vr. 268 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 15. November 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamilienblaNer Heimat im Bild Die Scholle monatS'Bejugspteli; 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägen lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlllsfe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postsch ccHonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck vnb Verlag: vrühl'sche UmverfilätL-Buch- uni> Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Zchristleitung und Geschäftrstelle: Schulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer ms zum Nachmittag vorher. Preis für \ rom höhe für Anzeigen vv.l 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20'/. mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil i.Derlr.H.Deck, sämtlich in Gießen. Die Aufhebung der Mrlitürdontrolle. Widerstände in Frankreich. Paris, 15. Rov. (TU.) Die Frage der Aufhebung der interalliierten Militärkontrollkommission steht im Vordergründe des Interesses. Die Auffassung geht dahin, bah eine Ueberlragung der milltärfon- lrolle an den Völkerbund im Laufe der Beratungen des Völkerbundsrates Anfang Dezember in Genf kaum zu erwarten wäre. Die „Information- meint sogar, daß eine endgültige Regelung dieser Frage nicht vor der nächsten Tagung des Völkerbundes im März, die wahrscheinlich in Berlin ftaftfinben werde, in Frage komme. Der Berliner Korrespondent des „Paris Midi" sieht die hauplschwierigteit in der Regelung der Forderung der Botschafterkonseren;, die sich auf die Erzeugung und die Ausfuhr von Kriegsmaterial bezieht, wenn sich die deutsche Regierung auch in allen militärischen Punkten nachgiebig gezeigt hätte, so würde sie in diesem Punkt eine starke Rückendeckung in der öffentlichen Meinung Deutschlands finden. Der außerordentliche Schaden, der der deutschen Industrie durch diese französische Forderung zugefugt würde, werde übrigens auch von der deutschen Regierung als besonderer Grund ihres Widerstandes betont, was die Lage noch schwieriger gestalte, sei, daß Lnglandden deutschen Standpunkt vollkommen billige, so daß die Frage der Aushebung der internationalen Mililärkontrolle da- zu angetan sei, die gute Entwicklung der deutsch- französischen Beziehungen ernstlich zu gesährden. Der offiziöse „Petit Parisien" weis; von einem versprechen ;u berichten, nach dem die deutsche Regierung binnen kurzem den Forderungen der Bokschastelkonseren; hinsichtlich der Abrüstung Genüge lei st en wolle, Es sei für die Bereitwilligkeit der deutschen Regierung bezeichnend, daß sie einen Sachverständigen für die Entwaffnungsfrage nach Paris entsandt habe. Wenn die Aufklärungen dieses Herrn und die Feststellungen des Generals Walch, der nach Berlin zurückge- kehrt fei, um sich an Ort und Stelle von der Durchführung der Forderungen der Botschafterkonferenz ju überzeugen, genügend feien, so würde die Botschafterkonferenz Ihrerseits erklären, daß die Reichs- rcqierunq b i e Lntwnsfnunqsklaufel erfüll t habe. Die interalliierte Mitttärkontrollkom- misiion könnte sodann aus der Tagung des Völkerbundsrates am 6. Dezember a u f g e l ö ff werden, um durch eine Kommission, die unter dem Schutze des Völkerbundes stünde, ersetzt zu werden. Das Programm dieser Kommission sei allerdings noch nicht vollständig' seslaeleat, ebenso nicht ihr Sitz. Deutschland würde viel Wert darauf legen, daß dieser nicht in Deutschland, sondern in Genf fei, und dah es sich nicht um eine ständige Kommission handele. Es sei zu erwarten, bah alle diese Punkte im Laufe der nächsten Sitzung des Dölferbunbsrates, bei de n sowohl Strescmann cis auch Brianb anwesend fein werden, geregelt werden könnten. Odessa. Die russisch« türkisch it Besprcrkniuqen. Odessa, 14. Nov. (TU.) Wie der Asien-Ost- europabienft aus besiinsormierten türkischen Kreisen erfährt, wurden in Odessa zwischen dem russischen Außenminister Tschitscherin und R u f d y Bey folgende vier Fragen besprochen: 1. Die Frage des beschleunigten Abschlusses des türkisch-russischen Handelsvertrags. 2. Die Vereinheitlichung der Petroleum- p o l i i ' f Rußlands und der Türkei unter Linbezii hung Persiens. Türkischerfeits ist hier au keinen Fall d e Revision des Mossul- vertragr s beabsichtigt, tis handelt sich um die Verwertung des türkischen Anteils an der Ausbeutung des Petroleumgebiets von Mossul. 3. Die Frage eines panasiatischen Zu» sammenschlufses. 4. Die Möglichkeit eines Abschlusses eines asiatischen Locarnos. Tschitscherin und Tewfil RuschLy Cß-eß gaben einen Bericht aus, der besagt: Der Minister der türkischen Republik LewfikRuschdY Bey und der Bollskommissar des Auswärtigen Tschitscherin erwogen, die beide Regierungen gemeinsam interessierenden Fragen. Sie stellten fest, Mß keine einzige Frage die Richtung der Politik beider Staaten andern und die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen stören könne, dah es heute wünschenswert sei, diele Beziehungen noch enger und herzlicher auszubauen und dah die Befestigung dieser Beziehungen für den Weltfrieden äußerst wichtig sei. TDte aus Moskauer diplomatischen Kreisen verlautet, hat eine Macht gegen die russischtürkische Annäherung Schritte unternommen. Infolge dieser Rachrichten habe Angora die russischen Angebote recht kühl ausgenommen, lieber den Inhalt der Besprechungen verlautet aus ausländischen Kreisen in Moskau, dah die russischen Bestrebungen auf Schaffung eines Paktes gescheitert seien. Die afghanische Regierung soll sich England gegenüber verpflichtet haben, Ruhland keinerlei Privilegien in einem russisch- afghanischen Vertrage zu gewähren. Ruhige Auffassung in Paris. Paris, 14. Roo. (SH.) Die türkisch-russi- . scheu Verhandlungen in Odessa beschäftigen ein- • gehend die Pariser Presse. »Paris Soir" bringt diese Verhandlungen in Zusammenhang mit der Mussolini über Deutschland. Italiens Recht der „Majorität." - Die Wirtschaftsbeziehungen.— Der Schiedsvertrag. - Das Lustfahrtabkommen. Berlin, 14.2lov. (TU.) 3n einer Unterredung mit einem deutschen Pressevertreter über die deutsch-italienischenDeziehungen sagte Mussolini, daß Italien den Vorsprung der anderen Länder bald, vielleicht in zehn Jahren eingeholt haben werde. Italien verlange, dah die anderen Länder, die liberal fein wollten, ihren Liberalismus auch Italien gegenüber anwenden, und die faszistische Regierungsform anerkennen. Heber die deutsch-italienischen Beziehungen sagte Mussolini, er sehe keine Gegensätze von Belang, die beide Völker trennen könnten. „Das Recht der Mino r i t ä t", ]uf)r er fort, „kann ich z. D. nicht als ein Trennungsmoment ansehen. Ich sehe ihm das Recht der Majorität entgegen. Das italienische Volk von 42 Millionen Menschen ist so eikcheitlich in seiner Struktur wie kaum ein anderes Volk. Dieses Volk darf also sein Recht als Majorität in Anspruch nehmen." Die deutsch-italienischen Beziehungen auf toi rt- schaf tlichem Gebiete seien geradezu glücklich zu nennen. Der wirtschaftliche Austausch sei daher auch in einer kräftigen Aufwärtsbewegung begriffen. Fm Freitag sei ein Vertrag zwischen der deutschen Lufthansa und dem italienischen Aero-Lloyd zustandegekommen, der die zivile Luftfahrt der beiden Länder miteinander in Verbindung bringe. Wenn er auch an die Ausführung der viel besprochenen Autostrahe Hamburg-Mailand noch nicht recht glaube, so zeige dieses Projekt doch, dah Italien als Verkehrsvermittler zwischen dem Rorden und dem Süden immer mehr in den Vordergrund tritt. Schon seit geraumer Zeit würden auch zwischen Deutlchland und Italien Verhandlungen über Öen Abschluß eines Schiedsvertrages geführt, der wenn auch nicht bald, so doch sicher in absehbarer Zeit zum Abschluß kommen würde. Die Verhandlungen seien auch nicht etwa unterbrochen worden als die De i Hungen zwischen Italien und Frankreich, die jetzt voll omm-m wieder hergestellt worden s.ien, ge kannt waren. Sie beginnen schon vorher. Er glaube daher fest an eine glückliche Zukunft der deutsch-italienischen Beziehungen. Bei dem oben erwähnten Vertrag zwischen der Deutschen Lufthansa und dem italienischen Aero-Lloyd handelt es sich um die Ausnahme des Luftverkehrs Berlin-Rom, dessen wichtigste Strecke irc ,.a des Problems d r A lpe n ü b e r f l i e g u n g das Mit^elstück München —Mailand ist. Die technischen Vorbereitungen dürsten bereits in kurzer Zeit soweit durchgeführt se.n, daß der Verkehr im März oder April ausgenommen werden kann. Das Abkommen entspricht den Verträgen, die die Deutsche Lufthansa mit den Luftfahrt- gcsellschasten anderer großer Länder geschlossen hat. Mussolini hat die Verhandlungen in seiner Eigenschaft als Luftfabrtminister sehr gefördert unb noch vor einigen Sagen geäußert, daß er sich über das Gelingen des Werkes freue und es als ein Mittel zur Vertiefung der engen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland begrüße. Die italienische Gewaltherrschaft in Südtirol. Wien, 13. Rov. (TU.) Rach Meldungen aus Südtirol sind die italienischen Ausnahmegesetze bereits endgültig in den deutschen Gebieten durchgeführt worden. Alle politischen Vereine, wie auch solche, die nur nationalen Charakter hatten, wie die Gesangs- und Turnvereine, sind a u f g e l ö st. Ihre Archive und Lokale sind zum Teil beschlagnahmt worden. In einzelnen Orten kam es bei dieser Gelegenheit zu Zwischenfällen, so in Brixen, wo die faszistischen Organisationen das Gesellenvereinshaus und das Haus des deut'chen Turnvereins gewaltsam in Besitz nahmen. Das Erscheinen der deutschen Blätter ist endgültig verboten worden. Die Ansch ugberoegung. Vizekanzler Dr. Dinghoscr über die Recht anstleichnnq zwiichcu Oesterreich und Deutschland. Wien, 13.Rov. (WB.) In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der „Wiener Allgemeinen Zeitung" äußerte Vizekanzler Dr. Dinghofer über die Rechtsangleichung zwischen Oesterreich und Deutschland, es sei eine ganz natürliche Entwicklung, daß der gleiche kulturelle Zustand der nach Abstoßung eines, einem anderen Ku urfreife angehorenden Randgebietes Oester- reicv als einen einheitlichen Rationalstaat mit dem Deutschen Reiche verbindet, auch in dem Bestreben feinen Ausdruck findet, die rechtliche und wirtschaftliche Grundlage in jedem der beiden Gebiete möglichst gleich zu gestalten. Darin liegt keine Spitze gegen unsere Rachbarstaaten. In gemeinsamer Beratung der zuständigen legislativen Stellen sei auf dem Gebiete des Strafrechts ein Entwurf zustande» gekommen und es werde dabei ein Weg eingehalten, daß auch im weiteren Verlaufe der Verhandlungen Einheitlichkeit des Gesetzes tunlichst gewahrt bleibe. Bezüglich des Z i v i l r e ch t s werde der schon vor einiger Zeit gegründeten deutsch-österreichischen Arbeitsgemeinschaft eine Hauptaufgabe zufallen. Zum Schluß betonte der Vizekanzler, daß er es als seine vornehmste Pflicht ansehen werde, daß in dem ihm unterstellten Amte getreu feiner bisherigen Tradition der Weg weiter beschritten werde, der Oesterreich und Deutschland zu dem Ziel eines gemeinsamen Rechtes führe. Expansionspolitik Italiens, die auf die Herrschaft im Mittelmeer und auf Gebietserweiterungen in Kleinas en abzielen. Das Blatt bezeichnet die Verhandlungen von Odessa als eine Antwort auf d i e Drohung Italiens gegen die Türkei. Wesentlich ruhiger beurteilt der „Temps" diese Verhandlungen und meint, es sei abwägig, von etwaigen Absichten einer türkisch-russischen All anz zu sprech-en oder gar von einem asiatischen Block. Die Zusammenkunft scheine nicht die große Bedeutung zu haben, die man ihr in gewissen Kreisen und besonders in der englischen Presse beilegt. Der „THatin“ hält ebenfalls die von der Londoner Presse verbreite Auffassung, daß die türkisch-russische Zusammenkunft in Odessa die Schaffung eines pan- asiatischen Paktes, eines Völkerbundes der Staaten Asiens, verfolge, für unwahrscheinlich und meint, es sei natürlich daß die Russen, nachdem sich herausgestellt habe, daß die Erfolge ihrer internationalen Propaganda recht unsicher seien, natürlich jede Gelegenheit benutzen, die freundschaftlichen Bande, die sie mit den Rationen des nahen und fernen Ostens verbinden, zu erneuern. Tschitscherin sei schon lange eingeladen worden, mit dem türkischen Botschafter Wirtschafts- und Handelsfragen zu besprechen, die Krankheit Tschitscherins mache es glaubhaft, daß Ruschdy Bey aus Höslichleits- gründen nach Odessa entgegengekommen sei. Dabei sei es natürlich schwer vermeidbar, daß die beiden Staatsmänner von nichts anderem als wirtschaftlichen Fragen sprechen sollten. Die katalanischen Verschwörer Prozeß gegen Maria und Garibaldi. Paris, 14. (WB.) Oberst Macia und Garibaldi sind nunmehr regelrecht in Haft genomm en und in das Llntersuchungsge- sängnis eingeliefert worden. Beide haben bereits ihre Verteidiger bezeichnet, Garibaldi den ehemaligen Abgeordneten Andre Hesse, ehemaliger Kolonialminister, und Macia den bekannten, der kommunistischen Partei nahestehenden Rechtsanwalt T o c r o s. Sie werden beschuldigt Kriegswaffen und Explosivstoffe ange- sammelt zu haben. Samstag nachmittag fand die Gegenüberstellung Macia und Garibaldis statt. Garibaldi sagte aus, er habe Macia am 5. oder 6. Oktober in einem Pariser Vorort getroffen und ihm über einen gewissen Rizzoli Auskunft gegeben. Garibaldi habe Macia seine moralische Unter ft üßung zugesagt. Er habe Macia den Rizzoli als einen zweifelhaften Mann geschildert, während Macia erklärte, Garibaldi habe ihm Rizzoli als einen mutigen und zuverläs igen Mann empfohlen. Außerdem erklärte Macia noch, die von ihm angeworbenen Leute hätten am 30. Oktober Anweisung erhalten, sich nach Perpignan zu begeben. Mit Öen italieni- scheu Kreisen habe er seit August in Verbindung gestanden. Rizzoli habe er gebeten, ihm Leute zu vermitteln, die Krieg führen und Maschinengewehre bedienen könnten. Als Macia in das Untersuchungsgefängnis zurückgeführt wurde, hatte er Gelegenheit, zu einigen Pressevertretern zu sprechen, denen er erklärte, er hege den Wunsch, daß seine Leute nicht ausgewiesen werden mögen, denn sie würden weder in Belgien noch in Deutschland die Arbeitsmöglichkeiten finden, die sie in Frankreich hätten. Sie müßten aber, da sie Arbeiter seien, doch für ihre Familien sorgen. Am Mont ^vormittag werden in Paris übrigens weitere 26 verhaftetete katalanische Separatisten eintreffen. Kommunistenaufsland in Niederländisch-Indien. Amsterdam. 13. Rov. (SU.) Wie aus Batavia gemeldet wird, haben in der letzten Rächt in verschiedenen Orten Ostjavas kommunistische Banden versucht, die öffentlichen Gebäude durch einen gleichzeitig einsehenden Putsch an sich zu reißen. Die Aemter wurden gestürmt und erst nach längeren Kämpfen war es Polizei und Militär gelungen, die Aufständischen zurückzuschlagen. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. In Batavia selbst wurde ein Sturm der Aufständischen auf das Gefängnis abgewiesen. Auch hier wurden mehrere Personen getötet. Die Regierung hat schärfste Maßnahmen zur Unterdrückung der revolutionären Bewegung getroffen. Zahlreiche Verhaftungen sind bereits vorgenommen. Unter den Verhafteten befinden sich mehrere chinesische Kommunisten. Deutscher Wahlersokg in Ostoberschlesien. Deutsche Mehrheiten bei den Gemeindcwahtcn. Kattowih, 15. Rov. (TU.) Die bisher vorliegenden Meldungen über die am Sonntag in Polnisch-Oberschlesien ftattgefunbenen Gemeindewahlen bringen geradezu Ueberraschun- gen. So wird gemeldet, daß in den Landkreisen Tarnowih und Lublinih die deutsche Mehrheit überwiegt, und zwar selbst in den Ortschaften, in denen während der Abstimmungs- zeit keine einzige deutsche Stimme abgegeben wurde Ebenso lauten die Meldungen aus Rybnik und Pleß. In der Stadt Pley selbst haben die Deutschen 14 Mandate, die Polen sieben, die Kustospartei zwei Mandate und die Wirtschaftspartei ein Mandat erhalten. Aus K a t t o w i tz liegen bisher die Ergebnisse aus 25 Bezirken vor. Die deutsche Wahlgemeinschast und die Deutsche sozialdemokratische Partei können mit Bestimmtheit auf eine Mehrheit Don 60 Prozent im neuen Stadtverordneten' kollegium rechnen. Ebenso lauten die Ergebnissi aus K ö n i g s h ü t t e. In den Industrieortschaf ten wie Schoppinih, Eichenau und anderen Orten haben die Deutschen ebenfalls erhebliche Mehrheiten erzielt Da die Wahlen infolge der von Der Regierung geforderten Wahlpflicht eine außerordentlich starke Beteiligung aufweisen, sind die Wahlen in den einzelnen Orten bis gegen 9 Uhr abends am Sonntag noch nicht zu Endc gewesen. Die Gemeindewah^en in Sachsen. Dresden, 14. Nov. (WTB.) Bei überaus warmer regnerischer Witterung wurden heute ir ganz Sachsen die Gemeinde- unb Stadtverordneten mahlen vorgenommen. Soweit Nachrichten vorlie gen, ist der Wahlakt ruhig und ungestört verlaufen Die Wahlen haben vielfach eine Verschiebung nach Links ergeben. So wird aus Meißen wo bisher eine bürgerliche Mehrheit vorhanden war ein Verhältnis von 20 Linksstehenden zu 17 Rechtsstehenden gemeldet. In Dresden wurden 3( Rechtsstehende, 36 Linksstehende und 3 Altsoztalister gewählt gegen bisher 44 Bürgerliche und 31 So zialdemokraten und Kommunisten. Für das neue Leipziger (Stabtparfamen: wirb sich folgende Zusammensetzung ergeben: Wirtschaftspolitische Gemeinschaftslifte 18 (24), Sozialdemokraten 26 (19), Kommunisten 14 (14), Demokraten 4 (7), Völkische 0 (7), Unabhängige Sozialdemokraten 0 (2), Volksgemeinschaft 0, Dolksrechi unb Auswertung 6, Nationalsozialisten 0, Reichs- aemeinschaft bcs beiitschen Mittelstanbes 4, Alte So- zialbemokratische Partei 1. Die Bürgerschaftswahlen in ßübech. Lübeck, 14. Rov. (WTB.) Aus Grund der heutigen Bürgerschaftswahlen in Lübeck seht sich die neue Bürgerschaft zusammen aus: Sozialdemokraten 35 (bisher 28). Kommunisten 5 (10), Demokraten 2 (7), Haus- und Grundbesitzerverein 0 (3), Aufwertungspartei 1 (0>, Zentrum 1 (0), Hanseatischer Volksbund 36. Die Wahlbete.ll- gung betrug rund 86 Proz. gegenüber 87,3 im Jahre 1924. Do kspartei unb Gegenwartsstaat. Geheimrat Kahl auf bem Neichsfraucn tast der Deutschen Vo kspartei. Jena, 14. Nov. (TU.) Den Auftakt zu bei Reichsfrauentagung ber Deutschen Lolkspartei in Jena bilbete eine öffentliche Versammlung im Burg- keller. Ueber bas Thema „Neue Wege, alte Treue' sprachen Frau Dr. Gertrub Wolf-München unk Geheimrat Professor Dr. K a h I. Geheimrat Prof. Dr. Kahl sprach über bie weltanschauliche Stellun; der Deutschen Volkspartei zum alten Staat und zur neuen Zeit. Er ging davon aus, daß die Partei im Jahre 1919 die Weimarer Verfassung abgelehnl habe. Die Verfassung enthalte Bestimmungen, bi( mit unserer Auffassung von der butschen Zukunft nicht vereinbar waren. Unsere Auffassung ist burd die neue Entwicklung gerechtfertigt worden. Boi allem hinsichtlich des parlamentarischen Systems. Wir haben sie ferner abgelehnt roeger bjs Herniederholens der alten ruhmreichen Farben. Wir bleiben bei Schwarzweißrot! Wir achter aber die jetzigen Reichsfarben, deren historische Ehrwürdigkeit uns in Jena besonders vor Augen steht Wir haben die Verfassung weiter abgelehnt wegen der Staatsform. Wie bleiben auch hier bei unserer Auffassung, die wir in unseren Grundsätzen festgelegt haben, daß wir die M o n a r dj i e als die für das deutsche Volk geeignetste Staatsform halten. Wir sind uns aber durchaus bewußt, daß eine Monarchie aus freiem Entschlüsse b e £ Volkes geschaffen werben muß, unb baß Die Voraussetzungen Dafür fehlen. Daraus ziehen wir bie Folgerung unserer positiven Einfüllung zur deutschen Politik. Was Den Unitarismus anlangt, sc haben wir in unseren Grundsätzen feftgcltgt, das der Einheitsstaat unser Ziel ist. Wir müssen aber organisch in diesen hineinwachsen. Unsere Verfassung bat diesem Gesichtspunkt nicht R^hnung getragen. Wer die Zeit erkennt, ber kann sicb aber ber Tatsache*'nicht verschließen, daß die Wirtschaftsnot ber Verwirklichung bcs Gedankens bcs Einheitsstaates ein beschleunigtes Tempo gibt. Dabei bleiben wir, baß den Ländern besonders auf kulturellem Gebiet ihre Zustän- big!eit für all bas belassen wirb, was eine einheitliche Regelung nicht gebieterisch verlangt: was aber zur Erhaltung der Lebensnotwenbigkeit des beut» sch en Volkes nach innen und nach außen notwenbig ist, muß dem Reich bleiben. Die Ablehnung ber Verfassung im Jahre 1919 bedeutete für uns nicht, daß wir dem Staat fernbleiben wollten. Die Verfassung bleibt bie Grundlage unserer Arbeit. Daraus ergibt sich die Aufgabe, alle Kräfte einzusetzen, um in positiver Mitarbeit das beste und letzte aus ihr herouszuholen. Das wird uns nicht gelingen, wenn wir nur em äußeres Verhältnis zur Verfassung gewinnen. Nein, wir verlangen ein ehr- lidjes, treues Verhältnis zur Verfasiung. Gewisse Aenderungen der Verfassung sind notwendig, aber ein fester Rechtsboden ist die Voraussetzung zur Wiedererlangung unserer Freiheit. Die Arisensörsorge im Reichstag angenommen. Berlin, 13. Dov. (VDZ.) 2lus der Tages- orbmmg steht die zweite Beratung der K r i sensu r s o r g e für Erwerbslose. Abg. Hoch (Soz.) erklärt, feine Fraktion habe nicht die Geschäfte der Deutschnationalen besorgen können. Sie habe sich deshalb mit den Regierungsparteien verständigen müssen, zumal es gelungen sei, den Entwurf wesentlich zu verbessern. Die Krisenfürsorge gebe fast allen Ausgesteuerten dieselben Ansprüche, wie die Erwerbslosen'ürsorge. Die Prüsung der Arbeit sWilligkeit und -fähigkeit fei beseitigt und de Lasten der leistungsun'ähigen Gemeinden sollten erleichtert werden. Abg. Rademacher (Dn.) bedauert die Ablehnung des Antrags der Staffelung der Erwerbslosenunterstühung, die verhindern würde, daß die Unterstützung den Lohn übersteigt. Den Krisenfürsorgeentwurf lehnt der Redner ab und beantragt die bisherige Art der Unterstützung der Ausgesteuerten bis zum Inkrafttreten der Erwerbslosenversicherung bestehen zu lassen und den Gemeinden 75 Prozent der Kosten durch daS Reich zu ersetzen. Abg. Frau Arends en (Komm.) wirst den Sozialdemokraten und den Rechtsparteien demagogische Spiele mit den Erwerbslosen vor. Eine elende Lüge fei es, wenn die Sozialdemokraten behaupteten, die hätten etwas für die Erwerbslosen getan, denn der Entwurf gehe von den Regierungsparteien aus. Die Kommunisten würden gegen die Krisenfürsorge stimmen und die Erwerbslosen zum Kampfe aufrufen. Das Krisensürsorgegeseh wird unter Ablehnung aller Anträge in zweiter und dritter Beratung mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Sozialdemokraten in der Ausschußfassung angenom- me n, ebenso die Entschließungen des Ausschusses, die für die leistungsfähigen Gemeinden Reichs Unterstützung verlangen. Bei der Weiterberatung des Nachtragsetats wendet sich Abg. Dr. Feder (Rat.-Soz.) gegen die Finam- und Steuerpolitik des Reichsministers Dr. Reinhold. Die Erfolge dieser Politik kommen allein der Großindustrie und den Banken zugute, die in der Zett der allgemeinen Wirt- schastsnot Riesengewinne eingeheimst hätten. Die deutsche Industrie habe längst auf gehört, eine nationale Industrie zu sein. Abg. Dr. Spahn (Dn.) geht auf die gestrigen Ausführungen des ZentrumSabg. Dr. Schreiber ein und erklärt: Was Dr. Döhrina bei verschiedenen Gelegenheiten über Rom und die katholische Kirche gesagt hat, kann kein Katholik leicht nehmen. Mein Bedauern darüber ist vielleicht noch um einige Grad aufrichtiger als das des Zentrums. (Lachen an Zentrum.) Döhring ist aber nicht Mitglied der Deutschnationalen Dolkspartei. Das haben wir öffentlich erftärt ünh an dieser Erklärung sollte das Zentrum nicht Vorbeigehen. Wir würden es begrüßen, wenn Dr. E t r e s e m a n n sich deutlich über fein Verhältnis zur »Tägl. Rundschau" äußern würde. Wenn diese Auskunft das Zentrum nicht befriedigt, dann überlegt es sich vielleicht, ob es noch mit der Deutschen Dolkspartei in einer Koalition bleiben kann. (Lachen im Zentrum.) Die alte kulturpolitische Linie, von der Dr. Schreiber sprach, ist Mache einzelner Katholiken, nicht einer einzelnen Partei. Wir haben aber die Sorge, daß unter dem Einfluß gewisser politischer Tendenzen diese Linie im Zentrum verlassen wird. (Gelächter im Zentrum.) Das Zentrum, bas angeblich bie konfessionelle Parität bei der Stellenbesehung Herstellen will, loht diese Parität durchaus vermissen, wenn es sich um Katholiken handelt, die nicht dem Zentrum angehören. (Lebhafte Zustimmung bei den Deutschnationalen und Rufe: Das hat gesessen!) In Baden, wo das Zentrum zusammen mit den Sozialdemokraten regiert, bat es recht wenig zur Verwirklichung des katholischen Schulideals getan. Auch gestern hat Dr. Schreiber nicht gesagt, was das Zentrum im Reiche im nächsten Winter auf schulvolitischem Gebiete tun will. Wir müssen es entschieden zurückweisen, wenn denen, die dem Zentrum nicht mehr angehören, Verrat am Katholizismus vorgeworfen wird. Als ick noch zum Zentrum gehörte, wurde ich nicht so scharf kritisiert. Der liebe Gott wird entscheiden, ob ich recht gehandelt habe. (Lachen.) Darüber lachen Sie. Schämen Sie sich! Dos Angebot des deutschnationalen Redners zur Mitarbeit am Schulgesetz im christlichen Sinne ist von Dr. Schreiber zurückgewiesen worden. Es gibt eine kuliur- politische Linie des deutschen Katholizismus und eine Linie des gläubigen evangelischen Volkstums, und die Kulturanlieaen aufrichtiger Konfessionen werden am besten besorgt, wenn die beiden Linien möglichst nahe nebeneinander liegen. Das Schulgesetz wird den christlichen Forderungen am besten gerechl werden bei einer aufrichtigen Annäherung von Zentrum und Deutschnationalen. Abg. Borrmann iWirtsch. Dgg.) beklagt die Lage Im gewerblichen Mittelstand. Er wendet sich gegen den Handelsbetrieb in den Ortskrankenkassen und verlangt die Anwendung 5er Gewerbeordnung und der Vorschriften über )ie Verkaufszeit auch auf die DerkaufSstände in den Bahnhöfen. Die Finanzämter gingen vielfach in überaus rigoro'er Weise gegen die Aeingewerbttreibenden vor. Der Redner beringt noch eine durchgreifende Reform des Ge- rofsensch rstSgesehes, dessen Strafbestimmungen oer'chärft werden mühten. Abg. Dr Schreiber (Z.): DaS Zentrum ei immer dafür eingetreten, daß, solange überhaupt ein Aufsichtsrecht für die Schulen besteht, ^uch die Kirche daran zu beteiligen fei. Das Zentrum hat in den Ausschüssen und im Plenum jahrelang in mühevoller Arbeit das Schulgesetz in christlichem Sinne vorbereitet. Die Deut'chnationalen haben den Schiele'ichen Schul- 'gesetzentwurf einfach im Aiche gelassen, aL sie aus der Koalition ausgeschieden find. Die sozialdemokratischen und koimnunistischen Anträge über den Aufenthalt der ehemaligen Landesfürsten und über die Enteignung des Fürstenvermögens werden dem Rechtsausschuh überwiesen, ebenso der völkische Antrag auf Aufhebung des Redeverbots gegen Adolf Hitler Weiterberatung Montag, den 22. Rovember: Außenpolitische Debatte zum Rachtragsetat. Eine deutschnationa^e Anfrage. Berlin. 13. Rov. (D. D. Z.) Die deutsch- nationale Reichstagsftaktion hat im Reichstag folgen*.e Interpellation eingebracht: Rach bisher unwidersprochenen Zeitungsmeldungen hat die deutsche Botschaft in Washington am Waffenstillstands tag, am 10. Rovember, geflaggt. Wenn sie sich auch damit einem vielleicht bei unseren ehemaligen Kriegsgegnern verständlichen Brauche anschloh, so lag doch sicher für eine deutsche Vertretung im AuSlande zu einer solchen Kennzeichnung dieses Tages kein Anlaß vor. Dieses Verhalten der deutschen Botschaft in Washington ist vielmehr geeignet, das Ansehen des durch sie vertretenen Deutschen Reiches auf das schwerste herabzuletzen. Wir fragen die deutsche Regierung, was sie zu tun gedenkt, um die für dieses mti der Würde des deutschen Volkes unvereinbare Vorgehen verantwortliche Stellen und Personen zur Rechenschaft zu ziehen und Vorsorge zu treffen, daß eine Wiederholung ähnlich beschämender Vorfälle unmöglich gemacht wird? Die Freigabe fremdenEigenturns in Amerika. Washington, 15. Rov. (WTB.--Funk- spruch.) Der Finanzausschuß beginnt heute seine Beratungen des Gesetzentwurfes über die Rückgabe des beschlagnahmten fremden Eigentums, es verlautet, daß sich eine Mehrheit für eine Rückgabe zeigt. Die opponierenden Kongreßmitglieder sprachen sich weniger gegen eine Rückgabe an sich aus, als für eine Befchränkung der Rückzahlungen bis eine Befriedigung der amerikanischen Ansprüche erfolgt sei. Revolutionäre Bewegung in Mexiko? El Paso (Texas), 14. Rov. (Reuter- Funkspruch.) Trotz nachdrücklicher amtlicher Dementis häufen sich die Gerüchte, daß sich in Chihuahua und entlang der Rordgrenze Mexikos eine ernsthafte, revolutionäre Bewegung entwickele. Der General Ricolas Fernandez, ein früheres Mitglied des Stabes des Generals Villar wird als Anführer einer kleinen Bande von Aufständischen bezeichnet. Kunst und Wissenschaft. Gegen das Schundliteralurgesetz Berlin, 14. Rov. (WTB.) Die unterzeichneten Mitglieder der Preußischen Akademie der Künste, Sektion für Dichtkunst, warnen in letzter Stunde den Reichstag vor der Annahme des Gesetzes zur Bekämpfung von Schund- und Schmutzzeitschriften. Hm den wirklichen Schmutz unschädlich zu machen, dazu reichen die bereits bestehenden Gesetze aus. Die Bedrohung der Iugend erscheint daher verschwindend gering gegenüber der von diesem Gesetz zu befürchtenden Bedrohung der Geistesfrei- h e 11. Es würde Kämpfe entfesseln und während der ganzen Dauer seines Bestehens nähren, die auch den heute Gleichgültigsten erschrecken müssen. Die Mitglieder einer Akademie, die vom Staat berufen ist, die hohe Würde der Kunst zu vertreten, können nicht ruhig zusehen, wie die literarische Kunst, ihr innerster Besitz: unter fremde Aufsicht gestellt und einer Aus- nahmegefehgebung unterworfen ist. Vorstehender Kundgebung haben sich bisher durch Unterschrift angeschlossen: Hermann Bahr, Dr. Ludwig Fulda, Dr. Max Halbe, Dr. Amo Holz, Georg Kaiser, Dernh. Keller- mann, Oskar Lörke, Heinrich Mann, Professor Dr. Thomas Mann, Walter v. Molo, Professor Dr. Petersen, Dr. Ioseph Ponten, Wilhelm Schäfer, Rene S ch i d e l e, Wilhelm Schmidtbonn, Dr. v. Scholz, Eduard Stucken. Geheimrat Wilhelm Braune f. Wie aus Heidel berg gemeldet wird, starb dort im Alter von 76 Iahren der ord. Professor für deutsche Philologie Geheimrat Dr. Wilhelm Braune. Mit Braune verliert die deutsche Grrrnanistll wiederum einen ihrer Altmeister. Der Gelehrte hat ausschließlich und verdienstvoll auf dem Gebiet der älteren deutschen Sprach- und Literaturgeschichte gearbeitet. Don Braunes Publikationen find als unentbehrliches Handwerkszeug eines jeden Germanisten am bekanntesten geworden vor allem seine Althochdeutsche Grammatik und das Althochdeutsche LesÄduch, ferner die von ihm herausgegebenen Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (Paul und Braunes Beiträge). Don Bedeutung sind weiterhin die von Braune besorgten Reudrucke deutscher Literaturwerke des 16. und 17. Jahrhunderts, sowie feine Arbeit über die Handschriftenverhältnisse des Ribelungenliedes. 25 Iahre Zentralkomitee für das ärztliche Iortblldungsschulwesen. Das Zentrallomitee für das ärztliche Fort- bildungSfchulwesen in Preußen beging die Feier seines 25jährigen Bestehens mit einem Festaft im großen Hörsaal des Kaiserin-Friedrich-Hauses Der Vorsitzende. Geheimrat Werner Körte, skizzierte in großen Zügen Zweck und Ziel des Komitees, dessen Hauptaufgabe es sei, die Lücken zwischen der wissenschaftlichen Ausbildung deS Arztes und dem praktiichen Berufe zu schließen. Generalsekretär Prof. Adam erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Zentralkomitees während des verflossenen Vierteljahrhunderts. Min.- Direktor Kröhne überbrachte den Dank und die Glückwünsche des preußischen Wohl'ahrtSmini- steriums und der preußischen medizinischen Der» waltung, in deren Rainen er eine Spende von 10 000 Mark zur Förderung der Ar- beiten des Zentralkomitees überbrachte. ^ettemr " • Vorübergehend wieder Trübung, sonst schwach aufklarend und v7rhältnismäßig milde, vorwiegend trocken. Gestrige Tcigestemperaturen: Minimum: 13,3 Grad Celsius, Minimum: 6,8 Grad Celsius. Nieder- schlüge: 1,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 7,3 Grad Celsius. Aus aller Welt. Wirbelfturmkataftrophe nuf den Philippinen. Die die Agentur 3nbo Pacific aus Manila berichtet, ist in der Rächt oom 5. traf den 6. Rovember dort ein Wirbelsturm niebergegangen, über den man erst am 10. Rovember Nachrichten erhalten konnte. 3n den Provinzen watangas, Tagayas, Laguna und Cavite zählt man ungefähr 4 0 0 Tote und vermißte. 2 0 0 0 Häuser sind ; erstörk worden. Die Ernte ist stark in Mitleidenschaft gezogen und zum Teil vernichtet worden. Re.ckiSkanzlcr Luthers Tüdamerikareise. Reichskanzler a.D. Dr. Luther ist von Buenos Aires im Flugzeug nach A funcion (Paraguay» weitergereift. Dor der Abreise gab er ein Abschiedsessen, an dem mehrere argentinische Minister und hervorragende Persönlichkeiten Argentiniens sowie Vertreter der deutschen Kolonie tellnahmen. Kranzniederlegung an deutschen Loldatengräbern in Birmingham. London, 15. Rov. (WTB. Funkspruch, j Am Sonntag hat ein englisches Waisenmädchen, dessen Dater im Kriege gesellen war, einen Kranz auf das Grab eines deutschen Soldaten auf dem Soldatenfriedhof von Lodger- Hill in Birmingham niedergelegt. Reben ihr stand der Qeiter der Konsu-larabteilung der deutschen Botschaft, Dr. Hehnen. DaS Grab war eins von den 24 deutschen Soldaten, die im Hospital in Birmingham gestorben sind. Auch britische Soldaten ruhen auf dem Friedhof. Dr. Heynen legte einen Kranz von Chrysanthemen und Lilien nieder, um die ein schwarz-rot-goldnes Band geschlungen war. Hinter ihm stand eine Gruppe britischer Offiziere, die die militärischen Ehrenbezeugungen leisteten. »Daily Expreß" sagt, dies sei das erste Mal, wo Der- tretet Englands und Deutschlands gemeinsam das Gedenken der deutschen Toten in England ehrten. Ein Gedächtnismal bei Veltheim. Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung unö in Gegenwart von Dertretern militärischer und ziviler Behörden und der Angehörigen fand in Deltheim die Einweihung des Reichswehrdenkmals für die am 31. März 1925 in der Weser ertrunkenen Reichswehrsoldaten statt. Generalleutnant Freiherr von Ledebvur feierte die Treue und Pflicht- erfütlurtg der ertrunkenen Soldaten. Rach dem Liede „Ich hatt' einen Kameraden" feuerte die Ehvenkompagnie eine dreifache Salve ab. Mit einem Dorbeimarsch vor General Reinhard nahm die schlichte Feierlichkeit ihr Ende. Die Ruhrkohlen chiebungen. Aus Deranlassung der Staatsanwaltschaft wurden in den Bureaus großer Firmen in Duisburg und Ruhrort von Beamten der Kriminalpolizei und der Finanzämter eingefjenöe Durchsuchungen vorgenommen. Außer umfangreichen Korrespondenzen wurde auch eine Anzahl .^a.upt- und Kassenbücher beschlagnahmt, die als Deweismaterial für die in die Millionen gehenden Steuerhinterziehungen dienen. Auch aus Privatwohnungen höherer Angestellter wurde eine Menge Deweismaterial be- schlagnatz In Duisburg-Meiderich wurden von der Polizei mehrere Verhaftungen vovgenou:.ien. In Verbindung mit der Mühlheimer Kriminalpolizei wurden dort ebenfalls mehrere Haussuchungen borgenommen, die z. T. wertvollen Deweismaterial erbrachten, auf Grund dessen eine Reihe in die Kohlenschiebersache verwickelte Personen verhaftet werden konnten. Sämtliche Verhaftete wurden noch im Laufe des Sonntags dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der gegen alle Festgenommenen Haftbefehle erließ. Zwölf Todesopfer durch Explosion einer Granate. 3m Fleimsthal (Dolomiten) bei Paneveggio waren 14 Waldarbeiter vor einer Baracke versammelt, als vor ber Hütte eine noch aus ber Kriegszeit stammenbe Granate explodierte, mit ber vermutlich unvorsichtig um gegangen war. Von den anwesenben 14 Personen waren elf sofort tot, darunter drei Frauen. Die drei anderen Personen wurden schwer verletzt.. Eine davon starb bald darauf im Spital. Es sind größtenteils italienische Arbeiter zwischen 18 und 20 Jahren. Schweres Autounglück. In Essen wurden zwei junge Mädchen von oinem im überschnellen Tempo fahrenden K.aftwagen erfaßt und mehrere Meter weil geschleudert. Das eine der verunglückten Mädchen starb bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus, das andere schwer verletzte hofft man am Leben au erhalten. Die Polizei nahm den Chauffeur sofort in Haft. Schwerer Autounfall der Schuhpolizei. Freitag abend fuhr ein Lastauto der Krefel - ber Schupo kurz vor Rheinberg über bas durch keine Schranke abgesperrte Gleis. Ein Zug erfaßte das Auto und riß es fast 100 Meter mit sich fort. Zwei Schupobeamte wurden getötet und mehrere zum Teil schwer verletzt. Massenelnbrüche In einem Ostseebad. In Ahrenshoop bei Wustrow in M«k- lenburg wurde in einer Rächt in nicht wenige« als acht Villen eingebrochen. Die Diebe wurden überrascht unb liehen einen großen Teil der DrUe, die schon in Kisten und Äoffem verpackt worden war, zurück. Der tatsächliche Schaden läßt sich zur Zett noch nicht festftellen, weil die einzigem die über daS Fehlende Auskunft erteilen können, die Villenbesitzer, nach Saisonende abgereift sind. Todesstrafe für einen Gattenmörder. Vor dem Chemnitzer Schwurgericht hatte sich in mehrtägigen Verhandlungen der 54 Iahre alte Werkinvalide Richard Keller aus Lugau wegen Gattenrnordes zu verantworten. Der Angeklagte war beschuldigt, seine Frau erdrosselt und die Leiche in eine mit Wasser gefüllte Badewanne gesetzt zu haben. Der Angeklagte, der die Tat leugnete, wurde auf Grund von In- dizienbewe.fen wegen Mordes zum Tode verurteilt. Aus der Provinzialhauptstadt. Dießen, den 15. Rovember 1926. Jur Beachtung. Am Mittwoch, 17. Rovember, erscheint ber „Gießener Anzeiger" nicht. Infolge eines Hebet- einkommeus mit unserer technischen Mitarbeiterschaft fällt ber ihr tariflich zustehende achte Feiertag im Iahre bis auf weiteres auf den preußischen Duß- unb Beffag. Verlag bes „Gießener Anzeigers". Kreisausschutz Gietzen. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen hat am Samstag m öffentlicher Sitzung über folgende Gegenstände verhandelt: Veschwerde des Wilh. Becker L (Alten- Buseck) wegen Nichtgewährung eines verendeten Kalbes. Nach dem Akleninhalt war dem Beschwerdeführer ein Kalb angeblich an Maul- und Klauen seuche gefallen. Da der Beschwerdeführer die Seuche nicht fristzeitig bei der Bürgermeisterei an- gemeldet hatte, wurde chm eine Entschädigung nicht zugebilligt. Gegen diesen Bescheid hatte der Kläger Beschwerde beim Kreisausschuß verfolgt. Die Klage wurde als unbegründet kostenpflichtig abaewiesen. Entschädigung für Diehoerluste: hier: Beschwerde des Heinrich P e t r y ll. (Geilshausen). Dem Kläger war ein sechs Monate alles 3ungrinb gefallen. Eine Enftchädigung konnte ihm nicht gewährt werden, weil bas Jung rind nicht an SJlauI- unb Klauenseuche, sondern an Lungen- unb Brustfellentzündung gefallen war. Kläger gab sich mit diesem Bescheid nicht zufrieden ""und- erhob Klage beim Kreisauslchuß. Auch diese Klage wurde als unbegründet angewiesen. Entschädigung für Viehverluste: hier: Klage bes Peter Erb VI. (Geilshausen). Dem Kläger war ein Jungrind von 4 Monaten gefallen. Weil der Ausbruch ber Seuche nicht rechtzeitig angemeldet worden war, wurde auch hier keine Entschädigung zugebilligt. Kläger gab sich mit diesem Bescheid nicht zufrieden. Er erklärte wiederholt, daß er einen krankhaften Zustand an dem gefallenen Rind nicht mahrgenommen habe. Der Vertreter des Staatsinteresses erklärte, baß bie Seuche mindestens 4 bis 5 Tage vor ber Anmeldung in Erscheinung getreten sein müße. Hier hat ber Kreisausschuß dem Kläger eine Entschädigung von 128 Mk. zugebilligt ('/, des gemeinen Werts). In der weiteren Klagesache des Konrad Becker zu Geilshausen beschloß der Kreisausschuß, die Klage kostenpflichtig abzuweisen. In der Klagesache bes Georg F a b e l in Geilshausen würbe Beweisbeschluß bahin erhoben, über den Sektionsbefund einen Sachverständigen als Zeugen, und über die Frage, ob der Kläger auf Grund des festgestellten Befundes mit der Möglich keit des Vorhandenseins der Maul- und Klauen seuche habe rechnen müssen, einen weiteren Sachverständigen als Zeugen zu vernehmen. DieVermögenssteuerzahlungder Landwirtschaft am 15. November Steuerpflichtige, deren Vermögen hauptsächlich richten. Wird durch den nach dem 15. Rovember zugestellten Steuerbescheid ein de Summe der geleisteten Vorauszahlung übersteigender Steuerbetrag festgesetzt, so ist der Unterschiedsbetrag am 15. 5ebrvxir 1927 zu zahlen. Vielfach wird es kn der Landwirtschaft, insbesondere bei kleinbäuerlichen Betrieben, vorkommen, daß Pflichtige, die einen Bescheid bis zum 15. Rovember noch nicht erhalten haben, an diesem Tage an Vorauszahlungen mehr entrichten müssen, als sie auf Grund des Bescheids zu zahlen haben würden, älnter Umftänben, namentlich bei kinderreichen Steuerpflichtigen, würde sogar eine Vorauszahlung zu leisten sein, obwohl nach dem später zugestellten Steuerbescheid eine Freistellung von öer Vermögenssteuer erfolgt. Um derartige Unbilligkeiten zu vermeiden, hat der Reichsminister der Finanzen folgendes bestimmt: Unterläßt der Pflichtige in Fällen, in denen ihm bis 15. Qlo- vcmber ein Dermöaonssteuerbescheid noch nicht zugestellt ist, die Zahlung der an sich am 15. Rovember fälligen Vorauszahlung der Rate, zahlt er aber binnen zwei Wochen nach der Zustellung des Vermögenssteuerbescheids den gesamten auf Grund des Bescheids für die Iahre 1925 und 1926 noch zu entrichtenden Betrag, so wird von einer Erhebung von Verzugszuschlägen bzw. ab 1. Dezember von der Erhebung von Verzugszinsen toegen Richtleistung der Rovemberrate abgesehen. Macht der Steuerpflichtige von dieser Regelung Gebrauch, so hat er also binnen zwei Wochen nach Zustellung des Dermögenssteuer- bescheids den gesamten Betrag nachzuzahlen, um den die Steuerschuld für 1925 und 1926 die für die beiden Iahre geleisteten Vorauszahlungen übersteigt, also auch den Unterschiedsbetrag, den er an sich wegen der Zustellung des Bescheids nach dem 15. Dezember erst am 15. Februar 1927 zu zahlen haben würde. Selbstverständlich bleibt es dem Steuerpftichtigen unbenommen, anstatt von dieser Regelung Gebrauch zu machen, den gesetzlichen Vorschriften zu entsprechen, d. h. am 15. Rovember die Hälfte der Iahressteuerschuld 1924 als Vorauszahlung zu leisten und den Unterschiedsbetrag zwischen der veranlagten Steuer unb der Summe der geleisteten Vorauszahlungen am 15. Februar 1927 zu entrichten. 3n Fallen, in denen der DeschÄd bis zum 15. Rovember zugestellt ist, verbleibt es dabei, daß der Steuerpfltchtige an diesem Tage den sich aus dem Bescheid ergebenden Unterschiedsbetrag zwischen der endgültig veranlagt-m Steuer für 1925 unb 1926 und den geleisteten Vorauszahlungen zu entrichten hat. . Verzinsung der Rückwirkungs- Hypothek. Das Reichsgericht hat einen Beschluß des Kammergerichts zu Berlin aufgehoben, ber die Verzinsung deS Auswertungsbetrages der persönlichen Forderung vom 1. Januar 1925 ab ausspricht und dahin entschieden, daß die Verzinsung des Aufwertungsbetroges der per önlichen Forderung erst vom Beginn des auf die Wiedereintragung der Hypothek folgenden Kalendervierteljahres ab läuft. In ben reichsgerichtlichen Entscheibungsgründen hierzu heißt es unter anderem wie folgt. Das Kammergericht geht davon aus, daß bei der strengen Scheidung, >9. -Li; ;s chrrÄ'^.'». ^n9 übt, "4l««».,. *<$ ürgtrnuiu 1 bt aftfij?» an. te‘,^any» W an Jii1'. M M « s^khllb jfo ^s° wurde $ iW&X y"'fl angnneldt! •'ne Snildjabijun« Ä9*® ZLÄ ste9 9??un £I^uB bem Maer ^Sebilligt («JK Konrad Secker ■ »reisausschuß, bit °belinTeiiS' bah n erhoben, Mtanblgeu alb 3 Slater «ui W btt Mvchtz E- unb Klauen- en mtittren 6adv ehmeit, rzahlungder -.November mögen hauptsLH- lichem Der. bnen am 15. Av- scheiö noch nicht Tage mit einer c die -Lifte H Jon 1924 P v.V im 15. Ävvember .«Dumme der je* ieigmter Steuer- Mrrschftdsbetrag i. Dieifach wird es lontert bei fletn- nen, daß Wichtige, 15. Aovmb.'r noch : Tage aa 2oraut- üffen, als sie auf en haben toütben. bei kinderreichen eine 2orauszah- nach bem später ■ Freistellung von ilm derartige Un- bet Reichsminister mt: Unterläßt der ihm biS 15. Do- iescheid noch nicht an sich am 15. Ho' i der Rate, zahlt er ach der Zustellung ben gesamten auf e Jahre 1925 unb etrag, so wird von -uschiaM ab mg Don 3er,ug»‘ Memberrate ab- tätigt txffl dieser also binnen zver JermögenSsteuer- nachzuMn. um unb 1926 die für DorauSzahlungOT schiedsbetrag. den ng des Beschs 15. »f Ä verstand^ W b zu machen. M sprechen, b. h- . ■ S8 SSW rä* id^** die '■- S^T’bet pe^ »A&t« p?ta®'ei»7 Ulf d^.^rviertel en ^Ätlirhrn strengen w Me da- Aufwertungsgesetz zwischen persönlicher Forderung und dinglichem Recht durchführe, unter der »Hypothek" im zweiten Absav des § 28 Aufw.-Ges. nut daL dingliche Recht verstanden Werden könne. Da« Kammergericht glaubt hiernach in erster 2inie den Wortlaut de« § 28 2lbs. 2 für seine engere Auslegung in Anspruch nehmen zu dürfen. Aber gerade darin kann ihm nicht beigetreten werden. Ob die rein juristische Auslegung nach dem Wortlaut des Gesetze« ausreicht, wird M>ingefie£Ü gelassen. Sachlich wichtiger ist — so heißt es in den Entscheidungsgründen wörtlich —. bah die Erwähnung der Hypothek im Eingänge de« Absatz 2 keineswegs dazu nötigt, auch den gesamten Inhalt der Go- setzesbestimmuna nut von dem dinglichen Recht zu verstehen. Der Unterabschnitt IV de« zweiten Abschnitt« über die Rückzahlung, Verzinsung und Tilgung hat (abweichend von den Unterabschnitten I und II. aber übereinstimmend mit Unterabschnitt lllj das dingliche Recht und die persönliche Forderung gemeinsam zum Degenstande. Die« gilt namentlich und unbestritten auch von den die Derzinsung des ..Auswertungsbetrages" regelnden Vorschriften des §28 Aos. 1. Heiht es nun im unmittelbaren Anschluh daran im Absatz 2: -Wird die Hypothek in'olge Aufwertung kraft Rückwirkung wieder eingetragen, so beginnt die Derzinsung erst mit dem Beginn des auf die Wiedereintragung folgenden Kalendervierteljahres". lv kann zwanglose Lesuna unter .der" Derzinsung nur die im vorhergehenden Absatz geregelte, d. h. eine. Verzinsung verstehen, die persönliche Forderung und dingliche« Recht gleich- mäßig betrifft. Fehlt es zwar an ausdrücklichen Steuerungen des Gesetzgebers, so ist doch dem Obersten Landesgericht in München darin beizustimmen. dah sich mittelbar ein wesentlicher Anhalt für die Absicht der Einbeziehung der persönlichen Forderung unter die Vorschrift des Absätze« 2 ergibt. Dah ihr wenigstens zunächst zugunsten des Drundstückseigentümers die Absicht einer Erleichterung der Aufwertungslast zu- aurnd^ liege, sollt« ihrem Wottlaute gegenüber kaum besonderer Begründung bedürfen. Der nach der Auslegung des Gesetzes zum Zweck einer Begünstigung der Aufwertungsschuldner im allgemeinen getroffenen Regelung gegenüber versagt der Einwand, dah die Abhängigmachung des Derzinsungsbcglnns von der Wiedereintragung der Hypothek im Grundbuche vielleicht für den Umfang der dinglichen, nicht aber der persönlichen Haftung ihre Berechtigung hab«. Ebenso schließt der Umstand, dah das Aufwertungsgesetz bei der Haupt forderung eine über das Maß bet dinglichen je nach Umständen weit frinausgehende persönliche Haftbarmachung zuläht, die gleichmäßige Behandlung in Betreff des Verzinsungs- beginns keineswegs aus. Bornotizen. — Zagesfalenber für Montag: Konsum-Verein 8.15 Uhr „Stadt Wetzlar", „Post- keller" und „Zur Lahnlust" Mitglieder-Bersamm- lungen. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Walzertraum". Astoria-Lichtspiel«. „Das unheimliche Haus". Ein wichtiger Beschluß der Landesversicherungsanstalt Hessen zu zugunsten der Tuberkulose-Kranken ist in der jüngsten Sitzung des Gesamtvorstandes der Der- sicherungsanstatt gefaßt worden. Präsident Reumann machte hierüber am Samstag in der Hauptversammlung des Heilstättenvereins für Hessen Mitteilung. Roheres ist aus dem Bericht über diese Versammlung an anderer Stelle dieser Ausgabe ersichtlich. * 3 u m Zugverkehr am Buh - und Bet 1 ag. Gemäß einer Weisung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. Main werden am 17. Rovember 1926, am preußischen Buh- und Bettag, Me Züge 3111 werktags und 3112 werktags zwischen Wetzlar und Lollar gefahren. Wetzlar ab 5.11 nachm., Lollar an 5.54 nachm., Lollar ab 6.34 nachm., Wetzlar an 7.14 nachm. Derkehrsbund Oberhessen. Die für Montag, den 22. Rovember, einberufenc Grün- Mmgtoerfammlung muhte, da an diesem Tage eine bedeutsame Versammlung des Verbandes der hessischen Bürgermeister stattfindet, auf Montag, den 2 9. Rovember vor schoben werden. 2ln diesem Tage soll dann die Gründung des Der- kehrsbundes bestimmt erfolgen. * * Eine Autoomnibusverbindung zwischen Giehen, Alvach und Steinbach beabsichtigt die Firma Ahmann & Schneider (Giehen) in Betrieb zu nehmen. Wie uns aus Steinbach berichtet wird, ist am Freitag ein für diesen Zweck bestimmter Wagen vorgeführt worden, mit dem man auch einige Probefahrten unternommen hat. Sobald Me Konzession er- teilt ist, soll der Verkehr aufgenommen werden. " Der „Stahlhelm"-Schriftleiter Heinz aus der Untersuchungshaft ent la ff en. Der am 25. August in Verbindung mit der Fememordsache Wagner (Bad- Rauheim) in Untersuchungshaft genommene Hauptschriftleiter der Zeitschrift .Der Stahlhelm", Friedrich Wilhelm Heinz, ist, wie sein hie- bger Verteidiger uns mitt eilt, am Samstag WWs-WWWMMl erfordern heut« ein« sorgfältig« lejtgebnng unb SatzauLstattung. Gute Sahletstungen find nur erreichbar, wenn Me Anzeigen Meltig genug oujgegeDen werden. Der Annahmeschluß für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf ben Nachmittag vor bet Aufnahme. Empfehlungsanzeigen müßen, je nach Umlang und Satz- schwierigkeiten. zwei bis drei läge vorher bestellt fein. Nur mit Sorgfalt unb dem not- wendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen Nm «e« etimMien AW! au« der ilnlerluchungshah in Butzbach entlaf- I e n worden, da der Stand der gegen »hn geführten Untersuchung eine weitere Aufrechterhaltung der Haft nicht rechtfertigt. Die Verhandlung gegen die übrigen in dieser Sache Ange- sckntldiglen ist im Januar nächsten Jahre« zu erwarten. —Eisenbahnerjubiläum Heut« sind es vierzig Jahre, daß der Eisendahn-Obersekretär August Lub, wohnhaft in Klein- Linden. im Eisenbahndtenft tätig ist. Der in Eifenbahnerkreisen weit über den Heimatbezirk bekannte und geachtete Jubilar trat mit dem 14. Lebensjahr bei der Eisenbahn ein. Mit Ausnahme von etwa fünf Jahren, in denen er auf auswärtigen Bahnhöfen stationiert war, ist er dauernd im Bahnhof Gießen, und zwar überwiegend im Betriebsdienste tätig gewesen. 5 0 3 ab re Gießener Rudergesell- schäft. Die Gießener R. ®. v. 1877 feiert im Januar n. 9. das Jubiläum ihres 50|äfrrigen Bestehens. Kus dem Anlaß ist im Juni eine großzügige Jubiläumsregatta geplant. Die Rudergesell- schäft hat seit ihrem Bestehen bisher 166 Siege in offenen Rennen erkämpft und auch im letzten Jahr erfolgreich abgeschnitten. ee Gießener Schwimmverein. Die Jahreshauptversammlung am Samstagabend im „Postkeller" erledigte bei guter Beteiligung der aktiven und passiven Mitglieder ein« umfangreiche Tagesordnung. Der erste Dor itzende. Pascoe sen., gab zunächst einen allgemeinen Bericht über das vergangene Geschäftsjahr. Er ?ab seiner vollsten Zufriedenheit über die ge» eistete Arbeit und die erzielten Erfolge Ausdruck und wies insbesondere darauf hin. daß trotz der um die Jahreswende 1925 26 durchgemachten Krisis der Verein gefestigter denn 1« dastehe. Mit ein Beweis dafür sei schon das im Laufe von ’/* Jahren erfolgte Ansteigen der Mitgliederzahl von 150 auf 235. Der Kassenwart Lang gab sodann einen Lieberblick über die Einnahmen und Ausgaben und legte dar, dah trotz der dauernden Reigung zum Minus es doch möglich gewesen sei, mit einem wenn auch sehr kleinen Aktivurn abzuschließen. Besonders groß« Posten in den Ausgaben waren die Reisegelder und die für die Lleberstunden im Volksbad entrichteten Beträge, lieber die sportliche Tätigkeit berichtet Schwimmwart Kraft in ausführlicher Weife. Gr unterzog die im Laufe des Jahres durchgeführten und besuchten Veranstaltungen einer eingehenden Beurteilung. Das interne Abschwimmen im Frühjahr solle eine sich alljährlich wiederholende Veranstaltung werden und als Wertmesser für den jeweiligen Stand der Leistungen dienen. Auch dem im August veranstalteten Schwimm- und Ru^rsport- werbetag sei eine alljährliche Wiederholung zu wünschen. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung seien allgemeine Schwimmlehrkurfe: mehr Früchte jedoch zeitige eine Teilnahme der Schwimmwarte an den Olympiakursen, da man dort Me letzten Feinheiten, die zu Höchstleistungen nötig seien, erlernen könne. Die Wettkampf- mannschaft verbessere ihre Leistungen langsam, aber stetig. Sie werde allmählich auf eine immer breitere Grundlage gestellt. Das sehe man schon daraus, dah an den Llebungsstunden 100 aktive Schwimmerinnen und Schwimmer (70 männliche. 30 weibliche) teilnähmen, und zwar tatsächlich und nicht nur in der Liste stünden — abgesehen noch von den „badenden" passiven Mitgliedern. Die durchschnittliche Besucherzahl betrage bis jetzt 62 (im Vorjahre etwa 30!). Die Versammlung erteilte dem Vorstand Entlastung und genehmigte die von Grund auf geänderten unb in neuer Form vorliegenden Satzungen. Der bisherige Vorstand wurde sodann einstimmig durch Zuruf fast vollständig wiedergewählt. Es wurden: 1. Vorsitzender Pascoe sen., 2. Vorsitzender Roll, Kassenwart Lang, 1. Schriftführer R u st, 2. Schriftführer Krämer, Schwimmwart Kraft, Vertreterin der Damenabteil. Frl. Jäger, Jugendleiter Pascoe jun., Beisitzer Stahl sen. und Dr. Adam. Schließlich wurde unter Punkt Verschiedenes noch eine Aeihe wichtiger Fragen behandelt, wie die Wahl des Ehrenrates und der Kassenprüfer und der Abschluß einer Unfallversicherung. Letzterer soll durch einen monatlichen Zuschlag auf Me Beiträge von etwa 10 Pfennigen ermöglicht werden. Besondere Beachtung fand auch Me Aussprache über die geplanten Veranstaltungen, unter denen besonders der am 12. Dezember in Gießen stattfindende ® a u t a g des Gaues 1 Krei« V de« Deu.schen Schwimm Verbandes (D. E. D.) der Erwahrung bedarf •* Auftrieb a u f dem heutigen Frank furter Schlachtviehmarkt: 291 Ochsen. 49 Bullen. 745 Kühe, 387 Färsen 309 »alber, 297 Schafe unb 3658 Schweine. Preußen. Kreis Viedcntops. WSR. Biedenkopf. 14. Rov. Die seil tüuger Zeit im Dau befindliche neue Eisen- babnbrüde bei Ludwigshütte über die Lahn ist gestern dem Verkehr übergeben worden. Rodhelm a. d. Bieber, 15. Rov. Gestern abend gegen neun llfrr ertönte in unserem Orte Feueralarm. Die alte Scheune- des Arbeiters Karl Dender V. staird in Flammen. Den eifrigen Bemühungen der freuMTIigeni Feuerwehr gelang es, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Das Gebäude brannte nieder, mit ihm wurden die Heu- und 6trofr- bo träte vernichtet. Das Vieh konnte gerettet werden Kreis Wetzlar. <> Wetzlar, 14. Rov. Wie schon früher im „Gießener Anzeiger" berichtet, hat das Landratsamt eine Anordnung erlassen, nach welcher in M a u l • und Klauenseuchesperrbezirken und in einem Umkreise von 5 Kilometer größere M e n- [d) e n a n f a m m l u n g e n , wie 'Serelnsfefte, Tanzlustbarkeiten, Kirchweihfeste usw. verboten sind. Das Amtsgericht hat in einer gestern verhandelten Strafsache wegen Vergehens gegen diese Anordnung die letztere als rechtsungültig bezeichnet und den Angeklagten, soweit sich die Anklage auf die Anordnung des Landratsamtes gründete, freigesprochen. <> Aus dem Streife Wetzlar, 14. Roo. Die Zahl der Erwerbslosen im Bezirke des Arbeitsnachweises Wetzlar ist auch im Monat Oktober nur geringen Schwankungen unterworfen gewesen. Es standen zu Beginn des Monats Ro- vernber in der Erwervslosenfürsorge in der Stadt Wetzlar 459 Hauptunterstützungsempfänger, 257 Frauen, 434 Kinder unb 39 Notstandsarbeiter, in den Landgemeinden des Kreises 792 Hauptunterstützungsempfänger, 508 Frauen, 947 Kinder und 161 Notstandsarbeiter, in dem zu dem Arbeitsnach. weisbezirk gehörigen Gemeinden des Kreises Biedenkopf 160 Hauptunterstützungsempfängcr, 78 Frauen, 180 Kinder und 39 Notstandsarbeiter, zusammen 1411 Hauptunterstützungsempfänger, 843 Frauen, 1561 Kinder und 239 Notstandsarbeiter. Verschiedene größere Notstandsarbeiten wurden im Laufe des Monats Oktober fertiggefteüt. Die dabei beschäftigten Erwerbslosen konnten zum größten Teile neu anerkannten kleineren Notstandsarbeiten überwiesen werden. Die Deschäftigungsmöglichkeit im Baugewerbe erfuhr einen kleinen Rückgang. Die Beschäftigungsoermittelungsstelle des Arbeitsnachweises wurde rege in Anspruch genommen. Kreis Usingen. 00 Cleeberg, 14. Noo. In der Annahme, Schwarzwild vor sich zu haben, schoß einer der Pächter der hiesigen Gemeindejagd, ein junger Mann aus Frankfurt a. M., in der Dämmerung auf einen hiesigen Einwohner und dessen Frau. Während der Mann durch mehrer« Schrot- törner erheblich verletzt wurde und in das Krankenhaus zu Niederweisel überführt werden mußte, kam die Frau mit einer leichten Besetzung davon. Der fahrlässige Schütze dürfte sich wegen Körperverletzung vor Gericht zu verantworten haben. Kreis Marbrrra. sch. Marburg, 14. Noo. Als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Direktors Geh. Rats A S cy u l tz ist der Bibliotheksrat an der Universitätsbibliothek in Berlin, Dr. phil. Fritz Rohde, zum Direktor der Unioerfitätsbiblio- thek in Marburg ernannt worden. Dr. Rohde, der aus Kralene, Kreis Insterburg, gebürtig ist, wirkte früher in Königsberg und Göttingen. — Das Studentenheim Hal unter finanzieller Beihilfe der evangelischen Landeskirche in Kassel das Grundstück Forsthof, Rittergasse 16, erworben, um in bem Haus Forsthof ein Heim für bedürftige Studierende, in erster Linie Stipendiaten und Mitglieder der Studienstiftung, einzurichten. Das Grundstück selbst soll als Bauplatz für ein in Aussicht genommenes Studentenhaus Menen. Kreis Kirchhai». WSR. Kirchhain, 14. Rov. Der Erlös aus dem diesjährigen Ob st verkauf unseres Kreises betragt 22 991 Mk. Die höchst« Summe erstelle die Stadt Kirchhain mit 6730 Mk. Es folgen Amöneburg mit 1601. Deustadt mit 1182; Rausche berg mit 1284, Schweinsberg mit 401 Mt. Don den ßanbgemeinben marschiert Momberg mit 1795 Mk. an der Spitze. DUtkrei*. bl. Dillenburg, 13. Noo. Die Regierung in Wiesbaden hat der Reichsbahn gegenüber die Einwilligung zur Diederinbetriebnahme der Autobuslinie Laasphe — Dillenburg erteilt. Setneycit muhte der Unternehmer den Betrieb infolge Einspruchs der Reichsbahn einfteQen. Die Regierung erklärt, daß die Linie nur dann rentabel und notwendig sei, wenn bis Dillenburg gefahren werde. Es liegt nun an der Entscheidung des Mi- nifters, die allenfalls von der Bahn gefordert werden wird. Die Bewohner warten sehnlichst auf die Diederaufnahme des Betriebe». U ® i f« m rot fr, 13. Rov. Gestern abend wurde der Perfvnenzug ,/t6 in der Richtung Walgern—Herborn bei der Durchfahrt auf Bahnhof Oberndorf mit Steinen beworfen. Sine Fensterscheibe wurde zerbrochen. Reisend« sind nicht zu Schaden gekommen. Kreis Wefterbnrq. 00 Westerburg. 13. Noo. Im ©tetnbrud) Röthenbacher Ley kam der Arbeiter W. Ro t h zu Fall, wobei ihm der drehbare Teil eines Muldenkippers auf den Oberschenkel schlug. Im jkrankenhaus zu Selters mußte sich der Verunglückte einer Operation unterziehen, die gut verlief. In der folgenden Nacht stellte sich jedoch Herzschwäche ein. an deren Folgen R. verstarb. Er läßt eine Frau mit fünf unmündigen Kindern zurück. — In G e • münden stürzte bei einem Neubau das G c • rüst ein, das zur Herstellung des ersten Stockwerkes hergerichtet war. als eben die Maurer Steine und Bottiche heraufgeschafft hatten. Dabei siel der Maurer G. Ferger so unalücklich, daß er eine schwere Gehirnerschütterung und eine Verstauchung der Halswirbel erlitt. Die übrigen Leute kamen mit dem Schrecken davon. Matngau. WEN. Frankfurt a. M., 14. Nov. Am Mittwoch wurde im Westend abends gegen 7 Uhr ein offener Steigerwagen (10'50 P. S.) g e - stohlen. Für die Wiederbeschaffung ist eine Be lohnung von 10 Prozent des Zeitwertes ausgesetzt worden. — Gestern mittag schoß s i ch in der erjten Ouerschneis« im Stadtwald der Hotel btreftor Hans O. in selbstmörderischer Absicht eine Kugel in die rechte Schläfe Er wurde in schwerverletztem Zustande in das Städtische Krankenhaus verbracht, wo er kurz nach seiner Einlieferung g c ft o r b e n ist. — Gestern wurde am Kellerweg in Oberrad in einem Graben an der Grenze des Stadtwaldes die Leiche eines neu> gebotenen Kindes männlichen Geschlechts aufgefunden. Di« Leiche befand sich in einem verschnürten Pappkarton und trug am Halse sichtbare Druckstellen, die darauf schließen lassen, daß der Tod des Kindes durch Erwürgen eingetreten ist. — Am Mittwoch, 10. November, nachmittags gegen 4 Uhr, wurde in der Saalburgstraße e i n g e b r o • d) e n. Eine Hausangestellte, die um 4 Uhr in die Wohnung zurückkehrte, wurde von dem Täter, als sie den Vorplatz betrat, Überfällen unb au Boden geschlagen, so daß sie besinnungslos liegen blieb. Der Täter ließ das bereits zusammengepackte Diebsgut in der Wohnung zurück und ging flüchtig. Bildungslagung des D. H. V. WSR. Frankfurt a. M., 14. Rov. Der Gau Maln-Wefer des Deutsch nationalen Handlungsgehilfenverbandes hielt heute vormittag im Palmengarten seine zweite Bildungstagung ab. Dem Ruf KU dieser öffentlichen Kundgebung waren etwa 1000 Teilnehmer gefolgt Rach der Eröffnung durch zwei Chöre begrüßte Gauvorsdeher Auerbach- Frankfurt a M die Erschienenen und insbesondere Me Ehrengäste, darunter die Vertreter verschiedener Behörden. Im Mittelpunkt stand der Vortrag des deutschnattonalen Abgeordneten L a m b a ch-Berlin über „Me seelischen Beziehungen des Kaufmannsgehilfen zu seiner Berufsarbeit.". Der Redner, der durch die Art seines Vortrages seine Zuhörer ungemein zu fesseln verstand, ging bei seinen Ausführungen davon aus, wie im mittelalterlichen Kaufmann eine tiefe Einheit zwischen Beruf und Leben bestand. wie dagegen freute der einzelne losgelöst ist von allem, was sein« Heimat bedeutet. Durch die Entwicklung der Wirtschaft im Sinne der Rattonalisierung und Schemattsierung beftefre ein tiefer Bruch zwischen Berufsarbeit und Lebensarbeit. Der Redner schloß mit einem Agfruf an alle, in der werktäglichen Arbeit mitzufrelsen, daß Deutschland einig werde. Die Vertreter der verschiedenen Behörden, u. a. der Universität Frankfurt, des Hessischen Lamdesamtes für das DildungSwesen usw., entboten der Versammlung ihre Glückwünsche. Ein Vortrag des R«chs'- jugendführerS Hahn- Hamburg über ,Bll- dungs- und Erztehungöaufgaben in der deutschen Kaufmannsjugend", in dem der Redner darauf hinwies, daß es neben dem Wissen und Können des kaufmännischen Rachwuch^es vor allem auf die Gesinnung und den Charakter ankomme, beschloß die Tagung. Mitteilung! 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Statt dessen wäre es vom finanziellen, wie auch vom wirtschaftspolitischen Standpunkt aus notwendig gewesen, einer solchen Entwicklung rechtzeitig durch Maßnahmen des Landes vorzubeugen. Denn es ist tatsächlich doch nicht jo, daß „ganz unvermittelt" von Ende 1925 ob die Erscheinungen der Erwerbslosigkeit und der Steuerausfälle sich auswirkten. Wer mit der wirtschaftspolitischen Lite- ratur einigermaßen vertraut ist, weiß, daß alle maßgebenden Kenner des Wirtschaftslebens in Deutsch- land diese Entwicklung im Jahre 1923 und erst recht im Jahre 1924 auf das bestimmteste v o r a u s gesehen haben. Daß sich die ungeheuerlichen Dermö- gensverlusle der deutschen Wirtschaft durch Inflation und Stabilisierung in Verbindung mit dem Rhein- und Ruhrkampf in einer Wirtschaftskrise schärfster Natur mit Arbeitslosigkeit, Steuerrückgängen und allen Begleiterscheinungen derartiger Wirtschaftspro- zesse auswirken müßten, war jedem Einsichtiaen klar und muhte selbstverständlich erst recht den hessischn und mußte selbstverständlich erst recht den hessischen Sparjamkeil und e n e r g i s ch st e n A b d r o f s e - lung der hessischen Staatsausgaben veranlassen. Die Verantwortung für derartige Maßnahmen und für den mutigen Entschluß, aus einer richtigen Erkenntnis rechtzeitig einschneidende Folgerungen zu ziehen, kann dem Finanzminister niemand abnehmen, er trägt sie kraft seines Amtes und vermag sich selbstverständlich am allerwenigsten hinter 'Angriffen aus die Opposition vor dieser 23er- antwortung zu verschanzen. Heute kann man feststellen, daß bis zum Voranschlag des Jahres 1926 von dem hessischen Finanzminister zu einer wesentlichen Abdroßlung der verhängnisvollen Entwicklung der hessischen Staatsfinanzen aus der Ausaabenseite s o gut wie nichts geschehen ist. Man hat auf dieser Seite die Dinge einfach treiben lasten, die Staatsfinanzen wurden so zum Objekt der parteipolitischen und populären Wünsche der verschiedenen Parteien. Dagegen hat man sich lediglich daraus beschränkt, auf der Einnahmenseite die Steuern in einem Maße anzuspannen, das nach der eigenen Erkenntnis weit die Steuerkraft und die Erträglichkeit für die hessische Wirtschaft übersteigt. Die Folgen einer derartigen Politik mußten kommen. II. Wenn man die Erklärungen des hessischen Finanzministers über seine bisherige Politik liest, so will es fast scheinen, als ob der Finanzminister im Ernst die Oeffentlichkeit davon überzeugen wollte, daß eine ungerechtfertigte Vermehrung von Staatsausgaben nicht eingetreten lei, daß b\e Leitung der hessischen Staatssinanzen vollkommen unschuldig und wehrlos der katastrophalen Entwicklung der Staatsfinanzen habe zusehen müssen. Bis zu welchem ka- tastrophalen Ausmaße sich die Staatsfinanzen in Hessen abwärts entwickelt haben, wird im folgenden weiter noch untersucht werden. Zunächst wollen wir zeigen, in welchem Maße tatsächlich eine Vermehrung derAusgabenund derBelastung des hessischen Staates und des hessischen Volkes eingetreten sind. Es ist selbstverständlich, daß als Vergleichsmaßstab die Verhältnisse des letzten Friedensjohres heranzuzeehen sind. Damals rechneten wir mit einer stabilen Währung und allerdings aus der anderen Seite mit einer blühenden, kräftigen und strebenden Wirtschaft. Daß wir heute immer noch in Zeiten einer, wenn auch vielleicht da und dort langsam abklingenden, Wirtschaftskrise unsere Kraft einsetzen müssen, um zu den Ziffern der Friedens,ahre zurückzukehren, sollte eigentlich jedem Verständigen ein unbestrittenes Ziel sein. Gelingt es im Reich und in den Ländern nicht, in absehbarer Zeit ihren Apparat den tatsächlichen wirtschaftlichen Kräften des Volkes, die heute kleiner sind als vor dem Kriege, anzupasten, so werden wir aus der latenten Wirtschaftskrise in Deutschland, ganz abgesehen von den Reparationsleistungen, schon aus Gründen der inneren Verschuldung und Mißwirtschaft niemals herouskommen. Es ist das unbestreitbare Verdienst des Reichs- finanzministers Dr. Reinhold, daß er in seinen amtlichen Auslassungen diese Gesichtspunkte schärfer und energischer betont, als das früher der Fall war. Er hat die durchaus richtige Erkenntnis, sich zu eigen gemacht, daß der Finanzminister nicht bloß der Hüter des Staatssäckels, sondern auch der Schützer der Wirtschaft fein muß, wenn er nicht jenem Toren gleichen will, der die Henne schlachtete, die ihm die goldenen Eier legen sollte. In Hessen ist von einer solchen Erkenntnis bei der Leitung der Staatsfinanzen nichts zu spüren. Unvergessen bleibt der Satz, den der hessische Finanz- Der Finonzminister geht von der Behauptung aus, daß bis zum Jahre 1925 einschließlich die hessischen Finanzen durchaus gesund gewesen seien. Erst im Jahre 1926 machte sich „fast unvermittelt" die Auswirkung der Erwerbslosigkeit und der Steueraussälle in einem Umfang geltend, wie sie in gleicher Art und in gleichem Ausmaß in den übrigen Ländern nicht zu beachten seien. Die „gesunde Entwicklung" der hessischen Staatssinanzen bis 1925 beruht auf einem Raubbau, Den man mit der Wirtschafts- und Steuerkraft des hessischen Volkes getrieben hat. Es ist ja auch nicht etwa allein der Fehlbetrag des Jahres 1926 gewesen, der im Frühjahr dieses Jahres zu der gewaltigen Eteuerproteftbeweguna breitester Volks- treise in Hessen Veranlassung gao, sondern es ist die Unerträglichkeit der Steuerlast gerne« sen, die man dem hessischen Volke ausgebürdet hat, gegen die sich das Volk mit größter Erbitterung nunmehr'roenbet. Daß bie angebliche Gesundheit der hessischen Staatsfinanzen in den Jahren vor 1926 nur auf einen Raubbau mit der Steuerkraft zufück- zuführen ist, ist eine Ueberzeugung, die wir nicht erst heute und nicht erst seit Entfesselung des letzten Kampfes in Hessen aussprechen. Ich erinnere daran, daß wir schon in den Jahren 1922, 1923 und 1924 immer wieder die hohen und drückenden hessischen Landessteuern a b g e l e h n t haben mit der Begründung, daß weder die Notwendigkeit derartiger Steuersätze gegeben fei, noch auch die Wirtschaftskraft des hessischen Volkes solche Steuern tragen könne. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat durch den Mund meines verstorbenen Freundes Dr. Osann und später durch Herrn Abg. Dr. Nie- v o t h immer wieder ihre Ausfastung von der Lage tn zwei Sätze zusammengefaßt: a) Die damaligen Doranschlagszisjern unter- schätzen die tatsächlichen Einnahmen aus den Reichssteuern, so daß Landessteuern in der vorgeschlagenen Höhe gar nicht notwendig sind. b) Die durch Krieg, Revolution und Inflation erschöpften wirtschaftlichen Kräfte vertragen nicht eine Zusammenballung der Reichssteuern und Landessteuern in der von dem hessischen Finanzminister verlangten Höhe. Der hessische Finanzminister hat damals diese Behauptungen bestritten. Er bestand auf der Erhebung jener Steuern in der von ihm geforderten Höhe. Die Regierungskoalition erteilte ihm dann auch die gewünschte Genehmigung, gegen den Widerspruch der Rechten. Die tatsächliche Entwicklung aber gab in vollem Umfange den Voraussagen und Auffassungen der Deutschen Volkspartei Recht. Jetzt muß der Finanzminister selbst in seiner Denkschrift fest stell en. daß die Jahre 1923 und 1924 Ueberschüsse aus Steuern im Betrage von zusammen 10,5 Mill, erbracht haben. Diese 10,5 Mill, sind gegen de» Widerspruch der Deutschen Volks- partei zuviel erhoben worden, und in einer Zeit, in Der die hessische Wirtschaft bereits durch den Krieg und den Zusammenbruch, durch die Besetzung und den Ruhrkampf aus das schwerste geschwächt und ge- fährdet war. Auf diesen zuviel erhobenen Steuer- betrögen beruht bie angebliche Gesunbheit ber Staatsfinanzen bis zum Jahre 1925. Daß eine ber- artige Finanzpolitik kurzsichtig unb ganz unwirtschaftlich gebucht ist, hätte der Finanzminister damals schon erkennen müssen. Wenn man aus einer geschwächten Wirtschaft mit verminderter Steuerkrast vermehrte, über den Bedarf hinausgehende Steuern herauszieht, so muß die natucwendige Folge eine Gefährdung der Wirtschaft, damit eine Verminderung der Steuerkraft und eine Abwärtsbewegung der finanziellen Leistungsfähigkeit des hessischen Volkes sein. Man kann heute feftstellen, daß diese kurzsichtige, rein fiskalische Steuerpolitik, die durch Erwerbslosigkeit und Reichssteuergesetz- Von Rechtsanwalt Eduard Der hessische Finanzminister hat der Oeffenllich- keit eine Art Wahlbroschüre übergeben, in ber er den Versuch macht, seine Finanzpolitik zu rcchtferti- ger. unb bie Angrisfe ber Opposition zurückzuweifen. Er läßt bei biesem Versuch die tatsächliche Lage der hessischen Staatsfinanzen in einem stark gefärbten und überdies verschleierten Bilde erscheinen und schrickt bei seiner Polemik gegen die Opposition vor objektiv unrichtigen Darstellungen nicht zurück. Es mag im folgenden versucht werden, über bie finanzpolitische Situation unb bie daran zu knüpfenden Folgerungen ein klares Bild zu geben. Denn es ist richtig, daß der Kampf des hessischen Volkes um bie Auflösung des Landtags in Wahrheit in erster Linie ein Kampf um Die künftige Finanzpolitik in Hessen ist. minifter noch im Frühjahr dieses Jahres aus- precyen konnte, daß er von der Ausgabenseile des Staatsooranschlags weniger bedrückt werde, als von der Sorge um die Einnahmen. 'Welches auch immer das Motiv eines solchen Satzes gewesen sein mag, er kennzeichnet die Gejamteinsteliung des Finanzministers zu den ihm anoerlrauten Problemen. Es kann danach nicht weiter Wunder nehmen, daß aus solcher Einstellung heraus die Energie und die politische Tatkraft zur Durchsetzung einer wirksamen Vereinfachung des Staatsverwaltungsapparates unmöglich erwachsen kann. Der Finanzminister möchte jetzt den Vergleich des Jahres 1926 mit dem letzten Friedensjahre 1914 nicht mehr gezogen wißen. Er wehrt sich gegen einen solchen Vergleich als angeblich der inneren Wahrheit der Ziffern widersprechend. Er möchte statt dessen den Vergleich mit dem Jahre 1918 ober noch lieber 1919 ziehen, aus sehr burch- sichtigen Grünben. Richt nur, daß bie Ziffern bes Jahres 1919 selbstverständlich durch das immerhin nicht unerhebliche Ereignis bes fünfjährigen Weltkrieges stark veränbert waren, geben jene Ziffern auch schon ben Beginn ber Jnflationsentwick- lung wieder. Wir wollen uns doch daran erinnern, daß im Jahre 1919 die innere Kaufkraft der Mark auf ein Siebentel ihres Friedenswertes ge* die Gesamtausgaben des Staates vermehren müssen. 3m Jahre 1914 halten wirdasStaats» Ministerium, das Ministerium des Innern. dasM in i st er i u m der Finanzen und das Ministerium der Justiz. Heute ist die Schulabteilung auS dem Ministerium deS Innern herausgenontmen und In das selbständige Landcsamt für das Dildungswesen verwandelt. Ferner hat man die Abteilung für Landwirtschaft. Handel und Gewerbe aus dem Ministerium des Innern berausgenommen und bekanntlich in das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft uingctpan- delt. Bei einem Vergleich der Ministe - rien von 1914 und 1926 müssen demzufolge dem Ministerium deS 3nnern von damals heute das eigentliche Ministerium des 3micrn. daS Landesamt für das Dildungswesen und das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft gegenüber- gestellt werden. Ferner ist zu beachten, daß aus dem Finanzministerium die gesamte Finanz Verwaltung, die heute durch Reichsbeamte (51- ncmzämter. Landesfinanzamt usw.) ousgesührt wird, und ferner die Gisenbahnver- w a l t u n g, die an die Reichsetsenbahngesellschaft gefallen ist. a u s g e s ch i e d e n sind. Dann gibt es folgendes Bild' Ord.- Nr. Bezeichnung deS Ministeriums 1914 1926 Zunahme Zahl ber Beamten Person!. Kosten Zahl ber Beamten Person!. Kosten Zahl ber Beamten Personl. Kosten 1 7 48884 18 108476 11 59592 2 Ministerium des Innern .. Landesamt für bas 69 297624 68 387591 Bildungswefen........ 61 307283 Ministerium für Arbeit unb 69 374329 198 1069203 129 771579 3 Ministerium ber Justiz ... 11 54224 35 204719 24 150495 4 Ministerium der Finanzen 138 579277 124*) 809367 14*) 230090 Gesamtzahl unb Kosten ... 225 980009 375 2191765 150 1211756 funken war. Daraus ergibt sich ohne weiteres, wie irreführend ein Vergleich ber stabilisierten Mark bes Jahres 1926 mit jener bes Jahres 1919 sein muh. Früher übrigens hat ber Finanzminifter sehr wohl selbst ben Vergleich mit 1914 immer lieber als richtig befunben. Das geschah, solange er glaubte, einen solchen Vergleich zur Rechtfertigung seiner Politik verwenben zu können. Es ist nicht ein* zusehen, weshalb nunmehr bas, was im Jahre 1924 unb 1925 richtig erschien, im Jahre 1926 auf einmal feinen Sinn verloren haben sollte. Wir stellen auch jetzt, um ein föilb von ber E n t - Wicklung ber Ausgaben bes hessischen Staates zu bekommen, bie Zahlen von 1914 benen von 1926 gegenüber. Wir erhalten folgenbes Bild: 3m 3a hre 1914 Gesamtausgaben bes hessischen Staates 76 Millionen. 3m 3a hre 1 926 Gesamtausgaben des hessischen Staates 129 Millionen. 3m 3ahre 1914 Gesamtsteuerbelastung des hessischen Volkes 26 Millionen. 3m 3ahre 1926 Gesamtsteuerbelastung 78 Mill. Die Gegenüberstellung dieser Ziffern zeigt erschreckend deutlich, in welch gewaltigem Ausmaße die Ausgaben des hessischen Staates für Derwaltungszwecke sich entwickelt haben und wie demzufolge auch die steuerliche Belastung der hessischen Wirtschaft gegenüber der Friedenszeit sich rechnungsmäßig fast verdreifacht hat. Es ist richtig, daß in diesen Ziftern teilweise Durch- aangsposten stehen, so daß das Bild in Einzel- yeilen sich um eine Kleinigkeit zugunsten des 3ahres 1926 verschiebt. Es ist auch richtig, daß die Velastung des hessischen Staates mit Aufgaben zum großen Teile eine zwangsläufige Folge der Rcichsgesehgcbung ist. Die Ziffern besagen aber trotz dieser Einschränkung in eindrucksvoller Sprache, in welchem Mißverhältnis zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes seine Ausgaben für die Derwaltungszwecke sich entwickelt haben. Diese Tatsache kann weiter illustriert werden durch eine Verachtung der Ziffern für d i e Mini st e r i e n Hessens. Die Z ntraüxrtoaltungcn Siehr viel deutlicher als die Ziffern von >erwaltungen draußen im Land, in welch ungeheuerlichem Ausmaße diese 3nflat'.on von Behörden in Hessen vor sich gegangen ist. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, zu betonen, welchen wirtschaftlichen Wert die M hrausgaben für die Ministerien heute darstellen. Vielmehr ist wichtig die Erkenntnis, daß bei einer unverhältnismäßig hohen Steigerung der Ausgaben für die Ministerien mit naturnotwendiger Folge sich in dem gleichen unverhältnismäßigen Satze auch Damit genug der Darstellung, in welcher ungeheuerlichen Ausdehnung sich die Staatsftnanzcn Hessens und die steuerliche Belastung seit 1914 bis heule entwickelt haben. Es ist selbstverständlrch. daß es nicht in der Macht des F i nanz Ministers liegen kann, eine solche Entwicklung, die wir in geringerem Ausmaße in allen Ländern beobachten können, überhaupt und vollständig zu verhindern. Das verbietet, wie oben schon erwähnt, die Reichsgesehgebung, die auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge und zahlreicher anderer wirtschaftlicher 21 ;f gaben die Länder belastet hat. Wohl aber hat der Finanzminister es in der Hand, das Maß einer solchen Entwicklung bis zu einem gewissen Grade zu bestimmen, rechtzeitig ihre Tendenz zu fühlen und im Rahmen der den Ländern überlassenen Selbständigkeit für eine Gesundung zu wirken. Der Finanzminister HZ'ens hat von einer solchen Auffassung seines Amtes nichts merken lassen. Er begründet heute die Entwicklung dieser Ziffern besonders mit der Uebernah m e neuer Staatsaufgaben durch den hessischen Staat, die früher den Gemeinden oblagen. Dabei ist insbeso td re gedacht an die Schulverwaltung. an bie Forstverwaltung und an die staatliche Ortspolizei. Ganz gewiß ist richtig, daß die Uebernahme dieser Verwaltungen den hessischen Staat außerordentlich belasten muß. Gerade um deswillen aber war es die besondere Aufgabe des Finanzministers, vom ersten Tage der lieber nähme jener Aufgabe ab, auf das schärfste darüber zu wachen, bctß diese neuen Staatsbehörden und Verwaltungen sich nicht in einem stärk?ren Aus naße entwickelten, als es sachlich unbedingt g boten war. Die hessische Oeffentlichkeit erinnert sich ja noch aus den Kämpfen des Frühjahres 1926 sehr genau daran, daß wir gerade bei der Schule genau das umgekehrte erlebt haben. Obwohl die Zahl der Schiller ständig sank, blieb d e Zahl der Lehrer in Hessen gleich, während sich ihre Besoldung tn Verbindung mit der allgemeinen Deamtenbesvl» düng automatisch erhöhte. Mit dem Ergebnis, daß im 3ahre 1926, obwohl die Zahl b'r Schüler um rund 75 000 sich vermindert hatte, d e Kosten der Volksschule sich gegenüber dem Friedensjahre einschließlich derjenigen Kosten, di? damals die Gemeinden zu tragen hatten, mehr a ls verdoppelten. Das Bedenkliche war dabei, daß diese Entwicklung entweder dem hessischen Finanz- minifter verborgen blieb, bis sie im Herbste *) Uebemabme der Eisenbahn- und Steuerverwaltung durch das Reich. (Ein paimenbßum steht einsam... Don Max Geißler. Der Maler Dineent van Gogh wohnte damals in einem Strandgasthause am Mittelmeer. 3n der Provence. Die Haustochter nannte ihn ihre Sorge. Einmal kam er verstört nach Hause. „Es ist da eine neue Sache mit mir,“ sagte er. „3ch habe das Empfinden, als ob ich angehaucht würde. Bald auf der Hand, bald aber auch unter ben Kleidern. Und gleich danach kommt mir die Denkkraft fort. Oder ich habe einen unsinnigen Schmerz im Gehirn. Manchmal höre ich in den stillsten Stunden Geräusche: das ferne Rasseln einer Maschine oder das Schnaufen einer Lokomotive. 3ch seh« mitten auf dem Meer oder zwischen den Stämmen der Oliven die Quellen lener Geräusche stehen. Und ich weiß doch genau: es ist nichts dergleichen dort. Diese Fata Mor» gana macht mich sehr unglücklich.“ Einmal sah er mit dem Mädchen unter den Oleandern Da traf ihn der gefürchtete Anhauch auf die Knöchel der Finger. Auch war es, als triebe sich ihm ein Pflock ins Gehirn. „Die Aura!" rief er. Er schlug die Hand vor dem Mädchen auf den Tisch, riß einen Faden aus der Tasche und befahl ihr, sie solle damit die Handwurzeln ganz fest abbinden. Sie erschrak. „Madonna — als wärest du von einer Schlange gebissen!“ Eine kleine Frist war er ganz ohne Gedanken. „Hast du von einer Schlange geredet?" fragte er dann. „Es ist eine sehr richtige Wahrnehmung." Er streichelte ihr dankbar die Wangen. Am dritten Tage malte er auf dem Dorgebirge, aus belfern Hange seeseitig der Schaft einer Palme trieb. Er war längst nicht mehr in Rufweite Qom Strandhaus. Aber durch ein Fernglas konnte ihn das Mädchen gegen den Himmel stehen sehen: ganz vorn, wo der Hang steilrecht ins Meer fällt Sie suchte ihn in ihrem Glase sehr oft. Einmal aber fand sie nur die Staffelei — ein dünnes, kleines Puppenspielzeug stand die an der Felskante, als wollte sie hinabkippen ins Meer. So oft sie das Rohr hinausrichtete — es blieb immer das rätselhafte, unveränderte Bild mit der verwaisten Staffelei. Darüber kam ihr die Angst. Und sie sprang in ein Doot und segelte in träger Fahrt gegen den Felsen hin. Den Wind hätte sie aus der See reißen mögen, weil er ihr so schlecht dabei half! Und bann — dicht unter dem Hange blickte sie nach oben. Da sah sie ihn liegen. Zwischen ber Steilwand und dem Palmenstamm eingeflemmt. Wie einen Toten. Mit herab- hängendem Kops und unkräftigen Gliedern. Sie stieß ihren Schmerz in wildem Schrei heraus unb wollte in jacher Fahrt zurück unb Hilfe holen. Aber ber Wind war nun gar nicht mehr da. Die See atmete kaum. Da wurde sie von der Furcht zerrissen: wenn noch Leben in ihm sei, wenn er sich bewegte, wenn er aus seiner Ohnmacht erwachte, dann würde er ins Meer stürzen und elend zu Tode kommen: denn ber Fels fiel unter bem Seespiegel in ungemessene Tiefe. Mit Hast löste sie alle Leinen am Schifflein und warf sie in Ringen um ihren Leib. Die Dootskette klemmte sie in einen Felsenritz und versuchte zu klettern. Aber das Fahrzeug trieb ab. Und das Gestein war von der Brandung ber 3ahrtausende geschliffen. 3hre Finger krallten sich an den Stein unb fanden dort nicht hinein. Da stieß sie sich mit dem Ruder um den verfluchten Block, ber vom Strandhause so schön und trutzig in der Flut stand. Wenn frühmorgens die Sonne darüber herauftam, sah er aus wie die Schwelle ber Himmelstür. Aber nun — Endlich war sie an der Staffelet Sie muhte sich auf den Fels legen unb über bie Kante schauen. Da merkte sie, bah er lebte. Unb sie kam auf den wahnsinnigen Einfall, sich anzuseilen und zu ihm hinabzuklettern. 3n wilder Ratlosigkeit rief sie ihn an. 3fjre Stimme gab ihm alles wieder — so schien's — Leben und Kraft. Darüber krümmte er sich zusammen und zog sich in eine kauernde Stellung. Er sah ihre entsetzten Augen über dem Felsrand und Ulten suchenden Arm in der dämmerigen Luft.... Als er sein verwüstetes Gesicht ihr zuwandte, stürzten ihre Tränen über ihn. „Hast du Hunger?“ „3a, gib mir zu essen!“ sagte er. Da lieh sie ihm an ber Leine hinab, was an Brot unter der Staffelei lag. Sie sah: er hatte davon noch nichts berührt. An dieser Leine wollte sie üjn bann emporleiten. Es war ein wahnsinniger Gedanke. Wie sollten Bootsfchnüre eine Mannes last tragen? Die Wand war ja ganz klar unb glatt gewaschen. Er konnte sich nirgends einen Halt schaffen. „So können wir es nicht machen!“ rief er. Es kam bie tiefere Dämmerung. 3hre Worte flatterten zu ihm hinab wie Fledermäuse aus ben Mauern. Und in diesen irrenden Worten berieten sie einander. Dann ergriff sie sein Malzeug und trug es in das kleine Schiff. Sie fuhr an die Stelle, über der er hing. Er warf ihr feine Kleider hinab, Stück um Stück, wie er sich mühselig davon befreite. „3ch bin ein jammervoller Schwimmer," rief er ihr noch zu, „vergiht du das nicht?" Dann [tiefe sie eine Dootslänge hinaus, unb er schwang sich hinunter in die Flut. Wie ein Stein, der vom Felshang fauft, fuhr er vor ihr in Rächt unb Tiefe. Das Herz ftanb ihr still — bis er emportrieb unb ben Arm durch bie schwere Dämmerung nach ihr ausstreckte. Da stiefe sie ihm bas Ruder entgegen. Sie fühlte seine kalte zitternde Hand sich um ihre Hände schlagen wie eine Zwinge aus Eisen. Weil_ sie seine Entkräftung erfaimte, unb daß er unfähig war, sich ins Boot zu schwingen, legte sie seine Hände auf den Schifssrand unb ruderte mit ihm in das flache Wasser.... Um bie Mitte des Rachmittags hatte er bie Aura gespürt, an Hanb unb Unterarm. Er wußte noch von jähem Aufschrei im Angesichte des Abgrunds... Was zwischen diesem unb seinem Erwachen war, lag in Finsternis. Dieses Mädchen nannte er seine dunkle Sehnsucht. Sie hat ihn einen langen Weg geleitet — bis an die Pforte des 3rrenhauses. Kammersänger Joses Schwarz^. Der Kammersänger Josef Schwarz ist, erst 45 Jahre alt, vor wenigen Tagen in Berlin an den Folgen einer Operation, die sein chronisches Nierenleiden erforderlich gemacht hatte, gestorben. Zwei seiner bedeutendsten Rollen, Rigoletto unb Scargia, hatte er noch in der letzten Woche in Ber- lin fingen sollen, aber sein Zustand hatte sich bereits so verschlimmert, daß er ins Krankenhaus und auf den Operationstisch gebracht werden mußte. Schwarz ist gebürtig aus Riga, erhielt feine Aus- blldung in München, begann feine Bühnenlaufbahn in Oesterreich und erreichte feine künstlerische Glanzzeit in Berlin, an der vormals Königlichen Oper, In Schwarz vereinigten sich, was selten ist, alle Vorzüge des Sängers und des Schauspielers. Seine äußere Erscheinung, seine Darstellunasgabe und vor allem seine Stimme — ein prachtvoller Bariton voll Schmelz, Weichheit und Tragkraft, in lyrischen wie dramatischen Partien gleichermaßen hinreißend — machten Schwarz zu dem hervorragenden Künstler, t.r sich im Konzertsaal, wie auf der Bühne stet, siegreich behauptet hat. (Eine Amerikareife, der er nicht widerstehen konnte, hat seine Berliner Erfolge auch drüben bestätigt. Don Verdi bis Wagner hat Jofef Schwarz alle großen Rollen seines Faches gesungen. Sein Ableben bedeutet für die deutsche musikalische Welt einen schweren Verlust. HeWSttenverein für Hessen. Mitgliederversammlung 1926. 1925 durch Lusschußberatungen von der Opposition an das Licht der Oeffortüchleit gebracht tvurden, oder aber, was noch schlimmer ist, daß der hessische Finanz Minister zwar diese Entwich lung mitansah, aber nichts unternahm, um ihr wirksam und energisch in dem Arm zu fallen. Die angeführten Zahlen geben nur 3thiftza- tionen und Keine Ausschnitte zu dem Gesamtbild der Entwicklung der hessischen Staatsausgaben. Sie zeigen aber den Lesern, wie man die Dinge in Hessen hat laufen lassen und wie man wahrhaftig nicht davon reden kann, das; die Staatsfinanzen bis zum Jahre 1926 gesund gewesen seien. Sie waren krank, schwer krank, und zwar deshalb, weil man sich unterfangen hatte, den schwach und kraftlos gewordenen hessischen Wirtschaftskörper mit Staatsausgaben und -aufgaben zu belasten,- unter denen er auf die Dauer zusammenbrechen muhte. Schon in der Sitzung des hessischen Landtags vom 7. April 1925 hat der Abg. Dr. Riepoth im Auftrage der Fraktion der Deutschen Vofts- partei auf ®runö einer Denkschrift des Finanzministers selbst folgende Feststellungen gemacht: Die persönlichen Kosten der Staatsverwaltung find von 1914 bis 1925 gestiegen von 25,6 auf 72J Millionen. Setzt man von der letzten Ziffer die Kosten für die vom Staate gegenüber 1914 neu übernommenen Aufgaben ab, so ergibt sich eine Steigerung auf 49,4 Millionen, d. h. eine Steigerung von 9 4 Prozent. Die sachlichen Kosten sind damals gestiegen von 22,2 auf 31,5 Millionen, also um rund 42 Prozent. Die persönlichen und sachlichen Kosten zusammen — wohl gemerkt, ohne die neuen Ausgaben — von 47,8 auf 80,7 Millionen, d. h. um rund 70 Prozent. Nach der damals vom Reichs- finanzministerium herausgegebenen Statistik betrug der Durchschnittsbedarf der Länder gegenüber 1914 im Jahre 1925 45 Prozent, in Hessen also 70 Prozent, im Durchschnitt der übrigen Länder 45 Prozent. Dah eine derartige Aufblähung des Staatsverwaltungsapparates in einem wirtschaftlich schwer daniederliegenden Lande wie Hessen weder wirtschaftlich noch sachlich gerechtfertigt werden kann, ist fo einleuchtend, daß heute selbst der Finanzminister nicht mehr den Versuch macht, diesen Apparat als absolut notwendig zu verteidigen. Der Rückgang der Erwerbslosigkeit. Während vor etlichen Monaten allwöchenllich das Ausscheiden einer recht statllichen Anzahl von Erwerbslosen aus der Fürsorge festgestellt werden konnte, ist seit einigen Wochen nur ein mäßiger Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verbuchen. In giffi,; langsamem Tempo erfolgen die Wiedereinstellungen, was gerade nicht dafür spricht, daß sich die Lage unserer Wirtschaft auffallend gebessert hat. Die Industrie ist gegenüber früher gewiß stärker beschäftigt, aber doch nicht so erheblich mehr, um aus dem Arbeitslosenheer von einer Woche zur andern mehrere hunderttausend Personen herauszunehmen. Erfreulich ist es dennoch, daß es gelungen ist, im vergangenen Monat wenigstens 85 000 Arbeitslose um terzubringen. Ein Umstand darf aber nicht übersehen werden: die jetzt eingetretene Bessern» unserer wirtschaftlichen Lage, wie sie sich in ten Abnahme der Erwerbslosigkeit ausdrückt, hän-gt einzig und allein mit den Auswirkungen des Bergarbeiterstreiks auf bie englische Wirtschaft zusammen. Ist der Ausstand zu Ende — der namentlich dem Bergbau eine gute Beschäftigungsperiode gegeben hat — dann wird sich auch in unserer Wirtschaft manches wieder zum Schlechteren wenden. Gerade dieser Umstand sollte Veranlassung genug fein, das Erwerbslosenproblem nicht von der Seite der Arbeitsbeschaffung durch Vergebung von mit Staatsmitteln finanzierten Aufträgen zu lösen zu versuchen, sondern dadurch, daß der Wirtschaft möglichst die Erleichterungen gegeben werden, die nötig sind, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Pro- duktlonsunkosten stark zu senken. Don diesem Punkt hängt es ab, ob sie Aufträge erhält oder nicht, ob sie mit dem billig produzierendem Ausland konkurrieren und Arbeiter einstellen kann oder vielleicht in absehbarer Zeit wieder zu Betriebseinfchränkun- rgen schreiten muß. Außerordentlich bedauerlich ist ip' daß sich der Reichstag um Unterstützungssätze streitet, statt zu überlegen, wie man die Wirtschaft Furch finanzielle Entlastung wieder ankurbeln kann. Unter der Leitung feines Vorsitzenden, Prüft- deuten Reumann. hiÄt der Heilstättew verein für Hessen am Samstag seine ordentliche Mitgliederversammlung in der hiesigen Liprusheilstätte ab. Vertreter der Beworben, il cl amh des hessischen Staatsministeriums, der Wissenschaft und andere waren hierzu in stattlicher Anzahl erschienen. Präsident OZeumann hob in seiner Begrüßungsansprache das unablässige 3ntereffe der Regierung an der Arbeit des Vereins hervor, entbot den Vertretern der Regierung besonderen Gruß, und dankte allen, die dem Verein bisher in bester Weise geholfen. S^ann gedachte er der beiden verstorbenen Vorstandsmitglieder. Oberbürgermeister Köhler-Worms (einer der Gründer des Vereins) und Ministerialdirektor Hölzinger -Darmstadt, zu deren Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob. Anschließend machte der Redner einige Mitteilungen zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht über bie Dereinslatigkeil in den Wen 1921 bis einschließlich 1925. Seit Öen trüben Zeiten der Inflation haben sich bie Verhältnisse für den Verein wesentlich gebessert. Es war ihm mögsich, seine beiden Heilstätten auszubauen, zu erweitern und mit allen modernen Mitteln auszugestalten. Dazu waren große Mittel erforderlich: sie sind aber beschafft worden. Die Lupusheil statte in Gießen ist das Lieblings-, aber auch das Schmerzenslind des Vereins: das wird offen zugestanden, und doch ist es etwas Großes, eine solche Einrichtung geschaffen zu haben. Die Eleonoren Heilstätte bei Winterkasten ist vom Keller bis zum Dach vollständig neu hergerichtet und schön in ihrem äußeren Gewände. Die Aufwendungen für diese Arbeiten waren recht beträchtlich. Seit einigen Tagen ist nun auch die Lupusheilstätte von den Handwerkern frei. Der Aufwand für die Lupusheilstätte war bedeutend: man hatte mit 160 000 Mark gerechnet, in Wirklichkeit beziffern sich die Kosten aus rund eine halve Million. In der Eleonorenheilstätte sind setzt 105 Betten, in den beiden Häusern der Lupüshttlstätte über 100 Detten, in der Kinderheilsrätte 32 vorhanden. Die beiden großen Heilstätten sind in den letzten wahren ständig voll besetzt gewesen, zahlreiche Vormerkungen von Pattenten, die z. 3t. noch nicht ausgenommen werden können, sind vorhanden. Die Lupusheilstätte in Gießen, in Deutschland die einzige dieser Art, ist die am modernsten eingerichtete derartige Anstalt. Leider ist sie heute schon wieder zu klein angesichts der ständig wachsenden Pattentenziffer. Viele Patienten können erst einige Monate nach dtr Anmeldung aufgenommen werden. Der Gedanke einer Erweiterung der Lupus- heilstätte durch einen dritten Hausbau steht schon wieder im Vordergründe. Alle Berichte stimmen dahin überein, daß Lupus sich erhebllch verbreitet. Daher ist die Inanspruchnahme der Hellstätte so sehr groß. Anmeldungen von Patienten kommen aus allen Gegenden des Reiches, selbst aus dem Auslande liegen ständig Anmeldungen vor. Die Kinbsrheilstationen in Hirschhorn und Waldmichelbach sind gut besucht. Dis Heilerfolge sind gut. Beide Heilstätten sind mit allen modernen Einrichtungen ausgeftuttet worden. Weniger Zufriedenheit löst die Kinderheil- station Lampertheim aus. Wegen ihrer uage ist sie nicht dazu angetan, daß dort lungenkranke Kinder Heilung und Genesung suchen können. Die Fürsorgetatigkeit für Lungenkranke hat von Anfang an großen Anklang gefunden, sie ist aber auch ständig gewachsen. In 664 Fällen bis Anfang November wurde Hilfe gewährt. Davon entfallen 40 Prozent auf Kinder, 60 Prozent auf Erwachsene. Hierdurch wurde der Verein bis jetzt mit 55 000 Mk. Kosten belastet, bis Ende d. I. wird hierfür mit 60—65 000 Mk. zu rechnen sein. Der Staat hat zu dieser Maßnahme umfangreiche Zuschüsse bewilligt. Der Erfolg dieser Aufwendungen ist befriedigend. Die Tuberkuloseziffer ist etwas im Abnehmsn begriffen, insbesondere ist die Sterblichkeit in der letzten Zeit erheblich zurückgegaugen. Dagegen ist bie Zahl ber Gesuche um Aufnahme in bie Heilstätte im Zunehmen begriffen. lieber bie im Jahre 1925 einmütig beschlossene Errichtung ber K i n b e r h e i l stä tte Wintertast e n in nächster Nähe ber Eleonorenheilstätte teilte Präsident Reumann mit, bah bie Rohbau jetzt fast oollenbet ist. In ben nächsten Tagen soll mit bsm Ausbau begonnen werben. Voraussichtlich kann bieser Bau im August ober September nächsten Jahres seiner Bestimmung übergeben werden. Es wirb mit Hochdruck gearbeitet. Die Kosten sind mit 400 000 Mk. veranschlagt, sie werden aber wohl auf 500 000 Mk. kommen. Die Mittel find noch nicht ganz beifammen, bis jetzt stehen rund 100000 Mark zur Verfügung. Aus der produkttoen Erwerbslosenfürsorge kommen wesentliche Beihikftn. Der Neubau der L u p u s h e i l st ä t t e ist bis auf den letzten Pfennig bezahlt. Als nächstes Werk erhofft man die Errichtung einer Heilstätte für Tuberkulose ber oberen Luftwege. Der Geschäftsbericht unb bie Rechnungsablage wurden einftirmnig genehmigt. Die Rechnung für 1925 schließt mit 454818,62 Mark Einnahmen, 387 143,22 Mark Ausgaben, 67 675,40 Mark Kasienbeftcmd ab. Im Voranschlag für 1926 fmb 436 700 Mark in Einnahme unb Ausgabe vorgesehen. Die Neuwahl bes Dorstanbes ergab bie einstimmige Wieberwahl ber bisher amtierenden Mitglieder, wobei jedoch die nachstehenden Verände- rungen eintraten: Für ben verstorbenen Oberbürgermeister Köhler (Worms) wurde Bürgermeister Schulte (Worms) gewählt, an die Stelle bes verstorbenen Ministerialdirektors Hölzinger (Darmstadt) berief man ben Ministerialdirektor S pa- mer (Darmftabt) als Nachfolger des wegen Ar- bertsüberlaftung 3uriufgetretenen Kommerzienrats Langsdorf (Friedberg) wählte man Oberbürgermeister Keller (Gießen), wodurch man auch den Dank des Vereins für bie großzügige Unterstützung burch die Stabt Gießen zum Ausbruck bringen wollte. Die bisherigen Rechnungsprüfer wurden wiebergswählt. Hieran! Hielt der Chefarzt der Eleonoren- heilftätte, Dr. S e l l, einen fesselnden Vortrag über das Thema „Neue Wege in der Zuber- kulofe-Dekämpfung". Ein wichtiger Beschluß ber hessischen Landes- oersichernngsanstalt. Präsident R e u m a n n machte hierauf Mitteilung von einem sehr bedeutsamen Beschluß des Gesamtvorstandes der Landesversicherungsan st alt Hessen. Dieser hat in feiner jüngsten Sitzung beschlossen, die schematische Regelung der Kür für Tuberkulose (höchstens 13 Wochen) zu beseitigen und dafür die individuelle Kur einzuführen, S. h. jeden hier in Betracht kommenden Tuberkulosekranken so lange in der Heilstätte zu belassen, bis die Heilig beendet ist. Eine ähnliche Maßnahme wird demnächst auch von reichs- wegen eingeführt werden. Das Reich wird hierzu 40 Millionen als Zuschuß a_, die Landesverftche- rungen geben, von denen auch Hessen Antell bekommt. Im Anschluß an die Terfammlunng nahmen bie Teilnehmer eine Besichtigung der Lupusheilstätte vor. Aus bem Geschäftsbericht. Die Lupusheilstätte in Gießen wurde im Jahre 1925 von 263 Patienten ausgesucht, von denen 48 auf das Jahr 1926 übernommen wurden. Von den 263 Pattenten waren 243 einmal, 18 zweimal, 1 dreimal. 1 viermal da. Von den Kranken waren 105 Männer, 158 Frauen. Aus Preußen stammten 170, aus Hessen 60 (Ooerhessen 29, Starkenburg 17, Rheinhessen 14), Vayern 13, Saargebtet 7. Sachsen 4. Waldeck 3, ‘Saßen 2, je 1 aus Sachsen-Meiningen. Schaum- burg-LiPpe, Oldenburg. Württemberg. An Pflege- tagen wurden insgesamt 21 592 gezählt. 2n der Eleonorenheilstätte bezifferte sich die Patienten zahl im Jahre 1925 auf 549; davon wurden 92 auf das Jahr 1926 übernommen. Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrüg 8, Tage. Zahl der Verpflegungstage Kinderheilstation Hirschhorn 1925: Gesamtzahl der verpflegten Knaben 137, davon auä Hcsien 111 (6 arfenburg 66, Rheinhessen 30, Oberhessen 15). Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug 4 Kilo. Lampertheim: 1925 Das große Würfelspiel. (Martina Wilemar.) Roman von Franz lauer Kappus. 42 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich bringe dich rasch nach Haufe", sagte Kreuth. „Nein — bei mir darfst bu nicht sitzen. Ieber Schupo erkennt bann, baß wir mit abgestelltem Taxameter fahren. Pustenb unb schnaufend zog bas Vehikel an. Merkwürbig niebergeduckt fah Benno von rückwärts aus. Steil stanben bie Schullern, fast versank der Kopf zwischen ihnen Aber alles ging glatt Gespickt schlangelte sich Kreuch burch bie weniger belebten Straßen. Nur auf bem Potsdamer Platz gab es längeren Aufenthalt. Wie ungebulbige Tiere knurrten unb fauchten bie Wagen ringsum. Enblich sprang auf bem Derkehrsturm bas erlöfenbe Licht fignal auf. Mit mächtigem Hupengetöse fuhr bie Doppelkolonne los. Immer gerabeaus starrte Martina auf ihrem Sitz. Nach zehn Minuten war man an Ort unb Stelle. „Warte einen Moment," sagte Martina, „ich Hols rasch meine Papiere. Morgen willst bu ja zum Stanbesamt." Doch Kreuch faßte sie beim Aermel. „Morgen?" Er blickte zu »oben. ..Morgen komme ich nicht ba- zu. Dazu braucht man Zeit " Kurz machte er sich an seinem Auto zu schaffen, „llebermorgen vielleicht. Ober noch besser: nächste Woche. So bringend ist bas ja nicht." Gekrümmt ftanb er ba. Sein abgespanntes Gesicht zuckte. „Nicht bringenb, Benno?" Martina taumelte (eicht. Kreuth schaute auf bie Armbanduhr. „Um halb achl soll ich in ber Genthiner Straße sein." Er suchte Nach seinem Stadtplan unb orientierte sich rasch. Gleich barauf kletterte er in ben Wagen. „Bringe mir bie Papiere bas nächstemal mit." Schon sprang ber Motor an. „Aus Wiedersehen, Martina." XXXI. „Eine Dame wünscht Sie zu sprechen, Fräulein Wilemar." Mechanisch rückte Martina bie Papiere auf bem Schreibtisch zurecht. „Eine Dame? Bitte." Nicht zur Ruhe wollten ihre Härrbe kommen. Maria Feoborowna Sabukowa trat ein. Einen Augenblick ftanb sie still. Ruhig musterte sie Martina, ehe sie ihren Namen nannte. „Fräulein Wilemar, nicht wahr?" Ihr Leib in bem schmiegsamen Rohseibekleib drehte sich herum. „Vielleicht schließen wir bie Türen, Fräulein Wilemar." „Bitte." Martina zog die Türen zu. „Wollen Sie doch Platz nehmen." Die Sabukowa setzte sich. Still Ingen ihre weißen, ringlosen Hände im Schoß. JEs war nicht leicht, fo weil zu kommen", sagte bie Sabukowa unb warf ben Kopf zurück. „Sie erinnern sich boch, Fräulein Wilemar? Dor zwei Wochen war es, im Adlon. Sie sahen mit Herrn Hedbenhausen und Herrn von Kreuth beisammen." Noch höher stiegen ihre Brauenbogen. „Sie erinnern sich doch?" „Gewiß," sprach Martina, „ich erinnere mich." „Was ich weiß, verdanke ich Herrn Hedbenhausen. Seine Bekanntschaft war balb gemacht." Die Sabu- kowa lächelte leise. „Auch Herr Hebbenhausen scheint mit ber Lage nicht sehr zufrieben zu fein." Die Züge Martinas spitzten sich feinbselig. „Auch? „Ebenso wie id), Fräulein Wilemar." „Ooh!" rief Martina unb erschrak vor bem langgezogenen Laut. Aber verzweifelt raffte sie bie Kräfte zusammen. „Deshalb finb Sie hierher gekommen? 9hir das wollten Sie mir sagen? Den Weg hatten Sie sich sparen können " Die Sabukowa betrachtete ben Kalenber auf bem Schreibtisch. "Es hanbelt sich auch um Sie, Fräulein Wilemar. Immer finb bie Frauen ber wichtigere Teil, wenn ein Mann zwischen zwei Frauen steht. Darum bin ich zuerst zu Ihnen gekommen." Martina sprang auf. „Sie meinen, baß Benno —" Das Lächeln ber Sabukowa würbe überlegen. -Es sah so aus, als ob Herr von Kreuth zwischen Ihnen unb mir ftänbe. Es hatte ben Anschein, Fräulein Wilemar." Bebächtig flochten sich zwei weiße Finger in eine Perlenkette. Langsam wippte ein schmaler Fuß im Hellen Wilbleberschuh. „Das Bild bat sich verändert. Die Lage ist jetzt klar. Beruhigt könnte ich jetzt wieder gehen. „Ich muß Sie bitten, deutlich zu fein, Fräulein — "Sie dürfen auch gnädige Frau sagen", sprach die Sabukowa. „Es ist ein dehnbarer Begriff." Sekundenlang schaute sie zur Decke. „Also deutlich soll ich fein. Ich will gerne deutlich sein, Fräulein Wilemar." „Welche Rechte haben Sie auf Benno?" stieß Martina hervor. „Rechte?" Es war, als amüsierte sich die Sa- bukowa. „Kein Mensch hat Rechte auf ben anderen. Niemand bars sich bergleichen anmaßen. Welche Rechte könnte ich auf Herrn von Kreuth haben? Der Ausbruck ist wahrlich nicht am Platze." "^ber.'ch habe Rechte!" rief Martina unb wuchs in bie Höhe. „Seit balb zwei Jahren bin ich mit Benno verlobt. In den nächsten Wochen heiraten wir. Das finb meine Rechte!" Plötzlich würbe sie unsicher. Der ruhige Gesichtsausbruck ber Sabukowa machte sie irre. Welche Frau! bachte sie unb versank in Staunen. Zorn wallte hinterher auf. „Warum starren Sie mich so an? Zweifeln Sie vielleicht?" Schrill lachte Martina. .Ober haben Sie es vorhin nicht selbst gesagt: bas Bilb hat fich verändert, die Lage ist jetzt klar? Mit diesen Worten haben Sie es doch gesagt?" „Mit diesen Worten", bestätigte die Sabukowa. „Was wollen Sie bann'?" Weit beugte sich Martina vor. „Wenn bas Bild für Sie klar ist. war können Sie bann noch wollen?" Die Stimme ber Sabukowa wurde schwer unb tief. „Nicht in bem Sinne, wie Sie es meinen, ist es klar. Das Bilb ist klar, trotzdem Sie mit Herrn von Kreuth fett zwei Jahren verlobt sind." „Troßbem?" ,Za, trotzdem." Martina fühlte sich wehrlos. „Das ist mir zu hoch, gnädige Frau", sprach sie beinahe versöhnlich. „Das verstehe ich wirklich nicht." Auf einmal war ihr, als ginge bie Unterrebung sie nichts an. So weit rückte bie Frau in ben Bereich bes Rätselhaften, daß jede Gemeinschaft erlosch. „Ich will Sie bei Gott nicht verletzen, gräulein Wilemar", sagte bie Sabukowa. Einigemale (reiften ihre Blicke burch ben engen Roum. Dann lagen sie wieber auf Martina. „Ersticken Sie hier nicht?" Ihre Rechte beschrieb eine kleine, runbe Bewegung. „Alles bas ba, unb Sie ba brtn, unter bem Haufen Papier, angekettet von früh bis abenbs: armes Kinb." Sie stand auf unb trat auf Martina zu. Einen Moment berührten ihre kühlen Finger ben bloßen Hals ber anderen. „Nein," lächelte Die Sa« bukowa, „so sieht keine Feindin aus! nicht einmal eine Rivalin." Wieder fetzte sie sich. Martina dämmerte vor sich bin. „Als Rivalin finb Sie bodj gekommen", sagte sie nach einer Pause. „Ober wenn Sie nicht als Rivalin gekommen finb: warum gehen Sie nicht? Nichts haben wir miteinander zu schaffen. Daß Sie Benno irgendwo in Italien ober in ber Schweiz kennen gelernt haben, gibt Ihnen kein Recht, hier zu sitzen. Ich habe Wichtigeres zu tun. Ich sollte Briefe schreiben, Ausgaben verbuchen, telephonieren: ich weiß gar nicht, was ich alles sollte. Warum sitzen Sie also hier, warum?" Woher alle bie Worte nur kamen ? dachte Martina. Was wollten alle bie leeren Worte? Unerreichbar war biefe Frau. Keine Silbe bran$ bis zu ihr. Die Saoukowa rührte sich nicht. Auf einmal kam ein starrer Glanz in ihre Augen. „Sie geben Herrn von Kreuth boch frei?" fragte sie leise unb schwingenb. „Nie gebe ich Benno frei. Nie!". »Also Kamps?" Lispelnd bewegten sich bie Lippen der Sabukowa. „Mit mir wollen Sie kämpfen?" Fassungslos blickten bie braunen Augen. „Mit mir — Sie?" „Mit Ihnen, mit ieber —" «Mit ber ganzen Wett vielleicht?" „Auch mit ber ganzen Welt, wenn es fein muß." Memlos fiel Martina auf ben Stuhl. Die Sabukowa straffte sich. „Auch wenn Herr von Kreuth ein Ding, eine Ware wäre: auch bann würbe ich mit Ihnen nicht kämpfen. Wo denken Sie hin, kleines Mäbchen?" Die Sabukowa lachte gurrenb. Unb jetzt? fragte sich Martina, unb jetzt? Alle Kräfte waren plotzl'ch erlahmt Losstürzen wollte sie auf bie Fran, l>ie Nägel in bas weiße Gesicht schlagen — anspeien wollte sie bie Frau: aber bie Muskeln gehorchten ja nicht. Etwas war ba, was den ganzen Leib umschnürte. Smrfter fester zogen die Schrauben an. (Fortsetzung folgt.) wurden 54 Kinder mit 4525 Pf lege tagen verpflegt. 9 Kinder wurden in das Jahr 1926 übernommen. Waldmichelbach 1^25: 80 Kinder mit 5022 Pflege lagen. Gewichts, una^rne durchschnittlich 4 Kilo. Aus e-artenbr.rg waren 43, Rh« in Hessen 14, Oberheften 2 Kinder. 19 wurden m das Jahr 1926 übernommen. 3n den fünf Berichtsjahren (1921 bis 1925 einschl.) wurden in den Anstalten des Vereins im ganzen 5258 Plegftng« mit 354 670 Pflegetagen gezählt. Oberhessen. LaudLreis ließen. ) Lich, 14- Roo. Der Verein für 2 olks - b t fb u n g hielt dieser Tage im „Holländischen Host' feine diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab, bie gut besucht war. Der Vorsitzende, Bürgermeister Völker, erstattete den Ge- fchäftsbericht. Die Zahl der Dereinsmitglirder beträgt zur Zeit 162. Ueber die oolksbildnerischen Veranstaltungen bes letzten Jahres würbe eingehenb Bericht erstattet. Den Bibliothekaren, Stubienrat Dr. Stotz unb Wilhelm Schäfer, wie auch ben Heisern Heinrich Jalod Menges, Lehrer Mek- k e l, Lehrer Mori unb Otto Zimmer wurde ber Dank bes Vereins für ihre mühevolle Arbeit abge» stattet. Der Verein hat im vorigen Jahr eine Zuwendung von ber Stadt von 150 Mk. unb in bie- fern Jahr eine solche von 50 Mk. erhalten. Außerdem bewilligte bas Kreisschulamt in ben beiden letzten Jahren je 15 Mk. für die Bücherei. Auch hierfür wurde den bewilligenden Körperschaften Dank gesagt. Stubienrat Dr. Stotz erstattete Bericht über bie Bücherei, über bie erfolgten Neuanschaffungen usw. Die Bücherei umfaßt nahezu 2000 Bände. Etwa bie Hälfte davon ist unterhal- tnngsüteratur, es sei auch eine stattliche Anzahl von Büchern belehrenden Inhalts über alle möglichen Gebiete des Wissens vorhanden, daneben eine reichhaltige Jugenbbücherei. Der Rechner Moritz ®olb- fchmibt erstattete den Kassenbericht. Die Kasien- oerhältnifie fmb bank ber vorsichtigen Geschäftsführung des Vorstandes als günstig zu bezeichnen. Bei ber Vorstanbswahl erfolgte Die Wieberwahl der ausscheid-nden Mttgtieder, neu zugewählt wurde der grifeurmelfter Karl Ludwig Insel. Er wurde noch Bericht erstattet über die nächste Zeit geplanten Beranftaltungen. Aus ber Versammlung würbe noch angeregt, ben Direktor Dr. Hassinger aus Darmftabt zu einem 'Bortragsabenb hierher zu bitten, außerbem soll versucht werben, ab unb zu ein gutes Theater für unsere Stabt zu gewinnen. Die Einrichtung einer Volkslesehalle würbe noch in Erinnerung gebracht, sie kann aber erst eingerichtet werden, sobald die derzeitige Wohnungsnot überwunden ist. : Beuern, 14. Rov. Tins er langjähriger allseits beliebter Lehrer Herrn. Rau Hai dieser Tage unser Dorf verlassen, um in Klein- Linden, wohin er verseht wurde, seine neue Stelle anzutreten. Seit 1913 war er in unserer Gemeinde tätig und hat er sich in dieser Zeit große Verdienste um unser Dorf erworben. Auch außerhalb de. Schule war Lehrer Rau tätig. Als Dirigent, Lrs Kirchenchores, den er sechs Jahre leitete, brachte er diesen auf sehr hohe gesangliche Stufe. Seinem scheidenden Dirigenten zu Ehren hielt der Kirchenchor eine Abschiedsfeier ab. Der Abend verlief in harmonischer Weise. Der Chor Jang verschiedene Lieder, und dann wurden eine Serie lebender Bilder gezeigt, die großen Beifall fanden, Ais Zeichen der Dankbarkeit wurde dem scheidenden Dirigenten ein Geschenk überreicht. Der Vorsitzende des Vereins, Pfarrer Wagner, sprach in vortrefflichen Worten den Dank des Vereins und die Hoffnung aus, daß der Kirchenchor auch weiter auf dieser Höhe bleiben möge. Auch Don den öffentlichen Körperschaften unserer Gemeinde wurde eine Abschiedsfeier zu Ehren von Lehrer Ran veranstaltet. Pfarrer Wagner brachte den Dank der Kirche uiid des Kirchenvorstandes dar. Bürgermeister Lindenstruth sprach den Dank der Gemeinde aus und überreichte ein Ehrendiplom. Bewegten Herzens dankte Lehrer Rau für alle Ehrungen. Kreis Friedberg. Bad-Rauhei m, 15. Rov. Ernst- Ludwig-Schule und Stadtschule, die an der Peripherie der Stadt in wenig verkehrsreicher Gegend liegen, hatten in der Rächt vom Samstag zum Sonntag Besuch durch Einbrecher. Durch Zertrümmerung einer Fensterscheibe hatten sie sich in beiden Fallen Eingang zu den Gebäuden verschafft. In den Amts- zimmern der Schulleiter, die mit Rachschlüsseln geöffnet worden sind, wurden die Schreibtische auf gebrochen und nach Veld durchsucht, wobei den Dieben in der einen Schule etwa ö 0 M a r k in die Hände fielen, im anderen Gebäude, wo man das Schrankfach mit dem Gelde unberührt lieh, aber ein wesentlich geringerer Betrag. Die Polizei ist nach genauer Prüfung Les Sachverhaltes zu der Ansicht ge- tommen, dah es jedenfalls gewerbsmäßige Verbrecher gewe'en sind, vielleicht dieselbe Bande, von deren Einbrüchen in Amtsgebäuden und Schulen man in letzter Zeit wiederholt gelesen hat. < Ober-Mörlen, 14. Nov. Das kirchliche lieben in unserer großen Tenueindc ist sa rege, dah die vor rund 200 Jahren erbaute katholische Kirche sich für die heurigen Verhältnisse als zu klein erweist. Der Plan, durch einen Umbau eine Raumvergrößerung zu schaffe», ist vor dem Krrege bereits erörtert worden. Die katholische Kirchenge» meinbe verfügte bereits über eine sehr ansehnliche Bausumme, die durch Sammlungen und Stiftungen aufgebracht war und während des Krieges zum größten Teil in Kriegsan.'.chen angelegt wurde. Nachdem der Betrag der Inflation zum weitaus größten Teil ;um Opier gefallen, setzte tn den letz- len Jahren di« Sammeltätigkeit von neuem ein. Wenn auch bei der allgemeinen Wrrtfchaftsnot die frühere Summe lange noch nicht erreicht ist, hofft man doch bald an den geplanten Umbau Herangehen zu können und vielleicht noch bis zur 200-Iahrfeier der Kirch« zu vollenden. LLreis Vüvmge». Büdingen. 14. Roo. Aus der jüngsten Kreisausschußsitzung des Kreises Büdin- gen: Auf der Tagesordnung standen zwei öffentliche «achen. Einmal die Beanstandung des Voranschlags der Gemeinde Dauernheim für das Rj. 1926 durch den Kreisdirektor. Die Beanstandung wurde für begründet erklärt und die Gehälter des Bürgermeisters und Gemeinderechners wie folgt festgesetzt: dem Bürgermeister jährlich 2400 Mk. (pauschal), dem Gemende Bespre- chung mit dem Vorstand des Kriegervereins soll dann di« Angelegenheit endgültig entscheiden.— Die Eh äusser, di« von der We t t e r b r u cke an der Gonterskircher Straße aus der rechten Seite des Baches durch den sog. Steinbach führt (sie wurde vor zwei Jahrzehnten vom verstorbenen Forstmeister Slnöre angelegt) soll bis zum Rande des Waldes durchgeführt werden. -s- Herchenhain, 13. Noo^ Gestern weilte hier eine Kommission des Frankfurter Jugendamtes unter Führung von Prof. B ende r, um eine Besichtigung des hiesigen Jugend- Heimes an der cherchenhainer Höhe oorzunehmen. Es besteht nämlich der Plan, das Jugendheim zur Unterbringung von. erholungsbedürf- tigen Frankfurter Kindern zu benutzen. Es würden dann ca. 50 Schulkinder auf 4 dis 5 Wochen untergebracht, di« nach dem Muster der Kinderstadt Wegscheide hier Erholung und Kräf. tigung finden könnten. Diese Einrichtung soll sich über das ganze Jahr erstrecken. Da durch die Kinder das Jugendheim nur teilweise belegt würde, wäre nach wie vor jugendlichen Wanderern Gelegenheit gegeben, das Heim als Herberg« und Heim zu benutzen. Da das Jugendheim für durchaus geeignet befunden wurde, ist mit der baldigen Unierbringung von Frankfurter Schulkindern zu rechnen. Durch diese Maßnahme wird es auch dem Vogelsberger Höhenclub leichter fallen, die finanziellen Kosten auszubringen. Kreis Lauterbach. $ Reichlös, 14. Nov. Gemeinde rechn er Schädde 1 feierte dieser Tage sein 50jähriges Dienstjubiläum, zu bem ein großer Teil seiner Sollegen aus allen Teilen des Kreises erschienen waren. Rechnungsrat Bechtold überreichte dem Jubilar ein Glückwunschschreiben des Kreisamts und ein von dem Kreisrechneroerband gestiftetes künstlerisch ausgesührtes Diplom. Bürgermeister Hofmann widmete dem hochbetagten Gemeindebeamten Worte der Anerkennung für seinen langjährigen gewissenhaften Dienst und übergab ihm ein von der Gemeinde geftiftetes Sofa. Starkenburg. WSR. Darmftabt, 12. Nov. Eine dreizehnjährige Schülerin öffnete, als sie sich allein im Klassenzimmer befand, mit einem 2) i e t = r i ch einen verschlossenen Schulschrank und stahl daraus 17 Mark, die der Klassenlehrer darin aufbewahrt hatte. Rheinhessen. WSN. Mainz, 13. Nov. Die Mainzer Karnevalsgesellschaft hat beschlossen, beim hessischen Ministerium dahingehend vorstellig zu werden, daß der traditionelle Rosenmontagszug, der in früheren Jahren den Höhepunkt des mitielrheimschen Faschingstreibens bedeutete, wieder genehmigt werde. Achter deutscher Bauerntag Mainz. Mainz. 14. 'Aov. (TU.) Die Dereiai- gung Der heutigen Bauernvereine trat heute nachmittag in Mainz zu ihrer diesjährigen Tagung zusammen, nachdem gestern abend in der Stadthalle ein BegrüßungSabend st alt gefunden hatte. Die Tagung war außerordentlich stark besucht von Delegierten der 28 im Reichsgebiet bestehenden Bauernvereinbk insgesamt llMillionen Mitglieder zählt. Der Borsitzende der Bereinigung, Rcichsfrei- herr von Ster derind zur Borg-Hau- Borg in Westfalen eröffnete die Tagung mit einer Begrüßungsansprache. Dann gedachte er des Ablebens von zwei der besten Bauern- führer, des Pfarrers Schifferings - Suren vom Trierischen Bauernverein und des 'Domherrn Änefo ne- Frauenburg vom ermländifche« Bauernverein, IDeiter betonte der Redner noch einen schmerzlichen Verlust anderer Art. nämlich den Austritt des rheinischen Bauernvereins aus der Bereinigung. Der Dorsitzende gab der Hoffnung Ausdruck, daß der heute alleinstehende Verein sich in nicht allzu ferner 3erl wieder zu der alten Arbeitsgemeinschaft zurückfinden möchte. Die deutschen Bauernvereine lehnen grundsätzlich eine Stellungnahme zu den politischen Vorgängen im engeren Sinne ab. Wirtschaftspolitik auf christlicher Grundlage ist der Lebensnerv der Organisation. Di« Einstellung der Vereinigung zum Staat fei eine positive. Zwei Dinge berühren den Bauernstand in tiefster Seele: Die Sicherheit seines Besitzes und die Sicherheit, diesen Besitz seinen Kindern zu erhalten. D.e Einstellung des Bauernstandes zum Staat ist abhängig von der Einstellung des Staates zum Bauernstand. Der Staat hat es in der Hand, daß sich die Mitarbeit des Bauern auf dem Boden des Vertrauens und der Anerkennung vollzieht und die Kritik dabei schweigen kairn. Der Bauernstand fordert die Wirtschaftlichkeit seines Betriebes und verlangt, daß die Verantwortlichkeit die staatlichen Faktoren femhalte von sozialistischen Experimenten und sich bekenne zu wirtschaftserhaltenden Grundsätzen. Nach den Begrüßungsansprachen der Vertreter von zahlreichen Behörden, der der Vereinigung nahestehenden politischen Parteien, anderer landwirtschaftlicher Organisationen usw. sprach über „Bauernvereine und Wirtschaftspolitik" der Reichstagsabgeordnete und geschäftsführendes Vorstands- Mitglied der Vereinigung Dr. Crone (Münze brock). Nachdem er kurz die inner- und außenpolitische Lage gestreift hatte, führte er unaefähr folgendes aus: Im allgemeinen blickt die Landwirtschaft auf ein wirtschaftlich schwieriges Jahr zurück. Die Verschuldung hat weiter zugenommen. Kredit« zur Fortführung des normalen Wirtschaftsprozesses in der Landwirtsck)ast bedeuten praktische Enteignung des Vermögens. Gegen den amerikanischen Kredit für die Landwirtschaft muß man sich ebenfalls wenden. Die Bauernvereine haben seit Jahren nicht nach neuen Krediten, sondern nach Rentabilität der Landwirtschaft gerufen. Das System der Abschlagszahlung bedeutet für die Landwirtschaft eine Maßnahme zur weiteren Verschuldung der Landwirt- Generalsekretär Dr. Kayser-Berlin wies u. a. auf die Förderung des Schulwesens auf dem flachen Lande hin. Die Bauernvereine verurteilen insbesondere die Bildung von Sonder- organifaf.cncn. Si: s nd grundsätzlich so eingestellt, daß sie dem Söemen helfen, wenn es ihm nottut, und im umgekehrten Falle dem Großen, wenn es diesem not tut Brr HandelSvertrags- verHandlungen mußte bisher immer die Land- wirt'chaft herhalten. Vie ist es. deren Zollschutz herabgesetzt werden mußte, um di« Ausfuhr anderer Berufszweige zu ermöglichen. Man über- geht dabei stets den Bauernstand, der 80 Prozent der deutschen Landwirtschaft ausmacht. Rur sieben Prozent aller Studierenden stammen aus der Landwirtschaft, älrsache ist die steigende Verarmung des Bauernstandes. Für städtische MohnungSbauten gibt man viele Millionen aus, ebenso für den Bau von Landarbeiterwobnungen. Keiner aber denke an das BdvhnungSelend der bäuerlichen Betriebe. Die Lage des deutschen Winzerstandes besprach Direktor Faust. Trier. Lleberprvduktion, Absaymangel und Preisdruck, sowie die Welt- marttlage seien die Ursache für di« besondere Rotlage des deutschen Weinbaues. Der Redner gab dann ein recht anschauliches Bild über die steigenden Prvduk ionskosten und bk Unbeständigkeit der Weinernte. Der Dauerntag nahm darauf einstimmig mehrere Entschließungen an, und zwar zur Handels* und Sleuerpolltik. zum landwirtschaftlichen Kreditwesen, zum Privateigentum, zur Siedlung, zum Arbeiterschutzgesetz, zur Arbeitslosigkeit und zum Landpostwesen. Mit einem Mahnruf zur engsten Zusammenarbell sand die Tagung ihr End«. Rundfunk-Programm. Dienstag, 16. November. 3.30 bis 4 älhr: Die Stunde der Fugend. 4.30 bi- 5.45 Ufer: Konzert des Hausvrchesters: Reue Tanzmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Qefe- stunde. 6.45 bis Z.15 Uhr. Funkhochschule Frankfurt: „Harnbcschwcrden, ihre Ursachen und ihre Abwehr". Vortrag von Sanilätsrat Dr. 'Berg. 7.15 bis 7.45 älhr: „Altdeutsche Tafelmalerei V", Vortrag von Dr. OSwald Götz, Assistent am Städelschen Kunstinstitut. 7.45 bis 8 ilfcr: Eine Viertelstunde Raturkunde (Senckenberg-Viertelstunde) unter Leitung von Pros. Drevermann — „Einzellige und vielzellige Lebewesen«, Vortrag von Dr. W. C. Antel-Gießen. 8 älhr: .ilebertragung aus der Liederhalle Stuttgart: Arienabend Mattia Dattistini. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügte» Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Un zeigenausträge sind lediglich an die Deschäst,steile ;u richten attbapätyrte ° Q^ein ano Mal) uno $opi|imUHinHj Astoria-Lichtsplele Keltereweg Henle bis einschl. Mittwoch: Das uMmliche Haus Amerikanischer Sensationsfilm in 5 Akten, in der Hauptrolle Richard Talmadge. — Ferner; Sonne im Herzen Ein entzückendes Filinschau-piel in 6 Akten mit Mary Picklord in der Hauptrolle. Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 K* Der große Erfolg "DS fT noch bis einschließlich H|ttwoch. IO < A mag* Zut-, Mnflwr Ja SaS. Palast-Lichtspiele Ab Hlltwoch. den 1b. Xovember Der schwarze Sonntag Beginn der Vorstellungen am Mittwoch, dem 18. November, in allen 3 Kinos nachm. 3 Uhr. 9395c Wir haben uns vermählt Albert Mandler und Frau Manschen geb. Brück Gießen, 13. November 1926 9390D Statt Karten! Die glückliche Geburt eines kräftigen Töchterchens zeigen an Dr. Jos. Kübel Rechtsanwalt am Kammergericht und Frau Kläre geb. Märzhäuser Derlin-Iehlendorf, 12. November 1926 9401D Palast-Lichtspiele Kirchenplatz Achtung! Achtung! Wir bringen ab Mittwoch, den 17. Nov. den bedeutendsten Film der Sowjet- Republik: DerschwarzeSonntag Dr. HANS SAHL, der berühmte Berliner Kritiker, schreibt; „Ein Zeitdokument Ein Blatt aus der Chronik des zaristischen Absolutismus. Ein Straßenkampf beginnt, wie man ihn im Film bisher noch nicht gesehen hat Dies alles hat der Regisseur Wiskowski ausgezeichnet testgehalten. In den Massenszenen ist eine Monumentalität der Filmwirkung erreicht, wie wir sie bis jetzt in Deutschland noch nicht gesehen haben. 9387c Bah n h ofswi rtschaft Dienstag, den 16. November, ab 6 Uhr = Spezialplatten = Leberklöße mit Kraut und Erbsbrei 1.40 Kalbsgeschnatze! mit Rahmtunke 1.50 9359D 3nm lotenfeft empfehle i,392D Kränze, Buketts u. Kreuze in schöner Ausführung u. groher Auswahl Fritz Bonarius Frledbofsgärlner, Laudgrascnstrane 8. Bestellungen erbitte rechtzeitig Pelz war en GröhereS Petzgeschäft mit eigener Kürschneret liefert vom einfachsten vis zum feinsten Pctzwerk an Beamte, Lehrer, Aerzte, Direktoren und Festangestellte jegliche Belzgegenstände sowiePelzmäntel. Jacken,echte Skunkse, Wölfe, wüchse und andere Pelzarlen gegen mebrmonailtche Zahlungen ohne jeden Auischlaa Das Pelzstück wird sofort auSgehandigt. Wir bitten um Angabe, für welches Stück Interesse vorltegt, worauf un> verbindlicher Beriteierbesuch erfolgt. Strengste Diskretion wird zugesichert. Berufsanaabe erbeten. Schriftliche Angebote unter 9394c an den Giehener Anzeiger. WSet, StlleHet, Slütat verschpchidrn sehr schnell, wenn man abendS den tzchaum trpn .Zucker'« tot. 1.- (25^lg) unt) S?t7t.5O (35%lg, (tärtfle Wotm», tiutrocfHen lotzl. S.'jgum etft morgen« eüSetii unb mi{ pKwfooMJttSMr* (1 45, 65 ■ne so Pig.) nathftmtgen. tyrofjtirilgt Sltfung, wen Tewabcn beMfiflt. In allen Nvolh-ken, ®tegen«t, VatPhncrien u. FriseurgeschSsien erh. C Winterboff.Med.'Drog. Z.Kreuzplatz" A 'toll, Kreuz-Drogerie, Bahnlwfftr 51 W K>lbfnaer,Löwcn-Droq.,SelterSw.79a Eouard Guth, ^>lkioria-Drog.,Alarktstr.o H. Noll, Iteuftadt-Drogerie, Neustadt 28 Haus Noll. LudwigSvlatz-Drogerie Parfümerie Koch, Selteröweg 75 Herrn. Plank, Parfümerie, SelierSweg 8 P. Jof. Möbs, Seifenfabrik, Mäusburgb J. II. Schulhof Wasch-Artikel in bewten Qualitäten sind die aparxamaten, da sie die Wüsche schonen!! 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Taschentuchbehälter 1 „ Nachttischdecke 1 „ Korbdeckchen 1 „ Deckchen mit Spitze 1 Klöppel-Hemdenpasse 1 Stickerei-Untertaille 3 St. Taschentücher 1 Büstenhalter 1 Paar Damenstrümpfe 1 „ Herrensocken 1 „ Babystrümpfe, reine Wolle 1 „ Kinderhandschuhe 1 Kinderjäckchen, gestrickt 1 Paar Kinderhosen 1 Lätzchen mit Stickerei 1 Paar seidene Strumpfbänder 1 „ Aermelhalter, verstellbar 1 St. Rüsch -u. 1 St. glatt. Gummiband 3 m Stickerei 1 Paar Hosenträger 1 Vorhemd mit Kragen 1 Rolle Nähgarn, 1000 m 1 Beutel, enthaltend: 1 Brief Nähnadeln 3 Dtzd. Knöpfe 1 „ Druckknöpfe 1 Karte Stopfgarn 2 Kärtchen Stopfgarn 2 Sterne Leinenzwirn usw. 75 Pf. 6 vorgez. Eisdeckchen 1 „ Kissenplatte 1 „ Serviettentasche 1 „ Decke, 52 cm □, mit Spitze 1 ,, Decke, 57 cm 1 Klöppel-Hemdenpasse 1 Stickerei-Hemdenpasse 1 Hüfthalter 2 Korsettschoner 1 Damenschal 1 Stück Untertaillen 1 Paar seidene Damen-Strumpfbänder 1 Paar Damen-Trikothandschuhe 1 „ Kinder-Handschuhe, weiß und farbig 1 Kinderjäckchen, gestrickt 1 Kinderröckchen, gestrickt 1 Kinderhöschen, gestrickt 1 Knabenschürze I Wickeltuch, Molton 1 Knabenmütze, gestrickt 2 Paar Herrensocken 1 „ Sockenhalter 10 Lot Strickwolle 10 m Hosenschonerband 7 St. ä 2 m Köperband, gute Qualität usw. 95 Pf. 1 vorgez. Kissenplatte 1 „ Ueberhandtuch 1 „ Decke, 65/65 1 Jumper-Untertaille 1 Damen-Schlupfhose 1 Hüfthalter mit 2 Paar Strumpfhalter 1 Paar Damen-Handschuhe 1 „ kunstseidene Damenstrümpfe 6 Herren-Taschentücher 10 Lot la Strickwolle 10 „ la Sportwolle 1 Lage Frott^-Kunstselde 1 P. Hosenträger u. 1 P. Sockenhalter 1 Paar elegante Damenstrumpfhalter 1 Karton Nähseide mit 16 mod. Farben 6 m Klöppelspitze 5 „ Ringband 1 Beutel, enthaltend: 1 St. %leinen-Band 1 „ baumwollenes Band 2 Rollen Nähgarn, weiß und schwarz 1 Stern Leinenzwim 3 Dtzd. Wäscheknöpfe 1 Sort. Stopfnadeln 1 ,, Sicherheitsnadeln 1 Brief Stecknadeln 1 „ Nähnadeln 1 Dtzd. Druckknöpfe, schwarzu.welß 1 Knäuel Stopftwist, schwarz 1 Paar Schuhsenkel usw. 9052sl Goldklang- Lauten die Toninstrumente große Auswahl in al en Preislagen volle Garantie an! jedes Instrument (Man achte genau auf den Brand - Stempel) Alleinverkauf: Musikhaus Albert Vogt Nacht Aelteatea Spealalgeaehäft Frankfurt* Frankfurt-M., Fahrsasse 128 (an der Constabler Wache) Zu haben in d. einschlägigen Geschäften f&r gestrichene, abgetretene und gewöhnliche Sußboden, ^kräftige, L wtitech/e-%. eben, jiaJBunschba r.MbrJSettglans. J "Jach ri--(Krau. «.Hocher^ Schwad. Onvürrh. M EINHEITS-PREISE 1 K Alles in erstklassiger Qualität! Da unsere spottbilligen Preise wahrscheinlich ein Rätsel sein werden, so möchte dafür eine Erklärung dienen. Die Hadeka, der Großkonzern von über 400 deutschen Kaufhäusern, liefert ihren Mitgliedern alle Waren durch Selbstherstellung oder direkt vom Fabrikanten sofort auf den Verkaufstisch. Restlose Erfassung der billigsten Bezugsquellen, rationelle Wirtschaft und Millionenumsätze ermöglichen riesenhafte Einkäufe. Das Prinzip der Hadeka: Großer Umsatz — kleiner Nutzen wird auch Beifall finden und zum Kauf veranlassen. > 9388a A. Holter hott Söhne, Seltersweg 20 Alleiniges Mitglied der Hadeka für Gießen Zwangsversteigerung. Freitag, den 19. November 1926, vormittags 10 Uhr, wird im hiesigen AmtSgerichtsgebäude, Zimmer 203, II. Obergeschoh, daS im Grundbuche von Dietzen der Frau Heinrich Schott geb. Kaietsch in Giehen zugeschriebene Grundstück Flur 23 Nr. 87 = 1817 qm Acker, am Galgenweg, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20 zur Einsicht ausgehängt. 7427c Giehen, den 1. September 1926. I. A. des Hess. Amtsgerichts Giehen: Leo. Ortsgerichtsvorsteher. «•WMWWHWHHmW«« Me-WWlW. Mittwoch, den 17. November 1926, vormittags 11 Llhr, sollen auf dem Hofe des Marstallgebäudes, Mathildenplah 17, dahier, zehn ausgemusterte Landgestütsbeschäler (8 Belgier und 2 Oldenburger), zwischen 9 und 17 Jahre all, gegen gleich bare Zahlung öffentlich versteigert werden. Sämtliche Pferde, darunter 3 Gespanne Belgier, sind eingefahren und fromm im Geschirr. Gin Belgier-Hengst wird unter derBedingung des sofortigen Abfchlachtens versteigert. 9315id Darmstadt, den 9. November 1926. Hessische Landgestuts-Direktion. Schörke. Seht sofort die Wählerlisten ein! Der Wirtschafts-und Ordnungsblock (W.- U. O.-Bl.)9391D CAFE ASTORIA Mittwoch, 17. Nov., (Preuß. Buß- und Bettag): Verstärktes Orchester Tanz-Abend VORANZEIGE! Donnerstag, den 18. November: Einmaliges g* HHurl — ■■■■!■■ I °IH1 936088 “/die dffeste Sp epez i adf ab rik. f Jacob l)ies Frankfurt %. 13 Ttl. Hansa 2420/29 LangrastnSS i Ttl. Hansa 242O/2S / yanze SdianA 'firJagen, Süßet /CisseAran/t«, Tincfe. Sifzsnö<$«✓- für Restaurants, Cafes HatefaJ Drucksachen aller Art X'X«*Ä Ile Vrühl'sche UnioerfitStrvrnckerei, 8. Lange, Sietzen. Schnitzt. T. Veutscherhof äfliflto Ihpnlpr finrfpffprfnh löealerfioifetterlaß Ab 10 Uhr: Wellfleisch mit Krattt | Verkäufe Läuser- schweine au verkaufen [07984 8roföotfet Sttotze 37. Inhaber: Karl Zaber. 94000 Morgen Dienstag Metzel- juppe Berkaus jetzt jeden Montag und Mittwoch [07977 PIM. 131. Montag, 15. November 1926 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) llr. 268 Drittes Blatt Turnen, Sport und Spiel. Das Tempo berühmter Schwimmer. Don Kurt E. D e h r e n S, Magdeburg. II. Lrn« Borg. Seilen hat ein Schwimmer so von sich reden gemacht, nod) nie ist ein Sportsmann so ost und 1d tchari kritisiert worben W der A^vrede Arne Dora Mcteorhast erschien er ISIS am schwedischen Schwimmerhimmel. Sein Glanz nahm von Iahr zu Jahr zu, denn schon lS21 smden w.r den Damen Borg in der WeltreKrdliste. Beute ift der Schwede über längere Strecken da^ waS Weißmüller für kurz«-Strecken tfl; nämlich der schnellste Schwimmer der Welt, zumal Arne Borgs großer Eigner, der Austra- Her Andrew Charlton, feit der Pariser Olhm- piabe nicht in die Erscheinung getreten ist. Wer der zur Zeit schnellste Mittel- distanzier ist. ob Arne Borg, ob Johnny Weihmüller.' ob Boy Charlton oder schließlich der mächtig aufstrebende Japaner Takaishi, diese Frage wird erst Amsterdam lösen. Die Entwicklung deS Schweden kann man von Stufe zu Stufe verfolgen. 1922 und 1923 — also noch im Anfang seiner Laufbahn — war der damals Zwanzigjährige Gast des S. S. C. Hellas Magdeburg, vei dessen bekannten EinladungS- wettkämpfen er sia» über verschiedene Strecken betätigte, natürlich nicht geschlagen wurde und dabei Weltrekorde schwamm. Damals war sein Tempo schwer definierbar Man konnte aber mit Leichtigkeit erkennen, dah man einen Schwimmer vor sich hatte, der von Ratur wie selten einer für den Kriechstoß prädestiniert war. Sein Tempo war unregelmäßig, teilweise schwamm er in kurzen abgehackten Stößen, teilweise mit langen gleitenden Zügen. Streckenweis steckte er den Kops tief in bas Wasser, um dann wieder wie ein Schwan einige Längen mit langausgestrecktem Hals seine Gegner und das Publikum musternd zurückzulegen. Trotz dieser Unregelmäßigkeiten tonnte der Fachmann sehen dah. wenn Borgs damals noch mangelhafte Technik verbessert werden könnte, er noch weit größere Leistungen vollbringen würde. Das steht fest, dah damals Arne Borgs ganzes Können einzig und allein auf seine körperlichen Vorzüge zurückzuführen war. Beben einem Paar tadellos arbeitender Lungen und einem glänzend funktionierenden Herzen — Grundbedingungen für den Langstreckler — setzt sich sein Körper aus einer Reihe von Gliedmaßen zusammen, die für eine schnelle Fortbewegung im Wasser wie geschossen sind. Sein leichter Knochenbau gibt dem Körper den -gewünschten Auftrieb und dadurch eine hohe Lage im Wasser. An den langen, aber sehnigen Armen sitzen überaus grohc Hände, die wie Paddelinstrumente wirken und mit sichtlicher Leichtigkeit den Körper heben und vorwärtsbewegen können. Die Beine geben an Länge den Armen proportional nichts nach, tind aber äußerst leicht und sinken daher nicht wie beim Durchschnittsschwimmer unter. Untcr- stützt wird der Schlag der kräftigen Beine von einer Propellerbewegung der Füße, von denen Borgs Freunde behaupten, daß sie an Gröhe SkieriM gleichen. Dom Australischen Schwimm-Verband em« geladen, machte Arne Borg 1923 24 eine Reise n m d i e Welt, die ihn auch nach Hawai und den Bereinigten Staaten brachte, um schließlich in Paris zur Olvmpiade $u enden. Aus dieser Reise hatte der Schwede reichlich Gelegenheit, die verschiedenen Tempi anderer schneller Schwimmer zu studieren. Er lernte viel und verstand das für ihn Geeignetste zur Bervollkommnung seines Tempos zu verwenden. Obwohl Arne Borg nun ein Dreivierteljahr nur dem Schwimmsport lebte, muhte er sich in Paris über 1500 Meter dem I Australier Charlton, über 400 Meter dem Olmcn- kaner Weihmüller beugen, während er über 100 Meter nur Fünfter werden konnte. Diese Rieberlagen, die immerhin äußerst knapp waren, ent- | mutiglen den Schweden aber nicht. Arne Borgs ganze psychische Einstellung drängt auf Erfolg hin. Rach seiner eigenen Aussage kann ihn nichts mehr reizen. 94 194 265.9 266.5* 264 265.75 189,25 188,87 188 188 113.5 — 176 176.5 175 175 179,25 183 — 182,25 156 — 158 155 8,25 8.3 8,35 8.25 85 - 174.5 — 174,75 174.25 116.9 117,5 117,12 117,75 *• —_ 173.5 — 175 174.5 >77.25 178 177.12 177 195.75 194 193.5 193 154.87 — 153 163.5 163,25 161.75 164 89 — 89 89 116,5 120 112.5 119,5 137.5 >36.75 137.5 138.5 204 209 205 209.62 188 188 >85 186,5 100 - 152,75 153 153 153 181.2 182.51 183 183.5 176.5 176 177 176 90 —- _ 132 - - 159,5 — 159,5 160,75 — — 110 - — — — — 344.5 347,75 347 145 147,75 146.12 148,87 68 — — — 144.95 — 145 — 186,5 187,5 — 168.25 168,5 168.75 168 165,5 — 165 166 —— — — 157 — 157 157.87 210 209,5 | 209 209 112 — 113,36 117.87 105 — i»i> 109 37 — — 55 - 54 — —— - 42 — 16 — — 55 — — — 186 186,5 — 128.5 — 126.5 — — — 64 —— 2,4 — 3,75 — 213 — 214,60 218,5 90 5 89,37 — — 113 112,5 113,25 — 13 Novbr. 15. Novbr. Amtliche Notierung Amtliche Geld Notierung 1 Brief Geld Brief 8lmfL»2Roti. 168,28 168,70 168,24 168,66 Buen.-AireS 1,710 1,714 1,708 1.712 Brss.-Antw 58,56 105.32 58,60 58,565 58.705 Christiania. 105.58 105,33 105,59 Kopenhagen 112,16 112,44 112,16 112,44 Stockholm ■ 112,25 112.53 112,22 112,50 Helfingfors 10,575 10,615 10,577 10,615 Italien. . 17.41 17.45 17,37 17,41 London. 20.399 20.451 20,399 20,451 Neoyork . . 4.2055 4,2155 4,206 4,216 Paris. . . 13,85 13,89 14.99 14,13 Schweiz . - 81,08 81.28 81,10 81,30 Spanien . 63,62 63.78 63,69 63,85 Japan . . . 2,065 2,069 2,065 2,069 Rio de Jan 0.545 0.547 0,551 0.503 Wien in D- Cefl. abgest 59,29 59,43 — Prag .... 12,452 12,492 12,455 12,495 Belgrad . . 7,415 7,435 7,417 7.437 Budapest. . u,887 6,907 5,89 6,91 Bulgarien 3,031 3,041 3.04 3,05 Lissabon 21,525 21,575 21.325 21,575 Danzig. . Konstantin- 81,45 2,125 81,65 2.135 81,47 2,125 81,67 2,135 Athen 6,19 5,21 5.24 5,26 Canada. . . 4,209 4.185 4,219 1.209 4.219 Urugnav - 4,195 4.185 4,195 Banknoten. Berlin. 13 Novbr Geld Briet Amerttanilche Rote» ..... Belgische Roten . ...... Dänische Roten ....... Englische Roten - ....... Französische Note» ...... Holländische Noten ...... Italienische Noten ...... Norwegische Roten. .... Deutsch-Oe sterr-, 5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ..... Schweizer Noten ...... Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . , , 4,195 58.48 111,92 20,37 13,92 167.91 17.37 105,14 59,11 112,00 80,87 63.34 12,44 5.865 4,215 58,78 118,48 20,47 13,98 168,75 17,45 105,60 59,41 112,56 81,27 63,66 12,48 5.905 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. Rov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,50 bis 29,75; loggen, inländischer, 24,25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26,50; Hafer, inländischer, 20 bis 20,25; Mais (gelb). 19,75; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 42 bis 42,50; Roggen mehl 35 bis 36; Weizen- und Roggenkleie 11,25; Erbsen 45 bis 80; Linsen 50 bis 90; Heu, süddeutsches, gut trocken. 8 bis 9,50; Weizen- und Roggenstroh 4,25 bis 5; geb. 3,75 bis 4: Treber, getrocknet, 17,25 Mark; Tendenz: ruhig. Frankfurter Lchlachtviehmarkt. Frankfurt a. M„ 15. Roo. Auftrieb: 1472 Rinder, darunter 291 Ochsen, 49 Bullen, 784 Kühe, 348 Färsen; 309 Kälber; 797 Schafe; 4158 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen: vollfleijchige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts: jüngere 57 bis 61' Mark; ältere 54 bis 58; sonstige vollfleischigc 48 bis 53; fleischige 42 bis 47. Bullen: jüngere, vollfleischige höchsten Schlachtwerts 49 bis 53; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 40 bis 48. Kühe: jüngere, vollfleifchige höchsten Schlachtwerts 48 bis 51; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 41 bis 47; fleischige 31 bis 40; gering genährte 20 bis 30. Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleifchige, aus- gemästete höchsten Schlachtwerts 55 bis 60; voll- fleischige 48 bis 54; fleischige 36 bis 47. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 72 bis 77; mittlere Mast- und Saugkälber 62 bis 71; geringe Kälber 48 bis 60. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Wcidemast): 37 bis 41; mittlere Mastlämmer, ältere Masthymmel und gut genährte Schafe 30 bis 36; fleischiges Schafvieh 25 bis 29. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 76 bis 78; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 76 bis 79; von etwa 200 bis 240 Pfund 77 bis 80; von etwa 160 bis 200 Pfund 76 bis 78; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 72 bis 76; Sauen 65 bis 70 Mark. — Marktverkauf: Sperrmarkt. Geschäft in Rindern langsam, in Kälbern und Schafen rege, in Schweinen gedrückt und Ueberstand. Berliner Produktenbörse. . Berlin, 13. Rov. Die ilmfatjtätigfeit im Berliner Getreidemärkt erfährt noch keine Belebung, da einmal die Gestaltung der englischen Streikverhältnisse und damit die Aussichten am Frachtenmarkt noch wenig übersichtlich find, andererseits aber auch Rordamerika ziemlich flaue Preisberichte gestern abend gemeldet hakte. Auch zeigt sich wenig Unternehmungslust und Angebot aus dem Inland. Im Zeithandel erfuhren die Weizen- und Roggenpreise Rückgänge bis zu einer Mark. Gerste in mittleren Sorten groß offeriert und schwach, gute Drauware hoch gefordert. Für Hafer ist das Geschäft lustlos. Mehl schwach und hat kleines Geschäft. Futterstoffe still. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer. 277 bis 280; Roggen, märkischer. 225 bis 230; Sommergerste 220 bis 225; Wintergerste 195 bis 208; Hofer, märkischer, 187 bis 196; Mais, loco Berlin, 201 bis 206; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36 bis 39; Roggenmehl 32,50 bis 34.25; Weizenkleie 12; Roggenkleie 11,75; Viktoriaerbsen 65 bis 68: fleine opeifeerbfen 42 bis 46; Futtererbsen 25 bis 30; Peluschken 22 bis 23; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 14 bis 14,50; Lupinen, gelb, 15 bis 15,50; Serradella, neu, 22 bis 23; Rapskuchen 16,20 bis 16,40; Leinkuchen .20,80 bis 21; Trockenschnitzel 9,60 bis 9,90; Soyaschrot 19,30 bis 19,60; Kartoffelflocken 25,75 bis 26 Mari. Von den Schlachtviehmärkten. An den Schlachtviehmärkten der vorigen Woche hat sich das Bild der Marktlage für die einzelnen Gattungen nicht wesentlich verändert; aus der Statistik läßt sich eher für alle Gattungen eine allerdings nur geringfügige Neigung zu weiterer Verschlechterung herauslesen. Damit im Einklang steht das Bild der Preisbewegung, die bei Rindern und Schafen gerade noch als knapp behauptet angesprochen werden kann, die aber bei Kälbern und besonders bei Schweinen deutlich die Tendenz der Rachgiebig- leit ausdrückt; namentlich gilt dies für die Spitzenpreise. Die Auftriebsziffern weisen gegenüber der Vorwoche keine größeren Schwankungen auf. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber "Schafe Schweine Berlin 22-57 45-96 25-47 70-81 Bremen 25-52 40-85 38-50 65-75 Breslau 20-59 50-78 30-56 66-82 Chemnitz 20-60 70-85 25-46 68-83 Dortmund 25-59 50-95 25-45 65-78 Dresden 23-63 62-84 30-56 65-83 Düsseldorf 25-59 48-85 — 60-80 Elberfeld 20-57 55-85 — 65-78 Essen 28-60 50-110 36-45 65-82 Frankfurt M. 22-60 50-80 24-44 70-83 Hamburg 15-54 34-93 21-52 62-77 Hannover 20-60 40-90 17—48 60-78 Husum 16—56 — 36-45 — Karlsruhe 20-53 60—72 30-40 76-81 Kassel 25-54 50-73 — 72-81 Kiel 17-51 29-80 24-50 49-77 Köln 20-60 53-88 35-46 65-82 Leipzig 25-57 50-82 28-54 67-84 Magdeburg 20-56 30-80 30-46 60-80 Mannheim 12-59 50-83 30-32 60-83 München 20-58 58-84 — 58-78 Stettin 18-55 30-85 15-46 67-80 Stuttgart 13-57 60-80 — 56-81 Zwickau 15-53 60-80 35-48 74-83 Büchertisch. — Die Hessische Allgemeine Bauordnung ist durch eine ganze Anzahl von Gesetzen und Verordnungen abgeändert und ergänzt worden. Besonders wurden in den Iahren 1924 und 1925 wichtige Gesetzesänderungen und Ausführungsbestimmungen erlassen. Die früheren Ausgaben waren daher nicht zutreffend. Auf Dcranlafsung des Verlages I. D i e m e r - Mainz hat jetzt der Provinzialdirektor a. D. Geheimrat Dr. h. c. Fey- Tarmstadt eine Reubearbeitung vorgenommen, die, da eine Textausgabe für den praktischen Gebrauch kaum ausreicht, mit Erläuterungen im Interesse der GeschäftserleiHterung und Geschäftsvereinfachung versehen ist. Tie Rechtsprechung der Gerichte und Verwaltungsbehörden, sowie die wichtigen Ausschreibungen des Ministeriums wurden dabei eingehend berücksichtigt. Das Buch, in handlichem Format, dürfte, einem Bedürfnis der Praxis nachkoimnend, ein rasches und leichtes Rachschlagen und Rachlcscn ermöglichen und allen Anforderungen der Interessenten genügen. Das Buch ist im Verlage I. Di em er-Mainz erschienen und kostet geh. 6,40 Mk., geb. 6,80 Mk. Es ist auch in jeder Buchhandlung erhältliche 655 — Francis Kervin: Mein Tier buch Mit 6 Bildern von Ernst Kreidolf, Rotapfel- Verlag, Zürich und Leipzig. — Kervin beobachtet ausschließlich gefangene Tiere. Man fragt sich, ob dadurch fein Tierbild nicht einseitig oder verbogen wird. Aber Kervin gibt vom Gegenteil schlagende^ Beispiele Er ist für seine Beobachtungen nicht vom Zufall, vom Iagdglück abhängig. Er erlebt Dinge, die kaum je einer im Freien mit Tieren erlebt hat. Davon erzählt er und braucht deshalb keine Lücken mit seiner Phantasie auszufüllen und gerät weniger in Gefahr, das Tier zu vermenschlichen. So treten seine Erzählungen als etwas Besonderes neben die bekannten Schilderungen eines Löns, Thompson, Fleuron u. a. Man lieft da reizende Stücke, wie die Schilderungen von Hochzeiten und Kinderstubentreiben im Fischkasten, yvm brolügni Igel, vom Spaßvogel Dohle, vorn alierlLnd Eulen und Käuzen, von dem quecksilbernen Eichhörnchen. Lleberhaupt ist ein unaufdringlicher weiser Humor, dem liebevolles Verständnis entspringt, die besondere Eigenart dieser Erzählungen. Kervin schildert mit seiner frohen, das Erlebnis auskostenden Sachlichkeit und taucht alles Leben in einen Hauch von Wärme. Dle zarten Bilder von Kreidolf, dem Schweizer Romantiker und Dlumenmaler, geben eine gute Ergänzung. 703 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Ve.ant'.vortung.) Die lange noch ohne Bezirksschule? Die Schüler der Bezirksschule an der West' anlage haben seit den Sommerferien, also seil länger als einem Vierteljahr, keinen regelrechten Unterricht. Das Schulhaus wird neu hergerichtet, und deshalb hat man die Schüler auf dic übrigen Schulhäuser verteilt. Drei Tage in der Woche gehen sie nur vormittags, die übrigen drei Tage nachmittags zur Schule. Daß bei diesem Betrieb die älnterrichtsergebnisse geringwertig sein müssen, laßt sich leicht denken. Besonders unangenehm ist das für die Eltern, deren Kinder nächste Ostern in eine höhere Schule übertreten sollen. Wer trägt die Verantwortung, wenn diese Kinder ihr Ziel nicht erreichen? Aber auch die Gesundheit der Kinder leidet not. Im Sommer kamen die Kinder nach dreistündi- gem, manchmal sogar vierstündigem Rachmittagsunterricht völlig ermattet nach Hause. Ieht endigt der Tlnterricht um 5 Uhr nachmittags. Da ist es häufig in dieser Zeitschon völlig dunkel. Rr'n müssen Kinder des er ft en und zweiten Sch.' jahres (also sechs- und siLbenjährige Kinder) noch den Weg aus der Schillerstrahe bis an das (Silbe der Frankfurter Straße ober in das Schiffenbergertal zurücklegen. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn einem Kinde auf diesem Weg ein Unfall zustößt. Es ist dringend nötig, daß das Schulhaus in der West- anlage in kürzester Frist sertiggestellt wird,' damit die Schüler dieser Schule wieder in Ordnung kommen. Ein Vater. (Ein Wunsch an das Gaswerk. Viele Bewohner haben die feg. Münz - gasapparate, für deren Benützung das Gaswerk entsprechende Münzen verkauft. Die ungünstige Lage dec Münzenverlaufsstelle (Garte - = strafte) ist für viele der Interessenten äußerst zeitraubend; man bedenke nur die Wege von der Buddestraße, Rodheimer Strafte ober Marburger Straße. Könnte das Gaswerk nicht eine Einrichtung treffen, ähnlich wie bei der Städtischen Straßenbahn, indem Verkaufsstellen in verschiedenen Bezirken eingerichtet würden? Ich denke daran, einige Geschäfte zu beauftragen, welche die Ausgabe von Münzen gegen eine geringe Vergütung übernehmen könnten. Es wäre damit einem vielseifigen Wunsche der Einwohnerschaft entsprochen. W. PH Geschäftliches. Haasenstein & Vogler A. ©. Da im geschäftlichen Verkehr in letzter Zeit Verwechselungen vorgekommen sind, weist die deufiche Haasenstein & Vogler 21.®., Berlin, darauf hin, daß sie und ihre sämtlichen Vertretungen im Deutschen Reich mit der österreichischen Haasenstein & Vogler 21.®., Wien, nicht identisch sind. Seit 40 Jahren schätzt man „Seelig’s kand. KornkaffeeWarum? - Weil er jenen kräftigen und aromatischen Geschmack besitzt\ den Sie an Ihrem Hausgetränk so lieben. — Bitte überzeugen Sie sich! 1 Pfundpaket »Seelig’s kand. Kornkaifee66 kostet ja nur SO Pfennig.