Nr. 296 Erstes Ericheini täglich, außer Sonntags und Feiertags veilagrn Gtetzenei Familienblätter Heimat im Bild Dir Scholle n?onat$«F<$i^snels: 2 Reichsmark und 20 Retchspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern mfolge höherer ißcmalt Fern>prechan>chlüffe: 51, 54 und 112 Sn|d)rift f^r Drahtnachrichten: Af elger Eiehea. pokrfchickkonto: Sronffnrtam Kain 11686. Blatt 176. Jahrgang Samstag, 18. Dezember 1926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher, ns lur l mm tjöbe für Anzeiqen d».i 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Re» klamean zeigen von 70 m Breite 36 Reichspfennig, Platzvorfchrijt 20' . mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wiih Lange. Derantwortlich für Volitih Dr Fr Wilh Gange, für Feuilleton Di H Ihpnot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein, für bei An- Bma tmi> Berlog: vrühl'schc Untoerfttäts Bud». und LIeindruckcrei B. Sange in wehen. Sdjriftkitung und Sejchäslsttele: Siiulffrahe 7. Der Sturz der Reichsregierung. Das sozialdemokratische Mißtrauensvotum mit den Stimmen der Deutschnationalen angenommen. - Rücktritt des Reichskabinetts - Dr. Marx mit der Fortführung der Geschäfte beauftragt. Vie Weihnachtsbescherung. Das Kabinett Marx ist dem gemeinsamen 2In» sturm der Opposition von rechts und links erlegen, in offener Feldschlacht, die der Reichskanzler einem schwächlichen Rückzug mit Recht vorgczogen. Er hat Damit klare Verantwortungen geschaffen für die, die es anders haben wollten. Das nach dem Sturze Dr. Luchers gebildete Kabinett Marx trug, wie kaum ein anderes vor ihm, den Stempel der Verlegenheit auf der Stirn. Es konnte nur als ein Uebergang zu einer Regierung mit den Deutschnationalen oder mit den Sozialdemokraten gedacht sein. Beide großen Oppo- sitionsparteien hatten es in der Hand, der Regierung des Herrn Marx ein schnelles Ende zu bereiten. Wenn es nicht so eilig qe» f(paf), wie man anfangs annehmen durfte, so lag dies einmal an den divergierenden Tendenzen innerhalb der Koalitionsparteien, dann aber auch an dem damals nur sehr oberflächlichen Interesse der Sozialdemokraten, sich mit der Regierungsocrant- wortung zu beladen. In der Koalition war sich die Deutsche Dolkspartei wohl darüber im klaren, daß sie die in Aussicht stehenden Gesetze fultur- und wirtschaftspolitischer Art im Bunde mit der Sozialdemokratie nur unter größten Schwierigkeiten werde machen können, daß vielmehr starke Wahrscheinlichkeit bestehe, die Sozialdemokratie werde bei der ersten besten Gelegenheit ausbrechen, um Dann unter Dem billigen Vorwande, herausgeekelt zu sein, eine um so schärfere Opposition aufnehmen zu können. Einer Verbreiterung nach rechts wider- strebte akdererseits neben den Demokraten vor allem das <>ntrum, das sich mit den Deutschnationalen in einen recht fruchtlosen kulturpolitischen Streit ver- bisten hatte. Dazu kam noch Die Aktion Der Repudli- * konischen Union Des Herrn Wirth, in dessen Kreisen man am liebsten Die Auferstehung Der Weimarer Koalition gesehen hätte. So vergingen Die Sommermonate, und Die parlamentarische Arbeit begann wieher, ohne Daß man gewußt hätte, wie Der Regierung eine tragfähige Basis zu schaffen sei. Das Kabinett lebte von Der HanD in Den MunD, es war froh, wenn man ihm das Geben lic^. Einmal lieh man sich Die Hilfe Der Deutschnationalen, Das andere Mal wurden Die Sozialdemokraten heran- geholt. Doch Diese waren gewillt, bei günstiger Gelegenheit Die Rechnung zu präsentieren. Sie wollten in Zukunft allein Die Krücken für Die Minderheitsregierung stellen. Und als das von Der Volkspartei Durch Die Ostpreußenreden des Fraktions- tührers Scholz abgelchnt wurde, setzten sie Herrn Marx die Pistole auf die Brust. Sie gedachten sich nidjt mehr mit einer verschleierten großen Koalition zu begnügen, sondern wollten ihre Auf- nähme in die Regierung erzwingen. Das war ein Spiel mit offenen Karten, welches man gutheißen mußte, mochte man auch über die Lebensfähigkeit dieses Kabinetts der großen Koalition unter Den gegebenen Verhältnissen noch so pessimistisch denken, wie man wollte. Der Versuch konnte jedenfalls gemacht werden, es mußte sich Dann ja bald zeigen, wo die Sozialdemokraten hinaus wollten. Dem Reichskanzler war es Denn auch in mühseligen Verhandlungen mit Den Mittelparteien gelungen, ihre Bereitwilligkeit zu einem Bündnis mit Der Sozialdemokratie zu erlangen, und auch Die Deutsche Volkspariei stellte schweren Herzens ihre Bedenken gegen eine Regierungserweiterung nach links zurück. Am gleichen Abend, als Herr Marx mit Genugtuung auf diesen ersten Erfolg seiner Bemühungen zurücksa-auen konnte, holte die Sozialdemokratie zum Schlage aus. Sie verlangte nicht mehr und nicht minder als den bedingungslosen Rücktritt Des Reichskabinetts und Dann erst Neubildung Der Regierung, anDernsalls sie Durch ein Mißtrauensvotum Die Regierung stürzen werde. Sie sandte Herrn Marx die seidene Schnur und erwartete nun die Meldung vom vollzogenen Selbstmord der Regierung. Die Meldung blieb aus. Herr Marx empfand mit Recht das sozialdemokratische Ultimatum als persönliche Brüskierung und leitete die leider aus verschiedenen Gründen denkwürdige Reichstags- sitzung des Donnerstag mit der geharnischten (Erklärung ein, daß das Kabinett gar nicht Daran denke, freiwillig Das FelD zu räumen. Nun gingen Die Sozialdemokraten zum Angriff über. Die im Museum ehemaliger Parteigrößen schon arg verstaubte große Kanone, Herr Philipp Scheide- mann, wurde hervorgeholt, und seiner erprobten Geschicklichkeit gelang es, auch noch unter Den traurigen Resten des politischen Porzellanladens gründlich aufzuräumen. Was sich Herr ScheiDemann bei seiner Attacke gegen die Reichswehr an unverantwortlicher Hetze geleistet hat, steht bislang in Den Annalen des Reichstags wohl einzig da. „ScheiDemann sprach über Die Reichswehr mit einer ungeordneten, verwirrenden Masse von Einzelanklagen, mit der kalten, ätzenden Schärfe, Die man an diesem aufreizenden, niemals emporführenden Redner kennt . . . Herr ScheiDemann, Dem es nur auf Die aufreizcnDe Wirkung anfam — nur auf Den Beifall Der Galerie, nicht auf Politik — erörterte zum einen Teil längst zurück- (iegcnDe, Der Vergangenheit angehörcnDe und nur aus Den damaligen Zuständen und Strömungen zu verstehende Vorgänge in einer Breite und in einem Ton, als ob es sich dabei um unmittelbar aktuelle ©egcnroartsDinge handelte." So lautet Die Zensur Der Herrn ScheiDemann politisch nahestehenDen „Frankfurter Zeitung", und Dr. Wirth, Der eifrigste 'Verfechter Des B dnisses mit Den SozialDemokraten, nannte Diesen Tag mit Dieser sozial- Demokratischen ReDe einen schwarzen Tag in der Geschichte des deutschen Volkes. Auch Der Reichskanzler fanD erfreulich scharfe Worte der Entrüstung und dankte der Reichswehr für die stille und stlbstlose Arbeit im Dienste des Vaterlandes. Es wäre anzunehmcn gewesen, da-) die Regierung nach diesem Affront durch die Sozialdemokraten nun entschlossen die Fühlung nach rechts aufgenommen und die Deutschnationalen zum Eintritt in Die Regierungskoalition aufgefordert hätte, wozu sich diese in den letzten Monaten ja mehr als einmal bereit erklärt hatten. Das scheint nicht geschehen zu sein. Der Reichskanzler glaubte wohl/sich auch jetzt noch an sein den Sozialdemokraten gegebenes Versprechen halten zu müssen und hat es aus diesem Grunde offenbar abgelehnt, den Deutschnationalen für ihren zweiten Eintritt in Die Regierung die Garantien zu geben, die sie sich berechtigt glaubten, nach den früher grade mit Marx gemachten Erfahrungen fordern zu können. So konnten sich die Deutschnationalen nicht entschließen. durch Stimmenthaltung das sozialdemokratische Miß- tvauensvotum zum Scheitern zu bringen, weil sie fürchteten, später üm den Lohn für ihre Lebens- rettunq geprellt zu werden. Die Rieder läge des Kabinetts Marx war damit unausbleiblich. Die Sozialdemokraten haben ihr Ziel erreicht, vielleicht vollkommener erreicht, als sie es selbst gewollt haben. Ein politisches Kunststück war das nicht. Das beginnt nun erst, wo die Parteien vor Dem Scherbenhaufen beisammen stehen und nicht wissen, wie sie ihn wieder zusarnmenleimen sollen. Der demokratische Abgeordnete Dr. Haas hat die Situation richtig charakterisiert, als er g.Ttcrn tagte: „Die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion ist eine politische Unmöglich- feit. So kann man nicht arbeiten! Man soll eine Regierung erst dann stürzen, wenn man sich völlig klar Darüber ist, wie Die nächste aussehen soll. Wir kommen sonst allmählich dazu, daß die nächste Regierung immer noch schwächer ist, als die vorhergehende." Die Herren Scheidemann und Müller-Franken haben nun über die Weihnachtsferien hinreichend Zeit, zu Hause unter’m Sarmenbaum über die Folgen ihrer superklugen Taktik nachzudenken. Vielleicht bringt ihnen Der Weihnachtsmann ein Rezept für das Preisrätsel, wie man sich wieder zu- fammenfinbet, wenn einmal alle Türen mit lautem Krach zugeworfen sind. Vie Entscheidung im Reichstag. 03 er [in, 17. Dez. (VDZ.) Am Regierungstisch Dr. Külz. Die dritte Lesung des Rachtragshausyalts wird fortgesetzt. Verbunden Damit sind dieMih- trauensvoten der Sozialdemokraten und Kommunisten. Abg. Dr. Haas (Dem.): Die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion ist eine politische Unmöglichkeit. So kann man nicht arbeiten. Man soll eine Regierung erst dann stürzen, wenn man sich völlig klar darüber ist, wie die nächste aussehen soll. Wir kommen sonst allmählich dazu, daß Die nächste Regierung immer noch schwächer ist, als Die vorhergehende. Was die Reichswehr betrifft, so sollte man nicht dauernd in Der Vergangenheit herumwühl-en, sonDern für die Zukunft Besserung schassen. Viele Ausführungen Echeidemanns waren schmerzhaft und peinlich. Alles, wa» damals geschehen ist, wird gedeckt durch Die Rainen Ebert, Wirth und Rathenau. Jetzt wird klar, daß man Männer wie Rathenau damals schwer Unrecht getan hat. Die Reichswehr muh alle Beziehungen zu politischen Verbänden abbrechen. Als Politiker wäre es mir am liebsten, wenn es keinen „Stahlhelm" und keinen ..Werwolf" und auch kein Reichsbanner gäbe. Auch durch das Reichsbanner i.ürfe Die Reichswehr nicht politisiert w:rden. Wir wollen ein Heer, das nicht schon durch Die Art des Ersatzes einseitig auf den monarchischen Gedanken eingcftein ist. Die Reichswehr müsse zur Achtung vor dem Staate erpgen wer Len. Sie müsse sich innerlich auf die Republik entstellen. Der Redner schloß mit der Erklärung: Sine Regierung zu stürzen, kann vaterländische Pflicht sein, aber eine Regierung zu stürzen, ohne zu wissen, was nachher kommt, sei ein gefährliches Ziel. Abg. lHüüer-Jranfen (S03.) Scheidemann hat unsere Beschwerden vor- aetragen. weil eine Klärung in Der Reichswehr sofort erfolgen muh und weil wir annahmen, Daß alle Parteien bereit waren, sich mit uns Darüber zu einigen. Dr. Scholz hatte erklärt, ein Zusammengehen in Der Arbeitszeit irage mit Den SozialDemokraten sei unmöglich: die Angriffe aus Die Reichswehr seien unerträglich. Das war Der Anlaß zu unserem Vorgehen. Rur der kleinste Teil des Dem Reichskanzler übermittelten Materials ist von Scheidemann vo-getragen worden. Der Reichskanzler hat erklärt, ein Teil habe sich als unrichtig erwiesen. Der Beweis ist noch nicht erbracht. Unsere Behauptungen übet Rußland halten wir ausrecht. Außenpolitisch konnte Scheidemanns Rede nur nützen, Denn sie zeigt, daß wir mit une.träglichen Zu- fländen Schluß machen wollen. (Beifall bei Den Sozialdemokraten.) Das liegt gewiß im Sinne Der Politik St.esemanns. Erklärungen der Regierung, daß Beziehungen Der Reichswehr zu Den Selbst sckutzreebänD en verboten sind, genügen unö nicht. Wir verlangen als Sofort Programm, daß diese Verbote endlich Duechgesührt werden. Zu Gehler haben wir in dieser Beziehung kein Oki trauen mehr. Der Redner begründet dann das Verlangen seiner Fraktion, daß Die Regierung zu ücltrete. Wochenlang hake der Reichskanzler mit Den Sozialdemokraten verhandelt, bis Dr. Scholz ihn desavouiert habe. Deshalb hätten Die Sozialdemokraten kein Vertrauen mehr und glaubten, Die personellen und sachlichen Garantien für eine Neubildung Der Regierung durch Den Rücktritt der bisherigen schaffen zu müssen. Abg. Dr. Scholz (D. D.) weist den Vorwurf der Jllohrli ä‘. gegenüber den anderen Koalitionsparteien zurück. Die Deutsche Dolkspartei sei auf Grund der interfraktionellen Besprechungen weder nach links noch nach rechts gebunden gewesen. Wenn er. so erklärt der Redner, in Insterburg vor seinen Wählern seiner Skepsis bezüglich, der Großen Koa- litton Ausdruck gegeben habe, so sei das sein «gutes Recht, das er sich von niemandem im Reichstag bestreiten lasse. Im übrigen sei die Rede Echeidemanns ein Beweis dafür, daß er mit seiner Provhe-enrng recht gehabt habe. Abg. Dr. S ch wa r z - Der ii ('Inter Komm.) ergebt sich in heftigen Angriffen gegen Sozialdemokraten und Kommunisten. Jede bürgerliche Regierung müsse gestürzt werden. Die kommu- nistischc Parteizentrale habe eine heimliche Koalition mit Der Cuno-Regierung geschlossen. D e Arbeiter und Kleinrentner, um deren Gunst jetzt Höllein buhlt, werden erstaunt darüber fein, daß fie so verraten wurden. (Unter großer Heiterkeit stürzt Abg. Ho klein nach vorn zur Rednertribüne und ruft dem Redner zu: Dickes Schwein!) Abg. Schölern (Linker Komm.) gibt unter allgemeiner He'ter kett de Erklärung ab, daß die andern Mitg i der Der komm mistischen Opposition de Ausführungen des Vorredners ablehnen. Abg. Erkelenz (Dm.) stellt gegenüber dem Abgeordneten Dr. Scholz fest, daß die Abrede des Reichskanzlers mit den Sozialdemokraten vom Zentrum und Den Demokraten gebilligt wurde, daß allerdings Dr. Scholz Widerspruch erhoben habe. Abg. Gras Westarp (Dn.) erklärt, daß Die Deutschnationalen gegen das Mißtrauensvotum, das sich gegen Gehler richtet, stimmen werden. Bei Dem allgemeinen Mißtrauensvotum handle es sich um etwas anderes. Die letzte Zeit habe klar Den Beweis erbracht, daß eine Regierung Der Mitte, die ihre Politik aus wechselnde Mehrheiten zu stützen sucht, nickt möglich ist. Der Versuch, die fehlende S'ühe durch einseitige Verhandlungen mit der Sozialdemokratie zu finden, sei end- güllig gescheitert. 3in Jnle'.clle des Landes sei es aus außen- und innenpolitischen Gründen unbedingt erforderlich, daß endlich eine ft a b i ( e Regierung mit klaren Mehrheitsrerhäitnii'en geschaffen wird. Aus den Besprechungen haben wir nicht Die Gewähr entnehmen können, Daß der Da-u erforderliche Entschluß nunmehr von Der Regierung gefaßt werden wird. Es handelt sich Daher jetzt um Die Herbe iführ ung Der notmenDigen Klarheit, nicht um eine Stellungnahme zu Der Regierungsrolitik Der Vergangenheit unD Der Zukunft Die Deutschnationale Fraktion werde daher dem gegen das GMamJabinett fcridjte.en Mißtrauensvotum zu- Kimmen.— Cs folgen die Abstimmungen. Zuerst wird über das sozialdemokratische Mißtrauensvotum gegen das Gesamtkabinett abgcstimmt. Dagegen stimmt mit Den Regierungsvar eien nur Die W.rtscha't iche Vereinigung. Das Mißtrauensvotum wurde mit 219 gegen 171 S immen angenommen. D e treueren Mißtrauen santräge sind Damit erledigt. Die Minister verlasen Darauf Den Sitzungssaal. Der Reichstag vertagt sich Dann bis zum 19. Januar. Der VräsiDent entläßt Das Haus mit Den besten Weihnachtswünschen. Eine Erklärung der Deutschen Dolkspartei. Berlin, 17. Dez. (WB.) Die Nationalliberale Korrespondenz, das parteiamtliche Organ der Deutschen Dolkspartei, schreibt zum Sturz des Kabinetts Marx u. a.: Die Minderheitsregierung ist gefallen, nicht, weil ihre politische Leistung versagt hätte, sondern, weil die Parteien rechts und links sich in dem Drange, zur Macht ;u gelangen, zu ihrem Sturze zusammenfanden. Die Deutschnationalen hatten die Gewißheit, daß die Deutsche Dolkspartei für eine Erweiterung der Regierung nach rechts eintreten würde, wenn die Partei des Grasen Westarp zur Abwehr der sozialdemokratischen Angriffe bcigetragcn hätte. Auch der R e i ch s t a n 3 l e r hatte den Deutfd.natio- nalen erklärt, daß ein Kabinett der Großen Koalition jetzt nicht in Frage kommen könne. Trotzdem hat die Deutschnolionale Volks- Partei den Weg der äußersten Opposition beschritten ohne Rücksicht auf die inner- und außenpolitischen Folgen. Die Deutsche Dolkspartei, die in jedem Stadium der Derhandlungen das Ziel der Schaffung einer tragfähigen Regierung im Auge behalten hat, lehnt jede Beranttoortung für diese Krise ab. Die Demission öes Kabinetts Marx angenommen. Informatorische Besprechungen beim Reichspräsidenten. Berlin, 17. Dez. (Wolff.) Amtlich. Aus Grund der heutigen Abstimmung des Reiche tags beschloß das ReichLkabinett, dem Herrn Reichspräsidenten noch heule seine Demission zu Überreifen und beauftragte den Herrn Reichskanzler, dem Herrn Reichspräsidenten die Ruck- triftserflärung zu überbringen. Der Herr Reichs- Präsident nahm die Rücktrittcerklärung entgegen. Er d a n k I e dem Reichskanzler für seine und der Reichcminstler bisherige Arbeit und beauftragte den Reichskanzler und die Mitglieder der Reichsregierung mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte. Der Reichckan-lcr erklärte sich namens des Kabinetts hierzu bereit Rach Informationen des „Berliner cokalanzei- gers" beabsichtigt der Reichspräsident, zunächst einige informatorische Besprechungen zu führen. Zu diesem Zweck sei für heute vormittag der Führer der volksparteilichen JraF.'ion, 2lbg. Scholz, zum Reichspräsidenten berufen. Es fei damit zu rechnen, daß dann auch die Abgeordneten Graf Westarp und Hermann Müller und vielleicht auch noch andere Parlamentarier vom Reichspräsidenten empfangen werden. Es werde sich jedoch dabei voraussichtlich lediglich um 0 r l c n t i c - rendc Unterredungen handeln, denn die Betrau- ung eines für die Kabinettsbildung in Betracht körnenden Politikers bzw. Parlamentariers sei für bie nächsten läge noch nicht in Aussicht genommen. Das Urteil der Presse. Berlin, 18. Dez. (TU.) Die Bnckiner Morgenblätter nehmen zum Stanz Der Regi.ru>, g ausführlich Stellung, wobei Die Abwägungen über Die Schuld an Der Krise einen bre.ten Raum cmnehmen. Rach Der „D. A Z." ist Die Schuld in Dem System selbst zu suchen, dis eine Mehrheitsbildung mit so unendlichen Schwierigkeiten belastet, mit Schwierigkeiten, denen Die Führer unseres heutigen Parlamentarismus lieber mit Der Methode der wechselnden Mehrheiten zu entgehen trachteten. In Den Händen der Deutschnationalen habe Die Möglichkeit gelegen. Der Regierung das Leben zu retten. Gerade eine Partei, d c gegenüber demJd.ologen- tum Des Parlamentarismus dem Realitäten gerecht werden wolle, hätte bedenken sollen, daß Die Gewalt Der Tatsachen stärker sei als papierne Bindungen, und wenn die Unterschriften noch so kreditwürdig seien. — De „T ä g l. R u n d schau" schreibt: Die negative Taktik Der Deutschnationalen hätte Die Bemühungen der deutschen Volks- Partei um eine Rettung des Kabinetts Marr ebenso unwirksam gemacht, wie das Verhalten des Reichskanzlers und des Zentrums. Die Deutsche Dolkspartei habe auf diese Weise ihre volle Handlungsfreiheit für De kommenden Verhandlungen wi:d rgewonnen. D:i den gegenwärtigen politischen Derhältn ssen ist esgtnz unmöglich, cir.e Reg rrung unter Umgehung der Mitte zu bilden. Deshalb ist auch Der Gedanke Der Weimarer Koalition überhaupt nicht diskutierbar. In Der „Germania" heißt es. Das Cnd- re'ultat wäre allo vieles: Beide Flügelparteien haben gefünDigt und parteipolit sche Bedenken über staa sppl t sche Gesichtspunkte gestellt. Daraus ergeben sich für Das Zentrum bestimmte Richtlinien. Es ist in seinen Entschlüssen völlig frei, nach keiner Seile hin gebunden und kann fÄne Entschließungen in voller Unabhängigkeit fas en. Rach dem Urteil des „Derl. Tageblatts" habe eine Reihe von Fehlern und Torheiten, beginnend mit der volksparteilichen Rede in Insterburg, vermehrt durch die Resolutton Der So ialdemolratie, Die große Koal tion in dem Augenblick vereitelt, in dem alle Beteiligten über ihre Ro.wenDigkc'.t einig getre en le em Cs bleibe nur ein Ausweg, der nicht zum ersten Male in Krisenzeilen gesucht würde: die Wiederherstellung derselben Koalition mit anderen Personen und mit Dem Ziel, Die Große Koalition später zu bilden. — D'e „V 0 f f. 31 g.“ beklagt sich über das Verhalten des Reichstages, Der auf fünf Wochen in die Serien ginge, nachdem er Die Reg erung gestürzt habe, ein Vorgehen, das kaum in einem anderen parlamenta.i'ch regierten Lande möglich wäre, wo aus einem Sturz der Regierung Dem Parlament dis Verpflichtung erwachsen würde, erst recht zusammenzubleiben. bis eine Lösung der Krise erreicht sei. Die deutschnationale „Kreuz z e i t u n g" sagt, es sei bei derjenigen Mittelpartei, die den S chl ü f f e l zu einer Lösung der Krise in der Hand hielt, nicht der gering st e Wille zum Ausd-uck gcfommen, die einzig gegebenen Äca;c-» q uenzen aus der vorliegenden Situation zu zieh en. Die Minderheitsregierung sei infolge dieses Versagens der Entschlußkraft des Zentrums nicht mehr zu halten gewesen. Alle Parteien, die in der Reichswehr das Rückgrat des Staates sehen, mühten sich klar darüber fein, dah sie nur im Kampf gegen die Sozialdemokratie zu retten sei. — Die „Deutsche Tageszeitung" meint, die durch die Deutschnationalen her^eführte Klärung habe zur Folge, dah die durch die Zentrumshaltung heraufgeführte Erstarrung der Situation gelöst und praktisch die Dinge in Fluh gebracht wordcn seien, dah an die Stelle der Ratlosigkeit des Reichskanz- lerS 5>r Marx nunmehr die Willens- und Aktionsfreiheit des Reichspräsidenten von Hindenburg träte. — Der „T ag“ glaubt, Sie Regierungsbildung werde im ganzen, wenn sie nach Weihnachten offiziell beginne, ein außer- ordentlich schweres Geschäft werden, bei dem die letzte Lösung — nämlich die Auflösung des Reichstages — nicht ganz ausgeschlossen sei, obwohl ihr der Reichspräsident vorläufig widerspreche. — Ter „Vorwärts" meint, aus dem Schicksal der Regierung Marx dürfe man nicht schlichen, daß Minderheitsregierungen schlechthin unmöglich feien. Liese Minderheitsregierung habe immerhin Neben Monate regiert und sie hätte Jahre regieren können, wenn ein gemeinsamer Wille und eine fefte Führung da gewesen wären. Daran habe es gefehlt. Lae sozialdemolratifche Partei habe durch ihr Der- halten in den letzten Tagen gezeigt, dah sie Opposition machen könne und dah ihre Opposition wirksam sei. Datz sei eine nützliche Lehre für die Zukunft. Die Große Koalition werde merkwürdigerweise auch von der^ demokratischen Presse zur Zeit für unmöglich erklärt. Die Sozial- demolratie sei auch heute noch genau dieselbe, die sie gestern und vorgestern war, an ihrer politischen Richtung habe sich nichts geändert. Sie fei nach wie vor bereit, an einen* Regierung mitzuwirtcn, in der sie für den Schuh der Republik und für öle arbeitenden Massen deS Volkes etwas erreichen könne. Die Bayerische Dolkspartei^KorresPondenz schreibt zum Sturz ter Regierung Marx, die Deutschnationalen hätten es in der Hand gehabt, Las Kabinett Marx zu retten und das Reich vor einer Regierungskrise zu bewahren, zu deren Lösung der gegenwärtige Reichstag nicht fähig sein werke. Es sei zu befurchten, dah dieser Klärungsversuch ein Durcheinander heraufbeschwören werde, wie es größer noch nie im Reichstage geherrscht habe. So sehe Las Weihnachtsgeschenk aus, das die beiden größten Parteien des Reichstages dem deutschen Volke böten. Die Große Koalition sei durch die unglaubliche Rede Scheidentanns für diesen Reichstag endgültig unmöglich geworden. Richt nur für die bayerische und die deutsche Volkspartei, sondern auch für das Zentrum muffe nach dem Verhalten der Sozialdemckcalen der Gedanke der Großen Koalition erledigt fein. Der Prozeß Rouzier. Die Germersheimer Bluttaten vor Gericht. Landau, 17. Drz. (Wolff.) Pünktlich um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende Oberstleutnant . G i l l i e r mit dem bei den französischen Kriegsgerichten üblichen theatralischen Zeremoniell den Prozeß Rouzier. Ein Vlick in den Saal zeigt 'die über einer Flügeltür aus einem Sockel stehende Vüste der Vavaria mit einer 1 Schärpe in französischen Farben. y Rach Verlesung des Cröffnungsdeschlusses werden der Hauptangeklagte Leutnant Rouzier in Uniform und die noch in Haft befindlichen deutschen Angeklagten Fechter und Kegel vor- gesührt und ihre Personakien ausgenommen. Die Ange-kagten Arbogast und K ö b l e r. die vor den inqinfitorifchen Ur.tersuchungsmethoden der franzoiifchen Voruntersuchung in das rechts- rheinische Gebiet geflüchtet waren, sind nicht zur Derhand.'ung erschienen. H o l z m a n n ist aus freiem Fuß. Mathes befindet sich immer noch in der Heidelberger Klin.k. Gegen ihn wird im Abwefenhcitsversahren verhandelt. Die Anklage legt Unterleutnant Rouzier vorsätzliche Tötung und vorsätzliche Körperverletzung zur Last. Bei dem ersten Zusammenstoß in dec Rächt zum 27. September am Lud- wigstor in Germersheim mit Holzmann habe sich Rouzier nicht in Rotwehr befunden. Auch bei der Verwundung des Mathes könne er sich nicht Qiif, Rotwehr berufen. DaS, was Rouzier verursacht habe, stehe in offenkundigem Mißverhältnis zu dem, was ihm öurd) Holzmann, Mathes und Müller zugefügt worden sei. Dia Rachmitlagss'.tznng wurde durch den Son- dernheimer Zwischenfall a:sgesüllt, der mit öcr Person des Ha. ptai.a tagten Rouzier gar nichts zu tun hat, dagegen die Person des micangcklag- ten Joses Mathes als streitsüchtigen Barschen und Frarzosenhasser charakterisieren sollte. Wie bekannt, kam es bei der Sondembeimer Kirchwe h in einer Wirtschaft zu einem Zwischenfall zwischen einigen Franzosen und mehreren Deutschen, da die Franzosen sich weigerten, das Tanz- arld zu bezahlen. Rach der Anklage soll nun der Deutsche Kegel an dieser Schlägerei beteiligt gewesen fein. Kegel bestreitet Vies. Kegel hat eine außerordentliche Ähnlichkeit mit W.lh.lm Albert, so daß allem Anschein nach eine Verwechselung fror liegt. Dies kam im Laufe der Verhandlung deutlich zum Ausdruck, als den französischen Zeugen, die in Kegel den Angreifer nicht bestimmt erkennen konnten, ein Lichtbild deS W.lhelm Albert — die beglaubigte Reichsbannerkarte — vorgehalten wurde. Dir französischen Zeugen erkannten in dem Dargestelltrn zum Teil den unschuldigen Kegel. Vai der Vernehmung mußte man den Eindruck gewinnen, daß es dem Anklagevmckreter darum zu tun war, fär die begi.tuenden Verhandlungen gegen Rouzier eine gttv.ssa Stimmung zu schäften, indem er zngen will, daß die „rauflustigen Burschen" von Germersheim und die „Bande Mathes" selbst die Saat zu der Bluttat des Rouziers gelegt hätten. Die Weihnachtsbeihilfe für die Erwerbslosen. Berlin, 17. Dy. (WTD.) Amtlich. Der Reichstag hat 25 Millionen Reichsmark zur Gewährung einer einmaligen Brchilfe an Erwerbslose, die bereits über 26 Wochen unterstützt worden sind, sowie an Invaliden und Kleinrentner bewilligt. D.e genannt:» Erwerbslosen erhalten einen Betrag in Hohe einer halben Wocheaurrterstüßung. 3n der Invalidenversicherung wird aus jede Invaliden-, Witwer - und Witwenrente eine Beihilfe' von je 6 Mk.. auf jede Waisenrente eine solche von je 3 Mk. gewährt. Kleinrentner erhalten einen Betrag von einem I Drittel der Monatsunttrstützung. jedoch erhalten Atleinstehende mindestens 10 Mk.. Ehepaare erhalten mindestens 15 Mk. und Bezieher von Waisenrenten mindestens 7,50 Mr. Es sind alle Vorbereitungen getroffen, um di B:ih lfen m ö g » lich st schnell arszuzählen. ch.ir di: Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen wird die Rot- maßnghme in ähnlicher Weise wie im Vorjahre durchgesührt Werdern Um die Wirtschaftshilfe für die hessischen Beamten. Darmsladk, 17. Dq. (Eigene Meldung.) Der Finanzausschuß des hessischen Landtags trat Freitag vormittag zusammen, um über die Gewährung einer einmaligen Winterbeihilse für die hessischen Beamten und Staatsarbeiter }u beraten. Bon sozialdemokratischer Seite lag ein_ Antrag vor, eine Dinterbeihilfe, entsprechend den Sahen des Reichs, nur für die (67 Haltsgruppen 1 bis 6 zu gewähren. Dies . Antrag wurde a b„g e - lehnt. Sodann wurde ein Antrag D i n g e l 0 e y beraten, der dahin geht, daß die Dinlerbeihilfe, entsprechend den Sahen des Reiches, den Gehaltsgruppen 1 bis 12 gewährt wird. Auch dieser Antrag wurde abgelehvt. Ls stimmten für ihn die bürgerlichen Parteien von bett Deutschnationalen bis zu den Demokraten. Rach Artikel 46 der Ber- faffung ist zu eine n gültigen Beschlüsse des Finanzausschusses eine Dreiviertelmehrheit der Stimmen der anwesenden Mitglieder notwendig: da beide Anträge sie nicht erreicht haben, so liegt jetzt die Entscheidung beim Landtag. Der Präsident hat das Plenum des Landtags auf Dienstag, den 21. Dezember, 10 Uhr, einberufen. Der Umsturz in Litauen. Reaktion gegen den Vertrag mit Rußland. Wie wir schon in einem Teil der gestrigen Ausgabe melden tonnten, ist nach Berichten aus Memel die litauische Regierung gestürzt und in Kowno die Militärdiktatur errichtet worden. Rach privaten Informationen ist der Umsturz in Litauen feit langem vorbereitet woc- ten, insbesondere in Geheimberatungen, die zwischen Offizieren, die mit den gegenwärtigen Zuständen unzufrieden waren, und Vertretern des Schühenkorps sowie des Verbandes der Kriegsfreiwilligen stattgefunden haben. Freitagmorgen um 3 Uhr erschienen vor dem Parla.inen.ts- gebäude, in dem der Litauische Canbtag gerade eine Rachtsitzung abhielt, Truppenverbände; ein Offizier betrat in Begleitung mehrerer Soldaten den Sitzungssaal und verkündete von der Rednertribüne, die Armee habe die Beseitigung des bestehenden Regimes be- schlos^n, das Litauen an die Bolschewisten ausliefern wolle. Die Armee nehme Besitz von der Staatsgewalt, erlläre den Landtag für aufgelöst und das Landtagspräsidium für verhaftet. Leiter des Umsturzes war Major Plechavicius. der erst kürzlich von der Prager Militärakademie nach Litauen zurückgekehrt ist und faszistischen Kreisen angehört. Plechav.cius, der mit Sme- tona verwandt ist, hat offiziell die Leitung des Generalstabes übernommen und sofort die Freilassung des jüngst verhafteten Faszisten- sührers Grigoliunas Glovackis angeordnet. Der bishe.ige S.art^präsident G r i n i u s wurde im Schloß interniert Rach einer Meldung des „D. T." aus Königsberg ist die Grenze bei Eydttuhnen gesperrt worden. Während ganz Kowno sich in der Hani) des Militärs der neuen Regierung befindet, ist der Grüneöerg von einem der Regierung treugeblieöenen Regiment beseht. Rach einer Meldung der „D.A.Z." soll ein Teil der Truppen, der zur alten Regierung stehe, nicht nur Grünenberg, — nicht Grandberg — sondern auch die st ä r k st e n Forts, die die Stadt umgeben, besetzt halten. Die aus acht Regimentern bestehenden regierungstreuen Truppen sollen den Aufständischen ein Ultimatum gesandt haben, in dem sie die Hefoergabc der Stadtbis 6 Uhr abends gefordert hätten. Rach Informationen, die die litauische Gesandtschaft in Berlin in später Abendstunde aus Kowno erhalten hat, bewahrheiten sich die Gerüchte von Straßenkämpfen nicht. Die Regierung Smetona sas e festen Fuß. Der Direktor der politischen Abteilung im litauischen Ministerium des Äeußern D a l u t i s hat interimistisch die Leitung der auswärtigen Angel, genheilen über- nommen. Zugleich wird kategorisch erXirt, daß die neue Regierung alles vermeiden werde, was zu einem Konflikt mit Polen Anlaß geben würde. Smetona gilt als Deutschenfreund, der eine Anlehnung an Deutschland wünscht, dagegen den Vertrag mit Rußland scharf bekämpfte un) hierin auch die Unterstützung der meisten Parteien fand. Rur so ist es zu erklären, daß die Regierung ihre Aemter zur Verfügung stellen mußte. Dar Umsturz in Litauen dürfte nicht ohne außenpolitische Folgen bleiben, einmal im Hinblick auf Rußland, dann aber auch in bezug auf Polen. Besonders Warschau wird den Augenblick für gekommen halten, um feine litauischen Pläne durchzuführen, wobei aber in Rechnung gesetzt werden muh, daß auch Moskau noch ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Der Eindruck bei den Nachbarn. Riga, 17. Dez. (2-11.) Der Umsturz in Litauen hat hier wie auch in Reval und Moskau großes Ansehen erregt. In Riga und Reval rechnet man jetzt mit einer Verdes erung der Beziehungen zwischen Li auen und den baltischen Staaten, die in der letz.en Zeit stark getrübt waren. Rach Me.dungen aus Moskau nimmt man dort an, daß sich die litauische Um- sturzberegung in erster Linie gegen Rußland richtet. Die Verhnnd.üngen zwischen beiden Staaten sind unterbrochen worden. Der Führer der litauischen Delegation wird demnächst nach Kowno zurückreifen. Die Rach richt von dem Staatsstreich ist im Memelgebiet ohne besondere Erregung aufgenommen worden. Wie verlautet, steht auch das Militär im Memelgebiet auf feiten der neuen Regierung. Der Gouverneur des Mrmelgebietes, der Präsident des Direktoriums und der Präsident des Landtages weilen in Kowno, wo sie an der Feier des 60. Geburtstages des Staatspräsidenten Grinius terlnehmen wollten. Mussolmis Außenpolitik „Friedlich, aber nicht pazifistisch". Rom, 17. Drz. (WB.) OHuifoLini erklärte dem römischen Vertreter der As.ociated Preß in em em In.erview u. a.: Eine französisch- italienische Vereinbarung sei eine der grundlegenden Rotwendigkeite.i der europäischen Entwicklung. Sein Leitmotiv fei die Rotwendig- keic, Italiens dringendstes Bedürfnis nach moralischer, ge.stiger und physischer Expansion durch eine friedliche, wenn auch nicht pazifistische Politik zu besriedigen, die durchaus nicht unvereinbar mit Freundschaft und Zusammenarbeit mit anderen Rationen sei. Tatsächlich wünsche Italien eine Zusammenarbeit, besonders mit Frankreich und Großbritannien.Mussolini erklärte weiter noch, Italiens koloniale Wünsche bedeuteten nicht, daß Italien bereit sei, der ersten besten Ration an die Kehle zu fahren, um ihr eine Kolonie wegzunehmen. Die italienische Derfafsungsreform. Em korporatives Parlament. Rom, 17. Dez. (WB.) Die „T.ibuna" glaubt, daß die Kammer, die morgen in die Ferien gehen wird, bereits im Januar oder Februar wieder gufammentreten wird, um die Etats zu beraten. Das Blatt deutel an, daß die Sitzung des Faszistischen Großen Dates, die in den ersten Tagen des Januar stattsinden wird, sich mit der Frage der Umwandlung der Abgeordnetenkammer in eine Korporative Kammer beschäftigen werde. Die „Tribuna" erinnert in diesem Zusammenhang an Worte Mussolinis, die dieser jüngst einem Vertreter eines südamerilanischen Blattes gegenüber gesprochen hat: Unser Ziel ist ein Korporativ- Staat. Cs ist absurd, daß ein Mann, bloß, well er 21 Jahre alt ist, das Recht zur Abstimmung über Staatsgeschäfte haben soll. An der Leitung und Verwaltung des Staates sollten nur diejenigen teilnehmen, die Arbeiten produzieren und irgendwie den Staat durch ihre Arbeit fördern. Wir wollen, so fügte Mussolini hinzu, eine korporative Sammet ohne Opposition haben. Mißhandlungen Deutscher in Ostoberschlesien. Deu the n, 17. Dez. (WB.) Rach einet Meldung aus Kattowitz kam es am späten Abend des Mittwochs in Siemianvwitz auf dem Platz vor dem Bahnhofe zu Ausschreitungen einer Bande von etwa 20 Mann, die teilweise Insurgentenuniform trugen. g:gen mehrere aus Deuthen kommende Reisende, u. a. dem Hütteninspektor Schweig«! und feinen Familienangehörigen. Als fein löjährigrr Sohn, ber eine deutsche Schülermütze trug, die Sperre überschritten hatte, wurde ihm von der Bande fein Stock, auf den er sich einer Fußverletzung wegen beim Gehen stützte, fortgerissen, und er wurde verprügelt. Als Schweigel seinem Sohne zu Hilfe kommen wollte, fielen die Angreifer auch über ihn her und mißhandelten ihn ebenso, wie seine beiden Töchter, als diese ihren Vater gegen Schläge schützm wollten. Schweigel wurde ins Krankenhaus gebracht, wo der Arzt Rippenbrüche und Verletzungen der Lunge feststellte. Aus aller Welt. Der keiner Sprilschieberprozeh. In dem Prozeß gegen die Kölner Sprit» schieber, die beschuldigt waren, 186 Fässer mit je 400 Litern holländischen Sprit im Kölner Zollschuppen gegen gleichartige Fässer mit gewöhnlichem zollfreien Spiritus vertauscht zu haben, wurden die vier Speditionsangestellten und der Zollassiftent freigesprochen. Die übrigen Angeklagten, Kaufleute aus Düsseldorf und Köln, wurden zu Geldstrafen von insgesamt 3 300 000 Mark verurteilt. Die beiden Haupt- artgeflagten außerdem zu mehrmonatigen Gefängnis strafen. Ein dreifacher Mörder zum Tode oeruddlt Das Schweriner Schwurgericht verurteilte heute den Schnitter Anton R a r l 0 ch wegen dreifachen Mordes zum Tode. Der Angeklagte hatte im Frühjahr feine Geliebte, deren dreijährige Tochter unb feine eigene uneheliche Tochter in einem Wasserloch bei Doitzenburg ertran ft. Totschlag eines Arbeitskollegen. Auf der August-Thnssen-Hütte in Hamborn schlug der Schmied Wilhelm H e i e r einen Arbeits- follegen mit einem Hammer so wuchtig aegenden Unterleib, daß dieser bewußtlos zusammenbrach und in der vergangenen Nacht seinen schweren Verletzungen erlag/Der Tater ist flüchtig. Springflut auf Madeira. Rach Meldungen aus Funchal wurde die Insel Madeira von einer Springflut hrimge'ucht, die großen Schaden anrichtete. Die Flut zerstörte die Kaimauern und überschwemmte weite Gebiete. Die Funkstation ist vernichtet worden. Mehrere Personen wurden getötet. 6reu;sahrerbefestigungen bei Ascalon zerstört. Rach Meldungen aus Jerusalem haben heftige Stürme die berühmten Wälle der Kreuzfahrer an der Küste bei Ascalon stark beschädigt. Die von König Richard Löwenherz errichtete und heldenhaft verteidigte Mauer ist gänzlich zerstört worden. Wettervoraussage. Bedeckt bis wollig, Temperaturen wieder fallend, noch vereinzelt Niederschlage (Schnee). Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 5,4 Gr. Celsius, Minimum: 1 9 Grad Celsius. Niederschläge: 8,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 1,5 Gr. Celsius. Aus der Provinzlalhauptstadt. Gießen, den 18. Dezember 1926, ] Vorrveihnachtsfreude. Vor Weihnachten möchte ich nicht auf dem Lande wohnen. Da isl's in der -stabt am allerschönsten. Wer da mit offenen Augen durch die Straßen geht, dem sind sie ein wundervolles Bilderbuch, voller künstlerischer, rührender und drolliger Bilder. Die Schaufenster sind «in Genuß! In den großen Modegeschäf« ten sind die schönsten, ja erlesensten Stücke ausgestellt: Toiletten wie aus einem Feenmärchen. hauchzart, silber- und goldglänzend. In den Kunstläden Bilder, Prachtwerke, die neuesten Romane und Er- Zeugnisse der Wisienschaft: in den Juwelierläden funkelt's und glitzert's, in anderen Schaufenstern stehen geschnitzte Möbel auf echten Teppichen, und vor den großen Delikatesiengeschäften darf man sich vor Tische nicht an das Schaufenster stellen, da überfallen einen neiderfüllte, sybaritische Gelüste. All diese Herrlichkeiten bewundert man mit Freude. Sonst ärgert man sich, wenn man bei einem Schaufensterbummel von den lieben Mitmenschen angestoßen wird, — jetzt lächle ich vergnügt, wenn ein Schaukelpferdkopf mir in den Rücken gebohrt wird, oder ein mit Paketen, Rodelschlitten und Messinggardinenstangen beladener Vater mir mit letzteren mein Paket vom Arme stößt (es waren zum Glück nur Stutzen für meinen Jungen drin). Elegante Herren mit auf Taille gearbeiteten Mänteln tragen ohne Erröten die größten Pakete, ein biederer Landinann in Stulpenstiefeln nimmt ritter- lich Muttern den Puppenwagen ab. der in herrlicher Pracht durch das halbabgerissene Papier-^uckt. Kinderstühlchen und Oeldruckbilder, Schneeschuhe und Hutkartons werden neben nicht zu erforschenden Paketen geschleppt, daneben Hafen an den Läufen und Gänse an den Köpfen in schöner Offenheit. Die Kinder stehen noch mehr im Wege als sonst, und auf den Fahrdämmen wogt es auf und ab, Autos, Wagen mit Kisten und Stückgütern, Motor- und Fahrräder, kleine Handwagen und uroäterische Planwagen mit halbrunden Verdecken. E» riecht in den meisten Häusern nach Tannenbäumen uni) Kuchenbacken, und die Menschen machen wichtige und frohe Gesichter. Und aus allen Straßen und Ecken kommen frohgestimmte Menschen, denen man den größten Wunsch dieser Tage vom Gesicht ablesen kann: Fröhliche Weihnachten! Eva von Massow. Ein Nachklang zur Robert-Blum-Linde. Im Nachlaß meiner Mutter, Emilie 91 0 a cf aus Bessungen bei Darmstadt, fand sich folgendes Gedicht. Die Derfasierin hat es als lbjähriges Mädchen bet Gelegenheit eines Besuchsaufenthaltes in der Familie des bekannten Professors der Forstwissenschaft Carl H e n e r zu Gießen, dessen Denkmal in dec Nordanlage steht, im Juli des Jahres 1851 niedergeschrieben. Ich gebe es hier wörtlich mit der Rechtschreibung und Zeichensetzung der Urschrift wieder. L Hüter. Auf einem Spaziergang nach der vor einigen Tagen oerslümmellen K Blum'slinde. Wohl haben sie gepflanzet Auf jener Höhe dort Die Linde, schön und kräftig Wie Blum's gewaltig Wort. Sie ist so fest beschirmet Mit Psohlen rings umbaut. Weil ganz man nicht aus Mensche Und Duldsamkeit vertraut. Da wächst sie kühn und muthtg (Empor des Lebens voll Wohl wissend, daß sie immer Uns „Freiheit" künden soll. Sie haben schön gefdjmüdet Mit frischen Blumen sie Am Tag da er gestorben: Den Tag vergißt man nie! Doch nun liegt sie gebrochen Das kühne Haupt gesenkt, Die Kränze dran verwelken Don Menschenhaß gekränkt Da liegt sie, matt geknicket Der gold'nen Freiheit Bild Und manchem Äug' darüber So heiße Thron' entquillt. Am andern Tag. Doch steht der Stamm noch fefte, Wird, wenn der Gram vorbei Frisch regen seine Kräfte, Wird grünen dann aufs neu? Wird streben frisch und muthig Zum blauen Himmelszelt, Wird Gott um Freiheit bitten Für die bedrängte Welt. Gictzcner Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarktt Das Pfund Butter 130 his 190 Pfennig, Matte 35 bis 40, Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Ilrrterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 80 brS 150, Tomaten 50 bis 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 40 bis 80. Schwarzwurzeln 35 bis 53, Kartof em 6, Aepsel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30. Russe 60 bis 90, Honig 50, junge Hahnen 103, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 103 bis 140; das Stuck Tauben 50 biS 70, Eier 17 bis 20, Blumenkohl 80 bis 150, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 15, Rettich 5 bis 10. Sellerie 20 bis 40 Ps. Bornotizen. — Lageskalender für SamStog: DeichsverbanL bet Berufskraft ahrcr: 8’/a Uhr. Gewerkschaftshaus, Vortrag von Dipl.-Ingenieur Fifcher-Terlin. — Weihnachtsfeiern: Reichsbund der Zivildienstberecht'.gtrn: 5 Uhr nachmittags „Liebigshöhe". — Ruderklub ,.Haf- fia*': 8 Uhr, Turnhalle (Oswaldsgarten). — Büraergesellfchaft: 8'/r Uhr. Katholisches Der- einsyauS. — Gabelsbe.gec Stenographen-Verein von 1851: 8 Uhr, Kau männ.sches De einshaus. — Geflügel- und Dogtt'uchtoerein: 8 Uhr. Saal des frühe.en Hotels „Großberzvg". — Lichtspielhaus. Dahnhoist.aste: „Sibrrien". — Palastlichtspiele (Ki.chenplatz): „Lady HamUton". — Astocia-Lichtspiele; „Der Kamps um das rote Gold". — Tageskalender für Sonntag: Stadttheater: 3'/r Uhr nachmittags Märchen- spiel „Frau Holle" (Ende 58/( Uhr). — Abends 7 Uhr: „Alt Heidelberg" (Ende 93/4 Uhr). - Malthäusgemeinde - b tthr, Stadtkirche, Krippen- spiel. — LichtsPielthLatcr w.e Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau toirb un< geschrieben: Franz Werf el har seine Histo.ie „I u a r e 4 und Maximilian", die am nächsten Dienstag hier zur Ausführung gelangt, in drei Phasen und einen Epilog (im ganzen 13 Bilde.n) eingeteilt. D.ese Einteilung lieAt in der (Snttcidlung der Handlung begründet. Der Dichter hat recht, wenn er von seinem We.k behauptet: ..Die historische Wahrheit wurde in diesen Bildern streng gewahrt. Einzig der gedrängtere Ablauf der dramatischen Zeil und die Enge des theatralischen HaumeS verlangten in der Behandlung von Daten und Personen jene Konzent.at.on. dir unter den Te» griff der dichterischen Freiheit fällt." — -3n Hauptrollen sind beschäftigt die Herren Geffers, De'ely, Volck, Goll. • Ha nie. Lenau. Wehre, Gehre. Eisig, sowie die Damen Baumann und von Malten. — Matthäusgcmeinde. Man schreibt unS: Das Krippenspiel. das tu Spielschar der 3ugentt>ereinigunfl der Matthäusgemeinde am Gemeindeabend am ersten Aaoent gab, hat großes Gesallen und den Wunsch nach Wiederholung auögelösr. Dlesem Wunsch soll, allerdings in unterer Weise, stattgegeben werden: Das Spiel wird am vierten Advent. ab:n)s 8 ilfyt, in der Kirche, an dem ihm bestimmten Ort. und zwar in der Stadelirche. gegeben. 'Die feierliche Hand- lung bewegt sich in streng liturgischem Rahmen und entbeyrt alkeL Lheatralischrm Die Spiel- schar erwartet Zuhörer, die sich des heilten OrteS und der heftigen Handlung bewuht sind: der Eintritt ist Nur mit dem Programm zulässig, das 20 Pf. kostet. G^angbücher sind mitzu- brinoen. Der Einlah ist auf Z.13 Llhr frsigeseht. lSiehe gestrige Anzeige.) Der Vorverkauf findet nicht, wie gemeldet, in der Papierhandlung Schmidt, sondern »Schneider", Kftchenplatz, statt, außerdem bei Dingel, Lindenplay, unb beim Kirchendiener. — Der Turnverein 1 8 4 6 bereitet auch in diesem Jahr« seinen Turnschülern und Schülerinnen wieder eine Weihnachtsfeier am Montag, 20. Dezember, abends 7.30 Uhr. in seiner Turnhalle. Jungen und Mädel freuen fid) darauf, ihren Ellern und Freunden zeigen zu können, was sie im Turnverein treiben und in eifriger Vorbereitung gelernt hoben. Unter Hinweis auf die gestrige Anzeige sind Ellern und Freund« des Turnens und der Jugend herzlich eingeladen. •• Der Winter. Lebhafte Schnsetreibrn herrschte heute vormittag in der zehnten Stunt? in unserer Stadt. Zeitweise war der Schneefall, der allerdings reichlich nah war, mit R?gen vermischt, so das; natürlich eine Schneedecke in den Straf)en nicht enlsbrhen konnte. 3m hohen Vogelsberg schneit es dagegen seit der letzten Rächt ununterbrochen recht kräftig. Wie wir Dom Hoherodskopf hören, liegt der Schnee etwa 35 Zentimeter hoch bei 3 Grad Kälte. Die Sport» Möglichkeit wird als sehr gut bezeichnet. Für die Freunde des Skisports dürfte also morgen ein großer Tag sein. •• Der Goldene Sonntag dürfte voraussichtlich unserer Stadt noch einmal einen starken Verkehr aus der Rachbarschaft bringen. Die Ladengeschäfte sind an diesem Sonntag noch einmal in et: bekannten Weise von 11 Llhr vormittags bis abends 6 älhr geöffnet. * ileber den Ausbau des Gieß«- ner Flughasens, über ken wir im gestrigen Siadivercr^nclLnsihun^sberich.' OEt t U:mi machten, erfahren wir von zuständiger Selle folgend« Einzelheiten: Mit Beginn der nächstiährtzen Flugsaison wirb unser Flughafen in den Flug, dienst Frankfurt—Hannover—Hamburg derart eingeschaltet. taf) sämtliche Flugzeuge dieser St e e bei hren Zlü en hierZw.ichen- landunaenvvrnehmcn u ect-en. Man kann -also von hier aus Zluganschlu) an die großen internationalen Linien habe-.u Entsprechend freier Ausdehnung des Flugverkehrs werden auch die Einrichtungen des Flugplatzes umge.'taltet. Es soll ein Gebäude errichte: werden, das im Par. terte die Räume für die Fluggäste, die Lellung, Lufwolizei. einen grollen Aeltaurationssaal ufto. enthält, während im ersten S.ock eine Wohnung unb ein Fremdenzimmer eingerichtet werden. E.ne grohe Derrasse im ersten Stock und eine terrassenförmige Garteiranlag: vor dem Hause werden zur Verschönerung des Baues beitragen. Vom Flugplatz aus soll eine Rollbahn, d. h. eine zementierte Fläche, nach dem Haus angelegt werden, auf der das Flugzeug bis vor das Haus rollt, so dah die Passagiere trockenen FubeS aus dem Flugzeug zum Haus gelangen können. Wenn das Wetter frostfrei bleibt, will man in den nächsten Wochen mit den Dauarbellen beginnen. •’ E i n Elektrokarren ist seit gestern in den Dienst der städtischen Straßenreinigung gestellt worden. Der Starren wird von einem Führer geleitet, der auf dem vorderen Trittbrett feinen Standort hak. Durch den Fußtritt des Führers auf einen Schalthebel wird der Motor in Bewegung gefetzt, der den Starren in rascher Fahrt vorwörtsoringt; sobald der Führer den Fuß vom Hebel fortnimmt, wird der Motor automatisch ausgefchaltel. Die Beweglichkeit und Wendigkeit des Karrens ist sehr groß. Der Elektrokarren wird in Gemeinschaft mit der automobilen Strastenkehrmaschine arbeiten, durch deren beider Schnelligkeit eine rasche Säuberung der Straßen ermöglicht wird. Zunächst hat die Stadt nur eine Garnitur dieser Apparate erworben. Falls man da- mit gute Erfahrungen macht, soll im nächsten Jahre die Änschassung einer zweiten Garnitur ins Auge gefaßt werden. *• Falsche Zweimarkstücke. Der Polizeibericht macht darauf aufmerksam, daß in den letzten Tagen in Gießen mehrere falsche Zweimarkstücke 'n Verkehr acbracht wurden. Das Publikum sowie die Geschäftsleute werden ersucht, Wahrnehmungen über die evtl. Verbreiter möglichst schnell oer Kriminalpolizei, dem nächsten Beamten oder dem Polizeirevier zu melden. "'EinSchwindler. Der Polizeibericht macht auf einen Schwindler aufmerksam, der sich als katholischer Geistlicher vorstsllt, in Not geraten fein will und um Unterstützung bittet Der falsche Geistliche ist glatt rasiert, trägt eine Brille, steifen Hut, schwarzen Umhang und darunter einen schwarzen Rock mit kleinen Knöpfen. Das Publikum fei vor diesem Menschen gewarnt. ** Gestohlene Fahrräder. Bei der hie- sigen Kriminalpolizei wurden zwei Fahrräder — Marke Kuxmann und Brennabor — sichergestellt, die vermutlich von einem Diebstahl herrühren. Die rechtmäßigen Eigentümer werden «rsuchr. sich mit der Kriminalpolizei ins Benehmen zu setzen. Fe st genommen wurde eine Person aus Gießen, die in der Gemarkung Wiescck Trohe auf der Diescck drei zahme Enten geschossen hatte. Die Beute konnte den Eigentümern zugeftelll werden. '• Koloniales Prersaussa-reiben. Vom Bun) der Kolonialsreunde wird uns ge- schrieben: Aus das am 6 Rovember im .Gießener Anzeiger" veröffentlichte Preisausschreiben sind zahlreiche Lösungen eingegangen. Lei.er wurden die drei Fragen ^Braucht Deutschland Kolonien? — Können wir in der heutigen S.aatsform lRe- publik» Kolonien verwalten? — Wie wird di« koloniale Bewegung Allgemeingut?" nur von wenigen richtig erfaßt und einwandfrei beantwortet. Don den vorgesehenen 20 Preisen kannten dementsprechend nur 14 zur Verteilung kommen. Eine ganz hervorragende Arbeft war die von Fr. Adam. Gießen, Marburger Strahe 58, die mit dem 1. Preis bewertet wurde. Den 2. Preis erhielt A. K ö p p c I, Licher Straße 65, den 3. Preis Karl Tetzner, Hamm- strahe, 4. Preis Th. Lösch. Kirchstraße 11. 5. Preis W. Gerth. Dad-Rauheim, 6. Preis W. Stephan. Dammstrahe 24. 1. Preis A. Ludwig, Liebigstraße, 8. Preis ®. Waag. Sellersweg. 9. Preis E. Supp. Darmstadt, 10. Preis ©. Eismann, Stcinstrahe, 11. Preis W. Kehrm ann, Stephanstrahe, 12. Preis Käte Mohr. Lahnstrabe, 13. Preis H Damm, Moltkestrahe, 14. Preis Hch. Dörr. Münster (Post Laubach). Die BezirkÄeitung hofft, durch Las Preisausschreiben den kolonialen Gedanken gefördert zu haben. •* Weihnachtsfeier für die Krieger- kindcr. Der Alicefrauenocrein vom Roten Kreuz, der bekanntlich feine Tätigkeit in den Dienst der Allgemeinheit, insbesondere derer stellt, die durch den Krieg und seine Folgen irgendwie in Bedrängnis geraten sind, halte am Donners« tagnachmittag in besonders sinniger Weise der Kriegerlinder gedacht. Wie in den Vorjahren, so bereitete er ihnen auch diesmal wieder eine schöne Weihnachtsfeier, die in beiden Sälen der Liebias- höhe ftattfanb. Es mögen etwa 400 Kinder gewesen jein, die daran teilnahmen. Um 3 Uhr war der vordere Saal der Licbigshöhe bis auf den letzten Plag gefüllt. An langen Tafeln faßen sie da, die munteren Buben und Mädchen, und ließen fich's bei Kakao Und Brezeln gut fein. Eine große Zahl Damen des Alicefrau-noereins und wohl sämtliche Gießener Fürsoraeschwestern waren eifrig und in freundlichster Weise oemüht, die Wunsche ihrer kleinen Gäste yi befriedigen. Und daß sie alle befriedigt wurden, das las man allenthalben aus den zufriedenen und dankbaren Blicken der fröhlichen Kinderfchat Es war auch sonst alles getan, was nur geschehen konnte, um den Kindern einige schöne Stunden zu bereiten. Der Saal war mit Tannengrün recht geschmackvoll geschmückt. In feiner Mitte stand ein mächtiger, prächtig geputzter Weihnachtsbaum; auf den eim zeinen Tischen standen entweder kleinere Christ- bäumchen, oder es waren Tannenzweige mit dar- aufgesteckten, brennenden Lichtchen aufgelegt. Rach der Bewirtung wurden die beiden Weihnachtslieder ,.D, du fröhliche, o, du selige" und „Stille Rächt, hei- lige Nacht" gesungen, dann begab man sich in den anstoßenden großen Saal Auch dieser war mit Girlanden irpb Tannenzweigen geschmückt. Di« Bühne hotte man durch aufgefteHte Tannenbäum- chcn beinahe in einen kleinen Wald verwandest. Flankiert wurde sie durch zwei wunderschöne Christ- bäume. Deren Kerzenglanz bei den Kindern hellen Jubel auslösle. Ein größeres Krippenspiel und einigt kleinere Sachen wurden nun auf der Bühne aufge* führt. Alle daran Beteiligten hatten nut großem «ileitz ihre Rollen eingeübt und spielten recht nett Zwischen den einzelnen Stücken und Akten wurden Weihnachtslieder gesungen Rach den Thcaterauf» fuhrungen fand die Bescherung statt. Auf langen Tischen, die an den Saalwänden ausgestellt waren, lagen, geschmackvoll geordnet, die Geschenke. Jedes Mädchen bekam neben Taschentüchern ein Trikot- Höschen, feder Junge erhielt ebenfalls Taschentücher und ein Sporthemd. Einzelnen Kindern wurden auch Bücher gegeben. Sehr anerkennenswert ist es, daß außer d«n Büchern alle Sachen durch bedürftige Krie- gerroilmcn angefertigt wurden denen der Silke- frauenoerein das Material dazu stellte Man konnte sich davon überzeugen, daß zut Anfertigung nur Stoffe von guter Qualität verwandt worden waren. Allen, die mitgeholfen haben, den Kindern dies« Feier zu bereiten, insbesondere dem Asicefrauenver- ein, der als Träger der ganzen Veranstaltung leine Arbeit und keine Opfer gescheut hatte, nicht zuletzt auch den Fürforgejchwestern. gebührt Anerkennung und herzlicher Dank. ** Weihnachtsfeier unserer Militärkapelle. Am Donnerstagabend fand im Ka holischcn Vereinshau3 die 'Weihnacht ei er t«s MusillorpL 1. (Hass ) Batt. 15. Ins. - Regt, statt, die zahlreichen Desuch aufwies und — uni es vorweg zzu sagen — in jeder Hin licht einen zufriedenste ftendcn Verlaus nahm. Die Gastgeber warteten mit einem gut gewählten Programm auf, das nach eini-en einleitenden Musikvornä- Qc:\ einer kurzen Vegrüstungrans rache von O. er- Musikmeister L ö b e r und dem von Herrn L ö - ber jun. gesprochenen Prolog f(o:t zur Darbietung gelangte. Einen vortrefflichen Auftakt bildete der Gefangsvortrag „Das Zauberlied" von Frl.2 art helmeS. den reicher Befall belohnte. Don der übrigen Dortragssolge war ein wesentlicher Teil dem Humor gewidmet. Lebhafte Heiterkeit löste die Gruppen-Szenc ..Pofkens Zukunftsmusik" aus, die vortreffliche Abwechselung brachte und freundliche Aufnahme fand. Weüer wurden Zithervorträge dec Herren D a u 6 c r mrd Hambrecht in trefflicher Weile geboten, denen einige Couplets und ein heileres Gruppenbild „Der grobe Kapellmeister" folgten. Besondere Erwähnung Derb eren schließlich noch die humoristischen Vorträge frj Herrn Bauer, di? stürmische Hei e- fc tiausbrüche her- vvrr'esen. Mit ei-cr Tombola und Tanz fand di: Feer ihren AuSklang. <42id)tiirilid)cö. — Das künstlerische Vleyle-Vilderbuch. Biele far bev.prächtige originelle Bilder enthält dieses gut aus- gestattete Buch. Wir folgen unfein Buben und Mo dels in die besonderen Roize des Kinderlondes, gehen mit dem kleinen Hans den ersten Schulgang, bauen Schneemänner im Winter, Sandburgen an der See. Jedes Kind würde an diesem bunten Geschenk seine helle Freude haben. Es ist zu haben bei der Firma Franz Bette, der hiesigen Verkaufsstelle der Bleyle-Fabrikate. gibt jedem Fortschritt-Schuh die Note eines sicheren und reifen Geschmacks bei klarer und schöner Linienführung. Die neuen Fortschritt-Modelle werden allen Ansprüchen gerecht, sogar den Ihren. Alleinige Niederlage für Gießen. i 1 Spezial- Geschäft /. 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Viele Stunden sitzt unser liebes Münchener Kindl, das Wahrzeichen der alten roeltbelannten Zuban Zigarettenfabrik, nun schon im Flugzeug, um zn seinem guten Dr. Mbi, unserem „Tabakdoktor", zu geUngen. Bald wird es beim Ör. stkabi fein. In der Ferne blitzen bereits die Lichter von Konstantinopel. Freudig erregt überschaut das Kindl das nächtliche Panorama. Da, ein Riß, ein Hämmern: Dkotordesekt. Der Pilot wird in Menschen- leerer Gegend zur stkotlandung gezwungen. Siundenlange versuche halfen nichts: der Motor springt nicht an. Ter Ulotgen ist inzwischen yerangebrochen. Unser Kindl träp.t sich ernstlich mit dem Gedanken, sich eine belebende Zuban-Zigarette ins Gesicht zu stecken und dann den kurzen Weg bis zur Stadl perpedesapostolorum zurückzulegen. Hier ist Gelegenheit ^um Streiten, ob das Laufen in diesem Falle ein Spott oder glatte Nvtwendtgkeit ist. Doch Glück muß der Mensch haben. Der eiserne Booel ist inzwischen wieder auf die Beine gekommen, und weiter geht's dem Ziele entgegen. — übermorgen hören Sie mehr! Tie Geschmacksrichtungen der Raucher sind wandelbar wie die Zeiten. Wir gehen mit l Die leichten, süffig süßen Mischungen unserer Zigaretten sind Glanzstücke ber beulipen Zigareiten-Herstellungsart. Drum seien Sie mcht nur Lebenskünstler, sorrdern werden Sie Künstler des Geschmacksl Rauchen Sie: Lucy Doraine, die Zuban-Fünfer! Lager. T036JD OTTO GEORG ■ GIESSEN VORM. H. KÜHN Fernruf 1537 Seltersweg 36 1O444D a Stellenangebotei Ewigkeit abzurufen. 1047 ID 2. Wachstuch 3. 30 und 08787 4, 6. men 2560 qm. 10421D in ihrem 76. Lebensjahr. 10456V WELLBLECH - BAUTEN & WEB-R-BLECHGARAGEN Schlafzimmer, Herrenzimmer 08781 zu uerm. Speisezimmer Küchen MIT HEIZUNG WOLF NETTER &JACOBIwerkc augeben. 08740 verkaufen. BERLIN W 15 * FINNENTROP '/WESTE oes>2 Vertr.: Emil Becher, Daramstr.43, CieOen. 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Dez., nachm. 21' Uhr statt. 08768 Todes-Anzeige Gestern entschlief sanft nach kurzem Krankenlager meine geliebte Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante Frau Bürgermeister Karolme Leicht rtn vollendeten 47. Lebensjahre. In tiefem Schmerz: Karl Leicht, Bürgermeister nebst Kindern Konrad Leicht Nr. 296 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 18. Dezember (926 (Dachdruck verboten.) I« tour- Tenors tc an- vertraut. ebnen. Es steht ju hoffen, daß der Sport- und Spiel ilatz bis zum Frühjahr in gebrauchsfähigem Zu> tanb verseht ist und dann seiner Bestimmung über» mit Rat Zeit Zeit Aus Monets Leben. Der Letzte aus der Schar der großen Maler, die vor mehr als einem halben Jahrhundert eine neue Welt der Farbe und des Lichtes entdeckten, ist mit Claude Monet dahingegangen. Sein ganzes Leben hat er seiner Kunst gewidmet und durch sechs Jahrzehnte mit zäher Energie und unermüdlicher Schaffenskraft die Ideale verfolgt, die sich ihm in seiner Jugend offenbart hatten. Der Rame des „Impressionismus", der nicht nur einen malerischen Stil, sondern eine ganze Weltanschauung ausdrückt, ist für immer mit seinem Ramen verknüpft, denn er war es, der mit der Unterschrift „Impression, aufgehende Sonne", die er unter eines seiner Bilder setzte, die Formel für die neue Kunst fand. Man lachte natürlich damals über diese merkwürdige Bezeichnung: das Witzblatt „Charivari" machte einige Witze darüber, die in Umlauf kamen, und lo wurden die jungen Maler um Monet als „Impressionisten" verspottet, bis — wie schon oft in der Geschichte — aus dem Spvtttoort ein Ehrentitel wurde. Monets Leben ging ganz in •einer Kunst auf. Der untersetzte Mann mit dem langen Bart und den schönen, sich in die Dinge einbohrenden Augen war kein Gesellschaftsmensch und fei« geistreicher Plauderer. Paris mit seinem Vroßstadtleben lockte ihn nicht, und er. der der größte Schilderer der Landschaft um Paris und der Seine wurde, hat sich schließlich in immer größerer Entfernung von der Hauptstadt an- gesiedelt, weil er ein Freiluft- und Freilicht- Mensch war, der nur in inniger Gemeinschaft mit der großen Statur schaffen konnte. Wer ihn in Gioernh besuchte, wo er die letzten Iahr- zehnle seines Lebens verbrachte, dem offenbarte sich aus seiner Umwelt der tiefste Sinn seiner Kunst. Er lebte mitten im Freien. Sein Haus bestand eigentlich nur aus Fenstern, die überall die Mauer durchbrachen, um Sonne und Leben hereinzulassen, und fein eigentliches Atelier war sein Garten, dessen Dlumenmasten in jenen stark leuchtenden, Verschwimmenden Tönen strahlten, die er immer wieder auf die Leinwand zu bannen suchte. Da gab es neben den Beeten roter Relken und weißer Lilien, ganze Wälder brennender Sonnenblumen, und in dem Teich blühten in undurchdringlichem Dickicht die Wasserrosen, die zu malen er am Abend seines Lebens nicht müde wurde. _ Monet, der Sohn eines Kaufmanns in Le Havre, fühlte sich schon als Knabe zur Kunst hingezogen, und gewann in dem feinen Maler Boudin, einem Dorläufer der Hellmalerei, feinen ersten Lehrer und Freund. Die Eltern aber wollten von solchen „brotlosen Künsten" nichts wissen und verlangten, daß er beim Dater hinter dem Ladentisch stehe. Der junge Claude aber ging, vor die Wahl gestellt, ob er Kaufmann werden wolle oder als Soldat eingezogen — die Eltern hätten ihn sonst losgekauft — lieber nach Algier zum Militär, wo er die Wunder des orientalischen Lichtes erlebte. Das Klima aber bekam ihm nicht: die Eltern muhten ihn doch loskaufen und gaben nun nach, so daß er als 22jäfjriger zu dem belannten Llladeiniker Glehre als Schüler kam. Aber nicht der akademische Betrieb förderte iHn, sondern sein großes Erlebnis war die Kunst Monets, die er bald darauf kennenlernte. Er hat in dieser Frühzeit, auf den Spuren des Meisters, wundervolle Figurenbilder geschaffen, darunter das große „Frühstück im Grase", das ein Motiv Monets eigenartig fori führte. Bald aber trat seine Dorliebe für die Landschaft immer mehr hervor, und er wurde zum reinen Ratur- schilderer. Monet war st:ts ein Fanatiker des Malens im Freien. Seine unverwüstliche Gesundheit ließ ihn bei Regen und Schnee, im liebel und Sturm vor der Staffelei ausharren, um die flüchtigen Schwebungen des Lichts, die ewig wechselnden Veränderungen der Luft festzuhalten. Seine Kunst war ein ewiges Ringen mit dem Momentanen. Da er nur die Eindrücke malte, die er gerade vor Augen hatte, so konnte er natürlich nur kurze Zeit an einer Arbeit schaffen und mußte immer wieder den günstigen Oberhessen. Landkreis Gictzen. Klein»Linden, 17. Dez. Da die Maul- Jetzt ist wohl gerade ein Iahr vergangen, daß ich an dieser Stelle Gedanken veröffentlichen durfte, die mir meine berufliche Erfahrung schenkte und die ich andern nicht vorenthalten wollte. Wieder ist es Weihnachtszeit, die des Sehnens, die Zeit des Harrens, die der Kinderfreude. worden. Für den Gärtner find aber die meisten dieser Methoden nicht recht brauchbar, und er war bisher hauptsächlich aus das Aetherverlah- ren und das Warmwasserbad angewiesen. Jetzt bietet sich nun für das Frühtreiben von Blumen und Pflanzen aller Art ein neues praktische- Verfahren dar, das einfach und billig ist. Wan bedient sich dazu der Blausäure, die in gasförmigem Zustand benutzt wird. Bisher hat man Blausäurebegasungen von Pflanzen nur zur Bekämpfung von Schädlingen durchgeführt. Bei fob» eben Versuchen in Spanien machte aber Profe.sor Gähner wichtige Beobachtungen, die die Wirkung der Blausäure als Frühtreibmittcl offenbarten, und hat dann Forschungen darüber in großem Umfang im Botanischen Institut zu Braunschweig angestellt. Die gasförmige Blausäure wird in dem Raume, in dem die Pflanzen zum Treiben gebracht werden sollen, selbst entwickelt und im allgemeinen eine Stunde an gewendet. Vach der Begasung wurden die Pflanzen im Warmhaus weiter kultiviert. Bei den verschiedensten Gewächsen bewährte sich diese Methode ausgezeichnet: selbst schwer treibbare Pflanzen, wie die Buchen, wurden zum sofortigen Ausschlagen von Trteben gebracht. Während bei den anderen gasförmigen Mitteln meist 48 Stunden notwendig lmb, um eine Wirkung zu erzielen, traten biet schon Erfolge nach ganz kurzen Zeiten, bis- wecken nach fünf Minuten, ein. Bei der Dosierung spielt die herrschende Temperatur eine wichtige Rolle: bei höheren Temperaturen haben schwächere Konzentrationen schon dieselbe Wirkung wie stärkere bei tiefen Temperaturen. Einer Temperaturerhöhung von 0° auf 25° entspricht ettoa eine Verdoppelung der Blausäurewirkung. Die Kosten sind geringer als bei allen anderen Verfahren, und ein Vorteil ist auch die gleichmäßige Verteilung der Blaus: ure im Degasungs» raum. Bedenklich ist allerdings die Giftigkeit der Blausäure, gegen die aber leicht geeignete Dorsichtsmahregeln getroffen werden können I Augenblick abwarten, wo die Landschaft ihm | wieder dasselbe Bild bot wie zu Anfang. Die festen Linien und Formen der Ratur wurden ihm so bald Rebensache, erschienen ihm mir als das gleichgültige Gerippe, über das er das färbe nbunte, lichterfüllte Kleid warf, das Sonne und Wetter weben. Da sich ihm so ein einziges Motiv-in unzähligen verhuschenden Stimmungen darbot, so tarn er allmählich dazu, dasselbe Thema immer wieder zu malen, erst 8 oder 12 mal, dann später sogar 50 und 100 mal. So entstanden seine berühmten „Serien". Die erste war die der „Heuhaufen". Ganz Paris lachte damals über diesen seltsamen Gesellen, der eine lo gleichgültige Sache, wie einen Heuhaufen, immer wieder darstellte, bei Morgenlicht und im Abenddämmern, bei Sonnenschein und Schnee usw. Dann kamen die Serien der Domfassade von Rouen, der Eeinemorgen, der Pappeln, der Themse und schliehlich die unendliche Folge der Wasserrosen, in der Monet sich damit aufrieb, die fliehende Durchsichtigkeit des Wassers in bewegten Farbtönen zu gestalten. Aatürlich wollte man von einem solchen Sonderling zunächst nichts wissen. Der Hohn, der den ganzen Impressionismus traf, galt ihm besonders, und er konnte felbjt, als er den Preis seiner Bilder auf 100 Francs heruntersehte, nichts mehr verkaufen. Er hat mit Würde und gutem Humor gehungert, bis schliehlich für den 50jährigen der Ruhm kam' und die großen Preise, über die er eben To gutmütig den Aopf schüttelte wie früher darüber, daß ihm niemand etwas abnehmen wollte... paht offensichtlich gar nicht mehr zu der jetzigen Lage. Und für die Stellung zu E u r o p a beschränkt sich die^Botschast, hici wie auch sonst mit bcträdjt- lidjcm Selbstlob, auf die Feststellung, daß Amerika nie einen größeren Anteil am Welthandel besessen habe als heute, und nie sein Rat und seine Vermittlung so gesucht werden, die Notwendigkeit seines vermittelnden Eingreifens so anerkannt sei, wie beute. Aber esseh 11aus begreiflichen Gründen die Bereitschaft, solchen Gesuchen um Vermittlung nun auch zu entsprechen, lieber den Völkerbund oder den Gerichtshof im Haag enthält die Botschaft nichts. -Lvmit ist ihr Gesamtwert für Europa sehr ge- ring, und so wenig wir glauben, daß die nun einmal gegebene Linie Nordamerikas im Verhältnis ,;u Europa stark abgebogen werden kann — auch diese Botschaft bestätigt, daß die Rücksicht auf die innere Politik und die Wahlen die republikanische Partei und ihre Exponenten zu größerer Zurückhaltung zwingt, daß also auf besondere aktive Mitwirkung Nordamerikas «an europäischen Dingen in der nächsten Zeit nicht zu rechnen ist! setzte ernst und kraftvoll in reibungsloser Zusammenarbeit mit den Iugendän tecn die Fürsorgeerziehung ein, oder zweifelhafte Fäll den dem sachverständigeren Seelenarzt Weihnachtshofsnungen Don Dormundschafts- und Iugendrichter Franz Gros-Gießen And suchte ich nach einer „Schuld' 'in den Fällen notwendiger Jugendfürsorge, so fand ich sie oft nicht in erster Linie bei den unreifen Jugendlichen, sonde.n bei den Eiern. Längst ist das Wort ^Zwangserziehung" im geseh- lichcn Sprachgebrauch für die Jugendlichen gefallen. Selten hat eine Umbenennung ein und derselben Maßnahme eine bessere Wirkung erziehlicher Art ausgeübt als die eben genannte. Fürs orge! Dieses Wort mit allen seinen offenen — und unausgesprochenen — Forderun- Sen ist Sinn und Zweck aller Arbeit an der -ügend in gesundheitlicher und sittlicher und jeder anderen Beziehung. Aber ich hatte doch nichts dagegen, wenn das Wort Zwangserziehung wieder auflebte. Ja. Es mühte nur wieder aufleben für jene Eltern und Aeltere. die sich, in manchen , Familien" geschieht's fast alltäglich, an der Jugend in gröblichster Weise versündigen. Es gibt Kinder, die mit ansehen müssen, wie ihre leidende Mutter vom verrohten Manne verprügelt wird!, die ihre Schulaufgaben nicht erledigen konnten, weil ihnen der Dater auf dem Kopfe die Schiefertafel zerschlagen hatte. Es gibt Kinder, die vor ihren pflichtvergessenen Eltern täglich in Angst und Bange leben. Diese Kinder kennen fein Kinderland, kein Iugendland. Hungernd stehen sie auf, hungernd gehen sie zu Bette. Wer sich doch nur einmal, und fei es auch nur eine Stunde lang, restlos in die Empfindungen eines solchen Kindes hineindenken könnte. — Wie vieles würde dadurch gebessert, wenn es wegen Kindesgefährdung für E 11 e r n und Aeltere, der Kundige weiß, was ich meine, wieder ein Zwangs erziehungsgefetz gäbe. Man holt die gefährdeten Iungen aus den Restern, aus den Brutstätten. Aber ihre verrohten Besitzer muß man fast immer schonen, weil die gesetzliche Handhabe zur Bestrafung der wahrhaft huldigen fehlt. Darum sollte dort, wo eine Fürsorgeerziehung notwendig geworden ist, auch nach denen gesucht werden, sollten die zur Rechenschaft gezogen werden können, die ein grobes Der- schulden an der Verwahrlosung und Gefährdung unserer Jugend trifft. Doch, so höre ich wohl fragen, warum diese Kapuzinerpredigt? Warum diese Kapuzinerpredigt gar zur Weihnachtszeit? 3d) gehe am frühen Abend durch eine stille Straße. 5X1 und dort sind die Fenster erleuchtet 'und aus manchem Zimmer erflingt das alte ewig schöne Weihnachtslied: Dom Himmel hoch, da komm' ich her — Euch ist ein Kindlein heu- gebor'n. Die einen glauben, das Gottes find sei geboren worden, die anderen meinen, es fei nur ein Menschen find zur Well gekommen. Das eine steht fest: Um eines neu geborenen Kindes willen wird in der ganzen weiten Welt, Dor wenigen Tagen kam eine Frau ihrem braven Kinde zu mir, um sich einen____ für den künftigen Lebensweg ihrer Tochter zu holen. Da sagte sie mir auf einmal: „Schreiben (Sie doch diesmal wieder einen Weihnachtsartikel ins Blatt." Was sie weiter dazu sagte, gehört nicht hierher. Rur von einer Seite, die ich persönlich feljr hoch schätze, sind mir einmal im Lause des Iahres Zweifel geäußert worden, ob meine Weihnachtsgedanken im ver- Blausäure treibt Blüten. Es gibt heute eine Anzahl von Mitteln, um die Pflanzen auch in der winterlichen Ruhe zum Treiben und Blühen zu bringen. Das sind 3.2. chemische Stoffe, wie Aether. Azetylen und Rährsalze, z. T. mechanische Einflüsse, wie Verwundung, Wassereinspritzung, Wärme, Beleuchtung ulw. Auch elektrische Ströme, Dadium- und Röntgenstrahlen sind mll Erfolg angewendet Außenpolitische Umschau. Von Professor Dr. Otto Hoetzsch, M.d.R. Mit der Abschaffung der Militärkontrolle zum l. Februar ist das Ergebnis von Genf natürlich ein Fortschritt. Aber immer und immer wieder stößt man auf die Zähigkeit und Geschicklichkeit der französischen Politik, doch noch irgendwie die Hintertür zur Durchsetzung der bekannten Absichten offen zu halten. Wozu denn sonst die Beigabe der „technischen Sachverständigen", mit denen womöglich die feierlich aufgelöste Kommission dann eben doch wieder in den einzelnen Mitgliedern herauskommt? Am meisten stoßen wir uns an der Abrede, daß die Einführung sog. ständiger Kontrollelemente des Völkerbundes an ein „Abkommen" zwischen den Regierungen geknüpft, auf deutsch also eben doch a l s möglich in Aussicht genommen wird. Wir bedauern es, daß die deutsche Vertretung dem zugestimmt hat. Der Standpunkt des deutschen Außenministers war klipp und klar, daß Deutschland weder jetzt noch künftig in irgendeiner Form ständige Elemente der Kontrolle annehmen könne, weder in der entmilitarisierten Zone, noch überhaupt. Es ist das eine Abmachung, wie wir sie ja kennen! Sie knüpft die Einrichtung an die Zustimmung der Beteiligten, also der in erster Linie in Frage kommenden Regierung Deutschlands. Und bei den Einsichtigen auf der anderen Seite, die fchen, daß diese ganze Kontrollzerrerei mit Locarno und Völkerbund nicht vereinbar ist, spielt die Hoffnung hinein, mit einer solchen Pause würde die Frage gewissermaßen non selber im Sande verlausen: zunächst einmal sei der Konflikt in dieser heiklen Sache ver- mieden. Man kann es den Deutschen wirklich nicht übel nehmen, wenn sie gegenüber solchen Fassungen fo vorsichtig sind wie möglich. Zn diesem Falle aber 'st es vollends klar, daß Frankreich die Sache nicht ruhen lassen wird. Sie kommt wieder! Frankreich wird sich bemühen, auf irgend eine Weise und durch eine Hintertür die Kontrolle und die ständigen Organe für das Rheinland, auf die es ihm am meisten ankommt, hereinzubringen, und wir glauben, daß eine Hinausschiebung des Konflikts nicht viel nützt, und daß er nach allen Erfahrungen schließlich doch durchgefochten werden muß. Zwei Streitfragen der Militärkontrolle sind aber geblieben: die Auseinandersetzung um die O st - festungen, namentlich Königsberg, an der das volnische Interesse am stärksten hängt und die Frage des Kriegsmaterials. Man hofft auf güt» lüfte Lösung bis 31. Januar: gelingt diese nicht, so soll die Frage vor den Dölkerbundsrat kommen. Und ist nicht ganz klar, was das bedeutet. Ist dies dann ein Schiedsgericht, das etwa nach dem Haag geleitet wird und gegen das sich Frankreich doch auf das äußerste gewehrt hat? Oder entscheidet der Völkerbundsrat allein rein politisch nach Mehrheitsbeschluß oder auf Grund des Berichtes einer dazu eingesetzten Kommission? So hängt an dem Ergebnis, das in vollem Sinne eine Entscheidung noch nicht bringt, mancherlei Pro- blematif und viel Unbefriedigendes. Auch das ist Frankreich nur abgerungen worden mit Hilfe einer Krise dort, die zwisdien Poincars, d. h. den Generälen und Briand deutlich zutage tritt. Soweit wir darin klar sehen, lag die Sache aber dieses Mal anders als 1922 in Cannes. Damals wurde der Dolchstoß gegen Briand geführt, und er fiel. Jetzt hat Briand offenbar mit dem Rücktritt gedroht, wenn die Verhandlungen in Genf an Frankreichs Schuld {(heiterten, und das kann sich das Land heute nicht mehr leisten. Was sollte aus dem Franken werden, wenn der eben mit dem Nobelpreis aus» gezeichnete Außenminister von einer Friedensaktion zurücktreten müßte? Um diese Genfer Tagungen herum spielen die Machtbeziehunaen. die Machlgegensätze: Italien-Frankreich, Italien-Jugoslawien, Vertrag von Tirana, China iisw. Ist etwas daran, daß England nun nach Beilegung des Bergarbeiterstreiks und Beendigung der Reichskonferenz freier gewor- den, mit einer großen Befriedungspolitik vorgehen würde? In der Richtung, daß es die Karte von Afrika aufroUt, um den italienischen Kolo» nialehrgeiz zu befriedigen, auf diese Weise das italienisch-französische Verhältnis zu beruhigen und die italienische unruhige Politik überhaupt auf ein festes Ziel zu lenken und zur Ruhe zu bringen? Es wären wenigstens positive Gedanken und Ziele in England, das in Genf ja gezeigt hat, daß Europa ohne feine Mitwirkung feine Fragen nicht vorwärtsdringt, und es würde eine große Aufgabe damit in die Hand nehmen. Wir wünschen das um so mehr, als auf eine aktive Mitarbeit Nordamerikas an den europäischen Dingen in der nächsten Zeit nicht zu rechnen ist. C 0 01 idges Botschaft ist, im stolzen Gefühl der glänzenden Wirtschaftslage und der Sicherheit vor Angriffen, vor allem innerpolitisch gedacht: als Empfehlung der republikanischen Partei und Vorbereitung der Wiederwahl des Präsidenten. Die Außenpolitik ist ja gerade darin im Verhältnis zur Welt und Europa der kitzligste Punkt der Partei- erörterung. Positiv äußert sie sich nur zur A b - ru ft ungs frage, in der so bestimmt wie bisher noch nicht, eine neue Konferenz zur Einschränkung der Rüstungen angefünbigt wird, und in der Schuldenfrage, zu der der Präsident mit Freuden feststellt, daß alle Abkommen, mit Aus- nohme zweier, ratifiziert seien, wobei aber nicht gesagt wird, was nach dem Abschluß der Schulden- funbierungen nun weiter geschehen soll. Zur Lage Chinas äußert sich bie Botschaft kurz und unzu- reichenb. Denn bie Bereitschaft, die Verhandlungen da wieder aufzunehmen, wo sie vor der Pekinger Zollkonferenz abgebrochen seien, „sobald eine Regierung, die das chinesische Volk vertritt, sich zeigt", undKlauenseuche sich weiter ausgebreitet hat, wurde die hiesige Gemarkung zum Sperrgebiet erklärt, während die benachbarte Gemeinde Allen dors a. d. Lahn Beobachtungsgebiet ist. Für die Landwirte ist die Tatsache sehr beachtenswert, daß nichtangemeldete Senchen- sälle beim Eingehen bes Viehes bie Verweigerung ber Entschäbigung zur Folge haben. n. Großen-Linden, 17. Dez. Hier würbe bie Maul- u n b Klauenseuche amtlich fest- gestellt. Es hanbelt sich nur um ein Tier. Deshalb wurde nur Gehöftsperre ungeordnet. S T r e i s a. d. Lda., 17. Dez. Seit Jahren schon ist in unserem Orte das Bedürfnis nach einem Turn-, Sport- und Spielplatz, wie ihn andere Gemeinden längst besitzen, vorhanden. ’Jlun mehr soll ein solcher geschaffen werden. Bei der Feldbereinigung hatte man hierfür einen Platz reserviert. Da er als nicht ausreichend für un fere schon immerhin große Gemeinde erschien, hat diese auf Veranlassung der Interessenten noch ein an jenen grenzendes Stück Land erworben, so daß nun ein Raum von etwa 6000 Quadratmeter für bcu Zweck zur Verfügung steht. Der Platz liegt am Ab- hange des Totenberges, unweit des Dorfes, „auf dem Busch". Gegenwärtig sind Arbeiter damit beschäftigt, das ziemlich ungleiche Gelände cinut- nhnon Or a m X____X .1 toenn auch nicht von allen Menschen, ein Fest gefeiert Das schönste und fröhlichste Fest deS ganzen Iahres. und in unseren Bretten noch dazu zu emer Zett, da draußen Schnee und Eis zu ft.itxm find. Uni» untere Phantasie sucht das neugeborene Kind in einem Stalle. Sollte es dort liegen bleiben? Olein. Sorgsame Eltern nahmen sich feiner an und behüteten das Kind im Lause ber Zeit vor jeder Fährnis. OBent gehörte das Kind, das dort in Bethlehem geboren wurde? Wem an den sonst als — uns allen, ül n d die Kinder, diein unserem Volke geboren werden, gehören in diesem Sinne — Unfällen. 'Was liegt daran, daß der eine oder der andere e^ leugnete ? Wenn draußen in der mörderischen Feldschlacht die Kugeln pfiffen und die Granaten splitterten, fo fragten sie nicht nach dem Stammbaum, den einer in der Tasche trug. Ms Brüder fielen die Kämpfer. Wenn es im Todesgrauen so war. sollten wir da im Leben, im Frieden, unsere Pflichten leugnen? Die Welt kennt wohl älnterschiede uitd wird sie kennen, so lange sie steht. Aber ebenso lang' wird, sie auch soziale Pflichten lerotcn, die dort beginnen, dort einsehen müssen, wo die Hilfe am nötigsten ist. bei dem Rächsten, der sich noch nicht helfen kann, bei dem unmündigen Kinde. Darum lasse ich keineswegs die Hoffnung sinken. daß es in der Welt besser wird. Wer daran zweifelt, kann kein We hnachisfest fei'm. kann nicht schenken und beschenkt werd n. der Lin?, nicht helfen und dem kann nicht geholfen werden Ieder helfe nach Pflicht und Gewissen s :inen Kindern, den Kindern des Volkes und unseres Dolles zuerst nach den Kräften, die ihm gegeben sind. Im Vertrauen auf die deutsche Zu- hm ft! Davon ich fingen und sagen torll. S0 wollen wir allesamt fröhliche, hoffnungsfrohe Weihnacht feiern. gangenen Iahre von Erfolg, von praktischem Ruhen gewesen seien. Ich konnte nur die Hoffnung aussprechen, daß das wohl doch der Fall gewesen sei. Und da mir' nur eine Stimme des Zweifels im Ohre erklungen ist, alle anderen aber glaubten, daß meine um die Weihnachtszeit an pflichtvergessene Väter gerichteten Worte doch ifjnen aus dem Herzen gesprochen worden seien, so bekenne ich mich auch an dieser Stelle zum Optimismus, zum Glauben, daß es in unserem Volke besser werden wird. Und ich schöpfe ihn von neuem aus der Märchenwelt der weihnachtlichen Zeit. Ich schöpfe ihn aus den Kinderaugen, die mir, nicht nur zur Weihnachtszeit, entgegenleuchten, ich schöpfe ihn sogar aus meiner beruflichen Tätigkeit. Wäre es — gerade in letzterem Falle — anders, 0, dann wäre ich wohl besser ein Steinklopser draußen auf der Landstraße geworden. Iawohl! Immer noch ist's alte Lebensweisheit: Es gibt au) dieser Erde nichts Bejammernswerteres als den Menschen. Der dieses erkannte, war einst ein griechischer Dichter und bleibt ein großer Weisheitskünder. Blicken wir hinab in die Tiefen unseres Dolles — ich will meine deutschen Brüder nicht kränken und deshalb ruhig sagen: Blicken wir in die Tiefen auch aller anderen Böller. Doch diese letzteren liegen mir ferner. Es geht zu allererst ums eigene D 01k, im engeren Lande, in der eigenen Stadt. Für mich geht's um die Iugend, die unsere Zukunft ist. Ist unsere Jugend, allein nach der Beobachtung des zu Ende gehenden Jahres, schlechter geworden? Rach meiner Erfahrung war das nicht der Fall, wie ich das — dreimal unberufen — gerne und freudig hier feftftelle. Mehrmals konnte darauf verzichtet werden, öfter noch als im vorvergangenen Iahre, das Jugendgericht tagen zu lassen. Die Fälle, die zur Verhandlung stairden, ließen das Gericht zwar manchen erschreckten Blick in die Tiefe tun. aber hoffnungslos war doch kein Fall, älnd wo's nötig war, leben werden kann, zum Segen unserer hetanwach» enden Jugend, der körperliche Ertüchtigung so sehr not tut und deren Dank sich die Gemeinde mit dieser Anlage verdient. — Hoffentlich tritt man nun auch bald an die Errichtung eines Denkmals für unsere im Weltkrieg gefallenen Mitbürger heran. Schon seit Jahren arbeiten der Kriegerverein, die Vereinigung der Krieasbe- schädigten und Kriegerhinterbliebenen u. a. beim Gememdevorstand darauf hin, leider aber bis jetzt ohne Erfolg. Eine von Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen für den Bau des Kriegerdenkmals bestimmte, durch eine Sammlung vor fahren auf- gebrachte Geldsumme ist leider der Inflation zum Opfer gefallen. Die Platzfrage dürste, nachdem der Friedhof erweitert ist, keine Rolle mehr spielen. t 21 Heu bo rf a. d. Lda.. 16. Dez. Die Eheleute Eberhard Ranft feierten heute mit ihrem beiderseitigen Geburtstag zu- gleich aiffi ihr 25 j ährigeS Geschäf tsju- bitäum als Inhaber der von ihnen gegrün» I beten und neu erbauten Gastwirtschaft ,-Zum Bahnhof" dahier. * Gründera, 17. Dez. Die hiesigen Gewerbetreibenden erhielten dieser Tage elften Anforderungszettel mit der Lieberschrift , Für Kirchen st euer vom Gewerbe" ober „Kirchensteuer vom Ertrag". 2lus manchen Zetteln fand sich Noch die Angabe „aus deut Jahr 1925". Hierdurch entstand die Meinung, daß das Gewerbe mit einer besonderen Kirchensteuer belastet worden sei, und die Empfänger der Anforderungen gerieten in begreifliche Erregung. ES war doch bekannt, daß im Jahre 1925 ran- eine Kirchensteuer von dem Einkommen, nämlich 15 Prozent staatliche Einkommensteuer, erhoben wurde. Die Sache klärte sich dann als Fehler der Finonzkasse auf. Im Jahre 1925 wurde von den Berufen, deren Einkommen von vornherein nicht so festgestellt werden konnte, wie das der Beamten und Lohnempfänger, eine Vorauszahlung der Einkommensteuer ein- gezogen. In dieser sollte auch die Kirchensteuer mit erhoben werden. Das hatte die Finanzkasse i>e rsäumt und muhte deshalb zur Racher heb-ung der noch nicht bezahlten Kirchensteuer schreiten. Wenn man diesen Zweck auch auf den Steuerzetteln, die jetzt nach fast zwei Jahren hinausgehen, richtig vermerkt hätte, so wäre manche Aufregung erspart geblieben. Jedenfalls ist das Gewerbe nicht zu einer besonderen Steuer für kirchliche Zwecke herangezogen worden. Im Jahre 1926 wurde die Kirchensteuer lediglich von dem Einkommen und von dem nichtbebauten Grundbesitz erhoben. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 17. Dez. Seit einiger Zeit wird hier in der Oeffentlichkeit die Frage der Gründung eines Friedberger Verkehr s- v er eins lebhaft besprochen. Auf Anregung der Presse hat jetzt die Stadtverwaltung maßgebende Persönlichkeiten eingeladen, und es wurde eine Kommission gewählt. Die GrünVungs- versammlung soll in den ersten Lagen des neuen Jahres stattfinden. — Gestern nachmittag sand im Rathaussaal eine Stadtverord- neiensibung statt. Der Beitritt zur „H a - f r a b a" (Automobilstraße Hamburg— Frankfurt -Basel) wurde einstimmig beschlossen. Die Hundesteuer für 1927 bleibt tote bisher beim Betrage von 24 Mark und 12 Mark Zuschlag für jeden weiteren Hund. Für sämtliche Schu- 1 e n der Stadt Friedberg wurden Feuerlösch- a p P a r a t e , im ganzen acht Stück angeschafft, im Gesamtbeträge von ungefähr 720 Mark. Die Frage der Ablösung für Altbesitzan- i eit) en wurde an den Finanzausschuß zurück- gewiesen. Der LeilortSbauplan für die Leonhardstraße wurde nach den Vorschlägen des Hochbauamts genehmigt. Der Beitritt zum Berkehrsbund Oberhessen wurde einstimmig beschlossen. Eine längere Debatte entspann sich lediglich über die Frage deS R e u - uaueS deS Wasserturm S. Oberbaurat • Haag erläuterte den Plan deS Reubaues an Hand eines Modells und verschiedener Zeichnungen. Auf Antrag des Beigeordneten Dr. Leuchtgens und des Stadtv. IhI wurde die Sache wegen des hohen Preises noch einmal an den Ausschuß zurückgewiesen. Für die Errichtung einet- gärtnerischen Anlage neben dem Bahnhof wurden zirka 1800 Mark bewilligt. Kreis Alsfeld. V Grebenau, 17. Dez. Der Winter hat unsere Fluren bisher völlig schneefrei gelassen. Da aber auch die Temperatur nur Vereinzelt unter Rull gesunken war, hat dieser Zustand der Saat :aum geschadet. Empfindlicher aber ist der S ch a - d e n, den die in diesem Winter besonders z a hl- reich auftretenden Wildschweine in i en Saatfeldern anrichten. So wurde letzthin am Herrnberg ein Roggenacker völlig um- gewühlt. Ein vor einigen Wochen vom Forst- amt durchgeführtes Treiben am Remberberg verlies ergebnislos, da die Fährten bei geringer Schneedecke oder gar bei völligem Mangel derselben nicht mit Sicherheit verfolgt werden können, insbesondere nicht in die Heegen, die unter diesen Umständen ein sicheres Versteck für die vom Landwirt besonders gehaßten Schwarzkittel abgeben. Mehr Glück hatte die Forstbehörde seither mit der Jagd aus Füchse. Obwohl auch diesem Wild der oftene Winter die Ernährung erleichtert und es gegen Falten und Jäger vorsichttger sein läßt, konnten doch schon über 20 Aotröcke zur Strecke gebracht werden. Starkenburg. 'Darmstadt, 17. Dez. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte 60 000 Mark für die Errichtung einer neuen Dadean st alt für Frauen am Woog. — In der Rähe von Heppenheim wurde der Feldschütze Fischer von einem Auto angefahren. Er erlitt innere Verletzungen und mußte in feine Wohnung gebracht werden. Das Auto konnte nicht ermittelt werden. (Bin bedeutsamer Beschluß. • Darmstadt, 17. Dez. Der Derwaltungs- rat der st ä d t i s ch e n Sparkasse hat einen bedeutsamen Beschluß gefaßt. Er hat bestimmt, daß die Auswertung der Sparguthaben nicht bis zum Jahre 1932 zurück- gestellt. sondern, soweit dies im Rahmen der verfügbaren Wittel möglich ist, fch o n j e ft t durchgeführt wird, und zwar in folgender Weise: 1. Der Aufwertungssatz wirb auf 20 Prozent des Goldmarkbetrages der Sparguthaben festgesetzt. 2. Alle nach dem 14. Juki 19 22 vollständig zurückbezahltenBareinlagen werden in die Aufwertung e i n b c » zöge n, d. h. es wird die sogenannte Rückwirkung eingeführt. 3. Die Aufwertungs- betrage werden ab 1. Januar 1927 mit jährlich 3 Prozent verzinst. 4. Den Sparern Wird eine vorzeitige Abhebung der Auf- toertungsbeträge Im Rahmen der verfügbaren Mittel in Aussicht gestellt. 5. Sollte sich später eine weitere Aufwertung ermöglichen lassen, so bleibt diese ausdrücklich Vorbehalten. Rheinhessen. WSN. Mainz, 17 Dez. Die Stadtverordnetenversammlung hat 19 Beamten st elfen gestrichen und mehrere Stellen um eine Gehalt»^ I' u f c zurückgesetzt. Durch diese SertAinberung und Zurückstufung von Beamtenstellen wird eine Ersparnis von rund 105000 Mark jähr- l i ch erzielt. Preußen. Kreis Wetzlar. DSR. Wetzlar, 17. Dez. Der durch das rasche Wachstum der Stadt besonders fühlbaren Wohnungsnot geht der im 22.Jahre bestehende Spar- und Dauverein unter tatkräftiger Förderung durch die Stadtverwaltung in diesem Jahre außerordentlich wirksam zu Leibe. Das in Ausführung begriffene Daupro- gramm der Genossenschaft umfaßt nicht weniger wie 106 Wohnungen, deren Gesamt- b a u k o st en sich aus 1200000 Mark stellen, für die Darlehen bei der Landesbank der Rheinprovinz und der Landespfandbriefanstalt, sowie Hauszinssteuermittel und Arbeitgeberdarlehen zur Verfügung stehen. Wie in der gestrigen Sitzung des Spar- und Dauvereins mitgeteilt wurde, werden die Wohnungen am 1. AprÜ 1927 beziehbar: der Rohbau ist in allen Tcilm bereits erstellt. Vorgesehen sind 54 Zweizirnmer-, 45 Drei- zimmer- und ä Vierzimmerwohnungen, von denen 72 in einem Block in Niedergirmes und 34 in einem solchen auf der Stoppelbergerhohl vereinigt sind. Die Mieten sollen 30 bgto. 40 bzw. 60 Mark betragen. Wetzlar, 17. Dez.. Die Besserung der Lage der hiesigen Industrie Hal auch in den Wintermonaten glücklicherweise nicht nachgelassen. Bei den Buderus-Röchlingschen Eisenwerken hat m den letzten Tagen eine e r- heoliche Neuem st ellung von Arbeitern stattgefunden. Auch die Buderusschen Eisenwerke haben ihren dritten Hochofen auf der Sophienhütte angebloien so daß hier sämtliche Hochöfen im Feuer stehen In der optisch- mechanischen Industrie ist teilweise eine recht gute Beschäftigung vorhanden. Da es sich bei der Vermehrung der Belegschaften in den meisten Fällen um Facharbeiter handelt, so ist leider eine wesentliche Beeinflussung der hiesigen Erwerbslosenziffern nicht eingetreten □ Wetzlar, 17. Dez. Bet der Wahl zur Industrie- und Handelskammer wurden in der Abteilung Ergänzungswohlen Brauereibesitzer Wahl- Braunfels für die Industrie, Natban Rosenthal II. für Großhandel, Apothekenvesitzer Bahr und ftaufmnnn Ernst 0 a al bad) für Einzelhandel als Mitglieder gewählt. Die Ersatzwahlen hatten folgendes Ergebnis: Kommerzienrat Köhler und Fabrikant Otto Coers jun für Industrie und Kaufmann Otto Gaerthe für Großhandel. Die Wahlbeteiligung war bei der Abteilung Industrie gut, bei den anderen Abteilungen mit Rücksicht auf den Markttag mäßig. Maingau. WER. Frankfurt a.M., 17. Dez. In der »ergangenen Rächt drangen unbekannte Täter in ein Delikatessengeschäft im West end und stahlen eine große Menge Wein, Spirituosen, Zigarren, Zigaretten, Konserven und Wurstwaren. Die Täter müssen zum Abtransport bet Waren (barunter etwa 400 Flaschen Wein) einen Wagen benutzt haben. — Der 26jährige Handlungsgehilfe Josef Goldenberg aus Frankfurt wurde wegen schweren Einbruchsdieb st ahls fe st genommen. Er hat in letzter Zeit mehrere Einsteigdiebstähle von Gärten aus durch offenstehende Parterre- senster ausgesührt. — In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Versonen unter dem Deckmantel der angeblicher: Kriegsblindenwerk st ä 11 e Frankfurt a. M. Gegenstände verkaufen, die angeblich von Kriegsblinden angefertigt fein sollen. Beim Bund erblindeter Kr:e- ger, Ortsgruppe Frankfurt, bestehen derartige Werkstätten nicht. Vor Ankauf solcher Gegenstände wird gewarnt. Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen, 15. Dez. Wie wir bereits geftem kurz berichteten, war der Unglucksfall, der sich am 27 August d. I. in der Wilhelmftraße ereignete, bei dem bekanntlich der mit der Ausführung von Weißbinderardeiten an einem Haufe beschäftigte Weißbinder Kutscher von Hattenrod durch einen Kraftwagen so schwer angefahren wurde, daß er einige Stunden später feinen schweren Verletzungen erlag, Gegenstand eines gerichtlichen Nachspiels. Wegen fahrlässiger Tötung hatten sich die Ehefrau des praktischen Arztes Dr. St. und der Fahrlehrer A. vor Gericht zu verantworten. Die umfangreiche Beweisaufnahme dauerte bis in die Abendstunden. Nach dem Beweisergebnis hielt die Staatsanwaltschaft ein Verschulden beider Angeklagten für nachgewiesen und erblickte neben anderem das Hauptoerschulden darin, daß beide Angeklagten im kritischen Augenblick, dem Zusammentreffen mit den aus der Rothohl herauskommenden Radfahrern, die ihnen als Führer eines Kraftwagens durch die Verordnung über Kraftfahrzeugverkehr in bet Fassung vom 28. Juli d. I. auferlegten besonderen Verpflichtungen außer acht gelassen haben, und beantragte dementsprechend, beide Angeklagte der fahrlässigen Tötung für schuldig zu erkennen und sie zu mehrwöchigen Gefängnis st ras en zu verurteilen. Das Gericht schloß sich dieser Stel- lunonahme nicht an. hielt cm Verschulden der Angeklagten nicht für erwiesen und sprach beide frei. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde ein wegen Diebstahls schon wiederholl vorbestrafter landwirtschaftlicher Arbeiter, der auch seinen letzten Dienstherrn wieder erheblich bestohlen hatte, darauf flüchtig gegangen war und bei einem anderen Landwirt einen neuen Einbruchsdiebstahl auszuführen versuchte. Trotz der Vorstrafen und des hohen Werts der Diebesbeute billigte ihm das Gericht mit Rücksicht auf sein offenes Geständnis nochmals mil- dcrnde Umstände zu und verurteilte ihn zu einer ®esamtftrafe von2Jahren Gefängnis. Wegen Zechprellerei war ein Reisender angeklagt, dessen Strafregister eine ganz erhebliche Zahl von Vorstrafen aufzuweisen hat. Er wurde im öinnc der Anklage Überführt. Die Strafe lautete ans 4 Monate Gefängnis. Zwischen Mitgliedern zweier Bereinigungen, die durch ihre politische Anschauung im grunbfatjlidjcn Gegensatz zueinander stehen, kam es in einem Eisenbahnabteil auf der Rückreise zu einem Zusammenstoß. Deshalb mußte sich vor einiger Zeit vor dem Amtsgericht Gießen ein Teilnehmer wegen Körperverletzung verantworten. In diesem Termin trat als Zeuge der Verletzte, der heutige Angeklagte, auf. Unter feinem Eide stellte er entschieden in Abrede, einen Teil der ihm vorgehaltenen Schimpfworte gebraucht zu haben, während er andere zugab. Nach- dem sich aber in der Zwischenzeit herausgestellt hat, daß er doch die abgestrittenen beleidigenden Aeußc- rungen getan hatte, wurde er wegen fahrlässi- Rätsel-Ecke. Silbenrätsel. a — bart — be — be — beck — dril — dy — e — ein — er — fi — gems — Hard — l — r — jea — lich — mau — mit — na — na — nar — ne — ne — net — o — re — ri — sa — fe — fe — fee —- fei — fig — so — tc — ti — turn — un — us — ze — ;ei — z;e --zis. Aus vorstehenden 44 Silben bilde man 17 Wörter mit folgender Bedeutung: 1. Stabt in Hannover: 2. weiblicher Personenname: 3. Teil des Rades; 4. weiblicher französischer Personenname; 5. männlicher Personenname, 6. Sprengstoff; 7. mathema- tifdje Fläche; 8. europäische Hauptstadt; 9. Gewebe; 10. Alpensee; 11. Blume; 12. Iägerichmuck; 13. britische Insel; 14. Hernes Gewicht; 15. Planet; 16. Singvogel: 17. Nagetier. Wurden die Wörter richtig gebildet, ergeben die erste Buchstabenreihe von vorn nach hinten und die dritte Buchstabenreihe von hinten nach vorn em Zitat von Shakespeare. Lilbenkapselrätscl. Eskimo — Spielerei — Kalender — Kurzsichtigkeit — Elentier — Herzogtum — Zehntausend — Armbrust — Alsleben — Hühnerei — Energie — Himmelreich. Vorgenannten zwölf Wörtern entnehme man je eine Silbe. Diese ergeben, aneinandergereiht, ein Sprichwort. Anagramm. 1 2 3 4 5 ift ein Haustier und leicht zu erraten, doch ist es ungeeignet tut Braten. 1 2 5 3 4 ift gar vielfach als Spiel in Gebrauch, doch dient sie uns zum Schreiben auch. 1 5 4 3 2 eine Insel im Süden und wohl dir bekannt, gelegen ist sie in Griechenland. Telegraphcnrätsel. - ----Spitze Stange — — Gewürz ...---Ruhezeit - — • — Raubvogel ---- • Stichwaffe — • --Zinseinkommen Punkte und Striche stehen an Stelle von Buchstaben. Sind die angebeuteten Wörter gefunben und bie auf die Punkte entfallenben Buchstaben aneinandergereiht, ergeben diese ein weihnachtliches Gebäck. Staatsmann; 18. Haustier; 19. indisches Reich; 20. Teilzahlung: 22 Nebenfluß bei Mosel; 23 Zink- bebälter; 24. Bab in Belgien; 25. Vorgebirge des Harzes; 27. orientalischer Titel; 28. w'e 25. Bilderrätsel. EEEEEEEEEEIEEL- rrcuferretv- \errreee __ Auslösungen. Silbenrätsel 1. Grenadine; 2. Renette; 3. Original; 4. Spekulatius; 5. Zola; 6 Total); 7. Ulrich; 8. Nuance; 9. Kndowa; 10. Arrest, 11. Neuwerk; 12. Nuntius. Großtun kann nur der Kleine. vruchslückaufgabe Deut — Rocken — Chor — Kiste — Turm — Amu: — Paket. Der Christmarkt. Rätsel. Baumläufer — Waldläufer. Lileralucrälsel. 1. Der Katzensteg. 2. Der Mann im Monde. 3. Soll und Haben. Kreuzworträtsel. M ■ HB M E d]ä|m IrTei ■ A B EINID, INI! □HOl 0 G E R JE JÄT 0B0B B A R [N OIT] ■ BBD A rTZ ■■Q D R A U IX GlÄj J A R L |T Asti M|A|D|E A D A M |E n|a| ÄMi Buchstabenrätsel Gardine — Sardine — Sardinien. Kreuzworträtsel. 8 4 11 15 18 17 \21 22 25 19 20 27 28 25 \26___ \5Ö _ 152 10 Vt_ 16 7 12_ 15 ■Itaem □EM löäiölä 1. Von links nach rechts: 1. Metall; 4. weiblicher Personenname; 7. biblischer Frauenname; 8. Genußmittet; 10. Dichtungsart; 12. Vorgebirge des Harzes; 13. scharfer Wind; 14. Wurfspieß; 15. Ort in Südtirol; 16. Bad in Hessen-Kassel; 17. Haustier; 19. Papageienatt; 21. Teil des Baumes; 24. Rat der Alten; 26. Kopfbedeckung; 29. griechischer Philosoph; 30. Körperteil; 31. Nährmutter; 32. Gleichklang zweier Wörter. 2. Von oben nach unten: 1. Bekannter Zentrumspolitiker; 2. Kamelart; 3. japanischer Staatsmann; 4. altgermanisches Getränk; 5. ehemalige deutsche Kolonie; 6. Blutgefäß; 7. Titelheld eines Dramas von Shakespeare; 9. biblische Person; 11. Hinterlassenschaft: 17. japanischer Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch. Döberiher Auktion. In der „D. A. Z." liest man folgende Geschichte aus verklungenem Tagen: Im Chausseegraben am Sperlingskrug — nur keinen Schritt zu viel vorn Lager weg! — ist der Zug ausgeschwärmt. Aus den abgehängten Tornistern liegen die Gewehre, nach irgenbeinenr imaginären Ziel gerichtet. Die HntcroHuiere krauchen im Graben von Gewehr zu Gewehr, blicken über Korn und Kimme und geben in nicht mih- zuverstehenden Wotten ihr Urteil über den Befund ab. Wer mit feiner Gruppe fertig, winkt. Dann kommandiert der Leutnant: „Alles wieder hinlegen! — Entfernungsschätzen! Halbrechts vom Rühbruch ein Haus. Wie weit?" Aus dem Zuge kommen die Zurufe. .Achthundert!" „Acht hundertfünfzig!" „Tausend!" „Elf hundert I“ Aus langgefchweiftem, tänzelndem Fuchs reitet ein Leutnant der Leib-Garde-Husaren die Chaussee entlang. Gr pattert durch Klemmt sich das Monokel ein. Dann fragt er: „Sagen Sie mal, Herr Kam'rad, wat ver- fteijem Sie denn da eijentlich?" P v. Z. g e r Verletzung feiner Eldespflicht unter Anklage gestellt. Nach dem Inhalt der Beweisaufnahme nahm das Gericht an, daß er feiner Zeit sich in einer gewissen Erregung befunden habe, und daß es daher leicht möglich fein könne, daß ihm der ganze Vorgang nicht im Gedächtnis geblieben fei. Er wurde daher inangelsBeweifesfreige- sprachen. (Beneralausfperruttg in der Schuhindustrie. WCR. Frankfurt a. M., 17. Dez. Mit dem am 16 Dezember von der Schlichtuizgsram- mer des Reichsarbeitsministeriums gefällten Schiedsspruch befaßte sich die am 17. Dezember 1926 in Frankfurt stattgehabte auherordmttliche Mitgliederversammlung des Verbandes der Deutschen Schuh- und Schäftefabrikanten e. V. Die zahlreich besuchte Dersamm- lung nahm mit lebhaften, Befremden von dem Schiedsspruch Kenntnis. Rach eingehender ‘ Berichterstattung über die Schlichtungsvrr- handlungen, sowie über die in den einzelnen Bezirken und Betrieben gestellten Lohnforderungen gelangte einstimmig nachstehende Entschließung zur Annahme: 1. Die am 17. Dezember 1926 in Frankfurt a. Bk. tagende außerordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes der Deutschen Schuh- uitd Schäftefabrikanten beschließt cinftimmig, den am 16. Dezember 1926 von der Schlichtungskammer des Reichsarbeitsministeriums gefällten Schiedsspruch abzulehnen. Sie ist der Auffassung: l. Der Schiedsspruch ist nicf>t den gesetzlichem Bestiimnungen enlspr-echend zuslandegetommen. H. Der Schiedsspruch berücksichtigt in einseitiger Weise die Interessen der Arbeitnehmer und verletzt ganz offensichtlich diejenigen der Arbeitgeber. III. Der Schiedsspruch belastet, falls die in ihm vorgesehene Lohnerhöhung vom Arbeitgeber getragen werden muh, diesen derart, daß sie für ihn wittfchasllich untragbar ist. Falls aber die Lohnerhöhung abgewälzt wird, tritt hierdurch eine derartige Steigerung der Schuhpreise ein, daß sie im Hinblick auf die an und für sich geschwächte Kaufkraft der Bevölkerung zur Verminderung deS Absatzes, damit zur Einschränkung der Produktion und in Verfolg hiervon zu Be- triebseinschräntungen imd Acbeiterentlassungen in der Schuhindustrie führen muh. 2. Die Mitgliederversammlung beschließt zur Abwehr der teilweise unter Vertragsbruch von den Arbeitnehmern ergriffenen Kampfmaßnahinen die Generalaussperrung. Zu diesem Zwecke ist einheitlich von sämllichen Derbands- betrieben am Mittwoch, dem 22. Dezember 1 92 6 die Kündigung der Arbeitnehmer mit Wirkung zum 8. Januar 1927 auszusprecheir. 3. Die Mttgliederversammlung beauftragt die Geschäftsführung, diese Entschließung dem Schlichter, dem Reichsarbeitsministerium und den Ge- wertschaften mitzuteilen, sowie bei dem Rcichs- arbeitsministerium in jeder gesetzlich zulässigen Weise darauf hinzuwirken, daß eine Verbindlich- keitserklärung des Schiedsspruchs nicht ausgesprochen wird. Tpielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 19. Dez., nachm. von 3 bis 51/, ilf)r: Peterchrns Mondfahrt. 7 bis 9 Llhr: Hänsel und Gretel. Montag. 20., 7V2 bi« nach 10*/g Ubr: Boccaccio. Dienstag, 21., 7" bi« 10 Llhr. Othello. Mittwoch, 22., 7 bis 10 Ahr: Figaros Hochzeit. Donnerstag, 23.. 71/, bis gegen lOVs ^hr: Mignon. Freitag, 24.: Geschlossen. Samstag. 25.. nachm. 3 bis 51 ■> Uftr: PeterchenS Mondfahrt. 7 bis 10 2hr: 'Die Lästerschule. Sonntag. 26., nachm. 3 bis 5Vi Uhr: Peterchens Mondfahrt. 7 bis noch 10 Ufjr: Manon. — Schauspielhaus. Renntag, 19. Dez., nachm. 4 bis 6 UI>r: Pinkepunk. 7Vs bis nach 10 Uhr: Kilian oder die gelbe Rose. Montag. 20., 8 bis lOlUjr: Weihnachtseinkäufe. H eraustOllapvtrida. Dienstag, 21.. 6 bis 9',,. Ufir: R.belangen 1. Teil. Schülervorstellung. Mittwoch, 22.. 7V3 bis nach 10 ilbt: Kilian oder die gelbe Rose. Donnerstag. 23., V/3 bis nach 10 Ubr: Kilian ober die gelbe Rose. Freitag. 24.: Geschlossen. Samstag, 25.. nachm. 4 bis 6 Llhr: Piitlepunk. 8 bis gegen 10 ilfor: Der Sturm. Sonntag 23., nach n. 4 bis 6 Llhr: Pinkepunk. 8 bis 10 Uhr: Weihnachts- ein kaufe. Hi-rauf: Ollapvtr da._____________________ Lonnianooicuu a. uer.tte «». duotöcfen am 19.12.1'tt ’Urct Honigmann Dr Neumann. Hirlchaooibeke. narrt: Ch Nockerdeck. 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Dezember, abends 8 Uhr „Die Geburt Christi“ Kirchenoratorium von Heinrich von Herzogenberg, op. 90, für Soli, gemischten Chor, Männer- und Knabenchor und für Gemeindegesang unter Begleitung von Orchester, Flügel und Orgel Leitung: Herr Studienassessor Roller Solisten: Fräulein Thildc Walther-Darmstadt, Fräulein Ida Stammler-Gießen, Herr Lic. Laun-Gießen, Herr P. Schäfer-Darmstadt Orchester: Mitglieder der Reichswchrkapelle und geschätzte hiesige Kräfte Organist: Herr Stadtorganist Simon 104 27p; George, Prinz v.Wales . G. Alexander George Komney, Maler . Theod. Loos Miss Arabella Kelly . Gertrud Weicker Emma Lyon, spätere Lady Hamilton........Liane Haid Würzbuig 18. Dezember 1926 AmVorabend der russlschenRevolatiou Die ,,B. Z “ schreibt: Der Film zeichnet sich besonders durch die landschaftlichen Reize des verschneiten Sibiriens aus und hat seine Sensation im Kampfe mit den Wölfen, die einen durch hohen Schnee jagenden Schlitten verfolgen. Ab Honlag: DerGeigervonFlorenz Peddigrohrmöbel Wäschetruhen Nähständer Büsten-u.Blumenständer Bücher-Et daeren Klavierstühle 08&]3 Sc reibsessel Verstellbare Liegesessel Stühle, Kinderstühle Klosettstühle Flurgarderob. u. Spiegel Wollen Sie Weihnachten die richtige Feststimmung im Hause, so erfüllen Sie den Herzenswunsch Ihrer Frau und Ihrer Tochter und schenken Sie je ein KLEID Kommen Sie zu uns ans Lager, wir zeigen Ihnen gerne was die Mode Neues und Schönes geschaffen hat. Sie werden über die große Auswahl, sowie über die billigen Preise erstaunt sein, so daß Sie eine Wahl leicht treffen können. Säumen Sie nicht und folgen Sie unserer Einladung. Nur noch heute und morsen: Der Kampf um das rote Gold Gewaltiger Sensatlonsschlager, in der Hauptrolle Bln-Tln-Tiu Ferner: Bebe Peggy als Detektiv Lustspiel In 2 Akten. Und: Jimmy wird Bürgermeister Groteske in 2 Akten 10461c Ab Montag: Das Netz des Schicksals in ßr.-i deshalb halst beigefügt, de und eine 2l erforderlich g entspann sich narschung der rotung im Fi Fmanzaurschüs tonnten und ftnnen. Zwar Wen ist , Wiche 8 to Zeitlaust, b Ww Weil Dc Ant SB". «l jeiÜDetlig blin ebenfolchnest,, &ler ,id> i K toaK br ngen. •“ ff ft Sr* Ä<«. Me‘ fertige "4 fr"' »te aU ®teucrmQ, ÄanLna^ a, d'e o£nn n deich 7°lung ^Uhr^^en Die pes - Aie M ns" SÄ d-sL-'Z- ÄÄ’ * S&Ä! ssr* Ä arbeiten der u tilgen;" 1 ^2lusb-m noch mangel^ brzirlen zeüS bereit m b2 weü wir von den Vorteil wünschlew 2 dieser Zwln< es mrden t fchäftigungen wir. dih d früheren vyl in der §o rr gaben heram seres Gemein groß DerLllltunasc Dinteroei fänger, Sri ter, sowie d aus lLewillV nachtsbeih gewandt. 2 Der Ausgani friedigend 1 den Mgäng schWastung niemand in oder in der läge der E nicht ancrler gegebener ® sonderes zu toenöigleit to. nenäteerter 2 Winterhilfe bet Vorlage L rode um De unb tzrevde. ' lotberung tcür halte der svz Antragsteller Führers von llr. 296 Drittes Blatt Die Zahresfchluharbeit des Stadtparlaments. Die V'.ehrner StLdtverordnetenverfainmlung hat ihre Tätigkeit im Jahre 1926 am Donnerstag abend mit einer Sitzung beschlossen, die einer besonderen Beachtung wert i t. Den Grund dazu gibt nicht etwa das Bild des Sitzungssaales bei dieser Gelegenheit — das allerdings durch den ganz ungewöhnlich starken Besuch »n Zuhörer- raum einen bemerkenswerten Anstrich erhielt —, die Veranlassung zu der besonderen QBürbigung dieser Sitzung liegt vielmehr in den Beschlüssen des Hauses. Diese waren teils von Großzügigkeit und Weitblick geleitet, in einem Falle trat aber auch eine Stellungnahme zutage, die das gerade Gegenteil von dem ersterwähnten Teil der Entscheidungen war. Beschäftigen wir uns kurz mit den w.chtigsten Vorlagen. 3n glatter Weise wurden die Vorschläge über die Votstandsarbeiten im Winter 1 9 26/27 gutgeheißen, und ebenso glatt wurde die dafür erforderliche Summe von 140 0C0 Mark zur Verfügung gestellt. Liese rasche Erledigung ist nur natürlich denn durch diese Vorlage werden produktive Arbeiten erschlossen, von denen die Beschäftigten und auch die Stadt selbst Vorteil haben werden. Besonders wichtig ist dabei der geplante Ausbau von Straßen. Die Forderung, bei den RotstanbS- arbeiten der Erwerbslosen städtebauliche Ziele zu verfolgen — d. h. Bauland zu erschließen durch den Ausbau von Straßen und Wegen, sowie noch mangelhaste Verbindungen in den Außenbezirken zeitgemäß zu gestalten — haben wir bereits, in den Jahren 1922 und 1923 erhoben, weil wir von diesen Arbeiten auch einen bauern- den Vorteil für die Allgemeinheit zu sehen wünschten. Damals hat die Verwaltung sich zu dieser Zielrichtung der Arbeiten nicht verstanden, eS wurden vielmehr allerlei untergeordnete Beschäftigungen ausgeübt. Llm so erfreuter sind w tr, dr ß die Stadtverwaltung jetzt von dem früheren System abgelommen ist und sich auch in der Form von Aotstandsarbeiten an Aufgaben heranmacht, die für die Entwicklung unseres GemeinweienS vorteilhaft sein werden. Das größte Interesse der Sitzung wurde dem Verwaltungsantrag auf Gewährung einer Winterbeih ilfe für Fürsorgeempfänger, Erwerbslose und Kurzarbeiter, sowie dem Antrag der Sozialdemokratie aus Bewilligung einer besonderen Weih- n a ch t s b e i h i l f e für die genannten Kreise zugewandt. Das ist begreiflich und gutzuheißen. Der AuLgang dieser Angelegenheit tann als befriedigend bezeichnet werden: indessen ist zu den Vorgängen, deren Zeuge man vor der De- schlußsasiung war, einiges zu sagen. Es wird niemand in der S.adtverororeten-Versammlung oder in der Verwaltung da sein, der die Rot- lage der Erwerbslosen und Rentenempfänger nicht anerkennen würde. Gegen diese Rot bei gegebener Gelegenheit auch einmal etwas Besonderes zu tun, ist naheliegend. Dieser Rot- Wendigkeit wollte die Verwaltung in anerken- nerrSwerter Weise mit ihrer Vorlage über die Winterbeihilse gerecht werden. Das Ausmaß der Vorlage war leider nicht allzu groß. Gerade zum Weihnachtssest, dem Fest der Liebe und Freude, wäre eine Erweiterung der Anforderung wünschenswert gewesen. In diese Lücke hakte dec sozialdemokratische Antrag ein. Die Antragsteller batten nach den Wsrten ihres Führers von vornherein nicht den Glauben, daß der Hauptteil ihrer Forderung, der rund 25 000 Mark gekostet hätte, Annahme finden würde: deshalb hatten sie gleich einen Eventualantrag beigefügt, der ein bescheideneres Maß aufwies unb eine Aufwendung von rund 11 000 Ml. erforderlich gemacht hätte. Heber diesen Antrag entspann sich nun am Donnerstag vor der Plenarsitzung des 6tabt;?a;Iamentd eine lange Beratung im Finanzausschuß, deren Ergebnis Ablehnung durch Mehrheitsbeschluß war. Wir muffen sagen, daß wir diese Stellungnahme der Finanzausschuß-Mehrheit soso t nicht verstehen konnten und auch heute noch nicht gucheihen können. Zwar ist an der Richtigkeit dessen, was Beigeordneter Dr. Frey zur Begründung des Ablehnungsbeschlusses vom grundsätzlichen Standpunkt aus sagte, nicht gut zu zweifeln. Indessen ist zu beachten, daß derartige grundsätzliche (Sytoäfiungen doch mehr für normale Zeitläufte passen. Wenn ungewöhnliche Verhältnisse vorliegen — und das ist doch gegen- Weihnacht auf See. Don Waldemar Keller. Südlich von Reu-Seeland, dort, wo der kalte tauch der Antarktis sich mit den letzten matten onnenstrahlen der Südsee berührt, segelt die Viermastbark auf der Reise von Taltal, einem chilenischen Hasen, nach Newcastle on Hunter, ber Lebensader von Reu-Süd-Wales. Das Wetter ist trübe. Es ist, als ob eine schweigende Last auf dem dumpf rauschenden Gewässer ruhe, das vom jüngsten Sturm noch ein wenig murrt Rur zeitweilig blinkt ein Lichtstrahl Hemieder, um ebensoschnell, wie er gekommen, in dem Wetterschleier sich wieder zu verlieren. Die Dark rollt sanft, während die leichte Brise kaum imstande schetnt, bte mächtigen Segelflächen zum Schwellen hu bringen. 2Iuf Deck ist alles still. Riemand zu sehen, als der Rudersmann, ber uninteressiert auf das Korn-aßhäuschen schaut unb nur bann und wann seirn.n Rade einen kräftigen Ruck versetzt, nxnrn das Schiff mit konstanter Bosheit immer mehr abfällt - und auf ber Brücke der wachthabende „Erste", der vor dem Peilkompah hin und herwandert die Hände in den Taschen des blauen Monkey-Jackctts vergraben. Leise brummt er ein Lied, eine alte, bekannte Weise: .Stille Rächt, heilige Rächt...“ Immer wieder und wieder beginnt er die Melodie zu summen, so seltsam liebevolt als ob er sich Aurückträume in seine Knabenjahre. Don dem gefürchteten strengen Blick des Steuermanns ist heute nichts zu bemerken: als er nach achtem geht, um nach der Ahr am Kartenhaus zu sehen und dem gelangweilten Rudersmann mit einem sonoren „Sechs GlasI" die Ablösung anzusagen, dingt seine Stimme weich, sreuirdlich — wie sonst nie Hell tönen die drei kurzen Dovpelschläge ber Glocke: es ist 7 IHjr. Die große Glocke auf der Back echot Der Rudersmann ber anderen Wache, bic nun an Deck kommt, klettert die Truppe zum Halbdeck herauf. Den Kragen seines dicken Rachtjac^etts hat Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Samstag, 1°. Dezember 1926 toärtig noch ber Fall — so muß man auch einmal außerordentliche Hilfsmittel anwenden, die Hauptsache ist, daß man den in Rot befindlicher. Brüdern entsprechend den unabweisbaren Rot- Wendigkeiten Hilst und bann erst e.nmal nach ber grundsätzlichen Regel fragt. Bon dieser selbstverständlichen E.Wägung hatte sich die Fi- nanzausschuß-Mch.heit osfeniar zunächst nicht letten lassen, sonst hätte sie sich doch mindestens für den Eventualantrag ber Sozialdemokratie entschließen müssen. Auf den Boden dieses Eventualantrags hätte man unseres Erach- ten£ von vornherein treten können. Man hätte sich sagen müssen, daß eine solche Sonderzuwendung eine schwere Rotlage weiter Devölke- rungskreise lindern und diese Mitbürger übrigens auch einmal w eder bis zu einem gewissen Grade kaufkräftig mache. Don dieser belebten Kauskrast hat doch aber die hiesige Geschäf: Zweit wieder Vorteil, denn es ist als ganz setöstverständlich anzunehmen, daß die Erwerbslosen und Rentner zur Deckung ihrer Bedürfnisse hiesige Geschäfte besuchen und nicht etwa nach Frankfurt fahren. Daß dieser Mehrheitsbeschluß eine glatte Fehlentscheidung war, wurde den Reinfagern im Verlaufe ber Aussprache in Gegenwart des großen Publikums klar. Wir hätten es lieber gesehen, wenn diese Einsicht schon im Finanzausschuß zum Durchbruch gekommen wäre und sich dann gleich in der Empfehlung an das Plenum au5- gewirkt hätte. Dann wäre das unliebsame öffentliche Schauspiel allen denen erspart geblieben, die nicht zu den Anhängern sozialdemokratischer Anträge gehören. Die vollständ ge Wendung der Lage brach'e das Ergebnis, baß man dem sozialdemokratischen Verlangen auf der mittleren Linie zwischen der Maximal- und ber Minimalforderung entsprach, also bekanntlich 18 000 Mark bewilligte, unb die ganze Angelegenheit nur unter ein anderes Firmenschild stellte, indem man die Hilfsaktion nicht als „Weihnachtsbeihilfe", sondern als „Winterbeihilfe" laufen läßt, obwohl sie tatsächlich doch eine Weihnachtsbeihilfe ist. Wir geben der Bewilligung dieses Betrages unseren Beifall, well wir ber Ansicht sind, daß man gerade zu Weihnachten auch in das er bis an die Ohren aufgeschlagen: heiteren Gesichts stapft er dem stillen Plätzchen am Ruberkasten zu. Unb während man sonst nur den trockenen Kurs wechselt, sich mürrisch ein „Westnordwest." oder „As he geihtl" zuruft, herrscht heute ein ganz anderer Ton auch unter ber Mannschaft. „ Fröhliche Weihnachten!" — „Gleichfalls! Un lloap man nich in, mien Jong: bat Schipp fiert ook Wiehnacht." Und schon eilt der erlöste Rudersmann bem Logis zu. Dort quäkt die Ziehharmonika Weihnachts- lieber, einige rauhe Stimmen fallen ein, und bald singt ein gemischter Chor — das heißt: in Hochdeutsch Plattdeutsch Bayerisch Sächsisch und Dänisch — die schönsten Christnachtsmelodien. Sie fingen nicht geschult. Aber aus den Weisen klingt tiefe Stimmung. Man hat einen Tannen bäum — — ebensogut Birken-, Ahorn- oder Gummibaum — zusammengezimmert, ber, inmitten des weih- gescheuerten Tisches fest angestaubt, den echten Christbaum ersetzen soll. Ein ausgedienter Besenstiel hat herhalten müssen, um den Stamm, abzugeben: einige „Zweige" sind seitlich eingepflockt, mit buntem Papier behangen, dazu etliche mit blanken Pesos erstandene Wachst erzen — und unser Tannenbaum ist fertig. Der „Erste" tritt ein. Auch er will den Daum bewundern. Zum Ueberflub brennt er einen kleinen, Gott weiß wo aufgegabelten Tannenzweig ab, um den nötigen Radeldust zu erzeugen, der natürlich von einem ehemaligen Besenstiel nicht zu erwarten ist. Schwebend verbreitet sich der feine bläulich: Rauch im Logis. Run ist es ganz wechnatchichl, nun fehlt auch gar nichts mehr! Sie sitzen auf den Seekisten, den Blick auf den Daum gerichtet, in der Hand die verglimmende Zigarette, das letzte Andenken an bas verlassene Chile. In einet der Oberkojen zerrt irgendjemand noch immer an ber Harmonika — herzerweichend! Da kommt der „lange Hein", der Steward, über den hohen Süll der Logistür hereingestolpert, unter jedem Arm eine Rum- flasche. Lautes Hallo. „Siehste, mien Jong, bat Heim der Erwerbslosen unb der Rentner etwas Freude und Festessonne tragen foM. wodurch uns andern, die w.r noch besser dastehen. bad Fest nur um so wertvoller wird. Macht die Finanzlage der Stadt b.efe Aufwendung etwas schwierig, so m.g man bei anderen, weniger dringl.chen Angelegenheiten einsparen, 'jlbcr wir bedauern, daß die Fmanzaus'chuß-Mehrheit nicht von vornherein dieser Selbstverstänblichteit durch einen Akt des Entgegenkommens gerecht wurde. Im übrigen mochten wir hier noch einen an- bereu, grundsätzlichen Gedanken anfügen. Wir meinen, daß Anforderungen solcher Art, wie sie am Donnerstag in dem sozialdemokratischen Antrag erhoben wurden, üi Zukunft durch eine ausreichend gestaltete Vorlage ber Stadtverwaltung rechtzeitig gütend gemacht werden sollten, sobald sich so klar wie diesmal erkennen läßt, daß eine besondere Anstrengung für die Hil'sbedürft.gen notwendig ist. Die Initiative in derartigen Dingen sollte man nicht erst von den Parteien erwarten, denn e.iahrungsgemüß haben Parteianträge in solchen Sachen für bic andere Seite in gewissem Maße immer etwas Unbehagliches an s.ch Den Vorschlägen einer überparteilichen Stelle wird man stets ganz anders gegenübertreten, unb damit wird auch bä: Sache besser gebient Unb am Schlüsse dieser Betrachtung noch ein Wort an die jugendlichen Erwerbslosen. Sie mögen bedenken, daß die Beihilfe gewährt würbe zu nützlicher Verwendung, aber nicht zur Ausgabe für überflüssige Dinge. Demgemäß mögen sie das Geld anlegen. Tun sie das, so wird es in ZukunTt auch leichter sein, in gegebenen Fällen eine weitere Hilfe ins Auge zu fallen. Mit Genugtuung begrüßen wir den Beschluß über die Verbesserung unserer Straßenbeleuchtung. Cs ist hohe Zeit, daß auf diesem Gebiete etwas Durchreisendes geschieht. Abgesehen von einigen Hauptstraßen im Zentrum der Stadt bestehen in allen übrigen Straßen starke Mängel der Abend- unb Rächt- beleuchtung. Besonders empfindlich tritt dieser älebefftanb in den Außenbezirken in Erscheinung. Der lange Wunschzettel, mit bem die Baudepu- is reell!" 3m Ru sind ihm die Flaschen abgenommen. Paul, der Junge, keucht mit einer Schüssel heißen Wassers herbei, das er nach langem Zureden unb unter dem Versprechen einer „geistigen" Gratifikation vom Koch erhielt. Man hat schon gewartet. Jeder wirst ein Quantum feiner Ration Farinzucker hinein („Wüstensand" im ©cemannßmunb), die Flaschen werden geleert, unb mit gewichtiger Amtsmiene füllt der Logis- älteste den ihn umlauernden punschdurstigen Gesellen die Becher. Gierig wird das heiße Gebräu hinuntergeschlürft. „Ah", schmatzt es leise in einer Ccke, „de richtige Jsbreeker! Jong, wenn wi man erst Webber to Hus sünd!" Zustimmendes Grunzen. Aus ber Koje quäkt die Ziehharmonika: „Tochter Zions, freue dich...“ Zweimal hat bereits bie Glocke mit eherner Stimme von ber Back gesprochen. Feuchte, kalte Rächt schweigt nun ringsum. Kein Hauch: tnar- renb schlagen bie Segel gegen Mast unb Par- bufjnen. Die Mlttschiffsaäste verlassen müde das Matrosenlogis unb kriechen in bie Koje. Drinnen im Logis wirb es stiller. Roch fällt ber schwache Schein der Oellampe auf die geleerten Decher: noch zittert ein einschläfernder Akkord ber Zieh- Harmonika durch den mit Taoalsqualm gesättigten Daum. Dann verlöscht das Licht. Eine Gardine schließt sich nach der anderen. Weihnachten ist gewesen. älnd draußen harrt, wie allnächtlich, vier Stunden lang die Deckswache... Der „Schrecken des Sudans". Eine verschollene Persönlichkeit, deren Rarne vor 40 Jahren in aller Munde war wie später der. des Ohm Krüger, ist mit Osman D goa, dem „Führer der Derwische", dahingegangen. Osman Digna, d. h. der Bärtige, wie er wegen seines breiten Backenbartes genannt wurde, war in den Tagen des Mahdi-Aufstandes der „Schrecken des Sudans", von dessen Untaten und Grausamkeiten die furchtbarsten Geschichten erzählt wurden. Er tatlon bei ter Entscheidung über bie Anbringung von Strahenlampen zu rechnen hat, spricht so deutlich und eindringlich, daß wir uns beleäf» tigende Wo.te sparen können. Wir möchten nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß aus diesem Gebiete nun schnell geha-nbe.t wird und nicht etwa e.st das Frühjahr ober der Sommer die Verbesserung bringt. Denn an bem Zustand, daß manu)« Dorf besser beleuchtet ist als die Außenviertel unserer Stadt, hat die Bürgerschaft nachgerade genug getragen. 3m Jnteres.e einer gedeihlichen Entwicklung unserer Verlchröverhältni fc tann man sich mit bem Beschluß über den Ausbau des Flug- Ha s c >. s einverstanden erllärcn. Es ist gut, daß tie Verwaltung und das Stabtparlament auf diesem Gebiete großzügig sind, denn tn wenigen 3a_hren wirb sich heran/teilen, daß diejenigen Städte im großen wirtschaftlichen Wettbewerb die günstigsten Chaneen haben, bie über die weitreichendsten Derlehrsmöglichleiten ver ügen. Es ist also ein gutes Stück Zulun tsarbett, daS man mit diesem Beschluß geleistet hat. Dasselbe ist zu sagen von dem Beitritt unserer Staat zu dem Verein für die Autostraße H a m - bürg- Franksur t—D a , c L Schließlich noch ein Wort zur Frage der Aufwertung unserer Stadtanlcihen. In anerkennenswerter Weife besteht bei der Verwaltung und auch im Stabtparlament der Wille, aus diesem Gebiete den Aotwen^igt'citrn Rechnung zu tragen. Hoffentlich wirb cs möglich sein, die Arbeit recht bald a.tiv in Angriff zu nehmen und dabei so weit zu gehen, daß man sagen kann: es ist das geleistet worden, was der Staat Gießen würdig ist. Butzbacher Kommunalsrayen. pb. Butzbach, 16. Dez. 3m ..Deutschen Haus" fand heute mittag eine von der Stadtoer- w a 11 u n g einberufene Versammlung der Bürgermeister der Umgebung sowie der D e r- treter von Handel. Industrie. Gewerbe usw. stall Ferner waren die Landtags- abgeordnelen Prof. Dr. Werner, Fenchel und Weck le r eingcladen worden, von welchen die beiden Letztgenannten erschienen waren: Prof. Dr. Werner hatte fidf wegen Erkrankung ent- schuldigt. Bürgermeister Dr. Jansen begrüßte die Erschienenen und erläuterte m großen Zügen die geplanten Autolinien. Es sei beabsichtigt, zunächst eine Linie nach Langenhain-Ziegenberg einzurichten, die die Orte Hochweiscl. Fauerbach und Münster berührt. Dann ist eine zweite Linie nach Holzheim und eine dritte nach Brand- obernborf vorgesehen. Zwischendurch Jollen von Butzbach aus, je nach Bedürfnis. Stichs ährten nach Niederkleen — Dornholzhausen. Niederweisel, und gegebenenfalls nach Dbermörlen gemacht werden. Der Betrieb wird durch die Firma Freitag ausgeführt, unterstützt durch die Daimler-Benzwerke. Die Gemeinde Langenhain-Ziegenberg bat sich bereit erklärt, eine Autohalle und Unter- kunstsraum für den Fahrer unentgeltlich zu stellen. Unternehmer Freitag erläuterte die Vertragsbedingungen mit den Daimlerwerken und bemerkte, daß diese einen 22sitzigen Wagen zunächst für die Dauer von drei Monaten zur Verfügung gestellt haben. Hieraus erläuterte der Vertreter der Daimler- Denzwerke, Herr Schneider, Gießen, den künftigen Fahrplan. Frühmorgens sollen zwei bis drei Fahrten nach Butzbach bzw. Ostheim gemacht werden, sodann eine bis drei Fahrten nach Holzheim bzw. Niederweisel, abends zwei bis drei Fahrten in Richtung Langenhain. Näherer Fahrplan wird noch festgesetzt und bekanntgegcben. Der Fahrpreis wird 7 Ps. pro Kilometer bzw. 4 Ps. für Arbeiter und Schüler betragen. Den Ausführungen wurde zugestimmt. Für kom- menden Sonntag sind Sonderfahrten von den Landortcn nach hier geplant. Weiter wurde nochmals die Angelegenhelk ber Aufhebung der landwirtschaftlichen Win- t e r j ch u l e behandelt. Bürgermeister Dr. Jansen legte die Gründe, die zur Aushebung der Schule geführt haben, eingchgnd bar. Er betonte, daß da- durch eine außerordentliche Schädigung der land- wirtfchaftlick-en Belange der Butzbacher Umgebung eingetreten sei. Landtagsabg. Weckler unterstrich die Ausführungen des Bürgermeisters und bemerkte, daß gerade die Vertreter der Landwirtschaft im Landtag nicht für die Erhaltung der Schule ein- getreten seien. Nach weiterer Aussprache wurde eine Entschließung an d en Landtag gefaßt. war zunächst ein berüchtigter Sklavenhändler. Als aber dann streitge Gesetze gegen den Menschenhandel erlassen wurden, da gelobte Osman denen, die ihn an fernem einträglichen Geschäft hindcr- ten, Rache und crariff die günstige Gelegenheit, sich mit dem Mahdi zu verbünden. Er wurde von diesem mit der Verbreitung des Aufstandes nn östlichen Sudan beauftragt und sammelte e ne Schar von „wilden Derwischen" um s.ch, mit denen er den englisch-ägyptischen Truppen schwere Riederlagen beibrachte. So richtete er 1334 bei einem Kampf zu El Teb in der Rahe von Suakin ein wahres Blutbad unter den ägyptischen Truppen an, die von dem englischen Obersten Baker Pascha geführt wurden. Von den 4000 Mann wurden 2375 getötet. Bei einer Schlacht gegen eine englisch-indische Truppe zu Tamai brach er in die britischen Reihen ein und metzelte den größten Dell nieder. Äack^em er Monate hrnvurch Suakin und seine Garnison bedroht hatte, rüstete der General Sir G:a:ald Graham eure Expedition gegen ihn aus. drrch di? er 1891 geschlagen und in bzn Sudan zurückgedrängt wurde. Hier trieb er aber sein Unwesen weiter und kämpfte verzweisell mit den Derwischen gegen bie englischen Truppen. Er rühmte sich, stolz, un- befiegt zu sein, und blieb eine schwere Gefahr für die Engländer, die sich sogar damals entschließen muhten, den Sudan zu räumen. Erst als 1896 Lord Krtchener ein neues Heer in den Sudan führte, da schlug auch für ihn die Stunde der Riederlage. Bei Omdurman entging er mit Müh unb Rot dem Tode, muhte sich nach dem Fall von Kartum 1898 in das Gebirgsland bei Suakin flüchten unb wurde 1900 gefangen genommen, nachdem er von einem Mitglied feiner Familie verraten worden war. Der greife Gefangene, der schon damals recht alt war — das geiaue Jahr seiner Geburt femrt man nicht — wurde geistes- krcmk und erflärte nun. die Engländer wären die wahren Propheten des Islam. Er w.:rd? zu Wadi Haifa am zweiten Rilkawrakt 23 Jahr? gelangengehalten, bis ihn jetzt der Tod erlöst hat. Das große Heimatblatt der eingesessenen Bevölkerung Gießens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der im 176. Jahrgang erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen Gießener Familienb'ärler der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorg, faltig ausgewählten, gediegenen literarischen Lesestoff Heimat im Bi d der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentümlichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet Die Scholle von Fachleuten und Kennern der Heimaterde für dreLand- wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet Für die Geschäftswelt, Behörde und Familie, für Wirtschaft, Handel und Verkehr ist der Gießener Anzeiger Das große Anzeigenblatt cintrefen läßt, oier eventuell auch eine l a u Innern wrrd in diesem Fülle Wohl eine Aus- nähme. tote sie der 8 2 Abi. 4 der Verordnung vorsieht, Anlassen. Sah die Aufwertung der Sparguthaben innerhalb des Beierts einer Sparkasse nur einheitlich erfolgen soll und muh, wird wohl für das Ministerium bei seiner Entscheidung ausschlaggebend sein. Gerade von diesem Oe- sicht-Punkt der Einheitlichkeit aus dürfte es zu empfehlen fein, wenn die Kreisämter durch Brr- hanilungen mit Len einzelnen Gemeinden ihrer Kreise Liefe zu einer einhe'Mchen Regelung der Auswertung der Gemeindeschulden zu dem Ror- malsah von 12,5 Prozent veranlassen würden, um dadurch auch für die Aufwertung der Sparguthaben die erforderliche Einheitlichkeit zu schaffen. Sollten einzelne Gemeinden, wie z. B. kleine Landgemeinden mit ertragreichem gro'jen Waldbesitz, in der Lage sein, höher aufwerlen zu tönnen, so könnte man in solchen Fällen den Gr- meindegläubigern dadurch entgegenkommen, bah man die R ü ck z a h l u n g s f r i st der Ablösungsanleihen verkürzt, oder Barauszahlung Neubestellung von Beisitzern der Schttchtungsausschüsse. Dom Echlichtungsausschuh für die Provinz Oberhefsen wird uns mitgeteilt: Wegen des bevorstehenden Ablaufes der Amtszeit der Beisitzer wird die Neubestellung erforderlich. Sie geschieht durch den Mb mster für Arbeit und W.rtschaft auf Grund von Dorschlagslisten, die von wirtschaftlichen (lm arbeitsrechtlichen Sinn) Vereinigungen auf- gestellt werden mti> beim Schlichtungsausschuß für die Provinz Oberhessen in Gießen einzureichen sind (es sel hier auf die heutige Dekannt- machrng verwiesen). Als Beisitzer kann nur berufen werden, wer deutscher Reichsangehöriger rst, das 21. Lebensjahr vollendet und im Bezirk des Schlich» trmgsausschusses (Hess. Provinz Oberhe'sen und die vereinbarungsgemäß milz. berücksichtigenden, außerhalb gelegenen Grbi-tsteile) den Betriebs- sitz, oder mangels eines solchen den Wohnsitz hat, oder beschäftigt ist. Arbeitgeberbeislher dürfen nur Arbeitgeber fein. Den Arbeitgebern stehen gleich Borstands- Mitglieder und g sehlich^ Bert rede r von juristischen Personen und von Personeng samtheiten des öffentlichen imö des privaten R^tts. Aufs'chts- ratsmitglieder mit Ausnahme der vom Betriebsrat entsandten, öffentliche Beamte nach näherer Anordnung der zuständigen obersten Reichs» oder Landesbehörde. Geschäftsführer und Dctri.bs- leiier, soweit sie selbständig zur Einstellung von Arbeitnehmern in den Betr'eb oder die Detr'ebs» abteilung berechtigt sind, oder soweit ihnen Prokura. Handlungsvollmacht oder Generaleolle acht erteilt ist, und setzengZmätz'.ge Dertreter odn: bevollmächtigte Angestellte wirtschaftlicher Dereini» gungen von Arbeiter bern. Arbeitnehmerbeisltz^r dürsen nur Arbeitnehmer f'iit Z>en Arbeitn hm vn stehen satz ngs- mäßige Dertr-.ter, od'r bevollmächtigte Angestellte wirtschaftlicher Dere.n g-ungen von Arbeitnehmern gleich. Bei der Berufung sollen die verschiedenen Seite und dir hauptsächlichen Gewerb zwe'ge, Der"fsarten und B:tri?bsarlen des Bezirks berücksichtigt werden. Die Vorschlagslisten der wirtschaftlichen Derein g:ngen der Arbeitgeber unb der Arbeitnehmer sollen diesem Ersordornis Rechnung ftage’.L Es sind bei den Arbeitnehmern getreirnte Vorschlagslisten für Arbeiter und für Angestellte aufzustelle'.r. Die älebernahme deS Deisitzeramtes kann ablehnen: 1. wer das 63. Lebensjahr vollendet hat: 2. wer durch Krankheit oder Gebrechen verhindert ist. das Amt vrim,uags;näßig zu führen: 3. wer durch andere ehrenamtliche Tätigkeit für die Allgemeinheit so in Anspruch genommen ist. daß ihm die älebernahme Les Antes nicht zu- aemutet werden kann: 4. wer in den letzten drei Jahren vor der Berufung als Besitzer eines SLlichiungsausschusies tätig gewesen ist: 5. öffentliche Beamte auf DerlangLn ihrer vorgesetzten Dienstbehörde. Für die Vergütung der Beisitzer (Tagegeld. sende jährliche Verzinsung gibt, anstatt die -Zinsen erst bei der Ausloiung za. bezahlen, wie es Las Anleiheablösungsgesetz an sich vvrsieht. An dem einheitlichen Aufwrrtungs- sah von 12,5 Prozent sollte man aber aus den oben angeführten Gründen möglichst festhalten, um Llnzuttäglichkeiten für Lie Sparkassen und Ge- meinLen, die sich aus einer verschieden hohen Aufwertung ergeben, zu vermeiden. Die aufgewerteten Sparguthaben ftnd bis zum 1. Januar 1932 für die Gläubiger unkündbar. von diesem Zeitpunkt aber kann die Hälfte, vom 1. Januar 1940 ab der Rest des ©ut> habens nach Len Satzungsbestimmungen der Sparkasse gekündigt werden. Die Sparkassen sollen bedürftigen und solchen Personen. Lie über 65 Jahre alt sind, sowie solchen, die infolge ihres körper» lichen Zustandes voraussichtlich bei Einhaltung Les Termins vom 1. Januar 1932 nicht mehr die Auszahlung erleben werden, auf Antrag ihren Auswertungsbetrag sofort und ohne Zwischen- zinsenabzug auszahlen, vorausgesetzt, daß diese Pe fönen nicht zur Vermögenssteuer herangezo- gen sind. Die aufgewerteten Guthaben sind vom 1. Januar 1927 ab mit jährlich 3 Prozent, vom 1. Januar 1932 ab zu den für die übrigen Spareinlagen geltenden Sätzen zu verzinsen. Die Zinsen können am Ende eines jeden Kalenderjahres abgehoben weiden. Zur Deckung der sür Lie Auswertung der Sparguthaben erforderlichen Mittel sollen zunächst die den Kassen aus der Aufwertung ihrer eigenen Forderungen zu- fließ end en Beträge Verwendung finden. Reichen diese nicht aus, so kann ein eventueller Zuschuß aus dem schon erwähnten Ausgleichsstock in Frage kommen. Auch die jährlichen äleberschüsse können dazu herangezogen werden. Sind dann noch weitere Mittel zur Durchführung der Aufwertung der Sparguthaben nötig, so werden die Garantiegemeinden der Sparkassen zur Leistung von Zuschüssen herangezogen. Jede Sparkasse hat zur Durchführung der Aufwertung einen Aufwertungsstock zu bilden, der besonders zu verrechnen und zu verwalten ist. Es sei schließlich noch hervorgehoben, daß sich die Aufwertungsbestimmungen auf alle Kontoa.ten von Sparlasseneinlagen beziehen, wobei es keinen Unterschied macht, ob die ©in» lagen nur fristgemäß gekündigt werden können, oder ob der Einleger jederzeit darüber verfügen konnte. Dagegen fallen nicht unter die Aufwertung die Saldobestände von Girokonten: diese unterliegen überhaupt keiner Aufwertung. worin dieser ersucht wird, die im vorigen Jahre aufgehobene Landwirtschafteschule wieder einzurichten. Ferner wurde noch die Einrichtung wei- kerer Märkte besprochen. Durch die fortwährend herrschende Maul- und Klauenseuche hätten die Schweine- und Rindviehmärkte schon über ein Jahr Ausfallen müssen, wodurch der Stadt ein erheblicher Schaden entstanden sei. Es sei daher angeregt worden, mit dem Frühjahrs-Faselmarkt einen Pferdemarkt zu verbinden und gegebenenfalls noch einen zweiten Mark Ende August, anfangs September obzuhalten. Die Landwirtschastslammer und der Pferde^uchwerein haben ihre Unterstützung zugesagt. Die Anregung wurde allgemein gutgeheißen und die Abhaltung von zwei Pferde- Märkten befürwortet. Die Aufwertung der Sparguthaben bei den öffentlichen Sparkassen in Metzen Don Bürgermeister Dr. V ö l f i n g, Alsfeld. Sag Auiwertungsgeseh beschränkt sich ebenso wie die frühere dritte Steuernotverorbnung darauf, für die Aufwertung der Svar- kafsengulhaben nur Grundsätze aufzustellen und die Einzelregelung den Ländern zu überlassen. Hm aber von vornherein eine sichere Rechtsgrundlage für die lanbesgesetzlichen Vorschriften zu schaffen, sind im § 58 des Aufwer- tungsgcsehes weitgehende Ermächtigungen für die Lan^esgesetzgebung vorgesehen. Grundsätzlich ist noch festgelegt, daß der bei der Verteilung auf die Sparguthaben entfallende Betrag mindestens 12,5 Prozent Les Goldmarkbetrages erreichen soll. Die erste hessische Verordnung zur A.'.rchführung Ler Aufwertung der Sparguthaben vom 27. Oktober 1926 bestimmt nun grundlegend, daß die Aufwertung der Sparguthaben bei den öffentlichen Sparkassen Hessens zu einem Satz von 12,5 Prozent LeS Grldma'.tbrtrages erfolgt. Linier öffentlichen Sparkassen sind solche zu verstehen, welche auf Grund des hessischen Gesetzes betr. die öffentlichen Sparkassen oom, 8. August 1902 errichtet sind. Eine Sparkasse ist dann nur eine öffentliche, wenn sie als solche staatlich anerkannt ist. Die Voraussetzungen für Liese Anerkennung ergeben sich aus dem hessischen Spar lassenge setz. GenossenlchastLkas'en und Privatbanken falien nicht unter die Verordnung. Der Minister des Innern kann anordnen, daß eine Sparkasse ihre Guthaben zu einem von ihm zu bestimmenden höheren Sah aufzuwerten hat, wenn sich bei ihr aus dem Verhältnis des au'getoerfeten Spar- kassenvermögelrs zu Len ausgewerteten Sparguthaben ein höherer Satz als 12,5 Prozent ergibt. Auch kann der Minister unter dieser Voraussetzung anordnen, daß die vor dem 14. Juni 1922, auch ohne Vorbehalt, ausgezahlten Guthaben auszuwerten sin>. Wird ein höherer Aufwertungssatz als 12,5 Prozent vom Minister ces Innern ungeordnet, so ist aus dem Betrag, der zur Durchführung Lieser höheren Auswertung erforderlich ist, ein Betrag bis zu 40 Proz. dieses Betrages an einen A u s g l e i ch s st ock abzuführen, aus welchem leistungsschwache Sparkassen bei der Aufwertung ihrer Spareinlagen zu unterstützen sind, lieber die Verwaltung und Verwendung des Ausgleichsstockes verfügt der Minister. Von Wichtigkeft für die Gemeinden ist Lie Bestimmung des 8 2 der hes.ischrn Durchführungsverordnung. Tilgt nämlich eine Gemeinde ihre eigenen Marianleihen,'wozu begrifflich auch die Schuldscheindarlehen gehören, zu einem höheren Ginlösungsbetoag als 12 5 Prozent, so ist dieser höhere Satz auch für die Answer.ung der Sparguthaben der Sparkasse, für welche die betreffende Gemeinde als Garantiegemeinde haftet, als Aufwertungssah maßgebend. Wenn also z. B. die Gemeinde ü. ihre Schulden nach den einschlägigen Vorschriften Les Anleiheablösungs- gesehes mit 20 Prozent aufwerten würde, so müßten auch die Sparguthaben der Sparkasse, für welche bisse Gemeinde haftet, mit 20 Prozent aufgcwerter werden. Es kann jedoch ter Minister des Innern in diesem Falle für Dezirksspark assen eine Ausnahme zu- lassen. Geschieht Lies nicht, dann würde diejenige Gemeinde, welche dadurch die Sparkasse zu einer höheren Aufwertung veranlaßt, die der Kasse hierdurch erwachsenden Mehrausgaben, die Lurch das aufgetoericte Vermögen der Sparkasse nicht gedeckt werden, nach näherer Anordnung des Ministers des Innern durch einen Dorans- beitrag zu ersetzen haben. (§ 9 Aös. 4 der an- gezogenen Verordnung.) D.rzu wird es indessen Wohl kaum kommen, beim das Ministerium des Der Frosch mit öerMaske Roman von Edgar Wallace. 19 Fortsetzung. Rachdruck verboten „Sechs", war die prompte Antwort. „Zehn, um ihn auszuheben und zwanzig, wenn es schlimm zu- geht." „Nehmen Sie dreißig", sagte Elk. Der Klub sah von außen völlig unscheinbar aus, aber befand man sich einmal hinter seinen geschlossenen Türen und zugezogenen Vorhängen, so vergaß man das ärmliche, düstere Aussehen. Eist turn- riöser Gang, mit dicken Teppichen bedeckt und mild erleuchtet, führte nach dem Tanzsaal und Restaurant. Dick wartete auf die Ankunft des Direktors und bewunderte, in der Türe stehend, den Reichtum Des Saales. Die Tische standen in einem länglichen Viereck auf dem polierten Estrich, von einer Äalerie körnen die Klänge eines Negerorcheslers und innerhalb des ausgesparten Raumes tanzte ein Dutzend Paare und wiegte sich nach dem nervenaufpeitschen- den Rhythmus der Stakkatornelodie. „Vergoldetes Laster!" verwarf Elk verächtlich. „Ich möchte wissen, was man hier die Frechheit hat für ein Essen zu verlangen. Da ist ja unser Methusalem." Methusalem saß am besten Tische des Saales. Sein kahler Schädel leuchtete im Licht des Kristallüsters und in dem Schatten, den dieser warf, verschmolz sein Patriarchenbart mit der schneeigen Hemdbrust, so daß Dick ihn einen Moment lang nicht erkannte. Vor ihm stand ein großes, mit Vier gefülltes ©las. „Er trinkt! Er ist immerhin menschlich", sagte Elk. Hagn kam heran, freundlich lächelnd, in dem Bestreben. ihnen gefällig zu fein. „Das ist ein unerwartetes Vergnügen, Herr Hauptmann", sagte er. «Sie wünschen, daß ich Sie hereinlasse? Aber, meine Herren, das ist doch gar nicht nötig. Jeder Polizeioffizier von Rang :st ein Ehrenmitglied meines Klubs." Er ging geschäftig voran, führte sie zwischen den Tischen hin und fand eine leere Loge. Es gab Zecher, deren Mienen sich bei der Ankunft der neuen Gäste umwölbten. Einer zumindest stahl sich hinaus und ward nicht wieder gesehen. „Wir haben heute abend sehr feine Gäste", sagte Hagn und rieb sich die Hände. „Hier ist Lord und Lady Belfin, dieser Herr mit dem großen Sart ist der reiche Maitland und sein Sekretär ist ebenfalls hier." „Johnson?" fragte Dick überrascht. „Wo sitzt er?" Da bemerkte er auch schon den rundlichen Philosophen. Er saß in einer entfernten Ecke und sah in seinem altmodischen Frack entsetzlich ungeschickt und unglücklich aus. Wie er so auf Der Ecke seines Sessels saß, machte er ein feierliches und erschrockenes Gesicht und hielt die Hände auf dem Tisch gefaltet. „Gehen Cie hinüber und holen Sie ihn her", flüsterte Dick Elk zu. Elk marschierte durch das Wirbeln der Tänzerpaare und erreichte Herrn Johnson, der ihn erlöst ansah und ihm so kräftig die Hand schüttelte, als hätte Elk ihn von einer verlassenen Insel errettet. „Es war Heb von Ihnen, mich hsr- überzuholen", sagte Johnson, als er Dick begrüßte. ,Zch fühle mich hier so gar nicht am Platze. Es ist mein erster und mein letzter Besuch." Und er klickte nach einer kleinen Gesellschaft in der gegenüberliegenden Loge. Gordon war ihrer schon beim Eintritt gewahr worden. Da waren Ray, in seiner üppigsten Laune, — Lola Bassano, herrlich und exzentrisch gekleidet und der massive Ex-Faustkämpfer Lew Brady. Johnson wies mit den Blicken nach dem alten Maitland. „Ist das nicht ein Wunder?" fragte er mit Flüsterstimme. „In einem einzigen Tage hat er feine Lebensweise geändert. Kaust ein Haus in Berkeley Square, beruft eine Armee von Schneidern, schickt mich aus, um Theatersitze zu bestellen, kauft Ju- welsnl Ich verstehe nicht , gestand er kopfschüttelnd. „Besonders, weil er im Bureau ganz unverändert ist. Dort ist er noch immer derselbe alte Geizhals. Er wollte, daß ich auch seine Prioatunternehmungen führen sollte, aber ich schlug es aus. Was mich ängstigt, ist nur, daß er mich auch an die Luft fetzen kann, wenn ich nicht einwilliae. Er ist in dieser Woche recht unverdaulich gewesen. — Ob Roy ihn wohl gesehen hat?" Ray hatte feinen früheren Ches noch nicht bemerkt. Er war zu sehr von der Freude erfüllt, in solch eleganter Umgebung mit Lola zusammen zu sein, um ein Interesse an irgendetwas außer sich selbst und an dem unmittelbaren Objekt seiner Zärtlichkeit zu nehmen. „Du machst dich lächerlich, Ray, halb Scotland Pard ist hier und oeobachtet dich", warnte Lola. Er blickte um ich und schien zum ersten Male zu bemerken, daß ie nicht allein seien. Ihm gegenüber faß Dick, der 'm ernsthaft betrachtete, und dieser Anblick und das Bewußtsein des Beobachtetwerdens machten ihn irrsinnig vor Zorn. Er sprang auf, lief unsicher über das Parkett hin, stieß mit den tanzenden Paaren zusammen, stolperte über Tische und Stühle, bis er vor Dick stand. „Suchen Sie mich?" fragte er laut. „Brauchen Sie mich vielleicht?" Dick schüttelte den Kopf. „Sie verfluchter Polizeispitzel, Hetzen Sie Ihre Bluthunde auf mich?" tobte der Jüngling blaß vor Wut. Johnson, was machen denn Sie bei dieser Bande? Sind Sie vielleicht auch Polizeispion geworden?" „Aber, lieber Rcy", murmelte Johnson. „Lieber Ran!" spottete der andere nach. „Sie sind ja eifersüchtig, Sie armer Hund! Eifersüchtig, weil ich aus den Klauen Ihres Blutsaugers entkommen bin! Aber Sie---!" er fuchtelte mit geballter Faust vor Dicks Gesicht umher. „Sie werden mich in Ruhe lassen. Sie! Suchen Sie sich eine andere Beschäftigung, als meiner Schwester Geschichten über mich zu erzählen!" ,Hch glaube, Sie sollten lieber zu Ihren Freund- den zurückkehren", sagte Dick kühl, „ober besser noch, Sie gehen nach Hause und schlafen sich aus." All dies hatte fid) während einer Tanzpause begeben, jetzt fiel das Orchester von neuem ein. Aber die Anteilnahme des Überfüllen Klubsaales verringerte sich keineswegs, obwohl Rays hohe Stimme die Trommeln nicht zu übertönen vermochte. Dick war dessen sicher, daß der Direktor ober einer der Beamten des Klubs sogleich intervenieren würde. Der Oberkellner kam auch sofort herbei, um Ray zurückzudrängen. An allen Tischen war man aufgestanden und sah mit langgestreckten Hälsen nach dem zornigen jungen Mann, der sich wütend gegen die beschwichtigenden Kellner wehrte. So sah niemand den Fremden, der eine ganze Weile die Vorgänge beobachtet hatte, bevor er, die Zuschauer beiseite schiebend, in die Mitte des Saales kam. Der grauhaarige Mann stach in seinem abgetragenen Tweedanzug auffallend von der elegant gekleideten Menge ab. Er stand, die Hände am Rücken, mit leichenblassem, ernstem Gesicht da und Reisekosten) sind Zäc Lurch Verordnung iwetl» bestimmten Sähe maßgebend. Die Inanspruchnahme der Beisitzer ist durch Len Abschluß Ler Tarifverträge mit längerer Dauer, durch Lie ruhiger- Lohnbewegung ufto. im Lause der Zeit geringer geworben, insbesondere auch, solange es sich, wie bisher in den meisten! Sollen, ermöglich:n lißt, mit den Beteiligten ober Leu Vertretern selbst zu einer Schiedsstelle zusammenzutreten. Die Amtszeit in der eigentlichen Schlichtungstätigkeit dauert bei d'N Beisitzern drei Jahre. Aus den Beisitzern des Schlicharngsaus- schusses werden auch Lie Beisitzer seiner arbettL» gerichtlichen B^chlußrammer und lllrteilskannner berufen für die im Detriebsrätegesetz, in der LanbarbeitsorLnung und im Reichsversorgungsgesetz genannten Falle, und zwar, soweit der Bezirk der Kreise A.sseld, Lauterbach, Schotten und Büdingen in Betracht kommt: hier wird aber demnächst Lurch die üleberleitung der ar- bettsgerichtlich m Tätigkeit in die neue Organisation des A.beitsZerichtsg'.sctzrS eine Aenderung ein treten. Bis die Arbeitsberichte jedoch ihre Tätigkeit aufnehmen, dauert die Funktion Ler arbeitsgerichtlichen Kammer als Arbeitsgerichts- Srsatzftelle in dem bisherigen Umfang Wetter. Eingesandt. (Für Form und onyau aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel uvernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber : - - <> D'rn-ttwor t-na.> Die Alice in der Stadl: Schönheit oder Gesundheit? In dem Artikel in Nr. 292 des Gieß^Anz vom 14. b. M. „Die Allee In der Stabt: Schönheit ober Gesundheit?" würbe u. a. auch die L ö b e r st r a ß e genannt. Diese laßt nun hiermit bas Echo erschallen. Die Gründe und Einwände des Herrn Einsenders können im großen und gonzen anerkannt werben: sie sind vom gesundheitlichen Standpunki aus voll und ganz zu unterstützen. Die Löberstraße befindet sich in demselben Zustande wie die Kaiferallee, jedoch dürste hier erfchwerend wirken, daß die Front der Häuser nach Nordwesten liegt und die Sonne int Sommer nur am späten Nachmittag versucht, ihre wärmenden Strahlen den betr. Anwohnern zu spenden. Die zu dicht angepslanzten und au hohen Lindenbäume lassen kein Sonnenlicht durch, und Finsternis herrscht in allen nach der Straße zu gelegenen Zimmern. Ein diesbezügliches Gesuch an die Stadtverwaltung, wenigstens einen Baum zwischendurch zu entfernen, wurde kurzerhand dahin beschieden, daß die Säume im vergangenen Jahre au^geputzt wurden. In dieser Weise waren die berechtigten Wünsche der Steuerzabler in der Löberstraße in kurzer und bündiger Weife erledigt. Betrachtet man dagegen die Bahnhofstraße zwischen Hotel Lenz und der Post, ja da staunt man. Hier störten dir großen Bäume keineswegs die Mitmenschen. Tas Staotebild soll unb muß für den Fremden verschönt werden: das ist Har; ob aber diese verschnittenen Baumriesrn hier das Bild verschönern, dürfte eine strittige Frage sein. Jeder schönyeitcliebende Mensch wirb ftisches Grün stets begrüßen, aber immer nur ba, wo es angebracht ist unb wo es nicht gefunbheitsfchädlich wirkt. Warum pflanzt man nicht kleinere Bäume, wie Kugelakazien u. bgl. an, bie doch auch eine schön angelegte Anlage schmücken, aber nicht Licht unb Sonne wegnehmen? Vielleicht geben die Klagen der benachteiligten Straßen unseren Stabtvätern, die sich doch manchmal stundenlang über nichtige Dinge den Kopf zerbrechen, Veranlagung, diese Beschwer- den zu prüfen und schnellstens Abhilfe zu schaffen, -n. betrachtete Ray, der im Augenblick fast nüchtern wurde als er feinen Vater erkannte. „Ich muß dich sprechen. Ray", sagte John Ben- nett einfach. Sie standen allein inmitten eines großen Zuschauerkreises, der vor ihnen zurückge- wichen mar. Die Musik war abgerissen, als habe der Dirigent ein Zeichen empfangen. „Komm mit mir nach Horsham, Junge." ,Lch gehe nicht!" sagte Ray störrisch. „Gehen Sie mit Ihrem Vater, Ray." Johnson legte die Hand eine Sekunde lang auf des jungen Ttannes Schulter. Ray schüttelte ihn ab. „Ich bleibe hier!" sagte er, und seine Stimme klang laut unb trotzig. „Da hast kein Recht, hierher- 5uf0.nm.en, Vater, unb mich lächerlich au machen." Er blickte seine Vater zornig an. „Du hast mich in all biofen Jahren niedergehalten unb mir bas Geld verweigert, um das ich dich bat. Unb jetzt erlaubst du btt, barüber entsetzt au fein, baß ich mich in einem anständigen Klub vesinbe unb anständig gekleidet bin. Mit mir ist alles in Ordnung. Kannst du basfelbe auch von dir sagen? Und wenn auch nicht alles bei mir in Ordnung wäre, könntest du mich bann tadeln?" „Komm fort von hier." John Bennetts Sttmme klang heiser. „Ich bleibe?" sagte Ray heftig. „Und in Zukunft wirst du mich in FrieLen lassen. Der Bruch hat einmal kommen muffen, unb es ist gut, baß er gekommen ist." Vater unb Sohn standen einander gegenüber, unb in John Bennetts müden Augen lag ein Blick grenzenlosester Trauer. Jtomm mit mir", sagte er bittend und streckte zögernd die Hand aus. Da sah Ray Lolas Gesicht, sah bas unterdrückte Lächeln um ihre Lippen, und seine verletzte Eitelkeit machte ihn rasend. Mit einem Wutschrei brach er los. Der Schlag, der den alten Bennett traf, machte ihn wanken, aber er fiel nicht. Er sah seinen Sohn lange an, bann senkte er den Kopf und ließ sich wortlos von Dick hinwegführen. Ray Bennett stand vor Schrecken gelähmt da, sprachlos, unfähig, sich zu bewegen. Giortieflung toigi.) 1826 e -*3 ztr; 7, 4 'Oene 4 •»«lere- Uenwer, ■ v * CurfdlOSffrlepZig^ I f. -^##3 r 'MU £. '.„TZ wirk! sofort imehueidien Teint 20,30.60 ul 20 Pfj nblick ffift aüchtcm nnte. sog!« John Vciv ein irtmüien ein« >or ihnen jutüdge- gissen, als habe der jam, Junge.' störrisch- iter, M" Wn lang aus des jungen ^Tther ist v r mit durch - Ui l0Mre ag em ® . W.Ä u» SSSS rn. Der Nlch MoM * oegem oil">__^7^ ^Sesuod^j» .%& pom n^chonheu oder i*Ä .^bie 8ro% ? b,e Sonnt im llafl versuch, ?zu hoLtz Finster. l< Q6e zu gelegenen ^nch an die Stabt, zwischendurch ! Kn beschieden. ‘ Wou’gep^ öifbereihfiflten Oberstraß« in kur- verachtet man ba. \ ^viei Lenz und starten dir großen >en. Tas ÄÄiM .widjonl werden-. 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Betr.: Einreichung von Vorschlagslisten für die Berufung (Neubestellung) der Beisitzer des Schttchtungs- ausschusses für die Provinz Ober- Hessen in Gießen. Da in Kürze die Amtszeit der Beisitzer adläust. werden die wirtschastlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer unseres Bezirks aufyesordert, innerhalb 2 Wochen Vorschlagslisten für die Berufung von Beisitzern des Schlich- tungsausschusses bei uns einzureichen (§§ 3 und 4 der DO. vom 29. 12. 1923 z. Ausf. d. DO. über das Schlichtungswesen: NGBl. 1924 1 Nr. 1 S. 9). Gießen, den 18. Dezember 1926. Bahnhofstr. 42 II. Schlichtungsausschuß für die Provinz Oberheffen. Raab. 10478V Arbeitsvergebnng Mit Genehmigtyig des Hess. Ministeriums werden für den Umbau der Zehnlscheuer am Brandplah zu Gießen zu einem Polizeiamt nachver^eichnete Arbeiten öffentlich ausgeschrieben. I. (Erb-, TNaurer-, Staker- und Deton- irbeifen: und zwar etwa: 800 cbm Erd- 30 cbm Betonfundamente, 350 cbm Backsteinmauerwerk, 1200 qm äußere und innere Fachwerkswände auszu- mauem, 70 qm Zementdielenwände, 330 qm Hohlsteindecken, 40 qm Eifenbetondecken, 900 qm Strohlehm, 50 qm Asphaltböden: Abbruch und Unterfangungsarbeiten. II. Zimmerarbeiten: und zwar: etwa 400 m Sprießholz, 28 cbm geschnittenes Tannen- und Kiefernholz, 1400 m Holz abzubinden, 1400 m altes Holz neu zu verzimmern, 5 cbm geschnittenes Eichenholz, 1100 in altes Eichenholz neu zu verzimmern, 270 qm rauhen Fußboden, 170 m Gesimse, 800 qm Balkenfelder mit Schwarten auszulegen, 800 am Dachschalung: Absprießungen, Versteifungen, Abstützungen. III. Steinbauerarbeiten: und zwar etwa: 40 cbm Basattlavatuff für Sockelverblendungen, Fensterbänke u. dgl., 6 cbm dichte Basalt- laoa für Treppenstufen, Podestplatten, Lichtschachtrahmen usw. IV. Grobschlosserarbeiten: und zwar etwa: 350 kg Anker, Klammern, Verbindungseisen, Dollen und dgl., 50 kg Schrauben und Schraubenbolzen, Platten, Laschen, Nägel, Muttern und Ncchrhülsen, 20 Stück Fenstcroergitte- rungen usw. V. Dachdeckerarbeiten: und zwar etwa: 800 qm alte Ziegeleindeckung abzunehmen und das Dach mit Ziegeln obet; Schiefer neu einzudecken, 50 m Kehlen, 50 m Firstziegel, 60 m Schneefang- gstter. VL Spenglerarbeiten: und zwar eiipa: 120 m Hängekandeln, 50 m Ab- f-zllrohre, 25 qm Zinkeindeckungen, 30 qm Bleiabdeckungen, Dunstrohre u. dgl. Die voroerzeichneten Massenangaben sind unverbindlich. Die Angebotsunterlagen, keine Zeichnungen sind ab Mittwoch, den 2. Dezember, solange der Vorrat reicht, bei unserem Zweigbureau, Amtsgericht, Zimmer Nr. 220, woselbst auch die Bedingungen und.Zeichnungen zur Einsichtnahme offenliegen, gegen Erstattung Der Herstellungskosten erhältlich. Angebote, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind verschlossen und portofrei bis zum Mittwoch, den 12. Januar 1927, norm. 11 Uhr, bei unterzeichnetem hoch- bauamt, Stephanstr. 18, wo die Eröffnung und Verlesung erfolgt, einzusenden. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 18. Dezember 1926. Hess. Hochbauam Gießen. I. D.: Kuhlmann. „Eingetragene Schutzmarke" In Qualität und Geschmack unerreicht — Ferner empfehle ich: Frische Sendung MWMIMM Fr. Schmieder Ecke Neustadl u. Seltersweg, gegenüber Schuhhaus Metropol. 6UW Orig.-Abfüll. Uhlen, Nordbaufen d,c 7. Ltr -Fl. J6 3.60 ff. fiordbänfer dle Cektflasche -X 2 40 Rirsch- u Zwetschenwasser in und ' .-Flaschen Rum, Arrak Punsch-Lffenzen Jamaika-Rumverschnitt 7- Fl. M 1.85 lind 2.10 7, Fl. .K 3.50 und 4.00 Reiner Zamaila-Rum in 7,-, ’und 7i-Flnschen Liköre Während v- e* tür die des Verkaufs Ul ullS Kinderwelt Salomons Schupo Ueberraschungs-Paketchen Baby-Wäsche Erstling-Jäckchen Eft Größe 1—4 Mk. 0.75 U.uU Kinder-Jäckchen H Eß aus mcrc. 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Keine Zeitung durste ein Sterbenswörtchen für oder gegen ihn bringen, keine nur andeuten, weshalb plötzlich der Mann, auf den der Duce Ehpen über Ehren gehäuft hatte, der Senator Cremone fi, unser „Pippo", der Liebling des Publikums, gehen muhte. Lind mit ihm sämtliche Dizegouverneure und sämtliche zehn Rektoren des Kav'tols. Pippo. der sich mit den Männern der P'es e immer echt gut stand, sch ckte uns nur ein Abschiedsbrieschen in unsere Arbeitsstube und fand, als der Duce endlich seinen Nachfolger gewählt hatte, den Fürsten Spada P o t e n z i a n i, das gelassene Wort: Die Männer gehen, Rom bleibt unsterblich? Wenn ich nicht irre, haben philosophisch« Gemüter schon früher einmal so gedacht. . ES sind neronische Zeiten. So hoch steht keiner, dah er sich seines Amtes vor Mitternacht rühmen dürfte. Wie sie k;men und meteor- gleich -aufstiegen, alle, alle sanken wieder ins Nichts Zurück. Es fiel Farinacci, der „zweite Duce". GS verschwand Federzoni, der ..Nachfolger Mussolinis". Dor Oberkommandierende der schwarzen Legionen, ein Fürst und General des königlichen Heeres, trat auf und — ab Aus? Die Gnaden sonne des Duce ist zuverlässig wie eine Frau. Sie formt und zerquetscht, die Faust des Giganten — man mag über die Sache den» ken. wie man will, gigantisch ist seine Alleinherrschaft unbedingt. Kein Zar hat jemals so unumschränkt regiert, denn keiner ging so ins -einzelne. Dieser moderne Eäsar mordet seine Untertanen nicht läßt leine Ratgeber nicht aus Laune über die Klinge (bringen, er nützt sie aus zum Wohle des Staates. Des Stoatswvhles, wie er es ouffäht, ober immerhin zu einem höheren, nicht einem versönsichen Zweck. Der König ist besieht, aber Mussolini herrscht. Man kann zum Beispiel eine Zeitschrift aufschloaen und darin ein Bild finden, das den Herrscher inmitten seines Gefolges bei irgendeiner Parade zeigt: in der Mitte Mussolini, der Monarch zu seiner Rechten. Aber nicht nur der Würdenträger von Duces Gnaden, auch der gewöhnliche Sterbliche weih niemals, was ihm der nächste Tag bringt. So sehr das faschistische Abzeichen im Knopfloch dominiert, so sicher die damit Geschmückten eine Kaste bilden, gegen die der nackte Frack vergeblich anrennen würde, so verfehlt wäre es, zu glauben, dah die Faschisten geschont würden. 3m Gegenteil, sie unterstehen einer geradezu kasernenhaften Kontrolle, ihre Freiheit ist dahin. Zahllose Fragebogen, die sie ständig auf Herz und Nieren prüfen, flattern ihnen inS Haus, sie als-erste haben Staats- diszivlin zu zeigen, Obfer zu bringen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Undenkbar, dah sich etwa ein Faschist von der Zeichnung auf die Liktorenbündetanleihe drückt. Gelingt das schon keinem Türsteher in Rom oder einem Gemeindediener in Sardinien, so wäre es für einen eingeschriebenen Faschisten der Anfang vom Ende. Daher ist die Unzufriedenheit durchaus nicht bloh auf regimefeindliche Kreise beschränkt, im Gegenteil, zahllose Faschisten seufzen unter der all-u harten Kandg'-e. Aber sie gehorchen. Mussolini ist ein unerbittlicher Reiter und weih, was er will. Don Tag zu Tag sich mehr zum Asketen, zum Puritaner auf allen Gebieten ausbildend, fordert er von seinem Volke das gleiche. Das bisherige Parteiabzeichen, das Liktorenbün- del. wurde »um staatlichen Hoheitsabzeichen erhoben. Sinnbild der Zeit, wie es treffender nicht erdacht werden könnte. In Rom gerät nach dem Fallen des Vorhangs über der intimsten Saalbühne, bei Beginn des nächtlichen Tanz- treibens im elegantesten Lokale der Hauvtstadt, das ganze Sodom in Brand. Ach, aemePen an den Lasterstätten anderer Länder, ging es hier recht brav zu. Die aufflammenden Vavierrvsen. es ist wahr, riefelten wie biblllche Strafen auf nackte Frauenfchuktern und die Klischeevifagen arbeitsunlustiger Herrchen herunter, aber war unter den raucherstickten Obfern der leichtest- geschürzten Mule nicht auch eine Mutter, die ihr Schäfchen nach Hause bringen wollte? Und doch wird der Theaterbrand ein Verbot aller T a b a r i n s zur Folge haben, einen derart willkommenen Vorwand zu puritanischen Verfolgungen kann sich die Staatsraison, die ein fern- tüchtiges Soldatenvolk heran bilden will, nicht entgehen lassen. „Ich will euch!" Auch den verworfenen Mannsgeschövfen gilt es. die „sich tociacrn, eine Familie zu gründen" Mussolini hat ihnen als Weihnachtsgeschenk eine Iunggesellen- steuer unter den Baum gefeit. Lind zwar eine progressive vom 25. Lebensjahre ab. Llnd bis zum funsundsechzigsten — was zum andernmal verrät, dah in Italien ein kräftiger Menschenschlag lebt. Dann kam ein Ukas heraus, der bis auf weiteres fämt siche Festeres en. Umzüge und dergleichen verbietet. Die Nation solle arbei» t e n. Bisher hieh es „sempre festa", immer ein Fest! Besonders bei den Faschisten. Nun dürfen sie nicht einmal mehr Bank-site abhalten und Reden loslassen. Ich bitte Sie. was ist eine italienische Lustbarkeit ohne Festredner, was ein Festredner ohne Zuhörer? Kein Unteroffizier kann lo streng fein. Aber Mussolini zeigt wie es gemacht werden muh. Arbeit, nichts als Arbeit. Lieber zehn Berufe als feinen. Sr geht niemals in Urlaub er schafft auch Sonntags. Manche amtlich« Verlautbarungen werden infolgedessen zum W'h. Da verkündet ett^a die den Südtirolern auferleate faschistische ..Albenzeitung" über eine Posizeimah- nahme: „Dasselbe kann der Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Minister des Aeuheren und mit Zustimmung des Ehefs der Regierung verfügen ..." Beneidenswertes Ein- Famrlre und Staat Don Prof. Dr. Friedrich Zahn. München, Weihnachten stehl vor der Türe — ein Fest der Familie, der Kinder, der kinderreichen Familie. Selbst der eingefleischteste Jung, gefelle besinnt sich aus seine Familienzugehörig, leit und sucht das Fest im Kreis seiner Angehörigen oder wenigstens im sonstigen trauten Familienkreis zu verbringen. Ist aber die Fa- milie selber noch Rückhalt und Stärke für die Gesellschaft, für den Staat? Welche Deoeutung hat überhaupt die Familie, wie sieht es heute mit der deutschen Familie aus. was tut der Staat für die Familie und was soll et tun? Die Familie ist das eigentliche Herz der Vvlkspersönlichkeit. der Staat ist eine er- weiterte Familie, das Vaterland ein erweitertes Vaterhaus. Nach der Familienhaftigkeit des Volkes bestimmen sich ganz wesentlich quantitative Höhe und qualitative Reise der Bevölkerung, die für die innere Kraft der Staatspersönlichkert den Ausschlag geben. Denn die Familie ist die Pflanzschule unseres künftigen Dol- k e S, zur Sicherung seines Wachstums bedarf das Volk einer Mindestziffer von durchschnittlich vier Kindern je Familie. Auch die Qualitäts- Menschen gibt die Familie dein Staate, hier werden Pflichtgefühl. Arbeitslust und Charakter angeregt und zu ensprechender Entfaltung aus» gelöst, hier sind die Kraftzentralen für das Wir- ken des Mannes und die spätere Tüchtigkeit der Kinder, hier vermag der einzelne durch feine Kinder über sich hinaus, über die Gegenwart deS Volkes hinaus zu fchaffen. aus dem Fa- niilicngeift entwickelt sich Heimatfinn und Volkstum. entwickeln sich Gemeinsinn. Nationalstolz, Vaterlandsliebe, Gesamtstaatswillen. Darum sieht in den Familien das Volk sich selber an. Darum besteht für den Staat das allergrößte Selbst- intereffe an der Erhaltung der Familie, an der Pflege gefunden Familienlebens. Die deutsche Familie ist in der Mehrzahl noch gesund, demgemäß auch unser Volk im Äern >wch gesund. Indessen gewisse Zersehungs- erfcheinungen in quantitativer wie qualitativer Hinsicht find unleugbar vorhanden. Schon in der Vorkriegszeit wurden sie beobachtet, sie haben sich im aßufe der Kriegs-, Revolutions- und Nachkriegszeit noch verschlechtert. Neben überspanntem Intellektualismus, Materialismus und Individualismus taten die wirtschaftlichen Verhältnisse das ihrige, um Familiensinn, Familienfreudigkeit, Familienwachstum zu beeinträchtigen. Das Kleinfamiliensystem trat immer mehr zutage. Der Geburtenrückgang betrifft hauptsächlich das dritte und spätere Kind, die Familien werden m. a. W. weniger kinderreich, also kinderärmer. Die Kleinhaltung der belin- werten Familie ist Absicht, die erschreckende Zu- nähme der ehelichen Fehlgeburten, die Abtrei- bungsfeuche sprechen deutlich genug. Auch qualitativ hat die Familie eine Schwächung erfahren. Darauf deutet die Mehrung gewisser die weibliche Gebarkraft beeinträchtigender Krankheiten (Schilddrüsen-, Gebärmuttererkrankungen), die Verdoppelung der Ehescheidungen seit der Vorkriegszeit, deuten die bekannten Faktoren, welche während und nach dem Kriege die Hauswirtschaft und die Kin>r- erziehung erschwerten und verschlechterten. Vergrößert hat diesen Mißstand noch die Wohnung s - und die M i e t c n o t: In vielen Städten müssen 7 bis 12 v. H. der Familien mit anderen die nämliche Wohnung teilen, die Miete wirkt mit jeder Erhöhung gerade auf die kinderreichen Familien wirtschaftlich und psychisch besonders drückend, denn sie müssen die größeren Wohnungen haben, aber erfahren in ihren bei der Stabilisierung auf einen niedrigen Preisstand zugeschnittenen Gehältern und Löhnen trotz der fortgesetzten Mieterhöhung keine genügende «Steigerung. Zweifellos unerwünschte Verhältnisse vom Standpunkt einer gefunden deutschen Familie, vom Standpunkt der Erhaltung und des Wieder-, aufbaues unserer Volkskraft! Ein Wandel der familien- und kinderscheuen Zeit zugunsten eines familienfreudigen Geistes ist nicht ohne weiteres zu erwarten. Es bedarf positiver Maßnahmen. nicht so sehr um neue kinderreiche Familien zu schaffen, was bei den heutigen schweren Existenzbedingungen unseres Volkes wenig Aussicht hätte, als vielmehr um die vorhandenen kinderreichen Familien zu festigen und zu schützen. Lange Jahrzehnte war die Familienpolitik nicht sonderlich zielbewußt, sondern zum Seil eher familienfeindlich als familienfreundlich Auch die neuere Sozialgesetzgebung war zunächst mehr Einzelfürsorge, bot nur sekundär Cinzelleistungen zugunsten der Familien mit spärlicher Berücksichtigung von deren Kinderzahl. Doch wurden diese tastenden familienpolitischen Versuche im Krieg und in der Nachkriegszeit in verstärktem Maße fortgesetzt. Neuerdings setzt sich endlich im Zeichen der neuen Reichsverfassung, die Den kinderreichen Familien ausdrücklich Airspruch auf ausgleichende Fürsorge zusichert, und unter dem Einfluß der — vornehmlich vom Reichsbund Der Kinderreichen getragenen — Bewegung eine systematische Familienpolitik durch Sie erstrebt Die Stärkung Der Familien, insbesondere der kinderreichen Familien in dreifacher Richtung: 1. durch bestmögliche Gesundheitspflege, 2. durch planmäßige wirtschaftliche Fürsorge, 3. durch Hebung der sittlichen Grundlagen Der Familien Die Gesundheit von Mann und Frau sind Der Grundpfeiler, das Glück der Ehe. Des- halt sind Einrichtungen, wie Austausch der Heiratszeugnisse unter den Verlobten zuverlässig geleitete Cheberatungsstellen (Rat über Ehetauglichkeit und in Eheschwierigkeiten, Vorbeuge gegen Mißehen) zu fördern. Ebenso verdienen die Einrichtungen für Säuglinge, Kleinkinder. Schulkinder, Berufsschullinder. Haus- und Familienpflege entsprechende Ausgestaltung. Lind die neuzeitlichen Bestrebungen auf Verbesserung der haus- wirtschaftlichen Ausbildung Der Frauen und Töchter, auf Rationalisierung der Haushaltführung, auf Beseelung der Wohnkultur berühren so sehr das Kernstück des Familienlebens, daß ihm nachdrücklichste Unterstützung seitens Der öffentlichen Verwaltung gebührt. Präsident des bahr, statistischen Landesamtes. Bei der wirtschaftlichen Fürsorge handelt es sich Darum: Wie kann der Kinder- reiche innerhalb seiner sozialen Schicht so gestellt werden. Daß Die ilngunft feiner Lage gegenüber ÄinDerarmen und Ledigen feiner Schicht behoben und möglichst ins Gegenteil gekehrt wird? Darauf haben die kinderreichm Familien aller Stände wegen ihrer staatsbürgerlichen Mehrleistung im Vergleich zu den Ledigen und Kinder- lefen Anspruch den auch Die ReichSoerfafsung «Artikel 118) in Form eines .Ausgleichs" anerkennt. Diese ausgleichende Fürsorge hat zu geschehen durch Einschränkung des Aufwandes Dor Kinderaufzucht sowie durch Erhöhung Der Einkommen der kinderreichen Familien. Bekanntlich haben Die kinderrerchon Familien — im Gegensatz zu den Ledigen und kinderlosen Familien — größeren Bedarf an Wohnungen, Hausrat, Ernährung. Kleidung, Wäsche, Beleuchtung, Breirnstoffen Dienstpersonal, haben erhöhte Kosten für Schulbildung, Aussteuer, Arzt. Apotheke, sind außerdem höher belastet durch die Verbrauchssteuern. Zölle. Derlehrsabgaben. Für diesen zwangsläufig gegebenen Familienaufwand müssen Erleichterungen geschaffen werden. Besonders vordringlich sind in dieser Beziehung die Ausgestaltung der gemeinnützigen Hausrats- hilse, eine energische Wohnungspolitik, die mit dem ArbeitsbeschassungsProgramm Der Reichsregierung stärker verbunden werden sollte, sowie die Fortbildung Der bereits bestehenden Steuerbegünstigungen für kinderreiche Familien. Auch Ermästigungen der Reisekosten für kinderreiche Familien auf Eisenbahnen, Schiffen, Straßenbahnen, Ermäßigmrgen der Aufenthaltsgebühr in Kurorten, Bädern, Rückerstattung städtischer Verbrauchssteuern an kinderreiche Familien — nach französischem und italienischem Vorbild — sind anzustreben. Senter find Schulgeld-, Lernmittelfreiheit, Stipendien, Aufnahme in Internate in erhöhtem Maße für Kinder (namentlich begabte) aus größeren Familien bereitzustellen. Was die Sozialversicherung und Reichsversorgung, die Sozial- und Kleinrentnerfürsorge, die Erwerbslosenfürsorge zugunsten kinderreicher Familien neuerdings getan, verdient Anerkennung und noch weitere Fortbildung. Aber wie sollen die Einnahmen der Kinderreichen erhöht werden? Schon jetzt dienen diesem Zweck die bei den Gehältern und Löhnen Der öffentlichen Verwaltung eingeführten Frauen- und Kinderzuschläge, die in Der Privatwirtschaft üblichen Familienlohne. Sie müssen soweit entwickelt werden — auch im Wege von Ausgleichskassen, die Die Fanrilienlöhne in Der Privatwirtschaft erleichtern —, daß Die Frau sich vorn außer häuslichen Erwerb tunlichst zurückhält und um so mehr Der Führung Des Haushalts unD Der KinDererziehung sich toiDmet Be- sonDers wichtig für Die wirtschaftliche Stärkung Der Familien ist eine E 11 e r n s cha f t s - oder Kinderrentenversicherung im Wege öffentlich-rechtlicher Zwangsversicherung, wie sie irach dem Plan von Grotjahn und Engelsmann seitens des Bundes der Kirrderreichen gefordert wird. Diese Versicherung soll alle Stände und Berufe umfassen und tunlichst den Landes Versicherungsanstalt en angegliedert werden. Beitragspflichtig find Die LeDigen zum Normalsah, Die Verheirateten je nach Der Kinderzahl zu ermäßigten Sähen. Die Leistungen bestehen in Kindergeld vom vierten Kinde an. Das sich mit jedem folgenden Kinde noch erhöht, sowie in Erziehungs- gcld. Die Verwirklichung dieses Planes ist freilich wegen der großen Belastung Der Gesamt- bevölkerung zunächst noch nicht zu erwarten. Doch liegt sicher in Der Richtung einer Derartigen Versicherung Der versprochene Familienausgleich Der Reichsverfassung. Hand in Hand mit Der vorstehend geschilDer- ten GesunDheits-, Crziehungs- und Wirtschaftspolitik muß noch eine Stärkung Der ethischen Grundlagen Der Familien gehen. Dazu ist eine intensive Beeinflussung des Volkes Durch Aufklärungsarbeit über Die Bedeutung der Familie im wohlverstandenen Interesse Des einzelnen wie von Volk und Staat, eine geistige und moralische Kriegführung gegen gewisse Schäden unserer Gesellschaft dringend nötig. Die Zusammenarbeit von Haus. Schule, Kirche. Staat, Kunst. Wissenschaft. Praxis, Rundfunk muß den Familien- gebauten wieder höher ftimmeir Außerdem ist Die Pflege von Familienzusammenkünften, Fa- nrilieuchroniken, (Stammtafeln sehr geeignet unD erwünscht zur Vertiefung Des Familiensinns, ebenso gesellschaftliche Ehrungen der Kinderreichen, Muttertage, Kindertage, Ehrengaben an kinderreiche Mütter. Ob auch eine politische Be- vorrechtung den Vätern kinderreicher Familien angesichts Deren staatsbürgerlicher Mehrleistungen nach Vorschlägen von Riehl, Gruber, Roulleaux Du Gage usw. eingeräumt werden soll, verdient nähere Prüfung. Alles in allem genommen, muß Die ganze Familienpolitik sich Darauf einstellen, Die Familien nicht mehr wie früher vor^ubelasten. vielmehr zu entlasten und zu bevorrechtem 3m Interesse einer solchen systematischen Fa- millerrpolitit sind Die Zufammenfchlüs'e Der kinderreichen Familien, wie sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Kulturstaaten neuerdings erfolgen, und Das auf Diese Weise zur Geltung kommende solidarische Wertbewußtsein Der Schicht Der Kinderreichen nur zu begrüßen. Soweit finanzielle Konsequenzen für den öffentlichen Haushalt sich aus dieser Familienpolitik ergeben, dürfen sie nicht hindern. Vermehrte Aufwendungen Dieser Art find nichts anderes als nationale Versicherungsprämien im Interesse der physischen, sittlichen und geiftigen Gesunderhaltung Der nationalen Produktivkraft, nichts anderes als unerläßliche Spesen Der nationalen Zukunst. Zuerst Kraftreserven, Dann erst Geldreserven! Der Mensch, Die Familie, das Doll, Der Staat, kommt vor der Dividende. Rur ein starkes Famllienvolk entfaltet Die nachhaltige unD qualitative Rührsamkeit des Dolkskörpers. Die wir jetzt nötiger haben als je. Es lebe des Dolles Wille zum Leben! vernehmen! Als Ches Der Regierung ist Mussolini immer Der Zustimmung des Außenministers, des Innenministers, des Kriegs-, Marine- usw. Ministers sicher, denn alle heißen merkwürdigerweise so, wie er selbst. UnD so trägt er einen Einmütigkeitssieg nach Dem andern im Ministerrat Davon. Leider passiert eS zuweilen auch Dem besten FelDherrn, Daß er fid) — über Hegt. In der Lircschlacht hat Der Duce Stravinto, Den Sieg überspannt. Statt sich Damit zu begnügen, Den französischen Franken einzuholen, was seinen Vorgängern als unerreichtes Ziel vor Augen strebte, überflügelte er ihn und — erbroffcltc Damit Die Ausfuhr nach Westen. Dann rückte er dem englischen Pfund zuleide, riß es von 150 auf nahezu 100 herunter, was ihm mit Hilfe Der deutschen Tribut ahlungen, Die einfach auf das Schu.Dcnkvnto in England umgeschr eben wurden, nicht schwer fiel, und — brach Damit der Dörfe DaS Rückgrat. Der starke Maim hob. Den alten Witz verwirklichend, Die Valuta und — tief Damit Die Teuerung ins LanD. Denn siehe, es ergab sich das betrübliche Schauspiel, Daß Der Appell an Die hurra-freudigen Patrioten in Dem Augenblicke wirkungslos verhallte, wo er ihnen ans Puntenöri ging, an Den GelDsack. Keinem fällt es ein, Aktien zu kaufen, wenn sie täglich im Kurse sinken. Einige stehen bereits unter pari. Die früher Favoriten waren. Aber Mussolini will Das nicht sehen, sein ausgesprochenes Ziel ist Die hochstehende Lira, und wenn Darüber Die Industrie, das HauptfunDament des Faschismus. zusammenkracht. Er verfpribt sich eine allgemeine Senkung DeS Preisniveaus, eine Herabsetzung Der Mieten unD Löhne. Vergeblich Italien ist über Nacht eine# Der teuersten 2 ä n D c r geworben. Ob. mit oder ohne Faschistenabzeichen. niemand geht mit Dem Preis herunter. Schreibt eines Der raDilalften faschistischen Blätter: „In Bologna haben f t einen Haufen unehrlicher Geschäftsleute zufammenge- trieben unD unter guter Bewachung vor Den Polizeigewaltigen gebracht. Der mit Der Zuteilung von Gefängniszellen nicht geizte. In Rom genießt man solche Schauspiele nicht. Liegt cS vielleicht an Der Polizei? Gewiß nicht. Es fehlt einfach an Räumsichkei'en, Die groß genug wären, alle Schelme zu beherbergen. Schelm hin. <3eint fier, alles seufzt unter Dem hohen Valutastand. Mit Bangen sieht man Dem neuen Jahr entceqeit unD Die Frage lautet nicht: WaS totrd es uns bringen? Sondern. Was wird Gr unS noch bescheren? Neronische Zeiten. Damit man im Kalender nicht irre, meißeln sie jetzt überall neben Dem ßiltorenbündcl Die Jahreszahl ein. „Erbaut im Jahre V..." Die deutsche Ne chsbahn im November. Der Güterverkehr ftelüc auch im November erhöhte Anforderungen an Die Reichs- bahn. Arbeitstäglich wurden 5920 Wagen mehr gestellt, als im Oktober, daS ist eine Zunahme um rund 3,8 Prozent. Die DerkehrSsteigerung ist in erster Linie auf den Kohlenverkehr zurückzuführen, der trotz Abflauens des englischen Bergarbeiterstreiks nicht nachließ und durch starken Absatz für Industrie- und Hausbrandzwecke belebt wurde. Die Kohlenausfuhr über Die Trockengrenze und Häsen war nach wie vor sehr lebhaft. Der Versand an Kartoffeln blieb infolge Der wenig befrieDigenden Ernte unD Der im November wesentlich gestiegenen Preise gering. Die Beförderung von Getreide und Mehl war lebhaft. Der 03erfand von künstlichen Düngemitteln stteg um 22 Prozent. Nicht nur Der Absatz im Inlande, sondern auch das Ausland- gefchäft war zufriedenstMend. Der Personenverkehr war der Jahreszeit entsprechend schwach. 3m Oktober 1926 wurden 49 <99 000 Zugkilometer gegen 49 890 000 im September und 2 466 444 000 (2 482 539 000) Wagenachskilometer geleistet. 3m Monat Oktober sind folgende Be- triebsergebnisse erziell worden: Einnahmen: Personen- und Gepäckoerkehr 114 526 000 Mark, Güterverkehr 288 345 000 Mk. Sonstige Einnahmen 36 614 000 Mk. Zusammen 439 435 020 Mark. Ausgaben: Persönliche Ausgaben (einschb Löhne Der Bahnunterhaltungs- und Werk'tätten- arbeiter) 204 593 000 Mk. Sächliche Ausgaben 127 927 000 Mk. Dienst Der Reparationsschuld- Verschreibungen 44 907 000 Mk. Rückstellung für Die gesetzliche Ausgleichsrücklage 8 789 000 Mk. Rückstellung für Dorzugsdividende 3 300000 Mk. Zusammen 389 516 000 Mk. Die Einnahmeentwicklung im Oktober ergibt sich einmal aus Der normalen Steigerung durch Den Herbstverkehr. Darüber hinaus ist Der Kohlenverkehr stark gewesen. Der nach Deckung Der Ausgabeverpflichtungen verbliebene Mehrbetrag Dient zur Wiederergänzung des in früheren Monaten in Ansprr^ genommenen Vortrages aus 1925 und zu Rückstellungen für Mehrausgaben in schlechten Derkehrsmonaten. Für werbende Anlagen sind weitere 29 812 000 Mk. aufgetoendet worden, Die aus Den Notstandskrediten des Reichs und aus Dem Erlös begebener Vorzugsaktien bestritten wurden. An Den Generalagenten wurDe für den Dienst der Repaca- ttonsschulDverschreibungen Die zweite Rate Des Dritten Reparationsjahres gezahlt. Außerdem ist die Steuer für Die Beförderungen im Monat September am Fälligkeitstage abgeführt worden. Der Personalbestand betrug im September 724 616 Köpfe und im Oktober 728 377 Köpfe.__ Geschäftliches. Die Hausfrau und der Lhriststollen. Wenn auch die Wirtschaftskasse knapp ist, läßt die deutsche Hausfrau es sich nicht nehmen, schon lange vorher aus Weihnachten hin zu sparen, damit nur ja der Ehriststollen unter dem Weihnachtsbaum liegt. Man darf ihr da wohl einen Wink geben, wie sie beim großen Weihnachtsbacken sparsam zu Werke gehen kann und dabei das schmackhafteste und bekömmlichste Weihnachtsgebäck erhält. Da zu den kostspieligsten Zutaten die Butter gehört, kann man bei der Zu, bereitung des Stollenteiges erhebliche Einsparungen machen, wenn man auf teure Kuhbutter verzichtet und dafür Rama-Margarine butterfein den Vorzug gibt, die sich zum Stollenbocken nach alter Erfahrung gan^ besonders eignet, und zwar gleicherweise für Rosinen-, Mandel-, Mohnstollen und anderes feines Weihnachtsgebäck. hervorragend dewShel btt: Sicht, Grippe, Rßeuma, Nerven- und Ischias, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. Togalftillt bkSchser^v u.scheibet bieHorvsSur« am. Äetat schZb. lichevN«beiiwirkul>gen.IrageriSt»2hrevS'zr!3valle»ApaIH«»ev Besonders große Auswahl preiswerter Kissen! Bahnhofstr. 31 Telefon 1565 Läufer Gardinen Köper Damaste in allen Farben und Breiten. 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U.66u n 685 0 665 0 I«6 98 Berlin, 17. Dez. (XU.) De Erhöhung der La P.a a.Fordc.un^en wie auch größte Kausun- lust des Inlontea hejen die Tendenz für Brot- ge:reite am Berliner Markt etaaS stetiger sich entwicke.n. D.e GIchäst^.ä igie.t zeig: ao> mcr noch le.ne allzu große 'Belebung, da bet Meh.absah toei.cr recht 'chwicrig bleibt. Wei* öenlic erung wurde für lau enden Mana! kaum gehantelt,^ Hintere Monate eine halbe bis eine Mark höher. Roggen fand für Dezember eine E ütze in vereinte.ter DeckungLfra'e, doch war ber Preis noch unwesentlich über ge’tcrn gc* önbert. Späte Sichten ebenfalls gehalten unb zwar waren hier wohl bie befestigten Aus* landrno icrungen ma'geiend. Gerste und Hater unverändert, nur beste Frucht findet Intere'le. Mais fest und lebhaft. C.n üb.iea werden noch Kleie*Ar ilel gi t umgesetzt. HilfS'u terstoffc ro- wie Oelfaa.cn ruhig und in den Pre ten ohne Aenderung. Es no ie ten (1000 Kilogramm): CEcrcn, märkischer, 2 8 bis 270: Rog-en 232 b s 237: Sommergerste 217 bis 245: Winteraer'e 192 U8.5 149 151 <56.?5 >93 5 115.5 82.25 140 t? U0.5 172 158.5 ,U< 16: 5 >7i 1X5 144 7 154.7) 76 192 5 193 109 M8 196 178 102 144 5 • 66 6 165 4 | 96 127 25 58.53 1U6.U5 H2.H7 >12.40 IÜ,5s7 l*.92 20,113 4.2055 16.89 M.32 61.15 2.03'1 i.497 69.32 12.461 7,415 3,895 3.0)2 21. >4) »1.6/ 2.125 5 •' 6 4.2'11 4.26 20.911 Bahnhofstr.65B Gießen , emruf 1367 Filiale Lieh, Butzbacher Straße 12. Gegründet 1876. . Alleinvertretungen von Steinway & aons (bedeutendste Klaviermarke der Welt) Rud. Ibach Sohn Grotnan — Stein weg Schiedmayer & Soehne W. Riimüller & Sohn (Deutschlands älteste Pianofabrik) 03 c r 11 n , 17. Dez. Die Berschärfung der umerpoftuschen Lage hat im heutigen Borrnit- tagsveriehr Befürchtungen aufw.nrnen lassen, die Kd) als voll begründet herausstellten. Der Ein* druck der poli.i,chen Vorgänge wurde aber auf* gehoben durch günstige Aachrichten aus dem Wirtschaftsleben: Im amerikanischen Repräsen* tantenhaufe wurde die Rückgabe-Dill leb* hast befürwortet, für verschiedene Terminpapiere hofft man auf günstige Abschlüße, und ferner wirke die leichte Entspannung am Geldmarkt stimulierend. Der Sah für Tagesgeld gab auf 5 bis 6 Prozent nach, dagegen stellte sich Monatsgelb unverändert auf 7 bis 8 Prozent. Die ersten amtlichen Kursnotierungen konnten sich daher behaupten, teilweise sogar leicht befestigen. Bei ruhigem Geschäft trat einiges Interesse für I. G. Farben hervor, die unverändert notierten. Montan- toc r t e und einzelne Ire tee Terminpap.ere konn- Aktien der Vereinigten Stahlwerke täglich großen Umsätzen und für andere Montan- ten leicht anz.ehen. Die Befestigungen betrugen burchschni.t.ich 1 bis 2 Prozent. Stärker befestigt waren Deutsch-Aust raftsch«. Im Devise n v e r k e h r lag Paris fast unverändert mit 121,50, Mailand 1C9.— g:gcn London. Die übrigen Talu en Waken nicht wcsent.ich verändert. 'Berliner ProdukLenbörjp. Hermann Degering übernommen. Der erste Band erscheint bereits am 1. April 1927 und kann von den Mitgliedern des V. b. D. bei Bestellung bis zum 31 Dezember 1923, in Ganz-Schweins-* feder gebunden, zum MitgliebsvorzugspreiS vom 33 RM. bezogen werden. Das zur Cmf.cht vor- gelegte Druckmaterial läßt eine Anschaffung die'er hochwicht gen Acuerschft.iung bestens bc uriuortcn. Gtncn sehr w.rkungsvollen SonderprosbeTa „Die Eranach-Bibel", m.t einem eingelegten Dr.ginal- blalt des Werkes, versendet die oben angegebene Geschäftsstelle bc? D. b. D. kostenlos. Das Werl wirb in Anbetracht seiner großen Debeutung für d»s evangelische Deutschland auch an R chtmit- glieber zum Pre se von 65 RM ebg^geten - ..Das 2 b c a t c 1" (Berlin Vk 9, h^. r a« d’rcCe Dezember e t zu einem Spezia.heft über bte Leipziger Bühnen ausgcsta! et. Das Tnafor5 ftiolten. . London. . . ‘Ji'eunort . . Tnri3. . . Schwel» . . Sva i.n . Jovan . . ■Hto be ftan Wien in D. Ceft. obgcsi Pro« . . . Bclirod . ®u6ap:<"l . Bul orien Lissabon . Tonzi«. . . Kenn nlin. Bitten. . . Tanoda Um uab . Cairo . . Wirtschaft. Börje und Geldmarkt. Eine einhe.tlich? Linie bat bi: Kursentwick- lung in der vergangenen Woch: wiederum nicht annehmen können. Die Terrninrnärkte schwank.en einen Tag mehr, den anderen weniger, während der Umfang der Umsätze in den allermeisten Papieren sehr zu wünschen übrig ließ unb bie Kursbewegungen oft reinen Zufälligkeiten ausgesetzt waren. Aas biefem wenig interessanten Gesamtbilb, das zeitwe se auch noch burch politische Besorgp.sse unb be eben beendete Mebioliquidat on bc?.nträch:igt wurde, hoben sich nur einzelne spezielle Dorging: hervor, bie jeweils auf bie St mmung ber Spekulat ion von Einfluß waren. So fanb zeitweise die Botschaft bes Präsibentei Coolibge über bie Rückgabe bes beschlagnahmten beutschen Vermögens, bie i n A g .nblick von den g?sehg ben* den Körperschaften Amerikas einer Lös ng näher- ge"ü',rt wird, lebhafte Beachtung. Di: S ekulat on yatte aber ihre Erwartungen anschnnmb weitergesteckt, als es die Tatsachen rechtfertigten. So wurde bie Freigabefrage, nachbem ste einige Stunden ber K rsgestaltung einen Rückhalt gab. balb barauf toieber zu einem verstimme,nben Moment. Insgesamt geht bie Ansicht unterrichteter Kreise aber dahin, daß nunmehr doch ernft- llch auch von amer'.kan,scher Seite die Herausgabe der deutschen Vermögenswerte betrieben wird. Zweifellos hätten die Fre'.gabenachrichten unb dazu das Schiffbauprogramm bes Aorb beutschen Lloybs, ber zwei Riesen- Passvgierdampser ohne Ina s-ruchirohme bes Kapitalmarktes für bie norbatiait feße Fahrt in Auftrag geben will, b?n Karsen einen beträcht* Wo Tcmt-de RextzSon ctbt 4',. Teutfche iHeiojiaiileibt . 3'/,*,a I(utfä): 9!>iÄ.'anlci!)c Tcutfie iMctCb«inletOe . Tcuiichc ^oarpramicnonleihr 4®/o Prrußischr «oniols . . . 4°« Hctz.-u.......... 3Vs0/« Heiken.......... 3% Hessen Teuksche Wend- Tollar-Anl- dio- Doll.-Sroa^Lnneling. «•/o Honturtcn......... 5% Äcldmenlaner..... Berliner HondckSaesellkmcr; und Pnoar.r'ank Torrnft. und 'Jla.ionatOant - Teuiiche Bank......... TiSkomo Commandll Dresdner Bank Metallbau, MmeldenUchr Crcdilbank. . Ctfie rrichtschr Urebitonflalt. ReichSdank Bochumer Guß . Buder S . Caro ............ Tcuiich-Luremburo ■ • • • • Gelscnttrcdener Bergwerke. . Harpe.-er Bcrabao . . flaliiorrft Nicu.rZlede 1.... Kaliwerk IDcfiertgdn Laurahülte anneSmann ManS eld.r......... . £ brrbedari .......... Bbönir Bergbau Nlirinilche Braunkohlen . . . iHbrinfmiji........... Nie deck Montan ....... TellNS Bergbau. Bereinigte Stahlwerke .... Homburg Amerilo Paket. . . Norddeuilthcr j'lono ... Cberomilcbe Werte Albin . . ftemcnnverk Heidelberg . . . Ppilivp Holmiann ..... Anglo Cont Guano Cheiiusche Maver Llaptn. . . " oldlchmidt Holjver otilinifl........ H W star en.Industrie. . . R.itgerrwrrke Scheid onnalt Alla- ElektrijiiälS-Gesellschafl Bcrgniaun El ktr. riclcrungen Licht und .Uran...... . Mamkra twcrke........ Schuckert Siemens 1 Halske Adlerwerke ei lener ..... Daimler Molaren Henligenslaedl ........ " rguin. Ma nurimet Motoren . . . Aranlfurter Armaturen -Noulervensabril Braun . . Mciollaelell chast Frankfurt . Pet Union A--G.. Schnh'abrik Her» Sichel Zellstoff Aschaffenburg.... ftellllo i Maldhof Zucker obrik stranlcnthol . . Zuckeriadril Waghäulel . . . ne tkklacke, ohne 4^' ■6m.16 1.731 58.46 106.13 >12.07 112.38 10.597 18 75 20.40? 4,2045 16,83 81.325 64, <18 2.054 0 545 09,31 12,46 7.42 5,88.5 3,042 -1.54 > 81,6> 2,13 6.8,7 4.20 t 2O.9Ö6 Büchertisch. — Tierbeobachtungen in ben Al- Pen. Von Dr. Hubert E r h a r b, Prosessor ber Zoologie an ber Universität Gießen. (Alpen- sreund-Tücherei. Band 13), 91 S. Kl. 8°. Alaen- sreund-Verlag München. — Das Werk bes Gießener Zoologen ist ein? gleichermaßen wis en* sHast.ich gediegene, wie gemeinverstän'tliche, anregende und außerordentlich lchrrciche A beit, die sich sowohl an ben Studierenden, ben Liebhaber- unb Derussphotogravhen, an ben Alpinisten unb Bergwanderer." schli.-ßlich an den Tier- und Aatursreund im a'Igemein.ten und schönsten Sinn wendet. Das Buch vereinigt auf geringem Baum eine Fülle selbst gefam nelten und verarbeiteten Materials und gibt eine höchst lebendige Schilderung der alpinen Fauna von be- achtlicher Vielseitigkeit. Immerhin lag es, ber ganzen Anlage bes Buches entsprechend, nahe, die höheren Tiergattungen in erster Linie zu berücksichtigen. Uebrigend gilt als Ziel, wie das Vorwort ausdrücklich betont, „bem Aaturfreund eine Anleitung zu geben, wie und wo er bie Tiere der Alpen beobachten soll, und nicht, mog- llchst viele Alpentiere fennensulernen“. Die Frische ber Eindrücke, bas überall selbst Erlebte, Beobachtete, (Srtcanberte gibt jedem Kapitel sei- nen persönlichen Beiz, ganz gleich, ob eS sich etwa um Verbreitungsgebiete, um Aaturschuh- berirke. ober etwa um bie Beziehungen der Alpentiere zur Umwelt handelt. Ausgezeichnete Illustration des Inhaltes bilden bie hähst intet- efianten Fährtenschemen unb Ttaturaufnaßmen. ™ « 734 — R. L. Stevenson: Die Schahinsel. Aach ber Uebersetzung von F. QL Witte bearbeitet 202 Seiten 8° mit 25 Bildrrn von A Walb, einer Karte und einem farbigen Umschlagbild Franckhfche Verlagshandlung, Stuttgart — Bo- bert Louis Stevenson, geboren 1853, gestorben mit 44 Iahren auf einer Südseeinsel, ist ter phantasievolle englische Schilterer ter Fahrten in ferne Länder, ter großen Abenteuer, ber spannenden und oft geheimnisvoll unheimlichen Reiseerlebnisse. Die ,Schahinsel" gehört zu den besten Werken aus seiner Feder, ist ein Buch voll von packenden Ereignissen und span t.'n osten Inhalts. Es war ein guter Gedanke, auch für bie Iugend eine Ausgabe, wie die vorliegende, zu schäften. Das Buch wird von jedem richtigen Bube.i g?rn gelesen werden. 618 — Friedrich Grave. Chaotica ac d 1 v 1 n a. (Verlag Dieterichs, Iena, 1923.) Sch.ns- tenreihe zur Qleubegrünbung ter Raturphilo- ophie. — Diese Schrift enthält eine symbolhafte Aogrenzung der Weltregionen des Chaotischen, Konkreten, Abstrakten u:ü> Göttlichen. D:r De- prechung des Chaos als dem Urgrund des ®e- ist der Hauptteil gewidmet. Es enthält gewissermaßen die mögliche BUdeformen, die allem Weltgeschehen immanent sind. A1 Hand dieser wird die Struktur ter <3.eie verstehen gelehrt. Unter den Elementen des Chaos faßt ter Verfasser erstens bi? mathematischen und logischen Bildeformen zusammen, welch? das Reich ?er Abstraktionen vorbilben, zweitens die Zenftie- rüngs- und Wölbeformen. Unter ten ersteren versteht er die v?rschietenen Formen der Seele als Verdichtungspri nzip in den verschiedenen Ra- turlcichen (Stoff, ÄnftalL Pflanze, Sier), unter letzteren die Formen ter Zeit, welche sich als oein, Zunahme. Stillstand. Abnahme lonlreti- teren Leider ist, bei sehr fruchtbaren Gedanken — bie allerdings zun Teil in persönlicher Ein- rngung alten griech.schen Zusammenhängen ent- tammen — diese Schrift schwer lesbar. Denn ter Fluß wissenschaftlicher Sprach« wird häufig durch lebunbene Prosa oder poetische Exllamationen körend unierbrocheii, die trotzdem keine Poesie ind. Dr. med. Olga v. Ungem-Stemberg. (627 — Eine Reuausgave der Cranach- B i b e L Der Dolksverband derDücher- reunde, Wegweiser-Derleg G. m. b. H , Der* lin-Charlottenburg, Berliner Straße 42 43, bringt die Lutherblbel in reiner Gestalt, in der ursprünglichen Lautform, und m.t originalgetreuen Reproduktionen nach ben färb.gen Holzschnitten • cana^ w zwei Bänden neu heraus. Die Wissenschaft! che Verantwortung hat Professor werte, sowi? ten Dankaktienmarkt hervor- tritt, bürste zweifellos zum Teck m.t Divibenden- (rtoeg -nget z samm^nhän-en. Cs h rrfcht bie Ansicht vor. biß bei bei Montang se'lschaften für bad aßcc'aufen? Ge'chä'tsjahr a f eine Diiiden- tenzahlung allgemci 1 zu rechnen fei. unb man verweist auf bi? entsprechenden Vorschläge b~r* je rügen schweri 'bustr ellen Unternehm"ngen, be bereits ihr? Ab'ch^ü'sc unb Gewinnwrteili'ngs- vorschläg? vorgelegt, haben. Außerdtm stimulierte bie Erweiterung ber internationalen Boh stahl gerne im schäft, b rch di- b e Aus- llchten des Eisenmark!es in c nun günstigen Licht erscheinen. In gleicher Richtung wirkte ber von ber Reichsbahn 'an bi' Waggoninbu- strie -"gesagte große Auftrag, tessen Abwicklung sich über mehrere Iahre erstr'ck?n soll unb eine A'izahl w iterer. a 's ber W'rtschaft vvr- (iegenber guter B:richte. Diß seitens der Banken für das Ente Dez?mber ablaufende D schäftsjabr gute 2lbschlustmitteilung?n erwartet werden, ist nach dem Aufschwung tes Dankgrschästes in 1925 unb ten vereinzelten Ankündigungen b't oroßen Institute in des?m Sinn? wohl verständlich. Der Markt ter Clektroaktien. mit dem sich d'e Börie künftig ohne Frag' a'S einem ter aussichtsreichsten G biete ber W rtschaft üb r’te 'bt noch mehr befassen wird, bie Aktien ber Schultheiß- Gesellschaft unb m-ßrerc weitere Paviere traten gleich' ll-s mehr in ten Vord'r"r""b. woran Meinung kä - e einen grwi'fen A teil g habt haben bürten. Die Tattech?, baß ter Terninrnnrk' o's „abgegrast" anges'hen wird 'mb n r noch Dniel- raum für betontere D'oeiinBeweg >ng->n v rblie- ben ist, führte bem Kassarnarkt Küuser z'i, ter -jetzt von Binkseit- mehr protegiert wirb. Den Zwifch'-'f.tll a n Markt ber Cinodn Shares bat bie Börte rerhältniSmä^ig rasch überwunden. Dü Be rteilung ber nächsten Au s ^ten tetrb man bcrückfich'iaen muss'n, baß balb bte Feiertage bas Geschäft unt'rbrechen unb zu solchan Zeiten st'ts eine Stagnation ber Umfaß? mit zufälligen, in ter Hauptfach? aber nur kleineren K'..rsfchwnrk ingen e:ntritt. Börfentechn'sch steht bie Zeit bis A’.im Ultimo nicht ungünstig aus, fällt doch ber Ultimotermin für d ? Börse a f ben 4. Sam ar, allo einen Zritpankt. an dem ber Stichtag für bie Dankbilan-e 1 vortib r ist, die Anspruch' ber Wirtschaft erledigt sinb *mb ber Dörsenbebarf leichter befriedigt werden kann. Fran5furLcr -ilrcudbörse. Frankfurt a. M., 17. Dez. (TU.) Die Aben^börse war unter bem Druck des Sturzes tes Reichskabinetts wachgestimmr. Im Verlaufe konnte sich aber bie Tendenz wieder etwas befestigen, so daß ber Schluß leicht gebesserte Kurse aufwies. Deutsche Anleihen: öprozentige Reichsanleihe 0,7375, Schutzgebietsanleihen 15,25. Dank- altien: Berliner Han telsgesellschaft 2Z2 50, Commerzbank 206, Dancftbank 259,25, Deutsche Dank 181.75, Discontogeselllchast 170, Dres ner Dank 162,50, Oesterreichische Crelitak.ien 7,70. Schiff- sahrtsaktien: Hapag 157,50, Rordb. Lloyd 167,50. Dergwerksviktien: Gelseykirchener 168. Harpener 182 25, Kali Aschersleben 141.50, Mannesmann 191.50, Mansfeld 131,20, Oberschlesische Eisen 109. Phönix 126, Rheinische Braunkohlen 235.50. Rheinstahl 191,50, Laurahütte 74 Vereinigte Stahlwerke 114,50. Industrieaktien: Adler Kleyer 110 AEG. 156,10, Aschasfenburger 146, Zement 127- Daimler 84, Scheideanstalt 173,75, I. G. Farben 310, Gell schmibt 142 50. Holzmann 139.50. Lahmeyer 135, Metallgesellschast 177.50. Rutgerswerke 131, Voigt & Häffner 110, Schuh Her; 60. Frankfurter Gas 140, Kasseler Faß 70 Rachbörse: Darmstädter Dank 227, Dresdner 161. Frankfurter H^trctdeb^.je. Frankfurt a. M, 17. Dez. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 29 bis 29,25, Roggen, inlänb. 24,25 bis 24,50, Sommergerste für Drauzwecke 24,50 bis 26.50, Hafer, inlänb. 19 bis 19,50, Mais (gelb) 19,50, Weizenmehl, inlänb., Spezial 0 40,50 bis 41,50, Roggenmehl 35 bis 36' Weizenkleie 11.75, Rogge^kleie 12. Tendenz stetig' Kirchliche Nachrichl^n. Evangel sch« Gemeinden. Sonntai, ben 19. Dezember 4. Advent. Dießen. Stadtlirche. 9' ,: Pfr. Mahr. I I: «in- berkirche f. b. MalthäuSgemeinde. Psr. Mahr 5: Vfr. Becker. - IobanncSiirche 9'\ Psarralstsp Schultheis. 11 ■ Kinberl-rche für bie 2ufaegcmeinse. Vir. Bechtvlsheimer 2'/,: WeirachtSfeier für b e Kleinkinberbewahranstalt Pft. BechtolSbcimer. 5: PfrAusleib - Kirchberg. 10; Rachmitt. 11, Mainzlar.-Sich.'O;Sliftsbechantvenz. * ,1; Kind-r- gottesb'cnst. Der RachmittagsgottesdicnU fällt auS. 3'/, (in ber Rirchef Weihnachtsfeier ber Kleinkinber- sck.ule. — Wieseck 9'/«; 11: üinberkirche - Watzenborn *Darbenteich. Watzenborn-Steinberg: 10. Garbenteich: 1. Kalholifche Gemeinden. Dießen. SamStag, 18. Dezbr. 4' , u. 7 Beichte. Sonntag, 19 Dez. 4. AboentS-Sonntag. 6'/, Beichte. 7 Messe, Korn der 3ung,rauen unb Hausangestellten, 8 Korn., 9 Hochamt mit Predigt, II Meße mit Predigt, 5te Christenlehre unb Andacht, - (irün- berg. 97. Messe mit Predigt. - Hungen. 8 Messe mit Vredigt. — Laubach. 10 Meße mit Predigt. — Lich. 10 Hochamt mit Predigt. Rundfunk-Programm dcS ^rankfnrtrr TrndcrZ. tAus Der .Radio*Umschau".) Sonntag, 19 Dezember: 8.30 bis 9.30 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgoerein Frankfurt a. TL 11.30 bis 12 Uhr: Elternstunde. 12 bi- 1 Uhr: Konzert des 5tz?us* orchesters: Die Over der Woche. 3.30 bis 4.45 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.45 bie 5.45 Uhr: Shake* spcare-Dorträge. 5.45 bis 6.45 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbiteung. 7.30 bis 8.30 Uhr: Usbertragung aus der Dreikönlgskirche — Weihnachtskonzert. 8.30 bie 9.30 Uhr: Lieder zur Laute. 9.30 bis 10.30 Uhr: Frankfurter Lokaldich» tung. Anschließend: Sportnachrichten und Ian> mufif. THontag, 20. Dezember: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Operetten* mufif. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr: „Die Werberäume und Wohnurgszwangs* wirtichakt", Vortrag von Dr. Schmal;. 7 bis 7.30 Uhr: Beamtenfortbiidungsf ursus „Die deutsche Währung in Gegenwart und Zukunft", Vortrag von Dk Fritz Neumark. 7.30 bis 8 Uhr: Englischer Sprachunterricht. 8 bis 8.15 Uhr: Englische Litera* turproben. 8.15 Uhr: Sinfonie-Konzert. 9888a Ifranfrnrt a.M Berlin SQlu . i«Uor> ftu« Rur» SLiotz. Bitfang Rtir» ttr 16. Dribr. 17 Dk»br Nmniare ’Jton tuna ffiett» 1 Driei Ämtlichk Wonerunj ____^e(ö_ 1 Brcek Bantn 0 ten. Berlin, 17 De»br Brie- yiinrrifanilctie Noten..... Bclciisive Noten ....... Täuilctic Noten ........ Snaliscbe Noten........ Fraiiwükche Noten...... .Dollnnblfde Noien...... ,1t lienilche Noten...... Noriven>sck)e Noten..... Tniiid» Ceftrrr .iioo.Rronen Niiiniinilchr ‘Jloien...... Lkdwedilche Noten...... Schw. i^er Noten....... Svoinsch- Noten....... Tfcheckioilowokische Noten . . Ungarifchc Noten..... Berliner 4,IM 58.4' 111.5U .'0.415 16.88 167.40 18 77 1U5.5< 5S.U7 >11.72 61.17 63.78 12.405 6.625 Börse. 4.201 68,75 111.06 20,415 16,96 168.21 18,8; 106.12 651,67 112.28 81.57 61,11 12.4V. 5 865 j tVeihnachts-VeeLauf Enorme Auswahl Htzervorragend Mge Preise Unterzeuge Hosenträger Pullovers Socken Hüte Mützen IVith. Mtvsis Mot. 1361 Selteeswes 16 9975 D Geschenk-Artikel Groher Verkauf von echten ildfellen Bismarckstraße 6 Die guten Fachgeschäfte! Photohous Wlnterhoff Kreuzplatz 9 10236a RESl RES1 EPS Jn jedes Haus ein Stöcke Handschuhe Mützen Kreuzplatz 6 GIESSEN Kreuzplatz 6 10439a ■M i* - K Kölnisches Wasser, 4711 und Gegenüber, feine Sei- fen-und Parfümkartonagen Christbaumschmuck Baum-Kerzen, Hasel- und Walnüsse, Weinbrand Liköre u. Medizinal-Weine Eine photogr. 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