rn. 165 Erstes Blatt Donnerstag, 15. Juli 1926 176. Jahrgang GieMner Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvtk und Verlag: vrühl'fche Univerfitüt5-Vuch- und Lteindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Das französische Nationalfest. | staai uno Wirtschaft Eine Rede des preußischen Finanzministers die im ge- zur be- geweiht ist und geweiht bleiben wird, wird Italiens Denkmal unauslöschlicher Kulturschande sein." Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle MonatS'Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter» fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, L erlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum 'J1 ad)mittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig! für Re- Klameanzeigen von 70 nun Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr Wilh. Lange. Berantworllich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Frankfurt a. 1, 14. 3uli. (WB.) Der preußische Finanzminister Hoepket-Aschosf sprach in der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft vor geladenem Publikum über »Wirtschaft und Finanzen". Der Minister erörterte eingehend die Beziehung des Staates zur Wirtschaft und betonte, daß der Staat allein der Wirtschaft nicht über die Krise hinweghelfen könne, in der sie sich heute befände. Er könne ihr wohl die ^leberwindung derselben erleichtern, aber letzten Endes müsse sich die Wirtschaft selbst helfen. Es werde ihr nichts anderes übrigbleiben, als den Weg der Rationalisierung durchzufuhren und dieser Weg müsse unbedingt ähnlich wie bei der Stabilisierung der Währung zu Ende gegangen werden. Der Minister stellte dann die Frage, inwieweit der Staat Kreditgeber der Wirtschaft sein könne. In den letzten drei Jahren habe der Staat notgedrungen der Industrie, wie a. D. bei der Liquidation des Stinnes-Konzerns, des Stumm-Konzerns, den Werften, den Ober- schlesischen Werken usw. mit Krediten beispringen müssen. Ruch bei einigen Zechen im Ruhrgebiet habe der Staat mit Krediten einspringen müssen. Als letztes Werk in dieser Hinsicht hob der Minister die Aktion für den Eifenerzbau im Siegerland und an der Dill hervor, welche Gebiete sich in einer außerordentlichen Rotlage befänden. Dem Siegerlandbergbau feien die Kredite bewilligt worden unter der Voraussetzung, daß die Preise herabgesetzt würden und daß die westfälische Industrie diese Erze abnimmt. Vielfach feien aber Kreditaktionen vorgenommen, wie z. D. diejenige Augunsten des Mittelstandes und der Landwirtschaft, die nicht hätten vorgenommen werden dürfen, da sie in ihren Auswirkungen die Begehrlichkeit steigerten und die Unzufriedenheit noch größer werden lassen. Der Minister lehnte unter allen Umständen ab. nochmals Kreditaktionen wie die genannten zu übernehmen. Der Staat fei nicht dazu da, den Bankier der Wirtschaft zu spielen. Diese Aufgabe müsse den berufenen Vertretern der Wirtschaft und den Bankinstituten obliegen. In diesem Zusammenhang erörterte der Minister die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn der Staat Institute wie die Deutsche Ren» kenbank und die Realkreditanstalt nicht ins Leben gerufen hätte. Pflicht des Staates sei es jedoch, darauf hinzuwirken, daß die Zinssätze sich in mäßigen Grenzen bewegen. Der Minister besprach dann die Frage inwieweit der Staat als Auftraggeber die Wirtschaft befruchten und ihr über die furchtbare Krise hinweghelfen könne. Don verschiedener Seite werde gefordert, daß Preußen auf diesem Gebiete mehr tun müsse. Preußen habe aber in dieser Hinsicht bereits sehr viel getan. Cs habe zum Dau von Bahnen der Reichsbahn erhebliche Beträge zur Verfügung gestellt, habe eine planmäßige Siedlungspolitik mit sehr starkem Erfolge verfolgt und sei weiter bestrebt, Wohnungen für Landarbeiter zu schaffen, um auf diese Weise das Problem der Entbehrlichmachung von 150 000 Fremden, hauptsächlich östlichen Wanderarbeitern und deren Ersetzung durch deutsche Arbeiter, zu lösen. Weiter habe Preußen in diesem Jahre mit einer Ausgabe von rund 100 Millionen Mark für produktive Arbeiten zu rechnen; außerdem stehe ein Extraordinarium von 125 Millionen Mark in Aussicht. Die größte Aktion, die der preußische Staat unternommen habe, sei jedoch die Förderung der Bautätigkeit. Aus Mitteln der Hauszinssteuer, die zwar von manchem als hart empfunden werde, aber deren Berechtigung niemand leugnen könne, seien im vergangenen Jahre 400 Millionen Mark für Reubauten zur Verfügung gestellt worden. Für das laufende Jahr könne mit einem noch verstärkten Bauprvgramm in Höhe von rund 430 Millionen Mark gerechnet werden. Der Minister kam dann auf die produktive Erwerbslosenfürsorge zu sprechen, wobei er betonte, daß manchmal Arbeiten vorgenommen wurden, die nicht gerade unbedingt notwendig waren. Künftighin mühten die Objekte der produktiven Crwerbslosenfürsorge viel sorgfältiger geprüft werden, bevor sie in Angriff genommen werden. Der Reichskanzler zur Aufwertungssrage. Berlin, 14. Juli. (TU.) Reichskanzler Marx hat gestern abend anläßlich einer im Krcishaus zu Cleve mit Vertretern der Bürgerschaft und der politischen Parteien abgchaltencn Besprechung eine Rede gehalten, in der er zunächst auf die A nfwe r- t u n g und die jetzigen Bestrebungen zu sprechen kam, die alten Taufen dm arksch eine wieder in Kraft zu fetzen. Cr erklärte dazu, cs seien nach dem Ausweis noch 126 Milliarden in Taufendmarkscheinen nicht an die Reichsbank zu- rürfgegangen. Wenn nur 20 Milliarden präsentiert würden, fei der Bankrott wieder da. Der Kanzler erklärte, er fei bekannt als ein Mann, der vielleicht zu gutmütig fei, aber er habe die Pflicht als Reichskanzler, jedes persönliche Empfinden zurück» zuftellen und daran zu denken, das Volk zu retten. Er habe den Satz ausgesprochen, das deutsche Volk gehe nicht zugrunde, wenn es sich nicht selbst zugrunde richte. Ein Wort müsse man sich immer wieder in feiner ganzen Furchtbarkeit vor Augen halten: „Wenn unsere Währung noch einmal ins Gleiten käme, bann ist cs aus mit dem deutschen Volk, bann gibt cs feine Rettung meh r". Darum auch kein Ruf nach Ersatz unb Aufwertung! Der Reichskanzler erklärte, er teile nicht ben Optimismus vieler, die an die Stützung des Franken glauben. Man sollte glauben, die französische Regierung habe von uns gelernt, das Lernen nütze aber nichts, wenn nicht das Gelernte rücksichtslos in die Tat umgefetzt würde. Dies dem französischen Volk zuzu» muten, habe noch kein französischer Staatsmann den Mut gehabt. das zü errichtende Siegeszeichen Italiens abgeben. So will es offenbar lateinische Kultur. Wir überlebenden, nicht Zwange stehenden Kaiserjäger nehmen die plante Tat des neuen Italiens öffentlich Kenntnis. Italiens Siegesdenkmal, das sich vußt auf dem Orte erheben soll, der dem Andenken unserer toten Brüder in Bozen hat Bayern, und nicht zuletzt auch das Reich selbst viel zu danken. Wenn et schließlich gehen mußte, so sind die Gründe hierfür mehr in den Auswirkungen der Kohr-Politik auf innerpolitifdjem Gebiet zu suchen, zum Teil aber auch bei seiner Partei, der Bayerischen Volkspartei, selbst. Diese hat sich aber später wieder redliche Mühe gegeben, Lerchenfelds Kräfte nicht brach liegen zu lassen. An maßgebender Reichsstelle war man allerdings nur sehr schwer dafür zu gewinnen, einen Parlamentarier und dazu noch einen Boyern noch Wien zu schicken. Die Wiener Regierung war aber vernünftig genug, nicht auf Gegensätzen zwischen Bayern und Oesterreich, wie sie vor vielen Jahren einmal bestanden, herumzureiten. Sie hat dos Agrement erteilt. Wichtiger waren dagegen die Bedenken, einen Parlamentarier als Auslandvertreter auszuwählen. Gerade Pfeiffer war hierfür ein warnendes Beispiel. Aber auch diese Hin- dernisse sind schließlich, wenn auch erst nach heftigen Kämpfen, überwunden rooroen, zumal die Bayerische Volksportei als Regierungspartei darauf bestand, Lerchenfeld müsse nach Wien. Zu hoffen und zu wünschen ist, daß er, gegen den sonst nicht bas Geringste einzuwenben ist, nicht in bie- selben Fehler, wie fein Amtsvorgänger, verfällt Das Bozener Siegesdenkmal. Eine Kundgebung der Tiroler Kaiserjäger. Innsbruck. 14. Juli. (TTl.) Die Vereinigung ehemaliger Kaiserjäger des zweiten Regiments in Rordtirol hat folgende Kundgebung erlassen: „3cbem Volke ist es unbenommen, seine Siege im Waffengang auf eigene A r t zu verherrlichen und der Rachwelt zu überliefern. Jeder Kulturnation aber sollen Denkzeichen für Tote, gleichgültig welchen Volkes und Stammes, unantastbar sein. So wird es hierzulande gehalten. Anders südlich des Brenners. Dort in Bozen soll das Denkmal der für ihren Kaiser, für ihr Voll und für ihr Vaterland gelaßenen Kaiserjäger das Fundament für Kundgebungen geilen Frankreichs Gäste. Paris, 14. Juli. ($11.) Bei der heute vom Präsidenten der Republik in Anwesenheit des Sultans von Marokko und des Generals Primo de Rivera abgehaltenen Truppcn-Revue anläßlich der Rationalfeier des 14. Juli kam es wieder zu Gegenkundgebungen. Einige Gruppen Kommunisten, die sich längs der Avenue des Champs Elysees in der Menschenmenge verteilt hatten, haben General Primo de Rivera, sowie auch das Automobil, in dem Präsident Doumergue und der Sultan fuhren, mit Schmährufen und lang anhaltendem Zischen begrüßt. Die Hochrufe konnten diese Manifestation fast gar nicht übertönen. Reben dem verärgerten Gesicht des Präsidenten ließ das verblüffte Gesicht des Sultans und die stolz verächtliche Miene Primo de Riveras er kennen, daß diese Schmährufe und Zische auch von den Fremden nicht für Ovationen gehalten wurden. Es find zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. In der Segend des Triumph-Bogens, wo sich das offizielle und eingeladene Publikum befand, überzogen die Beifallskundgebungen. Der Präsident der Republik sprach dem Kriegsminister seine Befriedigung über die glänzende Haltung der Truppen aus. General Primo de Rivera hat seinerseits ebenfalls dem Kriegsminister über die Feier seine Bewunderung ausgesprochen. Starke Polizeikräfte sind sofort in die Rähe der spanischen Botschaft entsandt worden, um eine Wiederholung dieser Vorfälle zu verhindern. Frankreich und Marokko Der Sultan in Paris. Der Präsident der Republik, Doumergue, veranstaltete zu Ehren des Sultans von Marokko ein Frühstück, an dem auch General Primo de Rivera, Ministerpräsident Bri.and, mehrere Minister, die Marschälle Frankreichs, viele Generäle und eine Reihe weiterer Politiker und militärischer Persönlichkeiten, sowie Mitglieder der muselmanischen Abordnungen aus Marokko, Algier, Tunis und Syrien, die hier eingetroffen sind, um der Einweihung der Moschee beizuwohnen, leilnahmen. In einem Trinkspruch auf den Sultan betonte Präsident Doumergue, daß Sultan Mulay Iussus in seinem Wunsche, Frankreich kennen zu lernen, nicht gezögert habe, mit einer jahrhundertalten Tradition zu brechen und sein Gebiet zu verlassen, um sich hierher zu begeben. Wenn Frankreich, um den jüngsten Aufstand gegen den Sultan und seine Staaten niederzuschlagen, feine Macht bekunden und habe zeigen müssen, daß es sich auch nötigenfalls mit Waffengewalt Respekt verschaffen könne, so wisse der Sultan auch, daß Frankreich vor allem eine Macht des Friedens, der Gerechtigkeit und des Fortschritts sei. Frankreich bemühe sich in Marokko die wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklung zu fördern. Cs werde sich nicht nur jedem Versuch, die Integrität des Scherifen- teiches zu verletzen, widersehen, .sondern auch ganz besonders alle Bekenntnisse, die Bräuche und Traditionen erhalten und respektieren. In seiner Erwiderung zollte der Sultan Mulay I u s s u f dem Waffenerfolg der französischen und marokkanischen Truppen Anerkennung, die einen den Bestand des Scherifenreiches bedrohenden Aufstand niedergeworfen und Ordnung und Frieden wiederhergestellt hätten. Er lege Wert darauf, feine Gefühle der Da nkb ar- f e i t f ü r Frankreich, der Schüherin Marokkos, zum Ausdruck zu bringen. Dieser iteue ihm vorliegende Beweis für den Willen Frankreichs, das für die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung Marokkos ausgearbeitete Aktionsprogramm durchzusühren, hätte leine Sympathie für Frankreich gefestigt und ein enges und unlösliches Band der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern geschaffen. Marokko sei Frankreich dafür dankbar, daß es loyal seine Integrität wahren und seine guten Traditionen und Religionsbekenntnisse achten wolle. Im weiteren Verlaufe feiner Ausführungen betonte der Finanzminister, daß unbedingt eine Reform der Erwerbslosenfürsorge anzustreben sei, die der Lohnhöhe Rechnung tragen müsse. Die heutigen Sähe der Crwerbslosenfürsorge seien vielfach so, daß der Wille zur Arbeit fehlen müsse. Das Problem könne nur gelöst werden durch Schaffung einer Reichs- ausgleichskasse. Der Minister ging dann über zur Frage, inwieweit der Staat als Unternehmer in die Wirtschaft eindringen dürfe. Hier müsse zu denken geben, was man mit der Reichsbahn erlebt habe. Der Minister erinnerte an die Haltung des Verwaltungsrates der Reichsbahn in der Frage der Ernennung des neuen Reichs- bahndireilors. Auf keinen Fall dürfe die Reichsbahn einen reinen Unternehmerstandpunkt vertreten. Der Minister hofft, daß sich auf dem Gebiete der Elektrizitätswirtschaft, wo der Staat sich ein gewisses Einflußgebiet verschafft hat, sich nicht ähnliche Verhältnisse entwickeln werden, wie bei der Reichsbahn. Auf dem Gebiete der Clektrizitätswirtschaft müsse man au einer gewissen Planwirtschaft kommen. Denn cs könne nicht so weiter gehen, daß ein paar große Gesellschaften die ganze Wirtschaft beherrschen und dadurch gewissermaßen eine Monopol- Herrschaft ausüben. In bezug auf die Elektrizitätsversorgung entferntliegender und dünn bevölkerter Landstriche, wie z. B. Ostpreußen, hätte die Privatwirtschaft kein Interesse. Diese Frage könne befriedigend nur von der öffentlichen Hand gelöst werden. Der QHiniftA betonte in diesem Zusammenhang, daß die Regierung ein Zusammengehen in dieser Beziehung mit der Wirtschaft wünsche. Was die Verflechtungen des Staates mit der Wirtschaft betreffe, so sei es die große Aufgabe des Staates, gewisse Voraussetzungen für eine gesunde Wirtschaft zu schaffen. Diese Voraussetzungen seien: Der Staat müsse für Ordnung und Sicherheit sorgen, weiter dafür, daß die Wirtschaft in den lebendigen Austausch der Völker der Welt wieder eingeschaltet wird, damit die Verflechtungen mit der Weltwirtschaft immer enger und enger werden. Das Reich seinerseits müsse für gute und anständige Handelsverträge sorgen und die Verträge den Erfordernissen der Gesamtwirtschaft anpassen. Schließlich seien geordnete Finanzen erforderlich. Zusammen mit dem Reiche müsse ein vernünftiger Ausbau des Steuersystems geschaffen werden. Preußen stehe gegenwärtig vor einer Reform verschiedener Steuern, u. a. der Grundvermögenssteuer und der Gewerbesteuer, die sich, wenn sie auch noch mit einigen Schönheitsfehlern behaftet sei, immerhin bewährt habe. Bei dieser Gelegenheit streifte der Minister auch die Frage der Großen Koalition und betonte, daß eine Regierung, die auf einer so schwachen Koalition aufgebaut sei, wie die preußische Regierung, nicht immer diejenigen Maßnahmen durchführen könne, die zum Wohle des Staates notwendig seien. Man brauche eine breitere Grundlage, um alle Maßnahmen mit Rachdruck durchführen zu können. In steuerlicher Hinsicht sei es ein Fortschritt, daß die Veranlagung für 1926 auf Grund der Veranlagung des Vorjahres erfolge. In dieser Hinsicht müsse man aber noch weiter gehen und den Durchschnitt des Steueraufkommens der drei Vorjahre zu Grunde legen. Auf dem Gebiete der gewerblichen Kapitalsteuer bestehe gegenwärtig eine Doppelbesteuerung. Hier müsse unbedingt eine Aende- rung geschaffen werden. Das Grundvermögen dürfe nur zur Grundsteuer herangezogen und müsse von der gewerblichen Steuer befreit werden. Das entscheidende Problem für die Steuerreform in Preußen hänge jedoch eng mit den Maßnahmen des Reiches zusammen, das hoffentlich den Ländern ein Zuschlagsrecht gewähren werde. In den Kreisen der Wirtschaft seien in dieser Hinsicht die Auffassungen geteilt, nach Ansicht des Minister jedoch zu Unrecht, da die Zuschläge nur einen verhältnismäßig kleinen Kreis träfen. Schließlich kam der Minister noch auf die dringend notwendige Verwaltungsreform in Preußen zu sprechen und trat warm für die Zusammenlegung verschiedener Verwaltungsbehörden, erhöhte Zuweisungen von Aufgaben an die Selbstverwaltung und andere Ver- waltungsmahnahmen ein. Man dürfe nicht rückwärts sehen, sondern müsse vorwärts schauen. König Boris auf der Brautfchau. Sofia, 14. Juli. (WB. — Tschechoslowakisches Pressebureau.) Die Auslandreise des Königs Boris wird von der Presse lebhaft kommentiert. Die Blätter stimmen darin überein, daß die Reise mit der bevorstehenden Vermählung des Königs in Zusammenhang stehe. Die offiziellen Kreise bewahren noch Stillschweigen. In der Der neue wiener Gesandte. Graf Lerchenfeld, deutscher Gesandter in Wien. Der verstorbene Vertreter Deutschlands in Oesterreich, Dr. Maximilian Pfeiffer, hat endlich einen Nachfolger gefunden: den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Graf Hugo Lerchenfeld. Seine Ernennung, die schon vor einiger Zeit als feststehend betrachtet werden konnte, dürfte insofern allseitige Befriedigung aus- lösen, als Lerchenfeld gewiß ein Mann von hohen diplomatischen Fähigkeiten ist, der es nach der Kahr-Periode als Ministerpräsident in München verstand, das Verhältnis zwischen Bayern und dem Reich nicht nur wieder in normale Bahnen zu lenken, sondern auch wesentlich zu bessern. Ihm Der deutsch-schweizerische Handelsvertrag. Berlin, 14. Juli. (Wolff.) Heute mittag wurde in Bern der deutsch-schweizerische Handelsvertrag von den Bevollmächtigten der beiden Staaten unter Ratifikationsvorbehalt unterzeich » n e t. Die deutsch-schweizerischen Handelsbeziehungen waren bisher geregelt durch den Handels- und Zollvertrag zwischen dem Deutschen Reich und bet Schweiz vom 10. November 1891 und in der durch den Zusatzvertrag vom 12. November 1904 abgc» änderten Fassung. 1925 wurden die Tarifabreden ersetzt durch das vorläufige Zollabkommen zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz vom 6. Nov. 1925. Alsbald nach dem Inkrafttreten dieses vorläufigen Zollabkommens wurden Verhandlungen über einen endgültigen Handelsvertrag eingeleitet, die am 14. Jufi 1926 zum Abschluß eines neuen Handels- und Zollvertrages geführt haben. Der neue Handelsvertrag lehnt seine Tertbestimmungen im wesentlichen an ben alten Hanbelsvertrag an. Insbesondre finb Vereinbarungen über eine gegenseitige Meistbegünstigung getroffen. Bei den gegenseitigen Tarifabreden hat auf deutscher Seite der abgeänderte, jetzt gültige Zolltarif als Grundlage gedient, auf schweizerischer Seite der Gebrauchstarif vom 8. Juni 1921 und der zwar veröffentlichte, aber noch nicht in Kraft gesetzte vorläufige Generalzolltarif vom 5. November 1925. Der deutsch-schweizerische Handelsvertrag wird dem Parlament bei Wiederzusammenlritt vorgelegt, so daß cr wahrscheinlich erst am 1. Januar 1 927 in Kraft treten wird. Er ist vorläufig für ein halbes Jahr abgeschlossen worden und verlängert sich automatisch im Falle der Richtkündigung. Der Vertrag wird wesentlich dazu beitragen, die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz zu festigen. Er bildet damit den vorläufigen Schlußstein in der Kette der wirtschaftlichen Abkommen mit der Schweiz, die mit dem Rooember- abkommen 1924 über die Aufhebung der gegenseitigen Einfuhrbeschränkungen begannen. Der Vertrag sieht zwar eine Reihe von Zollheräb- sehungen für den deutschen Zolltarif für wichtige Schweizer Exportwaren vor, cr eröffnet aber insbesondere auch dem deutschen Exporthandel die Möglichkeit zu nichtigeren Zöllen als bisher und unter der Gewähr, daß der deutsche Export von Zollerhöhungen des vorläufigen schweizerischen Generalzolltarifs nicht getroffen wird, Geschäfte zu machen. Damit wird eine wesentliche Förderung der süddeutschen Exportindustrie verbunden sein, die von jeher die Schweiz als ihr besonderes Absatzgebiet betrachtet hat. ube mit Saget uri m Großhandelsbelrir! 589OD an den N MTrabMng^ fern Preis Mk. nftr. 3, Mreau. J . giidW* t 3'1 - «< «’ÄüiM' linöfc6 * - »«v-«"toL „J rfW* * ®SÄ1S' SSSSS**4' , flCluC 1 und EAstud *8 nid' uu Wlavtr h. ei ' Unb?rB»6fi ... , U lt 1)06 eini^ fc*btQube Q1(. ier Whi 4 ।'"s'£*b °» k, <8.t’Jf en Kr, (Botji-. Mr- Aberhalt.. ' no fieran Uni) lflt ( < H darsr n 7" °der gor der loft d) gar „et!" folgt.) Öffentlichkeit wird vor allem der Name der jüngeren Tächter des italienischen Königs, Prinzessin 6 i o v a n n a , genannt und behauptet, König Boris sei von dem Herzog von Aosta, dessen Gemahlin eine Schwester der verstorbenen bulgarischen Königin ist, eingcladen worden, einige Tage auf dessen Herrschaft in Oberitalien zu verbringen. Auf eine Anfrage des Korrespondenten des Tschechoslowakischen Pressebureaus erwiderte der Ministerpräsident, daß er nichts weiter sagen könne, als daß König Boris sich im heiratsfähigen Alter befinde, und der italienische König eine heiratsfähige Tochter habe. Kleine politische Nachrichten. Die „D. Z." meldet, der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr Langwerth v. Simmern, habe unmittelbar nach Eintreffen der amtlichen bayrischen Darstellungen Wer die Vorfälle von Germersheim mit der Rheinlandkommission Fühlung genommen. Er habe um Aufklärung gebeten und die Bestrafung der schuldigen Militärpersonen gefordert. ®ine Antwort habe der Reichskommissar bisher von der Rhein- landkommission nicht erhalten. Die Zahl der englischen Arbeitslosen betrug am 8. Juni 1 645 100, was eine Zunahme von 5324 gegenüber der Vorwoche und von 344 750 gegenüber dem vergangenen Jahre darstellt. Die wegen des Komplotts gegen Mustafa Kemal Mascha zum Tode verurteilten Personen sind Dienstag bei Tagesanbruch gehenkt worden. Aus aller Welt. Die amerikanischen Deltflieger. Reuyork, 15. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die amerikanischen Weltflieger Evans und Wells, die mit chrem Flug einen Rekord brechen wollten, kamen heute in Reuyork an. Sie vollendeten den Flug um die Welt in 28 Tagen 14' 2 Stunden. Die bisherige schnellste Weltumsegelung wurde im Jahre 1913 in 35 Tagen ohne Flugzeuge durchgeführt. Schwerer Hotelbrand in Amerika. Reuyork, 14. Juli. (WB.) In der letzten Rächt brach in einem Hotel in Hainesfalls (Staat Reuyork) ein Feuer aus. Die Gäste mußten im Rachlgewande aus den Fenstern des dreistöckigen Gebäudes springen. Unter den Trümmern des Hotels sind zwölf Leichen geborgen worden, die so schwer verbrannt waren, daß ihre Persönlichkeit nicht festgestellt werden konnte. 16 Gäste und sieben Hausangestellte werden noch vermißt. Der Gäste bemächtigte sich eine Panik, als sie sahen, daß die Flammen ihnen den Weg über die Trepven versperrten. Eine Mutter warf ihren kleinen Sohn aus einem Fenster des dritten Stockwerkes und sprang dann selbst nach. Während der Kleine unverletzt blieb, erlitt die Mutter schwere Verletzungen. Der Streik der Untergrundbahner in Reuyork. Die Gesellschaft für Untergrundbahnen erhob Klage gegen ihre streikenden, gewerkschaftlich organisierten Angestellten. Sie fordert von ihnen die Zahlung von 2a9 000 Dollar, die sie infolge des Streits an Einnahmen verloren hat. Die Gesellschaft hat außerdem beim Gericht eine Ber- fügung gegen die Fortsetzung des Streiks durch die Gewerkschaft und gegen die Einmischung in ihre Angelegenheiten beantragt. 62 Personen, darunter der Vorsitzende der Gewerkschaft der Ausständigen, find vor Gericht geladen. Schwindeleien. Ein Schwindlertrio macht gegenwärtig die kleineren Orte in der Mark Brandenburg unsicher und schädigt die Bewohner, zumeist kleinere Gutsbesitzer und Landarbeiter, in hohem Maße. Die Gauner, welche sich als Beauftragte einer deutschen Bank ausgeben, reden den Öeuten vor, daß die Dank rot gestempelte Tausendmarkscheine für 50 Prozent des Rennwertes aufkauft, so daß die Besitzer solcher Scheine 500 Mark für das Stück bekommen würden. Es gelingt den Schwindlern auch stets, die Leute zu überreden, der Bank als stilles Mitglied beizutreten. Als Einschreibege- büh r müssen sofort 5 bis 10 Mark gezahlt werden. In Bernau, Biesenthal und den kleineren Ortschaften bis Anklam, welche die Gauner besucht haben, ist ihnen die Landbevölkerung massenhaft ins Garn gegangen, so daß die Schwindler tägliche Einnahmen von 2 0 0 Mark und mehr hatten. Die Leute, welche innerhalb vier Tagen die Papiere zugesandt erhalten sollten, warten natürlich vergeblich darauf. Die Alkoholfälschungen in Vaden. Wie bekannt, hat die badische Staatsanwaltschaft in einer Reihe von Fällen festaestellt. daß in Baden Branntwein verfälscht und verkauft worden ist. Run wird aus Münster i. W. gemeldet, daß das dortige Schwurgericht den Inhaber der Firma Wördehoff, den Kaufmann Dulle, wegen Verkaufs von m e t h y l h a l t i g e m Alkohol zu acht Monaten Gefängnis verurteilt hat. Rach dem Genuß des Branntweins, der aus Baden bezogen war, sind elf Personen gestorben. Einer der Hauptzeugen, der badische Staatsanwalt Mesmer, teilte im Verlause dieser Schwurgerichtsverhandlung mit. daß die badische Staatsanwaltschaft eine Bande gewissenloser Verbrecher ermittelt habe, die lediglich des Gewinnes wegen das Leben vieler Menschen aufs Spiel setzten. RUllionenwerte veruntreut. Unter dem dringenden Verdacht, Millionenwerte veruntreut zu haben, wird der 46 Jahre alte Bankier Schröder aus Hamburg gesucht. Schröder, der früher in Frankfurt a. O. ein Bank- geschäft betrieb, dessen Kunden in der Hauptsache Landwirte waren und später nach Hamburg übersiedelte, belieh Goldpfandbriefe, gab aber die Papiere nicht zurück, sondern verwendete sie für eigene Zwecke. Als die Geschädigten Anzeige bei der Kriminalpolizei erstatteten, wurde über das Bankhaus der Konkurs verhängt. Beim Baden ertrunken. In Hannover ertranken in der Leine beim Baden drei junge Leute. Sie waren in dec Dohrener Mosch von einer Brücke in die hochgehenden Fluten des Flusses gesprungen und wurden in einen Strudel getrieben, aus dem sie sich nicht mehr zu retten vermochten. An einer anderen Stelle wurde ebenfalls ein junger Mann von den Fluten fortgerissen. Schweres Bootsunglück auf der Oder. Bei Stettin wurde auf der Oder in dem Borort Grabow ein mit Arbeitern besetztes Fährboot von einem Motorsegler gerammt und zum Kentern gebracht. 14 Personen fielen ins Wasser. Drei von ihnen, Arbeiter aus Stettin, e r« tranken. Die übrigen konnten gerettet werden. Lin neues Flugzeugunglück. In Düsseldorf startete Mittwoch abend kurz vor acht Uhr eine Sport maschine zum Ueberführungsflug nach Bonn. In einer scharfen Kurve am Südrand des Platzes in der geringen Höhe von 50 Meter stürzte das Flugzeug ab. Der Führer war sofort t o t," der Begleiter, ein Monteur, wurde schwer verletzt. Große Unwetterschäden in Italien. Anhaltende Gewitter und Unwetter haben viel Schaden angerichtet. In Latium hat der Aniene vielfach Ueberschwemmungen verursacht. Der Wasserfall von Tivoli hat mehrere Maschinen des Elektrizitätswerkes und anderes Material sowie Teile der Feldbahn mit sich gerissen. Bei F i u g g i sind infolge der Ueberschwemmungen zwei Bauernhäuser eingestürzt. Mehrere Telephon- und Telegraphenleitungen sind durch die schweren Stürme, welche die Pfähle umwarfen, unterbrochen. In der Gegend von Caserta haben Blitzschläge und Ueberschwemmungen großen Schaden angerichtet und die Ernte größtenteils weggeschwemmt. Bei Benevento wurde Mittwoch nacht ein großes Erdbeben verzeichnet, das aber keinen Schaden anrichtete. Ein neuer Kindermord. Seit vier Tagen wurde das siebenjährige Mädchen Grete Rapolowski in Erle bei Gelsenkirchen vermißt. Heute nachmittag bemerkte eine Hausbewohnerin, daß an der Decke ihrer Woh- Schusterfrömmigkeit. Von Max Jungnickel. Ich kam auf einer Wanderung in ein thüringisches Rest. Es war arm. Ein paar grüne Atemzüge eines fahlen Wäldchens reichten kaum bis auf die Dorfstrahe. Fabrikarbeiter wohnten im Dorf, Kleinbauern, ein Schmied, ein Krämer und ein Schuhmacher. Und der Schuhmacher hieß Christian Wiedenstock. Er wohnte in einem klapprigen Hause, das aussah, als sei es aus dem Skizzenbuch eines Arme-Leute-Malers gerissen. Aber dieser Schuster hatte an fein Fenster, dahinter er sah und die zerlatschten Schuhe kurierte, ein seltsames Bild geklebt: Wundersames Blau leuchtete auf dem Bild, das offenbar aus einer illustrierten Zeitschrift stammte. Und in diese Madonnenmantelbläue neigte sich ein entrücktes, bärtiges Gesicht mit Augen, in denen Hunmelssymphonien geboren wurden. Daneben eine grünschimmernde Schusterkugel. Und darunter „Jakob Böhme". Das Bild war umwunden von frischen Blumen, die die pechbeschmierten Schusterhände nach Feierabend gepflückt hatten. Jakob Böhme, der große Gottesdeuter, in der Behausung eines armseligen Thüringer Dors- schusters; am Fenster, das nach der Gasse hlnaus- geht, wo sie alle vorüberlaufen: die Müden nach Feierabend, die Wanderer, die singenden Kinder, die fluchenden Knechte, die schwangeren Mütter, die bettelnden Musikanten und dec Dorfgendarm. Dieser Jakob Böhme verkündet die Morgenröte in der Stube des DorfschusterS Wiedenstock. Ach Gott, in dieser Stube sieht's recht kärglich aus. Die Dielen sind abgetreten. Es riecht nach Pech und Leder. Auf einem Wandbrett steht eine verbogene Petroleumlampe, daneben liegt rin halbes Brot. Aber wenn Wiedenstock Feierabend macht, dann trüt sein großer Görllher Kollege an chn heran mit heiterem Gesicht, und dann legt er sich sinnend ins alte Herz des Dorfschusters. Ganz lang legt er sich hinein und längt an zu philosophieren: über Gras und Steine, darinnen Gott seine Herberge hat. Jede Feldblume, mag sie noch so armselig sein, biegt er zu einem Schlüssel und schließt damit Gottes Herrlichkeit auf. Und wenn übers Dorf die Sterne gehen, dann seht sich Wiedenstock vor seine Haustur, blickt in den Himmel und seufzt vor sich hin: «Alles ist fo schön auf der Welt. Es gibt keine Heiden. Alle Menschen, die recht tun, sind Gott lieb und angenehm." Und wenn er so sitzt, dann sieht er aus wie ein deutscher Prophet, der nur die Hand zu heben braucht, und der Himmel tut sich auf, und Musik strömt übers nächtliche Dors, auf die Gassen, in die Häuser hinein. . . Können Tiere denken? Von Alice Freiin von Gaudy. Fern liegt es mir, die alte Streitfrage rvissen- schaftlich aufzurollen. Ich will nur eigene Erfahrungen mitteilen, die einzelner Tierindivtduen erstaunlich entwickelte Beobachtungsgabe beleuchten. Am merkwürdigsten erschien sie mir bei unserem russischen Pudel Mohr. Er war wenig über ein Jahr alt, als wir einst plaudernd beisammen saßen und seiner völlig vergessen hatten. Plötzlich drang unter dem Tisch ein sehr böses Knurren hervor, dem erregtes, anhaltendes Bellen folgte. Was bedeutete das? Nahte ein Fremder, so wäre Mohr zur Tür gestürzt. Ungewohnte Geräusche im Haus rügte er mit anberenm Ton, nicht mit diesem heftigen, tief empörten Gepläff. Unserer Aufforderung, hervorzukommen, folgte er nicht, wir mußten uns bequemen, ihn in seinem Bersteck aufzusuchen. Und was sahen wir? Kerzengerade sah er, zitternd vor Errregung, und starrte auf den Regulator an der gegenüberliegenden Wand. Wir folgten seinem Bück und sahen nun, was ihn entrüstete und befremdete: die Uhr stand! Wir stellten fest, daß sie unmittelbar vorher ihren Gang unterbrochen hatte. Niemand hatte es bemerkt, aber dem kleinen, noch nickt ausgewachsenen Tier war es sofort ausgefallen. Es kannte sie nur gehend, die große Uhr! Mein Bruder brachte das Werk in Betrieb, begleitet von Mohrs fortgesetzten Unwillensäußerun- gen. Sobald aber der Pendel wieder schwang, kam er wedelnd hervorgekrochen und war zufrieden. Gewiß wäre es ein Leichtes gewesen, Mohr zu einem lesenden Hund „Rolf" zu erziehen. Zahlbegriffe hatte er sich selbständig angeeignet. Wenigstens bis drei. Täglich gab ihm meine Mutter, wenn sie mit der Handarbeit am Fenster saß, aus einem neben ihr stehenden Körbchen drei kleine Aepfel, die sie, zu seinem Vergnügen, wie Bälle durch die Stube rollen ließ. Nach dem ersten und zweiten setzte er sich, in Bittstellung, mit erhobenen Pfötchen, vor die Spenderin — niemals aber nach dem dritten. Er nung Blut zum Vorschein tarn. Die benachrichtigte Polizei fand auf dem Boden des HauseS die fürchterlich zugerichtete Leiche des kleinen Mädchens. Zwei der Tat verdächtige Männer sind festgenommen worden. Ciebestragöbie. In dem Personenzug Stralsund— Saßnitz sand man einen 23jährigen jungen Mann aus Stargard aus Rügen erschossen vor. Die Feststellungen ergaben, daß er mit seiner Braut in Streit geraten war, in dessen Verlauf er auf das Mädchen mehrere Schüsse abgegeben hatte und sich dann selbst durch einen Schuh in die Schläfe tötete. Das Mädchen wurde schwer verletzt. Rechtzeitig verhinderter Frevel. Bei Oldisleben waren zwei Männer durch die hochgehende Unftrut geschwommen und hatten versucht, den kaum fertigen Damm an der Oldislebener Seite zu durchstoßen. Als sie sich beobachtet sahen, flüchteten sie. Man kann ihr Vorhaben nur so erklären, daß die beiden durch Ablenkung des Hochwassers auf das Wiesengelände unterhalb Oldisleben oberhalb des Flusses gelegene Ländereien vor Hochwasser bewahren zu wollen. Wäre der Frevel gelungen, hätten die Wasser bis nach Frankenhausen die Fluren überschwemmt. von Wilderern erfchossen? Dm dem Damenstück Waldungen bei Heilig- kreuz '(Franken) wurde am Mittwoch der 28 Jahre alte Hilfsförster Ludwig Schwamm erschossen aufge,unden. Schwamm war burch drei Kopfschüsse getötet worden. Man vermutet, daß der Förster einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, da die Leiche an die Stelle, an der sie aufgefunden worden ist, geschleppt worden war. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt ist am Tatort erschienen und hat die Ermittlungen aufgenommen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 15. Juli 1926. Die 24-Stunden-geit Kommt In fast allen europäischen Ländern ist bereits die 24-Stunden°Zeit, d. h. also die fortlaufende Stundeneinteilung des Tages von 1 TIHr nachts über 12 Ähr mittags bis 24 Tlhr mitternachts, in den Verkehrsbetrieben, bei Eisenbahn, Post und Schiffahrt eingeführt. Wir finden die durchgehende Stundenzeit in allen romanischen Ländern, sowie in der Schweiz, in der Tschechoslowakei und Polen, in Oesterreich, den Randstaaten und auf dem Balkan. Die Eisenbahnfahrpläne dieser Länder geben die Abfahrtsund Ankunftszeiten der Züge in der 24-Stunden- Zählung an. Eine Ausnahme hiervon machten bisher in Europa Deutschland, die Riederlande und die nordischen Länder, die sich noch nicht zur Einführung der 24-Stunden-Zählung haben entschließen können. Rachdem aber bereits die Fahrpläne des deutschen Luftverkehrs und ein Verkehrsbuch der Stadt Mannheim mit der Anwendung der durchgehenden 24-Stunden-Zählung den Anfang gemacht haben, wird nunmehr auch die Deutsche Reichsbahn und die deutsche Reichspo st Verwaltung allge- meinzur24-Stunden-Zählungüber- gehen. Beide Verwaltungen sind übereingekommen, in dem nächstjährigen Sommerfahrplan, also am 15. Mai 1927, im inneren und äußeren Dienstverkehr die Stunden durchgehend von 1 bis 24 zu bezeichnen. Diese Einführung wird sich jedoch nur auf den Eisenbahn-, Post- und Telegraphenbetrieb erstrecken. In den übrigen öffentlichen Verwaltung^weigen wird an der bisherigen Bezeichnung noch nichts geändert. Ebenso werden auch die Zifferblätter an den Bahnhofs- und sonstigen Tlhren, wie in den anderen Ländern, keine Aenderung erfahren, ohne daß Mißverständnisse zu befürchten sind. Mit der Einführung der durchgehenden Stundenzählung wird daher im internationalen Verkehr mit dem Aus lande eine Gleichmäßigkeit und Einheitlichkeit herbeigeführt, die in gleichem Maße den Ausländern in Deutschland, wie den Deutschen im Auslande zugute kommt. Die häufig noch vorkommenden Irrtümer im Lesen des Fahrplans werden mit der durchgehenden Stunden- zühlung beseitigt; die Kennzeichnung der Nachtstun- gen durch Uiiterflrtiajcn der Minutenziffern ober andere Bezeichnungen, die zu Verwechslungen fuhren können, fallen fort. Der um 20 Uhr abfahrende Schnellzug kann nut ein Abendzug fein, während bei der jetzigen Sprechweise noch die nähere Bezeichnung „morgens" oder „abends" hinzugefügt werden muß. Ebenso wird auch der telegraphische Schriftverkehr mit der 24-Stunden-Zeit bedeutend vereinfacht und erleichtert und dadurch Mißverständnissen vorgebeugt. Im äußeren Dienst der Eisen- bahnoerwaltung wird z. B. bei der Wagenabfertigung im Güterverkehr schon seit längerer Zeit die 24-Stundenzählung angewandt. Es ist zu begrüßen, daß Eisenbahn und Post sich nunmehr zur allgemeinen Einführung der 24-Stun- den-Zeit entschlossen haben, nachdem sich der Deutsche Industrie- und Handelstag bereits in einer Sitzung seines Verkehrsausschusses im Mai v. I. für die Einführung der durchgehenden Zeitrechnung ausgesprochen und beschlossen hat, der Reichsbahn die Prüfung der Einführung der durchgehenden Stun- denzählung im Eisenbahnfahrplan anzuempfehlen. Schweres 2!utounglüch einer Gießener Familie. Von einem schw eren Autounglück wurde gestern nachmittag eine Gießener Familie betroffen. Der Dierbrauereibesitzer'An nin g- hoff von hier hatte sich gestern früh mit seiner Familie und zwei bekannten Herren aus Westfalen in seinem Auto nach Bad Kissingen begeben. Auf der Rückfahrt kam das von dem Besitzer selbst gesteuerte Auto gestern nachmittag gegen 51/4 äckhr in der Kurve der Landstraße zwischen Saasen und Linden st ruth kurz vor letzterem Orte von der Fahrbahn ab, wahrscheinlich infolge Versagens der Vierradbremse, fuhr auf den Acker und stürzte dort um. Der Wagen fiel unglücklicherweise gegen eine eiserne Stütze der elektrischen Tleberland- leitung. Bei diesem Anprall wurde die mitfahrende Tochter des Ehepaares Denninghoff, die in Offenbach verheiratete Frau Collin, so unglücklich mit dem Kopf gegen die eiserne Stühe geschleudert, daß der Tod der Frau auf der Stelle - eintrat. Frau Denninghoff und die beiden Herren aus Westfalen erlitten leichtere Verletzungen; sie wurden von der Freiwilligen Sanitätskolonne Gießen, die mit ihrem Sanitätsauto und ebenso mit dem städtischen Sanitätswagen auf telephonischen Anruf schnell zur- .Unfallstelle geeilt war, nach der chirurgischen Klinik verbracht. Dort wurden die Herren nach dem Anlegen einiger Verbände alsbald wieder entlassen; Frau Denninghoff hat vermutlich einenSchlüs- selbeinbruch davongetragen und befindet sich einstweilen noch in der Klinik. Herr Denninghoff und Sohn, sowie das 3 Jahre alte Töchterchen der so jäh aus dem Leben geschiedenen Frau Collin blieben unverletzt. Die Leiche der Frau Collin wurde nach Gießen überführt. Das Auto wurde etwas beschädigt. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochennrarkt: Butter 180 bis 190, Matte 30 bis 35, Wirsing 30, Weißkraut 30, rote Rüben 10, Spinat- 30, Römischkohl 10 bis 15, Dohnen 70, Erbsen 20, Mischgemüse 15, Tomaten 60 bis 100, Zwiebeln 15 bis 25, Rhabarber 20, Pilze 25 bis 30, neue Kartoffeln 8 bis 10, Birnen 30, Kirschen 30 bis 50, Aprikosen 60, Pfirsiche 70, Himbeeren 60 bis 70, Heidelbeeren 35, Stachelbeeren 30, Johannisbeeren 25, Erdbeeren 60 bis 80, Honig 40, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 110 bis 120 Ps. das Pfund; Eier 12 bis 13, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 5 bis 10, Salatgurken 40 bis 100, Ober-Kohlrabi 10 bis 20, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 25 Pf. das Stück; Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.; gelbe Rüben das Päckchen 15 Pf. Wettervoraussage. Verstärkte Gewitterneigung, etwas kühlerund stärker bewölkt. Gestrige Tagestemperatur: Maximum 30,8 Grad Celsius, Minimum 16,9 Grad Celsius. Riederschläge: 1,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 20,8 Grad Celsius. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Philosophenwald: 8.15 Uhr, Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle. — Lichtspielhaus, Bahnhof- wußte, nun gab es nichts mehr — mochte der Appetit auch unbegrenzt sein. Gleich unfern späteren Hunden, kannte Mohr ganz genau den Sonntag. So fieberhaft ihn jedes Hintreten zum Kleiderschrank oder zum Hutkasten erregte, so fühttos blieb er am Sonntag auf seinem Kissen liegen und beobachtete schläfrig unsere Veranstaltungen zum Kirchgang. Horte er die Glocken? — Aber diese läuten in Dresden häufig: morgens, mittags, abends an allen Wochentagen und zu den vielen Begräbnissen! Er konnte uns begegnen, wenn wir, zum Ausgang gerüstet, die Treppe hinunterstiegen: gleichmütig kletterte er an uns vorbei, zur Wohnung empor — er wußte: die darfst nicht mit! In der Woche hinderte ihn keine Tür, uns nachzustürzen, denn er klinkte jede selbst auf — eine Kunst fragwürdiger Nützlichkeit, die er autodiktatisch erworben. Er war überhaupt praktisch. Wurde ihm ein Papier mit Kuchenkrümeln auf die Erde gebreitet, stellte er zuerst sein rechtes Vorderpfötchen darauf, es feftzuhalten, damit es ihm beim Ablecken nicht davonrutschte. Spielen konnte man mit ihm, wie mit einem Kinde: er fing den zugeworfenen Ball auf weite Entfernung, und legte ihn säuberlich in das ihm zugereckte Körbchen, das uns diente, ihn wieder in die Lüfte zu schleudern. Am schönsten war das Dersteckspiel. Mit Freudengebell stürzte der Ausgesperrte ins Zimmer, den verborgenen Gegenstand zu suchen. Bald hatte er ihn gefunden und abgeliefert — und nun war das unsagbar Komische, daß er sofort, ohne jedes Kommando — wie bei all diesen Unternehmungen — zur Vorsaaltür sprang, sie ausrih und hinter ihr verschwand, um von neuem zu „plinsen". Lange vor Mohr besaßen wir einen weihen Bastard-Pintscher, Pascha, der ihm an klassischer Schönheit zwar nachstand, aber nicht an Klugheit. Sein Lieblingsplatz war das Fensterbrett. Er mußte alles sehen und begutachten, was auf der Straße vorging. Bedeckte sich im Winter die Scheibe mit dicker Eiskruste, die den Ausblick hinderte, so leckte er ein rundes Loch in die weiße Fläcke und hielt das eine Auge seitwärts daran, was sehr possierlich aussah, fast, als ob er ein Fernrohr benutze. Auch diese Handlung überrascht bei einem „unvernünftigen" Tier. Einmal grub er sich unter einer, auf hartem Lehmboden festgerammten Palisade durch, um zu unserer Tür zu gelangen; ein andermal fand er eine kilometerweite Brücke, zur Ueberquerung eines Flusses, den er nicht durchschwimmen mochte, als er den Anschluß an J)as Boot verpaßt hatte. Eine große Anzahl von Bezeichnungen war ihm geläufig, z. B. Boden, Keller, Garten, Straße, Markt, die Namen von fünf bekannten Familien usw. Fiel nun ein solches Wort, sprang er glückselig voran und schlug unfehlbar die erforderliche Richtung ein, war auch längst im Oberstock des betreffenden Hauses, ehe seine Begleiter ins Tor traten. Wie sehr er auf unsere Unterhaltung achtete, bewies ein besonderer Fall. Er hatte einen Todfeind, den er haßte, den schonen Jagdhund „Wunsch" eines befreundeten Forstassessors. Einst kam eine fremde Dame mit dringendem Anliegen zu uns, und wir patten schon viel 'miteinander gesprochen, als meine Mutter freundlich fragte: „Und ist das wirklich Ihr Wunsch?" Da fuhr mit wütendem Gebell der bis dahin höchst sittsame Pascha unter dem Sofa hervor. Wie konnte man wagen, seinen Todfeind zu nennen? Auch Mohr verstand unsere Reden, selbst wenn sie fein Stichwort enthielten. Als meine Mutter zu einem Gast äußerte: „Ich werde Sie dann ein Stück begleiten" und gleich darauf die Köchin hereinkam, Mohr auf den täglichen Wirtschaftsgang mitzunehmen, lehnte der sonst stets Bereite knurrend ab und war nicht von der Stelle zu bringen. Er hatte gehört, daß „Frauchen" ausgehen wolle, deren Gesellschaft er vorzog! Kaum erhoben sich die Damen, drängte er freudevoll herzu und konnte den Abmarsch nicht erwarten. Sehr finnig eingerichtet waren im Sommer Paschas Kühlbestrebungen. Er suchte sich ein schattiges Plätzchen unter der Traueresche, wo der Boden weich und feucht war, und scharrte, in sitzender Stellung, die Erde hoch an den Leib herauf. Dann drückte er sich wohlig in die lockere, dunkle Masse nieder. Sovald seine Körperwärme die behagliche Kühle ausgeglichen hatte, erhob er sich halb, rutschte ein Stückchen rückwärts und begann sein Schaufelwerk von neuem, bis sich um den Eschenbaum ein Kranz von Hügeln zog: Paschas Kühlanlagen. Es sind dies alles nur harmlose, aber verbürgte Züge, die beweisen, daß der in menschlicher Gesellschaft lebende Hund eine ungemeine entwicklungsfähige Intelligenz besitzt und weit mehr versteht und überlegt, als im allgemeinen angenommen wird. Ich habe, mit Absicht, nur Dinge berichtet, die aus der natürlichen Anlage des Hundes hervorgingen und mit irgendeiner Art von Abrichtung nichts zu tun hatten. Können Tiere denken? Mohr und Pascha konnten es zweifellos. ober lein l^rh der teS^gefügt QM Mik^ENb " Lieni,'?°rstönb, °> berlbfter E-len. Ifit li>nS"°blerti. aUC[ Xp ♦ L: Wem sich bfr ft. 1Un‘ In.i . her ^219. aus. Ibur«itbi' °»Ng!ÜS> uöntilie, »Ä„7^lück MrALc?°.E»e mit seinn Z^en auß ^5 L gingen L **g naÄit^g >L«r SU vtzri \i m LZK gem L •aU wurde die mit. DenmnM 6»t*' 7°^ gegen bit bah ber Tod eurtrat. $tüu Den. « Herren cuä Drst. Verlegungen; sie \flen 6anitätilolonne ntaUauto unb cben|o Wagen auf ttle- 1 8ur- Unfallftellr ^gischen Älinif ver» lenen nach dem An- 'M Wieder entlallen; mtlich einen65)Ui «gen und desrnhet li< üt. Herr Deminghof i Jahre alte Töch. em Leben geschiedenen verletzt. Die Leiche ach Gießen überführt eschäbigt. imarkipreise. eutigen Dvchemarkl; e 30 bis 35, TDitfing Hüben 10, Spinat -30, lohnen 70, Erbsen 20, 60 bis 100, Jtoiebesi! Me 25 bis 30, neue rt 30, Kir/chen 30 bis e 70, Himbeeren 6) 'tacheibreren X > 60 brs 80, M k\ d, buppenhühn« er 12 bis 13, Aum- )is 10, 6alatgutlcn ti 10 bis 20, Aettich 10 z g)f. das 6tüd; Säle be Men das V* aussage. gung, etwas kuhlerund agestemperatm; W Minimum 16,9 ®rab f Millimeter. Heutige Krad Celsius. jzeu. für Donnerstag ir Abonnemcntskonzen Lichtspielhaus, Lahnhol' Garten, Strohe, Mmi nten Familien usw. i)>« na ?r glückselig ** "rierti* »E i des betreffenden Tor traten. . •e Unl(*llun« "<** ZU pi mS SS? «u®1,1 i$iss SZZ melde Sie . rcjn(Cm. usgehen -voue. w Är«.— im Sonimt SZZ UM die lockett.^ E fpfr®flfrnL halb, rM erhob er Bhlanlag^. x W^l aber v«, stNsn ftrnße: „Der Rosenkavalier". — Astoria-Lichtspiele: „Marco, der Bezwinger des Todes". *♦ Beiträge zur Zeppelin-Eckener- spende werden in der Reichsfammelwoche für dieses nationale Werk auch von den hiesigen Geldinstituten und von der Stadtkasse angenommen. Möge das gute Unternehmen recht rege Förderung erfahren! ** Kurse für erwerbslose 21 n g c • |t c [ 11 c. Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft hat seine Zustimmung dazu erteilt, daß durch den hiesigen Arbeitsnachweis Kurse für erwerbslose Angestellte in Maschinenschrift, Kurzschrift und kaufmännischen Fächern eingerichtet werden. ES ist mit einem baldigen Beginn zu rechnen, sofern nicht die Schulferien einen Aufschub bringen. " Die Hegezeit für Enten vorbei. In einer Verordnung des Hess. Ministers des Innern wird bestimmt, daß für das laufende Iagdjahr die Hegezeit für Enten mit dem 14. Iuli endet. ’• D i e Handweriskamm erberträge für 1 926 betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir hiermit besonders Hinweisen. *• Bon b c r Landes-Heil- und Psiegell n st a l t wird uns mitgeteilt, daß der im Groß- Lindener Gemeindewald tot aufacsundene Wilhelm Lotz aus Langendernbach nicht, wie von uns gemeldet, in der Gießener Heil- und Pflegeanstalt untergebracht war. L. ist vielmehr Insasse der Pro - vinzialpflegeanstalt, der früheren Sie- chenanstalt, gewesen. •* Aufhebung des Sichtvermerk» zwanges zwischen Deutschland und Schweden. Gestern ist in Berlin der Fortfall des Sichtvermerkzwanaes im Derkehr zwischen Deutschland und Schweden vom 1. Oktober ab vereinbart worden. , ,, ** Bon der Tätigkeit der hessr- schen Polizei. Im Jahre 1925 liefen bei der Polizei in Hessen insgesamt 34 312 Anzeigen ein, denen 2095 Verhaftungen gegenüberstehen. Im Vergleich zu dem Vorjahr bedeutet das eine Verringerung von rund 2200 bzw. 500. Wegen Hoch- und Landesverrats liefen ein: 12 Anzeigen U5), denen 2 Verhaftungen (4) folgten; wegen Diebstahls und Unterschlagungen 2332 Anzeigen (3 093), und 238 Verhaftungen; wegen Strahen- und sonstiger Vergehen 11 395 (6098) Anzeigen und 124 (73) Verhaftungen; wegen Körperverletzungen 1853 (1762) Anzeigen und 46 (24) Ver- Haftungen; Sittlichkeits-Vergehen und Verbrechen 204 (193) Anzeigen und 125 (31) Verhaftungen; Hcbertrctung von gewerbspolizeilichen Vorschriften Anzeigen 3124 (3479), Hcbertrctung gesundheitlicher Vorschriften 1376 (2318). *• D i c Obsternte in Hessen im Jahre 1 92 5. Aach dm Mitteilungen der hessischen Zentralstelle für die Landesstau st ik betrug die gesamte Obsternte 1925 in Hessen 285 998 gegenüber 446 115 Dopvelze.atncr deS Vorjahres mit einem Wert von 5 397 416 Am. bzw. 5 079 329 Reichsmark. Die aut die einzelnen Sorten ent- fallende Quote stellte sich wie folgt: Tafeläpfel 60 930 Doppelzentner (1 397 496 Mk). Wirtschaftsäpfel 164 473 Doppelzentner, 2 021 930 Mk., Tafelbirnen 5 391 Doppelzentner. 184 525 Mk., Wirtschaftsbirnen 10 929 Doppelzentner, 175 539 Mk., Zwetschen und Pflaumen 23 618 Doppelzentner, 506 051 Mk., Kirschen 6948 Doppelzentner, 412 748 Mark, Aprikosen 3815 Doppelzentner. 245 566 Mk., Pfirsiche 3408 Doppelzentner. 171 370 Mk., Walnüsse 6406 Doppelzentner. 282 192 Mk. Die Haupt- produzenten für Tascläpfel sind die Kreise Büdingen. Friedberg. Dieburg, Erbach; für Wirtschaftsäpfel Büdingen. Friedberg, Erbach, Dieburg; für Kirschen Dingen; für Aprikosen Mainz; für Pfirsiche Bingen, für Walnüsse Heppenheim und Bensheim *• Volkshochschule Gießen. In dem stark gefüllten großen Hörsaal der Universität hielt Geheimrat Sommer einen Vortrag über „Reise- einbrüefe aus Aegypten und Syrien', mit Projektion einer großen Zahl von Bildern nach eigenen Aufnahmen. Der Vortragende entwickelte zuerst die allgemeinen Gesichtspunkte bei solchen Reisen. Es handelt sich für ihn um die Beobachtung der menschlichen Arbeit in ihren Beziehungen zur umgebenden Natur, sowie zur Menschheit in Familie, Beruf, Stamm, Volk und Staat, also um eine Art von Philosophie der Arbeit unter Berücksichtigung besonders auch der sozialen und politischen Tätigkeit. Von diesem Gesichtspunkte gab er eine Darstellung der Reise, die durch das Mittelmeer von Marseille direkt nach Beyrut in Siricn. sodann nach Alexandria in Aegypten, und weiter über Kairo nach Luxor führte. Auf den Bildern sah man Hasen und Stadt von Beyrut mit dem Libanon, die Ausschiffung von französischen Soldaten, viele Touristen, die von Beyrut nach Haifa unb weiter nach Jerusalem fuhren, ferner den Hasen von Alexandria mit dem bunten Treiben bei der Landung, dann Bilder aus der Umgebung von Alexandria und Kairo, dis mächtigen Pyramiden des Eleops und Ehefsren, sowie die aus dem Kalkfelien heraus- gearbeitete Sphinx, Bilder aus Memphis mit der riesigen am Boden liegenden Ramsesstatue und den eingeborenen Aegyplern und Arabern, ferner landschaftliche Bilder aus dem Niltal von der fünf- zehnstündigen Fahrt von Kairo nach Luxor mit Palmenwaldern. niedrigen FeUachenhäusern, tür- kischen Friedhöfen, dazwischen Zeichen beginnender Industrie, schließlich die Kalkberge nach dem Roten Meere zu. In umfastender Weise wurden die Tempelanlagen von Luxor und Karnak, sowie in dem alten Theben, durch sehr plastische Bilder bar- gestellt, wobei der Grundriß des Lurortempels genau erörtert wurde. Schließlich kamen Aufnahmen von der Fahrt nach den Königsgräbern und vom Eingang zu den Grabkammern des in den letzten Jahren berühmt gewordenen Tut-Ankhamon. Die Zuhörerschaft folgte mit lebhaftem Interesse den Ausführungen, die zum Schluß durch eine Darstellung der sozialen und politischen Verhältnisse des sog. nahen Ostens im Hinblick auf das (besonders englische) Problem des fernen Ostens (Indien) ergänzt wurden. ** D i e Vereinigung für Feuerbestattung für Gießen und Mmgcgenb hielt am Montag ihre diesjährige Generalversammlung ab. Aach der Vorstandswahl wurde der Mitgliedsbeitrag auf 50 Pfennig jährlich festgesetzt. damit alle Kreise an dem kultureller Fortschritt der Bewegung teilnehmen können. Die Mitgliederzahl beträgt heute 329. Ferner wurde einstimmig beschlossen, das derzeitige Vereins- Vermögen als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung der Stadtverwaltung zum Ankauf eines Harmoniums für die Friedhofkapelle zur Verfügung zu stellen. wg. Die 8 3. Jahresversammlung des Hessischen Hauptvereins der Gustav- Adolf-Stistung wird am 18. und 19. Juli in Oppenheim stattfinden. Am 18. Juli werden in den Kirchen der Umgebung des Festortes Fest- gottesdienste, im Anschluß daran Jugendgottes- dienste gehalten werden. Rach dem für den Nachmittag vorgesehenen Festzug findet der eigentliche Festgottesdienst in der altehrwürdigen Katharinenkirche statt mit Senior D. Spanuth, Leoben (Steiermark) als Festprediger. Danach ist auf der Landskrone eine große Volksversammlung geplant, in welcher von Auslandvertretern der evangelischen Diaspora Ansprachen gehalten werden. Der Festtag wird beschlossen mit einem Familienabend in der Landskrone. Der folgende Tag bringt am Vormittag die nichtöffentliche Sitzung des Derwaltungsrates. Nachmittags tagen die Guftao-Adolf-Jrauenvereine und findet an der Schwedensäule eine kurze Feier statt. Abends beginnt ein Lehrgang zur Einführung in Geschichte, Gegenwartslage und Zukunftsaus- gaben der Gustav-Adolf-Vereins-Arbeit, der auch den 20. Juli noch ausfüllt. Bei diesem Lehrgang n erben nun malle v--'.rcr b r DiafporaarbeU zu Worte kommen, vor allem solche aus der Ausland» diaspora. Die Tagung verspricht nach jeder Rich- tung hm eine äußerst inhaltsreiche zu werden. *• I in Lichtspielhaus Bahnhof» st r a ß e gelangt zur Zeit der Film „Der Rosen- kavalier" zur Vorführung.. Das Manuskript ist nach der bekannten musikalischen Komödie (kam- paniert von Richard Strauß), zu der Hugo von Hosfmannsthal den Text geschrieben hat, bearbeitet worden. Dieses liebenswürdig'heitere Spiel versetzt den Zuschauer in die Zeit des österreichischen Rokoko unter der Kaiserin Maria Theresia. In Charakterfiguren (vor allem: Ociavian — Baron Ochs) findet das eigenartige Gemisch einer leicht dekadenten Erotik und derb-fröhlichen Sinnlichkeit Ausdruck. Darsteller von Rus verkörpern in vortrefflicher Weise ihre Rollen mit wienerischer Lebenslustig» feit im Geiste versunkener Tage. Im ganzen: ein im Wiener Barockstil prächtig ausgestattetes Filmwerk, das Beachtung verdient. 3- " Die Maul- unb Klauenseuche ift in Echzell und Höchst a. d. A. iKreis Büdingen) und in Kinzenbach (Kreis Wetzlar) auSgcbrochen. In Saasen. Ettingshausen, Hausen, Müschen- heim (Kreis Gießen) und in Aendel, Büdesheim und Okarben «Kreis Friedberg) ist die Leuche erloschen, in Atphe und Grünberg hat sie sich nicht weiter ausgebreitet, so daß hier der Sperrbezirk beschränkt werden konnte. ** Der falsche Zollbeamte „arbeitet" weiter mit Erfolg. Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet: Vor kurzer Zeit wurde in der Presse (auch im „Gieß. Anz.) auf einen Schwindler hin- gewiesen, der bei Frauen mit einem Paket an der Hand vorspricht und sich als Beauftragter des Zollamtes bezeichnet. Er erklärt, daß er den Auftrag habe, dieses Paket, das von einer Verwandten aus Amerika eingegangen sei, gegen eine Gebühr aus« zuhandigen. Der Schwindler ist noch nicht gefaßt worden. Er hat erneut am Montagvormittag in Frankfurt im Sandweg bei einer Frau feinen Trick mit Erfolg angewandt und sich eine Gebühr von 9,80 Mk. zahlen lassen. In dem Paket fand die Betrogene ein Fläschchen mit Wasser und einen alten, aus der Inflationszeit stammenden Tausend- inarkschein. Es handelt sich um einen großen, schlanken, gutgekleideten Mann mit braunen Augen und gelben Zähnen. Er gab an, vorige Woche im Baumweg ebenfalls ein Paket abgelte- fert zu haben. Das Publikum wird erneut vor ihm gewarnt und besonders darauf hingewiesen, daß Pakete vom Zollamt niemals ausgetragen werden. Verantwortlich für Feuilleton L B.: Dr. Fr. W. Lange. X . 'S Bahn- u. 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Stationen bis Wetzlar, Wetzlar an 10.20 nchm. In Wetzlar Anschluß an Pz. 474 nach Limburg, Wetzlar ab 10.41 nachm Montag, bett 19. Juli: Lonbcrzug Wetzlar-Hcrborn,Wetzl.ab9.22vorin.wteaml8.Juli. Pz. 1649 Herborn ab 11.58 nachm., Dillenburg an 12.12 vorn.; wird blS Haiger durchgefnhrt. Dienstag, den 20. Juli: 5925V Durchsührnug des Pz. 1649 bis Haiger rote am 19. Juli. vorm., an verkehrt wie an Werktagen Im Anschluß an Pz.409 von Limburg, Wetzlar an 9.17 votm. Telephon Der verwöhnteste Kaffees wird durch per rtr. Campign., Guatemala u. Mexiko p.' Pkunb 2.00 .90 MSusburg 5917; Telephon 829 Pfund 1.00 Tampignas und Maracaibo.. per Pfund 10 Pfund V Kristallzucker, 10 Wir empfehlen unsere nachstehenden sorgfältig zusammengesetzten Spezialsorten stets frisch gebrannt: amerik.- Hochgewächs v. allererst. Plantagen) P.Pfd. I&MeMW Mexiko Maragogippe, allerf. Qualität, per Pfund WeeMti'MU Safiee-fiorn Jucker, fein gern», Pfund 36 10 Pfund Mk. 3.55. 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In schöner Blütenpracht stehen bie Kartoffeläcker ber „Dbenroälber Blauen", eine Frühkartoffelsorte. bie in ben letzten Jahren hier Eingang gefunben hat unb sich für unseren Boben, wie ber Lanbmann sagt, fehr gut „artet". ' Lang-Göns, 14. Iulü Am Sonntag feierte die Hebamme Wenzel dahier ihr 40- jähriges Dienstjubiläum. In Anerkennung .ihrer treuen Pflichterfüllung wurden ihr zahlreiche Geschenke dargebracht. Pfarrer Wahl überreichte der Jubilarin im Auftrag der Kirchengemeinüe ein wertvolles Geschenk. Abends brachte ihr der Posaunenchor ein Ständchen. erholungsuchenber Herzleibenber fühlt sich in ber bünnen, sauerstoffarmen Lust bes Hochgebirges nicht wohl. Auch bie wichtige Möglichkeit zu ebenen ober langsam ansteigenben Spaziergängen ist hier vielfach nicht gegeben. Auch ber Aufenthalt am Meer, na- mentlich in winbreichen Gegenben. tut vielen Herz- leibenden nicht gut. Unb roieberum wirb von zahlreichen Herzkranken, die ben Aufenthalt am Meer selbst angenehm empsinden, bas Baben im Meer nicht vertragen. Don ausgezeichneter gesundheitlicher Zuträglichkeit sinb für die erholungsuchenben Herzkranken bie Waldgegenben. bie Mittelgebirgsorte unb bie Binnenseebäder. Für manche leichteres Herzbeschwerden wird ein ruhiger Aufenthalt in nMlbigec Gegend mit schönen, nicht anstrengenden «azier- gängen, die sich methodisch steigern lassen, zum radikalen Genesungsmittel. Für Menschen mit Blutarmut irgendeiner Form ober Ursache kommen vor allem Seebäber unb ganz befonbers Höhenkurorte in Bettacht. Bei 93 erbau ungs ft ör ungen unb Stoffwechsel- leiden wird immer geeignete Kost die Grundlage der Lebensführung bilden. Die Wahl des Som- mernufenthaltes wird daher nach dem Gesichtspunkt erfolgen, wo die notwendigen Erfordernisse bzw. Beschränkungen durchgeführt werden können. Wer an Gicht oder Rheumatismus leidet, wird warme, sonnige Gegenden wählen. Wer sich klarmacht. was i h m und gerade ihm zur Sommererholung nötig ist, wird nicht in die Lage kommen, am Schluß unerholt und unfroh heimkehren zu müssen. Die wichtige Reserve von Kraft und Freude, die im Sommeraufenthalt geschaffen wird, muß für lange Stadlmonate reichen. Bei Familien, deren einzelne Mitglieder verschiedene ßrtfolungs- bedürsnisse haben, wird sich meistens ein Ort finden, ber ben verschiebenen Ansprüchen gerecht wird. Nur feiten wird aus solchem Grunde eine Trennung der Familienmitglieder im Sommer notwendig werden. Der Obergutachter über alles, auch über den ärztlichen Rat, ist freilich bei ber Wahl des Sommeraufenthaltsortes — die ftncmzielle Frage. Auch mit ihr wird sich bei vernünftiger Ueberlegung ein Kompromiß schließen lasten, das gesundheitliche Erfordernisse nicht zu kurz kommen läßt- # Obbornhofen, 14. Juli. Die Vorbereitungen zu dem am 24.. 25. und 26. Juli hier statt- findenden Turnfest sind seit einiger Zeit m vollem Gange. Allabendlich finden Hebungen und sonstige vorbereitend« Veranstaltungen der Turner und Turnerinnen statt. Auch sonst sieht man dem Ltraßenbild unseres Ortes an. daß das Fest rn nächste Nähe gerückt ist. denn viele Hauser haben einen neuen Anstrich erhalten, andere sollen ihn noch bekommen, so baft die Handwerk-leute alle Hände voll zu tun haben, um noch alle Wünsche vor dem Fest befriedigen zu können. Mit dem Turn, fest soll gleichzeitig d,e B a n n o r w e , h e bet hiesigen Turnvereins stattfinden. t. Grünberg. 14. 3ull DieLheo-Koch- Straße die die Londorfer Straße mit der Gießener Strafte verbindet, ist jetzt so weit fertig g e st e l l t, als Wohnhäuser an ihr errichtet sind. Der Teil an der Gießener Strafte ist zum Teil noch Wiesenpfad. Dort ist zunächst der Platz für das neue Finanzamt vorgesehen. Außerdem hat die Bauftrma Jäger- Queckbvrn einen Bauplatz für ein weiteres Wohnhaus erworben. Es kann damit gerechnet werden, daß in den nächsten Jahren die Strafte vollständig bebaut witL □ fünfter bei Sich. 14. Juli. Heute wurde der älteste Mann unserer Gemeinde, der Landwirt und Fuhrmann Peter Heft, als der sog. „Schimmelpeter" weithin bekannt und beliebt, zu Grabe getragen. Durch einen Aln- glücksfall verlor der im 9 2. Lebonsj ahn stehende, aber noch ungemein rüstige Mann das Leben. Der alte" Mann, der noch landwirtschaftlich tätig war (er mähte noch wie ein Junger), hatte eine junge, lebhafte Stute mit einem Füllen im Stall, durch einen Lattenzaun abgeschlossen. Gr öffnete den Lattenzaun und schlug dem Pferde aus den Hals. Da« Tier bäumte auf, sprang ins Frele und warf den Greis um. An den Folgen dieses Falles ist Heß infolge innerer Verletzungen nun verstorben. Kreis Friedberg. r4 Vad-Nauheim. 14. Juli In der Wette rau werden seit einigen Tagen die ersten Frühkartoffeln geerntet. Es handelt sich hauptsächlich um die gelbfleischigen Sorten „Kaiserkrone" und „Gelbe Frühe", während die mittelfrühen Sorten „Böhms Heimat" und .Plaue Odenwälder" noch nicht zur vollen "Keife gekommen sind. Leider muß sestgestellt werden. die Kartoffeln teilweise stark von Fäulnis befallen sind. Die ersten Frühkartoffeln, die hier auf den Markt kamen, kosteten 9 Mk. vro Zentner. Heute wurden sie aber bereits non umherfahrenden Landwirten zu 7 Mark „frei Haus" angeboten. # Aus der nördlichen Wetterau, 14. Juli. Gegenwärtig sieht man in unserer Gegend viele Heibelbeerhänbler, bie dur« den Verkauf der Beeren bei uns, wo bie Wälder keine Heidelbeeren ausweiscn, eine lohnende Einnahme haben. In den Waldungen unserer Gegend beginnt man eben mit der Himbeerernte. Täglich sieht man Scharen, besonders Frauen und Kinder, mit allerhand Gesäßen ausgerüstet, in die Waldungen eilen, um die in diesem Jahr reichlich vorhandenen Himbeeren zu sammeln. Die Brombeeren stehen in vollster Blüte und zeia-n auch schon teilweise reichen Fruchtansatz, so daß mit einer guten Brombeerernle au rechnen ist. Die Kirsch e n e r n t e ist nun beendet, vereinrelt sieht man nur noch einen Baum Spätkirschen. A e p f e l und Z w e t s ch e n gibt es in diesem Jahr in hiesiger Gegend sehr wenig, dagegen zeigen die Birnbäume einen selten reichen Behang. B. Rodheim vor der Höhe, 13. Juli. Am Sonntag beging die hiesige Kleinkinderschule ihr vierzigjähriges Bestehen in Anwesenheit ihres Gründers, des früheren Avdheimer Pfarrers und jetzigen KirchenvatS W i s s i g in Bad-Nauheim, der am 21. Juni 1888 im zweiten Pfarrhause die ersten Schüler ausgenommen hatte. Im Festgottesdienst predigte der Vorsitzende des Verbandes der evangelischen Kinderschulen in Hessen. Pfarrer Mangold-Griesheim. Vachmittags bewegte sich unter Vorantritt der Kleinen, an die sich die Eltern und die Freunde der Schule und die Be- fucher der Volksschulen mit ihren Lehrern an- schlossen, ein Festzug durch die Ortsstraften aus die Bleiche, wo ebenfalls unter überaus zahlreicher Beteiligung die Feier int Freien, verbunden mit Spielen und Liedern der Kinderschüler unter Leitung unserer Kiicherschulschwsster Verroth. abgehalten wurde. Hier sprach Kir- chenrat Wissig über seine Gritndung und gab der Freude über das Gedeihen der Arbeit Ausdruck. Der Orts geistliche entwarf em Bild der Geschichte der Schule. Das Schlußwort sprach Pfarrer Mangold. Die Glückwünsche der Gemeindeverwaltung überbrachte Beigeordneter Grau die des Kirchenvorstandes Kirchenvorsteher R. Hofmann. Zur Ausschmückung des Festes trugen sämtliche vier Vvdheimer Männer- und Frauengesangvereine wesentlich bei. die -ucunr stellte die FeuerwehrkapeNe. Mit dem Jubiläum verbunden war eine DezrrkSkonf e- r enz der benachbarten Krnderschut- s ch W e st e r n aus dem Mutterhause Nonnen- toeier. das seit Bestehen die hiesige Anstalt nut Schwestern versorgt hat. Wie der Verlaus des Festes zeigte und wie es in den emzeln^ Veden zum Ausdruck kam. gehört der Kinderschule das allgemeine Interesse der Gemeinde, so Mft man für das Weiterbesteben und den Ausbau der Schule die besten Hoffnungen hegen darf. Kreis Büdingen. Kreistag in Büdingen. ii Büdingen, 14. Juli. Die diesjährige ordentliche Kreistagssitzung fand zum ersten Male im Sitzungssaals des neuen Kreisamtsgebäudes statt. Von den 21 Kreistagsmtt« gliedern waren 18 erschienen Der Vorsitzende, Kreisdirektor Dr. G a ft n e r, verpflichtete zunächst die neugewählten Mitglie* der die an die Stelle der in den Kreisausschuft ber'usenen und deshalb aus dem Kreistag ausgeschiedenen Herren getreten waren. Die Rechnung der Kreiskasse für 192 4 wurde begutachtet; dem KreiSkafsenrechner wurde Entlastung erteilt. Der V e r w a l 1 u n g s- bericht des Kreisausfchufses für das Rj. 1924 wurde gebilligt und den darin aufgeführten Kro- ditüberschreitungsn und Verkäufen von Kreis- straßengelände zugestimmt. Der Voranschlag der Kreiskasse für Rj. 1926 wurde rubrikenweise durchgesprochen. Dabei machte Medizinalrat Dr. Wagner interessante Ausführungen über seine Tätigkeit als Schularzt im abgelaufenen Rechnungsjahr. Er erwähnte u. a„ daß etwa 25 Proz. aller Kinder an Schilddrüfenwucherun- gen litten. Im kommenden Jahre sollen Heilversuche mit Jodtabletten gemacht werden. Der Vorsitzende teilte mit. daß das Kreis kinder- heim in Bingenheim einen erfreulichenAuf- schwung nehme. Er hoffe, daß daS Heim in absehbarer Zeit keine Zuschüsse aus der Kreiskasse mehr benötige. Es wurde beschlossen, Anfang September eine gemeinschaftliche Besichtigung des Kinderheims vorzunehmen. Beim Kapitel Vahrungs- und Genuftmittelkontrollo wurde nach längeren Erörterungen die Erhöhung des Zuschusses zum chemischen iln ter s u - chungsamt Gießen um 800 Mk. beschlossen. Aus Antrag des Kreisausschusses wurde die im vorigen Jayr beschlossene Kündigung der -Zugehörigkeit zum Verband der hessischen Kreise und Provinzen zurückgenommen. Die vom Kreisausschuß vorgeschlagenen Steuerausschlagssätze gaben zu lebhaften Debatten Aalaft. Ein Abänderungsantrag^ der die Grund- und Gewerbesteuer schärfer heranzieht und dafür die Sonder- steuer vom bebauten Grundbesitz ent- l a ft e t. fand gegen die acht Stimmen der Rechten Annahme. Schließlich wurde derVvr ans chlag. der in Einnahme und Ausgabe mit 648 159,52 Rm. abschlieftt und eine Kreissteuer von 270900 Mark, den gleichen Betrag wie im Vorjahr, vor- sieht, genehmigt Die durch die Vidder-Regulierung entstandenen Aenderungen der Gemarkungs- grenzen Stockheim — Seustadt, Leu- stadt — Effolderbach und Seustadt — G l a u b e r g wurden gutgeheiften. Dem Vorschlag des Landwirtschaftskammerausschusses aus Wiederwahl der seitherigen Mitglieder der KreiSkörkommisfion wurde nicht stattgegeben. Bei der Veuwahl mittels Stimmzettel wurden zu Mitgliedern Landwirtschaftsrat Wenzel- Büdingen. Landwirt Schmidt- Echzell. Bürgermeister Jakobi- Rohrbach, zu Stellvertretern Landwirt Hamme rsch midt - Mndsachsen. Landwirt Oft* heim- Echzell und Landwirt Hch Kraft Rohrbach gewählt Zu Punkt Verschiedenes lag ein Antrag aus Offenlegung von SonntagSfahrkar- t e n auf verschiedenen Stationen des Kreises vor, der 'Annahme sand. !! Büdingen. 14. Juli. Seit einiger Zeit schweben wieder Verhandlungen über den Vau einer Seementalbahn. Es ist nunmehr geplant, die Bahn von Büdingen über Rinderbügen Wolferborn — Kefenrod — Allenrod — Wenings nach Viederseemen durchzuführen. Am letztgenannten Ort würde die Bahn in die Strecke Stockheim — Lauterbach einmünden. Dem Bahnbau wird allseitiges Interesse entgegengebracht. Gleichzeitig wird z. Z. verhandelt über die Durchführung dieser Dahn nach Hanau. Dieses Projekt würde insbesondere den Orten um Langenbergheim und Eckarts- Hausen große Vorteile bringen. ld. Vidda, 14. Juli. Die Pserdezuch- t e r aus der Umgegend, die hofften, auf unserem Pferde- und Fohlenmarkt ihre Saugfohlen ab- setzen zu können, mußten diese wieder mit nach Hause nehmen. Der geringere Pferdebedarf, die gedrückte wirtschaftliche Lage und die gleichzeitig stattfindende Foblenauktton in Reichelsheim machten unseren Markt zu einem Versager. Zur Zeit suchen Fohlenaufkäufer die Fohlen- besiher auf, um aus den zum Verkauf stehenden Tieren die besten herauszusuchen. Vur für gut gebaute Stutenfohlen, Belgier Rasse, werden Preise bezahlt (250 bis 280 Mk.), die die Pferdezucht noch einigermaßen rentabel machen. Geringere Ware bleibt stehen und soll auf dem Schottener Gommermarkt oder dem Ortenberger „Kalten Markt" an den Mann gebracht werden. Da ein Pferdezüchter bei zu langem Halten eines Saugfohlens, das er bann noch zu niedrigem Preise absetzen muh, nicht auf seine Rechnung kommt, werden alle Züchter, die nicht über ein erstklassiges Zuchttier verfügen, die Pferdezucht notgedrunaen einstellen müssen. )( ß i ft 6 c r g, 14. Juli. Nachdem Pfarrer Adam wegen Krankheit in den vorläufigen Richestand verseht wordek ist, wurde die Verwaltung der hiesigen Pfarrstelle zunächst bis zum 1. Oktober Pfarrer Kahn- Ortenbevg übertragen. # Berstadt, 14. Juli. Die Heuernte ist hier beendet. Man ist sowohl mit der Quantität als auch mit der Qualität dieser Ernte sehr zusrieden. Infolge der feuchten Witterung steht bas Gras bereits schon roieber in kräftigstem Wuchs, so baft bie Wiesen eben einen prächtigen grünen Teppich bilden. Der Landmann kann bei fortdauernder günstiger Witterung auf eine reiche Grummeternte hoffen. Kreis Schotten. -h Schotten. 13. Juli- Vor dem Kriege gab es eine Zeitspanne, in der man glauben konnte, die schwereren Viehschläge der Ebene und das Fleckvieh Süddeutschlands würden im Laufe der Jahrzehnte das mitteldeutsche R o t v i e h aus dem Vogelsberg verdrängen. Allein es zeigte sich, baft diese fremden Viehschläge beim Weidegang in der Entwickelung zurückblieben. Die Nach* zucht ergab hohes, schmalrückiges Vieh, das sich nicht mehr mit dem Fleckvieh der Ebene messen konnte. Als nach dem Kriege der Zuchtverband für oberhessisches Rotvieh im Wettbewerb mit anderen Zuchtverbänden glänzende Erfolge zu verzeichnen hatte, wandte sich das Interesse der Viehzüchter im Vogelsberg wieder mehr dem Rotvieh zu; heute erfreut sich die Vogels* bergerZucht wachsender Beliebtheit, und immer größere Gebiete werden ihr erschlossen. Sogar verschiedene Gemeinden der Wett er au, die sonst nur Neckvieh züchtet, sind dazu übergegangen, durch Einstellung von Vogelsberger Bullen die Aufzucht deS Rotviehs zu begünstigen. xlx Schotten, 14. Juli. Die Heuernte kann hier als beendet angesehen werden. Vur in den höher gelegenen Gemeinden dürften noch acht bis zehn Tage zur Bergung erforderlich sein. Die Körnerfrucht steht stellenweise gut, stellenweise hat sie durch den Strichregen gelitten. In etwa 14 Tagen dürfte mit dem Schnitt begonnen werden, natürlich nur, wenn das gute Wetter anhält. — Hier hat sich ein Ausschuß gebildet zur Durchführung der Vorarbeiten für oaS im nächsten Jahre abzuhaltende Sänger- s e st, verbunden mit dem 90jährigen Jubiläum des Männerchors Schotten. Das Fest soll im großen Stile abgehalten werden. Der Neu- Y)otiei Schottener Mannerchor hat kxckanittlich sein Erscheinen zugesagt. n 2au6ad), 14. Juli. Die Heuernte, die sehr gut ausfällt, geht jetzt ihrem Ende entgegen. Sie dauert hier etwas länger, da die hiesigen Bewohner Wiesen haben, die stundenweit (bis 2Vs Stunden entfernt) abliegen. Diese Wiesen liegen in den Gemarkungen der verschiedenen ausgegangenen Dörfer, deren Bewohner nach Laubach zogen. Der Besitz der Gemarkung aber vererbte sich vier Jahrhunderte hindurch. Die Sommerfrucht (Hafer und Gerste) steht sehr gut, jedoch hat sich die Gerste etwas gelagert, was dem Körnerertrag schadet. Der Roggen steht ebenfalls gut, dagegen hat der Weizen durch Rost gelitten. Schön stehen die Hackfrüchte. ld. Aus dem vorderen Vogelsberg. 14. Juli. Die Ferkelpreise. die um Pfingsten, in der Zeit, in dec von jeher viele Klein* bauern und Arbeiter unserer Gegend ihre Schlachtschweine für den kommenden Winter kauften, so hoch waren, daß viele Kauflustige von den Märkten heimgingen, ohne eingekaust zu haben, haben sich wider Erwarten auf gleicherHöhe gehalten. Für 6 bis 7 Wochen alte Tiers werden immer noch 40 bis 42 Mk. bezahlt. Da es jetzt Zeit wird, Schweine für hre Hausschlachtung zu kaufen, müssen alle, die auf billiger« Ferkel warteten, in den sauren Apfel beißen und nun einkaufen. =.= Aus bem Kreise Schotten. 14. Juli. In vielen Gemarkungen bes Kreises stößt man auf Wildkirschenbäume von mächtigem Wuchs, bie sich sehr gut zur Veredelung eignen, sofern sie nicht mehr als acht Jahre alt sind. Der Lanbwirtschafiskarnmerausschuß für bie Provinz Oberhessen beabsichtige nunmehr in einigen Orten bes Kreises, wo solche Bäume Vorkommen, einerlei ob im Privat- ober Gemeinbebesitz, gegen Mitte Augast burch Obstbauinspektor Wiesner praktische Unterweisungen von je eintägiger Dauer in ber Sommerveredelung junger Wildkirschenbäume stattfinden zu lasten. Kreis Alsseld. -er. Homberg a. d. Ohm, 14. Juli. In dem Steinbruch im Distrikt Hermannsberg ereignete sich ein Tlnglücksfall mit tödlichem Ausgang. Der in der Mitte der dreißiger Jahre stehende Arbeiter Kraus von hier wurde an einer Durchbruchsstelle von herab st urzenden Erd- und ©fein» massen derart getroffen, daß ihm zertrümmerte Kopfkttochen das Gehirn durchbohrten, wodurch dieses fteigelegt wurde und der Tod auf der Stelle einttat. Der Mann hinterläßt Frau und Kinder. — Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wird in etwa vierzehn Tagen die Nrma Gebr. Himmelsbach. V e u h a u s. ihren Betrieb nach Aufarbeitung sämtlicher Vorräte wieder stille gen. Diese Absicht wird allgemein bedauert, da hierdurch wieder Arbeitslosigkeit hervorgerufen wird und übrigens in dem Nieder-Ofleidenev B a s a l t w e r k der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie nur die Hälfte der früheren Arbeiter seit dem vorigen Freitag wieder eingestellt wurde. Homberg a. b. O h m, 14. Juli. Der Auftrieb zum heutigen Ferkelmarkt war gering. Kaufliebhaber waren dagegen reichlich vorhanden, was naturgemäß ein leichtes Anziehen der Preis« zur Folge hatte. Bezahlt wurde für etwa sechs Wochen alte Tiere durchschnittlich 40 Mk.. füt 8 Wochen alte durchschnittlich 48 Mk., für 10 öis 12 Wochen alte 50 bis 60 Mk. Kreis Lauterbach. 4 Lauterbach, 14. Juli. Der Stadt. vorstand beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung zunächst mit dem Ersuchen deS Landes* sinanzamts um Bewilligung eines Zuschusses für die Errichtung einer Dienstwohnung für den Amtsvorstand des Finanzam ts. Dis Finanz* und Daukommission empfahl, dieses Ersuchen nicht abzulehnen, zumal der ursprünglich geforderte Zufchuß von etwa 4000 bis 5000 Mk. nunmehr auf 1200 Mk. ermäßigt worden sei und sich das Reich außerdem bereit erklärt habe, im jetzigen Finanzamtsgebäude für einen Beamten eine Wohnung, bestehend aus Küchq und vier Zimmern, herzurichten. Es wurde beschlossen, den geforderten Zuschuß in Höhe von 1200 Mk. zu leisten, sowie das gesamte Bruche steinmaterial bis zur Sockelhöhe ab Bruch kostenlos zur Verfügung zu stellen. An diesen Beschluß wird jedoch die Bedingung geknüpft, daß Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Von Michael Wagner. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der Toni! durchzuckte es Zeno. Wortlos öffnete er auch bann bas Kästchen, entnahm ihm Glas unb Flasche und schenkte bem Alten ein. »Da Gori — G'sundheit!" Ganz ernst jagte es Zeno, aber schon mußte er roieber lachen. Das Gläschen nehmen, mit einem Ruck leeren unb es Zeno wieder in bie Hand drücken, war beim Gori eins. »Ah!" — Dann: „Tua 's Stamperl wieder weg, Zsno! Wenn g'rab der Toni — Ießmaria!" Gori faßte ihn bei ber Hanb. »Herr, vergelt'- Gott tausendmal, Zeno — du hast halt noch a guat's Herz?" Ganz gerührt war her Alte. „Schon recht, Gori!" Gori aber trollte sich unter allerlei unverständ- iid? opr sich hingebrummten Segenswünschen auf Zenos künftiges Wohlergehen wieder aus ber Stube . . . Nach bem Mittagesten ließ Uracher ben Schlitten einspannen unb fuhr mit Zeno hinunter in den Markt, um sich bas bewußte Fürleaersche Sacherl vn)uschauen, bas Nest, in welchem sich Zeno ein* lichten sollte. Um es im voraus zu sagen: bem gefiel es gut, überaus gut sogar. Das hübsche, kleine Haus machte schon äußerlich einen ungemein anheimelnben Einbruck. Gleich neben ber eichenen, verzierten Haustüre befanb sich ber Eingang zum Laben, hinter besten schmalen Schaufensterchen in buntem Durcheinander die 'Dhifterftüde der Schnitzerkunst bes verstorbenen alten tüchtigen Meisters Fürleger ausgestellt waren. Zenos Augen leuchteten: Hier war er so ost als Bub geftanben, um bie Herrlichkeiten zu bewundern, unb nun würden in Zukunft die Erzeugnisse seiner eigenen Kunst ausgestellt fein unb die Irem- b$n nicht minder anziehen. Oh, schaffen wallte er, schassen, ganz aus eigenem . . . „Schöne Monderl hat er g'schnitzelt, ber alte Fürteger — und a tauberes Sacherl z'sawmbracht", meinte Uracher in bleberer Anerkennung. Zeno nickte nur bazu, gebantenuerloren. „Also nachher geh'n wir halt hinein zur Für- legerin!" sagte ber Vater. Die ehrsame Witwe Korbula Fürleger empfing bie betbon Besucher mit lauter Freundlichkeit. „Ja. was is denn dös, der Uracher mit bem Herrn Sohn! Griiaß Ihnen Gott! Ja, wie mich bös freut!" „(Brunft bi Gott. Fürleaerin!" crwiberte Ura- cher in feiner bünbigen Art, „da wär' j also mit bem Zsno, damit er sich jetzt bös Häusl unb alles übereinanb anschaugt!" „Ja. freili, freili, wenn's auch ber Herr Uracher schon kauft hat. — Ihnen muaft schon g'fallen! — Heilige Mutter Anna! Gel, Sie haben ja bloß mehr ein Fuaß! Oh, mein Gott!" Wenn bie Fürleaerin mal in's Zeug ging, horte sie im allgemeinen nicht so schnell auf. Uracher wußte bas unb wandte sich sofort an Zeno, ben drohen- ben Redeschwall ber guten Frau schlicht unb bestimmt abjchneibeub: „Ja, Zeno, unb jetzt moan i, schauen wir halt!" Seufzend fügte sich bie Fürlegerin ins Unvermeidliche. Zeno gefiel alles sehr aut. Der saubere Verkaufsraum mit der babinteruegenben kleinen Werk, stätte. in der aller Werkzeug und auch Rohmaterial vorhanden war, die hübschen Zimmer, kurz und gut es wurde ihm nämlich ganz warm unterm Brustlatz, wenn er sich ausmatte • ■ . Unb als sie sich befriedigt verabschiedeten, sagte Zeno zur Frau Fürleger: „Kann schon sein, daß Sie bald nach Rosenheim zu Ihrer Tochter übersiedeln müssen!" Dann schieb man in Wohlgefallen voneinander. Als die beiden Uracher hernach im Sternbräu sich bei einer Brotzeit stärkten, zeigte vor allem der Vater eine recht gute Laune. „Ja, Freunderi!" sagte er schmunzelnd. „Gel, bös war halt a Griff nut dem Kauf! Sakkra noch amal, sag' selber?" „Du hast ganz recht, Vater," erwiderte Zeno, „i bin dir echt dankbar dafür!" „Gilt schon! Wenn's dir nur paßt in dem seinen neuen Nester!, dos is d' Hauptsach' Unb nachher halt — schau bald zua —" Eine Be- roegung mit bem rechten Arm folgte, als wollte er lemonb um bie Tmlle fasten. Zeno verstand sie nur zu gut. Er lachte hell auf.. So hatte er beir Vater in feinem Leben nicht gesehen. „Oha, Vater, kannst es vielleicht gar nimmer bermarten, bist b' Schwieger- unb Großvater wirst?" Nun war bie Reihe zu lachen an Uracher. „Grad extra!" Zeno fuhr fort: „Guat also! Dio nächsten Tag fahren wir nüber nach Reichenhall. Da find' sich bann alles andere schon!" Er streckte dem Vater die Hand hin. Der schlug mit lachendem Gesicht ein. „Gilt schon! Kreuzsakkra! Grad wild muaft auf- geh'n!" Heute war die Heimfahrt in bie winterliche Abenbdämmerung hinein nicht so schweigsam als gestern. Der Bräunt griff wacker aus. unb zuweiten scholl luftiges Männerlachen aus dem flott dahinklingelnden Schlitten in die klarkalte Abendluft hinein. Eine Stunde nach bem Abendessen, als bie Stube vom Gesinde sich geleert unb in dämmerigen Winkeln bie Heimeliakeit des Winterabends kauerte, saßen Uracher unb Zeno allein unter bem milbröt- lichen Lampenlicht. Die unvermeidlichen Pfeifen qualmten. Im behäbigen Ofen krachten bie Buchen, jcheite. Vater und Sohn hatten das Hauptthema bes Tages nochmals burchbesprochen. Nun war es an. scheinen!) erschöpft, unb über Zukunftsbiiber sich Aii unterhalten, lag nicht in ihrer Art. Nach längerer Pause sagte Zeno ganz unvermittelt: „Dem Veri sollt man doch schreiben!" „Was schreiben?" Uracher schaute dorn Sohne ruhig ins Gesicht. „Daß er hoamkommt!" „Warum denn dos?" Es war, als huschte auf diese trockene Frage der Vaters ein Schatten des Unmutes über Zeno- Züge. „Warum? — Aber Vater — er hat doch nix mehr verloren in München!" „Wenn er doch beim Soldatenrat is!" „A was — Sotdatenrat! Daß t net lach!" ent- gegnete Zeno ärgerlich. Der Uracher zog die Achseln hoch. Dann meinte er bedächtig: „Mein — mir patzt bis G'schicht \a selbst net recht, verstehst — ber ganze Verhau übernananb! Kaa alte Sau kennt sich nimmer aus! — Aber deswegen — wenn ber Bua grab was werden könnt dabei — rechtschaffen freitt — warum denn net? Der hat a hell's Köpferl!" Zeno schüttelte bas Haupt. „Vater, sei mir net bös, aber bu reb'ft halt so, weilst es net anbers verstehst!" „Kann schon sein." „Und sag' — mär' der Veri da am Hof net bester z'brauchen?" „I- net aus — jetzt hab' i ja meine Leut wieder alle. Und Überhaupts — ber Veri hat'r noch nie nit 'rausg'risten!" „Ja, aber Vater — mir kommt'- schier vor, als ob du den Veri selber ganz gern in München drin siehst!" Da lachte der Uracher, breit unb behäbig. „Halt stab, Zeno! — Jetzt haft baneben g'raten! — Paß auf: I für meine Person hätt' ben Veri lieber ba! Aber mir hat's recht sein müssen, roie's ’n nach München zum Militär g'holt haben — also kann's mir o recht sein, wenn ber Bua bort bleibt! Net? Und ber Toni moant a, er soll nur dort bleiben, vielleicht, baß er’n selber noch guat brauchen könnt —" Der Toni! durchzuckte es Zeno. „Aber zu was denn?" „Mein — zu was! Zu was! — I hab dir dach g'sagt, baß der Toni allerhand anders machen will — wenn alles auseinander is!" „Und du glaubst, Vater, daß bös guat is -» für ben Hof?' Hellauf lachte ber Uracher. „Frag' nur den Toni selber! — Zeno, bu gchorft sonst net zu die Dummen — aber in bene Sachen bist net bewandert!" In Zenos Gesicht stieg eine heiße Blutwelle und färbte es tiesrot. „I hab' im Schützengraben draußen koa Oe« legenheit g'habt, mich damit z' befassen — so was lernt man bloß dahoam!" Uracher in seiner urwüchsigen Geradheit fühlte den Stachel in Zenos Widerrede. Da saß die gemähte Gewichtigkeit und der Ernst ihm wieder in den Zügen, als er antwortete: „Zeno — wenn der Toni was Unrecht's vor, hätt', so wär’s mir gar niemals recht!" (Fortsetzung folgt.) lächl'ü niesen rite K herzul bo®, (abei K' M f -1 Merdem deren W eignet f«j? 2 MM 5»; Lorenz * rf lpra-hev? rat w jwt Iahrcn E bel-M njerden formt im Mrt MM rung unb T badesunSch' Set Dürger M dre D die Ausreä . ßautetb Obervostdir Dickung v qen wurde, Hauptsache nähme voi auf die « etwa 190 auf die & anschkag jaijr 192? Zuschuß in mifligt — 1 Schreiben an Sen Klein bene Mahw unb des Da fordern, des Jtanal-, ebenfalls w stellen unb für diele 5 Auch der lei so niebi träge wurd Semeindera Abgabe dvi gleichen dk Der Antrü! beim Jttehi mtfrftit ab rat Mauti /ich bem angt ffinoyfommil für einen A W gewinnen, gab bet Tu ben in ben le mangel, b grvhen Dru< zumal bie Wellungen liefern und ötadt täglic oerbrauchi wies noch bemüht fei, mit berßunt _ Main Dtttve Eri bmde gestei lassen wollt unb stürzt Treppen mit der Eli einer eiserne Treppe und bruch, ber , WGA. ■ ten Gemeink ist ® nin 5 tu 9ung gefomn gerungen ge tote *nfte der 6tt SQ6e$ai„ Oteft finle "^nnen werk kt 5u *i«6l *?«« Kto '«K«. L li, *8 «68 ’**«. MiÄ Ne ÄAÄÄ »’fefe ÄÄ-8 en. Rl-*y\ hat fe. C.n^oaeut eif» vueiebet. >n jeher w5 $in9* DintnÄ^' Kaulluftig? ^*3 ^Sekaust uf8leiZr» ML Mg W ZM Ärtk,» °">'"den zu la||en. 8 sfeld. d« $.ri 6« -« M •P&m, 14. Juli, in M Sermannabttj ^Ssall mit tob. w der Mr Ä?rauibon Durchbruchsstelle ton ri>' unb Stein. ’■ dav i6m zertrüm« la Tehirn durch. 1 neigeleat v^rdr uxvb ittat Der Mm hin- ■ - We M gutxf initb in etwa vierzehn ’V- tzimmelSbach, rieb nach Ausarbei- wieder stillegrn. lein bedauert, da hier- feit hervorgerulrn wird ieder-Osleidenti tteldeutschen Hartsteir.' der srüherm Arbeiter vieder eingestellt wurde. >h m, 14. M Der Lust lelmarkt war gerrng, ■gen reichlich vorhanden es Anziehen Ser Preist tourte fit etwa s«^ chm'ttlich 4V M, i? ich 48 M.. Kit 4t«/ M. ierbach. 4. Juli. Der Sicht« sich in feiner Mtti t Ersuchen bei ta» :ng eines Zuschusslt er Dienstwohnung Finanzamts. Je fion empfahl, dieses lt< Ä'tfÄ ' ermäßigt worden Irt ußerdem bereit echarl ^amtsgebäude für mm I, bestehend auS W richten. Ss wurde br« «uh in M M >ic das qefamte Mch. lelhvheabAruchkM stellen. An diesen UingW^^ Ä“ •«> *> jpferl!" - J »eflon 3 wS««"™s; • Ss’-; AV&flt - vielleicht^ hnR tu«3'”' b*s"*e® der a gUot16 ” Daten W Lk'-'LSSr I fc W ** 'l,C9aben biau&en oM't 3 W ■>K fffe? d del v pöt' »riet»:. unt«®14 VSi.; . 6«n« *’ ha« Reich tm jetzigen Finanzamtsgebäude tatsächlich für einen Beamten eine Dierzirnrner- Wohnung herrichtet und sämtliche in Frage fern* wenden Bauarbeiten an hiesige Gewerbetreibende vergeben werden, die wiederum nur einheimische Arbeiter, soweit solche vorhanden sind, beschäftigen dürfen. — Schulrat Lorenz ist zur Zeit damit beschäftigt, einen Film über L a u t c r - bach herzustellen, und diesen später als Vogelsbergfilm auszubauen. Dieser Film soll nicht allein Schulzwecten dienen, sondern ist auch als Werbefilm für die Stadt gedacht, zumal er Bilder der einheimischen Industrie, der landschaftlichen Schönheiten, der städtischen Einrichtungen, der Märkte. Dullenauktionen und der Viehzucht des Hinterlandes geben wird. Außerdem sollen Ansichten aus der Stadt und deren Umgebung ausgenommen werden, di« geeignet sind, den Fremden herzulocken und damit den Derkehr zu heben. Bach Fertigstellung soll der Film in Berleih gebracht werden. Schulrat Lorenz ist an die Stadt herangetreten und bittet um finanzielle Unterstützung. Bach kurzer Aus» spräche wurden 150 Mk. bewilligt. — Gemeinderat Maurer hat in einem an die Bürgermeisterei gerichteten Schreiben die Einrichtung eines regelmäßigen Schulbades angeregt. Bürgermeister Walz gab da- von Kenntnis, daß man sich bereits in früheren Jahren und Sitzungen mit dieser Angelegenheit beschäftigt habe, diese jedoch nicht verwirklicht werben konnte, da der hierfür vorgesehene Baum im Jahre 1923 für die Fortbildungsschule in Anspruch genommen werden muhte. Es wurde beschlossen 7. die sog. Koch sch ule im Saale des Elektrizitätswerkes unterzubringen, um der Einführung und Verwirklichung des angeregten Schulbades imEchulhausanbau nähertreten zu können. — Der Bürgermeister erstattete u. a. weiter Bericht über die Besprechungen in Hopfmannsfeld über die Aufrechterhaltung der K r a f t p o ft l i n i e Lauterbach — Ulrichstein. Die von der Oberpostdirektion Darmstadt aufgestellten, mit Wirkung vom I. Juli gültigen neuen Bedingungen wurden angenommen. Hiernach wird in der Hauptsache für den Kilometer eine Mindestein- nähme von 98 Pf. garantiert. Das für diese auf die Stadt entfallende Defizit in Höhe von etwa 190 Mark aus dem Jahr« 1925. wurde auf die Stadtkasse übernommen. — Der Voranschlag der Realschule für Rechnungsjahr 1927 wurde genehmigt und der städtische Zuschuß in Höhe von rund 20 500 Mark bewilligt. — Gemeinderat Maurer ist in einem Schreiben an die Stadt herangetreten und ersucht, den Klein Wohnungsbau durch verschiedene Maßnahmen, wie Abgabe der Bausteine und des Baugeländes zum Selbstkostenpreis z u fordern. Weiter verlangt er bei Berechnung des Kanal-, Wasserleitungs- und Lichtanschlusses ebenfalls nur die Selbstkosten in Rechnung zu stellen und die Sondergebäude- und Grundsteuer für diese Gebäude auf zehn Jahre zu erlassen. Auch der Zinsfuß für die ersten Hypotheken fei so niedrig wie möglich zu halten. Die Anträge wurden für erledigt erklärt, da der Gemeinderat bereits in früheren Sitzungen bei Abgabe von Bausteinen, Baugelände und dergleichen den Selbstkostenpreis festgelegt hat. Der Antrag auf Erlaß der städt. Grundsteuer beim Kleinwohnungsbau wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt. 3m übrigen zog Demeinde- rat Maurer seine Anträae zurück und schloß ich dem angenommenen Vorschlag der Dau- und Finanzkommission, den Reg.-Rat Dr. Rinds uh für einen Vortrag über Bausparkonten zu gewinnen, an. — Am Schlüsse der Sitzung gab der Bürgermeister noch Aufklärung über den in den letzten Tagen aufaetretenen Wassermangel, der nach seiner Ansicht nur in einem großen Bruch oder sonstigen Fehler zu suchen sei, zumal die städt. Quellen nach vorgenommenen Messungen täglich zirka 1200 Kubikmeter Wasser liefern und unter normalen Verhältnissen in der Stadt täglich höchstens 900 bis 1000 Kubikmeter verbraucht werden dürften. Der Bürgermeister wies noch darauf hin, daß man feit Tagen bemüht sei, diesen Fehler zu suchen und die damit verbundenen Mißstände zu beseitigen. Rheinhessen. Mainz, 14.3uli. tWSR.) Die 45jährige Witwe Ernst aus der Fürstenbergerhofgasse 11 wurde gestern vormittag, als sie das Haus verlassen wollt«, von einem Krampfanfall erfaßt und stürzte im HauSgang drei steinerne Treppen herab. Die korpulente Frau fiel mit der Stirn mit voller Wucht auf die mit einer eisernen Einfassung versehene letzte Stufe der Treppe und erlitt einen schweren Schädelbruch, der den sofortigen Tod herbeiführt«. WSR. Rüsselsheim, 14. 3uli. Zwischen den Gemeinden Rüsselsheim und Flörs- beim ist es wegen des Baues einer festen Mainbrücke bei Rüsselsheim zu einer Einigung gekommen, die die Zustimmung der Regierungen gefunden hat. Die Drück« wird zwilchen Rüsselsheim und Flörsheim am östlichen Ende der Stadt, etwa ICK) Meter oberhalb der log. Festung erbaut werden. Die Brückenbreite Ion 9 Meter betragen, die Brückenlänge etwa 300. Die Zufcchrt zur Brücke wird auf hessischer Seite durch eine abzweigende Rampe von der Straße Mainz-Rüsselsheim-Frankfurt bewerkstelligt. Sie Opelwerke leisten einen Barzuschuh von 200 000 Mark. Die Gelder für produktive Er- werbSlosensürsorge dürften hier geeignete Anwendung finden. Mit dem Bau soll im Herbst begonnen werden. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Vetzberg, 13. 3uli. llnfer aus einem 309 Meter hohen Dasaltkegel gelegener Ort wurde in der Vorkriegszeit des ca. 30 Meter hohen Wartturmes, der einstigen Bergfeste, wegen das ganze Jahr hindurch viel besucht. Don dieser damals besteigbaren Ruine hatte man eine herrliche Aussicht auf die malerischen Schönheiten des Lahntales, von Marburg bis nach Wetzlar, ja noch weiter. Auch erbliche man einen groben Teil des Taunus, des Westerwaldes und des Vogelsberges. Leider ist die mächtige Holz leit er zu dem Turm durch die Witterungsverhältnisse so mürbe geworden, daß man den Turm nicht mehr besteigen kann. Hoffentlich wird — vielleicht mit Hilfe des Gleiberg- Vereins — recht bald hier Wandel geschaffen. Der Fremdenverkehr nach unserer alten Feste, die eine recht interessante Geschichte hinter sich hat — schon 1245 kommen die Gauerben von Vetzberg vor- 1454 errichteten ihrer 19 den Burgfrieden — wird dann wohl auch wieder zunehmen. —Z— Aus dem Kreise Wetzlar, 14. Juli. Während die Dbftbäume im Frühjahr in reichem Blütenschmuck prangen, muß die Obsternte in hiesiger Gegend als gering bezeichnet werden. Die Birnbäume dürften die besten Erträge bringen, namentlich versprechen die rauheren Sorten, wie Honigbirnen u. a., recht gute Erträge. Der Behang der Zwetschenbaume ist, wie allerorts, verschieden, jedoch dürfte als Durchschnittsergebnis bei diesen eine Mittelernte zu verzeichnen sein. Die schlechteste Ernte werden die Apfelbäume bringen: neben den Nachtfrösten haben namentlich iierische Schädlinge, hauptsächlich der Apfelblütenstecher, die Früchtebildung stark benachteiligt. Gegenwärtig haben dies« Bäume noch sehr unter den Nachwirkungen der Apfelbaumgespinstmotte zu leiden, da diese einen großen Teil der Blätter bis zum Gerippe abaeweidet hat. Leider stehen noch viele Obstbaumbesitzer einer systematischen Schädlingsbekämpfung teilnahmlos gegenüber, die sich aber im Interesse einer rationellen Obstbaumzucht immer mehr als eine dringend« Notwendigkeit erweist. <> Koch e ( b e i m, 14. 3uli. Die Erbauung einer Wasserleitung steht hier nach wie vor im Vordergrund der noch zu lösenden größeren Gemeindeprobleme. 3n einer Gemeindeversammlung sprach sich die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer für den Dau der Wasserleitung aus. Man hoffte bisher noch immer, mit der Rachbargemeinde Dornholzhausen eine Vereinbarung auf der Grundlage zustande zu bringen, daß das dort überschüssige Wasser zur Speisung der hier geplanten Leitung Verwendung finden könnte. Für den Fall, daß dieses Wasser nicht ausgereicht hätte, wäre die Erschließung weiterer, in der Gemarkung Dornholzhausen belegenen Quellen gelegentlich des dort im Dange befindlichen Zusammenlegungsverfahrens möglich gewesen. Die in der letzten Zeit mit der Gemeinde Dornholzhausen in dieser Richtung gepflogenen Verhandlungen haben jedoch bedauerlicherweise zu keinem die Frage lösenden Ergebnis geführt. Dornholzhausen verlangt für die Abgabe des Wassers eine jährliche Entschädigung von 500 Mk., die die hiesige Gemeinde nicht zahlen zu können glaubt. Man ist nun auf den Gedanken gekommen, einmal die eigene Gemarkung eingehend nach Quellwasser abzusuchen. Diese Suche fand jetzt durch den bekannten Wünschelrutenforscher Oberstleutnant a. D. Heinemann statt. Dieser glaubt, im Distrikt des hiesigen Gemeindewaldes zwei Wasserläufe (einen stärkeren und einen schwächeren) festgestellt zu haben, die er zur Versorgung unseres Ortes für vollkommen ausreichend hält. Die Wasserläufe sollen sich in einer Tiefe von 15—17 Mtr. befinden. Zunächst bleibt das Ergebnis der Schürfungen abzuwarten, die an den betreffenden Stellen sofort vorgenommen werden sollen. Die Schürfarbeiten sind dem Bauunternehmer Zöller von Dornholzhausen übertragen. Für den Fall, daß sie von Erfolg fein sollten, wäre zu erwägen, ob sich nicht zweckmäßig die Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim zur Schaffung einer zentralen Wasserversorgungsanlage zusammen- schliehen sollten, da dem Vernehmen nach auch unter den Einwohnern von Hörnsheim Reiaung zur Einführung einer Wasserleitung vorhanden ist. —K— 5) o ch e l h e i m , 14. Juli. Bor kurzem hat die hiesige evangelische Gemeinschaft mit dem Bau eines neuen Vereinshauses begonnen. Der Bauplatz wurde von einem Mitglied zur Verfügung gestellt. Die Bauarbeiten wer- den von Mitgliedern der Vereinigung, die saft sämtlich aus Bauarbeitern besteht, kostenlos aus- gefuhrt. Da die Arbeiten bei dem günstigen Wetter gut voranschreiten, dürste die Fertigstellung und Einweihung des Hauses in Bälde zu erwarten jein. kz. G a r b e n h e i m , 14. Juli. Am Sonntagabend sand hier in dem Saale des Gastwirtes Genopp eine überaus gut besuchte Versammlung der Ortseinwohner statt, in der Bürgermeister Dr. Kühn aus Wetzlar über den Wert der Eingemeindung von Garbenheim nach Wetzlar sprach. Redner beleuchtete nach allen Seiten bin die Vorteile, die die Gemeinde Garbenheim bei der Eingemeindung entstünden. Alle Einrichtungen der Stadt Wetzlar kämen bann auch dem Orte Garbenheim zugute. Die Stimmung über die Eingemeindung ist innerhalb des Ortes verschieden. Die Arbeiterschaft spricht sich deutlich für eine Eingemeindung aus, während die Land- wirtschast treibende Bevölkerung in der Zurückhaltung verharrt: sie befürchtet die erhöhten Steuern, die ihr bei der Eingemeindung zufallen. Man beleuchtete von verschiedenen Seiten die Bor- und Nachteile, kam jedoch zu keinem Entschlüsse. Die weitere Entwicklung Wetzlars zu einer Industriestadt verlangt räumliche Ausdehnungsmöglichkeit, die durch den Ort Garbenheim nicht eingeschränkt werden darf. Augenblicklich bietet di« Fläche zwischen der Stadt und dem Vorort Niedergirmes das Bebauungsgelände, doch auch dieses reicht nur auf eine absehbare Zeit. Kreis Vicdcukops. T Waldgirmes. 14. Juli. Lehrer Mül- 1 c r von hier wird am 1. Oktober als Rektor an die Volksschule in 3 b ft ein versetzt ' Franke ab« ch, 14. 3uli. Die auf der Struth, an der Straße nach der „Eisernen Hand", vor zwei 3ahren durch Gastwirt W. Bender l Rodheim) begründete Ziegelei entwickelt sich immer mehr zu einem ansehnlichen Großbetrieb. Durch langjährigen Pachtvertrag und Geländeankaus konnte ein mächtiges Tonlager erschlossen bzw. erstklassiges Baumaterial her- gestellt werden. Mit einem großen Ringofen macht es der Betrieb möglich unsere Gegend dauernd mit vorzüglichen Mauer-. Klinker- und achziegeln zu versehen. Rur schade, daß dem südlichen Hinterland iGiehen-Gladenbach) noch immer die Bahn fehlt, denn nur durch eine Vollbahn können Verkehr bzw- Grwerbsrnöglich- teiten jeglicher Art für unsere entlegen« Gegend geschaffen werden. Tillkreis. * Herborn, 14. 3uli Vom 17. bis 20. 3uli findet hier der 7. R a f s a u i s ch e B a u e r n t a g, verbunden mit Tierschau und Maschinen- ausstellung, statt. 3n monatelanger Vorbereitungsarbeit sind die Grundlagen zu einem guten Gelingen der Veranstaltung geschaffen worden. Reben den vielseitigen Ausstellungen an landwirtschaftlichen Maschinen und Zuchtvieh aller Art, Geflügel, Bienen usw. wird besonders anziehend der am Mvntagnachmittag stattfindende, aus Trachtengruppen, historischen und landwirtschaftlichen Wagen usw. bestehende F c st- 3 u g sein. Für günstige Eisenbahn- und Auko- veromdungen ist in hinreichendem Maße gesorgt. Räheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich bl. Herborn, 14. 3ulu Anläßlich des Rassauischen Bauerntages wird der Kraftwagenbetrieb von Weilburg bis nach Herborn durchgeführt. Die An- und Abfahrzeiten werden so gelegt, daß es jedem Bewohner der Anliegerorte leicht ermöglicht wird, das Fest zu besuchen. bl. Dicken, 14. 3uli. Der wolkenbruch- artige Regen der vorigen Woche hat in unserer Gegend recht beträchtlichen Schaden angerichtet. Das gesamte Arial stand bis zu den Wohnhäusern unter Wasser, so daß Der-' schiedentlich das Vieh in den Ställen gefährdet wurde. Das noch lagernde Heu wurde »eg- geschwemmt. Eine ganze Reihe von Kartoffelfeldern wurde vernichtet. Die Frucht hat stellenweise auch gelitten. Wenn auch kein Hagelschlag die Körner herausgeschlagen hat, so liegt die Frucht doch zu stark in der Rässe am Boden. Da hier meistens Kleinbauern wohnen, trifft der Verlust schwer. Maingau. Frankfurt a. M, 14.3uh. iWSR.i Um die Mittagsstunden hatte heute das Publikum Gelegenheit,einen Fassadenkletterer nach amerikanischem Muster zu beobachten. Gin Akrobat in weißem Sommeranzug, mit Strohhut und Blumenstrauß bewaffnet, kletterte an der Außenseite des Gebäudes der Dresdner Bank, Ecke Kaiserstrahe-Gallusanlage, bis zur äußersten Kuppelspitze empor. Oben angekommen, befestigt« «r den mitgebrachten Blumenstrauß auf der äußersten Spitze und verschwand, nachdem er Bälle und Flugschriften unter das Publikum geworfen hatte und nachdem er von einem benachbarten Baldin gefilmt worden war, in der Dachluke. — Heute mittag um 12.30 Ahr nahm ein schweres Lastauto einer ®röq£fellfä>aft an der Ecke Schlohbornerstraße und^Frankenallee die Kurve so unglücklich, daß der Wagen auf den Bürgersteig fuhr und ein fünfjähriges Kind einer in derSchloß- bornerstraße wohnenden Familie erfaßte. Die Verletzungen des Kindes waren so stark, daß es bereits beim Eintreffen bet Rettungswache tot war Hanau, 14.3uli. (WSR.) Ein hiesiger Dachdecker stürzte gestern, als er Dachdeckerarbeiten auf einem Hause in der Mehger- strahe ausführte, vom Dache und erlitt einen schweren Schädelbruch Schwer verletzt wurde der Mann ins Krankenhaus gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Das Bahnprojekt an der Bergstraße. WSR. Weinheim. 14. 3uli. 3m Der- waltungsrat des Gemeinnützigen Vereins Wein- Heim gab Oberbürgermeister Huegel Aufschluß über den Stand der Bestrebungen zur Elektrizifierung der Dampf st raßen- bahn Heidelberg — Weinheim und Mannheim — Heidelberg und im Anschluß daran über das Grohprojekt der elektrischen Straßenbahn Darmstadt- Bensheim—Weinheim. Während früher die Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung den Hemmschuh blldeten, nehme man heut« nur noch Anstoß an dem immer noch zu hohen Zinsfuß des Leihkapitals. Die Oberrheinische Ecsenbahn-A. G. Mannheim würde gleichwohl sofort zur Ausführung der Elektrifizierung der Dampfstrahenbahn Mannheim — Heidelberg — Weinheim schreiten, wenn die benachbarten Gemeinden sich zu einem Zinsenzuschuh bereit erklären, solange der Zinsfuß nicht heruntergeht. Eine weitere Hemmung besteht darin, daß in den meisten Gemarkungen die Obstbäume ganz nahe am Bahnkörper stehen. Wenn die Anliegergemeinden die Entschädigungen für das Fällen biefer Obstbäume auf sich nehmen, so würde fte das von einem Zinsenzuschuh befreien, mit Ausnahme der Stadt Weinheim, von der unter allen -Umftänben em solcher Zuschuß erwartet werde. Dre Hessische Elektrizitäts-A G. Darmstadt wolle zunächst auf der Strecke Darm- It a b t -Benetzer m eine elcl:rische Straßen» bahn bauen. Wenn dann inzwischen di« O. A G. die Strecke Heidelberg Weinheim eleftriftziert bade, würden sich Mittel und Wege finden, um auch das restliche Mittelstück Bensheim — Weinheim durch eine elektrische Straßenbahn zu verbinden und fo den Ring zu schließen. Der Ausführung des Gesamtprojekts stehe zunächst eine Bestimmung des Versailler Vertrags entgegen. wonach keine Rebenbahnen gebaut werden dürfen, bie nicht der Reichsbahn gehören, sofern die Einnahmen durch den Bahnbau nicht gefördert werden Der Verkehr sausschuh der Berg st raße, der die Ausführung des Planes auf sein Programm schrieb, habe beschlossen, beim Reichsministerium in Berlin vorstellig zu werden, um die Genehmigung zum Bahnbau zu erlangen. Der Verwaltungsrat des Gemeinnützigen Vereins Weinheim beschloß, auch seinerseits das Projekt mit allen Mitteln zu fördern. Eine hessische Seldstmordstatistik Rach den Mittei langen der Zentralstelle für die hessische Landesstatistik waren in Hessen, zu verzeichnen an Selbstmördern 1921: männliche 148, weibliche 82. 1922. männliche 196, weibliche 74, 1923 männliche 167. weibliche 77, 1924: männliche 216, weibliche 29. Davon entfielen im 3ahre 1924 auf die Kreise Darmstadt-Stadt männliche 24, weibliche 6, Darmstadt-Land 8 bzw. 2, Bensheim 9 bzw. 8. Dieburg 8 bzw. 2. Erbach 4 bzw. 2, Groß-Gerau 14 bzw. 3. Heppenheim 9 bzw. 1. Offenbach-Stadt 14 bzw 4. Offenbach-Land 14 bzw. 2, Gießen-Stadt7 bzw. 2, Gießen-Land 7 bzw 2, Alsfeld 6 bzw. 1, Büdingen 8 bzw. 2, Friedberg 13 bzw. 3, Lauterbach 5 bzw 2. Schotten 5 bzw. 1, Mainz-Stadt 21 bzw. 5, Mainz-Land 3 bzw. 3. Alzey 6 bzw. 4. Bingen 5 bzw. 3, Oppenheim 12 bzw 0, WorinS- Stadt 2 bzw. 0. Worms-Land 11 bzw. 3. Dl« meisten Selbstmorde wurden durch Erhängen auS- geführt. Cs waren dies 123 männliche und 27 weibliche, durch Erschießen männliche 46, weibliche 1, durch Ertränken 21 bzw. 15. Don der Eisenbahn wurden überfahren 11 bzw. 2. Vergiftet haben sich 4 bzw. 7 Gasvergiftung 4 bzw. 4. Absturz 3 bzw 2. Halsabschneiden 1 bzw 1. 3e 1 männliche Person kommt in Frage für Oeffnung der Pulsader, Stich ins Herz und Tod durch Starkstrom. Gerichtssaal. Der Wiesbadener kuheulerpro;eh.' WSR. Wiesbaden, 14. 3u(i. Wie seinerzeit gemeldet, hat der frühere Inhaber des Wiesbadener Ratskellers, Hein, seinen Gästen feine Ragouts, Geflügel-Gro- quettes und dergl. verabreichen lassen, die, wie sich herausstellte, aus Kuheuter und einem Zusatz von Steinpilzen bestanden. Er war daher wegen Vergehens gegen § 10 des Rad- rungsmittelgesetzes vom Schöffengericht zu 1000 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte er Berufung eingelegt, über die vor der Großen Strafkammer heute verhandelt wurde. Ein Sachverständiger aus Berlin gab zu, daß es dort Sitte sei, zur Vergrößerung der Portionen Kuheuter zu verwenden. Dem seinerzeit abgegebenen Urteil des Sachverständigen, daß Kuyfleisch ein minderwertiges Rahrungsinittel sei. wurde auch von anderer sachverständiger Seite entgegengetreten, ja in Ostpreußen gelte Kuheuter als Delikatesse. 3m Gegensatz dazu bezeichnete der Frankfurter Sachverständige vom Rahrungsmitteluntersuchungs- amt Kuheuter als minderwertig, und keine große Wurstrnehgerei werde solches verwenden. Das Abkochen des Kuheuters auf Vorrat und die Aufbewahrung in zerhacktem Zustande sei wegen der Eiweißzersehung außerordentlich gefährlich gewesen. Rach diesen Feststellungen entschloß sich das Gericht zu einer Herabsetzung der Strafe auf 1 00 Mark, da Tatbestand und strafbare Handlung an und für sich bestehe^ blieben. Die Zusammensetzung der von dem QIn< geklagten verkauften Fleischröllchen und ebenfalls des Ragouts sei ein allgemeiner Begriff Dagegen habe er fein« Geflügel-, sondern Kuheuter- Croquettes vorgesetzt, die der Gast nicht verlangt habe. Es sei auch nicht nachgewiesen, daß er sich durch feine Handlungen größeren Vorteil verschafft habe. Wirtschaft. Die bisherigen Ergebnisse der Wirtschaftskrise. Rach den Feststellungen des Statistischen Reichsäwts sind im 3ahre 1924 6019 Konkurs» eröffnet worden, im 3ahre 1925 11 214 und von 3anuar bis April 1926 7263. 3nsgesamt> waren also seit der Markstabilifierung fast 25 000 Konkurse zu verzeichnen. Don ihnen entfallen über die Hälfte auf den Handel (diese Ziffer zeigt weitere Neigung zum Steigen): 33 Prozent kommen auf industrielle Konkurse, während sich der Rest auf Landwirtschaft usw. verteilt. Gegenüber der Dorkriegszeit ist die Konkurszifter stark gestiegen. 3m Durchschnitt des 3ahres 1913 wurden monatlich ungefähr 815 Konkurse eröffnet; der Durchschnitt 1924 zeigt rund 500 Konkurse, der von 1925 rund 935, derjenige der ersten 4 Monate von 1926 aber über 1800. also mehr als das Doppelte der Dorkriegszeit. Zu den eröffneten Konkursverfahren sind noch zu rechnen die Zahlungseinstellungen, bei denen mangels Masse der Konkurs abgelehnt wurde. Hier kommen für die 3ahre 1924/25 ungefähr 5300 Fälle in Betracht, für 1926 liegen Ziffern noch nicht vor. Abgesehen davon sind noch zahlreiche Fälle zu berücksichttgen, in denen -Unternehmungen nicht ■■■■ 5^ SchoKoladenspeise mit; gehacKten.Mandeln ist ein Feinkost-Pudding von delikatem Geschmack, der auch von Männern gern gegessen wird. Angerichtet mit Dr. Oetker’» Vanille-Soße trägt er jeder Hausfrau im Familienkreise und bei Gästen hohe Anerkennung ein. 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Es zeigt sich also, daß seit der Markstabilisierung ungefähr 25 000 Firmen mehr aus der Wirtschaft verschwunden, als neugegründet smd. Diese Zahl 25 000 stellt die rechnungsmäßige Bilanz der Wirtschaftskrise dar. Bei aller ihrer Nüchternheit birgt sie doch viel Tragik in sich. Leider ist nicht damit zu rechnen, daß es bei der Ziffer 25 000 bleiben wird. Denn man darf nicht vergessen, daß die Zahl der Firmen im Aachkriegs- Deutschland viel größer ist als irrt Borkriegs- Deutschland. So z. D. hat sich die Zahl der Aktiengesellschaften beinahe verdreifacht: die Zahl der in Berlin eingetragenen Firmen hat sich ungefähr verdoppelt. Wenn auch anzunehmen ist, daß eine ganze Reihe bereits bestehender Firmen die Form der Aktiengesellschaft angenommen hat bzw. sich hat eintragen lassen, so ist dennoch festzustellen, daß trotz des schon ziemlich weitgehenden Abbaus der Unternehmen es bisher nicht gelungen ist, den Vorkriegsstand in der Zahl der deutschen Unternehmen zu erreichen, geschweige ihn zu unterschreiten, was eigentlich nötig wäre. Diese Feststellung läßt nicht unbedenkliche Schlußfolgerungen für die weitere Gestaltung der Dinge zu insofern, als eine endgültige Sanierung der deutschen Wirtschaft in absehbarer Zeit noch nicht zu erwarten ist. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.M. Berlin fiur» l.Uftr. Rurs S^lofrl Anfang finrs ' dnre Datum: 14.7. 15.7. 14. 7. | 15. 7. 5% Deutsche RcichSanleche . 4% Deutsche ReichSanleihe . 8‘A% Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Svarprämienanleihe Kousols - > . DeMsche Wertb. Dollar-Anl. dro. Doll-Schatz-Anweilng.*) 4°Io Preupnche 4% Hessen • . 3Vi% Hessen . 3% Heuen . . 0,4825 0.4775 0,485 — — 0.4625 0,445 — 0,445 0,53 — 0,5075 0.27 — 0,26 0.455 — 0,445 0,46 —- — — — — — — 0.46 96 — 96,5 — — *■— 4*/0 Zolltürken 6% GoldrnexSaner Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Privat-Bank Darmst. und Nartonalbauk . Deutsche Bank......... Deutsche Dereinsbank .... DiSconto Lommondit .... Metallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank . . Oesterreichhche Lreditanstalt. Westbant............ Bochumer Gllh ....... DuderuS.. ......... Goto .............. Deutsch-Luxemburg (HelsenrirchMr Bergwerke. . Hattrener Bergbau Jtalttoctte ÄscherS leben.... .stuliwerk Westeregeln..... Laurahutte Oberbedarf ..... Phönix Bergbau ....... Ryeinstabl......... Riebeck Montan ....... Tellus Bergbau........ Hemümrg-Amerrka Paket. . . Norddeutscher Llovd..... Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mayer Älapin . . S. Harbenindustrie, A.-G. oldschmtdt.......... Holzverkohlung........ Rütgcrswerke Schcidcaafialt......... »llg. ElektrizttätS-lZesellschaft Bergmann........... Matulraftwerke ....... Schultert . . ........ Siemens k HalLke ..... Adlerwerte Kleyxr ...... Daimler Motoren ...... Heyligenfiaedt..... Megnio........... . Motorenwerke Mannheim . frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Brann . . . Metollgesellschast Frankfurt. Pet. Union Ä--G.. Schuhfabrik Herz...... Sichel. ...... . Zellstoff Daldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäufel . . . 14,45 14 14,25 — 47 47,9 177* i — 179* 127* । 128,7' 128,9- 179,5* i 178,5' 178,5* 165,7' 1 165' 165,5* 88 — — 155,5' 153,7' 154,7* 115.2* 115 123 : 120 7,05 i 7,07 7,25 — — — — 139,7' 90,5 _ 92,25 76,5 — 77,25 141* 140' 141* 164,5* 164' 163,5' 143' 141,5' 142,6* 142 —» 143' 150 151' 53,5 — 54,02 67* — 67* 113,5' 112,5' 112* 137 135' 135,7' 147,5* — 147,9 73 — —» 151,5* 152* 147* 146,7' 146* 50 —- _ 107,75 — — 85,5 — 83,5 — — 80 —— 250* 249,7* 250' 95,75 95,25 97 55 53 104 103,75 103,9 138,5 — 144* 143' 143.9' 126 _ 125,7' 94.5 97 — 124,5' 123.2’ 124* 167,7' — 166,7* 80 81 81,25 90,75 90 91 24.75 — 45,5 — — — 33 •— 50 — 128,5 — — 84 — 85 38 — 39,4 3,25 — — 158 157 157 69.9 69 — 79,75 78,5 — 0,4775 0.45 0.435 0.5025 0.43 179' 128.7' 178' 165* ; 154,2* 'S 139,7' 142* 164,7' 142,5' 144' 152 152,4' 146' 112* 134.7* 146.5 103 158 143,9* 125* 123* 165,2' 80,75 89,75 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 14 Juli. 15. Juli. Amtliche Notierung Amtliche 9Dotierung Geld Brief Geld Brief Srnft.»’Jiott. 168,53 168,95 168,56 168,98 Tuen 'Aires 1.703 1,707 1,704 1,708 Srff. äntro 10,03 10,07 9,52 9,56 Christianio - 91,93 92,17 91,93 92,17 Kopenhagen 111,20 111,48 111,24 111,52 Stockholm . 112,37 112,45 112,31 112,59 Helstngfors 10,552 10,592 10,55 10,59 gtaüen . . . 11.13 14,47 14.17 14,21 London. - . 20,401 20,453 20,401 20,453 9? enö ort . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Paris.... Schweiz . . 10,835 81,20 10,875 61,40 10,39 81,18 10,43 81,38 Spanien. . 66,62 66,78 76,40 76,56 Japan . . . 1,963 1,973 1,969 1,973 Mo deJmi. 0,660 0.662 0.660 0,662 Wien in D « Ccft abgeft. 69,325 69,475 59,31 59,45 Prag .... 12,421 12,461 12,421 12,462 Belgrad .. 7,41 7,4.3 7,400 7,425 Budapest. . 5,865 5,88-5 5,87 5,89 Bulgarien . 3,035 3,04.5 3,04 3,05 L'ffabon . 21,865 21,415 21,425 21,475 DanM. . . 81,12 81,22 81,09 81,29 Aorrftantin. 2,302 2,312 2,295 2,305 Arden. . . 5,19 5,21 5,19 5,21 Uanada. . . 4,198 4,208 4,198 4,208 Gruguat) . . 4,215 4.225 4.217 4,227 Banknoten. (Ohne Gewähr.) Berlin. 14 Juli. Geld Brief Amerikanische Noir» ..... 4.182 4,202 Belmicke Noten ........ 10,24 10,30 111,48 Dänische Noten ...... 110,92 Enalilcke Noten........ 20,375 20,475 11,13 Frcmzöfische Noten ...... 11,07 Holländische Noten...... 168,16 169,00 14,82 Alnlleniickc Noten ...... 14,71 Norwegische Noten ...... 91,77 92,23 Deuchh-Oellerr., i ioo Aron« 59,35 59,65 Rumänische Not«...... 1,95 1,99 Schwedische Not«...... 112,09 112.69 Schweizer Noten....... 81,35 81,75 Spanisch- Noten ....... 66,50 66,84 Tschechoslowakische Not« .. 12,40 12,46 llnaarische Noten...... 5,825 5.865 frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 15 .Juli. Tendenz: Zunächst gehalten, später schwächer. — Nachdem die Medioabwicklungen Schwierigkeiten nicht verursacht haben, ist die Veranlagung der Börse wieder etwas zuversichtlicher geworden. Größeres Geschäft vermochte sich aber nicht zu entwickeln, da es nicht nur an Anregungen fehlte, ondern auch die Spekulation sehr zu- rückhaltend operierte. Die Flüssigkeit des Geldmarktes konnte keinerlei Einfluß ausüben. Die freundlichere Stimmung kam weniger in Kursbesserungen, als vielmehr darin zum Ausdruck. daß sich die Rückgänge nicht fort- setzten. Anfangs waren die Kurse zumeist gehalten. teilweise leicht gebessert, dabei fehlte es auch nicht an Kursabschwächungen, die sich im Rahmen von etwa 1 Proz. hielten. Der Montan- markt verkehrte uneinheitlich. Farbe nak tien lagen behauptet. Elektrowerte waren leicht rückgängig. Das Interesse für Bankaktien hat nachgelassen, doch kam es zu weiteren leichten Kursbesserungen. Darmstädter plus 1 Prozent, Reichsbank plus 1,5 Prozent. Schiffahrtsaktien neigten weiter zum Nachgeben. Auch Auto- Aktien bröckelten mäßig ab. Zucker- aktien blieben zumeist gehalten. Deutsche Anleihen weiter vernachlässigt und schwächer. Am Auslandsrentenmarkt fetzten Türken ihre Abschwächung fort, besonders Anatolier waren gedrückt (minus 2 Prozent). Der Frei- v ee h r hatte lustloses Geschäft. Beckerstahl 21 Prozent, Brown-Doveri 116 Prozent, Entreprise 6,5 Prozent, Growog 60 Prozent, Rastatter Waggon 15 Prozent, Ufa 40,5 Prozent, Unterranken 81,5 Prozent. Im weiteren Verlaufe drückte die Geschäftslosigkeit aus das Kursniveau, namentlich bei den führenden Werten des Mon- tamnarktes, wo Kursverluste von 1 bis 2 Proz. eintraten. Die übrigen Märkte blieben zumeist behauptet. Der Geldmarkt ist weiter leicht. Tagesgeld 4 Prozent, Monatsgeld 5 bis 61/2 Prozent. Im Devisen verkehr lagen die westlichen Frankenvalutenerneut schwächer. Paris gab gegen London auf 192 nach. Brüssel auf 207 gegen London. Berliner Börse. Berlin, 15. Iuli. Die Svmmerferien drük- ken der Börse mehr und mehr ihren Stempel auf. Das Geschäft wird von Tag zu Tag schwächer. und die Zahl der Besucher ist gegenüber dem normalen Stand erheblich geringer geworden. Das Publikum hält sich weiter von der Börse zurück, so daß die Spekulation fast isoliert da steht. Trotz anfangs uneinheitlicher Haltung waren später leichte Kursbesserungen zu verzeichnen. Das Interesse konzentrierte sich in der Hauptsache auf Bankaktien und ausländische Renten. Rom- bacher Hütte haben einen weiteren Rückgang erfahren, da die Absichten der Verwaltung nunmehr offiziell zugegeben werden. Am Geldmarkt herrscht weiter Angebot in kurzfristigen Mitteln. Tagesgeld 4 bis 5 Prozent. Im Devisenverkehr waren die w e st li ch e n Frankenvaluten stärker abgeschwächt. Paris gab gegen London auf 194,50, Brüssel auf 210 bis 211 nach. Auch Mailand lag recht schwach mit 143,50 gegen London. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 15. Iuli. GS wurden notiert: Wetterauer Weizen 32 bis 32,50, inl. Roggen 23,50, ausl. Hafer 21,50 bis 23, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl, inl., Spezial 0 43 bis 44, Roggenmehl 33,50 bis 34, Weizenkleie 9,25 bis 9,50, RvggeiÄeie 11,25. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 15. Iuli. Auftrieb: 1 Kuh, 773 Kälber, 138 Schafe, 318 Schweine. Es notierten. Kälber: feinste Mastkälber 60—66 Mk.: mittlere Mast- und beste Saugkälber 55 bis 59; geringe Mast- und gute Saugkälber 48 bis 54; geringe Saugkälber 40—47. Sch a f e (W eidemastschaf e): Mastläininer und Maft- hämmel 45—50; geringe Masthämmel und Schafe 35—44; mäßig genährte Hümmel und Schafe (Merzschafe) 25—32. Schweine: vollfleischige von 80-100 kg 75—79; unter 80 kg 70-74; von 100—150 kg 75—78; unreine Sauen und geschnittene Eber 58—68 Mk. Marktverkauf: Kälber und Schafe bei langsamem, Schweine bei schleppendem Handel ausverkauft. Beste Mastkälber über Nottz gehandelt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 14. Iuli. Während am Berliner Platz die Hausse in Amerika für Inlandweizen gesteigerte Preise im Gefolge hatte, wirkte die Weltmarktlage auf den hiesigen Roggen nicht preissteigernd. Infolge des anhaltend schönen und vor allem warmen Wetters war wieder viel alter Roggen angeboten, ohne daß sich aber hierfür große Nachfrage zeigt. Im Lieferungshandel war beispielsweise der Iuli-Roggen in unverändertem Dortagskurs nicht unterzubringen. Herbstmonate allerdings 1 Mark befestigt. Weizen per Iuli in Uebereinstimmung mit erhöhten Schlußforderungen 3 Mark befestigt. Das Mehlgeschäft ist nach wie vor ruhig. Auch Gerste ruhig, Hafer behauptet. Cs wurden notiert für 1000 Kilo: Roggen, märt 198 bis 201, Sommergerste 205 bis 212, Gerste, inländ. 190 bis 204, Hafer, märt 204 bis 213, Mais, loko Berlin 174 bis 178, Raps 360 bis 370; für 100 Kilo: Weizenmehl 38 bis 40, Roggenmehl 28,50 bis 30, Weizenkleie 10,10 bis 10,25, Roggenkleie 11,30 bis 11,40, Viktoriaerbsen 35 bis 46, kleine Spcise- erbsen 30 bis 34, Futtererbsen 22 bis 27, Peluschken 22,40 bis 27,50. Ackerbohnen 22 bis 24,50, Wicken 32 bis 34,50, Lupinen, blau 14,50 bis 16,50, do. gelb 19 bis 21, Rapskuchen 14,60 bis 14,80, Leinkuchen 19,80 bis 20, Trockenschnihel 10,70 Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 5 6 vom 13. Iuli enthält: Höchstsätze in der Erwerbslosenfürsorge. — Mauk- und Klauenseuche in Utphe, Grünberg, Saasen, Ettingshausen, Haufen, Muschenheim und Mühlsachsen. — Fleischverkaufsordnung. — Amtsveterinär- stelle Grünberg. — Erbauung eines neuen Schlachthauses in Ullendorf a. d. 26a. — Stra- ßenspeiwe. — Dienstnachrichten Büchertisch. — Wir haben schon im lokalen Teil in einem längeren Aufsatz auf das 50jährige Geschäftsjubiläum des weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannten Berlages Emil Roth in Gießen hingewiesen. Rechtzeitig zum Festtage Schach-Ecke. ‘Bearbeitet von W. Orbach Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 70. Don Johann Drtina. Schwarz. ab c d e t 2 h 8 8 6 6 5 5 3 2 2 a b c d e t g h Weiß. Weih zieht und setzt in drei Zügen matt. Weiß: 2 Steine Kc4; Dg4. Schwarz: 4 Steine Ka4; Lei ;Bc3, c6. Partie Nr. 54. Gespielt im Mittelrheinischen Meisterschaftsturnier in Ems, Pfingsten 1926. Damengambil. Weiß: Lempelius, Neuwied. Schwarz: Pros. Mannheimer, Frankfurt a. M. 1. d2-d4 1. d7-d5 2. Sgl -f3 2. c7-c5 Diese Variante des Damenbauernspiels stammt von Dr. Tarrasch; dieselbe ist nicht zu empfehlen und wird auch auf den modernen Turnieren fast nicht mehr angewandt. 3. c2-c4 Die beste Entgegnung. 3.. . . 3. e7-e6 4. Sbl — c3 4. Sg8-f6 5. Lei -g5 5. c5xd4 6. Lg5Xf6? Schwach gefpielt. Stärker ist hier die von Pillsbury gegen Dr. Lasker in Cambridge Springs angewandte Entgegnung 6. Dxd4, worauf sich etwa folgende Abspiele ergeben könnten. 6.. . . Sb8-c6 7. Lg5xf6, Sc6xd4 8. Lg5xd8, Sd4xf3+ 9. g2xf3 oder 7. . . ., Dd8Xf6 8. Dd4 xf6, g7xf6 9. c4Xd5 wobei Weiß einen Bauern mehr behält, nach 7. . . ., Sc6xd4 8. Lg5Xd8, Sd4 -c2+ 9. Kel-dl, Sc2xal 10. Ld8-g5 zwei Ossi- ziere für den Turm erobert; endlich nach 7. .. ., g7xf6, durch 8. Dd4 - h4 einen äußerst starken Angriff erhält. 6... . 6. Dd8xf6 7. DdlXd4 7. Df6xd4? Etwas beffer war 7.... d5xc4 8. Sf3xd4 8. d5xc4 9. Sd4-b5 9. Sb8-a6 Der Springer nimmt hier einen schlechten Posten ein. 10. e2-e3 10. Lf8-e7 11. Lflxc4 11.0-0 12. Tal-dl Weiß hat eine furchtbare Angriffsstellung erreicht, aus welcher Schwarz sich nicht mehr dürfte befreien können. 12. .. . 12. Sa6-c5 13. 0-0 13. a7-ab 14. Sb5-d6 14. Le7-f6 Der folgende starke Zug widerlegt diesen Einfall des Schwarzen. 15. b2-b4! 15. Lf6xc3 16. b4xc5 16. Lc3-b4 17. Sd6-e4 17. Lb4-a5 18. Lc4-e2 18. e6-e5 19. Se4-d6 20. Le2-f3 21. Sd6xc8 22. Tdl-d7 23. Tfl-bl 24. c5xb6 e. P. 19. La5-c7 20. Ta8-b8 21. Tf8xc8 22. f7 — f6 23. b7-b5 24. Lc7xb6 Sonst 25. Tbl -cl! 25. g2-g3 26. Lf3-d5 27. Td7-f7+ 28. Tf7xg7 29. TblxbS-H 30. e3-e4 31. Tg6xh7 32. Th7-f7 33. h2-h4 25. Kg8- ($? 26. Tc8 —c5 27. Kf8-e8 28. Lb6-c7 29. Lc7xb8 30. Lb8-d6 31. Tc5-c2 32. Ld6-e7 33. Tc2-d2 34. Tf7-g7? Weiß konnte hier sofort das Spiel entscheiden, und zwar statt: h5, auf Txd5 folgt 35. Txe7+ Kxe7 36. eXd5, Kd6 37. h6 und Schwarz kann die beiden Freibauern nicht halten, Weih gewann im 48. Zuge. Lösung des Problems Dr. 68. Don W. Glaeve. 1. Kf6-e7! Kd5-d4 2. Ke7-d6, Kd4-c4 3 DeS -a4 matt. 1...., Kd5-e4 2. De8-d7, Ke4-f3 oder f4 3. Dd7 - g4 matt. 1 Kd5-c4 2. De8-a4+, Kc4-d5 3. Sdl- c3 matt. Richtige Lösungen zum Problem Nr. 68 sandten ein die Herren: G. Götz, Lehrer E. Simon aus Gießen; Schulamtsanwärter Stumpf, Garbenteich. Nachträgliche richtige Lösungen zum Problem Nr. 67 erhielten wir von den Herren: Lehrer Dreidecker, Oberlehrer Kl., Gießen. Berichtigung. Die Lösung zum Problem Nr. 63 haben wir leider irrtümlich falsch wiedergegeben. Der erste Zug muß heißen: 1. Lc3—all. Es scheitern 1. Ld4 an Tb4! 1. Le5 an Sf4l. Aus ber Schachwelt. Im Wettkampf Orbach — Scho ries wurden nur zwei Partien gespielt. Die erste, eine spanische Partie, gewann Schories; die zweite dagegen, ein Damenbauernspiel, konnte Orbach zu seinen Gunsten entscheiden. Gegenwärtig findet in Budapest ein internationales COleiftertumier statt. Der Deutsche Schachverband in der Tschechoslowakei schreibt in der Zeit vom 17. bis 26. Iuli einen Kongreß mit Meisterschaftsturnier und zwei Hauptturnieren aus; derselbe wird in Reichenberg abgehalten. Die diesjährige Rheinmeisterschaft soll, wie die „Pfälzische Presse" mitzuteilen weih, in der Zeit vom 7. bis 15. August in Kaiserslautern ausgetragen werden. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom DevakttonStisch. Standpunkte. M3dj bin die glücklichste Frau der Welt," schwärmte Liffi. »Ich heirate den Mann, den ich will." «Ach, das ist gar nichts," entgegnete ihre Freundin geringschätzig- „Das wahre Glück für ein Mädchen ist erst, wenn es einen Mann heiratet, den andere wollen." Trick. „Nein, Herr Kapellmeister, die Musik war doch diesmal zu sch ön," sagte ein Kinobesucher bewundernd. „Wie die Elfen im Wald tanzten, da hörte man geradezu überirdische Klänge. Wie bringen sie denn das fertig?“ „3a das ist mein Trick,“ erwiderte der Kapellmeister schlau. „Sie dürfen es aber nicht weitersagen. Bei der Elfenmusik laste ich das Orchester pausieren und schalte den Staubsaugeapparat ein.“ erscheint eine Iubiläumsschrift, die auf 64 Seiten eine Zusammenstellung der im hessischen Schulbuchverlag Emil Roth erschienenen Schulbücher und Dolksbildungsmittel gibt. Gewidmet ist diese Schrift der hessischen Schule und Lehrerschaft von einem Mann, dessen Lebenswerk der modernen Ausgestaltung des hessischen Schulbuches gilt. — Der Heger, die bekannte Iagdzeit- schrift des Verlages W. G. Korn in Breslau, bringt in seinem neuesten Heft 28 interessante Berichte aus fernen Iagdrevieren. „ZweiIahre als Iäger im ostasiatischen Kreuzergeschwader" überschreibt Marinestabsingenieur Noebel seinen Beitrag, während der berühmte baltische Iäger Egon von Kapherr in seiner Skizze „Im Feuer- boot" über Sibirien spricht. Der übrige Inhalt zeigt die gewohnte Reichhaltigkeit. — „Neue Musik-Zeitun g". Verlag Carl Orüninger, Nachf. Ernst Klett, Stuttgart. 1926, Heft 17—19. Aus dem vielseitigen Inhalt der drei Hefte: Georg Sehwalds Untersuchungen über taktwechselnde deutsche Volkstänze, die den taktwechselnden bayrischen Tanz dem böhmischen gegenüberstellen. Dom Fluch der „geheiligten Tradition" (Rudolf Hartmann), „Umgruppierung" (Walter Abendroth), „Reform des musiktheoretischen Unterrichts" (Hermann Roth), bringen interessante Erörterungen über brennende Tagesfragen. Für Beethoven-Freunde eine Reihe charakteristischer Anekdoten, mit seiner Arbeit über „Franz Oliva und Beethoven" erweitert Walter Nohl den Lebenskreis um den Meister. — Zahlreiche Musikberichte und Besprechungen. Als Musikbeilagen: Th. Huber- Andernachs typisch impressionistisches Lied: „Fernher übt noch eine Flöte"; Paul ötuiber: Scherzo aus der Klaviersonate Op. 5. — Rheinlandkunde. Ein heimatkundlicher Ratgeber für die deutschen Länder am Rhein. Herausgegeben von Dr. R. A. Keller. Der- lag A. Bagel, QI.-®.. Düsseldorf 1926. — Der uns vorliegende zweite Band stellt sich dar als ein sorgsam und (soweit wir sehen können) umfassend gearbeitetes, bibliographisches Rheinland-Archiv. Nach jeweils kurzen Einsi'chrungs- Übersichten folgt eine Zusammenstellung der einschlägigen Literatur über die verschiedensten Gebiete, von den int ersten Teil u. a. Politik, Literatur, Theaterwesen und Musik behandelt werden, während der zweite Teil sich vorwiegend mit heimatkundlichen und kulturgeschichtlichen Themenkomple^en befaßt. 347 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schriftleitung.) Rechts gelten! Unsere Bahnhofstraße ist — nicht breit. Zwischen Bahnhof und Anatomie geht nahezu der gesamte Verkehr von und zur Bahn über sie hin, und da ist sie — zu eng. Ihre Erweiterung ist kaum möglich. Aber Verkehrsdisziplin seitens des Publikums oder Derkehsregelung durch einen Verkehrspolizisten könnte die wünschenswerte Ordnung in die flutende Menge bringen. Es ist z.B. morgens kurz vor 8 Uhr schlechterdings kaum möglich, zum Bahnhof zu kommen. Nur mit ooraeftemmtem linken Ellbogen kann man — immer hart an der Mauer entlang und mit elegantem Sprung über die Anatomietreppe — sich durchdrücken, falls man nicht vorzieht, auf dem Fahrdamm zu pilgern, von dem man aber durch Straßenbahn und Fahrzeuge bald vertrieben wird. Insonderheit ältere Leute werden es schwer haben, und sie riskieren, ihren Zug zu verpassen. Wie schön wäre es da, und wie glatt ginge es, wenn die ankommenden Herrschaften — auch rechts gehen wollten (also aut der Postseite)! Da könnten die Bekanten ungehindert auch zu vier und fünf nebeneinander gehen. — Einige Tage hindurch je eine halbe «stunde lang der Derkehrsbeamte mit den weißen Handschuhen, der zurechtweift, das wird helfen und wohl das einzige Mittel zur Erreichung dieser Selbstverständlichkeit sein. K. Vck. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der «Radio-Umschau".) Freitag, 16. Juli: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauennachmittag, veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein. Programm u. a.: „Hausfrau und Recht", Vortrag von Frau Dr. Elisabeth Schmitt. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Löse« stunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: .Hinterindianisches Theater", Vortrag von Paul Freye. 6.45 bis 7.15 Uyr: „Die Ausbildug des Nachwuchses im Handwerk", Vortrag von Syndikus Dr. Ferber. 7.15 bis 7.45 Uhr: Vortrag: „Beispiele deutscher Lyrik". 8.15 Uhr: „Das Glas Wasser", Lustspiel in fünf Aufzügen von A. C. Scribe.