Nr. 62 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 15. März 1926 Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vnihl'sche Univerfitäts-Vuch und Zteindruckerei ».Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstratze 7. Annah»« von «nzelgen für He Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil § ans Iüstel, sämtlich in Gießen. J »scheint täglick,außer onntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger. lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. Deutscher Reichstag. Wahlrechtsfragen. — Polizei. — Penfionsfpnds. Berlin, 12. März. In der weiteren Aussprache über den Haushalt des Reichsinnenministeriums wendet sich Abg. Landsberg (Soz.)" gegen den Abg. v. Kardorsf. Wenn Herr v. Kardorff die Ambenennung des bisherigen Königsplahes in Platz der Republik eine 'Geschmacklosigkeit nennt, so muh erwidert werden, daß zum Haus der Republik, dem Reichstage, auch der Platz der Republik gehört. In unmittelbarer Rachbarschaft der „S leg es-Allee" kann es übrigens auf eine Geschmacklosigkeit mehr oder weniger nicht ankommen. Auf weitere Zurufe des Abg. v. Gräfe (Völk.) antwortet der Redner: Ich muh mich sehr scharf an die Verdienste eines von mir hochverehrten Mannes erinnern, um zu vergessen, dah er so wenig Zeit gehabt hat, seinen Sohn zu erziehen! (Sehr gut! links.) Herr v. Kardorff hat sich mit seinen Ausführungen gegen Demokratie und parlamentarisches System nicht nur mit Freiherrn v. Stein, sondern auch mit Bismarck in Widerspruch gesetzt. Ich sage mit dem Freiherrn v. Stein: Ich kenne nur ein Vaterland, das heißt Deutschland! (Lebhafter Beifall links. Laute Rufe rechts: Cri spien hat das Wort!) Abg. Dr. Bred t (W. Vgg.): Wir bestehen mit allem Rachdruck darauf, daß das Verhältniswahlrecht erhalten bleibt. Die jetzt erörterten Pläne verfolgen das Ziel, nur noch große Parteien zuzulafsen. Merkwürdigerweise treten dafür auch die Demokraten ein, obwohl sie nur eine kleine Partei sind. Ganz offen wird erklärt: Wir wollen ein Wahlrecht, das den größten Teil der jetzigen Abgeordneten beseitigt. Wie soll da eine Mehrheit der jetzigen Abgeordneten für eine solche Wahlreform zu gewinnen sein? wenn mit dem jetzigen System allgemein Unzufriedenheit herrscht,'so liegt das in erster Linie an dem Uebelstand der Koalitionsregierungen. Die Parteien der Regierungskoalition brauchen auf die Reden der übrigen Parteien gar nicht zu achten. Was sie erklären, ist Gesetz. Dieses f System ist unerträglich, und wir müssen wieder ! zu den gesunden Grundsätzen Bismarcks zurückkehren. In einer persönlichen Bemerkung erklärt Abg. K u b e (Völk.), schon dem alten Reichstage von 1501 hätten drei gute Deutsche mit dem Ramen Kube angehört. Es sei merkwürdig, daß das Judentum durch den Oberrabiner Landsberg deutsche Männer für sich reklamiere. (Lärm und Rufe bei den Sozialdemokraten: Frecher, unverschämter Lümmel. Glocke des Präsidenten.) Abg. Landsbera (Soz.) erklärt, er habe nicht die mindeste Neigung, Herrn Kube für seine Gemeinschaft zu gewinnen. Die Geschäftsordnung hindere ihn, seine Gefühle für Herrn Kube auszusprechen. Beim Kapitel Polizeiousgaben führt Abg. Dr. v. D r y a n d e r (Dntl.) Beschwerde darüber, daß sich in der preußischen Polizei unter Förderung des preußischen Innenministers ein Verbandsunwesen bemerkbar mache. Die Polizei dürfe nicht politisch beeinflußt sein. Volle Anerkennung gebühre den alten Beamten, die in der Schule des Hohenzollernstaates Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit und andere Beamtentugenden erworben hätten. Diese Beamtenschaft bewahre ihre alte Anhänglichkeit an den früheren Kaiser, der nicht geflohen, sondern nur noch Holland gereist sei, um dem Volk den Bürgerkrieg zu ersparen. (Widerspruch links.) Abg. Schmidt-Köpenick (Soz.) erklärt unter großer Unruhe der Rechten, der frühere Kaiser sei bei Nacht und Nebel nach Holland geflüchtet, weil er sich vor dem Schützengraben fürchtete. Die Herren, die sich jetzt so königstreu gebärdeten, hätten damals nicht einen Finger für ihn gerührt. Der Redner verlangt die Aufhebung der Technischen Nothilfe. Abg. Ronneburg (Dem.) betont dem Abg. Dryander gegenüber, den Beamten sei kein Vorwurf zu machen, die sich nach 1918 freudig zur Republik bekannt haben. Es müßten sonderbare Menschen sein, die aus den großen, aufwühlenden Ereignissen jener Zeit nicht gelernt und nichts vergessen haben. Einer Aufhebung des Reichskommifsariats für öffentliche Ordnung könne nicht zugestimmt werden. Wünschenswert sei vielmehr die Errichtung einer Reichskriminalpolizei. Die Technische Nothilfe sollte jetzt nach Konsolidierung der Verhältnisse planmäßig abgebaut werden. Reichsinnenminister Dr. Külz: Ein neues Reichsfemegesetz ist in Vorbereitung. Dabei wird auch den vorgebrachten Beschwerden Rechnung getragen werden. Die Anstellungsverhältnisse sind bei der Schutzpolizei unbefriedigend. Wir stehen über ihre Aenderung schon in Unterhandlungen. Die Technische Nothilfe soll natürlich einmal aufgehoben werden, wenn die Verhältnisse so konsolidiert sind, daß ihr Bestehen überflüssig ist. Jetzt ist dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen. Ihr Personal ist schon um 50 Proz. abgebaut, und der Abbau wird fortgesetzt. Es folgt der Haushalt des allgemeinen Pensionsfonds. Abg. R o ß m a n n (Soz.) weist darauf hin, das; das Reich über zwei Milliarden jährlich an Pensionen zu leisten hat. Den Kriegsbeschädigten und Waisen könne man die kümmerliche Rente unmöglich kürzen. Der Reichsaufwand für die Kriegsbeschädigten wird sich vorläufig kaum vermindern. Eine Rentenlast von etwa 500 Millionen wird noch lange Zeit die Folge der Kriegspolitik sein. Aus den Reichshoheitsverwaltungen beziehen 150 000 Pensionäre Pensionen in Höhe von jährlich 6000 Mk. Dabei handelt es sich größtenteils um junge kräftige. Leute, die nebenbei große Einkünfte haben. Die Der deutsche Standpunkt m Genf. Reichskanzler und Genf, 13. März. (WB.) Reichskanzler D r. Luther gewährte heute abend einem Vertreter der Schweizerischen Depeschenagentur folgende Unterredung: Frage: Halten Sie, Herr Reichskanzler, Deutschland für stark genug, um das Ziel seiner Politik in Genf zu erreichen? Antwort: Es handelt sich bei der ganzen Frage überhaupt nicht um Deutschlands Schwäche oder Kraft, vielmehr handelt es sich um eine Frage des Völkerbundes. Deutschland ist bis zur Stunde in den Völkerbund noch nicht ausgenommen und ist besonders noch nicht Mitglied d e s R a t e s. Es ist deshalb überhaupt noch nicht berufen, durch Zustimmung zur Schaffung neuer Ratssihe Völkerbundspolitik zu treiben. Selbstverständlich ist Deutschland bereit, sobald es Mitglied des Rates ist, zu all den ernsten Organisations- und weiteren Fragen des Rates mit der ganzen Verantwortung eines Ratsmitgliedes im Dienste gesunder Völkerbundspvlitik Stellung zu nehmen. Frage: Wenn ich Sie recht verstehe, wollen Sie also sagen, daß Deutschland seine juristische und politische Zuständigkeit überschreiten würde, wenn es jetzdzur Frage der Erweiterung des Rates eine bestimmte Stellung einnehmen würde. Widerspricht es dieser Auffassung nicht, daß gerade von Mitgliedern des Rates sehr stark auf Deutschland im Sinne einer sofortigen Stellungnahme gedrängt wird? Antwort: Wenn Sie eine Frage stellen, möchte ich mit besonderem Rachdruck darauf Hinweisen, daß durchaus nicht etwa einhellig von Mitgliedern auf Deutschland gedrängt wird, daß vielmehr die Mitglieder des Rates in sich selbst zerspalten sind. Deutschland würde also durch Stellungnahme seinerseits in einem Streit, der innere Angelegenheit des Rates ist, zugunsten der einen oder anderen Seite Partei ergreifen. Das kann unmöglich erwartet werden, solange Deutschland nicht Ratsmitglied ist. Das ganze Problem hat ja längst bestanden, ehe Deutschlands Anmeldung beim Völkerbunde vorlag. Der Umstand, daß es nicht früher gelöst worden ist, ist ein Beweis dafür, daß es als Völkerbundsproblem mit dem Eintritt Deutschlands überhaupt nichts zu tun hat. Frage: War cs aber dann nicht möglich, jetzt auf den alten Zustand zurückzukommen und das Problem ohne jede Beteiligung Deutschlands vor Deutschlands Eintritt zu lösen? Antwort: Ob diese Möglichkeit rein technisch besteht, muß, nachdem das Problem bisher nicht gelöst worden ist, als sehr zweifelhaft angesehen werden. Für Deutschland aber kommt in Betracht, daß während der ganzen Verhandlungen mit anderen Locarnomächten über den Eintritt Deutschlands niemals auch nur ein einziges Wort darüber gesprochen worden ist, daß die Zusammensetzung des Rates vor Deutschlands Eintritt in den Völkerbund verändert werden könnte. Die ganze Zustimmung nicht nur der parlamentarischen Körperschaften, sondern auch der deutschen Volksmeinung selbst zum Eintritt in den Völkerbund ist also aufgebaut auf dem Zustand des Rates, wie er jetzt besteht. Das gilt auch für die weitere Entwicklung der deutschen Gesamtstimmung, die dem Völkerbungsgedan- ken sehr günstig ist und von mir aufs wärmste begrüßt wird. All das ist geworden und wächst weiter auf der Grundlage, daß wir bei unserem Eintritt in den Rat den Völkerbund so finden würden, wie er vorhanden war, und alle künftigen Umgestaltungen, denen wir uns selbstverständlich in keiner Weise widersetzen, nur unter unserer Beteiligung a l s Ratsmitglied sich vollziehen würden. Auf die Frage des Vertreters, ob die anderen Locarnomächte Deutschlands Eintritt in den Völkerbund verlangt hätten, führte der Reichskanzler aus: Deutschland war an sich nach den Vorgängen, die sich in der Völkerbundsversammlung vom März 1924 abgespielt haben, grundsätzlich und gern bereit, dem Völkerbünde beizutreten. Auf dem mit dem Völkerbund und den Völkerbundratsmächten hierüber geführten Briefwechsel beruht die deutsche Voraussetzung der alsbaldigen Gewährung eines Ratssitzes an Deutschland. ßenminister zur Krisis. - Verhandlungen. Dagegen ist die Verbindung der Frage des Sicherheilspakles mit dem (Eintritt in den Völkerbund von den anderen Teilnehmern des Sicherheitspaktes gefordert worden. Deutschland hat also neben seiner auf eigener Anschauung beruhenden Hinneigung zum Völker- bundsgedanken eine von den anderen Teilnehmern des Sicherheitspaktes gewünschte Bedingung erfüllt, indem es seinen Eintritt anmeldete. Gerade dieser Umstand macht es besonders unbegreiflich, daß aus den Kreisen der anderen Sicherheitspaktmächte zu der Bedingung d.es Eintritts in den Völkerbund noch die Forderung einer schon vor dem Eintritt abzugebenden Zustimmung zu einer bestimmten Veränderung der Völkerbundsorganisation noch in letzter Stunde hinzugefügt wird. Wenn wir Mitglied des Völkerbnds- rates sind und Gelegenheit gehabt haben, von innen gefügt wird. Wenn wir Mitglied des Völkerbunds- zu kennen, kann Deutschland auf der Grundlage dieser neuen Verantwortung entscheiden, welche Veränderungen in der Organisation des Völkerbundes im Völkerbundsinteresse sind und welche nicht. Deutschland muß zuerst das Recht und die Pflicht haben, als Völkerbundsmacht zu handeln, bevor es bei einer solchen Entscheidung mitwirkt. Eine Darstellung Stresemanns. Gens, 13. März. (WTD.) Reichsauhen- minister Dr. Stresemann hat heute im „Journal de Genöve" eine längere Erklärung über den deutschen Standpunkt abgegeben, in dem er zunächst eine historische Darstellung der Eick- Wicklung niederlegte. Er führte dann aus, daß der Gedanke einer Vermehrung der Ratssitze um drei ständige Sitze undurchführbar gewesen sei, weil der erforderliche einstimmige Rats- .beschluß nicht zu erzielen war, und sagte u. a.: Deutschland in diesen Streit besonders hineinzuziehen, wäre nur angängig gewesen, wenn die These richtig Ware, daß Schweden unter deutscher politischer Vormundschaft stehe und nur Deutschlands Willen ausführe. Diese These hat keinerlei Berechtigung in sich. Allgemein bekannt war in Völkerbunds-- kreisen, daß Schwedens Stellung innerlich von verschiedenen Mächten geteilt wurde. Was also hat Deutschland mit dieser Krisis zu tun, soweit sie sich gegen die Verstärkung des Völkerbundsrates richtet? Der Gedanke einer Vermehrung der ständigen Sitze ist zurückgezogen worden. Was jetzt zur Debatte steht, ist die Z u » ecteilung eines neuen nichtständigen Sitzes an eine dafür geeignete Macht. Auch für diese Situation gilt dasselbe, was vorher gesagt worden ist. Soll darin eine Lösung liegen, so bedarf der Lösungsvorschlag der Einstimmigkeit des Völkerbundsrats. Sich darum zu bemühen, ist doch wohl Sache der führenden Rationen des Völkerbundes. Aber auch in diese Frage wird Deutschland hineingezogen. Man spricht davon, daß man hiermit Deutschland einen versöhnlichen Vorschlag gemacht habe, und daß es Deutschlands Schuld sei, wenn er abgelehnt worden wäre. 3n Wirklichkeit geht es aber darum, daß während einer außerordentlichen Tagung der völ- kerbundsverfammlung, die nach der allgemeinen Auffassung der Weltöffentlichkeit bestimmt war, für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, unter Einwirkung stärksten Drucks auf Deutschland eingewirkt werden soll, seine moralische Zustimmung vor dem Eintritt in den Völkerbund zu geben, dah zugleich oder im Zusammenhang mit Deutschland andere Wachte in den Rat eintreten. Das heißt für Deutschland, sich für eine Gruppe entscheiden zu sollen, ohne daß es noch Mitglied des Völkerbundes selbst wäre. Der Minister gibt dann der Meinung Ausdruck, die Atmosphäre des Mißtrauens sei noch nicht geschwunden, und man argwöhne, Deutschland werde später sein V o t o r e ch t gegen jede Erweiterung geltend machen. Deutschland wolle aber keineswegs eine solche Entwicklung. Es habe das durch seine Anregung, eine Kommission einzusehen, dargetan. Deutschland habe durch sein Verhalten keinerlei Veranlassung zu einem Mißtrauen gegeben. Ebenso lehnt der Minister den Gedanken ab, dah Deutschlands Haltung sich speziell gegen Polen richten wurde. Die Differenz, um derentwegen die Friedenspolitik in Europa bedroht sein soll, ist letzten Endes die Frage, daß der Völker- Kein Fortschritt der bund in feiner jetzigen außerordentlichen Session eine Aenderung des Dölkerbundsrates an sich nicht hat herbeiführen können, weil Schweden widersprach. Deutschland ist bereit, sich nach seiner Aufnahme in den Völkerbund mit dafür einzusehen, daß diese Frage in der ordentlichen Session im Herb st gelöst werde. Der Kommission, die mit diesem Studium beschäftigt werden wurde, würden Richtlinien mit auf den Weg gegeben werden können, um die Erreichung eines positiven Ergebnisses zu sichern. Die Kommission könnte ihren Bericht bis Ende Juli erstatten. Im September wäre dann der gegebene Zeitpunkt, die Bahn frei zu machen für berechtigte Ansprüche nach der einen oder anderen Seite. Die Entscheidung über die Macht, die als nichtständiges Mitglied im Dölkerbundsrate sein soll, läge in den Händen der Mehrheit der Völkerbundsverfammlung. Entscheide sich diese, so werde Deutschland diese Entscheidung hinnehmen. Woher nimmt man also den Anlaß, davon zu sprechen, daß Deutschlands Haltung die Locarnopolitik gefährde? Der Reichsaußenminister schließt, indem er betont, daß der deutsche Standpunlt von dem Gedanken loyaler vertrauensvoller Zusammenarbeit und Mitarbeit mit den Mächten des Völkerbundes etngegebeu sei. Wer sich von dem europäischen Friedens werk zurückziehen wolle auf Grund von Differenzen geschäftsvrdnungsmähiger R a t u r , der übernehme damit die Veraickwor tung für sich selbst. Aber er könne nicht verlangen, daß die Oeffentlichkeit ihm glaubt, daß diese Differenzen von Deutschland geschaffen wären. Deutschland antichambriert. Stresemann vor der Presse. Genf, 13. Qltarj. (TR.) Reichskanzler Dr. Luther und Dr. Stresemann empfingen am Sams- tagabend die ausländischen in Genf weilenden Berichterstatter. Der Reichsaußen m in ist er betonte hierbei noch einmal mit allem Rachdruck den deutschen Standpunkt. Die Situation, so führte er aus, ist zur Zeit die, daß sich Deutschland, anstatt in den Völkerbund aufgenommen zu werden, von Tag zu Tag vor der Situation sieht, daß man von ihm eine Bindung verlangt und ihm Bedingungen über seine Haltung auferlegen soll bzw.will, ehe es Überhaupt noch Mitglied des Völkerbundes ist. Das ist eine seltene, beinahe groteske Situation. Der Reichsaußenminister teilte mit, daß gestern, als an Deutschland die Frage gerichtet worden ist, ob es der Schaffung eines nichtständigen Ratssitzes in dieser Session zustimmen wird, von den Vertretern Frankreichs und Englands offen erklärt wurde, sie würden sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, daß hierbei die Wahl auf Polen siele. Havas, die offiziöse französische Telegraphen-Agentur, habe auch den Deutschland gemachten Vorschlag mit den Worten wiedergegeben, daß ein nicht ständiger Ratssitz für Polen geschaffen werden würde. Damit, so fuhr Dr. Stresemann fort, standen wir erneut vor der Situation, daß wir ebenso wie die Mitglieder des Völkerbundes Stellung nehmen sollten, zu einer Frage, der Entwicklung des Bundes, die gleichzeitig eine Option für eine bestimmte Macht und gegen andere Mächte insofern in sich schloß, als man die Wahl Polens als selbstverständlich hinstellte. Eine Sicherheit dafür, daß, selbst bei einer Zustimmung Deutschlands, Polen gewählt würde, war aber insofern gar nicht gegeben, als ja die Entscheidung darüber, ob ein neuer nichtständiger Sih geschaffen werden sollte, wiederum von der Einstimmigkeit des Rates abhinge. Diese Einstimmigkeit ist nach meiner Orientierung bis zur Stunde nicht erfolgt. Während also der Völkerbund selbst nicht in der Lage ist, zu dieser Stunde irgendeinen neuen nichtständigen Sih zu schaffen, während er ganz genau weiß, daß er die Einstimmigkeit hierfür nicht besitzt, und daß damit diese Frage gegenstandslos wird, verlangt man von Deutschland, das dem Völkerbund nicht an gehört, dah es seinerseits vor der Welt öffentlich Stellung nehmen soll, d. h. man verlangt erneut die Festlegung auf spätere Stellungnahme, und ich weiß nicht, ob eine derartige Festlegung von irgendeiner Wacht, die in den Völkerbund eingetreten ist. irgendwie vorher verlangt worden ist. Offiziersvcrsorgung erfordert jährlich 200 Millionen, weil Pensionen von 18 000 Mk. jährlich und darüber sehr häufig sind. Hunderte von Offizieren, die vor dem Kriege an der Majorsecke gescheitert sind, beziehen jetzt Generalspensioncn. Die Sozialdemokraten beantragen von der Regierung eine Aufstellung darüber, welchen Rang die jetzt pensionierten Offiziere vor dem Kriege bekleideten. Wir sind keineswegs gegen das Offizierskorps eingenommen. Wir haben immer anerkannt, daß das deutsche Offizierskorps im allgemeinen sich tapfer gehalten und seine Pflicht getan hat. N o s k e hat sich besonders warm für die Offizicrspensionen eingesetzt, aber die führenden Offiziere haben ihm mit Wortbruch und mit dem Kapp-Putsch gedankt. (Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Abg. Laverreizz (Dntl.) legt Verwahrung ein gegen die Bemerkung des Vorredners, daß die ganze Pensionslast die Folge der monachistischen Kriegspolitik sei. Auch die Sozialdemokraten sollten aus den Archiven jetzt gelernt haben, daß der Krieg nicht von Deutschland angefangen worden, sondern daß Deutschland planmäßig überfallen worden ist. Wir denken nicht daran, die Kriegsrenten zu kürzen, aber wir erklären, daß es sich bei den Offizierspensionen um wohlerworbene e r b i e n t e Rechte handelt, an denen wir nicht rütteln lassen. Es ist selbstverständlich, daß die Pension sich immer nach dem Rang richtet, den der Offizier zuletzt bekleidet hat. Abg. B r ü n i n g h a u s (D. V.) weist darauf hin, daß von den 2,2 Milliarden des Pensionsfonds nur ein Zehntel auf die Offizierspensionen entfällt. Da der Betrag sich auf eine große Zahl von Offizieren verteile, könne keineswegs gesagt werden, daß die pensionierten Offiziere herrlich- und in Freuden lebten. Es sei anzuerkennen, daß die Versorgung der Offiziere im allgemeinen befriedigend sei, aber in Einzelfällen komme es oft genug zu peinlichen Härten. Ein Pensionskürzungsgesetz würde einen bedenklichen Eingriff in wohlerworbene Rechte bedeuten und nur mit der für Verfassungsänderungen erforderlichen Mehrheit beschlossen werden können. Darauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch, 17. März. Gegenüber der Frage, ob nicht die Gefahr besteht. Mfj sich Deutschland, wenn es einmal Mitglied des Dölkerbundsrates ist, gegen jede tuntige Vermehrung der Ratssihe und besonders gegen -Zuwahl Polens aussprechen wird, verwies der Reichsauhenminister auf seinen Vorschlag über die Einsetzung einer die Einsetzung einer mit bestimmten Richtlinien versehenen Kvm- mission. In einem Interview erklärte der Minister dem Vertreter des „Oeuvre" noch folgendes: Man hat uns aufgefordert, in den Völkerbund einzutreten, damit das Abkommen von Locarno in Kraft treten könne. Wir sind nach Genf gekommen. Seit Montag läßt man uns warten. Cs wird hier viel weniger von der -Zulassung Deutschlands gesprochen als voir der Polens, Brasiliens und Spaniens zum Völkerbundörat. Warum zerrt m an uns denn, da wir noch nicht Mitglied des Völkerbunds sind, in diese Debatte? Der Völkerbund möge über uns Beschluß fassen. Aber man sieht ja, das) er ohnmächtig ist. dies in einer Krise, die er durchmacht, zu tun, da er nicht die erforderliche Ein - ftimmigkeit erzielen kann. Richt wir legen ein Veto im Völkerbundsrat ein. Dies ist schon dadurch ausgeschlossen, das wir ja noch gar keinen Sih im Rat haben. Schweden legt dagegen sein Veto ein. Wenn man uns von vornherein binden will durch eine Verpflichtung für eine -Zeit, da wir im Völkerbundsrat sitzen, so möchte ich fragen, warum man uns diese Bedingungen stellt. Wir sind bereit, die ülmbildung des Völkerbundsrats ohne Feindseligkeit gegen irgend jemand zu studieren und an der Frage auch unsererseits nritzuar- beiten. Das haben wir erklärt und haben cs schriftlich vorgeschlagen. Aber inan fordere nicht, daß wir uns ohne vorherige Prüfung äußern. Man möge uns aufnehmen, da ja die außerordentliche Völkerbundsversammlung nur zu diesem 3wedc einberufen worden ist. Ein Kompromißvorschiag Banderveldes. Schiebung zu Guusteu Polens. - Chamberlains Pessimismus. Genf. 14. März. (Reuter.) Aufmerksame Beobachter weisen darauf hin. das; der gegenwärtige Konflikt im Gegensatz zu der Erklärung Stresemanns vor den hier versammelten Vertretern der Presse mehr als eine bloße G e schä ft so r dn un g sf r a g e ist. Cs ist in Wirklichkeit eilt Kampf zwischen dem Geist des Völkerbundes und individuellen nationalen Interessen.Richts- destoweniger liegt im gegenwärtigen Augenblick eine etwas optimistischere Auffassung der Lage vor. und es scheint die 'Aussicht aus eine Lösung zu bieten, die das Prestige aller Parteien wahrt. Wie verlautet, berät der Völterbundsrat zur Zeit über einen Vorschlag Vonderveldes, nach dem Deutschland einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat erhalten und sich unmittelbar danach zugunsten der Schaffung eines weiteren nichtständigen Sitzes aussprechen würde, wobei es der Sitzung der Völkerbundsversammlung im Sevtember überlassen bleiben würde, das Land zu wählen, dem dieser nichtständige Sih eingeräumt werden soll. Die Frage der Reuschaffung weiterer st ä n d i - ger Sitze im Völkerbundsrat scheint im Augenblick völlig fallen gelassen zu sein. Eine Berliner Meldung erweitert den Reuter- ’ bericht dahin, daß nunmehr der größte Teil der nichtständigen Mitglieder des Rotes beschlossen * haben soll, auf ihreRatssitze zu verzich- » len und noch in dieser Session Reuwahlen vornehmen zu lassem Dies würde bedeuten. daß Polen unter allen Umständen in dieser Session in den Rat gewählt würde. Es stehe noch nicht fest, welche Macht auf diese Weise aus dem Rat herausgewählt werden würde, um dann im Herbst wieder in. den Rat hineingewählt zu werden. Vandervelde habe Stre- fernenn gestern von dieser neuestenchi e b u n g" unterrichtet. ei * In den Rachmitiagsstundeu war im Völkerbundpalais die Anschauung verbreitet, daß es sich bei dem Verzicht eines Ratsmitgliedes nur um die Tschechoslowakei oder Belgien handeln könne. Der Vertreter des „Reuyork Herold" in Genf berichtet, es sei keineswegs sicher, daß. wenn die Frage der Erweiterung des Dölker- bundsrates vor die Vollversammlung gebracht werden sollte, eine Mehrheit für die Zulassung Polens erzielt werde. Die britischen Dominions seien ollem Aitschrin nach gegen die Zulassung Polens ebenso wie viele andere kleine Rationen. Die Franzosen suchten mit allen Mitteln zu verhindern, daß die Angelegenheit vor die Dolkerbundsverfammlung gebracht werde. Rach einer anderen Meldung aus ©enf soll man am Sonntag von einer Lösung gesprochen haben, die allgemein als verhängnisvoll angesehen werbe. Es heißt, man wolle die De- rLatung des deutschen Aufnahmeantrags in der Vollversammlung am Dienstag auf den September verschieben lassen. Chamberlain habe sich am Sonntagabend zu englischen Journalisten sehr pessimistisch ausgesprochen. Er soll die Verhandlungen feit Sonntagabend für vollkommen aussichtslos halten und sich dahin geäußert haben, daß er es D r i a n d überlasse, sie weiter zu führen, wenn der französische Ministerpräsident noch Optimismus genug besitze, die Gegensätze ausgleichen zu können. Das Ehepaar Chamberlain im „Metropole". Genf, 13. März. (XU.) Das Frühstück, das der Reichskanzler um 1 Uhr mittags Sir Austen und Lady Chamberlain gab. dauerte bis 3.30 Uhr. An dem Essen nahmen von feiten der deutschen Delegation der Reichskanzler, der Reichsaußenminister, die Staatssekretäre von Schubert und Kemvner, Gencralkonsul Aschmann und Gemahlin und die Ministerioldireltvrcn Gauß und Kiew teil. Während des Zusammenseins hatten sich der Reichskanzler, Dr. Stresemann, Chamberlain und Siaatsfekretär von Schubert zurückgezogen und führten eine längere und angeregte Unterhaltung, die etwa zwei Stunden bis zum Aufbruch Chamberlains dauerte. Don unterrichteter Seite erfährt der Vertreter der XU., daß die Zusammenkunft einen befriedigenden Eindruck hinterließ, jedoch sei materiell keine Aenderung der gestrigen Situation erzielt worden. Ob die Verhandlungen eine Fortsetzung erfahren werden, könne zur Zeit noch nicht festgestellt werden, jedoch sei der Eindruck vorherrschend, daß weitere Besprechungen innerhalb der Locarno-Mächte stattfinden werden. Der Sonntag in Gens. Genf, 14. März. (WTD.) Wie der Sonderberichterstatter des WTD. erfährt, haben die heutigen Besprechungen eine materielle Fortentwicklung der Lage gegenüber gestern abend nicht erbracht. Der französische Ministerpräsident erwiderte den Besuch des Reichsaußenministers Dr. S t r e s e m ä n n im Hotel Metropole. In der Besprechung wurden die verschiedenen Lösungsocrsuche, insbesondere auch der deutsche Vorschlag, durchgesprochen, die Frage einer Erweiterung des Rates eines besonderen Kommission zu unterbreiten. Am Rachmittag unternahmen Reichskanzler Dr. Luther und Dr. S t r e s e m a n n eine Autofahrt nach Ouchp bei Lausanne und folgten dann einer Einladung des schwedischen Außenministers Un- d 6 n zum Abendessen. Prager Brief. Prag, 13. März. Die Aufmerksamkeit der hiesigen Oeffentlichkeit war in der vergangenen Woche einerseits auf den Wiener Besuch D r. B e n e s ch s und den Abschluß des österreichisch - tschechoslowakischen Schieds Vertrags, andererseits auf die Vor- gänge in Genf konzentriert. Die freundliche Aufnahme, die Benefch in Wien fand, wurde von der Presse mit großer Genugtuung vermerkt, und die Artikel, die' den Abschluß des Schiedsvertrags rühmten, versäumten nicht, darauf hinzuweisen, daß Ungarn nunmehr der einzige Nachbarstaat sei, mit welchem die Tschechoslowakei noch zu feinem Vertragsverhältnis gelangt ist. Oesterreich hat, wie hier verlautet, nicht' die Absicht, den 1922 für fünf Jahre abgeschlossenen Vertrag von Lana zu verlängern und hat daher schon jetzt mit Dr. Benefch den für Oesterreich ivesentlich vorteilhafteren Schiedsverlrag abgeschlossen. In der Frage der Erweiterung des Nülkerbundsrat» wird hier auch weiterhin für eint Kooptierung Polens und auch anderer Staaten Stimmung gemacht, und es erhält sich auch das Gerücht, daß' Dr. Benefch feinen Sitz im Völkerbundsrat ' an einen anderen Staat der Kleinen Entente abtreten werde. Die tschechische Außenpolitik vertritt nach Artikeln inspirierter Blätter das Prinzip, daß im Völkerbundsrat zwischen ständigen und gewählten Mitgliedern Tein Unterschied obwalten solle. Im Sinne von Beneschs Politik der N e g i o n a l p a k te wünscht man hier, daß einzelne Interessengruppen von Staaten ständige Vertreter im Rate haben sollten, wobei, was die Person des Vertreters anbeiangt, die einzelnen Staaten jeder Gruppe untereinander zu alternieren hätten. Die nationaldemokr. Presse versolgt die Taktik, die Bedeutung des Völkerbundes herab;usetzen, und glaubte in den letzten Tagen hervorheben zu sollen, daß die sudetendeutschen Hoffnungen auf ein Einschreiten Deutschlands in Gerts zugunsten der Sudetendeutschen cntttäuscht werden mürben. In der Presse sind Gerüchte über den bevorstehenden Abschluß eines italienisch-jugoslawischen Bündnisvertrages verbreitet, der sich hauptsächlich mit Balkansragen (Griechenland, Albanien und Bulgarien), aber auch mit der Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland beschäftigen würde. Die nationaldemo- kratische „Narodni Politika" prophezeit sogar einen mitteleuropäischen G a r a n t i e p a k t, in welchem die Siegerstaaten einander gegen alle Versuche der Abänderung des durch die Friedensverträge geschaffenen Zustandes Hilfe zusichern würden: kein neues Locarno, aber Allianzver- tro g zwischen Italien, Frankreich und der Kleinen Entente gegen den Anschluß Oesterreichs und gegen „Einmischungen" Deutschlands in die Politik der übrigen mitteleuropäischen Staaten. Auf welche Weise die angeführten mutmaßlichen Partner auf diesen gemeinsamen außenpolitischen Nenner gebracht werden sollen, verschweigt das Blatt. Die furchtbare Prager Handgranaten- Explosion hat in der Oeffentlichkeit merkliche Mißstimmung gegen die Heeresverwaltung hervorgerufen. Dies macht sich bereits in der Stellung der Parteien zu der Frage bemerkbar, ob die acht- zehnmonatige Präfenzzeit beizubehalten oder, wie es das Wehrgesetz vorschreibt, jetzt die 14monatige einzuführen wäre. Die nationalsozialistische Partei scheint sich trotz ihres Führers Stribrny, der als Armeeminister die Beibehaltung der IBinonatinen Dienstzeit fordert, neuestens unter dem Einfluß oer durch die Explosionskatastrophe erregten Volksstimmung vollends zugunsten der Hmonatigen Dienstzeit zu orientieren. Das Parlament hat seine Tagung am 12. d. M. fortgesetzt. Innerhalb der Koalitionparteien ist jedoch in mehreren prinzipiellen Fragen noch keine Einigung herbeigeführt worden. Der Gegensatz zwischen den feste Agrarzölle fordernden tschechischen Landwirten und den tschechischen Sozialdemokraten verschärft sich täglich. Auch in einer Reihe anderer Fragen fühlen sich die tschechischen Sozialdemokraten an den Rand der Opposition gedrängt, weshalb Ministerpräsident Svehla seine schon seit Wochen stattfindenden Verhandlungen mit der slowakischen Volkspartei beschleunigt, um gegebenenfalls die an sich schwächliche Regierungsmehrheit zu festigen. Die Slowaken ihrerseits, die sich der Bedeutung ihrer 23 Mandate bewußt sind, haben bisher den Boden ihrer auf Grund des bekannten Pittsburger Vertrages erhobenen Autonomieforderungen nicht verlassen. Wie lange dieser Widerstand anhält, ist zweifelhaft. Die Schwierigkeiten dieser Situation lassen in den letzten Tagen die Nachricht aufkommen, daß es zu Neuwahlen im Oktober dieses Jahres kommen werde. Im Mar 1927 soll die verfassungsmäßige Neuwahl des Präsidenten der Republik stattfinden, und nach der Verfassung darf das Parlament sechs Monate vor diesem Termin nicht aufgelöst werden. Kundgebung freiheitlich- nationaler Arbeitnehmer. Berlin, 14.März. (Wolff.) Im Landtags- ge6äube begann der dritte freiheitlich- nationale Gewerkschaftskongreß des Gewerkschaftstinges deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Bcamtenverbände mit einer großen Kundgebung, bei der u. a. der preußische Handels- Minister Dr. Schreiber, der Präsident des Reichswirlschastsrats Lei Pakt und Ministerial' Direktor Dr. Ritter in Vertretung des Reichsarbeitsministers anwesend waren. Der Reichs- tagsabgeordnete Gustav Schneider übte in feinem Referat über ..Soziale Steuergesetzgebung" Kritik an dem Anwachsen der indirekten Steuern. Die größten Einnahmen des Staates flössen jetzt aus indirekten und Lohnsteuern. In dem neuen Steuerprogramm in dem auch eine andere Veranlagung der Vermögenssteuer vorgeschlagen sei, sei die Lohnsteuer für die unteren Lohnstufen bis zu 4000 Mark noch zu hoch. Die Umsatzsteuer mußte überhaupt beseitigt wer» t*en. In der einstimmig angenommenen Resolution wurde im Sinne des Referats gegen d i e Steuer Überspannung, „die ohne wirksame Einschränkung der öffentlichen Ausgaben die Steuerguellen bis zunr Versiegen erschöpfte," Stellung genommen. Der Kongreß, wird alle Maßnahmen des neuen Reichsfinanzministers unterstützen, die auf eine angemessene Verteilung der Steuerlasten zwischen direkten und indirekten Steuern hinzielen. Max Fürsten- berg, Mitglied des Reichswirtschaftscats, sprach über Reformwünsche bei den sozialen Arbeitsgerichten. Auch hierüber wurde eine den Ausführungen des Redners entsprechende Resolution angenommen. Schließlich sprach eRichstagsabgeordneter Erkelenz über „Reue Aufgaben dec Gewerkschaftspolitik". Ernährungsfragen im Haushattsausschuß. Berlin, 13. März. Der Haushaltsausschuß des Reichstages setzte die Beratung des Etats des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in Verbindung mit der Vorlage der Reichsregierung betreffend älebernahme einer A u s f a l l g a r a n t i e für Kaliphos- phor säure-Liefer un gen fort. Abg. B a ch m e i e r (Wirtsch. Vereinigg.) erklärte: Rach meiner Meinung hat die Landwirtschaft schon zu viele Kredite aufgenommen. Ohne Steuererleichterungen kommt sie aus ihrer Belastung nicht heraus. Auf dem Gebiete der Ranflcblungcn sollte man vorsichtig sein, weil die ReuanstMer zur Zeit kaum bestehen können. Abg. Frau Wurm (Soz.) setzte sich für Erweiterung des Kontingents der Gefrierfleischeinsuhr ein, besonders das besetzte Gebiet brauche eine Erhöhung des Vieheinfuyr- konlingents. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Haslinde: Der Reichstag hat im vergangenen Jahre dankenswerterweise erstmalig nicht unerhebliche Mittel — insgesamt 5 Millionen - für eine Reihe von Maßnahmen bewilligt, durch die eine stärkere Intensivierung namentlich der bäuerlichen Betriebe herbeigeführt oder ermöglicht werden soll. Die Ausschüttung an die Landesregierungen hat erst kürzlich vorgenommen werden können, so daß über das Ergebnis der eingeleiteten Maßnahmen Erfahrungen noch nicht vorsiegen. Ich hege aber die bestimmte Hoffnung. daß die Maßnahmen von ausgezeichneter Wirkung sein werden, um uns dem Ziel der Eigenversorgung des deutschen Volkes mit Lebensrnitteln näher zu bringen. In dieser Richtung bewegen sich auch die Bestrebungen auf Rationalisierung und Typisierung der landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte, für die im vorjährigen Etat vom Reichstage einmalig eine Million bewilligt wurde. Ein Gesetzentwurf über die Bildung eines Ausschusses zur .Untersuchung der Absatzbedingungen ter deutschen Wirtschaft ist ausgearbcitet und dem Reichstage zugegangen. Die Reichsregierung ist entschlossen, die bäuerliche und Arbeitersiedlung in den volksarmen Teilen des Ostens beschleunigt zu fordern. Ich bin zusammen mit dem Reichswirtschaftsminister bemüht, wenn irgend möglich durch eine Kreditaklivn die Abnahme des Flachses als auch die flachsverarbcitende Industrie wieder in Gang zu bringen. Staatssekretär Hagedorn: In der Frage der Ausbildung der Landarbeiter ist vorgesehcn, mit den Organisationen der Landarbeiter und der Unternehmer einen Plan auf- zustellen. der die Veranstaltung von Unterricht s k u r s e n für landwirtschaftliche Arbeiter vorsieht. Wir sind wegen der Motor pflüge nach Fordfchem Muster mit den Fabriken in Der- bintung getreten. Es ist uns gelungen, die Normalisierung und Typisierung erheblich zu fördern unb den Preis der Motorpfluge herabzusehen. Erneute Verhandlungen zur Gewährung von Betriebsmitteln sind eingeleitet, um uns nicht den amerikanischen Fabrikaten auszuliefern. Die Vorwürfe gegen mts wegen angeblicher Vernachlässigung des Tabakbaues müsten wir als ungerechtfertigt zurückweisen. Ministerialdirektor De per lein: Das Kontingent für Gefrierfleisch konnte nicht nach dem Jahre 1925 bemessen werden, weil vor Inkrafttreten neuer Zölle immer eine erhöhte Einfuhr statisindet. Wir nahmen deshalb das geringere Kontingent des Jahres 1924. Dieses haben wir vierteljährlich ausgeschüttet, und wir glauben, vorläufig damit auszukommen. Der Stickstoff ist jetzt billiger als im Frieden. Das Ministerium bittet um Zustimmung zu dem Anträge der folgendes bestimmt: Der Haushaltsausschuß wolle sich damit einverstanden erklären, daß das Reich gegenüber dem deutschen Kalisyndikat G. m. b. H. und der Superphvspyatindustrie eine Ausfallgarantie der Kali- und Phosphor- fäureiiefecungen, die auf langfristige Wechselkredite erfolgen, bis zur Höhe von zehn Millionen Reichsmark übernimmt. Ministerialrat v. Quasse wski betont, es seien zusammen sechs Milliarden Kreditschulden vorhanden. Die weiteren zwei Milliarden Rentenbankgrundschuld könne man nicht dazu rechnen, weil es eine Rentenschuld sei, die man hoffe, in sieben bis acht Jahren erledigt zu haben. Bis nach der nächsten Ernte fönnten etwa, eine Milliarde Personalkredite gestundet werden. Eine Milliarde mühte aber nach den Vorschriften abgedeckt werden, wenn sie nicht in langfristige Kredite übergeführt würde. Eine Erhöhung der Summen für die Landwirtschaft fei erwünscht. Angenommen wurde eine Entschließung des Abg. Dr. Klöckner, auf eine Ermäßigung des Zinsfußes der Rentenbankkreditanstalt von <* ? auf S’/b Prozent hinzuwirken und geeignete Maßnahmen zu treffen, um auch Pächtern landwirtschaftlicher Betriebe Per- svnalkredite zu gewähren. Ferner wurde durch Annahme einer Entschließung des Abg. Blum lKrefeld) die Reichsregierung ersucht, bei Zwangsverkäufen sämtlicher großer Güter die Möglichkeit des Ankaufs zu erwägen zwecks Erhaltung der Güter für die Kultur in geschlossener Bcw'vtschaftungsweise oder zur zweckmäßigen Austeilung in Siedlungen. Als Beihilfe zur Förderung der bäuerlichen Wirtschaftsberatung sind im Etat 1900 000 Mark vorgesehen. Anträge auf Erhöhung dieser Summe wurden dem Sparausfchuß zur weiteren Beratung überwiesen. 50 000 Mark sollen als Beihilfe für die von Berufsvereinigungen der laickrwirtschaft- lichen Arbeitnehmer veranstalteten Fortbil- dungsturse für Arbeiter und Angestellte abgezweigt werden. Zum Schluß erklärte sich bei Ausschuß damit einverstanden, daß das Reich gegenüber dem Deutschen Kalisyndikat G. m. b. H. und der Superphosphatindustrie G. m. b. H. eine Ausfallgarantie für Kali- und Phvphor- säurelieferungen, die für langfristigen Wechsel- Ireöit erfolgen, bis zur Höhe von zehn Millionen Reichsmark übernimmt. Für Abbau im Hessischen Landtag. WSN. Darmstadt, 14. März. Die demokratische Landtagsfraktion hat im Landtag einen Antrag eingebracht, in dem die Regierung ersucht wird, alsbald einen Gesetzentwurf vörzulegen, der unter Aufrechterhaltung der Verhältniswahl die Schafstmg von Einzel Wahlkreisen vorsieht, die Zahl der Landtagsabgevrdneten herabsetzt und die Legislaturperiode von drei auf vier Jahre erhöht. Aankreichs syrische Sorgen. Frankreich hat auf bet M audatskon- f erenä in Rom einen Reche.sicha>rsbericht überfeine Tätigkeit in Syrien abgelig' Der Bericht war natürlich sehr optimistisch uni) günstig abgefaßt, es war darauf l)ingeivickn, daß über dreivieriel Syriens ruhig sei und sich unter verfassungsmäßigem Regime befände. Wenn nicht auch eine Reihe von Delegationen aus Syrien in Ronr Beschwerbeschriften überreicht hätten, die allerdings von der Kommission abgelehnt wurden, hätte der Eindruck entstehen können, daß es de Iouvenel tatsächlich gelungen wäre, in der kurzen Zeit seiner Amts- tätigtet < Syrien einem Zustand der Ruhe und Befriedigung entgegerizuführen. Zur Zeit der Mandatskonferenz konnte be Iouvenel auch berichten, daß mit dem letzten Viertel Syriens, mit den Drusen, FriedenSverhandluirgen im Gange seien. Natürlich wäre ein Erfolg von Friedens- Verhandlungen mit dein bedeutenden Führer Atrach ein Ereignis von besonderer Bedeutung gewesen. Hätte Atrach die Oberhoheit Frankreichs anerkannt, dann hätte de Iouvenel mit vollem Rechte behaupten können, in Syrien herrsche vollkommener Friede. Die Fried easve-> fjanblungen sind gescheitert. Täglich sind in den Blättern Berichte über Gefechte mit Drusen - Abteilungen zu lesen, die nicht immer sehr erfolgreich für die Franzosen verlausen, ihnen aber erhebliche Verluste beibringen. Bei dem über- ragenden Einfluß des Sultans Atrach kann man es als ziemlich selbstverständlich annehmen,. daß die Drusen weiterhin Tlnterstühung erhalte i werden, und daß es den französischer Truppen in absehbarer Zeit nicht gelingen wird, der Lage Herr zu werden. Es ist klar, daß diese Lage auch gewisse Rückwirkungen auf die Ndandatskommissionen und eine Entscheidung über die weitere Dauer des Mandats haben muß. Italiens Kolonialexpansionsbedürfnis spielt dabei sicher eine besondere Rolle. Es würde es sicher nicht ungern sehen, wenn es vielleicht an Stelle Frankreichs das Mandat über Syrien bekommen könnte. Die Besorgnisse, die deshalb in der französischen Presse aufgetaucht sind, sind jedenfalls bezeichnend. Entscheidend wird dabei natürlich der englische Einfluß sein. London war wegen des türkisch-französischen Vertrages, den de Iouvenel in Angora abgeschlossen hat, sehr beunruhigt, da vor allen Dingen gegen eine Grenzrcgelung starke Bedenken aufgetaucht sind. Frankreich hat es bisher verwunden, den Vertrag zu veröffentlichen, hat allerdings darauf hin- getoicfeit, daß England durch seinen Botschafter in Konstantinopel ständig über die Verhandlungen und den Vertrag auf 6ent Laufenden gehalten wörden fei. Bei der Veröffentlichung des Vertrages wirb sich erst zeigen, wie weit dabei Interessen Citglands berührt werden, das wegen der immer noch ungelösten Mossulfrage in dieser Beziehung empfindlich ist. Wie weit der Bündnisvertrag zwischen Griechenlanb und Italien, der seine Spitze gegen die Türkei richtet, auch gegen Frankreich sich richtet, wird sich int Lause der allernächsten Zeit zeigen müssen. Aus alle Fälle werden die syrischen Sorgen Frankreichs dadurch nicht verkleinert. Es wird vielleicht, um seine Lage zu verbessern, ernstlich an eine Vermittlungsattton zwischen England und der Türkei denken müssen, da es durch einen bewaffneten Konflikt in der Mossulfrage nur in die allerschlimmste Lage geraten würde. Die Erschließung der eit glischen Archive. Die Mitteilung der britischen Regierung vom November 1924. daß sie sich entschlossen habe, die wichtigsten Aktenstücke ihrer Archive über den Ursprung des Krieges von 1914 bis 1918 zu veröffentlichen, hat, im Hinblick auf das Problem der Kriegsschuldfrage, größtes politisches Interesse erweckt. Es ist deshalb von erheblicher Wichtigkeit, über die dicht bevorstehende bedeutsame Publikation itähere Einzelheiten zu erfahren. Bemerkenswerterweise hat das britische Auswärtige Amt, anstatt den üblichen Weg zu wählen, seinen eigenen Briefwechsel unter Verantwortlichkeit des Staatsministeriums zu veröffentlichen, die Herausgabe ihrer Dorkriegsakten zwei hervorragenden unabhängigen Geschichtsschreibern übertragen, den Herren Dr. G. P. Go och und Dr. Harold Temperley, die völlig freies Derfugungsrecht über das Dokumentenarchiv des britischen Auswärtigen Amtes erhal.ea haben. Die Vorarbeiten sind bereits weit gediehen, und es kann jetzt Genaueres über Umfang, Inhalt und Gliederung des Werkes mitgeteilt werden. Das Werk wird insgesamt 11 Bände umfassen, bereit Inhalt folgendermaßen eingeteilt ist: Band 1 bis 2: 1889 bis 1904 Der Lieber- gang zum „Kontinenlalismus" mit Einschluß des englisch-japanischen Bündnisses; Band 3 bis 4: 1904 bis 1906 Frankreich, Deutschland und Marokko; Band 5 bis 6: 1906 bis 1909 Rußland und der Nahe Osten; Band 7 bis 8: 1906 bis 1912 Verhandlungen mit Deutschland in 2erli für die Heraus^ mann £ ieiMg > beihinfl Zruä bi zur 2er Ausgab lichen 5 1914“. Arn q»itraui M der de chend an <4 und A den unf den Dc des der beo Äiestr' alles »e Lage fif1 Mlck bis M, fdei -Mtigt feil. z«er Aalt W totlfiN Ku Eine Mül schäft de! UniveO lung (i. der Lani btmicn ii iomit die Knude Reicher ' tznngnn tonten i gemeinst wissensch Gebieten Aolks Mit hilf zur Per ichajttich Wege ae Teilen bi ipiithc ei tor an d fMnung lusjat die häitnis und bi 'nen. 3 Wissenscl dere mit folgerns -i Millioi der Dol nationale Aom r Kn i uberza 2 schwere 1 Aektro», $tar und neue S? 1 chLu N 9üt "'M BöSllC Die V Band 9. 1912 bis 1913 Die Dallankriege; Band 10: 1913 bis 1914 Die letzte Friedens- fahre; Band 11: 1914 Der Ausbruch des Weltkrieges vom 28. Juni bis 4. August. Diese 11 Bände werden annähernd dem Zeitraum und dem Aktenmaterial der Bände 12 bis 37 der großen Aktenpublikation des deutschen Auswärtigen Amtes entsprechen. Die englische Publikation wird sich aber insofern von der deutschen unterscheiden, als sie nicht im eigentlichen Sinne als „Erschließung der Archive" zu bezeichnen ist, sondern sich, entsprechend ihrem Haupttitel, besonders mir der Frage der K r i e g s u r s o ch e n beschäftigt. Sn allen Einzelheiten fest steht bereits Umfang und Stoffkreis des 11. Bandes, der sich mit den unmittelbar dem Kriegsausbruch vorangehenden Wochen, also der Zeit nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, beschäftigt und der bereits im Frühjahr 1926 erscheinen wird. Dieser Band wird, wie die deutsche Publikation, alles veröffentlichen, was über die europäische Lage in den Archiven des britischen Auswärtigen Amtes an Material über die Zeit vom 28. Juni bis ,-ant 4. August 1914 zu finden war. Für die mit der Klärung der Kriegsursachen beschäftigten deutschen Kreise ist von Wichtigkeit. zu erfahren, daß auch eine deutsche Ausgabe des englischen Attenwerkes bereits in Bor- bereitung ist. Die Deut siche Vcrlagsge- s l s ch a s t für Politik und Geschichte in Berlin hat sich die ausschließlichen Rechte für die deutsche älebersetzung gesichert und die Herausgabe dem Münchener Schriftsteller Hermann Lutz übertragen. Die deutsche lieber« sehung des ersten Bandes ist bereits in Bearbeitung und soll gleichzeitig mit der englischen Ausgabe erscheinen, die sich in: Druck befindet und unmittelbar nach Ostern 1926 zur Beröffentlichung gelangen wird. Die deutsche Ausgabe führt den Titel „Die Britischen Amtlichen Dokumente.zum Kriegsursprung 1889 bis 1914". Kunst und Wissenschaft. Eine Tagung der NoLgemeinschast der dentschen Wissenschaft. München, 13. März. (Wolfs.) Die Notgemeia- schaft der deutschen Wissenschaft hielt gestern in der Universität ihre dritte M i t g l i e d e r v e r s n m m - 1 u n g ob, an der Vertreter der Reichsregierung, der Länder, der Präsidenten der deutschen Aka- demien und der großen wissenschaftlichen Verbände, sowie die Rektoren der Universitäten und andere führende Wissenschaftler, ferner Parlamentarier des Reiches und Bayerns teilnahmen. An die Begrüßungsansprachen schloß sich der Bericht des Präsidenten « ch m i 1 t - O l t über die Tätigkeit der Not- gemeinsch.ftt auf geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Gebieten, insbesondere aus den Gebieten der nationalen Wirtschaft, Volksgesundheit und des V o l k s w o h l e. Mit Hilfe eines der Notgemeinschaft vom Reichstage zur Verfügung stehenden Fonds sollen die wißen- schafttichen Grundlagen der genannten Gebiete nn Wege gemeinsamer Arbeit durch Forscher aus allen Teilen des Reiches geklärt werden. Auf der Tagung wurde eine Entschließung angenommen, in der an das Reich und die Länder die dringende Mahnung gerichtet wird, bei Bemessung der Ausgaben für die Wissenschaftspflege weder die Zahlen der Vorkriegszeit nach deren Verhältnis zu den Gesamtausgaben des Reiches und der Länder zum Maßstab zu nehmen. Weiter wird die Nachprüfung der der Wissenschaft gewährten Mittel gefordert. Insbesondere wird ersucht, das für das Etatsjahr 1927 der Rotgemeinschofl bewilligte Extraordinarium von -> Millionen Mark, das Forschungen aus dem Gebiet der Volksgesundheit, des Volkswohls und der nationalen Wirtschaft dient, wieder einzustellen. Vom Reichspräsidenten ist folgendes Telegramm eingelaufen: „Der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft sende ich zu ihrer heutigen Tagung herzliche Grüße. In schwerer Zett hat sie erfolgreich dazu beigetragen, die deutsche wissenschaftliche Forschung vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Möge auch ihre weitere Tätigkeit, besonders aus dem Gebiete der großen Forschungsaufgaben, reiche Früchte tragen." gez. v. 5) i n b e n b u r g.” An den Reichspräsidenten wurde folgendes Telegramm gerichtet' „Dem Führer des deutschen Volkes in Krieg und Frieden huldig! die Not- gemeinfchaft der deutschen Wissenschaft bei ihrer aus allen Teilen Deutschlands zusannnenberuienen Jahresversammlung dankbar, an den großen Zielen des Vaterlandes Mitarbeiten zu dürfen und vollbewußt, daß auf seinem Gedeihen und seiner Kraft der Erfolg und die Weltgeltung ihrer Arbeit beruht." Südamerika-Gastspiel eines Frankfurter Künstlerpaares. Else Gentner-Fischer von der Frankfurter Oper wurde auf Grund ihrer (Srfolgc in Amerika von einem Neuyorker Impresario aufgefordert, mit ihrem Gatten, Benno Ziegler, ein dreimonanges Gastspiel in Südamerika zu absolvieren. Das Kunst- lerpaar wird sich am 17. Juni in Genna einschiffen und Mitte (September nach Frankfurt zurückkehren. Akademische Berufung. Professor Dr. med. Ernst Kretschmer in Tübingen hm den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für Psychiatrie an der Universität Marbnng als Nachfolger von Professor Stert; angenommen. Aus aller Welt. Ei» schweres Cisettbahn-Uttglück itt Cvfta-Rica. San Jose (toffa Ricas, 15. März. (WTL. Funkspruch.) Zwischen Aiajuela und Cartago entgleiste auf dec Eisenbahndrücke über den Vivillaflutz ein mit etwa 1000 Ausflüglern besetzter Eisenbahn- zug. Lin Wagen stürzte in den Fluß. Die Zahl der Toten beträgt 178, die der Verwundeten 75. Die Wiener Hochfchultaguttg. Wien, 14. März. (WLB.) Die Schlußsitzung der fünftägigen Hochschultagung gestaltete sich heute in Anwesenheit des Vizekanzlers Waber, des Obmanns der Grvßdeutfchen Volkspartei, W Ottawa, der Rektoren sowie anderer Ehrengäste zu einer besonderen Feier. Auf Crund der Berichte der Fachausschüsse gab ^Iniversitätsprvfessor H u g e l m a n n als Leitsätze gefaßte Beschlüsse bekannt, in denen es heißt: L Das Ervßdeutsche Reich in- Mitteleuropa muß der deutsche Staat sein, 2. feie staatsrechtliche Bereinigung Oesterreichs mit ö e in Reich bedarf ter Geineinschaft mit dem gesamten Bolle nicht nur in kultureller, sondern auch in staatsrechtlicher Beziehung, 3 der deutsche Rationalstaatsgedanle fordert für die innere Ausgestaltung des Ervßdeutschen Reiches, Einheitlichkeit des Staatsgefühls nach außen und im Innern, Fortbildung der Staats- gliederung in föderalistischem, jedoch nicht parti- kularistischem Sinn. Der hiernach begründeten Eigenart der österreichischen Länder einerseits und des Oesterreichischen Bundes andererseits ist Rechnung zu tragen. Hierauf hielt der Vorsitzende des Deutschen Schutzbundes, Dr. v. Lösch, den Echlußvortrag über das Thema „Europa und das Reich". Es sei eine Pflicht der Dankbarteit, festzustellen, daß der grohdeutsche Gedanke der nationalen Einheit unseres Volkes von den Schuhvereinen in Oesterreich wieder nach Deutschland zurückgekehrt sei. Der Wunsch nach Vereinigung fei heute stärker denn je. Lösch erinnerte dann an die Beantwortung der Rede Mussolinis durch Außenminister Dr. Stre>emann, in der dieser sagte, das Deutsche Reich habe die Verpflichtung, sich um die kulturellen Schicksale der Deutschen jenseits der Reichsgrenzen zu kümmern. Das bedeute, so erklärte der Redner, eine neue Epoche in der Staatsauffassung des deutschen Volkes. Einen Schritt zurück werde niemals mehr ein deutscher Außenminister zu tun wagen. Rach der Schlußsitzung im Festsaale der Universität begaben sich die vielen Tausende der Teilnehmer in die Aula der Universität, wo eine kurze Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen der Wiener Tlniversität stattfand. Hierbei wurde namens der reichsdeutschen Studentenschaft ein prächtiger Lorbeerkranz am Ehrenmal sür die Gefallenen niedergelegt. Abends vereinigte ein vom deutschen Schulverein „Südmarl" veranstalteter Abend die Tagungsteilnehmer, die sich an den vorgeführten Volkstrachten, Volksliedern und Volkstänzen erfreuten. Der Bischof der Methodistenkirche bei Hindenburg. Am Freitag hat Reichspräsident von Hindenburg den Bischof der Methodistenkirche, D. Dr. I. L. Nuelsen - Zürich, empfangen. Bischof Nnelsen hat seinerzeit gleich nach dem Waffenstillstand in Amerika das große H i l f s w e r k einge- Icittr, indem er durch Aufrufe, Denkschriften und große Vortragsreisen, Sammlungen für die Notleidenden in den mitteleuropäischen Ländern eröffnete. Die Universität Berlin ehrte ihn in Anerkennung seiner Verdienste 1921, indem sie ihm als ersten Amerikaner nach dem Kriege den Ehrendoktor der Theologie verliehen hat. Die Bevölkerungsziffer in Frankreich. Nach einer offiziellen Statistik betrug die Zahl der Lebendgeburten in Frankreich im Fahre 1925 768 983 (1924: 752 307). Die Zahl der Sterbesälle belief sich auf 708 919 (1924. 680 027). Der Geburtenüberschuß beträgt also im Jahre 1925 60 004 (1924: 72 280). Dranbkatastrophe in Grünau. Ein furchtbares Brandunglück ereignete sich am conntagabenö gegen 9 Ahr in Grünau bei Berlin. Dort geriet auf item Spielplatz in der Rähe der Regattatribünen die Wohnlaube des Kantinenwirts in Brand, als die Bewohner, die Frau des Besitzers mit den beiden Kindern und ihrer Mutter, schon schliefen. Das Feuer war bereits weit fortgeschritten, als die beiden Frauen es bemerkten. Sie versuchten zuerst die Kinder zu retten, aber nur der 7 Zech re alte Knabe konnte aus dem brennenden Haus geborgen werden. Das andere Kind, ein 8 I ahre altes Mädchen, kam in den Flammen um. Die Mutter und die Großmutter erlitten schwere Brandwunden. Grubenunglück auf der Konkordia-Grube. Hindenburg, 15. März. ■ krrZ :r;K .l'rfijS 's"1 äste ?! ««t S* betD,[liqen * S^U' Wellung xp. . Ä 14.2 9i9' M* bedurfte - £ *5: LbZ * bim er. 3Q^ungen fl^u. lb£r. dem 15.8. Gablungen ae, 5er behaupte °JW, das $ro; d?S^den. " °brn ausge. "-«7' da sich «MUen °ue. bet (BlMioer Umdruck zu bringen 8°rbe- -Vorbehalt bei btt nnen. °£r neuen An. ]Uf ®tunb des oben ^elbeftistab, meldenden der @e. >8 kostenpflichtig zu. Hion: Den ange- M wirtschaftlichen b Material bisher I. Montag. Schift, fhützenhaus, Früh: 'chtfpieihaus, Bohn- • - Palast-Licht- lüfteten de; Film- ch-EinBliS hinter k: „Mes «lut“. lrücken-Mücke einem geänderten Uhr früh, Mücke an Wracken an 1050 nachm., Mücke an ende, Feldkrücken an mb», Feldkrücken an !ta-tvald. Der rteitag nachmittag n Stabltoalb eine ort lag. getunten, tragen handelt eS btoatti ftaimnenten I al'^flegtanftall E- t, dich Selbstmord ZW 1 ®n<6< «Vm fabfn, * 'St »M d-r f 5"S «-Ä®* s ruhte. K EÄ« 'S Erhöhuns nn sw® hir wenn *lp Me aber -K- ■*r Nordost. Man ehende Lezlrksoerein iei Gastwirl Henkel, . hauptoerfaminlllng Wto.Schwieder, >d die Neumhl des größten Teil in den rite, wurde In eine Mer Fragen, be. ordöstlichen Madt iben durchaus mech- n Wünsche der M> m gebührender Leies so sehr vemch' ier Errichtung bewil- Verkeilungen und Viehmarkt. 421 ricn und Kühe. 367 Oberhefsen. Landkreis Gießen V Klein-Linden, 13. März. Wie wir Fören, hat sich hier ein vorläufiger Aus - ch u h gebildet, der mit allen Kräften auf die Errichtung eines Ehrendenkmals für die Gefallenen hinarbeiten will. Hm die Gestehungskosten so niedrig wie möglich zu halten, rechnet der Ausschuß mit der wohlwollenden Hnter» stutzung der ganzen Gemeinde. Er wird eine Liste umlaufen lassen, in welche sich diejenigen Handwerker, Gärtner, Techniker usw. eintragen sollen, die zu kostenloser Arbeitsleistung ihre freie Zeit opfern wollen. Auf diese Weise hofft der Ausschuß eine Kommission zusammen zu bekommen, die dem ersten Schritt recht bald weitere folgen lassen kann. Cs wird auch mit der Beteiligung aller Bereinigungen gerechnet. *Großen-Linden, 13. März. Am nächsten Dienstag begehen die Eheleute Ludwig Dietz das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich settener körperlicher Rüstigkeit und Geistesfrische. Der Jubilar ist Veteran von 1870 71. Bg. Großen-Bufeck, 13. März. Hier spracy im vollbesetzten Saale des Gastwirts Wagner der Bolksschriftsteller Baumann. Aus einem Herzen voll Liebe zu Bolk und Heimatland wußte er ernste Worte der Mahnung, aber auch prächtige Worte der Aufmunterung und des Trostes zu finden. Den zweiten Teil des Abends würzte der Redner mit echt heimatlichem Geiste und Hefsenwitz. Pfarrer K a l b h e n n und Fritz Fuhr dankten dem Vortragenden. Der Posaunenchor trug durch Begleitung der gemeinsamen Lieder und durch Mufikvorträge zur Ausgestaltung des Abends bei. * Londorf, 13. März. Am 1. April wird Gendarmeriewachtmeister H e r w e ck uns verlassen, um nach Ober-Roden bei Dieburg überzusiedeln, wohin er als Stationsführer der dortigen Gendarmeriestation verseht wurde. Herr Herweck war 17 Jahre am hiesigen Platze tätig. Man sieht den pflichtgetreuen Beamten ungern von hier scheiden, da sein Verhältnis zur Einwohnerschaft das denkbar beste war. t (Brünberg, 14. März. Assessor Hechler hat in der Försterei Weickartshain die e r st e Sch nepfe geschossen. — Das Sehrtsche Haus mit Bauplätzen in der Londorfer Straße ist für 36 OOO Mark in den Besitz der Stadt übergegangen. In dem stattlichen Gebäude soll die Landwirtschaftliche Winterschule untergebracht werden. Infolge der Erwerbung dieses Hauses unterbleibt nun der vorgesehene Neubau für diesen Zweck; für die Stadt bedeutet das eine Ersparnis von ungefähr 50 000 Mark. — Zur Zeit hat die Stadtverwaltung mit Schwierigkeiten bei der Beschäftigung der Arbeitslosen zu rechnen. Zu den bereits vorhandenen Erwerbslosen kommen jetzt noch 26 Holzmacher hinzu. Wohl wird die Erbauung der Theo-Koch-Straße, die Herstellung eines Teils Kanalisierung in der Stadt und das Legen von Wasserleitungen vorgenommen, aber diese Arbeiten sind durchaus nicht hinreichend, drei Dutzend Arbeitslose zu beschäftigen. Sehr zi^ begrüßen wäre es, wenn mit dem Bau des Finanzamtsgebäudes begonnen würde. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 12. März. Heute fand am hiesigen Predigerseminar die feierliche Entlassung von zwölf Pfarramtskandidaten statt. Als Vertreter der Kirchenbehörde war Superintendent Wagner von Gießen erschienen. Für das nächste Semester bleibt nur ein Kandidat hier, doch werden wahrscheinlich drei ober vier neu aufgenommen. — 3n einer sehr stark besuchten Generalversammlung der Aktien-Zuckersabrik wurde die Ausnahme einer Anleihe für die früher schon beschlossene Elektrifizterung des Betriebes beschlossen. Als Geldgeber kommt die Mitteldeutsche Creditbankin Betracht. Das Geld soll auf dem Wege des Kontokorrentkredites unter hypothekarischer Sicherheit auf genommen werden. Die Höhe der bewilligten Summe wird auf etwa 100 000 Mk. geschätzt. WSR. D a d - Ä a n h e i m, 14. März. Der hiesigen Kriminalpolizei ist ein guter Fang gelungen. Cs gelang ihr vor einigen Tagen, in einem hiesigen Hotel die Verkäuferin Klara Heerdt aus Barmen festzunehmen, die hier und in mehreren anderen Städten unter den hochtönenden Rainen Frau von Westhofen, Frau von Heerdt, Frau Dr. Grimm usw. Betrügereien größeren Stils ausgeführt hat und dieserhalb von einer Anzahl Staatsanwaltschaften wegen Betrugs im Rückfälle steckbrieflich gesucht wurde. Ihre Spezialität waren Hotelbetrügereien; sie logierte sich in Sonnenfkcten und kosmisches Eis Von Sofef Brandenburg. 1. Seit Oktober v. 3. ist eine neue Flek- kentä tigkett der Sonne zu beobachten, die in der zweiten Hälfte des Januars besonders stark geworden ist; wie groß die Störung auf der Sonne ist, mag man daraus ersehen, daß in der Längsrichtung der großen Fleckengruppe etwa zehn Erdkugeln Platz finden könnten. 2. Westaustralien wurde Ende Januar von einem verheerend en Sturm heimgesucht, der ungeheuren Schaden anrichtete. Die Häuser wurden buchstäblich zusammengequetscht. Auch in Südwales raste ein Sturm, der die Dächer abhob. Gelehrte führen diese ungewöhnlichen Stürme auf das Auftreten von Sonnenflecken zurück, denen man auch in Nordamerika die starke Kältewelle zuschreibt; voraussichtlich werden diese atmosphärischen Störungen noch mehrere Monate andauern. 3. Am 26. 3amiar, abends zwischen 7 und 8 Hhr, wurde an zahlreichen Stellen Norwegens ein ungewöhnlich prachtvolles Rord licht beobachtet, das sich in einer Höhe von 800 Kilometer über der Erde befand; die Stärke des Rordlichts wird auf die zunehmenden Sonnenflecken zurückgeführt. 4. Das Ilkra tey.