Donnerstag, 18. November 1926 176. Jahrgang Nr. 270 Erstes Blatt Erscheint täglich,außer Sonntags vnd Feiertag«. Beilagen; Siebener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzeinerRummer« infolge höherer Gewalt. Fernfprechanf chiaffe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen. Polfd) cdfonto: Frankfurt am Main 11688. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen vva Y1 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig! für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20"/, mehr. Thefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot-, für den adrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den Anzeigenteil üBertr. H.Beck, sämtlich in Gießen. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck und Verlag: vrühl'sche Umverßtütr-Vuch- und Zleindruckerei «.Lange in Sietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7. Die Verewigung der Mi'ilärkonlrolle. Paris, 16. Rov. (TU.) Die Rechtspresse fetzt weiterhin ihre Kampagne für die Auslegung des Artikels 213 des Versailler Vertrages In dem Sinne fort, dah derfelbe eine Kontinuität der Kontrolle veutfchlands durch den Völkerbund vorfehe, und zwar in der Weise, datz deulfcherfeits keine Vorbehalte hinsichtlich der Bedingungen dieser Kontrolle gestellt werden könnten, soweit der Völkerbundsrat dieselbe für notwendig erachte. Die Frage wäre von ganz außerordentlicher Bedeutung, unterstreicht der „lemps“. Alle Alliierten und insbesondere Frankreich seien im hohen Motze daran interesstert, datz die Kontrolle der deutschen Rüstungen durch den Völkerbund nicht vollständig Illusorisch werde, sobald die unmittelbare Kontrolle der interalliierten Kontrollkommission ein Ende genommen habe. Ls wäre daher leider zu befürchten, datz die Aushebung der interalliierten Kontrollkommission, sobald das Reich seinen Ab- rüftungsverpslichtungen nachgekommcn wäre, keineswegs eine Lösung der Schwierigkeiten bedeuten würde. Man müsse vielmehr befürchten, dah diese neue Schwierigkeiten schaffen werde, da man bereits jetzt jenseits des Rheins eine heftige Opposition gegen die Bedingungen entwickle, unter denen stch die Kontrolle des Völkerbundes vollziehen soll. Ls könne auch nicht zugelassen werden, dah Deutschland, nachdem es nun dem Völkerbundsrat angehöre, die für die Kontrolle des Völkerbundes endgültig festgelegten Punkte in Frage stelle. Lin Gerücht aus englischer Quelle, dah beabsichtigt sei, die Auslegung des Artikels 213 dem Internationalen Gerichtshof im Haag zu unterbreiten, wird man mit einem Fragezeichen versehen. Dah man sich auf der Rechten jedoch keineswegs in der geschilderten Auffassung sattelfest fühlt, zeigt ein Artikel der nationalistischen „Liberte", in dem zum Ausdruck gebracht wird, dah es sehr schwer wäre, die Maßnahmen der Vorsicht und des Mihlrauens mit dem Regime der Zusammenarbeit und des Vertrauens, das in Locarno und Ihoiry verkündigt wurde, In Linklang zu bringen. Die Kontrolle des Völkerbundes solle keine ständige sein und nur auf eine ordnungsmähige Klage hin stattfinden. Ls wäre daher zu besürchten, dah eine derartige Klage Frankreichs oder Polens von Deutschland als unfreundlicher Akt betrachtet würde und zu Protesten und Polemiken Anlah geben würde, was keineswegs zum Vorteil des Friedens sein könnte. Andererseits wäre es aber ganz unmöglich, ein Volk von 60 Millionen zu entwaffnen. Auf alle Fälle ginge bereits aus dem Stande der jetzigen Verhandlungen mit Berlin hervor, dah man bei den Alliierten mindestens für den Augenblick an eine frühzeitige Räumung des linken Rheinufers nicht mehr denke. Abrüstungsdebatte im englischen Oberhaus. Deutschlands Vntwaffnuu«! der erste Schritt zur allgemeinen Abrüstung. London, 18. CZlot). (Tll.) 3m englischen Oberhaus wurde am gestrigen Mittwoch von Lord P a r m o o r die Abrüstungsfrage angeschnitten. Lord Parmoor wieH darauf hin, dah die Abrüstungsbesprechungen in Genf nur sehr langsam vorwärts kämen. 3n den verflossenen sieben 3ahren sei in dieser Frage lein Fort- schritterzielt worden. Da Englands Haltung äu dieser Frage änderst bedeutsam sei, bitte er die Regierung um eine Stellungnahme. Der Earl vf Oxford and Asquith wies darauf hin, Artikel 8 des Versa.Iler Vertrages bringe bereits zum Ausdruck, datz >ie Aufrechterhaltung des Friedens ron der Herabsetzung der nationalen Rüstungen abhängig sei. Es sei jetzt die höchste ■3«t, dah der VöKerbundsrat bestimmte Ab- rüstungspläne formuliere. Man dürfe sich nicht auf die Entwaffnung Deutschlands beschränken, vielmehr müsse die deutsche Entwaffnung nur als erster Schritt aus dem Wege zur allgemeinen Abrüstung betrachtet werden. Die Situation erfordere die baldigste (Einberufung einer internationalen Abrüstungskonferenz durch den Völkerbund. Lord Oxford ging bann auf die Frage der che-- rnischenWaffen und derälnterseeboote ein und forderte energisch ihre Abschaffung. Lord Cecil antwortete für die Regierung. Ec sagte, für die englische Regierung stehe die Bedeutung der Abrüstungsfrage außer jedem Zweifel. Es sei bereits der Locarnovertrag abgeschlossen worden, der neue Mahnahmen in der Sntwaff.rungsfrage ermögliche. Deutschland habe die Mehrzahl seiner Verpflichtungen in der Abrüstungsfrage erfüllt, und er J>offe, dah auch die Abfragen keine weiteren Schwierigkeiten machen wurden. Die Regierung nehme in der Deutschen Entwaffnungsfrage cnic sehr vorsichtige Haltung ein. Sie Abrüstungsfrage stände heute so günstig wie noch nie zuvor. Sie sei aus dem Bereiche der Theorie herausgekommen und eine ßebendfrage geworden. Cecil stimmte zu, dah die chemischen Waffen und ^l.tterseeboote gänzlich abgeschafft werden mühten, doch sei dies ein sehr schwieriges Problem. Hinsichtlich der älnterseeboote seien die Meinungen noch geteilt. bas deutsche Eigentum in Amerika. Es scheint, daß man in manchen deutschen Kreisen vom Ausgang der diesjährigen Kongreß- wähl einen gewissen Einfluß auf die Beschleunigung der Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Privateigentums erwartet und erhofft hat. Man konnte auch gelegentlich die Vermutung aussprechen hören, daß gegebenenfalls ein Sieg der Demokraten zur Beschleunigung der Angelegenheit beitragen würde, da sie ihr günstiger gegenüberständen, als die Repu- blckaner. Beide Annahmen dürften auf einem Irrtum beruhen. Die Frage der Rückgabe des deutschen Privateigentums ist keine Parteisache mehr. Anträge zur Durchführung eines Vorschlags in diesem Sinne sind von Mitgliedern beider Par.eien in Senat und Repräsentantenhaus eingebracht worden. In den zuständigen Ausschüssen beider Häuser haben sich Anhänger beider Parteien da.ür ausgesprochen. Für die republikanische Seite läßt sich sagen, daß sowohl Präsident Coolidge, Staatssekretär Kellogg, Schatzamtssekre.är Mellon, wie Senator B o r a h, der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, sich wiederholt für die Rückgabe ausgesprochen und eingesetzt haben. Man konnte sogar eine Zeitlang von einem gewissen Wettrennen zwischen maßgebenden Vertretern beider Parteien in dec Sache sprechen Aus diesem Grunde hat die Frage in dec Wahlbevegung selbst überhaupt keine Rolle gespielt und sie ist kaum je erwähnt worden. Trotzdem können die Aussichten für die Annahme eines Gesetzes in der Session, die am ersten Montag im Dezember beginnt, leider nicht als günstig bezeichnet werden. Zunächst sprechen die äußeren älmstände dagegen. Die im Dezember beginnende Kongreß- Session ist die sogenannte kurze, d. h. sie endet gesetzlich bereits am 4. März 1927. Dis dahin müssen vor allen Dingen die Etats und die anderen dringendsten Arbeiten unter Dach und Fach sein. Wie in anderen Parlamenten, so herrscht auch im amerikanischen die Gepflogenheit, die ersten Wochen zu certröbeln, um dann g»gm Schluß mit Dampf zu arbeiten und das notwendigste zu erledigen. Dah unter solchen Um» ständen auch an sich wichtige Sachen zurück- gestellt werden müssen, ist um so erklärlicher, tvenn es sich um eine Session handelt, der eins bestimmte Frist gesetzt ist. Liebrigens möge in diesem Zusammenhang bemerkt werden, daß die bevorstehende Kongreß-Session nicht die erste des jetzt soeben gewählten Kongresses ist, sondern die letzte des vor zwei Jahren gewählten. Die Lebensdauer eines jeden Kongresses beträgt zwei Jahre und beginnt stets am 4. März des auf den Wahltag folgenden Jahres. Wenn nicht ans bestimmten Gründen der Präsident den Kongreß früher zu einer Extrasession einberuft, dann tritt der am 2. November 1926 gewählte Kongreß erst am ersten Montag im Dezember 1927 zu seiner langen Session zusammen, die erst durch gemeinsamen Beschluß von Senat und Haus ihr Ende findet, wenn alle dringenden Arbeiten erledigt sind, also meist mitten un Sommer. Aus dieser Darlegung ergibt sich, daß für die Beratung und Erledigung von Gesetzentwürfen außer den Etats in der kurzen Session nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht. Es kommen nur solche zur Annahme, über die keine Meinungsverschiedenheit besteht unb für die eine gewisse Dringlichkeit vorliegt. Run besteht in Amerika zwar kaum eine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit über die Frage der Rückgabe des deutschen Privateigentums, um so mehr aber eine sachliche über die Form und über den Zeitpunkt der Durchführung. Bekanntlich schweben augenblicklich noch verschiedene Prozesse, die mit der Verwaltung des beschlagnahmten deutschen Privateigentums in Zusammenhang stehen. Es fei nur daran erinnert, dah der große Strafprozeß gegen den früheren Iustizminister (Generalanwalt) Daugherty wegen Annahme von Drstechungsgeldern bei der Herausgabe des Vermögens der Metallgefell- schaft in Frankfurt a. M., beten Direktor Merton als Kronzeuge auftrat, ergebnislos verlausen ist, weil sich die Geschworenen auf einen Wahr- sptuch nicht zu einigen vermochten; in Amerika ist Einstimmigkeit der Geschworenen zur Freisprechung oder Verurteilung erforderlich. Der Prozeß, bei dem für die Verwaltung des deutschen Privateigentums höchst unerfreuliche Zustände ans Tageslicht gebracht wurden, muh wiederholt werden, und habet ist es fraglich, ob der Ausgang bann ein anderer fein wirb. Außerbem schweben noch verschiedene Straf- unb Zivilprozesse, die sich gleichfalls darauf beziehen. Roch nicht völlig erledigt sind die von einer gemischten Kommission be.irbeteten Entschädigungsansprüche amerikanticherDür- g e r aus dem Krieg, die durch den 0-Doot-Krieg unb aus anderen Ursachen entstanden sind. Es besteht eine starke Strömung in Amerika, also auch in beiden Häusern des Kongresses, mit der Rückgabe des deutschen Eigentums zu warten, bis diese Prozesse unb Entschädigungsan- sprüche voll erlebigt sind, weil man bann einen besseren üeberblid über die zur Rückgabe verfügbaren Summen gewinnen kann. Selbstverständlich können wir in all diesen Erwägungen keinen ausreichenden Grund erblicken, noch länger mit einem Schritt zu warten, der von rechtsvegen längst hätte getan sein sollen, nachdem einmal die amerikanische Regierung bet ihrem Eintritt in den Weltkrieg durch die Verletzung des Vertrages von 1828 sich gröblich an ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen versündigt hatte. Aber wir haben im letzten Jahrzehnt wohl einigermaßen gelernt, mit nüchternen Tatsachen zu rechnen unb deswegen ist es vorzuziehen, auch in diesem Falle die Dinge so zu s:hen, wie sie wirklich liegen. Man muß leider damit rechnen, daß die Rückgabe erst v o m neuen Kongreß etwa in der ersten Hälfte des Jahres 1928 beschlossen werden wird. Kommt sie früher — um so besser! Der Wert des deschlagnahmtenGigentums. Reuyork, 17. Rov. (WTB.) 3m Finanzausschuß des Repräsentantenhauses erklärte Oberstleutnant M c M u l l o n vorn Militärobergericht zur Frage des beschlagnahmten deutschen Eigentums, nur ein Prozent der 11 900 während des Krieges beschlagnahmten deutschen Patente sei von einigem Werte, z. B. das Sal- varsan-Patent. Er schätze den Wert der beschlagnahmten Patente auf 7 500 000 Dollar, der beschlagnahmten deutschen Schiffe auf 33 Millionen und der deutschen Funkstation auf Long 3sland auf 400 000 Dollar. Der Kriegssekretär trete dafür ein, daß diese Ansprüche sofort durch einen mit' weitgehenden allgemeinen Vollmachten ausgestatte- ten Schiedsrichter geregelt werden. Auf dem Wege zur Großen Koalition. Die Sozialdemokraten fordern eine klare Entscheidung. (Eigene Information des „Gieß. Anz.") Berlin, 18. Roo. Zur Frage der Großen Koalition im Reiche hat der „Vorwärts" sich nunmehr grundlegend geäußert. Er schreibt: Bisher lägen zwar noch keine formellen Beschlüsse der sozialdemokratischen Reichstagssraktiou über ihre Bereitschaft zum Eintritt in das Kabinett Marx vor, auch feien offizielle Verhandlungen hierüber noch nicht geführt worden. Das Blatt läßt aber durchblicken, dah man im Gegensatz zu der bisher beobachteten Haltung grundsätzlich jedenfalls nicht mehr abgeneigt ist, über ein festeres Verhältnis zu den derzeitigen Regierungsparteien zu verhandeln. Allerdings stößt man sich an einer angeblichen Aeuherung des Abg. Scholz, des Vorsitzenden der volksparleilichen Reichstagsfraktion, der die Verständigung mit den Sozialdemokraten nur soweit befürwortet, dah ein verhandeln mit den Deutschnationalen über die jeweilig schwebenden Fragen nicht von vornherein ausgeschaltet wird; daß also das Kabinett, wie bisher, zwischen der Opposition von rechts und links das Regierungsschiff hindurchsührt, bald hier, bald da Anlehnung suchend. Diese angebliche Aeuherung des Abg. Scholz einmal, und zweitens die Hinzuziehung des deuischnationalen Abg. Wumm zu der Besprechung über das Schmutz- und Schandgesetz veranlassen den „vorwärts", jetzt auf volle Klarheit zu drängen. Die Sozialdemokraten verlangen also eine grundsätzlich entscheidende Linksori entierung des Kabinetts, ohne aber bisher den Ramen der Großen Koalition zu nennen. Wit der grundsätzlichen Bereitschaft ist aber noch nicht viel getan. Es wird alles davon abhängen, ob zwifchen Sozialdemokratie und Deutscher volksparlei eine Verständigung über die großen Fragen der Wirischasls- und Finanzpolitik jetzt erreichbar ist. 3n unverbindlichster Form werden diese Dinge in diesen Tagen zwischen führenden Parlamentariern der Volkspartei und der Sozialdemokraten erörtert. Ob und wann sie sich zu offiziellen Verhandlungen verdichten werden, läßt ich natürlich noch nicht sagen. Rur darüber ist man ich klar, daß die Große Koalition nur roieberherge- tellt werden soll, wenn sie begründete Aussicht au längere Lebensdauer hat. Die Regierungsbildung in Sachsen. Die Altsozialdemokraten für die Große Koalition. Dresden, 17. Nov. (WTB.) In einer Sitzung der Landesleitung und der Landtagsfraktion der Altsozialisten Sachsens (ASPS.) wurde folgende Entschließung gefaßt: Der erweiterte Landesvorstand und die Landtagsfraktion der altsozialdemokratischen Partei Sachsens erblicken in der Herbeiführung der Großen Koalition von den Sozialdemokraten bis zur Deutschen Volkspartei das erstrebenswerte Ziel der sächsischen Politik. Sollte dieses Ziel nicht erreicht werden, dann ist die ASPS. bereit, eine Regierung zu unterstützen, die sich zur Republik bekennt und durch sachliche und persönliche Garantien Gewähr dafür bietet, erstens, daß die fortschrittlichen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Einrichtungen, die in Sachsen bestehen, nicht gefährdet werden, zweitens, daß vielmehr deren weiterer Ausbau zum Wohle der schaffenden Bevölkerung Sachsens erfolgen kann. Beginnende Wirtschafts- Krisis in Frankreich. Kin schwarzerTag an dcrPariserBörse Paris, 18. Rov. (TU.) 3n Frankreich machen sich als Folgen der Frankenstabilisierung die ersten Anzeichen einer Wirtschaftskrise bemerkbar. Die Zahl der freien Arteitsstellen ist eit einem Monat fühlbar zurückgegangen. 3n der 3ndustrie zeigt sich eine Auftragsverminderung. die teilweise schon dazu gc- ührt hat, die Arbeitszeit durch freie Vereinbarung zwifchen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verkürzen. Es tritt das Bestreben zutage, von der Regierung eine schärfere Kontrolle der Beschäftigung ausländischer Arbeiter zu fordern. Die Pariser Börse hatte gestern geradezu einen schwarzen Tag. Unter dem Einfluß der weiteren Klärung der innerpolitischen Lage ging das Pfund von 145,25 auf 141 zurück. Die Flaute am Devisenmarkt zog auch den übrigen Markt in Mitleidenschaft und sämtliche französischen 3n- dustriepapiere und ausländ.schen Werte hatten Kurseinbuhen von 10 Proz. und mehr zu verzeichnen. Es herrschte geradezu eine Panik, die dadurch verstärkt wurde, daß verschiedene große Firmen wegen Geldmangels zur Liquidation gezwungen toaren. Loucheur hielt auf der heutigen General- rersammlung des republikanischen Komitees für Handel, 3nbuftrie und Landwirtschaft in Lille eine Rede, in der er sich für eine baldige Stabilisierung des Franken einsetzte. Wohl wäre eine Aufwertung des Franken bis zum Vorlriegskurse möglich, dann müßte man ater zu einem Budget von 22—23 Millionen Goldfranken übergehen, von dem mehr als vier Fünftel zur Tilgung der öffentlichen Schuld notwendig wären. Bis dahin würden aber für die ganze Wirtschaft die schwersten Folgen entstehen. Man hätte mit der schwersten Unstabilität der Preise zu kämpfen, die Geschäfte würden vollkommen unsicher und die Bankrotte würden sich häufen. Aber auch die gegenwärtige Lage erzeuge sehr gefährliche 3llu- sionen. Als in den letzten Tagen der Franken sich gebessert habe, habe sich em Teil der Be- völlerung gefreut, während der andere sich entsetzt habe. Der älmf ay des Geschäfts habe um mehr als die Hälfte abgenommei^ die Krise schreite fort. Es fei möglich, dieselbe aufzuhalten, die Operation mühte aber unter Aufrechterhaltung des allgemeinen Geldstandes und Aufrechterhaltung der besseren Lebensbedingungen für die Arbeiter, die diese seit dem Kriege er» toorLen hätten, und der Ausfuhrmöglichkeiten für die 3ndustrie durchgesührt w.ren. D e Stabilisierung könne nicht außerhalb dieses Rahmens verwirklicht werden. Unter allen Um» ftämen mühte das Land ein neues Opfer zugunsten der Kleinrentner auf sich nehmen, die während der schwersten Kriegszeiten dem Staate zu Hilfe eilten, damit der Mittelstand nicht, wie in Deutschland, zermürb t würde. Der Fall Marin. Vertagung des radikalen Antrags in der Kammer. Paris, 16. Noö. (WTB.) 3n der Kammer begründete der radikale Abg. f) u 1i n seine Inter- pellation über die Rede des Pensionsministers Louis Marin. P o i n c a r 6 verlangte die Vertagung der Beratung bis nach Verabschiedung des Budgets gemäß der Stellungnahme, die die Regierung bisher hinsichtlich der Interpellationen eingenommen habe. Im übrigen betonte Poincars, daß Marin feine persönliche Ansicht zum Ausdruck gebracht habe, wie dies den Kabinettsmitgliedern freistehe. Seine Ministerkollegen hatten ihm als Ministerpräsidenten allein das Recht zuerkannt, im Ramen der Regierung zu sprechen. (Hier rief der radikale Abg. Hulin dazwischen: „Die Diktatur nach der Entschuldigung!") Die Mitglieder seines Kabinetts seien einmütig der Auffassung, daß ihr Werk des öffentlichen Wohls nur gestört werde durch die Durchbrchung der Aktionssolidarität, die bei so vielen Gelegenheiten gewonnen worden fei. Dies sei auch die Ansicht Marins (der der Sitzung nicht beiwohnte). Der Ministerpräsident schloß feine Aus- führungen, die von den Radikalen wiederholt unterbrochen wurden, mit einem Aufruf zur Zusammenarbeit. Der radikale Abg. H u l i n erklärte, sich darüber beklagen zu müssen, daß ein Mitglied des Kabinetts eine leidenschaftliche und rein polemische Rede gehalten hätte. Dem Kabinett gehörten politisch linksgerichtete Minister an. Er glaube, daß diese ihrem ftoilegen offen die Meinung sagen würden unb sich nicht ohne Antwort abspeisen ließen. Er erinnere daran, daß auch Herriot und Painleos öffentliche Reden gehalten hätten, die stets taktvoll gewesen seien. Die von der Regierung verlesene Erklärung sei nicht ausreichend. Er protestiere gegen eine Politik, die von dem Ministerpräsidenten gedeckt werde, obgleich sie sich gegen die Demo- tratie in verleumderischer Weise richtete. Die Abstimmung ergab die Mehrheit für Poincars. Das Schicksal der katalanischen Separatisten. Brüssel, 17. Rov. (Havas.) Die zwölf katalanischen Separatisten, die gestern Paris passiert hatten und über die belgische Grenze abgeschoben werden sollen, werden gegenwärtig in Templeuve an der belgischen Grenze unter polizeilicher Bewachung festgehalten, wo sie bis zum Eintreffen einer Entscheidung der 1 belgischen Regierung verbleiben werden. r I gestellt werden können — und ihre Zahl wird Warschau. 18. Nov. (WTB. Funkspruch.) . Werden wnnm - und chre Zahl wird 3n der „BjKäPofpollfa- triflfierl üorfantg Me i*a8Ä^ mcr' -mMche p°,nlsche Stafiftir über dns wahlngebnis den beeechttnt l-m Lrbe,t«°Imunt-rftn»ung zu in Oftobcrfd>lefien. ftorfanf, mach! Darauf aufm-rf. Äff1 ^^-«w/munter- lam. Duft Die poinifche Stafiffit Den polmfchen tiffen ffuBunaifnnM. Der bereit« eine DerfchulDun« hinwrprhnr». hi .iniHirii ff« « h kL »7 von 19 Mstlwnen Pfund aufwerst, um weiters Pfund aufweist, um weiters 1! hinzurechncl: d l e Mieterlisie und die 211 i t - 200 000 Pfund wöchentlich belastet. u =* — Folge des Kohlenstreiks eine weitere außerordentliche Belastung erfahren werden. Alle Bergarbeiter, die nicht wieder in die Gruben ein- Der neue Vertreter Australien« bei der amerikanischen Regieruirg wird binnen kurzem statt den Titel eine« Geschäftsträgers den offi» »teilen Titel eines Gesandten erhalten. Dies wird dann nach Irland und Kanada der dritte Fall sein, daß ein englisches Dominion in Moderne Polarforschung. Nansen über daS lenkbare Luftschiff im Dienste der Forschung. Essen, 17. Nov. (SU.) 3m Rahmen der von den akademischen Kursen in Essen veranstalteten Vortragsreise sprach Fritjof Nansen über die künftigen Aufgaben der Polarforschung. Nansen verbreitete sich im ersten Teil seines Vortrages, der mit zahlreichen guten Lichtbildern und Kartenskizzen ausgestattet war, über die geologischen Verhältnisse im nödlickenPolargebiet. Hier gelte als Hauptaufgabe die Feststellung Über die Ausdehnung der Landmasse an den Polen. Weitere wissenschaftliche Aufgaben gelte den meteorologischen Forschungen. Bei Besprechung der Bereisung des Polargebietes mit dem Forschungsschiff, mit dem Schlitten oder mit der Deobachtungsstation auf dem Treibeis kommt Nansen auf die neuesten Reisemittel im Eisgebiet, aus das Flugzeug und auf das lenkbare Luftschiff, zu sprechen. Nansen glaubt das Flugzeug für die Polarforschung wegen der schwierigen Landungsmöglichkeiten im Eisgebiet ablehnen zu Müssen. Die größte und für die Wissenschaft wertvollste Bedeutung habe jedoch das von den Deutschen erfundene lenkbare Luftschiff. Mit einem Luftschiff von zirka 100 000 Kubikmetern Rauminhalt, das mit allen wissenschaftlichen Hilfsmitteln und Bequemlichkeiten, starker Mannschaft und reicher Ladung ausgestattet ist, glauben die Wissenschaftler, erfolgreiche Arbeit im ben die Wissenschaftler, erfolgreiche Arbeit im Polargebiet zu leisten. Gin Luftschiff von diesem Riesenausmaß — das Amundsensche Luftschiff faßte nur 19 000 Kubikmeter — kann sichere Landung vornehmen, die nötigen wissenschaftlichen Untersuchungen an Ort und Stelle und zwar längere Zeit anstellen und damit praktische Ergebnisse zeitigen. Allerdings würden beute die außerordentlichen hohen Kosten für den Dau dieses Luftschiffes durch die wissenschaftlichen Ergebnisse und ihre Auswertung allein noch nicht gedeckt. Mit dem künftigen Bau von Groß-Luftschiffen für ben fernen Transport nach den genialen Plänen Dr. Eckeners werde aber eines Tages der Wissenschaft jenes tiefen* große Luftschiff zur Verfügung stehen, um die letzten Rätsel des Polargebietes lösen zu können. Der englische Kohlenstreik DasLchicksaldcsRegieruttqSvorschlasis London, 18. Nov. (SU.) Die Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter in Südwales beschloß am Mittwoch nach längerer Beratung entgegen der allgemeinen Erwartung die Re- aierungsvorschläge abzulehnen. Ebenso haben die Delegiertenkonferenzen in Eheshire, ßan- rashire und Schottland, in Nordcumberland und In Durham die Regierungsvorschläge a b gelehnt. Trotz des Beschlusses ist die Rückkehr von Dcrz.r beite rn in die Gruben weiter sehr beträchtlich Man glgubt nach wie vor, daß das der Dergarbeitererekutive am Heuligen Donnerstag vorliegende Gesamtergebnis eine Mehrheit für die RegierungSvorichläge auf- Vor dem Pariser Zivilgericht ist der Prozeß zur Verhandlung gekommen, den die morganatische Gattin deS Prinzen Karol von manien, Frau Lambrino, angestrengt hat. Sie fordert die Zahlung von 10 Millionen Franken als Ersatz für den ihr zugefügten moralischen Schaden und das Recht, ihrem Sohn den Namen Kart von Hohenzollern zu geben. Für den Prinzen plaid-ierte der französische Sozialist Paul Boncourt. Das Gericht wird das Urteil in acht Tagen fällen. Kleine politische Nachrichten. Wie der „Lokalanzeiger" berichtet, empfing der Reichspräsident von Hindenburg gestern eine Ab. orbnung Der Berliner Schlosserinnung und unter« hielt sich mit ihr eingehend über die verschiedensten Fragen des Gewerbes. Als äußeres Zeichen ihrer Verehrung überbrachte die Abordnung dem Präsidenten cm Petschaft und einen Aschenbecher auf einem Ständer, Schmiedearbeiten in künstlerischer Ausführung. Tschitscherin wird sich demnächst nach Frankfurt a. M. begeben, um dort einen Spezialisten wegen seines Gesundheitszustandes zu konsultieren. Hierauf werde er in Südfrankreich einen längeren Aufenthalt nehmen. t e l st a n d s I i st e, obgleich die erstere rein deutsch und die andere gemischt war. ferner find ben polnischen Listen die S e p a r a t i st e n und die Kommunisten hinzugerechnet worden. Korsanty bezeichnet die amiliche polnische Dahlergebnislisle als gefälscht. L ■ ■ r ■ - Der Weg der deutschen Volkswirtschaft. Ein Bortrag Reichsminister Hamms Essen, 1?. Nov. (TU.) Auf Einladung der volkswirtschaftlichen Vereinigung im Rheinisch- Westfälischen Industriegebiet entwickelte der frühere Reichswirtschaftsminister Hamm seine Auffassung zur augenblicklichen und kommenden Gestaltung der deutschen Volkswirtschaft. Die Reinigungskrise, so erklärte er, sei erst vor etwa einem Iahre erreicht worden. Sie sei gekennzeichnet gewesen durch Kapitalmangel, durch öffentliche und stille Zusammenbrüche und durch steigende Arbeitslosigkeit. Es sei der Uebergang von der Krise zur Depression gefolgt. Der tiefste Puntt sei erreicht gewesen. Langsam, ganz allmählich gehe es wirtschaftlich wieder besser. Die jetzige Rationalisierung habe nur Sinn und Berechtigung. wenn sie nicht weniger, sondern mehr Güter erzeuge und nicht weniger, sondern m e f> r~ Menschen beschäftige. Bei der Durchführung dieses Zieles müsse immer wieder vor Augen gehalten werden, daß das eigentliche Absatzfeld der deutschen Erzeuger der innere Markt sei, für den wieder kaufkräftige Schichten geschaffen werden müßten. Man dürfe aber keineswegs neben die Rationalisierung der Wirtschaft die Rationierung der Arbeit stellen. Beide schlössen sich aus. Hamm geht dann näher auf das Arbeitsbeschaffungspro- gcamm der Reichs regle rung ein und streift schließlich die in der zunehmenden Zusammenschlußbewegung nach horizontaler Richtung zum Ausdruck kommende neue einheitliche Wtrtschaftsgesinnung. 3n diesem Zusammenhang gibt er seiner Ansicht Ausdruck, daß gerade im Kapitalismus kollektiven Sinnes ein starker Zwang zum allgemeinen Volkswirtschaftlichen und Vernernwirtschaftlichen liege. Allerdings komme es darauf an, daß durch diese Umstellung innere Werte keine Beeinträchtigung erfahren. Dem Staate falle bei der ganzen Neugestaltung nur insofern eine entscheidende Aufgabe zu, als er die Entwicklung mit Klugheit zu beobachten und nachdrücklich in günstigem Sinne zu beeinflussen habe. Verurteilung wegenBeleidigung des Reichsbankpräsidenlen. Berlin, 16. Nov. (WB.) Der Vorsitzende des Reichsbankgläubigerverbandes, der Fabrikant Roll, wurde im Derufungsverfahren z u zwei Wochen Haft verurteilt. Gr war wegen Deleidiguirg des Reichsbankpräsidenten vom Schöffengericht äu einer Geldstrafe von 750 Marl verurteilt worden. 3n der Begründung des neuen Urteils wird ausgeführt, daß der Angeklagte bei seinen Aeuberungen über die Wahrnehmung berechtigter Interessen hinaus ge gangen sei und daß im Hinblick auf die Verrohung des politischen un. wirtschaftlichen Kampfes eine Freiheitsstrafe für notwendig erachtet worden sei. Hessischer Landesparteitag der Deutschen Dolkspartei. .Am 27. und 28. November hält die Deutsche Volkspartei ihren hessischen Lanbesparieitag in Worms ab, dem angesichts der augenblicklichen wirtschaftlichen und politischen Lage besondere Bedeu- Lna beizumessen ist. Von den einzelnen Fachausschüssen, die im Laufe des Samstags zusannnen- rreten, seien namentlich aufgeführt: Der Landesaus- jchuß für Kommunalpolitik: Redner Landtagsabge- ovbneter Bürgermeister Dr. Nieooth-Schlitz: Land'es- ausschuß für Handel und Industrie: Redner Reichs- tagsabgeordneter Fabrikant Klingspor-Siegen; Landesausschuß für Handwerk und Gewerbe: Redner Landtagsabgeordnetsr Zimmermeister Haury-Darm- ftabl; Landesfrauenausschuh: Rednerin Landtagsab- geordnete Frl. M. Birnbaum-Gießen: Landesjuaend- ausfchuß: Redner Landtagsabgeordneter über; ftubienbireftor Dr. Keller-Büdingen: Landesbeamtenausschuß: Redner Reichstagsabg. Postinfpeklor Morath.-Berlin: Landesausschuß für Landwirtschaft: Redner Reichstagsabg. Lanowirt (tramm-Timmer- loh; Landesfchulausfchuß: Redner Landtagsabg. Oberstudienbirektor Dr. Keller-Büdingen. Samstag abend wird in einer Parteiversammlung Reichstags- abgeordneter p. Kardorff das Wort ergreifen. Anschließend an diesen Vortrag veranstaltet die Ortsgruppe Worms der Deutschen Volkspartei zur Unterhaltung der Parteifreunde einen „Rheinischen Abend", Der eigentliche Parteitag findet am Sonntag. 28. November, statt. Es sprechen hier: Reichs, nnnister a. D. Exzellenz Dr. Becker über Reichspolitik: Landtagsabg. Rechtsanwalt Dingeldey über hessische Landespolitik. Den Geschäftsbericht erstattet Generalsekretär Kollbach. Die bereits jetzt aus allen Teilen des Landes vorliegenden zahlreichen Anmeldungen lassen erkennen, daß diese Tagung sich zu einer machtvollen Kundgebung des vokksparteillchen Gedankens auswirken wird. Der Aufstand auf Java. Moskaus Arbeit in N-ederläudisch-Judien. Batavia, 17. Nov. (Wolff.) Die letzte Nacht ist überall ruhig verlausen. In der Stadt Bandoeng ist der gesamte indisch-kommu.ststi- sche Vorstand verhaftet worden. In Weltereden sind 45 Personen in Hast genommen worden. Die Hilfstruppen für die Garnison von Labocan trafen dort in Automobilen ein. Labocan ist von der Bevölkerung verlassen. Nach Ablösung und Verstärkung der Garnison ist der Gouverneur nach Batavia zurückgekehrt. Die Aufständischen haben sich vorläufig von Labocan zurückgezogen, Da sie starke Verluste erlitten haben. Zahlreiche Verbindungen sind unterbrochen. Nach einem offiziellen Bericht ist die Lage im West cm des Landes, dem bisherigen Herde der Revolution, befriedigend. In der Landschaft Pandeglang hat Der Auf st and indessen ernste Formen angenommen. Die ganze Bevölkerung ist zur Empörung üi ergegangen. Ter hollänoischr Kolonialminister ertlärte, daß die Triebfedern Der jetzigen kommunistischen Bewegung auf Iava nicht, wie französische Blätter annehmeti, in Dschedda zu suchen seien. Die Haupttriebfedern seien vielmehr in China, Überhaupt im Fernen Osten zu suchen. Bei Der Haushaltsdebatte in der zweiten nieDerländischen Kammer wurde auch mehrfach auf den Zusammenhang der Vorgänge in Iava mit der indischen Bewegung und der bolschewistischen Propaganda hingewiesen. So betonte besonders Der Avg. Srocglener Fortuyn (Freiheitsbund), daß man den Aufstand in Westjava nicht zu leicht nehmen Dürfe. Iava stehe im Begrün seiner politischen Erziehung und Mos kau mache den Versuch, hierbei mttzusprechen. Der Einfluß der Moskauer Propaganda könne gefährlich werden, wenn man ihm nicht mit allen Mitteln entgegentrete. Polen fälscht da: Wahlergebnis £ K in Oberschlesien. Ein Vorwurf Korfantys. Washington durch einen Gesandten vertreten wird. Präsident Diaz hat die Intervention der Vereinigten Staaten in der Angelegenheit Nicaraguas beantragt, da Nicaragua zu schwach sei, um Die von der mexikanischen Regierung hervorgerufene Empörung zu unter, drücken. Wie verlautet, befindet sich die ganze Ostküste Nicaraguas in den Händen der Aufständischen. Kunst und Wissenschaft. Dpern=Urauffüf)rung in Frankfurt. Dor wenigen Tagen erlebte das jüngste Werk des berühmten Pianisten und Komponisten Tugen d'Albert, „Golem", seine Uraufführung in Der Frankfurter Oper. Die Persönlichkeit deS Komponisten erscheint hier in neuer Beleuchtung. Nach den zahlreichen Werken, die ihn als feinsinnigen Meister des musikalischen Lustspiels und als vollblütigen Dramattker zeigten, beschreitet d'Albert hier das Gebiet mysttsch-gespen- stifcher Romantik, deren Schauplatz das Ghetto des alten Prag ist. Der wundertätige Rabbi Loew vermißt sich, einem tönernen Bilde, Der Figur des Golem, durch eine zauberkräfttge Formel Leben einzuhauchen: Der Tonkoloß wird lebendig unD macht nun in rascher Entwicklung, Die das Textbuch Lions auf psychologische Weise glaubhaft zu machen sucht, Die Wandlungen vom urtriebhaften Wesen zum fühlenden und liebenden Menschen durch. Auf spukhafte Vorgänge ist Die suggestive Gewalt zurückzuführen, Die er über Lea, Die Pflegetochter deS Rabbi, gewinnt. Der tragische Konflikt — Die Liebe Lsas zu dem Tvnbild und die Vermessenheit des Rabbi, Der sich göttliche Zeugungskraft anmaht — wird durch Den Tod Leas gelöst, Dem Die Vernichtung des Golem durch seinen Schöpfer folgt. Das Ganze ist hem in Den letzten Fahren in Meyrincks Dichtung und Wegeners Gosemfilm oft behandelten Gebiet Der jüdischen Legende entlehnt, ohne jedoch die künstlerisch befrietigenDc Lösung zu finden. Auch fehlen der Handlung Die dramatischen Steigerungen, an Deren Stelle Reflexionen und psychologische Deutungsversuche treten, die keine überzeugende Kraft besitzen. Tie Musik d'Alberts ist stellenweise von großer Schönheit. Sie bewegt sich auf Den Bahnen einer großzugig-aus.nalenden, individualisierenden Tonsprache und sie zeigt vor allem das außerordentliche, kompositorische Können des Schöpfers von „Tiefland" und her „Toten Augen". Aber an ben Mängeln des Stoffs scheitert auch die große Kunst des Komponisten, besonders wenn er hie seelischen Wandlungen des Golem und die Liebe Der Lea zu dem Tongebilde musikalisch veranschaulichen will. Andererseits besitzt die Partitur jedoch Stellen von höchstem Klangreiz und von sinnfälliger Schönheit des Ausdrucks, hie hem schwierigen Werk denn auch eine beifällige Aufnahme verschafften, die den Komponisten mehrfach auf Die Bühne riefen. Von höchster Hingabe an das Werk und von feltener Vollendung war Die Frankfurter Aufführung. Vor allem war es die prachtvolle Leistung Prof. Krauß' mit seinem Orchester, die rückhaltlose Bewunderung verdient: als Golem bot Der Baritonist Stern eine glänzende Leistulw, prachtvoll war der Rabbi des Herrn v o m S ch e i d t und die Lea Elisabeth Kandts. Künstlerische Leistungen von hohem Wert waren Die spukhaft-düsteren Bühnenbilder Ludwig Sieverts. L. W. Aus aller Wett. Dec jüngste Passagier Der Lufthansa. Dienstag traf auf dem Frankfurter Flugplatz her Deutschen Lufthansa, von Köln kommend, der jüngste Fluggast der - Deutschen Lufthansa ein. Ein Kölner Redakteur unh seine Gattm hatten die Absicht, ihr sechs Wochen alteö Töchterchen den in Mannheim wohnenden Großeltern vorzustellen. Da für die Kleine die lange Eisenbahnfahrt nicht angebracht erschien, benutzte man das Flugzeug. Dem kleinen Mädchen war bei der Landung hie Fahrt im Flugzeug gang ausgezeichnet bekommen, so haß mit den, nächsten Anschluß-Flugzeug die Fahrt unbedenklich nach Mannheim fortgesetzt werden konnte. Auf den Bahnhöfen" Der Lufthansa in Köln und Frankfurt erregte der junge Fahrgast natürlich großes Aufsehen, da er den neulich gemeldeten 5lug eines Engländers im Alter von Drei Monaten erheblich überbot, ja vielleicht sogar einen Weltrekord barftellt. Ie- henfallS beweist Der Flug, wie gefahrlos, bequem unh „bekömmlich" das Fliegen ist. Die junge Mutter spricht sich jedenfalls in dieser Hinsicht ganz überzeugend aus und sie muh es ja am besten wissen, wie es ihrem Baby bekam. Schwerer THoforrabunfatt in Erfurt. Am späten Abend des Bußtages fuhr im Erfurter Steiger ein Motorradfahrer in eine etma 30 Mann starke Kolonne Der Erfurter Turners chaft. Vier Mitglieder wurden verletzt, davon zwei schwer. Der Fahrer selbst erlitt schwere Kopfverletzungen. Er wurde Dem Krankenhaus zugeführt. Seine auf Dem Soziussitz mitfahrende Frau blieb unverletzt. Schwerer Strahenbahnzusammenstob in Berlin. In Der Nacht zum Bußtag stießen i.n Osten Berlins ein Sttaßenbahnwagen und ein Lastkraftwagen Der Meierei Dolle zusammen, so daß her Straßenbahnwagen auf den Bürgersteig geschleudert wurde. 18 Fahrgäste würben verletzt, davon zwei schwer. 21 Menschen vom Jeuertobe errettet. Aus Regensburg wirb Die Errettung von 21 Menschen durch erfolgreiches Eingreifen der Feuerwehr gemeldet. In einem Anwesen war Feuer auSgebrochen, bas mit großer Ge- schwindigkeit um sich griff unh DaS Treppenhaus vollständig verqualmte. Den Bewohnern der oberen Stockwerke war der Ausgang abge- schnitten. Frauen und Männer standen mit Kllckrern in Den Armen an Den Fenstern und wollten sich in die Tiefe stürzen. D?r Wehr gelang es, 21 Personen vom Feuenode zu rette Ein Glücksdorf. In D a r ch f e I Schmallalden) sind Dem glücklichen Besitzer eines Lotterielose« 30 003 Mart zugefallen. Innerhalb der letzten zwei Iahre sind Damit drei große Lottenegewinne. nämlich 25 000, 15 000 und 20 000 Mark, in das Dörfchen gekommen. Sieben Tote bei einem Zugunglück in Amerika. Der Erpreßzug Eincinnath — New- Orleans ist auf einem Bahnübergang mit einem Automo bil zusammen- gestoßen, wobei der Zug entgleiste. Zwei Personen wurden dabei gelötet und sechs verwundet. Zwischen Den zur Hilfe entsandten QIü>- tortoagen kam es auch noch zu einem Zusammenstoß, durch Den fünf Personen getötet und 19 verletzt wurden, so daß das Unglück im ganzen sieben Todesopfer gefordert hat. Neue Stürme im Osten der vereinigten Staaten. Ein Sturm, der von schweren Regengüssen begleitet war, hat am Dienstag den östlichen Teil der Vereinigten Staaten heimgesucht. Häuser wurden abgedeckt, Bergwerke überschwemmt und die Verkehrslinien sowie die telegraphischen Verbindungen zu Lande wie unter See unterbrochen. Die Schifffahrt hat beträchtlichen Schaden gelitten. In Ost- Pennsylvanien und West-Dirginien sind alle Flüsse über die Ufer getreten und Eisenbahn- und andere Brücken weggespült worden. Verluste von Menschenleben wurden bisher nicht gemeldet. In der City von Neuyork ist der Schaden nur gering. Eisenbahnunfall bei Paris. Aus Dem Bahnhof von Auteuil überfuhr ein elektrischer Zug einen Puffer und konnte erst an der Mauer des Bahnhofes zum Stehen gebracht werden. Sin Dach te« Bahnhofes stürzte ein, wobei 11 Personen letzte Verletzungen erlitten. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, Den 18. November 1926. Preuhiscker Besuch in Metzen. fflie alljährlich, so hatte unsere Stadt auch gestern am preußischen Buß- und Bettag einen starken Besuch aus der näheren und weiteren preußischen Nachbarschaft zu verzeichnen. Mit der Elfenbahn, dem Auto, Fahrrad ober zu Fuß kamen Männlein und Weiblein in großer Menge hierher, um hier den freien Tag tu verbringen. Der Bahn- berrieb war bereits von 9 Uhr vormittags ab sehr lebhaft. Die Züge aus den preußischen Nachbar- städten wurden verstärkt gefahren und waren zu etwa 90 Prozent besetzt; in dieser Stärke hielt der Zustrom bis in die Nachmitlagsstunden hinein an. Abends bei der Heimfahrt, wo die Zuge gleichfalls verstärkt gefahren wurden, wiesen sie sämtlich sogar volle Besetzung auf. 3n den Hauptgeschäftsstratzen der Stadt flutete eine starke Menschenmenge hin und her, die Geschäfte hatten erfreulicherweise regen Besuch, und wie man an zahlreichen mitgesührten Pa- keten sehen konnte, wurde auch in beachtenswertem Maße gekauft. Vor den Kaffeehäusern in der Innenstadt waren zahlreiche Autos ausgefahren, eine für "Yser Straßenblld ganz ungewöhnliche Ersci-einung. Auf Oswaldsaarten hatte sich ein kleiner Rummel platz etabliert, auf dem sich die Menge dicht ge drangt hin und her schob, dahei mit freundlichen Interesse den Anpreisungen der verschiedensten Aus ruser lauschend! „für zwanzig Pfennige, eine Baga teile" wurde Gelegenheit geboten, „die seltenster Schlangen der Welt bis zur allergrößten" zu beroun bern, an einem Stand konnte man für eine Marl ein ».hoch prima Vergrößerungsglas" kaufen unt obendrein konnte man dabei „gratis und umfonft' ein „hervorragendes Opernglas, das auch als Feld stecher zu benutzen ist" nur aus Reklame „erhaltet und bekommen . Das Publikum unterhielt fid jedenfalls gut und kaufte zum Teil auch, so daß wohl beide Teile ungefähr auf ihre Rechnung gekommen fein durften. Der Betrieb war bis in die späten Abendstunden hinein auf dem Rummelplatz und in den Gasthäusern recht rege. Die Durchführung des Nnleiheablösungsgesetzes. 3m zuständigen Reichstagsausschuh machte em Vertreter d«S Reichsfinanzministeriums über den Stand der Durchführung des An- letheablösungsgefetzes folgende Mit- temmgen: Die Durchführungsbestimmungen zu 8 27 bei Anleiheablösungsgefetzes — soziale Wohlfahrtsrente für Anstalten und Einrichtungen der freien und kirchlichen Wohlfahrtspflege, die hie Aufgaben der öffentlichen Wohlfahrtspflege erfüllen, und kulturelle Wohlfahrtsrente für Anstalten und Einrichtungen zur Förderung der wissenschaftlichen Ausbildung und Forschung — und zu 8 47 des Anleiheablösungsgesetzes — Barablösung der Anleihekleinbeträge — liegen S- -3- dem Reichsrat vor. Bis Ende Oktober sind beim Reichskommissar für die Ablösung der Reichsanleihen des alten Besitzes 3 779 325 Anträge eingegangen, die einem Anleihekapital von 323 Millarden Mark entsprechen, mit denen 763,9 Millionen Reichsmark AuSlösungsrechte beantragt werden. Entschieden sind von diesen Anträgen 2 448 584, durch welche 203 Millionen RetchSmark Auslosungsrechte zuerkannt wurden. Die Erledigung der reftlichen Anträge wird bis Mitte nächsten Iahres Dauern. Die Altbesitzmarkanleihen im Reichsschuldbuch wett en auf über 8 Milliarden Mark geschätzt. Irn Schuld- buch sind bis Ende Oktober 1926 auf 554 665 Konten 195 001 337,50 Reichsmark AuslosungS- rechte zugesprochen worden. Die Umwandlung der Martschuldbuchkonten in Anleiheablösungsschuld und in Auslosungsrechte wird voraussichtlich in diesem Iahre beendet werden. Die Anmeldungen beim Aeichskommissar und die Konten der Relchsschuldenverwaltung ergeben zusammen einen Betrag von über 40 Milliarden Mark alten Besitzes. Im Vorzugsrentenversah- ren sind hei ben Ausschüssen 606 000 Anträge emgeganaen. Bei 540 000 Anträgen haben die Ausschus e über die Frage Der Bedürftigkeit von deutschen Reichsangehörigen mit Dem Wohn- fitj im Zustande entschteden. Von her Reichs- fchuldenverwaltung ist endgültig bei 386 000 An- trägen, mithin bei rund 63»/z Prozent der gestellten Anträge, die Vorzugsrente zuerkannt Horden. Bei 322 000 Anträgen, mithin bei 83,4 Prozent der zuerkannten Renten sind bereits Zahlungen durch die Aeichsschuldenverwaltung erfolgt. Bis 30. Oktober 1926 sind zur Zahlung durch die Reichsschuldenverwaltung angeustesen Worden 31,3 Millionen Reichsmark. Don diesem Betrage haben 266 463 Gläubiger zum ersten Maie eine Dorzugsrente empfangen, 87 441 Gläubiger eine zweite oder dritte Zahlung. Von mehreren Abgeordneten wurde Darauf hingewiesen, baß die Verweigerung der Altbesitz» rechte bei gefchäitsunkundigen alten Leutei:, welche die am 31. März d. 3. abge.'aufens Anmeldungsfrist versäumt haben, eine große Härte vedeu- ten würde. Der Vertreter des Reichsfinanzministeriums entwickelte die Grundsätze, nach Denen schon bisher in weitem Umfang von der Die vemder pfirSidizflrben Teint gibt —M J n IV i/t I « sofort I Sprödigkeit und Röte Schachteln zu 20,30, eo u.120 Pfg, bringen urir unfare aXtfxztiannie O BERST in nsuar Mischung unb^ßadiung j 4SXetf un®. eine 5nm Unterfchteb tfrfchjinr bte n <2 14 <2 Neus in neuem Xieiö Staßsorf-^Lslröna. (TiMnzitoifabrik 9L-6. Gut eingeführte KWtz Vertreter Telephon 106 oder 1302. 9445D gesucht. 9455D ha e i® durch »«brauch d Vdermcyer'» M«diziiial- an ruhig. Herrn per 1. De-, a. verm ».<« Schisfenv MO 69 II. au vermieten 05038 Marktvl. 18 1. r. eewBÄMeeeen WongSiilMLilh-Gitßtv Geboten: 5»vD>u)inimuo nung in Licb, beste Lage, sofort beziehbar Gesucht: Gielchiveriige m (Ziehen Schrtsiltche Angebote unter 08050 an den Estehener An .ciger. btfcWfll. aochbem bi| badm alle anorreu an, petoanöten Mine! Drrfagten. gjoftaff. U. in *9. B«r ßi. 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Lagerverpachtung. Unsere Petroleum- und Venzinlagerhalle an der Lahn (auch zur Lagerung anderer Gegenstände geeignet) ist ganz oder geteilt zu verpachten. Wallenfels&Sauer ZlAk-WMl Mills« B. m. b, H,, Rastatt. Trikvrrlängerung gemäß § 49 Abs. 1 des An- ÜHeablösungsgesehes Gebrauch gemacht wurde, (ßr sagte in Erfüllung der geäußerten Wünsche ÄU die Genehmigung zur nachträglichen An- Meldung gemäß § 49 Ziffer 1 des Anleihe, ablösunasgesetzes grundsätzlich dann zu erteilen, wenn glaubhaft nachgewiesen wird, daß der Anleihegläubiger infolge seiner durch hohes Alter verursachten Geschäsrsungcwairdlbeil. oder durch Krankheit oder ähnliche zwingende Umstände an der rechtzeitigen Anmeldung verhindert war Die nachträgliche Anmeldung muß spätestens bis zum 31 Dezember, d. 3. beim Relchslonumssar für Ablösung der Reichsanleihen des alten Besitzes, Berlin. Alte Jakobstraße 117/120, eingereicht Werden. Bühnenangehöriaen (DezirkSv Hesten-Rassau) hatte ihren diesjährigen giertentag für den 10., 11. und 12. Ro nach Mannheim einberufen. Es wurde Stellung genommen zum ReichSbühnengeletz, wofür die Dorarbeiten der Aeichsbehörden entschieden fortgeschritten sind, zum Tarifvertrag, zur inter- nationalen Schauspielertonserenz, zum Rundfunl und zu anderen Wohlsahrtsbestrebungen, der vr* ganisation, wieSterbekasse, Pensionsanstalt, Krankenkasse und zu einem am zweiten Weihnachts- tag statt findenden Ops erlag für die Altpensu)- närc der deutschen Bühnen. Auf der am 12. Rovember stattgehabten Dertreterversammlung dec Münchener .Versorgungsanstalt deutscher Dühnen" wurde es besonders begrüßt, daß btc Stadt Gießen und Hofrat S t e i n g o et ter als eine der ersten die Wichtigkeit der Altersversorgung der deutschen Bühnenangehörigen erkannten und durch den sofortigen Eintritt in diese Anstalt dem Siebener Theater eine für fein* Personalpolitik wichtige breitere soziale Basis gaben. Für 1 9 2 8 wurde Gießen als Ta. gungsort der Delegierten in Aussicht gc- Rundfunk-Programm. Freitag. 19. Rovember. 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4-30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauen-Nachmittag: ..Das Theater im alten Frankfurt", eine lokalhistorifche Studie von A. Krunm. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lese stunde. 6.35 bis 7 Uhr: Stenographischer Fortbst- dungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben auswärts). 7.30 Uhr: Ueber- tragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Der fliegenbe Holländer". Romantische Oper in drei Aufzügen. Text und Musik von Richard Wagner. UIJ- ]l.im--L!J--'LJEI-lUL-JL-a-LJ1" !■ B-g- nommen. ** Oberhessen in Dorrn ft ob t. Man schreibt uns aus Darmstadt: Am vorigen Samstag hatte das Darniftädter Publikum die große und fcltene Freude, edu oberhe^sches Dolks- leben auf der Bühne des städtischen Caalbaus sich entfalten zu sehen. Auf Einladung des Vereins, der Freundinnen junger Mädchen war Herr Vg Heß mit seiner opiclgruppe aus Leihgestern gekommen, um in derselben uneigennützigen Weise, wie er dies schon in Gießen getan hatte, einem guten Werk Mittel zuzusühren. Niemand, der den Abend besuchte, konnte sich dem Eindruck dieser schönen, stilechten Vorführungen entziehen. Ob «s mm die malerischen Trachtenbilder waren, der kras> tige, warm klingende Gesang alter Volkslieder, oder auch der fröhliche handfeste Tanz zur Ziehharmonika, überall fühlte inan den Puls deutschen kernigen Bauerntums schlagen. Es ist das große Verdienst des Heimatdichters Gg. Heß, daß er seine engeren Landsleute zu solch eindrucksvollem Zusammenwirken vereinigte, ist er doch in jeder Beziehung die Seele des Ganzen. Seine köstlichen, humorvollen und doch von sittlichem Ernst durchwehten Reden, die er überall dazwischen streute, fanden den stürmischen Beifall seiner Zuhörer, und die häufig durch- riingcnbe Mahnung zur Einigkeit, zum gegenseiti- gen Verständnis der Volksgenossen in Stadt und Land hat sicher in vielen Herzen ein Echo geweckt. Im Schiußbild zeigten sich Stadt- und Landbewohner Hand in Hand vor der srohbewegten Menge, und in vollen Klängen brauste das Deutschlandlied durch den Saal. Warmer Dank der Darmstädter Bevölkerung für den schönen, so überaus gelungenen Abend folgt den Heben Gästen in ihre Heimat nach. Mochten auch sie gerne an ihren kurzen Aufenthalt m der Landeshauptstadt zurückdenken! "Pfadsinberbor st Gießen. Man berietet uns: Während am vorletzten Samstag die Gießener Pfadpfindk zur Einweihung des neuen Heims in Wetzlar waren, erschienen am vorigen Samstag die Wetzlarer Pfadfinder, ferner Vertreter des Friedberger und Rauheimer Horstes hier zur Feier des fünfjährigen Stiftungsfestes. Gegen 8 Ahr abends zogen ungefähr 40 Jungen in ihren schmucken Trach'en vom Ludwi^plah aus mit munteren Marschliedern nach dem $rveb. Dort hatten fleißige Hönde in der Mulde zwischen Eulenkopf und Trieb einen Holzstoß zusammen- getrcigeu. dec entzündet wurde. Rach einem Ein- aangslied begrüßte Jungfeldmeister Brüning die Erschienenen. Dann hielt der Gründer des Horstes Gießen, Herr Hetz, die Festrede. 3n Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um den Horst wurden Heinrich Schäfer zum Iung- seldmeister und Karl Lapp zum Wimpelträger ernannt. Mit dem Lied „Kein schöner Land...' schloß die Feier. Das Ganze war in der nächtlichen Stille und der vom Mond beschienenen Landschaft ein stimmungsvolles Erlebnis, an das die Teilnehmer noch lange denken werden. ** Auftrieb auf b e m heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: ein Bulle, 5 Kühe, 51 Färsen, 602 Kälber, 731 Schafe und 273 Schweine. Teilen wohl getan. ‘Pfarrertagung in Hungen. ri. Hungen, 15. Rov. Heute vormittag hielten hier im „Solmser Hof" bi« evangelischen ®ci ft lieben bei Dekanates Hungen eine Konferenz, die von dem Leiter, Dekan Engel- Obbornhosen, mit einer Morgen-Andacht eröffnet wurde. Pfarrer Weber- Grüningen hielt einen Vortrag über den einigen Frieden bei dem Propheten Jesaja, der Anlaß bot zu einer Aussprache über die Friedensbewegung der Gegenwart und die Stellungnahme der Kirche zum Problem des Pazi- sismus. Am Rachmittag« tagte der Pforr- verein. Die Eröffnung hielt Pfarrer D Fritsch - Ruppertsburg. Ein Vortrag von Dekan V o 1 p - Laubach ließ einen großen Theologen des 17. Jahrhundert- zu Wort kommen, den Magdeburger Prediger Scriver. der tn feinem noch heute oft und gerne gelesenen ..Seelenschah" in köstlicher Anschaulichkeit die Schwierig- feit, den Segen und die Herrlichkeit des Amtes eines Pfarrers vor die Augen stellt. In der Aussprache gab Pfarrer Ramge- Rendel wertvolle Ergänzungen zu dem Vortrag in wifsen- fchastlichen Erörterungen über die Theologie der Zeit nach dem 30jährigen Krieg. Briefkasten de^ReDaktion. (Rechtsgutachten find ohne Verbindlichkeit der Schriftleitang) h. R. A. Die gewünscht« Adresse konnte leider nicht ermittelt werden. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. ReNgionSgemelndr. '»otteSd. t. d.Synagoge (öübanlagc). Samstag, den20.Rov. 1426.Vorabend: 4 30, morgens: 9.00, abends: 4.45 und 5.25. Gottesdienst der isr, ReligionSgesellschast. Sabbatseier, den 20. Rov. 1926. Freitag abend 4 10, Samstag vormittag8.30,nachmittag 3.30, SabbatauL» gang5.25,Wochengottesdienst: morgens 7,00, abends 4.00. •• Dte Srimmkarte: der Wahlberechtigten für die VoltSabstimmuna am 5. Dezember liegt noch bis einfchl. nächsten Sonntag. 21. Ro'.ember, im Stadthaus. Bergstraße, aus. Wer feines Wahlrechts nicht verlustig gc- hen will, überzeuge sich beizeiten, daß fein Rarne In len Stimmregistern verzeichnet steht. *• Die Auswertung her Sparguthaben betrifft eine Bekanntmachung der Bczirks- sparkasfen Gießen und Grimberg tn unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir bie Interessenten besonders aufmerksam machen. Es sei hierzu bemerkt, daß nicht etwa alle Sparguthaben zur Aufwertung anzumelden sind, sondern daß es sich nur um solche Ansprüche handelt, bie ein Sparkassenglaudiger geaen eine öffentliche Sparkasse im Sinne der Der- oronung geltend machen will, wenn Spartassen- guthaben von einer öffentlichen Sparkasse zur anderen Sparkasse innerhalb des Deutschen Reiches überwiesen worden sind. Diese Ansprüche sind bei der zweiten Sparkasse, an welche die Ueberweisung des Sparguthabens erfolgt ist und bei welcher das fragliche Guthaben noch geführt wird, geltend zu machen. Weiteres in der Bekanntmachung. ötn stattlicher Festig bewegte sich am Vormittag durch bie Dorfstraßen hinauf zur Berg- kirche, in der ein wohl gelungener F r st g o 1t« s- dienst abgehalten wurde Der Roddeimer Mannerchor grüßte den Geist Luthers mit dem machtvollen .Srbalt uns. Herr, bei beinern Wort" Tic Kirchs Piclsjuü«nd ließ durch drei Ver- tretet eine Stiftung, nämlich neues Altar- und Kanzelgewand für die Festtage, übeneicben nut einer von Lehrer Pfeifer-RabettSHaufen ver- faßten poetischen Widmung. Prälat lLDr. D i c b l überbrachte bie Glückwünsche der Ktrchenregte- rung unD berichtete in krastvollen Worten von dem Geist her Erbauer unserer Kirche Als Ltturg amtete Dekan Scr 1 ba - Eichelsdors Am rcdend versammelte sich hte Gemeinte zu einem Familienabend. Die 3ugenb führte in poetischen und bühnenmäßigen Dortragen bie Zuhörer durch die Geschichte deutscher Frömmigkeit, diesen Gang krönend mit einem Festspiel „Sie Salzburger", daS sinnvoll von allen Darstellern auf gefaßt worden war. Die Gruße bei Dekanates überbrachte glückwünschend Dekali Scriba, während Pfarrer Köhler-Ridda einen tief gemütvollen Vortrag über .^tebenb« Steine" hielt. Den gesaitglichen Teil des Abends meisterte wieder unser Mannerchor nut gewohnter Feinheit. "Begrüßung6« und Schlußwort lagen bem Psarrer der feiernden Gemeinde ob. So war unser Kircheiijubiläum in allen fernen Kirche und Schule. 1S0-Iahrfeier der so. Kirche Rodheim a. d. Horloff. ~ Zum erstenmal seit ihrem Bestehen beging die Kirche Aodheim am letzten Sonntag ein Jubiläum. Denn in den letzten Oktobertagen waren 150 Jahre verstrichen, seitdem unsere an den viel älteren Turm ungegliederte Kirche ein geweiht wurde. Iliiiverfunig-Sluptbete. Vr11kan-Avo>vekr, Hirt ll-Aootbeke. Drogerie OtioWmie) Kon, .üreiubrofl 21. 'Jtoil. iJahren sucht Stellung als Haustochter Schrisil. Angebote unter 08033 an den Gieh. Anz. erbeten. Rm. 91,5 Millionen „ 112,1 M 128,6 Farbe und Glanz Mur „Büffel“ kann's Parketlg.anz / Farben gelb, rot, braun, warm wie Lino- , Biiro Simon.Cred- I nerftrnfte -9. 08025 Anfang 81/* Uhr. Eintritt frei. Zwei Geschwister suchen Stelle in bess. । Hause. Schr. An geb. I u.08037 a. d.Gb Anz. Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. Heute: Der schwarze Sonntag Anfang 4 Uhr. Sonn tn®^ bdannt6 Sieö1' der V D-r ä eoangd'l führte, ° fein, e® 1 Heb« im hes|M klarhert. seit ube- aßort * Smi. 2 fleiiHBC1 kn* J 2?efo rniflo tung 1 lvcfens „neuen 1526 wm dtt «esv S'-tn von Menv Jede l< Iunker jagten u im Kraftzu Diele M iei Kirc tholische Liefer im Mir. Die Kitthenwe Lem der Jahres > fetten d Verles ( werden. ’ schieds i 2vrgehe gegen Der 6p nur füti gang allen 3 dere A setzt toa das 3e( gönnen > neuen 2?e 9er Q Men Te< Samilcb manchen der M 30er, 4C einzelne der Resi Zeugnis loste si 2ewe gungen, facht vi bürger- ferner in Odernhei Oberheffe berg, Ob Ser Tori Hellen n Dedegun hin, dch ialen ® flung), v Zeit spe zu brint Hie Deform, Schluß aus heutiger Zufuhr Pa. Nordsee-Schellfische zum Backen Pfd. 30 -) ff. groher Schellfisch im Ausschnitt Pfd. 60 4 feiner Heller Cabliau im Ausschnitt Pfd. 50 -) Seelachs Pa. Nordseeware, das Psd. 35 -) grüne Heringe 3 Pfd 1.— Margarine aus stets frischen Bezügen das Pfd. 85 4, 90 4 und Jb 1.— Palmin Pfd. e*5 Pflanzenfett die l.Psd-Tafel 68 4 Tocosschmalz Pfd. 75 4 Schweine-Schmalz Pfd. 88 4 Neue Mandeln Psd. Ji 2.20. 2.50 und 3 — Neue Sultaninen Pfd. Jb 1.20 Neue Citronen Pfd. jt 2.40 Neue ff. Cocosflocken Psd. 80 4 Neue Corinthen Pfd. 6b 4 MMIMH Babnbosstr. 27, Fornivr. 1631 Gewaltiger Wildwestfilm in 6 Akten. — Ferner: Ihr schlechter Ruf Sitten film in 6 Akten. Anfang 4 Uhr. Der Verstorbene gehörte unserem Institut bezw. unserer Rechtsvorgängerin, der Bank für Handel und Industrie, mehr als 9 Jahre an. Seine vorzüglichen Charakter-Eigenschaften haben ihn uns zu einem besonders geschätzten Mitarbeiter gemacht. Wir werden das Andenken des Verblichenen stets in Ehren halten. Die Geschäftsinhaber der Aufruf! Dom 14. bis 21. d. M. liegen in den Städten und einzelnen Gemeinden die Wählerlisten auf. Jeder Wähler und jede Wählerin muh sich davon überzeugen, ob der Name in der Wählerliste steht, da sonst eine Abstimmung unmöglich ist. Dor allem gilt dies auch für alle diejenigen, die bis zum 5. Dezember das 20. Lebensjahr vollenden. Jeder muh am 5. Dezember „Ja!" stimmen. Denn es ist höchste Zeit, daß in Hessen andere Verhältnisse geschaffen werden, wenn wir nicht in absehbarer Zeit vor dem vollendeten Staatsbankerott stehen wollen. Die Ausgaben des Staates steigen ins Unermeßliche. Sie betrugen: Bah n h of s wi rtschaf t Freitag, den 19. November, ab 6 Uhr Spezialplatten Paprikafleisch mit Reis........ 1.40 Schweinshaxen.......je nach Größe ______9359p IlllelMWine .. Pfund 0.65 Noemis erilg . Pfund 0.80 Wkillis Go!0 MundN gkj ersetzt beite Butter v« Garantiert reines n ftP SÜWiMM Pfund MM 1"ü‘enrocl W 0.64 Boonen weihe, Pf. 0.16 »'»0.30 lauengroße Ab heute bis einschl. 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Schneider, Wiesbaden 55, Fabrikat. Patent. Svielwaren. lüsitiget vettreier geiuchl für Gienen und Umgebung, der bei Beamten u. Pri- oatkundfchatt guteingeführt lst, für d. 9en), Didliothetsrat Dr. Israel (Kassel), Sru^ienrat a. 'S). Pros. Leih (Korbach), Prof. Dr. Rauch (Gießen), Hofmarschall a. D. Gunthram Frhr. Schenk zu Schweinsberg (Fronhausen), Max Graf zu Solms (Assen- heim), Bibliothelsdirektor Prof. Dr. Steinhausen (Kassel) und Zolldir^tor a. D. Woringer (Kassel). Der Vorsitzende, Staatsarchivdirektor Geheimrat Prof. Dr. Kü ch, berichtete über die Tätigkeit der Kommission im abgelaufenen Jahre. Verstorben sind seit der letzten Sitzung die Herren General d. Ins. a. D. Frhr. v. Scheffer-Boyadel, Landgerichtspräsident a. D. Geheimrat Oehler (Probsthain), Generalmajor a. D. Dr. Eisentraut (Kassel) und Regierungsrat a.D. Dr. D. v. Waldt- Hausen (Gersfeld). Als neue Patrone sind eingetreten Fabrikbesitzer Oskar Henschel in Kassel, Rittergutsbesitzer Dr. Oskar v. Waldt- Hausen in Gers:eld, Regierungsrat Dr. W o l f f in Berlin unb Verlagsbuchhänbler G. Braunin Marburg. In den Vorstand wurde gewählt Dibliotheksdirektor Prof. Dr. Steinhaufen in Kassel. Mitglieder wurden dce Herren: Ober- Präsident Dr. Sch w an de r, Exzellenz, in Kassel, Regierungspräsident Dr. S t ö l z e l in Kassel, Professor Dr. Haas in Fulda, Professor Dr. L u t h m e r, Kustos am Landesmuseum in Kassel, den Windungen folgen. Ferner sind gc Wellen, die Schwerewellen und die SapiiL an der Grenzfläche von flüssigen und gasigen Mitteln. Auch gibt es elastische Draht- und Platten- wellen, die die Vorgänge in der Schallkunde beherrschen. Die elektrischen Wellen an der Erde finden ebenfalls ihr Gegenstück in der Elastik, nämlich in der atmosphärischen Schallausbreitung sowie in der Erdbcbenkunde. Diese geführten Wellen sind praktisch und theoretisch von viel größerer, Verbreitung und Bedeutung als die freien Wellen. Wie entstehen nun diese Wellen? Die nächstliegende Erzeugung gebundener Wellen ist diejenige, bei der der Sitz der Störung, die Wellenquelle, i n der Trennfläche selbst liegt. Man denke sich, um bei den anschaulichen Bebenwellen zu bleiben, z. B. ein Meteor auf die Erde fallen oder eine Puloerexplo- Gesellschaft für Erd- und vöderkunde Gießen. Dor ber Gesellschaft für Erb- unb Dölker- funbe sprach im dicht besetzten Saal ber Reuen Aula Friedrich Walter Stötzner über seine Reisen „3m unerforschten Osten Tibets". Das chinesisch-tibetanische Grenzgebiet ist durch seine Lage, seine Hochgebirgsnatur und die feindliche Abgeschlossenheit der Bewohner ein außerordentlich schwer zugängliches Land, das noch e;ne Fülle wissenschaftlicher Rätsel birgt. Diele wagemutige Forscher, wie die Deutschen Brunnhuber und Schmitz, die an den hinterindischen Riesenströmen aufwärts zu bringen versuchten, würben von den Einwohnern ermordet und die europä.schen Missionare haben auch heute immer wieder zahlreiche Märtyrer zu beklagen. Im Januar 1924 brach Stötzner mit fünf Fachgelehrten von China aus auf. Eine Flußfahrt auf dem Jangtsekiang führte die Expedition 2000 Kllom : weit bis Tschung fing in Sze- schwan. Don oa drang man über Tschöng tu fu in die schwer zugängliche Hochgebirgswelt Ost- tibets vor. Täler von mehreren Tausend Metern Tiefe sind zwischen Gebirgskette eingesenkt, deren Pässe nirgends unter Mont Diane-Höhe herabgehen. Eisige Stürme wehen üoer die Felsgrate. Aber der Mstieg zu Tal führt bald über Edel- weißmatten und etwas tiefer durch die Knüppel- holzregion zu Rhododendronwäldern und dann zu schönen Waldbeständen europäischer Art, bis zuletzt im Talgrund, wenigstens in den südlicheren Landschaften, schon Bambusdickichte und Palmen angetroffen werden. Ofttibet steht somit im großen Gegensatz zu Hochtibet, das uns in seiner Oede und Derlassenheit durch Sven Hedin so gut bekannt geworden ift Die Steilheit der Gebirge, die wilden, schier unüberschreitbaren Flüsse, die gewaltige Höhe der GebirgskämMe hat Ofttibet von der Umgebung abgeschlossen und besonders in ber Tierwelt höchst eigentümliche Formen sich erhalten lassen, wie dev sonderbaren weißen Bambusbären, der schwarze Augenringe, schwarze Ohren und schwarze Deine hat, oder das noch merkwürdigere Dudor- kastier, das in der deutschen Benennung Rinderziege oder Gnugemse seine eigenartige Stellung im Tierreich zeigt. Die tibetanischen Bewohner zeigen rassenmäßig starke Unterschiede zwischen den intelligenten Dauern, die auf kleinen Terrassen im Tal- grund unb am Hang ihre Felbchen mit Primitiven Pflügen bestellen, und den Hirtenvölkern, bie in ber Gesichtsbildung erstaunlich urtümliche Merkmale aufweisen. Gesellschaftliche Scheibung muß seit alter Zeit diese Rassen vor der Mischung bewahrt haben. Diese Dölker stehen keineswegs auf niederer Kulturstufe. Etwa 60 v. H. ber männlichen Bevölkerung kann lesen unb schreiben. Oberhessischer Geschichtsoerem. Donnerstag den 11. Rovember fand der erste Dortrag dieses Winterhalbjahrs statt. Der auch in Gießen und Oberhessen weitesten Kreisen wohlbekannte Prälat ber Hess. Landeskirche L). L)r. Diehl, sprach über „6D a ng c 11f dje Bewegung und Reformation im ©ebiet ber hessen-darm städtisch en La nde . Der allenthalben als glänzender Redner geschätzte Dortrag.nde darf den Anspruch erheben, als ausgez^i Kneter Sachkenner der hessischen evangelischen Kirchengeschichte zu gelten. Er führte, ohne durch Aufzeichnungen unterstützt zu lein, etwa Folgendes aus: Ueber die Bedeutung, bie bem ^ahr 1526 im Rahmen der deutschen und sonderlich der hessischen Geschichte zulommt, herrscht viel Unklarheit. Es kommt dies daher, daß man sich seit über 200 Jahren daran gewöhnt hat. das Wort Reformation in einem doppelten Sinn zu gebrauchen und der Reformation im weiteren öinn der mit Luthers Auftreten im Jahre 1517 beginnenden geistigen Bewegung, naturgemäß eine wesentlich größere Bedeutung zuzu- messen, als der im Jahr 1526 beginnenden Reformation im engeren Sinn, der Umgestaltung des vorhandenen Kirchenwesens nach den Richtlinien der „neuen Lehr e". Der Bedeutung des Jahres 1526 wird man nur gerecht, wenn man einmal ber Reformation im engeren Sinn in ben einzelnen Territorien nachgeht. Man findet dann, daß von einer durchgreifenden Umgestaltung des Kirchenwesens in ber Zeit vor 1526 nicht bie Rede sein kann. Wenn im Jahr 1524 der Junker Hans Landschad von E' inach den verjagten lutherischen Prediger Jako > Otther, ober im Jahr 1525 Landgraf Phiu-p ben Abarn Kraft zu seinem Prädikanten annahm, so hatten diese Maßnahmen keineswegs eine Umgestaltung des Kirchenwesens zur Folge, denn das katholische Kirchenwesen blieb in den Gebieten dieser Herren, ja sogar in ihren Residenzen, im Flor. Die Reformation als Umgestaltung des Kirchenwesens beginnt erst im Jahre 1526, nachdem der Speyerer Reichstagsabschied dieses Jahres für evangelisch gesinnte Fürsten und Herren bie Rechtslage für den Beginn dieses Werkes geliefert hatte. Betont muh allerdings werden, daß die rechtliche Bedeutung dieses Abschieds schon damals umstritten war. wie das Dorgehen des Erzbischofs Albrecht von Mainz gegen Eberhard XIII. von Erbach beweist. Der Speyerer Abschied von 1526 hatte aber nicht nur für ten 'B eg i n n. sondern auch für denF o r t- gang cer Reformation große Bedeutung. In allen Zeiten, in denen ber Abschied durch andere Abschiede vorübergehend außer Kraft gesetzt war, so 1529—1532 und 1548—1552, kommt das Reformationswerk da, wo es bereits begonnen hatte, ins Stocken und wird auch mit neuen Reformationen nicht begonnen. Der Beginn der Reformation ist in ben einzelnen Territorien, aus denen das heutige Hessen- Darmstadt zusammengesetzt Ist, verschieden. In manchen Territorien beginnt die Reformation in ber Zeit von 1526 bis 1529, in anderen in ben 30er, 40er, 50er unb 60er Jahren: es liegen einzelne Beispiele vor, die von einem Beginn der Reiorma ion erst in ben 70er unb 80er Jahren Zeugnis geben. Wo eine Reformation begann, löste sie eine vorausgehenbe evangelische Bewegung ab. Mittelpunkte solcher Bewegungen, bie von Priestern ober Mönchen ange- sacht waren unb ihren Halt vor allem in ber Bürger- unb Bauernschaft hatten, waren Mainz, ferner in Rheinhessen noch Worms, Alzey. Gau- Obernheim, Bingen unb Gau-Algesheim: in Oberhessen Herbstein, Alsfeld, Butzbach, Fried- berg, Ober-Möclen, Ockstadt, Büdingen u. a. m. Der Vortragende entwarf ein Bild der in Oberhessen nachweisbaren wichtigeren evangelischen Bewegungen, und wies vor allem auch darauf hin. daß diese Bewegung überall da einen radikalen Charakter annahmen (Wiedertäuferbewegung), wo, wie in Lich, die Herrschaft sich lange Zeit sperrte, bie Reformation zur Durchführung zu bringen. Hierauf schilberte ber Rebner ben Gang des Reforma'.ionswerks in Oberhessen und kam zum Schluß darauf zu sprechen, wie die hessisch« neues: ein Sonbereinfall, vor, der uns nötigt, für ihn das Einfallproblem von neuem, und zwar von einem neuen Gesichtspunkt aus aujjuncbmen. Wenn wir von den geführten Wellen her kommen, deren vertiefende Unterfrichung sich der Verfasser seit vielen Jahren zur Ausgabe gemacht hat, dann ist auch die Lösung dieser bisher nicht gesehenen Merkwürdigkeit zu finden. Unter geführten ober gebundenen Wellen verstehe ich Wellen, die an der Oberfläche eines Körpers ober beiberfeity ber Trennfläche zweier ober mehrerer Körper— geführt von diesen Flächen — entlang laufen. Diese Wellen muß es notroenbig geben. Sie bestehen aus ein ober mehreren Wellenslanken, bie von der Führungsfläche zusammengehalten werben. D i e Führungsfläche greift ftarl ein in ben Bau biefer Wellen, bie deshalb feine einfachen Wellen find. Sie haben ihre eigene Fortpflanzungsgeschwindigkeit und Verlöschung. Sie sind um so ausgeprägter, je unterschiedlicher beschaffen unb bewegt beibe Mittel finb. Da in stark ausgeprägten geführten Wellen bie Energie hauptsächlich längs ber Führungsfläche sich ausbreitet, so kann diese Welle — besonders wrnn sie mehrfach geführt wird — eine viel größere Reichweite erzielen als eine freie Welle, die sich in einem einzigen homo- qenen Mittel nach allen Richtungen hin ausbreitet. Die gebundene Welle klammert sich sozusagen an ihre Trennflächen und läßt sich in mehr ober weniger flächigen Ausbreitung bortfjin führen. fall eine wichtige Rolle. Die elastische Welle, bie vom Bebenherd ins Erdinnere taucht, krümmt sich infolge ber stetigen Ungleichmäßigkeit ber Erde auf ihrem Verlauf nach außen zu, stößt unter einem bestimmten Winkel gegen die Erdoberfläche und wird daselbst zurückgeworsen und gespalten. Beide Teilwellen tauchen wieder ins Innere, krümmen sich in verschiedenem Maße, stoßen erneut aber an verschiedenen Stellen der Oberfläche gegen diese an ufw. Aus ber Beziehung zwischen ber Ankunftszeit bes Wellenkopfes unb Der Entfernung der Bebenwarte vom Bebenherd ergeben sich Schlüffe über bie Ge- fchwinbigkeit ber Welle und aus dieser, wenn man noch ben Charakter ber Wellen kennt, Schlüsse auf bie elastischen Eigenschaften ber burchlaufenen Erd- schichten. Die theoretische Bearbeitung bes Welleneinfalls liegt bisher nur vor für Wellen, beren Bau ber denkbar einfachste ist. Don nichteinfachen Wellen kennen wir aber schon feit langem eine gewisse Art, z. B. bei ber optischen ober akustischen Totalreflexion im zweiten Mittel. Wenn man nun bie w e - sentlichen Merkmale einer Welle nicht beschränkt, bann stößt man auf viel allgemeinere Einfallsormeln. An diesen ist nun höchst merkwürdig, daß sie in einzelnen Fällen versagen, was im bisher behandelten Unterfalle nicht auftritt. Eine eingehende Untersuchung lehrt, daß bann eben ber Ansatz versagt, ben man für die Wellen, die am gewöhnlichen Einfall beteiligt sind, gemacht hat, nämlich daß eine einfache Welle einfällt unb zwei Wellen zurückgeworsen werben — um bei bem einfacheren Einfall gegen eine Oberfläche zu bleiben. Physikalisch aber geschieht auch dann sicher etwas, denn eine bestimmte Welle mit bestimmter Energie läuft unter bestimmtem Winkel gegen die Oberfläche an. Dann liegt also sicher etwas wohin diese sich erstrecken. Ganz hervorragend aus- geprägte gebundene Wellen sind die elckktrischen Wellen längs Drähten unb Kabeln sowie längs ber Erbe unb ber Ionisationsschicht in ber höheren Atmosphäre bei ber brahtlosenTelegraphie unb Tele- phonie; aber auch bie Blitze. Auch Glimmlichtröhren zeigen sichtbar bie Bahn ber gebunbenen elektrischen Welle längs bem Glasröhre, wie lang unb ge- rounben cs auch fei; eine freie Welle könnte nicht " "" ebunbene Die Klöster finb die Stätten ber Geist es kultur. Kunst unb Wissenschaft, auch bas Kunfthandwerk. erfahren ober erfuhren hier reiche Pflege. Die Religion, ein außerordentlich abgeschliffchrer und veränderter Buddhismus, beb rrscht bie Menschen und vielfach auch das Lan fchaftsbilb. Jedes Dorf fast hat fein Kloster, c. Iege sind Stein- male errichtet mit Bamduö.langen, an denen lange Gebetswimpel im Winde flattern. Am Bach sind kleine Steinhäuser errichtet, Mühlen, bie vorn Bach getrieben Tag und Rächt große Ge- betstrommcln herumdrehen: Gottesverehrung durch die Maschine! Kahl und dürftig sind die Wohnräume der Mönche, um so reicher aber strotzt in Gold und Bronze, in Farben und Tüchern das Innere des Tempels. Oft sind bie Gottesdienstgeräte, Opferschalen unb Trompeten, aus Menschenknochen kunstvoll angefertigt. Der Gottesdienst wird arrsschließlich von Lamas (Tempelpriestern) versehen. Daß Stötzner per- önlich einem Gottesdienst beiwohnen durfte, verdankte er dem Machtspruch eines chinesischen Befehlshabers, dem die Lamas notgedrungen zu Willen waren, da er dreihundert von ihnen kurz vorher wegen Widersetzlichkeit hatte hinrichten lafien. Die Kirche hat demnach in Osttibet nicht diese Macht wie in Hochtibet. Achtzehn Fürsten (Schebatusse) teilen sich ins Land, das sie weiterverpachten oder von hörigen Dauern in hartem Frondienst bearbeiten lassen. So sind diese fdxtoer zugänglichen Gebirgslandschaften Osttibets ein Gebiet besonderer Eigenart, das Stötzner in lebendigem Dortrag schilderte und durch ganz prachtvolle farbige Lichtbilder anschaulich zu machen wußte. Induktion von Mellen. Von Professor Karl Uller, Gießen. Aus einem Vortrag, gehalten auf bem Deutschen Physikertag in Düsselborf. Es ift eine altbekannte Tatsache, baß eine Welle, wenn sie auf einen anberen Körper trifft, zum Teil zurückgeworsen, zum Teil einbringt; beides meist mit Richtungsänderung. Man denke z. B. an eine Lichtwelle, bie auf ©las ober Metall auffäUt, ober an eine Schallwelle, bie Echo hervorruft. Auch wenn aus bem Innern eines Körpers eine elastische Welle gegen besten freie Oberfläche läuft, wirb sie vollständig zurückgeworfen, wobei sie sich in zwei verschiedenartige Wellen spaltet: in eine, die Verdünnungen und Verdichtungen aufweist infolge der Zusammendrückbarkeit des Körpers, sowie in eine, die Drehungen der Teilchen zeigt infolge derLcherungen im Mittel. In der Bebenkunde spielt sblcher Ein- ausgeprägte wöer-f lache hat und öie Erlahrungen aus der Makrvwrlt auf die Mikrowelt übertragbar find. Die Faradayfche Induktion wird bisher als ein Urphänomen angesehen, d. h. als eine physikalische Tatsache, die keiner Erklärung fähig ist. Das trifft nun nach meinen Ausführungen nicht zu. Ein Urphänomen ist die Erzeugung von irgendwelchen gebundenen Wellen auf irgendeine Weise in irgendwelchen Mitteln. Die Faraday sche Induktion ist bloß ein Unter« fall dieser naturumspannenden Wellenerscheinung. 2 a, dies Ur« Phänomen h a t sogar, wie man nachweisen kann, auherphysikalischen Charakter. Hervorzuheben ist noch, daß keineswegs unter allen Umständen indirekte Induktion möglich ist. Dafür bieten die elektrischen Wellen ein erstes Beispiel. An zwei Nichtleitern kann nicht eine einfallende Welle in eine geführte Welle übergehen: ihre elektrischen Eigenschaften lassen das nicht zu. Natürlich ist auch mehrfache Wellen-Induk- lion an benachbarten Trennflächen möglich, so daß mehrfach geführte Wellen entstehen, die besonders große Reichweite haben. Die elektrischen Wellen zwischen Erde und oberer Ionisations'chicht sind solche mehrfach geführte Wellen, die durch direkte und indirekte Induktion gustante kommen. Auch die akustischen Wellen in der Atmosphäre können im großen Stil an der „Isothermischen Schicht" zur Einfall-Induktion gelangen. Dabei ist eine Zone des Schweigens wohl erklärbar. Auch die Bebenwellen in der Erde werden vielfach doppelgesührte sein, zumal an dem Eisenkern einerseits und der Erdoberfläche anderseits. Zwischen gewöhnlichem Einfall und Sonder- einfall ist noch folgender, wesentlicher Unterschied erwähnenswert. Bei gewöhnlichem Einfall verschwindet die einfallende Welle aus der Welt in deiH Mähe, wie sie die Trennfläche oder Oberfläche erreicht. An ihre Stelle treten die zurückgeworsenen und die etwaigen gebrochenen Wellen als Abkömmlinge, und Erben dec einfallenden Energie. Es findet keine Rückwirkung der Trennfläche auf die einfallende Welle statt. Bei Sondereinfall hingegen bleibt die anlaufende Welle bestehen, bloß daß sie sich abwandelt in dem Maße, wie sie der Führungsfläche gemeinsam mit den sich entwickelnden induzierten Wellenflanken folgt. Bon der Energie der einfallenden Welle geht ein Teil auf die sich entwickelnden Wellenflanken über, d. h., die Stärke der an- laufenden Welle nimmt längs der Führungsfläche ab. Bon experimentellen Nachweisen der Welleninduktion seien hier nur zwei beispielsweise angeführt. Wenn man einen im Mittelpunkt unterstützten Teller anschlägt oder ein dünnwandiges Dlechgefäß, dessen Boden mit Wasser bedeckt ist, ein wenig bewegt, hört man Töne, deren Höhe im letzteren Falle mit der Wasserbewegung auf \ und abschwankt. Es ist direkte Wellen-Induktion, hervorgerufen vom Schlag in der Oberfläche bzw. von der Reibung zwischen Wasser und Boden. — Wenn man vor ein beiderseits offenes, dünnwandiges Blechrohr eine schwingende Stimmgabel hält, kann das Rohr bei passenden Abmessungen zu lautem Mittönen gebracht werden. Es ist tn- direkte Wellen-Induktion, hervorgerusen an seiner Wandung durch passend anlaufende Wellen der Stimmgabel. Zum Schluß seien hier in Kürze noch einige bedeutungsvolle Folgerungen aus dem Wesen der indirekten Wellen-Induktion erwähnt. Jede Trennfläche, zumal eine geschlossene, ist «ine mehr oder weniger gute W e l l e n f a l l e, und damit auch Energiefalle, wenn an ihr indirekte Induktion möglich ist. Die Resonanz beruht darauf. Eine Welle — soweit sie durch Einfall-Induktion in eine gebundene über- geführt worden ist — kommt von der Führungs- fläche nicht mehr los, wenn sie auch auf ihrem Verlauf sich durch seitliche Ausbreitung allmählich erschöpft. Ferner ist ohne weiteres zu erkennen, daß der Induktionsvorgang unumkehrbar ist. Es ist schon der Anschauung nach ■ unmöglich, dah die erzeugte geführte Welle, wenn sie den Rückweg sinken kann, w-eder zur anlausenden Welle mit entgegengesetztem Laufsinn wird. i D e Störungen im Rundfunk. f In der letzten Sitzung des Südwestdeutschen Radioklubs, Ortsgruppe Gießen, sprach Pri'o.- Doz. Dr. C. Bergmann über die Störungen im Rundfunk. Der Vortragende erscheint besonders berufen, über dies Thema zu sprechen; steht ihm doch eine vieljährige Erfahrung auf dem Gebiete der Empfangstechnik zur Seite. Der Redner führte etwa folgendes aus: Man kann die Störungen im Rundfunk einteilen in fünf Klqssen, entsprechend den Ursachen, durch die sie hervorgerusen werden: 1. Atmosphärische Störungen, 2 Schwankungen der Lautstärke, 3. Richtungsänderungen (bei Rahmenempfang), 4. Störungen durch maschinelle Anlagen, und 5. Störungen durch fremde Sender und Empfänger. Die beiden zuletzt aufgeführten sind als lokale Störungen zusammenzufafsen. 1. Die atmosphärischen Störungen kann man gliedern in a) kurze Knackgeräusche, verursacht durch Dlihentladungen bei Gewittern. Die Erscheinung wird mit zunehmender Wellenlänge seltener. Eine Abhilfe ist unmöglich. b) Brodelgeräusche: sie sind darauf zurück- zusühren, dah bei beginnendem Regen die elektrisch geladenen Regentropfen auf die Antenne fallen und ihre Ladung an diese abgeben. Ist die Antenne nah geworden, und damit, ihre Isolation herabgesetzt, so verschwindet die Erscheinung meist. Abhilfe schafft zuweilen aperiodische Antenne ohne Verkürzungskondensator. c) Zischen. Es konunt mehr in tropischen Gegenden vor und ist auf Spitzenentladungen zwischen der Antenne und elektrisch geladenen Wolken zurückzuführen. d) Rascheln, das namentlich bei den langen Wellen sehr störend wirkt. Verursacht wird es durch me.eorologische Einflüsse, insbesondere durch die Störungen des elektrischen Erdetes bei Hoch- und Tiefdruckwirbeln. Es nimmt zu in der warmen Jahreszeit und in den warmen Tagesstunden. 2. Die Schwankungen in der Lautstärke sind abhängig von dem Licht. Sie sind besonders zu beobachten bei Sonnenauf- und «Untergang und bei Sonnenfinsternissen. 'Der betannte Zading- efsekl läßt sich erklären entweder durch Unregel- mähigkeiten in der leitenden höchsten Schicht der Atmosphäre oder durch ein« Inlerserenzwirkung. 3. Die Richtungsänderungen der Wellen sind nur bei Rahmenempfang zu bemerken und werden zurückgeführt auf eine Drehung der Polarisationsebene. i 4. Die (lokalen) Störungen durch maschinelle 1 Anlagen, a) Wenn die Straßenbahn mit geringem Stromverbrauch, also z. 2. nur mit Beleuchtung fährt, so bilden sich bei Unregelmäßigkeiten zwischen dem Schleifbügel und dem Fahrdraht kleine Fünkchen, die die Quelle hochfrequenter Schwingungen sind. Ist der Stromverbrauch groß, so entstehen Lichtbogen, die nicht stören. Bei Verwendung von Kohleschleifbügeln entstehen die Lichtbogen auch schon bei kleinen Stromstärken. Klingelstörungen un erkundet man, indem man an der Unterbrechungsstelle, wo Heine OefsnunaS- funken entstehen, einen Kondensator dazwischen schaltet. Motorgeräusche treten dann auf, wenn der Kollektor nicht tadellos arbeitet. Man achte deshalb auf ein funkenfreies Arbeiten. Gegen die Beeinflussung durch benachbar.e Telephonleitungen Hilst, daß man die Antenne mit den Telephonleitungen senkrecht kreuzt, wodurch Induk- tionserscheinungen unwirksam gemacht werden. 5. Da auf dem Rundfunkbereich eine große Anzahl von Sendern arbeiten, und jeder Sender wieder ein gewisses Wellenband bestreicht, werden Störungen selbst bei der sorgfältigsten Verteilung der Wellenlängen nicht ausgeschlossen sein. Rahmen und selektive Empfänger sind die einzige Abhilfe. Gegen die Störungen durch benachbarte Rückkoppler ist noch kein Kraut gewachsen. _ ®. Fr. Oberhessen. Landkreis Gietzen. t. Treis a. d. Lda., 16. Rov. Gestern abend sprach in Lemps Saal im Auftrag der Liga für deutsche Kultur Herrn. Heine- Darmstadt über Rußland und die jetzt dort herrschenden Verhältnisse, vor deren Hebertra« gung auf Deutschland er als Deutsch-Russe aus eigner Erfahrung warnte. Rach dem sehr anschaulichen Vortrag, dem nach die Vorführung von Lichtbildern aus Rußland folgte, unterhielt der Vortragende die Anwesenden durch Vorträge auf dem russischen Liebt.ngsinstrument, der Balalaika, die er mit künstlerischer Geschicklichkeit zu handhaben wußte. Bg. G r o h e n - B u s e ck, 16. Rov. Am Sonntag veranstaltete der Gesangverein „Germania" ein gut besuchtes Konzert. Er bot seinen Zuhörern unter Leitung seines Chormeisters Kasten aus Gießen eine Reihe schöner Chöre, die sehr beifällig aufgenommen wurden. Auch die von vier Gießener und einem Großen- Dusecker Herrn gebotenen Musikstücke sanden reichen und wohlverdienten Beifall. bn. Allertshausen, 16. Rov. Wer jetzt die Straße nach Climbach geht, sieht, daß sich an den Leimringen, die die Straßenverwal- tung den Obstbäumen hat anlegen lassen, eine Menge Frostspanner gefangen hat, ein Zeichen, wie wichtig das Anlegen von Leim- ' I ringen ist. ,is. Steinbach, 16. Rov. Der hiesige Kriegerverein veranstaltete am Sonntag einen Unterhattungsabend mit Lichtbilder- vortrag aus dem Weltkrieg 1914/18. Die Bilderserien zeigten den Vormarsch und die Kämpfe in Belgien, die Kämpfe vor Verdun, die Sommefchlacht und die Tantschlacht bei Ccnnbrai. Die textliche Erläuterung gab Lehrer Klücker von hier. ri. Langsdorf, 16. Rov. Pfarrer Klin - g e l h ö f f e r, der, wie bereits berichtet, in den Dienst der Braunschweiger Landeskirche übertritt, hielt am Sonntag seine Abschiedspredigt. Da der Mangel an Pfarrern zur Zeit sehr groß ist, konnte die Kirchenbehörde keinen Pfarrverwalter ernennen, so dah die beiden Gemeinden Langsdorf und Dettenhausen vorläufig keinen eigenen Seelsorger haben werden. Der Dienst wird von den Nach- bargeisllichew versehen werden. Die Pfarramtsgeschäfte führt Pfarrer G ö ck e l von Hungen für Langsdorf und Pfarrer Döring von Müschen- heim für Dettenhausen. Kreis Frievberg. — Friedberg, 16. Nov. Die Lehrerschaft des Kreises hat beschlossen, den 1 0 0. Todestag Pestalozzis durch größere Feierlichkeiten würdig zu begehen. Es findet eine Kreislehrerkonferenz statt, bei der Direktor Dr. Vogel (Darmstadt) den Festvortrag halten wird. Außerdem ist eine größere Familienkonferenz vorgesehen, bei der ein Pestalozzi-Festspiel zur Aufführung kommen soll. sf. Friedberg. 16. Nov. Auch unsere Stadt besitzt in ihren Anlagen ein hübsches Plätzchen, das durch Anpflanzen von Bäumen noch einer schönen. Sitte der geschichtlichen Erinnerung geweiht ist: es ist der an der Turnhalle gelegene Viereichenplatz. Richtiger mühte der Platz ja Fünfeichenplatz heißen, denn es stehen auf ihm fünf Eichen und außerdem eine Linde. Die Bäume, die sich alle gut entwickelt haben und dem kleinen, mit Bänken versehenen und hübsch angelegten Platz einen malerischen Anblick verschaffen, sind die folgenden: Konstitutionseiche, gepflanzt am 17. Dezember 1845 zur Erinnerung an das 25jährige Bestehen der hessischen Verfassung: Luther- e i ch e, gepflanzt am 18. Februar 1846 zur Erinnerung an den 350jährigen Todestag Luthers: Leipziger Eiche, gepflanzt am 18. Oktober 1863. am 50. Jahrestage der Schlacht bei Leipzig: Sieg es eiche, gepflanzt am 18. August 1871 zur Erinnerung an die Schlacht hei Gravelotte: Bismarckeiche, gepflanzt am 1. April 1895 Sür Erinnerung an bon 80. Geburtstag Bismarcks. Der letztere Baum stammt aus dem Sachfen- Walde und wurde vom Fürsten Bismarck auf Wunsch überlassen. Außerdem steht auf dem Platze noch die am 10. November 1883 gepflanzte Lutherlinde zum Andenken an den 400jäh- rigen Geburtstag Luthers. Ein weiterer Erinnerungsbaum steht noch aus der K a i s e r st r a ß e: es ist dies die am 10. November 1859 gepflanzte Schillerlinde vor der nach ihr benanntem, in weiten Kreisen bekannten Aepfelweinwirtfchaft „Zur Schillerlinde". — Q(n dem hiesigen Poly- t e ch n i k u m Hai sich vor einiger Zeit eine f lug« wissenschaftlicheVereinigung gebildet, die den Dau von Segelflugzeugen beabsichtigt. Dieser Tage unternahm der Verein am Fuße des Wintersteins die ersten Flugversuche, die allerdings noch nicht ganz befriedigend aus- fielen. da das Wttter guch sehr ungünstig war und dis verwandten Materialien noch nicht allen Anforderungen entsprachen. Die Versuche werden in nächster Zeit fortgesetzt. Man gibt sich der Hoffnung hin. demnächst günstige Erfolge zu erzielen. WEN. Butzbach, 17. Nov. Auf eigenartige Weise tarn ein hiesiger Kaufmann wieder in den Besitz des vor einer Reihe von 3abien verlorenen Gehörs. Am Sonntagabend stieß er mit dem Kopf gegen den Schalter der elektrischen Leitung. 3m gleichen Augenblick vernahm er wieder die Laute seiner Um* gebung. Pb. Butzbach, 16. Nov. Aus Veranlassung ter hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Ko- lonial-Gesellschaft hielt General v. L e t* tow-Vorbeck im großen, dichtbesetzten Saal des „Hessischen Hofes" einen lVzftünbigen Vortrag über die Verhältnisse in der afrikanischen Kolonie während des Weltkrieges. Packend schll- derte er die außerordentlichen Schwierigkeiten, mit denen die kleine deutsche Schutztruppe gegenüber dem vielfach überlegenen Feinte zu kämpfen hatte. Reicher Beifall lohnte den Redner. — Die Bürgergesellschaft „Frohsinn", die auch außerhalb Butzbachs bei vielen in angenehmer Erinnerung steht, beging am Samstag die Wiederkehr des 50. Gründungstags durch ein Festessen mit Ball in den Räumen des „Hessischen Hofs". 5 Steinfurth. 16. Nov. Der hiesige Kriegerverein, der am 15. November 1876 gegründet worden ist, konnte jetzt in sehr würdiger Weise die Feier seines 50jährigen Bestehens begehen. Als der Verein aus der Taufe gehoben wurde, gehörten ihm gleich 38 Mitglieder an, darunter die Hälfte Kr.egsvetera- nen (13 von 1870/71, 4 von 1866 und 1870/71, 1 von 1866, 1 von 1848/49). Heute befinden sich noch vier der 38 Mitbegründer in den Reihen des Vereins, darunter Konrad Philippi!, und Wilhelm Ahl als Veteranen von 1870/71. An der Jubelfeier nahm die ganze Devölterung regen Anteil. Ein Akt der Pietät leitete die Feier am Vormittag ein. Am Kriegerdenkmal sand Kranzniederlegung statt, wobei der Vorsitzende des Vereins, Ph. Huppert, der 54 Gefallenen aus unserem Orte gedachte, wovon 26 Mitglieder des Iubelvereins waren. Anschließend nahm der Verein geschlossen an dem Gottesdtenst teil, den Pfarrassistent Ho fm eh er zu cTnem erhebenden Festgottesdienst gestaltete. Nachmittags sand im Saale des Gastwirts Graulich der feierliche Festakt statt, bei dem auch das Präsidium der Kr^gerkarneradschast „Haftia" vertreten war. Nachdem Ph. Huppert die große Festgemeinte herzlichst begrüßt, hielt Pfarrassistent H o f m eh e r die gedankentie'e Festrede. Medizinalrat Dr. V o g t, Butzbach, über* brachte die Grüße des Präsidiums der „Hassia" und überreichte dem Iubelverein einen Fahnennagel. 2m Auftrage des Bezirks Butzbach-Bad- Nauheiw der „Hassia" sprach Direktor Stumps, Butzbach, Stadtverordneter Ehr. Schäfer, Bad- Nauheim, für den befreundeten Bad-Nauheimer Kricgerverein. 2n feierlicher Handlung wurden mehrere Ehrungen vorgenommen. Die vier noch dem Verein angehörenden Mitbegründer, Konrad Philippil., Wilhelm Ahl, Konrad Falk und Heinrich Jung, wurden unter Überreichung des goldenen Hassia-Ab- Zeichens für 50jährige treue Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt. Konrad Philippi!. erhielt von der „Hassia" das Verdienstkreuz, während W. Uhl, K. Falk, H. Jung und H. Lottig, welch letzterer feit 1899 das Amt des Vereinsrechners gewissenhaft bekleidet, mit der Hassia-Ehrenurkunde ausgezeichnet wurden. Die Feier nahm einen erhebenden Verlauf, wozu nicht zuletzt ter Gesangverein „Frohsinn" durch seine fleißige Mitwirkung wesentlich beigetragen hat. — Im benachbarten Wisselsheim, wo der Kriegerverein nach dem Kriege etngegangen ist, soll er wieder neubegründet werden. Die wertvolle Fahne des alten Vereins ist noch vorhanden. 88 Ober-Flor st adl, 16. Nov. Die Maul- und Klauenseuche in unserer Gemarkung ist erloschen. Sie nahm diesmal einen schlimmeren Verlauf, als in den Vorjahren. Die meisten &e- Höfte waren davon befallen. Es verendeten an der Seuche 4 Kühe, 21 Kälber und ca. 20 Ferkel. Daneben mußten viele Notschlachtungen an Schweinen vorgenommen werden, um deren Fleisch noch den Menschen genießbar zu erhalten. — Zn unserem Orte hat sich ein Schützenverein gegründet. Zweck und Ziel des Vereins ist die Pflege des Kunstschießens. Kreis Büdingen. !! Büdingen, 16. Nov. Aus ter jüngsten Gemeinderatssitzung ist zu berichten: Für die Bürgersteige in den neugepflasterten Straßen (Hindenburgstraße und Neueiweg) wurde die Lieferung von Emser Kies vergeben. Den Auftrag erhielt die Firma Franz Gockel. Weiter wurden die Arbeiten und Lieferungen an ter Wasserleitung an die Firma W. Scheid-Büdingen Vergeben. Als Angebot war 24 768,55 Mk. genannt. Die neue Hochdruck- wasser leitung befindet sich zur Zeit im Bau. Sie wird als Notstandsarbeit von Erwerbslosen verrichtet. Da die Leitung an dem Sandhof vorbeiführt und die Quelle höher als der Hof liegt, hat der Inhaber des Hofes Antrag auf Anschluß gestellt. Diesem Gesuch wurde entsprochen und ein Kostenzuschuß von 200 Mk. zugebilligt. Die Volksbank Büdingen hatte Antrag auf Herrichtung desSeemenbachus erls gestellt. Der Antrag wurde abgelehnt. Im Januar n. I. findet die Provinzial-Geflügel-Ausstellung statt. Dem Kleintierzuchtverein wurden für die Anschaffung eines Preises 50 Mk. bewilligt. Nidda, 17. Nov. 3m engsten Kreise fand 'heute DormUtag die Eröffnung ter neuerrichteten Landwirtschaftlichen Sch ul e zu Ni dda mit einer kleinen Feier statt. Erschienen war neben den gemeldeten Schülern per Gemeinderat, an dessen Spitze Bürgermeister Ringshaufen. Dieser begrüßte die an ter neuen Schule tätigen Lehrer und sprach dem Gemeinderat seinen Dank aus für die tatkräftige Unterstützung bei der Errichtung ter Schule. Sodann ergriff der Direktor der Anstalt, Dr. Schad, das Wort zu einer Ansprache. Sein Dank galt dem Bürgermeister Ringshaufen, ter schon bei Beginn der Verhandlungen zur Errichtung des Landwirtschaftsamtes weitgehendstes Entgegenkommen zeigte und weiterhin der Anstalt tatkräftige Förderung und Unterstützung zuteil werden lieh. Besondere Worte des Dankes zollte er auch dem Rektor der Gewerbe, schule, Witt, für sein stets bewiesenes Entgegenkommen. Sodann besprach er kupz Lehrplan und Schulordnung bet hessischen landwirtschaftlichen Schulen und wies auf die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft und auf ten großen Nutzen einer gediegenen sachlichen Ausbildung für die landwirtschaftliche Bevölkerung hin. Die Schule w rd in diesem Jahre in ter zunächst errichteten Unterklasse von 26 Schülern besucht. Are iS Schutte», y Laubach, 16. Nov. An Sonntagabend fand tm Festsaal des gräflichen Schosses das zweite Konzert der hiesigen Konzert - und Vortrags-Vereinigung statt. Man hatte einen Kammermusikabend eingerichtet, wozu Konzertmeister GustavLenzewski - Nürnberg (Violine) und Prof. Dr. Karl Schmidt- 5 rieb berg (Klavier) gewonnen waren. Zum Vortrag kamen Sonaten von Bach, Mozart, Cesar Frank und Beethoven. Die Violine machte durch ihre tiefe Auffassung einen g.wattigen Eindruck: sie war glänzend im Ton. Der Pianist zeigte eine prächtige Klangfrische Alle Stucke wurden mit trefflichem Zusammenspiel zu Gehör gebracht. Beide Künstler ernteten lebhaften Beifall. — Die Ortsgruppe Laubach des Hessische n Spare?bundes hielt im „Solmser Hof" unter dem Vorsitz von Pros. Dr. Wetzell eine Versammlung ab, die aus ter Stadt und Umgegend sehr gut besucht war. Der Vorsitzende berichtete über die Bestrebungen des Bundes und empfahl eifrige Wertetätigkeit. Insbesondere wurden die Gründe erörtert, die zur Gründung einer eigenen Partei führten. An ten Bericht schloß sich eine lebhafte Aussprache. —Gedern, 16. Nov. Am Sonntaz wurde hier eine Taufe vorgenommen, bei der drei Urgroßmütter, des Täuflings zugegen waren. Dies kann wohl als ein seltener Fall bezeichnet werden. ÜU Rudingshain, 16. Rov. Gutem Vernehmen nach hat man die Absicht, ten oberen „ Forellenteich" unterhalb der .Breun - g e s h a i n e r H e i te ", der von der Nidda gespeist wird, wieder zu spannen. Er soll mit Fischen wieder besetzt werten. Vornehmlich aber fpll er als Stauwerk dienen. Der landschaftliche Reiz des Oberwaldes wird durch die neue Anlage wesentlich erhöht teextern Gonterskirchen. 16. Note Auf ter Treibjagd im hiesigen Gemein bewald, die in letzter Woche an 2 Tagen statt'and. wurden nur 1 2 H äsen, aber kein sonstiges Wild geschossen. Früher kamen regelmäßig 30 bis 40 Hasen zur Strecke. Das dürftige Ergebnis ist hauptsächlich auf Rechnung der nassen Sommer zu setzen, ater auch auf das Ueterhandnehmen des Raubzeugs, besonders der Raubvögel. Ebenso tragen auch die Wilderer wesentlich zur Verminderung des Wildbestandes bei. Vor allem müßte den Zigeunern schärfer auf die Finger gesehen werten. Kreis Alsfeld. fr* Alsfeld, 17. Nov. Stadtvorstands- sihung: Als erster Punii ter am Dienstag stattgehabten Sitzung wurde über den Antrag auf Gewährung einer Winterbeihilfe an die Klein-, Sozialrentner und Erwerbslose verhandelt. Es wurde nach kurzer Aussprache beschlossen, ten bedürftigen Klein-, Sozialrentnern und Erwerbslosen, sowie den Ortsarmen eine einmalige Winterhilfe in Geld oder Naturalien zu gewähren, deren Höhe im Einzelfall die Finanzlommission festsetzt. Wie der Vorsitzende noch bemerkte, ist eine schematische Unterstützung an alle diese Klassen unzulässig, es muß vielmehr ter Grad der Bedürftigkeit in jedem einzelnen Falle geprüft werden. Diejenigen Erwerbslosen, die mit Notstandsarbeiten beschäftigt und nach Tariflohn bezahlt werden, erhalten keine Beihilfe. — Die Mieten für die neuerbauten städtischen Zweifamilienhäuser wurden entsprechend dem Vorschlag der Baukommission wie folgt festgefeyt: für die Wohnungen im Erdgeschoß 380 Mk. jährlich, für die im ersten Obergeschoß 400 Mk. jährlich. — Vertrag mit dem Turnverein: 3r Anbetracht seiner ungünstigen Finanzlage hc itzfr 2er Turnverein bei der Stadt darum nach- gesu t, die Stadt möge den jährlichen Zuschuß für die Benutzung der Turnhalle durch die städtischen Schulen angemessen erhöhen. Es wurde aber beschlossen, daß eine Aenderung des zur Zeit zwischen der Stadt und dem Turnverein bestehenden Vertragsverhältnisses nicht zweckmäßig erscheint, und demgemäß auch die Erhöhung deö städtischen Zuschusses abgelehnt, nachdem sich der Turnverein weigert, etwas für die Benutzung ter neuen Festhalle bei Turnsestlich- keiten zu bezahlen auf Grund des bestehenden Vertrages. Ein sozialdemokratischer Antrag, alsdann auch allen anderen Vereinen einmal im Jahre die Zesthalle unentgeltlich zu überlassen, wurde abgelehnt. — Dem SportvereinAls- seld-Altenburg 0 6, der einen eigenen Sportplatz aus seinem etwa 8 Morgen großen Gelände in ter Rambach errichten will und dazu einen Zuschuß au3 Mitteln der produktiver Erwerbsloscnsürscrge erhält, wurde ein Darlehen von 800 Mk. auf seinen Antrag bewilligt, unter der Bedingung, daß er bei Ausführung der Arbeiten etwa 30 Alsfelder Erwerbslose auf die Dauer von 3—1 Wochen beschäftigt, das Darlehen zu dem für die Stadt üblichen Zinsfuß verzinst und eine ausreichende Bürgschaft durch den Gesamtvorstand stellt. — Für den Verein für das Deutschtum im Ausland wurde ein jährlicher Beitrag von 20 Mk. vom Rechnungsjahr 1927 ab bewilligt. — Für die am 4. Dezember stottfintende Wochenendtagung der Reichs- zentrale für Heimatdienst, Landes- abteilung Hessen, wurde, wie im Vorjahr, ein Beitrag zu ten sachlichen Kosten in Höhe von 50 Mk. bewilligt. — Eine Beteiligung an dem von einer Firma beabsichtigten Sammelwerk über ten Wohnungsbau in Hessen und Hessen- Nassau wurde abgelehnt. — Verschiedene kleinere Vorlagen wurden nach den Kommissions- beschlüfsen erledigt. An die Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung an. -er. Homberg a. d. Ohm, 16. Rov Seit dret Jahren besteht hier eine Schützengilde. Dald nach ihrer Gründung hafte sie sich Gewehre (Kleinkaliber) beschafft und einen eignen, in Ieber Hinsicht einwandfreien Schieß stand 20 Meter) angelegt. Der Verein ist heute in sich gefestigt: seine finanziellen Verhältnisse sind in Ordnung. Dieser Umstand soll im Jahre 1927 äußerlich seinen Ausdruck finden durch eine Bannerweihe. Man hat sich jetzt auf ein be- timmtes Fahnen-Muster geeinigt Aus der einen ©eite ter Fahne wird als Symbol des Deutschen Reiches em Adler sichtbar fein, während die andere Seite den Namen des Vereins aufweist: alles soll in feinster Stickerei ausgefüdrt w rten. Ni e de r^Gemiinden, 17. Noo. Dieser Tage löste sich in den Früh, tunten an en.’.n in ter lllähe des Bahngleises der Strecke nach Homberg befindlichen Schaf Pferch ein Teil der Umzäunung, so daß die Tiere ins Freie gelangen konnten. Einige Schafe gerieten dabei auf den Bahndamm und wurden von dem ersten Frühzug. dessen Führer bei ter Dunkelheit die Strecke nicht genügend übersehen konnte, über- ahren und getötet 16. Nov. Maingau. WSR der Pulsader gefunden haben. Gema» Wasser unlerer Oe- Ktauen- —-Z— Ä r o f b o r L meinde wütet die M XX Hermann st ein, 16. 91 pu. An der Z u - snmmenlegung der Feldmark (Gesamtgröße 908 Hektar) soll auch in der Winterzeit, soweit eo die Witterung zuläßt, ununterbrochen weiter gearbeitet werden. Es gilt vor allem das vielfach trostlose Wegenetz gründlich auszu bauen, wobei viele Arbeitslose der Gemeinde Beschäftigung finden. Dillkreis. WEN. Dillenburg, N.Rov. Der bis auf die Turmspitze neuerbaute 12 Meter hohe Kirchturm der evangelischen Ki r ch e 16. 9100. 9n aul - und jJ Aus b e m Kreise Wetzlar. 3n den Gemeinden des Kreises beginnt in diesen „Heue Erfahrungen aus dem Gebiete Schweinezucht und -Haltung". Gemarkung erfolglos blieben, will man forderlichen Wassermengen auS unserer tung beziehen, da hier überschüssiges vorhanden ist. lagen der Unterricht in den ländlichen Fortbildungsschulen. Nach dem Kreirstatut lind sämtliche in den Krcisgemeinden wohnhaften, nicht mehr schulpflichtigen männlichen Personen unter 18 Jahren, gleichviel, welchem Berufe sie angehören, verpflichtet, die für ihre Gemeinde errichtete öffentliche ländliche Fortbildungsschule zu besuchen und an dem Unterricht teilzuneymen. Die Schulpflicht besteht für vier aufeinander folgende Winterhalbjahre: sie beginnt mit dem Anfang des ersten Winterhalbjahres nach Entlasfung aus der Volks- oder einer sonstigen Schule und endigt spätestens mit dem Schlüsse des letzten Winterhalbjahres vor Bollendung des 19. Lebensjahres. Von der Verpflichtung zum Schulbesuche ist befreit, wer eine landwirtschaftliche Winterschule, Jnnungs-, Fach- oder andere Fortbildungsschule besucht oder einen anderen entsprechenden Unterricht erhält, sofern dieser Schulbesuch oder Unterricht als ein ausreichender Ersatz für den allgemeinen Fortbildungsjchuluuter- richt anerkannt ist. XX Hohensolms, 16. Aov. 3n diesem Jahre herrschte in unserem Orte eine ziemlich in Siserseld ist zusammengestürzt. Kurz vorher bemerkten Rachbarn der Kirche ein Wanteii des Turmes. Sosort wurde der Platz abgesperrt, und schon bald nachher stürzte der Turm in sich zusammen. Die Ursache des Unglück- ist noch nicht bekannt. Hach Beendigung der Ausräu- munasarbeiten fall das Fundament von fach» hmmgtr Seite untersucht werden. Kreis Limburg. WEH. Limburg, 17. Rov. Seit einigen Wochen versandte eine Person auS Limburg anonyme Drohbrief« an führend« Persönlichkeiten, in denen diese ausgesordert wurden. 500 Ml., in einem Falle sogar 800 Mk.. btS zu einem bestimmten Termin an eine gewisse Stelle zu legen, andernsallS ihr Lehen verwirkt sei. In einem Briefe wurde sogar angedroht, den Limburger Dom in die Luft zu spren- g e n. Unter dem Verdacht der Täterscha't wurde ein hiesiges Ehepaar festgenommen. WSR. Diez. 16. Rov. Gestern morgen entwich aus dem hiesigen Zuchthaus ein gefährlicher Mörder. Während des üblichen Spaziergangs innerhalb des 'Anstalts- Hofes schwang er sich über die Mauer und suchte sich an einem Vastfelle die 26 Meter hohe 'Mauer herunterzulassen. Während deS Abstieges riß jedoch das Sell. Obwohl der Ausbrecher verletzt zu Boden stürzte, floh er dennoch über die Bahnbrücke und bedrohte Passanten, die sich ihm entgegenstellten, mit einem spitzen Gegenstand. Er kam jedoch nicht sehr weit. Bor dem benachbarten Dorfe Aul gelang es. den gefährlichen Burschen zu fassen und zu überwältigen. s e u ch e in außerordentlich schlimmer Weise. Bis jetzt sind 40 Gehöfte verseucht, 29 Stück Rindvieh, darunter auch ein Gemeindebulle, sind der Seuche bereits zum Opfer gefallen. Dabei nimmt die Seuche noch ständig zu, so daß man unter Umständen noch tvei.ere schwere Schädigungen unserer Landwirte durch Diehverluste zu gewärtigen hat. Unsere Aachbargemeind« Launsdach plant die Erbauung einer Wasserleitung. Da wiederholte Wasserfchür'ungen in der dortigen die er- rege Bautätigkeit. Während an der breiten Eingangsstrahe früher nur die neue Schule stand, reiht sich jetzt dort zu beiden Seiten Haus an Hau S. In vorteilhafter Welle präsentiert sich an der Ecke das stattliche Bürge» meistereigebäude. Die Wohnungsfrage in unserem Orte hat durch diese lebhafte Bautätigkeit ein etwas günstigeres Ausfehen gewonnen. — Die hiesige Freiwillige Feuerwehr erfuhr in diesem Jahre durch Beihilfen der Gemeindevertretung und des Kreisausschusses eine wesentliche Förderung. Mit dieser Hilfe kann die Ausrüstung der lungen Wehr jetzt in weitgehendem Maste erfolgen Zur Dervollständigung hofft man noch auf Zuwendungen von privater Seite. L Dornholzhausen, 16. Aon Die Bruderschaft Hüttenberg des 3 u n 8 ■ deutschen Ordens veranstaltete in der hiesigen Turnhalle einen Lichtbildervortrag. Es gelangte der Film .Aus Deutschlands schweren Tagen" zur Vorführung- —5— Hochelheim, 16. Nov. Unser Ort hatte in diesem Jahre eine sehr r e q e Baut ä t i g - keit zu verzeichnen. Neben oedchiebenen laiwro'rti schafllichen Umbauten wurden fünf stattliche Wohngebäude errichtet: hierzu kommt noch das von der Evangelischen Gemeinschaft erbaute Verein shaus. Auch die immer mehr emporblühende S. ä jein b u ft r i e gab bei Bauarbeitern durch Errichtung von Kajernagazmen, Trockenräumen usw. ständige Beschäftigung. Bei den Hausbauten wurden gröst- terteils selbstgebrannte Backsteine verwandt, wodurch die Baukosten wesentlich ermäßigt wurden. <> Niederkleen, 16. Nov. Die Musik- Bereinigung „Hüttenberg" vecans.a täte am Samstagabend unter Leitung von Heinrich Kohler. Grosten-Linden. im Saale der Gastwirtschaft Langsdorf ein Konzert, das sich eines guten Besuches erfreute. Den vortrefflichen Darbietungen wurde reicher Beifall gr ollt. <> Oberkleen, 16. Nov. Die in der hiesigen Gemarkung Gelegene Grube „Gute Hoss - nun g" ist durch Kauf in den Besitz der Firma I. W. Küchel, Butzbach, übergegangen; sie war bisher Eigentum der Gelsenkirchener Bergwerks- Aktiengesellschast zu Gelsenkirchen. Die Firma Küchel beabsichtigt, den Grubenbetrieb, der sich schon in sruheren Jahren als unrentabel erwies, nicht sortzuführen, sondern aus dem Grubcn- qelänbe einen Kalksteinbruch zu eröffnen. Mit den Abräumungsarbeiten ist bereits begonnen worden. m I Groß-Rechtenbach, 16. Nov. Bet einer G rund st Ücksver steigern na wurden dieser Tage hier recht hohe Preise erzielt. Es wurden bezahlte für den Quadratmeter gutes Acker- und Wiesenland 0.83 biS 0,90 Ml., für ... Frankfurt a M, 16. Aov. Wie uns mitgetellt wird, wurde daS türzlich im 'Westend gestohlene Sechssitzer.Auto «Marke Steiger) am Sonntag in Landau in der Pfalz von der Polizei beschlagnahmt. Zwei der Diebe, die sich in dem Auto befanden, wurden verhaftet: der dritte wurde in Albersweiler festgenommen. Das Diebestrio stammt aus Höchst a. M. — Gestern abend gegen 8 älhr wurde ein hier wohnender Mann durch die Linie 24 von der Hohen Mark im hilflosen Z u st a n d an der Hauptwache der Rettungswache übergeben, die den Hilflosen in das Heiliggeisthvspital verbrachte. Ein unbekannter Landjäger hatte ihn an der Haltestelle Hohe Mark dem Führer der Straßenbahn in hilflosem Zustand für den Transport nach Franl- furt übergeben. Er will ihn im Walde mit einer blutenden Wunde an der rechten mittleres und geringeres Land (Sandboden) 0,30 bis 0,50 Mk. je Quadratmeter. Die Kaufpreise sind, wie bei allen Grundstücks Verkäufen, in drei 3abrct»öielen (zu Martini) fällig, eine bei den heutigen Berhältniffen immerhin angenehm« Zahlungsweife. <> Weidsnhaujen, 16. Nov. Obwohl die hitsige Gemeinde eine eigene Kirche besitzt, müssen die Einwohner, wenn sic den Goiteebienst besuchen wollen, in die Kirche des benachbarten Ortes Dol- oertshaujen gehen. Es handelt sich hier um eine wreinbarung zwischen den beiden Gemeinden, die schon vor sehr langer Zeit getroffen wurde. Nur zweimal im Jahre finden in der hiesigen Kirche Gottesdienste statt, außerdem werben bi« Trau- unb Sterbefeiern fämtlich in ihr abgehalten. laufen ba- gegen werden in der Kirche zu Volpertshausen vor- genommen, allerdings nur in den Sommermonaten: im Winter finden fie im Haufe der Eltern der Kin- der statt. Eine Orgel bat die Gemeind« vor einigen Jahren bei der Auflösung des Seminars in Wetzlar gekauft. Mrcie Biedenkopf. ][ Gladenbach, 16. Aovember. Heute tagte im Hotel Blanlenftein unter dem Borsitz von Bürgermeister a. D. Reitz- Kleingladenbach die Herbstverfommlung des Landwirtfchaft- lichen Bezirks Vereins unb ber Herd- buchges «llschaf t des Kreise - Biedenkopf. Es wurde mitgetellt, baß der Kreis Dillenburg der Herdbuchgesellschaft des Kreises Biedenkopf jetzt angegliedert ist Aus dem Bericht des Tierzuchtinspeklors Dr Tornede- Biedenlops über die im laufenden Jahre ab- gehaltenen Tierschauen ist zu erwähnen, daß die Rofviehzucht in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufstieg genommen hat, während die Schafzucht zurückgeht. Im nächsten Jahre sollen Tierschauen in Biedenkopf und R o d h e i m a. d. B., Bullenversteigerungen in Breitenbach uni) Battenberg abgebalten werten. Zum Schluß hielt Tierzuchtinsvektor Dr. T o r n e ö e einen interessanten Vortrag über Starkenburg. DEN. Offenbach, 17. Nov. In der Nacht zum Dienstag, gegen 12 Uhr, war ein anaetrunke- ner älterer Handwertsbursche über b«n Zaun einer Ziegelei in der Strahlenbergerstraste gestiegen, anscheinend um sich ein Nachtlager zu suchen, vabei deckte er eine Teer grübe auf und siel im Rausche tn diese hinein. Die berbeigeeilte Rettungswache zog den bi» an die Brust im Teer steckenden Wann heraus und lieferte ihn im Krankenhaus ein. Preußen. ' ÄvciÄ töcftlnr. Peknnntnmchnnq Die Aufwertung der Sparguthaben erfolgt an unb für sich, ohne vast es eines Antrags des Gläubigers (Einlegers) be= barf. 9447D Dagegen ist der Anspruch auf Auswertung binnen einer am 31. Januar 1927 ablaufenden Ausschluhfrist anzumelden: 1. wenn die Auswertung bereits ausgezahlter Guthaben deshalb verlangt wird, weil sich der Gläubiger bei der Annahme der Leistung (Zahlung) seine Rechte Vorbehalten hat, ober 2. wenn ein Guthaben von einer Sparkasse auf eine andere Sparkasse überwiesen worben ist unb der Gläubiger bie Berücksichtigung mit bem Golbmarkbetrag zur Zeit des Erwerbs der Forderung gegen die erste Sparkasse verlangt. Die Frist ist eine Ausschlustsrist, so dast bei ihrer Versäumung der Anspruch auf Aufwertung erloschen ist. Die Anmeldung hat bei der Sparkasse zu erfolgen, bei der bas Guthaben geführt wirb ober zuletzt geführt wurde. Wir fordern daher unsere Einleger, falls sie einen der unter 1 unb 2 erwähnten Ansprüche geltend machen wollen, auf, diese bis spätestens 31. Januar 1927 bei uns anzumelben. Gießen, Grünberg, den 17. November 1926 Lezirksfparkasie Gießen. Zaches». Vezirksfparkasse Grünberg. ___Schmidt.__ Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abi. B wurde heute bei der Firma A. Graefe & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung, kunstgewerbliche Werkstätten für Metallarbeiten in Gießen, folgendes eingetragen: Die Firma ist erloschen. 9461C Gießen, den 12. November 1926. __Hessisches Amtsgericht. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma S. Monk, G. m. b. H. in Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Gießen, den 1" November 1926. । _______Hessisches Amtsgericht. 9463C Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Motor- unb Fahrzeugfabrik A.-G. in Gießen wirb noch erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. 9462C Gießen, den 10. November 1926. __Hessisches Amtsgericht.__ gieitfl«. Den l!l. jlootuibtt W nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Aeuenweg 28 zwangsweise gegen Barzahlung: I Divan, 3 Vertiko-, 1 Kommode, einen Musikautomat. 2 Rohrsessel, 1 Flur- garberobe, 1 Eisfchrank. zwei Kleiber» schränke, 1 Lanbichattsbilb, eine Fräsmaschine. 2 Kückenschränie, 1 Stanbuhr, 1 Schreibtisch, I So'a, 1 Trumeau, ein Fahrrab. eine Schreiblabenkaste, einen Warenschrank. 1 Regulator, 1 Tisch, 1 Herb, 1 Küchenanrichte, 1 Küchentifch, t Küchenstühle, l Büfett 9465D Hebbel Genchlsoollziehcr in Gießen Dammstrahe 24 L Telephon 239. 1 Verkäufe ( ZdiönciS Anwesen in der Erranüntier Strane. HauS mit 3 Gingen Toreinfahrt, Hoi, Scheuer u. CbÜgntien. sehr geeignet f kleineres Unternehmen ober Handwerker zu verkaufen. 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Wir haben unsere „Halpaus Mocca“ vor einigen Monaten in Rheinland und Westfalen eingeführt. Man hat dort sehr rasch herausgefunden, daß unsere „Halpaus Mocca“ auf Grund ihrer ganz besonderen Qualität erheblich mehr wert ist, als sie kostet. Dürfen wir Ihnen diese Cigarette vorenthalten? Machen Sie einen Versuch, Sie werden zufrieden sein. Unsere „Halpaus Rarität Nr. 200“ kennen Sie schon lange. Es wird allgemein anerkannt, daß es die weitaus beste 4~Pfg.~ Cigarette Deutschlands ist. HALPAUS-C1GARETTEN-FABRIK G. M. B. H. KÖLN UND BRESLAU Kennen Sie „Halpaus Mocca“? Das große Würfelspiel. (IRatfina wilemar.) Roman von Franz Lover Kappus. 44 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Für einen Moment blickte Hutchinson zweifelnd auf Julie. Doch gleich darauf ging sein Gesicht wieder in die Breite. „Sehr gut, meine Damen." „Nun, Mister Hutchinson?" fragte Lilh. Zärtlich hielt sie ihren glatten Kopf zwischen beiden Händen. „Was gibt es Neues bei Ihnen? Was macht der Sun-Film?" Sie überlegte, die Wimpern auf den Wangen. „Oder war es nicht der Sun-Film?" Klingend lachte sie. „Mein Gedächtnis beginnt, mich im Stich zu lassen. Kein Wunder übrigens, bei dem Truoel." Lässig deutete sie auf den Tisch mit den Depeschen und Briefen. „Der Sun-Film bekümmert mich nicht", sprach Hutchinson endlich. „Längst habe ich mit dem Sun- Film nichts mehr zu schaffen." „So, so", machten Lily und Julie. Eine Weile saß Hutchinson schweigend. Ganz sicher fühlte er sich seiner Sache. Dann sagte er nur ein Wort: „Hollywood". Frau Julie zuckte zusammen. Lily tändelte mit ihren Fingern. „Ich habe Teile der Kleopatra bei der Apollo gesehen. Sie sind gut als Kleopatra, Fräulein Lily." Hutchinson schob eine Pause ein. „Morgen kommt Mister Thomas Clayton in Hamburg an. Sie wissen doch, wer Mister Thomas Clayton ist?" . „Natürlich weiß ich dos", lachte Lily überlaut. „Und wann haben Sie Zeit für Mister Clayton?" Hutchinson blätterte in einem Stoß Papiere, den er aus der Rocktasche gezogen hatte. „Sagen wir Dienstag, um diese Stunde." Rasch kritzelte er etwas. „Mister Clayton wird sich freuen, Sie kennenzulernen." Dann stand er auf und ging. Drei Tage später war der berühmte amerikanische Regisseur zur Stelle. Er zeigte sich vollkommen im Bilde. Längst war die „Rache der Berge" über den Ozean gedrungen. Auch die Bruchstücke der Kleopatra befriedigten ihn. Keine zehn Minuten dauerte es, bis er seinen Vorschlag in allen Punkten formuliert hatte. Am 15. August sollte Lily in Los Angeles eintreffen. Ein einfacher Schlüssel setzte ihr Einkommen fest; auch der untere Grenzwert übertraf die Gage, die Findeisen für den günstigsten Fall in Aussicht gestellt hatte. Dazu tarnen natürlich freie Ueverfahrt und Tagesdiäten bis zur Ankunft in Hollywood. Alles weitere würde Mister Rosenbloom morgen regeln. Ob sie damit einverstanden sei? Zweimal schöpfte Lily Lust. „Vollkommen einverstanden, Mister Clayton", sagte sie dann laut und bestimmt. Thomas Clayton nickte, versorgte sein Notizbuch und fuhr davon. „Mama!" schrie Lily am Halse der Mutter. Ganz erschlafft stand Frau Julie. Ihr Herz würgte in der Kehle. Auf und nieder wogten die Bilder an den Wänden. Zu stark waren die letzten Minuten mit Spannung geladen gewesen. Kraftlos fiel Julie auf den nächsten Stuhl. Und saß still und lächelte fern. Lily war zum Telephon geeilt. „Guten Tag, Baron Rheinfeld! Sind Sie denn gar nicht neugierig? Und Ähr Archiv? Mir scheint, Sie vernachlässigen Ihr Archiv. Wollen wir nicht heute zusammenkommen? Tausend Dinge hätte ich Ihnen zu erzählen." Die Stimme Lilys fiel hinab. „Wie — keine Zeit?" Wieder horchte sie mit versammelten Mienen. „Unsinn, Baron Rheinfeld! Ich weiß mir die Bande vom Halse zu halten." Lebhaft nickte sie. „Natürlich: mir beide allein. Keinem Menschen geht das etwas an." Mit Mühe brachte sie Rheinfeld so weit, daß er zustimmte. In dem stillen Dahlemer Garten, den Lily vorgeschlagen hatten, saßen die beiden einander abends gegenüber. Alles rundum war wie herausgehoben aus der Zeit. Vergessen brauste das Leben irgendwo. Leise fang das breite Laub der Kastanien über dem rotgedeckten Tisch. Wenige Lichter schaukelten sanft auf gespannten Drähten. Einfache Menschen unterhielten sich abseits. Geschäftig lief der Wirt auf und nieder. Hoch schäumte das Bier in den Krügen. „Sie wollten mir doch erzählen, liebes Kind", sprach Rheinfeld, nachdem man schweigend gegessen hatte. „Ja, erzählen." Lily bewegte die Schultern, um die fremde Stimmung abzuschütteln. Am liebsten hätte sie weiter so dagesessen: so still und losgelöst von allem, was ihr Dasein füllte. „Na, na", machte Rheinfeld und lächelte. „Ame- rika perfekt?" „Auch das wissen Sie schon?" „Es mußte ja kommen. Seit vielen Wochen liegt Hutchinson auf der Lauer." Im Nu war Lily im richtigen Gleise. Mit glänzenden Augen berichtete sie, was sie während der letzten Monate erlebt hatte. Stoßweise ging ihr Atem. Bald überstürzten sich ihre Worte, bald sickerten sie nur. Um so deutlicher sprachen ihre Mienen. Lebendig stand ja jede Einzelheit geschrieben. „Es war nicht leicht, Baron Rheinfeld: aber schön, schön, schön! Und es soll auch nicht leicht sein: nie, niemals." Langsam drehte Rheinfeld den Ring an seinem kleinen Finger. „Sie werden sich auch in der Zukunft nicht zu beklagen haben, liebes Kind." Irgendwo schob sich sein Antlitz zusammen. „Also Hollywood?" „Hollywood." Mit dem Blick verfolgte Rheinfeld das Adernspiel seiner edlen Hand. Auss neue schwelgte Liln in Bildern und Farben. Zu den fernsten Sternen flogen ihre Träume. Der stille, dunkle Garten war längst versunken. Eine einzige flammend rote Plakatsäule war die Welt. Bis in den Aether hinaus leuchtete der Name: Lily Wilemar. XXXIII. Benno von Kreuth saß hinter dem Lenkrad seines Autos und überflog die Zeitung. Nach jedem Absatz warf er einen Blick nach dem Portal des Kaiserhof- Hotels. Ständig mußte man in Bereitschaft sein, wenn man keine Gelegenheit verpassen wollte. Abermals waren viele Fremde eingetroffen. Und solche Fuhren lohnten sich. Kreuth stöhnte auf. Wie lange sollte das so weitergehen? Die bedruckten Zeilen tanzten vor feinen Augen. Nicht ein WStt hatte er von alldem begriffen. Auf einmal riß Kreuth den Leib herum. Die Zeitung entfiel seinen Händen. Maria Feodorowna Sabukowa stand am Wagenschlag. „Nach Potsdam, Chauffeur." Wie eine Erscheinung starrte Kreuth die Frau an. „Verstehen Sie nicht, Chauffeur? Nach Potsdam." Schon saß die Sabukowa im Fond. Ihr Gesicht war weiß. Der Kopf mit dem kleinen, taupefarbenen Lederhut wandte sich zur Seite. Scharen von Menschen entquollen der Untergrundbahnstatton. Ein schwerer Möbelwagen samt Anhänger keuchte über den Wilhelmplatz. Mit Heller Kindersttmme rief ein Hotelpage nach einem Auto. Irgendwo trabte ein schläfriger Gaul über den Asphalt. Geduckt kroch Kreuth von seinem Sitz. Unerhört war, daß man den alten Kasten ankurbeln mußte. Alle, die da in der Reihe standen, hatten den Anlasser. Nur der eine Gedanke lebte sekundenlang. Unbegreifliche Scham brannte. „Nach Potsdam also?" Von unten herauf fragte Kreuch nach rückwärts. Wild verknotet waren seine Züge. Die Sakubowa nickte. Kreuch fuhr los. Die Finger klebten am Volant. Glühendes Eisen war das abgescheuerte Holz. Kulissen wehten rechts und links vorüber. Wie auf Watte lief der Wagen. Irgendwo schrie jemand auf. Flatternde Gestalten wichen zurück. Ein Verkehrspolizist wirbelte drn Arm durch die Luft. Mit ganzer Kraft trat Kreuch den Bremshebel. Das Auto stand, murrte, zog wieder an. Heiß ging die Fahrt, schnurgerade, in reißenden Winkeln, haarscharf an Straßenbahnen und Fuhrwerken vorbei. Steglitz, Dahlem und Zehlendorf wischten vorüber. Endlich lag der Königsweg frei. Kreuth nahm die vierte. In allen Fugen knirschte und wimmerte der Wagen. Was betümmert’s mich? surrte der Wind an den Schläfen. (Ein'TXrrbt mußte einmal sein. Man verreckte ohnedies allmählich, von einem Tag auf den andern. Die Sabukowa in derselben Stadt, ohne daß man sie zu Gesicht bekam, das gequälte Dulderantlitz Martinas, die fressende Pein in der Brust: nein — lieber hier kaputtgehen, kaputtgehen mit der Sabukowa zusammen, daß kein Knochen beim andern blieb. Neu-Babelsberg tauchte auf. Kreuch schaltete um. (Fortsetzung folgt.) iiT^BrenmkffveTfhl 'orkammer DyteneimaU der Arbeffsrovm 0r. in der Zuoerfossigfeeit sind die nlcfif zzinerrassLa arbeitet ? MOTORENWERKE MANNHEIM Aß. vorm- BENZ Abhstahonarer Motorenbau MANNHEIM RTt2cirk. v monatliche jßrennstojf-ErspQrnis, trenn der 7889V Verkaufsbureau: Mannheim L.15I Telephon 30429 Berichtigung In der Empfohlung-sanzelge vom 16. November ist ein Druckfehler unterlaufen der hiermit richtig gestellt wird: Eolienne Ä^^'.98.cm.b^ 5.20 Crepe de Chine ä“,,.b8mk. 5.90 Gebrüder Imheuser 945m jiiimiiiihinr iiiidiiiiniirm.'n'iiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiihiiiiirnTfnTTTTTTTn'rTn'nniiTTrmnnra \ A Hauptsortei Mischung I 4 Mark A i E 9261a E niiinm^nniiuiiiiniiniiiniiiii! uh hihi i!iiiiiitmniiiiiiiLiiiiiiiiiiiiiHHiniiiniiiiitiiiiira Feines Aroma sind die hervortretenden Eigenschaften von Driesch-Kaffee I Ausgiebigkeit Köstlicher Geschmack MMMIMBHMKBaKBMaSMHMaRi Verlangen Sie den hochwertigen Ruhr-Brechkoks heizkräftigster,sparsamster Brennstoff für Zentralheizungen Erhältlich in allen größeren Kohlenhandlungen. B0A Pelz waren Größeres Pelzgeschäft mit eigener Kürschnerei liefert vom einfachsten bis zum feinsten Pelzwerk an Beamte, Lehrer, Aerzte, Direktoren und Festangestellte jegliche Petzgegenstände fowiePelzmäntel, Jacken,echte Skunkse, Wölfe, Füchse und andere Pelzarten gegen mehrmonatltcheZahlungen ohne jeden Auiichlag. Das Pelzstück wird sofort auSgehändigt. Wir bitten um Angabe, für welches Stück Interesse vorliegt. worauf unverbindlicher Bertreterbesuch erfolgt. Strengste Diskretion wird zugesichert. BernfSanaabe erbeten. Schriftliche Angebote unter 9394c an den Gießener Anzeiger. Fisch-Zentrale Marktlaube. Freitag vormittag findet Bei kaut statt von frischem Cabliau, Schellst iche, ScclachS, Notbar>ch,ScholIe, Rotzungen, Brat- stfche iiiw. 0KWa Verkauf nur in der Markthalle. Tel. N F.LA.Derhey. ^pflihekenge (W ff^ünit. Beding W ■ durch 9067c H g F. Heidemann I B Frankfurt a. HL ■ ■ Kaiservl. 18-2" ■ Byanfa 9557 58 B Schellfische Cabliau, Seelachs, Goldbarsch Schollen Fluhhechte Karpfen,Salm empfiehlt, nur feinste Nordseeware zu billigsten Preisen w.Äööig. II. Som iWoiger Schulstraße 10. 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Denn in der Aufnahme solcher Gifte, die im Körper kreisen und nach außen hin Ausgangspforten suchen, weil sie der innere Mensch los sein will macht die Haut keineswegs eine Ausnahme. Brotella ist kein Abführmittel, es „wirkt" nicht „über Macht“, sondern wirkt allmählich, dauernd, naturgemäß, bestimmt. Brotella ist zugleich ein wohlschmeckendes, billiges Frühstück und Abendessen. UrttellB-mUi, Pfd. Mk. 1.40, II ru telle-stark, Pfd. Mk. 2.-, 9»eilsl-8retens Mr Korpulente, für 7 udtctltrenke, für Nervöee je Pfd. Mk. LW. Neu: Brotella-Kochbnch 25 Pfg. 1 Pfand Brotella gibt ca. X) Teller wunde.»oll edtmedteede Suppe. 1 Teilet kostet also K) bla M Pfg. etMlMld» hi Rpothektn, Drogerie»- und Reformhäusern. Literatur Posten fr«. - _________________________________1_______“'J’J ' WILHELM HILLER, Chemische und Nahrungsmittel-Fabrik. HANNOVER. itfcfc gesprochen, so gut tote verboten. (Als Schmerzensgeld dafür hat Amerika den größten Teil der Kriegsschuld Italiens gestrichen.) Dach Südamerika gehen jährlich noch etwa ebenso viel Italiener, wie vor dem Kriege. Auch Vie Auswanderung nach europäischen Ländern, hauptsächlich nach Frankreich, ist mit rund 200 000 Seelen jährlich nicht viel verändert. Dagegen fällt der ganze, vor dem Krieg von den Bereinigten Staaten aufgenommene Teil der italienischen Emigration heute aus. Außerdem beträgt die Rückwanderung nicht mehr ein Drittel, sondern nur noch ein Zehntel der Aus- Wandererquote, weck die französifche Industrie (zum Teil auch die Landwirtschaft) bei iyrem jetzigen Hochstand infolge des Valutadumpings viel italienische Arbeitskräfte ansaugt, die zunächst in Frankreich bleiben. / Auch die italienische Industrie selbst hat infolge ihres Aufblühens in der Kriegs- und Rach- kriegszeit verstärkten Arbeiterbedarf. Diese Blüte hängt aber zum Teil auch mit der italienischen Währung und mit dem spürbaren Kapitalzuflust aus dem nach Haufe geschickten Verdienst der italienischen Arbeiter in Frankreich zusammen, und auherdem ist kein Gedanke daran, daß die Industrie den jährlich eine halbe Million Seelen betragenden Geburtenüberfluß dauernd aufnehmen könnte. Die politischen Lenker Italiens stehen also vor folgenden Tatsachen: 1. jährlich eine halbe Million Bevölkerungs- Überschuh ; 2. gesperrte Auswanderung nach Vordame rika; 3. in Kürze zu erwartender Massenrückfluh von Italienern aus Frankreich, wo jetzt, mit Frauen und Kindern, angeblich anderthalb Millionen Italiener leben. Die Krisis, die dann in Italien ausbrechen wird, mag sich jeder selbst malen! Hier haben wir einen Hauptschlüssel für die faszistische Politik. Wahrscheinlich wäre der italienische Kessel schon in die Luft geflogen, wenn nicht die Wirtschaftslage, vor allem der Arbeitsmarkt, durch di« ein oder anderthalb Millionen Italiener in Frankreich ausnehmend günstig beeinfluht wären. Wer gut verdient, macht nicht so leicht Revolution. Gäbe es heute in Italien so viel Arbeitslose wie in Deutschland, und England, so wäre der ganze Faszismus nicht möglich, denn gegen eine Million Hungernder kämen weder die italienischen Staatsfinanzen noch die faszistischen Knüppelgarden auf. Ein Teilrezept gegen die drohende Krisis wäre eine durchgreifende innere Kolonisation in den menschenarmen Latifmrdiengebie- ten Düditaliens. Indessen, dies Rezept ist in Italien so unbeliebt wie anderswo. Also bleibt nur der Erwerb von Auswanderungs- k o l o n i e n übrig. Mussolini arbeitet krampfhaft in dieser Richtung, aber die einzig brauchbaren Kolonialgebiete für Italien lägen in Rord - a f r i k a , wo die Franzosen die Herren sind. Dies ist der Kern beä heutigen italienischfranzösischen Verhältnisses: alles klebrige, grobe und kleine Zwischenfälle, spielt nur an der Oberfläche. Di« Italiener haben Frankreich gegenüber das Gefühl, daß ein kinderloser, mih- günftiger Geizhalz ihnen den Lebensspielraum, den sie notwendig brauchen, einengt. Sie empfinden daher gegen Frankreich wirklichen Hah, der auch noch durch das andere Gefühl genährt wird, ans der Kriegsbeute nur mit ein paar lumpigen Brocken abgespeist worden zu sein. Die Lage wird weiter dadurch verschärft, Dah durch die faszistische Tyrannei eine Menge politischer Emigranten ins Ausland getrieben sind, und dah sich die Opposition gegen den faszistischen Terror natürlich auf die Dauer nicht niederhalten läht, indem man im Innern alle Ventile zuschraubt und im Ausland Spitzel und Provokateure, wie den Lumpen Garibaldi, bezahlt. Die „Washington Post", die als Organ des amerikanischen Präsidenten gilt, schreibt über -Mussolinis Schreckensgesetze, in Italien herrsche ein Terror, der grobe Ähnlichkeit habe mit Den Verhältnissen in Sowjetruhland, und die Folge eines derartigen Systems sei stets blutige .Revolution! Aehnlich äußert sich einer der * einfluhreichsten amerikanischen Journalisten, Frank imonds , der es direkt ausspricht, Italien sei die gröhte Gefahr für den Frieden Europas! -,Mr. Coolidge und Mr. Simonds würden dafür, wenn sie nach Italien kämen, nach dem neuesten Stück faszistischer Gesetzgebung vor ein Tribunal von Schwarzhemden gestellt werden. Leider aber haben sie nur zu sehr recht mit ihren Worten, und so groh auch unsere Sympathie mit dem italienischen Doll und dem europäischen Frieden sein mag — die Kesselexplosion in Mussokinien ist jeden Tag möglich. (Eine neue Partei. Wie uns vom Landesverband Hessen des Hypothekengläubiger- und Sparerschuhverbandes für das Deutsche Reich mitgeteilt wird, haben sich di« in den verschiedenen Sparerverbänden zusaminengeschlossenen Gläubiger in der Reichspartei für , Volksrecht und Aufwertung politisch organisiert. Die neue Partei will all die Teile des Volkes um sich sammeln, die mutlos geworden sind, nachdem sie gesehen, dah für den Gedanken des Rechts nirgends gekämpft wird, die aber den Glauben an grobe politische Ziele noch nicht verloren haben. Die Partei kämpft für Wiederaufrichtung rund Weiterbildung des deutschen R echts, Schutz der Verfassung und Heilighaltung der Grundgedanken unseres Rechts, insbesondere des Privateigentums, die Vertragstreue und Unabhängigkeit der Rechtspflege von den wechselnden Regierungs- und parlamentarischen Mehrheiten, sie kämpft für Wiederaufbau der deutschen Volkswirtschaft, zu dem ein in allen Schichten gesunder Dvlkskörper gehört, Schutz und Dil- vung kleiner und mittleret Vermögen. Hebung der Kaufkraft der breitesten Volksschichten und damit Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, gerechte Verteilung der Steuerlasten. Aus diesen Zielen heraus fordert die Partei vor allem die Beseitigung der Aufwert ungsgesehe, um deren Stelle eine gerechte Umwertung treten soll. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt V r. 9 2 vom 16. November enthält: Verordnung über Erwerbslosenfürsorge. — Beschaffung von Kraftfahrzeugen. — Kreisstrahensperre. - Schaf- rüude in Muschenheim. — Aenderung der Höchstsätze in der Erwerbslosenfürsorge. — Wandergewerbescheine. — Gewerbe-Legitimationskarten. — Osterferien. — Feldbereinigung Stangenrod. Wirtschaft. ' Die Insolvenzen in der zweiten Vovemberwoche. In der zweiten Ro- vemberwoche ist die Konkursziffer fast unverändert geblieben. Es wurden insgesamt 116 neue Konkursverfahren gegenüber 114 in der Vorwoche eröffnet. Die Zahl der Geschäftsaufsichten ist etwas zurückgegangen, und zwar von 36 in der Vorwoche auf 29. * Zur Fusion Oberbedarf-Don- nersmarckhütte. In Bestätigung und Ergänzung der bisherigen Meldungen wird jetzt von Derwaltungsseite ein Kommunique über die Beschlüsse der Verwaltungen verbreitet, in dem es u. a. heißt: „Wie bekannt, ist beabsichtigt, die Donnersmarckhütte Oberschlesische Eisen- und Kohlenwerke QL G.. Hindenburg, mit der Ober- schlesischen Eisenbahnbedarfs 31G., Gleiwitz, zu verschmelzen. Damit findet eine Entwicklung ihren Abschluß, die sich aus der seit Jahren bestehenden engen Verbindung beider Gesellschaften ergeben hat. Die Generalversammlungen finden am 9. Dezember in Gleiwitz statt. Das ^Imtauschverhält ins ist so gedacht, daß für nom. 500 Mk. Donnersmarckhütte-Aktien nom. 600 Mk. Oberbedarf- Aktien gegeben werden sollen. Dörfenwrle. Frankfurt a-M. Berlin Data«: 5% Deutsche RcichSanleihr 4% Deutsche Ncichscmleihe ■ 3Va°/n Deutsche Neichsanleibe 3% Deutsche Nelchsanleihe ■ Deutsche Svarvrämienanleüx <°/o Preußische Konsole • . . 4% pesten Hessen 3% Heneo Deutsche Wertd. Dollar-Anl. bto- Doll -Schatz-Auweisoq.') *1« Holltürten....... 5% «oldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Lonnnerz- and Prival-Bank Darmst. und Narionaldank Deutsche Bank ..... Deulsche Bereinsbank • . . . DiScomo Commandit . - Metallbank Mitteldeutsche Lreditbank . . Oestrrreichische Lreditanstall Westbank ........ Bochumer <8oS . BuderuS ........ Laro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau..... Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln .... t'aurabutic . ..... Oberbedarf ......... Pbönir Bergbau ...... Nyeinslabl . ...... Niebeck Montan ....... Tellas Bergbau...... Bereinigte Stahlwerke Sl,-G. Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . , Lderamische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Pbrftvv Ho Umarm ..... Anglo-Conl.-Guano..... Chemische Mäher Alapin . . 9- G Farbcnindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütyerswerke....... Scheidcanstalt .. Alla- ElektrtzttÄS-Geseüschaft Bergmann . . ....... MawkraftwerLe Schuckert . Siemens .811 0.80 0.82 0.805 0,815 0,7807 0.775 0,76 0,7707 0.75 0.90 — 0.89 0.495 — 0.4907 _ 0,76 0.7607 0,755 0,75 —• — — — — — — 0,74 99 - — — — — — — | 17,75 | 17,9 18 _ 1 46,5 — 279,5 276,5 277 193.5 194 193.5 193.5 264 261' Z63 260 186.25 185,25 187,25 186 113.5 — 178 178.5 177.5 178 180 178 175 176,5 155 — 155,5 157 8,25 8.35 — 8.2 — — — — 168 169 168.4 168.62 117.4 114,75 115,25 115 — 168 169.25 169,5 168,75 171 170,5 171 170,12 190 187,5 191 187.75 119 148 149 151.75 160.75 — 161.5 161 87 .— 88 85,12 116 — 117.5 116,25 134.5 133.25 134.4 133.5 219 213.25 219,5 213.5 187 184 185,5 182 100.5 — —» 152 149.5 150 149 183.25 179^51 182 178,5 176.75 174 175,5 173 — — — 128.5 — — _ 163 - 162 — — 111 - ■W - 341.75 338 340 339 143,5 143 115,5 145 66 25 69 145,9 - 146.9 144,-25 186,5 184.75 166,5 167 165 167 162.5 162 164 164,75 110.12 — w 156.5 — 155.75 — 205 205 205,5 204 118.12 115.5 116 117 114,5 113,75 115 114,75 39.5 - 54,25 — 57 — — — 42 — 16 — _ _ 54.75 — — 186.75 184 — — 127.5 — 126 — 68 — 66,5 2.2 — 4,25 — 224 — 226 —— 91,5 91 92,5 —— 112,5 — 113,75 — Devisenmarkt Berlin—Irankfurl cu M. Telegraphische Auszahlung. 16. Novbr. 18. Novbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Arier (Seid Brief Hrnft.-iHott. 168,33 168,72 168,25 168,67 Buen-AireS 1,707 1,711 1,705 1.709 Brff.-Antw 58,58 58,72 58,56 58,70 Christian!«. 105.52 105,78 109,21 109,49 Kopenhagen 112,15 112,43 112,15 112,43 ©tocftiolm . 112,23 112.51 112,23 112,51 Helstngfors 10,577 10,617 10,582 10,622 Atollen. . 17,21 17,25 17,90 17,94 London. . .'(>,406 20,458 20,410 20,462 Neuyork . . 4.207 4,217 4,208 4,218 Pari«.... 14,03 14,07 14.58 14,62 Schweiz . 81,13 öl,33 61.14 81,34 Spanien . 63,62 63,78 63,94 64,13 Japan . . . .',060 2. <164 2,063 2,067 ötto de Jan Wien in®.; u.562 a.564 0.542 0,544 Oest. abgest 59,27 59,41 59,29 59,4 > Prag ... Belgrad . . 12. 4j (2,49 12,457 12,497 7,425 7,445 7.425 7,44u Budapest. . j,893 5,913 5.894 5,914 Bnlaariev 3,039 3,04!' 3,032 3,04z Lissabon 21.625 21,675 21,525 21,575 Daruig - . Konstantin- 81,47 81,67 81,53 81,::: .'.121 J.131 4,212 4,222 Sltbrn 5,24 5,26 4,175 4,185 Canada. . . 4,21 4.22 2.12 2.13 Uruanan . 4.175 . Bc 4.185 intnote 5.22 TL 5.24 Berlin, 16 Novbr Geld Bries Amerikanische Nolea ..... 4,196 4,216 Belgische Noten........ 58,42 58,72 Dänische Noten ....... 111,87 112,43 Englische Roten........ 20,37 20,47 Franzönschr Noten...... 14.08 14,16 Holländische Noten .... 167,93 168,7? Italienische Noten...... 17,19 17,27 Norwegische Noten...... 106,28 106,82 Deutsch-Oesterr., 5100 Kronen 59.05 59,35 Rumänische Noten...... 2,29 2,83 Schwedische Noten..... 111,97 112,50 Schweizer Noten...... 80,92 81,32 Spanische Roten ...... 63J4 63,76 Tschechoslowakische Note» . . 12,428 12,480 Ungarische Noten ...... 6.855 5.895 Kran furter Börse. Frankfurt a. M., 18. Rav. Tendenz: schwächer. — Die Zurückhaltung und L u st l o f i g - feit hielt auch heute an, ohne daß irgendwelche neue Momente vorlagen. Abgesehen von einigen Spezialwerten, die gefragt blieben, ist die Stimmung als unsicher zu bezeichnen. Vorbörslich waren die Kurse gehalten, dann traten Schwankungen ein, und bei Beginn des amtlichen Verkehrs wurde die Tendenz auf neue Realisationen schwächer. Im Verlaufe traten empfindliche Kurseinbußen ein, die die Höhe von 4 bis 5 Prozent erreichten. Der Montan markt hatte die schärfsten Rückgänge aufzuweisen. Mannesmann minus 6,25, Mansfelder Turnen, Sport und Spiel. Aus dem Turngau Hessen. ft Eine gut besuchte Vorturner stunde des 4. Bezirks im Turngau Hessen der 2. T. fand am Sonntag in der großen Spießturnhalle zu Lauterbach statt. Die nach dem Turnplan für das Jahr 1927 vorgesehenen Ordnungs-, Frei- und Geräteübungen wurden durchgeturnt und fanden bei den Vorturnern gute Aufnahme. Rach zweieinhalbstündiger Arbeit wurde die Stunde durch Bezirks- turnroart Bastian- Alfsfeld geschloffen. Hierauf fand der übliche Vorturnertag statt. Beschlossen wurde hierbei, dem Turnverein Burg-Ge- münden das Winter - Gerätewetturnen zu übertragen. Dieses findet am 13. Februar 1927 statt. Als Festort für das im nächsten Jahr am 12. Juni stattfindendc B e z i r k s f e st wurde Grebenau gewählt. Nachdem Bezirksturnwart Bastian noch in einer Rede die Bedeutung des deutschen Turnens geschildert und dabei mit Freuden festgestellt hatte, daß im 4. Bezirk sichfünfneueTurnvereine gebildet haben, schloß die sehr anregend verlaufene Tagung. Handball im Gau Hessen der D. T. Männer-Turnverein Gießen — Turn- und Sportverein 1860 Marburg 3: 4 (2: 2). Am Sonntag weilte die erste Handbcckl- maimschaft des Gießener Männer-Turnvereins in Marburg, um gegen die gleiche Mannschaft des-dortigen Turn- und Sportvereins von 1860 ein fälliges Derbandsspiel auszutragen. Beide Mannschaften waren gleichstark. Bei der Mannschaft der Männerturner war der bewährte Mittelläufer zunächst fast zur Passivität verurteilt, um nach Verlauf einiger Minuten sein Spiel ganz einstellen zu müssen. Wurde hierdurch das Zusammenspiel schon etwas gestört, so erlitt es einen noch kräftigeren Stoß, als auch der Mittelstürmer, ebenfalls eine Stütze der Mannschaft, das Feld verlassen mußte. Sein 011x6= scheiden beruht auf einer zu harten und einseitigen Entscheidung des Schiedsrichters, der unfaires Spiel nicht genügend unterband. Mit 4: 3 blieb Marburg einwandfrei, wenn auch mit großem Glück, Sieger. Tv. Alsfeld I — TV. v. 1846 Gießen ll 4:0 (1:0). Auf dem Waldsportplah trafen sich am Sonntag obengenannte Mannschaften zum fälligen ^-Klassen-Verbandsspiel. Die eifrigen Alsfelder errangen einen verdienten Sieg, obwohl 1846 nicht schlechter war. Verantwortlich für die Niederlage ist allein der Sturm mit seinem zu schwachen Torwurf. Bezeichnend für seine Schuhschwäche war, daß er von 12 Strafwürfen (16,50 Meter) keinen verwandeln konnte. Beide Mannschaften, die sich im Feldspiel ebenbürtig waren, fanden in Turner S l a w i tz k y vom Mtv. Gießen einen gerechten Schiedsrichter. Die Kreismeisterschaftsspieie im Arbeiter-Turn- und Sporlbund. £ Die Spiele am Sonntag brachten bezüglich der Sieger keine äleberraschung. In H a n a u gelang es dem V. f. L. 19 13 Bornheim in einem allerdings überraschend torreichen Treffen, den Platzverein 6:5 niederzuringen. Die guten Leistungen der Bornheimer hätten einen größeren Torunterschied verdient, — Die Tuncer Mörfeldens stellten sich in Wiesbaden dem dorttgen V. f. R. und gewannen reichlich hoch, aber doch erwartungsgemäß 4:0. In einem spannenden Kampf konnte Gießen über Friedberg, wie schon berichtet, 3:2 triumphieren. Rach diesen Spielen stehen V. f. L. 1913 Domheim und Mörfelden mit je vier Punkten an der Spitze, dann folgt Gießen mit drei Punkten, Hanau mit einem Punkt und Friedberg und D. f. R. Wiesbaden mit je 0 Punkten. Weitere Resultate. Heuchelheim I hatte am Sonntag Butzbach I zu Gast und konnte nach überlegenem Spiel ein 5:l°Resultat herausholen. Auch das Spiel der zweiten Mannschaften endigte mit einem Sieg der Einheimischen, beim Schlußpfiff stand die Partte 6:2 für Heuchelheim. Mit einem kaum glaublichen Resultat schickte Raunheim I die erste Mannschaft Marburgs nach Hause. In dem glatten schlüpfrigen Boden fühllen sich die Raunheimer in ihrem Element und überfuhren dank ihres ganz vorzüglichen Stellungsspiels die Gäste 12:0! — Etwas gnädiger verfuhren die zweiten Mannschaften. Marburg trat nur mit 9 Mann an und mußte dies mit einer 4:1-Riederlage bezahlen. In W i e s e ck hatte die Jugend F r o n h a u - jene gegen die dortige Jugend einen sehr schweren Stand. Die Wiesecker Jugend verfügt über reiches technisches Können und drückte dies in einem 8:0- Refultat aus. Fuhball-Städtekampf Hamburg - Berlin. Das Jubiläums- Fußballspiel der bea)... Städtemannschaften von Hamburg und Berlin brachte gestern den Hamburgern einen 7: 4- (Halbzeit 3:2) Sieg. Das Spiel war sportlich und gesellschaftlich ein Ereignis. Beide Städte hatten ihre besten Vertreter entsandt, die sichtlich bemüht waren, unter Beobachtung sportlicher Fairneß ihr volles Können zu zeigen. Berlin hatte den technisch besseren, schnelleren und beweglicheren Sturm, war aber auf dem Mittelläufer Posten schlechter besetzt und durch Einstellung eines schwachen Ersatzmannes für den vorzüglichen Götze weiter stark benachteiligt. Hamburg Elf hatte während des größten Teils- §er ersten Halbzeit das bessere Ende für sich. Der Berliner Torhüter Götze (Herth. B. S. C.), der nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Harder und Warnecke schwer v e r -- letzt vom Platz getragen werden mußte, ist, ohne die Besinnung wieder zu erlangen, in ein Hamburger Krankenhaus eingeliefert worden. Fuhball-Repräsentativspie! Berlin - Südschweden. Etwa 18 000 Zuschauer wohnten gestern in Berlin dem Fußball-Repräfentattvspiel Berlin- Südschweden bei, das die Berliner nicht ganz verdient mit 1:0 (1:0) gewannen. Drei-SLädlekamps im Kunst- turnenHamburg-Leipzig-Berlin Leipzig siegreich. Der in dem ausverkauften Zirkus Busch in Hainburg gestern veranstaltete Dreistädtekampf im Kunstturnen Hamburg—Leipzig—Berlin endete mit dem knappen Sieg der Leipziger, die mit 233(5 Punkten Hamburg nur knapp (2326 Punkte), Berlin jedoch ziemlich überlegen (2238 Punkte) schlagen konnten. S d) m i b t (Hamburg) erreichte von allen Turnern mit 314 Punkten die höchste Punktzahl an allen sechs Geräten. B o r a tz (Hamburg) folgte ihm mit 310 Punkten, Settermann (Leipzig) mit 308, an fünfter Stelle bann Mock (Berlin) mit 302 Punkten. Die höchste Punktzahl von Einzel geräten erreichte Pfeifer (Hamburg) im Pferd Längssprung mit 59 Punkten. Handbaü-Stadlespiel Hamburg-Berlin 2:8. Unerwartet hoch wurde gestern Hamburg^ Handballvertretung von der repräseickattven Berliner Turnermannschaft geschlagen. Dem Spiel, das auf dem Tiergartensportplah in Berlin vonstatten ging, wohnten mindestens 7000 Zuschauer bei. Den Torreigen eröffnete Münzberg (Berlin) durch zwei ganz kräftige Erfolge, denen L o r e f e gleich noch einen dritten anreihte. Erst dann kam Hamburg durch Knoop zum ersten Tor. Halbzeit 3:1 für Berlin. Rach dem Wechsel stellte L o r e k e das Ergebnis zunächst auf 4:1. Hamburgs Rechtsaußen Böschke schoß dann ein zweites Hamburger Tor, womit Hamburgs Kunst zu Ende war. Durch vier weitere Tore der Berliner wurde das Ergebnis auf 8:2 für Berlin gestellt. und Rheinstahl je minus 3,75, Harpener minus 3,5, Phönix und Rheinische Braunkohlen je minus 3, Riebeck minus 2,75, Bochumer, Gelsenkirchen und Stahloerein je minus 1 Prozent. Am Chemie- markt verkehrten J.-G.-Farben lebhaft aber schwankend. Der Kurs war zunächst mit 341 bis 340 gehalten, senkte sich dann jedoch um 4 Prozent. Scheideanstalt minus 2, Goldschmidt minus 3, aber Holzverkohlung plus 1,75 Prozent. Elektro- werte schwächten sich um 1 bis 3 Prozent ab. Siemens waren stärker gedrückt und verloren 4,25 Prozent. Auch am Bankenmarkt setzten die Kurse bedeutend niedriger ein. Berliner Handel, die am Donnerstag auf 287 Prozent gestiegen waren, erlitten einen Rückschlay von 7,5 Prozent. Commerz- und Reichsbank je minus 1, Darmstädter minus 3, Deutsche minus 2,5, Metallbank minus 4, aber Dresdner plus 1 Prozent. Disconto zunächst gehalten. Am Schiffahrtsmarkte büßten Hapag 3,2 und Nordlloyd 2 Prozent ein. Interesse bestand für Schantung, die auf 16,25 anzogen. Bon A u tarn e r t e n konnten sich Daimler infolge der Finanz- pläne Daimler-Benz auf 115 Prozent befestigen. Kleyer gaben dagegen 1,5 Prozent nad). Zelist o f f a k t i e n strebten weiter nach oben. Aschaffenburger plus 2, Waldhof plus 2,75 Prozent. Zuckeraktien schwächten sich um 0,5 bis 1,5 Prozent ab. Bauaktien wenig verändert. Holzmann schwächer. Von sonstigen Jndustriepapieren verloren Metallgesellschaft 2 Prozent. Deutsche Renten lagen lustlos. Von ausländischen Renten wurden Ungarn etwas höher. Im weiteren Verlaufe blieb die Tendenz unsicher und schwach, zumal das Geschäft zeitweise stagnierte und sich fast nur auf die Spekulation beschränkte. Publikums- orders lagen nicht vor. Am Geldmarkt hält die Flüssigkeit an. Tagesgeld 4,5 Prozent. Privatdiskonten waren auf 4,5 Prozent ermäßigt. Monatsgeld 5,25 bis 7 Prozent. Jndustrieakzepte 4,90 bis 5 Prozent. Im Deoisenoerkehr war Paris S London wesentlich gebeflert auf 141, auch md gut erholt auf 114. Das englische Pfund stellte sich auf 4,851/1® gegen Kabel. Die Mark notierte gegen Neuyork 4,2127. Be- . v Börse. Berlin, 18. Roo. Das schon seit Tagen ruhige Geschäft an den Aktienmärkten kam heule nur zögernd in Gang und blieb auch später recht schleppend. Während der ersten Stunde überwogen leichte Abgaben, so daß die 51 u r j e an den Terminmärkten abbröckelten. Einige oisher bevorzugte Papiere gaben bis zu 7 Prozent nach, insbesondere Schiff- sahrts- und Bankaktien, während an den übrigen Märkten die Abschläge kaum mehr als 1 bis 2 Prozent betrugen. Eine Ausnahme in der schwächeren Haltung bildeten Maschinenwerte und ausländische Renten, die freundlich verkehrten. Im übrigen war jedoch irgendwelche Unternehmungslust anfangs nicht zu beobachten. Die schwächere Stimmung an den Aktienmärkten drückte auf die Tendenz der Nebenwerte. Anlaß zu der Zu- rückhaltung der Spekulation und des Publikums dürften die Berichte der Großbanken gewesen fein. Die Aufmerksamkeit der Börse verschob sich daher weiter zugunsten des Rentenmarktes. Bei dieser Situation vermochte auch die Flüssigkeit des Geldmarktes keinerlei Anregung zu geben. Tagesgeld war kaum unterjubringen. Die Herabsetzung des Privatdiskontsatzes hat kein Anwachsen des Angebots bewirken können. Im Devisen- verkehr waren Paris und Mailand gegen London stärker befestigt auf 140 bzw. 113,75. Oslo zog gegen das Pfund auf 18,68 an. Auch Madrid lac freundlich mit 31,84 gegen das Pfund. Die übriger Valuten waren nicht nennenswert verändert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 18. Rov. Cs wurde:, notiert: Weizen, Wetterauer 29,25 bis 29,50, Roggen, inländ. 24,50. Sommmergerste für Drau- Zwecke 24 bis 26,50, Hafer, inländ. 19,75 bis 20. Mais, gelb 19,75, Weizenmehl, inländ., Spezial C 41,50 bis 41,75, Roggen mehl 35 bis 35,75, Weizen- kleie 11,25 bis 11,50. Roggenlleie 11,50. Tendenz abgeschwächt. Frankfurter Schlachtvichmarkt. • Frankfurt a. M., 18. Nov. Auftrieb: 59 Rin der, dahinter ein Bulle, 56 Kühe, 2 Färsen: 602 Kälber: 731 Schafe: 342 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 74 bis 86 Mark: mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 73, geringe Kälber 50 bis 63, — Schafe : Mastlämmel und jüngere Masthämmel (Weidemast) 37 bis 42, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gul genährte Schafe 30 bis 36; fleischiges Schafvieh 25 bis 29. — S ch w e i ne : vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 76 bis 78, von etwa 200 bis 240 Pfund 76 bis 78; von etwa 160 bis 200 Pfund 76 bis 78; fleischige Schweim von etwa 120 bis 160 Pfund 72 bis 75 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Sd;afe bei lebhaftem Schweine bei langsamem Handel ausverkauft.