Nr. M Erstes Statt 176. Jahrgang Montag, 17. md 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'sche Uttiversitäts Vuch^ und Stcinöruderei K. Lange in Ziehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: ächu'strahe 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer oi» zum '.Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höh« für Anzeigen von 27 mm Breite artlich 8. auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klamcanzeigen von 70 mm Breite u5 Reichspfennig, platzvorfchrift 20% mehr. Chcfredakteui: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.Thyriol; für den übrigen Teil Ernst Blumlchein; für den An- zeigenleil <5 ans Züstel, '.imtlid) in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monati-Leztigspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen eietzelnerNummern infolge höherer Gewalt. 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Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichswehrminisler Dr. Gehler zuL Berichterstattung über seine Fühlung- nähme mit Oberbürgermeister Dr. Adenauer und seine^aiifchlichende Besprechung mit den Mitgliedern dcr geschästssührenden Reichsregierung. 3m Lause des Abends richtete der Reichspräsident an den Reichsjustizminister Dr. Marx folgendes Schreiben: „Sehr verehrter Herr Reichsjustizministeri Ans den Berichten, die der von mir mit der Klärung der politischen Lage betraute Reichswehrminisler Dr. Gchler mir erstattet hat. habe id) ersehen müssen, dah eine Aenderung der parteipolitischen Verhältnisse und der Zusammensehung entweder überhaupt nicht oder nur nach langwierigen, im (Erfolge zweifelhaften Verhandlungen erreicht werden könnte. (Eine so lange Regierungskrise verträgt aber die gegenwärtige Lage des Reiches nicht. Es erscheint mir daher Mr llebertvinbung der gegebenen Schwierigkeiten und zur Lösung der vor uns liegenden Ausgaben notwendig, dah die bisherige Reichsregierung ihre Tätigkeit unter neuer Führung sorlselzl, und id) bitte Sie daher, Herr Reichssustiz- minisler, als ältestes Mitglied der Reichsregierung und als Vertreter der größten in ihr enthaltenen Partei, das Amt des Reichskanzlers zu übernehmen. Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung Ihr ergebener gez.: u. Hindenburg. Am Sonntag fanden zwischen den Vertretern des Zentrums und der Deutschen volkspar- t e i Besprechungen statt, die zu folgendem Ergebnis führten: 1. Die bestehende Regierungskrise muh unverzüglich gelöst werden. Deshalb sind beide Parteien bereit, In ein Minderheitskabinett einzutreten. 2. Es besteht Mebereinftimmung, dah die auhen- unb innerpolikifche Lage mit möglichster Beschleunigung die Schaffung einer Regierung fordert, die sich auf eine Mehrheit des Reichstags stützt. 3. Für die Mehrheiisbildung können nur Parteien in Frage kommen, die die Rechtsgültigkeit bestehender internationaler Abmachungen anerkennen und für die Fortführung der bisherigen Außenpolitik cinfreten. Ilm 6 Ahr abends trat die Fraktion des Zentrums zusammen. Di? Fraktion nahm einen eingehenden Bericht über den Verlauf der Besprechungen mit den Vertretern der Deutschen Bolfspartei entgegen. Die Zentrumsfraktion beschloß bann, den bisherigen Reichsjustizminister Dr. Marx zu bitten, das Reichskanzleramt z u übernehmen. Dr. Marx begab sich daraus zum Reichspräsidenten und wurde von ihm beauftragt, als Reichskanzler das Kabinett in feiner bisherigen Zusammensetzung zu führen. Das neue Kabinett Marx wird bis auf "eine Ausnahme dem Kabinett Luther «mtfprechen. Die einzige 'Aenderung ist der Eintritt des Abg. Bell als Reichsjustizminister und Minister für die besetzten Gebiete. Die der „Montag" meldet, werde der neue Reichskanzler Marx den Vorsitz in der Zentrumsparkei und in der Reichstagsfraktion des Zentrums bis auf weiteres beibehalte n. Es fei damit zu rechnen, dah sich das Kabinett noch im Laufe des heutigen Tages konstituiert und möglicherweise am Mittwoch die Erklärung der Reichsregierung vor dem Reichstag abgeben wird. '?** z Dr. Luthers Abschied von Berlin. Der ehemalige- Reichskanzler Dr. Luther hat am Samstag um 3 llfjr nachmittags Berlin i in Flugzeug verlassen, um sich an seinen früheren Wirkungskreis nach Essen zurückzubegeben. Zu seiner Verabschiedung hatten sich auf dem Tempelhofer Flugfeld Reichswehr Minister Dr. Geftler sowie die Reichsminister Dr .Külz und Dr. Reinhold eingefunden. Dr. Neumann an Iustizrat Clatz. Lübeck, 15. Mai. (WTD.) Die „Lübecli- schen Anzeigen" veröffentlichen den bisher nicht auffindbaren Antwortbrief des Lübecker Bürgermeisters Dr. Reumann an Iustizrat Elaß auf dessen vom Amtlichen Preußischen Pressedienst mitgeieilten Anerbieten im Zusammenhang mit den angeblichen rechtsradikalen Diktaturpläüen. Das aus Karlsbad vom 25. April 1926 datierte Schreiben lautet: „Lieber Freund! Herzlichen Dank für Ihre freundlichen Zeilen vorn 25. ds. Mts., die ich sogleich beantworten muh, weil ich fürchte, dah Sie sonst das süaviter in modo meines ersten Briefes mißverstehen. Ich möchte also bitten, meine zurückhaltenden Aeuherungen nicht irgendwie nach der politischen Seite deuten zu wollen. Inzwischen habe ich erfahren, daß ich jetzt mit meiner kleinen Aufgabe fast mehl: zu tun habe, als mir lieb ist und hier liegt doch d'ie nächste Pflicht. Herzlichst Fhr Fhnen stets getrxüer Reuiffdün." Rach einer Meldung des ..Mdmag-Morgen" liegt für die heute stattsinhenöe Sitzung der Lübecker Bürgerschaft ein Mißtrauensan- trag der sozialdemokratischen Fraktion gegen Hr Reummm vor. Die Demokraten, bei Ifettn Me TntsMiö.ung liege, hattest einstimmig beschlossen, b' aru r gu stimmen. Marschall Pilsudskis Sieg. Abdankung des Staatspräsidenten. - Demission des Kabinetts Witos. - Ein neues Ministerium der Linken. - Ruhe in Warschau. Warschau, 16. Mai. (Wolfs.) Die Revolution in Polen hat vorläufig mit einem vollen Sieg des Marschalls Pilsudlli geendet. Am Freitag mittag fanden schwerste Kämpfe in der nächsten Umgebung des Belvederepalast es, dem Sitz des Staatspräsidenten, statt. 3m Ujaz - dowstipark an der Erlöferkirche, im Kriegsmini- steriumgarten des Sejm, und an der Fähnrichsschule wurde mit Handgranaten, Artillerie und Maschinengewehren gekämpft. Um 4 Uhr begann die allgemeine Beschießung des Belvedere -Palais, um 5 Uhr hat sich die Besatzung ergeben, um 5.30 Uhr raste ein Auto mit vier Ossizieren zum Stadtkommando und überbrachte Pilsudsti die vom Belvedere- Palais niedergeholte Präsidentenflagge. Heber die weitere Entwicklung gab Sejm-Marschall Rataj den Vertretern der Presse eine genaue Schilderung. Er erklärte: „Am Freitag, dem 14 d. M., überbrachte mir Prälat Tokarzewski und Major Mazanek ein Schreiben des Präsidenten der Republik folgenden Inhaltes: An den Sejm-Marschall Rataj. — Ich bitte Sie, nach meinem Aufenthaltsort Wilanow zu kommen und die Erklärung dort entgegenzu- nehmcn, dah ich in Gegenwart des kabinettes, und, um dem Blutvergießen ein Ende zu machen, mein Amt als Staatspräsident niederzulegen wünsche. Ich bitte den sofortigen Waffen st instand zu veranlassen. Der Präsident der Republik. gez.: Wojciechowski. Gegengezeichnet: Witos." 3n Anbetracht des letzten Satzes dieses Schreiben, die Bitte um sofortigen Waffenstillstand, habe ich mich sogleich an Marschall Pilsudski gewandt, der mir zusagte, entsprechende Maßnahmen alsbald treffen zu wollen. Um 12 Uhr nachts begab ich mich nach Wilanow, wo mir das folgende Schreiben überreicht wurde. „Au den Sejm-Rlarfchau Rataj. — In Anbetracht der gegenwärtigen Lage, die es mir unmöglich macht, das Amt des Präsidenten der Republik, gemäß dem von mir abgelegten Eid auszuüben, trete ich somit von meinem Posten zurück und übertrage die Befugnisse des Präsidenten gemäß Artikel 40 der Verfassung auf dem Sejm-Marschall Rataj. gez.: Wojciechowski." Gleichzeitig erhielt ich vom Ministerpräsidenten Witos ein Schreiben, in dem dieser die G e s a m V- b e m i f f i o n des Kabinetts erklärte. Ich habe dann auf Grund des erwähnten Artikels 40 der Verfassung vertretungsweise das Amt des Präsidenten derRepublik übernommen und als solcher die Demission des Kabinettes Witos angenommen. Mit der Neubildung der Regierung habe ich bann, nach einer Besprechung mit Marschall Pilsudski, die Samstag vormittag 9 Uhr ftattfanb, den Abg. Bartel beauftragt. Der mir von Bartel oorgeschlagenen Ministerliste habe ich meine Genehmigung erteilt. Bas neue Kabinett Bartel. Der vom Sejmmarschall Rataj mit der Bildung des Kabinetts beauftragte Abgeordnete Bartel gehört dem sog. „Arbeitsklub" an, einer neuen Partei, die sich von der Wyewolenie- t artet abgespalten hat. 3hre Führer sind der ehemalige Ministerpräsident a. D. Tugutt und der ehemalige Minister Prof. Bartel. DiePartei kämpft für die Rechte der kleinen Landwirte, fordert die vollständige Durchführung der Bodenreform, ist gegen den Kommunismus und tritt für die vo11ständig nationale Selbstverwaltung der Minderheiten ein. 3n der auswärtigen Politik vertritt sie die Politik der internationalen Pacifizierung. 3m neuen Kabinett übernimmt das Heeresmini- fterium Marschall Pilsudski. Mit der Leitung des Ministeriums des 3nnern wurde der ehemalige Gesandte in Rom, Zaleski, betraut. Ministerpräsident Bartel ertlärte. Pressevertretern gegenüber: Meine Regierung ist berufen, die geschaffene Lage zu liquidieren. Sie wird bis zu der in nächster Zeit stattfindenden R e u - Wahl des Präsidenten der Republik durch die Rationalversammlung im Amt bleiben. Meine Regierung wird unbedingt a u f dem Boden der Verfassung stehen. Der neue Leiter des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, August S a l e z k i. erklärte Pressevertretern, daß die Außenpolitik der polnischen Republik sich in keiner Beziehung ändern werde. Die Grundlinie dieser Polttik bleibe die Wahrung dss Friedens und ter Zusammenarbeit mit den Staaten, die sich nach wahrhafter Befriedung der internationalen Beziehungen sehnen. Eine Proklamation der neuen Regierung. Warschau, 17. Mai (WTB.- Funkspruch.) Die neue Regierung erklärte in einer Proklamation, daß sie ihre Machtbefugnisse in die Hände eines von der Ratio,ralversammluim gewählten Präsidenten der Republik zurücklegen werde. Eine Anstrengung der gesamten Ration set notwendig, um eine Wiederholung der tragischen Ereignisse der letzten Tage ein für allemal unmöglich zu machen. Die Regierung werde sich einsehen für eine nützliche Wiedergeburt der Ration, für Beachtung der Gesetze, für soziale Billigkeit und für die Ausrottung der alten Sucht der einzelnen und der Parteien. Die Wiederherstellung der Ordnung. Prag, 16. Mai. (WB.) Rach Meldungen aus Warschau herrscht im ganzen Lande vollkommene Ruhe und Ordnung. Die Lage faml als liquidiert angesehen werden. Das Militär ist in feine Garnisonen zurückgekehrt. Auch die Mehrzahl der Arbeiter ist zur Arbeit zurück- gekehrt. Der Eisenbahnverkehr wird heute in vollem Umfang wieder ausgenommen werden. Die Telephonverbindung mit dem Aus lande ist noch nicht wiederhergestellt. Aus Posen wird gemeldet, daß dort gestern faschistische De - monstationen veranstaltet wurden. Senatsmarschall Trompcz h ns ki reifte nach Posen ab, um in dem Pilsudski feindlichen Westpolen zu vermitteln und den Abzug der bei Zyrardow aufgestellten Posener Regimenter zu veranlassen. Es bestätigt sich die Meldung, daß die polnischen Sozialistischen Parteien keine Bereitwilligkeit zu einem gemeinsamen Dorgehen mit den Kommunisten zeigen und daß die Bildung einer Räteregierung ober einer Regierung, in die Soziawemvkraten und Kommunisten gemeinsam eintreten würden, ausgeschlossen ist. Die „Warszawianka" gibt die Gesamtzahl der Opfer der Kämpfe in Warschau mit 205 Toten und 966 Verwundeten an. Diese Liste ist noch nicht vollständig. Der Kommandant der Stabt Warschau hat bekanntgegeben, daß bas Leichenbegängnis für bie Gefallenen am 17. Mai unter militärischen Ehren stattfinden wirb. Sämtliche Mitgli^>er ber früheren Regierung Witos sinb gestern in Freiheit gefetzt worden. Die fremden Gesandschasten. Warschau, 16. Mai. (WB.) Die fremden Gesandtschaften -in Warschau, welche sich zum größten Teil in dem Stadtteil befinden, wo zwei Tage hindurch, schwere Kämpfe getobt haben, haben sich durch Hissen ihrer Nationalfarben geschützt. Am ersten Kampftage wurde irrtümlicherweise das Gebäude der französischen Gesandtschaft durch eine Truppenabteilung besetzt, jedoch nach Feststellung des Irrtums sofort wieder geräumt. Die sowjetrussischc G c - s a n d t s ch a f t hatte keine Fahne gehißt, sondern Fenster und Eingänge verbarrikadiert. Der Bericht eines Augenzeugen. „Ein niederschmetternder Eindruck". Berlin, 17. Mai. (TU.) Ein in Berlin eingetroffener Augenzeuge ber schweren Kämpfe, die sich in den Hauptstraßen Warschaus abgespielt haben, gibt darüber folgende Schilderung: Rach dem, was ich seit Ueberschreiten der deutschen Grenze in deutschen Zeitungen gelesen habe, ist hier noch keineswegs genügend bekannt geworden, bah bie in ben Hauptstraßen Warschaus sich abf bi elend en Kämpfe sehr viel blutiger verlaufen find, als man nach den Berichten annehmen mußte. Mehrere Tage lang hörte der Kanonenbonner überhaupt nicht auf und infolge der Unmöglichkeit, bie als Schußlinie benutzten Straßen zu betreten, war in vielen Häusern schon Hungersnot eingetreten, als die Kämpfe als vorläufig, beendet anzusehen waren.Selbst in dem Gesandschasts- viertel sind einzelne Getzäude während mehrerer Tage schwerster Bedrohung ausgesetzt gewesen, so daß das gesamte Gesandtschaftsperjonal mehrerer diplomatischer Vertretungen viele Tage laug faktisch in den Gesanbtschaftsgcbäudcn ßiu gesperrt war. Die dänische und die e n g l i f d) e G e - I a n d 11 ci) a f t haben durch Granat- und Gewehr- schüsse sehr erheblich gelitten. Auch die Flaggen der beiden Gesandtschaften sind durch Schüsse beschädigt worden. In biplomalifdjcn Kreisen Warschaus hol dcr Putsch selbst do, wo große Poienfrenndlichkeit herrscht, einen niederschmetternden Eindruck gemacht und der polen dadurch entstehende Prestigeverlust wird sich, abgesehen van den hohen wirtschaftlichen Schäden, sobald nicht wieder ausgleichen lassen. In diesen Kreisen erzählt man übrigens interessante Einzelheiten über bie hin- und hergehenden Verhandlungen in ben ersten Putschtagen. So wirb u. a. berichtet, daß sich General Sikorski nur Deshalb mit seinen Truppen nicht nach Warschau in Bewegung gesetzt habe, weil er selbst seiner nächsten Unterführer nicht sicher sein konnte und befürchten mußte, baß diese im entscheidenden Augenblick z u Pilsudski übergehen würden. Der außerordentliche Sturz des Zloty ist für beide Teile bringen werde. Oesterreich werde wieder in feine alte Kulturmission, die Ostmark des Reichs zu sein, eintreten können. Damit werde auch die durch die Friedcnsverträge von Versailles und St. Germain geschaffene Einkreisung im Osten durchbrochen und die Brücke zum Balkan geschlagen. Das fei ein außerordentlicher Vorteil gegenüber der jetzigen Lage, in der das politisch und wirtschaftlich ohnmächtige Oesterreich zwangs- läusig einen Ring in der Kette der Kleinen Entente bilde. Wenn wir wissen wollten, ob die Vereinigung der deutschen Stämme gut sei. brauchten wir nur nach Paris und Prag zu hören. Dort wolle man die Vereinigung nicht, also sei sie gut Aeben diesen realpvlitischen Vorteilen stehe das ideologische Ziel einer einheitlichen Geschichtsauffassung. Ilm die Vereinigung aller Deutschen werde noch mit den Machthabern von Versailles ein harter Kampf auszufechten sein. Es gelte, dem Friedensdiktat die moralische Maske abzureißen und um das Selbftbestimmungsrecht deS deutschen Volkes zu ringen. Das sei der höhere Sinn eine8 Kampfes um eine Vereinigung Oesterreichs mit dem Reich t Dr. Steinacher vom geschäftsführenden Ausschuß teilte dann in kurzen Umrissen den Or- Danisatlonsplan und die Geschäftsordnung mit, worauf die Versammlung folgende Entschließung annahm: „Die Deutsch-Oesterreichische Arbeitsgemeinschaft für Hessen und Hessen-Aafsau soll keine Zersplitterung der Bewegung der Arbeit für den deutsch-österreichischen Zusammenschluß herbeiführen. Vielmehr soll sie einer solchen durch weitmöglichste Arbeitsverbindung mit den bestehenden und entstehenden deutsch-österreichischen Arbeitsgemeinschaften im Reich und in Oesterreich und in sinngemäßer einvernehmlicher Arbeitsteilung mit dem Oesterreichisch-Deutschen Volksbund wirken." Der geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt und ermächtigt, dahin $u wirken, daß eine einheitliche Deutsch-Oesterretchische Arbeitsgemeinschaft für das Reich geschaffen wird. Deutscher Reichstag. Berlin, 15.Mai. (VDZ.) Zur zweiten Beratung steht ein Gesetzentwurf über Mände- rung des zweiten Punktes der Reichsver- sicherungsor d n u n g (Zuschläge zu den Beiträgen der Arbeitgeber, wo ungebührlich verzögerte Zahlung, Regelung von Streitigkeiten zwischen Aerzten und Krankenkassen durch ein Schiedsamt, Ausgleich in den Wochen-Fürsorgelasten ufto.) Abg. Iäcker (Soz.) weist auf die Hot» läge der Krankenkassen hin. In Berlin allein hätten die Krankenkassen 2 450 000 All. rückständige Beiträge. Danach erscheine der Vorschlag des Gesetzentwurfes noch nicht scharf genug, die böswilligen Zahler müßten ganz energisch angefaßt werden. Qlbg. Andre (Ztr.) führt aus, es käme jetzt nicht darauf an, Strafen zu verordnen, sondern die Rechte der Paragraphen sinngemäß anzuwenden. In manchen Fällen seien sogar schwere Strafen für Versäumnisse verhängt worden. Unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen kämen gar leicht kleinere Handwerker und Gewerbetreibende in Rückstand mit ihren Verpflichtungen gegen die Krankenkassen ohne böswillige Zahler zu fein. Bei der Großindustrie sei es Sache der Kassen selbst, rechtzeitig mit der Einziehung der Beiträge vorzugehen. Der Gesetzentwurf wird darauf in zweiter und gleich darauf auch in dritter Lesung entsprechend dem Ausschußvorschlag angenommen. Die kommunistische Fraktion hat einen Gesetzentwurf über die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen di e Urteile des Staat s g e richtshofes beantragt. 11. a. soll das Wiederaufnahmeverfahren in allen den Fällen zugelassen werden, wo an dem Verfahren der Untersuchungsrichter Jürgens aus Stargard mitgewirkt hat. Der Rechtsausschuh beantragt die Ablehnung des Gesetzent- w u rf es. Abg. Rosenfeld (6.): Da sich der Untersuchungsrichter Jürgens durch, ehrenrührige Handlungen als nicht einwandfrei erwiesen hat, liegt mindestens die Möglichkeit vor. daß er in seinem Amte gleichfalls sich Verfehlungen habe zu schulden kommen lassen, und deshalb müßten eigentlich sämtliche Urteile der Verfahren, in denen er mitgewirkt hat, aufgehoben werden. Aber wir wollen so weit nicht gehen, beantragen aber, daß sämtliche Fälle nachgeprüft werden. Abg. Dr. Wunderlich lD. Dpt.) lehnt es ab, eine Ausnahme für die Staatsgerichtshof- urteile von dem übrigen Recht zu machen. In dem Falle Jürgens enthalte er sich jeder Stellungnahme. Was darüber in den Zeitungen gestanden habe, sei noch nicht erwiesen, man müsse abwarten, wie das Gericht über Jürgens urteilen werde. Wenn dies Urteil im Sinne des Vorredners aus- siele, könnte er allerdings empfehlen, daß die Iürgcnsfälle nachgeprüst werden. Die Abstimmung muß wegen Beschlußun- fähigkeit des Hauses abgebrochen werden. Sozialpolitische Irrwege. Unter obigem Titel schreibt Professor Dr. Moldenhauer, M. d. R., Köln, im „Deutschenspiegel" (Verlag , ,Der Deutschenspiegel", Berlin W 35) über die letzten Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses zu einer Abänderung d e s Reichsknappschaftsgesetzes. Diese Beschlüsse bringen für den deutschen Bergbau eine Mehrbelastung von 50, wahrscheinlich sogar 66 Mi- lionen Mark jährlich. Die Regierung versuchte vor der zweiten Lesung im Ausschuß, eine Milderung dieser Mehrlast zu erreichen. Es war auch im Ausschuß bei den Regierungsparteien eine dahingehende Einigung zustandegekommen. Im letzten Augenblick aber hat sich sowohl der dem Zentrum angehörige Abg. Iinbnsch als auch der demokratische Abg. Ziegler, beides Vertreter der Bergarbeiter, von den Regierungsparteien getrennt und zusammen mit Sozialdemokraten und Kommunisten und Deutschwölki- schen die Beschlüsse der ersten Lesung des Ausschusses bestätigt. Wenn diese Beschlüsse Gesetz werden, bann kommen nach sehr sorgfältigen Berechnungen für die Ruhr jährlich auf den Kopf des Arbeiters für Knapp- schafts-, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung rund 600 Mk.» das ist ungefähr ein Viertel des gesamten Lohnes. Die soziale Belastung, die vor dem Kriege nur 80 Pf. pro Nutztonne betrug, ist zur Zeit 2 Mk. und wird sich nach den neuen Beschlüssen noch um weitere 30 bis 40 Pf. erhöhen. Das find Beträge, die im Wettbewerb, insbesondere mit der englischen Kohle, eine einschneidende Rolle spielen. Für die Arbeiterschaft werden die Beschlüsse zunächst eine Schmälerung ihres Arbeitseinkommens bringen, die durch neue Lohnkämpfe wieder ausgeglichen werden muß. Die endgültige Regelung der Frage wird aber einfach dein künftigen Lohnkampf überlassen. Durch die Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses ist es aber soweit gekommen, daß jeder Uebertagearbeiter, der kaufmännische Angestellte einer Zeche nunmehr vom 55. Lebensjahre an das Recht haben sollte, sich pensionieren zu lassen. Was wird die Folge fein? Werden nicht Hüttenarbeiter, Glasarbeiter, die Arbeiter der chemischen Industrie und zahlreicher anderer Industrien, in denen die Arbeit aufreibender ist als die Uebertagearbeit im Bergwerk ober die Tätigkeit auf einem Bureau, mit der gleichen Forderung kommen, und wie wird man dieser Forderung entgegentreten können? Hessisches Staatsminifterium und 1. Mai. Darmstadt, 13. Mai. Abg. D i n g e l d e y und die Fraktion der Deutschen Volkspartei haben wegen der Beflaggung des Staatsministeriums am 1. Mai eine Anfrage im Landtag eingebracht. Die Abgeordneten fragen darin an: 1. Ist es richtig, daß das Staatsministerium am 1. Mai mit der schwarzrotgoldenen Reichsfahne beflaggt war? 2. Aus welchem Anlaß hat diese Beflaggung stattgefunden, etwa um eine amtliche Teilnahme des Staatsmini st eriums an dem Demonftrationszug der Sozialdemokratischen Partei zu bekunden? 3. Warum war gerade das Staatsminifterium an diesem Tage beflaggt, und wer hat die Anordnung zur Beflagguna gegeben? 4. Ist es richtig, daß schon feit längerer Zeit ein formeller Beschluß des Gesamt- minifteriums vorliegt, wonach im Falle der Beflaggung staatlicher Gebäude zugleich mit der Reichsflagge stets auch die hessische Lantz esflagge gehißt werden soll? 5. Bejahendenfalls, wer hat entgegen diesem Beschluß des Gesamtministeriums die Anweisung gegeben, das Staatsminifterium am 1.Mai nur mit der schwarzrotgoldenen Reichs- fahne zu beflaggen und welches waren die besonderen Gründe einer solchen, von den Beschlüssen des Gesamtministeriums abweichenden Anordnung? Die hessische 2lusfal!garantie für Rußland. Darmstadt, 16. Mai. Dem Landtag ist der Entwurf eines Gesetzes wegen Uebernahme einer Ausfallgarantie des Landes Hessen für Lieferungsgeschäfte nachRußland zugegangen. Es handelt sich hier um den sog. Rußlandkredit in Hohe von rund -300 Millionen Mark, wofür das Reich und eine Reihe von Ländern bereits die Aus- fallbürgfchaft in Höhe von 25 Prozent übernommen haben. In der Borlage heißt es: Der Beitritt wird von den hessischen Industrie- und Handelskammern für notwendig erachtet. Verschiedene Firmen haben bereits ihr Interesse für das russische Geschäft bekundet. Wenn trotz gewisser finanzieller und politischer Bedenken der Gesetzentwurf eingebracht wurde, so geschah dies deshalb, weil man sich hiervon eine Belebung des hessischen Geschäfts und hiermit eine Herabminderung der in ganz Hessen hohen Erwerbslosenziffer ver- sprickt. Es wird für angemessen erachtet, wenn diese Äusfallgarantie zunächst auf 1 Million Mark beschränkt wird. Batzen hat 5 Millionen übernommen. Es wird dafür gesorgt werden, daß nur solche Firmen zu dem Lieferungsgeschäft zngelassen werden, die Arbeiter aus hessischen Orten beschäftigen, damit tatsächlich eine Erleichterung auf dem hessischen Arbeitsmarkt eintritt. Die Wiederaufnahme der Arbeit In England. London, 16. Mai. (WB.) Der Streik der D o ckarb ei ter ist beigelegt worden. Für die allmähliche Wiederaufnahme der Arbeit find vvrläufige Abmachungen getroffen worden. Die Arbert wird am Montag wieder aufgenommen werden. Auch der Vepbottd der Londoner Bei* tungsbesitzer hat mit der Gewerkschaft der Drucker über die Wiederaufnahme der Arbeit eine Verständigung erzielt. Die Wiederaufnahme der Arbeit bei den Eisenbahnen geht ebenfalls befriedigend von statten. Was der Generalstreik das Land gekostet hat. läßt sich naturgemäß noch nicht berechnen, doch wird in gutunterrichteten Kreisen geglaubt, daß der Schaden geringer sein wird, als bei dem Kohlenarbeiterstreik 1921, der an direkten und indirekten Verlusten etwa 200 Millionen Pfund Sterling verursachte. Die Landung der Borge- Reuhork, 15. Mai. (WB.) Die „Rorge" ist in Seiler, einem kleinen Handelsplatz Alaskas mit 200 größtenteils aus Eskimos bestehenden Einwohnern, gelandet. Sie ist in Setter entleert worden. Amundsen und Ellsworth haben sich in einem Motorschiff nach Rome begeben. Hin 2 ülhr mittags ging beim Präsidenten Coolidge folgende Rachricht ein: ,.Polarflug erfolgreich ergebenste Grüße Ellsworth." Rach einer Meldung aus Rome muhte das Motorboot, in dem die Mannschaft der „Rorge" nach Rome gekommen ist, 14 Meilen über das Eis der Portclareucebai bei Seiler geschleppt werden, ehe offenes Wasser erreicht wurde und die Fahrt nach Rome beginnen konnte. An der Mündung des Slangenflusses, 7 Meilen westlich von Rome, hatte sich eine Gruppe von Eskimos und Weißen versammelt, um die Besatzung der „Rorge" zu begrüßen. Verschiedene Einwohner von Rome brachten ein Gefühl der Mißstimmung gegen Amundsen zum Ausdruck, weil er, nachdem der norwegische Vizekonsul in Rome von ihm veranlaßt worden war, für Hilsewleistung bei der Landung der „Rorge" 100 Mann zusammenzubringen. dieselbe doch nicht nach Rome gebracht hat. Der zweite Steuermann der „Rorge", Leutnant Riiser Larsen, erklärte, man habe am Roröpol dünnes Eis und offenes Wasser gefunden, doch habe man kein Land entdecken können. Die „Rorge" hat am Aordpo beträchtliche Zeit verbracht, um wissenschaftliche Beobachtungen machen zu können. Das Luftschiff senkte sich dabei bis auf 600 Fuß über die Eisfläche und stieg dann wieder bis zur Höhe von 4000 Fuß. lieber Point Barrow bildete sich Eis auf den laufenden Propellern des Luftschiffes. Dieser Eisbelag brach dann ab und durchschnitt eine große Gaszelle, so daß durch den Verlust an Wasserstoff das Luftschiff äußerst schwer wurde. Auf dem Weg von Point Barrow nach Teller wurde die Fahrt jedoch durch günstigenWindunterstützt. Im ganzen hat die Mannschaft der „Rorge" 7 2 Stunden in der Luft verbracht. Sie tarn in Teller sehr ermüdet, aber in bestem gesundheitlichem Zustand an. Vor der Landung wurde ein Anker ausgeworsen, und der zweite Mechaniker, Sergeant Arduino, begab sich auf den Boden hinunter, um das Landungsmanöver zu leiten, das bei ziemlich heftigem Wind vonstatten ging. Die Landung in Teller vollzog sich ohne alle Zwischenfälle. Rachdem einige Kinoaufnahmen gemacht tooröen waren, wurde das Luftschiff in 30 Minuten entleert und unter Leitung von Oberst Robile ab» montiert. Die Bestandteile des Luftschiffes sollen für einen etwaigen Reuaufbau aufgehoben werden. Leutnant Omdal, der die Absicht hat, noch einmal mit dem Motorboot nach Teller zurückzufahren, erklärte, daß die Maschinen (deutsche Mahbachmvtoren) . des Luftschiffes in guter Verfassung gewesen sind und ihre Aufgabe glänzend erfüllt haben. Amundsen stellte fest, daß er jederzeit genau gewußt habe, wo sich die »Rorge" befand. Kleine politische Nachrichten. In der Reichskanzlei fand zur Erinnerung an die Volksabstimmungen in den deutschen Grenzgebieten ein Empfang von Vertretern landsmannschaftlicher Verbände mit anschließendem See im Park statt. Vom Reichskabinett waren erschienen der stellvertre- tende Reichskanzler, Reichsminister Dr. Gehler, der Reichsminister des Auswärttgen Dr. S t r e s e m a n n, Reichsjustizminister Dr. Marx und Reichsinnenminister Dr. Külz. Der stellvertretende Reichskanzler, Reichswehrminister Dr. G e ö I e r begrüßte die Erschienenen im Ramen der Reichsregierung und sprach ihnen herzlichsten Dank und Anerkennung für die während und nach der Abstimmung in den Grenzgebieten geleistete außerordentlich wertvolle Tätigkeit zur Erhaltung des deutschen Volkstums aus. Gras Bernstorfs, der Führer der deutschen Delegation bei der am Dienstag beginnenden ersten Tagung des Vorbereitungsausschusses für die Abrüstungskonferenz, ist in Begleitung von Geheimrat von Bülow, dem Leiter der Dölkerbundsabteilung im Auswärtigen Amt und verschiedenen militärischen Sachverständigen in Genf eingetroffen. • In San Remo ist der letzte Sultan der Türkei, Mehrn ed VI., an einem Herzschlag gestorben. Der Verstorbene war 1844 als Sohn des Sultans Abdul Medjod geboren und folgte seinem Bruder Abdul Hamid 1909 nach der jungtürkischen Revolutton auf dem Osmanen- thron. Der unglückliche Ausgang des Weltkriegs machte auch seiner Herrschaft ein Ende. Kunst undWissenschast. Eröffnung der pädagogischen Akademie in Bonn. Bonn, 16. Mai. (WB.) Heute vormittag nnirbe in Anwesenheit des preußischen Ministers Dr. Decker, des Kardinalerzbischofs Dr. Schulte-Köln und anderer yervor ragender Persönlichkeiten die staatliche katholische pädagogische Akademie in Bonn eingeweiht. Der Eröffnungsfeier in der Aula der ülniversttät ging ein Pontifikalamt voraus, das Kardinal- erzbischof Dr. Schulte im Bonner Münster zelebrierte. Die weltliche Eröffnungsfeier in der Universität wurde durch einen Festchor eingeleitet, worauf Staatsminister Dr. Becker in seiner Eröffnungsrede u. a. ausführte: Die neue Akademie ist aus der allgemein oeränberten Zeitlage entstanden. Das alte Seminar war der organisatorische Ausdruck der sozialen Schichtung der vergangenen Zeit. Dir wollen mit der neuen Akademie unsere Lehrerbildung einbauen in die Gedankenwelt des sozialen Aufbaues der Gegenwart mit der Parole der Einheitsschule, nicht der Einheitsschule einer allgememen Gleichmacherei, sondern der differenzierten Einheitsschule. Mit der sozialen Umschichtung war eft. Wandel in unserer Bildung selber ver^ bunden. Wer die Volksschule kenrch, weiß, daß in den letzten IcchrzehnM -aus ihr etwas anderes wurde, als sie vor einem halben Jahrhundert war. Damals war die Volksschule eingestellt auf den Kanrpf gegen das Analphabetentum. Heute ist die Volksschube ein reichgegliedertes Bildungsinstrument und eine würdige Basis unseres ganzen Bildungsaufbaues. Diese Tatsache ist zu danken der Arbeit der letzten Generation unserer deutschen und preuhv schen Lehrer, und es war selbstverständlich, daß die Schule mit der Bildung der Lehreschaft wuchs und immer wertvoller wurde. Was die reichsgegliederte Volksschule fordert und die Aka-' beinie will, ist, .daß die künftige Lehreschaft allen Gegenwartsaufgaben der Volksbildung gerecht werde. Das war nur möglich, wenn man grundsätzlich an die Frage heranging: Wie bilden wir unsere Lehrer? Diese Frage wurde mit der Gründung der drei pädagogischen Akademien für Preußen gelöst. Versteigerung in Frankfurt. Die Privatgalerie Senator Feßler wurde bei Bangel in Frankfurt unter lebhafter Beteiligung von Sammlern und Händlern aus dem In^ich-Sluslandc versteigert. Von den großen Museen waren u. a. die 'Jlationalgalerie Berlin und das Städel-Jnstitut Frankfurt vertreten, konnten jedoch infolge der ftar» fen Konkurrenz nur wenige Stücke erwerben. Die erzielten Preise waren großenteils gut; wir geben im folgenden einige bemerkenswerte Zuschläge zahlenmäßig wieder. Den Spitzenpreis erzielte diesmal ein Feuerbach (Bei der Kupplerin) mit 18 000. Ferner: Thoma (Wiesenlandschaft und Iunimor- gen) 12 700 und 11 400, Renoir (Landhaus mit Obstgarten) 12 000. Courbet (Wasserfall) 5400, Liebermann (Selbstbildnis) 5500, Spitzweg (Pilger) 5000, Corot (Waldlandschaft) 4000, C s - z a n n e (Landschaftsstudie) 3500, Zügel (Drei Ochsen) 3000, Scholderer (Kind mit Katze) 2000,' Trübner (Landschaft) 2800, Sievogt (Akt) 1850, Corinth (Kind mit Katze) 1750. Aus aKer Welt. Vom Volksbund deutscher krlegsgräberfursorge. In Düsseldorf trat der Brrtretertag des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge' unter Vorsitz des Präsidenten Overpfärre'r S i e mL aus Berlin zusammen. Aus dem Tätigkeitsbericht ist besonders hervorzuheben, daß der Volksbund im vergangenen Jahre rund 108 000 Reichsmark für Kriegsgräberfürsorae ausgab. Von weit über 2 Millionen deutscher Gefallener des Weltkrieges ruhen rund zwei Millionen im Auslande, davon 900 000 in Frankreich, 451 000 in Einzelqräbern, 224 000 in Massengräbern. Die Ruhestätten von 225 000 Gefallenen sind nicht mehr festzustellen. Mit den französischen amtlichen Stellen wurde vereinbart, daß die Gräber anstelle der Holzlreuze m i t steinernen Erabzeichen versehen werden. Auch ist reichere Bepflanzung zugesagt. Die belgische Regierung sicherte für die deutschen Soldatengräbern jetzt das ewige Ruherecht zu. Internationaler Ltadtekongreß im Dien. 3m September findet in Wien der Internationale Städtebaukongreß statt, zu dem 600 Teilnehmer, darunter Vertreter aller großen deutschen Städte, erwartet werden. Das Interesse in Deutschland an dieser Veranstaltung ist außerordentlich groß, das auch darin zum Ausdruck kommt, daß das deutsche Städtearchiv den Auftrag gegeben hat, zu der gleichzeitig in Wien stattfindenden Ausstellung für Städtebau alles wertvolle Material zur Verfügung zu stellen, so dätz die Ausstellung ein vollständiges Bild des deutschen Städtebaues gehen wird. (Ein hungerkünstler an Entkräftung gestorben. Der Hungerkünstler Max, mit seinem Bürgernamen Max Scholz, ist im Bautzener Stadttranken- haus an Entkräftung gestorben. Er hatte verschiedene Stärkungsmittel und Kochsalzinjektionen erhalten, aber alle diese Maßnahmen haben den Verfall seines hochgradig geschwächten Körpers nicht mehr aufhatten können. Infolge des Ausgangs dieser Hungerkur entstand unter der Bevölkerung eine große Erregung, die sich vor allem gegen den Manager des Hungerkünstlers richtete. Ein sechsfacher Raubmörder verhaftet. In Schneidemühl wurde der schon seit Jahren von mehreren Staatsanwaltschaften wegen sechsfachen Mordes gesuchte polnische Bandenführer Johann Liemerc^z, genannt üe'r blinde Johann, durch einen Oberlandjäger in dem Augenblick festgenommen, als er die Grenze überschreiten wollte. Der Verhaftete wurde dem Grenzkommissariat übergeben. Schweres Automobilunglück. Auf der Straße zwischen Heitersheim und Griesheim (Baden) fuhr gestern der Kraftwagen des französischen Vizekonsuls von Stuttgart mit voller Geschwindigkeit beim Nehmen einer Kurve in ben Sulzbach, wobei sich der Wagen überschlug. Der Vizekonsul ertrank, s eine Frau erlitt schwere, seine Tochter leichtere Verletzungen. Wegen versuchten Gattenmordes verhaftet on 39iä^ri9e Taglöhnersfrau Ida Fuß in Wildflecken in der Rhön, die ihren Gatten mittels Gift beiseite schaffen wollte, um ihren Liebhaber heiraten zu können, ist von der Gendarmerie verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis in Brückenau eingeliefert worden. Ein Zigeunerkampf. Zu einem Kampf zwischen Zigeunern kam es am Samstag bei Reinickendorf. Männer des Weißeuseer Stammes überfielen einen Zi- geimer. der sich mit seinem Wohnwagen auf Reinickendorfer Gebiet niederlassen wollte. Die Angreifer waren mit Rasiermessern, Totschlägern und Seitengewehren ausgerüstet. Die alarmierte Schutzpolizei trieb die ganze Bande auseinander. Fünf Zigeuner wurden festgenommen. Wettervoraussage. Noch einzelne Regenfälle, halb bis ganz bedeckt, nordwestliche schwache bis frische Winde. Ein Millel- meerties, das sich infolge der starken Temperaturgegensätze auf seiner Vorder- und Rückseite sehr kräftig entwickelt hat, ist bis ins Battikum vorgestoßen und beherrscht völlig die Wetterlage Mitteleuropas. Auf seiner Rückseite bleibt unter Bezirk im Bereich nördlicher bis westlicher kühler und feuchter Lust. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,7 Grad Celsius, Minimum 7,2 Grad Celsius, Niederschläge 5,6 Millimeter. Heuttge Morgentemperatur 8,1 Grad Celsttrs. Aus der Provinzialhauptstadt. Tietz en, den 17. Mai 1926. Neue Kraftpost-Fahrpläne. Mit dem Inkrafttreten des Sommerfahrplans bei der Eisenbahn nm 15. Mai hat auch ein neuer Fahrplan für b i e Kraftposten Geltung erlangt. Die Fahrpläne der Kraftposten' sind den Eisenbahnfahrpläncn angepatzt. In Oberhessen verkehren die Krostpostcn jetzt wie folgt: Gießen—Krofdorf—Fellingshausen: Gietzen ab Bahnhof: 6.15, 6.20 und 7 Uhr nur iDcrltafls ob Oswaldsgarten: 7.35, 8L5, 12.15, 1.05, 2.25, 3.15 nur Samstags und Sonntags: 4.20, 5.45, 6.40, 7.40, 9.00, 10.30 Uhr. Fellingshausen ab nach Gietzen 6.55, 1.45, 5.00, 8.20 Uhr. Krofdorf, Apotheke, ab stach Gietzen: 5.30, 6.00 und 6.40 nur werktags: 7.09, 7.35, 8.00, 9.00, 12.40, 1.59, 2.50, 3.40 nur Samstag» und Sonntags: 5.14, 6-10, 7.05, 8.34, 10 Uhr. Mücke—Ulrichstein: Ulrichstein ab 5.40 Uhr früh und 5.30 Uhr abends. Mücke ab 9.16 Uhr norm, und 9 Uhr abend». Ulrichstein—Lauterbach: U l r ich st c i n ab 12.15 Uhr mittag», liouter- doch ab 6 Uhr abends. Ulrichstein—Schotten: Ulrich stein ab 6.45 Uhr vorm., Schotten ab 11.30 Uhr mittags. Feldkrücken-Mucke: Feldkrücken ab 5.50 Uhr früh und 5.10 Uhr nachm., Mücke ab 9.20 Uhr norm., werktags 7.45 Uhr abends. Sonn» und Feiertags 9 Uhr abends. x Alsfeld—Kirtorf: Alsfeld ob 11 Uhr vorm. und 5.45 Uhr nach' mittags, Kirtorf ab 7.25 Uhr vorm. und 4.15 Uhr nachmittags. Alsfeld—Groh-Felda—Ehringshausen: Groß-Felda ab nach Ehringshausen 5.45 Uhr früh und 5.10 Uhr nachm.. Alsfeld ab nach Grotz-Felda 2.45 Uhr nachm., Ehringshausen ab nach Alsfeld 6.50 Uhr früh, Ehringshausen ab nach Grotz-Felda 9.25 Uhr abends. Lauterbach—Stockhausen. Stockhausen ab 8 Uhr vorm., Lauterbach ob 6 Uhr abends. Die Kraftpostlinie Gietzen - Hochelheim - Niederkleen ist. wie wir von zuständiger Seite Horen, vom Reichspost Ministerium genehmigt, falls die obersten Landesbehördcn Hessens und Preußens keinen Einspruch erheben. Mit einem solchen Einspruch dürfte aber wohl nicht zu rechnen sein, da die Linie ja einem dringenden öffentlichen Bedürfnis entspricht. Man darf wohl annehmen, doh die Inbetriebnahme der Strecke in naher Zeit erfolgen wird. Deutscher Abend für Kolomalzrvecke. Der Sinn für koloniales Wirken, der erst vor kurzem zur Gründung eines Kolonialoereins in unserer Stadt führte, Hot gestern hier eine neue gute Tat gezeitigt. Ein DeutscherAbendim Stadttheater sollte in dieser Notzeit daran erinnern, datz wir über ollen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten daheim eines unserer Weltziele, diedeutscheArbeitin den Kolonien, nicht vergessen dürfen. Einem kleinen und doch wichtigen Teilgebiet dieser deutschen Kolonialarbeit war der Ertrag des Abends zugedacht, der Ausbildung deutscher Kolonial- sch west e r n. Und dieser Ertrag dürfte infolge des sehr guten Besuchs — das Haus war nahezu völlig ausoerkauft — dem guten Werk sicherlich eine schöne Förderung bringen. Aber nicht nur über die Meere wurden an diesem Abend die Blicke gelenkt: nicht minder stark wurde ihnen enthüllt, welche tiefen, unerschöpflichen Kraftquellen in dem bodenständigen, an der Bäter Art und Sitte treu festhaltenden deutschen Bauerntum liegen, und wie notwendig und gut es für die Gesamtheit aller Deutschen ist, datz Stadt und Land Hand in 5) and gehen, ein Teil den anderen verstehend und fördernd, beide geeint in der Liebe zur Mutter Germania, So wurde dieser Deutsche Abend zu einem doppelten Gewinn für alle Teilnehmer, der hoffentlich weit über bm Tag hinaus wirken wirb. Eingeleitet wurde die vortreffliche Beranstaltung in ihrem ersten Teil durch schneidige Marschklänge des Gietzener Studentenorchesters unter der Leitung'des cand. med. Bergmann. Hierauf wies Frau Provinzialdirektor Graef in einer An- forache auf den Zweck des Abends hin, wobei sie die Bedeutung der Arbeit unserer deutschen Kolonialschwestern wirkungsvoll hervorhob und zur Unterstützung dieses Wirkens durch die deutsche Heimat ermahnte. Anschließend brachten Karl Juhnke, Trude Heß und Ludwig L i n k m a n n Goethes einaktiges Schauspiel „Sie Geschwister" fein gestaltend zur Aufführung, wofür ihnen das Publikum mit herzlichem Bestall dankte. Der zweite Teil des Abends brachte Erlebtes und Erlauschtes aus dem Huttenber- ger Volksleben, zusammengestellt und in Szene gesetzt von unserem bekannten oberhesfischen Mundartdichter Georg Hetz von Leihgestern, ausgeführt von Leihgesterner Mädchen und Burschen. Es waren köstliche Proben kernhaflen oberheisischen Bauerntums, die da in Wort und Bühnenbild zu den Stadtleulen sprachen, gute «Hülteberger Hausmacher Woar", die das Herz warm machte und im Handumdrehen die Brücke schlug zwischen Stadt und Land. In seinen Sichtungen nimmt Georg Hetz kein Blatt vor den Mund. Er hält fo manchen Stadtleulen in feiner Weise eine kräftige Standpauke, die ober trotz oller Kritik nicht wehtm, jedoch ernstlich zur Selbstbesinnung und zur Wiedereinsetzung alter, guter deutscher Art in das eigene Leben mahnt. Aber auch dem Landvolk holt unser Dichter das Spieglein vor, in dem es erkennen kann, daß neben seinem guten, alt- ererbten Kern doch auch schattige Stellen bei ihm zu finden sind, die der Sonne der Liebe zu den Schwestern und Brüdern in der Stadt weichen müssen. Und beiden, Stadt und Land, erteilt er immer wieder die gute, leider noch oft so bitter notwendige Mahnung zur Einigkeit, zum Willen gegenseitigen Verstehens und gegenseitiger Förderung. Ausgezeichnete lebende Bilder, von den Leihgesterner Mädchen und Burschen mit viel Liebe zur Sache gestellt, illustrierten die Worte des Dichters in schöner Weise und zeigten den Stadtleuten im Theatersaal den vortrefflichen Sern guten dörflichen Lebens. Einen besonders eindrucksvollen Abschluß fand der Abend in einem lebenden Bild, das Stadt und Land Hand in Hand zeigte, beiden zum Segen, alles Trennende überbrückend, geeint in der Liebe zu Volk und Vaterland, vereint strebend nach dem Ziele „Deutschland über alles". Der gemeinsame Gesang des Deutschlandltedes bildete den Ausklang des wertvollen Abends, für den man den Veranstaltern und Mitwirkenden volle Anerkennung aussprechen muß. (Lietzener WochcnrnarttHrcisc. Es kosteten auf dem Wochenmarkte am Samstag: Butter 200—210 Pf., Matte 35—40, Wirsing 35, Weißkraut 35, Rotkraut 40, gelbe Rüben 80, rote Rüben 20, Spinat 40—45, Römischkohl 30, Spargel 70—130, Tomaten 150, Zwiebeln 25, Meerrettich 30—80, Schwarzwurzeln 50—60, Rhabarber 25, Kartoffeln 4, Aepfel 20—50, Kirschen 80—100, Honig 50, junge Hahnen 100—120, Suppenhühner 120 Pf. für das Pfund: Tauben, Stück 80 Pf., Käse, 10 Stück 60—80 Pf., Eier 11, Blumenkohl 120—150, Saint 20—25, Salatgurken 100, Lauch 5—15, Rettich 30, Sellerie 30—40 Pf. je Stück: Radieschen Bd. 15—20 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Singsaal des Realgymnasiums 8 iH)r: Wohl- tätigkeitskonzert der Violin-Schule Wilh. Schüttler zum Besten des Vereins für das Deutschtum im Ausland. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die letzten Tage von Pourpeji". — Astoria- Lichtspiele: ..Der weiße Reiter von Colorado". — Verkehrsverein Gießen. Morgen, Dienstag, abend 8 ällhr. im Hotel „Prinz Carl". Seltersweg. Mitgliederversammlung. Thema: .Kommunale Gegenwarts- und Zukunstsausgaben". Gäste willkommen. Bäheres in der Anzeige vom Samstag. — Der Goethe-Bund hat zu seinem nächsten Dichterabend am kommenden Donnerstag Robert Schneider aus Darmstadt einge- laden. der zu den bedeutendsten Vertretern der Darmstädter Mundartdichtung gehört. Der Dichter ist vor kurzem anläßlich seines fünfzigsten Geburtstages weit über die Grenzen des Hes- senlandes hinaus gefeiert worden. Man wird auch in unserer Stadt den Dichter, der mit seinem sonnigen Humor ein treuer Heger und Pfleger unserer hessischen und insbesondere der Darmstädter Mundartdichtung sein will, freudig begrüßen. Bemerkt sei noch, daß der Vortragsabend pünktlich um 8 Uhr beginnen muß. (Siehe heuttge Anzeige.) Konzert für Kärnten. Man schrerbt uns: ..Vom Tal bis an die Gletscherwand tön', deutsches Lied, im Kärtner- land." So klang es tausendfach im Kärntner- l a n d e, als die Zeit des südslawischen Einbruchs vorbei war. und die Abstimmung über die deutsche Zukunft des Landes entschieden hatte. Das un= versiegliche Lied gab dem Kärntner mehr als alles cmdere das Gefühl der Einheit von Heimattreue und Volksbewußtsein. Wir haben sie im letzten Jahre auch hier in Gießen kennen lernen dürfen, diese kernigen, sangesfrohen deutschen Menschen aus der deutschen Südmark, die mehr als wir Dinnendeutschen die deutsche Rot zu tragen haben. Immer noch droht das fremde Volk von Süden her in das schöne Kärntner Land überzugreifen und diesen alten deutschen Kulturboden sich untertan zu machen. „Wir sind Deutschlands Süden und nicht nur ein Bundesland irgendeines übriggebliebenen Oesterreich!" so schrieb vor kurzem ein Kärnttrer an seinen deutschen Freund. Da ist es die Pflicht von uns Binnendeutschen, daß wir uns regen und unseren Volksgenossen in Kärnten zeigen, baß sie nicht allein stehen. 3hre Rot soll unsere Rot sein! Insbesonbere aber müssen wir uns der heranwachsenben Kärtner Jugenb annehmen, die unter sehr schweren Lebensvebingungen auswächst. Herr Wilhelm Schüttler, her Leiter der Schule für höheres Violinspiel in Gietzen, hat aus diesem Gedanken heraus sich entschlossen, bas Konzert, bas er heute abenb 8 Uhr im Singsaal bes Realgymnasiums veranstaltet, in ben Dienst dieser Aufgabe zu stellen. Der finanzielle Ertrag soll der Kärntner kinderfürforge üderwicien wer den. Wir können etwas "vn der Dankesschuld, bic wir Kärnten schulben, abtrogen, wenn nur heute nbenb den Darbietungen lauschen, die seine Schule bieten wird. Die Mitglieder des Vereins für das Deutschtum insbesondere werden zum Besuch des Konzerts erwartet. P e r j o n a l i£ n. Ernannt wurde der ständige Hilfsarbeiter bei dem Landesamt für das Bü dungswesen Regieningsrat Wilhelm Henrich zum Vortragenden Rat in dem Landesamt für de.s Bildungswesen mit der Amtsbezeichnung „Ober regicrungsrat". (Es handelt sich hier um den Sohu des F i n a n z w i n i st e r s Henrich. D. Red.» ** Eine Ermahnung für tierbefit zende Ausflügler. Wer einen Ausflug macht, versorge zuvor seine Haustiere, damit sie in der Zeit der Abwesenheit nicht Durst und Hunger leiden ober schutzlos ben brennenben Sonnenstrahlen, vielleicht auch einem Unwetter ausgesetzt sind. Man wirb aus bem Ausflug beruhigter jein, wenn man sich sagen kann, batz man vor seinem Weggang die treuen Haustiere gut versorgt hat, als wenn man unterwegs plötzlich mit Schrecken daran denken muR, daß man das unterlassen tmb somit seine Pflicht nicht erfüllt hat. 0 Förderung der Schlagball wett- kämpfe der höheren Schulen Hessens. Dem Beispiel (eines preußischen Brudervereins fol genb, hat der Hessische Philologenverein ein Bonner gestiftet, bas von bei am besten spielenbcn hessischen Vollanstalt erkämpft werben kann. Um auch ben Nichtvollanstalten Gelegenheit zum ancifemben Wettspiel zu bieten, hat der Hessische Turnlehrer- Verein für diese ebenfalls einen Wanderpreis gestiftet. In den Schlagballspielen werden zunächst Bezirksmeister und aus diesen die jeweiligen Landes meister festgestellt. Gießens höhere Lehranstalten zählen zur Gruppe „Oberhcssen Nord" und bilden diese mit Grünberg und Alsfeld. Zur Zeit wird aller orts eifrig geübt, um bei dem bald zu erwartenden Beginn gewappnet zu fein. '*• Dos Konzert der Saarfänger am 1. Pfingstfeiertage in der Volkshalle verspricht ein musikalisches Ereignis ersten Ranges zu werden. Haben doch die Saarsänger bei ihrer vorjährigen Konzertreise, die sie U. a. nach Frankfurt a. M und Bad-Nauheim führte, überall einen außerordentlich großen Erfolg erzielt. Es darf hiernach wohl auch in Gießen mit einem starken Besuch gerechnet werden. !—! E i n Werkunterrichts-Kursus. Vom 14. bis 26. Juni wird Schulrat D e n ,} e r Darmstadt in Gießen für die Landlehrer einen Kursus in Werkunterricht obholten. In Frage kommen Lehrer für dos 5. bis 8. Schuljahr. Geplant ist Gestaltung des Werkunterrichts im Sinne physikalischer, geometrischer, biologischer Schülerübungen, oußerbem Werkunterricht als Arbeitskunde unter Berücksichtigung der Stoffe des Zeichenplans. ** Bewerbung zur Marineoffizierslaufbahn. Abweichend von den bisherigen Bestimmungen hat die Marineleitung für die Zukunft festgesetzt, daß die Bewerbungsgesuche von Schülern, die Die Marineoffizierslauf- bahn einzuschlagen beabsichtigen, in der Zeit vom 1. August bis 15. Aovember des Dem Einstellungszeitpunkt vorausgehenden Jahres bei Der Inspektion Des BilDungswesens Der Marine in Kiel einzureichen sind. Die Marineleitung entspricht Damit einem vielfach geäußerten Wunsche. Die Bewerber werden in Zukunft bereits Anfang Januar Die EntscheiDung über ihr Gesuch erfahren. —.— „Jeder Familie ein Eigenheim." lieber dieses Thema sprach im Saalbau Sauer in einem öffentlichen Vortrag der Vertrauensmann Lauter aus Hoffenheim von der Gemeinschaft der Freunde in Wüstenort. Der Vortrag wies einen sehr zahlreichen Besuch auf. Den Ausführungen des Redners war folgendes zu entnehmen: Die Gemeinschaft der Freunde wurde im Sommer 1924 ins Leben gerufen und ist ein gemeinnütziges Wert, bei dem weder für einzelne, noch für die Gemeinschaft der Freunde selbst Gewinne gemacht werden. Die Gemeinschaft ist auf zwei Grundsätzen ousgebaut, nämlich der Selbsthilfe und der gegenseitigen Nächsten- Hilfe. Die Gemeinschaft der Freunde hält ihre Mitglieder zum Bausparen an, und sie bietet ihnen Dafür ein, wenn auch für manche etwas langsam zu erreichendes Ziel: die Erwerbung eines Eigenheims. Zu der Selbsthilfe durch das Bausparen tritt unterstützend die gegenseitige Nächstenhilfe. Die Erträgnisse der Einlagen aller Bausparer kommen jedem einzelnen zugute, führen ihn rascher seinem Ziele entgegen. Daher dos Gebot, daß jede Einlage zunächst ein Jahr lang der Gesamtheit durch ihren Zinsertrag dienen muß. Dieser Nächstenhilfe dient auch die Einrichtung des -prozentigen Vermal- tungskostenbeitrags. Den jeder Bousparei beim Eintritt zahlen muß. Der Bausparer schließt mit der Gemeinschaft einen Bausparoertag ab, bei dem sich die Gemeinschaft das Vorkaufsrecht und die erste Hypothek bis zur Tilgung des Darlehns vorbehält. Rach Einzahlung eines Zehntels der Baufparsumme kann der Sparer an der Auslosung teilnehmen. Es werden Bausparergruppen gebildet, bei denen Gleichheit oder Aehnlichkeit von Beitrittszeit und Einzahlungshöhe maßgebend sind. Die Höhe der Bauiparfumme ist beliebig und wird zu dem billigen Zuschuß von 5 Prozent zuzüglich Tilgung in unkündbaren Tilgungshypotheken bereitgestellt. Bevor der Bausparer mit bem Bau beginnt, muß er Labe- plan, Bauplan und Kostenooranschlag ber Gemeinschaft ber Freunbe zur Prüfung einsenben. Die Baukosten werben von ber Gemeinschaft unmittelbar an bic Emv'ongsberechrigtcn ausbezahlt. Bis heute erhielten 1 1$ Mkllttde Ä* geben, «inraet tun Horex- Motorrad 250 ccm, Itofter mit englischemDreiaan» Burmanngetrrebe. In garantiert tadel- loteni Zustande, Umüände halber zu ö erlaufen. 4353D Schöne, Kttnikstr. 22 Wochentags von 3 bis 5 Uhr. GOETHE-BUND Donnerstag, 20. Mai 1V26. abends 8 Uhr, hn Kaufmännischen Vereins- Haus, Nordanlage aMc Robert Schneider aus Darmstadt lieft aus feinen j Verkaufe | Wo'onhauinenban, (Rohbau» 14 Zimmer, (Strecke Gieß.—Köln. Kreisstadt!. Herstellungskosten 26000 Mk. für 15000 Mark zu verk. BlnfnmlllMkau.ü bezb. ölnz. 10000 Mk. MüblewLaudwirt- schäften, Landvill. Bäckereien etc. SeMeenbioker, Biitkestran 9, Man verlange ausdrücklich 43I7D Verwalter der Universität. 4262c 4371D Frankfurt a. M. (Steinlestr. 33), 15. Mai 1926 4360 D Dourgas (Bulgarien), 10. Mai 1926 03476 43670 : Fernsprecher 1659. abends •03501 ut er c7/ir 2251c Schokoladen Georg Appel Gießen S651[) gerie. 3774 D 03510 3Taf. ä ioo g Milchschokolade Schmelzschokolade 3 3 Äott.äi25g Pralinen 1923 4 Taf. ä ioo g Fruchtkremschokolade 0.95 Karl Schmidt, Neuenweg 42, Tel. 1075 1922 1922 1922 1922 1922 1922 1922 2.0 1921 2.2 1921 3n anoeren touren ater W tehWe llusruaöi 1920 1920 2.50 MAusburg 1 4369c Sittenfllm in 6 Akten. 4356c 0.95 0.95 1920 1921 1921 1.50 1.70 2.00 1.30 .35 .40 .40 .45 .45 .50 1921 1921 Zus. 0.95 3«f. 0.95 GrotzeVersteigerung Dienstag, den 18. Mai, von 2 Uhr ab versteigere ich im früheren Cafe Leib, Walltorstr. 36 im Saal Möbel aller Art, 1 Herrenzimmer, 1 neue Küche, Kleider- u. Küchenfchränke, Nachttische, Kommoden, Stühle, 1 Schreibtisch, 1 Sammelschrank, 1 Ladentheke u. 2 große Regale, 1 Vertiko, elektr. Lüster, neue Herren- u. 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Eibinger Backhaus Wachstum Philipp Kiedricher WallertheimerWiesberg Wachstum Kröll Windesheimer Fels Wachstum Kern Murheilverein. Dienstag. 0.18. mol , aöenos 8 Kör im Gewerbehause, Nirchstrahe: Generalversammlung Alle Mitglieder Weiße Rheinweine Rüdesheimer Kiesel Wachstum Winzerverein.. OestricherErsthäuschen < Wachstum Swoboda Oestricher Pflanzer Wachstum Capitän Eibinger Flecht Dr. Steinreich verreist am 20. Mai. Vertreter sind die Herren: Dr. Meyerhoff, An der Johanniskirche 5, Dr. Ploch, Asterweg 34. Die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens zeigen hocherfreut an Dr. A. (Bueron und Frau Erna geb. Fröhlich ACHTUNG! MMW-MMsleMM Gesunder Junge angekommenl Hermann Schlosser und Frau Milly geb. Grub Waagen aller Art empfiehlt u. werden eichsähig hergestellt. Obige Preise verstehen sich einschließlich Glas und Verpackung bei Abnahme von 50 Flaschen ab Kellerei Rüdesheim franko Empfänger, sortiert nach Wunsch. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 18. Mai, nachmittags 21 /, Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. 03512 Verlangen Sie Ruhr- Nußkohlen, 3151ss Eiformbriketts, höchste Heäzkraft, sparsam in Hausöfen und Küchenherden. Erhältlich in alten größeren Kohlenhandlungen. Schade& Füllgrabe Bahnhofstraße 26, Ludwigsplatz 20 WaMorstrahe 24, Frankfurter Straße 89 Nach langem schweren Leiden starb unerwartet mein lieber Mann, der treue Vater seiner Kinder Pfarrer Karl August Friedrich Hellwig In tiefer Trauer: Margret Hellwig geb. Höchst und Kinder. Mn ScMiiniheH Nein, eilt Von ter Wissenschaft auct» tannter vitaminrri- cher Nähr- n. Kraft« tränt ist Doppetiwrz bas nerVenberuhia. Mittel bei Blntar- • mut, Bleichsucvt. Appetitlosigkeit,Mn- genbeschwerdeii.Ver- bauunqssckwocoe, Schlaflosigteit u|to. Oriainalflaschcn jit 2, 3,50 n. 4,60 M. Echt durch: Ed.Gutb. Vikiorin' Drogerie, (5mit !tarn,Central-Dio- gerte, 2lng. 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Mai 1926 geschlossen ist, hat er übernommen, unsere Landwirte an Ihr men! j *ub Roi 1926 W Man hlich 926 4367 D ortürme, der Hungener und Sicher a 245 historischer Bedeutung. Stellen sich die Ansicht festgesetzt Hal, daß vom Reichsmarineamt aus stark gegen den Reichskanzler gearbeitet wird. Man ist entschieden auf der Suche nach Beweisen hierfür." verein gegründet. Da der Derein als Ortsgruppe Große n-Duseck dem Beit - und links der Der Nestbau unserer Vögel. Die Baukunst der Bögel bildet ein sehr interessantes Kapitel für den Raturfreund Obwohl bestimmte Regeln beim Restbau der einzelnen Bogel- arten festzustellen find hat doch auch die veränderte Umgebung hierin besondere Eigenarten geweckt, \\tt Korsett« z. DerKaus Mittwoch :—: Bersrod, 15. Mai. Pasten, damit man ihn nicht übersteht. Und der Zug brauste herein. Wo ist er — wo? Dort sttzt er, dort am Fenster, in die Ecke gedrückt. Ganz nahe standen wir mit entblößten Häuptern. Und dort saß er und blickte regungslos mit feinen ernsten Augen heraus auf die Menge. Mit verhaltenem Atem stand der Knabe. Dann rief einer: Hoch! Und nun brauste es zum stillen Abendhimmel empor: Hoch! Hoch! Der Knabe verschlang mit seinen Blicken die ehrwürdigen Züge und prägte sie feinem Gedächtnis auf Lebenszeit ein. Die Maschine zog mit Schnaufen an, die Räder rollten in die Rächt hinaus. Und mit geschwellter Brust trottete der Knabe neben dem Bater zurück in die Stadt. Reich, tiefbeglückt. Denn er hatte einen der Großen seines Dolles gesehen. Und mit besonderem Hochgefühl schnallte er den „schweren" Kindersäbel um, stülpte die Pickelhaube über die Locken und jagte aus dem Blasrohr den Bolzen auf den lebensgroßen Zuaven aus Pappendeckel, der als Scheibe in der Wohnstube stand. 3a, das waren die zwei. Der Bismarck und der Moltke. Ueber ihnen aber, in weiter Ferne, stand der dritte. Roch viel vornehmer, viel erhabener. Das war der Kaiser. Ein sehr alter Mann im Schmuck der Silberhaare, mit gütigem Antlitz, mit freundlichen Augen und mit der strahlenden Krone auf dem Haupte, dem und hoch, der Inbegriff der Majestät, wie fich's für einen Kaiser geziemt. Und auch der Knabe wußte es: Diese drei sorgen für uns bei Tag und bei Rächt, daß wir sicher wohnen, ganz ungefährdet, in Frieden. Das war die alte Zeit, die gute Zeit, die unwiederbringlich versunkene Zeit. — Freilich, einen König hatten wir Bayern auch. Das wußten wir wohl. Und wir kannten ihn auch von Angesicht. Denn damals zeigte er sich noch von Zeit zu Zeit seinem Volke, das mit treuer Liebe an ihm hing. Ich halte ihn zum ersten Male gesehen an einem Tage, der mir jedenfalls angenehmer war als ihm. An dem herrlichen, sonnigen Tage, da ihm der deutsche Kronprinz am Siegestor in München sein ruhmbedecktes Heer zurückgab. Welch ein Trubel unter den wehenden Fahnen welch ein Geschiebe! Und plötzlich hieß es: Der König, der König! Wit offenem Munde stand der Knabe. Die Hüte flogen von den Köpfen, die Lust erdiöhnte von brausenden Hochrufen. Die Roste des vierspännigen Wagens trabten, vor den Augen des Kindes flimmerte überwältigende Pracht und Herr- lichkeit. Welcher ist der König? Borne ritten die Kutscher. Bon denen war's keiner. Dann tarnen zwei, die hatten schwarze Röcke an und trugen Zylinderhüte. Einen Zylinder und einen schwarzen Rock nannte auch der Bater fein eigen. Könige tragen- keine Zylinder. Aber jetzt — ja jetzt — eine von den zwei prächtig geschmückten Gestalten da hinten, hoch oben - ! Und im Hui war alles vorüber. „Hast'n g'seh'n, den König?" fragte der Onkel in feinem echt münchnerischen Dialekt. .O freilich!" „Ro — wie hat er denn ausg'schaut?" „O fein! Der mit dem grünen Rock und dem Federhut." Berduht stand der Knabe. So hatte er den Onkel noch nie lachen sehen. Gar nicht beruhigen konnte sich der gute Mann. Und allen erzählte ers, und alle lachten mit ihm. Und nach Jahren muhte es der Knabe wieder und wieder hören: .Weißt es noch, August wie d' ’n Drettelhupser füt’n König ang'schaut hast?" Ja, das war eine schenierliche — oder wie sich mein Schwesterchen seltsamerweise in Verwechslung des Begriffes mit der Berufstätigkeit eines väterlichen Freundes auszudrücken pfleate — das war eine .inschenierliche" Erinnerung an einen Tag hon gefördert und herausgebildet. Ursprünglich z. B. hat der Bogel nie sein Rest in Gebäude ober Ställe gebaut. Auch die Baustoffe für die Rester sind heute vielfach andere wie früher. Rur ök Form der Rester scheint unverändert geblieben zu sein. Als Standort wird ein Platz ausgewählt, der der Eigenart des Bogels einigermaßen entspricht. Lausvögel bevorzugen den Boden, Raubvögel die Spitze eines Baumes, Sumpfvögel suchen zwischen dem Schilf einen Platz. Sie Restflüchter, alle Dogeiarten, deren Junge das Rest bald verlasten, verwenden sehr wenig Sorgfalt beim Bau. Eine Vertiefung ira Boden wird mit Hälmchen und Federchen ausgelegt, und damit ist das Rest fertig. Diese Rester sind oft nur daran zu kennen, daß Eier darin liegen. — Mehr Kunstsinn verwenden die Resthocker. Hier entfaltet vor allen Dingen das Weibchen rührige Tätigkeit. Auf der niedrigsten Stufe der Baukunst stehen die .Flechtenden", Störche, Kraniche, Wildenten, Wafferhühner, Raben, Krähen u. a Die Rester besitzen eine große Festigkeit, sind aber nicht gegen Regen geschützt. — Eine höhere Stufe der Baukunst nehmen die .Weber ein. Ihr Rest stellt ein Gewebe von Hälmchen, Wolle und dergleichen dar und ist innen mit Moos und Federn ausgepolstert. — Als .Minierer" tritt die Uferschwalbe auf, die mitihren schwachen Werkzeugen eine Riesenarbeit leistet. Roch größer ist die Arbeitsleistung des Spechts. Er meißelt mit seinem kräftigen Schnabel eine Höhle in einen Baum Männchen und Weibchen arbeiten abwechselnd, in etwa 14 Tagen ist ba8 Rest fertig Häufig benutzt der Specht Baumhöhlen, die er selber auspoliert. Die höchste Stufe der Baukunst haben sich die .Kittenden" angeeignet, zu denen unsere Schwalbe gehört. In ©offen und Pfützen sammeln die Tierchen feuchte Erde, mischen sie mit ihrem Speichel und fetzen ein Erdklümpchen an das andere. Ununterbrochen wird gearbeitet, bis das Rest nach 8-10 Tagen fertig ist. Wer beobachtet, mit welcher Hingebung, Sorgfalt und Liebe unsere Vögel ihre Rester bauen, sich dem Brutgeschäft widmen und ihre Jungen pflegen, sollte der ihnen ein Leid antun, die ganze Arbeit, das herrliche Kunstwerk zerstören können? Bcuemer Straße am Wasserwerk liegenden „Äeile r s ro i e f c n" sind in den letzten Jahren vollständig versumpft. Das Gras ist sauer und als Viehsulter fast wertlos. Einzelne Landwirte haben deshalb den Versuch gemacht, ihre Wiesen mit Korbweiden anzupflanzen. Sic versprechen sich von dem Wcidcnanbau einen größeren Nutzen, Die weiter unterhalb des Tales liegenden Michelbachwiesen sind ebenfalls vollständig versauert. Hier muß dringend Abhilfe geschaffen werden, sonst gehen auch diese Wiesen zugrunde. In den Beuerner Michelbachwiesen ist vor einiger Zeit ein großer Teil durch Gräben entwässert worden. — An einer unserer Dorfschmieden, an der Straße nach Winnerod gelegen, hat der Besitzer vor Jahren beim Uebekwerfen des Hauses den recht trefflichen Hausspruch anjchreiben lassen: „Wieviel Haven auf Erden den Krieg sich erklärt und machen erst Frieden tief unter der Erd!" Möge jeder der Vorübergehenden etwas von der Wahrheit dieses Sprüchleins mitnehmen in sein Leben! Ein Nachbar der Schmiede, ein Schreiner, hat für fein Haus, das vor einiger Zeit überworfen wurde, den schönen Hausspruch gewählt: „Gott segne das Handwerk und redlich Bemüh'n und lasse es allzeit gedeihen und blüh'n." bf. Langsdorf, 15. Mai. Die hiesigen W a s s e r l e i t u n gs - und Kanalisationsarbeiten machen weiter gute Fortschritte. Zurzeit ist bie Hauptstraße in einer Länge von 500 Meter aufgerissen und somit für allen Fuhrwerks- und Autoverkehr gesperrt. Die Anwohner sind also für einige Wochen von dem furchtbaren Staub verschont, den besonders die Autos aufwirbeln. Die Kanalisationsrohre müssen sehr tief gelegt werden, bis zu 5 Meter tief, um alle tiefen Keller, die schon längere Zeit unter Wasser stehen, erfassen zu können. Bei der Ausschachtung ist man auf die Fundamente der der Pferdezucht zu interessieren, insbesondere an der Heranzuchtung erstklassigen Pferdematerials, ilebrigen» gilt der Reitsport in vernünftigen Grenzen betrieben, als eine Erholung für Mensch und Pferd. So ist es denn auch zu erklären, daß eine ganze Anzahl junget Landwirte dem neuen Verein beigetreten ist Unter Leitung de- Reitlehrers Echömbs von Gießen werden die Hebungen vorgenommen. Das Reitgelände ist Weide- und Oedland, das der hiesige GutShof zur Verfügung gestellt har. Die Pserde werden gestellt vom Gießener Institut und von hiesigen Landwirten. Der Vorstand setzt sich aus folgenden Personen zusammen: 1. Vorsitzender: W i l- helm Schmidt, 2. Vorsitzender: Otto Stephan. 1. Reitwart: Fritz (Stau. 2. Reitwarl: Wilhelm Pfeiffer. MiietiMl , eilt Don ter tiWt aner« >N eitamlniii» Wf u. fttoft« ! fft WkÄM mlvtnbetubi?. tl btl WticbfWt, WiMThi* (6tvetbtn,8e(. rnaWwE, Weit ulw. Mass»« va ß M. 4.60 D. t tmSn Stttb.Moiilt- igetie: Emil «,Csnirt>l-Dto> !,' 2luo. Well, ui-Dro,iem. ft Noll. Kailcr- iflerie; Hou» , MUMM' jeiieu-üicuiiab!1 jede; Sari Sei1 SermaniQ-TiO' ■ie; Walter dfchmidt.fi!" irofltrie; Clio terboff. Tro- 0174U 5 a b r 11 u b Gießen und Umgebung an* auch noch die Aufgabe der Hebung Tirpitz' Sturz. Jlad) unveröffentlichten Dokumenten. Bon Dr. FritzKern, o Professor der Geschichte an der Universität Bonn. id)l«»ier »er mg und ver- SKB 3» Mi- W. intet irisch »u n im Mhüiu :eu3t>l£Ü MM Ä W Der deutsch-spanische Handelsvertrag. Am 7. Mai ist in Madrid nach längeren Verhandlungen der deutsch-spanische Handelsvertrag unterzeichnet worden, der nach Ratifikation durch den Reichstag in Kraft treten soll. Damit soll der durch das Provisorium mühsam ausgefüllte halbvertragslose Zustand endlich überwunden werden. Der Vertrag kann mit dreimonatiger Frist, jedoch nicht vor Ablauf von neun Monaten nach Inkrafttreten gekündigt werden. Der endgültigen Regelung unserer Handelsbeziehungen zu Spanien standen bisher die Schwierigkeiten des deutschen Weinbaus entgegen. Ihnen ist in dem nunmehr unterzeichneten Vertrag weitgehend Rechnung getragen. Zugleich ist der industriellen Ausfuhr Spielraum gelassen, um den ihr angemessenen Anteil am spanischen Markt zu sichern. Die Weinzölle sind in der Hauptsache dem mit Italien abgeschlossenen Handelsvertrag an- gepaht. der vorn Weinbau selbst als erträglich bezeichnet ist. Die Sätze betragen 45 Mark für weihe und 32 Mark für rote Tischweine. Rur für roten Derschnittwein, der bekanntlich zur Aufbesserung unserer eigenen Gewächse nicht völlig entbehrt werden kann, ist ein Satz von 20 Mark vereinbart, der übrigens in dem bis jetzt gültigen Provisorium bereits festgelegt war. Dieses Provisorium aber war als für den deutschen Weinbau günstig allgemein anerkannt. Zugeständnisse waren auf dem Gebiete der Südfrüchte nicht zu vermeiden. Do unterliegen Apfelsinen beispielsweise einem Zoll von 2,50 Mark, gegenüber dem Italien .auferlegten von 3,25 Mark. Für die deutsche Ausfuhr nach Spanien sind allgemein die Zollsätze der 2. Kolonne des spanischen Tarifs, d. h. des spanischen Minimaltarifs, Deutschland zu- gestanden. Darüber hinaus haben wir für eine große Anzahl von Positionen, für die andere Länder Zollzugeständnisse seitens Spaniens erhalten haben, die Meistbegünstigung erlangt; allerdings mit der durch die spanische Gesetzgebung bedingten Einschränkung, daß die Unter» schreitung der 2. Kolonne nicht mehr als 20 Prozent betragen darf. Gs ist für die Industrie also nicht restlos alles Wünschenswerte erreicht. Immerhin ist für etwa die Hälfte unseres Ausfuhrinteresses die Meistbegünstigung erlangt. Die gesamte industrielle Ausfuhr nach Spanien hatte im vorigen Jahre einen Wert von etwa 161 Millionen Mark. Die Meistbegünsti- 7. März 1916. „Nach meinen Beobachtungen aus den letzten Tagen hat der Reichskanzler einen Schlag gegen das Reichsmarineamt vor. Ich bin heute abend durch das Berhalten der Herren aus der Begleitung des Reichskanzlers in dieierAnsicht bestärkt werden. Der frühere Hosmarschall Dizeadmiral v. Platen- Hallermund schreibt über die kritischen Tage nach seiner Erinnerung: „Bei der Beurteilung der Lage kam es daraus an zu wissen, ob der Reichskanzler Herr v. Bethmann Hollweg den Großadmiral unter allen Umständen und mit allen Mitteln beseitigen wollte. Diese Frage habe ich auf Grund eigener Beobachtungen im Großen Hauptquartier bejaht. — Im März 1916 hatte der Großadmiral im Hauptquartier unter den maßgebenden Persönlichkeiten keinen Fürsprecher ober Freund. Der Ches des Marinekabinetts hatte ihn oöllla fallen lassen und stand ganz unter dem Einfluß des Admirals von Holtzendorff, des erbittertsten und geschworenen Feindes des Großadmirals. Treutler als größter Hetzer gegen Tirpitz spritzte täglich sein Gift und bearbeitete die übrigen Kabinettschefs im Bethmann- schen Sinne, von denen sich Lyncker passiv verhielt, Balentini dagegen aufs heftigste Partei gegen Tirpitz nahm. Es war mir also ganz klar, daß die Tage der Dienstzeit des Großadmirals gezählt waren und das man vor keinem Mittel zurückschrecken würde, ihn zu beseitigen." Alle Treibereien hätten indes nicht zum Rücktritt des Großadmirals geführt, wenn er nicht am 8. März die Meldung empfangen hätte, daß über den U-Bootkriea negativ beschlossen worden fei. (Schluß folgt.) ;S->" Ä* Oberhesfen. Landkreis Gießen ß. L e i h g e st e r n , 17. Mai. Im 91. Lebensjahre verstarb hier in der vergangenen Woche die Witwe Marie Kan geb. Seipp, die ä 11 e ft e Frau unserer Gemeinde. Ein Unfall, Schenkelbruch, und eine hin^ugekommene Lungenentzündung machte ihrem arbeitsreichen Leben ein Ende. Frau Kan war bis in ihre letzten Tage körperlich und geistig frisch. : —: Grohen-Duseck, 15. Mai. In unserem Dorf wurde in letzter Zeit ein Reiter- gung genießen u. a. nicht Möbel, einige chemische und Textilerzeugnisse, sowie weißes und farbiges Porzellan und Wesserwaren. Für diese gilt aber, wie gesagt, die 2. Kolonne des spanischen Tarifs, also der Minimaltaris. Offen ist auch noch die Farbenfrage, die durch ein erst vor kurzem erlassenes spanisches Einfuhrverbot sich besonders schwierig gestalte: hatte. Auf Grund der spanischen Versicherung jedoch, daß das Einfuhrverbot nur eine vorübergehende Maßnahme und mit seiner teilweisen Aufhebung bereits in kürzester Zeit zu rechnen sei. wurde die Frage zunächst zurückgestellt. Bei dem großen Interesse, das unsere Handelsbeziehungen zu Spanien in der deutschen Oeffentlichkeit gefunden haben, dürfte es sich verlohnen, auf die Vorgeschichte des jetzt abgeschlossenen Abkommens einzugehen. Dor dem Kriege gründeten sich die Handelsbeziehungen Deutschlands zu Spanien auf den Handelsvertrag vom Jahre 1899. Obwohl Spanien im Weltkriege die Reutralität wahrte, wurde auch seine Wirtschaft von den Kriegsereigniffen schwer betroffen. Die spanische Regierung sah sich daher genötigt, zu Schutzmaßnahmen zu greifen. Gleichzeitig mit scharfen Zollerhöhungen, die sie im Zollgeseh vom. 12. Februar 1922 vornahm, ging sie dazu über, die bestehenden Handelsverträge zu kündigen. Auch der deutsch-spanische Vertrag wurde zum 20. Dezember 1922 außer Kraft gesetzt. Die deutsche Regierung bemühte sich, alsbald eine neue Regelung der Handelsbeziehungen zu Spanien zu treffen. Trotzdem im Frühjahr 1922 die Verhandlungen begannen, führte dennoch Spanien am 29. Mai 1922 den sogenannten „Koeffizienten" ein, d. h. einen Valuta zu schlag in Hohe von 80 Prozent auf seinen Minimaltarif, der für die deutsche Einfuhr prohibitiv wirken muhte. Den Valutakoeffizienten gab Spanien uns gegenüber erst mit dem am 25. Juli 1924 unterzeichneten Handelsabkommen auf. Zugleich gewährte es Zollnachlässe für deutsche industrielle Produkte, machte aber besondere Schwierigkeiten gegenüber unseren Weinzo11en. Die Rücksicht auf den deutschen Weinbau veranlahte den Reichstag, gegen dieses Handelsabkommen Einspruch zu erheben. Dies führte dazu, daß der Vertrag sofort wieder gekündigt wurde und neue Verhandlungen begannen. Währenddem entschloß sich die spanische Regierung unter dem Druck ihrer Ausfuhrhandelskreise zu Kampfmaßnahmen gegen Deutschland. Durch ein königliches Dekret vom 5. Rovember 1925 wurde wieder ein Zuschlag von 80 Prozent auf den spanischen Maximal tarif für alle Waren deutschen Ursprungs gelegt und außerdem ihre Einfuhr in die Freihäfen der Kanarischen Inseln und der spanischen Häfen Ceuta und Melilla verboten. Aber bereits am 18. Rovember 1925 wurde, ehe deutsche Gegenmaßnahmen in Anwendung kommen konnten, ein neues provisorisches Handelsabkommen auf die Dauer vost 6 Monaten geschlossen. Die spanischen Kampfmaßnahmen wurden aufgehoben und der Minimaltarif in Anwendung gebracht, während Deutschland bei der Einfrchr spanischer Waren grundsätzlich die autonomen Zölle erhob und lediglich für Tomaten, Weintrauben, Bananen. Apfelsinen, roten Verschnitt» wem und Sardinen in Oel günstige Zollsätze gewährte. Rach Abschluß dieses Provisoriums find dann die Verhandlungen weitergegangen, die zu der jetzigen Einigung geführt haben. Konnten auch nicht alle Wünsche befriedigt werden, so läßt sich doch erwarten, daß der deutsche Export nach Spanien die Enttoicklungsmvglichkeiten haben wird, die bei den spanischen Bedürfnissen an sich gegeben sind, und zugleich der deutsche Weinbau auf seine Rechnung kommt. -»), (Klavier). Collins Melssohn ?ner. ' irÖicr u"d lr bösil Haue. __ 4262c Pforte, gestoßen und hat dicke Mauersteine zu Tag gefördert. Am Dorfausgang nach Hungen zu wurden in einer Tiefe von etwa 2 Meter zwei Urnen gefunden, die mit Asche und Knochenresten gefüllt waren. Sie sind leider zerschlagen worden. Auch findet man öfters alte, ganz flache stvllenlose Hufei ssn von kleinen Pferden. Arbeiter, welche die Aushubarbeiten für die Zuleitung zum Hochbehälter ausführen, machten ebenfalls einige Funde. Ihre Arbeitsstrecke schneidet den Pfahlgraben, der zwischen hier und Bettenhausen verlief. So stteß man denn auch dieser Tage auf Hebert efte der Römerzeit, Urnenbrutyftürfe, Menschen- und Tierzähne wurden links der Straße nach Bettenhausen ausgegraben. Vollständige Urnen konnten auch hier nicht geborgen werden, sie gingen bei dem Versuch, sie zu erhallen, in Stücke. Jetzt will man auf eine Grabstätte gestoßen sein, was nähere Untersuchungen noch beweisen müssen. :/: Utphe, 15. Mai. Kürzlich wurde berichtet, daß sich im Nachbarort Trais-Horloff ein Storchen paar neu eingenistet hat. Nun hat sich auch bei uns ein Paar mit starker Verspätung eingestellt, nachdem etwa 23 Jahre lang unser Dorf kein Storchnest gehabt hat. Da insolgedessen keinerlei Vorrichtung mehr für einen Nestbau vorhanden war, jah man das wohnungslose Paar viele Tage lang über dem Dorfe kreisen. Immer wieder ließen sie sich auf der Scheune des Landwirts Schwarz nieder und versuchten dort auf der Spitze der Brandmauer mit Reisig zu bauen, das aber immer Am 1. März 1916 meldete dem Staatssekretär des Neichsmarineamtes jein Nachrichtenbureau, daß der Kanzler Bethmann Hollweg nach dem Hauptquartier West abgereift sei, um den Kaiser zum Verzicht auf den U-Bootkrieg zu bewegen. Zugleich erfuhr Tirpitz, daß der Kaiser seine, Tirpitz', Anwesenheit bei den entscheidenden Beratungen nicht gewünscht habe. Als Helfer hatte sich der Kanzler den Admiralstabschef v. Holtzendorff, der ein alter persönlicher Gegner des Großadmirals war, mitgenommen. „Obwohl mir," so schreibt Tir- pitz selbst im Manuskript des noch unveröffentlichten 2. Bandes seines großen Werkes, „burd? kaiserliche Order versichert war, daß es In der Absicht des Kaisers liege, meine Ansicht in allen wichtigen marme- politischen Fragen einzuholen, war ich wieder einmal völlig ausgeschaltet. Was ich aber damals noch nicht wußte, war die heute noch fbft unbekannte Tatsache, daß neben der tragischen Handlung einer schicksalsschweren Entscheidung das kleine Satyr» ipiel der Intrige lief, die sich das Ziel gesetzt hatte, den Staatssekretär des Reichsmarineamtes um jeden Preis, und sei es den der Verleumdung, aus dem Amte- zu entfernen. Die Leiter der Kriegsfühning zu Land und zur See, Falkenhayn und Holtzendorff begegneten sich in diesem Wunsche mit dem Leiter unserer Politik und der Kaiser war von vornherein entschlossen, keinen Widerstand zu leisten. Man sah verschiedene Wege, zum Ziel zu gelangen. Die Erregung des Kaisers über den Pressefeld- zug für den U Bootkrieg bot bereits am 2. März Herrn v. Bethmann Hollweg willkommenen Anlaß, dem Kaiser einen vorgeblich reinen Wein über das Nachrichtenbureau des Reichsmarineamtes einzu- schenken. Er handelte dabei nach seinem eigenen Zeugnis im-Einverständnis mit dem Chef des Ad- iniralftabes." Daß Herr v. Holtzendorff dabei ein doppeltes Spiel trieb, belegen die vom Großadmiral beigebrachten Zeugnifle. Am 3. März meldete der Der- !roter des Reichsmarineamts aus Charleville, daß Holtzendorff und Falkenhayn alles daran setzen, um Tirpitz von den Beratungen beim Kaiser auszu- schließen. Am 5. März schrieb Bethmann Hollweg an Herrn v. Iagow: „Tirpitz hat ein scharfes Kabinetts- ichreiben bekommen, in dem die Beaufsichtigung der Presse auf dem Gebiete der Seekriegsführung dem ’.’lbmiralftab übertragen wird. Die Marine- berren erwarten als Antwort Dir« pitzensAbschiedsgesuch.dasangenom- m e n werden würde. Letzteres trifft zu, ersteres bezweifle ich. Löhleins Mitteilungen im Bundesrat werden das Sprungbrett l i e fe r n müssen. Entschuldigen Sie die Flüchtigkeit dieses Briefes und feine schlechte Schrift. Meine Nerven sind etwas unruhig." Der Kanzler hatte also mit der „scharfen Äabi» uettsorder" in Sachen des Nachrichtenbureaus den Bruch zwischen dem Kaiser und dem Kanzler herbeizufuhren gewünscht, zweifelte aber noch am Erfolg, weil er sich selbst nicht denken konnte, daß Tirpitz wegen einer Frage von so untergeordneter Bedeutung, in der zudem Bethmanns Stellung sachlich wenig stark war, feinen Abschied nehmen werde. Er sah also scdärfcr als „die Marineherren", womit er das mächtige Gegnerpaar des Großadmirals, den Kabinettschef Muller und den Admiralstabschef meinte. Ader der Kanzler hatte dafür ein anderes „Sprungbrett" bereit, um den Absprung des Großadmirals zu bewerkstelligen. Das sind die berühmten ober besser berüchtigten „falschen Zahlen", die Löhlein, der Vertreter des Reichsmarineamts, im Bundesrat angeblich über den Stand des U-Boots- baues angegeben hatte. In der Tat hat diese gegen das Reichsmarineamt ausgestreute Behauptung in jenen Märztagen ihren Dienst zur Beseittgung von Tirpitz getan. „W a s wird Herr von Tirpitz nun machen?", fragte am Abend des 6. März in Charleville der Kanzler den Admiralstabschef, bei dem er zum Abendessen geladen war. Wie gespannt die Atmosphäre war, zeigen folgende Sätze aus den Tagesmeldungen des Charleviller Vertreters des Reichsmarineamts nach Berlin: 6. März 1916. ,Ich habe den Eindruck, daß beim Reichskanzler, Admiral v. Müller und anderen entscheidenden Aus August Sperls Kindheitsparadies. Zu seinem 60. Geburtstag hatte der jüngst verstorbene August S p^e r l, der Verfasser der bekannten Romane .Die Fahrt nach der alten Urkunde". „Die Söhne deS Herrn Budiwoj", .Burschen heraus" seinen Freunden in den köstlichen »Ahnenbildern und Jugenderinnerungen" chsgesundheitswoche, die mit dem gestrigen Tage ihren Abschluß fand, hatte sich auch hier ein Ortsausschuß unter der Leitung von Sani- tatsrot Dr. H e u b a ch gebildet. Dank des Entgegen- kommens hiesiger und auswärtiger Aerzte, Schulen und Vereinen konnte ein wohldurchdachtes Programm aufgestellt werden, das an verschiedenen Abenden eine ganze Reihe wertvoller Vorträge und Lichtbildervorführungen bot. Den Auftakt der Steicte: qesundheitswoche bildete ein Eröffnungsakt auf dem 'weder herunterfiel, bis sich der Besitzer entschloß, ».'s Rad einer Dickwurzmühle auf der Mauer am iiibringen. Nun sieht man die Tiere infolge der Verspätung mit verdoppeltem Eifer Baustoffe her- be>tragen. Trotzdem ist das Nest noch nicht fertig- gestellt, während die Störchin schon zu legen beginnt. Infolgedessen ist das erste Ei durch das Nest hinburH herabgefallen. Ohne Zweifel ist das Neu- iniftreten des Storches in unserer Gegend darauf zu rückzuführen, daß durch die Braunkohlengrube sich mehrere Teiche und versumpfte Stellen gebildet haben. Auch sollen die Wiesen- gründe an der Horloff durch die feuchten Jahre viel nasser geworden fein und damit wohl eine reichere Nahrungsquelle für den Storch. — Unser Dorf wird gegenwärtig von den Masern heim- gesucht. Die Halste der schulpflichtigen Kinder liegt an der Krankheit darnieder. Sie nimmt jedoch einen gutartigen Verlauf. liefe die ganze Stadt zusammen und gerinne an meinem Weg und verwandle sich von süß in sauer. 3ch erreichte dos Freie, aber auf der Landstraße traten mir Menschen in den Weg. um auszuspeien und ihre Blicke wie Dornen vvr- zuweisen. älnd kaum, daß ich erschöpft am Strande stand, wo eine Menge, noch bewegt von dem Abschied der Auswanderer, nicht auseinanderzugehen vermochte, kaum daß ich im Boot faß und mit raschen Ruderschlagen zum Schiff entfloh, das seine rohe, mächtige Stimme wieder erhob, da sah ich einen bärtigen Mann in gelber Zacke und geblümtem Turbän ans ilfet eilen, ©in Stein von feiner Hand flog mit schwereni Schwung nach mir und beschüttete mein Gesicht mit Rässe. Seltsame Leckerbissen in seltsamen Ländern. Daß die „Geschmäcker" in den verschiedenen Zonen verschieden sind, ist eine alte Tatsache, und Reisende erzählen uns nicht selten von merkwürdigen Gerichten, bei denen die europäische Zunge schaudert. Aber das Seltsamste, was Wohl bisher aus dem Bereich der exotischen Küche berichtet worden ist, erzählt Oberstleutnant Etherion, der besonders durch seine Reisen in Olfien bekannt geworden ist, in einem Londoner Vlatt. „3n China gehören bekanntlich getrocknete Ratten zu den Leckerbissen," schreibt er. „Man erzählte mir, daß sie das Haar wieder wachsen lassen, wenn man zur Glatze neigt, während eine gekochte schwarze Katze gegen Fieber gut ist. 2lber das Hauptgericht bei einem chinesischen Bankett, dem ich beiwohnte, war eine Schüssel mit neugeborenen Weißen Mäusen, die lebendig serviert, in Shrup getaucht und tote Austern heruntergeschluckt wurden. Gern flüchtet man von den weihen Mäusen, schwarzen Katzen und farcierten Hunden Chinas nach dem Lob Rar-Ge- biet zu den Grenzen der Mongolei, wo die natürliche Gastfreundlichkeit der Bevölkerung den Besucher mit den erstaunlichsten Kochkünsten erfreut. Die Speisenfolge bei ebiem Diner, das Domplatz, der bewies, welches Interesse die Beoölke- mng Wetzlars der Vekanstaltung darzubringen gewillt war. Im Nomen der Reichsregierung eröffnete Bürgermeister Dr. K ü h n die Reichsgesunoheils- woche und nües auf die Bedeutung der Gesundheit der einzelnen und der Gesamtheit hin. Im Laufe der Woche fanden Veranstaltungen statt, die alle unter der Devise standen^ „Wie bleibe ich gesund?" Abendvorträae, die die verschiedensten Gebiete der (gesundheitspflege bei Säuglingen und Erwachsenen, Unfallverhütungen in gewerblichn Betrieben, Soziale Versicherungen, Zahnpflege, Bakterien als Freunde imb Feinde des Menschen. Wesen und Kritik der .Kurpfuscherei, sowie des ärztlichen Sektierertums behandelten, waren durchweg stark besucht und boten eine reiche Fülle von anregenden Belehrungen, die man gern mit noch House nahm. Wertvolle Filme unterstützten und goben bildliche Erläuterungen der Vorträge, ober zeigten für sich oklein den Weg zur Erlongung und Wahrung der Gesundheit. Wie die Gesundheitspflege durch Turnen und Sport in rechter Weife betrieben werben kann, zeigten bie vom Stobt- amt für Leibesübungen veranstalteten Vorführungen imb bie von ben Schulen vorgesiihrten Spiele, Reigen, Turn- unb Sportübungen auf bem Stabion der Spilbnrg. Auch bie in bem stäbtifchen Hallenbad vorgeführten Uebunqen im Schwimmsport nnb die Rettung Ertrintenber sonben bas Interesse ber Bevölkerung. Die Ausstellung für Gesundheitspflege, veranstaltet über Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose, Säuglingspflege, Gemerbekronkheiten, Zahnpflege war äußerst reichhaltig und vielseitig. Von ben Tagen ber Reichsgesunbheitswoche bars man wohl behaupten, baß sie Rang unb Dualität hatten. Möge bie mühevolle Arbeit auch zum Segen gereichen. ch. Lütz eil in ben, 15. Mai. Der Stand bes beutschen Rotklees ist in unserer Gemarkung nur teilweise befriebigenb. Durch Mäusefraß würbe manche Saat bis auf ben letzten Halm vernichtet, so boß auch in biefem Jahre für viele Lanbwirte keine günstigen Futteraussichten bestehen. XX Aus bem Kreise Wetzlar, 15. Mai. Der Geflügelzuchtverein für denKreis Wetzlar hat sich bie Aufgabe gestellt, burch Verbreitung guter Keflügelrasfen bie Geflügelzucht nach Möglichkeit zu heben. Diesem Zwecke bienen u. a. bie Geflügelzuchtstationen, bie ber Verein schon vor bem Weltkrieg eingerichtet hat. Vor allem soll babufd] ben Lanbwirien bie Möglichkeit gegeben werben, bie Leistungsfähigkeit ihres Ge- flügelbestonbes burch Aufzucht von solchen Küken, bie von besonbers guten Zuchtstammen herstommen, zu verbessern. Indem ich den Gassen folgte, kam ich abermals vor die Stadt an den Saum der Daum- gärien und in Sicht bes Meeres. Hier stand eine Schenke. Dünne Sonnenstrahlen spannen unaufhörlich Goldfäden durch ben Schatten hoher Bäume. Ein paar Leute saßen halb schlafend in bem angenehmen Zwielicht; vor jedem stand nichts als ein Glas reinen Wassers aus der QueNe und ein frischgepflückter Blumenstrauß. Die Hauswand unter der Laube wies unbeholfene Zeichnungen, es waren Fischerboote mit kleinen Flüggen und im Meer nachschleisenden Rehen. Eine Taucherleine hing tief hinab, und in halber Hohe über dem Meeresboden hielt ein Hai einen Menschen im Maul; das Blut stieg wie ein Aauch zur Oberfläche. Hier nahm ich Platz. Der Diener war zur Stelle und fetzte Wasser und Blumen vor mich hin. 3ch trank erquickt und ruhte aus. Die glänzende Muschel lag vor mir und ich hob entzückt das Bündel frischer Moosrosen, das eine einzige Relke umkränzte, an meine Rase. Plötzlich brach von fern ein dumpfer Ton die Stille. Er war stark und langgezogen. Es war die Stimme des Dampfschiffs; ein Brüllen, das Bie Luft erzittern machte. Mehrmals brach es ab und erhob sich aufs neue. 3ch wollte widerstehen, ich hob verzweifelt die Hände nach den Traumen des Morgens; aber jener Ton war ein ©eil um meinen Hals geschlungen und zog mich mit seiner unbändigen Kraft. Der Diener stand nicht weil; ich klatschte in die Hände, um ihn herzurufen, aber der Mensch, ganz bleich ge- ging in das Hans uiid kehrte nicht zurück. Die Gäste hoben verwirrt und böse ihre cm Schlummer gesenkten Köpfe. Ich legte eine ,auf den Teller, stand auf und ging fort einige von den Gästen standen auf; es ?ls Maten sie mir. Als mich tn den saften des Basars die Menschen kommen sahen, erhoben fte sich und traten in die Türen; Last- ^Eben mitten auf der Straße stehen SÄfr K? wir mit den Schultern. Eine schrille Stimme rief rin Wort, unb von allen Veiten kam die «teste Antwort: es schien, als n Höhn Urb orf, 15. Mat Abenbs gegen 0 st strzte auf Dem Wege von hier nad) Ailertchen ein aus Neuenahr stammender Kann Derart schwer mit seinem Rab, baß er in lt7 r„ ü e r (e fc t e m 3 u ft a n b e in bas hiesige Bahnhofhotel gebracht werben mußte. * “ unglückten ist bis jetzt bas Bewußtsein zurückgekehrt. Das Dampfschiff. Don Alfons Paquet , Ich ging zu der kleinen gelben Stadt mit den weißen Lurmsäulen und kam in die Rähe des HafenS zurück. Die Häuser empsingen die Morgenluft mit offenen Türen. Aufs Land gezogene Fischerboote verhauchten ihren kräftigen Duft von Seetang und Harz. Dann folgte ich einer kratze zwischen Gartenmauern mit über hängend en Zweigen und ragenden Daum- spihem Sinter einer Allee begann ein Stadtteil nrft engen Gasten. Bunt geneibet gingen die Menschen zwischen den schattigen Gewölben und den von Händlern sorgsam aufgebauten Hügeln von Oliven. Granatäpfeln, Datteln und Russen, zwischen vollgehäuften Körben mit Getreide und Sefam. Ein Speifenverkäufet. umringt von Schusseln mit roten Latwergen, gesäuerten Käsen. Reis- und Traubenkuchen und strohfarbenen, taschenförmigen Broten, unterbrach, als ich vor- überfam, seinen Handel und wies auf feine Waren. Ich dankte ihm. und bie Leute, die in der Rähe standen, lächelten und ließen ihre Blicke als ein heiteres Zeichen des Willkommens mit mir gehen. Als ich am Ende der Vasten angelangt war. begann ein Wiesenpfad, der in steiler Ranke den Bergrücken umzog. Bald stand ich oben unter alten Bäumen und am Fuß einer wohlerhaltenen Durg der Kreuzritter, die einmal diese Stadt mit den benachbarten Tälern bes Gebirges zu einer Grafschaft vereinigt hotten. Ich sah auf das Meer. Es glänzte hell mit unaufhörlichen, heißen und geheimnisvollen Witzen, fv daß das Schiss, das weit vom Strand und umringt von Booten lag, ganz schwarz unb klein erschien. Langsam stieg ich auf der andern Seite den FelSriicken durch die stacheligen Büsche in die Schlucht hinab. Dort schoß im Dickicht ein Wildbach wie ein Pfeil der Stadt entgegen: an einer Wühle empfingen ihn die ersten Brückenbogen; er glitt zerteilt hindurch in das gemauerte Bett, breitete sich auf trüben Kieseln wie em Schleier au6 und schlich an Höfen und Treppen der Dkoufärber vorüber. Kreis Kirchhain. , II Kirchhain, 15. Mai. Mit einem feia> "che" Akt wurde gestern hier der Grundstein zu einem .Eva ngel ische n Vereinshaus gelegt Die Ansprache hielt Pfarrer Klingelhofer. worauf Pfarrer Fliege«schmied. Metropolitan Wille, Bürgermeister Grün. Stadtbaumeister Weber, Pfarrer Schmidt. Landrat von Gilsa und Pfarrer Klingelhöf er mit entsprechenden Wünschen Hammerschläge abgaben. Die Kosten des Baues, die duvch die evangelischen Gemeinden, die Stadt und ftm» füge Beihilfen aufgebracht werden, stellen auf über 30000 Mk Kreis Marburg. sch. Marburg, 15. Mai. 3n der Aula der Universität sand heut^ die feierliche Immatrikulation der in diesem Sommersemefber neu hinzugekommenen Studierenden statt. Es * waren 1143 Studierende, die von dem Rektor verpflichtet wurden und die Immatrikulationsurkunden erhielten. Die Gesamtzahl der Studierenden ist inztoischien auf 2350 gestiegen. Im Landratsamt begannen heute unter dem Vor sitz des Vizepräsidenten Dr. Lehmann, Kassel, die Verhandlungen, bett, dos Ausscheiden der Stadt Marburg aus dem K reise. In dieser Besprechung kam bereits #um Ausdruck, dast von einer Derschmelzung ber Kveise K i rchha i n und Marburg zunächst keine Rede fern kann. Die DsrHrmOlungen werden fortgesetzt. Muiugu». Frankfurt a. M., 15. 9HaL iuö-|»nfanfl Rar» < VoHtnrten...... 9% (Solbmerftana ■ Berliner Handelsgesellschaft. Lommerz- and Privat-Baok Darmft. mtb SQartonatbant . Deutsche Bank Deutsche vcreiusbarS • • ■ DiSconto Lommandrt Metalldank Mitteldeutsche Lredttbank . . Qcstcrrrichische Lredttauftalt. Westbank ......... Lanrahsttte Obcrbedars ...... Phöritr Bergbau ....... Rbeinstahl . . . Nie deck Montan........ TelluS Bergbau. ..... »01^ Amerika Paket. . . »ratsch« Slotib . . , Lhc römische Werke TU Hfl . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holjmann...... Auglo-Lont-Suauo Chemische Mayer Alapiu . . HoUveriohUnlg........ RütaerSwerke Echttdeanstalt 800. Elektrizität».Gesellschaft Vermumm ....... Mamkraitwerke ....... Schlickert......... .. Siemens 1 HalSe ..... Adlerwerke Kley« ..... Daimler Motor«. ...... Hevliaenstaedt..... Megutn . . . Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armatur« . . , Konservenfabrik Braun . . . Schuhfabrik Herz Sichel ........ Zeüston Dakdhof....... Zmt. ciobrtk Frankenthal . . Zuckerfabrik ißaabäirfd • Bochumer Sus . BudcruS ■ ......... Laro Deutsch Luxemburg . rtdfenttntientr Bergwerke. . Harpen« Bergbau...... .Valtwerp Aschersleben. « . . Kaliwerk Westeregeln 12,4 15,5 «I 146,9 — 118’ 106- 106,5 105* 125,25 125,76 125* 121,75 123,25 122,5* 89,5 — —• 119,5 130,25 119,7* 93 W _ 108 108,5 6,9 6,95 90 _ 89,25 37.5 58,75 57,13 50.25 — 50,5* 93,5 94,5 93,25 V6.25* 100,25 97 112,5* 114,25 112.9 118 — 116.1* 118,5 — 120 34,5 — 36,25 49 — 50 74,75 76,75* 92,5’ 92,13* 91,76 z 91.6 138,5* 165.2* 134* 130.6* 138* 130,9* 48,5 98 - — — 69 — 67,6 — — 72,25 166,5* 161,7* 56,5* 71 73,75 172,21 61,5 00 _ 74 —— 76 112 111,5 107,5* 110* 108* 100 104.6 100,2* 93 98 96,75* 98,5* 35,9* 143,5 147 143,2* 61,36 62 fiO 59.75 — 60.5 35,6 — — 37 — — — 16,5 16 —. _ 40,25 — — Ito 106,6 —— 72 — rr 34 — 36 4 4,5 — 121,5 — 119,75 59,25 — 7,05 IM* t3i,r 15V 105,5 125,y 128,5’ 110* 1103,75 — 75,15* 147,5* , 61,35 61,75 . »2,5* .55,75 62,5 96,5* 100* 114,2* .-H 36,6 51.25 76,5* 93,16* 160, r I 74,5 rä !110,75 „Fräulein Lunsen, ich komme da eben in die Scheune und finde gleich am Tor eine Bucht abgeschlagen. Wie Piepenstehl mir jagt, soll sie für Enten dienen. Ich darf Sie wohl bitten, die anderswo anbringen zu lassen. Dort an ber Tür müssen bie Eggen liegen. Sie wissen, bie haben da schon immer ihren Platz gehabt, und ich kann sie nicht anders unterbringen. Die Enten können doch ganz gut im Hühnerstall bleiben." „Der Hühnerstall wird mir zu eng, wenn das Jungvieh auskommt. Ich hab' mir Fasanen bestellt, bie müssen in den Hühnerstall." „Sie wissen doch gar nicht mit Fajanenzucht Bescheid." „Das lassen Sie meine Sorge sein!" „Sie haben doch auch so Arbeit genug1 Und bie Neuanschaffungen — wissen Sie, Fräulein Thora, ick wollte schon lange mal ein ernstes Wort mit Ihnen reden." „Ich habe bie Milch auf bem Feuer. Einen Augenblick!" „Lassen Sie sich nicht stören, ich hab' schon eher auf bem Herb gesessen." Er folgte ihr in die Küche. Frau Margrit, bie die Stimmen gehört und bie Worte verstanden hatte, fühlte sich nicht veranlaßt, dazuzUtOmmen. „Haben Sie Mutter Piepenstehl nicht zur Hilfe? Ich sah sie vorhin wieder am Katen murksen." „Es geht zu Ende mit der alten Mau, ihrer Mutter. Sie kann sie nicht allein lassen. Wir werden auch so fertig.“ ,La, ich möchte wissen, womit die Bunsens nicht allein fertig würden. Auch mit ihren Pächtern. — Aber wissen Sie, nun mal im Ernst: Glauben Sie. daß Ihre Mutter sich diese vielen Neuanschaffungen leisten kann?" „Ob? — Na, das ist doch Mutters Sache." „Sie sieht recht ein bißchen schmal unb blaß aus, finden Sie nicht? — Und wenn man die Töchter reden hört, bann sehen die immer goldene Berge in der Zukunft, aber die Sorgen des Tages, die sehen sie nicht." „Das ist unsere Sache und nicht Ihre." „Als ich Kiekvondiek übernahm, sprach ich mit meiner Tante, unb sie sagte: ,Du fährst gut, wenn bu den Hof mitpachtest, er liegt fo dicht mit Gottesgabe zusammen, Felder unb Weiden zum Teil form* llch durcheinander — für dich wirtschaftet sich hat Devisenmarkt Verla—Staelhid a. TR. Telegraphische Auszahlung. 15 Mai. 17. MM Amtliche Jiomrung RmUtchc *?iotirnnia 6k Ih Bnci (Selb vnel Hum :Hou 168,79 169.2t 108,86 Bur n äirtv 1.688 1,892 1,684 1.6W 12,44 Bni aitw 12.6* 12,72 •N) 77 90.99 12.4« tebrifnanto 90.99 91.21 JttoptnbaQ: II".1t 110.41 110,21 119,49 Sluckdolm 112,31 112.49 ’ 1. 10.547 112.59 jpdfwgforv U» M7 10. M* 10,597 Stollen . 14,7h 14,8-1 14.8.3 14,87 London .11.409 20.461 20,4t.- 20,464 '.'leutwrt . 4.195 l.itf. 4,195 4,205 Bnnr 12.65.. 12.1.9. 12.675 12,715 Schwei« »1.11 81,31 -1.1" HL» Swriai '.0.49 liO.ii.*, «1.55 80.71 > 1.068 1,972 1.970 1.971 Hlo de San Wien .n T 0.609 H.G11 0.814 u.«ri Ct’l abgefi 59,213 >9,355 .9,225 59,366 Urc.Q 12.417 12.457 12.417 12.457 Belgrad . 7.407 7.4*7 7,407 7.467 Budaprn. 5.836 5.875 .87 '.89 Bnlgarirn t.llfiS .1,045 3« 34 üiflabon *1.425 .1,485 1 425 ®an*tg stonit utln -s, so baß fie durch chren Rechtsaußen in der Mrnute m Führung gehen. Gießen spielte aufopfernd um den Ausgleich herzustellen, aber der gute D>rwart Daubringens wußte jeden Erfolg zu verhindern. Gießen wird zusehends besser konnte aber Ächt verhindern, baß Daubringeü Gießen kam jetzt mehr auf und tonnte das Resultat auf 3:2 stellen. CBeibc Tore waren verdient. Wenn man berücksichtigt, daß Daubnngen damit erst sein zweites Spiel machte, so sind die Leistungen dieser jungen Mannschaft um so höher einzuschähen, konnte sie doch beide Spiele gegen eingespielte Gegner zu ihren Gunsten beenden. 3n den am Samstag und Sonntag ... Wilmersdorf bei Berlin ausgetragenen Dor- und Zwischenrundenspielen um die Hand- und Fußballmeisterschaft der Deutschen Turnerschaft bildete die Hauptanziehungskraft natürlich das Spiel des Berliner und norddeutschen Handballmeisters Spandau 18 60, der in der Borrunde gegen den Männerturnverein Saalfeld mit 5:2 (Halbzeit 2:1) und am Sonntag in der Zwischenrunde gegen den Allgemeinen Turnverein Leipzig-Connewitz 4:3 (Halbzeit 2:1) Sieger wurde und svTnit am 6. 3uni in das Turner-Endspiel kommt. Am Samstag siegte Connewitz im Vorrundenspiel gegen Danzig-Reufahrwas- fer mit 7:2 (Halbzeit 3:1). Die Vorrunde im Fußball endete erst nach Spielverlängerung mit einem 4. 3°Siez des Hamburg » Rotenburger Turnvereins über den Allgemeinen Turnverein Weida. Rotenburg gewann auch das 'ä^ischenrundenspiel gegen den in der Vorrunde spielfreien Turnverein Holzhausen-Leipzig, und zwar mit 5:1 (Halbzeit 0:0) und kommt somit in das Endspiel. Bücherttsa-. — Der Hege r. Aus dem Inhalt der vorlie- geiiden Hefte 16 und 17 machen wir mit emp- sehlendem Hinweis folgende Aufsätze namhaft: „Em letztes Wort über Jagd- und Vogelmord auf Helgoland von Dr. Weigold, die monographische Studie „Die Racher des Jbykus" von Adalbert Baron Krüdener (mit einer Fortsetzung), eine Schilderung Frühling in deutschen Jagdgründen" von Blumenthal und eine illustrierte Abhandlung von Dr. Bergner über „Krankheiten, die von Hund und Katze auf den Menschen übertragen werden". Aus dem schießtechnischen Teil ist auf eine Gegenüberstellung „Schrotschußleistung einst und jetzt" zu verweisen. I. IH,® %ie Sch° wugdtsWW «,$■ **Ä Turnen. Deutsche Turners 5 aft. Dsr« unb Zwischenrundenspiel um die Hand- und Fußballmeisterschost. ^9ed)l>hnten Posten nicht ausfüllen. Rur durch I bis zur Halbzeit noch zweimal einsandte. Rach zuletzt erwähnten Umstand gelang es den Gästen, I Halbzeit fiel Daubringens Läuserreibe stark ah. eine höhere R.ederlage abzuwenden. Dennoch ' •- y ' stellt der 5:3°Sieg der V. f. B.er ihrer Spielstärke das beste Zeugnis aus und kann als voller Erfolg gebucht werden. Turnen, Sport und Spiel. em gemeinsames $ tobten tonne. bis ourstenentei, Sinan ,, . Wer das 3 Unterhaltung Ad ie lnncrpolitisch c Jn m der Ät in die Ein die am Sonntagna .^'lcher Dollspa »ar '"'hrem I M sieg er DU ff 'A ein« EsV öÄte i Jlt if Mich A "ollkow 3unt N'ÄIg Men ■ ÄL & ?- Freie Turnerschaft Lollar. ä- Die erste Mannschaft der Freien Turner- schaft Lollar wartet mit zwei Resultaten auf, die nebeneinandergestellt, unverständlich sind. Am Himmelfahrttag fand ein Spiel gegen die Erste Raunheims statt. Lollar trat zwar mit Ersatz an, trotzdem hätte die Riederlage unter keinen Umständen so hoch sein dürfen, indem sie 4:0 verloren. Ein anderes Bild bot die Mannschaft am Sonntag im Spiel gegen die Erste Gießens. Das 3:1-Resultat bedeutet einen starken Achtungserfolg, an dem auch die Tatsache nichts ändert, daß Gießen das Spiel von Anfang an wegen ungenügender Markierung unter Protest burcßfußrte. Der Platz selbst war in einer „greulichen" Verfassung. Durch den tags zuvor niedergegangenen Regen war der infolge des -Umbauet an sich schon weiche Lettboden in eine schwammige, Sähe, graue Masse verwandelt, der sich in dicken Klumpen an die Schuhe hängte. Dadurch wurde der Start unb das Laufen stark beeinträchtigt. Mit diesem Umstand konnten sich auch beide Mannschaften zunächst nicht abfinden, das Spiel zeigte nicht die gewohnte Lebhaftigkeit, Lollar setzte sich zuerst durch und hatte fast durchweg in der ersten Halbzeit mehr von dem Spiel. Das für Lollar führende Tor fiel nach 10 Minuten durch einen unverhofft hohen Schuß, ber von der Torlatte ab ms Tor prallte. Beiderseits blieben eine Reihe Torgelegenheiten in der Folge ungenutzt, erst gegen Schluß der ersten Halbzeit kam Lollar zu dem zweiten Erfolg. Rach Wiederanstoß gab Gießen fast eine halbe Stunde lang den Ton an, in ausgezeichneter Kombination wurde Angriff auf Angriff eingeleitet, was von der Lollarer Hintermannschaft nicht gemeistert wurde, ging ms Aus. Der Lollarer Tormann tat das Menschenmöglichste mit seiner Abwehrarbeit, sechs Ecken waren die Ausbeute der Gießener in dieser Zeit, von denen erst die letzte nach emem kurzen Geplänkel zu einem Erfolg verwandelt werden konnte. 2:1 für Lollar. Die Gefahr des Aufgeholtwerdens rückte näher, das Spier wurde demzufolge wieder recht lebhaft, zu- mal Lollar zu drücken begann. 10 Minuten vor Schluß erzielte denn auch Lollar aus einem Ge- [ dränge heraus das dritte Tor, sich damit seinen Sieg sichernd. Mit äußerster Anstrengung versuchte Gießen dem Spiel noch einen anderen Ausklang zu geben, jedoch vergebens. Beide Mannschaften boten ein flottes und faires Spiel, dem man den Charakter des Punktspiels nur an seinem lebhaften Tempo anmerkte. Turn- und Sportverein Wieseck. Trotzdem Wieseck im Spiel gegen den Spitzenreiter der ersten Klaffe, Wetzlar, mit einigen Mann Ersah antreten mußte, hat es sich I in Wetzlar doch recht tapfer gehalten. Der 3:2= Sieg Wetzlars ist recht knapp und beweist, daß Wieseck scheinbar die Absicht hatte, unsere Dor- bersage zuschanden zu machen, die ihnen eine empfindlichere Niederlage wahrsagte. Mit einem Vorsprung von drei Punkten schließt Wetzlar nach diesem Spiel die Vorrunde als Tabellenführer ab. — Die zweiteMannschaft Wie- secks leistete sich am Himmelfahrttage das Vergnügen. die Mannschaft durch fünf Spieler aus der Jugend zu ersehen. Daher war es kein Wunder. baß sie gegen die durchweg schwerere Gießener Zweite 4:0 verlor. Das Spiel am Sonntag, das gegen die erste Mannschaft R 0 d - heims auSgetragen wurde, zeigte wieder ein anderes Bild. Die Mannschaft trat zwar wieder mit Ersatz an, zeigte aber doch wesentlich bessere Leistungen und konnte die Preußen 4:2 heim- I schicken. — Das Spiel der ersten Jugend- Mannschaften Wiesecks und Gießens nahm den von uns vorhergesagten Verlauf. Dank seiner körperlichen äleberlegenheit siegte Gießen 3:0. Allerdings ist hiergegen Protest angemeldet, da von den drei Toren eins mit der Hand eingeschlagen, ein zweftes aus einwandfreier Abseitsstellung geschossen wurde. — Die zweite Jugendmannschaft probierte ihre Kräfte gegen die Jugendmannschaft Alten-Busecks und konnte das Spiel mit 3:0 für sich entscheiden. Naunheim I - Heuchelheim I 1:2 (1:0). Glasdach 1 - Fronhau;en 10:8. L Diesen reichlich hohen Sieg holte sich Fronhausen im Wiederholungsspiel gegen Blas- bach in Wetzlar. Schuld daran ist nicht zum wenigsten der recht schlüpfrige Boden der „Ochsenwiese", auf der das Spiel zustande kam. Was oer Blasbach fehlt, ist die Schußfreudigkeit: fie folltc sich an Fronhausen ein Muster nehmen. Tennis. Tenniskänderkrompf Oesterreich — Deutschland. Der Tennisländerkampf Oesterreich-Deutsch- land wurde mit den noch ausstehenden vier Spielen beendet. Er brachte den Deutschen abermals die erwarteten Erfolge, so daß diese mit 9.0 überlegen Sieger blieben Radsport. Den Großen Straßen preis von Magdeburg auf der Strecke Magdeburg- Brandenburg—Magdeburg der D. R. 11. gewann Zuiwft W o l k e in 5 Stunden 15 Minuten vor uaruno Wolke (Händbreite zurück). Das Memento, das Hauptrennen der Bahnrennen am gestrigen Sonntag in Berlin- 2x50 Klm., gewann Sawall mit 99.700 Klm. vor Möller 97.270 und Lewa- now 94,610. Wittig, der den ersten Lauf gewonnen hatte, stürzte im zweiten, seine Verletzungen waren allerdings nur leichter Ratur. "Sie Kölner Amateurrennen mußten am Sonntag wegen des schlechten Wetters ausfallen. Kanusport. Mai-Wanderfahrt 1926. Der Oberrhein- und Mainkreis des Deutschen Kanu-Verbandes veranstaltet auch in diesem Jahre wieder an Pfingsten eine dreitägige Wanderfahrt da die voriährige Kreisfahrt auf der Lahn bei zahlreicher Beteiligung überall großen Beifall fand. In diesem Jahre gibt es eine Mainfahrt auf der Strecke Lohr—Wertheim—Miltenberg—Klingenberg Aschaffenburg. Die in drei Tagen zu bewältigende Strecke betragt 110 Km. Kanu - Hochschul-Meisterschaften. ... $n .Kalle, dem Sitz des Deutschen Hochschulamtes Ausübungen, werden zum erstenmal akademi- che Meisterschaften im Kanu ausgefahren. Die Aus- fHre.bung erfolgt durch das Deutsche Hochschulamt k n N.tt der Durchführung dieser Meisterschaftsregatta, die erstmalig im Jahre 1927 m,rb' werden Mitglieder des Deutschen Kanu-Verbandes beauftragt. Die Meisterschaften sind e n immatrikulierten Studierenden einer deutschen Hochschule offen. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Housorchesters: „Rhein und Wein". 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde: Aus dem Roman „Pitt und Fox" von Fr. Huch. 6.15 bis 6.45 Uhr: Uebertragung von Kassel: Vortrag von Dr Rolf Prasch, Oberspielleiter am Staatstheater Kassel: „Die Wertung des Dichters Robert Faest und fein „OpferfpielV7 6.45 bis 7.15 Ur: ''Erinnerungen an die Südsee", Vortrag von Professor Dr. Behrmann. 7.15 bis 8.15 Uhr- Musik des deutschen Volkes II. Dudelsack, Harmonika und Orgel, Vortrag von Dr. Wilhelm Heinitz (Ham- burg).8.15 bis 10.15 Uhr: Gastspiel Direktion San- der-Graef: Der Zigeunerbaron", Operette in bcd Sitten von Johann Strauß. r. "I Lustige Blätter. Der tolle Frühling, ber alles auf den Kopf stellt, spukt auch m der neuesten Rümmer ber „Lustigen Blätter". ®r beginnt mit den Veilchenaugen auf dem ®r weht durch den Wannseer Golfplatz. Er wirbelt affe Elemente durcheinander bringt Hamlet im Frack neben ber Hhgiene- _r q r 4.4 rn . i ausstellung in Düsselborf. —■ Rennen in OlZarien- .-.jk. 3um letzten Vorrundenspiel trat Heuchel- borf — den neuen Bubikopf im Frühjahr — was ZE m Naunheim an. Die letzten Resultate des eine Frau im Frühling träum? - Seaeln- Platzverems ließen em spannendes Spiel erwar- Spargelessen — Vorgarten-Wettbewerb Das ZL^Zer Doden^war recht schlierig. Beide Heft wurde mit Hilfe vo7 EhrenLger Cap rlt 1 fen Jl$ Unparteiischen Delp, Heiligenstaedt, Jcart, Roellinahoss Müb- • le[Ä[aTJ?nipkft. Raunheim wählte len-Schulte u. s. f. zu einer befnnärs * tSL ^ufamm?nfbFj! E ^°rt wächtig los. Das und einfallsreichen Rümmer ausgestaltet Zusammenspiel Raunheims war in ber ersten - einnffri#rt» t. m MWMMkSWM Flügel, mit dem Ball ins tropfenförmig, schlank und niedrig gebautes zu laufen. Halbzeit 10 für- Rannft^irn zugleich auf dem Land und dem Wechsel 1wurdeder ÄtoÄ'ftÄ iUuftri^n^inf ^^ Iann; 3*cid)e Photos Ja daß jetzt auch Raunheims Verteidigung gegen 2Xr(berqbahGipHPhfGr,.b®(eFir'Hcrupn9 der bie drängende Heuchelheimer Elf Arbeit bekam n- u . wedenkblatt ist dem vor kurzem Auch bei Heuchelheim mar es der linke Flüael ..^kannten Ingenieur Klingenberg dem Ball ins Tor zu laufen. Das Spiel wurde > "nterhaltenden Teils, nun zusehends schärfer, bei einem Angriff Raun- ßeung machte der links Läufer Heuchelheims im (Strafraum Hand. Die sichere Ausgleichschance wurde vom Mittelstürmer versiebt, der Elfmeter ging knapp über die Latte. Rach reichlich charfem Spiel beiderseits war das Resultat am ecßhiß 2:1 hir Heuchelheim. Das Spiel der bei- den Mannschaften war vollkommen gleichwertig nur hätte es wesentlich ruhiger sein dürfen Die Heuchelheimer Elf würde viel besseres leiten, wenn sie sich nicht selbst durch die vielen Zurufe nervös machte. feg feg j innerpohhl^n hatte. Unb doch ! ter paritipoltt'l Schlußfolgerung in ber Tot der bot, wenn ng Zeit tingeidjolle. wie om aubeni nW S8 ift öesö bofo ber ^eich Zurückholtung ur teil leines D'llei ftüd sertiggcbraid Tagezu belchra sühier nicht zu I> daraus emgelasscr der brauch wr, Dillen vorichreiö Herrn Gelier als und die Aspiratii die gebübrentmi standen. Gewiß hi lieber gesehen, to nation ergab, die verspricht Wer e der Wgenblick n es nach der ganze ließen Att des 5 ständlich ist. daß öozialdeMkraten Regierung, entsp einmal haben, । ließen unb pvliti geben sind. Daß sie fn I baren, darüber l vglich [ein. Hst l e bei ber 2orbe r.lr dne tzlvftrup^ fugestchm müfier Koalition mchl in Ding der ilnmög kratie als Regier verteidigt imb g zusammen die "r< ist es auch so un ttum urplötzlich die Deutsche weilHerrEchol, nauer gegrnüb -hatte, wie die D grundsätzlich bie .Zusammenarbeiten und S-^ialdmokr. Unmöglichkeit (-) Trotz der schlechten Witterung hatte sich eme recht ansehnliche Zuschauermenge auf dem Waldsportplah des Vereins für Bewegungsspiele eingeftrnden, um Zeuge eines selten interessanten Kampfes zu sein. „Helvetia" Frankfurt war mit einer jungen, aber sehr spielstarken Mannschaft erschienen, ber V. s. B. sich entgegenstellte. Das Spiel begann sofort in einem wrschen Tempo, dem „Helvetia" anfangs scheinbar nicht gewachsen war. Schon in der siebten Minute gab Kleinke seinem Verein durch rasanten Schuß die Führung. Trotzdem sich die Gaste allmählich fanden, schälte sich für V. s. B. immer mehr eine klare ileberlegenßeit heraus Die durch ein zweites Tor. ebenfalls von Kleinke getreten, zum Ausdruck kam. Auch in der Folgezeit hatte der Plahverein ein starkes iHuS seinem Gegner gegenüber, weniger in Toren besseren Feldspiels als in der Ausnutzung jeder gegebenen Torgelegenheit. Die Angriffe der Einheimischen waren rationeller und von größerer Durchschlagskraft. Besonders Kleinke zeigte Prächtige Flankenläufe und wäre um ein Haar |um drittenmal erfolgreich gewesen. Für ihn er- Mandler und kurz nach diesem Kohler die Torzahl auf vier. Es sah ganz danach aus, als ob V. f. B. die Frankfurter Be- zirksligisten mit einer haushohen Riederlage nach Haus schicken wollte. „Helvetia" machte seinerseits ebenfalls energische Versuche, das Torverhältnis zu verbessern, jedoch ohne Erfolg. So beim 4:0 zugunsten V. f. B.'s bis zur Halbzeit. Lobend hervorzuheben ist der ungebrochene Wille der Gäste, mit dein sie nach dem Wechsel den Kampf um Verbesserung des Resul- ,^nr^mcn- Manch andere Mannschaft, wahrscheinlich auch die V. f. B.-Mannschaft, hätte ftch als geschlagen bekannt unb ben Kampf als aussichtslos auf gegeben. Helvetia aber ver- ln ^st verbissener Energie und zäher Ausdauer das Feld zu beherrschen und kam auch bald zum verdienten Erfolg. Bingel war in geradezu bestechender Form unb zeigte ßL ft T^wnn von Klasse. Er meisterte bie schwersten Bälle, u. a. auch einen durch Haus- r?' v wegen unfairen Spiels unnötigerweise ver- schuldeteii Elfmeter. Rach dieser Drangperiode »f„r,^mbCtt,ar«€C ^rnatixn B. s. B. nochmals für eine Viertelstunde das Kommando und trug qiiÄKr f^C 2a(9$' in flachem ober halbhohem gefährliche Angriffe vor, die mehrere glanzende Torgelegenheiten ergaben, von denen eine durch Köhler zum Torschuß ver- ( die Torpfosten halfen der Helvetta - Verteidigung, weiteres zu verhüten. Aus7ntt^E dre Platzmannschaft infolge völligen S Mittelläufers, ber ohnehin schon 249 batte, eine beutliche lieber- fegens«! ©egnetS anerfennen. Äreß I. ölte Bemverlehung nun auch noch Fie? völlig ins Schwimmen und Die ?e?r ^sNch in ber Lust hängen. überlastete Verteidigung ^hindern, baß der Gegner zweimal ^.?5^chuß kam, bem Bingel gegenüber Achtlos war. Kurz vor Schluß ^ging 2Z?n d- ler als Mittelläufer zurück, komtte aber diesen I | S. C. 1:1:20,5, dem Polizei S. D. 1:2:14,2, I 2. S. C., Brandenburg und Zehlendorf. Fußball. Die Vorrunde um die Deutsche Meisterschaft. Die Kämpfe, die gestern ausgetcagen wurden, erbrachten wie üblich einige Heberraschungcn. Die größte davon ist unweigerlich die Riederlage der Dayernmannschaft gegen die Leipziger Fortuna, da man in der Dahermnannschaft, vielfach den zukünftigen Meister erblickte. Ebenso überraschend kommt die Riederlage des gleichfalls favorisierenden Dresdner Sportklubs gegen die Breslauer Mannschaft. Es muß hierbei allerdings in Betracht gezogen werden, daß der Mittelläufer Köhler, der bekanntlich das Rückgrat der Dresdner Mannschaft bildete, wegen einer Verletzung bem Spiel fernbleiben mußte, Es sind hierdurch in der Vorrunde bereits die beiden Favoriten für die Deutsche Meisterschaft ausgeschieden. Auch das Duisburger Spiel brachte mit dem 3:1-Siege des Hamburger Sportvereins über den Duisburger Spielverein eine ileberrafdjung, da man den Duisburgern am eigenen Platz höhere Siegesaussichten eingeräumt hatte. Die übrigen Spiele [inö ben Erwartungen gemäß verlaufen. Reichlich hoch ist bie Riederlage des Stettiner Sportklubs gegen Kiel-Holstein mit 8:2, da man den Stettinern größere Kampfkraft zugetraut hatte. In Kiel blieb Holstein-Kiel mit 8:2 (4:0) gegen den Stettiner Sportclub Sieger. Der Hamburger Sportverein schlug in D u i s° bürg den Duisburger S. V. 3:1 (2:1). Das Fürther Vorrundenspiel" erbrachte einen 5-0-(2: 0-)Sieg der einheimischen Spielver- emigung über Viktoria-Forst. 3n Frankfurt konnte ber F. S. V Frankfurt ben D. D. Alteneffen knapp mit 2:1 (2:1) schlagen. Leipzig schlug Fortuna-Leipzig den subdeutschen Meister Bayern-München mit 2:0 (0:0). Der mitteldeutsche Meister Dresdner Sport- club mußte in Breslau vom Breslauer S. C.08 eine 0: l»(0:0-)Riederlage hinnehnven. Das Kölner Vorrundenspiel V. f. R. Köln— Rorden-Rordwest (Berlin) konnte wegen des schlechten Wetters nicht ausgetragen werden und wurde auf Montag verschoben. F. f. D. Königsberg fand in Hertha Berlin mit 0:4 seinen Bezwinger. Weitere Fuhballergebnisse. "Wacker Halle schlug den Fußballklub Wacker München 9:1 (Halbheit 4:1). Deutsche Fußballer in Paris geschlagen. 93 a r i