Nr. 139 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 17. Juni 1926 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche UnioerfilätL-vuch- und 5teindruckerei R. Lange in Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klamean^eigen von 70 mm Breite 35 Ncichspsennig, Playvorschrist 20° mehr. Chefredakteur Dr. Friedt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle MonatS'vezngrpreis. 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: SchrifÜeitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger fielen. Postscheckkonto: Sranffnrt am Main 11686. Die englische Wirtschaftskrise. Prefsestimmen zu den Vorschlägen Baldwins. London, 16. Juni. (TU.) Die Ausnahme der gestern von Baldwin im Unterlaufe gemachten neuen Vorschläge ist recht geteilt. Während ein Teil der Morgenblätter die Vorschläge als den einzigen Ausweg betrachtete , glauben andere in ihnen eine Verleugnung deS Berichtes der Kohlenkommission zu sehen. Die „Daily RewS" bedauert die Aeuhe- rungen Baldwins, daß man sich keine übertriebenen Vorstellungen von einer Reorganisation der Industrie machen soll. Kein Mensch glaube, daß die Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des britischen Bergbaues ihren Höchstgrad bereits erreicht habe. Der n5>ailt) Herald" macht dem Premierminister den Vorwurf, das Werkzeug der Grubenbesitzer zu sein. „Daily Ehronicle" berichtet, daß durch nichts die Lage im Bergbau so präjudiziert werden könne als durch die Tatsache, daß die Regierung den Eindruck hinterlassen habe, sich von dem Bericht der Kohlenkommissivn abgewcrndt zu haben. Der Bericht sei die einzige Grundlage, auf der man verhandeln könne, Obwohl die Einführung des Achtstundentages eine teilweise Verwirklichung der Vorschläge des Kohlenbrrichtes darstelle, könne man sich dennoch des Eindruckes nicht erwehren, das) sich die Regierung von dem Bericht abgewandt habe. „Daily Cxpreh" bedauert, daß der Premierminister nicht den Mut gehabt habe, das Siebenstundengeseh vollständig abzuschaffen und nur eine vorübergehende Einführung des Achtstundentages vorschlage. Die Besprechungen, die die Mitglieder des Kabinettes am Montagabend mit den Grubenbesitzern gehabt haben, waren, wie der „Tim es"» Korrespondent berichtet, als ein Vorspiel der Wiederaufnahme der Verhandlungen gedacht. Der Empfang der Erklärungen Baldwins im Unterhaus lasse jedoch keine allzu großen Hoffnungen aufkommen. Die Exekutive der Arbeiterfraktion wird heute zusammentreten, um die Entscheidung darüber zu treffen, ob angesichts der gestrigen Rede des Premierministers ein Miß- trauen dant rag eingebracht werden soll. Mac- d o n a l d , der frühere Premierminister und Führer der Opposition nahm an der gestrigen Hinterhaus debatte nicht teil, veröffentlichte aber kurz darauf eine Erklärung, in der die Rede Baldwins als von verheerender Wirkung bezeichnet wird. Für die Einführung der von Baldwin erwähnten legislativen Maßnahmen ist noch kein Zeitpunkt festgesetzt worden. Die Regierung wird indessen, wie die .,T i - m e s" berichten, bemüht sein, die Vorlage sobald als möglich einzubringen. Wie verlautet, werden die Grubenbesitzer, sobald die Vorlage Gesetz wird, in allen Grubenbezirken die neuen Lohnsätze, die sie unter den neuen Bedingungen zu zahlen in der Lage sind, anschlagen. Man hofft, auf diese Weise zu örtlichen Lohnabkommen zu gelangen und den Abschluß eines nationalen Lohnabkommens, auf das dieBerg- arbeiter bisher mit so großer Hartnäckigkeit bestanden haben, zu vermeiden. Bergarbeiterführer Cook gab heute eine Erklärung zu den Vorschlägen Baldwins ab, in der er betonte, daß diese für die Bergarbeiter wenig zu bedeuten hätten, da sie gegen die Arbeitszeitordnung verstießen, an der die Arbeiterschaft geschlossen festhalte. Wie wenig Bedeutung die Rcgierungkvorschläge hätten, zeige die Tatsache, daß ihretwegen die Bergarbeiter-Exekutive nicht zusammen- berufen werden würde. Um die achtstündige Arbeitszeit. London, 16. Juni. (TU.) Die englische Regierung wird schon in der nächsten Woche dem Hinterhaus einen Gesetzentwurf vorlegen, der die acht stün dige Arbeitszeit im Kohlenbergbau gestattet. DaS Gesetz soll drei Jahre Gültigkeit haben, kann jedoch nach Maßgabe der Rentabilität des Bergbau e s verlängert werden. Die Regierung hat es danach in der Hand, das Gesetz zu verlängern, wenn sich herausstellt, daß bei Wiedereinführung der siebenstündigen Arbeitszeit der Kohlenbergbau unrentabel wird. Wie verlautet, werden die Grubenbesitzer erst das Inkrafttreten dieses Gesetzes abwarten und dann die Lohnsätze betanntgeben, die die einzelnen Gruben unter Berücksichtigung ihrer Rentabilität zahlen können. In Arbeitgeberkreisen glaubt man, daß nach Bekanntgabe der n e u e n L ö h ne ein großer Teil der Arbeiterschaft die Arbeit wieder aufnehmen wird Neue Vorschläge der Regierung. London. 16. Juni. (SU.) Die neuen Vorschläge der Regierung schließen folgende Punkte ein: 1. Unter dem Achtstundentag sollen in ungefähr 50 Prozent aller Gruben die g e g e n- wärtigen Lohnsätze während der Monate Juli, August und September garantiert werden. 2. Rach Ablauf dieser Zeit sollen neue Lohnsätze nach Maßgabe der erzielten Gewinne festgesetzt werden. 3. Bei 25 Prozent aller Bergwerke wird eine Reduzierung der Minimallohnsätze um ungefähr 10 Prozent stattfinden. Die Regierungskrise in Frankreich. Briand mit der Kabinettsbildung beauftragt. Briands Gründe für den Rücktritt Paris, 16. Juni. (TU.) Die Blatter sind über* einftimmenb der Meinung, baß die Krise ihre wahrscheinlichste Lösung in einem neuen, bem zehnten, Kabinett Brianb finben wirb. Ebenso glaubt man, baß Poincar 6 bie meisten Aussichten hat, Finanzmini st er zu werben. Brianb hat nach seiner Rückkehr aus bem Elysee Pressevertretern bie Grüiibe für seinen Rücktritt auseinanbergesetzt. Rach ber Kammersitzung, so führte er aus, sei ihm auf Grunb ber Besprechungen in ben Wanbelgängen klar geworben, baß eine ein» fache Umbilbung bes Kabinetts unmöglich sei. Es wäre ihm nicht leicht geworben, einen neuen Finanzminister zu finben, nachdem er bereits brei Minister verbraucht habe, unb nachbein sich bie finanziellen Schwierigkeiten noch vergrößert hätten. Aber auch wenn er einen gefunben hätte, so wäre bamit bie Krise noch nicht gelöst worben, benn er hätte nach wie vor ber Kammer einen Eiertanz aufführen müssen. Anberer» seits müsse er auf bie Strömung in ber öffentlichen Meinung, sowohl im Publikum als in parlamentarischen Krisen, Rücksicht nehmen, bie ein Ministerium ber nationalen Einigung forbern. Er sei zwar ber An» sicht, baß es unmöglich sei, ein wirkliches Ministerium ber nationalen Einigung zu bilben. Man könne nicht Leute von allen Winkeln bes parlamentarischen Schachbrettes um ein Sanierungs-. Programm gruppieren, über bas sie bie vetschieben- sten Ansichten vertreten. Aber wenn es so nicht möglich sei, ein Ministerium ber nationalen Einigung zu schaffen, so müsse man boch ben Versuch zu einem Waffen still st and zwischen gewissen Parteien machen. Das seien bie Gtünbe gewesen, berenlmegen bas Kabinett einstimmig ber Ansicht gewesen lei, man müsse bem Präsidenten der Revuvlik volle Handlungsfreiheit überlassen. Die Pressevertteter wiesen darauf hin, daß Briand in der Kammer einen Abstimmungserfolg errungen habe. Briand erwiderte, es habe sich dabei zunächst nur um eine Vertrauensfrage gehandelt. Als die Presse-, Vertreter darauf hinwiesen, daß der Präsident der Republik ihn als neuen Ministerpräsiden, t e n berufen möchte, erwiderte Briand, wenn man ihm das Angebot mache, werde er es ganz genau prüfen und es sich von allen Seiten ansehen, um zu wissen, was es wert sei. Aber er könne schon jetzt versichern, daß er es ohne wirkliche Freude annehmen würde. Zum S.chluß fragte man Briand, wie er sich die Lösung eigentlich denke. Er bekannte sich zu der Auffassung, man müsse außerhalb der politischen Gruppen eine Reihe b e - deutender Persönlichkeiten vereinigen, die im G e i ft e der Einigkeit an dem Werke der F tankenunter st ützung arbeiteten. Dadurch könne neues Vertrauen im In- und Ausland geschaffen werden. Allerdings fei das nicht leicht bei einer so zusammengesetzten Kammer. Briand übernimmt bie Neubildung. Paris, 16. Juni. (WD.) Rachbem ber Präsident der Republik seine Besprechungen mit den verschiedenen Parlamentariern, darunter dem radikalen Senator Maurice ©arraut und dem der demokratisch-republikanischen Linken angehörenden Abg. Bokanowski beendet hatte, wurde kurz nach 7 Uhr Briand ins Elysee berufen. Rach längerer Besprechung mit dem Präsidenten der Republik nahm er ben ihm erteilten Auftrag, die Regierung 8 u_ bilben, an. Beim Verlassen des Elysee erklärte Briand, er habe dem Präsidenten initgcteili, er werde versuchen, ein Ministerium auf der Grundlage des weitestgehenden! Zusammenschlusses der Fraktionen zu bilden, und dazu deren befähigste Vertreter ersuchen, angesichts des Ernstes der Lage ihre verschiedenen Streitigkeiten zu vergessen und sich einzig und allein auf den Boden des nationalen Interesses zu stellen, und sich zu bentüfren, wieder eine normale Finanzlage zu schaffen. In den parlamentarischen Kreisen rechnet man, wie Ha- vas mitteilt, damit, dah Briand sein Kabinett schnell zusammenbringen wird. Mehrere seiner bisherigen Mitarbeiter, wie Painleve. La- v a l und andere werde er beibehalten. Eine gewisse Anzahl von Portefeuilles werde er Vertretern der Mitte, wie P o i n c a r c und Bo- kanowfki, anbieten. Sollte, was man für ziemlich unmöglich hält, Briands Mission mißlingen, so rechne man mit einem Kabinett Herri ot. Wie Havas weiter mitteilt, hat Briand die Kabi- Mit der Bekanntgabe der neuen Vorschläge ber englischen Regierung haben die Feindseligkeiten heute auf der ganzen Linie begonnen. Die führenden Persönlichkeiten im Lager der Arbeiterpartei meinen, daß es in den nächsten Tagen und Wochen zu ganz erbitterten Kämpfen kommen werde. Die Bergarbeiter würden sich nicht ergeben. Auch in der liberalen Partei macht sich Opposition gegen di e Regierungsvorschläge geltend. Lloyd George vertrat die Auffassung, daß die Regierung den Konflikt in sehr plumper und ungeschickter Weise behandele. nettsbildung grundsätzlich übernommen, aber seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, sich mit seinen Freunden zu besprechen, eh: er eine endgültige Antwort erteile. Kombinationen. Paris. 16. Juni. (TU.) Der Präsident der Republik hat heute morgen die Besprechungen zur Lösung der Kabinettskrise ausgenommen. Um 8.30 Uhr wurde der Senatspräsident empfangen, kurz darauf Herri ot, der Präsident der Kammer. Im Laufe des Vormittags empfing Doumergue weiterhin die Präsidenten der beiden Finanz- kommissionen, sowie die Führer der politischen Gruppen, darunter C h e r o n. Läon Dlum, Sariac und Bokanowski. In politischen Kreisen wird bestimmt damit gerechnet, daß ein zehntes Kabinett Briand zustandekommt. Man bestätigt, daß vor allem die Mitarbeit von Herriot und P o i n c a r e erwünscht sei. Der Ministerpräsi- deut hat bereits Schritte bei den verschiedenen Politikern unternommen. Um 9.30 Uhr begab sich Briand in die Kammer und hatte mit Herriot eine längere Aussprache. Eine schnelle Behebung der Krise ist nach Ansicht der Mittagspresse nur durch eine Verständigung mit Briand und Herriot möglich, weil dadurch ein Teil der Linksopposition zur Regierungsmehrheit übergehen würde. In den Wandelgängen der Kammer unb des Senates wurde gestern die Krise lebhaft besprochen. Zahlreiche Senatoren waren ber Ansicht, man müsse der neuen Regierung die Möglichkeit geben, während einer gewissen Zeit ohne die Kontrolle des Parlamentes zu arbeiten. In der Kammer stand Poincars im Mittelpunkt der Vermutungen über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts. Das „Echo de Paris" teilt mit, dah schon in den letzten Tagen Freunde Briands bei Poincar6 Fühler ausgestreckt hätten. Obwohl Poincars einige Vorbehalte macht, habe er doch keine grundsätzlichen Einwendungen gegen seinen etwaigen Eintritt in ein Kabinett gemacht, das die Aufgabe hat, das Land vor einer Finanzkatastrophe zu bewahren. Dou mergue nimmt heute abend an einem Diner in der italienischen Botschaft teil, zu bem auch Poincars geladen ist. Cs wird vermutet, daß die erste Besprechung des Präsidenten mit Poincarö bei dieser Gelegenheit stattfindet. Für bas Finanzministerium nennt man Eail- laux, ber jedoch nur unter gewissen Bedingungen, b. li. unter Zusicherung weitgehenber Vollmachten, annehmen mürbe. Gestern abenb habe bereits Iu- stiMinister Laval im Senat eine Unterrebung mit Eaillaux gehabt. Sollte Caillavx ablehnen, so denke man an bie Möglichkeit, bas' Finanzministerium wieder in ein Bubgetministerium unb n ein Schatzministerium zu teilen unb bas erstere bem Abg. larbieu unb bas zweite bem Abg. Bokanowski anzubieten. Als Innenminister käme b e Monzie in Frage. Doumergues Bemühungen. Paris, 16. Juni. (WTB.) Präsident Doumergue empfing heute nachmittag ben Generalberichterstatter des Finanzausschusses bes Senats Eh 6 ron , bie Senatoren Poincar 6 unb Rai« Hers, sowie ben zur rabifalen Linken gehörenben Abgeorbneten Victor B o r e t, ferner bie Vorsitzen- ben ber Finanzausschüsse von Kammer unb Senat Millies, Lacroir unb Simon unb ferner ben Vorsitzenben ber rabifalen Kammerfraktion Abg. Pazals, sowie ben rabifalen Senator Pumi - n a l unb ben rabifalen Abgeorbneten Ehautemps, ben Berichterstatter über bie allgemeine Politif auf bem heute nachmittag ftattfinbenben fleinen Parteitag ber Rabifalen. Wie Havas mitteilt, finb bie französische unb englische Regierung übereingefommen, unter ben gegenwärtigen Umständen ben Besuch bes Präsidenten berRepublik, Doumergue, in ßonbon, ber in ber nächsten Woche ftattfinben sollte, aufzu- schieben. Der König von England hofft, feine Einlabung zu einem günstigeren Zeitpunkt wieder- holen zu können. Wie ber „T emp s" mitteilt, ist biefe Entscheidung auf Grunb von in ben letzten Tagen zwischen Paris unb ßonbon gepflogenen Derhanblungen getroffen worben. Pariser Blätterstimmen. Paris, 16. Juni lWolff.) Zur Kabi- netrskrise schreibt der „Petit Parisien“, man fei sich einig, daß die Krise rasch gelöst wer- Die russischen Streikgelder. Moskau, 16. Juni. (TU.) Aus den englisch-russischen Rotenwechsel hin hat der Zentrolrat der russischen Gewerkschaften beschlossen. die Unterstützungsgelder nach England solange zu senden, bis diese offiziell von der englischen Regierung beschlagnahmt werben. Diesem Beschluß hat sich die Dritte Internationale angeschlossen. Die englische Mission in Moskau hat Einspruch gegen diesen Beschluß erhoben. Das englische Kabinett beschäftigte sich heute eingehend mit der russischen Antwortnote wegen der Streikgelderzahlung an den müsse. Doumergue werde Briand mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragen. „Avenir" schreibt: Unsere Freunde sind bereit, jedes Kabinett zu unterstützen, das den festen Willen bekundet, aus der Politik herauszukommen, die das Land ruiniert. Das „Journal" glaubt zu wissen. Briand gedenke, wenn er mit der Bildung des Kabinetts betraut werde, sich zuerst an Poincate und Herriot zu wenden. Hervorragende Politiker in Kammer und Senat bestätigen, fährt das Blatt fort, daß das neue Ministerium nur bann handeln könnte, wenn es vom Parlament Vollmachten erhalte. Das „Echo de Paris" betont, das Programm der neuen Regierung lasse sich in einen einzigen Artikel zusammenfassen. Er laute: Der zu erwartende Sanierungsplan der Finanzsachverständigen muß in die Tat umgeseht werden. Irn übrigen habe Peret erklärt, es sei parlamentarische unb politische Eintracht notwendig. Dieser Rat gewinne in dem Munde des Finanzministers an Wert, und e3 sei wünschenswert, daß er von der künftigen Regierung gehört werde. „Irnparlial Fran^ats" schreibt, man dürfe sich keine falschen Vorstellungen machen. Die nächste Inflation würde wahrscheinlich für das Regime selbst unheilvoll sein. Den Glauben des Landes an die republikanische und parlamentarische Form würde man in die Wagschale weisen müssen. Die Karte, die jetzt nod) ausgespielt werde, könne vielleicht die letzt: sein, über die man verfüge. Die radikale „E r e Rouvelle" betont, das Hauptziel jeder Polittk müsse die Gesundung des Frank fein. Man dürfe nicht genau abwägen wollen, wie stark die einzelnen Fraktionen in dem neuen Kabinett vertreten sein mühten. Der öffentlichen Meinung müsse gesagt werden, daß zur Zeit Opfer gebracht werden mühten, übrigens weniger schwere, als man sich das vorstelle. Der „Figaro" schreibt, man dürfe jetzt vor allem keine Zeit verlieren. Alle Parteistreitigkeiten mühten beiseite gelassen werden. Vie Parteiführer mühten ein Abkommen schlichen, daß für die einen ein Abkommen der Zusammenarbeit, für die anderen ein Abkommen der Neutralität fei. Der „Gaulois" schreibt: Wird die Regierung dem französischen Volke die Wahrheit sagen und es vor bje harte Wirklichkeit stellen, dis Verfassung zu revidieren und die Verwaltung, die zu kostspielig ist, zur Debatte zu stellen? Der „T e m p s" schreibt, Briand hatte gestern die Wahl zwischen der Ernennung des neuen Finanzministers und dem gesamten Rücktritt des Kabinetts. Daß er sich zu letzterem Entschluß aufraffte, ist ein neuer Beweis seiner politischen Klugheit. Das neue Ministerium muß endgültig eine politische Entspannung herbeiführen. Das Parlament muß den finanziellen Rotwendig- keiten des Augenblickes seine politischen Differenzen zum Opfer bringen. Ein festumrissenes finanzielles und wirtschaftliches Programm, eine entschlossene Regierung und eine stabile Mehrheit sind die drei wichtigsten Voraussetzungen für die rasche Beilegung der finanziellen Krise. Englische Kommentare. London, 16. Juni. (WB.) Der Rücktritt des französischen Kabinetts erregt in der Presse großes Aussehen. Der „Daily Telegraph" schreibt: Die Schwierigleiten, mit denen Doumergue zu kämpfen hat, sind so groh, dah man mit der Möglichkeit einer Verschiebung seines Staatsbesuches in London rechnen muh. Man würde dies in Großbritannien sehr bedauern und hoffe daher allgemein, dah die Kabinettskrise in Frankreich rechtzeitig beigelegt wird, damit Doumergue den Besuch ausfüyren kann. Die „Daily Rews" sagt: Die Lage verschlimmert sich immer mehr. Es besteht anscheinend keine Möglichkeit einer Kombination von Parteien oder Staatsmännern, die den Mut hätten, der Inflation Einhalt zu tun und einen chirurgischen Eingriff vorzunehmen, der nottoen- dig ist, um den enbgültigen Zusammenbruch des französischen Kredits zu verhindern. Der Schatten einer ungeheuren Katastrophe liegt über einer großen Ration, der die moralische Kraft fehlt, die durchgreifenden Heilmittel zu gebrauchen, deren Anwendung sie bei ihrem Rachbarn jenseits des Rheins mit erzwungen hat, als dessen Währung erschüttert war Die „Westminster Gazette" erklärt: Frankreich hat eS hartnäckig abgelehnt, der Lage ins Gesicht zu blicken. Die unvermeidliche Folge davon ist, daß bie Lage sich verschlimmert. die Bergarbeiter. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, wird bie Regierung keine weiteren Schritte in dieser Angelegenheit unternehmen. Deutsch-französisches Aufwertungsabkommen. Berlin. 16. Juni. (TU.) Zwischen ber beut« schen unb französischen Regierung ist ein A b k o m« men über bie Durchführung ber beut« schen Aufwertungsgesetze abgeschlossen, bas in Berlin ratifiziert worben ist. In bem Abkommen wirb ber Grundsatz bet SW ei ft be? günstigung auf dem Gebiete des Auswertungs- rechts vereinbart. Die französische Regierung gibt den deutschen Staatoangehöri q ,n die bisher auf Grund des Versailler Vertrags unter Zwangsverwaltung gestellten deutschen Markanleihen frei, fie empfängt dafür von dem Einlösungs- betrage, den die deutschen Gläubiger dieser Anleihen nach dem deutschen Ablösungsgesetz auf die freigegebenen Anleihen erhalten, soweit die freigegebenen Anleihen Reichsanleihen sind, ein Viertel, soweit sie Länder- oder Gemeindeanleihen sind, die Hälfte. Des weiteren bringt das Abkommen eine Aufwertung der deutschen Reichsangehörigen Markanleihen, die elsaß-lothringische Gemeinden vor dem Waffenstillstand ausgegeben hatten, lieber die Durchführung des Abkommens wird das weitere später bekanntgegeben werden. Sin demokratischer Aufruf gegen die Mrstenenteignung. Hamburg. 16. Juni. (Sil.) Das „Hamburger Fremdenblatt" veröffentlicht in seiner heutigen Abendausgabe nachstehende Erklärung: Am 20. Juni soll eine allgemeine Volksabstimmung stattfinden über den Antrag. das gesamte Vermögen der ehemaligen Fürsten ohne Entschädigung zu enteignen. Für die Frage der F ü r st e n e n t e i g- nung ist die einzig richtige Lösung die Einsetzung eines Sondergerichtes, wie sie im Reichstag beantragt ist und verhandelt wird. Sollte dagegen der sozialistisch-kvmmu- nistische Antrag angenommen werden, so wäre das eine krasse Vergewaltigung der Begriffe des Rechts und des Eigentums. Der Vor st and der Deutschen demokratischen Partei hat leider aus taktischen Gründen keine fe st e Parole für die Ab- stimm un g aus gegeben, sondern es dem einzelnen überlassen, wie er sich verhallen will. Die ilnterzeichneten. die der Demokratischen Partei angehören oder ihr nahestehen, halten das für unheilvoll und fordern deshalb ihre Gesinnungsgenossen öffentlich auf. den Antrag der Sozialisten und Kommunisten abzulehnen, und zwar in der entschiedensten Form durch Aichtbeteiligung an der Abstim- m u n g. Die Erklärung ist unterzeichnet von Hans Delbrück. Georg Goth ein. Johannes I u n ck, Friedrich M e i n e ck e. Graf Mar M o n t g e l a s. Paul Rohrbach und Hermann Schliepmann. * Der „Lokalonzeiger" meldet aus Dresden: Der demokratische sächsische Finanzmini st e r Dr. Dehne hat am Mittwoch Stellung zum Volksentscheid genommen. Er bedauerte, daß der Vorstand der Demokratischen Partei keine klare und feste Stellung zum Volksentscheid eingenommen hätte, die nur auf Ablehnung des zum Volksentscheid stehenden Gesetzes hätte lauten können, denn die entschädigungslose Enteignung des Privatvermögens der Fürsten stehe in offenbarem Widerspruch zur Verfassung von Weimar, die zu achten und zu stützen der Demokratischen Partei immer als vornehmste Aufgabe erschienen sei. Die Lokomotivführer gegen den Volksentscheid. Verlin. 16.Juni. (Sil.) Der Vorstand des Bundes Deutscher Lokomotiv- l führer veröffentlicht in der Rr.23 der „Deutschen Eisenbahn-Zeitung" einen Aufruf g e - r gen den Volksentscheid. Darin heißt es u. a. wie folgt: „Der Volksentscheid am 20. Juni ' ist der erste Schritt, auf dem Wege des kalten Staatsstreiches, bewußt die V e r d r o l e t a r i - sierung aller deutschen Volksschichten. mit Ausnahme der roten Parteiführer', herbeizuführen, durch die Zerschlagung jedes Eigentumsbegriffes und jedes Freiheitsrechtes des deutschen Staats- - bürgers. Gelingt den radikalen Elementen ihr erster Ansturm, dann werden sie ebenso gegen das Pensionsrecht der Dcamten, wie gegen jeden Besitz im Wege des Volksentscheides Front machen. Völlige Verproletari- sierung der breiten Volksschichten wäre die Folge. Wir aber wollen nicht Verproletarisierung. sondern Erhaltung des deutschen Mittel- st a n d e s . seinen Aufbau und ilnterstühung des Aufwärtsstrebens jedes einzelnen Kollegen. Deshalb lautet unsere Parole am 2 0. Juni: Bleibt dem Volksentscheid f er n.“ Dar Volksbegehren in Kessen. Darmstadt, 16. Juni. (WB.) Bei dem Volksbegehren in Hessen, das einen Volksentscheid über hie Auflösung des Hessischen Landtages herbeiführen will, sind bisher 1 6 40 00 Stimmen für den Volksentscheid gezählt worden. Erforderlich sind 42000 Stimmen. Das Volksbegehren richtet sich gegen die seit der Revolution bestehende Koalitionsmehrheit (Weimarer Koalition), die sich während den letzten Landtagsoerhandlungen den Anträgen auf Auflösung des Landtags widersetzte. Hessischer Landtag. Darmstadt, 16. Juni. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10V9 ilhr. Dor Eintritt in die Tagesordnung richtet Abg. G a l m eine Kleine Anfrage an die Regierung wegen der Genehmigung der Einfuhr ausländischen Geflügels, wodurch über hundert Gehöfte in Hessen verseucht worden seien. Weiter wird angefragt, ob die Regierung bereit sei, die Cinfuhrerlaubnis zurückzuziehen. Ministerialdirektor S p a m e r erwidert darauf, daß Hessen nur erlaubt habe. Geflügel aus Ungarn einzuführen. daß aber diese Tiere einer fünftägigen Quarantäne unterworfen und dann noch tierärztlich untersucht werden. Von einer Ansteckung hessischen Geflügels sei nichts bekannt geworden: die Cinfuhrerlaubnis werde deshalb nicht zurückgezogen. Eine Kleine Anfrage des Abg. Dr. Werner wegen Aufhebung des Verbotes der Ju° aendverbände „Adler" und „Falke" wird von Ministerialdirektor U r st a d t in abschlägigem Sinne beantwortet. Hierauf wird in die Tagesordnung einge- treten und der Entwurf eines Gesetzes zur Aufnahme von Darlehen aus den vom Reiche bcreitgeftellteir Kreditmitteln in Höhe von 200 Millionen Reichsmark zur Förderung des Kleinwohnungsbaues wird ohne Debatte in beiden Lesungen angenommen. Ueber den Entwurf eines Gesetzes wegen Kleber nähme ein er Bürg schäft des Landes Hessen für Darlehen an die hessischen Wirtschaftsvertretungeu berichtet Abg. Haury. Die Bürgschaft (Rückbürgschaft) kann bis zum Betrage von 10 Millionen Mark gehen. Der Ausschuß hat einstimmig die Annahme des Entwurfs empfohlen. Abg. Galm (Komm.) fragt an, ob in Verbindung mit der Bürgschaftserteilung nicht Garantien gegen Arbeiterentlassungen verlangt werden könnten. Minister Raab erwidert darauf, daß diese beiden Dinge nicht miteinander verquickt werden könnten. Die Handwerkskammer und die Land- wirtschastsiammer könnten auf solche Bedingungen nicht eingehen. Abg. Haurtz (D. Vp.) macht darauf aufmerksam, daß in anderen Ländern derartige Bürgschaften, bei denen es sich überdies um einen rein formalen Akt handelt, anstandslos übernommen worden sind. Das Haus stimmt mit Ausnahme der Kommunisten in beiden Lesungen dem Ausschuhcm- trag zu. Eine Regierungsvorlage über den Landesanteil Hessens für öffentliche Rotstandsarbeiten im Rechnungsjahre 1926 verlangt, wie Abgeordneter Delp mitteilt, die Bereitstellung von 1 600 000 Mk. Abg. Galm (Komm.) beschwert sich, daß die Städte so wenig Rotstandsarbeiten verrichten lassen: es müsse eine größere als die verlangte Summe bereitgestellt werden. Der Antrag des Ausschusses auf Bewilligung dieser Summe wird angenommen. Der Verband hessischer Kaninchenzüchter hat um Bewilligung von 1000 Rlk. zur Förderung der Kaninchenzucht gebeten. Der Finanzausschuß hat beschlossen, die Vorstellung abzulehnen. Die Abgeordneten Dr. Werner und Galm wenden sich gegen den Antrag des Ausschusses, der aber angenommen wird. Die Beratungen wenden sich nun einer Vorlage auf Abänderung der Geschäftsordnung für den Hess. Landtag vom 20. Rovember 1920 zu. Die Kommunisten haben dazu Anträge eingebracht. Die Vorlage sieht u. a. vor, daß zur Bildung einer Fraktion 5 Abgeordnete notwendig sind. Hiergegen wendet sich Abg. Galm (Kom.), weil die Kommunisten dadurch nicht als Fraktion anerkannt werden, denn sie sind nur mit 4 Abgeordneten im Landtag vertreten. Weiter bekämpft der Redner u. a. die vorgeschlagenen Abänderungen beim Einbringen von Kleinen Anfragen und dringlichen Anträgen. Es folgen zahlreiche Abstimmungen über einzelne Artikel der neuen Geschäftsordnung. Bemerkenswert ist, daß ein Antrag der Kommunisten, die Vorbedingung zur Fraktionsstärke von 5 auf 4 Mitglieder herabzusetzen mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt und damit der Ausschuh- antrag angenommen wird. In der Schlußabstimmung wird die ganze Vorlage über die Geschäftsordnung angenommen. Ebenso wird einem Antrag der LBgeordneten Kindt und Genossen über die Reukonstituierung der drei ständigen Ausschüsse des Landtags zugestimmt. Ein Antrag des Finanzausschusses zum Entwurf eines Gesetzes über die Aufwandsentschädigung der Mitglieder des Landtags wird in beiden Lesungen angenommen. Rach der Reuregelung wird statt der bisherigen Tagegelder (Anwesenheitsgelder) ein Pauschalbetrag bezahlt, wie dies in anderen Parlamenten üblich ist. Rach Erledigung einer Reihe von Anträgen und Vorstellungen, die sich auf lokale Wünsche beziehen, u. a. auf Erlaß von Grundsteuern und den Eisenbahnverkehr, fragt Abg. Dr. Riepoth (Dtsch. Vd.) bei der Regierung an, ob überhaupt durch Behandlung solcher Anträge im Landtag bei der Eisenbahnverwaltung etwas erreicht werde oder ob ein anderer Weg mit mehr Erfolg eingeschlagen werden könne. Ministerialdirektor Schäfer legt dar, daß die Regierung das vorgelegte Material prüfe und es der Eisenbahnverwaltung unterbreite und alles zur Erfüllung der Wünsche tue. Einer Regierungsvorlage zur Sicherung und Erhaltung von Baudenkmälern stimmt das Haus zu. Es werden insgesamt 26 000 Mk. verlangt, und zwar für den Wormser Dom, die Rikolaikirche in Alzey, die Katharinenkirche in Oppenheim und die evangelische Kirche in Weiterstadt. Der Präsident teilt sodann mit, daß von den Fraktionen der Rechtsparteien ein Antrag eingebracht worden ist, dec Landtag möge beschließen, daß die Hessische Verfassung von 19 1 9 abgeändert wird, so daß außer durch eine Volksabstimmung der Landtag auch durch einen Beschluß des Plenums aufgelöst werden kann. Der Präsident macht den Vorschlag, daß der Antrag heute nachmittag im Gesehgebungs- ausschuß beraten und auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung gesetzt wird. Im Anschluß hieran entspinnt sich eine längere sehr erregte, lärmende und oft durch Lachen auf der Linken des Haufes unterbrochene Geschäftsordnungsdebatte, in deren Verlauf Abg. Kaul (Soz.) erklärt, die Angelegenheit sei keineswegs so eilig. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) entgegnet: Wenn sie die Zahlen der plnterzeichner des Volksbegehrens erfahren, wird es Ihnen schwummerig vor den Augen werden. Der Antrag kann ganz gut heute im Ausschuß und morgen tm Plenum beraten werden. Wir wollen durch den Antrag dem Lande die Kosten einer Volksabstimmung ersparen. 2lbg. Kaul (Soz.): Ein solcher Antrag ist bereits früher einmal abgelehnt worden. Die Rechte benutzt schon gleich die neue Geschäftsordnung, um diesen Antrag einzubringen. Rbg. Galm (Komm.) ist für baldige Beratung des Antrages. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) spricht sich dahin aus, daß der Antrag heute nachmittag im Gesetzgebungsausschuh behandelt werden muh. (Lebhafter Widerspruch, Lachen und Unruhe links.) Äbg. Dr. Werner (Dntl.) weift besonders darauf hin, dah die neue Geschäftsordnung in Kraft getreten ist. Die Linke solle doch wenigstens den Versuch machen, in Schönheit zu sterben. Abg. Kaul (Soz.) erhebt Einspruch dagegen, daß das Plenum dem Ausschuß die Arbeit vor- schreibt. Der Präsident läßt über einen Antrag ab- fftmmen, dah der Antrag der Rechtsparteien aus die Tagesordnung der morgigen Sitzung g:. •- wird. Der Antrag wird mit Mehrheit angenommen. In der weiteren Aussprache stellt der Präsident noch einmal ausdrücklich fest, daß der Antrag angenommen ist; er beraumt die nächste Sitzung auf Donnerstag 9 Uhr an mit dem Rest der Tagesordnung der heutigen Sitzung und hem Antrag der Rechtsparteien. * Auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Dr. Werner über den Stand der R i d d a » u n d der Ridder'Regulierung hat jetzt der Minister für Arbeit und Wirtschaft nachstehende Auskunft erteilt: Die Entwürfe zur Regulierung der Ridda und Ridder sind in den Hauptzügen fertiggestellt. Die Ausführungs- arbeiten finb für beide Bäche in Angriff genommen. Auf Grund der produktiven Erwerbslosenfürsorge wird zur Zeit die Regulierung einer Teilstrecke der Riddä in der Gemarkung Vilbel und der Ridder von her Landesgrenze bis zum Engelthaler Steg durchgeführt. Die Regulierung der Ridder vom Engelthaler Steg bis zur Gemarkungsgrenze Altenstadt-Lindheim soll demnächst zur Ausführung gelangen. Für die Regulierung der Wetter ist für die Strecke von der Gemarkung Laubacher Wald bis zur Mündung ebenfalls ein Entwurf zur Aufstellung gelangt. Sie Durchführung dieser Arbeiten erscheint jedoch nicht so dringlich, wie die zur Ausführung zunächst geplanten Regulierungen der Ridda und her Ridder und wird, im Hinblick aut die zur Zeit schwierige Finanzierung der Bachregulierungen, vorerst zurückgestellt werden müssen. Aus aller Welt. Sechsfacher Mord und Selbstmord. In Dortmund tötete her Schlächter Bla- schewski seine Frau und seine drei Kinder in seiner Wohnung in der Leopoldstraße. Dann erschlug er mit einem Beil im Schlafzimmer der Kostgänger einen von ihnen, mit dem eß eine Rächt vorher durchzecht hatte. Die anderen Kostgänger verhielten sich aus Angst ruhig. Schließlich tötete er eine ihm im Hausflur begegnende Frau, eine Mutter von sieben Kindern, und verübte zuletzt S e l b ft m o r d. Schiffsunglück an der südamerikanischen Küste. Der holländische Dampfer „Delft, von Hamburg nach Valparaiso bestimmt, ist in der Bucht von Guhaquil auf ein Riff der Insel Santa Clara aufgelaufen. Schiff und Mannschaft dürften verloren fein. Abfahrt der „Emden" von Hamburg. Der Kreuzer „Emden", der einige Tage im Hamburger Hafen lag, hat diesen wieder verlassen, um seine äleoungsfahrt nach der westlichen Ostsee anzutreten. Ein Lustschiff verbrannt. Auf dem Flugfelde Eiampino bei Rom verbrannte das für Japan bestimmte lenkbare Luftschiff Rr. 3 durch das Ausströmen der Gase und deren Entzündung, und wurde völlig zerstört. Das Luftschiff ist ein Schwefterballon der durch ihre Polarfahrt bekannten „Rorge". Menschenverluste sind bei dem Brande nicht zu beklagen. Flugzeuge durch Stiere zerstört. Bei Sevilla drangen ausgebrochene K a m p f ft i e r e in den Flugzeugpark der Luftlinie Sevilla—Lissabon ein. Die Flugzeugwachen flohen und die Stiere zerstörten alle vorhandenen Flugzeuge. Mit dem Balkon auf die Straße gestürzt. Die Morgenblätter melden aus Reapel: Ein Balkon in der vierten Etage, auf dem sich Kapitän Padovani, ein bekannter fasziftischer Organisator, und mehrere seiner Freunde aufhielten, stürzte plötzlich auf die Straße. Padovani und zwei seiner Freunde starben auf dem Transport ins Krankenhaus. Die übrigen sind schwer verletzt. Hochwasser in ganz Deulschiand. Die große:'. Regengüsse der letzten Tage haben ganz Deutschland riesige Wassermengen zu- gesührt. Aus allen Teilen kommen Rachrichten über Hochwasser. Die großen Ströme führen un- geHeuere Wassermengen mit sich, so daß in einzelnen Teilen Deutschlands schon Hochwassergefahr droht. Die Oder ist in ihrem Oberlauf in den letzten 24 Stunden um drei Meter gestiegen. 3m Kreise Ratrbor sind mehrere Tausend Morgen Feldbestände überflutet. In her Gegend von Reisse sind mehrere Ortschaften vom Wasser umgeben und Menschen und Vieh befinden sich in Gefahr. Die Elbe führt gleichfalls steigendes Hochwasser. Die Schiffahrtsgesellschaften haben heute morgen den gesamten Personen und Frachtverkehr bis auf weiteres eingestellt. In Bretnig ist ein Damm gebrochen. Die gefährdeten Bewohner arbeiten seit gestern abend an der Wiederherstellung. Der Spiegel des Bodensees ist gestiegen, so daß die schweizerischen Dampf- boote nicht mehr unter der Rheinbrücke bei Konstanz verkehren können. Die Anschlüsse für die Eisenbahn werden durch Motorboote auftecht erhalten. Der Rhein steigt ständig werter. (Ein Dorf eingeäschert. Wie die Morgenblätter aus Passau melden, brach in Diendorf bei Rohrbach an der österreichischen Grenze in einem Anwesen durch einen schadhaften Kamin ein Grohfeuer aus, während die meisten Dorfbewohner beim Gottesdienst weilten. Bis auf zwei Anwesen ist das ganze Dorf niedergebrannt. Wassermangel verhinderte die Löscharbeiten. (Ein blutiger Zusammenstoß. Ein blutiger Zusammenstoß zwischen Stahlhelmleuten und roten Frontkämpfern hat sich in Hamborn zugetragen. Ein Trupp Stahlhelmleute wollte dort Plakate gegen den Volksentscheid anfteben, als eine Anzahl Kommunisten aus der dort gelegenen Arbeiterkolonie erschien und gegen die Stahlhelmleute vorging. Ein Stahlhelmmann und ein Kommunist wurden durch Schüsse schwer verletzt und mußten sofort ins Krankenhaus überführt werden. Eine weitere Anzahl Personen wurde leichter verwundet. Es entwickelte sich ein regelrechtes Gefecht, in dessen Verlauf mehrere Dutzend Schüsse fielen. Die inzwischen benachrichtigte Polizei trieb die Kämpfenden auseinander, deren Zahl allmählich auf über 500 angewachsen war. Fünf der Streitenden wurden festgenommen. Typhus im Spessart. In Rothenbuch im Hochspessart sind innerhalb ganz kurzer Zeit drei Todesfälle'an Typhus zu verzeichnen gewesen. Typhusepidemie in einer Irrenanstalt. In der Schweizer Irrenanstalt K ö n i g s f e l d ist Typhus ausgebrochen. 40 Wärter und 18 Patienten sind erkrankt. Beim Revoloerreinigen erschossen. Auf traurige Weise ums Leben gekommen ist in Göttingen ein aus Wilhelmshaven gebürtiger 22jübriger Student, der an seinem Schreibtisch damit beschäftigt war, seinen Revolver zu reinigen. ilnertoarteter Weise ging ein Schuß los. Die Kugel traf den jungen Mann so unglücklich, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Fall Lessing. In einer von dem Magistrat der Stadt Hannover gefaßten Entschließung, die dem preußischen Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung, Dr. Becker, übermittelt wurde, heißt es il 'tiesunioerfität Gießen eine Erklärung zu, in der mitgeteilt wird, daß sie „die einseitige Stellungnahme der Deutschen Studentenschaft im Falle Lessing" bedauert und den Kampf der hannoverschen Studenten sowie dessen Unterstützung durch die Deutsche Studentenschaft verurteilt, weil dadurch die akademische Lehr- und Lernfreiheit untergraben werde. — Der Deutsche Republikanische Lehrerbund, Vorort Gießen, läßt uns gleichfalls eine Erklärung zugehen, in der gesagt wird, daß diese Organisation Lessings Artikel über Hindenburg auch nicht billigen kann, daß sie aber das Vorgehen der Gegner Lessings in der hannoverschen Studentenschaft als unvereinbar mit staatlicher Ordnung und akademischer Lehrfteiheit- verurteilt. Die Darmstädter Studentenschaft hat sich gestern gleichfalls mit dem Fall Lessing beschäftigt. Sie dankt den Hannoveraner Kommilitonen für ihr mannhaftes Auftreten und versichert sie für alle sich daraus ergebenden Folgen ihrer tatkräftigsten Unterstützung. Aus der ProvWalhauptftM. Gießen, den 17. Juni 1926. Gießener Wschenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 35, Wirsing 35. rote Rüben 20, Spinat 30, Römischkohl 20 bis 25, Dohnen 70, Spargel 70 bis 100, Erbsen 60 bis 70, Mischgemüse 20, Tomaten 70 bis 120, Zwiebeln 25, Meerrettich 80, Rhabarber 25, Kartoffeln (neue) 15. Kartoffeln (alte) 5, Aepfel 20 bis 40, Kirschen 35, Stachelbeeren 30, Johannisbeeren 40, Erdbeeren 80 bis 120, Himbeeren 120, Honig 40, Suppenhühner 100 bis 130 Pf. das Pfund; Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.: Eier 11 bis 12. Blumenkohl 80 bis 100, Salat 10 bis 12, Salat» gurken 50 bis 70, Ober-Kohlrabi 20 bis 25, Rettich 15 bis 20 Pf. das Stück: gelbe Rüben 20 bis 35 Pf. das Päckchen: Radieschen 10 Pf. das Bund. Bornotizen. — Lageskalender für Donners- tag: Oberhessische Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde: 8.15 Ahr, Großer Hörsaal des Physikalischen Instituts (Stephanstr. 24) Vortrag. — Gießener Radfahrer-Verein: 9 ilfjr, ©aal5.au Sauer, Versammlung. — Liebigshöhe: 8.15 ^Ihr. 2. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Förfter- christl". — Astoria-Lichtspiele: „Dik Turpin — der galante Bandit". — Eine Beamtenoersammlung wird in unserem heutigen Anzeigenteil auf den nächsten Samstagabend in die Turnhalle am Oswaldsgart'en einberufen. (Siehe Anzeige.) Wettervoraussage. Bei südlichen bis westlichen Winden vorwiegend wolkig und weiters Negenfälle, zeitweise warm, im allgemeinen noch kühl. Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 22,4 Grad Celsius, Minimum 11 Grad Celsius. Niederschläge 0,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 13,6 Grad Celsius. • * Nächtlicher Krieg gegen die Hindenburg-Plakate. Wie man uns mitteilt, sind in den beiden letzten Rächten von sämtlichen Anschlagstellen die Hindenburg-Plakate gegen den Volksentscheid auf Enteignung der Fürsten systematisch abgerissen worden. Die ..Helden", die herartige Taten vollbringen, glauben anscheinend, damit einen geschickten politischen Schachzug zu tun. Sie dürften sich darin aber täuschen, denn jeder politisch anständig empfindende Mensch wird solche Kampfesweise berur» teilen und sie nur als Ausfluß der Angst vor! der Aufklärung des Volles ansehen. Im Interesse her Vereinigung unseres politischen Lebens wäre zu wünschen, daß diesen nächtlichen Helden im Plakatkampf das Handwerk gelegt wird, denn die Plakate sind, auch wenn sie an den Anschlagtafeln kleben, doch immerhin noch fremdes Eigentum. Hoffentlich gelingt es der Polizei, hier auch im Dunkel her Rächt für Wohlanstän- bigfeit zu sorgen. "Straßensperre. Das Polizeiamt teilt mit, dah folgende Straßen wegen Vornahme von Reparaturarbeiten für die Dauer dieser Ar- ffll fttafa- ' Mir Bettie btt s'2 i«*"J kleines SS SA 2'inzelhe'" Heilung le unlere' UNS'. Al heutigen höhehn suchet groviin o aus: > Trouipetet singet Mi polpourn "De' detMat und Sn Nachtrag des Geh- bah auch bet letzter haben. " ®e Jakob D Tage auf lurüdbhat *• St Seit Mo" eine sich „Frau 2i unter den sucht vorn unter der totrant, 2 Dohnuns Mnbet I veranlahi verlassen, die vothl den TticI weitetet forscht, c sitzen. 6 flattm m beim Wl bereit, dc mit abzr händigt s das Wo! gelingt, ' Frau zu große, 3 sie hat sc mit schwa ßto^ut Ho in ben Hit Nachvei diesjährig 3ubmi(fic 'Los 1: Los 2: Los 3: Los 4: Los 5: Los 6: i Lor 7:1 Lor 8: A Lor 9-, ? Los 10; j Los 11: Sämffic * ur rv Mtenben $Wnbun Mtn nie übern teinbti he^8Una Merei- Diesbez ^nnt ni ^chrmo . Offert,, »'M 21- 3uni pichen, Eer- dir -Regen ,ldL.an ft Dieses Mif 3reit( 2>i« Ä l-s Etwas VIM auf feuchtem Lappen putzt Dir Küche und Haus Sch uns von her rtpu« t Li rX v* 6rflärun6 M, ' b°& „die einseitige 6M« 4en Studentensch-ist im Falle fU nÄ-fr ^""ovrrschen Ren Uniersluhung dmch die Q|t verurteilt, weil dadurch die inb Lemfreiheit untergraben ltsche Republikanische prort Gießen, laßt uns irung zugehen, in der gesagt misation Lessings Artikel über l)t billigen kann, daß sie aber gner Lessings in der Hannover- t als unvereinbar mit staal- akademischer Lehrfteiheit verlier Studentenschaft hat sich it dem Fall Lessing beschSsliat. rveroner ffommifttontn für ihr en und versichert sie für enden Folgen ihrer tatkräftig- lNgen Sn9 ein 5^5*5 «Lessing. r-9 llenvnnnen. o ®h ?rr,'Z»T hhfffÄ1'«- rurigen Die Professor ^4 scho^ A -tzt er- dichtet hfr 9ff aM dn Ich Äfl’ "amlch ^^vtgrn Virn! n der »95 fofta Wem sie pro nihilo^jft 68 b^t » “Maat M'SZ -tsss*18 MchMstW. ehen, den 17. Juni 1926. Sochermarkchreise. i dm heutigen Dvchenmockt: Matte 35, Wirsing 35, rose '30, Ävmischkohl 20 bis 25. 170 bis 100, Erbsen 60 brS 70, omoten ® 6» ®Ä6 ) Rhabarber 2d, JtawWf fo(dM5, W Lewn 30, Iohmmisbeeren w, 20, Himbeeren 120, 5^ ^. 1 bis 130 A W jf*. s.jä 80 Tl E>er 11 0» ", äwWÄ Pf. das Stuck. M Mi* 10 *'• »rmtizt». il-nde- li-NL rerW y,;'8/5M issy*1** b-M) «Sf«” Regensaüe. fr hl „ Mariinuw. ft U«Ä gjj* n beiden l^denburg'^ Mz^r^r ''■"sr-fe'S i-d ÄäJ*ä- s; 1,616 ö®"1 "n, ® E 4?y* L «tltW ■ ntfll*!* n fi' h beiten gesperrt sind: Weser st raße zwischen Rordanloge und Ctcinftrohc. und von da bis zum letzten Hous Ende, Schiller st rohe zwischen Rordanloge und Vteinstrahe und ebenfalls von da bi- zum letzten HauS Ende, Damm st rohe zwischen Rordanloge und Steinstrabe und gleichfalls von da bis zum letzten HauS sknde. DiS - morckstroße zwischen Ludwigstraße und Löber- strahe. " Eine Teppichknüpferei in vollem Betrieb kann man gegenwärtig im Schaufenster der Firma Ferd. N e n n st i e l in der Plackstraße in Augenschein nehmen. Es handelt sich da um einen kleinen Ausschnitt aus einer jungen Industrie, die nach dem Kriege im Schwarzwald aufgeblüht ist. Man steht zwei Schwarzwälder Mädel am Web» stuhl, die in recht fesselnder Weise einen Teppich knüpfen, dessen technische Entstehung man in allen Einzelheiten verfolgen kann. Die interessante Darstellung sei der Aufmerksamkeit unserer Mitbürger empfohlen. ’• Zweites Abonnement-ko nzert unserer Militärkapelle. Man schreibt uns Für das zweite Abonnementskonzert vom heutigen Donnerstagabend auf der Liebigs- höhe hat Obermusikmeister Löber, jedem De- sucher Rechnung tragend, ein geschmackvolles Programm zusammengestellt 51. a. werden Stücke aus. ,,Samson und Delila". „Tiefland". ^Der Trompeter von Sä klingen". „Auszug der Meistersinger von Nürnberg", sowie das Schlachten- Potpourri 1870/71 von Saro, gespielt. > ** Der Frauen- und Missionsverein der Matthäusgemeinde und der Armen- und Krankenpflegeverein bitten uns, im Nachtrag zu unserem Bericht über die Beisetzung des Geh. Kirchenrats D. Schlosser mitguteilen, daß auch sie als Zeichen ihres Dankes Kranze an der letzten Ruhestätte des Entschlafenen niedergelegt haben. •* Geschäftsjubiläum. Der Friseurmeister Jakob Dani), Bahnhofstraße 64, konnte dieser Tage auf ein 25jähriges Bestehen seines Geschäftes zurückblicken. ** Sine Schwindlerin und Diebin. Seit Monaten taucht in verschiedenen Städten eine sich als Wohltätigkeitsdame ausgebende „Frau Amtsrichter" oder „Frau Rechtsanwalt" unter den verschiedensten Ramen aus. Sie besucht vornehmlich ältere Frauen und bietet ihnen unter der Angabe, daß sie vom Wohlfahrtsamt komm«. Rat und Hilfe an. Sobald sie in die Wohnung eines ihrer Opfer Einlaß gefunden hat, Erfindet sie irgend einen Vorwand, der die Frau veranlaßt, Küche oder Zimmer auf kurze Zeit zu verlassen. 3n diesem Augenblick entwendet sie bte vorhandenen Barmittel, die sie vorher durch den Trick des Geldwechselns festgestellt hat. (Sin weiterer Trick der Schwindlerin ist, daß sie erforscht, ob die alten Leute Sparguthaben besitzen. Sie spricht bann von einer neuen Inflation und empfiehlt den alten Leuten, ihr Geld beim Wohlfahrtsamt anzulegen. Sie ist gerne bereit, das Geld von der Dank oder Sparkasse mit abzuholen, und wenn das geschehen ist, händigt sie der Betreffenden eine Quittung für das Wohlfahrtsamt aus oder, wenn dies nicht gelingt, versucht sie, es sofort oder später der Frau zu stehlen. Die Diebin ist eine mittelgroße, 35 bis 40 Jahre alte Frauensperson, sie hat schmales blasses Gesicht, gute Zähne, ist mit schwarzem Rock, weißer Bluse, schwarzem Strohhut und braunem Mantel bekleidet und spricht hochdeutsch. Da manche alle Leut« wenig Zeitung lesen und *t» die Warnungen vor dieser Schwindlerin nicht zur Kenntnis erhalten, sollten Einwohner von Häusern, in denen alleinstehende alte Frauen wohnen, diese auf die Schwindlerin Hinweisen und ermahnen, endlich die Festnahme und Bestrafung der Diebin zu ermöglichen. •* Austrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 6 Kühe, 859 Kälber, 183 Schafe. 281 Schweine. Schöffengericht Gießen. • Gießen. 16. Juni. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen zwei WlrtSleute von Gießen wegen Kuppelet verhandelt. Rach umfangreicher Beweisaufnahme wurde der Ehemann zu 1 Jahr 6 RI 0 naten. die Ehefrau äu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht nahm als erwiesen an. daß beide in den Jahren 1924 und 1925 gewohnheitsmäßig und auch aus Eigennutz das unsittliche Treiben in ihrer Wirtschaft gefördert hatten. Gerichtssaal. Der Bernkasteler Winzerprozetz. WSN. Trier, 16. Juni. Bei der gestrigen Vernehmung bestritten die als Rädelsführer Angeklagten ganz entschieden, daß irgendwelche kommunistischen oder separatistischen Tendenzen zu den Ausschreitungen geführt hätten. Nur die furchtbare N 0 t habe die Winzer dazu getrieben, nachdem alle Mittel und Warnungen in Berlin vergebens gewesen seien. Beim Weggang von ihrem Dorf habe keinerlei Absicht bestanden, Ausschreitungen zu begehen. Die anderen Angeklagten erklärten, es sei eine Erregung vor dem Finanzamt in der Menge ausgebrochen. Alles habe nach vorne gedrängt, und da seien sie mitgetiffen worden. (Ein Teil der An- fgeklagten hatte die Aussagen in der Herunter» uchung, durch die sie sich oder andere belastet hatten, vor Gericht widerrufen. Wieder andere erklärten, sie seien bei den Ausschreitungen nicht in dem Finanzamt gewesen oder erst später hineingegangen, um zu sehen, wie es drinnen aussehe. Im Gerichtssaal lagen mehrere Plakate, die zum Zug nach Bernkastel getragen worden sind, und die u. a. folgende Aufschriften trugen: „Fort mit der Regierung an der Spree, die ist schuld an des Winzers Not und Weh:" „Wo bleibt die Erwerbslosenunterstüt- zung für die Winzer?" „Nieder mit der Reichswein- steuer, denn sie macht den Wein zu teuer!" Heute wurde in der Fortsetzung der Zeugenver- nehmung Regierungsrat Dr. Vogt, der Leiter des Finanzamtes in Bernkastel. vernommen. Er bekundete, daß von Anfang 1925 an bis Februar 1926 186 Pfändungen in feinem Bereich oorgenom- men worden feien. Nach weiteren Fragen bekundete der Zeuge, daß a ch t Tage vor Weihnachten ein Vollzichungsbeamter in Lösenich Leute mit Pfändungen bedroht habe. Sie seien aber nicht durchgeführt worden. Nach eingehender Erörterung, ob das Finanzamt in Steuereintreibungen zu weit gegangen sei, äußert der Vorsitzende, daß das Hauptamt nicht mit allzu großer Härte vorgegangen sei. Oberregierungsrat Haag vorn Landesfinanzamt Köln erklärte, er habe nichts an der Steuereintreibung des Bernkasteler Finanzamtes zu bemängeln. Er gab dann einen Ueberblick über die damals rück- ständig gewesenen Steuern und erklärte an -and von Vergleichen der vorausgegangenen Monate vor den Unruhen und nach denselben, daß die Einnahmen in den letzteren weniger gewesen wären als die. die man in den Monaten vor den Unruhen eingenommen hätte. Ferner erklärte der Zeuge, daß die Leute bei dem Sturm auf das Finanzamt wie kleine Kinder gewesen wären, die nicht zu Delikten fähig waren. ßunies Allerlei. Ehrenrettung des Gewitters. Wir haben wohl einen gewittcrrelchcn Sommer ;u erwarten, und schon jetzt hat die Natur mit Blitz und Donner nicht gespart. Die meisten Menschen seufzen darüber und verkennen dort), daß das Gewitter auch seine „Lichtseiten" hat. Eine solche „Ehrenrettung" des Gewitters versucht der Leiter des Ackerbau-Amtes des amerikanischen Staates Masfachusettes, Dr. Arthur W. Gilbert. Zunächst zeigt er an der Hand der Statistik, wie unnötig jede Angst vor Blitzen ift. Die Möglichkeit, durch einen Blitz erschlagen zu werden, ist in Masiachu- settes, wo ungefähr die gleiche Menge von (Bereit- tem wie bei uns oorkommt, weniger als 1 zu 1 Million. 9n den letzten 5 fahren wurden nur 19 Personen dort vom Blitzstrahl getroffen; das heißt durchschnittlich 3,8 Personen im Jahr oder etwa ein Zehntausendstel von 1 Proz. der Bevölkerung des Staates. In Frankreich, wo ebenfalls genaue Statistiken in den letzten Jahren geführt worden sind, werden durchschnittlich nur 24 Personen jährlich Opfer des Blitzes. Der Stadtbewohner ist nach den Berechnungen Gilberts lOJmal so sicher vor der Blitzgefahr als der Landmann, weil in der Stadt die Blitze durch metallene Spitzen und Blitzableiter mehr angezogen werden. Aber auch der Landmann ist vor dem Blitz noch 20 000mal sicherer als der Bewohner der Großstadt vor der Gefahr, von einem Kraftwagen überfahren zu werden. Ist so die Gefahr des einzelnen während eines Gewitters so minimal, daß sie überhaupt keine Rolle spielt, so ist andererseits der Segen, den ein Gewitter mit sich bringt, von unschätzbarem Wert. Wenn auch die Gewitter den Ernten bisweilen einigen Schaden zufügen, so ist doch der mit ihnen verbundene reichliche Regen ein Spender großer Fruchtbarkeit. Ein Gewitter bietet auch eines der großartigsten Naturschauspiele, und die Dichtung hat zu allen Zeiten in dieser gewaltigen Entladung der Naturkräfte ein unerreichtes Sinnbild des Erhabenen gesehen. Klopstock war es, der den Menschen des 18. Jahrhunderts durch feine Ode „Die Frühlings- feier" den Sinn für die Schönheit des Gewitters eröffnete, und bekannt ist ja die Stelle aus dem „Werther", da der Held mit feiner Lotte schaudernd und entzückt dies Schauspiel genießt. Wenn der moderne Mensch beim Gewitter keine Kiopstockschen Oben mehr auffagt, so hat er dafür ein anderes Mittel, nm sich diese Schönheit wissenschaftlich vor Augen zu führen; er kann nämlich die Blitze photographieren, worauf der englische Astronom Lockyer hingewiesen hat. Das Photographieren von Blitzen ist die einfachste Form der Photographie, die es gibt, und kann mit jeder Kamera unternommen werden. Man braucht nur den Apparat auf große Entfernung einzustellen und ihn geschützt in die Richtung zu drehen, in der die meisten Blitze er- scheinen; dann wird der Verschluß geöffnet, und man erhält wundervolle Aufnahmen von Blitzen, die mit der Landschaft zusammen ein grandioses Bild des Gewitteroorganges ergeben. Die Blitze zucken ja im allgemeinen von der Wolke zur Erde oder von Wolke zu Wolke; es kommt aber auch ge- Holzsubmission in den Waldungen der Gemeinde wiefeck. Nachoerzeichnete Holzsortimente aus diesjährigen Fällungen sollen auf dem Submissionsreege verkauft werden: Los 1: 2 Fichtenstämme 2.Kl., Schnittholz, mit 2,01 fm: Los 2: 5 Fichtenstämme 3.KI., Schnittholz, mit 4,57 fm; Los 3: 20 Fichtenstämme 3. Kl., Bauholz, mit 25,98 fm; Los 4: 12 Fichtenstämme 3. Kl„ Bauholz, mit 14,25 fm; Los 5: 48 Fichtenstämme 4. Kl., Bauholz, mit 44,72 fm; Los 6: 57 Fichtenstämme 4. Kl., Bauholz, mit 59,62 fm; Los 7: 115 Fichtenstämme 5»-Kl.. Bauholz, mit 73,69 fm; Los 8: 209 Fichtenstämme 5a-Kl., Bauholz, mit 149,68 fm; Los 9: 206 Fichtenstämme 5b-Kl. Bauholz, mit 64,10 fm; Los 10 : 230 Fichtenstämme 5d-Kl., Bauholz, mit 91,55 fm; Los 11: 15 Fichtenstämme 5a-ftl., Bauholz, mit 8,26 fm; 82 Fichtenstämme 5b-ÄL, Bau- holz, mit 26,98 fm. Sämtliches Holz ist ohne Rinde gemessen und entrindet. Ausmessung und kubische Berechnung ist erfolgt nach den für die Hessische Domanialverwaltung geltenden Vorschriften. Etwaige spätere Einwendungen wegen der Vermessung werden nicht berücksichtigt. Das Holz lagert überwiegend an versteinten Wegen ober in der Nähe derselben. Die Verkaufs- bebingungen liegen auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Diesbezügliche Angebote haben getrennt nach Klaffen für ein Festmeter in Reichsmark zu erfolgen. 5152D Offerten sind verschlossen mit ber Auf- fchrist „Holzsubmission" bis zum Montag, 21. 3uni 1926, vormittags 10 Uhr, einzu- rüdjen, wo in Gegenwart ber erschienenen 25:eter die (Eröffnung stattfindet. Wegen sonstiger Auskunft wolle man > d’ an Förster Lotz, dahier, wenden. Wieseck. den 15. Juni 1926. hessische Bürgermeisterei Wieseck. Sch 0 mber. Freitag, den 18. Juni 1926, vormittags 10 Uhr, versteigere ich m Grotzen-Bufeck zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Dreitdreschmoschine mit Schüttler, 2 Säemafchinen, 1 Fruchtfegmühle, einen Grasmäher, 3 Zentrifugen (von 1(X), 75, 45 Liter), 1 Elektromotor (31/, P. S.) 1 Fahrrad Versteigerung bestimmt. Zusammenkunft der Steigerer an der Wirtschaft von Verlach. 51150 Junker Gerichtsvollzieher in Gießen. Kein SMdeimitlel! Nein, ein von der Wissenschaft ancr- tanulcr vitaminreicher Nähr- u. Krafttrank ist öoppeiherz das nervenberubin. Mittel bei Blutarmut, Bleichsucht, Appctitlostalelt.Ma- gcnbeschwerden.Ver- douungsschwüche, Schlaflosigkeit usw. ff Echt durch: (?b. Gliitb, Biktoria- Drogerte: (?mil Karn, Üemral-Dro- gerte; Aua. Noll, Kreuz - Drogerie: Ernst Noll, Kaiser- Drogerie , OauS Noll, LudwiaSvlav- Drogerie u/lreuftabt» Drogerie; Karl Seibel, Germania-Dro- nerie; Walter Waldickmidt, Ad- ter-Drogerle; Otto Winterbost, Drogerie.3774D la frort (Bauernbrot). Landbäckerei sucht Kundschaft, auch Filiale. Liefert vromvt inS HauS. StbriftL Angebote unt. 04116 an den Gieß. Anz. aniiiniiiiiiiiiüiinniiiiiiiiE Prima Zpeise- tartofieln alte und neue, emo- neblt billigst *oei W. Hankel 7 Neuen Baue 7 Televhon 612. ffliminiiiiiinnnniiiiifliiB PropoliS-Lalbc lauS ProvoltS der Bienems. Geschwüre, AuSschläge.F-lechteu, Geschwülste, Hucken, Schmerzen. Sehr wirksam. Dose 1.6).>i- u. 3 9Tut Hlrich- Ayetheke in Gleüen. Festen Moioi 3 Stück 28 Pf. 100 „ 7 M k. emvsiehlt 04271 Seil?, Neuenweg 52. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der .Nadio-Umschau".) Freitag, 18.3uni. 3,30 bis 4 Llhr: Die Stunde der Fugend. 4,30 bis 5,45 Tlhr: Hausfrauennachmittag. „Der Beruf Oer Gärtnerin", Dortrag von Qltarg. 3afffc- Dreslau. 5,45 bis 6.05 ilbr: Die Lesestunde. 6,15 bis 6,45 Llhr: „Die Wohltätigkeit-marken der Schweiz: Pro 3ui>cntutc“, Dortrag von Dr. 3. A. Bohhard-Marburg. 7,45 bis 8.15 Llhr: Italienischer Sprachunterricht. 8.15 Llhr: „Der 3ahrmarkt zu Pulsnitz". Ein dionysischer Schwank in drei Akten von Walter Harlan. Anschließend: Reue Schallplatten. Das Jucken der Kopfhaut ist eine Folge fettiger Kopfschuppen. Regelmäßige Verwendung von „edimunpon mit dem schwarzen Kopf" mit Nadelholzteer- Zusatz beseitigt beides gründlich und wirft gleichzeitig dem Haarausfall entgegen. Beim Einkauf verlange man ausdrücklich diese Spezialsorte und achte genau auf die nebenstehende, bekannte Schutzmack. Hersteller: Hans Schwarzkopf, Berliu-Dahle». legentlid) vor, daß sie von ber Erbe zur Wolke geben. Die Aufnahme solcher Blitze ist bisher photographisch nur in ganz wenigen Fällen gelungen. Ein südafrikanischer Münchhausen. Jägerlatein wird in allen Zonen gesprochen, aber in den tropischen Gegenden ist die Phantasie natürlich überhitzter, und man ist dort an .stärkeren Tobak" gewöhnt. Ein Beispiel solchen tropischen Jägerlateins teilt ein englischer Reisender 2an Mc. Laren bei der Schilderung eines „südafrikanischen Münchhausen" mit. Das war ein alter Bure, der in Pietersburg lebte. 3n seiner Mischsprache von Englisch. Südafrikanisch, Holländisch und Kasserndialekt erzählte er; „Löwen im Dusch? Davon kann ich eine Geschichte erzählen. Ich lagerte einmal in der Rahe von Leydsdorp. Ich hatte einen prächtigen Wagen, mit acht Gespannen von Eseln. Ich sah beim Feuer, als ich plötzlich grohe glühende Augen bemerkte, die mich ringsum aus der Dunkelheit anstarrten. Es war ein Ring von Augen um mich. Löwen, nichts als Löwen. Hunderte von ihnen. Ich nahm meine Flinte und feuerte immer wieder auf diese Augen. Löwe auf Löwe fiel; ich zählte 87. Aber andere traten an die Stelle der Erlegten und der Ring schloß sich enger und enger. Meine Munition wurde knapp, und so meinte ich. daß Flucht das Bessere sei. In dem pechrabenschwarzen Dunkel spannte ich meine Esel em, die angstvoll durcheinander rannten, schoß eine Lücke durch die Löwenherde und jagte davon. Riemais wieder habe ich Esel so rennen sehen. Statt 5 Kilometer die Stunde liefen sie 50, so schnell wie die besten Rennpferde. Stunde auf Stunde ging es in dieser Hetzjagd fort, und ich begriff gar nicht warum, da die Löwen uns nicht folgten. Endlich kam der Morgen, und da sah ich die Ursache. Ob sie eS mir glauben oder nicht, meine Herren," schloß der MüinHhausen triumphierend ..ich sage Ihnen nur die Wahrheit: in dem Dunkel hatte ich mit den Eseln zwei Löwen eingespannt." Tapeten alle Neuheiten in grösser Auswahl I I Durch Kauf eines Fabriklagers habe ich ca. 20000 Roll.Tapeten zu ganz außergewöhnl.billigen Preisen abzugeben. Günstige Gelegenheit für Hausbesitzer. Linoleum Stückware Läufer Teppiche zu billigsten Preisen. — Fachgemäß. Verlegen wird auf Wunsch übernommen. Heinrich Hochstätter Brandplatz 1 :: Ecke SchloOgasse 5158a Sonder-Angebot Solange Vorrat: Hochfeines Tafelöl (Simons Java-Oel) konkurrenzlos billig, in Blechkännchen von ytCtr.nurSS^/Aßtr.nurTO^ Simons Iaoa-Oel ist infolge seines neutralen Geschmackes und seines hohen Fettgehaltes her- vorragend geeignet zur Zubereitung von Salaten und Mayonnaisen, sowie zur Verwendung als Brat-, Back- und Kochfett. Schade & Wlgrabe Filialen in allen Stadtteilen. 117ic Gasherde Junker & Rub — Gagaeuau in größter Auswahl SkWMgkl.VMM.Z5 Erleichterte Zahlungsbedingungen. Auf Wunsch Ratenzahlungen. beste Qualität zu billigem Preis C.Rübsamen, Gießen Fernsürecher 1659. putzt und poliert alles. „Ski“ das ideale Korsett der starken Dame legt sich infolge seiner in Form eines Skis gebogenen Rückenstäbchen dem Körper leicht und fein an und verleiht jeder Figur die 5i49a moderne,schlanke Linie. Besuchen Sie uns bitte! Ueberzeugen Sie sich selbst! Sie finden Ski-Korsetts und Ski-Büstenhalter in vielen Formen und allen Größen. Modehaus SalOITlOH ttraße I 7JT-.Trrrrraj^.02 Aus unserem Grundstüch^ro^o^e^tt^ •sps Sfljenec 8 MW per sofort zu vermieten. ll01D 3iei|®0enanL Näheres auf unserem Bureau Schanzen« stratze 12. H. Schastftaedt. G.m.d.H. 042S8 Erich Kock auf Klein-Lülzig bei Linde (Grenzmark). Gießen, 15. Juni 1926. 04248 Volkspartei. 5162D Statt besonderer Anzeige. Samstag, den 12. Juni entschlief nach kurzem Leiden im 59. Lebensjahre an den Folgen eines Sturzes mein lieber Bruder, Schwager und Onkel Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Verluste unserer lieben Schwester und Tante sagt herzlichen Dank Dr. med. Friedrich. Nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden verschied am Mittwoch, dem 16. Juni, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester VMMWZIH im fast vollendeten 70. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Peter Jöckel nebst Frau und Kind. Gießen (Marb. Str. 40), den 17. Juni 1926. Die Beerdigung findet Freitag, den 18. Juni 1926, nachm. 21/, Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. 50 Rm. Belohnung demjenigen, der uns die Täter, die das VMM M im M»IM l zur ^Fürsten Beraubung abgerissen haben, so namhaft macht, daß wir gerichtlich gegen sie vorgehen können. - Anzeige erbeten an die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Volkspartei oder der Deutschnationalen Oberst a. D. R. Kock und Familie. 5135D Astorialichtspiele Seltersweg Heute bie einschließlich Sonntag: Tom Mix m DikTurpin-" J '" " Großer Sensationsfilm in 7 gewaltigen Akten. Dazu: Schottische Blutrache Film in 2 Akten. Lichtspielhaus Bis auf weiteres der mit großem Beifall aufgenommene Film: „Qie Försterchristei“ t in LyaMara, Harry Liedtke Versäumen Sie nicht dieses außergewöhnliche gute Programm. 5164c Versteigerung. Samstag, den 19. ds. Mts, nachm. 6 Uhr, werden folgende Gegenstände in Groben-Linden, Bahnhofstraße 38, gegen Barzahlung versteigert: 1 Regal (zweiteilig) mit 20 Schubkasten, 1 kompletter Oelmeßapparat, 2 Tischwagen, 1 Mehlkasten und verschiedenes andere. Landwirtschaftl.Konsumverein H. Degen I. 04263 [Vermietungen | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiii 4-3imm.-öohnun9en «Neubau! m.Zentrai- hetzung usw. z. vrm. Näh. i. d. Geschäfts, d. Gieß. Anz. [04215 flllllilllllllllillllllllllllKIIIII Pens. Brandl Zimmer frei. Tel. 1085. i666D 5091D Samstag, den 12. Juni, vormittags 10 Uhr, entschlief sanft nach längerem Kranksein unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Luise Herbert geb.Weidenbach im 79. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen I. d. N: Karl Herbert. Gießen (Marktplatz 2), Klausenburg (Rumänien), den 17. Juni 1926. Die Beerdigung fand auf Wunsch der Entschlafenen in der Stille statt. Vorher Tkachher VsÄMA z Damen Vortrag mit Vorführung um W, 5 und Llhr 6 im Saalbau Sauer, am Freitag, dem 18. und Samstag, dem 19. Juni 1926. OZntVitt freit Vorführung und fachlicher Beratung durch unsere ärztlicherseits ausgebildeten Damen. Am Besuch Der- hinderte verlangen „Oie gesunde Krau". Ein prachlhest für Formenveredelung und Schönheitskultur durch Tbalysra rrsfomn - Gtzftem von Dr. med. H. Garms gegen 40 Pfennig portofrei vom Thalysia-Werk, Leipzig-Süd 33 Unzählige Frauen haben ihre gute Figur verloren, sie leiden schwer unter diesem Verlust und sind entmutigt durch Fehlschläge. Sie ahnen nicht, wie 8 nahe ihnen die Rettung, die Wiederherstellung der guten Figur und des k Wohlbefindens ist. Sie wissen nicht, welche herrlichen Fortschritte in der 9 Verhütung von Verunstaltungen undStörungen gemacht wurden, Frauen, Mütter, Töchter! •j Sie sollen und müssen alle erfahren, wie man die Büste dauernd schön erhält, starke Hüsten vermindert, Fettansatz verhütet, Erschlaffung, Fettleib, Verunstaltung durch Wochenbett wirklich beseitigt und wieder gut 8 macht, sogar bei schweren Bauchbrüchen u. a. Leibesschäden bas volle Wohlbefinden wiedererlangt und vieles andere durch unsere überall mit Begeisterung aufgenommene Veranstaltung: ÄsvtVaK mit AuMMrms Achtung! Achtung! AmMrslhenu. Meeren täglich irisch zu haben nm Stand Bahnhofstraße, über Lafä Amend. Frau Frosch. Bestellungen frei Hnuö. nm3 Tel. 1051. D) c D -L U CD T5 C ÜJ CD •H CO o "co c O CD Verlangen Sic Brechkoks beizkräftigster, sparsamster Brennstoff für Zentralheizungen. Erhältlich in allen größeren Koblenbanfllnngen. ®°A O 3 3 ‘ ev 01 Freilag, ta 18, Juni 1926 nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 2 Flurgarderoben, 1 Eisschrank, 2 Kleiderschränke, 2 Bücherschränke, 1 Schreib- tisch, 1 Büfett, 1 Kredenz, 1 Schreibladenkasse, 1 Standuhr, 1 Diwan, eine Nähmaschine, 1 Schreibmaschine, ein Damenfahrrad, 1 Warenschrank, ein Glasaufsatz, 1 Füllvfen, ca. 2000 Zigarren, 1 Glasschrank. 2. Voraussichtlich bestimmt: 1 Mantel, 1 Anleimmaschine, einen Schreibtisch, 1 Trumeau, ein Boten- schrönkchen, 1 Kaffeeröstapparat, eine Partie Koffer. Hebbel Hessischer Gerichtsvollzieher in Dietzen Dammstrahe 24. 5159D Liegestühle für Gesunde und Kranke empfiehlt überliess. Korbwarenhaus Schole.'raßc TeL 368 Schnletraße Lieferant staatl. Kliniken, Kuranstalten, Sanatorien, Strandbäder u. Erholungsh. Der vom Gemeinderat beratene Voranschlag für 1926 liegt von Donnerstag, den 17. Lin., bis einschließlich Mittwoch, den 23. l. UL, während den Bureaustunden auf dem Bürgermeisterbureau zur Einsicht offen. 5151D Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Staufenberg, 14. Juni 1926. _______Bürgermeisterei. Meyer.__ Bekanntmachung Samstag, den 19. Juni 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigert der Unterzeichnete in Wetterfeld zwangsweise gegen bar: Iwei Pferde, ein Fohlen, drei stütze, ein Rind, zwei Kälber, vier Schafe, zwei Läuserschweine, einen Grasmäher, eine Sämaschine, einen vierrädrigen landwirtschaftlichen wagen, ein Break, eine Kreissäge und eine Feldschmiede. Ferner einen noch fast neuen Elektromotor. 5155D Die Versteigerung findet voraussichtlich bestimmt statt. Zusammenkunft der Steigerer vor der Bürgermeisterei in Wetterfeld. Lanbach (Oberh.), 14. Juni 1926. Banse, Gerichtsvollzieher in Laubach. ^EiWMer Iiitoiflgen-Soötif sucht für dortig. Bezirk gut eingeführten Vertreter! für ihre Erzeugnisse. Off. unt. Angabe von Referenzen unter L. C. 2360 an Rudolf Mosse, Chemnitz, erbeten. Höherer Beamter sucht'zum 1. Juli 2 gut möblierte Zimmer in schöner Lage.Schr. Angeb. u. 04W3 an den Giest. Anz. erb. 1—2 leere Jimmer für Wohnzwecke gesucht. Schriftliche Angeb. unter 04277 an den Gtetz. An;. | {Stellenangebote Perfekte BiiGltkm für ein Engros-Ge- schcist ver 1 Juli gesucht. Off. u. Nr. 1311 an Herso, Plock- straste 5. 15142h Suche Setsenver- käuser.; 20 Muster Dtk. 2,40 frei Nachn. P. Holster, BreS lau 8v. 498. [sltiA Treppen wasserechte MW F k Rjtukevn Jißsü/inühtsoab! Schmieren Sie nicht, wie seither oft. nur eine kaum glänzende Farbschicht auf die andere, sondern behandeln Sie den Boden mit LOBA-Beize. Das ausgetrocknete Holz lebt auf, bekommt leuchtende Farben, freundlichenGlanzunddieMa- serung tritt In alter Schönheit wieder hervor. Die Böden und spiegeln Ihre Haus- wlder mit Za habe» In den Drogerien n. einschi. Geschäften. i' ■—i'i r-"ii Sängerkranz-Gießen Samstag,den 19.d.Mts.,abends$Uhr SoietiaiiiirLieWsie Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Der Vorstand. 51700 Reichs-, Reichsbahn-, Staats- und Kommunalbeamte u. -Beamtinnen Einladung zu der am Samstag, 19. Juni, abends 8 Uhr, in der Turnhalle (Sswaldgarten) stattfindenden Versammlung «ebner: M MWWM. StMlStzsSekttll Sen liMklsiiAZ-WWl ö. AM. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. sieiD Allgemeine DeuTOe MoeroetW. M 3la®. Wtzkllsoew. öer MMM Seo»®. Eiltz. Wolf. Allgemeiner Sentitöet BeamteEbunö. Silo Ottilie. Statt Karten! Für die uns anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Dr. med. L. Schmidt und Frau Milli geb. Keller Wieseck, den 17. Juni 1926 04280 WtW MM gesucht. 5150D Wilbelmstr. 44 I. Mr s. zu sofortigem Eintritt t. uns. Büro ein Lehrmädchen a. gut. Farn. u. m. aut. Schulbildg. Äenntn. i Stenogr. u Masch.- Schreiben erforderL Angeb. mit Zeugn.- Abschr. u.Bild, d. zurückgeht, u. H. R. an S»r>o,Plockstr.5. ,-,L1ah (SteTlengesuche| Whd sucht Stelle als Filialleiter, Generalvertreter oder dergl. Kaution kann gestellt tverden. Schrtftl. Angebote unter 04273 an den Giest. Anz. erbeten. LOjäbrige Weitzzeug- näherin sucht Arbeit gegen geringe Vergütung. Schr. Angeb. unter 51120 a. d. Giest. Anz. Für ein 14jähriges Mädchen wird Stellung gc sucht zu Kindern od. in einen ruh. Haushalt, bet guter Behandlung, ohne gegenseitige Vergütung. Schristl. Angebote unter 04281 an d. Giest. Anz. erb. ["Verkäufe ”") äimmerlioüs mit Küche, Garten, Holzstall, tu Wieseck, Giestener Str., mit 4-5000 Mk. Anzahl, zu verk. Wohnung (5 Zimmer) wird bald frei. 04207 ClooS & Damm, Giehen, Kirchstr. 2, Telephon 2404. Zwei Erstlings- Ziegen mit Lämmern (eine angekört) zu verk 04280 Wolkeng. 17. EinWurf erstklassige Ferkel • ein gut erhaltener Wagen mit Erntelettern preiswerl zu verk. Annerod, Ohm Tiesenmeg 3. Wander- Motorrad 21/« P. 8.. älteres Modell, ein wenig revaraturbedürsttg, für 220 Mk. sofort zu verkaufen. MVSt Plockftraste 9 v. | Kaufgesuche | Acker im Alten Feld, zu Garten geeignet, zu kaufen gesucht. Schr. Ang. u. 04268 an den Giest. Anz. WeitmWe gebr.,z. kauf, gesucht. Schrift! Angeb. unt. 51320 an d. G. Anz. BuHeuKWvl 2. Kl., wird zu kaufen gesucht. Schrtftl. Angebote unt. 04269 an den Giest. Anz. Gebraucht., gut er(j. Damenfchreibtifch, In hellem Holz, wie Birke, Satin-Nutz- bäum, Nuhbaum vollen, sowie hierzu passender runder Tisch.ca.MomDchm., s. Damenzim. z. kauf, gef. Schr. Ang. unt. 5101V on d. G. Anz. Heu- oder Mee-Ernte nicht unter 1500 qm, z« fnufeit gcsM.i Schristl Angeb. mit I Pretsang. unt. 042611 an den Giest. Anz.' | Verseh ie de nes| Wie fühlen Sie sich? Nimmt man Kruschen- Salz, so fühlt man sich immer wohl, erfreut sich bester Gesundheit und voller Lebensfreude. Kru- schen-Salz erfrischt die inneren Organe (Leber, Nieren und Magen), so daß der Stoffwechsel immer gut funktioniert, Mark 3.— pro Olas. Kreuz - Drogerie August Noll, Gießen, Bahnliof- straße 51. Heute und moraerr billige 6"*c Karpfen das Pfund 1.20 Blaufelchen vom Bodensee, das Pfund 1.60 Seefische täglich frisch, zum billigstenTagespretS Hamburger Fischhandlung 91. Koch Narbflgr. Schulstr.l0,Tel.l6l2. WelcherStudentgtbt gegen Mittagstifch Unterricht in Latein? Schr. Ang. u. 04279 an den Giest. Anz. IMr«. Samstag, den 19. Juni, im WilchvitWM zamilien- abend. \ Gäste können eingeführt werden. Der Vorstand. ■"■*"818. VI. gesell. 20. VI. 1 ühr Job.-Fest. [514Se llk^. tillllöiH11' Aon u -st lvoiikN» J ßrfli * S 6|a" 1* «er westet, un ffÄÄ »reife Sst*5 W" S2 unh dlg-n W» ul olles E neii brteuem m SÄ: wirb zu f ,ne,r SO mal« «« » Erstaunlich tarier, Preße Meinung em y zeugung weM im Grunde nu halten. Das Z Lriond, der Mi von der «64M plappert nun im Schlacht nach böten nut allen n Wacht, gehoren- Sttatetzie die wel dah eine modern wannen werden Spielereien scher vier Jahren M anderes beliebte von Komitees, von Finanzleu! rungspians ein zeichneten die dieses Komitee- fam, langweilig komitee von on ßer Pressejubel nacht, Ergebnis von Parlament, schade um die stellen sich die vardblättern bi- Hin §elt kam sich Aus dem groß So streuen s ^9 Segenseiti, falten, und oer| traditionell blut Einfuhr oermi Baumwolle un weniger mender ®ebol oermutlic ^.sollten, so i ein nebenbei h lichen Ursachen Feuerphrasen t rungsmiüel au- nisterkomitee fü: Schlagwort von Osssentlichleit, E Konsums ausge NuberUfchichler M \i\ anybroi einMhü wer Backer einen 1 Bon 5 2ie letzte | ^.halten, ggSll Uz- nL,4r^lettm ffn und ?e.Uen- lüßen Wen, reservsr inodie pn J' ■ L sA ieber JQbr,k $0r,or,9Qben. ; '^Mche, fffei .Mj ÄrL QUp nc^at, P. kunsü^^hlt Hx. 139 Zweites Blatt Rund um den stürzenden Franken. Don unserem K-Korrespondenten. Der Franken hat ein langes Siechtum hinter fid). Non einem Schwächeanfall im vorigen Jahr hat er sich nicht mehr erholt, doch schien er sich wenigstens in der gebeugten Stellung halten zu wollen. Nun ist in diesem regnerischen Frühjahr die hinfallende Krankheit zum zweitenmal ausgetreten. Die französische Währung ist augenblicklich gegenüber ihrem Stand im Dezemoer um 30 Prozent entwertet, und der Kräfteoerfall macht täglich weitere Fortschritte. Mit Staunen beobachtet der Fremde dieses Schauspiel. Alle Welt in Frankreich spricht von der Währungskrise, die politischen Leute wie die unpolitischen erklären energisch, daß es so nicht weitergehen dürfe, die Regierung, die Parlamentarier, die Presse reden täglich von der Valuta, kün- digen Schritte, Maßnahmen, Eingriffe an, beschul- broen dies und verdächtigen jenes, versichern, daß alles geschehe, um den Franken zu sanieren, und beteuern in tönenden Worten, die ihnen immer zur Verfügung stehen, daß nichts in der materiellen Loge Frankreichs diese Attacke auf die Währung rechtfertige. Dennoch fällt der Franken! Und mit Recht. Denn außer einigem belanglosen Flickwerk wird zu seiner Stützung nichts getan, es wird geschwätzt und heroisch herumgefuchtelt, die Inflation geleugnet, obwohl sie andauert, und die gute Ordnung bes Staatshaushaltes gelobt, obwohl die Decke an allen Ecken zu kurz ist. Erstaunlich bleibt, wie Regierung, Parlamentarier, Presse und alle Faktoren der öffentlichen Meinung ein Theater aufführen und sich in der Erzeugung wertloser Sanierungspläne überbieten, die im Grunde nur ein klingendes Schlagwort enthalten. Das zugkräftigste Schlagwort Hot Herr Vriond, der Meister der Rede, gefunden: Er sprach von der „Schlacht um den Franken", und alles plappert nun mit Begeisterung das Wort von der Schlacht nach. Man kann es überall abwandeln hören mit allen militärischen Attributen, die zu einer Schlacht gehören. Da ist von finanzieller Taktik und Strategie die Rede, von Front und Durchbruch, und daß eine moderne Schlacht nicht an einem Tage ge- wonnen werden könne. An solchen militärischen Spielereien scheint der französische Spießbürger trotz vier Fahren Weltkrieg noch Gefallen zu finden. Ein anderes beliebtes Sanierungsmittel ist das Einsetzen von Komitees. Vor vierzehn Tagen ist ein Komitee von Finanzleuten zur Ausarbeitung eines Sanierungsplans eingesetzt worden. Ein paar Tage verzeichneten die Zeitungen jubilierend jede Sitzung dieses Komitees, dann wurde es, da nichts herauskam, langweilig. Nun wurde ein kleines Regierungs- fomitee von vier Ministern gegründet. Wieder großer Pressejubel, Sitzungen von Mittag bis Mitternacht, Ergebnis null. Das Neueste ist ein Komitee von Parlamentariern zur Sanierung der Währung; schade um die Zeit. Erschreckend naiv sind ober stellen sich die Zeitungen, von den großen Boulevardblättern bis zur ernsten Wirtschaftspresse. Kaum ein nebenbei hingeworfenes Wort über die wirklichen Ursachen der Frankenkrise. Dafür spaltenlange Fsuerphrasen über den Firlefanz, der als Sanierungsmittel ausgegeben wird. Kaum war das Ministerkomitee für die Sanierung gegründet und das Schlagwort von der Sparsamkeit in Staat und Oeffentlichkeit, Einschränkung des Imports und des Konsums ausgegeben, als die Presse auch schon Räubergeschichten zu erzählen wußte. Eine Fastenzeit sei angebrochen, Brot- und Fleischkarten würden eingesiihrt werden, oder zumindest sollten die Bäcker einen Tag in der Woche nicht backen, der Bürger müsse den Gürtel enger schnallen, man solle weniger Zucker,unb Kaffee verbrauchen, damit die Einfuhr vermindert werden könne, mit Petroleum, Baumwolle und Kohle müsse gespart werden, damit weniger fremde Devisen benötigt werden. Mit flammender Begeisterung wurde dos Volk zu Opfern für die Rettung des Franken aufgerufen, und alle Welt kam sich frei diesen Spielereien großartig vor. Aus dem großen Fasten ist zwar vorläufig nichts geworden, aber die Regierung erfüllt den Wunsch der Oeffentlichkeit, Entbehrungen auferlegt zu erhalten, und verfügt, daß die Bäcker nicht mehr dos traditionell blütenweiße Brot aus reinem Weizen Herstellen dürfen, sondern zehn Prozent gröberes Mehl beimischen müssen. Die Bäcker werden dieses Gebot oermullich nicht beachten, wenn sie es aber tun sollten, so wird dem Franken damit kaum geholfen sein. Aber alles freut sich, daß etwas zur Rettung des Franken geschehen ist. So streuen sich Regierung, Presse und Bevölkerung gegenseitig Sand in die Augen, und wenn (Ein Genie im porzellanreich. Von Dr. Augusta von O e r tz e n. Die letzte festgeschlossene Kultur, die wir in Europa hatten, war die Welt des Rokoko. Anmut, Heiterkeit, Galanterie der Ausdruck einer verhaltenen, innerlichen Kraft. Diese Welt war noch ein Organismus, gesund und stark. Unter der glitzernden Oberfläche Weisheit und Tiefe. Die Künste florierten, und in einzelnen Genies manifestierte sich der Geist der Epoche: Mozart, Watteau, Cuvilliers, Kändler, Bustelli . . . Galantes Spiel in Menuett und Gavotte, in Schäferromantik, in Architektur und Gartenkunst, in Porzellankabi- netien und Miniatursammlungen. In ollen diesen Hellen, süßen, pretiösen Dingen steckt die Grazie des feinen, reservierten Temperamentes, die Schelmerei einer theatralisch, zierlich gespannten Leidenschaft. Am sublimsten erscheint der Geist des Rokoko im kleinen, feinen Porzellanreich, hier spielt die Ko- mödie en miniature; die Zerbrechlichkeit, die Glätte des Materials entspricht der spielerischen Leichtigkeit des Rokokokaoaliers, der neckischen Schönen im zierlich gerafften Reifrock. Niemals wieder hat die Porzellankunst eine solche Höhe erreicht, wie im 18. Jahrhundert. Wie aus einem Geifterreich herabgeflogen, schwirrten die zierlichen Püppchen über die Weltbuhne. Die Fabriken wuchsen wie Pilze aus der Erde, jeder kleine Duodezfürst mußte seine eigene Manufaktur haben. Diele von ihnen /eben nur noch in Porzellonbüchern und Lexiken, und nur ganz vereinzelt taucht eine Figur auf, die der Kenner beglückt unter seine „seltenen" Stücke einreiht. Unter der Kette der tüchtigen Meister, um die sich die fürstlichen Inhaber der Porzellanfabriken risien, blitzen ein paar Helle Sterne auf: da ist der weltberühmte Kändler, der in Meißen die vielbegehrten Liebesgruppen schuf, Conrad Sind in Frankenthal, Peter Melchior in Höchst, aber sie alle überstrahlt das wirkliche Genie der Porzellankunst: Franz Anton Bustelli, der im Spätherbst des Jahres 1754 in die kurfürstlich-bayerische Manufaktur in Nymphenburg eintrat, ein Mo- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen) Donnerstag, 17. Juni 1926 irgendwo die wahren Urfadjen der Frankencntwer- tu na genannt werden, bäumt sich Poris und Frankreich gegen die Verleumder auf. Mit heftigsten Ausdrücken wird die Londoner City und die Wallsneel bedacht, weil dort die Meinung vertreten wird, daß die finanzielle Situation eines Landes mit achtzig Milliarden zum großen Teil unkonjolidierter Schulden zweifelhaft sei, daß die Aktivität des französi- schen Budaers künstlich hergestellt sei, und daß vor allem die Inflation andauere. Die schwebenden Anleihen des Staates bei der Bank von Frankreich hören nicht auf. Schon Loucheur hatte feierlich geschworen, daß die Notenpresse stillgelegt sei, und hat, als die Staatskassen leer waren, Vorschüsse bei der Bonk von Frankreich ausgenommen. Pöret ist diesem Beispiel gefolgt. Auf dem internationalen Geldmarkt nützt es aber wenig, gekränkt zu tun. Die Börsen von London und Neuyork lassen sich weder von den Schein-Sanierungsplänen der Pariser Regie- rung, noch von der beleidigten Miene der Pariser Presse rühren und mögen vom Franken nichts wissen, solange ungedeckte Notenzettel gedruckt werden. Die Frankeninflation ist keine innere Angelegen beit Frankreichs mehr. Da nirgends der ernste Wille zu sehen ist, Den wirklichen Ursachen der Krise an den Leib zu rücken, die Notenpresse stillzulegen, die Finanzen in Ordnung zu bringen, die Schulden zu konsolidieren und zu amortisieren, do man von dem neuen großen Sanierungsplan, der am 20. Juni der Kammer vorgclegt werden soll, leider wieder keine wirkliche Hilfe, sondern nur unzureichende Mätzchen erwarten darf, ist nicht abzusehen, wie der Franken vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt werden soll. Das geht aber schon Europa, ja die gan,jc Welt an. Hier ist wahrhaftig nichts weniger als Schadenfreude darüber am Platz, daß nun auch Frankreich, das durch seine törichte Nachkriegspolitik einen großen Teil Schuld an den verheerenden Wöhrungs- wirren Deutschlands trägt, die Wirkungen einer zerrütteten Währung am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Denn Frankreich würde nicht allein leiden, ganz Europa, das doch im ersten Genesungsstadium ist, müßte von der Vernichtung des Franken in Mitleidenschaft gezogen werden. Schon heute spürt man das Dumping der französischen Industrie auf allen Märkten. Die ganze Wirtschaft Europas würde von neuem Fieber geschüttelt werden, wenn der Franken zusammenbräche. So trägt heute das französische Kabinett, ob unter Briand oder irgendeinem andern, nicht nur seinem Lande, sondern ganz Europa gegenüber die Verantwortung für den sträflichen Leichtsinn, mit dem es die Währung Frankreichs oer- fallen läßt. Die Mission Lord Haldanes in Berlin. ' Das Jahr 1912 ist in der europäischen Politik der Vorkriegszeit von gar nicht zu überschätzender Bedeutung. Brachte es doch — von den durch den Tripoliskrieg und den Zug des Balkanbundes gegen Konstantinopel ausgelösten Balkanwirren ganz ab» gesehen — den letzten großen Versuch, den politischen und maritimen Gegensatz zwischen England und Deutschland zu überbrücken, und mit dem Scheitern desselben die endgültige entscheidende Bindung der britischen Politik an die Seite des russischen und französischen Ententegenossen. Nicht umsonst nehmen die Erörterungen über die Mission Lord Haldanes nach Berlin in den Memoiren der Vorkriegsdiplomaten einen so beträchtlichen Raum ein. Der in Kürze bei der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin'erscheinende 31. Band der Großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes wirft auf die Ursachen der Haldane-Mission und die Gründe ihres Scheiterns neues Licht. Im Herbst 1911 mußten sich die englischen Staatsmänner darüber Rechenschaft geben, daß ihre Politik des engen Zusammengehens mit Frankreich ihr Land in der zweiten Marokkokrise im Sommer 1911 bis hart an den Rand eines großen europäischen Krieges geführt hatte. Andererseits war durch die Haltung Englands im deutschen Volke eine solche Erbitterung entstanden, daß mit beträchtlichen deutschen Marineneubauten, also einer weiteren Steigerung der beiderseitigen Rüstungskosten gerechnet werden mußte. Nimmt man hinzu, daß eben damals, wie wir aus den veröffentlichten russischen Dokumenten wissen, eine sehr ernste Krise mit Rußland wegen des ungestümen Vorgehens der russischen Politik in Persien entstanden war, so kann es wohl begreislid) erscheinen, daß selbst einem so eifrigen Ententefreund wie Sir E. Grey der Ge- oanke kam, die Spannung in den deutsch-englischen Beziehungen zu mildern. Der deutsche Botschafter in London Gras Metternick erkannte schon früh, daß ein sehr wichtiger psychologischer Moment heran- gekommen war, und äußerte sich darüber in einem Privatbrief an den Reichskanzler folgendermaßen: Graf von Metternich an den Reichskanzler von Vethmann Hollweg. Privatbrief. Abschrift. London, den 19. November 1911. Was die Weisheit der Männer verschweigt, plaudert häufig der Mund der Weiber aus. Besonders in England, wo die Frauen stark ausgeprägte politische Wesen sind. In meinen Gesprächen mit Grey und auch mit Asquith habe ich es natürlich vermieden, *) Diese Darstellung ist entnommen der Sammlung: „Die Große Politik der europäischen Kabinette 187 1 — 1914." Sammlung der Diplomatischen Akten der Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsius (f), Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Thimme. 5. Reihe. Zweite Abteilung: „W eltpolitische Komplikationen". Band 30—33 (5 Teile). Im Verlage der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8. delleur, gebürtig aus dem heute vielgenannten Locarno. Bustelli trägt in fid) jenen zarten, beweglichen Geist, der dem Wesen des Porzellan verwandt ist. Niemals vorher oder nachher sind Figuren geschaffen worden, die in einer so präzisierten Pose den Rhythmus des Tanzens wiederspiegeln, wie seine grazilen Kolombinen, vor denen sich bewundernde Pierrots verneigen. Fast immer gehören zwei Figuren psychisch schwingend zusammen, eine Welle läuft von dem hochfrisierten Kopfe der Dame zu dem gesenkten Dreispitz des galanten Kavaliers. Diele Pärchen (heute leider durch die Ver- gänglicykeit des Materials, teils durd; verschiedene Standorte, im Nationalmuseum und in der Residenz in München auseinander gerissen) bildeten einst eine Dekoration der kurfürstlichen Festtafel; es gab farbige und weiße Garnituren, je nach Laune wurden sie mit porzellanener Architektur umstellt ober mit lebenden Blumenranken umsponnen. Im Glanze hundertfacher Kerzen lächelten die kühlen Porzellandamen zu den lebenden Galans herüber und reizten sie zum Vergleich mit den gepuderten und geschminkten Schönen an ihrer Seite, prickelndes, quirlendes Spiel ... Welt des Rokoko. Und weiter übertrug Bustelli das Getändel und Geplänkel der „Gesellschaft" in sein schimmerndes, !heißendes Material. „Der gestörte Schläfer", der ich unmutig räkelt, das «Liebespaar in der Ruine", •er „stürmische Galan", das sind alles Szenen, dem wirklichen Leben abgelauscht. Von prickelnder Ausdruckskraft die „Serie der Chinesen", in lange Gewänder gehüllt. Deren scharfkantige Fallen jede Bewegung der Körper widerspiegeln, repräsentieren sie den „Bezopften" in der Vollendung! Das auf „Chinoiserien" eingestellte Jahrhundert konnte nicht genug aus dem Leben dieses rätselvollen Völkchens erfahren, und so wurden in der Porzellankunst olle Lebensfunktionen der Chinesen dargestellt. Das Werk Bustellis ist ein Reflex des vielfarbigen Daseins des Rokokomenschen, alle'Passionen dieser unersättlichen Lebenskünstler finden im schimmernden Porzellan ihr Echo. un letzlgen Augenblicke die Flottenfragc zu berühren, obwohl sie gerade jetzt hier alles andere überragt. Mrs. Asquith, die sehr klug und indiskret, aber politisch eine Freundin von uns ist — sie ist in Dresden erzogen worden —, sagte mir noch gestern in ihrem Hause, daß unser Verhältnis zu England ganz davon abhänge, ob wir eine Flottenvermehrung oornähmen oder nicht. Derselbe Gedanke tritt mir von den verschiedensten Seiten entgegen, und ich habe nicht den leisesten Zweifel, daß er die Situation beherrscht. Wir stehen, wie ich vorgestern zu Grey sagte, at the partinß of the roads, am Scheidewege: für England, daß es nicht nochmals in einer wichtigen internationalen Frage uns drohend in den Weg tritt; für Deutschland, daß cs nicht den Rahmen des Flottengesetzes überschreitet. Dabei ist gleichgültig, ob wir schneller bauen, ob wir mdjr .bauen, ober beides zugleich. Die Wirkung wird dieselbe sein. Der Weg der Aussöhnung mit England ist dann definitiv verlassen, und alles, was wir sonst tun mögen, nur von taktischem Wert. Grey, obwohl er ebenso wie ich diesen heiklen Punkt wohlweislich zu berühren vermied, weiß ganz genau, ebenso wie alle anderen hiesigen leitenden Persönlichkeiten, wo für Deutschland der Scheideweg beginnt, und sie wissen auch nach den Erfahrungen dieses Sommers, wo er für England liegt. Mißtrauische Naturen mögen nun sagen, daß der in England nach der überstandenen Krise hervortretende Wunsch nach einer Besserung des Verhältnisses zu Deutschland lediglich ein Manöver ist, um die gutmütigen Deutschen davon abzuhalten, auf neüe Flottenpläne zu sinnen. Der Wunsch, daß wir hiervon absehen, tritt unstreitig sehr stark und allgemein in England hervor. Die Befürchtung, daß es doch geschehe, liegt nahe in An- betracht der erbitterten und selbst kriegerischen Stimmung, die sich bei uns in Presse und Reichstag kund- gibt. Die Tridfeder aber für den Wunsch nach Aussöhnung mit uns liegt viel tiefer und beruht auf der Erkenntnis der kürzlich überstandenen Kriegsgefahr und dem mehr ober weniger bewußten Drange, einer ähnlichen Lage für die Zukunft vor- zubeugen. (gez.) P. Metternich. Bekanntlich führte das englische Bedürfnis, das Terrain für eine eventuelle vertragliche Annäherung an Deutschland zu sondieren, Anfang Februar 1912 zur Entsendung des britischen Kriegsministers Lord Haldane nach Berlin. Die dort eingeleiteten Verhandlungen schienen zunächst zu den besten Hoffnungen zu berechtigen. Aber bald zeigten sich sehr ernste Schwierigkeiten. Von englischer Seite verlangte man ein Aufgeben der geplanten deutschen Flottennovelle, bei deren Fortbestehen und den dadurch bedingten neuen Lasten man die neue Freundschaft vor Dem Volk uno Parlament nicht würde rechtfertigen können. In Berlin wiederum wollte man sich zu diesem Opfer nur entschließen, wenn England sich zu einem festen politischen Abkommen bereit erklären würde, das die Teilnahme des Jnsel- reichs an einem französisch-russischen Kriege gegen Deutschland ausschloß. Zu einem festen Neutralitätsversprechen aber war Grey nicht zu bewegen, da Den ganzen Olymp läßt Bustelli als putzige, rundliche Putten auf die Erde hinabsteigen, der vielfältige Hofstaat eines vornehmen Haushalts trippelt in kokettem Tänzelschritt an uns vorüber, da erscheint der Lakai und das Kammerzöfchen, die Apfelfrau und der Käsmann, die Eiergretl, der Fischer und der Landbote; und der Modehund des 18. Jahrhunderts, der fette Mops, springt bellend unter das bunte Völkchen. Von unerhörtem Raffinement ijt die Farbgebung des Künstlers; vor lichtblonder Colombine in schmelzend-grünem Kleide kniet der liebevolle Pierrot, brennend rot leuchtet sein Rock, Symbol für die Glut seiner Gefühle. Der faule Schläfer aber, der sich so schlaftrunken räkelt, trägt ein fattes Brandrot. Sublimierung des Geschmacks, Ertrakt einer Epoche, wie nur das Genie ihn zu geben vermag. _ Neun Jahre, bis zu feinem Tode am 16. April 1763, blieb Bustelli in Nymphenburg, eine Treue, die bei den Porzellankünstlern nicht üblich war. Meistens unsteten Gemüts, dem Trünke und anderen Lastern ergeben, verschwanden sie oft plötzlich von Der Stätte ihrer Wirksamkeit und tauchten, verlockt von den Versprechungen neidischer dürften, an irgendeinem Hofe wieder auf, von wo Der Arm des Gesetzes sie nicht zurückholen konnte. So gab oft Der Geist verschiedener Meister den Fabriken ihr Gepräge, und nur Nymphenburg und Meißen genießen Den Vorzug, Spiegel eines genialen Künstlers zu sein. Was Kändler für Meißen war, das bedeutet Bustelli für Nympyenburg, den Stil! Frankfurter Theater. Qlrnolt Bronnens .Ostpolzug" gelangte in der Jeßnerschen Jnszegierung mit Fritz Kortner als Gast auf der Schausprelha us - bühne zur Aufführung. Anfänglich mutete das Ganze wie ein dramatisches Experiment an. aber nur anfänglich! Schon nach der zwetten ©jene, es sind ihrer neun, vergißt man, daß das Spiel nur auf eine einzige handelnde Person gestellt ist. denn die Handlung ist prall angefüllt mit dramatischem Stoff und Entladungen. Hier zeigt dasselbe das Ende oder mindestens eine starke Abschwächung der von ihm geschaffenen Mächtegruppierung bedeutet hätte. Die Beilegung der persischen Difierenzen und französischen Einwirkungen taten das Ihre, um den Leiter der englischen Politik in seinem intransigenten Standpunkt zu bestärken. So scheiterten die so hoffnungsvoll begonnenen Annäherungsversuche; der deutsch-englische Gegensatz blieb weiter die letzten Endes entscheidende lat- fache der europäischen Politik. Und mit der weiteren Verfestigung der Tripclentcnte, wie sie in dem berühmten Grey Cambonschen Briefwechsel vom November 1912 ihren Ausdruck fand, wurden die Aussichten zunichte, aus dem Mechanismus der Bündnissysteme einen Ausweg zu jinden, der das Verhängnis von 1914 hätte verhindern können. Die beiden folgenden, dem deutschen Altenwerk entnommenen Schriftstücke lassen aufs deutlichste die beiden Punkte heraustreten, an denen die Annäherungsbemühungen zunichte wurden: Flottennovelle und Neutralitätsabkommen. Graf von Metternich an den Reichskanzler von Bethmann Hollweg Ausfertigung Ar. 174. London, den 22. Febr. 1912. Sir Edward Grey ersuchte mich gestern brieflich um eine Zusammenkunft für heute früh 10 Uhr in feiner Privatwohnung, um mit ihnr und Lord Haldane die zwischen den beiberfeitiga! Regierungen schwebenden Verhandlungen zu besprechen. Die Besprechung hat zur festgesetzten Zeit stattgefunden. Lord Haldane war der Wortführer, und der Auswärtige Minister bestätigte mir und kondensierte von Zeit zu Zeit, was der andere vorbrachte. Die von Lord Haldane aus Berlin zurückgebrachten Vorschläge hätten dem Ministerrat Dotgelegen. Dieser wünsche dringend, daß es zu einer Einigung komme. Bei weiterer Durchberatung und Feststellung der einzelnen Punktet würden zwar noch manche Schwierigkeiten zwi- scheir beiden Regierungen zu überwinden sein. Er zweifle aber nicht, daß sich die kleineren Schwierigkeiten, die sich im Laufe der Verhandlungen ergeben würden, mit gutem Willen auf beiden Seiten überwinden liehen. Die Haupt» und einzige wirlliche Schwierigkeit. zu einem Abkommen zu gelangen, liege aber nach Ansicht des Kabinetts in folgendem: Der von Lord Haldane mitgebrachte Entwurf zur Flottennovelle fei von der hiesigen Admiralität auf die technischen Seiten hin und in feinem Verhältnis zum Flottengesetz geprüft worden. Diese Prüfung hätte ergeben, daß die Novelle eine ganz bedeutende Erweiterung des Flottengesehes darstÄlle. Insbesondere fei auch eine Derartige Verstärkung an Mannschaften vorgesehen, daß sie über das Bedürfnis der Bemannung eines dritten Geschwaders hinausgehe und darauf Hinweise, daß auch noch weitere Reuformationen, wahrscheinlich an Destrohers, gebildet werden sollten. Cs läge ihm nun fern, an unseren Absichten eine Kritik üben zu wollen, ilnfere Novelle würde aber eine ganz bedeutende Mehrbelastung des englischen Marinebudgets zur notwendigen Folge haben, und das englische Kabinett suhle, bah es ihm kaum möglich sein werde, ein Abkommen von weittragender Bedeutung abzuschlie» ßen und zu verteidigen welches dazu bestimmt sei, eine neue und bessere Aera der deutsch- englischen Beziehungen einzuleiten, wenn zu gleicher Zeit eine Erhöhung der beiderseitigen! maritimen Rüstungen stattfinde. Wäre es aber möglich, über diese Schwierigkeit hinwegzulom- men, fo sei er überzeugt, daß ein befriedigendes Abkommen zustande käme. Sir Edward Grey bestätigte die Worte seines Kollegen und fügte hinzu, er hoffe auf jeden Fall, auch wenn kein Abkommen erzielt würde, bah der Besuch Lord Haldanes in Berlin und ber freie und offene Gedankenaustausch, den dieser dort gehabt habe, die Grundlage bilden werde auch für ferneren offenen und vertrauens- vollenDerkehr zwischen den beiden Regierungen. Ich erwiderte, zunächst auf die Frage der Flvttennovelle eingehend, daß die Schlüsse, zu benen die hiesige Admiralität gelangt sei, nicht mit meinen Informationen übereinstimmten. Die beabsichtigte Personalvermehrung sei nicht einmal genügenb, um das dritte aktive Geschwader zu bemannen, so bah aus der Reserveflotte ein Teil der Mannschaften auf das dritte Geschwader genommen werden mühte. Die Anzahl der zu bauenden Torpedoboote fei weder im Flotten- sich Bronnen als wirllicher, schöpferischer Dichter, der die »Idee" zu dramatisieren weih, anders als in der „Katalaunischen Schlacht" ober im „Batermorb". Alexander heißt der Held des Werkes, es ist ein Mensch, erfüllt vom Dualismus der Seele, denn er birgt gleichzeitig in sich bie Seele jenes großen Mazedoniers und die des modernen Abenteurers. 327 v. Ehr. zog ein Alexander, benannt der Große, nach Indien; 1926 n. Ehr. zieht ein Alexander unserer Zeit zum Mount-Everest, dem Ostpol! Cs ist das Schauspiel der ewigen Parallele, welches Bronnen ge- schaffen hat. Seine Formulierung gipfelt in dem Schlußsatz Alexanders, in der letzten Szene „Triumph der Möglichkeiten", vom Gipfel des Mourtt-Cverest aus gesprochen: „Wünsche werden Jahrtausende alt, aber wir kommen ber Ewigkeit immer näher!" Diese jahrtausenbalten Wünsche rinnen gleichsam von Blut zu Blut, und bei irgendeinem unserer Tage brechen sie aus dem UnterbetDuhtfem empor und nehmen Besitz von ferner Seele und von feinem Leben. Jede neue Szene übernimmt bie letzten Worte der vorangegangenen zum Anfangssah und baut von da aus weiter, gleich wie die Menschheit die letzte Tat derer, die vorher waren, zu neuem Aufbau verwendet. Dieser „Ostpolzug" ist der ewige, nimmer aufhörende Sehnsuchtszug der Seele, Zweck und Logik hinter sich lassend, einzig und allein letzte Geheimnisse zu enthüllen. In der Szene „Sieg von Kabul" ist die eigentliche Zwecklosigkeit solchen Strebens prachtvoll einfach mit den Worten Alexanders erhellt: „Denken Sie sich, welches Gefühl es für mich ist, wenn ich aus der Höhe von 9000 Meter Ansichtspostkarten schreibe!" — Fritz Kortner, der die Doppelrolle bei der Berliner Uraufführung des Werkes kreierte, erfüllt die beiden Alexander, die ja nur die Einheit „Mensch" bedeuten, mit stärkster Intensität. Er ist die Verkörperung des dichterischen Gedankens, und sein Spiel hat unnachahmlich echt empfundene ilebergänge. Der Widerhall bei dem Publikum kam. soweit es das Wollen des Dichters und des Künstlers verstand, in dankbarem Beifall zum Ausdruck. L. W. KL y I BOES Nachdruck verboten. 14. Fortsetzung. ich weiß jetzt, wie der fterl aussieht." „Genau wie ne Nigger!" fta- Sie „3a — Er grinste: i U Kramer zuckte zusammen. Schulz sah ihn gend an. Es klopfte. Franz zeigte sich in der Türe. „S)err Molinski — ein Herr möchte ' ;v ■iflnl:: ■ u Der dritte Schutz Kriminalroman von Ole Stefani. -k rv Alls öl y Tied 2 hunger Ohm - öeun erMt denbach ducke ün 2 KNoi Daldgt neuen Zni Stang. J? lich im fotze des s zwei v v a n tagnachmitta! Msanden. sam gesüM besondere R Haupt w Dürft der rung des E- Werfer. ® Aasfl lagei sechsten wurden du Bundes da Aufmerksau der Zuscha gingen mit nuhreiche, k lebt zu hak XX Ki jährigeC ieWch zu b wie der jeh' Met zur .,6'tntrad in Gestalt e ein altgetool gaitf Gerne würdig öegei eine Ehrung gilt es am B den Gründer 20 auSW durch ihre gent wird treten, der Festmusik tr . ließt. Der und bietet < Lahntal. 3 Kra tung hat auf der beteiligte in Kraftsi wird. Der ne Orte zur Les derquetnbach, zu stören, deshalb winkte ich Herrn Esstr, zu mir herauszukommen. Es wird sich schon Gelegenheit finden." „Aber Fräulein Brentheim würde sich über Ihre Anwesenheit sicher sehr freuen!" sagte Schulz in gewinnendem Ton. Bei sich dachte er: Er will vermeiden, ins Haus zu kommen. Fürchtet er, fe< mandem zu begegnen? Und er setzte sich in den Kopf, ihn dazu zu zwingen. .. . Er rief über die Gartenmauer: „Gnädiges üttäu- lein — hier ist jemand, der Sie sprechen möchte." Als er sich umwandte, begegnete er einem feinen, spöttischen Lächeln. „Sie machen sich sehr viel Umstände meinetwegen, Herr Ingenieur Beyers" Grete kam heran, Sandberg eilte ihr entgegen und drückte ihr in warmen Worten sein Beileid aus. Aber Schulz glaubte zu bemerken: der Architekt wußte es so einzurichten, daß er stets Molinski den Rücken drehte. Ihm ging ein Licht auf. Kurz entschlossen nahm er den Polen beim Arm und ging auf Sandberg zu. „Gestatten Sie, daß ich bekannt mache: Herr Molinski — Herr SaNdberg!" Er sah seine gespannte Erwartung befriedigt. Als die Blicke der beiden Männer sich trafen, blieb die Miene Sanvbergs unverändert erNst und freundlich. Molinskis Augen aber weiteten sich, und er sah den Architekten wie ein Gespenst an. Das dauerte nur eine Sekunde — bis Sandberg sagte: „Ich glaube, Herr Molinski hat mir etwas zu sagen. Erlauben Sie einen Moment. Er ergriff den Jüngling leicht am Arni und führte ihn mit ruhiger Bestimmtheit ein Stück Weges weiter. . Dann machte sich Molinski aus seiner Erstarrung frei. Erregt blickte er dem andern ins Gesicht. Sandberg hielt den Blick ruhig aus. „Sie wun- scheu?" sagte er kalt. Molinski brach ans: „Sie sind der Mann, den ich nachts auf der Treppe traf!" „Und?" , . „Ihr Auto war gestern nacht um zehn Uhr hier in der Nähe!" „Was wissen Sie no&?" „Man wird Sie verhaften! Rechtsanwalt Äramei; weiß —" er verstummte in höchster Verwirrung. (Fortsetzung folgt.) lich vereinbart wird, daß int Falle drohender Verwickelung mit anderen Staaten ein rechtzeitiges Insbenehmentreten mit dem Partner Platz greift... , r v. Bethmann Hollweg. Hills! Junten Tcit ^aubübe Keplu ,'Ohllose 1 Oderhessen. Landkreis Gietzerr f. Klein-Linden, 16. Juni. Sn der Rächt auf Sonntag wurde einem hiesigen Einwohner in der Frankfurter Straße ein Herrenfahrrad aus der Scheune gestohlen. Der -Sieb überkletterte das Hoftor und öffnete die Scheune. Die Hausbewohner hörten wohl das Geräusch, waren aber in dem Glauben, baß es sich um einen Familienangehörigen handele. Bor einiger Zeit wurde auch in der Wetzlarer Straße ans einer verschlossenen Waschküche ein Herrenrad gestohlen. Hoffentlich gelingt es, den oder die Fahrradmarder dingfest zü machen. <■? Oden hausen (Lah n), 16. Juni. Ein schwerer Anfall ereignete sich heute nachmittag in dem an der Straße nach Rutterhausen gelegenen Stein bruch. Herabstürzen- desGestein traf den dort beschäftigten Steinbruchunternehmer G i m b e l von hier derart schwer, daß der kurz darauf eintreffende Arzt nur noch dey T o d des Mannes feststellen konnte. Ein einige Sage früher erfolgter Felssturz in einem benachbarten Steinbruch ging glücklicherweise ohne schlimme Folgen vor sich, da sich niemand in seiner Rähe befand. Diese mächtigen Felsen lagen in den letzten Tagen zum Teil noch in halber Höhe in bedrohlicher Rähe der Straße, so daß ein sofortiges Wegräumen am Platze Ist. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 16. Juni. Im nächsten Monat hält der W e t t e r a u e r Rbiterver ein hier sein 10. Reit- und Fahrturnier ab. Es findet am 11. Juli auf der Seewiese statt. * Friedberg, 16.Juni. Hier wurden drei Personen fest genommen, die schon seit längerer Zeit von auswärsigen Behörden steckbrieflich verfolgt werden. Die Jnhastierten wurden dem Amtsgericht zugeführt. Kreis Büdingen. y Nidda, 16. Sunt Sn Wallern- Hausen fanden umfangreiche Vernehmungen durch den Untersuchungsrichter in der kürzlich gemeldeten Wilddieberei fache statt, die zur Verhaftung des hiesigen Schneiders H. führten. Bei ihm soll der Wilddieb Kippen sich oft aufgehalten haben. H. ist etwa 50 Jahre alt, verheiratet und Vater von fünf Kindern. — Gestern kam hier eine größere Horde Z i - g e un er an. die von zwei Gendarmeriewachtmeistern aus dem Kreise Schotten hierhergebracht wurden. Die Vesitzer von vier Wagen wurden int hiesigen Gefängnis inhaftiert, während die zahlreichen Angehörigen derselben vor der Stadt lagerten. Nur wenn den arbeitsscheuen Gesellen keine Wandergewerbescheine mehr ausgestellt werden, kann diese Plage des flachen Landes verschwinden. Kreis Schotten. Weisi Wlo.tge *t herbc ^stzegrii Verwahrung l^eiunt öM ftottfa [Nel habe, Hastet und t genommenen e'chen Tage ^gefallen hc nen -K- ntr iMr b JeradUS Ä Mlvung $ ektoren MSch' Ä, w beantragt > Scmeind provind,el" Renovier Städter der/ir^ hischen 2 einbart W kommen -erst erneuer vielen W Sie >Vie wu ho verwalt" schule, die bängt, ht J sv daß aut des Straher Finanze" d' M& an etii absehbare < atz festgelegt, noch solle sie meines Wissens in der Novelle bestimmt werden. Die beabsich- ligte Vermehrung des Personalbestandes solle den in unserem Rekrutierungssystem liegenden Mängeln einigermaßen abhelfen. Für die englische Regierung schienen dte Erwägungen, welche mit unserer Rovelle zusammenhingen. im Mittelpunkte des Interesses zu stehen, für uns seien die politischen Gesichts- vunkte für das Abkommen maßgebend. Beides stehe in Wechselbeziehung. Wir wünschten eine Vereinbarung zu tteffen, durch die uns Sicherheit geboten werde, England nicht auf der Seite etwaiger Gegner zu finden, ebenso wie wir nicht auf feiten der Gegner Englands anzutreffen sein würden. r , . , Lord Haldane bemerkte, daß keine Formel für Neutralität allen Fällen gerecht werden könne. Das beiderseitige Versprechen, an feinem nnprovozierten Angriff Dritter teilzunehmen, genüge aber im Verein mit den übrigen Abmachungen, um der Welt unseren Willen zu zeigen, daß wir in einem Freundschaftsverhältnis zueinander leben wollen. Aus diesem Anfang würden sich von selbst intimere Beziehungen entwickeln. Hierauf bemerkte ich, daß oft schwer sei zu entscheiden, wer der Angreifer und wer der Angegriffene fei. Wer den Krieg zuerst erkläre, sei nicht notwendig der Angreifer. Er könne in gerechter Verteidigung zum Kriege gezwungen werden und deshalb doch zuerst angreifen. Da wir ganz offen redeten, sv Möchte ich als Beispiel anführen die Situation des letzten Jahres und auch die serbische Krisis. Wir hielten in beiden Fällen unsere Politik nicht für aggressiv. Hier sei man vielleicht anderer Ansicht gewesen. Wir wollten aber durch ein Abkommen gerade vermeiden, daß wir uns in ZUkunst wieder gegenüberständen. „ Lord Haldane gab zu, daß der Begriff des Angreifens nicht für alle praktischen Fälle zu definieren sei, und daß selbst ditz Geschichte hierüber fein sicheres Urteil fälle. Es komme aber hauptsächlich darauf an, durch ein Abkommen, wie es ihm vorschwebe, den Geist des Vertrauens herzustellen. Hieraus werde sich alles Weitere ergeben... _ Ich habe meinen den beiden Ministern ge= genuber gemachten Bemerkungen vorausgeschickt, daß ich zwar ohne Auftrag, aber in Kenntnis der Absichten meiner Regierung spräche. P. Metternich. Aufzeichnung des Reichskanzlers bvn Bethmann Hdllveg (Eigenhändig.) B e r'l i N, den 8. März 1912. Sir Edward Grey spricht die Hoffnung aus. ich werde, auch wenn kein Agreement zustande kommt, bereit sein, auf der Grundlage, des durch Lord Haldanes Mission geschaffenen Vertrauens weiter zu arbeitest. Sch bist dazu bereit, falls England dieses Vertrauest erwidert. Verständigung über koloniale Fragen wird mir sehr erwünscht sein. Das Hauptgewicht lege ich aber auch jetzt noch, wie feit zweieinhalb Sahren, auf ein politisches Agreement. Wünscht England taffächlich Vertrauen von uns. und ist es bereit, es zu erwidern, so ist es unerfindlich, weshalb wir uns nicht auf eine (zu veröffentlichende) Formel sollten einigen können, auch wenn diese Formel weniger weit geht als die von mir Lord Haldane vorgeschlagene. Sedenfalls kann das Zögern Englands, an eine solche Formel heranzutreten, unser Zutrauen nicht befefhgen. Geht auch die Haldanesche Formel ihrerseits nicht weit, und ist sie wegen der Flüssigkeit des De° . griffet aggressiv nicht für alle Fälle wmckvoll, so wird sie doch auf beiden Seiten des Kanals l denjenigen unrecht geben, welche stets Dom Heber» fall der anderen träume.n. Der englischen Re- gierung liefert sie überdies den Beweis, daß , hinter unserer Flottennovelle keine boshaften r Pläne liegen, sondern lediglich die Absicht, die Schlagfertigkeit unserer Flotte während der Herbstmonate herzustellen. Diese Schlagfertigkeit bedroht England nicht, wenn wir ihm Frieden versprechen. (Don anderer Seite — Frankreich. Rußland — hat es ist absehbarer Zeit sowieso nichts zu besorgen.) Lehnt es (SnglAVo ab. sich - auf eine Formel zu einigen, so wird nicht bei mir, wM aber bei andern Leuten der Glauben gestärkt. England habe die Verhandlungen mit uns nur zu dem Zwecke angefangen, die Flottennovelle zu hintertreibest Sch bin bereit, die Haldanesche Formel zst akzeptieren, wenn zusäh- Gegen drei Uhr nachmittags schickte KraMer einen Gendarmen in die Villa Grete mit folgender Botschaft an Schulz: Professor Oelscher habe gestern abend in seiner Wohnung einen kleinen Handkoffer mit ein paar Sachen gepackt, wie man sie zu einer kürzeren Reise braucht und sei um halb acht, ohne irgendeine Nachricht für seine Schüler zu hinterlassen, in der Richtung auf Villa Grete zu fortgegangen. Seitdem sei er von niemandem mehr gesehen worden.--Der Anwalt selber ginge nun zür Behörde, um das Signalement des Verschwundenen zur Publikation an alle auswärtigen Polizei- ftationen aufzugeben. — Kurz nach dieser Nachricht — Schulz saß mit Grete, <£ffer und dem Polen im Garten — machte der Kriminalbeamte eine seltsame Beobachtung. Er saß Esser gerade gegenüber, mit dem Rücken zur Gartenmauer, als er über seinen Kopf weg den Weinhändler ostentativ auf einen bestimmten Punkt der Landstraße blicken sah. Mit Hilfe eines kleinen Taschenspiegels gelang es Schulz, in unauffälliger Weise das Gesichtsfeld Essers zu überschauen. Zu seiner Ueberraschung sah er auf der Straße vor dem Garten hinter einer Stelle, wo ein dichtes Gebüsch von Flieder und Goldregen über die Mauer hlnauswUchs, eine MäNnerhänd mit einem Strdhhut Zeichen machen. Mit gleichgültiger Miene erhöb sich Esser, schlenderte langsam zur Gartenpforte und auf die Straße hinaus, wo er bald hinter jenem Gebüsch den Blicken der Zurückbleibenden entlchwand. Bald darauf ging Schulz, wie unabsichtlich, dem Weinhändler nach, und sah ihn im Gespräch mit einem gutgekleideten Herrn, in dem er nach Kramers Beschreibung den Architekten Sandberg erkannte, Gespannt begab er sich in ihre Nähe, so daß Esser nicht umhin konnte, die Herren bekanntzu- machen. Ohne eine Spur von Befangenheit plauderte Sandberg Mit ihm über die Bestürzung, die die Nachricht von der Mordtat unter der Bonner Bevölkerung hervorgerufen habe. „Wollest Sie nicht ins Haus kommen, Fräulein Brentheim zu kondolieren?" „Danke vielmals^ heute noch nicht", sagte der Architekt und Schulz beobachtete, wie er einen vorsichtigen Blick auf die beiden fungen Leute im (harten warf. „Ich fürchte, das gnädige Fräulein heute „In welcher Form half er Ihnen?" „Er überbrachte Botschaften von mir an Grete und umgekehrt." „Auch schriftliche?" „Einmal aüch das!" „Wann war das?" „Muß ich das sagen?" „Nein. Denn ich weiß es, auch vhnr daß Sie es mir sagen." „Sie wissen es?" ,Ia. — Es war vorgestern." „Woher —? „Soll ich Ihnen auch sagen, was auf dem Zettel stand, den Lachner überbrachte?" „Sie können es nicht wissen!" „Doch. 10 Uhr Mauer. R. Stimmt es?" „Jq, aber um Gottes willen —Roman Mo- linski starrte den Anwalt fassungslos an. ,Lch weiß es durch einen Zufall", sagte Kramer kurz. „Seien Sie still, dort kommt Lachner!" Der alte Musiker verabschjedete sich für heute. Morgen früh würde er wiederkommen. Er hatte die Sorgen für die Bestattung des Erschosienen übernommen und holte sich die Zustimmung des Anwalts für seine Dispositionen. Danst brach er auf. Unwillig machte er sich an der Gartenpforte Bahn durch die Menschenmenge, die sich zusammen- gefunden hatte üpb neugierig das Haus umstand. — Um Mittag kam Ester und Schulz von ihrem Spaziergang zurück. Der Kriminalbeamte war enttäuscht. Er hatte nichts anderes aus Ester heraus- betommen, als daß er Sandberg feit einigen Monaten kestste und, da er ihm von sehr sicherer Seite aus empfohlen sei, in geschäftlicher Verbindung mit ihm steye. — Sie setzten sich zu Tisch. Babette, die im Haus geblieben war, servierte das von Maria zubereitete Mahl. Grete aß nur wenige Bisten und entfernte sich nach kurzer Zeit. Man aß schweigend weiter. Nur Ester war kaum weniger gesprächig als sonst. Molinski zog nervös die Augenbrauen zusammen. der ..Hölle" allgemeine Belustigung statt. Mon- iagbormittag bewegte sich ein in 13 Sektionen gegliederter Zug unter den Klängen der Lau- bacher Feuerwehrlapelle zum Schloß, wo der Ausschuß-Hauptmann. Dachdeckermeister Lederin a st n, den Grafen und die gräfliche Familie begrüßte und zur Teilnahme an dem Fest einlud. Der Graf dankte, indem er auf die Bedeutung des Ausschusses als Heimatsfest hinwies. Für den besten Schützen stiftete er nach alter Sitte einen Hammel' die Gräfin stiftete für, ben zweitbesten Schützen ein schwarzes Kleid. Sodann bewegte sich der Zug durch die Hauptstraßen der Stadt zur ..Hölle", wo sofort das Preisschießen nach Sektionen begann. Es wurde wieder, nach alter Sitte, auf zwei Scheiben geschossen: auf der sog. „Hammelichei b e" galt der Wettbewerb den gräflichen Stiftungen, dem Hammel Und dem von der Gräfin gestifteten dunklen Frauenkleide. Auf der sog. .,G a b e n s ch e i b e" wurde um die von der A u s s ch u ß g e s e l l s ch a f t gestifteten Preise geschossen. Währenddessen belustigten sich die anderen Festgenofsen auf die verschieden- artigfte Weise. Rach Beendigung des Preisschießens, um 7 ilfjr, wurden die Preisträger festgestellt. AIS Schützenkönig wurde Landwirt Franz G ö b i t s ch verkündet und ihm der erste Preis zuerkannt. Die Sektion, der er an- gehört, zog vor seine Wohnung und brachte ihm den Hammel. Hier wurde das Tier in das untere Stockwerk gebracht und in ein Fenster gestellt. Sodann zog die siegreiche Sektion zum Schlosse, wo der Graf dem Schützenkönig die Denkmünze übergab, die er nach erlangter Mündigkeit (1920) stiftete. Der ..Hammelschütze" hat außerdem die Ehre, das S ch ü tz e n k l e i n o d im nächstjährigen Festzug zu tragen. Dieses Kleinod enthält verschiedene folmsische Taler (1738 bis 1767): der älteste Teil ist ein 'silbernes Medaillon von 6,5 Zentimeter Durchmesser mit der Umschrift: „Der Boxen Schyhen Gesellschaft * 1 5 4 0“, geziert mit Eichenlaub. _ Der Festtag wurde durch einen Ball im „Schützen- Hof" abgeschlossen. Am Morgen des dritten Festtags (Dienstag) wird in der Regel ein. vieb- besuchter S ch w e i n e m a rt t abgehalten. Gestern fiel dieser Markt wegen der in der Umgegend as neugeschaffene Anwesen zu behaupten. Weitere Baulustige gehen darum vorsichtiger zu Werke und dehnen die Bauarbeit auf mehrere Sahre aus, um sich die Sache nicht über den Kopf wachsen zu lassen. So sieht man auf vielen bereits im Vorjahre ausgegrabenen Bauplätzen nunmehr die Baustoffe sich nach und nach zusammenfinden, aus denen vielleicht erst im nächsten oder übernächsten Sahre das Eigenheim erstehen sokl. Sn Dörfern, in denen im Vorjahre die Einfamilienhäuser wie Pilze aus der Erde schossen, werden in diesem Sahre nur wenige bauliche Arbeiten ausgeführt. Sn den meisten Fällen handelt es sich um die Ausbesserung oder Reuaufführung von landwirtschaftlichen Gebäuden, deren Herstellung nicht weiter zurückgestellt werden kann. n Laubach, 16. Sunt Am Sonntag wurde das alte Laubacher Rationalfest, der sog. „Ausschuß", eröffnet. Rachmittags fand auf einen Platz in der Bahnhofstraße unmittelbar neben dem Finanzamtsgebäude, und zwar in einer Breite von 19 und einer Tiefe von etwa 25 Meter. Die Freiherren Nie de sei, denen das fragliche Gelände gehört, sind grundsätzlich bereit, einen Bauplatz abzugeben, jedoch in einer Tiefe von 50 Meter» Sie fordern für den Quadratmeter 7 Mark. Das Reich ist nach den weiteren Ausführungen des Bürgermeisters an die Stadt mit dem Ersuchen herangetreten, bei einem evtl. Erwerb des Platzes zu den Kosten einen Barzu schuß zu bewilligen. Das Ersuchen des Reiches wurde vom Sladtvorstand a v ge 1 e 1) n t, er beharrte auf seinem früheren Beschluß, wonach bei Errichtung eines reichseigenen Gebäudes das gesamte Mauersteinmaterial bis zur Sockelhöhe kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll. — Die Armen- und Wohnungskommission war in einer der letzten Sitzungen beauftragt worden, eine Besichtigung der schlechten Wohnungen der Stadt vorzunehmen. Beigeordneter Möller als Vorsitzender der Armenkommission gab Kenntnis von dem Ergebnis und den Feststellungen dieser Besichtigung. Die am dringendsten befundenen Fälle sind nach Möglichkeit baldigst zu beheben. — Am See ist die Erbauung eines E n 11 a st u n g s k a n a l s erforderlich geworden. Die Arbeiten wurden dem Bauimlervehmer H. Hardt übertragen, während die Materlailieferung durch die Firma Scheer erfolgen soll. — Der von der Oberförsterei ausgestellte und vom Bürgermeister vorgetragene W i r t s ch a f t s p l a n des Waldes für 1.927 wurde genehmigt. Hiernach kommen etwa 670 Festmeter Holz zur Fällung. — Die Vergebung der Außenverputz- und Anstreicherarbeiten für das im vergangenen Jahre errichtete Doppelwohnhaus in der Adolf-Spietz-Straße ist kürzlich ausgeschrieben worden. Nach Prüfung der eingelaufenen Angebote wurden die Verpuharbsiten der Firma Wenzel & Axthelm, die Anstreicherarbeiten der Firma Wilhelm Wolf zu den Anaebots- preisen übertragen. — Das Kreisfchulaint Lauterbach beabsichtigt, den hauptamtlichen Fortbik- dungsfchullehrer Karl Sarnes, der dieses Amt seither kommisiarisch verwaltet hat, nach Ableistung seines Probejahres endgültig für die Fortbildungsschule anzustellen. Der Stadtoorstand ist damit dinverstanden. Starkenburg. * Darmstadt, 16. Sunt Da die hier in der Hvlzstraße wohnende Frau Schwebet, die vom Wohlfahrtsamt unterstützt wird, ihre Kinder ständig vernachlässigte, ließ die Polizei ihre Wohnung öffnen. Man fand dort die Kinder im Alter von zwei bis fünf Sahren vollständig vernachlässigt und vor Hunger entkräftet vor; sie muhten in das Krankenhaus gebracht werden. Die „Mütter" vertreibt ihre Zeit mit Spazierengehen und hat die Tlnterstützungsgelder des Wohlfahrtsamtes, die für die Kinder bestimmt sind, für sich selbst verbraucht. Preußen. Keine Schulen für Kleinkaliber- schietzen. Q Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat bestimmt, daß in Zukunft öffentliche Schn träume an Einzelpersonen, Vereine oder Verbände für den Kleinkaliberschießsport nicht mehr hergegeben werden dürfen. Kreis Wetzlar. ] Wetzlar, 16. Suni. Wie wir hören, fand am Montag eine nichtöffentliche Sitzung der Stadtverordneten statt, in der sich drei weitere Bewerber um den Stadlbaurat- posten vorstellten. Anschließend Hieran trafen sich die Stadtverordneten mit den Bewerbern im Herzoglichen Hause zu einem kleinen Essen. Die Entscheidung über die Besetzung der Stelle ist Ende dieser Woche zu erwarten. Eine der' wichtigsten Aufgaben, die der neue Herr zu bearbeiten haben dürfte, wird die Beseitigung der Hochwassersgefahr der Lahn sein, die in den letzten Sahren einen immer bedrohlicheren Charakter angenommen hak. Die vielfachen Korrettureir am Wasserlauf der oberen Lahn und ihrer Rebenflüsse in der letzten Zeit haben erreicht, daß das Hochwasser in diesem Gebiet weit schneller als in früheren Zeiten abfließen kann. Hierdurch trifft es zeitlich noch mit dem höchsten Stand des Dillwassers zusammen und bildet so eine große Gefahr für öie bes ä!^ tz'sK« WÄfcS °er j*( JW worben J3un^'m«n fc-ft ^°h- ft" h" «SWM« 1 Möglichfei, S?,tn b?1 ^Äun'JItaubc! ^vforberlirf) ? c,nes den, 3am™7 ^worben, httnb bie S®TPr h. Ultb ÜOOiirA« DOn IQ't5VlXrgWr W. 4mA ^°ldes '*9 ~\ ,Tn et°° 1 Anlileicherarb errichtete 'ut do; p'chcircöe j» chPtüchng J. turJ(|d) aus. sat n $0"i ÖpÄfi'ÄJt # wpjrt hat, noch I -hres enbqflitig für dieF°g, J "' 3er Stabtvvchonb Ist Wburg. J- 2unl die hin bt Lau Schwebe!, die Elk», toirö. ihre ftin, ’n«&LanlSU- Rtö ■"9 Offnen. Man fand dort er von zwei bis fünf Jahren rnachlässigt und vor tet vor: sie wühlen in da- t werden. Die.Mutter" vw Spazierengehen und hat die des Wvh'.'ahrtsaintes, die lkimmt find, für ftch M euhen. it für MemkMer- hietzen. je Mnister für AchenM, mg hat bestimmt, baß in Zu- rlröume an Tinzelpersonen, >e für ben Kletnkaliber. mehr hergegrben wer» i Wetzlar. Ium. Mr wir Horen, fand chiöffeniiicheSihuna rdneten statt, in der sich n bie der neue Herr zu be- te wird die Beseitigung rsgesahr der Lahn sem. Jahren einen Wt W angenommen fot am Wasserlauf der °bem -benfWe in der letzten Zest i das Hochwasser w dieftw r X inWten Men atz ZW ®reIfl^e'eni®Ä nrÄ^* en. _?r gartennwue ■. mod)ic. &M******* ß5Ä**** .[Xiofjtii nahm ilrf Vannt * baß 'sy „ . -, DKss 'S W"i{ Gespensi^Sandberg ■tt« »,efiSunbe "Ä #*» ir eine CgjJfi hat » !, MS Manien^ und Ott „Sie k' MW** inrn1^' fptgt.) «tW6* unteren Stadtteile und Vorstädte. Die Regulierung dürfte in erster Linie durch eine Tiefer- legung deS Flußbettes und durch bie Anbringung von betoe glichen Wehren an Stellt der jetzigen festen zu erreichen sein, die oberhalb und unterhalb der Stadl angebracht werden müssen. Dabei ist auch eine teilweise AerablegunH des Fluß lauf es nicht zu umgehen. Bei der Erbauung der Radelwehre wird auch die Errichtung eines städtischen Kraftwerkes möglich lein. Be> der Lösung der Aufgabe spielt die D e rle g u n g des unteren LaufesberDill eine große Rolle, weil nur mit dieser Verlegung eine wirkliche Eindämmung der Hochwas'ersgefahr erreicht werden tann. — An der evangelischen Volksschule sollen zwei weitere Stellen für Konrektoren eingerichtet werden, für die die Lehrer S ch ne i d c r und Balz in Vorschlag gebracht worden sind. Für die Schule am S ch i l l e r p l a 1) ist eine neue Rektor st elle beantragt worden. Der evangelischen Gemeinde wurde bekanntlich seitens derRhein- prvvinz ein Zuschuß von 6000 Mark zu den Renovierungskosten für die untere Stadtkirche bewilligt. 3n einer Besprechung der Kirchenvertretung mit Mitgliedern der preußischen Regierung zu Koblenz ist nunmehr vereinbart worden, daß mit diesen Mitteln die vollkommen zerfallenen Fenster und der äußere Verputz erneuert werden sollen. Damit dürste den vielen Klagen über den trostlosen Anblick, den die Kirche jetzt äußerlich bietet, abgeholfen sein. Wie^wir hören, will nunmehr auch die Stadtverwaltung die sogen. FranziSkaner- schule. die mit der Kirche baulich zusammenhängt, in ihrem Aeußeren erneuern lassen, so daß auch hier eine wesentliche Verbesserung des Strahenbildes erreicht würde. Leider sind die Finanzen der Ktrchengemeinde zur Zeit so schlecht, daß an einen inneren Ausbau der Kirche auf absehbare Zeit nicht gedacht werden kann. V Wetzlar. 16.Juni. Das Waldfest des Svang. Bundes, das am Sonntag ursprünglich im Finsterloh stattfinden sollte, fand infolge deS schlechten Wetters einen Ersatz in zwer Evang. Dunbesfeiern, die amSonn- tagnachmittag und -abend im „Schützengarten" stattfanden. Stimmungsvolle Chöre und gemeinsam gesüNgene Lieder verliehen den Feiern eine besondere Rote, die durch bie Rebe deS Pfarrers Haupt noch eindringlicher wurde. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stand die Aufführung des Schauspiels „Andreas Hofer" von Felix Xenier. Die Hauptrollen des Hofer und des Rafft lagen in den Händen der Schauspieler B e ch st e t n und Bandis Die übrigen Rollen wurden durch jüngere Mitglieder des Evang. Bundes dargestellt. Tiefe Stille und gespannte Aufmerksamkeit zeugten von der Ergriffenheit der Zuschauer. Die sehr zahlreichen Besucher gingen mit dem Bewußtsein nach Hause, eine genußreiche, künstlerisch wertvolle Feierstunde verlebt zu haben. XX Kinzenbach, 16. Juni. Das 50- jährige Bestehen eines bewährten Vereins festlich zu begehen, hat wohl auch in einer Zeit wie der jetzigen, seine Berechtigung. Unser Dorf rüstet zur Jubelfeier des Gesangvereins „Eintracht" für den letzten Junisonntag. Richt in Gestalt eines Gesangwettstreites, sondern durch ein altgewohntes Volksfest, an dem sich die ganze Gemeinde beteiligt, will man diesen Tag würdig begehen. Eingeleitct am Morgen durch eine Ehrung für die Gefallenen an der Kirche, gilt es am Rachmittag vor allem die noch lebenden Gründer des Vereins zu ehren. Insgesamt 20 auswärtige Ga st vereine werden durch ihre Chöre erfreuen. Der rührige Dirigent wird mit einem Massenchor hervortreten, der aus 3 Vereinen gebildet ist. Die Festmusik wird von der Kapelle Topp gestellt. Der Festplah ist am Dorfeingang gewählt und bietet eine herrliche Fernsicht in das breite Lahntal. Kraftsolms, 16. Juni. Die Postverwaltung hat auf mehrfache Anregung aus den Kreisen der beteiligten. Gemeinden zugesagt, daß am 1. Juli in Kraftsolms eine Postagentur errichtet wird. Der neuen Postageniur werden auch mehrere Orte zur Bestellung zugeteilt, wie Kröffelbach, Niederquembach, Neukirchen und einige Gehöfte. Oberlahnkrcis. * Weilburg, 16. Juni. Hier wurden vier Fürsorgezöglinge. die aus der Erziehungsanstalt Herborn ausgerückt waren, von der Polizei auf gegriffen und in die Anstalt zur besseren Verwahrung zurücktransportiert. — Eine Schlä - g_e r e i unterZigeunern, die am Hastelbacher Stock stattfand, wird ein gerichtliches Nachspiel haben. Mehrere der Beteiligten wurden verhaftet und dem Gericht zugeführt. Unter den Festgenommenen befindet sich auch ein Zigeuner, der vor einigen Tagen in Aumenau mehrere junge Leute angefallen hatte. Kreis Biedenkopf. Aus dem Kreise Biedenkopf, 16.6. Aus den Gemeinden des südlichen Teils des Kreises Diederrkopf kommt die Rachricht. daß es nun gelungen ist, eine Einigung der Postverwaltung mit den interessierten Gemeinden wegen der neuen Autopostlinie Wehla r—R a un- heim — Waldgirmes — H of Haina — Rodheim a. d. Bieber zu erzielen. In Rodheim erhält die neue Linie Anschluß nach Gladenbach und Biedenkopf. Die Eröffnung dürfte im Laufe der nächsten Wochen zu erwarten sein. Besonders die Orte Raunheim und Waldgirmes begrüßen die Eröffnung bpr neuen Linie auf das freudigste. Tberwefterwaldkreis. WSN. Hachenburg, 16.Juni. In der Nähe von Hillscheid wurde gestern von einem unbekannten Täter auf die Frau eines Müllers ein Raubüberfall verübt. Nachdem er die Frau ausgeplündert hatte, brachte er ihr noch zahllose M e s s e r st i ch e bei. Ob auch ein Silk- lichkeitsverbrechen verübt wurde, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Frau fiegt lebensgefährlich verletzt darnieder. A Höhn, 16. Juni. Das > Wohlfahrtsamt hat damit begonnen, amStauweiherderUeber- landzentrale eine Badeanstalt zu eröffnen. Die Arbeiten sind in vollem Gange. Im In- Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen nsw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". ; Problem Nr. ««. Don Carlo Saldivli. Schwarz. ab c ti e J e h a b c d e r g h Weiß. Weiß zieht und seht in drei Zügen matt. Weiß: 4 Steine Kh6; Da8; Lhl; Bä2. Schwarz: 2 Steine Kh2; BH3! Eine lehrreiche Aufgabe. Partie Nr. 30. Die nachfolgende Partie wurde im Moskauer Schachturnier gespielt. Sicilianisch. Weiß: Marshall. Schwarz: Werllnskh. 1. e2-e4 1. c7-c5 2. b.2-b4 Dieser Zug, welcher in den letzten Turniexen in der Sicilianischen Eröffnung verschiedentlich angewandt wurde, ergibt nach Annähme des Rachziehenden, wie in jtzdern Gambit, ein gewagtes Spiel. 2..... 2. c5xb4 3. 12 —a3 3. e7—ep Ob hier 3.....b4Xa3 nebst d7-dö und g7-g6, oder 3.....d7-d5, oder die gewählte Fortsetzung von Schwarz die Richtige ist, läßt sich schwer ent- scheinen. Jedenfalls erhält Weih immer starken Angriff. 4. a3xb4 4. Lf8xb4 5. c2-c3 5. Lb4-c5 Weitaus vorsichtiger war 5 . ..., Lb4-e7 6. Sgl -f3 6. SbS-c6 7. Lf 1 — c4 7. d7-d6 7 Sf6 nebst sofortiger Rochade' war vvrzu- ziehen- 8. 62-64 8. 85x64 9. C3X64 9. Lc5-b6 9 . . . ., Lb4+ nebst lo . ..., a5 kam hier in Betracht: doch dürfte Wertinskys Spielweise auch nicht zu verwerfen sein. 10. 0-0 10. Lc8-g4 10......Sf6 würde jetzt 11. La3 zur Folge haben 11. Ddl-b3 11. Lg4xf3 12. Lc4xf7 + 12. Ke8-f8 13. Lt7xgS 13. Th8xg8 Auf 13..., Lh5. was Wertinsky nach Beendigung der Partie als Bestes erklärte, entscheidet die Fortsetzung 14. 065! 14. Db3xf3+ 14. 068-to 15. Df3-h5! 15. Sc6x64 Aus 15....., L64: würde, lb. Ta3! folgen 16. Lei -a3! 16. T18 - e8 Wegen der Drohung 17. e4 - e5! 17. Sbl-c3 17. Te8-e5 18. Dh5-h3 19. Dh3-d3! 20. Tal-bl 18. Vlb-e6 19. g7-g5 20. Lb6-c5 21. La3xc5 21. d6xc5 22. f2-f4 22. g5xf4 23. Tflxf4 + Marshall hat den Angriff glänzend geführt: die schwarze Partie bricht nun raich in sich zusammen. 23..... 24. Tblxb7 - 25. Tf4-f7 26. e4-e5 27. bd3-e4 23. Kf8-g7 24. Kg7-H8 25. Te5-h5 26. Sd4-f5 27. a7-a5 Schwarz ist verloren, was er auch ziehen! mag. 28. Sc3-d5 28. Tg8-d8 29. Tf7-iF6 29. De6-c8 Hier überschritt Schwarz die -Seil und verlor somit dke Partie: übrigens Hal der Rachziehende gegen die Fortsetzung 30 Tc7 keinen guten Zug mehr. 29..... 065 geht natürlich nicht an, wegen 30. 065 , T65. 31. 1 f8 matt. Losung des Problems Rr. 64. Don O. Remo. 1. Kc3-d2! nebst leichten Mattvarianten. Richtige Lösungen zum Problem Rr 64 sandten ein die Herren: Lehrer Breidecker, G. Götz, Oberreallehrer Klippel, Pros W. von- hier. Die von vielen Lösern eingesandte Lösung 1. La3—c5 scheitert an 1..., d7xe6. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redaktionstisch. Mißverständnis. Er kam nad) Hause und fand sie, wie sie an einem winzigen Kleidungsstück nähte. Ein Gedanke durchfuhr ihn. Er bückte sich zu seiner Frau nieder und tief in zaghafter Freude: „Ist es war, mein Liebling?" Sie sah ihn groß und verwundert an: „Rein, was du aber auch denkst! Das ist doch mein neues Abendkleid!" Archäologie. .. „Diese Ruinen sind über 2000 Jahre alt," erläuterte der Fremdenführer. „Das ist doch Blöd- sinn," sagte der Reisende entrüstet, „wir haben doch erst 1926 " Ausgeschlossen. Frau Herfs zeigt gern ihre schöne Bildergalerie. Reulich kommt Frau Adamson zu Besuch. „Denken Sie sich, sagt Frau Herfs. gestern fahre ich mit der 19 über den Königplah, wer springt auf? Der Rubens, der all unsere schönen Bilder gemalt Hai." — „Das ist ausgeschlossen", sagt Frau Adamson. „Was? Sie wollen nicht glauben, daß der Rubens aufgesprungen ist, als ich..." — „Das schon," sagt Frau Adamson, „aber die 19 fahrt nicht über den Köntgsplah." Flundern. „Sie kennen doch Frau Lochner, die am Markt- platz ihr Fischgeschäft hat?" — „Ja!" — „Run hören Sie: Die hat man gestern verhaftet wegen Betrugs. Sie hat Heringe durch die Wäscherolle gedreht und als Flundern verkauft!" Menschenkenner. Herr (zu seiner Rachbarin): „3a, man muh nur die Augen offen halten, gnädige Frau, dann hat man die Künste von Sherlock Holmes bald heraus. Sehen Sie z. D. den Herrn da unten an der Tafel. Ich erkenne mit einem Blick, daß er Junggeselle ist." Dame: „Irren Sie sich auch nicht?" Herr: „Ausgeschloffen! Sein Kragen ist oben eingebrochen und am Rock unten fehlt ein Knops. Wäre er verheiratet, würde seine Frau ihn nicht so umherlau- fen lasten " Dame. „Ich verbitte mir jede weitere Beleidigung! Der Herr ist mein Mann." »■■Mir ■ T1I-1WTWI IIIMIII1II I MIWIM tereffe der Volksgesundheit ist die'e Maßnahme sehr zu begrüßen, da in der weiteren Umgebung keine rechte Gelegenheit zum Freibad geboten ist. Streik üinibr.rß. WSN. Hadamar, 16. Juni. Heute nachmittag 3.38 Uhr entgleiste bei der Einfahrt des Personenzuges 3989 im Bahnhof Hadamar der vorderste Personenwagen in der Weiche 1. Er lief noch etwa Hunden Meter neben dem Gleis und fiel bann um. wobei der nachfolgende Wagen mit einer Achse ebenfalls entgleiste. ü n f Personen sind leicht verletzt. Beide Haupt- gleite sind gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Die Aufgleisung der Wagen ist zur Zeit noch nicht beendet. Neue Gedanken zum Wohnungsbau. Die Tagung des Deutschen Ausschusses für wirtschaftliches Bauen in Düsseldorf. Don Regierungsrat Dr. Die „Gcfoler' hatte den Deutschen Ausschuß für wirtschaftliches Bauen zu seiner diesjährigen Tagung nach Dnsseldon geführt, lieber 400 Teilnehmer hatten sich in dem wundervollen Rhein- terrasfen-Restaurant, dem der architeitonische Leiter der Gesvlei, Professor Dr. K e i s, den Stempel seiner starken Künstlerperfönlichkeit aufgedrückt bat, zum Begrüßungsabend der Stadt Düsseldorf züfammengefunden. Unter den etwas reichlich bemessenen acht Vorträgen traten am meisten hervor der Cin- leitungsvortrag des Direktors der Deutschen Wohnstättenbank, Oberregierungsrat Dr. Kämper. Berlin, über „Geldbeschafsung für den Wohnungsbau und Baugeld- ko st en", der erst nachträglich eingeschobene Vortrag von D'.reftor Wagner, Eorau, „Wirt- schaftlick', es Bauen und Wohnungsbau g e s e h" und die beiden Dortrage Uber „Amerikanischen Wohnußgsbau" von Stadtbaurat M a y - Frankfurt a. M. und dem Chefredakteur der „Bauwelt", Architekt Paulsen. Berlin. Von dem Gedanken ausgehend, daß die Technik sich mit zwingender Rotwendigkeit auf die heutige allgemeine Finanz- und Wirtschaftslage einstellen muh, zog Oberregierungsrat Kämper einen sehr lehrreichen Vergleich zwischen der Jmmobliarkreditanlage der Vorkriegszeit und der Gegenwart. Der für den städtischen Bgumarkt gewährte erststellige Kredit wird bis 1912 auf 24 Millionen Mark eingeschäht, jedoch find in dieser Summe 88 Millionen Mark enthalten, von denen man annehmen darf, daß sie für zweite Hypotheken gegeben, wurden. Dazu traten aus Mitteln des Reichs und der Länder noch 271 Millionen Mark, während der Rest vom Sparpublikum herrührt. Die jährliche Vermehrung des Hypochekenkredits beträgt nach Dr. Schwartz für den Durchschnitt der Jahre 1901 bis 1904 rund 1 200 000 000 Mark. Danach erscheint bie von Eberstadt auf 26 950 000 000 Mk. angenommene Summe des Vorkriegsimmobiliarkredits der ersten Stelle wohl gerechtfertigt. Durchschnittlich ging die erststellige Beleihung bis 60 Proz., die zweitstellige bis 75 Proz. des Grundstückswerts. Die Gesamt-' belastung des Grund und Bodens im Deutschen Reich kann unter Abzug der nicht mehr valu- tierten Hypotheken für 1914 auf etwa 59 Milliarden Mark geschäht werden. Rimmt man an, daß diese Belastung 75 Proz. des gesamten Jmnrv- biliarwerts beträgt, so kommt man auf einen gesamten Jmmobiliarwert von 73,75 Milliarden Mark, von denen ein Drittel auf die Landwirtschaft entfällt. Demnach betragt der Anteil der ersten Hypotheken am städtischen Jmmobiliarwert 30, der der zweiten 7,5 Milliarden Mark. Durch öffentliche und private Hypothekeninstitute sind rund 66 Proz. des Kapitalbedarfs am städtischen Wohnungsmartt aufgebracht worden. Durch Inflation und „Aufwertungs"gesehgebung ist von dieser Belastung der größte Teil gestrichen worden. Für das Jahr 1925 lassen sich nur schätzungsweise Angaben über das Auskommen des Realkredits machen. Folgende Summen sind etwa für den Wohnungsbau aufgebracht worden: Dom Reich und den Ländern 500 Mill. Am. Don den privaten Hypothekenbanken 100 Mill. Rm. Reichs- und Landesoersichc- rungsanstalten. ofsenttiche Sparkassen 100 Miss. Rm. Zusammen also: 700 Mill. Rm. Hierzu käme eine geringe Summe für Privatkredite. Der Anteil der verschiedenen Krebit- quellen hat sich also gegen die Vorkriegszeit sehr geändert. Das Rückgrat der Finanzierung der Reubautätigkeit bildet nach Ansicht des Vortragenden noch für geraume Zeit die Sonder st euer lMietzinssteuer). Die erforderlichen Mittel, um den Bedarf an neuen Wohnungen zu decken, errechnete derRedner wie folgt: In der Vorkriegszeit nahm man jährlich 240 000 neue Wohnungen an, für die 1 440 000 000 Mk. aufzubringen waren. Heute besteht ein Rvtbedarf von 600 000 Wohnungen, für die ein Betrag von 6 Milliarden Mark nötig toure, ohne den jährlichen Mehrbedarf von etwa 150—200 000 Wohnungen. Aus den bis jetzt er- schlossenen Quellen wird man nach Auffassung des Redners Eagm mehr als 100 000 Wohnungen bauen können, so daß wir in jedes neue Baujahr mit einem Fehlbetrag von 600 000 Wohnungen eintreten. Die deutsche Technik habe daher allen Grund, so rationell wie nur irgend möglich zu arbeiten, um mit den vorhandenen Mitteln möglichst viel zu erreichen. Direttor S o h r a u knüpfte an die Ergebnisse des Vorredners an und legte in überzeugender Weise die Rotwendigkeit eines weitsichtigen Bauprogramms auf Grund eines zu schaffenden deutschen Wohnungsbau- g e s e h e s dar. Verfasser dieser Zeilen erläuterte in der Aussprache die Möglichkeiten vermehrter Kapitalbildung durch das Zwecksparen für den Wohnungsbau und fand für die Darlegung der hierfür von den heffifchen öffentlichen Sparkassen geschaffenen Organisation gutes Interesse. Hatten die beiden erwähnten Redner die Technik auf den Plan gerufen, deren Aufgabe es sei, mit den gegebenen Mitteln möglichst viel für den Wohnungsbau zu erreichen, so gaben die Vorträge der beiden hervorragenden Sachkenner, die aus eignet Anschauung über den amerikanischen Wohnungsbau sprachen, hierzu R i n d f u ß. Friedberg. lehr wertvolle Anregungen. WährendStadtbaurat May an Hand interessanter Lichtbilder wesentlich vom architektonischen Standpunkt sprach tind dabei die Foststellm.g Machte, daß die chaotischen baulichen Zustände des seitherigen bunten Stilctemifches in Amerika neuen, durch Bauzonenplane geordneten, horizontal wie vertikal gezügelten Bauzonenplänen Platz machten, zog Architett Paulsen in klarer, überzeugender Weife hochintereffante Vergleiche zwischen amerikanischem und deutschem Bauwesen in wirtschaftlicher Beziehung Er hat die überraschende Beobachtung gemacht, daß der Kubikmeter umbauten Raumes in Amerika achtmal soviel kostet als- eine Maurerstunde, bei Uns dagegen 24 mal. wohl auch 32 mal so viel. Das heißt, in Lohnstunden berechnet, baut der Deutsche b r c i- b i s viermal so teuer to ie der Amerikaner. Zum Teil liegt das an der leichteren Bauweise, die drüben für bescheidene und mittlere Wohnhäuser Üblich ist. Wesentlich sind die viel geringeren Llnkosten der Leitung. Sie sind möglich, weil der Amerikaner aüs den Schein- Individualismus in den Ansprüchen offen verzichtet und in Typenhäusern wohnt, die nach vorrätig gehaltenen Zeichnungen errichtet und als Massen erzeugnis nach den sonst üblichen Arbeitsweisen für Massenerzeugnisse her- gestellt werden. Die Dauer dteser Häuser wird allerdings nur auf 40 bis 50 Jahre berechnet. Bei hohen Zinsen kann das lehr wohl wesentlich billiger fein als ein nur wenig teuereres, theoretisch unendlich dauerndes Haus. Obwohl das billige amerikanische Haus in etwa zehn Jahren schuldenfrei sein muß, ist der Auiwand in Hundertieilen des durchschnittlichen Arbeiter-Ein- wmmenS nur etwa 13,4, also 'ebr viel geringer als bei unS. Der Grund liegt darin, daß das Anwesen nur etwa doppelt -o teuer ist wie da^ Jahreseinkommen des Bewohners beträgt, was wieder daher kommt, daß der Kubikmeter nur so viel kostet wie acht Lohnstunden So anregend nun doch amerikanische Eigenarten sind, so sehr ist doch vor Rachahmnng der E in z ei- heilen zu warnen. Die Bausrage ist nicht lediglich eine technische, nicht einmal nur eine technisch-wirtschaftliche, sondern eine innerpolitische. d h. soziale. Unter diesem Gesichtspunkt sind nach Ansicht deS Redners eine Reihe jetzt, häufig gestellter Baufragen unlösbar, wo z. B. aus der Mitberücksichttgung der Ansprüche an Verkehrsmittel Wirtschaft lick, unhaltbare Zustände entstehen, lieber den technischen Gesichtspunkten des Wohnwesens darf die Möglichkeit ausreichender LebenSbedingüngen nicht vernachlässigt werden. Unter Beachtung dieser Gesichtspunkte ist die Wohnungsfrage keineswegs gelöst, wenn die heute fehlenden OBobnungcn einmal erstellt sind, vielmehr muffen außerdem noch die andern Bedürfnisse befriedigt werden: es müssen Lebenswerte zur Verfügung stehen, die die Großstadt nur der ganz dünnen Oberschicht bieten kann. Schon heute ergibt das teure Bauen und Wohnen in der Großstadt Löhne, die unsere Ausfuhr auf einige höchstwertige Waren beschranten. soweit wir nicht Konjunttion ausnuyen. von der Substanz leben, die Lebenshaltung verkümmern, die Ausbildung des Rachwuchses unterlassen oder sonst kurzsichtig Wirtschasten. Weitestgeh.-udc Ver- biltigüng durch Rvrmung und Typisierung, durch Vereinfachung des Arbeitsvorganges ist daher die Fordening der Stunde für alle die, die ö:c Zeichen der Zeit richtig verstehen. Medalia mimiiiimiiiiiimniiiiimmiiiiiii Strumpf mmiiiiimiiiiiiiiiiiitiiiiinimiiiii 095 Q Modehaus Medalia Shumpf o Modehaus , - BIG DJ 0 11 extra prima, fe’eidenflor, extra starker üaiomonrf= des Paar w tu r «ha.- v» • Jedes Paar Jede Oröße extra prima, beidennor, extra starker 4fach. Hand. Ueber 50 moderne Farben! Jedes Paar Jedes Paar 5148a Medalia iimmiiiHHimiimiimmiiiiiiHim Strumpf iimiimniiimiiiiiimmiiiimmim Damit Kauft in Giessen! 73,62 119.5* 115,2* 55 94* i 94,12 1194,5* 1 82 194,9' ft 111 Dr. H. t sehen. 36 l 124,5 F 139,9 Verantwortlich für Politik i. V. Dr. Hans Thyriot. ‘-Seifix' Man verlange ausdrücklich 4317D IGiessener Brauhaus-Pilsl 99,75 70,5 136,25 123,5* 68,75 66,5 bis bis bis 133,5' 131,7 IM f ßmoti 120,5* 117.5 no« für für bis in« -Ä 1': 124.5* 133* 134 75 140.5 136* 132* für das Baumuseum unfertigen lassen, fand die Tagung ihr Ende. .F ;136,6' 1131,4' 70,5 31,5 138,6* 59,75 wird Jhre Wäsche blendend weiß und Jhnen viel Ckger und Verdruß erspart 138 58 68 beschmutzen Jhre Wäsdie, sobald sie im Freien bleicht. Durch viertelstündiges Kochen mit dem vollkommen unschädlichen Bleichmittel U- - 116,9 l 74 ! 57,75 69,5 71 198,2* 82 91 129" 136* । 133' ' 142,25 38 \ 53,5 1 ändert. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17. Juni. Es wurden | ihren Schulen für die Daumuseumssache wirken und besonders Aufnahmen und Modelle alter Bauern- und Bürgerhäuser, Wind- und Wassermühlen usw. aus der Heimat der Schüler 124,6* 120,7* 114,5* 159,9* 68.5 65,75 frankfurter Börse. Frankfurt, 16. Juni. Tendenz schwächer. An der Franienbörse ist heute nach der letzttägi-- gen stürmischen Aufwärtsbewegung der Kurse ein Rückschlag eingerreten, für den sich übrigens bereits im gestrigen Abendverkehr Anzeichen bemerkbar gemacht haben. Unter dem Drucke der Befürchtungen über die Entwickelung der außenpolitischen Lage und im Hinblick auf die scharfe Berurteilung des spekulativen Treibens, die in dem Wochenbericht der Deutschen Dank zum Ausdruck kommt, war die Unternehmungslust der Spekulation stark zurückgedrängt worden. Dadurch einge- schuchtert, schritt die Spekulation zu Glattstellungen auf den Hauptmärkten, besonders in den schweren Werten, die empfindliche Einbußen erlit- geringerc Mast- und gute Saugkälber 48 bis Mark: geringe Saugkälber 40 bis 45 Mk. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 51 Mk.: geringere Masthämmel und Schafe 36 44 Mk. — Schweine: vollfleischitze von 80 Frankfurter Lchlachtvrehmarkt. Frankfurt n. M., 17. Juni. Auftrieb: 6 Kühe, 859 Kälber, 183 Schafe, 281 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: feinste Mastkälber 65 bis 70 Mk.: mittlere Mast- und beste Saugkälber 56 bis 64 Mk.: D a u a k t i e n waren geilt* I 72,75 59,5* ■ 115* 127,5* ' 133* 135.5* 141.5 I 39,62 '94,75' I »21* innerte sich die Börse daran, daß der kritische 20. Juni immer näher rückt, und ferner läßt der Name Poincare. der im Zusammenhang mit der Neubildung des französischen Kabinetts genannt wird, Befürchtungen wegen außenpolitischer Schwierigkeiten aufkommen. Die Deutsche Bank meist in ihrem Wochenbericht auf die starke Zunahme der T e r m i n s p e k u l a t i o n hin und veranlaßt die Spekulation, sich darauf zu besinnen, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen können. Am Montanmarkt waren Einbußen bis zu 5 Prozent zu verzeichnen. Auch E l e k tro- werte gaben 3 bis 4 Prozent nach. Am Schifffahrtsmarkte konnten Hapag etwas anziehen. Auch in einzelnen anderen Werten fetzten sich im Gegensatz zu der allgemeinen Tendenz Besserungen durch. Dies gilt vor allem für Kaliwerte, die etwas fester veranlagt waren. Am Banken- markt hatten Berliner Handel einen Kursgewinn von 1 Prozent aufzuweisen, während Darmstädter eine erhebliche Einbuße von 3 Prozent erlitten. Deutsche Anleihen lagen sehr still. Lateinische Valuten waren weiterhin leicht gebessert. Pari;, gegen London 170, Brüssel gegen London 166,50. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert leicht. Tagesgeld 3,5 bis 5 Prozent. Börsenkurse. * D i e R o g g e n an l ei h e des hessischen Staates. Amtlich wird in Darmstadt bekanntgegeben: Der Durchschnittspreis der amtlichen Rotierungen für den Zentner Roggen an der Frankfurter Produktenbörse im Mai 1926 ist nach der Bekanntmachung vom 12. Dezember 1923. die Ausnahme einer Roggenanleihe des Bolksstaates Hessen (Reihe OL) betreffend, An- lerhebedingung 3, durch die Hessische Landwirtschaftskammer in Darmstadt auf 9,70 Mk. fest- gestellt worden. Demgemäß berechnet sich der am 1. Juli 1926 fällige Jahreszins nach Abzug der Kapitalertragssteuer (Cinlösungsbetrag) für je einen Zentner Roggen auf 0,44 Mk. * Der Postscheckverkehr im M a i. Rach amtlichen Angaben belief sich die Zahl der Postscheckkonten im Deutschen Reich Ende Mai auf 871 701 gegenüber 869 259 Ende April. Es ergibt sich demnach für den Monat Mai ein Zugang von 2442 Konten. Auf den Konten sind im Mai 30 271 000 Gutschriften über 4 523 669 000 Mk. ,unb 16 819 000 Lastschriften über 4 539 196 000 Mark ausgeführt worden. Insgesamt sind also 47 090 000 Buchungen über 9 062 865 000 Mk. vorgenommen worden. Bon letzterem Betrag sind bargeldlos beglichen 7 132 167 000 Mk. * Daimler Motorengesellschaft, U n- tertürkheim. Die Daimler Motorengesellschaft hat, um sich vorn Automobilgeschäft möglichst unabhängig zu machen, den Bau von Flugzeugmotoren konstruktiv wieder ausgenommen. Im Verfolg dieses Gedankens hat die Daimler Gesellschaft an die Bayrischen Motorenwerke A.-G. in München (Ga- ftiglioni) durch Erwerbung eines Aktienpostens Interesse genommen. * Benz & Cie., Rheinische Automobil» und Motorenfabrik A.-G., Mannheim. In der sehr wenig auskunftsreichen Gewinnrechnung für 1925 weist die Gesellschaft einschließlich Vortrag und nach Abzug aller Geschäftsunkosten einen Bruttogewinn von 1208 089 Rm. (1 321 196 Rm.) aus. Für Abschreibungen wurden wiederum 1 072 137 Rm. (1072 266 Rm.) verwendet, so daß ein Reingewinn von 135 952 Rm. (248 930 Rm.) verbleibt, der vorgetragen werden soll. Das laufende Geschäftsjahr habe eine bemerkenswerte Belebung gebracht. Ein großer Teil der Werkstätten befinde sich wieder im Dollbetrieb, wenn auch die maximale Erzeugungsmöglichkeit der Anlagen noch nicht erreicht sei. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. TL Telegraphische Auszahlung. 122,2* 121 65 ; 136* ; 132.6' | 46,5 । 109 70 I ten. Am Montanmarkt wurden Gelsenkirchen 3,6Proz., Riebeck-Montan3,5Proz. Harpener 4 Proz., Mannesmann 3, Rheinstahl 1,5 und Phönix 1 Proz. niedriger. I. G. -Farben- i n d u st r i e schwächten sich um 2.5 Proz. ab. Holzverkohlung minus 1,5, Scheideanstalt minus 1,5 Prozent. Von Clektrowert^n büßten AEG. 3 Proz. ein. Am Markte der O e l w e r t e konnten sich Rütgerswerke behaupten, während Deutschs Erdöl 3 Proz. nachgeben mußten. Am Banken- markt war die Stimmung ebenfalls schwächer. Deutsche minus 2. Darmstädter minus 1, Reichsbank minus 1 Proz. Schiffahrtsaktien, die bisher vernachlässigt und im Kurse zurückgeblieben waren, hatten heute stärkeres Geschäft. Hapag konnten um 4 Proz .anziehen. Auto- aktien gingen ebenfalls in die Höhe. Kleyer plus 1,25 Proz., Daimler plus 1 Proz. Zell- 16; 85 124 ! 70,25 | 30,25 ' . 3,12 138,5 I 58,75 69,25 ! 116,7* 73,62 59* 118' 128' 135' 132,62 140,5' 37,25 55* 93,75* 121' 118,5 ft 0 f f = und halten. Zuckeraktien schlossen sich der Abwärtsbewegung an. Badische minus 1.25 Prozent. Frankenthal minus 1 Prozent. Deutsche Renten waren fast unverändert. Holzverkohlung....... Rütgerswerke Scheldeanstalt Allg. Elektrtzttäts-Gesellscha! Bergmann . . ..... Mainkraftwerke . Schuckcrt....... . ,. . Siemens & Halske . . . . . Adlcrwerke Kleyer . . . . . Daimler Motoren. . .. . . Heyligenstoedt...... . Meguiu............ Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . Konservenfabrik Braun . . Metallgeselli^ast Frankfurt Schuhfabrik Her; . Sichel Mstofs Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . Zuckerfabrik Waghäusel . . 123* 118* 112,2* 156* 69 I 67 Wirtschaft. Die Regierungshilfe für unseren heimischen Bergbau. Die für den Bergbau des Sieg-, Lahn-, Dill- und Vogelsberggebiets vorgesehenen Subventionen belaufen sich auf zwei Millionen Reichsmark und sind vorläufig auf sechs Monate geplant. Die Hilfeleistung besteht in einer Zahlung von 2 Reichsmark pro Tonne des abgesetzten Erzes und erfolgt durch die preußischen, für das Vogelsberggebiet durch die hessischen Behörden. Das Reich beteiligt sich zunächst mit den von ihm zur Verfügung gestellten begrenzten Mitteln zur Hälfte. Es besteht die Hoffnung, nach sechs Monaten die Zahlungen bereits wieder einstellen und die geldliche Beihilfe durch Entgegenkommen der Reichsbahn in frachtlicher Hinsicht ersetzen zu können. Die Subventionen lösen alle früheren Vergünstigungen ab. llr. B sS 5^ 2 Wichs'^ sgs »Ä! >”9hmVetii ®|eh,nioVn - e versag 3Urutf!" SÄ-; * $0lg, Kr !ie fehlte LH:,- 198,2* I 80,75 60 90,25 136,5 125* 97,5 115,5* 163 67,5 65.5 23 36 gen, inländischer, 21,50 bis 22; Sommergerste gen, inländischer, 21,50 bis 22; Sommergerste Brauzwecke 22 bis 24; Hafer, inländischer, 21 23; Mais, gelb, 17,50 bis 17,75; Weizenmehl, ländisches (Spezial 0), 42.75 bis 43,25; Roggenmehl 29 bis 30; Weizenkleie 9 bis 9,25; Roggenkleie 11 Mark. Tendenz: fest. Tagung des Deutschen Bauschuibundes. WER. Idstein, 16. Juni. Der Deut- sche Bauschulbund hielt in dem altnassauischen Residenzstädtchen Idstein unter starker Beteiligung aus allen Teilen des Reiches seine erste Dundestagung ab. Dem vom Bundesvor- sihenden Oberingenieur Koch (Darmstadt) erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Entwickelung des Deutschen Bauschulbundes im ersten Jahre seines Bestehens außerordentliche Fortschritte gemacht hat. Insgesamt haben sich bereits 25 000 ehemalige Bauschüler dem Bunde angeschlossen. Die von der Dundesleitung aufgestellten Richtlinien wurden einstimmig angenommen, ebenso eine Entschließung auf Reform des Dauschulwesens. Der Vorsitzende Koch entwickelte dann die Ziele des Deutschen Bauschuibundes, die folgendermaßen zusammenzufassen sind: Vertretung gemeinsamer Standesinteressen, Erweiterung und Vertiefung der wissenschaftlichen Bildung, einheitlicher Ausbau der deutschen Bauschulen. Die Bauschulen sollten nicht nur reine Fachschulen, sondern Bildungsstätten des Volksbaumeisters sein. Er schloß mit der Mahnung, gemeinsame Arbeit zu leisten und füreinander einzustehen, nicht nur mit Rat, sondern auch mit der Lat. Bauinspektor H o f (Frankfurt a. M.) besprach dann ausführlich die Richtlinien bezüglich der Vereinheitlichung der deutschen Bauschulen, in denen u. a. gefordert wird: Aufbau auf einheitlicher Grundlage, Bezeichnung „Höhere Bauschule", Aufnahme nur solcher Schüler, die Obersekundareife haben, 17 Jahre alt sind und eine mindestens zweijährige praktische Ausbildungszeit, davon nicht weniger als 18 Monate im Baugewerbe, genossen haben, insgesamt 21/2- jähriger Schulbesuch, und zwar für Hoch- und Tiefbau. Das Bestehen der Abschlußprüfung soll zur Ablegung der staatlichen Baumeisterprüfung berechtigen. Oberingenieur Winkes (Mainz) gab dann eine eingehende Darstellung der Bestrebungen des Deutschen Bauschulbundes hinsichtlich des äleberganges derBauschul» abfolventenzu den technischen Hoch» schulen. Im Anschluß an einen Vortrag von Prof. Schütte (Hildesheim) über das niedersächsische Baumuseum wurde eine Entschließung angenommen, in der der Vorstand beauftragt wird, in Anbetracht der Würdigkeit, Rotwendigkeit und Rühlichkeit eines Deutschen Baumuseums an die Ministerien der Länder mit dem Ersuchen heranzutreten, die Leiter der technischen Fachschulen anzuregen, daß sie in Da« über die London, 1 Minister beftri; hausdieRicht l sei direkt c sam worden, ini "vn der engli U51XX) und 25 00 Ar die Deutsch Kä.-s Morden. Aach dem 91c "andon 17 Mr aber re SÄ'* Moskauer s b$e‘ SÄS Der Saatenstand im Kreise Schotten. Durch das warme Frühjahrswetter begünstigt, hatte das Wachstum in diesem Jahre sehr früh eingesetzt. Mit der Frühjahrsbestellung war im oberen Riddatale schon Mitte März begonnen worden, also gut 14 Tage früher als im Vorjahre. Südlich von Schotten war Ende April die Feldbestellung soweit fortgeschritten, daß Hafer und Gerste völlig ausgestellt waren; auch frühe Kartoffeln waren schon ausgelegt. Im vergangenen Jahre waren diese Arbeiten erst Anfang Mai beendet. Auch die Blüte der Obstbäume war entsprechend früher gewesen. Allgemein hatte der Landwirt mit einer frühen Ernte gerechnet. Doch das regnerische Wetter im Monat Mai und der starke Kälterückschlag Mitte des Monats hatte hemmend auf das Wachstum gewirkt. In den Gärten hatten Johannisbeeren und früh gepflanzte Kartoffeln, sowie frühblühende Apfelsorten unter der Frostwirkung gelitten. Aus den feuchteren Grundwiesen kamen die älntergräser nicht recht zur Entwicklung, während die höher gelegenen, trockeneren Wiesenflächen guten Ansatz aufweisen . Der Klee hat an den wenigen trockenen Frosttagen im Monat März stark gelitten, so daß zur Zeit nur wenig gute Kleefelder anzutreffen sind. In dem Sommergetreide tritt an Unkraut der Hederich stark auf, und zwar in einzelnen Gemarkungen des hohen Vogelsberges und in den Gemarkungen mit Lehmböden am Südrande desselben. Hafer und Gerste zeigen infolge zu starker Aussaat häufig einen zu dichten Stand. Begünstigt durch die starken Riederschläge und einseitige Stickstoffdüngung haben sie sich infolgedessen auf diesen Feldern gelagert. Besonders tritt dies in Erscheinung in den südlicheren Gemarkungen des Kreises, wo die Vegetation weiter vorangeschritten ist. An Weizen macht sich feit einiger Zeit, begünstigt durch das feuchtwarme Wetter, stärkeres Auftreten des Gelbrostes bemerkbar. Besonders start befallen werden die Dickkopfsorten (wie Strubes Dickkopf), während Panzerweizen geringeren Befall aufweist. In mehreren Gemarkungen treten seit Anfang Juni starke Schädigungen am Roggen auf. Diese werden hervorgerufen durch den Ge- treideblasenfuh, ein kleines schwarzbraunes Insekt, und dessen Larve, die in der oberen Blattscheide sitzen, die Blütchen der Aehre anstechen und aussaugen, so daß diese taub bleiben. Der Dlasenfuß schädigt die Aehre nur solange, als sie noch in der Blattscheide eingeschlossen ist. Durch das ungünstige Wetter wurde das Schossen und der Aehrenaustritt stark verzögert, so daß die Aehren längere Zeit der Einwirkung des Blasenfuhes ausgesetzt waren. Man findet deshalb Aehren, die bis zur Hälfte kahl sind. Im oberen Vogelsberg, wo der größte Teil der Runkelrüben aus Pflanzen gezogen wird, sind die Landwirte mit dem Sehen der Rübenpflanzen beschäftigt. Das Wetter hat bis jetzt, abgesehen von der Wachstumsverzögerung und der Begünstigung der pflanzlichen und tierischen Schädlinge, keine nennenswerten direkten Schädigungendes Saatenstandes zur Folge gehabt. Bei Eintritt von trockenem Wetter wird in den südlichen Gemarkungen des Kreises die Heuernte ein- Von ausländischen Renten wurden Türken reger umgeseht und konnten leicht anziehen. Der Freiverkehr neigte zum Rachgeben. Decker Stahl 21. Benz 67. Browst** Boveri 88, Entreprise 7.5, Growag 59,5, Ufa 38, Ufra 77,5 Prozent. Der weitere Verlauf blieb schwach, und das Geschäft nahm einen lustlosen Charakter an. Rur in einigen zu Cinheitskursen gehandelten Papieren kam es zu geringen Besserungen neben leichten Abschwächungen. Der Geldmarkt ist unverändert flüssig. Tegesgeld 3,5 bis 4 Prozent, Monatsgeld 5 bis 6,5 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,37 bis 4,5 Prozent. Industrie-Akzepte 4,87 Prozent. Im Devisenverkehr lagen die westlichen Frankenvaluten auf umfangreiche Interventionen hin behauptet. Paris gegen London 171,—, Brüssel gegen London 168,—. Mark und Pfund sind unver« 100 Kilogramm 78 bis 81 Mk.; unter 80 Kilogramm 72 bis 77 Mk.; von 100 bis 120 Kilogramm 75 bis 80 Mk.; von 120 bis 150 Kilogramm 77 bis 80 Mk.; Fettfchweine über 150 Kilogramm 75 bis 79. Mk.: unreine Sauen und geschnittene Eber 60 bis 70 Mk. Marktverlauf: Kälber und Schafe bei regem, und Schweine bei langsamem Handel ausverkauft. Berliner Produktenbörse. Berlin, 16. Juni. Rachdem vormittags noch im Verkehr von Bureau zu Bureau steigende Tendenz für Weizen und Roggen vorherrschte, stützten bei Beginn die festen Auslandpreise nur den inländischen Weizen. Roggen eher etwas schwächer, da man vielfache Klage über Regenschäden an der neuen Ernte bei dem jetzt eingetretenen Wetter nicht mehr voll anerkennt, vielmehr nur ein Verzögern aber nicht Verschlechterung erwartet. Diese Stimmung drückte sich besonders am Terminhandel aus. Hier waren nahe Sichten für Roggen leicht befestigt, während späterliegende Sichten bei ganz kleinen Abschlüssen ihren letzten Kursstand nicht voll behaupten konnten. Weizen unverändert. Von sonstigen heimischen Früchten ist Hafer ruhig geworden, aber immerhin preishaltend, ebenso Gerste. In Oelsaaten zeigen sich wenig veränderte Preise. Es notierten pro 1000 Kilo: Roggen (märk.) 130 bis 185; Sommergerste 189 bis 200; Gerste (inlänö.) 175 bis 188; Hafer (märk.) 195 bis 206; pro 100 Kilo: Weizenmehl 37,25 bis 39,5; Roggenmehl 25,75 bis 27,25; Weizenkleie 10; Roggenkleie 11,25 bis 11,40; Viktoriaerbsen 36 bis 46; kl. Speiseerbsen 29 bis 33; Futtererbsen 22 bis 27; Peluschken 23 bis 23; Ackerbohnen 24 bis 26,5; Wicken 32 bis 35; Lupinen (blau) 15 bis 17; dto. (gelb) 20 bis 22; Rapskuchen 13,5 bis 13,7; Leinkuchen 17,6 bis 17,8; Trockenschnihel 9,9 bis 10,3; Goya-Schrot 19,2 bis 19,3; Kartoffelflocken 21,5 bis 21,9 Mark. Berliner Börse. Berlin, 16. Juni. Nach den starken Kurssteigerungen der letzten Tage machte sich heute auf nahezu allen Märkten ein st a r k e s Realisationsbedürfnis bemerkbar, wobei namentlich die bisher favorisierten Werte sich erhebliche Kurseinbußen gefallen lassen mußten. Abge- sehen von den begreiflichen Gewinnmitnahmen er= Bochumer Gllh Buderus Caro ........... Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . , Kaliwerk Westeregeln Laurahütte......... Oberbedarf.......«... Phönir Bergbau . Rbeinitahl Riebeck Montan ..... TelluS Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Pake». . . Norddeutscher Llovd . ... Cd-ramische Werke Albtn . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mäher Alapin . . I. ®- Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Die em Ve Eine S(hc.’ London. ' arbeitet sch Al einem anderen ^ nannte ine tuJ eine offenkun innerenAng Er fragte, f* lennung oer mala tne * fei ö-e Lage Ar. als &ie der W daß viele Leute dc and einen Abo verlangen. Lord gierung erwidern positiven Inhalt allgemeinen über Lord Dalsr oierung wünsche Zweck der Geldse gebens Wunsch, Was jedoch die Deziehunger Keine Beziehung wenn man sie ha gen bringe deu Dringe er aber teile mit sich? Aach seiner Ansi sich gut entwicke Hoffnung, dah s matisch wie 1 in der Welt erst blick Vorsicht nationalen bis dies bewiesen Vorteil durch ei formellen Deziehl den forme, dafür, wie sie sind. L fvur in feiner Wei 8 S s SEI FI X Frankfurt a.M. Berlin Schluß- Kurs i-Ubr. Schluß. sAnfang Kur» f-ur» Datum: | 16. 6 | 17 6 16 6 17 6 5°/o Deutsche Rcichsanleihe 0.4025 0.405 0.40 0.400 4% Deutsche Rcichsanleihe . 0,385 0,38 B‘/a0/0 Deutsche Rcichsanleihe 0,37 — 0.38 0,375 3% Deutsche Rcichsanleihe Deutsche L-varpräuricnanleihe 4% Preußische Konsols 0 49 0,485 0,48 0.231 — 0,2325 0,37 — 0.375 0,375 4% Hessen ... 0,37 — 0,36 3’/»°/o Heffen........ 3% Hessen........... — — — — 0,36 97,5 Deutsche Wertb. Dollar-Aul. 95,75 — dto- Doll -Schatz-Anweilng.*) — — 4% Zollturken...... 13 13,225 13,1 _ 5% Goldmerikaner 50 50 49,25 — Berliner Handelsgesellschaft Commerz- and Pnvat-Bank 161,5 _ 163' 164.2* 111’ 111- 111* 111* Darmst. imd Nationalbank 149- 147,5* 148,7* 146’ Deutsche Dank....... 140* 137,7’ 138,5* 138' Deutsche Vereinsbank ... 84,5 — __ Disconto Coimnaudit 135* 135* 134,5* 134,2’ Metallbank.......... Mitteldeutsche Kreditbank. . 112 113 U'9 110 110* 7,15 111,5’ Ocsterreichische Kreditanstalt 7 7,1 7,35 Weltbank ....... — 16 Juni. 17. Juni. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld ' Brief Geld Briet Amsi.-Roll. 168.53 168,95 168,49 168,91 Bucn.-Aires Brss-°Antw Chrisiiania. Kopenhagen 1.6'11 12,22 93,03 1,695 12,26 93,27 1,693 12,11 93,03 1,697 12,15 93,25 111,31 111,59 111,21 111,49 Stockholm . HelsingforS 112,41 112,69 112,51 112,79 10,598 10,555 10,595 10,558 Italien. . . 15,18 15.22 15,17 15,21 London. . 20,416 20,468 20,411 20,463 Neuyork . . 4,195 4.205 4,195 4,205 Paris. . . 11,95 11,97 11,96 11,98 Schwei; . . 81,19 81,39 81,19 81,39 Spanien . . 68,01 68,16 67.52 67.58 Japan . . . 1,972 1,976 1.961 1.965 Rio de Jan. Wien in D-- 0,662 0.664 0,654 0.656 Oest. adgeft. 59,28 59,42 59,28 59,42 Prag .... Belgrad . . 12,419 12,459 12,42 12,46 7,450 7,535 7,43 7,45 Budapest. . Bulgarien . 5,865 3,03 5,8X5 3,04 5,87 3,03 5,89 3,04 Lissabon 21.435 21.485 21,435 21,485 81,175 Danzig. . . Konstantin. 81.00 81,20 80,975 2,225 2,245 2,24 2,25 Athen. . 5,19 5,21 5,19 4,197 5,21 Canada. . 4,197 4,207 4,207 Uruguan 1,235 4.245 4.225 4.235 Banknoten. Berlin, 15 Juni Geld Briet Amerikanische Nölen . .... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Ocsterr., L ioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten..... 4.183 12,23 110,97 20,385 12,02 168,28 15,28 93,14 59,42 112,19 81,30 67,83 12,392 5,83 4,203 12,29 111,53 20,485 12,08 169,12 15,36 93,60 59,72 112,23 81,70 68,17 12.452 5.87