Dienstag, 16. November (926 (76. Jahrgang Nr. 269 Erstes Blatt Erf-etnt täglt^,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen Siebener FamUtendlLtter Heimat im Bild Die Scholle Manalr-bezugrpret«: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüsfe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Oiehen. postschrcksonto: Kranksuriam Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnnmmer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l rom höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20% mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wllh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Umoerfilätr-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Sieben. Schristlettung und Seschäfttftelle: Zchulftrahe 7. Beschleunigung der Militär- kontrolloeryandlungen. Paris, 16. Roo. (TU.) wie der Vertreter der Telunion erfährt, besteht sowohl in Paris als auch in Berlin die Hbfirfjt, die Verhandlungen über die Beseitigung der interalliierten mililärfontroUtom- misfion in den nächsten Wochen lm beschien- nigten Tempo sorlzusühren. Auch der sranzö- sische Außenminister Briand ist persönlich der Anschauung, daß es wünschenswert wäre, die Verhandlungen nicht mehr zu verzögern, da er befürchtet, daß sie sonst seine Besprechungen mit Stresemann über die deutsch-französische Verständigung unnötig belasten würden. Der Reichs- reglerung liegt bereits die Stellungnahme der B o t- schasterkonferenz zu allen Fragen, von denen wie bekannt eine Reihe bereits als erledigt zu betrachten ist, vor, während für die Behandlung der Rechtsfragen Besprechungen in Paris vorgesehen sind. Ungeregelt sind die Fragen der Militär- ausbildung und der militärischen verbände. Line Ausnahme macht nur noch die Frage der Königsberger Befestigungen, mit der sich die Bolschasterkonseren; am Samstag befestigte, ohne jedoch zu einem abschließenden Urteil zu gelangen. Aber auch diese Frage soll, wie verlautet, auf keine besonderen Schwierigkeiten stoßen. Ueber die Entsendung des Legationsrats F o r st e r . ber_ die Verhandlungen mit der Interalliierten Militärkommis- sion direkt führen sollte, ist eine endgültige Entscheidung durch die Reichsregierung noch nicht gefallt worden. Ls ist mit der Möglichkeit zu rechnen, bah an die Stelle des Legationsrats Forster General von Pawels als verhandlungsleiler treten wird. Die Reichsregierung wird die alliierten Regierungen ersuchen, ihren Vertretern In der Bot- schasterkonserenz die deutsche Ausfassung über die Beseitigung der Mitilärkommisston und über die Enfwasfnnngslage Deutschlands rnttzu- leNen. Konflikt int französischen Kabinett. Minister Marin und die Radikalen. Paris, 16. Rov. (TÜLL.) Auf einem Bankett der republikanischen Vereinigung hat der der Rechten amgeborenux Pensionsminister Louis Marin eine Rede gehalten, in der das Kartell der Linken und die von ihm betriebene Politik in heftigster Weise angegriffen werden. Der radikale „üuotitien" nennt ixese Erklärung eines Ministers, der mit fünf radikalen Ministern in einem Kabinett sitze, unerträglich, besonders da Marin die Methoden der radikalen Partei als eine Schande vor der Geschichte bezeichnet haben soll. Der Parieivorstand der Radikalen wurde für Mittwoch zusammenbemfen, um über die Haltung der radikalen Minister innerhalb des Kabinetts zu beschließen. Die Frage, die der Parteivorstand zu erörtern haben wird, Wird in der „Ere Rouvelle" wie folgt festgelegt: Die von Marin beleidigten Minister können unter dieser Beschuldigung nicht ruhig bleiben. Außerdem muh man die Frage erörtern, was Poincar 6 als Ministerpräsident zu tim gedenkt, kenn er kann Beleidigungen gegen Mitglieder seines Kabinetts nicht mit St-ll schweig en hinnchmen. 3n dem radikalen parteiof.iziosen Blatt „La Parole" erklärt der Abgeor.n.'te Archimbaud, wenn morgen abend Louis Marin noch Minister sein würde, würden die Radikalen sich über eine Lage auszusprechen haben, die sie nicht geschaffen hätten, die sic aber nicht hinnehmen könnten. Die Radikalen hätten den Wunsch, an der Rettung des Franken in dem Maße weiter teilzunehmen, in dem ihre früheren Gegner ihnen diese Zusammenarbeit ermöglichten. Man Hoist, daß der heutige Ministerrat nicht zum Bruch einer Kombination führen wird, die nur in einem Augenblick außerordentlicher Gefahr möglich gewesen ist. Die katalanischen Zeparatisten. Paris, 15. Rov. (WB.) Einer der hier eingetroffenen verhafteten katalanischen Sepera- tiften, Josephe Dorda Della Questa, erklärte, daß er und feine Kameraden nichts bedauerten, sondern dah sie sich weiter für die katalanische Bewegung einsehen wollten, die seit langem vor» bereitet worden sei. Diele seiner Kameraden seien aus Spanien ausgewiesen. Äe seien katalanische Rationalisten und nichts weiter. Es gebe keine rechts stehende und links stehende (Elemente. Man wolle zuerst einzn Freistaat schaffen, dann könne man eine Innenpolitik betreiben. Er und seine Kameraden empfänden es als eine Schande, daß ihr Führer, Oberst M a c i a , wie ein gewöhnlicher Gefangener behandelt werde. Sic empfänden es ferner als eine Schande,^daß ihre Bewegung mit der Angelegenheit Garibaldi vermengt worden sei. Man habe behauptet, seine Kameraden hätten den Schatz von Aotre Dame stehlen wollen und einer der Katalonier sei mit 100 000 Frank, die für die Bewegung bestimmt gewesen seien, in Dyon verhaftet worden. Das alles sei falsch Allerdings hätten die spanischen Carlisten und die Kommunisten ihre Hilfe angeboten, aber man habe sie abgclehnt, weil man nur eine rein nationalistische Bewegung habe Hervorrufen wollen. Er und feine Kameraden seien keine Spanier, sondern Katalonier und wollten, auf Frankreich angewandt, sozusagen .ein zweites Belgien schaffen. Der deutsche Wahlsieg in Oberschlesien. Dor etwa SVa Sohren, im März 1921, fand in Oberschlesien die bekannte Abstimmung statt, die eine starke Mehrheit für das Derbleiben bei Deutschland ergab. Trotzdem hielt sich der Dolkerbundsrat nicht an das Ergebnis der Gesamtabstimmung für gebunden und bestimmte, dah gewisse Teile von Deutschland losgetrennt und an Polen übergeben wurden. Damals hat die deutsche Reichsregierung! eine formelle Verwahrung gegen diesen Beschluß eingelegt und ihn als rechtsungültig bezeichnet, obwohl sie sich gezwungenermaßen der Entscheidung fügen muhte. Es war damals mit ganz besonderem Rachdruck geltend gemacht worden, dah ein großer Teil auch derjenigen, die für Polen gestimmt hatten, das getan hatten in. der bestimmten Annahme, Oberschlesien werde als solches ganz und ungeteilt entweder bei Deutschland verbleiben ober an Polen übergehen. An die Möglichkeit einer Zerreißung des einheitlichen oberschlesischen Wirtschaftsgebietes hatte kaum jemand gedacht. Aber gegen den Machtspruch der Entente gab es bei Deutschlands Machtlosigkeit keine Möglichkeit, die Rechtsauf- faffimg anders als in einer papiernen Verwahrung zum Ausdruck zu bringen, und so nahm das Verhängnis feinen Lauf. Alle Doraussagungen, die damals an die klar zutage liegende Unfamigfeit der Zerreißung eines organisch gewachsenen und fest zusammenhängenden Wirtschaftskörpers geknüpft worden waren, sind in Erfüllung gegangen. Obwohl die osdoberschlcsischen Kohlengruben, denen zunächst ein ziemlich großes Kontingent zur Qiefecung nad> Deutschland freigegeben worden war, infolge des englischen Kohlenstreiks keinen Rückgang in ihrer Produktivität zu erleiden haben hat sich die wirtschaftliche Lage Ostoberfchlefiens so zu- gespiht, dah bei dem Aushören des englischen Kohlenstreiks und damit auch beim Einstellen der Lieferungen nach ®nglanb der wirtschaftliche Rückgang zur K a t a st r o P h e werden muh. Was für Ostoberschlesien im besonderen gilt, trifft für Polen im ganzen zu. Tie unausbleibliche Katastrophe ist nur durch den englischen Kohlenstreik verzögert und aufg^halten worden Sofort nach der Abtretung Ostoberschlesiens setzten polnische Bestrebungen zur Entdeutschung des Gebietes ein, das alles, was es geworden ist, deutschem Fleiß, deutschem Können und deutscher Tüchtigkeit zu verdanken hat. Allerdings konnte man nicht ganz so schroff und ungeniert vorgehen, wie in Westpreußen und Posen. Aber es steht noch lebhaft in der Erinnerung, m.t welcher Richtachtung sich die polnischen Behörden in Ostoberschlesien über feierlich eingegangene allgemeine und besondere Verpflichtungen hinweggesetzt haben. Rur dem wiederholten Eingreifen des Präsidenten E a 1 o n d e r ist es zu verdanken, wenn noch hier unb ba eine deutsch? Schule vorhanden ist. Unter gewaltigem polnischem Druck sand bann einige Zeit später eine Wahl zum o ft ober» schlesischen Landtag statt, in der die wahre Volksmeinung nicht richtig zum Ausdruck kam, obwohl auch hierbei ein deutscher Sieg zu verzeichnen war. Nun aber nahte die Zeit der Gemeindewahlen, die man verschiedentlich in Ahnung kommender Ereignisse verschoben hatte, aber nicht länger mehr verschieben konnte. Das Ergebnis dieser am letzten Sonntag stattgehabten Wahl ist geradezu verblüffend. Man kann getrost behaupten, daß diese ?(bftimmung einem wahren Volksentscheid gleich zu achten ist. Als besonderen Schachzug hatten die Polen den Wahlzwang eingeführt, wobei sie von dem Gedanken ausgingen, daß der polnische Beoölkerungsteil sich bei Gemeindewahlen gleichgültiger zeigen würde als der deutsche. Das mag richtig gewesen sein. Aber jedenfalls haben die Polen damit erreicht, daß ungefähr 95 Prozent der wahlfähigen Bevölkerung auch geftimmt hat, was am besten beweist, daß die Volksmeinung klar zum Ausdruck gekommen ist. Das Ergebnis ist ein überwältigender Sieg des deutschen Gedankens in ganz Ost oberschlesien, selbst in den Bezirken, in denen bei der Abstimmung von 1921 polnische Mehrheiten zu verzeichnen waren. Für jemanden, der die ostoberfchlesischen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt und der sich an die Zeit der heftigen Kämpfe vom Sommer 1920 mit der Erstürmung und Zerstörung des Korfanty- schen Hauptquartiers in Kattowitz erinnert, ist am bedeutsamsten der Umschwung in der Kattowitz benachbarten Ortschaft Schoppinitz. Dort war der Herd der polnischen Bewegung. Ein deutsch-amerikanischer Berichterstatter konnte sich nur mit eigener Lebensgefahr nach dieser Höhle des polnischen Löwen begeben. Von dort stießen ununterbrochen schwerbewaffnete polnische Trupps nach Kattowitz vor, die dorthin führenden Straßen und Wege waren von polnischen Wachen besetzt. Bei der Abstimmung fiel dort nicht eine Stimme für Deutschland. Und heute hat sich in Schoppinitz eine Mehrheit für bie deutschen Kandidaten ergeben. Diese Tatsache allein spricht wahrlich deutlich genug. Obwohl weit über hunderttausend Deutsche seit der Abstimmung von 1921 aus Ostoberschlesien vertrieben worden sind, obgleich polnische Beamte und Techniker in großer Zahl dorthin verpflanzt worden find, hat heute die Bevölkerung von Ost- oberfchlesien mit überwältigender Mehrheit ihren Wahrspruch dahin abgegeben, daß die Zerreißung Oberschlefiens ein wirtschaftlicher und politischer Unsinn und auf die Dauer unhaltbar ist. Damit ist die Wendung eingetreten, die jeder Kenner der Verhältnisse erwartet hatte, nur noch früher, als zu hoffen war. Wird man auch in Warschau, in Paris und London die volle Bedeutung dieses Volksentscheides begreifen? Weitere deutsche (Erfolge. fi a 1f o w i (j, 15. Rov. (TA.) Die in den heutigen Vormittagsstunden eingelaufenen Resultate von den gestrigen Gemeindewahlen auch aus den kleineren Ortschaften Polnisch-Oberschlesiens lauten durchweg für die deutschen Listen günstig. Ls ist auf der ganzen Linie ein großer Sieg der Deutschen erfochten. worden, und zwar mit einer Durchschnttts- mehrheit von 60 Prozent. Lin besonders bezeichnendes Resultat liegt unter anderem vor aus der früheren Grenzstadt MysIowlh. hier erhielt die deutsche wahlgemeinde 3813, die korfanlypartei 723, die Rationale Polnische Arbeiterpartei 1164, die Polnische Sozialdemokratische vartei 145, die Kommunisten 216 und der polnische Bürgerblock 216 Stimmen. Lin genaueres Resultat liegt auch jetzt aus Königshütte vor. hier erhielten die Deutschen 32 Mandate, die Deutschen Sozialisten sechs Mandate, der Polnische Wahlblock elf Mandate und • die Kommunisten zwei Mandate. 3n de n während der Aufstandszeit sehr berüchtigten Ort Bis - marckshütte erhielten die Deutschen eine Mehrheit von 65 Prozent. Terrorfälle sind bisher noch nicht gemeldet. Rur in einem kleinen Orte wurde die Auszählung seitens der Polen verhindert. Berliner Pressestimmen. Berlin, 15. Rov. (TU.) Die Berliner Blätter vermerken ausführlich den deutschen Wahlsieg in dem an Polen abgetretenen Oüer- schießen. Die „K r e u z z e i t u n g" schreibt, dah die Ergebnisse des 14. Rovember auf die künftige Gestaltung der Dinge in Ostoberschlesien nicht ohne Rückwirkung bleiben können, ist selbstverständlich. Auf der anderen Seite aber zeigt her Ausfall der Wahlen erneut mit aller Deutlichkeit. wie unhaltbar die Zerreißung Ober- schlesiens, die uns durch das Diktat seinerzeit auf erlegt wurde, ist. Die „Tägliche Rundschau" unlerstreicht besonders die klägliche Riederlage der von dem Derbande der Aufständischen und des Westmarken-Dereins ausgestellten Liste. Dieses Ergebnis sei bezeichnend für die Bedeutung der Leute, die von dem Kattowiher Wojwoden gesördert, alles nieder- lnüppell.en, was anders gesinnt war. Die „D o s - fische Zeitung" bemerkt: We er die Täuschungsversuche. noch die gegen die t eutsche Wirtschaft gerichtete Politik Haden es erreichen können, daß sich das oberschlesische Dolk eng an die neue Regierung angeschlossen hat. Es ist im Gegenteil zu beobachten, dah vielfach die für die Rach Frankreich ist nun auch in Jugoslawien eine ernste Verstimmung über das Derhalten der Faszisten ausgebrochen, die sich, was nur auf ilmtoegen bekannt wird, in den von Slowenen bewohnten Provinzen und Grenzgebieten ähnlich schwere, wenn nicht noch schlimmere Ausschreitungen haben zuschulden kommen lassen als an der französischen Grenze und in A,rika. Man wird zwar gut tun, den Alarmnachrichten, wonach die Slowenen in großen Scharen über die Grenze getrieben worden sind, zunächst mit einigem Mißtrauen zu begegnen. Fest steht aber, daß in Triest, Görz und anderen Grenzstädten es doch zu recht peinlichen Zwischenfällen gekommen ist, die das italienisch-jugoslawische Derhältnis höchst ungünstig beeinflussen unb für Italien wenig erfreuliche Folgen auslösen müssen, zumal Frankreich jetzt jede Gelegenheit benutzen wird, eine anti- italienische Front herzustellen. Mussolini selbst dürfte nicht so unflug fein, sich mit Gewalt Feinde zu verschajfen, die disziplinlosen Faszisten aber, die anscheinend ganz seiner Gewalt entschlüpft sind, manövrieren 3 tat en allmählich in eine Situation hinein, aus der es auch der Duce nur schwer wieder wird herausbringen können. Wettrüsten. Paris, 15. Rov. (MTB.) Die allerdings wenig zuverlässige „Chicago Tribüne" veröffentlicht alarmierende Nachrichten aus Dien, nach denen wegen der schlechten Behandlung der in Italien wohnenden Slowenen die Spannung zwischen Italien und Süb- flawien eine Kriegsgefahr fjeraufjube- schwören drohe. SübflarolenJ|oU Truppen an der italienischen Grenze konzentrie- ren und eine teilweise Mobilisation an- geordnet haben. Rach weiteren Berichten zöge auch die Türkei in der Provinz Adalia Truppen gegen Italien zusammen, und nach nicht authentischen Nachrichten solle sogar Frankreich mehrere Armeekorps an der italienischen Grenze mobil machen. Berichte aus Belgrad unb Laibach besagen, daß in den slowenischen Gebieten Italiens Panik herrsche, weil man mit einer Deportierung der Einwohner durch die Faszisten befürchte. Die Faszisten sollen in diesen Gegenden ein Schreckensregiment führen. In Laibach hätten gestern gewaltige antifaszistische Kundgebungen Deutschen bei der Volksabstimmung abgegebenen Stimmen weit übertroffen wurden. Das „Berliner Tageblatt" schreibt, man denkt in Ostoberschlesien keineswegs daran, diese Gemeindewahl etwa als „zweite Abstimmung" zu betrachten. Man hofft nur, dah jetzt endlich in Warschau begriffen wird, dah die deutsche Minderheit in Polnisch-Oberschlesien ein machtvol -- l e r Faktor ist, mit dem man rechnen muß und dessen berechtigte Wünsche nicht mi 1Schi- lauen beantwortet werden dürfen. Das Echo in Warschau. Marschau, 16. Roo. (IU.) Rach den am Montagabend hier vorliegenden Meldungen haben die Deutschen in Kattowitz 34 Mandate und die Polen 26 Mandate erhalten. Zn Myslowih erlangten die Deutschen 14 und die Polen 16 Mandate. Im sog. Indusirieeck Oberschlesiens, das zum Kattowitzer kreis gehört, erhielten die Polen 216 und die Deutschen 159 Mandate. In polnischen Kreisen herrscht besonders Entrüstung über das Ergebnis im Indusirieeck, da die polnische Regierung stets daraus bedacht war, diese Gegend mit b u n - dertprozentigen Polen z u bevölkern. Die Warschauer Äbendpresse schlägt Alarm. Während die Rechtsblätter die ganze Schuld auf die Regierung werfen und dabei vor allem auf die durch die von der Regierung begünstigte Partei „Bund zur Verbesserung Polens" hervorgerusene Zersplitterung Hinweisen, beschuldigt die Linkspresse hauptsächlich K o r f a n t y und besten Anhängerschaft. Neuer Konflikt zwischen 3 Regierung und Parlament. Warschau, 16. Nov. (TU.) In Warschau entwickelt sich ein neuer schwerer parlamentarischer Konflikt. Die juristische Kommission des Sejms yat in einer Sitzung, an der kein Vertreter der Regierung teilnahm, die Presfeverordnung der Regierung annulliert. Die Regierung hat sofort beim Sejmmarfchall Protest eingelegt mit der Bemerkung, daß dieser Beschluß eine Verletzung derKonstitution darstelle. Die Regierung hebe beabsichtigt, die Verordnung noch vor Ablauf der vierzehntägigen Sperrfrist infolge der ungünstigen Stellungnahme der öffentlichen Meinung zurückzuziehen. Die juristische Kommission hat trotz dieser Regierungserklärung die Annullierung in einer zweiten Sitzung aufrechterhalten. Der Beschluß wird nm heutigen Dienstag die Plenarsitzung des Sejms beschäftigen. In politischen Ärnfen wird der Austragung dieses Konfliktes, de- möglicherweise zu einer Machtprobe zwischen ung und Volksvertretung entwickeln kann, gro„e Bedeutung beige- messen. ftattgefunben, und die Polizei habe nut mit Mühe bas italienische Konsulat schützen können. Die Konzentration türkischer 2ruppcn In Adalia wird als das erste Ergebnis der Verhandlungen in Odessa angesehen. Die Kerntruppen der Türkei seien in Konia zusammengezogen. Au-Iändevn sei bas Betreten türkischen Gebiets verboten worden: ebenso müßten aus Europa kommende Flugzeuge sich einer Kontrolle unterziehen. Italien solle die Insel Rhodos eifrig befestigen und die Insel Kastoloriz in ein Marincarsenal und eine Flugzeug- bafis umwandeln. Italiens Balkanpotitik. Bertihiflutlfl ^versuche des italienischen sandten. Belgrad, 15. Roo. (WB.) 3n einem dem Vertreter der Wiener amtlichen Rachrichtenstelle gewährten Interview äußerte sich der italienische Gesandte D o d r e r o folgendermaßen über die Beziehungen zwischen Italien und Jugoslawien: Die Beziehungen zwischen beiden Regierungen sind die b e st e n. Wie bei allen Staaten mit gemeinsamen Grenzen sind Differenzen wie in den letzten Tagen unvermeidlich Solche Differenzen werden aber im Sinne einer vollständigen Ae verein st immung b e i g e l e g t. Ich kann versichern, dah Ziel der Politik Mussolinis auf dem Balkan ist der F r i e ö e, da die wirtschaftliche Entwickelung nicht nur des Balkans, sondern überhaupt, durch friedliche Verhandlungen gesichert wird. Die Instruktionen unserer Regierung, selbst dienen alle der Erhaltung des Friedens und der Rupe. Die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder sind die besten und der Handel, der wirkliche Inder der wirtschaftlichen Beziehungen, ist im siändigen Steigen begriffen. Rach dem Pakt von Rom, der das Wert Mussollnis und bestinnnt ist, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern, haben wir einen Handelsvertrag u!7d sehr wichtige Riederlassungs- und Konsular.'onven- tionen, die schon ratifiziert sind, abgeschlossen. Jetzt handelt es sich um die Approbierung der zahlreichen, von den beiderseittgen Bevollmächtigten in Rettuno unterfertigten Konventionen, die als Ergänzung der ersteren au betrachten sind, die Frucht mühevoller Verhandlungen darstellen unb für beide Länder gleich Alarnmachnchicn vom Balfait. Die italienisch -jugoflarvische Spannung. nützlich und von gleichem gegenseitigen Interesse sind. Diese Konventionen werden demnächst ratifiziert sein und dann werden die Beziehungen der beiden Länder nicht nur gut. wie Tie jetzt sind, sondern geordnet und sta- b i I i s i e r t sein aufgrund der vollständigen Legalisierung. Aach anderen Meldungen soll die Stellung des Gesandten Dodrero stark erschüttert sein. Man rechnet in politischen Kreisen damit, daß er schon in den nächsten Tagen seinen Posten verlassen wird. Aach Meldungen aus Triest sind in den letzten Tagen alle slowenischen Vereine durch die italienische Behörde aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt worden. Auch das slowenische Blatt „Edinost" ist von der Triester Polizei verboten worden. Mussolini beruhigt Frankreich. Paris, 15. Dov. (WTD.) „Watin" veröffentlicht ein Interview Sauerweins mit Mussolini. Hinsichtlich der italienisch-ftanzöftschrn Iwischeniälle erklärte er, jetzt sei alles geregelt. Die an.ifranzösischen Kundgebungen verurteile er. Er habe die strengsten Maßnahmen getroffen, damit derartige Vorkommnisse sich nicht wiederholten. Dafür übernehme er die Garantie. Die Stimme des italienischen Volkes richte sich gegen Frankreich, weil es die Heimat aller Verschwörer gegen das faszistische Regime sei. Er achte das Asylrecht und wache darüber selbst in Italien. Aber man dürfe es nicht verwechseln mit dem Mißbrauch des Asylrechts. Sicherlich genüge eine einfache verLal.ungstechnische Volizeimaßnahme, um diese Unruhestifter zum Schweigen zu bringen. Eine übergroße Empfindlichkett habe stets zwischen Frankreich und Italien gerade wegen ihrer ständigen Beziehungen und großen Sympathie für einander bestanden. Der Einfluß der Zeitungen eines anderen Landes, z. B. Deutschlands, sei in Italien gleich Dull, aber die in Paris erscheinenden Zeitungen hätten stets einen tiefgehenden Widerhall gefunden. Hinsichtlich des Tangerstatuts seien die Schwierigkeiten auch beseitigt. Die englische Regierung habe darauf bestanden, daß Italien dem Tan- aerstatut b e i t r e t e. Die vorgesehene Lösung gebe Italien volle Genugtuung. Mussolini schloß, er hege keinen Zweifel, daß nach den letzten Zwischenfällen Frankreich und Italien in eine Periode ausgezeichneter Beziehungen eintreten würden. Er habe niemals eine gesunde europäische Politik ohne eine enge französisch-italienische Entente ins Auge gefaßt. Er habe angeordnet, daß die Polemiken in den Zeitungen eingestellt werden. Es werde im Parlament zum Ausdruck gebracht, was er gegenüber Frankreich fühle. Er werde dabei erklären, daß die Politik Briands von einem feinfühligen sympathischen Verstehen für die Bestrebungen und die Bedürfnisse Italiens beeinflußt gewesen sei. Abschluß der Konferenz von Odessa. Odessa, 15. Dov. (Wolff.) Vor seiner Abreise erklärte Tewfik Duschdi Beh dem Sonderberichterstatter der Telegvaphenagentur der Sowjetunion u. a.: „Ich fuhr in froher Stimmung nach Odessa und verlasse es auf das tiefste ge- irührt durch den uns hier zutell gewordenen Empfang. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern möchte ich brüderlich nennen. Tschitscherin «und ich unterhielten und lange, nicht nur als Vertreter zweier Staaten, sondern auch als Freunde, die durch sechsjährige Freundschaft miteinander verbunden sind. Unser Zusammentreffen wird eine neue Befestigung der Beziehungen zwischen der Türkei und Sowjetruhlcmd zur Folge haben. Es kann keine Rede davon sein, dah in der gegenwärtigen Außenpolitik der Türkei irgendwelche prinzipiellen Aenderungen eintreten. Die Türkei ist bereit, zu allen Ländern fteund- schaftliche Beziehungen zu unterhalten und gibt Den westlichen Mächten gegenüber denen des Ostens keinen Vorzug." — Dach der Uebergabe eines Kommuniques an die Pressevertreter Der» l brachten Tschitscherin, Tewfik Auschdi Dey und der türkische Botschafter in der Sowjetunion, Zekiai, F noch drei Stunden zusammen in fteundschastlicher Unterhaltung. Um 4Vs Uhr begab sich Tewfik ' Ruschdi Beh mit Tschitscherin und -3efiai zum Hafen, wo er sich von ihnen herzlichst verabschiedete und an Bord der „Hamidie" ging, die gegen 6 Uhr Odessa verlieh. Die Abstimmung in den englischenGrubenbezirkren London, 16.Dov. (541.) Die Abstimmungen über die Annahme oder Ablehnung der Regierungsvorschläge in den einzelnen Gruben- bezirken haben begonnen. Die Selegiertenlonfe» renz im Bezirk von S ü d w a l e s, ber stets als Hochburg der Extremen angesehen wurde, hat sich gestern für die Annahme des Gerichts entschieden. In V o r k s h i r e haben die Bergarbeiter die Friedensvorschläge gestern nachmittag mit überwältigender Mehrheit ange - genommen. In Schottland und in anderen Bezirken wird die Entscheidung zugunsten der Annahme als gesichert angesehen. Dach einer Mitteilung des „Star" sind die Zuständigen Regierungsstellen mit der Ausarbeitung des Entwurfes für die Einführung des nationalen Schiedsgerichtshoses beschäftigt. Die Arbeiten sollen so beschleunigt werden, dah der Entwurf dem Kabinettsrat am Mittwoch vorgelegt werden kann. Die Vorbereitung der Weltwirtschaftskonserenz. Genf, 15. Dov. (TU.) Heute vormittag wurde hier die zweite Tagung der vorbereitenden Wirtschaftskommission eröffnet. Der Präsident T h e u n i s erhärte, dah sowohl der Völle» bundsrat als auch die Vollversammlung im Sep.ember den Standpunkt eingenommen hätten, daß die vorbereitende Wirtscha tskommis ion völlige Freiheit in der Durchführung ihrer Arbeiten und in der Vorbereitung der endgültigen W rtscha tswmmission habe. Er wies dann auf die bekannte Entschließung der Vollversammlung hin, in der im Hinblick auf die.allgemeine Wirtschaftslage der Welt eine beschleunigte Einberufung derWelt- wirtscyastskonferenz,trenn möglich,noch im Frühjahr nächsten Lahres ge ordert wird. Die Aussichten für die Einberufung hätten sich seit der letz en Tagung der Wirtscha tSkommils-on wesenftich gebessert. Die Kommission habe die Aufgabe, festzustellen, welche großen internationalen Fragen der Weltwirtschastskonserenz vorgelegt werden sollen. Der Vorsitzende betonte besonders, daß die W r.schaftslommisfion lediglich die Aufgabe habe, ein Arbeitsprogramm für die Weltwirtschaftskonserenz aus- zuarbei.en. Es sei nicht Aufgabe der Kommiffton, die einzelnen großen wir.schaftlichen Probleme materiell durchzudiskutieren. Theunis schlug dann das Arbei.sprogramm für die nächste Zeit vor, das in erster Linie Verhandlungen mit dem Auslande vorsreht. Hierauf gab der französische Arbeiterdelegierte Iouhaux im Damen der in der Kommission vertretenen Arbeiter eine Erklärung ab, in der das Programm der Arbeiter für die Weltwirtschafts- tonferenz gekennzeichnet wird. Es wird darin die Au.arbei ung ei. es umr.s enen Programms ge ordert, das in erster Linie folgende fünf Punkte enthalten müsse: 1. Stabilisierung der Währung. 2. Beseitigung der Hemmungen des internationalen Handels. 3. Industrielle Abkommen mit Gewährung von Rechten an Arbeiter und Verbraucher. 4. Organisation der Ein- und Auswanderung und 5. Organisation einer ständigen Wirtschaftszentrale beim Völkerbund. Zum Schluh teilte der Vorsitzende der internationalen Handelskammer, der englische Delegierte Sir Arthur Balfour, mit, dah die internationale Handelskammer, die die Organisation von 42 Staaten umfasse, bereit sei, ihr gesamtes Material der Wirtschastskommis ion zur Vcr.ügung zu stellen. Heute nachmittag um 3 Uhr treten die drei Unterkommissionen A, B und C der vorbereitenden Wirtschaftskonferenz zusammen. Reichsfrauentag der DeutschenVolkspartei Jena, 15. Dov. (WTB.) Im weiteren Verlauf der Reichsfrauentagung der Deutschen Volkspartei sprachen grau Osk» Liegnitz und Frau P l e i n e s - Frankfurt über das Ausland- Deutschtum. Tie Tagung nahm eine Ent- schliehung an, in der zur opferwilligen Arbeit an der Stärkung des bedrohten Deutschtums aufgerufen wird. Zur Außenpolitik wurde eine Entschließung angenommen, in der fest gestellt wird, dah nur aus der klaren E» fenntniS unserer Lage und der realpolitisch gegebenen Möglichkeiten eine richtige Einstellung gewonnen werden kann. Ein anderer Weg als der der friedlichen Verständigung sei für Deutschland nicht gegeben. Diese Verständigung müsse aber getragen sein von nationaler Wurde. Die Entschließung erkennt an, daß die gegenwärtige Leitung unserer Außenpolitik diese Forderung erfüllt hat und spricht dem Reichsaußenminister herzlichen Dank für die erfolgreiche Arbeit aus. Zur Frage des Völkerbundes wurde eine Entschließung angenommen, in der der Erwartung Ausdruck gegeben wird, dah eine stärkere Heranziehung von Frauen als Mitglieder der Telegationen und als Sachverständige erfolgt. Weiter nahm die Tagung eine Entschließung zu dem Gesetzentwurf gegen Schmutz- und Schundschriften an, in der die baldige Verabschiedung des Gesetzentwurfes gefordert, aber auch 5um Ausdruck gebracht wird, dah dem wahrhaft deutschen Geistesleben die Freiheit erhalten bleiben müsse. Ein neuer Kutiskerprozetz. Berkin, 15. Dov. (Wolff.) Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte begann der neue Prozeß gegen Iwan Kutisker, sowie die früheren Direktoren der Preußischen Staatsbank, Finanzrat a.D. Dr. Rühe und Oberftnanzrat Dr. Hellwig wegen Vergehens gegen die Kapitalflucht und Devisengesetzgebung. Da der anwesende Gerichtsarzt Kutisker für völlig verhandlungsfähig erklärte, wurde in die Verhandlung eingetreten. Sowohl Kutisker wie Dr. Rühe und Dr. Hellwig bestritten, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Alsdann versuchte der Vorsitzende mit dem Banksachv erständ ig c n Gskeles die bank- und devisentechnische Grundlage des Prozesses zu klären. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen bekam Iwan Kutisker einen Anfall. Rechtsanwall Dr. Dübell beantragte darauf, festzustellen, ob Kutisker auch jetzt noch verhandlungsfähig sei. Dies wurde von Dr. Dansie, dem anwesenden Arzt der Charitß, bestätigt. Dem Antrag Dr. Dübells, Professor S e e I e r t als Gerichtsarzt und Geheimrat H i s von der Charitß als Gutachter hinzu-uziehen, wurde vom Gericht statt- gegeben. Zeitungsschau. Die Politik der Deutschnationalen im Reichstag erfahrt in der Presse lebhafte Erörterung. Die „Kölnische Zeitung" nennt die deutschnationale Taktik, sofern sie den Eintritt der Partei in die Regierung vorbereiten sollte, einem „Versuch mit untauglichen Mitteln" und fährt dann fort; „Dun ist freilich die Auffassung laut, geworden, daß die Deutschnationalen bewuht auf die Große Koalition hingearbeitet hätten, um diese an der Schwere ihrer Aufgaben sich selbst ad absurdum führen zu lassen und inzwischen durch hemmungslose Opposition ben Boden für Parteigeschäfte bei Deuwahlen des Reichstags zu bereiten. Wir sind über die Beweggründe der Deutschnationalen im einzelnen nicht unterrichtet, glauben aber aus vorhergegangenen Aeu- ßerungen ihrer Presse schließen zu sollen, daß sie die Große Koalition von vornherein für ausgeschlossen gehallen haben. Wenn man später lesen konnte, die stille Große Koalition habe unmöglich gemacht werden sollen, so ist als Erfolg das genaue Gegenteil eingetreten: hatten bisher die Deutschnationalen bei dem System der wechselnden Mehrheiten die Möglichle t, wenigstens auf die innere Politik in einer Art stiller, großbürgerlicher Koalitton Einfluß zu nehmen, so haben sie sich diesen Weg selbst verbaut und die Regierung dazu gereizt, auch für die innere Pol.tck die 3-.lammenarbeit m.t d r So.ftald mo° fratie zu suchen uni), wie fjgura zeigt, mit Erfolg. Der Verständigung über die Erwerbs- losensürsorge zwischen den Parteien der - amtlich nicht bestehenden — Großen Koalitton werden von SaH au Fall andre Verständigungen folgen auf Grund immer neuer Zugeständnisse an die Sozialdemokratie. Diese Partei verlangt, daß die Regierungsparteien vor der Einbringung von Gesetzesvorlagen mit ihr Fühlung nehmen, und wie sollte die Regierung das in ihrer gegenwärtigen Do klage ablehnen können! Damit haben wir also jetzt die stille Große Koalition, die die Deutschnationalen verhindern wollten, in optima forma, das heißt beherrschenden Einfluß der Sozialdemokratie ohne Verantwortung! Da in der Politik noch mehr als sonst im Geben der Erfolg die Zensur Richtia oder Verkehrt nus* stellt, lautet sie also hier auf Verkehrt. Darüber darf alles Verständnis für die innere Berichtigung der Absicht der Deutschnationalen, das politische Schick- (al zu ihren Gunsten zu wenden, nicht hinweg- täufcpen. Sie haben sich in der Wahl des Mittels zur Durchsetzung ihrer Absicht unstreitig vergriffen. Fingerspitzengefühl und politische Psychologie hoben den Deutschnationalen bei ihrem Vorgehen gefehlt; sonst hätten sie sich sagen müssen, daß man auf diele robuste Art eine politische Arbeitsgemeinschaft, die doch eine Regierungskoalition zum mindesten sein muß, nicht nur nicht zusammenschmieden kann, sondern im Gegenteil psychologisch, stimmungsmäßig unmöglich macht. So haben sie, ba doch nun einmal regiert und gearbeitet werden muß, statt der im 9ntereffe der bevorstehenden innerpolitischen Auf. gaben erwünschten großen rechten die große linke Arbeitsgemeinschaft zustande gebracht und, was noch schlimmer ist, auf den Weg zur großen bürgerlichen Sammlung wieder neue Steine gewälzt, deren Entfernung je länger desto mehr schwierig ist." Im „D e u t s ch e n s p i e g e l" schreibt Dr. Otto Kriegt: Die Deutschnationalen werden sich jetzt darauf einstellen müssen, daß Versuche zur Bildung der Großen Koalllion einsetzen. Es ist sogar möglich, daß die Große Koalitton im Reich und in Preußen nunmehr zustande kommt, obwohl dazu weder die Deutsche Dolkspartei noch die Sozialdemokraten eigentlich Deigung haben. Dann stehen die ®eutf(^nationalen vollständig in der Opposition. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ist das ein sehr ernstes Problem. Die Sozialdemokratie kann im Laufe des Winters Gesetze durchdrücken, die der Wirtschaft schädlich sind. Vom parlamentarischen Standpunkt aus ist diese Klärung dem jetzigen unhaltbaren Zustand vorzuziehen. Was auf die Dauer für Reich und Wirtschaft vorteilhafter sein wird, das mit Bestimmtheit auszusprechen, ist recht schwer. Dimmt man politische und wirtschaftliche Fragen zusammen, dann muh man zu dem Ergebnis kommen, dah die Große Koalition nach etwa sechs Monaten am Ende ist. Es würden Deuwahlen kommen, bei denen die Deutschnationale Dolkspartei nicht üble Aussichten hätte. Doch wäre auch hierzu zu bedenken, daß nach dem Muster Sachsens sich reine Interessentengruppen zwischen die bürgerlichen Par- teien schieben könnten. Die Wirtschaftspartei ist dabei sehr zu beachten, da sie, je größer ihre Verbreitung wird, sich um so mehr auch politischen Fragen zuwenden muß und dann vorläufig ben Vorteil einer günstigen Position in wirtschaftlichen Problemen neben einer gewissen Freiheit des Handelns in der reinen Politik hat.--- Was wir brauchen, ist eine klare Linie im Reichstag, ist eine entschlossene Regierung und ist entschlossener Kampf der Opposition gegen diese Regierung. Auf die Dauer kann nicht eine Minderheit im Reichstag gegen eine Mehrheit regieren. Oder man muh das parlamentarische System wieder abschaffen. Wenn die Wirtschaft unter diesem politischen Kamps leidet, dann bleibt schließlich der Wirtschaft nichts anderes übrig, als sich nun einmal, ohne immer von Tag zu Tag Vorteil und Gefahr gegeneinander abzu- wägen, auf einer etwas breiteren Basis in den politischen Kampf zu begeben und dafür zu sorgen, daß der gesunden Staatspolitik im Reichstag die Mehrheit gesichert wird. Aus aller Welt. Der Reichspräsident an den Kreuzer „Emden". Der Reichspräsident hat dem Kreuzer „Emden", der zu einer 17monatigen Weltreise in See gegangen ist, folgenden Funkspruch zuaehen lassen: „Dem Kreuzer „Emden", seinen Offizieren und Mannschaften entbiete ich zur Weltreise meine herzlich st en Glückwünsche und kameradschaftlichen Grüße. Ich bin gewiß, daß das Schiff dem ruhmreichen Namen, den es trägt, und unserem Vaterlande überall in der Welt Ehre machen wird. gez. 0. Hindenburg, Reichspräsident." Die Reise des Kreuzers „Hamburg". Der Kreuzer „Hamburg" ist in Colombo auf Ceylon eingelaufen und geht am 20. November nach Aden in See. Motorische Kraft aus den Temperaturunte» schieden des Meerwassers. In der Pariser Akademie der Wissenschaft berichtete der durch seine Forschung über flüssige Lust bekannte Gelehrte George Claude über eine Aust eh en erregende Neuentdeckung. Er teilt in der Lage sein, aus dem Meerteasser durch Ausnützung der Temperaturunterschiede zwischen dem von den Tropen kommenden Ober» slächenwasser und dem aus dem Polarmeere kommenden kalten Wassermengen motorische Straft zu gewinnen. Aus 1000 Kubikmetern warmem und kaltem Wasser pro Sekunde will er 400 000 Kilowatt erzielen. Die Stadt Berlin kauft Siediungsgetände. Der Berliner Magistrat hat dem Ankauf der Herrschaft Düppel im Kreise Teltow einschließlich des Forstes Dreilinden vom Prinzen Friedrich Leopold zum Gesamtpreis von rund elf Millionen Mark zugestimmt. Der Wold soll als Freifläche zur Erholung der Bevöllerung erhalten bleiben. Für das übrige Land soll ein geräumiger Bebauungsplan aufgestellt werden. Von dem Kaufpreis will eine süddeutsche Hypothekenbank gegen Eintragung neun Millionen übernehmen. Gcohseuer auf dem Bahnhof Lranz. Auf dem Gelände des Eranzer Bahnhofs (Ostpreußen) brach ein Grohfeuer aus noch nicht geklärter Ursache aus. Die große Schuppenanlage hinter dem Bahnhofsgebäude, die die Lokomolivwerkstatt und den Lokomotiv- und Wagenschuppen enthielt, geriet Plötz.ich inDrand. Der ganze Komplex war binnen kurzem e i n wogendes Flammenmeer. Es gelang, eine Lokomotive und eine Anzahl von Wagen in Sicherheit zu bringen, doch sind acht bis zehn Wagen vernichtet worden. Der Schicppen brannte vollständig nieder. Line Räuberbande in Holstein. In Holstein teuroe nunmehr eine Räuberbande unschädlich gemacht, die in der letzten Zeit die ganze Westküste Hol st eins unsicher gemacht hatte. Bei dem Versuch, die Räuber, die von den berüchtigten Brüdern Reimer aus Krempel geführt wurden, dingfest zu machen, kam es zu einem Feuergefecht mit der Polizei, bei dem der jüngere der beiden Brüder erschossen wurde. Die übrigen konnten verhaftet werden. vier Tote bei einem Brande. Ein schweres Brandunglück, das den Tod von vier Personen zur Folge hatte, ereignete sich in dem Straßburger Vorort Rupprechtsau. Mehrere Personen sprangen durch die Fenster auf die Straße und wurden schwer verletzt. Ein Artist tödlich verunglückt. In Kolbera verfehlte der Attist Rozlaws, der mit dem Zugstück „Fahrt eines Autos über den Körper" viele Zuschauer anlockte, die genau bezeichnete Stelle und zerfleischte mit dem Vorderrad ben Hals des Artisten. Ein Deutscher In Frankreich ermordet. Der Sohn eines Estena^er Faorilbesitzers wurde auf einer Geschäftsreise in einer füb- französischen Stadt ermordet und seiner Barschaft beraubt. Er starb im Krankenhaus, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Die amtliche Untersuchung ist im Gange. Unwetterkatastrophe in Tokio. In einem noroliJKn Vorort der Stadt entstand durch Blitzschlag ein großer Brand, dem 14 Fabriken und 50 Häuser zum Opfer fielen. In einem anderen Vorort wurden weitere 15 Fabriken und 250 Häuser durch Feuer vernichtet. Tausende von Menschen sind obdachlos. Der Schaden wird auf 500 000 Pen geschätzt. 21ns der Provinzialhauptftadt. Gießen, den 16. Dovember 1926. Jur Beachtung - Am Mittwoch, 17. November, erscheint der „Giehener Anzeiger" nicht. Infolge eines lieber- einkommens mit unserer technischen Mitarbeiterschaft fallt bet ihr tariflich zustehende achte Feiertag lm Jahre bis auf weiteres auf den preußischen Duh- und Bettag. Verlag des „Gießener Anzeigers". Verbrennungen. Zu den häufigsten Verletzungen des täglichen Lebens gehören die Verbrennungen, unter denen besonders die Hausfrauen und die Hausangestellten bei ihrer Arbeit in Küche und Haushalt zu leiben haben. Benzin, Spiritus, Petroleum, heißes Wasser und heißer Dampf sind die gewöhnlichen Anlässe. Die Aerzte unterscheiden drei bzw. vier Grade von Verbrennungen. Der er ft c Grad, gekennzeichnet durch Rötung und Schwellung, entsteht meist dann, wenn heiße Gase und Dämpfe, heißes — noch nicht siedendes — Wasser kurze Zeit auf die Haut einwirken. Bald nach dem Vorfall setzen die Veränderungen unter Schmerzen ein, gewöhnlich ist nach einer halben Stunde der Höhepunkt schon überschritten, nach wenigen Tagen ist alles wieder abgeheilt. Die Verbrennung zweiten Grades ist durch Blasenbildung gekennzeichnet. Sie wird meist durch Gasexplosion, durch, kochendes Wasser oder heißes Metall hervor- gerufen, die nur kurze Zeit mit der Haut in Berührung bleiben. Dach wenigen Minuten schießen auf der hochroten Brandstelle unter heftigen Schmerzen Blasen auf, die zusammenfliehen und recht stattlichen Umfang annehmen können. Erst nach mehreren Stunden haben die Blasen ihre volle Gröhe erreicht, um nach zwei bis drei Tagen mit dem Eintrocknen zu beginnen. Der Helle In haft trübt sich eitrig, die Blasen fallen ein und trocknen zu einer Zf rüste zusammen. Es dauert etwa acht bis zwölf Tage, bis der Schaden wieder beseitigt ist. Bei dem dritten Grade sieht die verbrühte Haut weiß oder grauweiß aus,- sie macht einen eigentümlich marmorartigen toten Eindruck: oft findet sich auch ausgedehnte Blasenbildung, Für Flammenverbrennungen ist ein Brandgeruch charatteristisch, der an ungebrannte Wolle oder Horn erinnert; die Haare sind abgesengt, bte Haut ist vielfach ruhig und von rötlichbrauner Farbe. Je tiefer die Verbrennung reicht, desto härter ist die Beschaffenheit des Gewebes. Unter Eiter und SHorfbildung heilt die Verbrennung dritten Grades oft erst nach Wochen ab und hinterläßt nicht selten entstellende Darben, die gegebenenfalls chirurgischer u. orthopädischer Behandlung bedürfen. Der vierte Grad der Verbrennung, die Verkohlung, kommt beim Lebenden nur ausnahmsweise vor. Mit ausgedehnten und tiefgreifenden Verbrennungen sind fast stets ernste Allgemein st örungen, wie Unruhe mit anschließender Benommenheit, Erbrechen, Fieber, usw. verbunden, die in den schweren Fällen unter Atemlähmung zum Tode führen können. Wenn mehr als ein Drittel der Körperoberfläche verbrannt ist, ist das Geben im höchsten Grade gefährdet. Die Behandlung richtet sich nach dem Grade der Verbrennung. Bei dem e r ft e n Grade genügt Einpuder n; Salben begünstigen die Blasenbildung. Bei den höheren Graden fommen Dorsalbenverbände oder Bran dlinimente in Frage. Gröhe Blasen, die Schmerzen bereiten, können — selbstverständlich nur vom Arzt — geöffnet werden. Der ausgedehnteren Brandwunden wird man herzstärkende Mittel verabreichen. Da diese Verbrennungen als Vergiftungen angesehen werden, muh der Körper durch reichliches Trinken, mit Hilfe von Wasserklhstieren oder Kochsalzeinsprihungen gründlich durchgespült werden. Auf alle Fälle ist bei ausgedehnteren und tiefgreifenden Derbrermungen umgehend ärztliche Hilfe zu rufen. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochen markt: Butter 160 bis 180, Matte 35 bis 40, Wirsing 6 bis 10, Weißkraut 4 bis 8, Rotkraut 8 bis 12, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Unter-Kohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 20, Rosenkohl 45, Feldsalat 83 bis 100, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 5 bis 6, Aepfel 15 bis 35, Dirnen 10 b-S 30, Düsse 90, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 110 Pf. das Pfund; Käse 10 Stück 60 bis 150 Pf.; Eier 16 bis 18, "Blumenkohl 50 bis 160, Endivien 8 bis 20. Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pfennig das Stück. Wettervoraussage. Temperaturen nachts etwas niedriger, sonst wenig verändert, vorübergehende Verschlechte- \ rung, im ganzen wenig Aenderung des herrschenden Wetters. Dutenhofen, 15. Hod. Der fyiefige der Wo kauft man Damen-, Mädchen- und Kinder-Konfektion gut und billig 9 Bei zu konkurrenzlos billigen Preisen 9440a Darlehnskassenverein kann jetzt auf sein fünf- Sp ar- und „Raiffeisen* Bornotize«. — TageSkalender für DienStag. Stadttheater: ?Vx ^Ihr .Der Kaufmann von Venedig" (Ende 10 Ähr). — Konsum-Verein Gießen und 11mg.: 8l/< Uhr, Restaurant .Germania" Mitglieder-Dersam.-nlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Sin Walzertraum". — Astoria-Lichtspiele: .Das unheimliche Haus". — — TageSkalenber für Mittwoch. Stadttheater: 31/, Uhr .Das Goldene Kalb (Ende 5’/, Uhr) - Z‘/4 Uhr: .Sin Walzer- träum“ «Ende 10 Uhr). — 1. Gießener Btllard- Elub: 8 Uhr, EasL Amend. Slub-Durnier. - Lichtspielhaus wie DienStag. Palastlichtspiele (Kirchenplatz): »Der schwarze Sonntag . — ein von drei Damen aufgeführter Reigen, ebenfalls außerordentlichen Beifall fand. Preußen. Buhlagsgedanken. Don Dr. Uv. Sauer. jähriges Bestehen zurückblicken. Er wurde am 10. Oktober 1921 als An- und Verkaufs» genossenschaft gegründet, die Umwandlung in einen Spar- und Darlehnskassenverein wurde 1924 vorgenommen. Die Zahl der QlUtglieber belief sich bei der Gründung auf 74, bis heute hat sie sich auf 146 erhöht. Dank der gutgeleiteten Zentrale in Frankfurt a. M. und der Lagerhäuser in Gießen und Wetzlar, sowie der aufopfernden Tätigkeit der Verwaltungsorgane der Genossenschaft ist der Verein über die Schwierigkeiten der Inflationszeit glücklich hinweggekommen. Immer bedeutungsvoller für die Mitglieder wird jetzt der Geldverkehr. Infolge reger Spartätigkeit der Genossen und dank der Zuweisung von Geldern durch die Raiffeisenbank konnten einer größeren Anzahl Genossenschaftsmitgliedern Darlehen gewährt weichen. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, daß Angehörige aller D e r u f s st ä n d e sich in der Genossenschaft zusammengefunden haben und hier in bester Harmonie den Genossenschaftsgedanken Pflegen. Maingau. WSA. Frankfurt a. M, 15. Rov. Zum vierten Male ist der 40 Jahre alte Dachdecker Andreas Kunkel auS Dieburg vor einigen Wochen aus dem hiesigen städttschen Kranlen- haus entwichen. Kunkel hat jedeümal nach seiner Einlieferung in daS Untersuchungsgefängnis Schrauben, Rägei und dgl. verfchluckt, um auf diese Weise zwecks einer Operation inS Krankenhaus zu kommen, aus dem er dann bei passender Gelegenheit verschwand. Kunkel, der wegen verschiedener Einbrüche noch eine größere Zuchthausstrafe zu gewärtigen hat, hält sich ohne Zweifel in Frankfurt a. M. oder Umgebung verborgen und konnte bisher nicht wieder ergriffen werden. In f.incr 'Begleitung befindet such das 23jährige Dienstmädchen Elisabeth Lochmetzcr aus Kv'ourg. — Die große Gefahr, die für die Verbreitung der Gcschlechts- krankheiteN im heimlichen Dirnenwescn besteht, geht daraus hervor, daß von 33 eingelieferten heimlichen Dirnen, die am Samstagabend bei einer Razzia feftgenommen worden waren, 18 geschlecht-krank waren. WSN. Hanau, 15. Nov. Hier wurde eine langgesuchte Einbrecherbande fcftgenom- men, die im November des Vorjahres und vor etwa drei Wochen im Werk Wolfgang bei Hanau einen Einbruch in den Aaffenraum verübt hatte. Beut« konnte nur im ersten Falle gemacht werden: beim zweiten Einbruch wurden die Täter noch rechtzeitig gestört. Wie jetzt festgestellt worden ist, besaß einer der Täter ganz genaue Ortskenntnis. Kreitz Fulda. WSR. Fulda, 15. Rov. Die Zwangs- Innung für das Schuhmachergewerbe im Kreise Fulda hat sich gestern in einer Versammlung mit 68 gegen 2 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen selbst aufgelöst. Es soll jetzt eine freie Innung gegründet werden. — Im nahen Hainzell brach gestern vormittag im Anwesen des Landwirts Möller Feuer aus. durch das daS ganze Anwesen, trotz des sofortigen Eingreifens der Feuerwehr, vollständig eingeäschert wurde. Der Schaden ist sehr groß, da sämtliche Erntevorräte verbrannt sind. Jw An der Spitze »k« ■uSgerolÄ; W MM wirtenden Zusatz hindert werden. Die Untersuchung hat jetzt ergeben, daß der Mieter des betreffenden Hauses die Sache selbst arrangiert hat. Er wurde festgenommen. Außerdem hat er als Kassenwart eineL LurnvercinS größere V e r- untreuungen begangen und weiter bie Unterschriften von Postbeamten auf Zählkarten gefälscht. zum Förster der Försterei Stornfeks. Fvrstamt Eichelsdorf; Rudolf Hofmann aus Steinheim. Kreis Gießen, zum Förster der Försterei Schwickartshausen, Focstamt Konradsdvrf: August Troß aus Grih-Rtdda zmn Förster der Försterei Udenhausen, Fvrstamt Grebenau. "Die neuen Rundfunkwellen. Wie bereits gemeldet, sind am 14. Rovern der die neuen Rundfunkwellen in Kraft getreten. Rachstehende Sender haben jetzt folgende Wellenlängen: Berlin 1 483,9 Berlin II 566. Bremen 400, Frankfurt a. Main 428,6. Hamburg 394.7. Hannover 297, Kassel 272,7, Leipzig 357,1, München 535,7, Münster (Wests.) 241,9, Nürnberg 329,7, Stuttgart 379,7 Meter. * Der Evang. Arbeiterverein feierte am Sonntag fein IahreSfest. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen am Vormittag in der Stadttirche abgebaltenen Festgottesdienst, bei dem Pfarrer Decker eine zu Herzen gehende Festpredigt hiell. Der Gottesdienst wurde durch zwei eindrucksvolle Lieder der Gefangsab- terlang des Vereins verschönt. Abends sand im Saalbau Sauer ein außerordentlich gut besuchter Familienabend statt. Rach kurzer Begrüßung durch ben Vorsitzenden, Stadtv. Kirchner, und einem von FrI. Aodamer gesprochenen Prolog, sowie gesanglichen Darbietungen von Sri. Wü 1 - l e r hielt Arbeitersekretär Lauser (Darmstadt, die Festansprache. Der Redner wies auf die Bedeutung der evangelischen Arbeitervereine in der Jetztzeit hin, dabei die Wege zeigend, wie nutzbringende soziale Arbeit geleistet werden muh. Das übrige Programm bestand aus musikalischen Darbietungen, zwei gut zum Vortrag gebrachten Liedern deS Frauenchores, einer Solo- szene (Herr Henn), einem Duett (Herren Rinn und Appel), sowie zwei sehr beifällig aufgenommenen Theaterstückchen. Den Schluß bildete Ist's nötig, einen Bußtag zu feiern? Rein und aOermate nein, rufen Hunderte, rufen vielleicht sogar Tausende! Gebt den Hungernden Brot, den Arbeitslosen Arbeit, sorgt dafür, daß Partei und Klaslenkamps in unserem Volke ein Ende nehme, schafft gesunde und geordnete Lebensverhältnisse für alle, macht die Hoffnungslosen wieder hoffnungswittiy und hoffnungs- freudig. Aber geht uns nut euerm Bußtag! Bußtag ist nichts für Menschen, die im Leid leben. Unb wir leben im Leide! Hunderte sagen es, Tausende, Zehnlausende... Unb doch sind sie Toren! Sind alle miteinander Toren! Gerade weil unser aller Leid so groß ist, haben wir es nötig, uns aus uns selber zu besinnen, einmal auszuspannen aus des Alltags Rot und Sorge, und einmal, sei es auch nur für eine Stunde, hinabzulauschen in unser eigenes Innere, hinabzulauschen in unsere Seele und uns zu prüfen, ob denn wohl unser innerer Mensch mit unserem äußeren Menschen zufrieden ist, der da ruhelos durchs Leben hinhastet, rastlos, immer nur seufzend, immer nur gequält und sich quäkend. Solche Selbstbesinnung und Selbstprüfung aber ist der Anfang dessen, was Buhe im eigentlichen Sinne bedeutet, Und sollten wir leidenden Menschen, wir abgehetzten Menschen von heute solche Selbstbesinnung nicht nötig haben? Unb führt sie uns nicht weiter noch, viel weiter? Wer einmal je mit toirt- lichem Ernst und wirklicher Ruhe in sein eigenes Innere hinabgestiegen ist und dort nach den Ursachen zu suchen gelernt hat, die seinen inneren J. Pfeffer, Marktplatz 6 Seit 1882 zuverlässigstes und leistungsfähigstes Geschäft für geschmackvolle Konfektion in großer Auswahl von einfachster bis zu elegantester Ausführung in allen Größen und Weiten Menschen mit dem äußeren in Konflikt bringen, wer sich nicht um die Stimmung des eigenen Gewissens herumgedrückt hat. der wird belenncn müssen, daß für alles Leid, unter dem wir seufzen, irgendwie und rrgendwo ein ganz klein wenig eigene Schuld auch uns trifft. Wir sind ins Leben hineingestellt mit freier WillenSwahl. Wir entscheiden uns, bewußt oder unbewußt, in j e d e in Augenblick unseres Lebens durch unsere Handlungen für Gut oder Böse. Diese große Verantwortung, die wir dadurch für unser Dasein tragen, adelt unter Menschentum. Aber es läßt uns auch immer aufs neue schuldig werden und nötigt uns darum immer aufs neue zur Buhe, d.h. zu dem Sucher., „wo hast du Fehler begangen“, und zu der Willenswendung, es da oder dort in Zukunft bester zu machen! Solche Tot der Selbstprüfung und solche Kraft der Willens« änberung sind aber, wie gesagt, nichts andere» als Werke der Luhe. Darum konnte Lucher mit Recht tn seinen Thesen sagen, unter wahrer Buhe kann nicht jene sakramenüiche Buhe verstanden werben, die bedingt ist durch den Akt der Deichte und der Genugtuung, die durch das Amt des Priesters gewähr- lcistet wird, sondern alles Leben der Gläubigen, der Gottsucher, ist eine einzige, sortlausende Buße, weil der wahre Gottsucher fortgesetzt an sich selbst arbeiten und bestem wird! So gesehen, kann der Bußtag unserem Volke gewiß ein Tag des Segens werden. Und so gesehen, hat es Stunden der Buße, Stunden der inneren Einkehr sicherlich sehr nötig. Möge ihm solche Erkenntnis kommen, dann wird Gott ihm den Bußtag zum Segen werden lassen! Kreis Wetzlar. "Dom Eisenbahnfahrpla n G i c - Hen-Rieder-Ofleiden. Tie im Wiitter- fahrplan ab 14. bi. MtS. vorgesehene vorübergehende Verlegung der Fahrpläne der Guter- züge mit PersvneÄtförderung Rr. 8901 Gießen —Rieder-Ohmen und Dura- unb Rteber-Gemun- den—Rieder-Oflciden. Gießen ab 5.20 U$r vvrrn., Rreder-Ohmen an 3.40 Uhr. Burg- unb Dieder- ©emünben ab 11.30, Rieder-Oflri en an 1.16 Hör. unb Ar. 3902 Rieder-Oflciden—Burg- unb Rie- der-Gcmünden, Rieder-Ofleiden ab 221 Mr nach in.. Burg, und Aieber-Gemünden an 3.42 Ufcr. tritt zunächst nicht in Kraft. Die Aenderung wirb voraussichtlich erst am 1. Dezember b. 3d. Oeliunq erlangen. ** D i e Eisenbahnbrücke an derEder- st r a H e. Der Abbruch der alten Stützmauern dieser Brücke ist in der letzten Zeit rüstig vorangegangen, jedoch ist die Beseitigung der starken Steinquadern eine außerordentlich mühevolle Arbeit. Auf diesen Umstand ist es auch zurückzufüHren, daß der Abschluß der Arbeiten sich etwas länger hinzögert, als manchem Derkehrsinterestenten an dieser Straße erwünscht ist. Rach dem völligen Abbruch der Mauern wird übrigens erst noch die Straße an der Baustelle in Ordnung gebracht werden müssen, so daß die Freigabe der Chaussee für den allgemeinen Verkehr wohl kaum vor Ende dieses Monats zu erwarten fein Dürfte. •* Di e Straße am Amtsgericht. Man schreibt un6: Die Rümmer 264 des „Gieß. Anz." enthält die Anregung, ben Zugang bes Wiesenweges zum Philowphenwald (Straße am Amtsgericht) treppenförmig ober in Terrassen anzulegen. Die Veranlassung zu diesem Vorschlag war Wohl die jetzt sehr steil abfallende Straße. Weber in der gegenwärtigen Verfassung, noch bei der vorgeschlagenen Aenderung ist dieser allgemein beliebte Spazierweg für Kinder- unb Krankenwagen benutzbar. Wäre eS nicht möglich, der Straße eine allmähllche Senkung zu geben? Tas Bauamt würde sich damit den Dank vieler erwerben. *• Personalien. Ernannt wurden: Die SchulamtSa ntoärter Wilhelm Allenbörser aus Altenhain, Kreis Schotten, zum Lehrer an der Volksschule zu Göbelnrob, Kreis Gießen: Wllhelm Bocher aus Ruppertsburg, Kreis Schotten, zum Lehrer an der Volksschule zu Grün- berg, Kreis Gießen: Wilhelm Schütz aus Schlitz zum Lehrer an der Volksschule zu Gelnhaar, KreiS Büdingen: Wilhelm Ei ff aus Beuern, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Grüningen, Kreis Gießen; Karl Decker aus Maar, Kreis Lauterbach, zum Lehrer an der Volksschule zu Rudbinashausen, Kreis Gießen; Karl Klückner aus Lich, zum Lehrer an der DoltSschule zu Steinbach. Kreis Gießen; Heinrich L i n d e n st r u t h aus Beuern, KreiS Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Appenrod, KreiS AlSfeld; der Kanzleigehilfe bei dem Amtsgericht Gießen, Andreas Merle, zum Kanzlisten; die Hilfsförster Karl Frank aus Rudingshain Dilttreitz. bl. Herborn, 15. Nov. Der Schnee vergangenen Wochen hat auf dem Westerwal schweren Schaden an den Wäldern ungerichtet. Durch die außergewöhnlich starke Schnee last sind Baume mit 40 bis 50 Zentimeter Durch mesjer niedergebrochen. Es handelt sich um Staats und Gemeindewaldungen. Kreis Limburg. WSR. Limburg, 15. Rov. In Wölferlingen im Westerwald brach kürzlich, wie f, Z. gemeldet, im Haufe eines Kolonialwaren- Händlers unter eigenartigen Umständen Feuer in Abwesenheit der Hausbewohner auS. Die Feuerwehr entdeckte bei den Löscharbeiten, daß in einem Petroleumfaß eine Zündschnur angebracht und angezündet worden war. OIi literweise konnte Die Explosion damals Der* —■ L ----------- । IHM B«ll “ THTT.T1OH ■! II—11III tiuLSENFsEIEti Z« MM empfehle wh2D Kränje, Bufetts u. Kreuze tn ichüner iluffttbrunn it. grober Auswahl Fritz Vonarius ßrtebbofagäitner, LaudgraienstraKe 8. Bestellungen erbitte recbncitta An die geehrten Damen von Gieften und Umgegend Farmer Klöppelspitzeii werde teil am Mittwoch, 17. 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MarctnkovSkij aus Ruhland, z. 3t. Prag, über das Thema: „Die erste Liebe" Näheres im Programm, zu haben in der Buchhandlung der Ptlflermission, Plock- srraste oder am Saaletngang. Misfionsbund „Licht im Osten^ Wernigerode. ^39D junger, löditiger Wer leibt gegen gute Sicherheit 600 Mark vom 1.12. blS 20.12 20. Zahle 700 Mk. zurück. Schr.Ang unt. 08008 an den Giest. Anz. fi. Cabltau Anschnitt das Pfund 35 und 50^P/§. frischer Seelachs l,ßjgs daS Pfund 40 Pfg. Dralschellfische das Pfd. 30, 3 Pid. 80 Pfg. Goldbarsch 0. st. Psd. 35 Pfg Grüne Heringe Pfd. 35 Pfg., 3 Pfd. 1.- Mk. Frische Fischkoleletts Bücklinge Pfd. 40 Pfg. 5 Pfund 1.80 Mk. Familie Adolf Menges. Heuchelheim, den 15. November 1296. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 17. November, nachmittags 4 Uhr statt. 9427D Wir beklagen auf das tiefste in dem auf der Höhe seines Lebens Hingeschiedenen den Verlust eines treuen Kollegen und Mitarbeiters, mit dem uns enge Freundschaft verband. Seine große Tatkraft und seine außerordentlichen Fähigkeiten hat er in vorbildlicher Pflichterfüllung der Leitung und Förderung unserer Niederlassung gewidmet. ft JfcJ ■Ser Sir & seiner innen unt61 reichen ipenn B iiitö im bürg e eine » dessen Doüskui Men. KM 3 Md s der r hören nnd j Jtieini Zeil: vetölli Ser A M'che sich im L auffal finden, geister. a un mitten so erbi .FneSr andere tob ba: Es ist seinen: NI Da s Ma mb । indi< mit i vrischi mit b wenn ?eicyi stellen nicht nannti Aanke von Trompet Das große Heimatblatt Das grohe Anzeigenblatt auf- mit Sentimentalität. — in — von Am fahren dabei gesund geblieben und ah geworden seien".) Hört man noch dazu, wie die Leute sich auf der Straße mit bonjour und bonsoir begrüben, so glaubt man oft, schon im französischen Sprachgebiet zu sein. Tritt man jedoch näher heran, so vernimmt man das schönste, wenn auch schwer zu verstehende Lothringer „Ditsch". Gerade bezüglich der Architektonik hat französisches Empfinden das deutsche Sprachgebiet überschwemmt. Ich muhte von Süden her lange wandern, bis ich wieder frän- lische Siedlungen mit Winkeln und Seitenstraßen, hängenden Weltgeschichte gegeben, und trotz aller Angriffe der erste Historiker war, dessen kritische Objektivität maßgebend für die Entwicklung der Geschichtswissenschaft wurde. Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl mit mehreren Regimentern die stärkste Garnison Deutschlands, ein aufblüherrdes Städtchen, ist heute zum Sorf zurückgesunten Aus leerstehenden Kasernen blicken uns die zerbrochenen Fensterscheiben an, und staunend und fragend recht die evangelische Garnisonkirche vereinsamt auf kahler Höhe ihren spitzen Turm m die Luft. Wo früher ein buntes Treiben hcrrsöbte und ein lebhaftes Geschwirr __________ .enjignalcn. Pferdetrampeln, Flinten chüssen, Kommandorufcn und marschierenden Bataillonen die Luft erfüllte, „beglücken" jetzt der eingesessenen Bevölkerung Gießens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der im 176. Jahrgang erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen Giehener Familienblätter der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorgfältig ausgewählten. gediegenen literarischen Lesestoff Heimat im Bild der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentümlichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet Die Scholle von Fachleuten und Kennern der Heimaterde für die Landwirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet Für die Geschäftswelt. Behörde und Familie, für Wirtschaft. Handel und Verkehr ist der Gießener Anzeiger Häuser mit steilen Dächern, Giebeln mit Fachwerk fand. Sie wenigen um diese Landschaft meist her- umliegenden Städte und Flecken sind beute beinahe bedeutungslos, soweit sie nicht dem Industriegebiet ongehören. Ihre einstige Blüte hatten ie den starten deutschen Garnisonen zu verdanken. Sin Ort wie Wörchingen früher im Geigenkonzert Soermus. Aus dem Spiel des Geigers Soermus spricht das russische Volkstum, ein Zug zum Elegischen, Gesühlsmhstik und der Rieder schlag seines bewegten Schicksals. Wenn er Händels Largo vor- trägt, so erscheint es in seiner Weite fast wie ein slawisches Volkslied. Am tiefsten wirkte sich seine Eigenart in den Proben russischer Musik aus. — Ato Dachspieler stand er feinen Mann: der zweite Satz des „Frühlingskonzertes" war recht ftim- mungsvvll. Auch bei Beethoven bewies er persönlichen Geschmack. Kompositionen von Paganini gaben ihm Gelegenheit, eine recht beachtenswerte Technik zu zeigen. Am meisten hatten aber die kleinen Stücke beim Publikum Erfolg, die auf reale Dewegungs- bzw. Schallvorstellungen Bezug nahmen: „Die Diene" (Fr. Schubert), „Lachender Faun" (Paganini), „Der Schwan" (Saint-SaenS). Am Klavier wirkte dazu verständnisvoll des Künstlers Gattin. Daß Soermus zu den einzelnen Drogrammnummern Einführungen gab, erschien für den Zuhörerkreis zweckmäßig. Doch hätte das in einer Form geschehen ntüffen, die frei von egozentrischen Tendenzen ist Denn die Musi! als Kunst steht doch dafür zu hoch und als geistiges Gefühlserlebnis ist sie durchaus nicht identisch einige Kompagnien Marokkaner die wenig beneidenswerten Dewohner. AuS wirtschaftlichen Gründen war es ihr sehnlichster Wunsch gewesen, wieder eine Garnison zu erhalten. Aber auch bei den Städtern, von denen wir nur noch Klagen vernehmen, läht sich ebenso schwer wie bei den Dauern etwas über die nationale Gesinnung sagen. Infolge ihrer grundreligiösen Sinnesart und ihrer sesten Verbunden- heit mit der Kirche werden beide schon aus kulturellen Gründen die „Zukunftsbeweguns" der Elsässer mitmachen. Das Organ dieser Bewegung, die in Zabern erscheinende „Zukunft", liest man gern unter vier Augen und freut sich, für alle Unzufriedenheit ein Ventil gefunden zu haben. . Aber im - Grunde wird es die Tragik dieses Landes bfeiben, nicht zu wissen, wohin es gehört, und was viele hier politische Charakterlosigkeit nennen und genannt haben, ist zum mindesten nicht ethisch zu werten. Möchten sie lieber versuchen, dieser Land, das doch nun einmal unseres ist, tiefinnerlich zu verstehen! A Sch. Der Historiker Friedrich Christoph Schlosser. Zu seinem 150. Geburtstage. »- Don Hans Georg Brenner. Es ist wohl selten ein Wissenschastler unmittelbar nach seinem Tode Gegenstand eines so erbitterten Kampfes geworden, wie der trotzige Friedrich Christoph Schlosser, der gegen sich und andere mit unerbittlicher Kritik vorgehen konnte und darum selbst keine Schonung verlangen durfte. Es ist auch selten em Historiker so schnell über seinen Dachsolgem vergessen worden. Das kommt wohl daher, daß bei der Bedeutungszunahme der Geschichtswissenschaft auch der Kampf um das Prinzip der Geschichtsschreibung begann, daß Schlosser mit seiner Ansicht Wohl allein in einer Zeit stand, deren Gegenwartsbewußtsein durch die Dapoleonischen Kriege aufs Schärfste wach- gerüttelt worden war. Während durch Arndt und Dahlmann die Ansicht vertreten war, der Historiker müsse an Hand des historischen Materials und auf dem Boden politischer Tatsachen zum Staatsmann heranreisen, selbst historisch geschult in die Politik eingreifen können, versagte Schlaffer mit rücksichtsloser Schärfe der Kritik jede Einmischung m andere Gebiete und begründete damit die eigentliche objektive Geschichtsschreibung — wenn man von objektiv hier überhaupt reden kann. Ihm galt es für das wichtigste, in der Geschichte den Fluh der Begebenheiten darzu- stellen, nicht bestehende Verhältnisse zu erläutern, nicht „das Ausmessen der Räume", wie er es nannte, sondern „das Aufzählen der Momente". Danke dagegen versuchte nicht, sich immer mehr häufendes Material zu sichten, nach den wichttg- sten Quellen zu ordnen, neue Quellen heranzuziehen, er griff einen Moment aus dem Zusammenhang der Ereignisse heraus und suchte aus Bruchstücken ein zusammenhängendes Ganzes zu formen. Schlosser wiederum arbeitete an einer „universalhistorischen liebersicht der Geschichte der alten Welt und ihrer Kultur", in der er die Geschichte der Menschhett als zusammenhängendes Ganzes betrachtete, nicht als Geschichte der einzelnen Völker nach der Zeitfolge geordnet. Er schrieb die „Geschichte des 18. Jahrhunderts" ohne Rücksicht auf überkommene Ehrfurcht, stellte die ; französische Revolution als Folge .,scheußlicher i Hof- und Füstenwirtschaft" dar, deckte unbekümmert die Momente der Fäulnis auf, die zum Sturz der Monarchie führen muhten und wollte sich über den schlechten Absatz — unter den ..Preußen" fuhr man.einfach seinen Weizen und Hafer nach dem nächsten Proviantamt und bekam Höchstpreise dafür. Am erbittertsten aber war man da und dort über die vielen Lehrer und Lehrerinnen aus Jnners rankreich, bie des Deutschen nicht mächtig und meist areligiös auf die Jugend dieses grundreligiösen Volkes losgelassen wurden. Doch ist es schwer, aus solchen 2leuherungen auf die politische Gesinnung zu schließen. Es ist die Tragik dieses Landes, wo doch über 400 000 Deutschsprechende wohnen, das grohe Heimatland und jedes Gefühl dafür verloren zu haben. An Frankreich aber hat man den An- schluh nicht gefunden, frellich auch umgekehrt. Man fühlt sich vom Regen in die Traufe verseht. Aber wenn viele glauben, bau es im Regen doch noch besser war, und heute umim- wunden gestehen: „Da war cs bei den „Preußen doch schöner", so spricht dennoch kein Gefühl der Zugehörigkeit und der Gemeinschaft mit. Die Zeit vor 1870 wirkt zu mächtig nach Mele tausend Fäden laufen nach Frankreich Lothringische Seele. ni 3m „Tag" finden wir folgende ausge- zeichnete Charakteristik Lothringens und |T seiner Bewohner. Wenn man im Reiche von Elsaß-Lothringen spricht, so glaubt man meist, diese beiden LMider. die fett Jahrhunderten den gleichen Schicksalsweg gehen und deren Damen wir utb8 deshalb in einem Atemzuge auszusprechen gewöhnt hEn mühten sich gleichen wie Zwillingsbruder. Mm innen gesehen, sind beide grundverschieden3m allgemeinen kennt man doch nur das Slsah mit Straßburg und feinem A^tec. Herr licken Wasgenwalde, den vielen Burgen und rächen Städten, der sruchtbaren Ebene, dem feurigen Wein und den temperamentvollen De- “^Sim ganz andere Welt tut sich jedoch auf, wenn wir die Zaberner Steige uberwun^n haben und ins Lothringer Land hinabsteigen. Bei Saarburg etwa haben wir die Ebene erreicht, d. h. eine Ebene kann man das nicht nennen, -^age- lang wandert man durch eine eintönige sanft- wellige Hügellandschaft, die von Saar und Wesel eingeschlossen im Dorden ans saarländische Kohlenbecken grenzt, im Süden sich nach Franzos Isch- Lothringen verliert 3n endlosem Wechsel geht es bergauf bergab. So weit man sehen kann, nichts als Felder. Felder. Sm Hochsommer schweift das Auge entzückt über die riesigen Weizenflächen, und es scheint, als sei er nirgends so golden wie hier. Es ist das rechte Weizen- land. Dazu hat sich die Dreifelderwirtschaft noch fast überall erhalten, und alles ist reinlich in Korn- (d. h. Weizen). Hafer» und Drachgewanne eingeteilt, wenn auch die Drache jetzt mit Rüben. Kartoffeln und Klee bepflanzt wird. Melancho- sich ducken sich die kleinen Dörfer in die Diede- rung>n Um den Lindenweiher bei Dieuze, aus dellen Halbinsel die Römer die Siedlung Decem pagi. das heutige Tarquimpol. zurückgelallen haben, zu durchqueren, must man fast 8 Kilometer rudern. „ n , Schwer Hebt bei feuchtem Wetter der Lehm an den Schuhen. Das ist das Zeichen eines guten Bodens. Wer aus irgend einer anderen Gegend nach Lothringen kommt, wird darüber staunen, dast vier Pferde vor dem Pfluge das Gewöhnliche und fünf ober sechs keine Seltenheit sind. Wie der Boden ist der Bewohner, den die Dolkskundigen dem Stamme nach zu den Franken zählen. Schwerfällig und ungelenk im Gegensatz äu dem lebhaften und beweglichen alemannischen Dachbarn, dem die Aatur das Leben leichter gemacht hat. Der lothringische Bauer muh in knechtischer Arbeit jahraus, jahrein seinem stein- harten Boden die freilich reichen Erträge abringen Zäher Fleih. Ausdauer und übermäßige Sparsamkeit haben ihm denn auch einen ziemlichen Wohlstand geschaffen, zu dessen Genust er allerdings bei seiner Anlage nicht kommt. Leidenschaft ist hier nicht zu Hause. Es ist auffallend, dast wir fast keine berühmten Manner finden, die mit großen Sdeen und hoher Begeisterung ihrem Volle Führer waren, tote wir ün Elsast finden. Darum ist auch die innere Geschichte des Landes nicht sonderlich reich. Sm politischen Kampfe der Gegenwart hören wir fast nur die Damen von Elsässern, obgleich die Belange der Lothringer ebenso auf dem Spiele stehen. Dieser kann eben weniger aus sich heraus- gehen. So war es auch zur deutschen Zett: die Protestlerpartei sah im Elsast. Sch besuchte alte Dekarmte unter den Dauern unb fragte gelegentlich, wie es ihnen benn unter der neuen Herrschaft gefalle. Da konnte man hören wieviel ..Protokolle" (Strafmandate) der und jener schon seit 1918 wegen aller möglichen Kleinigkeiten erhalten hatte - zur deutschen Zeit war das kaum vorgekommen. Da wurde weidlich über die vielen Steuern geschimpft, in der Meinung, die Lothringer mühten den französischen Haushalt allein bestreiten, während man sich im „3nnem“ davon drücke. Da beklagte man Die verwandtschastlicheii Verknüpfungen sind eben zu stark. Es gibt kein Bauerndorf, in dem nicht mehrere Familien Beziehungen nach Paris ober sonst einer französischen Stadt haben — eine Erscheinung, tote man sie etwa bei uns in Schlesien bezüglich Berlin findet. Die wohlhabenden Leute schickten ihre Äinber auch zur deutschen Zeit nur in französilche oder belgische Pensionate. Die Hausmädchen suchten auf Grund ihrer familiären Beziehungen meist in Paris Stellung. Sie lothringischen Dörfer erwecken, oberflächlich hingesehen, allgemein den Eindruck französischer Siedlungen. So findet man sie ün Innern Frankreichs: An einer Straste die langen Reihen aneinanbergebauter, stilloser Häuser mit beinahe flachen Dächern, weil von bet Strahe abgerückt, so dast viel Platz für die Ackergeräte und Wagen und vor allem — den groben Misthaufen freibleibt. (Dieser Misthaufen war während des Krieges unseren deutschen Militärbehörden „ein Dorn im Auge". ein Gegenstand vieler Verordnungen, mit denen sich die Dauern nicht abllnden tonnten, „da doch auch ihre Vor- Wilhelm Braune +• Von Professor Dr. Alfred Götze, Gietzen. Die Wissenschaft von der deutschen Sprache und Literatur hat einen neuen, schweren Verlust erlitten: nach Friedrich Kluge, Franz Muncker, August Sauer, Berthold Litzmann und Gustav Roethe ist nun auch Wilhelm Braune in Heidelberg von uns gegangen. Wir haben in Gießen besonderen Anlaß, biefes am 20. Februar 1850 in Groh-Thiemig bei Ortrand in der Provinz Sachsen geborenen Patriarchen der germanischen Philologie ehrend zu gedenken: von 1880 bis 1888 hat Wilhelm Braune den GießenerLehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur innegehabt, nach Friedrich Ludwig Karl W e i g a n d (7 30. Juni 1878), dem ersten Inhaber dieses Lehrstuhls, und als unmittelbarer Vorgänger von Geheimerat Otto Behaghel. Von daher schmückt das ausdrucksvolle Bild des hochge- wachfenen, breitschultrigen, blonbbärtigen Mannes den Arbeitssaal unseres Deutschen Seminars bis auf den heutigen Tag. Braunes Gotische Grammatik hat in immer neuen Auflagen ganzen Geschlechtern junger Germanisten den Zugang zur deutschen Sprachwissenschaft eröffnet. Seine Althochdeutsche Grammatik und sein Althochdeutsches Lesebuch sind in ihrer beispiellosen Verbreitung die beiden anderen Pforten zu den altdeutschen Studien für jeden, der sie ernsthaft betreiben will. Die frühneuhochdeutsche Philologie baut weiter auf den 248 Nummern von Braunes „Neudrucken", die er seit 1876 durch ein halbes Jahrhundert unermüdlich herausgegeben und für die er die wichtigsten Texte selbst besorgt hat: Opitzens Buch von der deutschen Poeterei, Luthers Schrift „An den Adel", die Fabeln unseres Wetter- auer Landsmanns Erasmus Alber, das älteste Faustbuch und Laurembergs Scherzgedichte. Die Nibelungenforschung unserer Tage fußt auf Braunes großer Untersuchung über die Handschristenoerhält- nisse des Nibelungenlieds, die 1900 der damals durch die Berliner Richtung gründlich verfahrenen Forschung die Wendung zu neuer Klarheit gegeben hat. Erschienen ist sie in den „Betträgen zur Geschichte der deutschen Sprache und Literawr", die der junge Braune mit feinem Freund Hermann Paul 1873 gegründet halte, um der junggrammatischen Schule, die von Friedrich Zarnckes Deutschem Seminar in Leipzig ausging, Boden zum Wachsen berühmtesten sind die Rektorrede „Ueber die Einigung. der neuhochdeutschen Schriftsprache" (1904) und der Akademieoortrag über Reim und Vers (1916). Braunes begeisterter Vortrag riß die Hörer auch über spröde und trockene Stücke des Stoffs hinweg. In feinen Mußestunden ein leidenschaftlicher Freund der Musik, führte er in seinem schönen Hause am Geißberg auch im Ruhestand das Leben eines der Kunst zugewandten Forschers vom alten Schlag. Unbedingte Treue zu feiner deutschen Wissen- schäft, musterhafte Klarheit des Vortrags und ein unbestechlicher Sinn für schlichte Wahrhaftigkeit kennzeichnen diesen bedeutenden und liebenswerten deutschen Forscher, Lehrer und Menschen. und Raum zur Entfaltung zu schaffen, und die er mit Eduard Sievers auf nunmehr fünfzig stattliche Bände gebracht hat. Ms der Heidelberger Oberbibliothekar Karl Zangemeister im Vatikan die berühmten Bruchstücke der Altsächsischen Genesis sand, hat mit ihm Braun 1894 diesen wichtigsten Fund des letzten halben Jahrhunderts auf unserem Gebiet mustergültig herausgegeben. Die lange, lagenreiche Reihe seiner Bücher wird begleitet einer Fülle lichtvoller Einzeluntersuchungen. Die innere Lage Polens. Von Max Kramuschke. Die politische Lage Polens ist in seltenem , Maße verfahren. Wer geglaubt hat, daß P il- • sudski nach seinem denkwürdigen Staatsstreich vom 12. Mai die Diktatur im Lande auf- richten wurde, sah sich getäuscht. Pilsudski regiert weiter mit dem Parlament, d.h. mit Sejm und Senat, und der Sejm hat dem Marschall in gewissem Sinne sogar das Gesetz des Handelns diktiert, indem er ihn nämlich durch parlamentarische Manöver nötigte, selbst die Wi- nisterpräsidentschaft zu übernehmeii, wogegen Pll- sudski sich bis dahin stets gesträubt hatte. Andererseits ist die Macht des Parlamentarismus weitgehend eingeschränkt worden. Die Revolutionspolitiker haben dem Parlament eine Verfassungsänderung abgepreßt, welche die gesetzgebende Initiative des Sejm paralysiert und die Macht im Lande de facto auf den Staatspräsidenten überträgt, dessen Abhängigkeit von Pilsudski außer Zweifel steht. Kann also von einer absoluten Diktatur PUfudskis keine Rede fein, so ist sie doch eine legalisierte, mit der politischen Degleitmusik eines halben Parlamentarismus, dessen Einfluß allenfalls so wett i reicht, einen Winisterwechsel herbeizuführen. Wenn man bedenkt, daß die gegenwärtige Regierung unter ihren Mitglledern nicht einen Juristen ausweist und dem entgegenhält, daß sich unter den 555 Volksvertretern (444 Abgeordnete, 111 Senatoren) immerhin in Versassungs- und Rechtsfragen geschulte Persönlichkeiten befinden, von dem Destreben erfüllt, wenigstens das konstitutionelle Dekorum gewahrt zu sehen, so erscheint verständlich, daß der von Pilsudski geschaffene Zustand Konflikte zwischen Volksvertretung und Regierung geradezu heraufbeschwören mußte. So konnte der Sejm am 30. Oktober seine Beratungen über den Staatshaushalts- Voranschlag für das kommende Jahr nicht behinüber, kaum einige nach Deutschland. Die hier durch Militär, Beamte usw. angebahnte Entwicklung ist durch den Krieg jäh unterbrochen worden. Es ist eigentümlich, wie fremd den Lothringern schon Damen wie Trier, Mainz, Köln oder Mannheim sind. Danzig (so ausgesprochen, wir können hier von den Lothringern lernen), Spinal, Verdun, Lyon und vor allem Paris sind dem Durchschnittslothringer viel bekannter, die entsprechenden Menschen vertrauter, während ihm doch auf Grund der Sprache etwa ein Königsberger näherstehen mühte. mit dieser schonungslos kritischen Geschichtsschreibung nicht trockene Wissenschast bieten, sondern „das Bedürfnis der Zeit ergründen". Er schrieb seine Weltgeschichte in einer Zeit romantischer Selbstsucht, von der auch die Geschichtswissenschast erfaßt wurde, setzte aller schwärmerischen Gegenwartsflucht die zwingende Gewalt historischer Tatsachen entgegen. Unter demselben Gesichtspunkt schrieb er die „Geschichte der bilderstürmenden Kaiser" voll kritischer Schärfe, geschult an der Philosophie Kants, durchdrungen von dessen Moral, und muhte auch deshalb die Schillersche Geschichtsschreibung zum höhnischen Entsetzen seiner gelehrten Kollegen schätzen. „ Schlosser war ein rechter friesischer Dickschädel (geboren am 17. Dovember 1776 im Oldenburgi- schen), der sich lieber selbst opfern wollte, als seiner Ueberzeugung untreu werden, der alle Staatsformen kritisierte, seinen Kritikern mit geradezu bäuerischer Frechheit entgegentrat und darum Zeit seines Lebens für einen Griesgram gehalten wurde, den man nicht ernst nehmen tonnte. Man suchte ihn mit dem Vorwurs zu erledigen, daß trotz seines kritischen Eifers seine Geschichte hannlos, unzusammenhängend und lückenhaft wäre. Dieser Vorwurs, der ihn nur teilweise traf, war in der Art seiner Arbeitsmethode begründet, in der unbelümmerten Offenheit, mit welcher er feine wissenschaftliche Werkstatt zeigte. Er war Autodidatt, säst zufällig zum Historiker geworden. Sechsjährig verlor er seinen Vater, bereitete sich aus eigener Kraft zum Gymnasium, zur Universität vor, studierte zuerst Theologie, wanderte als Hauslehrer herum, bis er nach Frankfurt a. M. kam und von dort 1817 als Professor der Geschichte auf Grund einiger Arbeiten nach Heidelberg berufen wurde. So mußten alle seine Arbeiten und feine Kollegs den Charakter eines ständigen Quellenstudiums, unausgesetzten Lernens tragen, so war fein Gang zur Universität in dem Lerneifer des unermüdlichen Di-- dakten begründet, »ber mit seinen Schülern zusammen Wissen sammelte. Daher die angebliche Formlosigkeit, daher auch übertriebene schonungs- tose Angriffe, weil er seiner Entwicklung gemäß als Gelehrter den Gelehrten den Rücken kehren mußte, well ihm trotz toitifcher Objektivität die Verlebendigung des Stosses erste Bedingung der Geschichtswissenschaft schien. Er setzte Bekanntes einmal Geschriebenes voraus, beschränkte sich auf das Auf finden neuer Quellen und Zusammenhänge und nahm dafür den Vorwurs der Lucken- hastigkett hin. Er starb am 23. September 1861, nacktem er den ersten Grund zu einer zusammen ginnen, weil die BollSvLrtretar> das Dekret des Staatspräsidenten über die Eröffnung der Session stehend anhören sollten, was sie aus Prestigegründen ablehnten. Nun soll der Sejm am 13. (November zusammentreten, und zwar wird, um die Abgeordneten zum Nachgeben in der Etikettefrage zu veranlassen, der Staatspräsident selbst bas Eröffnungsdekret verlesen. Aber die Volksvertreter sollen zu ihm auf das Schloß kommen, was hi? Sozialisten bereits abgelehnt haben, während andere- Parteien die Regierung wegen (Verletzung j>ec Konstitution, die sie in der nicht rechtzeitigen Einberufung des Sejm erblicken, zur Verantwortung ziehen wollen, ein« Absicht, welche der Regierung indes wenig Kummer bereitet, weil das Parlament, wie eine kurze Orientierung lehrt, in seinen Parteiverhällnissen jede Einheitlichkeit vermissen läßt. Pilsudski ist aus dem LinksLager (Sozialisten- hervorgegangen. Man sollte also annehmen, daß er mit der Linken gegen die (Rechte regieren würbe. Dem ist aber nicht so. Die Sozialisten haben ihr DrSinteressqment an der neuen Regierung erklärt, und der sozialistische Arbeitsminister hat sein Portefeuille ohne Auftrag feiner Partei übernommen. Don dec Rechten aber bekämpft Pilsudski nur der Rationale Volksverband (Rational-Demotraten). Dagegen haben sich die konservativ-agrarischen Christlich-Nationalen, der Sammelpunkt dec polnischen Monarchisten, auf seine Seite geschlagen und sogar zwei Minister in sein Kabinett entsandt. 2a Pilsudski Hot bereits nut den polnischen Magnaten, so den hochfeudalen Radziwills und Sopiehas, eine Zusammenkunft gehabt, was Veranlassung zu verschiedenen politischen Kombinationen gegeben hat, so der, daß unter seiner Aegide das Königtum in Polen restauriert werden soll. Tatsache ist, daß ein Teil seiner Freunde dem Fafzismus anhänK, während sich die werktätige Bevölkerung — les extremes se touchent — mehr und mehr dem Kommunismus verschreibt, und zwar auf Kosten der Sozialisten, die sich durch eine höchst unklare Politik um allen politischen Kredit gebracht haben. Die übrigen Parteien sind gespalten und weisen in ihren Lagern sowohl Pilsubski-Anhäager wie Pilsudfti-Gegner aus, so daß von einer einheitlichen Parieigruppierung für und gegen den Marschall keine Rede sein kann. Ein klares Programm aber entwickelt weder die Regierung noch ihre zersplitterte Fronde. Dai.: einzige konkrete Ergebnis des neuen Kurses waren weitgehende Personalänberungen auf Hoheit MUitär- und Zivtlposten. 3n letzter Zeit hat besonders die Beseitigung des Wojewoden von Pommerellen Wachowlak von seinem Posten in Thorn von sich reden gemacht. Die Re- gierimg hat ihn durch den vom Sejm desavouieren Innenminister Clvdzianowski, einen fanatischen Pilsudfki-Anhänger, ersetzt, was die öffentliche Meinung des ehemalig preußischen Teilgebiets Mit Aeußerunaen lauten Mißfallens quittierte. Mehr als passive Resistenz gegenüber der in Warschau beliebten Politik wagt jedoch in Pommerellen und Pofen niemand zu üben. Dazu ist die Bevölkerung durch die letzten Ereignisse zu sehr eingeschüchtert. Seit dem 8. November ist überdies durch Dekret des Staatspräsidenten Moscicki, der, wie bereits gesagt, Pilsudskis Willensvolkstrecker ist, «in Pressegesetz in Kraft, das jede Kritik an behördlichen Anordnungen und Maßnahmen so gut wie unterbindet und die Opposition geradezu mundtot macht. Dem Volttischen Durcheinander entspricht der wirtschaftliche. Zwar ist es der Regierung gelungen, den Zloty, der hauptsächlich infolge des deutsch-polnischen ZoMrieges stark gesunken war, auf annähernd 60 Prozent seines ursprünglichen Wertes zu stabilisieren. Wer dieser Tatsache entspricht keineswegs der wirtschaftliche Status des Landes. Sie ist einfach die Folge des englischen Bergarbeiterstreiks, weil der englische Ausstand der oberschlcsischen Kohle eine vorübergehende bis dahin nie erreichte Absatzmöglichkeit eröffnet hat. Am aber die Wirtschaft aus lange Sicht zu sanieren, hatte die polnische Regierung den amerikanischen Finanzfach-- persiändigen, Professor Ke mm e re r, nach Pollen berufen, welcher Finanzen und Wirtschaft Ort und Stelle eingehend studiert hat. In- wiefern Kümmerers Mission mit der Gewährung kMBiMUWWBMMBKXWa Nobelpreisträger Shaw- Bon Franz S « r v a s s. Die Würfel sind wieder einmal gefallen. Und Dernard Shaw, europäischen AantzmS, ist der Erkorene. Eigentlich sollten Männer von solch unbedingter Anerkanntheit und hochragender, allen Lebensstürmen entrückter Stellung, außer Breisbewerb stehen. Es gibt andere, gleichfalls Hochbegabte und eminent Verdienstvolle, die selbst in vorgerücktem Lebensalter noch mit der Rot zu ringen haben, und die durch Gewinnung des Nobelpreises der bedrückenden Sorgen, unter denen sie geistig und materiell seufzen, enthoben werden könnten. Ich nenne von Deutschen nur Arno Holz. Vielleicht freilich sind Gesichtspunkte dieser Art bet Verteilung des Nobelpreises minder maßgebend? Indes dann könnte es ja auch ein Preis, etwa bestehend in einem goldenen Lorbecrlranze, sein... Sollten hier wirklich Erwartungen getäuscht worden fein, so muß der (Betroffene es tragen. Hiervon abgesehen, kann man der Wahl Shaws nur cruS voller Aeberzeugung zustimmen. Es gibt heute in der gesamten literarischen Zunft Europas keinen repräsentativeren Mann. Als wir ihm in der Mitte dieses Sommers anläßlich seines siebzigsten Geburtstages huldigten, geschah es, gerade von deutscher Seite her, aus einem Gefühl tiefer Dankverpflichtung. GL geht etwas Aufrüttelnoes. Befreiendes von diesem Manns aus, das in feiner scharfen Geistigkeit und froh- launigen Aeberlegenheit von uns aufs lebhafteste ergriffen und aufs freudigste ausgekostet wurde. Es ist oft genug — und mit Recht — gegen die .Ueberschwemmung ausländischer Literatur, zumal innerhalb unseres Bühnenbetriebes, Opposition gemacht worden. Aber bann handelte es sich um Aufdrängungen einer meist minderwertigen, oft lediglich frivolen, aufkitzelnden. wo nicht gar «entsittlichenden, jebentalls eittbehrttchen Ware. Wo wir aber den Atem geistiger Befruchtung spüren, wo verwandte Regungen weltanschaulicher und künstlerischer Art uns im innersten Herz punkt treffen, da haben wir uns noch niemals gesperrt und dankeno das hingenommen. was werbend an uns hevantrat. So geschah uns mit Shaw. Er hat in Deutschland eine Resonanz gefunden, die größer war als in irgendeinem Lande der Welt; die jedenfalls die Schätzung, die man einer amerikanischen Anleihe an Polen au» sammenhängt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Der Wunsch nach fremder Kredithilfe besteht in Polen jedenfalls unvermindert weiter. Roch ist Kemmerers Gutachten über Poken nicht veröffentlicht worden. Was aber bis jetzt von seinen Ansichten über die wirtschaftliche Lage des Landes bekannt geworden ist, läßt fich kurz wie folgt zusammenfallen: Polen besitzt als Erbschaft aus der Inflationszeit noch viel zu viel Banken. Sie müssen als Krebsschaden des Landes auf ein Minimum reduziert und der leistungsfähige Rest muß fusioniert werden. Die Durchführung des vom Sejm hauptsächlich zur Extermination der nationalen Minderheiten beschlossenen Agrarreformgesetzes würde geradezu den wirtschaftlichen Selbstmord des Landes bedeuten. Der Export leidet bereits an Hypertrophie und muß sich über kurz oder lang aus das wirtschaftliche Gleichgewicht ungünstig auswirken. Dabei arbeitet der Zollapparat zu kostspielig. Die handelspolitische Gesetzgebung ist fehlerhaft, ebenso das staatliche Kontrollshstem. Die Steuern sind zu ungleichmäßig verteilt, was ungünstig auf die Steuermoral wirkt. So stellt sich, in kurzen Strichen gezeichnet, gegenwärtig die innere Lage Polens dar. Charakteristisch für die Mentalität der Nation ist weiterhin das Vorwiegen der militärischen und bureaukratischen Zwecke unter Hintansetzung eines positiven Aufbauprogramms. Immer noch disputiert der Pole viel zu viel, anstatt auf organisatorischer Grundlage zu arbeiten. Zwar fyat das Land feinen princeps, seinen Pilsuhski. Wer es fehlt ihm der Mann, wie ihn.in ähnlichen kritischen Situationen einmal Rußland in Witte gehabt hat, der fein politisches Ideal nicht auf Sentiments aufbaute, sondern auf greifbare nüchterne Wirtschaftsfakkoren. preußischer Laii-gemelndetag. Der Verband der preußischen Landgemeinden hielt in Berlin feinen dritten Tag ab. Der Vorsitzende, Bürgermeister Lana e- Weihwasser, eröffnete die Tagung mit einer Ansprache, in dex er auf die Bedeutung der Landgemeinde hmwies. In den Landgemeinden wären 55 Proz. der Bevölkerung enthalten. Der Verband der Landgemeinden führe einen Dreifrontenkrieg gegen die Dureaukratie, Gesetzgebung und Vorwürfe der Privat- wirtschaft. Es sei Zeit, daß der Kleinkrieg zwischen der Wirtschaft und den Kommunen aufhöre. Reichsinnenminister Dr. Külz wies in einer längeren Rede darauf hin, daß die Gemeinden die Urquellen des Staates bildeten und daß ein Unterschied zwischen Landgemeinden und den übrigen Gemeinden nicht gemacht werden dürfe. Es sei notwendig, daß sich eine Allianz zwischen Staat, Gemeinde und Wirtschaft entwickele. Ausgabe der Gesetzgebung und Regierung sei es, einen Ausgleich zwischen ihren Interessen und den Interessen der Gemeinden zu finden. Staatssekretär Dr. P o p i h vom ReichS- ftnanzministerium sprach sodann über den Finanzausgleich. Die Beschwerden der Landgemeinden über die Verzögerung der endgülligen Regelung des Finanzausgleiches seien unberechtigt, Die Verzögerung sei besonders darauf zurückzuführen, daß der Etat für 1926 bereits abgeschlossen sei. Es sei nicht damit zu rechnen, daß an eine endgültige Regelung vor dem 1. April 1927 berangetreten: werden könne. Im Jahre 1926 seien den Gemeinden 156 Millionen Mark mehr überwiesen worden, als vorgesehen gewesen fei. Wie sich die Aussichten für 1927 gestalten würden, könne noch nicht gesagt werden. Die Gesundung der Landwirtschaft sei deswegen von großer Bedeutung, weil ans dem Lande bei der jetzigen schwierigen Lage fast keine Steuern einkamen. Darauf sprach der Reichstagsabgeordnete Dr. Brüning über die Wirtschaftslage der Gemeinden unter besonderer Berücksichtigung der Erwecbslosensürsovge. Der Redner ging Dabei auf die kommende Arbeitslosenversicherung ein und erklärte, es fei notwendig, zu einer wirklichen Prüfung Der Arbeitswillig- keit zu kommen. Man müsse eine große Organisation des Arbeitsnachweises schaffen. Das Ar- beitsbeschaffungsprogvmnm des Reiches fei die einzig wirksame Hilfe. Die Mittel, die auf dem Wege einer Anleihe geschaffen werden sollten, ihm zu jener Zeit im britischen Weltreiche cnt- gegenbrachte, bei weitem überstieg. Darum ist die jetzige Nobelpreisvertellung zugleich auch ein Triumps deutscher Denkweise. Denn Deutschland hat der Weltgeltung Vernarb Shaws vor allem die Bahn gebrochen. Shaw ist Ire. Unb wenn er auch in London lebt und in englischer Sprache denkt und schreibt, so nimmt er doch gegen viele Eharakterzüge und Lebensanschauungen der eigentlichen Engländer zunächst eine instinktive, dann mit Bewußtsein verschärfte Frontstellung ein. Mit einer ganz anderen -Unbefangenheit und kritischen Scharfsichtigkeit, als sie etwa em Ginge Iwrenev haben würde, blickt er auf Dinge und Menschen um sich her. Dies gibt ihm von vornherein ein Gefühl der Anabhängigkeit, der Aeberleaenhett, der ironischen Weltbetrachtung und hat so das Bewußtsein geistiger Selbständigkeit in besonderem Maße in ihm hochgezüchtet. Nicht etwa, als ob Shaw von feiner britischen Staatsangehörigkeit und den gewaltigen Kulturanregungen seiner Londoner Existenz nicht mancherlei Vorteil gehabt hätte. Mit Recht erblickt in ihm sein ausgezeichneter deutscher Biograph Julius Bab ..eine Vermählung englischen Lebensgefühles mit irischem Geist". Aber gerade diese Doppelheit in Der Statur und Sozialbedingtheit des geistreichen Mannes war fein eigentlich Befruchtendes. Tiefer noch und ernster als fein engeren Landsmann Oscar Wilde, helfen spielerisches, phantastisches und ausschweifendes Staturen ihn allzufrüh knickte, hat Shaw, der au6 härterem, Derberem Holze geschnitzt ist seine hohen Gaben in langsamer, methodischer Arbeit zu entwickeln verstanden. Gr hat als Schriftsteller einen Aus- flieg genommen und fo organischer Höhenentwicklung. wie er in unseren Zeiten geradezu unvergleichlich dasteht. Gr begann mit Romanen, war Dann anderthalb Jahrzehnte lang Kritiker, und zwar mit bemerkenswerter ViAftitiakelk, sowohl für Kunst wie für Musik, für Theater. Daneben ging stets eine reiche Tätigkeit auf sozialpolitischem Gebiet, dem er sich als führendes Mitglied der ..Genossenschaft Der Fabier" (Fabian Society) mit besonderem Eifer gewidmet hat. So schien er in dieser Hinsicht völlig abgestempelt und war in feinem Vaterlands ein hochangesehsner, wegen feines schlagfertigen Witzes ebenso gefürchteter wie von Gesinnungsgenossen belachter Geistes- müßtLn zur Wiederherstellung der grvßenLandst raßen verwandt werden. Der Reichstagsabgevrdnete Dr. G e recke bedauerte, daß die DerwaltungSreform im Landtage noch nicht weiter gediehen sei. Der Land- gemeinbetag vertrete Den Standpunkt, daß man bei Der Rationalisierung der Verwaltung die Regierungspräsidenten beibehalten und d i e Oberpräsidenten abs chafsen müsse. Mit einer Ausschaltung der Amtsvorsteher könne man sich nicht einverstanden erklären. Bei Der Eingemeindung Dürften Die Interessen Der Gemeinden nicht gegenüber Denen der Städte zurückgesetzl werden. Bei der Gestaltung Des Finanzausgleiches dürften dis Stcuermilderungen aus keinen Fall auf Die Landgemeinden abge- wälzt werden. Oberheffen. Landkreis Gießen. i Watzenborn-Steinberg, 15. Rov. Gestern sand im Spate „Zur Krone" dar erste F a - milienabenb viejes Winters statt. Qcr war sehr gut besucht. Wie stets, trug unser rühriger Kirchengesangverein durch mehrere exakt vorgetragene Chöre zur Verschönerung des Abends bei und erntete lebhaften Beifall. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Lichtbildervortrag des Ortspfarrers über den „Untergang der Titanic". Begrüßungsansprache und Schlußwort sprach ebenfalls der Ortspsarrer. (D Watzenborn-Steinberg, 15. Mo. Dieser Tage wurde von unserer Schule ein Leitz - sches Lichtbild-Epidiaskop im Werte von 425 Mk. angeschafft. Da den Klassen jährlich nur ein geringer Geldbetrag für Anschaffung von Lehrmitteln zur Verfügung steht, wurden die Kosten größtenteils durch freiwtlltae Spenden gedeckt, die bei unserem dieswhrigen Jugendfest gemacht wurden. Der kleine Restbetrag soll aus dem Erlös eines in den nächsten Wochen stattfindenden Elternabends beglichen werden. js. Steinbach, 15. Nov. Zu Beginn des Winterhalbjahres wurde auch bei der hiesigen Fortbildungsschule für die Mädchen des zweiten Jahrganges der h a u s w i r t s ch a f t l i ch e (K o ch -) U n t e r r i ch t eingeführt. 27 Mädchen von hier, aus Albach und Annerod nehmen an dem Unterricht teil. Die Ausstattungsgegenstände find von der Gemeinde beschafft worden. Zu sämtlichen Kosten werden die beiden Nachbargemeinden Annerod und Albach in entsprechender Weise herangezogen. Der Unterrichtsraum ist im hiesigen Rathaus. — Die Maul- und Klauenseuche hat sich nicht weiter verbreitet. Die Sperre durfte in den nächsten Tagen aufgehoben werden. z. Rödgen, 15. Nov. Gestern mittag wurde Der neue Saal bau des Gastwirts Wilhelm Wagner II. der Oejsentlichkeit übergeben. Bei dieser Gelegenheit brachten die hiesigen Gesangvereine „Concordia" (Dirigent Nikolei aus Großen-Buseckl und „Harmonie" (Dirigent Kurz aus Gießen) m vortrefflichem Wechsel eine Reche fein durchgearveiteter Chöre und Volkslieder zu Gehör. Die Kapelle Monk aus Wieseck umrahmte die gesanglichen Darbietungen in bester Weise. Den Darbietungen wurde reicher, Beifall gezollt. CD Lollar, 15. Nov. Vor Jahresfrist wurde hier eine Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr gegrünbet. Der Kapelle, die schon mehrfach mit Erfolg in die Oeffentlichkeit trat, gehören zur Zeit 20 Musiker an. Die Leitung liegt in den Händen des früheren Militärmusikers Fr. Deines aus Daubringen. t (Brünberg, 15. Nov. In Anwesenheit des Kreisschulrats Fischer fand hier in der Turnhalle eine Lehrerkonferenz statt, bei der Lehrer Wenzel mit den 51 naben seiner Klasse und den Mädchen der Jugendgruppo des Turnvereins neuzeitliches Turnen vorführte, und Lehrer Roth einen Vortrag über Jugendspiele hielt. Krgisschulrat Fischer gab seiner Anerkennung für die gezeigten Leistungen Ausdruck. Jin übrigen mürben dienstliche Angelegenheiten fce|prorf)en. Kreis Friedberg WSN. Butzbach, 15. Nov. Die Scheuern der Landwirte W. Hamann und Gg. Vogel in Griedel fielen gestern abend einem größeren Schadenfeuer zum Opfer. Die Feuerwehr, mit Unterstützung einiger Nachbarwehren, konnte ihre Tättgkeit nur auf Den Schutz Der NachbargebmZde beschranken. Kreis Büdingen. L Nidda, 15. Nov. Als heute morgen ein hiesiger Landwirt in der Scheune für sein Vieh Futter holen wollte, fand er unter einem Hau- fen Heu d i e Leiche eines Handwerksburschen, der unter dem Namen „Berliner Willi" hier früher zeitweise gearbeitet hatte und auch einmal bei dem betreffenden Landwirt kurze Zeit beschäftigt gewesen war. Da der Obdachlose in dem yjofe des Landwirts bekannt war, hat er wahrscheinlich ein Nachtlager in dem Heu gesucht und ist darin e r st i ck t. bs. N i.b b a, 15. Nov. Hier sand ein Vorstands- unb Dirigententag des Sängerbunbes „M i t t- leres Niddatal" statt. Der Bundesdttigent, Lehrer Lentz von Geiß-Nldda, erstattete den Geschäftsbericht. Es gehörten am Anfang dieses Iah. res 9 Vereine dein Bunde an, im Laufe des Jahres tarnen noch die Gesangvereine von Borsdorf und Blofeld hinzu. Dadurch erhöhte sich die Zahl der aktiven Sänger auf über 300. Jrn ^erlauf des Berichtsjahres wurden 2 AorstandssiDvngen, ein Dirigententag und ein Wertungssingen abaehaltem Es wurde die Frage ousgeworfen, ob man Den Umfang des Bundes noch erweitern solle. Der Bund erstreckte sich jetzt über die Kreise Gießen, Büdingen und Schotten. Die Versammlung war der Ansicht, daß der Bund den sich immer mehr bemerkbar machenden Zusammenschluß nicht hindern Ijürfe, doch Cann eine weitere bedeutende Vergrößerung nicht mehr in Frsge kommen, weil dann ein Bun- desbezirk keine genügenden Raume zur Abhaltung von Bundesfesten vorhanden find. Der Rechner Fleischhauer von Geiß-Nidda konnte m der Rechmingsablage einen Vermögensstand "*5bn 30u Mark aufweisen. Für das Jahr 1927 soll von einem Wertungssingen Abstang genommen und ein einfaches Bundessest abgehalten werden, für dessen Uebernahme sich der Gesangverein Fauerbach bei Nidda gemeldet hat, der damit die Feier seines 40jährigen Bestehens zu feiern gedenkt. Feste Beschlüsse konnten nicht geiaht werden, da die Ver- treteiDerjammlung daruoer zu bestimmen hat. Diese soll am 3. Weihnachtsfeiertage in Borsdorf ftattfinden. Es wurde noch beschlossen, jedem Bun- desverein aus Mitteln des Bundes zwei Chöre zu stiften, davon der eine „Strömt herbei ihr Bölker- scharen", als Massenchor vorgetragen werden soll. Der Punkt Der Tagesordnung, „Gemeinsame Rheinfahrt", foll zur weiteren Klärung in den Vereinen nochmals besprochen werden. bs. E ch z^e l l, 15. Nov. Die neue Hochspan- Hangs - Fernleitung nach dem P r o v I n - zialwasserwerk Inheiden ist nun soweit vollendet, daß die Drähte gespannt werden können. Besonders schwierig roar das Setzen der Beton- masten in den sumpfigen Wiesen. Mit Hilfe van Ramm-Maschinen muhten zur Bodenbefestigung der 120 Zentner schweren Masten 3 Meter lange Pfähle eingerammt werden. Es ist beabsichtigt, die neue 100 000-Voltstrecke noch Ende dieses Jahres unter Strom zu setzen. Kreis Schotten. "■ Scho t t en. 15. Nov. Die Grunbstein- legung zur neuen Turnhalle wird nächsten Samstag nachmittag stattsinden. Die Arbeiten an der J)aüe sind schon stark fortgeschritten, sie soll baldmöglichst im Rohbau fertiggestellt werden. — Die in der Umgegend stattgehabten Treibjagden haben ein sehr geringes Ergebnis gehabt. Die Jagden sind meist neuverpachüt worden. Die Jagdpächter legen daher auf gröhtmög- lichste Schonung ihrer Reviere Werl. ! Schotten, 15. Nov. Vom Gemeinderat: Einem Gesuch des Frhrn. v. G ü n d e r o d e um Uebsrlassung des städtischen Steinbruchs im Stadtwald soll nähergetreten und der Pachtvertrag in mündlicher Verhandlung »Sher festgelegt werden. Der städtische Bruch hat eine günstige Lage, das Material ist leicht abzufahren. — Die Kosten der Bachherstellnng, Fassung des Bachbettes in Beton, belaufen sich auf ca. 11000 Mk. Die Ausgabe» werden genehmigt, die durch Kapttalauf- nahme und allmähliche Amortisation gedeckt werden. Die Herstellung der Stadtbach war ein großer Segen, einer Ablagerung von Schutt und Dreck ist nunmehr vorgebeugt. — Die Baupläne zur neuen -t u rnhalle , zu der die Stadt ein Kapital von 25 000 Mk. vorgeschossen hat, wurde» vorgelegt und sande» die Billigung des Gemeinderats. — An dem geplanten Zweckverband der Gsmeinden kämpe. Doch Die Plattform, auf Der er stand, unD Die er souverän beherrschte, genügte ihm nicht. Gr wünschte für seine Ideen eine breitere unD tragendere Resonanz. Ex wollte auf Die Seelen Der Menschen aufrüttelnDer als bisher einwirken- er kannte Die NotwenDlgkelt, Die Men° fäten bei ihrem Eigensten zu packen, Indem er Ihnen Im Spiegelbilde ihr Konterfei, und zwar zur Verdeutlichung In leicht verzerrter Form, zeigte. Darum ward Der Vorkämpfer für Magner Mozart, Ibsen als reifer Mann selbst ein Theaterdichter, wozu er kvaft seines Temperamentes und Geistes durchaus beruft» war. ®r nahm feine Sache verflucht ornft, mochte auch feine Waffe hundertmal fein blendender CCDiö sein. „Das Theater ist heute so wichtig, wie un Mittelalter die Kirche", hat er unumwunden bekannt und hiermit Zweck unb Ziel seiner Bühnenlaufbahn unzweideutig umrinen. Sief er sittliche Ernst der Auffassung wird vielleicht viele, die gewohnt sind, über Shaws paradox klin- genbe Spöttereien zu lachen, in Erstaunen setzen. Verdankt er doch gewiß Den großen Welterfolg seiner Bühnenstücke in erster Linie seinem schlagfertigen Witz. Hierdurch bietet er eine allerköstlichste Unterhaltung. Versteht er es doch. Die Blößen unD selbst Widersprüche heutiger Gesell- fchaftsorDnuug aufs lustigste und anmutigste zu geißeln, unb bringt selbst Diejenigen zum Lachen unD — zur Nachdenklichkeit, über Die er erbarmungslos herzieht. And letzteres gerade ist ihm die Hauptsache, was oft übersehen wird. Aber diejenige» schätzen Shaw ganz und gar falsch ein, Die ihn etwa für einen Witzemacher halten. Shaw macht keine Witze, und zumal billige Wortspiel« und (Dortverdrehungen, durch die so manche zu bluffen suchen, verschmäht ex gänzlich. Aber — und dies ist etwas völlig anderes — er besitzt eine hohe Fähigkeit zu witzreicher Weltbetrachtung. Diese besteht oft lediglich darin, daß er die Dinge bei ihrem geraden Namen nennt. Was sonst di-e Wslt heuchlerisch zu umschreiben sucht, das spricht er unverblümt aus. Erregt dadurch gewiß manchmal Anstoß und Aeraer — dies ist ja m gewissem Sinne dcr Zweck Der Hebung —. aber in anDeren weckt er desto lebhaftere Zustimmung und ein Gefühl innerster Befreiung. So ist Die Bühne für Shaw gleichsam eine Kanzel, auf Der er als SchalkSnsrr erscheint, um als PreDiger desto tieferen Eindruck zu machen. Hierbei ist ihm bewußt, daß er, um diese Wirkung zu erzielen, vor allem fein Handwerk gründlich verstehen muß. Das vermag er auch, und dennoch ist es seltsam, zu konstatieren, mit welcherlei Mitteln Shaw eigentlich die Dühne beherrscht. Das herausgegriffene Thema ist immer interessant — es leuchtet allemal tief ins gegenwärtige oder geschichtliche Leben. Aber bie daraus gesponnene Fabel wird lässig behandelt, nicht selten auf weitschweifige Abwege geführt, oft genug kaum richtig beendet oder voreilig abgebrochen. Was aber Immer wieder fesselt, tst der funkelnde, bizarr-bewegte, geistsprühende Dialog, ist auch das heimliche Pathos, das dahinter steckt und uns unverfehens, mitten im Gelächter, das er in uns entzündet, irgendwie an ein <$tolge8 gemahnt! ist endlich auch die oft sehr apart und neuartig gewählte Szenerie. In Deren Ausbau unb Gestaltung Shaw ein ÄrftnDer ersten Ranges ist. Mit all Diesem 'Zlpparat aber arbeitet Der Dichter einzig daraufhin, uns aaS unserer gewohnten Lethargie und GeistestrSghelt aufzurütteln, um uns für die Ideen des Fortschritts und der sozialen Gerechttgkeit, die er auf seine Fahne geschrieben hat, empfänglich zu machen. ..Einzig und allein um Der Kunst willen würde ich nie eine Zelle schreiben", hat er mit grotesker Offenherzigkeit gestanden. In diesem Sinne hat Dab gewiß nicht Anrecht, wenn er meint, daß ©bato „mehr ein sehr großer Schriftsteller berat cm Dichter" sei. Olber was zwingt uns Denn, diesen Vtann von allerfettenften Fähigkeiten in irgendeinen Begriff etowfättWn? And sind Begriffe nicht wandelbar? Wird nicht vielleicht in entern Menschenalter — oder gar heute schon — unter „Dichter" etwas . . nein, nicht etwas Anderes, aber doch etwas Weiteres, Amfassenderes zu verstehen sein, als die gewohnte Aeberlieferung es meint? Vielleicht Ist Shaw, der Hasser der Roinantik, auch in Der Hinsicht ein Bahnbrecher, ein Revolutionär. Vielleicht auch — warum nicht? — hat er unfreiwillig seine 'Begrenztheit eingestanden, eine Begrenztheit, die er mit feinem großen Geistesbruder Voltaire zu teilen hätte. Doch auch mit Heine, mit Nietzsche, mtt Moliöre bat man ihn veralichen. So viel Namen, Je viel Widerspruche — jo viel Schillerndes! Doch daß Shaws Dichterisches Wesen vor uns erschillert, ist vielleicht sein Allerbestes. Es ist sein Anfatzbares, fein Rätselvolles, Das uns stets aufs neue cmzieht, weil es uns immer wieDer geiftig aufs neue beschäftigt. F. KÜKENTHAL Haben Sie in letzter Zeit arifere TUFUMA geraucht UFUMA ■ emtinben u nilft ein« f ffilib näch- Die Srbtütn itien, sie soll mtrben. - rtlbjag rgeönls wjlA w । gtlWt- einberat: iirobe um tinbrud)9 bet ^adjloer- her sestgelitzi lünfiige ßoflt, - Die Kosten is Lachbeitee M Mi. Die j fiupHalauf- gcbetft Ml it ein gioher unb t)rd Ist ! Aut neuen flapilol von Weller beim n Hmdtvet! 1 er auch, unb itatieren, mit ) die 2Wc ?ma Ist immer es ins geQßB- er die daraus jaaM. E geführt, oft ortUIg * nte vtalog, iS dahinter n AMI«, jie an ein >ie oft sehr k w der-n linder Zen aber arbeitet aus unserer *‘Ä i FortschnttS « auf M Mllen tM ix Hins ’i'M bemertbni «n Wktun 1 «" Aun! Whfllg Rechner Je.jn öer Ei 3ij«r »etoii. W von Wgungb« W Mir >i- dir neue »hres unter Turnen, Sport und Spiel GiferS, Schwun- auch die Spielweise geändert, die Gießener zeigten sich den Einheimischen nunmehr um eine Kleinig- —V aber ni< anstoß TabeNe der B-Älaffe. Spiele gew. unentsch. 5 5 5 4 5 4 Punkte 8 6 6 3 3 2 „Hessen" Gießen Laubach Vollbringen Lrch Fronhaufen Lollar perl. 1 2 2 2 3 3 siegle der Platzverein, vermöge seines über die bessere Technik. ach befonders blumig und mild, tferem alt berühmten Sortiment angepaßt, einigen Wochen auf dem Markt. Geschäftliches. (Eine Verbilligung der großen Hauswäsche erreicht die Hausfrau, wenn sie die neuartige pulverisierte Seife „Suma" von der Sunlichl, Mannheim, verwendet. Sie ist von außerordentlicher (Ergiebig, feit; ein Paket ergibt 4 Eimer waschkräftigster Lauge. Die Verwendung von Suma gewährleistet zugleich vollkommenste Schonung des Waschgut«», Hilst also auf doppelte Weise sparen. Die Kaffeebohne verlangt die Zutat von $bbei’s karlsbader Zur stärkeren Entfaltung ihres Reichtums an Duft und Würze! ia, sie erzielten wieder eine Ecke, brachten chts Zahlbares zuwege. Aach dem Wieder- Halte Gießen nicht nur den Platz, sondern Wetzlarer Sport. F. L.—Hessen Frankenbcrg 1:1 (1:0). y. Der Futzball-Dlub konnte tkotz seiner, besonders in der ersten Halbzeit zutage tretenden LIeberlegenheit keinen Sieg zustandebringeit. Der anfangs gut zusammenspielende Sturm arbeitete zahlreiche Torgelegenheiten heraus, ohne diese nutzbringend zu verwerten. Nur ein Tor schoß der Halblinke Schindler in der ersten Halbzeit. Nach dem Wechsel ließ die Wetzlarer Els merklich nach, Frankenberg kam mehr und mehr aus und sah seine Drangperiode mit dem Ausgleich belohnt. Schiedsrichter Klier zu- sriedenstellend. Niedergirmes—Dillenburg 4:3. Ein weiteres Kreisligaspiel in Wetzlar, das Niedergirmes bis Halbzeit mit 3:0 ansührte. dann wurde deren guter Mittelläufer verletzt. Dillenburg holte drei Tore auf, muhte sich aber den stegbringenden 4. Treffer gefallen lassen und blieb weiter am Tabellenende. Kurhessen—Polizei Kassel-F. T. Polizei Wetzlar 7:6. Der Bezirksmeister F. C. Polizei muhte nut 4 Mann Ersatz in der Hintermannschaft antreten, wuhte sich aber durch ausgezeichnete Stürmer- leistungen innerhalb 8. Minuten mit 0:3 in Vorteil zu setzen. Einem 3:1 setzten die Wetzlarer 4:1 entgegen und hielten bis Halbzeit den Kamps jederzeit offen. Dann trat die lleberlaftung der schwachen Wetzlarer Hintermannschaft mehr und mehr zutage. Ständiges Drängen der Kasseler brachte ihnen in der letzten Minute einen glücklichen 7:6°Sieg. Schiedsrichter Freund Hessen Preuhen Kassel leitete gut. Nischen Mängel damit nicht ausgleichen. Der Kamps um die Vormachtstellung in der ^-Klasse, Gruppe Ligavereine, endete mit einem knappen 1:0-oieg der Reserveelf der Spielvereinigung 190 0 über die Ligareserve des V. f. B. Gießen. Das ausgeglichene Spiel stand beim Wechsel noch 0:0, dann verschoß 1900 einen Hand-Elfmeter, konnte aber kurz darauf bei leichter Lieberlegenheit durch seinen Halblinken mit einem Tor in Führung gehen, die bis zum Schlußpfiff nicht mehr abgegeben wurde. Die 3a- (Lehr)- Mannschaft hatte gute ^-Klasse als Gegner. Trotzdem mußte B. C. 1920 Sinn eine 5:2-Niederlage einstecken (Halbzeit 4:0). 3n der zweiten Hälfte liehen die Einheimischen, die mit einigem Ersah antraten, merklich nach, so dah bk Gäste zu zwei Erfolgen kamen. Die 3b gewann gegen die gleiche vom V. f. V. Gießen das DerbandSspiel kampflos, da der Gegner infolge Spielermangels verzichtete. Eine neuzusammengestellte Sondermannschast war in Gardenteich und brachte einen ll:2-Sieg mit zurück. 1. Äugend gegen D. f. D. Friedberg in Friedberg 3:3. «Halbzeit 3:1 für Friedberg.) 2. Jugend In Lich gegen V. f. R. Lich 2. aktive Mannschaft 2:1 gewonnen. 3. Sugenb gegen Lich 1. Jugend 1:0 verloren. 1. Schülermannschaft gegen Schüler Lollars in Lollar 2:1 gewonnen. Die Kreismeifterschaftsspiele im Arbeiter-Turn- und Sporibund. Gießen schlägt Friedberg 3:2. £ Zum zweiten Spiel um die Kreismeisterschaft trat der Dezirksmeisler Gießen am Sonntag gegen den Dezirksmeister des 6. Bezirks, Friedberg, auf der dortigen Seewiese an. Die eigentlichen Sportplätze befinden sich gegenwärtig, in der Neuherstellung, die Stadtverwaltung Friedberg stellte deshalb ein Stück Wiesengelände zur Verfügung, das alle Nachteile eines provisorischen Sportplatzes in sich barg. Die Bodenverhältnisse benachteiligten Gießen stärker als Friedberg. Durch diesen Umstand dauerte es fast die ganze erste Spielhälfte, bis sich die Giehener zurechtfanden. Friedberg spielte vom Anstoß weg einen außerordentlich durchschlagskräftigen Fußball, hatte fast während der ganzen ersten Spiel- Hälfte mehr vom Spiel als Giehen und hielt deren Hintermannschaft einschließlich des Tormanns andauernd in Atem. Nach her Pause hatte Giehen feine Kombinationsmaschine eingestellt. Ihrem guten Stellungsspiel und der gewahrten Disziplin verdankt die Mannschaft den Sieg. — Dec Anstoh Gießens, geschickt eingeleitet, landete in den Armen des abnorm großen 'Friedberger Tormannes. Nach 30 Minuten Spielzeit glückte ein Plazierter Äauss Friedberger Tor, den der Tormann noch zur Ecke lenken konnte. Diese konnte vom Halblinken Gießens zum Führungstor verwandelt werden. Sn der 40. Minute erzielte Friedberg durch einen wunderbaren Schuß seines Linksaußen das Ausgleichstor. Dieser Erfolg brachte die Friedberger nochmals stark in Drechsler ober Dreher Siebmacher, Seiler, rstenmachec u. a. Auf dem flachen Lande fohlten die Gewerbetreibenden: hier wohnten naturgemäß in erster Linie die Bauern. Das platte Land war demzufolge auf die Erzeugnisse der ermähnten Zünfte angewiesen. Durch die vereidigten Funst- mtifier wurde der Preis der Erzeugnisse nach ihrer Güte und Beschaffenheit entsprechend festgesetzt. Die Zunft der Loebcr und Weißgerber besteht längst nicht mehr. Eines der geanmen Gewerbe scheint nunmehr auch auf dem Aussterbeetat zu stehen, das Gewerbe des Drehers. Wenn auch früher in der Umgegend einige Drechsler anzutrefsen waren, so sitzt heute nur noch In Homburg ein wackerer Aus dem Turngau -essen. bpw. Butzbach, 14. Nod ®cr f ü n f t e Bezirk i m Turngau Hessen hielt heute hier unter Leitung der Bezirksturnwarte H a r t - mann (Bad-Nauheim) und Lang (Langgons) feine erste Bezirksvorturner stunde im neuen ArbeitsjÄr ab. Der Besuch war recht gut Es waren 34 Vorturner erschienen. Von den 25 Vereinen des Bezirks waren nur Stern- furth, Wölfersheim unD Rockenberg nrcht vertreten. Durchgeturnt unb eingehend besprochen wurden die Freiübungen für das ©au- und das Kreisturnfeft. ferner der vorgeschrrebene Uebungsstoff an den Geräten. Die Hebungen für Dafl BezirkSgerätewetturnen wurden bekanntgegeben Bei der nächsten Bezirksvorturnerstunde, die voraussichtlich am 12. Dezember in Bad- Nauheim stattsindet, werden die Orte bestimmt, an denen das Geratewetturnen und das volkstümliche Bezirtsturnsest im nächen Jahre abzu- halft find. Bis jetzt liegen Meldungen nicht vor. Interessant war die Mitteilung des De- zirüSturnwarts, dah von den 67 Musterriegen, die beim Gauturnfest in Nidda geturnt haben, allein 23 der fünfte Bezirk gestellt hat. Die Arbeiter-Futzballer im 3. Bezirk. £ Zu ihrem ordentlichen Fuhballtag trafen sich die Dereinsvertreter am Sonntag im Gießener Gewerkschaftshaus. Die Tagung war außerordentlich stark besucht. Kegel-Wetzlar als Geschäftsführer, St rack-Gießen al« Rechner, Kahl-Gießen für den D-A. und Nuppel- Gießen für die Schiedsrichter-Vereinigung erstatteten die einschlägigen Berichte, aus denen hervorging, daß es mit der Fußballbewegung unaufhaltsam vorwärts gebt, dah vor allem die Zugendbewegung recht gute Fortschritte gemacht habe und der dritte Bezirk hierin an der Spitze des 9. Kreises marschiere. 3n den nunmehr abgeschlofsenenDerbandssvielen wurden 200 Spiele durchgeführt. Den Berichten schloß sich ein beifällig 'aufgenommener Vortrag des KreiSspiel- leiterS S ch m i d t - Frankfurt a. M. an. Dessen Antrag, von 1927 ab die Kreisklasse (an Stelle der seitherigen Bezirksspiele in der ersten Klasse) zur Einführung zu bringen, wurde einstimmig angenommen. Die Wahlen erbrachten die Wiederwahl der meisten Funktionäre, D e ch - Wieseck wurde als 3ugenbleiter bestimmt Die Einführung der Kreisschule für Fußballspiele innerhalb des dritten Bezirks wurde einstimmig beschlossen. Hierdurch will man eine bessere technische Durchbildung deS einzelnen Spielers unter Berücksichtigung des gesundhettlichen Wertes des Fußballspiels erreichen. Den Beschluß der arbeitsreichen Tagung bildete eine Ehrung der Freien Turnerschaft Gießen, der es mit drei Mannschaften gelang, die Ehren eines Bezirksmeisters in ihren Klassen zu erringen. V. s. B. (-) Sie Ligamannschaft mußte nach zwei glänzenden Siegen am Sonntag die zweite Niederlage einffeden; sie muhte sich mit 3:0 den Kasseler „Hessen" beugen. Die Mannschaft mußte ohne Kreß I antreten; die Ausstellung Biirgels dürfte verfrüht gewesen sein, sie bedeutete keine Verstärkung, da B. durch feine Verletzung an der vollen Entfaltung seines Könnens noch stark behindert war. Bei Halbzeit lautete das Resultat noch 0:0; bei kompletter Mannschaft wäre dis dahin der Sieg sichergestellt gewesen. Erst in den letzten 25 Minuten kam Kasses auf und konnte dreimal einsenden. Das Treffen Spielvereinigung 1900 Ligareserve gegen V. f. B. Ligareserve war wenig geeignet, für den Fußballsport Propaganda zu machen. Ob daS Schlußergebnis 1:0 für 1900 oder 1:1 lauten soll, wird sich erst noch Hären. Heuchelheim« Zweite trug gegen die Dritte V.f.B. ein Gesellschaftsspiel aus. Mit 5:1 muhte sich Heuchelheim geschlagen bekennen. Die 1. Jugendmannschaft spielte gegen Lollars 1. Jugend. 3:2-Sieg für V. f. B. Während die 2. Jugendmannschaft gegen die 1. Jugend von Leihgestern nur ein recht mageres 3:3 herausholen konnte, machte die neuausgestellte 3. Jugend durch ihren 2;0-Sieg über Leihgesterns 2. Jugend einen verheißungsvollen Ansang. leit überlegen. Schon in der zweiten Minute erzwangen sie eine Ecke, die zwar abgewehrt tputhe, aber kaum üWt die Mittellinie hinaus- fam. Nach abermals zwei Minuten gab Gießens LinkSaußen eine präzise Flaicke auf» Tor, die zum zweiten Treffer etnqebriidt wurde In zwei weiteren Ecken zeigten sich die systemvolten Angriffe der Gießener. Auch Friedberg lief zu feiner bestmöglichen Form auf, so daß ein überaus spannendes Spiel gezeigt wurde. Kurz hintcr- cinanber fielen zwei Ecken für Friedberg. In der 27. Minute unterband ein Friedberger Verteidiger einen Angriff der Gießener unsatr: Elfmeter — verwandelt! Damit führte Gießen 3: 1. Die Friedberger gaben dem Spiel nunmehr eine recht scharfe Note und svielten rücksichtslos auf Sieg, so dah der Schiedsrichter oft eingreifen mußte. Diesem ungestümen Drang verdankten sie auch ihren zweiten Trefser. Der Nest der Spielzeit gehörte wieder fast völlig den Einheimischen. Die gegebene Spielverlängerung wickelte sich nur vor dem Giehener Tor ab, olw- daß jedoch die Friedberger zu dem ersehnten Ausgleich gelangen konnten. Sie mußten dem technisch besseren Meister des 3. Bezirks die wertvollen Punkte überlassen. 5p, D. Fronhausen- ..Hessen" Giehen 3:2 (2:1). ö. Gs war ein Spiel der verpatzten Momente. Trotz dauernder Feldüberlegenheit dec „Hessen'* Die 1. Hchülermannschaft hatte gegen die durch Jugendspieler verstärkte Schul er Mannschaft LichS einen schweren Stand. Die 2:1-Niederlage gegen den körperlich weit stärkeren Gegner ist als sehr gutes Resultat für die kleinen Gießener zu bezeichnen. Ebenso erging es der 2. Schüler- Mannschaft, die mit der knappsten aller Niederlagen, 1:0. davvnkam. Auch ihr Gegner, die Zweite Lichs. war verstärkt gewesen. Spielüereinigung 1900 Gietzen. Ö. Der vergangene Spielsonntag endete für die Vereinigten überaus erfolgreich. Die Liga Mannschaft kehrre vorn Spiel in Herborn mit einem 4: l°Sieg zurück. Gießen 1900 war in diesem Spiel die in allen Teilen besser durchgebildete Mannschaft und zeigte vom ersten bis zum letzten Mann einen selten gezeigten lobenswerten Eifer. Auch die Gastgeber spielten Überaus eifrig, konnten jedoch ihre tech- Hungen, Ulfa usw. will sich die Stadt, wenn ihre Wünsche unb Interessen berücksichtigt werden, beteiligen, auch die nötigen Gelder zuschießen ch Eichelsdorf, 18. Nov. Das Revier Eichel»- dorf, Rsgiefogb des Forstamts Eichelsdors, da» als Standort der „Dicken (ficht“ große Anziehungvkrast auf Wanderer unb Naturfreunde ausüdt, besitzt nach jahrelanger Schonung und Wildpflege einen ReH - bestand, der fast wieder die Borkriegs- stärk« erreicht. Eine in dem verhältnismäßig kleinen Jagdgebiete abgehalten« Irctbjagö hatte, obgleich nicht all« Jjegtn getrieben mürben und nur der Abschuß schwächerer stücke frei gegeben war, ein für diesjährige Treibjagden sehr gutes Ergebnis: 6 Rehe, 3 Hafen, 1 Fuchs. ld. Aus dem oberen Niddatal,15. Nov. Auf den herbstlichen Wiesen fallen eben, besonders in den Tälern, dunkler gefärbte Flächen in die Augen, de sind dies In den beiden letzten Regen- jähren versumpf«, von D' n s e n und Schneidgras überwucherte Stellen, die, wenn ihnen nicht rasch und mit aller Kraft zu Leibe gerückt wird, im Laufe einiger Jahre die Ber- jauerunfl ganzer Witsengründe herbenuhren. Die Gröhe der drohenden (Befabr tennenb, finb eben viele Landwirte damit beschSfügt, die Entwässerung der gefährdeten Wiesen durch Ausheben von Graben, Aufräumen alter und Anlage neuer Erd bauten in die Wege zu leiten. Allgemein gibt man der aus Steinen gestellten drbbaute gegenüber der mit Hilfe von Tonröhren geschaffenen Entwasse. rungsanlage den Vorzug. — Der Handel mit Aepfeln, der im Herbst trotz der nicht sehr reichen Ernte sehr lebhaft war, ist f a st z u m Erliegen gekommen. Nachdem die Verbraucher ihren Winterdedors erworben haben — den (Selb- Verhältnissen entsprechend kleinere Mengen als in den Vorjahren —, sind bei vielen vbstzüchtern Rest- bestände vorhanden, die, zumal die chönsten Früchte ausgelesen sind, nur schwer Käufer inden. Auch die vbsifuhren In den hohen Vogelsberg sind In diesem Herbst ein schlechtem Geschäft, weil die Bewohner vielfach aus Geldmangel aus Obsterwerb verzichten; größere Wagenladungen Aepfel muhten, um sie loszuwerden, verborgt oder auf dem Wege des Tauschgeschäftes abgesetzt werden. )_/ Ruppertsburg, 14. Nov. Gestern sand bei erste Gemeindeabend, veranstaltet vom hiesigen Zweigverein des Evangelischen B u n- d e s statt. Etwa 100 Personen hatten sich dazu ein- gssunden. Der Posaunenchor trug wesentlich zur Derschöneruiig de» Abends bei. Der Ortsgeistliche, P arrer V. Fritsch, hielt eine kurze BegrÜhungs- r»ve, hierauf sprach Pfarrek Hochdahl au» Dexheim über „Rom und Wittenberg". An den Vortrag schloß sich eine Aussprache, namentlich über das „Konkordat". A Rudingshain, 15. Nov. Die Bestände unseres Gemetndearchivs sind von Pros. Dr. 3t o e c d) e n, Laubach, in der vorigen Woche genau verzeichnet morden. Der Kreis-Urkundenpfleger hat sich sehr befriedigt über die Reichhaltigkeit der alten Akten «äußert. Unser Dorf wird um 1350 in den Synodalregistern von Mainz in Serbln- düng mit Schotten und Rainrod ausgeführt. Dieses tirchliche Verhältnis mit Schotten und Rainrod hat sich bis zur Gegenwart erhalten. L Gonterskirchen, 15. Roo. Dieser Tage wurden ini gräflichen Walddistrikt Lingelbach (benannt nach einem linken Seitenbach der Horloff) zwischen dem .Lagerhaus" und unserem Dorfe 10 vtück Schwarzwild, geführt von einem riesigen Keiler, von einem hiesigen Bewohner gesehen. [ Michelbach, 15. Rov. Das vor kurzem angelegte Z u j a tz - P u m p w e r k für unsere Wasserleitung befriedigt vollkommen; die Wassermenge der Leitung au» dem „Gackerstein" (östlich des Dorfes) genügte nicht mehr. Das neue Pumpwerk führt das Wasser aus der „Hermanns- wiese" (südlich des Dorfes). Kreis Alsfel'o. »-*> Alsfeld, 15. Roo. Am Samstagabend fand das zweite Ga st spiel des Gießener Stadtthcaters für die Winterspielzeit 1926/27 im „DsutjHen Haus" statt. Zur Ausführung gelangte das Schauspiel „Der alte Textor" von Geisow. Das fein ausgeglichene Zujommenspisl der Gießener fand allseitigen, lebhaften Beifall, die Besetzung aller Rollen war sehr aut; besonders gut gefiel In der » durchgeführten Rolle des alten Tvxtor o I ck, der einen ausgezeichneten Stadtschultheißen abgab. Auch die übrigen Mitwirkenden taten ihr Bestes, um zu der schönen Gesamtleistung beb !utragen. Wie wir hören, ist für die nächste Anführung in Alsfeld Sudermavns „Johannis- euer' in Aussicht genommen. -er. Homberg a. d. Dhmz 15. Rov. «chon vor vielen hundert Jahren war Homberg eine Stadt, in der man die mannigfaltigsten (Bewerbe antraf. Im Jahre 1065 wird sie zum ersten Male urkundlich erwähnt, und im Jahre 1360 schon als Stadt genannt. Sie zählte um diese Zelt zu Den angesehensten Städten des Hessenlandes, denn ihr Reichtum war damals ziemlich bedeutend. Durch den emsigen Fleiß ihrer unzünftigen und zünftigen Bürger vermehrte sich dieser Wohlstand ständig. Im Lahre 1587 wies Homberg sechs Zünfte auf; es waren die der Böcker, Metzger, «chuhmaetzer, Wollweber, Qoebcr und Weißgerber. Ihre Zahl flieg später; es kamen noch andere Geweroe hinzu: Töp- A ch t ö i 9 j ä h r i g e r. der die Spinnräder von hier und aus der Umgegend repariert oder gar neue an» fertigt. Nie melden sich Lehrlinge, um diese» Gewerbe zu erlernen. = Ober-Ohmen, 15. Nov. Unser Bolls- bildungsoerein veranstaltet in diesem Winter eine Reihe wertvoller Borträge. U. a. werden Dorträge geboten über Einführung in die Naturwissenschaft, Gesetzes- und Dersassungskunde, Boden- bearbeitung, Düngung, Saat und Ernte, ferner wöchemlich zweimal Borlesungen über Chemie. Für die 'tieranftaltungen macht sich reges Jnteresie bemerkbar. Gebr. Imheuser Das Haus der guten Qualitäten Eine Konfektionswaren-Ausstellung Büchern. 07993 Anzuge und Mäntel Sie werden zu außerordentlich 2300 günstigen Preisen ausgestellt I Textilwaren 4500 mir kaufen bei kV 6900 Der Vorstand 9419a fcX Wollkleid bester Popeline in viel. Farben, Pllssä- 4 akq und Faltenrock . I Wollkleid ausbestemRips.ent- zückende jugend- Q QQO liehe Form...... ÖZ Tanzkleid Stilkleid in Taft, geschmackvolle Mach- 37°° Wegen Sonntagsruhe kann am Sonntag kein Verkauf stattfinden. — Den Mitgliedern soll die Möglichkeit gegeben werden, die Waren am Sonntag zu besichtigen und kann dann der Verkauf am Montag erfolgen. 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Einen gesunden Schlaf unö damit eine Kräftigung des aanzen Wetuctv syslemS erzielen Sienurdurch den $7zas Recht hat, von wirklicher Studentennot zu sprechen, so ist das in Böhmen und Mahren der Fall, wo es sich nicht nur um eine mehr oder minder vorübergehende Rotzeit handelt, wie zur Zeit der Inflation in Deutschland, sondern um einen Dauerzustand, der sich kaum in der nächsten Zeit mildern oder gar beseitigen lassen wird. Ans liegt ein vierter Jahresbericht des Vereins Deutsche Studentenfürsorge für bie deutschen Hochschulen in Prag vor, in dem von ber umfangreichen wirtschaftlichen Fürsorgearbeit in der Prager Studentenschaft berichtet wird. Zwei Studentenwohnhäuser werden unterhalten, ferner eine Studentenküche, die täglich bis zu 900 Studenten speist, usw. Unb man hat den Eindruck, daß diese Einrichtungen in einem viel höheren Maße aus der studentischen Wirtschaftsnot heraus geboren sind, als etwa an einer reichs- deullchen Hochschule. Wer einmal die deutschen Hochschulen in der Tschechoslowakei mit eigenen Augen gesehen hat, weiß, wie trostlos dort vielfach die Verhältnisse liegen. Trotzdem ist man auf Selten der sudetendeutschen Professoren und Studenten entschlossen, den Existenzkampf fortzuführen und immer von neuem das gute Recht auf eigene kulturell«! Existenz geltend zu machen. Die Sudetendeutschen rechnet- in ihrem Kampf auf moralische älntetftübung in Deutschland. Tatsächlich läßt es die reichsdeutsche Professoren- und Studentenschaft hieran im allgemeinen nicht fehlen. Bekanntlich gehört die sudetendeutsche Studentenschaft als Kreis 9 zur Deutschen Studentenschaft. Die reichsdeutschen Professoren, soweit sie im Verband der Deutschen Hochschulen zusammengeschlossen sind, haben ebenfalls den sudetendeutschen Hochschulen wiederholt ihre Sympathie bewiesen. Wünschenswert wäre es, wenn in stärkerem Umfang als bisher ein Austaufch von Professoren und Studenten zwischen den reichsdeutschen und sudetendeutschen Hochschulen stattfinden könnte, damit noch deutlicher die kulturelle Zusammengehörigkeit diesseits und jen^ts der Reichsgrenzen in das richtige Licht geruckt wird. Ein Besuch in der pariser Ztudentensiedlung. „Frankreich muß seine Elite retten. Unterstützt die StudentensiedlungI" Dies ist der Wortlaut des Stempels, den jetzt die französische Post auf jeden in Paris abgesandten Dries aufdruckt und der vermutlich bei manchem Deutschen die Frage entstehen ließ, was diese „Cite unl- versitaire“ eigentlich sei. An einem sonnigen, herrlichen Tage ließen totr und von einer kleinen deutschen Studentin das Märchenland zeigen, das der französische Staat so energisch zu retten versucht. E. und L. Deutsch la Meurthe heißt das Stisterpaar, dessen Büsten aus hohen Sockeln am Eingang zu den Empfangs- räumen stehen, und „dieser Deutsch la Meurthe muß schon ein ganzer Kerl gewesen fein“, sagen die Studenten. Jedenfalls verstand er es, den französischen Staat zu bewegen, die Stiftung zur Hälfte mit ihm zu schaffen. Er verpflichtete sich, soviel zu geben, wie der Staat zu geben gewillt war. Und bann baute er die Siedlung. Man erzählt, jede Einzelheit fei von ihm überlegt und überdacht worden, und Legenden spinnen sich um feine Tatkraft und Fürsorge für die Stu- benten. Was entstand, ist jeden'alls eine Verwirklichung der kühnsten Träume. Die Siedlung ist beinahe außerhalb der Stadt gelegen, doch so, daß sie fehr leicht von der Universität au3 erreicht werden kann, und der Eingang in die Siedlung befindet sich gerade gegenüber dem Eingang in einen der schönsten Gärten von Paris, den parc Mon Souris. Die Gebäude bilden ein Viereck, in dessen Mitte ein Garten angelegt ist, der hauptfächlich aus kurz geschnittenem Rasen besteht. Die Gebäude sind dreistöckig, hell, stellenweise durch 6äulengänge vereint, mit noch jungem E'eu bewachsen. Sie haben viele kleine Die wirtschastrhilse der deutschen Ztudentenichast. Don Geh. Rat Dr. Runkel, M. d.R. Vor mir liegt der Geschäftsbericht der „Wirt- schastshilse der deutschen Studentenschaft e. V.". Er gibt zunächst rein geschäftsmäßig Auskunft über die letzte Jahresarbeit des genannten Vereins. Er kennzeichnet übersichtlich an der Hand eines erschöpfenden Zahlenmaterials Um'ang unb Art seiner Tätigkeit und legt Rechenschaft ab über Aufgabe an) Einnahme während des Geschäftsjahres 1925,-26. Die Organisation ist neueren Datums. Aufgabe und Zweck ergibt sich aus § 2 seiner Satzungen: „Die Wirtschaftshllfe ber deutschen Studentenschaft vertritt im Auftrage der deutschen Studentenschaft als wirtschaftliche Spitzenorganisation die Wirtschasts- interesfen der gesamten deutschen Studentenschaft, führt alle hieraus nötig werdenden Verhandlungen mit den Behörden und mit Zentralverbänden und vertritt die studentischen Wirtschaftsfragen in der Oe fentlichkeit unb der Presse des In- und Auslandes." Als Spitzenorgani- fation unterstützt sie die örtlich bedingten Wirt- fchaftskörper an den einzelnen Hochschulen, die der Studentenschaft die praktische Wirtschaftshilfe durch Einrichtung von Mittagstischen. Besorgung von Wohnungen, Wäsche und anderen wirtschaftlichen Erleichterungen leistet: sie schafft bie zentral benötigten Geldmittel, die von Reich, Ländern. Städten, Landgemeinden, Verbänden und Mitgliedern aufgebracht werden. Auch für Dau und Einrichtung von Studentenheimen, für Gesundheitspflege, besonders Tuberkulosenfür- sorge und Heilausenthalte. werden durch die Wirtschaftshn e Wittel ausgebracht. Ein Amerika- Werkstudenten-Dienst ist eingerichtet, der jährlich bis zu 100 Studenten, die ihr Studium abgeschlossen haben, in erster Linie Technikern, bie Möglichkeit gibt, in Amerika praktisch zu arbeiten. Weiter wurden Beiträge ber „Stubenten- ftiftung des deutschen Volkes" zur Verfügung gestellt, um ganz ausnahmsweise wissenschaftlich befähigten, menschlich wertvollen unb tüchtigen Abiturienten beiderlei Geschlechts, denen bie Mittel zur alleinigen Durchführung eines Studiums fehlen", das Hochschulstudium zu ermöglichen. Die wirtschaftliche Bedeutung der „Wirt- schastshilse' ergibt sich aus einigen Zahlen, die ich dem Jahresbericht entnehme. Das Reich hat in diesem Jahr ber „Wirtschaftshilfe" 3 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Allerdings geht davon ungefähr die Hälfte ab als Beitrag für die ber „Wirtschaftshilfe" eng üerbunbene unb sie ergänzende „Darlehnskasse" ber deutschen Studentenschaft. Insgesamt standen der „Wirt- schaftshilse' im letzten Geschäftsjahr über 1 600 000 RM. zur Verfügung, von denen die Studentenschaft durch Beiträge allein über 60 000 RM. ausgebracht hat. Der Bericht bedeutet aber mehr als Ausstellung eines geschäftlichen Tatsachenmaterials. Er ist ein deutsches Kulturdenkmal von größtem Ausmaße. Denn das ist das ideale Ziel der stu- dentifchen „Wirtschallsh.le": Sicherung des akademischen Rachwuchses und damit Erhaltung eines starken Kultursaktors, ohne den die deutsche Kultur nicht auf ihrer Höhe erhalten werden könnte. Denn gerade für bie Erhaltung ber geistigen Kultur ist ber akabemische Rachwuchs aus denjenigen Kreisen, welche die „Wirtschaftshilfe" dem Studium erhalten will, von größter Bedeutung. Es handelt sich hierbei um den Rachwuchs aus dem Mittelstand und Beamten- stand, auch aus dem Arbeiterstand, der unter der Kriegs- und Rachkriegszeit am meisten leidet unb von dem Hochschulstudium fast ganz aus- gefchlossen wäre, wenn sich wirtschaftlich seiner nicht angenommen würde, in einem Umfange, wie es durch die „Wirtschaftshilfe" geschieht. Gerade aus diesen genannten Kreisen wurde der Hochschule früher wertvolles Menschenmaterial zugeführt. Männer unb Frauen, die als erste geiftige Generation neben dem Willen zur ziel- oewuhten Arbeit auch die Berufs- und Schaf- senssreude mitbrachten, die den inneren „ ‘Bert jedes Kulturträgers ausmachen Auch noch nach einer anderen Seite hin wirkt sich die kulturelle Bedeutung ber „Wirtschaftshilfe" aus. Sie verhindert, daß nur bie Söhne unb Töchter bet Wohlhabenden unb Reureichen sich dem akademischen Studium zuwenden. die, wirtschaftlich ausreichend gesichert, oft den Ernst der geistigen Arbeit verkennen unb ihn auch während des Studiums vielfach nicht auf bringen. Mit ber Erhaltung des studentischen Rachwuchses durch die „Wirtschaftshilfe" wird erst die durch den Welttrieg unb seine Rachwirkung bedrohte deutsche Kultur in ihrem Bestände und in ihrem weltbefruchtenden Doranschreiten gefichert. Denn nur dasjenige Volk wird in dem immer stärker sich anhebenden kulturellen Wettbewerbe bestehen, das die umfassendsten deutschen Kräfte einseht und damit kulturelle Dauerwerte schasst. Die Sicherung des studentischen Rachwuchses bedeutet zugleich aber auch Sicherung der kulturellen seelischen Kräfte selbst auf dem Gebiet des Denkens, Wollens und Fühlens. Ihr Betätigungsfeld ist die Arbeit, ist jedes geistige Ringen unb Kämpfen um Durchsetzung und Dor- wärtskommen. Unb gerade weil das Leben und ©treben ber durch die „Wirtschaftshilfe" gewonnenen Kräfte auf Arbeit traditionell eingestellt ist, tragen sie so unendlich dazu bei, daß dies deutsche Wertkapital in seiner vollen Auswirkung dem deutschen Volke erhalten bleibt. Die zielbewußte geistige Arbeit ohne Selbstzweckeinstellung hat das deutsche Volk zum führenden Kulturvolk gemacht. Sie allein wirb ihm die gewaltsam genommene Führerstellung auch zurückgewinnen. Hierbei müssen alle Kreise helfen, keine dürfen fern bleiben, am allerwenigsten bie, bie bislang so hervorragenben Anteil an ber Schaffung der Weltkulturwerte gehabt haben. So gewinnt die „Wirtschaftshilfe" eine große nationale Bedeutung: sie schasst weitere wertvolle Kulturarbeiter unb Kulturträger, erhält und steigert in unb durch die gewonnenen Kräfte die altbewährten unb sortschrittbebingenden deutsch-seelischen Eigenschaften unb sichert damit Deutschlands Anteil an seiner kulturellen Weltgeltung. Vor allem erhält sie in ber beutschen Jugend durch Befreiung von den brüdenbften Wirtschastssorgen den schönen emportragenden Idealismus, bet immer bie Quelle bes Fortschritts unb zielbewuhten Weiterstrebens gewesen ist und gerade heute unserer akademischen Jugend neue Ziele unb Wege weist, ber aber auch zugleich durch den Umsatz idealer Werte in Leistungen dem materiellen Wohlstände deS Dolles wertvolle Dienste leistet. Aber noch nach einer anderen Seite hin ist die studentische „Wirtschaftshilfe" kulturell wertvoll. Hinter ihren sich praktisch ausw rken- ien Leistungen liegen direkt in die Augen springende ideale Werte: Die „Wirtschaftshilfe" ist eine hervorragende soziale Veranstaltung. Sozial in ihrer Einrichtung, weil sie aus ber Rot geboren unb auf Rot eingestellt, von bem sitt- llchen Gemeinschaftsgedanken getragen ist. well sie ferner bartut, was Zusammenschluß und gemeinsame Arbeit Pich mit kleinen Mitteln Großes leisten kann: sozial auch in ihrer Aus- Wirkung, weil sie ben Betreuten den Wert einer letzten Eni es von ethischen Orunbfä' en getragenen Arbeitsgemeinschaft täglich in ihrer Arbeit vor Augen führt unb ihren Wert für ben einzelnen an sich selbst erleben läßt, so daß sie ifjm zu einer sozialen Erziehunasfchule wird für eigene spätere Lebensausgestaltung: sozial weiter in ihrer Auswirkung auch insofern, als sie in einer materialistisch-egoistischen Zeit weite Kreise unseres Volkes zu solch helfender unb opferwilliger sozialer Kulturarbeit hcranzieht unb sie so ihrer Verpflichtung gegenüber den im DollSganzen ruhenben wertvollen Einzellrällen bewußt macht ohne Selbstzweck unb egoistische Berechnung, nur getragen von selbstloser unb opferwilliger Liebe zum Volk und Volksgenossen. So kann man nur dem Wunsch Ausdruck geben, daß die kulturell so wertvolle „Wict- schaftshilse ber deutschen Studentenschaft" an ben deutschen Hochschulen noch mehr bekannt, unterstützt und finanziell getragen werde von Reich unb Ländern, Stadt und Land, Organisationen unb Einzelpch^onen, damit sie nicht nur eine wirtschaftliche Roteinrichtung der Gegenwart bleibt, sondern weiter ausgebaut, eine deutsche Kultureinrichtung von Dauer werde zum Segen ber gesamten deutschen In- und Auslandkultur. $ü.nne uni> gieouge Dächer. Das ganze licht etwas englisch ans. ober die Seine Führerin meint, dies sei ja normannischer Stil und die Franzosen seien recht böse, wenn man es für englisch hält. Jeder der hier wohnenden Stichenten und jede Studentin hat ein eigenes Zimmer, das außerordentlich schön, wenn auch einfach, möbliert ist. die Zimmer in dem Studentinnenpavillon haben einen kleinen Aebenraum — cabinet de toilette — mit kaltem und warmem Wasser, die Räume der Studenten haben nur fliehendes kaltes Wasser. Wie wunderbar, wie sorglos muh es sich in diesen luftigen Räumen arbeiten lassen! Aber sollte auch der Fleiß und der Ei'rr erlahmen, sollte die Müdigkeit einen übermannen, so muh man nickt in das lärmende un2> hastende Paris nach Zerstreuung und Abwechslung eilen: denn in dem grohen Pavillon, der wie eine Kirche auSsieht und von dessen Turm herab man eine wunderbare Aussicht auf ganz Paris genieht, sind allerhand Räume da, in Denen man lesen, musizieren, turnen, tanzen oder sich auch einfach mit gleichalterigen Kameraden und Kameradinnen unterhalten kann. Es scheint, dah der Jugendfreund, der dies Jugendheim geschaffen hatte, an alles gedacht hat, denn auher einigen Klavieren weist das Syiufc auch ein Harmonium auf, und für diejenigen, die neben ihren Studien Malerei treiben, sind zwei, richtige Malerateliers vorhanden. Zehn Tageszeitungen, verschiedene Monatsschriften und eine Bibliothek gewähren Lesestoff. Gin Restaurant ist in einem der Pavillone vorhanden, in dem man sich zwar selber bedient, aber wo man auher- ordentlich gut für sehr billiges Geld zu essen bekommt. ilnb die Zimmer kosten 150 Frank monatlich. was ein Drittel des normalen Preises für derartige Zimmer beträgt. Keine Hausordnung begrenzt die Bewohner der Siedlung in der Ausübung vollster Freiheit. Meistens sind es arme Jungen, die sonst nicht imstande wären, ihre Studienjahre hindurch das teuere Pariser Leben zu bestreiten und auf ihre Studien verzichten oder sich in den kleinen dunklen und oft unsauberen Zimmern des quartier latia für billiges Geld einrichten müßten. Wer kennt nicht das Elend des armen Studenten, der seine physischen Kräfte so sehr benötigt, um geistig arbeiten zu können? ilnö nun hier der Gegensatz davon: ein fröhliches Leben in hygienischen Verhältnissen, unter gleichaltriger Jugend, mit der man wetteifern oder int Austausch der Meinungen sich bereichern kann! Wer wird nun zu diesem Paradies zugelassen? Einige hundert unvermögende Franzosen finden hier Aufnahme. Während der Ferien werden aber auch Ausländer ausgenommen, zwar nicht viele und nicht ausnahmslos, ober dennoch Ausländer, und unsere kleine Führerin ist sogar eine Deutsche. Auch wachsen schon nebenan Studentensiedlungen anderer Staaten empor. Kanada hat ein schönes Haus, dessen Räume besonders prunkvoll sein sollen, auch Belgiens Haus ist bereits fertig, andere bauen, viele kaufen vorläufig Grundstücke an. Rur Deutschland, sagt traurig die kleine Studentin, denkt wohl noch gar nicht daran. Aber die wenigen Ausländer, die das wohltuende dieses Lebens kennengelernt haben, werden in ihrem Heimatsland eifrige Propaganda für die Erll- stehung derartiger Anstalten treiben. S. K. Wirtschaft. Ararr7?nrter Börse. (Cigener Drahtbericht beS „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 16. Aov, Tendenz: Schwächer. — Die Börse bot auch heute ein Bild weitgehender Geschäfts stille, Dir Spekulation verhielt sich weiter reserviert, so dah bei der herrschenden Interesselosigkeit nur unbedeutende Kursbewegungen zustande kamen. Anfangs kam einiges Angebot heraus, das ans die Stimmung drückte, so dah die Kurse weitere Senkungen erfuhren. DaS zeigte sich besonders am Mont an markt, wo mehrprozentige Ein- küßen in Erscheinung traten. Niedriger wurden. Bochumer minus 4,5, Gelsenkirchen minus 5,5, Harpener minus 3, Phönix minus 1,25, Stahlverein minus 1,75, Rheinstahl minus 1 Proz. Kaliaktien gingen um> 3 bis 4 Proz. zurück. Am Ehemiemarkt unterlagen I.G.-Farben steten Schwankungen: 345—341,75—341 Prozent und erlitten gegen den Dortagskurs von 345,5 Proz. eine Einbuhe von 4,5 Prozent. Holzverkohlung fest. Goldschmidt gehalten. Elektroaktien lagen ruhig bei überwiegeiid niedrigeren Kursen. AEG. oninus 1 Prozent. Am Banken markt kam es zu stärkeren Rückgängen. Darmstädter minus 3 Prozent, Commerz minus 2 Prozent Deutsche minus 1,5 Prozent. Dresdner minus 1 Prozent, Metallbank und Disconto je minus 0,5 Prozent. Schiffahrtsaktien zeigten etwas bessere Haltung. Rordlloyd plus 1 Prozent, Hapag behauptet. Bon Maschinenwerten konnten Karlsruher "2,5 Prozent anziehen. Zellstoff- aktien gut gehalten. Waldhof plus 1 Prozent. Bauaktien überwiegend gut befestigt. Dycker- hoff plus 1,13 Prozent, Holzmann plus 3 Prozent, Wayh & Frehtag plus 1 Prozent, nur Zement Heidelberg minus 1,75 Prozent. Zuckeraktien unsicher, aber nur wenig verändert. Don sonstigen Industriewerten bühtrn Metall- gesellschaft 0,25 Prozent ein. Der deutsche Rentenmarkt lag lustlos und die Kurse gingen erneut zurück. Ausländische R e nten ruhig, aber gehalten. Lebhafteres Geschäft hatten Türken und Anatolier. Der Freiverlehr blieb umsatzlos. Im weiteren Derlause zeigte sich für Motorenaktien Interesse, besonders für Daimler, die Ich Prozent anziehen konnten. Das Geschäft stagnierte im allgemeinen und nur einige Spezialwerte traten etwas hervor. Später waren auch Bankaktien etwas gefragt. Der Geldmarkt hat sich nach dem Mediotermin wieder erleichtert. TageSgeld 4 bis 5 Prozent, Monatsgeld 53. t bis 7 Prozent. Privatdiskont 45/a Prozent, Industrie Akzepte 47/e Prozent. Im Devisenverkehr waren Paris und Malland gegen London abgeschwächt auf 145.— bzw 118.50. Mark und Pfund blieben unverändert. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „(Siebener Anzeigers"! Berlin, 16. Dov. Der Börsenbetrieb entsprach nicht den Erwartungen des inoffiziellen Verlaufes der Borbörse. Die ersten Kurse für I. G. Farben und Montanaktien waren 2 bis 3 Prozent niedriger. Die Meldung eines (Berliner Blattes über die Auswirkung des Kohlenverflüssigungsverfahrens für den Bergbau blieb bei der allgemeinen Lustlosigkeit ohne Einsluy. Die Kohlenattien konnten sich der allae- meinen Verstimmung nicht entziehen, zumal für diese Papiere im Hinblick auf das Ende des englischen Dergarbeiterstreikes das Interesse nachgelassen hat. Trotz der schwächeren Tendenz war aber auch ein widerstandsfähiger Grundton unverkennbar. Einiges Geschäft entwickelte sich in Autoaktien, von denen Hansa-LlkHd um 8 Prozent anziehen konnten. Ferner bestand für einige heimische und ausländischeRen- t e n gute Meinung bei anziehenden Kursen. Kriegsanleihe 0,817. Da in der Ablösungsschuld größeres Angebot herauskam, konnte eine Erstnotiz nicht erfolgen. Der Kurs wurde auf 334 geschäht Am Geldmarkt hält da« Angebot an. Tagesgeld war zu 3 bis 5 Prozent kaum unter» zubringen. Monatsgeld 6 bis 7 Prozent. Im Devisen verkehr waren Paris und Mailand erneut leicht abgeschwächt. Paris gegen London 146, Mailand 119. London-Kabel unverändert 4.85. DörlenütNe. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.M. Berlin Lchlu .1 Kurv i i.Ubr. fiur* Stblllh»! Anfang Rur* "üfltu-n- 15. II [ 16 11 15 11. | 16 11 5°/. Tcutidje iHctd)3anietix U. bä '•81 0.82'17 0.8175 4% Deutsche Sictcdsanlcihe — — ".80 0,79 lV,°/o Deutsche Vieictjiaiileli« 0,79 — 0.770. 0.765 3®/ Deutsche -Jictdjsinleibe 0.9-1 — " 9005 0.89 Deutsche ©Darpr.amenanletbe <°/0 preußische KoalolL 0.499 — ö 5007 — 0,7« — 9.7702 0,77 l°o Hessen 0 7li — «*> Hci'cn ..... b.775 — V- 3% Sc), en ..... - •— 0.715 —— Deutsche Wertb Dollar-Aul 95 — — — Dto Doll -SchoS-Anwenng.' — — 4*/o Zollturken 18,25 17*. 75 17.75 5% Goldmerrkaner 46.75 — Berlmer Handelsgesellschaft 279 •- 280 -82.75 Loonnrrz- and Pllvar-Bank 195 194 196 194 Darmst- und Naiionalbank 266.7' 264 265 263. n Deutsche Bank • ■ IW.75 186 188 186 Deutsche BereinSbauk • • . 113 5 — w — DiSconro lLommandi» 176.25 — 175 17» 6 Metallbank • • • 183,5 183,5 174 182 Mitteldeutsche Kreditbank 155 — 158,25 156 Oestc reichliche lLredilanslaU 8.3 — 8,35 8.35 Wettbant ...... 85 — — — «ochumcr ^ns....... 174,75 170 174.75 170.25 BuderuS . . 117,75 117,5 116.75 116.75 Caro ........... — — — Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener äergtoerte . 178 170.5 174.5 170.5 177.75 172.25 176.9 172 Haroencr Bergbau Kaliwerke AscherSleben.... 194.75 190 194 192 154 149 154 160.75 «aliwerk Westeregeln..... 163,5 161.25 163 16'1.75 Laurahüttc ...... 90.5 — 89 88.75 Oberbedars ........ 118.9 117,5 l18.62 118.5 Phönix Bergbau ...... Rbetnuahl ....... "Jiiebed Montan....... 138.9 136,75 137.12 >35,4 212.5 2(7.5 213.5 218 5 189 189 189 26 187,75 Tellus Berobau ..... 99 — — — Bereinigte Stahlwerke A,-G. 153 152,25 | 153,5 150.25 Hamburg-Amerika Pater. . . Norddeutscher Llovd . . . 182,5 177.5 183.75 177,5 183,75 176,5 187 S 176.62 Eheramifche Gerte AlbM . . 90 — — — Zementwerk Heidelberg . . Philipp Hotzmann ..... 132.75 — •V - 159 163 161,9 164 Anglo-Lont.-Guano' .... — HO — Chemische Mäher Alapin . . -d — 1 w 3. G starbenmdnstrie, A.-G. Goldschmidt......... 347 341,76 347 1 341 147 145 148 1 147.5 Holzverkohlung ■ ..... Viütgcrswerkc........ 66 75 145 67.75 145,75 146 145.9 Lcheideanstalt ........ 186.5 187 * — Allg. ClckrrUitätS-Gesellschatt I68.fi 166,5 167,12 466.75 Bergmann ....... 164,5 — 163,25 163,5 Mainkraftwerke • ....... 110,25 — — — Schucken ....... Siemens k Halske ...... 157 — 156 4 156 Z09 — 207 207 117.5 119 118 119,5 114,75 Daimler Molaren. ...... 111 111,u Heyligcnstacdr........ 37 75 — Meguin............ 55 - 55,5 —• Motorenwerke Mannheim *■ \ 42 — ftranffimei «rmanrrrn . . 16 1 " — —- Konservenfabrik Braun , . 52 •• * Metallgesell chaft Frankfurt . Del. Union A.'G...... 186.76 128.62 1 - SÄulilabrik Herz .... 64 66 Sichel . . .... 2,4 — ** — Hetiftoif Waldhof. . .... 218 219 218,5 1 221 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik SBaabäuftl . . . 89,1 112,5 91 112 92,5 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt cu M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 15. Novbr. 16. Novbr. Amtliche Noti rnng Amtliche Notierung Geld 1 Briet Geld Brief Limit-ittoll 108,24 ' 168,66 168,3» 168,72 Bucn. Aires 1,708 1.712 1,707 1,711 Brss.-Antw 58,565 58.705 08,58 58,72 Christianta 105,83 105,59 105,52 105,78 Kopenbagcn 112.16 112,44 112,16 112,43 Stockholm 112.22 112,50 112,23 112.51 Helnngfors 10,577 10,615 10,577 10.617 Italien. . 17,37 17,41 17,21 17.25 London. ZU,399 20,451 W.4U6 iü,458 Vie »vor! . 4.206 4,216 4.207 4,217 Paris. . . 14,09 11,13 14.03 14,07 Schweiz . . öl,10 öl,30 51,13 61,33 Svoni-u . 63.69 63,85 63,62 öS, 7» Yavau . . 2,065 2,069 2.060 2,064 tri io de Jan 0,551 0,503 i,562 0.564 Wien in D-- Ceft. abgest —- — 50,27 59,41 Prag ... 12,455 12,495 »2,45 12,49 Äclzrad ■ . 7.417 7,437 7.425 7,445 Budapest. . 5,89 6,91 >,893 5,913 Bulgarien 3.04 8,0a 3,039 3,049 Lissabon 21,525 21,575 21,625 21,675 Danzig - - 81,47 81,67 sj,47 81,67 fionftinttn- 2,125 2,135 2.121 2.131 Athen 5,2-1 5,26 5,24 5,26 (s.anada. . . 1.209 4.210 1,21 4,22 Uruguan - 4.185 l.lßo 4,175 4.185 Banknoten. (Ohne Gewähr.) Berlin. 15 Novbr Geld Brie' Amerikanische Viola . . . ., Belgische Vielen ....... Dänische Noten ....... Englische Noten........ )ran;öiclche Noten ...... Holländische Noten ...... italienische Noten...... Norwegische Noren . ... Deulsch-Ocsterr,6100 Jhona Numänischc Violen...... Schwedische Noten..... Schwerer Noten...... Spanische Noren ...... Tschechoslowakische Noten . . klnaarische Noten 4,194 58.48 111.92 20,362 14,13 167,88 17.32 105,14 59,08 111,99 80,85 63.49 12,435 5.857 1,214 58,78 114.48 20.462 14.21 168,72 17,40 105,66 59,38 112.55 81,25 •>8.81 12,495 5.897 Klankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt, 16. Aov. Cs wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 29,50 bis 29,75. Roggen (inl.) 24,50 bis 24,75, Sommergerste (für Drau- zwecke) 24 bis 26,50. Hafer (inl.) 20 bis 20,25, Mais (gelb) 19,75, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 42 bis 42,50, Aoggenmehl 35 bis 36. Weizenkleie 11,25 bis 11,50, Roggenkleie 11,50. — Tendenz: Auhjg. Berliner Produktenbörse. Berlin, 15. Aov. Während am Vormittag die schärferen Rückgänge an den Aordameri- konischen und argentinischen Getreidebörsen auch im Berliner Produktengelchäft einen schärferen Schach-Ecke. Beoiveiiei o o n iö ürbadb. Alle für die Redaktion bestimmten Wlltei- Luugen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers" Problem Nr. 87. Don K. Daher. Schwarz. a h c d e g h Weiß. Weiß zieht und seht in drei Zügen matt. Weiß: 5 Steine Kg6; Df8; La2; Se7; Bb4. Schwarz: 2 Steine Ke5; Bd7. Partie Nr. 64. Die nachfolgend« Partie wurde in der Blinb- vorstellung De.is am 2. Aovember 1926 zu Frankfurt a. M. gespielt. Spanische Partie. Weiß: Lttti (blind). Schwarz: Dr. Aauman:-. 1. e2-e4 1. e7-eö 2. Sgl — f3 2. Sb8-c6 3. Ul -i)5 3. a7 —ab 4. Lb5-a4 4. Sg8 - fb 5. 0-0 5. S?bXe4 6. d2-d4 b. b7-b5 7. La4-b3 7. d7-d5 8. d4Xe5 8. Lc8-cb 9. c2-c3 9. Lf8-e7 Schwarz hat sich nach bekannten Mustern gut aufgebaut und kann jetzt das weitere ruhig ab- warten. 10. Sbl —d2 10. Se4-c5 11. Lb3-c2 11. Le6-g4! Sehr gut gespielt, gibt dem Spr. das wichtige Feld eö frei. 12. h2-h3 12. Lg4-h5 13. Tfl-el 13, Sc5-e6 14. Sd2 — f 1 14. Sc6-a5 15. g2-g4 Schwächt die weiße Königsstellung empfindlich: wenn später der Angriff nicht durchdringt, ist Weih bamt verloren. 15. ... 15. Lh5-g6 16. Lc2 - f5 16. c7-c5 17. Sf6-g3 17. 0-0 18. Sf3-h2 18- Le7-h4 19. Kgl-g2 19. Lh4xg3 20. Kg2xg3 20. d5-d4 21. k2-f4 Aach 21. cxd, 8xd4 erhielte dieser Springer einen dominierenden Posten. 21. . . . 21. d4xc3 22. b?xc3 22. Sa5-c4 23, Lf5x^0 Weiß tauscht, da er keine weitere Fortsetzung zur Verstärkung des Angriffs findet. 23. . - . 23. t7xgö! Weitaus besser, als hxg6, da in der nun offenen k-Linie der Aachziehende einen chancenreichen Angriff auf den Punkt f4 erhält. 24. Ddl-e2 24. Fa8-a7 25. Lei -e3 25. Ta7-f7 26. Fel-fl 26. Dd8-d5 Alles wuchtige und starke Züge von Schwarz. 27. Tal -el 27. Sc4xe3 28. De2xe3 28. Tf7xf4 29. Tflxf4 29. Tf8xf4 30. De3xf4? Ein fehlerhaftes Damenop er; Weih übersieht den drohenden Figurverlust; toerm man jedoch zehn Par.ien zu gleicher Zeit blind spielt, ist ein solches Versehen schon einmal zu entschuldigen Mit 30. Sh2—f3 ließ sich die Partie noch auf kurze Dauer halten. 30. ... 30. Se6xf4 31 Kg3xf4 31. Dd5-d24- Aufgegeben. Losung des Problems Ar. 85. Don K. Traxler. 1. Dg8-g7! ufw. • Richtige Lösungen zum Problem Ar. 85 gingen ein von den Herren: Lehrer Breidecker, Obersekundaner V. Loos, hier: O. Stumpf, Garbenteich: Dx. in G. Schachllub Girhen. Am 31. Ok ober wurde in Betzdorf ein Schach- Wettkampf zwischen den Schachklubs Gießen und Betzdorf an neun Brettern ausgetragen, wobei die Gießener Mannschaft mit 6 Punkten siegreich blieb: an drei Brettern gewann Betzdorf. AuS der Schachwelt. Mitte dieses Monats beginnt in Berlin ein in kleinerem Ramen abgehaltenes internationales Meisterturnier. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom AedakttonSttsch. Der hundeschwanz. „Willi, zieh' den Hund nicht am Sckwanz." „Warum nicht, Mama?" „Er beißt." „An dem Ende nicht!" Kohlköpfe. Piefke hat von feiner Frau den Auftrag bekommen, zum Grüntramhändler zu gehen und einen Kohltopf zu kaufen. „Wie groß soll er sein?" fragte Piefke. „So groß wie dein Kopf", war die Antwort. Unterwegs traf Piefke einen Freund, der Handelsgärtner war, unu erzählte ihm von feiner Kommission. „Dafür brauchst du gar kein Geld auszugeben", sagte der Gärtner. „Du brauchst bloß in meinen Garten zu gehen und dir einen Kohllopf auszusuchen." Richt lange daraus traf der Gärtner einen Wann, den er kannte. „Was ist das denn für ein merkwürdiger Kerl, der da in deinem Garten umher- läuft?*1 sagte der Mann. „Als ich vorbeikam. stand er mitten unter den Kohlköpfen und probierte jedem einzelnen seinen Hut auf.“ Selbstgespräch. Einem Matrosen fällt am Hafen die letzte Mark ins Wasser. Traurig blickt Hein der Entschwundenen nach und murmelt: „Versöpen wollt ick di — aber so gemein doch nlchl“ Lin seiner Wink. Der blinde Fabeldichter Pfessel wurde öfters von einem sehr langweiligen Herrn besucht, der eintönig und ununterbrochen Dummheiten redete. Da sagte Pfeffel eines Tages zu ihm: „Aber mein Herr, aus was für einem schlechten Buch lesen Sie mir denn da vor?" Dieser Wink blieb nicht ohne Wirkung: der Schwäher ging und kam nicht wieder. Einfluß hinterließen, machte sich der Mittagsverkehr von diesem Druck wieder frei. Bei allergrößter Zurückhaltung der inländischen Erzeuger sowie der Käufer bewegte sich der offizielle Dör- senbeginn in denkbar tleinften Grenzen. Das Angebot in Weizen ist recht mäßig und besonders brauchbare Ware fehlt, Lieferung wurde per Dezember etwas fester, sonst unverändert. Auch Roggen steht im Zeichen kleinster Zufuhren, das die Provinz start lauft. Die Preise im Zellhandel waren wenig verändert. Hafer preishaltend. Gerste groß offeriert bei kleinerer Kauflust. Mehl ruhig. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 276 bis 279: Roggen, märkischer, 225 bis 230; Sommergerste, 220 bis 252; Wintergerste 195 bis 208, Hafer, märkischer, 187 bis 195; Mais, loco Berlin, 201 bis 206; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36 bis 39; Roggenmehl 32,50 bis 34,25; Weizenkleie 12 bis 12,25; Roggenkleie 12; Viktoriaerosen 64 bis 67; keine Speiseerbsen 41 bis 45; Futter- erbsen 23 bis 28; Peluschken 22 bis 23; Acker- bohnen 22 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 14 bis 14,50; Lupinen, gelb, 15 bis 15,50; Serradella, neu, 22 bis 23; Rapskuchen 16,20 bis 16,40; Leinkuchen 20,80 bis 21; Trvcken- schnihel 9,60 bis 9,90; Soyaschrot 19,30 bis 19,50; Kartoffelflocken 25,20 bis 25,75 Mark. Amtsgericht Gießen. ' Gießen, 12. Aov. Ein alleinstehendes Fräulein von hier hatte an ein junges Ehepaar mehrere Zimmer vermietet. 3m Laufe der Zell ergaben sich Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen, die schließlich zu einem Zivllprozeh der Vermieterin gegen den Mieter führten. In diesem Rechtsstreit überreichte der letztere zur angeblichen Charakterisierung der Klägerin dem Gericht einen Schriftsatz, in dem er ausführte, wie diese sich ihm und anderen Mietern gegenüber benommen, und wie sie sich über andere Personen geäußert habe. Den Schriftsatz, der eine Fülle außerordentlich schwerer Beschuldigungen enthält, übersandte er außerdem auch noch zwei anderen Personen, über die sich die Vermieterin angeblich abfällig geäußert habe. Diese erhob daraufhin Privatklage gegen den Mieter, der in der Hauptverhandlung erklärte was er geschrieben habe, entspreche der Wahrheit, und behauptete, in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt zu haben. Sein Versuch, den Beweis der Wahrheit für feine Behauptungen zu erbringen, mißglückte jedoch gänzlich. Das Gericht billigte ihm auch nicht den Schuh des § 193 Et. G. B. zu, weil sich aus der Form seiner Aeußerungen ganz unzweifelhaft feine Absicht ergebe, die unbescholtene Privatklägerin herunterzuseyen und verächllich zu machen. Soweit er den Schriftsatz den beiden anderen Personen zugesandt habe, könne von Wahrnehmung berechtigter Interessen überhaupt leine Rede mehr fein. Da der Schriftsatz äußerst schwere Beleidigungen und schamlose Verdächtigungen enthielt, wurde auf eine Geldstrafe von 300 Marl, hilfsweise 60 Tage Gefängnis, erkannt. Von ein er Freiheitsstrafe wurde nur aus dem Grunde abgesehen, well der Angeklagte noch nicht vorbestraft ist. Kirche und Schule. Dorfkirchenlagung in Marburg. WSA. Marburg. 15. Aov. Am 30. Aovember und 1. Dezember findet hier im Gasthaus Freidhos die diesjährige Dorfkirchen- tagung für Oberhessen, Kurhessen und Nassau statt. Am ersten Tag« wird Professor D. Alebergall, Warburg, über „Religion und Volkstum im Alten Testament und die dorfkirchliche Aufgabe" sprechen, während am zweiten Tag Pfarrer Georgi, Ermenrod, ein Referat über die „Liturgischen Destrebungen der Gegenwart und die Gottesdienste auf dem Lande" halten wird. Rundfunk-Programm. Mittwoch, 17. Aovember. 8.30 bis 9.30: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein, Frankfurt a. M, 3.30 bis 4: Die Stunde der Jugend. 430 biä 5.45: Konzert des Hau^orchesters: Gluck, Spontini, Mryerbeer. 5.45 bis 6.05: Die Bücherstunde. 6.15 bis 7.15: „Totenklang und Totenk.age". Vortcag mit musikalischen Beispielen von Dr. Wilhelm Heinltz, Hamburg. 7.30: Heber Iragung aus dem großen Saal des Saalbaues: „Requiem" von Hector Berlioz. ist der neue Preis für dis feit fünfzig Fahren als mildes und zuverlässtges Abführmittel unü' ertroffenen, in allen Apotheken erhältlichen, Apotheker Aich. Brandt S 147Iss Schweizerpillen Extr. Set. p*l. 1.5. Extr. Achill mosch. — Aloes. — Absynth. ia 1.0 Extr. Trif —Gent, ia 50. Pulv. rad Gent. Trif äa q. »,f. pil. 50 50 uut zum %leiehen-ohnegleiehen MARGARINE V- . 'V Wi THvLnz." • -I wurde öftere rn besucht, der mheilen redete im: „Aber mW ten Buch lesen Vink blieb nickt I und kam nicyt Ppe. 'akkion-tisch, fen Sie letzte dn 5)1" >cn Auftrag 1 gehen unb rrvb soll er dein Kops' Wir einer Md «Mr Mr brouchst Sie bex Sbrt- en Tarten ,u suchen." Aich, einen Wan, i für ein merl- Sarlen rwcher- ich vorbeikain, dsen und pro- auf.“ 'n Schwatz. j 'Mn rir ernationawt hule. Marburg. 2m 30. Ho- r im Gasthaus »rslirchea- oird Pw essvr Ler ment unb b« , während m Ermenrod, «w dienstc auf <*” fev.it KM ,e V1 ®M. l ein Schach. 6le6en und C6n, lvobtj Wf. jtafflW- nber. «‘“Ä“ nt 3.30 vis »■ S’U5: Wrt e. 6JD „,i( mui- Sortcag Vilhcl" Mp, unb/” allen S- i4,lsi oillen AeuheruMir irzebe, die wv erzusehen und nLchri'tsatzden bl w könne lnteressen übet- l bet Schriftsah ) schamlose Der» if eine Geld' sweise 60 Tage Freiheitsstrafe lesehen, weil Nachdruck verboten. 48 Fortsetzung Jetzt ist es Seit! Prei» Vi pfd. nur 50pfg zum Kein Laden! Kein Laden! Seit rtnem gahr Han, Ich Kaiferallee 45. Telephon 1248 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiimiiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiii Drucksachen allerAn VefeH In jeder gewünschten Ausstattung stilrein und geeit wert die Brfihi'ache Uehr.-DreeMeref. R. Utnge. Var große Würfelspiel | Martina IDUemar.) ! Roman von Franz Laoer Kappus. LGieHenerBillard-Club Cafe Amend Mittwoch, 17. November, abends 8 Uhr W te Ciub-Tarüers Anmeldungen bis spätestens Dlenslsi- abend beim Billardmeister. 937Sf) «de mittel uxrren erfe’flU* Da macht« ich &ÄL Herba-Setfe in Kürz« waren biejeiden verschwunden. «Vlelcher, ®urglenp*nf«tt>. 6t. M. -.65, 30% Bcrfldrfi m. 1 - Sur Machdedanblung Ist 6er- da-Creme delonder» zu «mvfehlen. Zu haben te allen Lvoideken. Drogerien und Tartümerleu. UmversirälS-Ävotbete. '^elikan-Avoiheke, Hirt «»Avotheke,Drogerie OttoWtmei Hofs, Ärcinbrofl 81. Noll. Parfümerie MöbS, Pnr'itmerte Blank. 1320id Versäumen Sie nicht dte gtinsttge Gelegenheit l Ein flroBer PosVn neae, moderne Damemnänte:, Bacsllscbmäntel, Sport-? osUtne, JEäatel für torvu- kntc Damen tri allen ,>arben und toidncn, nur gute Qualttaten K* zu Sch len der preisen. Eben io auch 9402a HtkHqMI u einsachüen bis »nm elcaan esien. Niemand bars die nünftine Gelegen- bett versäumen und mutz sich jeder überzeugen v. der Güte u. Billigkeit. Herren-Gar derobehaus L. Rosenzweig Sieben, Seltereweo 58, 1 Treppe hoch Suchen Sie ruhig weiter. Und keine unanstLndigt- ENe, wenn ich bitten darf." Erstaunlich war. wie rasch Lily die Starallüren weghatte. Immer neue Gestalten mengten sich in Lily» Dangen. , Bis in den Abend hinein gab e» zu tun. Die Frage der Sommerkleider war hochaktuell. Stundenlang ließ man die Manneaums bei Marbach und Oppenheimer an sich oorüberziehen. Herrliche Modelle von Drecoll unb Lucien Lelong marschierten aus. Mil beiden Händen gab Lily da» Geld au». Auch Julie kam nicht zu kurz. Dann tauchte die Bande auf. Immer neue Gestalten mengten sich in Lysis Hofstaat bei Dresse! und im Bristol. Ein Major Nobbins halte sich die Reise von Alexandrien nach Berlin nicht verdrießen lassen. Mahlend gingen seine mächtigen Kiefer, während er Lily anstarrte. Auch der melancholische Doktor Dogdanski aus Warschau war da. Wieder hatte er die letzte Röntgenaufnahme seiner Lunge in Bereitschaft. „Sie sehen, Fräulein Lily: ich lebe immer noch." Seine schönen Augen brannten. Die ganze ärztliche Wissenschaft wird an mir zuschanden." Dann und wann flehte ein demütiger Hundeblick von einem Nachbartisch. Dann und wann stand Anton Hönisch beim offenen Autoschlag: die Lippen verkniffen, den steifen Hut schief aus dem flachsblonden Kopf. Längst schickte er keine Blumen mehr, längst schrieb er keine krausen Briefe. Aber immer aufs neue löste sich seine groteske Figur aus dem Pflanzenwerk eines Wintergartens, dem Hinter» gründ einer Loge, dem Grillroom eines Hotels. So rauschte die erste Woche vorbei. Am achten Tage stellte sich Hutchinson ein. ,Lu spät?" fragte er und grinste bis zu den Backenzähnen. Mit blitzenden Fingern strich Lily ihr mandelgrünes Kleid entlang. Glatt und kühl fühlte sich der Satincrepe an. „Wozu sollte es zu spät fein, Mister Hutchinson?" Lily tat, als ahnte sie nichts. Dabei hämmerte ihr Herz. Mit jeder Faser hatte sie sich diesem Augenblick entgegengebangt. Hutchinson mußte abgewartet werden, ehe man entscheidende Entschlüsse faßte. Nun war Hutchinson da. ,Lch wüßte wirklich nicht, worum es sich handeln könnte", sagte Lily mit verträumt schleppender Stimme. (Fortsetzung folot) batte sich Lilys Reisegepäck, überall standen und lagen Dinge umher, die zum Bilde der großen Dame gehörten, durch alle Räume flirrte der exotische Duft ihres Parfüms: wie ein Wunder war es und doch die natürlichste Sache auf Erden. Kaum wußte Frau Julie, wie ihr geschah. Alles in ihr fieberte. Fleisch von ihrem Fleisch war Llly, das zeigte sich jetzt deutlich wie noch nie. Was einmal als Sehnsucht im Blute getobt hatte, was immer wieder herangeschlichen kam und gegen Klein- heil und Enge rebellierte: hier war es plötzlich berauschende Erfüllung. Dank mußte man dem Himmel sagen, daß er einem so eine Tochter geschenkt hatte. Tausendmal wog diese Tochter auf, was Martina an Enttäuschungen brachte. Glück und Seligkeit bedeutete diese Tochter. Dicht an sie mußte man sich schließen, wenn alles noch gut werden sollte. Frau Julie war wieder jung. Zündende Funken hatten zu ihr hinübergeschlagen und Leib und Antlitz verwandelt. Sonne rann durch den Körper, unternehmend leuchteten die Augen, lockend schimmerten die Zahne zwischen den frischen, halboffenen Lippen. Den ganzen Tag war Julie in Bewegung. Alles, was Lily betraf, ging ebenso sie an. Aon morgens bis abends raftg das Telephon, der Reihe nach fuhren Autos vor, ein Bote gab dem anderen die Tür in die Hand, Agenten, Filmregisseure, Direk- toren, Zeitungsberichterstatter: alle wollten persönlich an Lily Wilemar heran. Briefe und Depeschen häuften sich. Immer mehr Blumenkörbe blühten und verblühten auf Tischchen und Ständern. Bis auf den Balkon hinaus wuchs die Pracht. Lily lächelte überlegen. Süße Müdigkeit kribbelte im Blut. Höllisch anstrengend waren die Mo- nate in Aegypten und in Italien gewesen. Nun tonnte man ausruhen. Nun hatte man es nicht mehr notwendig, dem Glück nachzulaufen. Das Glück kam von selbst: jeden Augenblick meldete es sich in anderer Gestalt. Aber Lily ließ sich Zeit. Dutzende von Agenten und Regisseuren zogen mit langen Nasen ab. Jeden Moment erschien Findeisen mit einem neuen Vorschlag. Der Produktionsleiter der Apollo A.-G. hatte ihm freie Hand gelassen. Berge von Manuskripten schleppte der Bote hinter ihm her. Selber sollte Lily entscheiden, welche Rolle ihr lag. Doch Lily schüttelte nur immer wieder den Köpf. „Noch nicht das richtige, teurer Findeisen! Frische Fische Dnttiuod), tonnecQiflg etntreffenö • [,UJc MMM ohne Kovi Pfd. 38 ' fifllilüü ohne Kops Pid. 25 ' deeloüis ohne Kovi Pid. 25 EMM ohne Kovf Pfd 25 3 WWMA 3 Mb. 60 4 MM amen! PW. SS /> stMseli in Tafeln Pfd. 65 «- MliMWine Pfd. 68 5, - See - neuer Ernie • « Pfund Jt 1.00. Srch. KMcW Liebinftr 71.Tel 168! Frische MSjC WW aller An- sowie lebende Schleien u. Karpfen, frische Bückinae, geriiuch. 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J)err von Kreuth ist ober kein Ding, keine Ware", setzte die Sobukowa fort Sekundenlang schlossen sich ihre Augen, als versänke sie in Erinnerungen. „Alles andere als ein Ding, Fräulein Wilemar." . , , _ M1, „Benno steht zu mir , sprach Martina. Nicht ihre Stimme sagte die Worte. „Wissen Sie das bestimmt? „O ja, bestimmt?" „Wollen wir es auf die Probe ankommen taffen Mit einem Satz hielt Martina vor der 6abu« towa. „Sie treffen mit Benno zusammen? Sie haben ihn schon gesprochen, seit Sie in Berlin sind? Sie begegnen ihm vielleicht täglich? Antworten Sie doch!" 2hif einmal bettelten die Augen Martinas. Die Sobukowa schüttelte den Kopf. „Nicht ein einzigesmal." Sie lächelte grausam. „Er entgeht mir nicht" Ein Halt sprang aus dem Nichts, Verzweifelt Hämmerte sich Martina daran. .„Benno tanzt längst nichts mehr , sprach sie und spürte, wie ihre Stimme frohlockte. „Er hat einen anständigeren Beruf gefunden." Enttäuschen sollte dos, abschrecken. Aber die Sobukowa nickte ernst. „Autodroschke römisch eins A, Nummer zwöls- tausendneunyundertocht. Standplatz: Kaiserhof- Hotel." Martina prallte zurück. „Auch das ist Ihnen bekannt?" „Auch das." Das Antlitz der Sobukowa spannte sich. „Lassen wir es also auf die Probe ankommen?" Vorbei, dachte Martina, vorbei. Mühselig lächelte sie. .Lassen wir es auf die Probe ankommen." Rote, wehende Schleier schoben sich vor ihre Augen. Wie eine Statue stand die Frau in dem Nebel. „(Bern hätte ich Ihnen das erspart, Fräulein Wilemar." „Und die Probe?" Merkwürdig hell stieg die Stimme Martinas. „Was für eine Probe soll denn das sein?" Die Sabukowa kam ganz nahe. „Eine Dual für drei arme Menschen", sagte sie zischend. „Ader wenn Sie darauf bestehen, ich tue Ihnen den Gefallen. Vielleicht glauben Sie bann, daß Herr von Kreuch nicht mehr zwischen Ihnen und mir steht. Daß er längst mir gehört. Mir allein." Stöhnend waren die letzten Worte gesprochen. „Das Bild, das Sie am Anfang gesehen habend Furchtbar klang das kurze Lachen Martinas. „So ein kleines Mädchen, wie ich, nicht wahr — unb Herr Benno von Kreuth: wie reimt sich bas zu- fammen? Nach dem ersten Blick haben Sie gewußt, baß bos eine Unmöglichkeit ist. So verstehe ich Sie. wenigstens jetzt." „Sie verstehen mich richtig. Fräulein Wilemar. Die Sabukowa hob die zwei weißen Hände. Bis an bas Fenster wich Martina zurück. „Staffen Sie mich." „Und dennoch wollen Sie, daß wir uns quälen' Etwas riß in Martina ab. Schwarze Ränder wichen zur Seite. Eine endlose Ebene tat sich auf. Unwahrscheinlich fern leuchtete eine Sonne. „Dennoch", sprach Martina mit starrem Mund. „Dennoch. Dennoch." XXXII. Wie ein Sturm brauste Lily in das Haus auf dem Kurfürstendamm. Nock; brauner gebrannt als das letztemal, noch sprühender in Blicken und Gebärden, noch sicherer verankert in der Welt, die jetzt endgültig ihre Welt war: so füllte sie die vordem so stille Wohnung mit ihrer Gegenwart. Auf einmal lebten die zehn Zimmer wieder. Verdreifacht illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Vernickeln und Emaillieren von Motor- und Aabrrabein, sowie Automobilteilen u. berg!, zu den billigiten Preisen. b921a ABmann & Schneider @tö. öeöammea- suroefter m. fluten Zeugnissen und Referenzen übernimmt Entbindungen, Wochen und Säuglings pflege. Schrilisiche Angeb unter 9014D an b. Gieß. An; erb. 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Die gesamte Beweisführung des Finanzminislcrs gipfelt in der Behauptung, daß der Finanzminister jm Spätherbst 1925 den übrigen Ministerien eine Denkschrift über weitgehende Sparmaßnahmen unterbreitet hat und daß die späteren Beschlüsse der Äoalitionsparteien im wesentlichen auf den v'nanz- Minister und sein Sparprogramm zurückzufuhren seien. Das ist eine objektiv unrichtige Darstellung, Die aus das ungenügende Gedächtnis des hessischen Volkes rechnet. Jene Dergleichsziffern insbesondere über die Entwicklung der Ausgaben des hejsiichen Staates für feine Volksschulen wurden auf Antrag der Oppositionsparteien zum ersten Male tm Spätjahre 1925 dem damaligen «echscrausschuh des Landtags vorgelegt. Eie waren bis dahin, wie man aus den Verhandlungen des Ausschusses entnehmen mußte, in dieser Schärfe weder dem Finanzminister noch der Schulverwaltting bekannt Wären sie dem Finanzminister und der Schulverwaltung bekannt gewesen, so gäbe es überhaupt keinen Grund zur Entschuldigung sur Die Tatsache daß der Finanzminister gleichwohl im Herbst 1925 einen Staalsvoranschlag ausgestellt hat mit einem Defizit von nahezu 10 Millionen Mark, in dem jene Lasten ohne jede Minderung strichlos eingestellt waren. Wenn der Finanzminister damals jene Ziffern gekannt hätte, so wäre es für ihn eine moralische Unmöglichkeit gewesen, gleichwohl von dem Landtag die Bewilligung der Gesamtausgaben von 126 Millionen Mark ohne jeden Strick zu fordern. Wir erinnern uns weiter, wie damals die Oppositionsparteien und das Zentrum mehr oder minder scharf die Forderung von A b st r i ch e n an dem Voranschlag insbesondere für die Volksschulen erhoben. Wir erinnern uns an die Protestkundgebungen des Hessischen Landeslehreroereins, und wir erinnern uns insbesondere daran, daß in der Etatberatung des hessischen Landtags der Abg. B l a n ck namens des Zentrums die Erklärung adgob. Wir erklären aber heute schon nachdrücklichst, daß unsere Zustimmung zu den einzelnen Kapiteln nur unter dem Vorbehalt gegeben wird, daß uns der Herr Finanzminister einen gangbaren Weg zur Deckung des Defizits vor- fchlägt. Ist ihm das nicht möglich, bann behalten wir uns von feiten der Zentrumsfraktion weitere Maßnahmen vor, denn.die Gesundung der hessischen Finanzen erscheint uns zur Zeit doch das wichtigste. Erst unter diesem, einem Ultimatum gleichkom- wenden Drucke des Zentrums bequemten sich die Linksparteien und der Finanzminister dazu, auf dem von der Opposition und dem Zentrum gemeinschast- lich gewiesenen Wege der Abdrosselung der Staats ausgaben einige Schritte vorwärts zu tun. Also: Nicht einer Initiative des Finanzministers, nicht dem freiwilligen Entschluß der Linksparteien, sondern dem Drangen der Oppositionsparteien und der ulti- mativen Haltung des Zentrums erst war es zu danken. wenn damals im allerletzten Augenblicke Ab- ftrid)c an den Staatsausgaben durchgeführt wurden. Des weiteren stützt sich der Finanzminister auf ein geheimnisvolles Sparprogramm, das er im Spätherbst 1925 den Ministerien zugestellt habe. Zunächst verweile man einen Augenblick bei dem immerhin ungewöhnlichen Bilde eines Finanzministers, der im Landtag einen Staatsvoranschlag mit nahezu 10 Millionen Defizit und ohne jeden Abstrich der Ausgaben vorlegt, für diesen Staatsvoranschlag mit seinen Forderungen als sachlich unumgänglich notwendige Positionen sicht, gleichzeitig aber eine geheime Denkschrift den Ministerien zustellt, in der er den Wegfall einer Reihe dieser Staatsausgaben als möglich und notwendig vertritt! Die Opposition hat vergeblich versucht, Einzelheiten oder wenigstens die Grundzüge dieses Sparprogramms des Finanzministers auf porla- mentarischem Wege zu erfahren. Der Finanzminister hüllt sich gegenüber allen derartigen Anfragen in Schweigen. Lediglich aus dem Lande kommen neuerdings in sich steigernder Zahl Alarmnachrichten, tue die ersten Ausstrahlungen dieses angeblichen Sparprogramms zu sein scheinen. Der Abbau ein« zelner Amtsgerichte, der Abbau e i n.- zelner Kreisämter und ähnlicher kleiner lokaler Behörden wird in Aussicht genommen. Wenn das etwa der Kern des Sparprogramms sein soll, so ist die Haltung der Devölkemng hierzu wirklich begreiflich. Denn was beim Wegfall einzelner Amtsgerichte oder Kreisämter, deren Beamte dann a n» derwärts beschäftigt werden müssen, und deren Gebäude nicht in ollen Fällen ohne weiteres zu verwerten sind, im günstigsten Fall gespart werden kann, steht in gar keinem Verhältnis zu der Beunruhigung und Benachteiligung weitester Volks- kreife. Wenn um der Ersparnisse weniger lausend Mark willen, Tausende von hessischen Staatsbürgern künftighin bei Erledigung ihrer Geschäfte am Amtsgericht oder Kreisomt dos Doppelte an Zeit aufzu- wendcn haben wie früher, so ist das eine Span Politik, deren Weisheit uns allerdings verschlossen bleibt. Das Sparprogramm des Finanzministers wird wohl, darf man annehmen, fich hoffentlich nicht auf derartige Dinge beschränken. Mit pinem Programm ist es im übrigen nicht getan. Es kommt auch darauf an, daß es fachlich und wirtschaftlich gesund und wirksam ist. Und es kommt vor ollen Dingen darauf an, daß hinter dem ganzen die Energie eines Mannes steht, der entschlossen ist, seine Autorität und sein Amt rücksichtslos für die Gesundung der Staatsfinanzen einzu fetzen! IV. Leider muß man fast die Frage stellen, ob es nicht schon zu spät ist, dem ernstester Gefahr zu- rollenden Rade der finanziellen Entwicklung in Hessen in die Speichen zu sollen. Denn was der hessische Finanzminister in ferner Denkschrift über den gegenwärtigen Stand der Staatsfinanzen mitte ilt, übertrifft olle Gerüchte und Vorstellungen von dem bevorstehenden Defizit des hessischen Staatshaushaltes. Aus den amtlichen Erklärungen des hessischen Finanzministers, ergibt sich folgendes: *) Vgl. den ersten und zweiten Teil des Aufsatzes in Nr. 268 des „Gießener Anz." vom 15. November 1926. Gießener Anzeiger age Hessens. D i n g e l d e y, M. d. L.*). Dos Rechnungsergebnis des Jahres 1 9 2 5 schloß mit einem Defizit von 15 M i l - Honen Mark ab. Rein ooranschlagsmäßig wurde durch die Beschlüße der Koalitionsporteien das Defizit für das Jahr 19 2 6 von 9,1 Millionen Mark auf 8,5 Millionen Mark herabgedrückt. Aus den Dorjahren 1923 und 1924 stehen noch 10,5 Millwnen Mark Rücklagen aus den zuviel erhobenen Steuern zur Verfügung. Verwendet man diese 10,5 Millionen Mark zur Deckung des fachlichen und rechnungsmäßigen Fehlbetrags von 1925 und 1926 und den Rest von 1,2 Millionen Mark auf die Deckung der Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses der hessi- chen Beamtenschaft auf die Höhe des Zuschußes für die Reichsbeamten (eine Maßnahme, die die hessische Regierung inzwischen durchgeführt hat), so ist die aus den oteuern erzielte Rücklage inzwischen restlos verbraucht. Wir gehen also dem Rechnungsjahr 1927 ohne jede Rücklage entgegen. Der. Finanz- Minister muß initteilen, daß im Iahrel926'a Hein ü r d i e Erwerbslosenunter st ützung über den Staatsvoranschlog hinaus eine Summe von etwa 12 Millionen Mark zu verausgaben sind. Den Ausfall an Reichssteueranteilen, von dem im einzelnen noch zu sprechen sein wird, beziffert er für 1926 auf 6 Millionen Mark, für 1927 kommt zu diesem Betrog noch hinzu eine Summe von 4 Millionen Mark, die als erhöhter Betrag für den Woh nungsbau einzustellen ist, ein Betrag von rund einer Milliop Mark, der sich aus der vor kurzem durch- geführten Ermäßigung der Hauszinssteuer als SleucrausfaU, errechnet. Danach ft eilt s i ch die Berechnung des Defizits für 1 9 2 7 wie folgt: Durch Rücklagen nicht gedeckter Fehlbetrag wie 1926 7 800 000 2Nk. Erwerbslofenbeihilfe 12 000 000 2Hf. SteuerausfaU an Reichssleuern 6 000 000 Rlk. Steuerausfall bei der Hauszins- ffeuer ' 1 000 000 RN. Mehr für Wohnungsbau 4 000 000 Mk. 30 800 000 IHf. "Nach den bisherigen Feststellungen also haben wir für 1927 mit einem ungedeckten Defizit, dem keinerlei Rücklagen mehr gegenüberstehen, von mindestens rund 31 Millionen Mark zu rechnen. Bei der bisherigen Tendenz der Vermehrung der inneren Ausgaben des Staatshaushalts in den letzten Jahren ist aber leider anzunehmen, daß nicht einmal diese ungeheuerliche Summe das volle Ausmaß des Fehlbetrags im künftigen Staatshaushalt ausdrückt. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn ich oben diese Entwicklung unserer Staatsfinanzen als katastrophal bezeichnet habe. V. In dieser fürchterlichen Lage des hessischen Staates weiß nun der Finanzminister keinen anderen Ausweg mehr, als die Forderung der Reichshilfe, und es ist leider richtig: aus eignen Kräften kann Hessen auch bei einfchneiden- sten Maßnahmen die gewaltige Summe dieses Fehlbetrages nicht decken. Dabei wollen wir uns daran erinnern, daß es nicht hatte zu einem Fehlbetrag von derartigen Dimensionen kommen dürfen, wenn die hessische Regierung rechtzeitig und mit mutigem Entschluß alle sachlich irgendwie vertretbaren Vereinfachungsmög- lichkeiten ousgenuht hätte. Der Finanzminister wendet breiten Raum auf für den Rachweis, daß der Steuerausfall an Reichssteueranteilen genau so wie die fürchterliche Belastung mit der (Sr- werbslosenfürsorge Umstände seien, die nichi Hessen, sondern das Reich ausschließlich zu vertreten habe. Er sucht nachzuweisen, daß infolge der Besetzung nahezu der Hälfte, und zwar des wertvollsten Gebietes Hessens, diese Erscheinungen des Rückganges der steuerlichen Leistungsfähigkeit und der Vermehrung der Erwerbslosigkeit in Hessen ganz besonders scharfe Formen angenommen hätten. Es ist richtig, daß aus diesem Gründe die Hilfe des Reiches unter allen Umständen gefordert werden mußte. Es ist auch richtig, daß in diesen Punkten der Rhein- und Ruhrkampf mit allen seinen Folgeerscheinungen seine besonders vernichtenden Spuren im hessischen Wirtschaftsleben hinterlassen hat. Es ist aber selbstverständlich ebenso richtig, daß diese Erkenntnis nicht erst „unvermittelt" im Jahre 1926 geboren werden konnte, sondern für den, der die Struktur der hessischen Bevölkerung und Wirtschaft kennt, von Anbeginn des Kampfes um die Rheinlande an beachtet werden mußte. Wir wissen doch, daß mit die größten industriellen Werke Hessens im besetzten Gebiete liegen. Wir wissen, daß das besetzte Gebiet Hessens und das sogenannte Randgebiet zum großen Teile von der industriellen Arbeiter- bevölkerung bewohnt wird, die ihre Arbeit von den größeren industriellen Werk n von Mainz, Mannheim, Ludwigshafen, Frank urt a. M. und Höchst fanden. Daß infolgedessen die allgemeine Erwerbslosigkeit infolge der besonderen Struktur Hessens auf hessischem Gebiete besondere Schärfe annehmen mußte, verstand sich von selbst. Das sind aber nicht ..unvermittelt" eintretende, sondern voraussehbare Tüt- sachen. Katastrophal ist, daß der hessische Finanzminister diesen Tatsachen in der wehrlosen Haltung des Mohammedaners vor seinem Kismet gegenübersteht, anstatt daß er schon vor Jahr und Tag mit eignen Kräften, aus eignem freiwilligen Entschluß an dieser Sachlage zu mildern suchte, was irgendwie zu mildern ist. Wenn ich also auch, wie ausgeführt, die Ansprüche des hessischen Staates an das Reich grundsätzlich für berechtigt halte und unterstütze, so ist doch die Situation, in der die hessischen Unterhändler heute dem Reich gegenüberstehen, die denkbar ungünstigste und verhängnisvollste für die Zukunft Hessens. Auch das ist wiederum ausschließlich aus die Passivität der hessischen Regierung zurückzuleiten. Das Reich hat von seinem Standpunkt aus begreiflicherweise eine Bewilligung der hessischen Forderungen nur unter der Bedingung zugesagt, -Anzeiger für Vberhefsen) daß sich Hessen der genauen Rachprüfung seines Staatshaushaltes durch den Reichssparkommissar unterwirft. Das bedeutet naturgemäß praktisch gesprochen: Hessen wird die erbetenen Zuschüsse nur dann erhalten, wenn es zum gegebenen Tage sich verpflichtet, diejenigen Maßnahmen in seinem Staatshaushalte durch- zuführen, die ihm vom Reichssparkom- m i s s a»r a u f e r l e g t werden. Da aber infolge der hessischen Finanzpolitik die Dinge so weit in Hessen getrieben sind, daß ohne die Zu- chüsse des Reiches der Haushalt nicht mehr ausgeglichen werden kann, bedeutet dos die Unterwerfung des hessischen Staate« unter d i e Bedingungen, die ihm vom Reiche etwa demnächst diktiert werden. Man hat sich in den Kreisen der Linksparteien und des Finanzministers getoalhg darüber aufgeregt, daß dieser Sachverhalt in der Oefsentlichkeit als ,.G e s ch ä s t s a u s s i ch 1" bezeichnet wurde. Run. es dürfte schwer sein, andere Ausdrücke zu finden, die diesen für das Land Hessen demütigenden Sachverhalt in klarerer Form zum Ausdruck bringen. Wie ganz anders wäre die Situation des Landes Hessen gegenüber dem Reiche, wenn es heute von sich sagen könnte, daß feine Regierung freiwillig, aus eigener Erkenntnis alles irgendwie Erdenkliche getan habe, um die gewaltig vermehrten Staatsausgaben für die innere Verwaltung abzudrosseln. Run wird es dahin kommen, daß der m solchen Fragen genügend geschulte Blick des Reichssparkommisfars sehr schnell die wunden Stellen im hessischen Staatshaushalte ausspüren wird, bei denen die Operation einsehen soll. Daß dies aber dann ohne besonderes Interesse an den hessischen Eigentümlichkeiten aus rein zentralen Gesichtspunkten des Reiches heraus und unter Umständen brutaler geschehen wird, was im anderen Falle verständig und allmählich, unter Berücksichtigung unserer hessischen Eigentümlichkeiten wir selbst hätten durchführen können, bedarf keiner weiteren 'Beweis- führung. Man weiß. daß der Retchsstnanz - Minister, wiederum von seinem Standpunkte aus begreiflicherweise, die Rot einzelner Länder im Sinne der Entwicklung zum Cinheitsstaate auszunüyen wünscht. Wenn man einmal als Reichsminister die Entwicklung zum Einheitsstaate erstrebt, sie aus wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunlteu für wünschenswert hält, so liegt der Gedanke ungeheuer nahe, die Rot einzelner Länder, ihre Bitte um Reichshilfe als Anlaß zur Aufhebung der Selbständigkeit jener Länder zu benutzen. Rach unserer Lieberzeugung würde diese Entwicklung dem Reichsgedanken nicht nützen. Ein Einheitsstaat und eine Entwicklung zum Einheitsgedanken. die sich lediglich aus die Konkursmasse einzelner durch Jnflationswirtschaft um ihre Unabhängigkeit gekommener Länder gründe«, trägt den Keim der Zersetzung in sich. Daß unser hessisches Land in einer solchen Entwicklung selbst beim besten Willen Berliner Stellen wesentliche kulturelle Eigentümlichkeiten und (Errungen» schasten bald radikal verlieren würde, unterliegt für mich feinem Zweifel. Eine Reichsverwaltung Hessens würde weder das Bor- handensein zweier hessischer Hochschulen in Gießen und Darmstadt (während gleichzeitig die Universitäten in Marburg und Frankfurt existieren), noch ei.: Landestheater in Darmstadt noch das weit ausgebaute staatliche Schulwesen, noch viele andere Dinge weiterführen, die wir in Hessen wenigstens grundsätzlich nicht missen wollen. Darum liegt es im Interesse des hessischen Volkes nicht, wenn jetzt von der Partei des Finanzministers in diesem Augenblicke, in dem an sich aus finanziellen Gründen die Selb- ständigleit Hessens nicht ungefährdet erscheint, die ''Parole des Einheitsstaates c.u5gegcbcn wird. Ohne jedes Verständnis, müssen wir aber den Gedanlengängen eines einzel- staallichen Finanzministers gegenüberstehen, der in solcher Lage glaubt, die ihm anvertrauten Interessen seines Landes durch die Parole des Einheitsstaates fördern zu können. Der Einheitsstaat mag eine gute oder eine schlechte Sache fein; nicht gefördert, sondern gefährdet wird das Gute in dieser Idee jedenfalls dadurch, daß ein kleiner Staat im Kanrpf um seine finanzielle Selbständigkeit glaubt, der Schrittmacher des Einheitsstaates zu fein. Das Echo, das der hesfifchc Finanzminister für seine Gedanken in der Zentrumspresse und insbesondere in der bayerischen Presse fand, zeigt, wie wenig er dem Gedanken des Einheitsstaates genutzt hat, und wie sehr er das Ansehen des hessischen Staates mit solchen Ideen geschmälert hat. 48. Iahresfest des Oberhessischen Vereins für Innere Mission. hr. Der Oberhessische Verein für Innere Mission feierte am Sonntag und Montag in Gießen sein Iahresfest im 48. Geschäftsjahr. Den Auftakt und zugleich den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete der Festgottesdienst in der Stadtkirche mit Geh. Konsistorialrat Professor D. Bornhäuser- Marburg als Festprediger Daß die Gottesdienste bei sämtlichen Veranstaltungen religiösen und kirchlichen Charakters nicht eine Zugabe bedeuten, sondern der Mittel- und Ausgangspunkt alles Wirkens und aller Freude, das bewies die sehr zu Herzen sprechende Fest predigt, die sich an das Schriftwort Cv. Matthäi 9,38 anschloh und von der Grundidee Wichrrns ausging, daß Innere Mission nicht allein Dienst an Schwachen und Kranken, sondern viel mehr und größeres bedeute, nämlich, „daß das heilersüklte Volk das Heil bringe dem heillosen Volk." Die lebendigen Glieder unserer Kirche müssen miteintreten in den Kampf mit unseren und für unsere Brüder und Schwestern, für die das, was un8 das Heiligste ist, nichts mehr bedeutet. Wir sollen werbende Kräfte sein für des Heilands Evangelium; wenn wir eine bekennende Gemeinde sind, dann werden die Fahnen 3efu wieder Vorwärtsschreiten. Wir brauchen Führer im Kampf um die heiligsten Dienstag, sb. November 1926 Güter und müssen uns diese von dem ..Herrn her Ernte" erbitten. Eine Gemeinde, die im Glauben steht, wird durch das Gebet fclbft gesegnet. Treue, Liebe. Geduld. Glaube. Hoffnung, das find die Dinge, die wir «wiudKn. was daraus werde, ist in Gottes Hand gelegt, wir haben nur unsere Pflicht zu tun. Vkit diesem gewaltigen Gewissensappell schloß die Predigt ab. Der Gottesdienst war bereichert mit zwei Chören, die der Evangelische Kirchengesangverein vortrug, der auch bet der Abendveranstaltung seine Mitwirkung nicht ver'ag! batte. An dem G e m e i n d e a de n d in der Jo- hanneskirche sprach Kirchenrat Troinmers- Hausen- Frankfurt a. M. Seine Ausführungen über die Frage. „Hat das Evangelium bei uns in Deutschland noch eine Zukunft?' waren getragen von einem großrn Optimismus, der iber alleS Dunkel der Gegenwart hinweg dock) das große Licht sieht, daS den göttlichen Weg erhellt. Heute setzt ein Fragen und Suchen nach neuen Zielen ein, und Huer muß die Kirche Helsen, sie steht nicht am Ende, sondern am Anfang ihrer Ausgabe. Die Entscheidung der Zukunst liegt in der evangelischen Familie beschlossen, hier liegen die Keimzellen neuen Werdens. Wir müssen wieder zurückkehren zu den Quellen dcv Glaubens und des Evangeliums, brauchen rechte, wahrhafte Christen. ES sieht keineswegs nach Untergang aus, sondern nach Aufstieg. Die Jahresversammlung sand am Montag im Zohannessaal statt, und stand unter der Teilung des Vorsitzenden, Oberstudienrats Professor Dr. Weimar- Gießen, der nach Schrisklejung und We bei den Jahresbericht erstattete, zunächst des seit heriaen Vorsitzenden, llniversitätsprofessors D. E. W. Mayer- Gießen, gedachte, der krankheitshalber sein Amt niederlegen mußte, ferner des früheren langjährigen Leiters des Vereins, Kirchenrats D. Schlosser, und dann über die verschiedenen Anstalten und Einrichtungen des Vereins referierte; die Herberge zur Heimat, das Eleonoren-Hospiz, das Elisabethhaus (Kinderbeilanstalt) zu BiH-Nau- heim, den Ausjchuß für Volksmijsion u. a. Die Rech- nungsablage erstattete Kirchenrat Strack- Gießen; für seine treue Amtsführung ward dem Rechner Dank und Entlastung zuteil. Sodann ergriff der Direktor des Hessischen Landesvereins für Innere Mission, Psarrer D r e v e s - Darmstadt, das Wort zu seinem Thema: „Die volksmissionarischen und sozialen Ausgaben der Inneren Mission in der Rot unseres Volkes". Von den Wirtschaftssragen weg muß heute endlich unser Blick wieder hingelenkt werden zu den seelischen Röten unseres Volkes. Wichern ruft zur Mityilfe auf: „Suchen die Proletarier nicht mehr die Kirche, so muß die Kirche anfangen, sie zu suchen und nicht eher rasten, bis sie mit dem heilbringenden Worte sie gefunden hat; als Volkskircke hat sie dahin zu wirken, daß kein Glied der Kirche sei, dos nicht das lautere Wort Gottes in rechter Weise hörte." Sind wir überhaupt noch Kirche? Stehen wir noch im Glauben? Das sind die bren nenbften Fragen, erst dann kommt das Wie, wie sollen wir die Senbuna ausrichten? Zuerst sind zur Ausübung dieser Ausgabe die Diener des geistlichen Amts berufen, aber auch die Laien, die im Vollsinn des Worts „Geistliche" find, und ebenso die Frauen. Sie haben alle die erste Aufgabe der Evangelisation, das Evangelium hineinzutragen in alle Schichten unseres Volkes, Stand sali aus Stand wirken. Aber nicht daraus allein beschränkt sich die vvlks missionarische Arbeit der Inneren Mission, sondern sie umfaßt noch eine Unzahl anderer Gebiete: Kolportage, Buch- und Pressearbeit, Wander- und Volksbibliotheken, Lichtbild-, Kino und Filmwesen, Flugblattverteilung gegen die Selten usw., überall muß das Schlechte durch das Bes fere überwunden werden. Die sozialen Aufgaben der Inneren Mission sind hinreichend gekennzeichnet in der großen Denkschrift Wicherns pon 1849. der Wohlfahrtspflege muß die Kirche dem Si.ial helfen, vor allem aber gilt es, soziale G c s i - n u n q zu pflegen in allen Ständen unseres Volkes. Das ist aber tlur denen möglich, die aus einem Ucbungsjeld christlicher Betätigung kommen, soziale Gesinnung kommt nur zustande durch innere Be wegung, diese aber hat zur Voraussetzung, das Er- lel-nis auf dem Feld christlicher Liebestätigkeit. Auch für Hessen brauchen wir solch ein. Uebungsseld der Inneren Mission. Wohnungsnot, Wanderer und Auswanderernot, Strafentlassenen- und Gefängnisfürsorge, Gefährdete und Gefallene, verwahrloste Jugend, Pflegekindwesen — überall muß die Mission der Tat erfolgen und alles um unserer Kirche willen. Blutungen stillt Cblnoeol. Veriuchspackung 60 Pf. in allen Apotheken und Drogerien. Grotrian-Steinweg Pianinos von seltener Tonschönheit gegen kleine Monatsraten nur im Pianohaus August Förster Gießen Bahnhofsttaße 65 B CREME MOUSON SEIFE ääM IN 0.88, 0.55, Bettuchbreite 1.95, 1.65, 1.15, solide ed)tfaroige Qualität l.ZS, 6.95 m 0.98, 0.80, Gr. 1 schwär, m 0.85 0.95 haltbare Qual, 0.93, 78, 35, | Auf sämtliche Haushaltartikel während der billigen Verkaufstage ein Rabatt von 10 Prozent! J. HEILBRONNER 94feA haltb. Qual. 0.55, 0.48, Beachten Sie gefL meine 4 Schaufenster HausklelMoffe 0 78 ganz besonders billig, 90 cm breit.. “• ■ “ «luchstet! fi 97 Wäschebatiste in verschiedenen Farben Henntentuche Buttkattune in versch. Mustern rmMihll'""«»'' bewährte Qualität ... 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