I to CD CO l Nr. 295 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 15 Dezember 1926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dmtf und Verlag: vrühl'sche Universilälr-Vuch- und Steinöruderei H. Lange in Gietzen. Zchnstleitung und Seschäftzftelle: Zchnlfttahe 7. Unnahme ooi Lnzeiar» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Löhe für Anzeigen vv.i 27 inm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, fftr Re- stiameanzeigen von 7Ü mm Brette 35 Reichspsmenig, Playoorfchrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh Lange. Terantmortlld) für Politik Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlunischcin; für den An« zeigenteil i.Dcrtr. H.Deck, lämtlid) in Gießen. Eriche,nl täglich,auhei Sonntags und Feiertags Beilagen: Gtehener Familienblättei Heimat ,m Bild Die Scholle Monals-kezugsprets. 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern Mfolge höherer Gewalt Fernsprechonschlüsssi 51, 54 und 112. Anfchrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Siehe». Ärcklonto: 1 Main 11686. Die neue Lage. Auslassungen des Auswärtigen Amts. Berlin, 14. Dez. (WB.) Sn politischen Kreisen wird das Ergebnis der Genfer Ver- Handlungen nach der Rückkehr des deutschen Reichsaußenministers folaendermahen bewertet: Sm wesentlichen standen zwei Fragen zwischen uns und den Alliierten, und eine zwischen unS und dem Völkerbünde zur Erörterung. Zunächst war das Investigationsprotokoll Gegenstand einaehendec Beratungen. Ehe der Vertrag von Locarno paraphiert worden ist, hat die damalig« deutsche Delegation ihre Zustimmung davon abhängig gemacht, daß ihre Partn-r ihr politische Klarheit über die Sn- vestrgation gaben. Es ist der deutschen Delega- tion häufig zum Borwurf gemacht worden, daß sie nicht einen noch größeren Wert auf schriftliche Abmachungen gelegt habe, weil ein Wechsel der Kabinette alles umwerfen könnte. Sm Völker- bunüSrat habe sich keine Schwierigkeit ergeben. Dabei gibt es in der Frage der Snvestigation auch nicht einen Punkt, in der die deutsche Auffassung nicht anerkannt und durchgedrungen wäre. Es gibt keine Elements stables, und ebenso wenig geht die Militärkontrolle auf den Dölkerbunü über. Schwieriger gestalten sich die Verhandlungen über den zweiten Fragenkomplex, der sich auf die Interalliierte Kontrollkommission bezog. Das zeigt am deutlichsten der schwere Kampf, dcr in dem Tttegrarnrnwechfel zwischen Paris und Genf zum Ausdruck kam. S.i Genf haben die Verhandlungen trotz Verzögerungen und trotz aufregender Momente nach der übereinstimmenden A fsassung dec Delegation, der sich morgen auch das Kabinett anschließen dürfte, unserem Standpunkt vollkommene Gerechtigkeit widerfahren laffen. Heber zwei Fragen von großer Wichtigkeit ist man jetzt noch nicht einig geworden. Es ist deshalb auch nicht richtig, daß der deutsche Außenminister in der Frage des Kriegsgerätes Konzessionen für die Ausfuhr von Halbzeug gemacht hat. Gerade in dieser Frage hol sich die Lage zu unseren Gunsten entwickelt, intern bei den kommendm diplomatischen Verhandlungen nicht mehr die Exportfrage im Vordergründe stehen wird. Vielmehr wird das Problem bei der kommenden diplomatischen Fortbehandlung von der militärischen Seite der Aufhäufung solchen Gerätes in Deutschland an- gcfaht werden, also in einer Form, die untere wirtschaftlichen Sntereffen nicht derart berührt. Ebenso Ist in der Frage der vsibefesiigungen von beiden Selten die Möglichkeck neuer Vorschläge gegeben und man kann, wie die Dinge liegen, hoffen, daß auch diese Frage in den Verhandlungen von Regierung zu Regierung erledigt wird. Die deutsche Aufsassunz. daß uns ein System von Befestigungen zugestan7en worden ist, ist durchaus aufrechterhalten worden. Sollte wirklich noch der Völkerbundsrat mit dieser Frage besaßt werden, so würde es sich nicht um eine Snvestigation handeln, denn der Tatbestand steht ja fest: vielmehr würde das HaagerSchieds- g e r i ch t dann ein neutrales Gutachten abzugeben haben. Die Brrufunz techn scher Sach- verständ-iger an die Botschaften der früheren Alliierten wird in politischen Kreisen als eine inne re Angelegenheit dieser Machte betrachtet, da die Sachverständigen keinerlei andere Rechte als die Beratung ihrer Botschafter haben. Die Vereinbarungen über dir Zurückziehung der Kontrollkommission haben als gentleman agreement rechtlicheDindung. Das Protokoll ist vom englischen Außenminister als Vorsitzenden gezeichnet und unter den Teilnehmern der Verhandlungen verteilt worden. Daß außerdem auch über die Frage der Rheinlandräumung gesprochen worden ist, ist aus der Presse bereits bekannt geworden. Rach Snfor- mationen aus gut unterrichteten Kreisen darf damit gerechnet werden, daß diese Frage in der nächsten Zeit in der Diskussion bleiben wird. Slresemann beim Reichspräsidenten. Berlin. 14. Dez. (WB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute am Spätnachmittag den Reichsminister Dr. Strefe - mann zum Vortrag über die Genfer Konferenz. Sm Verlauf der sich hieran an müp lenden Unterhaltung sprach der Herr Reichspräsident mit Worten des Dankes für die hingehende Arbeit deS Herrn Reichsaußenministers seine Befriedigung über die in Gens erreichten Fortschritte aus. Er gab zugleich der Erwartung Ausdruck, daß auch die noch offenen fragen in Bälde einer guten Lösung zuge- führt werden. Deutschland Mitglied des Dölkerdundsgerichts. Berlin, 15. Dez. (WTD.) Mit der ilitier- zeichnung des Protokolls des ständigen internationalen Gerichtshofes durch Reichsaußenminister Dr. Strefemann ist Deutschland auch Mitglied des Völkerbundsgerichts geworden. Wie die .Tägliche Rundschau" bemerkt, hat Deutschland bei der Tlnter^eichnung nicht jene Klausel unterzeichnet, die bestimmt, daß unter allen Lim ständen alle Streitigkeiten vor den ständigen internationalen Gerichtshof gebracht werden. Diese Klausel ist überhaupt nur von einer Anzahl kleinerer Staaten unterzeichnet worden, während Großmächte sich bisher zur Unterzeichnung nicht focreitgcfunten haben. Deutschland hat nunmehr die Pflicht, zu den K o st e n des Gerichtshofes beizutragen. Es besteht gleich- zeitig aber auch die Möglichkeit, daß deutsche Vertreter in den Haager Gerichtshof entsandt werden. Verfolgung der deutschen Minderheit in Polen. Warschau. 15. Dez. (TU.) Sm Sejm hielt am Dienstag bei der Beratung des Budget- proviso.iums der Abgeordnete Wlodasch eine Rede, in der er feststellte, daß die deutsche Minderheit in Polen seit langem nicht solchen Unterdrückungen und Versol- g ung en ausgesetzt gewesen sei als jetzt. Der Redner wieS auf das Banditenunwesen in Oberschlesien hin, dem die dort wohnenden Deutschen schutzlos preisgegeben seien. Die Polizei versag« vollkommen. Die Behörden aller Snstanzen tun nichts, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Er - stellte weiter sest, daß auch alle nach dem Mai-Umsturz ans Ruder gekommenen Regierungen nichts g e - t a n hätten, um in Oftoberschlesien gesetzesmäßige Zustände wiederherzustellen. Seine Fraktion werde infolge des Verhaltens der Regierung gegen das Provisorium stimmen. Sm gleichen Sinne äußerte sich auch der Bartreter der ukrainischen Minderheit. D«r Budget- Provisorium wurde schließlich in zweiter und dritter Lesung angenommen und dem Senat überwiesen. Rumäniens lNinderheilenpolitil. Ein deutscher Protest. Bukarest, 14. Dez. (Priv.-Tel.) Sn der letzten Sitzung der Kammer verlas der Abg. Hans Otto Roth namens der Abgeordnetengruppe der sächsischen Minderheit eine Erllärung. in der mit Bedauern festgestellt wird, daß die Regierung die Minderheitenfrage volllommmr aus der Diskussion ausgeschaltet habe. Me auf Gebrauch der Minderheitssprachc in der Verwaltung sowie die auf das Schulwesen bezüglichen Wünsche der Minderheiten haben, wie die Erllärung besagt, noch immer keine 2p- sung gesunden. Die Erklärung verlangt die Außerkraftsetzung der wirtschaftlichen Verordnungen, die Einschränkungen zum Rachtell der Minderheiten enthielten. So wird die Abänderung einiger Bestimmung:n des Agrargesetzes verlangt, um so mehr, als die Landwirte, deren Besitz enteignet wurde, noch immer nicht entschädigt wurden, so daß sie sich in einer verzweiflungsvollm Lage be'inden. Ferner wird verlangt, daß den wirtschaftlichen 3n- ftitutionen der Minderheiten Kredite in demselben Maße gewährt werden wie den rumänischen Snftitutionen. Schließlich wird in der Erllärung gegen die Verordnung deS Kultusministers protestiert, die die Vernichtung von 65 Prozent der Minderheitenparochien nach fich ziehen werde. Die fremden Mächte in China. England verhandelt mit der nationalen Regierung von Kanton. China ist jetzt prattisch in zwei Teile geteilt. Als einzige Gegner stehen sich jetzt noch T s ch a n g t f t> I i n, der Beherrscher der Mandschurei und provisorischer Leiter der Peking- Scheinregierung, und die Kantonregierung gegenüber. Dabei bleibt zweierlei zu beobachten. Tschangtsolin hat bis jetzt seine A.ckündigungen noch nicht wahr gemacht, Hilfstruppen für Sun- tschuanfang im Kampf gegen die Kantonarmee zu entsenden. Man wird kaum fehl gehen, darin die Befürchtung des Marschalls zu erblicken, die Entblößung seines Machtbereiches von Truppen formte der nationalistischen Propaganda Tür und Tor öffnen, die ja schließlich auch die Riederlage Suns, des Beherrschers d r fünf SangtseprvvInzen, beschleunigt hat. Außerdem mag ihn auch ein Wink der Fremdmächte davon abhalten, die feine kriegerischen Unternehmungen bisher finanziert haben. Denn am beachtenswertesten ist wohl die Tatsache, daß die Fremdmächte durchaus geneigt sind, sich insofern auf den Boden der gegebenen Tatsachen zu stellen, als sie die Kantonregierung anerkennen wollen. Einer A lercennung Kantons ist ja schon die Tatsache gleich zu erachten, daß der neuernannte diplomatische Vertreter Englands, das das Haupthindernis für die Befriedung Chinas bildete, bei seiner A ifunft in China nicht den Sih der ßentralregieru.ig, Peking, auf suchte, sondern sich zu Verhandlungen mit dem Außenminister der Kantonregierung, Tschen, nach Hanlau begeben bat England sicht also mit allen Mitteln die begangenen Fehler wieder gutzumachen und auch die chinesische Bewegung ale das anzuerlennen, was sie wirklich llt, als den Ausdruck des natio = nalen WiIlens der Massen. Die Derdächtigung, die darin zu sehen ist, daß man die Bewegung als Bolschewismus stempelte, sollte lediglich dazu bienen, auch die anderen Mächte gegen Kanton mobil zu machen. Diese Absicht ist mißlungen, sie haben es abgelehnt, für England die Kastanien aus dem Feuer ZU holen. Und so mußte sich schon England zu diesem Schritt in Hankau bequemen, um aus der Laae zu retten, was noch zu retten ist, es muhte den Erfolg Kantons anerkennen. Wenn sich jetzt die englische Oeffentlichleit wieder bemüht, von Schwierigkeiten der Kantonregierung zu sprechen, so scheint darin nur der Versuch zu liegen, die Schwierigkeiten ZU erklären, die England hat, um mit Kanton in das rechte Verhältnis zu kommen. Für uns Deutsche iint> die ganzen Vorgänge von besonderer Bedeutung. Wir können nut das Vorgehen Kantons begrüßen, das in einer Befreiung Chinas ton fremder Ausbeutung und fremden Einflüßen gipfeln soll. Deutschland hat bereits auf die Vorrechte verzichtet. Labei muß besonders berücksichtigt werden, daß die alliierten Mächte, die freute noch nicht auf ihre Vorrechte verzichten möchten, seinerzeit China veranlaßt haben, den Leuischen die Vorrechte abzusprechen. Tie Verhandlungen des englischen Gesandten Lampson werden also in der -Ochsten Zeit erhebliches Snteresse beanspruchen. Das Kreuzfeuer der englischen Presse deutet darauf hin. daß wichtige Ereignisse vorbereitet werden. Sie werden darüber entscheiden, ob sich England wir.lich mit den gegebenen Tatsachen abfindet und ob für China im kommenden Sahre endlich friedlichere Zeiten beginnen. Don den Bedingungen, die jetzt England für eine endgültige Anerkennung Kantons stellt, wird es sicher im Lause der Verhandlungen noch abgehen, wenn es sieht, daß es sonst nur Gefahr läuft, feinen geschäftlichen Einfluß in China volllommen zu vertieren. 6: ine bisherigen Bundesgenossen, besonders Sapan, warten ja nur darauf, an die Stelle Englands zu treten. Vor neuen Kämpfen? Peking, 14. Dez. (Wolff.) Die Lage in Rordwest-China nimmt mehr und mehr an Snteresse zu. Sn den Provinzen Kansu und R o r d - Sch ans. nä 'era sich die ma.lstchu.lschen Truppen in Eilmärschen den Rationa.truppen unier Fengjuhsiang. während andererseits die Rational tiuppen in Wrsthonan e.ngeörochen find, wo, wie man glaubt, Wupeifu nicht in der Lage sei, sie zurückzuführen. Es handelt sich jetzt zu wissen, ob die mandschurischen Truppen die Vereinigung der Rationalarmee mit der Äanfonarmee verhindern werden. Die politischen 3^1e der kantonregierung. London, 14. Dez. (WTB.) Der Sonderberichterstatter der „Dailn Expreß" meldet aus Schanghai, feine perfönliche Untersuchung der Lage in Kiu- kiang. Hankau und Wutschang zeigc, daß die Wieder- Herstellung der Ordnung in China unmöglich fein werde, bis die nationalistische Regierung das Land gereinigt hat, oder aber bis sie völlig unfertigen fei. was der Berichterstatter indessen für unmöglich hält. Die Rationalisten arbeiteten mit drei Mitteln, der Armee, der Propaganda und dem fremdenfeindlichen Boykott. Das Heer sei unter der Kontrolle der nationalistifchen Regie- ' rung, die Führung der Agitation und Propaganda • dagegen liege in den Händen der Kommunisten, j Die fremdenfeindliche Propaganda leiste bei der Aus- rechterhaltung der Einigkeit in der Partei die größte Hilse und biete auch ein Schlagwort für die Arbei- i ter und Soldaten. Das Ziel der Regierung sei die Einigkeit des Landes, aber sogar dieses Ziel ordne sie der B e s e i 11 g u n g d e r B e h e r r - schung Chinas durch das Ausland unter. lieber die Unterredung des britischen Gesandten mit dem nationalistischen Minister des Acußern sagt der Berichterstatter, er höre, den Rationalisten genüge die regionale Anerkennung nicht, da durch diese China in zwei. oder mehr Staaten geteilt wurde. Infolgedessen bezog sich die Unterredung nur auf die Form der diplomatischen Verbindung. Die Rationalisten lehnten es ab, mit einer Gruppe von Rationen zu tun zu haben, wie z. B. mit dem diplomatischen Korps oder den Konsular^ rperscha°- ten. Sie beständen daraus, mit jeder Ration gesondert zu verkehren und eine günstiger, die andere weniger günstig zu behandeln entsprechend der internationalen Politik der betreffenden Ration. Dies zerstöre, so |aat der Berichterstatter, bas Bollwerk der ausländischen Konzessionen in China. Chinas Vertrag mit Belgien. Brüssel. 14. Dez (Havas.) Außenminister Dandervelde, der heute vormittag aus Genf hier elngetrvffen ist, erklärte, daß er sich mit Briand und Chamberlain über den chinesisch- belgischen Vertrag und ganz allgemein über die Vorgänge in China unterhalten habe. Belgien könne nicht als Ersatz für den Vertrag vom Sahre 18Ö5 einen modus vivendi für neun Monate annehmen, denn es würde nach Ablauf dieser Frist Gefahr laufen, überhaupt keinen modus vivendi und auch keinen Vertrag zu besitzen. Belgien habe stets zu den Staaten gehört, die mit den China ausgezwungenen Einrichtungen aufräumen wollten. Ein.ichtungen. die angesichts der nationalen Strömungen, die immer unaufhaltsamer werden, verschwinden müßten. Chamberlain plane übrigens eine gemeinsame Aktion der in Frag: kommenden Mächte und befolge eine liberale und friedfertige Politik gegenüber der chinefi dien nationalen Bewegung. Dies könne von Belgien nur begrüßt werden. Ein amerikanischer Dampfer auf dem Yangtsekiang beschoßen Paris, 15. Dez. (WTB. Funkspruch.) Wie die „Chicago Tribüne" aus Hankau meldet, ist ein dec S t a n d a r d - O i l - C o m p a n y gehörender Dampfer gestern 35 Meilen von St- schang entfernt von chinesischen Truppen beschossen worden. Der Dampfer erwiderte das Feuer mit seinen Maschinengewehren und brachte das chinesische Feuer zum Schweigen. Amerikaner sind bei dem Zwischenfall nicht zu Schaden gekommen. Vertagung -er inneren Krifis? Wie sich die innerpolitische Lage in den nächsten Tagen gestatten wird, wissen h- te auch diejenigen noch nicht, von denen man das eigentlich erwarten mü^-te, und hierzu gehören in elfter Linie die Sozialdemokraten die nock) vor zweima. 24 Stunden laut und ver- nehmlich eine Klä.ung vor dem Wechnachtssest forderten, jetzt aoer doch anscheinend einzusehe.r beginnen, daß bis zum Fest unter Umftänöcn em innerpolitisches Chaos gefejajen, aber keine Klärung heroeige,uhrt werden kann. Sn der Tat hat sich auch noch kein Ausweg gezeigt, welche Pa.tti^onstellation an die Stelle des augenblickä^en Regie.ungsblo-s t.e- ten soll. „ Die Sozialdemokraten wollen unter allen Umftänöen hereingenommen werden, während die Deutsche Dolkspattei auf Grund früherer Erfahrungen, die gerade nicht die aller- besten waren, nur geringe Reigung zeigt, die Regierung nach links zu erweitern. Dagegen wehren sich Demokraten und ein Teil des Zentrums gegen eine Erweiterung der Regierung ^ach rechts. 2sin Freitag sollen nun die Würfel fallen, doch wird man gut tun, zunächst einmal abzuwarten, was hinter den Kulifsen aus- gehandett wird. Zur Zeit sind die Regierungsparteien dabei, das von den Sozialdemokraten überreichte Anklagematerial gegen die Reichswehr zu sichten und zu prüfen. Ein abschließendes Urteil werden sie schwerlich in dieser oder auch schon in ber nächsten Woche fällen können, so daß im Augenblick ziemlich sicher damit zu rechnen ist, daß die ganze Krise über Weihnachten ver - tagt toirö. Vorausgesetzt allerdings, daß es den Kriesenmachem nicht doch noch gelingt. Zentrum und Demokraten dahin zu bringen, die 1 auszukündigen und sich um öie Bildung eines neuen Blocks, zu dem auch die Sozialdemokraten gehören werden, zu bemühen. Zur Zeit besindet fich aber noch alles in der Schwebe, was eigentlich davon zeugt, daß man in der Regierung selbst wenig Aei- ffung verspürt, die Politik ohne Kampf zugunsten emer unter dem Einfluß der So/al- demokralen stehenden ausgesprochenen linksorientierten Snnen- und Außenpo.itik auszugeben. Die Politik Des Sen riims. Die Möglichkeiten der Weimarer Koalition Berlin, 14. Dez. (III.) In parlamentarischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Sozialdcnwtra- ken ihre Drohung, bei der dritten Lesung des Rach, tragrekats ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung einzubringen, nicht verwirklichen werden. Eine endgültige Klärung hierüber wird erst die morgige Fraktionssihung der Sozialde.nokralen bringen körnen. Die Regierungsparteien scheinen entschlossen zu fein, eine Erklärung des Inhalts zu veröffentlichen, daß sie demnächst, d. h. unmittelbar nach Weihnachten bereit feien, eine (E r ro eite tun g der Regierungefoatition vorzune men. Ob es sich hierbei um eine Erweiterung der Koalition nach rechts oder links handelt, wird nicht getagt werden. Die wirtschastspartei hat sich ja bereits gegen jede Beteiligung an einer Regierung ausgesprochen, in der die S o z i a l demokratische Partei vertreten fein wird. 3n Zentrumskreisen wird für den Fall, baß die Große Koalition nicht zustande kommen kann und für den Fall des Ausscheidens der Deutschen Volkspartei der plan erwogen, die Bayerische Volkspartei für eine Beteiligung an der Regierung auf der Grundlage der w e i m a - rer Koalition zu interessieren. Der widerstand der Bayerischen Volkspartei gegen die Beteiligung an der Weimarer Koalition scheint man dadurch überwinden zu wollen, daß man der Bayerischen volkspartei das Reichsfinanzministerium anbieten will, durch dessen Aebernahme die Bayerische Volkspartei in der tage wäre, bei den end- nicht betätigt k, J soll. 3.n übrigen wird der Rachtragsetat bewilligt Um 6'- . Hljr vertagt sich Vas Haus auf Beschäftigung von Wartegeld^ empsängern. Berlin, 14. Dez. (WTB.) Der Haushalts- ausfchuh des Reichstages beriet einen Gesetzentwurf über Anrechnung der Wartestandszeit und Verwendung von Wartegeldempfängern. Die Reichsreyie- rung hielt es für angezeigt, eine gesetzliche Möglichkeit für die Heranziehung der Wartegel d e m p f ä n g e r zur vorübergehenden Beschäftigung zu schaffen. Bei der großen Anzahl von Wartestandsbeamten müsse zwecks Verringerung der öffentlichen Ausgaben darauf Bedacht genommen werden, die Wartegeldlast durch weitgehende Heranziehung der Wartegeldempfänger einzuschränken. Der Ausschuß verlängerte die gegenwärtig geltenden Bestimmungen über die Anrechnung der Wartestandszeit und Verwendung von Wartegeldempfängern bis zum 1. Juli 1927. Die neue dänische Regierung. Kopenhagen, 13. D:z. Das neue Kabinett wird am 14. d. M. amtlich ernannt. 3n politisch«! und unpolitischen Kreisen erörtert man lebhaft den Grund der Verzögerung, der darin besteht, daß die neue Regierung nicht am 13. Tage des Monats imb nicht an Einern Montag ernannt werden soll. Obendrein ist es nämlich das 13. Kabinett, das seit dem politischen Svstemwechsel von 1901, durch den der konservativen Herrschaft in Dänemark ein Ende gemacht wurde, ans Ruder kommt. Mit dem Gutsbesitzer Madsen -Myg- d a l kommt ein berufener Vertreter der landwirtschaftlichen Interessen zur Macht, der zugleich als in Rordschleswig gewählter Folketing--Abgeordneter die besonderen Wirtschaftsnöte dieses Landesteils ins Auge fassen will. Manchen gilt der zum Finanzminister ernannte bisherige erste Führer der Dauernlinken, Siels Reergaard, als der eigentliche Kops des neuen Kabinetts. Dom deutschen Standpunkt Eaatn es begrüßt werden, daß der Posten des Ministers des Auswärtigen nicht mit dem in Den letzten Tagen am meisten in Verbindung zu d esem Portefeuille genannten Prager Gesandten Höst, sondern mit dem technischen Volkerbundvertceter De. M o l t e s e n besetzt worden ist. der vermutlich der von feinem Vorgänger, dem Grafen Moltke, sing rschlagenen Linie des Ausbaues des deutschen Schiedsver- tragsshstems und der Arbeit für die Weiterentwicklung und Vertiefung d s Tölterbundrtedankens folgen wird. Er ist Aordschleswiger und Verfasser einer Reihe geologischer Schriften. Der neue Unterrichtsminister Dhskow ist ein bedeutender Kunst und Wissenschaft. Leo Jcobeniufl über seine afrikanische Forschungs- expedilion. Leo Frodenius hat im Laufe dieses Jahres mit Hilfe von Auwmobilen eine Forschungsexpedition in die Küstenstriche zu beiden Seiten des Nils, vor- nehmlich aber in die Nubische Wüste, unternommen. Anregung dazu hatten ihm Berichte von Eingeborenen auf seiner letzten Expedition nach Aegypten gegeben, deren Unterlagen zu prüfen das Fiel seiner diesmaligen Expedition war. Die Forscher nahm Gelegenheit, vor einem geladenen Kreise im Frankfurter Institut für Kulturmorpholo- gie eine Fülle prächtiger Aufnahmen zu zeigen, die tiefe Einblicke in die kulturelle Entwicklung dieser Landstriche seit vielen Jahrtausenden geben, namentlich durch Auffindung unzähliger gut erhaltener Bildnisse an Felswänden. Vergleiche der noch heute aufgeführten Lehmbauten und sonstigen Lehmprodukte mit Ausgrabungen zeigten, daß die kulturelle Entwicklung im Laufe von Jahrtausenden in den abseits der großen Städte gelegenen Wüstenstriche sich kaum verändert hat. P7 rttcrvoraustsage. Wechselnde B^wölkurm. meist wolkig, mäßiger Rachtfrost, stellenweise Riederschlagsschauer, in höheren Lagen Schnee. Gestrige LagestcmHeraturen: Maximum 5.3, Minimum 0.0 Grad . Celsius. Riederschläge: 1,6 Millimeter. Heutige Morgentempeoatur: 0,6 Grad Celsius. Aus aller Welt. Eine Dallher-Ralhenau-Stiftung. Die Erben Walter Rathenaus haben das feiner Zeit von 'Iathenau erworbene Schloß Freienwalde dem Kreise Oberbarnim geschenkt unter Hinzufügung eines Kapitols für die Erhaltung des Schlosses. Schloß und Schloßpark sollen als Walter- Rathenau-Stistung der Allgemeinheit gehören. Der Kreistag von Barnim hat die Schenkung angenommen. Reichstagsadgeordneter Zubeil schwer erkrankt. Der soziatdemotratiiche Reichstagsaogeord- nete Zubeil ist schwer erkrankt. Er wurde gegen Mittag in besinnungslosem Zustande in das Berliner Urban-Krankenhaus gebracht. Sein Zustand gibt zu ernsten Befürchtungen Anlaß. ZubeÜ steht im 79. Lebensjahre. Lin Riesenkunnel in Berlin geplant Zur Entlastung des kaum noch zu bewältigenden Verkehrs in der Leipziger Straße hat der Berliner Stadtbaurat Hahn ein Projekt entworfen, daß die Verlegung der stark verkehrs- hindernden Straßenbahn unter die Erde vorsieht. Vom Berliner Rathaus bis zur Potsdamer Brücke soll ein viergleisiger Tunnel angelegt werden, dessen beiden inneren Gleise von der Untergrundbahn und dessen äußeren Gleise von der Straßenbahn befahren werden sollen. Die Untergrundbahn ist als Schnellbahn gedacht und soll auf der genormten Strecke keine Haltestelle erhalten, während für den Kurzstreckenverkehr die unterirdische Straßenbahn sorgen soll. Gewisse Schwierigkeiten dürften jedoch noch die finanzielle Seite der Frage bereiten. Heues von den deutschen Schulkreuzern. Der Schullreuzer „Emden" ist am 14. Dezember von Lanzarote nach Las Palmas in See gegangen. Der Schulkreuzer „Hamburg" ist am 13. Dezember in der Suda-Ducht auf Kreta ein- getro fen. Lin höhlenwohnung. 3m Forst bei Erkner (Mark» wurde durch einen Förster eine unterirdische Hohle entdeckt, die eine vollständige komfortable Wohnungsein- vichtung und Lebensmittelvorräte für mehrere Wochen enthielt, alles Dinge, die aus der Umgegend gestohlen waren. Der Bewohner der Höhle, ein schwer vorbestrafter Verbrecher, wu.te verhaftet Ein großer Leiterwagen hat nicht ausgereicht. um alles Diebesgut auf einmal auf die Polizeiwache zu überführen. Die Explosionskatastrophe in St. Auban. Die Zahl der bei der ExplosionskatastropHe in St Auban ums Leben gekommenen Menschen beträgt 23. Die Leichen dec tödlich verunglückten Arbeiter sollen Russen und Polen fein. Es ist jedoch zu befürchten, daß noch weitere Arbeiter den Folgen ihrer tödlichen Verletzungen erliegen werden. 30 Personen Und durch die ausströmenden Chlorgase stark vergiftet worden, besonders beunruhigend ist der Zustand von fünf dieser Verletzten, äleber die Kala» strophe wird noch bekannt, daß zwei Behälter von je 10 Kubikmeter flüssigen Chlors explodiert sind. Die Aufräumungsarbeiten sind angesichts der noch hier und da ausströmenüen Chlorgase sehr gefährlich. Zugzusamenstoß in Rordfraukreich. Dienstag früh stieß in der Nähe von S t. Quentin ein Güterzug auf einen alleinstehenden Wagen, der sich von einem anderen Zuge gelöst hatte. Einige Minuten später fuhr ein Personenzug auf den Güterzug auf. Unter den Trümmern wurden zwei Tote geborgen. 10 Personen wurden verletzt, davon fünf schwer. Tödlcher Ausgang eines Boxkampfes. 3n Hartford im Staate Connecticut ist der französische Leichtgewiu)t,er Charite P e g u l i h a, dem bei einem Kampfe mit dem amerikanischen Boxer Friedmann der Schädel zersplittert wurde, g e st o r b e n. Friedmann ist verhaftet worden. versicherungsschmindel. In Wien hat die Gerichtsbehörde in der Sache des Ingenieurs Emil M a r.c k, der von einer Versicherungsgesellschaft befduUbiflt wird, sich durch Axthiebe seinen Fuß ab gehauen zu haben, um in den Besitz einer Milliardensumme zu gelangen, auf die er sich halte versichern lassen, die Verhaftung sowohl Mareks wie feiner Frau, seiner Schwester und der Frau eines Spitaldieners ungeordnet, der unter dem Verdacht falscher Zeugenaussage in Haft genommen worden war. Das Analphabetentum in polen. Rach dem Ergebnis der letzten -Volkszählung besitzt Polen 6 581 327 Analphabeten, vom zehnten Lebensjahre an gerechnet. Davon entfallen auf die Altersstufe von 10 bis 14 3ahren 1 051 450 Analphabeten, von 15 bis 19 3ahren 517 749. von 20 bis 29 Jahren 1 025 191, von 30 bis 39 Jahren 918 137, von 40 bis 59 3ahren 1835 302, wahrend 1 000 748 Analphabeten das 60. L.bensjahr überschritten haben. Etatberatungen im Reichstag. Berlin, 14. Dez. Die zweite Beratung des Rachtragsctats wird fortgesetzt beim Haushalt des Reichsarbeitsmini st eriums. Der Ausschuß ersucht in einer Entschließung die Regierung, bis zu zehn Millionen zum Zwecke der Verbilligung des Kleinwohnungsbaues für bautechnische Versuche, insbesondere für die Errichtung von Dersuchsbauten und Versuchssiedlungen, zu verwenden. Der Ausschuß hat u. a. die für die unterstützende Erwerbslosenfürs-o^e eingesetzte Summe in Hohe von 60 Millionen Mark auf 100 Millio- jhn erhöht. Zu einmaligen Rotstandsmaßnah- men für langfristig Erwerbslose, Sozial- und Kleinrentner sind neu 25 Millionen eingestellt worden. Abg. Hoch (Soz.) beantragt, den Betrag von 25 Millionen auf 60 Millionen zu erhöhen. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns betont die Rotwendiakeit. bei der Desetzung der sich au» der Beteiligung des Deutschen Reiches an dem Internationalen Arbeitsamt in $cnf ergebenden Stellen zunächst Beamte aus dem Arbeitsministerium nach Gens zu schicken, Y bis die erforderlichen neuen Stellen bewilligt sind. Xbg. Frau Schröder (Soz.) bezeichnet die »"zu einmaligen Rotstandsmaßnahmen für langfristige Erwerbslose, Sozial- und Kleinrentner • eingestellten 25 Millionen als nicht ausreichend. 3m Gegensatz zu der höheren Weihnachtsgabe der Beamten wolle die Regierung den Arbeitslosen nur eine halbe Wochenunterstühung, also 3,50 bis 10 Mk. zahlen, und zwar nur denen, die bereits über 25 Wochen erwerbslos sind. Den 3nvalidenrentnern werde nur eine Weih- nachtsunterstutzung von 6 Mk. gezahlt, den Kleinrentnern 15 bis 25 Mk. Das sei eine ganz ungerechte Regelung. Die Rednerin beantragte eine Erhöhung der Gesamtsumme auf 60 Mill. Abg. Frau Teusch (Zentr.) erklärt, die Zentrumsfraktion wolle den notleidenden Erwerbslosen, Sozial» und Kleinrentnern schnelle Hilfe leisten. Das fei im Ramen des sozialdemokratischen Antrags nicht möglich. Sie im Etat vorgesehene Hilfe sei digegen sofort realisierbar. Abg. E r f i n g (Zentr.) erklärt sich damit einverstanden, wenn die Regierung deutsche Beamte für die Tätigkeit beim Genfer Arbeitsamt beurlaubt und ihnen die wohlerworbenen Rechte sichert. Richt erwünscht sei aber dabei die Verwendung solcher Herren, die schon während der Inflationszeit ohne Wissen der Reichsregierung sich um Stellen im Ausland beworben haben, um besser gestellt zu sein als ihre Kollegen im Inland. Abg. Herat (Dn.) beantragt, bei der für die Kleinrentner beantragten Wcihnachtsunterstützung als Mindestsätze festznlegcn 10 Mark für Alleinstehende, 15 Mark für Verheiratete, 7,50 Mark für die Bezieher von Waisenrente. Rach Ablehnung der sozialdemokratischen und kommunistischen Anträge werden die Ausschuß- anträge über die Erwervslosensürsorge und über die Weihnachtsunterstützung angenommen. Zu dem Zusahantrag Hergt (D.i.l erklärt o. Guerard (Ztr.), die Regierungsparteien konnten die finanzielle Wirkung des Antrags noch nicht übersehen. Sie würben sich jetzt der Stimme enthalten und ihre Haltung m der dritten Lesung von der Auskunft des Finanzmmi- sterS abhängig machen. Der Antrag Hergt wird b:i Stimmenthaltung ter Regierungsparteien und der Sozialdemo- .'raten anaenornm.n. ebenso die Ausschuhentschlie- ßung für Dersuchsbauten und -siedlungen und eine .ozialdcmokratische E.itschl eßuug. wo . ach für Arbeiten der prob k.iven Erwerbslosenlürsorg' die Arbeiterschrch-, Arbntsrechts- und Darifbeflim- nungen geltm sollen. Dem Sozialpol.t scheu Ausschuß Überwiesen wird c ne temokr rt sch: E. tschlie- ßung. nach der die finanzielle W rfung einer Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 3ahre in der Invaliden- und Angestelltenversicherung ge- gülligeo Verhandlungen über den Fivan zaus- gleich den föderalistischen Gesichtspunkten mehr Rechnung zu tragen. Blau hofft, daß Dr. Strefemann in diesem Fall das Außenministerium als Fachminister behalten könnte, da man besonders In demokratischen und Zentrumskreisev nicht glaubt, daß die Bolfspariei im Hinblick auf die notwendige Kon- finuifät der Außenpolitik In eine unbedingte Opposition gegen eine solche Regiervngsmehcheil treten würde. 3n Kreisen der Regierungsparteien glaubt man, daß man im Hinblick auf die gänzlich ' ungeklärte politische Lage die innerpolitische Aussprache bis zur ersten Lesung des neuen (Etats für 1927, die An sang Januar siattsinden soll, verschieben wird, um ben in Betracht kommenden Parteien die Möglichkeit weiterer Beryandlungen über Weihnachten zu geben. Die Reichswehr. Gin demokratischer Wunschzettel zur Entpolitisierung der Reichswehr. Derlin, 15. Dez. (Wolfs.) Die Dertreter der demokratischen Reichstagsfraktion haben den übrigen Regierungsparteien indrrReichs- wehrfrage eine Entschließung zur Acuhrrung und Zustimmung vorgelegt, von deren Annahme oder Ablehnung die Demokraten ihre weitere Mitwirkung innerhalb der Reglerungskoalitivn abhängig machen wollen. Wie das „D. T." erfährt, fordern die Demokraten in dieser Entschließung u. a., daß die Reichswehr jedeDeziehung zu den Rechtsverbänden löst. Es wird weiter gefordert, daß Bestimmungen getroffen weiden, wonach jeder Verkehr von Reichswehr- angehörigen mit solchen Organisationen a l s Dienstvergehen betrachtet und behandelt werden müßte. Ferner ist vorgesehen, daß die Entpolitisierung der Re.chswehr durch Unterricht und durch Ansprachen eine Förderung erfahren soll. Außerdem wird der Erlaß einer Verordnung gefordert, in der festgelegt ist, daß bei Ersah von Offizieren wie von Mannschaften neu eingestellte Leute auf dem Boden der Verfassung stehen. Ferner wird ein Erlaß der Reichsregierung an die Offiziere und Mannschaften der Reichswehr verlangt, in dem unbedingte Achtung vor den Hoheitszeichen der deutschen Republik g?(vr- dert und ihre Wahrung als unbedingte Rotwendigkeit bezeichnet wird. Die anderen Regierungsparteien haben zu der Angel^enheit noch nicht endgültig Stellung genommen. Wie die „Germania" mitteilt, werden die Grundgedanken dieser Resolution auch vom Zentrum befürwortet, wenngleich ihre Formulierung und ihr Inhalt noch der Prüfung bedürfen. Die Zentrumsfraktion hat mit dieser Aufgabe eine besondere Kommission aus ihren Reihen beauftragt. Mittwoch. Der preußische (Etat. Kinauzminister Dr. Hoepker-Ajchoff begründet den Haushaltsvoranschlag im Landtag. Berlin, 14. Dez. (DDZ.) Auf der Tagesordnung des Preußischen Landtags steht die erste Lesung des Etats für 1927. Knanzrninister Dr. Hopker-Aschoff brachte den Etat ein und sprach die Erwartung aus, daß er rechtzeitig vor dem 1. April verabschiedet würde. Der Minister sührte weiter aus: 1926 werden außerplanmäßige Ausgaben, darunter große Beträge für Hochwasserschäden und Dolksfchul- bauten, 73,2 Millionen erfordern. Die unterstützende Crwerbslosenfürsvrge wird 140 bis 150 Millionen verschlingen. Hiernach wird das Rechnungsjahr 1926 wahrscheinlich mit einem Fehlbetrag von 1037 Millionen ab» schließen. Dis zum 1. Oktober 1926 waren _ für bävilligte Anleihegesetze 139 Millionen flüifig geworden. Davon sind 30 Mllllonen im Laufe des Jahres 1926, annähernd 70 Millionen in der ersten Hälfte, verausgabt worden und zwar für den Ausbau der Häfen, der Bergwerke, der Eleltrizitätswerle, sodann aber auch für Meliorationen, für Oedlandkulturen, Landgewinnungsarbeiten, Eindeichungen und andere lanbtoirt* schaftliche Arbeiten. Das neue 3ähr wird einen neuen Anleihebedarf bringen. Aus den Ausgaben der produktiven Crwerbslosenfürfocge erwartet man eine verstärkte Forderung der Reubautätigkeit. Die Reichssteuerüberwciiungen werden im Jahre 1927 ein Mehr vo.i 21,4 Millionen gegenüber dem vorjährigen Etat erbringen. Die preußischen Steuern sind mit den vorjährigen De- trägen eingesetzt. Die Betriebs derwal- tungen werden 31 Millionen weniger erbringen, da die Forsteinnahmen im Jahre 1926 überschöpst sind. Für die Erhöhung des Woh- nungsgeldHMchusfes, die im Falle einer Erhöhung der gesetzlichen Miete durchgeführt werden muh, sind 10 Millionen eingesetzt. Die Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge von 165 Mllllonen fallen weg, da das Reich die Kosten der unterstützenden Erwerbslosenfürsorge übernimm! und da die Ausgaben der produktiven Erwerbslosen- fürforge auf Anleihen verwiesen werden sollen. Dafür fehlen im Jahre 1927 die außergewöhnlich en Einnahmen, die im Vorjahre eingestellt waren. Preußen hat im Reichsrat verlangt, daß den Ländern und Gemeinden die bisherigen älebertoeifungen aus dem Jahre 1927 zugeführt werden, daß also insbesondere die Umsatzsteuer nach einem garantierten Aufkommen von 1500 Millionen verteilt wird. Alle Länder haben sich diesen Forderungen angeschlosjen. Die Reichsregierung hat im Reichs- rat zu Protokoll erklärt, daß sie die Kosten der unterstützenden Erwerbslofenfürsorge den Ländern und Gemeinden abnehmen wird. Ob die Gemeinden zu der Krisenfürsorge der Ausgesteuerten ein Viertel oder ein Reuntel beizutvagerr haben werden, wird vom Reichstage endgültig entschieden werden müssen. Ob es möglich sein wird, in den kommenden (Zähren die Steuerlast zu ermäßigen, wird im wesentlichen von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Mit einer alsbaldigen Senkung der Steuern kann aber nicht gerechnet werden Der Minister beschäftigte sich auch des näheren mit der Hauszins ft euer und erflävte, der Hausbesitzer müsse an Lnflationssteuer das abgeben, was er an Hypothekenzinlen erspart. Zu dem Gedanken der Znflationssteuer gesellt sich der weitere Gedanke einer Werterhaltungssteuer. Der Minister erklärt, daß die Steuer nicht in alle Ewigkeit aufrecht erhalten bleiben könne, daß es aber auch nicht anginge, sie von heute auf morgen abzuschaffen. prüft und in einer Denkschrift nritgeteilt werden I Pädagoge und der Leiter und Desiher eines * " ' " ’ - * ' " ' Seminars in Jütland. Er hat sich bisher politisch " Die Paketannahme am nächsten Sonntag, 19. Dezember, ist bei dem Postamt 1, Bahnhofstraße, von 8 bis 12 älhr vormittags geöffnet. Das Postamt 2 (Schulstraße) bleibt geschlossen. ** Die Bezirksschule in der Westan- la g e ist am Montag dem Unterrichtsbetrieb wieder übergeben worden. Die Benutzung des Physik- und Zeichensaales, sowie der Turnhalle kann erst nach den Weihnachtsserien stattfinden, da hier die Innen» einrichtung noch nicht vollendet ist. ** Eine öffentliche Steueranmah- nung erläßt die Stadtlaße in unserem heutigen Anzeigenteil. Die Säumigen mögen die Bekanntmachung beachten. ** Eine oberhessische Gewerbeausstellung ist für Juni 1927 in Gießen geplant. Dem Handwerk und Gewerbe unserer Provinz soft hort Gelegenheit gegeben werden, in umfassender Weise mit den Erzeugnissen gewerblichen Fleißes und Könnens vor die breite Oesfcntlichkeit au treten. Anmeldungen mit Raumangabe werden bis 1. Januar entgegenaenommen. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 15. Dezember 1926. Neuordnung der evangelischen Kirchengemeinde Bietzen. Bei der letzten Volkszählung hat sich heraus» gestellt, daß die Gießener evangelischen Kirchengemeinden in verschiedener W:ise gewachsen sind. Die Matthäusgemeinde umfaßt 6200, die Markusgerneinde 5000, die Lukasge» meinte 9600, die 3ohannesgemeinde 7630 Seelen. Während die beiten Stadtkirchengemeinden unter diesen Um (tönten einer Reuordnung nicht bedürfen, macht in den beiten enteren, die xur 3o- hannesiirche gehören, die erheblich gesteigerte Seelenzahl eine Vermehrung der geistlichen Kräfte notwendig. Durch den Ausbau ter Gnauth- und der Klimlftrahe, durch die Siedlungen an ter Licher Straße und an ter Kaiserallee s:n> diese beiden Gemeinten sehr erheblich gewach» s e n. Der Kirchenvorstand muß deshalb darauf bedacht sein, diese Gemeinten kirchlich besser zu versorgen. 3n einer Sitzung, die am 5. Rovernber stattfand, wurde teschlvssen, daß im südlichen Teil der ßutadgem :inte und Im östlichen Teil ter Johannesgerneinde je ein De - zirka nzugrenzen sei. ter durch eilrenPfarr- assiftenten versehen teerten soll. Da an der 3o- hanneskirche bereits ein Pfarrassiftent angestellt ist, fo hätte hier nichts zu geschehen, als daß ein zweiter Assistent Verwendung flutet; der an der StadUirche angestellte Pfarrafsistent soll in seiner Tätigkeit belassen teerten. Auszerdenrchap. man die Errichtung neuer Predigtstäkien inS Auge gefaßt, da viele Gemeinteglieter zu weit entfernt von der Johannes^icche teohnen. Dieser Anregung ist das Landeskirchenamt nicht beigetreten, da zur Zeit großer Mangel an Pfarramtskandidaten herrscht, vielmehr ist diese De- Hörde ter Ansicht, daß in Gießen zwei weitere definitiv angestellte Pfarrer Derwenduiig finden sollen. D:r Kirchenoorstand hat über diese Frage noch Dtschluß zu saFen. Allseitig besteht aus der Rot der Gemeinten heraus ter Wunsch nach einer Vermehrung ter Predigtstätten und ter yeistlichcn Kräfte, auch ein Gemeindehaus mit einem großen Saale wäre sehr notwendig. Es ist aber auch zu prüfen, ob die Kirchengemeinte die so entsteyende finanzielle Mehrbelastung zu tragen vermag, zumal die Kirche ihre Kapitalien verloren hat und chre Grundstücke kaum etwas eintragen, Rur wenn bei den Gemeinte gliedern allseitig die Dereitwilligkeit besteht, zur kirchlichen Versorgung der Gemeinden nach Maßgabe des Einkommens beizutragen, kann diese Reuorganisation bald ins Leben treten. Die Landesuniverfttat im Wintersemester 1926 27. Das Rektorat unserer Landes-Universität bringt jetzt eine Uebersicht der Studierenden des Winterfeme ft ers 1926/27 heraus. Danach beziffert sich die Zahl der immattitulierten Studierenden auf 1326 (hierunter 69 Studentinnen), die der immatrikulierten Hörer auf 25, insgesamt also 1351. Hinzu kommen noch 114 Gasthörer und 77 Gast-Hörerinnen, sowie 2 Hospitantinnen, fo daß sich die Gesamtzahl der Studierenden auf 1544 beläuft. Die 1326 immatrikulierten Studierenden verteilen sich nach Fächern wie folgt: Theologie 41, Rechtswissenschaft 293, Medizin 163, Veterinärmedizin 111, Philologie 185, Mathematik 59. Raturwissenschaften 76, Chemie 76. Pharmazie 18, Forstwissenschaft 70, Landwirtschaft 97, Staats- Wissenschaften 137. Der Staatsangehörigkeit nach ergibt sich folgende Verteilung der immatrikulierten Studierenden: 743 Hessen, 410 Preußen, 34 Bayern, 14 Sachsen, 5 Württemberger. 21 Badener. 5 Thüringer, 3 Oltenburgcr, 4 Braunschweiger, 4 Anhalter, 5 Hamburger, 3 Bremer, 4 Danziger, 7 Bulgaren. 4 Chinesen, 4 Finnen, 9 Letten, 6 Polen, 21 Rumänen, 4 Türken, drei Amerikaner und je 1 Mecklenburger, Aegypter. Elsaß-Lothringer, 3ugrslave, Memellänter, Ror- toeger, Oesterreicher, Russe, Ungar. — Don den Studentinnen sind 46 aus Hessen, 15 aus Preußen, 2 aus Daden, je 1 aus Sachsen, Braunschweig, Finnland, Letlland, Rußland, Amerika. P.ornotize»r. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7.15 Uhr, „Der liebe Augustin" (Ende gegen 10 Uhr). — Deutscher Bund für christlich- eoangelischc Erziehung in Haus und Schute: 8 Uhr, Johanneskirche, Weihnachtsfeier. — Singsaal des Realgymnasiums: 8.15 Uhr, Vortrag des englischen Professors W. E. Wilson. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ranette macht alles". — Astoria-Licht» spiele: „In den Krallen des Todes". ~ Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Da sich die Krankheit von Frl. Alix K rahm er länger hinzieht, muß das Lustspiel „Bettinas Verlobung" vorläusig vom Spielplan abgcsetzt werten. Am nächsten Sonntag wird dafür das Schauspiel „Alt-Heidelberg" gegeben. Für die Rolle ter „Käthie" ist Frl. Rita A n b r 6. die zwei 3ahre unserer Bühne als beliebtes Mitglied angehörte, gewonnen worden. Es sei ausdrücklich daraus hin- gewiesen daß „A l t - H e l ö e Ibe r g“ nur im Sonntagsabonnement. nicht aber an den Abon- nemenlstagen der Woche zur Aufführung aelangt; die Vorstellung bietet deshalb Gelegenheit zur Verwendung von Gutscheinen. erken Immer Wdan Leber samm auf di D Leber Koiti NOi Hien M W hil,1j. & * iE stiti W L.r Sa uiib ,u *^u1. Hinzu tommen i-Hörerimrea, |o» ‘ Me ßefamt- uf 1544 beläuft. udierenden Der« i' ThttLo-vr k\, M, Dürnuar- Nachttnail! 59, : 16, Pharmazie cksch^IN.SliM- ,gleit nach c- r immairilulkr.a 10 Preuhen, N Kberger, 21 2a- urg:r, 4 2rdun« iurgtt, ZAmier. n ^JMnan die i^nn mögen 6« für Mittwoch- 'n AuaE' finde Zünd für chrWch- und Schule: 8 Uhr. - Lingsaal der rirag des tnOf chtspiethous. SM v , $iona-W es' i^/eriuteau in-iefif, mu^.dLS u n g" V2^ig L Am wachM id )tte der .* aagehörte, 9» LiliÄ darauf W tberfl“ nur 'M ««v®* ohne Aufschlag überall erhältlich NORDDEUTSCHER LLOYD BREMN Hieran anschließend taufen 08.24 Hatlinrincnp» 8 v. 10322a erkennfllch sind. VeWOlsdSm 's oro« kauft C. Rübeamen. Telephon 1650. nach: Italien I Sizilien / Griechenland/Türkei/Palästina/ Aegypten Dalmatien. Reisedauer: 25 Tage Fahrpreis: Alk. 830.-u. höher Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selber kein Ganzes ■ werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an 11 ! Cm schwarzer, rein- rafkiaer Rehpinscher «Weivcheni zu ver- Grohfeuer auf einem Hofgut. AlSseld, 14. Dez. 3n der Aach: auf Montag brach auf dem etma sechs Äilometca entfernt liegenden Hosgut Dotzelrod, daS dem Freiherrn von Ratsmann gehört, auf ungeklärte Weise gegen drei Uhr in den Octo- nomiegebäuden Feuer auS, das sich mit rafen- dar Geschwindigkeit auflbre tote, so dafz ein grosser Teil des D.ehbestandes deS Pachers verbrannte. Don 35 Mastschweinen verbrannten 28 Stück. Zwei Fohlen, die bereits angesengt waren, konnten mit knapper Rot gerettet werden, auch den Rindviehbestand konnte man noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Auster diesen Derlusten an Dich verbrannten grobe Srntevorräte, etwa 600 Zentner Hafer, 30 Wagen Klee heu und etwa 2000 Zentner Stroh. Als die Motorspritze von Alsfeld an der Brandstelle erschien, waren die Wirtschaftsgebäude bereit- zum gröhten Teil nie 6 er gebrannt, und man mußte sich daraus beschränken, Die angrenzenden Wohngebäude zu netten. Gegen acht Uhr morgens war die Gewalt des Feuers gebrochen, jedoch brannten die groben Dorräte in den Scheunen noch weiter. Hebet die Gn'.stehungsursache ist nichts bekannt, jedoch liegt die Vermutung nahe, daß Drandstif- t u n g in Betracht kommen Dürfte. Dem Pächter ist sehr hoher Schaben entstanden. SeifhinflSÜ Saftncforainfllcnfabrif die mit ihren QuattilNöer reuanisten nrohe Umlage erzielt u mit konkurrenzlosen modernen Lvczinlaiiikeln lei- anSkommi, tuttit beiientoiobienett bei Detailliiten und Grossisten nadimeiö- Unr eingciüb tcn (10321uz Vezirks-Derkreker acnen liotie Provision Vkur Herren welche diesen An'orderuna.entfvrechen, wollen sich itn er Angabe von Neie» renzen wenden unter A. 7< 53 an Aoo.-Exp. D. Frans, S.m.b.H., Wiesbaden 3Xr« 3immcr= Haus IM Lüdvierrel bei 8000 Mk. Anzahl, zu vertäut ftürCüufer eine Wohn v. äHun., Nidez. u. Küche beziehbar. 9lnb durch 5tnaamöerger&Soljn, ts:u Ludwtgirr. 30. besonders preiswerte, moderne relnwoll. 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Kirche, meine innigst- geliebte Tochter, unsere liebe gute Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Anna Staubach im 31. Lebensjahre. ImNamen dertrauernden Hinterbliebenen Frau Staubach, Postschaffner-Witwe. Gießen (Seltersweg 46), 15. Dez. 1926. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 17. Dezember, 3 Uhr nachm., statt. _ . . n s 7 •> 6 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht unsere Alterskollegen von dem Heimgange unseres lieben Alterskollegen Herrn Ludwig Walther Zugführer i R. geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beisetzung findet Donnerstag, den 16. de- Mts., nachmittags 2 Uhr, Neuer Friedhof statt Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Heute mittag entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser braver, treusorgender Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Georg Kraft, Gastwirt im 57. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelmine Kraft, geb. Dross u. Kinder. Gießen (Frankfurter Straße 83), den 14. Dezember 1926 Ferner: Das lustige Beiprogramm Frau Margarethe Freitag geb. Horn Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christian Freitag. Mein guter Mann, unser lieber, unvergeßlicher Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Louis Walther, Zugführer i. R. Sauberes, ordentl Mädchen iür tagsüber einige Stunden flef. Bor- -«stellen 6—7 abdS. Näheres in der Ge- schätiöstelle d. Gr eh. Anzeigers. f()87i)l lomHcme Ab morgen bie einschließlich Sonntag: Der Kampf um das rote Gold mit „Rln-Tin-Tin“ in der Hauptrolle Fernen Das lustige Beiprogramm Bente letzter Tag: „Hady Christiane** In Nanette macht alles Durch einen plötzlichen Tod infolge Herzschlags wurde aus unserer Mitte gerissen mein treuer Geschflftsteilhaber, unser hochverehrter Chef Um Dr. Mr faulet Wyneken Wir werden das Andenken an diesen hochverdienten und gütigen Entschlafenen stets in Ehren halten. Hugo Böhlig und das Personal der Hessischen Lehrmittelanstalt Dr. Wyneken* & Co. Heute letzter Tag: In den Krallen des Todes Allen denen, die in den Tagen des Leids uns ihre aufrichtige Teilnahme bewiesen, sei herzlich gedankt. Im Namen sämtlicher Hinterbliebenen: Elisabeth Löchel Familie Zugführer Hühn. Gießen, den 15. Dezember 1926. 05698 in den Palast-Lichtspielen Samstag, den 18. Dezember, abends 8.15 Sonntag, den 19. Dezember, ab 3 Uhr Lady Hamilton Steppdecken und Seilern ttilMe gr oüe. ohne Kops, 35 und 30 Pf. Ueb ohne Kopf, 25 Pf. ßratsciielllkcbe 20 Pf. 1M,8c MWM Liebigstrafte 71. ibirien 'FoxFibn. Am Vorabend der russischen Revolution. In der Hauptrolle Rußlands größte Tragödin „Alma Rubens** Die „B.-Z.“ am Mittag schreibt: Man ist bei diesem Film mehr als hingerissen Man ist tief erschüttert von dem Spiel der Heldin Man sieht aufregende und empörende Bilder aus dem alten Rußland des Zaren Ganz besonders zeichnen sich die heirllchen, verschneiten, landschaftlichen Naturaufnahmen Sibiriens aus. Der plötzliche Einbruch der Kosaken in ein friedliches Dorf, der trostlose Zug der Verbannten nach Sibirien und die Flucht vor Wölfen in unermeßlichen Schnee- feldern bilden Höhenpunkte von einprägsamer Kraft. Dieser Film ist besser als 50 andere, die wir in letzter Zeit in Berlin gesehen haben Teppiche Linier und WmlW Chr. Arnold Bahnhofstraße. 10334D Geschenke, die Freude machen sind Iltis-Reformschuhe Sie verbürgen Ihnen gesunde Füße durch natürl. u. dabei doch schöne Formen Schlaf und damu eine Kräftigung deö ganzen Nervensystems erzielen Sie nur durch den 87.«ss echten „Baldravin“ Patemamil-gesch. unter Pr. 342681. 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Die Hauptschwierigkeiten stellen sich ihr dabei folgendermatzen dar. .Eine Partei, die. wesentlich konfessionell-kirchlich zusammengehalten, schon tn ihrem Hamen von zeher: einer politischen Firmenklarheit ausweicht, indem sie sich nach dem äußerlichen Kennzeichen ihres Platzes im Parlament das Zentrum nennt Eine sozialdemokratische Partei, deren Programm der ganzen bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung entgegengesetzt ist und sie verpflichtet, in gemeinsamen Mionen mit den gleichgerichteten Parteien anderer Länder den internationalen Sozialismus durchzusetzen: deren Führer zwischen diesem Programm und den Erfordernissen einer nationalen Realpolitik hin und her rutschen und keinen festen Standort finden. Auf dem andern Flügel die Deutschnationalen: sie wissen: das Alt« stürzt, es ändert sich die Zeit, richten 'ich aber nicht geschlossen genug auf das Reue ein. Wir müssen über diese Schwierigkeiten Hinwegkommen. und einem nicht von Parteibefangenheit getrübten Mick erscheint als die am ehesten erreichbare Möglichkeit dafür der sogenannte Bürgerttock. Ein dummes, irreführendes Wort und ebenso falsch wie die politisch unmögliche und tatsächlich auch gar nicht gültige Llnterschei- düng von Bürger und Arbeiter. Würden die Beteiligten, von den Parteidemokralen bis zu den Deutschnationalen. mehr auf den Kern der Sache sehen, die sie doch gemeinsam für richtig halten, so käme eS aus den Hamen- des Mehrheitsblocks nicht an: er würde alle Parteien umfassen, die keine sozialistische Republik wollen, weil eS sonst gar nichts anderes gibt, als eben die demokratische Republik. Auf ihren Boden ftetlen sich ja auch wohl oder übel die Deutsch- nationalen: sie wollen sogar das demokratischste aller Regierungsmittel, den Volksentscheid, an- wenden, wie sie jüngst zur Frage des Reichs- scbulgesetzes angekündigt haben. Die Worte schrecken auf der einen wie auf der andern Seite, und der agitatorische Parieigeist tut das seimige dazu. Aber es hilft schließlich alles nichts, man muh sich entscheiden. Däh man ohne feste Mehrheit von einer Krise in die andre stolpern werde und möglichst bald eine feste Grundlage für eine konsequente Regierungspolitik schaffen müsse, ist eine Binsenweisheit, die noch dieser Tage das Berliner ZentrumSblatt ausgesprochen hat. ... 3n dieser nationalpolitisch schwierigen Lage hält die Sozialdemokratie es für ihre Aufgabe, um die Wette mit den ausländischen Kontrolleuren »Material" über-die Reichswehr zusammenzu- tvagen und auszubeuten, über unsre Beziehungen zu Rußland angebliche Enthüllungen, die zuvor von Berlin aus in die ausländische Presse gebracht wurden, sensationell aufzubauschen und Tag für Tag in die Welt zu schreien, dah Rutz- iand die deutsche Reichswehr bewaffnet habe. GS scheint, dah bei dieser zweiten Aktion der Hatz gegen die Bolschewiken, die die proletarische Ginheitsfront zerstört halben, die Sozialdemokratie vollends blind gemacht hat für die nationale Verantwortung, die es zu wahren galt. Es ist unverantwortlich, wenn der .Vorwärts" schreibt: »Die Beziehungen Ruhlands zum offiziellen Deutschland, dem Deutschland Hindenburgs, Dehlers und des 3ndustriekapita!ismuS, sind erst gestern wieder von Herrn Tschitscherin hier in Berlin alS ganz ausgezeichnet gepriesen worden. Sie sind es in der Tat. Unb was die Beziehungen der russischen Regierung zur Reichswehr betrifft, so sind sie — oder vielmehr waren sie biS vor ganz kurzer Zeit — noch viel intimer, als man öffentlich zugeben möchte." Wenn man es sich nicht '(fron vorher hätte zusammenreimen können, so toüue über Sinn und Hintergrund solcher Versündigung am eignen Lande der Schluh deS Artikels Aufklärung geben, der nichts andres besagt, als dah die wahre Einheitsfront deS Proletariats unter den Fahnen der Sozialdemv- kratte wieder heranwachfe. Dah es dem deutschen Volk in der Bedrängnis, der es durch die West- mächte auSgeseyt ist, von Wert sein muh, an dem groben, zukunftsreichen russischen Machbar einen Rückhalt zu haben und ihn zugunsten unsrer Freiheit und Gleichberechttgung ausspielen zu können, ist leicht genug zu erkennen, gleichviel, wie wir diesen Rückhalt sonst bewerten mögen, von dem wir wohl wissen, dah Ruhland auS kluger Berechnung die deutsche Karte in seinem k^omatischen Spiel haben will. Die Sozial- demokratte aber blickt nur gebannt auf das eine Ziel, die deutschen Kommunisten wieder um ihre Der Wert der Altdeutfchland-Marken. Don M. Büttner. Alten Geigen und alten Briefmarken ist eine merlwürdige Eigenschaft gemeinsam: Je bejahrter sie werden, desto höher steigt ihre Wertschätzung bei ihren Liebhabern. 3n zunehmendem Matze ist daS bei den Postwertzeichen der früheren deutschen Bundesstaaten und den damaligen selbständigen Marlenausgaben der Hansastädte der Fall. Während indessen der Wohlklang bet Violine für ihren Preis nahezu den einten Mähst ab bildet, ist die Bewertung der Briesrnarle ein dehnbarer Begriff, und mancherlei Faktoren sprechen dabei mit, wie vor allem die Erhaltung, die Art der Abstempelung. der Schönheitsgrad, die Gummierung. daS Zusammenhängen mehrerer Stücke, die unveränderte Ursprünglichkett auf dem „ganzen Brief" und ähnliches. Aber ungeachtet dieser noch verhältnismätzig sachlichen Grundlagen für eine Wertbemessung handelt es sich frier doch um ein recht weites Feld, auf dem der Phantasie und zahlungssähi- gen ßiebfraberei keine Schranken gesetzt sind. Selbst die verschiedenen bewährten Postwertzeichen-Kataloge, deren Preisangaben sich heutzutage mit einem mehr oder minder hohen „Rabatt'^ verstehen, bieten In dieser Beziehung feine unbedingt sichere Führung, vielmehr weichen ihre Taxen oft genug erheblich voneinander ab. Unter diesen Umständen herrscht auch auf dem phila- telistischcn Marit eine gewisse Willkür und iln- sicherfreit, und der Markensreund, der etwa auf einem kleinen Spaziergang durch ein paar Brief- Markenhandlungen oder nur beim Betrachten ihrer Schaufenster die Preise für altdeutsche Marken ein wenig vergleicht, kann sein blaues Wunder erleben. Fahne zu scharen. ... Die Sozialdemokratte hat zeitweise da und dort den Eindruck erweckt, dah sie für die in den letzten Jahren verfolgte auswärtige Politik Deutschlands eine zuverlässige Stühe und ein unentbehrlicher Faltvr fei. den man deswegen auch in der innem Politik zur Regierung heranziehen müßte. Dieser Glaube ist durch das Verhalten der Deutsdfrnationalen auch dann noch gestützt worden, als er sich mehr und mehr als irrig erwiesen hatte. Er kann heute, wenn man an die Durchführung des parlamentarischen Systems Herangehen will, keine Rolle mehr spielen. Für die innere Politik aber ist das Verhalten der Sozialdemokratte das Bekenntnis. dah ihr die ganze Richtung nicht patzt: und das Streben nach der proletarischen Einheitsfront, das ja nur mit einer Wellern Radikalisierung einhergehen kann, Warnung genug." Auch Paul Harms macht in den »Leipziger Heue ft en Hackrichten" grundsätzliche Bemerkungen zur parlamentarischen Lage. Er schreibt: »Wo Demokvttie zum Parlamentarismus eines sich selbst regierenden Volkes ausgereift ist, da wird die Befugnis der Mehrheit, die Minderheit zu vergewaltigen, hübsch in den Hintergrund geschoben und daS Schwergewicht auf die verantwortliche Führung der Geschäfte gelegt, woran die Minderheit, eben durch ihre Pflicht zur Kontrolle, stillschweigend als mitbeteiligt betrachtet wird. Unter einem gesunden Parlamentarismus wird die Mehrheit ihre Geschäftsführung, wo es irgend angeht, so einrich- ten, dah die Minderheit, die Opposition, sie nicht als Vergewaltigung empfindet, sondern stets die Rücksicht herausfühlt, die von der Mehrheit auf das Wohl des Staatsganzen genommen wird. 3n keinem Lande der Welt ist soviel wie in Deutschland davon die Rede, das; das Wohl des Vaterlandes Über dem 3ntereffe der Partei stehen müsse: in keinem Lande der Welt wird das Parteiinteresse so rücksichtslos an die Stelle des Gemeinwohls gesetzt. Hätten wir einen aus- gereiften Parlamentarismus, so hätte die Frage, die neuerdings Stegerwald in Essen ausgeworfen hat, ob man der Sozialdemokratie nicht einmal wieder zeigen sollte, dah eS auch »ohne sie" geht, gar feinen Sinn. Unter einem geiunden und reifen Parlamentarismus wird niemals »ohne" irgendeine Partei regiert, die sich nach Zahl und Leistung als daseinsberechtigt erwiesen hat. 3ede Partei regiert „mit", entweder innerhalb der gcschästssührenden Mehrheit, ober innerhalb der aussichtsführenden Opposition. Die fin- dische Auffassung der deutschen Linken, dah die Mehrheit — zum mindesten bann, wenn die Linke die Mehrheit hat — der Minderheit andauernd den Daumen aufs Auge halten müsse, hat ihr Gegenstück im Bestreben der Rechten, die Eozial- bemofratie „auszuschallen", bürgerliche „Einheitsfronten" zu ihrer dauernden Hieberhaltung zu bilden. Die Sozialdemokratte, nebst demokratischem Anhang, kann die Zeit noch nicht vergessen, wo sie den Staat als Ganzes ablehnte, weil ihr die Staatsform nicht gefiel, unö wo sie von den Hauptnuhnießern der Staatsform daher mit Leichtigkeit im Zustande grundsätzlicher „Regierungsunfähigkeit" erhalten werden konnte. Und den- Deutschnationalen hängen immer noch die Eierschalen des altpreutzischen Konservatismus an, der ohne einen ober mehrere „Reichsfeinde" nicht glaubte aufitoirmen zu können, die s.ine und des Dreillc.ftenwahlrechts Unentbehrlichkeit an jedem Tage, den Gott werden lieft, neu zu beweisen hätten. Es wirb wohl noch eine Weile dauern, es- wird wohl ein ganz neues Geschlecht, rechts wie links, heranwachsen müssen, ehe das zur Selbstregierung verurteilte deutsch« Volk die Kinderkrankheiten dieses Zustandes überwunden hat. Wenn es sie je überwinden wirdl 3nzwischen hat das Zentrum die Ruhnietzung dieses Zustandes, wobei Rechte wie Linke sich gegenseitig die Gleichberechttgung abstreiten. Die Linke behauptet. die Republik sei ihre Erfindung, und es sei von der Rechten also eine Anmaftung, in der Republik überhaupt mitregioren zu wollen. Die Rechte kann — unseres Erachtens mit mehr Grund — geltend machen, datz eine Außenpolitik, die Deutschland wieder zu einigem Ansehen und leidlichem Wohlstand unter den Völkern der Erde bringen könnte, mit der Sozialdemokratie nicht zu machen ist, möchte daraus aber die zuwcit nicht zu machen ist, möchte daraus aber die zu weit gehende Folgerung ziehen, die Sozialdemo, fratie sei mithin nur als „Objekt der Gesetzgebung" daseinsberechtigt." Lieber den Besuch deH russischen Hüften- kommissars in Berlin schreibt Theodor Wolff 3mmerhin läftt sich ein ziemlich zuverlässiger Maftstab für den derzeitigen tatsächlichen Wert altdeutscher Marttn aus einer ständigen aufmerksamen Beobachtung der Marktage und namentlich der Dersteigerungsergebnisfe getoinnen. Richt was geschäht ober gefordert, sondern was wirklich gezahlt wird, muft letzten Endes als Wert einer Marke gelten. Legt man der Betrachtung dieses Prinzip zugrunde, so findet man, baft ein großer Teil unserer guten alten Deutschland-Marken schon recht hoch im Kurse steht, und baft fast alle altdeutschen Staaten eine zunehmende Zahl „großer Kanonen" aufweisen, für die bereits hübsche Sümmchen gezahlt werden. Will man bei einer solchen Raritätenschau etwa beim alten Baden den Anfang machen, so sieht man an der Spitze den ebenso berühmten wie seltenen Fehldruck 9 Kreuzer blaugrün von 1851 marschieren, der heute mit runden 15 OCX) Mark bewertet wird! Musterbeispiele für die großen Wertunterschiede zwischen ungebrauchten und gebrauchten Marken finb die 30 Kreuzer orange von 1864 und die Landpost-Portomarke 12 Kreuzer gelb aus dem 3afrre 1862; jene kostet ungebraucht nur 1.25 Mk., dagegen gestempelt 100 und auf ganzem Bries sitzend sogar 250 Mk., diese ungebraucht 1.75 Mk., mit dem seltenen Stempel aoer 1500 und auf Brief nicht weniger als 4000 Mk. Unter den alten Wertzeichen Bayerns erfreut sich z. B. die Ausgabe 6 Kreuzer braun (1. Type) von 1849 besonderer Hochachtung, die sich in einem Preis von 450—500 Mk. für die ungebrauchte Marke ausdrückt: ähnlich wird die 9 Kreuzer blaugrün ungebraucht mit 350 Mk. und die 6 Kreuzer ultramarin von 1862 mit 400 Mk. veranschlagt. Von den jüngeren Ausgaben kostet die 1879 erschien enene 1 Mark rotlila ungestempelt bereits 375 Mk. und die noch jüngere 3 Mark olivbraun von 1905 gebraucht schon 35 Mk., auf ganzem Brief sogar im „Berliner Tageblatt": 3n den, Augenblick, als bttesemann sich zur Reise nach Genf rüstete, traf Tschitscherin hier ein. Ganz wie damals, als ©trefemann nach Locarno abfahren wollte, war auch jetzt der Leiter der russischen Außenpolitik durch ein chronisches Selben genötigt, einen deutschen Epezialarzt — diesmal den berühmten Rovrden in Frankfurt am Main — zu konsultieren, und ganz wie damals fand er auch jetzt wieder die Kraft, in Unterhaltungen unter vier Augen und in einer für die Oeffvntlichkeit bcfHmmten Ansprache feine Ansichten mit Schärfe darzulegen und die konservativen englischen Polit.ker „unglaublich borniert" zu nennen. Wer Gelegenheit hatte, mit Herrn Tschitscherin in der ruhigen Abgeschlossenheit eines Votschaftszirnmers zu sprechen, bewunderte. mit aufrichtiger Freude an dem geistigen Reiz einer bedeutenden Persönlichkeit, auss neue seine sarkastische Art und die ©ctoanbt- freit, mit der er leicht und leise, von oben herab die Torheit aller kritisierenden „Klugköpfe" be- lächelnd, jede nicht in seinen 3deenkrecs passende Frage gleichsam vom Tisch hinunterschiebt ... ... Manche von Zweifeln gebissene Leute fragen, ob der russische Staatsmann nicht beab- sichttgt habe, durch seinen Herliner Besuch und feine Ansprache die Verhandlungen in Gens zu erschweren ober gar zu sprengen. Man unterschätzt ben klug überlegenden Tschitscherin, wenn man seinen Reisen zur deutschen medizinischen Wissenschaft eine solche Deutung gibt. Gewiß, diejenigen, die vor allem die Ausfuhr des sogenannten deutschen Kriegsmaterials einschränlen wollen, fanden in der Berliner Rede Tschitscherins ein brauchbares Argument. Aber gleich- zeittg konnte diese rhetorische Kundgebung doch auch die Ueberzeugung verstärken, baß es ein Fehler wäre, Deutschland durch ungerechte Mißachtung aller notwendigen Forderungen gegen seinen Willen von der Locarno-Politik abzudrängen. Tschitscherin dürste gewußt haben, baß fein Austreten in Berlin zwar in England unb anderswo mißfallen mußte, vielleicht die Kriegsmaterialstage verschärfte, aber auch diesen und jenen bewegen konnte, deutschen Wünschen williger sein Ohr zu leihen. Statt ein griesgrämig verlegenes Gesicht zu machen, wollen wir uns über jeden Besuch dieser ungewöhnlich interessanten Persönlichkeit herzlich und dankbar freuen. Der neue französische Botschafter in Washington. Von unterem Pariser W. S.-Q3ericfrterftatter.~ Wie schon kurz berichtet, ist zum Rachfolger Bsrengers, des fvanzöftschen Botschafters in Washington, der bisherige französische Botschafter in Tokio, Charles Claudel, ernannt worden. Charles Claudel tone ursprünglich als Hach- folger des jetzigen französischen Bottchasters in Berlin, de Mckrgerie, ausersehen worden, doch kam Claudel wegen feiner ausgesprochenen deutschfeindlichen Haltung, die sich besonders in feinen Gedichten auSdrüctt, für diesen Posten ernstlich nicht in Stage. Für die Regelung der für die französische Finanzwirtschaft so überaus wichttgen amerikanischen Kriegsschuldenfrage ist bieHeu- besehung des französischen Botschasterpostens in Washington überaus bezeichnend. Die französische Regierung dokumentiert damll, datz sie mindestens hofft, die ganze Frage zunächst noch dilatorisch behandeln zu können, denn hätte sie eine sofortige Entscheidung gewünscht, so würde sie einen Politiker ober mahgebenden Parlamentarier nach Washington entsandt haben, um eine grundsätzliche Klärung ber französisch- amerikanischen ©cfrulbenfrage herbei zusübren. Glaubet ist am 6. August 1863 in Dilleneuve- fur Fin (Arsne) geboren. Er schlug zunächst bie Konsulatskarriere ein unb wurde 1893 Vi;e- konsul in Reuyork, 1894 Konsul in Shanghai, 1899 Konsul in Fou-Tchsou. 1903 kam er als Botschaftssekretär nach Peking, 1905 wurde er Konsul in Tientsin und drei 3ahre später in Prag. 3m Jahre 1911 kam er zum erstenmal nach Deuttchland, und zwar als Generalkonsul nach Frankfurt a. M. 1913 vertauschte er diesen Posten mit dem in Hamburg. 1916 wurde er Gesandter in Rio be 3an:irt> unb 1919 Äe- sandter in Kopenhagen. 3m 3ahre 1921 ging er als französischer Botschafter nach Tokio. Claudel ist nicht nur ein bekannter Diplomat, sondern ein außerordentlich fruchtbarer Schriftsteller. baÄ doppelte. Für e.nen sog. Dreierstreifen ber ersten bayerischen Marke zu 1 Kreuzer schwarz (1849) wird man etwa 800 Mk. anlegen müssen, wenn man olche Spezialitäten liebt. 3n der Bewertung schnell gestiegen sind in den letzten Fahren bie a en Dergedors-Marien, von denen die enbgült ge Ausg ibe 1851 in ihren verschiedenen Werten gebraucht zwischen 80 uno 350, 7, Schilling dunkelblau sogar mit 1350 Mk. notiert, während ganze Briefe ncch mit wesentlich höyeren. vierstelligen Veträgen bezahlt teerten. Vom benachbarten alten Hamburg kostet heute die 9-Sch: Hing-Marke zitronengelb von 1859 gebraucht 230 Mr., auf ganzem Bries 1100 Mk., und in ähnl chen Regionen bewegen sich ole 4 Schilling des gleichen 3ahrgangs unb die gezähnte 9 Schilling von 1854. Auch die ersten Lübecker Marken — um bei den Hansestädten zu bleiben - werden in entwertetem Zustande schon mit 200 bis 600 Mk. bezahlt und erreichen auf ganzen Briefen dopvelte und dreifache Preise, während bestimmte Aastempelungen noch weitere, teilweise hundertprozentige Aufschläge erzielen. Verhältnismäßig erschw.nglich sind demgegenüber noch die allen Bremen, deren Preise für gebrauchte Marken sich zum Tell noch unter 100 Mk. bewegen: immerhin mutz man für die 7 Grote schwarz auf geloem Papier von 1867 doch 520 oder auf Dries 1800 Mk. anlegen. Die ältesten Draunschweig-Marken find wieder ungebraucht am kostspieligsten, beispielsweise 1 Silbergroschen rosa (1852) etwa 2500 Mk. über 3 Silbergroschen ziegelrot 1500 Mk., während sie gestempelt nur 100 bzw. 60 Mk. kosten Ein esonders seltener Vogel dieses Landes ist die Marke zu 3 Silbergrvschen rosa von 1864, linienförmig durchstochen, auf ganzem "Brief, der auf 10 000 Mk. geschätzt werden kann. Einigerrnatzen billig sind noch die damallgen Postwertzeichen Hannovers: für einige Mark kann man sich noch manches zulegen. — es muß ja nicht gleich die erste Ausgabe von 1850 sein, die ungebraucht mit Wirtschaftliche Probleme der Luftfahrt. lieber dieses Thema sprach am Montagabend tm Verein für Luftfahrt in Gießen Dr. Büscher von den Iunkerswerken in Dessau. Der Vortragende führte in etwa zweistündiger Rebe u. a. aus: Der Verkehr auf dem Lande hat gewisse Un- Zulänglichkeiten: er ist an bie Dimensionen der Ber- kehrsweae gebunden und erreicht deshalb nicht alle Wirtschaftsgebiete. Die Anlage unb Unterhai tuns ber Verkehrswege, sowohl der Eisenbahnen als auch ber Landstraßen, erfordert die Festlegung eine» großen Kapital». Weitaus günstiger ist es mit dem Verkehr auf dem Meere bestellt. i)ie Seestraßen sind veweg- lieft; sie erfordern keinerlei Bau- unb Unterhaltungskosten, haben aber den großen Nachteil, bah sie da aufhören, wo der Mensch lebt und wirtschaftet. Der idealste Verkehrsweg ist die Luft. Lust ist überall; aus dem Luftweg kann man überall hin- gelangen, wo Menschen wohnen und Güter erzeugt werden. Der seitherige Luftverkehr spielte sich nur ab in Staaten mit hochentwickelter Wirtschaft, nicht in unerforschten Gebieten. Stellt man die Frage nach der größtmöglichen Wirtschaftlichkeit des Sufiotr- kchrs, fo ist diese in Wirtschaftsstaaten nach ganz anderen Grundsätzen zu beurteilen, als in unerforschten Gebieten. In den Wirtsckaftsstaaten Hal man den Luftverkehr mit der Personenbeförderung begonnen. Wie bei der Eisenbahn, so ist auch hier reiner Personenverkehr unrentabel. Deshalv hat man alsbald die Güterbeförderung ausgenommen. Diese ist aber naturgemäß begrenzt. Die Rentabilität kann hier nicht erreicht werden durch Beförderung großer Massen von Gütern, weil dazu das Flugzeug bis jetzt noch nicht imstande ist, sondern durch schnelle Beförderung leichtverderb- kicher und hochwertiger Fracht. Die Zetter« sparnis spielt die wesentlichste Rolle. Hand in Hand mit der Zeitersparnis geht eine bedeutende (Erfpar- nis an Geld, wenn man z. B. Schecks oder andere Dokumente, die den Kapitalverkehr betreffen, in möglichst kurzer Zeit ihrem Bestimmungsort zu^ührt: die Ersparnis an Zinsen ist bann oft sehr groß. In den unerforfdjten Gebieten wlld die Luftfahrt in Zukunft noch eine große Rolle spielen. Zwei Drittel der gesamten Grboberflädx ist bis jetzt noch nicht erschlossen. Reiche Bodenschätze harren dort noch der Ausbeutung, große Wirtschaftsgebiete können gebildet werden. Eisenbahn- unb Kraftfahrzeugverkehr kann dort oft nur unter großen Opfern an Menschenleben unb Kapital eingerichtet werden, denn die klimatischen, und Bodenverhältnisse bieten oft fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Hier ist das Flugzeug das einzige rentable Verkehrsmittel, denn es P uw- abhängig von ber Bobenbefchaffenheit und vam Klima. Will man z. B. ein in der Nähe des Tstch« Sees in Afrika gelegenes Gebiet, das ftocftu ertine Bodenschätze enthalt, erschließen, so wird man za- nächst durch einen unregelmäßigen, dem tatsächlichen Bedarf entsprechenden Luftverkehr diese Ba- denschäße nach einem Hafenort an die Küste bringen. Dieser Verkehr wird sich allmählich zu einem regelmäßigen gestalten, weil der Bedarf sich Helgert, Schließlich wird der Güterverkehr eine derartige Frequenz aufweisen, daß der Bau einer Eif.'nbohn oder einer Autostraße sich rentiert. Hieraus sieht man, daß das Flugzeug kein Konkurient der Eisenbahn ober bes Kraftwagens ist, fort- bern der Pionier des Verkehrs. Mit feiner H'lfe ist es möglich, neue Wirtschaftsgebiete zu erschließen. An das Flugzeug selbst müssen eine große Zahl von Anforderungen gestellt werden, wenn der Luft- verkehr wirtschaftlich sein soll. Dor allem muft es so gebaut sein, daß ein möglichst geringeren,!- widerstand vorhanden ist, weil sonst eine zu große Kraftleistung notwendig ist, da» Flugzeug fort- zubewegen. Dann muß es eine große 71 u h I a ft zu tragen vermögen. Am schwersten ist ber Motor; man versucht jetzt den Dieselmotor zu verwenden, weil man bann weniger Betriebsstoff mitzuiuhren hat. Das Flugzeug muß aufterbem große B e - triedssicherheit besitzen. Dazu gehött die möglichste Beseitigung der Brandgefahr und der Motorendefekte. Auch die Bruchgefahr |piclt eine Rolle. Sie ist eine Materialfrage unb ist bei bem Metallflugzeug stark herabgemindert. B e - quem lieft feit und eine gewisse Geschwin » bigfeit sind weitere Eigenschaften, bie ein Flug- zeug, das wittschaftlich arbeiten soll, besitzen muß. Es muß außerdem roetterfeft unb leicht reparaturfähig sein unb eine langeCebens- dauer besitzen. Die Ganzmetallflugzeuge der 0 unter s roe r f e , bie erstmals im Jahre 1910 zum Patent angemelbet würben, haben sich Im Laufe der Jahre in einer ganzen Reihe von Typen in stetig 250 Mk. bewertet wird, oder die l/io Ifralet orange von 1856 für 350 Mk. Die allmählich steigend« Preiskurve ist auch bei den Marlen Helgolands aus seiner englischen Zeit deutlich zu erkennen. Einzelne gebrauchte Werte der Jahrgänge 1867 und 1873 bewegen sich freute bereits über 100 Mk Die teuerste Mecklenburg-Schwerin ist die durchstochene rote */4 Sch Hing auf punk- tiectem Grund von 1854, von der ein gebrauchtes Stück mit 350 Mk. bezahlt wird, e n Detrap der beim benachbarten Stcelih von mehreren Marlen der ersten Ausgabe 1834 erreicht wird. Don den übrigen altdeutschen Postgebieten seien nur noch die höchstnotiert rn philateli'tischcn „Wertpapiere" kurz erwähnt, norddeutscher Post- bezirk, etwa die gestemmte D.enstmarke 2 Kreuzer schwarz und grau des 3afrret> 1870 für 115 Mk.: aus derselben Zeit die Elsaft-Lothnn,ea zu 5 Centimes grün (mit den Sp.tzen des Hez- untergrundes nach unten) für 700 Mk. ungebraucht Oldenburg: y8 Groschen grün von 1859 gebraucht 750 Mk., auf Dries doppelt soviel, im zusammenhängenden Dreierstreifen rund 3500 Mark. Preußen 1857 : 2 Silbergrvschen 6tmfelb.au auf glattem Hintergrund ungebraucht 300 Mk. Die beliebte „rote Sachsen" von 1850 zu 3 Pfennig bezahlt man ungebraucht — selbstverständlich immer in bester Erhaltung — mit 900 Mtt, auf Drief mit 1400 Mk. und im ungetrennien Paar mit 2200 Mk. Der seltene sächsisch? Fehldrua von 1851, Vi Heugroschen hellblau statt grau, erreicht sogar 2500 Mk. für daS ungebrauchte Stück. Dee höchsten Bewertung erfreut sich bei Schlesw g- Holstein die 2 Schilling rosa von 1850 mit 800 Mark auf Drief, bei Thum und Taxis y4 Silbergroschen schwarz, farbig durchstochen (1866), mit 300 Mk. auf Brief und endlich bei Württemberg 1856 die ungestempelte 6 Kreuzer grün ofrn« Seidenfaden mit runden 1000 Mk. Man sieht also, die ursprünglichen „Änlagewerte" am Post^ schalter haben sich recht nett verzinst! aufsteigender Linie entwickelt, wobei seitens der Konstrukteure stets der Gesi6,tspuntt größbnög- lichster Wirtschaftlichteit im Betrieb maßgebend war. Das Riesenflugzeug, von dem so oft in der Presse geschrieben wird, konnte bis jetzt noch nicht gebaut werden, weil seine Wirtschaftlichkeit noch nicht sicher- gestellt ist. Es muß zunächst versucht werden, die kleineren Flugzeugtypen durchzusetzen, damit das größere, notwendig wird. Eins Reihe von Schwierigkeiten, die die Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs beeinträchtigen, harren noch der Lösung Dazu gehört die Unmöglichkeit, senkrecht aufzusteigen und senkrecht zu landen. Wertvolle Ländereien müssen deshalb als Flugplätze in Anspruch genommen werden. Es gehören weiter dazu die geringe Möglichkeit der Nebslbekämpfung und die Unmöglichkeit, in grah- Höhe zu fliegen. Eine große Zahl von Lichtbildern unrerstützte die hochinteressanten Ausführungen des Redners. Verband hessischer Warmblutzüchter. Am Sonntag fand in Friedberg eine stark besuchte Versammlung des Verbandes Hessischer Warmblutzüchter statt, die einen sehr anregenden Verlauf nahm. Nachdem über das abgelaufen« Geschäftsjahr Bericht erstattet und mitgeteilt war, daß der Verband im abgelaufenen Jahre insgesamt an 8 hessischen Plätzen zur Prämiierung von Warmblutpferden Oldenburger Schlages 4 silberne Becher und 20 goldene Züchterplaketten zur Verteilung brachte, wurde die Frage der drohenden Auflösung bzw. Einschränkung des Hessischen LandgestütsDarmstadt auf das le^afteste besprochen. Sämtliche Versammlungsteilnehmer waren sich darin einig, daß diese Maßnahme zum völligen Ruin der Hessischen Landespferdezucht führen müsse, da auch eine genossenschastäche Hengsthaltung für die hessischen Verhältnisse in keiner Weise geeignet sei. Die Versammlung faßte einstimmig den Beschluß, bei den maßgebenden Behörden gegen die beabsichtigte Auflösung des Hessischen Landgestüts v o r st e l l i g zu werden und die Regierung zu ersuchen, dieses für alle landwirtschaftlichen Kreise katastrophale Vorhaben nicht zur Ausführung zu bringen. Der Vorsitzende des Verbandes, S. E. E r b- g r a । Alexander z u Erbach.Erbach, wies auf die im Herbste 1927 in Darmstadt geplante Hessische Landwirtschaftliche Landesausstellung hin und forderte die Züchter auf, diese Veranstaltung möglichst reichhaltig zu beschicken, um dort darzutun, welchen Aufschwung und welchen Bestand an gutem Zuchtmaterral die Hessische Warmblutzucht erreicht hat. Als erfreuliches Merkmal für den beginnenden Aufschwung in der Hessischen Warm- blutzucht kann festaestellt werden, daß man beschloß, wenn irgend möglich schon anfangs kommenden Jahres mehrere gute Zuchtstuten aus dem Oldenburger Hochzuchtgebiet nach Hessen einzuführen. Oberhessen. Landkreis Gietzen. t Grünberg, 14. Dez. Rach der Viehzählung am 1. Dezember d. 3. waren in Grünbe.g vorhanden 108 (104) Pferde, 590 (560) Stück Rindvieh, 443 (217) Schafe, 556 (456) Schweine, 252 (280) Ziegen und 2891 (2842) Stück Federvieh. Die einaeklammerten Zahlen geben das Ergebnis der Zählung vom 1. Dezember 1925 wieder. ri. Li ch, 14. Dez. Schwestern und Kinder der Anstalt in Klo st er Arnsburg zogen dieser Tage durch die Straßen unserer Stadt, um milde Gaben zu sammeln für das Arnsburger Rettungshaus, das 50 Mädchen zu versorgen hat, zu deren Unterhalt die von den Fürsorgestellen g-^ahlten Pflegegelder nicht aus- reichen. Sie wurden von der Bevölkerung überall mit herzlicher Freundlichkeit ausgenommen und konnten als Ergebnis ihrer Liebesgabenfahrt 40 Zentner Kartoffeln, viele andere Lebensmittel und 101 Mk. in bar heimbringrn. ri Riederbessingen, 14. Dz. Die seit Herbst vorigen Zahres durch den Tod des Lehrers Graulich verwaiste Schulstelle, die inzwischen von Schulverwaltern versehen wurde, ist jetzt wieder definitiv besetzt worden. Der neue Lehrer Kreis, der zugleich auch den Organistendienst übernahm, stand seither in Engel» rvd im Kreise Lauterbach. —o— Oberbessingen, 14. Dez. Der hiesige V e rein für Volksbildung vrran- staltete dieser Tage einen Familie nabend, der sich eines recht guten Besuches erfreute. Der Schriftsteiler Heinrich Rau mann aus Ranz- Hausen, den man als Redner gewonnen hatte, war durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Lehrer Jacob von hier leitete die Veranstaltung mit Gesängen und Gedichtvorträgen der Schulkinder eia. denen "sich ein Lichtbilder- Vortrag sowie einige gefarg'iche Darbietungen des Gesangvereins anschlosien. Die Dwanstaltr.ng sand dankbare Aufnahme. Eb nfn'ls auf Veranlass ng des Vereins für Volksbildung konzer- üct? dir Reichswehckapelle a 's Gießen, unter Leitung von Obermusikrne'ster Löb er. am Sonntag-rachmittag in unsere n Orte. D eles Konzert war für unsere Einwohnerschaft ein Ere gnis, bas sie mit lebhaftem Beifall b-lohnte. * Muschenheim, 14. Dez. Sine überaus segensreiche Einrichtung in der evangelischen Kirche ist d.e auch in Oberhessen von der evangelischen Dolksmission betriebene Evangelisation. So evongcl s'erte auch in Viesen Tagm vom 7. bis 12. Dezember Missionar Walther- Beuern in den Gernttndcn Mu- schenherm und Birklar. Di- allabendlichen Gottesdienste waren in be idn Gemeinden sehr gut besucht: sie erfreuten sich von Anfang an e nes großen Z. svruchs. Die Koll-kte eraab in Muschen- heirn 100 Mk.. in Birklar 50 Mk. Kreis Friedberg sf- Friedberg, 14. D.z. Die Turner- jugend der hiesig«, Turngem: nde veranstaltete in ihrer Turnhalle eine Ausstellung kunstgewerblicher Handarbeit, die von den Mitgliedern selbst angefertigt Warrn. Laubsäge-, Metall- und Dastarbeiten, Schweren- schnitte und vieles andere, was an fleißigen Werkabendrn unter Leitung von Frl. Schwarz an gefertigt war. w .rdr gezrig'.. D.e Ausstellung ersre-tr sich eines sehr rrgru Besuchs. M uags wurde für die Kinder Kisperletheat-r (selbst- gebaut) vorgeführt. Das Abrollen eines Wil- Helm-Drsch- Films beschloß die gutgelungene Veranstaltung. Kreis Büdingen. !! Büdingen, 14. Dez. Die Zahl der Erwerbslosen im Kreise Büdingen erhöht sich von Woche zu Woche, Unser Kreis, der als fast rein landwirtschaftlich angesprochen werden kann, hat zur Zeit rund 500 Erwerbslose. Diese Zahl muß gegenüber dem früheren Stand als sehr hoch bezeichnet werden Zu bemerken ist, daß 170 Erwerbslose zur Zeit mit Rotstandsarbeiten beschäftigt werden, die sonst auch noch der allgemeinen Erwerbslosenfürsorge zur Last fallen würden. Durch das mil w Witter wird es möglich sein, diese Aotstandsarbeiten noch einige Zeit weiterzuführen. Kreis Schotten. )— ( Ruppertsburg, 14. Dez. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierten dieser Tage der Schreinermeister und La dwirt Friedrich Scheel und seine Ehefrau. Der Ehemann vollendet demnächst sein 75., seine Gattin ihr 74. Lebensjahr. Letztere ist iwch verhältnismäßig rüstig, während der Zubilar seit einem Schlaganfall, den er vor IVr Zähren erlitt, körperlich sehr geschwächt ist. Scheel, ein echt deutscher, braver Mann, hat dem Daterlande im Weltkriege seine drei Söhne, von denen der älteste Landwirt, der zweite Lehrer und der dritte Student der Theologie war, geopfert. Rachmittags fand im Hause durch den Ortsgeistlichen Pfarrer D. Fritsch die Einsegnung des Zubelpaares statt. Abends brachte ihm der Gesangverein „Sängerbund", dessen Mitbegründer Scheel vor 37 Zähren war, ein Ständchen. Kreis Alsfeld. W Nieder-Ge münden, 14. Dez. Am Sonntag wurde in dem nördlichen Teil dec hiesigen Gemarkung eine Treibjagd veranstaltet. Fünf Treibern und einer ansehnlichen Zahl Schützen gelang es, nur ein einziges Häslein zur Strecke zu bringen. Wildernde Hunde und Katzen, sowie das nasse Frühjahr sind jedenfalls die Ursachen dieses schlechten Wildbestandes. W Homberg a. d. Ohm, 14. Dez. Vor einigen Tagen wurde in den S ta a ts w ald u ng en der Försterei Homberg mit dem Einschlag des Brenn- und Ruhholzes begonnen. An den diesjährigen Arbeiten beteiligen sich vier Holzhauerrotten, und zwar eine aus Ober-Ofleiden. eine aus Maulbach und zwei aus Rieder- Gemünden. Ehringshausen, 14. Dez. Im Ba - saltsteinbruch verunglückte der Arbeiter D i ck von hier. Herabfallende Steine trafen ihn am Oberarm und verursachten einen Sprung des Oberarmbeines. Ein Verwandter von Dick wurde ebenfalls durch abstürzende Steine getroffen und trug schwere Verletzungen am Kopf und Quetschungen an der Schulter davon. Starkenburg. * Darmstadt, 14. Dez. Zn Seeheim an der Bergstraße fand eine Besprechung von Interessenten für den Weiterbau der e le k- trischenDahnvonEberstadtbis Alsbach statt. Die hessische Regierung war durch Geh. Oberbaurat G e i b e l, die Hessische Eisen- bahn-Aktien-Gesellschaft (Heag) durch Direktor Dohnenberger, der Hessische Derkehrsver- band durch seinen Vorsitzenden Stemmer vertreten. Ferner hatten die Kreisdirektionen Bensheim und Heppenheim und eine Reche von Bürgermeistereien Abordnungen entsandt. Cs wurde eine Entschließung im Sinne der Weiterführung der Bahn von Eberstadt bis Alsbach angenommen und eine Kommission gewählt, die in Berlin energisch das Projekt betreiben soll. — Zn Bensheim wurden zwei Wachtmeister der Polizei überfallen. Der Wachtmeister Sch ad er wurde durch Messerstiche so chwer verletzt, daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden muhte. Der Täter, ein 23- jähriger Tüncher, wurde verhaftet. Rheinhessen. WSR. Mainz, 14. Dez. Die hessische Regierung Hat dem hiesigen Karnevalverein die Genehmigung zur Veranstaltung des traditionellen Rosenmontagszugs erteilt. Preuhen. Eingemeindung Fechenheims nach Frankfurt. WSR. Frankfurt a. M, 14. Dez. Das Stadtparlament stimmte in seiner heutigen Sitzung einstimmig dem Eingemeindungsvertrag mit der Gemeinde Fechenheim zu. Rachdem schon früher die Eingemeindungsverträge mit Griesheim (12 000 Einwohner), Schwanheim (5600) und Sossercheim <4800 Einwohner) genehmigt wurden, tritt die Stadt Frmckfuct durch die neue Eingemeindung (Fechenheim hat eine Einwohnerzahl von rund 10 000) endgültig in die Reihe der Halbmillionen st ädte ein. Das neue Frankfurt wird künftig eine Einwohnerzahl von etwa 503000 haben, die sich durch den eventuellen Zutritt von Ried noch erhöhen dürfte. Krcis Wetzlar. XX W e tz l a r, 14. Dez. Nach der Ferienordnung smd di« W e i h n a ch t s f e r i e n für sämtliche Schulen des Kreises auf 16 Tage festgesetzt. O Reiskirchen, 14. Dez. Die hiesige Ge- meindeoertretung hat beschlossen, einen neuen Betriebsplan für die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes aufstellen zu lasten. Die Angelegenheit ist einem Forstassessor von Gießen übertragen. Der Gemeindewald umfaßt etwa 150 Hektar Hochwald und 100 Hektar Niederwald. <> Hochelheim, 14. Dez. Seit gestern stt das P o st a u t o der Linie Gießen—Niederkleen in- olge des geänderten Fahrplans im hiesigen Orte untergestellt. Als vorläufiger Unterstellraum dient die Halle, in der die Dreschmaschine der hie- igen Dreschgenostenschaft untergebracht war. Es ind bereits Verhandlungen wegen Errichtung einer A u t o h a l l e emgeleitet, die in Kürze zum Ab- chluß kamen dürften. <> Ebersgöns, 14. Dez. Im Stein« bruche der Oberhefsischen Kalk- und »tcmtnbuftne im Distrikt,Heinrichsberg" der piefigen Gemarkung stürzte ein Stein-- bredjer von hier aus etwa fünf Meter Höhe ab, wobei er sich erhebliche Verlegungen im Gesicht und an den Händen zuzog. Die Verletzungen find glücklicherweise nicht lebensgefährlich. Krcis ^icveniopf. * Königsberg. 14. Dez. Ein nachahmenswertes Beispiel hat die benachbarte Gemeinde Groß-Alten st ädten geschaffen. A f dem dortigen Rathaus wird gegenwär.ig ein Rundfunk-Apparat ausgestellt, zu dem alle Octseinwobner freien Zutritt haben sollen. Mit befer Einrichtung hofft man hauptsächlich der Zagend einen Dienst erwiesen zu haben, denn in so mancher sonst verschwendeten Stunde erhält sie nun Anregung and Belehrung. Zu den Linkosten haben sämtliche Vereine sowie die Gemeinde beigetragen. T Raunheim, 14. Dez. Seit einiger Zett sind Bestrebungen im Gmge, Garbenheim Hermannstein und Raunheim dec Stadt Wetzlar einzuver leiben. Man bringt diese Bemühungen mit der geplanten Lahn- kanalisierung und der dadurch notwendigen Verlegung desDahnhofes Wetzlar und der Köln—Gießener Dahn inZusammen- hana. Der Bahnhof Wetzlar soll zum TeU noch in Naunheimer G 6 et kommen. Zn Garbenheim haben in dieser Angeleg nheit schon zwei Versammlungen stattgefunden. Man will unserer Ein- wohne.scyaft die Sach- dad rch schm ackhaft machen, daß man. ihr die schon früher grplante elektrische Straßenbahn mit Wetzlar verspricht. Die Bevölkerung steht aber dem ganzen Plan ablehnend gegenüber, da sie höhere Steuern und andere Unannehmlichkeiten befürchtet. Rieder- girmes wurde seinerzeit bei der Eingemeindung mit Wetzlar vor die vollmdete Tatsache gestellt. Doch hofft man hier, da Raunheim und Her- mannstein als wohlhabende Orte zum Kreis Biedenkopf gehören, bah die Kreisverwaltung ein wichtiges Wort mitredet. — Bei einer hier abgehobenen Treibjagd in enem Teil dec Feldmark wurden 14 Hasen geschossen. Dillkreis. bl. Dillenburg, 14. Dez. Rach dem jüngsten Stande werden im Dillkreise 82 4 Vollerwerbslose mit 1408 Zuschlagsempfängern gezählt. An Rotstandsarbeitern sind 280 Mann vorhanden. Kreis Marburg. sch. M a r b u r g , 14. Dez. Nachdem im Frühjahr die erste Postautolinie des Kreises Marburg auf der Strecke Marburg— Franke n b e r g eröffnet wurde, deren Rentabilität sich inzwischen herausgestellt hat, ist nunmehr die Einlegung einer zweiten Kraftpost ° linie auf der Strecke Marbur g—G laden- bach (über Wehrshausen, Elnhausen, Friebertshausen, Ammenhausen) für das Frühjahr kommenden Zahres geplant. Die ersten Verhandlungen zwischen der Ooerpostdirettion Kassel und den hiesigen Behörden haben bereits ftatt- gefunden und werden in diesen Lagen mit den zuständigen Gemeinden fortgesetzt. — Wie der Magistrat mitteilt, soll auch in diesem Jahre den Kindern der Erwerbslosen und Armen unserer Stadt eine besondere We i h- nachtsunterstützung zuteil werden. — Die Zahl der R a d io a n sch lü s s e ist in Marburg und Umgebung auf 450 gestiegen, ein Beweis dafür, daß man auch in hiesiger Gegend dem Rundfunk Interesse entgegenbringt. — Rach der letzten Viehzählung wurden in Stadt und Kreis Marburg zusammen 7313 vieh- besitzende Haushattungen (gegen 7320 im Vorjahre) festgestellt. Es waren vorhanden 4333 (4293) Pferde, 6 (4) Maulesel, 1 (2) Esel, 25 695 (25 329) Stück Rindvieh, 7818 (9369) Schafe, 28 144 (23 620) Schweine. 5320 (5658) Ziegen, 1832 (2810) Kaninchen, 100 251 (95 047) Stück Federvieh und 2020 (1698) Bienenstöcke. Kreis Westerburg. 00 Westerburg, 14. Dez. Der diesjährige Weihnachtsmarkt war besser als in früheren Jahren besucht. Allerdings ft o ck t e trotz des reichlich aufgetriebenen V i e h e s die Kauflust. Dagegen hatten die Kaufhäuser um so mehr zu tun. Auch die Lebenswillens der Jugendbewegung." 7.15 bis 7.45 herrschte Hochbetrieb. — Seit voriger Woche wird auf Veranlassung des Sport- und Spieloereins Westerburg unter Leitung des Kreisjugendpflegers Metz hier- ein Gymnaftikkurfus abgehalten. Die junge Generation, aber auch alte Herren find mit Lust und Liebe dabei. — Bekanntlich haben unsere Stadtverordneten vor Wochen dem M a g i st r a t ihr M i ß t r a u e n in öffentlicher Sitzung zum Ausdruck gebracht. Der Stein des Anstoßes war damals der Ausbau der hiefigen Realschule, über den der Magistrat und die Stadtverordneten verschiedener Meinung sind. Auch in der jüngsten Sitzung kam der Gegensatz insofern zum Ausdruck, als die M a g i ft r a t s m i t g l i e > der bei der Stadtverordneten fitzung nicht zugegen waren. Das Mißtrauensvotum gegen sie wurde deshalb erneuert Stadtverordneter H e ß referierte dann über den Stand der Schulfrage und rollte ein recht trübes Zukunftsbild unserer Realschule auf. Kommen Magistrat und Stadtverordnete zu keiner Einigung, so muß man befürchten, daß die Realschule die längste Zeit hier existiert hat, was im Hinblick auf die hiesige und umliegende Landbevölkerung sehr zu bedauern märe. Maingau. WSR. Franks urt a.M., 14. Dez. (WB.) Die seitherige Entwick.ung der Frantfurter Messe, insbesondere der günstige Verlauf der letz:en Herbstmesse, recht ettlgen d.e Erwartung, daß die Frank,urier Messe auch künftig ihre Stellung, wahren und sich zunehmend günstig entwickeln wird. Die Fortführung und zeitgemäße Ausgestaltung der Frankfurter Messe erscheint deshalb im Interesse der Stadt geboten. Der Magistrat beantragt dementsprechend bei der Stadtverordnetenversammlung, für das Zahr 1927 die erforderlichen Mi tel in den Haushaltsplan einzu- f.e.-en. — D . S c.it -erordnetenrerlammlung ha te vor kurzem die Bewilligung eines Zuschusses von ICO000 Mark an das Symphonie- Orchester beschlossen un er der Voraussetzung, daß das Orchester in seinen Darbie.ungen gewisse folale Gcs-ch sputckte berücksichtige und der Stadt ein gewisser Einfluß aus die Führung des Orchesters eingeräumt v erde. Nachdem die erste Vorau-fttzung durch Veranstaltungen von Darbietungen für Schüler, Erwerbslose usw. als erfüllt gelten darf und zur Wahrnehmung der städtischen SntereLen je ein Mitgl ed des Ma- gistra s und der Stadtverordne enversammlung in Len Vorstand des Orchester-Vereins gesandt werden kann, ist der Magistrat dem Beschluß I GesMs-WWWsanzeW erfordern heute eine sorgfältige Zeitgebung und Satzausstattung. (Bule Sctzl iilungen sind nur erreichbar, wenn die Anzeige» WM genug uu,gegeben werden. Der Annahmeschlutz für alle Anzeigen im (Siebener Anzeiger entfällt auf den Nachmittag vor der Ausnahme. Empfehiungs, anzeigen müssen, je nach Umfang uno Sctz. schwierigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt fein. Nur mit Sorgfalt und dem notwendigen Zettaufwand gesetzte Empfehlungen Wro Den erivliMleo 6i|olo! ber S.altt-e.o.dn.tmve.samm.ung beit,e..e,en. — Die am Sonntag gesch.o.sene „Frankfurter Polizeischau" hat in allen Kreisen der Bevölkerung starken Anklang und großes Znter- es e ge.unden. Znsgesamt wurde d.e Schau von rund 20 0C0 Per! onen besucht. Besonders stark war der Besuch an den letzten Tagen. So wurden am letzten Sonntag allein etwa 3000 Personen gezählt. — Bekanntlich konnte kürz- ltch der langgesuchte Fassadenkletterer Hans Brey nach einer aufregenden Zagd über verschiedene Dächer festgenommen werden. Zn der Zwischenzeit konnten auch töne „Miturbetter", der 30jahrige Schlosser Ferdinand Graf und der 27jährige Arbeiter Wilhelm Keß, ferner noch der dritte Komp'.i e der Elektrotechniker Wilhelm Stegmann . der s. Zt zusammen mit Brey aus dem Zuchthaus in Diez entwichen war, ermittelt und dingfest gemacht worden. Auch Stegmann ist ein alter verwegener Wohnungs- und DilleneinbreHer und Fassadenkletterer. Bei feiner Festnahme lag er, nur mit einem Hemd bekleidet, unter einem Waschtisch: er war so überrascht, daß ihm die Handhabung einer Pistole nicht mehr gelang. Für die Wohnungsinhaber, bei denen Brey und Stegmann Unterschlupf geunben hatten, dürste die Angelegenhett noch ein gericht'i' es Rach- spkl haben, da sie sich wegen ^Begünstigung strafbar gemacht haben. WSR. Hanau, 14. Dez. Der Magistrat hat, dem Beispiele der Stadt Frankfurt folgend, die Einführung des Mülltonnensh stew.S beschlossen. Eine entsprechmde Vorlag' ist dem Stadtparlament bereits zugegangen. 3n?g:facnt werden etwa 3200 Tonnen zum Preise von 52 500 Mk. benötigt. Wir sollen bequem reisen! RDV. Die Deutsche Reichsbahn geht jetzt tatkräftig daran, das Reisen oif der Eisenbahn in Deutschland behaglicher za gestalten. Besonders erfreulich ist, daß von der Reichsbahn sowohl die Bequemlichkeit der Reisenden in der teuersten, wie in der billigsten Wagenklasse erstrebt wird. Bei einer Presfebesicht gung vor einigen Lagen in Berlin sah man Muster der neuen Wagen aller Wagen klassen, und einige neue Schlafwagen, die zum Teil bereits in Verkehr gestellt sind. Der neue Wagen 4. Klasse mit seinen Quersitzen, den weiten Fensteröffnungen, dem hohen, gewölbten Wagendach, den zahlreichen Lüftungsmöelichkeiten unb der reichlichen elektrischen B uchtung durch 6 Dirnen in jedem Abteil, wird kaum das Bewußtsein aufkommen lassen, daß man in der überhaupt billigsten Wagenllasse fährt. Für die Znnenausstattung der D■ Zugwagen sind Künstler herangezogen worden, um den Wagen nicht nur ein zweckmäß'ges, sondern auch ein wohlgefälliges Aussehen zu gebfcn. Besonders ist das bei den Wagenabteilen 1. Klasse gelungen: Die Wände sind in Mahagoni getäfelt, und die Sitze mit einem oliv- grünen Polsterbezug bekleidet: die Armlehnen in Ellbogenhöhe können vollkommen zurückgeklappt werden. Für die Beleuchtung ist die bisherige, etwas nüchterne Gla^locke durch einen dreiarmigen Beleuchtungskörper mit drei 25 Watt- Äampen und einer blauen Glasbirne für die Rächt ersetzt worden. Rach wie vor werden in der 1. Wagenklasse innerhalb des Gebietes der Deutschen Reichsbahn nur 4 Plätze den Reisenden zur Verfügung gestellt, während bekanntlich im Ausland 6 Plätze in der 1. Klasse üblich sind. Zn allen v-Zugwagen verschwindet nach und nach der Fenstergurt als veraltet: an seine Stelle treten die sogenannten Scherenfenster, die bis zu jeder beliebigen Höhe herabgezonen werden können und von fetbft feststehen. Auch die staubfangenden Scheibengardinen, d e bei geöffnetem Fenster umherflatterten, verschwinden in allen Abteilen: an ihre Stelle treten R o l l - Vorhänge. Ebenso wie die 1. Wagerklasfg der V-Zrgwagen erhalten auch die Abteile 2. und 3. Klasse bei den neuen Wagenthpnr eine gewölbte Decke und einen neuen Beleuchtungskörper, unter dessen Kuvpel unsichtbar die Lüftungsanlage angebracht ist. Zn den V-Zrgwagen 3. Klasse werden auf den Strecken, auf denen Speisewagen nicht mit» geführt werden können, Wirtschaftsabteile eingerichtet. H er können e infach:re warme Speisen hergestellt werden, die d.rch Kellner der Mitropa in die Abteile gebracht werden. Ausgezeichneten Eindruck machen die neuen Schlafwagen der Mitropa, die zum Teil bereits in Verkehr gestellt sind. Der neue Schlafwagen ist 2^2 Meter länger als der alte Typ und weist 11 Abteile statt bisher 10 in jedem 'IDagen auf. Da ein solcher neuer Schlafwagen insgesamt 23,4 Meter lang ist, konnte jedes Abteil 8 Zentimeti.r breiter angelegt werden. Rach wie vor erhält der Reisende 1. Klasse in diesen Mitropa-Schlafwagen ein Einzelbett. Die Abteile sind durchweg m.t Mahagoni verkleidet, bie Waschtische zweckmäßig in eine Rische eingebaut. Die Entlüftungsanlage liegt jetzt nicht wrhr zum Abteilfenster, sondern zum Sttt-?ngang des Wagens zu. Auch die älteren Schlafwagen werden behaglicher ausgestaltet durch eine dem 2luge wohlgefällige Despan77ung jedes Abteils und durch Anbringung von bewegllchm Gnrde- robenhaken an einer breiten Messlngstange. Zur Pflege der Sauberkeit sind auch die Aborte in zweckentsprechender Weise aiSge- stattet worden. Der gan>2 Raum ist in weiß gehalten und mit abwaschbaren Stoffen belegt Selbstverständlich fehlt nirgends mehr ein Seifenspender: die Handtücher sind in einem glas- btlleibcfen Schrank unter gebracht. Kirche und Schule. ' Prüfungen für den DolkLschul. bien st und das höhere Lehrfach im Jahre 1 92 7. Das Landesamt für baa Dll- dungäwcf.n m^cht bclannt: Für dir ün Jahre 1927 ab.,uhaltenden Prüfungen werden folgende Termine festgcf.tzt: 1. Schlustprü.uugcn für Die Auwätter und Anwürterinneu des Dol:-fchul- dienstes a) im Frühjahr 14. März, b) ün Herbst 3. OloDcirbcr. 2 Schluhprüfungen für dir Anwärterinnen des höheren Lehrfachs in Darmfta l 24. Mörz. 3. Prüfungen für Hauswirt lcha'tslel)^ rerinnen, Handarbeitslehrerinnen, Äinjergärl- netinnen a) zu Gießen 9. März, b) zu Darm- stadt 23. Februar, c) zu Mainz 3. März. 4. Zweite Prüfung der Kindergärtnerinnen u> zu (Sieben 22. September, b) zu Darmstadt 12. September, c) zu Mainz 15. September. 5. Prüfung für Zeichen- lrhrer 7. März. 6. Prüfung für Gcsanglehrer 2b. Ro^ Di mber. 7. Prüfung für Turnlehrer 9. November. Meldungen zu diesen Prüfungen sind alsbald bzw. drei Monate vor dem Termin mit den vorg.'fchrie- denen Belegen und dem Eingabestempel bei den zuständigen Stellen einzureichen. Wirtschaft. • 3.-®. Jarbenindustrie. In der gestrigen Sitzung ktes Aussichtsrates wurde mitge- teilt, tMÖ der Geschäftsgang befriedigend sei und dah sich eine allgemeine Besserung ün Ab- sah bemerlbat mache. Die KaPitalrrhShung ist trotz ihres Umsange glatt vonstatten gegangen, so dah der Deldstand der Gesellschaft augenblid- lich sehr flüssig ist. Berliner Börse. Berlin, 15. Dez. Bei den heutigen Prä- miencrnärungen k.un iwch einiges Wtterial heraus. kas teilweise zu leichten KurSab- brödelungen bei den Terminturlen führte. Innerhalb der Börse selbst sind aber die Dor- berertungen für den Medio in den letzten Tagen bereits soweit getroffen worden, dah die Ku- liste sich fast ganz auf den Handel per Ultimo einstellte. Gegenüber den Älediokursen nannte man per Ultimo durchschnittlich etwa 2 bis 3 Prozent höhere Notierungen. 3. G. Farben wurden zu 308 Prozent bereits per Ultimo gehandelt. Einiges Interesse zeigte sich für Elel- t r o a k t i e n unter Fahrung von Siemens, verschiedene Montanwerte, einige Mafchi- nenaftien, Bankaktien unter Führung von Commerz und Berliner Handel und für Deutsch-Australische (plus 4 Prozent). Das Geschäft verlies sonst ziemlich still. An den Nebenmärkten war die Haltung nichf ganz einheitlich. Am Geldmarkt war Lagesgeld zu 5 bis 6,5 Prozent gefragt, doch fanden auch hierunter Abschlüsse statt. Prolongati-onsinittel waren kaum verändert, Nachzügler kamen zu den bisherigen Sähen von 7,5 bis 8,5 Prozent noch an. Monatsgeld 7,5 bis 8 Prozent. 3m Devisenverkehr stellte sich Paris etwas schwächer _ aus 122,50, Mailand war stärker abge- schwächt mit 109,50 gegen das Pfund. London- Kabel befestigt auf 4,8510. Die Reichsmark stellte sich gegen Kabel unverändert auf 4,2010. Madrid konnte den gestrigen Stand von 31,07 nur knapp behaupten. ®orftn tafle. ^taulfuri a.M. öajtu - t-ilre- S»luS. •.;n’inq iuire, kur» hirte it- __ Tun U 11 15 12. 14. It I5. IZ S% DtuUchk Dittman etbe uz 745'7 ii 75i C 745 4- r.ui'chc nlate v.wu u.tti-s ».6671 3 •.-^ZauiIiIk .X.ich.cmltldk _ i 697-> 0.6875 ■■ TuJildie ‘-Netti:? nleiO: leuritt.’ LvorvrEicu.mUlte U.44 — U.7975 U.4J 3.7925 * Pr.utziicte j;.idole . . . ii «9 — U 702 U.7O 4' o Hc ieu........... 3'/,*- f'effcn.......... <-.« — o m 0 6'i V 643 91 Dollar-Lnl dio-Toll Ltiav SUurrt ng. 1UU 1 1 1 4 zlotliurrin......... 13.62 16 4 13,25 15.25 V.. W J6nitntaner..... —- Berliner HtindelSaesellichan 863,i 263.75 264.5 Comincr;- uud Hrii>at Teilt i*M 196 194 1 >6 Taruitt. und ’Jlailoualoaut . 25t) 5 853.3 Z49.4 Teui'che fant........ i76 178 25 177 5 177 Tiefüiiio Ufimuanblt iü7.:ä 167 I6> 168 157 9 Trcafnrr Sant ....... 'JNttiUlbaiH........... I3N 14H.5 i5h 168.83 II' 3 IVt >42.95 168 5 I4< MineUieuiltit Credttdank tcfic reitiiftic ättotuiuiuit : Xi IS9 — 1 15 7.5 9tetti4bant....... 159.5 <61 IUU ^otiinner Suh........ — — 165.15 169.9 Sh.trr 5........... CI. 75 UU 3 HU ttaro ............. Tcuilch Lurcmbura..... l ü-'. 167 165.5 167 «tlkiittrticiut Bergwerke . H.7 168.13 II.-..5 167.5 Herve, cv tbecflbdu . . 1*0 181.5 178 180 4 -'talnverfc YUti:r6Iebe.t.... 119 — 1.37.5 138 .'laliivfrf WkilcregkUi..... 151 72 75 149.3 72 23 150 77.5 üaurahüftc. . . .'..... . 73.9 anneümcinn..... . . . lv7.?j 1-58.75 Uh 189 UNoji» .Id ............ irx.'i — 129 130 IG7 IU8 5 24.62 Büöinr Bcra'-au....... IN Demi fair vrauukohlen . . . .......... i?3.5 7.15 5 11-9,5 176 IH2 LU. 25 124.25 »35 191 175 124 5 2KI.5 I9U.5 175,5 234.75 HO 176.62 ... Verein täte Liadiwcrfe .... 143 14'1 142.3 tiamburq .'imrnfrt Pafel. . . Ii* 5 lltf <68.5 168 Worbörutltiir Idloiy . . . IG4 161.5 <63.25 161.25 Ijrrauiiftic Werke Albin . . 95,5 _ _ Seinciuw;r( Heidelberg . . . ‘UulltDD Hol uicuin...... 124.3 159.25 159 158 106.25 159.75 Analo ttont Äuono..... tftemhtic Mayer Älavin. . . _ ' oldichmidt........ 137.5 139 U9.75 ßoliDfi abiurifl........ st w Kar en studuftric. . . tstiiigerülverke . ....... 69,75 12 IW 166 «U9 127.5 169 312 188 M 126,12 Etietd annalt . ...... Silin fcieftruticitteWeleUftiafi 156 156 5 156 155.5 «croninnn .......... 152 75 — 152,73 152,25 Gl Ur. Lieferungen...... 116 152 147 75 151 l'idjt unö jRrafr........ _ 152 lO.ainkra nverke ........ 112 1'6 Schucler,........... SienieuA k H^l§kr ..... 190 UM 9 84 154.3 (88 7, lun 85 • 56,5 189.5 104.5 87.25 15*9.5 U12 ts.s 37.5 Aftlerwe«ke .'.lener •••... Daimler ' .oloren- ...... 6cnfmcnftucftt......... >> rguin............. Dio itücimer Moiorcn ... —— 60 2i. _ — 35 4 ^ranlsnrur Vlrmmurcn 16 — .'(oiilerorMinbtif Braun . . — - 1 *• Melallgelell cfaoft st-ranlsurl . 170 170 * — -Bet Union 9i.:W. K7 118.0 erfnilvni-rif Her;...... — eifllel............ . ZeNttoss SHdinffenburg .... 143 । — 2 4.75 .Helhio i ©alftiiof..... . 223 : 21b 22,5 , 160 5 , Zutter abril Frankenthal . . Zuekcrsabrik Waghäusel . . . 161.5 ; 126.5 126.75 1.5.75 | — Krankfurtor iöctv JfC, Frankfurt a. M. 15. Dez. Es notierten: Weizen, Wctlerauer, 29 bis 29,75 Mark; Roaaen, inländischer, 24,25 bis 24,50; Sommergerste für Brau zwecke 23,75 bis 26,50; Hafer, inländischer 19 bis 19,50; Mais, gelb 19,50; Weizenmehl, inländi- sches, Spezial 0 40&) bis 41.10; Roqgenmehl 35 bis 36; Weizen- und Roggekleie 11,75 Mark. Tendenz: Abgelchwächt. Devisenmarkt Derlio—Zrankfurl 6* 25 sti Iteniftie Molen...... 19 V? 19.17 'Monwaikt- Voten . ... IU5.V- 106.32 3 u:‘Ci Orrr .3 iou flronen 59.05 59. ?5 yiuuuunitir ‘Mc>ien...... 2 17 2.11 LchweYUche ‘Moten...... Dl 81 uz tu ^chwekZer 'Moten ...... Ml . Vf, 81 Ä SuanifAe 'Moten . ...... 64.19 64.51 üti.ti. icn'aldtie 'Jioten . . >2.|j 12.47 Uugariich.' 'Molen ... □,W5 5 8» Fraukfurtcr Börse. Frankfurt a. M.. 15. Dea. Tendenz: ruhig, aber weiter fest. — Die heutige Effektenbörse brachte zwar keine Teschäftsbelebung, aber ein weiteres Anziehen der Kurse, ausgehend von Montan unb Freigabewerten. Für letztere regte die heutige Diskussion der Freigabeangelegenheit im nineri- kaiüichcn Repräfentantenhause an. Stimulierend mirltcn sich noch die neuen Verhandlungen der internationalen Roystahlgemeinschast und der leichtere Stand des Geldmarktes aus. Am Anleihemarkt tonn len schließlich noch türkische Renten durch das Zugeständnis der Türket, ihre Abfindungsquote etwas zu erhöhen, anziehen Dadurch lagen auch die übrigen e;oti>chen Renten etwas freundlicher. I-G.-Farben lagen nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung dieser Gesellschaft eher schwächer und gaben 1 Prozent nach. Die Börse beachtete die Warnungen der Verwaltung, sich nicht allzu großen Phantasien hinzu- neben. Don Montanwerken waren gut be» feftigi: Stahloerein plus 3, Mannesmann und Rheinstahl je plus 2,5 Prozent; die Werte der Rhein-Elbe-Union um 1 Prozent. Ain Banken- markt hielten sich die Besserungen in engen Grenzen, nur Darmstädter plus 1,5 Prozent. Don Schisfahrtsnktien schwächten sich Hapag um 0,25 Prozent ob, dagegen Rordlloyd in Nachwirkung der neuesten Ausdehnung plus 1,5 Prozent. Elek- troartien ruhig. AEG. plus 0,75, Schuckert stärker gesteigert plus 3,5 Prozent. Petroleumwerte uneinheitlich. Deutsche Erdöl plus 1,5 Prozent. Von minus 0,75 Prozent. Die Werte der Metallbank- gruppe lagen fest mit Ausnahme von Metallbank selbst, die 0,25 Prozent nachgaben. Scheidea»'^"lt und Metallgesellschaft je plus 2,5 Prozent. Von variablen Werten waren Zellstoffoktlen gut befeflioi, Waldhof plus 4 Prozent. Autoaktien erholt. Sieger plus 2,5, Daimler plus 1,75 Prozent. Bauaktien un- einheitlich. Holzmann plus 1,75 Prozent. Maschinenwert still und kaum verändert. Heimische und ausländische Renten lagen fest. Schutzgebiet '15, Ablösungsanleihe 325. Zolltürken 16,4, Bagdad II 21,65, Anatolier I 21,40. Am Geldmarkt machte die Entspannung Fortschritte, wenn auch die Sätze dies noch nicht verspüren los,en. Tagesgeld 5,25, Mo- natsaeld 6,25 bis 6,75 Prozent für erste und 8 bis 8,5 Prozent für zweite Adressen. Bankakzepte 4,5, Warenwechsel 5,40 Prozent. Im Devisenverkehr lag Paris mit 122,40 gegen London etwas Pfund. London-Kabel befestigt auf 4,8515. Die schwankte zwischen 110,75 und 109 gegen das Kabel und 20,385 gegen London. Zurich-London Reichsmark lag etwas schwacher mit 4,2020 gegen Kabel und 20,385 gegn London. Zürich-London 25,091. TNarkloerlcgung un Frankfurter Schlacht- und Viehhof. WSR. Frankfurt a. M. 14. Dez. Die auf den 23. unb 30. Dezember fallenden Vieh- Märkte sind aus Mittwoch. 22.. bzw. 29. De 3 e m b e r verlegt worden. Die Montagsmärkte finden unverändert flau. Letzte Nachrichten. Tin Aulozusammenl'oh ereignete sich heute mittag gegen 1 ,1 Uhr auf bem Ludwigsp.atz. Ede Gartenstraste. Der etwa 19 Jahre alte Horst Schütte, Frankfurter G.'raste 61 wohnhaft, kam mit einem kleinen Ope,a.agen aus der R.ch.ung Gartenstraste gefahren. nach Angabe des Lenkers des anderen Wa^enÄ ohne Signalavgabe und mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 ÄLom.'tern. Im gleichen Augenblid kam der Generalagent Heinrich R e i n s ch m i d t. Westanlage 51 wo^nha t. mit seinem Kraftwagen, in kein au'zer ihm noch seine Frau und zwei Kinder sasten, aus der Ludwig- fltObC. An der Sde Gare ast raste Ludwigstraste erfolgte, da keiner der Fahrer von dem anderen etwas be.tte.kle, der Zusammenprall. Die Wucht dieser Karambolage war so grost, dah der 0 p e l w a g c n Schuttes sich überschlug und im Bogen aus den Bürger st eig nieder stürzte, wodurch Der Fahrer unter den Wagen zu liegen kam. Aber auch der Reinschmidl'sche Wagen fiel um, wobei anscheinend die Hinterachse brach, austerdem an den vorderen Schutzbtechen starke Derben- lungeu eintraten, die vier Insa'en dieses Wagens biiebea glüducher eise unre.letz'. Schütte wurde von schnell herbeigceil en Pa! anten unter dem Au'.o hervorge ogen und von der ebenfalls rasch alarmierten Freiwilligen Sanitötelolonne vom Ro en Kreuz nach Anlegung eines R'tver- bandes der Chirurgischen Klinik zugelührt. Wie die ersten Feststellungen ergaben, hat er einen Oberkieferbruch, ferner noch einige G e - sichtsverletzungen fratonget agen: ob innere Verletzungen noch vorliegen, must erst die ärztliche Untersuchung und Beobachtung ergeben. Das Auto Schüttes wurde schwer beschädigt. So ohl an dem Fahrgestell wie auch an dem Aufbau wurde vietes zersplittert oder verbogen, jedoch konnte der Wagen noch aus seinen Rädern ab'esch'evpt werden, in gleicher Weise auch der Rein'chinidi'sche Wagen. Der Vorgang lod e natürlich be> dein lebhaften Stra- ßenverke^r eine ge"al'i"e Menschenmenge an. Schachteln zu 20,30.60 u.l20 Pfg. Ein gewaltiger Fortschritt in der Entwicklung des DIESELMOTORENBAUES HEUTE rOUHER 1926 ohne ressor BauarF 1912 t verwickelt u. vlelteihg 25 PS. Drenzabl 250 25PS. Drehzahl 500 t Bauart 1926 einfach u. übersichtlich . ii . < . -j.1‘ i . . .... . 4 .....: n Billigste .Antriebsmaschine für gewerbliche Zwecke Jeder Art MOTOREN-WERKE MANNHEIM A-G vorm • BENZ • Abt • stationärer Motorenbau MANNHEIM VERKAUF BODOS: BEQUN.BPESLAlZOiEMN'TZ, O6NZI6. EPFUPT, MAMBUDOKOUt I KONIGSBEDO, MANNHEir-l M0NGh£n. NOPNBODO, QOSTOCX. STUTTQADT Verkaufsbureau: Mannheim L.151,Tel.30429 7889 D Me SkWk Empfehle für diele Woche: Ia5d)Cllfiidjc o.M., Cabliau o. K., Scchedit, :Uotz»nnen, iriich. iirh kotelettS. o r. Biidliuae, ncräuch. ^d)Cllfticbc, Irisch scr. Kliein- lachs und eeriluch. Itheinnal un AuSka-nitt. 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Seien wir ehrlich, dem Sinne nach erlebten wir schließlich schon alle etwas Ähnliches. Eber ist es etwa Ritterlichkeit, wenn Herr Jemand auf Vorhaltungen, daß er mit Rücksicht auf die anwesenden Tarnen bei Tische während des Servierens doch nicht dicke Rauchwolken erzeugen tonne, erwidert: „Liebster Freund, wo so viele Engel sind, müssen auch Wolken sein!"---? Selbst wenn Herr Jemand Zuban-Zigaretteu mit ihrem köstlichem Duft dazu gebraucht Ijätte, durfte er das nicht tun. Nicht wahr? Biwer der Zeit! Im Orient haben sich die jahrtausendealten Sitten und Gebräuche indesseil unverändert erhalten. JmHause des guten Dr. Nabi, unseres „Tabakdoktors", wie wir ihn nennen, herrscht eitel Fre ude ob des Kommens des Münchner Kindls, des Wahrzeichens der alten weltbekannten Zuban-Zigareltensabrik. Fieberhaft sind alle, ob Arbeiter ober Angestellte, an der Arbeit, um dem Akünchner Kindl einen würdigen und herzlichen Empfang zu bereiten. Jetzt werden sie ihm, dem Repräsentanten der großen Zuban-Zigaretten- fabrik, für die sie nun schon seil Jahrzehnten arbeiten, ihre alte treue An- hänglichkeil zeigen. Die besondere Lust und Liebe, die sie gerade dem für Zuban zusammengestellten Material zuwenden, wollen sie ihm hier an Ott und Stelle beweisen. Übermorgen hören sie mehr! Die Geschmadsrichtnngen der Raucher sind wandelbar wie die Zeiten. Wir geben mit! Tie leichten, süffig süßenMischulrgenunsererZigarenenfind Glanzstüde der heutigen Zigaretten-H-rstellungsatt. Drum seien sie nicht nur Lebenskünstler, sondem werden Sie Künstler des Geschmacks! Rauchen Sie die 4 Pfg.-Zigarette Zuban Nr. 6! OerFrofch mii derMaske Roman von Edgar Wallace. 16. Fortsetzung Nachdruck verboten „Ich wollte, ich wär's", murmelte der Chauffeur und streckte die Hand hin, um sein Fahrgeld zu empfangen. Elk hätte sicherlich den Fall des breiteren diskutiert, wäre Gordons Aufforderung nicht allzu dringlich gewesen. Er wartete, bis der Chauffeur feine vielen Ueberröcke aufgeknöpft hatte, um ihm auf die dargereichte Geldnote herauszugeben und blickte indessen gewohnheitsmäßig die Straße entlang. Ein Auto, dessen vordere Lampen so weit als möglich abgeblendet waren, stand vor Dick Gordons Haus. Das wäre nun nicht allzu merkwürdig gewesen. Die zwei Männer, die auf dem Gehsteig warteten, waren es jedoch um so mehr. Sie standen mit dem Rücken gegen das Gitter gelehnt, einer zu jeder Seite des Tores. Elk trat einen Schritt zurück und faßte den gegenüberliegenden Gehsteig ins Auge. Auch dort standen zwei Männer, die just Nr. 273 gegenüber müßig warteten. Elks eigenes Taxi war vor dem Hause eines Arztes stehen geblieben und der Detektiv nahm sich nicht lange Zeit, seinen Entschluß zu fassen. „Warten Sie bis ich wie- derkornrne!" „Bleiben Sie nicht zu lange aus", bat der ältliche Chauffeur. „Die Wirtshäuser sind in einer Viertelstunde geschlossen." „Warte, Batchus", sagte Elk, dessen Bekanntschaft mit der Mythologie eine bloße oberfächliche geblieben war. Batchus brummte, aber er wartete. Glücklicherweise war der Arzt zu Hause und Elk gab sich ihm zu erkennen. In wenigen Sekunden war er mit der Polizeistation Mary Lane ver- bunden. -Hier spricht Elk, Zentralamt", sagte er rasch und gab seine Kodexnummer. „Senden Sie jeden Mann, den Sie zur Perfügung haben, nördlich und südlich von Harley Terrace Nr. 273 aus. Lassen Sie alle Wagen in dem Moment, in dem Sie mein Signal, — zwei lange und zwei kurze Lichtzeichen, — bekommen, stehen bleiben. In welcher Zeit können Ihre Leute hier sein?" „In fünf Minuten, Herr Elk. Die Nachtablösung zieht gerade auf und ich habe ein paar Lastautos | hier. Die Führer sind soeben Regen Trunkenheit arretiert worden." Elk legte den Hörer auf und ging in die Halle zurück. „Es ist doch nichts geschehen?" fragte der aufgeregte Doktor. Elk nahm die Pistole aus dem Futteral und sicherte sie. „Ich hoffe doch", sagte Elk. „Denn wenn ich die Abteilung nur herauskommandiert habe, weil ein paar unschuldige Lümmel am Gitter von Harley Terrace lehnen, so könnten sich die größten Unannehmlichkeiten für mich ergeben." Er wartete fünf Minuten, öffnete das Tor und trat hinaus. Die Männer standen noch immer dort. Im gleichen Augenblick ratterten zwei riesige Lastautos von beiden Seiten in die Straße herein und blieben inmitten derselben ihrer ganzen Breitseite nach stehen. Elks Taschenlampe spielte nach links und nach rechts und er sprang vor. Nun sah er, daß sein Verdacht gerechtfertigt gewesen war. Die Männer vom gegenüberliegenden Gehsteig kamen über die Straße gelaufen und sprangen auf das Trittbrett des Autos mit den abgeblendeten Lichtern, das sich sofort in Bewegung setzte. Gleichzeitig waren auch die Männer, die den Eingang von Nr. 273 bewacht hatten, in ihren Wagen gesprungen. Aber die Flüchtlinge kamen zu spät. Der Wagen wendete, um den blockierenden Lastautos zu entgehen, gerade als dieses rückwärts lief. Es gäbe einen Krach, ein Klirren von brechendem Glas und noch ehe Elk herankam, waren die fünf Insassen des Wagens schon in den Händen der uniformierten Polizisten, die die Straße hinauf- ftürmten. Die Gefangenen nahen ihre Arretierung ohne Widerstand hin. Einern, dem Chauffeur, der unauffällig seinen Revolver fortzuwerfen suchte, wurden Handschellen angelegt. Auf der Polizeistation besah sich Elk seine Gefangenen des näheren. Vier waren schöne Exemplare der Gattung Landstreicher und recht unbeholfen in ihren neuen, fertiggekauften Anzügen. Der Fünfte, der einen russi- scben Namen angab, war ein kleiner Mann mit scharfen Augen, deren Blicke unruhig von Gesicht zu Gesicht schweiften. „Nehmt die Mäntel ab und rollt die Aermel auf", kommandierte Elk. „Machen Sie sich keine Mühe, Elk", sagte der kleine Chauffeur, der sichtlich der Anführer war. „Wir Jungens sind alle gute Frösche." „Gute Fröscke gibt es nicht. Es gibt nur schlechte Frösche, noch schlechtere Frösche und den schlechtesten Frosch. Führen Sie die Leute in ihre Zellen, Sergeant, und halten Sie sie separiert. Den Litnow nehme ich mit in die Direktion. Der Chauffeur sah unruhig von Elk auf den Stationssergeanten. „Was soll das ganze?" fragte er. „Sie dürfen den dritten Grad in England nicht anwenden." „Das Gesetz ist jüngst geändert worden", sagte Elk und ließ die Handschellen auf des Mannes Gelenken nochmals einschnappen. Der kleine Russe sprach in der Polizeidirektion den ganzen nächsten Tag mit sich selber und als er in Elks Bureau geführt wurde, war er bereit, feine Aussage zu machen. Elk kehrte nach Harley Terrace zurück und erzählte Dick seine Geschichte. „Ich hätte mir nicht träumen lassen, daß es ein Komplott sei, ehe ich nicht die Burschen entdeckt hatte, die auf mich warteten", sagte Elk. „Natürlich haben Sie nicht telephoniert. Und die Frösche haben mich angeführt. Er war ein feines Stück Arbeit, und ihrer ganz würdig. Sie vermuteten, daß ich die Polizeidirektion beim Whitehall-Ausgang verlassen würde und ließen ein Auto dort auf mich warten, aber für den Fall, daß man mich auf die- .sem Wege verfehlte, beauftragten sie eine illuftre kleine Gesellschaft, mich in Harley Terrace zu empfangen." „Wer war es, der ihnen den Befehl erteilt hat?" Elk zuckte die Achseln. „Ein Herr Niemand! Litnow bekam seinen Brief durch die Post. Er gab ihm das Rendezvous an, und war mit „7" unterzeichnet, und das war alles. Er sagt aus, er hätte nie einen Frosch gesehen, seit er eingeweiht worden ist. Wo er den Eid geleistet hat, weiß er nicht. Das Auto gehört den Fröschen und er bekommt so und soviel in der Woche, um es in Ordnung zu halten. Für gewöhnlich wird er in Herons Klub verwendet, wo er ein Lastauto führt. Er sagt mir, daß noch zwanzig andere solche Wagen in London versteckt sind, die in den verschiedensten Garagen stehen, jedes mit seinem eigenen Chauffeur, der einmal in der Woche hinkommt, um es zu reinigen." „Herons Klub, das ist das Tanzlokal, an dem Lola und Lew Brady beteiligt sind", sagte Dick gedankenvoll. Elk dachte nach. „Das ist mir noch gar nicht ein- gefallen. Freilich muß das noch nicht bedeuten, daß die Direktion von Herons Klub irgend etwas über Litnows Abendbeschäftigung wissen muß. Ich werde mit das Lokal ansehen." Die Mühe wurde ihm erspart, denn als er am nächsten Morgen in sein Bureau kam, sand er einen Herrn vor, der ihn zu sprechen wünschte. „Mein Name ist Hagn. Ich bin Direktor des Herons Klubs", stellte er sich vor. „Wie ich höre, ist einer meiner Leute in Schwierigkeiten geraten." Hagn war ein großer, schöner Schwede und sprach ohne die Spur eines fremden Akzents. „Wieso haben Sie das erfahren, Herr Hagn?" fragte Elk, der Verdacht schöpfte. „Der Mann ist fett gestern abend unter Schloß und Riegel und ist mit niemandem in irgendeiner Verbindung gestanden." Hagn lächelte. „Man kann doch wohl nicht jemanden arretieren und ihn in Gewahrsam bringen, ohne daß die Welt hiervon erfährt", sagte er. „Einer meiner Keller sah, wie Litnow mit Handschellen nach Mary Lane gebracht wurde und da sich Litnow heute morgen nicht zur Arbeit gemeldet hat, konnte man nur den einen Schluß ziehen. Was hat er an- gestellt, Herr Inspektor?" „Ich kann Ihnen leider keine Auskunft über diese Sache geben", sagte Elk. ..Kann ich ihn sprechen?" „Auch das nicht", sagte Elk. „Er hat aber gut geschlafen und schickt allen seinen lieben Freunden viele Grüße." Herr Hagn schien sehr beruhigt. „Wäre es vielleicht möglich, herauszubekommen, wo er den Koh- lenkellerschlüsfel hingelegt hat?" drang er weite». ..Das ist nämlich recht wichtig für mid),~b^lm der Mann hat ihn für gewöhnlich in Verwahrung." Der Detektiv zögerte. „Ich kann ihn darum befragen“, sagte er. Er ließ Hagn unter den beobachtenden Augen feines Schriftführers zurück und überquerte den Hof, wo die Zellen lagen. Litnow erhob sich von seiner Pritsche, als die Zellentüre geöffnet wurde. „Ein Freund von Ihnen hat mich besucht", sagte Elk. „Er möchte wissen, wo Sie den Schlüssel des Kohlenkellers hingegeden Haden?" Nur ein leises, verständnisvolles Aufblitzen kam in die Augen des kleinen Mannes, aber es entging Elk nicht. ftn ■ iniat.) 7 MWMW ’ -WML« Reinleinen, Mk 2 4S i ax , ' 10323a 1 «... • i . A # ; *1 / W Z Hotel-Restaurant WlWkl @01 Morgen Donnerstag 08694 Kaufen Sie Christstollen nach sächs. Originalrezept Weihnachtskonfekt Lebkuchen eigener Herstellung Kuchen Torten ’ Schokoladen und Pralinen nur erster Firmen bei 10332D Willy Hoelters Frankfurter Str. 27 bekannt für gut und preiswert! Telephon 950 Emil Schmall, Gießen Fernruf 83 Biergroßhandlung Fernruf 83 !> ,<7 A Ein Syphon auf dem Weihnachtstisch mit einem meiner Exportbiere gefüllt bringt Freude. Meine langjähr. Erfahrung bürgt Ihnen für tadelloses Funktionieren. Die Syphons werden erst auf Bestellung gefüllt, daher nur la frisches Bier. Zur Füllung kommt Münchener Löwenbräu Münchener Bürgerbräu Münchener Mathäserbräu Erstes Kulmbacher Dortmunder Union Pilsner Fürstl. 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Dezember wird das Bad um 3 Uhr nachmittags W geschlossen. r Gießen, den 15. Dezember 1926. 10340D Städtisches Volksbad (Biegen. ®e ttW ■ an de> tu ntfti arvßc" J dW ®ir alle seines D Quentm Liebesge finster d in den ligurde der 'm Plesiis Frank PM gleich I in diese bringen ihn trii eines ® des Kön gewinnt und ®i Liefes j einzigen dem Aai unerhört schildert. Wacht, 1 was sich Frau. € aufgefa M 6' zur Sii Leichen, Die die gelernt kommt durch in den die Scheu dc ÄSe /chi non aller. .Leufest MrM! M Ron wahren milde ui Fürsten Oliver Walther hingibt, Pi rette Ä s menfchl Mischel Nr verM klamme tiefer Ä fenfür lieb ho diese tief Minderer? Lebendig! ersM: lesen bei Diese Fr echt, wa; Derände ist bld h sie ist i, gendfchri Ngerüct gehrt tote öaus fr d-e Kund, Million |i ein Detvei 'eiten unfe Ä ^te und Mtenl nie tt.un erste Itynatfoo binden l ien, bi, labte hat - ' Aeimatl! hier bei ^'igen, Ochern gend re icht, tD Zahlen t ^hren. ^hrt bl, chrer Den Les, lAet be ntfy uni ^rziehun! Dinbe SF Kr Machten ÄQrt. 061 hn 5 Br. 293 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 15, Dezember 1926 Für den Weihnachtsbüchertisch Neue Bücher zur Kunst er einen neuen Roman auf den ist unmöglich, ßinfaflt, Phan die überwältigende Wengc an hantasie und Vision auch nur andew gericht. 633 bigkeit zu verlieren, an und Schiffsbesichtigung Genuß. 733 dadurch feine Selbstäw die Hamburger Hafen- für feine Phantasie scheu Tag lichen und äußersten wesenlosen Gespenstern durchs Leben begleitet. 6ein Werk — in viele Bücher, Mappen und Einzelblätter zerstreut, von denen er hier das Reifste gesammelt und mit einem Selbstbekenntnis begleitet und erläutert hat — die Gestalten seines Werks sind wie die Figuren eines großen Totentanzes oder eines endlosen Damaskusganges, der oft durch Landschaften führt, die man nur ahnen kann, aus denen einem die Dämonie einer ungeheuren Zeitlosigkeit entgegenweht. Es ten, längere Berichte über Einzelheiten an Bord, die Schiffsklassen vom Altertum bis zur Gegenwart. den Bau und d'e Takelung der Segler. Motorboote, das Sianalshstem mit einer anschaulichen Tafel. ITe't ist auch Helgoland, daS Land und die Leute geschildert. Auf diese Weise einen Lernstoff unterbreitet zu bekommen, ist vergnüglich und hastet durch die jeweilige praktische Anwendung. Das Buch wird durch Bilder und Tafeln besonders anschaulich gemacht. 680 — Der Seebär. Don Gustav W. Eber - lein. Mit vier farbigen Bildern von Pros. Wilh. Schul z-München. Halbl. 4 Mk. (Ä. Thiene mannS Derlag. Stuttgart.) — Ein Buch, das in hohem Maße fesselt. Die packende Erzählung führt den Leser in den fernen Osten, in das Land der Geishas. In das gelbe Meer mit fernen Taifunen. Der Dersasser weiß meisterhaft zu gestalten und bereitet dadurch dem Leser einen fernen feinen Werken erfreute, legt dem großen Streit seiner * Radio und den Hamburger Hafen haben bei der Jugend durch die neue Art ihrer Darstellungsweife großen Anklang gefunden. Der vorliegende Band schließt sich, ohne — Das Thristkind kommt. Geschichten, Derse und Lieder für die PZnhnachts'e't, gesammelt von Walter Clalsen-Sch^ab. Mit vier farbigen Bildern von Tilde Eisgruber. K. ThienemannS Derlag, Stuttgart. — Das Buch stellt in erster Linie eine sehr hübsche Gabe für artige Kinder dar, aber auch Erwachsene sollten sich's nicht verdrießen lassen, ein wenig in ihm zu blättern, denn es ist voller Tannenduft und Ker-en schimmer und eine reckte beschauliche Dämmerstundenlektüre für die Weihnachtszeit. von den Adventstagen an bis zu Reujahr und den „Heiligen drei Königen". Man findet hier Geschichten und Gedickte aus alter und neuer Zeit, bekannte und unbekannte, aber alle auf den gleichen Ton gestimmt, wie die vier ganzseitigen Bilder-, „ich muß Euch sagen, es weid- nachtet sehr." 731 — Professors Zwillinge in der Waldschule. Erzählung für die CTugmö von ®fle llrt). Illustriert von Prolelsvr R. Sedlacek. Schöne Literatur. Ernst Zahn, der Schweizer Dicht«, bei erst kürzlich in Gießen durch einen Dortrag aus 215 ©eiten 8°. Meidingers Jugenbfchriftenv erlag, Berlin W 66. — Kindliche Heiterkeit und Frohsinn durchweht die Erzählung. Sie zeigt, wie Professors Zwillinge, strebsame Sextaner, während ihres Waldschuljahrs in gesunder Umgebung sich körperlich und getftig entwickeln, und wie das Interesse unb die Liebe für die Ratur geweckt wird. Die jungen Leser sowohl wie ihre Eltern werden Else Ury für dieses erzieherisch wertvolle Buch Dank wissen, das als Weihnachtsgeschenk gerade zur rechten Zeit erschienen ist. 773 — John Oliver Eurwood. Thrr, der Grislybär. Mit zwölf Dollbildern und vielen Randzeichnungen nach Originalen von H. Linzen, Franckh'sche DerlagSbuchhandlung. Stuttgart. — Mit großer Liebe und viel Geduld muß O'iver John Curwood die Tiere in der amerikanischen Wildnis beobachtet und kein noch so beschwerliche- Rachspüren gescheut haben, ehe er sein Buch schreiben konnte. „Richt im Töten wird dem Jäger die größte Freude," ist der Grundgedanke und das Ziel, zu dem der Verfasser durch die bei den Jägern immer mehr durchbrechende Erkenntnis hinleitet. Mittelpunkt der Erzählung ist der Grislybär Tyrr, klug u. überlegen in seinem Reich herrschend. Bei.jeder Seite des Buches kommt uns zum Bewußtsein, mit welcher Sinnlosigkeit und welcher Ueberhebung dem Tier gegenüber der Mensch vielfach fein Jagdhandwerk treibt und wieviel Schönes er dadurch zugrunde richtet Em netter kleiner Kerl ist Tyrrs kleiner Schützling Musqua: mit ungewöhnlicher Einfühlung ist das Derhältnis der beiden geschildert: treu besorgt der Alte, frisch und vorwitzig der Kleine. Durch das restlose Auf- gehen in dieser unberührten Ratur, ihrer Freiheit und Größe, entstand hier eine bittere Anklage und eine eindringliche Mahnung. Wir hätten früher solche Bücher haben sollen, ehe unser Wald und die Steppen leer geworden sind. 681 — Kinder- 'und Hausmärchen aus Tirol. Gesammelt von den Brüdern Ignaz Dinc. unb Josef Zingerle. Auswahl für Kmder. 125 Seiten 8° mit Bildern von Fritz Rehm, München. Derlagsanstalt Tyrolia Innsbruck, Wien, München. — Das vorliegende Werkchen ist eine hübsche, gut auSgestattete und anmutig dargebotene landschaftliche Auswahl aus dem reichen deutschen Dolksmärchenschatz, wie sie sich bei einiger Ueberschau von selber anbietet. Die Tiroler Märchen heben sich in ihrem Gesamtbild ebenso charakteristisch aus denen der anderen deutschen ßänbet heraus, wie etwa die von Schlesien oder jene von Schleswig-Holstein. Das Buch fann als eine gute Lektüre für den weihnachtlichen Jugendbüchertisch empfohlen werden. 813 — Die Mädchen stunde der Märchentante deS Frankfurter Rundfunks. 44 Märchen, Theaterstücke, Gedichte und Reime mit 23 Bildern, die Kurt Schramm gc= Lzeichnet hat. Preis 2,50 Mk. Derlag H. Pech- hold, Südwestdeutsche Rundfunk-Zeitung, Frankfurt a. M. DaS gut auSgestattete Märchenbuch wird allen Rundfunkhörem, die Kinder haben oder Kinder beschenken wollen, willkommen sein. Die Märchentante Amalie Schatt hat in dem Werkchen. einen großen Teil ihrer Märchen vereinigt. „Unb die Kinder, sie hören eS gerne" — unb nicht nur mit dem Kopfhörer. 830 | Weihnachtstisch. „Pie Hockzeit deS ®au- de n z Drei I". ist die Geschichte einer Ehe. die eigentlich von vornherein nur ein pädagogisches Experiment ist. Ein junger Psarrherr kürt au* bet Reihe seiner Konfirmandinnen die ihm 'Rätselhafteste und Verschlossenste zur Braut, ein Mädchen au5 dem zerrütteten Hause eines haltlosen Arztes, dessen Frau sich längst innerlich von ihm abgewandi bat und dessen Tochter ihre eigenen Wege geht. Die junge Sabine nimmt den überraschenden Antrag des Pfarrers an, in bei Hoffnung, damit sich von den Unerquicklich- keilen ihrer eigenen Familie zu lösen unb durch den Wohlstand deS Pfarrhauses im Dorf eine Rolle spielen zu können. Zuneigung ober gar Liebe zu ihrem Verlobten vermag sie nicht zu fassen Erschütternd ist da* innerliche Ringen Gaudenz OrellS um seine junge Frau, die ihm immer wieder entgleitet und. in Dos heil und Tücke verstrickt, den Mann leibst um Ansehen unb Stellung bringt. Sin verlmngnisvoller Sturz, ein unheilbares Siechtum führen Sabines Seele ihrem Gatten zu. Erst in der Todesstunde gehören sie sich ganz. Der Roman enthält befonber» in feinem ersten Teil wahrhaft köstliche Szenen in feiner Schilderung von Menschen und Dingen, aber der Kern, bas Derhältnis der beiden Gatten scheint unS psychologisch nicht getroffen zu sein, der Charakter SadineS in seiner durchaus krankhaften Boshaftigkeit ist nicht zu fassen, er ist ein hin- unb hertanzendes Irrlicht, dem man nir- aends betautommen vermag So wird eS auch schwer, an die Einstellung des Pfarrer* unb an die schließliche Entwicklung zum Guten zu glauben. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.) 875 — Josef Ponten: Die Bockreiter. ‘jiDDellc. Mit einem Rachwort von Friedrich Riehner. Reclams Universal-Biblioihek Rümmer 6690/91. 1,20. Ganzleder 6 Mk. Wie Pontens berühmte Rovelle „Die Insel", ist auch der vorliegende Band „3>ie Dockreiter' ein kleine* Meisterwerk. Langeweile und Wohlleben treiben eine Schar Lebenshungriger zu tollen Streichen Sie bilden die Gesellschaft der „Dockreiter" unb verwandeln sich nacht* aus ehrsamen Bürgern in schwattmaSkiette Abenteurer. Erst wird Schabernack getrieben, aus Hebern tut Schelmerei, bald entartend Roheit und endlich Derbrechen... Der Stil der Bockreitergeschichte fiebert den bunten Ereignissen nach, gießt Fülle und wieder Fülle über das fette MaaSland. den Schauplan der rasenden Dürgerbubrn, reckt sich derb riüi den wilden Abenteuern in* Lachen und erlischt blutsatt über dem endlich hereinbrechenden Straf- — Wir wollen immer Kameraden sein. Roman von Felix M o e s ch 1 i n. ('Derlag von Grethlein & C o., Leipzig. Gebunden 7 Mk.) — Sin eigenartiger Gedanke liegt dem Roman zugrunde: Georg Lutz, der Held wird an der Front bei einer Sprengung des Grabens verschüttet. Äamcraben retten ihn, aber sein Geist bleibt getrübt, bis er nach sieben Jahren durch die Wirkung eine* nahe niedergehenden Blitzes ganz unerwartet wieder zum 'Dewuhtsetn kommt. Er sieht sich plötzlich in eine neue Welt verseht, die in schwerster Rot ziel- unb steuer los dahintreibt. Er selbst ist noch bi* in die Wurzeln seine* Wesens von den großen Ereignissen an der Front ergriffen. Kameradschaft unb Wahrhaftigkeit werben wieder lebendig in ihm Der Treuschwur einer Keinen Gemeinschaft an der Erneuerung der Welt, einer Welt dec Kameradschaft, mitzuwirken, wird für ihn Symbol. Mit dieser idealen Sortierung tritt er vor die Menschen, die alles vergessen haben, was einst an guten Dorsähen in ihnen lebendig war Er sucht die Kameraden, die den Blutsbund beschworen haben. Sie sind tot, bi* auf den verstümmelten Gelehrten mit dem Ideal der politischen Diktatur und den skrupellosen Geschäftsmann, beide Typen des Machlwillens und der Herrschaft, Dec Geist der Einmütigkeit und der Wahrhaftigkeit ist erloschen. So nimmt er allein den Treu- schwur auf und geht in die Welt, den Geist zu erneuern, der alle einst beseelte, umjubelt tut die idealen Wahrheiten, gesteinigt für die unbequeme Forderung. Ec zerbricht an der Wirklichkeit des Lebens, ein weiteres Opfer auf dem Wege zu einer besseren Zukunft. — Dieser Roman wurde bei dem Romanwettbewerb des Hamburger FremdenblatteS und der Münchener Reuest en Rachrichten unter 350 Einsendungen besonders ausgezeichnet. Man kann dem Urteil nur helft immen Denn diese Dichtung spricht in so gewaltiger, eindrucksvoller Sprache zu dem Geier, wie es nur ganz selten bisher geschehen ist. Hier durchglüht edelste Begeisterung für ein neues, gebessertes deutsches Daterland das ganze Wert, und damit schlag', es jeden Leser tn seinen Bann, der den gleichen Gedanken wie bet Autor nachgehangen. Dieser Roman ist weil mehr als eine vortreffliche literarische Kost- er ist eine ernste Ermahnung zur Selbstbesinnung unseres Dolles, zur Erweckung unb Zusammenfassung aller guten Kräfte in bem erhabenen Geiste, bet einst in der ersten Kciegszeit draußen im Schützengraben alle in wahrer Kameradschaft erfaßte und umschlang. In diesem Sinne hat der Roman, dem wir die weiteste Beachtung wünschen, eine Mission zu erfüllen. Der Derlag hat dem guten Werke deS Dichters eine sehr sorgfältige Behandlung in Druck unb Buch^ bindere' angedeihen lassen. Das Buch ist eine wertvolle Gabe für den Weihnachtstisch. 789 — Joseph von Laufs: Der Prediger von Aldekerk. Gin niederrheinischer jtoman. (Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriflsteller Bd. 166.) Geheftet 5 Mk., gebunden in Ganzleinen 7 Mk., in Halbfranz 10 Mk. — In seinem neuen Buche zeigt sich der unerschöpfliche Erzähler von einer neuen Seite, indem er uns diesmal eine Erzählung gibt, die wie eine Geschichte aus »Tausend und eine Rächt", allerdings wieder am Rieberrhein in einem feudalen alter. Adelsschlosse angesiedelt, anmutet. Auch im Thema erinnert sie an diese berühmte D-schichtensammlung, unb Laufs hat • eS verstauben, die kecke Affäre mit der gewohnten febnlffc bleiben immer im Rahmen des Möglichen, wenn eS auch scheint, daß bie englische Zeit, seine dortige Aufnahme unb die schließliche Lösung der Frage seiner Herkunft überraschend glatt vor sich gehen. Doch ist all dies so nett geschildert, daß wir bem Verfasser auch in diesem Teile gerne folgen. Eine ganz prächtige Figur ist die des alten Müglih, immer etwas derb, aber eine treue Seele. Die ganze Darstellung ist von sympathischer Dchllchtheit. Die Menschen reden unb handeln, wie sie es in Wirtlichkeit tun würden. Die unnatürliche Ekstase und die Der- herrllchung des Krieges an sich ist glücklich vermieden. Sehr hübsche Federzeichnungen von Leb- recht beleben die Schilderung ausgezeichnet. Das Buch wird unserer Jugend viel Freude machen. 619 — 2. Fuhlberg - Horst: Aus der Horb- fee. Mit zahlreichen erklärenden Bildern und Tafeln. Franckh'sche Derlagsbuchhanblung, Stuttgart. — Schon die frü'ercn Onkel-Herlert-Büchec des Verfassers über Auto unb Motor, über fühl: an Hoffmann und Poe konnte biefer Künstler schlechterdings nicht vorüber.) Aber dies beutet wohl auch nur einen verfchwimmenden Umkreis an; von Kubin weih man nicht eher, als bis man Bilder von ihm gesehen hat. Hab eS sind etliche darunter, die man nicht mehr vergißt. Im Wesen ersaht man ihn nur auS seinen Blättern, die immer unb überall anders sind, als waS man sonst zu sehen gewohnt ist; in seinen Blättern, in denen eine unerhörte Individualität persönlichste Sprache spricht. Dor langen Jckhren konnte man im „Kunstwort" die ersten Arbeiten KublnS bestaunen, und man fah sofort: dies ist etwa- ganz Reues. So radikal waren damals nur sehr wenige i wenigstens gehaltlich; technisch begannen schon die Dorexpres« sionisten sich au rühren). Dies aber war gleichsam mit geschlossenen Augen gestaltet, in der Dämmerung, unterm Albbruck. Im Traum. Die Rachtgesichten bieses Menschen traten nebelhaft ins Tageslicht. „Jede Rächt besucht uns ein Traum", unb Kubin hat bie flüchtigen Gestalten mit raschem Stift festgehalten In glän« zender Technik unb mit einer gerabezu unheimlichen Phantasie. Wenn es eine Formel gibt — Rur noch wenige Monate trennen unS von dem hunbertsten Geburtstage Derthovens. Da ist eS an gezeigt. auS bet Flut von Publi- falionen. bie biefer Gebenktag erfahrungsgemäß auslösen wirb, heute schon ein Werk herauszuheben, dem gewiß mehr Bedeutung zukommt, als den vielen Jublläums schritten. die mit ihren, Anlaß kommen und gehen. Wir meinen daS umfangreiche Derk Gustav Erne st S: Beet- Hoven. Persönlichkeit. Leben unb Schassen (in 3. Auflage bei Georg Bondi. Berlin). Ernest macht es sich zur Aufgabe, das Leben, bie Persönlichkeit und das Schaffen Beethovens für sich und in ihren Wechselbeziehungen, vor allem bas Schassen als durch die Persönlichkeit, ihr Werden unb Wachsen bedingt Dar* zustellen. So stellt er die Werke in daS Leben, soweit sie für diese Wechselbeziehungen von Bedeutung sind, verweist jedoch die Besprechung aller anderen Kompositionen in einen zweiten Teil. Diese Trennung stellt sich beim ©tubium des Buches alS überaus glücklich heraus. Aus der verwirrenden Fülle deS Materials schälen sich nun mühelos die ganzen großen Gesichtspunkte heraus, die für bie llinstlerische und menschliche Wertung des Olympiers maßgebend sind. Mit großer Demut und Ehrfurcht vor bem Werk hat der Derfasser eS vermieden. Beethoven in der selbstgefälligen unb eigenwilligen Art zu interpretieren, wie es heute lei ber vielfach üblich ist, an seinen Werten herumzudeuteln und in sie etwas hineinzulegen, waS künstlerische Intuition war. So entsteht im Geben unb Werk Beethovens die Persönlichkeit des Heroen vor unS in feiner tiefen menschlichen Tragik unb feinem erhabenen, nie erreichten Künstlertum. Es ist ein Buch, daS inniges Derbundensein mit bem Dorwurf lebendig unb liebevoll gestalten konnte. 582 — Alfred Kubin: Dämonen und Rachtgesichte. Mit einer Selbstdarstel- lung des Künstlers und 130 Bildtafeln Brosch. Mk. 8.—. Earl Reißner, Derlag. Dresden 1926. — Kubin ist eine, soweit wir sehen können, völlig isolierte Erscheinung in der modernen Kunst. Man wird kaum feine Weiter Wirkung, sicherlich nicht die Dorfahren bestimmen können, von denen er herkommt, an denen er geschult ist. (Er ist vielleicht überhaupt kaum an etwas ober jemandem geschult oder „orientiert".) Er ist ein Eigener, den man auf keinen Stil, auf keine Richtung fest- legen kann. Man muh wohl in der Geschichte der Kunst sehr weit zurückgehen. biS man (im Wesentlichen) stofflich DetwandteS findet, etwa beim Höllenbreughel oder bei Hieronymus Bofch; vielleicht läßt sich Äubtn eher aus dem Atmosphärischen deuten, daS die von ihm illustrierten Bücher umgibt. Also auS dem Geist bet T. A. Hoffmann, Poe, Balzac, Gtrindberg. um nur die charakterischtischsten zu nennen. (Man hat das Ge- Der Kleistpreisroman. Alfred Neumann; „Der Teufel". Dem historischen Roman ist es in Deutschlaick m den letzten Jahren schlecht ergangen. Dielleicht haben wir selbst zu viel Historie erlebt, um an den Dingen früherer Jahrhunderte Gefallen tu finden, vielleicht haben auch die Versuche der Ebers. Dahn u. a., uns die Geschichte ferner Zeiten unb bie großen Gestalten in ber Entwicklung Der Döller durch die breite romanhafte Darstellung schmackhafter zu machen, nicht zur Rachfolge gereizt. Ein anderes ist es, mit bem Seherauge deS Dichters zu versuchen, bie großen Zusammenhänge psychologisch zu erfassen und die menschlichen Triebe aufzudecken. Dieser Weg führt zwischen Scylla unb Eharybdis. Es liegt nahe, die Geschichte durch eine falsche Psychologie zu verfälschen oder durch ein allzu bewußtes An- Cammern an die historischen Tatsachen den seelischen Bedingtheiten, dem Lebendigen in der Geschichte, nicht gerecht au werden. Diesen Fährnissen scheint nun Alfred Reumann, ber Träger des diesjährigen KleistprsiseS. in fernem neuen großen Roman .Der Teufel" (Deutsche Derlagsanstalt in Stuttgart) glücklich entgangen zu fein. Wir alle kennen die Gestalten Ludwigs XL unb seines BarbierS Oliver Recker auS Walter Scotts -Quentin Durward". Was tn dieser romantischen Liebesgeschichte eigentlich nur im Hintergrund finster drohende Stafsage ist. wirb bei Reumann in den Mittelpunkt gerückt.. Die riesige Kolossal- ftffur des größten französischen Renaissancefürsten, der in der Einsamkett seiner Touraine, chlöster Dlessis unb Ambroise das Wert der Einigung Frankreichs erdachte unb mit allen Mitteln ber Politik sich gegenüber den Großen seines Reiches, gleich brutal wie verschlagen behauptet, findet in diesem Roman in feinster psychologischer Durchdringung seine dichterische Derklärung. Reben thn tritt Oliver Recker, diese feltfame Gestalt eines Genter Barbiers, der als heimlicher Agent deS Königs in Flandern das Vertrauen Ludwigs gewinnt und dann zu feinem unentbehrlichen Rat und Minister, zu feinem zweiten Selbst wird. Dieses Zusammenwachsen der Beiden zu einem einzigen riesenhaften Etwas, das das Volk mit dem Hamen „Teufel" zeichnet, hat der Lichter unerhört zart und innerlich überzeugend geschildert. Ihre Hingabe an den Gedanken ber Macht, des Herrschens räumt aus dem Wege, was sich für Augenblicke zwischen sie stellt: die Frau. Sie müssen frei fein, um ganz ineinander aufgehen zu Runen, um dem Königsgedanken zum Liege zu verhelfen. Der Weg Ludwigs zur Einheit des Reiches führt über unzählige Leichen, über Scheußlichkeiten unb Verbrechen, wie die Menschheit sie nur selten wieder kennen gelernt hat. Ein Grauen ob so viel Blutes überkommt auch den .Teufel". Aber sie müfsen bin- durch um beet großen Zieles willen. Einsam werden die Beiden im FelSklotz von PlessiS, die Scheu vor den Menschen unb die Angst vor dem Tode schließt den König ab von seinem Volke, von allem Geben. 11 nb hier beginnt mm der ,Teufel" alle Grausamkeiten deS königlichen Regiments auf feine Schultern zu laden, die Person deS Königs selbst wird schon in diesen letzten Zähren feinen Franzosen zum MythoS. Ilnendlich milde und ehrfürchtig ist bann das Sterben de« Fürsten unb die Selbstaufopferung seines getreuen Oliver geschildert, ber als Sühne für bie Gewaltherrschaft des großen Toten sich dem Henker hingibt, um seinem Herrscherhause die Krone zu retten. 700 Iugendschriften. — In unseren Jugendtagen hatten wir mit tiefer Anteilnahme bi? berühmten .Geschichten für Kinderunb solche, bie Kinder (leb haben" ber Johanna Spyri gelesen; diese tiefe, feine Menschenseele war die größte Kinbererzählerin, ebenso von srischer, fröhlicher Lebendigkeit wie von inniger Liebe zur Jugend erfüllt. In einem Buch der Johanna Spyri zu lesen bedeutete ein 'Vergessen der Umgebung. Diese Frau ist ein Beweis bafür, daß da», was echt, was wlrllich groß ist, all?n Stürmen, allen Veränderungen ber Zeit trotzt: Johanna Spyri ist bis heute die unerreichte Meisterin geblieben, sie ist inzwischen zur Klassikerin unter ben Jugendschriststellern und Jugendschriftstellerinnen aufgerückt. Ihre Bücher sind heute noch so begehrt wie zuvor, unb von ihrem Stamm-Verlags- Haus Friedrich Andreas Perthes erhalten wir die Kunde, daß ihre Absatzziffer vor ber brüten Million steht! Das ist ein erfreuliches Zeichen, ein Beweis dafür, daß trotz vieler Oberflächlichkeiten unserer .modernen" Zeit „reine“ Literatur auch heute noch von unserer Jugend bevorzugt wird, und deshalb schon auf daS freudigste zu begrüßen! Der Verlag hat soeben Reuaus- gaben von dreizehn ihrer Bücher veranstaltet, die er, um der Bedeutung Spyris zu entsprechen, von ersten Künstlern neu illustrieren unb tn geschmackvollen, farbenfreudigen Ganzleinenbänden binden ließ, darunter ihre bekanntesten Geschich- ten. wie: Heidis Lehr- und Wander- jähre — Heidi kann brauchen, was es gelernt hat — Wo Gritlis Kinder hingekommen find — Heimatlos usw. (Mk. 3— bis 4,50). So gilt also hier wenigstens noch das 'Wort: Wie die Alten fungen, so zwitschern die Jungen. Aus den Büchern der Johanna Spyri wird unserer Jugend reicher Segen kommen; diese Meisterin zeigt, wie man unterhaltend und spannend erzählen kann, ohne an ungesunden Instinkten zu rühren. Mögen ihre Bücher weiterhin so begehrt bleiben — es liegt im Interesse der Ellern, sie ihren Kindern zum Lesen zu geben. Wer den Lesestoff für die Jugend richtig auswählt, leistet beste und. waS in unserer heutigen Zeit nicht unterschätzt werden bars, unaufdringlichste Erziehungsarbeit. — HanS Härlin. Roßbach unb Minbe n. Pflug und Schwert im Siebenjährigen Krieg. Mit vielen Vollbildern und zwei Schlachtenplänen. Franckbfche Derlagshandlung. Stuttgart. — Eine gründliche Geschichtskenntnis ist die Grundlage, aus ber heraus der Verfasser seine Menschen fo lebensvoll zu gestalten vermochte, wie sie uns in seinem Buch begegnen. Die kraftvolle Bauernnatur des jungen Schwaben fm Mittelpunkt ist gut bargestellt, ferne Er- , „ J an. Run fährt Hans Wollenberg mit feinem Onkel Herbert bei der Uebernahmefahrt eines Frachtdampfers mit. Lustig und forsch wechseln Fragen und Antwortend wiederzugeben, die in diesem Band beschlossen lieat. Und es würde auch sicher vielen gar nicht damit gedient sein; zu Kubin muß man sofort ein Derhältnis haben, oder man wird ablehnend, gleichgültig, mißverstehend sich wegwenden. Rur auf eins sei noch aufmerksam gemacht: auf das rein Handwerkliche. Manches in diesen Lithos wirkt auf ben ersten Blick kindlich und unbeholfen, ist es vielleicht auch; das Skizzenhafte gehört sicher in vielen Fällen dazu. Diel öfter aber spürt man doch — ganz abgesehen vom Inhaltlichen und Dargestellten — eine verblüffende Meisterschaft in der Linienführung, in Raumgestaltung und Komposition. 720 Blätter, so ist es diese: entfesselte sucht und finbet ihre Visionen zwi- unb Traum, kreist durch alle mensch- übermenschlichen Räume bis an bie Grenzen der sinnlich faßbaren Welt. Dieser kaum Fünfzigjährige aus Leit- merih wird von Visionen überfallen und geschüttelt. von überlebensgroßen Gestalten und Aus dem Schrifttum fremder Völker reiches Vorwort boranqefteKt. 815 gerade recht zu Weihnachten kommt. 714 und „Stereoskop" die besten sind. 710 seinen Fängen läßt. 816 Freiw. Feuek- Landesverbandes Papier) ist tadellos. 715 ( * eines Ehepaars, lebens als das trostlosen Gesetz Ehen gemeinhin Menschen treten — Herman Teirlinck, Das Elfen- beinäfscheu. Ein Roman aus dem Brüsseler Turnen, Sport und Spiet gumWettKampfwesenin derD.T. vo. Der Oberturnwart der Deutschen Lurner- schaft, Schwarze, macht in einer amtlichen Bekanntmachung darauf aufmerksam, „daß Ernst gemacht werden wird mit der Einschränkung der Wettkämpfe. Was im Rahmen der gegenwärtig geltenden Bestimmungen möglich ist. wird schon jetzt getan werden: es werden keine über die Kreise hinausgehenden Wettkämpfe genehmigt werden, die nicht Kreisveranstaltungen selbst sind oder deren Bedeutung so groß ist, daß ihnen von einem von einem Kreise allein nicht genügt werden kann. Daß neue, reichsoffene Wettkämpfe genehmigt oder schon bestehende als genehmigungsfrei anerkannt werden, ist ganz ausgeschlossen. Man wolle sich ruhig mit dem Gedanken vertraut machen, daß für 1927 alle reichsoffenen Wettkämpfe, die nicht schon genehmigt sind, verboten werden." Um den turnerischen Wettkampf selbst brauche sich, wie Schwarze weiter betont, niemand zu sorgen. Er und die alten Gau- und Kreisturnfeste würden nur gehoben, wenn eine gesündere Auffassung wieder Geltung bekäme. Der Oberturnwart schließt mit dem dringenden Ersuchen an alle Vereine und Gaue, in den neuen Arbeitsplänen für 1927 freiwillig zu streichen, was möglicherweise sonst durch einen Verband gestrichen wird. dem Äufgeben des Zusammen» einzige Mittel erscheint, „dem der Liebeswandlung, dem die erliegen, auszuweichen." Zwei auf den Plan, erfüllt von der verband der Bücherfreunde. Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin 1926. — Das Buch faßt die Ergebnisse einer Zndienfahrt zusammen, ist Rückblick u. Ausbeute zugleich; der Verfasser gibt sich und seinen Lesern Rechenschaft über den geistigen Gewinn, über Gesehenes, Erlebtes, Verarbeitetes von seiner Reife zum Himalaja. Es ist ein buntes, lebendig anschauliches und weitsichtiges Buch geworden. Eine Schilderung ohne Einseitigkeit, mit dem Blick für das Vielerlei, das sich bietet, eine Darstellung auch voller Rachdenklichkeit und Kritik. Man bekommt von allem Möglichen zu hören, von dem, woran man bei der Vorstellung des Wunderlandes zuerst denkt, und auch von Dingen, die einem unwichtig erscheinen. Landschaftliches und Wirtschaftliches, Kulturgeschichte, Geographie und Völkerkunde bieten sich in Fülle zu zwangloser, bildkräftiger Schilderung an. Alles wirkt lebendig, vieles wird durch Photographien anschaulich gemacht, nichts liest sich trocken oder doktrinär. Und das Ganze bewahot sehr glücklich die Sprunghaftigkeit und den farbigen Kulissenwechsel der Reisebeschreibung guten Stils. Bergbesteigung — Blick in den Urwald — Zagd- episoden mit Büffeln, 'Bären. Tigern und Gazellen — Bilder aus dem Leben der Tempel- inädchen und Rautschgirls — Wunder dir Fakire und Schlangenbeschwörer — Hochseefischerei, Elefantenfang, Hahnenkämpfe — dies ist so eine kleine Kostprobe aus dem reichhaltigen Material, das das bunte Buch aus Asien dem Leser bietet. Die verlegerische Ausstattung (Einband, Druck, Landes-verband der hessischen Freiwilligen Feuerwehren. (Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".) In Frankfurt a. M. fand am Sonntag die 3 7. Abgeordneten-Versammlung des — Paul Geraldy: Du und ich. Ueber- tragungen von Franz von Rexroth. Dioskuren- Verlag, Wiesbaden. — Geraldy gehört zu der Gruppe von Salondichtern, die durch die flüssige Anmut ihrer Verse und eine gewisse Typck des Erlebens immer wieder o; ;,:?£en und bezaubern. Zn „Du unb ich" (Toi ei -loi) gibt er in einer Folge von Gedichten die Stimmungen eines Liebeserlebnisses, das, in toller Leidenschaft beginnend, allmählich zur Gewohnheit wird und langsam vergeht. Die Form der Gedichte paßt sich diesen Stimmungen an; wildes Gestammel in kurzen, abgerissenen Sätzen ohne Reim — nur Rhythmus — wechselt ab mit sangbaren Versen leiser Zärtlichkeit oder dem ruhigen Fluh des Sichbesinnens nach dem Erlebnis. Die Uebertra- gungen von Rexroth sind dem Original ausgezeichnet angepaht; es gibt ein Paar sehr feine Gedichte dabei, von denen „Dualismus", „Trauer" Gerichtssaai. Zuchthausstrafe wegen Mordversuchs. WSR. Wiesbaden, 14. Dez. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den 51 Zahrealten Vorarbeiter Michael Hartleib aus Griesheim am Main wegen Mordversuchs, begangen an einer Frau Kampfer und deren Tochter im Dezember 1919, zu fünf Zähren sechs Monaten Zuchthaus und fünf Zähren Ehrverlust. Hartleib, der wegen allerlei Vergehen, darunter Mordversuch, Körperverletzung und Sittlichkeitsverbrechen bereits vielfach vorbestraft ist, hatte sich im Herbst 1919 sittlich an der Tochter der Frau vergangen und stand unter Anklage. Rach der Verhandlung traf er die Hauptbelastungszeugin und deren Mutter und behandelte beide in blinder Wut mit dem Messer derartig, dah sie noch Zahre lang unter den Folgen zu leiden hatten. Als er verhaftet werden sollte, war er geflohen und hielt sich jahrelang unerkannt im Reiche an verschiedenen Orten auf. Erst nach sechs Zähren konnte er ergriffen und unter Anklage gestellt werden. Das Verfahren wegen Notzucht, das damals eingestellt worden war. ist jetzt wieder eingelertet worden, und dürfte Hartleib deswegen noch eine längere Strafe zu gewärtigen haben. - John Galsworthy: Der weihe Affe. Roman. Historische Uebersehung aus dem Englischen von Leon Schalit. 422 Seiten 8'. Paul Zsolnay Verlag; Berlin. Wien, Leipzig 1926. — Zm Rahmen dec deutschen Gesamtaus- gäbe Galsworthys, die Zsolnay herausbringt, erschien dieser neue Roman, der, obwohl vollkommen in sich abgeschlossen, ein selbständiges Werk, die „Forsyte Saga" fortseht. bis auf weiteres abschlieht und das Schicksal ihrer Gestalteii bis in die jüngste Gegeiiwart hinein verfolgt und entwickelt. Wer Galsworthy nur von der Bühne her. aus seinen starken, Anteilnahme, Mitgehen und eigenes Urteil erzwingenden Dramen kennt, kennt gleichwohl nur ein Stück von ihm. Zm cr- zählenden Wert erst erweist sich vollends die große künstlerische uiid zeitkritische Bedeutung Galsworthys. der von hier ausgesehen, fast als ein universalerer Geist und Schriftsteller dasteht, als fein Landsmann Shaw; zweifellos ist Galsworthy mit seinem Roman einer der markantesten Köpfe und bedeutsamsten Vertreter zeitgenössischen englischen Sch.isttums geworden. Zumal mit diesem neuen Band, der durch seine Zeitnähe mit doppelter Eindringlichkeit zu uns spricht, ein glänzend auf gefronter,, durchtomponierter Roman, eine weitspannende Spiegelung unserer Zeit, ein Buch, das Bestand haben wird. 571 — Eugen Sue: „Die Geheimnisse von Paris" (Avalun-Verlag, Hellerau bei Dresden. Preis gebunden 13 Mk.). — Eugen Sues berühmte Romane waren vor fast hundert. Zähren die Sensation des Tages, die der literarischen Welt erstmals in der Form des Zeitungsromans serviert wurden. Bald hat man sich daran gewöhnt, über Sue die Achsel zu zucken, ihn als Kitsch, als Schundliteratur abzutun. Was Sue seiner Zeit war, der Künder der großen sozialen Rot, der nicht mit der Ambition des Künstlers, des Dichters auftrat, sondern als Sozial- und Wirtschaftskritiker, der in der Form sensationeller Schilderungen'aus dem Leben seiner Zeit den Finger auf die Wunde legen wollte, das kann er uns heute vielleicht nicht mehr fein, seine Schilderungen sind Historie, aber als solche immer noch grauenhaft interessant genug. Aber in der ursprünglich für sie gewählten Form des Zeitungsfeuilletons sind seine Romane Dichtung, die im Lause der Zeit nichts an ihrer Eindrucksfähigkeit verloren hat. Der ausgezeichneten, von Bernharo Volles bearbeiteten und mit zahlreichen Textabbildungen nach Daumier und anderen zeitgenössischen Künstlern geschmückten Ausgabe des Avalun-Verlags hat der Greifswalder Romanist, Professor Klemperer ein aufschluß- Enfros: E. Math. Ladwightr. 42. (9992id — Georg Kühne, Von Mensch und Motor, Farm u n. d W o l k e n k r a tz e r (Verlag Z. C. Hinrichssche Buchhandlung Leipzig C 1, Ganzleinen 8,50 Mk.). — Diese Reiseskizzen eines deutschen Zngenieure beruhen auf scharfer Beobachtung des amerikanischen Lebens in seinem erstaunlichen Tempo und seiner außerordentlich vielseitigen Entwicklung, besonders auf allen Gebieten der Technik und d:r exakten Wissenschaften. Auch wirtschafts- und sozialpolitisch ist manches außerordentlich interessant gesehen, stets mit dem kritischen Blick des geschulten Reisenden, der nichts als vorbildlich und herrlich hmnimml, weil es nun einmal amerikanisch ist, aber auch über nichts moralisiert, was für deutsche Verhältnisse unverständlich und vielleicht unmöglich erscheint. Das Buch ist außerordentlich lebhaft und interessant geschrieben und das rechte Weihnachtsbuch auf dem Gabentisch des berufstätigen Mannes. (800 Lust zum Außerordentlichen, Wunderbaren. Die Tendenz zum älnbegrenzten begleitet sie auf ihrer Alpenwanderung. Interessante Kombinationen werden erwogen. Heber alle Reflexionen hinaus gewahrt man. dah die Ehegatten sich durchaus sympathisch sind. Ob sie nach der eindrucksvollen Reise wieder ein gemeinsames Leben beginnen, darüber erfährt der Leser nichts. A. B. — Z m Auto durch Persien. Don Annemarie von Rat hu si ns. (Verlag Carl Reißner, Dresden. Mit 16 Bildern, geb. 5.50 Mk.). - - Die vielgelesene Romandichterin erzählt in diesem Buche sehr fesselnd von ihrer abenteuerlichen Autofahrt durch Persien. Durch erhabene Einsamkeiten, gewaltige Gebirge, Wüsten und Hochebenen geht es in die bezaubernde Welt des Orients hinein, in Fürstenhöfe, Moscheen usw. Von dem jetzigen Schah von Persien wird die kühne Reisende feierlich empfangen. ihr zu Ehren wird sogar eine Parade veranstaltet. Die Schilderung der vielgestaltigen Erlebnisse verrät die erfahrene Schriftstellerin, die so vortreftlich zu unterhalten versteht, daß man das Buch in einem Zuge durchlesen kann. ®inc besonders Bereicherung erfährt dieses Reisewerk durch die gut wiedergegebenen Abbildungen. Mit diesem Buche hat die kürzlich verstorbene Verfasserin ihrer Lesergemeinde noch Ine köstliche Gabe als Andenken geschenkt. 782 Von Ce.h lon jum Himalaja. Ein Reisebuch von Erwin Drinneberg. 356 S., 8° mit 41 Originalaufnahmen des Verfassers. Volks» wehren statt, die aus allen Teilen des Landes so stark besucht mar, daß der Saal die Anwesenden kaum zu fassen vermochte. Der Vorsitzende des Landesausschusses, Damm, Friedberg, konnte in seiner Begrüßungsrede den Vorsitzenden der Brandversicherungskammer, den Vorsitzenden des Ausschusses für die Provinz Hessen- Nassau, sowie sonstige Ehrengäste bewillkommnen und den Dank abstatten für die Förderung, die das Feuerlöschwesen bei den Landesbehörden, den Kreisen und den Geineinden im vergangenen Zahre erfahren. Das vergangene Jahr sei reich an Dienst- jubiläen langjähriger Mitglieder gewesen, denen die Glückwünsche des Landesausschusses dargebracht wurden; auf der andern Seite habe der Tod eine Reihe verdienter Kameraden abberufen, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Der Vorsitzende empfahl weiter die möglichste Verbreitung der Hessischen Feuerwehr-Zeitung, die Veröffentlichung von Brandberichten. Die abwechselnd in den Provinzen abgehaltenen Führerkurse wurden gut besucht und die Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehren mit den Sanitätskolonnen als im beiderseitigen Interesse liegend befürwortet. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß man nicht nur die Kolonnen vom Roten Kreuz, sondern auch die Arbeiter-Samariterkolonnen in die Arbeitsgemeinschaft einbeziehen solle, schon aus dem Grunde, weil die Freiw. Feuerwehren zum größten Teil aus Arbeitern bestehen; natürlich müßte jebe politische Betätigung innerhalb der Feuerwehren und Sanitätskolonnen ausgeschieden fein. Der Stand der Aachener und Münchener Feuer- versicherungskafse ist im vergangenen Jahre unverändert geblieben. Die Aufnahme neuer 2Q e fr- ren in den Landesverband wurde gutgeheißen. Einen recht interessanten Bericht über die Süffel- borfer Feuerwehrwoche erstattete Kreis- feuerwehrinspektor K n a u p, Rimbach. — Betreffs der Vergütung für Hilfe lei ft u n g bei Wald- bränben soll dahin gewirkt werden, ^daß die Wehrleute 75 Prozent des Bauhandwerker-Stundcn- lohnes erhalten. Der Punkt: Fußexerzieren der Feuerwehren zeitigte nach eingehender Aussprache den Beschluß, daß es beibehalten werden solle, da es als ■ * An der Spitze stehen KriigeroIkK mil den- »nhsejihich wirkenden Zuselz, Reisen. — Zosef Ponten, Die letzte Reise. Mit vier Bildern von Zulia Ponten um) Hermann Hesse, Lübeck, Otto Quitzow, Verlag (559). — Der Zufall fügte es, bah am selben Tag, da dieses Buch mir zur Besprechung übergeben ward, Hermann Hesse mich besuchte und mir erzählte, wie er dazu gekommen war, Maler zu werden. Zn der Abgeschiedenheit von Montagnola eingesponnen trug er das Bild der paradiesischen Landschaft in glühender Seele. Plötzlich drängt es ihn, was sich ihm freiräumlich darstellte, slächenhaft festzuhalten. Er begann zu malen. Rach einigem Schwanken gelangte seine künstlerische Technik zur Einheit und Harmonie. Aquarell um Aquarell entstand in mehr idealistischer als traturalistischer Auffassung. Verkaufte Hesse eines seiner Bilder, war er stolzer darauf y als auf einen Buchersolg. Zosef Pvnten be- * sucht den Kollegen und bittet ihn, einige seiner • Bücher zu illustrieren, was Hesse denn auch tat. ' lZü dem Buch „Die letzte Reise" gesellen sich zu >en Bildern von Hesse zwei Aquarelle von Julia Ponten, die in ihrer Koloristik und Linien- .ührung Einklang mit der Hesseschen Kunst bekunden. Die Erzählung schlldert die letzte Reise humorvollen Frische 'und graziösen Bonhomte vorzutvagen. 650 _ — Die zwei Frauen des Valentin ,eeh. Roman von Wilhelm Hegeler. Ganz- etnen geb. 5,50 Mk. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart). — Dieser Roman gestaltet das Problem, das allen Lebensfragwürdigkeiten unserer Zeit zugrunde liegt: 'die tiefe Verlorenheit unterer Znstinkte und die Hinfälligkeit aller menschlichen Gesetze. Für den Maler Valentin Key bedeutet das in seiner Kunst die völlige Lösung >on der Ratur und der schwere Ümweg durch toi Geist zu ihr zurück. Sein Leben mit den toden Frauen glaubt er dagegen in einer amora- lschen Ankompliziertheit und doch in hoher nenschlicher Verbundenheit genießen und meistern )u können. Er unterschätzt dabei die Persönlichkeit der Frau, wie er ihre moralischen Kräfte überschätzt. Raturgewalten, die er unwissentlich hevaufbeschwört, führen fast zur Vernichtung. Es ist nicht das von der Gesellschaft der Ratur auferlegte Zoch der Einehe, dem er sich schließlich beugt, sondern das Gesetz seines im Tiefsten doch unteilbaren Herzens. Er muh sich für die Frau entscheiden, die ihm geistig verbunden ist. Aber Kamilla wurde Körper durch Giulia. Zm schwesterlichen Teilhqben an Giulias ungebrochenem Liebesleben wird ihre Sinnlichkeit befreit, die einstmals am Quell der ersten Kindheitseindrücke verschüttet war. Giulia ist die Erde, in der sich Valentins und Kamlllas Wurzeln wieder mit der Ratur verbinden — aber wie ihrer beider Leben in höherer Verbundenheit aufblüht, bleibt die Erde zurück. Was Giulia vertreibt, ist das harte Schicksal der Hagar und zugleich das innere Gebot, das sie zum heimatlichen Boden zurückführr. Geistige Durchdringung und warme Sinnlichkeit schaffen in diesem Buch eine Welt von magischer Wirklichkeit, die schon die lösenden und bindenden Gesetze einer neuen Zeit enthüllt. 769 — Das Meer. Roman von Knud Andersen. (Verlag von Georg W e st e r na nn, Braunschweig, gefrd. 7,50 Mk.) — Der Dichter, im September 1890 geboren, mit 14 Zähren zur See gegangen und mehrfach die Welt umsegelt, anfangs der zwanziger Zahre aber aus dem Seemannsdienst ausgeschieden, läßt in diesem Buche den gewaltigen Zauber des Meeres auf den Leser wirken. Mil starker Gestaltungskraft und einem psychologischen Scharfblick, die aus eigenem starken Erlebnis wachsen, läßt uns der Dichter die Entwicklung eines jungen Matrosen erleben, den man als einen geistigen Bruder Peer Gynts bezeichnen könnte. Man folgt diesem Schicksal mit gewaltiger Spannung bis zur letzten Zeile, denn dieses Buch hat der Dichter nicht erdacht, sondern erlebt. Ob er nun das Leben und Treiben in den Hasenstädten mit seinem Abschaum von Menschen auS aller Herren Länder schildert, oder die prächtige Gestalt des einarmigen Seemannspfarrers, oder ob er auf hoher See den hartnäckigen Kamps gegen die Tücken des Unwetters oder menschlicher Verworfenheit, das Ringen von Willen gegen Willen, zum erschütternden Erlebnis werden läßt, überall verspüren wir hinter der Dichtung den ganzen Menschen. Dieses Buch ist für die literarischen Feinschmecker eine köstliche Gabe, die Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Amschau".) Donnerstag, 16. Dezember. 12 bis 1 Uhr: llebertragung von Kassel: Mittags» konzert der Hauskapelle unter Leitung von Hans Mainzer — Beethoven (geb. 16. 11. 1770) 1. Ouvertüre a. d. Oper „Coriolan" — 2. Andante a. d. 5. Sinfonie — 3. Cellosonate op. 102, 1. Satz — 4. Suite a. d. Musik zu „Prometheus" — Mitwir kende: Herr Stein (Cello), Herr Eggebrecht. 3.30 bis 4 Uhr Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr. Konzen des Hausorchssters: A. Boieldieu. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lefestunde. 6.15 bis 6.15 Uhr: Uebcr- tragung von Kassel. Vortrag von Pfarrer Schafft über: „Der Ludwigstein als Ausdruck gemeinsamen Lebenswillens der Jugendbewegung. 7.15 bis 7.45 Uhr: „Arbeiterdichler II", Vortrag von Alfred Auer- berfr, unter Mitwirkung des Sprechchors des Kul- lurkartells. 8.15 Uhr: Vortragsabend Robert Koppel. 10.30 bis 11 Uhr: Weihnachtswoche des armen Kin- des. Anschließend bis 12.30 Uhr: Tanzmusik. Geben. Aus dem Flämischen übertragen von Severin Rüttgers. Zm Znsel-Verlag zu Leipzig. Zn Leinen 7,50 M>. — Herman Teirlinck ist der begabteste Romanschriftsteller der jüngeren flämischen Literatur. Zu Felix Timmermans, dem eng mit der flandrischen Erde Perfrunbenen Dichter, bildet Teirlinck das Gegenstück. Er ist ein Virtuose der Vielseitigkeit, seine Technik beinahe raffiniert. Sein Werk zeigt uns das neue, moderne Flandern. Der Roman schildert die höhere Bur- geoisie im Brüssel der Vorkriegszeit. Es entrollt sich vor uns das vielgestaltige Leben dieser hybridischen Hauptstadt. Das Blut Flanderns strömt in ihren tränten Körper, kämpft duldend oder verzweifelt um seine Daseinsbehauptung, um schließlich von dem zersetzenden Einfluß seiner französierten Umgebung besiegt zu werden. Wir erleben das Schicksal einer Frau, gesund an Leib und Seele, ausgestattet mit reidyen Gaben des Herzens und der stolzen Kraft eines reinen Gemüts, der in ihrem Manne, dem Sohne einer reichen Famllie, der sittliche Verfall gegenübersteht. Mutig versucht sie den geliebten Mann zu retten und chr gemeinsames Glück auf sicherer Grundlage aufzubauen. Treue Freunde stehen ihr zur Seite, die. unbewußt derselben Gefahr ausgesetzt, alles aufbieten, um das Unheil abzuwenden. Sie versuchen den Mann in gutem Sinne zu beeinflussen, doch die Macht des Dösen erweist sich als stärker. Die Stadt mit ihren lockenden Genüssen, die sich stets unter der verführerischen Maske von Eleganz, Mode oder Kultur verbergen, ist ein gefährlicher Feind. Wir finden die Verderbtheit in allen Kreisen und das Laster in jeglicher Form. Der Mann, ein Schwächling, ist diesen Gefahren nicht gewachsen und versucht seinerseits, die sittliche Reinheit seiner Frau, die ihm langweilig und wie eine dauernde Anklage seiner eigenen Verworfenheit erscheint, zu vernichten. Sorge, der Sohn eines Wiener Diplomaten aus Prag, das Produkt einer überfeinerten Kultur, dessen weltmännische Gewandtheit die rücksichtslose Gier nach dem Genuß raffiniertester Sinnlichkeit verdeckt, ist fein Ideal. Diesem Dämon, der mit den: Leben uird mit den Menschen spielt, ist »er verfallen. 3m Kampf zwischen Mann und Frau, der nun eigentlich ein Kampf zwischen der Frau und Sörge geworden ist, geht zwar die Frau zugrunde, jedoch mit dem Trost ihrer gewahrten Reinheit und dem sieghaften Gefühl, ihren verloren gewähnten Gatten wiedergewonnen zu haben. 802 „Der Wann mit d?m 100 PS", von Pierre Frondaie. (Verlag Ullstein). Einem verarmten jungen Mann wirft der Zufall ein märchenhaftes Glück in den Schoß, das doch nicht echt und von Dauer sein kann, weil es auf einer Lüge gegründet ist. Mit außergewöhnlicher Menschenkenntnis sind die Figuren dieser Tragikomödie gestaltet. Der unselige Glückspilz selbst, dessen edle Ratur sich gegen die fast erzwungene älnwahrhastigkit wehrt, bis er am Schluß den lösenden, ehrenvollen Ausweg findet; die strahlende, verwöhnte, kostbare Frau im pleberschwang ihres ersten wahren Liebesglücks; am meisten Kunst aber ist an die Gestalt des „Dritten" gewandt, an den betrügenden und betrogenen Ehemann, der sich einbildet, übet den Dingen zu stehen und mit liebenden Menschen boshaft spielen zu können — um endlich zu erkennen, daß er der Geprellte ist, und dah die Leidenschaft stärker ist, als seine llägliche Weisheit. Lind noch etwas hat diese glänzend erzählte Geschichte, als der eigentliche Anstifter, aller Verwicklungen wirksam: das ist die unheimliche Macht des Reichtums, der keinen Unbefugten straflos aus Vorübung zur Gerätefredrenung und Festigung der Schlagfertigkeit nicht entbehrt werden könne, ohne daß es zum mllitärischen Drill auszuwachsen brauche. Heber die Feuerlöscheinrichtungen auf den Bahnhöfen berichtete Mreisfeuer» wehrinspektor Dickore, Gießen, daß diese viel zu wünschen übrig lassen. Es solle dahin gestrebt werden, die Feuerlöscheinrichtungen mit denen der betr. Orte in Einklang zu bringen. Es wurde den Kommandanten empfohlen, die nächsten Frühjahrsübungen an den Bahnhöfen vorzunehmen, um lieberblicke über die bestehenden Mängel zu gewinnen. Zu dem Antrag der Freiw. Feuerwehr Arheilgen: Der Landesausschuß wolle dahin wirken, daß der örtlichen Feuerstätten Beschau-Kommission ein Feuerwehrführer angehören muh, wurde beschlossen, daß sich die Wehren dieserhalb mit den Kreisämtern in Verbindung sehen sollen, damit die Sache staallich geregelt wird. Der Antrag der Freiw. Feuerwehr Worms- Die jährlichen Abgeordneten-Versammlun- g e n wechselseitig in den drei Provinzen abzuhallen, wurde abgelehm, da dies wegen der Abgelegenheit vieler Orte zu kostspielig und umständlich sei. Frank- furt, wo seit 40 Jahren die Versammlungen abge^ halten wurden, biete durch seine zentrale Lage die Möglichkeit, daß alle Orte ihre Vertreter entsenden können, doch soll dem Vorstand die Wahl eines anderen Versammlung.lokales empfohlen werden, da, wie die heutige Versammlung bewiesen, der Der- 'ammlungsraum oid zu klein sei, zumal man auch in Zukunft mit der Errichtung weiterer Feuerwehren in Hessen rechnen müsse. Der Antrag Oppenheim, betr. Festsetzung einheitlicher Abzeichen für längere Dienstzeit wurde dem Landesvorstand überwiesen. Es haben sich im Saufe der Jahrein dieser Beziehung Mißstände in der Richtung ergeben, daß eine Vereinfachung dringend geboten erscheint, wenn das Ansehen der Feuerwehr nicht beeinträchtigt werden soll. Rach etwa dreistündiger Dauer wurde die Versammlung geschlossen. Betten Fprlprn »'raue 2 75 iuUul II Halbdaunen . 4.80 Kopfkissen Kinderbetten Gebr. 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