Nr. 216 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 15. September 1926 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Rcichspfcnnig für Trager- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag , vrühl'sche Univerfiläts-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagrsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 °/0 mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. Die nichtständigen Ratssitze. Genf, 14. Sept. (TU.) Die erste (juristische) Kommission des Völkerbundes beriet heute den ihr von der Kommission vorgelegten Text des Projektes, das den Wahlmodus für die neun nichtständigen Ratsmitglieder, sowie das Datum ihres Mandatsantrittes und die Bedingungen ihrer Wiederwählbarkeit regeln soll. Das Projekt weicht nur unwesentlich von den Bestimmungen ab, die der Völkerbundsrat in seiner Sitzung Anfangs September festgelegt hat. Bei der Regelung der Wahlmodalitäten sind einige neue Bestimmungen eingefügt, so z.B. für den Fall, daß ein nichtständiges Mitglied vor AblaÄf seines Mandates aus dem Dölkerbundsrat aus«» scheidet. In diesem Fall wird der freigewordene Sitz der darauffolgenden Sitzung des Völkerbundes durch Ergänzungswahl besetzt werden. Das Mandat dieses zugewählten nichtständigen Ratsmitgliedes soll jedoch zu dem gleichen Zeitpunkt erlöschen, zu dem das Mandat des ausscheidenden Mitgliedes erloschen wäre. Entgegen französischen Anträgen enthält das Projekt die Bestimmung, daß bei der Abstimmung über die Wiederwählbarkeit auch die Stimmenthaltungen gezählt und berücksichtigt werden müssen. Voraussetzung für die Entscheidung der Vollversammlung über die Wieder- wählbarkeit eines Mitgliedes ist, daß ein schriftliches Gesuch des betreffenden Dölker- bundsmitgtiedes dem Präsidenten, der Vollversammlung spätestens am Vorabend der Wahl überreicht worden ist. Der Vollversammlung bleibt es Vorbehalten, das Gesuch ohne Diskussion einer Kommission zur Prüfung zu überweisen. Das Projekt stellt im übrigen fest, daß niemals mehr als drei wiederwählbare Mitglieder dem Rat angeboren dürfen. Wenn die Vollversammlung sich mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit für die Wiederwählbarkeit von mehr als drei nichtständigen Ratsmitgliedern ausspricht, so scheiden diejenigen Bewerber aus, die die niedrig st e Anzahl von Stimmen erhalten haben. Die Tiebergangsbestimmungen für das Jahr 1926/28 bringen keine wesentlichen Aenderungen des ursprünglichen Planes. Die Beratungen in der heutigen Vollsitzung der ersten juristischen Kommission gestalteten sich außerordentlich schwierig. Zunächst erklärte der persische Vertreter, Prinz Arfa, daß er von seiner Regierung die Instruktion erhalten habe, zwei Sitze für die asiatischen Staaten. die die älteste Kultur der Welt vertreten, zu verlangen, ferner müsse das Rotationssystem der ständigen Ratsmitglieder unbedingt für die asiatischen Staaten in der Weise in Anwendung kommen, daß diese eine formelle Garantie erhielten, jeweils im Rat mit zwei Sitzen vertreten zu sein. Hierauf sprachen die Vertreter von Kuba und Chile, die sich mit dem Vorschlag des Redaktions-Komitees einverstanden erklärten. Der Vertreter von Chile wies darauf hin, daß die latein-amerikanischen Staaten eine kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Gemeinschaft darstellten und daß daher bei den für diese Staaten in Aussicht genommenen drei Ratssitzen die Möglichkeit der Wiederwählbarkeitkeineswegsaus- geschlossen sein dürfe. Bei Artikel 2 des Vorschlages, der die Festsetzung der Wiederwählbarkeit der nichtständigen Mitglieder bestimmt, stellt der französische Delegierte L o u ch e u r erneut den Antrag, daß d i e weihen Zettel nicht mitgezählt werden dürften. Tieber diesen Antrag entspann sich eine längere Diskussickn, in der der Vertreter Rvr- wegens sich energisch gegen den Antrag wandte und verlangte, daß eine positive Zweidrittelmehrheit der Bundesversammlung für die Zuerkennung des Charakters der Wiederwählbarkeit erzielt würde. Er verlangte, dah die weihen Stimmzettel gegen den Staat, über den abgestimmt werde, verrechnet werden mühten. Der Vertreter Englands erklärte, durch die Richtberücksichtigung der weihen Zettel der Gesamtheit der abgegebenen Stimmen werden die einzelnen Staaten gezwungen werden, sich grundsätzlich mit Ja oder Rein zu erklären. Rur hierdurch könnte dann eine positive Zweidrittelmehrheit erreicht werden. Rach erneuter langer Diskussion erklärte der Präsident, dah er nunmehr über den Vorschlag des Redaktions- Komitees sowie über den ihm entgegengesetzten Vorschlag Loucheurs a b st i m m en lassen werde. Er bat den deutschen Vertreter und den Vertreter Tlruguays die Abstimnckontrolle zu übernehmen. Die Abstimmung ergab 19 Stimmen für und 16 Stimmen gegen den Antrag Lou- chrurs. Bei der Entscheidung über die Wiederwählbarkeit werden also die Stimmenthaltungen im Gesamtergebnis nicht berücksichtigt. Gegen den Antrag stimmten u. a. Holland, Deuts chland und die Schweiz, für den Antrag die Kleine Entente, England, Persien, Dänemark. Rach der Abstimmung trat die Kommission in die Beratung der einzelnen Artikel ein. Der Präsident bat um Beschränkung der Diskussion, damit in der Mittwochsitzung der Bundesversammlung das Projekt durchberaten wird und am Donnerstag die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder erfolgen könne. Die Ratskcmdrdaten. Paris. 14. Sept. (TT1.) Tieber die Kandidaturen für den Dölkerbundsrat glaubt der Vertreter des „Echo de Paris" mitteilen zu können, dah wahrscheinlich Belgien und TI r u - ?uah für ein Jahr gewählt würden. Ferner omme für einen einjährigen Sih ein baltischer Staat in Frage, entweder Lettland oder E st l a n d, außerdem vielleicht auch Portugal. Der Sih Schwedens wird für zwei Jahre Holland überwiesen werden. Mandate von zweijähriger Dauer wurden weiter einem südamerikanischen Staat, entweder Columbia oder San Salvador und China angeboten. Man habe erklärt, dah die Zuweisung eines zweijährigen Sitzes an China wegen der letzten Ereignisse in China von England bekämpft wird. Aus sicherer Quelle verlautet jedoch, daß sich die britische Delegation im Prinzip der Kandidatur Chinas nicht widersetze. Außerdem finde China in der Völkerbundsversammlung eine weitgehende Tlnterstühung. Rach dem Austritt Brasiliens und Spaniens wird vermutlich Polen allein einen dreijährigen Sih erhalten. Allerdings könne, da die Tschechoslowakei Rumänien Platz mache, auch Rumänien für drei Jahre gewählt werden. Schließlich wäre es nicht verwunderlich, wenn als eine dritte Macht Chile einen dreijährigen Sih erhalte, da es einer der wichtigsten und einflußreichsten Staaten Südamerikas sei. Die Vollversammlung des Völkerbundes. Genf, 14. Sept. (TTl.) Die Vollversammlung des Völkerbundes begann heute nachmittag um 3.30 Tlhr im Reformationssaal. Auf der Tagesordnung stand die Fortsetzung der Diskussion über den Bericht des Generalsekretärs des Völkerbundes. Das Interesse an der heutigen Versammlung war nur gering. Der Saal war bei Eröffnung der Sitzung halb leer; nur langsain stillte sich das Haus. Auf der Bank der deutschen Delegation sah man Staatssekretär von Schubert, Graf Bernstorfs und Dr. Gaus. Rach Beginn der Sitzung erschien auch Dr. Stresemann. Rach einigen geschäftsordnungsmähigen Mitteilungen teilte der Präsident mit, daß die Kommission Vorschläge, die beiden von Lord Robert Cecil in der Sitzung vom 10. September über d i e Kompetenz des Völkerbundes bei der internationalen Zusammenarbeit gemachten Vorschläge an die erste und sechste Kommission zu überweisen. Der Antrag des Präsidenten wurde ohne Diskussion angenommen. Darauf ergriff der bulgarische Außenminister B u r o f f Has Wort zu einer längeren Rede. Er erwähnte die Hilfe des Völkerbundes für die bulgarifchen Flüchtlinge. Die Fürsorge für diese stelle gegenwärtig noch eine Last für Bulgarien dar. Die .Hilfsquellen des Staates zur Fürsorge für die Flüchtlinge wären in keiner Weise ausreichend gewesen. Infolge des Weltkriegs wäre auch Bulgarien nicht in der Lage gewesen, eine auswärtige Anleihe hierfür aufzunehmen, da es die notwendigen Garantien nicht hätte aufbringen können. Es bliebe daher nur noch die Anrufung des Bölkerbundes übrig. Im Juni d. I. fei nun durch die Mitwirkung des Bölkerbundes diese Frage g e - löst worden. Bulgarien könne nunmehr über einen Betrag von 400 000 Pfund für die Flüchtlinge verfugen und erwarte den Abschluß einer auswärtigen Anleihe. Außenminister Buroff erklärte weiter, daß er es als seine Pflicht empfinde, seine tiefe Dankbarkeit für den Völkerbund auszusprechen. Bulgarien sei entschlossen, an den großen Aufgaben des Völkerbundes mit allen Kräften mitzuwirken. — Als zweiter Redner sprach der holländische Delegierte Loudon, der die Arbeiten des Expertem ausschusses für die Vereinheitlichung des internationalen Rechts begrüßte. Loudon kam sodann aus die Arbeiten dieser Kommission zu sprechen und wiss darauf hin, dah in der technischen Tlnterkommission der vorbereitenden Abrüstungskommission gegenwärtig die weitere Bearbeitung des A b r ü st u n g s- Problems sich vollziehe. Der Weg zur Lösung dieses Problems werde langwierig und schwer fein. Er zweifele jedoch nicht daran, daß man doch zum Ziele kommen werde. Darauf begrüßte er warm den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, der wesentlich zur Sicherung des allgemeinen Friedens beitragen würde. Der Austritt Spaniens und Brasiliens aus dem Völkerbund fei tief zu bedauern. Der Völkerbund wäre jedoch stark genug, auch derartige Enttäuschungen zu ertragen. Er hoffe, daß die beiden Staaten in absehbarer Zeit wieder den Weg zum Völkerbund zurückfinden würden. In der Debatte ergriff auch der rumänische Außenminister zu sehr kurzen Erklärungen das Wort, in denen er darauf hinwies, daß die rumänische Regierung bereits an der Pazifierung der Welt energisch mitgearbeitet habe. Die rumänische Regierung sei auf Grund der gegenwärttgen Grenzen bereit, mit sämtlichen Rachbarstaaten Richtangriffsverträge abzuschließen. Der norwegische Delegierte R a n s e n erklärte, die Abrüslungsfrage fei die wichtigste Aufgabe des Völkerbundes. Die norwegische Regierung verfolge mit größtem Interesse die Arbeiten der Abrüstungskommission und werde sich mit allen Kräften für eine Lösung dieses Problems einsehen. Ransen beschäftigte sich ferner in seinen Ausführungen mit der Fürsorge für die armenischen Flüchtlinge, die er als Oberkommissar geleitet habe und deren Durchführung immer noch auf große Schwierigkeiten stoße. Ransen stellte darauf den Antrag, den Bericht der Mandatskommission hierüber der sechsten Kommission zu überweisen, der darauf der Vollversammlung unterbreitet werden soll. Da der Bundesrat Motta als Vorsitzender der ersten Kommission die Verhandlungen dieser Kommission von heute vormittag auf Tlhr nachmittags vertagt hatte, verließen während der Sitzung der Vollversammlung eine große Anzahl Delegierter den Saal, so daß die Vollversammlung vor e i n.em f a st leeren Hause zu Ende geführt wurde. Zum Schluß verlas der Präsident einen gemeinsamen Antrag der schwedischen, polnischen und finnischen Regierung, in dem diese Regierungen den Völkerbund ersuchen, sich auch mit der Alkoholfrage zu befassen. Der Präsident erklärte, daß er über den in dieser Frage einzuschlagendeir Weg in der nächsten Dyllversammlung geschäfts- ordnungsmäßige Vorschläge machen werde - - Die nächste Plenarsitzung findet morgen vormittag 10 Tlhr statt. Zum Besuch des Reichsfinanzministers in Hessen. (Don unserer Darmstädter Redaktion.) Der Besuch des Reichsfinanzministers Dr. Reinhold in Darmstadt am Montag dieser Woche ist zunächst als ein Höflichkeitsbesuch bei der hessischen Regierung zu bewerten. Der Finanzminister hat seit seinem Amtsantritt zum ersten Mäle die hessische Landeshauptstadt besucht; es sind zwar seit seiner Amtsübernahme bereits mehrere Monate verflossen, aber es ist zu verstehen, dah die Amtsgeschäfte ihn bisher verhindert haben den üblichen Besuch abzustatten. Das Ereignis ist aber keineswegs nur als ein Akt in den Formen gesellschaftlichen Verkehrs anzusehen, auch nicht nur als ein einfacher Gedankenaustausch; daß ihm außerdem eine politische Bedeutung zulommt, darauf deutete schon eine Regierungserklärung hin, durch die in Aussicht gestellt wurde, daß der hessische Finanz- minifter den Finanzausschuß des Hessischen Landtags über die Lage informieren werde. Die politische Bedeutung des Besuchs geht ferner aus der Tatsache hervor, daß als Vertreter des Reichs, neben Minister Dr. Reinhold, Ministerial- direttor Dr. L o t h o l z und Ministerialrat von Kosigk sowie als Vertreter Hessens, neben Finanzminister Henrich, Ministerialdirettor Schäfer und Ministerialrat Krapp an den Besprechungen teilnahmen. Die Lage Hessens ist unter den deutschen Ländern bekanntlich besonders schwierig, weil es f a st bis zur Hälfte besetzt ist. Die Rückwirkungen auf die Finanzlage des Landes äußern sich in einer verminderten Einnahme aus Steuern, worüber der Finanzminister während der Beratungen des letzten Statshaushalts zahlenmäßige Mitteilungen machte. Weiter wird Hessen benachteiligt durch eine anderweitige Festsetzung des Verteilungsschlüssels bei dem Finanzausgleich des Reiches mit den Ländern. Namentlich drücken auch auf unser Land wirtschaftliche Schwierigkeiten, die große Arbeitslosigkeit, die Hessen um so mehr belastet, weil viele Arbeitslose zwar außerhalb des Landes ihre Arbeitsstelle hatten, aber innerhalb des Landes ihren Wohnsitz haben. Um den großen Fehlbetrag im hessischen Staatshaushalt herabzudrücken, sind von den Rechtsparteien während der Etatsverhandlungen zahlreiche Einsparungsvorschläge gemacht morden, jedoch die Parteien der Regierungskoalition lehnten alle diese Anträge brüsk ab. Bei der Kritik an dem Finanzgebaren der hessischen Regierung und der Leitung des Finanzwesens haben jedoch alle Parteien im Landtag einmütig die Forderung vertreten, daß das Reich bei den hessischen Nöten helfend eingreifen müsse. Der Finanzminister hat die gleiche Auffassung, und er hat einmal gelegentlich der Etatsdebatten durchblicken lassen, daß die Reichsregierung sich bei den Vorstellungen wegen der besonderen Schwierigkeiten Hessens nicht unzugänglich gezeigt habe und daß die Verhandlungen nach dieser Richtung hin fortgesetzt werden. Im Zusammenhang mit diesen finanziellen Auseinandersetzungen ist der Besuch des Reichsfinanzministers bei dem hessischen Finanzminister zu betrachten. Es wäre aber falsch, in Dr. Reinhold nun den selbstlos rettenden Engel für alle hessischen Finanznöte zu sehen. Aus den Verlautbarungen über seinen Besuch geht hervor, daß er zwar nicht mit leeren Händen gekommen ist, daß aber das Reich eine finanzielle Hilfe nur unter g e = wissen Bedingungen gewähren will. In den Verhandlungen sind die Minister übereingekommen, daß die Reichsregierung und die hessische Regierung gemeinsam in einer Kommission d i e gesamte hessische Finanzwirtschaft einer Prüfung unterziehen, die sich insbesondere auch darauf erstrecken soll, inwieweit die besondere Notlage Hessens auf die Besetzung eines großen Teiles des Landes zurückzuführen ist. Das schmeckt stark nach Kontrolle oder sieht so aus, als ob dem Reich ein Kontrollrecht über die hessischen Finanzen eingeräumt wird. Gewiß, man kann nicht verlangen, daß das Reich besondere Zuwendungen an Hessen macht, ohne eine nähere Prüfung der hessischen Verhältnisse; das ist der Reichsfinanzminister schon den anderen Ländern gegenüber schuldig, die sicherlich ebenfalls allerlei Anliegen und Sonderwünschs haben. Auch tritt das Reich als Geldgeber auf, und es ist allgemin üblich, daß sich der Geldgeber die Verhältnisse des Schuldners ober des zu Unterstützenden näher ansieht; Hessen ist in dieser Rolle. Man braucht nicht gleich zu befürchten, baß Hessen unter Kuratel gestellt wirb, jeboch ist vielleicht bie Befürchtung nicht unberechtigt, baß von den wenigen finanziellen Rechten, bie ben Ländern verblieben sind, noch etwas' geopfert wirb. Gerade bas Finanzwesen ist bas Rückgrat ber Selbständigkeit ber Länder, deshalb ist Vorsicht g e = boten, und im Hinblick darauf muß die hessische Regierung ein sehr wachsames Auge haben. Das Reich, das selbst unter finanziellen Schmierigkeiten leidet, wird Hessen kaum etwas schenken. Der Reichsfinanzminister hat sich ja be- relt erklärt, bis zum Abschluß der finanziellen Prüfung durch die erwähnte Kommission, Vor- sch ü sse insoweit bereit zu stellen, als sie zur Deckung des dringenden Staatsbedarfs crforder- uch sind. Hiermit ist die Beihilfe nur als Dar- Ief)en in Aussicht gestellt; die Vorschüsse müssen einmal wieder zurückgezahlt werden. Was das heißt und welche Schwierigkeiten bei Rückzahlungen von Darlehen entstehen können, haben unsere hessischen Landwirte und Gewerbetreibenden genugsam kennen gelernt. Rach wie vor wird man daher in die Reichshilfe nicht allzu große Hoffnungen sehen dürfen, nicht auf die H"fe von auswärts. In erster Linie gilt es I immer noch für die hessische Politik, den eigenen Haushalt in Ordnung bringen durch Herabminderung des Fehlbetrags im hessischen Staatshaushalt. An Vorschlägen zu Sparmaßnahmen hat es wahrlich nicht gefehlt. Die dem hessischen Wirtschafts- und Ordnungsblock angeschlossenen Parteien hatten im Landtag einen Antrag eingebracht, daß in gewissen Zeitabständen der Finanzminister eine genaue TIebersicht über die finanzielle Lage Hessens gibt. Die Regierungsparteien haben ihn im Finanzausschuß des Landtags Ende Juli mit der Begründung abgelehnt, der Antrag habe eine politische Tendenz und fei außerdem ein Ausdruck des Mißtrauens gegen den Finanzminister. Wie berechtigt jedoch dieser Antrag ist, zeigt die Gegenwart. Der Finanzausschuß und weiterhin die gesamte Oefsentlichkeit wird wissen wollen, wie jetzt die finanzielle Lage des Landes ist und in welcher Weise sich die Reichshilfe für Hessen auswirken wird. Tagung des Hessischen Wirtschasts-undOrdnungsblocks Man schreibt uns: Gestern traten die Parteien des Hess. Wirtschafts- und Ordnungsblockes zusammen, um zu der durch die Verhandlungen des Landesabstimmungsausschusses geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Einmütig gaben sämtliche Redner ihrer Empörung darüber Ausdruck, daß das klare Ergebnis des Volksbegehrens in endlosen, ganz überflüssigen Verhandlungen seitens der Vertreter der Linksparteien in sein Gegenteil verkehrt werden sollte. Reicht doch die Zahl der abgegebenen gültigen Tlnterfchriften auch dann bei weitem aus, wenn sämtliche, von irgend einer Seite beanstandeten Listen und Tlnterschriften! restlos ausgeschieden werden. Es wurde fest- gestellt, daß die Behauptungen, es seien zahlreiche Fälschungen erfolgt, sich als glatte Tln- wahrheiten darstellen. Gerade die von der Regierung eingeholten wissenschaftlichen Gutachten stellen klipp und klar fest, daß d e r W i l l e des Vo lkes unzweideutig gesprochen hat, daß jeder weitere Verschleppungsversuch der Verfassung widerspricht und keinesfalls mit den Grundsätzen der Demokratie zu vereinbaren ist. Die Gegner der Landtagsauflösung haben den letzten Vorwand verloren, den Volksentscheid weiter hinauszuzögern: das hessische Volk hat jetzt das entscheidende Wort zu sprechen! Jedenfalls^ wird der Wirtschafts- und Ordnungsblock nunmehr in die Werbearbeit ein tret en, in dem Bewußtsein, die Mehrheit des hessischen Volkes bei seinem Kampfe für die Gesundung unserer staatlichen Verhältnisse auf seiner Seite zu haben Die Simuttanschule in Hessen. Der Hessische Landeslehrerverein faßte im „Storch" zu Frankfurt a. Main folgende Entschließungen: 1. Die im „Storch" tagende Versammlung des Vorstandes des fchulpolitischen Ausschusses und der Obmänner sämtlicher Bezirksvereine des Hessischen Landeslehrervereins verlangt von dem Geschästssührenden Ausschuß, daß er beim Landesamte für das Bildungswesen unverzüglich Schritte unternimmt, damit die auf der Heidelberger Tagung der südwestdeutschen katholischen Lehrervereine gegen die hessische Simultanschule erhobenen Vorwürfe restlos aufgeklärt werden. 2. Die Versammlung steht nach wie vor auf dem Standpunkte, daß die seit 50 und mehr Jahren in Hessen bestehende Simuttanschule nicht nur die für unsere gemischte Bevölkerung erträgliche, sondern auch ihres versöhnenden und aus- gleichenden Charakters wegen die beste Schulform ist, und bittet den Vorstand des Landeslehrervereins, alle mir möglichen Schritte zu unternehmen, um diese Schulform auch für die Zukunft zu erhalten. Stresemann über Locarno. Ein Empfang der englischen Journalisten. Gens, 14. Sept. (WTB.) Reichsminister Dr. Stresemann empfing heute aus Anlaß des Aus- tauscyes und der Niederlegung der Ratifikationsurkunden über den Vertrag von Locarno die in Genf anwesenden Vertreter der englischen Presse. Dr. Stresemann wies auf die Vorgeschichte und die politische Bedeutung des Locarnovertrages hin. Der Zusammenhang zwischen dem Werk von Locarno und dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei nicht nur normaler Natur: Beide Tatsachen bedeuteten die bewußte und entschlossene Abkehr von einer Politik der gegenseitigen Bekämpfung und den Uebergang zu dem System der europäischen Verständigung und der darauf aufgebauten Zusammenarbeit. Vor- aussegung solcher Verständigung sei ein Geist des Vertrauens, der zunächst bei den Führern vorhanden sein und von da aus in den Völkern sich ausbreiten müsse. In den am Locarnowerk beteiligten Ländern sei die damalige deutsche Anregung zu einem Sicherheitspakt zunächst auf starkes Mißtrauen gestoßen, und cs sei erst im Laufe der Zeit gelungen, dieses Mißtrauen in den einzelnen Ländern zu zerstreuen. Auch sonst hätten sich im Laufe der Verhandlungen viele Schwierigkeiten ergeben, die mehrfach, wie in London und bei den früheren Jahrcsverhandlungen in Genf, zu ernsten Krisen geführt hätten. Ihre Ueberwindung sei neben dem Willen aller zu vertrauensvoller Zusammenarbeit nicht zum mindesten der wertvollen Mittlertätigkeit der englischen Politik zu danken. Minister Stresemann wies anschließend darauf hin, daß die deutsch-französische Verständigung keine Beeinträchtigung der englischen Interessen bedeute. Dies gelte auch von den Verhandlungen über einen E i s e n p a k t, an denen die englische Industrie auf Grund eigener Entschließung sich nicht beteilige. Die internationale geistige Zusammenarbeit. Die Schaffung eines nationalen Komitees in Deutschland. Genf. 14. Sept. (WTB.) 2m zweiten Versammlungsansschuß (technische Organisationen) stand die bedeutsame Zukunftsaufgabe einer internationalen geistigen Zusammenarbeit und ihrer Organisation zur Erörterung. Dabei begrüßte der Direktor des Institutes für geistige Zusammenarbeit in Paris. Luchaire, mit besonders warmen Worten die durch den Eintritt Deutschlands gewonnene unentbehrliche deutsche Mitarbeit an diesen Bestrebungen. Das deutsche Mitglied. Freiherr von Rheinbaben, erwiderte, daß Deutschland auch ohne Mitglied des Völkerbundes zu sein, gerade auf dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft die Mitarbeit bei den internationalen Veranstaltungen niemals versagte. Gerade das Pariser Institut, dessen Mitglieder ja Professor Einstein und andere deutsche Gelehrte und Künstler sind, sei davon der Beweis. Rheinbaben legte dann dar, daß die Schaffung eines nationalen Komitees für diesen Aufgabenbereich nach dem Beispiel anderer Länder in Deutschland gewissen Schwierigkeiten begegnen dürfte, weil das geistige Leben in Deutschland nicht zentralisiert sei, sondern feine Pflege, wie z. B. im Fall de« Universitäten Aufgabe der Länder sei, und weil außerdem die zahlreichen kulturellen Zentren Deutschlands zum Teil bereits seit langer Zeit außerhalb des Völkerbundes fruchtbare internationale Beziehungen pflegten. Deshalb sei es vom deutschen Standpunkt aus schwierig, zu der Anregung heute endgültig Stellung zu nehmen, die auf die Schaffung bestimmter nationaler Organisationen hinaus- lause, um die Arberr des Institutes für geistige Zusammenarbeit seitens der einzelnen Rationen zu fördern. Die Schuldner des Völkerbundes London. 14. Sept. (TU.) Am 1. Sept, betrugen die rückständigen Beitragsgelder von Mitgliederstaaten des Völkerbundes rund 266 000 Pfund Sterling, wovon allein auf China 187 000 Pfund Sterling entfallen. China ist seit dem Jahre 1922 im Verzug, obwohl für dieses Land die zu zahlenden Annuitäten herabgesetzt und auch die Rückstände zu Gunsten Chinas reduziert worden sind. Peru befindet sich seit '1920 mit 47 500 Pfund Sterling im Rückstand. Weiter folgen Bolidia, Honduras, Ricaragua, Guatemala, Panama, San Salvador, Paraguay und Liberia, die Beträge zwischen 600 und 30 500 Pfund Sterling schulden. Das Attentat aus Mussolini. Die Person des Attentäters. Rom, 14. Sept. (Wolff.) Der „Messaggero" veröffentlicht zu dem Attentat auf Mussolini noch folgende Einzelheiten: Lucetti wuchs in einer anarchistischen Umgebung heran. Sein Vater war ein bekannter Anarchist. Eines Tages floh Lucetti aus Italien, weil er einen Soldaten der fasziftifchen Nationalmiliz im Streit angeschossen hatte, und zwar bediente er sich eines kleinen Segelbootes, das Marmor nach Frankreich brachte. Vor etwa 14 Tagen ist Lucetti ohne Paß auf unaufgeklärte Weise aus Frankreich zurückgekehrt und nach kurzem Besuch in seinem Heimatsort, wo er seit längerer Zeit in einer ver st eckten Grotte die beiden Bomben liegen hatte, ist er am 2. Sept, in Rom eingetroffen mit der Absicht, einen passenden Ort zu dem Attentat auf Mussolini zu suchen. Er hatte zuerst die Absicht, das Attentat in einer engeren Straße vorzunehmen, hat sich aber bann entschlossen, die Tat an der Porta Pia auszuführen. Der Attentäter wohnte in einem Hotel einfachsten Ranges und hatte dort ein gemeinsames Zimmer mit einem Kellner des Hotels. Bisher wurden, wie der „Messaggero" berichtet, etwa 300 Verhaftungen oorgenommen, darunter die ganze Familie des Attentäters. Begnadigung der spanischen Verschwörer. Madrid, 14. Sept. (TU.) Das in mitternächtlicher Sitzung gefällte Todesurteil gegen den Kommandanten der Artillerieakademie in Segovia wurde telegraphisch vom König in lebenslängliches Zuchthaus abgeändert. Die Standgerichte in Coruna und Valencia haben mit ihrer Arbeit begonnen. Der Kriegsminister, Herzog von Tetuan. erhält im voraus zahlreiche Gnadengesuche von Damen der Gesellschaft und von der Geistlichkeit. Der Streit der Mächte in China. Moskau, 14. Sept. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) In chinesischen amtlichen Kreisen behauptet man, in Tokio würden geheime Verhandlungen zwischen den Vertretern Englands und Japans über eine gemeinsame Intervention in China geführt. Die japanische Regierung solle als Vorbedingung für die Mitwirkung u. a. die Einschränkung der militärischen Pläne für die Basis von S i n g a p o r e bis auf ein bestimmtes Mindestmaß und die Anerkennung besonderer Interessen Japans in Zentralchina sowie Unterstützung der japanischen Politik in der Mandschurei, in Nordchina und der äußeren Mongolei durch England gefordert haben. Wie verlautet, soll auch T s ch a n g t s o l i n zu diesen Verhandlungen herangezogen werden. Die politischen Kreise in Moskau betrachten mit großer Besorgnis die Entwicklung des Konfliktes betr. die o st ch i n e s i f ch e Bahn. Man steht in dem Vorgehen Tschangtsolins eine systematische Herausforderung, die an Rußland gerichtet ist. Man ist überzeugt, daß hinter Tschangtsolin fremde Mächte stehen, die den lokalen Wirtschaftsstreit zu einem Konflikt in der mandschurischen Machtfrage erweitern wollen. Bei allem Friedensbedürfnis werde die Sowjetunion gewaltsame Eingriffe in ihre vertraglichen Rechte sowie die Gefährdung der russischen Interessen in der Mandschurei nicht dulden. gu den Wahlen in Canada. London, 15. Sept. (WTB. Funkspruch.) Reuter meldet aus Ottawa, die Parlamentswahlen hätten nach den Ergebnissen, die bis Mitternacht eingingen, eine Niederlage der konservativen Regierungspartei und ein bedeutendes Anwachsen der Liberalen gebracht, die unter Umständen sogar eine unbedingte Mehrheit erlangen könnten. Bisher gewannen die Konservativen 3, die Liberalen 18 und die Progressisten einen Sitz. Polens Verträge mit der Kleinen Entente. P r a g, 14. Sept. (Tschechoslow. Presseburcaw) Aus den von den Vertretern der Presse der Kleinen Entente gemeinsam mit Vertretern der polnischen Presse veranstalteten Diner gedachte der polnische Minister des Auswärtigen Zale - s k i in einer Ansprache des Bündnisses zwischen Polen und Rumänien sowie des Freundschafts- und Abitragevertrages mit der Tschechoslowakei. In den kommenden Tagen, so fügte Zaleski hinzu, würden diese Freundschaften noch durch einen Freundschafts- und Abitragever- trag zwischen Polen und Jugoslawien gestärkt. Rudolf Sucbenf. Jena, 15. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Senior der deutschen Philosophen, Geh. hofrat Professor Dr. Rudolf Lücken, der seit 1874 der Universität 3ena angehört, ist in der vergangenen Rächt an einer Lungenentzündung im 81. Lebensjahre gestorben. Rudolf Eucken, den unsere Leser auch durch eine Reihe bedeutsamer im „Gießener Anzeiger" veröffentlichter Aufsätze über Fragen des sittlichen Wiederaufbaus kennengelernt haben, war ein Sohn Ostfrieslands. 1846 ist er in Aurich geboren. Rach Absolvierung des Gymnasiums studierte er 1863 bis 1867 in Berlin und Göttingen, promovierte zum Dr. Phil, und widmete sich als Gymnasiallehrer in Berlin praktischen Schuldiensten. 1871 wurde er als ordentlicher Professor der Philosophie nach Basel berufen und ging 1874 von hier an die Universität Jena, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Bon besonderer Bedeutung sind die philosophischen Schriften E. geworden. In ihnen will er den Menschen das gute Gewissen zu einem Glauben an eine höhere Art der Menschheit geben. Seine wichtigsten Schriften nach dieser Richtung sind: „Der Kamps um einen geistigen Lebensinhalt" (5. Auflage 1924); „Der Wahrheitsgehalt der Religion" (4. Auslage 1920); „Grundlinien einer neuen Lebensanschauung" (2. Auslage 1913); „Der Sinn unb Wert des Lebens" (9. Auflage 1922); „Können wir noch Christen fein?" (1911); „Erkennen und Leben" (2. Auflage 1922); „Zur Sammlung der Geister". Guckens Religionsphilosophie (mehrere seiner Werke sind ins Englische und Französische übersetzt) hat ihren Haupteinsluß in Frankreich, England und Amerika gehabt, da dort die Reigung einer im Religiösen gipfelnden Philosophie viel stärker ist als in Deutschland. Doch gewann sie auch bei uns immer mehr Anklang, seitdem sich die Forderung nach neuem, religiösem Leben auszubreiten begann. 1908 wurde dem Gelehrten der Robelpreis für Literatur verliehen. 1912 erhielt er einen Ruf als Aus- t au f ch p r o f e s s o r an der Harward- Universität, der angesehendsten nordamerikanischen Hochschule in Cambridge (Mass.), dem er Folge leistete. Don Amerika zurückgekehrt, unternahm er eine Reise nach England (im Sommer 1914), wo er als Gast der „Modern ßanguage Association" einen Vortrag über das Thema „The Science of ßanguage" hielt. Im Frühjahr 1920 trat er von seinem Jenenser Lehramt zurück, um sich ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen. Kunst und Wissenschaft. Lin Hygienemuseum in Dresden. Für den Dau eines Hhgienemuseums in Dresden hat das Reichsfinanzministerium die Einstellung von zwei Millionen Mart als Beitrag beschlossen. Somit kann vorbehaltlich der Zustimmung des Reichstags der Bau des Museums als a e f i ch e r t gelten, nachdem auch der Sächsische Landtag kürzlich 500 000 Mark als ersten Teilbetrag von 2 Millionen Mark bewilligte, während die Stadt 1 Million Mark und den Bauplatz zur Verfügung gestellt hat. Line technische Fakultät in Münster. Der von den maßgbenden Kreisen der Provinz Westfalen und der rheinisch-westfälischen Industrie unterbreitete Plan der Errichtung einer technischen Fakultät an der Universität Münster befindet sich noch im Stadium erster Erwägungen und Vorarbeiten. Er bezieht sich nur auf die Schaffung einer maschinentechnischen Ausbildungsmöglichkeit und auf die Erweiterung der in Münster vorhandenen chemischen Ausbildung nach der m e t a l l k u n d l i ch e n Seite. Seines Amtes enthoben. Dem Dozenten an der Mannheimer Han- delshochfchule, Professor Dr. Mayr, wurde wegen beschimpfender Angriffe auf die Banken und das Reichsfinanzministerium, die er als Gutachter in einem Prozeß ausgesprochen hatte, vom Kuratorium der Hochschule der Lehrstuhl entzogen. Aus «Her Welt. Die Typhusepideune in Hannover. Berlin, 14. Sept. (WB.) Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wird aus Hannover von einem dorthin entsandten Kommissar des preußischen Wohlfahrtsministeriums gemeldet: Die Zahl der Typhusfälle betrug am Dienstagabend rund 1000, die Zahl der Todesfälle 30. Leider muß nach menschlichem Ermessen mit einem weiteren Ansteigen der Erkrankungen und mit weiteren Todesfällen gerechnet werden. Außer den genannten 1000 Erkrankten, die bereits in Krankenhäusern und Schulen isoliert sind, dürften mehrere hundert Erkrankte in ihren Wohnungen untergebracht sein. Lieber die Ursache der Erkrankungen haben die am Dienstag getroffenen Feststellungen die Annahme bestätigt, daß bei der Mitte August beobachteten Verunreinigung des Ricklinger Wasserwerks auch Typhus- keime in die Leitung gelangt .sind. Die verunreinigten Brunnen sind ausgeschaltet und das gesamte Wasser wird gechlort und behördlich kontrolliert. Die Schutzimpfungen haben am Dienstag begonnen und werden unter starkem Andrang der Bevölkerung durchgeführt. Die Typhusepidemie dehnt sich über das Weichbild der Stadl aus. Aus Barsinghausen, Empolde, Egestorf, Letter und Seelze im Landkreis Minden werden Typhusfälle gemeldet. Es werden immer mehr Räume zur Unterbringung von Kranken erforderlich, so daß hieraus gewisse Schwierigkeiten entstanden sind. Ebenso reichen bei dem zunehmenden Bedarf die vorhandenen Betten nicht aus. 300 Betten sind feit gestern abend und heute nacht von Berlin mit Lastkraftwagen unterwegs. Weitere 900 Betten gehen heute und morgen als Eilfracht von Berlin und Münster in Westfalen nach Hannover ab. 30. Generalversammlung des Evangelischen Bundes. Der Evangelische Bund ist zu seiner 30. Generalversammlung zusammengetreten. Rachdem Hof- und Domprediger D. Döhring die Versammlung begrüßt hatte, berichtete Pfarrer Dö nj e s über die Auswandererfürsorge. Studiendirektor Fahrenhorst (Spandau) erstattete hierauf den Jahresbericht. Der Bericht legt für das Jahr 1925 ein erfreuliches Bild von Fortschritt und Aufschwung in der Bundesarbeit und im Bundesleben ab. Ein äußerer Beweis dafür ist die Zunahme der Mitglieder und die tm ganzen befriedigende Entwicklung der Finanzen. Rach der Berichterstattung hielt Bundespräsident Hof- und Domprediger D. Dühring (Berlin) eine Rede über „Die nationalen und internationalen Aufgaben des Protestantismus". Die reformatorische Frömmigkeit, so erklärte er, habe in Rückkehr zum Urchristentum die unmittelbarste Verbindung mit dem lebendigen Gott und mit dem täglichen Leben wieder ausgenommen. So verlaufe nach einer innerlich gebundenen Marschroute der Weg des evangelischen Christen durchsichtig und gradlinig als eine nationale Aufgabe. Ueberall habe er sich nur als Christ zu geben. Es seien Mächte am Werk, die dem Volke seine Vergangenheit verekeln und seine Geschichte revidieren wollen. Deutsch 'und evangelisch sei von Haus aus nicht dasselbe, aber, worauf es ankomme, fei, den Geist und die Kraft des Evangeliums Gemeingut des ganzen Volkes werden zu lassen. Man könne der deutschen Ration keinen größeren Dienst tun, als es im besten Sinne des Wortes zu evangelisieren. Kein konfessionelles Gezänk — Schwäche gebe es überall —, sondern ehrlicher Kampf um die Seele unseres Volkes und die Seele der Menschheit. — Prof. Dr. Gütige (Heidelberg) hielt zum Schluß einen Vortrag über evangelisches Christentum und deutsche Bildung, der in der Forderung gipfelte, daß das evangelische Christentum und die deutsch? Bildung sich zu einer lebendigen Einheit verschmelzen mögen. Den Schlußvortrag hielt Geheimer Konsistorialrat Prof. Dr. M i r b t (Göttingen). Sein Thema war das Ideal einer religiösen Internationale. Auch dieser Redner sand mit seinen tiefgründigen Ausführungen reichen Beifall bei der Versammlung, die nach dem alten Truhlied „Ein feste Burg ist unser Gott" auseinanderging. Der Festsonntag führt die große Menge in die Festgottesdienste und zu den Volksversammlungen. Unvergeßlich schön das Erlebnis, als um 12 Ähr mittags unter Glockenklängen an 10 000 Kinder von allen Seiten auf den Reumarkt vor dem Lutherdenkmal zusammen- strömen, um dem Mann mit dem Kinderherzen ihre Huldigung darzubringen. Das Lutherdenkmal gleicht einem einzigen Dlumenmeer. Eine gemeinsame Domfahrt nach Meißen beschließt die Tagung. Der Wohnunqs- ttud Städtebaukongresr üt Wien. In Anwesenheit der Minister S ch u e r f f und Reech, der deutschen Minister Dr. Külz und H i r t s i e s e r, des Bürgermeisters von Wien und zahlreicher diplomatischer Vertreter sand die Eröffnungssitzung des Internationalen Wohnungs- und Städtebaukongresses statt, in der nach einer Ansprache des Vorsitzenden des Kongresses Stadtrat Weber als Vizepräsident des Internationalen Verbandes für Städtebau Dundesminister Schuerff den Kongreß namens der Bundesregierung begrüßte und ihm besten Erfolg wünschte. Rachdem noch eine Reihe ausländischer Vertreter und Delegierter gesprochen hatten, wurde in die fachliche Beratung eingetreten. Fleischvergiftung in Duisburg. ■3n Duisburg sind infolge Genusses von verdorbenem Fleisch 37 Personen erkrankt. Die Rtetzgerei, aus der die verdorbenen Fleisch- Waren stammen, wurde heute vormittag von der Polizei geschlossen. Stündlich werden neue Erkrankte in das Marlenhofpitat in Duisburg- Hochfeld eingeliefert, so daß die Zahl der im Krankenhaus befindlichen Erkrankten bereits 17 beträgt. Der Zustand einiger Erkrankter ist bedenk l i a> Bei sämtlichen Eingelieferten wurde ernwandfrei Paratyphus festgesteklt, der durch den Genuß von vergifteter Leberwurst verursacht wurde. 3n den Flammen umgekommen. Im Osten 'Berlins hatte ein 14 Jahre altes Mädchen, um Ungeziefer zu vertilgen, die Tapeten eines Zimmers mit Petroleum übergossen und dann angezünde 1. In wenigen Augenblicken stand der ganze Wohnraum in Flammen. Während sich die sechsjährige Schwester des Mädchens noch mit knapper Rot aus dem Zimmer retten konnte, wurde das Mädchen von dem Feuer ergriffen. Als die Wehr, die mit mehreren Zügen eingetroffen war, den Brand gelöscht hatte, sand man das Mädchen vollständig verkohlt auf. Beim Freibaden ertrunken. In dem Ostseebad M i s d r o y ertrank die Gattin des Berliner Univerfitätsprofessors und ehemaligen Chefredakteurs der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", Paul Lensch, Frau Marta Lensch, beim Freibaden in der Rähe der Seebrücke. 600 Schafe verbrannt. Am Sonntagabend brach infolge von Blitzschlag in einem zum Vorwerk Amalienruhe bei Ratzeburg gehörenden Schafstall'"F«ter aus, wobei etwa 600 Schafe in den Flammen umkamen. Lin- Ochsengeschlchte. In Bendorf trug sich eine eigenartige Ochsen- geschichte zu. Ein junger kräftiger Ochs riß auf dem Wege nach der Schlachtbank aus, rannte in tollen Sätzen, hinterher die halbe Metzgerinnung, d i e Treppe einer Konditoreihinauf und verschwand in dem Cafs, alles im Wege Stehende zertrümmernd. Auf einmal klirrten die Fensterscheiben und der Widerspenstige genoß vom ersten Stock aus die Aussicht. Nur mit allergrößter Mühe konnte das Tier an den Schlachtort gebracht werden. Weltgeschichtliche Stühle. Auch Stühle haben tfjre Geschichte, und manche von ihnen eine sehr erlauchte. Der berühmteste Stuhl der Weltgeschichte, zugleich das älteste Möbelstück dieser Art, ist nach einer Zusammenstellung in einer englischen Zeitschrift der St. Peter-Stuhl in Rom, von dem der Papst noch beute Bei feierlichen An- läfsen seinen Segen austeilt. Eip anderer hoch berühmter Stuhl der Geschichte ist der Krönungsstuhl in der Londoner Westminster - Abtei, der ein kost- bares Juwel, den sog. „Stein des Schicksals", enthält. Andere historische Stühle der englischen Geschichte sind der Stuhl, auf dem der unglückliche König Karl 1. bei seiner Verurteilung sah, und der „Stuhl Cromwells". Ein für die Kunstgeschichte wichtiger Stuhl wird in der Diplom-Galerie des Burlington-Hauses in London gezeigt; es ist der Sessel, auf dem der große Maler Reynolds seine Mo- delle Platz nehmen ließ. Ein Schaustück ersten Ran- ges ist der eiserne Armsessel, der von der Augs- Burger Bürgerschaft Kaiser Rudolf 2. üBerreicht wurde. Sie Herstellung soll 30 Jahre gedauert haben; er ist üBer und üBer mit Reliefdarstellungen Bedeckt, die einen hohen künstlerischen Wert haben. Siner der schönsten Stühle der Welt ist der Sessel des fränkischen Königs Dagobert, der im Jahre 638 starb; er besteht aus Bronze und zeigt wundervoll ziselierte Ornamente. Wettervoraussage. Westliche Winde, wieder zunehmende Bewölkung, etwas kühler, höchstens vereinzelt Niederschläge. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 18,8 Grad Celsius; Minimum: 11,9 Grad Celsius. Niederschläge: 0,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 14 Grad Celsius. Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 15. September 1926. Der geruhsame Mensch. Von Reinhold Braun. Man saß im Kreise beisammen. Ue&er dem Garten spannte sich die hohe, sternenvolle Rächt. Es war anfangs fo harmonisch gewesen. Das Gespräch floß wie ein edler Strom dahin, die Sterne widerspiegelnd. Dann plötzlich war's, als ob einer einen großen Stein ins Wasser warf, die Unruhe war da, und die Bewegung gegeneinander wurde immer heftiger. Meinung stand gegen Meinung auf. Man mußte staunen, daß solch liebe Menschen so außer Fassung geraten konnten wegen der Verschiedenheit der Meinungen! Rur einer sah da und tat nicht mit. Man nannte ihn im Freundeskreise spöttisch den Geruhsamen. Was Spöttelei fein sollte, ward zum Adelstitel. Ja, er war ein Mann der Ruhe, jener vornehmen, klaren Ruhe, die mit innerer Trägheit nichts zu tun hat. Vielmehr wußte man von ihm, daß er in jüngeren Jahren em heftiger Mensch gewesen war. Aber durch eiserne Energie war es ihm gelungen, sich nach und nach in die vornehme Ruhe emporzubauen, Unablässig hatte er „den ruhigen Strom kultiviert". Run saß er unter den Freunden mit seiner köstlichen Ruhe wie in einer Brandung. Immer wieder schaute er zu den Sternen auf. Endlich fragte ihn einer der Streitenden, was er denn für eine Meinung habe. Da sagte er, und seine Stimme klang wohltuend ruhig und fest in den aufgeregten Kreis hinein: „Ich habe nur eine Meinung: Daß ihr mir, die ihr doch sonst so vernünftige Menschen seid, im Augenblick fast kindisch vorkommt, daß ihr wegen eines solchen lächerlichen Meinungsunterschiedes so in die Wolle geraten konntet! Es ist zwar das schon oft Gesagte, was ich euch zu eurer Meinung zu sagen habe. Da oben die Sterne!" Wie schlicht und wundervoll das klang: „Da oben die Sterne!" wie ein Akkord aus dem Liede der Geruhsamkeit. Den meisten war's, als striche eine liebe, kühle Hand über ihre erhitzten Stirnen. Man wandte sich ab von dem Gegenstände, unwillkürlich befand man sich bald wieder auf einer höheren Ebene miteinander, und es dauerte nicht lange, bis einer den „Geruhsamen" Bat, ein Lied zu fingen. Man holte ihm die Laute aus dem Hause, und er fang ein feierliches, altes Lied zur Rächt. — Der „Geruhsame"! Seltsam! Mir ist manchmal, als ob er neben mir schritte oder säße. .Und wenn mich irgendetwas überschatten will in meinem Gemüt, dann ist es mir, als blicke er mich an mit seinen großen, klaren Augen, und mir ist, als ob das Lächeln seiner wunderbaren Ruhe in mich strömte. So können Menschen Helfer werden, ohne daß sie es wissen. Ist es nicht so, daß wir nicht zur Meisterung des Lebens kommen, weil wir innerlich mitjagen in der Atemlosigkeit der Zeit! Lassen wir uns nicht von der Atemlosigkeit der andern anstecken! Man zügelt ein wildes Roh nur damit, daß es die überlegene Ruhe des Reiters fühlt. Kultivierung des ruhigen Stromes!" Quirlt und wirbelt es nicht täglich durch uns hindurch Wttutta. uT. alt« b mil knarrige auf. man bas •l^nfen. >»iİN di, er unb sch. Dl. m k- ÄV rannt. "solge oon ^i.h Aya*** chke. rD^?0chfen. i-0^ nß auflm tannte bi ,ollen frun, bie Jüfje 7l Sebracht werden, öiühle. Wchle, unb manAo «?Äg BSfiS Ei" anderer hoch be. iftktftröminX r-Mtei, der ein lost, i o-s Schichals-, ml., le bet englifchen Te. । w ba unglückliche. ^lung lab, unb bet 'eKunsigeschjchleloich. om-Galerie des Zur« Wiflt; es ist öerSef.' Aehnolös feine Mo. Schaustück ersten Aan.' der von der Auas. Rudolf 2. überreicht fahre gedauert Wm, darsiellMgen bedeckt, Wert haben. Tiner eit ist der Sessel des der im Jahre 638 unb zeigt wundervoll ussage. unestmende Bewölkung, jett Niederschlage. m; ÜJldfimum: 18,8 Irad Telstus. Nieder- - Mrgentemperatur-. chauMt. 15. September 1926. 16 Mensch. Braun. eisMnen. tlebtt dem he sternenvolle Nacht, no'nifch getvesm. [et Strom dahm, Die m ein ins Mller M die Bewegung E° ftiaer. Einung Md i mßke staunen, M aber Fassung geraten hiedenhei! der Me a unb tat mchl mck. deskrcise fVbihg bffl sein!oM,waMm n Mann btt W. ,ube, die mit W 1(1t Vielmehr W= »K >en. l^Äblasl'S iDtiubauen-Mo L u* * Äfe&V ii-d- Ä oder M'-n H-K Eiters Ef Oi^j ich 5,4 von Tausenderlei! Stehen wir nicht wie in einem verhängnisvoll gischterchen Strome, der gleichsam mitten durch uns hindurchgeht wie mit magischer Gewalt! Wir wogen mit auf und nieder und kommen nicht zur Ruhe! Urxb was trägt der wilde Strom des Tages alles mit sich: So viel Unrat. Unnützes. so viel hohle Dinge, so viel Abgerissenes, unendlich viel Stückwert! Lind das alles geht gleichsam mit durch uns hindurch, und wieviel bleibt in uns selber liegen, daß unsere Liese von all den argen Dingen wie zuge- schwemmt wird! Umpanzerung des eigenen Jchs tut not, die Kraft, den größten Teil des wilden Stromes um uns herumzuleiten, nur das Notwendigste in uns hineinzulassen. Es gilt, sich Schuhwehren zu schaffen durch große Gedanken und rechte Erkenntnisse. Selber ganz ruhig zu werden, daß der Teil des Stromes, dein wir es erlaubten aus Notwendigkeit, uns zu durchfließen, in uns ruhiger fließt und schon klarer in uns hinein- kommt! Solche Schuhwehrarbeit und solch ein unablässiges Deruhigungswerk ist auch ein Teil der Lebenskunst! Dann wird auch unser Inneres mitten im Zeitgeschehen den Himmel Widerspiegeln mit seinen göttlichen Lichtern. Wir werden die Starken sein aus Ruhe und dem Widerglanz der ewigen Dinge! Wir werden uns einfügen dürfen der wundervollen Gemeinschaft der Geruhsamen und mit ihrer Kraft vereint wirken dürfen zum Degen der andern aus Ruhe und" Liebe. " Kinder im Garten. Kinder find wie Blumen, und Blumen gleichen den Kindern. 3n der guten Jahreszeit gehören Kinder in den Garten. Wo der Vater sich im Berufe müht, ruht die Gartenarbeit vielfach ganz oder doch größtenteils auf den Schultern der Frau. Da findet sie bei verständiger Anleitung in den Kindern eine recht brauchbare Stütze. Ein Knabe von 11 bis 13 Jahren muß schon gut graben und hacken können, und ein jüngerer hilft Dünger und Wasser tragen. Die Jagd nach dem Ungeziefer, nach Schmetterlingen und Raupen, nach schädlichen Käfern und ihren Larven, nach Schnecken und Würmern weist ihrem Mute nützliche Dahnen. Jäten und hacken, rechen, gießen und pflanzen steht größeren Mädchen gut an, und ernten und schmecken können sie alle schon, die großen tote die kleinen. Die Muttev muß sie nur richtig zur Arbeit anleiten und nicht glauben, sie müsse alles selber tun. Gartenarbeit verleiht körperliche Kraft und Gesundheit, die man den Kindern nicht vorenthalten sollte, nur in der ängstlichen Sorge, sie könnten im Garten etwas beschädigen oder verderben. Man lasse das Kind frische Luft trinken im Garten, in der freien Natur, damit die Brust sich weitet und das Herz kräftiger schlägt. Es wird damit der Grund gelegt zur Gesundheit bis ins hohe Alter. Wo fänden Herz und Gemüt wohl zärtere Pflege als im traulichen Umgang mit der Natur? Der Fleiß und der Ordnungssinn der Eltern wirken vorbildlich, und Sorgfalt und Schönheitssinn sind den Kindern ein Ansporn zur Nachahmung und Nacheiferung. Wenn die Kinder den eigenen Garten schätzen lernen, werden sie auch Achtung vor dem Garten des Nachbars haben. Ein schönes Gärtchen beim Haus ist eine Kapelle im großen Gottestempel der Natur. Nicht bloß an des Sonntags Feierstunden gehören die Kinder in den Garten, sondern auch an den Arbeitstagen der Woche. Der Aufenthalt und die Arbeit im Garten unter der Aufsicht der Eltern hat aber auch noch eine andere erfreuliche Seite, die Kinder sind von der Straße weg. Da Kind und Spiel und Kameraden aber zusammengehören, so gehört in den Garten auch ein Spiel-, Turn- und Tummelplatz, wo sie vergnügt und froh sein können, und ein Arbeitstisch in der Laube, wo sie lernen und ihre Schulaufgaben erledigen können. Gr. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Volkshalle: Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung: 2 bis 7.30 Uhr Besichtigung: 3.30 bis 6 Uhr nach- mittags Kinderfest: 8 Uhr abeichs Vortrag des Herrn Landwirtschaftsrats Dr. Schad (Butzbach). — Saalbau Sauer: Warenausstellung des Konsumvereins. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich hott' einen Kameraden". — Astoria-Lichtspiele: „Der schwarze Pierrot". '• Eine Fahrplankonserenz wird am nächsten Samstagvormittag auf Einladung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. im Gießener Stadtverordneten-Sitzungssaal stattfinden. Es sollen bei dieser Gelegenheit die Ein- fchränkungen im Personenzugfahrplan für die Provinz Oberhessen besprochen werden. Zu der Sitzung sind alle maßgebenden Stellen der Stadt und der Provinz ein gelaßen. ** Don der Gartenbau - und Elektrizität s a u s ft e (I u n g. Heute nachmittag findet in der Dolkshalle Kinderfest stall. Abends 81 Uhr spricht der Landwirtschaftsschuldirektor Dr. Schad, Butzbach über „Schädlinge im Garten- unb Obstbau und ihre Bekämpfung". Anschließend wird Unterhaltung bei Konzert und Tanz geboten. *• Der Straßenbahnverkehr in unserer Stadt hat in den letzten Tagen bedeutenden Umfang erreicht. Es wurden befördert am Samstag, 11. September, rund 6000 Personen, am Sonntag rund 12 000, und am Montag und gestrigen Dienstag abermals je rund 6000 Personen. In diesen Zahlen sind die Besitzer von Fahrscheinheften nicht eingerechnet. ** Die 21 b ft i m m u n g zum Schaufen - sterwettbewerb ist noch bis morgen, Donnerstag, abend möglich. Wer also an dem Wettbewerb tei'lnehmen will, muß, soweit es nicht bereits geschehen, umgehend von seinem Wahlrecht Gebrauch machen. (Siehe Anzeige.) **DerGießenerWochenmarkt beginnt von morgen ab vormittags 8 Uhr und findet sein Ende nachmittags 2 Uhr. (Siehe heutige Bekanntmachung.) Q Reparaturarbeiten in den eoang. Kirchen. In der Stadtkirche ist seit Montag ein Gerüst aufgeschlagen, da die große Fensternische über dem Altar mit einem neuen Anstrich versehen werden soll: zugleich soll ferner das Dach der Kanzel repariert werden. Bei einer Prüfung der Heizungsanlage ergab sich, daß die Heizrohre an zehn Stellen undicht sind. Die Firma Schafs- städt wurde mit der Ausbesserung beauftragt. Es stellte sich ferner heraus, daß die Heizung, welche vor etwa dreißig Jahren eingebaut worden ist, den jetzigen Anforderungen nicht entspricht. Da es aber in diesem Jahre infolge der sehr großen Unkosten durch Umdecken dr einen Dachseite usw. und auch wegen der vorgeschrittenen Zeit nicht möglich ist, eine moderne, im Gebrauch billigere Heizung einzubauen, wurde die Angelegenheit für das nächste Jahr zurückgestellt. Der Fußbodenteppich wird ebenfalls repariert. In der Iohanneskirche wird ein Korklinoleumbelag eingelegt, das gleich« soll, wenn ec sich bewäl-rt, auch in der Stadtkirche eingeführt werden. Bis zum nächsten Sonntag sollen die Kirchen mit der Reparatur fertig fein. — Bei einer Revision derGlockenauf dem Stadtkirchturm fand man, daß in der zweitgrößten Glocke am Befestigungswerk des Klöpfels eine Schraube abgelöst war. An der großen Glocke, die 1853 von Rinker in Sinn gegossen wurde, einen Durchmesser von 1,75 Meter und eine Höhe von 1,70 Meter hat, sand man, daß der Klöpfel, der etwa 21 Zentner wiegt, sich bedenklich gelöst hatte. Der Aufhängebolzen war von 25 Millimeter bis auf 10 durchgescheuert. Die Reparaturarbeiten wurden sofort in Angriff genommen. Es ist hier durch die Aufmerksamkeit eines einzelnen Bediensteten großes Unheil- verhütet worden. " EinSonderzugnachderGesolei. Am nächsten Sonntag, 19. September, verkehrt ein Sonderzug 4. Klasse mit 33V.iprozentiger Fahrpreisermäßigung und Schnellzugsgeschwindigkeit von Gießen nach Düsseldorf in nachstehendem Fahrplan: Hinfahrt am 19. September. Gießen ab 5.30 vorm., Wetzlar ab 5.46, Herborn ab 6.09, Dillenburg ab 6.19, Haiger ab 6.34, Düsseldorf Hauptbahnhof an 9.43 Uhr vorm. Rückfahrt am 20. September. Düsseldorf Hauptbahnhof ab 7.59 nachm., Betzdorf (Sieg) ab 10.20, Haiger ab 11.21, Dillenburg ab 11.31, Herborn (Dillkreis) ab 11.41, Wetzlar ab 12.05 vorm. am 21. September, Gießen an 12.22 vorm. am 21. September. Der Preis der Sonderzug- karten 4. Klasse nach Düsseldorf Hauptbahnhof und zurück beträgt von Gießen 9,20 Mk.. von Wetzlar 8,60 Mt., von Herborn 7,60 Mk., von Dillenburg 7,40 Mk., von Haiger 7.20 Mk. Bei den Fahrkartenausgaben sind für die Besucher der „Gesolei" Eintrittskarten zum ermäßigten Preise von 1,20 Ml. erhältlich. ** Dem Vogelsberger Höhenclub bewilligte das Frankfurter Stadtparlament zum Ausbau des Jugendheimes auf der Herchenhainer Höhe eine Beihilfe von 2000 Mark. ** Die Zuchtviehverfteigerung des Verbandes mitteldeutscher Rotviehzüchter, die wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Gießen morgen in Grünberg stattfindet, wird mit etwa 70 Bullen über ein Jahr und 20 Kühen und Rindern beschickt sein. ** Die Maul- und Klauenseuche ist amtlich festgestellt worden in den Gemeinden Groß- Altenstädten (Kreis Wetzlar), Rieder-Seemen (Kreis Schotten), Steinfurth und Beienheim (Kreis Friedberg), Werdorf und Ober-Lemp (Kreis Wetzlar). — Erloschen ist die Seuche in Rendel und Harheim (Kreis Friedberg) und in Röthges. ch Dom Drachensteigen. Eines der schön- sten Vergnügen unserer Jugend ist das in jedem Herbst Wiederkehr ende Drachensteigen. Man gönne den Kindern diesen Spaß, doch mache man sie auch auf die Gefahren aufmerksam, die das Drachensteigen in denjenigen Wiesen und Felbern mit sich bringt, durch die elektrische Leitungen mit hochgespannten Strömen gehen. Namentlich warne man sie dringend davor, als Drachenkordel dünnen Draht, auch solchen mit Umwicklung zu verwenden. 'Bei Berührungen mit der Hochspannungsleitung sind schwere körperliche Schädigungen, zuweilen sogar der Tod, unausbleiblich. ** D. H. C. Eine Begehung seines Werkes, des gelben (liegenden) Kreuzes unternahm am Sonntag der V. H. C. Gießen. Durch die Konkurrenz der Ausstellung war naturgemäß die Beteiligung geringer als sonst. Der Frühzug brachte die 50 Teilnehmer nach Herborn, von wo aus das Wegezeichen in kräftigem Anstieg zur Höhe führte: hier genoß man einen hübschen Blick auf das Dilltal. Dem Rennweg folgend, der stundenlang durch einsame Waldungen führt, wurde um die Mittagszeit Bellersdorf erreicht, wo eine ausgiebige Raft am Platze war. Der Weitermarsch führte zunächst auf guter Landstraße mit prächtigen Ausblicken auf die Westerwälder Berge, namentlich Greifenstein, über Bermoll zur großen Heide, wo man einen hübschen Blick auf das hochragende Hohensolms genoß. Auf lau- schigen Waldpfaden ging der Weg am Fuße des Altenbergs her, immer mit hübschen Ausblicken durch das liebliche Biebertal zum Endziel Bieber bzw. Rodheim. Eine Ueberraschung unerfreulichster 2lrt wurde den Wanderern unterwegs zuteil. Auf einer Strecke von wenigstens drei Kilometern, von der großen Heide bis zum Altenberg, waren sämtliche Wegezeichen, die vor etwa Monatsfrist unter erheblichen Opfern an Zeit und Mühe erneuert worden sind, vollständig abgekratzt. Ob diese Tat von roher Bubenhand ober im Auftrag der betr. Behörde, was wohl kaum anzunehmen ist, erfolgte, muß erst noch ermittelt werden. Auf jeden Fall ist diese Tatsache im Interesse der wanderfrohen Bevölkerung auf das tiefste zu bedauern. ** „Hubertu s", Verein weidgerechter Jäger. Als Abschluß einer Reihe von Schießtagen im Laufe des Sommers veranstaltete der „Hubertus Gießen am 11. und 12. September auf den Schießständen des Gießener Schützenvereins fein diesjähriges Hauptjagdschießen. Als Gäste nahmen einige Mitglieder des Hess. Jagdklubs Darmstadt sowie seiner Ortsgruppe Bad-Nauheim teil. Das Schießen, das soweit als möglich den jagdlichen Verhältnissen angepaßt wurde, hatte folgendes Ergebnis: Schrot- schießen: Kipphase, Hauptschießen: 1. Graf Schwerin, Friedelhausen, 2. Holzel, Gießen, 3. Dr. H a n st e i n, Bad-Nauheim. Vorgabeschießen: 1. Mangelsdorff, Gießen, 2. Zeller, Gießen, 3. Pascoe, Dutenhofen. Trostschießen: 1. Allmendinger, (Brünberg, 2. Albrecht, Gießen, 3. Nickel, Bad-Nauheim. Wurftauben: 1. Hübner, Darmstadt, 2. Dr. Hanstein, Bad-Nauheim, 3. Pfeffer, Bad-Nauheim. — Kugelschieße-n: Reh bock, Hauptschießen: Rundfunk-Programm des frankfurter SenderS. (Aus der »Radio-Umschau".) Donnerstag, 16 September: 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Anton Rubinstein. 4.45 bis 6.05 Uhr: Die Lese- stunde. 6.45 bis 7.15 Uhr: „Papin, der Erfinder der Dampfmaschine", 2. Vortrag von Waldemar Kleinschmidt. 7.45 Uhr: Übertragung von Leipzig: Szenen aus Goethes „Fausts für Solostimmen, Ehor und Orchester. 1. Pascoe, Dutenhofen, 2. Dr. v. Bentheim, Gießen. 3. A. Kitbinger, Gießen. Vorgabe 1. Pascoe, Dutenhofen, 2. Dr. v. Bentheim, Gießen, 3. M ü n ch, Gießen. Trostschießen: 1. M a n- gelsdorfs, Gießen, 2. Albrecht, Gießen, 3. Dr. Hanstein, Bad-Nauheim. Keiler: 1. Dr. v. Bentheim, 2. Allmendinger, Grünberg. 3. Pascoe, Dutenhofen. — Mit der besten Gesamtleistung errangderDorsitzcndedes Vereins, Pascoe, Dutenhofen, zum 5. Male die „Hubertusjagdmeisterschaft". Den 2. Meisterschasts- preis errang Dr. v. Bentheim, den 3. A. Kilbi n g e r , Gießen. ** Bibelvortrag. Der erste biblische Vortrag im Saale der christlichen Versammlung befaßte sich mit dem Enkel von König Saul, Mephibofeth. Es wurde an Hand der Schriftstelle 2.Sam. 9 ein Bild des Menschen entworfen, der in dieser armen Welt feine Befriedigung für die Seele findet und in lieblicher Weise auf Ehristus hingewiesen, der dem Glaubenden voll Genüge bietet. (S. gestrige Anzeige.) 3 m Lichtspielhaus Bahnhof- straße läuft zur Zeit der Filin. ..Ich hott' einen Kameraden". Die Handlung spielt sich zu einem wesentlichen Teil in den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika wahrend deS Krieges ab und zeigt den heldenmütigen Kampf unserer Kolonialtruppen brr der Verteidigung des Landes. Die HauptroUen sind mit Prominenten beseht, deren ausgezeichnete Leistungen dem Film ein Niveau geben, das wesentlich über dem Durchschnitt steht. Dazu trägt auch die geschmackvolle Ausstattung zu ihrem Teile bei. Im ganzen eine beachtenswerte Filmschöpfung, deren Gesamtwirkung auch durch einige lino- mäßige ZufäNe der Handlung kaum notleidet. Kirche und Schule. Ein rNisstonssesl ganz ungewöhnlicher Art wurde am Sonntag in Langd gefeiert: Es war ein Vertreter der Eingeborenen-Kirche von der Goldküste zugegen. Trotz drohenden Unwetters hatte sich eine große Gemeinde zusammengefunden aus der ganzen Umgegend. Ein Nachbarpfarrer führte in der Festpredigt eine Allegorese über Sämannsarbeit und Missionsarbeit durch. Danach betrat Pfarrer Clerk, eine führende Persönlichkeit in der von der Baseler Mission gegründeten Negerkirche an der Goldküste, die Kanzel und begrüßte die Versammlung zunächst in deutscher Sprache. Seine Ansprache hielt er in seiner afrikanischen Muttersprache, wobei seine Worte Sah für Sah von dem Ortspfarrer, Missionar Grah, überseht wurden. Clerk erzählte von dem Werden seiner heimischen Negerkirche, die nun etwa 44 000 zählt, überbrachte die Grüße seiner schwarzen Mit- christen, entledigte sich ihres Dankes für die Treue der deutschen Missionsfreunde. Besonders erfreulich zu hören war es, daß die junge Negerkirche durch ihre Glaubenskraft und ihren Opfermut dabei ist, sich auf eigene Füße zu stellen. Es war für alle Teilnehmer ein unvergeßlicher Anblick, den hochgebildeten schwarzen Mann mit ungemein lebendigem Mienenspiel in den fremden Lauten sprechen zu sehen. Den Dank der Gemeinde faßte Dekan Scriba in bewegten Worten zusammen, in dem er namens bet Behörde den dunkelfarbigen Giaubensbruder begrüßte. Vorzügliche Gesänge des Hungener Mädchenchors verbanden die einzelnen Teile der Feier. Eine Festgabe von 106 Mart konnte dem seltenen Gast überreicht werden. 33XZZZ Torjy» ■ n .mu i ■ 11 iirm Hausfrauen ßoffiet—Bratet—Betret—Bflgeit—Booet—öeijes Bei einem Gaspreis von 20 Pf. für den cbm kostet z. B.: 1 Liter Wasser zu kochen ober 10 Tassen Tee ober Kaffee bereiten............. Ps 6 Eier zu kochen................ Suppe für 6 Personen kochen........ p/’ ” I einfaches Mittagessen für 4 Personen bereiten 4VS " 1 besseres Mittagessen für 4Personen bereiten 71/. „ 1 Vollbad (250 Liter) herzustellen...... 27 „ 1 Brat- und Backofen zu heizen je Stunde 6-8 „ Gaskocher u. -Herde, Heiz- u. Badeöfen usw. in neuzettlicher, vervollkommneter Ausführung, vorzüglich reguliert ar, sind auch in nachstehenden Geschäften erhältlich, die mit uns ein Abkommen Aber Lieferung von Gasgeräten auf Teilzahlung getroffen haben: T. Borrmann,Neustadt 11, Fr. Heydt & Sohn, Selters- weg 12, 3 B. Häuser, Neustadt 56, Rudolf Rüdiger, Walltorstraße35, E. Hensel, WalltorftrahelO, Bruder Schmidt, Seltersweg 83, Karl Kolb (Thörner Nachf.) Ludwigstraße 40 tosod Stabt. Gas- und Wasserwerk Gießen C /)ecken Sie Seide beim Bügeln mit einem dünnen Tuch. 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Die Abonnementskarten sind gegenüber den Tageskarten wesentlich billiger; bei Nichtbenutzung der Abonnementskarten können, wie bisher, für Schauspiel und Operette Gutscheine gegen Entrichtung einer Gebühr gelöst werden, die für die gesamte Spielzeit, auch für die Sonntagsvorstellungen, Gültig-' feit haben. «Der Preis für die 28 Vorstellungen einschließlich der Operettengastspiele sowie einer OpernoorffeUung beträgt mit Steuer: 7278B Proszeniumsloge, Rangloge und 1. Rang-Vorderplatz 110 Rm. 1. Sperrsitz, 1. Rang-Mitte und Logen-Rückplatz 86 „ 2. Sperr itz und 1. Rang-Rückplatz 71 „ 3. Sperr itz und 2. Rang-Porderplatz 47 „ 2. Rang-Mitte 31 „ 2. Rang-Rückplatz 23 „ Die Ausgabe und Bezahlung der Abonnementskarten erfolgt in sieben Raten. Anmeldungen zum Abonnement sind bis spätestens 20. September 1926 nur schriftlich an die Stadtverwaltung Gießen, Bergstraße, Zimmer Nr. 12, unter Angabe des Abonnemenks- fages und der Aufschrift „Theater-Abonnement" zu richten. Die letztjährigen Abonnenten haben Anspruch auf Beibehal- tung ihrer Plätze an ihrem Abonnementstage, wenn sie diesen bis }um 17. September 1926 geltend machen. Gießen, den 9. September 1926. Der Oberbürgermeister. I. 23.: Dr. Rosenberg. irische Seefische frische Bückinge lebende Karpfen eingetrosfen. 7Uic Wenn, Bahnhvsstr.59,Lel.66 Obstversteigerung. Freitag, 17. Ifö. Mts., vormittags von 91/, Uhr ab, soll das der Gemeinde Annerod gehörige Obst, bestehend in Aepfel, Dirnen und Ztoetschen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Zusammenkunst bei der Kirche. 7513D Annerod, am 13. Sept. 1926. Hessische Bürgermeisterei Annerod. Horn. fir.2 Qualitätswaren Die 6 in die Ewigkeit abgerufen. In tiefer Trauer: Die 7530V besonders preiswert bei Hartmann Loth Großverkauf Frankfurter Str. 88, Tel. 1496 Kleinverkauf Prüfen Sie unverbindlich meine Preise. Auf Wunsch gerne Vertreterbesuch. 7501D Nr. 74 Pfaff-Nähmaschinen Lützellinden, den 14. 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September 1926 Gartenbau und Elektrizität Die Entwicklung der öffentlichen Elektrizitätsversorgung. Bon Dipl.-Jng. Weber, Gießen. Die überraschend schnelle Entwicklung der Elektrotechnik hat der elektrischen Energie im gesamten Wirtschaftsleben unserer Tage eine Bedeutung von größter Tragweite geschaffen. Wie kein anderer Industriezweig sind die Elektrizitätswerke in alle Gebiete menschlicher Tätigkeit verflochten, kein Wirtschaftszweig kann mehr der Hilfe der elektrischen Arbeit entraten, Industrie und Gewerbe, Handel und Verkehr wenden sie an zur Erzielung höherer Produktivität. Ihre Bedeutung in der Medizin, in der Chemie, in der Landwirtschaftslehre und anderen Wissenschaften, neben der vielfachen Verwendung im Haushalt zeigen dön über das Wirtschaftsleben hinaus bis in das Privatleben der einzelnen reichenden Einfluß. Noch nicht 50 Jahre find vergangen feit der Errichtung der ersten bescheidenen Stromerzeugungsanlagen, eine kurze Zeitspanne" beispiellosen technischen Erfolges, der in den modernen Großkraftwerken überzeugenden Ausdruck findet. Jahrzehntelange Gclehrtcnarbeit, anknüpfend an die Namen Galvani, Oerftädt, Arago und anderer, bildete die Grundlage des technischen Fortschritts. Entscheidend war die Erfindung der „Dynamoelektrischen Maschine" durch Werner von Siemens im Jahre 1866, die das Zeitalter der praktischen Verwendung des Starkstromes eingeleitet hat und im Prinzip, nur technisch vervollkommnet, noch heute ausschließlich angewandt wird. Nach mehr als zehnjähriger rastloser Arbeit gelang es dem weitblickenden Erfinder, die ersten Erfolge zu erringen und damit die praktische Verwendbarkeit seines Werkes zu erweisen. In der Folgezeit begann sich die Elektrizität rasch einzuführen, ihr Wegbereiter hierbei war die Beleuchtung, in Form der damals allein bekannten Bogenlampe. Beso c s die Erfindung der Differenzialbogenlampe durch von Hefner- Alteneck, ein Mitarbeiter von Werner von Siemens brachte die Entwicklung einen großen Schritt vorwärts, da sie in Verbindung mit den inzwischen verbesserten Maschinenkonstruktionen die gemeinsame Speisung mehrerer hintereinandergeschalteter Lampen ermöglichte. Es entstanden die ersten größeren Einzelanlagen, neben anderen in der Gepäckannahme in Berlin im Jahre 1878 und in der Kaisergalerie im Jahre 1879. Umwälzend wirkte die Einführung der von Edison erfundenen Glühlampe in Deutschland durch Emil Rathenau im Jahre 1883» War bis dahin die Anwendung der elektrischen Beleuchtung auf größere Gebäude mit besonderem Lichtbedürfnis, wie gewerbliche Räume, Theater, Festsäle usw. beschränkt, so erweiterte die nunmehr mögliche Teilbarkeit des Lichtes dessen Aktionsradius, gab ihm neue Verwendungsmöglichkeiten speziell als Beleuchtung für Wohnungen und sicherte ihm in Verbindung mit feinen großen Vorzügen vor den bis dahin bekannten Beleuchtungsarten, in bezug auf Feuersicherheit, Helligkeit, Sauberkeit, Bequemlichkeit usw. eine starke Verbreitung. Rathenau gründete zur Ausnutzung der Edisonschen Patente im Jahre 1883 die „Deutsche Edisongesellschaft für angewandte Elektrotechnik", später „Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft", die die ersten Elektrizitätswerke zur gewerbsmäßigen Stromabgabe an Dritte ein- richtete und betrieb, so in Berlin auf Grund eines Anfang 1884 mit der Stadt geschlossenen Vertrages die späteren „Berliner Elektrizitätswerke". In rascher Folge entstanden gewerbsmäßig stromerzeugende Werke, die eine Anzahl Häuser, einen ganzen Häuserblock versorgten und wurden Einzelanlayen aus- gebaut. Die Blütezeit dieser ersten Elektrizitätswerke, auch Blockzentralen genannt, fällt etwa in die Jahre 1884 bis 1890. Diesem Zeitabschnitt der Entwicklung war noch die ausschließliche Verwendung der Elektrizität zu Beleuchtungszwecken charakteristisch. In der Folgezeit nahm die Benutzung der Elektrizität als Kraftquelle ständig zu, zuerst für gewerbliche, später auch für industrielle Zwecke, auch die elektrischen Straßenbahnen, deren erste bereits im Jahre 1890 von der AEG. in Halle erbaut wurde, gewannen langsam an Bedeutung. Steigerung der Rentabiliät der Erzeugerwerke infolge besserer Ausnutzung der Anlagen, die zur Deckung des Lichtbedarfes nur wenige Stunden des Tages ausreichend belastet waren, sowie Verbilligung der Produktionskosten auf Seiten der Verbraucher bei Uebergang zur elektrischen Kraft, förderten die Ausdehnung des elektrischen Kraftantriebes. Wirtschaft- liche Gründe waren es auch, die, nachdem die technischen Voraussetzungen gegeben waren, dazu führten, durch Errichtung großer leistungsfähiger Werke die steigenden Anforderungen zu befriedigen und die Versorgung für immer ausgedehntere Gebiete einheitlich durchzuführen. Die räumliche Ausdehnung der Versorgungsgebiete ist es, die das beste Charakteristikum der fortschreitenden Entwicklung gibt, in welcher man noch folgende Abschnitte unterscheiden kann: Stadtzentralen etwa 1890 bis 1900, Ueberlandzentralen etwa 1900 bis 1913 und Großkraftzentralen feit 1913, wobei die Abgrenzung der Zeitabschnitte nur relativ zu werten ist, da die llebergänge fließend sind und Werke verschiedener Entwicklungsstufen nebeneinander bestehen. Im Zeitabschnitt der Stadtzentralen blieb trotz der wachsenden Bedeutung des Kraftstromes auch noch über die Jahrhundertwende hinaus die Deckung des Lichtbedarfes die Hauptaufgabe der Elektrizitätswerke, da immer weitere Kreise die Vorzüge der elektrischen Beleuchtung erkannten und infolge der sinkenden Strompreise sich auch nutzbar machen konnten. So betrugen im Jahre 1897 die Anschluß- werte für Licht 64 000 und für Kraft nur 19 600 Kilowatt, im Jahre 1900 noch 156 200 bzw. 95 700 Kilowatt, dagegen 1909 769 400 bzw. 1 065 400 Kilowatt, welche Zahlen den wachsenden Umfang der Elektrizitätsversorgung in jenen Jahren deutlich erkennen lassen. Einen starken Antrieb zum Fortschritt bedeutete auch die elektrotechnische Ausstellung zu Frankfurt a. M. im Jahre 1891. Hier gelang zum ersten Male die wirtschaftliche Ueber- tragung der Energie einer Wasserkraft in Lauffen am Neckar mit etwa 300 P. S., mittels hochgespannten Drehstromes von 30 000 Volt nach Frankfurt, zur Beleuchtung der Ausstellungsgebäude. Ganz neue Wege eröffneten sich, neben den bis dahin ausschließlich angewandten Gleichstrom trat nunmehr der Wechselstrom, vor allem der Drehstrom zur Versorgung größerer Gebiete, doch blieb noch einige Zeit der Gleichstrom auch zur Versorgung großer Städte überlegen, infolge der Einführung der 220-Volt-Glühlampe und der damit beim Drei- leiterfnftem anwendbaren Spannung von 2 mal 220 Volt. Nach der Jahrhundertwende, mit dem Aufkommen der Ueberlandzentralen, der Ausdehnung der Versorgung auf das flache Land gewann der Drehstrom an Bedeutung. War eine Aufgabe1 zur Versorgung umfassender Gebiete, die wirtschaftliche Uebertragung größerer Leistungen auf weite Entfernungen seit der Frankfurter Ausstellung bereits gelöst, so beseitigte die Einführung der Dampfturbinen, deren erste mit einer Leistung von 5000 Kilowatt im Jahre 1904 vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk aufgestellt wurde, das letzte Hindernis, da sie gestatteten, große Leistungen bei kleinem Platzbe'darf in einem Werke zu vereinigen. Im gleichen Werke kamen 1912 die erste 15 000=kW=2urbine und 1920 der erste 50 000-kW-Turbosatz (= 68 000 P. S.) zur Aufstellung. Die Schnelligkeit der räumlichen Ausdehnung der Versorgungsgebiete in jenen Jahren zeigen deutlich die Zahlen der versorgten Orte, die von 2160 im Jahre 1906 auf 17 500 im Jahre 1913 stiegen. In den Zeitabschnitt der Ueberlandzentralen fiel auch kurz > nach der Jahrhundertwende die Gründerzeit der Elektrizitätsversorgung, eine Krise, in deren Verlauf viele auf ungesunder Grundlage entstandene Werke eingingen bzw. von kapitalkräftigeren Unternehmen übernommen wurden. Es begann hier unter natürlichem Einfluß die erste Konzentration der Versorgung, die später auf Grund wirtschaftlicher Ueberlegungen immer weiter durch- g'eführt wurde und zu einer Stillegung kleinerer Werke bzw. deren Uebergang zum Fremdstrombezug von großen wirtschaftlicher arbeitenden Werken führte. Neben der Verwendung des Kraftstromes zu gewerblichen Zwecken trat die Abgabe von Kraftstrom an industrielle Werke immer mehr in den Vordergrund, eine Entwicklung, die durch den Krieg beschleunigt dahin geführt hat, daß heute etwa 80 Prozent der Gesamterzeugung öffentlicher Elektrizitätswerke als Kraftstrom verbraucht wird. Erwähnung verdient hier auch der in den letzten Jahren sehr stark gestiegene Anteil der Haushaltsapparate zu Koch- und Heizzwecken. Unter dem Einfluß des Krieges und seinen Auswirkungen aus die deutsche Nachkriegswirtschaft haben sich in der Elektrizitätsversorgung einschneidende Veränderungen vollzogen. Die Notwendigkeit schneller Produktionssteigerung in vielen Industrien ließ nicht die (£rrid)tung eigener Kraftanlagen zu, sondern forderte den Anschluß an bestehende öffentliche Werke. Diese Entwicklung wurde in der Nachkriegszeit verstärkt durch den Kohlenmangel, da viele Industrielle nun den großen Vorteil erkannten, der für sie in einer Entlastung von der Eigenerzeugung der Kraft lag. Auch eine bedeutende Steigerung des Lichtbedürfnifses sowohl in den Städten, wie auf dem Lande wirkte in der gleichen Richtung einer Steigerung der Nachfrage aus öffentlichen Elektrizitätswerken. Diese sahen sich vor die Aufgabe gestellt, umfangreiche Erweiterungen vorzunehmen, was unter den gegebenen Verhältnissen und bei der Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Notwendigkeiten das Beschreiten neuer Wege notwendig machte. So entstanden die auf der Kohle und an den Wasserkräften gelegenen Großkraftwerke. Welche Bedeutung die öffentliche Elektrizitätsversorgung in den letzten Jahren gewönnen hat, zeigen wenige Zahlen. Im Jahre 1913 betrug die in öffentlichen Werken eingebaute Maschinenleistung 1 643 000 kW und im Jahre 1924 4 271 000 kW. Die Gesamterzeugung betrug 1913 2,86 Milliarden Kilowattstunden und 1924 8,31 Milliarden Kilowattstunden. Die Zahl der versorgten Orte ist von 19 450 im Jahre 1914 auf 42 000 im Jahre 1924 gestiegen, so daß im letztgenannten Jahre in Deutschland etwa 70 Prozent aller Orte angeschlossen waren und etwa 80 Prozent der Gesamtbevölkerung die Möglichkeit hatte, sich der Elektrizität als Licht- und Kraftquelle zu bedienen. Zusammenfassung der Erzeugung zur Verringerung der Produktions- k o st e n elektrischer Arbeit ist das Ziel der Großkraftwerke. Die billigeren Anlagekosten pro Kilowatt Maschinenleistung, die bessere Ausnutzung der Anlagen, der geringere Brennstoffaufwand, um wenige Gründe zu nennen, gestatten eine Senkung der Erzeugungskosten großer Werke, ein volkswirtschaftlich bedeutsamer Fortschritt, der der Elektrizität immer neue Verwendungsgebiete erschließt. Welche Ausdehnung die Konzentration der Erzeugung bereits genommen hat, zeigt die Zunahme des Fremd- strombezugs der Werke. Wurden im Jahre 1913 nur 12 Prozent der gesamten Erzeugung als Fremd- ftrom bezogen und weiter verkauft, so waren es im Jahre *1924 bereits 42 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich der wachsende Einfluß der Großkraftwerke darin, daß von den 4 271000 Kilowatt Maschinenleistung im Jahre 1924, die sich auf ca. 3500 Werke verteilen, auf bid 10 größten öffentlichen Elektrizitätswerke allein 1 537 000 Kilowatt ober 36 Prozent der gesamten Maschinenleistung sowie 45 Prozent ber gesamten Erzeugung entfielen. Noch sind bie Entwicklungsmöglichkeiten nicht erschöpft: viele Gebiete können ber Elektrizität noch erschlossen werben. Krieg unb Inflation haben Deutschland in ber Anwendung ber Elektrizität stark beeinträchtigt gegenüber anderen Staaten, wie Amerika, Schweiz unb Norwegen, ein Nachteil, ber im Interesse ber beutschen Wirtschaft behoben werden muß. Welche Anstrengungen seitens der Elektroindustrie unb ber Elektrizitätswerke gemacht werben, wird bie Elektrizitätsausstellung in Gießen zeigen, bie zu begrüßen ist, ba sie weiteste Kreise ber Verbraucher mit ben vielfachen unb günstigen Anwendungsmöglichkeiten der Elektrizität bekannt machen kann. Ziele des deutschen Obstbaues. Don F. Kilp, Kreisobstbaulehrer, Wetzlar. Eingebettet in einen Kranz von Obstbäumen liegen die hessischen Dörfer. Unb so wie hier ist's in vielen Gegenden Deutschlands, namentlich in Mittel-, West- und Süddeutschland. Der kleine Bauer ist in seiner Gesamtheit der Träger des deutschen Obstbaues. Ar ist es, der in der Hauptsache das deutsche Volk mit Obst aller Art versorgt. Die Entwicklung des deutschen Obstbaues ging, wie die der Gesamtlandwirtschaft, schrittweise, langsam vor sich. Bei ber oft recht konservativen Einstellung des beutschen Kleinbauern bauerte unb bauert es heute oft noch recht | lange, bis er in seinem Betrieb den Anforberun» gen ber Zeit folgt. Dies gilt besonbers vom Obstbau. Der ländliche Obstbau unserer Großväter und Urgroßväter biente in der Hauptsache dem Bedars der eigenen Familie. Erst mit dem Ausstieg des deutschen Dolkes im 19 Jahrhundert wurde ber Obstgenuß allgemein, das Obst wurde ein begehrtes Genuß- unb Nahrungsmittel und ein gesuchter Handelsartikel. Die Einnahmen, bie dem deutschen Kleinbauern aus seinem Obstbau als einem Nebenbetrieo seiner Wirtschaft zu- flossen, waren recht beachtenswert. Um so bedauerlicher ist es, daß der deutsche Obstzüchter, namentlich der kleine, vielfach mit seinem Obstbau in den Forderungen ber Zeit nicht Schritt gehalten hat. Dies soll in fclgenbem bargelegt werben. Das deutsche Obst wird in den Hauptmengen, gerade so wie das ausländische, durch den Handel seiner Bestimmung zugeführt. Der Handel muh daraus bedacht sein, ben Ansprüchen ber Obstverbraucher gerecht zu werden. Der deutsche Obstesser verlangt mittelgroße bis große schön gefärbte, wohlschmeckende Früchte, bie in Ernte und Sortierung sorgfältig behandelt sind. Die Verpackung ber besseren Obstsorten Muß „ansprechend" sein, bie „Aufmachung" muß zum Kauf reizen. Die sorgfältige Ernte unb eine gewisse gröbere Sortierung ist Sache bes Obstzüchters, während die feinere Sortierung unb bie Verpackung in ber Hauptsache vom Hanbel burch- geführt werben muß. Auf Einzelheiten einzugehen, würbe im Rahmen bieses Aussatzes zu weit führen, es sei nur erwähnt, daß bas beste Obst burch unsachgemäße Ernte verdorben wirb. Waren vor bem Kriege burch Belehrung ber Obstzüchter schon recht beachtenswerte Erfolge erzielt worden in ber Ernte und Sortierung des Obstes, so sind diese Erfolge durch die Zwangs- bewirtschaftung des Obstes während unb nach dem Kriege wieder ganz verloren gegangen. Damals kam es weniger aus Güte als auf Menge an, denn das Obst wurde fast restlos zu Marmelade verarbeitet. Heute ist die Marmeladefabrikation auf ein Minimum zurückgegangen, der Markt verlangt Obst bester Güte in sorgfältiger Sortierung unb Verpackung. Der deutsche Obstzüchter muh fernen von seiner ausländischen Konkurrenz. Warum wird seit einigen Jahren der deutsche Markt mit amerikanischen Aepseln zu gewissen Jahreszeiten überschwemmt? Weil ber amerikanische Exporteur es versteht, sein Obst in tadelloser Beschaffenheit und sorgfältigster Verpackung auf ben Markt zu bringen. Es ist beschämend für die deutschen Obstzüchter, aber auch in gewissem Sinn für ben beutschen Obst- verbraucher, wenn ein amerikanischer Obstexporteur erklärt, baß in Europa Hamburg ber beste Markt für amerikanische Aepfel sei. Freilich, das Publikum fragt nicht viel darnach, woher bie Ware stammt, die es lauft, es greift nach ber Ware, bie ihm am besten gefällt. Deshalb, deutscher, und insbesondere hessischer Obstzüchter, bekämpfe die ausländische Konkurrenz mit ihren eigenen Waffen, b. h. ernte bein Obst recht sorgfältig unb behanble es bis zum Verkauf recht sorgfältig, damit es in bester Beschaffenheit in bie Hände ber Käufer gelangt. Es ist dies bein eigener Vorteil. Unser beutscher Obstbau unb ganz besonbers ber Obstbau des Kleinbauern krankt noch an einem besonderen Uebel, und zwar einem Hebel, das den Absatz des Obstes sehr erschwert. Wir bauen zu viel Obstsorten an. Die Lieferung großer Mengen gleichartigen Obstes wird hierdurch zur Unmöglichkeit. Unser Handel hat aber ein sehr großes Interesse daran, große Posten einheitlichen Obstes zu kaufen. Denn nur dann ist er in der Lage, eine weitgehende Sortierung und sachgemäße Verpackung durchzuführen. Da nun aber ber deutsche Obstzüchter, wie schon oben erwähnt, mit bem Absatz seines Obstes in ber Hauptsache auf ben Obsthandel angewiesen ist, so muh der Obstzüchter bestrebt sein, unb zwar zu seinem eigenen Vorteil bestrebt fein, ben Wünschen des Hanbels cntgegenzukommen. Hierzu gehört bie Verminderung ber zu großen Sortenzahl. Diese Maßnahme muh sich auswirken bei ber Anpflanzung von Obstbäumen sowie burch Umverebeln ber vielen, fast in jeber Gemeinbe vorhandenen, aus irgendeinem Grunde unrentablen Obstbäume mit nur wenigen bewährten Sorten. Dabei darf die Sortenauswahl niemals jedem einzelnen Obstzüchter überlassen bleiben, sonst kommen wir aus der großen Sortenzahl nicht heraus, sondern bie Gesamtheit ber Obstzüchter muß unter Zuziehung des Obst- handels über bie wenigen auszuwählen den Sorten entscheiben. Hier bis ins einzelne zu erörtern, nach welchen Gesichtspunkten bie Sortenauswahl stattzufinden hat, würde zu weit führen. In der Hauptsache läuft bie Sortenauswahl darauf hinaus, bah nur wenige Sorten gewählt werden, die sich für die betreffende Gegend eignen, die gesunde, tragbare Bäume bilden und deren Früchte leicht und zu lohnenden Preisen abzufetzen sind. Auch in diesem Punkte können wir von unseren ausländischen Konkurrenten sehr viel lernen. Dabei brauchen wir garnicht nach Amerika zu gehen. Das kleine Holland z. B. hat es rechtzeitig verstanden, feine Obstproduktion ganz auf die Bedürfnisse des Obsthandels unb bamit ber Obstkonsumenten einzustellen unb ist beshalb heute in ber Lage, große Mengen einheitlichen Obstes zu liefern. Deshalb, deutscher, unb vor allem hessischer Obstzüchter, sorge zu deinem Teile dafür, daß die zu große Sortenzahl in absehbarer Zeit verschwindet. Es geht zwar nicht von heute auf morgen, aber es geht. Baue nur solche Sorten an, bie bie obengenannten Eigenschaften besitzen. Lah dich bei der Sortenauswahl nicht von deinen eigenen Liebhabereien leiten, sondern richte ben Blick aufs große Ganze. Es ist bies bein eigener Vorteil. Habe ich mich in vorstehendem in der Hauptsache an unsere Obstzüchter gewandt, so soll das nun folgende mehr dem Obstverbraucher gelten, lieber den Wert des Obstes als Rahrungs- und Genuhmittel zu schreiben, dürfte sich wohl erübrigen, denn es dürften wohl nur wenige fein, die von dem wohltätigey Einfluh des Obstes aus den Körper nicht überzeugt sind. Aber auf etwas fei aufmerksam gemacht. Viele Pflanzen, die dem Menschen als Nahrungsmittel dienen, enthalten Stoffe, die auf die Tätigkeit gewisser menschlicher Organe sehr anregend wirken, ja für dieselben geradezu notwendig find, während anderen Nahrungsmitteln diese Stoffe ganz fehlen. Ich meine die Vitamine. Fast alle Obstarten sind reiche Vitaminträger. Die neueren Vitaminforschungen haben ergeben, daß durch Kochen der vitaminhaltigen Nahrungsmittel die Vitamine zerstört werden. Man soll deshalb Obst möglichst in rohem, aber reifem Zustand genießen. Bei gekochtem und eingemachtem Obst, das durch Erhitzen bis zum Siedepunkt unter Luftabschluß haltbar gemacht wird, sind die Vitamine nicht mehr wirksam. Es besteht aber begründete Hoffnung, daß Haltbarmachungsverfahren gefunden werden, bei denen die Vitamine erhalten bleiben. Soviel haben die Vitaminforschungen bis jetzt erwiesen, daß reichlicher Obstgenuh in zweckmäßiger Form dem menschlichen Körper sehr zuträglich ist. Deshalb eßt reichlich Obst, es gereicht euch zum Vorteil. Aber, wenn irgend möglich, eßt deutsches Obst. Deutschlands Gaue erzeugen reichlich Obst bester Art und besonders bie Güte des deutschen Apfels wird nirgends in ber Welt erreicht. Deshalb laßt ausländisches Obst beiseite, solange gutes deutsches Obst zu haben ist. Tut's um zweier Dinge willen. Der kleine deutsche Bauer und Obstzüchter ist heute wahplich nicht auf Rosen gebettet, im ' Gegenteil, er ringt, wie auch mancher andere Berufsstand, schwer um seine Existenz. Treten noch Fehlemten hinzu, wie in diesem Jahre in vielen Gegenden beim Apfel, bann fliehen bie Einnahmen aus bem Obstbau recht spärlich. Der Zollschuh, ben ber beutsche Obstbau bem Ausland gegenüber genieht, ist derartig gering, bah er praktisch nicht in die Wagschale fällt. Ihr unterstützt deshalb den deutschen Obstzüchter, ben Volksgenossen, wenn ihr deutsches Obst kauft. Zum zweiten. Die Mahnung, deutsches Obst zu essen, geht euch näher an als viele meinen. Das verarmte deutsche Volk hat im Jahre 1925 über 100 Millionen Mark mehr an das Ausland bezahlt für Obst und Gemüse als das reiche Deutschland im Jahre 1913. Dabei sind unter dem Aus- landobst Fruchtarten wie Bananen, Apfelsinen, italienische unb französische Weintrauben, deren Genuh wir uns in bem Umfange, wie es tatsächlich geschieht, versagen konnten. Im Jahre 1924 gingen grohe Mengen guter beutscher Dirnen wegen Abscchmangel zugrunde, während zu gleicher Zeit ungeheure Mengen französischer Weintrauben auf ben Markt geworfen wurden. Alles Geld, das wir für entbehrliche Dinge an bas Ausland bezahlen, geht bem beutschen Dolks- bermögen verloren. Und das deutsche Dolksver- inögen das find letzten Endes wir selber. Deshalb eht deutsches Obst, euch selber und euren Volksgenossen zum Wohle. Die Ausstellung. Die SchniLtblumen-AbLeilung. Dahlien. Die Bedeutung der Dahlie als herrschende Modeblumc kommt schon rein äußerlich dadurch zum Ausdruck, daß man ihr die südliche Giebelseitc der Empore in der ganzen Breite einräumte. Trotzdem staute sich die schaulustige Menge an dieser Stelle zeitweilig in beängstigender Weise, so daß mancher Liebhaber cs vorzog, seinen Besuch an einem der stilleren Wochentage zu wiederholen. Zwei hiesige Firmen, Döll und Hahn, haben hier einen Teil ihrer Sammlungen ausgestellt. Sie voll- ständig zur Schau zu bringen, war wegen Raummangels nicht möglich gewesen, es soll darum im Lause der Woche ein wiederholter Wechsel auch in den Sorten vorgenommen werden. Diese Vereinigung der Dahlienaussteller, in Verbindung mit der dekorativen Art des ganzen Aufbaues, Hunderter von herrlichen Sträußen ergibt einen wirkungsvollen Abschluß des weiten Raumes. Die Gärtnerei Weber hat außerdem noch eine kleinere Sammlung im Erdgeschoß untergebracht. Die neuere Richtung in der Züchtung von Dahlien bewegt sich in den von der Mode bevorzugten Far- bentönen zwischen Gelbrot, Orange und Kupferfarben nach Scharlach, die mit den (Blutfarben des Abendhimmels wetteifern wollen. Bevorzugt werden Sorten mit drahthartem, langen Stiel, welche die Blüte frei zur Schau tragen und wenig Blättermasse. Wir glauben es unseren blumenliebenöcn Lesern schuldig zu fein, eine kleine Auswahl solcher Sorten zu nennen, die in den letzten vier Jahren in den Handel gegeben wurden. Andreas Hofer, fatinrofa; Artis, leuchtend orange; Dichtertraum, malmnifonrofa; Engelmanns Liebling, lila; Freude, blendend scharlach; Freudensonne, dunkelscharlachrot mit gelber Scheibe, einfach; Kupferkönigin, leuchtend kupferrot; Mauerblümchen, kirschrot mit weißen Spitzen, ungemein reich- blühend; Mein Ideal, lilarosa; Meisterstück, flieder- farbig; Morgensonne, kupfrig chamois mit gelber Mitte; Mount Everest, reinweiß; Nachbars Gretel, bläulichlila; Rheinisches Mädel, karminrosa mit weißen Spitzen, eine sehr schöne Form; Schlageter, feurig, scharlachrot; Schöne Wienerin, lachsrosa; Dellow Perfection, schwefelgelb. Blutenstäuben. Die neueren unb neuesten Züchtungen herbst- blühenber Dlütenstauben zieren die linke Seite der elektrischen Abteilung im Erdgeschoß, wo sie auf eigens für diesen Zweck hergestellten schmalen Tischen Aufstellung fanden. Sie unterbrechen hier in angenehmer Weise bie nüchtern wirkenben Kraftmaschinen, Räder und Transmissionen. Ihr leuchtend Farbenspiel, aus welchem das herrliche Blau der herbstblühenden Rittersporne mit dem Gelb der verschiedenen Goldblumen und bem Rot ber Flammenblumen kontrastiert, verleiht biefer Seite bes Raumes erst jenes festliche Gepräge, bas Gartenbau-Ausstellungen vor allen anderen stets und überall beliebt werden läßt. Hebet die Verwendung ber Stauben als Gartenschmuck wird an anderer Stelle gelegentlich berichtet. Hier soll nur auf den bisweilen gehörten Einwand erwidert werden, welcher lautet: Wir Gärtner haben an der Verbreitung ber Stauben ein be= sonberes Interesse nicht. Sie blühen jedes Jahr wieder und das Publikum hat bann nicht nötig, andere Dlumenpflanzen zu kaufen. Dieser Standpunkt ist nicht richtig. Die Dlumenliebhaberei ist wie jede andere Liebhaberei nie mit dem gegenwärtigen Besitz zufrieden, sie verlangt nach mehr und wie der Sammler von Gelb, Bildern, Büchern ober Freimarken nie satt, unb mit ber Eintritt für jedermann frei! 7464a Werrstein II. in Bobstadt 2 Monate, dessen Ehefrau und P. Kreider III. in Hofheim je 1 M o- nat Gefängnis. Zeit nur anspruchsvoller wird, so verhall es sich auch mit Gartenblumen, nur mit dem Unter» schiede, daß man diese Objekte nicht im Tresor verschließen, sondern für jedermann sichtbar blühen lassen muh. 3e reicher eine Stadt an Blumen, um so mehr werden Fachleute Absatz und Verdienst finden. Aus der reichen Sammlung seien nur erwähnt, eine neue, immerblühende Schwertlilie, die neue silberblättrige Pcrowskia atriplicifolia, reizende Herbstastern in neuen Färbungen wie Aster aeris und luteus, die blaue Witwenblunre Schöne von Eisenach und farbenprächtige Dachwedel = Spierstauden. Ausstellerin ist die Firma Kayser L Seibert in Roßdorf bei Darmstadt, eine der bedeutendsten Staudenfirmen Deutschlands, die gegenwärtig über eine Million Pflanzen kultiviert. Gehölze. Die htesige Stadtgärtncrei stellt auf der gegenüber liegenden rechten Seite aus den reichen Beständen ihrer Anlagen und der jungen Baumschule Zweige aus. Aur wenige wissen, wie reich unsere städtischen Anlagen an Seltenheiten von Bäumen und buntlaubigen Sträuchern sind. Hier hat das Publikum Gelegenheit, einen Einblick in diesen verborgenen Reichtum zu tun, der durch die sauber ausgeführte Art der Benennung erleichtert wird. Konsumverein Gießen u. Umg„ Die Kultur der Topfpflanzen und ihre Behandlung im gimmer. -Ueber dieses Thema sprach im Rahmen der Gartenbau-Ausstellung in der Volkshalle llni- verfitäts-GarteninsPektor Rehnelt. Der Vortragende führte etwa folgendes aus: Der Erfolg häuslicher Dlurnenpflege ist in erster Linie abhängig von Verständnis der Pflanzen für ihre Bedürfnisse an Wasser und Nahrung, Licht und Temperatur. Jede Versäumnis darin wirkt sich in einer nachteiligen Veränderung der Wurzeln aus und äußert sich durch Bildung gelber Blätter oder Verlust derselben. Hierdurch leidet Aussehen, Frische und Schönheit der Blüte. Kehren solche Schädigungen, wie allzu große Trockenheit, wieder, so ist mit dem Eingehen der Pflanzen zu rechnen. Auch die Temperatur spielt eine bedeutende Rolle, Zimmertannen werden ausnahmslos zu warm gehalten, ihre Astquirle dürfen nicht abwärts sinken. Palmen sind in ihren Ansprüchen art Licht bescheiden. vertragen jedoch andererseits nicht die brennende Sonne. Wo sie dieser ausgesetzt sind, geht das frische Grün verloren. Ein Besprengen, um den Tau zu ersetzen, Reinhalten von Staub und Ungeziefer sind unerläßlich. Je mehr eine Pflanze wächst, um so eher und reichlicher darf gedüngt werden, die Düngung im ruhenden Zustande ist zu vermeiden, sie erzeugt leicht ein Versauern der Erde. Verpflanzt wird im allgemeinen bei wiedererwachendem Triebe im Frühjahr, Ende März oder Anfang April bis in den Mai hinein. Palmen erst gegen Ende Juni bis Ende Juli. Verletzungen der Wurzeln, wie sie unvermeidlich sind, schaden dann nicht. Kakteen werden im Sommer viel, im Winter spärlich begossen. Je wärmer der Raum, in dem sie stehen, um so öfter kann die Wassergabe geschehen. In kühlen Räumen hält man sie trocken. — Der Vortrag soll später wiederholt werden. Jahren erreicht worden ist. Der weitere Fortschritt der Technik und mit ihm die Verbilligung des elektrischen Stromes wird ihr zweifellos eine große Verbreitung sichern. Gegenüber fesselt die Ausstellung elektrischer Waschmaschinen und Waschautomaten die Aufmerksamkeit. „Die große Wäsche" wird eine Freude, zumal gerade hier der Hausfrau viele Sorgen, die der Dienstbotenmangel mit sich bringt, abgenommen werden. Diese Abteilung zeigt, vom Elektrizitätswerk und der Firma Brinkmann ausgestellt, Waschmaschinen verschiedener Größe und Ausführung jeden Bedarf. Auf der Galerie haben Möbel- und Tapetenhändler im Verein mit den Gießenr Installateuren ein Wohnungseinrichtung ausgestellt, die die Farbenpracht und Anpassungsfähigkeit des eletktrischen Lichtes verlockend vor Augen führt. Hier ist persönlichem Geschmack bei der Anordnung ein weites Feld offen. Verlangend richten sich auch die Augen auf die Holzbeleuchtungskörper der Firma M.B erle. Ein Beispiel für stilvolle kunstgewerbliche Arbeiten der Innenarchitektur bietet dieser jüngste künstlerische Zweig der Elektrotechnik. Beachtenswert sind auch die kleinen Eletkro- motorantriebe der Nähmaschinen, die von den hiesigen Vertretern der „Singer"- und „Phönix"- Nähmaschinenwerke ausgestellt sind und der vielbeschäftigten Hausfrau die Erfüllung ihrer Pflichten erleichtern. Zum Schluß möge noch die von der Firma Gg. Appel ausgestellte Badeeinrichtung genannt sein, eine Zierde für das Heim, der weite Verbreitung zu wünschen wäre. Ihre Hauptvorzüge liegen auf hygienischem Gebiete, und hier ist im Interesse Der Volksgesundheit noch viel zu tun, ehe das Ideal der Antike erreicht ist. „Das Mädchen für alles" hilft dir stoch mehr, verehrte Hausfrau, wovon ein anderes Mal zu sprechen ist. Dipl.-Jng. H. Weber. Elektrische Hausgeräte. •ileäer das Thema „Elektrische Hausgeräte" hielt gestern abend in der Volkshalle Oberingenieur Kühnel einen sehr stark besuchten Vortrag mit Demonstrationen. Der Redner gab einleitend einen historischen äkeberblick über die Tätigkeit der Hausfrau und die Entwicklung l>er Haushaltsführung, die insbesondere in neuerer Zeit in steigendem Maße auf eine Entlastung der Hausfrau hin tendiere. Ein bedeutender Fortschritt ergab sich mit der Einführung der Elektrizität in den Haushalt. Elektrisches Licht und Staubsauger beispielsweise durchlaufen dabei in ihrer Anwendung und Ausbreitung etwa die drei Stufen vom Luxus über den „Komfort" 3um Bedürfnis. Die Elektrizität im Hause wird wesentlich zur Beleuchtung, Heizung, Wohnungsreinigung und zum Küchenbetrieb verwendet. Der Vortragende ging im Laufe seiner Ausführungen dazu über, die einzelnen Anwendungsformen der Elektrizität im Haushalt an einer Reihe von Modellen praktisch zu demonstrieren. Verhältnis- chäßig einfache, bereits bekannte und im Gebrauch eingeführte Apparate sind etwa der elektrische Wasserkocher, Kaffeekocher und Teekocher, die in verschiedenen Konstruktionen auf dem Markt sind. Ebenfalls bekannt ist das elektrische Bügeleisen: eine Steuerung stellt hier ein eingebauter, auto- matischer Wärmeregler dar: (das sog. „denkende" Bügeleisen). Ein hygienisch beachtliches Instrument ist die elektrische Heißluftdusche, übrigens für warme und kalte Luft zu benutzen. Die elektrischen „Sonnen" stellen eine Llebergangs- oder Zusatzheizung dar: größere Heizkraft haben die elektrischen Oesen, sog. Widerstandsöfen, die ebenfalls auf verschiedene Heizgrade verstellbar sind. Als kommende Wohnungsheizung, so führte der Vortragende aus, sei der sog. Wärmespeicher anzusehen. Vielseitig ist die Verwendung der Elektrizität in der Küche. Bereits bekannt sind die Kochplatten. Die „elektrische Kleinküche" ist zum Vraten und Backen eingerichtet, kann auch als Kochkiste verwendet werden. Von Nutzen ist hierbei eine einzumontierende Schattuhr, die den Kochprvzeß in Abwesenheit der Hausfrau automatisch regelt. Elektrische Zweikochherde, mit dem Vorteil schneller Anheizung, sind zum Schnellkochen und Dauerkochen eingerichtet und können mit der „Kleinküche" kombiniert werden. Kleinere Flüssigkeitsmengen lassen sich durch den sog. Tauchsieder schnell erwärmen. Elektromotorisch betrieben wird der Staubsauger: das vorgeführte Modell ist ein dreiteiliger Kesselapparat (Motor mit Ventilator, Filter und Kessel) mit verhältnismäßig geringem Stromverbrauch. Aehnlich arbeitend, zum Reinigen und Polieren von Parkett und Linoleum, der Bohnerapparat, die „elektrische Scheuerfrau". Dann gab es einen Llniversal- molor für zwölf verschiedene Küchenmaschinen (Z. D. Fleischhacker, Brotschneider, Kartoffelschäler, Eismaschine, Buttermaschine, Schleifstein, Wäschemangel), an den normalen Steckkontakt anzuschließen: Stundenverbrauch 1 bis P/2 Pfennig. Der Vortragende schloß mit einem äleberblick über eine Anzahl weiterer eleftr. Apparate, in deren vervollkornmeter Herstellung und Verbreitung man in Amerika teilweise schon weiter fortgeschritten ist, als bei uns, z. D. Kühlschrank, Waschmaschine, Geschirrspülmaschine, Bügelmaschine und Lustverbesferer. — Die Ausführungen und Demonstrationen fanden den lebhaften Beifall des vorwiegend weiblichen Auditoriums. läßt eine abwechslungsreiche Verwendung zu. Die Gemeinde erwartet mit Spannung die Wirkung des Geläutes, dessen Beschaffung dem Opfer- und Kunstsinn der Einwohnerschaft ein ehrendes Zeugnis ausstellt. bs. Obbornhofen, 14. Sept. Es finden gegenwärtig Verhandlungen zwischen der Gemeinde und dem Hessischen Staate statt über den Ankauf des hiesigenTrinkbrunneNs, des sogenannten ..Obborns". Zu der geplanten Kohlenschwelerei mit Ferngasversorgung auf dem Kraftwerk Wölfersheim werden große Mengen Wasser benötigt. Die Gemeinde hofft, durch den Verkauf der Quellen unentgeltlich zur Anlage einer Wasserleitung zu kommen. Genaue Messungen und Bohrungen finden schon feit geraumer Zeit statt. Kreis Friedberg !?! Ossenheim, 14. Sept. Die Straßen- fperrung nach Friedberg, die bis zum 4. September angeordnet war, mußte bis zum 25. verlängert werden, da es sich nachträglich gezeigt hat, daß die llsabrücke reparaturbedürftig war. Die alte Drücke wurde abgebrochen und eine vollständig neue in Eisenbeton aufgeführt. Vom Ausggng unseres Dorfes bis nach Fauerbach hinein ist nun Klein- Pflaster hergestellt. Die Fortsetzung der Kleinpflaste- rung nach Nieder-Florstadt zu wird nicht zu umgehen sein, da die Straße, die erst vorigen Herbst gewalzt wurde, schon wieder starke Löcher aufweist. 00 Nieder-Florstadt, 14. Sept. Die er Tage fand hier eine sehr gut besuchte Versammlung statt, in der H. Ebert von der Bezirkssparkasse Mathüdenstlft in Friedberg über das Bauspar- fystem bei den öffentlichen Sparkassen Hessens sprach. Seine klaren und ausführlichen Erläuterungen gaben ein umfassendes Bild von dem abzuschließenden Vertrag, den Leistungen des Sparers vor und nach der Darlehensgewährung und der Auswahl der Darlehensempfänger. Beigeordneter Lue streifte das Wohnungsproblem in großen Zügen, verglich das zur Debatte stehende System mit ähnlichen Unternehmungen und trat für die Gründung einer Ortsgruppe ein, der auch 21 Bausparer beitraten. Es wurde ein Kassierer gewählt, die Wahl des Vorsitzenden aber noch zurückgestellt. Kreis Büdingen. y. Nidda, 14. Sept. Bei der hiesigen Gen - darmeriestation wird in Kürze eine Stelle für einen Wachtmeister abgebaut, wie dies vor einem Monat in Echzell geschehen ist. Es sollen künftig hier nur noch ein Oberwachtmeister und ein Wachtmeister wohnen, wie es vor dem Krieg der Fall war. Wachtmeister Kammer ist deshalb von hier nach Büdingen versetzt worden und wird zum 1. Oktober dorthin übersiedeln. bs. Borsdorf, 14. Sept. Am kommenden 1. Oktober tritt unser Lehrer Henrich in den Ruhestand. Nahezu 30 Jahre hat er hier our Zufriedenheit seiner vorgesetzten Behörde im Amt gestanden und erfreut sich hier infolge feines leutseligen, allezeit hilfsbereiten Wesens allgemeiner Beliebtheit. Dis zu feiner Erkrankung im vorigen Jahre versah er auch den Organistendienst an der hiesigen Kirche. Aus dem Niddatal, 14. Sept. Seit acht Tagen dampfen nach zweijähriger Pause wieder die „H o n i g k e s s e l". Die Birnen dazu sind reichlich vorhanden, und wer selbst keine besitzt, kann sie billig erstehen. Die Z w e t s ch e n find so spcifkich behangen, daß nur Vereinzelte sich zum Backen der beliebten Zwetschenkuchen versteigen können. Auch bte vorhandenen Aepfel, die immerhin reichlicher vertreten sind, als sich's im Frühsommer ahnen ließ, verteilen sich nicht auf die Allgemeinheit, sondern kommen einzelnen Obstzüchtern zugute, die günstig gelegene Obstfelder haben. Spät blühendes Wirtschaftsobst ist dabei am stärksten vertreten. Die einzelnen Gemeinden, die im allgemeinen über größere Obstanlagen verfügen, ebenso die Kreise erleiden durch das s ch l e ch t e A e p e l j a h r e m p- findliche Verluste. ):[ Aus dem B l e i ch e n b a ch t a l, 14. Sept. Nachdem die Heu-, Frucht- und Grummet- ernte gut ausgefallen und eingebracht ist, können die Dreschmaschinen überall ihr Surren ertönen lassen. In manchen Ortschaften des Tälchens laufen sogar zwei Maschinen, und viele Landwirte wußten schon vorher drei bis ver Stunden dreschen lassen, damit die übrige Frucht eingebracht werden konnte. Fallen nun noch die Kartoffeln und Dich wurzeln gut aus, so hat man dieses Jahr eine gute Ernte zu verzeichnen. Obst gibt es allerdings nur strichweise und auch da sehr wenig. Kreis Schotten. □ Laubach, 14. Sept. Dieser Tage wurde einer der wenigen noch lebenden Veteranen von 1870/71, der Landwirt Augusf 2'oche m, zu Grabe getragen. Das Leichengefolge war ungewöhnlich zahlreich: der Krieger- und Militärverein, der Schühenverein, der Gesangverein „Eintracht" gingen geschlossen mit. Die Destattung wurde durch den ansprechenden Vortrag des Chores „Wie sie so sanft ruhn" von tarn Gesangverein „Eintracht" eingeleitet. Dann führte Stadtpfarrer Nebel in beredten Worten aus, wie der Verstorbene in allen Lebenslagen ein tapferer Kämpfer gewesen sei. Hierauf legte ber Vorsitzende des Kriegervereins Herrn. Stotz 2 am Grabe des Mitbegründers des Vereins einen Kranz nieder, ebenso im Namen des Schützen- Vereins der Schützenmeister Kaufmann breiter einen solchen zu Ehren feines Mitbegründers und Ehrenmitglieds. Drei Ehrensalven beschlossen die Feier. Der Verstorbene war geboren am 13. Olt. 1847; vor vier Jahren hatte er seine goldene Hochzeit gefeiert. Er war ein waidgerechter Jäger und ein ausgezeichneter Schütze. Vor zwei Jahren uoch (im 77. Lebensjahre stehend) hatte er auf £>cr Düdinger Ghrenscheibe (gefristet vom Büdin- ger Schühenverein zum hiesiges Jubiläum) den besten Schuh innerhalb des Laubacher Schützen- Vereins, der eine ganze Reihe trefflicher Schützen zahlt. Noch im vorigen Jahr hatte er von allen Laubacher Schützen den besten Schuß auf die ogenannte „Hammelsgabe" beim Laubacher Notionalsest. dem „Ausschuß-Fest". Jochem war ein anspruchsloser, bescheidener und liebenswürdiger Mann. Er hatte einen lebhaften historischen Sinn und war eine lebendige Chronik. Jochem hatte im Hess. Garde-Drag.-Regt. gestanden. Von den Veteranen von 1870/71 leben Gerichtssaal. * Darmftabt, 14.Sept. Wegen zahlreicher oahrraddieb stähle in Oberhessen, im Rhein- aau usw. wurde der vorbestrafte Schuhmacher Gust Schmidtvon Halle zu4Jahren2Monaten Zuchthaus verurteilt. Bei den Diebstählen und bei dem Absatz der Räder in Frankfurt half ihm eine Prostituierte Marie Wimm; diese erhielt 2 Jahre und 6 Wochen Zuchthaus.. — Wegen Eisenbahndiebstählen auf der Riedbahn zwischen Mannheim und Gernsheim wurde der Rangierer Adam Jöst II. von Bobstadt 3" 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis und der Rangierer Martin Adam Wetzel von Groß- Rohrheim zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen Hehlerei erhielten die Ehefrau 3 ö ft und Marie Kehlin Obrigheim je 4 Monate Gefängnis, Heizer und Fabrikarbeiter Jakob Oberhessen. Landkreis Gießen. f. Klein-Linden, 14. Sept. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde zunächst die Einführung der Wertzuwachs st euer (sog. Jnflarionswertzuwachssteuer) gemäß den Vorschriften des Hess. Ministeriums beschlossen. Als Zuschußgemeinde ist die Gemeinde verpflichtet, alle Steuerquellen zu erfassen: deshalb muhte der Gemeinderat auch in diesen sauren Apfel beißen. Zwei neuer schlossen« Straßen erhalten die Namen Heg st raße und Berg- strahe. Bei dieser Taufe wurde berücksichtigt, daß möglichst die betr. Flur- und Gewann-Namen gewahrt bleiben sollen. Die jetzige Lebens- gaffe wurde umbenannt in Lahn st raße. Jedenfalls führte diese Straße schon vor vielen Jahren den Namen Lahnweg; mit der künftigen Bezeichnung ist hier eine Verbesserung einge- führt. Der Ausschlag der Gemeinde- Umlagen wurde zwecks Vorlage von Unterlagen bis zur nächsten Sitzung vertagt. X. 9. Hausen, 14. Sept. Gestern morgen verschied hier im 89. Levensjahre der älteste männliche Bewohner unseres Ortes, der Ehrenvorsitzende des „Turnvereins Haufen von 1864", Förster i. R. Karl Schlag. Der Entschlafene war eine durch seine Liebe zur Turnsache weithin bekannte Persönlichkeit. Karl Schlag war einer der Gründer des „Turnvereins Hausen von 1864" und gehörte diesem Verein schon 62 Jahre in vorbildlicher Treue an. Ununterbrochen, bis in die letzten Lebensjahre hinein nahm der Entschlafene an den Arbeiten im Turnverein mit Wort und Tat regsten Anteil. Keine Vorstandssitzung und keine Vereinsoersamm- lung ging ohne seine Mitwirkung vor sich, und noch vor wenigen Jahren — in seinem 85. Lebensjahre — begleitete Förster Schlag seinen Turnverein zu den Turnfesten des Tnrngaues Lahn-Dünsberg, dessen ältestes Mitglied er war. Der „Südwestdeutsche Turnverband", der in Schlag auch ein ältestes Mitglied verehrt, wollte diesem am 26. September d. I. den Ehrenbries des Verbandes überreichen lassen. Leider hat Karl Schlag diesen Ehrentag nicht mehr erleben dürfen. * Rödgen, 14. Sept. Die vierte Tagung der Arbeitsgemeinschaft Grünberg für dieses Schuljahr fand diesmal in Rödgen statt. Sie stand unter dem Motto „Erdkunde". Schon in zwei vorhergegangeaen Versammlungen war dieses Fach Mittelpunkt gewesen, und heute wurde es zum Abschluß gebracht. Die Tagesordnung war ziemlich reichhaltig, sollten doch zwei Lehrproben und ein Vortrag über Erdkunde gehört werden, ilm 8V2 Tlhr eröffnete der Führer her _ Arbeitsgemeinschaft Grünberg, Bö eher (Grünberg), die Tagung. Zunächst zeigte H. K 0 ch (Rodgen) eine Lehrprobe am Sandkasten. Darauf führte H. Leisenheimer (Rötzgen) Erdkunde in der Oberstufe vor. Er zeigte, wie die Kinder ohne große Mühe sehr viel aus der Landkarte herauslefen können. Daran schloß sich der Vortrag des H. Konrad (Weitershain) über Erdkunde, der manche beachtliche Winke enthielt. — Saasen, 14. Sept. Ein schwerer Unfall ereignete sich heute auf dem Wir- berg. Beim Ausladen der Kartoffeln schlug ein Pferd des Wilhelm Stark III auf dem Wirberg aus nach dessen Knecht und zerschmetterte diesem das Dein. Das Fehlen einer Telefonanlage auf dem Wirberg machte sich nun wieder übel bemerkbar. Denn in Gibelnrod, wohin der erste Bote ans Telefon ging, und ebenso nachher in Reinhardshain waren die Inhaber der Posthilfsstellen am Kartoffelausmachen und niemand zu Hause. So verging einige Zeit, bis ein Arzt aus Grünberg die erste Hilfe bringen konnte. Er ordnete die Verbringung deB Verunglückten nach der Klinik in Gießen an, die fofott vorgenommen wurde. t Grünberg, 13. Sept. Die Vereinigung der ehemaligenGardedragoner N r. 2 3 in Gießen, wozu auch Lich und Grünberg gehören, hatte ihre Kameraden zu einer Versammlung nach Grünberg einberufen. Zahlreich waren die Kameraden von Gießen und Lich diesem Rufe gefolgt. Den Vorsitz führte Freiherr t>. Röder. Zur Frage eines Denkmals für die gefallenen Kameraden wurde mit» geteilt, daß die beiden Regimenter Nr. 23 und 24 gemeinschaftlich ein Denkmal errichten wollen, das einen Stand in der Nähe der Rhein- und Waldstraße in Darmstadt erhalten soll. Der Vorstand wurde auf 3 Jahre durch Zuruf gewählt, und zwar als 1. Vorsitzender Freiherr v. Röder, 2. Vorsitzender Ober-Telegraphensekretär Nöhl- Giehen, Schriftführer Verw.-Jnsp. Vollmüller- Gießen, Rechner D ö r ne r-- Gießen, Beisitzer Vogt- Lich und Becker- Grünberg. Der Beitrag wurde auf 1 Mk. pro Halbjahr estgesetzl; weiter wurde bestimmt, daß die nächste Versammlung im Gründungsmonat April n. I. — das Regiment ist im April 1790 gegründet worden — in Gießen stattfinden soll. * Hungen, 14. Sept. Dieser Tage besichtigten die oberen Klassen der hiesigen Höheren Bürgerschule die Grube A b endstern der Bu- deruswerke. Unter sachkundiger Führung des Bergwerksverwalters lernten die Schüler die bergmännische Gewinnung des Brauneisensteins, seine Zerkleinerung, Reinigung und Weiterbeförderung kennen. Ein zweiter Gang führte die Schüler in die Dampfziegelei Hungen, wo ihnen die Herstellung des Ziegelsteins gezeigt wurde. Das schöne Wetter der letzten Tage benutzte die Anstalt zu' ihrem großen Tagesausflug. Ein Teil der Klassen besuchte den Zoologischen Garten und den „Röme r" in Frankfurt a. M., der andere Teil wanderte in unseren schönen Vogelsberg, wo der Hoherodskopf, der Taufstein und die Herchenbainer Höhe erstiegen wurden. * Bellersheim, 14. Sept. Zu dem Bericht vom 7. September über das Eintreffen und die Abholung der neuen Glocken für unsere Gemeinde kann ergänzend mitgeteilt werden, daß die beiden alten, auf dem Turm verbliebenen Glocken auf die Töne b und c stimmen, so daß unsere Gemeinde nach Aufhängung der neuen Glocken das Vier- getönte es — g — b — c erhalt. Dieses Geläute Das Reich der Hausfrau auf der Elektrizitätsausstellung. Zeigte die Bevölkerung schon für die Ausstellung im ehemaligen Hotel Einhorn ein reges Jnter- . esse und bekundete damit das Bedürfnis, sich mit den Anwendungsmöglichkeiten der Elektrizität vertraut zu machen, so ist es in noch höherem Maße der jetzigen Elektrizitätsausstellung gegenüber der Fall. Räumlich und inhaltlich erweitert, ist hier ein mannigfaltiges, wenn auch nicht lückenloses Bild von der Leistungsfähigkeit der deutschen Elektrotechnik geschaffen worden, das allseitige Beachtung verdient. Die hohe Besucherzahl der ersten Ausstellungstage zeigt den Veranstaltern und Ausstellern, daß sie einem Bedürfnis entsprochen haben, und zwar mit viel Geschick und unter bester Raumausnutzung. Schwerer hat es der Besucher bei dem vielfach .Neuen und Unbekannten, sich einen Ueberblick zu schaffen und ein sicheres Urteil zu gewinnen, wobei ihm sicher die Vorführungen im Betriebe eine wesentliche Erleichterung schaffen. „Ich helfe dir in Haus, Gewerbe und Landwirtschaft" — so etwa wird er empfangen. Sparen, ein Begriff, der wieder ständig an Ansehen wächst. Sparen an Geld, Zeit und Arbeitskraft. Diese drei liegen für ihn im Bereiche des Nützlichen, aber darüber hinaus stellt der Verbraucher elektrischer Energie noch andere ideelle Momente, wie Bequemlichkeit, Sauberkeit und Formenschönheit in den Kreis seiner Betrachtungen. Die Verbindung dieser einzelnen Empfindungen wird ein subjektiv verschiedenes Ergebnis zeitigen, womit die Mannigfaltigkeit der Ausführungen einzelner Apparate ihre Erklärung findet. Je nach dem Verwendungszweck wird auf das eine ober andereMoment der größere Wert gelegt, so daß einmal der Anschaffungspreis, ein anderes Mal die Betriebskosten ausschlaggebend sind für Anschauung und Entschluß des Käufers, wobei die getroffenen Zahlungserleichterungen, wie auch das Entgegenkommen des Elektrizitätswerkes bei der Festsetzung der Stromtarife wesentlich sind. Der Hausfrau soll heute an dieser Stelle aus ihrem Reiche ein Ueberblick gegeben werden, und gerade hier ist die Elektrizität in den letzten Jahren das „Mädchen für alles" geworden. Die reichhal- tigftc Auswahl in Kleingeraten wie Staubsaugern, Tee- und Kaffeemaschinen sowie ganzen Servicen, Brotröstern, Koch- und Bratapparaten, Brenn- scherenwärmern, Heizsonnen und vielen anderen der Marke „Protos" der Siemens-Elektrowärm-Ges. und Graetzer bringt das städtische Elektrizitätswerk. Die technisch vollkommenen, geschmackvollen Muster in jeder Preislage werden den Beifall aller Besucher finden. Mit Interesse werden die Hausfrauen den Kochvorführungen der vom gleichen Werke ausge- stellten elektrischen Küche folgen und rückhaltlos anerkennen, daß ein elektrische Küche nur Freude macht ob ihrer Reinlichkeit. Echaunlich ist die technische Vollkommenheit, die unter Benutzung aller Ersah- rungen der Kohle- und Gasherde hier in wenigen an, Wanderherde. 7380D MWWlWMM Nr. 76 Nur Qualitätsmarken Schluß des Ausverkaufs Auf zum Trieb! Bin wieder mit einem großen Lager Ludwig Lazarus Asterweg 53 Südanlage 7 Südanlage 7 B für 25 Rm. 7245D iS- vollständig trockene nimmt < abge- Räude Ende September. Günstige Gelegenheit zum Einkauf fürWeihnachten in Parfümerien, Toiletteartikeln, Kopf- und Kleiderbürsten welcher einige Schafe hier zurückblieben, geschleppt worden ist. — In diesen Tagen wieder 160 Lämmer aus der Umgegend daß von einsind ein- Stinkbombe in das gut besuchte LokaL Die Angelegenheit dürfte ein gerichtliches Rachspiel zur Folge haben. > '' iitu Telephon 1505. Nr.16 Sonntag, den 19. September, 10 Uhr, aus der Liebigshöhe. Redner: Neichstagsabg. Malermeister Haoemann, Hildesheim; Landtagsabg. Schreinermeister Lauten bacher, Dieburg. Thema: Handwerkerfragen. 74470 — Alle Handwerker find herzlich willkommen. Ortsgewerbeverein Schafherde mußte schafft werden, da die ausgebrochen war. Man die Seuche von einer Handarbeitsschule von Frl. Landmann, Gießen 14. Sept. Seit acht r Pause wieder die n dazu sind reich- 'ne befiel, tann sie linb fo fpätfdj beginn Waden bet en können. Auch Echin rrichücher immer ahnen steh, emrmheit, sondern zugute, die günstig t blühendes Wirtvertreten. Die ein» , allgemeinen über benso die 9reife, epseljahremp- iüchtal, 14. Sept, und (Brummet« und eingebrachi ist, rall ihr Surren ernsten des Wchen; nd viele Landwirte ■r Stunden dreschen eingebracht werden artofieln und Dick- cses Jahr eine gute es allerdings nur elfjährige Junge Fleischwunden er litt. Die Kinder wurden nach Marienberg in das Krankenhaus gebracht. A Höhn, 14. Sept. Auf der Grube Alexandria bei Höhn verunglückte gestern der vierundzwanzigjährige Emil Dörr aus Zehn- hausen. Beim Losschießen der Koblenmassen vor Schichtwechsel hrqjinle eine Zündschnur zu schnell durch, so daß sich die Arbeiter rricht früh genug entfernen konnten. Dörr wurde von den Kohlen getroffen und beiseite geschleudert. Er erlitt einen schweren Oberschenkelbruch und einige Kopfverletzungen. Ein zweiter Arbeiter konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Maingatt. WER. Frankfurt a. M., 14. Sept. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß in ihrer heutigen Sitzung die Aufhebung der städtischen Getränke st euer ab 1. April 1927. 3n der Zeit vom 1 Juli 1926 bis 31. März 1927 soll die Steuer nicht mehr vom Derkauss-, sondern vom Einkaufspreis erhoben werden. — Ge- mqji dem Anträge des Hauptausschusses lehnte daS Plenum der Stadtverordnetenversammlung den Antrag des Magistrats, für die 3 u b i - läumsfestgabe an die Universität Marburg die zweite State mit 5000 Mark zu bewilligen, wiederum ab. — Dieser Tage wurde der 48jjihrige Duchbindermeister Böhm aus Walldorf in Hessen kurz vor seiner Wohnung von einem plötzlichen Unwohlsein befallen. Böhm, der zusammen mit seinem Schwager auf einem Motorrad saß, erlitt kurz darauf einen Herzschlag und stürzte vom Rade, wobei er sich noch einen Schädelbruch zuzog. Der herbei- gerujene Arzt konnte nur noch den Tod fest- stellen. WSR. Hanau, 14. Sept. Eine Bande von sechs Mann, die den Landkreis unsicher machte, wurde gestern fest genommen. Die Kerle gingen in die Wirtshäuser und verstanden es, den Wirt zu bewegen, kurze Zeit das Lokal zu verlassen. Diese Gelegenheit wurde benutzt, um zu stehlen, was erreichbar war. So wurden zahlreiche Diebstähle ausgeführt. Die Festnahme gelang gestern in Hüttengesäh. tt. ■ Dieser W lebenden De le- Landwirt August Has Leichengesorge >rr Krieger- und ein, der (MW ch»> , ^re-teil Mrten M Hierauf W rboren am J er I «t •Wftg* f >end> W Ajdin- Schützen MJÄauf die «Ä w“ est • s Gebens- J. ge* Meine Kanzlei befindet sich ab 16. September Westanlage 31, im Hause des Herrn Oscar Gutmann Leun Fernsprecher 109 Rechtsanwalt . Wi$ s$t & L VA Qic statt ÜR 'nkbr^den 3u der m, e,,/ Anigg. ’ 'M: Preußen. Kreis Biedenlopf. XX Sieben topf, 14. Sept. Im Hinblick darauf, daß die Ueberschwernrnungen der Flüsse in der Hochwasserzeit in den letzten Jahren große Schaden angerichtet haben, hat der Bezirksverband, um diesen Schaden in Zukunft nach Möglichkeit zu beseitigen oder zu verringern, zur Förderung der Flußregulierungen, entsprechend dem Vorgehen des Staates, Mittel als Beihilfen zur Verfügung gestellt. So hat der Landesausschuh u.a. zur Regulierung der Eder in der Gemarkung Battenberg 15 000 Mark bewilligt. * Gladenbach, 14. Sept. Mit dem landwirtschaftlichen Fest war eine Verlosung von Rindern, Ziegen, Schafen, Schweinen, landwirtschaftlichen Maschinen, Geräten und Haushaltungsgegenständen verbunden. Am vergangenen Sonntag hat die Ziehung stattgefunden. Die zehn ersten Gewinne sind auf die folgenden Nummern gefallen: Nr. 4846 ein Rind, Nr. 9399 ein Rind, Nr. 7643 ein Schwein, Nr. 3704 dasselbe, Nr. 74 eine Ziege, Nr. 6838 dasselbe, Nr. 1755 ein Schaf, Nr. 8402 dasselbe, Nr. 2912 ein Pflug N. W. 7 komplett, Nr. 2807 ein Pflug N. W. 5 komplett. XX A u s dem Dünsbergaebiet, 14. Sept. Die Brombeere ist heuer reichlich rund um den Dünsberg vertreten. Ueberall an Wald- und Wegerändern, wo Brombeersträucher anzutreffen sind, hängen diese voll. T Waldgirmes, 14. Sept. Die hiesige Bergwerke, Salinen und Hütten in Hessen. Im Volksstaat Hessen waren 1925 in Betrieb: 28 Bergwerke, davon eins in der Provinz Starkenburg (Messel), die anderen sämtlich in de'r Provinz Oberhessen. 1. Braunkohlenbergwerke: 6 (Geiß- Nidda, Messel, Trais-Horloff, Weckesheim, zwei Wölfersheim). Die Gesamtförderung an verwertbaren Braunkohlen betrug 428 859 Tonnen im Wert von 2 211 006 RM. Der Wert einer Tonne belief sich sonach auf 2,82 RM. Von diesen Rohkohlen wurden abgesetzt durch Verkauf, als Deputate und zum Selbstoerbrauch der Gruben 98 370 Tonnen im Werte von 331578 RM. (Der größte Teil dieser Wertsumn.e ist in der Schlußsumme unter „Roh- braunkohlcn" außer Ansatz geblieben, da er im Wert der Braunpreßkohlen- und Schwelerei-Erzeugnisse wieder erscheint.) Durchschnittlich wurden täglich beschäftigt: 398 Arbeiter und Angestellte mit einer Iahessumme an Löhnen und Gehältern von 673 925 Reichsmark. 2. Eisenerzbergwerke: 22 (Atzenheim, Dernsfeld, Bleidenrod, Feldheim, Flensungen, Flen- sunger Hof, Freien-Seen, Gambach, Gießen, Groß-Eichen, zwei Hungen, Ilsdorf, Lardenbach, 'rg. h^en, b's m 25 6ep‘ ie Dollftänh;'6 II j[^9 unjtres Sw äS. KZL 5^5 SpQr“rb; Armig und der rm .$ei9eorineler großen k f« die Srün. .QU$ 21 Saufparer '»er,.9e< die ’ runnkgestellt. len. ^.hiesigen Gen. ^urze eine Stelle gebaut, wie dies riehen ist. Es sollen 'achtmeister und ein ,or dem Krieg der " ist deshalb von )en unb wirb gum 2m kommenden renrich in dm hre hat et hier elften Behörde sich hier infolge »bereiten Wesens seiner Ertränkung h den Orgamsisn- Nieder-Ohmeu, Ober-Rorbach, zwei Solms-Jlsdori, zwei Swckhausen (Kreis Gießen), Weickartshain, Zell (Kreis Alsfeld). — An rohem Erz einschließlich natürlicher Nässe wurden gefördert: 601 021 To. Der Erzabsatz ohne Aufbereitung betrug: 62 882 To. im Werte von 730 974 RM., der Wert je Tonne belief sich daher auf 11,62 RM. Mittels Aufbereitung erst absatzfähig gewordener Erze wurden noch gewonnen: 105 165 To. im Werte von 1 104 716 RM. oder je Tonne 10,50 RM. Don diesen abgesetztcn ober absatzfähigen Erzen waren Eisenerze mit weniger als 12 Prozent Mangangehalt: 127 014 To. im Werte von 1 343 294 RM. und Eisenmanganerzc mit 12 bis 30 Prozent Mangangehalt: 41 033 To. im Werte von 492 396 RM. Arbeiter und Angestellte sind beschäftigt worden: 815. Ihnen wurden an Löhnen und Gehältern bezahlt: 944 884 RM. 3. Bergwerke ohne Förderung: 8, und zwar ein Braunkohlenbergwerk (Homberg a. d. Ohm) und 7 Eisenerzgruben (Burg-Gemünden, Büß- feld, Deckenbach, zwei Geilshausen, Grünberg und Rüddingshausen). Es fanden nur Aufschlutzarbeiten statt, die zum Teil schon wieder eingestellt worden sind. Die Belegschaften sind unter „Braunkohlenbergwerke" und „Eifenerzbergweske" mit aufgeführt, auch ist der ihnen bezahlte Lohn dort mit nachge- wiesen. Bruche und Gruden unter bergbehördlicher Aufsicht: 10, und zwar: 1. Bauxitgruben: 4 (Geilshausen, Göbelnrod, Langsdorf, Lich). Die Jahresförderung an absatzfähigem Bauxit hat betragen: 1066 To. im Werte von 15 210 RM., die Zahl der Arbeiter und Angestellten: 9, denen an Löhnen und Gehältern 11 607 RM. gezahlt wurden. 2. Sonstige: Eine Schwerspatgrube (Klein- Umstadt); eine Marmorgrubc (Auerbach); 4 Kieselgruben (Altenschlirf, Beuern, Ober-Ofleiden, Stein- furt). Gesamterzeuaung: 9768 To. im Werte von 231710 RM. Beschäftigt waren 101 Arbeiter und Angestellte mit 122 218 RM. Löhnen. Anlagen zur Verarbeitung von Kohlen: 6, und zwar: 1. Braunpreßkohlenwerke: 4 (Trais- Horloff, Weckesheim, zwei Wölfersheim). Preßkohlen wurden hergestellt: 8604 To. im Werte von 123 009 RM. Der Wert einer Tonne Briketts berechnete sich mit 13,21 RM., der einer Tonne Naßpreßsteine auf 15 RM. 39 Arbeiter und Angestellte wurden in den Betrieben beschäftigt, mit einer Jahressumme an Löhnen und Gehältern von 67 026 Reichsmark. 2. Schwelereien: Eine (Messel). 3. Steinpreßkohlen ° Werke: Eine (Gllstavsburg). Salinen: Zwei (Bad-Nauheim, Wimpfen). 2(n Siedesalz wurden gewonnen: 14 085 To. im Werte von 681 396 RM., an Abfallsalz 62 To. im Werte von 531 RM. und an roher Mutterlauge 1,06 Kubikmeter im Werte von 159 RM.; zusammen sind dies 14147 To. und 1,06 Kubikmeter im Werre von 682 086 RM. Der Absatz an Salzen hat betragen 13 948 To. im Werte von 672 845 RM. Es mürben 105 Arbeiter unb Angestellte beschäftigt, und ihnen an Löhnen unb Gehältern 210 577 RM. gesuhlt. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt elngesandte Hinauf tripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzelgenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. WassAIM* uiid Pferde-Decken zu billigsten Preisen sowie Scheuertücher, Fruchtsäcke und Seilerwaren jeder Art. Unterrichtinallenweiblichen Handarbeiten Zuschneiden der Wäsche - Hand- und Maschinennähen, Stickereien jeder Art - Filet — Klöppeln - Occhi usw. Aenderung von Wäsche und Kleidern. 7354V Gasherde Junker & Ruh — Gaaaenau in größter Auswahl Mols Mim, VMM. ZZ Erleichterte Zahlungsbedingungen. Auf Wunsch Ratenzahlungen. geführt worden. — Trotz der Arbeitslosigkeit konnte hier in diesem Jahre fein Gänseh > rte gewonnen werden. Es sind deshalb nur noch einige Gänse hier. — Auswärtige Händler kaufen augenblicklich die besseren Birnensorten auf und zahlen pro Zsntner 8 und 9 QHf. Für Zwetschen. die sehr spärlich ausfallen, werden 13 Mk. gegeben. Kreis Westerburg. CO Westerburg, 14. Sept. Gestern abend brannte in Hergenroth bei Westerburg ein Wohnhaus nieder. Die Veranlassung zu dem Brand soll die Explosion einer Petroleumlampe gewesen fein. Außer dem Material sind vier Hühner ein Raub der Flammen geworden. Ein Junge erlitt mehrere Brandwunden, besonders an den Händen. Obcrwesterwaldkreis. & Hachenburg, 14. Sept. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich auf dem Wege von Hachenburg nach Alpenrod. Die Geschwister Karl und Anna Pfeiffer kamen mit einem mit Holz beladenen Handwagen aus dem Wolde. Au sder Höhe der Straße kam ihnen der Motorradfahrer H. Groß aus Hachenburg entgegen. Die auf der linken Straßenseite fahrenden Kinder wichen anfangs nach rechts aus, drehten aber gleich wieder nach links, so daß ein Unglück nicht vermieden werden konnte. Groh fuhr auf die Kinder unb verletzte das dreizehnjährige Mädchen schwer, während der A. Welz, Seltersweg 6 __________________________________________________ 7522D Barmer Klöppelspitzen eingetroffen und verkaufe direkt ab Fabrik ohne Zwischenhandel zu den äußerst billigsten Preisen Otto Dick aus Barmen jetzt in Laubach nur noch sechs. — Wir hatten seinerzeit gemeldet, daß Aussichten auf eine gute Hasenjagd seien. Diese Aussichten haben sich nicht erfüllt. Ebenso ist die Hühnerjagd unter dem Durchschnitt. Die Fasanen, die früher hier zahlreich waren, sind völlig verschwunden. -Unter den Füchsen stellt man immer noch häufig die Räude fest. Kreis Alsfeld. ck. Born unteren Vogelsberg, 14. Sept. Seit einigen Tagen ist hier die Hühnerjagd auf« gegangen, aber sehr selten hört man die Büchse des Jägers knallen. Die paar Rebhühner, die in mancher Gemarkung ihr Leben fristen, kann man zählen. In einem Jagdbezirk find bis jetzt nur drei Ketten gesehen worden, gegen 10 bis 12 Ketten in früheren Jahren. Durch das feuchtkalte Wetter sind viele Gelege zugrunde gegangen. Auch mit Hasen ist es sehr schlecht bestellt. Die ersten Jungen im Frühjahr sind durchweg eingegangen. Was man jetzt an Junghasen sieht, sind kleine Kreaturen, die das Abschießen nicht wert sind. Eine Wilbart, bie man hier fast nicht mehr findet, ist der Fasan. Trotz öfteren Aussetzens von Jungvögeln kommt der Bestand nicht hoch, da ihm als seltenem Wilde zuviel nachgestellt wird. Im Ohmtal war vor einigen Jahren der sehr schöne Ringsasan stark vertreten, heute findet man in manchen Bezirken nicht einen einzigen mehr. ck. Wettsaasen, 14.Sept. Dieser Tage kam ein mit einem Herrn und einer Dorne besetztes Motorrad von der Richtung Kirschgarten mit starkem Tempo in den hiesigen Ort eingefahren. Beim Kurvennehmen schluodas Motorrad um, beide Fahrer kamen zu Fall, dürften aber mit einer zerbrochenen Laterne unb einigen Hautabschürfungen davon gekommen sein. Kreis Lauterbach. ----Lauterbach, 14. Sept. Die landwirtschaftliche Kreisschau hat infolge der ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche eine wesentliche Einschränkung erfahren müssen, sämtliches Klauenvieh (Rindvieh, Ziegen, Schweine und Schafe) mußte von der Kreisschau ausgeschlossen werden. An Ruhtieren kommen also nur Pferde und Geflügel zur Ausstellung. Sehr reichhaltig werden dafür die Gruppen Ackerbau und Obstbau, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Molkerei-Erzeugnisse und wissenschaftliche Arbeiten beschickt fein; die Anmeldungen laufen sehr zahlreich ein. Die Ausstellung findet vom 25. bis 27. September statt. Der Reit- und Fahrverein Lauterbach wird ein Reiterfest damit verbinden. Auf der Dogels- bergbahn sollen Extrazüge eingelegt werden. Die Prämierung von Klauenvieh hofft man mit dem nächstjährigen Prämienmarkt im Juni verbinden zu können. Starkenburg. * Darmstadt, 14. Sept. Auf dem Bahnhof Kranichstein ließ sich ein 15jähriger Metzgerlehrling von einem Triebwagen der Bahn aus Furcht vor Strafe überfahren. Er hatte sich bei feinem Meister in Arheilgen Unterschlagungen zuschulden kommen lassen. Rheinhesien. WSR. Mainz, 14. Sept. Am Samstagabend ereignete sich hier bei der Eröffnung einer Wirtschaft ein unangenehmer Zwischenfall. Kurz nach der Eröffnung warf ein Wirt aus der Rachbarschaft eine Giehener Pferde-Lose ä 1 Rm. sind in allen durch Plakate kennt lichen Geschäften zu haben. Ziehung am 30. September. General-Vertrieb Duchacker, Staatlicher Lotterie-Einnehmer. Daselbst 11 Lose für 10 Rm. und 28 Lose Tav 8 ÄS? 1 MM V." ■' ■ ■. , / / / ÜDI t>ho6/eren_/ VKl ■yfe'- <.... _ - MWUM W-W’ ß ZIGARETTEN Rot • Statt Karten! kannt gegeben. 06312 Cafe Astoria Frankfurt a. M. Gießen Heule Erntefest 15. 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Herbert Für die uns zu unserer Vermählung in so reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst WM Heyne und Frau Gretel geb. Bourkarde wegen großer Nachfrage weitere Almvorträge des Konsumvereins Frankfurt a. M. Sternstraße 44 Gg. Schieferstein, Lieh Maschinenfabrik • Fernsprecher Nr. 17 Nr. 67 Kartoffel-Erntemaschinen neuester Konstruktion, ein- und zweispännig Bekanntmachung den Wochenmarkt betreffend. Der Wochenmarkt beginnt von Donnerstag, den 16. September 1926 ab, vormittags um 8 ühr und endigt um 2 Ahr nachmittags. 7518B Drehen, den 15. September 1926. Der Oberbürgermeister. 3. V.: Dr. Rosenberg. Singer Nähmaschinen; ■■' Akfiengeselfechatr {i t> n^erlädeo überall Donnerstag, den 16. September, nachmittag; 2 Uhr versteigere ich im „Löwen". Reuenweg 28 zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Kassenschrank, eine Schreibmaschine, 1 Standuhr, 2 Büfetts, eine Kredenz, 3 Schreibtische, 4 Sofas, 6 Vertikos, 1 Truhe, 1 Diwan, 2 Sessel, 2 Nähmaschinen, 1 Bücherschrank, 1 Kommode, 3 Spiegel, 1 Grammophon, 7 Sand- steinblöde, 1 gr. Rollwagen, 114 verschiedene Bücher, 1 Elektrisiermaschine, 1 anatomisches Modell, 1 Modell eines Roggen-Rehrchens, 1 Schweihappara t, 1 elektr. Ventilator. 7524c Dern Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinstr. 13. ktaMmtfeta nitgllod d. Blocbsm. Bandes Deatschl. e. V. Freunde und Interessenten der Biochemie laden mir ah Samstag, den 18. September 1926, un großen Saale des früheren Hotels Groirberzoa — aeaenliber Hotel Schütz — abends pünktlich S*/2 Ubr, zu einem Vortrag eines ausmärnaen Redners und Führers in der Biochemie über Dr. Schiinler'iche Mineralsalz-Tberavie ob. Biodiemie, einfachste, billigste und absolut giftfreie VolkSheilweife, herAlichst ein. [06308 Kein Trinkzwang. — Kein Eintritt. Der Vorstand. Oer schwarze Pierrot Abenteurer- und Gesellschaftsfilm in 8 spannenden Akten. In den Hauptrollen: Harry Piel und Dary Holm Ferner: Jimmy der Pfadfinder in V Akten. Neustadt 56 GIESSERN Telephon 660 Arbeitsvergebung Für die Herstellung einer Wasserversorgung der Gemeinde Landenhau s e n sollen nachfolgende Arbeiten und Lieferungen vergeben werden: Los 1. Brunnensasfung en und Sammelkammer ; i Los n. Hochbehälter (160 Kubikmeter j Rutzinhalt); Los III. Rohrnetz (40 bis 125 Millimeter l. W. Gußrohre). Pläne und Bedingungen liegen bei uns offen. Angebotsvordrucke zu 1 Mk. für Los 1 und je 1,50 Mk. für Los 11 und 111 können gegen bar von uns bezogen werden. Eröffnung der Angebote bei dem unterzeichneten Amt Samstag, den 2 5. ds. Mts., vormittags 10 Ahr. Freie Auswahl Vorbehalten. Zuschlagsfrist 14 Lage. Gießen, bzn 10. September 1926. k , Hessisches Kulturbauamt. U - J.D.: Mangold. 7509D 5000 Mk zur Auszahl. v. 2 kl. Hypotheken (Aufwert. Aul.) gegen Eintragung als erste u. einzige Hypothek auf schuldenfreies Haus- und Baugrundstück im Steuerwert v. 67000 Mk. von Selbstgeber gesucht. Schriftliche Angebote unter 06302 an den Gießener Anzeiger erbeten. Heute letzter Tag: Die aus erster Ehe sowie: Oer Raub in der Zentralbank Morgen Donnerstag Uraufführung Harry Piel in 2Iud) am Samstag, den 18., und Sonntag, den 19. September finden nachmittags um 4 Uhr für Kinder und abends um 8 Uhr für Erwachsene weitere Filmvorträge statt. Die Karten hierfür werden vom Donnerstag ab in der Warenausstellung im Saalbau Sauer ausgegeben. Sollten auch diese beiden Tage nicht ausreichen, müßten wir im Laufe der nächsten Woche den Film noch einmal laufen lassen. Der Vorstand. I Leit 20 Jahren I liefere irünnrant.rei» nenBiütenSchleuder- HONIG 10'Pfd.-Büchse^l0.-, halbe 5.50, Porto extra Gar. Zurück«. Fischer, Lehrer a.D., Honigversand, Ober- nen!and76,Str.$rem. Stritfniafdiinc!! neuester Konstruktion lauchTeilzahla.) 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Diese Machtbestrebungen richten sich englischerseits in erster Linie aus die Nordwest st recke Abessiniens, das Gebiet des Tana- See, der den Blauen Nil mit Wasser versorgt und den England durch Bau eines großen Stauwerkes zu einem großen künstlichen Wasserbehälter für die Wasserversorgung Aegyptens auszugestalten plant, französischer- und italieni- Öits vor allen Dingen auf den östlichen Teil niens, wo Frankreich in der im Jahre 1916 fertiggestellten Eisenbahn Djibuti — Adis Abeba die einzige Zufahrtstraße nach Abessinien besitzt und Italien bereits seit langem den Bau einer Eisenbahn plant, die seine beiden Kolonien Erythräa und Somaliland miteinander verbinden soll. Sie traten zum erstenmal in Erscheinung in den achtziger und neunziger Jahren, als Italien, in Nordafrika durch Frankreich verdrängt und auf dem Balkan durch Oesterreich überflügelt, das Schwergewicht seiner politischen Bestrebungen in engen» Anlehnung an England nach den Küsten des Roten Meeres verlegte. Italien versuchte, gestützt auf den Vertrag von Utschalli, den es am 2. Mai 1882 mit Kaiser M e n e l i k II. abgeschlossen hatte, Abessinien italienischer Schutzherrschaft zu unterstellen. Es kam zu mehrjährigen Kämpfen zwischen Italien und Abessinien, hie schließlich am 1. März 1896 mit der vernichtenden Niederlage der von General Baratieri geführten italienischen Truppen bei A d u a endeten. Italien konnte zwar im Frieden von Adis Abeba am 26. Oktober 1896 Erythräa behaupten. Es muhte aber auf die erstrebte Schutz- Herrschaft über Abessinien verzichten und die Sclb- stäydigkeit desselben anerkennen. Die Folge davon war einmal der Sturz des italienischen Ministerpräsidenten Crispi und im Zusammenhang damit eine immer stärkere Abkehr Italiens vom Dreibund zu Gunsten einer Annäherung an Frankreich', dann aber vor allen Dingen, daß Abessinien lange Zeit sowohl von Italien wie auch von England und Frankreich unbehelligt blieb. Wenn Abessinien damals leine Unabhängigkeit rettete und sie sich bis heute vewahrt hat, so verdankt es dies neben den äußerst schwierigen Gebirgsverhältnissen, die den Angreifer in den tief eingeschnittenen Schluchten und Tälern zum Marsch in mehreren voneinander durch hohe Gebirgszuge getrennten Kolonnen zwingen und damit der Verteidigung, wie dies die Niederlage der Italiener bei Adua klar gezeigt hat, sehr günstige Erfylgsmog- lichkeiten bieten, vor allen Dingen den kriegerischen Tugenden seiner Bevölkerung und seiner bewaffneten Macht. Abessinien besitzt eine bewaffnete Macht von über 200 000 Mann. Sie ist mit modernen Militär^ewehren, mit Maschinengewehren und Gebirgsgeschutzen ausgerüstet und kann in einem Kriege unschwer auf das Doppelte erhöht werden, bg die einzelnen Stämme trotz ihrer dauernden inneren Streitigkeiten einem äußeren Feinde gegenüber unbedingt zusammenhalten, der es wagt, die Selbständigkeit des Landes anzutasten. Darüber hinaus aber "verdankt Abessinien seine Unabhängigkeit nicht zum wenigsten auch der Uneinigkeit Englands, Frankreichs unh Italiens und der sich daraus ergebenden englisch-sranzösisch- italienischen Gegensätze. Diese Gegensätze hoben im Jahre 1906 zu einem Vertrage zwischen England, Frankreich und Italien in London geführt, der zwar Abessinien in bestimmte Interessensphären für den Fall einteilte, daß die innerpolitischen Verhältnisse in Abessinien ein Eingreifen der Mächte dort notwendig machen sollten, trotzdem aber ausdrücklich die staatliche Unabhängigkeit Abessiniens feststellte. Sie haben weiterhin im Jahre 1923 Frankreich veranlaßt, gegen den Widerstand Englands und Italiens die Aufnahme A b e f f i / niens in den Völkerbund durchzusetzen. Neuerdings sind nun die Machtbestrebungen Englands, Italiens und Frankreichs in Abessinien wieder sä)ärfer hervorgetreten durch die englisch-italienischen Abmachungen über Abessinien, die als Folge der kolonialen Ausdehnungsbestrebungen Italiens und der Schwierigkeiten Englands im nahen Orient, in der Mossulfrage und in Aegypten, zustande gekommen sind gelegentlich der Zu- Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Llug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 22. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Das kann doch woll gar nicht möglich sein. — So als mein Fiete--Nee, nee, Herr Pastor, wo er den guten Kopf hat —" „Sie sehen in Ihren Fiete wie in einen goldenen Kelch, Madam Eggers. Na, das geht uns Eltern allen so. Jedem ist sein eigen Kind das beste, und klügste und schönste. Aber jeder will doch auch sein Kind glücklich machen. Und so, mit dieser Quälerei, glauben Sie mir, machen Sie den Jungen unglücklich und verdreht." „Ja," — sie kniff die Mundwinkel ein — „da läßt sich ja nichts mehr sageü, wenn Herr Pastor das über ist und lohnt ihm nicht. Obgleich mein Fiete — er hat sich mit den Gören richtig geplagt, das kann ich Herrn Pastor woll sagen. Die machen en orndlichen Jungen das Leben sauer." „Das weiß ich. Aber das andere--als wenn ich nicht mehr will--" Der alte Herr, der sich redlich abgemüht hatte mit seinem Schüler, war ärgerliche „Also, das verbitte ich mir. Es hat keinen Zweck, und ich hätte ihn längst entlassen sollen. Ich mochte es Ihnen nur nicht antun, Mam Eggers. Ich weiß, was Sie für Hoffnungen hegten. Dennoch kann Ihr Fiete etwas Tüchtiges werden. Lassen Sie ihn Stubenmaler werden. Ich hab' es Ihnen ja wohl schon mal gesagt. Eitel Bostrup meint auch, er würde etwas Tüchtiges Darin leisten und könnte einmal viel Geld verdienen,, denn er wäre ein ganz netter Zeichner — und--" „Eitel Bostrup!" Die Verachtung, mit der sie den Namen nannte! — „Der kann sich begraben lassen. Da pfeif' ich auf, was der sagt. Ich werd' mein' Fiete schon allein durchbringen, kann Herr - Pastor sich auf verlassen. Der wird doch noch, was er will." „Eine ganz verschrobene alte Person", sagte Rottmann nachher zu seiner Luise. „Wie will sie denn das machen und den schlaffen Jungen zum Studium bekommen? Ist ja heller Wahnsinn." Madam Eggers hatte sich gar nicht wieder in der Küche sehen lassen. Zurück über den Markt und wie Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) ■——will »im ii ii i miButKr ri i । । hh n——w■ sammenkunft Chamberlains und Mussolinis in Rapallo im Dezember o. I. Die englisch-italienischen Abmachungen richteten ich ganz ausgesprochen gegen Frankreich und »essen bisherige Vorherrschaft in Abessinien. Abge- ehen davon, daß Frankreich als Teilhaber des Abkommens vom Jahre 1906 vollständig übergangen I wurde, muhte das Inkrafttreten dieser Abmachungen zum mindesten 'm ihren italienischen Bestimmungen die Äerhältnisse in Abessinien zum Nachteil Frankreichs von Grund auf ändern. Die Italien durch England zugestandene Eisenbahn mußte den Handel Abessiniens, der zur Zeit mit 80 v. H. seinen Weg über die Eisenbahn Abeba-Djibuti nimmt, von dem französischen Djibuti ab lenken und dem wesentlich günstigeren italienischen Hafen M a s s a u a zuleiten. Sie mußte vor aüen Dingen das zwischen Erythräa und Britisch-Somaliland eingeklemmte französische Somaliland auch vom abessinischen Hinterland durch eine italienische Interessensphäre abriegeln und damit Französisch-Somaliland jeden Wert und jede Entwicklungsmöglichkeit nehmen. Die Folge davon war ein heftiger Widerstand Frankreichs, der sich naturgemäß in erster Linie gegen Italien richtete, und das Ergebnis davon ein politisches Ringen zwischen Frankreich und Italien um die Vorherrschaft in Abessinien, das ein besonderes Gepräge erhielt durch den gleichzeitigen Machtkampf beider Länder im westlichen Mittelmeer. Frankreich hat zugunsten seiner Machtstellung im westlichen Mittelmeer in Abessinien zunächst nachgegeben, nunmehr aber, nachdem durch sein Abkommen mit Spanien über Marokko die Gefahr einer englisch-ita- nischen Intervention Dort behoben zu sein schien, auf dem Wege über den Völkerbund die ganze Frage wieder ausgerollt. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Einspruch Abessiniens beim Völkerbund auf französische Einflüsse zurückzuführen ist. Mit dem Einspruch Abessiniens beim Völkerbund hat Der italienisch-französische Machtkampf eine interessante Wendung genommen. Er hat zu einer außerordentlichen Verschärfung des italienisch-französischen Gegensatzes geführt und als letztes Ereignis das Abkommen gezeitigt, das am 7. August Italien und Spanien in Madrid unterzeichnet haben. Dieses Abkommen richtet sich ganz gegen Frankreich und dessen bisherige Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer. Welche Folgen sich hieraus ergeben werden für die weitere politische Entwicklung im Mittelmeer und in Europa, bleibt ebenso abzuwarten wie die Beantwortung der Frage, ob Abessinien mit seinem Einspruch Erfolg haben wird. Alles dies wird letzten Eydes abhängen einmal von Den Absichten, Die Frankreich mit seiner Haltung in Abessinien verfolgt, ob es Frankreich mit Dieser Haltung oder ob cs sich mit ihr leDiglich eine GrunDlage schaffen will für ein Schachergeschäft mit Italien. Dann aber wird es, Vorfällen Dingen abhängen auch yon der weiteren Stellungnahme Englands. Die Unterstützung Italiens durch England wird nicht einen einzigen Schritt weiter gehen, als es den englischen Mittelmeerinteressen' zusagt. Die englische Politik hat aber erreicht, was sie erstrebt hat, als sie im Dezember vorigen Jahres Die abessinische Frage aufwarf und sie .durch Veröffentlichung des englischen Weißbuches ausgerechnet zu einer Zeit größter ital.-franz. Spannung am Mittelmeer zu einer weltpoltischen Frage erster Ordnung machte. Für England bedeutet das Ergebnis des Ringens um Abessinien neben einer für England günstigen Lösung der Mossulfrage einmal Festi - gung der englischen Machtstellung im Nilland durch hie Abmachungen mit Italien über Abessinien, dann aber vor allen Dingen die Schaffung eines politischen Gleichgewichtes im Msttelmeer durch Die Verschärfung des italienisch-französischen Gegensatzes und das Abkommen Italiens und Spaniens. Deutschland hat mit Abessinien stets in guten Beziehungen gestanden angesichts des Fehlens jeglicher machtpolitischer Interessen Deutschlands in Abessinien. Es hat im Jahre 1904 eine diplomatische Mission unter Führung des späteren Außenministers Rosen nach Abessinien gesandt und im Jahre 1905 einen Handelsvertrag mit diesem abgeschlossen, der noch heute in Gültigkeit ist. Deutschland ist deshalb an den englisch-italienisch-französi- schen Machtbestrebungen in Abessinien unmittelbar nun insoweit interessiert, als diese gegebenenfalls seine Handelsbeziehungen mit Abessinien berühren. Um so größer ist aber das mittelbare Interesse ein aufgeregtes Huhn hineingeflattert in ihr Zimmer. „Er will nicht mehr, Fiete. Der alte Herr will dir kein Latein mehr geben und kein Griechisch. Weil du zu dumm bist! So als du! — Oha, wenn das nicht ihr eigen Kinder sind, denn haben sie das leicht, so ’ne Sachen zu sagen." „Gott sei Dank," sagte der Junge, „es war ’ne gräßliche Quälerei. Nu' hat das endlich ein Ende." Aber als ihm bann klar wurde, was doch alles mit dieser Entscheidung an Zukunftshoffnungen versank, wurde ihm wehleidig um das Herz. Er legte den Kopf auf den Tisch und heulte ein bißchen. Die Mutter strich ihm über das dünne fahle Haar. „Laß man fein. Sie meinen es übel, aber der Herr wird es schon machen." Doch auf ihre geistlichen Zureden gab Fiete nicht viel, Die nahm sie immer, wie sie ihr gerade für Den eigenen Gebrauch paßlich schienen. Er schniefte und schnupfte, faßte sich und sagte: „Ich will die ollen Bücher man verkaufen bei Krämer Schulz, daß man wenigstens vier Schilling dafür kriegt." „Fiete, All die klugen Bücher für vier Schilling. Du kannst doch vielleicht noch bei den jungen Kandidaten --" „Was der alte Herr mir nicht beibringen könnt', kriegt mir der Kandidat auch nicht in den Kopf. Nu' laß man. Nu' muß man eben anders ’rum malen." Nahm seine Bücher und ging zu Krämer Schulz. Und drei Tage später ging er mit dem Anstreicherkittel und war Lehrling bei Maler Kolbe. * An diesem Abend hatte der Whistklub noch ein Erlebnis. Fräulein Lydia Moorwood, die aussah wie ihre eigene Ahnfrau und die auch die strengen Ansichten und das ernste Benehmen einer Ahnfrau hatte, legte, als sie kaum am Whisttisch saß, einen Wisch auf den Tisch und sagte: „So etwas hat man mir in das Haus gesandt. Ich kann das nicht mit Stillschweigen hin nehm en. Bitte, lieber Rottmann, wollen Sie das einmal lesen. Bitte laut, daß unsere Mitglieder alle Daran teilnehmen." Der alte Herr setzte sich die Brille auf die Nase und las: x „Das nennt sich Whistklub und tut so, als wenn es Wunder was ist. Und will ja wohl die gute Sitte Deutschlands an den Vorgängen in Abessinien angesichts ihrer sich immer " klarer zeigenden außerordentlichen Bedeutung für die politische Entwicklung in Europa und der Möglichkeiten, die sich hieraus für die deutsche Außenpolitik in der nächsten Zeit ergeben werden. Sormowo. Aus einer russische» Arbeiterstadt. Eigentümliche städtebauliche Gebilde sind in Den letzten Jahren auf Dem BoDeu Sowjetrußlands ent- ftanDen, die sogenannten „Arbeiterstädte", nicht zu vergleichen mit Dem, was wiv z. B. in unserem Nuhrgeviet so nennen. Es sink» Anhäufungen häßlicher, einstöckiger Häuser, Die wie Die uniformen Steine eines Ankersteinballkastens an breiten, unge- pflasterten „Squares" aufgereiht sind, monoton in ihrer Linienführung, monoton in ihrer unscheinbaren . grauen Farbe. Das Ganze überqualmt und überrußt von den Schloten der Fabrik, um die Die „Stadt" konzentrisch angelegt ist. Das Zechendes aus Zolas „Germinal" muß ein menschliches Paradies gegenüber diesen in moskowitischer Flachland- schaft und Langeweile ertrinkenden Wohnstätten gewesen sein, in bene.n von einem Fabrik- und Gemeinde-Betriebsrat kontrollierte Menschen von dem Gefühle der versprochenen „humanen Befreiung" nichts verspüren und mit i^r^r unglückseligen slawischen Veranlagung nur noch tiefer ins Spintisieren und den — Alkohol hineingeraten-- Selbstverständlich trägt alles, was dem Reisenden bei dem Gang durch diese trostlosen Städte äußerlich in die Augen fällt, unentwegten revolutionären Anstrich, so auch die Namensgebung Der „Squares"« oDcr „Boulevards^. Da gibt es in Sormowo, der größten und bekanntesten dieser Arbeiterstädte in der Nähe von Moskau, einen „Boulevard des roten Oktobers", einen „Square des ersten Mai" usw. usw.: ein harmloses und billiges Vergnügen der Sowjetgewaltigen, dessen Idee sie der großen französischen Revolution mit ihren, unzähligen „Neus Thermidors", „12 Germinals" usw. abgelauscht haben. Unmäßig und unnötig breit angelegt, — es herrscht so gut wie gar kein Verkehr auf ihnen, — liegen sie fast schattenlos da in der Sonne; ein Dutzend kümmerlicher Sträucher und Bäume säumen sie. Der Gemeindebetriebsrat hat jede Woche für die Arbeiterjugend einen obligatorischen „Pflanz- und Forsttag" ungeordnet. Man sieht bann in den ersten Vormittagsstunden die Jugend beiderlei Geschlechts mit Gießkannen, Hacken und Heckenscheren aus den Häusern treten und sich eine halbe Stunde lang unter dem gemeinschaftlichen Gesang der „Internationale" irgendwie mit den armseligen Parias der Pflanzenwelt beschäftigen, die einmal eine „Allee" werden sollen, dann aber paar- und gruppenweise in den Häusern oder Hiytergärten verschwinden, um dort jenen genußreicheren Dingen zu huldigen, Denen Die elegante Frau Kolontay, Die bisherige Sowjetbotschafterin in Stockholm, ihre erbaulichsten Schriften gewidmet hat--- Ueberhaupt, auch für die andere „Kultur" wird in Sormowo allerhand getan. Es gibt da ein „Klubhaus", in dessen Saal jeden Abend politische und volkswirtschaftliche Vortrage abgehalten, im Winter gar zweimal in der Woche Theater- oder Varieteevorstellungen stattfinden. Die Vortragsabende sehen als Besucher, jedoch nur die jüngere Generation, und an den Theater- und Varietee- abenben im Winter wird man Zeuge von Darbietungen, wie sie selbst in den übelsten französischen Vorstadt-Tingeltangels nicht gewagt werden. Das bestätigt selbst ein Blatt wie die unter Sowjetregie erscheinende „Ekonometschiskaja Schisn". Die älteren Arbeiter halten sich überhaupt von all diesen Veranstaltungen fern, da sie, wie dasselbe ,Blatt schreibst „keine Lust haben, sich mit „gelehrten Dingen" vollpfropfen zu lassen, und außerdem der Empfindung unbekümmert Ausdruck geben, daß sich durch die Revolution im Leben des russischen Arbeiters außerhalb Der Fabrik nichts geändert, vieles sogar ,311m Nachteil gewandelt batr Und außerdem fast dieser einzige öffentliche Saal in Sormowo nur 500 Personen, während die Arbeiterstadt 40 000 Einwohner hat. Und so greift der Arbeiter zu der schon seit den Zeiten Peters des Großen gewohnten und nach einer flüchtigen Periode der Strenge von Der Sowjetregierung roieDer freigegebenen Zerstreuung: zum Alkohol, oder, wie wir es hie'r ungeniert beschützen unD hat Manieren, wo sich ein armer Mann Drum schämen muß. Die ledigen Leute reisen zusammen ’rum im Land. Und geschlemmt wird und gepraßt. Und die jungen Dinger treffen sich mit ledigen Mannsleuten, und die verheirateten Frauen gehen auch mit fremden Herren auf der Landstraße und lachen sie an. Daß Die ganze Stobt davon redet." „Donnerwetter", sagte Rottmann und ließ den Lappen fallen. „Aber Mann," rief seine Luise, „wie kannst du so flachen." , „Es hat mich übernommen. — Das hab ich bisher nicht gestnißt, daß unser braver Whistklub solche Rotte Korah ist." x, „Sie lachen, Herr Pastor, aber ich hab nicht gelacht, qls ich den Zettel fand." „Wann fanden Sie ihn denn, Fräulein Lydia." „(Eben als ich hergehen wollt'. Da lag er an der Haustür auf der Erde. Meine Marie hob ihn auf und sagte, der ist an Fräulein. Ich las ihn durch und nahm ihn mit. 2lUein wäre ich gar nicht Damit fertig geworden. Wie sehen Sie mich Denn an, lieber Kantor?" „Was ftanD Da von leDigen Leuten, Die miteinander im Land herumreisen?" fragte der Kantor, und sein mildes Gesicht sah drohend aus. „Dafür kann ich doch nichts. Ich meine ja auch, Sie hätten das nicht tun sollen — man soll auch Den bösen Schein meiden —, aber dies ist doch zu viel." „So, so, wir hätten das nicht tun sollen. Melanie, aber liebe Melanie —Denn Fräulein Rosen war so weiß geroorDen, Daß es aussah, als wollte sie in Ohnmacht fallen. Frau Pastor Rottmann kam mit flüchtigem Salz, unD Das schlanke Fräulein mit Dem Silberscheitel über Dem Griechenprofil, Dessen Feinheit kein Alter zerstören konnte, besann sich und sagte leise: „Ich wollte es nie sagen. Mir hat man auch geschrieben." „Dir auch?" fragte ihr alter Verlobter. „Ich Dachte, Der Briefschreiber hätte nur mich bedacht. Jetzt brach Die Aufregung los. Also schon Drei Briefe, unD Das so in Der Stille, währenD man Dachte, diese Dummen Schreibereien, von Denen Die Dienstboten redeten, Die liefen nur unter Den kleinen Leuten um. „War Das Die gleiche Handschrift wie diese?" Mittwoch, 15. September (926 nennen können, zum — Suff. In der Fabrik von Sormowo beträgt der Prozentsatz der 2(rbeitcr, die wegen völliger Trunkenheit nicht zur Arbeit kommen, durchschnittlich täglich 15 bis 25 Prozent der gesamten Belegschaft. Und man darf nicht vergessen, daß, da Die einzelnen Fabriken in engster Produk tionsgemeinschaft miteinander stehen, beim Ausfall von 25 Prozent der Belegschaft der einen auch Die andere gezwungen wird, ihren Betrieb entsprechend einzuschränken und einen Teil der Belegschaft nach Hause zu schicken. Der schlimmste Tag ist immer Der nach Dem Zahl- oder Lohntag. Da'kommt cs fast regelmäßig vor, daß in Sormowo Die Hälfte Der' ganzen Arbeiterschaft zu Hause bleibt, um ihren Rausch auszuschlascn. In Der Karosseriefabrik von Stavropol kamen am 1. Juni, dem Tage Der Lohnzahlung, 30 Arbeiter von 70 in der einen Abteilung nicht ,311m Nachtdienst. Die Erschienenen aber waren derart betrunken, daß sie statt 40 Wagengestellen nur deren 6 montieren konnten. Howjetrußland ist bureaukratischer als das bureaukratischste Land der Welt, und deshalb hat sich sogar die offizielle Statistik insgeheim auf dies neue Feld der Betätigung geworfen, auf dem jä allerdings keine Lorbeeren für Das revolutionäre Regime wachsen. Nach dieser Statistik, Die trotz aller Vorsichtsmaßregeln ruchbar geworden ist, wurden im Oktober 1925 in der Arbesterstadt Sormowo rund 1500 „vedros", — das Debra enthält ungefähr 12 bis 13 Liter — Schnaps, 200 „vedros" Wein und 3000 „vedros" Bier getrunken. Jrn April 1926 hatte sich dieser Konsum bei gleichgebliebener Belegschcht auf 2000 „vedros" Branntwein, 1100 „vedros" Wein und ^676 „vedros" Bier erhöht. Im Juni war dieser Rekord wieder um 72 Prozent geschlagen. Während der ersten 7 Monate des laufenden Jahres hgben die Arbeiter von Sormowo insgesamt 607 000 Rubel für Alkohol ausgegeben, das heißt ihren Gesamtlohn für anderthalb Monate! Man kann eine ganze Fabrik i|i diesem Ozean von Fusel und Bier ersaufen. Wäre dieses Bild von einem gegnerischen Blatte, und nicht von der schon genannten „Ekonornei- schistaja Schisn", entworfen worden, würden die Bolschewisten zweifellos über eine Verunglimpfung durch fanatische Sowjetfeinde zetern. 2lber die Tatsachen sind nun einmal unangreifbar festgestellt, und man fragt sich nach den Gründen und Ursachen dieser katastrophalen Zustände. Ein gewaltiger Fehler wäre es, wollte man den russischen Arbeiter ai? sich für diese fatale Entwicklung verantwortlich machen. Der russische Arbeiter ist schon vor Der Revolution, wie wir in Deutschland so nett sagen, „kein Freund von Traurigkeit" gewesen und hat Er- kleckliches im Verbrauch von Wodka oder selbst gebrautem „Nastojkg" ober „Sarnogonka" geleistet. Aber betartige Proportionen wie heute hat seine Passion damals nicht angenommen. Die Gründe müssen also allgemeinerer Natur fein. Die Atmosphäre, die der Bolschewismus geschaffen hat, muß diese Gründe in sich tragen, diese Atmosphäre, Deren trostloser, herzerkältender, ja geradezu menschenunwürdiger Ausdruck Sormowo, der Typ Der russischen „Arbesterstabt", ist. H. R. Z. Der Verband der oberen Vaubeamten in Helsen feierte in diesen Tggen sein 2 5jähriges Jubiläum im Beamtenerholungsheini in Jugenheim a. d. B. Am ersten Tag fand ein großer Festkom- mers statt, bei dem der Verbandsvorsiszende, Ban- oberinspettor S ch ü ß l e r, die außerordentlich zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste begrüßte und hieran einen kurzen Rückblick über Den Werdegang des Verbandes anschloß. Eine große Anzahl befreundeter Verbände, unter anderem der Hessische Beamtenbund, der Deutsche Bmischulbund, der Bund Alter Herren der Landesbauschule Darmstadt, Die Gewerkschaft der Gemeindebeamten, Fachgruppe Technik unD Betriebe, Der Verband Der oberen Finanzbeamten, der Verband der oberen Justizbeamten, Der Verband der oberen Verwaltungsoeamten, der Gewerbeverein Jugenheim, ließ durch Vertreter Grüße und Glückwünsche übermitteln. Nach einem von Bauinspektor Hummel- Darmstadt verfaßten, von Fräulein Schanz- Darmstadt geschickt vorgetragenen Prolog folgten abwechselnd ausge- wähltc Musikstücke, Tanzvorführungen, humoristische Vorträge, gesangliche Vorträge des Männergesang- dereins Jugenheim, gemeinsame Lieder bis um Mitternacht. Anschließend wurde getanzt. fragte Pastor Hessen. „Wo haben Sie die Briefe? Man sollte das vergleichen." Ja, die Briefe waren verbrannt im ersten heiligen Zorn. Aber so ungefähr mochte die Schrift ausgesehen haben. „Sie ijt augenscheinlich verstellt. Aber cs sind kaum Fehler in der Orthographie. Das spricht Dafür, daß ein ganz Ungebildeter es nicht gewesen ist." — „Das Papier? Ja, das ist Das gewöhnliche. Das hier jeder Buchbinder führt." — „Qfs muß jemand sein, der uns alle kennt." „Wer kennt hier in Schmalebeck nicht den anderen?" — „Und wer weiß hier nicht Bescheid über jedermanns Tun und Lasten." Sie redeten alle durcheinander. Heleste Jessen nahm Das Schreiben tvieDer vor. „Auf wen soll Denn Das gehen, von jungen Dingern, Die sich mit leDigen Herren treffen? UnD von verheirateten Frauen und fremben Männern auf der Landstraße? Man kann ia wirklich um Den Ruf seiner Tochter in Sorge kommen. Obgleich — nein, Riekchen kann niemand etwas nachsagen. Nein, Niekchen kann unmöglich gemeint sein." „Faß es doch nicht gleich persönlich", sprach Hanse. „Wenn man sich über solche Schmutzereien noch Den Kops zerbrechen will — das wären sie doch nicht wert." „Du setzt dich leicht über alles hinweg." „Wer ein gutes Gewissen hat, braucht doch nichts auf Verleumdungen zu geben." „Hab' ich vielleicht kein gutes Gewissen?" „Himmel, Lene, da ist doch wirklich kein Grund zur 2lufregung. Wer spricht denn von dir ? Ich sag doch grade, du sollst es nicht persönlich nehmen." In all die Aufregung hinein kam die junge Welt. Es waren an diesem Abend nur Riekchen und Ilse, Olaf Hammersmid und Georg Grützmann. In der Ressource zeigte sich ein Taschenspttler dnb hatte alles Jungvolk dorthin gezogen. Ilse hafte etwas Suchendes in den Augen, als sie herankam. Sie wußte es wohl selber nicht, aber sie spürte, es war heute nicht alles, wie es sollte. Jemand fehlte ihr. Olaf war auch nicht recht in Stimmung und hatte ihr zugeflüstert, er müsse sie durchaus einmal allein sprechen. Aber bisher waren Riekchen und Grützmann ihnen nicht von der Seite gewichen. (Fortsetzung folgt.) Am zweiten Tage fand eine außerordentliche Hauptversammlung statt, die vorwiegend den Zweck hatte, die Mitglieder über den Stand der Neuordnung der Dauverwaltung zu informieren. Der Vorsitzende begrüßte die Anwesenden, insbesondere Ministerialrat Wagner als Vertreter der Regierung und den Vorsitzenden des Hess. Beamtenbundes, Dr. C l a ß. Das Referat hatten der Verbandsvorsitzende und Oberbauinspektor Som» merkorn übernommen, die in ausführlicher Weise die Organisationsfrage behandelten. Bei der dann folgenden Aussprache machte auch Ministerialrat Wagner einige erläuternde Mitteilungen über diese Materie. Anschließend hieran teilte der Vorsitzende mit, daß der Verband der oberen Baubeamten sich mit den Verbänden der übrigen oberen Beamten (Finanz-, Justiz- und Verwaltungsbeamten) zu dem „Bund der Hess, oberen Beamte n" zusammengeschlossen hat. Er erläuterte eingehend den Anlaß zu diesem Zusammenschluß, betonte aber ausdrücklich, daß der neue Bund nicht eine Lossplitterung vom Hess. Beamtcnbund zur Folge haben werde. Zum Schlüsse machte der Vorsitzende des Hess. Beamtenbundes noch einige Mitteilungen über die Gliederung des Deutschen Beamtenbundes und mahnte zur Wahrung der eignen Belange fest zum Hessischen und Deutschen Beamtenbund zu stehen. lieber die Einrichtung und Leistungsfähigkeit des Beamtenerholungsheims konnte man nur Worte des Lobes und der Bewunderung hören. Die gesamte Veranstaltung wird für alle Festteilnehmer eine schöne Erinnerung bleiben. Wirtschaft. Die Wirtschaftslage im rheinisch- westfälischen Industriegebiet. Das rheinisch-westfälische Jndüstriegebiet war in Vorkriegszeiten immer Aufnahmegebiet für Arbeitsuchende: seit einigen Jahren ist genau der umgekehrte Zustand zu verzeichnen. Von Mitte 1925 bis Mitte 1926 hat sich die Arbeitslosigkeit im rheinisch-westfälischen Industriegebiet fast 'versechsfacht; die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger stieg von 31 584 auf 177 204. Bei einer Bevölkerung von ungefähr 4,2 Millionen Einwohnern kommen also auf 100 Einwohner 4,5 Arbeitslose bzw. Notstandsarbeiter gegenüber nur 0,75 im Vorjahre. Noch stärker tritt die Arbeitslosigkeit in Erscheinung, wenn man die Ziffern der Arbeitsuchenden sich vergegenwärtigt. Am 15.-Juli d. I. waren bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen des Ruhrgebiets fast 230 000 Arbeitsuchende vorhanden. Da bei sämtlichen öffentlichen Arbeitsnachweisen insgesamt nur 1220 offene Stellen gemeldet waren, kamen somit auf eine offene Stelle rund 185 Bewerber. Abgesehen von Berlin zählt das Ruhrgebiet von allen Jndustriebezirken die größte Arbeitslosigkeit: sie beträgt im Ruhrgebiet das l,5fachc des Reichsdurchschnitts. Man kann schätzen, daß von den auf Erwerb Angewiesenen jeder Fünfte im Nuhrbezirk zur Zeit ohne regelrechte Arbeit ist. Unter Hinzurechnung der nicht erwerbstätigen Frauen und Kinder ist ungefähr ein Viertel der Ruhrbevölkerung gegenwärtig auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Besonders schlimm ist die Tatsache, daß von den Hauptunterstützungsempfängern fast ein Drittel bereits länger als sechs Monate erwerbslos ist. Am größten ist die Zahl der Erwerbslosen bei den Ungelernten; der Reihe nach folgen Bergbau und Eisenindustrie, Angestellte, Bauarbeiter usw. Auf den Durchschnitt der Bevölkerung gerechnet ist die Zahl der Erwerbslosen am größten im südlichen Randbezirk, wo (wie z. B. in Hörde) auf 100 Einwohner bis zu 8,6 Hauptunterstützungsempfänger kommen. In der letzten Zeit hat die Arbeitslosigkeit ab- genomtnen. Die Abnahme beträgt aber nur fünf Prozent, während im Reichsdurchschnitt in derselben Zeit eine Abnahme um etwa 17 Prozent zu verzeichnen war. Wesentlich ist, daß von den Erwerbslosen, die in der Zwischenzeit Arbeit gefunden haben, der größte Teil infolge des englischen Streiks im Bergbau unternommen konnte, ein Beweis, daß der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet in der Hauptsache von mehr oder weniger vorübergehenden Konjunkturschwankungen abhängig ist. Auch das sog. Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung wird aus verschiedenen Gründen Grundsätzliches an dem jetzigen Zustand nicht ändern können. Eine dauernde Entlastung kann nur bringen eine Verstärkung der Abwanderung aus dem Ruhrgebiet. Diese ist auch bisher schon in ziemlich großem Umfang erfolgt. So ist z. V. die Zahl der im Ruhrrevier arbeitenden Polen von rund 160 000 im Jahre 1910 auf 15 670 im Jahre 1925, d. h. also um mehr als 90 Prozent, zurückgegangen. Interessant ist auch, daß im Ruhrbergbau selbst nur etwas über 40 000 Bergarbeiter als erwerbslos gemeldet sind, während über 175 000 Personen seit 1922 zur Entlassung gelangten. Daraus läßt sich schließen, daß der größte Teil der Entlassenen in die Berufe bzw. in die Gegenden zurückgekehrt ist, wo er vor der durch die Verkürzung der Arbeitszeit unnötig erfolgten Aufblähung der Belegschaftsziffer tätig war.' Daß der Bergbau schon bald eine stärkere Aufnahmefähigkeit für Arbeitskräfte an den Tag legen wird, ist so gut wie ausgeschlossen. Man darf nicht vergessen, den an sich nicht schlechten drei Jahren von 1910 bis 1912 mit einer unter der jetzigen Beschäftigungszahl liegenden Arbeiterschaft (mehr als 10 000 weniger) eine Förderung geleistet wurde, die um etwas über 10 Prozent hinter der jetzigen zurück- blieb. Berücksichtigt man die in großem Umfanae buroigeiührte Mechanisierung des Nuhrbergbaues, so ergibt sich, daß für absehbare Zeit eine wesentliche Steigerung der Aufnahmefähigkeit nicht wahrscheinlich ijt. za vom Ruhrbergbau mehr ober weniger alle Gewerbe des rheinisch-westfälischen Industrie- gebiels abhängig sind, läßt sich auch für die Zukunft die Notwendigkeit nicht umgehen, durch Verstärkung der Abwanderung aus dem Nuhrbezirk für die Sanierung der dortigen Arbeitsmarktverhältnisse Sorae zu tragen. Don den Schlachtviehmärkten. An den deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche war der Marktverlauf in den verschiedenen Gattungen recht uneinheitlich Für Amder überwog langsamer Marktverlauf, während er bei Kälbern und Schafen, sowie Schweinen zumeist mittel bis gut war und nur in verhältnismäßig wenigen Fällen sich unter der mittleren Linie bewegte. Die Auftriebsziffern waren in ihrer Gesamtheit gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Für Rinder konnten sich die Preise nur knapp behaupten; für Schafe waren sie schon eher stetig. Kälber zogen fast «ausnahmslos ziemlich kräftig im Preise an, und auch Schweine konnten vielfach höhere Preise erzielen. Auf den nachstehenden Märkten wurden für (Ohne Gewähr.) 1 Pfund Lebendgewicht Rinder Berlin 22-56 Bremen 24-57 Breslau 20—61 Chemnitz 20—63 Dortmund 25—60 Dresden 23-62 Düsseldorf 28-64 Elberfeld 34-60 Essen 30—68 Frankfurt M. 20—63 Hamburg 15-56 Hannover 17-59 Husum 18—59 Karlsruhe 21—61 Kassel 28-65 Kiel 17-51 Köln 20-64 Leipzig 25-61 Magdeburg 2O-6O Mannheim 13-62 München 21 - 62 Stettin 10-58 Stuttgart 14-60 Zwickau 15-57 in Pfennig notiert: Kälber Schafe Schweine 65-95 37-68 76-85 40-83 35-60 65-81 55-82 38-64 72-84 60-84 43-55 76-87 63-100 40-55 75-86 67-90 33-66 75-89 55-90 - 75-85 65-92 - 72-86 55-115 33-52 72-84 60-87 28-50 72-88 32-86 26-60 66-80 40-95 35-65 70-83 45-54 — 60—76 - 78-86 50-80 - 75-90 33-71 28-57 49-80 52-115 - 72-88 52-86 25-64 70-85 38-125 30 - 53 70 - 84 58-86 38-50 73-85 60 - 82 - 64 - 86 30-84 20-53 70-85 59-81 — 62-84 70-82 30-64 80-87 Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Schlutz»! l-Uhr» Kurs , Kur» Schluß. lAnfang Kur» I flurc Datum: 14. 9. | 15. 9. 14. 9. | 15. 9. 5% Deutsche RcichSanleihe . 4% Deutsche Rcichsanleihe . 3Vi% Deutsche Rcichsanleihe 3% Deutsche Reichsanlcibe . Deutsche Svarprämicnanleihe 4% Preußische Konsols - . . 4°/° Hessen......... 3’/a% Hessen 3% Heuen Denyche Vcrtb. Dollar-Anl. dto- Doll-Schav-Anweisug.*) 4e/e Zolltürkcn 5% Toldmerikaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Lommerz- and Privat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank .... Disconto Commandit ... Metallbau! Mitteldeutsche Tredilbank . . Ocsterreichische Credüanstatt. Westbank . ...... Bochumer ....... Buderus Kato . . »-Luxemburg irchcncr Bergwerke. . an er Bergbau erkc Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte Oberbedarf Phönix Bergbau . Rhcinitahl . Ricbeck Montan........ Tellus Bergbau....... Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llobd ... Theramische Werke Albtn . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmanu...... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mayer Alapin . . I. G. Farbenindnslric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung........ Rütgerswerkc Scheideansialk Allg. ElektrizttätL-Gesellschaft Bergmann Mainkraftwerke ...... Schultert Siemens i Halske ..... Adlerwerke Älcyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedi . . ....... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Ms»": Schuhfabrik Herz ..... Sichel Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . .-Zuckerfabrik Waghäusel . . . 0.495 u 492 0.495 ".1925 — — 0,47 0,45 —- — 0,46 — 0.52 — 0.54 0,55 0.28 — 0.275 —- 0.455 —- 0.47 0,46 0,44 — — — — — — — 95,25 100 - — — 13,35 14.4 13,3 — 46 47,12 211.5 — 210.2- 213,9* 137.7' M8,2‘ 137.5* 137.7* 219- 230* 218* 220* 167,9- 166,9- 168* 96 —— _ 162* 162.2' 162* 162,5* 133.5 133,25 — 136 — 134* 135* 8.9 8.85 8,8 8.8 75 — — — 150,2* 151,7* 150* 152* 96,75 96 96.5' 95.62 78,25 — 81* 83* 152' 153' 151* 152,7- 163.5- 163.7* 162 r 164- 152 157.5* 157.5- 157.7* 135 — 136- 136* 144,75 — 145,5* 145 54 55 54 55 71 70 71 119.7- 120,5* 119.5- 120.9- 152* 152.5* 151.2- 151.7' 155- 157- .155* 155* 68.5 — - -- 138,5 139 161' 160.5* 160.2- 160,5* 15 r 154- 154,9- 151,6* 70 — - 132.25 — _ 116 120.7 116,5 — — — 99 104,25 — — - 280.5' 284.7* 280* 284,5* 109,5 109,8 109 109,75 50.5 - 117,75 116,5 117,5 116 160 — — 162* 162.6* 160.6* 162,5* 159,2- 165* 159* 106,25 — »38- 137.5' 137.9- 137.9- 203 202.5 202.4- 202,9' 82.75 84.5 84 — 82 83.5 82.25 8:2,9 28 ■■ — 45,25 — 46 — — — — — 17 — _ _ 38,23 — — — 144 144.5 — — 93 93 58 — 56.5 — —— 178.5 — 180.5 180,12 74.25 74,95 73,5 90.5 91 91 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 14 Septbr. 15. Septbr. Amtliche fflclö Rotkrunfl Brief Amtliche 'Jlotiermtü Geld Brief Amft.-Roll. 168,15 168.57 168,10 168.52 Buen--AireS 1.701 1.705 1,700 1,704 Brss..Antw 11,46 11,51 11,54 11,58 Christiania. 01,91 92,15 91,90 92,14 Kopenhagc» 111,43 111,71 111.43 111,71 Slockholm . 112,15 112.43 112,16 112,44 HelüngforS. 10,553 10,593 10,553 10,593 »teilten . . 15,025 15.06.. 15,21 15,25 London - . <0.361 20.411 20,356 20.406 'Jieunerf . . 1.193 4.Ä)3 4.1935 1,2035 Paris. . . 11.89 11,93 . 12,00 12,04 Schwer; . . 81,02 81.22 81,075 81,273 Spanien . . 64,10 64,25 64.10 64,26 Japan . . . 2,030 2.034 2,035 2,039 Rio de Ian. Wien in D-- 0.6-6 0,638 0.641 0.64^ Oest- abfleft 59,16 69,30 69,13 59.27 Prag .... Belgrad . . 12,418 12,458 12,418 12,458 7.422 7,442 7,422 Budapest. . 0.87 5,89 5,87 u,89 Bulaarien . ■>,043 3,053 3,052 3,062 Lissabon 21,49 21.54 21,53 41,58 Dan;ig. . . Konstantin. 81,36 2,18 81,56 81,36 81,56 2,19 2,15 Atben 4,99 5,01 5,01 5,06 Canada. . 4.197 4.207 4.197 4,297 Urugaafi . . 4.20 4,21 4,19 4.20 Berlin, 14 Septbr. Geld Brie' Amerikanische Nölen ..... Belgische Noten........ Dänische Noten........ 4,175 11,44 111,12 20,325 12,07 167,76 15,18 91,67 59,05 2,07 111.82 80,80 63,89 12,375 5.83.1 4,195 11,50 111,68 20,425 12,1.; 168,6-: 15,26 92,1.. 69.3-1 2,-1 112,33 81,21 64.21 12,43.) 5.87) Englische Noten........ Fran;ösische Noten ...... Lollandischc Noten..... ntalicnischc Noten..... Norwegische Noten ...... Dcuttch-Qcsterr., ä ioo Kronen Nnmanische Noten ...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten..... . Tschechoslowakische Noten . . llnaarischr Noten . ... frankfurter Börse. Frankfurt, 15. Sept. Tendenz: Aktien behauptet, ausländische Renten haussierend. An der heutigen Börse eröffnete das Geschäft an den Aktienmärkten zögernd und mit einer gewissen äcknftcherheit, obwohl die Medio-Abwicke- lung keinerlei Schwierigkeiten gebracht hat. Das Geschäft war nach Erledigung der vorliegenden Aufträge außerordentlich still und zurückhaltend, die Kursgestaltung nicht ganz einheitlich, aber überwiegend behauptet. Am Montan markt wurden höher: Bochumer plus 1,5 Prozent, Gelsenkirchen plus 0,6 Proz., Phönix und Laurahütte je plus 1 Prozent, Rheinische Braunkohlen plus 2 Proz., Rheinstahl plus 0,25 Prozent, dagegen eröffneten Buderus, Harpener und Riebeck-Montan niedriger. Bon Chemiewerten blieben 3. G. Farben gehalten. Goldschmidt leicht erhöht. Der Elektromarkt verkehrte unregelmäßig. Anfangs waren Bergmann bedeutend gesteigert und zogen 3,5 Prozent qn, mußten aber im Berlaufe nicht nur diesen Gewinn wieder hergeben, sondern senkten sich sogar noch unter ihren gestrigen Abendstand. Don Bankaktien verloren Darmstädter 1 Prozent, auch die übrigen Werte dieser Gruppe tendierten schwächer. Schiffahrtaktien gehalten. Recht fest lagen M o t o r e n to e r t e. Kleyer plus 1,25, Daimler plus 1,5 Proz. Während das Aktiengeschäft im allgemeinen vernachlässigt blieb, verstärkte sich die Rachfrage am Auslandrentenmarkt, für dessen Werte die Genfer Verhandlungen Anregungen und Hoffnungen boten. 3m Vordergründe standen Goldrumänen, die auf 23,5 anzogen. Ferner waren gefragt Ungarische Goldrenten und Ungarische Eisernes Tor (25,62), Zolltürken 14,5, Bagdad I 29,5, Bagdad II 22,75, Goldmexikaner 47,12, Anatolier i 27,12, Anatolier II 22,5. Dagegen trat das deutsche Anleihegeschäft völlig in den Hintergrund, Umsätze kamen kaum zustande. Der Freiverkehr war. still und zeigte kaum Veränderungen. Benz 77,5, Brown Boveri 132, Gro- wag 60, Ufa 40, Beckerstahl 30, Ufra 95,5 Proz. Der weitere Verlauf brachte auch für den Aus- landrentenmarkt eine gewisse Beruhigung. Die Gesamtstimmung der Börse blieb freundlich und gehalten. Am Geldmarkt trat infolge des Mediokermins eine leichte Verknappung ein. Tagesgeld war gesucht zu 4 bis 41/2 Proz., Monatsgeld 51/» bis' 71,A. Proz. Privatdiskonten 43) Proz.. Industrie-Akzepte 51 » Proz. Am Devisenmarkt hielten sich die ausländischen Valuten auf gestriger Basis. Paris gegen London 170,5, Brüssel 177, Mailand 135. Mark und Pfund liegen fest. Berliner Börse. Berlin, 15. Sept. Die heutige Berliner Börse stand unter dem Einfluß der Medio- Liquidationen, durch die das Geschäft et» was gehemmt wurde. Die Spekulation hielt sich mit Rücksicht auf die Prämienerklärungen zurück und nahm teilweise Realisationen vor. Die Tendenz war bei Beginn unsicher und knapp gehalten, zeigte aber im ganzen nur geringfügige Veränderungen der Kurse. Bankaktien, heimische und ausländische Staats- r ent en. ferner von Montanwerken Gelsen-- kirchen zeigten sogar auf Anschaffungen aus der Provinz geringe Steigerungen. Rach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Tendenz allgemein freundlich. Die Abschlüsse fanden größtenteils bereits per Ultimo September statt, während die amtlichen Ratierungen der T^rmiuwerte heute noch per Medio lauteten. Am Geldmarkt gelten die Medioliquidationen als erledigt. Prolongationsgeld wurde nur von einigen Nachzüglern verlangt und stand zu 7,25 bis 7,5 Prozent zur Verfügung. Am Geldmarkt machte sich eine Erleichterung bemerkbar. Tagesgeld 4,75 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 6;5 Prozent. Mcmatsgeld ging jedoch pur in kleinen Posten um. Warenwechsel mit Großbankgiro 5,37 bis 5,5 Prozent. 3m Devisen verkehr hielten sich die lateinischen Valuten aus der gestrigen Basis. Auch Mark und Pfund lagen unverändert. Dagegen trat eine wesentliche Befestigung des japanischen Pen ein, der auf 48,47 anzog. Berliner Produktenbörse. Berlin, 14. Sept. Der Preisstand des Vortages konnte sich heute am Markt für Brotgetreide nicht voll behaupten. Die Tendenz für effektiven Weizen war ruhig, auch Roggen ist spärlich am Markt. Die etwas reichlicheren Andienungen finden mehr Beachtung, sind aber nur ju Preisen, die 1 bis 2 Mark niedriger sind, abzusehen. 3m Lieferungsgeschäft besteht Dek- kungsfrage für Export weiter, doch lähmt der Mühlenstreik die l.lnt:rnehmungslust merklich. Auch hier waren Abschläge in weiter erwähn- tem Umfange zu verzeichnen und zwar für Roggen in größerem Umfange als für Weizen. Gerste wie auch Hafer behalten in guten Sorten regelmäßiges Geschäft, die reichlich offerierten Mittelsorten sind schwer zu verkaufen. 3m Mehlgeschäft hat sich der Weizenkonsum etwas gebessert, während Roggenmehl seine lebhafte Llmsahtätigkeit behält, aber sehr knapp offeriert wird. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märt., 264 bis 263 Mk.: Roggen, inärf., 211 bis 217; Sommergerste 205 bis 248; Wintergerste 170 bis 175; Hafer, märt, 172 bis 185; Mais, loko Bln., 180 bis 183; Raps 100; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,25 bis 39; Roggenmehl 30,75 bis 32,50; Weizenkleie 10; Roggenkleie 11; Viltoria- erbfen 43,50; Kl. Speiseerbsen 34 bis 38. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. Sept. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 28,50 bis 28,75 Roggen (inl.) 22 bis 22,25, Sommergerste (für Brauzwecke) 23 bis 26, Hafer (inl.) 17,50 bis 18. Mais (gelb) 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 41,50 bis 41,75, Roggenmehl 32,75 bis 34, Weizenkleie 9, Roggenkleie 10,25. — Tendenz: Fest. Turnen, Sport und Spiel, Vertreter-Versammlung des deutschen Schi-Verbandes in Düsseldorf. Die Gesolei in Düsseldorf gab der diesjährigen Tagung des D. S. D. einen besonderen Rahmen; auf die aus allen Schi-Gauen Deutschlands und Oesterreichs erschienenen Vertreter übte die Ausstellung eine große Anziehung aus. Der Schiklub Sauer land, dessen Belange noch voriges 3ahr durch die Besatzung stark be- einträchtigt waren, ließ es sich nicht nehmen, die Gäste in der Gesolei durch Stadt und Ausstellungsleitung herzlich zu bewillkommnen. 3n fruchtbringender Arbeit tagten am Freitag, den 10. September, der Hauptvorstand, sowie die Ausschüsse. Auch die Sitzung des Hauptausschusses am Samstagvormittag hatte einen besonderen Erfolg durch die Beseitigung der Mei° nungsverschiedenheiten im Oesterr. S. V. Die ' Vertreter-Versammlung selbst wies einen besonders starken Besuch auf, zumal Rheinland-Westfalen bisher nur einmal eine Tagung des D. S. V. in seinen Grenzen sah. Die Versammlung leitete Bundesvater Dinkelacker; Rechtsanwalt B r e i t e n b a ch, Bochum, begrüßte, namens des Schiklub Sauerland die Vertreter. Die Geschäftsund Ausschußberichte ergaben ein gutes Bild, welche Arbeit im D. S. V. geleistet wird. 3m 3n* und Auslande haben unsere deutschen Schiläufer dem D. S. V. alle Ehre gemacht. Ein Trainingskursus im Dezember 1926 im Fichtel- und .Keilberggebiet soll der Aufstellung einer guten Auswahlmannschaft für Wettläuse im Aus lande und für das Wintersportolympia 1928 vorbereiten. Einen Fortschritt in der Schi-Touristik bilden die Abmachungen mit dem Deuksch- Oesterreichischen Alpen-Verein über Zusammenarbeit in gemeinsamen Fragen (Schi-Hütten-Be- nutzung, Schiroutenkarten für die Alpengebiete, Bergwacht nsw.). Die allgemein auf den zweiten Februarsonntag sestgelegte Schi-Meisterschaft in Verbindung mit der deutschen und österreichischen Schi-Staffel-Meisterschast und Len Schi-Kampf- spielen 1927 wurde Gar misch-Parte n- k i r ch e n übertragen. Den Vorsitz im D. S. V. übernimmt Dr. Senner, Weimar. 2. Vorsitzender wurde Prof. Grub e r, München. 1. Schriftführer: Raether, Erfurt. Rechner: Wunde r- lich, München. Schriftleiter des D. S. V. bleibt G. Luthe r, München, und Schiedsgericht Walter, München: Lorenz. Zwickau, und Dr. Frey, Frankfurt. Der bisherige Vorsitzende D i n k e l a ck e r, Stuttgart, wurde in Würdigung seiner langjährigen Verdienste um den D. S. V. ehrenhalber zum persönlichen Mitglied des Hauptvorstandes ernannt und ihm die Ehrennadel des D. S. 03. überreicht. Eine Unsumme von Arbeit wurde in Düsseldorf geleistet; die meisten Beschlüsse ergaben Einmütigkeit, wie sie in einem solchen Verband, der sich über ganz Deutschland verbreitet, recht anerkennenswert ist. Ans den: "AmLsvcrkünöigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 74 vom 14. September enthält: Maud und Klauenseuche in Röthges. — Beihilfe für die Volksbibliotheken des Kreises Gießen. — Straßensperren. — Feldbereinigung Ober-Steinberg. — Dienstuach- richten. SEI FEN PULVER will iah aueh Jknen verraten: Keeken SieJhre Wäsehe mit einem Sdket D/k ffltofffpson's Seiferipulvei* u. einem Staket Sei fix .. /c c, , , , -- weiter niehts! tut- v5 wird Jhre Wäsehe blendend weiß und- was ebenso w/ektig ist- sie wird gesehen t1 lyjedaha-Cfrtru m pf Beachten Sie bitte unser im Schaufenster Schulstraße 4. 7500a extra prima Seidcnflor, mil Strumpf- ' 12 ZZ----- ------------------------------- und Sohleverstä rktcr^Rand*, Fe mod' 5 Verkauf flji O S tl 3.0 S ü O ffl O 81 Farben, jede Oröße Jedes Paar Mk. STOSS® für Gießen : »MD s Anlaß der Werbe-Woche stattfindendes Sirump^Preisraten