t» o rage nicht ablehnen dürfen. Von der Haltung der Regierung angesichts dieser ernsten Probleme werde die Haltung der Radikalen Partei abhängen. 3n Zukunft könne die Partei nicht ihre Rolle darin finden, ins Schlepptau ministerieller Kombinationen genommen zu werden, ohne eine führende Rolle zu spielen. Hinsichtlich des Finanzproblem es heißt es in der _ Erklärung Sarrauts. die Partei bleibe davon überzeugt. dah die wirkliche und endgültige Wiederherstellung d-es Franken untrennbar sei von zwei beherrschen'en Bedingungen: den Appell an das erworbene Vermögen und an den erworbenen Reichtum, und der tiefgehenden Erneuerung des französischen Produktionssystems. Man müsse aber auch versuchen, zu einer internationalen Kontrolle der Steuerhinterziehung und der Kapitalflucht zu gefangen. Alsdann bekennt sich das Schriftstück zur Fortentwicklung dw sozialen Gesetzgebung und zur Einheitsschule. Schließlich wird erklärt, daß man gewillt sei, Vrland in seiner Politik von Locarno und Thoiry zu unterstützen. Mit einem Appell an die Einigkeit innerhalb der Partei endigt die Erklärung. Auf dem Schlußpankett gab Präsident Sarraut noch folgende bemerkenswerte Erklärung ab: Zu der Stunde, wo die französische Krise eine stabile Währung und eine starke Regierung verlangt, können wir weder das eine noch das andere durchsetzen. Hier ist der Grund, warum wir das Wohl der ganzen Rationen über alles setzen und e i i e in Waffe n st i l l st a n d zustimmen, der in der gegebenen Stunde dem Wunsche des Landes entspricht. Aber die Partei darf nicht den Willen, die Leitung der Angeletzenheiten in ihre Hand zu nehmen, aufgeben. Sie muß daher entschlossen sein, s i ch eine'Mehrheit zu schaffen im Senat und ein energisches Dorgehen bei den kommenden Wahlen im Januar und in der Kammer durch die Rückkehr zum Kreiswahlrecht. Senator Sarraut brachte sodann den Wunsch der Radikalen zum Ausdruck, daß in der Zukunft Radikale und S o - 3 i a I i ft e n , ohne auf die Parteinteressen zu verzichten, die von der Demokratie angeftrebten Reformen gemeinsam durchsetzen. führung des von Der Reichsregierung Ende vorigen Sommers ausgestellten und inzwischen in Angriff genommenen Programms für Die besetzten Gebiete beziehen. 3n Berlin hat eine Vorbesprechung mit Den zustänDigen Ressorts über Die Vorbereitung Der Tagung stattgefunDen. Pressefreiheit im besetzen Gebiet. WSN. Landau, 17. Okt. Der Verlag und die Redaktion der hier erscheinenden Tageszeitung „D e r Rheinpfälzer" waren gestern vormittag nach Ncdaktionsschluß der Schauplatz einer Untersuchung durch eine Abteilung der französischen Gendarmerie. Die Untersuchung stand im Zusammenhang mit dem französischen Kriegsgerichtsrat Tropet. Der „Rheinpfälzer" hatte damals den Text dieses Interviews im einem Extrablatt bei einem hiesigen Zigarrenhändler anschlagen lassen. Das Extrablatt wurde in der Nacht zum Samstag von unbekannter Hand abgerissen. Die Abordnung hatte den Zweck, das unauffindbare Extrablatt wieder ans Tageslicht zu bringen. Die Personalien sämtlicher verantwortlichen Redakteure wurden ausgenommen. Gleichzeitig wurde der technische Betrieb etwa drei Stunden lang untersucht. Später sollten die Redakteure ein in französischer Sprache abgefaßtes Protokoll unterschreiben, was sie strikte verweigerten. Landtagsabgeördneter Bernzott, der Chefredakteur des „Rheinpfälzer", wird am Montagvormittag vernommen werden. Sttverberg und der Reichsverband der deutschen Industrie Wie wir bereits am Freitag melDeten, hat sich Der VorstanD Des ReichsverbanDes Der Deutschen SnDuftrie auf feiner letzten Berliner Sitzung auch mit Der bekannten Rebe Des Braunkohlen- inDustriellen Dr. Silver berg beschäftigt. Wenn Dabei Der Vorstand alle Bestrebungen begrüßt, Die geeignet sinD, Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern unD Arbeitern zu fördern, so lehnte er es Doch, wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, entschieden ab, Die von Dr. Silverberg empfohlene Parole zur DilDung Der Großen Koalition sich zu eigen zu machen, Da es nicht Aufgabe Des ReichsverbanDes ist, Parteipolitik zu treiben Der preußische Finanzminister zum Zohenzollernverg'eich. Dortmund, 18. Oft. (WD.) Sn einer öffentlichen Versammlung Der Demokratischen Partei behandelte Der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff u. a. Die Frage Der Auseinandersetzung mit Den Hohenzollern. Dem Dem ehemaligen König eingeräumten Wohnrecht sei feine praktisch-politische Bedeutung beizumessen. Snnen- und außenpolitische Gründe ließen eine sofortige Rückkehr des ehemaligen Königs nicht zu. Sede preußische Regierung werde Mittel und Wege finden, jeden Versuch der Hohenzollern, das an sie gezahlte Geld zum Kampf gegen die Republik zu verwenden, zu verhindern. Das Entscheidende des jetzt zustande gekommenen Vergleichs sei, daß nun endlich alle Hohenzollern in Die Reihe Der Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten, aiZ) Der steuerzahlenden, eingereiht seien. Die Unterwerfung der Opposition in Rußland. Berlin, 18. Oft. (TA.) Die MelDung über eine Verständigung zwischen Den Führern Der Opposition und Der Durch Stalin vertretenen Leitung Der kommunistischen Partei wird Durch eine Meldung Der Agentur Der Sowjetregierung bestätigt. Es heißt Darin: Die Oppositionsführer Sinowjew, Trotzki, Kamenew, Pjata - ko w, Sokolnikow unD IewDokimow haben eine Erklärung über ihre vorbehaltlose Unterwerfung unter sämtliche Entschließungen des 14. Parteikongresses unD unter die Beschlüsse Des Zentralkomitees unD der Zcn- tralkontrolllommission abgegeben. Sie verpflichten sich, Diese Durchzusühren und alle ihre Anhänger Dazu au zusordern, sämtliche um Die Opposition gebildeten fraktionellen Gruppen so'ort auf» zulösen. Sie erkennen an, daß sie Durch ihr jüngstes Vorgehen in Moskau unD CeningraD Die Entschließungen Des Zentralkomitees über Die Unzulässigkeit Der Diskussion verletzt haben unD verpflichteten sich, sich von Der rechten Schljapnikow-Gruppe aufs entschiedenste loszusagen unD jegliche Unterstützung fraktioneller Gruppen Der einzelnen Komiteesektionen, sei es Ruth Fischer, Maslow (Deutschland), Souvarine (Frankreich), HorDiga (Italien) aufzugeben. Die Unterzeichneten übernehmen Die politische Verantwortung für Die Handlungen ihrer Anhänger unD sprechen Die Hoffnung aus, Dah tatsächlich Durch Einstellung Der fraktionellen Kämpfe seitens Der Opposition Die Möglichkeit geschaffen wirD, alle reuigen Opposrtionsanhänger in Die Dartei wieder aufzunehmen. Sie erklären zum Schluß, daß sie sich verpflichten, Den Kampf gegen erneute Vorstöße gegen Die ParteiDisziplin in jeDer Weise zu unterstützen. 3. 4. 5. 6. iß die Anstrengungen Zurückfluten der Arber kommenden Woche das beiter vermindern werden. eines Lrgänzungsclals für 1. Oktober 1926 bis zum und die Festsetzung eines für die haushallungsaus- Rechnungsjahren 1927 und der Aufstellung die Zeit vom 31. März 1927 Höchstbetrages gaben in den 1928; (en Besteuerung oder des Monopols; zur Erhebung eines Zuschlages z ur Einkommensteuer, der 3 Prozent der zu entrichtenden Steuer nicht überschreiten darf und zur Aenderung der Llnkommen- befteuerung der ledigen Personen: zur Vereinfachung der Verwaltung und 3uftiz mit dem Ziel, Ersparnisse zu machen, insbesondere die Zahl der Staatsbediensielen herabzusehen; zu Verhandlungen über eine Anleihe bis zum Betrage von 30 Millionen Gulden. eine außerordentliche moralische Schädigung für die Bergarbeitergewerkschaften mit sich bringen mäste. Man hält es für möglich, daß die Anstrengungen Sie Bildung der neuen Danziger tteüerunq. Danzig, 16. Ott. (TU.) 3n dem offiziellen Kommunique über die Bildung der neuen Danziger Regierung heißt es u. a.: Die bevollmächtigten Vertreter der Deutschnationalen, des Zentrums, der deutschen Liberalen und der Deamtengruppe sind unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. S a h nt einig geworden, sich an der Neubildung der Regierung zu beteiligen. Die Parteien einigten sich grundsätzlich auf folgende Programmpunkte: Haupt- aufgabe der Regierung ist die endgültige Herbeiführung der Gesundung der Staatsfinanzen. Diesem Zwecke soll ein Ermächtigungsgesetz dienen, das dem Senat die Ermümtigung gibt, Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen: 1. zur Regelung des Zollverteilungs- schlussels; 2. zur Regelung der Einnahmen aus Dem Tabakverbrauch im Ivege der ind'.rek- Das Ermächtigungsgesetz soll am 31. März 1927 außer Kraft treten. Darüber hinaus sollen Maßnahmen für eine Kürzung der Beamtenge- hälter im Einvernehmen mit der Beamtenschaft getroffen werden. Die notwendige Regelung auf dem Gebiete Der Erwerbslosensürsorge soll außerhalb des Rahmens des Ermächtigungsgesetzes durch ein besonderes vom Volkstag zu beschließendes Gesetz erfolgen. Es ist zu erwarten, daß der Dolkstag im Laufe der nächsten Woche zur Wahl der Senatoren zusammentreten wird. Danzig hat nun also wieder eine bürgerliche Regierung. Kein Wunder, daß man die Deutschnationalen wieder herangeholt und auf bie weitere Mitwirkung der Sozialdemokraten verzichtet hat, nachdem die sozialistische Mißwirtschaft den Freistaat Danzig oeinahe um jeden Kredit gebracht und in eine tiefe Verschuldung hineinmanöveriert hat. Anläßlich der letzten Genfer Beratungen des Völkerbundes und Des Kampfes mit Polen um die Zollverteilung -zeigte sich mit erschreckender Deutlichkeit, wohin es mit Danzig unter dem maßgebenden Einfluß der Sozialdemokratie gekommen war, die wohl Schulden über Schulden machen und zurückgelegte Reserven verbrauchen konnte, dann aber mit ihrem Latein am Ende war, als es nun galt, das völlig zerrüttete Finanzwesen wieder in Ordnung zu bringen. Die nach Genf entsandte Danziger Delegation dürfte bittere Wahrheiten zu hören bekommen haben, sicherlich in der Richtung, daß man sich wohl überlegen mäste, ob es nicht bester fei, Danzigs finanzielle Selbständigkeit den Polen ausaufiefern, die auch mit einer derartigen Entwicklung stark gerechnet haben. Nun find die Sozialdemokraten wieder aus der Regierung hinauskomplimentiert und unter bie Mißwirtschaft ift ein Schlußstrich gezogen worben, hoffentlich ein enbgültiger. Es geht lebenfalls unter keinen Umftänben, baß Danzig, besten Position an sich schon überaus gefährdet ift, in finanzielle Schwierigkeiten gerät, bie, wie bie jüngste Vergangenheit zeigte, sehr leicht unangenehme Folgen haben können. Sache ber bürgerlichen Parteien, auch ber linksstehenben, wirb es fein, in Zukunft für ein georbnetes Finanzwesen zu sorgen. Letzte Anstrengungen der englischen Bergarbeiter. London, 18. Okt. (TU.) Die Exekutive ber Bergarbeitervereinigung in Nottinghamshire be» schloß bie Entscheidung ber Delegiertenkonserenz auf Verlegung ber Streikleitung nach Not- tinghamshire zu bestätigen. Der Beschluß kam ba- durch zustanbe, daß alle Delegierten, die für bie Wiederaufnahme ber Arbeit waren, bei ber Abstimmung ben Saal verlassen mußten, so baß 25 Delegierte den Saal verließen und nur 19 zuräckblieben. Der Grundgedanke für die Verlegung des Bergarbeiterhauptguartiers von London nach Nottingham ist auf den Antrag der Manfielder Arbeitervereinigung zuräckzuführen, wo eine linksradikale Organisation bie Ober- tjanb hat. Die Blätter bezeichnen den Feldzugsplan, ber von ber Exekutive ber Brgarbeitergewerk- schasten in ber fommenben Woche veranstaltet wird, als letzte verzweifelte Aktion. Don einer direkten Aufforderung an die Notstandsarbeiter, die Gruben zu verlassen, hat man abgesehen, weil die Nichtbeachtung einer solchen Aufforderung c 1 die l F bei ge- nur Kunst und Wissenschaft. Lin neuer Darmstädter Museumsdirektor. Die britische Reichskonferenz. London, 16. Oft. (Wolfs.) Auf der bevorstehenden Aeichskonferenz wird Großbritannien durch Baldwin, Vorsitzender der Konferenz, Lord Balfour, Sir Austen Chamberlain und Amerh vertreten sein. Andere Minister, wie z. D. der erste Lord der Admiralität, der Tür gehängt. Phantasten glauben, daß Deutschland einem Konflikt im Osten dieses oder jenes Winnen tonnte, aber vermutlich würde es delsamts werden an den Sitzungen teilnehmen, wenn die Fragen, an denen ihre Aemter inter= essiert seien, zur Erörterung kommen. Es wird erwartet, daß eine der ersten Fragen, der sich die Konferenz widmen werde, die auswärtige Politik betrifft Chamberlain wird wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche eine Erklärung über die internationale Lage im allgemeinen abgeben, worauf eine wichtige Debatte über das gesamte Gebiet der Lttrßenpolitik des britischen Wettervoraussage. Leichter Nachtfrost, tagsüber geringer Temperaturanstieg, nur zeitweise stärker bewölkt, durchweg trocken. bei de Die < 1926 durch ettnäW, 1, D' alS mit ' thelarisch mit einer ®arf ve 70 Quai* sie sind v- 2. In (Art. Sie 1. April geletzt. 3. Ebe gesetzt? ab die St cher als M schon sitzn twi nach § " frei yi plus Fr treibend der Häl wenn d von 400 die Vv gegeben die Tor seit bei btn. bett ruhe erzeugt. Die menschlichen Leidenschaften erloschen nicht wie das Licht, wenn man einen Kasten darüber deckt. Es ist wahr, dah Sowjetruhland sich selbst eingeriegelt hat, aber man hat auch von außen em Vorlegeschloß an dir sechzehn in sich trägt. Indem Deutschland erklärte, daß es sich den Forderungen dieses Artikels nicht unterwerfen könne, wahrte es sein Recht auf Neutralität. Aber niemand täuscht sich darüber, daß Erklärungen und Rechtsansprüche keine Stahlwände sind. Es kann auch nicht vergessen werden, daß wir uns noch eines regen Landsknechtlebens erfreuen, Abenteurer, romantische Raturen und Katttinar:er voll Tatendrang bei passender Gelegenheit ein Heldenschauspiel inszenieren und der Meinung sein würden, man müsse marschieren — ohne klare Vorstellung von Ziel und Richtung, aber irgendwohin. Die deutsche Politik darf sich nie toieber von einem Wirbelsturm überraschen lassen, und darum müssen ihre verantwortlichen Dirigenten anders als die Landsknechte, wissen, wohin sie zu gehen hat. Ihre Aufgabe muß es sein zu vermitteln und dafür zu arbeiten, daß Rußland zum Völkerbunde und der Völkerbund zu Rußland kommt." Zum stets aktuellen Thema »Die gefährdete Republik" finden wir in der DeutschenTages- Zeitung" unter dem Titel „Eine Rettung des Kapitols" folgende Glosse: „Die demokratische Republik ist in perpetueller Gefahr, küchenlateinisch ein Perpetuum mobile periculosum. Willst du die Gründe dafür erfahren, so frage nur bei holden Frauen an, als da z. D. ist — Tante Voß. Die spinöse alternde Dame schläft keine Rächt ob der Gefahr, in der sich ihr sozialdemokratisch empfangenes Adoptivkindlein befindet, denn eigene Kinder blleben thr versagt. Fruchtbar war sie nie, wie man sich heute noch jeden Tag durch einen harzen Blick in chre Spalten überzeugen kann. Fast sollte man glauben, fte halte ihr Adoptivkind kaum für recht lebensfähig. denn sie zittert, wenn auch nur ein Schatten aud der Vergangenheit drauf fällt. Und wenn der Schatten auch nur so groß ist, daß er gerade eine Briefmarke deckt. Es sollen bei uns löblicherweise neue Briefmarken emgeführt werden mit den Bildnissen großer deutscher Männer, Und auf der Zehnpfennigmarke soll Friedrich der Große, den der Engländer Carlyle als Friedrich den Einzigen bezeichnete, zu sehen sein. Da kräuselt 5"ante Voß ihre demokratischen Altjungferlippen ironisch, wie sie denkt: packt ihre ganze deutsche Geschich^s- unkenMnis dabei aus. Erstmal sei Friedrich gar nicht groß; Beweis zwei Gänsefüßchen Bismarcks. Dann war er, was das stets gut deutsche, stets chauvinistisch antiftanzöfische Herz der Vosstn besonders auswallen läßt, ein Franzosling. Well er französisch schrieb und parlierte? Das taten damals fast alle Souveräne, ober allein der große Friedrich schlug die Franzosen bet Roßbach. Und, sagt Tantchen, wenn schon Friedrich, dann doch auch Maria Theresia,! So denkt s.e über das Werk Bismarcks, von dem sie Wetter nichts zu kennen scheint, als jene zwei Gänsefüßchen, die sie vielleicht schon rein lautlich sehr Ieitungsschau. Zu dem eben im Preußischen Landtage angenommenen »Hohenzollernver gleich" schreibt Heinrich Rippler, der Herausgeber der „T ä g l. R u n d s ch a u" in seiner letzten Wochenschau u. a.: „Die eigentliche Trägerin des Volksentschei- des auf entlchädigungslose Enteignung der Für- sten war die Sozialdemokratie, und nunmehr ist unter einem sozialdemokratischen Minister.um und mit schweigender Zustimmung der Sozialdemokraten ein Vergleich geschlossen worden, der den Fürsten mehr zubilligt, als Urnen seinerzeit der Rechtsausschuß des Reichstags zugestehen wollte. Die Sozialdemokraten möchten zwar die Verantwortung für den Vergleich, der in so schrof'em Gegensätze zu ihrer monatelangen volksaufwühlenden Agitation gegen das Eigentum der dürften steht, ablehnen: aber die Kommunisten werden schon dafür sorgen, daß ihre auf sehr brüchigem Boden stehende Verteidigung tn den Arbeitermassen die schärfste Nachprüfung erfährt. Daran wird auch die heute einsetzende Werbewoche der Sozialdemokratie kaum etwas ändern: eher schon die außerhalb jeder Politik und außerhalb jedes auf Anstand haltenden gefellschaftlichen Verkehrs stehende Haltung der Kommunisten selbst, die bei jedem vernünftigen Arbeiter Ekel erregen muß. Der Kaschemmenunfug, den die Kommunisten in dieser Woche im Preußischen Landtage anrichteten, richtet sich selbst. Das war nicht Obstruktion im Paria- mentarischen Rahmen, sondern das Toben einer Dubokratie, die zu ihrer Opposition weder Geist noch Gesinnung noch Kenntnisse mitbrachte. sondern nur den Willen, durch Lärm und Skandal von sich reden zu machen. Mit dieser Budo- fratie aber ist die deutsche Sozialdemokratie monatelang Arm in Arm marschiert und hat sich von ihr das Gesetz des Handels, die Zeit des Aufmarsches, die Methode des Kampfes und sogar das von der Partei als falsch erkannte Ziel d.ttieren lassen. Selbst der „Vorwärts" „darf und muß heute sagen, daß der von der Sozialdemokratie in Verbindung und auf Geheiß der Kommunisten gewünschte Volksentscheid „fein pra.tisches Mittel war, um eine wirkliche Lösung heroeizuführen". Auch die Kommunisten hätten das ebenso gut gewußt, wie die Sozialdenrokraten. „Sie stellten die Forderung der entschädigungsttsen Enteignung ja nur auf," so schreibt der „Vorwärts", „weil sie glaubten, der Sc^ialdemokratie ein Bein zu stellen und jahrelang Agitation gegen sie treiben zu können." älnd well nun die Sozialdemokraten wieder ihrerseits den Kommunisten ein Bein stellen und ihrer Agitation entfliehen wellten, mußte das deutsche Volk Monate lang bis tn feine Tiefen ausgewühlt, der Staat erschüttert, der Sinn für Recht und Glauben unterwühlt und die deutsche Geschichte besudelt werden. Das ist die gerühmte „staatserhaltende Politik zur Festigung der Republik", wie die Sozialdemokraten sie in der Praxis auffassen. Der Agitation der Kommunisten, der sie auf Kosten des Staates zum Nutzen ihrer Partei entrinnen wollten, können ste aber doch nicht entfliehen. Sie wird im Gegenteil jetzt starker denn je einsehen, und der Bruderkrieg zwischen Sozialdemokraten und Komma- nitzen heftiger denn je entbrennen. Aus der Betrachtung des „Vorwärts" geht hervor, daß man auch in sozialdemokratischen Kreisen das wechselvolle Verhalten der Partei zur Fürstenabfin- dungsfrage, das nicht nur jeder Logik, sondern auch jedes Verantwortungsgefühles gegenüber der Gesamtheit entbehrte, als eine Kette von Fehlern ansieht. Wird man aus dieser Erkenntnis die Lehre ziehen, daß auch die sozialdemokratische Partei nicht auf die Dauer kommunistische Kon- kurrenzpolitik und Koal.tionspolitik mit den bürgerlichen Parteien nebeneinander und durchem- anber machen kann? Ute« aus'11 AH Sliema LiM deMN^ Hoches Gic & kos * n M 51 traut l 15, rote 2 8 bis 1°- ■Tomaten. 35 “ gSA: 0 Sluck 60 !;« 20 bi! Obet^f 10 bis 20, Gestrige lagestemperaturen: Maximum: 10,4 . Grad Celsius, Minimum: 0,4 Grad Celsius. Nieder- Staatssekretär für den Krieg, der Staatssekretär schlage: 1,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: für Luftfahrtwesen und der Präsident des Han- I 1,5 Grad Celsius. lieber den berüchtigten § 16 der Völkerbunds satzung. der vom Durchmarschrecht handelt, schreibt Theodor Wolff im „B e r I i n e r Tageblatt" im Zusammenhang m.t den augenblicklich aktuellen Problemen des Ostens: russischlitauischer Vertrag und Rußlands Politik im Fernen Osten u. a.: „Es zeigt sich doch, daß eine Politik, die Rußland möglichst isolieren will, ebenso wie die russische Politik, die sich eine Ausnahmestellung wahren möchte, in eine sehr ungewisse Zukunft führt. Bei soviel Mißtrauen, einer solchen Absonderung, kann die Wohlfahrt nicht gedeihen. Ob die ru: fische Politik nicht zu sehr und zu lange in unpraktischem Doktrmaris- mus, bombastischen Agitationsphrasen und herausfordernden Weltrevolutionsmanieren steckengeblieben ist, erscheint zum mindesten zweifelhaft. Es war ja sehr eindrucksvoll — und wir alle haben es amüsant gefunden — wenn Tschitscherin in Genua mit geistvollem Hohn die Gewaltigen ärgerte, und all die nach Genf geschleuderten Noten waren Meisterstücke einer aggressiven Stilkunst, aber was ist eigentlich dabei herausgekom- nien? Es scheint, daß auch die oppositionelle Führergruppe in Moskau sich diese Frage vorlegt und nach realistischen Methoden strebt, lllnd hat England an der antirussischen Strategie des Kabinetts Baldwin schon sehr viel Freude erlebt? Der russisch-litauische Vertrag, der gegen den Willen Englands den Zusammenhang der Randstaaten hindert, ist vielleicht nur eine kleine, nicht sehr wesentliche Enttäuschung, eine Unannehmlichkeit. Schlimmer ist, daß man durch die Absperrung die notwendige Entwicklung, die Auflösung der wirtschaftlichen Starrheit, den ilebergang vom allein selig machenden Monopoldogma zur allein satt machenden Handelsfreiheit verzögert und eine Atmosphäre dumpfer äln- Aus der Provinzialhauptstadt. G i e ß en , den 18. Oktober 1926, Die Schnake. Aus Kurts Aufsatzheft. Der lleine Kurt kommt mit leuchtenden Augen aus der Schule nach Hause. „Heute haben wir unfern Klassenaussatz zurückbekommen und ich habe eine glatte Eins," berichtet er strahlend den angenehm berührten Eltern. „Worüber habt ihr denn geschrieben," erkundigte sich der Vater interessiert. „Die Heber schri t hieß „Die Schnake", und ich habe zwei Seiten voll geschrieben!" — „Ja, Kurtchen, weißt du denn so viel von diesem lästigen Insekt, das hat man doch mit einem Sah erledigt!" — „Möglich, aber nicht mit einem Schlag!" entgegnete Kurtchen anzüglich, während ein spitzbübisches Lächeln über sein Gesicht huscht, „lind übrigens, wißt ihr, sollten wir ja auch keinen Personalausweis für die Schnake anfertigen, sondern wir sollten ganz einfach Erlebnisse mit Schnaken schildern, und ich hab' was Feines gewußt!" — „Kurt!" ruft der Vater entsetzt, dem es jetzt sehr heftig dämmert, „gib das Heft her!!" Und dann liest er seiner Frau vor: Die Schnake. Die Schnake ist ein Insekt, von dem man nicht weiß, wozu es geschaffen wurde. Hm den Hunger ber Vögel zu stillen, gibt es noch genug andere Insekten, und außerdem ist doch nichts an einem solchen Tier. Und Dlutsaugen kann ein Blutegel viel besser, und er tut es beim Menschen nur auf Wunsch und nicht so gemein Totf die Schnake, die gar kein Anstandsge ühl hat. Das einzig Angenehme ist, daß die Schnake surrt, und daß sie sich dadurch anmeldet. Aber der Ton ist so leise, daß man ihn nur hört, wenn es ganz still im Zimmer ist. Wenn eine lustige Gesellschaft zusammenfitzt, wie vorgestern bei uns an Vaters Geburtstag, kann man durch das Lachen und Reden die Warnung der Schnake nicht Hörem Nach dem Abendeffen durfte ich noch aufbleiben, und ich habe mich still in eine Ecke gesetzt, damit ich nicht so bald ins Bett geschickt wurde. Vater wollte gerade eine Flasche Sekt öffnen, als Tante Meta schrie: „Au! Was hat mich eben eine Schnake am Arm gestochen, und ich habe sie noch nicht mal erwischt!" — „Da kommt sie, Vorsicht!" rief Onkel Max und schlug nach der Schnake, die aber schneller eine Wendung aussührie als Onkel Maxens Hand, denn sie landete auf seinem Glase, daß es vom Stengel fiel. „Max, bist du ungeschickt," tadelte Tante Lisa, „das Glas ist zerbrochen und die Schnake lebt noch! Da, schwupps, schwupps!!" Tante Lisa schlug kräftig zu, auf Vaters Backe, der verdutzt dreinschaute, während wir alle laut lachten und die Schnake schnell fortge: logen war und nun um die Glühbirne flog. „So ein elendes Tier," seufzte Vater, indem er sich die rote Backe noch röter rieb, „wenn man an seinem Geburtstag Schläge bekommt, bekommt man sie angeblich ein Jahr lang jeden Tag. Das sind ja nette Aussichten für einen geplagten Familienvater! Warte, du infames Geschöpf" — er meinte damit aber nicht Tante Lisa, sondern die Schnake — „das sollst du mir büßen!" Vater wurde jetzt vom Iagdfieber ergriffen und sah immer nach der um die Dirne kreisenden Schnake. Daher sah er eine zweite Schnake nicht eher, als bis sie chn kräftig in die Hand gestochen hatte. Aber Tante Meta hatte sie beobachtet und schlug Vater in dem Augenblick kräftig auf die Hand, • als er infolge des Stiches zusarnrnenzuckte. Dadurch flog der Glasteller mit dem Früchtedessert um und die Früchte lagen nun auf dem weißen Tischtuch, während die Sauce Tante Meta und Vater ins Gesicht gespritzt war. Beide sahen so ulkig aus, daß unser Lachen nicht enden wollte. Die zwei Schnaken flogen aber weiter um die Glühbirne herum. Als Vater ohne Dessert im Gesicht das Zimmer wieder betrat, hatte er eine brennende Kerze in der Hand: „Jetzt paßt mal auf,“ sagte er, „wir drehen das Licht aus und stellen die Kerze in die Tischmitte, dann müssen sich doch die Biester die Flügel dran verbrennen!" Das wurde gemacht. Erwartungsvoll sahen wir alle dem Augenblick entgegen, der sich erst gar nicht einstellen wollte. Endlich kamen sie näher und näher, blieben aber immer in einiger Entfernung. Da riß Onkel Max und Tante Meta gleichzeitig der Geduldsfaden, und sie griffen so heftig nach den Schnaken, daß die Kerze umfiel und wir im Dunkeln faßen. Unmittelbar daraus folgten mehrere Schreie: Vater war aufgesprungen, um das Licht anzudrehen, wobei er Tante Lisa auf den Fuß trat, so daß sie vor Schmerzen schrie. Gleichzeitig hatte sich Onkel Max mit derselben Schnelligkeit erhoben und hat!« dabei seinen Kopf in so enge Berührung mit Vaters Kops gebracht, daß beide dicke Beulen bekamen und nun in Tante Lisas Geschrei einstimmten. Jetzt hörte man noch das Geräusch von zerbrechendem Glas, und als Vater endlich das Licht eingeschaltet hatte, stellte es sich heraus, daß Mutter und Tante Meta gleichzeitig nach der Kerze gegriffen hatten: Tante Meta hatte dabei ihr Glas umgeworfen und zerbrochen, während Mutter mit der Hand in die danebenstehende Deffertfchüfsel geraten war. Außerdem entdeckte Vater die eine Schnake in feinem Glase und sagte schadenfroh: „Das Infekt im Sekt!" llnb dann sagte er, sich die Beule drückend: „Für den Rest deS Abends lassen wir uns von den Schnaken zerstechen, denn eine weitere Schnakenjagd hält weder Mutters Gläservorrat noch mein Gesicht auf die Dauer aus!" Wiev.ele Stiche jedes noch bekam, habe ich aber nicht zählen lönnen, weil ich mich durch mein Lachen über Vaters Worte verriet und nun umgehend ins Bett geschickt wurde." Tacho. Die Bahnverbindung Frankfurt - Stockheim - Gedern Der Hessische Verkehrsverband teilt uns mit: Der beschleunigte Personenzug 76? ab Fra n k- f u r t a. M. 7.36 älhr abends erreicht, wie die Reichsbahndireltion Frank, urt auf An, rage mitteilt, in Vilbel den um 8.03 Ußr abends abgehenden Zug in der Richtung Heldenberg— Windecken und Stockheim, der an Sonn» und Feiertagen bis Gedern w.itergesührt wird und Anschluß nach Büdingen hat. Es ergibt sich bei Benützung des genannten BP- Zuges die Möglichkeit, die Abfahrt aus Frankfurt a. M. von 7.10 lllhr bis 7.36 Hfjr abends, also um fast eine halbe Stunde hinauszuschiebew Diese erfreuliche Ablürzung der Reifezeit von Frankfurt a. M. nach der Wetterau und dem Vogelsberg wird namentlich auch von den zahlreichen Sonntagsausflüglern lebhaft be» 1 grüßt werden. Um die Mandschurei. Rußland und Tschang Tso SSin. Moskau, 16. Ott. (Täl.) Wie aus Peking berichtet wird, find die Versuche der Sowjetregierung, den Konflikt mit Tschang Tso Lin beizulegen, endgültig gescheitert, da es nicht möglich war, in den Fragen der chinesischen Ostbahn und der Südmandschurischrn Dayn eine liebere infthnmung zu erreichen. Die j a« panische Regierung, die im Namen der Südmandschurischen Bahn an den Verhandlungen beteiligt war, verlangte, daß der Süden. und der ferne Osten für die japanis cheSied - lung freigegeben werden müßten. Außerdem müßte die Sowjetregierung ihre Politik in Korea und China ändern. Weiter wird berichtet, daß Tschang Tso Lin beabsichtigt, eine Kriegsflotte aus dem Sungarisluß zum Schutz gegen die Sowjetunion bauen zu lassen. Der Sungari ist der Grenzfluß zwischen der Mongolei, und der Mandschurei. Neue Lage in China. London, 18. Oft. (TU.) Aus Peking wird gemeldet: Der Zivilgouverneur der Provinz Tschekiang hat ftine Unabhängigkeit vom General Suntschuangsang erflärt und ist mit feiner Armee von 20000 Mann auf S cha n g - h a i marschiert. Die Drücken der Schanghai- Hankai-Eisenbahnen sind in die Luft gesprengt wprden. General Suntschuangfangs Truppen haben nach dem Abfall des Gouverneurs eine neue Stellung eingenommen, um den Vormarsch der Truppen aufzuhalten. Die Brücken in der Umgebung von Schanghai sind unterminiert, da man mit Kampshandlungen in Schanghai rechnet. Man vermutet, daß der Abfall des Befehlshabers zu einer entscheidenden Aenderung der Lage des Generals Suntschuang- sang führen wird. Der Fall von Schanghai wird unvermeidlich fein, wenn Suntfchuangfang nicht rechtzeitig Verstärkungen von Nanking erhalten sollte. Schweres Explosionsunglück. 1200 chinesische Soldaten getötet. Aus dem mit 1550 Soldaten der Armee Sun- fchuangfangs besetzten chinesischen Dampfer mohm I "Äuanfung“ explodierten Taufende von ^rihPririiQbilbnis auf der roten Zehn- Granaten und große Mengen anderer Muni- °l,° ausgerechnet auf der am meisten Hon. 12W Mann wurden durch dl- S$plofion ge- Wuchlich-n! schreit di- D°,sm. Aber st- weist. «Stet. Eine graste An;aht Ium in den Flammen wie die demokratische Republik auch da noch zu | um oder wurde ein Opfer der Fluten, retten ist. Sie erläßt etwas, was sie sicher für einen flammenden demokratischen Aufruf hält. Ungefähr io: „Die .Vaterländischen Verbände' wollen mit Hilfe der roten Zehn-Pfennig-Fridericus-Dries- marke die demokratische Republik unterhohlen. Aber , nr wir echten Demokraten werden das zu verhindern . Der Kustos Professor Dr August 5eigel wissen. Demokraten! Erinnert euch in dieser Stunde ^ Darmstadt wurde mit Wirkung vom l. Okt. höchster Gefahr für die demokratische Republik, daß 1926 an zum Erektor der Kunst-und historischen zweimal fünf gleich zehn ist. Rettet die demokratische Sammlungen des Landesmuseums Darmstadt er- Republik! Beklebt euch und eure Briefe nicht mit nannt. ber republiktötenden roten Fridericus-Zehnpfen- Ein TNammutzahn im Rhein gefunden, nigmarfe, sondern erinnert euch daran, daß zwei Anläßlich des niedrigen Wasserstandes des Fünfpfennigmarken dasselbe bedeuten wie Rheins fand ein junger Mann bei Speyer eine Zehnpfennigmarke. So sehr ihr sonst auch ge= einen Mammutzahn im Rhein, der 1,70 Meter rabe das Rot verschämt lieben mögt, bekennt euch mißt. Die vordere Hälfte fehlt jedoch. Nach in diesem Falle zum Grün. Es kann in Zukunft in ! seinem Durchmesser am Grunde mit 20 Zenti- den echt demokratischen Korrespondenz gar nicht Yetern ist zu schließen, daß der ganze Zahn grün genug hergehen. Und vergeßt vor allem nicht, ^ine Länge von 2,50 bis 3 Meter gehabt hat. was es demokratisch zu bedeuten hatte, wenn etwa Der Fund ist dem Historischen Museum der Pfalz gar eure echt demokratischen Zungen das Bildnis überlassen worden. eines Tyrannen, wenn auch nur auf ber Rückseite ___________ berühren würden. Das wäre Speichelleckerei einem Souverän gegenüber!" Und so wurde die demokratische Republik noch einmal gerettet! Dank Tante Vossens kapitolinischer Der wirtschaftliche Erfolq der Gesolei. Wachsamkeit, zu der sie sich be onders prädestiniert ' . ' 1 1 ’ f J- Gelegentlich des letzten Rundganges durch 1 ' * die „Gesolei" hielt Oberbürgermeister Dr. Lehr Zu dem neuesten sozialdempkratischen Gesetzes- «inen Dortrag in dein er u. a. ausführte, die antrag schreibt Schutze-Pfaelzer im „Sag": ^ftellung ßabe einen ©trom Don Oebendfreube, „Kaum sind die Sozialdemokraten die Hauptsorge Willenskraft unv Glauben an Deutschlands Zu- wegen ihres demagogischen Schuldkontos los, da kunft ausgelost, chre Besucher mit Zuversicht schwilll chnen auch schon wieder der Kamm, unb Schassenslust beseelt und auch die Hoch- Sie tun wenigstens so, als ob sie tem Reichstag achtung vor deutschem Geist u^^tscher Leistung ein Antihohen-.ollernge'etz abringen mochten. Da- ™ Glaube wied^h^rgestellü Die Aussiellungs- nach soll die Reichsregierung den Mitgliedern leitungreq-E damit, daßdieDesucherzahlsieben. ehemals regierender Familien das Heimatrecht emhalb Milllonen erreicht. Aus der Ausitellung versagen, „falls die Besorgnis gerechtfertigt ist, 1902 wurden fünf Millionen Besucher gezahlll daß andernfalls das Wohl der Republik ge° Dre Zahl der^ auswärtigen Besucher allein wird sährdet wird". Das erbärmliche Deutsch ist noch aus dreieinhalb QEiUtonen gcichatzt. Wahrend verlangst nicht das Schllmmsie. Wann ist die Repu- Ausstellung fanden 443 Tagungen und Kongresse blik gefährdet? Etwa, wenn Herr Scheidemann m Düsseldorf statt. Unter den Ausländern, die wieder einmal seinen Kotter bekommt. Der bei Düsseldorf besuchten, stehen an Zahl die Holder Linken alfbeliebte Vergleich mit dem fran- lande r an erster Stelle Ihnen folgen die zosischen Gesetz der letzten Republik gegen die Amerikaner. Die Handelskammer berichtet, Prätendenten ist völlig abwegig. Denn dort daß besonders vorteilhafte Abschlüsse nach hatten die Thronbewerber ofsizielle Ansprüche dem Aus la nde dre Folge dieser Besuche angemeldet und kämpften mit allen verfügbaren au$ dem Auslande sind. Heber die AZ.rtschaft- Mitteln gegen die gesetzliche Staatsform. Unsere lichkett der Ausitellung komren beweiskräftige Fürsten haben lediglich ihr Privateigentum zu- Zahlen erst m einiger Zeit beschafft werden. Er rückgefordert, das man ihnen auch nach der repu- d£lSte aber an einzelnen Beisp-telAi, wie das blikanischen Verfassung nicht vorenthalten durfte. Verkehrsgewerbe unzwerselhaft große Ge- Die Redensart von der Gefährdung der Republik Winne zu verzeichnen hatte. Die Auöstellungs- ist ja überhaupt das geistloseste Schlagwort, das lertung hat das Ziel, die erforderlichen Vor- dieses geistverlassene Zeitalter erdenken konnte. I sthusse aus den Einnahmen zu decken, erreicht. Würde man auf dieser phraseologischen Mischung Anfang Oktober hat sie den^Rest der Vorschulse von Dummheit und Heuchelei ein Ausnahme- ^uruckgezahlt. Sie steht völlig schulde n- geseh gegen bestimmte Gruppen von Staatsbür- f r e i da und yat toeber Steuer- noch Spar- gern aufbauen, so wäre der Rechtsbruch nicht faffengelber in Anspruch genommen. Die Aus- weniger arg als der Wunsch der Fürstenenteig- Stellung, die zwölf Millionen Mark kostete, hat nung. S e lb st verständlich weiß die Sozialdemokra- Illch selbst getragen. Dor allem haben tie gut genug, daß sie diesen Gesetzentwurf nie- 6500 Arbeiter fa st zwei Jahre lang mals zur Annahme bringen wird. Sie will also beschäftigt werden können. Auch die Kunst nur ihrer verhetzten und setzt enttäuschten Gefolg- und das Kunsthandwerk, die in anderen Städten schäft wieder etwas Sand in die Augen streuen. Aot litten, haben ansehnliche Aufträge erhalten, Gin politischer Schwindel muß fortzeugend immer Auch die im Rahmen der Ausstellung veran- wieder neuen Schwindel gebären." stattete Kunstausstellung hat wertvolle Verkäufe und gute Einnahmen buchen können. , Verlierer sein. Nach einer Niederlage Rußlands würde die politische Position Deutschlands sich sehr ungünstig verändern, und da die Westmächte schwerlich geneigt sein würden, militärische Erfolge der roten Armee als Schicksalsfügung hinzunehmen, würde schnell wieder die Durchmarsch frage auftauchen und der Wunsch sich äußern, uns in die üble Geschichte hineinzuziehen. Den Theoretikern des Pazifismus und denjenigen, die in ihrer Ungeduld nicht einen Augenblick lang auf der Völkerbundsschwelle warten wollten, erschien eS überflüssig, und fast als eine Beleidigung der Gottheit, daß hier immer wieder, zuerst und dann unablässig, auf die Gefahr hingewiesen Wurde, die der Arttkel j an. Oitobet 182«. ■ "«»AZ ich aX”?«*' b 'N und M £n^t.8$on ist so Ä?^ 2 Ä.unb Äibleh ■U «Ä nV T? ivurde. Sr i öfhw 1 Ä E und schlug „ach » «'ne Wendung M denn fit lan. Jom Stengel siel. Tante Lila. ?'€ Schnake lebt -II Tante Lisa •flaue, der txr- alle laut lachten 'M toai und nun rm elendes Tin- 'e rote -'M itinem Geburtstag man sie angeblich Das sind ja nette lrn Familienvater l - er meinte Kadern die Schnake - Dater wurde jeyt W) immer nach der ’nafe. Ia-er sah t, als biä [ie ifa itte. Aber Tante \6M 'Lain ui sie §Md, als et udle, Dadurch slvg «belfert um und die i weißen Mchtuch, leta und Tater ins laßen |o ullig aus, 1 wollte, Die zwei um die Glühbirne seit im Gesicht das er eine brennende t paßt mal auf," ,cht aus und stellen inn müllen sich doch verbrennen!" Dai voll Iahen vir alle - sich erst gar nicht nen sie näher und einiger Sntsernung, e Meta gleicW ilfen Io HM. nach umiiel und wir M darauf folgten weh' gesprungen, um da» Tante Lisa au Jk» c Schmerzen M ®aj mlt.W >e dabei seinen M aiers Kops gebracht. 'amen und'M m nmlen. W L , ^brechendem Glas, Licht emgeschaltek xr Kerze geflUfUa bei ihr Glas W fitenb WuUer mit nde Dellertlchu' e deckte Tater die und lagte M nnb bann faß*1 L" r°» ® % Ä5U* «b-ndAÄ^ 8.03 4»«\e^e / lU'lH •’ N unö 2o lefoui lernt Norn Land und: von die!' Tofi diese tichei in tr. ergän Entv Vie ' Ianvi lallen, heilen verlch glei svwv W M De als otx we et. lick uni M wie i 9en, und PöV im - Ulin tilfc sühn- R öer 6 an W1 Pllich Ai Dell! 40 2 der! als < diesen - 10 21 w reich, |vnd< 5tac Zelle, WU WM, MM VM. WM r«s Mlelmiis WW QMBesHeKffiEQÄBBBasHSBsiseBBrosK^seHMBMeaHHeeHeeeMBaöHeaaKBMÄHHroHB^ÄeÄeMewÄMÄHs™»™"*”^^^®^™^^”™-^^^” OTllt Heute Iah reu litt ich an einem sehr schmerz» 8542 D Cafe Astoria Flur XXII XXII Aecker 4 Vormittags 8/2 a) Leitung: Obermusikmeister W.L über Ecke Kaiserallcc. 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Zu den Nachmittags-Vorstellungen zahlen Jugendliche ermäßigten Eintritt — Außerdem: Die neueste „Ufa“-Wochenschau sowie ein lustiges Beiprogramm. hieran anschließend werden ein Grabstück im Asterweg neben dem Tiefbauamt und 2 Grabstücke in der Sonnenstraße ausgeboten, b) Nachmittags 2 Uhr Zusammenkunft in der Marburger Straße an der Gärtnerei Dönges. Bor der Gärtnerei Dönges Z-ZiMM.-Mti. mit Küche, vart-, a d. Dauer zu ver- Sicher Straße. Rechts der Licher Straße, vor zitätswerken. Uhr Zusammenkunft bei den Elektrlzitäts werken. Bahnhof. Uhr Zusammenkunft an der Kläranlage. : VIII In den Kläranlagen. mit Echudpenbtldung, Hlfcn und ^nlchwcllrn^n •Lte Dreimalige Anwendung Ihrer 35 % igen ’ Medizi"«' • Self*1' bat in einet halben Woche dar Leiden so gründlich Beteiligt, dah auch die nalürlicherweile zu erwartenden Rück, schlägr DU Beute garu au-geblleben sind. Bau. anttmann $).* i Std. 60 ®fg. 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Zu einer Zeit, als man in Deutschland noch ziemlich allgemein dem DöVerbünde und lernen Einrichtungen durchaus ablehnend gegenüberstand, legten bereits die deutschen Minderhettcn in immer dringlicherer Form dar, welchen entscheidenden Wert sie von ihrem Standpunkte aus auf Sie Mitwirkung Deutschlands in dem Bunde von Gens legten. Der Gedance, her fi'f bei ihren Vorstellungen leitete war ofscnsichtlich der, das) Deutschland nach Aufnahme in den Völkerbund und als Ratsrnttglred m der Lage sein würde, sich in viel ihrer Interessen anzunehmen als dies ohne Mitwirkung Deutschlands in dieser Körperschaft der Fall sein könnte. Nachdem Deutschland nunmehr Mitglied des Völkerbundes geworden ist und Sitz und Stimme im Rate desselben innehat. tritt naturgemäß die Minderheitenfrage in den Vordergrund des politischen Interesses. Diese Frage ist für die Heraufführung und die Sicherung eines wahren Völker- friedens die wichtigste, die es im politischen Leben der Gegenwart in Europa überhaupt gibt, und an ihrer gedeihlichen Lösung mitzuarbeiten, sollte Pflicht aller in Frage kommenden Nationen sein. Gibt es dvch in dem Europa, wie es nach dem Weltkriege geworden ist, nicht weniger ai8 40 Millionen Angehörige von Minderheiten, das heißt also erheblich mehr als es im Iahre 1914 der Fall war. An diesen Minderheiten ist D e u t s ch l a n d mit rund ■ 10 Millionen seiner Stammesgenossen beteiligt, selbstverständlich ohne die Deutschen in Oesterreich?- da diese ja keine Minderheit darstellen, sondern vielmehr die absolute Mehrheit in ihrem Staate bilden. Wie stellt sich nun der Völkerbund zu diesen nationalen Minderheiten? Die Satzung des Völkerbundes enthält keinerlei Bestimmung über diese Materie, im Gegensatz zu dem ursprünglichen Entwurf Wilsons, der weitgehende Rechte in dieser Hinsicht vorsah. Unter Ziffer VI der ergänzenden Abmachungen zum ursprünglichen Entwurf der Bundessahung des Völkerbundes, wie er der amerikanischen Kommission am 10. Ianuar 1919 vorgelegt wurde, hieß es wörtlich: „Der Völkerbund soll alle neuen Staaten veranlassen, sich zu verpflichten, daß sie allen Minderheiten der Nation und der Rasse innerhalb ihrer verschiedenen Iurisdiktionen genau die gleiche Behandlung und Sicherheit sowohl gesetzlich wie praktisch angedeihen lassen, die der Mehrheit der Nation und der Rasse ihres Volkes gewährt wird: dies ist die Vorbedingung ihrer Anerkennung als unabhängige oder autonome Staaten." Dieser oder ein ähnlicher Passus fehlt bezeichnenderweise in dem zum Beschluß erhobenen endgültigen Statut des Völkerbundes. Wohl aber befinden sich im Versailler Fri e den s v ert r a g, und zwar in den Artikeln 86 und 93. Bestimmungen, die die Verpflichtung Polens sowie der Tschechoslowakei zum Abschluß von Minderheits- schuhverträgen festlegen. Der am 28. Iuni 1919 in Versailles zwischen den Vereinigten Staaten, England. Frankreich, Italien. Iap-an und Polen abgeschlossene Vertrag stellt den ersten nach dem Weltkriege errichteten Minderheitenschuhvertrag, dar. der unter die Garantie des Döllerbundes gestellt wurde. Dieser Vertrag, nach dessen Muster auch derjenige rnit.der T s ch e ch 0 - 1 5owakei sowie einer ganzen Reihe von anderen Staaten abgeschlossen wurde, ist gewissermaßen der Mustervertrag für den gellenden internationalen Minderheitenschutz durch den Völker- bund und verdient als solcher entsprechend gewürdigt zu werden. Der materielle Inhalt dieses Vertrages wird den berechtigten Ansprüchen der in Polen lebenden nationalen Minderheiten vollauf gerecht insbesondere auch der deutschen Minderheit der in Artikel 9 ganz besondere, nur für sie bestimmte Rechte hinsichtlich des öffentlichen Unterrichtes eingeräumt werden. Der grundlegende Artikel des ganzen Vertrages ist der Artiiel 2, der folgendermaßen lautet: „Die polnische Regierung verpflichtet sich, allen Einwohnern ohne Unterschied der Geburt, der Ratio- nalität, der Sprache, der Rasse und der Religion vollen Schuh ihres Lebens und ihrer Freiheit zu bewilligen. Alle Einwohner Polens haben Line 5tunde mit R. M. Rilke. „Einer Annäherung gegenüber ist er der zurück- h'altendfte und schwierigste Mensch, den es geben kann. Wer wenn es Ihnen nur ein wenig gelungen ist, diese Mischung von Schüchternheit und äußerster Höflichkeit, mit der er sein inneres Leben wie mit einer Schutzhülle umgibt, zu durchdringen, so werden Sie in ihm den ungewöhnlichsten und köstlichsten Plauderer entdecken, einen Menschen, der sich auf der Grenze zwischen dem Wirklichen und dem Geträumten befindet. . Mit diesen Worten leitete Maurice Sch, der llebersetzer Rilkes, die Schilderung der Begegnung ein, die zwischen dem Dichter und dem Chefredakteur der so rasch berühmt gewordenen „Nou- velles littsraires", Frädärik L e f ö v r e, vor einem Jahre in einem stillen und abgelegenen Restaurant des Montmartre stattfand, über die dieser aber erst jetzt einen Bericht in seiner Zeitschrift veröffentlicht. Es find darin zahlreiche Bemerkungen des Dichters über sich und sein Schaffen wiedergegeben, die auch für die intimsten Kenner seines Wesens und Dichtens neu find, so daß ein Auszug aus diesen Gesprächen den Freunden des Dichters willkommen fein wird. Mit fünfundzwanzig Jahren lernt Rilke Russisch und übersetzt, einfach zur Hebung, einen Roman von D 0 st 0 jewski, der ihn begeistert hat, eine lieber« setzung, die übrigens Manuskript geblieben ist. Dann lernt er während einiger Aufenthalte in Dänemark, Norwegen, Italien und Spanien die Sprache dieser Länder, macht sich mit ihren Literaturen vertraut und überträgt Werke, die ihn anziehen: Gedichte von Jens Peter Jacobsen, Sonette von Michelangelo und aus dem Portugiesischen die Briese der Nonne Marianna Alcoforado. „Seltsame Tatsache," sagt Rilke, „ich habe in wenigen Monaten Englisch gelernt, nur zu dem Zweck, um Browning im Original zu lesen, aber der Geist dieser Sprache erschien mir dann so sonderbar, daß, nachdem einmal meine Neugierde befriedigt war, ich sie in weniger als sechs Monaten so vollständig vergessen habe, daß ich heute das R^cht der freien öffentlichen wie privaten Ausübung jedes Glaubens, jeder Religion oder Glaubenslehre, deren Ausübung nicht mit der öffentlichen Ordnung und den guten Sitten unvereinbar ist." Wenn diese Bestimmungen, die durch eine ganze Reihe von weiteren Artikeln interpretiert und noch ergänzt werden, seitens Polen wirklich eingehalten würden, dann hätten die deutschen Stammesbrüder, die aus Grund des Versailler Friedensvertrages jenseits der Grenzen leben müssen, keine Veranlassung zu Klagen irgendwelcher Art. Obwohl der Vertrag unter der Garantie des Völlerbundes steht, sind seine Bestimmungen indes nicht gehalten worden, und zwar ohne daß der Völkerbund, beziehungsweise der Döllerbundsrat. deswegen eingeschrit- ten wäre. Das Recht dazu hätte er gehabt, und zwar auf Grund von Artikel 12 dieses polnischen Minderheitenschuhvertrages, in dem Polen ausdrücklich einwilligt, „daß jedes Mitglied des Rates des Völkerbundes das Recht hat, die Aufmerksamkeit des Rates auf jede Uefcertretung oder jede Gefahr einer -Uebcrtretung irgendeiner dieser Verpflichtungen zu lenken, und daß der Rat in der Weise Vorgehen und solche Anweisungen erteilen könne, wie sie den Llmständen entsprechend und wirksam erscheinen." Wenn der Dölkerbundsrat an den Beschwerden und Klagen der deutschen Minderhellen in Polen achtlos borübcrgegaugeii ist, so lag dies ganz einfach an dem ^Imstande, daß durch das Nichworhandensein Deutschlands im Völkerbunde kein Ratsmitglied da war, das als geborener Anwalt der Minderheiten ihre Sache im Völlerbundsrate verfochten hätte. In dieserHin- sicht ist durch Deutschlands Eintritt in den Völler- bund Wandel geschaffen worden. Bereits die erste Ratstagung, an der Deutschland teilnahm, hat den Beweis erbracht, daß sehr wohl etwas bei geschickter Vertretung erreicht werden kann. Sowohl tn die Memelländer wie in der Danziger Frage hat der deutsche Außen- Minister erfolgreich eingegriffen und eine günstige Lösung herbeigeführt. In der Anleihefrage des Freistaates Danzig trat dies ganz offensichtlich zutage: ohne Dr. Stresemanns Auftreten wären die Dinge für Danzig höchst ungünstig gelaufen, denn das Finanzkomitee hatte seine Vorschläge bereite entgegen den Anträgen des Freistaates Danzig formuliert. Angesichts dieses klaren Sachverhaltes ist es unverständlich, wenn immer wieder der Versuch gemacht wird, in bezug auf die deutschen Minderheiten die Mitgliedschaft Deutschlands tm Völkerbunde und Völkerbundsrat als völlig belanglos hrnzustellen. Zur Erhärtung dieser Ansicht stützt man sich dabei auf den bekannten Ratsbeschluß vorn 10. Iuni 1925. in dem hinsichtlich des Verfahrens in Minderheitssachen allerdings höchst unbequeme Bestimmungen aufgestellt wurden. Diese besagen, daß dem aus drei Ratsmitgliedern zu bildenden ..M inderheiten- komitee" kein Ratsmitglied angehören darf, das der in Frage stehenden Minderheit angehört oder „der Vertreter eines Nachbarstaates des Staates ist, in dem die Mehrheit der Bevölle- rung vom ethnischen Standpunkt aus demselben Volk angehört wie die Personen, welche der besagten Minderhell zugehören". Dieser Beschluß aus dem vorigen Iahre, dem man deutlich die Spitze gegen das damals noch nicht zum Völkerbunde gehörende Deutschland anmerkt, ist freilich nicht angenehm, aber der vorhin erwähnte Artikel 12 des mit Polen geschlossenen Minder- heitenschutz^ "träges wahrt trotzdem Deutschland bedeutende chte. die es bereit und gewillt ist, im Intercs e seiner Stammesbrüder jenseits der Grenze doll auszunühen. Im übrigen ist der erwähnte Ratsbefchluß selbstverständlich abänderbar, und er wird abgeändert werden, wenn die Minderheitenfrage in Europa in befriedigender Weise gelost werden soll. Daß Deutschland seinerseits gewillt ist, in bezug auf die Behandlung der nationalen Minderheiten in feinem eigenen Lande mit gutem Beispiel voranzugehen, beweist wohl am deutlichsten das Vorhandensein von Artikel 113 in der Reichsverfassung, auf Grund dessen die fremdsprachlichen Volkstelle des Reiches im Gebrauch ihrer Muttersprache tm Unterricht, in der Verwaltung und in der Rechtspflege nicht beeinträchtigt werden dürfen. Diese Bestimmung kam seinerzeit in die Verfassung, obwohl Deutschland seinerseits weder einen Minderhellenschutzvertraa unterzeichnet noch eine Deklaration in dieser Beziehung erlassen hat. Trotzdem die Zahl der Angehörigen der wirklichen völkischen Minderheiten in Deutschland verschwindend gering ist — haben sie doch trotz des freiesten Wahlrechtes nicht einen einzigen Abgeordneten im deutschen Reichstage—. wird ernstlich daran gearbeitet, den völkischen Minderheiten durch Gewährung der kulturellen Autonomie die freieste Möglichkeit zur Entsallung ihres Vollstums zu schassen. In diesem Sinne haben sich wiederholt deutsche Regierungsstellen, insbesondere auch der Außenminister Dr. Strcscmann. ausgesprochen. Auch auf der Konferenz der Interparlamentarischen Union im Herbst vorigen Iahres habe ich als Sprecher der deutschen Delegation zur Frage des Minderheitenrechtes diesen Standpunkt vertreten. Er ist für ein großes, selbstbewußtes Volk auch der einzig mögliche, denn nur er allein wird auf die Dauer erträgliche und gedeihliche Verhältnisse schaffen. Aufgabe des Völkerbundes wird es sein, im Sinne des ursprünglichen Wilsonschen Entwurfes der Völkerbundsatzung ein allgemein gültig es M i n d c r h e i t e n re ch t zu schaffen, das rechtsverbindlich für alle dem Völkerbunde an- geschlossenen Staaten fein muß. An der Schaffung eines solchen mitzuarbeiten, ist eine der vornehmsten Aufgaben, die Deutschland aus seiner Mitgliedschaft im Völkerbünde erwächst. Wenn dabei von Anfang an scharf unterschieden wird zwischen Slaatszugehörigkeit und Volkszugehörigkeit. dann ist bei gutem Willen aller Beteiligten diese große Aufgabe in befriedigender Weise zu lösen. Der Kurs des Kabinetts Pilsudski. Von unserem -8—Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) „Pilsudski hat vielerlei in seiner Laufbahn gewagt, manches mit Glück. Sein jüngstes Risiko aber übersteigt die früheren. Zum,mindesten aus dem Gesichtspunkt seines eigenen bisherigen Verhaltens betrachtet. Zum erstenmal nämlich will er — regieren. Ob das gut abgeht?" Diese Bemerkung eines Warschauer Chroni- queurs hat manches für sich. So sonderbar es klingen mag — tatsächlich hatte Pilsudski, dieser durch ein Iahrzehnt unausgesetzt in die Geschichte Polens bald konspirativ, bald legitim, mal politisch, mal militärisch eingreifende Mann, er. den man das Schicksal Polens nannte, bisher noch nie eine Regierung geleitet. Dieser unzweideutigsten Verantwortung und Besähigungs- probe war er absichtlich immer wieder aungeteilten. Wie oft hatte man dem abseits Stehenden, der mit Groll und Tadel die Vorgänge des öffentlichen Lebens verfolgte, zur Zeit der Präsidentschaft Wojciechowski angeboten, als Ministerpräsident es „selbst besser zu machen". Dazu hatte der Marschall jedoch niemals Lust. Ein nie Rhodas, hie salta! behagte ihm nicht. Und wie wars nach dem Staatsstreich? Auch jetzt lehnte Pilsudski es ab, als Staatspräsident sowohl wie als Chef der Regierung die unzweideutige Verantwortung für die große Linie der Staatsentwicklung oder für die politischen Tagesgeschäfte zu übernehmen, und schob lieber „seine Leute" vor für den Staatspräsidentenposten — Moscicki, für das Ministerpräsidium — Bartel. Daß hinter diesen „Wandschirm-Präsidenten" dennoch tatsächlich Pilsudski stand, daß ohne ihn leine entscheidenden Beschlüsse gefaßt werden konnten, wußte desungeachtet natürlich jedermann. Und das um so mehr, als Pilsudski ja andererseits auch nicht mäßig war. Indern er sich selber das Kriegsministerium vorbehielt und außerdem noch das Generalinspektorat der Armee speziell nach seinen politisch-militärischen Absichten für sich organisierte, behielt er das ausschlaggebende Instrument der Macht fest in der Hand. Diese Rollenverteilung war, wie insbesondere die letzte Sommersession des Parlaments zu erkennen gab, für längere Zell geplant. Die Regierung Bartel, die damals frisch und fest im Sattel saß, erftritt sich Sondervollmachten weitgreisender Art, die bis zur Konstituierung der nächsten neugewählten Sejms befristet wurden. Man erwartete chren Ablauf nicht früher als nach dem natürlichen Erlöschen der gegenwärtigen Kammermandate plus Auslösungs- und Wahlperiode, d. h. zum Februar 1928. Inzwischen sind die Dmge aber weniger glatt gelaufen. Voraussetzung dieses ganzen Planes tear nämlich, daß die Kammern jene ..Bastardierung" mitmachten, welche das Pilsud- skiregime für sie erfunden hatte: einen parlamentarisch maskierten Antiparlamentarismus. eine in die fadenscheinig gewordene Verfassung notdürftig verkleidete Diktatur. Zunächst ging». Die nicht eben viel Bürgerstolz vor Diltatorenthronen zeigenden Volksboten ließen sich zunächst tm Mai von Pilsudski abkanzeln, wählten den Präsidenten, den er zu wählen befahl, und bewilligten im Iuli die Ermächtigungen für die Regierung Bartel. Auf diese Weise regierte es sich natürlich am angenehmsten. Es geschah, was das Mai- tegime vorschrieb, das Parlament aber, zwar leise murrend, aber letzthin immer gehorsam, teilte durch seine Zustimmung die Verantwortung. Eine wahre „chambrc introuvablc". So braven Leuten zahlte man natürlich mit Vergnügen an jedem Monatsersten ihre Diäten, _ bei deren Abholung übrigens auch die unversöhnlichsten Frondeure niemals sehltcn, und von Kammerauflösung und ähnlichen Unerfreulichleiten war nicht im entferntesten die Rede. Ein Idvll! Und nun ist es jüngst doch gestört worden. Diese letzten Vorgänge sind ja ausreichend erinnerlich. Es war überflüssiger Eigensinn, zwei Minister, M 10 d 5 i a n 0 w s k i und Sujkote- s k i, deren das unterste zu ober ft kehrende nepotistische Personalpolitik ihre Ministerien desorganisierte und denen der Sejm, in einer Aufwallung toiebergefunbenen Selbstgefühls, baS Mißtrauen votierte, sofort noch einmal zu erkennen. Die Regierungspresse tat ein übriges an Dummheit, indem sie erklärte, solche Lumpen, wie sic im Sejm säßen, ließen sichs ja doch gefallen. Man brauche nur mit der Auflösung zu drohen: aus Furcht für ihre Diäten täten sie alles. Es war tlar, daß, wenn inan derartiges öffentlich sagte, selbst die servilsten Volksboten jetzt nicht mehr zurückweichen konnten. Der Sejm blieb, wie man weiß, bei seinem früheren Votum: das „Wandschirm-Kabinett" Bartel trat nun in corpore zurück, und Pilsudski zog dennoch vor, die Kammern nicht auflösen zu lassen. Statt dessen fand sich der Ausweg, daß erstens die Session geschlossen und damit eine alsbaldige nochmalige Begegnung zwischen Regierung und Parlameill vermieden wurde: zweitens aber bildete Pilsudski nunmehr selber ein neues Kabinett. Dabei hat er freilich das Prinzip, andere Persönlichkeiten vorzuschieben, auch jetzt nicht ganz fallen gelassen. Der bisherige Regierungschef Bartel wurde nunmehr als Stellvertreter des Ministerpräsidenten in die neue Regierung hin- übergenommen, und wie sich zeigt, soll er auch fernerhin die laufenden Regierungsgeschäfte führen. Insbesondere auf den unmittelbaren Verkehr mit dem Parlament will sich Pilsudski nicht einlassen. Wer diese Fragen ruhen ja ohnehin vorläufig bis Ende Oktober. Anfang Rovember, zu welchem Zeitpunkt eine neue Tagung zur Beratung des Haushaltes für 1927 zusammentritt. Immerhin ist eine Tatsache dennoch geändert. Die gegentoärtige Regierung trägt nun mal den Ramen des Marschalls, imb ihr Tun und Lassen, ihre Erfolge ober Mißerfolge werden von der öffentlichen Meinung nun unmittelbarer als bisher dem Inhaber der tatsächlichen Gewalt zu- geschrieben. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit zunächst auf eine außenpolitische Frage. War fie doch an ihrem Teil zur Begründung, warum die letzte Kabinettskrise so und nicht anders gelöst wurde, herangezogen worden. Es handelt sich um den russisch-litauischen Vertrag. Die Bildung eines Kabinetts Pilsudski, unmittelbar nachdem die Wilnaklausel jenes Vertrages veröffentlicht worden war, wirkte im Auslande ja geradezu als Demonstration dagegen. Sie war es auch gewiß zum Dell, und zwar zugleich nicht ohne innerpolitischen Grund: man lenkte die innere Spaimung ab durch die Hervorhebung der äußeren Gefahr. Aber andererseits ist nun dadurch eine andere Spannung im Innern geschaffen: die Spannung der Erwartung, daß in jener heiklen Oftfrage auch etwas geschehe, was sich Polen ins Haben buchen ließe. Dies zu erreichen aber wird weniger leicht fern. Und zwar aus folgendem Grunde. Riemand läßt sich weiß auch nicht ein Sterbenswörtchen mehr davon verstehe." Er ist tief davon überzeugt, daß jede Sprache ihre eigentümlichen Grundzüge und Ausdrucks- gefetze hat, die sie einem schriftstellerischen Temperament je nachdem angenehm, feindselig oder aleich- gültig machen. Eines Tages beklagte er sich Andre Gide gegenüber, daß es für das Wort „paume" kein gleichwertiges in der deutschen Sprache gebe, die wohl ein Wort besäße, um den Rücken einer Hand, aber keines, um das Innere derselben zu bezeichnen. „Ach," rief Rilke aus, „das, was Sie meinen, ist der Rücken der Hand, diese Oberfläche ohne Interesse, ohne Persönlichkeit, ohne Sinnlichkeit, ohne Sanftheit, diese Oberfläche, die so im Gegensatz steht zu der marinen, zärtlichen, sanften Innenfläche, worin das ganze Mysterium eines Menschen erzählt wird." Aber es war nicht das Wort „paume“, das Rilke zu der Entsä)eidung veranlaßt hat, in französischer Sprache zu dichten, es war das Wort „verger“. „Ein Anger, bepflanzt mit Obstbäumen, genau: weder Garten noch Wiese, oder vielmehr beides zugleich: die Bäume, der Gesang der Bienen, der süße Duft der Wiesenblumen, die Frische des Grases alles dies ausgedrückt durch ein leichtes, zugespitztes und doch kräftiges Wort, wie ein Gedicht von Francis Jammes," rief Rilke aus, „wie sollte ich nicht versucht haben, in dieser Sprache zu dichten?" Und so setzte er das Wort natürlicherweise auf ein kleines Heft französischer Verse, die er eines Tages dem großen französischen Dichter Paul Balsry anvertraute: dieser übergab sie dem Verleger Gallimard, der sie vor kurzem veröffentlichte. „Rußland," so antwortete RUke auf die Feststellung, daß man aus den „Aufzeichnungen des Dialte Laurids Bringe" seine Liebe für dieses Land vermuten müsse, „Rußland habe ich im Jahre 1900 entdeckt, und ich gestehe, daß dieses das wichtigste Ereignis meines Lebens war. Meine Ankunft in Moskau hat in mir ein unauslöschliches Gedenken zurückgelassen. Die Menschen lebten da wahrhaft m dieser Abgeschlossenheit des Wesens, in der jeder eine besonoere Welt in sich trägt. Jeder formte sich, allein mit sich selbst. Und während der denkwürdigen Nächte in Moskau hat sich mir eine neue Welt, eine andere Menschheit erschlossen, von da an begann alles für mich von neuem. Tolstoi habe ich in Jasnaja Poljana besucht. Wir waren gegen Ende des Morgens auf seinem Gute angekommen, und zur Stunde des Dejeuners hatte man uns in einen Salon geführt, als wir in einem benachbarten Zimmer eine heftige Stimme, Türenschlagen und mit Füßen stampfen hörten. Man hätte sich im Mittelpunkt eines kleinen Dramas glauben können, aber dieses Drama war nur das Dejeuner, und es wiederholte sich täglich. Die Tür wurde heftig geöffnet, und Tolstoi erschien. „Nein, ich will nicht frühstücken", rief er aus, indem er mit dem Fuße stampfte und wie in einem Kampfe mit bösen Geistern um sich schlug: gegen uns gewendet, die er zum ersten Male sah, schrie er, großartig in seiner Naivität, seinem Zorn, seiner Gewalt und seiner Ungeduld: „Wählen Sie: mit mir im Walde, in den Feldern spazierengehen, oder hier frühstücken wie Einfältige an einer Tafel mit Karaffen und Tellern!" Natürlich zogen wir, anstatt von Tellern zu frühstücken, den Spaziergang und den Wald mit Tolstoi vor." Auf die Frage, ob er in Rußland begonnen habe, die „Aufzeichnungen des Matte Laurids Brigge" zu schreiben, antwortete der Dichter: „Nein, viel später in Rom, und ich muß hinzufügen, wahrhaft unfreiwillig. Meine Werke drängen sich mir auf, und ich werde ihrer nicht Herr. Sie müssen reifen, und ich weiß selbst nicht, wann ich eines Tages gezwungen fein werde, sie nieder- zuschreiben. Es geschieht, daß ich Fragmente von Versen notiere, deren wahren Sinn ich erst lange nachher entdecke, und so yabe ich viele Jahre mit der Abfassung einiger meiner Duineser Elegien zugebracht, auf dieselbe Weise, wie ich andere Gedichte geschrieben habe, z. B. die dreißig Seiten des Cornels Christoph Rilke, die ich, ohne auch nur ein einziges Wort durchzustreichen, in der Begeisterung einer Nacht niedergeschrieben habe. Ich war damals weit entfernt davon zu ahnen, daß ich eines Tages das Tagebuch eines jungen, in Paris lebenden Dänen schreiben würde. Es begann in Rom in sehr unvermuteter Weise. Ich bewohnte ein kleines Künstleratelier in einem Park inmitten von Bäumen, und eines Tages begann ich Gespräche zwischen einem jungen Mädchen und einem jungen Mann niederzuschreiben, deren imaginäre Gesichter in mir umgingen. Nun, es geschah, daß der junge Mann sich anschickte, mit dem jungen Mädchen von einem dänischen Dichter zu sprechen, den er gut gekannt habe, einem gewissen Matte, der sehr jung in Paris gestorben war. Das junge Mädchen interessierte sich außerordentlich für ihn und wollte mehr von chm wissen. Auf diese Weise kam der junge Mann dazu, ihr zu gestehen, daß er von diesem Freunde gewisse Papiere besäße, die ihm nach dessen Tode übergeben worden seien, die er aber niemals gelesen habe. Das junge Mädchen bat, man möchte sie ihr zeigen. Einige Tage lang glückte es dem jungen Menschen, sie hinzuhatten, aber bald mußte ich mein Versprechen einlösen. Indem ich alles unterbrach, eilte ich damals nach Paris, wo ich die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge nieder- zuschrciben begann. Ich kann Ihnen noch sagen, daß ich beim Schreiben oft an den jungen norwegischen Dichter Sigbjörn Obstfelder gedacht habe." Im Verlaufe des Gesprächs, das ihm Gelegenheit gibt, auch seiner Beziehungen zu Rodin eingehend zu gedenken, erzählt Rilke noch die folgende reizende Anekdote: „Frau Rodin war sehr eifersüchtig, und ich habe die Erinnerung an einen daraus entstandenen Zwischenfall bewahrt. Eines Tages war Rodin frühzeitig weggegangen, ohne zu sagen, wohin, das Gesicht ganz erfüllt von einer fröhlichen Ungeduld. Unruhig beschloß Frau Rodin, ihm zu folgen. Am Bahnhof Saint-Lazare stieg der Bildhauer in den Zug, auf der dritten Station flieg er aus, immer aus der Nähe gefolgt von feiner beunruhigten Gattin, verließ er den Bahnhof, durcheilte einige Straßen mit dem sicheren Gange eines Mannes, der genau weiß, wohin er geht. Endlich ist er angekommen. Inmitten eines Platzes erhebt er die Augen. Rodin hatte ein Rendez-vous mit der Kathedrale von Chartres!" machen, daß die polnische Herrschaft über das Wilnagebiet durch den russisch-litauischen Vertrag unmittelbar bedroht worden wäre. Die ganze Absicht Moskaus und Kownos beschrankt sich ja darauf, die Welt daran zu erinnern, daß die Wilnafrage noch offen ist. Entsteht jetzt, wie unvermeidlich, ein polnisch-russischer Notenwechsel darüber, soll, wie das Außenministerium^ ankündigt, sich gar die Dezembertagung des Völker- bundsrates mit der Wilnafrage befassen, so wird damit wider Willen jene Absicht der Gegenseite nur unterstützt. Einen Erfolg wird man das schlecht nennen können. In einer zweiten, einer inneren Angelegenheit steht es nun gar iroch unerfreulicher. Hier kann „Polens stärkste Regierung", wie die Pil- sudskipresse das Kabinett des Marschalls nennt, sich sogar schon eine eigentliche Schlappe ins Konto buchen. Seit dem Juni dieses Jahres hatte die polnische Währung sich stabilisiert: der Zloty stand zwar 80 Prozent unter Pari, aber er stand vier Monate lang fest. Roch in der ersten Woche des Pilsudskikabinetts hat er jedoch einen Stoß erhalten, ilni) zwar war dies, sehr charakteristischerweise, weniger durch wirtschaftliche und währungstechnische Gründe verursacht als durch reine Stimmungsmomente. denen das Publikum unterlag. Der Dollar, der seinerzeit aus den Strümpfen herausgekommen war. flüchtete eben auf einmal panisch wieder in die Strümpfe zurück, und diese Angstnachfrage war es. welche die Valutakurse hochtrieb. Ein '^r kennzeichnender Zwischenfall. Er beleuchtet, wie man Pilsudski einschätzt. Selbst wer ihn politisch nicht befehdet, ja, wer sogar im Parteienstreit auf seine Seite tritt, hält ihn doch in finanzieller Hinsicht für unbedingt „feuergefährlich". Und man hat Grund dazu. Kennt man doch seine Heeres- sorderungen, die noch jeden Dudgetausgleich über den Haufen zu werfen drohten: „Pilsudski", so heißt es von ihm, „braucht alle paar Monate einen Finanzminister". Kein Wunder also, daß auch jetzt wieder Minister Klarner, der dem vorletzten Kabinett angehörte, alsbald ausgeschifft worden war. Sein Rachfolger Czecho'vicz aber gift als viel zu unselbständig, um dem Marschall Widerpart zu leisten. So erscheint das Kabinett ohne finanziellen Steuermann. Die Wirkung solcher Tatsachen und Eindrücke aber äußerte sich in der jüngsten Valutenhausse. Und die innere Verwaltung? Was hier seit dem Maiumsturz begonnen wurde und zu jener ersten Auflehnung des Sejms insbesondere gegen ben Innenminister Mlodzianowski führte, geht ununterbrochen fort. In den 14 Wojewodschaften des Landes sind gegenwärtig glücklich nur noch drei Wojewoden auf ihrem alten Platz. Alle anderen sind versetzt, entlassen oder zur Disposition gestellt. Im gleichen Sttl wird im gesamten Administrattvapparat verfahren, angefangen beim Ministerium endend bei der letzten Starostei. Im Innenministerium ist es damit am schlimmsten, aber das Unterrichtsministerium wetteifert mit ihm, und neuerdings will das Finanzministerium nicht Zurückbleiben. Ser, Gesichtspunkt dieser Personalschübe ist natürlich überall der parteipolittsche. Wer nicht pilsud- skisttsch „zuverlässig" ist, fliegt hinaus. Solcher Art sind also voüäufig die Merkzeichen der Regierung, die nunmehr Pllsudftis eigene Firma trägt. Gewiß wäre es zu früh, schon jetzt, an ihrem Beginn, Voraussagen über ihre zu erwartende Schluhbilanz zu machen. Es kann sich gegenwärtig nur um erste Wegzeichen des neuen Kurses handeln. Diese aber sind nicht zu verkennen. Industrie- und Handelskammer Meßen. Ueber die Tätigkell der Industrie - und Handelskammer Gießen in der letzten Zeit geht uns solgender Bericht zu: Den in allen Kreisen Oberhessens laut gewordenen Klagen über die mangelhaften Eisenbahnverbindungen in der Provinz trug dieReichs- bahndirettion Frankfurt a. M. durch eine Einladung der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der amtlichen Wirtschaftsvertretungen zu einer Fahrplankonferenz in Gießen. Rechnung. Diese Konferenz, die am 18. September ftattfand, hatte den Erfolg, daß wenigstens den dringlich st en Verkehrswünschen w il- liges Gehör geschenkt wurde. So sollen die 0-Züge 275 276 Frankfurt a. M.—Gießen—Dortmund auch im Winter weiterverkehren: zur Verbesserung der Abendverbindung von Frankfurt bis 10 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Donnerstag, 21., abends 7’_> bis 10 Uhr: Alles um Geld. Freitag, 22., abends 7( /■ bis 10 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg Samstag, 23., abends 8 bis 10 Uhr: Schluck und Iau. Sonntag, 24., abends 7>., bis 10 Uhr. Prinz Friedrich von Homburg. Wirtschaft. Konjunkturwende? Für die kommende Konjunkturentivicklung wird in der Hauptsache die Gestaltung des Geldmarktes und der Massenkaufkraft maßgebend sein. Der Geldmarkt weist — von vorübergehenden Verknappungen am Monatsende abgesehen — schon seit längerer Zeit eine ziemlich starke Flüssigkeit auf. Diese ist aber weniger auf eine starkes Angebot an Geld, als vielmehr auf die verhältnismäßig geringe Nachfrage seitens der produzierenden Wirtschaft zurückzuführen. Sobald die Nachfrage etwas stärker wird — wie z. B. beim Börsengeld Ende September zu beobachten war — tritt sofort eine starke Verknappung ein. Für langfristige Kapitalanlagen ist der Markt seil einiger Zeit viel leistungsfähiger als im Vorjahr: der Pfandbriesmarkt hat sich jetzt gegenüber Ansang 1925 verfünffacht: der Umlauf an Anleihen öffentlicher Körperschaften sogar verzwanzigfacht. Trotzdem ist auch jetzt noch der Gesainturnlauf 'an langfristigen Anleil)en noch nicht so groß, wie eine einzige Jahresemission derartiger Papiere in den letzten Vorkriegsjahrcn. Selbst wenn man annehmen wollte, daß am Markt für langfristiges Geld im Lause des nächsten Wirtschaftsjahres monatlich die gleiche Summe zur Verfügung gestellt werde wie im ersten Halbjahr 1926, also etwa 3 Milliarden jährlich, so wäre selbst dieser an sich hoch erscheinende Betrag völlig unzureichend, um eine wirkliche Hausseperiode mit ihren großen Ansprüchen an langfristigem Produktivkapital zu finanzieren. Dieser Betrag von 3 Milliarden jährlich wäre nämlich noch etwa um 20 Prozent niedriger als die Durchschnittsansprüchc, die in den Vorkriegs- jahren von 1907 bis 1913 in jedem Jahr an den deutschen Kapitalmarkt gestellt wurden. Berücksichtigt man die Tatsache, daß in den Jahren 1908—1909 zur Vorbereitung der Hochkonjunktur von 1910 die Inanspruchnahme des Geldmarktes 20 Prozent über dem Durchschnitt lag, und berücksichtigt man weiter die Verkleinerung des Reichsgebietes und die '23er-- ringerung der Kaufkraft des Geldes, so wird man zu der Auffassung kommen, daß für die Finanzierung einer wirklichen Hochkonjunktur heute einige Jahre hindurch ein Betrag von über 5 Milliarden notwendig wäre, und daß ein Betrag von 3 Milliarden gerade eben hinreichend ist, die Ansprüche einer normalen stetigen Fortentwicklung der Wirtschaft zu decken. Auch hinsichtlich der künftigen Entwicklung der M a f f c n f a u f f r af t sind gewisse Bedenken am Platze. Wir haben zur Zeit in Deutschland immer noch 13 Millionen Arbeitslose, die darauf angewiesen sind, von den Unterstützungen der Erwerbslosenfürsorge zu leben. Die Kaufkraft der Erwerbslosen fällt auf dem Warenmarkt, soweit es sich nicht um Lebensmittel handelt, großenteils aus. Darüber hinaus verringert sich aber auch die Kaufkraft der übrigen Bevölkerung um die von den Erwerbslosen und ihren Angehörigen in Anspruch genommenen Beträge, zur Zeit etwa insgesamt 180 Mill. Mk. monatlich. Die Tatsache, daß die Erwerbslosen aus Steuermitteln erhalten werden müssen, ohne selbst produktive Arbeit zu leisten, bedeutet nichts anderes, als daß der Rest der Bevölkerung von dem Ertrag feiner produktiven Arbeit 2—2,5 Milliarden Mark jährlich abgeben muß, um die Erwerbslosen zu unterhalten, Beträge, die anderenfalls zu Anschaffungen von dauerndem Wert verwendet werden könnten. Eine verbesserte Form der Erwerbslosenfürsorge würde vielleicht eine Entlastung der Steuerzahler, nicht aber vermehrte Arbeitsgelegenheit schaffen: der Ausfall an Massenkaufkraft würde sich also gleichbleiben. Die Wirtschaftsentwicklung, in der wir uns jetzt befinden, hat zwar gegenüber der vorhergehenden bereits eine Erleichterung gebracht, die vielleicht auch zur allmählichen Genesung führt. Es handelt sich aber nur um eine langsam ansteigende Linie der Weiterentwicklung, von der nach dem oben ausgeführten wohl nicht gut anzunehmen ist, daß sie in eine stärker ansteigende Kurve beginnender Hochkonjunktur ausmünden wird. * • I. G Farbenindustrie A.--G. und Standard Oil Cy. — Eine Kohlcver- flüssigungsanlage in Amerika? Reu- Yorker Dankkreise nehmen an, daß die Amerikareise des Prof. Bergius, Heidelberg, mit der Reise der Farbendirektoren Bosch, Schmitz und F. t e r M c c r in Verbindung zu bringen fei. Der Zweck dieser Reise seien Verhandlungen, die die I. G. Farbenindustrie mit der Standard Oil Cy. führen wolle zur Errichtung einer Kohlen- verflüfsigungsanlage in den Vereinigten Staaten. frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 18. Okt. Tendenz: Unsicher. — Die Börse eröffnete die neue Woche in unsicherer Haltung, mit Reigung zum Rachgeben der Kurse bei nur geringer K a u s- l u st. Die Spekulation blieb weiterhin bestrebt, sich glattzustellen, wodurch die Kurse überwiegend niedriger eröffneten. Späterhin wurde die Stimmung etwas zuversichtlicher. Bemerkenswert ist dabei, daß die Meldung von einer Verständigung der internationalen F i - n a n z k r e i s e, deren Programm eine Weltsanierung der Großbanken Europas und Amerikas in sich schließt, sehr stark kommentiert wurde, auf die Börsenstimmung indessen einen Einfluß nicht auszuüben vermochte. Die Börse sieht aber der Veröffentlichung des Manifestes, die am Mitt- woch in allen Hauptstädten fe: Welt erfolgen soll, mit größtem Interesse entgegen. Die Zunahme der Kohlenförderung konnte gleichfalls keinen Einfluß cetoinnen. Lieberwiegend stellten sich am M 0 n t a n m a r f t Abschwächungen ein. Gelsenkirchen minus 2,75 Prozent, Harpener minus 0,5 Prozent, Mannesmann minus 0,8 Prozent, Stahlvereinigung minus 1,5 Prozent, Rhein- stahl minus 1,5 Prozent. Rur Phönix und Deutsch-Lux waren infolge stärkerer Rachfrage gesteigert. Deutsch-Lux plus 3,5 Prozent, Phönix plus 0,5 Prozent. Farbenaktien eröffneten zunächst schwächer, konnten sich aber im Verlaufe auf 320 befestigten. Die übrigen Werte dieser Gruppe hielten sich auf dem Samstag- Riveau. Am Elektro markt traten leichte Abschwächungen für Lahmeyer, Schuckert und Siemens ein, während AEG. unverändert eröffneten. Der Bankaktienmarkt zeigte überwiegend niedrigere Kurse. Darmstädter minus 3 Prozent, Deutsche minus 1 Prozent, Disconto minus 1,25 Prozent, Metallbank minus 3 Prozent, CommerzbaM minus 0,25 Prozent. Schiffa hrts akti en waren knapp gehalten, Motorenaktien abgeschwächt. Kleher minus 1,5 Prozent. Zellstoffaktien behauptet. Baustoffaktien nachgebend. Zement Heidelberg minus 2,5 Prozent, Holzmann minus 0,9 Prozent, Wayh & Frehtag minus 1 Prozent. Oeta ktien schwächer. Rütgerswerke minus 1 Prozent. Zuckeraktien befestigt, besonders Frankenthal, die mehr als 2 Prozent anzogew Der deutsche Renten markt verkehrte in freundlicher Haltung und überwiegend befestigt. Ausländische Renten stellten sich dagegen eher niedriger. Im F r e i v e r k e h r, der lustloses Geschäft hatte, gaben die Kurse zumeist nach. Der weitere Verlauf konnte infolge der stärkeren Rachfrage nach einigen bevorzugten Werten eine festere Haltung annehmen. Am Geldmarkt hat sich infolge der Medio-Zah--. lungen die Rachfrage verstärkt. Tagesgeld 6 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,25 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,62 bis 4.87 Prozent, Industrieatzepte 5,25 Prozent. Der Devisen- m a r 11 verkehrte in leicht befestigter Haltung. Paris gegen London 168,50, Brüssel 172,50, Mailand 118,50. London gegen Kabel 4,8530. Törlenhide. Datum: 5% Deutsche Neichsanlelbe . 4% Deutsche Rcichscmleiye . 3'/t°/n Deutsche RcichSanlcibe 3% Deutsche Rcichsanleih: ■ Deutsche Sparpräuncuanleibe 4°/„ Preußische KonlolL ■ . . 4% Hessen.......... 3*/i°/o Hessen 3% Heuen Deutsche Sertb. Dollar-Ant. dto Doll -Schav-Anweisng.*) ♦°/o Zolltürken 5% Goldmerikaner ... . Berltner Handelsgesellschaft. Commerz, and Privat-Ban! Dannst. und Nationalbank . Deutsche Bmtk Deutsche Bcreinäbank .... Disconto Cowmandit . . . Metallbank......... . Mitteldeutsche Kreditbank. . Ocstcrrcichische Creditanstalt. Westbank ■ ...... . Bochumer ‘3ub . ...... Buderus Caro . Deutsch-Luxemburg ..... Hclscnkirchcner Bergloerke. . Harvener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliioerk Westeregeln .... Laurahüttc ........ Oberbedars .......... Pbönir Bergbau ...... Rheinstahl Riebeck Montan ..... TelluS Bergbau. .... Bereinigte Stahlwerke A,-G. Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd .... Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmanu...... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mayer Alapin . . G. Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerke Schcideanstalt Stig. ElektrizitätS-GeseUschaft Bergmann . Matnkraftwerke ....... Schuckert........ Siemens & Halske ..... Adlerwerke Kleycr ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenssaedt Mcgutn............. Motorenwerks Mannheim Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Mctallgcsells^>ast Frankfurt. ^ckuhlgbrik Hey • • ’ 1 * I Sichel Zellstoff Waldhof . Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Daobänkel . . . Frankfurt a.M. Berlin Sd)lui>» Kur» 1-Utzr- fiut» Schluß. Nur» Änfanz