Nr. 189 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 14. August 1926 «rlch einträglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Vie Scholle. Monatt'vezogspreir: 2 Reichsmark und 20 Reichsplennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen etnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: SchrifÜeitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen, poftschecttonto: Sranlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrühl'sche Univerfitäls-Vuch- und Stehiöruderei R. Lauge in Gießen. Lchnftlettung und Geschäslrftelle: rchulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Aatzvorfchrift 20® , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil Hans Iustel, sämtlich in Gießen. Der Madrider Vertrag. Was in seinem, uns schon vor einigen Tagen zu- gegangenen grundsätzlichen Aufsatz unser römischer Korrespondent an anderer Stelle andeutet, ist inzwischen in seinem ersten Akt Wirklichkeit geworden. Mussolini hat die Welt mit einem italienisch- spanischen Bündnisvertrag überrascht, der Anfang dieses Monats in Madrid unterzeichnet wurde und nun vor der Veröffentlichung steht. Ueberrascht ist angeblich auch England, trotz des erst wenige Wochen zurückliegenden Besuches des spanischen Königspaares in London und der sehr eingehenden Besprechungen, die Sir Austen Eham- berlain mit Mussolini in Rapallo gepflegt hat. Das überraschende Moment dieses Vertragsschlusses wird jedoch von der seit jeher gut eingespielten englischen Presse allzu sehr unterstrichen, als daß man nicht trotzdem annehmen dürfte, daß England hinter den Kulissen über die beiden Vertragskontrahenten schützend die Flügel gebreitet hätte. Gerade in London ist man auch ganz besonders neugierig, was die Franzosen wohl zu diesem neuesten Streich Mussolinis sagen werden. Und man glaubt heute schon annehmen zu dürfen, daß das Bündnis der „lateinischen Schwestern^ in Paris zumindest auf starkes Mißtrauen stoßen wird, zumal die römische Presse sich izicht allzu große Mühe gibt, die inneren Ziele dieses angeblichen Defensiv- und Neutralitäts- bündnisses hinter den üblichen Phrasen von Völker- Versöhnung und Weltfrieden zu verbergen. Italien hat von den Siegern des Weltkrieges am wenigsten hcimgebracht. Es hatte gehofft, nicht nur Oesterreichs Erbe auf der Balkanhalbinsel antreten zu können, sondern auch in der Levante auf Kosten der Türkei wertvolles Siedelungsland zu ge- winnen. Die Politik seiner Freunde hat in Versailles anders beschloßen. Nicht nur, daß man an her Adria italienischen Ausdehnungsbestrebungen durch die Schaffung eines großserbischen Staates einen Riegel verschob. so ließ sich auch Frank- r e i ch s Unersättlichkeit den fettesten Brocken aus der türkischen Erbschaft Syrien als Mandat zu- fprechen, Griechenland bekam die Anwartschaft auf die wertvollsten Teile Kleinasiens und der Aegäis und England schließlich nahm sich Palä- stina, so daß bei dieser Art Beuteteilung für Italien nicht mehr allzu viel übrig blieb. Aber gerade Italien mit seiner ungeheuer rapide wachsenden Bevölkerung braucht Kolonien heute mehr denn je, nachdem die Vereinigten Staaten durch eine rigorose Herabsetzung der Auswandererquote die italienische Einwanderung so gut wie gänzlich unterbunden hat. Der stetig wachsende Bevölkerungs- Überschuß Italiens fordert geradezu Kolonien, fordert eine imperialistische Außenpolitik. Sie wird auch Mussolini von den Verhältnissen aufgezwungen. In dieser Linie lagen feine Bemühungen um eine Revision der in Versailles nunmehr zu Ungunften Italiens erfolgten Mandatsverteilung. Es handelte sich dabei um einen llebergang Syriens an Italien, wofür man in Paris angesichts der ungeheuren Opfer, die der Drusenfeldzug Frankreich gekostet hat, vielleicht zu haben gewesen wäre. Die ganze Sehnsucht Italiens richtet sich jedoch auf T u • n i 5, das schon von jeher als natürlicher Brückenkopf des italienifchen Volkes auf dem Südufer des Mittelmeeres eine starke italienische Kolonie gehabt hat, die auch unter französischer Herrschaft ständig weiteren Zuzug erhielt. Frankreichs Versuche, durch eine stramme Nationalisierungs-Gesetzgebung das wahre Verhältnis der beiden Nationalitäten zu seinen Gunsten umzufälschen, hat in Rom einen Schrei der Empörung hervorgerufen. Auch der Abessinienvertrag, den Mussolini vor wenig Wochen mit England abgeschlossen hat, berührt französische Interessen, wenn man dies auch in Rom und London nicht wahr haben will. In Paris hat man diesen Druck nicht minder stark gespürt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um durch einen abessinischen Protest in Genf den Völkerbund gegen den anglosttalienischen Vertrag mobil zu machen. Imperialistische Ziele verbergen sich schließ' lich auch hinter h'en an sich sehr harmlos klingenden Paragraphen des neuen s pnnisch-italienisch e n Bündnisvertrages, her Mussolini den Rücken decken soll, sollte Italien einmal gezwungen sein, die afrikanische Frage aufzurollen und e ..£ Losung des Mitelmeerprodlems in italienischem Sinne mit Waffengewalt zu versuchen. Daß dies nur gegen Frankreich geschehen wird, erhellt ein Blick auf die Karte. England hak zwar an allen Enden seine starke Faust an der Gurgel der Anwohner des Mittelmeers. Gibraltar, Malta, Eypern unb der Suezkanal sind militärische Äützpunke der britischen Etappenstraße nach Indien, aber den natürlichen Expansionsbedürfnissen sowohl Spaniens wie Italiens, die auf der afrikanischen Küste die Fortsetzung ihrer Herrschaft suchen, steht nicht England, sondern überall Frankreich im Wege, und Frankreich ist es auch, das mit seiner gewaltigen Militärmacht in Tunis, Algerien und Marokko Englands Seeweg nach Indien bedrohen könnte. So entspringt das spanifch-italicnifche Bündnis unter der Äegide Englands dem natürlichen Bedürfnis, sich des Druckes einer, in feinen Ausmaßen immer gewaltiger werdenden französischen Mittel- meerherrschaft zu entziehen und die eigenen immer bescheidener gewordenen kolonialen Ansprüche ihrer Verwirklichung näher zu bringen. Wie schon gesagt, ist dieser Kolonialimperialismus des faszistischen Italiens kein persönlicher Ehrgeiz des duce, auch keine größenwahnsinnige Ruhmsucht seines Volkes, jonbern die bittere Notwendigkeit, für jährlich vierhunderttausend Italiener mehr Arbeit und Brok zu schaffen. Frankreich sucht sich dieses Druckes auf feine Flanken dadurch zu erwehren, daß es Italiens Gegenspieler auf dem Balkan, seine alten Freunde non der „Kleinen Entente", wieder fester an sich Jettet, so vor allem Jugoslawien, und nun Der kontinentale Eisentrust. Boy unserem Pariser W. S.-!Bericf)terftatter. Die langwierigen internationalen Eisenoerhand- langen sind in diesen Tagen endlich zu einem Abschluß geführt worden. Das zwischen den deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Eisen- industriellen unterzeichnete Uebereintommen ist von der allergrößten Bedeutung für die gesamte europäische Eisenproduktion. Das Abkommen bringt ein gewisses System in die Produktion, um nicht nur bas augenblickliche Niveau möglichst aufrecht zu erhalten, sondern um es auch zukünftig der weiteren Entwicklung des Weltmarktes anzupassen, und um schließlich Rückschläge und damit untrennbar ver- bunbene Arbeitslosigkeit möglichst zu vermeiben. Von nicht zu unterschätzender Bebeutung ist hierbei auch bie Verständigung über bie Ausfuhr elsaß-lothringischer unb saarländischer Produkte nach Deutschland. Hervorragendes Interesse beansprucht schließlich auch noch das Uebereintommen des europäischen S ch i e- n e n t a r t e 11 s (ERMA) im Rahmen dieser Verträge. Für den Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages sind diese industriellen Abkommen von grundlegender Bedeutung. Man übersieht in Deutschland bei diesen Verhandlungen vielfach, daß die Position Deutschlands bei diesen Verhandlungen keineswegs so ungünstig ist, wie es bie französische Oeffenllichkeit vielfach darzußellen beliebt. Die Beteiligung Frankreichs am Gesamt- hanbel Deutschlands (Einfuhr unb Ausfuhr) betrug 1913 13,2 Prozent, umgekehrt bie Deutschlanbs 28 Proz., also mehr als bas Doppelte. Hin- sichtlich ber Warengattungen, bie bie Länber gegenteilig bezogen, exportierte Deu t sch land Haupt- sächlich Kohle, Koks, Farbstoffe, chemische Erzeugnisse, Frankreich Seide, Leder, Luxuswaren ufm., d. h. die deutschen Waren stellen für Frank- reichs Wirtschaftsleben eine absolute Notwendigkeit bar, roährenb bie von Frankreich einge- führten Artikel entbehrlichen Luxus bebeuten. Für manche Industrien Frankreichs bedeutet die Wiederherstellung geordneter Handelsbeziehungen mit Deutschland geradezu eine Lebensfrage, so vor allem eben für die Eifen- i n d u st r i e. Diese ist mit 40—45 Prozent ihres gesamten Koksbedarfes absolut auf Deutschland angewiesen, da weder die eigene Kokserzeugung, noch die Lieferungen der befreundeten Länder, wie England, Belgien, nicht genügen, um das Koksmanko, das bei normalem Bedarf der Hüttenindustrie ca. 6—7 Millionen Tonnen jährlich beträgt, auszugleichen. Auf der anderen Seite besteht bei Deutschland nicht, wie bei Abschluß des Berfailler Vertrages von französischer Seite angenommen wurde, eine derartige Abhängigkeit vom französischen Eisenerz. Dank der Schikanen und wiederholten Ausfuhrverbote der französischen Regierung für die Minette, vor allen Dingen wahrend des Ruhreinbruchs, hat sich die deutsche Eisenindustrie von dem Bezug französischer Eisenerze frei- gemacht. So betrug 1925 nach französischen Quellen die gesamte Erzausfuhr Franlreichs nach Deutschland nur noch etwa 750 000 Tonnen, d. h. kaum i Prozent derjenigen Menge, die Deutschland 1925 insgesamt aus dem Auslande einführte. Eisen- und Stahlerzcugnisse braucht Deutschland schon lange nicht aus Frankreich zu beziehen, da Deutschland heute schon wieder eine Eisen- und Stahlerzeugung hat. die unter B rück- sichtigung des Verlustes Lothringens, des Saargebietes und Oberschlesiens die Vorkriegs- vroduktivn fast erreicht hat. Während der in'ändische und ausländische Markt für die deutschen Eifeuerzeugnisse durch Inflation, Zertrümmerung Oesterreich-Ungarns, Ausfall Ruh- lands. kleiner geworden ist, hat Franlreichs Eisenindustrie aber ein lebhaftes Interesse daran, seine Eisenerzeugnisse bis zur 50 Prozent der Gesamtproduktion auszuführen, "wenn es nicht — wie die französischen Zeitungen sagen — im Eisen ersticken soll. Deutschland war vor dem Kriege ein ausgezeichneter Kunde, und namentlich für die roh- und halbzeugher- stellende Großeisenindustrie Lothringens von größter Bedeutung. Die deutschen, mit der Führung der Handels- vertragsverhandlungen betrauten Unterhändler haben also viele Trümpfe in der Hand, und es wird sich nach Ablaus des soeben abgeschlossenen Provisoriums zeigen, ob sie den richtigen Gebrauch davon machen. Selbstverständlich ist es auch der Wunsch Deutschlands, zu einem Handelsvertrag mit Frankreich zu kommen. Dieser kann aber nur auf der Grundlage Doller Gleichberechtigung geschlossen werden. Die pariser Verhandlungen. Paris, 13. Aug. (TU.) Heber bie gegenwärtigen Verhandlungen zwischen den deutschen und franzö- fischen Liseninduskriellen wird folgendes Kommunique veröffentlicht: Die internationalen Eisenoerhandlungen zwischen Belgien, Frankreich, Deutschland und Luxemburg haben am 12. und 13. August in Paris stattgefunden. Man hat hierbei endgültig die Bedingungen fe st gesetzt, nach denen die luxemburgischen und lothringischen Kontingente nach Deutschland übernommen werden sollen. Ebenso hat man sich über die Ausfuh - rungsvorschcisten der internationalen Rohstahlgemeinschaft verständigt. Die endgültige Ratifikation unterliegt noch der Z u - stimmung der Produzenten von zwei der beteiligten Länder. Ls ist daraus hinzuweisen, dah sich innerhalb der deutsch-sranzösischen Händlerschaft Gegensätze bemerkbar gemacht haben. Die Vertreter der süd- und mittetfranzösi- fchen Liseuindustrie stehen dem Abschluß eines Abkommens gegenwärtig noch ablehnend gegenüber, während die lothringischen Lisen- industriellen sich vollkommen f ü r das Zustandekommen eines Abkommens einsehten, das naturgemäß für sie von größter Bedeutung wäre. Gegenwärtig sind Bemühungen der Vertreter der elsaß-lothringischen Metallindustrie im Gange, die mittel- und südfranzösischen Produzenten für das Abkommen zu gewinnen. Rach einer von havas verbreiteten Mitteilung sieht der vertragsentwurs in keiner Meise Einschränkungen der Produktion vor. Die Vertragschließenden wollen sie lediglich regölte re n,um eine rationellere Verteilung zu sichern. Die Bestimmungen, über die man sich geeinigt hat, sehen eine Kontingentierung sowie eine Regulierung der spezialisierten Industrien vor. Ls sind in den Abmachungen Kontingentierungen für die Tschechoslowakei, für Polen und auch für einige Zweige der österreichischen Lisenindustrie vorgesehen. • In der Pariser Presse werden die deutkch- französischen Industriellenverhandlungen lebhaft diskutiert. Das »Echo de Paris" schreibt, die französische Regierung habe sich zwar an den Verhandlungen nicht zu beteiligen und die Entschließungen der Industriellen nicht zu rattfi- zieren, aber s.e werde das Verhandlungsergebnis zur Kenntnis nehmen. Das Abkommen könne nur i'ann durchgesühri werden, wenn sich die französische und die deutsche Regierung darüber einig seien. 3m übrigen würden die Vereinbarungen erst dann endgültig, wenn über die Zolltarife eine Einigung zustande gekommen sei. Das »Journal" schreibt, man müsse sich aber hüten, all^uweitgehende Erwartungen zu hegen. Bisher halte sich E n g l a n d der Kombination fern. Aber es sei wenig wahrscheinlich, daß es daran denke, dagegen zu kämpfen. Wenn es jetzt in Reserve bleibe, fo geschehe das ohne Zweifel, um den Erfolg und die Auswirkungen abzuwarten. Aehnlich stehe es mit Amerika. Dort mache sich allerdings eine gewisse Rivalität bemerkbar. Denn wenn sich Europa organisiere, so geschehe das nicht, um den Absatz der amerikanischen Industrie zu erleichtern, dem bisher eine überlegene Konzentration zur Seite stand, es geschehe, um unter günstigeren Bedingungen die amerikanische Konkurrenz zu bekämpfen. Mißtrauen in England. London, 13. Aug. (WTD.) Die Pariser Verhandlungen über die Bildung eines kontinentalen Eisen- und Stahltrusts werden in der Presse viel beachtet. „Datly Mail" und »Westminster Gazette" yeben in Aeberschriften hervor, daß Großbritannien davon ausgeschlossen werde. Die »Westminster Gazette" bemerkt, die Lage Großbritanniens sei augenblicklich etwas unklar, aber die Entwicklung würde von den großen Stahlinteressenten eingehend verfolgt. Von maßgebender Seite verlaute, daß die britischen Stahlinteressenten kein Interesse daran hätten, Unterzeichner des Kartells zu werden. Unter der Voraussetzung, daß der sran- zösisch-deutsche Stahlpakt auf den Kontinent beschränkt sei, werde er wenig oder keine Wirkung auf den britischen Stahlhandel haben. Die Lage enthalte jedoch Faktoren, die beunruhigend fein mühten. Die bemerkenswerte Tatsache könnte nicht übersehen werden, dah einfluhreiche amerikanische Interessenten in enger Fühlung mit d eser Entwicklung blieben. Rach Ansicht der führenden britischen Industriellen sei es vielleicht noch zu früh, eine teilweise von Amerika kontrollierte französisch-deutsche Kombination, die im Wettbewerb mit der britischen Stahlschwerindustrie stände, zu sehen. Aber die Aussicht sei genügeyd deutlich, um eine aufmerksame Beachtung der Ereignisse zu fordern. auch durch einen besonderen Bündnisvertrag R u - mänien. Das franka-rumänische Bündnis ist wohl in erster Linie als ein Gegenzug gegen die betont herzliche Freundschaft zwischen Italien und Rußland, dem Faszismus und dem Bolschewismus, gedacht. Wir sehen also sieben Jahre nach dem Versailler Vertrag und der Aufrichtung des Völkerbundes, die aller Geheimdiplomatie, aller Bündnispolitik der Kabinette ein Ende machen sollte, wiederum ein Sy st em von Bündnissen entstehen, das heute nicht minder als vor dem Kriege die ständige Gefahr in sich birgt, für die historisch und geographisch gegebenen Probleme des Völkerbundes eine unter Umständen gewaltsame Lösung zu suchen. Der Kampf ums Mittelmeer. Bon unserem römischen k-Korrespondenten. Rom, August 1926. Wie Frösche um die Pfütze, sagt Herodot, so sitzen die Völker um das Mittelmeer herum. Der „Vater der Geschichte" hat das zwar bereits ein halbes Jahrtausend oot Christi festgestellt, aber seither haben sich die Zustände an der „Völker- tränke" herzlich wenig geändert. Noch immer gönnt keiner dem andern das Wasser, eine Generation nach der andern färbt es mit ihrem Blute, und unsere angeblich so klein gewordene, das heißt im Zeichen des Luftverkehrs weitläufig gewordene, nicht mehr so kleinliche Welt kommt über die blaue Pfütze nicht hinweg. Der Weltkrieg ober vielmehr sein unglücklicher Niederschlag, wie er von heillos verzopften Staatsmännern und eitlen Generälen in Versailles destilliert wurde, hat die Loge, wie auf allen anderen Gebieten der Politik und Volkswohl- fahrt nur verschlimmert. Jeder, der ein bißchen Resonanzboden für kommendes Geschick hat, fühlt den elementaren Zusammenprall der Vfilker im Mittelmeer bereits in den Fingerspitzen. Und der kühle Rechner weiß auch, von welcher Seite der Anstoß kommen wird, denn auf dem Papier läßt sich ausrechnen, daß und wann ungefähr der übersättigte italienische Kessel platzen muß . . . Der Weltkrieg war unter anderem auch der erste moderne Großkriea um das Mittelmeer. Er brachte insofern eine gewisse, man möchte fast jagen natürliche Vereinfachung, als er zwei von den äußeren Konkurrenten, Deutschland und Oesterreich, ausschied Und da auch der dritte, Rußland, für einige Zeit stark in den Hintergrund gedrängt scheint, ergab sich: Das Mittelmeer ist ein natürliches Problem geworden, nur noch eine Frage der Anwohner. Ein Bodensee, (oau- sagen. Dort streiten sieb die Anstößer nicht mehr, seit sich entferntere Nachbarn nicht mehr einmischen können. Haben also die Mittelmeervölkcr ihre Rech- nung untereinander ausgeglichen, so könnte endlich Friede sein. Leider kreuzen sich jedoch im Mittelmeer, auch nach dem Verstiegen der Träume vom öfterreichi- scheu Adriahafen und der Berlin—Bagdad-Bahn, noch zwei Hauptlinien der Weltpolitik: der trans- sayarische Gedanke Frankreichs mit der englischen Landbrücke nach Indien. Und Italien hat in diesem kritischen Augenblick entdeckt, daß die Apenninenhalbinsel wie ein Landungssteg in das Hausmeer ljineinrage. Für Frank- reich ein Binnenfee, für Italien das Mare nostruni, für England ein Kanal von vitaler Bedeutung, mußte das Mittelmeer notgedrungen zum Schlachtfeld der Interessensphären werden. Wenn die Heranwachsenden jungen Männer einen Blick in die Kabinette werfen könnten, sie würden entsetzt sein über die eiskalte Berechnung, mit der die Staatenlenker bereits heute über ihre Knochen verfügen, über di; Selbstverständlichkeit, mit der man ihr Blut, na cs Litern abgemessen, zu Kalibergrößen und Breit- seitengewichten als Faktor einsetzt. Der zweit« Kampf ums Mi11elmeer bedarf eben eingehender Vorbereitung, denn er wird voraussichtlich entscheidend sein, wenigstens über jene Zeitspanne entscheiden, die dem Erwachen Asiens und Afrikas vorausgeht. Wie vor 1914, so kündigt auch freute eine täglich anwachsende Literatur das Gewitter an. Was aus den fieberhaft arbeitenden Geheimkabinetleu, Gene- ralftäben und Marineräten durchsickert, erscheint als blutiger Leitfaden in der Preise, es wimmelt von Noten, Konferenzen, Zwischenfällen, man hort das Marktgeschrei, das Feilschen der Händler unb Makler, dazwischen das Stöhnen der rechtmäßigen Anwohner, denen der Schandgeist des Selbstbestim- mungsrechtes mit Feuer unb Schwert ausgetrieben wird. Man legt Damaskus in Trümmer und gräbt Septis magna aus. Natürlich fehlt auch nicht bie Heuchelei, der liebe Gott wird zum Zeuge» degradiert, die Genfer Liga zur Hebamme für imperialistische Sprößlinge. Ouvertüre . . . Historiker und Zukunftsmaler erörtern bereits den Verlauf der Sache vom Feldherrnhügel aus und man darf erfreulicherweise diesmal eine schöne Einmütigkeit feststellen, wenn auch br.- Gegenstand der Einmütigkeit weniger erfreulich ist. Eines der dicksten Bücher, die mir in letzter Zeit über das aktuelle Thema zu Gesicht gekommen fir< n:nnt sich „Das Mittelmeer in der europäischen Politik" unb stammt von einer Zierbe des kolonialen Katheders, Giuseppe de Luigi. (Verlegt bei Iovene & Ci. in Neapel.) Als guter Italiener behandelt ber Verfasser sein ebenso interessantes wie heikles Thema zwar nur unter italienischem Gesichtspunkt aber mit seinen 24 grünblichen Kapiteln, die eine Brücke schlagen bis zur Vorzeit, ist doch ein gediegenes Nachschlagewerk entstanden. Wie kompliziert die Mittelmeerfrage ist, das beweist die Form, mit ber dieser eingehende Forscher den Weltkrieg darin behandelt — er übergeht ihn nämlich fast ganz, während beispielsweise Albanien seine besondere Aufmerksamkeit erregte. Mit Recht, denn e; Wbet für Italien, strategisch-politisch betrachtet, die Achse der Adria, seit aus dem Rumpfe der Doppelmonarchi- das Hydrahaupt der Serben und Kroaten nachwuchs. „Mit der Ausschiffung in Dalona (Oktober 1914) begann unser Krieg, mit der Ausgabe von Valona (1921) endigte er. Endigte nicht bester als die Kriege von 59 und 66!" Diese Bitterkeit, das Gefühl des Zu - rückgeschtseins, beherrscht das ganze Buch, beherrscht Italien, beherrscht Mussolini. Wie der Gegensatz zu Frankreich, der immer stärker hervortritt. Deutschland schneidet dagegen falt immer gut ab und wenn eine der traurigsten deutschen Rcvolutionsgestalten pathetisch auesrief: Kolonien brauchen wir nicht!", so wird es schwer sein, einen Italiener zu finden, der dieser Dummheit zustimmt. Logisch wie gefühlsmäßig erfeftnt der Italiener die explosiven Gesetze der Llebervölkerung, er dient also sich selber, wenn er Deutschland gerecht wird. Freilich wird ihm diese Gerechtigkeit post bellum erleichtert durch den Mangel einer kontinentalen Reibungs- släche mit dem heutigen Deutschland, während Frankreich nicht müde geworden ift,_ das Wort zu wiederholen, daß 1916 ein französischer Minister. Klotz, prägte: „Man glaubt gewöhnlich, daß Frankreich an der belgischen Grenze beginne und bis zu den Pyrenäen reiche. Nein! Die Republik reicht bis zumKongo. ein einziges Reich, in dem das Mittelmeer nur ein Binnensee ist!" Muß da in Rom nicht der alte Gegensatz zu Karthago-Tunis aufwachen? Muh Italien nicht eine mächtige Flotte bauen? Tamerlan fegte wie ein Orkan über ganz Asien, aber er konnte die Früchte seines Sieges nicht pflücken, weil er keine Schiffe hatte. Rapoleon konnte die Bourbonen zwar aus der Halbinsel verjagen, nicht aber aus Sizilien, weil der Llebergang über die Meerenge seine Kräfte überstieg. Die vier Fünftel der Menschheit, die in Indien leben, werden von einer Handvoll Engländer beherrscht, kraft maritimer ILeberlegenheit. Ein paar englische Schisse mehr versenkt vor dem Skagerrak u .) das britische Weltreich wäre zerfallen. Selbst Binnenstaaten erfahren die Macht der Seebeherrschung am eigenen Leibe. Selbst die Schweiz mußte im Weltkrieg Schiffe chartern, um nicht zu verhungern. Mussolini sprach daher das Wort von der Zukunft nach, die auf dem Wasser liegt. England horchte auf, wie damals bei Deutschland. England kann keinerlei Zukunft bei anderen dulden. Der Brite sagt Gott und meint Kattun. Oder MarinismuS. Gewöhnlich beides zusammen, Merkantilismus und MarinismuS. Admiral Mahan: „Die Borteile der geographischen Lage Italiens sind zum großen Teil schon wettgemacht durch die Anwesenheit der Engländer in Malta und der Franzosen in Korsika." UnD der französische Admiral Gervais: „Alles für Biserta! Wir müssen den -weiten großen Stützpunkt zu Toulon im Mittelmeer haben." Italien und Spanien fühlen schmerzhaft die auf die Brust gerichteten Pistolen. Sie planen Gemeinsames, sie richten ihre Blicke nach den lateinischen Staaten Südamerikas, sie bauen Unterseeboote . . . England aber hat nicht nur die Schlüssel zum Mittelmeer, zur Mausefalle, in drr Italien zappelt, in der Hand, sondern auch die Fäden für das große Spiel. Wo immer die Mittelmeeranwohner sich rühren, gleichviel, ob es sich um europäische Staaten oder „bloß" um Türken und Araber handelt, in den Dardanellen, in Syrien, in Griechenland, in Aegypten und Marokko, überall steht schon hemdärmelig der britische Regisseur, bald die einen, bald die andern führend, verbindend, aufeinander hetzend. Wie Bülow weitersah, als er, die begehrlich nach Tripolis gerichteten Augen Italiens nicht fürchtend, vor dem Reichstag für eine Dame das Recht beanspruchte, einen Walzer zu tanzen mit einem Kavalier, der nicht ihr Ehegatte sei, so baut England schon seine Datteriestellungen aus, während sich die Frösche über die syrische, die tunesische, die marokkanische, die abessinische Frage anquaken. Das Gleichgewicht im Mittelmeer ist aber bereits so tiefgehend erschüttert, daß binnen absehbarer Zeit ein Seebeben auf das Küstengeplätscher folgen muß. „Eine neue Lage". E»' d und der Madrider Vertrag. London, 13. Aug. (WTB.) Unter dem Hinweis, auf die Wahrscheinlichkeit, daß der spanische Außenminister Banguas anläßlich der Sondertagung der Döllerbundsversammlung im März mit Grandi vom römischen Auswärtigen Amt über den jpht abgeschlossenen italienischspanischen Vertrag verhandelt habe, bemerkt die „Times", es habe keinen günstigeren Ort für die Geheimdiplomatie als Genf während der Zeit der Dölkerbundsversammlung gegeben, und es sei nicht ganz klar, warum der Wortlaut des Vertrages letzt nach seinem Abschluß nicht veröffentlicht werde. Das Blatt fragt, ob vielleicht eine Verbindung zwischen der Kandidatur Spaniens für einen ständigen oder nichtständigen Sih im Rate und dem Pakt von Madrid bestehe. Abgesehen von der Frage der Uebereinstimmung des Paktes mit der Völkerbundssatzung sei sein Hauptmerkmal zweifellos di« neue Lage, die er im Mittelmeer schaffe. Bisher sei Spanien Zuschauer gewesen, der einmal mit der einen, dann wieder mit der anderen Macht enger zusammengewirkt habe. Werde Spanien in Zukunft entschiedener Partei ergreifen? Diese Frage würde in den neuen Pakt vielleicht zu viel hineinlegen. Aber die Kette sei geschmiedet, die Spanien mit Italien enger verbinde als bisher. Im Mittelmeer sei eine neue Lage geschaffen worden. Der „Daily Telegraph" bemerkt, die in britischen Kreisen vorliegenden Informationen über Ziele und Reichweite des Vertrages hätten einen ausgesprochen günstigen Eindruck hervorgerufen. Abessinien. Das englisch-italienische Abkommen. Rom, 13. Aug. (WTB.) Das englisch-italienische Abkommen über öle beiderseitigen Interessensphären in Abesiinien hatte RaS Tasari, den Regenten von Abessinien, zu einer Protestnote an den Völkerbund veranlaßt, auf die nunmehr Italien mit einer Rote geantwortet hat, in der es heißt: Die Rote RaS TasariS an den Völkerbund beweist, daß die abessinische Regierung die Vereinbarungen zwischen Italien und England nicht richtig verstanden hat. Seit langer Zeit hatte der itallenische Vertreter in Addis-Abeba der abessinischen Regierung klargemacht. daß di« Rote nur eine theoretische Einigung zwischen der italienischen und der britischen Regierung darstelle, deren Zweck es sei, einige ihrer Interessen wirtschaftlicher Art in Heber- einstimmung zu bringen. Deren praktische Verwirklichung jedoch hängt natürlich von der Entscheidung der Regierung Abessiniens ab, dessen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt die Abmachungen begünstigten. In Erwiderung auf diese Erklärungen dankte Ras Safari in einem Briefe an den italienischen Gesandten der italienischen Regierung für die ihm gemachten Zusicherungen und versicherte, er habe niemals an den freundschaftlichen Gefühlen Italien- und an seinem Wlllen, d re Unabhängigkeit Abessiniens zu achten, gezweifelt. 3n den erwähnten Roten sei nichts enthalten, was die abessinische Regierung zu der Besorgnis berechtigte, daß die italienische und die britische Regierung vielleicht schnelle Druckmittel zur Anwendung bringen wollte. Die Anerkennung des ausschließlich wirtschaftlichen Einflusses Italiens in bestimmten Gegenden Abessiniens durch die britisch« Regierung sei nur eine Verpflichtung zwischen der italienischen und der britischen Regierung, welche jedoch die Freiheit dec Entscheidung der abessinischen Regierung oder eventueller Handlungen dritter Parteien nicht binden kann. Es handele sich um eine wirtschaftliche Garantie für italienische Unternehmungen gegenüber britischen Unternehmungen, um den Konkurrenzkampf auszufchalten, der den guten Erfolg der Unternehmungen selbst aushalten und auch für die Ausbeutung der Hilfsquellen des Landes schädlich werden könnte. Der sranzösifch-rumämfche Vertrag. D u k a r e st, 13. Aug. (WTB.) Aus Der~ der Presse zugegangenen amtlichen Erllärung über den Inhalt des französisch-rumänischen Vertrages geht hervor, daß der Vertrag für die Dauer von 1 0 Jahren abgeschlossen wurde und dann erneuert werden kann. Der Derttag seht genau die Verpflichtung zu gegenseitigem Beistand im 5a11 eines Angriffes einer dritten Macht fest und verzeichnet den gegenwärtigen territorialen Besitzstand der beiden Länder. Ein Zusatzabkommen sieht «in Schiedsgerichtsverfahren für den Fall eines Streites zwischen den Unterzeichnern vor und bezeichnet als höchste Berufungsinstanz den Präsidenten der schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Vertrag fügt sich vollkommen in den Rahmen des Dölkerbundspakies und des Pattes von Locarno ein. * In Rußland hat der franco-rumänische Pakt lebhafte Besorgnis ausgelöst. So schreibt die „Joivestija", das offiziöse Organ des Zentral- Exekutivkomitees der Sowjetunion, der Vertrag werde große Folgen für die schwebenden russisch- französischen Verhandlungen haben. Frankreich habe bis jetzt der Sowjetregierung versichert, daß es in der Dessarabienfrage eine neutrale Stellung emneyme. Rachdem nun die französische Regierung Rumänien die Zusicherung gegeben habe, daß sie Bessarabien als rumänisches Gebiet betrachte, werde die Sowjetregierung von Frankreich eine klare Antwort in der Bessarabienfrage verlangen müssen. Don dieser Antwort werde es abhängen, ob die russisch-französischen Verhandlungen weiter fortgesetzt werden könnten. Der englische Bergarbeilerstreik. London, 13. Aug. (WTB. Reuter) Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes, Cook, äußerte in einer Unterredung mit einem Pressevertreter: Der allgemeine Ruf der Bergarbeiter und ihrer Frauen ist: Wir haben genug gelitten, und wir werden nicht dulden, daß wir noch mehr leiden müssen. Cook sagte weiter, er glaube, die Bevölkerung Englands erkenne die Ruhlosigkeit einer weiteren Fortsetzung des Kampfes und eines Beharrens bei dem Bestreben, die Bergarbeiter zur Ausdehnung der Arbeitszeit bei Herabsetzung der Löhne zwingen zu wollen. Er glaube auch, daß die Devöllerung das Verlangen der Bergarbeiter nach Dom Geiste der Aufrichtigkeit getragenen Unterhandlung en unterstützen werde. — Die Gesamtzahl der Bergarbeiter, die bis zum heutigen Tage wieder zurückgekehrt sind, wird auf 39 000 geschäht. Alle diese Arbeiter haben die Arbeit auf Grund örtlicher Lohnabmachungen wiederaufgenommen und arbeiten zumeist acht Stunden täglich. — In Liverpool kommt derart viel Kohle an, daß besondere Vorrichtungen für den Umschlag getroffen werden mußten. Die meiste Kohle kommt v o m Konti n e n t, kleinere Mengen auch von Amerika. Abschluß -er Aabinettsberatungen. Berlin, 13. Auauft. (WIB. Amtlich.) Das Reichskabinett hat heule nachmittag leine gestern abgebrochenen Beratungen zu Ende geführt. Insbesondere wurde erneut die Frage der Be- ftätigung des vom Derwaltungsrat der Reichs- bahn zum Generaldirektor gewählten stellvertretenden Generaldirektors Dr. Dorpmüller eingehend erörtert. Rach Lage der Dinge konnte die Angelegenheit npch nicht zu einem abschließenden Ergebnis geführt werden, da eine fachliche Einigung nicht v o r I i e g t. Sodann nahm das Reichskabineti einen ausführlichen informatori- fdjen Vortrag des R e ich sm InI ster s des Auswärtigen über die auswärtige Lage im Zusammenhang mit der bevorstehenden Völker- bundstagung entgegen. Die übrigen Beratungen des Reichskabinetts am gestrigen und heutigen läge betrafen laufende Angelegenheiten. Die Jrage bes Reichsehrenmals wurde vorläufig noch z n - r ü er greifen auf andere Kriegsschauplätze und die Heimat zu verhindern. Die Verluste des Weltkrieges betrugen 1 686 061 Tote, von denen nur 155 015 an Krankheit gestorben waren. Wie die Verhältnisse in früheren Kriegen lagen, zeigt die folgende Ueber- sicht: Krimkrieg 1854/56: Engländer: an Wunden gestorben 4602, an Krankheit gestorben 17 579, Verhältnis 1:3,8. In Italien 1859: Franzosen: an Wunden gestorben 5498, an Krankheit gestorben 13 788, Verhältnis 1:2,5. In Böhmen 1866: Preußen: an Wunden gestorben 4008, an Krankheit gestorben 5219, Verhältnis 1:1,3. Krieg 1870/71: Deutsche: an Wunden gestorben 28 278, an Krankheit gestorben 14 904, Verhältnis 1:0,5. Japanisch-Chinesischer Krieg 1894/95: Japaner: an Wunden gestorben 965, an Krankheit gestorben 3148, Verhältnis 1:3,3. Spanisch-Amerikanischer Krieg 1898/99: Amerikaner: an Wunden gestorben 968, an Krankheit gestorben 5438, Verhältnis 1:5,6. Weltkrieg 1914/19: Deutsche: an Wunden gestorben 1 531 048, an Krankheit gestorben 155 013, Verhältnis 1:0,1. Welch gewaltige absolute Zahl von Kranken und Verwundeten behandelt worden ist, mag die folgende Zusammenstellung zeigen: Behandelt wurden in Lazaretten des Heimatgebietes 6 142 000 und in Lazaretten des Feld- und Etappengebietes 3 938 000, Summa 10 080 020. Don diesen mehr als 10 Millionen ist es bei 97 v. H. gelungen, das 2 eben zu erhalten. Dienstfähig blieben (berechnet auf 100 endgültig aus dem Lazarett Entlassene) im ersten Krie^jahr 88,7 v. H., im zweiten Kriegsjahr 91,3 v. H.. im dritten Kriegsjahr 91.8 v. H.. im vierten Kriegsjahr 92.8 v. H. DaS sind Zahlen, auf die die Aerztelchaft ohne Ruhmredigkeit stolz sein kann. Diese in Riesenausmaßen sich bewegende Tättgkeit zu ermöglichen, mußten die Vorbedingungen erst geschaffen, das Zusammenarbeiten der verschiedenartigen Sanitütseinrichtungen in Gang gebracht werden. Alle die hygienischen Einrichtungen, Krankenanstalten, Operationssäle, Laboratorien mußten erst eingerichtet, meist im- proviscrt und größtenteils aus dem Richt- geschossen werden. Der unaufhörliche Strom der Verwundeten und Kranken von der Front in die Feldlazarette, von dort in die Lazarette der Etappe, der Generalgouvernements und der Heimat wollte geleistet werden. In der Heimat wieder war der Rückstrom zur Truppe in Fluß zu bringen, jede nur denkbare Heilung-- und Genesungsmöglichkeit mußte ausgenuht, die betreffenden Kranken dorthin geleitet, und die Ueberführung der Dienstunfähigen in einen oft neu zu erlernenden Beruf ermöglicht werden. Diese Dielfeitige ärztliche Tätigkeit und das folgerichtige und unbeirrbare Einhalten der als richtig erkannten Richtlinien und Grundsätze hat dann die Erfolge der ärztlichen Wissenschaft zur vollen Höhe reifen lassen. Die Größe der hier geleisteten Arbeit und ihre ausschlaggebende Bedeutung nicht nur für die Kriegführung, sondern auch für die Volksgesundheit im ganzen singt ein hoheS Lied auf die Aerzteschaft, die in stiller selbstloser Hingabe, ihre Person den Gefahren der Ansteckung ebenso preisgebend, wie der Soldat die seine der Kugel, unter schwierigsten äußeren Verhältnissen, mit meist improvisierten Mitteln Erfolge erringen konnten, wie sie keine Aerztegeneration vor ihr gehabt hat. An keinem Orte, wo Feldärzte wirkten, waren sie in Sicherheit, sei e- vor Verwundung, sei es vor Ansteckung. Im Jahre 1870/71 starben von den 4062 deutschen Aerzten insgesamt 85, von diesen sind 11 gefallen ober den Verwundungen erlegen, die übrigen 74 an Krankheit gestorben (Verhältnis 1:7,7), Im letzten Weltkrieg betrug dieses Verhältnis 1:1,5. Im Weltkrieg starben von den 33 359 im Dienst des Heeres (einschl. Schuhtruppe und Marine) stehenden Aerzten 1783, eS wurden verwundet ohne tödlichen Verlauf 2218, zusammen 4001. Diese gewaltigen Lücken konnten je länger je weniger geschlossen werden, denn auch in der Heimat bei knapper werdender Hilfe und Hilfsmitteln, lag auf den Aerzten eine kaum zu bewältigende Arbeitslast. Wenn uns der Krieg auch viel genommen hat, so hat er unS doch auch viel gegeben. Roch im Kriege haben wir vom Kriege gelernt. Rie stand die Wissenschaft still, unaufhörlich flössen aus dem Quell der Forscher neue Erkenntnisse. Roch im Kriege wurden sie Gemeingut aller. Keiner ist aus dem Kriege zurückgekehrt, dessen Blick nicht weite . dessen Erfahrungen nicht reicher geworden wären. S:olz kann der Arzt sein auf das, was sein Stand im großen Ringen für sein Volk geleistet. Mag auch die äußere Anerkennung oft gefehlt, mag auch das Gezänk der Rachkriegszeit den Dank so manches Geheilten in Undank verwandelt haben, die klaren Zahlen der Dehandlungser folge sprechen eine beredte Sprache und setzen den Aerzten ein Denkmal, dauernder als Erz. Läßt sich ihr Wirken iro Kriege in wenige Worte zusammenfassen, so sind es die drei: scienti ic humanitati patriae. Amtsgericht Wetzlar. Ein zur Zeit in Untersuchungshaft befindlicher Schuhmacher, der längere Zeit in Wetzlar wohnhaft war, hat sich unter der Anklage beschweren sowie einfachen Diebstahls, des Betrugs und der Unterschlagung jii verantworten. Der Angeklagte, der nicht zum ersten Male mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen ist, war längere Zeit flüchtig, wurde aber schließlich in der Pfalz ermittelt Die Verhandlung ergab folgende-: Im Oktober 1922 wohnte der Angeklagte in Langenschwalbach bei einem Bäcker. Dadurch, daß er mit der Tochter des letzteren ein Verhältnis unterhielt, war es ihm möglich, sich frei in der Wohnung zu bewegen. Er nutzte dies insofern aus, als er eines schönen Tags- einen Kleiderschrank erbrach und sich davauS verschiedene ©egenftänbe, wie Kleider, eine Uhr und den Inhalt einer Geldkassette aneignete und dann auf Rimmerwiedersehen verschwand. Die Uhr seiner Braut, die er zum Uhrmacher bringen sollte, hatte er ebenfalls für sich behalten. Letzteres gab der Angeklagte zu, während er den EinbruchSdiebstahl bestritt. Danach, 1923, schlug der Ungesagte seinen Wohnfitz In Wetzlar auf und eröffnete hier eine Schuhmacherwerkstatt. Er nahm Reparatuvaus- träge an und lieh sich des öfteren im voraus entlohnen, ohne jedoch die Reparaturen auszuführen. Als er dann kurze Zeit später verhaftet wurde, sind nach seiner Angabe die ihm zur ?enommene Aenderung als gefühllos, hätte man en hier geschilderten miserabel schlechten Zustand bestehen lassen, dann konnte man mit wett größerem Rechte der leitenden Stelle den Vorwurf der Gefühllosigkeit machen. Durch Verkauf jenes Häuschens an die Gemeinde und andere Unterstützung wurde es dem Eigentümer ermöglicht, im Jahre 1907 ein menschenwürdiges Wohnhaus an anderer Stelle zu erbauen. Die Gemeinde lieh nun das kleine Häuschen abbrechen. Dah das nunmehr alleinstehende, in die Straße vorspringende Spritzenhaus von 1806 nicht stehen bleiben tonnte, war doch eigentlich selbstverständlich. Weil man aber dieses Altertum hier ebenso hachschäyte wie der Herr Denkmal-Pfleger, wurde der Dau abgebrochen und das verzierte Holz nicht etwa in gefühlloser Weise als Brennholz versteigert, sondern in Würdigung seine- historischen Wertes an geeigneterer Stelle im alten Stil wiederausgebaut. Daß die hier wiedergegebene Erllärungsweise nicht nachträglich für diesen Einzelfall bei gebracht wurde, geht daraus hervor, daß auch andere historische Denkmäler auf ähnliche Weise hier der Rachwelt erhalten wurden. " Die Maul - und Klauenseuche ist amtlich feftgefteüt in Röthges, sowie bei den Schafherden der Gemeinden Steinberg, ® r. • Linden und Lang-Gon».' ’ Der Stand der Erwerbslosigkeit. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in der zweiten Julihälfte zeigte einen stärkeren Rückgang. Die Zahl der männlichen Haupt- Unterstützungsempfänger hat sich von 1 383 000 am 15. Juli auf 1 328 000 am 1. August verringert, die Zahl der weiblichen Hauptunterstühuag-- einpfänger, die bisher in geringem Maße gestiegen war. von 335 000 auf 324 000. Die Gesamtzahl der Hauptunterftühung-empfänger ist demnach von 1 718000 auf 1652 000 — also um 66 000 oder 3,2 Proz. —, die Zahl der unterstützten Familienangehörigen (Zuschlagsempfänger) von 1 709 000 auf 1 645 000 gefallen. Während des ganzen Monats Juli ist die Zahl der männlichen HauptunterstühungSeenPfänger von 1 408 000 auf 1 328 000 zurückgegangen, die der weiblichen Hauptunterstüyutzgsemvfänger von 333 000 auf 324 000, die Gesaitztzahl von 1 741 000 auf 1 652 000, also um 89 000 oder rund 5 Proz. an versuchsweise im inneren deutschen Verkehr die Prüfung und Berichtigung von Anschriften übernehmen. Anschriften, deren Prüfung gewünscht wird, sind einzeln auf Karten in der ungefähren Größe und Stärke der Postkarte gut leserlich anzubringen', auch Briefumschläge und Streifbänder können zur Niederschrift der Anschrift gewählt werden. Ebenso ist es zulässig, vom Auftraggeber geführte Anschriftenkarteien zur Prüfung vorzulegen. Die Gebühr für das Drüsen von Anschriften beträgt 2 Pfennig für bas Stück unter Aufrunbung deS Gesamtbetrags auf volle 10 Pfennig, mtnbestens 1 Reichsmark für Sendungen nach ein und demselben Postamt; außerdem ist die Brief- ober Paketgebühr für bie Hin- und Rücksenbung voraus zu entrichten. Sine Gewähr für bie Richtigkeit der Prüfungsangaben und für die Ausführung der Prüfung innerhalb bestimmter Frist kann zwar nicht übernommen werben, die Prüfung wird aber nach bestem Wissen wie bei der Behandlung von Postsendungen mit ungenügender Anschrift und in möglichst kurzer Frist erfolgen. Ueber die Einzelheiten deS Verfahrens geben die Postanstalten Auskunft. " Straßensperrungen. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Aufbruchsarbeiten wird hiermit der Eeltersweg von der Frankfurter Straße an bis zur Wolkengasse bis auf wettere- für jeglichen Fährverkehr gesperrt. Wegen Reubeschotterung werben biS auf weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt: 1. die Bismarck ft raße zwischen Ludwig- unb Etephanstraße, 2. bie Dismarckstrahe zwischen Stephanstraße und Gnauthstraße vom 14. b. Wls. ab, 3. die Goethe st raße zwischen Stephanstraße und Gnauthstraße vom 18. d. Mts. ab, und 4. die Kepler st raße zwischen Stephanstraße und Gnauthstraße vom 23. b. WtS. ab. — Die unterm 1. Mai d. Js. angeorbnete Sperrung des ^KugelbergS" zwischen Licher Straße und Kaiserallee wird hiermit wieder aufgehoben, da die Kanalisationsarbeiten beendet sind. Ebenso wird die unterm 3. Juli d. Js. angeorbnete Sperrung bet Straße „Am Riegelpfad" zwischen Ebelstraße unb ber Hehligenstaebtschen Fabrik wieder ausgehoben, da die Hausanschlutzarbeiten beendet sind. " Kreis st raßensperrung. Die vom 1. 3uni d. I. angeordnete Sperrung der KreiS- strahe Odenhausen — Lollar — Sichertshausen wird bis Mitte September b. 3. verlängert. •• Die Reise um bie Welt. Gestern passierten acht „Weltreisende" unsere Stadl. Bier Erwachsene unb vier Kinder, angeblich ausgewiesene Oberschlesier, mit einem Handwagen, an dem auf einem Schild zu lesen stand: Die Reise um bie Well zu Fuß. Die Leute wollen in sieben Jahren sämtliche Staaten ber Erde zu Fuß durchwandern. Sie sind am 22. Juli aus Ahlen i. W. zu dieser Recke aufgebrochsn. Sie zogen in der Richtung nach Frankfurt a. M. weiter. " Das alte Spritzenhaus in Gr.- Linden. Von Herrn Altbürgermeister Leun erhalten wir folgende Zuschrift: In Rr. 32 der Heimat im Bild behandelt Herr Geheimer Daurat W a l b e eingangs seiner Arbeit über die Spritzenhäuser auch diejenigen von Gr.-Lin- den. Seine Annahme, daß das in Abbildung 2 gezeigte Spritzenhaus als Ersah für das in Abbildung 1 erbaut worden wäre, ist irrig. Das in Abbildung 2 wiedergegebene Spritzenhaus wurde nicht etwa um 1900, sondern 1870, und zwar durch den in Gießen wohnenden Vezirks- bauaufseher erbaut. Das im Jahre 1806 erstellte Spritzenhaus (Abbildung 1) wurde dagegen erst im Jahre 1907 an eine andere Stelle verbracht, nicht etwa, weil es irgendwem im Wege war, sondern aus den nachstehenden Gründen: Wie aus Abbildung 1 ersichtlich, stand rechts von diesem Spritzenhaus ein kleines Häuschen, dos außer Schweine- und Ziegenstall nur ein Zimmer und eine schräge Dachkammer enthielt, in diesen beiden Räumen wohnten und schliefen 9, tage und schreibe neun Personen. Zwischen dem Häuschens waren die Diehställe, hieraus floh die Abbildung 1 sichtbare Abort, der übrige Raum war die Wiststätte; bei Regenwetter floh hieraus eine jaucheartige, übelriechende Flüssigkeit auf die Straße. An der anderen ©iebelfeite dieses Häuschen waren die Viehställe, hieraus floh die Jauche an dem Gäßchen, das nach unserer alten, damals von der hessen-darmstädtischen oberen Baubehörde wiederhergestellten schonen Kirche führte, vorbei. Der Herr Denkmalspfleger bezeichnet die von der Gemeinde Gr.-Linden vor- Reparatur übergebenen Schuhe abhanden gekommen, weswegen die Geschädigten Anzeige gegen den Angeklagten erstatteten. Hier war dem Angellogten Betrug bzw. Unterschlagung nicht nachzuweisen. In einem Falle erschien er bei einem Gastwirt und sagte diesem, er habe von feinem Sohne Auftrag, Schuhe zur Reparatur ab- zuholen. Er machte gleich eine Zochschuld von 3,90 Mk, und versprach abends die Schuhe wiederzubringen und zu bezahlen, was er aber nicht tat. In diesem Falle wurde Betrua alS vorliegend festgestellt. Ebenso wurde Unterschlagung als erwiesen sestaestellt in einem Falle, wo ihm ein Paar Schäfte und Gamaschen übergeben worden waren. Auch in Wetzlar versuchte er tat übrigen das gleiche Manöver wie früher. Er knüpfte mit der Tochter feiner Hauswirtin ein Verhältnis an und bestahl dann feine Wirtin. U. a entwendete er dieser. Bie als Zeitungsträgerin beschäftigt war, ZettungSquittungea, kassierte daS Geld und steckte es ein. DieS letztere gab der Angeklagte zu, während er weitere ihm zur Last gelegte Diebstähle bestritt. Doch auch in diesen Fällen ergab die Beweisaufnahme die Täterschaft des Angeklagten. Obwohl der An- geftagie schon vielfach wegen Diebstahls vorbestraft ist, sah daS Gericht von einer Zuchthausstrafe ab und erkannte aef 2 Jahre Gefängnis. EonntanSdtentt d. Sterbe u. Apotheken am 15 &26 Dr. Wolf. Dr. S Klein. Hirfchaporheke. 3ab««r»t: Dr. Wertheim. nD 5 Iff NPULVEP fäurch ein viertelstän- 1 % diges Kochen die Husche schneeweiß u. erspart viel Zeit und Arbeit'. •nicht mehr die Hölle, sondern ein Fest wenn Sie P- Thompson's Seifenpul ver verwenden. l] &5 wäscht muhe los tund ohne Qeiben 6626D Statt besonderer Anzeige. Nach längerem schweren Leiden entschlief heute nacht unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Herr Heinrich Emmelius m fast vollendetem 75. Lebensjahre. In tiefem Schmerz, auch im Namen aller Hinterbliebenen: Clara Emmelius Mathilde Emmelius Louis Emmelius Wilhelm Emmelius, Godesberg Carl Emmelius, Zürich. Gießen, den 13. August 1926. Die Beerdigung findet Montag, den 16. August, vormittags 11 Uhr, von der Kapelle des Alten Friedhofes aus statt Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. Todes-Anzeige. Heute abend um 7 Uhr starb nach kurzem Leider] mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Philipp Hofmann 6., Schreinermeister im 79. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Helene Hofmann geb. Sack Familie Hermann Hofmann Familie Philipp Hofmann Familie Wilhelm Gernandt Heuchelheim, Essen, Langgöns, Düsseldorf, Kreuznach, Chicago, am 13. August 1926. Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. August, nachmittags 1 Uhr, vöfii— Sterbehaus, Bachstraße 46, aus statt. 6632V Heute morgen gefiel es dem Herrn über Leben und Tod, unseren lieben Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder und Onkel Herrn Balthasar Wetz nach längerem Leiden im 87. Lebensjahre zu sich zu nehmen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Wetz I. Familie Wilhelm Fenchel. Holzheim, Ober-Hörgern, Büdesheim, 13. August 1926. Die Beerdigung findet Sonntag, den 15. August 1926, nachmittags 2 Uhr, statt 6618D Todes-*j* Anzeige Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen herzensguten Gatten, unseren lieben Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herrn Valentin Franz Bodensohn Ober-Stadtsekretär nach kurzem, schwerem Leiden, wohlversehen mit den Tröstungen der hl. Kirche, im 45. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurufen. In tiefer Trauer: Aurelie Bodensohn geb. Kretzig Heinz und Hermann. Frankfurt a. M.-West, den 11. August 1926. (Jordanstr. 36 p. 1.) 05608 Todesanzeige Heute morgen verschied infolge eines Unglücksfalles unser W heißgeliebter, herzensguter Sohn, unser unvergeßlicher Bruder, M Schwager und Onkel Wilhelm Hofmann | im blühenden Alter von 23 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: M Familie Wilhelm Hofmann W Metzgermeister Hungen, den 13. August 1926. Die Beerdigung findet Montag, den 16. August 1926, nach- M mittags 3 V4 Uhr, statt. * osuoö A W vl O Gießen, den 12. August 1926. G58ÖD Allen, die meines Mannes, unseres Vaters so liebevoll gedacht haben, sagen wir unseren herzlichsten Dank. Helene Kipper geb. Rinke Anni Helm geb. Kipper Lilli Kipper Hannalene Kipper Jost Wennemar Kipper. j Vermietungen | Schön möbliertes Zimmer für 2 Monate sofort zu vermieten. Zu erfr. in d. Geschäftsst. d. Gieh. Anz. [05568 Ml. WM zu vermieien 105575 Kirchenvlatz 14 II. Möbi. Zimmer zu vermieten [05576 Siidanlaac 16 I. möbuZimmer uer fof. au uernt. assaj Neustadt 12 I. Sing. 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Gestern abend entschlief sanft in dem Herrn nach kurzem, schwerem Leiden, im Alter von 46 Jahren, mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder Drei gelbe Karrarieu entflogen Rückg. g. Belohnung 6643V Südanlage 7 I. Die Verwaltung für Hessen: Neumann. WWWMM 2-Ztmm.-Wobng. mit Linoleumbelag gea.2-od.3-Zinim.- Wobna. z. tauschen Schr. Angeb. unter Q5601 a. d. Gieh. An^. Am 31. Juli 1926 verstarb plötzlich unser Hauptagent für Gießen Jung.Beamten-Ehe- vaar sucht 1-2 möbl. 2Usnmer mit Kuchenb. Aueinft. Dame oder Herr bevorz. Schr. Ängeb. m.PretSang. n. 055K a. d. G Anz. beige u graumeliert, billig au oerk. UW93 Markt 21. Gießen, Lindenplatz 1 Telephon 1257 Linspänner- ltaftenwagen leichter Cekonomiewagen pritschenwagen Zederlarren zu verkaufen. 05670 Ang. Führer, Neuenweg 34. äaiwen für Festlichkeiten au verleihen Nah. 05,72 Damm. 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Die fron« zö ' ischc Politik war durch die bekannten Ereignisse auf das stärkste im Innern beschäftigt. QBarum aber die englische Politik, deren Aktivität in anderen Beziehungen im letzten halben Iahre doch recht bemerkbar wurde, eben in dieser Völkerbundsangelegenheit seit dem Be- schluh der Studienkommission rein gar nichts getan hat, sich nicht gerührt hat, das ist eine firage, die nicht leicht zu beantworten ist. Und jedermann kann sich über die Motive der englischen Seite dabei seine Gedanken machen. Ie nun, weder Frankreich noch England Haber, heute eine klare Lösung der spanisch-polnischen Qln- spruche und der ganzen VöllerbundSsrage zustande gebracht, so daß heute bereits mit Sicherheit aus einen reibungslosen Eintritt Deutschlands in( den Völkerbund zu rechnen wäre. Auf das Wort reibungslos legen wir zunächst den Hauptnachdruck, obwohl es keineswegs unsere Forderungen alle umfaßt. So schwierig es für Deutschland war, das nicht im Völkerbund ist, eine Initiative in dieser Beziehung au ergreifen, der Eindruck, das; man die Zügel hat schleifen lassen, gilt doch auch für untere Seite, für unsere außenpolitische Führung. Der spanische Antrag, die zweite Sitzung der Studienkommission, die man an sich als nicht notwendig hatte ausfallen lassen wollen, doch zu berufen, hat natürlich auch uns überrascht. Was will Spanien damit? Daß es Wert auf diese Sitzung legt, beweist, daß es sich nicht ausschalten will. Sein König, sein Diktator und kein Außenminister haben über diese Fragen geredet, aber keiner weiß heute bestimmt: beansprucht nun Spanien den ständigen Ratssih oder nicht? Man kann annehmen, daß es aber mit dieser schillernden Haltung bezweckt, seine Position für die nichtständigen Ratssitze in feinem Sinne zu verbessern. Doch klarer ist das bei Polen. Sein Außenminister hat auch nicht sonders deutlich den Anspruch Polens auf den ständigen Ratssitz nach wie vor aufrecht- erhalten. Zugleich aber wir) von polnischen Wünschen oder gar Anträgen gemeldet, daß es selbstverständlich jetzt schon zum nichtständigen Ratsmitglicd gewählt werde, daß weiter ihm die Wiederwählbarkeit lwas erst 1927 überhaupt zu entscheiden wäre) jetzt zugesagt werde, und daß es schließlich verlange, diese Wahl zum quafi- ftänöigcn Mitglied (aHo auf 6 Iahre), statt der geschästsordnnngsinäßigen Zweidrittelmehrheit mit einfacher Mehrheit vollzogen zu sehen. Anscheinend ist Berechnung und Llbsicht sowohl bei Spanien wie bei Polen, daß sich beide durch Zusagen in Verhandlungen hinter den Kulissen diele Sicherheit bereits jetzt verschaffen. Bewahrheitet sich das, was über die polnischen Anträge oder Wünsche in der Preise steht, so wird damit die ganze bisherige Arbeit der Studienkonmiilsion, das mühselige Kompromißwerk Lord Robert Cecils in Frage gestellt. Das rollt ja das ganze Problem erneut auf! Wie will man dessen Herr werden, wenn man etwa am 28. damit beginnt und am 6 September die Völkerbundsversammlung anfängt? Bisher ist nicht zu sehen, wie man fertig werden will. Das legt den Schluß nahe: entweder haben Frankreich und England die Führung nicht in der Hand und lassen die Dinge gleiten — in heute ganz unübersehbare Schwierigkeiten , oder sie beabsichtigen, Spanien und namentlich Polen durch private Zusagen dieser Art so zu beruhigen, daß die Sache vom 6. September an programmmäßig gehen könnte So steht mithin Deutschland, fein Kabinett und feine Führung, vor einer recht schwierigen Situation, die die Gefahr in sich trägt, wieder so peinlich zu werden, wie im Frühjahr. Es ist in der Gefahr, zwar in Versammlung und Rat programmähig ausgenommen zu werden, aber dann vor der vollendeten Tatsache der Zusagen der anderen Mächte in bezug airf Spanien und Polen zu stehen. ___________ Nordenskiöld. Von F. A Fahlen. Der Raine des Freiherrn Adolf Erik von Dordcnskiöld. dessen Todestag sich soeben zum fünfundzwanzigsten Male jährt, ist unauslöschlich verbunden mit einer Großtat auf geographischem Gebiete, mit der Entdeckung der nordöstlichen Durchfahrt, d. h. mit der Umsegelung Rordasiens von Europa aus bis ins Beringsmeer zwischen Asien unö Amerika. Die nordivestliche Durch- fahrt, der Seewea vom Atlantischen zum «Stillen Ozean um Amerika herum, hat zwei Iahrhunderte lang hie Entdeckerwelt, besonders die Engländer, die aiich praktische Ziele dabei im Auge hatten, in Atem gehalten, seitdem das englische Parlament 1743 einen Preis von 20 000 Pfund auf die Auffindung der Rordwestpassage gesetzt hatte. Eine lange Kette von Versuchen, die mit Davis im sechzehnten Iahrhundert beginnen und nut der tragischen Franklinexpedition endeten, wurde durch Max Clure. dem die Lösung gelang, geschlossen. Die nordöstliche Durchfahrt konnte sich dieses romantischen Itrteresfes nicht rühmen. Nachdem Cook in seinem Todesjahr nur wenig über die Behringstraße hinaus vorgedrungen war, und auch Kotzebue, bei dem sich bekanntlich Chamisso befand, nicht glücklicher war. hielt man den Seeweg an Rordasien entlang für unmöglich. Rordenstiöld löste jedoch das Problem, aber nicht in jähem Angriff, sondern vorsichtig. nach langen Vorstudien auf Grund sorgfältigster Cöeobaqj- hingen: darin ist er ein vorbildlicher Forichcr. Am 18. November 1832 in Helsingfors geboren, widmete er sich der Geologie, und als er mit Torrell, dem bekannten Gletscherforscher, uiw später allein feine vier Forschungsreisen nach Spitzbergen machte, waren es vor allem geologische und geographisch-geologische Fragen, die er Msen wollte. Wie er auch später, nach seiner berühmten Degafahrt, im Iahre 1883, vorher schon Dabei liegt eins ohne weiteres auf der Hand: mit jeder Regelung, die Spanien zufrieden stellt, kann sich Deutschland abfinden. Es begrüßt es geradezu, wenn sich ein Weg findet. Spanien über seine Mißstimmung Hinwegzubringen, die sich auch gegen Deutschland richtet. Aber dah Polen mit Deutschland gleichzeitig, sei es auch nur in einen solchen quasi ständigen Sitz berufen wird, das ist unter allen Gesichtspunkten für Deutschland durchaus unerwünscht. Umso nötiger ist, daß es feinen Standpunkt s e st wahmimmt! An der Etudienkomrnission wird es teilnehmen, wie im Frühjahr, ohne Bindung in bezug auf daS Ergebnis, mit aller Freiheit. Rach Gens selbst darf die deutsche Delegation unter keinen Umständen eher gehen, ehe nicht sichergestellt ist, dah die Ausnahme in Versammlung und Rat, so wie beabsichtigt, glatt und reibungslos stattfindet. In der Beziehung sind die Gesahren ja auch gar nicht so groß. Schwieriger liegt cs mit den nichtständigen Ratsfitzcn. Hier muß Deutschland verlangen, dah keine Regelung hinter fernem Rücken vorgenommen wird oder gar schon festliegt, und dah es als gleichberechtigtes Mitglied des Bundes von vornherein dicke Fragen mit zu unterscheiden hat, gemäß Bestimmungen der Völkerbundsaktc und der Geschäftsordnung. Cs ist sehr gut möglich, dah dann mit der Frage der nichtständigen Sitze, in erster Linie des polnischen Sitzes, Komplikationen eintreten, die heute noch nicht zu übersehen sind, sür die infolgedessen heute fein Kabinettsbeschluß und keine Instruktion festzulegen ist. Dann soll die deutsche Vertretung die Nerven behalten, in Gens die Verhandlungen unterbrechen lassen, die Fühlung mit Berlin aufnehmen und Deutschland in Ruhe und mit Berücksichtigung aller Gesichtspunkte seinen E ntschluh fassen lassen. Wir Haden keine Eile, dieses ganze Geschäft znm Abschluh zu bringen! Unter keinen Umständen aber darf die deutsche Vertretung, wie im März antichambrieren, eine Wiederholung dieser peinlichen und entwürdigenden Situation vertragen wir heute nicht! Run ist ja mit dem Wort: reibungsloser Eintritt in Gens gar nicht unser Programm erschöpft. Kann die deutsche Außenpolitik in den eigentlichen Völkerbundssragen verhältnismäßig wenig von sich aus Hären und tun, so muh sie in der kurzen Zeit bis Genf in der Kontrollfrage und in der De sa tzun gs f r a g e mit aller Energie Vorwärtsgehen. In der Kontrollfrage kommen wir ja mit der interalliierten Kommission nicht weiter. Diese will gar nicht, sie wird stets, wenn in mühseliger Arbeit eine Sache bereinigt ist, wieder eine andere haben, schon damit sie selbst ihr Dasein verlängert. Diese Kontrollfrage gehört heute überhaupt nicht mehr in das Gebiet des Technischen. Technisch hat Deutschland ja nach dem Urteil aller Unbefangenen längst abgerüstet, so daß die wenigen noch bleibenden Fragen ganz gleichgültig sind, wenn sic nicht von der Kommission zu politischen Zwecken herangezogen werden. Darum eben sagen wir, dah die Frage nicht technisch, sondern politisch ist. hochpolitisch, von Macht zu Macht zu entscheiden, und von unserem Standpunkt aus nur in der Weise, dah ein Strich gemacht wird unter die ganze Militärkontrvlle uni> die Kommission, für die keine Berechtigung mehr vorliegt. Zur Besatz ungsfrage: Die Zusagen der Botschafterkonferenz vom 14. Rovember, die auch Chamberlain anerkennt, sind nicht erfüllt. Cs stehen mehr Truppen in der zweiten und dritten Zone, als „normale Ziffern" sind. Und es geschieht auch in der Besahungsfrage noch sehr vieles, was mit dem „Geist von Locarno" nicht zusammenpaht. Das aber ist ja die Hauptsache und in diesen Wochen vor Gens der anderen Seite nachdrücklich vor Augen zu führen. Wir haben uns nicht in den Völkerbund gedrängt. Englands Wunsch und Politik ist es in erster Linie, dah das jetzt so zu Ende kommen soll. Deutschland hat den Locarnopakt angenommen, der eine Tatsache der internationalen Politik ist, aber noch kein Stück des internationalen Rechtes, weil er ja nur unter der Voraussetzung des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund in Kraft treten sollte. Die allgemeine die geistige Voraussetzung, für die ganze Aktion mit ihrem Ende in Gens aber war, ist und bleibt die Forderung der absoluten Gleichberechtigung Deutschlands mit den anderen Mächten. Diese Forderung ist nicht zur Genüge erfüllt. Die Militärkontrollkommission und die Besatzungspolitik stehen in unüberbrückbarem Widerspruch dazu. Wird das nicht bereinigt so wird einmal 1870, durch einen kühnen Vorstoß ins Innere von Grönland die Frage des Inlandeises zu lösen versuchte. Damals gelang es ihm, von einem Fjord bei Christianshab etwa 140 Kilometer weit ins Innere vorzudringen, wo er nicht das erwartete eisfreie Land, sondern tiefe Vergletscherung fand, was dann später Ranscn bei feiner berühmten ersten Durchquerung Grönlands bestätigte. Zweimal drang er dann in den Iähren 1875 und 76 vom Nordkap her durch das als undurchdringlich vereist geltende Karische Meer bis zum Minderungsgebiet des Ienissei vor. und erst, nachdem er hierbei alle erforderlichen Beobachtungen gemacht hatte, legte er den Plan einer Umsegelung Rordasiens vor. Er fand reichliche Unterstützung, gewann in dem Walfischfänger „Vega" unter Kapitän Pallander ein ausgezeichnetes Schiff, das er mit siebzehn Matrosen, aus der schwedischen Staatsmarinc ausgesucht, und einem gewählten Kreise von wissenschaftlichen Mitarbeitern bemannte. Die „Vega" war mit einer Hilfsmaschine ausgerüstet und war anfangs von einigen Kohlenschisfen begleitet Es war am 4. Iuli 1878. als die Vega Gotenburg verließ. Es zeigte sich jetzt, wie vorzügliche Vorarbeit der Forscher geleistet hatte Rach einer überaus glücklichen und schnellen Fahrt befand sich ö;' Schiff schon am 19. August hinter Kap Tschcljustin. Rordenskjöld hatte seinen Plan auf folgende Berechnung gebaut. Er wußte, daß die sibirischen Diesenslüsfe während des Sommers der Küste ungeheure Massen wannen Wassers zuführen, das aus südlicheren Gegenden kommt und oben auf dem salzigen Mee'.wasscr schwinunt. weil es süß ist. Längs der sibirischen Küste bildet es nun eine Oberflächenströmung, die das Fahrwasser während des Sommers offen und eisfrei hält. In der eisfreien Küstenrinne hoffte Rordenskiöld die ganze Reise zurücklegen und noch, ehe Sommer und Herbst zu Ende waren, in den Stillen Ozean einlaufen zu können, nicmanb auf der anderen Seite sich trninbern können, dah man in Deutschland dann, wenn der vulgäre Ausdruck erlaubt ist, auch dieses Werk von Locanw mit seinem Geist als „faulen Zauber' ansehen wird. Ober anders gewendet: Man kann über diese deutschen Befchtverden hinweg- sehen, man kann schließlich jetzt mit Ach und Krach einen Abschluh sinden. mit dem Deutschland hereingeht. Aber man entwertet und entkräftet von vornherein das ganze Werk und die Zusammenarbeit. Das sollte dem Frieden Europas dienen. Cs kann dem Frieden Europas nicht dienen, wenn Deutschland mit den anderen Mach len, angeblich gleichberechtigt, so zusammenarbei- ten soll und nach wie vor ihm Kontrolloffiziere mit Abrüstungsschikanen das Demütigende des sogenannten Friedensvertrages sühlen lassen und wenn Massen von Soldaten der anderen Mächte als Besatzung auf dem Boden stehen bleiben, die man eben darum mit Recht als „feindliche Br- sahung" ganz von selber bezeichnet. So ist der Widerspruch wohl am ein- sachsten herausgearbeitet. So sind die Linien klar, auf denen sich jetzt in den paar Wochen bis Genf eine angespannt arbeitende, zielbewußte und entschlossene deutsche Außenpolitik bewegen muß. Sie ist im Herbst dem deutschen Volke dafür verantwortlich, daß sich der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund vollzieht unter Berücksichtigung und Erfüllung der nationalen Forderungen, die Deutschland stellen muß und deren Erfüllung ihm ja von der anderen Seite, als es sich darum handelte, das Geschäft zustande zu bringen, zu- gefagt worden war. 0111111. d. Red.: Unser auhenpol in scher Mitarbeiter, Herr Professor Dr. Hoetzsch. begibt sich in diesen Tagen auf eine längere Auslandrcisc, während der an Stelle der regelmäßigen „Außenpolitischen Umschau" sachverständige Aufsätze aus anderer Feder treten werden. Oberhessen. Landkreis Gictzcn 7 (Brünberg, 13. 'August. Die Zeit der Ob st- ernte steht vor der Tür. Leider gibt cs hier kaum 'jlcpfel; Birnen schon etwas reichlicher, ebenso Zwet- schen und Mirabellen. — Trotz höherer Lage ist auch hier der Hafer schnittreif. Gerste und Roggen sind zum größten Teil geschnitten, und wenn das Wetter gut wird, jo wird in ungefähr vierzehn Tagen die Erntearbeit so ziemlich geleistet fein; dies tut not, da der Schnitt des Grummetgrases drängt. — Die von einzelnen Bürgern im vorigen Jahre beschaffte Dresch maschine mit Binde und Spreublajevorrichtung arbeitet gegenwärtig auf dem Warthofe und wird anschließend hieran auf der Lchmkaute Aufstellung nehmen, um den Leuten mit kleineren Fruchtbeständen zu dreschen und dann die eigentliche Drescharbeit der hiesigen Landwirte in der Stadt zu beginnen. — Der Besuch bet Ober- realschule hat in den letzten Jahren so bedeutend zugenommen, daß die Räume in dem vor ungefähr 15 Jahren erbauten Schulgebäude nicht aus- reichen. Gegenwärtig wird die Schule von nahezu 300 Schülern aus ungefähr 56 Orten besucht. Um dem empfindlichen Raummangel abzuhelfen, hat die Stadtverwaltung beschlossen, einen Anbau her stellen zu lassen und 50 000 Mark hierzu bewilligt. Die Pläne sind bereits vom Kreisamt ausgearbeitet; die Bauausführung soll noch in diesem Herbst begonnen werden. t Gründer g, 13. Aug. Die Vorbereitungen zum 6. ©aufrauentoetturnen am 28. unö 29. August sind in vollem Gange. Der Turnplatz neben der Turnhalle ist hergerichtet worden. So ist genügend Platz geschaffen worden, wo mehr als 300 Turnerinnen die allgemeinen Freiübungen vorführen können. Hinter dem Freiübungsplah wird ein erhöhtes Podium aufgeschlagen, auf dem die Sondervvrführungen gezeigt werden. : L i ch. 13. Aug. Ein heftiges Gewitter entlud sich gestern mittag über unserer Gegend. Es war streckenweise mit Hagelschlag verbunden. Die Erntearbeiten, an sich schon verspätet, erlitten durch die starken Regensälle weitere Verzögerung. Äreis Krie-berg !?! Friedberg, 12. Aug. Sehr ungünstige Wachstumsbedingungen haben in diesem Iahre die Gurken und Tomaten. Gleich nach dem Aufgehen hatten die Gurken durch die Schnecken sehr zu leiden. Die jungen Triebe wurden abgefressen; es muhte nachgelegt werden. Die frühgcvflanzten fielen dem Maifrost zum Ob,er. Dasselbe Schicksal hatten die To- Seine Berechnungen stellten sich auch als richtig heraus. Aber im Osten der Lena ergießen sich nur kleine Flüsse ins Meer, und der Forscher mußte daher den letzten Teil der Reife besonders fürchten. Schon bei den Reusibirischen Inseln wurde die Fahrt schwierig, schwimmender Eis- schlamm hinderte den Fortgang sehr. Aber unter allerhand Fährnissen, mehrmaligem Festfrieren, suchte sich die Vega vorsichtig ihren Weg hart an der Küste entlang, so daß oft nur wenige Fuß Wasser unter dem Kiel waren. So kam man bis zur Kolputschinbucht,' wo die Vega am 27. Dezember Anker warf. In der Rächt fror das Schiff ein, um zweihundertvieruirdneunzig Tage festzuliegen. Dabei wären-24 Stunden früheren Eintreffens genügend gewesen, um die geringe Strecke von 200 Kilometer bis zur offenen Behringstraße zurückzulegen. In diesem Winter entfaltete der wissenschaftliche Stab der Vega eine überaus rege Tätigkeit, und es gelang auch in ethnologischer Beziehung, in den Ansiedlungen der Tschuktschen eine reiche Ausbeute zu machen Am 20. Iuli des Iahres 1879 kam das Schiff los, und am 24. April 1880 traf die Vega in der Heimat ein. „Rie werde ich," schildert Sven Hedin den Eindruck, „den Abend vergessen, lieber dem Stockholmer Hafen lag ein feuchter Regennebel, aber die ganze Stadt strahlte in hellem Lichterglanz. alle Häuser am Hafen unö das Schloß waren beleuchtet. Selbst so schwarz wie ein Gc° spensterschifs in der Rächt glitt die . Vega" langsam in den Hafen begrüßt von den vieltausendstimmigen Iubelrufen der Menschenmassen, die sich auf den Kais drängten. Eine große Tat war im Dienste dcr Forschung ausgeführt worden, und die Blicke der ganzen Welt hatten sich auf Schweden gerichtet." Unö der große Forscher Sven Hedin gesteht, daß der Gedanke, ein Weltreisender zu werden, in ihm entstanden fei, als er diesen Triumph des von ihm so hochverehrten Meisters erlebte. inaten. So findet man es erklärlich, daß reife Tomaten bisher kaum geerntet werden konnten. Die Sträucher haben zwar reichlich angesetzt, doch wollen die Früchte nicht rot werden. Die Gurken haben durch die übermäßige Feuchtigkeit und durch den häufigen Tcmperaturwechsel unter allerlei Krankheiten zu leiden, so daß die Ernte bis jetzt ebenfalls gering ist. <£ Bad-Nauheim, 13. Aug. Hier fand zur Feier des V e r f a ,, u n g s t a g c s ein Festakt statt, dcr gut besucht war und unter Leitung von Bürgermeister Dr. Kayser stand. Die Festrede hielt Prof. Dr. G m e l i n (Gießen), dcr unter lebhaftem Bei fall von hoher wissenschaftlicher Warte gemeinverständlich über das Bersassungswerk sprach. '?! Vilbel, 13. Aug. Die Ernte der ersten Frühäpfel hat begonnen. Sie liefert geringe Erträge. Die Apfelbäume zeigen durchweg einen schlechten Behang. Diele sind an den Rachwirkungen des kalten Winters vor zwei Iahren noch in diesem Frühjahr zugrunde gegangen. viele leiden an Spiyendürre. Dazu haben die Schädlinge noch ihr Mögliches zur Vernichtung der Blätter und Blüten getan. Besonders hat die Apfelbaumgespinnstmotte wieder die Bäume heimgesucht. Die Bekämpfung der Schädlinge. die am besten durch Verbrennen der Rester geschieht, wurde hier vielfach imrd)geführt. Die Birnbäume hatten weniger zu leiden. Sie haben meist einen guten Behang. am. Staden, 13. Aug. Endlich wurde von dem Kulturbauamt Friedberg ein Techniker entsandt. welcher unsere für Staden unö Leidhecken gemeinsame Wasserleitung einer gründlichen Prüfung unterzog. Es stellte sich heraus, daß die Wasserleitung falsch angelegt wurde Ein Umbau würde jedoch viele Kosten verursachen. Hoffentlich bessert das Anbringen neuer Lustventile unsere Wassernot ein wenig. • ?! Vilbel, 13. Aug. In seiner letzten Sitzung hat der Gemeinderat die Erbauung einer Turnhalle für die Volks- und Realschule beschlossen. Bisher mußten die Turnstunden auf den Schulhöfen, die klein und ungeeignet sind, abgehalten werden. Die Ausarbeitung der Plane soll sofort in Angriff genommen wer- Öen. Wenn möglich, soll noch in diesem Jahr mit den Arbeiten begonnen werden. 00 Aus der Wetterau, 12. Aug. Dcr Mäusesraß hat sehr nachgelassen. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, daß ein großer Feind der Mäuse, das kleine W i e s e l, in großen Mengen auftritt. Sein Erscheinen wird vom Landwirt begrüßt, wenn auch der 3äger und der Tierfreund es lieber nicht so häufig sehen würden. Mancher Iunghase, manches Gelege von Nutz- und Singvögeln fällt dem gefräßigen Räuber zum Opfer. Die klagenden Töne, die man öfters aus einem Getreidefeld hören kann, deuten darauf hin, daß das Wiesel im Kampf mit einem Hasen Sieger geblieben ist. OO Bon der Nidda, 12. Aug. Der Fisch- bestand der Ridda nimmt immer mehr ab Wenn die Fischer neue Hoffnung daraus gesetzt hatten, daß das Hochwasser wieder einen Ausgleich bringen würde, so haben sie sich getäuscht, denn auch jetzt ist die Deute sehr gering, und oft bleibt sic ganz aus. Die Derunreinigung der Flüsse mag zum Teil die Schuld daran tragen wahrscheinlich aber werden die Bestände auch durch öen Fang von Seiten Anberechtigter sehr gelichtet. Kreis Büdingen. „r Nidda, 13. Aug. Die Basaltindustrie hat eben wieder ihre Krisen- nionate zu überstehen. Die Aufträge für das lausende Jahr sind ausgeführt, mit Bestellungen für das nächste Iahr ist immer erst später zu rechnen, eine Erscheinung, die sich auch in dcr Holzindustrie regelmäßig bemerkbar macht. Die Basaltsteinbrüche des Vogelsbergs, wie auch des Westerwaldes werden durch diese geschästs- lose Zeit mehr oder weniger stark in Mitleidenschaft gezogen. — Die schweren Regengüsse, die in den beiden Vortagen in Verbindung mit Gewittern nieder gingen, haben die Erntearbeiten auf Tage unterbrochen. Der hiesige V. H. C. unternahm dieser Tage eine zweitägige Rheinfahrt, an der sich etwa 40 Personen beteiligten. Der erste verregnete Tag schloß mit einem Begrüßungsabend in Mainz. Der zweite Tag führte die Teilnehmer nach Koblenz; die Rückfahrt erfolgte durch das Lahntal. =.= Gelnhaar, 13. Aug. Der hiesige Ge- meinöerat beschloß den Bau einer Wasserleitung, da sich der Mangel einer solchen immer unangenehmer fühlbar macht. Ein Fr.int- furter Ingenieur stellte eine Wasserader fest. Wiedererstandene Pfahlbauten im Bodensee. Der Verein für Pfahlbau-Kunde hat bei dem kleinen Ort Hirter-llhlbingen am Bodensee, zwischen Meersburg unö ileberlingen, im Wasser nahe am Ufer zwei Pfahlbautenhäuser öer Steinzeit als getreue Abbilder der vorzeitlichen Wohnkultur errichtet, die im neuen Hest der Zeit- schrist „Der Polarforscher" von Paul John in Wort und Bild geschildert werden. Das eine ist ein Gemeinschaftshaus, das andere ein Familien- haus. Beide ruhen auf einem Psahlunterbau von je 130 gegabelten Hölzern und sind je 16 Meter lang. Es find rechteckige Häuser mit einer freien Plattform, einem schmalen Vorraum und einem größeren Wohnraum. Die Außenwände bestehen aus gespaltenen Baumstämmen, die Innenwände sind mit Lehm geglättet unö mit farbigen Bändern bemalt. Fenster haben die Räume nicht, sondern nur Giebelluken, die dem Rauchabzug dienen und etwas Licht einlassen. Das Dach ist mit Schilf bedeckt. Im Familen- haus läßt die Küche mit Backofen und Arbeitsgeräten einen Einblick in das Reich der Frauen jener Zeit tun, wie sie das Feld bestellten, das Brot buten unö die Kost besorgten. Im Wohn- unö Schlafraum findet man Steinbeile, auch einen Webstuhl und eine Vorrichtung zum Knüpfen von Dastgewebe. Moosgepolsterte Schlafbänke stehen nahe dem Feuer. Das Gemeinschaftshaus ist durch eine kleine Brücke mit dem Familiengebäude verbunden. Es ist das Reich des Mannes hat einen Raum mit Ruhelagern für Gäste und einen hallenartigen Hauptraum, i ' i primitive Fischerei- und Iagdgeräte sowie <üerfeile auf die Hauptbeschäftigung des Mannes Hinweisen. In der Mitte des Raumes liegt die Feuer- und Opferstelle; darüber lieht man auf einem Brett das Tagesgestirn als Zeichen des Sonnenkults. ienou S ein tadelloses Wgsehergebnis die richtige «ttlenge Persil tu nehmen Bilderrätsel. Rätselecke 26. aber kleines Sperrholz dem Richter, bekommen, in Blitz in die G n a u und bereits die brannte nieder. von sind Das andere Ende. Der Windfeldbauer steht vor den Polen zum Ausruf verleitet: „Armes Deitschland, hast du Fuchs!" hessisch-preußischen ein Hoheitszeichen, daran, dah Steine Denkmals chuh Auflösungen. Bilderrätsel. Wer einen Groschen spart, hat zwei verdient. Kettenrätsel. Bach — See: See — Land, Lckkld—- Bau; Bau — Grund; Grund — Buch: Buch — Druck: Druck — Luft: Luft — Weg: Weg — Berg: Berg — Sturz; Sturz — Bach. Silbenrätsel.. 1. Geeste; 2. Liverpool: 3. Erie: 4. Irland: 5. Celle: 6. Helsingoer: 7. Honnef; 8. Eger; 9. Jquique; 10. Torgau; 11. Ispahan; 12. Saatfeld: 13. Tunis: 14. Donajec; 15. Jrttsch; 16. Elba; 17. Salzschlirf: 18. Erfurt. Gleichheit ist die Seele der Freundschaft. homonym. Klatschen. Kreuzworträtsel. Grenz st eine vorhanden; Rodheim—Gießen an der Grenze befindet sich noch Das Landratsamt erinnert wie 5, wagerecht. Volkslieder-Rätsel ter entspinnt sich folgender Dialog: Richter: „Das war sehr roh von Ihnen, mutzte es gleich die scharfe Gabel sein, weshalb nahmen Sie nicht das andere Ende? Es hätte wahrscheinlich auch zu Ihrer Verteidigung genügt!" Dauer: „Ioa, Herr Richter, wenn de Hund mie aut met sien anner End entgegenkamen toter!“ Scharade. Geschäftig sind bemüht die beiden ersten, > Die dritte auszuschmücken nach Bedarf, Daß Nutzen sich und Zierde wohl verbinde. Das Ganze schützt vor spitzen Stahles Wunden Die beiden ersten. Doch nicht dies allein — Nein, schwerer Krankheit auch vermag's zu wehren Und Schmerz und Qual in Wohlsein zu verkehren. Auslassungsaufgebe. Rost — Cypern — Heller — Schwank — Eidam — Remise — Samum — Borste — Spitz — Ostern — Gruß — Meter. Aus vorstehenden 12 Wörtern soll durch Auslassen je eines Buchstaben ein neues Wort gebildet werden, während die ausgelassenen Buchstaben, aneinandergereiht, eine beliebte Sommerbelustigung ergeben. (Kreis Höchst) versetzt worden. Kreis Marburg. sch. Marburg. 13. Aug. Von einem schweren Gewitter mit starken Regenmassen wurde in kurzer Zeit vollständig Dillkreis. Tk-l Eimer Wasser! unbedingt erforderlich, er hat mit dem Rachbarn Streit dessen Verlauf sich des Rachbarn schöner Schäferhund auf ihn stürzte. Eine Dunggabel in der Hand des Dauern beförderte das stolze Tier ins Jenseits. Zwischen dem Bauern und dem Rich- Auf diesem Bildchen sind die Textanfänge drei bekannten Volksliedern enthalten. Welche dies? 1. Biblische Person: 2. Flächenmaß: 3. Rinder, art, 4. Denkzeichen; 5. biblischer Name; 7. Gesangslaut; 8. Raubfisch: 10. Riesenschlange: 11. europäische Hauptstadt; 13. Ort in Italien; 16. Anmerkung; 17. wie 10, senkrecht; 18. wie 12, wagerecht; 19. Hülsenfrucht; 20. biblische Figur; 21. Verbrecher; 22. Blume; 24. weiblicher Vorname; 25. und Hoheitszeichen unter stehen, und fordert die Gemeindebehörden auf, diese in ihren Schutz zu nehmen. XX Crumbach, 12. Aug. Pfarrer S chm t d t, welcher 13 Iahre das Pfarramt in der ver- einigten Kirchengemeinde Frankenbach-Crumbach versehen hat, ist auf seinen Wunsch nach Okriftel in den letzten Tagen die hiesige Gegend heimgesucht. Bei Schröck schlug der Blitz in einen Baum, unter dem der Schäsermeister Karl Schäfer mit seiner Schafherde Schuh gesucht hatte. Dabei wurden der Schäfer, 9 Schafe und ein Zregenlamm vom Blitz getötet. Schäfer war erst 27 Iahre alt und seit Mai d. I. verheiratet. In Ginseldorf schlug der Scheune des Landwirts Christoph zündete. Das Gebäude, in dem neue Ernte untergebracht war, XX Biedenkopf, 12. Aug. Im Hinterlandkreis sind an der früheren preußisch-hessischen und hessisch-kurhessischen Grenze noch sämtliche ' ' an der Kreisstratze Lugen vürrk Co.,Gietzen Telephon Itv. 6ö99D Arbeiten wurden schon vor Iahressrist begonnen, konnten jedoch wegen Geldmangel noch nicht zum Abschluss gebracht werden. Das Haus steht im Rohbau da. Der 'Bauplatz wurde von der Gemeinde und einem Mitglied unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Bauarbeiten leisteten zum größten Teil die Mitglieder freiwillig, auch wurden bis jetzt die nötig gewordenen Mittel durch Spenden und Beiträge ausgebracht. LI Eisemroth, 13. Aug. Die Iagd in hiesigem Umkreis hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Dlattzcit ist soweit vorüber. Es wurden durchschnittlich nur starke Rehböcke geschossen. Es kamen zur Strecke in der Gemarkung Uebernthal ca. 8 Böcke, Eisemroth 7 (alles alte Sechser- Böcke), Oberndorf 5 und Tringenstein 4 Reh- böcke. „Weidmannsheil!“ U Oberndorf, 13. Aug. Durch den Fang und Zuleitung einer neuen Quelle ist nun unser Wassermangel gehoben. Die Arbeiten an der neuen Quelle sind schon soweit vorgeschritten, daß ihre endgültige Zuleitung noch vor Herbst fertiggestellt werden kann. LJ Eisemroth, 13. Aug. Die Roggenernte hat in hiesiger Gegend begonnen. Trotz dem vielen Regen ist der Ertrag als gut zu bezeichnen. Maingau. WSR. Frankfurt a. M.. 12. Aug. Als ein Gerichtsvollzieher in die im ersten Stock gelegene Wohnung einer Frau in der großen Seestraße kam, um zu pfänden. Da wurde die Frau derart aufgeregt, daß sie ihre Räh- ma sch ine ergriff und mit aller Wucht zum Fen st er hinauswarf. Rur ein glücklicher Zufall wollte es, daß in diesem Augenblick niemand unten vorbeiging. Die Frau bekam eine Anklage wegen Sachbeschädigung, da es sich aber um ihr Eigentum handelte, so konnte dieses Delikt nicht in Frage kommen, und Pfandunterschla- vom Minister des Innern, in dem die Gluck- wünsche der Staatsregierung zu der Goldenen Hochzeit der beiden Paare zum Ausdruck gebracht werden. _ t Angersbach, 13. Aug. Angeregt durch die rührige und erfolgreiche Tätigkeit des nahen Turnvereins Maar hat auch hier der turnerische Gedanke festen Fuß gefaßt. Ein Turnverein hat sich gebildet, der bei seiner ersten Wetturn- veranstaltung bereits 40 junge Leute auf die Deine brachte. Der neue Verein wird sich aller Voraussicht nach dem Gau Hessen anschließen. bin. Bermuthshain, 13. Aug. Die diesjährige Ernte wurde dieser Tage formell begonnen. Dies geschieht hier nach einem schönen, alten Brauch. Sobald die Aehren zu reifen beginnen. versammelt sich die Gemeinde eines Morgens zu einem Erntegottesdienst vor dem Schulhause. Die Leute kommen im Arbeitsgewand, mit Sensen. Sicheln und Rechen und hören der Erntepredigt des Pfarrers unter freiem Himmel zu. Rach dem Absingen einiger Choralverse gehen ie an ihre Arbeit. - .— Aus dem Schlitzet-land. 13. Aug. Seit Monaten treiben die Wildschweine ihr Wesen in unserer Gegend. Besonders ist es die Gemeinde Willofs, in der die Flurschäden durch die Schwarzkittel sehr groß sind. Etwa 8000 Mark hat die Gräfliche Forstverwaltung bereits den ge- chädigten Landwirten vergütet. Die Forstverwal- tung hat ferner der Gemeinde Willofs die Iagd gekündigt, die diese in Selbstverwaltung übernimmt. Es sollen sechs Flurschützen gewählt werden, um das Schwarzwild zu vernichten. Alle Mittel der dortigen Bauern haben bis jetzt gegen das Wild versagt: so stellten die Einwohner z. B. abends Hundshütten mit den Hunden auf die Felder, die die Schweine durch ihr Gebell des Rachts verscheuchen sollten. Aber auch dieses Mittel störte die Tiere nicht bei ihrer Wühlarbeit. Preußen. Kreis Biedenkopf. bl. Dillenburg, 13. Aug. Am 28. d. M. kommt ein Transport von erholungsbedürftigen Kindern aus dem Seebad Boltenhagen zurück. Ein weiterer Transport geht am 30. August von hier nach Boltenhagen ab. bl. Dillenburg, 13. Aug. Stadtverordnete und Magistrat versammelten sich am Donnerstagabend im Festsaal der städtischen Volksschule zur Einführung des neuen Bür- germeisters Kupfrian. Oberregierungsrat Dieser von der Wiesbadener Regierung dankte zunächst dem seitherigen Bürgermeister der Stadt, Dr. S ch n e i d l e r für die eifrige Tätigkeit zum Wohle der Stadt, wies auf die großen Aufgaben hin, die des neuen Ortsoberhaupts harrten und wünschte eine fruchtbringende Tätigkeit zum Wohle der Bürgerschaft. Für den Kreis überbrachte der stellvertretende Landrat, Regierungsrat Dr. Bünger herzliche Glückwünsche mit dem Wunsche, daß auch fernerhin ein reibungsloses Zusammenarbeiten zwischen Stadtverwaltung und Kreis gewährleistet werden möge. Stadtverordneten-Stellvertreter Rover überbrachte beste Wünsche im Rumen der Stadtverordnetenversammlung. Für den Magistrat sprach Beigeordneter S t r ö h e r warme Worte der Begrüßung. Bürgermeister K u p f r ia n dankte für die vielen Glückwünsche und versprach, allen Wünschen nach Möglichkeit nachzukommen und seine ganze Arbeit dem Wohle der Stadt zu widmen. bl. Hai g er, 13. Aug. Eine ganze Reihe von Einwohnern unserer Stadt haben eine Eingabe an Die Regierung gerichtet, in der die Umwandlung der Stadt Haiger in eine Landgemeinde verlangt wird. Als Grund werden die zu hohen Verwaltungskosten angegeben. Auf das Ergebnis der Bestrebungen kann man gespannt fein. bl. Hirzenhain (Dillkreis), 13. Aug. Der Segelflieger Espenlaub hat nunmehr seine bestimmte Zusage gegeben, an dem Kreisjugendtag mit zwei Maschinen nach hier zu kommen. Die Flugzeuge werden auf Lastautos von Darmstadt nach hier verbracht werden. Das Unternehmen ist privat und hat mit den Reichs- jugendtoetttämpfen nichts gemein. Flugversuche werden auf unserer Höhe schon längere Zeit durch Lehrer Schäfer von hier, der sich selber Tlpparate erbaute, auSgesührt. Auf die Leistungen Espenlaubs ist man allgemein gespannt. bl. Haigerseelbach (Dillkreis), 13. Aug. Der Evangelische Männer» und Jüng- lingsverein baut im Einvernehmen mit dem Gemischten Chor ein neues Vereinshaus. Die in Gaboon, Erle u. Kiefer. 3-25mm a Breiter und Dielen aller Stärken. • « schweb, und bayrische Hobelbretter * " £ Svalierlatten, Eichen- uud Bnchen- n o° schnittwaren liefern in all. Stärken gung lag auch nicht vor, weil eine Pfändung noch nicht erfolgt war. Der Amtsanwalt beantragte 100 Mark Geldstrafe, der Einzelrichter aber erkannte wegen Hinauswerfens von Gegenständen und groben älnfugs auf 150 Mk. Geldstrafe. — Gestern vormittag rannte ein aus der Höchster Straße kommendes Auto in rasendem Tempo gegen den Eisenbahn- d a m m an Der Gallustoarte. Das Auto wurde vollständig zertrümmert, der Führer erheblich verletzt ins Krankenhaus gebracht. Außerdem wurde ein Straßenbahnmast und eine Laterne stark beschädigt und der Zaun entzweigerissen. Bezirk Kassel. WSR. Kassel, 13. Aug. Dieser Tage trat im Kasseler Kreishause eine K onfer enz der Landräte des Regierungsbezirkes - Kassel und des Freistaates Waldeck zusammen. Die Sitzung wurde vom Lcmdrat Pappenheim - Kassel geleitet. Die Verhandlungen beschäftigten sich im wesentlichen mit verwaltungstechnischen Fragen, sowie die Einstellung Der einzelnen Kreise zu den wichtigsten Fragen auf dem Arbeitsmarkte, Wohnungsangelegenheiten usw. — Durch Entscheidung der Reichsarbeitsverwaltung Berlin ist der kur- hessische Landarbeitertarifvertrag für den Regierungsbezirk Kassel für allgemeinverbindlich erklärt worden. Hierdurch hat Der Tarifvertrag auf Grund des § 2 Der Verordnung vom 23. Dezember 1918 in Der Fassung des Gesetzes vom 23. Ianuar 1923 Geltung für sämtliche Landwirte, die landwiickschastlrche Arbeitnehmer beschäftigen, sowie für die Landarbeit- nehmer erlangt. Hinsichtlich der (^nzelhetten geben der Land- und forsttoirtschaftllche Arbett- gebemrbanb für Kurhessen, e. J. in Kassel der Deutsche Landarbeiterverband, Kassel, bzw. Zentralverband der Landarbeiter, Kassel, Auskunft. Silbenrätsel. Aus den 26 Silben: an — arns — berg — chia — eh — es — gei — har — hu — is — kor — lau — ne — pec — pich — preis — pu — ren — rep — ier — tc — tc — te — top — til — woh inb 10 Wörter zu bilden, die die folgende Bedeutung haben: 1. heiße Springquelle; 2. militärische Bedeckung: 3. Stadt in Schlesien; 4. italienische Insel; 5. Fußbodendecke; 6. Stadt in Mexiko; 7. Blume; 8. Kriechtier: 9. großer eiserner Haken: 10. Stadt in Westfalen. — Wurden die Wörter richtig gebildet, ergeben deren Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vorn zwei Naturerscheinungen. Kreuzworträtsel. 1. Von links n a ch recht: 1. Wüstenwird: 5. Wurfspieß: 6. Titel; 8. biblische Person: 11. körperliche Erfrischung; 12. Bedrängnis; 14. Fruchtkörper; 15. Säugetier; 17. Gutschein; 19. Seerosengewächs; 21. nicht dauernd angestellter Beamter; 23. Gespinstpflanze; 25. römisches Gewand; 27. weiblicher Vorname; 28. nordisches Göttergeschlecht; 29. Teil des Rades; 30. römischer Kaiser. 2. Don oben nach unten: Lj-sIamoi E l I R Df j N Ql /\IrT 1 Vexierbild. Bild auf den Kopf stellen, dann ist der Flurwächter zwischen den Holzstücken am Wasserrand, dem Hause und den Wolken zu sehen. Heren Dauernde Ergiebigkeit einer Prüfung Vorbehalten bleiben soll. L Bergheim, 13. Aug. In letzter Zeit wird das Tal der „Bleiche" sehr oft von Zigeunern als Aufenthalt benutzt, bietet doch die zwischen hier und Bleichenbach gelegene „Schönau' mit ihrer schattigen Akazien- und Kastanienallee eine sehr willkommene Lagerstätte für diese braunen Gesellen. Der nahe Wald mit seinem noch günstigen Rehbestand, das Feld und die vorübersließende Bleiche, und der nahe Karpfenteich sind vorzügliche Fleisch- rejerooire. Deshalb wird dieses Fleckchen Erde auch stets von dem Gesindel bevorzugt, das tagelang hierzu lagern pflegt. „ _ th. Leid Hecken, 13. Aug. Zwecks Beschäftigung der Arbeitslosen in hiesiger Gemeinde wird zur Zeit der Flutgraben zwischen Horloff und Ridda und die Ridda in hiesiger Gemarkung gereinigt. Für die Reinigung des Flutgrabens, im ganzen 1600 Meter, wird pro Meter 20 Pfennig bezahlt, bei der Ridda pro Meter 10 Pfennig; beschäftigt werden 20 Mann. Bei dieser Gelegenheit werden von den hiesigen Fischerei-Pächtern große Mengen Fische, besonders Hechte und Aale, gefangen. Kreis Schotten. °.° Gedern, 13. Aug. Die Bitte des hie- sigen Krankenhausausschusses an die Einwohnerschaft um Dücherspenden sürdasKran- k en haus hatte ein recht gutes Ergebnis. Es kamen in kurzer Zeit etwa 200 Bände zusammen. Die den Insassen des Krankenhauses manche Stunde kürzer erscheinen lassen und ihnen zur Unterhaltung und Belehrung Dienen toerDen. Babenhausen II, 13. Aug. Nachdem die Reichspost die A u t o l i n i e Mücke — Boden - hausen —Feldkrücken wegen Unrentabilität im Juni eingezogen hat, ist es nach verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, ein P r i v a t u n t e r n e h - men für die eingegangene Strecke zu interessieren. Seit zwei Wochen etwa haben kleinere Wagen den Verkehr ausgenommen und berühren in täglich viermaliger Fahrt die Orte Mücke, Groß-Eichen, Sellnrod, Höckersdorf, Boden hausen. Endstation ist nicht mehr Feldkrücken, sondern Bo- benbaufen, wo auch die Wagen stationiert sind. Die beteiligten Gemeinden haben sich zu entsprechenden Zuschüssen verpflichtet. Da die Autooerbindung es auch übernommen hat, gegen eine pauschale Vergütung die Postsachen zu befördern, bietet die neue Linie ausreichenden Ersatz für die eingegangene Verbindung. Aus Dem Vogelsberg, 13. Aug. Die Züchter von Vogelsberger und Sim ment Haler Vieh haben zur Zeit Gelegenheit, dasselbe durch Vermittlung des Land- wirtschastskammerausschusses für die Provinz Oberhessen abzusehen. Der Ausschuß macht bekannt, daß bei ihm dauernd Rachfragen nach Richvieh eingehen. Insbesondere sind es die Landwirte in Lich, Deren Viehbestände infolge Der Lungenseuche zum großen Teil geschlachtet werDen mußten, die umgehend Vieh benötigen. Ebenso besteht seitens rheinhessischer Landwirte große Rachsrage nach Rutzvieh. Die Vorsitzenden der hier und da bestehenden Zuchtvieh- vereine geben Karten aus zur Anmeldung des zum Verkauf stehenden Viehes an die Landwirt-- schaftskammer. —Aus dem oberen Vogelsberg. 13. Aug. Die Bahnhose des oberen Dogelsberges stehen zurzeit im Zeichen der Heuverladun- gen. Oft werden täglich mehrere Waggons auf einem Bahnhofe verladen. Der Preis des Heues schwankt je nach Qualität zwischen 2,80 und 3 Mark für den Zentner. — Gute Verdienst- mög lichkeiten bieten sich der ärmeren De- . völkerung in dem Ei ns am mein von Himbeeren, die in ziemlichen Mengen gepflückt werden. Die Händler bezahlen im Durchschnitt nur etwa 20 Pfennig für das Pfund. Kreis Alsfeld. —.— Homberg (Ohm). 13. Aug. Das 70. Iubiläum begeht am 29. August der hiesige Gesangverein „Frauenlo b“. Sin großes Sängerfest soll mit der Feier verbunden werden. I Ra in rod, 13. Aug. Durch das Darniederliegen der Basaltindustrie sind in unferm Ort verhältnismäßig viele Arbeite r erwerbslos. Es besteht auch keine Ansicht, ' daß in nächster Zeit eine Besserung eintritt. Kreis Lauterbach. ö Lauterbach, 13. Aug. Die 21 a u l • und Klauenseuche ist neuerdings in Ange rsbach. Wernges,-' Willofs, Maar, ülellers- hausen und Hartershausen festgestellt worden. ö Schlitz, 11. Aug. Die Heidelbeer- ernte in unseren ausgedehnten Wäldern ist nun beendet. Sie ist gegen ursprüngliches Erwarten doch noch eine Rekordernte geworden, die wochenlang weiten Kreisen der Bevölkerung eine schöne VerDienstmöglichkeit geboten und dazu beigetragen hat, die Arbeitslosennot vorübergehend zu lindern. Während Der Ferien stand auch die Schuljugend im Dienste des Erwerbs, fo_ dah sich kinderreiche Familien ein ganz schönes Sümmchen ersparen konnten. Die Sammler erhielten von den Auftäufern durchschnittlich 17 bis 20 Pf. pro Pfund, in Anbetracht der mühsamen Sanunel- arbeit in den zum Teil weit entlegenen Wäldern eine nicht allzu hohe Entlohnung. Tüchtig hatte auch die Bahn zu tun. Wochenlang wurden täglich die von Den zahlreich anwesenden Händlern auf gekauften Beeren auf Den Stationen des Schliherlandes verladen. Allein auf der Station Huhdorf tarnen über 60 Waggons zur Verladung. I Reuters. 13. Aug. Die Ausbreitung des Huflattich in unserer Gemarkung bereitet Den hiesigen Landwirten größere Sorge. Während noch vor 20 Jahren dieses ilnlraut hier nur vereinzelt vorkam, ist es heute fast in der ganzen Gemarkung anzutreffen. Die Ausrottung und Bekämpfung dieser tieswurzeln- ben Schädlingspflanze erweist sich als sehr schwierig, ja als nahezu aussichtslos. $ Crainfeld, 13. Aug. Regierungsrat Ranz von Lauterbach übergab gestern den Eheleuten Heinrich Müller VI und den Eheleuten Iohannes Löffler IV hier je ein Schreiben Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttvnSttsch. „Armes Deltschland." Der neue polnische Gelegenheitsarbeiter macht mit seinem Kollegen seinen ersten Spaziergang in Deutschland. Im eifrigsten Gespräch springt plötzlich ein Eichhörnchen über den Weg, das TA 10033 00QB,! BBI3I3 31300: SH mm 10 10 10 Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Die vorübergehende Erschütterung der Börsen- lenden- in der letzten Woche hatte ihren tieferen Grund nicht etwa in einem Stimmung-- Umschwung bei der Spekulation, die vielmehr weiter der Ansicht ist, daß bis zur Einführung der Stahlwerke-Aktien und außerdem bi- zur Erledigung der verschiedenen erwarteten Groß- bankkapitalerhöhungen eine ernsthafte Gefahr für eine Wendung der Börsentenden- nicht bestehen könne. Ob diese Ausfassung richtig ist, sei dahingestellt. Wie sich die jetzigen Kurssteigerungen au-rnachen. wenn man die Drille der Spekulation abscht, haben wir ja schon kürzlich aus- aeführt. Ungeachtet dessen steht allerdings fest, daß tatsächlich die Danken anscheinend ein Interesse daran haben, zur Durchführung der kommenden Transaktionen das gute Dörsenwctter zu erhalten; denn die Dörse soll demnächst nicht nur einen größeren Aktienbetrag der Vereinigten Stahlwerke, sondern auch die Veuemissionen der Danken aufnehmen. Daß solche tatsächlich zu erwarten sind, scheinen die bisherigen Schritte der Deutschen Dank und der Dresdner Dank zu beweisen. Außerdem wird aber in Kürze noch ein anderes deutsches Großunternehmen, die 3. G. Farbenindustrie, zu einer Heraufsetzung des Eigenkapitals um voraussichtlich über 100 Mill. Ain. schreiten, die auch aus dem Wege über die Dörse untergebracht werden sollen. Diese wird damit wieder mehr und mehr ihren eigentlichen volkswirtschaftlichen Zwecken zugeführt. Die Effektenbörse soll doch schließlich nicht nur dazu dienen, der Spekulatton den Lebensunterhalt zu geben, sondern umgekehrt unter Anreiz der Spekulation die deutsche Wirtschaft mit Kapital zu versorgen. Die eben angeführten Transaktionen haben nun in der letzten Wocke (wenn man von dem eintägigen Aüclschlag absieht, der auf Gewinnmitnahmen und eine Geldverstcifung. sowie erhöhte Einschubforderungen der Liquidationskasse zurückzuführen war) die Tendenz beherrscht. Per Saldo sind weitere ansehnliche Kurssteigerungen eingetreten. Die Dörse sollte aber trotz Kohlenkonjunktur und Stahltrustbildung, trotz internationaler Eisenverständigung und Elektro- trustbestrebungen nicht vergessen, daß die zunehmenden Emissionen am Geldmarkt sicherlich nicht ganz ohne Auswirkung bleiben werden. Diesen dürften Mittel entzogen werden, die bisher im Börsengeschäft Verwendung finden konnten, künftig aber an anderer Stelle des deutschen Wirtschaftslebens wirken werden. Die vor einigen Tagen zu verzeichnende und noch nicht behobene Versteifung des offenen Geldmarktes ist bereits ein Anzeichen hierfür. Die Einzahlungen der Danken auf die Aeichsbahnvorzugs- aktten (100 Mill. Am.) und die zweite Aeichs- post-Anleihe (30 Mill. Am.), die sich innerhalb weniger Tage folgten, haben den Sah für Tagesgeld um mehr als l1 Prozent anziehen lassen. Außer den schon angedeutetcn Kapitaltransakttonen der Großbanken und des Farbenkonzerns ist anzunehmen, daß auch von anberen Seiten her bald weitere Ansprüche an den Geldmarkt gestellt werden. Man denke hier an Staat und Kommunen. Durch den im Herbst stets eintretenden größeren Geschäftsverkehr der gesamten Wirtschaft wird der Geldmarkt ebenfalls stärker herangezogen werden. Die Entwicklung des Reichsbankstatus wird sich also auch nicht in der bisherigen Weise fortsehen können. Werrn man diese Gesichtspunkte berücksichtigt, und sich außer- dem bei der Kursbildung mehr an die Aentabili- tätSmöglichkeiten hält, so wird man die verschiedenen. jetzt als Haussemvment verwerteten Kapitalerhöhungspläne ruhiger aufnehmen müssen. Die jungen Aktien unserer Großbanken und der Farbengruppe sind ebenso wie die Stahlwerke-Aktien auch dann noch erstklassige Anlagc- papiere, wenn der Kursstand der alten Aktien etwas weniger forciert wäre, als dies heute der Fall ist. Diese Erwägungen erscheinen uns notwendig. um das Publikum später vor Aückschlägen zu bewahren. ' Die amtliche Großhandels- iudexziffer. Die auf den Stichtag des 11. Auaust berechnete GrotzhandelSindekziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem 4. August um 0,3 Proz. auf 125,9 zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer der Agrarerzeugnisse um 0.4 Proz. auf 127.3, die 3nbef8lffer der Industriestoffe um 0.2 Proz. auf 123,2 nachgegeben. * Sitzung des Reichskalirates. 3n der letzten Sitzung des Aeichskalirates begründete da- Kalisyndikat den Antrag, eine Preiserhöhung um durchschnittlich 18 Prozent vom 15. August ab zu beschließen. Der Vertreter des Handel beantragte, zur Zeit die Erhöhung um 12 Prozent zu beschließen, dagegen die weiteren 6 Prozent einer späteren Beschlußfassung des ReichskaliratcS nach Hebersicht über die Ernteergebnisse vorzubehalten. Der Aeichskalirat beschloß mit 13 gegen 9 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen dem Anträge des Handels gemäß die Erhöhung um 12 Prozent durchschnittlich. Der Dcvollmächttgte des AeichswirtschastSmini- steriums beanstandete auf Grund des tz 91 der Durchführungsvorschriften zum KaliwirtschastSge- feh den Deschluß. weil \ur Zeit der Nachweis eines Erfordernisses der Preiserhöhung nicht ausreichend begründet sei und begründete den Einspruch näher mit der Erklärung, daß die Entscheidung deS Reichswirtschaftsministers über Ausrcchterhaltung des Einspruchs in der vorgesehenen Frist ergehen werde. Mit Rücksicht hierauf beschloß der Reichskalirat, erst nach Ablauf der Frist am 1. September die Erhöhung in Kraft treten zu lassen. * D i e Kapitalserhöhung der 3. G. F a r b e n i n d u st r i e A G. Der 2L R. hat beschlossen, einer auf den 1. September einzuberufenden ao. H. V. eine Erhöhung des Grundkapitals von 646 Millionen Mark auf 1100 Millionen Mark in Vorschlag zu bringen. Es sollen 258 400 000 Mark junge Stammaktien und 160 Millionen Mark junge bproz. Vorzugsaktien Serie A nut einfachem Stimmrecht und 35 600 000 Mark junge 3,5proz. Vorzugsaktien Serie B mit zehnfachem Stimmrecht zur Ausgabe gelangen. Das gesetzliche Dezugsrecht der Aktionäre soll ausgeschlossen werden. Von den jungen Aliicn sollen 18 333220 Mark Stammaktien und 125 000 Mark Vorzugsaktien Serie B gemäß dem mit der Köln-Rottweil A. G abziischließenden Fusionsvcrtrag zum Umtausch gegen Köln-Rott- Weil-Aktien verwendet werden. Die jungen Vor- zugsaktten Serie A sollen sowohl hinsichtlich des Dividendenanspruches als auch für den Liquidationsfall auf Goldpari gestellt werden. Das hundertfache Stimmrecht der alten Vorzugsaktien soll auf das zehnfache Stimmrecht herabgesetzt werden. Rach Eintragung der durchgeführten Grundkapitalerhöhung sollen 1. 128 320 000 junge Stammaktien den alten Stammaktionären der 3. G., 2. 3 666 600 Mark junge Stammaktien den 3nhabcrn der im Austausch gegen Köln- Rottweil- Aktien herauszugebenden jungen Stammaktien, 3. 3 750 000 junge Stammaktien den Stammaktionären der Dynamit A. G. Perm. AlfredRobel & So., Jamburg, 4. 960000 Mark junge Stammaktien den Aktionären der Rheinisch - Westfälischen - Spreng - st o f f A G. in Köln entsprechend den m i t diesen Firmen abzuschließenden Verträgen zum Kurse von 150 Prozent derart zum Bezüge abgeboten werden, daß auf je nom. 5000 Mark alte 3. G. Stammaktien oder nom. 5000 Mark zum Austausch gegen Köln- Rottweil-Aitien bestimmter junger 3. G Stammaktien oder nom. 10 000 Mark Dynamit-Aobel- Stammaktten oder nom. 12 500 Mark Rheinisch- Westfälische Sprengstoff-Aktien nom. 1000 Mark junge 3. G. Stammaktien gegeben werden. Die Einzahlungen auf die bezogenen Aktien sollen mit 25 Prozent zuzüglich 50 Prozent Aufgeld am 15. November 1926 mit 75 Prozent, am 15. 3uni 1927 in beiden Fällen mit dem Rechte früherer Einzahlung unter Vergütung von 6 Prozent Zinsen geleistet werden. * Ruhrkohlenförderung. Nach vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit vorn 1. bis 7. August im Ruhrgebiet in sechs Arbeitstagen 2 199 491 Tonnen Kohle gefördert gegen 2 283 349 Tonnen in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls sechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in den sieben Tagen der Berichtswoche auf 404 382 gegen 405 904 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die Prehkohlenherstellung auf 67 214 gegen 70 472 Tonnen bei sechs Arbeitstagen. Die aroeits- tägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vorn 1. bis 7. August im Ruhrgebiet 366 582 gegen 380 558 Tonnen in der Woche vorher und 379 840 Tonnen im Durchschnitt des ganzen Jahres 1913. Die tägliche Kokscrzeugung stellte sicli auf 57 769 gegen 57 986 dzw. 68 377 Tonnen, die arbeitstägliche Preßkohlenherstellung auf 11 202 gegen 11 745 bzw. 16 439 Tonnen. ' Diskonterhöhung der Neu- Yorker Bundesreservebant. Wie aus Neuyork gefabelt wird, hat die DundeSrelerve- bank in ihrer letzten Sitzung die Erhöhung des Diskontsatzes um 'auf 4 Prozent beschlossen. Die Neuyorkcr Bundesreserve- bank hatte bekanntlich ihren Zinssatz am 23. April d. 3s. von 4 auf 31'? Prozent herabgesetzt, ohne daß jedoch die anderen elf amerikanischen Bundesreservebanken ihrem Beispiel folgten. Durch die Erhöhung beträgt der Diskontsatz bei allen DundeSrelervebanken wieder einheitlich 4 Prozent. Berliner Börse. Berlin, 14. Aug. DaZ 3ntercsse der Börse wurde heute vor allem von den Elektro- werten und den Transaktionen der 3 G. Farben-3ndustrie in Anspruch genommen. Die Kurse der Elektroaktien setzten ihre Höher- bewegung fort, wobei auf die günstige Beschäftigung in dieser 3nbuftrie und die großen Auslandaufträge verwiesen wurde. 3n diesen Werten und in 3- G Farbenaktten war das Geschäft äußerst lebhaft- 3. G. Farben zogen auf 197.5 Prozent an. gingen aber später mäßig zurück. Beachtenswert war ferner Die andauernde Befestigung der Holzmann-Aktien. die heute weitere 5 Prozent gewannen. Bei diesen Werten stimulierten besonders die Aufträge, die aus Grund dek Arbeitsbeschaffungsprogramms erteilt werden. Auf den übrigen Marktgebieten herrschte Ruhe und das Kursniveau schwächte sich bei diesen Gruppen um etwa 1 Prozent ab 3m Devisenverkehr hielten sich die Veränderungen in engen Grenzen. Brüssel lag etwas schwächer mit 181 gegen London, während sich Paris auf 177,5 gegen baä Pfund behaupten konnte. London war gegen Kabel auf 4.8599 erholt. Am Geldmarkt hat sich die Nachfrage verstärkt. Tagesgeld 4 bis 6 Prozent, Monatsgeld 51 '. bis 61 . Prozent. Warenwechsel mit Großbank-Giro zirka 5 Prozent Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a-M. Berlin Schlatz- Äurt. Rut» Schlud-sSnsimg Rnr« 41* 141' 141.5' 196' 198.5* 197' 198.5' 170' 169.5* 170* 170’ 93 ■» —— — 164’ 165* 163.9' 164,5' 133.25 134 140 — 143* 144.5* 7.2 7.3 7.3 7.5 80 — — — 150' >50* 151,7* ISO' 94,75 * 95 91.5 81.7.1 — 88 84.5* 1.17’ 155,5* 156,7* 155* >80' 178,7* 176,2* >78* 153.7* 153,2* 151.4’ >51' 143 — 145* 145.9' 151 151,25 154 152 57 — 58.25 57.9 74 — 72,5* 126.5* 126.5* 126.7' 125.7' 151' ISS* 149,9' 150,7' 150 146,75 150.75 148 70 — 110,5 157.7* 157,7* 157,5' 157,4* 152,5* 153,7* 152.9* 152,2* 54.7 _ _ 92.3 125 — 105 104 — 35,5 — 97 — — —— m* 497* -94.2* -97.7' 114 114.75 113 113,5 58 59 111 111.5 110,5 110,5 160 — — 156.2* 159* 154,9' 157.9' 141 148* 142,7' 151' 100.5 — 135* 138,7* 135' 138.7' ISO* 195.7* 190,5* 194.5* 79.5 80,5 78,62 80 81.75 — 82 83 25 — 45,5 — 46 - — •• 39,5 - — — 42,75 — —• 142 — * — 84.5 — 86.9 47 — 48 _ .1 — 3,25 — 165 — 163 166,5 74 74.5 74,5 82,5 82,75 82,5 — vranLflirter Börse. Frankfurt a. M., 14. Aug Tendenz: befestigt. Zum Wochenschluß war die Börse wieder freundlich veranlagt. Während der Bor- börfenverkehr bei herabgeminderter Ilmsatztätigkeit leichte Kursabschwächungen brachte, wöbet sich der Druck au? 3. G. Farbenindustrie au einem Verluste von 3 Prozent verschärfte, eröffnete der amtliche Verkehr in fester Stimmung. 3m Mittelpunkt des 3nteresseS standen erneut Elektroaktien. wo die bereits gestern erwähnten Versionen stimulierten, ferner waren Gerüchte über große Aufträge her russischen und türkischen Regierung in Umlauf. Die Nachfrage erstreckte sich besonders auf Siemens & Halske, die ihren am Vorabend erzielten Gewinn um weitere 3,25 Prozent steigern tonnten. Felten plus 3, Mainkraft plus 2. Licht und Kraft plus 1,5 Prozent, AEG. und Schuckerl plus je 1,25 Prozent. Der Mont a nmarkt lag ruhig. 3nfolge einiger Angaben gingen die Kurie zurück. Riebeck minus 3,25. Gelsenkirchen minus 2, Mannesmann minus 1,75, Deutsch-Lu? minus 1,5, Phönix minus 1,25 Proz. Rheinstahl blieben gehalten. Eine Ausnahme bildeten Rheinische Braunkohlen, die 6.5 Proz. anziehen konnten. Kaliaftien lagen schwächer Am Lhemiemarkt konnten 3.D.- Farbenaktien im Verlaufe infolge besserer Beurteilung der Finanzpläne des Trustes ihren Verlust toieber aufholen. Der Kurs schwankte zwischen 297 und 298 Proz. Von Bankaklien zogen Darmstädter um 2 Proz. an; die übrigen Werte dieser Gruppe waren gedrückt Zuwer- afticn waren unverändert. Motorenwerke gut erholt Zellstoffccktien setzten ihre AufwärkSbewe- gung fort Bauaktien strebten weiter nach oben Heidelberg-Zement plus 2 Prozent. Holzmann plus 3,75 Proz Wayh & Frentag plus 4 Proz. Sonst ergaben sich keine nennenswerten Kursveränderungen. Das Renteng e sich äft war völlig umiatzlos; von ausländischen Renten konnten Ungarn etwas anziehen. Der Freiverkehr lag lustlo«. Benz 80 Prozent, Drown Boveri 120 Prozent, Grv- wag 60 Prozent. Entreprise 75 Prozent. Ufa 40 Prozent. Unterfranken 90,5 Prozent. 3m weiteren Verlaufe verkehrten die favorisierten Werte bei stillem Geschäft unter starken Schwankungen. Die Tendenz neigte zum Nachgeben Am Geldmarkt bestand Nachfrage für Tagesgeld. so daß sich der Satz auf 5 Prozent erhöhen dürfte. Monatsgelb ebenfalls gesucht bei 5.5 bis 7.25 Prozent Warenwechsel 5 Prozent, Bankakzepte 4.5 bis 4,62 Prozent. 3m Devisen - verkehr konnten sich die westlichen Frankenvaluten behaupten. Paris 177.50 gegen London, Brüsiel 177,75. Devisenmarkt Berlin—Jrankfnrt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Banknoten. (Ohne Gewähr.) 13 August. 14. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung tveld Brief Äcld Brut Ämft.-'Jion 168.29 168.71 168,31 1'6.4,73 Biien-Sirei l.6!hi 1,694 1,693 1.697 Bri7-Antw 11,46 11,50 11,28 11,32 Cbrlfttania 91,98 92,22 91,88 92,12 .fiopenbageu 111,59 111,79 111,46 111,71 Stockholm . 112,37 112.65 112,28 112,56 HelsingforS 10,552 10.59-2 10,554 10,594 Italien. . London. . . 13,76 20,377 13,80 20,429 s 13,84 20,431 Neuvork . . 4,195 4.205 4,195 4,205 'Porti . . . 11.46 11,50 11.49 11.53 Schwcu . • »1,04 81,24 81,065 81,265 Svanirn . . W.85 64,01 63.92 64,08 Japan . . . 2,005 2,009 4,008 4.012 mio de Jan Wien in 5).. 0,644 D,646 0,643 0.645 Letz- abgest 59,345 59,485 59,345 59,465 Prag .... >2,419 >2,459 12,419 7,405 12,479 Belgrad . . 7,405 7,425 7,425 Dudapetz. . 5,87 5,89 5,865 5,881 Bulgarien .1.036 3,047 J,035 3,045 Lissabon N.40 21,45 21,375 21,425 Dantig. . . Konstantin. 81,4b 81,68 81,50 81,70 2,30 2,31 2,295 2,805 Rtben . 4,74 4.76 4,74 Kanada. . 4,198 4,208 4.195 1,198 4,208 Nruguan . . 1 4,185 1.185 4,195 Berlin, 13. August (Seid Brief Amerikanische Rote» ..... Belgische Noten ........ Dänische Noten........ Englnche Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... $enh-d,;S.cR^r-’4100 Kronw Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Roten...... Spanische Roten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... 4,176 11,57 111,27 20,85 11,52 167,89 14,16 91,72 59.45 112,02 81,15 68,64 12,387 5.83 4,198 ii 'M 11,58 168,72 14,21 92,18 59,75 H3,58 81,5-. 63> 12,447 5.87 Berliner Produktenbörse. Berlin, 13. Aug. Die heutige Marktlage war auf allen Gebieten bei Beginn des offiziellen Verkehrs fest, nachdem vormittags ruhige Tendenz vorherrschte. Das 3nlandangebot bleibt andauernd klein. Weizen wie auch besonders Roggen sind für die Versorgung der Mühlen vollkommeil unzureichend zur Hand. 3m LieserungS- geschäft kam die Materialtnappheit für Weizen in Preissteigerungen bis 2 Mark zum Ausdruck. Am Roggenmarkt war die Erhöhung noch umfangreicher. Es loftcn einzelne Klagen über Druchergebnisse befestigte Wirkung aus. und zwar für spatere Sichten September annähernd 2 Mark fest Gerste hat für bessere Ware mäßiges Angebot desgleichen Hafer. Hilfsfutterstoffe zeigen immer noch keine Ansätze zur Belebung. Es notierten per 1000 Kilo Weizen, märt., 266 bis 270; Roggen, rnärk, 192 biS 198; Hafer, märt, (neu). 178 bis 190; Hafer, rnärk. (alt). 190 bis 198; Mais (loko Berlin) 176 bis 182; Raps 325 bis^30; per 100 Kilo: Weizenmehl 38,50 bis 40; Roggenmehl 27,25 bis 29: Weizenkleie 10,25 bis 10,50; Roggenkleie 11 bis 11,40, Viktoria- erbsen 33 bis 37; kleine Speiseerbsen 27 bis 31; Futtererbsen 20 bis 24; Peluschken 27 biS 28,50; Ackerbohnen 23 bis 26. Wicken 32 bis 35, Lupinen (blau) 15,50 bis 17,50; Lupinen (gelb) 20 bis 21.50; Rapskuchen 14,40 bis 14,60; Leinkuchen 18,90 bis 19,20; Trockenschnihel 10,80 bis 11.10; Soyaschrot 20.20 biS 20,30. IST NEU GOKN 4. 5 2. 3 antike Kommoden. 6627O 8lv!l6nangebotej 66480 6609 D Generalvertreter: A. Daniel. Cassel, Steinweg 4, Telephon 5770. Prof. Brüning 66470 und des V 06*94 "J' -> sreundUchst eingeladen. 05583 sreigewordene 05060 Kaiierallce 45. Telephon 1248 6615V 66280 Fourier. 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August 1926. vormittags 8 Ähr, an die Küchenverwaltung einzureichen. Küchenverwallung 1. (Hess.) Datl. 15. Fnf.°Regts. Zu haben in Apotheken & Drogerien a. z» -eue MHits C* h B f ist das beste Heilmittel. Ounidl Hetallbetten für groß und klein, Stahlmatratzen, auch mit Zubehör, frachtfrei an Private. Ueberall eingeführt seit 1911. Bequeme Bedingungen. Katalog 729 frei. Eisenmöbelfabrik Suhl (Thür.) Arbeitsvergebung, i Unter Hinweis auf den Ministerial- erloß do in 16. Februar 1893 und seine Ergänzungen werden nachstehende Arbeiten vom 2. Erweiterungsbau der Universitäts- Hautklinik in Gießen im öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben: 1. Schreinerarbeiten in 4 Losen: 2. «chlosserarbeiten in 4 Losen: 3. Herstellung von rauhem Fußboden- Verreist vom 14. August bis 19. September Riesen-Erfolg Bajazzo-Geldspiel-Automaten Preis 65.— erstklassige Ausführung sowie Nigoletto Prämien-Aulonialen billigst. L. Tomas & Co., Berlin 8 42 6630D Tee Borstand. 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Die Eröffnung erfolgt an den vorgenannten Terminen in Anwesenheit etwa erschienener Bewerber. Gießen, den 13. August 1926. Hessisches Hochbauamt. Zweigbureau Hautklinik. I. A.: G e i beL Betr.: Beamtenmiethaus 9 in Gießen. Arbeitsvergebung. Auf Grund der ministeriellen Bestimmungen sollen die am Beamtenhaus 9 in Gießen. Auf der Weißerde, vorkommen- ben 6597C äußeren verputz- und Anstreicherarbetten sowie die Pf lasterarbeiten im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Die Bedingungen und Zeichnungen liegen von Montag, den 16. August 1926, ab auf unserem Amte zur Einsicht offen, wo- selbst die Angebotsvordrucke, solange der Vorrat reicht, zum Selbstkostenpreis abgegeben werden. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei zum Eröffnungstermin, Dienstag, den 24. August, vormittags 11 Uhr, hierher einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 12. August 1926. Hessisches Hochbauamt Gießen. I. 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Philipp Bierau'schen Wirtschaft zu Wieseck, 4. in Gemarkung Gießen an demselben , Tag, nachm. 2116t, im Philosophenwald. i Auskunft zu 1 durch Herrn Förster Müller zu Alten-Buseck, zu 2 durch Herrn ? Förster Braun zu Daubringen, zu 3 und 4 durch Herrn Förster Brück zu Rödgen. f Gießen, den 13. August 1926. _____Hefs. Forstamt Gießen. «„«Q Die Gemeinde Inheiden beabsichtigt ein Kriegerdenkmal zu errichten. Die in Frage kommenden Bildhauer können sich mit uns in Verbindung sehen. Inheiden, den 12. August 1926. Hessische Bürgermeisterei Reitz. 6625V $1*05- itifeiWt für Silber- und Solinger Bestecke gesucht. Schristl. Angebote unter 05569 an den Gieß. Anz. erbeten. Suche Seifenverkäufer. ; 20 Muster ML 240 frei Nach,,. P. Holster, Breslau Sv. 498. Uu-A 30 MK. täglich u. mehr nachwelöl. für jeberm, l. zu verdienen durch Vertr. uns. bew. Art. und Steilheiten. [3426A Poliers & Grenseobaeh Hamburg 8 »65' 3n dem kausm. Betrieb eines in- buftr. 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Roch aber liegt der Sonnenschein auf wildromantischen Gegend und verklärt Feld Großer schattiger Garten. 4141D e B 3 T i 2 ? 3 I to Cr CD Sommer,Ufa? Sontcrian Weilburg. Elekrr. Licht, Sei 83, Garage. Herrlich am Walde gelegen. Ne- novtert. Erstklassige Küche. Bens. 5.—. Wie stiller, süßer Märchenzauber liegt es über dem schweigenden Wald: bis dieser Zauber plötzlich von einem eigenartigen Raunen und Rauschen unterbrochen wird, das allmählich lauter und lauter an das Ohr des Wanderers schlägt. Gewaltige Granitblöcke stellen sich hier der von den Felsen seitwärts eingeengten Holz- Luftkurort Altenburg 20 Minuten von der Bahnstation Alsfeld (Oberhessen) „Gasthauszur Linde“, Bes.iGeorg Herdt Telephon 211 Alsfeld. Bad im Hause. — Große schöne Zimmer. Anerkannt vorzügliche Küche. Münchener Bier. - Gut gepflegte Weine. ' 58 ,,Crn W hjü. ro*e ; O:» Jodbad Sulzbrunn im bayer. Allgäu 875 m ü. 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Immer freier wird der Ausblick. Die Kuppe ist erreicht. Der Wind fegt über das baumlose Plateau. Gespensterhaft ragt die Teufelskanzel empor. Rach kurzer Rast im „Drockenhäuschen" (einem stattlichen Gasthaus) zieht es den Wanderer nach dem „Hexenbrunnen" und dem „Waschbecken", der „Hexenkanzel" und bem „Hexentanzplatz", auf dem in der Walpurgisnacht die Hexen sich versammeln. Ein eigenartig tiefer Sinn ruht doch in dieser alten Dolkssage. 3a, auf dieses romantische Fleckchen Erde mit seinem öden Felsgestein und spärlichem Graswuchs müssen sich die „Unholdinnen", das Sinnbild des rauhen Winters, flüchten, wenn der Lenz mit Dlumen und Kränzen seinen Einzug dort unten im Tale hält! Wie eine ausgedehnte Landkarte breitet sich die Gegend vor dem Beschauer: weit, weit, — bis dorthin, wo Erde und Himmel sich vermählen. Eingebettet zwischen Wiesen und Wälder, wie die Miniaturgebilde aus einer Spielzeugschachtel, liegen im Umkreise 89 Städte und Flecken, sowie mehr als 650 Dörfer, am Horizont begrenzt vom Rhöngebirge und der Porta Westphalika, dem Hagelsberg bei Brandenburg und dem Kulm bei Oschatz, äleberwältigt von dem majestätischen Rundblick verfällt man unwillkürlich in die Feier- stille wortlosen Hochgenusses. teiilallhrorl teä genehmer Familien-Aufenthalt in sehr waldreicher Gegend bezügliche Küche,eigene Metzgerei Pension von 4 Mk. an Besitzer Ludwig Statt WZllSWM Wer Mslsmrl ©ießens Heizender Dlick 0. d. herrlich gelegenen lerrasseaufdasprächt.Landschaftsbild „genehmer Familien-Aufenthalt Pensionspreis 5.- :goerbindungen: 1.43, 4.33, 5.30, 6.42 ri* 7.47, 9.43. 48740 Fernruf 183 ils "tag Wernigerode erreicht man von Gießen am besten mit dem Morgenschnellzug 8.21 Uhr vorm. Kreiensen an 12.57 Ahr mittags, ab 1.36 Uhr nachm., Goslar an 2.27 älhr nachm., ab 3.32 Llhr nachm., Wernigerode an 4.45 Uhr nachm., oder mit dem Rachtschnellzug Gießen ab 11.44 Tlhr abends, Kreiensen an 4.05 Uhr morgens, ab 4.13 Flensungerhof Chrlildches Eriidaagsheiai Station Hiude t. H. Reine Höhenluft. 3 Mtn vom Heim ausgedehnte Waldungeu. TageStouren tn den Vogelsberg möglich. 4 gute reicht Wabbelten. Liegehalle. Milchkuren nSgltch. Tägi. Andachten. Tagespreis Mk. 3.50—4.50,le nach Zimmer Ereigne 1 ec Erholungsort für Müde md Äbgearbetiete, die leibliche und celtsche Stärkung suchen. Prospekte ouent Neseren^en zu Diensten.D nach dem Brocken. - Don Anna Marie Witte. „Das Wandern ist des Müllers Lust!" singt ter Dichter, nicht ganz richtig, denn es sind keineswegs die Müller allein, die frohen Mutes unser deutsches Daterland durchstreifen, das so reich an wechselnden Raturschönheilen ist. So zählt auch eine Bcockentour zu den beliebtesten Wanderungen, die man besonders gern in Wernigerode beginnt, da man von hier aus den ganzen Harz so bequem nach allen Seiten hin durchstreifen kann. Der Ort ist älter als die Durganlage, die im Oahre 1213 zuerst als „Wohnsitz des Grasen Stolberg" erwähnt wird. Dies betätigen die maffb fron Tore mit ihren trutzigen Türmen, z. B. der „ Dullenturm", in dem .während des Dreißig- jährigen Krieges, der damalige Bürgermeister s»wie einzelne Ratsherren gefangen gehalten wurden: und der alte „Westerntorturm", der noch vollkommen ungebeugt in eine neue Zeit hinein- ragt Ferner Vergangenheit entstammt auch das altberühmte 'Rathaus. Dieses Ratlxrus, das als besonderes charakteristisches Merkzeichen zwei sehr i^ih auslaufende Erkertürme und eine schöne Denaissancetreppe zeigt, trägt die Inschrift: — Tiner acht's. Der andere verlacht's, Der dritte bttracht's, Was macht's? — Auf gewundenen Pfaden bergan schreitend, geht man dem Schlosse zu, dessen ülrsprung sich ebenso wie der Ursprung des hier wohnenden Geschlechtes im grauen Dämmerschein der Sage verliert. Durch das Schloßtor tretend, führt einen b Ehringshausen, 12. Aug. Vor dem Aufgang zum hiesigen Amtsgerichtsgebäude wurde dieser Tage ein Fahrrad gestohlen. Der Täter ist mit dem Fahrrade unerkannt entkommen. — z— Lützellinden, 13. Aug. Auf Anordnung des Landratsamtes zu Wetzlar wurde in unserem Dorfe vor kurzem durch Vertreter der zuständigen Behörden eine Rachprüfung der Rindviehbestände der hiesigen Vieh- Halter vorgenommen, wobei sämtliche als Zuchtvieh in Frage kommenden weiblichen Tiere gezählt wurden. Es wurden bei der Zählung wett über 600 deckfähige Kühe und Rinder ermittelt, wodurch sich die hiesige Gemeinde, da von behördlicher Seite für je 100 deckfähige Tiere das Halten eines Gemeindebullen gefordert wird, gezwungen sieht, zu den vorhandenen 4 Gemeindebullen vorderhand einen tociteren Dullen anzukaufen. Bei der Bullenversteigerung in Wetzlar hat die Gemeinde einen 14 Monate alten Bullen Vogelsberger Rasse zum Preise von 740 Mark erworben. — Während in den Jahren der Zwangswirtschaft bedeutende Milchmengen aus unserem Dorse nach Wetzlar geliefert wurden, haben sich unsere Landwirte nach Aufhebung der Milchzwangslieferung wieder der Butter» erzeugung zugewandt, so daß in unserem Orte von einer Milchausfuhr nicht die Rede fein kann. Die bei der Dutterproduktion zurück- bleibenden ileberftänbe an Magermilch werden zum Teil als äußerst lohnende Beigabe zum Ferkelfutter benutzt, zum Teil wird auch hieraus Quark gewonnen. Der zumeist in Frage kommende Absatzort für die in unserem Orte erzeugte Butter ist Gießen. — 5 — Hörnsheim, 13. Aug. Der hiesige Kleinkaliberschützenverein hat dieser Tage sein erstes Preisschiehen auf dem nicht wett von unserem Dorfe entfernten Schießplatz abgehalten. Die gut besuchte Veranstaltung, die auch die beiden nächsten Sonntage umfassen soll, zeigte, welches Interesse man dem Schießsport hier entgegenbringt. 1 Dornholzhausen, 12.Aug. Während in sonstigen Jahren die Dreschmaschine hier verhältnismäßig sehr spät eintraf, wird sie in diesem Jahre schon in Kürze ihre Tätigkeit auf« nehmen. Ein Dreschmaschinenbesiher aus Griedel hat sich erboten, den Getreideausdrusch gegen eine Entschädigung von 8,50 Mk. die Stunde vorzunehmen. O Groß-Rechtenbach, 12. Aua. Die Provinzial st raße Wetzlar—Butzbach wird zurzeit zwischen hier und Wetzlar einer Instandsetzung unterzogen und ist deshalb für den allgemeinen Durchgangsverkehr gesperrt. Die -Umleitung des Verkehrs erfolgt über Weidenhausen. △ Reiskirchen, 12. Aug. Die Durchführung der wirtschaftlichen Umlegung der Dann flackerte es in seinen stieren Augen aus wie Wahnsinnsfeuer. Unaufhörlich murmelten seil« bleichen Lippen beinahe tonlos: „Alles hin! — Alles hin! —" Dann wieder, wie von Todesangst gepeinigt ausschreiend mit gräßlich gellender Stimme: „— Alles — alles hin! — Alles!" Er riß eine Schublade heraus, fuhr mit beiden Händen zugleich hinein — ein Revolver blinkte . .. Seine bebenden, kalkweißen Finger zerrst» hastig die Kleider auf der Brust auseinander. Rasendes Gepolter an der Tür. Schreiende weih liches Stimmen. Wahnsinniges, vergebliches Rüstete am Türschloß . . . Drinnen einige Herzschläge lang Totenstille. Dann ein kurzer, scharfer Knall — ein Nieder krachen umfallender Stühle — ein schwerer, dumpfe: Fall, der den Boden erzittern ließ — Röcheln — ein Scharern und Kratzen-- Entsetzensvolle Stille wieder. Die beiden Frauen draußen vor der Tür, Cents und das Dienstmädchen, verstummten vor Schreck — starrten einander aus todbleichen Gesichtern on ütternd, von Angst geschüttelt. Fühlten sich mit den« Grausen blühenden Lebens vor dem Vernichter lob von eisigen Ewigkeitsschauern umweht . . . „Das — er hat sich ---" stammelte (Senta. Und mit einem Male rissen sie Furcht und Schrecken herum und laut schreiend floh sie di- Treppe hinunter. Hinterher in panischer Furcht dn Mädchen. „Lauf! — Lauf! — Hol Hilfe!" kreischte Een» „Ich werd' sonst wahnsinnig! — Lauf in die Fü" sterei hinüber!" Das Mädchen rannte mit fliegenden Haar« die kurze Straßenstrecke zum Waldrand hinauf. hatte Glück, denn der Förster Sanktjohanser trsl eben, zu einem Reoiergange gerüstet, aus der Han» tür. Da gewahrte er das atemlos herankommenK Mädchen und stutzte. „He!" knurrte er. „Was ist denn los?" Stoßweise, mit überstürzenden Worten, bericht« das Mädchen, weinend, an allen Gliedern zittert Stumm, ohne eine Miene im verwitterten GesiG zu verziehen, hörte sie der Förster an. Als d-l Mädchen geendet, nickte er nur todernst. „Gut!" sagte er bann rauh, „schau'n wir hall' (Fortsetzung folgt.) Preußen. bi reis Wetzlar. O Wetzlar, 12. Aug. Ein Autounsall ereignete sich gestern nachmittag aus der Pro- vinzialstraße zwischen hier und Grohrechtenbach in der Rähe von Büblingshausew Ein Personenauto von hier kam auf der durch das Regenwetter erweichten Straße dermaßen ins Schleudern, daß der Führer die Herrschaft über den Wagen verlor, und dieser gegen einen Baum fuhr. Ein in dem Auto sitzender 12jähriger Junge wurde durch die in Stücke gegangene Glasscheibe am Kopfe so stark verletzt, daß er nach Büblingshausen gebracht werden und dort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der vordere Teil des Autos ist fast vollständig zertrümmert. kz. Wetzlar. 13. Aug. Der in unserer Stadt stetig zunehmende Straßenverkehr, insbesondere mit schnellfahrenden Fahrzeugen, drängt nach der Schaffung von durchgehend en Straßen. Schon seit dem Jahre 1873 ist die Durckgangsstraße von der Langgasse aus über den Haarplay nach der Braunfelser Straße hin geplant, jedoch bis heute ist die Ausführung noch nicht zustande gekommen. Das bimtgemalte Haus „Das golbne Roß" ist bereits lange von der Stadt angekauft, um nach dessen Abbruch die Straße über den Haarplatz frei zu machen. Die neu zu schaffende Straße wird für Wetzlars Durchgangsverkehr von größter Tragweite sein. kz Wetzlar, 13. Aug. Das Hausertor, das Wahrzeichen Alt-Wetzlars, hat durch fein neu angebautes kleine Rachbartor zur Linken (beim Eintreten in die Stadt) eine vorteilhafte Veränderung erfahren. Obwohl man anfangs das Riederlegen der fast entwurzelten Daumriesen am Tore bedauerte, so nimmt sich der neu angelegte sattgrüne Rasen am steilen Hange recht malerisch aus. Das altersgraue Tor, der grüne Rasen und die Däume dahinter bieten selbst dem verwöhnten Malerauge die reizendste Vorlage. Einige Felsen in dem steilen Abhänge des Hauserberges, bei denen eine Gefahr des Absturzes vorhanden ist, werden zur Zeit gesprengt. <> AuS dem Kreise Wetzlar, 11. Aug. Die Lage des Arbeitsmarktes im Bezirke des Arbeitsnachweisss Wetzlar hat sich im Laufe des Monats Juli wieder etwas gebessert. Während zu Beginn des Monats noch 1996 Hauptunterstützungsempfänger mit 1082 Frauen und 1998 Kindern unterstützt wurden, betrug die dauern gezwungen, einen Zugriff auf die Sicherungen ins Auge zu fassen, falls es Ihnen nicht möglich fein sollte, die unangenehme Sache anderweitig zu erledigen. Daß Sie übrigens über den Stand der Angelegenheit so völlig unorientiert sind, bestärkt mich nur in meinem Verdachte —" Hier unterbrach Tonis heisere Stimme den Bankdirektor. „Was — was reden S' denn da zamm?! — Wie steht's — mit unfern — mit mein Geld — möcht i wissen!?" Der Direktor zog die Augenbrauen hoch. „Wieso? Ihr Geld? Herr Uracher? — Ich sagte Ihnen doch, daß wir gezwungen sind — „Soll dös — soll dös bedeuten — daß — daß alles hin is?I" „Wen Sie belieben, sich so auszudrücken — leider ja! — Wie gesagt —" Hier wurde plötzlich eingehängt. Der Bankdirek- tor machte ein bedenkliches Gesicht. „Dachte ich es mir doch — die Sache ist sehr jaul. Wir werden unbedingt die Polizei davon in Kenntnis fetzen müssen und im übrigen zuzusehen haben, was für uns noch zu retten ist!" bemerkte er zu einem ihm gegenübersitzenden Herrn. Toni Uracher taumelte wie ein Betrunkener aus der Telephonzelle. Um ihn drehte sich alles. Seine Züge waren schreckhaft verzerrt, das Gesicht aschfahl, seine Augen stierten weit aufgerissen wie die eines Wahnsinnigen ins Leere. Er lallte unverständliche Worte. Das kleine Postfraulein stieß unwillkürlich einen schrillen Anstschrei aus, als Toni so an ihrem Schalter vorüber ins Freie stürzte. Sinnlos vor Schrecken und Entsetzen rannte Toni die Straße entlang, ins graue Nebeldüster hinein. Im Landhause angelangt, stürmte er keuchend die Treppe hinaus, stieß das Dienstmädchen, das ihm begegnete, beiseite, daß es laut aufschrie vor Schreck und Schmerz. Mit schmetterndem Krach schlug er hinter sich die Tür seines Zimmers zu, drehte den Schlüssel um. In diesen Minuten bot Toni Uracher einen schaudererregenden Anblick. Wie ein Irrer stand er ba, ein Bild entsetzensvollen äußeren und Inneren Zusammenbruchs. Grundstücke der hiesigen Gemarkung ist mit der Wahl der Deputierten der Beteiligwngesamt- heit und ihrer Stellvertreter eingeleitet. Es wurden gewählt als Deputierte: Wilhelm Leh n- Hardt, Konr. Olbrich und Gemeindevorsteher Lehnhardt, als Stellvertreter Friedrich Petry, Karl Schäfer und Wilhelm D e r n. CO Reiskirchen, 12. Aug. Der Ausbau des von hier nach Schwalbach führenden, sogenannten „Gehringshäuser Weges", über den vor kurzem im „Gieß. Anz." berichtet wurde, ist von der Regierung zu Koblenz als öffentliche Rotstandsarbeit anerkannt. Zu feiner Durchführung ist der Gemeinde ein Zuschuß aus Mitteln der produktiven Erwerbslosensürsorge bewilligt worden. Die Erwerbslosen der hiesigen Gemeinde werden an dem Wegebau voraussichtlich einige Monate Beschäftigung haben. △ Vollnkirchen, 12. Aug. Das hiesige Forst Haus, welches seit der Pensionierung des Försters Doth unbewohnt war und demnächst von dessen Rachsolger, dem Gemeindeförster Meyer bezogen werden soll, wird augenblicklich einer gründlichen Instandsetzung unterzogen. kz. H e r m a n n st e i n, 13. Aug. Mtt dem Ertrag der diesjährigen Ernte ist man durchweg zufrieden. Viele Landwirte, die nur eine geringe Menge Landes besetzen, haben Ländereien von den Schenkschen Gütern gepachtet, die durch mehrere Generationen hindurch in Pacht gehalten werden. Da bei der in Arbeit befindlichen Feldbereinigung die Ländereien neu vermessen werden, wird voraussichtlich noch ein Gutspächter nach hier kommen. -5- Aus dem Kleebachtal, 13. Aug. Rachdem in der Vorwoche die Crntear beiten schnell vonstatten gingen, hat sich das Wetter jetzt so verschlechtert, daß das Fruchtschneiden in den letzten Tagen gänzlich ruhen muhte. Die stellenweise stark lagernde Sommerfrucht fängt namentlich noch bei Klee-Einsaat unter dem Einfluß der Rässe an, faulig zu werden, so daß das Stroh nur noch zu Streuzwecken verwendet werden kann. Auch das Fruchteinfahren muh eingestellt und auf trockenere Tage verschoben werden. Während die Hackfrüchte durchweg einen guten Stand aufzuweisen haben, hat der Mais ein schlechtes Aussehen und zeigt nur ein geringes Wachstum. XX Von der mittleren Lahn, 12. Aug. Die Anzahl der Kornhaufen im Felde offenbart den Ausfall der R o g g en e r n t e; es ist eine der besten seit langen Jahren. Der Hafer steht noch überall auf dem Halm und hat in dem fruchtbaren Lahntal dieselbe Länge erreicht wie das Korn. Wenn das Wetter noch einigermaßen günstig bleibt, kann mit einer aussichtsreichen Ernte gerechnet werden. An Stroh wird es im kommenden Winter ebensowenig mangeln wie an Dörrfutter, zumal auch der zweite Grasschnitt der Lahnwiesen mächtig herausgewachsen ist. Dazu herrscht an Grünfutter fein Mangel. Der zweite Klee leuchtet weithin mit seinen roten Dlüten- köpfen, die Dickwurzfelder zeigen eine schön geschlossene Blattkrone und geben neben dem fetten Klee ein gutes Milchfutter für die Kühe ab. Auch der überaus günstige Stand der Kartoffeln berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. kz Von der mittleren Lahn, 13. Aug. Die beendigte Roggenernte hat einen guten Erfolg gezeigt. Trotz der vielen Regentage und kalten Witterung ist die Frucht verhältnismäßig gut ausgereift. Man hat vielerorts bereits mit dem Dreschen begonnen. Der viele Regen hindert einen raschen Fortgang der Heimholung der Ernte. Auch mit der vielfach gelagerten Gerste, die sich nicht mehr recht entwickeln konnte, wird man zufrieden fein. Die Hackfrüchte entwickeln sich infolge der großen Feuchtigkeit günstig. Allgemein werden zu Rahrungszwecken neue Frühkartoffeln gegraben. Doch ist man froh, noch alte Kartoffeln für die Tiere im Keller zu haben. In der letzten Zeit haben die alten Kartoffeln stark unter der Fäulnis gelitten. Dann stand Toni vor dem Fernfprechapparat und ließ sich mit Moriggls Finanzbureau verbinden. Er mußte sich etwas gedulden, bis ihm eine völlig unbekannte Stimme die Auskunft gab, daß Herr Moriggl und der Herr Baron sich auf einer größeren Geschäftsreise befänden. Toni fluchte erbost in den Apparat hinein. Wann die beiden zurückkämen? Das sei unbestimmt! Ob sie für ihn, den Herrn Uracher, keine Nach* richt zurückgelafsen hätten — wegen der großen Börsenaktion? Leider — nein! Wie denn eigentlich diese Sache stehe? Auch diesmal eine bedauernd verneinende Antwort. „Ja — Himmelherrgott! — Was für a Esel is denn nachher eigentlich am Telephon?" „Bitte sehr, der Volontär!" klang es in einem aus Vorwurf und Stolz gemischten Tone zurück. Dann wurde eingehängt. Toni tobte innerlich vor Wut. Am liebsten hätte er den unglückseligen Apparat von der Wand gerissen und mit den Füßen zertrampelt. Diese gottverfluchten Schufte! Abzureisen auf unbestimmte Zeit, ohne ihm Bescheid zurückzulassen, wo er doch schon schier vor Ungeduld zersprang. Doch unter all der Wut schlug fein Herz seit am bang und rasch und pumpte heißes Blut in ra enden, Tempo durch die Adern. Die Schläfen hämmerten auf das Gehirn. Er zwang sich zur Ruhe, ließ sich dann mit der Bank verbinden, welcher die Ausführung des Börsengeschäftes übertragen war. Mit heiserer Stimme verlangte Toni den Direkter zu sprechen. Eine sehr kühle und klare Stimme meldete sich und gab auf feine Anfrage in knappem, höflichem Tone Bescheid. „Ah? — Herr Uracher selbst? Das trifft sich gut! — Tja, es tut uns sehr leid. Ihnen sagen zu müssen, daß die Sache für Sie wenig angenehme Aussichten bietet. Es ist übrigens ein Beauftragter unserer Firma bereits auf dem Wege zu Ihnen und Herrn Bullinger, um an Hand der Unterlagen die Angelegenheit mit den Herren zu besprechen. Durch das offengeftanbon eigenartige Verhalten des Finanz- bureaus Moriggl sehen wir uns zu unserem Be- Auf nach Wieseck Es ladet freundlichst ein 6620D 1 CafeAstoria tBe-irkS'Ltga) «Liga) 66111) Heute i Gießen (Darmstädter Haus), 14. August 1926 en fikren äugen/ jrilch murmelten I«: Es ladet ein 05571 6591g 8 Hermann Koch und Frau Gießen, den 14. August 1926 06500 Reiskirchen Palast-Lichtspiele, Kirchenpiatz 6651c Anfang 3 Uhr Machen aller Art ilettung stilrein und preiswert fche UniversttSts-vrnckerei. H. tange, Siesten. 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