Nr. 64 Erstes Blatt 116. Jahrgang Mittwoch, 17. März 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zranlfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk Md Verlag: vrühl'ichc UniverjttStr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schnstleitung und Geschäftsstelle Schnlstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2O’/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den An- zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Das Veto Brasiliens. — Genf, 17. März. (WTD. Funkspruch.) Heute vormittag kurz nach 9 Ahr teilte das General- sekretariat des Völkerbundes telephonisch der deutschen Delegation mit, daß um 9,45 Ahr eine Sitzung des Völkerbundsrates stattfinden werde, und zwar nicht im üblichen Ratssaal, sondern im Reformationsgebäude, wo um 10 Ahr die Vollvers ammlung stattfinden sollte. Zweck dieser Ratssitzung sei die formale Festlegung über die endgültige Stellungnahme Brasiliens, das im Laufe der Rächt seine Instruktionen telegraphisch an seinen hiesigen Delegierten Mello Franco erteilt hatte. In der zur vorgesehenen Stunde zusammengetretenen Völkerbundsversammlung gab dann Mel.lo Franco eine Erklärung ab, die er mit den Worteß schloß, daß sein Veto gegen eine Veränderung des Rates im gegenwärtigen Augenblick und in der geplanten Weise unwiderruflich und endgültig sei. Auf die Rede Mello Francos folgte eine sichtlich von innerer Bewegung getragene Rede des britischen Außenministers. Chamberlain stellte fest, daß der Aufnahmeausschuß des Völkerbundes auf alle Fragen über den Ausnahmeantrag der deutschen Regierung bejahende Antworten abgegeben habe. Von Anfang an sei auf die Klarheit der Bedingungen, die Deutschland an seine Aufnahme knüpft, hingewiesen worden. Es sei auch stets betont worden, daß Deutschland mit Rücksicht auf seine große Bedeutung in der Welt Anspruch auf einen ständigen Ratssitz habe Es sei Pflicht der Loyalität gegenüber Deutschland, zu erklären, daß die bedauerlichen Mißverständnisse und Schwierigkeiten, die bei den Aufnahmeoerhandlungen in Genf auf beiden Seiten gezeigt wurden, durch das Zusammenwirken aller Beteiligten aus dem Wege geräumt worden seien. Es erhob sich lebhafter Beifall, der sich zu einem Sturm steigerte, als Chamberlain den Edelmut der schwedischen und tschechischen Regierung pries, die durch ihre Opfer die Beseitigung aller Schwierigkeiten ermöglicht hätten. Das Werk von Locarno sei dadurch gerettet worden und die Gewähr geboten, daß Europa nicht von neuem in zwei Lager gespalten wird. Er sei bitter enttäuscht, daß trotz dieser erzielten Uebereinftimmung die Aufnahme Deutschlands jetzt nicht vollzogen werden könnte. Er schloß mit dem Ausdruck der festen Ueberzeugung, daß die Vertagung zur Sicherstellung des deutschen Eintritts in den Völkerbund bei der nächstes, Session im September d. I. dienen werde. Die Erklärung machte sichtlich einen tiefen Eindruck auf die Versammlung. Rach Aebersehung der Erklärung Chamberlains schloß sich Brian d unter starkem Beifall der Versammlung Chamberlains Worten und auch dem Dank an Schweden und die Tschechoslowakei an. Auch Briand erklärte, die Mißverständnisse zwischen Frankreich, Deutschland und den anderen Ratsmächten schienen durch eine volle Verständigung beseitigt, die durch die Vollversammlung und den Völkerbundsrat nunmehr die Weihe hätten empfangen sollen. Er gab dem Empfinden Ausdruck, daß man aus der heiklen Situation herausgekommen wäre, daß dabei weder das Ansehen eines Landes noch des Völkerbundes im geringsten leiden werde. Diese Worte Briands wurden von einem starken Beifall begleitet, der sich noch lebhafter steigerte, als er weiter ausführte, daß es sich bei dem Scheitern der Verhandlungen um eine Entwicklungskrankheit handele. Briand fuhr fort: „Ich empfinde es in höchstem Maße als eine Grausamkeit des Schicksals, daß die Zusammenarbeit mit Deutschland nicht zu einem positiven Ergebnis geführt hat. Wir sind alle und mit der deutschen Delegation der Aeberzeugung, daß das Werk des Friedens, das wir in Locarno geschlossen haben, darunter nicht leiden darf. (Lebhafter Beifall.) Briand forderte eine Reformation und Veränderung des Völkerbundes und wies auf den Herzensadel der deutschen Delegation (lebhafter Beifall) hin, der dazu geführt habe, daß das Werk von Locarno trotz dieser Krise unantastbar bliebe. Nach Briand sprach der gegenwärtige Vorsitzende des Dölkerbundrates Graf Ishii der den von der deutschen Delegation zur Debatte gestellten Vorschlag auf sofortige Schaffung einer besonderen S t u d i e n k o in m i s - f i o n zum Antrag erhob. Diese Kommission soll bis jjur Septembertagung des Völkerbundes ihre Aufgabe beendet haben. Der schwedische Außenminister gab seinem lebhaften Bedauern Ausdruck, daß durch nationalistische Interessen das einzige Ziel der Märztagung des Völkerbundes, nämlich die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und den Völkerbundsrat, gescheitert sei. Lateinamerika gegen Brasilien. Caballero (Paraguay) verlas namens der s ü d a m e r i k a n i s ch e n Staaten eine scharfe Erklärung, die sich gegen die Haltung des braDer Bruch in Genf. Die Völkerbundsversammlung beschließt auf Antrag des Rats Vertagung des deutschen Aufnahmeantrags bis zum Herbst. silianischen Delegierten richtete, deren Inhalt bereits gestern vormittag zur Kenntnis Mello Francos gebracht worden ist. Darin wird Brasilien ersucht, mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten sich dem Beschlüsse der Mehrheit anzuschließen, denn die amerikanischen Völker mühten zur Befriedung Europas In hohem Maße beitragen. Motta (Schweiz) und Van Rotten (Holland) gaben der tiefen Bestürzung der Versammlung über das Scheitern der Verhandlungen Ausdruck. Motta erklärte u. a„ daß es die lebenswichtigste Aufgabe des Völkerbundes sei, die Aufnahme Deutschlands zur Septembertagung sicherzu stellen, da sonst ein Zusammenbruch des Völkerbundes unter dem Wutschrei der Völker unvermeidlich sei. Er bedauerte weiter lebhaft, daß die Vertreter von 48 Rationen, die an der Völkerbundsvollversammlung teilnehmen, nur einige Brocken von dem, was in den letzten zehn lagen vor sich gegangen sei, erfahren hätten. Das Scheitern der Verhandlungen sei tief zu bedauern, es sei deshalb zu befürchten, daß eine Herabminderung des Ansehens des Völkerbundes, mindestens aber ein Prestigeverlust bei den Völkern eintreten wird. Briand forderte dann die Annahme folgender Entschließung: „Die Versammlung bedauert, daß die bis jetzt ausgetauchten Schwierigkeiten es nicht ermöglicht haben, das Ziel zü erreichen, zu welchem Deutschland nach Gens eingeladrn worden war.' Die Versammlung drückt den Wunsch aus, daß die Schwierigkeiten bis zur ordentlichen Herbsttagung im September überwunden werden, damit dann zu diesem Zeitpunkte die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund vollzogen werden kann." Die Versammlung wird hierauf geschlossen. Vie letzten Verhandlungen. Die letzten Phasen der Verhandlungen, die zu diesem Beschluß der Völkerbundsversammlung führten, ergeben sich aus folgendem zusamrnen- fassenden Bericht unseres Genfer Korrespondenten: Die Verhandlungen über die Voraussetzungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, die sich ja im wesentlichen um eine Umgruppierung der Mächte im Völkerbundsrat drehen, scheinen in letzter Stunde an dem Widerst a n d Brasiliens scheitern zu sollen. Wie schon gestern gemeldet, hatten es die Aebcr- redungskünste Briands und Chamberlains vermocht, den schwedischen Außenminister U n d e n zu einem Verzicht Schwedens auf seinen Ratssih gleichzeitig mit dem Verzicht einer zweiten Macht zu bewegen. Auch diese zweite Macht war in der Tschechoslowakei gefunden, nachdem ein weiter unten näher erörterter Zwischenfall beigelegt war. der dadurch entstanden war, daß Rumänien als Vertreter der Kleinen Entente an Stelle der ausscheidenden Tschechoslowakei Aspirationen auf einen Ratssitz äußerte. Man hatte sich also innerhalb des Rats dvhin geeinigt. daß die Sitze Schwedens und der Tschechoslowakei der Völkerbundsversammlung zur Reu- besehung zur Verfügung gestellt werden sollten, wobei man der Versammlung als Kandidaten Holland für Schweden und Polen für die Tschechoslowakei zu präsentieren gedachte. Soweit war also alles in bester Ordnung, wenigstens im Sinne derer, die durch ihre vorzeitigen Bindungen die ganze Krisis heraufbeschworen und den Völkerbund in diese Sackgasse geführt hatten. Für Deutschland war diese Lösung, wie gestern schon angedeutet, die denkbar ungünstigste, die deutsche Delegation hätte aber schwerlich ihr ausweichen können, da formal keine Erweiterung des Rats beschlossen war und Deutschl.and dem „freiwilligen" Verzicht einer ihm eng befreundeten Macht nicht hätte widersprechen können, überdies ja die Reuwahl der neuen Ratsmitglieder bei der Entscheidung der Völkerbundsversammlung gelegen hätte. Deutschland hätte also durch eine Ablehnung dieses Kompromisses das Odium auf sich geladen, die älrsache für das Scheitern einer formal seinen Forderungen entgegenkommenden Verständigung gewesen zu sein. Andererseits hätte diese Lösung materiell gerade das gebracht, was Deutschland hatte verhindern wollen, den Einzug Polens in den Rat bei gleichzeitigem Verlust des befreundeten Schwedens und mit dem Effekt, durch seine Haltung in Genf das ebenfalls befreundete Spanien vor den Kopf gestoßen zu haben. Jedenfalls aber wäre auf dieser, wenn auch für Deutschland sehr ungünstigen Basis am Montagabend eine Einigung unter den Ratsmächten zustande gekommen, wenn nicht Brasilien erneut durch seinen Botschafter Mello Franco mit aller Entschiedenheit seine alte Forderung auf Zubilligung eines ständigen Ratssitzes erhoben und erklärt hätte, daß es im Falle einer Ablehnung seines Antrages entschlossen fei, gegen die Gewährung eines Ratssihes an Deutschland zu stimmen. Alle Versuche der Ratsmitglieder, besonders des Vorsitzenden, des Grafen 3shii, den brasilianischen Botschafter zu einer nochmaligen ileberprüfung seiner Stellungnahme zu veranlassen, scheiterten, auch eine direkte Fühlungnahme mit dem Kabinett in Rio de Janeiro scheint ein negatives Ergebnis gehabt zu haben. Schließlich traten die lateinamerikanischen Staaten, die in Genf vertreten sind, zu einer Besprechung zusammen, als deren Ergebnis folgendes Communique veröffentlicht wurde: „Die Delegationen der südamerikanischen Staaten haben einen im Geiste größter Herzlichkeit und Solidarität gehaltenen Meinungsaustausch gehabt und nach Anhörung der Erklärungen der Ratsmitglieder G u a n i und Mello Franco folgenden Beschluß gefaßt: 1. Sie erneuern in ihrem Namen wie im Namen ihrer Regierungen der brasilianischen Regierung und des Botschafters Mello Franco ihre lebhafteste Sympathie. 2. 3n Anbetracht der schwierigen Lage des Völkerbundes und im Interesse des Weltfriedens sowie entsprechend der Pflicht der amerikanischen Staaten, im Geiste der Aussöhnung der europäischen Völker zu vermitteln, sprechen die sud- amerikanischen Delegationen Mello Franco den Wunsch aus, Brasilien möge auf i h m gut erscheinende Weise die Einstim- migkeit des Rats erleichtern, um dem Rat die zu fassenden Beschlüsse zu ermöglichen. 3. Sie bitten Mello Franco, vor dem Rat die einstimmige Ueberzeugung der südamerikanischen Delegationen vorzutragen, daß die südamerikanischen Staaten auf eine ihrer Zahl entsprechende größere Vertretung im Rat Anspruch haben." Doch auch dieser Beschluß änderte nichts in der Hartnäckigkeit, mit bcv Mello Franco, offenbar auf dahinlautende Instruktionen aus Rio gestützt, seine Forderung in der wiederaufgenommenen Ratssitzung aufrecht erhielt. Infolge der aus i'ent Konferenzzimmer heraussickernden wenig hos nungsvollen Rachrichten machte sich in den R '. chmittagsstunden eine außerordentlich starke Erregung in den Kreisen sämtlicher Delegationen bemerkbar, die sich auch auf die in Genf weilende Presse übertrug Bon französischer Seite war bereits um fünf Ähr nachmittags der Presse die Parole übergeben worden, daß die Verhandlungen als gescheitert zu betrachten seien und Deutschland nicht in den Völkerbund ausgenommen werden könnte. Die Parole der französischen Delegation war in wenigen Minuten im Völkerbundssekretariat verbreitet und wurde dor! lebhaft kommentiert, jedoch mit einem gewissen Mißtrauen ausgenommen. Um sechs älhr glaubte auch die deutsche Delegation in der Lage zu sein, die Vertagung der Verhau dlun- a e n in einer, wenn auch bedingten Form, zu bestätigen. Ilm Ahr wurde jedoch in sämtlichen Delegationen mitgeteilt, daß die Vertagung zur Zeit noch nicht endgültig feststehe und noch eine leise Hoffnung vorhanden sei, Brasilien von seinem Veto abzubringen. Diese Hoffnung sollte sich jedoch als trügerisch erweisen. Die Ratsbesprechu'.'.gen gingen gegen 7.30 Uhr zu Ende. Am Schluß der Sitzung soll eine Abstimmung über die Frage der Vertagung des deutschen Aufnahmeantrages und der damit zusammenhängenden Angelegenheiten vorgenommen worden fein, bei der sich sieben Ratsmitglieder für und drei gegen die Vertagung ausgesprochen hätten. Als die drei letzteren Ratsmächte werden Belgien, Schweden und Japan genannt. Nach havas hat ferner der Völkerbundsrat beschlossen, daß Chamberlain in seiner Eigenschaft als Berichterstatter der politischen Kommission Mittwoch der Vollversammlung des Völkerbundes Vorschlägen solle, die Aufnahme Deutschlands und die Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates bis zum September zu vertagen. Nach einer anderen Lesart soll die Vertagung nur bis zum Iuni geschehen. Gleich nach Schluß der Ratssitzung begab sich Chamberlain in das Hotel Metropole, wo er bei der deutschen Delegation eine Stunde weilte. Er besprach nochmals die Möglichkeiten des Mittwochs und machte erneut Mitteilung von dem hartnäckigen Standpunkt Brasiliens. Zn den letzten 20 Minuten nahm auch Briand an der Unterhaltung teil, während die übrigen Ratsmitglieder zum Abendessen beim japanischen Delegierten, Grafen Ishii, ebenfalls im Hotel Metropole weilten. Etwa eine halbe Stunde, nachdem Chamberlain und Briand die Räume der deutschen Delegation verlassen hatten, veröffentlichte man folgendes RomnnmiquederLocarnomächte Die Vertreter Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens haben sich heute vereinigt, um die Lage zu prüfen, wie sie sich aus den aufgetauchten Schwierigkeiten des Verfahrens ergibt, die sich der Verwirklichung ihrer ge- meinfamen Ziele entgegenffeden. Sie (teilen fest, daß sie im Begriffe waren, z u einer Uebereinftimmung z u gelangen und die Hindernisse zu überwinden, die zu einem gegebenen Zeitpunkt unter ihnen entstanden waren. Falls, wie zu befürchten ist, die eingangs erwähnten Schwierigkeiten sortbestehen sollten, würden die Vertreter der sieben Signatarmächte des Protokolls von Locarno bedauern, daß sie im gegenwärtigen Augenblick das von ihnen ange ft reble Ziel nichterreichen können. Sie stellen jedoch mit Befriedigung fest, daß das Friedenswerk, das sie in Locarno verwirklichten und welches in feinem ganzen werte und in feiner ganzen Kraft bestehen bleibt, dadurch nicht berührt wird. Sie halten daran fest heute wie gestern und find fest ent- schlossen, sich gemeinsam dafür einzusetzen, e s a u f - rechlzuerhalten und fortzuentwickeln. Sie bleiben bei der Ueberzeugung, daß bei der nächsten Bundesversa m-m lung die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwunden fein werden, und daß die Verständigung, die hinsichtlich der Voraussetzungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erzielt worden war, verwirklicht werden wird. Heber die Auffassung zu der aus diesem amtlich vereinbarten Kommunique sich ergebenden Lage wird halbamtlich aus Kreisen der deutschen Delegation mitgeteilt, daß für die Beurteilung des Richtvollzngs des deutschen Eintritts in den Völkerbund die Tatsache im Vordergrund der Betrachtung stehe, daß dieser negative Ausgang aus einer Schwierigkeit des Verfahrens resultiere, die nicht vorausgesehen werden konnte. Es wird dabei ausdrücklich feftgefteUt, daß die vorher bestehenden Hindernisse, mit denen man sich u. a. noch am Diensatg vormittag beschäftigt hatte, beseitigt waren. Die Ursachen des negativen Ausgangs sind außerhalb der Locarno-Mächte bei einem südamerikanischen Ratsmitglied zu suchen. Die deutsche Delegation vermeidet es jedoch ihrerseits, die Verursachungsfrage näher zu erörtern und überläßt es der Meinung der Welt, die Schlüsse zu ziehen, auf denen ihre letzte Entscheidung beruhen wird. 3m übrigen ist wesentlich die unter den Signatarmächten von Locarno getroffene Feststellung dahingehend, daß das Werk von Locarno mit seinen Voraussetzungen, Rück- und Auswirkungen unter ihnen bestehen bleibt und daß sie es als ihr gemeinsames Ziel betrachten, die jetzt bestehenden Schwierigkeiten bezüglich des deutschen Eintritts in den Völkerbund bis zur nächsten Vollversammlung zu beseitigen. Aus dieser Auffassung wird vov manchen Seiten in Genf der Vorwurf hergeleitet, daß bei den Genfer Besprechungen Locarn o über den Völkerbund gestellt worden sei. 3ndes erscheint es für die Behqndlung der gesamten öffentlichen Meinung der Welt und sicherlich nicht nur vom deutschen Standpunkt aus das wichtigste Erfordernis. daß bei der nun erfolgten Entwicklung keinerlei fehlerhaftes Verhalten Deutschlands mitspielte, daß es aber durch die Form, in der das vereinbarte Communique auf die Beziehungen zwischen den Ereignissen und der Erhaltung des Werks von Locarno Bezug genommen ist, unzweifelhaft klar- gestellt. Der erste Eindruck in Paris. Paris, 17. März. (Täl.) Die Rachricht von dem Vertagungsantrag in Genf erregt hier großes Aufsehen, da die letzten Genfer Berichte dahin gedeutet wurden, daß Brasilien sein Velo zurückziehen werde. Es ist vorauszusehen, daß ein Teil der französischen Presse den Vertagungsbeschluß als ein offenkundiges Eingeständnis derOhnmacht desVölkerbundes buchen und dessen moralischen Bankerott verkünden wird. Die vorliegenden Pressekommentare, in denen die Folgen einer Aufnahme Deutschlands in den schwärzesten Farben geschildert werden, lassen den Schluß zu, daß die Vertagung des deutschen Eintritts nicht ungern gesehen wird. Es fehlt jedoch nicht an Stimmen, die das Verhalten Brasiliens verurteilen. So telegraphiert der Genfer Vertreter des „Temps", die von Brasilien eingenommene Haltung sei um so bedauerlicher, als die letzten Schwierigkeiten, die wegen der Wahl Polens in den Völkerbund bestanden, aus dem Wege geräumt zu sein schienen. „Journal des Debats" sagt, es sei höchste Zeit, daß der Vorhang über Genf falle, weil das Schauspiel, das man in den letzten Tagen erlebt habe, geradezu beschämend gewesen sei. Der Matteotti - Prozeh. Chieti, 16. März. 3n dem heute begonnenen Prozeß gegen die Mörder des sozialistischen Abgeordneten Matteotti machte der Hauptangeklagte Dum i ni u. a. folgende Erklärungen: Rach einer Reise, die mich nach Frankreich führte, gewann ich die Ueberzeugung, daß zwischen gewissen aufrührerischen, nach Frankreich ausgewanderte n italienischen Elementen und der unitarischen sozialisti - sch en Partei, in der Matteotti eine der Hauptrollen spielte, ein Einvernehmen existierte. Rach der Ermordung des Faszisten Bonscr - v i z i in Paris habe ich einen Aufsichts- dienst um Matteotti eingerichtet. Dieser wurde mit einem Automobil entführt und wett von Rom gebracht, in der Absicht, Auskünfte über seine Handlungen von ihm zu verlangen. Matteotti st a r b während der Fahrt infolge eine - Bluthustens. AuS Furcht vor möglichen Folgen begruben meine Kameraden und ich die Leiche und verbrannten und zerstreuten die Kleider. Dumini sagte noch, er übernehme die volle Verantwortung für die Entführung. Gespannte tage in China. London, 16. Btärz (WTB.) Reuter meldet nuS Peking: Die dem chinesischen Auswärtigen Amt überreichte Note der Bertrags- mächte besagt: Wenn bis Donnerstag, den 18. März, mittag, keine befriedigenden Zusicherungen wegen der erwähnten Forderungen eingegangen sind, werden die Marinebehvrden der fremden Mächte die Maßnahmen ergreifen. die sie für nötig erachten, um alle Hindernisse für freie und sichere Schiffahrt auf dem Kanal zwischen Tientsin und dem Meere zu beseitigen uhö zu unterdrücken. — Alis Anfrage Macdonalds im Unterhaus wegen dieses Ultimatums an die chinesischen militärischen Führer erklärte Baldwin, der britische Vertreterin Peking habe Auftrag, eine Aktion nur in Verbindung in t t den äußeren Der - trags Mächten zu unternehmen. Ebenso sei der Vertreter verständigt worden, das) Waffengewalt nur als letztes Mittel zum Schutze der Sicherheit der Ausläirder angetvendet werden soll. Es werde keine unabhängige Aktion zum Schutze britischer Interessen unternommen werden. Die von England, Frankreich, Japan, Italien und den 'Vereinigten Staaten an den chinesischen Flottenbefehlshaber in Tientsin gerichtete Bote über die Freigabe der Küste und der Flußnrün- dungcn hat die Lage in China weiter verschärft. Das chinesische Tsingtau-Geschwader liegt vor der Poi-hv-Mündung und bombardiert die Takusvrts, die von Truppen Fengs besetzt sind. Der Geschwaderkominandant steht auf seilen TschangtsolinS und will dvn der Seeseite her den Weg noch Petina erzwingen. Feng hat die Fluhmündung durch Minen sperren lassen. Aach dem Pekingen Protokoll vom Jahre 1901 müssen aber die Chinesen den Weg Peking-Tientsin-Taku (Pet- Ho-Mündung) offen holten. Es ist trotz der energischen Sprache der Großmächte nicht anzunehmen, daß die eine oder äußere sich direkt in die inner- politischen Verhältnisse Chinas eimnlscht, denn einmal will die eine ßer anderen nicht vorareisen und ferner befürchtet jebe, c8 dadurch mit dein chinesischen Volk und der zukünftigen chinesischen Regierung zu verderben. 3'eße will mit China gute Geschäfte machen und fürchtet ßaher, daß eine andere Großmacht noch befere Geschäfte machen könnte. Der Bürgerkrieg ist doch nicht so schnell aul- Entscheidung gekommen, wie man nach den bc* deutenden militärischen Erfolgen TschangtsolinS und WupeifuS aimepmen muhte. Feng spielt nach wie vor eine sehr einflußreiche Rolle in Peking und hotte noch groben Einfluß auf daS vor kurzer Zeit neu gebildete Kabinett, das sich auch aus Mitgliedern zusammensetzt, die nicht der Partei FengS angehören. 3n den letzten Tagen hat Seng sich gegen Tschangtsolin und Wupeisu behaupten können, hat in kurzer Zeit seine Truppen reorganisiert und feine Macht wesentlich gesesttgt. Ob daS KriegSglück Tfckcrngtsoltn weiter so hold ist. steht noch sehr dahin, denn verschiedene Unter- generale und Gouverneure, die bisher auf seiner Seite standen, furchten seinen wachsenden Einfluß unh seine Machtstellung und schielen mit einem Auge bereits wieder zu Feng herüber. Auch einige Gouverneure, die sich bisher neutral gehalten hatten, neigen wieder zu Feng herüber und schrl- nen durchaus nicht abgeneigt zu sein, zu Feng überzutreten, wenn die Gefahr bestehl, daß ein General seinen Gegner so besiegt, daß er damit sich zum alleinigen Herrn' Chinas macht. DaS Kriegsglück der kämpfenden Parteien unt> Generale ist nur dadurch immer von dem einen zum anderen herübcrgeschwankt, weil im entscheiden den Augenblick die Unterführer von dem stärkeren zum schwächere und umgekehrt herüberschwenkten. Die englische FlotlenpoMik. London. 16. März. (WTB.) 3m Unter« hauS erklärte bei der Aussprache über die Durchführung des Gesetzentwurfes zur Erzielung von Ersparnissen Gchahkanzler Churchill über die ■ englische Flotte u a.: „3ch bin überzeugt, das) wir richtig gehandelt haben, als wir das Prinzip annahmen, das) die englische Flotte sich z u der anderen größten Marine der Welt wie 1:1 verhalten soll. Aber wir werden dabei Halt machen. Dieses KräfteverhältiriS wird bei- beholten werden, da England für Dreiviertel seiner Aahrungsmittelversorgung auf die E i n° fuhr von Lebensrnitteln angewiesen ist. DerSlurz des belgischenFranken TU. Paris, 16. Qltä». Der neue Sturz des belgischen Franken hat in Belgien eine außer- vk deutliche Erregung hervorgerufen. Der Ministerrat Hot den ganzen Tag Beratungen ab- gehalten. Am Aachmitlag empfing der Finanz- minister verschiedene Finanzleute, die denr Finanz- ministec die Versicherung gaben, daß sie alle Maßnahmen ergreifen würden, um eine weitere Entwertung deS Franken zu verhindern. Die Finanzlommission der Kammer ist für heute vormittag einberufen worden. Aach Schluß deS Ministerrate- ertiärte der Finanzminister, seine CiabUisierungSplane blieben auch weiterhin bc- •fieben. 3n politischen Kreisen spricht man von einem voraussichtlichen R ü ck t r ! l t des Finanz- Ministers, der aber keinen Rücktritt des Kabinetts zur Folge haben werde Neue Haussuchungen in Oberschlesien. Berli n. 17. März. (TU) In der ver gangenen Woche haben in R nn war, sand man nicht dis ge r i n g st e B e w e i s m a t e r i a l. Kleine politische Nachrichten. '.Tie neue preußische Schulordnung für die dänische Minderheit in dem schleS- wigschen Grenzgebiet ist d.irch Verölfent- lichung im Rendburacc Anttsblatt in Kraft getreten. Aus Grund der Schulordnung sollen zunächst sechs neue dänische Privatschulen neben den beiden bereits bestehenden errichtet werden. Bei genügender Beteiligung soll später die Errichtung öffentlicher dänischer Schulen erfolgen. Die Verhandlungen über einen Freund- schoftSvertrag zwischen Deutschland und Afghanistan sind soweit gefördert, daß nur noch die Ratifikation notwendig ist, damit das Abkommen in Kraft treten Fann. Die lanasame Besserung im Befinden des früheren Reichskanzlers Fehrenbach hat im Laufe der beiden letzten Tage feine Beeinträchtigung erfahren. Der Zustand des Erkrankten bleibt aber nach wie vor ernst. Die Nahrungsaufnahme ist besser geworden. Aus aller Welt. Deutsch« Studenten in Belgrad. Die Belgrader Studenten veranstalteten zu Ehren von hier weilenden deutschen Studenten aus München, Leipzig und Jena ein Festessen und einen Theaterbesuch und zeigten ihnen die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der deutsche Gesandte gab anläßlich der Anwesenheit der deutschen Studenten einen Empfang auf der Gesandtschaft, an dem auch zahlreiche Mitglieder her deutschen Studentenschaft teilnahmen. Einbruch in einem Kinderhort. 3n der Nacht zum DienStag drangen Einbrecher in eine Berliner Gemein beschule ein, wo sich auch der Kinderhort befindet, ßer gänzlich unbemittelte Kinder in ihrer freien Zeit betreut. Die Verbrecher stahlen die Kasse deS Hortes, Lebensmittel und vieles andere. 'flucht der Separotistensührer. Der Führer der separatistischen Bewegung aus der Zeit der Sonderrepublik Rheingau. Franz S o s s e n h e i m e r. im Volksmunde „ Fran- zosenheirner" genannt, gegen den eine Reihe von Wiedervergeltungsaften vornehmlich gerichtet war, hat fein Haus und seine Weinberge verlaust und Rüdes heim verlassen. Auch fein Gesinnungsgenosse, der Weinhändler Kneipp, ist nach Holland verzogen. Ebenso wird aus anderen Rheingauorten der Abzug ßer Separatisten gemeldet. von einem französischen Soldaten erschossen. Nachdem erst vor kurzem in Saarbrücken ein französischer Wachtposten auf den Schieß- ständen einen Zivilisten durch einen Gewehrschuß schwer verletzt hatte, ereignete sich jetzt ein neuer Zwischenfall, der einem Kinde das Leben kostete. Der französische Soldat Groupe, der einer deutschen Familie namens Panzer einen Besuch abgestattet hatte, wollte dort einen nicht funktionierenden Revolver nachsehen. Dabei entlud sich plötzlich die Waffe und tötete einen siebenjährigen Knaben durch Brustschuß Der Soldat, der fahrlässig gehandelt hatte, würde verhaftet. 50. Jubiläumsfeier des Bayreuther Festspielhauses. Weimar, 16. März. (Wolfs.) Die 50. Jubiläumsfeier des Bayreuther Festspielhauses am 23. Juli 1926 wird, da in diesem Jahre die Fest- spiele in Bayreuth ausfallen, in Weimar durch ein großes Richard-Wagner-Konzert unter Mitwirkung ßerDorra^enber Künstler begangen. Desgleichen werden anläßlich der Festspielwoche des Bayreuther Bundes der deutschen Jugend vom 28. bis 31. Juli zwei Opern von Siegfried Wagner, die vom Komponisten dirigiert werden, im Deutschen Nationaltheater in Weimar zur Aufführung gelangen. Hessischer Landtag. Darmstadt, 16. März. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung uni 10 ilhr. Die Beratungen des Voranschlags 1926 werden wieder aufgenommen, und zwar bei Kapitel 1. lieber zwei zu diesem Kapitel vorliegende Anträge der Abg. Schott, Dr. Nlepoth und Gen. über die Beiträge der Gemeinden zu den Kostender F o r st v e r w a l t u n g sowie der Abg. Dr. Müller und Gen über Pacht undMieteauS K a m e r a l g ü t e r n erstattet Abg. Glaser Bericht. Bei dem erstgenannten Antrag handelt es sich um eine Herabsetzung der Beitrage für bestimmte Gemeinden. Der Ausschuß empfiehlt mit Mehrheit Ablel-niuig des Antrages. Der zweite Antrag fordert einen Nachlaß der Pachten und Mieten. Auch bei diesem Antrag hat die- Mehrheit deS Ausschusses beschlossen. ihn abzulehnen. Abg. Glaser fügt seinem Bericht die Bemerkung hinzu, daß durch die hohen Pachten und Mieten gerade die kleinen Landwirte betroffen würden Abg. Reiber erstattet Bericht über einen Antrag deS Kommunisten @alm, daß die Gehälter derBeamten, die 7500 Mark übersteigen, auf diese Summe herab gefetzt werden. Die Regierung hat hierzu erklärt, daß die Beamten ein einklagbares Recht auf ihr Gehalt in der vom Gesetz bestimmten Höhe haben. Der Ausschuß empfiehlt die Ablehnung des Antrages. Abg. Lux (Soz) erklärt im Namen seiner Partei, den Antrag Müller abzulehnen. Abg. Heinstadt (Zcntr.) gibt ebenfalls eine Erklärung gegen den Antrag Müller ab, weil auch im Rahmen des Etats eine Herabsetzung der Pachten möglich ist. Abg. Schott (D. Vp.) spricht für die Annahme seines Antrages: er fuhrt u. a. an, daß die Einnahmen aus den Waldungen der Gemeinde, namentlich aus den Schälwäldern, sehr gering find. Die meisten der woldbefitzenden. Gemeinden wären einfach nicht in der Lage, die hohen Beitragskosten für die Forstverwaltung auf zu bringen. Abg. Galm (Komm t wendet sich gegen die Erklärung der Regierung zu feinem Antrag: wenn gesetzliche Bestimmungen diescnn Antrag entgegen' ständen, sollte man sie abändern. Durch seinen Antrag würde über eine Million Mark gespart. Abg. Dr. Müller (Bbd.) tritt auf Grundlage seines Antrages aus Herabsetzung der Pachten und Mieten ein. Abg. Dr. Greiner «Komm.) wendet sich nanicnllich gegen die Rechtsparteien, weil sie «nicht dem Antrag Galm zustimmen. Der Redner behauptet, in Rußland würden teilte höheren Gehälter al» 170 Rubel (etwa 400 Mark) bezahlt Auf Zwisch^nrule erwidert der Redner, daß die Beamten, i"tc höhere Gehälter erhielten, keine Sowietbeamten seien. Abg Glaser |Bvd) entgegnet dem Vorredner. 3n einem geordneten Staatswesen dürsten die Gehälter nicht mechanisch herabgesetzt werden. Wünsche über die Festsetzung von Gehältern dürsten nur durch eine BesoldungSordnung geregelt werden. Ministerialrat Dr. Petri erklärt sich in längeren Ausführungen gegen den Antrag Dr. Müller und kommt zu dem Schluß, daß er technisch nicht durchführbar ist. Abg. Cuj (Soz.) gibt im Namen seiner Partei bekannt, daß sie gegen den Antrag Galm stimmen werde. Abg. Dr. Müller (Bbd.) wendet sich gegen die Ausführungen des Ministerialrates Petri und macht nochmals geltend, daß bei der schlechten Wirtschaftslage viele Landwirte gar nicht in der Lage seien, die hohen Pochten zu bezahlen. Abg. Lux tSoz.) beantragt, daß der Antrag'Galm zurückgestellt und ßer Regierung a l s Material zur Besoldungsorßnung überwiesen wird. Abg. Galm (Komm.) widerspricht dem. Abg. Dr. Werner (Dntl.) weist auf die Mitteilung des Aba. Dr. Greiner hin, daß es in Rußland 17 (!) Tarifklassen gibt. Bemerkenswert sei, daß die Sowjetleute in ihrem Lande nicht so viel Intelligenz auf bringen könnten, daß sie andere Leute mit höheren Gehältern anstellen mühten. Abg. Galm (Komm.) erwidert in heftigen Ausfällen auf verschiedene Bemerkungen des Vorredners. Die Aussprache über Kapitel 1 wird hieraus geschlossen^ die Abstimmung soll später stattfinden. Zu Kapitel 2 (Siedlungswesen) liegen mehrere Anträge vor, darunter sind Ersparungsanträge der Abgeordneten Leuchtgens und Hoffmann. Abg. Weckler (Zentrum) begründet in längerer Rede die Schwierix^eiten der Gemeinde Ilbenstadt in Oberhessen. Das Gelände fei in der Inflationszeit in die Hände des Staates für einen Spottpreis gekommen. Der Staat überlasse aber den Bauern kein Gelände als Besitz, was gegen das Versprechen deS Staates sei. Die Pacht preise beim Staate wären viel höher als sle seiner Zelt bei dem Fürsten von Altleiningen-Westerburg gewesen wären. Die landwirtschaftlichen Betriebe müßten notwendigerweise bei den Pachtpreisen des Staates zum Erliegen kommen. Der Fürst von Altleiningen- Westerburg wäre viel besser mit den Bauern auSgekornmen als der hessische (Staat; man wünsche in Ilbenstadt den s r üHeren Zustand wieder zurück. Es sei das geradezu eine Blamage für die Staatsverwaltung (Hört! hört!). Abg. Dr. Müller (Bbd.) macht Ausführungen im Sinne des Antrages von Dr. Leucht- gens, der u. a. will, daß die Abwickelung und Weitersührung des Siedlungswesens der Forstverwaltung übertragen wird. Er empfiehlt die Annahme dieses Antrages. Finanzminister Henrich erwidert dem Abg. Weckler, daß seine Darstellung in keiner Weise zutresfe. 'Der Staat sei in der Inflationszeit geradezu gegen seinen Willen in den Besitz des Geländes von Ilbenstadt gekomnien. Es sei verständlich, daß die Bauern den früheren Zustand wieder herbeiwünschten, denn die Verwaltungsverhältnisse wären früher schlecht gewesen. Die Dtaatspachten ständen im Ertrag, tote anderwärts so auch In Ilbenstadt, hinter den allgemeinen Pachtpveisen zurück. Der Minister behält sich vor, nochmals im einzelnen auf die Verhältnisse von Ilbenstadt zurückzukommen. Abg. Lux (Soz.) meint ebenfalls, die Verhältnisse von Ilbenstadt wären von dem Abgeordneten Weckler nicht in allem richtig dargestellt worden, der Staat müsse aber doch die dortigen überspannten Pachtpreise h e r a b s e tz e n. Abg. Heinstadt (Ztr.) erllärt, die Zustände in Ilbenstadt gingen in der nächsten Zelt einer Katastrophe entgegen. Das bisherige Entgegenkommen her Regierung genüge nicht. Der Redner verteidigt Dann die Ausführungen des Abg. Weckler. Abg. Bornemann (Soz.) bezeichnet die Behauptung als falsch, daß der Siedlungsgedanke in Hessen abgestorben sei. Der Abgeordnete tritt für eine Weiterführung deS SiedlungswesenS ein und widerspricht Dem Antrag Dr. Leuchtgens, Der im letzten Grunde Doch gegen Siedlungen fei. Abg. Fenchel (Bbd.) bemerkt, wenn Die Sozialdemokratie wirklich Den SleDlungsgeDanken förDern wolle, so möge sie Dafür eintreten, Daß Den Siedlern Die hohen Pachtzuschläge, Die bis zu 20 Proz. betrügen, erlassen würben. Der BauernbunD habe Anträge gestellt. Die toirllich Das Siedlungswesen förDern, Die SozialDemokratie brauche nur Diesen Anträgen zuzustimmen, Darm werde Den SieDIern geholfen. Der DeDner stimmt nachdrücklich Den Ausführungen des Abg. Weckler zu, weist auf Die großen lieber- s ch to e m mungsschäden in IlbenstaDt hin und wünscht, Daß Durch eine unparteiische Kommission, Die Das Gelände kennt, öle Verhältnisse einmal untersucht werden. Ministerialrat Braun erklärt Die Angabe des VorreDners über Den Zuschlag bei Den Pachten als unzutressenD. Abg. Weckler (Ztr.) bemängelt diehohen Kosten für Die Durchführung Der Siedlung, Die Dem «Siebter aufgebürßet würben. Abg Dr. Werner (Dntl.) macht Darauf aufmerksam, baß Die (Siebter nur lanDwirtschaft- liche Erzeugnisse anbauen unb auf Den Markt bringen können, Die Durch Den Zolltarif nicht geschützt seien, wie Gemüse, Obst usw. Die Sozial- bemohalle lehne aber immer den Zollschutz hiec- sür ab, dadurch stelle sie sich dem Sledlungs- wesen entgegen. Nbg Fenche (Bbd.) stellt gegenüber der Erklärung des Ministerialrats Braun richtig, Daß ec (der Abgeordnete) nicht von einem Zuschlag von 20 Proz. gesprochen habe, fonbern v/on einem Zuschlag bis z u 20 Proz.; seine Angaben wären sehr wohl zutreffend. Abg. Galm (Komm.) verlangt in einer Kleinen Anfrage von der Regierung Auskunft über Die Darmstädter Arbeitslosendemonstration unb Die Polizei. Minister von Brentano verliest eine längere Erklärung, aus der hervorgeht, daß das Ministerium erst nach Der Kundgebung von den Vorgängen gehört hat. Die Demonslrü.ion wäre von Kommunisten inszeniert worden; das Darmstädter Polizeiamt habe die Arbeitslosen daraus ausmerk,am gemacht, daß die Möglichkeit bestehe zur ©ntfenounq einer Kommission Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 17. März 1926. Rektor i. R, Knautz f. Gestern mittag hat ein Schlaganfall dem Leben des Rektors i. R. Heinrich Knauß ein jähes Ende bereitet. Der Verstorbene, der nicht nur in unserer Stadt, sondern auch draußen in der -Provinz eine bekannte Persönlichkeit war, hat ein Alter von nahezu 75 Jahren erreicht. Heinrich Knauß wurde am 17. April 1851 zu Stangenrod (Kreis Gießen) geboren. Bon 1868 bis 1870 besuchte er das Seminar zu Friedberg, hierauf mar er als Lehrer in Bersrod und Beltershain, je zwei bis drei Jahre, tätig, danach etwa 15 bis 16 Jahre in Atzenhain (Kr. Alsfeld). Von Februar 1891 ob wirkte er als Lehrer in Gießen, wo er feit 8. Oktober 1902 als Hauptlehrer die Stadt- knabenfchule leitete. "Anfangs 1920 erhielt er die Amtsbezeichnung Rektor. Stets entfaltete der jetzt Verewigte eine unermüdliche Arbeitskraft, höchste Pflichttreue zeichnete ihn aus, und diese beiden vortrefflichen Eigenschaften in Verbindung mit feinem lauteren Charakter, seinem entgegenkommenden und menschlich mitfühlenden Wesen machten ihn zu einem hervorragenden Schulmann und Schulleiter, der in allen Dingen seinen Lehrern und Schülern als leuchtendes Vorbild voranging und deswegen von Behörden und Lehrern geschätzt und verehrt wurde. Keine Mühe war ihm zu groß, wenn cs galt, für feine Schule etwas zu erreichen. Noch nach 50jähriger Dienstzeit befand er sich im Vollbesitz seiner Körper- und Geisteskräfte. Bei der Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums im Frühjahr 1920, die den Zeitverhältnissen entsprechend in ein- fachem Rahmen im Konferenzzimmer der Schule stattscmd, wurden feine hohen Verdienste um die Schule von allen Behörden gebührend anerkannt. Im Jahre 1921 fingen seine Kräfte an nachzulassen, wozu schwere Schicksalsschlcige in seiner Familie wohl vor allem beigetragen haben. Am 3. Mai 1922 trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Der Entschlafene ließ seinen tatfrohen Schaffensmillen aber nicht nur feiner Schule zugute kommen, auch weit darüver hinaus wirkte er zum Segen der Allgemeinheit. Zusammen mit einigen Stoufleiiten gründete er am 23. Nov. 1893 die Kaufmännische Fachschule, deren vorbildlicher Leiter er bis zum Herbst 1923 war. Die später in Friedberg, Alsfeld unb Lauterbach eingerichteten kaufm. Fachschulen bauten sich auf seinen Erfahrungen und Ratschlägen auf. Ilm das kaufmännische Schulwesen in Ober- hessen einheitlich zu gestalten, rief er mit Hilfe der Handelskammer die alljährlich zweimal stattfinden- ben Konferenzen ber Lehrer ber vier oberhessischen kaufmännischen Fachschulen ins Leben, von benen reiche Anregungen unb Früchte für dieses Schulwesen ausgingen. Seinem Nachfolger in der Leitung der Kaufmännischen Schule in Gießen, Dr. Feld, konnte er bei seinem Rücktritt einen wohl- vorbereiteten Boden zum Weiterbauen übergeben. Dem kirchlichen Leben war Heinrich Knauß gleichfalls eine starke Stütze. Auch hier fetzte er in hingehender Weise seine ganze Persönlichkeit ein. Lange Jahre gehörte er der Kirchengemeindevertretung an, spater war er lange Zeit Mitglied des Kirchen- oorstandes der Matthausgemeinde und Vorsitzender der Männer- und Frcruenoereiniaung der Matthäus- gemeinde. Besonders in den schweren Nachkriegs- jähren leistete er der Kirche durch sein aufrechtes, kraftvolles unb kluges Eintreten für ihre Belange außerorbentlich wertvolle Dienste. Die Matthäus- gemetnbe verliert in ihm eines ihrer hervorragend- ften Mitglieber, ebenso hat bis Männer- unb Frauenvereinigung ber Matthäusgemeinbe jetzt einen ihrer Besten zu betrauern. Wegen seines hohen Alters legte ber Verewigte vor einigen Iah- ren seine Aemtor im kirchlichen Leben nieber. Schon in jungen Jahren galt fein desonberes Interesse bem Genossenschaftswesen. In Atzenhain, wo er sich mit einer Tochter feiner Heimatgemeinbe Stangenrob vermählte, wirkte er als Rechner einer gemeinnützigen Spar- unb Darlehnskasse, ber er bis zu seinem Ableben als Vorsitzenber bes Aufsichtsrats von hier aus angehörte unb in biefer Eigenschaft ein treuer nnb guter Berater war. Lange Jahre war er auch Direktor ber Erwerbs- unb WirtfchastsberufsgencP senfchaften ber Provinz Oberhessen, in welcher Cigenschaft er gleichfalls sehr segensreich wirkte. Unter anberem war er ferner langjähriger Vorsitzender des Gießener Tierschutzvereins, ber ihn vor öchei Jahren zu feinem Ehrenoorsitzenben ernannte. Ebenfo ehrte ber Kaufmännische Verein feinen vor- bienftoollen Förberer Knauß burch bie Verleihung ber Ehrenmitgliebfchast. Im November v. I. konnte er mit seiner ihn überlcbcnben Gattin bas Fest der golbencn Hochzeit begehen. Ein Leben reich an "Arbeit, Kampf unb Sorgen, aber auch reich an Erfolgen und belohnt mit der wohlverdienten "Anerkennung ber Allgemeinheit ist mit bem Tobe bleses allenthalben geschätzten unb verehrten Mannes abgeschlossen. Dos "Anbenken an Rektor Knauß wirb in Gießen unb Oberhessen stets in hohen Ehren gehalten werben. an den Oberbürgermeister und daß dann die Demonstration unterbleiben könne. Das Polizeiamt habe aus Dem Gefühl Der Verantwortung heraus Die Lage wohl ernster aufgefaht als sie tatsächlich gewesen ist. Der Einsatz Der Schutzpolizei unD Des Panzerwagens wäre aller» Dings nicht nötig gewesen. Der Führer Der Schutzpolizei habe Die Lage. richtig beurteilt. Es sei leicht, hinterher zu sagen, Die Vorkehrun- Sen wären übertrieben gewesen als vorher Die age richtig zu beurteilen. Abg. Galm (Komm.) beantragt, Die Erklärung Des Ministers auf Die TagesorDnuna Der nächsten Sitzung zu sehen. Der Antrag ftnDet aber feine Zustimmung. Es folgen Die Abstimmungen über Kapitel 1 Des Staatshaushaltes. Zunächst entspinnt sich eine längere Aussprache über Die Form Der Abstimmung, Da viele Anträge zu Diesem Kapitel vorliegen (ihre Anzahl ist so groß, Daß sie einzeln hier nicht aufgesührt toerDen können). Es werDen Dann alle Anträge zu Kapitel 1 (Forst- unD Ka- meralgüter), Deren Annahme Der Ausschuß empfiehlt, auch angenommen unD Damit Die Anträge der Oppositionsp^ &teten ab« gelehnt; dazu gehören namentlich die Er- fparungsantrage Der Rechtsparteien. Abg. Dr. Leuchtgens gibt im Anschluß hieran eine Erklärung ab. Daß Der BauernbunD gegen einen sozialDemokratischen Antrag Widmann gestimmt habe, der die Streichung verschiedener Oberförster- und Assessorstellen wünscht, weil dieser Antrag seiner Partei nicht weit genug geht. Kapitel 2 (Siedlungswesen) und Kapitel 3 (Kameralgüter unter Vauverwaltung) werden, entsprechend den Ausschußanträgen, angenommen. Nächste Sitzung Mittwoch 9 Ahr. Bormotizen. * — Lagesralender für Mittwoch. Stavttheater: 6.30 Uhr „Gräfin Mariza" (Ende 10 Uhr). — Lichtspielhaus Bahnhofftrahe: „Der Ritt in die Sonne". — Im Goethe-Bund gibt am Sonntag, 21 März, „Das Kleine Welttheater", Marionet- lenspiele Bildender und Sprechender Künstler, ein Gastspiel unter dein Titel: „Satter, em schwäbischer Bolksdichter". Rach emem einleitenden Bortrag über Leben und Schaffen des Dichters — so schreibt man uns — kommt „Die Schöpfung" eine Komödie in dret Auszügen, zur Aufführung. Sailer, geb. 1714 zu Weihenhorn, war seinerzeit als Kanzelredner so berühmt, wie sein früherer Landsmann Abraham a Santa Clara. Goethe schätzte sein komisches Talent, und Mörike zitiert in einem Brief mit Hellem Entzücken den A nfang Der „Schöpfung". Frei von jeder Tendenz ist diese Dichtung heute noch lebendig, ein deutsches Volksgut ersten Ranges, von einem köst-- lick.n, heute leider so selten gewordenen wahr- h.-.ft Herz erquicken dem Humor. (Siehe heutige An- <;ctge.) Wettervoraussage. Heiter bis wolkig, tags etwas wärmer, nachts Frost, trocken. Der Abbau des über Mitteleuropa liegenden Hochdruckgebietes geht langsam weiter, indessen besteht zunächst noch keine ernstliche Gefahr eines Witterungsumschwunges. Rördliche, später östliche Winde werden noch eine Weile die Kaltluftmassen des Ostens nach Mitteleuropa einströmen lassen, doch ist eine stärkere Frostgefahr nicht zu befürchten. Späterhin langsame Erwärmung. Gestrige Tagestemperaturen Maximum 6,2, Minimum minus 4,6 Grac Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 2,3 Grad Celsius. ** Veränder ung en im Provinzialtag der Provinz Ober Hess en. Rach ihrer Wahl in den Provinzialausschuh haben die nachstehend genannten Herren ihr Amt als Provinzialtagsmitglied niedergelegt: Dr. Albert Aaron, Rechtsanwalt, Giehen, Bernhard R e ch t h i e n, Bürgermeister, Vilbel, Heinrich Kipper VIII., Bürgermeister, Ober-Seemen, Kommerzienrat Heinrich Langsdorf, Friedberg, Karl S ch m a h l, Amtsgerichtsdirektor, Gießen, Otto Schneider I., Landwirt, ältphe, Konrad Philipp Diehl, Landwirt und Bürgermeister, Hochweisel, Friedrich Wilhelm Stein, Landwirt, Stumpertenrod. An ihre Stelle sind als Mitglieder in den Provinzialtag berufen worden : Georg Hartmann, Verwaltungs-Oberassistent, Dad-Rauheim, Heinrich Häuser, Parteisekretär, Giehen, Valentin Dillemuth, Maurer, Hainchen, Hermann Hanimerschlag, Fabrikant, Giehen, Ernst Alfred R o m p f, Landwirt, Lang-Göns, Ernst Schlosser, Landwirt, Lauter, Johannes Kleophas R e u h, Landwirt, Ober-Mörlen, Karl Rahn III., Landwirt, Altenhain. *•’ Städte in Blumen. Einen besonders guten Eindruck auf ankommende Fremde macht es, wenn sich ihnen beim Verlassen des Bahnhofs die Stadt im Blumenschmuck darbietet und öffentliche Anlagen und Plätze dem Auge einen wohltuenden Ruhepunkt gewähren. Dies gilt nicht allein für die modernen Bauten der Grohstädte. auch die dem Mittelalter entstammenden Gebäude «wie Rathäuser) in Mittete und Kleinstädten erhalten durch einen einjheitlichen, farbig leuchtenden Blumenschmuck neues Leben. Roch erhöht werden kann dieser angenehme Eindruck, wenn auch die Fenster und Ballone der Wohnhäuser mit ihrem Blumenschmuck das eintönige Grau der S r.chen unterbrechen. Um die Verschönerung un- aaaKnsnoManaaanBKMBKHflBBBSun fere£ Stadtbildes durch. Blumenschmuck auch in dies ent Jahre wieder kräftig zu fördern, wird der Verkehrsverein in den Sommermonaten er» neut mehrere Blumenschmuck-Wettbewerbe veranstalten. Hoffentlich finden diese lobenswerten Bemühungen in den weitesten Kreisen unserer Bürgerschaft tatkräftige Unterstützung. ** Für ein Südhessisches Mundartenwörterbuch wird zur Zeit in den Provinzen Starkenburg und Nheinhessen der mundartliche Wortschatz gesammelt. Während unsere Provinz Oberhessen schon seit längerer Zeit von Marburg aus in den Bereich des Hessen- Nassauischen Wörterbuchs mit einbezogen wird, soll das neue Mundartwerk, das unsere beiden südlichen Provinzen umfaßt, von Gießen aus bearbeitet werden. Die Historische Kommission für Hessen hat das Verdienst, das Unternehmen, das längst hätte in Angriff genommen werden sollen, endlich ins Leben gerufen zu haben, ehe der letzte Nest von sprachlicher Eigenart verschwunden ist. An der Spitze des von der Historischen Komissiou eingesetzten Ausschusses steht Geheimerat O. B e h a g h e l, mit der Leitung der Arbeiten für das Wörterbuch ist Privatdozent Dr. F. Maurer betraut. Nachdem durch freundliche Unterstützung aller Kreise der rheinhessischen und Starkenburger Bevölkerung, insbesondere der Lehrerschaft und der Bensheimer und Alzeyer Aufbauschule, gegen 100 000 Zettel in freier Sammlung zusammengebracht worden sind, hat man nun begonnen, Fragebogen zu versenden. Der erste von diesen ist durch Vermittlung der Kreisschulämter in alle hessischen Dörfer, auch Oberhessens, gesandt worden, da die Antworten auf seine 54 Fragen die wichtige wortgeographische Grundlage abgeben sollen. Gleichzeitig ist auch ein Fragebogen der Hessischen Vereinigung für Volkskunde, mit der das Wörterbuck in enger Fühlung steht, ausgegeben worden. Auch in Zukunft werden die beiden Unternehmen gemeinsame Fragebogen versenden. Jeder Freund der Mundart und des Volkstums ist als Helfer herzlich willkommen. RDV. Fahrpreisermäßigung zu Ostern und Pfingsten. Die Hauptverwate tung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft teilt mit: Durch einige Zeitungen wird die Rachricht verbreitet, daß zu Ostern und Pfingsten keine Fahrpreisermäßigung für Schulfahrten und Jugendwanderfahrten gewährt würde. Diese Rachricht ist in dieser allgemeinen Fassung nicht zutreffend. Rach den Bestimmungen des Tarifs kann die Ermäßigung für Jugendwanderfahrten zuzeiten starken Verkehrs alterdinas versagt werden. Die Reichsbahndirektionen find jedoch angewiesen worden, die Ermäßigung auch während der Oster- und Pfingsttage allgemein zu gewähren, wenn nicht betriebliche Schwierigkeiten im einzelnen Falle die Ausschließung rechtfertigen. Auch für Schulfahrten soll, die Ermäßigung nach Möglichkeit nicht versagt werden. RDV. Elektrische Z u g b e l e u ch t u n g auch in Personenzügen. Äachdem Die Einführung der elektrischen Zugbeleuchtung in D= Zügen gute Erfahrungen gezeitigt hat, beabsichtigt die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, nunmehr auch die neuzubeschaffenden zweiachsigen Personenwagen durchweg mit elektrischer Maschinenbeleuchtung auszurüsten. Die elektrische Beleuchtung der O-Zugwagen wird fortgesetzt. In Anbetracht dieser Vermehrung der elektrischen Deleuchtungseinrichtungen ist das Personal auf Die ordnungsgemäße Bedienung besonders hingewiesen worden. „B und der Beamtenvereine ehemaliger Militärmusike r". Unter diesem Ramen, so schreibt man uns, hat sich hier eine Ortsgruppe gebildet. Zweck der Vereinigung ist: Zusammenstellung eines Orchesters zur Pflege einer guten, den ehemaligen Militärkapellen entsprechenden Musik; Pflege kameradschaftlichen Geistes: Schutz der musizierenden Beamten gegen unberechtigte Angriffe anderer Musikergruppen: Vertretung der Mitglieder bei ihren Behörden und Wohlfahrtseinrichtunzen. Die Ortsgruppe hat sich Dem in Berlin unter gleichem Rauten im Dereinsregister eingetragenen Bunde angeschlossen. Die Leitung des Orchesters liegt in den Händen des Musikmeisters a. D. Hermann Topp- Giehen. ---DerGautagdesLahn-Main- bezirks vom Deutschen Anglerbund fand am Samstag und Sonntag hier im Hotel „Hopfeld" statt. Eine Begrüßungsfeier ging am Abend vorher voraus, an der sich die Vertreter der Vereine Wetzlar, Friedberg, Gießen, Frankfurt, Hanau, Bingen. Höchst a. M, Offenbach u. a. m. beteiligten. Sonntagvormittag begannen die Verhandlungen. Der Dezirlsvorsihende Funk eröffnete die Versammlung. Unter den Gästen befanden sich auch Dr. L o w a r h - Kassel als Vertreter Der preußischen Regierung und Beigeordneter Dr. Seid als Vertreter Der Stadt Gießen. Im Mittelpunkt der Tagung stand der Vortrag von Lehrer Stolz- Mannheim, der das Thema ..Abwasserfragen im Reiche" behandelte. Die Versammlung forderte int Anschluß an den Vortrag einstimmig, daß zur Abhilfe der bestehenden Mißstände ein durchgreifendes Reichsabwass.'rgesetz geschaffen werde. Jeder Angler solle Was (erproben an die Behörden zwecks Untersuchung einsenden. Der Antrag, in der „Deutschen Anglerzeitung" eine Rubttk für Abwasserfragen zu eröffnen, fand allseitige Annahme. Aus den Kreisen der Gießener Angler wurde auf Mißstände bei Der städtischen Kläranlage aufmerksam gemacht. Weiter forderte man fachmännisch vorgebildete Fischereiaufseher. Eine Fischereigenossenschaft soll in Kürze ins Leben gerufen werden. Die übrigen Anträge der einzelnen Vereine waren mehr interner Art. 80089 Rundfunkteilnehmer in Frankfurt a. Main. Die Zahl Der Rundfunkteilnehmer betrug am 1. März ds. Js. im Sendebereich Frankfurt a. M. 80 089. ** Zur Richtigstellung. In unserem gestrigen Bericht über den tödlichen Unglücksfall in Der Walltorstrahe muß es richtig heißen. daß nicht ein Söhnchen, sondern das dreijährige Töchterchen des Arbeiters Bernhardt, Walltorstrahe wohnhaft, von Der Elektrischen überfahren wurde. Die Maul- und Klauenseuche ist in Butzbach, Asfenheim, Rieder-Rosbach, Rendel, Stammheim (Kreis Friedberg) und Ahlar (Kreis Wetzlar) ausgebrochen. In Ockstadt (Kreis Friedberg), auf Dem Hof Leustadt (Kreis Büdingen) und in Lützellinden (Kreis Wetzlar) ist Die Seuche erloschen. RDV. Eine originelle Reuein- r i ch t u n g. Um einem möglichst großen Kreise auf schnellstem Wege anzuzeigen, daß Die Sonntagssonderzüge verkehren werden, hat Die Reichsbahndirektion Magdeburg eine Reueinrich- tung getroffen: Sobald feststeht, daß Die Sonn- tagssonderzüge bestimmt verkehren, werden regelmäßig ^wei schwarz-weiße, schachbrettartig gemusterte Fahnen auf dem Hauptbahnhof aufgezogen. Auch vom Reisebureau der Hamburg- Amerila-Linie und vom Derkehrsbureaii des Verkehrsvereins werden zu gleicher Zeit ähnliche Fähnchen ausgehängt. Je früher die Teilnehmer sich für die Sonntagssonderzüge mit Karten versehen, um so früher kann naturgemäß von Der Reichsbahndirektion durch Flaggensignal bekanntgegeben werden, daß die Züge bestimmt verkehren. Schöffengericht Giehen. * Gießen, 15. März. In »der Rächt auf den 29. Oktober 1920 waren einem Kaufmann in Reiskirchen mittels Einbruchs eine große Menge Stoffe gestohlen worden. Zwei der Diebe konnten alsbald ermittelt und verurteilt werden. Der dritte war nicht auszusinden. Dor einigen Tagen stellte er sich freiwillig. Rach seinen Angaben war er Werbern für Die französische Fremdenlegion in die Hände gefallen und erst vor kurzem nach 5jähriger Dienstzeit eittlassen worden. Er wurde zu Der Mindeststrafe von Drei Monaten Gefängn is verurtellt. Ein junger Mmrn aus Rahe hatte sich einen Kaufmann in Hungen unwahrerweise als Reisender einer dortigen Firma ausgegeben, von diesem 20 Mark entliehen und Die Quittung mit einem falschen Ramen unterschrieben. Strafe: 6 Wochen Gefängnis. Ein Arbeiter aus Altenburg hatte einen Frachtbrief derart verfälscht, daß er Die darauf verzeichneten Gebühren der Dahn aus 16,50 Ml. in 18,50 Mark umänderte: die Differenz von 2 Mark behielt er für sich. Er wurde zu Der Mindeststrafe von 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Arbeiter Karl S ch u r ch von Reu- lennewitz ist trotz seiner noch nicht 20 Jahre bereits fünfmal wegen Diebstahls vorbestraft. Diesmal soll er im Oktober 1925 in Dortelweil wiederum einen Diebstahl begangen haben. Die Verhandlung muhte zwecks weiterer Aufklärung vertagt werden. Gerichtssaal. * Darmstadt. 16. März. Vor Dem Schwurgericht hatte sich gestern Der 19 Jahre alte Techniker Kurt Schwartz aus Worms zu verantworten. Er hatte vor einigen Monaten die übel beleumundete Dienstmagd Elise Hasemann. mit Der er ein Verhältnis hatte, obwohl sie 10 Jahre älter war als er, durch Revolverschüsfe schwer verwundet. Er selbst machte Dann einen vergeblichen Selbstmordversuch. Die Hasemann ist ihren Verletzungen erlegen. Auf Grund des Gutachtens eines medizinischen SachverstänDigen kam das Gericht zu Der Lleberzeugung, Daß Der Angeklagte in einem Dämmerzustand gehanDelt hat und nicht für Die Tat verantwortlich gemacht werden kann: er wurde Deshalb frei- gesprochen. Der Raubmordversuch im Eisenbahnzuge Kassel — Giehen. WER. Kassel, 16. März. Die Darstellungen von Augenzeugen unD Die Vernehmung des Attentäters über Den verwegenen Raubmord- Versuch im beschleunigten Personenzug 770 zwischen Borken und Zimmersrode ergaben auf- febenerregenDe Enthüllungen. Der Täter ist vor etwa 14 Tagen nach Kassel gekommen und M sich in einem möblierten Zimmer eingemietet. Rach einem raffiniert ausgedachten Plan wollte er, tote er zugab, einen Geldbriefträger berauben. Zu diesem Zwecke fuhr er nach Göttingen und gab "an seine Adresse eine Postanweisung über 4 Mk. auf. Der ilcbctfall auf den Geldbriefträger mißglückte aber, weil Die Zimmerwirtin dazwischen trat. Rach einer nochmals mißglückten Wiederholung Des Planes beschloß er, am letzten Freitag nach Bebra zu fahren, sprang aber in GUntershausen auf Den bereits in Fahrt befindlichen Personenzug 770 auf und Drang in das Zweiterklasse-Abteil ein, in Dem Der Eisenbahirinspektor Dettmar saß. mit Dem vollen Vorsatz, wie er bei Der Vernehmung zugab, einen Raubmord auszuführen. Dieser Versuch mißglückte infolge Der bereits bekannten ilmftänDe. < zum bleichen-ohnegleichen U Sil gibt schneeweiße Wäsche in einfachstem Waschen, spart Seife und schont die Wasche - Ohne Qhlor- Mion Btanöi teuen Baue 22 Tel. 1085 f.i oassamen und auermtetcr g h n u n g; ni üfer Berpflegung M 50, 4. —u. böber vio Tag. iivuD 2 MI. ßimmcr Ni KuchenbenutzutM in gutem Hause so- so! i zu uerm. ,18M doimaunftf. 8 II. Cr iß., n mäbl. sonn. Zim ner in gnt.Hauie an bcruiöL Dame au Derrn. Zn erfr. i. der Geickn. d. G. Anz.p,.,, •eeeeeeeeeeo MA. Zimmer au vermieten Auzus. mittags zw. 1 iL 211 oiss» Ludwigttr.571. | Mietgesuche 1 ob. 2 möbl. Ammer nut Stüdje ob Kitchen- benutzung z 1 Avril von jungem Ghepaar auf einige 3ttt ge: such«. Schrtsil Angebote umer 2460D von berufstätig. Dame tn gutem Hause ver 1. 4. gesucht. Schrift! Angeb. u. 01867 a. d. Gieß. Anz. Junge Dame sucht in bestem Haufe uollt Pklljm nt Familienanschluß Schriitliche Angebote unter 01862 an den Gieß. Anzeiger. 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März 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: a) bestimmt: Zwei Kinderbettstellen, 25 Klappwagen, Ielluloidpuppen, große Glieder- und Mamapuppen, Kindergewehre, Patentkleiderbügel, Hosenhalter, 1 Klubgarnitur (echt Peddigrohr mit Gobelinbezng), mehrere Fässer Ocker, Fußbodenfarbe und -Lacke, drei Fässer albine Kreide, 1 Ladentheke, 2 Glasschaukästen, größeren Posten Damenhüte, b) 1 Personenauto, 1 Standuhr, 1 Schweiß- apparat, 3 Warenschränke, 1 Spiegel« schrank, 1 Kassenschrank, 3 Sieppmaschi- nen, 1 Lederwalze, 1 Accomaschine, eine Schreibmaschine, 1 Schreibtisch, 3 Fahrräder, 6 Nähmaschinen, 90 Paar Herren-, Damen- und Kinderstiefel, 1 Handkarren, 1 Wäschemangel, 1 Diwan u. v. a. Dern, Gerichtsvollzieher in Giehen, r>o,s 50,1 20.) Konrad Kreiling Marie Kreiling Lina Kreiling Wieseck, den 16. März 1926. Pferdeverkauf. Wegen geplanter Anschaffung eines Autos 1 Paar Kutschpferde (Litauer Füchse) zu verkaufen. Gebote sind einzureichen bis spä« testens 23. ds. Mts. Ortenburg, den 15. März 1926. Fürstlich ^lolberg'sches Rentamt Oberförster H. Salzmann und Frau Frieda geb. Oengnagel. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 18. März, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehaus, Philosophenstraße 8, aus statt. Familie Ludwig Kreiling Familie August Kreiling Familie Heinrich Kreiling. 2454D N.-ScelachS Goldbarsch Gr. Heringe empfiehlt Danksagung. Fflr die wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Für die trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Ludwig Alleindörfer. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karoline Knauß geb. Hahn. Gießen, den 16. März 1926. Die Beerdigung findet in der Stille statt. — Beileidsbesuche dankend verbeten. 2445D Wir nliehe» für den Bezirk Gieße», Wetzlar, Marburg einen erstkl. Berkäuser, nachweisbar etngeführt bei Oirodverbraucheru iSiaat, Stadt. Behörden, Anstalten n. 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Rorrefpouöenj Ä!-9anöel5-Sorre|ponöi'nj bei mäßigen Sähen (einzel u.inGruppen) Schriftliche Angebote unter 01852 an den Giehener Anzeiger erbeten. Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, daß meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katharine Kreiling geb. Balser im Alter von 68 Jahren nach langem schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Nachruf. Infolge eines Unglülksfalles verstarb am 15. dS. MlS. plötzlich und unerwartet unser Mitglied Karl Schmidt §hre seinem Andenken. Um rege Teilnahme an der Beerdigung wird gebeten. M(MD Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Krlegerhinterblleb. e.V. Ortsgruppe Gießen. Heirat "">D Witwer, sehr ver- mögend, mit gutem Geschält u. schönem Heim, in ein. Vorort München», 65 I.alt, angem. Aeußere, w. sichm.Frl.od.Witwe in. Verm. ob. Anw. wieder zu verehel. Briese m. näh. Ang. d. Berhältn. befßrb. n.2429Db Geschäftsstelle b. Gieß. Anz. 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Gießen, Beinheim (Els.), Siegen, den 16. Marz 1926. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4'/i Uhr, aut dem Neuen Friedhöfe statt. 24381) Griine Heringe per Pfund 0.30.x Vierfrucht Marmelade Pfund 0.40 Ä Bienenhon iy; garant. rem. echter WeidehouigPfd.l.io Feinste» Landkornbrot leicht verdaulich sehr nahrhaft 4- Psd. Laib 0.58 ,a Gemüse- u. Früchte- ■ionNcrven zu bedeutend herab- gesehieu Preisen. MeinliUjrer echter' ,Krug 1.50. o Hamb. Tropfen ’/i Flasche 3.80. Aptelwincn 10 St. 1.20,1.—, 0.00 Hch. Kalbfleisch IdebigN raße? 1. Tel. 1685. 12451c Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei dem Heimgange unseres Heben, unvergeßlichen Entschlafenen sagen wir unseren innigsten Dank. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie R. Sann Familie H. Fischer. Weitershain, den 12. März 1926. 01848 M»» erteilt lungern Lvtl Plädcheu. das nach Amerika reist, enrtl. Unterricht? Schr. Angebote unt. 01876 n. b. (Mieh Anz. Pers, lehneldarln m. erst. Neferenz.. mb. eins. 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Als Wendepunkt allergrößter Bedeutung für die gesamte Politik des nahen Orients war das vor einigen Monaten erfolgte Einverständnis der französischen rind englischen Diplomatie zu verzeichnen, deren Interessen sich hier trotz der so oft betonten Waffenfreundschaft stets diametral entgegcnstanden. Dieser Wendung, die in den Besprechungen von Locarno ihre innere Festigung erfuhr, hat England in erster Linie zu verdanken, daß es in Genf seine unglaublichen Forderungen auf Mos s u l restlos hat durchdrücken können, und der Türke, der seit Jahren immer große Stücke auf seine Freundschaft mit Frankreich gehalten hatte, sah sich in seiner Hoffnung auf bestimmt zugesagte diplomatische Hilfe arg enttäuscht. Es entsprach daher einer bestimmten Tendenz, daß der türkische Außenminister Tewfik Rüschdi Ley in jenen kritischen Tagen, die der Entscheidung von Genf folgten, ausgerechnet in Paris jenes viel beachtete Freundschaftsverhältnis mit Moskau unterzeichnete, das in der türkischen Regierungspresse als die Einigung des Orientes gegen den imperialistischen Okzident gefeiert wurde. DabU fiel für den Völkerbund und für England manch hartes Wort ab, über den Umfall Frankreichs schwieg man sich jedoch vorsichtigerweise aus. Inzwischen haben Frankreichs Man- datsnöte in Syrien eher zu-als abgenommen und anstatt des erwarteten kurzen Bandenkrieges hat es dort einen regelrechten Feldzug zu führen, der überaus zeitraubend und doppelt schwierig ist, da auch in Marokko neue harte Kämpfe bevorstehen und das Finanzproblem drohend in der Luft hängt. Der neue Gouverneur Jouvenel steht einer schwierigen Aufgabe gegenüber, und zielbewußt sucht er durch Rücksprache mit den Nachbarn Syriens das Ausstandsgebiet abzudämmen, denn irgendwoher müssen schließlich die Syrier ihre Waffen, über die sie anscheinend reichlich verfügen, herbekommen. Vor seinem Amtsantrit setzte er sich bereits mit London ins Einvernehmen, und in den letzten Wochen sahen wir ihn in Angora, um auch nach dieser Seite hin Sicherungen zu schaffen. Es war in den letzten Jahren verschiedentlich auch an der türkisch-syrischen Grenze zu blutigen Banden- kämpfen gekommen, ohne daß jedoch die Aufständler besondere Unterstützung von türkischer Seite erhalten hätten, wie das verschiedentlich in der französischen Presse behauptet worden ist. Man hat sich ini Gegenteil türkischerseits stets peinlich gehütet, auch nur irgend etwas zu unternehmen, was der „türkisch-französischen Freundschaft" Abbruch tun könnte. Es berührte eigenartig, daß die türkische Presse stets einmütig betonte, daß Angora an einer französischen Niederlage nicht das geringste Interesse habe, eigenartig insofern, als die Sympathie des türkischen Volkes doch wohl auf Seiten der Freiheitskämpfer in Marokko und Syrien fein dürfte, mit denen' es durch die gemeinsame islamitische Religion und durch alte Tradition doch noch recht enge verbunden ist. * Der Hauptgrund der Mission Jouvenels, der zusammen mit dem französischen Botschafter S a r r a u t und dem französischen Militärattache in großer Aufmachung in Angora erschien, war der neben der syrischen Gren^sicheruna die in den letzten Monaten begreiflicherweise arg abgekühlten türkisch- französischen Beziehungen wieder aufzufrischen, die durch ein nur zu berechtigtes Mißtrauen zu einer empfindsamen Einbuße des Prestiges Frankreichs in der Türkei geführt hatten. In geschickter Weise griff daher Jouvenel über seine näheren Ziele hinaus und knüpfte dort an, wo Franklin- Bouillon seinerzeit stehen geblieben war. Es wurde in aller Eile ein Abkommen ausgearbeitet über Grenzregulierungen, Zollerleichterungen und vor allem über die schon im Angoravertrag (Oft. 1921) angeschnittene Frage der Autonomie des Gebietes von Alexa ndrette und Antiochia, in der damals nur eine provisorische Lösung erzielt worden war, die die Wünsche der vorwiegend türkischen Bevölkerung dieser Gebiete durchaus nicht befriedigte. Frankreich weih genau, daß hier in Nordsyrien der wundeste Punkt des ganzen Mandatsgebiets liegt, und die Türkei hat die Hoffnung auf Zurückerstattung dieser beiden wichtigen Städte niemals aufgegeben, die es gerne als „türkisches Elfaß-Lothringen" bezeichnet. Bei der jährlichen Feier des Abzuges der Franzosen aus Zilizien wird im benachbarten Gebiete in Adana neben der in Weiß gekleideten Gestalt des „befreiten Adana" die in Schwarz gehüllte „trauernde Alexan- drette" dargestellt. Gespräche. Don (Sina Kaus. Wenn Smerdjakoff in den Brüdern Kara- masoff fagt, daß „mit einem klugen Menschen das Deden ein Dergnügen ist", so meint er damit weniger den klugen Redner als den klugen Zu° Hörer. Und wenn wir uns selbst ein bißchen prüfen, werden wir uns eingestehen, daß wir uns in einem Gespräch am wohlsten fühlen, in dem unser eigener Anteil rasch und richtig verstanden und nach unserem eigenen Ermessen gewertet wird. Wenn wir uns nun gleich dazu sagen, datz es dem Partner wohl genau so geht, daß auch ihm unser Derständnis für seine Meinung bei weitem wichtiger und interessanter ist als unsere Meinung selbst, so stehen wir sogleich jener Schwierigkeit gegenüber, die ein angenehmes Zusammen klingen im Gespräch so selten macht. Denn meist wollen beide Redenden sich möglichst schnell und gründlich zur Geltung bringen - was durch Widerspruch leichter scheint als durch Zustimmung — der Partner wird zum Gegner, das Gespräch zur Debatte, und im Auseinanderprall zweier gereizter Eitelkeiten wird ein unbeachtetes Richts im Sand der Arena zertrampelt: die Sache, um die der Streit geführt wird. Das ist sehr traurig. Unendliche Quantitäten an Rcrvenkraft werden in zwecklosen Meinungskämpfen verpufft, die bloß um des besseren oder letzten Wortes willen geführt werden. Aber Gespräche führen wird in der Schule nicht gelehrt. Im Gegenteil, gerade dort lernt man ja, sein Stichwort abzupassen und sein Licht leuchten, womöglich über alle andern Lichter leuchten zu lassen. Der Typus „Musterschüler" ist auch der unausstehlichste im Gespräch: wo er ftrebert, hat er überhaupt keine Meinung und wo er sich überlegen fühlt, doziert er Ange- Es ist ein oft wiederholtes Spiel der französi- 'schen Diplomatie, irgendwelchen größeren politischen Auseinandersetzungen mit England eine besondere Aktivität im nahen Osten vorausgehen zu lassen, um sich durch irgendwelche Verträge ein Tauschobjekt im Handel mit England zu sichern. Der Ausgleich hat bisher leider größtenteils a u f Kosten Deutschlands stattgefunden. Zwar ist der genaue Wortlaut des jetzigen Vertrage snoch nicht veröffentlicht, soviel ist jedoch sicher, daß er eine bestimmte Neutralität sklausel enthält und neben einer eventuellen verschleierten Gebietserweiterung eine türkische Kontrolle des bisher durch das französische Mandatsgebiet laufenden Teils der V a g d a d b a h n sicherftellt. Das zu erwartende Echo in London ist denn auch nicht ausgeblichen. Irgendwo muß in der englischen Politik der Ausgleich gefunden werden, diesen erneuten Druck, der gerade an einer der empfindlichsten Stellen der englischen Vorderasienpolitik wieder einsetzt, zu kompensieren. Durch die Lösung der türkisch-syrischen Frage in dieser Form wird nicht nur der türkische Aufmarsch gegen Mossul gesichert, sondern auch die einzige für England in Betracht kommende direkte Landverbindung nach Mossul-Bagdad unterbunden. Die gesamte Petroleumpolitik Englands wird durchkreuzt, denn als Endpunkt der geplanten Rohrleitungen zum Mittel- ni£.cr kommt im Norden Alexandrette, im Süden Haifa in Betracht. Letztere bedeutend längere Strecke würde durch weite Wüstengebiete führen und dem Wüstenherrscher Ibn toaub ausgesetzt fein, dem man trotz der letzthin abgefchlossenen Verträge nur wenig Vertrauen schenken kann. * Es erscheint sehr fraglich, inwieweit Frankreich, das ja nur der Mandatar des Völkerbundes über Syrien ist, selbständige Bestimmungen über Teile des Mandatsgebiets treffen kann, ferner, ob der Vertrag in allen feinen Teilen wirklich ernst gemeint ist, und auch diesmal wieder Versprechungen aufweist, die hernach nicht gehalten werden. Die Türkei ist begreiflicherweise bei den üblen Erfahrungen des letzten Jahres auch Frankreich gegenüber sehr mißtrauisch geworden, und der aufs neue aufpolierte Schild der „amitig franco-turque“ dürfte kaum im Glanze des vorigen Jahres wiederaufleuchten, trotz der geschickten französischen Pressercklame. Der englische Botschafter L i n d s a y ist in diesen Tagen zu neuen Verhandlungen in der Mossulfrage nach Angora gereift, und schon bei dieser Gelegenheit dürfte sich ausweifen, ob der Jouvenelvertrag den Türken wesentlichen Nutzen bringen wird. Die Zusage Jouvenels, auch „eine Einigung in den anderen zwischen Frankreich und der Türkei schwebenden Fragen" herbeizuführen, hatte bei den Türken die Hoffnung auf die Regelung der französisch-türkischen Schuldenfrage, die im Lausanner Vertrag besonderen Vereinbarungen vorbehalten war, erweckt. Es handelt sich um 80 Millionen Goldpfund Vorkriegsschulden. Die seit Monaten in Paris gepflogenen Verhandlungen sind in diesen Tagen ergebnislos abgebrochen worden, da die Franzosen auf Goldzahlung bestehen. Eine Forderung, die juristisch kaum haltbar und für die Türkei durchaus nicht tragbar sein dürfte. Der erste bittere Tropfen im Weine der erneuerten Freundschaft! (Inzwischen scheint auch darüber Klarheit geschaffen zu sein, daß der Jouvenelvertrag in seinen wichtigsten Bestimmungen, der Neutralitätsklausel und der Kontrolle der Bagdadbahn, für Frankreich nur ein Druckmittel gegen England und ein Tauschobjekt für ein größeres Entgegenkommen des Londoner Kabinetts in Genf, natürlich auf Kosten Deutschlands, bedeutet, eine Kombination, die unser Korrespondent in dem obigen Aufsatz ja schon andeutet. D. Red.) Marienbad vordem Völkerbund. Die Tschechoslowakei und ihre deutschen Burger. Von unserem K. Korrespondenten. Prag, 11. März. Die überragende Bedeutung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund rückt einen Punkt der gegenwärtigen Genfer Tagung in den Hintergrund, der in erster Reihe die Sudetendeutschen angeht, darüber hinaus aber von allgemeiner Wichtigkeit bei der Beurteilung der Frage ist, ob der Völkerbund die ihm durch seine Verfassung zugewiesene Aufgabe, Hüter der Rechte bedrohter Minderheiten zu fein, übernehmen will und kann. Die Sudeten- deutschen haben auch der diesmaligen Tagung des Völkerbundes zwei Beschwerden über die Regierung der Tschechoslowakei vorgelegt. Die eine Beschwerde richtet sich gegen die jüngst erlassene Sprachenverlerntes mit dem Anspruch auf Endgültigkeit. (Niemand lehrt junge Menschen Gespräche führen. And doch machen Gespräche einen nicht unwesentlichen Teil des Lebens aus, sie sind einer der unausweichlichen Kriegsschauplätze des Alltags, wo Triumphe erfochten, Riederlagen erlitten und viele tausend, oft nicht unbeträchtliche Wunden geschlagen werden. Denn nur sehr wenige besitzen das einzige Mittel, das diesen Rahkampf in ein Räherkommen verwandelt: Takt. Takt gilt gemeinhin für eine negative Kunst, die Fehler vermeidet, am rechten Ort schweigt und eine Wunde bloß zu dem Zwecke bemerkt, nicht den Finger daraus zu legen: eine Kunst höherer Gesellschattsschichten, gepflegterer Kinderstuben. Aber Takt ist vor allem die ununterbrochene Kontaktfähigkeit zu einem anderen Menschen, was man Rücksicht, oder zu einem Ding, was man Sachlichkeit nennt. Sachlich ist jener Mensch, der die Person des Partners nie aus den Augen, aber immer aus der Debatte läßt. Zur Debatte steht immer nur die Sache, aber es sind immer Menschen, die debattieren, und die Rücksicht auf diese zu vergessen, ist ebenso tattlos, wie sie merken zu lassen. Die einzige Methode, die Achtung vor dem Gesprächspartner zu zeigen, ist die Achtung vor dem Gegenstand des Gespräches. Diese Sachlichkeit ist aber das gerade Gegenteil trockener Fachsimpelei, (die ihrerseits meist renommistisch und daher unsachlich ist), nämlich der lebendige Kontakt mit einem andern ohne persönlichen Hebet- griff, durch das Medium jenes Weltausschnittes, der gerade in das gemeinsame Blickfeld gerückt ist. Denselben Gesichtswinkel suchen, den der Partner hat, um ihm das Ergebnis der eigenen Schau nicht aufzudrängen, sondern zu übermitteln, ist das Ziel jedes Gespräches und die täglich wiederkehrende Gelegenheit zux Klein- ortmung, welche nicht nur die von der Verfassung gewährleisteten Rechte der Minderheiten, sondern auch den der Tschechoslowakei unter internationaler Garantie auferlegten Minderheitenschutz-Vertrag verletzt. Die zweite Beschwerde wendet sich gegen die zwangsweise Beschlagnahme und Enteignung des Weltkurortes Marienbad, dessen Quellen und Badeeinrichtungen dem deutschen Stift Tepl gehören. Der Fall Marienbad hat schon im Sommer Aufsehen erregt. Damals hat die Weigerung des Tepler Stiftes, den Vertrag über die Verpachtung des Badebetriebes an eine tschechische Gesellschaft zu verlängern, die Verhängung der staatlichen Zwangsver- walmng über den Kurort zur Folge gehabt. Die Handhabe hierzu glaubte die Regierung im Bodenenteignungsgesetz zu besitzen. Der Besitzer, das Stift Tepl, hat sich diesen Eingriff nicht ruhig gefallen lassen. Es hat die innerstaatlich zulässigen Rechtsmittel ergriffen, es hat sich aber auch an das internationale Forum des Völkerbundes gewendet, weil es offensichtlich, daß die Zwangsverwaltung und die angedrohte Enteignung eine vexatorifche Maßregel aus nationalen Gründen darstellt und daher eine Verletzung des Minderheitenschutz-Vertrags bedeutet. Die Ergreifung der inländischen Rechtsmittel, in diesem Fall einer Beschwerde an das Oberste Verwaltungsgericht, hat die Regierung kalt gelassen, solche Beschwerden laufen jahrelang, bevor es zu einem Urteil kommt, und außerdem macht man sich in Prag aus verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen wenig. Sobald die Spruchpraxis des Verwaltungsgerichts unbequem wird, schafft man ein neues Gesetz, wie wir solcher Gelegenheitsgesetze schlimmster Sorte schon eine Menge haben, und damit haben dann die jeweiligen Sorgen ein Ende. Weit unbequemer ist der Regierung die Beschwerde an dey Völkerbund. Dieser Schritt hat dem Stift Tepl öffentlich die heftigsten Angriffe der tschechischen Presse eingetragen, die die Anrufung des Völkerbundes als Landesverrat qualifiziert, insgeheim aber ist dem Stift als Belohnung für die Zurücknahme der Beschwerde ein Vergleichsantrag gestellt worden, der erst recht den habsüchtigen Charakter der Beschlagnahme enthüllt. Die Regierung hat sich bereit erklärt, von der Enteignung Abstand zu nehmen, wenn das Stift die Beschwerde beim Völkerbund zurückzieht und feinen Marienbader Besitz, nämlich sämtliche Heilquellen, drei Badehäuser, eine Kalt- wasftrheilanstalt, vier moderne Hotels mit fünfhundert Zimmern und das Waldgut des Stifts im Ausmaß von 2000 Hektar für eine Entschädigung von 14 Millionen Mark einer Aktiengesellschaft übergibt, von deren Aktien 15 Proz. dem Stift, hingegen 60 Prozent dem Staate ohne jede Gegenleistung zu übergeben wären (für den Rest kommen andere Jn- teieffenten, wie zum Beispiel die Stadtgemeinde Marienbad in Betracht). Auf den ersten Blick wird man zugeben, daß die Regierung ihren geschäftlichen Vorteil wahrzunehmen versteht. Der Hauptzweck der Marienbader Aktion ist zwar nicht geschäftlicher Natur. Vielmehr wird mit dem Uebcrgang Marienbads in den Besitz einer Aktiengesellschaft, über deren Mehrheit die Prager Regierung verfügen würde, die Absicht verfolgt, tschechische Beamte in reichlicher Zahl nach Marienbad zu bringen und dadurch den nationalen Charakter dieser rein deutschen Stadt zu verwischen. Daß mit diesen nationalpolitischen Bestrebungen auch ein gutes Geschäft verbunden wird, ist zwar vom Standpunkt der Prager Regierung aus verständlich, macht aber die ganze Transaktion in den Augen unparteiischer Beurteiler kaum appetitlicher. Freilich wird das Angebot von Prag für eine besonders generöse Handlung ausgegeben, denn bei Durchführung der Enteignung wäre die Entschädigung des Eigentümers weit niedriger bemessen. Das stimmt allerdings, denn das tschechische Bodenreformgesetz sicht solche Lappalien an Entschädigung vor, daß es einer Konfiskation gleichkommt. Nur ist zu sagen, daß es mit der Anwendung des Bodenreformgesetzes auf die Bäder und Heilquellen von Marienbad etwas windig aussieht. Die Intention des Bodengesetzes ist gleichfalls rein national- politischer Natur, es verfolgt das Ziel, die großen Grundbesitze billig aus deutscher Hand in tschechisches Eigentum überzuführen. Immerhin ist diese Tendenz verhüllt, indem das Gesetz ausdrücklich zu Zwecken der Agrarreform und der Jnnenkolonisation erlassen worden ist. Nun gehört wohl ein ungewöhnliches Maß von juristischer Spitzfindigkeit dazu, um die Enteignung von Heilquellen, Hotels und Kaltwasserheilanstalten als ein Erfordernis der Agrarreform und der Jnnenkolonisation hinzuftellen. Damit kann man im Inland, wo die Auguren einander zulächeln, operieren, aber es ist einigermaßen peinlich, mit solchen dialektischen Künsten einen Eiertanz vor dem internationalen Forum eines Völkerbundausschusses aufführen zu müssen. Und überhaupt sieht es die Prager Regierung nicht gern, daß sie sich immer wieder vor dem Völkerarbeit am Aufbau menschlicher Gemeinschaft. Die aber jener nicht leisten kann, den sein Prestigebedürfnis zwingt, sich selbst vor das zu Betrachtende als das vor allem zu Beachtende zu stellen. Es geht dann zu wie in einem hübschen Lustspielfilm, den ich einmal gesehen habe, da Max Linder- sich bestrebte, eine Landschaftsaufnahme zu machen: aber immer, wenn er gerade eine schöne Dlumenwiese, einen stillen See in der Mattscheibe hatte und losdrücken wollte, stellte sich rasch ein Mensch davor, der unbedingt mit auf der Platte sein wollte — und die Landschaft war verdorben, zum Hintergrund für ein belangloses Gesicht herabgewürdigt. Dieses Mit-aus-der-Platte--sein°wollen ist es. was aus jedem Gespräch einen maskierten Kampf macht. Wer aber hier versagt und die Hingabe an das Objekt verfehlt, der wird auch sonst kein angenehmer Kamerad fein, der wird auch sonst dazu neigen, seine persönliche Geltung der Rücksicht auf seine Mitmenschen hintanzusetzen. Denn Sachlichkeit ist ein Ausdruck des Gemeinschaftsgefühls, und der taktlose Mensch ist ein als was immer kostümierter Egoist. Cs ist verhältnismäßig leicht, ein großartiges Opfer zu bringen, einen schweren Verzicht zu leisten. Aber es ist unendlich schwer, etwas so pinscheinbares, Tin bemerkbares zu tun, wie im Gespräch hinter einen andern, den man vielleicht sogar schlagen tonnte, zurückzutreten. (Der Ideal- fall, daß beide hinter der Sache zurücktreten, ereignet sich so selten wie alles Vollkommene im irdischen Leben). Aber vielleicht geht es doch. Das stärkste Argument für die (Nächstenliebe ist, hier wie überall — der Egoismus. Was Bescheidenheit (mit Recht) nicht vermag, vermag vielleicht eine vernünftige Tieberlegung und der zweckmäßig durchgeführte Wille, für „einen klugen Menschen" zu gelten, „mit dem das Reden ein Vergnügen ist." bunb rechtfertigen muß. Die Tschechoslowakei legt großen Wert darauf, als ein Muster der Demokratie zu gelten, wo nationale Minderheiten keinen Anlaß zu Beschwerden haben. Die gute Aufführung erst beweisen zu müssen, kommt der tschechischen Negierung ebensowenig gelegen, wie der angeblich anständigen Frau, die sich genötigt sieht, ihre Tugend öffentlich zu dokumentieren. So ist es verständlich, daß man es sich etwas, wenn auch nicht zu viel, kosten lassen will, um die Gerichtsszene vor dem Völkerbund zu vermeiden. Allerdings, wirkliche Gefahr ist kaum vorhanden und man kann ruhig annehmen, daß die Marienbader Beschwerde ovm Völkerbund ebenso elegant begraben werden wird, wie alle vorangegange- nen Klagen des Sudetendeutschtums. Der Völkerbund begnügt sich mit der Dekoration des Minderheitenschutzes und hütet sich ängstlich, von feinen Befugnissen Gebrauch zu machen. Man hat sich in Genf eine bequeme Auslegung zurechtgemacht, nach der nur loyale Minderheiten Anspruch auf den Schutz des Völkerbundes hätten. Die Loyalität aber hat der Staat zu bescheinigen, gegen den sich die Beschwerde einer Minderheit richtet. Ist das nicht sein ausgeheckt? Die Tschechoslowakei bezeichnet jede Beschwerde ihrer Stao'.ibürger an den Völkerbund als eine Illoyalität und damit hat sie gleich gewonnenes Spiel. So wird es wohl auch diesmal kommen, aber vielleicht, so hofft man, in den Sudeten, wird dieses üble Spiel zum letztenmal aufgeführt. Die Anwesenheit Deutschlands im Völkerbund könnte eine Aende- rung mit sich bringen. Gewiß erwartet niemand von den auslanddeutschen Minderheiten, daß das Deutsche Reich initiativ und mit besonderer Schärfe als Anwalt des Auslanddeutschtums von vornherein auftreten wird. Die deutschen Minderheiten sind gewitzt 'genug, um die nicht leichte Position Deutschlands zu verstehen und es zu billigen, daß das Reich in erster Linie seine Lebensnotwendigkeiten wahrnehinen muß. Aber man kann doch hoffen, daß die deutschen Vertreter im Völkerbund ohne besondere Exponierung viel zur Erleichterung der bedrückten deutschen Minderheiten werden beitragen können einfach dadurch, daß sie die frivole Art nicht mitmachen, in der bisher nationale Beschwerden vorn Völkerbund abgetan worden sind. Viel wird schon gewonnen s«n, wenn zumindest eine Unter» suchung solcher Beschwerden durchgesetzt wird. Dann ist zu hoffen, daß manches unterbleiben wird, was bisher der Staat in dem Bewußtsein, daß ihm nichts geschehen kann, und daß sich niemand in der Welt darum kümmert, an Schmälerung der nationalen Minderheitsrechte sich zu Schulden kommen läßt. Zumindest ist diese Hoffnung für die Tschechoslowakei berechtigt, wo — wie loyal zugegeben sei — die Empfindlichkeit für das Urteil der gesitteten Welt weitaus größer ist als etwa in Mussolinis Italien. Das neue Kabinett in Holland. Von unserem Korrespondenten. A m st e r d a m, 13. März. Das Interesse der holländischen öffentlichen Meinung war in der letzten Zeit von der Beobachtung des Streits um die Völkerbundsratssitze und der damit in Verbindung stehenden Schwieria. ketten, denen- sich die Völkerbundstagung in Genf in der Frage der Zulassung Deutschlands gegenübersieht, wieder hauptsächlich der inneren Politik xugewandt. Die vorläufige Beendigung der „ewigen Regierungskrise bedeutete eine große Ucbcrraschung. Ueberraschend kam zunächst die Nachricht, daß cs dem mit der Bildung des ersten außerparlamentarischen Kabinetts beauftragten Dr. Limburg entgegen den allgemeinen Erwartungen doch noch gelungen sein sollte, eine vollständige Ministerliste zusainmenzustellen. Noch überraschender angesichts dieser Entwicklung kam jedoch bereits einen Tag später der wegen der Frage der vatikanischen Gesandtschaft erfolgte Verzicht Dr. Limburgs auf seinen Kabinettsbildungsversuch kurz vor der Bekanntgabe des neuen Ministeriums. Während dann von der Zweiten Kammer der sozialistische Antrag auf K a m m e r a u f l ö s u n g er» wartungsgemäß mit großer Mehrheit abge» lehnt wurde, war es wieder überraschend, daß sämtliche Parteien, mit Ausnahme der sozialistischen Antragsteller die hierbei gebotene günstige Gelegenheit zu einer Debatte über die Ursachen der Regierungskrise und zur Feststellung der Verantwortlichkeit für die lange Krise selbst ungenutzt vor- übergehen ließen. Wie sich später teils zur Heiterkeit, teils zur Entrüstung der öffentlichen Meinung herausgestellt hat, hatte fast jeder Parteiführer eine große Rede vorbereitet. Keiner wollte jedoch als erster das Wort ergreifen, und während jeder auf den andern wartete, wurde die Debatte vom Kam- Heilige Haie. Einen erstaunlichen Bericht über Haifischverehrung unter den Eingeborenen von Reuguinea veröffentlicht Dr. I. H. Sanbsord Jackson, der mehr als fünf Jahre als Medizinalbeamter unter ihnen gelebt hat, in einer englischen Zeitschrift. „Jede Gruppe der Eingeborenen," schreibt er, „hat ihren eigenen Haifisch, der eine Art Schutzpatron der Gruppe ist. Dieser Hai lebt in der Rahe des Dorfufers und wird „Maselay" oder Guter Geist genannt. Rach der Auffassung der Eingeborenen begräbt dieser heilige Hai, wenn der Leichnam eines Eingeborenen ins Meer geworfen wird, sofort den Körper: er gestattet jtoar den Menschen nicht, dabei zuzusehen, aber er bettet ihn unter einem Haufen von Sand, den er mit seinem mächtigen Schwanz aufwühlt. Die Mitglieder der Gruppe werden von ihrem eigenen Hai-Heiligen nicht angegriffen; wenn sie ifrin zu nahe kommen, und er sie frißt, so tut er öa£ höchstens „zum Spaß". Der Schutzpatron hat ein besonderes Stück Land am Ufer für sich reserviert, das kein anderer ohne Todesgefahr» betreten darf, außer den Angehörigen der Gruppe. Dieser „Schutzengel" bringt die Seelen Öer gestorbenen Mitglieder feiner Gruppe zu einer Hohle, die zwischen den KoraUenfelsen verborgen ist. Betritt irgendein nicht zu der Gruppe gehörender Eingeborener diese „Seelenhöhle", dann wird er „lang long“ oder verrückt; er kann aber geheilt werden, wenn ein Schutz besohleuer des betreffenden Hais ihm einige Zauberblätter auflegt und den Geist des Hais bittet, den Fluch von dem Erkrankten zu nehmen. Die Haifische find untereinander eifersüchtig auf ihre Schützlinge und greifen die Pflegebefohlenen anderer Haie mit Vorliebe an; sie kennen nach dem Glauben der Wilden die Kanus, die nicht ihren Verehrern gehören, und verfolgen sie." W ben fi biefiat grsä der i Chris Jetei tan leit, let, dem und /rie£ über Bete Dew berg ( höhe die ( das Dal Irak Ain anf> Lat bev wir Dei Hol? ,7- al im ve flat Ml Ler jjoli: Heil war Nil lichc finm Mil 'Bon Seit wie Ser, N Her 9 zwene an de Zun'j dieN könnt fertig Beut1 hier An! knüp von der die zum Halt das den Zun von die die । gern trali parlk feine l.op berich ergab der turne in c Forts den ! Mont herein haltunj hällniss i rieben1 allen! den 61 Turn- der D, Verein hinzu Iraner leute ^eutei Seit. Zen ji meindl über 1 geachtk Kras Lebe ohne z mit auf V tz. ütrnia ( derndet ^uet Armae jchch, i Nt. S Q( * *9- bvtlru b«' to< von be toie t ft>mm Oberhessen. Landkreis Gießen. > Lang-Göns, 16. März. QIui Sarnstag- urtb Sonntagabend sand auf Deranlassung des hiesigen Krregervereins hier die Vorführung des Films „Fridericus Rex" statt. Samstags wurde der Film für die Allgemeinheit, Sonntags hauptsächlich der Äugend vorgeführt. Aus der Umgebung hatten sich zahlreiche Mitglieder von Vereinen und Jugendliche eingesunden, so daß der Saal beide Male stark besetzt war. z. Allendorf a. d. Lda., 16. März. Der hiesige Männergesangverein veranstaltete einen wohlgelungenen Konzertabend bei vollbesetztem Saale. Der Dirigent, Musik- lehrer Kasten, hat es verstanden, den Verein erstklassig auszubilden, wovon die Gesangsvorträge Zeugnis ablegten. Unter Mitwirkung von Fräulein Lisel V e r g aus Gießen (Sopran) erhielt der Abend eine wertvolle Gestaltung. Für seine Verdienste wurde dem Dirigenten ein Eichenkranz überreicht. T Grünberg, 16. Marz. Auch in unserer Stadt nimmt die Wohnungsnot immer ernstere Formen an. Mit ziemlichen Hoffnungen sah man der bevorstehenden Rauzeit entgegen, leider können aber nur 4 bi s 5 kleinere Wohnhäuser gebaut werden, die in keinem Verhältnis zum Bedarf stehen. Viele Wohnungsuchende aller Stände befinden sich in stark beengten Räumen: es ist ittcht vereinzelt, daß Eltern mit zahlreichen Kindern in einem oder zwei Zimmern wohnen und auch schlafen. Die Stadtverwaltung hatte vor, in diesem Jahre ein großes Familienhaus und mehrere Reihenhäuser zu errichten, allein die Geldnot macht das Vorhaben zunichte. Man hört allerdings von einer beträchtlichen Kostenersparnis beim Dau des Hochbehälters, und ebenso soll die Miete im Brauhaus einen ansehnlichen Ueberschuh abwerfen. Könnte man diese Mittel nicht rntt für den Wohnungsbau verwenden? Zu bedauern sind die Mieter, die einstweilen noch weiter unter den ungünstigen Unterkunftsverhältnissen leben müssen. — Als ein erfreuliches Moment in unserem hiesigen Wirtschaftsleben ist die Tatsache anzusprechen, daß in unserer heimischen Industrie (mit Ausnahme eines Falles) im vorigen Jahre und auch jetzt keine Stilllegungen und keine Betriebseinschränkungen Vorkommen. Im Gegenteil haben noch mehr Leute als früher Beschäftigung gefunden. Der Versand der vier Webereien ist recht gut. Auch die anderen Werke, besonders die Drahtflechterei, sind mit Aufträgen stark beschäftigt, und täglich gehen bedeutende Lieferungen mit der Bahn nach auswärts. Das Zimme^geschäft läßt allerdings zur Zeit noch zu wünschen übrig, ebenso ist der Holzhandel in Dau-, Gruben- und Papierhandel noch nicht in Gang gekommen, denn 9t u p p e I (Darmstadt) Worte des Willkomms. Zum Verbandstagsleiter wurde Ehrenvorsitzender R ö h - l e r (Darmstadt) gewählt. Der Jahresbericht für 1925 fand die Genehmigung des Verbandes. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt und der neue Wirtschaftsplan genehmigt. In den Verbandsvorstand wurden gewählt: 1. Vorsitzender Sallwey, 2. Vorsitzender Glanz, 1. Schriftführer Lamp- mann, 2. Schriftführer Moßner, 1. Rechner Barres, 2. Rechner Rossow, sämtlich aus Darmstadt. Zu Vertretern zum Deutschen Bundestag in Königsberg wurden Sallwey und Lamp- mann bestimmt. Als Ort für die Tagung des Landesverbandes 1927 wurde Darmstadt gewählt. — Samstagabend fand im Saalbau Sauer eine Begrüßungsfeier statt, die einen recht harmonischen Verlauf nahm. Fenchel (Gießen) gedachte dabei besonders des Kameraden Waas, der am 1. Rov. 1903 den Zweigverein Gießen gründen half, und ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Bundesdirektor Krüger (Berlin) überbrachte die Grüße des Deutschen Bundes der Zioil- dienstberechtigten und verlieh den Kameraden Waas, Ritter und Haupt das B u n bes» ehrenzeichen für langjährige Tätigkeit im Vorstand des Vereins Gießen. Am Sonntagvormittag fand die Tagung mit der eigentlichen Hauptversammlung ihre Fortsetzung. Sallwey (Darmstadt) begrüßte besonders die Ehrengäste und Vertreter der Behörden und betonte, daß es heute nicht gelte, neue Forderungen aufzustellen, sondern alte Wünsche der Der- sorgungsanwörter erneut vorzubringen. Es müsse für die Leute gesorgt werden, die ihre besten Jahre dem Staat geopfert hätten. Polizeischulrat Schaab (Darmstadt) hielt bann einen Vortrag über „Das Unterrichtswesen im Reichsheer und bei der Schutzpolizei". Der Redner sagte u. a.: Es ist notwendig, daß die Qualität der Reichswehr und der Schutzpolizei noch besser wird; wir brauchen nur bestes Material. Deshalb muß der Eintretende eine Aufnahmeprüfung machen. Länder und Gemeinden sollten 50 Prozent der Stellen mit Militäranwärtern besetzen, viele halten sich aber nicht an diese Bestimmung. Zur Unterbringung in der Wirtschaft fehlt den Leuten meist die Praxis und Erfahrung. Jetzt haben mir im Reichsheer das Fachschulwesen eingerichtet, das mustergültig da- fteht. Die Schutzpolizei hat ein solches Maß von Unterricht nicht. Die Beamtengruppe 7 ist als Eingangsgruppe zugestanden für Neer und Schutzpolizei. Die Prüfunaen haben bereits sehr günstige Ergebnisse gezeigt. Bei der Anstellung will Hessen ebenso wie das Reid) über 50 Prozent hinausgehen. Durch die Schulung soll das Los der jungen Kameraden gebessert werden. Bundesdirektor K r ü p c r (Berlin) verbreitete sich über das Thema „Zivilversorgungssragen und Anstellungsgrundsätze". Er forderte die Anrechnung der Militärdienstzeit vom 5. Dienstjahre ab, also insgesamt 8 Militärjahre, wenn der Eintritt in den Beamtenstand erfolgt. Der Bundestag wird sich erst noch damit befassen. Die Versorgungssrage ist eine Sache des Volksganzen und eine staatspolilische Notwendigkeit, die Ziviloersorgung der gedienten Leute ist von größter Bedeutung auch für den Ersatz der Reichswehr und der Schutzpolizei. Jeder muß in Treue zu Staat und Land seine Pflicht tun. Im Anschluß an die Vorträge folgten die Begrüßungsreden der Gäste. Regierungsrat Wolf sprach für den Provinzialdirektor Worte der Anerkennung an die Militäranwärter, die als Beamte Gewissenhaftigkeit und Pflichtbewyßtsein besäßen. Im nationalen Interesse müßten die An- stellungsoerhältnifse gebessert werden. Beigeordneter Dr. Ham m überbrachte namens des Oberbürgermeisters herzliche Wünsche für die Tagung. Landtagsabgeordneter Dr. Keller sprach namens der Deutschen Volkspartei. Die Zivildienstoersorgung sei Ehrenpflicht für das Reich. Es fei ein Gebot der Nützlichkeit, für die Zivilanwärter einzutreten. Die gesetzlichen Grundlagen seien geschaffen, Länder und Gemeinden sollten sie nur ausführen, sie würden ein gutes 'Beamtenmaterial erhalten. Landtagsabg. Reiber entbot die Grüße der Demokratischen Partei. Es sei eine selbstverständliche Pflicht, denen beizustehen, die ihre besten Jahre dem Staat und Volk gewidmet haben. Aehnlich sprachen sich Landtagsabgeordneter Fenchel und Postamtmann Weiß (Gießen) aus. Vorsitzender Sallwey hosft „Nein, Mylord. Lady Grace öffnete vorhin die Türe und blickte herein. Sie trat aber nicht ein, sondern entfernte sich wieder." „So? Es ist gut, Ryther." Der Butler ging hinaus und Lord Burnham machte sich selbst an die Untersuchung hes Schrankes. Es war, wie der Sekretär gesagt hatte. Das Schloß war umgedreht, aber die Türe offen. Im Schrank selbst herrschte die größte Ordnung. Keines der Papiere war angerührt worden. Im ersten Fach tag obenauf das große, gelbe Kuvert, in das Lord Burnham das Original und die Kopie des Vertrages gesteckt hatte. Das erstere war da — die Kopie verschwunden. „Das ist ja entsetzlich," sagte Lord Burnham leise und langsam, „wer kann die Abschrift genommen haben?" „Doch nur jemand, der ein Interesse daran hat, Mylord!" „Aber wer um alles in der Welt befindet sich gegenwärtig in meinem Hause, der an solchem Dokument ein Interesse hätte? Es sind nur englische Gäste hier —" „Mylord, hatten zu Gnaden, Sie vergessen den Grasen Las Valdas." „Machen Sie sich nicht lächerlich, Graham! Der Mann ist Portugiese und hat bestimmt nicht einmal eine Ahnung von den Dingen, über die wir gestern verhandelt haben. Zudem ist er den ganzen Tag auf seinem Zimmer gewesen ■*-" „Mylord, verzeihen, daß ich abermals widerspreche. Wir Haden ihn doch selbst gestern abend gegen sieben Uhr vor dem Schlosse gesehen." „Schon richtig. Aber er hat sich dann wieder zu Bett begeben, und ist nicht einmal zum Diner erschienen. Dr. Thornhill hat ihn untersucht und eine starke Schwellung am Kniegelenk festgestellt. Also Graf Las Valdas kommt schon aus physischen ®rün« oen nicht in Frage, denn er hat das Bett nicht ver- lassen können. Und außerdem — ich habe zwar von der Persönlichkeit des Herrn Grafen keine übergroße Meinung — er ist ein sehr gut angezogener und für den ^alon brauchbarer Mensch, aber gerade megen dieser Eigenschaften halte ich ihn für ganz unfähig, sich für ernste Dingo zu interessieren. Nein — nein, mein lieber Graham, da müssen wir schon jemanden anderen suchen!" (Fortsetzung folgt.) Die tolle Herzogin. Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 18 Fortsetzung 'Nachdruck verboten Lord Burnham diktierte seinem Sekretär den Entwurf, der nickt lang war. Eine Gesellschaft wurde gebildet, das Präsidium setzte sich aus je einem Vertreter der Standard Oil, der Imperial Anglo-Dutch, des Grolmanskonzerns und der russischen Regierung zusammen. Präsident wurde Lord Burnham, Vizepräsident Karaschin, gesckäftssühren- der Direktor Doktor Röder. Die Bearbeitung der Felder wurde einem später durch eine Kommission 3U bestimmenden Schlüssel vorbehalten. Die erste Rate der Anleihe, fünf Millionen Pfund war fällig, sobald die Somjetregierung die Abmachungen offiziell anerkannt hatte. In zwanzig Minuten war der Vertrag, der in nicht allzu ferner Zukunft die größte Motorenfabrik in Amerika wie die kleinste Lehmhütte in China, die eine Petroleumlampe brannte, von dem Willen einiger weniger Männer abhängig machen sollte, geschrieben und unterzeichnet. „Wir können uns beglückwünschen, meine Herren'." rief Lord Burnham und reichte jedem der Anwesenden die Hand. Dann wandte er sich zu Graham, seinem Sekretär: „Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie die Abschriften gleich heute fertigstellen und morgen selbst den Herren überbringen würden. Ich glaube, sechs Kopien werden genügen." „Wir könnten ja daraus warten, Mylord", schlug Miller vor. „Dann--*' H Doktor Röder machte eine plötzliche Bewegung. „Verzeihen Sie, daß ich unterbreche", sagte er leise. „Mylord, mir schien es eben, als sähe ich einen Kopf an der Scheibe der Türe." Lord Burnham fuhr herum. Die große Glastüre ging auf die Terrassen des Schlosses vorn hinaus — „Sehen Sie bitte einmal nach, Graham!" Der Sekretär trat hinaus, blickte sich, in der Tür stehend, um „Ich sehe niemanden auf der Terrasse", sagte er. „Unten auf dem Rasen geht der Herr Graf Las Valdas spazieren. Ich glaube, sein Chauffeur stützt nach diesen Ausführungen das beste für die Anstellung und Versorgung der Militäranwärter. Mit einem Hoch auf das Vaterland schloß er seine Ausführungen. Bundesdirektor Krüger sprach noch dem ausscheidenden Landesoorsitzenden R u p p e l Dank für seine 26jährige Tätigkeit im Vorstand. Nach dem gemeinsamen Mittagessen fand em Rundgang durch Gießen statt, nachmittags schloß sich eine Familienzusammenkunft an. Damit fand die Tagung ihren Abschluß. Gegen den Abbau in Laubach. □ Laubach, .16. März. Der Laubacher Bürgerverein hielt im großen Saale des „Solmser Hofes" eine Versammlung ab zwecks Protestes gegen die geplanten Abbaumaßnahmen betr. das Amtsgericht und die Realschule, wozu alle Bewohner von Laubach und Umgegend eingeladen waren. Die ungemein zahlreiche Versammlung wurde vom 1. Vorsitzenden, Fabrikanten Hohmann, geleitet; das Referat hatten Oberamtsrichter Zimmermann Und Studiendirektor Dr. Hainer übernommen. Zu Anfang feines Vortrags teilte Oberamtsrichter Zimmermann mit, daß der Staat neuerdings wieder die Stelle eines Gerichtsvollziehers beim Amtsgerichts Laubach errichtet habe, dessen Dienst bisher im Nebenamt von einem Sekretär versehen worden fei. Im Finanzausschuß fei der Abbau von 6 Amtsgerichten beschlossen worden. Oberamtsrichter Zimmermann wies nach, daß durch den Abbau nichts gespart würde. Die neue Organisation nach dem Abbau würde wieder sehr erhebliche Kosten verursachen. Außerdem würden auch den Gerichtseingesessenen durch die größere Entfernung vom Amtsgericht weit größere Kosten entstehen. Die Rechtspflege würde hierdurch außerordentlich verteuert werden. In Laubach habe der Staat bereits ein schönes, ausgedehn- t c s Gerichtsgebäude, das außer zwei stattlichen Dienstwohnungen umfangreiche Diensträume enthalte und sehr bequem in seinen Räumen noch ein weiteres Amtsgericht aufnehmen konnte. Die kleineren Amtsgerichte böten im übrigen noch einen besonderen Vorzug vor den größeren. Hier stünden die verschiedenen Richter den Verhättnisien der Gerichtseingesessenen viel fremder gegenüber, während bei den kleineren Amtsgerichten an kleineren Orten ein einzelner Richter viel tiefer in die Kenntnis der einzelnen Verhältnisse einbringen könne. So erscheine von verschiedenen Gesichtspunkten aus der Abbau des Lauterbacher Amtsgerichts als ein ganz verfehltes Unternehmen. Laubach würde durch den Abbau eine schwere Einbuße an kulturellen Werten erleiden. Dasselbe wies Studiendirektor Hainer in bezug auf die Jiaiibadjer Realschule nach. In Xlaubad) fei durch die Umstellung des Gymnasiums zu einer Realschule schon ein gewaltiger Abbau erfolgt, und die kleine Stadt, die so schwere finanzielle Opfer gebracht habe, wie keine andere im Lande, sei schon ohnedies schwer gesd)ädigt. An keiner anderen Lehranstalt seien, wie in Laubad), drei schone Dienstwohnungen vorhanden; nirgends sei, d. h. in keiner Stadt von der Große von Laubach, eine so gediegen, so zweckmäßig und so geschmackvoll gebautes Lehrgebäude. Außerdem habe die Stadt noch eine prächtige neue Turnhalle vor wenigen Jahren erbaut. Insgesamt seien hier sehr günstige Verhältnisse, nirgends aber in höherem Maße. In Grünberg dagegen, das beim Abbau der hiesigen Realschule zur Uebernahme der Laubacher Schüler in Betracht käme, seien die Räume der höheren Lehranstalt so klein, daß sie schon jetzt zur Aufnahme Der Schüler von Grünberg und Umgegend kaum genügten. Die gegenwärtig geringere Schülerzahl sei sicherlich nur eine vorübergehende Erscheinung, heroorgerusen durch die Kriegsjahre. Dies ergäbe deutlich der Vergleich der Geburten der Friedensjahre und der Kriegs- und letzten Nachkriegsjahre. Von Jahr zu Jahr höbe sich die Aufnahme der Schüler in die Stadtschule. So kann die Realschule von 1929 an sicher mit Klassen von 20 bis 25 Schülern rechnen, insgesamt also mit einem Schülerbestand von mindestens 120 bis 130 Schülern. Am vorteilhaftesten erscheine für die Stadt Laubach und den hessischen Staat, wenn in Hungen abgebaut würde und die Bahnlinie Hungen bis Mücke an Laubach als Schulbezirk überwiesen würde. Die Schüler von Hungen hätten alsdann Gelegenheit, nicht nur Gießen, sondern auch Laubach mit der Bahn zum Schulbesuch zu Bibliothek kam, um die Morgenpost durchzusehen, entdeckte ich, daß der Sicherheitsschrank nicht zu- gcschlossen war--" „Aber ich habe ihn doch selbst gestern abend —" „Gewiß, Mylord. Sie haben ihn in meiner Gegenwart verschlossen. Und haben die Schlüssel zu sich gesteckt." „Und hier hängen sie noch an demselben Haken, an den ich sie aufgehängt habe, bevor ich zu Bette ging", sagte Lord Burnham, indem er auf das kleine Schlüsselbrett zeigte, das über seinem Nachttischchen angebracht war und an dem alle wichtigen Schlüssel des ganzen Hauses aufbewahrt zu werden pflegten. Eine alte Sitte, die noch aus der Zeit stammte, da der Kastellan des Schlosses am Abend die Schlüssel zu Haus- und Kellertüren dem Herrn überbrachte. Graham starrte auf das kleine, mit Elfenbein ausgelegte Ebenholzbrett und schüttelte ganz benommen den kahlen, abgearbeiteten Schädel. „Mylord — das geht über meinen Verftayd", murmelte er. „Das Schloß des Schrankes war wohl versperrt, aber die Person, die in der Nacht daran gewesen war, muß sehr aufgeregt gewesen sein, denn sie hat die Türe nicht zugedrückt, sondern den Schlüssel einfach umgedreht, ohne daraus zu adjten, ob das Schloß auch einschnappte. Mylord werden ja selbst sehen." „Haben Sie schon irgend jemandem etwas davon gesagt?" „Nein, Mylord, als ich die Entdeckung machte, kam-gerade Rycher herein. Ich gab ihm den Auftrag, am Schreibtisch stehen zu bleiben und niemanden an den Tisch und an den Schrank heran- zulassen, bis Mylord selbst käme." „Sehr gut, Graham, wir wollen um Gottes willen nichts laut werden lassen, bis wir nicht alles genau festgefteltt haben. Das ist ja entsetzlich — ein solcher Vorfall in meinem Hause!" Er kleidete sich rasch an, verzichteie sogar auf fein alltägliches Bad und eilte mit dem Sekretär in die Bibliothek. Dort stand der alte Ryther noch auf demselben Flecke, auf den ihn der Sekretär postiert hatte. „Rykher." sagte sein Herr, „es ist hier etwas Ungewöhnliches vorgefallen. Ich erwarte von Ihnen, daß Sie zu keinem Menschen darüber sprechen." „Sehr wohl, Mylords „War inzwischen jemand in der Bibliothek?" „Nun, bann muß ich mich wohl geirrt haben", meinte Doktor Räder. Es wurde beschlossen, auf die Abschriften zu warten. Der Sekretär machte sich an die Arbeit, während Burnham für die Herren im kleinen Bibliothekssaale, der an den großen stieß, einen kalten Imbiß auftragen ließ. Und noch einmal versammelte man sich in der großen Bibliothek. Mit einer gewissen Feierlichkeit händigte Lord Burnham jedem der Herren seine Ab- schrist ein. Das Original und die für ihn bestimmte Kopie schloß er in den altmodischen Sicherheitsschrank ein, den er hinter seinem Schreibtisch stehen hatte. Miller zog eine Grimasse. Seine Blicke drückten höchste Mißbilligung aus. „Nichts für ungut, Mylord", knurrte er. „Aber sehr einbruchsfest scheint mir dieser Schrank nicht zu fein. Den hat wohl schon Alexander der Große zum Aufheben seiner Staatsakten benützt?" Burnham lachte. „Ganz so alt ist er nicht. Aber gegen wen sollte er hier wohl dienen? Ich habe zwar eine Menge Leute im Hause, aber das sind alles Gäste meiner Tochter und — die haben andere Interessen als einen Vertrag über russische Oelkonzessionen." Am nächsten Morgen, als gerade Lord Burnham sich erheben und in sein Bad begeben wollte, stürzte Graham zu ihm herein. Graham, der ewig gleiche, der steinruhige, war b(eid) vor Aufregung. „Mylord — "Mylord--" stieß er keuchend, nach Atem ringend hervor, „die Kopie des Vertrages ist aus dem Schranke verschwunden. Ich habe sofort alles durchgesucht — das Original steckt in dem gelben Kuvert, in das Mylord die beiden Papiere legten — aber die Kopie ist verschwunden." 11. Kapitel. Lord Burnham war nicht der Mann, der sich leicht aus der Fassung bringen ließ. Immerhin fuhr ihm die Nachricht, die ihm fein Sekretär so auf nüchternen Magen brachte, in die Glieder. Aber _ das ist ja nicht möglich! rief er. ,Zn meinem Hause ein Diebstahl? Graham, Sie müssen sich irren! Sie müssen, sage ich Ihnen!" „Ich wollte, Mylord, ich irrte mich. Leider ist jeder Irrtum ausgeschlossen. Als ich vorhin in die erholt hatte. Während nun eigentlich beinahe jedermann erwartete, daß das alte Kabinett C o l i j n als „könig- lid)es Kabinett" wieder auf der Bildfläche erschiene, worauf verschiedene einflußreiche Kreis« innerhalb der alten Koalition teils offen, teils versteckt hingearbeitet hatten, trat in der vergangenen Woche das außerparlamentarische Kabinett de Geer auf den Plan. Dr. de Geer, einer der Führer der Christlich-historischen Partei, der bereits Minister in dem vorhergehenden Kabinett gewesen war, ist es gelungen, dieselbe Aufgabe, für deren Bewältigung feine drei Kollegen Dr. Marchant, de Visser und Dr. Limburg monatelang vergeblich gebraucht hatten, innerhalb von drei Tagen zu lösen. Allerdings gebietet die Gerechtigkeit, sestzustellen, daß er sich die vorangegangenen Bemühungen Dr. Limburgs für sein Kabinett größtenteils zunutze gemacht hat. Die am Donnerstag in der Zweiten Kammer abgegebene Regierungserklärung hat in der Presse fast aller Parteien einen hervorragenden Eindruck gemacht besonders wegen der zwar einfachen, aber in ihrer Klarheit und Deutlichkeit beinahe unübertrefflich zu nennenden Formulierung der außerordentlichen Lage, in der sich die jetzige außerparlamentarifche Regierung befindet, sowie der Aufgaben, die sie sid) unter Vermeidung eigentlich parteipolitischer Fragen gestellt hat. Sachlich weicht das Proaramm des neuen Kabinetts nicht sehr von dem seiner Vorgänger ab, nur ist cs trotz gewisser Rücksichten, die sich die Regierung wegen des Fehlens eines festen Hinterhalts im Parlament zu nehmen gezwungen sah, viel klarer in Absicht und Zielsetzung als das in der letzten nur zu sehr mit Recht als inhalttos gekennzeichneten Thronrede niedergelegte Programm des Kabinetts Colijn. Dr. de Geer hat in feiner Regierungserklärung die jetzige Lösung selbst als „ein kurzes Intermezzo" charakterisiert, die allerdings Notwendig geworden sei, um dem Lande endlich wieder eine Regierung zu geben und die Parteien zur Selbstbesinnung kommen zu lassen. In der Tat ist es sehr zweifelhaft, ob dem Kabinett ein langes Leben beschieden sein wird, denn trotz seines parlamentarisch-überparteilichen Charakters wird aud) das Kabinett de Geer auf feinem Wege mit verschiedenen ernsten und nicht leicht zu überwindenden Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Letztere dürften außenpolitisch zunächst in der Frage der Abschaffung ober Beibehaltung der vatikanischen Gesandtschaft und in der Frage der längst fälligen Ratifizierung des niederländisch-belgischen Vertrags in die Erscheinung treten. Allerdings hat die Regierung bereits erklärt, daß sie in der ersten Frage die Entscheidung gänzlich dem Parlament überlassen will. Viel schwieriger dürfte es für den „ewigen" Außenminister Dr. van K a r n c b e e t sein, „seinen" in den roeiteften Kreisen mit scheelen Augen angesehenen Vertrag mit Belgien in der Kammer durchzubringen. Vielleicht dürften einige Änderungen und Ergänzungen zu diesem Vertrag, über die Vorbesprechungen zwischen dem Haag und Brüssel bereits aufgenommen wurden, die Kammer für eine Ratifizierung geneigter machen. Die Frage der weiteren Vermehrung der Völkerbundsratssitze über den Deutschland zugesagten Sitz hinaus hat sich weder bei der Regierung noch in der Oefsentlichkeit geändert. Auch neuerdings wird wieder betont, daß Der Vol- kerbundsrat s o klein wie möglich sein muß, um so mehr, als man noch für den späteren Eintritt der Vereinigten Staaten und Rußlands in den Völkerbund Ratssitze offenhalten muß. Im übrigen wird der Kampf um den allein als berechtigt emp- . funbenen Anspruch Deutschlands auf Zuerteilung eines ständigen Ratssitzes in der gegenwärtigen Session mit Aufmerksamkeit verfolgt. erreichen. Ungleich ungünstiger lägen für die La u - bad) er Schüler die Verkehrsoerhält- nisse, da weder nach Gießen noch nach Grünberg geeignete Bahnverbindung fei. An der sid) anschließenden Aussprache, die sich recht lebhaft gestaltete und noch einzelne Ergänzungen zu den sorgfältig und gründlich behandelten beiden Referaten brachte, beteiligten sich Prof. Dr. R o e s ch e n, Kammerdirektor Birnbaum und Bürgermeister Böhm. Die Lehrer Bechtold und Gaub von der Laubacher Stadtschule • wiesen darauf hin, daß auch diese durch den Abbau bedroht sei, und daß bann die Gefahr stark überfüllter Klassen drohe. Sie regten zu einem Proteste auch in dieser Richtung an. Die gewaltige Versammlung, welche die öffentliche Meinung von Laubach und Umgegend zu vertreten beanspruchen kann, nahm eine Resolution an, worin in scharfer Weise gegen die geplanten Abbaumaßnahmen des Amtsgerichts, der Realschule und der Stadtschule zu Laubach protestiert wurde. Der unversehrte Weiterbestand der Anstalten müsse aus Zweckmäßigkeitsgründen, insbesondere aber auch aus Gründen der Gerechtigkeit gesichert bleiben, da Laubach durch den Verlust des Gymnasiums schon sehr schwer geschädigt sei und für den Hessischen Staat hohe finanzielle Opfer gebracht habe, wie keine andere hessische Stadt. Man beschloß, diese Resolution an die Regierung und den Landtag zu senden. Tagung der Zivildienstberechtigten. —Der Landesverband Hessen des Reichsbundes der Zivildienstberech- t i g t e n hielt am Samstag und Sonntag im Saal- bau Sauer zu Gießen seinen Verbandstag ab. Der Besuch der Tagung war aus allen Teilen des Hessenlandes sehr stark; auch Vereine aus preußischen Gebieten hatten sich eingefunden, z. B. aus Wetzlar, Marburg, Dillenburg, Weilburg, Frankfurt und Fulda. mervorsitzenden bereits geschlossen, ehe die l Der erste Tag galt hauptsächlich den internen Kammer sich von ihrem Zustand der Erstarrung Verbandsangelegenheiten. Die Tagung begann Samstag um 11 Uhr. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen, Herr Fenchel, begrüßte namens des Zweigvereins Gießen die auswärtigen Vertreter. Für den Landesverband Hessen sprach n. ßamttdfl. «wlallung der \ DvW, * WmebiM. 2 geführt, ^ahlicichc m?i(, Übliche eiw Male stark be- 16. Wq. Drr Cl” dkranstal- -erlabend Mgent, Musik- den Verein Je, Velangsvvr» Mitwirkung von ;n (Soprans n- ^eltaltung. Für Dirigenten ein !luch in unserer gsnvl immer )cn tzvssnungen lujcil entgegen, i 5 kleinere >. die in keinem Biek Dohnung- sich in stark bt- vereinzelt, dah in einem oder ich schlafen. Die >ie|em Jahre ein rre Reihenhäuser macht Vas (Bor- Mngi von einer >elm Bau bei die Mete im rlchnhabversen. \ M dm Dvh- -auern sind die »eiter unter den iltnissen leben >es Moment in n ist dir Tatsache c heimischen !ines Falles, im keine Still' )etriebSein' Im Segenteil er Beschäftigung vier Webereien ren Werke, be° mit Aufträgen eben bebeutmdc auswärts. Das cdings zur M ebenso ist der en- und Pav'^ gekommen, denn ich ti. W"1 if'LÄk I4°n j Lord Lurnham hung des Schon' gesagt Hoile. Dar - Iure offen-5 . Ordnung. Seines 'n. Bni ersten N i A°k»e des M t war da - D,e . Lord SMM Abschrift fltnom Will daran hat, 8,u teil* K 51, »«* W x. 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Der Vorsitzcnbe, Prof. SU o o s , eröffnete die Versammlung mit den, Hinweise auf die gespannte potitische Lage sowohl im engeren Streife unserer Heimat, wie auch in der Weltpolitik. Als Redner war Laudtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. Niepoth aus Schlitz erschienen, der in aussühr licher Welse über das Thema „Die politische und finanzielle Lage im Reiche und in Hessen" sprach. Mit Recht betonte er in dem ersten Teile seines Vortrages die erfreuliche und feste Haltung unserer Delegierten bei den Verhandlungen in Genf, und wie es dem llugen Verhalten Stresemanns mit der Zeit doch gelungen sei, mit einer Politik ohne Machtmittel unserem Vaterlande wieder einen Teil der gebührenden Stellung zu verschaffen. In bem Zweiten Teil des Vortrages übte er scharfe Kritik on der Finanzpolitik Hessens, die unser Land bis zum finanziellen Ruin geführt habe. (Er gab weiter bic Mittel und Wege an, die zur Besserung führen könnten, ohne in Harten zu verfallen, und recht fertigte zum Schlüsse das Zusammengehen der Deutschen Volkspartei mit dem Bauernbund, das hier und da in der Partei Befremden erregt habe. An das mit großem Beifall aufgenommene Referat knüpfte sich eine lebhafte Aussprache, welche dadurch von besonderem Werte war, als dabei die Vertreter der verschiedenen Berufsstände zu Worte kamen, die ihren Standpunkt und ihre Wiinsck)e vertraten, zum Schlüsse aber* ihre Uebereinstimmung mit der Haltung der Partei nuobrücften; besonbers wurde das Zusammengehen mit dem Bauernbunde nach den Erläuterungen des Referenten allseitig gebilligt. Zum Schlüsse sprach noch Geschäftsführer Weisser von Gießen über Organisationssragen und regte die Gründung von Ortsgruppen au: er konnte u. a. die erfreuliche Mitteilung machen, daß sich vor kur zem in Vilbel, der Hochburg der Sozialdemokratie, eine starke Ortsgruppe der Deutschen Volks- partei gegründet habe. ss. Friedberg, 16. März. Heute wurde der im 8 2. Jahre verstorbene Schlossermeister Christ. Loh zur letzten Ruhe bestattet: der Veteranen', und Militärverein, zu dessen Gründern der Verstorbene gehörte, gab ihm das Geleit. Mit ihm ist in hiesiger Stadt wohl der letzte A l t v e t e v a n verstorben, der außer dem Feldzüge 1870,71 auch in den Jahre»! 18b4 und 1866 aktiv war; beim Ausbruch des Weltkrieges stellte er sich sofort zur Verfügung und übernahm mit noch anderen Mitgliedern de« 'Veteranen- und Militärverein« die vorläufige 'Bewachung des.großen Viadukts zwischen Friedberg und Vad-Äauheim. 00 Nieder-Flor stabt, 16. März. An höher gelegenen Stellen unserer Gemarkung ist die Erde schon so stark abgetrocknet, daß mit der Frühjahrsbestellung begonnen wer- den kann. Gestern hat Oelonomierat Alles vom hiesigen Hof als erster den Sommerweizen gesät. Kreis Büdingen. i. Nidda, Iß. März. Der Turnverein 1859 Nidda hielt im Vereinslokal „Zur Krone" seine Jahreshauptversammlung ab. Der 1. Sprecher Dr. Fritz Koch erstattete den Jahres- bericht. Die Berichterstattung des Oberturnwaris ergab ein recht erfreuliches Bild. Nicht nur, daß der Verein im vergangenen Jahre sehr schöne turnerische Erfolge zu verzeichnen hatte, hat er auch in allen Gebieten des deutschen Turnens gute Fortschritte gemacht. Dav abgelaufene Jahr hat für den Verein burch den Turnhallenbau eine ganz besondere Bedeutung, die auch für das kommende Vereinsjahr durch Vollendung der Halle und Abhaltung des 53. Gauturnfestes gilt. Die Kassenver- hältnisse sind für die gegenwärtige Notzeit recht zu- sriedenstellenb. Bei der Vorstandswahl wurden alle alten Mitglieder wiedergewählt. Für den scheiben' den Spiel- und Volksturnwart Beck, der nun als Turn- und Sportlehrer in Mainz wirkt, und dem der Vorsitzende in warmen Worten den Dank des Vereins für bic geleistete Arbeit barbrachte, kam hinzu Turner Herrn. F a r k. Als stellvertretenber Frauenturnwart würbe Kätchen Stäbler bestellt. sch. Bleich enbach, 16. März. Die Eheleute Ioh. Eduard Heß und Margarete, geb. Veuter, feierten das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaar wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Der Jubilar war lange Jahre Gemeinderechner und Tlntererheber und ist weit über die Gemeinde unseres Orte« hinaus hochgeachtet. Ein 0 n t e l bet Jubilarin, Johannes Kraft, ist noch am Leben, er steht im 9 5. Lebensjahre, lieft noch täglich seine Zeitung ohne Drille und ging int vorigen Sommer noch mit auf das Feld. Gewiß eine seltene Rüstigkeit. Kreis Schotten. lg. Gedern, 16. März. Die Aufstellung der Steinklopfmaschine im Steinbruch der Firma Gebrüder Traiscr wird in oller Kürze beendet sein. Auch in der „Wann" wurde ein neuer Steinbruch von einer Frankfurter Firma eröffnet, was im Interesse der Einwohnerschaft, besonders aber der Erwerbslosen, liegen dürfte. Insgesamt sind jetzt in unserer Gemarkung acht Steinbrüche im Betrieb. lg. Rieder-Seemen, 15. März. Nachdem auch die dritte Biirgermei st erwähl, bei welcher der Kandidat Herröder siegte, von der Gegenpartei angefochten wurde, soll, wie verlautet, das Bürgermeisteramt kontmissarisch verwaltet werden. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 16. März. Die Holzverstetgerung der Stadt zeigte hier wie allerwarts, der Qualität des Holzes ent- sprechend, hohe Preise. In erster Linie kam dabei Werkholz in Betracht. — Der Verschönerung«- und T o u r i st en v e r e i n veranstaltete im Saale des Frankfurter HoseS" einen Familienabend, der gut besucht war. Dabet wurde zunächst eine Dilderserte der Alpenweit gezeigt. Diese und auch die angeschlossenen Heimatbilder gefielen sehr gut. Sämtliche Darbietungen waren von Musikstücken umrahmt. Starkenburg. WEN. Offenbach, 16. Marz. Der soeben bem Stabtparlamcnt zugeaangene Haushaltsplan schließt mit einem Fehlbetrag von 1,5 Millionen ab. In Wirklichkeit ist der Fehl betrag noch größer, bn aus dem Vorjahre noch ein Ueberschuß von 500 000 Mark vorhanden war, so baß man also von einem Defizit von 2 Millionen Mark sprechen kann. Das riesige Defizit bürste hauptsächlich auf bic katastrophale wirtschaftliche Vage Offenbachs, in der bekanntlich jeder fünfte Einwohner erwerbslos ist, zurückzuführen fein. Langen, 16. März. Vor einer außerordentlich großen Zuhörerfch.ir sprach Dr. rned. Weimar aus Mainz im Auftrage des hessischen Ministeriums, Abt. Gesundheitswesen, im grollen Turnsaale der Waldschule Hierselbst über ..D i e Geschlechtskrankheiten und bereu Bekämpf un g". In l' ..stündiger Rede gab der Vortragende eindrucksvolle Aus- Härung über diese schwierigen und brennenden Fragen unserer Zeit. Dringend warnte er vor bem Kurpfuschertum und sprach die Hoffnung aus, daß in Deutschland nicht mir die Hand- werlec ihre Gesellen- uird Meisterprüsung ablegen müßten, sondern vor allem alle diejenig.-n, denen da« kostbarste Gut des Volkes, die Gesundheit. anvertraut sei. Zahlreiche Lichtbilder ergänzten den mit lebhaftem Beifall ausgenom- mencit Vortrag in bester Weise. WSR. Pfungstadt, 16. März. Zn ber Papierfabrik von Heil u. Söhne verunglückte heute nacht gegen drei AUjr der 42jährige Meister Adam Schrö bel von hier daurch tödlich, daß eine Schutzvorrichtung brach, wobei Schröbel zwischen zweiTranSmissions- scheiben geriet und dadurch völlig zermalmt wurde. Der Tod trat auf der Stells ein. Preußen. Mvcid Wetzlar. MSN Wetzlar, 16. März. Hier ist eine Zwangsinnung für das Spengler- u n h I n st allate urgewerbe errichtet worden. Der Regierung-präsidcnt in Koblenz hot bereit« seine Zustimmung erteilt. g. Krofdorf, 16. März. Einen wohl- gelungenen W e r b e t a g veranstaltete am Sonntag int Saale be« Gastwirt« Freund die A r - beiter - Samariter ° Kolonne unter Leitung des Sanitätsrals Dr. Seipp. Die Veranstaltung hatte einen sehr starken Besuch von hier und auswärts aufzuweisen. Die hiesige Kolonne konnte den Besuchern durch die praktischen Vorführungen im Verbinden bei llnglüd«. füllen, Beinbrüchen usw. ein anschauliche« Bild vom Wirken einer Sanitätskolonne zeigen. 6a- nität-rat Dr. Seipp gab in einem Vortrag die nötige Aufklärung. Die hiesige Kolonne, die Im Oktober vorigen Jahres gegründet wurde, zählt gegenwärtig 30 Mitglieder. Von der Gießener Samariter-Kolonne waren zahlreiche Mitglieder erschienen. — Bei der G e m e i nd eh o l zv e r - Weigerung wurden für 1 Raummeter Buchen- scheiter durchweg 20 Mk.. für Buchenknüppel 15 Mk., für Buchenreisig bl« zu 4,20 Mk. bezahlt. Del den staatlichen Holzversteigerungen sind die Preise bei guten Brennhölzern fast ebenso hoch. ch. Lützellinden, 16. März. Unsere Gemeinde sieht sich in Kürze vor die Ausgabe ge- stellt, eine gründliche Erneuerung der elektrischen Lichtanlage durchführen zu lassen. Da die Leitung in den Kriegsjahren gelegt wurde und infolgedessen ein elnwandsreteS Material nicht verarbeitet werden lonnte, befindet sich sowohl das Ortsnetz wie auch die UebcrlanhAentrale in einem unbefriedigenden Zustand. dessen Auswirkungen von unfern Bewohnern als sehr unliebsam entpfunden werden. Ihn bei der Instandsetzung einer allzu starken Belastung des Gemeinoeetats vorzubeugen, erhebt die Gemeinde im Monat pro Zähler eine Mar! Miete und läßt diese Betrage einem Fonds zufließen, der zur gegebenen Zeit einen willkommenen Beistand zu den entstehenden Ernene- rungSkosien leisten wird. Kreis Biedenkopf. Königsberg. 16. März. Zur Beförderung des Eisensteins der Grube Königsberg legt zur Zeit die Gewerkschaft M a n n e s in a n n eine Drahtseilbahn nach bet Haltestelle Bieber an. Die Schwebebahn führt in einer Gesamtlänge von 3 Kilometer zwischen Kronen- und Steinmühle über das Biebertal und sucht auf diese Weise das Dors Bieber zu umgehen. Mainftan. WSR. Frankfurt a. M. 16. März Zu den Meldungen über die Ernennung be« Höch st er LandratS Zimmermann zum Polizei- p r ä s i d e n t e n v o n Frankfurt erfahren wir aus Berlin, daß es z u l r i f s t, daß Zimmermann für diesen Posten in Aussicht genommen ist. Der vor einigen Tagen von Der holländischen Regierung ausgelieferte Mündelgelder- desraudant Paus DreSde hat bei seiner Vernehmung ein gestanden, daß er städtische Gelder in Höhe von 8 0 0 0 0 M k. unterschlage n und l ii Sptellokalen vertan hat. Bisher wurde Die Höhe der unterschlagenen Summe auf 60 000 Mk. angegeben. — Das hiesige Müllabfuhr wes en wird gegenwärtig derart reformiert, daß unter völliger AutoMobilisierung des Fuhrparks das T v n n en u m - I e c rs y st em angeführt wird. 3n der Innenstadt sind bereits sechs moderne Kruppsche Müllabfuhr' wagen in Tätigkeit, die sich gut bewähren. Die übrigen Stadtteile folgen alsbald, wozu weitere 16 Wagen erforderlich sind. Turnen, Sport und Spiel. Ausschluß des Hanauer Fußball- Clubs 1893. WSR. Nürnberg, 16. März. Der Verbandsvorstand der Süddeutschen Fußballvereine, Sih Nürnberg, veröffentlicht heute in seinem amtlichen Organ eine Bekanntmachung, in der mitgetellt wird, daß der E r st e Fußball-Elub, 1893 in Hanau mit sofortiger Wirkung aus dem Verbände ausgeschlossen wird. Die Verbandsverelne werden darauf hingewiesen, daß jeder sportliche Verkehr mit ausgeschlossenen Vereinen verboten ist und bestraft wird. Der Ausschluß wird damit begründet, daß der Hanauer Verein unter Verstoß gegen die Satzungen eine c l n ft ■ weilige Verfügung deS Landgerichts München gegen den Verband erwirkte, durch die dem Verband untersagt wurde, seine gefaßten Beschlüsse auszuführen. Ferner habe der Verein versucht, die Durchführung der Spiele um die süddeutsche Meisterschaft in eigennütziger Weise zu unterbinden und dadurch den instanzenmäßigen Weg bewußt verlassen. Vom Gau Hessen D. T« 3 Bezirk, vezirksgeräleturnen in Nidda. c. 'Für den Sonntag hatte der Turnverein 1 8 5 9 Nidda die Turner des 3. Bezirks (Hungen — Nidda - Schotten) zum Dezirts- geräteturnen clngeladen. Diesem R if zum turnerischen Wettkampf folg.en aus dem kleinsten Bezirk des Hessengaue« die stattliche Zahl von 180 Wettkarnpfteilnehmern, die, eingeteilt in 4 Turner- und 2 Turnerlnneilstufen, unter Leitung der DezirkSturnwarte Z e s ch k y - Scholten und R e i tz - Langsdorf sich in einem Eeräle- zehn- oder -siebcnkamvf gemejfen haben. Die Veranstaltung nahm, dank der guten Vorbereitung durch den Turnverein Nidda, einen sehr guten Verlauf. Zunächst traten die Turner und Jung turn er auf den Plan, denen die Turnerinnen und Schüler folgten. Alle Abteilungen zeigten sehr gute Leistungen, aus denen besonders öle Schüler und Turnerinnen hervorstachen. Die Veranstaltung zeig e, daß die Zahl Der Geräteturner gegen das Vorjahr um 20 Prozent zug. n^mmen hat, sich also wieder besonderer Bellebthrlt erfreut. Hier war die gute Zunahme der Jugend besonders erfreulich: oleS wird dem inneren Erstarken und dem turnerischen Leben des Bezirkes nur von Vorteil sein. Die Arbeit der Kampfrichter war recht gut, so daß das Turnen ausgezeichnet verlies und rechtzeitig beendet war. Am Nachmittag fand bis zur Preisverteilung ein Schauturnen des Niddaer Turnvereins stall, in dem neben der ersten Turnerrieae noch die Schülerinnen und Turnerinnen Beweise ihre« vorzüglichen Könnens gaben. Unter den teilnehmenden Vereinen ragten insbesondere neben dem Tv. Nidda noch der Tv. Hungen hervor, der bei der Jugend- turncrn=llntc) ftufe den 1. Sieger und bei den Turnerinnen die Ehren- und 1. Siegerin stellte. Das beste Bild der allgemein-turnerischen Durchbildung gibt jedoch nach wie vor her Tv. Nidda, der von den 180 Teilnehmern allein 6 1 Sieger. darunter auch einen ersten (Turnerinnen- alntersiuse) zählte. Nach Nidda stellte die meisten Sieger Tv. Gedern mit 20, Hungen mit 18, Langsdorf mit 17. QJ Ulina en mit 14. Schotten mit 13. Wallern hausen mit 9 Preisträgern. Nach den schönen Leistungen des Nachmittags konnte Bezirlsvertreter Wolf folgende ersten Sieger in den einzelnen Stufen bc- fannlgeben: Schüler (75 Sieger): 1. Hch. Menzel, Tv. Gedern, 136 P.. 2. Wilh. Herold, Tv. Hungen, 134 P., 3. Reinb. Beutel, Tv. Wallern hausen, 133 P., 4. Otto Graf l„ Tv. Vllllngen, 131 P.. 5. Hch. Zimmer, Tv. Vllllngen, 129 P. 3 u g e n b t u r n c r - 11111 c r f( u f e (18 ©lener): 1: Ernst Emmerich, Tv. Hungen, 123 P., 2. Wilh. Ullrich, Tv. Nidda, 121 P.. 3. Karl Fav, Tv. Langsdorf, 119 P., 4. Rud. Gras, Tv. Äillingen, 118 P., 5. Paul Hugo, Tv. Villingen 117 Punkte. 3 ugenb tu rn e r - 0 t er ft u f e (17 Sieger): 1. Karl Paul, Tv. Vllllngen 165 P., 2. Kurt Katz, Tv. Hungen, 163 P., 3. Gg. Emmerich, Tv. Hungen. 155 P., 4. Wilh. Stichler, Hungen, 155 Punkte, 5. Ernst Kohlheyer und Wilh. Branden- berger, Tv. Hungen. 144 P. Turner (16 Sieger): 1. Karl Müller. Tv. Hirzenhain, 173 P 2. Paul Reuter, Tv. Hungen. 172 P., 3. Albin Sperber, Tv. Scholten, 166 P.. 4. Hermann Hofmann. Tv. Schotten, 155 P.. Ludwig Wenzel, Schotten. 154 P. Turneri nnen-Unter stufe (22 Siegerinnen): 1. Else Eckhardt. Tv. Nidda, 134 D., 2 Ma- riechen Kirschenstein, Tv. Hungen. 129 P., 3. Luise Zoll, Tv. Nidda, 128 P., 4. Gertrud Kessel, Tv. Nidda, 127 P., 5. Ma riechen Stehl, Tv. Hungen, 121 Punkte. Turnerinnen-Oberstufe (13 Siegerinnen). Ehrenstegerin Else Giser, Tv. Hungen, 137 P., 1. Siegerin Ottilie Hofmann Tv. Hungen, 130 P., 2. Sofie Wagner, Tv. Nidda, 126 P., 3. Elfriede Erk, Tv. Nidda, 123 P., 4. Greta Walther, Tv. Nidda, 121 P„ 5. Lotte Jockel, Tv. Hungen. 120 P. Deutscher Lee-Ftugwettberverb 1926. vo. In aller Stille lind bic Vorbereitungen zu dem „Deutschen See^Ftugwettbewerb 1926 , den der Deutsche Lnftfahroerband im Juli b. I. mit Genehmigung bes Deutschen Lustrates veranstaltet, betrieben worben. Die Vorarbeiten zu biefem größten flugsportlichen Ereignis des Jahres 1926 find naturgemäß schwierig und sehr umfangreich. Zwar kann sich der Veranstalter zum großen leit auf bic Erfahrungen im „Deutschen Rundflug 1925" stützen: die Atiotragung bev biesjährigen See-Flug' Wettbewerbs stellt aber doch mandic andere Be- bingungen, als bic vorjährige Land-Flnaveranstal- tung. too gilt es, für ben stüftenstreckenitug „erst- geeignetes Gelänbe" ober besser gute Zwischenlande- und Ankerplätze auolinbig zu machen. Auch bic personellen Verhältnisse waren bei ber vorjährigen Flugveranstaltung günstiger, die Hauptlast der Vor« arbeiten ruht diesmal In weitaus größerem Maße auf dem Organisationsausschuß selbst. Trotzdem sind die Vorarbeiten In großen Zügen beendet, bic Termine für die Veranstaltung liegen endgültig fest und auch an der Strecke, bic im Wettbewerb geflogen werden wird, dürsten nur noch kleine Veränderungen vorgenommen werden. Der Gesamtwettbewerb, der sich aus technischen Leistunaoprüsungen, Streckenflug und Seclüd;tig> rcitvprufungen zusammensetzt, beginnt am Sonntag, 11. Juli, mit dem Eintreffen Der Wettbewerber in Warne m ü n b e. Vom 1‘2. bis 23. Juli werben die Teilnehmer burd) Angehörige ber Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt auf ihre technischen Leistungen hin gevrüst. Samstag, 24. Juli, der erste Tag ber Kültenstreckenflüge, führt ble Flugzeuge von Warnemünde über Holtenau bet Kiel — Ham bürg — längs ber ostfricstschen Inselkette nach Norderney, wo die Flugzeuge nach einer Schleife über Vorku m — Emden während der Na^t verbleiben. Am Sonntag, 25. Juli, geht eß zurück nach Warnemünde, diesmal aber über Helgoland und W c ft e r 1 a n b • 6 n 11. Am 3. Tag fliegen die Teilnehmer von Warnemünde aus oft- märte bis Villau, wo sie nach einer kurzen Schleife übernachten, um am 4. Tage auf einem bem Hinwege ähnlichen Rückfluge nach Warne- münbe zurückkehteii. Die tägliche Leistung bet Teilnehmer beträgt bei einer Gesamistreckc non rund 3350 Kilometer etwa 1000 Kilometer, eine gewiß hohe Ansorderung, welche an Personal und Material gestellt wird. Der Held. (Wahren Begebenheiten nacherzählt.) I. (tztistan loninil bedrückt aus dem Geschäft nach Haufe. „Ich glaube, ich babe Zahnschmerzen!" — „Aber du mußt dach wissen, ob es welche sind", faßte feine Frau. „Natürlich sind's welck-e, aber wenn ich denke, daß ich zum Zahnarzt flehen muß, dann spure ich nichts mehr davon!" - „Wenn du aber schon Schmerzen hattest, ist cs l)öchste Zeit, lasse dir doch heule nachmittag die Zähne einmal Nachsehen!" — „Heute nachmittag — jagt Gustav gedehnt, .habe ich zuviel zu tun, ich gehe morgen hin! II. Denl' mal, Paula, für heute nachmittag ist plötzlich eine Sitzung anberaumt worben!" — „Ist sie so wichtig, baß bu daran teilnehmen mußt? Du wolltest doch zum Zahnarzt!" — „Du willst sagen, ich müßte zum Zahnarzt, aber das ist bei der hervorragenden Bedeutung dieser Sitzung voll kommen ausgeschlosseni" HI. „Paula, weißt du auch, daß wir diesen Monal fehr knavp mit den leidigen Moneten sind?" — „Was willst du damit sagen, knapp ist heute jeder, und zwar immerI" — „Ich dachte, ob ich nicht die Zahngeslhlchtc erst Im nächsten Monat erledige, nm uns nicht flana in die Klemme zu bringen!" — „Aha, ich verstehe," spöttisch „Aber bu vergißt, daß wir ja in einer Kasse sind, die baß alles be zahltI" Er, sehr kleinlaut: „Ach ja, richtig, hm, ich gehe nachher hini" IV. Gustav kommt ganz gebrochen vom Zahnarzt zurück: „Der Zahn, der leiste oben, muß heraus, es ist zu spät, leine ^Plombe hält mehr!" Schwer läßt er sich auf einen Stuhl fallen. „Aber, lieber Gustav, du hast ben ganzen Felbzug mitgemacht und--" -Ich weiß, unb drei Auszeichnungen erhalten, aber einem lebenbigen Menschen bei lebendigem Leibe ein Stück hcrauvzureißen, — das ist das Furcht■ barsteI Morgen mittag soll cs geschehen," spricht er bmnps. „Du wirst ja gar nichts davon spuren, ich habe es doch im vergangenen Jahr erlebt!" — „Wirklich?" Er stehl sie sehr interessiert, bann miß' trauifd) an, „dos wäre ja. ein kleiner Hofsmingv schimmer, aber sicher willst bu nur meine griißlickp Angst etwas beschwichtigen!" V. „Unb nun machen Sie bitte mal den Mund recht weit auf!" Der Zahnarzt nähert ble Hand mit einem Instrument, da wimmert (tzustav auf. „Aber, aber," machte ber Zahnarzt In beruhigenbem Ton, etwa so, wie man zu einem ganz kleinen Kinde spricht, „ich habe Sie ja noch gar nicht berührt!" Der Held besinnt fldi auf sich selbst unb lässt allez ohne einen Laut über sich ergehen, zumal traf-, eifrigen Hantierens und donnerähnlichen ftrndjciv. im Kopf nicht ber geringste Schmerz zu uer- spüren ist. VI. „Hallo, Paula, bist bu am Apparat? — Jawohl, ich bin's, der Zabn ist draußen, unb ich habe bisher nicht bas Leiseste gespürt! — Sag' mal, wann kommen denn nun bic Schmerzen? — Wie, überhaupt nicht'? Dao glaubt blr boch kein Mensch, das, da nichts hinterher kommen sollte! — Ob eo nicht doch besser wäre, wenn ich gleich heiinkäme und mich ins Bett legte? — Paula, ich bitte dich brin- genb, lach' mich nicht aus, fo eine schwere Operation — — Na, Ich werde mal versuchen, alles zu erledigen, aber sowie ich das Geringste spüre, komme ich sofort nach Hause!" VII. Gustav, in banger Erwartung: „Nun sei mal ausnahmsweise ganz ehrlich, Paula, hattest bu damals auch keinerlei Schmerzen'?" Paula, überzeii- genb: „Nicht bie geringsten!' — Gustav, beschwö- renb: „Glaubst du, baß ich fetzt, nach fünf Tagen, noch welche bekomme'?" — Paula, fHjr spöttisch- „Ausgeschlossen!" — Gustav wirst sich l-elbenhast in bic Brust: „Gib mir 20 Mark, unb ich lasse nur noch einen Zahn ziehen, aber ebenso chmerzlov, versteht sich!'^ Tacho. i=Rahma-biiäawcfi PAUL HEIDEMANN LIVIO PAVAN EL LI REGIE; GEORG JACOBY ,>;e ■:v. < WW ■A\ MM IMG W MM ■ ll ’rf. ZKA MM RLM ß-^äh M'W irftr den W Laben c ein, Leb aber eil Gnade, erklang dann toi als das Dar es : b°Mm f* 2 Jom, it wirken fi V . Sei-, mit dem etwa n--k den eink M Sine StMt ÄJ mitzuteile Dai durch tie reift sich drängend mich M der Han ladenden M kleinen i speist un Eigentoes der euch Gebiet fej mächtig, ( Nisse zu ül gäbe zu ( weckt und selbst zu a , Me k Hesselbache am Schluß heißt: ,Il m Aethei Hesielbachc vern aus i tt Quelle r ,3m Kar oder,Di llsto. 3ch ten, die i grausame etMal t M ich Hu D Dan W. di eignis" be leit vier ( tät v wrntan / ?vmanzyH bereits im eigentlich e Wer, daß Dichter" jß W den Zdurzeli X m en LrZ 'ch-Ä L ML«? 1 Stück 2. Kl. 3 1 Stück 1. Kl. 2,25 Fstm. Los Fichten st ämme: KI. kalienhandlung Challier. 2448c Der Vorstand 01863 Fichten- 7 2 27 33 26 9 11 12 13 14 15 16 2 13 5 35 72 21,10 4,23 47,21 36,90 20,95 3,21 21,15 77,80 1,23 9,88 10,90 40,31 9 2 °n 4. 5. 3. 4. 5 a- 5b- 1,64 Fstm. 1,87 w 14,17 n 3,75 „ 23,76 , 32,43 „ Holzsnbmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Hattenrod kommt folgendes Stammholz zum Verkauf. Kiefern-Stämme 3. Klaffe 5,42 Fstm. yesetzl. aesckützt ist, vor dem Schlafengehen zu sich nehmen, wer sich vor Nachahmungen schützen will, verlange ausßrü6I. Baldravln. Zu haben in Apotheken u.Drogerien Bestimmt in: Tentral-Drog, Schulstr. Germania-Drogerie, Frankfurter Str. 29 Saiser-Drog.,Lindenpl.5 üreuz-Drogerie, Bahnhofstraße 61 5264ss Löwen-Drogerie, W. Kildinger Ludwigsplatz • Drogerie Neustadt-Drogerie Drogerie Winterhoff, Kreuzplah 9/10. Los 1 w 2 - 3 „ 4 „ 5 „ 6 Angebote sind verschlossen: nach Klaffen getrennt pro Festmeter bis zum EamS- tag, dem 20. März 1926, nachmittags 2 Ähr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen, wo anschließend die Eröffnung erfolgt. Die Bedingungen werden vor dem Termin bekanntgegeben. Es wird empfohlen, sich das Holz vorher anzusehen, weil spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden. Hattenrod, den 15. März 1926. Bürgermeisterei: Aeeb. 2443 D Jagdverpachtung. Die Jagdnutzung des gemeinschaftlichen Jagdbezirks Niederkleen soll am SamStag, dem 20. März 1926, nachmittags 3 Uhr, auf dem hiesigen Rathausc für die Zeit vom 1. April 1926 bis zum 31. März 1935 in zwei Bezirken meistbietend verpachtet werden. Bezirk I (links des Kleebaches) umfaßt 264 ha Wald und 367 ha Feld, Bezirk II (rechts des Kleebaches) 32 ha Wald und 220 ha Feld. Die beiden Bezirke tverden zunächst einzeln und dann zusammen ausgeboten. Es handelt sich um gute Reh-, Hasen- unb Hühnerjagden. Im Bezirk I kommt Schwarzwild ständig als Wcchselwild vor. Beide Jagdbezirke sind von den Stationen Lang-Göns und Kirch-Göns der Main-Weser-Bahn in etwa % Stunde zu erreichen. Die Pachtbcdinguiigen werden im Vcr- pachtungstermin bekanntgegeben. Nähere Auskunft erteilt der unterzeichnete Jagdvorsteher. Niederkleen (Kreis Wetzlar), den 26. Februar 1926. 1936b) Der Jagdvorsteher. Eisenhardt. Gießener pferdemartt. Lose ü 1 Mk, 11 Stück 10 ML (für Porto u. Liste 25 Pf mehr) sind in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften zu haben. Generaloertrieb Buchacker, Staat!. Lotterie- Einnehmer. 1587 D Holzsubmisfion. Freitag, den 19. März, mittags l*/3 Ahr, werden aus den Waldungen der Gemeinde Reiskirchen nachstehende Holzsortimente im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. K i e f e r n st ä m m e: Stück 2. „ 3. „ 3. „ 4. „ 5a- . 5b. Kiefernderb st angen: „ 17 34 Stück 3,29 Fstm. Das Holz lagert im Forstort Wölbers- berg an guten Absuhrwegen, 25 Minuten vom Bahnhof entfernt, ist mit Rinde gemeßen, jedoch entrindet bis auf ein Teilen des Grubenholzes. Vorherige Besichtigung empfohlen, spätere Einwendungen werden nicht berücksichtigt. Rähere Bedingungen können auf hiesiger Bürgermeisterei eingesehen werden. Die Angebote sind ver-- schloffen nach Lose und Klaffen getrennte bis zum Termin einzureichen, wo alsdann die Eröffnung im Gemeindehaus stattfindet. Reiskirchen, den 10. März 1926. Hessische Bürgermeisterei Reiskirchen. Schomber. 2295 D Gießener Konzertverein Son ntag, 21. März 1926, nachmittags 5 Uhr in der Universitätsaula: Melanie Michaelis (Violine) aus München Hans Michaelis (Violine) aus Stuttgart Rudolf Peters (Klavier) aus München Werke für 2 Violinen, allein und mit Klavier, sowie Klaviersolo von Händel, Viotti, Zilcher, Mozart, Peters, Bach 2314c Eintrittspreise: 5, 4, 3 und 2 Mk. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkärten Mk. 1.— nur im Vorverkauf beim Hausverwalter der Universität Gasherde Junker & Rub — Gaagenau in größter Auswahl WölsMiM, VMM. 35 Erleichterte Zahlungsbedingungen. Aus Wunsch Ratenzahlungen, “a „ 7 208 „Grub.°Holz40,77 „ Fichten-Stamm-Abschnitte: 2. „ 2,94 3. „ 3,01 4. „ 0,39 Mn 1 9 2 5 oiToi und Reste bisz.Hälsted.Prets- Wiederverkäufer erhalten Rabat!! Ningfreies Tapetenhaus Träume können Sie ocrtindern wenn Sie Apotheker w. Ullrichr Balöranroein, der jetzt unter bcm Namen Baldwin MIMWW1800 e. V. Am Donnerstag, den 18. März, abends 8 Uhr pünktlich, findet in der Turnhalle der Stadtknabenschule (Nordanlage) eine Vorführung desTrainingsbetriebes derleicht- athletischen Abteilung statt. Wir laden hiermit die Mitglieder nebst Angehörigen dazu ein. Goethe-Bund Gießen Das kleine Welttheater Marionettenspielebildender und sprechender Künstler aus Stuttgart Seh. Sailer, ein schwäbischer Volksdicbier I. Einführung in Leben und Schaffen des Dichters mit Proben aus seinen Werken ii. „DIE SCHÖPFUNG“ Eine Komödie in drei Aufzügen Eintrittskarten zu Mk. 2. — (für Mitglieder zu Mk. 1.—) im Vorverkauf in der Musi- Behördliche Anzeigen Gießen, Itltthlstr. 3, neb.Lederh. Plank. la Eiderletlkäse 9 Pfd. 6 Mk. franko Damvkkäiefabrik, RndelSburg. Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofsir. 60 vorn. Hermes Neue Kurse X 20. April. Heule und morgen erhalte frische MW AU billigsten Preisen. 2469c August Wallenfels 17 Marktplatz 17 Telephon 1662. 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Besonderes Angebot in Kleider-Samt Schulstr. 4 2452a feiner Köper-Samt 70 cm breit per Meter Mk. 7.50, feiner Kleider-Samt 4050 90 cm breit I i Svv per Meter Mk. 15.00, I extrafeiner Köper-Samt 70 cm breit per Meter Mk. 10.50, xJ Modehaus Salomon, Giessen Bon unserer Pachtung Hofgut Hohensolms geben wir als überzählig billig ab: 2 schwere 4zöllige, sehr gut erhaltene Kastenwagen mit Dorberbremse 1 Säemaschine, 2 Meter breit 1 Elektromotor 573 P.S. mit Schrot- und Backmehlmühle, f Transmission mit Wandböcken, Riemenscheiben und Riemen, wenig gebraucht - 1 fast neuen eleganten Jagdwagen 2 gebrauchte Jauchefäffer 1 kleinen Personenfchlitten 2 gebrauchte ältere Kutschwagen 1 Trieur 1 abschlagbaren, transportablen Wagen-Schuppen mit Rut» und Federdielen, Dach ebenso. 17x13 Meter, gut erhallen. Sägewerke Gebr. Cloos G.m.b.H., 2402V Wetzlar, Albinistratze 8. Landes-Heil- und Pllegeanslalt Eieöen Der Bedarf an: 1. Fleischwaren, wobei auch Gefrierfleisch in Frage kommt, 2. Wurst- und Fettwaren, 3. Milch, 4. Backwaren (Brot und Brötchen ufw.), 5. an sonstigen Verzehrungsgegenständen Oel, Essig, Zucker, Kaffee, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen, Butter, Handkäse, Margarine, Marmelade usw.), 6. Reinigungsmaterialien (Kernseife, Soda usw.) soll im Wege des öffentlichen Anerbietens für das Rechnungsjahr 1926 zur Lieferung vergeben werden. Die in Anlage A des Erlasses der Hess. Ministerien vom 16. Juni 1893, das Ber- dingungswesen betreffend, enthaltenen Bedingungen für die Bewerbung um Arbeiten und Lieferungen, sowie die hiesigen Lieferungsbedingungen liegen nur am 17., 18. und 19. März d. I., vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr bei uns offen. Die Augebotsformulare können gegen Erstattung der Selbstkosten von uns bezogen werden. Angebote sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift: „Angebot zu der am 12. März 1926 ausgeschriebenen Lieferung" bis zum Eröffnungstermin: Donnerstag, den 25. März 1926, vormittags 10 Uhr hierher cinzureichen. In den Angeboten sind die Bedingungen anzuerkcnnen. Die einzureichenden Warenmuster müssen getrennt von den Angeboten verpackt und mit der Aufschrift: „Muster zu Angebot von ....." versehen sein. Von jeder Gattung darf nur ein Muster angeboten werden. 23560 Gießen, den 12. März 1926. Direktion der Landes-Heil- und Pflege- anstatt Gießen. Bekanntmachung. _ Die Lieferung der für die Betriebe des Stadtbauamtes im Rechnungsjahr 1926 erforderlichen kohlen soll 24598 Samstag, den 27. Mär; d. 3. vormittags 10 Uhr öffentlich vergeben werden. Die Unterlagen liegen bei uns offen, und sind Angebote bis zum genannten Termin beim Stadtbauamt abzugeben. Zuschlagsfrist: 4 Wochen. Gießen, den 10. März 1926. Stadtbauamt: Braubach. Holzsnbmission in dem Forslamt Eichelsdorf. Zu den bei der Hessischen Staatsforst- oerwaltung üblichen Bedingungen kommen zur Submission: Los 1. Fichtenstämme 3. Kl. 10,94 fm; 4. Kl. 19,09 fm; 5a-Kl. 17,71 fm; 5b-Kl. 2,65 fm. Forstort: Gierköpfe 4. Los 2. Fichtenstämme 4. Kl. 6,16 fm; 5a-Kl. 14,31 fm; 5b-Kl. 19,81 fm. Forstort Gierköpfe 5. Los 3. Fichtenstämme 2. Kl. 3,39 fm; 4.Kl. 2,56 fm; 5a-Kl. 10,51 fm; 5b-Kl. 25,34 fm. Forstorte: Gierköpfe 7, Schenkenwald 2, Schlägelsberg 3, Mühlenkopf 3. Los 4. Fichtenstämme 2. Kl. 3,66 fm; 3. Kl. 26,46 fm; 4. Kl. 22,75 fm; 5a-Kl. 15,36 fm; 5b-Kl. 15,46 fm. Forstort: Alteberg 2. Los 5. Fichtenstämme 3. Kl. 16,46 fm; 4. Kl. 13,87 fm; 5a-Kl. 18,60 fm; 5b-Kl. 27,23 fm. Forstort: Alteberg 4. Los 6. Fichtenstämme 2. Kl. 6,64 fm; 3. Kl. 109,33 fm; 4. Kl. 81,34 fm; 5a-Kl. 74,07 fm; 5b-Kl. 20,21 fm. Forstort: Ulf. Reiperts 3. Los 7. Fichtenstämme 1. Kl. 2,75 fm; 3. Kl. 2,47 fm; 4. Kl. 3,97 fm; 5a-Kl. 10,20 fm; 5b-Kl. 3,79 fm. Forstorte: Langeloh 2, Steinswiesenkopf 2. Los 8. Fichtenstämme 3. Kl. <,37 fm; 4.Kl. 6,86 fm; 5a-Kl. 29,24 fm; 5b-Kl. 14,50 fm. Forstorte: Alteberg, Steinswiesenkopf. Los 9. Fichtenstämme 2. Kl. 10,37 fm; 3. Kl. 202,36 fm; 4. Kl. 127,53 fm; 5a-Kl. 42,44 fm; 5b-Kl. 9,62 fm. Forstort: Lindes 4. Los 10. Fichtenstämme 3. Kl. 30,28 fm. Forstort Heegwald 4. Los 11. Fichtenstämme 3. Kl. 7,61 fm. Forstorte: Heegwald 10, Eisenkaute 5. Los 12. Fichtenstämme 3. Kl. 9,42 fm. Forstorte: Hailoh 2, Katzenberg 2. Los 13. Fichtenstämme 3. Kl. 14,80 fm; 4.Kl. 50,17 fm; 5a-Kl. 40,55 fm; 5b-Kl. 7,50 fm. Forstort: Hirzenberg 1. Lps 14. Fichtenstämme 2. Kl. 6,41 fm; 3. Kl. 60,91 fm; 4. Kl. 53,20 fm; 5a-Kl. 47,73 fm; 5b-Kl. 16,57 fm. Forstort: Hirzenberg 9. Los 15. Lärchenstämme 3. Kl. 1,08 fm; 4. Kl. 0,97 fm; 5. Kl. 5,77 fm. Forstorte: Alteberg 4, Ulfaer Reipperts 3, Steins- wiesenkopf 2. Los 16. Lärchenftämme 3. Kl. 9,36 fm; 4. Kl. 8,07 fm; 5. Kl. 6,05 km. Forstorte: Heegwald 10, Hailoh 4. Los 17. Lärchenstämme 2. Kl. 1,94 fm; 3. Kl. 4,55 fm; 4. Kl. 3,60 fm; 5. Kl. 5,52 fm. .Forstorte: Hailoh 2, Katzen- berg 2, Merloh. Los 18. Eichengrubenholz: 140,29 fm. Forstorte: Heegwald 10, Hailoh 4, Hailoh 2, Katzenberg 2, Merloh. Das Holz lagert in den Staatssörste- reien des Forstamts Eichelsdorf. Nähere Auskunft durch das Forftamt (Fernruf Nidda 59). 24560 Gebote sind verschlossen einzureichen mit der Aufschrift „Holzsubmission 1926" bis 29.2Här) 1926, vormittags 11 Uhr. In den Angeboten sind die Preise nach Losen und Stärkeklassen getrennt abzugeben. E i ch e t s d o r f, den 16. März 1926. Hessisches Forstamt Eichelsdorf. , Bechtel. Lichtspielhaus Heute bis einschließlich Sonntag: Ferner: Ein entzückendes Lustspiel in 2 Akten. Ein hervorragendes Filmwerk in 8 Akten nach dem gleichnamigen Roman von Paul Rosenhayn. In den Hauptrollen: Paul Heidemann, Livio Pavanclli, Werner Kahle, Hans Mierendorff, Elga Brink, Henry Bender. 2453c Wenn Sie Ihre Sorgen auf zwei Stunden vergessen wollen, so dürfen Sie dieses amüsante Fi Im spiel nicht versäumen. 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Meister der deutschen Prosa, Künstler des reifen, gestaltenden, geistig gefüllten Wortes tragen gleichsam als anstrebend breite Pilaster die vielfach durchbrochene und gegliederte Fassade des Buches: Thomas Mann, Hermann Hesse, Walter von Molo, Waldemar Bon- sels, Stefan Zweig (der würdevolle, golden-traurige Worte zu sagen weist über die Mono- tonisierung der Welt). Die Werkleute auf Haus Nyland: Winckler und Kneip, die Rheinländer Brües, Lersch, Schmidtbann, die Brüder Schnack, der zarte Franziskusdichter Federer, der nervös- empfindsame Wiener Schaukal, der schwerblütige Norddeutsche Blunck... In der Lyrik werden Lissauer und der wertvolle, schwer zugängliche Haringer stark herausgehoben: die bildende Kunst ist mit einer gewissen trotzigen Hartnäckigkeit auf zwei Namen gestellt, Corinth und Barlach, (aber es ist nicht zu verkennen, daß hier ein Gleichmaß, eine innere Ebenbürtigkeit in Format, Temperament und Statik empfunden und in der Paarung behauptet wurde). Besonders reizvolle Einsprengsel bilden eine Handvoll Essays, die das literarische Profil deutscher Städte umreisten Schlaf: Weimar: Sarnchki: Köln: Paquet: Frankfurt: Korrodi: Zürich: Weigand: München: Schaukal: Wien: Eloesser: Berlin: Harich: Königsberg). Zuletzt eine Iahresschau über Literatur und Theater (Elster), Musik (Heß), bildende Kunst (Kuhn). — Die verlegerische Ausstattung des Werkes ist gediegen und festlich zugleich. 106 — Claude Tillier: Mein Onkel Benjamin. Eingeleitet von Ludwig Pfau. In neuer Verdeutschung von Iosef Hofmiller. Mit einem Bilde des Dichters. (Langens Auswahlbände, Band 23). Preis in Leinen ge- — August Wilhelm Grubes berühmte Geographische Charakterbilder hat der Leipziger Verlag Friedrich Brandstetter in einer neuen, vierbändigen Ausgabe herausgebracht. Die Auflageziffern (Bd. I, II, III in 22., Bd. IV in 17. Auflage) sprechen für die Beliebtheit dieser Zusammenstellung erlesener Beiträge namhafter Forscher und Beisenden mit ihren Schilderungen aller Länder des Erdballes, der Sitten und Gebräuche ihrer Bewohner, und der Wirtschaft in ihren wesentlichen Zweigen. Ausgezdichne'e Bilder sind eine wertvolle Ergänzung der Aufsätze. Besonders für unsere Volks- und Schulbibliotheken eignet sich das Werk in hohem Maße. 61 Mr den Büchertifch Schöne Literatur. Zeitgemäß ist Proust für unser Iahrhundert, weil wir ja alle, sei es bewußt oder unbewußt, uns auf der Suche nach der verlorenen Zeit ertappen. Wir finden ihre Spuren in der Gegenwart und gehen auf ihren Spuren der Zukunft entgegen. Da uns jedoch die verlorene Zeit etwas Gegensätzliches zu dem ist, was die allgemeine Entwicklung fordert, weil ihre Spuren nur psychische, nicht aber physische Reaktionen auslösen, ist dieser Romanzyklus der realen Gegenwart gegenüber wieder unzeitgemäß. Die Vergangenheit bleibt immer etwas Irreales, „sie ist verborgen außerhalb des Bezirkes unseres Geistes und seiner Reichweite, verborgen in irgendeinem stofflichen Ding — und wir ahnen nicht, wo." Doch Proust zeigt, daß darum die Vergangenheit nicht tot ist. An der Erinnerung belebt sich das Vergessene und an dem Gegenstand, der die Erinnerung weckt, steigert sich das Stoffliche zum Seelischen, aus dem konkreten Teil wird ein Stück Weltseele. Die Sinne, und namentlich Geruch und Geschmack sind für Proust Wahrnehmungsorgane, an denen die Vergangenheit in Erinnerungsbildern wieder auflebt: „Wenn von uralter Vergangenheit nichts mehr besteht, nach dem Tode des Lebendigen, nach der Auflösung des Dinglichen, dann bleiben einzig Duft und Geschmack noch für lange Zeit: und sie, die Schwächeren, aber Lebensfähigeren, Geistigeren. Zäheren, Treueren, sie bleiben, wie Seelenwesen, und rufen, erharren, erhoffen sie nicht auf den Trümmern der übrigen Welt, tragen sie nicht unbeugsam auf ihren fast unspürbaren Tröpfchen den ungeheuren Dau der Criirnerrmg?" Da aber Erinnern für Proust einem bestimmten Augenblick „nachtrauern" bedeutet, liegt ein Zug müder Resignation über seinen Erinnerungsbildern, und er ist für ein vitales Zeitalter wieder unzeitgemäß, wenn er die Vergangenheit mit der Vorstellung sucht, daß die Gegenwart ihm ein kostbares Gut geraubt hat, das er nicht in Wirklichkeit, sondern nur in seinen Visionen wiederfinden kann. Es ist mehrfach darauf hingewiesen worden, daß hier Prousts Psychologie sich mit deck Theorien Sigmund Freuds berührt. Als Mensch hat Proust di:sen rückschauenden Standpunkt erst als Vierzigjähriger gewonnen, nachdem er ein Menschenleben an die Nichtigkeiten und aufreibenden Vergnügungen der aristo- 8ranzi§ka Gräfin zu Reventlow. Eine der merkwürdigsten Gestalten, die sich still und „mit königlicher Selbstverständlichkeit" dem deutschen Schrifttum eingeführt haben, ist Franziska Gräfin zu Reventlow. Gin Philister allerdings, der ein Buch von ihr in die Hand bekäme, stünde diesem funkensprühenden, wahrhaft Weltdamenhasten Geiste, diesem Temperament hilflos und verständnislos gegenüber. Wer aber ein freier Geist und dazu noch ein wenig Feinschmecker ist, der griff, wenn er sie einmal kannte, gewiß nach jedem neuen Werke dieser Frau mit der frohen Begierde dessen, der sich bewußt ist, daß ihn ein seltener, ein kostbarer Genuß erwartet. — Die Herausgabe ihrer „Gesammelten Werke" durch den Münchener Verlag Albert Langen (in einem schönen Ganzleinenband auf Dünndruckpapier) bringt eine große Lleber- raschung. Vor allem die Tagebücher der Gräfin aus den Iahrey 1897 bis 1910 bringen einen unauslöschlichen Eindruck hervor. Sie vervollkommnen und vertiefen das literarische und menschliche Bild dieser Frau und bedeuten ein es wirkliche, oft ganz lässige Taoebuchaufzeich- wahrhaftes menschliches Dokument Dabei sind nungen, keineswegs für fremde Augen bestimmt. Aber ist man diesen rasch hingeworfenen Bemerkungen durch dreizehn Iahre gefolgt, durch die dreizehn inhaltsschwersten Jahre der Gräfin, von der jubelnd-bangen Erwartung ihres Kindes an bis an den Tag. wo sie sich von dem unsäglich geliebten Buben trennen muh, — dann ist es einem, als hätte man nie einen so erschütternden Roman in Händen gehabt. Es gab kaum ein Wesen, das mehr zum Glücklichsein prädestiniert erschiene als Franziska Reventlow. Aber das Schicksal will es nicht — nichts wird ihr erspart, feine Enttäuschung, keine Demütigung, nicht die bitterste Not, nicht die fürchterlichste Situation. Lind immer bleibt diese Seele ungebrochen, oben, adlig. Weil sie eben adlig ist bis ins Mark. Wie sehr ihre Bücher ihr eigenes Leben schildern, wird uns erst aus diesem Tagebuch bewußt. Sie selbst ist jene Ellen Olestjerne, die wie ein fremd-schöner Vogel von Lieblosigkeit und Einverständnis aus dem aristokratischen Nest heravsgebisfen wird, die durch ihr heißes Blut, selbst wenn sie liebt, immer weitergeheht wird, die im Treiben der Schwabinger Boheme tausend amüsante Schwänke erlebt. aber auch das Herzeleid, da Schmerzen bereiten zu müssen, wo sie liebt, und die aus allen Abgründen strahlend austaucht, die Gloriole der Mutterschaft um das reine Haupt. — Sie, Franziska Reventlow, ist es, die in „Herrn Domes Aufzeichnungen" wiederum ihre Erlebnisse mit dem Schwabinger Völkchen, dessen Torheiten und ewig-junge Ideale so liebevoll wie klug drastisch in heiterer Ironie und Selbstironie schildert. Sie ist es. die, unter bunter Gesellschaft, im ..Logierhaus zur schwankenden Weltkugel" wohnt. - wann hätte sie auch je wo anders gewohnt! Sie und immer sie ist es, die in „Von Paul zu Pedro", ihrem vollkommensten Werke, einer stilistischen Kostbarkeit, die Qlmou- resken ihres ewig unbeständigen Herzens so geistvoll, reizeüd imö klug erzählt. Mau mag den Grund ihrer Unbeständigkeit in einem Fatum suchen, das über ihrer Psyche oder ihrer Physis waltet, entzückt aber ist man von der Grazie dieses echten Weibes, erschüttert ist man von seiner süßen Mütterlichkeit und voller Bewunderung für seine große und eigen» a#ige Kunst. 886 Meyers MaWer-Ausgaben. Kellers Werke. Kritisch-historische und erläuterte Ausgabe mit Kellers Leben. Bildnis, Handschriftenprobe, Einleitungen und erläuternden Anmerkungen, herausaegeben von Max Nußberger. 8 Bände. — Hölderlins Werke. Herausgegeben von Hans Brandenburg. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe. 2 Bände. — Grabbes Werke. Herausgegeben von Albin Franz und Paul Zaunert. Kritisch durchgesehene irnd erläuterte Aüsgabe. 3 Bände. — krotischen Pariser Gesellschaftslphäre verschwendet batte. Aristokrat blieb er jedoch Zeit feines Lebens, denn er liebte nur das Auserlesene, nicht das Gewöhnliche und Unpersönliche. In seiner Kunst zeigt sich dieser Aristokratismus wesentlich ästhetisch. Es ist charakteristisch für ihn, wenn er den lebendigen Menschen stets in eine Beziehung zu einem Kunstwerk bringen will. Das Künstlerische ist ihm Ausdruck deS aristokratischen Lebens. Der tiefere Sinne einer Ma- dvima Boticellis, einer Landschaft der Niederländer, einer Sonate liegt ihm in dem seelischen Erlebnis des nach seiner Persönlichkeit sich einfühlenden Gegenwartsmenschen, nicht in einer historischen Wertung. Prousts Kunsturteile erhalten daher eine eigene wertvolle Note und besonders dem Wesen der Musik ist wohl kaum von einem epischen Dichter der Neuzeit eine so tiefgehende Deutung gegeben worden wie von Proust. Er erinnert hier, wie überhaupt in seiner vielseitigen künstlerischen Bildung und auch in seinem bizarren Lebenswandel an E. T. Ql. Hoffmann an den deutschen Dichter, der immer wieder aus Frankreich seine Wirkung ausübt. (So taucht die Hoffmairnsche Welt auf, in ihrer Phantastik und ihren grotesken Gestalten, wenn Proust von den Wunder- wesen erzählt, die in den Schoten und Spargel- köpsen ihr verzaubertes Dasein leben, wenn er Von dem geheimnisvollen Schauer der Kathedralen und Kapellen oder von dem Eindruck der Bilder Giottos berichtet.) Was nun die llcberfeßung des Romanes „Du Cöte chez de Swann" selbst angeht, der als erstes Werk des Zyklus in zwei Bänden im Berliner Verlag „Die Schmiede" (108) erschienen ist, so muß man wohl zugeben, daß hier Schwierigkeiten Vorlagen, die selbst der geübteste ileber» setzer im ersten Wurf nicht überwinden konnte. Emst R. Curtius, Hans Jacob und andere haben in längeren Ausführungen und einzelnen Belegen auf die Mängel der Üebertragung Rudolf Schottlaenders hingewiesen. Das spezifisch französische Kolorit der Sprache Prousts verträgt nicht eine freie Interpretation, geschweige denn eine fremdländische Dialektfärbung. In diesem Sinne mögen manche Seiten durch verbale Mißgriffe mißlungen sein. Aber sollte man hier nicht einen weiteren Gesichtspunkt gelten lassen, der oie Einzelheiten dem Gesamteindruck unterordnet? Auch der deutsche Leser, der das Original nicht fennt, wird das Gesamtbild und die Idee des Romanes unverfälscht ausnchmen formen, wenn bie Stofflichkeit des Buches nach der Lektüre verschwunden ist und nur der Geist des Kunstwerks in ihm wirkt. Vielleicht werden noch viele Jahre vergehen, ehe uns ein mit der modernen französischen Kultur vollständig vertrauter Ueber- setzer den deutschen Proust vorlegt, vielleicht werden wir diese Verdeutschung auch nie erhalten. Die Wiedergabe des Proustschen Stils ist sicher eine sehr schwierige Aufgabe, so schwer, wie beispielsweise eine LIebersehung Hölderlins oder Goethes. Lind hat Frankreich heute eine mustergültige ilebertragung des Wilhelm Meister oder des Hyperion? Wie wird die geplante Lieber- sehung Thomas Manns „Zauberberg" ausfallen? Berechtigt ist dagegen der Vorwurf, den Hans Jacob dem lieberfe^er macht, er hätte ben Titel „Du Cote de chez Swann" falsch wie- bergegeben. Denn „Der Weg zu Swann" läßt nicht einen Gegensatz ahnen, der darin liegt, daß denr bürgerlich-intelligenten Kreise SwannS die aristokratische, genußsüchtige Sphäre der Gucr- mantes (welcher im besonderen der dritte Roman gewidmet ist! gegenübersteht. Auf diese Gegenüberstellung der beiden Kreise, zwischen denen Odette, Swarms Geliebte und spätere Frau, mit ihren Launen, Oberslächlichkeiten aber auch manchmal mit mehr Gefühl für seelischen Takt als ihre aristokratischen Gönner ihn besitzen, hin und her schwankt, hätte der Titel hindeuten müssen, denn um diese beiden Pole bewegt sich alles Geschehen des gesamten Werkes. Dem Leser ist der Rat zu geben, dieses Buch nicht zu lesen, wie man sonst Romane zu lesen pflegt, indem man heute darin blättert, es dann in ben Schrank stellt, um an einem späteren Tage den unterbrochenen Faden wieder anzu- knüpfen. Rein — hier ist ein Kunstwerk, dessen hohe Bedeutung in seiner Gesamtheit liegt, das eine Seelenstimmung von besonderem Zauber hervorruft, der nicht weicht, wenn man sich ganz seinem Eindruck htngibt, der aber nicht duldet, daß man seine Wirkung auf längere Zeit unterbricht. So wird vielleicht der Leser, der dieses Epos im engen Zusammenhang lesen kann, den höchsten Genuß haben. — Das Pantheon. Ein Hausbuch deutscher Dichtung und Kunst in der Gegenwart. Herausgegeben von Hanns Marlin Elster. 430 Seiten. Deutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. H. Berlin. — Ein starker, festlich gerichteter, inhaltsschwerer Band, ein Jahrbuch deutschen Geistes der Gegenwart, ein Pantheon, das die Lebenden in sich sammeln will, und sie vereinen zur guten Stunde. Die überwältigende Fülle des lünstlerisch-Iiterari- schen Gesamtbildes der Zeit zwingt dem Auswähler, Sichter und Ordner die Notwendigkeit der Auslese und das persönlichste Bekenntnis auf —: wie ich es sehe, llnb also wurde Werk ein Spiegel von eigenem Schnitt Schliff, in dem die verschiedenstxn Farben brechen, Formen eingefangen sind, Köpfe, "lichter, Silhouetten wechselnd auftauchen, dringlich und unverwischbar, ober flüchtig _____ schnell wieder beschattet. Hinter allem aber spürt man einen strengen, wertenden Blick, eine ordnende Hand und das geistige Band, das die Vielheit der Namen versöhnend umschließt. Das wird jeder sofort sehen — auch der, Der selbst anders gewählt und geordnet hätte —, wenn er nur ein wenig in dem Buche blättert; man weiß sogar, daß Elster die Voraussetzungen erkannt hat, zu denen der Sinn eines solchen Pantheons und deutschen Hausbuches verpflichtet. Alte und Junge, Erfüllung und Hoffnung haben einander die Hände gereicht zu so langer funkelnder Kette, daß man nur ein paar Namen bunden 4 Mark. Verlag von Albert Langen in München. — In weit höherem Grade als Daudets wohlfeile Karikatur im „Tartarin" darf der „Onkel Benjamin" als typischer Vertreter geistreichen Frv.nzosentums gelten, eines Fran- zosentums allerdings, das in seiner köstlichen Mischung von Humor, Witz, Aufschneiderei und Bonhomie mit dem von heute nicht sehr viel gemein hat. Wenn die tollen Streiche dieses französischen Landarztes und Kneipgenies zwerchfellerschütternd sind, so sind die ernsten Partien des seltsam anmutig zwischen Extremen schwebenden Werkes tief ergreifend. Dor allem ist der „Onkel Benjamin" in jeder Zeile so originell wie wenige Werke der französischen Ltteratur, in der er ganz einsam und ohne Rivalen steht. 888 — Ka r 1 Niger: Das Kuhviertel. In Ganzleinen Mk. 5,—. Verlag von Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg. — In einem norddeutschen „Seldwyla" liegt dieses „Kuhviertel", ganz in der Nähe von Fritz Reuters Heimat. Mit einer wohltuenden Behaglichkeit sind die Iahre um die 48er Revolution geschildert. Amüsant ist, wie Öer Revo- lutionshelbenzug vor das Schloß des Fürsten zu einer begeisterten Huldigung für Dörchläuchting wird — prachtvoll Die nächtliche Fahrt, auf derber Schneider Pannewih feinen Ruhm eines Freiheitskämpfers wenigstens vor sich selbst erneuert, indem er, wenn auch ohne sein Wissen, an der Befreiung Gottfried Kinkels durch den Sttrdenten Karl Schurz mithilft. Der Schneider Pannewitz ist ein ganzer Kerl, es wird in diesem Buche viel von seinen Heldentaten erzählt, und von „Spöks" ist darin die Rede und vom Schäfer Jörß, der ein Hexenmeister genannt wurde, und vom 5jerrn Postmeister mit seinen gestickten Morgenschuhen, Herrn Samuel Philip- son, dem hervorragenden Kaufmann, und vom Herrn Präposttus Becker! Die gute alte Zeit sieht man gemächlichen Schrittes dahintänzeln und hat seine helle Freude an jenen Leutchen, die sich noch immer nicht daran gewöhnen können, daß man ihnen den Zopf geschoren hat. 907 — Heinrich Jlgenstein. Die beiden Hartungs. Ganzleinen 7,50 Mk. Verlag George Westermann, Braunschweig und Hamburg. -- Was diesen Roman besonders interessant macht, ist die psychologische Entwicklung, die sich über zwei Generationen erstreckt. Da ist zunächst der in seinem Beruf völlig aufgehende und künstlerischen Regungen sehr wenig'zugängige Großkaufmann Wartung. Dieser wird einerseits durch eine feinsinnige und künstlerisch empfindende Frau, andererserts durch den stark unter geistigen Einflüssen stehenden Arzt Dr. Bormann kontrastiert. Wie aus dem geistigen und materiellen Milieu heraus bann das Schicksal des Sohnes dieser beiden Eheleute gestaltet wird das zeugt von großem Können. Das Kind ist infolge eines Unfalls der Mutter mit einem Buckel zur Welt gekommen, und diese körperliche Mißbildung lastet schwer auf seinem Seelenleben. Auch hier wieder entwirrt der Dichter die Fäden der Entwicklung mit Meisterhand, und die seelischen Känkpfe sind so eindringlich und packend dargestellt, daß der Leser in Bann gehalten wird. 892 Von Völkern und Ländern. — Vor Jahresfrist erschien in einer ausgezeichneten Klebersetzung Reinhold von Walters der erste Band von Kliutschewskijs berühmter „Geschichte Rußlands" (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, und Obelisk-Verlag, Berlin). In kurzen Abständen sind der zweite und dritte Band gefolgt. Der vierte Band (mit einem Gesamtregister) der in den nächsten Tagen erscheinen wird, bringt das Werk, das wie fein anderes geeignet ist, uns Deutschen das Verständnis Rußlands und des russischen Volkes zu erschließen, zum Abschluß. Marcel Proust. Hur ersten deutschen Aebersehung. Don Dr. Gerhard Walbow. Marcel Proust ist keine „moderne Erscheinung", die ein sensationelles „literarisches Ereignis" bedeuten könnte. Denn einmal ist er schon fett vier Jahren tot und das andere Mal wurde der jetzt in der ersten Verdeutschung vorliegende Roman „Du ®ot£ de chez Swann" (aus dem Romanzyklus „A la Recherche du Temps perdu" bereits im Iahre 1918 geschrieben. Daß man ihn eigentlich erst jetzt in Deutschland entdeckte, rührt daher, daß er eben fein f»genannter „europäischer Dichter" ist, zu dem man ihn so gern machen nröchte; denn seine Lebens- und Kunstanschauungen wurzeln durchaus in einem romanischen und nicht in einem europäischen Kulturkreise. Seine geistigen Ahnen sind Saint Simon und Balzac, und nur hin und wieder finden sich Anklänge an auherfranzösische Dichter, wie zum Beispiel an E. T. QL Hoffmann und Gottfried Keller. Daß Proust seit mehreren Iahren in spanischen und englischen älebersetzungen gelesen wird, will ebenfalls für seine europäische Geltung noch nicht viel besagen. Denn in Spanien fand er als Romane verwandte Saiten, und in England pflegt man im allgemeinen bei der Auswahl fremdländischer Literatur nicht auf universelle Geltung Wert zu legen. Aber auch in feinem Heimatlande ging der Ruhm Marcel Prousts erst auf, als er 1919 für fein zweites Romanwerk „Al'Ombre des jeunes Filles en Fleurs" den Goncourtpreis erhielt. Wenn man sich diesen äußeren Merkmalen gegenüber als nicht voreingenommener Betrachter ie Frage vorlegt, ob hier wirklich ein Kunstwerk vorliegt, das seiner inneren Bedeutung nach zur Weltliteratur zu rechnen sei, so muß man allerdings gestehen, daß uns die Romane Prousts in eine Tiefe der menschlichen Seele führen, die auch in ihrer nationalen Färbung zu den großen Darstellungen des Allgemein-Menschlichen gehören., In diesem Sinne ist das Werk Marcel Prousts für das zwanzigste Jahrhundert allerdings nicht nur von europäischer, sondern von einer universellen Bedeutung. Die Glückskinder. ' Seit einiger Zeit beschäftigte ich mich mit Ludwig Heitmanns reichhaltigem, tiefgründigem Werke Großstadt und Religion und mit Karl Barths gewaltigem Römerbrief, und immer wieder ergreift es mich, aus welchem tiefen Schacht beide ihr Werk zutage förderten. Immer wieder sage ich mir, daß hier von ganz verschiedener Seite aus nicht nur dem Gewissen, sondern auch dem Denkvermögen der Leser eine ernste Aufgabe gestellt wird, um durch Nacht zum Lichte zu Dringen. Und der Gedanke drängt sich mir auf, es.toäre schade, wenn diese tiefen Wahrheiten sich nur dem greife der Theologen erschlössen und etwa nur hie und da zu einem Laien gelangten, den eine gütige Fügung darauf hinwies. Und fragte ich mich Wetter, wie viele Laien haben in unserer hetzenden Zeit die Geduld oder vor allen Dingen die Muße, sich Satz für Sah ehrlich durch diese inhaltsschweren Bücher durchzuarbeiten und sich Auge in Auge mit ihrem Gott damit auSeinanderzusetzen. And dock, ob es wohl keinen Wog gäbe, um etwas von den Ewigkeitswerten, lum die eS hier geht, unferem ganzen Volke mitzut eilen? Da fliegt mir in diesen Tagen ein kleines anspruchsloses Buch ins Haus von Karl Hesselbacher. „Die Glückskinder" heißt es (Verlag Eugen Salzer, Heilbronn 72). „Gedanken und Gestalten auS meiner Arbeit" nennt es der Verfasser. Ich nahm und las. In volkstümlicher Form, nicht knrrck Lehre, sondern durchs Leben wirken sich hier Probleme aus, wie sie in unserer Aerquälten Zeit sich denkenden Menschen mit doppeltem Ernste aufdrängen. Schon die Heber» schritten über den innerlich verwandten Geschichten des Buches deuten dies an. „An der Quelle der Kraft" heißt da eine Ueberfcbrift, »Im Kampfe mit dem Widersacher" eine andere, ober „Die Macht der Sttlle", „Wahrhaftigkeit" itfto. Ich vertiefte mich in diese kleinen Geschichten, die doch das ßanje widerspruchsvolle, harte, grausame und reiche Leben spiegeln und auf einmal war es mir, als schwände Raum und Zeit, ich fühlte mich jung und ging in früher, taufrischer Morgenstunde durch den Böhmerwold. Tiefe Stille ringsum — kein Vogelsang, fein Laut als das leise Rauschen der hohen Baumwipfel. War es nicht, als ob Gottes Größe und Llnnah- barfett mich üb erschauerte und mich armes Menschenkind meine ganze Kleinheit und Äirzulänglich- keit fühlen liehen? ilnb doch empfand ich zugleich den heißen Wunsch, mit meinem Leben teilzuhaben an dem Heiligtum meines Gottes. Nicht ein, Leben aus eigener Kraft begehrte ich, wohl aber ein starkes freudiges Schaffen aus Gottes Gnade. In diese weihevolle stille Stunde hinein erklang plötzlich hier und da ein leises Rieseln, bann wieder ein lauteres Rauschen oder gar ein kraftvolles Brausen. Ich sah mich um — durch das hohe weiche Moos über gestürzte Baumriesen, zwischen Felsstücke und sonstige Hindernisse hindurch riefelten und rauschten die Quellen, bald leise sich windend, bald stürmisch sich vorwärts drängend vom Berg herab zum Tal. Ich beugte mich nieder zu einem klaren Quell, schöpfte mit der Hand und trank von dem erfrischenden, labenden Trunk. Alnb ich fühlte! Ihr gesegneten Quellen, ihr kleinen und ihr machtvollen, die ihr den Berg speist und ihn lebendig erhaltet, seid doch keine Eigenwesen — Abgesandte seid ihr ,des Urquells, der euch alle speist und durch euch das ganze Gebiet segnet, in das er euch sandte. Ob Nein oder mächttg, ein jedes von euch ist fähig, alle Hindernisse zu überwinden und die ihm zuaewiesene Aufgabe zu erfüllen. Segen spendet ihr und Leben weckt und fordert ihr. wohin ihr kommt, ohne es selbst zu ahnen. Wie diese Quellen im Hochwald muten mich Hesselbachers „Kinder des Glücks" an, ober wie es am Schlich derselben mit dem Carlyleschen Worte heißt: „Was sind wir Menschen? Öidjtfunfen des nn Aether der Gottheit schwimmen?" und sagt Hesselbacher: „Darum ist unser Leben ein Wandern aus der Heimat — in die Heimat." P. L. btorms Werke. Herausgegeben von Theodor Hertel. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe. 6 Bande. — Meisterwerke der russischen Bühne. Ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Arthur Luther. Bibliographisches Institut, Leipzig. — Die jetzt vorliegenden Bände der großen kritischhistorischen Keller-Ausgabe von Max Nußberger die im Verlage des Bibliographischen Instituts erscheint, entsprechen allen Erwartungen in der glänzendsten Weise. In Ausbau und Anordnung zeigt sich die Hand des bewährten Meisters, der nicht nur die gewichtigen Bausteine zum festen, soliden Bau zu fügen weiß, sondern es auch versteht, diesem Bau innere Form, Leben und Seele zu verleihen. Ein tiefgründiger, von Liebe und Verehrung getragener Lebensabriß läßt uns Kellers Entwicklung, fein Ringen und Schaffen miterlebend verstehen, stellt in lebensvoller Schilderung den Menschen und Dichter inmitten seiner Zeit, seiner Umgebung dar, überall den großen geistiaen Strömungen, die Keller in sich aufnahm, nachgehend, nirgends die intimen Züge seines eigenartigen Wesens vernachlässigend. Was Nußberger hier bietet, gehört mit zum Besten, was je über Keller gesagt wurde. (Ebenbürtig reihen sich die besonderen Einleitungen zu den einzelnen Werken an. die zusammen mit dem Lebensabriß ein umfassendes Bild des Dichters und seiner Zeit vermitteln. — Unter den vielen Ausgaben de.r Werke Hölderlins, die die Wege zu diesem tiefsten Lyriker der deutschen Dichtung bereiten wollen, ist die in der Sammlung von Meyers Klassiker-Ausgaben erschienene besonders heroorzuheben. Hier zum erstenmal ist einer Forderung genügt, die sich bei Hölderlin gebietend und unabweisbar erhebt: der Forderung, zum Erfühlen und Verstehen dieser reinen, großangelegten Dichterseele mit ihrem ergreifenden Ausdruck unendlicher Sehnsucht nach All-Einheit durch einen Dichter hingeführt zu werden. Hans Brandenburg, der Dichter und Deuter ihm geistesverwandter Dichter, Hot in dieser Ausgabe diejenigen von Hölderlins Dichtungen und Schriften vereint, die nach Inhalt und Form als der bleibende Ertrag von Hölderlins Schaffen gelten können. Seine ausführliche Einleitung über Hölderlins Leden und Werke kann auf lange hinaus als das Bekenntnis unserer Zeit zu Hölderlin gelten. Son- ö reinleitungen zu den einzelnen Werken führen in ihre Entstehungsgeschichte ein, indem sie die Ergebnisse der neuesten Hölderlinforschung vor dem Leser ausbreiten. — Mit Freuden zu begrüßen sind die drei Bande, in denen Franz und Zaunert das Werk Christian Dietrich Grabbes vor uns aus- breiten. Der Dichter ist während seines kurzen und unglücklichen Lebens und nach seinem Tode so unbekannt geblieben, mißverstanden, verlacht und befehdet worden, daß es endlich einmal an der Zeit erscheint, gutzumachen, zu retten, was zu retten ist, und zu werben für Grabbe über den immer noch kleinen Kreis seiner Gemeinde hinaus. Dem kommen die vorliegenden (wie alle anderen Ausgaben der Reihe) trefflich ausgestatteten, philologisch und literarisch exakt und sachgemäß gearbeiteten Bände in dankenswerter Weise entgegen. — In schöner Vollständigkeit hat Hertel den köstlichen Schatz Stormscher Lyrik und Nooellistik in seiner Ausgabe zusammengeschlossen als eine feine und immer wertvolle Gabe für das deutsche Haus. Mit Biographie, Einführungen, kritischem Apparat und in der verlegerischen Ausstattung reiht sich die Edition den Erstgenannten ebenbürtig an. — Die gleiche Anerkennung gilt endlich auch dem jetzt vorliegenden ersten Bande, in dem Arthur Luther in künstlerisch vollendeter Uedersetzung die „Meisterwerke der russischen Bühne" dem deutschen Leser und der deutschen Bühne vermittelt. Ausgehend von der klassischen Verskomödie Gribojedows führt er, mit sicherem Verständnis die Höhepunkte der Entwicklung heroorhebend, über die realistischen Schauspiele Pisemskijs und Ostrowskijs, dessen interessantes Märchenspiel vom „Schneeflöckchen" er gleichfalls mitteilt, zu den Zustands- und Stimmungsdramen A. Tschechows. In Gribojedows „Verstand schafft Leiden" werden wir eingeführt in das Treiben der vornehmen Gesellschaft Moskaus im Anfang des 18. Jahrhunderts, in Ostrowskijs „Gewitter" in das abstoßend düstere Milieu des Kaufmannsstandes: Pisemskijs „Bitteres Los" schildert das seltsam befangene Leben des russischen Bauern, und Tschechows „Onkel Wanja" endlich das melancholisch lastende Dasein der „Intellektuellen" des ausgehenden Jahrhunderts. Mit dieser Auswahl hat sich A. Luther das schone Verdienst erworben, dem de"tschen Leser ein weites Gebiet russischen Schrifttums und Ledens zum erstenmal nahe gebracht zu haben. 117 Wirtschaft. Die Lage des Bergbaues. 3m Hauptausschuh des Preußischen Landtags machte Handelsminister Schreiber bei der Beratung des Haushalts der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung über die Verhältnisse im Bergbau eingehende Mittcilun- gen, woraus der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes wiedergibt: -Infolge des Ausbleibens der polnischen Einfuhr in der zweiten Hälfte des Vorjahres stieg die monatliche Förderung von Steinkohlen in Oberschlesien von 950000 Tonnen im Juni 1925 auf 1,3 bis 1,5 Millionen Tonnen. Die Belegschaft wurde von 33 000 auf 42 000 Mann vermehrt. In Niederschlesien stieg die Förderung von 425 000 Tonnen im 3uni auf 509 000 im Januar. Die Lage im R u h r - revier ist dagegen sehr schlimm. 38 Zechen urw 11 Kokereien wurden ganz still gelegt, 62 Zechen und 7 Kokereien in ihrer Förderung wesentlich eingeschränkt. Etwa 80000 Arbeiter und Angestellte wurden entlassen. Die Forderung von Braunkohle in Preußen stieg 1925 gegenüber 1913 von 70 Millionen Tonnen auf 115,1 Millionen. Die freie deutsche Kohlen-- aussuhr stieg von 7,3 Millionen in 1924 auf 13,6 Millionen in 1925. Die Einfuhr ging von 13,2 Millionen Tonnen auf 7.6 Millionen zurück. Der Kalibergbau überschritt 1925 die Vorkriegsproduktion von 11,1 Millionen Doppelzentner um 1,2 Millionen Doppelzentner. Die Lage des Metallerzbergbaus entwickelte sich 1925 leidlich. Die staatlichen Bergbaugesell- schoften litten unter der allgemeinen Wirtschaftskrise schwer. Mit einsetzender günstigerer Konjunktur ist aber bei ihnen mit besseren Ergebnissen zu rechnen. A. Schaafshausen'scher Bankverein A.-G., Köln. Der AR. genehmigte die Verteilung einer Dividende von 10 v. H. Der Reingewinn von 2,8 Mill. Rm. wird wie folgt verwendet: 4 v. H. Dividende 1,0 Mill. Rm. Lieberweisung an die Dr. Georg Solmssen Wohlfahrtskasse 47 797,35 Rm. (1047 797,35), Tantieme des Aufsichtsrates 121 621,63 Rm.. 6 v. H Superdividende 1,5 Mill. Rm., Vortrag 146 566,— Rm. (1 768 187,63) • Sine neue hessische Anleihe. Der Freistaat Hessen hat an die Darmstädter und Nationalbank, die Deutsche Dank, die Deutsche Vereinsbank, die Direktion der Discontogesell- schaft, die Hessische Landesbank, sämtlich in Darmstadt, und das Bankhaus Lazard-Speyer-Ellissen in Frankfurt a. M. dreijährige 6,5prozentige Schahanweisungen im Gesamtbeträge von 5 Mill. Reichsmark begeben, die zu 96,5 Prozent zum Verkauf gelangen. * Der Geschäftsabschluß der Dis- contogesellfchaft. Die Disconwgesellschaft verteilt für das Geschäftsjahr 1925 aus einem Rohgewinn von 57,9 gegen 65,5 Millionen Reichsmark im Vorjahre und einem Reingewinn von 10,6 gegen 10,7 Millionen Reichsmark wieder eine Dividende von 10 Prozent. * Keine Dividende beim Nord- d e u t s ch e n L l o y d. In der Aufsichtsratsitzung des Norddeutschen Lloyd wurden die Vorlagen für die auf Montag, 12. April, einzuberufende ordentliche Hauptversammlung festgestellt. 3n der Gewinn- und Verlustrechnung sind als rechnungsmäßiges Gesamterträgnis einschließlich des Vortrages aus 1924 in Höhe von 416 319 Reichsmark 22 331 965 Reichsmark ausgewiesen, welcher Betrag nach Deckung der Unkosten, Steuern usw. Abschreibungen in Höhe von 12 036 090 Reichsmark ermöglicht, für einen Dividendenvorschlag indessen keinen Raum läßt. Der Restbetrag in Höhe von 474 333 Reichsmark soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. ' Arbeiterentlassungen bei Henschel & Sohn in Kassel. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, kommen wegen ungenügender Beschäftigung in diesem Monat bzw. am 1. April rund 1300 Arbeiter zur Entlassung, so daß sich die Belegschaft auf 2500 Mann herabmindert. * Am erika - Anleih e des Groh- kraftwerksMannheim und derPfalz- werke. Das Grohkrastwerk Mannheim und die Pfalzwerke A. G. in Ludwigshafen stehen in aussichtsreichen, durch das Bankhaus Warburg geführten Verhandlungen mit einem Chicagoer Bankhaus zwecks Abschluß einer 7proz. Anleihe von 4 Mill. Dollar. Ein Vorvertrag ist laut F. Z. bereits erfolgt. Den Hauptvertrag hofft man in etwa 14 Tagen zum Abschluß bringen zu können. Das Erträgnis der Anleihe soll den Werkerweiterungen dienen. Die Anleihe soll in Chicago und Neuhork zur Zeichnung auferlegt werden. * Der Zusammen schluß der süddeutschen Zuckerfabriken. Die Gemeinschaft süddeutscher Zuckerfabriken teilt dem DHD. folgendes mit: Die heute in Heidelberg in der Verschmelzungssr'ge fortgesetzten Verhandlungen haben zu folgendem Vorschlag geführt: Die Zuckerfabriken Frankenthal, Waghäusel, Stuttgart, Heilbroftn und O-sstein werden sich in der Weise verschmelzen, daß die Zuckerfabrik Frankenthal die anderen Gesellschaften aufnimmt. Mit Rücksicht auf den durch die politischen Verhältnisse eingetretenen Verlust wesentlicher Absatzgebiete soll die Quote bei Frankenthal ermäßigt werden. Zu diesem Zweck wird die Zuckerfabrik Frankenthal ihr Stammaktienkapital Im Verhältnis von 5:4 zusammenlegen. Die Aktionäre von Waghäusel, Stuttgart u. Heilbronn erhalten sodann auf ihre Stammaktien im Hm- tausch den gleichen Betrag neuer Aktien der ausnehmenden Gesellschaft. Die Aktionäre der Zuckerfabrik Offstein erhalten in Richtigstellung der seither zu niedrigen Quote auf nominal 1000 Stammaktien nominal 1300 neue Aktien. Nach Durchführung des Beschlusses wird sich das Gesamtkapital der Geseüschaft auf rund 80 Millionen Mk. belaufen. Die Zuckerfabrik Rheingau Worms, auf welche die oben genannten Gesellschaften einen maßgebenden Einfluß ausüben, bleibt außerhalb der Derschmclzung, doch wird den ausstehenden Aktionären der Zuckerfabrik Rheingau der Umtausch ihrer Aktien in solche der neuen Gesellschaft i n Verhältnis 1.1 freigestellt werden. Die Vorschläge werden den Verwaltungsorganen am 26. März zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Die Hauptversammlungen der Gesellschaften sind für Ende April in Aussicht genommen. Die Ergebnisse des 3ahres 1924/25 sollen mit Rücksicht auf die derzeitige schwierige Lage der gesamten Zuckerindustrie vorgetragen werden. Frankfurter Börse, (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt, 17. März. Tendenz: Schwächer — Die Nach.achtm üo:r die Vertagung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund und das Scheitern der Genfer Verhandlungen verschärfte an der heutigen Börse die An sicher - heit. Wenn auch die Börse über die Tatsache selbst große Enttäuschung bekundet und zunächst sehr deprimiert erschien, so war man doch nicht geneigt, in dem bisher gezeigten Optimismus sich beirren zu lassen. Man hält an der Hoffnung fest, daß im Herbst eine befriedigende Lösung der Angelegenheit gefunden wird. Die Stimmung war daher trotz des Druckes nicht flau, sondern nur zurückhaltend, zumal auch weitere Publikumskreise infolge der außenpolitischen Situation sich vom Geschäft fernhielten. Die Abschwächungen gingen bei den führenden Werten, nur vereinzelt über 3 Prozent hinaus, öie Regel waren 1 bis 2 Prozent. Abgaben erfolgten nur in geringem Umfange, wodurch der Markt eine ziemliche Widerstandsfähigkeit erhielt, zumal das herauskommende Material rasch untergebracht werden konnte. Die Tendenz war nicht einheitlich, denn eine Reihe von Werten konnte ihren Stand behaupten, zum Teil waren sogar leichte Steigerungen zu verzeichnen. Von Montanwerken waren u. a. gedrückt: Mannesmann minus 2,75 Prozent, Rheinstahl minus 1,75 Prozent, Buderus minus 1 Prozent. Von Kaliwerten gaben Westeregeln 1,5 Prozent und Aschersleben 1 Prozent nach. Farbwerte waren 1 Prozent schwächer. Stärker gedrückt lagen Holzverkohlung minus 1,75 Prozent und Rütgerswerke minus 2 Prozent. Von Elektro akt ien hatten Siemens eine stärkere Einbuße in Höhe von 3,25 Prozent aufzuweisen. Die anderen Werte dieses Gebietes gaben 1 bis 1,5 Prozent nach. Bankaktien bröckelten nur leicht ab. Berliner Handel stärker gedrückt minus 1,75 Proz. Schisfahrtsaltien: Rordlloyd 0,5 Prozent gebessert, Hapag waren unverändert. Auto- und Maschinenaktien gingen 1 bis 2 Proz. zurück. Karlsruher minus 2,5 Proz. Ron Zellst off aktien waren Aschaffenburger um 2,25 Proz. schwächer. Bauaktien gaben ebenfalls nach. Wayh u. Frehtag minus 0,70 Proz. Zuckeraktien konnten ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen. Badische plus 2, Heilbronn plus 0,75, Offstein pluS 1 Proz. Heimische Anleihen waren nur wenig verändert. Ausländische Renten lagen mäßig schwächer. Der Markt der Vorkriegspfandbriefe war lustlos. Auch im Freiverkehr waren nennenswerte Tlmsähe nicht zu verzeichnen. Decker Stahl 46, Becker Kohle 51,5, Benz 51, Drown Boveri 68, Growag 55, Ufa 55, ilfra 70 Proz. 3m weiteren Verlaufe trat eine wesentliche Beruhigung ein, und die Kursverluste konnten infolge etwas gebesserter Stimmung leicht aufgeholt werden, so daß die Notierung zum Teil den Stand von gestern abend wieder erreichte Die schwereren Werte setzten dagegen die Abwärtsbewegung fort, Privatdiskonten 5 Proz. Monatsgeld je Adresse 6,25 bis 8 Proz. 3m Devisen verkehr lag Paris gegen London schwächer mit 135,—. Brüssel, London und Berlin lagen unverändert Börsenkurse. Dalum: 5% Deutsche Ncichsanlethe 4% Deutsche Reichsanleiye 3Vs°/o Deutsche Reichsanlethe 3% Deutsche Reichsanleihe Deutsche Svarprämienanleihe 4% Preußische KonkolS • . • 4% Heuen • • .... 3‘/2% Helfen ... 3% Hetten........... Deutsche Wertb. Dollor-Anl. dto- Doll -Schatz-Slrureikug.*) 4e/0 Zoll türmen........ 5°/0 Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Commerz- und Pnvat-Bcmk Darmst. und Nationalbank Deutsche Bank Deutsche Vereinsbank .... Disconto Commandit Metallbank Mitteldeutsche Creditbank. Ocsterreichische Kreditanstalt ' Weltbank ....... Lochumer Guß ...... Buder.is ..... Caro Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. Harpener Bergbau . ... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahüttc ..... Obcrbedarf . ....... Phönix Bergbau ..... Rhcinnabl ...... Ricbec! Montan. ..... TelluS Bergbau..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . Lheramischc Werke Albin • stenicntwcrk Heidelberg . , Philivv Holzwurm . . , . Anglo Cont -Guano . ... Chemische Mäher Alapin . . I G Iarbenindustrte, A.-G. Goldsümidt Holzverkohlung Rütgerswerke Schcideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ..... Mainkrastwerkc ...... Schuckert Siemens & Halske ..... Adlerwerke Meyer ..... Snintlcr Motoren. ..... Hehligenstaedi . Reauin Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armawren . . Konservenfabrik Braun . Metallgescll chaft Frankfurt . Pen Union A.-G Schuhfabrik Hem ... Sichel • . Wellston Waldhoi. .... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel Frankfurt a-M. Berlin Schlu,- Kurs 1-Ubr. Kurs Schluß. 6nr« Anfang ‘bl.- 16. 3 | 17.3. 16 3 17 3 0,395 0,375 0,3875 0,375 — — 0,38 0,3725 0,360 — 0,38 0,3675 0,4.50 — 0.465 0,462 0,230 —- 0,235 0,360 — 0.375 — 0,370 — 0,39 — «— - — . - - 0,340 — 0,37 _ 100 —— 96,1 — 99,5 — 99,7 — 11,8 11,55 11,6 — 38,75 <— — 154 152,5* 153,12 151* 111.75 111,7* 111 111,7* 129,75 — 129,5 128* 128,5 128 127' 75,5 _ 123,4 — 123,4 122,1* 85 — — — 103,5 103,2* 103,75 103,2* 6,9 6,5 6,75 6,9 0,04 0,041 — 85,5 — 83,5 81,25* 48,25 49 47,12 49,25 43,25 — 41.12 42,4' 88,5 85,75* 86,75 85 88.5 — 88,25 86,4 101 — 102,62 10t* 123,5 123 124 123,7’ 132,5 131 131,5 131,5 35,5 — 34.9 35,75 42t 5 42.12 42,9* 79175 77,25* 79,4 76,5* 81.25 78,25' 80 78* 85,5 — 86 85 56 — — — 147,25 144,7* 145,5 144' 137,75 137’ 137.25 137,5* 48 — _ _ 91,5 91,25 _ _ 71,25 69,25 70,5 — — 88,12 — - » — 130 128,2' 129,62 127,7* 76 75,5 75,5 — 65 63,25. — ,— 77 74 76,5 ___- 94,75 94,25 _ 94 92,25 93,25 91,5* 85 — 85,9 85* 85,12 85,13 — 85,75 83,75* M,5 82,25* 109,25 106* 108 106,7* 52,5 50 50.25 49,25 51 50 51 48,9 27,75 — 32,5 — 34,25 — — —— — —— 20 — _ —— 42,5 —— — — 96,5 — — —- 74,5 — 74 — 30 — 29,5 — 5,9 — — ... - 110.25 110 111,75 110,25 47.5 48 48,5 — 53,25 56 — — Devisenmarkt Berlin—Zrankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 16 März 17 Mär;. Amtliche Roti rung Amtliche Rotieruna Geld Brie' 1 Geld 1 Brief AnM.°Utou Buen-Aire^ 160,07 160,49 168.07 168,49 1,608 1,612 1,634 1,638 Brff. Amw 17,38 17,42 17,04 17,58 Gbriftfanta 90.74 90,96 90,17 90,39 Kop.'nKna.'n 109,91 110,19 109,91 110,19 Stockholm 112,36 112,64 112,36 112,64 Helfingfors 10,555 10,695 10,555 10,595 Italien. . 16,80 16,8-1 16,83 16,87 London - 20,289 20,441 20,389 20,441 '.'teuvork . Tcri4. . Schweiz - 4,195 4,205 4,195 4,205 15,135 15,175 15.055 15,075 80,735 80,935 80,74 80,94 €öaidcn 59,09 59,23 59,07 59,21 Jcwan . . 1.904 1.908 1,900 1,904 'N Io de Ian Wien in D - 0,610 0,612 0,607 0,609 C eit. abgeil 59,18 59,32 59,18 59,32 Prag > 12,416 12,456 12,417 12,457 Belgrad • . 7.375 7,395 7,38 7,40 Budav.-ll ■ 5,875 5,895 5,575 5,59.. Bul arten 3,015 3,025 3,003 3,UOi Vfiabon Tanüfl - 21.255 21 305 21,275 21,325 80.87 81,07 30,87 81,07 5. onit ntm Sithen 2,18 2,19 2,175 2,185 5,84 5,86 5.85 5,87 Kanada. 4,18 4,19 4.18 4,19 Uruguat) 4,275 4,285 4,255 4,265 Berlin. 16 März Geld Brie' Amerikanische Violen ..... 4,187 4,207 belgische Roten ..... 17,32 17,40 Däunche Roten ...... 109,58 110 12 ^nalische Noten • ...... 20,364 20,461 ^französische Roten ..... s 15,215 15,295 Holländische Noten .... 167,78 168,6. <4t.lienische Roten ..... 16,86 16,9: Norwecm'che Noten . .... 90,62 91,0. Deutsch-Oesterr , ä roo Kronen 59,08 59,38 Riiinäinsche Roten .... 1,76 1,8ii rLchwedische Noten..... 112,04 112,60 Schweizer Roten ..... 80,62 81,02 Svanische Raren ...... 59,07 59,37 Tschechoslowakische Noten . . 12,38 12,44 Unaarische Noten . . . 5,832 5,872 Berliner Börse. IEigener Drahtberich! des .Gießener Anzeigers".) Berlin, 17. März. Die Aufmerksamkeit der Börse war heute noch fast vollständig von den außenpolitischen Ereignissen in Anspruch genommen. Die Nachrichten von dem Fiasko in Genf und der Vertagung der aufgeflogenen Konferenz bis zum Herbst wirkte stark verstimmend und führte zur Lösung von Hausseengagements, die im Vertrauen auf eine Einigung eingegangen worden roi cen. Die Tendenz war daher matt. Montan-, Kali-, Schiffahris-, Elektroaktien und fast sämtliche Terminpapiere eröffneten 3 bis 4 Prozent schwächer. Die Rückgänge dürften auch zu einem Teil damit Zusammenhängen, daß die Spekulation sich mehr dem K a s s a in a r k t c zuwandte, wo einige sog. billige Werte schärfer gesteigert waren. Die Tendenz war hier allerdings nicht so einheitlich fest wie an den letzten Tagen, da infolge der Steigerungen vielfach Gewinnrealisationen vorgenommen wurden. Nach der flauen Eröffnung der variablen Märkte wurde später von den Banken Material ausgenommen, so daß weitere Kursverluste vermieden wurden. Im Devisenverkehr notierte Brüssel gegen London anfangs 117,5, gab aber später auf 120 nach. Im Anschluß hieran schwächte sich auch Varis gegen London weiter ab auf 135, 90. Nordische Valuten lagen ebenfalls etwas schwächer. Am Geldmarkt dauert die Flüssigkeit an. Tägliches Geld 5 bis 6,5 Prozent, Monatsgeld 6 bis 7 Prozent. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt