Ur. 65 Erster Blatt 176. Jahrgang vlenrtag, 16. MSr; 1926 «rsch eint tSgliö^,außer Sonntag® und Feiertags. Beilagen: Wietzener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: firanffuit am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vruck und Verlag: Brühl'sche Unlverfitäts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftlettmrg und SeschaftrfteSe: Schulftrahe 7. Lauahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berarttwörtlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; tor den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Die Wirtschastskrisis. Die westfälische Wirtschaft zum Regierungsprogramm. Essen, 15. März. (WTD.) Zu einer groh- angelegten Wirtschaftstagung der Industrie- und Handelskammern des westfälischen Industriebezirks in Verbindung'mit der Vereinigung von südwestfälischen Industrie- und Handelskammern im großen Saal des städtischen Saalbaues hatten sich etwa 2 bis 3000 führende Persönlichkeiten eingefunden. In seiner Ve- grühungsansprache bedauerte der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Essen, Generaldirektor Tengelmann, daß die eingeladenen Minister und der Reichsbankpräsident wegen Arbeitsüberlastung nicht anwesend sein könnten. Er gab bekannt, daß Reichskanzler Dr. Luther sich bereit erklärte, die Vertreter der Handelskammern in Derlin zu empfangen, um mit ihnen die zu ergreifenden Maßnahmen zu erörtern. Er führte dann weiter aus, daß die Rot des deutschen Kaufmannes, gerade in dem niederrheinisch-westfälifchen Industriebezirk. besonders drückend geworden sei. Da das Programm der neuen Regierung die Hoffnung begründet erscheinen läßt, daß in allerletzter Stunde der Versuch gemacht werden soll, die Wirtschaft in ihren, Ringen um ihre Existenz zu unterstützen, erscheint es der rheinisch- westfälischetz Wirtschaft notwendig, sich mit dem Programm des Reichsministers der Finanzen auseinanderzusetzen und Forderungen aufzu- steNen, deren Erfüllung die Voraussetzung für die Gesundung unseres Wirtschaftslebens ist. Dr. Schmidt- Elberfeld sprach dann über „Ein Rotschrei der Wirtschaft an Regierung und Volt". Die Frage, ob wirtlich eine Wirtschaftskrise besteht, bejaht sich aus der steigenden Zahl der Konkurse, der Wirtschaftsaufsichten, der Zahlungsbefehle, der Wechselproteste, der Erwerbslosen und dem Rückgang der steuerpflichtigen 51m- sähe, die z. V. im Bezirk Düsseldorf von Januar bis Dezember auf * * 3 4 5/t zurückgingen. Daß d i e Daweslasten nicht tragbar sind, wird in immer weiteren Kreisen anerkannt, und daß wir unsere Produktionsmoglichkei- tcn dem Qlbfatj anpafsen müssen, erkannten wir ebenfalls. Die Maßnahmen, die die Regierung und das Volk ergreifen müssen, um die Wirtschaft vor dem Abgrund zu reffen, sind „Befreiung von allem Zwange" und Sparen. Die Rotwendigkcit des Sparens wurde von der Regierung als dringendste Forderung anerkannt. Die politische Struktur unseres Vaterlandes erfordert Verwaltungskosten, die untragbar geworden find. Es geht nicht an, daß wir im Deutschen Reich über 2200 Parlameirtarier, ohne die Stadtparlamente zu rechnen, und 120 amtierende Reichs- und Staatsminister Haden. Vor allem müssen wir vom Reichstag Stabilität der Regierung fordern und von den Wirtschaftsführern, daß sie mehr in die Parlamente hineingehen. Die Derwaltungsreform muß nicht einen Abbau von Beamten darstellen, sondern einen Abbau von Aemtern und Aufgaben. Wie wir in unseren Betrieben d i e Unkosten abbauen, wo wir können, müssen dies auch Reich, Länder und Gemeinden. Die in Aussicht gestellten Steuer ewmäßigun- g e n von 500 Millionen klingen viel, machen für den Einzelnen aber nichts aus, besonders wenn wir berücksichtigen, daß gleichzeitig durch neue Steuern der Wirtschaft neue Lasten auferlegt werden. Die Heberspannung der Gewerbe- st e u e r n, besonders durch die Lohnsummen- und Kapitalsteuer ist unerträglich. Mit Recht beklagt sich ferner die Wirtschaft, daß der Staat und die Gemeinden mit den aus ihr herausgepreßten Geldern sich wirtschaftliche Betriebe aneigneten, was man „kalte Sozialisierung" nennt. Unsere Forderungen ;um Sfeuerprogramm sind: Aufstellung eines Probeetats mit 20proz. Abstrich, automatische Senkung der Steuern, wenn die Eingänge über den Voranschlag hinausgehen, ein S t e u e r h ö ch st l e i st n n g s g e se tz, welches die Höchststeuersumme für jeden begrenzt, ein Vetorecht des F i n a n z m i n i st e r s gegen alle Ausgabenbewillignngen des Parlaments und der Gemeinden über den Etat hinaus, Selbstkontrolle der Parteien, nicht ohne Einvernehmen mit dem Finanzminister neue Ausgaben und Steuern zu beschließen, Senkung der Einkommensteuertarife zur Ermöglichung der Kapitalbildung, Aenderung des Einkommensteuertarifs auf Grundraten mit jährlich neu zu bewilligenden Zuschlägen, um so jeder Partei die Verantwortung für alle Ausgaben jährlich neu vor Augen zu fuhren, und endlich Vereinfachung des Steuersystems. Als zweiter Redner sprach der Präsident der Handelskammer Dortmung Dr.Jucho. Der Redner erhofft den Wirtschaftsfrieden aus einer neuen Arbeitsgemeinschaft. Die Aufgaben der Organisationen sollen fest umrissen sein und sich nur auf Gesetzes- und Manteltariffragen beziehen. Alle Fragen des Betriebes, des Lohnes, der Arbeitszeit, des Urlaubs ufw. sollen in Betriebsgemein- schäften behandelt werden. Rur wenn Werks- befitzer und Werkslciter sich dieser Aufgabe widmen, scheint ein Erfolg sicher. An Stelle der Sozialpolitik wird Sozialwirtschaft gefordert. Die Erwerbslosen- und Krankenfürsorge dürfen den Anreiz zur Arbeit nicht vermindern. Den Arbeitern muß gestattet fein, Arbeit audj unter Tarif anzunehmen. Bei freiem Angebot würden die Löhne und Gehälter sinken, die Preise würden nachgeben und die Kaufkraft würde mit steigender Produktion besser werden. Die Daweslasten werden uns zwingen, unsere Produktion erheblich zu steigern. Unser Anteil am Welthandel wird znnehmen. Dadurch Wie Polen in den Rat geschoben wird. Umfall Schwedens. — Kritische Lage für Deutschland. Das neue Kompromiß. Genf, 15. März. (511.) Die politische Lage hat sich seit Sonntagabend völlig verändert. Es scheint die für Deutschland denkbar ungünstigste Lösung der Völkerbundskrisis in den Mittelpunkt der Erörterung gerückt. Der konzentrische Druck der Mächte, besonders Englands auf Schweden, scheint den schwedischen Außenminister linden, der am Sonntag noch zäh seinen prinzipiellen Starrdpunkt, keine Veränderung des Rats in dieser Session zuzulassen, verteidigte, ins Wanken gebracht zu haben. Wenn man an.ch allen in den Wandelgängen der Genfer Hotels umherschwirrenden Gerüchten mit größter Vorsicht begegnen muh, so ist doch an ihnen offenbar soviel Tatsache, daß linden seine Bereitwilligkeit erklärt hat, aus dem Rate auszuscheiden und Schwedens Ratssitz der Völkerbundsversammlung sofort zu einer Reuwahl, die nach Wunsch der Großmächte auf Polen fallen soll, zur Verfügung zu stellen. Auch der tschechische Außenminister Bene sch soll gleiche Absichten haben. Man plant scheinbar für Schweden eine andere neutrale Macht, wahrscheinlich die Rieder- lande, in den Rat zu wählen, da Schweden ohnehin den üblichen Turnus der nichtständigen Ratsmitglieder (drei Jahre) überschritten hat. An die Stelle der Tschechoftowakei soll Polen treten und in der Herbstsession des Völkerbundes soll daim ein weiterer nichtständiger Rats- sih geschaffen werden, den man entsprechend den Vereinbarungen von Temesvar Jugoslawien als Vertreter der Kleinen Entente zuwenden will. Brasiliens Beto. Reben diesen Bemühungen, die daraus abzielen, Polens Ehrgeiz zu befriedigen, und damit Frankreichs Wunsch auf Reutralisierung des deutschen Eintritts nachzukommen, laufen bislang völlig vergebliche Anstrengungen, Brasilien zum Verzicht auf seinen Ratsanspruch zu bewegen. Mello Franco, der brasilianische Botschafter, hat in der heutigen Ratssitzung erneut das brasilianische Veto gegen einen deutschen Ratssitz angemeldet. Es besteht in den Kreisen der Ratsmitglieder die Absicht, falls Mello Fvanco sein Veto nicht zurückziehen sollte, noch heute abend gemeinsam an die Regierung in RiodeIaneirozu drahten imd sie zu bitten, der brasilianischen Delegation in Genf neue Instruktionen zu erteilen, die es ihr gestatten, für einen deutschen ständigen Ratsih zu stimmen. Den gleichen Zweck hatte eine Besprechung zwischen Chamberlain, Lord Robert Cecil, Mello Franco und Quinones de Leon, in der Mello Franco die ihm vom brasilianischen Außenminister Kacheco erteilten Instruktionen vorwies, die Mello Franco aufsordern, auf seinem Standpunkt zu beharren, bis in der einen oder anderen Form den Forderungen Brasiliens entsprochen worden sei. Den schärfsten Widerspruch hat Brasilien mit seiner Forderung gerade von den Mächten zu erwarten, in deren Rarnen zu handeln es vorgibt. Die zwölf l a t e i n° am erikanischen Staaten sind bereits zu einer Sondersitzung zusammengetreten und haben beschlossen, sich dafür einzusetzen, nur Deutschland jetzt in den Völkerbund zu bringen und alle andern Verhandlungen zu vertagen. Sie haben außerdem mitgeteilt, daß nur der Delegierte von Uruguay als Vertreter Südamerikas im Rate anzusehen sei, nicht der Brasiliens. Spanien. Heber die Ansprüche Spaniens verlautet wenig Reues. In Madird haben der französische und der italienische Botschafter mit Primo de Rivero verhandelt. Der Standpunkt der spanischen Regierung scheint sich nicht geändert zu haben. Es hat aber nicht den Anschein, daß von Spanien die gleiche Opposition gegen einen Ratssih für Deutschland zu erwarten steht, wenn der Rat die Wünsche Spaniens nicht berücksichtigen sollte. Das offiziöse spanische Blatt „Noticiero del Lünes" veröffentlicht eine Note, in der gesagt wird, die spanische Oeffentlichkeit, die die Vorgänge in Genf mit größter Aufmerksamkeit verfolge, sei der Auffassung, daß die gegenwärtige Lage nicht den rechtmäßigen Ansprüchen Spaniens wird die Lage des deutschen Volkes und vornehmlich der Arbeiterschaft gebessert. Nach lebhafter Debatte wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: Nur durch ä u h e r st e A n s p a n n u n g d e r Arbeitszeit und A r b e i t s l e istu n g kann ein dauerirder Absatz für die deutsche Arbeit auf dem In- und Auslandmarkt gesichert werden. Regierung und Parlamente müssen endlich die Grundlagen für die Besserung der Wirtschaft in erster Linie durch die Sicherung einer ruhigen politischen Entwicklung schaffen. Der Vorstand wird beauftragt, dem Reichskanzler folgende Forderungen zu unterbreiten: 1. Steuer Milderungen, die eine digerecht werde. Es fei möglich, daß in Genf keinerlei Beschlüsse gefaßt würden, auch nicht irft Hinweis auf die Zulassung Deutschlands in den Völkerbund, und daß die zur Zeit zur Debatte stehenden Fragen auf später vertagt würden, was jedoch zu einer Verschärfung der G e - g e n s ä tz e führen könne. Der spanische Außenminister und die anderen Delegierten Spaniens seien in ständiger Fühlung mit der Regierung und erhielten laufend präzise Weisungen. Die Madrider Abendblätter enthalten sich bei der Wiedergabe der Genfer Nachrichten ausführlicher Kommentare. Die Möglichkeit des Zusammenbruchs des Völkerbundes wird allerdings zugegeben und Deutschlanddie Schuld in die Schuhe geschoben. Die offiziöse Sitzung des Dölkerbundsrats beim Generalsekretär Sir Eric Drummond, die sich in der Hauptsache mit dem Austausch der Ratssihe Schwedens und der Tschechoslowakei gegen solche Hollands und Polens, in zweiter Linie mit dem Anspruch Brasiliens beschäftigte, dauerte den ganzen Montagvormittag an, ohne zu einem greifbaren Resultat gelangt zu sein, da angeblich die Antworten der Regierungen auf die Berichte der Delegierten noch ausstehen. Die auf Dienstag festgesetzte Sitzung, in der die Ausnahme Deutschlands beschlossen werden sollte, ist auf Mittwoch verlegt worden. Schweden niedergeboxt. S t o ck h o lm, 15. März. (TU.) Der R e ichs- tagsausschuß für auswärtige Angelegenheiten ist im Königlichen Schloß unter dem Vorsitz des Kronprinzen zusammen- getreten. Zur Beratung standen die neuen Di- reftiben für Haben. Die Lage in Genf wird hier kritischer als jemals angesehen. „Afton- bladet" schreibt, es sei nicht wahrscheinlich, daß Schweden für das neue Kompromiß gewonnen werde. Schweden müsse jetzt fest bleiben und lieber aus dem Völkerbund austreten als nachgeben „Rha Dagligt Alleb.mda" erklärt, wenn Schwede fest bleibe, würde in Genf noch alles gut verlausen. Cs sei nicht anzunehmen, daß der Auswärtige Ausschuß den Kompromißvorschlag, der den Rücktritt Schwedeirs aus dem Völkerbundsrat vorsehe, annehmen werde. In den späten Rachinittagsstuuden verbreitet der amtliche Schweizer Rundfunk in Genf die Rachricht, daß linden die Zustimmung seiner Regierung, sowie des auswärtigen Ausschusses, den schwedischen Ratssitz zur Verfügung zu stellen, erhalten habe. Man hat in Ratskreisen geglaubt, daß man durch den gleichzeitigen Rücktritt von Schweden und der Tschechoslowakei und dem Reueintritt Hollands und Polens dem schwedischen Stand- punft entgegenkomme, für den es untragbar gewesen wäre, Schweden allein gegen Polen auszutauschen. Diese Lösung ist vom deutschen Standpunkt aus höchst unerfreulich, denn Deutschland verliert in Schweden seinen einzigen Freund im Rat, auf den es in schwierigen Situationen, an denen es in Zukunft sicherlich nicht fehlen wird, hätte rechnen können. Schwedens Verzicht. Genf, 16. März. (TH.) Aus schwedischen Kreisen werden dem Vertreter der Telunion fol- geirde Ausführungen über den schwedischen Standpunkt gemacht: Weder das schwedische Volk noch die schwedische Regierung würden jemabS bereit fein, auf einen Sitz im Rat zu verzichten, falls er Polen zufallen sollte. Voraussetzung für die Zustimmung der schwedischen Regierung sei es deshalb, daß ein zweiter Staat neben Schweden ausscheide und die Gewißheit vorhanden fei, daß der schwedische Platz durch Holland erseht werde. Denn ein holländischer Vertreter im Rat würde sich vielleicht noch stärker, als es Schweden bisher getan habe, gegen eine Erweiterung des Rats wenden. Bereits im Jahre 1922 habe der holländische Vertreter in der Vollversammlung als einziger gegen eine Erhöhung der Zahl der nichtständigen Mitglieder von vier auf sechs gestimmt. Man dürfe daher mit Bestimmtheit annehmen, daß er auch in Zukunft diese Politik innerhalb des Rates fortsehen werde. Schweden sei bereits mehrfach für einen dreijährigen Turnus bei der Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder eingetreten und habe das letztemal nur ungern sich zum nichtständigen Ratsmitglied wählen lassen, da es dem Rat bereits drei Jahre angehörte. Die schwedische Regierung werde jedoch ihren Verzicht erst bann zum Ausdruck bringen, wenn sie des Erfolges sicher sei. Erst müsse Deutschland ausgenommen und zum ständigen Ratsmitglied gewählt fein, sonst würde Schweden Gefahr laufen, auf seine Wahl verzichtet zu haben, um nachher zusehen zu können, wie Deutschlands Wahl in den Rat a n dem brasilianischen Veto scheitere. Ernste Besorgnis in Berlin. Berlin, 15. März. (Abendblätter.) In Berlin betrachtet man die Entwicklung in Genf mit unverkennbarer Sorge. Im Mittelpunkt der Erörterungen steht natürlich die H «l- t u n g Schwedens, die nach der „Vossischen Zeitung" noch in keiner Richtung feftgelegt fei. Das Blatt behauptet, daß gegsnüber dem gestrigen Vorbescheid heute neue Instruktionen aus Stockholm eingetroffen seien, die Haben alle Wege offen lassen, demgegenüber wird der „Deutschen Tageszeitung" von kompetenter deutscher Seite bestätigt, daß Schweden den deutschen Vertretern gegenüber ausgesprochen hat, auf feinen Sitz zu verzichten und daß mit einem entsprechenden schwedischen Antrag während der gegenwärtigen Ratssitzung gerechnet werden müsse. Wie die „Vossische Zeitung" weiter mitteilt, ist den Ratsmächten von deutscher Seite angebeutet worden, daß der Austausch des schwedischen Sitzes mit den: polnischen die schlechteste Lösung wäre, die es für die öffentliche Meinung Deutschlands gebe. Welche Konsequenzen die deutsche Delegation daraus ziehen würde, wenn trotzdem der Rat sich auf diese Lösung einigen sollte, sei vorläufig noch gar nicht zu sagen. In der Tat ist das Echo einer solchen Lösung in der heutigen Berliner Abendpresse gar nicht mißzuverstehen. Sv urteilt die „Deutsche Allgemeine Zeitung": „Rach imferer Heberzeugung wäre, wenn dieser Plan durchgesührt werde, die Möglichkeit für Deutschland, jetzt in den Völkerbund einzutreten, nicht mehr gegeben. Der deutschen öffentlichen INeinung kann nicht zugemutet werden, einer Lösung zuzustimmen, die aus dec ganzen Linie den Sieg der sran- zösischen Kreise bedeutet. Vrlcht der schwedische Pfeiler zusammen, dann erweist sich der Bund offensichtlich als Machtinstrument der Entente, und Deutschland habe in Genf nichts mehr zu suchen. Der „Lokalanzeiger" äußert, wir könnten nicht umhin, unser allerhöchstes Befremden darüber auszusprechen, daß sich hier die deutsche Delegation auf den rein formalen Standpunkt stellt. Ein formales Veto selbst hat Deutschland nicht, wohl aber hat es den Anspruch, in den Völkerbundsrat hin- einzukommen, der im Augenblick der Unterzeichnung des Locarnovertrages bestand, und in keinen anderen. Wird dieser Völkerbundsrat geändert, dann entfällt die deutsche Verpflichtung, in den Völkerbund einzutreten. An amtlicher Stelle äußert man sich sehr vorsichtig mit bem Hinweis darauf, baß die Dinge noch stark in Fluh seien. Man bestreitet, daß von einem Hrnfall die Rede fein könne, weil der deutsche Standpunkt sich nicht verändert habe, wonach die Hrngestaltung des Rates eine interne Angelegenheit des Völkerbundes sei. Weiter wird betont, daß die Rachrichten über den Austausch eines nichtständigen Ratssitzes zwischen gewissen Staaten noch nicht konkret genug seien, um eine amtliche Stellungnahme zu ermöglichen. Es sei z. B. zweifelhaft, ob zur Riederlegung des schwedischen Ratssihes nicht auch der schwedische Reichstag gehört werden müsse. In nicht amtlichen politischen Kreisen haben jedoch gerade die Meldungen über die Austauschmöglichkeiten zweifellos eine starke Beunruhigung hervorgerufen. Man weist darauf hin, daß die sofortige Aufnahme Polens für die deutsche Delegation nicht tragbar sein könne, weil damit die Struktur des Völkerbundrates wesentlich verändert und der deutsche Ratssitz seinen Wert verlieren würde. Litauen gegen die polnische Forderung. Berlin, 15. März. 2)ieJitauifdje Delegation, die unter der Führung des Außenministers R e i n y s steht, hat an den Vorsitzenden rekte Entlastung für die Produktion bringen und die Kapitalbildung wieder ermöglichen. 2. Durchgreifende Finanz- und Derwaltungsreform, Abbau der öffentlichen Ausgaben der Behörden, llare Aufgabenteilung zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, beides als Voraussetzungen und in Verbindung mit einer vernünftigen Regelung des Finanzausgleiches und darüber hinaus eine Derfas - sungsreform, die unter Wahrung berechtigter Stammes- unb Ländereigentümlichkeiten die Dreigliederung des gesamten politischen wie verwaltungsmäßigen Apparates in ihrem heutigen Ausmaße und damit eine Fülle unnötiger Doppel- unb Rebenarbeit sowie die Hauptquelle der unerträglichen gesamten steuerlichen Belastung beseitigt. 3. Sofortige Rückkehr zu einer wirklich gesunden Sozialpolitik, Beseitigung aller Bestimmungen, die produktionshemmend wirken und den Arbeitswillen und die Selbstverantwortung des Einzelnen zunichte macht, sowie Anpassung der sozialen Lasten an die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. 4. Aushebung jeglicher Zwangswirtschaft, Beseitigung des staatlichen Schlichtungswesens, Förderung des Arbeitsfriede ns durch Betriebsgemeinschaften, Aufhebung der bestehenden Demobilmachungsverord- nungsvorschristen und der noch vorhandenen Reste zwangswirtschaftlicher Gesetzgebung. 5. Verzicht aller öffentlichen Körperschaften, insbesondere auch des Staates, die durch , Mißbrauch der Wirtschaft in Form von Steuern entzogenen □Kitteln zu volkswirtschaftlich unbc = rechtigten Erwerb gewerblicher Unternehmungen und Beteiligungen zu verwenden. des Dölkerbundsrates ein Schreiben gerichtet, daß sie einem polnischen Ratssitz scharf widerspreche. weil Polen seinen Völkerrecht- l i ch e n Verpflichtungen nicht n a ch gekommen sei, insbesondere Wilna nicht geräumt habe. Die litauische Delegation will dieses Schreiben durch eine Erklärung in der Völkerbundsversammlung ergänzen. Im übrigen glaubt Litauen, daß der gegenwärtige Augenblick für eine Erweiterung des Rates ungeeignet ist. Auch die übrigen baltischen Länder teilen den schwedischen Standpunkt. Der sranko-britifche Kuhhandel. Die französische Regierung gegen das türkische Abkommen. Konstantinopel. 15. Mär;. (I2L) Die französische Regierung hat sich geweigert, das kürzlich von de Iouvenel mit der Türkei geschlossene Abkommen über die türkisch-syrische Grenzregclung zu ratifizieren und den französischen Botschafter in Angora beauftragt, im türkischen Außenministerium wegen Aenderung der Reutraiitäts- klausel und des türkischen Durchfahrts- rechts durch syrisches Gebiet vorzu- sprechen. Eine Ratifikation wäre erst dann möglich, wenn die Bestimmungen des Vertrags über die Neutralität Frankreichs im Falle eines Konfliktes der Türkei mit einer dritten Macht gestrichen würden. 3n Londoner politischen Kreisen bringt man dies Entgegenkommen Frankreichs gegenüber dem durch die jetzt angefochtenen vertragÄrestimmungeu bedrohten Großbritannien mit dem Eintreten Chamberlains für die französischen Dünsche in Genf in engste Verbindung. Italien gegen ein deutsches Kolonialmandat. Rom. 16. März. (TU.) In der „Tribuna" polemisiert der Nationalist Coppola heftig gegen die Uebertragung eines Kolonialmandats an Deutschland. Es fei" ganz ausgeschlossen, daran zu denken, dem besiegten Deutschland irgendein Mandat zu qebeji, bevor man nicht die bevorrechtigten Ansprüche des siegreichen Italiens auf kolonialen Besitz berücksichtigt hätte. Als kurz nach Locarno diese Frage angeschnitten wurde, habe Italien in London und Paris protestiert und dabei die Auskunft erhalten, daß Deutschland keinerlei bindende Zusicherungen auf Uebertragung eines Kolonialmandats gemacht worden seien. Es sei unverständlich, wie Briand jetzt dazu komme, bestimmte Zusagen zu machen, nur um die deutsche Intransigenz zu brechen. Italien habe nicht die geringste Lust, die Kosten eines Kompromisses zu tragen, das nur den sozialistischen Utopien anderer zugute komme. Das habe man nach 1918 in Versailles sich leisten können, heute aber müsse man außer mit dem Geist von Locarno mit noch etwas anderem rechnen: dem Fäszismus. Die Großmächte und China. London, 15. März. (Boss. Ztg.) Die Gesandten der Großmächte in Peking haben eine befristete Forderung nach vollständiger Säuberung des Taku-Kanals von allen Minen und Hindernissen vorbereitet. Werde diese Forderung nicht voll erfüllt, so würden die Kriegsschiffe der Großmächte unverzüglich Montag mittag mit der Beschießung der Taku- forts beginnen und diese bis zur vollständigen Zerstörung aller Befestigungen an der Teihomün- dung fortsetzen. Die neue Bote ist die Folge der . Beschießung japanischer Tvrpedobootsz«stvrer vor Taku und stellt den letzten Versuch der t anderen Großmächte dar. Japan vor zu rascher und isolierter Intervention in China zu be- T wahren. Bach einer Meldung der „Chicago Tribüne" ' aus Peking ist die Absendung dieses Ultimatums der Mächte an China aufgeschoben worden. Dor Tientsin liegen amerikanische, englische und italienische Kanonenboote, vor Daku ein französisches und ein japanisches Kanonenboot, um einem Versuch der Armee des Generals Feng, die Mündung des Peiho-Flusses zu blockieren, entbegenzutreten. Die Führer der Truppen Fengs befurchten, baß der frühere Gouverneur von Tschili versuchen werde, sich Tientsins von der See her zu bemächtigen. Die spanische Offensive bei Tetuan Paris, 16. März. (Sil.) Die spanische Aktion, die auf die Säuberung der Höhen von Tetuan abzielte, ist nunmehr abgeschlossen. Wichtige Teilerfolge find erziät wocden, doch ist es nicht gelungen, Den Gegner aus einigen Gebirgsschlupfwinkel zu vertreiben. Winzerversammlungen im Rheingau. 3n Oestrich fand eine von über 5000 Winzern aus dem ganzen Rheingaugebiet besuchte Massenversammlung statt. Der Dorsitzende des Rheingauer Weinbauvereins, Graf Matuschka- Greifentlau von Schloß Vvllrads, betonte, -daß cs Pflicht aller sei, wie in Mainz, so auch hier völlig die Ruhe und Ordnung zu bewahren. Zn ungeheueren Mengen sei der ausländische Wein nach Deutschland hercingeströmt. Das dürfe nickt mehr so weiter gehen. Reichstag und Reichs- rcgicrung müßten dem Weinbau geben, was er brauche, um zu bestehen. Zum letzten Male forderten die Weiirbauern: Hinweg mit der Wein- steuer. Dr. Eisinger von der Wiesbadener- Land- wirtschaftökammer, erklärte, daß vom deutschen Weinbau rund 300000 Familien mit Angehörigen l1 Millionen Menschen leben. Die' deutsche Wcinerzeugung, die 21 Millionen Hektoliter betrage, reiche völlig zur Befriedigung des deutschen Bedarfs aus. Wenn der deutsche Winzer- stand zugrunde gehe, müßten 300 000 Familien Unterstützung bekommen und das würde eine | Katastrophe bedeuten. Rach Schluß der Versammlung veranstalteten die Teilnehmer hinter schwarzen Fahnen und Schildern einen Umzug durch die Straßen von Oestrich. Der Haushaltsplan Württembergs. Stuttgart, 15. März. (WB.) Der dem Landtag übergebene Entwurf des Staatshaushaltsplanes für die Rechnungsjahre 1926 27 enthält im ordentlichen Dienst eine Gesamtausgabe für das Rechnungsjahr 1926 von 214 258 457 Reichsmark, für 1927 eine solche von 212 828 817 Reichsmark. Diesen Ausgaben stehr eine G esa m tein n ahmc für 1926 von 212 160 763 Reichsmark, für 1927 von 212 104 763 gegenüber, so daß also ein Defizit für 1926 voll 2 097 694, für 1927 Von 724 054 Reichsmark vorhanden ist. 3nt außerordentlichen Dien st halten sich die Ausgaben imfc die Einnahmen mit 12 113 798 Reichsmark die Wage. Die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz in Hessen. Darmstadt, 15. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beschloß in seiner letzten Sitzung, daß die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz für 1926 auf 127,5 Reichspfennig festgesetzt werden soll. Eröffnung der Londoner Arbeitszeit -Konferenz. London, 15. März. (Wolff.) Die inter-- natlvnale Arbeitszeit-Konferenz wurde heute vormittag im Arbeitsministerium durch eine Begrüßungsansprache des Premierministers eröffnet. Baldwin führte u. a. aus, die Arbeiterschaft der ganzen Welt habe nach den schrecklichen Kriegsjahren am meisten gefürchtet, sie werde wieder in einen Zustand verfallen, der ökonomisch weit unter dem Bortriegszustand liegen würde. Ich weiß, so fuhr Baldwin fort, daß es Leute gibt, die sagen, daß internationale Regelungen meist nur zum Ruhen des einen oder andern Landes sein können. Es kann in Europa nicht davon die Rede sein, daß ein Land auf Kosten des anDern prosperiert. Der rücksichtslose Wettbewerb der Gegenwart ist eine ernste nationale Gefahr. .hierauf erklärte der englische Arbeits- Minister «tcel-Maitland n. a„ angesichts der Schwierigkeiten, welche die zu erörternde Frage biete, erscheine es angezeigt, zunächst darüber S(arbeit berbeizuführen, ob die vier oder fünf hauptsächlich interessierten Lander untereinander zu einer Einigung gelangen könnten. Wenn die vertretenen fünr 'Dlädjte sich einigen könnten, werde es an der Zeit sein, andere Mächte zur Mitarbeit aufzufordern. Die britischen Delegierten in Washington hätten seinerzeit für das Abkommen gestimmt, jedoch hätten sich bei den Bemühungen um Herbeiführung der Ratifikation das Vorhandensein sehr ernster Schwierigkeiten infolge der A u s l e g u n g s- Möglichkeiten gewißer Artikel ergeben. Daraus habe sich die sonderbare Lage ergeben, daß England, das an günstiger Gestaltung der Arbeitszeit für seine Arbeiter keinem anderen Lande nach- steht, nicht in der Lage gewesen sei, das Arbeitszeitabkommen zu ratifizieren. Das Recht zur bindenden Auslegung stehe selbstverständlich allein dem Internationalen Gerichtshof zu, aber es liege auf der Hand, daß dis Ratifizierung kaum möglich sei, wenn es nicht gelinge, auf dieser Konferenz sich über die wesentlichen Fragen zu verständigen und die Grundlagen für ein gegenseitiges Vertrauen zu legen. Nach Ueberwindung der Auslegungsschwierigkeiten werde es eine Aufgabe von besonderem Interesse fein, in diesem neuen Licht die jetzige Gesetzgebung und die Praxis der verschiedenen in Betracht kommenden Staaten als Anschauungsmaterial für die Tragweite der Ratifizierung des Abkommens zu prüfen. Der deutsche Reichsarbeitsminister Dr. Brauns sprach darauf über die Regelung der Arbeitszeit in Deutschland. Der Minister erklärte, der durch die DemobilmachungSverordnung unmittelbar nach dem Kriege für alle Arbeiter und Angestellten eingeführte uneingeschränkte Achtstundentag sei bis Ende 1923 in Geltung geblieben. Auf Grund dieses Tatbestandes hat die deutsche Re- gierung schon im Jahre 1923 einen Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Washingtoner Abkommens den gesetzgebenden Körperschaften unterbreitet. DaS Jahr 1923 führte in Deutschland zum völligen Ruin der Währung und zum Zusammenbruch der Ernährung und der Wirtschaft. Im Dezember 1923 sei die heute noch in Geltung befindliche Verordnung über die Arbeitszeit erlassen worden. Die deutsche Regierung habe mit dieser Verordnung nur eine Rotgesetzge- bung geschaffen, die sie sobald als möglich abzuschaffen bestrebt gewesen fei. Immerhin sei diese Verordnung so beschaffen, daß eine schrittweise Besserung auf dem Gebiete der Arbeitszeitregelung möglich war. Heber die tatsächliche Arbeitszeit in Deutschland herrschten im Ausland falsche Vorstellungen. Dor mir liegt eine neue amtliche Statistik, die von der Reichsarbcitsverwalturig ausgestellt worden ist. Der Statistik unterliegen 7099 Tarifverträge, von denen 735 945 Betriebe mit rund 11,9 Millionen Arbeitnehmern erfaßt werden. 6506 von diesen Tarifverträgen, dir rund 10,9 Millionen Arbeiter, also über 90 Prozent der Vertrage erfassen, enthalten Angaben über die Arbeitszeit, Von diesen 10,9 Millionen Arbeitnehmer hatten 1295 037 eine regelmäßige Arbeitszeit von weniger als 48 Stunden pro Woche. Die regelmäßige Woch-enarbeitszeit von 48 Stunden hatten 8 432 421 Arbeitnehmer. Eine Arbeitszeit von mehr als 48 Slnnden hatten nur 1 190 635 Arbeiter, also nur 1 10 der von der Statistik erfaßten Arbeitnehmerschaft. An diesem Zehntel haben den größten Anteil die landwirtschaftlichen Betrieb?: erst ix weitem Abstand dahinter kommt die Metallindustrie. Die Tarifverträge lassen nahngemär, Uebrrstunden zu. die ja auch nach dem Washingtoner Ablonxmen grinxdsählick gestattet fmi>. Aus diesem Bilde ergibt sich, daß die Rückkehr zu einem Rormal- arbeitstag von acht Stunden für Deutschland keineswegs eine älnniöglichkeit darstellt. Ein neues Arbeitszeitgesetz, das wieder zu dem Ronnal- arbeitstag von acht Stunden zurückkeh't, wird noch im Sommer Dem Reichskabinett zugehen. Auf feiner Grundlage kann die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens durch Deutschland erfolgen. Dir wollLN jedoch auch dann das Gesetz ergehen laf-cn, wenn, DaS wir nicht wünsch?:,, aus irgenbw-elchcn (Srünöen eine Ratiftzierung des Abkommens durch die westeuropäischen Staaten nicht gleichzeitig erfolgen sollte. Aus aller Welt. Tagung der deutschen LeberrSrettuirgsgesrllschaft. •Unter Leitung ihres Präsidenten, des Staatssekretärs Dr. Lewald. tagte in Dessau die Deutsche LebenSrettungsgescllschaft. In den V?r« handlungeu wurde u. a. mitgeteilt, daß Anhalt da s S ch n 1 s ch w i m m e n als Pflichtfach teic auch in Hessen cingeführt habe Der Ge» schästsvcricht legte beredtes Zeugnis für die sich immer mehr ausbreftende Arbeit der Gesellschaft ab. die u a. in dem Sinken der Todesziffer durch Ertrinken von fast 4000 im Jahre 1914 auf 2400 im Jähre 1925 zum Ausdruck kommt. Im vergangenen Jahre wurden 12 000 Personen i m Rettungsschwimmen ausgebildet. Die Vorträge, die gehalten wurden, beschäfttgten sich ausschließlich mit den Zielen der Gesellschaft, dem nassen Tode möglichst viele Menschen zu entreißen. Unter den Referenten befand sich auch der erste Vorsitzende der deutschen Turnerfchaft, Professor Dr. Berger. Mit der Tagung war eine Ausstellung von Rettungsmitteln und Rettungsschwimmen verbunden. Aus der Schneekoppe erfroren. Der indische Student Pcithak aus Ehindwaro, der in der Berliner Universität eingeschrieben ist, wurde an einer Markierungsstange auf dem Wege von der Schneckoppe nach den Grenzbauden t o t a u f g c f u n b c n. Etwa sechs Meter von ihm cnt- femt wurde von der Bergungskolonne die Leiche einer jungen Dame entdeckt, die als die 26jährige Tochter der Witwe Nürnberger in Warmbrunn festgeftellt wurde. Die Familie Nürnberger scheint von einem tragischen Geschick verfolgt zu werden. Der Buchdruckereibesitzer Nürnberger hatte 1920 seine Frau, seine Schwiegermutter, seinen 14jährigen Sohn und eine Tochter durch Beilhiebe schwer verletzt, das Haus angezündet und sich selbst vom Balkon gestürzt. Die jetzt verunglückte Tochter Lotte entging damals ihrem Schicksal, da sie sich am verhängnisvollen Tage in Liegnitz befand. Das Eisenbahnunglück in Lostarica. Die bisherige Feststellung hat ergeben, daß bei dem Eisenbahnunglück 248 Personen getötet und 93 verletzt worden sind. Todessturz beim Eissegeln. In Stockholm wurde beim Eissegeln die Eisyacht des Direktors Johnson in schärfster Fahrt gegen einen Felsen geworfen, so daß die beiden Insassen in großem Bogen gegen das Gestein geschleudert wurden. Johnson wurde getötet, sein Begleiter schwer verletzt. Selbstmord eines schwedischen Großindustriellen. Der schwedische Großiirdustrielle Fluh" borg, der bei einer Explosion in seinem Kraftwagen in Stücke gerissen wurde, hat Selbstmord begangen, indem er eine hn Wagen angebrachte Sprengstoffladung zur Ent- 5Ünbung brachte. Fluyborg hatte bereits vor einem Monat schon einmal versucht, sich das Leben zu nehmen. Eine folgenschwere Explosion. Eine verhängnisvolle Explosion ereignete sich in Leipzig. Ein Kassenbote der Städtischen «Straßenbahn hatte sich in der Rächt zum Sonntag durch Leuchtgas vergiftet. Äls am Morgen der 13jährige Sohu die Tür zu dem Zimmer öffnete, wurde durch den Luftzug die im Öfen befindliche glühende Asche entfacht und das ausgeströmte Gas unter lautem Knall zur Explosion gebracht. Der Knabe erlitt schwere Verletzungen im Gesicht, sämtliche Fensterscheiben der Wohnung gingen in Trümmer. Die Türfüllung mürbe aus dem Rahmen gerissen. Die im Nebenzimmer schlafende Frau des Selbstmörders wlirde durch den Luftdruck a u s d e m Bett geschleudert und gleichfalls verletzt. Der Vater lag entseelt auf dem Fußboden des Zimmers. Der schwerverletzte Knabe wurde in das Krankenhaus überführt. Große Aeberschwemmungen in Südamerika. In der Provinz Oro (Ecuador) sind infolge Hochwassers des Iubones, daS durch einen Wolkenbruch entstand, mehrere Dörfer überschwemmt worden. Viele Einwohner wurden in ihren Häusern von den Wassermassen überrascht. 50 Personen sind ertrunken. Der Sachschaden wird auf 2 Millionen Dollar geschätzt. Auf Posten angeschossen. In Berlin wurde ein Aeichöwehrsoldat vom Reichswehr-Infanterie-Regiment Rr. 9 der als Posten an einem Pulverschuppcn stand, von der Wache blutüberströmt und besinnungslos mit einem Schuß durch die rechte Schulter getroffen aufgesunden. Rach den Angaben des Schwerverletzten haben 3 Männer, die sich in der Rahe des Postens zu schaffen machten, als sie von dem Posten angerufen wurden, sofort mit Pistolen auf i h n geschossen. Bis jetzt ist es trotz aller Anstrengungen nicht gelungen, die Täter zu ermitteln. Hochfchulnachrichten. Tagung des Akademischen AssiftenLenverbandes. Am 6. bis 8. März fand in Erlangen die diesjährige Tagung der Süddeutschen Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Akademischen Assi st enten Verbandes statt, auf welcher alle süddeutschen Ortsgruppen und die Derbandsleitung aus Berlin vertreten waren. Die Veranlassung zu der Tagung war die immer noch anhaltende Benachteiligung der süddeutschen Assistenten gegenüber den norddeutschen Kollegen. Während in Bayern der Landtag die gesetzliche Festlegung der Anstellungsverhaltnisse wie in Preußen und anderen norddeutschen Ländern beschlossen hat, ist dies in Hessen abgelehnt worden. Die Llnhaltbarkeit der süddeutschen Ver- haltnisse wird grell beleuchtet durch die generelle Kündigung aller Assistenten in Baden zur Erzwingung noch ungünstigerer Anstellungsbedin- gungen. Ein derartiges Aussperrungsvcrsahren wäre unmöglich bei einer gesetzlichen Regelung. Man wundert sich immer erneut, weshalb man pcrade den akademischen Rachwuchs für die Hochschulen so benachteiligt, der wohl faum von den minbetbefälugten Elementen des akademischen völlig unentbehrlichen Privatdozenten und ersten Assistenten das Verbleiben in ihren Stellen und ihre Bezahlung dauernd gefährdet, kann nur zur Schädigung der jetzt'vorhandenen, und zur Ab- toanberung künftiger Dozenten führen. Dies ist bereits in mehreren Fällen eingetreten. Staat und Landtag sollten doch einsehen, daß nur eine gesetzliche Regelung mit angemessener Bezahlung eine gedeihliche Forschungs- und Lehrtättgkeit des akademischen Rachwuchses gewährleisten kann. Es erscheint unerträglich, daß infolge der jetzigen Regelung ohne Gesetz, auch bewährte Dozenten jederzeit gezwungen werden können, ihre Assi- stentenstelle und damit ihren Beruf aufzugeben, da sie heute ohne die Assistentengehälter nicht mehr leben können. Cs scheint ein weitverbreiteter Irrtum zu fein, daß ein Assistent nur der Junge Mann" sei, der von dem Professor sein« Kunst erlernen möchte. Im Gegenteil, der Professor sucht sich zum Assistenten am liebsten Kräfte, GefamtnachwuchlcS gestellt wird. Zweifellos muß die Kündigungsmöglichkeit für weniger bewährte Kräfte offen bleiben. Daß man aber dem tüch- ttgen Rachwuchs, auch den im 11 nwersitätsbetrieb die eine solche Lehrzeit als Volontäre bereits hinter sich haben und die mit und neben ihnt Dienst, Lehre uni) Forschung selbständig fördern können. Dieses Vertrauensverhältnis wird aber getrübt durch die dauernde Ungewißheit beider Teile, ob nicht äußere Umstände ihm bald ein Ende bereiten können. Diese Gesichtspunkte haben die Unioerfitäten wiederholt amtlich zum Ausdruck gebracht. Es wäre erwünscht, toemt nun auch an maßgebender Stelle diese Erwägungen Eingang fänden und zu den unabweislichen ge-- setzgeberischen Maßnahmen führten. Am -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 16. März 1926. Gießener Wocherrmarttpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 30 bis 40, Käse 65 bis 140, Wirsing 30, Weih< kraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 20, rote Rüben 20. Spinat 35 bis 40, UMerkohlrabi 10, Grünkohl 30, Rosenkohl 60, Feldsalat 100 bis 120, Endivien 100, Zwiebeln 20, Meerrettich 70, Schwarzwurzeln 50 bis 60, Kartoffeln 4 bis 5. Aepfel 15. Rüsse 40, junge Hahnen 120, Suppen- Hühner 120; pro Stück: Eier 11 bis 12, Blumen- kohl 60 bis 150, Salat 30 bis 40, Lauch 15 bis 20 Sellerie 30 bis 50 Pfennig. Borrrotizen. — Tageskalender für Dienstag Stadttheater: 7.30 Uhr „Minna von Barnhelm (Ende 10 Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Pietto, der Korsar". — Astoria-Lichtspiele: Film- sketsch „Ein Blick hinter die Kulissen". — Vortrag im Keißnerschen Vortrag s s a a l e. Kommenden Donnerstagabend wird Dr. med. G e r st e r - Gießen im Keißnerschen Vorttagssaale über das Thema „Der Mensch und das Verbrechen" sprechen. Der Vorttag wird — so schreibt man uns — , hauptsächlich darlegen, wie sich das Verständnis des Kriminellen organisch aus der Betrachtung des Normalen heraus entwickelt, und wie wenig berechtigt das Pharisäertum ist, a'us dem heraus gedankenlos und oberflächlich das Verbrechertum betrachtet wird". (Siehe gestrige Anzeige.) — Bürgergesellschaft Gießen. Nächsten Sonntag abend im Katholischen Vereinshaus nochmalige Aufführung der Operette „Die Rats- tnäbcl*, die bereits im November v. I. gelegentlich des Stiftungsfestes der Bürgergesellfcha^t gegeben wurde. Wie man uns mitteilt, ist zu der Aufführung am Sonntag Herr Kurt R i ch t e r für die Rolle des ersten Liebhabers gewonnen. Als Orchester ist die Kapelle Weller verpflichtet. Näheres in der heutigen Anzeige. Wettervoraussage. Rachts Temperaturen zunächst Wetter zurück- gehend, zeitweise schwächer bewölkt, anfangs nördliche, später zurückdrehende Winde, noch meist trocken. Gestrige Lagestemperaturen: Maximum: 10,3 Grad Celsirls. Minimum: 1.1 Grad Celsius. Heutige Morgentemperattir: 4,3 Grad Celsftrs. ** D i e Hessische Tierärztekammer. Die Wahlen der Mitglieder zur Tierärztekammer hatten folgendes Ergebnis: als Mitglieder wurden gewählt die praktischen Tierärzte Wilhelm Hohmann in Büdingen, Dr. Karl Ohly in Altenstadt, Dr. Ludwig Hoffmann in Darmstadt, Wilhelm Weißheimer in Guntersblum, Dr. Karl Trimmel in Gedern, Dr. Hugr Keller in Offenbach, Dr. Friedrich W i r t j in Wörrstadt; als Ersatzmänner mnr. den gewählt die praktischen Tierärzte: Dr. Hemrick E r b in Gießen, Dr. Paul Hermann Walter in Lich, Dr. Eduard Maser in Groß-Umstadt, Dr. Franz Durch Hard in Worms, Dr. Otto Sang in Niedermoos, Heinrich Dillmann in Bensheim, Dr. Jacob Reiff in Mainz. *• Militärisches Leben und Treiben herrschte gestern mittag gegen 1 Llhr auf dem hiesigen Bahnhof. Das Ausbildungs- Bataillon des Inf.-Rgts. Rr. 15 kam auf der Reise von Marburg hier durch. Die Fahrt ging nach Münsingen zum Verbandsexerzieren und zu Besichtigungeir Der Transport hatte hier etwa halbstündigen Aufentbalt. Kommuni st en-Tran Sport nach Leipzig Heute früh wurden einige der im vorigen Jahre hier verhafteten Kommunisteir über Kassel nach Leipzig abtransportiert. Dor einigen Tagen sind bereits mehrere Verhaftete in der befannten Sprengstoffangelegenheit ebenfalls nach Leipzig verbracht worden. Wie erzählt wird, soll der Prozeß gegen die Inhaftierten in der nächsten Zeit vor dem Reichsgericht in Leipzig stattfinden. ® Zwei tödliche älnglücksfälle. Gestern mittag verunglückte in der Rähe von Klein-Lindei7 beim Umsehen von Masten der elektrischen UcberlanMcitung der 32 Jahre alte Arbeiter Karl Schmidt aus der Bahnhofstraße in Gießen tödlich. Ein um/türzender Mast traf den bedauernswerten Mann und verletzte ihn am Kopfe so schwer, daß der Tod alsbald ein- trat. Der schnell fjerbeiqerufene Arzt konnte nur noch daS Ableben des Mannes feststellen. Schmidt hinterläßt eine Witwe mit Drei kleinen Kindern. — Gestern nachmittag zwischen 5 und 5.30 Llhr wurde in Der Walltorstraße das dreijährige Söhnchen des Arbeiters Bernhardt von einem Wagen Der elektrischen Straßenbahn erfaßt und überfahren. Dem Bübchen wurden beide Beine am Oberschenkel abgefahren. Rack) Der schnellen Hilfeleistung wurde daS Kind in Die Chirurgische Klinik verbracht, wo es etwa eine Stunde nach seiner Einlieferung verstarb. Rach Den bisherigen Feststellungen soll Der Wagenführer keine Schuld treffen. WER. Warnung vor falschenTele- graph en beamten. In letzter Zeit ist es in manchen Städten wiederholt vorgekommen, daß Schwindler unter der Vortäuschung, als Beamte und Arbetter Der Post mit der Prüfung von Fernsprecheinrichtungen Getraut zu sein, versuche sich Eintritt in Häuser und Wohnungen zu verschaffen. Vor solchen Leuten wird Drtn- Tsii» Telegraphenarbeiter der Deutschen Reichspvst sind mit einem vom Telegraphenbauamt gestempelten Ausweis mit Lichtbild ausgestattet. Auch die im Fernsprech.- storungsdienst beschäftigten Beamten des Fernsprechamtes führen einen amtlich gestempelten Ausweis ohne Lichtbild mit sich. Die Ausweiskarten finD beim Betreten von Grundstücken und Wohnungen unaufgefordert vorzuzeigen. Im Onfevefle der vichecheit deS Publikums einp- siehkt es sich, die Vorzeigung des Ausweises in jedem Falle zu verlangen und beim Vor- sprechen verdächtiger Personen sogleich die Polizei zu benachrichtigen. —.— Gegen den Abbau im Volks- schulwesen. Eine sehr stark besuchte Versammlung der Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises Gießen fand am Sonntag im Hotel Kobel Hierselbst statt. Sn dieser Versammlung kam in erster Linie die Meinung der Vichtlehrer, der Eltern von Volksschulkindern, zu den auf den Abbau im Dolksschulwesen hinzielenden Vestre- bungen zum Ausdruck. Bürgermeister Völker- Lich sprach als Vertreter der Elternschaft; er betonte u. o.: „Die große Masse der Kinder bekommt die Grundlage ihrer Bildung durch die Volksschule. Die Eltern dieser Schüler, sind be- ruflich meistens so stark in Anspruch genommen, daß sie sich um die Schularbeit nicht kümmern tonnen. Somit fällt der Schule die ganze Last des ^Interrichts und der Erziehungsarbeit zu. Fruchtbringend kann die Schularbeit nur sein, wenn es dem Lehrer möglich ist, sich mit jedem Kinde eingehend zu beschäftigen. Große Klassen bedingen jedoch Massenunterricht. Der Anter eich tserf o tg wird dadurch herabgemindert zum Schaden des Kindes und des Volksganzen. Die Zukunft der werdenden Generation ist gefährdet. Also Hand weg von der Volksschule!" An den beifällig auf- gcnommenen Vortrag schloß sich eine Aussprache, in -der von allen Rednern der Abbau in der Volksschule entschieden verurteilt wurde. Einstimmig fand die nachstehende Entschließung Annahme: „Die am 14 März in Gießen versammelten Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises Gießen erheben schärfsten Widerspruch gegen die geplanten Abbau maßnahmen im Dolksschulwesen. Die Eltern von 90 Prozent aller hessischer Schüler sehen in der Volksschule die einzige und zugleich zweckmäßigste Bildungsmöglichkeit für ihre Kinder, welche die Grundlage schafft für das Vorwärtskommen des Arbeiter-. Bauern- und Gewerbestandes. Die Vvlksschulbilöung ist für die meisten Eltern der einzige Vermögenswert, den sie ihren Kindern fürs Leben mitgeben können. Darum die schädigende Hand weg von der Volksschule! Hier muß es heißen: Ausbau statt Abbau. Wir fordern die hessische Regierung und die Landtagsabgeordneten auf. die Abbau- anträge auf dem Gebiete des Dolksschulwesens abzulehnen" Ruderfilm. Der Deutsche Ruder-Der- band hat im Jahre 1924 einen Ruderlehrfilm Herstellen lassen, der eine Gesamtlänge von 1500 Meter hat. Er beginnt mit einigen Bildern aus dem Bootsbau und der Rudermacherei und behandelt dann die verschiedenen Methoden der Anfänger-Ausbildung. Hierauf werden Aufnahmen von Mannschaften der MeisterschaftsregattI 1924, vom Rettungsschwimmen ufw. gezeigt. Besonderen Wert erhalten die Aufnahmen durch die ausgedehirte Verwendung der Zeitlupe. Die dadurch bei der Wiedergabe entstehende Verlangsamung der Bewegung ermöglicht jedem Ruderer, auch dem Anfänger, das genaue Erkennen der Fehler und vermittelt eine gute Kenntnis der Änzelteile der Ruderarbeit. Die Ausnahmen sind von dem Operateur der Derg- und Sport-Film-Gesellschaft Allgeier, dem Photographen der großen Schneeschuh-Filme, unter Leitung namhafter Größen des Rudersports , gemacht worden. Die Zeitlupen-Ausnahmen hat der Ausschuß des Deutschen Ruder- Verbandes bei der Meisterschafts-Regatta 1925 in Hannover Herstellen lassen. Bei dem technischen Fortschritt der erstklassigen Senioren-Mann- schäften im vergangenen Jahre stellt der daraus zusammettgeftellte Film eine wertvolle Ergänzung des Ruderlehrfilms dar. Die Gießener Rcrder- Gesellschaft 1877 hat die Filme zur Vorführung erworben und laßt sie am Donnerstag, 18. März, abends im Palast-Lichtspielhaus laufen. Freunde des Rudersports sind hierzu willkommen. Väheres in der heutigen Anzeige. •* Reichs st euerbeamten-Tagung. Dec Bezirksverband Hessen im „Bund Deutscher Reichssteuerbeam len" hielt in Gießen seinen diesjährigen Verbandstag ab. Am ersten Tage der Verhandlungen fand vormittags im Hause des Gesellschaftsvereins eine Gesamtvorstandssitzung statt, der Rachmittag war ausgefüllt durch den Tätigkeitsbericht des Vorstandes und ein Referat des zweiten Bundesvorsitzenden, Oberstruer- inspektor B i n g e - Hamburg über Standes- und Organisationsfragen. Der zweite Derhandlungs- tag brachte die Beratung der gestellten Anträge durch die Ausschüsse, sowie die Beschlußfassung durch das Plenum, ferner die Aussprache zum Tätigkeitsbericht, sowie die Vorstandswahlen. Der alte Vorstand kehrte nach einstimmig erfolgter Wahl wieder. Die Ortsgruppe Gießen veranstaltete zu Ehren ihrer Gäste einen Begrüßungsabend unter der vortrefflichen Mitwirkung dec Kapelle Topp, des Doppelquartetts des Dauerschen Gesangvereins, der Herren Hermann (Cello) und Günther (Klarinette) und von Turnerinnen des Turnvereins 1846. Der Abend nahm in allen Teilen einen ausgezeichneten Verlauf. ** Im Lichts pielhaus Bahnhof- st r a ß e läuft der Film-Roman „Pietro, der Korso r". Das Werk greift um Jahrhunderte zurück. Romantische Bilder lind Szenen aus dem Leben und Treiben eines spanischen Korsarenordens — einer Freibeuter-Bande — lenken die Gedanken auf einen Claus Störtebecker und die alte deutsche Hansa. In der Titelrolle zeigt Paul Richter (die Siegfried des Ribelungensilms) seine hohe Kunst. Auch die übrigen Hauptdarsteller geben ihr Bestes, das Filmwerk in feiner Gesamtheit zu einem Erfolg gestaltend. — In den P a l a st - Lichtspielen (Kirchenplatz) bringt eine Künstlergruppe den -Filmsketsch „Ein Blick hinter die Kulissen" zur Aufführung. Mit besonderem Beifall wurden die Tanz- und Gesangsdarbietungen der weiblichen Darsteller ausgenommen, während der Filmkomiker Charlie eigentlich nur ganz am Schluß durch einen ganz verblüffenden Trick die auf ihn gesetzten Erwartungen voll rechtfertigte. Bad-Nauheimer Wirtschaftssragen. Bad-Nauheim, 15. März. Im vergangenen Jahre haben sich die verschiedensten hiesigen Wirtschaftsgruppen (Hotenia, Einzelhandel, Aerzteoereinigung, Handwerkerbund und Gewerbstreibende) zur Arbeitsgemeinschaft der Bad-Nauheimer Kurinteressenten zusammengeschlossen, um die gemeinsamen Interessen wirksamer vertreten zu können. Bei der Stadtoerordnetenwahl trat der Verband zum erstenmal mit Erfolg vor die Oessentlichkeit. In verschiedenen Bersaminlungen wurde inzwischen zu den schwebenden Fragen Stellung genommen. Die bedeutsamste Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft war bisher die Kundgebung am Samstagabend für die Wahrung der Interessen des besonders gelagerten Bad-Nauheimer Wirtschaftslebens, das fast 90 Prozent der Bevölkerung auf die Erträgnisse aus der Kurindustrie anweist. Der große Saal der Turnhalle war trotz der gleichzeitig stattfindenden anderen Veranstaltungen bis zum letzten Platz gefüllt. An Behörden waren vertreten: das Finanzministerium durch Ministerialrat Windisch, das Finanzamt Friedberg durch Regierungsrat Schmidt, die Handelskammer Friedberg durch Dr. Göbel, das hiesige Polizeiamt durch Regierungsrat Dr. G r o o s h o l z, die Bad- und Kurverwaltung durch Kurdirektor von D o e h m e r, Oberbaurat B e r ck, Prof. Dr. Weber und den Pressechef Dr. Ricklinger, die Stadtverwaltung durch Bürgermeister Dr. Kayser, Beigeordneten Kissel und zahlreiche Stadtverordnete. Der Vorsitzende, Kaufmann K. Nickel, hob nach kurzer Begrüßung hervor, daß der Abend nicht im Zeichen des ausgesprochenen Protestes ftehen, sondern in gemeinsamer Beratung Mittel und Wege zeigen solle, wie die das Wirtschaftsleben bedrückenden Härten und Mißstände obzu- stellen seien. Der Redner des Abends, Notar Stahl, behandelte in zweistündigem Vortrag in ausgezeichneter Weise das Thema: „Wirtschaftliche Rück- und Ausblicke unter besonderer Beachtung der Verhältnisse in Bab- Rauheim als Kurort. Seine Ausführungen, die mit seltener Aufmerksamkeit verfolgt und mit starkem Beifall ausgenommen wurden, machten in ihrem ersten Teil nut den grundlegenden Problemen vertraut, die die heutige gesamtdeutsche Wirtschaft beherrschen. Im besonderen Teile des Referats gab der Redner an der Hand von Zahlen eine interessante Begründung für die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs. Die allgemeine Verarmung hat nach Auffassung des Redners auch B a d - N a ii h e i m nicht unberührt gelassen. Hotelindustrie, Einzelhandel, Handwerk und Gewerbe wurden von dem wirtschaftlichen Niedergang in Mitleidenschaft gezogen. Als Mittel zur Abhilfe empfahl der Redner die Bekanntgabe von Mindest- und Höchstpreisen im Hotelgewerbe, außerdem trat er warm für die Wochenend- propaganba (Wochenendkarten vom Samstag dis Montag früh statt Sonnwgskarten!) ein, wie auch für Pauschal abkommen mit den Gästen, besondere Vergünstigungen für die Vor- und Nachsaison. Diskutabel sie auch die Anregung einer Typisierung und Normung im VerpfleHungs- und Beherbergungswesen. Für Einzelhandel und Handwerk sei ebenfalls die Typisierung zu erwägen, ferner die Verringerung der Läger, die Vermeidung großer Zinslasten und die den Verhältnissen an- gepaßte Festlegung der Saisonausverkäufe. Das Verhältnis der Stadt Bad-Nauheim zum Staate streifend, bedauerte Redner den Fis- k a l i s m u s, der sich in manchen Maßnahmen der Verwaltung auswirke, namemlich in der Preispolitik (Kurmittelpreise), und der auch in der Auffassung des Landtages, daß 400 000 Mark von dem Bruttoertrag des Bades an die Staatskasse abfließen müßten, zum Ausdruck komme. Als falsche Sparmaßnahme bezeichnete er (ebenso Bürgermeister Dr. Kayser später in der Aussprache) die Auslösung des Kurorchesters, da sie die Zerstörung der mühsam eingeführten Winterkur bedeute. In Schutz nahm der Redner die von verschiedenen Seiten angegriffene Finanz- und Steuerpoliti k der Stadl, der es möglich gewesen sei, den städtischen Haushaltsvoranschlag 1925 nur um 50 Prozent über den Stand von 1913 zu erhöhen, trotz der gewaltigen Vergrößerung des Aufgabenkreises. Ohne den Ernst der Lage zu verkennen, schloß der Redner seine Darstelluna mit der Hoffnung, daß bei Aufbietung aller Kräfte diese schwerste Wirtschaftskrisis auch für unsere hessische Badestadt überwunden werden könne. An der Aussprache, die an einem weiteren Abend fortgesetzt werden soll, beteiligte sich als Hauptredner Ministerialrat Windisch, der Dezernent für das Bad im Ministerium, mit Ausführungen, die den guten Willen verrieten, den besonderen Wünschen der Stadt und der Bevölkerung nach Möglichkeit nachzukommen. Er verteidigte die Verwaltung, die sich nur von kaufmännischen Grundsätzen leiten ließe und das Bestreben habe, im allgemeinen Interesse die Preise so niedrig wie möglich festzusetzen. Eine Aendening der Preispolitik sei zur Zeit nicht möglich, zumal die Bäderpreise nur eine 60prozentigc Erhöhung gegenüber dem Effektivpreise von 1914 erfahren hätten, die Ausgaben des Bades aber höher gestiegen seien (100 Proz. mehr an Löhnen, 500 Proz. mehr an Steuern als 1914. Möglichkeiten, die den Staat in Wölfersheim in die Lage versetzten, die Gestehungskosten für Kraft hetob - zusetzen und dadurch die Preise unter den Friedenspreis zu senken, seien in dem Betrieb eines Bades nicht gegeben. Die relativ geringe Erhöhung der Preise habe übrigens keine Kurgäste abgehalteu, das beweise die günstige Frequenz von 1925. Der Redner lehnte es ab, wenn von einem nicht guten Verhältnis zwischen Stadt und Staat gesprochen werde. Stabt und Staat stünden auf gemeinsamem Boden, er kenne nichts Höheres, als die Wirtschaft Bad-Nauheims zu heben. An der weiteren Aussprache beteiligten sich noch Dipl.-Ingenieur W e - Niger, Kaufmann G. Wolf, der auf die besonderen Schwierigkeiten des Einzelhandels in einem Saisonbadeorte hinwies, und Stadtv. Kraus, der Klagen über die unerträgliche Steuerlast des Beherbergungsgewerbes vorbrachte und Beseitigung aller Jnflationssteuern und aller behördlichen Maßnahmen, die den Fremdenverkehr erschweren, forderte. Bürgermeister Dr. Kayser wandte sich als letzter Redner des Abends ebenfalls dagegen, daß man dem Bade 400 000 Mark entzöge, und stellte fest, daß ein Zusammenarbeiten zwischen Stadt und Staat bestehe und noch viel mehr gepflegt werden muß. Vor allem sei notwendig, daß nicht die eine Instanz wieder nehme, was dze andere gegeben hätte. Das Schlußwort sprach der Redner des Abend, nach lehr anregendem Dersammlungsverlauf erst nach Mitternacht mit einem nochmaligen Hinweis auf die gemeinsamen Aufgaben, die einmal Stadt und Staat, bann aber auch alle hiesigen Wirtschaftsgruppen in rechtem Solidaritätsgefühl zu lösen haben. „w.- 01830 gut und billig bet 2405a Rudolf Richter Hutnrach erm elfter Gießen, Marktttraßc 84/26. Heute Dienstag, den 16. März: ! Eröffnung der j Goethe-Buchhandlung Inh.: H. Schneider & A. Wagner Sortiment und Antiquariat Neuen Bäue 3 • Fernsprecher 1156 Wir bitten uni gefl. Beachtung unserer Schaufenster und laden zur Besichtigung des gut sortierten Lagers ohne Kaufzwang ganz ergebenstein Besonders aufmerksam machen wir auf unsere reichhaltige Goetheliteratur Am 19. März 1926 findet aus dem Hofe der Neuen Kaserne die Versteigerung eines gut erhaltenen, ttöörigen WestMen-lMSWk- IDflfltHB 24151) nfM-gis!' Bekanntmachung. Der auf den 18. März festgesetzte Butzbacher Iubilaums-Faselmarkt sowie die damit verbundene Bullen-Auktion des Landwirtschaftskammer- Ausschusses der Provinz Oberhessen können infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche a hiesigen Platze und in Orten der naher« Umgebung nicht abgehalten werden. ( wird deshalb auf den 29. April verle; Die Ziehung der mit dem Markt verbundenen Verlosung findet gleichfalls erst an diesem Tage statt. Der Betrag die verkauften Lose sowie etwa nicht taufte Lose sind bis zum 20. April einzusenden. 2424D Vuhbach, den 13. März 1926. Faselmartt-Gesellschaft. Besonderer Amstände halber neu ab Werk 5-t-Benz-Gaggenau Spezial-Chassis für 6 Meter langen Pritschen- od. Möbelwagen-Aufbau t A. günstig zu verkaufen Auto-Schneider Telephon 1089,90 2407D Vertreter der Dainrler-BenZwerke. 17 (Re II sei Feinschnitt ist Trugschnitt Es ist zu wenig bekannt, daß bei Pfeifentabak die Schnittbreite von großem Einfluß auf Geschmack und Qualität ist. Gute überseeische Tabake müssen „am Blatt brennen ", wie der Fachausdruck lautet. Es wäre deshalb ein großer Fenier, wenn wir erstklassige Rohtabake zu Feinschnitt verarbeiten würden. Feingeschnittener Tabak brennt zu heftig, erzeugt übermäßige Hitze, beißt auf der Zunge und die Qualität kommt infolgedessen nicht zur Geltung. In die lange Pfeife gehört Grobschnitt. In die Bruyöre-Pfeife Krüll- oder Marineschnitt, aber niemals Feinschnitt. Zigarettentabak ist kein Pfeifentabak. Bei unsem rein überseeischen Marken Kiepenkerl Madastra Piet Hein ist die Schnittbreite genau der Mischung angepaßt, um die Qualität vollkommen zum Ausdruck zu bringen. Den bisherigen Feinschnittrauchern empfehlen > . :v unsere leichte holländische Mischung Piet Hein. Ein einziger Versuch überzeugt. ..................... Roeder-Herde eine Klasse für sich. Alle Größen vorrätig. Besichtigung erbeten. J. B. 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März 1926, zu schaffen, werden gebeten, sich zu melden unter J.V. 704 an Invalidendank, Ann.-Exped., Frankfurt a.M. Vorrätig in 25 Farben und allen Größen, Anträge seitens der.Kameraden gem.Satz20 der Satzungen sind bis svät. am Samstag, dem 20. März er., bei dem 1. Hauptmann einzureichen. Der Vorstand. Rodheim a. d. Bieber und Hof Haina, 14. März 1926. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, dem IT.d.M., nachmittags 2','t Uhr, vom Trauerhaus in Rodheim. Vorführungen erster Mannschaften aus den Meisterschafts-Kämpfen 1924 u. 1925 Stelle als Karl Weil und Lina Weil geb. Hartmann Wilhelmine Dönges geb. Weil und Heinrich Dönges. Goerz-taera mit Tasche CJZeupr. cn. 170 ML) zu a/3 abzugeben. Zu erfr. in'.der Geschäftsstelle des'Giest. Anz. s,,^ Gesundes, ehrliches, im Haushalt erfahr. Mädchen nicht unter 20 I., mit gut. Empsehlg für Hausbalt mit 2 Minöern gesucht. Sckir Ang. unt. 01842 an den Giest. Anz. Daselbst sind Vordrucke erhältlich. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Giehen, den 15. März 1926. Direktion der Elektrizitätswerke und Straßenbahn. Arbeitsvergebung. Die zur Herstellung eines HnterftcH» raumes erforderlichen Arbeiten sollen öffentlich vergeben werden. Angebote sind bis zum Samstag, dem 27. d. Mts., vormittags 10 Llhr, im Verwaltungsgebäude dec Elektrizitätswerke, Zimmer 3, Illi* achte Fran aus bess. Staube, denen daran gelegen ist, sich einen guten, von Jahr zu Jahr Pens. taillsÄ Zimmer frei. Tel. 1085. inflnD Nutzholzversteigerung Nächsten Samstag, den 20. d. M.. vormittags 9 Ähr anfangend, kommen im Svdler Gemeindewald folgende Holzsortimente zur Versteigerung. Eichenstämme: 1. bis 3. Kl. 10 St. — 11 Fstm., 4 bis 6. Kl. 200 St. = 52 Fstm. Fichtenstämme 3. Kl. 6 St. 7,94 Fstm., 4. Kl. 12 St. 9,17 Fstm., 5. Kl. 80 St. = 31 Fstm. Wolfstraste 14. 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Als Grolmans nunmehr im letzten Winter daranging, die Erzgruben im Ural in seinen Besitz zu bringen, hatte Doktor Röder aerobe seine Zelte im Carlton in S. Moritz aufgeschlagen und brachte seine Zeit damit zu, einer bildhübschen Französin die irrige Meinung beizubringen, sie könnte ihm den Kopf verdrehen. Grolmans entsandte eine geharnischte Depesche, die Doktor Röder mit der liebenswürdigen Einladung beantwortete, die Konferenz in St. Moritz abzuhalten, wo gerade mehr schöne Frauen zu sehen seien, als Gott je auf einem Fleck Erde zusammengebracht hätte. Grolmans kannte feinen Mann, verzichtete auf jeden weiteren De- .peschenwechsel, packte Sergej Karaschin mit dessen ganzem Stabe an Zigaretten rauchenden Sekretären und Sekretärinnen in seinen Schlafwagenzug und fuhr ihn nach St. Moritz. Dort gab Doktor iäcbcr zu Ehren des großen Russen ein Diner, bei de'N ein ebenso zahlreicher wie tief ausgeschnittener Dam-aslor vertreten war, der Herrn Sergej Kara- schin in einen Zustand überirdischer Seligkeit ver- i aus dem er erst erwachte, als er wieder in russischen Botschaft in Berlin ankam. Wie er i-'iim hier mit nüchternen, der Realität allein ge- i sfneten Augen sich den Vertrag besah, unter den er in St. Moritz seine Unterschrift gesetzt hatte, erkannte er, daß ihn dieser liebenswürdige, charmante, so unglaublich harmlos leichtsinnige Gastgeber mit einer Gründlichkeit übers Ohr gehauen hotte, gegen die selbst die gerissenste Bolschewikenschlauheit sich ausnahm wie das Lallen eines zwei Monate alten Säuglings. Seitdem verhandelte Herr Sergej Karaschin ernste Angelegenheiten nur noch vor dem Diner, und deshalb war er jetzt nach Berlin gefahren, um sich Röder und Grolmans als Sukkurs zu holen. Und jetzt war er mit den beiden Deutidjcn in der prachtvollen Bibliothek Lord Burnhams, drehte gewohnheitsgemäß jein g-Iiebtes Zigarettemöllchen und wartete darauf, daß einer non ihnen auf die loten gegangene Obstbäume ergab, daß vor der Bepflanzung noch Planierungsarb.iten notwendig sind und demzufolge die Anpflanzung der Bäume auf den Herbst zu verschieben ist. — Der Gesangverein ..Eintracht" feierte am Samstagabend in der „Deutschen Eiche" sein 61. Stiftungsfest. Gesangsvorträge unter Leitung des Dirigenten S ch ä 111 e r Gießen, und musikalische Darbietungen verschonten den Abend. Ein vieraktiges Bvlksstück aus dem Odenwald wurde flott gespielt und erzielte großen Beifall. 1 G r o ß e n - L i n d e n , 15. März. Aus Kreisen desHandwerks und Gewerbes am hiesigen Ort war zu einer Versammlung einberufen worden, um sich über die Frage der Zweckmäßigkeit der Gründung eines Ortsgewerbevereins schlüssig zu werden. In der aus Handwerks- und Gewerbekreijen stark besuchten Versammlung legte der Geschäftsführer der Handwerkskammer Nebenstelle in Gießen, Syndikus Rud. Rühr, in einem eingehenden Referat die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit des Zusammenhang mit angestellten Erwägungen über Seine Darlegungen gaben ein anschauliches Bild von der außerordentlich schwierigen wirtschaftlichen Lage des Handwerks und Gewerbes, hervorgerusen insbesondere durch deren zu starke steuerliche Belastung. Interessante Hinweise auf die Möglichkeit des Selbstschiiges gegen zu starke steuerliche. Inanspruchnahme ließ Die VersammlungsteilneiMer im Zusamenhang mit angeftelHen Erwägungen über weitere Betätigungsmöglichkeiten zu dem Entschluß gelangen, sich z u einem Ortsgewerbever- e i n z u s a m mcnzuschlie ß e n , um in dieser Organisation die Belange des Handwerks und Gewerbes zu stützen und zu sördern. Auch aus beit benachbarten Örten Lang-Göns unb Leihgestern waren Vertreter ber genannten Berufszweige erschienen unb folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Referenten und der anschließenden Aussprache. Die Versammlung empfahl den Interessenten aus den beiden Orten, sich mit dem Ortsgewerbeverein Großen-Linden zur gemeinsamen Wahrnehmung ihrer Interessen zusammenzuschließen. Zu diesem Zweck sollen demnächst auch in diesen Orten Versammlungen stattfinden. :: W iese ck. 15. März. In der gut besuchten Kirche sprach Missionar Laut von der Baseler Mission nachmittags für die Schuljugend und abends für Erwachieae über China. An Hanö von vielen Lichtbildern führte er die Erschienenen in das größte Reich der Erde und zeigte ihnen die Kultur und die wichtigsten Stätten, sowie die Fortschritte der Mission in diesem Volke, das eben wieder die Augen der Welt auf sich lenkt. : Sius dem Bujecker Tal, 15. März. Im Saale bes Gastwirts August Gerlach in Gro - ß en - BUssck fand am Sonntagnachmittag eine Versammlung ber Gemeindevertreter der an dem Ausbau der A u t o l i N i e von Gießen ins Busecker Tal interessierten Gemeinden statt. Es waren zur Versammlung erschienen Vertreter aus 'Alten- Buseck, Großen- Buseck, Beuern und Bersrod. Bürgermeister 2 i n - denstruth von Beuern eröffnete die Versammlung und sprach sich über die Errichtung der Autolinie aus. Der Unternehmer, Autogeschäftsinhaber Göbel von Gießen, erklärte sich bereit, die Auto- linic ohne Verbindlichkeiten der Gemeinden eiiv- zurichtem Bürgermeister Becker von Alten-Buseck wollte die Frage beantwortet haben, ob die geplante Verbindung überhaupt in der Lage ist, den Verkehr zu bewältigen, zumal von Alten-Buseck allein schon täglich rund 150 Personen nach Gießen an die Arbeit gehen. Darauf erklärte der Unternehmer Göbel, daß er beabsichtige, zwei Autoomni- busse in Alten-Buseck unb einen in Bersrob (als Enbstation) zu stationieren. Die wichtigste Frage, bie Fahrpreisfrage, machte befonberes Kopfzerbrechen. Der Unternehmer glaubt nämlich, für Wochenfahrten nicht unter 4,5 Pfennig pro Kilometer heruntergehen zu können. Der Preis für Gelegenheitsfahrten soll 8 bis 9 Pfennig pro Kilometer betragen. Daß bei biefetn verhältnismäßig zu hohen Preis auf eine Benutzung bes Autos burd) Arbeiter von Bersrob unb Beuern gerechnet werben kann, ist ausgefchloffen. Die Wochenkarte von biefen beiden Orten nach Gießen würde soviel ausmachen, wie der gesamte Wock)enlohn eines Mädchens, bas in Gießen in Stellung ist. Ein Beuerner Vertreter machte beshalb ben Vorschlag, bie Autolinie zu trennen in eine Linie von Alten-Buseck nach Gießen unb in eine zweite Linie, die die Leute von Bersrob und Beuern an die B a h n st a t i o n von G r o ß e n - B u s e ck bringt. Um eine genaue Uebersicht über die Beteili- Eröjsnungsrede bes Hausherrn antworten würbe. Doktor Rüber hatte augenscheinlich gerabe wieber einmal anbere Sorgen. Er bewunderte angelegentlich bie zahlreichen Gainsborough unb Reynolds, bie bes Bibliothekssaales hohe Wände schmückten. Grolmans wuchtete in feinem Stuhle und kaute nachdenklich an seiner Zigarre. Er war nicht viel von einem Redner unb überließ bas Wort immer lieber ben andern. Er sagte Ja. Oder er sagte Nein. Er unterschrieb. Oder unterschrieb nicht. Er war immer gleich am Ende einer Sache, wenn die andern noch überlegten, wie sie sie einleiten sollten. Miller, der Amerikaner, ein kleines verhutzeltes Männchen, dessen Gesicht nur aus einer riesigen Brille zu bestehen schien, verhielt sich ebenfalls schweigend. Er wartete darauf, was die Deutschen zu sagen hatten. Lord Burnham unb Mr. Davis taten desgleichen. Karasänn rauchte seine Zigarette, er war der tertius gauaens bei dem Handel. Stille. Nur die schwere Neuenburger Uhr tickte ihren Grohvatergesang. Mr. John David Miller mischte sich sorgfältig einen Whisky-«oda. Karaschin machte sich an eine zweite Zigarette. Grol- lans begann sich bie großen, starken Hänbe zu reiben--- „Nun, bann können wir ja beginnen", sagte Dr. Rüber endlich unb köchelte. „Mylord, wir haben die Rede Ihres Premiers gestern in unserem Hotel in London gelesen. Wir waren begeistert, und speziell Herr Grolmans unb ich als Deutsche bewundern diese Rede. Wir beneiden England nicht nur um den Staatsmann, ber sie hielt, sondern um das Volk, dem er sie hielt. Indessen scheinen dock) gewisse Kreise, und zwar gerade die maßgebenden, trotz allen patriotischen Eifers nicht geneigt zu sein, dem Enthusiasmus des Premierministers ohne weiteres zu folgen." Lord Burnham richtete sich auf und heftete einen hochmütia fragenden Blick auf den Sprecher. Irgendwelche Engländer des Mangels an Patriotismus — noch dazu von einem Deutschen — geziehen zu hören, empfand er als persönliche Beleidigung. Doch lächelnd fuhr der junge Finanzier fort: „So weit wir informiert find, knüpft die City an die Anleihe gewisse Bedingungen, vor allem die, daß die amerikanische Fimin, einen entsprechende,- aung an diesen Linien zu gewinnen, sollen in den ' betreffenden Gemeinden Erhebungen angestellt werden. Auf Grund dieses Materials will dann ber Unternehmer neue Berechnungen vornehmen über bie Höhe bcs Fabrpreises. Eine spätere Versammlung wird die 'Angelegenheit erneut beraten und genauer klären. Großcn Buieck, 15. März. Der hiesige Gesangverein Sängerkranz hat jem 25. Stiftungsfest vom 11. Juli auf die Tage vorn 26. bis 28. Juni verlegt. v. Londorf, 15. März. In dec letzten Gemeinderatssiyung wurde die Reu- Verpachtung der Schafwcide mit ö gegen 4 Stimmen abgelehnt. Der seitherige Erlös durch die Verpachtung betrug ca. 1000 Mk. * Grünberg, 15. März. Dieser Tage fand an unserer Oberrealschule die mündliche Reifeprüfung unferer ersten Oberprimaner statt, nachdem vor einigen Wochen die schriftlichen Arbeiten angefertigt wurden. Den Vorsitz in der Prüfung führte Staatsrat Block aus Darmstadt' Sämtliche zwölf Teilnehmer haben die Prüfung bestanden und erholten damit das Reifezeugnis. Die nun aufrückenden Klassen werden stärker sein; int kommenden Schuljahr werden die Primen 36 Schuler zählen. Bei dem hohen Gelamtbeiuch (268) macht sich der Raummangel immer empfindlicher bemerkbar. Kreis Friedberg. pp. Butzbach, 15. März. Im Saale des „Hessischen Hofes" fand eine von der hiesigen Oberrealfchule veranstaltete Entlassungsfeier der ersten Abiturienten dieser Anstalt statt. Studiendirektor Dr. B i n z e l hielt dabei eine längere Ansprache. In herzlichen Worten wandte er sich zuletzt an die abgehenden Oberprimaner und teilte ihnen mit, daß die Maturitätsprüfung derart gut ausgefallen sei, daß man sie alle von der mündlichen Prüfung entbunden hätte, wenn diese nicht gerade die erste an der Anstalt gewesen wäre. Von den Abiturienten sind fünf aus Butzbach und vier aus Oberhörgern, Kirchgöns und Münster. * Butz b q ch, 16. März. Der auf ben 18. März festgesetzte hiesige Iubiläums-Faselmarkt sowie bie Damit verbunbene Bullenauktion der Land- wirtschaftskommer Gießen können wegen Ausbruchs ber Maul- und Klauenseuche nicht abgehalten werben. Beibe Veranstaltungen sowie Die Ziehung ber mit Dem Markt nerbunbenen Verlosung sind auf ben 2 9. April verlegt worben. 3 Steinfurth, 15. März. Zur Zeit werben in unserer Gemeinde eine Reihe von Kulturarbeiten durchgeführt, die eine große Besserung bedeuten und darum allenthalben mit Freude begrüßt werden. Seinerzeit hatte die Gemeinde bei Der Feldbereinigung gegen Empfang einer Summe von über 40 000 Mk. Die Verpflichtung übernommen, die Wege, Drainagen und Gräben in Ordnung zu halten. Die nötigen Kulturarbeiten blieben nun die Jahre her bei der Geldmisore, nicht gerade zum Vorteil unserer Felder, liegen, was zu vielen Beschwerden Anlaß gab. Die Gräben verwuchsen, die Wiesen versumpften unb gar manche Aecker standen voll Wasser, weil Die Drainagen verstopft waren. Der GemeinDerat hat nun beschlossen, durch Arbeitslose die Dringendsten Kulturarbeiten ausführen zu lassen, was alle Anerkennung verdient. Sind es Doch Ausgaben, von Denen man erwarten kann, Daß sie sich bezahlt machen werden. Weiterhin ist man zur Zeit auch zur Beseitigung eines anderen Mißstandes geschritten, der schon viel Anlaß zu Klagen geeben hat. War doch Die Durch unseren Ort nach BaD-Rauheim führende Kreisst raße in einein Zustande, Der jeder Beschreibung spottete. Nachdem Die Verwaltung Der Buhbach- Licher Eisenbahn Durch Beseitigung des vielgerügten „Schlammbades" am Bahnhof, das jeder Reisende Bei seinem Kommen oder Gehen nehmen mußte, ein gutes Beispiel gegeben, wird nun auch die Kreisstraße in einen ordnungsmäßigen Zustand gebracht. Schon seit Wochen wurden Tag für Tag Mengen von Schotter- fteinen angefahren, und jetzt ist Die Straße nach BaD-Rauheim auf beiDen Seiten Derart mit zahllosen Haufen von Kleinschlag, SanD unD Kies befahren, Daß es für Fuhrleute unD Autos kaum noch möglich ist, einanDet auszuweichen. Für Die nächsten Tage, ab Montag, ist Die Sperrung Der Straße ungesagt, weil Die Dampfwalze kommen toirD. Die ErleDigung dieser Ar- Anteil übernimmt. Ich glaube, Mr. Miller wirb mir dies bestätigen können'?" Des Amerikaners Brillen rückten zum Zeichen der Bestätigung auf Dem ungeheuren Nasenrücken ein Bedeutendes nach vorn. „Die amreikanische Finanz will sich an der Sache aber nur beteiligen, wenn die Washingtoner Regierung den von ihr zu übernehmenden Anteil garantiert. Richtig, Mr. Miller?" „Richtig/' „Die amerikanische Finanz will sich an der Sache zu tun, ebenso wie sich die englische trotz der fulminanten Rede des Premiers außerstande erklärt, jedwede Garoniie zu übernehmen. Dars ich fragen, wie Mylord diese Schwierigkeit zu überwinden gedenken'?" Mr. Davis, der managing director, erhob sich, um auf diese Frage zu antworten. Er entwickelte das Projekt einer Gesellschaft, die ben Rusten bie Anleihe aus ben Erträgnissen ber Oelkonzessionen geben mürbe. Der Plan entsprang keinem bummen Kopfe. Die Gesellschaft würbe begrünbet erwarb bie Konzessionen, gab Shares aus unb finanzierte aus bcm Erträgnis bieser Shares bie Anleihe. Unterstützt von der Stanbarb Oil unb ber Imperial mußte die neue Gesellschaft unbedingt die fünfzehn Millionen Pfund aufbringen können, die die Rusten verlangten. Mr. Davis, der augenscheinlich sich gründlich vorbereitet hatte, rückte mit vielem Zahlenmaterial ayf. Vermied jede Phrase, jede Umschreibung und ging mit der kalten, nüchternen Logik des Engländers auf fein Ziel los. Doch Karaschin schüttelte Den Kopf. „Verzeihung, meine Herren", sagte er. „Ich habe gegen diese ausgezeichneten Projekte nur einen, aber um so gewichtigeren Einwand zu erheben. Wir müssen das Geld morgen haben! Ueberrnor- gen, meinetwegen— natürlich bildlich gesprochen: aber auf jeden Fall so schnell wie möglich!" Dabei blieb er. Weder bie Versicherungen Lorb Burnhams noch bis Zahlen Mr. Davis' vermochten ihn von feinem Standpunkt abzubringen. Man fuhr langsam aber sicher dem berühmten toten Gleise zu. Die Deuttchen lagen ihrerseits auf ber Lauer. Sie batten Die Rusten unb bie Engländer Der Um beit be Deut et Die Beseitigung eines großen, von Fußgängern unD Fuhrleuten schmerzlich empfun- Denen älebelstanDes. Kreis Büdingen. y. Bü Din gen, 15. März. Die LanDesab- teilung Hessen Der Reichszentrale für Heimat Dienst veranstaltete im Rathaussaale hier einen staatsbürgerlichen Bildung s t a g für Den Kreis BüDingen, Der sehr- gut befudjt war. Es wurden Drei Vorträge gehalten von PrivatDozent Dr. FrieDr. Raab, Gießen, über „Deutschlands Wirtschaft und Finanzen. Tatsachen unD Aufgaben", von Siu- Dienrat Dr. F. König, Gießen, über „Vom Reich, vorn Volk unD von Den Grenzen", von Direktor W. Beckmann, Frankfurt a. M., über „RachDenkliche Betrachtungen eines Deutschen Staats- unD Volksbürgers". Alle ReDnec hielten sich frei von Partei- und Interessenpolitik. Die Vorträge wurden mit großem Beifall aufgenoirn men unD riefen eine rege Aussprache hervor. th. Leidhecken, 15. März. Bei der letzten, im Mockstädter Markwald abgehaltenen Holzver - sieigerung wurden folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 15 Mk., Buchenknüppel 11 bis 12 Mk.. Eichenscheiter 9 bis 10 Mk., Eichenknüppel 7 bis 8 Mk., Astreiser 1 bis 1,50 Mk. je Raummeter. Selbst aus dem hohen Vogelsberg und der Hungener Gegend waren Käufer erschienen, da das Holz im Mockstädter Markwald immer billiger als anderswr und vor allem von sehr guter Qualität ist. Kreis Schotten. □ Laubach, 14. Marz. Gestern abend fand im „Schützenhof" Die Hauptversammlung Des hiesigen Schützenvereins statt. Der Bestand der Mitglieder ist der gleiche geblieben (rund 150). Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. Zum Gautag in Wetzlar (Gau Hessen-Nassau) wurde Ehren-Oberschühenmeistcr Rühl gewählt. — Heute abend veranstaltete die Turngc- m e t n D e Laubach einen Familienabend im Saale des „Solmser Hofs". Die turnerischen und theatralischen Aufführungen fanden lebhaften 'Beifall. Gleichzeitig sprach im Saale der hiesigen Kleinkinderschule Dekan V o l p über „Luthers Frau". Sein geistvoller Vortrag fand allgemeinen Anklang. Dieser Vortrag wurde vorn Guftav-Adolf-Frauenverein unserer Stadt in Verbindung mit dem hiesigen Frauen-- verein veranstaltet. Eichelsdorf, 15. März. In zwei evangelischen GemerndeabenDen. Von denen einer in der Filiale Ober-Schmitlen abgehalten wurde, sprach Prof. Lampas, Friedberg, über „Die Schwächen und die Stärk» der evangelischen Kirche". Missionar Walther. Beuern, hält im Laufe dieser Woche sieben religiöse Vorträge in der Kirche zu Ra i n r o d. Kreis Alsfeld. o—r Alsfeld, 15. März. Am Freitagabend veranstaltete Musiklehrer Meinhardt dahier im Saale der Kinogesellschaft eine Karniner- Musikaufführung mit Streichquartett, Klarinette und Klavier. Die Leistungen zeigten einen hohen Grad musikalischen Könnens, besonders schön gelang die Wiedergabe des bekannten Klarinettenquintetts von Mozart. Von auswärts wirkte Herr Föh (Klarinette) von Bad Salzschlirf mit. Das zahlreiche Publikum Danfte mit lebhaftem Beifall für Den seltenen Kunstgenuß. — Am Samtagabend fanD in Der Turnhalle ein Vortrag Des Oberleutnants v. Hagen über die Winterschlacht in Masuren im Februar 1915 statt. Der Vortragende, der als Generalstabsoffizier der 42. Division die Kämpfe mitgemacht hat, verstand es in überaus anschaulicher Weise, ein sehr- fesselndes Bild über jene bekannte Vernichtung Der 10. russischen Armee durch Hindenburgs überlegene Strategie zu geben. Zahlreiche recht gute Lichtbilder ergänzten Das gesprochene Wort. Der Reinertrag des Abends ist für Das Ehrenmal der gefallenen Kameraden des Leibgarderegiments 115 bestimmt. — Bei der an unserer Ober- Realschule unter Dem Vorsitz von Staatsrat Block vom Landesamt für Das Bildungswesen abgehaltenen Reifeprüfung, an welcher 11 Abiturienten teilnahmen, bestanden sämtliche Teilnehmer das Examen, von der mündlichen Prüfung waren Z befreit. *!• Merlau, 15. März. Nachdem gegen die Wahl des Herrn Wilhelm Kochen Dörfer zum Bürger m ei st er unserer Gemeinde fein Möglichkeit gegenübergestellt, sich zu einigen. Sie warteten. Dr. Röder vertiefte sich wieder in das Studium der Gainsborough und Reynolds. Endlich lpandte sich der Amerikaner an sie. ,Lch denke, Mr. Grolmans und Mr. Röder werden doch aud) ihre Ansicht über die Sache haben. Dürften wir diese hören?" Nun entwickelte Röder den deutschen Plan. Er und Grolmans erklärten sich bereit, Der englischen und amerikanischen Finanz gegenüber mit dem ge samten mobilen und immobilen Besitz ihrer Unternehmungen die russische Anleihe zu garantieren, ja sogar einen gewissen Anteil selbst zu übernehmen, wenn Deutschland die entsprechende Berücksichtigung sowohl bei der Leitung des Unternehmens wie bei der Verteilung der Produktion erhielte. Außerdem müßte der Zinsfuß der Anleihe von 84 vom Hundert auf 64 vom Hundert herabgesetzt werden. Ein großes Ringen begann. Angelsächsische Zähigkeit stritt mit .deutscher Gründlichkeit, und moskowitische Schlauheit saß dabei und grinste. Stahl flirrte auf Stahl. Einmal fuhr Grolmans schon auf und erklärte. „Dann machen wir die Sache allein. Ganz allein. Ich kann morgen der Moskauer Regierung zwei Millionen. Pfund auf den Tisch zählen, und Dann habe ich die Konzessionen." Er war ebensowenig Diplomat wie Redner. Seine Stimme klang für den schweren, massiven Körper überraschend fein und schwach. Doch Die ganze Wucht seiner Persönlichkeit lag in ihr. Entweder — oder -- Die Angelsachsen gaben nach. Die deutschen Bedingungen wurden akzeptiert und als Zinsfuß sieben vom Hundert festgesetzt. Mr. Miller mischte sich ein drittes Glas Whisky-Soda und Karaschin zündete sich die fünfte Zigarette an. Es wurde beschlossen, einen Vorvertrag aufzusetzen. der von den Anwesenden als bindend zu unterschreiben war. Die Publizierung sollte erfolgen, wenn die öffentlichen Meinungen in England und Amerika soweit präpariert waren, daß die Regierungen Die Ratifizierung des Vertrages und damit die Anerkennung der Sowjetrepublik wagen konnten. (Fortsetzung folgt.) li Einspruch erhoben worden toar, wurde der Aeugewählte jetzt durch Kreisdirektor Dr. Stammler von Alsfeld verpflichtet und in sein Amt ein gewiesen. Damit ist der heiße Wahlkampf endlich zum Abschluß und hoffentlich auch unsere Gemeinde zur Ruhe gekommen. Sir eie Lauterbach. Lauterbach, 16. März. S) tute find es 3 0 Jahre, daß der Landwirt Ferdinand M ö v e r dem hiesigen O r t s g e r i ch t angehört. Er hat als ältestes Mitglied den Vorsteher in dessen Verhinderung zu vertreten und dieses Amt stets mit größter Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit versehen. Schlitz, 15. März. Während manche Stadt, die seither die Bautätigkeit nach Kräften gefördert hat. bei der allgemeinen Geldkirappheit in diesem Jahre keine oder nur geringe Bau- l'ilsedarlehen gewähren kann, will unsere Stadtverwaltung auch jetzt wieder Mittel für den Wohnungsbau bereitstellcn. s Schlitz. 13. März. Die Gemeinderechner Schaub. Llellershausen. Dickert, Hartershausen, Lips, Anter-Schwarz, Muhl, Unter- Wegfurth, S i p p e l, Pfordt. Dickert, Sandlofs, und Hühn, Aieder-Stoll, die in diesen Tagen eine 30jährige Dien st zeit vollenden, hatten sich zu einer Jubiläumsfeier im hiesigen Rathaussaale versammelt, bei der Aechnungsrat Bechtold von Lauterbach, der die Jubilare vor 30 Jahren in den Dienst eingewiesen hatte, diesen ein Schreiben des Kreisamts übergab, worin der Glückwunsch zur Jubiläumsfeier und der Wunsch ausgedrückt war, daß es den Jubilaren vergönnt sein möge, bei guter Gesundheit ihr Amt auch ferner zu verwalten. Starkenburg. WSN. Heppenheim, 15. März. An der ganzen B e r g st r a ß e hat in den letzten Tagen die P f i r s i ch b l ü t e ganz allgemein eingesetzt, lleberall schimmern die Obstgärten in rot-weißer Blütenpracht. Bis jetzt war das Wetter der Blüte fast ausnahmslos günstig. Rheinhessen. WSN. Mainz, 15.März. Zahlreiche Gastwirte, Ladenbesitzer, Kinoinhaber usw. haben bei der hiesigen Stadtverwaltung Entschädigungsansprüche eingereicht mit dec Begründung, daß sie durch dir scharfe polizeiliche Absperrung während der Erstaufführung von Zuckmaycrs Lustspiel „Der fröhliche Weinberg" in ganz empfindlicher Weise geschädigt worden sind. Bekanntlich hatte damals die Mainzer Polizei schon einige Stunden vor Beginn der Borstellung die Zugangsstraßen adgesperrt und dadurch einen großen Theater- skandal verhütet. Preußen. Kreis Wetzlar. 2] Wetzlar, 15. März. Durch die Verarmung des Hausbesitzes, insbesondere der Kreise des Mittelstandes, und durch die hohen Abgaben infolge der Hauszinssteuer ist auch in unserer Stadt ein großer Teil der alten Häuser in einem äußerst schlechten baulichen Zu st and. Irgendwelche Mittel zur gründlichen Erneuerung stehen den Besitzern nicht zur Verfügung, besonders jetzt bei den ungemein verteuerten Baustoff- und Vauarbeiterkosten. Im vergangenen Jahre sind seitens der Stadt für diese Zwecke 20 000 Mark aufgewendet worden, um in einigen ganz dringenden Fällen den Besitzern zu Hilfe zu kommen. Auf der anderen Seite sind jedoch einige Häuser bereits in einem so heruntergekommenen Zustand, daß an eine sueuevienmg gar nicht mehr zu denken ist. So Iturde vor einigen Tagen durch eine Stadtoerord- netcnkommission ein Haus an dem Liebfrauenberg Besichtigt, das in einem solch baufälligen Zustande war, daß der sofortige Abbruch beschlossen werden mußte, um einen Zusammensturz zu verhindern. Wenn hier nicht bald grundlegende Aen- derungen geschaffen werden, ist an eine Behebung der Wohnungsnot selbst durch den Bau neuer Wohnungen nicht zu denken. — Der Kreis- b a.p e rn o e r e i n, der bisher seine Geschäftsräume im Hause Kornmarkt 2 notdürftig untergebracht hatte, ist in sein neugebautes eigenes H e i m in der Dalbergstraße übergesiedelt. Hiermit hat her Kreisbauernverein trotz der schweren Wirtschaftslage kraft einer zielbewußten Leitung ein Werk vollbracht, das ihm alle Ehre .macht. Das stattliche Gebäude, das in seinem Eckbau nach der Albinistraße im unteren Stock die Geschäftsräume des Vereins enthält, hat in einem großen Flügel nach der Dalbergstraße außerdem noch eine große Lagerhalle für die wirtschaftlichen Unternehmungen der Bauernschaft. Das obere Stockwerk ist für Wohnungen hergerichtet. Die bisherigen Räume auf dem Kornmarkt beabsichtigt, wie wir hören, die evangelische Gemeinde zu ihren jetzigen Räumen von der Kreisverwaltung hinzuzumieten, um diese für ihr Gemeindeamt nutzbar zu machen. tz. Wetzlar, 15. März. (Werbeabend des Turnvereins Wetzlar 1 8 4 7.) Seit feinem fast 80jährigen Bestehen ist man in Wetzlar das Auftreten des Turnvereins in der Öffentlichkeit mit nur erstklassigen Darbietungen und Leistungen gewohnt. Auch für den am Samstag im Schühengarten veranstalteten Werbenden!) waren umfangreiche Borbereitungen getroffen. Die Zugkraft der früheren Werbeveranstaltungen der Turnerschaft und des Turnvereins 1847 und die Gute des Programms brachten dem Verein ein volles Haus. Nach einer einleitenden Nede des Vereinsvorsitzenden, Fabrikant Arthur Pfeiffer, der in längeren Ausführungen die edle Turnerei verherrlichte und auf den Zweck des Abends hinwies, wickelte sich eine bunte Folge der im Verein gepflegten Leibesübungen in der Ausübung beiderlei Geschlechts aller Altersstufen ab. Zwischen Kinderreigen, Jugendgruppen und Geräteriegen wechselte das dreiteilige Programm ab mit Tanzvor- führungen und Schulfechten. Insbesondere eine Freiübungsgruppe der Volksturner, verbunden mit Atemübungen, gab wohl den für die körperliche Allgemeinausbildung wertvollsten Teil ab. Den Höhepunkt des Abends bildeten die Leistungen der Gäste an den Geraten. Was hier von P l a tz e k°-Dortmund, Losch-Bochum, C ü r t e t - Oppau (Pfalz) u. a. geboten wurde, erregte einmütige, staunende Bewunderung. Achtbares Können zeigte auch die vom Turnwart Schneider-Wehlar geleitete Damenriege des Turnvereins, während die Tanzvorführungen der Frankfurter Turnerinnen, die im allgemeinen gefielen, eine gewisse Sorgfalt vermissen ließen. Alles in allem zeigte der Abend eine systematische Körperschulung aller Vereinsabteilungen, die den Werbezweck der Veranstaltung deutlich herausstrichen. Der Turnverein Wetzlar hat mit diesem Abend einen vollen Erfolg errungen, der dem Bestreben des Vereins, durch die körperliche und geistige Bildung seiner Angehörigen am deutschen Volkswohl mitzuarbeiten, das beste Zeugnis ausstellt. Dillkrcis. bl. Herborn, 15. März. Die Stadtverordnetenversammlung ermächtigte den Magistrat, ein Darlehen bis zu 50 000 Mk. zur .Unter» stützung der Neubautätigkeit in unserer Stadt aufzunehmen. Zur Schaffung einiger städtischer Wohnungen wurden 43 000 Mark bewilligt. Maiugau. WSN. Frankfurt a. OK., 15. März. Hessische Blätter machen sich in drastischer Weise über einen Geniestreich lustig, den sich die Frankfurter Steuerbehörde geleistet haben soll. Dor kurzem habe ein Rüsselsheimer Gesangverein im Senderaum des Frankfurter Radio-Senders eine Generalprobe für ein Konzert rheinischer Lieder, das demnächst stattfinden soll, veranstaltet. Auf der Heimreise hätten die Sänger ein früheres Mitglied, das hier einen Gasthof besitzt, besucht. Beim Abschied hätte der Verein zum Dank für die gastliche Aufnahme das sinnig-schöne Lied „Els lein v'o n Kau b“ ertönen lassen/ Diese Aufmerksamkeit hätte nun die Frankfurter Steuerbehörde zum Anlaß genommen, um dem Gesangverein sechs Mark Vergnügungssteuer auszubrummen, die sofort zu zahlen sei. andernfalls mit Pfändung Dorgegangen werde. Wirtschaft. Von den Lchlachlviehmärkten. An den deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche erfuhr der Handel für alle Gattungen eine beachtliche Besserung. Schlechtes oder schleppendes Geschäft war nur in zwei Fällen für Schweine zu verzeichnen: im übrigen war der Marktoerlauf bei starkem Ueberwiegen der mittleren Linie bei allen Gattungen vielfach glatt bis flott. Die Auftriebsziffern haben sich gegen die Vorwoche nicht wesentlich verändert. Die Preise zeigten allgemein eine gut stetige, teilweise auch festere Tendenz. Auf den nachstehenden Märkten wurden für ein Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber Schafe < Schweine Berlin 18-50 35-80 30-55 73-84 Bremen 25-55 30-85 30-52 70-81 Breslau 18-50 55-75 36-53 65-78 Chemnitz 21-48 30-72 40-55 65-83 Dortmund 18-55 35-80 25-50 74-82 Dresden 26-52 48-80 35-60 62-83 Düsieldors 20-56 35-83 — 72-84 Elberfeld 20-54 40-75 25-50 65-83 Essen 22-58 40-100 — 72-85 2rankfurtM. 18-55 40-74 25-52 65-83 Hamburg 15-57 25-85 30-65 65-82. Hannover 18-54 30-80 25-52 70-81 Husum — — — — Karlsruhe 18-54 58-70 — 72-84 Kassel 18-54 50-61 — 70-84 Kiel 17-49 19-71 — 40-77 Köln 20-55 45-104 — 60-85 Leipzig 20-51 40-75 35-54 75-86 Magdeburg 18-51 30-70 25-48 67-84 Mannheim 12-54 56-84 26-40 70-84 München 15-53 60-82 — 60-80 Stettin 10-50 28-73 15-45 68-81 Stuttgart 12-52 62-80 — 60-82 Zwickau 18-52 35-70 30-60 74-90 ' Arbeiterentlassungen bei den H öch ster Farbwerken. Zu den in der Presse verbreiteten Meldungen über bevorstehende Arbeiterentlassungen bei den Höchster Farbwerken wird uns von der Direktion der Gesellschaft folgendes rnit- getcilt: Wir beabsichtigen, im Laufe der nächsten Zeit unsere Arbeiterscyaft um 600 Mann zu verringern, nachdem wir auf Grund eines vorübergehenden Bedarfs unsere Belegschaft um annähernd die gleiche Zahl im Laufe der letzten Monate erhöht hatten. "Commerz - und Privatbank, Hamburg-Berlin. Wieder 8 Prozent Dividente. In der gestrigen A. R.-Sitzung wurde beschlossen, der auf den 20. April einzuberufenden Hauptversammlung die Verteilung von wieder 8 Prozent Dividende vorzuschlagen. Der Reingewinn beträgt einschließlich 464 635 Rm. Vortrag aus dem Vorjahr 5 124900 Am. (t V. 5 064 464 Rm.). Die 8prozentige Dividende erfordert wiederum 3 360 000 Rm. Der Gewinnanteil des 2L R. 235 360 Rm. (239 829 Rm.). Der Rest von 1 529 540 Rm. wird vorgetragen, während im Vorjahre 1 Mill. Rm. der Rücklage überwiesen wurde. Man hat es demnach vorgezogen, anstatt wiederum die Rücklage zu verstärken, die mit 22 Mill. Rm. bereits mehr als die Hälfte des A. K. beträgt, einen entsprechend höheren Vortrag vorzunehmen. Das Liquiditätsverhältnis beträgt einschließlich der Warenvorschüsse etwa 55 Proz. gegenüber 60 Prozent im Vorjahre. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes h-ervorzuheben: Um ihren Betrieb zu verbilligen, sei die Commerz- Bank an den Alm bau der Organisation und den Abbau der Beamtenschaft herangegangen: sie habe im großen Mahstabe den Maschinenbetrieb ein« geführt. 16 kleinere Filialen und Zweigstellen wurden geschlossen, und 59 Filialen und Zweigstellen in Kafsenstellen umgewandelt. Die Zahl der Angestellten wurde von 10 260 im Januar 1925 auf 7100 am 31. Dezember 1925 vermindert. Es wurden auch, wie noch bemerft fei, vier Voll- Direktoren abgebaut. Der Abbau der Beamtenschaft wird als beendet bezeichnet. In geringfügigem Maße werden bereits wieder Neueinstellungen borgenommen, wobei in erster Linie die früheren Beamten der Bank berücksichtigt werden. Das Geschäft in den Filialen und Depositenkassen war, den Zeitverhältnissen entsprechend, recht zufriedenstellend, die dauernde Beteiligungen haben ein befriedigendes Ergebnis gebracht. Der Gesamtumsatz betrug rund 68 Milliarden gegenüber 51 Milliarden Rm. im Vorjahre. Die Ergebnisse des laufenden Jahres werden als befriedigend bezeichnet, namentlich sei bisher das Wertpapier- und Konsortialgeschäft recht gut gewesen. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".) Berlin, 16. März. Die günstige Verfassung der Aktienmärkte hielt an. Die Genfer Fragen scheinen nach den bei Börsenbeginn varliegenden Meldungen jetzt durch einen Kompromiß geklärt <3U stw, so daß die in dieser Richtung noch herr- schende Unsicherheit beigelegt war. Außerdem stimulierten die Berichte über die Pariser internationalen Eisen Verhandlung en, als deren erstes positives Ergebnis nun das Sch jene n s y n d i k a t in Kraft getreten ist. Montan- werte lagen bis zu 1,5 Prozent höher. Auch S ch i f f a t) r t s a f t i c n waren befestigt. Der Di- videndeiwusfall beim Norddeutschen Lloyd kam nach dem Beispiel der Hapag nicht unerwartet und blieb daher einflußlos. Für Schiffahrtsaktien stimulierten ferner Nachrichten über eine baldige Erledigung der Freigabeangelegenheit. Infolge günstiger Dividendenhoffnungen fanden in einigen Spezialwerten größere Umsätze statt. So u. a. in Kaliaktien, die bis zu 6 Prozent anziehen konnten. In anderen Papieren traten Steigerungen von 2 bis 4 Prozent ein. Eine gewisse Stütze fand die Tendenz in dem sehr leichten Geld stände. Tagesgeld notierte 5,5 bis 6 Prozent. Der Medio hat sich am offenen Geldmarkt kaum bemerkbar gemacht. Unter dem Einfluß aller dieser Erscheinungen lag die Börse während der ersten Stunde fest. Im D e - visenverkehr schwankte der belgische Frank erheblich. Gegen Mittag war der Kurs gegen London 118. Paris lag gegen London ebenfalls schwächer mit etwa 135. Dorsenkurie. Frankfurt a.M. Berlin Datum: 5% Deutsche Reichsanletbe . 4% Deutsche Retchsanleipe . 3Vo% Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reichsanlcibe . Deutsche Sparprämicnan leihe 4% Preußische Konlols • . . 4% Hellen ....... 3'/,°/» Hellen.......... 3% Heuen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-lluweilng-'l 4% Zolltürlen . 5% Goldmexikaner . . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz-, und Privat-Bank Dannst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Vercinsbank . . . . Disconlo Commandit . . . Metallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank. . Ocfterrcichilche Kreditanstalt. Wcstbank............ Bochumer Gaß ...... Buderus . . Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpencr Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahütte....... . . . Oberbcdarf Phönix Bergbau Roeimtahl Riebcck Montan ....... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mäher Alapin . . ft- G. Farbenindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Riitgerswerkc......... Scheidcanstalt Mg. ElektrizitätZ-lIesellschast Bergmann... ....... Mainkraftwerke ...... Schuckert . ....... . , Siemens A Halske ..... Adlcrwerke Kleher ..... Daimler Motoren. ...... Heylignrstaedt Megnin............. Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesellschaft Frankfurt. Pet. Union A.-G Schuhfabrik Herz .... Sichel.............. Zellstoff Waldhos Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . Schluh» fiur» l-Uhr. Kurs Schlu'n- Kurs Anfang fllt-r. 15. 3. 16. 3. 15.3. 16. 3, 0,394 3,395 0,395 0,3925 — — 0,380 0,38 0,370 — 0,3775 0,385 0 Ja 0,485 0,465 (1,231 0,2325 (1,390 — 0.385 0,3775 0.3X0 — 0,38 — ■ ■ —— — - — — 0,37 — — — — — — — 99,45 99,65 — 11,8 | U,75 11,8 _ 39 1 —— - 152.5 154- 152* 153,5* irr 111,2- Ul' 11L7* 130,5 130' 199,5' 128 — 128- 128* 132,5 - 123,4' 123,5- 84,75. — — 103,5‘ . — 103,7* 104' 6,95 6,9 6,9 0.041 — — 83,5 86- 83,4’ 84,75* 45,25 46,25 45 48,75 42 —— 41,12 42,5* 88,75 88,5' 86,75* 88,62' 88,25 88,75- 88,5- 89,9’ 103,5- — 102.7* 104- — 124 120,5 124,7* 128 132 127,75 13.2 33,25 35,5 34 35 14 41,25* 43,75' 79,5- 80,5- 78’ 80,4* 81' 81,25 80,5’ 84 —- 84,75 87 56 — 144,5* 148’ 145' 146,5* 137,7- 139,7* 136,6' 139,2* •12,5 _ 90 91.5 -___ 68,25 70 ■— —- — — — _ —— -— ___ _ •429,5- 130,5‘ 129,5 131* 74,45 — 74,9 65 65 __ 76,5 77 75,5 _ 94 — — 93,9- 94,5- 93,5' 94,25' 85 — 85,25' 86' 85,25 — - - 84,25 85.75- 84' 86,25* 108,5- 109,2' 108,4* 109,4- 52,5 52,5 52 51,25 49,25 53,25 49,5 53 25,25 — — 29,5 — — __ — — 35 — — — — _ 42 — — _— 96 _ — _ 73,25 — — ___ 26,5 — 27 — 5,5 —— —— — 110 110,5 109,75 110 47 47,25- 49 —- 50,75 53 — — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. ___________Banknoten. 15 Mär;. 16. Märj. Amtliche Notierung Amtliche Notierung ltzcld Brief Geld Brief Amst.-viou 168,00 168,42 160,07 160,49 Buen.-Aires 1,660 1,664 1,608 1,612 Brsi.^Antw 18,28 18,32 17,38 17,42 Chrtstiania. Kopenhagen 91,59 91,81 90,74 90,96 110,26 110,.54 109,91 110,19 Stockholm . 112,36 112,64 112,36 112,64 Helsingfors 10,555 10,595 10,555 10,695 Mallen - - 16,79 16,83 16,80 16,84 London. . 20,391 20,443 20,389 20,441 Neuyork . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Parts. . . 15,15 15,19 15,135 15,175 Schwei; . 80,74 80,94 80,7.35 80,935 Spanien . . 59,09 59,23 59,09 59,23 Japan .. . 1,904 1,908 1,904 1.908 Rio de Jan. Wien in D - 0,610 0,612 0,610 0,612 Oest- abgest 59,12 59,26 59,18 59,32 Prag .... Belgrad . . 12,416 12,456 12,416 12,456 7,385 7,405 7,375 7,395 Budapest. . 5,875 5,895 5,875 5,895 Bulgarien 3,025 3,0.35 3,015 3,025 L'llabon 21,255 21,305 21,255 21,305 Danzig. . 80,87 81,07 80,87 81,07 Konstantin. 2,175 2,185 2,18 2,19 Athen. . 5,81 5,86 5,84 5,86 Kanada. . 4,181 4,295 4,191 4,18 4,19 Uruguav 4,305 4,275 4,285 Berlin, 15 März Geld Brief Amerikanische Note»..... 4,187 4,207 Belgische Noten ....... Dänische Noten ........ 18,23 109,97 18,33 110,53 Englische Noten........ Französtsche Noten ...... 20,36 15,23 20,46 15,31 Holländische Noten..... 167,65 168,49 Italienische Noten ...... 16,86 16,94 Norwegische Noten...... Zeutsch-Oesterr-, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... 91,32 59,05 91,78 59,34 Schwedische Noten...... 112,09 112,65 Schw izcr Noten...... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... 59,05 12,38 5,839 69,35 12.44 5,879 Frankfurter Börse. (Sigener Drahtberichk des .»Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 16. März. Tendenz: Abwartend. — Die Ungewißheit über den Ausgang der Genfer Konferenz, deren Entsscheidung nun wieder auf morgen vertagt worden ist, hat die Unternehmungslust der Börse zurückgedrängt und im Freiverkehr eine Neigung zur A b - schwächung aufkommen lassen. Bei der allgemein geübten Zurückhaltung hielten sich aber bie Kursabschwächungen in engen Grenzen, zumal sich auch die optimistische Auffassung der Lage immer wieder geltend machte. Nach kurzem Verlaufe hat die Tendenz wieder ein festes G e - präge angenommen und die älmsatztätiglci lebte etwas auf. Besonderes Interesse fanb.'.i wieder einige Spezialwerte. So waren Kali aktien stärker gefragt und gut befestigt Aschersleben plus 2,5 Prozent, Weste eg Z i plus 4 Proz. Der Montan markt zeigte feine einheitliche Haltung. Es wurden höher Bochumer plus 2,5 Proz., Buderus plus 0,75 Proz., Phönix plus 0,75 Proz., Laurahütte 1 Proz., dagegen lagen schwächer: Deutsch-Luxemburg, Gelsenkirchen, Rheinstahl. Farbwerte waren um 0,5 Proz. höher. Von Clektrvaktien hatten Siemens & Halske eine weitere Steigerung von 0,75 Proz. aufzuweisen, während Schuckert leicht nachgaben. Bankaktien waren wenig verändert, nur Berliner Handel plus 1,5 Proz. Schiffahrtsaktien konnten im gestriger Abendverkehr um 1 bis l'/2 Proz. anziehen. Daimler plus 3,5 Proz., Kleyer plus 0,5 Proz. Zellstoffaktien lagen weiter fest. Die nunmehr vollzogene Fusion in der süddeutschen Zuckerindustrie hatte nur geringen Einfluß auf die Haltung dieser Werte. Badischer Zucker plus 1,75 Prozent, Heilbronnzucker plus 2,75 Prozent. Die anderen Werte dieser Gruppe waren nur wenig verändert. Heimische und ausländische Renten hatten nur geringes Geschäft. Kriegsanleihe waren leicht abgeschwächt. Vorkriegspfandbriefe lagen ebenfalls sehr still. 2m Freiverkehr zogen die Kurse etwas an. Benz 50 Prozent, Brown-Boveri ?0-Prozent, Entreprise 10, Growag 55 Prozent, Krügershall 96 Prozent, Petroleum 73 Prozent, Rastatter Waggon 17 Prozent, Ufa 53 Prozent, Unter- sranken 69 Prozeiit. Der weitere Verlauf war schwankend, doch blieb der feste Unterton vorherrschend, vereinzelt waren allerdings auch leichte Rückgänge zu verzeichnen. Der Geldmarkt ist unverändert flüssig. 2m Devisen- verkehr ist die scharfe Abschwächung des belgischen Frankens bemerlenswert. Brüssel gab gegen London auf 114,50 nach. Paris waren ebenfalls schwächer mit 134,90 gegen London. Mark und Pfund liegen unverändert. Zrankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 16. März. Cs wurden notiert: Weizen (Weltevauer) 26,50—26,75, Roggen (inländischer) 17,50—17,75, Sommergerste für Brauzwecke 20—23, Hafer (inländischer) 19,25 bis 21,50, Mais (gelb) 17,50—18, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 40—40,50, Roggenmehl 25,75—26,25, Weizenkleie 9,50, Roggenkleie 10. Tendenz: stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 15. März. 2m heutigen Berliner Produktenhandel gestaltete sich die Tendenz für Weizen auf Grund der erhöhten argentinischen Offerten erneut fester. In Roggen ist die Urnsatztäligkeit etwas ruhiger geworden, da vermehrtes Angebot drückt und Käufer zurückhaltend sind. Lokoware eröffnete etwa auf letztem Stand. Gerste behielt in besten Sorten seine Frage, steht aber wenig in Angebot. Hafer behauptet, im übrigen ruhig. 2m Zeitgeschäft setzten sich für Weizen bei Beginn gleich,alls etwas festere Kurse durch, Mai- und 2uli-Lieferung gewann mit einem einheitlichen Kurs von 269 je 1 Mark, Roggen per März mit ca. 172,50 und Mai mit 181 sowie 2uli mit ca. 185.50 Bf. höher. Mais erneut per Mai und 2uli etwa 1 Mark gebessert. Es notierten pro Tonne: Weizen (märk.) 250 bis 254, Roggen (märk.) 156 bis 150, Gerste (märk.) 166 bis 190, Futtergerste '38 bis 152, Hafer (märk.) 162 bis 172; per Dop.' zentrier: Weizenmehl 32,50 bis 36, Roggenrn.chl 22,75 bis 24,75. Weizenkleie 10,10 bis 10 20, Roggenkleie 9 bis 9,20, Viktoriaerbsen 25 bis 31, kleine Speiseerbsen 23 bis 25, Futtererbsen 19 dis 21, Peluschken 20 bis 21, Ackerbohnen 20 bis 21. Aus dem Amtsverknudigungsblatl. * Das Amtsverkündigungsblatt N r. 21 vom 12. März enthält: Erwerbslosen- fürforge. — Erhöhung der Erwerbslosenfürsorge. — Kurzarbeiterfürsorge. — Enteignung der Für- stenvermögen. — Ausführung des Urkunden- stempelgesehes. - - Maul- und Klauenseuche in Nonnenrod, Birklar, Garbenteich, Reinhardsbain und Eberstadt. — Ablösung öffentlicher Anleihen. — Dienst stunden des Kreisschulamts. — Pädagogischer Rundfunk. — Gedenktag für Ferdinand Freiligrath. — Feldbereinigung Allendorf a. d. Lda. — Dienstnachrichten. Düchertisch. — 2m „Süddeutschen Verlag" Frankfurt am Main, Kettenhofweg 73, gibt Franz Rathmann eine Deutsche Lotterie-Zeitung heraus, die monatlich zweimal, im Februar und August je dreizehnmal erscheinen soll und die ausführlichen Gewinnlisten der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterien sowie anderer Lotterien hecaus- bringt. Die uns vorliegende erste Nummer der Zeitschrift enthält neben allem irgendwie Wissenswerten für den Lotteriespieler interessant zusammengestellte Plaudereien aus der Geschichte der Staatslotterien, über die Methode der Ziehungen und ähnliches. Winke für Turf- intereffenten und eine reichhaltige Rätselecke machen deii übrigen Teil deS Blattes aus, das in Kreisen der Lotteriespieler gewiß einem Bedürfnis entgegenkommt. Kirchliche Nachrichten. ' Evangelische Gemeinden. Gießen. Johanneskirche. Mittwoch, 17. März, abds. 6: Pafsionsgottesdienst. Pfr. Bechtolsheimer Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau-.) Mittwoch, 17. TNärz: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.2( bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Operet tenmufit. 5.45 bis 6.10 Uhr: „Kunst und Geschieht« des Fußballspiels", Vortrag von Dr. Paul Laven 6.15 bis 6.45 Uhr: Funkhochschule Frankfurt- „Di' Verbreitung der Tierwelt und der Sinn der Systo rnakik", Vortrag von Dr.F.Haas. 7 Uhr: lieber tragung aus dem Frankfurter Opernhaus „Ma harne Butterfly", Oper in drei Akten von Giacomc Puccini. Apotheker Rich. Brandt'- blutreinigende Schweigerpillen das gute alte Hausmittel für milde und sichere Regelung des Stuhlgangs. ?Kl1' Pal- 1.5 Extr. Achill, moach A1o5b — Absynth. An 1,0. Extr. Trif - Gent, n» o 5. Pul’ rad. „ Gent. Trif, An Sein Eci ^dlungä ^ousanileii Sr i mit T Asebnis gef adel &cr