei und Zinn. Von den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 113,0 auf 112,3 oder um 0,6 Proz., die Zndustriestofte von 129,7 auf 129,4 oder um 0,2 Proz. nachgegeben. * Guter Erfolg der preußischen 30-Milivnen-Znland-Anleihe. Die Ausgabe der von der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) namens eines kleinen Konsortiums von der Preußischen Finanzverwaltung übernommenen 30 Millionen b^proz. Preußische Schahanweisungen, fällig am 1. März 1929, hat, wie der Amtliche Preußische Pressedienst erfährt, einen durchaus befriedigenden Erfolg gehabt. Allein bei der Preußischen Staatsbank, bei der als Hauptabnehmer der Schahanweisungen Sparkassen, Girozentralen und Landwirtschaftsbanken in Frage kommen, sind insgesamt Kaufanmeldungen von rund 76 Millionen RM. eingegangen. * Massenbeurlaubungen im Thhs- s en-Dergbau. Wegen neuerllcher Absatzschwierigkeiten muh die Verwaltung des Thyssen- Bergbaues ab 22. d. M. von drei Schachtanlagen in Hamborn und Walsum 3000 Arbeiter auf wahrscheinlich drei Wochen beurlauben. Es wird angenommen, daß Mitte März die Absatzschwierigkeiten soweit behoben fein werden, daß es möglich ist, die Leute wieder zu beschäftigen. Für die verbleibenden Belegschaften werden Feierschichten bis auf weiteres nicht mehr eingelegt werden. Berliner Börse. fEigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin 19. Febr. Die unlustiye Haltung der Börse dauert an, da die Beteiligung des Publikums und des Auslandes wiederum fehlte. Das Ausbleiben der amerikanischen Käufer wird auf die Unsicherheit an der Neu- Yorker Börse zurückgeführt. Die Spekulation nahm zunächst weitere Realisationen vor, so daß die gestrigen Nachborsenkurse neuerlich um 1 bis 2 Proz. verschlechtert lagen. Da angeblich immer noch ansehnliche Engagements der Spekulation bestehen, hielt sich diese an den führenden Marktgebieten äußerst zurück. Einen recht ungünstigen Einfluß übte der Franken stürz aus, der alle aufbauenden Maßnahmen der deutschen Eisenindustrie wieder illusorisch machen kann. Gegen das Pfund gab Paris auf 136 nach, während gestern noch ein Kurs von 133,40 zu hören war. Am Kriegsanleihemarkt verstimmte die Erklärung 5>r. Reinholds, daß das Reich zunächst nicht daran denke, an den Anleihemarkt heranzutreten. Der leichte Geld st and und die weitere Entlastung des Reichsbankstatutes blieben daher ohne Eindruck. Tagesgeld war zu 41/o bis 6 Proz. reichlich angeboten. Monats- geld 61/, bis Proz. Warenwechsel 7 bis 71/« Proz. Die Zahl der Terminpapiere wird nunmehr endgültig ab 1. März eine Erweiterung! um 17 Papiere erfahren, der der Reichsrat gestern seine Zustimmung erteilt hat. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 19. Febr. Tendenz: Schwächer. — Zn der lustlosen Börsenhaltung machten sich auch heute feine Anzeichen einer Besserung bemerkbar, vielmehr trat durch die neuerliche starke Abschwächung des französischen Frankens, der sich gegen London auf 136,50 stellte, eine erhebliche Verstimmung ein. Bei Eröffnung des offiziellen Verkehrs kam es zu neuen Abgaben, die sich auf alle Märkte erstreckten und Kursverluste von 1 bis 2 Prozent verursachten. Die von der Regierung beabsichtigten Maßnahmen zur Belebung und zum Ausbau der deutschen Wirtschaft blieben auf die Stimmung ohne jeden Einfluß. Die Rückgänge steigerten sich im weiteren Verlause noch infolge des lustlosen Geschäftes. Am Montanmarkt waren besonders Kaliwerte stark gedrückt (bis zu 3 Prozent). Bei den sonstigen Werten dieser Gruppe stellten sich Rückgänge bis 1 Prozent ein. Farbwerte gaben weiter 1 Proz. nach. Goldschmidt minus 2Proz. Auch Elektrowerte eröffneten in schwacher Haltung, Schlickert minus 2 Proz. Eine Ausnahme bideten hier Mainkraft, die um 3 Proz. gebessert lagen. Bankaktien hatten neue Kursabbröckelungen zu verzeichnen. Die Abschwächungen hielten sich bei diesem Gebiet allgemein in engen Grenzen, nur Reichsbankanteile fielen durch eine stärkere Abschwächung von 2 Proz. aus dem Rahmen. Von Schiffahrtswerten gaben Nordllohd 2,25 und Hapag 1 Proz. nach. Auto-Aktien waren leicht abgeschwächt. Daimler minus 0,7, Kleher minus 0,25. Von Zellstoft-Aktien hatten W.ckd- hos eine ftarfe Einbuße von 4 Proz. aufzuweisen. Deutsche Anleihen hatten nur geringes Geschäft und setzten die rückläufige Bewegung fort. Pfandbriefe lagen ziemlich unverändert. Von ausländischen Renten fanden Russen bei weiterhin anziehenden Kursen regeres Znteresse, während alle anderen Werte dieser Gruppe sich der schwächeren Tendenz anschlossen. Der Freiverkehr zeigte gehaltene Kurse. Api 0,4. Dek- kerstahl 46, Deckerkohle 60, Benz 39,5, Brown- Boveri 73, Growag 56, Hansabank 58, Krügers- Hall 91, Kabel Rheydt 105, Ufa 66, Afra 68,5 Prozent. 3m späteren Verlaufe wurde die Stimmung etwas freundlicher. Unter Schwankungen machten sich infolge von Rückkäufen der Sprfu- lation leichte Kursbesserungen bemerkbar. Wesentliche Besserungen waren damit jedoch nicht verbunden und die vorher eingetretenen Verluste formten nicht aufgeholt werden. Der Geldmarkt ist weiterhin sehr flüssig. Tagesgeld war zu 5 bis 5V3 Proz. reichlich angeboten. Monatsgeld 6 bis 8V2 Proz. je Adresse. Bankdiskonten 5Va Proz.. Znduftrieakzepte 63/t bis 7 Proz. Der Devisenverkehr stand im Zeichen des neuen starken Frankensturzes. Parf8 gab gegen London auf 136,50 nach, d. h. 14,5 Pf. für den Franken. Das englische Pfund liegt gegen Kabel unverändert fest mit 4,86V-. Börsenkurse. 109' 128' 122 122' 7 «.75 76,5' | 131- 1131.5' 68 126 103 41,75 129,5' 131' 79' 93' 40 25 84.4 99' 7,12 147,9 109' 128.5 128' 31 34 41 34.3 125 2' 68,25 88.75' 85,5* 109' 113 7 lli 149' 1U9' 129' 128,5' 5 5 104 42.5 43 25 93 96,25' 121,1’ 85 25 100 6 9 0,033 96,5' 83.5* 63.25 30,25 6 105 95' 82 5' 130 5* I 133 2' I 130' 132,2' 127' 71 54,5 , 76 I 92,12 i 96.75* 83' 86 83* 10')' 41,25 85 22 5 30 148* । 109.2* 129' 12 ,7* 62' 100* 40 84,25 20 ' 41 | 96.5 1 64 126,5' 70,25 74,5 122,7' 86.2 100,2' t ,9 0 033 88.25' 3,5 45.12 89 5' 89,5 IW 116 119 36 1 78.25 67,5 89.6 81' 85.5* 42.25 45' 87 25' 87,5' 107.5' 114.5 34 75 47.5* 7r),75' 77.9' 82,5 86.5* 43 45.4 89 4' 89 4* 109 7’ 116,5* 119,75 36 48.5 <7* 79 75* 85 5,62 1 106 i 42 5 44,25 । Berliner Handelsgesellschaft ■ Commerz- und Privat-Bunt Darmst. und Nalionalbant ■ Deutsche Bant. . Deutsche Bereinsbank .... Disconto Connnandit Metallbant Mitteldeutsche Creditbank. . Ccftertcfdiifdie Creditanstalt Westbant ....... Bochumer Guß ..... Buderus . ....... Caro ' »-Luxemburg irchener Bergwerte. . Öener Bergbau verte Aschersleben.... Kaliwert Westeregeln .... Laurahütte ...... Lberbedars Phönix B r^'oau ..... Rhetnstahl ■ ... o ..... Riebeck Montan ....... Tellus Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Paiet.. . Norddeutscher Llovd . . . . Cheramische Werse Albin . . Zementwerk Heidelberg .. . Philipp Holzmanu...... Anglo-Cont-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. ®. Farbcnindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütgerswcrke Scheideanstalt «llc,. ElettrtzitStS-Gesellschast Bergmann ......... Mamkrastwerke ....... Schuckert • • • . Siemens 4 Halste ...... Adlerwerte Kleyer ...... Daimler Motoren. ..... Hevlignrstaedi . .. Meguin Motorenwerte Mcmnbeim . Frankfurter Armaturen . . Konscroensabrit Braun . . . Metallgesell'chast Frankfurt. Del. Union A.-G. . . . . . Schuhfabrik Herz Sichel. . Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 48 | 77* .... 79' I 78,62* 86 - 78,5 67,25 Frankfurt a.M. Berlin Schlu,• 1 Kur» 1 idlt-c. Kur» Schluß. lAnfang Kur, 1 1'(- Datum: | 18 2. | 19. 18 2 19 2 5% Deutsche Reichsanlethe • '.4175 0.4 0,425 0.44 4% Deutsche Reichsanleihe . — 0.44 8Vg0/n Deutsche Reichsanleihe 0,412 — 0 4125 0,43 3% Deutsche Reichsanleibe - Deutsche Svarprämienanlethe 0.41 0 26 _ 0,65 0.27 0,63 4°/0 Preußische Konsols ■ . . ' .4125 — 0 42 — 4° 0 Hessen......... 0.4 — 0.1 — 3Vi°/o Hessen.......... 3°/o Hessen ........... — — 0.39 — 0 39 - Deutsche Werth. Dollar-Anl. 90,25 — 92 dto. Doll-Schatz-Anweisng.'i 99,05 — 99 4°/0 Zolltürken......... 11.1 11 5% Goldmerikaner ... . 42 40 75 — Deüisemnartt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 18 Febr. 19. Febr. Amtliche Noti rung Amtliche Notierung Meld Brief (peld «rief Amst.-Rou 168.11 168,63 168,09 168,51 Buen.-Atres t .720 1.24 1.711 1,715 Brfs-Antw 19.07 19,11 19 07 19,11 Christiania. Kopenhagen 87,67 87.89 87,71 87,93 108,54 108,93 108.68 108.96 Stockholm . 112,28 112,66 112,25 112,53 Heliingfors. 10,651 10,591 10.551 10,691 Italien. . 16.92 16,96 16.88 16H2 London. . 20.40 t 20,455 30,402 20,453 Neuyork . . 4,195 4,2'15 4.195 4,205 Paris. . . 15,28 15,32 14.96 15,00 Schwei; . . 80,78 60.98 80 87 80.97 Spanien. . 69,18 59,32 59.13 69,27 Japan .. . 1,943 1.947 1,932 1,93'i Rio de Jan. Wien in D-- 0.621 0,623 0 628 1.830 Öest- abgest 59,03 69,17 59,01 59,18 Prag .... 12.421 12,461 12.415 13.45a Äelgrad . . 7.38 7.40 7.89 7.41 Budapest. . Bulgarien 5,878 8,055 5,89 t 3,063 6,872 3,052 5,893 8.062 Lissabon 21,245 :1,295 20 24.> 20,295 81.10 Danzig. . . 80,90 81.10 80 90 Konst.nttn. 2,1 5 3.195 2,185 2,195 Athen. 5.99 6 01 6.04 6 06 Canada. . . 4.178 1,188 4,178 4,188 Uruguay . • 4.825 4,335 4,325 4.835 Berlin, 18 Febr Held Brief Amerikanische Note« . . . , Belgische Noten..... . . Dänische Noten . Englische Noten ....... Französische Note« ...... Holländische Noten ...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocstcrr. L100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten..... Schweizer Noten...... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . ... 1.188 19,00 108.88 20,865 15,86 167,68 16 92 87,50 68,91 112,02 80,68 58,85 12,39 5,84 4,203 19 10 108,93 20,465 15 44 168.53 17,00 87.94 59,21 112,58 81,08 59.15 12,45 5,88 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 19. Febr. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 26 bis 26,25; Roggen, inländischer, 17; Sommergerste für Brauzwecke 20 bis 22; Hafer, inländischer, 18,50 bis 21,50; Mais, gelb, 18,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 40 bis 40,50; Roggenmehl 25,25 bis 25,75; Weizenkleie 9,75; Roggenkleie 10 bis 10,25 Mk. Tendenz: stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 18. Febr. Wider Erwarten lauteten die Liverpooler Anfangsnotierungen heute fester, so daß die Verstimmung infolge des gestrigen Sinkens der Weltmarktpreise an der Berliner Produktenbörse etwas wich. Am Lokomarkt sand heute speziell Weizen eine ziemlich kräftige Stütze, die sich aber teilweise auch auf Roggen übertrug, da die ziemlich niedrige Preislage in diesen Artikeln das bereitstehende Material beträchtlich vermindert. Allerdings kann in beiden Getreidearten von einer nennenswerten Ausdehnung der Tlmsätze auch heute keine Rede fein. Gerste und Hafer behält in geringen Sorteni Angebot, doch besteht nur in besten Sorten Nachfrage. Mehl im großen nd ganzen ruhig, desgl. Futtermittel. Zm Lieferungsgeschäft erhielten die ersten Notierungen ein recht uneinheitliches Gepräge. Wahrend die Maisichten sowohl für Weizen als auch für Roggen unverändert lagen, stellte sich Märzweizen 1/2 Mark höher, dagegen Märzroggen auf Realisationen li/3 Mark niedriger. Es notierten per 1000 Kilo: Weizen, märf. 245 bis 248, do. pomm. 245 biS 243, do. März 261,50, do. Mai 268,50, Roggen, märf. 142 bis 147, do. pomm. 142 bis 146, do. März 161 bis 161,50, do. Mai 175 bis 174,50 bis 175, Gerste, märf. 166 bis 190, Futtergerste 137 bis 153, Hafer, märf. 154 bis 164, per 100 Kilo: Weizenmehl 32,25 bis 35,50, RoggenmehL»21,50 bis 23,50, Weizenkleine 10,50, Roggenkleie 9,20—9,40, Viktoriaerbsen 26 bis 33,50, kleine Speiseerbsen 23 bis 25, Futtererbsen 21 bis 23, Peluschken 20,50 bis 21,50, Ackerbvhnen 19,50 bis 20,50, Wicken 21,50 bis 23,50, Lupinen, blau 12 bis 13, do. gelb 14 bis 15, Serradelle 21 bis 22,50, Rapskuchen 14,20 bis 14,75, Leiickuchen 19 bis 20, Trockenschnitzel 8,10 bis 8,30, Kartoffelflocken 14 bis 14,30, Soyaschrot 18,70 bis 18,90. Bücherttsch. -- Zum 50. Geburtstag Wilhelm Schmidt- bonns veröffentlicht die „Schöne Literatur" (Herausgeber Will Vesper; Verlag: Ed. Ave- narius in Leipzig; Preis: vierfelj. nur 2 Mk.) eine Studie über den Dichter, die die Persönlichkeit dieses ausgesprochen deutschen Menschen eindringlich vor Augen führt. Zn dem gleichen Heft greift Alfred Brust die Llraufsührungssucht der deutschen Theater an. Anschließend folgen Buchbesprechungen, Neuigkeitsverzeichnisse, 3eit- schriftenschau, Äraufführungsberfchte und Mitteilungen. — „Die schone Frau", eine neue Berliner Monatsschrift, herausgegeben und geleitet von Robert Heymarm. Sehr abart und geschmackvoll ausgestattet, mit vielen, teilweise sehr hübschen Bildern, geschickt redigiert, witzig plaudernd, nicht nur auf TageSfragen der Mode und Körperkultur beschränkt, sondern mit offenbar auch literarischen Prätensionen, wie die belletristischen Beiträge erweisen, unter denen man etwa die Namen von Schaukal, Zungnickel, Dönsels, ©lei- chen-Rußwurm und A. T. Wegner findet. Cs entspricht ganz den Strömungen der Zeil, daß die bekannte Monatsschrift „Deutschlands Erneuerung" (Z. F. Lehmanns Verlag, München SW. 4, Preis vierteljährlich M. 3.60) sich nunmehr in verstärktem Maße, ras-- senkundlichen Fragen zuwendet, indem sie die neue Vierteljahrsschrift für deutsches Volkstum: Volk und Rasse ihren Heften einfügt. Zn dem soeben erschienenen Februarheft, das zum ersten Male „Volk und Rasse" enthält, macht uns zunächst Dr. Walter Scheidt (Hamburg) mit den Zielen und Aufgaben rassenkundlicher Forschung vertraut. — Museumsdirektor Prof. Dr. Lehmann (Altona) schildert dann an Hand zahlreicher Bilder die Bevölkerung Nordfrieslands, die sich von allen deutschen Stämmen ihre rassische Einheit am reinsten bewahrt hat. Trotzdem können auch hier verschiedene, wenn auch vorwiegend nordische Typen, festgestellt und ihre Einwanderung auf ®ritttt> geschichtlicher Tatsachen nach^wieftn werden. Don beW herumziehenden Händlern, Kesselflickern usw., den sog. „Zenischen Leuten", die sich ihre eigene Sprache gebildet haben und z. T. in geschlossenen Ansiedlungen wohnen, erzählt uns E. Wittich (Cannstatt). Eilhard Erich Pauls entwirft in seinem Aufsatz: Der richtige Berliner Anno 48 ein Bild der Psyche des damaligen Berliners und seiner Einstellung zur Revolution. Schließlich seht die Zeitschrift einen Preis von 300 Mark aus für die beste Arbeit über mittelalterliche Ansiedlungen fremder Kolonisten in Nordwestdeutschland. — D ie Alkoholfrage in der Religion, Studien und Reden, herausgegeben von D. E. Rolfss, Osnabrück und Pros. D. Hans Schmidt, Gießen. Heft 3. Professor D. vr. Hempel: Mystik und Alkoholekstase. Neuland Verlag, Hamburg 30. Eingesandt. (Für Form und Znhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Stadl und Anlennengebühr. Wenn ein Rundfunkempfänger mit seiner Antenne eine Straße überspannt, erhebt die Stadt von ihm eine jährliche Anerkennungsgebühr. Wenn ein Rundfunkempfänger den Garten seines Nachbars überspannt, erteilt dieser die Erlaubnis unent- geltlich. Warum ist die Stadt weniger entgegenkom. mend gegenüber ihren Bürgern in einer Sache, die sie doch nichts kostet? Jedenfalls würde die einmalige Erhebung einer Anerkennungsgebühr genügen. Damit, daß sich die Stadt den jederzeitigen Widerruf der Genehmigung oorbehält, und der Antennenbesitzer für alle etwaigen Schäden haftet, ist doch für alle Möglichkeiten vorgesorgt. F. Rundfunk-Programm deS Frankfurter SenderS. (Aus der „Radio-Umschau".) Samslag, 20. Februar: 3.30 bis 4 Ähr: Die Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Liederkranz (Liedervorträge, Frankfurter Schulen). 4.15 bis 5.45 Ahr: Konzert des Hausorchesters: Musik aus Dachs Zeit. 5.45 bis 6.15 Ahr: Die Lesestunde (für die reifere Zuaend): Aus dem Roman „Die Regulatoren in Arkansas" von Friedrich Gerstäcker. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Eine ungarische Bauernhochzeit", Vortrag von Eugen Lewin-Dorsch. 6.45 bis 7.15 Ufjr: »Die Wirtschaftstheorien vom Merkantilismus bis zur Gegenwart. IV: Der Sozialismus", Vortrag von Diplomhandelslehrer Erwin Beyer. 7.15 bis 7.45 Ufjr: Stunde des Südwestdeutschen Radio- Klubs: Spezialvorfrag. E. Decker: „Die Wahl der Röhren". 7.45 bis 8,15 ülhr: Stunde des Frankfurter Dundes für Volksbildung: „Die körperlichen Grundlagen der Vererbung", Vortrag von Dr. Ankel. 8.15 bis 9.15 Uhr: Zeitgenössische Musik. 9.15 bis 10.15 ilfjr: Orchester-Scherze. Anschließend bis 12 llbr: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.