Dienstag, 16. Hebruar 1926 176. Jahrgang Hr. 39 Erstes Blatt Annahme von Snzelgen für die Tagesrmnnner bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breit« 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°,n mehr. Chefredakteur-. Dr. Friede. Wilh. Lange. Berantwortlich fürPolittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil Hans Iüftel, sämtlich in Gießen. Erscheinttäglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Mouats-ve-ugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägen lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkontos Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Dm» unb Otting; vrühl'sche Univerfitüts-Vuch- und Steinöniderd B. Lang- in Siegen. Schristleitung unb Selchäftsftekle: Schuiftrage 7. Freiheit für die dänische Minderheit in Nordfchleswig. Don Staatsminister a. D. Dr. Boelitz, M. d. P. L. 3n dem Augenblick, in dem sich die europäische Oeffenllichkeit noch in erregter Diskussion über die Unterdrückung der Minderheiten in Südtirol befindet, ergeht auf dem Verordnungswege ein Erlaß des Preußischen Staatsministe- r i*u ins über den Schuß der dänischen Minderheit in Nordschleswig, der als bester Beweis für die völlige U n o r i e n t i e r t = beit Mussolinis über die deutsche Schulpolitik gegen die im Deutschen Reich befindlichen Minderheiten anzusehen ist. Bekanntlich hat 'Mussolini Deutschland den Borwurf gemacht, daß es den Minderheiten gegenüber Methoden anwende, die nichts von dem Geiste des von Deutschland bei anderen Völkern geforderten Minderheitenschutzes atmeten, und hat dabei auf die Behandlung der deutschen Staatsangehörigen polnischer und dänischer Zunge hingewiesen. Die Angaben Mussolinis sind im Hinblick auf den vorbildlich durchgeführten Minderheiten- schuh in Oberschlesien bereits gebührend in dec Oeffentlichkeit zurückgewiesen worden, und mit Recht hat man das Urteil des schweizerischen Präsidenten der gemischten Kommission Salon- d e r angeführt, der die loyale Durchführung des Genfer Minderheiten--Schutzgesehes durch die Preußische Llnterrichtsverwaltung wiederholt warm anerkannt hat. Preußen ist hier nicht nur korrekt, sondern vorbildlich vorgegangen. Der neue Erlaß, der die Behandlung der dänischen Minderheiten in Rordschleswig berührt, bringt eine Regelung, die in liberalster Weise das höchst schwierige Verhältnis von Minderheitsvolk und Rationalstaat zu ordnen sucht. In der Frage des sog. „Minderheitenschutzes imb -rechtes" hat sich namentlich nach den gewaltigen Verschiebungen der Staatsgrenzen infolge des Weltkrieges ein Umschwung in der allgemeinen Meinung vollzogen, die nur zu begrüßen ist. Die starren Staatsgrenzen, die sich fast in keinem Staat mehr mit den Grenzen des Volkstums decken, sollen durch „Bedingungen höherer Ordnung" in dem Sinne aufgelockert werden, daß eine ausreichende G a - raiitie des Schutzes der kulturellen Eigenart der Minderheit dieser es ermöglicht, auch als Staatsangehörige fremder Zunge in völliger Loyalität dem Staate zu dienen, in den sie einverleibt worden sind oder in dem sie seit langem leben. Die Vollstrecker des Siegerwillens in Versailles, St. Germain und Trianon haben dem auch in gewisser Weise Rechnung getragen, als sie in den neugebildeten Staaten durch besondere Minderheitenschutzverträge Forderungen für die Behandlung der Minderheiten ausstellten, die allerdings noch viel zu wünschen übrig lassen, aber bei gerechter Durchführung die Aussicht auf eine glückliche Entwicklung dieser Frage abgeben können. Daß sich jetzt Preußen von sich aus entschließt, an die Ordnung der Minderheitenfrage in Rordschleswig heranzutreten, ist ein Schritt, der weitere und sorgsamste Beachtung finden sollte. 3n langer, mehrere Jahre hindurchgehen- der, sorgfältiger Vorarbeit hat das Staatsmini-- sterium nach einer informatorischen Konferenz in Kopenhagen im Jahre 1924 und in steter Fühlung mit den Provinzialinstanzen Schleswig-Holsteins schließlich eine Regelung getroffen, die auch dem Willen des weitaus größten Teils der schleswig- holsteinischen Bevölkerung entspricht. Die grundsätzlichen Erwägungen, von denen die preußische Staatsregierung ausgegangen ist, deckt sich dabei mit einer sich immer mehr durchsetzenden Anschauung von dem rechten Verhältnis des Rationalstaates zu seinen Minderheiten. Der Staat hat das Recht und die Pflicht, Gesetzmäßigkeit und Gehorsam seiner Staatsbürger zu fordern; diese haben loyal die staatspolitischen Pflichten zu übernehmen, die von einem jeden gefordert werden müssen. 3br tieferes kulturelles Leben dagegen soll der Staat frei lassen: der Unterricht in der Muttersprache, das Eindringen in die Kultur des Mutterlandes, die Pflege der Zusammengehörigkeit, alles das soll keiner Beschränkung unterliegen. Gefordert werden muh natürlich die Beherrschung der Sprache des Herbergestaates und völliger Verzicht auf irgendwie geartete staatsfeindliche Umtriebe. Ist diese Grundfrage geklärt, so erheben sich immerhin noch bedeutsame Schwierigkeiten, die auch in dem vorliegenden Fall nach langen Verhandlungen beseitigt werden muhten. Die Frage, ob „Oeffentliche Volksschule" oder „Privatschule" für die Minderheiten, die Frage der „regionalen Abgrenzung" der Minderheit und die Frage der „personellen Abgrenzung" machte naturgemäß eine Menge statistischer Rachweise und eine Reihe von Ein- zelverhandlungen an Ort und Stelle erforderlich, die aber nach dem nun bekanntgegebenen Erlah im Sinne vorbildlicher Freiheit ihre Erledigung gefunden haben. Man ist großzügig vorgegangen. Man hat öffentliche Volksschulen und Privatschulen vorgesehen; man hat die regionale Abgrenzung weitherzig getroffen und hat als Merkmal der dänischen Minderheit festgesetzt: entweder die Geburt im Grenzkreis bezw. in Dänemark, oder die Abstammung der Eltern, sofern bei einem Teil diese Voraussetzung erfüllt ist. 3m einzelnen muh auf die Bestimmungen des Erlasses verwiesen werden. Wenn der Reichsauhenminister Dr. S tr e s e- man n anläßlich der letzten Reichstagsverhandlungen bei Beantwortung der „Mussoliniinter- pellation" am 9. Februar d. 3. darauf hingewiesen hat, daß eine starke nationale Würde sich am besten mit der Achtung kultureller Eigenart von Minderheiten vertrage, so mag die preußische Regelung angesehen werden als ein Zeichen dieser Sir Erie Drummond in Berlin. Der Berliner Besuch des Generalsekretärs des Völkerbundes, Sir Eric Drurnmond, ergab sich, nachdem Deutschland seine Anmeldung zum Völkerbund vollzogen hatte, an sich als eine Selbstverständlichkeit. 3mmerhin wird aber dieser Besuch als ein Zeichen anzusehen sein, daß man von der Genfer Seite aus bemüht ist, über die notwendig gewordene Klärung technischer Fragen hinaus äußerste Korrektheit und verbindliches Entgegenkommen zu bezeugen. Bei den eigenllichen Besprechungen wird ja die Erörterung der P e r s o n a l f r a g e n im Vordergrund stehen. Das üble Vorspiel, das seinerzeit soviel unliebsames Aufsehen erregte, als es bekannt wurde, daß Parteien von sich aus Kandidatenlisten in Genf vorgelegt hatten, ist ja unter der tätigen Mitwirkung Sir Drummonds beigelegt worden, wobei seine Objektivität allseitig anerkannt wurde. Die an Deutschland fallenden Posten in den verschiedenen Unterabteilungen des Genfer Generalsekretariats bedeuten selbstredend keine irgendwie politisch einflußreichen Stellungen. Von größerem Gewicht ist die Klärung der Frage, welche Persönlichkeit von deutscher Seite für den Posten eines Generalsekretärs in Genf in Vorschlag gebracht wird. Hier wurde nun in den letzten Tagen vielfach wieder auf die Person des bisherigen deutschen Gesandten in Warschau, Ullrich Rauscher, hingewiesen, der nach den Berichten demokratischer Blätter als ernsthaftester Anwärter genannt wird. 3n dem neuen diplomatischen Dienst der Rachkriegszeit hat Herr Rauscher bisher eine der glänzendsten Karrieren gemacht. Die deutsche Gesandtschaft in Warschau gilt mit Recht als eine politisch äußerst exponierte. 3n den ungeklärten Verhältnissen der polnischen Republik sich auszukennen, bedeutet an sich eine nicht ganz leichte Ausgabe. Der deutsche Gesandte in Warschau muh vor allem mit entsprechendem Takt und diplomatischer Gewandtheit ein gesundes Rückgrat verbinden, eine von lebendigem nationalen Empfinden getragene Stärke der persönlichen Haltung auf weisen. Wan hatte nun während der letzten Verhandlungen mit Polen, besonders auch bei der Behandlung der Optantenfragen, des öfteren den Eindruck, daß Herr Rauscher vielfach eine zu große Rachgiebigkeit und Passivität an den Tag legte. Sein Blick war mehr rückwärts nach der Wilhelmstrahe gerichtet, als daß er eine von starkem Verantwortungsbewußtsein zeugende 3nitiative zu entwickeln pflegte. Bei den Schwierigteiten, die für den deutschen Vertreter in Genf an einer Stelle, die auf vollkommen internationaler Basis aufgerichtet ist, entstehen werden, wo das reibungslose Funktionieren auf dem Zusammenwirken von Hunderten von Menschen der verschiedensten Rationalität, Sprache und Denkweise beruht, müßte doch eine Persönlichkeit in erster Reihe in Betracht kommen, von der man sagen darf, daß sie in der höchsten diplomatischen Praxis groß geworden ist. Rein gesellschaftlich erfordert eine von den 3nteressendifferenzen der Mächte so vielfach berührte Stätte des diplomatischen Dienstes einen Vertreter, der in den innersten Angelegenheiten des politischen Lebens ebenso gut Bescheid weiß, wie in den äußeren Methoden der diplomatischen Technik. Gewiß wird der deutsche Generalsekretär in den Sitzungen des Rates und Völkerbundes jeweilig durch einen Spezialgesandten oder den Außenminister ersetzt. Da aber die Vorbereitungen, auch die nicht rein technischer Ratur, in seiner Hand liegen, bedeutet diese Stellung immerhin einen Auslandposten, der f ü r unsere besten Kräfte freigehalten werden muß. Vor allem brauchen wir an dieser Stelle einen in der Innenpolitik parteilich nicht gebundenen Vertreter, sondern einen über das Parteiliche hinausragenden Außenpolitiker. Der Streit um die R a t s i h e hat jedenfalls im engeren Gremium der Genfer Hauptmächte bereits seine Erledigung gefunden, wenn auch der hierbei zutage tretende scharfe französisch- englische Gegensatz sich bei anderer Gelegenheit sicher noch weiter auswirken dürste. Die Londoner Presse ist unzweifelhaft offiziös beeinflußt gewesen, als sie sich gegen eine Veränderung der Zusammensetzung des Völker- bundsrates mit aller Schärfe aussprach und auf das Entschiedenste verurteilte, daß das ganze Genfer Arbeitsschema nach französischer Art zu Frankreichs Gunsten modelliert werde. Der französische Sabotageversuch ist von London aus in seinem ganzen Ernst erkannt worden, man wird daher es heute schon als gewiß annehmen können, daß London gegenüber dem Pariser Ansuchen scharf ablehnend vorgegangen ist. 3n England wurde behauptet, daß der deutsche Botschafter in London anfangs dieser Woche ausdrücklich noch vor neuen Zittrigen gegen Deutschland warnen und auf die Möglichkeit einer Zurückziehung des Anmeldungs ge» such es Hinweisen werde. Hierüber wird vielleicht auch der Generalsekretär des Völkerbundes bei seiner Anwesenheit in Berlin entsprechende Aufklärung erhalten, da es ja angebracht sein dürfte, alle Unklarheiten vor Deutschlands Eintritt möglichst aus dem Wege zu räumen. Die Besprechungen in der Wilhelmstraße. Berlin, 15. Jebr. (121.) Amtlich. Dec Generalsekretär des Völkerbundsrates, Sir Eric Drummond, der in Berlin eingetroffen ist, um dem deutschen Außenminister einen Höflichkeitsbesuch abzustatten und mit den für Völkerbundsangelegenheiten im Auswärtigen Amt zuständigen Stellen Fühlung zu nehmen, suchte heute morgen Herrn Staatssekretär v. Schubert in der Wilhelmstraße auf. hinsichtlich des Verfahrens der Sondertagung der Völkerbundsversammlung, die vom Völkerbundsrat auf den 8. März einberufen wurde, einen Tag, der für die nächste Ratssitzung bereits festgesetzt war, wurden verschiedene Fragen einer Prüfung und Aussprache unterzogen. Außerdem wurden allgemeine Fragen hinsichtlich des Völkerbundssekretariats, die zur besonderen Zuständigkeit des Generalsekretärs gehören, erörtert. Anwesend war noch der deutsche Völkerbundsreferent im Auswärtigen Amt, Legationsrat von Bülow. Am Nachmittag fanden Besprechungen mit dem Reichsauhenminister Dr. Stresemann statt. Drummond gab im Laufe des Nachmittags auch beim Reichspräsidenten und beim Reichskanzler feine Karte ab. Am Dienstag findet ein Frühstück bei Stresemann statt, bei welcher Gelegenheit der Generalsekretär auch mit dem Reichskanzler Zusammentreffen wird. Das „Bert. Tageblatt" glaubt zu wissen, daß Drummond am Mittwoch Berlin wieder verlassen wird. Die NaLssitze für Polen und Spanien. Paris, 15. Febr. (TU.) Im Vordergrund des politischen Interesses steht noch immer die Frage der Erweiterung des Völkerbundsrats. Die Verhandlungen zwischen Frankreich und England dauern fort. Die Pariser Presse bespricht mit Erregung die Meldungen, nach denen d,ie schwedische Regierung das V arge h' en Deutschlands unterstützt. Aus Rom wird dem „Teinps" gemeldet, daß Italien gemeinsam mit Belgien, der Tschechoslowakei und Frankreich die Kandidatur Polens auf einen Ratssitz unterstützen werden. Mussolini verfolge die Verhandlungen zwischen England und Frankreich mit großem Interesse. Die Pariser Presse behaupi t noch immer, England unterstütze die Kandidatur Spaniens und wünsche, daß der Sitz, den Frankreich und Italien Polen zusprechen wollen, Spanien angeboten wird. starken nationalen Würde, auf die wir stolz sind. Wir glauben an die Kraft der deutschen Kulturi Wir glauben vor allem auch Daran, daß die im hartem Grenzkampf gestählten Schleswig-Holsteiner sich nicht verlocken lassen werden durch die .dänische Kultur, der wir ein Eigenrecht auf deutschem Boden einräumen, sondern daß sie nut um so stolzer und freier ihre unauflösliche Zusammengehörigkeit mit Deutschland und Preußen stets bezeugen werden. Unb wenn der Reichsaußenminister in derselben Sitzung vom 9. Febr. darauf hingewiesen hat, daß wir Deutschen nur dann mit gutem Gewissen unb mit voller Hebet» zeugung für den Schuh der deutschen Minderheiten im Auslände eintreten könnten, wenn wir den Minderheiten bei uns daheim denselben Schuh gewahrten, so hoffen und verlangen wir, daß nach dem Vorbild Preußen-Deutschlands die Minderheitenfrage nunmehr allenhalben in weitherziger, großzügiger Weise aufgerollt toerbe, nicht zuletzt auch zum Segen der vielen Millionen Deutscher, die draußen in fremden Ländern leben müssen. Dänemark und die neue Schulordnung in Schleswig Kopenhagen, 15. Febr. (WB.) Ein Vertreter der „Politiken" hatte eine Hnterredung mit Staatsminister Stauning über die neue Schulordnung in Schleswig, in deren Verlauf der Minister folgendes erklärte: „3ch kenne nicht die Einzelheiten der neuen Verordnung, aber sie ist aufzufassen als ein Entgegenkommen gegenüber Dänemark, das ja sogleich bei der Wiedervereinigung erhebliche kulturelle Freiheit für die deutsche Minderheit gewährte und als Ergebnis der Verhandlungen, die bis vor l1 '2 3ahren zwischen dänischen und deutschen Schul-' männern auf Veranlassung der dänischen Regierung geführt churden. Daß man jetzt deutscherseits die Berechtigung der kulturellen Forderungen anerkennt, die von der dänischen Minderheit südlich der Grenze aufgestellt wurden, wird das Der' iltnis zwischen den beiden Rachbarvöl- kern erleichtern und dazu beitragen, daß das Zusammenleben zwischen ihnen gut werden kann, ganz anders, als wenn Deutschland sich geweigert hätte, das gute dänische Beispiel auf diesem Gebiete nachzuahmen. Gegen die Sprachenverordnung Prag, 15. Febr. Heute fand eine von der Deutsch-demokratischen Freiheitspartei einberufene Cßerfammlung der Sudetendeutschen statt, zu welcher sich Verireter des Sudetendeutschenvolkes aus allen Teilen des Staates eingefunben hatten, um gegen den Erlaß der Sprachenverordnung Protest zu erheben. Die deutsch-demokratischen Führer, Professor Kafka unb Spiegel, wiesen insbesondere auf den Wortbruch hin, den die tschechische Regierung dadurch begangen habe, daß sie, ohne sich mit den berufenen Vertretern des sudeten-- deutschen Volkes vorher ii'.s Benehmen zu setzen, die gegen das deutsche Volk gerichtete Sprachenverordnung erlassen Hut. Die Verfolgung des Deutschen Voltsbundes in Oberschlesien. Kattowih, 16. Febr. (TH.) Die Haussuchungen in Potnisch-Oberschlesien wurden von der Wojowodschaftspolizei auch am Montag fortgesetzt. Die Polizei verweigert nach wie vor jede Auskunft über das Ergebnis der bisherigen Mn- tersuchungen. Der „Volk s Wille", das Organ der deutschen Sozialdemokrattschen Partei in Polen, das bereits am letzten Samstag wegen eines Artikels über die Verhaftung der Deutschen beschlagnahmt wurde, ist am Montag wegen eines solchen Arttkels. den sein Chefredakteur, der zugleich Sejmabgeordneter ist, geschrieben hatte, erneut beschlagnahmt. 3n dem Artikel Wird gesagt, daß die Mnfähigkeit der verantwortlichen Personen durch einen starren Rationalismus ersetzt werden soll. 3n der polnischen Presse wird mitgeteilt, daß die Haussuchungen auch noch in den nächsten Tagen fortgesetzt werden, weil das aufgefundene Material sehr reichhalttg sei. Die Polizei^ hat für die Mittersuchungen dieser angeblichen Spionageaffäre eigene Abteilungen gebildet. Ein Teil der nationalistischen Zeitungen Warschaus fordert, daß Skrzhnstt an die Reichsregierung eine scharfe Rote sendet. „Gazeta Marszawska" und „Rzespospolita" forben, daß Slrzynstt mit Deutschland in der „Mussolini Sprache" reden solle. Der Staat anwal . der die Hntersuchungen in Kattowitz leitet, wir' Mittwoch nach Wa^chau kommen, um der R gierung Bericht zu erstatten. Die deutsche Fraktion im Abgeordnetenhaus hat sich bis jetzt mit dieser Sache noch nicht beschäftigt. Die deutsche Fraktion im schlesischen Seym in Kattowih bereitet jedoch eine 3nterpellation vor. Die Meldung der polnischen Presse, daß der verhaftete Dergwerksdirettor Lamprecht sich in seiner Zelle erhängt haben soll, entspricht nicht den Tatsachen. Lamprecht ist heute nach seiner Haftentlassung gestorben. Die Todesursache muh erst noch festgestellt werden. Lin neuer deutsch-polnischer Streitfall. Bor dem Internationalen Gerichtshof im Haag. TM. Berlin, 15. Febr. Morgen beginnt vor dem ständigen 3nternationalen Gerichtshof im Haag der zweite Teil 'der dort gegenwärtig in der zehnten außerordentlichen Session verhandelten deutschen Klagen gegen den polnischen Staat. Es handelt sich darum, ob der polnische Staat berechtigt war, das Riesen st ick st offwerk Chorzow nach Artikel 256 des Versailler Vertrages entschädigungslos in eigenen Besitz zu übernehmen. Die Varaussehung hierfür hätte im Sinne des Vertrages nur dann Vorgelegen, wenn dieses Stickstoftwerk bei dem Mebergang Polnisch- Oberschlesiens an den polnischen Staat Reichs - eigentum gewesen wäre. Das Werk ist jedoch spätestens im 3ahre 1919 in privaten Bet' i tz übergegangen, dürfte daher von Polen nicht men. Die Voraussetzung hierfür hätte im Sinne Anspruch genommen werden. Polen hatte seine vermeintlichen Ansprüche auf derartigen früheren deutschen Staatsbesitz durch ein Gesetz vom 3uli 1920 zum Ausdruck gebracht. Kraft dieses Gesetzes hatte der polnische Staat u. a. den Desry von 4000 ehemaligen deutschen Ansiedlern annulliert. Die daraus entstandene deutschpolnische Streitfrage war bereits im 3 ah re 1923 im Haag zur VeLhandkung gelangt und der Gerichtshof hatte das polnische Mnrecht glatt fest- gestellt. Die Rechtslage in dem bevorstehenden Prozeß hat in manchen Punkten Verwandtschaft mit der damaligen. 3m Zusammenhang mit dieser allerdings bedeutsamen Einzelfrage, bei der cs sich um ein Hundertmillionenobjekt handelt, wird ferner von deutscher Seite die grundsätzliche Frage angefdmitten werden, in wieweit Ent- eignungsmahnahmen, auch wenn sie nicht als Liquidationen im Sinne des Versailler Vertrages gekennzeichnet sind, doch tatsächlich als derartige Liquidationen zu behandeln sind, für die der polnische Staat bekanntlich entschädigungs- pflichtig ist. Wenn der Haager Gerichtshof es für zweckmäßig findet, auch auf diese Prinzipienfrage einzugehen, würde damit eine grundsätzliche Rechtsauslegung von weittragender Bedeutung geschaften. Die Blage gegen die Reichsbahn. Berlin; 15. Febr. (TM.) Die von den Eisenbahnergewerkschaften gegen die Reichsbahn eingeleitete Klage zur Feststellung, ob die Reichsbahngesellschaft verpflichtet ist, den Schiedsspruch des Reichsarbeits Ministers anzuerkennen, liegt jetzt im Wortlaut vor. _ 3n der Begründung ihres Rechtsstandpunktes stützen sich die Kläger vor allem auf die Paragraphen 5, 19 und 44 des Gesetzes über die deutsche Reichs- bahngefellschaft, in denen es heißt: „Die auf dem Gebiet des Arbeitsfürsorge- und Dersicherungs- rechtes allgemein geltenden Gesetze und Verordnungen gelten, soweit sie nicht diesem Gesetz widersprechen, auch für die Beamten. Angestellten und Arbeiter der Gesellschaft." Es wird erklärt, daß bei allen Lohnverhandlungen der letzten Monate die Vertreter der Reichsbahn niemals einen Einwand erhoben hätten, daß die Reichsbahngeiellschaft etwa gegen das Schlichtungsverfahren und die für das deutsche Recht geltende Schlichtungsordnung Einspruch erhebe. Die Gesellschaft babs im Gegenteil versucht, dieses Schlichtungsver- sahren zu erweitern, um andere Fragen im Zusammenhang damit aufzurollen. Diese Tatsache allein sei schon ein ausschlaggebender Beweis dafür, daß die Reichsbahn bis zuletzt von der Rechtswirksamkeit des Schlichtungsverfahrens selbst überzeugt gewesen sei. Weiler heiht es in der Klage: Aus den gesetzlichen Bestimmungen ergibt sich, daß nie und nimmer bei den gesetzgebenden Organen des Reiches die Absicht bestanden hat, diesen ungeheuren, früher dem Reich gehörigen Betrieb, der nur aus bestimmten außenpolitischen Gründen in die Form einer Sondergesellschaft gebracht worden ist, mit seinen 190 000 Lohnarbeitern dem Geltungsbereich der sozialpolitischen Gesetzgebung des Deutschen Reiches zu e n 1 z i e h c n. Die Klage stützt sich auf die Gutachten des Reichsarbeitsministeriums, des Reichsverkehrsministeriums und sämtlicher Abgeordneten des Reichstages, die sich zu dieser Frage als Wortführer ihrer Partei geäußert haben. Deutscher Reichstag. Beratung des Verkehrsetats. Berlin, 15. Febr. Zweite Beratung des Haushaltes des Reichsvcrkehrsministeriums. Abg. Schütz (Komm.) verlangt Einstellung größerer Mittel für die Fortsetzung der angefangenen Kanal b-aUten. Diese Arbeiten würden die beste Gelegenheit für eine wirksame Hilfsaktion für die Erwerbslosen bieten. Mit der Fortsetzung des Lippekanals und der Fertigstellung der Werrakanalisierung würde Tausenden von Arbeitslosen Beschäftigung geboten und der Wirtschaft geholfen werden. Der Redner richtete dann heftige Angriffe gegen die Reichsbahnverwaltung. Die Korruption habe dort einen ungeheueren Umfang angenommen. Die leitenden Beamten der Reichsbahnverwaltung gehörten an die Laterne. (Der Redner erhält einen Ordnungsruf.) Schiebungen und die Annahme großer Geschenke seien dort an der Tagesordnung. 3n der Reichsbahn müsse gründlich Ordnung ge° schassen werden. Abg. Dr. Wieland (Dem.) begründet einen Antrag auf Besetzung des Postens des Staatssekretärs mit einem Techniker. Die Erhaltung und Erneuerung des Eisenbahnoberbau c s sei unzulänglich Ueber den Stand der Elektrifizierung der Dahnen müsse Auskunft erlangt werden. Auf dem Gebiet des Kraftfahrwesens dürfe das Reich kein Monopol einrichten. Für die kommenden Der- Handlungen über die internationale Regelung des Luftverkehrswesens müßten rechtzeitig die geeigneten- Sachverständigen gesucht werden. 3n der Automobilbesteuerung müsse das Reich einschreiten gegen die hohen Sondersteuern. Abg. Mollath (Wirtsch. Der.) erklärt, das Kanalneh müsse vervollständigt und der Ausbau der Hafenanlagen gefordert werden. Beim Wohnungsbau für die Beamten des Wasserschuhes sollten die Arbeiten in kleinen Losen vergeben werden, damit auch die Qualitätsarbeit des Handwerks dabei zur Geltung kommen kann. Abg. Groh (Zentr.) wünscht Weiterführung der Reckarkanalisierung. Deim Reichswasserschuh sei die Zahl der Vorgesetzten viel zu groß. Für die Ausgestaltung des Luftverkehrs sollte eine gemischt-wirtschaftliche DetriebSfvrm gewählt werden. Auf die Dauer werde aus der Reichsbahn kaum ein jährlicher Betrag von 600 000 000 Mark für Reparationsleistungen herausgeholt werden tonnen. Das Auswärtige Amt sollte auf eine gerechtere Verteilung der Reparationslasten hinwirken. Hm die Rechtsverhältnisse des Eisen- bahnpersonals zu verbessern, beantragen wir eine entsprechende Aenderung des Reichsbahngesehes. Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne betont die Schwierigkeiten der Reichswasserstra- henverwaltung, die sich daraus ergeben, daß 20 Prozent der deutschen Wasserstraßen in Preußen liegen, und daß die Derkehrsinteressen auf diesem Gebiet vielfach in enge Berührung kommen mit den Interessen der Landkultur. Das Ministerium sei unschuldig daran, wenn bisher aus Mangel an Anleihemitteln der Ausbau der Wasserstraßen nicht schnell genug vorgenommen werden konnte. Bei der Reichsbahnverwaltung werde eine Inventuraufnahme verlangt werden. Das Ministerium habe nicht die Absicht, den freien Wettbewerb der Kraftwagen Verkehrsgesellschaften durch ein Reichsmonopol aufzuheben. Im Sinne des Abg. Mollath werde schnell angeordnet. daß die im Bereich der Reichsbahn liegenden Berkaufsftände sich an die allgemein geltenden Verkaufszeiten halten, soweit ihre Waren nicht in unmittelbaren Bedarf der Reisenden liegen. Der Reckarkanal soll durchgeführt werden. Ein internationales Luftverkehrsabkommen werde die Zusttmmung der Regierung nur dann finden, wenn es unbedingte Gegenseitigkeit erwirkt. Ministerialdireftor Gutbrodt äußert sich über des Unglürf bei Oberhof. Die Untersuchungen über die Ursachen des Unglückes feien noch nicht abgeschlossen. Der Sicherheitsposten habe die Gruppenarbeiter rechtzeitig gewarnt. Sie seien aber auf das Gleise getreten, was nicht der Fall sein darf. Die Rottenführer seien mit Verbandszeug ausgerüstet gewesen. Die Zahl der Eisenbahnunfälle habe sich dem Vorjahre gegenüber vermindert und nähere sich schon der Zahl von 1913. Die deutsche Unfallstatistik der Eisenbahn biete ein wesentlich günstigeres Bild, als in anderen europäischen Ländern. Die Reuorganisati vn der Eisenbahn- Werkstätten sei notwendig gewesen, um auch die Uebernahme der Länderbahnen durch das Reich, eine gewisse Vereinheitlichung der Wagen- typen und die Durchführung der Rorrnung zu ermöglichen. Weitere Erfahrungen mit dem neuen System müßten erst zeigen, ob die davon erhofften Ersparnisse eintreten. Das Projekt der Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn sei jetzt neu bearbeitet worden, um eine den Verkehrsbedürfnissen entsprechende und nach den verfügbaren Mitteln mögliche Lösung zu erreichen. Abg. St ähr (D. völk.) erklärt, jetzt zeige sich die Berechtigung der von den Dawesgegnern gemachten Voraussage, daß die im Dawesplan uirs auserlegten Lasten von unserer geschwächten Wirtschaft nicht getragen werden könnten. Unerträgliche Zustände bei her Reichsbahn könnten erst geändert werden, wenn her ganze Dawespakt beseitigt ist. ReichsverkehrSminister Dr. Kröhne weist eine Bemerkung des Vorredners zurück, daß das Gehalt des Generaldirektors der Reichsbahn einschließlich der Sonderzulagen nicht 250 000 Mark beträgt, sondern nach einer Erklärung der Reichsbahngeselllchaft den Betrag von 1 000 00 Mark nicht erreicht. Weiterberatung Dienstag. Uns dem Haushaltausschutz des Reichstages. Berlin, 15. Febr. Der Haushaltausschuh des Reichstaas beriet heute den mündlichen Bericht des Ausschusses für die besetzten Gebiete über Maßnahmen zur Linderung der Notlage der Arbeiter im Saargebiet. Berichterstatter Abg. Hoffmann (Ludwigshafen — Zentr.) stellte einen Antrag, in dem die Reichsregierung ersucht wird, im Einvernehmen mit den beteiligten Länderregierungen von Preußen, Bayern und Oldenburg ausreichende Hilfsmaßnahmen zu treffen. Der Antrag wird bis auf das Verlangen nach Verfügungstellung von 1,5 Millionen angenommen. Es folgte die finanzielle Nachprüfung der Beschlüsse des Steuerausschusses bezüglich der beantragten Abänderung des Gesetzes über Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer vom 10. August 1925. Der Steuerausschuß halte beschlossen, daß das Reich den Bezirksfürsorgeverbänden mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober 1925 ob 90 Prozent der Kurzarbeiterunterstützung erstatten solle, anstatt wie bisher nur 80 Prozent. Die Bedürstigkeitsprüsung soll fürderhin in Fortfall kommen. Der Ausschuß genehmigte die vorliegenden Anträge und wandte sich der Beratung des Marineetats zu. Abg. E r s i n g (Zentr.) machte auf die Umtriebe bei der Industrie-Erzeugnis A.-G. aufmerksam, deren Geschäftszweig die Vertretung erster Firmen bei den Ausschreibungen der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden fein soll. Zum Aufsichtsrat dieser Gesellschaft gehören ein Staatssekretär a. D., ein Generalmajor a. D., ein Oberstleutnant a. D. usw. Diese Gesellschaft habe durch Rundschreiben mitgeteilt, daß sie mit Rücksicht auf die guten persönlichen Beziehungen zu den maßgebenden Behörden bei den behördlichen Ausschreibungen große Aufträge vermitteln können, wofür sie eine Provision von 2 Prozent verlangen. Mit den schärfsten Mitteln solle der Reichswehrminister dagegen ein- schreiten. Reichswehrminister Dr. G e ß l e r versicherte, daß er der Sache mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln nachgehe. Schon jetzt könne er mitteilen, daß die genannte Firma bei der Marine völlig unbekannt sei. Abg. H ü n l i ch (Soz.) verlangte die Wiedereinführung eines unanfechtbaren und korrekten Systems der behördlichen Aufträge. Abg. Dr. Schreiber (Zentr.) erklärt, die Fahrten deutscher Kreuzer ins Ausland hätten das Ansehen Deutschlands gesteigert. Die R e k r u t i e - rung der Mannschaft müsse fich auf alle Landesteile erstrecken. Der Bauplan sei mit größter Klarheit zu entwickeln. Die sanitäre Lage der Torpedobootsbesatzungen müsse gebessert werden. Abg. Kreutzburg (Komm.) wandte sich gegen die Vermehrung der Offiziersstellen in der Marine. Die Lage der Mannschaften müsse statt dessen gebessert werden. Hierauf vertagte sich der Ausschuß auf Dienstag. Die Steuersenkung. Eine Unterredung mit dem Reichsfinanzmiuifter. Leipzig, 16. ^ebr. (IM.) Reichsfinanzmiuister Dr. Reinhold erklärte einem Vertreter der „Reuen Leipziger Zeitung", er erwarte wesentliche Rückwirkungen seiner Steuersenkungsplane auf die allgemeine Wirtschaftslage und die Finanzen der Länder und Gemeinden, da von der geplanten Steuersenkung eine Ankurbelung der Gesamtwirtschaft erhofft werden könne, die den Finanzen der Länder und Gemeinden schließlich wieder durch Steuererträgnisse zugute kommen wird. Dec Hauptgedanke bei der Steuerreform fei, der Wirtschaft die dringend notwendige Atempause durch Erleichterung besonders drückender Steuern zu gewähren. Wit besonderem Rachdruck betonte Dr. Reinhold, daß die Länder und Gemeinden energische Anstrengungen zur Einschränkung des Verwaltungsapparats und zur Senkung feiner kosten machen müßten. Die Verwaltungsresorm müsse seht kommen. Von der Erteilung des Zuschlagsrechtes zur Einkommensteuer erhofft der Reichsfinanzminister eine weitere Stärkung des finanziellen Selb ft Verantwortungsgefühls der Länder und Gemeinden und damit einen verstärkten Druck in der Richtung der angestrebten Detroal- lungsvereinfachung. Die angekündigten Gesetzentwürfe über die Ermäßigung verschiedener Reichssteuern sind fertiggesiellt und befinden sich zur Zeit beim Reichskabinett, das in nächster Zeit dazu Stellung nehmen wird. Glückwünsche zur Ausreise der „Hamburg". Hamburg, 15. Febr. (WTB.) Aus Anlaß der Ausreise des Kreuzers „Hamburg" sind an Bord Glückwunschtelegramme des Reichspräsidenten und des Reichswehrministers eingetroffen. Der Reichspräsident telegraphierte: Den Kreuzer „Hamburg" und seine Besatzung begleiten meine besten Wünsche zur Fahrt um die Welt. Wöge die deutsche Flagge zur Ehre unseres Vaterlandes wehen, wo es auch immer sei. Darauf antwortete der K o m m a n d a n t: Im Augcn- blick des Auslaufens zur Weltreise erneuern der Kommandant, die Offiziere und die Besatzung des Kreuzers „Hamburg" ihr Gelübde unverbrüchlicher Treue. Möchten bei der Heimkehr weitere Fesseln unseres Volkes und des Vaterlandes gefallen sein. * Das Glückwunschtelegramm des Reichs- w e b r m i n i ft e r s hat folgenden Wortlaut: Dem Kreuzer „Hamburg" wünsche ich gute Fahrt und glückliche Heimkehr. Hlögc das Auftreten des Schiffes überall der deutschen Flagge Ehre machen, die Bande alter Freundschaft enger knüpfen und neue Freunde werben. Der stolze Rame der Hansestadt, den das Schiff führt, sei ihm ein Ansporn zu unverzagtem, zielbewuß- tem und kraftvollem Handeln. Vom Kreuzer „Hamburg" wurde daraus geantwortet: Der Kommandant, das Offizierkorps und die Besatzung danken gehorsamst für die guten Wünsche anläßlich der Ausreise des Schulkreuzers und geben die Versicherung, allezeit in fernen Landen in Dem Streben zu wetteifern, das in sie gesetzte Vertrauen voll zu rechtfertigen. Ein Abstimmungssieg Briands. Paris. 16. Febr. (WTB. Funkfpruch.) Mm 6.35 Uhr früh hat die Kammer über die angenommenen Teile des Finanzgefetzentwurfes, deren Er- ! trag mit 1,6 Milliarden Franken beziffert wird, * abgestimmt. Ministerpräsident Briand stellte die Vertrauensfrage. Der Gefehenkwurs wurde mit 258 gegen 145 Stimmen angenommen. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident hat den deutschen Gesandten in Bern Adolf Müller zum Vortrag empfangen. Beim Reichstagspräsidenten Loebe fand am Montagabend ein Bierabend statt, zu dem u. a. Reichspräsident von Hindenburg, Reichskanzler Dr. Luther und die übrigen Reichsminister erschienen waren. Der Reichskanzler hat folgendes Telegramm an den Reichstagsabgeordneten Prof. H o e tz f ch gerichtet: „Herzliche Glückwünsche zur Vollendung des 50. Lebensjahres. Daß Ihnen im öffentlichen Leben und als Lehrer unserer akademischen Jugend noch lange Jahre erfolgreicher Tätigkeit zum Besten des Vaterlandes befchieden fein möchten, ist mein aufrichtiger Wunsch." Das Meineidsverfahren gegen Oberbürgermeister Dr. Luppe -Nürnberg ist von der Strafkammer Nürnberg eingestellt worden. „Agenzia di Roma" erklärt, daß Italien die Durchführung der internationalen Konvention über den Achtstundentag weiterhin in suspenso lasse, weil Frankreich nur eine bedingte Ratifizierung vorgenommen, England sie nicht ratifiziert habe und die Schweiz erklärt habe, sie nicht ratifizieren zu können. Durch königliches Dekret ist der jugoslawische Gesandte in Berlin, B a l u t s ch i t s ch , zum Gesandten in Rom und der gegenwärtige Gesandte in Rom beim Vatikan, Sinodlaka, zum Gesandten in Berlin ernannt worden. Aus aller Wett. Eine Rerchswohnungszählung. O Berlin, 1 . Febr. Wie wir hören, soll im kommenden Frühjahr in allen Gemeinden mit 5000 und mehr Einwohnern eine Reichs- wohnungszählung durchgeführt werden. Den Ländern ist es überlassen, diese Zählung auch auf solche Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern zu erstrecken, die 1. in Industriebezirken oder in der Rähe solcher Bezirke liegen und 2: für die besondere Verhältnisse maßgebend sind. Beim Spielen mit einer Handgranate getötet. In einem Dorfe bei, Glogau fanden Kinder aus einem Felde eine Eierhandgranate. Als sie sich dann m der Wohnung an dem Sprengkörper zu schassen machten, explodierte dieser und verstümmelte zwei Kinder in grauenhafter Weise. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die übrigen im Zimmer befindlichen drei Kinder wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Schweres AutomobilungMck. Ravensburg, 16. Febr. (W.T.B. Funkspruch.) Infolge Reifenbruchs fuhr bei Weingarten ein PersonemAuto nachts gegen einen Baum und wurde beschädigt. Der Besitzer, der den Wagen selbst lenkte, Fabrikant Halmer aus Ravensburg, war sofort tot. Zwei Mitinsassen wurden schwer verletzt. Ein schweres Grubenunglück verhütet. Auf noch ungeklärte Weise verstopfte sich auf der Grube Kreuhwald in Lothringen der Luftzufuhrkanal. Die im Schacht arbeitenden Bergleute brachen nach und nach infolge Mangels an frischer Lust ohnmächtig zusammen. Glücklicherweise konnten einige Bergleute Hilfe herbeirufen. Die Bewußtlosen wurden zutage geschasst, wo sich der größte Teil von ihnen wieder erholte, während einige Arbeiter ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Große Wald- und Steppenbrände in Australien. Infolge der außerordentlich hohen Temperatur sind im Staate Victoria große Strecken Wald und Buschsteppe in Brand geraten. 23 Personen sind verbrannt. Weitere werden vermißt. Der Kölner Karnebal. Trotz Geldknappheit und Polizeivorfchristen hat sich der Kölner auch in diesem Jahre sein altverbürgtes Recht auf den Karneval nicht nehmen lassen. Oeffentliche Umzüge, wie sie die Bevölkerung von früher gewohnt ist, sind zwar verboten, aber dafür ist das Treiben in den Lokalen um so größer. Am Samstag fand der große öffentliche Maskenball der „Großen Kölner" in der Messehalle statt, an dem sich weit über 7000 Personen beteiligten. Es war der größte Karnevalsball, der je in Köln abgehalten worden ist. Am Sonntagabend nahm der Andrang zu den Festlokalen noch bedeutend zu. Vor den großen Gaststätten und Kaffees drängten sich die Menschen schon in Öen frühen Abendstunden und warteten stundenlang auf Einlaß. Ein Irankenfälscher in Hamburg verurteilt. Der 30jährige frühere österreichisch-ungarijche Jlieaerleutnant von O l ch w a r y , der am 9. Dezember mit 500 falschen Tausendfranknoten im Auftrage des ungarischen Obersten I a n k o w i t s ch nach Kopenhagen gereift war und von dort sich nach Hamburg begeben hatte, wo seine Festnahme erfolgte, wurde von dem Hamburger Schöffengericht wegen Verbreitung von Falschgeld zu vier Monaten Gefängnis und wegen Paßvergehens zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Eifersüchtige Pferde. In Gemünden erlebte ein Gastwirt, der sich ein neues Pferd getauft hatte und dieses zu den' beiden anderen in feinen Stall stellte, als er am anderen Morgen den Stall betrat, die unangenehme Ucberraschung. daß der Reuling mit entzwei geschlagenem Schenkel aut Boden lag. Das Unglüd war von den beiden anderen Pferden, die in dem Reuangekoinmenen einen unerwünschten Konkurrenten erblickt haben mochten, angerichtet worden. Wettervoraussage. Meist bedeckt und neblig, milde, westliche Winde, noch Regenfälle. Ausläufer des westlichen Tiefdruckgebietes, das sich mit seinem Kern nordöstlich verlagert, führen warme feuchte Luft in unser Gebiet. Der Witterungscharakter dürste auch morgen wenig Aenderung erfahren. Gestrige Tagestemperaturen: Marimum: 7.5 Grad Celsius, Minimum: 4,3 Grad Celsius. Riederschläge 2,4 Millimeter Heutige Morgentemperatur 5,3 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 16. Februar 1926. Die Lahnkanalisierung. Zur Erörterung des für das Lahn- und Dillgebiet außerordentlich bedeutsamen Problems der Lahnkanalifierung hatten die Ortsausschüsse des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Gießen-Wehlar auf gestern vormittag eine Konferenz anberufen, die in Wetzlar im Gasthaus „Zum Riesen" stattfand. Mit dieser Tagung wollten die Vertreter der Arbeitnehmer bekunden, daß auch sie die Lahnkanalisierung als eine Aufgabe ansehen, die im Interesse unserer Wirtschaft, auch zum Ruhen der Arbeiterschaft, baldmöglichst gelöst werden muß. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend gatt es zu dem Problem Stellung zu nehmen. Der Sitzung wohnten als offizielle Persönlichkeiten bei: Oberregierungsrat Dr. Heß (Gießen) als Vertreter der Hess. Regierung, der Provinzialdirektton Oberhessen und des Kreisamtes Gießen, Beigeordneter Dr. -H a m m für die Stadt Gießen, Landrat Geh. ReAffbungsrat Dr. Sartorius (Wetzlar) als Vertreter des Kreises Wetzlar, Stadtrat Winkelmann (Wetzlar) als Beauftragter der Wetzlarer Stadtverwaltung, Handelskammersyndikus Dr. Zeidler (Gießen) als 03ertretet der Industrie- und Handelskammer für Gießen, Alsfeld, Lauterbach. Ferner waren Deichstagsabgeordnete, preußische und hessische Landtagsabgeordnete, Stadtverordnete usw. erschienen. Direktor Banfa (Limburg), der bekannte Vorkämpfer des Lahn-Kanal-Dereins, hielt einen tiefgründigen, fesselnden Vortrag über das Problem der Lahnkanalisierung, das er in wasser- und schiffbaulicher Hinsicht, aber auch in bezug auf Finanzierung, Wirtschaftlichkeit, Ausnutzung der Wasserkraft usw. recht eingehend besprach. Die grundlegenden Ausfiihrungen des Redners deckten sich mit seinem Aufsatz, den' er in der Jubiläums-Ausgabe des „Gießener Anzeigers" Ende Oktober v. Is. veröffentlichte. Als neues Moment stellte der Vortragende jetzt die große Erwerbslosigkeit mit in den Kreis, und zwar in den Vordergrund feiner Betrachtungen. Es komme jetzt darauf an, dieser ungeheuren Arbeitslosigkeit mit aller Kraft entgegenzutreten. Das könne nur durch Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten geschehen, und zwar durch produktive Arbeit, damit auch der Allgemeinheit Ruhen daraus erwachse. Ein umfangreiches und produktives Arbeite lebi'-: s-n die La h n ka n a l i s i e r un g: hier könne den notleidenden Erwerbslosen geholfen und der Allgemeinheit ein großer wirtschaftlicher Gewinn verschafft werden. Da die Kanalisierung der ganzen Lahnstrecke bis nach Gießen herauf der hohen Kosten wegen (heutige Berechnung 22 Millionen Mark!) jetzt nicht möglich ist, schlug der Redner vor, zunächst wenigstens den ersten Bauabschnitt, der bis Limburg reicht, fertigzustellen, wofür rund 4,5 Millionen aufzubringen seien, den zweiten Bauabschnitt von Limburg bis Gießen aber einstweilen noch zurückzustellen. Wenn von feiten des Reiches und des Staates geholfen werde, dürfte die Finanzierung des ersten Bauabschnitts auch heute noch möglich fein. Man könne dann vielen Arbeitslosen helfen und außerdem auch die erste Stufe zu einem Werk schaffen, das dem ganzen Lahn- und Dillgebiet zum Segen gereichen werde. An der Aussprache beteiligten sich u. a. die Abgg. Wittich (Frankfurt), Fries, Röhle (Frankfurt), Hütt mann (Frankfurt), Frau Ege (Frankfurt), Oberregierungsrat Dr. Heß als hessischer Vertreter, Landrat Geh. Regierungsrat Dr. Sartorius (Wetzlar), Stadtrat Winkelmann (Wetzlar) und Gewerkschaftskartell - Vorsitzender Ottilie - Gießen. Sämtliche Redner sprachen ihre Sympathie mit dem Projekt aus und anerkannten die Rotwen- digkeit einer baldmöglichen Durchführung des Vorschlags des Referenten. Insbesondere sagten die Abgeordneten ihr nachdrückliches Eintreten fjir diese Dache in den Parlamenten zu. Von Herrn Ottilie wurde hervorgehoben, daß auch die Abgg. Dr. Decker, Dr. Werner, LI l r i ch, Dr David und Dr. Q u e s s e l als hessische Reichstagsabgeordnete ihre toeitgebenbe Förderung dieser Pläne zugesagt haben. Im Anschluß an die sehr gründliche Aussprache fand die nachstehende Entschließung einstimmig Annahme: „Die heute, am 15. Februar, in Wetzlar im Lokale „Zum Riesen" tagende Konferenz, einberufen von den Gewerkschaftskartellen Gießen- Wetzlar, begrüßt mit Genugtuung die guten Vorarbeiten für den Ausbau des Lahnkanals, wie dies von Herrn Direktor B a n s a - Limburg (Lahn) vorgetragen wurde. Die Anwesenden fordern im Auftrage der von ihnen vertretenen Behörden, Korporationen und Organisationen, daß im Interesse der Wirtschaft und der durch die Erwerbslosigkeit in große Not geratenen Bevölkerung sofort mit dem Ausbau des Lahnkanals begonnen wird. Die zuständigen Reichs- und Staatsbehörden werden dringend gebeten, hierzu im Wege der produktiven Ermerbslosenfürforge usw. ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen." Wir begrüßen es. daß auch die Arbeitnehmerschaft durch ihre Spitzenvertretungen im hiesigen Bezirk in wohlverstandener Gemeinsamkeit der Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in dieser Angelegenheit nunmehr kräftig mitwirkt bei dem Kämpfen für das große Ziel, dessen baldige volle Erreichung wir dem Lahnkanalverein und allen seinen Mitstreitern von Herzen wünschen. Gießener Wochenmarktpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 170, Matte 25 bis 30, Käse 65 bis 140, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 20, rote Rüben 20, Spinat 35, Unter- Kohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 30, Rosenkohl 60, Feldsalat 100, Zwiebeln 20, Meerrettich 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 30, Birnen 30, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120 Pf. Salat 40, Endivien 50, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, bas Pfund: Eier 14, Blumenkohl 60 bis 180, Lauch 15, Sellerie 20 bis 60 Pf. das Stück. Vornotizen. Tageskalender für Dienstag. Stadttheatcr: 71 Uhr, „Der wahre Jacob". (Ende 9:1i Uhr.) — „2) e r Lebensraum des deutschen V o I f e s" ist das Thema des zweiten der öffentlichen Vorträge, dis dis V o l k s h o ch ich u I c veranstaltet. Stubienrat Dr. König (Gießen-, der einen Lehrauftrag für Grenz- und Auslanddeutsch- ium an der Universität hat, wird sprechen. Er ist Metzen — Krofdorf — Fellingshausen. 11‘ dieser. usw. Obst- und Gartenbau. — 2e- Steinberg. und eine kämpfung der Tuberkulose. — Feldbercinigung Allendorf a. d. L. — Gewerbebetrieb der Dienst- wärmer in der Stadt Gießen. — Dienstnachrichten. von Wanderungen. Sonntagsspaziergängen eine sehr gute Einrichtung sein wird. Am guten Ende des Ringens Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Dietzen. Stadtkirche. Mittwoch, 17. Februar. Abends 6 lUjr: Passionsgottesdienst. Pfr. Becker. sprechen. Die Gemeinden Gießen. Krofdorf und Fellingshausen haben mit dieser Tat einen Eintrag in ihre Geschichte vorgenommen, dem nicht nur die heute am Ruder stehende Generation Beifall zollt, sondern auch die Nachkommen ihre Anerkennung nicht versagen werden, denn was hier geschah, war eine ganze Tat! Möge sie nun bald in Crumbach und Frankenbach Nachahmung finden, damit auch die dortigen Einwohner teilnehmen können an den trotz aller Bedrängnis errungenen Fortschritten des Berkehrs. Der Fahrplan. Borgesehen sind zwischen Gießen und Krofdorf an Werktagen sechs, an Sonntagen fünf Fahrten in jeder Richtung, von denen werktags drei, sonntags zwei bis Fellingshausen durchgeführt werden: Ab Gießen (Bahnhof) W. 6.52. 8.30, 1.30, 5.30, 6.55. 10.30; an Krofdorf (Apotheke) W. 7.10, 8.50, 1.50, 5.50, 7.15, 10.50; an Fellingshausen W. 7.24, 2.04, 6.04. Ab Fellingshausen W. 7.28, 2.06, 6.17; ab Krofdorf (Apotheke) W. 6.30, 7.42, 12.00, 2.20, 6.31, 9.30; an Gießen (Bahnhof) W. 6.50, 8.02, 12.20, 2.40, 6.49, 9.50. stehend, möchten auch wir den Gemeinden der Reichspoft unsere besten Wünsche für gedeihliche Wirksamkeit dieses verkehrspolitisch außerordentlich bedeutsamen Instruments aus- Aus dem Amtsverkün-igungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 13 vom 12. Februar enthalt: Wiesenrundgänge. — Deterinärpolizeiliche Beaufsichtigung der Zuchthengste. -- Erhebung von Deckgeld. — Amtstierärztliche Untersuchung von Bieh in Sperr.- und Beobachtungsgebieten. — Maul- nnd Klauenseuche in Obbornhofen, Lang-Göns, Steinheim, Utphe. Londorf und Watzenborn- s e n s hielt am Donnerstag im Palastlichtspielhaus einen Bortragsabend, bei dem Polizeioberleutnant Götzinger - Frankfurt a.M. über die Fragen: „Braucht Deutschland Kolonien" und „Konnte Deutschland kolonisieren"? sprach. Rach der Auffassung des Redners bedingt vermehrter Bevölkerungszuwachs neues Land. Deutschland sei die Möglichkeit genommen, sich kolonial zu erweitern. Der Besitz von Kolonien sei aber für Deutschland Lebensbedürfnis. Kolonien seien wirtschaftlich von größter Bedeutung, Kvlonialfrage sei Dolkwohl- • sahrtsfrage. Wir brauchen nach der Ansicht des Bortragenden Kolonien 1. um Erzeugnisse von dort zu beziehen, 2. deutsche Waren dorthin ab- stoßen und dafür Rohstoffe zu erstehen, und 3. um Bevölkerungsüberschuh dort uüterzubringen. Leider habe mack sich über den Berlust der Kolonien ziemlich leicht hinweggesetzt. Redner schil- j -'"Je dann die Gründung und Entwicklung unseres früheren Kolonialbesitzes, die Berwaltungs- ■ rganisation, Rechtspflege und die vielseitige Möglichkeiten der wirtschaftlichen Ausbeutung. Cie Behauptung unserer Feinde, Deutschland lonne nicht kolonisieren, sei erlogen, das sei Amtsgericht Gießen. Ein Setzer hatte an seinem Küchenfenster ohne Zustimmung des Hausherrn ein Wäschegestell anbringen lassen, dessen Entfernung durch letzteren verlangt wurde. Zufällig wollte an dem gleichen Tage der Hausherr, der nur eine Hand hat, zusammen mit einem anderen Mieter eine Gerüststange, die seither zur Stützung eines Obstbaumes gedient hatte, an dem Hause aufstellen. Als der Schwiegersohn des Setzers dies bemerkte, nahm er offenbar an, der Hausherr wolle das Wäschegestell gewaltsam entfernen, und rief ihm deshalb zu, er möge sich sofort aus dem Hofe entfernen, sonst werde er ihm kochendes Wasser auf den Kops schütten. Seiner Drohung ließ er auch sofort die Tat folgen und schüttete einen Topf kochendes Wasser nach dem Hausherrn, wodurch dieser, seine Frau und der Mieter, der die Stange aufstellen half, durchnäßt wurden. Als nun der Schwiegersohn seiner Frau zurief, sie möge ihm noch em en Topf kochendes Wasser geben, ließen die im Hof befindlichen Perherzlicher Dank gesagt den Herren Beigeordneten Dr. Hamm, Bürgermeister Drockmeier und Beigeordneten Förster Möller-Krofdorf, der Reichspostverwaltung in Darmstadt und Gießen, den Verwaltungen und Körperschaften vonGießen. Krofdorf. Fellingshausen, dem Derkehrsvevein und der Presse, die allesamt mit ganzer Kraft für das Zustandekommen der Linie sich eingesetzt haben; es wurden die engen wirtschaftlichen Beziehungen der beteiligten Gemeinden treffend hervorgehoben und dabei den allgemeinen Wünschen, daß durch das neue Verkehrsmittel diese Verbundenheit noch inniger werden möge als bisher zum Vorteil aller beteiligten Gemeinden, Ausdruck gegeben; und schließlich kam in allen Reden die frohe Hoffnung zu Wort, daß diesem Unternehmen als Mittler in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht »Glückhast Fahrt allewege" beschieden sein möge. Im Namen der Gäste dankte Beigeordneter Dr. Hamm- Gießen der Gemeinde Fellingshausen für die liebenswürdige Gastfreundschaft in herzlichen Worten, die von dem Beifall der ausgezeichnet Bewirteten unterstrichen wurden. Nach freundlichem Abschied von den Fellingshäuser Einwohnern gings nun zurück nach Krofdorf. Hier bereiteten Bürgermeister Brockmeier und die Gemeindevertretung Krofdorf-Gleiberg den Gießener Güsten noch eine besondere Hefter- raschung durch die Einladung zu einem gemeinsamen Abendessen, ilnö bald zeigte sich, daß man auch in Krofdorf die Gastfreundschaft in großzügigster und fürsorglichster Weise zu üben versteht, die den Gastgebern zu schönstem Lobe gereicht. Vortreffliche Speisen, ein gutes Glas Bier, herzlicher Willkommengruß von dem Beigeordneten Förster Möller, eine ebenso herzliche Dankesrede des Stadtv. Prof. Dr. Kraus- müller- Giehen an die gastgebende Gemeinde und eine zwanglose Plauderstunde machten das Beisammensein mit den Krofdorfer Herren zu einem prächtigen Abschluß des denkwürdigen Tages. Gegen 8 Uftr erfolgte die Rückfahrt nach Gießen, die den Eindruck hinterließ, daß das neue Verkehrsmittel auch für die abendliche Heimkehr zugegeben worden. Deutschland habe die Bewohner der Kolonien nie unterdrückt, das hafte bei Ausbruch des Krieges die große Anhänglichkeit der Kolonialbewohner Deutschland gegenüber bewiesen. Die in den Kolonien eingeführte Rechtspflege sei den Verhältnissen angepaßt gewesen und in jeder Hinsicht gerecht durchgeführt worden. Deutschland habe auf allen Gebieten, besonders auch in Kulturfragen ersprießliche und vorbildliche Arbeit geleistet. Die interessanten Ausführungen des Referenten wurden durch Vorführung von Lichtbildern aus unseren früheren Kolonien wesentlich unterstützt. Zum Schluß betonte der Redner noch die Notwendigkeit der Wiedererlangung unserer früheren Kolonien für die Erfüllung unserer Verpflichtungen den Feinden gegenüber und die Wichtigkeit der Erstarkung des kolonialen Gedankens im deutschen Volke, insbesondere in der deutschen Jugend. Amtsgericht Wetzlar. Q Zwei Wetzlarer Kaufleute waren unter der Beschuldigung der Steuerhinterziehung, wonach sie Rauchwaren in den freien Verkehr gebracht haben sollen, ohne diese mit den vorgeschriebenen Steuerzeichen zu versehen, durch das Hauptzollamt Marburg Strafbefehle über je 15176 Mark Geldstrafe zugestellt worden. Hiergegen beantragten sie gerichtliche Entscheidung. Die Verhandlung ergab folgen den Sachverhalt: Die 2(ngesagten konnten als Inhaber eines Tabaksteuerlagers Tabakwaren unoer- teuert auf das Lager nehmen. Als solche muhten ie die Tabakwaren bei dem Uebergang in den reien Verkehr versteuern. Bei einer im Oktober 1924 durch einen Zollbeamten vorgenommenen Bestandsaufnahme sowie bei der im Januar 1925 durch den gleichen Beamten erfolgten Abrechnung wegen Aushebung des Lagers wurden erhebliche Fehlmengen (5640 Stück Zigarren, 58 291 Stück Zigaretten und 1,4 Kg. feingeschnittener Tabak) festgestellt. Diese Fehlmengen waren steuerpflichtig. Welcher Steuersatz für diese Fehlmengen in Fra^e kam, ließ sich nicht feststellen; es war daher gemäß Tabaksteuergesetz der höchste für den Betrieb der Angeklagten in Frage kommende Steuersatz zugrunde zu legen. Demgemäß erhielt jeder der Angeklagten einen Steuerbescheid über 3794 Mk. zu- gestellt. Beide Angeklagten bestritten, Tabakwaren iinoerfteuert von ihrem Lager abgegeben zu haben. Während einer der Angeklagten erklärte, es sei einmal eine größere Menge (10 OOO Stück) unbrauchbarer Zigaretten an eine Firma zurückgegangen, führte der andere Angeklagte die Fehlmengen auf Diebstähle durch einen Arbeiter der Firma zurück. Durch einen Zeugen wurde jedoch festgestellt, daß gelegentlich eines Festes in Wetzlar durch die Angeklagten erhebliche Mengen unversteuerter Tabakwaren verkauft worden sind, der Zeuge selbst hatte seinerzeit größere Mengen unversteuerte Rauchwaren in bereits versteuerte alte Schachteln umgepackt. Auch sind einem Wirt Zigaretten ohne Banderole geliefert worden. Hiernach sah bas Gericht die Angeklagten als überführt an und erkannte gegen jeden auf die gesetzlich vorgeschriebene Strafe — das Vierfache der hinterzogenen Steuer — 15 17 6 Mark Geldstrase, hilfsweise für je 500 Mark ein Tag Gefängnis, sowie Auferlegung der Kosten des Verfahrens. Landwirt erhob daraufhin Prioatklage gegen den ^chmiebemeifter wegen Beleidigung. Die Parteien oerftänbigten sich bahin, daß letzterer feine Aeuße rungen mit Bedauern zurücknimmt und die geseh- lichen Kosten des Verfahrens und außerdem hie Hälfte des Sonderhonorars des Vertreters des Pri vatklägers trägt. Die andere Hälfte übernimmt bei Hupen, Heiserkeit, Katarrh einer der besten Kenner auf diesem Gebiet, das aerobe auch heute für jeden Deutschen von größtem Interesse ist. Der Vortrag findet am kommenden Samstag statt. Näheres in der heutigen Anzeige. — Sakuntala im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterftureau wird uns geschrieben: König Kalidasas Schauspiel „Salun- tala", das am morgigen Mittwoch hter zum ersten Male in Szene geht, wird zur Zett an verschiedenen größeren Bühnen gegeben, Da zwei Hebersehungen bzw. Bearbeitungen in letzter Zeit Dieses aus dem sechsten Jahrhundert unseres Zeitrechnung stammende Werk in den Vordergrund des literarischen Interesses geruckt haben. Unsere Bühnenleitung hat die Ileftersetzung von Rolf Lauckner gewählt, weil diese sich am meisten an das Original hält und so ein hochinteressantes Kulturbild aus dem alten Indien bietet ähnlich wie es Klabund mit seinem Kreidekreis" mit dem chinesischen Milieu ge- i’unoen ist. Der teilweise epische und lyrische Charakter des duftigen Märchendramas hat aber die Spielleitung zu Strichen veranlaßt, wie andererseits einige kleine Szenen, die in der Laucknerschen Bearbeitung epische Formen trage.i, dramatisch wiedergegeben werden. Die Titelrolle hat Frl. Heym inne, die zweite Hauptrolle Königs Herr Hanke. Die meisten ersten Kräite sind außerdem in den wichtigen Neben- fotlen beschäftigt. — Für die Einstudierung wurde nach Angaben des Spielleiters (Intendant Steingoetter) eine neue Ausstattung hergestellt, die in der Ausführung durch die Herren Karl Löffler, Ludwig Keim und Friedrich B o e ck wirklich sehenswerte, märchenhafte Bilder zeigen wird. Die Bühnenmusik rührt von Herrn Hermann Weller her — Evangelische Volksgemeinschaft. Nächsten Donnerstagabend im „Hindenburg" öffentliche Versammlung mit Vorträgen. Nachmittags im gleichen Hause Kreis-Versammlung. und der einen Hand, so baß blutende Wunden entstanden. Der Getroffene rief der Frau des Hausherrn daraufhin zu „Giftweib, alte Schachtel", während seine Fran rief: „Wer weiß, wer uns die beiden Fahrräder gestohlen hat". Am nächsten Morgen verlangte der Hausherr von dem Setzer die Ent-/ fernung des Wäschegestells, worauf dieser ihm erwiderte: „Du hast mir überhaupt nichts zu sagen, du hast dich an fremden Eigentum vergriffen, die Rader sind uns gestohlen worden, du kannst Mein und Dein nicht unterscheiden." Wegen Beleidigung wurde der Setzer zu einer Geldstrafe von 4 0 M k., seine Tochter zu einer solchen von 30 M k. und sein Schwiegersohn zu einer solchen von 3 0 und 40 Mnrk verurteilt. Der Hausherr wurde non der Widerklage der Körperverletzung freigesprochen. Ein Mädchen von hier hat einen Monteur, bei dem es früher gewohnt hat, wegen Beleidigung verklagt, weil er behauptet hatte, es und feine Freundin seien schlechte Menschen, es habe Fleisch auf unrechtmäßige Weise erworben. Der Monteur nimmt die beleidigenden Aeußerungen Zurück und bezahlt sämtliche Kosten. — Ein junger Kaufmann von hier war mehrere Monate bei einem Automobilhänoler in Stellung. Letzterer behauptete in einem Brief an den Vater des ersteren, sein Sohn habe eine Reihe von Geldbeträgen in seinem Geschäft vereinnahmt und veruntreut. Daraufhin wurde gegen den Auto- mobilhändler Privatklage erhoben, die dieser mit einer Anzeige wegen Unterschlagung an die Staatsanwaltschaft beantwortete. Mit Rücksicht hieran muh gemäß gesetzlicher Vorschrift das Verfahren wegen Beleidigung so lange ausgesetzt werden, bis das Verfahren wegen Unterschlagung bei der Staatsanwaltschaft erledigt ist. Ein Schmiedemeister in einem Dorfe bei Gießen hatte an einen dortigen Landwirt eine Forderung. Dieser machte eine Gegenforderung geltend. Ersterer schickte daraufhin dem Landwirt einen Brief, in dem er ihm unter anderem schrieb: „Warum haben Sie mir nicht gleich Ihre Rechnung vorgelegt und kommen jetzt erst nach Z Jahren, wo Sie bezahlen sollen. In der Bibel heißt es, der Gottlose borgt und bezahlt nicht. Was könnte ich noch alles zur Rechnung bringen, aber mit Dreck wird man nicht rein.' Der RDV. Fahrkarten im Reisebureau. Wie aus Anfragen heroorgeht. bestehen in den Kreisen des reisenden Publikums noch vielfach Zweifel darüber, ob die Fahrkarten im Reisebureau zum amtlichen Preise ohne Gebührenzuschlag verkauft werden. Der Auskunftsbeamte des Reisebureaus macht häufig die Erfahrung, daß der Reisende in höflicher Weise auch nach den Gebühren für die Auskunfterteilung fragt und erstaunt darüber ist, daß er jede gewünschte Reiseauskunft k o st e n l o s, und jede Fahrkarte, auch für die 3. und 4. Wagenklafse, zu amtlichen Preisen erhält. Es sei daher darauf hingewiesen, daß das Mitteleuropäische Reiseburea (MER) und seine zahlreichen Vertretungen in allen größeren und kleineren Städten das Alleinrecht des Fahrkartenverkaufs außerhalb der Bahnhöfe der Deutschen Reichsbahn besitzt, und daß an diesen Fahrkartenaus- gabestellen alle Fahrtausweise für das In- und Ausland zum amtlichen Preise erhältlich sind. Für Entfernungen von mindestens 600 Kilometern (bei geschlossenen Rundreisen, die an den Ausgangspunkt zurückführen, schon bet 300 Kilometer) können die sogenannten „MER-Fahrscheinhefte", gleichfalls zum amtlichen Preise, zusammengestellt werden. Diese Fahrscheinhefte ermöglichen die Abfertigung des Reisenden auch für Umwegs-, Zickzack- und Rundreisen. Sie haben eine Gültigkeitsdauer von 60 Tagen und gestatten dem Reisenden, innerhalb der Gültigkeitsdauer seine Fahrt beliebig oft zu unterbrechen. , . , WSN. Die Zahl der Kriegsbescha» digten in Hessen-Nassau und Hessen. Nach einer Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts gibt es zur Zeit in Hessen-Nassau, Hessen und Waldeck insgesamt noch 44 073 versorgungsberechtigte Kriegsbeschädigte. Die ;-ai)l derjenigen, die ein Bein verloren haften, beträgt 2211, einen Arm haften 1020 Personen verloren. Beide Beine werteren haften 92, beide Arme 2. beide Augen 141 Personen. Die Zahl der Versorgungsberechtigten, die sich im Kriege Lungentuberkulose zugezogen haben, beläuft sich auf 2599. Geisteskrank sind 271 Personen. Infolge sonstiger Leiden sind versorgungsberechtigt noch 37 737 Personen. •* Neuerungen im Eisenftahn- signalwesen. In dem Bestreben, die Fahrtsicherheit bei der Eisenbahn zu erhöhen, werden von der Deutschen Reichsbahn zur Zeit wichtige Neuerungen im Signalwesen ausprobiert. An Stelle der bisher angewendeten farbigen Flügel und Scheiben werden jetzt auf der Dersuchsstrecke auch tagsüber farbige Lichter verwendet. Diese Lichter sollen auf größere Entfernung als die Scheiben sichtbar fein. Mit diesen Versuchen sind bis jetzt günstige Ergebnisse erzielt worden. Weiter wurde festgestellt, daß die schwarz-weiß gestrichenen Scheiftensignale viel weniger als die weih-grünen übersehen werden können. k-. Die Ortsgruppe Giehen des Verbandes der Polizeibeamten Hes- Kleine Straffammer Wetzlar. L> Ein Kraftwagensührer aus Herborn war in erster Instanz vorn Amtsgericht Herborn wegen ahrläfsiger Körperverletzung, sowie wegen 23er- toßes gegen die Verordnung über den Autoverkehr zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Auf dic sowohl seitens des Angeklagten als auch der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung kam die Sache erneut zur Verhandlung. In der Nacht zum 29. August 1925 um die Mitternachtszeit fuhr der Ange klagte auf der Chaussee von Herborn nach Dillenburg. Als er dos Dorf Burg durchfahren hatte und in die Chaussee nach Dillenburg eingebogen mar, fuhr er eine Person an, die verletzt und von dem Angeklagten bann zum Krankenhaus in Dillenburg mitgenommen wurde. Das Berufungsgericht sah den Angeklagten für schuldig an und erkannte auf 100 M k. Geldstrafe, hilfsweise 10 Tage Gefängnis, sowie Auferlegung der Kosten des Verfahrens. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte 1000 Mk. Geldstrafe beantragt. Ein Gärtner aus Wetzlar war wegen Jagdvergehens zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Hiergegen hatte er Berufung eingelegt. Wie die Verhandlung ergab, war der Angeklagte gesehen worden, als er einen toten Hasen nach Hause trug. Diesen will der Angeklagte außerhalb der Stadt verendet und ohne Kopf gefunden haben. Seine Absicht, den Hasen abzuliesern, sei dadurch vereitelt worden, daß seine Katze den Hasen vollständig zerfetzt habe. Demgegenüber behauptete ein Zeuge, daß er den Angeklagten gesehen habe, wie er den Hasen an den Hinterläufen trug. Einen Kopf habe der Hase noch gehabt, dieser sei nur blutig gewesen. Das Gericht erkannte auf die gleiche Strafe wie die Vorinstanz. Gegen einen Arbeiter aus Wetzlar wurde wegen Erregung öffentlichen Aergernisses unter Ausschluß der Oefsentlichkeit verhandelt. Auch er behielt die in erster Instanz gegen ihn verhängte Gefängnis st rase von 6 Monaten. Die Kraftpostlinie Gießen — Krofdorf— Fellingshausen wird, wie bereits gemeldet, am morgigen Mittwoch, 17. Februar, in Betrieb genommen. Gestern nachmittag fand eine Eröffungsfahrt statt, an der Vertreter der Behörden, der Gießener Stadtverordneten - Versammlung, der Gemeindevertretungen von Krosdors-Gleifterg und Fellingshausen, der Presse und des Gießener Verkehrsvereins teilnahmen. Kurz vor 2 Tlhr nachmittags suhr der Post- kraftwagen auf dem Dahnhofsplah in Gießen vor. Der schmucke Wagen erregte alsbald die lebhafte Aufmerksamkeit der zahlreichen Passanten. Das Fahrzeug, das Sitzplätze für 26 Personen enthält, unter Umständen auch für 32. ist mit gut gepolsterten, lederüberzogenen Sitzen ausgestattet, mit Haltegriffen für Stehplahinhaber und außerdem noch mit einer Heizvorrichtung versehen, durch die auch im Winter das Fahren zur Annehmlichkeit werden wird. Die Einrichtung des Wagens machte bei allen Fahrtteilnehmern den besten Eindruck. Einige Minuten nach 2 Ahr begann die Fahrt. Auf dem Wege durch die Stadt (Bahnhofstraße, Westanlage, Hammstraße, Rodheimer Straße, Krofdorfer Straße) war das neue Verkehrsmittel die Sensation des Tages. In flottem Tempo gings nach Krofdorf, wo man im Handumdrehen anlangte. Wie sehr diese Verbindung den Interessen und Wünschen der Bevölkerung entspricht, konnte man aus der starken Anteilnahme der Einwohnerschaft bei der Einfahrt und dem Empfang entnehmen. In allen Haustüren und Toren, an den Fenstern und vor allem auf den Straßen erschienen Jung und Alt in froher Stimmung ob des endlich errungenen Erfolges, der für die Krofdorfer und Fellingshäuser Bevölkerung Erlösung aus einer sehr empfindlichen Derkehrsnot bedeutet. An der Haltestelle in der Gießener Straße empfingen Bürgermeister Brockmeier, einer der verdientesten Kämpfer für diese neue Verkehrseinrichtung, und die Gemeindevertretung Krofdorf- Eleiberg den Wagen und seine Insassen, bestehend aus den Gießener Vertretern und den aus Fellingshausen herübergekommenen Herren (Bürgermeister W e der und einige Gemeindevertreter). Die Freude der Krofdorfer Einwohner kam in Fahnenschmuck an der Haltestelle, in einem Willkommenplakat und vor allem in einer sinnigen Bekränzung des Kraftwagens zum Ausdruck. Nachdem das denkwürdige Ereignis photographisch festgehalten war, gings unter Beteiligung der Krofdorfer Herren in schöner, auch landschaftlich genußreicher Fahrt weiter nach Fellingshausen. Hier, wie in Krofdorf, das gleiche Bild froh- gestimmter Menschen, die nun ebenfalls rasch und bequem aus ihrer Derlehrseinsarnkeit heraus- gelangen können, und sichtbare Zeichen des Willkommens. Zur Feier des Tages ließ die Gemeinde Fellingshausen in großzügiger Weise den Fahrtteilnehmern ausgezeichnete Gastfreundschaft zuteil werden. Bürgermeister und Gemeindevertretung ließen den Gästen guten Kaffee und vortrefflich mundenden Kuchen bieten, und beiden wurde verdientermaßen alle Ehre angetan. Herzliche und oft des Erfolges dankbare Absprachen hielten Bürgermeister Weber- Fellingshausen, Bürgermeister Drockmeier - Krofdorf, Beigeordneter Dr. Hamm-Gießen für ihre Gemeinden, Postdirektor Körber- Giehen für die Reichspostverwaltung, die Gemeindevertreter W a g ner- Fellingshausen und Storck- Krofdorf namens der Gemeindevertretungen dieser Orte und Apotheker Schwieder - Gießen im Namen des Verkehrsvereins Gießen. In den Ansprachen wurde fönen aus Furcht, nochmals naß geschüttet zu wer- . . .... ... ____o...____ den. die Stange gehen. Sie traf den am Küchen- vuch von führenden Männern der Feindstaaten | fettster stehenden Schwiegersohn angeblich an Kinn M M Wil W M UkMÜSW. Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister, denn alle Einreibungen, Packungen, Bäk^r, ©alben usw. lindern nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht das Liebel an Der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas lostet, aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie den folgenden Brief: Ich teile Ihnen mit, daß Ihre Gichtosint-- Tabletten schon nach zwei Monaten bei mir überraschenden Erfolg erzielt haben. Mit jedem Tage fühle ich mich Wohler und tarnt jetzt trotz meiner 65 Jahre Zrohe Fußtouren in den Bergen machen und auch die schwersten Arbeiten mit Leichtigkeit verrichten. Die Kur setze ich getreulich fort, ich hoffe den Rheumatismus für immer los zu fein. . Ihnen sage ich meinen besten Dank und empfehle Ihr vorzügliches Präparat in Bekanntenkreisen. Hochachtungsvoll I. D. in 2L Solche Briefe besitze ich Tausende und nun hören Sie weiter. Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurückgebliebene harnsaure Salze, und diese müssen heraus, sonst nutzt alles Einreiben und Warmhalten nichts. Zur Beseitigung der Harnsäure aber dient das Gichtosint. Die können das glauben oder nicht, aber Sie sollen keinen Pfennig dafür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haften. Teilen Cie uns Ihre Adresse auf einer Postkarte sofort mit und adressieren Cie diese an: Generaldepot der Viktoria-Apotheke: Berlin A 235. Friedrichstraße 19, es geht Ihnen dann vollständig kostenfrei eine Probe Gichtosint mit weiteren Aufklärungen und genauer Gebrauchsanweisung zu. 14661) Wenn Cie sich überzeugt haften, so steht es Ihnen frei, mehr von dem Mtttel zu beziehen oder es in einer dortigen Apotheke zu taufen. Gichtosint ist in allen Apotheken zu haben Adolf Becker. 1476D Gießen, den 14. Februar 1926. 01101 Gießen (Bahnhofstr. 24), 15. Februar 1926. Robert Streuber. Gießen, den 15. Februar 1926. 01126 Gießen, den lä. Februar 1926. 01081 01100 Großen-Linden, den 15. Februar 1926. Gießen, 16. Februar 1926. 01120 Mietgesuche Für die uns in überaus reichem /Maße erwiesene aufrichtige Teilnahme bei dem Heimgange meiner lieben, herzensguten Frau spreche ich auch im Namen aller Verwandten hiermit meinen herzlichsten Dank aus. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 17. Februar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt den hiesigen und auswärtigen Gesanj ihrem geliebten Dirigenten das letzte < Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, für die vielen Kranzspenden, für die liebevolle Pflege der Krankenschwestern im Evangelischen Krankenhaus und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. ]. N. der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Günther und Kinder. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Tode unserer geliebten Mutter sagt innigen Dank Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ziehung 25. Febr. 1926 ©cIMS' Hess. Diakonievereins 1891 Geldgewinne u. eine Prämie Zuverlässiger Hnralie sofort gesucht. Zu erfragen tn d. Gefchst. d. (Sieb. Sina. [01103 aufgeschlossen mit Schrotter-Anlage und gutem Material für längere Jahre von bedeutender Firma im Rheinland zu pachten gesucht. Vorhandenes Material wird mit übernommen. Offerten an Wilh. Magel, Burkhardsfelden bei Giehen. 14O5D Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme, die mir beim Ableben meines lieben Mannes zu teil wurden, sage ich herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Marg. Jacob geb. Jäger. Inheiden, den 16. Februar 1926. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei unserm schweren Verluste sowie für die zahlreichen Kranzspenden bitten wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank entgegenzunehmen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Konrad Heppner. Danksagung. Für die uns anläßlich des plötzlichen Hinscheidens unseres lieben Sohnes, Bruders und meines geliebten Bräutigams Heinrich Wagner erwiesene Teilnahme sprechen wir allen unseren tiefempfundenen Dank aus. Insbesondere gedenken wir der trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, des Herrn Predigers und des Herrn Peter Reh-Leihgestern am Grabe des Heimgerufenen, sowie auch des treuen Gedenkens der Direktion und der Lehrerschaft, der Maschinepbauvereinigung Cheruskia, der Fliegergruppe und der Schülerschaft der Gewerbe- und Maschinenbauschule zu Gießen; auch danken wir den Schulkameraden des Heimgerufenen, sowie der lieben Einwohnerschaft von Großen-Linden und • und Posaunenchören, welche eleit gaben. 01122 Familie Hch. Wagner Kathr. Luh als Braut. SmniWM und BoturöeilluDßiget BNMtMl hält jeden Montag und Donnerstag von 2-6 Llhr nachm. Sprechstunde in Treis a. d. Lda. in der Billa Felseck Dienstag und Freitag halte ich in Ridda Sprechstunde von morgens 10 Uhr bis nachm. 5 Uhr bei Schubmachermeister Bach. 1315D Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. Marg. Graf geb. Laub und Kinder. Fastnacht-Dienstag: lappinM Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren lieben Sohn und Bruder Rudi im 14. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Rudolf Poschmann und Familie. Wenn Sie Ostern einen modernen Hut aussetzen wollen, dann müssen Sie jetzt Ihren Damen - Strohhut zum Umpressen bringen. 1470D Mle$Mewg43 TnsnroisÄ H StOCK Hl. 10.- LOSpreiS« Porto und Liste nur e JL 25 Pf. empfiehlt A. Dinkelmann Worms Postsdi.-Kto. Frankfurt-M. 15194 Gießen: Staatl. Lotterie-Einn. Buchacker und Flimm: außerdem bei A. 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Etwas außerhalb der Stadt und doch leicht zugänglich — so wie auch die Wahl des stillen Haag, der trofcbem für die Hauptstädte Europas zentral, liegt, als recht glücklich angesehen werden muß. Jahrzehnte sind vergangen, seit im Haag die erste Friedenskonferenz tagte. Sie konnte den unheilvollen Krieg nicht verhindern, und ein begreifliches Mißtrauen gegen alle derartigen internationalen Institutionen hat sich zumal in Deutschland verbreitet. Aber gerade dem Haager Gericht gegenüber darf man nicht vergessen, daß es sich hier' nicht um Politik ober Pazifismus handelt, sondern eben um Rechtsprechung, und zwar um einen Gerichtshof, der sich seines hohen Namens bisher würdig gezeigt hat. Die Autorität dieses Gerichts ist eine Macht, auch wenn sie keine Heere kommandieren kann, um ihre Sprüche zu vollstrecken, und daß es eine internationale Stelle gibt, vor der man mit Vertrauen sein Recht suchen kann, ist gerade für Deutschland — leider! — nur allzu wichtig. Sind erst die Loearnoverträge mit ihrer allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit in Kraft, so wird der Haager Gerichtshof noch manches zu tun bekommen. Schon jetzt heißt es, daß er sich für die Zukunft auf ein’ dauerndes Tagen einrichtet. Vielleicht wird bann auch die Oeffentlichkeit unb die Presse den Verhandlungen im Friedenspalast im Haag mehr Beachtung schenken als jetzt. Bei irgendeinem Skandalprozeß in irgendeiner Provinz- stabt pflegen sich die Reporter zu drängen, die Zeitungen Spalten über Spalten zu bringen. Wenn über eine Entscheidung im Haag, die, wie im vorliegenden Falle, Sachwerte von hunderten von Millionen betrifft und politisch hochbedeutsame Folgen hat, einige Telegramme erscheinen, so ist das viel. Für die Würde unb die Arbeit bes Gerichtes mag es gut sein, baß es so ist. Aber in Deutschland sollte man doch eine Vorstellung davon haben, wie es vor dem höchsten Gerichtshof der Welt zu- geht und wie wichtige Entscheidungen auch in deutschen Angelegenheiten hier gefällt werden. gabung, sie immer wieder vergessen zu können, und sich immer wieder bezwingen zu lassen von dem Schönen, was ihn umgibt. Der Spanier ist Individualist, er faßt Spanien subjektiv auf, er trägt sein Vaterland in sich selbst, er sieht die Welt so an, wie er sie haben will, unb nicht wie sie ist. In früheren Jahrhunderten fand er die Wahrheit in der römisch-katholischen Kirche, und seine Wahrheit wollte er mit Hilfe der Inquisition und des Schwertes der Welt aufzwingen. Man kann sich auch heute noch keinen Spanier außerhalb der römisch-katholischen Kirche vorstellen, nicht daß er besonders religiös wäre, dazu hat er seine Religion viel zu sehr veräußerlicht, aber sobald er aufhören würde, Katholik zu sein, so wäre er auch kein Spanier mehr. Man könnte Spanien mit einem riesigen Klosterhof vergleichen, in dem die Sonne scheint, in dem man gerne Toros und Liebe spielt. Der Prior lebt irgendwo in einem verborgenen Gebäude, es fällt ihm gar nicht ein, sich störend unter die Leute zu mischen, er schaut dem Treiben lächelnd zu und läßt jeden auf seine Art selig werden, wenn er weiß, niemand wird die Kloster- mauern durchbrechen und den Furien fremder Ge- dankenstürmen Einlaß gewähren. Ausländer, die meinen, daß Spanien ein totes Volk ist, daß seine Rolle in der Welt zu Ende gespielt hat, irren sich. Der Spanier hat sich wie Diogenes in sich selbst zurückgezogen, fühlt sich dem Fremdländischen gegenüber überlegen, d. h., er denkt gar nicht daran, sein Leben nach fremdländischem Muster zu modifizieren. Jeder Ausländer, der ruhig lebt, ist in Spanien herzlich willkommen. Man läßt ihn tun unb lassen, was er will, hat seinen Sitten gegenüber bie größte Dulbsamkeit, behandelt ihn chevaieresk, aber man hält ihn im Grunde für absonderlich und extravagant, jedenfalls wird man ihn nicht nachahmen. Die spanische Gedankenwelt liegt abseits sozialer unb politischer Stürme, deshalb ist es unangebracht, wie viele es tun, Volksaufstände unb tiefgreifende Erschütterungen zu erwarten. Die Diktatur wird als etwas Gegebenes ausgenommen, das jedenfalls nicht schlechter, sehr wahrscheinlich sogar besser als das Dagewesene ist. Der Diktator wird wohl auch als starker Mann bewundert, der seine Persönlichkeit durchzusetzen verstanden hat, der dabei ganz Spanier ist, der ein strenges Regiment führt, der aber innerhalb der symbolischen Klostermauern jeden auf seine Art (eben läßt unb nie unerträglich wird. Spanien ist weder ein glückliches, noch ein unglückliches Land. Es lebt unter dem Zelt feiner großen Erinnerungen friedvoll dahin. Es ist unter seiner leuchtenden Sonne und seinem leuchtenden Nacht- hiinmel zufrieden. Intellekt unb Leidenschaft regen sich nur an der Oberfläche, rütteln aber nicht am Gleichgewicht der Tiefen. Don Quijote unb Sancho Pausa, Don Juan, die Celestina unb die Heilige Thereso sind topisch spanische Gestalten. Wie ost glaubt man ihnen auch heute noch auf den Straßen Madrids ober Sevillas zu begegnen. Don Quijote möchte mit gefällter Lanze gegen alle Unbillen anrennen, aber Sancho Panza flüstert ihm immer zu, sich nicht in Dinge einzumischen, die ihn nichts angehen. Don Juan unb Santa Theresa können niemals Politiker sein, auch ihre Nachkommen sind es nicht. Aber der Spanier liebt das Abenteuer. Spanische Konquistadoren zogen hinaus unb eroberten eine neue Welt, Spanien ist das Vaterland unternehmender Helden gewesen, die auch heute nicht ausge- storben sind. Die abenteuerliche Fahrt von Columbus soll nach vier Jahrhunderten wiederholt unb Amerika zum zweiten Male durch einen Spanier erobert werden. Diesmal sind es keine gebrechlichen Schiffe, die aus dem Hafen von Palos kühn in den unermeßlichen Ozean hinaussegeln. Diesmal ist es der Hydroplan des Fliegermajors Franco, der auf seinem Non plus ultra in das Luftmeer hinausflog unb binnen acht Tagen Buenos Aires erreichte. Große Feierlichkeiten fnnben in Pakos statt, die Spannung war allgemein, die Luftfchiffer, Major Franco und fein Begleiter Hauptmann Ruiz de Aida wurden in Reden unb Banketten gefeiert, unb der König hat ihnen aufgetragen, feine besonderen Grüße an die südamerikanischen Tochterländer zu übermitteln. Der Flug ging zuerst nach den Kapverdischen Inseln, von da in gerader Linie über den Ozean nach Pernambuco und von dort längs der Küste nach Buenos Aires. Zwei Kriegsschiffe hatten den Auftrag, sich Major Franco zur Verfügung zu stellen, ihn auf den Kapverdischen Inseln mit Benzin zu versehen und seinem Fluge zu folgen. Major Francos Transozeanflug wird von den Spaniern als eine nationale Tat aufgefaßt. Der NN M Wagemut des einzelnen wird von jedem Spanier mitempfunden. Das Ereignis in Palos überschattete alles andere Geschehen im Königreiche. Man ift der ewigen Krisen- unb Reoolutionsgerüchte überdrüssig geworden, bie alltäglich in ben Kaffeehäusern geflüstert werben, bie vielleicht von einem wirklichen Pronunziamento gefolgt sein werben, bie sich aber meistens in ein schemenhaftes Nichts auflösen. Denn, wie schon erwähnt, löst sich die Aspiration des spanischen Volkes nicht in der Politik aus, deren mögliche Segnungen mit großer Skepsis betrachtet werden. Für Spanien ist der Flug des Majors Franco eine glorreichere Tat als ein citeler Kampf um die Cortes. X 2 LH Ä 5S > M / t fj I - der, ujus die künstlerische Seite betrifft, als vollkommen gelungen bezeichnet werden kann. Hoffentlich ist der Verein auch finanziell zufrieden, damit im kommenden Jahre eine Wiederholung in ähnlicher Weife nicht ausbleibt. <5 Göbelnrod, 13. Qcbr. Vor zwei Jahren trat unser Lehrer B o r n m a n n, der ein Menschenalter hier gewirkt hat, infolge des Abbaues hi den Ruheftan d. Da er keine andere Wohnung finden konnte, blieb er in der Dienstwohnung im Schulhause. Jetzt ist es ihm gelungen, in Gießen eine Wohnung zu finden, und er verläßt nun mit dem 31. März unseren Ort. Damit besteht auch die Möglichkeit, unsere S ch u l st e l l e, die seither, weil die Dienstwohnung nicht frei mar, durch Schulverwalter versehen werden muhte, wieder definitiv zu besetzen. Die Lage unseres Dorfes vor den Toren Griinbergs mit seiner Oberrealschule und als Haltepunkt der Bahn nach Gießen wird wohl dazu beitragen, daß es viele Bewerber gibt. Die Gemeinde hat bei der Besetzung noch den besonderen Wunsch, daß ein Lehrer kommt, der gewillt ist, einen Teil des O r g a n i st e n d i e n st e s zu übernehmen. Denn durch den Wegzug des Herrn Bornmann wird die Hälfte des Organistendienstes auf dem Wirberg frei. Den Organistendienst versieht Lehrer i. R. Bornmann, solange er hier ist, und hat auch in der Inflationszeit den ganzen Or> ganistendienst versehen. r. p. O d e n h a u s c n (Lahn), 15. Sehr. Wer im Sommer seine Spaziergänge von Gießen aus etwas weiter ausgedehnt Hat, wird sicher schon mit besonderer Freude den Weg R u t t e rs - Hausen — Oden ha usen gewandert fein; bietet dpch der von der Straße unmittelbar auf- steigende Heckenberg für jeden Aatursrcund eine Fülle des Interessanten. In seinem natürlich-wilden Allerlei bietet er dem Auge einen mannigfaltigen, abwechslungsreichen Farbenreiz; der Duft des hier reichlich Vorkvmmenden Geißblattes wirkt bezaubernd, und nicht zuletzt rufen Vogelstimmen aller Art zum Derweilen. Der Heckenberg ist insbesondere ein Eldorado der Vogelwelt. Um so bedauerlicher ist es, daß die Obersörsterei Krofdorf ihre Genehmigung zur Abholzung des Berges gegeben hat. Hier hat nun etlicher Reichsmark wegen — mehr bringt das Holz nicht ein — das reine Rützlichleitsprinzip ein schönes Stückchen Ratur vernichtet. Wozu predigt man da Vogelschutz, wenn er von behördlicher Stelle solche Förderung erfährt? Dem Wandrer wird im Sommer nur eine kahle Fläche die Stelle zeigen, wo ehedem ein reiches Äatur- leben vorhanden war. )) L i cd, 15. Febr. Bei der im Licher Stadtwold in den Distrikten Fichtenkopf, Plattenwald, Zap- penau, Rehtränksberg u. a. stattges-undenen Vrennholzversteigerung wurden folgende durchschnittliche Versteigerungserlöse erzielt: Buchenscheit 15—20 Mark, Buchenknüppel 10—12 Mark je Rm. und Buchen Wellen 20— 25 je 50 Stück. Besondere Abweichungen gegenüber den letzten Versteigerungen waren nicht festzustellen. : Aus dem Horlofftal, 15. Febr. Trotz der außergewöhnlich starken Kälteperioden dieses Winters ist der Stand der Wintersaaten recht gut, da beidemal mit Eintritt der Kälte auch eine beträchtliche Schneedecke daS Land schützte. Dieser Umstand hatte zur Folge, daß in den Gärten selbst empfindlichere Gemüse gut überwintert haben. Run herrscht schon eine Zeitlang eine ungewöhnlich frühe milde Witterung. Infolgedessen konnte man in den letzten Ianuartagen Schneeglöckchen blühen sehen. In geschützten Gärten sind mittlerweile sogar Aurikeln und andere frühe Blumen gefolgt. Selbst die '-Beerensträucher beginnen schon stark zu treiben. Mit Eintritt des Frühjahrs macht sich bei ^unseren Landwirten ein empfindlicher Mangel an Stall ft reu bemerkbar, da in den beiden letzten Jahren die Strohernte schlecht ausgefallen war. Man sieht deshalb die Viehhalter zu einem Aushilfemittel greifen, das sonst in unserer Gegend nur von den Gutspächtern größerer Höfe verwandt wird, nämlich zur T o r f - st r e u, die neuerdings von manchen Ortschaften in ganzen Wagenladungen bezogen wird. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 13. Febr. In den fernen Osten, das Wunderland Indien, führte uns ein Vortrag, den Medizinalrat Dr. Ad. Wecker- I i n g, ein gründlicher Kenner der indischen Geschichte, Sprache und Literatur, gestern abend im „Verein ehemaliger Augustinerschüler" über „Akbar den Großen" hielt. In großen Zügen verstand es der Redner, ein lebensvolles Bild dieses Mannes zu entrollen, der, 1542 geboren, mit 13 Jahren zur Scott aus seinem geliebten Hochland und Alexis aus seiner heimatlichen märkischen Sandebene, erwuchsen auch ihm die Gestalten aus der Landschaft, aus dem „Canb der Alemannen mit seiner Berge Schnee, mit seinem blauen Auge, dem Tiaren Bodensee". In den Bekenntnissen Ekkehards hat der Dichter sein Glück und seine Qualen, seinen Weltschmerz voll austönen lassen; in einer ausgezeichnet komponierten Steigerung führt er uns von dem leidenschaftlichen Burgund Klosteridyll über die breite epische Schilderung des Hunneneinfalls zu dem dramatischen töhepunkt Der Katastrophe und läßt dann die czählung in dem einsamen Leben Ekkehards auf der Ebenalp langsam verhallen. Wie eine wunderliche Marotte dünkt uns heute neben der so schön gerundeten Form des Romans das Anhängsel der gelehrten Anmerkungen, Aber diese mit Zitaten und wissenschaftlichen „Exkursen" gespickten Roten waren leider mehr als eine willkürliche Laune des Dichters, repräsentierten einen furchtbaren Feind, dessen Trockene Derstandeskühle den Lebensnerv der zar- len Phantasiegebilde vernichten sollte. Aus Vorstudien zu gelehrten Arbeiten waren „Trompeter" und „Ekkehard" entstanden; die Spuren der rechtshistorischen Abhandlung, die eine Habilitationsschrift werden sollte und aus der dann Reminiszenzen in den „Ekkehard" übergingen, haften dem Roman noch als störende „Eierschalen" an. Diese Vorarbeiten aber wuchsen nun bei den späteren Werken des Dichters zur Hauptsache unb erstickten in ihrer wuchernden Fülle den poetischen Organismus in seinem Entstehen. Das ist die Tragödie jenes Wartburg-Romans, in dessen Mittelpunkt Heinrich von Ofterdingen als der Schöpfer des Ribelungenliedes stehen sollte. Als sich der Romantiker Rovalis den. gleichen Helden erwählte, hatte er für den ungeheuren Plan die Mächte der Ahnung, der Phantastik nick» deS Traumes wachgerusen. Der Realist Scheffel wollte sich auf zuverlässigere Helfer stützen, auf die Errungenschaften der Wissenschaft, die er doch in manchem feiner (Gedichte so köstlich ironisiert. Lokalstudien wurden an Regierung tarn und 1605 in seiner Residenz Agio starb. In ihm müssen wir einen der größten der Weltgeschichte erblicken, denn er war nicht nur groß als Herrscher, Feldherr und Staatsmann, sondern auch als Denker und Philosoph. Nachdem er in blutigen Kriegen seine Empörer niedergeworfen und sein gewaltiges Reich gefestigt hatte, entwickelte er eine fruchtbare Tätigkeit zur Hebung des Wohlstandes seiner Länder, er führte Reformen auf allen Gebieten, besonders dem Steuerwesen ein, hob alte grausame Gesetze auf und zeigte sich als ein in jeder Beziehung großmütiger und edeldenkender Mensch. Obgleich selbst ein gläubiger Moslem, war er doch von einer weitgehenden Duldsamkeit erfüllt und versammelte an seinem Hofe Vertreter der ver- schiedenon '.Religionen, auch der christlichen, zu gelehrten Diskussionen. Roch bei seinen Lebzeiten ließ er sich in der Nähe seiner Residenz in Sikandra ein mächtiges Grabdenkmal errichten, welches noch heute an diesen großen Herrscher erinnert und zu den bewundernswertesten Bauwerken dieser Art gehört. 0 Steinfurth, 15. Febr. Dieser Tage sanden in dem angrenzenden Rockenberger M a r t w a l d die diesjährigen staatlichen H o lz- verst eigerungen statt, zu denen aus den umliegenden Orten Oppershofen, Södel, Melbach, Wölfersheim u. a. eine außerordentlich große Menge von Käufern sich zusammengefunden hatten. Infolge der großen Fällungen in der Kriegs- und Tbachkriegszeit kam diesmal Buchen- sckeitholz nicht zur Versteigerung. Während Eichenknüppel einen Preis von 14 bis 16 Mark pro Doppelzentner erzielten, erreichten Buchenknüppel einen Preis, der weit über das tzinausging, was in Vorkriegszeiten das Scheitholz kostete. Der Doppelmeter mochte sich, besonders am zweiten Tage, an dem die Preise erheblich anzogen, auf durchschnittlich etwa 27 bis 23 Mark stellen, und manche Steigerer hörten erst bei 30, 32 ja 35 Mark auf zu bieten. Einen außerordentlichen Preis erzielten Buchenwellen, die am ersten Tage zu 8 bis 9 Mark pro Haufen zu haben waren und am zweiten Versteigerungs- tage einen Preis von 15 bis 16, ja vielfach von 13 bis 20 Marl erzielten, da in manchen Orten Selbstversorger dies Hol; zum Backen benötigen. Manche gingen, da die Preise ihnen zu teuer waren, wieder nach Hause, ohne etwas gesteigert zu haben, um die Versteigerung des Marlwald- holzes abzuwarten, die in den nächsten Tagen zu erwarten ist. B 5R ob beim v. d. H ö h c, 15. Febr. Bei der kürzlichen Verpachtung der G e m e i n d e j a g d stellten sich die für die einzelnen Bezirke erzielten Preise so niedrig, daß die Genehmigung von feiten der Gemeinde versagt wurde. Nunmehr sind die Verhandlungen mit den Interessenten abgeschlossen und zeitigten folgendes Ergebnis- Der 1. Bezirk (Jagd am Alten Berg und Feldjaqd) ging für 2400 Mark an den Arzt Dr. B a u m stark von Friedrichsdorf über, der 2. Bezirk (Vorderwald und Feldjagd) kam in bi» Hände der Fabrikanten Privat und R o u s s e l e t von Friedrichsdorf für 2200 Mk. Den 3. Bezirk (Oberwald) übernahm Fabrikant 21. Monson von Frankfurt für 2800 Mark. — Bei der zweiten G e m e i n d e h o l z Versteigerung ließ die Kauflust, hauptsächlich der Auswärtigen, die Preise sehr in die Höhe schnellen. Für ein Raummeter Buchenscheiter wurden durchschnittlich über 20 Mk. gelöst. Eichenscheiter stellten sich auf 12 Mk. für das Raummeter. — Die Zahl der hiesigen Arbeitslosen ist im Steigen begriffen und beträgt zur Zeit 91. Es handelt sich hauptsächlich um seither in Frankfurter Fabriken beschäftigte Arbeiter. Kreis Schotten. Ig. Gedern, 15 .Febr. Da vom hiesigen Bahnhof viele Basaltsteine und auch viel Holz verfrachtet wird, wurde es in letzter Zeit immer mehr als ein Mißstand empfunden, daß die Ladeanlagen des Bahnhofs den sich steigernden Anforderungen nicht mehr entsprachen. Die Reichsbahn sucht nunmehr diesem ilebelftanö abzuhelfen, indem sie die Erweiterung der Freiladean lagen plant. - Seither bestand die hiesige Gemeindejagd aus fünf Jagdbezirken. Rach Verhandlungen mit der Fürst!. Stolbergischen Revierverwaltung zwecks Austausches von Jagdbezirken zur Abrundung der beiderseitigen Jagdgebiete wurden nunmehr drei Bezirke gebildet, die bei der am Samstag vorgenommenen Verpachtung einen jährlichen Pachterlös von insgesamt 1930 Mk. ergaoen. In diesem Betrag ist ein Zuschuß der Fürstlichen Verwaltung von 200 Mk. für die Mehrzuteilung an Jagdgebiet seitens der Gemeinde enthalten. Die Verpachtung erfolgte auf 6 Jahre. Seither hatten die fünf Jagdbezirke nur 1100 Mk. Pacht jährlich Ort und Stelle gemacht, in Passau und auf der Wartburg, Belegschaften in Massen aufgeführt und darunter eine Unmenge feiner dichterischer Ideen verstreut. Der Künstler konnte aber nicht mehr über den Stoff Macht gewinnen, sondern dieser überwältigte ihn, und so blieb ein Gedichtband „ Frau Aventiure" das einzige Resultat des langjährigen, verzweifelten Kampfes. Scheffels vergebliches Ringen war begründet in der Zeit, in der er schuf. Die Romantik hatte die historische Wissenschaft geboren und als Gegensatz zu ihr war der Realismus entstanden Historismus und Realismus, die geistigen Haupttriebkräfte der Zeit, miteinanber zu vereinen, versuchte er in realistisch historischer Dichtung, nachdem in einem glücklichen Wurf ein Muster- werk der Gattung gelungen war. Cs war ehrenvoll für ihn und ein Beweis seiner echten Begabung, daß er da scheiterte, wo das platte Heer seiner Rachahmer, die archäologischen uick) But- zenscheiben-Poeten, ein halbgelehrtes, halb poetisches Mischmasch lieferten: aber in diesem Scheitern vollendete sich sein tragisches Schicksal. Wie der Buchtitel auskam. Für uns ist ein Buch ohne Titel eigentlich überhaupt kein Buch. Es muß daher überraschen, daß die ältesten Drucke lein Titelblatt haben und daß die so berühmten und hochbezahlten „Wiegendrucke" des 16. Jahrhunderts, die sog. Inkunabeln, nur in den seltensten Fällen mit einem Titel versehen find. Erst ganz allmählich bürgerte sich dieser Brauch ein, wie Konrad Haebler in seinem grundlegenden, bei Karl W. Hiersemann in Leipzig erschienenen „Handbuch der In- f u n a b c 11 u ii b e“ aussührt. Die ältesten Drucke nahmen sich ja in ihrer Anordnung die Handschriften zum Muster, die keine Titelblätter kannten, und so beginnt denn auch in den Wiegendrucken der Text des Werkes sofort auf der Vorderseite deS ersten Blattes. Bald aber kamen die Drucker zu der Ertenntnis. oaß das erste Blatt besonderen Gefahren ausgesetzt n>ar. Wenn man die Bogen bet- Druckwerkes nicht bald mit einem festen Einband versah, und das gekf)ai> in der eingebracht, so daß ein Mehrerlös von 830 Mk. jährlich erzielt wurde. Pächter sind Frankfurter Herren und die Fürstliche Verwaltung. )—( Ruppertsburg, 15. Febr. Ein interessantes, noch wenitz bekanntes Tierchen wurde dem Schreiber dieser Zellen vor einigen Tagen von hiesigen Holzhauern gebracht. Sie hatten das Tier bei den Wurzeln eines Buchbaumes im Gräflich Lau- bachfchen Revier Eichberg gefunden. Es war eine Haselmaus, in die Familie der Mäusebilche gehörend, eine Nagetiergattung, welche die der Eichhörnchen mit der der Mäuse verbindet. Sie ist ein überaus niedliches mausgroßes Geschöpf mit gelblichrotem Pelz, zweizeilig behaartem, langem Schwanz und großen, schwarzen Augen, das fast über ganz Mitteleuropa verbreitet ist und im Gebüsch — hauptsächlich Haselgebüsch — ein kunstvolles, kugeliges Nestchen baut. Es besteht teilweise aus fein zerschlitzten Bastschnüren von Weichholz, teils aus schmalem Bandgrase, welche Stoffe sehr fest und dicht, etwa 1,5 bis 2 Zentimeter dick, mit dem verhärteten, wie trockener Schneckenschleim glänzende Speichel des Tieres ineinander verkittet find. Das Tier ernährt sich von Eicheln, hartem Samen saftigen Früchten, Beeren, Baumknospen, am liebsten aber Haselnüssen, die sie geschickt öffnet und entleert, ohne sie abzupflücken. Als echte Baumtiere klettern sie wundervoll selbst im dünnsten Gezweige herum, nicht bloß nach Art der Eichhörnchen und Siebenschläfer, sondern auch nach Weise der Affen. Gegen Mitte, manchmal auch erst Ende Oktober, sucht sie ihr warmes Nestchen auf, das halb in der Erde, halb mit Laub bedeckt ist. Je nach der Milde oder Strenge des Winters schläft sie nun etwa sechs bis sieben'Monate. Leider war das Nest der Maus bei der Arbeit der Holzhauer zertreten worden. Das Tierchen selbst erwachte erst aus seinem Winterschlafe, nachdem es zwei Tage im warmen Zimmer gewesen war. Cichelsdorf. 14. Febr. Der hiesige Männergesangverein veranstaltete gestern im Lehr'schen Saale einen Familienabend, der sich eines guten Besuches erfreute. Der Verein brachte eine stattliche Zahl von Chören zum Vortrag, die gesanglich und dynamisch bestens wiedergegeben und von nachhaltiger Wirkung auf die Zuhörer waren. Die Humoristen des Vereins würzten den Abend durch erheiternde Beiträge. Des Lebens Ernst kam in einem von Lehrer Steinhauer- Eichelsachsen gebotenen Lichtbildervortrag, der zum Hintergrund die schwärzeste Seite des Kriegslebens, daö Grausen auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges hatte, zum Ausdruck. Angesichts dieser düsteren Bilderserie tauchten vor manches Zuschauers Auge schmerzvolle Erinnerungen auf. Angenehm überraschte der hiesige Musikverein, der erst auf ein 1 'jäljrigeö Bestehen zurückblickt, durch sein flottes, llangschönes Spiel. Auch er hat wesentlichen Anteil an dem schönen Verlauf des Abends. Als Gast wirkte außerdem eine Abordnung des Männergesangvereins Ober- Schmitten und überbrachte dem Bruderverein das Lied als Gruß. ld. Aus dem Vogels berge, 15. Febr. Wenn auch die geüxiltigen Niederschlagsmengen, die in den letzten Jahren niedergingen, keinen direkten Schaden an der Vogelsberger Feldflur anrichteten, so machen sich doch nun hie und da, besonders in den Wiesen, die an Berghängen oder im Tale liegen, die von den Bergwäldern festgehaltenen, nun zutage tretenden Wassermassen unliebsam bemerkbar. An vielen Stellen beginnen die Wiesen zu versumpfen und zu versauern. Wohl suchen bereits einzelne Wiesenbesitzer dem .Hebel durch Anlage von Entwässerungsgräben und „Erddauken" (Drainagen) za steuern, aber gänzliche Beseitigung der vielen guten Wiesen drohenden Gefahr ist nur möglich, wenn die Ableitung des Wasser allgemein durchgeführt wird. Den Wiesenvorständen der einzelnen Gemeinden ist die wichttge Aufgabe erwachsen, die unbedingt nötige planmäßige Entwässerung ganzer Wiesenflächen zu veranlassen. — Auch manches Stück Winterfrucht ist ausgewintert, weil die Übermäßige Bodenfeuchtigkeit ein starkes Gefrieren des Ackerbodens zur Folge hatte. Krcis Büdingen. : Ridda, 14. Febr. In einer Bezirks- lehrerverfammlung. die gestern auf „Der Treppe" stattsand, referierte Lehrer i. R. Dia u» newell, Bad-Salzhausen über d."s Thema „Eigenhei m". Er besprach u. a. Richtlinien. Satzungen und seitherige Wirksamkeit der „G e - mei nschaft der Freunde", eines Vereins zur Schaffung von Eigen- und Altersheimen mit dem Sitz in Wüstenrot. — Das Rathaus auf dem Marktplatze, ein Wahrzeichen aus altersgrauer Zeit, wird in aller Frühzeit des Buchdrucks viel seltener, als man glauben möchte — denn die Einbandskunst war noch nicht entwickelt — mußten natürlich die ersten Blätter durch Beschmutzung und Abnutzung besonders beschädigt werden. Deshalb lieh man das erste Blatt oder doch wenigstens dessen Außenseite unbedruckt und begann den Tert erst aus der Rückseite oder auf dem zweiten Blatt. Seit 1470 geschieht dies allgemein; das erste Blatt blieb leer, aber man tarn nicht auf den Gedanken, einen Titel darauf zu sehen. Die Stelle, an der der Drucker bisweilen über Inhalt und Entstehung des Buches Rechenschaft ablegte, befand sich am Ende des Werkes, wie man das von den Handschriften her gewöhnt war. Die Handschriften- schreiber haben ja am Schluß des Textes öfters in der Freude über die glückliche Vollendung des Werkes Gott gedankt und über ihre Arbeit einiges mitgcteilt. ffitne solche Schluhschrift findet sich bereits in einem der ersten hervorragenden Werke der Druckerkunst, in dem von Fust und Schäffer hergestellten Psalterium von 1457. Die Drucker verkündigen darin ausdrücklich, daß das Werk nicht geschrieben, sondern in einem neuen Verfahren des „künstlichen Druckens" entstanden sei, und rühmen sich als erste Verbreiter dieser Erfindung. Da sie auch Ort und Zeit der Herstellung angeben, enthält ihre Schlußschrift so ziemlich alles, was man in späterer Zeit auf dem Titelblatt mitteilte. Diese Schlußschrift hat dann zahlreichen späteren Druckern als Vorbild gedient, und es entwickelte sich eine große Rkannigfaltig- keit in der Form und im Inhalt der Schlußschrift, die manchmal zum richtigen Schlußtitel wurde. Die Schluhschrift, die man auch „Kolophon" nennt, rückte dann, wenn iwch Rachträge gegeben wurden, an den Schluß des Hauptteils, so daß sich diese Rachschrift nicht immer am Ende des ganzen Druckes findet. Schickte man denz Druck eine Inhaltsangabe voraus, so wurde diese in einem besonderen Bogen dem Druckwerk vorangesetzt. Solche kurzen Inhaltsangaben de. einzelnen Spalten sanden llch schon in den Handschriften, und deshalb finden wir die Kolumnenlitel auch in den ältesten Drucken. BiswcTlen brachte ein Kürze dem Vorübergehenden wieder die Stunde künden. Ein wohltätiger Stiftet verehrte der Stadt eine Uh r mit elektrischem Antrieb, die bereits eingetroffen und demnächst aufmontiert werden soll. Da die Turmuhren im allgemeinen auf genaue Zeitangabe wenig Anspruch erheben, dürfte die neue Rathausuhr im Zentrum der Stadt von vielen als eine Wohltat empfunden werden. Kreis Alsfeld. »i* Alsfeld, 15. Febr. Arn vergangenen Samstag. 13. Februar, fand im Rathaussaale zu Alsfeld die ordentliche Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse Alsfeld statt. Der Direktor der Sparkasse, Herr Justizrat Dr. Reh. erstattete den Rechenschaftsbericht für die Geschäftsjahre 1922, 1923, 1924. Die geprüfte Jahresrechnung von 1924 wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt. Der Reingewinn für 1924 nach Abschreibung beträgt 20 736,79 Mark. Für den Haus- und Erneuc- rungsfonrungsfonds wurden 25 000 Mark zu- rückgeleal. Die Mitgliederverfamlung beschloß, den gesamten Reingewinn dem RessroLwnds zu überweisen. Die neue Satzung der Bezirkssparkasse, die sich an die vom Ministerium des Innern herausgegebene Mustersatzung anlehnt, wurde nach kurzer Aussprache genehmigt. Als neues Mitglied der Sparkasse wurde die Gemeinde Hamberg a. d. Ohm ausgenommen, woselbst eine Filiale der Bezirkssparkasse errichtet worden ist. Die auf Grund des hessischen Ermächtigungsaesetzes vom 11. 1. 24 gefaßten gemeinschaftlichen Beschlüsse des Vorstandes und Aufsichtsrates über die Rechnung der Jahre 1922/23 und über die Neuwahl des Vorstandes wurden van der Mitgliederversammlung nachträglich genehmigt. Unter dem Punkt „Verschiedenes" erstattete der Vorsitzende des Aufsichts- rates der Bezirkssparkasse, Bürgermeister Dr. Döl- sing, ein Referat über die Einrichtung von Bausparkonten bei den Sparkassen zwecks Förderung des Kleinwohnungsbaues. Der Vortragende erläuterte dabei die beiden in Betracht kommenden Systeme und deren Vorteile gegenüber anderen derartigen Einrichtungen. Die Sitzung wurde alsdann mit Worten des Dankes an den Direktor der Sparkasse, Justizrat Dr. Reh, geschlossen. Als Vertreter der Aufsichtsbehörde nahm K r e i s d i r e k t o r Dr. Stammler (Alsfeld) an der Versammlung teil. An die Tagung schloß sich ein gemeinsames Essen im Hotel „Krone" an. Kreis Lauterbach. fl. Lauterbach, 15. Febr. Die Stadt Lauterbach verbindet in diesem Jahre mit dem Prämienmarkt wie in den Vorkriegsjahren wieder einen Pferdemarkt. Man verspricht sich davon eine erhebliche Steigerung des Besuchs, der in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat. Der neugegründete Reiterver- e i n wird vielleicht durch sportliche Vorführungen eine ähnliche Menschenmenge in unsere Stadt ziehen, wie dies in Alsfeld im vorigen Jahre anläßlich des dortigen Prämienmarktes usw. der Fall war. Am Samstagmittag wurde eine 40jährige ledige Arbeiterin von Blihenrod im dortigen Mühlgraben t o t aufgefunden. Rachdem sie durch lange Krankheit arbeitsunfähig geworden war, stellten sich in letzter Zeit — allerdings unbegründet — Geldsorgen bei ihr ein, die zur Schwermut führten und sie in den Tod trieben. $ Allmenrod. 15. Febr. Rach den Plänen und unter Aufsicht der Beamten der Kreis- strahenverwaltung wurde von der Firma Hardt in Lauterbach in unserem Ort eine Wasserleitung gebaut, die zur vollen Zufriedenheit der Ortseinwohner ausgefallen ist. Die Leitung hat einen solchen Druck, daß die höchsten Hauser überspriht werden können. Durch die Anlage ist ein alter Wunsch der Gemeinde erfüllt und die Feuersicherheit des Orts wesentlich erhöht worden. Starkenburg. D a r m st a d t, 15. Febr. In einer Vorlage des Landesamtes für das Bildungswesen an den Landtag werden für die Instandsetzung von Teilen der ehemaligen Magdalenen- k a f e r n e za Darmstadt für Zwecke der Technischen Hochschule 70000 Mark angefor&ert. Die günstige Entwicklung der Technischen Hochschule hat im Laufe der letzten Jahre dazu geführt, daß in den Hauptgebäuden eine außerordentlich schädliche Raumnot entstanden ist. Unter ihr leiden, wie die Vorlage besagt, besonders die Bücherei, die chemischen Institute, der volkswirtschaftliche Unterricht und die mit der Lehrerausbildung zusammenhängenden Disziplinen. In Drucker auf dem ersten leeren Blatt eine Signatur an, die aber noch nicht auf den Inhalt des Buches hinwies. Dann ging man dazu über, so in einer venezianischen 'Ausgabe der Vulgata von 1487, ein oder mehrere Worte auf das sonst leerbleibende erste Blatt des Druckes in roter Farbe zu setzen. Der Bibeldruck von 1437 trägt in einigen Exemplaren an der Spitze das Wort „Biblia". Der erste größere derarttge Titel findet sich auf einem Druck des Tübinger Druckers Johann Otmar von 1483. Um diese einfache Titel- fonn eindrucksvoller zu gestalten, verfiel man gegen Ende der 30er Jahre des 15. Jahrhunderts auf den Gedanken, die Titelworte in Holz zu schneiden, und es lag nahe, diese Holzschnittttel durch ein Holzschnittbild oder einen Holzschnittrahmen zu verschönern. Die deutschen Humanisten, die ihre Bücher gern mit Geleitversen einleiteten, verpflanzten solche Gedichte auf das Titelblatt der Druckwerke. Ein solches Gedicht findet sich auf der ersten Seite einer Ausgabe des Ealen- dariums, die die deutschen Drucker Erhard Ratdolt. Bernhard Maler und Peter Löslein 1476 in Venedig veranstalteten. Die letzten Zeilen dieses Lobgcdichtes auf das Werk weisen auf die Drucker hin. und darunter steht „Venetta 1475“ sowie die vollen Rainen der drei Meister. Wenn man das Gedicht als Titel gelten lassen will, so wäre damit zum erstenmal alles angegeben, was man später für einen Vüchertitel als notwendig erachtete. Um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert empfand man allgemein das Fehlen eines Titels als Mangel, unb ein Beweis bafür, daß Titel bereits verlangt wurden, ist die Tatsache, daß bei Büchern, die zunächst -m Anfang ein leeres Blatt trugen, dann bei einem Teil der Auflage darauf ein Titel gedruckt wurde. So tritt denn zu Anfang des 16. Jahrhunderts das Titelblatt, wie wir es am Buch gewohnt find, das in der Wiegendruckzeit im allgemeinen noch völlig fehlt, allmählich als notwendiger Bestandteil deS Druckwerkes hervor, und im Refor- mcttionszeitatter finden wir dann stets die prächtig gedruckten, mit kostbaren Umrahmungen gezierten Titelblätter. freien Räumen Der foa Magdalenenkaserne s'nd bereits untergebracht das wärmetechnisch? 3niti- tut. Es folgen demnächst caS mineralogische In stitut und ein gastechnischrs Institut in Verbindung mit den wärmetechnischen Laboratorien. Es war auch daran gedacht, dem pharmazeutischen Institut in der Kaserne eine Reihe von Laboratorien aur Verfügung zu stellen. Da aber mit dieser Einrichtung eine erhebliche Erhöhung der Kosten verbunden gewesen wäre, wurde dieser Plan auf- gegeben; damit ist grundsätzlich im Sinne der Minderung der Staatsausgaben das Eingehen des pharmazeutischen Hochschulun- terrichtes in Darmstadt bzw. seine Verschmelzung mit den bestehenden Einrichtungen an der Landesuniversität Gießen beschlossen. Rheinhessen. WSR. Mainz, 15. Febr. Der ^jährige Sohn eines hiesigen Eisenbahnbeamten, ein höherer Schüler, er sch oh gestern seinen Vater, der den Jungen wegen eines Vergehens körperlich züchtigen wollte, mit einem Revolver. Der Schuh ging in den Unterleib und hatte den sofortigen Tod des Getroffenen zur Folge. Der jugendliche Vatermörder kam in Haft. WSR. Mainz, 15. Febr. Ueber die gemeldete völlige Schliehung des Mainzer Domes wird noch berichtet, dah die Maß- nähme in einer gemeinsamen Sitzung des Domkapitels und der Bauleitung eingehend besprochen wurde. Professor Dr. Rüth beantragte die Schliehung vor allem mit Rücksicht auf die Gefahren. die bei der Fundamentierung entstehen können. Bei der zu leistenden Riesenarbeit tonne man nicht dafür einstehen, dah nicht Ereignisse eintreten, die den Dom gefährden. Rach langer Aussprache wurde schließlich der Beschluß auf völlige Schliehung des Domes gefaßt. Die Unterfangungsarbeiten werden bereits heute beginnen. Hoffentlich gelingt es, diries Kunstwerk der Menschheit zu erhalten. — Die Domkirchengemeindeverwaltung beabsichtigt, zwecks weiteren Ausbaues des Mainzer Domes eine Anleihe aufzunehmen. Die Stadt Mainz wurde gebeten, die Verzinsung und Amortisation der Anleihe auf 10 Jahre zu übernehmen. und zwar in Höhe von 50 000 Mark. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte in ihrer letzten Sitzung dem Antrag mit Mehrheit au. Preußen. Kreis Wetzlar. kz. Wetzlar, 13. Febr. Auf dem neuen Friedhof erhielt heute mittag der erste Tote feine Ruhestätte. Der Leichenzug ging über den alten Friedhof einen neuen Weg, der durch eine besonders gebrochene Maueröffnung nach dem neuen Friedhof fährt. Wenn auch die großen Neupflanzungen noch nicht zur Entfaltung gekommen sind, so bietet die ganze Anlage doch einen recht würdigen Anblick. Das große Friedhofstor zum neuen Friedhof, das von der Frankfurter Straße aus — gegenüber dem städtischen Krankenhause — den Haupteingang bilden wird, ist eben im Bau begriffen. Aus mächtigen Bruchsteinen erhebt sich der große mittlere Toreingang im Spitzbogenstil, wahrend zu beiden Seiten desselben kleinere Eingänge für die Fußgänger gebaut worden sind, die sich in den Gesamttorbau einfügen. Der Hauptweg durch die neuen Friedhofsanlagen wird eben gebaut. Der Weiterbau des Krematoriums ist augenblicklich noch im Stillstand begriffen. Daß die Stadt Wetzlar solch würdige Ruhestätte für ihre Toten bereitet, gereicht ihr zur Ehre. Kreis Marburg. |[ Marburg, 14. Febr. Der von drr letzten St.iölverordnetensihung beschlossenen Einrichtung vor. Begabtenabteilungen in den oberen Klassen der Volksschulen hat der Magistrat die Zustimmung versagt. — Wegen der in der Umgegend herrschenden Seuchen fällt der aus nächsten Donnerstag gelegentlich des Jahrmarktes angesehte Schweinemarktaus. — Die Leiche eines vor einigen Wochen in der Lahn ertrunkenen 70jährigen Greises ist immer noch nicht gefunden. Ebenso hat man auch noch keinerlei Anhaltspunkte über das Verschwinden eines Po st bedien st eten und eines sechzehn Jahre alten geistig beschränkten Burschen!. — Der Senior der Marburger Handwerksmeister, der Schuhmachermeister Schwalm, ist gestern fast 91 Jahre alt gestorben. Kreis Fulda. WER. Fulda, 15. Febr. In einem Kasseler Blatte erschien kürzlich eine Anzeige, wonach ein Generalsekretär Gumbert in Fulda unter allergünstigsten Bedingungen, ein Hausmeister für ein Landerholungsheim suchte. Offerten mit Beifügung von 2 Mk. für die zu übersendenden Anstellungsbedingungen wurden nach einem hiesigen Hotel erbeten. Etwa 60 Angebote, meist aus Kurhessen, sind bisher eingegangen und fortgesetzt treffen noch weitere zahlreiche Briefe ein. Die Bewerber haben natürlich von den Anstellungsbedingungen nichts zu sehen bekommen. Der Fuldaer Kriminalpolizei gelang es, den Schwindler in einem hiesigen Safe festzunehmen. Dabei entpuppte sich der angebliche Generalsekretär Gumbert in Fulda, als der stellenlose Kaufmann Heinrich Ehrhardt aus Tangermünde in der Altmark. Er wurde ins Gefängnis eingeliefert. Maingau. WSR. Frankfurt a.M., 15. Febr. Wegen Münzverbrechens wurden der Maschinenschlosser Walter Schmidt und feine Geliebte, die Arbeiterin Johanna Keidel, verhaftet. Schmidt hat falsche Zweimark- Reichs stücke mit den Münzzeichen A. D. F und G 1925 angefertigt und diese gemeinschaftlich mit seiner Geliebten in den Verkehr gebracht. Strafkammer Gießen. Gießen, 12. Febr. 1926. Sin Schneidermeister aus Gießen hatte mehrere Polizeiwachtmeister durch Schiinpfworte b e l e t = digt und ohne jede Veranlassung einem Mann in den Rücken getreten. Gegen seine Verurteilung zu zwei Wochen drei Tagen Gefängnis legte er Berufung ein und behauptete, finnlos betrunken gewesen zu sein. Einen Beweis hierfür vermochte er nicht zu erbringen, doch wurde statt Gefängnis auf 120 Mark Geldstrafe erkannt. Wegen Vergehens gegen die Verordnung über den Verkauf von Vieh und Fleisch vorn 13.Juli 1923 war ein Viehhändler aus Trete a. d. Lda. zu 150 Mark. Geldstrafe verurteilt wordcu. Seine Berufung wurde verworfen In Beltershain war ein Bursche von mehreren anderen Burschen mißhandelt worden. Diese wurden vom Amtsgericht zu Geldstrafen verurteilt; einer von ihnen legte Berufung ein und behauptete, zu Unrecht als Täter beschuldigt worden zu fein, er sei bei der Schlägerei nicht beteiligt gewesen. In der heutigen Berufungsverhandlung gelang es es ihm, feine Unschuld nachzuweisen; er wurde freigesprochen. Einem Obsthändler in Ober-Rosbach waren aus feiner Brieftasche, die auf einem Tisch in seinem Wohnzimmer lag, 110 Mark gestohlen worden. Als Täterin wurde eine Händlerin bezeichnet und auch vom Amtsgericht verurteilt. Sie versuchte erfolglos vor der Strafkammer ihre Unschuld darzutun; ihre Berufung wurde verworfen, worfen. Wirtschaft. Arbeitsmarkl und Wirtschaftslage. Arbeitsmarktlage und Beschäftigung der deutschen Industrie haben sich noch nicht wesentlich gebessert. War es kennzeichnend für die deutsche Wirtschaft, daß sich abnehmende Absatzmöglichkeiten und zunehmende Schwierigkeiten in der Beschaffung von Kapitalien nicht sofort auf dem Arbeitsmarkt auswirkten, so kommt andererseits die Bewegung auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie einmal rückläufig geworden ist, nicht so schnell zum Stillstand. So zeigt sich jedenfalls im Januar, daß die Herabsetzung des Reichsbankdiskonts, das Flüssigwerden des Geldmarktes, die Möglichkeit, leichter Wechsellredite zu erhalten, als dies noch vor Monaten der Fall war, eine entscheidende Entlastung des Arbeitsmarktes noch nicht auslöste. Vorerst ist, obwohl sich bei den Arbeitsnachweisen bereits von verschiedenen Industriezweigen Bedarf an Arbeitskräften zu regen beginnt, noch die Zahl der Arbeitslosen, allerdings in verlangsamtem Tempo, gestiegen. Auch die Anzahl der Konkurse hat angenommen, freilich insbesondere im Handelsgewerbe, was ziffernmäßig auf dem Arbeitsmarkt nicht so stark in Erscheinung tritt. Auch nach den Einzelberichten, die aus der Industrie für über 2 Millionen Beschäftigte vorliegen, hat sich die Beschäftigung im ganzen noch weiterhin vermindert, ebenfalls im Vergleich zu vorher in verminderter Stärke. Von 3863 Unternehmungen mit 1,47 Millionen Arbeitern und AngestelUen liegen dem „Reichsarbeitsblatt" vergleichbare Angaben über den Beschäftigungsgrad im Januar 1926 und im Dezember 1925 vor. In diesen typischen Betrieben sank die Zahl der Beschäftigten um etwas über 5 Prozent. In Betrieben mit schlechtem Geschäftsgang waren 66 Prozent der Beschäftigten tätig, gegenüber 61 Prozent im Dezember. 3m Vergleich zum Dezember, der eine Zunahme des Anteils der Betriebe mit schlechtem Geschäftsgang von 52 Prozent auf 60 Prozent brachte, ist diesmal die ermittelte Zunahme von 61 auf 66 Prozent, also etwas geringer ausgefallen. Die Spareinlagen in Hessen. Nach einer amtlichen Veröffentlichung haben die Spareinlagen bei den öffentlichen Sparkassen im Freistaat Hessen Ende 1925 den Betrag von rund 39,3 Millionen Mark erreicht. Durch die Gutschrift der Zinsen wird eine Erhöhung auf etwa 41 Millionen Mark eintreten. Das Jahr 1925 erbrachte im ganzen einen Zuwachs von 27 Millionen Mark. 5tanlfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt, 16. Febr. Tendenz: Unregelmäßig. — Rach der zuversichtlichen Stimmung der letzten Tage trat im heutigen Effekten- verkehr ein leichter Rückschlag ein. Das Ausbleiben von Auslandkaufaufträgen in Verbindung mit der neuerlichen Abschwächung des französischen Frankens wuroe von der Baisse-Spekulation zu einem Vorstoß benutzt, der aber nur auf einigen wenigen Märkten zur Auswirkung kam. Das Eeschäft eröffnete zögernd und unsicher. Das Angebot fand zu leicht ermäßigten Kursen Aufnahme. Die Kursbewegung wies vielfach Ain- regelmäßigkeiten auf. Während Montan- werte oft niedriger einsetzten, konnten sich Elektrowerte infolge der günstigen Aussichten für diese Unternehmungen teilweise gut behaupten bzw. weiter befestigen. Kaliaktien zogen leicht an. Farbwerte gaben dagegen zur ersten Rotiz bis IK Prozent nach. Auch am Bankenmarkte zeigten sich leichte Kurs- abbröcflungen. Deutsche Bank minus 1 Prozent, Dresdner minus 1 Proz. Gegenüber den gestrigen Schlußkursen wiesen auch Schiffahrtsaktien Abschwächungen bis iv, auf. Ziemlich fest lagen dagegen Autoaktien. Auch Zuckeraktien fetzten die Aufwärtsbewegung fort. Badische plus 21 _• Proz., Frankenthaler plus 1 Proz., Heilbronner plus 1 Proz. Maschinenwerte befestigt. Von Baustoffaktien gingen Weih & Freytag höher. Zellstoffaktien tendierten sehr fest. Am heimischen R e n t e n m a r k t ist mit dem Rachlassen des Geschäftes eine neue Abschwächung eingetreten, dagegen lagen die Vorkriegsanleihen der Länder durchweg fest. Von ausländischen Renten standen Türken, Russen und Ungarn im Vordergründe, die bei lebhaftem Geschäft weitere leichte Steigerungen zu verzeichnen hatten. Der Freiverkehr lag geschäftslos. die Kurse blieben unverändert. Bei- kerkohle 61 Proz., Benz 36 Proz.. Drown-Boveri 72 Proz., Growag 53,5 Proz., Hansa-Dank 78 Proz., Krügershall 90 Proz., Petroleum 80,5 Proz., Ufa 52 Proz. Der weitere Verlauf brachte keine Aenderung der schwachen Haltung. Teilweise kam es zu neuen Kursrückgängen. Am Geldmarkt machte sich wieder steigendes Angebot bemerkbar. Tagesgeld 5' 2 Proz., Monatsgeld 6bis 8Vs Proz. Bankdiskonten 57/8 bis 61 3 Proz. Industrie-Akzepte 7 bis 71 Proz. Am Devisenmarkt hat die neue Abschwächung des französischen Frankens das Geschäft belebt. Paris stellte sich gegen London auf 133,30. Das englische Pfund notierte gegen Kabel 4,86V4. Die übrigen Valuten sind kaum verändert. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 16. Febr. Am heutigen Tage wurde an den Terminmartten offiziell der Handel per illiimo Februar ausgenommen. Die Kursbe- feftigungen setzten sich nicht in dem Tempo der letten Tage fort. Die Spekulation neigte anfangs vielmehr zu Gewinnmitnahmen, die u. a. den Kurs für Kriegsanleihe von 0,440 auf 0,420 ermäßigten. An den Aktienmärkten betrugen bei Beginn die Abschwächungen nur Bruchteile von einem Prozent, zumal die Tendenz eine ausschlaggebende Stühe durch den ungemein leichten Geld ft and fand. TageSgeld war zu 41/2 bis 6 Prozent reichlich angeboten. Trotz der anfänglichen GeschäftsstiNe war daher ein freundlicher .Unterton in der Gesamttendenz nicht zu verkennen. Im Verlaufe der ersten Börsc- stunde lebte das Geschäft verschiedentlich stärker auf. insbesondere am Montanmarkt, wo die Verständigungsverhandlungen der Eisenindustrie stimulierten, ferner am Banken markt, der unter dem Zeichen der morgen beginnenden Großbank - Dilanzveröffentlichungen steht, und am Markt der ausländischen Renten. Außerdem fand noch eine Reihe von Spezialwerten zu artziehenden Kursen Beobachtung, so daß nach äleberwindung der anfänglichen Llnsicherheit die Kurse überwiegend befestigt waren. Im Devisenverkehr schwächte sich Paris gegen London weiter ab. die Pfundparität flieg auf 133.50. Rordische Devisen lagen dagegen befestigt. Die dänische Währung konnte ihren stark erhöhten Stand behaupten. Börsen knrse Frankfurt a.M. Berlin Schluß Uurs l-Uhr- flurs Schluß lAufang furr» «iure Datum: | 15.2. | 16. J. 15.2. | 16. 2. 5% Deutsche Rcichsanleihe . 0.4375 0.430 0.43 0,425 4% Deutsche Reichsanleihe . — — 0.411 9.3325 SV//o Deutsche Reichsanleibe 3% Deutsche ReichSanlcihe . 0.425 0,4075 0,42 0.425 — 0.46 0,52 Deutsche Evarprämienanleihe 0,25 _ 0 23 — 40/0 Preußische Konsols . . . 4°/-Vesten.......... 372% Hessen.......... 0,415 o.:-i8 — 0,43 0,42 0,4225 0.305 —— — 3% Hessen........... 0,35 — 0 37 — Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Anwetlng.') 90- 25 92 — 100 — 99,2 — 4% Zolltürken......... 10,45 10 Gl — — 5% Goldmerikaner ... ■ — 43,5 —> — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank 147' iio* 109,7* 148.5' 11"' 148,:* 109,7* Darmst. und Nationalbant - 132,2’ 131.5* 131 5' 131' Deutsche Bank......... 131.2* 131* 129,5' IW Deutsche Dereinsbank ... 55 5 — — Disconto Commandit . . 124,2* 123,5* 123* 123,5* Metallbant........... 38 88 — — Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesterreichische Creditaustalt. 102 5* 7,25 101,5* 7.25 100,5' 7,25 101,5; Westbank .......... — U 033 — — Bochumer Guß........ 90.5- — 89* 89* Buderus ........ 46,75 47* 47,25 Caro ............ 16 — 45.4* Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. 91.75* 93,5’ 90' 91.9' 91* 92 5* 90,5' 92,25* Horvener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 113,5' 112,7' 111.7* 113 5' 117,5' ■ — 118.2* 118.5* Kaliwerk Westeregeln..... 123 123.25 123,7 120,75 Laurahüttc ....... 37 — 37.62 36,75 Oberbedars........... 50,5 — 51.5* 51.5' Phönix Bergbau ...... 80,75' 80' 80 25* 80.62* Roeinstahl........... Nie bett Montan........ 84.5' 81.5* 84,62* 83* 88.9 86,5 88,5 87,5 Tellus Bergbau. ...... 56 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ... 132,5' 136* 131,5' 132.5' 136' 131,2' 134,2' Cheramische Werke Albin . . — — — Zementwerk Heidelberg . . 78 78 — _ Philipp Holzmanu...... 68 69 68 Anglo-Cont.-Guano..... — — 89 Chemische Mayer Alapm . . — — — I. G- Farbenindnstric, A.-G. Goldschmidt.......... 130,7' 129,2* 128' 129,2» 72.5 — 73.9 73,5 Holzverkohlung........ Rütgerswerke......... 78,5' 78,5 79 5 Schctdeanstalt......... 94 99,5 — Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 98.25' — 98' 98' Bergmann ......... Mamkraftwerke........ 86 — 86' 86,75' 84 86 — .— Schutte« . ......... Siemens k Halske ...... 85,5* 86’ 86,4* 85,5* — 104.5' — 101,5* Adlcrwcrkc Klcyer ...... 49,75 41 38,5 41 Daimler Motoren..... . — 36,25 35 36,1 Henligensiacdt. ........ Meguin............ Motorenwerke Mannheim . 30 _ 82 —- — — — —• Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Brann . . . 19 - — - Metallgcselvchaft Frankfurt. Bei. Union A.-G...... 99 63,5 — 62 Schuhfabrik Her; • • ... c3 — — — Sichel. . . ........ 6 — 5.5 Zellstoff Waldhof....... 100.4 101,25 100 101 Zuckerfabrik Franke mb al . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 41.6 13 45 45,5 13,5 — Devisenmarkt Derlm—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszohl ung. 15 Febr. 16. Febr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Briet Amst.-Viou 168,37 168,79 168.06 168,48 Buen.-Airec 1.721 1,725 1.7'8 1,129 Brss.Antw 19 07 19,11 19.07 19,11 Christiania - 85,46 85,68 84,31 85,76 .Kopenhagen — — 109,04 109,32 Stockholm ■ 112,25 112,56 112,29 112,57 Helsingfors 10,553 10,593 10,55'2 10,59? Italien. . . 16,915 16,->25 16,925 16,965 London. 20,39) -"1,451 20,39:1 20,451 Neuyork . . 4.195 1,205 4,195 4,215 Poris. . . 15.47 5,51 15,24 15,28 Schwei; . . «0 808 •i .055 80,7 < 80,97 Spanien. . 59,03 0,07 5'4,06 59,21) Japan . . . 1,181 1.205 ! .914 1,918 Rio de Jan. ) 619 .621 1.621 0.623 «men in jj--- £cft. abgcst -9,125 59,165 >9,045 59,185 Prag ... 12.416 12,156 12,418 12,458 Belgrad • • 7.38 7,40 7,379 7,39n Budapest. • 5.878 5.89> 3.872 5,892 Bulgarien 8,0.3 u.04 3.(13 3.04 Lissabon 21.245 21.295 21.24.5 21,295 Danzig. 80 !>0 81.UI 80,91 81,1) Konstantin 2,21 2,22 2,205 2,215 Athen . 6.14 o.lG 5.89 5.91 Canada. . 4,18 4,19 4,179 4,189 Uruguav . . 4,375 4,395 4.3*25 4.335 Banknoten. Berlin, 15 Febr. Geld Briet Amerikanische Note» ..... 4.185 4.205 Belgische Noten........ 19,01 19.11 Dänische Noten ....... 109,18 109,72 Englische Noten........ 20,3. ■20,46 Französische Noten ...... 15,54 15,61 Holländische '.Voten ..... 1) 7,6S 168.52 Italienische Noten...... 16 92 17,00 Norwegische Noten...... 87,3s 87.82 Deutsch-Ocstcrr-, L100 Äronen 58.90 59,20 Rumänische Noten...... —- — Schwedische Noten ...... 112,02 112,58 Schweizer Noten...... 80,66 81,06 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 59,05 59,35 12,40 12.46 Ungarische Noten....... 5,83 5.87 Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 16. Febr. Cs wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 26 bis 26,25, Roggen (inl.) 17,25, Sommergerste (für Brauzwecke) 20 bis 22, Hafer (inl.) 18,50 bis 21,50, Mais (gelb) 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 40 bis 40,50, Roggenmehl 25,50 bis 26, Weizen» kleie 9,75, Roggenkleie 10 bis 10,25. — Tendenz: Stetig. berliner Produktenbörse. Berlin. 15. Febr. Die Geschäftslage an der Berliner Produktenbörse hat sich auch zu Beginn der neuen Woche wenig geändert. Die vom Auslande erneut eintreffenden schwächeren Preisberichte bleiben auf die Tendenz nicht gairz ohne Einfluß, andererseits hält aber das Inland- angebot nach wie vor zurück. Am Lokomarkt waren die Preise erneut für Weizen wie auch für Roggen 50 Pfennige bis 1 Mark niedriger Mehl behalt sein schwieriges Geschäft und ist trotz vereinzelt ermäßigten schwer abzusehen. Gerste und Hafer wird nur in besseren Sorten allerdings zu etwas ermäßigten Preisen gefragt. Futter- artilel lustlos. Auch im Lieferungshandel hielt das Riveau zurück. So eröffnete Weizen mit 262 per März 1 Mark und Mai mit 271 1,50 Mart niedriger. Roggen um 1 Mark gegenüber dem Vortagsschluß schwächer, März 164,50, Mai 176,50. Es notierten per 1000 Kilo: Weizen, märt. 245 bis 246, do. Pommern 245 bis 246, do. März 263, do. Mai 272, Roggen, märt. 144 bis 149, do. Pommern 144 bis 146, do. März 164,50, do. Mai 176,50 bis 177, Gerste, märt 168 bis 194, Futtergerste 156 bis 166, Hafer, märt. 164 bis 170, Raps 340 bis 345, per 100 Kg.: Weizenmehl 32 bis 35,25, Roggenmehl 21,75 bis 23,75, Weizenkleie 10,50 bis 10,75, Roggen- fleie 9,20 bis 9,40, Viktoriaerbsen 26 bis 34, kleine Speiseerbsen 23 bis 25, Futtererbfen 21 bis 23, Peluschken 20,50 bis 21,50, Ackerbohnen 20,50 bis 21, Wicken 22 bis 24, Lupinen, blau 12 bis 13, do. gelb 14 bis 15, Serradella 20 bis 22. Rapskuchen 14 bis 17, Leinkuchen 19,90 bis 20, Trockenschnitzel 8,10 bis 8,20, Kartoffelflocken 13,80 bis 14,30, Soyaschrot 18,50 bis 19. Virchertisch. Das neue Daheim (Rr. 19) schildert in einem Aussatz „Scheschauen" mit Wort und Bild Land und Leute, die politische und militärische Lage in Marokko. Reben der Fortsetzung des lausenden Romans bietet das Heft eine selbständige, heitere Erzählung „Der Teufel auf der Rennbahn" von Georg Enders, mehrere Gedichte, eine ärztliche Behandlung über Rervosität des Säuglings, wichtige Ratschläge für die Hausfrau, eine naturwissenschaftliche Darstellung des Einsiedlerkrebses, genannt Palmendieb, und einen aufschlußreichen Aufsatz über das Wesen und die Organisation unserer Reichswehr. — D ie neue Rümmer (20) des „'S a- beim“ ist erschienen und bringt eine Fülle von Anregung und bester Unterhaltung. Max Grube , berichtet liebenswürdig und humorvoll „Aus dem , Reich der Schminke". Dr. Bogdan Krieger folgt 1 anläßlich Scheffels 100. Geburtstag den Spuren des Rodensteiners. Max Valier beschreibt in einem aktuellen Aufsatz „Ein Dutzend Kometen", dige Rovelle „Hofball" von G. O. Stoffregen. Reben der Romanfortsehung steht eine felbftän- Das Frauendaheim plaudert von allerlei Modetorheiten und vom Sport der deutschen grau, von Wolltieren und luftigen Knopfpuppen. Gedichte, der vorzügliche künstlerische Bildschmuck und viele Abbildungen zur Zeitgeschichte vervollständigen das reichhaltige Heft. — Der Menfch vor 100 000 Jahren. Dem Reanderthal-Menschen ist ein Konkurrent erwachsen. Bergbausprengungen in der Weimarer Gegend führten zur zufälligen Auffindung des „Menschen von Ehringsdorf". Die ausge- grabenen Knochen und Schädel — fo erzählt und zeigt die „Koralle", das neue Magazin für alle Freunde von Ratur und Technik, mit Hilfe hochinteressanter Photographien — geben uns Zeugnis von der 01^1x1011^11 menschlicher Wesen vor 130 000 bis 140 000 Jahren und vermitteln überraschende Einblicke in das Kulturleben jener diluvialen Epoche. -- Ein ganz anderes, aber nicht minder interessantes Gebiet behandelt ein zweiter Artikel „Zeichen in der Hand". Eines Der interessantesten Probleme der modernen Medizin: „Können aus den Linien der Hand Krankheiten abgelesen werden?" wird hier von einer Autorität dieses Gebietes behandelt und mittels einer großen Zahl von Handaufnahmen erläutert. — Von den weiteren Aufsätzen des neuen Heftes seien noch herausgegriffen: „Gebrauchs- und Luxushunde", „Rarzissen" und „Merkwürdige Bäume". Ratthey: „Der Stempeldruck und Bildschnitt". Ein Weg zur künstlerischen Schaffensfreude für Schule und Haus. (Verlag Rembrando, G. m. b. H. Bremen, Langenstr. 33/34) Pr. 1,50 Mark. Mehr und mehr ist die Frage des Werkunterrichts in den Schulen in letzter Zeit in den Vordergrund gerückt. So sehen z. B. die Richtlinien für den neuen preußischen älnterrichts- plan den Stempeldruck und das Vervielfälti- gungsverfahren im Zeichenunterricht vor. Für diesen Zweck hat der Leiter der Berliner Heimat- und Bersuchsschule, Lehrer Wilhelm Ratthey, das vorliegende Büchlein verfaßt, das aber nicht allein dem Unterricht dienen soll, vielmehr will es auch dem Liebhaber ein Helfer sein und den Kindern in der Heimarbeit Anregung geben zu produktivem, lehrreichem Schaffen. Das Welchen ist in flotter, anregender Schreibweise abgefaßt, die Einführung in das neue Gebiet ist so einfach gehalten, daß jeder die gegebenen Anleitungen verstehen und befolgen kann. Der Verfasser beginnt mit den ersten kindlichen Hebungen im Stempeldruck (z. B. Abdrucke von Flaschenkorken), um dann hinüberzuleiten zu denkendem Schaffen und praktischer Arbeit. Das Büchlein, das 40 Illustrationen (Bildschnitte) enthält, wird nicht allein vom Schulfachmann, sondern auch von den Eltern begrüßt werden, die ihren Kindern Anregung zu freiem Schaffen geben wollen. 697 Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der „Radio-Umschau".) Mittwoch, 17. Februar: 3 bis 3.30 Uhr: Die Stunde der Jugend. 3.30 bis 5 Uhr: Konzert der Hauskapelle: Glinka. 5 bis 5.30 Uhr: Bücherstunde: Zum 100. Geburtstage von Iof. Viktor von Scheffel aus „Ekkehard". 5.30 bis 6 Uhr: „Unter den Kamerunnegern", Vortrag von Frau Dr. H. Elbert. 6.15 bis 7.15 Uhr: Vortrag von Studienrat Liebmann „Aus der Welt des Ingenieurs". 7.15 bis 7.45 Uhr: Schachstunde. 7.45 bis 8.15 Uhr . Beamten-Fortbildungskurfe. 8.15 bis 9.15 Uhr. Uebertragung von Kassel: Dritter Abend der Kammermusik vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. 9.15 bis 10.15 Uhr: „Gentz und Fanny Elßler", Drama von Jakob Wassermann. Apoth. Rich. BrandfS blutreinigende SchweigetpiUen das guta alte Hausmittel für milde und Sichere Regulierung des Stuhlgangs. Rxtr.Bel.pxl Extr. Ach moach — Alois — Absynth A» 1.0 Extr.TrU-Gent -a 0.5. Polv.rid. Gent. Trit aaq.3.f.p.to. Sein oder Nichtsein. i Ein Kriminalroman von der Wasserkante. Don Moritz Schäfer. 22. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Dem Junker ward's ungemütlich. „Na, na," rief er aus und lief, mit der ausgegangenen Pfeife fuchtelnd, auf und ab, „soweit wären wir nun glücklich! Scheinen ja ein wackerer Kerl zu sein! Brauchen nicht gleich außer Rand und Band zu kommen. Hatte ja immer eine gute Meinung von Ihnen — müssen mir nicht gleich mit der Faust auf die Nase hämmern wollen, wenn ich Ihnen mal auf den Zahn fühle! Freue mich, daß der Zahn nicht hohl ist und zubeißen kann, wenn's not tut! Nur beißen Sie mal lieber bei 'nem andern als bei mir! Sehen Sie, Männchen, daß Sie sich's im letzten Momang noch mal überlegt haben, bevor Sie Ihre fünf Finger an mir übten, das ist vernünftig. Das ist gut für uns beide. Ich hält' Sie wahrscheinlich auf'm kürzesten Weg raus auf’m Mist befördert oder ich hätt' das durch meinen Kammerdiener besorgen lassen. Auf jeden Fall aber wär' ich Sie als Sachwalter los gewesen. Und das hätte mir nun wieder leid für mich getan! Also, was wir zwei eben erlebt haben, das existiert nicht. Her mit der Hand! Wir bleiben die Alten!" Die Pranken des Riesen streckten sich dem Bankier entgegen, doch dieser sah darüber hinweg. „Nein, Herr Zechlin," sagte er wieder ganz gefaßt und erhob sich, „wir bleiben nicht die Alten! Es bleibt bei dem, was ich gesagt habe!" Jetzt sprang auch dem Junker das Blut in den Kopf. Daß der Zwerg es gewagt hatte, die Hand gegen ihn zu erheben, war das schlimmste nicht: ja, es hatte dem Riefen bis zu einem gewissen Grade imponiert. Dreinschlagen war ja auch seine Parole; der Deubel frikassiere die Waschlappen! Aber daß der Crdenwurm seine Pranke übersah, reizte den Löwen maßlos. Das war ein Affront sondergleichen. Daß sich der Herr von Groß-Spirow her- abgelassen, das fünffingrige Instrument seines Willens einem Nichtjunker entgegenzustrecken, war eine Gnade, deren Zurückweisung unerhörten Schimpf bedeutete. So fiel denn jetzt die zornaepanzerie Faust mit dumpfem Dröhnen auf die Tischdecke, daß eine Herr« schaftliche Blumenoase, von der Entrüstung ihres Besitzers angesteckt, einen tollen Tanz der Derwun- derung ausfuhrte. Blaurot dräute der massige Kopf, die stählernen Pupillen schossen Blitze, und unter dem graugesprenkelten Schnauzbart wetterte es los: „Wie, Sie wollen Herr! Machen wir Schluß miteinander! Aber beklagen Sie fichntcht, wenn's Ihnen dreckig geht! Wenn meine Standesgenossen hören, wie Sie mit Ihren Klienten umspringen, — na, mir kann's recht sein. Vielleicht legen Sie's draus an, vor die Hunde zu geh'n! — Morsen!" Dröhnend flog die Flügeltür ins Schloß — Jupiter tonnas war verschwunden. Bebend bis ins innerste Mark, verließ Lorenzen das Zimmer. Die Ahnenbilder blickten stolz und kühl. Auf der knarrenden Eichentreppe stand wie eine Bildsäule der grauköpfige Galonierte. Der bücklinggeübte Rücken blieb bolzenstrack, die bornierten Züge wurden von keinerlei Devotion berührt. Der Fiatwagen sprang an. Im Fond saß ein gebrochener Mann und stierte hinaus in die üppige Landschaft, die fein Benzinroß durchraste. Hinaus in Kleefelder, darinnen die Sense ging; in Wälder, von flüchtiger Rehgenß durcheilt, in Seen, aus deren flimmerndem Spiegel fette Karpfen die dummen Köpfe spielend hoben; in reifende Weizen- feioer, die ihre vollen Halme im Winde gen Westen neigten, wo das Haus des Besitzers all dieser Herrlichkeiten zwischen den Bäumen allmählich verdämmerte. XVIII. Als Andrea von der Reise nach Hause kam, merkte sie sofort an der fiebernden Unrast, die in den Geschäftsräumen begann und sich durch das ganze Haus fortpflanzte, daß etwas Besonderes im Werke war. Gutes bestimmt nicht! Vanselow schoß am Portal an ihr vorüber und vergaß in der Aufregung beinahe den Gruß; Kommis schwirrten aus und ein: in der Privatwohnung hielten der Diener und di? drei Dienstmädchen — die gute alte Ella einbegriffen — ein tuschelndes Konzil und stoben auseinander, als die Herrin erschien. Lorenzen war unsichtbar. Selbst zum Essen erschien er nicht und ließ sich am Haustelephon entschuldigen. Vanselow rief an und bat Andrea, im Auftrag ihres Gatten die unliebsame Störung zu verzeihen. Herr Lorenzen habe gehört, daß die gnädige Frau zurückgekommen fei, aber er habe nicht einmal Zeit gehabt, sie zu begrüßen. Jetzt sei er auf einen Sprung zur Reich-bank gefahren, es sei eine unaufschiebbare Sache. Aber um drei Uhr denke der Herr zurück zu sein. „Ist denn etwas Besonderes oorgefallen, Herr Vanselow?" „Nicht im Geringsten, gnägide Frau." „Aber woher kommt denn diese außergewöhnliche Aufregung? Wollen Sie nicht mal einen Sprung zu mir herauf kommen, Herr Vanselow?" „Bedaure unendlich, gnädige Frau — ich kann jetzt keine Minute abfommen! Zur Beunruhigung ist wirklich keinerlei Anlaß — Empfehl' mich gehorsamst, gnädige Frau — — ich muß an den Fernsprecher. Berlin klingelt an." Als Ella die Speisen auftrug, fragte Andrea: „Was ist eigentlich los, Ella; warum habt ihr den großen Rat im Salon gehalten?" Die alte Dienerin stotterte eine Entschuldigung. „Das wollen wir denn doch nicht einführen, Ella!" , „Es soll auch gewiß nicht wieder vorkommen,11 gnä' Frau!" „Ader die Ursache eures sonderbaren Benehmens will ich kennen!" „Ach Gott, gnä’ Frau, wissen Sie denn noch nicht —?" Andrea stockte der Puls. — Was würde sie erfahren? Erfahren durch einen Dienstboten! „Nein, Ella, ich hab' keine Ahnung. So sprechen Sie doch!" „Der Peter (das war einer der Ausläufer des Geschäfts) hat uns Raupen in den Kopf gesetzt, gnä* Frau. Der kommt alle Stunden zweimal rüber und pukt. Zwischen jedem Geschäftsgang kommt er. Der sagt, der Zechlin — wissen, gnä Frau, der Besitzer von Groß-Spirow — der hält' sein Geld bei uns geholt. Und das war schlimm', sagt der Peter, denn nu kämen alle Junkers nach und holten auch ihr Geld. Der von Hohen-Kraatz sei schon dagewesen, und der von Altsineck und der von Tornow. Wenn das so weiter geht, sagt der Peter, o Gott, o Gott — nee gnä’ Frau, ich glaub’ dem Peter nich, der Schlingel is 'n ausgekochten Jung, und was —" „Es ist gut, Ella. Was der Mensch redet, ist natürlich barer Unsinn. Wer sein Geld holen will, soll es tun; auf einen, der holt, kommen drei, die bringen. Was den Peter betrifft, so werde ich mit meinem Mann reden. Ihnen und den anderen Dienstboten verbiete ich, den Verleumder noch einmal zu sprechen. Wer es dennoch tut, ist entlassen." Die Worte Hangen ruhig und falt, indessen die Sprecherin im Innersten bebte und kochte. Als Ella gegangen war, sank Andrea weinend auf eine Chaiselongue. Von den Speisen rührte sie keinen Bissen an. Zwar sagte sie sich, es sei nötig, sich zu zwingen, damit der Verdacht der Dienerschaft nicht neue Nahrung aus den unangetasteten Schüsseln ziehe — aber die Kehle war ihr wie zugeschnürt, und sie sank wieder auf das Ruhebett. Als Ella zum Servieren erschien, winkte ihr die Herrin müde ab. „Ich habe Kopfschmerzen von der Fahrt. Ich kann jetzt nicht essen." Mitleidig trat die Alte näher und legte die Hand auf Andreas Stirn. Apathisch ließ sich die gemarterte Frau die Berührung gefallen. Allerdings, da klopfte und hämmerte das Blut. „Gnä' Frau —" „Was denn, Ella?" „Es wird schon alles wieder gut werden!" „Ja, ja. Die Anstrengung war ein bißcheff groß. Ich werd' ein wenig ruhen, bis der Herr kommt." Langsam schüttette Ella den Kops. Sie ließ die Hände sinken und faltete sie im Schoß. „So mein' ich das nicht, Frau Lorenzen. Das Kopfweh geht vorüber. Aber das andere —* Andrea fuhr auf. ,Lassen 6le mich zufrieden mit . . ." Sie sah in das kummervolle Gesicht der treuen Alten, und die Worte erstorben ihr auf den Lippen. Ella gehörte zum Hause Lorenzen wie ein unentbehrliches Inventar. So wie die alte Stand- uhr, die mit stets dem gleichen Tik°tak bange und heitere Stunden zählte. Vor dem guten, ehrlichen Gesicht der Matrone gab's keine Geheimnisse. Und die starre Zurückhaltung, die. das stolze Weib sich auferlegte, wich — die mütterliche Sorge der treuen Dienerin sprengte das Eis und ließ geheime Quellen rinnen, die heiß von Herz zu Herzen drängten. In dieser Minute, die Verstehen heischte und anschmiegendes Verständnis, schwanden die Standesunterschiede wie eitel Dunst, und zwei Frauen sanken sich in reiner Menschlichkeit an die Brust. (Fortsetzung folgt.) Polster-Werkstätte Franz Bock Liebigstraße 93 Telephon 2432 1479D :: Neuanfertigung:: Reparaturen WnSieWMWW wenn Sie etwas vernickeln und emaillieren lassen wollen Spezialität: NM-». MrM MiWißj-MMs fc Telephon 1248