Nr. 191 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 17. August 1926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrnS und Verlag: vnihl'sche Unwerfitätr Buch- und Steinörucferei B. Lange in Sietzen. Lchnstleitung und Geschäftsstelle: Schnlstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Nelchspsennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumlchein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Siebener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle MonatS'Bezvgspreir: 2 Reichsmark, und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richler- schrmen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüfse: Schriftlertung 112, Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. Die (Eroberung von Tripolis durch Italien und die Gefährdung des europäischen Zriedens im Jahre 19U Don Dr. Gustav 2t o Io ff, o. o. Professor der Geschichte an der Universität Gießen. Die vor kurzem erschienene neue Dänderreihe der Po rkrieg satten (Die Große Politik der europäischen Kabinette 1871 bis 1914. Bd. 30 bis 33) näfjert sich immer mehr dem eigentlichen Ursprung des großen Krieges; die neuen Bände oehaick)eln fast ausschließlich orientalische 2lnge- «egenheiten, auS denen ja der Weltkrieg erwachsen ist. Als der marokkanische Streit durch das Kompromiß zwischen Deutschland und Frankreich im Rovember 1911 abgeschlossen wurde, war bereits ein neuer internationaler Konflikt im Gange, der aber in feinen Wirkungen weit verderblicher war als der marokkanische. So sehr dieser die diplomatische Welt und die öffentliche Meinung Deutschlands, Frankreichs und Englands einige Wochen in Unruhe verseht hatte, er berührte letzten Endes doch nur zwei Mächte und hatte für die allgemeinen Verhältnisse keine Bedeutung mehr, als sie sich verständigt hatten. Der neue Konflikt brachte dagegen das ver- wickeltste Problem der allgemeinen Politik, die Balkanfrage, in Bewegung, und seitdem schwebte Europa unter beständiger Kriegsgefahr. Es war die Wegnahme von Tripolis durch die Italiener im Oktober 1911, die diesen Anstoß gegeben hat. Seit langer Zeit schon hatte Italien den Blick auf dies Außenwerk der Türkei gerichtet. Da es bei feiner steigenden Bevölkerung ein Ex» pansionsgebiet brauchte, hatte es zunächst an die Erwerbung von Tunis gedacht; als ihm Frankreich in der Okkupation dieses Landes zuvorkam (1881), führte das zur tiefen Entfremdung zwischen beiden Völkern und trieb Italien zum Bündnis mit den Mittelmächten, allmählich fand sich ein Ausgleich: Frankreich erklärte sich berett, den -Italienern Tripolis als Ersah für Tunis zu überlassen, falls Italien dafür den Franzosen in Marokko freie Hand lasse (1900). England gab zwei Jahre später ein ähnliches Versprechen in der Hoffnung, Italien ganz mit Frankreich zu versöhnen und es aus der Verbindung mit Deutschland und Oesterreich zu lösen. In der Tat, je mehr in den folgenden Jahren England und Frankreich zusammenwirkten, desto * *PcPr näherte sich ihnen Italien, um seinen ^ripolitanischen Lohn zu erhalten: gegen den Willen dieser beiden Mächte, deren Seemacht im Mittelmeer dominierte, hätte es ja nie an diese Erwerbung denken können. In allen Marokkokrisen, namentlich in der Konferenz von Alge- firas (1906), die dies Reich Frankreich auszuliefern begann, hat Italien daher an der Seite der Westmächte gegen seinen deutschen Bundes- genossen gestanden. Seitdem betrachtete Italien sich bereits als Erben der türkischen Provinz. Die Regierung suchte dort allerlei wirtschaftliche Unternehmungen zu begründen und zu verhindern, daß die Pforte etwa Unternehmer anderer Rationen vor Italienern begünstigte, was begreiflicherweise zu zahlreichen Reibungen mit den türkischen Behörden führte. Regierung und össentliche Meinung in Italien wurden dadurch immer gereizter und begehrlicher, und man suchte bald nach einem günstigen Moment, um die ersehnte Eroberung burchzusührcn. Den Anlaß gab die zweite große Marokkotti'is zwischen Deutschland und Frankreich im Jahre 1911. ES ist oft behauptet und namentlich von Gegnern der deutschen Bolüik systematisch verbreitet worden, daß die Sendung des „Panthc,.' nach Agadir (l.Iuli 1911) in Rom den Ent- fchluß zum Zugreisen in Tripolis hervorgerufen und so den An st ost zur Erschütterung des türkischen Besitzstandes mi ihren übern Folgm hervor- gerufen habe Indessen diese Auffassung ist gruichsaffch. Richt das deutsche Vorgehen in Marokko, sondern das französische Hal Italien zum Angriff auf Marokko getrieben. Wie die Akten zeigen, und Giolitti, der t>edeutendste italienische Staatsmann vor dem Kriege, in feinen Denkwürdigkeiten ausdrücklich hervorhebt, fürchtete man in Rom, daß Frankreich, sobald es sich in Marokko eingenistet habe, seine Versprechen über Tripolis vergessen und von Tunis aus die Hand auch hieraus legen werde: Frankreich, sagte Tittvni, der italienische Botschafter in Paris versteht es ja meisterhaft, Verträge zu umgehen' Gewiß eine scharfe Kritik der französischen Loyalität und eine Rechtfertigung der deutschen Politik. Die infolge dieser eigentümlichen Ver- tragspolitik Frankreichs in Marokko scharfe Sai- ftn hatte aufziehen muffen. Da nun Anfang September 1911 ein Kompromiß zwilchen Frankreich und Deutschland, das voraussichtlich Marokko zum französischen Vasallen machte, zu erwarten war. so schien Eile geboten. Ein Vorwand war schnell gefunden: ans angeblichen iln- gerechtigkeiten und Gewalttaten türkischer Behörden gegen italienische Ansiedler und Unter- nehmet lieft sich ein Ultimatum und eine Kriegserklärung konstruieren, der die militärische Expedition auf dem Fuße folgte (Anfang Oktober 1911). Die türkische Regierung, viel zu schwach zur See. um Widerstand zu leisten, mußte cs bei Protesten bewenden lassen und setzte ihre Hoffnung darauf, daß die Bevölkerung, unterstützt von einigen Tausend Mann regulärer Truppen, den Italienern die Besitznahme nach Kräften'erschweren werde. Da die Pforte das Land kaum beherrschte und nur wenig Einkünfte daraus gezogen hatte, i so war ihr unmittelbarer Machtverlust gering, I Europäische Wirtschastssorgen. Weltkohlenbilanz. Es gab während des Krieges Leute im Lager der Entente genug, die von einem Krieg nach dem Kriege sprachen und dabei an eine wirtschaftliche Zerschmetterung der Mittelmächte dachten. Diese Elemente befanden sich zudem noch in einflußreichen Stellungen, so daß es ihnen möglich wurde, den Friedensvertrag von Versailles zum Ausgangspunkt dieses Wirtschaftskrieges zu machen. Er hat fomn auch in den Rachkriegsjahren mit aller Heftig- keit getobt und will selbst heute nach acht Jahren noch nicht abflauen. So wie es im Rovember 1918 keine militärischen Sieger gab, Sieger, die wirklich diese Bezeichnung für sich in Anspruch nehmen konnten, so stellt sich auch jetzt immer mehr heraus, daß der angezettelte Wirtschaftskrieg, die gewaltsame Verdrängung unbequemer Konkurrenten und deren Erniedrigung zu tributpflichtigen Hörigen, allmählich zu einer ungeheu- ren Rieder läge der gesamten euro- ^if^cn Wirtschaft gegenüber der außereuropäischen. namentlich der amerikanischen geworden ist, die die wirtschaftliche Kurzsichtigkeit der Väter des Versailler 2krtraged und deren flctoaltfame Reuordnung der wirtschaftlichen Verhältnisse Europas benutzt hat, um Schritt für Schritt vorwärts zu bringen und Europas wirtschaftliche Vorherrschaft zu brechen. Wir brauchen hier nicht weiter darüber zu sprechen, wie stark die europäischen Staaten in die Abhängigkeit Amerikas durch den Krieg, mehr aber noch durch ihre verfehlte Politik in der Rach kriegszeit geraten sind; toir brauchen auch nicht aufzuführen, welche enormen^ wirtschaftlichen Schäden der „Friedensvertrag" angerichtet hat, denen gegenüber die des Krieges verschwindend klein geworden sind. 2Tber eine Bilanz wollen wir auf einem sehr wichtigen Wirtschaftsgebiet ziehen, das als Fundament der Weltproduktion anzusehen ist, nämlich der Kohlenwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der europäischen Erzeugung. Ein paar Zei^ len schon genügen vollauf, um zu zeigen, wohin uns und wohin der Krieg die anderen gebracht hat. ilnter „uns" sind nicht wir Deutsche im engeren Sinne .sondern wir Europäer zu verstehen. Die gesamte Steinkohlenförderung der Well weist gegenüber 1913 im Jahre 1925 einen Rückgang um 30 3 Millionen Tonnen auf. Aber die Europas allein zeigt einen Ausfall von 67,8 Millionen Tonnen Dieser Ausfall geht ausschließlich zu Lasten der europäischen Erzeuger, da die auftereuropäischen durch stärkere Förderung das Defizit um 30 Millionen verringert haben. Amerika erhöhte seine Erzeugung um 9 5 Millionen Tonnen, Asien um 15 Millionen. Afrika um 8,2 Millionen und die übrigen überseeischen Länder um 3,5 Millionen Tonnen Der Ausfall geht also ausschließlich auf das sich zerfleischende Europa, während die außereuropäischen Staaten aus unserem durch den Versailler Friedensvertrag geschaffenen und bis heute aufrecht erhaltenen Zustand wirtschaftlichen Irrsinns den Ruhen ziehen Man könnte darauf Hinweisen, daß die bessere Ausnutzung der Wasserkräfte und die Konkurrenz des Heizöls die europäische Kohlenförderung zurückgeworfen haben. Das trifft schon deswegen nicht zu, weil gerade Amerika wohl bisher den stärksten Gebrauch von diesen Kraftquellen gemacht hat. trotzdem aber seine Förderung, und damit natürlich auch seinen Absatz erheblich steigern konnte. 2tber greifen wir nur zum Friedensvertrag, der dem einen fast die gesamten Eisen- und Stahlerzeugnisse zuschanzte, sie dem andern nahm, neue Wirtschaftsgebilde und neue Zollschranken in Europa schuf, große Staaten, die als Verbraucher in Betracht kommen, mit unerhörten Kriegstributen belastete, bis aufs Blut aussaugte uyb damit aus dem Kreis der Konsumenten so gut wie ganz ausgeschaltet hat. 1913 erzeugte Europa 46,1, 1925 nur noch 36,5 Millionen Tonnen Eisen. Die Roh- stahlerzeugung ging von 42,1 auf 40,9 Mill. Tonnen zurück. Hier liegt der Schlüssel für den verminderten Kohlenverbrauch. Dagegen hat Amerika seine Eisenproduktivn um 5 unj^feine Rohstahlerzeugung um 15 Millionen Wimen heben können. Daneben bleiben die Bestrebungen aller außereuropäischen Staaten, sich von der europäischen Produktion lvszulösen, zu beachten, was ebenfalls zur Minderförderung an Kohle beigetragen hat. Schließlich bleiben aber noch andere Dummheiten ohne Zahl, für die die Väter des 23er» failler_ Friedensvertrages verantwortlich zeichnen. für die aber die heutigen Lenker der europäischen Geschicke eine noch größere Verantwortung tragen, weil sie die Mißstände nicht beseitigen, obwohl sie sie längst klar erkannt haben. Greifen wir nur einmal die deutschen Kohlenzwangslieferungen heraus. Kostenlos mußte Deutschland 14,5 Millionen Tonnen Kohle und Koks dorthin liefern, wo vordem englische Kohle den Markt beherrschte. England dagegen zeigt für 1925 gegenüber dem letzten Kriegsjahr ein Aussuhrminus von 27,3 Millionen. Wit den geschenkten deutschen Kohlen hat Frankreich seine Eisenerzeugung ver- siebenfacht und kann dazu noch mit Hilfe seiner geschwächten Währung so billig verkaufen, daß es alle anderen europäischen Staaten weit hinter sich läßt. Die Engländer wiederum waren so dumm, zum Mittel der Subventionen zu greifen, um ihre Kohle in die alten Absatzgebiete hinein- zudrücken. Das ist ihnen so gut wie gar nicht gelungen, sie haben dafür Millionen und Aber- Millionen verschleudert und alle europäischen Eisen- und Stahlproduzenten mit billigster englischer Kohle beliefert, während die englischen Erzeuger die teueren Inlandspreise bezahlen muhten, somit also gegenüber der mit billigeren Brennstoffen arbeitenden ausländischen Konkurrenz ins Hintertreffen gerieten. Das wäre nicht nötig gewesen, wenn England schon längst für eine Beseitigung der ungesunden Erscheinung der Kohlenzwangslieferungen gesorgt hätte. Tiber solange der alte Zustand bleibt, wird sich weder die europäische Kohlenbilanz verbessern, noch die Versklavung des gesamten Europas durch das immer mächtiger werdende Amerika verhindern lassen. Der Eifenpakt. Schwierigkeiten in den Pariser Verhandlungen. Paris, 16. Aug. (Wolff.') Belgische Blätter wollen bereits von einem Abbruch der Verhandlungen zwischen den deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Industriellen über den Abschluß eines Eisenpakts wissen. Wie aus authentischer Quelle verlautet, bestehen tatsächlich Schwierigkeiten, die auf die Forderungen der französischen und besonders der belgischen Vertreter nach Hinaussehung der ihnen zugewiesenen Kontingente zurückzuführen sind. Diese Kontingente sollen nach französischen Angaben bei den letzten Verhandlungen für Deutschland auf 43 Proz., für Frankreich aus 37 Proz. und Hir Belgien auf 12 Proz. festgesetzt worden sein, während die restlichen 8 Pro-. Polen, derTschecho- slowakei und Oesterreich Vorbehalten seien. In Frankreich hoffe man jedoch, noch im Lause des Septembers zu einer Einigung zu gelangen. D.e Widerstände Belgiens seien wohl ernst. matt» brauche allerdings nicht von einem Abbruch der Verhandlungen zu sprechen. Wie sranzösifcher- sefts verlautet, sollen bereits morgen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Jedenfalls steht fest, daß zwischen den deutschen und luxemburgischen 23ertrctem eine restlose Verständigung erzielt worden ist. Rußlandunddie-eutscheJnduslrie Die Erschließung des Dongebicts. E s f en, 16. Aug. (WB.) Der von einem Aufenthalt in Rußland zurückgekehrte Syndikus Dr. Rechlin äußerte sich über die Zus arnrnena r- beit von Don- und Ruhrgebiet und führte aus, daß der Don-Kohlen-Trust feit einem 3ahr etwa in starke Beziehungen zur deutschen Industrie, besonders der rheinisch-westfälischen Industrie zwecks Ausbau seiner Kohlenanlagen getreten sei und eine zweckentsprechende möglichst reibungslose Zusammenarbeit wünsche. Eine Zusammenarbeit sei deshalb möglich, weil daS Kohlenvorkommen in beiden Gebieten sich sehr ähnele, so daß für das Dongebiet dieselben Maschinen und- Abbau- methoden in Frage kämen. Die deutsche Industrie könne deshalb den Ausschluß des Don- geoietes bewerkstelligen. Die Verhältnisse im Dongebiet können durchaus als geordnet bezeichnet werden. Das Streben nach Zusammenarbeit mit dem hiesigen Bezirk habe bereits positive Ergebnisse gezeitigt. Es seien Abschlüsse getätigt auf Schachtanlagen, eine Koksanlage, die dazu gehörenden Rebenprodukteanlagen. ein weiterer Koksofen und eine Anlage zur Rebenproduktegewinnung. Daneben hätten verfchiedene Firmen Bestellungen erhalten auf große Maschinen und auf Detriebseinrichtungen unter Tage. Der britische Bergarbeiterstreik London. 16. Aug. (TU.) Die Ergebnisse der heute begonnenen Konferenz der Bergarbeiterdelegierten wurden in einem in später Abendstunde herausgegebenen Kommunique dahin zusammengesaßt. daß die Vermittlungsaktion der Bischöfe mit einer Mehrheit von rund 35 000 (Stimmen a b g e I e f; n t worden sei. Diese Ablehnung sowie die vielen aus den Berichten sich ergebenden Einzelfraqen waren Gegenstand der sehr ausgiebigen Diskussion, die 41/« Stunden dauerte. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt. Die Verhandlungen wurden auf morgen vertagt. Die Zahl der Bergarbeiter, die Die Arbeit wieder aufnehmen, steigt täglich. Rach den letzten Rachrichten arbeit . n in Lanarkshire 5583 Bergarbeiter, in Warwickihire 5880. in Camiock 5191 und in den mittleren Kohlendistrikten 3500. Heute haben alle Arbiter der drei Zechen in Shropshire. 1680 an der Zahl, die Arbeit wieder ausgenommen, aber die mittelbare Wirkung formte unübersehbar fein. Wenn Italien, um den Widerstand des Sultans gegen die Abtretung des Landes zu brechen, das türttiche Gebiet in Europa, etwa in Albanien oder im Aegäischen Meere, angriff, dann war zu erwarten, daß auch die Balkan- floaten das türkische Reich überfielen, um ihm Mazedonien, womöglich Konstantinopel zu entreißen. Daß solche Wünsche in Serbien und Bulgarien lebten und daß beide über ein Bündnis verhandelten, war ein öffentliches Geheimnis. Es war ausgeschlossen, daß Oesterreich und Rußland einen solchen Umsturz der Machtverhält- nisse am Balkan ruhig geschehen ließen: bei jeder Erschütterung der orientalischen Dinge war daher der europäische Friede in Gefahr. Wem also an der Sicherung des europäischen Friedens lag, mußte danach streben, den Frieden zwilchen Italien und der Pforte möglichst bald wiederl.erzu- stellen. Es ist bezeichnend, wie die Großmächte sich zu dieser Aufgabe verhalten haben. Deuischland und Oesterreich waren bestrebt, sobald sie Italiens Aktionslust bemerkten, den Krieg zu verhüten, dadurch, daß sie einerseits in Rom auf die Gefahren, die mit der Aufrollung orientalischer Fragen verbunden waren, hin- wiesen, andererseits in Konstantinopel darauf Drängten, die italienischen Beschwerden abzu» ltecken. um den Italienern jeden Vorwand zum Kriege zu nehmen. Als diese Vermittln ngs- versuche gescheitert waren, bemühten sie sich, den Krieg zu lokalisieren; sie suchten eine Form ju finden, die dem Expansionsbedürsnis der Italiener unter möglichster Schonung des türki- h^eri Selbstgefühls genügte: die Italiener sollten Tripolis, das der Sultan nun einmal nicht zu verteidigen verniochte, okkupieren, aber getoiffe Souveranitätsrechte des Sultans sollten gewahrt o.ewen. Als Italien diesen Ausweg ablehnte, schlugen sie eine Geldrnt'chädigung für die Pforte vor, wozu die römische Regierung schon eher geneigt war. Anders stand England. Sein Botschafter in Konstantinopel vertrat, wie der deutsche Botschafter Frhr. v. Marschall durch seine Gewährsmänner erfuhr, den Gedanken, daß die Pforte jede Rachgiebig'eit ablehne und den Heiligen Krieg erklären solle, ja er empfahl Boykott der italienischen Waren und Ausweisung der Tausende von Italienern, die im türkischen Machtbereich ansässig waren. Wenn die türkische Regierung diesen Ratschlägen folgte, war der Krieg ins Unabsehbare verlängert. Es ist selbstverständlich, daß die englische Regierung die Folgen, die sich hieran knüpfen konnten, überschaut hat. Ueber ihre Politik in diesem Augenblick ist noch nicht das letzte Wort zu sprechen, da uns die englischen Akten fehlen und Lord Grey, der Leiter der auswärtigen Politik, in seinen kürzlich erschienenen Denkwürdigkeiten fein Wort über diese Angelegenheit sagt. Die Vermutung drängt sich aber auf, daß Grey in der Tat den Türken im Gegensatz zu Deutschland und Oesterreich jede Rachgiebigkeit widerraten hat, um sie an England heranzuziehen und dann eine Scheinkonzession bei Italien, auf dessen Regierung ja England großen Einfluß hatte, durchzusehen. So konnte England schließlich den Frieden zustande bringen, sich fottmbl Italien wie die Türkei verpflichten und die Mittelmächte ausschalten. Wenn so England, wie es den Anschein hat, eine Politik trieb, die auch die Möglichkeit einer gefährlichen Zuspitzung &er allgemeinen Lage nicht scheute, so suchte Rußland die Bedrängnis der Pforte auf anderem CIBegc zum eignen Vorteil auszunutzen. Die Petersburger Regierung stellte, während die Vermittlungsaktion der Mittelmächte noch im Fluß toar, plötzlich das Ansinnen an die Pforte, den russischen Kriegsschiffen freie Durchfahrt durch öie Dardanellen und den Bosporus zu gestatte:'., während die Meerengen den anderen Mächten nach wie vor verschlossen bleiben sollten. Es war ein Vorschlag, dessen Durchführung die Russen zu Herren Konstantinopels gemacht hätte. Es ist begreiflich, daß die türkische Regierung in große Erregimg geriet und auf allen Seiten H.lse luchte. Aber der Augenblick war für diesen Vorstoß schlecht gewählt. Denn England, das ja die Türkei unter feinen Einfluß bringen und sie ganz von Deutschland lösen wollte, konnte einen solchen Antrag in Konstantinopel nicht unterstützen. und Frankreich ging in dieser Frage mit England. Rußland mußte daher feinen Plan Der- tagen; Deutschland und Oesterreich kamen gar nicht in die Lage, dagegen Stellung nehmen zu müssen, was die allgemeinen Verhältnisse ohne Zweifel aufs neue gespannt hätte. Man ersieht hieraus, wie verschieden die Großmächte die italienisch-türkische Verwicklung betrachteten, Deutschlands und Ocst-wreichs Bemühungen, eine schleunige einheitliche Friedensaktion zustande zu bringen, mußten daher vergebens fein. Der Krieg zog sich bis zum Herbst 1912 hin. Italien besetzte einige Inseln im Aegäischen Meere und bestürmte sogar, wenn auch umsonst, die Dardanellen. Das. was man in Berlin und Wien besorgt hatte, trat ein: die Balkanstaaten schöpften aus der Rotlage der Türkei den Entschluß, zum Angriff Überzüge'^en und stellten Europa damit vor ganz neue Schwierigkeiten. Spanien verlangt Tanger. Paris, 16. August. (TU.) wie aus Madrid gemeldet wird, hat General Primo de Rivera gestern erklärt, Spanien verlange die Einbeziehung Tangers in seine matoffa- nildje Protektionszone. Denn die .Forderung zurückgewiefen werde, so müsse es sich überlegen, ob es weiter viele Millionen Peseten jährlich dafür bezahlen solle, daß Tanger ein internationales Fentrum für Verschwörungen und für die Daffen- unlerslühung der Aufständischen bleibe. Tanger würde in den Händen der Spanier nach Ansicht JJrimo de Riveras eine Garantie für den Weltfrieden bedenken. v,e Kriegsschuld Amerilas. Eine Unterredung mit dem ,amerikanischen Professor Barnes. München, 16. August. (WTB.) In einer Unterredung, die der Vertreter der „Münchener Reuest. Nachrichten" mit Professor Barnes vom Smith College in Northampton auf seiner Rückreise hatte, äußerte sich Barnes auch über verschiedene, die deutsche Oeffentlichkeit interessierende politische Fragen. U. a. erklärte er über die Frage, wie die amerikanische Meinung heute über die Teilnahme der Vereinigten Staaten am Kriege denke, in politischen wissenden Kreisen Amerikas argumentiere man ganz allgemein dahin, daß Amerika durch eine Jrre- suhrung in diesen Krieg gehetzt wurde, •mb daß es viele Menschen und viel Geld opferte, um die englischen und französischen Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wäre Amerika mit seiner großen Material- und Menschenüberlegenheit nicht beigesprungen, wäre vermutlich der Krieg ohne Sieger und Besiegte zu Ende gegangen. Er wäre viel früher einfach aus Erschöpfung beendet worden und hätte nicht die furchtbaren Folgen für Europa gehabt, wie sie sich heute zeigen. Amerika sei es gewesen, das erst das Zünglein an der Wage so energisch zugunsten der Alliierten wendete. Daß ein so ungerechter D i k t a t f r i e d e n überhaupt zustandekommen konnte, sei die Mit- schuld der herein, ©tonten an den heutigen beklagenswerten Zuständen in Europa. Darin liege auch deren Pflicht begründet, die Besserung dieser >nstände tatkräftig in die -and zu nehmen. Es sei nur eine Frage der Zeit und des Erfassens des günstioen Augenblicks, daß die Regierung und die noch taube Presse nach diesen Argumenten handeln werden. Amerikas Außenpolitik. Konferenzen in Washington. Reutzork, 16. Aug. (SU.) Die Konferenzen i-.es Präsidenten E o o l i d g e mit Staatssekretär Kellogg über die Schuldenregelung, die Frage der Abrüstung und die Lage in Mexiko haben begonnen. Die amerikanischen Botschafter in London, Houghton, und in Paris, Herrick, werden demnächst zur Berichterstattung erwartet. Die amerikanischen Delegierten in Genf haben Kellogg nach ihrer Rückkehr über die Genfer Konferenz referiert. Danach hat die amerikanische Regierung den Eindruck gewonnen, daß die Genfer Abrüstungsverhandlungen ein F e hl- sch l a g gewesen sind und daß eine Vollkonferenz über die Abrüstuirgsfrage in Genf unwahrscheinlich ist. Die amerikanische Regierung wird aber, nachdem sie nun einmal die Genfer Verhandlungen mitgemacht hat, nichts unversucht lassen, um von sich aus eine Abrüstungskonferenz durchzudrücken. Bei den Besprechungen wurde ferner betont, daß die amerikanische Schulden- politik unverändert fortgesetzt werden solle, Frankreich müsse zunächst das Schuldenabkommen ohne Veränderungen ratifizieren, bevor es in Amerika Anleihen erhalten könne. Don Clemenceaüs Brief werde amtlich wahrscheinlich keine Kenntnis genommen werden. Aus dem Dölkerbunds- sekretariat. Aus dem Iahresbericht über die Arbeiten des Dölkerbundsrates und des Sekretariats geht hervor, daß die Zahl der beim Völkerbund nach Artikel 18 des Völkerbundspaktes registrierten internationalen Der- . träge ständig zunimmt. Sie betrug im Laufe des letzten Jahres 305 und insgesamt seit Dell stehen des Völkerbundes 1169. 3m letzten 3ahre, d. h. bis zum 19. 5. 1926, haben England mit 45 Verträgen, Ungarn mit 40, Deutschland mit 36 und Frankreich mit 32 die meisten intet» ' nationalen Verträge registrieren lassen. 3m übrigen sind beteiligt: Lettland mit 24. Schweden, Dänemark und Finnland mit je 20, 3talien und Holland mit je 15, Polen mit 14, Norwegen und die Tschecho-Slowakei mit je 11 Verträgen. 25 Verträge des letzten 3ahres betreffen politische Abmachungen, 8 sind -Schiedsverträge, 36 betreffen rechtliche und Auslieferungsfragen und der größte Teil der Verträge sind naturgemäß Handels». Wirtschafts-, postalische und sonstige Verkehrsabmachungen. 3apan, China, Finnland, Lettland, Dänemark und Polen haben auch Verträge mit der sowjetrussischen Republik eintragen lassen. Frontkämpferverbände und Reichsehrenmal. Berlin, 16. Aug. (Wolff.) Die großen Frontkämpferverbände haben heute dem Reichspräsidenten, der Reichsregierung und dem Reichstagspräsidenten davon Mitteilung gemacht. daß sie nach wie vor an dem Gedanken des Chrenhains, der in Berka bei Weimar errichtet werden soll, festhalten. Gleichzeitig betonen die Verbände, daß jede äußere Ehrung ihrer gefallenen Kameraden nur bann einen Sinn hat und verständlich wird, wenn auch das Los der durch den Krieg schwer betroffenen Kriegsbeschädigten und Krieger hinterblieben en sowie der Kriegerwitwen und Kriegerwaisen fühlbar gebessert werde. Diese Erklärung haben abgegeben: das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold, Stahlhelm, Reichskriegerbund Kyff- häuser, Reichsbund jüdischer _ Frontsoldaten, Reichsverband der Kriegsbeschädigten, Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Zentralverband der Kriegsbeschädigten. Kunst und Wissenschaft. Die „Studienstiftung des Deutschen Tolks". Am 1. und 2. September d. 3. findet in Dresden die Herbst-Auswahlsihung der von der Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft ins Leben gerufenen ,Studienstiftung des Deutschen Volkes" statt. Dem Zentralen Arbeitsausschuß, der sich aus Studenten, Dozenten und Persönlichkeiten aus Staat und Wirtschaft zusammensetzt, liegen bisher 75 Gesuche vor. Bei der Hauptauswahlsitzung im Frühjahr konnten von 1085 Bewerbern 255 in die Studienstiftung aufgenommen werden. Der große Unterschied in der Zahl der Bewerber erklärt sich aus der Tatsache, daß als Bewerber nahezu ausschließlich 2tbiturienten der höheren Lehranstalten in Frage kommen, für die nach den geltenden Lehrplänen die Abschlußprüfung ins zeitige Frühjahr fallt. — Am 2. wepreutc^ findet ferner gleichfalls in Dresden die zweite Auswahlsitzung des „Amerika - W e r k st u » denten-Dienstes" statt. Diese gleichfalls von der Wirtschaftshilfe geschaffene Einrichtung hat zum Ziele die Entsendung von jungen deutschen 3ngenieucen nach den Vereinigten Staaten, wo sie zwei 3ahre als Handarbeiter in den verschiedensten Betrieben tätig sind, um nachher ihre Erfahrungen vor allem in betriebsorganisatorischer und sozialpädagogischec Hinsicht in den Dienst der deutschen Wirtschaft zu stellen. Dem Prüfungsausschuß liegen 147 Gesuche vor. Bei der ersten Sitzung im März d. 3. konnten von rund 150 Antragstellern 56 ausgewählt werden, die zurzeit in Amerika als Werkarbeiter tätig sind. Wettbewerb für die Ausgestaltung der Reichssilbermünzen. Zur Gewinnung geeigneter Entwürfe für Die Ausgestaltung der Reichssilbermünzen hat der Reichs mini st er der Finanzen einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich alle Künstler deutscher Staatsangehörigkeit beteiligen können. Die Entwürfe sind bis 15. Oktober 1 926 beim Reichsfinanzministerium einzureichen. Es sind sechs Preise von 2000 bis 6000 Mark ausgesetzt. Außerdem können geeignete Entwürfe angekauft werden. Dem unter dem Vorsitz des Reichsministers der Finanzen stehenden Preisgericht gehören folgende an: Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Mini- terialdirektor Kempff, Aeichskunstwart Dr. Reds- lob und Professoren Dr. Bestelmeyer, Dr. Graf Leopold von Kalckreuth, Habich, Klimsch, Kraus, Paul, Dr. Paul und Dr. Regling. Aus aller Welt- Bergstürze deutscher Touristen. Der weit über seinen Amtsbezirk hinaus bekannte und beliebte Pfarrer Dr. Neundörfer der Sankt ntin-Kirche in Mainz ist auf einer Erholungsr«.^. in der Schweiz beim Sturz vom Floragletscher bei Sils im Engadin tödlich verunglückt. Pfarrer Neundörfer ist namentlich auf den Verbandstagen der katholischen Akademiker und zuletzt anfangs dieses Monats in Aachen des öfteren hervorgetreten. U. a. war er auch zweiter Vorsitzender des Charitas-Verbandes der Diözese Mainz. — Am Titlis bei Engelsberg stürzte der 21jährige Student Willi Leiter mann aus Lahr i.B. ab. Er hatte sich mit einem sechzehnjährigen Kameraden von einer ISköpfigen Wandergesellschast im Jochpaß getrennt, um den 3200 Meter hohen Titlis zu beteigen. Als sie in dem vereisten Schnee nicht mehr weiter kamen, wollten sie abfahren. Dabei stieß Leitermann gegen einen Fels, wurde kopfüber eine 400 Meter hohe Schneewand hinabgeschleu- dert und blieb mit zerschmettertem Schädel liegen. Sein Begleiter, der mit der Abfahrt gezögert hatte, konnte gerettet werden. — Der seit Mittwoch in Celerina vermißte sechzehnjährige Gerhart Stein aus Kreuznach konnte bisher trotz aller eifrigen Nachforschungen nicht ausgefunden werden. — Am Brünn st ein auf Oberaudorf ist ein Jngenieur- praktikant aus Rosenheim tödlich verunglückt. Reichskanzler Luther in Venezuela. Der vormalige Reichskanzler Dr. Luther ist nach dreitägigem Aufenthalt in Caracas nach Columbien abgefahren. Er seht seinen Besuch der hauptsächlichsten Riederlassungen in ganz Südamerika fort. Er legte einen Kranz auf dem Grabe Bolivars, des Befreiers Südamerikas von der spanischen Herrschaft, nieder und besuchte den Präsidenten Gomez im Mira- florcs-Palast. Dr. Luther nahm an zahlreichen gesellschaftlichen Festlichkeiten der deutschen Kolonie teil sowie an einem Bankett, das von dem deutschen Gesandten veranstaltet wurde und bei dem zahlreiche Diplomaten anwesend waren. Dom Kreuzer „Hamburg". Der Kreuzer „Hamburg" ist am 15. August in Ragasaki eingetroffen. Weiterfahrt nach Manila am 19. August 1926. Schweres Autounglück in Köln. Auf der Riehlerstrahe in Köln wollte gestern abend ein in voller Fahrt befindliches Personenautomobil einem aus einer Rebenstrahe kommenden Auw ausweichen, wobei der Chauffeur des ersten Wagens die Gewalt über die Steuerung verlor. Das Auto fuhr mit voller Wucht gegen einen Daum und wurde vollständig zertrümmert. Der Besitzer des Wagens war sofort tot, während Frau und Tochter in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus gebracht wurden. Der Chauffeur kam mit leichten Verletzungen davon. Autounglück in Sachsen. Ein schweres Unglück ereignete sich heute nacht in der Nähe von Döbeln. Infolge des plötzlichen Erlöschens der Lichter fuhr der Wagen eines Rittergutsbesitzers gegen einen Baum und stürzte um. Die Frau Schwerdter wurde tot unter dem Wagen heroorgezogen. Schwerdter, seine Tochter, sein Sohn und der Chauffeur mußten in schwer verletztem Zustande in das Kreiskrankenhaus zu Leipzig verbracht werden. Schweres Schadenfeuer in einem badischen Dorfe. Die Ortschaft Landshausen ist gestern zum dritten Male in diesem 3ahre von einem Grohfeuer heimgesucht worden. 3n einer Scheuer brach Feuer aus, das rasch auf die Rachbargebäude übersprang. Die Feuerwehr war dem rasenden Element nicht gewachsen, da die Gemeinde keine Wasserleitung besitzt. Drei Wohnhäuser und elf Scheuern wurden zerstört. Bei den Löscharbeiten haben zwei Feuerwehrleute lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Der Sohn eines Brandgeschädigten wurde unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Wolkenbruchkatastrophe in Barcelona. Am Samstag haben sich in Spanien schwere Wolkenbrüche ereignet. Der größte Teil der Stadt Barcelona und ihre Umgebung ist überschwemmt. Zahlreiche Familien, die in Baracken wohnen, wurden mit ihren Behausungen von den F l t u t e n f o r t g e r i s s e n, wobei viele Personen ertranken. Mehrere Leiche nwurden bereits geborgen. Sin Haus wurde durch einen Blitzschlag in Brand gesteckt. Ein Arbeiter wurde durch einen Blitzschlag in einen Brunnen geschlendert, wobei er ertrank. Sumpffieber bei Regensburg. Durch das langanhaltende Hochwasser der Donau, das die Wiesen und Felder in Moräste und Sümpfe verwandelt, ist im ober- pfälzischen Donaugebiet von Regensburg abwärts eine neue Krankheit, das sog. Sumpffieber, entstanden. Die Krantheit tritt dort epidemieartig auf und greift in starker Weife um sich. vl.l |liiu JIU.L heitsfälle bekanntgeworden, dagegen herrscht das Sumpffieber in Den Landgebieten der Donau tark, so daß nicht selten bis zu 50 Prozent Der Bevölkerung der verschiedenen Gemeinden davon befallen sind. Teilweise hat die Epidemie sehr gefährliche Formen angenommen. Kinderlähmung in der Grenzmark. Rach Meldungen aus Landsberg a. D. W. tritt die in der Grenzmark berrschende Kinderlähmung nunmehr auch in den nahen polnischen Ortschaften auf und hat dort auch chon einige Todesfälle zur Folge gehabt. Zwei Förster von Wilderern gelötet. Touristen fanden im Schneeberggebiet die Leichen zweier Männer. Bei dem einen war Der Schädel eingeschlagen, der andere lag er- cf;offen in seinem Blute. Die Gendarmerie stellte eft, daß es Die Leichen zweier 3äger waren. Sie dürften in einem Kampfe mit Wilderern ums Leben gekommen fein. Eine fünfköpfige Familie ermordet. In der rumänischen Gemeinde Tichirisu ist ein urchtbares Verbrechen aufgedeckt worden. Der Gastwirt Rubin, seine Gattin, seine Schwiegermutter und zwei Töchter im Alter von zehn und acht Jahren wurden in ihrer Wohnung mit durchschnittenen Kehlen tot a u f g e f u n d e n. Die Polizei stellte als Täter mehrere Dorfbewohner fest, die bei Rubin gezecht hatten. Der angebliche Sarg Lord kitcheners. London, 16. Aug. (DU.) Wie amtlich mit» geteilt wird, ist heute morgen der von Dem Londoner Journalisten Frank Power an der norwegischen Küste ausgegrabene Sarg des Feld- rnarschalls Lord Kitcheners von den Behörden geöffnet worden. Der anscheinend ziemlich neue Sarg enthielt keine menfchlichen Gebeine. Verluste amerikanischer Danken durch verbrechen. Die amerikanischen Banken haben im 3ahre 1924 nach Angaben des Leiters des Bankierverbandes von Illinois 3 Milliarden 620 Millionen Dollar infolge verbrecherischer und betrügerischer Handlungen verloren. Die Verbrechen haben in den Vereinigten Staaten in den letzten 35 Jahren um mehr als das Z w ö l f s a ch e zugenommen. Wir man in Amerika Millionäre macht. In Reuhork schätzt man, daß durch die Ankündigung eines 5 0 p r o z. Bonus auf die Aktien Der General-Motors-Corpo- ration über Rächt etwa 100 neue Millionäre entstanden sind. Der Bonus repräsentiert ein Geschenk an Die Aktienbesitzer in Höhe von 2 400 000 000 Mark. 3n London sagt man, das sei Die größte Melone, Die jemals in Der Geschichte Der amerikanischen Börse geschnitten worden fei. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 17. August 1926. Gietzener Wochenmarktpreise. Es kostete auf Dem heutigen Wochenmarkt Das PsunD: Butter 180 bis 190 Pfennig. Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 bis 60, Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 10, Rotkraut 25, gelbe Rüben 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 30. Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 15 bis 30, Bohnen (gelbe) 30, Änterkohlrabi 6, Erbsen 20 bis 30, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 80, Rhabarber 20, Pilze 20, Kartoffeln 5, Falläpfel 7 bis 10, Frühäpfel 20 bis 35, Birnen 10 bis 25, Johannisbeeren 30, Preißelbeeren 60, Zwetfchen 30 bis 35, Mirabellen 20 bis 50, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 100 bis 120; Das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 50 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 40, Cinmachgurken 2 bis 4, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20; Das Bund: Radieschen 10 Pfennig. • Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 8 ülhr: Gastspiel des Dad-Rauhei- mer Kurt Heaters: „Die Schmetterlingsschlacht". — Bauerscher Gesangverein, „Stadt Kassel": Zusammenkunft. — Obst- und Gartenbauverein, 3l/3 ilbr, „Pfälzer Hof": Mitgliederversammlung. — V. s. B, 81/. Ahr, „Frankfurter Hof": außerordentliche Generalvebammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon auf hoher See". — Palastlichtspiele (Kirchenplatz): „Lodernde Glut". Wettervo:. .Zs. Wenig Aenderung des vielfach heiteren, warmen Wetters, vorübergehend Gewitterneigung. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 24,5 Grad Celsius; Minimum: 12,9 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 14,1 Grad Celsius. ** Professor Gustav Traut mann, Der seit längeren Jahren Den Lehrauftrag für Musik an der Landesuniversität innehatte, unD auch als Dirigent des Akademischen Gesangvereins, sowie des Gießener Konzertvereins im Musikleben unserer Stadt eine führende Rolle spielte und sich als Musikpädagoge weit über die Grenzen unseres Hessenlandes hinaus einen hochgeachteten Ramen gemacht hat, ist im Alter von 60 Jahren plötzlich und unerwartet entschlafen. Eine eingehende Würdigung Der Persönlichkeit des Verstorbenen behalten wir uns vor. " Julius Siesel t- Hier verstarb gestern früh der Inhaber der Firma 3. Schmücker Rachf., Kaufmann 3ulius Siesel, nach langjährigem, schweren Herz- und Rierenleiden. Der Verstorbene, ein tüchtiger und allgemein geschätzter Kaufmann, hat es in nahezu vier Jahrzehnten verstanden, das von ihm übernommene Geschäft durch vorbildlichen Fleiß und geschäftliche Regsamkeit zu fördern und auszubauen. 3n der Öffentlichkeit ist Der Entschlafene, seinem bescheidenen und selbstlosen Wesen entsprechend, wenig hervorgetreten. Sein volles Interesse und seine ganze Arbeitskraft waren, auch noch in den Jahren der Krankheit, Der Firma gewidmet, Der er Vorstand. Besonderer Anhänglichkeit erfreute sich das von Siesel geleitete Geschäft bei der Landbevölkerung, deren eigentümlichen Bedürfnissen er sich in hervorragendem Maße anzupassen verstanden hatte, und aus Deren Kreisen Der Firma ein selten treuer Kun- Denftamm erwachsen ist. Auch unter seinen Mitbürgern genoß Siesel allenthalben ausgesprochene Achtung unD Wertschätzung. WSR. Dem Herbst entgegen. Der August pflegt in normalen Zeiten das beständigste Wetter zu bringen. Zwei Drittel des Monats stehen im Zeichen der durch ihre Hitze verütvHbiui vis zum 22. August dauern. Die Augustsonne soll Die Aehren auf den Feldern zur Reise bringen, der Landmann mit der Einbringung des Erntefegens beginnen. Beständigkeit Der Witterung wäre also ür das Augustprogramm des Bauern wie des Städters, Der sich im Urlaub befindet, mehr als je eine dringliche Voraussetzung. Hitze, Hitze ist der allgemeine Schrei. Daß der August besser wird als feine Vorgänger, angefangen vom Mai bis zu dem in reinster Herbststimmung zu Ende gegangenen Juli, hat er bis jetzt nicht bewiesen. Es ist zwar noch Sommer. Aber Der August ist ein Mann, dem schon Die Silberfäden an Der Stirn stehen. Schon lugt das erste Gelb aus Dem grünen Blätterdach. Schon senken sich Die Abendnebel. Die ersten Schleier herbstlicher Melancholie, auf Die Erde. Schon sind die Tage kürzer geworden. Schon flammen an trüben Tagen Die Lichter in Den Häusern zeitiger auf. Eine Bauernregel lagt: Was Juli und August nicht gekocht und nicht geraten, das läßt Der September ungebraten. Darum verstehen wir das Sehnen des Bauern unD des Winzers nach Hitze: Hundstage müssen braten, was im Herbst soll geraten. " Sonderzüge zur Leipziger Messe. Anläßlich Der Leipziger Herbstmesse werden auch diesmal wieder Gesellschckfks-Sonder- züge mit 3 3 Vs Prozent Fahrpreisermäßigung von Frankfurt a. M. nach Leipzig verkehren und zwar am 27. und 28. August vormittags ab 10.57 Uhr. Es empfiehlt sich, die Fahrkarten rechtzeitig, also mindestens 3 bis 4 Tage vor Abfahrt der Sonderzüge, bei E. B r a ch, Frankfurt a. M., Reue Mainzer Str. 60, zu entnehmen. Auskunft über Die Messe erteilen: H. Fuhr, Gießen, Sonnenstrahe 25, Tel. 632; die Handelskammer Gießen, Tel. 1647. WSR. Der kommende Winterfahr- p l a n. Der Entwurf für Den am 3. Oktober 1926 beginnenden Winterabschnitt des Fahrplanes 1926/27 wird ab 16. August D. 3. auf den Stationsbureaus zur allgemeinen Einsichtnahme aufgelegt. 3n Den Dahnhofsvorräumen weisen rote Aushänge Darauf hin, wo der Entwurf im Bahnhof eingesehen werden kann. Durch Den anhaltenden Verlehrsrückgang infolge der allgemeinen Wirtschaftsnöte ist ine Reichsbahn gezwungen, den Zugverkehr, insbesondere den Schnellzugverkehr, in Den Wintermonaten wesentlich einzuschränken. Auf Den Schüler-, Arbeiter- und Berufsverkehr ist jedoch hierbei die größtmöglichste Rücksicht genommen worden. Die Züge, Die ab 3. Oktober Wegfällen, sind im Fahrplanentwurf nicht mehr enthalten. WSR. Benutzung Der Schnellzüge mit Sonntagskarten. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft ist in letzter Zeit in einigen Fällen wieder dazu übergegangen, O-Züge für den Verkehr mit Sonntagsfahrkarten freizugeben. Angesichts mehrerer, in Der letzten Zeit vorgekommener Fälle, in Denen Reisende sich weigerten, den Zuschlag zu zahlen, sei darauf aufmerksam gemacht, daß bei Benutzung von Schnellzügen (O-Zügen) stets der Schnellzugszuschlag bezahlt werden muß. WSR Die Gültigkeit der Bahnsteigkarten. Wiederholt ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß Personen, die nur im Besitz von Bahnsteigkarten waren, in Den Feriensonderzügen angetroffen wurden, wo sie Plätze für ihre Angehörigen freihielten. Dieses Verfahren zur Freihaltung von Plätzen ist unzulässig. 3eDer, der mit einer Bahnsteigkarte im Zuge angetroffen wird, hat eine Geldstrafe zu gewärtigen. ** Straßensperrungen. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Ausbruchs- arbeiten wird die Goethe st raße zwischen 3ohannesstrahe und Südanlage vorübergehend gesperrt. Wegen Vornahme von.Umpflasterungs- arbeiten wird hiermit die „K l i ni ks b r ück e" am Bahnhof Gießen vom 17. d. M. ab bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. Anläßlich des am 22. August 1926 bei den Bootshäusern an der Lahn stattfindenden Schwimm- und Ruder» sport-Werdetages wird hiermit Der an Dem Bahndamm entlang ziehenDe VerbinDungsweg zwischen Rodheimer und EDerstraße am 22. August von nachmittags 2 bis 7 ülhr für jeglichen Verkehr gesperrt. •* Der Gewerbeverein veranstaltet nächsten Donnerstag eine Mitgliederversammlung im Gewerbehaus. (Siehe heutige Anzeige.) ** 3m Lichtspielhaus Bahnhofstraße wird gegenwärttg ein neuer Pat und Patachon-Film gezeigt, Der die Erlebnisse Der beiden luftigen Vagabunden auf einer unfreiwilligen Seereise schildert. Die recht humorvolle Handlung bewegt sich auf einheitlicher Linie und fällt auch zum Schlüsse nicht ab, wie daS leider bei einigen anderen Filmen dieser unzertrennlichen Gefährten Der Fall ist. UnD dieser neue Film hält auch insofern gutes Riveau, als sich die Späße auf einer Basis bewegen, die von der (Stenge des reinen Blödsinn erheblich abrückt. Zwei amerikanische Lustspielschlager vervollständigen das sehenswerte Programm. —z. Preußen. Meis Wetzlar. kz. Wetzlar, 16. Aug. Das ehemalige l.Rass. 3nf.°Rgt. 37 mit der Friedensgarnison Mainz plant für das Jahr 1927 die Errichtung und Enthüllung eines Ehrenmals für seine gefallenen Helden verbunden mit einer Wieder- sehensfeier. Da Mainz noch beseht ist, kann das Ehrenmal Dort nicht errichtet werden. Voraussichtlich wird ein Ort im Rassauer Land das Ehrenmal erhalten. Z Salzböden, 16. August. Ein seltenes Weid man nsglück war Dem Oberforstmeister Reichert von Krofdorf in den letzten Tagen hold. Er erlegte im Staatswald in hiesiger Gegend einen kapitalen Zwölfender. Das Tier wog über zwei Zentner. Leider war der Hirsch, wie man in der Jägersprache sagt, noch im Bast. kz. L ü tz e l l i n D e n , 16. Aug. Des günstigen Wetters wegen ist Die Fruchternte rasch vorangeschritten, so daß in etwa 10 Tagen die ganze Ernte bei anhaltendem trocknem Wetter beendet sein Dürfte, auch mit dem Einfahren hat man begonnen. Mit dem Körnerertrag ist man recht zufrieden. Bald wird an allen Enden deS Dorfes das Dreschen beginnen- Eine Dreschmaschine ist ständig hier, zu welcher daS Getreide vom Felde direkt zugefahren wird- Außerdem werden noch drei Dreschmaschinen nach hier kommen. kz. Groh-Rechtenbach, 16. Aug. Von prächtigem Wetter begünstigt fand gestern mittag hier das diesjährige M i s s i o n s f e st statt. Eine große Missionsgenreinde, Darunter zahlreiche aus- Dmerstag,18.AWßM nattom. 2 Ubr. versteinere tt6 zwangS- weise gegen rdarzahlung: haben! ■ 4 FRIEDENSQUALITÄT 8. STARKES FORMAT ch, W-ÄffiJ Kss-Ls- nsschK-^ ehemals ■'feiner 'Hä 5 las®» * C'Sh'S mit w l’öÄ^ i, bet^tn 9 bäte n» ft *4 ,.HHe. AiL y E S-66» Xv 4 »len. Ile der ?bit n " ?n trüben iw>a? und Aw>u» Äs«5 M? to,t bar • MTB ‘»Id «S Steiget. 5* Leipzig .Llugufi vor. W, die ens Z bis ei Sprach. --60, zu ent. erteilen: H. 632; Mt 'niniahr. «.de- W» d- 3 auf einen Einsch. j)D|d6onäumen - too der Snt. en kann. Durch ■9 infolge der Ke Reichsbahn > insbesondere ■ den Dinier, ranken. Aus ■rusöverkehr j - Rücksicht n(. ab 3. Oktober “ff nicht mehr Schnellzüge rutsche Reichs. iit in einigen r. V-Züge Ä :cn freizugckr iten Zeit tw lende sich bn< fei batauf auf« ng von Schnell' nellzugszufchlag der Rahn» die Dührnch« cfonen, die nur tonten, in den 'urbcn, wo sie 'Hellen. SiefeS Wen ift un> Ätte im a\t k& „ DoL Pvlizei' von Aufbruchs« rahe zviW vorübergehnd llmpflafterur^ initibrüdc" M. ab bis auf gesperrt. Anläden Aootshäusern mm« und Ruderer an dem Dahn- indungstotS ) Ederslrade 2 bis 1 Uhr für in veranstaltet ederverfammlung .•äs« tif einer unfrei« recht hgmorvvile nheitlicher.L^ S ab> M W ien dieser E ■ ist. Und dieser lis bewegen, Wbfinn tckbM »• jrogramni' » c weise gegen Barzahlung: ***D BESTE GESCHÄFTSREKLAME IST STETS EIN INSERAT IM GIESSENER ANZEIGER Buntes Allerlei. Susanne Lenglen und ihre Bekehrung. 1 Schreibtisch, 1 Kommode, 1 Laden- theke, 140 Verbandskasten, 2 Nähmaschinen, 2 grün emaill. Herde, 1 Friseureinrichtung, 1 Büfett, 4 Stühle mit Lederbezug, 15 gestreifte Mehgerjacken, 1 Fleischerftrickjacke, 1 Revolverdrehbank, 1 Doppelpult, 1 Spulvorrichtung, einen Oekonomiewagen, 1 2tür- Kleiderschrank, 2 Vertikos, 2 Anzüge, ca. 50 Bestecke Mester, Gabel, Löffel, 1 gr. Posten Fahrradbestandieile jegl. Art, Därme. Wagner, stellv. Gerichtsvollzieher. fjunge Frau, wasche Deine Waschei ®leben, den 9. August 1926. Hessisches Amtsgericht. Das Konkursverfahren über das Ber- mögen des Schuhmachers und Schuh, warenhändlers Heinrich Müller I. in Giehen wurde durch Beschlub vom 12. August 1926 eingestellt, da eine den Kosten deSVerfahrens entsprechende Maste nicht vorhanden ist. 6673c Sieben, den 12. August 1926. Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung In unser Handelsregister Abt. B wurde beute bei der Firma Hausgesellschaft der Arbeitgeber zu Dieben, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Sieben folgendes eingetragen: Steuersyndikus Paul Lünz- mann in Wehlar ist zum Stellvertreter des Geschäftsführers bestellt. Arbeiten sind schon soweit vorgeschritten, bah zu hoffen steht, den Dau noch in diesem Jahve vollendet zu sehen. bl Aus dem 2 h r t a l, 16. Aug. Die Getreideernte ist in vollem Sange. Die Frucht verspricht im allgemeinen recht gut aus- zufallen Korn, Weizen und Hafer tragen in allen Ortschaften gut Wenn auch der Regen etwa- Lagersrucht erzeugte, so macht dies nicht viel aus, denn was es im Tal weniger gibt, erzeugen die Höhen desto florier. Die Dickwurz könnten zwar besser fein, auch daS Obst wir in diesem Fahre nicht besonders auSsallen. Kartoffeln gibt es reichlich. 5trciS Westerburg. 00 Aus dem Kreis Westerburg, 16. Aug. Zu Anfang des Jahres hatte die Postbehörde den Fernsprechteilnehmern von Langendernbach die Errichtung eines Selbst. anschluh-AmteS angeboten unter der De- dingung, hab jeder Teilnehmer einen Zuschuß von 100 Mk. dazu leiste. Die meisten Teilnehmer waren hocherfreut, dec Vorteile eines Selbst- anschluh-Amtes teilhaftig zu werden, wozu der Zuschuß ihnen, verglichen mit den Vorteilen, ge. ring erschien. Da aber einige wenige sich zu diesem Zuschuß nicht entschließen konnten, muh die Gemeinde Langendernbach auf viele Jahre hinaus auf obengenannte Vergünstigung v e r - a i d) t en , zumal die Postbehörde erklären lieb, daß ihr Angebot nicht wiederholt würde. flott« Zeichner, mit Kenntnissen im Tiefbau für sofortigen Eintritt gesucht. Beschäftig gungsbauer etwa 3-4 Monate. Bewerbungen mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften sind bis zum 23. ds. Mts. unter 6694D an den Gieß. Anz. zu richten. WW, 18. AM nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, zwangs zwangS- einen Mnimgti Tic Versteigerung findet bestimmt flau der Crt wird im BcrfteigerungSIokaL Neuenweg 2S bekanntgegeben Dern, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstrane 13 p. €WlC Ds wird hier jetzt viel die Bekehrung der berühmten „TenniSchampionin" Susanne Lenglen besprochen. Es handelt sich durchaus nicht um eine religiöse Bekehrung Susanne Cenglcn hat sich Bum Bussineb überreden lassen. Sie verzichtet auf weitere Siege als Amateurtennisspielerrn, sie wird eine berufliche Spielerin und geht auf eine Tournee nach Qünerifa. Sie, die noch vor kurzer Zeit die naive Frage einer Same in Scau- ville, ob sie viel Geld verdiene, teils empört, teils belustigt hat, sie, die die Professionellen verachtet hat und es stets vorzog, mit ihren oft königlichen Partnern auf gleichem Fub verkehren zu können, Susanne Lenglen, die dem Sport und nur dem Sport gelebt, hat einen Vertrag mit einem Irnpressario getroffen. Es ist nicht schwer zu erraten, dah dieser Zmprefsario ein Amerikaner ist und dah es ihm nur mittels der Dollar gelungen ist, die ehrgeizige Eportsee den irdischen Gütern zugänglich zu machrn. Herr M. E. C. Pyle, der in seinem Lande schon dadurch bekannt ist, dah er den Fubballspieler Red Garnage sozusagen entdeckt und lanciert hat, erklärte neulich in einem verschwiegenen Salon eines eleganten Hotels am Place Dendöme einem Dutzend eleganter glattrasierter Herren, die sich als Vertreter der amerikanischen Presse legitimieren konnten, wie er Susanne gekapert hatte. Allerdings war er galant genug, um den springenden Punkt herumzukommcn. Riemand weih, wie hoch die Summe war, die Susanne Lenglen schwanken machte. Sie selbst spricht zwar sehr viel die letzten Tage über diesen Entschluh und läßt verstehen, dah man ihr einen zu glänzenden Vorschlag gemacht hat, als dab sie auf ihn nicht hätte eingehen sollen. Denn sie hat wohl einsehen müssen, dah der Ruhm eine vergängliche Sache sei und dab, wenn es auch recht angenehm ist, mit dem König von Schweden oder Spanien Kugeln zu wechseln, dies doch keinesfalls den Hnterhalt für die alten Tage sichert. Sie hat auch einsehen gelernt, dab der Ruhm eines Sportchampions eine recht zerbrechliche Angelegenheit ist und die letzten Tourniere haben ihr wc>hl offenbart, wie leicht wärtige Festgäste, hatten sich auf dem alten Friedhöfe im Schatten des alten Kirchleins versammelt. Die Leitung dos Festes lag in Händen unseres Ortspfarrer» K a P p e l l. Um 2 Ähr begann die Hauptfeier mit dem LobvrerSlio unter cem Schalle der Posaunen: .Fehovah. Fehovah!" Missionar MauS hielt eine packende Ansprache über das grundlegende Moment der ganzen MissionSarbeit, dem die Bitte des Dateruwers zugrunde lag: Dein Reich komme Um 4 Uhr versammelte sich zum Ätocitenmal d e Missionsgemeinde: Missionar Maus sprach über seine Wirksamkeit in China und feine längere Tätigkeit alS Reiseprediger. Missionar Bär ergänzte die Ausführungen durch Besprechung und Vorzeigung von cÄnesischen Götzenbildern, Opium- pfetfen. Schuhen, Schmucklä nun en, Brautschmuck, Hochzeitsschmuck von Düsten u. dgl. Die Feier wurde verschönt durch Dorträge des Posaunenchor» unter Leitung von Kuhl und Gesangs- torträgen des Gemischten Chors unter Leitung von Fritz Loh. — c — Klein-Rechtenbach, 16. Aug. Gelegentlich des augenblicklich hier im Gange befindlichen Zusammenlegungsversah- rens der Grundstücke in unserer Gemarkung wird auch die Platzfrage für den geplanten Schulhausneubau ihre endgültige Lösung linden. Der zuerst für den Aeubou vorgesehene Platz an der an unserem Orte vorbeiführenden Prooinzial- ftrabe soll wegen seiner ungünstigen Lage aus- geaeben und ein in der Mitte unseres Ortes ■letegene», für diesen Zweck besser geeignete» Geländestück hierfür in Anspruch genommen werden. kz Reiskirchen, 16. Aug. Unser Ort ist weit und breit bekannt wegen seiner groben Zahl von Hub bäumen, die fast jeden Bauernhof und die nächste Umgebung des Orte» zieren. 3n diesem Jahre ist der Ertrag auherordentlich gering. Da die Hubblüte gegen Kälte sehr empfindlich ist. nimmt man an, dah die Blüten, die im Frühjahr reichlich vorhanden waren, in kalten Frühlingsnächten erfroren find. Die Apfelernte ist unbedeutend. Um so gröber ist die Birnenernte, so dab die Leute wohl zweimal Honig kochen können. Kreis Biedenkopf. kz. AuS dem Kreise Biedenkopf, 16. Aug. Die Kirchengemeinden des Hinterlandes rüsten sich für Sonntag, den 22. August, zur 4003abrf eier der Einführung der Reformation, am 25. August soll dann noch eine gemeinsame Feier des ganzen Hinterlandes in Biedenkopf stattfinden, bei welcher Gelegenheit auch das Aufnahmeheim des Hinterländer RettunasvereinS seiner Bestimmung übergeben wird, das aus gemeinsamen Spenden der Kirchengemeinden errichtet wurde. Dillkreis. bl. Dillenburg, 16. Aug. Rach dem Stande vom 14. d. MtS. beträgt die Zahl der männlichen Vollerwerbslosen das Streifet 1337, die der weiblichen 20 Personen Bei Rot- slandSarbeiten werden 356 Mann beschäftigt. Die Zahl der Zuschlagsempsünger beträgt 2253 Per- fönen. Die Gesamtzifser ist gegenüber der Vorwoche um 30 Personen gefallen. — Die Weihe unseres im Dau befindlichen Kriegerdenkmals wird voraussichtlich am 26. September erfolgen. ol Ballersbach, 16. Aug Der 14. und 15. August war der edlen Turnfache in unserer Gemeinde gewidmet, galt es doch die neue Turnhalle festlich zu weihen. Die ganze Gemeinde und viele Bewohner der Rachbarorte nahmen regen Anteil an den Veranstaltungen. Om Jahre 1924 wurde mit dem Bau der Halle begonnen, oftmals muhte er wegen Mangel an Mitteln unterbrochen werden eher der feste Dille zur Tat und der Gemeinschaftsgeist unter den Bewohnern ließ das schöne Bauwerk erstehen. Den g'.ohten Teil der Bauarbeiten leisteten Der- ctn£mt:g«ebet: dazu hatte der Kreis bzw Staat fteid eine offene Ha^d. das Haus weiter zu fördern. Heute steht die Halle aus schöner Anhöhe am Ende deö Dorfes. Die Außen- und Innenausstattung ist gc'chmackvoU. dazu ist die Hoile sehr geräumig. Samstagabend traten die hiesigen Vereine zu einer Abschiedsfeier tom alten Turnsaale an. 3ra geschlossenen Zuge ging ei dann unter Vorantritt Cer Dillenburger Ctabt- kapelle nach dem neuen Heim. Hier überreichte Architekt Schäfer im Romen der Bauleitung den Schlüssel zu der Halle dem Vorsitzenden des Turnvereins. H i 1 k. In dem HouS fand bann der offizielle Festakt statt. Die Dillenburger Stadtkapelle eröffnete den Abend mit einem Feftrnorfch. Der Männer gefangnerein trug den Ehor ..Grüß Gott" vor. worauf Lehrer Herr warme Morte der Begrünung für die Anwesenden, insbesondere aber für den stellvertr. Landrat, Regierungsrat Dr. Bünge. Studienrot Bohner. Dillenburg, als Gau Vorsitzenden des Lahn- Dillgoues, Pfarrer Krücke u. a. fand. — Pfarrer Krücke hielt im Verlauf des Abends die Weiherede. Er zollt dem Turnwefen vollste Anerkennung und forderte zur fleibigcn Arbeit auf damit durch körperliche Ertüchtigung eine gesunde Jugend heranwachse. Die ganze Weiherede war durchdrungen von der Hoffnung, dost dem Vaterland die deutsche Turnerei von größtem Ruhen sein möge. Studienrat Bahner, Dillenburg, gab feiner Freude über den stolzen Bau Ausdruck und erinnert daran, dost der Turnverein Ballersbach von 112 Vereinen deS Soues der 22. Verein sei, der ohne nennenswerte Zuschüsse eine Turnhalle selbst erbaut habe. 3m Rainen der KreiSverwaltung deS Dillkreises überbrachte Regierungsrat Dr. Dünge herzliche Grütze. Redner erinnert daran, dost der KreiS alles mögliche zur Vollendung des Baues getan habe. Weiter gedachte er den Turnbrüdern in den besetzten Gebieten und gab dem Wunsche Ausdruck, dah an dieser Stätte deutsche Männer erzogen würden, die sich ganz für daS Vaterland einsehen. Der Toten deS Weltkrieges wurde durch Erheben von den Sitzen gedacht. Der Kommers wurde umrahmt von Mufikvorirägen der Stadtkapelle. 3n den Dienst der guten Sache hatte sich außerdem der Gesangverein gestellt, wie auch der Turnverein Ballersbach und Herbornfeelbach exakte Hebungen am Barren sowie Freiübungen zeigten. Außergewöhnlichen Beifall fanden die Volkstänze der Herborner Turnerinnen. Sonntagnach- mittag traten die hiesigen Vereine zum Festzug' an. 3n schmucker Folge marschierte man unter Vorontritt straffer Marschmusik nach der Halle. Lehrer Herr sprach Willkommensgrühe und gab einen Heberblick über die Entwicklung des Doues. Kreisjugendpfleger L ü ck h o f f, Hirzenhain, sprach in anerkennenden Worten über das schöne Bauwerk und feuerte an zur regen Arbeit zum Wohle der Jugend. Dann zeigte der Turnverein fein Können durch Darbietungen auf dem Platze. bl. Bicken, 16. August. Die Gemeinde ist derzeit mit dem Bau einer Wasserversorgungsanlage beschäftigt. Am 26. April dieses Jahres wurde mit den umfangreichen Arbeiten begonnen, die man in etwa drei bis vier Wochen zu Ende zu führen hofft. Drei Quellen wurden nach Eisemroth zu erschlossen, die nach dem Sammelbehälter und von hier nach dem Hochbehälter laufen. Das ganze Projekt wird im Wege der produktiven Erwerbs- lofenfürsorge gefördert. 40 Erwerbslose führen die Arbeiten unter Leitung von Fachleuten aus. Die gesamten Sauarbeiten werden im Akkord ausgeführt. bi. Steinbach (Dillkreis), 16. Aug. Hier wird ein neues Schulhaus erbaut. Die ff Gefährde nicht Gewebe I und Farben durch schlechte Waschpulver oder Seifen. Sunlicht Seife ist reine Seife, ihr rei■ i eher milder Schaum lost I schnell allen Schmutz, f schont die Wäsche und gibt ihr köstlichen Duft. man sich übertrumpft sehen tinwut WaS bann? Welche Zukunft erwartet eine Sportgröhe, wenn ihre Kräfte nachgeben, chre Elafttzität nachläht? DoS Vergessen der Menge und selbst der Panner, denn die SpoNwelt ift wohl noch mehr alt jene anberc unter der Macht der Stunde. Susanne Lenglen sogt dies olles mit verschleierten Worten, aus denen viel Lebensweisheit sich erraten läfjt. Geht sie gerne auf die Tournee? Sie soll in den Vereinigten Staaten, in Kanada, in Florida, in Kalifornien, üt Meriko und auf Kuba auftccten; die Reife an und für sich mübte manch einen reizen, aber man kann Susanne Lenglen vielleicht darin Glauben schenken, dost ihr dies weniger als eine Lustreife und mehr als eine Riederlage erscheint. Eine Riederlage, die mit viel Geld ausgewogen wird. Hnd die Welt? Was sagt die Welt zu dieser Bekehrung? Die französischen Blätter sind diplomatisch, sie sagen Zugleich ja und nein, wohl hätte sie da- Recht dazu gehabt, an ihre Zukunft zu denken, sie habe für den Ruf de- sranzösischeu Sportes genug getan und dennoch ... Denn was ist leichter, als seinen Reid in eine gespiegelte Empörung zu vcrileiden? Was leichter, als die Fahne >es fremden Idealismus, der unS ja nicht- kostet, Hochhalten au wollen? Susanne Lenglen weif), dah viele, die sie bewundern, ihr ben Schritt nicht verzeihen werden, aber Susanne Lenglen gebt mit dem Geiste der Zeit mit. Die Kunst, die sie nur wenigen gezeigt hat, wird jetzt Nr Menge zugänglich werden und darin liegt wohl die Bedeutung deS Schrittes von Susanne Lenglen, wenn sie eS auch vielleicht nicht mit in Betracht gezogen hat Ein sparsamer König. In der Zeit der Frankentwertung gibt Ä ö - nig Albert von Belgien seinen Hnter- tanen ein bemerkenswerte- Beispiel von Sparsamkeit: er benutzt keinen Krasttvagen mehr, sondern ein billiges Motorrad. Die sranzöiifchen Zeitungen, die dieses Vorbild zu rühmen wissen, finden folgenden Vorfall besonders amüsant: Der König fuhr auf feinem Motorrad daher, als er von einer Polizeistreife angehalten wurde, die ihn nach der Bescheinigung über die für sein Rad gezahlte Steuer fragte. Das Erstaunlichste dabei ist, dah der König — vorbildlich auch hierin — diese Steuer wirklich gezahlt und seine Quittung auch tatsächlich bei sich hatte. GkWMlWS'MfleiMW. Montag, den 23. August, vorm. 9 Hhr, wird das GrummetgraS von den stSkallschen Wiesen in den Gemarkungen Garbenteich, Leihgestern und Watzenborn, das Gras von Mähplatten, den Eisteichen ' dem Pelersweiher und der Klosterwiese' in der Wirtschaft des Gg. Sommer VI. zu Watzenborn versteigert. Weitere Auskunft erteilen die Herren Förster Menges zu Forsthaus Baumgarten und Forstwart Heh zu Leihgestern. Giehen, den 16. August 1926. Heff. Forstamt Schiffenberg. Schneider. Me4D Rundfunk-Programm des Frankfurter Sender-. (Aus der ,Radio-Hmschau-.) Mittwoch, 18. August. 3.30 bis 4 Hhr: Die Stunde der Fugend. 4.30 bis 5.45 Hhr: Konzert des Hausorchesters: Reue amerilanische Tanzmusik. 6.15 bis 6.45: „Methoden des Ringkampfs". Dortrag von Dr. Paul Laven 6.45 bis 7.15: Italienischer Sprachunterricht. 7.15 bis 7.45 Hhr: Funkhochschule Frankfurt: „Das visionäre Element in der neuesten deutschen Dichtung". Vortrag von Prof. Dr. Hans Schultz. 8.15 Hhr: Hebertragung andern Kurhaus Bad Homduvg v. d. Höhe. — Kammerkonzert des Kurorchesters. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandtc Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. AnieigenauftrSge sind lediglich an die Geschäfts st eite zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil i. V. Dr. Hans T h h r l o t. Gießen, den 15. August 1926. 6675D 6695D Der Vorstand. 6688Q Nachruf 2251c Fernsprecher 1659. diesem Wege unseren innigsten Familie Heinrich Euler den 17. August 1926. Wieseck, 6682V Ihre Vermählung beehren sich anzuzergen Gießen Man rühre Trauung 10*/, Uhr in der katholischen Kirche mich kalt an Vertreter: Herr 6693D 6?if einem tzahr Han« Uh 119 T&hoVi Suppen in Wurstform LIEBI6SHOHE 6666V TEE c ausChina,Indien und Ceylon Mietgesuche I 1 - Berater bleiben. bis zur Aufopferung schaffender Meister, als treuer und lieber Freund allezeit in lebendiger Erinnerung allen auf Dank. Dr. Geyer Dr. Neumann Dr. W. Klein Dr. S. Klein Dr. Stuhl. B. G.-v. Sieben ev. Heute abend Kam.: Vereinigung Dr. med. Carl Neinens und Frau Erna geb. Schwarz Eoimeridier Warea-Expedition Gießen, Lindenplatz 1, Teleph.1257 Geldern (Rheinland) den 18. August 1926 Donnerstag, den 19. August, abends 81/« Uhr 2. Sonderkonzert der Kapelle des Reichswehr-Regiments 15 Leitung: Obermusikmstr. Löber. Der Akademische Gesangverein. Giessener Konzertverein. und lasse mich dann 20 Minuten kochen. Alsdann verwandle ich mich in 6 Teller hochfeine, schmackhafte Suppe. Meine Familie besteht aus den Sorten1. Erbs fein, Erbs mit Speck. Erbs mit Reis Blumenkohl. Spargel.Tomaten. Grünkern, Pilz. Ochsenschwanz. Krebs, Teigwaren. Dabei bin ich so billig! Jeder Kaufmann hat mich. Was er in einem Menschenalter in künstlerischer Arbeit und im Streben nach höchster Vollendung erreicht hat, bildet ein Ruhmesblatt in der Geschichte Gießens. Uns, die wir das Glück hatten, ihm näher zu stehen, wird er als seiner schönen Kunst bis zum letzten Hauch ergebener, nimmermüder und In tiefer Trauer: Die stud. Reformverbindung »Adelphia« im V. D. B. I. A.: Hainer, Ferien Vertreter. Bei ungünstiger Witterung im Saale Streichmusik. Z Gießen, den 16. August 1926. Die Beamten und Angestellten der Stadt. Elektrizitätswerke und der Straßenbahn. 6602 D Am Sonntag, dem 15. d. Mts., verschied nach kurzem Leiden unser lieber Mitarbeiter Herr Ludwig Dick, Techniker Wir betrauern in dem so früh Dahingeschiedenen einen lieben Kollegen, der sich durch seine rege und freudige Mitarbeit, sowie durch seine edle und aufrichtige Gesinnung bei uns ein bleibendes Andenken geschaffen hat, welches wir allezeit hoch in Ehren halten werden. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers bei dem Hinscheiden unseres teuren Entschlafenen, sagen wir b-8'Aimmer- wohnung b. zeitgemätzerDuele zu Mieren oefuebt. Schr. Angeb. unter 6685va.dGietz.Anz. Nach schwerem Leiden verschied am 13. August unser lieber Ehrenphilister Herr Heinrich Emmelius Verkäufer aus der Textilbranche für einige Monate, ver 1 Sept. ob. früher gesucht. Am vergangenen Freitag verschied unerwartet und uns allen zu früh Herr Professor GustavTrautmann. AKltzM zugelaufen. 05,11 Studentcubcuu, Schöne Aussicht. Frische Fische Morgen früh 9 U^r eintreffend: Pa. Schellfische, Cabliau und Seelachs 6690c im Ausschnitt ff. Merlan und grüne Heringe Frische Weintrauben Pfirsiche, Tomaten, Zitronen Frische Bücklinge % WM Amrum Bahnhosstratze 27. Fernspr. 1631. 1866 Alfersvereinigiiitg 1916 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, die Mitglieder von dem Ableben unseres heben Altersgenossen Herr «Julius Siesel geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 18. August, nachmittags 31/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um recht zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Sanilitol Dr. MM verreist M M von Beamten gegen gute Sicherheit zu leihen zesM. Schr. Ang. u. 05649 an den Gietz. Anz. MMeZf Al'MWM | werd, fackgemätz r u. preiswert ge- ♦ stimmt u. revar. j | Sieben, vioam.li | Telephon 2403. | Ankaiiflbr. Slnv. t u. Harmoniums t Schwimm- u. Rudersport- Werbetag Sonntag, den 22. August 1926, nachm. 3.30 Uhr, bei den Bootshäusern. Eintrittspreise für Erwachsene: Sitzplatz Mk. 1.—, Stehplatz Mk. 0.50; Schüler u. Studenten: Sitzplatz Mk. 0.75, Stehplatz Mk. 0.35. Vorverkauf in den Sportgeschäften Schneider,Neuenweg, und Schwan,Mäusburg, sowie in den Iigarrengeschäften Mörser und Loeb. C696D Ab 1. September gebe ich monatliche Kurse INI AnittzMm, 3«i(fii!tibeii und Mstttigiing non Wiisidc aller Art, auch nehme Aufträge von Wäsche zum Ansertigen entgegen. Durch Besuch der Schneiderlehranstalt Leipzig u. Ablegung der Meisterprüfung bin ich tn der Lage, allen Anforderungen gereckt zu werden. Auskunft erteilt Dietzen, Dammstr. 24 vart. und Klein Linde», Wilde lmstr. 5. Elli Zecher. Schr. Angebote nebst Zeugnisabschriften i MSMNlüNli umer 056o6 an den Giegener Anzeiger. I in der Stadt Kaffel. ingentcuvKhuk Technikum AltcnburgTb STAATSKOMMISSAR MaiS | Verschiedenes) 3000 Atteste bezeug.. daß Hautjucken . Flechten. Pickel. Beinschäd., Krätze. Schuppen, läst Schweiß, Hae- monhoiden. Aus- schlagmit„Krtttz- nrgan" beseitigt werden können. 75-, 100- u. 150-Gr.- Pack. Mk. 1.50. 2 -, 3.—. Auch Versd Drogerie Karn, ^D Schulstraße. 1 (Stellenangebote) 400 Mk. Monatsverdiensi Tüchtige itaaiMiiM) redegewandt, für Baden, P'alz und Hessen werden gesucht. Off. uni. F. G. 80 an die Annoiicen- Exved. A. Müller, Karlsruhe. 6661V Tüchtiger V5,M AiihmMcrgcsellk für sofort gesucht. Heinrich Blnm, Schuhreparalur- fabrtk. Kirchenpl. 8. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦❖♦ Junges um für Haushalt von 10 bis 2 Uhr gesucht. Nou e. öiennger ^DGoethestr. 7u l. . ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦I (Stellengesuche] Bür tüchtige und gewissenhafte Kontoristin sofort Stellung gesucht. Sckr. An geb. imter05657 n. d. Gietz. Anzeiger erbeten. j Verkäufe | Sehr wachsamer B. SchäierliiHii billig zu verk. Näh. in der Geschäktsst. des Gietz. Anz. 05650 ÄcntiuriNiili gut erb., zu verk. 0>tw ^rankfrt.Str.34Il Cutaway m. eleg. gestr. Hose, für fckL gr. Figur, preism. ,zn verkauf. Näh. i. b. Geschäfts- stelle d. 05644 | Kaufgesuche | Haus in Lick, Hungen ob. Nidda, bet guterAn- zahlg. zu bauten gesucht. Ang. erb. an Erich Kretzichmcr, Gietzen, 01641 Kaiferallee 28 y. Stolte. 6676c Die Direktion der Elektrizitätswerke Ueberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. Am Sonntag, dem 15. d. M., verstarb unser langjähriger Mitarbeiter, der Techniker Ludwig Dick. Wir verlieren in ihm eine wertvolle Arbeitskraft und werden ihm ein dankbares Gedenken bewahren. nr. 191 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Der Kampf zwischen den Sowjetsührern. Don unserem 3. K.»Derichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau. August 1926. Das Dunkel, das bisher den Kampf innerhalb der Kommunistischen Partei Ruhlands verbarg, btzginnt sich langsam zu lüften. Der Sturz Sinowjews hat die öffentliche Meinung über das grobe Geheimnis aufgeklärt, so dah man jetzt endlich etwas Genaues über die Dorgänge innerhalb der Kommunistischen Partei sagen kann. Es ist das folgende. Die Kommunistische Partei Ruhlands sowie das ganze kommunistische System machen eine schwere Krise durch, die die Führer der kommunistische Bewegung feit_ langem sahen, aber jeder nach fernem eigenen System lösen wollte. Da bisher eine Einigung über das richtige Mittel nicht erreicht worden tft, bekämpft also ein Führer den anderen und versucht ihn t>j>n der Richtigkeit semeS Systems zu überzeugen. Dieser intellektuelle Kampf hat schon gleich nach dem Tode Lenins, der Ruhend ohne eigentlichen Führer Hm. (mgefangen. Später wurde er auf dem Kongreß der Komnuuristischen Partei im Dezember des 3ahres 1925 zum ersten Male durch Sinowjew in bip Oeffentlichkert getragen, in dem Simxwjew ertiärte, dah er und nur er der einzige s-i, bet Lenins Politik fottfehcn föttne und imstande sei, die kommunistische 3oee auch in der Zukunft aufrecht zu erhalten. 3edoch lchrrde Smovchew qyf Mefe OdKärung hin von einigen kommuntst^chep Führern, hauptsächlich d«N foganannien „H«P."^Leuten. oder wie die liflten KommmBisten sie nennen, den „Wirtschaftlern", stark angegriffen. Stalin, im Hamen der Kommunistischen Partei Ruhlands und T o m s k i iw Hamen der russischen Gewerkschaften stellten sich gegen Sinowjew und einige Parteimitglieder verlangten sogar, dah Sinowjew aus dem Polükbureau ausgeschlossen und als Vorsitzender der Kommunistischen 3ntemationale abgeseht werden solle. Damals hielt man solche Maßnahmen aber für zuweitgcchend. so dah Sinowjew, gestützt auf den linken Flügel der Partei und die ßeningraber Garnison, seine beiden Qfomter weiterhin behalten konnte. Wie weit die Gegensätze zwischen Sinowjew und den anderen russischen Kommunisten gediehen waren, zeigten jedoch immerhin einige Reden, die auS dieser Tagung bekannt wurden. Als Sinowjew eine sehr scharfe Rede gegen die Anhänger Stalins hielt, sprang Tomski auf und rief ihm zur „Grischa, du 'kannst doch zu Komintern gehen und dich dort über uns beklagen!" Sinowjew erblühte und nach einer kleinen Pause rief er zornig aus: „Das werde ich auch tun!" Sinowjew hat fein Wort gehalten. Auf der letzten Sitzung, auf welcher die Frage Sinowjew-Laschewitsch behände ll wurde, konnte der inzwischen verstorbene Dzerschin - s k i die Anklage erheben, dah Sinowjew als Vorsitzender der Komintern fast mit sämtllchen kom- munistischen Parteien des Auslandes ohne Wissen des Polltbureaus und der anderen Mitglieder der Komintern in ständigem Kontakt gestanden habe. Roch mehr, Dzerschinski behauptete, dah Sinowjew in der letzten Zeit seiner Tätigkeit sich gegen die Leitung der russischen Kommunistischen Partei sogar der Radiotelegraphenstalion der Komintern sowie der diplomatischen Kuriere der Sowjetregierung bedient habe. Hur die Tatsache, dah Dzerschinski durch seine G. P. U.» Hgenteil von dieser Tätigkeit Sinowjews erfahren hatte, rettete Sinowjew vor dem Scherbengericht seiner Parteigenossen. Man hiell es denn doch für zu kompromittierend, dah ein Genosse auf Spihelangaben der G. P. II. hin verurteilt würde und überschätzte wohl auch den Einfluh Sinowjews auf die Armee. Erst als Sinowjew durch einen offenen Brief, den er an den russischen Zentral- und Vollzugsausschuh in Form einer Broschüre richtete, auch der weiteren Oeffent- lichkeit seine oppositionelle Stellung bckamrtgab, wagte man es. gegen ihn vorzugehen, weil er erst damit gegen den obersten Grundsatz der einheitlichen Parteidisziplin soweit verstohen hatte, dah trte Öffentlichkeit nichts gegen seine Absetzung einwenden konnte. 3n dem Briefe an den allrussischen Zentralen Vollzugs ausschuh hatte Sinowjew nämlich erklärt: „Das. wovor Lenin immer so grobe Angst batte, ist eingetreten. Wir sehen dem Untergang der Roten Armee entgegen. Anstatt reiner Kommunisten haben wir heutzutage hohe Dureaukraten, halbbourgeoise Diplomaten und Kaufleute, welche die Toleranz der sowjetrussi- fd;tn Anständigkeit m.ßbrauchen, indem sie «ich mit roten Kokarden dekorieren. Das Blut, das das russische Proletariat in den Fahren 1917 bis 1920 vergossen hat, ist nutzlos vergossen worden. Der Kommunismus existiert nur nach auhen bin. 3n der Partei selber und unter der Regie» ruugsbureaukratie ruft der Kommunismus nur ein gutmütiges ironisches Lächeln hervor. Die Parteiausrottung und die moralische Zerrüttung sind im ganzen Regierungsgebäude soweit fortgeschritten, dah nur außergewöhnliche Mittel die Lage retten iönnen. 3ch weih nicht, was ihr mit mir. sowie mit meinen Gesinnungsgenossen. die den Mut haben, eure Sünden gegen das Protektorat vor der ganzen Welt aufzudecken. machen werdet. Eins aber weih ich dah, wenn ihr den Dogen zu straff anziehen werdet, das ganze Sowjetgebäude zusammenbrechen und unter seinen Trümmern die russische Partei auf lange 3ahre hinaus begraben wird!"... Also offene Rebellion, die um so schlimmer war. als sie sich an die Führer der Roten Armee richtete und die zusammen mit der Aufdeckung der Verschwörung in dem Wäldchen bei Moskau Sinowjews Stellung den Todesstoß versehen muhte. Richt immer kann man glauben, was Gerüchte sagen. 3n Sowjetruhland aber muh man ein wenig an Gerüchte glauben, da eine Pressefreiheit nicht existiert und jede Frage nur durch die Parteien und Aegierungsorgane in einer vorher ausgearbeiteten und stilisierten Form veröffentlicht wird. Darum spielen die Gerüchte eine so grobe Rolle. Die Vergangenheit hat schon oft gezeigt, dah Gerüchte, welche monatelang durch die kommunistische Presse dementiert wurden, sich später als Tatsache herausgestellt haben. Darum soll hier auch ein Gerücht verzeichnet werden, das das Wahrscheinlichste in einem ganzen Chaos von Meinungen ist. Es wird erzählt, dah Dzerschinski. nachdem er seine Anklagerede gegen Sinowjew gehalten hatte, erklärte, dah Sinowjew durch den Verrat an der Kommunistischen Partei fein Leben verwirkt habe und deshalb wie jeder andere Verrät« zum Tode verurteilt werden müsse. Fast sänttliche Mitglieder des Politbureaus stellten sich jedoch gegen diese Forderung Dzersch'.nstts und machten den Kompromihvorschlag. Sinowjew vom Politbureau auszuschliehen. Als dieser Beschluß mit allen gegen Dzerschinskis Stimme durchging, verlieh Dzerschenskii in auherordent- licher Aufregung die Sitzung. Am gleichen Tage fand man Dzerschinski m seinem Hause abends tot auf. Ob diese Darstellung zutreffend ist oder nicht, kann man heute noch nicht feststellen. Sicher ist nur, dah Dzerschinski an dem Tage gestorben ist, an welchem Sinowjew aus dem Politbureau ausgeschlossen wurde. Der Tod Dzerschinskis wurde sofort befanntgegeben, während die Öffentlichkeit von dem Ausschluß 6t- nvwjewS aus dem Politbureau erst drei Tage nach dem Tode Dzerschinskis erfuhr. Man wird also abwarten müssen, was der nächste allrussische Parteikongreh über diese Angelegenheiten Auten- tisches berichten werde. wie es heute in Südwest cmsfieht. Don Wolfgang Weber. Südwest nimmt unter unseren früheren Kolonien eine Sonderstellung ein: sie ist die einzige, die deutsch geblieben ist. Hur die Beamten wurden ausgewiesen, und die angeblich „'Borbestraft en“, unter deren Deckmantel auch alle die ausgewiesen wurden, die der englischen Verwaltung nicht genehm waren. 3mmerhin leben dort heute fast 9000 Deutsche gegen zusammen 9000 Engländer und Buren und in allen Wahlen der letzten Wochen haben unsere Landsleute von 12 Sitzen 7 erringen können. So hat Südwest seinen deutschen Charakter vollständig erhalten. Am wenigsten hat sich Windhuk, die englische Derwallungsstadt. dieses deutsche Gesicht erhalten. Etwa 1000 Beamte mit ihren Familien wohnen dort, 75 Prozent der Bevölkerung ist englisch. Als Lord Buxton im Oktober 1919 dort eintrat, meinte er: „Unter feinen Umständen wird das Land an Deutschland zurückgegeben werden." Es ist zu befürchten, dah die Union diese Ankündigung wahr machen wird, und gerade das mit ihr verwachsene Südwestafrika wird kaum an uns zurückkommen. Der deutschfreundliche Premierminister Hertzog erkannte in einem längeren Aufsatz in der „Cape TimeS" Deutschlands koloniale Tätigkeit in Südwest durchaus an. aber er bemerkte zugleich, dah Südwest wirtschaftlich zu dem englischen Südafrika gehöre. Tatsächlich wäre Geschichten vom Regenschirm. Don Richard Linden- GS regnet. Regnet strippenmunter und fast ununterbrmhen in diesem Sommer. Der trügerische Sonnenschein, der sich ab und zu schüchtern in Erinnerung bringt, kann auch den Vertrauensseligsten nicht mehr täuschen. Man weih es nur zu gut: irgendwo — tief unten am Horizont, den man hinter den Steinmauern der Stadt nicht sieht, lauem Wolken, dicke graue Wolken. Ein kleines Windchen genügt, unb sie kommen herauf, unp ein weniges später gießt es. 3n Strömen. — OBebe dem, der dann ungerüstet, unbeschirmt auf der Straße spaziert! Drum: wer klug ist, baut vor und gehst selbst bei strahkendem Sonnenschein nicht ohne Regenschirm von Hause fort. Wenn alle Wett es sich anaewbhnen würde, dieses als lästig verschriene Möbel stets mit sich zu führen ich garantiere, der Regen verzieht sich spornstreichs, denn bekanntlich und mit der gröhien Doshastiskdft regnet es immer nur dann, wenn man keinen Schirm bei sich bat. Und ist er denn wirklich so lästig, dieser mel- geschmähte Regenschirm? — Es scheint doch, als ob die Zett endgültig vorüber wäre, da man sich über ihn ärgerte, denn der moderne Schirm, besonders der Heine, so kurios und luftig an- schauende Damenschärm, ist ein Wunder an Zweck- Säßigkeit und Leichtigkeit. An einem dünnen lernen baumelt er am Handgelenk seiner Trägerin und macht sich in keiner Weise unangenehm bemerkbar, weil man nicht, wie früher über seinen langen Artgenofsen stolpert. Braucht man ihn aber, so ist er gefällig zur Hand, und braucht man ihn nicht, dann oient er als kokettes Schmuckstück. das man auf vielerlei Art tragen kann: am Arm, im Arm oder unter dem Arm, je nach Einfall und Eigenart seiner Besitzerin. Der heutige Schirm ist ganz gewiß ein Ding, das man liebgewinnen kann, er ist hübsch und praktisch zugleich. Unsere Vorfahren hatten es in dieser Beziehung nicht so gut. Die Regenschirme früherer Zeiten waren schwere, ungefüge Gebiloe. die eine beträchtliche Anzahl von Pfunden wogen und noch nicht zum Auf- und Zullappen eingerichtet waren. Sie boten einer vielköpfigen Familie Schutz, wurden in hohen Ehren gehalten und vererbten sich von Generation zu Generation fort. 3br großes Gewicht und die unpraktische Handhabung waren Schuld daran, daß man sich dieser „ Familiendächer“ nur ungern bediente, sondern sich lieber durch wollene Regentücher, die man über den Kopf zog. oder durch pilzförmige Regenhüte schützte. Gin sonderbares Regendach hatte sich der russische Fürst Putjatin, der Anfang des neunzehnten 3ahrhundertS in Dresden lebte, konstruieren lassen. 3n den . Lebenserinnerungen eines alten Mannes" erzählt Wilhelm von Kü- gelgen über ihn folgendes: „Meine Dresdener Zeitgenofsen werden sich erinnern, daß ihnen te zuweilen bei Regenwetter ein wandelndes Schilderhaus ober ein Pavillon von schwarzem Taffet begegnet ist. Das war ein Fürst. Sich bei Exponierung des ganzen Körpers nur allein den Kopf zu schützen, hielt er für unzuträglich, und er erfand daher diese Verunstaltung, welche mit Reinen Glasfemstern versehen, die ganze Gestalt bis an die Knöchel bedeckte." Die ersten Schirme brachten portugiesische Seefahrer im 16. 3ahrhändert aus dem Orient nach Europa herüber. Man führt den Ursprung des Schirmes bis auf das heidnische Altertum aurüd, wo er ein Privileg der regierenden Fürsten war. Rach seinem B«anntwerden in Europa war Frankreich das erste ßanb, das die Fabrikation von Schirmen übernahm. Es stellte sie mit langen Schirmstöcken qus wohlriechendem Holz und Gestellen aus Fischveinstangen her, Me seine Expansion nach dem Kap. der übrigen Union und Rhodesien ohne das Fallen der Grenze undenkbar gewesen. Und noch eins: Süd- West hat endlich seinen Hafen erhalten. Unsere Kolonie besaß nur eine einzige Einbuchtung, die den Schissen Schuh vor dem gefürchteten Süd- ostpassat bot: Lüdcritzbucht. Aber diese diente nur dem Verkehr mit den Dtamantseldern. die sich in der Hähe des Hafens ausdehncn. Das Hinterland von Keetmanshoop wickelt seinen Verkehr ausschließlich über die Kapbahnlinie ab. 3m Horden aber, wo die Entfernung vom Kaplande ganz bedeutend ist und wo alle aus dem 3nneren und aus der Hauptstadt Windhuk kommenden Derkehrsstraßen an einem einzigen Punkt an der Küste zulammenlaufen, da war die Notwendigkeit eines Hafens vorhanden. Die glänzenden Voraussetzungen zu einem solchen sich in Walvisbah: aber das war englisch. Eng- land hat nicht allzu viel 3nteresse an dem Bau dieses wertvollen Hafens gehabt. Er blieb ziemlich unausgebaut, und auf deutschem Boden, einige Kilometer weiter nördlich, entstand die Stadt Ewakopmund. Walvisbay ist einer der wichtigsten Plätze Südafrikas, zweifellos aber der trostloseste der Erde. Einige Zeilen elender Holzhütten find auf Pfählen in den Sand gerammt, der mit eingegrabenen Walfischknochen am Fort wehen verhindert wird. Eine Walfischsiederei mit ihren angenehmen Gerüchen vollendet noch das 3am- merbild, das meistens von unbarmherzigen Sandstürmen eingehüllt ist. Der einzige Lichtpunkt ist die Trollyverbindung mit Ewakopmund, wohin man mit dem auf Eisenbahnschienen lausenden Auto in 40 Minuten fährt. Wer das reizend gelegene Windhuk kennt, wird auch Ewakopmund unbewohnbar finden. Don Walvisbah kommend, glaubt man aber ein Paradies zu finden, mit echten Bäumen. Holztrottoirs und elektrischem Licht. Mit erstaunlicher Ausdauer hat Deutschland hier einen ganz annehmbaren Ort aus der Wüste geschaffen, und mit bewundernswertem Mut hat es versucht, den Mangel an Hafen durch einen noch unvollendeten riesigen Pier zu überwinden. Es wird unvollendet bleiben und Swakopmund wird fallen, wenn ein neues, seiner Bedeutung entsprechendes Walvisbah gebaut wird. Vorläufig wohnt noch jeder zivilisierte Mensch, der im Hafen zu tun hat, in Swakopmund. Aber die Hationenschranke ist gefallen. Es liegt nichts mehr im Wege, den Wohnort Swakopmund mit dem Hafen Walvisbah zu vereinigen. 3nzwifchen arbeitet die Regierung in Windhuk eifrig an der Durchführung ihrer Neuerungen. Schutz der Eingeborenen — Schutz Englands, das ist auch hier die Parole. Aber während in Ostafrika das System der Hegerreferoate durchaus positive Ergebnisse gezeitigt hat. hat sich England in Südwest durch eine Unvorsichtigkeit Lord Buxtons die Sympathien bei den Eingeborenen verdorben. Wan wird sich erinnern, daß als Bestrafung des Hereroaufstandes die deutsche Regierung allen Eingeborenen dis Viehhaltung verbot und sie enteignete. Diese Verordnung hat nun Buxton nicht nur aufgehoben, sondern den Schwarzen auch weitgehende Konzessionen und Versprechungen gemacht. Damit hat er den fundamentalsten Fehler gemacht, den Afrika überhaupt kennt. Wenn der primitive Gerechtigkeitssinn des Regers einmal verletzt ist, dann gibt es kein Verzeihen und kein Verstehen mehr: und so wird es wohl England kaum gelingen, wette Kreise der Eingeborenen zu harmlosen Viehzüchtern zu erziehen und damit wenigstens einigermaßen ein Aeguivalent zu der sozialpvlttischen Gefahr der Minenarbetter zu bilden. nirgends hat sich die Eingeborenenftage so zugespitzt wie hier. Sie ist das Tagesgespräch, das brennende soziale Problem, vielleicht eines Tages die Existenzfrage. Südwest war ja immer schon ein heißer Boden: die Hereroaufstände gehören zu den blutigsten aller afrikanischen Eingeborenenkriege. (75 Prozent der Bevölkerung mußte ihr Leben lassen!) Kein Wunder, dah die Minen durch die Massenverwendung von Arbeitern eine kritische Situation geschaffen haben, die sogenannte „ Farbenschranke". Um keinen Preis wird sich ein Weiher Arbeiter mit einem Schwarzen an dieselbe Maschine stellen. Die Stellung des weihen Arbeiters ist für unseren Begriff sehr gehoben: der soziale Gegensatz in Südafrika heißt nicht Kapitalist und Arbeiter, sondern Schwarzer und Weiher. Durch die Unterschiede in der Bezahlung wird die Kluft verstärkt. Ein weißer Arbetter bekommt zwischen 500 und 900 Schilling im Monat. Der daS Dach zu tragen hatten, das aus Leder gearbeitet war. Erst später führten sich, um das Gewicht des Schirmes zu vermindern, Wachspapier unb gewachste Seide als Schirmdecken ein. Das Jahr 1864 brachte der Schirmindustrie eine Neuerung durch die Verwendung von Stahlgerin- nen, die an Stelle der leicht zerbrechlichen und teuren Fischbeinstangcn traten. Von diesem Zeitpunkt ab begann sich der Schirm immer mehr ein- xubürgem. Seine ursprünglich riesenhafte Form schrumpfte mehr und mehr zusammen, verlor seine Bedeutung als „Familienmöbel“ und ging in den Besitz eines einzelnen über. Doch blieb er immer noch groß genua, um auch noch einem Zweiten gut und gern Unterschlupf zu gewähren. Erst die heutige Zeit, die weniger auf Romantik, als auf Zweckmäßigkeit eingestellt ist, scheint diesem trauten Beieinander „unter einem Schirm zu Zweien“ ein Ende machen zu wollen. Der winzige Modeschirm unserer Tage will nur gerade so viel Umfang haben, dah einzig und allein jein Träger sich seines Schutzes erfreuen darf, und boshafte Leute find deshalb zudem Schluß geneigt, daß sich Technik und Industrie dem Zeitalter der Indioidualitätsbetonung angepaßt haben, das sich unter dem Motto zur Geltung bringt: „Ein jeder steht und geht für sich allein“. Zum Glück stimmt das nicht ganz. Es gibt eine ganze Reihe von Gefühlsmenschen, und zu ihnen sind in erster Linie die Verliebten zu rechnen, die diesem Grundsatz Trotz bieten, denn sie bringen das Kunststück fertig, in seliger Zweisamkeit selbst unter einem modernen „Pikkoloschirm“ Platz zu finden, was für ihr Anpassungsvermögen und ihren Altruismus das beste Zeugnis ist. Wölfe in (Europa. Der Schreckruf: „Sin Wolf! 3ch bin von einem Dolf verfolgt worden!“, der immer wieder von Zett zu Zeit von geärmftigien Gemütern cruSgeftohen wird und nur allzu leicht Gläubige Dienstag, 17. August 1926 Eingeborene, der Hunderte Kilometer wett von der Heimac zur Mine gewandert ist und feine klägliche Metamorphose vom „nackten Wilden" zum stereotypen Arbeitsmann durchgemacht bat, muh sich schon sehr bemühet haben, will er sich bis zur Klasse dcS täglichen „Two and six“ — 21. Schilling — heraufarbetten. Die Folgen dieser Farbenschranke sind noch gor nicht abzusehen, aber die jüngsten Ereignisse Haven gezeigt, daß die Situation von Tag zu Tag kritischer wird. Dor einigen Monaten. Anfang 1926. ist die Farbenfchranke als Gesetz durch- geführl und den Schwarzen sind alle höheren Stellen auch offiziell verboten worden. Damit ist ihre Stellung noch unterdrückter als die ihrer amerikanischen Rassegenossen. 2tbcr zugleich scheint es. daß ihr Widerspruchsgeist noch nicht so erlahmt ist wie bei diesen. Es vergeht kaum ein Monat, ohne dah man von neuen blutigen Arbeiteraufständen in Südwest gehört hätte. Wenn wir uns die Frage stellen, ob die Schwarzen oder die Weihen eines Tages als Sieger hervorgehen werden, so dürfen wir keinesfalls Amerika zum Vergleich heranziehen. Dort gibt es zwar eine „Farbenschranke“ zwischen der Gesellschaft und den schwarzen BoyS, aber in den unteren Schichten der Bevölkerung ist bereits eine weitgehende Vermischung eingetreten. Zweitens leben dort die Heget als Landfremde auf einem Boden, der ursprünglich nicht ihr eigener ist, während in Afrika gerade das umgekehrte der Fall ist. Drittens aber ist in Amerika im allgemeinen nur der kleinere Teil der Bevölkerung Heger, während sie in Afrika die überwältigende Mehrheit darstellen — eine Mehrheit, bei der die wenigen Prozent Weihe verschwinden. Hier haben wir eS mit Schwarzen zu tun, die größtenteils frisch aus der Wildnis kommend, sich noch nicht im mindesten assimiliert haben und sich mtt unverbrauchter Kraft in das Problem hineinstürzen, an das sich die Zukunft Afrikas knüpft. Am wenigsten wird von dieser kritischen Situation der Farmer betroffen, der sich höchstens einmal über die Faulheit seiner schwarzen Angestellten beklagt. 3m übrigen liegen die Verhältnisse für die Pflanzungen und die Viehhaltung verhältnismäßig gut. Südwest hat die wirtschaftliche Krise besser überstanden als fast alle anderen Länder. 3n dem Augenblick, wo Deutschlands Wirtschaftslage ernster und ernster zu werden begann, orientierte sich Südwest bereits nach der Kapkolonie: und während die Union mit ihrer stabilen Valuta Hauptabnehmer wurde, bezog man die importierten Waren immer weiter aus Deutschland und hatte dadurch hie und da Gelegenheit zu 3nflationsgewinnen. 3cben- falls hat man sich der Katastrophe des Zusammenbruchs der deutschen Währung wenigstens einigermaßen zu entziehen gewußt. Sehr belangvoll ist eS für Einwanderer, dah die Grundbefitzfrage noch optimistisch zu beur» teilen ist. Man kann noch viel, auswahlreich und billig kaufen. Die Regierung bietet Land zu sehr vorteilhaften Preisen an; günstiger ist der Kauf von privater Sette, weil man da bereits bepflanztes und eingerichtetes Land erwirbt, dessen vom Vorgänger investierte Arbeit ver- hättnismähig günstig erstanden werden Fann. Die heutige, südwest afrikanische kleinere Durchschnittsfarm besteht auS etwa 1000 Hektar, von denen zur Rückendeckung etwa 100 mit Mais bepflanzt sind. Für eine solche eingerichtete Farm, mit günstiger Wasserzufuhr, bezahlt man etwa 10 Mark pro Hektar. Wenn man das Dreifache der Landwsten, also etwa 30 000 Mark, rechnet, und sich vorher im Land gut eingearbeitet hat, hat man die Basis für eine anständige Existenz. Allerdings nur die DasiS, denn auch hier ist die Persönlichkeit alles. 3n den letzten 3obren hat die Züchtung von Karakrllschasen besonderes 3ntereffe erregt. Das Fell der 3ungen dieser Schafe, das am wertvollsten in ungeborenem Zustande ist, ist nichts anderes alS der bekannte Persianer: und in kurzer Zeit hat sich Düdwest nach Amerika an die zweite Stelle der Weltproduktion gesetzt. Roch ein anderes Produtt hat jetzt, ebenso wie in Ostafrika, so auch hier außerordentliche Verbreitung gefunden: Dis al, von dem man den Hanf herstellt. Rur seine Verarbeitung erfordert viel Wasser. Die Heueinführung dieser Produtte hat eine sehr glückliche Bewegung in das früher ganz auf Viehzucht eingestellte Leden der Kolonie gebracht. Der neue lebendige Geist, der jetzt eingezogen ist, ist der Einwanderung auS Deutschland günstig. Unb man beginnt, sich ferner endlich als Auswanderungsland zu erinnern. Die englische findet, ertönte erst jünst wieder durch die Straßen von Belfast. natürlich stellt sich dann heraus, dah es sich nur um einen großen graubraunen Hund gehandelt hat. Denn die letzten Wölfe sind in 3rland und Schottland schon vor mehreren 3ahrhunderten erlegt worden, und auch in England sind sie seit langem audgerottet. 3hren letzten Besuch in den Wäldern Porkshires statteten sie unter der Regierung Heinrich VII. ab, während sie sich in den Bergen von Wales noa') etwa ein 3ahrhundert oder noch etwas länger hielten. Wohl aber gibt es andere Gebiete Europas, ja selbst Westeuropas, wo der Wölf fein bloßer Kinderschreck, sondern auch heutigen Tages nodj immer heimisch ist. So ist Frankreich noch in großen Teilen seines Landes von ihm heimgesucht: die Auvergne, die Eevennen, die Pyrenäen zählen ihn noch zu ihren Bewohnern, und die Gemeindeverwaltungen jener Gebiete sehen sich noch veranlaßt, Prämien auf ihre Erlegung aus- zuseyen. Während wir im allgemeinen gewohnt sind, die Heimat des Wolfes in unseren Gedanken im fernen Sibirien oder Kanada zu suchen, kann man in Wahrheit bei einer Reise von Boulogne nach Peking durch fein Land kommen, daS nicht Rudel beherbergen toürbe. Tatsächlich ist nur Dänemark, Holland, Belgien und die Schweiz absolut Wolffrei. Auch sind die Wölfe Europa keineswegs bloß eine Art halbzivilisierter Hunde. Erst jüngst wurden Truppen gegen zahllose Rudel, die aus den Bergen Südserbicns hervorbrachen, Dörfer bedrohten, Schafe zerrißen und auch einige kleine Kinder als ihre Heute fortschleppten, mobil gemacht. Auch 3taüen zählt die Wölfe zu den bedrohlichen Plagen. So wurde erst im vorigen Winter eine Eisenbahnstation bei Triest von Wölfen überfallen, was eine Reihe von Zuverspätunaen zur Folge hatte, da das Bahnpersonal allnächtlich im Warteraum belagert wurde. Regierung kommt den Deutschen sehr entgegen: Süowest steht seit einigen Jahren unseren Lanbs- leuten ohne jede Beschränkung der Einwanderung offen. Tatsächlich bieten sich hier auch Vorteile, wie sie das eine Zeitlang in Mode gewesene Südamerika nie bieten kann — ganz abgefehen vom wirtschaftlichen Moment. Denn für einen Einwanderer wird es immer belangvoll fein, daß er hier in ein Land kommt, wo sein Volk geistig und kulturell führend ist. wenn es auch politisch keine Rolle mehr spielt: in ein Land, in dem deutschfreundliche Buren und Deutsche ihre Landsleute vergessen lassen, dah sie 7000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt sich eine Existenz schaffen müssen. Turnen, Sport und Spiel. Spielvereinigung 1900 Gietzen. ö. Die anläßlich des 26. Stiftungsfestes abgehaltenen 7 Zußballwettspiele brachten der Spielvereinigung 1900 Gießen einen beachtenswerten sportlichen Erfolg. Richt nur, daß das Haupttreffen des Tages, das Spiel der Ligamannschaft gegen die Marburger Dezirksligisten .,V. f. B.-Kurhessen" in schneidigem Endspurt mit 3:1 gewonnen wurde, auch die unteren und Zugendmannschaften zeigten ansprechenden Fußball. Obwohl in den letzten Minuten vor Spielbeginn älmstellungen und Crsatzgestellung in fast sämtlichen Mannschaften vorgenommen wurden, zeigten die Mannschaften schon nach überraschend kurzer Spielzeit Zusammenhalt und einheitliche Alttonen. Bewundernswert war die Ausdauer sämtlicher Spieler in der glühenden Mittagssonne: um so aneckemrungswerter, als der größte Teil der Spieler während der Fuhballruhe nicht dem regelmäßigen Training huldigte. Die erste Begegnung am Samstag haten die Schüler des Platzvcreins mit den Schülern Heuchelheims. Bedauerlich war, daß Heuchelheim nur mit 7 Schülern erschien, obwohl es deren über 20 besitzen soll. In kameradschaftlicher Weise gab 1900 zwei Leute aus seiner Mannschaft an die Gäste und siegte in 2x20 Minuten trotzdem mit 9 Spielern 5:1. Die Kleinen waren aber auch mit wahrem Feuereifer bei der Sache. Im anschließenden Spiel unterlag Heuchelheims 1. Jugend gegen 1900 3. Jugend nach ruhigem fairen Spiel 6:0. Am Sonntag bereits um! 9 Ufrr stieg das erste Treffen: Sp. Dgg. 1900 2. Jugend gegen Aßlar 1. Jugend, ilm es gleich zu sagen, Gießen hatte einen schwarzen Tag gegen die körperlich und spielerisch in bester Verfassung befindlichen Gäste. Mit viel Glück errangen die Vereinigten ein äln entschieden 2:2. Sodann traten Sp, Vgg. 1900 Gießen 3. Mannschaft und die gleiche der Marburger Sportvereinigung an. Beim Platzverein viele Jugendliche, bie unter Leitung ihres erfahrenen Spielführers ein ganz famoses Spiel vorführlen. Aur beim Mittelstürmer haperts mit der Schnelligkeit, Entschlußkraft und Schuß- sichecheit. Diesem Mangel müssen es die Gäste verdanken, nur mit 3:1 geschlagen worden zu sein. Einen Elfmeterball verschoß Gießen nach Wiederholung. Das folgende Spiel der Liga- reservemannschasten zeigte in der ersten Spiel- Hälfte beiderseits ansprechende Leistungen. Besonders gefiel 1900s Dert-üdigssrpaar. zwei ganz junge Burschen. Gießen spielte zuerst mit Cb/io und Sonne im Rücken und war andauernd überlegen. Der durch Ersatz geschwächte Sturm konnte sich aber zu keiner einheitlichen, erfolgreichen Aktton entschließen, so daß bei Halbzeit nur durch einen Fernschub des Linksaußen das Resultat aus 1:0 gestellt wurde. Die zweite Spielhälfte zeigte, daß sich Givens Läuferreihe in der brennenden Sonne hei diesem Riesentempo zu hefttg ausgegeben hatte und jetzt stark nach- ■ lieh. Der Gegner, der jetzt dieselben Vorteile, wie zuerst der Platzverein, hat, nützt diese auch , aus und kann so nach und nach 4 Tore erringen, ' wodurch das Spiel mit 4:1 glücklich zu seinen t Gunsten endet. Die Riederlage war für Gießen entschieden zu hoch ausgefallen. Das 2. und F 4. Tor mußten unbedingt verhindert werden. Marburgs Alte Herren hatten leider am Samstag wegen des in Marburg stattfindenden Iägertages abgesagt. Alm 3,15 älhr trat Gießens 1. Jugend der gleichen des l. F. C. 93 Hanau entgegen. Bei Gießen fehlten zwei der Besten. Die Ersatzleute bewährten sich leider nicht. Hanau war dadurch dauernd im Vorteil. Alle Tore erzielte Hanau durch Mißverständnis in der Gießener Hintermannschaft. Jedenfalls hat das Spiel den Beweis erbracht, daß diese Mannschaft noch fleißig üben muß. wenn sie die Lei- ftungen der Vorgänger erreichen will. Die Einheimische konnten den 4 Toren der Gäste nur zwei entgegensetzen, und zwar einen verwandelten Elfmeter, dessen Berechtigung von vielen angezweifelt wurde, sowie einen zweiten Treffer, beide vom Mittelstürmer erzielt. Einen weiteren berechtigten Elfmeter (ein Hanauer Verteidiger verhinderte einen schon sicheren Erfolg Gießens durch Handabwehr), schoß derselbe Spieler von unten wider die Querlatte, von wo der Ball 8um Boden sprang, jedcch vor der Torlinie. Der Hanauer Hüter hat den Ball schon wieder ins Feld zurückgegeben, bis sich 1900s Stürmer vom Schrecken erholen. Das Spiel der Ligamannschaften begann zunächst mit einer planlosen Bolzerei. Allmählich gibt es mehr Verständnis in den Mannschaften, und es kommen planmäßige Angriffsaftionen zustande. Rachdem Marbung im Strafraum wiederholt mit der Hand abgewehrt hat, bekommt Gießen einen Elfmeter-Strafstoß zugesprochen, der vom Mittelläufer hoch darüber geschossen wird. Kurz vor der Pause' erzielen die Gäste nach schnellem Durchspiel ein Tor. In der zweiten Spielhälfte wird das Tempo noch gesteigert, doch keiner Partei will zunächst ein Erfolg gelingen. Die beiderseitigen Verteidigungen sind in großer Form. Ihr Stellungsspiel ist mustergültig, immer wieder klären sie durch weite Schstige. Ein weiterer, scharfer Schuh des Gießener rechten Läufers bringt endlich ein Eigentor bei Marburg und somit den Ausgleich. Die Mannschaft des Plahvereins geht 10 Min. vor Spielschluß zu einem fabelhaften Endspurt über. Innerhalb zwei Minuten erringt 1900, trotz starker Abwehr, zwei Treffer und erringt damit endgültig den Sieg mit 3:1 Toren. Die Mannschaft besah diesmal die besseren Rerven. Bei Marburg waren Mecking und Schneider erseht, aber auch die Sp. Vgg. war noch nicht komplett und ist noch verbesserungsbedürftig. Hervorragend spielten bei Gießen die Verteidigung einschließlich Tormann, der Mittelläufer Luft und besonders der junge linke Läufer, der technisch beste Mann seiner Els. Bei Marburg überragte der linke Verteidiger seine sämtlichen Mitspi'eler. Freie Turnerschaft Gießen. £ Die Verbandsspiele am Sonntag brachten als wichtigstes Ereignis zunächst eine nicht unwesentliche Verschiebung im bisherigen Tabellenstand. Das Spiel der ersten Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen gegen die gleiche Mannschaft Wiesecks, welches am Vormittag stattfand, hatte einen Besuch aufzuweisen, wie er in Gießen nicht zu den Alltäglichkeiten gehört. Das Spiel selbst stand unter einem unglücklichen Stern, mit einer derartigen Schärfe ist wohl noch kein Spiel innerhalb dieser engeren Organisation ausgetragen worden. Die Schuld hieran trifft zunächst beide Mannschaften und auch den Schiedsrichter, der immer mehr den bestimmenden Einfluß auf das Spiel verlor. Schon der Anstoß und die sofortige forsche Angriffsweise der Grünweißen zeigte, daß sich zwei gleichstarke Gegner gegenüberstanden. Gießen versuchte zunächst vergebens, das Heft in die Hand zu bekommen, Wieseck seinerseits konnte bereits nach acht Minuten aus einer guten Kombination heraus sein erstes Tor schießen. Gießen versuchte nun unter allen Umständen einen Ausgleich herzustellen. Bei dem ein* Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Don Michael Wagner. 33 Fortsetzung. Nachdruck verboten. XII. Zenos schwerste Zeit brach an. Die hatten Folgen all des über die Familie Uracher hereingebrochenen Unglücks lasteten nun auf seinen Schultern. Seit langem hatte er das drohende Verhängnis vorausgerechnet, ward Mahner und Warner — und erntete Hohn und Anfeindung. Nun aber war es wie ein verheerender Wetter- sturm über die Krummhölzer dahingefahren. Aus dunkler Bestimmung grell heroorzuckende Schicksalsblitze hatten die zwei so stark scheinenden gefällt: Toni und auch Vater Uracher, die zwei, die sich für unentwurzelbor hielten. Und war es nicht wie eine seltsame Laune des Geschickes zu empfinden, daß gerade er, Zeno, aufrecht stehen blieb? Er, der Schwache, der Verstümmelte, der wohl eine unendliche Liebe zur Heimat im Herzen trug, aber doch fein Bergbauer war? Ihn hatte das Schicksal erst gefördert, bann verschont, um ihm mit einemmal eine Last von Sorgen und Elend aufzubürden, welche nach eines Riesen Kraft verlangte. Ja, Zenos schwerste Zeit brach an. -2&j5 lag nicht schon hinter ihml Unsäglich düster und dumpf gestaltete sich Tonis Bestattung, versagte doch die Kirche dem Selbstmörder das letzte Geleit. Den Vater hatte man in jener Stunde seines Zusammenbruchs in Zenos Haus verbringen müssen — dort lag er tagelang in Fieber und Delirium. Diesen Schlag vermochte der Alte nicht mehr zu parieren. Ein Wunder, daß er ihm nicht das Leben gekostet. Aber der letzte Rest von Kraft und Mark war ihm in den Knochen verdorrt, die Schreckensstunde hatte ihn zum weißhaarigen, gebrechlichen und siechen Greis gemacht. Aber auch nach außen bin hatte Tonis wirtschaftlicher Zusammenbruch begonnen, feine Kreise zu ziehen: lieber den Nachlaß des bankerotten Spekulanten wurde der Konkurs verhängt, das Landhaus versiegelt, aller Besitz mit Beschlag belegt — zum erstenmal amtete auf dem Krummholzerhof ein Gerichtsvollzieher. Im herrenlosen Hof schlich das Gesinde mit hängenden Köpfen herum, bedrückt und betreten, und Wally gar weinte nächtelang. Alle trugen schwer zu ihrem Teil an dem Unglück. „Auf die Gant kommen" ist dem zäh erbwüch* figen, mit Heimat und Scholle unzertrennlich verwachsenen Bauern das Aergste und Härteste, was ihn treffen kann. Wird vom Verhängnis aber gar noch ein Hof wie der „Krummhölzer" heimgesucht, der weitum durch Größe, Wohchabenheit und Achtbarkeit der Besitzer bekannt war, dann spricht ein ganzer Gau davon. Schwere Gänge zu Amt und Gericht mußte Zeno machen — und daheim lag der alte Vater im Fieber und rang mit dem Tode um fein verpfuschtes Leben. Auch fürderhin ging alles „feinen Gang", wie der Annodomini in jener- Schreckensftunde so treffenb zu Zeno gesagt. An seiner hingebungsvollen Treue und Hilfsbereitschaft hatte Zeno eine starke Stütze und Hilfe in den Tagen, da alles zusammenkrachte und die Sorgen ihn schier zu Boden drückten. Und welchen Trost sand er nicht in Mariannens starker Gattenliebe, Lebens- und Schicksalskameradschaft. Das eine Glück war Zeno trotz allem vergönnt: daß er in den paar Menschen, die ihm bisher nahe- gestanden, auch in den Zeiten der Not und Prü- jungen keine bitteren Enttäuschungen erleben mußte. Er hatte Freunde in der Not! Anderseits aber schien es, als sollte ihm auch das Letzte und Bitterste nicht erspart bleiben: Der Kruinmholzerhof sollte versteigert werden, um die Forderung der Bank zu decken. Denn das Schwind- lerpaar blieb unauffindbar und mit ihm das veruntreute Kapital ... Das hatte sich so allmählich im Laufe der letzten Zeit aus all dem wüsten Schutt und den oben Scherben, die von Tonis Zusammenbruch übrig blieben, herausgefunden; das Geld war durch den Betrug von Moriggl & Co. verloren, die Bank aber verlangte aus den Sicherheiten Befriedigung. Endlose Konferenzen hatte Zeno schon in München durchgemacht, zwischen den Rechtsanwälten sitzend. Wohl wäre die Bank zu einem gewissen Entgegenkommen bereit gewesen, aber es war alles umsonst — Zeno brachte die Schuldsumme nicht auf. Mit Schauder dachte er an das, was nun kommen würde: Die Heimatscholle, der stolze Krumm- Hoferhof der Uracher — unter dem Hammer! Vielleicht die willkommene Beute eines Güterfchlächters ober Spekulanten! Der bloße Gedanke an solche Möglichkeit machte ihm das Blut in den Adern kochen. „Herrgott im Himmel!" flehte Zeno inbrünstig — „nur dies nicht!" Nur nicht die letzte, größte Schande! Den Unter* gana eines alten, starken und stolzen Bergbauern* geschlechtes! setzenden äußerst flotten Tempo werden beiderseits recht schöne Leistungen gezeigt, die spannendsten Momente halten die Zuschauer in Dann. Nach einer weiteren Viertelstunde konnte Wieseck eine gut getretene Ecke 8um zweiten Tor verwandeln. Das war für Gießen, das sich einen verhältnismäßig leichten Sieg versprochen hatte, zuviel. Mit äußerster Schärfe wurde versucht, Erfolge herauszuholen, Wieseck antwortete im selben Tone, der Schiedsrichter verlor mehr und mehr Boden, traf Fehlentscheidungen, die bann verärgerten, das mehr als überlaute Anfeuern der Gießener Mannschaft burch ihren Mittelläufer erhöhte die Nervosität, so daß alle diese Momente eine Atmosphäre schufen, die schlecht zu dem hohen spielerischen Können der beiden Mannschaften paßte. Nach 40 Minuten Spielzeit kam Gießen zu seinem ersten Erfolg: ein völlig zu Unrecht gegebener Elfmeter wurde verwandelt. Auch nach der Pause hatten sich die Gemüter nicht völlig beruhigt. Um an die Spitze zu kommen, darf Gießen nicht verlieren, diese Tatsache drückte dem Spiel den Stempel auf. Zeitweise wurde Wieseck zurückgedrängft kam aber immer wieder frei und jagte seinerseits Schuß auf Schuh aufs Tor. Glücklicher war Gießen, ein präzises Zuspiel, ein kurzer Schlag, und der Ausgleich war da. Jetzt drückte Wieseck wieder, erzielte kurz hintereinander zwei Ecken und hatte bald die Gelegenheit in der Hand, abermals in Führung zu gehen. Ein befreiendes Aufatmen bei den Gießenern: Wieseck jagt einen Elfmeter neben das Tor. Der Kampf um die Führung erreichte nunmehr die äußerste Grenze des Zulässigen und wurde gar oft überschritten. Jetzt hat Gießen einen Elfmeter. Wieseck wechselt den Tormann, und der eingesprungene alte Spezialist hält den unheimlichen Schuß in prachtvoller Weise. Stürmischer Beifall ob dieses Bravourstückchens. Unaufhaltsam rollen die Eingriffe auf und ab, ein vorübergehender schwacher Augenblick Wiesecks wird von der unermüdlich schaffenden Gießener Mannschaft geschickt ausgenutzt, und das dritte und Führungstor hängt in den Maschen. Die restlichen zehn Minuten ändern an dem Resultat nichts mehr, um so mehr, als Wieseck durch Herausstellen eines Spielers geschwächt war. Es besteht die Möglichkeit, daß das Spiel wiederholt wird, bann wäre zu wünschen, baß beibe Mannschaften ihre sehr guten Leistungen durch nichts abschwächen — im Interesse des sportlichen Gedankens! Ein angenehmeres Spiel zeigten die 3 u - gendmannschasten der beiden Vereine. 3n der ersten Halbzeit zeigte Wieseck eine unbestreitbare äleberlegenheit im Feldspiel, die älnent- schlossenheit des Sturmes verhinderte jedoch Erfolge. Gießen hatte Glück, der einzige ernsthafte Schuß aufs Tor brachte gleich einen Erfolg. Rach der Pause hatte Wieseck zu seinem Schaden umgestellt, Gießen wurde durch seinen Erfolg angriffsfreudiger, was sich auch in zwei weiteren Toren ausdrückte. Mutlos ergab sich Wieseck in sein Schicksal. Am Samstagabend spielte die 2a-Mannschaft Gießens gegen die 2. Wiesecks. Ein recht ungleiches Spiel. Gießen, durch gute Kräfte sehr spielstark, Wieseck auf der anderen Seite mit Ersah und zunächst nur mit 9 Mann antretend, die sich nach einiger Zeit auf 10 erhöhten. Der Ausgang war nicht zweifelhaft, war aber in der Höhe nicht dorauszusehen. Dis Halbzeit führte Gießen 3:0, Wieseck läßt mehr und mehr nach, so dah Gießen mit Leichtigkeit und berechttgt das Schlußergebnis auf 7:0 stellen konnte. Freie Turnerschast Lollar. £ Die größte Sensation des TageS war die Riederlage des seitherigen Tabellenersten Wetzlar in Lollar. Das ist für eine Mannschaft wie die Wetzlarer bitter. Die Führung hat nunmehr mit einem Punkt Vorsprung vor Lollar und Wetzlar, die punktgleich sind, Gießen. Lollar ist immer eine gefährliche Mannschaft gewesen. Fast ohne Ausnahme sind die elf Spieler sehr ballsicher, der Sturm schießt aus jedem Stand, ein gutes Stellungsspiel wird besonders gepflegt. Die Eigentümlichkeiten des Lollarer Platzes sind schon für manche Mannschaften verhängnisvoll geworden. So auch hier. Lollar hatte bald zwei Tore vorgelegt. Mit weiten Schlägen wird jeder Angriff Wetzlars von der gegnerischen Derteidi- Das würbe für ben Uradjeroater ein grausames, schmähliches Enbe bedeuten, für ihn selber ein Packen Kummer und Schanbe, ben er Zeit seines Lebens mit sich zu schleppen hätte! Nein! — schrie es in Zeno wild auf — so wett bars es nicht kommen! Alles um her Heimat willen! Nur dies nicht! Und dennoch — wie ein dräuendes Ungeheuer schob sich bas Schreckliche, Gefürchtete, immer näher heran. Just fünf Jahre nach feiner Heimkehr hielt Zeno die amtliche Mitteilung über Ansetzung bes Zwangsversteigerungstermins in Händen. Da war er hart daran, gleich dem Vater damals in die Knie zu brechen, gefällt von Elend und Kummer. Aber er schaffte es und hielt sich aufrecht. In diesen Tagen unerbittlichster Prüfung waren des jungen Meisters Züge hart, trotzig, steinhaft — wurden uracherifch, herb wie die Züge feiner Bildwerke. In einer schrecklichen Nacht, die tausend düstere, kampfheiße Stunden zu währen schien, rang sich Zeno einen ebenso großen wie bitteren Entschluß vom Herzen. Abgezehrt, mit schlohweißem Haar, mit Augen, die glostenden Feuern in Schattenhöhlen glichen, so lag der Uracheroater auf seinem Krankenlager. Herzzerreißend war der Anblick bes einst so kraftvollen Mannes, den das Geschick geschlagen wie selten einen. Tage, Wochen, hatte der Alte mit dem Tode gerungen, in seinem Delirium wilde Anklagen gegen Gott und die Welt geschleubett. Aller Lebenssaft und alle Kräfte feines Körpers waren dahingeschwunden — müb und apathisch lag er da, vom Arzt zwar als Genesender bezeichnet — aber seelisch ein Absterdender. Zarteste, innigste Fürsorge betreute den Bedauernswerten mit liebenden Hän* ben: Marianne und ihre Mutter wetteiferten in seiner Pflege. Zeno und der Annodomini opferten ihm freudig ihre arbeitsfreien Stunden. Tief schnitt es Zeno ins Herz, wenn auf alle Worte des Trostes und Zuspruches der Vater immer nur dieselbe müde Antwort hatte: „Laßfs mi — die Schänd will t net überleben! — Tragi's mi bald zur Mutter 'naus!" Dann kam Zenos Schicksalsnacht, mit Schnee und Winterfturm. Den Kopf voll düsterer Sorgen, fo hatte Zeno an diesem Tage aleichsam mtt tauben Händen geschafft — die Hiobsbotschaft lähmte ihn förmlich. Immer und immer wieder las er die trockenen, dürren Kanzleiworte des amllichen Schreibens: daß an dem festgesetzten Termine die Zwangsvollstreckung ... — Schaudernd legte er es bann beifeite, um von neuem sein Gehirn zu quagung unterbunden, die ungestümen Angriff« Lollars finden zumeist auf der rechten Seite Wetzlars ihren Weister. Durch einen Strafstvß tonnte Wetzlar schließlich bis zur Halbzeit ein Tor ausholen. Rach der Pause ist Lollar weiter im Vorteil, wobei das Glück etwas nachhilft. Zwei weitere Tore erhöhen deren Zahl auf vier, zwei davon hat der Wetzlarer Tormann auf dem Gewissen, der sich in beiden Fällen unbegreiflich ungeschickt benahm. Das Pech der Wetzlarer wurde dadurch vervollständigt, daß sie eine Anzahl Elser verschossen, nur der letzte wurde verwandelt. Dies 2:4-Resultat wäre leicht vermeidbar gewesen. Das Spiel war in seiner Durchführung kaum von einem fairen Gesellschaftsspiel zu unterscheiden, der Schiedsrichter sehr korrekt und sichel in seinen Entscheidungen. Auch die Jugend Wetzlars muhte sich eine Riederlage gefallen lassen. Lollar konnte hier ebenfalls einwandfreier 2:0-Sieger bleiben. In Heuchelheim. £ Hier nehmen die Spiele einen voraus- gesehenen Verlauf. Die erste Mannschaft konnte gegen die gleiche Alsfelds zwar nicht überwältigend, aber immerhin in klarer Weise 3:1 gewinnen. Alsfelds erste WannschAft-Hüelt einen sehr guten Fußball, Mannschaften mit gleich weicher Spielweise werden ihr gegenüber zumeist den kürzeren ziehen. Das Verhängnis, das die Mannschaft verfolgt, ist bedauerlich, erfreulich jedoch ist der ungebrochene Mut, mit dem der Kampf immer wieder aufgenommen wird. Die Jugend Heuchelheims hatte diejenige von Dlasbach als Gegner. Die Erwartungen der Einheimischen wurden zwar nicht gan$ erfüllt, denn die Widerstandskraft der Dlasbacher beginnt doch allmählich etwas energischer zu werden. Immerhin muhten sie sich diesmal wiederum mit einer Riederlage bescheiden, denn beim Abpfiff hatten die Heuchelheimer 5 Tore geschossen, während die Dlasbacher leer ausgehen mußten. M. T. D. Marburg. £ 'Ganz programmwikwig kommt eine Meldung aus Marburg, wonach die in sehr gutem Ruf stehende Raunheimer Erste-Klasse- Mannschaft von der gleichen Mannschaft desMar- burger Männerturnvereins 4:1 geschlagen wurde. Allem Anschein nach ist den Marburgern die kürzliche 9:1-Riederlage in Gießen sehr zu Herzen gegangen und hat eine stark befruchtende Wiäung gehabt. Die zweite Klasse in den Verbandsspielen. £ Recht leicht machte sich die I! b-Mannschast der Gießener Freien Turner die Sache. Sie schickte eine Abordnung von sieben Mann nach Wetzlar, um der dortigen zweiten Mannschaft des Turn- und Sportvereins mitzuteilen, daß sie ihrem Gegner die Punkte kampflos überlassen wollen. In Daubringen stellten sich die ersten Mannschaften Daubringens unb Leuns dem Schiedsrichter. Saubringen gewann das Treffen 2:1, bei Halbzeit stand die Partte 1:1. Das Resultat ist für die junge Mannschaft Dau bringens umso schmeichelhafter, als Leun eine sehr kräftige und spielerfahrene Mannschaft stelll. Vier neue deutsche Höchstleistungen. vo. Bei den Deutschen Kraftsport- Mei st erschaften 1926 in Frankfurt a. M. find außer den vier neuen deutschen Rekorden im Stemmen noch vier Höchstleistungen in den schwerathletischen Würfen aufgestellt wurden, und zwar im 5>ammertoerfen (Leichtgewicht) von Bl eher-Hof mit 36,61 Meter, im Gewicht* werfen (Leichtgewicht) von Singer- Osweil mit 16,80 Meter, im Steinstohen (Leichtgewicht) von Ehgärtner-München mit 8,71 Meter und im Hammerwerfen (Schwergewicht) von M a n g - Regensburg mit 43,75. len unb zu martern. Bleich unb tiefernst, tief leidend unter des ©alten seelischer Qual, überließ ihn Marianne sich selber. Wußte sie doch nur zu gut, daß nun die Entscheidungsstunde gekommen — und solches pflegte Zeno mit sich allein auszumachen. „Geh du nur ruhig ins Bett, Mariann!" sagte Zeno, als er sich vom Abendtische erhob, „i will noch a Weil beim Vater bleiben, gelt!" Als er ihr ben Gutenachtkuß gab, sah sie mit innigem Mitleib in fein gramgezeichnetes Antlitz. „Zeno — hab' eine gute Nacht heut!" flüsterte sie, Tränen in ben Augen. ,L bank dir, Mariann!" sagte Zeno schlicht, „du woaßt ja, um was es jetzt hergeht — halt um alles!" Er atmete schwer auf. „Wenn mir der hilft, ben i so oft schon in Holz g'schnitzt hab — nachher mag sein, baß i's berfraft!" Dann wanbte er sich ab und verließ mit dem seltsam schweren Tritt seines künstlichen Beines bas Zimmer, um des Vaters Krankenstube aufzusuchen. Der lag still in seinen Kissen. Nur ein ganz fach* ter Hauch des Aufhellens huschte bei Zenos Eintreten über seine verwitterten, zerfurchten Leidens- Süge. „Grüß Gott, Vater! Wie gehts dir heut?!" „D mei Bua — net besser — net schlechter! Setz' dich a wengerl zu mir her!" Schweigend nahm Zeno neben dem Bette Platz. Er fürchtete sich schier davor, den Vater anzusehen — fein Anblick bereitete ihm förmlich Schmerzen. Unb nun trug er diese Schreckensbotschaft mit sich herum, die dem Siechen ben Tod geben konnte. Herrgott! schaff' Rat, schrie es in Zeno wieder verzweifelt auf. Wenn jetzt der Vater nach dem Stande der Dinge fragte? Sollte, durfte er ihm bann bis Wahrheit sagen? Nein, niemals! Das stand in Zeno fest. Des Vaters matte Stimme schreckte ihn aus feinem Grübeln auf. „Haft schon Feier abend g'rnacht für heut?" „Ja, Vater." Der Alte nickte schwer. Wenn bei mir a bald Feierabend wär' — mit allem!" sagte er langsam leise, mehr zu sich selber, unb bann, beinahe flüftemb: „Guat wär's! — Soviel guat!" „Du sollst dich net fo abhärmen, Vater!" mahnte Zeno. „Sollst net so viel in dich 'neinftudieren! Denk' lieber an’s G'sundwerden!" Eine kurze Pause bes Schweigens folgte. 2üs spräche er eine Lüge aus, fügte Zeno darauf mit gepreßter Stimme hinzu: (Schluß svlgt.) ' '*a' Oderheffen. Landkreis tzieücn. Ä (e t n- ß t n b e n 16. 2lug. Eine ® c - d ach tni - tafel für die gefallenen Länger weihte gestern der Detongverein ..Harmonie" ein. Ein Feftgottesdienst vereiaigre die Mitglieder des DereinS in der Kirche Pfarrer ?ldtrmann gedachte der un Welttrieg für das Vaterland gefallenen Sohne unterer Gemeinde. Rachmütags ttuebe die Enthüllung der Ehrentafel im Der- cinSlolal vorgenommen Friedrich 3 u n g hielt eine erhebende Gedächtnisrede und nahm die Enthüllung vor Der Gesangverein trug unter Leitung seines Dirigenten Bürger die ergreifenden Chöre vor: „Stumm schläft der Sänger" und ..Heltengrab" Die Tafel trägt die Aamen: Wilhelm Müller Otto Volt. Karl Pfaff. Ludwig Jung und Wilhelm Müller II. -5 Lollar, 16. Huguft. Dieser Tage fand hier eine außerordentliche Generalversammlung der Spar, und Darlehenskasse Lollar statt. Äor Beginn der Tagesordnung gedachte der Dor« sitzende des ilusfichtsrates des verstorbenen Rechners Ludwig Moos. Das Andenken wurde in der üblichen Weise geehrt. Rach einer Aussprache, die keine Meinungsverschiedenheiten erggb, wurde der Bruder des früheren Rechners cheinr. Moos VI. zu dessen Nachfolger gewählt. t Grünberg, 16. Aug. Dieser Tage fand die erste und sehr stark besuchte Hauptversamm- lujig des neu gegründeten Reit- und Fahr- vereins Grünbecg und Umgegend statt. Hierzu waren zahlreiche Mitglieder last aus jedem Dorfe der Umgegend sowie zahlreiche Herren aut Gießen und Alsfeld erschienen. Den Vorsitz führte Dr. Selzer IGrünberg) und betonte in seiner Einleitungsrede das Bestreben des Vereins. Luft und Liebe bei den Jungbauern für die Pferde anzuregen und Verständnis für Pflege und Rasse zu wecken. Dr. Selzer verlas dann die neuentworfenen Satzungen, welche nach Durchsprechung allerseits Annahme sanden. Die Wahl des ersten Vorsitzenden wurde wegen Abwesenheit des fraglichen Mitgliedes verschoben. Als zweiter Vorsitzender wurde Dr. Selzer, als Schriftführer und Rechner Chr. Geh rin- g e r, als Beisitzer Bürgermeister 3 ö ck e l, Karl 3 ft del I und Godos ar gewählt, außerdem gehören zum Vorstand die Reitlehrer und ein von jeder Abteilung gewählter Mann. Die Zahl der Mitglieder ist so stark, daß in mehreren Abteilungen geritten werden muh. außerdem wurden in Müde und Riederohmen Zweigstellen eingerichtet. t Grünb< rg , 16. Aug. Das von dem hiesigen Schützenverein veranstaltete Preisschiehen mit Wehrmannsbüchsen auf 175 Mtr. zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Preis Karl Müller mit 54 Ringen, 2. Dillemuth (53), 3. Kocher (52). Auf laufende Wildscheibe: 1. Pr. Otto Matt hies 32 Ringe, 2. Otto Allmendinger (32), 3. Theih (31). Die Ehrern» scheibe mit Preis erschoß Otto Allmendinger. die Lagesehrenscheibe auf laufendes Wild Karl Schott. Die Beteiligung von auswärtigen Schützen war gut, der allgemeine Besuch äußerst stark. Kreis Friedberg. ---Butzbach, 16. Aug. Ein schweres U n g l ü d traf einen Kraftfahrer auf der Straße nach Niederkleen. Ein Hase überquerte die Strahe, wurde überfahren, das Motorrad geriet in» Schleudern und rannte gegen den Abweis- stein. Der Fahrer flog die Böschung hinunter ins Feld und trug erhebliche Verletzungen davon. h. Wölfersheim, 16. Aug. 3n der jüngsten Gemeinderatssihung wurde folgende Tagesordnung erledigt: 1. wird die in der letzten Sitzung abgelehnte Wertzuwachssteuer nun genehmigt, da anderenfalls diese nebst der 3pro» zentigen Grunderwerbsteuer vom Kreis erhoben würde. Sie tritt mit dem 14. August in Kraft und wird vom Finanzamt ausgeschlagen werden. 2. dem Antrag der Erwerbslosen auf Akkordvergebung des Auswerfens eines Grenz- und Entwässerungsgrabens im „alten Wald" kann ohne Zustimmung der Forstbehörde nicht flatt- gegeben werden. 3. nimmt die Gemeinde Kenntnis von einer Mitteilung des Kraftwerks, wonach in nächster Zeit eine neue 6000-Doltleitung durch die Gemarkung in Richtung Grundschwalheim gebaut wird. Zur möglichsten Schonung der landwirtschaftlichen Betriebe sollen die Masten 200 Meter Spannweite haben. !?! Okarben, 16. August. Dieser läge brach hier an einem mit Arbeitern dicht besetzten L a ft • a u t o ein Brand aus, der glücklicherweise im Entstehen durch rascheste Maßnahmen erstickt werden konnte. ---Ober-Erlenbach. 15. Aug. Das bei der Regulierung des Erlenbaches gewonnene Gelände von etwa 18 Morgen wurde verpachtet, für den Morgen wurde eine Jahrespacht von 25 Mark erzielt. — Der Polizeidiener Gunon ist mit dem 1.August in den Ruhestand getreten, fein Amt übernahm Gemeinderat O h m e i s. bs. Aus der mittleren We11erau. 15. Aug. Der Schnitt deS Getreides ist nun beendet. Die letzten schönen Tage der Woche haben dem Bauersmann den Rest der Hafer- unb Weizenäcker mit Leichtigkeit schneiden Helsen. Zusammenfassend ist zu sagen, daß die diesjährige Ernte als gut zu bezeichnen ist mit Ausnahme des Ertrages bei Weizen. Rein äußerlich geurteilt liehe die Gröhe und Dicke des Kolbens den Schluß auf eine Vollernte zu, aber die Gewichtsversuche, die in jedem Dorfe von einzelnen interessierten Landwirten bei der Ernte angestellt wurden, bestätigten die ersten in vergangener Woche aus geführten Druschergebnisse. Die schädlichen Wirkungen des über die ganze Wrtieiau verbreitetEn CMbrMfr* haben da» Weizentom nicht zur vollen Sntirnxflvni kommen laffen, so daß mit einer Ernte zu rech n ist, ettna 12 Zentnern pro Morgen. Verhältnis' manig am besten gibt das Korn Der Kern ist groß und sehr mehlhaftig. Ueberall sind auf Heien Plätzen bei den Dörfern die Dresch- m a s ch i n e n tätig, die die Frucht deS kleinen Mannes dreschen. — Frühbirnen find reif. 2ct- •er ist kaum Rachfrage danach da. so daß sie teilweise verfaulen müsse» Von einer Ernte an Frühäpfeln kann nicht gesprochen werden. In den Gärten ist eben große Ernte an Bohnen unb Gurken. Sehr zurück gegangen ist die Zucht der Tomaten, da bei der billigen AuSlandware der 2Inbau_ nicht mehr rentiert. Die Weinstöcke an den Häusern zeigen guten Behang. Schon steht man die ersten reisen Trauben der „Blauen Gutedel" aus dem Vlätteimeer herausleuchten. Ganz selten tritt in diesem Jahre die Peronospera auf. ---AuS der Wetterau. 16. Aug. 3n Fauerbach fand gestern die Grundsteinlegung des im Bau befindlichen Ehrenmales für die im Weltkriege Gefallenen statt. Für den Denk- malsausschuß sprach H. Sommer, der die Urkunden in den Sockelstein versenkte. Pfarrer ßahmann g Machte der Tapferen, die ihr Leden für daS Vaterland einsetzten. LklSdann folgten die üblichen drei Hammerfchläge. — In Oter-Roß- bach wurde die Krieger-Ehrenhalls feierlich eingeweiht. Sämtliche Ortsvereine, die Schulen, die Kriegerhinterbliebenen, die (Semeinte- vertretung und brr Vertreter des Kreisamtes Friedberg nahmen an der Feier teil Pfarrer Schäfer nahm die Weihe des Ehrenmales vor und verlas die Romen der 40 Gefallenen. Der Vertreter des Kreisamtes Friedberg übergab das Denkmal an die Gemeinde und Bürgermeister Welker übernahm eS in den Schuh der Gemeinde. Daran schlossen sich die Kranzniederlegungen. Schülerchor unb Gesangvereine verschönten die erhebende Feier. Die Halle befindet sich auf dem Friedhof: sie ist innen halbkreisförmig ausgebaut und trägt die Gedenktafeln, lieber den Tafeln befindet sich die Widmung: „Sen im Weltkrieg gefallenen Helden auS Dankbarkeit, Liebe und Verehrung die Gemeinde Ober-Roßbach. B Rodheim v. d. Höhe, 16. Aug. Der hiesige R a d f a h r e r v e r e i n ..Wanderlust" hielt gestern sein diesjähriges Mannschaftsrennen „Rund um Rodheim" ab, dem sich eine Konkurrenz im Langfamfahren für Damen anfchloh. An acht Herren und drei Damen kamen die vom Verein gestifteten Preise zur Verteilung. Bei gleich guter Beteiligung wurde der Rachmittag und Abend mit einem gemütlichen Beisammensein und Tanz auSgefüllt. Kreis Bii-ingen. R i d d a, 16. Aug. Hier wurde gestern der Kreisfeuerwehrtag für den Kreis Büdingen abgehalten, zu dem manche Wehren in größerer Anzahl ihrer Mitglieder, für alle übrigen die Kommandanten und Bürgermeister erschienen waren. Das Kreisamt war durch Re- gierungsassessor Dr. L o tz vertreten. Auch Kreis- feuerwehrinfpektor Gödel, Büdingen, war anwesend. Vormittags fand eine Versammlung statt, worin nur praktische und Derwaltungs- fragen des Feuerlöschdienstes verhandelt tourten. Rachmittags führte die hiesige freiwillige und Pflichtfeuerwehr auf der Gänswcide ihre neuen Leitern und Feuerspritzen vor. Am Rathaus wurde ein Brandangriff, nach den Urteilen von Fachleuten musterhaft, ausgeführt. Zum Schlüsse fand auf dem KarlShof ein Konzert der hiesigen und einiger auswärtiger Feuerwehrkapellen statt, das die Gäste bis zum Abgang der Abendzüge mit den hiesigen Wehrleuten vereinigte und von vielen Bewohnern unserer Stadt besucht war. — Lehrerin Walter ist von der hiesigen Realschule an die höhere Bürgerschule in Homberg an der Ohm versetzt worden. Sie hat seit Ostern 1925 ihre hiesige Stelle bekleidet. Zu ihrer Rachsolgerin wurde Fräulein Metz von Homberg a. d.O. hierher versetzt. h. Bad Salzhausen, 16. Aug. Dieser Tage wurde im hiesigen Kurpark eine Gedenktafel zum Gedächtnis an Hofkammervat I. W. Langsdorfs und dessen Sohn. SalincnratKarl Friedrich Langsdorft, durch eine schlichte Feier eingeweiht. Die Tafel ist vom Kur- und Verkehrs- Verein Dad-Salzhausen gestiftet worden und an der hinter dem Kurhaus stehenden Dlutbuche angebracht. Der Vorsitzende des Kurvereins. Geh. Justizrat A ö m h e l d auS Ridda. würdigte in beredten Worten die außerordentlichen Verdienste der beiden ehemaligen hiesigen Staatsbeamten, die einem uralten Grafengeschlecht entstammten. das in ter Wetterau mehrere hundert Jahre ansässig war. Rach ter Weiherede übernahm Oberförster Sühn er von hier als Vertreter der Regierung und der Badedirektion Dad-Salzhausen die Täfel in den Schuh der Der- toaltung. Sein Dank galt dem Kurverein und dessen rührigem Vorsitzenden, Geh. Justizrat R ö m h e l d. Im Auftrage der Rachkommen der Familie Langsdorfs ri chtete Bürgermeister Röper von hier herzliche Dankesworte an den Kurverein. Kreis Schotten. ld. Schotten, 16. Aug. Kurz vor dem Schottener Sommermarkt waren die Ferkel- preise in unserer Gegend etwas gesunken und 6 bis 7 Wochen alte Tiere schon für 30 bis 36 Mark zu haben. Aus dem Sommermarkt zogen nun die Preise wieder an, so daß hier wieder 40 Mark für das Stück bezahlt wurden. Diese erneute Preissteigerung hat zwei Gründe. Zur Zeit sind wenig einheimische Ferkel zu haben, da viele Würfe ganz ober teilweise an allerlei Krankheiten eingingen. Dann ist die Einfuhr fremder Ferkel wegen ter Einschleppungsgesahr ter Maul- unb Klauenseuche sehr erlotzwen. fast unicrbunten. Biele Landwirte holten daher in letzter Zeit ihren Frrkelbrdarf in ter Wetter au, da fic hier beim Züchter wesentlich billiger kauften als auf heimischen Märkten. Run setzt aver auch bort eine Steigerung ter Preise ein. unb unter 30 Mark ist heute in ter Wette rau kein Ferkel zu kaufen § Ulrichstein. 16. Aug Dieser Tage fand hier die ordentliche Hauptversammlung der Spar- und Leihlasfe Ulrich st ein statt. Das Geschäft ter Kalle har sich im Jahre 1925 gegenüber dein Vorjahre gehoben. Die Spareinlagen nahmen um rund 32 (XX) Wk. zu. 3n 1926 wurden schon 28 000 Ml bis jetzt eingelegt. Der Umsatz in 1925 betrug rund 2 150 000 Mark. Man sieht also, daß auch im hohen Vogelsberg die wirtschaftlichen Verhältnisse sich langsam, aber stetig bessern Ib. Aus dem vorderen Vogelsberg, 16 Aug. An sonnigen Stellen unserer Gemarkungen beginnen die Brombeeren zu reifen, die in ter Rässe dieses Sommers zu betonterer Drohe und Saft fülle gediehen sind. Da fast jeder- mann Beeren farameti, ist es kaum noch möglich, Brombeeren in größeren Mengen auf den städtischen Markt zu bangen. — Die Ernte ist an manchen Orten soweit fortgeschritten, daß nunmehr mit dem Ausdrusch in denScheunen begonnen werden kann. Wenn aud; Korn und Weizen infolge Befall- durch Schädlinge etwas weniger Körner liefern, so wird dieser Au-sall durch das günstige Ausdruschergebnis der Sommerfrucht mehr als ausgeglichen. Kreis Alsfeld. -er Homberg, 16. Aug. In den letzten Tagen gab ein Oberbaye ris ches Bauerntheater Vorstellungen in unterer Stadthalle. Die Darbietungen ter Truppe erfreuten alle Besucher sehr: Tic spielte gewandt, frisch und sicher. Das Publikum zollte reichen Beifall. Auch ein Harfenkünstler verstand es, sich großen Beifall zu erwerben. Am Schlüsse folgten original* oberbayerische Schuhplattler* und Steiercr- tanzeinlagen. die allenthalben sehr gefielen. Besonders erwähnt sei ein von vier Paaren vor* geführter histori'cher Volkstanz aus Oberbayern. -er Aus dem Ohm- und Feldatale, 16. Aug. Was die Getreideernte betrifft, so steht man hier mitten in ter Arbeit. Auf den Aeckern sind Männer, Frauen, sogar Kinder ernllg mit dem Schnitt des reifen Getreides beschäftigt. Der Roggen wird in der Regel sofort in Garben gebunden und dann auf Hausen gestellt, während die Gerste erst einige Tage gelagert wird. Gerste und Korn sind geschnitten, Weizen und Hafer werden in Kürze folgen. Letzterer bedarf stellenweise noch der reisenden Sonnenstrahlen. Bei Lagerfrucht muß die Mähmaschine außer Tätigkeit gesetzt werden, dafür kommen Sense und Sichel zur Einwendung. Eingefahren ist im allgemeinen noch wenig Frucht. In manchen Dörfern sind auch die Dreschmaschinen schon im Gange. Hier und da sind sie im Freien ausgestellt, um daS Getreide direkt vorn Acker anzufahren und zu dreschen. Kreis Lauterbach. fl Lauterbach, 16. Aug. In ter gestrigen Versammlung des DienenzüchtervereinS erstattete der Vorsitzende, Lehrer Mink, Dlihen- rod, eingehenden Bericht über die Ausstellung in Wetzlar. In ter Hauptversammlung wurde eine neue Satzung beschlossen, Römer berichtete über die Dorträge, die am zweiten Tage gehalten wurden, lieber die Teilnahme des Vereins an ter hiesigen Landwittschaftllchen Ausstellung konnte noch kein Deschluß gefaßt werden, da eine Einladung, die nähere Bedingungen enthält, noch nicht vorliegt. Grundsätzlich erklärten sich die anwesenden Imker bereit, auszustellen. Starkenburg. * Darmstadt, 16. Aug. In einer der letzten Rächte sind Diebe in das Hauptzollamt eingedrungen. Sie durchbrachen eine Decke und stahlen in dem darunter gelegenen Rauin Steuerwertzeichen für Zigaretten im Werte von 30 600 Rm. — 3m Kupferstichkabinett des Darmstädter LanteSmuseums hat das hessische Denkmalsarchiv aus seinen Deständen eine A u s- stellung veranstaltet, die tem Mainzer Dom gewidmet ist. Das frühere Aussehen, die Architektur, die Gräber und Plastiken, die Ausstattung des Domes wird in ter Ausstellung an ter Hand eines reichen Abbildungs- und Photographien- Materials so gut wie vollständig vorgeführt. Die Ausstellung dauert bis Mllte September. — Gestern sand hier, tote alljährlich, bas Son* tauben-Meisterschaftsschießen statt, das der Hessische Jagdllub veranstaltet und an dem sich Jäger und Schützen aus ganz Hessen beteiligen. DaS Schießen wird in ter Weise ab- gehalten, daß die Ortsvereine teS etwa 2000 Mitglieder umfassenden Klubs ihre fünf besten Schützen entsenden. Die Staatsregierung und die Stadtverwaltung hatten Vertreter entsandt: zahlreiche Preise waren gestiftet Worten. Rheinhessen. WER. W ö l l st e i n, 14. Aug. Wiederum hat sich im Steindruch der Haristeinwerke Pfalz- Hessen ein schweres Unglück zugettagen, nachdem sich erst im Juni d. I. ein schwerer Unfall ereignet hatte, bei dem zwei Menschenleben zu beklagen waren. Diesmal wurde der 45jährige Druchmeister Franz Michels aus Fürfeld und der 22jährige Arbeiter Jakob Klingeschmidt aus Mörsfeld sehr schwer verletzt, so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt werten muß. Der Eteiirbruchbefitzer unb Gemernterat Jungbecke aus Reu-Damberg, ter sich zur Erledigung einer geschäftlichen An- gcLegcnfrcu mu tem Mitinhaber des Bruches dort aufhiell. wurde so schwer verletzt. daß ter Tod sofort eintrat Der Mitinhaber BovS erlitt nut leichtere Verletzungen Preußen. Kreis Marburg. JJ Marburg. 15. Aug Seit gestern lieht Harburg wieder im Zeichen ter grünen Zarte Tic nach dem Kriege ins Leden getretene Vereim- pung ehemaliger Marburger Jager und ihrer KriegStormationen hält ihren fünften VerbandSlaq ab Daß die Marburger Bur- geilchaft ihnen ein herzliches Willkommen entbietet, zeigt der reiche Ftaggcnschmuck ter Straßen und Gassen ter Stadt. 'Die Veranstaltungen wurden gestern abend mit einem Parolekonzert von der Jägerlaserne und einem BrgrüßungS- kommers in den Stadtsälen cingeleitct, wobei zahlreiche Degrüßungslelegramme seitens ter ehemaligen Jägeroffizicre. u. a auch deS bekannten Kommandeurs v. Borries, ter Ehrenvorsitzender ter Jägervereinigung ist. verlesen wurden. Don den anwesenden ehemaligen Ossi* zieren hielten u. a. ter Kommandeur, der da- aktive Dataillon in den Weltkrieg führte. Graf v. Soden, sowie ter jetzige Führer ter Tra* ditionSkompOMne. Hauptmann Klee mann, Ansprachen. Ebenso Vertreter ter Jägeivereini* gung, des Vereins Marburger Jäger und Schüt* zen ter Stadt, ter Universität, der Sängerver* einigung und ter auswärtigen Jägervereine. Heute frül) sand in ter Pfarrkirche ein Fest- gotiesdienst statt, bei tem die GarnisonSkcwrlle unb die ©ängerbcrcinigung mitwirkten. Die Pro* bigt hielt Psarrer Dr. Frankenberg. An eine Kranzniederlegung beim Jägerdenkmal schlossen sich dto geschäftlichen Verhandlungen, ein gemeinsames Mahl und ein .grüner Abend" in den Etadtsälen. ter ebenfalls einen würdigen Verlauf nahm. Maingau. , WSR. Höchst a. M. 15. Aug. Gestern nacht brach in dem Sägewerk VaierSbach in Kriftel ein Grohfcuer auS, daS binnen kurzer Zeit das ganze Sägewerk ein« äscherte. Sieben Wehren waren mit der Dr- kärnpsung des Feuers beschäftigt. Der Schaden ist außerordentlich groß, lieber die Entstehung-. Ursache ist biS jetzt noch nichts bekannt. Büchertisch. Vielfarbig bunt tritt uns das vorliegende Hest des Daheim (Velhagen und Klasing) entgegen. Der Aussatz .Sommer im Wald" leuchtet mit seinen Dildern von ter Hand des Tier- rneisters Schütz: es leuchten auf dem Umschlag das Bild einer Jndierin, innen ein Herrenpvrträt in sommerfrischen Farben und das märchenlmste Gemälde einer hohen Brücke, unter bet Heine Menschlein wandeln. Ernst in dieser Farbfülle steht als Kunstbeilage eine Radierung Ostates. Um diesen Dildschrnuck ranken sich die Auf iahe und Erzählungen: Der Arzt fpricht von Atemnot und Asthma, ter Literatursreund von Grimmelshausen, ter Raturschwärmer von schlesischen Heimatspielen, ter Recht-gelehrte vom Reigen des Diebesgutes. Ein neues Buch von Stefan Zweig wird soeben vom Jnselverlag für September angekündigt. Das Rovellenbuch „Verwirrung der Gefühle", dos thematisch die Fortsetzung der Dände „Erstes Erlebnis" und „Amok" bildet. Wir sind schon heute in ter Lage, auch die Untertitel ter drei Rovellen diese- Bande- mitzuteilen: Dierundzwanzig Stunden aus dem Leven einer Frau: Verwirrung ter Gefühle: Untergang eine« Hetzens. Praktisches Taschenbuch für die A e i s e. Ausgabe 1926 27. HerauSgegeben vom Reiseführer- unb Landkarten-Derlag Fr. Paul Lorenz, Freiburg i. D. — Ein Buchelchen im Drieftaschenformat, enthaltend allerlei Wislens- werteS und Beherzigenswertes für die Reite und die Reisevorbereitungen, ein praktischer Ratgeber, ter in der gegenwärtigen Saison eine aktuelle Literatur darstellt. — „Das Reisebüro" (Verlag: Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft. Berlin W 9). Rr. 11 bringt in bunter Wanmgsaltigkcit bebilderte Aufsätze und Rotizen. die zugleich Unterhaltung#- und Dildungsstösf bieten. Von den Artikeln seien besonders erwähnt: „Der Reiseverkehr und die Reisebüros" von Alfred Rohn, „Schweizerische Alpenposten" von Emil A. Krause, und „Reise- moden" von Leonore Ehren. — Die neue Rümmer des .Deutschenspiegel" (Berlin W 35) bringt als Leitartikel einen Aufsatz des Präsidenten des ReichSbürgev- rats, Staatsminister von ßoebdl, in tem dieser in Fortführung des Aufrufes der Führer der Arbeitsgemeinschaft im Preußischen Staatsrat, Dr. Jarres und von Gayl. den außerparlamentarischen Zusammenschluß der Rechten mit dem Programm der staalSpolittschen Arbeit und ter staatspolitischen Erziehung fortert. Der bekannte Reichstagsabgcordnete, Professor von Fceytagh- Loringhoven, weist in außerordentlich lebendigen und eindrucksvollen Ausführungen nach, daß ter Völkerbund in feiner heutigen Form infolge feiner Bindung an die Pariser Verträge nur ein Werkzeug ter Entente mit der Pflicht zur Aufrechterhaltung dieser Verträge geblieben ist. Die an diesen Verträgen weniger interessierten außereuropäischen Staaten haben infolgedessen auch ein immer geringer werdendes Interesse am Völkerbund und ziehen sich von ihm mehr und mehr zurück. Der Völkerbund wird sich von ter ihm von der Entente aufgebürdeten Pflicht befreien oder damit abfinten müssen, nur eine vorübergehende Erscheinung zu sein, die mit dem Zerfall der Interessengemeinschaft, die ihn -ns Leben gerufen hat, schwindet, und an deren Stelle 11 interessante Fragen In unserem grossen Oldenkott-Rees- Wettbewerb für Raucher setzen wir für die besten Antworten 75000 Mark Preise-m-. Verlangen Sie Bedingungen und Fragebogen bei Ihrem Händler oder direkt bei uns. 125s s Oldenkott-Rees, Fabrikanten der Kiepenkerl-, Madastra-, Piet Hein-Tabake. wieder das einstige Chaos tritt oder aber ein neuer Völkerbund, der seinen Namen mit Recht trägt. Ein weiterer Aufsah eines Deutschen in Polen beschäftigt sich mit der Entwicklung des Deutschtums in Polen. Peer beleuchtet die Auswirkungen, die eine nach den Vorschlägen der Stahlhelm-Zeitung eingeführte allgemeine Ar- beitsdiensthflicht auf die private Wirtschaft haben würde. Kleber die flandalösen Vorgänge in Magdeburg berichtet Dr. Krieg in einer überparteilichen sachlichen Form. Schließlich seien Interessenten noch auf die ausführlichen, von großer Sachkenntnis zeugenden Artikel über das Preisproblem in der Kaliindustrie und über die Getreidelombardierung und die Getreidehandelsge- sellschaft hingewiesen. Wirtschaft. * Auslandanleihe des Deutschen Giro- und Sparkassenverbandes. Rach erfolgter Befürwortung der Beratungsstelle für Auslandkredite des Reichsfinanzministeriuins hat der Deutsche Giro- und Sparkassenverband vorbehaltlich der staatlichen Genehmigung den zweiten Teil seiner Auslandanleihe mit dem hier weilenden Vertreter des Bankhauses Forbes u. Co.-Reuyork am 14. August 1926 abgeschlossen. Der ^lebernahmepreis für diesen zweiten Teil der Auslandanleihe stellt sich auf 951/« Prozent gegen 90 Prozent des ersten Teiles der Ausländsanleihe. Diese Verbesserung des ^leber- nahmekurses soll jedoch allen an der Auslandanleihe des Deutschen Giro- und Sparkassenverbandes (1. und 2. Teil) beteiligten Kommunalverbänden im Verhältnis ihrer Beteiligung zufliehen. An der Auslandanleihe sind 185 Städte, Landgemeinden und Zweckverbände beteiligt. ' Zurückziehung der amerikanischen Anklagen gegen deutsche Metall-Gesellschaften. Aus Reuhork wird gemeldet, daß der Staatsanwalt die gegen die Metallbank, die Deutsche Metallgesellfchaft, die Brüder Richard und Walter Morton, Frankfurt a. M., die Schweizer Dubois, Fritz Zahn, Gaigy- Basel, sowie die Soziets Suisse pour des Valeurs de Metaux, deren Vermögen im Kriege in den- Vereinigten Staaten beschlagnahmt, durch den Treuhänder des deutschen Vermögens, Daugherth Miller, jedoch der Schweizer Gesellschaft, einer Tochtergesellschaft der Frankfurter Unternehmungen sehr billig überlassen worden war, erhobene Anklage zurückgezogen hat. Lieber die gegen Daugherth Miller aufrechterhaltene Anklage wird am 7. September verhandelt werden. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 17. Aug. Tendenz: Fest. — Die Börse eröffnete in freundlicher Haltung und zuversichtlicher Stimmung, so daß Kurssteigerungen zu verzeichnen waren. Trotz der festen Strömung hielt Die Zurückhaltung der Spekulation an, da es an Llnternehmungslust mangelte. Die Geschäftstätigkeit erstreckte sich nur auf Spezialwerte. Am Montanmarkte stimulierten die bedeutenden Kohlenauftrage des Auslandes, die auch nach Beendigung des englischen Berg- arbeiterstreikes eine annehmbare Konjunktur sichern dürften. Rheinische Braunkohlen waren außerordentlich lebhaft gefragt und zogen nach einer Eröffnung von 190 Prozent in kurzer Zeit auf 202 und schließlich auf 205 Prozent an, so daß dieses Papier den Rekordgewinn von 15 Prozent zu verzeichnen hatte. Von den übrigen Montanaktien waren gut befestigt: Gelsenkirchen plus 2.25 Prozent. Harpener plus 2,75 Prozent, Phönix plus 1,75 Prozent, Rheinstahl und Deutsch-Lux je plus 1 Prozent. Das Geschäft in I. G. Farbenaktien hielt sich in engen Grenzen: dieses Papier mußte sich mit einer Besserung von 1 Prozent begnügen, da der Nachfrage auch einiges Angebot gegenüber- stond. Scheideanstalt büßten 2 Prozent ein. E l e k t r o a k t i e n, die in den letzten Tagen stürmisches Geschäft aufwiesen, lagen uneinheitlich, da von der Siemens-Verwaltung die Gerüchte über Fusionsabfichten dementiert werden. Die Kursabschwächungen betrugen etwa 1 Prozent. Der Bankaktienmarkt bot das gleiche Bild, auch hier war die Tendenz unregelmäßig, aber schließlich leicht befestigt .Am Schifffahrtsmarkte stellte sich für Hapag eine dreiprozentige Besserung und für Nordlloyd eine solche von 1,87 Prozent ein. Motorenwerte zogen scharf nach oben. Kleyer und Daimler je plus 2 Proz. Erdölaktien lagen erholt. Auch Zellstoffaktien lagen etwa 2,5 Proz. fester. Dau- aktien gehalten. Zuckeraktien gingen höher. Deutsche Anleihen verkehrten lustlos. Ausländische Renten behauptet. Der Freiverkehr hatte bei stillem Geschäft fast unveränderte Kurse. Benz 87, Growag 60, Alfa 40, Drown Boveri 120, ilnterfranken 90, Frankfurter Handelsbank 90,5 Proz. Der weitere Verlauf brachte unter Schwankungen für Montan- werte weitere leichte Besserungen. Der Geldmarkt zeigte wieder ein leichteres Aussehen. Tagesgeld 57z Proz. Monatsgeld 5 bis 63/i Proz. Im Devis enverkehr waren nennenswerte Veränderungen nicht zu verzeichnen. Paris gegen London 178,13, Brüssel gegen London 179,25, Mailand 148,25 Proz. Devisenmarkt Berlin -Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Banknoten. 16 August. 17. August. Amtliche Meld ioticrung Brief Amtliche Notierung Geld Brief timft.-lHou. 168,42 168,84 168,33 168.65 Buen.-AireS 1,69 1,70 1,695 1,699 Brst.-Aotw. 11,57 11,61 11,29 11,33 Christiania. 91,46 92,05 91,98 92,22 Kopenhagen 111,46 111,74 111,49 112,30 111,77 Stockholm . 112,31 112,59 112.58 Helsingfors 10,554 10,594 10,552 10,592 Italien. . 13,77 13,81 13,75 13,82 London. . 20,382 20,434 20,380 20,432 Neoyork . . 4,195 4,205 4,195 4.205 PariS. . . Schweiz . . 11,38 11,42 11.405 11,445 81.065 81,265 81,06 81.26 Spanten. . 63.97 64,13 64.42 64.58 yavan . . . Rio de Jan. Wien in D-- 2,013 2,017 2,003 2,017 0.644 9.646 9.644 0.646 Ceft- abgest. 59,30 59,44 a9,29 59,43 Prag .... 12,419 12,459 7,425 12,421 7,405 12,461 Belgrad . . 7.050 7,425 Budapest. . 5,87 5,89 5,87 5,89 3,045 Sargarien . 3,035 3,045 3,035 Lissabon 21,375 21,425 21,375 21,425 Danzig. . 81,47 81,67 81,47 81,67 Konstantin. 2,302 2,312 2,31 2,32 Athen. 4,74 4,76 4,74 4,76 Canada. . 4.198 4,208 4,198 4,208 Uruauau . . 1.185 4.195 4.185 4.195 Berlin, 16 August Geld Briet Amerikanische Note» .... 4 Belgische Noten ....... Dänische Noteo . ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten ...... Atalienische Noten...... Norweatsche Noten...... Deuisch-Oesterr., i 100 Kronen Rumänische Note»...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten....... Svanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten .. Uno arische Noteo 4,178 11,42 111,22 20,348 11,62 167,93 14,16 91,57 59,30 1,91 111,97 81,05 63,74 12,39 5.8'5 4,198 11,40 111,68 20,448 11,68 168,97 14,24 92,03 69.60 1,95 112,53 81,45 64,05 12,45 5.875 Dörsenkorft. Frankfurt a.M. Berlin Schlug-! Kur» i 1-Uhr- fhire Schluh- Rur 6 Anfang rtur-. Datum: 16.8 | 17 8 16 8 17 8 5% Deutsche NcichSanlethr '1 4825 0.485 0,4825 v.48 4% Deutsche Rcichsanleihe — 0,43 0,435 3'/,°/«, Deutsche ReichSanIelhe 3% Deutsche Reichsanlcihe . — — 0,4275 0,43 — — 0,495 0,41 Deutsche Svarprämicuanleihe 0,27 — 0,27 — 4% Preußische Konlols . . . — 0.43 0,43 4% Hessen...... — — 0.4275 0,43 3Vt°/n Hessen........ — — 0,4675 0.465 _ Deutsche Wertb. Dollar-An l. 96 _ _ — dto- Doll.-Schav-Anweilng.') - — — — 4e/0 Zoll türken......... 13,5 13,4 13,5 - 6°/o Goldmerikaner ... . 44.9 44,2 44,6 - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Privat-Bank 203 140* 139' 200.5* 140' 139' Darmst. und Nationalbank . 197' 195’ 196,5' 195,5' 169' _ 169,5* 167' Deutsche BereinSbank • . . . 93 — DiLconto Connnandit 164,7' 163' 164,5* 163' ’lPftnnfmnf. ......... 133 133 _ _ Mitteldeutsche Crrditbank . 141 142' 141,5* Oesterrcichische Creditanstalt 7.4 7,45 7,5 7.5 85 145 Bochumer Guh ....... 147.5' 145' 146,5* 90.5 84 _ 90* 85,75 89 Caro .......... । _ Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . ..151 175,5' 153' 178,2' 150,7* 175,2* 153,7' 178,5' £>nrpi,nrr Bergbau . . . 146' 142 148,7* 145,5* 137 Kaliwerke Aschersleben.... 148' Kaliwerk Westeregeln. .... 150 149,75 148,9 S'nurnbiitte.......... 56 Öberbedarf .......... Pbnnir Rergbaa ....... 72.5 122' 146.7* 71 122.7' 146* 71,5' 120 1* >44* — Rheinstahl........... Riebeck Moutcin. ....... 145,7* 146,5* 131 70 155' 150* 145 148,5 steNiis Rergbuii. ..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . , 157,4* 151,9' 157,5' 152.5* 156 5* 153,2' Theramische Werke AlbM . . 54 — — _ Zementwerk Heidelberg • . . 125 — — — Philivv Holzmann..... 110,25 — 110 — Anglo-Cont.-Guano..... _ 97 Chemische Mäher Alapin . . y. G. Farbenindustrie, A.-G. — _ — 292,5* 290' 291,5 ö88.5' Goldschmidt.......... HO 109 109,75 109,5 Holzverkohlung....... 59,5 107.5 Hütgerswerke . ..... 107 106 107,5 Scheideanstalt........ 160 158 — Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 162,4' 160' 164.7* 159,2' Bergmann ........ . 157,5' 154,5' 157,5 154,9' Mamkrastwerke ........ 106 — — Schuckert........... 139,5' 196,5' 138' ,40* 137,9' Siemens & Halske ...... 196,75 Adlerwerke Kleher ...... 78 _ 76 80,5 Daimler Motoren. ...... 81.25 81 83,75 Hehligenstaedt. . ....... Megum............. 25,5 46 — Motorenwerke Mannheim — 38 — Frankfurter Armaturen 73,75 — — Konservenfabrik Braun . . . Metallgeselllchaft Frankfurt. Pet. Union A.-G..... 39 — — — 143 85.5 — 84 —— Schuhfabrik Hey...... 47 — 50 — Sichel • . - ........ . 2.8 — — — Reflfton Walddof. . .... 172,5 175 — 174,75 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waabäufel . . . 74,1 82 82,75 — — - Berliner Börse. Berlin, 17. Aug. Die heutige Börse eröffnete in unsicherer Haltung. Die Tendenz zeigte vorbörslich eine leichte Erholung, die bei Festsetzung der ersten amtlichen Kurse zum Teil wieder verloren ging. Während der ersten Stunde traten dann für Elektro- und Montan» werte größere Käufe hervor, die in den Werten der zum Stahltrust gehörigen Gesellschaften De- festigunc en von durchschnittlich 3 Prozent und bei Elekt'rowerten Erhöhungen von etwa 4 Prozent zeitigten. Daneben waren einige bemerkenswerte Spezialbewegungen zu beobachten. Rheinische Braunkohlen, die zum ersten Kurs mit 190 Prozent eröffneten, zogen innerhalb kurzer Zeit bis auf 205 Prozent an und führten damit auch für die übrigen Braunkohlenwerte spekulatives Interesse herbei. Am Bankenmarkt fonnteix die Kurse 1 bis 2 Prozent anziehen: Berliner Handel gewannen sogar 6 Proz. Schiffahrtsaktien lagen bei allerdings äußerst stillem Geschäft 2,5 Prozent höher. Die zum Teil unentschiedene Gesamttendenz wurde infolge der verschiedenen Haussebewegungen freundlich und die Kursverluste des Vortages konnten zum größten Teil wieder aufgeholt werden. Am Geldmarkt war Tagesgeld kaum unterzubringen, der Sah stellte sich auf 4 bis 6 Prozent. Monatsgeld 5,5 bis 6,5 Prozent. Im Devisenverkehr waren nur unbedeutende Veränderungen zu verzeichnen. Paris notierte gegen London 178, Brüssel 180,50, Mailand 148. v.ankf^rter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17. Aug. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen, neuer Ernte 28,75, inl. Roggen, neuer Ernte 20, ausl. Hafer 20 bis 21,50, Mais, gelb 18 bis 1825, inl. Weizenmehl, Spezial 0 42 bis 42,10, Roggenmehl 30,50 bis 31, Weizenkleie 8,75, Roggenkleie 10,50. Berliner Produktenbörse. Berlin, 16. Aug. Die neueinsetzende regnerische Witterung trägt in die Bbrs«» erneut Besorgnisse hinsichtlich der Weizenqualitäten, so daß bei Wochenbeginn alle Momente gegeben sind, die Forderungen weiter in die Höhe zu schrauben. Hinzu kommt das sehr knappe Angebot in prompter Ware. Parallel geht die Bewegung in Roggen. Beide Getreidearten zeigten auch im Lieferungshandel Steigerungen bis zu 3.50 Mk., wobei besonders spätere Monate aus Provinzdeckungen den größten Gewinn erreichten. Von Gerste nur beste Brauware behauptet. Im übrigen gestaltet sich infolge der mangelhaften Qualitäten schwierig Hafer, eher erhöht. Mehl in näherer Ware gefuajt und fest, spätere Lieferung still. Es notierten: Weizen (märt) 269 bis 273, Roggen (märk.) 195 bis 201, Sommergerste 195 bis 245, Hafer (märk.) 180 bis 191, Mais, La Plata, 176 bis 182. Weizenmehl 38.50 bis 40, Roggenmehl 28 bis 29.75, Weizen- kleie 10.25 bis 10.50, Roggenkleie 11 bis 11.40, Raps 325 bis 330, Viktoriaerbsen 35 bis 40, kleine Erbsen 27 bis 31, Futtererbsen 20 bis 24, Peluschken 27 bis 28.50, Ackerbohnen 23 bis 26. Wicken 32 bis 35, Rapskuchen 14.20 bis 14.40, Leinkuchen 18.80 bis 19, Trockenschnitzel 10.80 bis 11, Sohaschrot 19.80 bis 20, Kartoffelflocken 22.40 bis 23. Letzte Nachrichten. Revision im Fall Flessa. WSN. Frankfurt a. M., 17. Aug. In letzter Stunde legten gegen das vom hiesigen Schwurgericht gegen die Krankenschwester Wilhelmine Flessa ergangene Urteil, das wegen Totschlagsversuchs in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung auf sieben Jahre Zuchthaus lautete, der Verteidiger Prof. Dr. Sinz- Heimer, die Verteidigerin Dr. Anna Schulz und d er Oberstaatsanwalt Revision ein. Während der Verteidiger die Revision gegen das erste Urteil, wonach die Angeklagte wegen Mordes zum Tode verurteilt worden war, auf die Verletzung des formellen Rechts stützte, wird nunmehr von allen Seiten die Revision mit Verletzung des materiellen Rechts begründet. Das zuletzt ergangene Urteil ist ausgefertigt und wurde Montag dem Vorsitzenden zur Unterschrift vorgelegt. Heute soll es der Angellagten. ihren Verteidigern und der Staatsanwaltschaft zugestellt werden. ' 1 1................ ■ B M -Sweater die ideale, gesündeste Kinderkleidung r 18 O H U B^-Anzüge in mehr als 300 Stück zur Auswahl ■ w M mir 8 8 -Kleidchen zu den billigen Originalpreisen. S Modehaus aSomon Gewerbeverein Giehenj I Mitgliederversammlung I stets billigst zu haben bei Der Vorsitzende. 6681D Donnerstag, 19. Aug.,8V, Uhr,im Gerverbehaus Tagesordnung: 1. Gewerbeschulneubau 2. Oberhessischer Handwerkertag 3. Verschiedenes. W. Hankel, Neuen Baue 7. 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