Dienstag, 14- September 1926 176. Jahrgang Kr. 215 Erstes Statt Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse? 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnache richten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°/„ mehr. Chefredakteur: §r. Friedr. Will). Lange, erantwortliä) für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An- zeigenteil i.Dertr. H.Beck, sämtlich in Gießen. GietzenerAnzeiger Generat-Anzeiger für Oberhessen vntck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7. Am Vorabend der Feldmanöver der 5. Division. Don unserem militärpolitischen K.-Sonderbericht erstatter. Transport über Transport strebte am Samstag den 11. Sept., von (Horben, und Süden dem Manövergebiet zu. Sn den geschlossenen Wagen fröhlich singende oder von dem nächtlichen Marsch zur Dahn oder von der langen Fahrt m der Hitze ermüdete Soldaten, auf den offenen Rungenwagen Geschütze. M.G.-Wagen, Minenwerfer und Gesechtsfahrzeuge. Beiderseits der Bahn staunende Äugen über diesen ungewohnten 2inblta, da und dort Winken, Hurra aus Kindermund. Aus Bahnhöfen, wo die Transportzuge ^halten zur Einnahme der Verpflegung und zum füttern und Tränken der Pferde, herrscht bald scohes Treiben: die Musik wird von Soldaten, Dahn- beamten und Reifenden umringt und laßt ihre frohen Weisen erklingen. Geht es weiter, freundliches Winken, Grüßen und — wie gerne wäre mancher mitgesahren, den militärisches Leben und Manoverfreuden noch locken. 5>ie Ausladungen auf den kleinen Endstationen verlangen Llmsrcht und Tatkraft von Bahnpersonal und gruppe. Rasch sind die beweglichen Rampen beigeschasst, Wagen für Wagen wird von kleinen Ausladekommandos entladen, nachdem die Mannschaft selbst in größter Ordnung lautlos die Wagen verlassen und abseits der Straße un Schatten ihre Gewehre zusammengesetzt, das Gepäck mit dem Stahlhelm niedergelegt hat. Für ein altes Soldatenherz ist es dabei eine besondere Freude zu sehen, wie jedes Koppelschloß nach vorne zeigt und die Stirnseite des Stahlhelms in der Marschrichtung und wie sauber ausgerichtet die Gewehrpyramiden dastehen. Welcher Srrtum, diefePein- lichkeit im Kleinen als schikanöse Kleinlichkeit zu bezeichnen; sie ist in Wirklichkeit für den inneren Wert einer Truppe und ein vorzügliches Erziehungsmittel. Wer seinen Anzug und seine Ausrüstilng stets in Ordnung hält, wer immer auf gute äußere Formen sieht, der hat auch Ordnung in seinen Gedanken, der hat sich selbst im Zaum und versteht alle menschlichen Schwachen und Fehler, Müdigkeit, Trägheit und -Unlust bei sich selbst zu bändigen. Die Masse der Mannschaften ist weggetreten und schläft unter Bäumen, schwer von lachenden Früchten; da und dort fingt eine Gruppe eines der alten "andsknechts- und Soldatenlieder, die ja nur durch das Heer unserem Volke noch erhalten werden. Die Musik spielt den Hohenfriedberger und versammelt die wenigen Einwohner um sich, die am Sarnstag- morgen oder -mittag nichts zu tun haben: grauen, Mädchen und die Jugend, für die heute ein Tag ist, der nicht so bald aus ihrem Gedächtnis schwindet. Jetzt treffen die vorausgesandten Quartiermacher, eine kleine Kolonne zu Rade, ein, erstatten dem Truppenführer ihre Meldung und rasch hat sich s hcrilmgesprochen, daß die Quartiere nicht schlecht sind. Die Manöverleitung hat ihre Absicht, vor Beginn der anstrengenden Hebungen jedem Mann und Pferd noch einmal eine gute Unterkunft zu gewähren, dank dem Entgegenkommen der bürgerlichen Behörden und der Bevölkerung überall durchführen können. Die Frauen und Mädchen putzen schon den ganzen Vormittag, richten das Essen für ihre Einquartierung und backen Kuchen, während die Männer den herrlichen Herbsttag noch nützen, um das Oemd hereinzubringen und die abgeernteten Felder umzupflügen. Man spürt's, hier gilt das Wort aus Schillers „Wallenstein" nicht von den Soldaten: „Sie find gefürchtete Gäste"; wohin man kommt, hört man die Truppen loben, und man sieht mit wirklicher Freude, wie viele Soldaten ihren Quartiergebern Helsen, wo es gilt zuzufassen. Auch grüßt der junge Soldat willig und freundlich den älteren Bauer, die fleißige Hausfrau. Rings im Hohenloher Lande erklingt an diesem Nachmittage frohe Marschmusik der einrückenden Truppen, und wie der Abend sich herniedersenkt, haben in den meisten Städtchen und Dörfern Truppen und Bevölkerung sich schon recht angefreunbet. Eine Kraftwagenfahrt in den strahlenden Herbst-Sonntagmorgen hinein ist eine rechte Sonntagsfreude. Wir beginnen am rechten Flügel der . roten Partei beim 2. Bataillon J.-R. 15. Den wortgewandten Thüringen! gefällt es gar wohl bei den lebhaften Franken in H o l l e n b a ch und Rot. Dann sehen wir beim Wiirtt. J.-R. 13 in der Gegend um Barten stein reges militärisches Leben. Bei einer Kompagnie der Stuttgarter Grenadiere ist um 9 Uhr Appell, bei dem die Kriegslage für den 13. September noch einmal durchgesprochen wird, bei einer anderen Kompagnie, die weit auf die für diese Gegend typischen Einzelweiler auseinander^ gezogen ist, wird zugweise Gewehrappell abgehalten. In einem benachbarten Pfarrdorf beteiligt sich eine Kompagnie des Schützenbataillons aus Ludwigsburg geschlossen mit Musik am Gottesdienst. Anderswo sieht man fröhliche Gruppen von Soldaten und Zivilisten beieinander stehen. Im Städtchen B arte n ft c i n selbst mit seinen alten Toren und; rauschenden Brunnen vermag der Platz vor dem malerischen Schlosse die Menge der Hörer kaum zu fassen, die der Obermufitmeifter Müller mit einem auserlesenen Programm angclockt hat. Neben dem Kommandeur des 13. J.-R., Oberst von Greiff, bemerkt man in den Schloßfenstern den Kommandanten von Stuttgart, Oberstleutnant Fischer. Auch der junge Fürst von Hohenlohe-Bartenstein hört vom Schloßbalkon aus zu. Wundervoll halten die hohen Barockmauern die Töne zusammen und verstärken sie. Ungern scheiden wir und fahren durch das tiefeingeschnittene Ettetal mit seinen grünen Hängen dem Jagsttak zu. Bei einer unfreiwilligen Rast werfen wir einen letzten Blick auf Schloß Bartenstein zurück, das mächtig und beherrschend auf einem gewaltigen Bergvorsprunge über dem Tal thront. Feierliche Orgeltöne klingen herab, ab und zu unterbrochen durch kurze Liederstrophen der in der Schloßkirche versammelten Gemeinde. Dazu rauschen die Linden in dem Sturm, der sich plötzlich erhob und schwarze Wolken daherjagt, bange Sorge in uns erweckend um das Manöverwetter. Bald haben wir Mulfingen an der Jagst erreicht, das mit einen beiden Kirchen und dem gegenliegenden Städtchen Jag st berg etwas von den unwiderstehlichen Reizen der hohenlohischen Kleinstädte und Residenzen besitzt. Wir begegnen immer noch Teilen des 13. J.-R. In 150 Meter Höhe überragen beider- eits die Talwände den vielverschlungenen Fluß. Während auf den Hochflächen stattliche Bauernhäuser vorherrschen,ErdgeschoßundStallung ganz aus Sandstein, das Obergeschoß mit hübschem Balkenwerk, überwiegen in den Tälern einfache, eng aneinander gebaute Häuser. Oben auf den lehmbedeckten Hochflächen fruchtbarer Ackerboden, in den Tälern magere Wiesen und steile Weinberge. Auf der Hochfläche wird die Landwirtschaft mit den modernsten Maschinen und nach rationellen Grundätzen betrieben, gefördert von dem unermüdlichen Fleiß, der den Franken auszeichnet. Am Samstagabend wird hier noch bis in die späte Nacht gearbeitet. Wir begegneten gestern kurz vor Einbruch der Dämmerung noch vielen Leiterwagen, die Ohmd hereinholten, das in der Nacht abgeladen wurde. Wir fahren noch kurz das Sagfttal hinauf, über Buchenbach mit seiner uralten Kirche nach dem durch Sttich-Chapells Zeichnung bekannt gewordenen Llnter-Regenbach zu Füßen des Langenburger Schlosses. Unter der uralten Dorflinde ist heute wieder, wie einst bei feierlichen Gerichtssitzungen, das halbe Dorf versammelt, um den badischen Kanonieren aus Ulm bei der Bekanntgabe der Parole zuzuhören. Die ersten Regentropfen fallen, als wir dem behaglichen wohlgeschüht unter den hohen Tal- Wänden am Kocher liegenden Künzelsau, dem Mittelpunkt des militärischen Lebens der nächsten Tage zustreben. Dort ist der, Divisionskommandeur, Generalleutnant Hasse, mit feinem Stabe abgestiegen; auch Oberst von Stülp nagel, der Snf.° Führer 5 aus Stuttgart, hat aiä Führer der roten Partei am 13. 9. fein Stabsquartier dort aufgeschlagen. Immer wieder kommen Kraftwagen mit Offizieren angefahren, Kraftradfahrer sausen mit Meldungen und Befehlen hin und her. Man sieht staunend den gewaltigen Apparat an Melde- und Derbindungsmitteln, der heutzutage für ein Heer unentbehrlich ist. Dabei ist unserer Reichswehr das modernste Derbindungsmittel, das Flugzeug, versagt, das den Generalstabsoffizier der Division im kurzen Fluge zur Gruppe oder zum A. Lp K. führt oder über das Gefechtsfeld zu rascher persönlicher Erkundung trägt. Auch hier versammelt vor dem malerischen Rathaus mit feinem hübschen Treppenvorbau und Brunnen die Musik des Preuh. Snf.-Regts. Rr. 9 alt und jung um sich und es zeigt sich, wie gerne die alten, herrlichen Märsche überall gehört werden; der Zauber der Militärmusik ist eben unvergänglich. Der alte Wartturm schaut von seiner Höhe heute mit besonderem Stolz auf das Städtchen herunter. Wir fahren weiter durch Ingelfingen, das alle Reize hohenlohischer Baukultur in sich vereinigt; die Berliner und Potsdamer Grenadiere versichern uns, daß sie bei dem guten Kocherwein und den gastfreundlichen Württembergern sich recht zu Hause fühlen. Wir verlassen nunmehr den Versammlungsraum der roten Partei, um nach kurzer Fahrt über die Hochfläche nach Krautheim an der Jagst zum Parteiführer Blau, dem Generalmajor Frhr. v. Bvtzheim, zu kommen. Au der weiteren Fahrt durch den Llnterkunftsraum der blauen Partei, die wir des gewissenhaften: Regens halber beschleunigen, begegnen wir zu- zunächst Teilen des Reiter-Regts. 18, dann dem Dcck>ischen Inf.-Regt. 14. Auch bei ihm gilt der letzte Ruhetag vor dem Manöver der nochmaligen Ueberprüfung der Waffen und des Geräts und der Instruktion. Da sieht man in der Hand eines Offiziers den kleinen blauen Bogen mit der Kriegslage, dort wird der Beschlag der Pferde noch einmal nachgesehen; hier probiert em Rachrichtengerätewart die Blinkgeräte seines Bataillons noch einmal durch, ob sie durch die Erschütterung des weiten Bahntransportes nicht gelitten haben; überall steht die interessierte Jugend drum herum. Sind uns in einem Dor badische Kokarden und badische Laute begegnet, so sind's im nächsten die hessischen Kompagnien des Inf.-Regt s. 15. -Ueberalt dieselbe Ordnung, überall Straffheit im Gruß gegenüber den Vorgesetzten, zuvorkommendes, freundliches Betragen gegenüber den Einwohnern und klare, willige Antworten auf unsere militärisch b^)eutungslosen Fragen. Man nimmt es fast schon als selbstverständlich hin, daß hier auf so kleinem Raum Angehörige der verschiedensten deutschen Stämme, nach ganz einheitlichen Grundsätzen erzogen und ausgebildet in einem Geist zusammenarbeiten. Aber wo sonst ist im deutschen Vaterlande diese Einmütigkeit, diese selbstverständliche Zusammenarbeit, dieser gemeinsame Marsch nach einem Ziel ohne Sonderwünsche und landsmannschaftliche Gegensätze anzutreffen als beim Heer? Die Reichswehr ist in der Tat die lebendige Verkörperung der deut- chen Einheit geworden, sie ist nach einem Worte des Reichswehrministers, die eiserne Klammer, die uns zusammenhält. Welch ungeheurer geschichtlicher Fortschritt in dieser Tatsache liegt, vermag nur zu ermessen, wer die früheren langwierigen, bis zu einem gewifsen Grade ergebnislosen Kämpfe eines Bismarck um die Einheitlichkeit des deutschen Heeres kennt. Man fühlt es wohl, daß in der Reichswehr eine Zeit auf« teigt, die in wunderbarer Harmonie die heiligen Güter der Vergangenheit mit den Erfordernissen der Gegenwart und Zukunft zu vereinen sucht. Und wenn man hierzulande mit der Bevölkerung spricht, so fühlt man weiter, daß diese jahrelang etwas entbehrt hat, wonach jedem rechten Deutschen das Verlangen im Blute sitzt: militärische Zucht und Ordnung, militärisches Selbstbewuhtsein und militärische Tatensreude, alte Soldaten- und Volkstuge niden, wie sie in unserem heutigen Reichsheer offenbar vorhanden und trotz aller Rot und Krankheit des Zeitgeistes und aller militärischen Gebundenheit nicht auszurotten ist. Es scheint, als sei der Wahlspruch des Reichsheeres Goethes trotziges Wort: Feiger Gedanken Bängliches Schwanken, Weibisches Zagen, Aengstliches Klagen Wendet kein Elend, Macht dich nicht frei, Allen Gewalten Zum Trotz sich erhalten, Rimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen, Rufet die Arme Der Götter herbei! Die Volksabstimmung in Spanien. Der Diktator über die künftige politische Entwicklung. Paris, 13. Sept. (TU.) Wie dem „Matin" von der spanischen Grenze gemeldet wird, ist die Volksabstimmung in Spanien bisher ohne ernste Zwischenfälle verlaufen. In Madrid wurden am ersten Tag 22 000 Unterschriften gesammelt. Aus den Rachrichten aus der Provinz geht hervor, daß die Unterschriften auf- den Dörfern zahlreicher find als in den Städten. In Barcelona wurden Personen verhaftet, die zur Stimmenthaltung aufforderten. Sie wurden zu einer Geldstrafe von 500 Peseten verurteilt. Der Klerus hat die Gläubigen aufgefordert, das Manifest Primo de Riveras zu unterzeichnen. Das Resultat der Volks- abftinunung dürfte besonders mit Rücksicht auf die Lage in der spanischen Marokkozono interessieren. Die panische Politik in Marokko ist eines der Themen, das mit der jetzigen Volksabstimmung gleichzeitig zur Stimmabgabe gestellt ist. Die Erklärung Primo de Riveras an das Völkerbundssekretarictt wird allgemein als ein Ultimatum an die Tlnterzeichnermächte von Algeciras erblickt. Spanien werde nicht zwei Jahre lang warten, um die Souveränität über Tanger zu erhalten. Primo de Rivera hat einem Vertreter des Pariser „Journal" erklärt, das von ihm geplante Parlament werde sich aus den Wirtschaftsständen zusammensetzen. Das Parlament werde aus 300 Deputterten bestehen, die für drei Jahre durch die Gewerkschaften und durch die Gewerbeorganisationen gewählt würden. In diesem Parlament würde es auch einige Frauen geben. Alles werde vollkommen demokratisch sein. Der Besitz werde keine besondere Vertretung haben. In den Danken würden die Angestellten frei abstimmen können. Es werde sich nicht um eine einfache beratende Versammlung handeln, sondern um eine wirkliche gesetzgebende Versammlung, deren Zustimmung für das Zustandekommen der Gesetze notwendig fei. Die Versammlung werde an drei Tagen dev Woche zusammentreten. In den Sitzungen werde volle Redefreiheit herrschen. Die Zensur würde nur insofern einschreiten, als aus den Sitzungsberichten Sähe gestrichen würden, die man für gefährlich halten könne, wenn sie im Lande oder im Auslande verbreitet würden. Aber die Deputierten würden volle Freiheit genießen. Das neue Parlament würde sich nach keiner der bestehenden Formen richten. Es entspringe vollkommen seiner eigenen Erfindung. Man beschuldige Spanien ost, daß es veraltet und rückschrittlich sei. Man werde sehen, wie es sich auf einen vollk ommen modernen Weg begäbe. Primo de Rivera fügte hinzu, er glaube, daß das Experiment allgemein interessieren werde. Er hoffe leidenschaftlich, daß sich in den Debatten Männer von Wert zeigen würden, denen er allzu gerne die Regierung übergeben würde. Denn er sei nicht zu seinem Vergnügen Diktator. Auch der Korrespondent des „Deck. Tagebl." hatte in Madrid mit Primo de Rivera eine llntejrebung, in der der Diktator u. a. erklärte: „Die Auflehnung bet Artilleristen ist im Auslände maßlos überschätzt worben. Die Schuldigen wird die ganze Härte des Gesetzes treffen. Wenn sie auch wohl der Tragweite ihres Schrittes sich nicht voll bewußt gewesen sind, die Sicherheit des Staates erfordert, daß diesmal nicht Gnade vor Recht ergeht. Wie ich mir die weitere Gestaltung der Dinge in Spanien denke? Ich brauche nur auf die Kundgebung hinzuweisen, die ich bei meinem Regierungsantritt vor drei Jahren erließ. Drei Jahre sind keine lange Zeit. Cs war ein Aus- Znahrnezustand und es muß Ordnung geschaffen werden. Mein Werk ist nicht vollendet." Auf die Frage des Korrespondenten, ob Spanien nur zeitweilig am Völkerbund desinteressiert "ei, erklärte Primo de Rivera: „Heute läßt sich das noch nicht sagen. Wir müssen die weitere Entwicklung abwarten. Aber ich möchte klar zum Ausdruck bringen, daß Spanien über Deutschlands Aufnahme in Genf lebhafte Genugtuung empfindet, und sie als einen wichtigen Schritt auf dem Wege der Befestigung des europäischen Friedens ansieht. Unsere freundschaftlichen Beziehungen zum deutschen Volk werden durch die Genfer Vorgänge sicherlich nicht getrübt werden. Wir wünschen ganz besonders eine weitere Ausgestaltung des Handelsverkehrs zwischen den beiden Ländern. Das Urteil des Kriegsgerichts Paris, 14. Sept. (WTD. Funkspruch.) Rach einer Meldung des „Journal" aus Madrid hat im Verlaufe des gestern in Segovia tagenden Schiedsgerichtes der Regierungskommissar gegen den Direktor der dortigen Artillerieschule die Todesstrafe und gegen die 45 Lehrer lebenslängliche Haft beantragt. Das Urteil wird erst bekanntgegeben, nachdem es dem Obersten Kriegs- und Marinerat zur Billigung unterbreitet worden ist. Eine Niederlage der Spanier in Marokko. Paris, 13.Sept. Aus guter Quelle wirb berichtet, daß die Spanier mit den Rifleuten auf Dem größten Teil ihrer Front wieder irn Kampfe stehen. Der französische Luftdienst meldet, daß seit dem 11. September der spanische Major Capaz und der Kaid Abdelwaret von starken Rifabteilungen im Gebiete der Beni Khaled umzingelt worden seien. Zahlreiche Abteilungen des Stammes Ktama und verschiedener anderer Rifstämme schienen sich in diese Gegend zu begeben, um die Ktmes, die die Spanier bekämpften, zu unterstützen. In der Nachricht heißt es weiter, Tschechauen sei bereits wieder vor dem Druck der Rifleute geräumt worden. Diese Lage zwinge das französische Kommando, an der Nordfront starke Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Erklärungen Briands. Berlin, 14. Sept. (Wolff.) Der französische Minister des Aeußern B r i a n d gab dem Berichterstatter einer Berliner sozialdemokratischen Korrespondenz eine schriftliche Erklärung, in der es u. a. heißt: „Ich mache keinen hehl daraus, bah im Laufe ber Besprechungen, die ich mit Herrn Stresemann hier zu haben gedenke, wir Mittel und Wege prüfen werben, bie am geeignetsten sinb, um eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Frankreich unb Deutschland im Geiste der Verträge von Locarno zu ermöglichen. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß wir die Fragen behandeln werden, die bie Rheinlandbesehung unb die noch nicht beendete Durchführung der Enlwaffnungsklausel des Friedensvertrages betreffen, wir haben sicherlich alle den Wunsch, der Tätigkeit ber Kontrollkommission in Deutschland so rasch wie möglich ein Ende zu bereiten. Aber das Datum ifjrer Abberufung hängt von dem Augenblicke ab, in dem die verschiedenen Punkte, die den Gegenstand ber Abmachungen vom 16. November 1925 bilben, burchgef ührt sein werben. Ich zweifle nicht baran, bah, wenn man aus beiben Seiten in loyaler weise guten willen zeigt, bas erwünschte Ergebnis nicht auf sich warten lassen wird." Zum Schluß erklärte Brianb: „Die deutsch-französische Annäherung ist die unerläßliche Vorbedingung für Frieden in Europa und in der ganzen Welt." Genfer Journalisten erklärte Brianb, er wurde mit Dr. Stresemann wenigstens noch einmal zusammen kommen, um über die Mittel zur Durchführung ber Abkommen von Locarno sich zu oerffänbigen. Diese Abkommen seien auf Verträge basiert, bie Durchführung eines Vertrages aber fei schwierig für zwei Länber, die durch unaufhörliche Polemik gegeneinander aufgebracht würden. Mühten nicht aber Locarno unb ber Eintritt Deutschlanbs in den Völkerbund die Lage vereinfachen und die Anwendung der Verträge erleichtern? Die Neubesetzung der nichtständigen Ratssitze. Gens. 13. Sept. (Schweizerische Depeschenagentur.) Die Reuwahlen für die nichtständigen Ratssihe werden- voraussichtlich am Donnerstag stattfinden. Südamerika wird drei Sitze erhalten, und zwar die Staaten Chile. Columbien und Uruguay. Fünf Sitze wird Europa erhalten, und zwar Holland den erledigten Sih Schwedens. Rumänien den der Tschechoslowakei. Außerdem werden Belgien und Polen je einen Sih erhalten. Heber den fünften Sih steht die Entscheidung noch aus. E'.n weiterer Sitz ist für China vorgesehen. Abrüstungssragen in Genf. Genf, 13. Sept. (WB.) Der Abrüstungsausschuß der Dölkerbundsoersammlung beschloß einstimmig, der Vollversammlung eine Entschließung vorzulegen, durch die für den Fall, daß die internationale Abrüstungskonferenz nicht vor der nächsten Vollversammlung Zustandekommen sollte, die Einberufung einerbesonderen Konferenz zur Ausarbeitung einer internationalen Konvention zum Zweck der Kontrolle der privaten Waffenherstellung in Erwägung gezogen werden soll. Die Türkei und der Völkerbund Genf, 13. Sept. CSU.) Wie bekannt wird, hat Ende der Woche eine Besprechung zwischen dem türkischen Gesandten in Bern und dem Mitglied der französischen Delegation L o u-- ch e u r, stattgefunden, in der Loucheur den Wunsch der französischen Regierung betonte, die Türkei innerhalb des Völkerbundes zu sehen. Herr Loucheur glaubte gleichzeitig auch die Gefühle der anderen Staaten in dieser Beziehung der Türkei gegenüber zum Ausdruck bringen zu dürfen. In türkischen Kreisen betrachtete man nach dieser Unterredung den Weg für den Eintritt der Türkei in den Völkerbund für geebnet. Ob allerdings die Regierung von Angora bereits in den nächsten Tagen einen entscheidenden Schritt unternehmen wird, ist zur Stunde noch ungeklärt. Das Attentat auf Mussolini. Einberufung des Parlaments. — Einführung der Todesstrafe. Rom, 14. Sept. (TU.) Am Montag früh empfing Mussolini das Direktorium der faszistischen Partei, das ihm nahelegte, sobald wie möglich das Parlament zur Verabschiedung des im Justiz- Ministerium vorbereiteten Entwurfs über die W i e- dereinführung der Todesstrafe einberufen zu lassen. Kammerpräsident C a s e r t a n o ist am Montag früh nach Rom zurückgekehrt und von Mussolini empfangen worden. Auch T i t t o n i, der Senatspräsident, hat seinen Urlaub unterbrochen und wird am Dienstag in Rom zurückerwartet. Das neue Gesetz soll nicht nur alle Attentatsversuche gegen den König und die Minister bestrafen, sondern auch die Verschwörung gegen den faszistischen Staat unter Todes st rase stellen. Der Generaldirektor der italienischen Polizei und der Polizedirektor in Rom sind ihrer Posten enthoben worden. Eine Reche Anbänger der ertremen Parteien, darunter auch der Anarchistenführer M a l a t e st a , wurde verhaftet. Wie nunmehr von der „Agenzia Stefani" bestätigt wird, hat der Urheber des Attentats auf Mussolini bei der Verhaftung falsche Personalien angegeben. Er heißt in Wirklichket Gino Lucetti und ist 1900 in Aoenza geboren. * In Genf hat der italienische Unterstaatssekretär des Auswärtigen G r a n d i mit B r i a n d die Frage der politischen Flüchtlinge italienischer Nationalität in Paris, die onsifaszistische Propaganda treiben und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern gefährden, besprochen. Briand sicherte gewisse Maßnahmen zu und machte Grandi auf gewisse Treibereien in der Presie aufmerksam, die dazu angetan seien, die guten Beziehungen zwischen den befreundeten und benachbarten Staaten zu trüben. Italien und Deutschland. ®enf, 14. Sept. (Wolff.) Der italienische Unter- ftcatsfefretär des Auswärtigen, Grandi, Italiens zweiter Delegierter am Völkerbund, stattete dem deutschen Außenminister Dr. S t r e s e m a n n einen Besuch ab. Nach Verlassen des Hotels Metropole erklärte Grandi, es sei nach seiner Auffassung jetzt mit den kühlen Beziehungen zwischen den beiden Landern vorbei. Stresemann habe erklärt, weder die Anschlußfrage noch eine andere brauche die Beziehungen beider Länder zu stören, und manche Frage könne von beiden Ländern gemeinsam wirkungsvoll behandelt werden. Die Lage in Griechenland. Eine Intervention der Mächte? — Konflikt zwischen Kondylis nnd dem Präsidenten der Republik. Belgrad, 14. Sept. (TU.) Aach Meldungen aus Athen ist die Lage in Griechenland noch immer ungeklärt. Die Athener Zeitung „Hefpe- rini“ bringt die aufsehenerregende Meldung von einer internationalen diplomatischen Intervention zu Gunsten der Wiedereinsetzung des Königs Georg II. Nach dieser Meldung hätten sich die Regierungen von England, Iugoslavien und Rumänien bereit erklärt, bei dem Kabinett Kondylis Schritte zu unternehmen wegen einer Rückberufung des verbannten Königs auf den Thron. An zuständiger Stelle wird bestritten, daß eine derartige Intervention erfolgt sei. In royalistischen Kreisen erklärt man, daß diese Meldung von den Gegnern des Königtums verbreitet würde, um dieses zu kompromittieren. Trotzdem hält man eine derartige Intervention nicht für unwahrscheinlich. Die mazedonischen Garnisonen sollen starke Feindseligkeit gegen die neue Regierung Kon- vhlis zeigen. Ebenso machen sich auch in anderen Teilen des Landes Bewegungen in der Armee bemerkbar. In Athen wird das Parlament mit Infanterie und Maschinenge- w ehrenbewacht. Einige royalistische Politiker smo wieder freigelassen worden. Admiral Kon - duriotis hat sich geweigert, eine Prollamation gu unterzeichnen, die General Kondylis vorbe- reitet hatte und die die Haltung der Regierung bei Unterdrückung des letzten Aufstandes rechtfertigen sollte. Admiral Konduriotis hat Athen verlassen. Die Lage in China. London, 13. Sept. (Amts. brit. Funkdienst.) Wenn man auch annehmen darf, daß die süd- chinesischen Truppen nunmehr S) anlau beherrschen, so befindet sich doch ein Teil von Hanjang und das Flußufer auf der anderen Seite des Pangtseflusses bei Wutschang noch in der Hand der Truppen Wupeisus Das Beschießen ausländischer Kriegsschiffe und Dampfer ist häufig, hat aber nur geringe Unfälle zur Folge gehabt. Diese Beschießungen sind zum großen Teil auf unverantwortliche Teile der Truppen zurückzuführen, ebenso aus die Abwesenheit der Kontrolle der Behörden. Soweit bekannt ist, haben die ausländischen Kriegsschille auf diese Beschießungen nicht geantwortet. Biele Einwohner der kleinen in der Provinz Tsche- chuan gelegenen ausländischen Kolonien haben sich an Bord der britischen, amerikanischen und japanischen Schiffe begeben und dort Schutz gesucht: dagegen haben einige britische Missionsstationen erklärt, unter allen Umständen im Lande verbleiben zu wollen. Von Tschunking, wo sich eine britische Kolonie mit einigen hundert Einwohnern befindet, liegen beruhigende Rachrichten vor. Die ausländischen Konzessionen in Hankau werden ebenfalls als nicht gefährdet betrachtet. Wie ferner amtlich mitgeteilt wird, hat die Beschießung ausländischer Schiffe in Hankau durch die Kantontruppen nachgelassen. Die Sage der Kanton-Armee hat sich durch die Kriegserklärung des Generals Suntschuanfang verschlechtert, da ihre Verbindungswege nach Süden von dem neuen Gegner ernstlich bedroht werden. Inzwischen haben sich Möglichkeiten ergeben, den Streit über die Wegnahme der zwei englischen Dampfer durch einen Unterführer Wupeisus auf dem Verhandlungswege beizulegen. Der General hat sich zur Herausgabe der Schiffe bereiterklärt. Der Reichsfinanzmmister in Darmstadt. Ein Reichsdarlehen für Hessen. D a r m st a d l, 13. September. (Eigener Bericht. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold traf heule zu einem Besuche des Finanzministers Henrich hier ein. Es fand eine Besprechung im Allen Palais stall, die sich, wie verlaulet, hauptsächlich umR ü ck- erstatlung der Summe handelt, die Hessen durch die Aenderung des Verteilungsschlüssels der Ueberweisungen des Reichs an die Länder, weniger erhalten Hal, sowie um gewisse Entschädigungen Hessens für den Sleueraussall im befehlen Gebiet. Es soll eine Kommission ernannt werden, die die gesamte hessische Finanzwirtschaft einer Prüfung unterzieht. Die von Hessen benötigten Summen sollen von der Reichsregierung als Darlehen gewährt werden. 3m Anschluß an die Besprechung fand ein Essen statt im Hotel „Zur Traube", in dessen Verlaus Reichsfinanzminister Dr. Reinhold ein f)od; auf Hessen ausbrachte und in seiner Rede erwähnte, daß in Darmstadt das Elternhaus seiner Frau stehe. Nachmittags besuchten Reichsfinanzminisler Dr. Reinhold und die Mitglieder der hessischen Regierung Main; und besichtigten den Mainzer Dom. Der Reichsfinanzminister betonte bei dieser Gelegenheit wiederum, daß die Reichsregierung bereit sei, Mittel zur Erhaltung des Domes bereitzustellen. — Dr. Reinhold begibt sich im Anschluß an seine heutige Darmstadter Reise direkt in Urlaub. Er fährt zunächst nach Spanien. Seine Rückkehr wird für Mitte Oktober erwartet. Des NeichspräsidenlenRückkehr nach Berlin. Dietramszell, 13. Sept. (Wolff.) Die bereinigten Gemeinden Dierramszell und S ch ö n e g g ernannten gestern vormittag in feierlicher Weise Reichspräsident v. Hindenburg zum Ehrenbürger. Die Vereine der beiden Ortschaften nahmen im Schloßhof von Dietramszell Aufstellung. Die Bürgermeister, in deren Begleitung sich eine Abordnung befand, überreichten dem Reichspräsidenten die Ehrenbürgerurkunde und ^gleich ein Gemälde von dem Kunstmaler Geistler, welches Schloß Dietramszell in der Herbstlandschaft darstellt. Der Reichspräsident zeigte sich sehr erfreut über die Aufmerksamkeit und sagte, er hoffe im nächsten Jahre wiederkommen zu können. Der Reichspräsident ist dann nach München abgereift, wo auf feinen Wunsch ein offizieller Empfang nicht stattfand. Bei der Einfahrt des Zuges wurde der Reichspräsident mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Der Reichspräsident, der mehrere Male am Fenster sich zeigte, und für die Begrüßung dankte, verblieb in seinem Salonwagen. Der Reichspräsident zog die erschienen Herren, sowie eine Abordnung der 1901—1903 von ihm geführten 23. Brigade in ein längeres Gespräch. Bei der Abfahrt grüßten erneut wiederholte Hochrufe den scheidenden Reichspräsidenten, der heute abend wieder in Berlin eingetroffen ist. Keine Einigung Zwischen den Beamtenorganisalionen. Berlin, 13. Sept. (WB.) De Einigungsverhandlungen zwischen dem Deutschen Deamten- bund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund wurden heute fortgesetzt. In der Frage der sogenannten gemischten Verbände standen sich zwei unvereinbare Auffassungen gegenüber. Während der Deutsche Beamtenbuno den Grundsatz der reinen B e a m t e n - Organisation vertrat, verlangte der Allgemeine Deutsche Deamtenbund die Anerkennung der gemischten Verbände als gleichberechtigte Organisationsform. Der Deutsche Beamtenbund war bereit, für eine gewisse Übergangszeit Zugeständnisse zu machen. Da eine Einigung nicht erzielt werden konnte, wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Kunst und Wissenschaft Die Macburger 3ubiläumsspende. Der Ausschuß für die Iubiläumsgabe zur 400-Iahrseier der Philippuniversität im Juli 1927 und der Universitätsbund Marburg erlassen einen neuerlichen Aufruf, in dem mitgeteilt wird, daß trotz der großzügigen Unterstützung, die der Ausschuß von allen Seiten erfahren habe, die Mittel für den geplanten Iubiläumsbau noch nicht voll ständig gesichert seien. Damit der Bau rechtzeitig zum Iubiläumstage fertig- gestellt werden könne, sei trotzdem am 9. Mai die Grundsteinlegung gewagt worden. Das begonnene Werk dürfe sich aber am Iubiläumstage den Freunden und Gönnern der Universität nicht als Torso, sondern als fertiges Ganzes barbieten Don den mindestens eine Million Mark betragenden Baukosten fehlten noch etwa 130 000 Mark jur Fertigstellung des Baues. Auch Spenden in Gestalt von Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen feien hoch willkommen. Der Vorsitz des Deutschen Aeczkevereinsbundes. Der langjährige Vorsitzende des Deutschen Aerztevereinsbundes, Geheimer Sanilätsrat Dr ®1 d p e. Leipzig, hat den Vorsitz int Bunde mit sicht auf sein Alter niedergelegt An seiner Stelle wurde vorn Geschäftsausschuß des Deutschen Aerztevereinsbundes in Düsseldorf der bisherige stellvertretende Vorsitzende Sanitätsrat Dr. Dr. h. c. Stander, Nürnberg, gewählt. Aus aller Welt. Generalversammlung der deutschen Lokomotivführer. Am Montag hat in Dortmund die vierte ordentliche Generalversammlung der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer begonnen. Die Gewerkschaft umfaßt über 70 00 Angehörige des Zugförde- rungsdienftes der Eisenbahnen Deutschlands, die 200 Delegierte aus allen Teilen des Reiches entsandt haben, um gemeinsam mit der Leitung der Organisation über Berufs-, Rechts- und Wirtschaftsfragen der deutschen Lokomotivführer und -anwärter zu beraten. Einer der brennendsten Punkte des Tagungsprogramms ist die Stellungnahme zur „Einmann- befetzung" der Lokomotiven, in deren allgemeinen Einführung die deutsche Lokomotivführerschaft die größte Gefährdung der Betriebssicherheit sieht. Ferner wird zu den Dienstdauervorschriften und zu der durch die Einführung des Gesellschastscharakters der Reichsbahn stark erschütternde Recytslage des Berufsbeamtentums Stellung genommen werden. Die Tagung wird bis zum 18. September dauern. Deutscher Architekten- und Jngeuieur- tag. Der 51. Deutsche Architekten- und Ingenieur- tog in Dresden, der in der Abgeordnetenversammlung je eine 90prozentige Beteiligung aller Abgeordneten der akademisch gebildeten Techniker Deutschlands aufweifen konnte, hat eine Entschließung gefaßt, in der es u. a? heißt: „Der Architekten- und Ingenieurtag tritt dafür ein, daß nunmehr beschleunigt die Begründung eines Reichsmini st eriums für Verkehr und Technik unter Zusammenfassung aller dem Reiche zustehenden technischen Arbeitsgebiete durchgeführt wirb. Er tritt weiter für die Zusammenfassung der noch heute zersplitterten technischen Arbeitsgebiete unter technischer Leitung ein. — Die Entscheidung über dos Reichsehremnal darf nicht nach politischen und einseitigen Gesichtspunkten getroffen werden. Vor der Sntscheiäma müssen die berufenen Vertretungen der Kunst und Technik Gelegenheit zur Stellungnahme und zu Vorschlägen erhalten. Der Verband beauftragt seinen Vorstand, alsbald die Einsetzung eines Ausschusses aus allen berufenen Kreisen zu fordern. Der Verbandsvorstand wurde ferner beauftragt, Schritte gegen die Auswüchse in den Amtsbezeichnungen zu unternehmen. 30. Generalversammlung des Evangelischen Bnndes. Als Einleitung für die 30. Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Dresden fand ein B-egrüßungsabend im Gewerbehaus statt, bei der Oberfonfifforialrat Superintendent Dr. Dr. Kölsch die erste Begrüßungsansprache hielt, an deren Schluß er mitfeilte, daß die gesammelte Sachsenspende als Geburtstagsgeschenk für den Evangelischen Bund 12 000 Mark betrage. Der Präsident des sächsischen evangelisch-lutherischen Landeskonsistoriums Dr. Dr. Böhme begrüßte den Evangelischen Bund im (Hamen des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes und des Landes- konsistoriums. Die Segenswünsche des Kirchenrates zu Berlin übermittelte Oberfonfiftorialrat Dr. T. Lang-Berlin. Er dankte dem Evangelischen Bund dafür, daß er unverdrossen für die evcmgelische Sache streite. Im (Hamen der evangelischen Einwohnerschaft Dresdens begrüßte Oberbürgermeister Dr. Blüh er den Bund. Als kirchlicher Laie wünschte er, daß der Bund die große und schwierige Arbeit, die die Trennung der Kirche vom Staate zeige, lösen und lebendige Kräfte entfalten möge, die Schwierigkeiten zu überwinden. Professor Dr. Herrmann begrüßte den Bund im ‘Hamen der evangelischen theologischen Fakultäten der deutschen Universitäten. Die Professoren und Studenten seien besonders auf die Arbeit des Evangelischen Bundes angewiesen. H. v. Wyngaärden sprach über die protestantische Bewegung in Holland, die einen gewaltigen Aufschwung genommen habe. 2lur durch Einigkeit könne der Protestantismus die Welt erobern. Bundestag der Elsaß-Lothringer im Reich. In Karlsruhe wurden die Verhandlungen des 7. Vertretertages des Hilfsbundes für die Elsaß-Lothringer im Reiche eröffnet. Es find runb 100 Ortsgruppen vertreten. Ramens der badischen Regierung begrüßte Innenminister Remmele die Versammlung. Für die Reichsregierung sprach Ministerialrat Dr. Kneip , wobei er das lebhafte Interesse des Reichsministeriums des Innern an den Zielen und Bestrebungen des Hilfsbundes befunbete. Darauf übermittele Oberregierungsrat Löffler die Grüße des Reichsentschädigungsamtes und betonte, daß die Rachentschäd igungsaktion beinahe zu Ende geführt sei. Das Aeichsentschädi- gungsamt habe nicht kleinlich gedacht, sondern in der letzten Zeit Mittel angeforbert, die beti Reichstag auch bereitwillig zur Verfügung gestellt have. Der Redner erhofft auch für die Zukunft das enge Zusammenarbeiten zwischen Behörden und Organisation. Der Vorsitzende des Bundes, Dr. Donnevert, erstattete Bericht über das letzte Geschäftsjahr, und dementiert« gegen dir Geschäftsführung erhobene Vorwürfe. Die Zahl der Mitglieder beträgt runb 20 000. Ueber die Cnfschädigungsfrage referierte bann Pur der, ber bedauerte, daß man in der Gnt- r|Qun9^.rage noch nicht weiter gekommen sei. Er schloß mit dem Wunsche, daß die Reichsregie- rung endlich in dieser Frage Hand antegen Jolle, damit der darbenden Bevölkerung geholfen werden könne. Im badischen Kunstverein sand bann die feierliche Eröffnung der vorn Wissenschaftlichen Institut ber Elsaß-Lothringer im Reich an ber Universität Frankfurt a. M. im Verein mit Sammlungen des Dablschen Kunstvereins und einigen Privatsammlungen veranstalteten Ausstellung elsässischer Graphik ftejtoertretenbe Direktor der Badischen Kunsthalle, Dr. Curjel, hielt dabei «inen Vor- tcr?9 über die gegenseitige Befruchtung der mittelalterlichen Kunst in dem durch die Städte Straß- burg Freiburg und Basel gekennzeichneten pro- buktiven Kulturzentrum. Abends folgte ein Vor- Msicnschaftlichen Instituts ber Elsaß-Lothringer im Reiche an der Uniberfi- Frankfurt a. M.. Geh. Regierungsrat Prof, ^r. Wolfram i-ber „Die kulturellen Wechsel- ringen“"9™ ‘d)cn Vaden und Elsaß-Loth- Wiener Tagung des Vereins für Kommunalwirtschaft. Die Tagung des Vereins für Kommunalwirtschaft, Sitz Berlin, an der außer Kommunalpolitikern Deutschlands, Oesterreichs, der Tschechoslowakei und Ungarns auch Reichsinnenminister Dr. Külz und Ministerialrat Keudell teilnehmen, wurde von Oberbürgermeister Dr. Lücken (Kiel) mit einer Ansprache eröffnet, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß diese Tagung dazu dienen möge, neue freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen und die bereits vorhandenen zu stärken. Sodann sprachen eine Reihe auswärtiger Vertreter, worauf nach der Erstattung des Tättgkeitsberichtes durch Generalsekretär Stein (Berlin) der Präsident des Deutschen Städtetages ein Referat über Verwaltungsreform hielt, in dem er betonte, daß die deutsche Derwaltungsreform davon ausgehe, das Verhältnis zwischen Reich, Ländern und Gemeinden so zu gestalten, daß die Erfüllung ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aufgaben den Gemeinden erhalten bliebe. Ueber dasselbe Thema sprach Magistratsbirektor Dr. Hartl (Wien) und als Wer Referent Dr. Rudolfs S-v dg ema nn (Teplih-Schonau) über die Derwaltungsreform in der Tschechoslowakei. Die Typhusepidemie in Hannover. Die Zahl ber Typhuserkrankungen in Hannover Ä ^.gestiegen. Der B. zufolge sind 15 Falle tödlich verlaufen. Eine dem Krankenhause Siloah gegenüber liegende Schule wurde geräumt und zur Krankenaufnahme eingerichtet. Es sollen ca. 300 Betten ausgestellt werden. Alle öffentlichen Badeanstalten in Hannover wurden geschlossen. Die Stadt hat sich an die Universitäten Frankfurt a. M., Kiel und Göttingen gewandt und von dort die Hilfe von Kapazitäten auf dem Gebiete der Infektionskrankheiten erbeten. Auch geprüfte Krankenwärter sollen von außerhalb zur Hilfe herangezogen werden. Die Leiferder Attentäter. Bei der Kriminalpolizei von Crimmitschau in Sachsen meldeten sich zwei Wanderburschen, die ausfagten, W al t e r W e b e r, mit dem sie am 10. August in Helmstedt bekannt geworden seien, hätte ihnen erklärt, daß er spätestens am 23. August in Berlin sein müsse, um dort 30° bis 40 000 Mark ab^uheben. Die Polizei schließt aus diesen Angaben, daß Walter Weber wahrscheinlich schon über eine Woche vor dem Leiferder Attentat Kenntnis von der beabsichtigten ver- brecherischen Tat hatte. Wettervoraussage. Vorwiegend heiter, nachts kühl, tagsüber ansteigende Temperaturen, wechselnde Winde, trocken. Das Hochdruckgebiet, dessen Kern über dem Atlantischen Ozean liegt, hat seine Ausläufer bis nach Mitteleuropa ausgedehnt, so daß sich überall ein Ansteigen des Luftdruckes bemerkbar macht. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,5, Minimum 7,2 Grad CelsiuS. Riederschlage 1,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 11 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptsta-t. Gießen, den 14. September 1926. Der Schaufenster - Wettbewerb. Was man sonst nur selten ober überhaupt kaum sieht, kann man in diesen Tagen recht oft bemerken: Das Publikum wandert sehr sorgsam und mit gespannter Miene von einem Schaufenster zum andern und betrachtet jedes mit großer Gründlichkeit. Der Schaufenster-Wettbewerb hält alle diele Weiblein und Männlein, alle großen und noch nicht ganz großen Kinderchen in Atem, ihre Schau- enfterkontrolle bedeutet die Ausübung des Preis- :ichteramtes, das in diesem Wettbewerb ja dem Volke selber übertragen worden ist. Und nun wird eifrig amtiert, denn die vom Vvkehrsverein ausgesetzten Preise als Lohn für die befähigtesten und eifrigsten Preisrichter sind schon der Mühe wert. Die „Abzuurteilenden", unsere Geschäfte, machen den gestrengen Richtern den Urteilsspruch nicht leicht. Alle Geschäfte haben sich Mühe, viele sogar ehraroße Mühe gegeben, um beim Urteil gut wegzukommen. Ihnen winkt für ihre Taten ja nicht etwa die Ostanlage ober Butzbach, sondern sie ollen durch den Spruch des Volksgerichts geehrt und vom Derkehrsverein mit Diplomen ausgezeichnet werden. Und im Hinblick darauf die An- trengungen bei den Taten, durch die ganz oortreff- liche Wirkungen auf unser Straßenbild ausgelöst wurden. Es soll nicht ber Zweck dieser Zeilen fein, heute schon zu sagen, was unserer Meinung nach als die besten Taten anzusprechen wäre. In ein chwebendes Verfahren des Gerichts, auch dieses Volks-Preisgerichts, soll man nicht eingreifen. Das Publikum als hoher Gerichtshof möge nur ckwn allein urteilen. Wir wollen heute nur in Stoßen Strichen festhalten, was alles getan und an geistiger unb materieller Kraft aufgeboten! woroen ist, um vor den Richtern eine gute Figur nuufjen zu können. Vor allem hat man sich nahezu überall in den Schaufenstern in lobenswerter Weise ber Blumen bedient unb damit einer ber Grundlagen dieser Werbewoche gebührend Rechnung getragen; die Verwendung der Kinder Floras ist in gar mannigfaltiger Art erfolgt. Daneben hat man alle möglichen ® eg en- i ä n b c des täglichen unb auch des nicht alltäglichen Bedarfs, ferner Dinge, die mancher im ganzen Leben nur einmal oder paarmal, ober aber überhaupt nicht in Besitz bekommt, zur Herrichtung des Schaufensterbildes benutzt. Diese Reichhaltigkeit der angewandten Mittel ist begrüßenswert, denn selbstverständlich ist nicht die Besitz- und Gebrauchsmöglichkeit des Gegenstandes für den einzelnen Zeitgenossen maßgebend, sondern allein nur, daß dieser Gegenstand überhaupt im Leben ber Menschheit Raum und Zweck hat. Unb nun der Ausbau bzw. die Anwendung der Mittel. Da sieht man, daß unsere Kaufleute große Erfindungsgabe besitzen unb zum großen Teil auch beachtenswerten Geschmack zu entwickeln verstehen. In Einzelheiten sei aus den oben angeführten Gründen hier nicht eingegangen, in ber Gesamtheit ist aber zu sagen, daß hier gut unb sehr eindrucksvoll gezeigt wirb, daß nicht nur die Großstadt, „ sondern auch die M i 11 e I ft a b t ganz Tüchtiges in der Schausensterauf- machung und mithin auch im Warenlager zu bieten vermag. Das lobenswerte, von ernstem Streben zeugende Gesamtbild mit seinen vielen, ganz verschiedenartigen Einzelerscheinungen sollte jedermann in Stadt und Land, der Sinn für DekorativnSkunst und Warenschönheit besitzt, in Augenschein nehmen. Geh. Rat Erich Opitz f. Wie aus Freiburg gemeldet wird, ist dort am Sonntag im Alter von 55 Jahren der derzeitige Leiter der Freiburger Frauenklinik, Geh. Hofrat Dr. Opitz, gestorben. Opitz war von 1903 ab außerordentlicher Professor in Marburg, von 1912 ab al., ordentlicher Professor in Gießen. Im Jahre 1918 wurde Opitz nach Freiburg berufen. Er erlitt vor einigen Wochen in der Schweiz einen 2üito- Unfall, ohne jedoch erheblichere Verletzungen davonzutragen. Er erkrankte bald daraus an Lungenembolie, der er am Sonntag erlag. Gießener Wochenmarktpreise. Cs kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 35 bis 40, Käse (10 Stück) 60 bis 100, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 12 bis 20, Dohnen (gelbe) 20 bis 25, Änterkohlrahi 6 bis 8, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 40, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 4, Fall- öpfcl 8 bis 10, Frühäpfel 10 bis 25, Dirnen 10 bis 25, Zwetschen 18 bis 25, Mirabellen 25 bis 35, Pfirsiche 25, Brombeeren 50, junge Hahnen 90 biS 100, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Eier 14 bis 15, Blumenkohl 10 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 30, Cinmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 5 bis 50; dos Bund: Radieschen 10 Pfennig. — Dom 15. September beginnt der Wochenmarkt um 8 Ähr und endigt um 2 Ähr. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Dolköhalle: Gartenbau- und Elektrrzitäts-Abstellung: 2 bis 7.30 Ähr nachmittags Besichtigung, 8 Ähr abends: Dortrag mit Lichtbildern des Herrn Obering. Kühnel. — Saalbau Sauer: von 12 Ähr mittags bis 8 Ähr abends Warenausstellung des Konsum-Vereins. — Männer- Dadeverein: 8.30 Ähr bei Rahnefeld Generalversammlung. L. U. Von der Landes Universität Gießen. Die Theologische Fakultät unserer Lan- desunioerfität hat den Professor der Theologie, Präsident William Douglas Mackenzie D. D. L. L. D. in Hartford (Conn.) und den außerordentlichen Professor der Theologie Lic. theol. Dr. phil. Roland Schütz in Kiel ehrenhalber zum Doktor der Theologie promoviert. — Der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule in Dresden, Dr. Walther Fischer wurde mit Wirkung vom 1. Oktober 1926 zum ordentlichen Professor für englische Philologie an der Landesuniversität ernannt. ** Elektrische Backöfen, lieber dieses Thema hält Regierungsbaumeistcr Oelkrug morgen, Mittwoch, vormittag 11 Uhr einen Vortrag in der Volkshalle. (Siehe heutige Anzeige.) " Von der Gartenbau-Ausstellung. Die in unserem gestrigen Bericht erwähnte Gärtnerei Schab (nicht Schad, wie es irrtümlich hieß) befindet sich im Alten Steinbacher Weg und nicht im alten Schisfenberger Weg. ** Vom Gießener Stadttheater. Wie bereits in der gestrigen Ausgabe gemeldet wurde, fällt die für heute angesetzte Ausführung „Das goldene Kalb" aus. ** Das Geschäftsviertel am Marktplatz ist feit Samstag um eine neue Geschäftseinrichtung bereichert worden. Dort Hal in dem Haufe Marktplatz 15 der Mehgerrneifter Ernst S e i b t, der seither schon in der Ederstraße ein Geschäft betreibt, ein zweites Geschäft eröffnet, das durch feine vorteilhaft« Aufmachung und Ladeneinrichtung die starke Aufmerksamkeit der Bevölkerung erregt. Eine Besichtigung der Betriebseinrichtungen zeigte uns, daß das Unternehmen mit allen Mitteln der Neu- zeit ausgezeichnet versehen ist. 0 Die Eisenbahnbrücke in der Klinik st raße ist jetzt wieder für den Verkehr freigegeben. Dte Arbeiten sind beendet, und die Drücke macht mit ihrem neuen Belag einen recht guten Eindruck. Q Der Seltersweg, dessen oberer Teil seither gesperrt war, ist jetzt wieder für den Verkehr frei. Die Straßenbahnschienen find aneinanderge- schweißt und die Einfassung der Schienen mit besonderen Basaltsteinen eingepflastert und eingeteert. Es ist eine Probepflasterung. Hoffentlich Hot man mit dieser Probe etwas Haltbares gefunden. ** Straßensperre. Wegen auszusiihrendcr Walzarbeiten hat das Polizeiamt folgende Straßen bis auf weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt: 1. die Straße am Pfarrgarten und 2. den Schiffen- berget Weg zwischen Licher Straße und Bergstraße. *• Aufgehobene Straßensperren. Die Sperrungen der Frankfurter Straße zwischen Friedrich- und Klinikftraße und des Äulwegs zwischen Liebig- und Wilhelmstraßr sind wieder aufgehoben, da die Strahenbauarbeiten beendet sind. ** 1. HesstschLs Sängerbundesfest. Rur wenige Tage trennen uns vom 1. Hessischen Sängerbundessest in Mainz. Von über 300 Vereinen des Hessenlandes und seiner benachbarten Bezirke sind Anmeldungen ergangen. 3m letzten Augenblick macht sich das Bedürfnis für einen Extrazug am Sonntag früh von Gießen bis Vilbel bemerkbar, der die Teilnehmer um 8,22 Ähr morgens nach Mainz brächte, so daß sie allen Veranstaltungen noch beiwohnen könnten. 120 Meldungen liegen vor. 180 aber sind nötig, damit der Extrazug gefahren wird. Den Vereinen ist deshalb nochmals ein Fragebogen zugegangen. Meldungen von Sangesbrüdern sind daher erwünscht und müßten umgehend erfolgen. Die Teilnehmer können auf Sonntagsfahrkarte fahren und den Sonderzug zurück ab Mainz Sonntag nacht benutzen. " Der Bund der Kolonialfreunde, Bezirk Hessen, hielt am Sonntag hier seine Bezirkstagung ab, auf welcher folgende wichtige Punkte zur Beratung standen: 1. Stand der deutschen Kolonialfrage. 2. Werbearbeit im Winterhalbjahr 1926/27. 3. Reuwahl der Bezirksleitung. In packender Weise entwickelte der erste Vorsitzende des Bezirks, Polizei-Oberleutnant Gotzing er, Darmstadt, den Werdegang der Kolonien und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Deutschland nach seinem soeben vollzogenen Eintritt in den Völkerbund nunmehr auch recht bald seine Kolonien wiedererhalten möge. Die Werbearbeit für das Winterhalbjahr wurde nach einem Vorschläge der hiesigen Ortsgruppe, der Lichtbilder und Filmvorführungen mit erläutern*' den Vorträgen, sowie die Aufführung eines kolonialen Schauspiels vorsieht, angenommen. Dank der guten Vorarbeiten der Ortsgruppe Friedberg werden die Filme recht bald gezeigt werden können. Zu Punkt 3 wurde der Sitz der Bezirksleitung von Darmstadt nach Gießen verlegt. Als Dezirksvorsihenden wählte die Versammlung F. I. M o h r von hier, Rechner wurde E. Schneider, Schriftführer Zirbus. Die erst fünf Monate bestehende hiesige Ortsgruppe hat damit die Führung und den weiteren Aus- I bau der kolonialen Bewegung für ganz Hessen übernommen und hofft unter der tatkräftigen Mitarbeit aller Kolonialfreunde, daß der Ruf nach Wiedererlangung unserer Kolonien nicht ungehört verhallen wird. " Die nächste Prüfung von landwirtschaftlichen Lehrlingen findet An- fang Oktober diese- Jahres vor der Prüfungskommission der Landwirtschaftskammer statt. Die Prüfung hat den Zweck, den landwirtschaftlichen Lehrlingen nach beendeter zweijähriger Lehrzeit die Möglichkeit zu geben, sich einen Befähigungsnachweis für ihre praktischen Kenntnisse zu erwerben. Diejenigen jungen Landwirte, welche an der Prüfung teilnehmen wollen, müssen sich bis spätestens 20. September bei der Landwirtschaftskammer angemeldet haben. Mit der Anmeldung ist gleichzeitig einzusenden: 1. ein kurzgefaßter, selbstgeschriebener Lebenslauf; 2. eine Zustimmungserklärung und das Zeugnis des Lehrhcrrn, sowie das letzte Schulzeugnis; 3. eine Beschreibung der Lehrwirtschaft; 4. der Rach- weis der zweijährigen Praxis; 5. die Prüfungsgebühr in Höhe von 5 Mark. — Die Prüflinge werden von dem Termin und dem Ort der Prüfung schriftlich in Kenntnis gesetzt. Die Bestimmungen für die Lehrlings Prüfung sind bei der Landwirtschaftskammer zu erhalten. Oberhessen. Kreis Alsfeld. »-» Alsfeld, 13. Sept. Am Samstag fand im großen Saale des „Deutschen Hauses" dahier ein Männerchor-Konzert statt, welches von der etwa 100 Mann starken ^ängeroereinigung Lollar unter Mitwirkung der Gesangvereine .Harmonie" und „L i e d e r k r a n z" zu Alsfeld und „Erheiterung" Altenburg veranstaltet wurde. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Lollarer Chor bot dem Alsfelder Publikum ein auserlesenes Programm und zeigte in seinen Vorträgen ein reckt gutes Stimmenmaterial und eine sehr gute Chordisziplin. Die Lieder sanden stürmischen Beifall. Auch die Darbietungen der beiden Alsfelder Gesangvereine und der Altenburger „Erheiterung" zeigten hervorragende Proben ihres Staunens. Besonders der Altenburger Verein errang mit dem Chor „Frühlingslandschaft" von Julius Otto, mit welchem der Verein in Schlitz den ersten Klassenpreis der zweiten Stadtklasse erlangt hatte, stürmischen Beifall. An Stelle des erkrankten Dirigenten des Gesangvereins „Liederkranz" hatte stuck. Zoll (Alsfeld) für den Abend die Leitung des Vereins übernommen. Den musikalischen Teil dos Abends bestritt das Salon- orchefter Ltznkcr von Lollar, das die Lollarer Sänger mitgebracht hatten. Nach Schluß des Konzertes hielt ein Tanz die Teilnehmer noch bis in die frühen Morgenstunden zusammen. Das gute, vielseitiges Programm des Abends ließ bei allen Teilnehmern den besten Eindruck zurück. Die Lollarer Sänger waren dank der Gastfreundschaft der Alsfelder Bevölkerung in Privatquartieren gut untergebracht. Am Sonntag unternahm die Sängerschar einen Ausflug nach dem benachbarten Altenburg, woselbst man noch einige fröhliche Stunden bis zur Rückfahrt am Sonntagabend verbrachte. — Der hiesige Turnverein hielt am gestrigen Sonntag sein diesjähriges Ab tu men auf dem Sportplatz unter lebhafter Teilnahme einer großen Anzahl sportbegeisterter Anhänger. »er. Homberg, 13. Sept. Der Kleinkaliber-Schützenverein Hombergs veranstaltete am Sonntag sein zweites Preis schießen auf seinem eigenen Schießstande. Den 1. Preis errang Daniel $ e cf e r mit 30 Ringen, den 2. K. Klemm mit 29 Ringen, den 3. Rud. Seipp mit 28 und den 4. Johs. Becker mit 28 Ringen. Es wurde auf Zehnerscheiben geschossen. Die Beteiligung war ..... . ■/- - — sehr rege. — Rach nur zweitägigem Ärantenlagci verstarb hier der Vorsteher unseres Finanzamts, Regierungsrat Kratz. Seine Leiche wurde Montag nach Lich überführt, woselbst sie Dienstag zur letzten Ruhe bestattet wird. Das Ableben dieses zuvor kommenden und sehr beliebten Beamten wird hier allgemein bedauert. Kreis Lauterbach. hml. Lauterbach, 13. Sept. Der Wunsch der Lauterbacher Bürgerschaft, den im Weltkriege gefafle neu und verstorbenen Söhnen der Stadt ein wm diges Ehrenmal zu errichten, ist nun erfüllt. Die auf dem alten Friedhof nach dem Entwürfe des Regie rungsbaurates Pfeiffer erbaute Krieger- gedenk ft ätte ijt am gestrigen Sonntag ein- geweiht worden. Schon am Samstagnachmittag hotte sich der Denkmalsausschuß mit dem Stadtrate und den am Bau beteiligten Meistern in der Halle ein- gesunden, um in den Altar den Schlußstein mit der Urkunde, die den Verlauf des Baues schildert, ein zufügen. Regierungsbaurat Pfeiffer und Bürgermeister Walz, dem an der Errichtung der Halle das größte Verdienst aebührt, vollzogen die Hammerschläge. In der Frühe des Sonntags kündete ein Choral vom Turme herab den für die Stadt fo wich tigen und ernsten Tag. Zum Gedächtnisgot t c 3 b i e n ft e in der Stadtkirche, bei dem der hiesige Musikverein sowie der Kirchengesangverein unter der vortrefflichen Leitung von Lehrer Schmier mit- wirkten, hatte sich eine vielhundertköpsige Gemeinde eingefunden, die das weite Gotteshaus füllte. Der größte Teil der hiesigen Vereine und Korporationen war mit ihren Fahnen zum Gotteshaus gekommen. Die Gedächtnispredigt hielt Dekan Schlosser. Roch dem Gottesdienste ordnete sich der Zug der Vereine, denen die Hinterbliebenen der Gefallenen, sowie der Verein der Kriegsbeschädigten voraus- gingen, zur Einweihungsfeier der Gedächtnisstatte auf dem Friedhof. Bei dieser Feier wirkten außer dem Mustkverem die drei hiesigen Gesangvereine mit. Rach der Begrüßung durch Bürgermeister Walz erfolgte die Uebergabc des Schlüssels durch Regierungsbaurat Pfeiffer an den Vorsitzenden des Z)enfmal5aus(d)iiffes. Bürgermeister Walz öffnete darauf die Halle. Die Weiherede hielt Dekan Schlosser, der auch die Weihe der Stätte, die zugleich als Friedhofskapelle dienen soll, vornahm. Rach der Uebernahme der Gedächtnisftätte durch Bürgermeister Walz auf die Stadt Lauterbach spielte unter tiefster Ergriffenheit der Anwesenden die Musik das Lied: „Ich hott' einen Kameraden". Es folgten unter entsprechenden Ansprachen, bc ginnend mit dem Stadtoberhaupte für die dankbare Vaterstadt, eine große Zahl von Kranzniederlegum gen von feiten der hiesigen Vereine und Korpora. Honen. Mit dem Dank des Bürgermeisters Walz und dem „Largo" von Händel fand die ernste und würdige Feier ihren Abschluß. Die Stadt Lauterbach kann stolz fein auf ihre würdige und schöne Kriegergedenkstätte,, die sie ihren gefallenen Söhnen aus Dankbarkeit errichtet hat. Kirche und Schule. nd. Nidda, 12. Sept. Zur Gedenkfeier des 2 50. Todestages von Paul Ger- Hordt wurde heute vormittag in unserer Kirche ein liturgisch reich ausgestatteter Gottesdienst gehalten, wobei die Gemeinde und der Kirchenchor mehrere Lieder des unvergeßlichen Predigers und Sängers fangen. Don seinen 131 Liedern enthält das hessische evangelische Gesangbuch 32. Pfarrer L a u t schilderte in seiner Predigt Paul Gerhardts leiden- und schicksalsreiches Leben und den Geist, die Kraft, das Vertrauen, die Hoffnung und den Trost seiner herrlichen Lieder, die der Dichter selbst „kreuzgeborene" genannt Hot. Nock heute dienen sie ollen gläubigen Christen in den verschiedensten Zeiten und Lebenslagen &ur herzlichen Erbauung. Obstversteigerung. Dos Obst der Gemeinde Alten-Buseck soll Donnerstag, den 16. lfd. Mts. an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden. Rnfang vormittags 8 Ähr an der Kreis- straße Wieseck-Alten-Buseck. 7486V Alten-Buseck, den 11. September 1926. Bürgermeisterei Alten-Buseck. Rollmops BiSmarckberinge Bratheringe Heringe in Gelee BratrollmopS Matjesheringe Sardinen die 1-Liter-Dose 95 Pfennig Mk M Blltwoch trülr 8 Uhr elntraHend: Pa. 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September (926 Gartenbau und Elektrizität. Die Elektrizität in der Landwirtschaft. Don Landwirtschaftsdirektor Dr. Lehr, Lich. Die derzeitige Lage der Landwirtschaft, die Durch die auf ihr ruhenden Lasten und Abgaben und durch die teilweise unter den Selbstkosten liegenden Verkaufspreise für wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse hervorgerufen worden ist, erheischt die Anspannung aller verfügbaren Kräfte, damit ihre Tätigkeit nicht gelähmt und die Ernährung des Volkes nicht bedroht wird. Es durfte hinlänglich bekannt sein, das; die Tlnrentabilität der Landwirtschaft zu allermeist durch die Höhe der Produktionskosten verursacht wird. Von den Ausgaben eines Betriebes nehmen die Löhne in Verbindung mit Gespannviehhaltung in der Regel einen sehr großen Posten ein. ihn also den schweren Existenzkampf bestehen zu können, muh der Landwirt von heute alle Kräfte anspannen, er muh vor allen Dingen alle solche Ausgaben unterlassen, "die nicht für die Erhaltung des Betriebes und seine Leistungsfähigkeit unerläßlich sind. Je mehr er solche Aufwendungen unterläßt, desto eher kann er die noch verfügbaren Mittel für solche Aufwendungen einsehen, die die Rentabilität seines Betriebes auf eine sichere Grundlage stellen. Wie schon erwähnt, nehmen von den Ausgaben eines gut geleiteten Betriebes die Löhne in Verbindung mit der Gespannhaltung einen sehr großen Teil ein, etwa 35 bis 45 Prozent, während für ilnterhaltung der Maschinen und Geräte etwa nur 5 bis 6 Prozent beansprucht werben. Dieser hohe Prozentsatz für Arbeit dem für Maschinenunterhaltung gegenüber x gestellt, zeigt uns, daß eine ilmstellung der Betriebe nicht nur möglich, sondern in schwierigen Zeiten sogar unerläßlich sein kann. Weiter dürfte allgemein bekannt sein, daß die Anwendung von Maschinen in weitgehendem ilmfange eine Ersparnis an den teuren menschlichen und tierischen Arbeitskräften, mithin an Löhnen und Futterkosten, bedingt. Cs ist deshalb um so erfreulicher, daß durch die Versorgung des Landes mit elektrischer Energie der Landwirtschaft die Möglichkeit gegeben worden ist, Durch zweckmäßige Anwendung der Elektrizität immer mehr zur Verminderung der hohen Wirtschaftsunkosten wesentlich beitragen zu können, mithin eine bessere Rentabilität herbeizuführen und somit auch die Landwirtschaft zu einem pekuniär erfreulicheren ilnternehmen zu gestalten. Durch seine eigenartige ilmstellung, durch die daraus sich ergebenden großen Erleichterungen und handgreiflichen Vorteile gewinnt der elektrische landwirtschaftliche Betrieb etwas Angenehmes und Interessantes. Von den Anwendungen der Elektrizität sind für die Landwirtschaft heute in erster Linie von Bedeutung Kraft und Licht. Dieses Bedürfnis nach Kraft und Licht wächst um so mehr, je schwieriger sich die Arbeitsverhältnisse auf dem Lande gestalten. Welcher Landwirt möchte heute sein eleltrisches Licht missen? Wie unglücklich fühlt sich der Landwirt, und wie stark können die Arbeitsdispositionen gefährdet werden, wenn mal durch irgend einen ilmstand der elektrische Strom versagt, Reben der großen Annehmlichkeit hat sich das elektrische Licht durch seine leichte Handhabung, durch seine Sauberkeit und durch seine Gefahrlosigkeit zu einer unentbehrlichen Detriebseinrichtung entwickelt. Richt nur das Wohnhaus vom Keller bis zum Dachboden kann durch einfachen Handgriff in strahlende Helle verseht werden, sondern auch Der Hvfraum, die Ställe, Scheunen und sonstigen Wirtschaftsräume können ebenfalls auf die einfachste Weise so beleuchtet werden, daß angefangene und sonstwie dringende Arbeiten bei reichlicher Beleuchtung beendet oder ausgeführt werden können. Ich möchte nur Hinweisen auf das Dreschen bei Rächt bei ungünstigen Witterungsverhältnissen während der Erntezeit, um so die wenigen guten Tage ausnühen zu können, auf das Füttern des Viehes bei später Heimkehr vom Felde, auf das Entladen von Erntewagen, besonders in der Spätjahrzeit mit den kurzen Tagen, entweder früh morgens oder spät abends u. a. m. Es dürfte nach alledem fein Zweifel bestehen, daß die Anwendung der Elektrizität als Licht für die Landwirtschaft in jeder Hinsicht nur betriebswirtschaftliche Vorteile hat. Die volle Ausnützung der Vorzüge der Elektrizität als Lichtspenderin kann ein Landwirt nur Dann genießen, wenn er in allen Räumlichkeiten seines Betriebes die Lichtleitung sich antegen läßt. Aehnlich wie beim elektrischen Licht verhält es sich auch mit der Elektrizität als Kraftspenderin. Wie bei allen Maschinen, so wächst auch bei der Anwendung der Elektrizität als Kraftspenderin (Elektromotor) die Wirtschaftlichkeit zugleich mit der Ausnutzung des Motors. Die volle Ausnutzung der elektrischen Kraft mit Hilfe des Elektromotors ist durch Dessen stete Betriebsbereitschaft, dem sparsamen Kraftverbrauch und durch die leichte Transportfähigkeit bedingt. Wer also seine elektrische Kraftanlage wirtschaftlich ausnuhen will, muh seine Elektromotore so viel Arbeit leisten laffen, als Dies nur möglich ist. Dazu ist nun nicht nötig, Daß jede einzelne Arbeitsmaschine einen besonderen Motor braucht. Man hat nur bei der Leitungsanlage in den Wirtschaftsgebäuden darauf zu sehen, daß in der Rähe jeder Arbeitsmaschine, die mit elektrischer Kraft in Betrieb gesetzt werden soll, sogenannte Wairdanschlüsse angebracht toecben, an die mittels eines Kabels der Motor an das Leitungsnetz angeschlossen werden kann. Bei der Verwendung eines Motors zum Inbetriebsetzen mehrerer Arbeitsmaschinen muß Die Leistung des Motors nach der Arbeitsmaschine bemessen werden, die den größten Kraftverbrauch beansprucht. Lieberhaupt wähle man die Motoren nicht zu schwach, da die Preisunter- fchtede nur gering sind, andererseits die Lebensdauer eines größeren Motors länger ist. Weichen Die Kraftauswendungen für die einzelnen Arbeitsmaschinen zu sehr von einander ab, wie z. D. einerseits für Dreschmaschinen, Sägewerk, Werkzeugmaschinen. große Schrotmühlen usw. andererseits Futterschneidemaschinen, Iauchepum- >en, Sortier- und Reinigungsmaschinen, Zentrifugen, Oelkuchenbrecher. Sackaufzug usw., dann wählt man zweckmäßig zwei verschieden starke Motoren, um die beiden Gruppen von Arbeitsmaschinen in Betrieb zu sehen. Wenn es irgend gebt, soll man von der Anlage einer Transmission, an welche die Maschinen angehängt werden. Abstand nehmen, denn eine Transmissionsanlage verteuert einmal die Anlage, dann bedeutet sie auch Kraftverlust. Man vermeidet daher zweckmäßig die Anlage von Transmissionen durch Anschaffung von beweglichen Motoren, die bis zu 5 P. S. mittels Tragbahre. Schleife usw. bequem zu transportieren sind, während größere Motoren von 5 P. S. an aufwärts am zweckmäßigsten fahrbar eingerichtet werden. Bei der Wahl des Motors empfiehlt sich darauf zu achten, daß er möglichst einfach in Konstruktion und in der Bedienung ist. Für den Betrieb von Dreschmaschinen mit Einschluß einer Strohpresse benötigt man ungefähr soviel Pferdestärke als die Durchschnittsdruschleistung der Maschine in Zentner Weizen je Stunde beträgt. Ohne Strohpresse kann der Motor etwa 3 bis 5 P. S. schwächer sein. Ein besonderer Vorteil der elektrischen Kraftanwendung besteht noch darin, daß ein Elektromotor — ob groß oder klein — nur soviel Strom verbraucht, als er in Arbeit um» seht. Man kann deshalb unbedenklich einen größeren Motor für kleinere Arbeitsleistungen verwenden. So braucht z. D. ein Spferdiger Elektromotor, den man zum Antrieb einer Häckselmaschine benuht. für deren Betrieb aber ein einpferdiger Motor ausreichen würde, praktisch nicht viel mehr Strom, wie der einpferdigs Motor. Mit Hilfe des Clektrizitätszählers wird nun genau der wirklich verbrauchte Strom gemessen, und jeder Landwirt, der feine verschiedenen Maschinen mit elektrischer Kraft treibt, ist absolut sicher, daß er nur so viel elektrischen Kraftstrom bezahlt, als er auch in Arbeit um» gesetzt hat. Diese einzigartige Eigenschaft, die ein Hauptvorzug des Elektromotors gegenüber allen anderen Antriebsmaschinen ist. ist von der größten Wichtigkeit für die Beurteilung der Betriebskostenfrage in landwirtschaftlichen Betrieben. Weitere Vorteile des Elektromotors gegenüber anderen Kraftmaschinen, die ihn auch zu der vollkommensten Kraftmaschine für den landwirtschaftlichen Betrieb machen, sind feine Einfachheit, stete Detriebsbereitschaft. Feuerficherheit (Drehstronnnotor) und Gleichmäßigkeit der Tourenzahl. Die leichte Beweglichkeit und Sparsamkeit im Stromverbrauch sind schon erwähnt worden. Da die Wartung und Bedienung eines Elektromotors auf ein Minimum sich beschränkt und nur in einem Rachsehen der Lager und im Rachfüllen von Oel besteht, und schließlich außer den Lagern der Drehstrommotor keine Teile besitzt, die einer Abnutzung unterworfen sind, so ergibt sich hieraus, daß bei sachgemäßer Behandlung Reparaturen so gut wie ausgeschlossen sind. Auch seine geringe Gröhe bildet für feine Ausstellung, auch in den kleinsten Räumen, kein Hindernis, ja er kann unter -Umständen an die Balken der Decke angebracht werden. Da die Drehstrommotore vollkommen feuersicher sind, so kann deren Aufstellung — ohne polizeiliche Genehmigung — auch in Räumen erfolgen, in denen sich brennbare Stoffe befinden wie Scheunen, Tennen, Häckfelböden usw. Don besonderer Wichtigkeit ist schließlich noch die stete Detriebsbereitschaft. Ohne besondere zeitraubende Vorbereitungen kann die Inbetriebsetzung des Elektromotors jederzeit erfolgen durch einen einfachen Handgriff, den auch der ungelernteste Arbeiter ausführen kann. Diese stete Betriebsbereitschaft in Verbindung mit dem Wegfällen jeglicher Bedienung macht es dem Landwirt möglich, die Arbeiten, zu denen er motorische Kraft benötigt, dann aus- sühren zu lassen, wenn für andere Arbeiten entweder das Wetter zu ungünstig ist, oder wenn in der drängenden Erntezeit tagsüber alle Leute auf dem Felde beschäftigt sind. So kann abends noch schnell Häcksel geschnitten oder Frucht getreten, Getreide gereinigt, Wasser gepumpt, Holz gefügt, Dünger gemahlen ober Oelkuchen gebrochen werden. Als wichtiger Grundsatz, um die Vorzüge der Elektrizität sich voll zunutze zu machen, wurde schon angeführt, daß jeder angeschlossene Motor so stark wie möglich zur Arbeitsleistung herangezogen werden muß. Es ist deshalb vom betriebswirtschaftlichen Standpunkte aus falsch, wenn ein Motor nur zum Betrieb einer Iauchepumpe angebracht und benutzt wird. Alle Arbeitsmaschinen, welche die teure menschliche und tierische Arbeitskraft in Anspruch nehmen und durch motorische Kraft erseht werden können, müssen auch damit erseht werden. In dieser Hinsicht können noch sehr viele Verbesserungen bei unseren Landwirten vorgenommen werden. Das elektrische Dreschen wird verhältnismäßig noch wenig angewandt, und doch bietet es so viele Vorteile. Reben der jeder» zeitigen Betriebsbereitschaft arbeitet auch die Dreschmaschine vorzüglich bei einem leichten, ruhigen und gleichmäßigen Gang. In viel stärkerem Grade wird schon der Elektromotor zum Betrieb von Häckselmaschinen, Schrotmühlen und Iauchepumpen benutzt. Weniger im Gebrauch sind Oelkuchenbrecher und Düngermahlmaschinen. Zur vollen Ausnutzung der teuren Oelkuchen und der künstlichen Dünger (besonders solcher, die in Klumpen zusammenbacken) dürsten diese Maschinen in größeren Betrieben nicht fehlen, wo sie dann sehr gut mit dem Elektromotor in Betrieb gesetzt werden können. Häufiger wieder wird die elektrische Kraft zum Antrieb von Kreissägen benutzt, um auf schnelle und bequeme Weise das Brennholz zu zerkleinern. Auf dem Getreideboden muh der Elektromotor zum Antrieb von Getreidereinigungsmaschinen viel mehr in Anwendung kommen, wie überhaupt die Gewinnung eines einwandfreien, guten Saatgutes noch sehr im Argen liegt. Auch bei dem Entladen von Erntewagen, das in der drängenden Erntezeit, wo bei schlechter Witterung jede Minute kostbar ist, besonders viel Zeit in Anspruch nimmt, muß mehr mit Hilfe von elektrischen Entladevorrichtungen eine Entlastung der teuren menschlichen Arbeitskraft Platz greifen. Ebenso verhält es sich mit dem Abladen von Spreu und Kaff und den Fruchtsäcken. Mittels eines Saugrohres eines Exhaustors, der elektrisch angetrieben wird, kann in wenigen Minuten die Spreu und das Kaff an Ort und Steile gebracht werden. Die schwere und mühselige Arbeit des Säcketragens auf den Kornspeicher kann viel einfacher und leichter durch einen Elektromotor ausgeführt werden, der mittels eines Sackelevators Die Arbeit bewältigt. Richt unerwähnt soll schließlich das elektrische Melken mit Melkmaschinen bleiben. Auch in der Anwendung von H i 1 f 3 to e r f » zeugen hat uns die Elektrizität in vortrefflicher Weise unterstützt. So gibt es eine kleine handliche Maschine, die durch einen Elektromotor angetrieben wird, mit der man die Messer und Fingerbalken von Gras- und Getreideerntemaschinen selbst schleifen, schärfen und ausscharten kann, wobei man die zu schleifenden Messerschneiden oder die Fingerbalken genau beobachten kann, während beim Schleifen mit dem Schleifstein die zu schleifenden Stellen von dem Arbeitenden abgekehrt sind. Mit diesem Apparat können auch kleine Bürsten zum Reinigen von Milchkannen betrieben werden und mit der Verwendung einer Spezialscheranlage kann auch das elektrische Scheren von Tieren (Schafen, Pferden) vorgenommen werden, ohne die Wolle zu zerschneiden oder Verwundungen zu erzeugen. Bekannt dürfte weiterhin auch sein, daß die elektrischen Staubsauger, die für die mit Arbeit überhäufte Hausfrau von unschätzbarem Werte sind, auch zur Reinigung der Haustiere mit bestem Erfolge Verwendung finden, ohne die Tiere irgendwie zu belästigen. Richt unbekannt dürfte schließlich sein, daß zur Konservierung von Grünfutter der elektrische Strom nach einem bestimmten Verfahren Anwendung findet, um mit Hilfe dieser Elektro-Futterkonservierung sich bei der Futtergewinnung von der Witterung vollständig unabhängig zu machen und damit die ganze Futtergrundlage auf eine sichere Basis zu stellen. Auch in der Hauswirtschaft kann in stärkerem Maße als bisher mit Hilfe des elektrischen Kraftstromes eine wesentliche Entlastung der häufig mit Arbeit überlasteten Hausfrau eintreten. Hier wäre zu allererst mal die elektrisch betriebene Waschmaschine zu erwähnen. Llnzweifelhaft stellt die elektrische Waschmaschine die vollkommenste Wascheinrichtung für jeden mittleren und größeren Betrieb dar. Leider denken die Landwirte nicht daran, wenn sie sich elektrische Kraft ins Haus legen lassen, die Elektrizität nun auch für die Zentrifuge zu benutzen, die doch täglich zwei- bis dreimal gebraucht wird. In der Tat eignet sich keine Maschine so sehr für elektrischen Antrieb wie gerade die Zentrifuge. Der idealste Antrieb für die Zentrifuge ist der elektrische Einzelantrieb, wobei die Trommel der Zentrifuge in der Geschwindigkeit sich stets gleich bleibt, wodurch natürlich das Entrahmungsresultat günstig beeinflußt wird, denn je gleichmäßiger die LImdrehun- gen, desto besser die Entrahmung. Wo die Verhältnisse es gestatten, sollte man unbedingt elektrisch entrahmen und auch elektrisch buttem, und kneten. Damit möchte ich die Anwendungsinöglich- feiten der Elektrizität im Landwirtschaftsbetrieb beenden, ohne damit nun eine erschöpfende Darstellung und Aufzählung über dieses Gebiet gegeben zu haben. Aus dem Aufgeführten dürfte es doch für den Landwirt und auch die Land- wirtsfrau zur Genüge ersichtlich sein, wie gerade bei der Anwendung der Elektrizität in der Landwirtschaft das Rüyliche mit dem Angenehmen und einer guten Rentabilität Hand in Hand gehen. Die elektrischen Anlagen für Licht und Kraft bieten solche betriebswirtschaftlichen Vorteile, daß sie das Anlagekapital gut verzinsen, denn der Elektromotor, um dessen vielseitige Verwendung es sich mit Hilfe der Elektrizität handelt, bietet alle jene Vorteile, die eine Verminderung des Detriebsaufwandes zur Folge haben, und mithin eine bessere Rentabilität gestatten. Die Gartenstadt. Von Otto Corbach. Eine Gartenstadt bedeutet nach der in der Satzung der Deutschen Gartenbaugesellschaft enthaltenen Begriffsbestimmung „eine planmäßig gestaltete Siedlung aus wohlfeilem Gelände, das dauernd in einer Art Obereigentum der Gesellschaft erhalten wird, derart, daß jede Spekulation mit dem Grund und Boden dauernd unmöglich ist", einen neuen „Stadttypus, der eine durchgreifende Wohnungsreform ermöglicht, für Industrie und Handwerk vorteilhafte Produktionsbedingungen gewährleistet und einen großen Teil seines Gebietes dauernd dem ©arten- und Ackerbau sichert." Das Endziel einer fortschreitenden Gartenstadtbewegung ist eine Innen- kolonisation, die durch planmäßiges Begründen von Gartenstädten eine Dezentralisation der Industrie und damit eine gleichmäßigere Verteilung des Gewerbelebens über das Land anstrebt. Solche Siedlungen sollen das städtische Leben gesünder und vielseitiger gestalten und der sich angliedernden Landwirtschaft die Kulturwerte und das technische Rüstzeug der Stadt sowie die Vorteile des direkten Absatzes vermitteln. Die Gartenbaugesellschaft ist bemüht, „derartige Siedlungen durch besondere Gründungs- gesellschaften ins Leben zu rufen, öffentliche Körperschaften für die Entwicklung ihrer Ziele zu gewinnen, sowie alle Bestrebungen mit verwandten Zielen zu fördern." Die Schwierigkeiten, die sich der praktischen Durchführung ihrer Bestrebungen entgcgenftcll- ten, zwang die deutsche Gartenstadtbewegung, sich zunächst dem Kampf gegen die Mietskaserne, der Schaffung einer Tradition des Kleinhauses und weiterhin der Stadterweiterung auf dem Wege der Anlage von Industriedörfern und Gartenvorstädten zu widmen. 3m Jahre 1907 wurde- die Gartenstadt Hellerau G. m. b. H. gegründet. Aehnliche Unternehmungen entstanden während der nächsten Jahre in Nürnberg, Magdeburg, Straßburg, Hamburg, Mannheim, Leipzig und vielen anderen Städten, und im Jahre 1914 zählte man bereits 30 Gartenvorstädte und Gartensiedlungen, die rund 5600 Wohnungen. und zwar mit verschwindenden Ausnahmen Einfamilienhäuser, gebaut hatten. Die deutsche Gartenstadtbewegung war ursprünglich gewissermaßen eine Abzweigung der älteren englischen. In England gründete eine gemeinnützige Gesellschaft die erste Gartenstadt Letchworth im Jahre 1904 fünfzig Kilometer nordwärts von London, auf einem 1800 Hektar großen Gelände. Ein Drittel des Geländes wurde für die Unterbringung einer Stadt von 30 000 Einwohnern mit Industrieviertel, Ge- schäftsviertel und dergleichen bestimmt. Der Rest soll als Grüngürtel dauernd dem Garten- und Ackerbau erhalten bleiben. Die Erschließung des Geländes, feine Kanalisierung und feine Versorgung mit Wasser, Gas und Elektrizität aus eigens gebauten Werken hat den Boden nur um 2 Mark für den Quadratmeter verteuert. Die Rentabilität des Unternehmens gilt seit 1913 als gesichert. 1914 waren 9000 Menschen und 50 Industriebetriebe angesiedelt. Der Krieg brachte einen längeren Stillstand, aber Ende 1925 war die Einwohnerzahl auf rund 15 000, die der Industriebetriebe auf rund 90 gestiegen. Die zweite englische Gartenstadt, W e l ix y n, entstand 1920, vierzig Kilometer von London: sie wurde von vornherein als Trabantenstadt mit eigenem Industrieviertel und landwirtschaftlichem Gürtel für eine Bevölkerung von 40 000 Menschen geplant. Ihre rasche Entwicklung — sie zählt heute bereits neben einigen Fabriken eine Einwohnerschaft von über 3000 — macht es höchst wahrscheinlich, daß dieses Ziel in absehbarer Zeit erreicht werden wird. Von der Grün'» dungsgesellschaft haben sich gemeinnützige Tochtergesellschaften abgezweigt, die sich mit dem Betriebe eines Warenhauses, des Straßenbaues, des Daus von Arbeiterhäusern und der Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen Gürtels befassen. Auch in anderen Ländern, wie in Frankreich und besonders in den Bereinigten Staaten hat es die Gartenstadtbewegung zu bemerkenswerten Ansätzen für die Realisierung ihrer Ideale gebracht. Ihr Endziel mußte freilich solange als utopisch erscheinen, wie das allgemeine Wirtschaftsleben im großen und ganzen noch von jenen Tendenzen beherrscht war, die hauptsächlich die gewaltige Zusammenballung großer Menschenmassen in modernen Riesenstädten bewirkten. Diese Tendenzen hatten ihre hauptsächliche Quelle im Exportindustrialismus, der dahin führte, daß von wenigen kapitalkräftigen Ländern aus die gesamte Kulturmenschheit mit den hauptsächlichen modernen Massenartikeln versorgt wurde, während die jungen überseeischen Länder mit ihren jungfräulichen Böden, die billigster extensiver Be^ wirtschaftung erschlossen wurden, die übrige Welt vorzugsweise mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln überschwemmten. Im Zusammenhänge mit dieser Entwicklung stand die „Landflucht" in den alten Ländern, eine Binnenwanderung vom Lande in die Stadt und eine massenhafte Auswanderung nach den überseeischen Ländern. Ueberall wurde die Kaufkraft der städtischen Bevölkerung auf Kosten der ländlichen hochgetrieben, wodurch wiederum die Zentralisation des Handels in ungesunder Weise gefördert wurde. Die Bodenspekulation schuf durch künstliche Derteuerung aufschlußreifer Gelände in der Peripherie der Städte einen unsichtbaren Wall, der die Bevölkerung in den Innenvierteln sich noch viel stärker anstauen ließ, als es der natürliche Zudrang nach der Niederreißung mittelalterlicher Schutzmauern erheischte. In den Bereinigten Staaten, dem ersten überseeischen Lande, das der von England geführten industriellen Monopolwirtschaft Europas mit Erfolg Schach bot, konnten sich die zentralistischen Tendenzen der bisherigen Entwicklung des Industrialismus ohne all die Hemmungen entfalten, die sich in Europa immerhin aus dem der Zählebigkeit mittelalterlich traditionalistischer Produktionsverhältnisse ergaben. Daraus erklärt sich im amerikanischen Städtewesen das System der Wolkenkratzer, das in Reuyork City während der Geschäftsstunden jedes Tages gegen drei Millionen Menschen auf einem Raume von nur 21,5 Quadratkilometer zusammenquirlen läßt. Seit dem großen Kriege macht sich ein Umschwung in allen modernen Wirtschaftsleben bemerkbar. der die Entwicklung immer stärker in die Richtung des Endzieles der Gartenstadtbewegung zu drängen verspricht. Richt als ob die alten zentralistischen Tendenzen des Industrialismus auf einmal aufgehört hätten zu wirken. Eine Lokornottve kommt nicht gleich zum Stehen, wenn gebremst worden ist. Die Millionenstädte fahren fort zu wachsen, und das Wolken- krahersystem macht auch in europäischen Ländern Schule. Worauf es aber ankommt, ist, daß sich neben den zentralistischen Tendenzen neue dezentralistische mit viel kräftigerem Rhythmus und rascherem Tempo entwickeln. Alle Länder, große wie Heine, auch solche, die bis vor kurzem von moderner Kultur kaum berührt waren, entfalten einen fieberhaften Eifer, sich durch Züchtung nationaler Industrien mit den Gegenständen ihres dringendsten Bedarfes selbst zu versorgen. Ein Keil treibt nunmehr den anderen. Die Exportindustrien der alten Industrieländer gehen mehr und mehr dazu über, junge Industrieländer mit moderner Maschinerie auszurüsten und dadurch den Untergang des ursprünglichen Exportindustrialismus erst recht zu beschleunigen. Die überseeischen Getreideausfuhrstaaten schaffen sich durch die Entwicklung eigener Industrien einen kaufkräftigen Binnenmarkt für ihre Ernteüberschüffe, die allgemeine Hebung des Dolkswohlstandes seht die Farmerschaft instand, sich zu Weizenpoolen zu vereinigen und die Abhängigkeit übermäßig industrialisierter Länder wie England von ihren Drotgetreideüber- schüssen auszubeuten. Darum gilt heute selbst in England, das 80 Prozent seines Rahrungs- mittelbedarfes durch Einfuhr deckt, das Streben nach dessen börtoiegender Deckung durch inländische Erzeugung als Forderung des Tages. Ebenso läßt sich aber auch innerhalb der einzelnen Länder eine deutliche T <2 n$;r.9QI ^nbph^L®1**1'11 sliei,^ Mein ^ynbie rfn Se> All ier fi Lk«*' «*2* Las i)ri s»°^5 [nAlO‘C ublik W W kriegte'- « nalw" - « Änier'ta hort man n oölkecung-p^ Palis v Charatter.> lanb.9^ betW01J ttaiionsera Arile »; NanZels a ßonhe-6 paiftl)tn st» angenommen Wst und Krieges lern ris kennen. Möglichkeiier Leben und oft mehr C oder ®ut n bau nicht i sich in Pa- iunttur auc Teilen des 1 nach Paris ihre Heimat suchen. Nur Weise entite kleinen Güte sonders wo hoben ein o Familie eine oder Kriegsa und zieht in eröffnet man Es gibt i: entstehen m kämpsen abe können keine Mitskräste W aus i ata au; P die eichhru Bon ihnen wenige nac eine vaffon einen neue Teil der E oder oft n zieht dann i Einwanderei Arbeit fudje. vermerkte. 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Außer der am Mittwoch in der städtischen Festhalle eröffneten Ausstellung des Deutschen Hygienemuseums in Dresden ist seit gestern in den Stadtsälen eine A u s st e l - lung der Ortsgruppe Marburg des Verbandes deutscher Elektro-Installations-Fir- m en eröffnet worden. — Am 1-1. September wird in Marburg ein Pferdemarkt abgehalten. Wirtschaft. * Die Münzprägungen im August. Im Monat August wurden in den deutschen Münzstätten an Silbermünzen geprägt: Einmarkstücke im Werte von 3 312 245 Rm., Zweimarkstücke im Werte von 10 752 208 Rm. An Pfennigmünzen wurden 11300 Rm. Fünfpfennigstücke und 3180420 Zehnpfennigstücke geprägt. ♦ Der erste Tag der Kölner Messe. Ein Rundgang bestätigt den bedeutend zusammengeschmolzenen Kreis der Aussteller. Wenn man auch berücksichtigt, daß Lebens- und Genußmittel mit einigen ganz wenigen Ständen vertreten waren, weil im nächsten Monat eine Gastwirtsausstellung in Köln stattfinden soll, so spricht doch die Zahl der etwa nur 750 Aussteller eine beredte Sprache. Soweit man in den ersten Tagen ein Bild von dem geschäftlichen Gang der Mesie gewinnen kann, ist er bisher befriedigend. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „(Siebener Anzeigers"^ Berlin, 14. Sept. Verschiedene Spezial- befeftigungen, die an der Börse seit gestern zu verzeichnen sind, und die überraschend leichte Geldversorgung veranlaßten die Spekulation zu umfangreichen Deckungskäufen, die heute ihren Fortgang nahmen. Die Tendenz der Aktienkurse war daher unter Führung von Elektrowerten, Montanaktien, Darm- städter-Bank-Aktien und I.- G.- Far - den außerordentlich fest. Außer den Deckungskäufen schritt man vielfach zu größeren Reuengagements per Ultimo September, da am Geldmarkt für die nächste Zeit zwar mit einer Verteuerung. nicht aber mit einer empfindlichen Verknappung gerechnet wird. Tagesgeld 4,5 bis 5,75 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent. Aus dem Wirtschaftsleben lagen verschiedene Nachrichten vor, die die feste Stimmung noch anregten, insbesondere fanden das Nachlassen des belgischen Wider st andes bei den Eisenpaktoerhandlungen und die weitere Spannung im englischen Bergarbeiter- st r e i k lebhafte Beachtung. Am Kasiamarkt werden heute die Aktien der Metallbank und Metallgesellschaft in Frankfurt a. M. an der Berliner Börse eingeführt. Der erste Kurs für Metallbank wird aus 133 Prozent geschätzt. Der Ordereingang in diesem Papier war an dem ersten Tage sehr gering. 3m D e v i s e n v e r k e h r bröckelten die 'lateinischen Valuten durchweg weiter ab. Paris gab gegen London auf 171, Brüssel auf 177,50 und Mailand auf 135,75 nach. London-Kabel 4,8555. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.M. Berlin Schlug. 1-Uhr. Schluß. Anfang fiura Kura kur. fiurc Datum: 13.9. | 149. 13. 9. 14 9. 5% Deutsche Ncichsanleibe . U.50 — ",4975 0,60 4% Deutsche RcichSanlcihe . — — 0.47 0.475 B1/.®/» Deutsche ReichSanlethr 3% Deutsche Rcichsanleihe . Deutsche Svarprämicuanleche 0,465 — 0,46 0,4625 0.54 0,27 — 0.46 0 275 0,5475 4% Preußische KonsolS • • . 4% Hessen ........ 0.465 •— 0,47 0.4725 0.4-1 - — — 3'/«% Hessen......... — — — — 3% Heuen..........- — — — Deutsche Wertb. Dollar»8nl. 95,25 — — —- dto- Doll.-Schav-AnwetsUg.') — — — — !8' 135 9' 137.2' Siemens & HalSk» ...... 195,25 201' 195,7' 1202.7' Adlerwerkc Kleher ...... 83,75 83,5 83 84 Daimler Motoren. ...... 82.62 — 82,12 83 Hevligenstacdt......... 29 — Mcguin............ 47 — 45 — Motorenwerke Mannheim — — 42 — Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . 17 38.25 — 2 Mctallgesellichast Frankfurt. Per. Union A.-G, ..... 143.5 92 144 — 1 94.5 1 — Schuhfabrik Her;...... 58 — 59,5 ! —— Sichel.............. 2,6 — 3 — Zellstoff Waldhof....... 179,5 180 177 । 179.5 Zuckerfabrik Frankenthal . . 75] 75 76 1 — Zuckerfabrik Waabäufel • . . 90,5 91,5 91 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. TL Telegraphische Auszahlung. 11 Septbr. 13. Septbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Briet Geld Briet Ämst.-stioll. 168,18 168.60 168,15 168,57 Buen.-AireS 1,700 1,704 1,701 1.705 Brff-Antw 11,465 11,505 11,46 11,51 Christianta. Kove » Hagen 91,92 111,47 02,16 111,75 91,91 111,43 92,15 111,71 Stockholm . 112,18 112,46 113,15 112.43 HelstngforS. Ztalicn - - 10,555 15,13 10.595 15,17 10,503 15,025 10,593 15,065 London - 20,366 20,416 -0,361 20,411 Meuhork . . 4,194 4,202 4.193 4,203 Paris - • • 12,10 12,14 11,89 11,93 Schweiz • 81,05 61,25 81,02 81,22 Svantcn - 64,17 64.33 64,10 G4,2.i Javan - . • 2,026 2.030 2,030 2,034 >Hio de Jan 0.633 0.635 0.6; 6 0.638 Wien in D.- Lest- abgest. Prag Belgrad ■ . 59,20 12,419 69,34 12,459 59,16 12,418 59,30 12,458 7,422 7,442 7,422 7,442 Budapest • • 5,872 6,892 0,87 6,89 Bulgarien . .1,043 3,053 *>,043 3.053 Lissabon 21,48 21,53 81,46 21,49 21.54 Danzig. ■ 81,36 81,3b 2,18 81,56 Konstantin. 2,20 1 ■2,19 Vltben 4,79 4,81 4,99 5,01 Canada. . 4,197 4,207 4,197 4,207 Uruguav 4.19 4.20 4.20 4.21 Banknoten. 1 Berlin, 13 Septbr. Geld Brie, AmcrikMtische Note» . . 4,174 4,194 Belgische Noten .... * I 11,39 11,45 Dänische Noten ...» 111,19 111,75 CfTrnlilrfii. ‘Jintert .... * 20.341 20,441 Französische Noten . . . 12,32 12,38 AofTnnbffme Noten . _ . 67.80 168,64 Italienische Noten . . . 15,23 15,31 Norwegische Noten...... Deotsch-Ocsterr-, 5100 Kronen 91,67 92,13 59.35 59.04 Rumänische Noten . . . — — Schwedische Noten . . . 11.92 112,48 Schweizer Noten .... 80,88 81,28 Svanische Noten .... 64,04 64.36 Tschechoslowakische Noten 2,375 12,435 Ungarische Noten... • • 5.83 6.87 frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 14. Sept. Tendenz: fest. — Die Börsenlage ist auch heute als günstig zu bezeichnen. Das Interesse für einzelne Werte des Aktienmarktes erfuhr bei Beginn eine wesentliche Steigerung und gab schließlich dem ganzen Markte ein freundliches Gepräge. Die Umsätze hielten sich wegen des Ausbleibens von Käuferschichten zunächst wieder in engen Grenzen und waren zumeist professioneller Art. Nach Eröffnung des offiziellen Geschäfts setzt eine lebhafte Kaufbewegung ein, die in der Hauptsache von der Spekulation ausging, die weitere Deckungen vornahm. Dabei diente als Anregung der gute Eindruck, der davon ausging, daß den Äanken in einer Reihe von Fällen langfristige Gelder zur Verfügung gestellt worden find, wodurch man glaubt, der günftigen Versorgung des Geldmarktes etwas zuversichtlicher entgegensetzen zu können. 3m Termingeschäft standen I.-G.-F a r b e n , im Vorder- gründe, die mit 278 eröffneten und bis auf 280 fliegen. Ferner standen einzelne Montanaktien in lebhafter Nachfrage bei Kursbesserungen bis zu 2 Prozent. Die Verschärfung des englischen Bergarbeiterstreiks brachte hier einen Anreiz für die Spekulation. Elektroaktien lagen ruhig. Siemens konnten um 1,5 Prozent anziehen, Bergmann plus 2, AEG. plus 1 Prozent. Am Banken- markt standen Darmstädter mit einer neuen Steigerung von 1,5 Prozent an der Spitze, die anderen Werte dieses Gebiets hatten nur unwesentliche Veränderungen aufzuweisen. Schiffahrtsaktien logen vernachlässigt: Lloyd nachgebend. Motoren- aftien lagen etwas niedriger. Zellstoffaktien fest. Aschaffenburger plus 2, Waldhof plus 0,5 Prozent. Auch Baustoffaktien setzten die Aufwärtsbewegung fort. Wayß & Freytag plus 1,75, Holzmann plus 0,75 Prozent. Oelaktien fest, desgleichen Zuckeraktien. Der Anleihemarkt war ohne Umsätze. Ausländische Renten behaupteten ihre feste Haltung. Der Freiverkehr gestaltete sich etwas freundlicher. Benz 79, Brown Boveri 130, Growag 60, Entreprise 8, Frankfurter Handelsbank 85, Becker Stahl 33, Ufa 39,5, Ufra 96 Prozent. Im weiteren Verlaufe brachte das Abflauen des Geschäftes ein leichtes Abbröckeln der Kurse mit sich. Die Grundstimmung blieb aber ziemlich fest. Am Geldmarkt waren die Sätze bet andauerndem Angebot fast unverändert. Tagesgeld 4, Monatsgeld 5ß bis 7,5 Prozent. Privatdiskonten 4,75, Industrieakzepte 5,5 Prozent. Im Devisenverkehr lagen die westlichen Frankenvaluten abgeschwächt. Paris ging gegen London auf 170,50, Brüssel auf 178 zurück. Auch Mailand lag schwächer mit 136 gegen das Pfund. Mark und Pfund liegen gegen Kabel weiter fest. Frankfurter Getreidebürje. Frankfurt a. M., 14. Sept. (Äs'wurden notiert: Weizen, Wetterauer 28,25 bis 28,50, Roggen, inländ. 21,75 bis 22, Sommergerste für Drauzwecke 23 bis 26, Hafer inländ. 17,50 bis 18, Mais (gelb) 18,50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 41,25 bis 41,75, Roggenmehl 32,50 bis 34, Weizenkleie 9. Roggenkleie 10,25. Tendenz stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 13. Sept. Die stark gestiegenen Auslandkurse und die durchweg erhöhten Schluß» forderungen wirkten am Berliner Weizenmarkt sehr befestigend. Für prompte Ware bleiben die TImsähe allerdings nicht sehr groß, weil die hiesigen Mühlen mit Kaufabschlüssen äußerst vorsichtig sind. Dagegen (teilte sich Lieferung 4 Mark höher, da großes Deckungsbedürfnis wenig an- dienungsfähiges Material in heimischer Ware vorfindet. September war 4 Mark befestigt, spätere Ware bis drei Mark höher. Die Knappheit in Roggen treibt auch die Kurse ziemlich hoher. Gerste ruhig, Hafer in feinsten Sorten gefragt, sonst ruhig. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märk., 265 bis 269, Roggen, märt, 213 bis 219, Sommergerste 205 bis 248, Wintergerste 170 bis 175, Hafer, märk., 172 bis 185, Mais, loko Berlin, 180 bis 183, Raps 100; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,25 bis 39, Roggenmehl 30,75 bis 32,5, Weizenkleie 10, Roggenkleie 11, Biktoriaerbsen 43 bis 50, Kl. Speiseerbsen 34 bis 38, Futtererbsen 24 bis 31, Rapskuchen 14,2 bis 14,4, Leinkuchen 19 bis 19,2. f Letzte Nachrichten. Hinterlegung der Lscarns-Urkunden« Genf, 14. Sept. (TU. DrahtmelbungJ heust vormittag 11 Uhr sand im völkerbundsferrelarial die feierliche Hinterlegung der Ratififationsurtun- den der Locarnoverträge durch die ersten Delegierten der am Locarnoabkommen beteiligten Mächte statt. Deutschland war durch Dr. Strefemanu vertreten. Allo Gewinne können auf Wunsch des Gewinners ganz oder in Einzelheiten geändert werden LOSE Sind ZU haben bei: L®"Em'‘VsVi7nl^™nS *l®S$enlJhac,,ob, !?alu,m?nn;,L°l*e,rie-Einnehmer, Offenbach a. M. GieOen: W. Legler, Untergasse 2; Carl Fröhllno A-6 Filiale Butzbach- Anton Schale A Füi^rabe. Bahnhofstr 26 und Frankf, Str. 89. Alsfeld: Conrad Carl Waldeck, Emil Stamm, Lott.-Einn. Schnuraa’sse 8 Lauterbach i H • Fritz R^hh"dt’ ^^b^wgren. Friedberg i. H.: Carl Fröhling A.-G., Filiale; Filiale Schade & Füllgrabe; Wilh. Müller, Lott.-Einn., Fürstenstraße8,’ Fi Ma le Schade'“fü Hg a b^ Schutz- C^rl VröhMno H h««-9 2sd-Nauheim: Konsum-Verein,Taunusstr.; Heinrich Muth, Feststr. 26. - Vereinen wird der postenweise0Bezüo v™ i n£ hir»£thuam m ’ ?ar >Zo ’ Buchhandl„ Bahnhofstr. Vilbel: Konsumverein; ,u UUI Ratenweise oezug von Losen direkt vom Verein „Haus der Juaend" E.V Frankfurt = m PahIaaI^ Amnfnhinn Lotterie „Haus der Jugend“ zugunsten der Errichtung eines neuzeitlichen Jugendheims und einer Musterjugendherberge in Frankfurt am Main Los 50 Pfennig — Gesamtwert der Gewinne Mark 210000.— Konserven, Winterobst, Gutscheine für Elektrizität, Gas, Milch usw. usw.) *Sse Alles praktische Gegenstände, daneben aber auch Gewinne für die Mußestunden, für Theater, Sport usw., im übrigen viele noch nie dagewesene Gewinne, siehe die besonderen Veröffentlichungen. Hauptgewinn im Werte von Mark 30000.- (im günstigsten Falle von Mark 40000.-) entweder 1 Einfamilienhaus oder die Mittel zur Gründung einer selbständigen Eine Prämie im Werte von Mark 1OOOO.- [Existenz Ein Hauptgewinn im Werte von Mark 5 000.- Zwei Hauptgewinne im Werte von je Mark 3 000.- bis zur betr. Gewinnhöhe entweder eine Wohnung nebst Wohnungseinrichtung, oder ein Auto, oder die Mittel zu einer längeren Berufsausbildung, Vier Gewinne im Werte von je Mark 1500.-: Uebernahme der gesamten Winterversorgung für eine Sköpfige Familie (Zahlung der Miete, vollständiges Einkleiden mit Wintermänteln, Winteranzügen, Unterwäsche, Schuhen, Lieferung von Heizmaterial, Kartoffeln, ner 6 Gewinne im Werte von je Mark 1000. 12 11 ii H 300. 20 II H n 11 300. 50 II .. 200. 100 II ii ii 100. 200 •1 ii H 30. 1000 II ii ii 20. 2000 II ii ii „ 10. 4000 II ii ii 5. 15000 • 1 ii H e ■ 11 3. Nr. 215 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 14. September (926 Soziale Probleme in Frankreich. Don unserem Berichterstatter. l Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Das Frankreich der Vorkriegszeit gehörte ohne Zweifel zu jenen Staaten, in denen eine starke soziale Stabilität herrschte. Die dritte Republik brachte, was die Entwicklung der Gesellschaft betrifft, einen solchen Konservatismus zutage, wie er selbst in den Monarchien selten anzutreffen war. Der Krieg aber, und noch viel mehr die 'Nachkriegszeit räumte mit dieser Ruhe — oder Stagnation — gründlich auf. Die Klagen über die Amerikanisierung der Lebensformen hört man nun schon seit langem und auch das Entvölkerungsproblem datiert nicht erst von heute. Paris vergrößerte sich stark und ändert seinen Charakter. Frankreich ist ein Einwanderungsland geworden. Die Industriealisierung wird fieberhaft durchgeführt — auch abgesehen von den Jn- flotionserscheinungen. Mit ihr parallel geht eine Krise d e r Landwirtschaft infolge des Mangels an Arbeitskräften. Die Flucht vom Lande, dieses gemeinsame liebel der westeuropäischen Staaten, hat besonders große Dimensionen angenommen. Der Franzose ist von Natur aus seßhaft'.und liebt seinen Acker, aber während des Krieges lernte er die Städte und vor allem P a - ris kennen. In der Großstadt boten sich tausend Möglichkeiten für leichtere Arbeit, angnehmeres Leben und größeren Gewinn. Die Flüchtlinge, die oft mehr Entschädigung erhielten, als ihr Haus oder Gut wert war, kehrten nach dem Wiederaufbau nicht in ihre alte Heimat zurück. Sie suchten sich in Paris Arbeit, die sie bei der guten Konjunktur auch leicht fanden. Auch aus den anderen Teilen des Landes strömten und strömen die Massen nach Paris. Junge Leute verlassen scharenweise ihre Heimatstätten, um in Paris ihr Glück zu versuchen. Nur die Alten blieben zu Hause. Auf solche Weise entstehen ganze „G r e i s e n d ö r f e r". Die kleinen Güter erweisen sich als nicht rentabel, besonders wo der Boden nicht erstklassig ist. Dabei haben ein oder mehrere Mitglieder fast in jeder Familie eine kleine Rente, als Kriegsbeschädigte oder Kriegswitwen. Man verkauft Haus und Gut und zieht in die Stadt, und wenn man tüchtig ist, eröffnet man ein kleines Geschäft und prosperiert. Es gibt immer mehr unbebaute Aecker, oder es entstehen mittlere und größere Güter. Letztere kämpfen aber auch mit Schwierigkeiten, denn sie können keine, oder nur ungenügende und teure Arbeitskräfte finden. Es ist üblich geworden, Arbeiter aus Spanien, Belgien, Italien und vor allem aus Polen zu holen. Die Spanier find noch die einzigen, die wirklich auf dem Lande bleiben. Von ihnen kommen jedoch nur verhältnismäßig wenige nach Frankreich und auch diese nur für eine Saison, so daß man mit ihnen in jedem Jahre einen neuen Kontrakt schließen muß. Der größte Teil der Einwanderer bleibt nur einige Wochen, oder oft nur einige Tage auf dem Lande und zieht dann in die nächste Stadt. Nun will man den Einwanderern gesetzlich verbieten, daß sie andere Arbeit suchen, als die in ihrem Einreise-Ausweis vermerkte. Ob es aber mit dieser Methode möglich sein, wird, die Einwanderer auf dem Lande zu halten, " ist doch recht fraglich. Auch in der I n d u st r i e spielen die fremden Arbeiter eine große Rolle. In der industriellen Arbeiterschaft sind nicht nur alle möglichen Nationen Europas vertreten, es gibt auch farbige, Gelbe und Schwarze, sowohl aus den französischen Kolonien — die Algerier sind die schlimmsten — also auch Chinesen und andere Leute aus fremden und exotischen Ländern. Einige Gewerbe sind schon völlig überfremdet, so zum Beispiel haben die Russen das Chauffeurgewerbe ganz für sich mit Beschlag belegt Der Verwaltung und der Polizei erwuchsen dadurch riesige Sorgen. Viele Einwanderer können nicht schnell genug Arbeit finden, ballen sich dann in den Vorstädten zusammen, bieten der kommunistischen Propaganda ein ideales Betätigungsfeld und verkommen oft völlig. Es ist auch zu beachten, daß es unter den Einwanderern sehr viele minderwertige und zweifelhafte Elemente gibt. Besonders die Polen weisen eine erschreckende Kriminalität auf, und gefährden auch die hygienischen Verhältnisse. Eine Zeitlang wollte man eine besondere Kontrolle über sie einführen, aber davon ist es schon wieder still geworden. Eine noch größere Sorge für die jeweilige Regierung bilden die Italiener. Ihre Zahl wurde schon 1922 auf 900 000 geschätzt, heute sollen nach der offiziellen Schätzung 1 168 000 in Frankreich angefiedelt fein, wobei zu beachten ist, daß die Statistik aus verschiedenen Gründen nur einen Bruchteil der Einwanderer zu fassen vermag. Die südlichen Departements sind mit Italienern geradezu überschwemmt, sie bilden dichte Kolonien, und wenn es auch übertrieben ist zu behaupten, daß sie sich von der einheimischen Bevölkerung absondern, werden sie jedenfalls äußer st schwer assimiliert. Kleine Städte bekommen so überraschend schnell ein italienisches Gesicht, in den Departements Lot, Lot et Garonne, Tarn, Chantal usw. gibt es bereits Dörfer und Städtchen, in denen das italienische Element vollkommen überwiegt. Die Politik der Regierung geht nun darauf aus, die Einwanderer derart anzusiedeln, daß sich keine dichten und abgeschlossenen Kolonien bilden, sondern daß das fremde Element sich zwischen den Franzosen gleichmäßig verteilt. Diese Siedlungspolitik erhielt einen besonderen Antrieb bjird) die mit großem Aplomb ins Werk gesetzte italie- nische I r r e b'e n t a - P o l i t i k. Der ehemalige Kultusminister im letzten Kabinett Caillaux, Nogaro, hat sogar einen besonderen Siedlungsplan ausgearbeitet, um der Entfremdung Einhalt zu tun. der sich auch ziemlich gut bewahren soll. Immerhin sind die Italiener, wie dies das Beispiel Amerikas zeigt, überhaupt schwer zu assimilieren. Der Süden tröstet sich über all diese liebel, mangels anderer Möglichkeiten mit der Politik. In jedem Dorfe gibt es einen politischen Klub, ober gar mehrere. Der größte Teil der führenden Parlamentarier stammt aus dem Süden. „Sie produzieren wenig, reden aber viel zu viel" sagt man in Nordfrankreich. Und, um Abhilfe zu schaffen, hat sich eine „Liga des Nordens" gebildet, welche bewirken soll, daß auch die Nordfranzosen mehr zum Reden und Politisieren kommen---. Um die Präsidentschaft in der Tschechoslowakei. Von unserem K.--Korrespondenten. Prag, 10. September 1926. Wenn auch der laute Lärm in der Oesfenl-- lichkeit, den zuerst die dunkle Gajda-Affäre und darnach der heftige Feldzug der Faszisten gegen beit Außenminister Dr. Denesch verursacht haben, augenblicklich etwas abgeebbt ist, so geht darum der zähe Kampf zwischen rechts und links unverkennbar, wenn auch mehr unter der Oberfläche weiter. Der konservative tschechischdeutsche D ü r g e r b l o ck, der sich im Mai gebildet hat, als es galt, zugunsten der Agrarier hohe ZoUsätze gegen den sozialistischen Widerstand durchzudrücken, scheint sich auf eine längere Herrschaftsperiode einrichten zu wollen. Es gibt noch allerhand wirtschaftliche Fragen, insbesondere die bedeutungsvolle Steuerreform, die ungelöst bleiben mußten, solange in der früheren all- tschechischen Koalition auf die Sozialisten Rücksicht zu nehmen war. Der Bürgerblock kann diese Angelegenheiten nun in seinem Sinn lösen, und seit cd feststeht, daß die deutschen Parteien, die den Bürgerblock bilden helfen, bereit sind, bei der Einhaltung des konservativen Kurses mitzutun, ohne nationalpolitische Forderungen aufzustellen, sind die tschechischen bürgerlichen Parteien entschlossen, die Vorteile dieser Situation auszu- nützen. Dabei ergibt sich freilich ein merkwürdiger Gegensatz zwischen Parlament und Regierung. Die Mehrheitsgruppe des Parlaments ist konservativ und rechts gerichtet, die Regierung aber führt ein Beamtenläbinett, in dem Dr. Denesch als Vertrauensmann des Präsidenten M a s a r y k tonangebend ist, und das daher mehr nach links tendiert oder doch wenigstens die konservativen Bestrebungen des Dürger- blocks hemmt. Den führenden Persönlichkeiten des Bürgerblocks ist diese Konstellation natürlich nichts weniger als genehm, und manch eine von ihnen mag bei dem Faszistenrunlmel der letzten Wochen gegen Dr. Benesch gehofft haben, daß der unbequeme Außenminister über die ihm hingeworfenen Knüppel stolpern würde. Dann wäre der Wunsch der konservativen Mehrheit erfüllt gewesen, den Einfluß der Linken im Kabinett auszuschalten. Auf andere Weise dürfte es nicht so leicht werden, ein Kabinett nach dem Geschmack der konservativen Mehrheit zu schaffen. Ratürlich könnte der Bürgerblock das gegenwärtige Beamtenkabinett zur Demission zwingen. Aber es käme nicht viel besseres nttch. Demi zur Aufstellung einer eigenen parlamentarischen Regierung ist der Bürgerblock noch nicht genügend gefestigt. Er mühte wohl oder übel auch seinen deutschen Bundesgenossen das eine ober andere Portefeuille einräumen, und diese Belastungsprobe verträgt der junge Block noch nicht. Mit der Ernennung einer neuen Deamtenregie-- rung wäre aber dem Dürgerblock kaum gedient. Denn die Ernennung vollzieht der Präsident, und Deamtenministern gegenüber genießt Masa- rhk immer noch Autorität genug, um einen ausgesprochen konservativen Kurs der Regierung zu verhindern. Eine wiederholte oder länger andauernde Regierungskrise könnte allenfalls auch zur Parlamentsauflösung und zu Reuwahlen führen. Auch das ist eine Eventualität, die dem Dürgerblock nicht erwünscht ist. Die schwere Wirtschaftskrise, von der die Tschechoslowakei erfaßt ist, stärkt natürlich die Anziehungskraft der Sozialisten und Kommunisten, und die neuen Zölle, die die Lebenshaltung verteuert haben, sind nicht geeignet gewesen, die Sympathien der städtischen Bevölkerung für den Bürgerblock zu vergrößern. Deshalb dürfte es die gegenwärtige Mehrheit kaum auf vorzeitige Reuwahlen ankommen lassen. Aber die Bestrebungen, dem sozialistischen Einfluß auf die Regierung ein Ende zu machen, nehmen fraglos ihren Fortgang. Hat Minister Denesch, der dem Dürgerblock am unangenehmsten ist, auch die ersten Angriffe siegreich abgeschlagen, so werden ihm zweifellos während der kommenden Parlamentssession neue Schwierigkeiten bereitet werden. Lind nicht nur gegen Benesch richten sich heute die Intrigen und Verschwörungen, vielmehr sind zweifellos Kreise vorhanden, die die Axt höher anlegen, die den Präsidenten Masarhk treffen wollen, an dem die Parteien der Linken ihre starke Stühe haben. In neun Monaten, im Mai nächsten Jahres geht die Funktionsperiode des Präsidenten zu Ende. Lange Zeit schien es, als würde Masarhk bei einer Reuwahl ohne Ge - genkandidaten wiedergewählt werden. Der Rimbus, der seine Person umgibt, die fraglos großen Verdienste um die Staatsgründung, die er sich während seiner Auslandtätigkeit im Weltkrieg erworben hat, die Verehrung, die er im Volk genießt, ließen es lange als selbstverständlich erscheinen, daß ihm niemand die Präsidentschaft streitig machen würde. Ader die nun eingetretene Verschiebung der Kräfteverteilung rückt selbst der sentimental scheinenden Pietät zu Leibe. Die Führer des Dürgerblocks erblicken in Masarhk das Hemmnis, dem Staate ihre konservative Rote unverfälscht aufzudrücken, und immer bemerkbarer wird die Tendenz, bei Gelegenheit der Rcuwahl der Hemmnis zu beseitigen. Auch der Rame des Gegenkandidaten wird schon gemunkelt: Svehla, der langjährige Fluge Führer der tschechischen Agrarier. Die Kreise, die ihm die Präsldenten- würde zuschanzen wollen, denken übrigens zwei Fliegen mit einem Schlag zu treffen. Svehla genießt nämlich nicht mehr die alte Autorität in seiner Partei. Sein Ideal war seit jeher die alltschechische Koalition und bis heute scheint er sich mit dem neuen Gebilde des Dürgerblocks, in dem Tschechen mit Deutschen beifammen- sihen, nicht abgefunden zu haben. Die Anhänger des Dürgerblockgedankens möchten begreiflicherweise den ihnen hinderlichen klugen Politiker gern aus dem aktiven Parteigetriebe entfernen. Seine Wahl zum Präsidenten wäre also gleichzeitig eine Kaltstellung. Die Situation in der Tschechoslowakei ähnelt heute der Lage in Frankreich nach dem Sieg des Linksblocks im Mai 1924. Damals ist der konservative Präsident Millerand kurzerhand zum Rücktritt gezwungen worden. So brutal kann der Bürgerblock der Tschechoslowakei mit Rücksicht auf die Stimmung der Bevölkerung nicht vorgehen. Aber wenn es den Verehrern Masarhks nicht gelingt, bis zum Mai einen Keil in den Bürgerblock zu schlagen, dann ist eine Kamps- Wahl unvermeidlich. hessischer Zanitätskolonneniag. * Der 8. Hessische Kolonnentag des Verbandes der hessischen freiwNli- gen Sanitätstolonnen vom Roten Kreuz wurde am 11. und 12. September in Bensheim abgehalten. Der Tagung ging eine Sitzung des Landesvorstandes sowie ein Begrüßungsabend, veranstaltet von der Freiw. Sanitats- kolonne Bensheim-Auerbach voraus, außerdem wirkte mit der Musikverein Bensheim, der Turn- verein und die Oefangsabteilungen der Sanitäts» kolonnen von Mainz und Worms. Der Sonntag wurde eingeleitet durch eine G e - bächtnisfeier zu Ehren der gefallenen Kameraden auf dem Ehrenfriedhof. Die Verhandlungen eröffnete und leitete der Vorsitzende des Landesverbandes Hauptmann a. D. Lotheißer (Darmstadt), nachdem Kreisdirektor Reinhard und Bürgermeister Dr. A n g e r m e i e r (Bensheim) die von 52 Delegierten und über 1500 Mitgliedern besuchte Versammlung begrüßt und den Verhandlungen guten Verlaus gewünscht hatten. Zu Ehren des im Laufe des Jahres verstorbenem langjährigen Vorstandsmitgliedes, Kolonnenarztes und Inspektors Dr. Metternich (Mainz) erhob sich die Versammlung von den Sitzen. Geheimrat Dr. v. Hahn, der Vorsitzende des Landesvereins vom Roten Kreuz, bezeichnete als selbstverständliche Pflicht des Landesvereins die Forderung der Kolonnen. Am Schluffe feiner Ansprache gab er die Auszeichnungen bekannt, die an eine Anzahl von Mitgliedern für 40- und 25jährige Dienstzeit verliehen wurden.— Bei der Ausbildung weiblicher Personen für den Samariter^ dienst soll als Regel gelten, daß ihre Zahl ein Drittel derjenigen der männlichen Mitglieder nicht übersteigt. Besondere Bestimmungen über die Kleidung der Samariterinnen sollen noch erlassen werden. Gegenüber dem Verhalten linksstehender Kolonnen empfahl der Vorsitzende als beste Gegen- Wirkung Aufklärung der Mitglieder über die wah- Sturm in SchmaleLeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b.H., Berlin. 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Immer dachte man doch nur an das Verloben. Ober andere nicht? Aber Ilse glaubte, daß. sie es täten; sie hatte, wo sie eine junge Liebe gesehen, immer so empfunden — ja, und an die Ehe dachte man so wenig. Die Mütter sagten: Das findet sich alles schon, wenn ihr erst verheiratet seid, und sorgten für Seinen und Kleider und Möbel — ob die zwei sich nachher wirklich ineinander fanden, darum 1 orgten sie wenig. Mit einem Male hatte das Leben, das immer so hell und heiter gewesen, einen ganz dunklen Schatten. Pfui, jag' ihn fort. Will er nicht weichen? Du wirst doch Herr werden über einen Schatten? Ach, Schatten sind viel schwerer zu fassen als wirkliche Dinge. Ilse schlief ein und vergaß im gesunden Ju- gendschlaf Schatten und Zukunftssorgen, wußte nur am Morgen, daß sie etwas geträumt hatte von Olaf, der so unbändig lachte, während sie meinen mußte, und von Thomas Raben, der wilde Augen dazu machte. Einen Zufammenhang konnte sie nicht mehr finden. Herbststürme jagten über das Land. Den ganzen Tag.schob der Norbwest die dicken, grauschwarzen Wolkenballen heran über die See, hinüber über öen Deich, hinein in das Land. Die letzte Heuernte war kaum geborgen, die großen Ochsenherden nach Ham- bürg südwärts getrieben worden, da brach er heran über das Meer. Kam aus den unendlichen Wogengründen des Atlantik, hatte sich droben an den schottischen Inseln vollgesogen mit Nebel und eisiger Kälte, war ganz erfüllt von Menschenhaß und Vernichtungswillen und faßte mit seinen harten, falten Händen hinein in die Städte, riß an den Dächern, stieß gegen die Mauern, brüllte Wutgesänge an allen Türen und Fenstern. Man kannte den groben Gesellen an der Küste. Alle Fenster waren mit Wattestreifen versichert, dem Zugwind zu wehren. Alle Dächer waren über Sommer geflickt, und die frischen, roten Ziegelecken leuchteten lustig zwischen den bemoosten Flächen auf. Alle Fischerboote lagen in den Prielen, schaukelten gemächlich, ließen sich aber auf gar ferne Fluchtpläne der reißenden Wasser ein. Pfähle und Ketten waren von guter Arbeit. Die Menschen redeten vom Dreschen, vom Obstdörren, vom Schweineschlachten. Man brachte die erste Stoppelgans auf den Tisch, und Frau Pastor Rottmann buk den ersten Apfelkuchen. Kann man irgendwo solchen Apfelkuchen backen wie in den Herzogtümern? Immer eine Schicht leicht mit Butter angeschmorter Aepfel und eine Schicht gestoßenen Zwieback, und jedesmal auf die Zwiebackschichten viel Zucker und lauter Butterflöckchen und viel, recht viel herrliches, dunkelrotes Johannisbeergelee. Und zu oberst noch einmal Zucker gestreut und Butter gelegt, und dann gebacken, daß alles zu einem herrlichen Etwas zufammenfchmort. Kalt oder warm gegessen, er schmeckt immer wunderbar. Aber billig ist er nicht, besonders dann nicht, wenn man die guten Gravensteiner hineinbäckt, statt sie nach Hamburg zu verkaufen. Rottmanns hatten ein Dutzend der echten Gravensteiner Bäume, die nirgend so gut gedeihen wie nahe der Küste; denn sie wollen Seeluft, um ihre Art zu haben; aber mochten die Kronen zentnerweise ihre Last tragen, verkauft wurde nicht ein Apfel. „Wenn man es so gar nicht nötig hat", sagte Helene Jessen, die nur einen kleinen Bort voll von solchen guten Dingen behielt und alles andere dem Händler auslieferte. „Ehe sie mir verfaulen, nehme ich lieber bares Geld. Aber Siggelkow bezahlt jedes Jahr schlechter." Immerhin, als sie die Herbsteinnahme zählte, reichte es zu zwei Dutzend Handtüchern für Riekchens Aussteuer. „Sie wird ja nie heiraten. Sie ist ja so merkwürdig Männern gegenüber — aber immerhin, eine Mutter muß Vorsorgen." Bei Rottmanns liefen die Gören alle Tage mit Taschen voll Aepfeln. Man wußte nicht, wie Hans es machte, daß er nicht platzte; den er kaute den ganzen Tag. Sie trugen aber auch in alle bekannten Häuser, und eines Nachmittags erschienen sie mit ihrem kleinen Handwagen und luden drüben bei Madam Eggers ab. "Nicht, daß — und laß mir was schenken", sagte Madam Eggers zu ihrem Hauswirt. „Nein, verdien' ich alles ab. Mit Frau Pastorin ihren Hauben. Und näh' nu noch Taschentücher für die Kinder. Schenken laß ich mir nichts. Das kann ich nie vergessen, daß Eggers immer sagte: .Vornehm aussehen kann nicht jedwerein, Angeline. Aber vornehm denken kann jeden/ Ob das 'ne alte Hose ist ober en Wagen Aepfel — mein Fiete und ich, wir bezahlen alles." Mit selbstzufriedenem Gesicht barg sie einen Korb nach dem andern in ihrem Keller. „So, nun fahrt auch ordentlich zurück und werft Hans nicht wieder um, wie ihr das immer macht. I gilt, Gitta, wie sieht dein Taschentuch all wieder aus! Wischt dir woll die Schuh mit ab, nicht? Näh' ich sie dazu? Alle mit en Hohlsaum? Euer Mutter sollt sie euch annähen in’n Taschen. Ihr verliert sie doch man überall." „Ich brauch gar feins", sagte Hans. „Ich fann's mit den Fingern." „Na aber, daß du — und schämst dich gar nicht, großen Jung! So was hat mein Fiete nie getan. Der hat all als kleinen Jung immer gewußt, was ein zu tun hat. Nu geht man. Und ich komm' noch rüber und bedank' mich und bring’ Großmutter die neue Haube. Und Aenne ihre Schulmütze bring' ich auch." „Ist die wieder so groß und dick?" fragte Aenne mißtrauisch. „Letzten Winter haben sie alle über mich gelacht." „Da laß die dummen Gören man lachen. Das war ’ne schöne Mütze, die ich gemacht hab. Könnt' sich ’ne Prinzessin in sehen lassen." „Hast all mal ’ne Prinzessin gesehen, Mam Eggers?" frug Gitta. __ „Dumme Deern." Sie warf die Haustür zu, die Kinder fetzten Hans in den Wagen, die Schwestern ergriffen die Deichsel. Thomas Raben, der seit zwei Tagen wieder in der Post wohnte, rief sie aus dem Fenster an. „Wollt ihr einen Dreiling verdienen?" Wann wollten sie feinen Dreiling haben. „Hier ist ein Brief, nehmt ihn mit." Der Brief war an den alten Herrn und enthielt nur die Mitteilung, daß Herr Rabe zu feinem großen Bedauern eilg zum Sechsjahrskvog hinaus müßte, da sei eine Landverhandlung. Daß er also erst abends gegen neun kommen und am Whist teilnehmen könnte. „Süh," sagte Mutter Eggers drinnen zu Fiete, „was der nu schon — und gibt den Kindern fein Briefchen mit. Aber die schöne Ilse hat es nu mal mit dem Banste. Auf der Ressource hat er drei Tänze mit ihr getanzt. Nehmen tut er sie doch * nicht, mein Fiete, denn hält' er längst ernst gemacht. Und Georg Grützmann, der kommt auch man selten jetzt — na, die kann noch lange warten. Muß am Ende noch warten, bis einer kommt, an dn sie jetzt noch lang nicht denkt." Seit einiger Zeil konnte sie ihre geheimen Hoffnungen nicht mehr ganz in der Stille herumtraqen. Fiete kniff den Mund zusammen. Sie sollte ihn mit strichen Reden in Ruhe lassen. Sie schmeichelten und regten auf, und er wußte doch, daß es nicht mehr lange währen würde mit ihren Hoffnungen. In keiner Weise. — Wie nahe aber der Sturm war, der ihren ganzen Herbstsegen sortfegte, bas ahnte auch er nicht. Mabam Eggers nahm den dicken grauen Umhang von Lisette Rosen, der war bei dem Wind und dem ewigen Regen dieser Wochen wirklich eine Wohltat, nahm ihr Paketchen mit den fertigen Sachen und ging ebenfalls hinüber zu Rottmanns. Es war wieder mal ein guter Küchenduft im Haufe. Der Apfelkuchen! — Sie roch ihn sofort. Und ging zu Mile in die Küche und sagte: „Leg' mir man en ordentliches Stück zurück. Ihr habt doch die ganze Form genommen, was? Fiete ißt ihn man einmal gern. — Ja, denn will ich man das Silber noch mal überreiben, daß du drinnen decken kannst. Kommt denn der Danske auch heute abend?" „Weiß ich nicht. Laß bas Silber man, ber alte Herr hat gesagt, ich soll dich erst mal zu ihm schicken, wenn du kommst. Er wollt’ ein ernstes Wort mit dir sprechen." „So, als mit mir? Herr Gott, was wird denn nu wieder?" Sie erfuhr es schnell genug. „Sehen Sie mal, Madam Eggers, es hat doch feinen Zweck mehr, daß wir uns blauen Dunst vormachen. Fiete hat nun mal nicht bas Zeug zum Studieren. Ich hab' mich redlich mit ihm geplagt, das kann ich wohl sagen. Und man hat mir früher nachgesagt, baß ich ganz gut verstäube, ben jungen Leuten die alten Sprachen munbgeredjt zu machen. Es will nicht in ihn hinein. Ich muß es ihm lassen, er gibt sich Mühe. Aber was er ben einen Tag in feinen Kopf hineingequält hat — am nächsten Morgen ist es wie fortgeblasen. So können wir noch zehn Jahre fortmachen — und bas Examen besteht er nie." (Fortsetzung folgt.) Besucht die Weren-Ausslellung im Saalbau Sauer Eintritt für jedermann frei! 7464a Konsumverein Gießen u. Umg. 321 su MG HUA ■ix - '■■ '■•■ WW^H 11 Suchers: „Ein' feste Burg ist unser Gott" als Eingangslied des Gottesdienstes. Pfarrer L ü h l legte seiner Predigt die Worte 2. Korinther 13, Vers 11 zugrunde: „Zuletzt, lieben Brüder, freut euch, seid vollkommen, tröstet euch . . Ausgehend von einem Gemälde in der Hofburg zu Innsbruck, das den Ritterschlag im Jahre 1770 darstellt, zeigte er die Bedeutung des Ritterschlages als Sinnbild der Kraft. Dos Ordenskreuz fei ein Wegweiser nach Golgatha, mahne zur Demut gegen Gott, der unser Denken, Fühlen und Handeln stark mache. Die Kardinaltugenden: Manneszucht, Mannesmut und Selbstüberwindung müßten allezeit gewahrt werden. Mit Gebet, Segen und dem Lobpreislied der dritten Strophe aus „Run danket alle Gott" endete der erhebende Feldgottesdienst. Gegen 2 Uhr nachmittags traten die Bruderschaften zu einem st a t t l i ch e n Zuge auf der Ochsenwiese an. Wohl über 1000 Monn mögen es gewesen sein. Exzellenz Generalleutnant v. Salzen- b e r g begrüßte die Bruderschaften mit dem Ordens- aruß. Unter flotter Marschmusik setzte sich der lange Zug, an dessen Spitze die Ordensbanner wehten, in Bewegung. Auf dem Buttermarkte, wo sich eine unzählbare Menschenmenge eingefunden hatte, nahmen die Oerdensbrüder Aufstellung "Bor* dem alten Marktbrunnen. Don den Stufen des Brunnens verkündete Exzellenz Generalleutnant v. Salzen- b u r g zunächst ein Telegramm vom Hochmeister Arthur M a y r a u n, der leider verhindert sei, zu der Kundgebung zu kommen. Ihm zu Ehren er- schallte kräftig dreifach der Ordensgruß über den weiten Platz. Sodann führte der Redner in markigen Worten aus, daß man hier auf alchiftorischem Boden stehe; er erinnerte an Freiherrn vom Stein und an den großen Geisteshelden Goethe, der hier feine ersten großen Arbeiten begonnen habe. Ob Republik oder Monarchie am besten gedeihen, würde die Entwicklung der Zukunft zeigen, über der der Höchste walte. Deutschlands Zukunft möge eine sonnige wrden. Den Geist von Potsdam brauche man zur Ergänzung der Freiheit, die Weimar uns versprochen habe, den Geist der Arbeit, des Opfers. Der Staat könne nicht nur auf Parlament und Parteien ruhen. Das Ziel fei, ein freideutfches Volk zu werden; das bringe uns das System der westlichen Demokratie nicht.. Der Orden wolle dem Volke zeigen, daß es bessere Wege gebe. Sein Führer schöpfe aus der Scholle und aus des Volkes Grund. Man wolle einen Staat des Volkes, in dem der Bürger nicht als Feind, sondern als Blutgenosse betrachtet werde, einen Staat, wo nach Steins Wor- ten Staat und Volk eins feien. Der Orden könne darauf hinwirken, daß alle Brüder werden. Der Gemeinschaftsgedanke werde ergänzt durch den festen Willen, ein wahrhaftes Volk zu bleiben. Mit einem Gruß an das Banner endete die Rede. Der gastlichen Stadt Wetzlar wurde besonderer öfsent- licyer Donk abgestattet. Anschließend an die Kundgebung fand ein Vorbeimarsch der Ordensbrüder vor Generalleutnant o. Salzenberg statt, worauf sich der Festzug durch die Straßen der Stadt bis zum Bahnhof zog, wo die Auflösung des Zuges erfolgte. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Mittwoch, 15. September. 12 bis 1 Uhr: Ueberfragung des Konzerts am Lachhannes. — 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. — 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Haus- orchefters: Reue Operetten. — 6.30 bis 7 Uhr: „Jndianersprachen und ihre Literaturen", Vortrag von Dr. Schütz. — 7 bis 7.30 Uhr: „Mannheims Museen", Vortrag von Professor Dr. Walter. — 7.30 Uhr: Ueberfragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Boccaccio". an großen Versammlungsgebäuden fehlt, wurde ab» gelehnt. Ein Antrag Bad-Nauheim, Verleihung von Ehrenzeichen, wurde dem Landesoorstand zum Einvernehmen mit dem Landesverein über- wiesen. Auch der Antrag des Kolonneninspektors der Provinz Starkenburg auf Erteilung einheitlicher A u s w e i s f a r t e n für Kolonnenmitglieder, die ihre Prüfung bestanden haben, wurde zur weiteren Behandlung dem Landesvorstande überwiesen. Nachdem die Versammlung dem Gesamtvorstand den Dank für die im vergangenen Jahre geleistete Arbeit abgestattet, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die von Natur so schöne, an den Bergabhängen der Bergstraße liegende Stadt Bensheim hatte durch reichen Flaggen- und Girlandenschmuck ebenso wie durch die Aufnahme der zahlreich erschienenen Sanitäter sich ein schönes Zeugnis ihrer Gastfreundschaft ausgestellt. E. Hessischer KmdergoLresdienstverband. * Mainz, 12. Sept. Gestern und heute versammelte sich hier der neugegründete Kinder- gottesdien st verband zu seiner l.Jabres- uerfammlung, die einen überaus eindrucksvollen Verlauf nahm. Der Bcgrüßungsabend sollte in gegenseitiger Fühlungnahme den rechten empfänglichen und fruchtbringenden Boden für den Haupttag bereiten. Der Verband der Kindergottesdienste ist, so betonte der Vorsitzende und Leiter, Pfarrer Glock aus Mainz, zum guten Teil ein Verband der Helferkreise, die sich gegenseitig befruchten sollen und empfangen dürfen. Der Festsonntag begann mit dem feierlichen Gottesdienst in der Christuskirche, die trotz ihrer Weite bis zum letzten Platz gefüllt war. Aus allen Teilen Hessens waren die 'Kindergottesdienstleute herbeigeeilt. Kirchenrat Schrenk aus Frankfurt a. M. predigte auf Grund von Matth. 18, Vers 1—7 über die Stellung des Kindes in der Gemeinde. Zu dem Kindergottesdienst, der sich anschloß, zogen in feierlichem Zuge die Mainzer Kinder ein. In fein aufgebauter Liturgie, die wie auch die Unterredung D. Hiersig hielt, wurden ihre Seelen zu Gott erhoben. Am Nachmittag vereinigten sich die in der Arbeit Stehenden zu einer inhaltsreichen Verhandlung. In seiner Begrüßung stellte der Vorsitzende scharf heraus: Der Verband will keine Organisation sein im landläufigen Sinne. Er will nichts anderes als dienen. Mit viel Freude wurde es empfunden, daß durch die Worte des Herrn Prälaten D. Dr. Diehl, mit denen er im Namen der Landeskirche den Verband und die Versammlung grüßte, tiefes Verständnis und hohe Wertschätzung dieses Dienstes klang. Grüße waren eingelaufen vom Neichsver- band, vom Norddeutschen, Rheinifch-Westfälischen und württembergischen Verband. Im Mittelpunkte stand der Vortrag des Herrn D. Hiersig: „Der Kindergottesdienst und die Not unserer Zeit". Der Kindergottesdienst hat gerade heute „vitale Bedeutung", er ist lebensnotwendig gegenüber der Not der Zeit, lieber aller nationalen und wirtschaftlichen Not steht die religiös-sittliche. Das Volk muß sterben, das sich loslöst von Gott. Die Hoffnung unserer Zeit ist nur eine sittlich-religiöse Wiedergeburt. Verkehrt ist die Hoffnung auf die Jugend schlechthin, sie liegt in einer von Christus erzogenen Jugend. Gerade in der Erziehung liegt heute das Entscheidende, sowohl nach der positiven wie nach der negativen Seite. Der Kindergottesdienst will zu rechter Erziehung verhelfen. Beantwortung von gestellten Fragen und ein Bericht über die Kindergottesdienstsache in Hessen schloß die Verhandlungen ab. Am Abend fand ein Elternabend statt, der durch Gesang und inhaltsvolle Spiele der Kinder bereichert wurde. Oberkirchenrat Zentgraf sprach in eindrucksvoller Weise über: „Sonnenschein für Kinderherzen". v _ Eine inhaltsreiche Tagung, von der reicher Segen erhofft wird für unsere Landeskirche und für Gottes Reich auf Erden, fand damit ihren Abschluß. Eisenbahnwünsche. Z Ober-Mor len. 13. Sept. Hafer 2200 Einwohner zählender Ort dessen Bevölkerung zahlreiche Arbeiter aufweist, die außerhalb Beschäftigung finden, hat keinedirekte Bahnverbindung. Zum Bahnhof Dad-Äauheinr hat man etwa Fünfviertelftunde Weg, der in der kalten und nassen Jahreszeit nicht immer bequem ift. Das Postauto von Bad--2lauheim nach Usingen, das zweimal täglich den Ort durchfährt, ist nur ein notdürftiger Dehe 5f. Was seit Jahrzehnten von den Gemeinden des llsatals erstrebt wird, ist die Aufschließung des Tals durch eine Eisenbahn. Das Projekt sah kurz vor dem Kriege seiner Derwirklichung entgegen. Als es der Krieg aber zu Fall und in Vergessenheit brachte, da suchte man wenigstens dadurch eine Derbesserung der Derkehrsverhältnisfe herbeizuführen, daß man um die Errichtung eines Haltepunktes an der Main-Weser- Bahn einkarn, die zwischen Bad-Nauheim und Ostheim durch unsere Gemarkung führt. Das Gesuch wurde vor Jahren abgelehnt. In jüngster Zeit beschäftigte sich der Gemeinderat nun erneut mit der Frage der Haltestelle, die man bei der Blockstelle Ober-Mörlen, wo die Bahn die Kreisstrahe Friedberg—Butzbach überquert, errichtet haben möchte. Jedoch beschloß man jetzt, vorläufig Schritte in der Angelegenheit zu unterlassen und sich solange abwartend zu verhalten, bis das Projekt der Taunus-Querbahn geklärt ist. Die Linienführung der letzteren durch das llfatal wäre die einzige Möglichkeit, die die darniederliegenden Derkehrsverhältnisse unserer Gegend wirklich heben könnte. Denn die gedachte Haltestelle, die immer noch 2,5 Kilometer von unserem Orte entfernt liegt, könnte ja nur ein Notbehelf sein und höchstens noch zur Befriedigung der Verlehrswünsche des naher dabei liegenden Ortes Äieder-Mörlen beitragen, nicht aber zur Erschließung des oberen Tlsatals mit den hessischen Orten Langenhain und Ziegenberg. Es wird Aufgabe der Behörden und der hessischen Verkehrsorganisattonen sein, sich mit allen Mitteln für die Llsatalöahn als Teilstrecke der projektierten Taunusquerbahn ein» zusehen. Iungdeutsche Kundgebung in Metziar. kg. Wetzlar, 13. Scot. Die Kundgebung des Iungdeutschen Ordens der Ballei Nassau am Samstag und Sonntag in unserer Stadt nahm, vo.. prächtigem Wetter begünstigt, einen glänzenden Verlauf. Im Laufe des Samstagmittag erschienen bereits aus allen Gegenden die Ordensbrüder, die hier gastlich aufgenommen wurden. Abends fanden in Schützengarten, Goeths Garten und Gasthaus Reinhardt (Niedergirmes) gut besuchte Versammlungen statt, in denen an Stelle des verhinderten Hochmeisters des Iungdeutschen Ordens, Arthur Mah- raun, Exzellenz Generalleutnant v. Salzenberg eine Ansprache hielt. Den Auftakt zum Haupttag am Sonntag gab die Ordenskapelle von Dillenburg durch den Vortrag von Chorälen auf dem Domplatz. Eine große Gemeinde fand sich dann um 111 Uhr zum Feld- gottesbienft auf dem alten Friedhöfe ein. Zu den Klängen der Ordenskchpelle erschallte weichin Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bet der Firma Zoellner- Werke, Mtiengesellschaft für Farben und Lackfabrikation vorm. S. H. Cohn, Neukölln bei Berlin, Zweigniederlassung Badenburger Mühle bet Gießen folgendes eingetragen: Dem Walter Machleidt, Dr. Julius Isaac und Wilhelm Haller, alle in Berlin-Neukölln ist Prokura erteilt. Jeder von ihnen ist ermächtigt, in Gemeinschaft mit einem Vorstands- mitgliede oder einem Prokuristen die Gesellschaft zu vertreten. Durch Beschluß der Aktionärversammlung vom 19. Januar 1922 ist die Satzung dahin geändert, daß der Aufsichtsrat ermächtigt ist, auch beim Vorhandensein mehrerer Vorstandsmitglieder einzelnen von ihnen oder stellvertretenden Mitgliedern des Vorstandes die Befugnis zu erteilen, die Gesellschaft allein zu vertreten. Die Vorstandsmitglieder Arthur und Wilhelm Zoellner sind jeder für sich allein befugt, die Gesellschaft zu vertreten. Durch Beschluß der Generalversammlung vom 10. Dezember 192-1 ist das Grundkapital auf 1200 000 Rm. umgestellt Durch Beschluß vom gleichen Tag sind die §§ 3, 7 und 19 des Gesellschaftsvertrages geändert. Vorstandsmitglied Heinrich Zoellner in Berlin-Neukölln ift verstorben. Gießen, den 9. September 1926. 7445C Hessisches Amtsgericht. Arbeitsvergebung. Die für das Post- und Wohngebäude der Stadt Ortenberg erforderlichen Gla- serarbeiten (110 qm), Putzarbeiten (3450 qm), Elektr. Licht (64 Brennstellen), Wasserzu- und Ableitung (70 l)d m Zu- und 50 lfd. m Ableitung) und Blitzableiteranlage (ca. 75 lfd. m) sollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Zeichnungen und Bedingungen können auf dem Amt des Unterzeichneten eingesehen werden. Angebotsvordrucke werden daselbst zum Selbstkostenpreis abgegeben. Tie Angebote sind verschlossen, losten- Ttet und mit entsprechender Aufschrift verletzen bis spätestens ziun Eröffnungs- ternitn am 23. September 1926, vormittags 11 Uhr, bei dem Unterzeichneten emzureichen. 7444D Zuschlagsfrist 2 Wochen. Büdingen, den 9. September 1926. Der Regierungsbaurat bet der Kreisverwaltung (Hochbau) Frey. ten Bestrebmrgen des Roten Kreuzes, musterhaften Eifer in der Ausübung des Dienstes und perfön- licyes Wohlverhalten. Der Grundsatz soll bleiben: Allen ohne Ansehen des politischen Bekenntnisses und des Standes Hilfe zu bieten. — Die Transport- gebühren sollen nach neu zu schaffenden Richtlinien einheitlich festgesetzt werden. Der schriftliche Bericht über die Tätigkeit des Kolonneninspektors, Dr. S ch 1 i n k (Alzey), der infolge Krankheit am Erscheinen verhindert war, wurde vorn Vorsitzenden verlesen und in dem Bericht besonders die Leistungen der Kolonnen lobend anerkannt und weitgehende Vorschläge betr. Pro- vinzialtagungen, Vereinheitlichung der Uniformen und der Ausbildung gemacht. Der Vortrag des Kolonnenarztes Dr. Werner (Mainz) über „Wundinfektion und Wundbehandlung im Lichte moderner Forschung", in dem die Wirkung der mit A, ß, C und D bezeichneten Vitamine eingehend besprochen wurde, fand so gute Aufnahme, daß beschlossen wurde, den Vortrag im Druck erscheinen zu lassen. Ein inzwischen eingegangenes Telegramm von Dr. Sch link (Alzey), in dem der Versammlung guter Verlauf und die Abhaltung des nächstjährigen Kolonnentages am deutschen Rhein gewünscht wird, wurde mit dem Wunsche baldiger Genesung des Absenders erwidert. Der 1. Vorsitzende und Kolonnenführer Metzler (Mainz) unterbreitete der Versammlung O r - ganifationsDorfdjläge in den Kolonnen und Verbänden. Er empfahl besonders bei Besetzung der Führer- und Vorstandsämter nach dem Grundsatz „Freie Bahn dem Tüchtigen" zu handeln und Atter sowie soziale Stellung außer Betracht zu lassen. Der Vorsitzende sprach hierauf eingehend über die beim Verkehr zwischen Kolonne und dem Landesverein vom Roten Kreuz und dem Landesverbände zu beobachtenden Gesichtspunkte. Kolonnenführer-Stellvertreter Hummel (Darmstadt) erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tagung des Reichsverbandes in Dortmund. Danach bestehen zur Zeit in Deutschland 2102 Sanitätskolonnen mit 89 000 Mitgliedern, zu denen noch 7200 Schwestern des Roten Kreuzes zu rechnen find. Die Sterbekasse des Reichsoerbandes umfaßt 48 000 Mitglieder. Gruppenführer Weber (Darmstadt) berichtete über die Gesolei in Düsseldorf, besonders eingehend über das Sanitätswesen. Heber das Zusammenwirken der Reichsbahnoerwaltung mit den Sanitätskolonnen bei Eisenbahn Unfällen entspann sich eine längere Debatte, bei der zum Ausdruck kam, daß noch vieles verbesserungsbedürs- tig sei, um bei eintretenden Katastrophen möglichst rasch eingreifen zu können. Diesbezügliche Verhandlungen mit den Eisenbahnbehörden sollen baldigst in oie Wege geleitet werden. Die Ersatzwahl eines stellvertretenden Vorsitzenden an Stelle des verstorbenen Dr. Metternich ergab Neuwahl des Dr. S ch l i n k (Alzey). Längerer Aussprache bedurfte es auch bei der Wahl des Tagungsortes für 1 9 2 7. Da Rheinhessen wegen der Besatzung und des damit verbundenen Verbotes uniformierter Mannschaften mehrer Male übergangen werden mußte, eine Abstellung bzw. Milderung der bestehenden Vorschriften indes für die nächste Zeit zu erwarten ist, wurde Budenheim bei Mainz beftimmt. Sollte wider Erwarten die Tagung in Budenheim nicht möglich sein, bann kommt Gießen, für dessen Wahl Kolonnenführer Kratz (Gießen) eintrat unter Hinweis darauf, daß Gießen in der Lage sei, eine noch größere Zahl von Mitgliedern unterzu- brmgen, als Tagungsort in Betracht, wenn die Tagung nicht in Butzbach, dessen Vertreter die Uedernahme zusagte, stattfinden kann. Der Antrag, nur Delegiertenoersammlungen abzuh-lten, wo es zumTfochea, Wtö Grollt fahru/b nur eM in, B nuX dem, Tlcururu^uz^ des neuen großen „Sunlicht“- Würfels für die große Wäsche ist ein neuer Vorzug dieser bewährtesten aller Seifen. Sunlicht Seife schont die Wäsche. Preis 40 Pfg. Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma A. K. V. Allgemeiner Kraftfahrzeug-Vertrieb Gießen mit beschrankter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Die Gesellschaft M rückwirkend vom 1. April 1926 durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 12. April 1926 aufgelöst. Karl Hoos in Gießen ist Liquidator. Gießen, den 9. September 1926. 74460 Hessisches Amtsgericht. u-i uci jiuuji uuu oonniag auf Montag wurde in einem r.ube- wohnten Gehöfte 74«8d ein RdM MtML Es trägt die Nr. V. O. 2167. Dasselbe kann beim Gemeindevorsteher in Hörnsheim gegen Erstattung der Kosten abgeholt werden. Gemeindevorsteher Hörnsheim. Die handliche Form