Nr. 291 Erster Blatt 176. Jahrgang Montag, 13. Dezember 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drtid und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Buch- und Ziemdruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Sefchäftrftelle: Schulstraße 7. (Er|d)etnt täglich,außer Sonntags und Feiertags Betlagen; Bletzener Familienblätte, Heimat im Bild Die Scholle Monat,'Bezvgrkretr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trager» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. FernfPrechonfchlüsse: 51, 54 und 112 Anschrift für Drohtnach» richten: Anzeiger Gieße«. Poftschccklonto: Frankfurt am Main 11686. rinnahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preir für l rem höhe für Anzeigen do.i 27 mm Breite örtlich 8, auswärts IO Reichspsennig; für Re» hlamearvcigen von 70 n m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Will) Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil i. Lertr. tz.Deck, sämtlich in Gießen Die Einigung in Genf. gurückziehung der Militärkontrollkommission am 31. Januar 1927. - Vas Investigationsprotokoll. Die Genfer Tagung ist bis Aum letzten Augenblick eine Anhäufung von äleberraschungen gewesen: Die Dinge sind ganz anders gelaufen, alS man annehmen konnte und muhte. Während eS nämlich von Anbeginn schien, als ob der Abbau der Mi.i ärkontiolllommission leine Schwierigkeiten machen würde, die Entrntestaaten sich aber dafür destomehr auf die Fußangeln des Jn- vestiga ipnspro okolls verbeihen lvürden, hat die Szenerie zuletzt eine grundlegende Aenderung erfahren. Es gelang Herrn Driand nicht, sich mit feinem Ministerkolleqen P o i n c a r 6 über die Zurück.iehung der Mililärkontrollkommission zu verständigen. Da aber die übrigen Rals- mächte es leid traten, darauf zu warten, bis die Großmächte unter sich einig gewordeii waren, nahm der Rat inzwischen die Umgestaltung des Protokolls an, und fuhr nach Hause, um das übrige den unmittelbar interessierten Staaten zu überlassen. Dei dem Protokoll aber bat Deutschland gut abgeschnitten, vielleicht nicht so sehr in Form aber in der Sache. Und das ist ja schliehlich die Hauptsache. CHH'ten England und Frankreich aus Prestigegründen Deutschland nicht soweit entgegenkommen, daß sie das Protokoll selbst änderten, so konnte eS uns gleichgültig sein, ob die Umgestaltung in Form eines Anneres erfolgte, wenn nur unsere sachlichen Bedenken beimcksichtigl wurden. Und das ist geschehen. Die deutsche Regierung hat am 12. Januar ihre Stellung zu dein Jnvestigationsprotokoll nebst Ausführungsbestimmungen dem Generalsekreta- riat des Völkerbundes zugehen lassen. Dergleickt nuin die damals erhobenen Einwendungen mit den jetzt gefundenen Formulierungen, dann hat sich der deutsche Standpunkt zu mehr als 95 Prozent durchgeseht. An dem Artikel 213 des Versailler Vertrages konnten wir freilich ickcht vorbei: er verpflichtet Deutschland, jede Untersuch-ing zu duldeir, die der Rat mit Mehrheitsbeschluß für notwendig erachtet Daraus aber war eine verewigte ständige Kontrolle gemacht toorben, die wir ab jetzt abgebogen haben. Rachprüfungen der deutschen Entwaffnung dürfen nur. von Fall zu Fall nach einem Mehrheitsb schluh des Rats Dorgenommen werden: der Präsident der Kommission hat kein eigenes Recht mehr, er ist an die Weisungen des Rat- gebunden. Die Beteiligung Deutschlands ist weniastens so weit gesich'rt, als die Kommission sich an den deutschen Vertreter zu wenden hat, jede Prüfung kann nur im Rahmen der deutschen Gesetzgebung stattsckrden, auher'em hat Deutschland das Recht, an den Investigationen bei den übrigen Kontrellstaaten mitzuwirken. Wir haben darüber hinaus den außenpolitischen Erfolg, dah wir unseren ehemaligen Bundesgenossen dieselben Erleichterungen sichern konnten. Und schließlich; die elernents st ab les, die in der entmilitarisiert rn Zone eine dauernde besondere Kontrolle einführen sollten, können überhaupt nur mit unserer Zustimmung in Frage kommen Sie waren also mir denkbar, falls etwa Frankreich sich entschließen sollte, seine gesamte Besatzung früher zurückzuziehen. Dann könnten wir ihm bis zum Absatz der Besatzungsfrist 1935 ein solches besanderes Kontr 1 recht einräumen. Aber auch nur dann. Die deutsche Delegation hat daher Anlaß, mit der Erledigung dieses Teiles ihrer Ausgabe'zufrieden zu sein. Auch über die Frage der Militärkon- trolle konnte ein? Einigung erzielt werden. Die Interalliierte Militärkontrrllkommisiion wird am 1. Februar 1927 endgültig Deutschland den Rücken kehren. Sollten die heute noch nicht geklarten Fragen der Ostfestungen und des Kriegsmaterials bis dahin keine Regelung erfahren haben, wird der Völkerbund als schiedsrichterliche Instanz über sie zu befinden haben. Dies Ergebnis war nicht ohne schwere Meinungskämpfe besonders zwischen Genf und Paris zu erreichen, wo Poincare persönlich ans Telephon ging, um den Außenminister zu bedrängen. Rur die geg'nüber Cannes außerordentlich veränderte psychologische Situation und auch der finanzielle Druck, der auf Frankreich lastet, haben es diesmal verhindert, daß Briand erneut von keinem Kabinett desavouiert wurde und feine Politik der Mäßigung durch eine Geste Poincarcs In Scherben geschlagen wurde. Das Abkommen der Rhempaktmächle. (Senf, 12. Dez. (HJXB.) Die Minislerbefpre- lhungen über die Frage der interalliierten Militär- fontcode wurden heule heute abend 6 Uhr abgeschlossen. (Eine (Einigung ist erzielt worden. Die Interalliierte Militärkontrollkommission verläßt am 31. Januar 1927 bedingungslos Deutschland. Das von den Vertretern der beteiligten Mächte vereinbarte Protokoll hat folgenden Wortlaut: „3m Verlaufe einer Besprechung, die am 12. Dezember 1926 in Genf zwischen den Vertretern der deutschen, belgischen, französischen, englischen, italienischen und japanischen Regierung über die von der Interalliierten Militärkontrollkommission und der Botschasterkonferenz noch in der Schwebe befindlichen fragen stattgefunden hat, ist zunächst mit Genugtuung feffgeffellt worden, dah über den gröhten Teil der mehr als hundert Fragen, die zwischen den genannten Regierungen im 3uni 1925 hinsichtlich der Ausführung der militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages streitig waren, eine V e r ft ä u d i g u n g erzielt worden ist. 7kur die Terffän'. .-.ng über zwei Fragen steht noch aus. Alles berchtigt daher zu der Hoffnung, dah diese beiden Fragen gütlich geregelt werden können. Unter diesen Umständen ist folgendes vereinbart worden.- 1. Die diplomatische (Erörterung über die Frage der Fe st ungen und die Frage des Kriegsmaterials wird von der Bot- schafterkonferen; fortgeic^f werden. (Es werden neue Vorschläge gemacht werden. um die (Erörterung zu fördern und ihren Abfchluh zu erleichtern. 2. 3n der Zwischenzeit bis zur Erzielung einer Lösung werden alle in Rede stehenden Arbeiten an den Festungen eingekeilt, unbeschadet des Rechtes der Parteien, ihren Rechtsstandpunkt ausrechlzuerhallen. 3. Die Interalliierte M, lärfon- Irollkommission wird qm 31. Januar 1927 aus Deutschland zurückgezogen, von diesem läge an findet Artikel 213 des Friedensvertrages Anwendung nach Maßgabe der von dem Völkerbundsrat gefaßten Beschlüsse. 4. Denn an diesem Tage die bezeichneten Fragen wider Erwarten noch keine gükstche Losung gesunden haben sollten, werden sie vor den Völkerbund gebracht werden. 5. Für alle Fragen, die mit der Ausführung der erzielten oder noch zu erzielenden Losungen Zusammenhängen, kann jede der in der 3ot- schafterkonferenz vertretenen Regierungen ihrer Botschaft in Berlin einen technischen Sachoer st ändigen attachieren, der geeignet ist, mit den zuständigen deutschen Behörden ins Benehmen zu treten." Briands Zweikampf mit Porncare. Paris, 13. Dez. (TU.) Der Mi nist errat, der gestern abend unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Dou- mer gue zusammmtrat, hatte seine Arbeiten nach l!/2ftünöiger Beratung b:nd?t. Das nach dem Ministe.rat v.röf eatlicht? of izi Ile Kom- muniquä hat folgenden Wortlaute „Der Ministerrat hat seine volle Ueb?rcinft immun g mitAußenmin.ster Briand fest- gestellt und sich zu dem von Briand in Zusammenarbeit mit der Regierung erzielten günstigen Ergebnis beglückwünscht." Wie man in gut unter- richteten Kreisen w ff en will, war .das Zustandekommen der Aebereinstimm nz zwischen Briand und der Regierung keineswegs so leicht, als es nach dem offiz ellen Kommunique den Anschein hab n könnte. Poincar^ und Br and standen sich «in einem harten Zweikampf gegenüber. Der Ministerrat war ursprünglich auf drei 11 br an gesetzt, mußte aber auf sechs Uhr vertagt werden, da bis drei Uhr aus Genf immer noch kein Ergebnis vorlag. Der Widerstand Poincare- Fvch soll ein derartig g'schlof'ener g.'to?f?n fein, daß Briand mit seiner Demission drohte, womit ein Ende dec ganzen deutsch- französischen Verstärk) g ngspvlitik zu befürchten war. Die Verantwortung dafür in der gegenwärtigen Atmosphäre des Verständigungsge stes in Europa zu übernehmen, scheint Poincare berni doch zurückg-.schreckt zu habm. Der Zusatz zum Investigationsprotokoll. Tie Lchlutzfitzung des Bölkerbundsrals. Genf, 11. Dez. (WTD.) Die Schlußsitzung des Völkerbundsrates begann mit der feierlichen Beglückwünschung der Träger der Friedenspreis - Robelstistung durch den belgischen Außenmintster Vander- velde, der als Ratsprafident Briand, Chamberlain und Stresemann als den Vertretern, jener Großmächte, die die 3nitiatü>e zur Locarno-Koni erenz faßten, Sympathie, Anerkeimung und Dank des Völkerbundes aussprach. 3n sichtlich bewegten Worten dankten Briand, Chamberlain und Stresemann für die ehrenden Worte des Ratspräsidenten. Briand erklärte: Ich weiß, dah wir noch einen weiten Weg zu gehen haben, um unser Ziel in seinem ganzen Ausmaß zu erretchen, und manche Schwierigkeiten werden noch zu überwinden sein. Trotz aller Zweckel haben wir in den letzten Jahren auf dem Wege zum Frieden Fortschritte gemacht unb dabei Fragen geordnet, die zu anderer Zeit die Kriegsgeißel, über die Völker gebracht hätten. Unsere Bemühungen von gestern werden, wenn wir und durch keine Schwierigkeiten zurückschrecken lassen, schließlich durch einen Erfolg gekrönt werden, der nicht und gehört, sondern der ganzen Welt. Dr. Stresemann erklärte nach einem Hinweis auf die zahlreichen Hindernisse, die er persönlich überwinden mußte, und auf ein vor Jahren von ihm gebrauchtes Wort, das für lange Zeit jeder deutsche Außen- Minister unendliche Schwierigkeiten haben werde, die Diskrepanz zu überwinden, die zwischen der großen Vergangenheit des deutschen Volkes und der Politik besteht, die heute allein gemacht werden kann. Die große Entwicklung eines jeden Volkes, das beste, was es nach seinen Fähigkeiten geben kann, ist immer in der Weltgeschichte auf den Frieden begründet gewesen. Und derjenige dtent am besten seinem Volke, der dafür sorgt, dah seine Fähigkeiten sich entfalten können tn einer Periode nicht nur des Friedens des einzelnen Landes, sondern der ganzen Menschheit. Das ist die Politik der Ehre und der Würde der Ration, die wir allein zu vertreten haben. Ich halte es beinahe für ein Ratucqeseh. daß auf jeden Fortschritt ein Rückschlag folgt, und daß immer neue Hindernisse sich in den Weg stellen. Cs wird auch in unserer Politik nicht an Rückschlägen fehlen: aber es wird sich zeigen, daß eine große Idee in den Menschen Widerstände zu überwinden vermag, die formal unüberwindlich erscheinen, und daß es die großen Ideen sind, die sich schließlich durchsetzen. Lassen Sie mich deshalb hoffen, daß der Weg. den wir gingen, ein Weg des Fortschritts fein und zum allgemeinen Frieden führen möge. Hierauf wurde nach dem Bericht des tschechoslowakischen Ratsmitgliedes Dr. Benesch übet die Interpretation des Inveftigatiorrsprotokrolls einstimmig und debattelos nachstehender Beschluß gefaßt: In E.widerung auf gewisse Fragen, die von dec deutschen Regierung hinsichtlich der vom Völkerbundsrat am 27. September 1924 und am 14. März 1925 angenommenen Regeln gestellt worden sind, trifft der Rat folgende Feststellungen: 1. Der volkerbundsral entscheidet gemäß Artikel 213 des Vertrages von Versailles durch Mehr- h e i l s b e s ch l u ß . ob cs in eine n konkreten Falle nolkvrndig ist, zu einer Investigation zu schrciten. Er hat alsdann Gegenstand und Grenze der 3noefflgafion zu spezifizieren. Die Investigationskommissianen handeln unter der Autorität und nach den Weisungen des Völkerbundsrates, der mit Mehrheit beschließt. 2. Um eine wirksame Investigation zu ermöglichen, hat sich die Inoestigationekommission an die von der deutschen Regierung bezeichneten Vertreter oder ihre Beau tragte zu wenden denen es obliegt, unverzüglich die Mitwirkung der nach der deutschen Gesetzgebung zuständigen verwaltungs-, Gerichts- und Militärbehörden herbeizuführen. Alsdann wird im beiderseitigen Einvernehmen zu den Nachsorj hungcn und Feststellungen geschritten, welche die ftom niffion in den Grenzen ihrer Ausgabe für zweckmäßig hält. 3. Die Bestimmung, wonach die Angehörigen cher dem Investigationrrecht unterworfenen Staaten nicht Mitglieder der Jnoestigationskommissioneu sein können, ist so zu verstehen, dah die Angehörigen des Staates, auf dessen Gebiet zu einer Investigation geschritten wird, niemals Mitglieder der zu dieser Investigation schreitenden fiommiffion fein sollen. 4. (Es besteht Einverständnis darüber, daß die Bestimmungen des Artikels 213 des Frkdensver- trages mit Deutschland über die Inoestinationen auf die entmiH tarifierte R h e i n l a n d z o n e in gleicher Weife wie auf die übrigen Teile Deutschlands anwendbar sind. Diese Bestimmungen sehen für diese Zone ebensowenig wie für andere Gebiete die (Einridjhmg einer besonderen Kontrolle durch ständige und dauernde lokale Elemente vor. In der entmilitartsier.en Rheinlandzone können derartige besondere, nicht im Ar- kikel 213 vorgesehene (Elemente nur durch ein Abkommen zwischen den beteiligten Regierungen eingereicht werden. 5. Die Feststellungen der vorstehenden Absätze 1, 2 und 3 finden natürlich ach in dem Falle der Artikel 159 des Vertrages von St. Germain, 143 des Vertrages von Irianon und 104 des Vertrages von Jleuillg Anwendung. 3n dcr Ratssitzung wurden dann die folgenden Präsidenten ter vier Jnvestigations- iDmmifiionen ernannt: Präsident der Investigativ nskommission für Deutschland ist der französische General D a r a t i e r , Präsident der Jnvestigationslommisfion für Oesterreich der italienische General Marietta, Präsident der Jnvestigationskommission für Ungarn der englische General Sir Donham Carton. Als Präsident für die bulgarische Jnvestigationskommission ist ein höherer Offizier der hol- ländischen Armee in Aussicht genommen. Die Minister verlassen Genf. ®e n f, 13. Dez. Chamberlain hat bereits am Sonntagabend Genf verlosten. Briand hat seine für Sonntagabend in Aussicht genommene Abreise auf Montag mittag verschoben. Der Italic« nische Vertreter 5 c i a l o । a reift ebenfalls am Montag ab. Reichsminister Dr. stresemann, der mit der deutschen Delegation am Montagabend Gens verläßt, wird am Mit.woch dem Reichskabinett Bericht erstatten. Am Donnerstag beginnt die große politifdx Aussprache im Reichstag. Das Echo der pariser presse. Paris, 13. Dez. (WTD. Funkspruch.) Zu dem in Genf abg.fchlofsenen Abkommen äußert sich die Morgenpresse zustimmend. „Journal" schreibt: „Die Mrthvde der Entwaftnung Deutschlands hat bk Lösung gefunden, die vorauözufehen war. Locarno trägt den Sieg davon. Ein Kompromiß, das auf Grund gegenteiliger Zugeständnisse abyeschloifen wird, mckdert, was es noch an Härte in dem verblaßten Regime von Versailles gab. — „Quotibien" führt aus: „Deutschland will wieder groß werden. Frankreich will Sicherheit haben. Dicke Dcktr'bungcn find nicht immer leicht mit rin ander in Einklang zu bringen, aber das Wesentliche ist, daß ein gemeinsamer gnter Wille sich bemüht, die S:reit- ursachen zu beseitigen. Don nun an ist die Po'itik von Locarno die Politik Frankreichs. — „Figaro" schreibt: „Das Wesentliche vom D:a b- punkt der französischen Regierung ist, daß die Verhandlungen von Genf zu Ende gehen, ohne daß die Autorität der Dotschaftcr- Konserenz mißachtet wirb und ohne daß de Entwaffnungsklaufeln des Vertrages ' einem Schiedsgericht unterworfen werden. — Der t,® a u I o i 6" führt aus: „Man muh noch einmal tagen: die materielle Abrüstung bedeutet nichts ohne die moralische Abrüstung Wenn Zweifel über die erstere bestehen, was soll man dann über die letztere sagen, die allein uns ein wenig beruhigen könnte? — Scharfab'ehnend äußerl sich der „Avenir", er schreibt: „In den Kreisen unserer östlichen Alliierten ist man untröstlich, beim im Grunde genommen fordern wir sie auf, sich indirekt mit Deutschland zu verständigen, wie soeben das safzistische Italien es getan hat. Roch eine Konferenz und die Isolierung Frankreichs ist für alle W il sichtbar." Die englische Presse zu dem Ergebnis von Genf. I London, 13. Dez. (WTD. Funlsp > uch.) ! Alle Dlätter drücken ihre Zufriedenheit über das in Genf erzielte Ergebnis aus. „T i m e s" sagt, wenn die beutf. e Ration den Willen hät.e, wieder eine starke Rsirilärmacht zu werden, könnte i dies durch Radelstiche nicht verhindert werden. Die Zeit sei gekommen, wo d e ‘ Aufgabe, stürmische Entwickelungen in S.,ach zu halten, anderen Kräften überlassen werden müsse — einer deutschen öffentlichen Meinung, die durch freieren Verlehr mit benachbarten Ra° ! tionen aufgeklärt und beruhigt ’toirb, im Gefühl gemeinsamer Interessen unter den europäischen Böltern und im Ausbau intecnat.onalcr wirtschaft icher Organ.sat.on. — „Daily Rew s" nennt die Lösung des Probleme der Kontrolle befriedigend und spricht die Hosinung aus, daß die (Belegung deutschen Gebsites sobald wie möglich auf hören wird. — „Daily Ehronicle" sagt, es sei eine weife Politck, Rechte au^zugeben, die die deutsche Ration unnötigerweise demütigen. Die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika. Ter (Gesetzentwurf vom Haushattsausschutz gebilligt. Berlin, 12. Dez. (WTB.) Die Amerika-Abteilung des Bundes der Auelanddeutfchen teilt mit. daß der neue Gesetzentwurf für die Freigabe des deutschen Eigentums nunmehr fertiggeftellt ist. Die Vorlage beruht auf der bereits von der Presse gemeldeten Berftä.ndigung zwischen den beteiligten Parteien, wonach tzl> Prozent der deutschen Vermögen sofort zurückgegeben werden sollen, während für die reftlidjen 20 Prozent Öie Ausgabe von Zertifikaten auf den amerikanischen Anteil an den Dawes-Annuitäten vorgesehen ist. Der mit der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs betraute Unterausschuß konnte sich jedoch bis- lang nicht über die Frage der Verzinsung der Zertifikate schlussig werden. Die Möglichkeit der Begebung derselben ist noch nicht geklärt. Der Haus- Haltsausschuß hat die endgültige Abfassung des Gesetzentwurfes über die Frage des deutschen Eigentums bereits gutgeheißen. Die Vorlage wird am Mittwoch dem Plenum des Repräfentanten- h a u j e s vorgelegt werden. Der Gesetzentwurf will die deutschen und die amerikanischen Staatsangehörigen bei der Regelung als gleichberechtigt behandelt wissen. Ein Ausschuß soll eingesetzt werden zur Bestimmung bes Wertes der beschlagnahmte'' Schiffe, Radiostationen und Patente. Die Aufbringung der Mittel zur Deckung dieser auf etwas wehr als 100 Millionen Dollar geschätzten Summe soll bewilligt werden. Diese Mittel und die Fonds, über die der Treuhänder für das beschlagnahmte fremde Eigentum gegenwärtig verfügt, sollen für die sofortigen Zahlungen verwendet werden, während Das Arbeitsgerichtsgesetz. Sie den Vereinigten Staaten auf Grund der Daweszahlungen zufließenden Summen dazu verwendet werden sollen, den Rest zu decken. Die Repürationslast der Reichsbahn. Berlin. II. Dez. (WB.) 3n dem Bericht ttä Eisenbahmommissars bei der Deutschen Reichsbcchngcsellschaft Gaston Leverve an die Aeparationslommis^ion wird zusammen asiend gesagt, daß Die Deutsche Reichsbahngesellschaft das zweite Reparationsjahr unter befriedigenden Bedingungen zurückgelrgt hat. Sie kam ohne Schwierigkeiten ihren Reparationsverpflich- tungen nach, die höher als im ersten waren. <595 Millionen statt 200 Millionen., Bei der Führung ihres Betriebes habe die Gesellschaft keine der ihr auferlegten Verpflichtungen ver- nachläs igt. Beim Reubautitel habe sie die Erweiterung und Verbesserung ihrer Einrichtungen durch Dau neuer Gleise und durch Elektrifizierung u. a. m. weiter durchgeführt. Hierfür seien in diesem 3ahre 373,5 Millionen auf Dermögens- rechnung ausgegeben worden. Man dürfe auf die Ermäßigung dieser Ausgaben für die Zukunft rechnen. Andererseits vernachlässigte die Gesellschaft die Unterhaltung ihres Rehes nicht. Die günstigen Aussichten in den vorhergehenden Berichten könnten daher bestätigt werden. Die Reichsbahn werde voraussichtlich unter normalen llmftänDen allen Verpflichtungen, besonders den Reparationsverpflichtungen, nachkommen können, falls ihr die gesetzlich zugesicherte Bewegungsfreiheit gelassen werde, die erforderlich sei. um den Betrieb nach den Regeln einer guten kaufmännischen Wirtschaftsführung leiten zu können. Die Pariser Verhandlungen der Rohstahlgemeinschaft. Paris, 11. Dez. (WB.) Die seit einigen Tagen in Paris geführten Verhandlungen der Delegierten der in der internationalen Rohstahlgemeinschaft vertretenen Länder sind zum Abschluß gelangt. Der sog. mitteleuropäische Block, bestehend aus den Vertretern der Industrien Oe st erreich s, Ungarns und der Tschechoslowakei, haben sich dem Stahlkartell a n g e s ch I o s s e n. Gleichzeitig mit diesen Verhandlungen traten unter Beteiligung der Engländer die Delegierten der im Schienenkartell vereinigten Länder zusammen. Der mitteleuropäische Block ist auch dieser Vereinigung beigetreten, womit das Internationale Schienenkartell endgültig gebildet worden ist. An den Verhandlungen haben deutscherseits teilgenommen Fritz Thyssen, Direktor Ernst P o e n s - gen, Direktor Klotzbach sowie Direktor Gerwin. Die englischen Verhandlungen mit Kanton. London, 13. Dez. lenumwertung und Ablösung öffentlicher Anleihen dem Rechts- ausschuh überwiesen. Es folgt dann die zweite Beratung des Entwurfs eines Arbeitsgerichtsgesetzes. Reichsarbettsminister Vr. Brauns: Es mußte ein M.llelneg eingeschlagen werden, der sowohl den sozialen Belangen, wie denen der ordentlichen Recht-Pf.ege Re^nung trägt. Es mußte aufgebaut werden auf den bewährten Einrichtungen der Gewerbe- und Kau,mannsgerichte. Das erkennen die Verfechter der vollständigen Eingliederung der Arbeitsgerichtsbarkt.it in die ordentlichen Gerichte und der Anwallszulassung in allen 3nstanzen. Es ist falsch, daß leitens des Deutschen Richterbundes und des deutschen Anwaltsvereins in ihren letzten Protesterklärungen behauptet wird, daß das rechtsgelehrte richterliche Element mehr oder minder aus den Arbeitsgerichten hinausgedrängt werde und daß sogar das Recht selbst in diesen Gerichten kaum mehr eine Stelle habe. Die Mehrheit der deutschen Richter und Anwälte wird kaum solche Vorwürfe erheben wollen, die letz en Endes auf die Richter selbst zurückfallen würden. (Sehr wahr!) Denn auch in der ersten 3nstanz muß bei den Arbeitsgerichten der Vorsitzende stets ein r e ch t s g e l e h r t e r R i ch te r sein. Die 3uristen dürfen nicht verlangen, bei den Arbeitsgerichten das allein maßgebende Element zu sein. Die Vorlage hringt die Verwirklichung Der im Artikel 157 der Reichsverfassung enthaltenen Verheißung eines einle llichen Arbeitsrechtes. Es kann keine Rede davon fein, daß der Gesetzentwurf Der Verfassung widerspricht. Die Behauptung, daß das Reichsgericht ai-f anderem Standpunkt steht, ist unwahr. Das Gesetz bringt einen großen sozialen Fortschritt. Darum sollten alle Parteien die kleinen Meinungsverschiedenheiten hinter dem großen Ziel der Vorlage zurückstehen lassen. Abg. Auffhäuser lSoz.) begrüßt die Vorlage als einen Anfang zum kollektiven Arbeitsrecht, wenn auch nicht alle Wünsche Der Sozialdemokratie erfüllt seien. Der Redner werdet sich scharf gegen die Eingabe des deutschen Richter- Vereins Sehr kühn sei die Behauptung des Richtervereins, dah in Den Arbeitsgerichten an Stelle der Llnparleilichkeit und Unabhängigkeit der Richter die politische und wirtschaftlich.' Bedingtheit trete. Eine Beobachtung der Urteile der ordentlichen Gerichte lasse gerade bei vielen Richtern sehr starke politische Bedingtheit erfermen, eine innere Abneigung gegen die Verfassung und Den neuen Vollsstaat. Abg. Dr. Rademacher (Dntl.) betont, auch die Deutschnationalen wünschten eine billige, einfache und schnelle Rechtssprechung in Arbeits- ftreitigfeiten, aber die Vorlage bedeute in vielen Punkten einen Sprung ins Dunkle. Das Recht müsse die Grundlage aller Gesetzgebung sein. Das von dem Vorredner gegen dir . rutschen Richter geäußerte Mißtrauen müsse zurückgewie- sen werden, ebenso der Vorwurf, daß Die Richter keine soziale Gesinnung hätten. Die Einrichtung der Arbeitsgerichte erster 3nstanz sei eine Gefährdung der Rechtseinheit Der Redner wendet sich dann gegen Einzelheiten der Vorlage. Die Monopolstellung der Verbände könne leicht zum Organisalionszwang führen. Die Auslosung der Anwälte bei der ersten 3nstanz sei eine ungerechte Herabsetzung des Anwalt-.- standes. Ein Teil Der Deutschnationalen wer e eine Aenderung dieser Bestimmungen beantragen. Das freie unabhängige Richtertum werde durch das Gesetz gefährdet. Zwischen Demokratie und Richtertum bestehe ein unlösbarer Gegensatz, aber das unabhängige Richtertum müsse als Grundlage des Rechtsstaates erhalten bleiben. Reichsjustizminisler Dr. Bell: Die völlige Fernhaltung der ordentlichen Richter von den Arbeitsgerichten würde ein Un- glück für die Richter unD für das Arbeitsrecht sein. Die Eingliederung der Arbeitsgerichte in Die ordentliche Gerichtsbarkeit würde auf der anderen Seite einen Abbau Der bestehenden sozialen Fürsorge bedeuten. Die bisherigen Gewerbe- und Kaufmannsgerichte waren Sondergerichte ohne jede Verbindung mit der ordentlichen Gerichtsbarkeit. 3m 3ntereffe der Einheitlichkeit Der 3ustiz bringt die gegenwärtige Vorlage einen wesentlichen Fortschritt. 3ch bedauere Die vollständige Auss chliehung Der Anwälte in Der ersten 3nstanz, aber es darf nicht vergessen werden, daß die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte Die Anwälle absolut ausschlossen. Auch darin wird Die Vorlage eine Verbesserung' bringen. Wenn Die Eingabe des Richterbundes behauptet, das Richtertum fei ganz ausgeschaltet, schießt sie übers Ziel hinaus. Die Vorlage, beschreitet den richtigen Mittelweg. Abg. Buchholz (Zentr.) erklärt sich für die Zentrumsfraktion mit Der Vorlage Der Ausschußfassung einverstanden. Zu begrüßen sei vor allem Die mit ihr erreichte größere Vereinheitlichung der Rechtspflege. Es fei eine ganz ungeheuerliche Uebertreibung, wenn in Der Eingabe des Richterbundes behauptet wird, daß der rechtsgelehrte Richter und Anwalt mehr oder minder von Den Arbeitsgerichten ausgeschaltet sei. Tatsächlich werbe Der ordentlichen Gerichtsbarkeit durch das neue Gesetz gar nichts genommen. Oberster Zweck Der Arbeitsgerichte fei die schnelle Herbeiführung von vergleichen. Darum sei auch die Ausschließung der Anwälte in der ersten Instanz nid)t* bedenklich. Der Redner spricht Die Erwartung aus, daß Die Arbeitsgerichte zu einem wichtigen Faktor Des inneren Friedens werden mußten. Abg. Dr. Pfeffer (D. V.) sieht in Dem Entwurf einen Fortschritt gegenüber der bisherigen Rechtsprechung. Im Interesse des Arbeitsrechts elbst hätte man aber auch die Arbeitsgerichte e r - ter Instanz an die ordentlichen Gerichte angliedern ollen. Die Rechtsanwälte mußten in erster Instanz wenigstens bei berusungsfähigen Objekten zugelassen werden. Ferner beantragen mir Anwaltszwang in der zweiten Instanz und nur daneben Zulassung der Derbandsvertreter. Besondere Bedenken hiben wir gegen die Mitwirkung der wirtschaftlichen Verbände bei der Verwaltung der Gerichte, well diese dadurch erschwert wird. (Hört, hört!) Die Beseitigung der Innungsschiedsgerichte bedauern wir. Wir haben mit Erfolg wenigstens Fachkammern für das Handwerk verlangt. Wir beantragen, daß aber daran nun auch die Innungen durch Stellung von Beisitzern beteiligt werden. Abg. Dr. R a f ch i g (Sem.) eellärt sich mit Der Grundtendmaz Des Gesetzes einr erstanden, Das einen Fortschritt bedeutet. Hebet Einzelheiten könne man verschiedener Meinung sein. D e ordentlichen Richter feien allerdings zu weltfremd. Dem helfe man aber nicht dadurch ab. dah man ihnen dieses ganze Gebiet vorenthalle und sie durch Gewalt zur Weltfremdheit erziehe. Ein TeU der demokrattschen Fraktion werde für Den deutschnationalen Antrag auf Angliederung an Die ordentlichen Gerichte stimmen. Streittgkeiten über Erfindungen sollten Den ordentlichen Gerichten überlassen bleiben. Abg. Beier (Wirtsch. Vgg.) sicht in Der Vorlage eine ungeheure Mehrbelastung Der Länder mit 20 Millionen ober mehr. Der Redner verlangt die Angliederung an Die ordentlichen Gerichte, die Herabsetzung der be- rufungsfähigen Summe auf 100 Mt. und die Zulassung von Anwällen auch in der ersten 3n- stcmz. Ganz unerträglich fei die Auchebung Der Önnungsfchiedsgerrchte. Um 51/« Uhr vertagt sich das Haus auf Montag. Der Protest der Richter- unö Anwaltschaft. Der Deutsche Richtervund und der Deutsche Anwaltverein wenven sich gegen Die geplante Fastung ves viroeit»geria)is- ge,etzes in einer auvetwr^entiicy beachtenswerten Ert.arung, in Der es yeitzl: Sic üeujajen R.cyter und Rechtsanwälle find ob oes Verkaufs oer Beratungen über den Entwurf eines ‘.Zirbed-^cJcpLäge।eyeä aufs tiefne bestürzt. Wir verkennen durchaus nicht, Dag Del der Einrichtung ver mnitigen '^lrve.tsgellcyie o.e fojiaicn Örioruernijje und Auswtrt.un^en zu pru- ien uno zu beachten find. Wir hatten es aber für unerträglich, Daß Der Entwur,, Der nichts anderes i|i als ein Gerichtsverfassungs- unö Prozeßgei eh, lediglich un.er Diesen sozial- politischen Gesicytspuntten ausgestellt und behandelt worden ist. Das hat zur Folge gehabt, daß Die Bedürfnisse Der Rechtspflege: Die Rechtseinhell und Die Rechtssicherheit, das Ansehen ver Gerich.e und die Autorität oes Richter- ipruches, so gut wie ganz außer Betracht geblieben find. Dieser ichwere Fehler in Anlage und Methode hallet Dem Entwürfe von Haus aus an, ihn hat auch der Reichstag bei Der Behandlung des Entwurfs nicht vermieden. Denn er hat diesen Zustizgesetzentwurf nicht seinem Rechtsausschusse, sondern dem Ausschüsse für soziale Angelegenheiten überwiesen, Der Die Vorschläge an ven Gesetzgeber nach ihrer sozialpolitischen Bedeutung zu prüfen hat, Der aber weder nach seiner Aufgabe noch nach seiner Zusammensetzung geeignet erscheint, bei jener Prüfung auch Die Bedürfnisse Der Rechtspflege zu beachten und zu wahren. Schon gegenüber Dem Aegierungsentwurfe hatten Richterschaft und Anwaltschaft in vollster Einmütigkeit Der Herauslöfung Der Arbeitsgerichtsbarkeit aus Dem bestehenden einheitlichen Organismus Der Gerichtsverfassung entschieden widersprochen, well sie von ihr eine Verschlechterung auf beiden Gebieten, sowohl in Der ordentlichen als in Der Arbeitsgerichtsbarkeit, befürchten. Diese Befürchtungen verdichten sich zur Gewißheit angesichts Der hartnäckigen Bestrebungen, das Gebiet Der Arbeitsgerichtsbarkeit zu erweitern und Den Arbeitsgerichten auch Die Zuständigkeit für Angelegenheiten zu übertragen, die mit Arbeitsrecht nichts zu tun haben. Statt Der von allen Sachverständigen ge- forber.cn völligen Einfügung Der Arbeitsgerichte in Die Organisation Der ordentlichen Gerichte ist Planmäßige Ausgliederung aus Der 3ustiz- verfassung erfolgt. Bei Der Zusammensetzung der Gerichte ist das Endziel der völllgen Au s - schaltung des r e ch t s g e l e h r t e n Richte r t u m s bedrohlich nahegerückt, Die Beteiligung des Laienelements erweitert worden. Die Umgrenzung des Perfonenkre'lles, aus Dem Die Laienrichter entnommen werden, ist durch das Mittel Der Vorschlagslisten in Die Hand Der wirtschaftlichen Vereinigungen Der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehegt worden. Die Ausschaltung der Anwaltschaft ist nahezu durch- gesührt; selbst Der vom Entwürfe im Interelle einer gedeihlichen Rechtsprechung noch vorgesehene .Anwaltszwang für die zweite 3nstanz ist durch die Ausschußbcschlüsfe tatsächlich be'eitigt worden. So werden Die Arbeitsgerichte zu Organen gebildet, in Denen rechtswissenschaftliche Vorbildung und rechtspraktische Erfahrung einen Boden nicht mehr haben, Unabhängigkeit und Tinpartttlichkeit des Richterspruches durch wirtschaftliche und politische Bedingtheit erseht werden, Derantwortunasge'ühl und Standeszucht der berufsmäßigen Rechtsverteetung dem Spic'e ungeeigneter ober gebundener Intere'feivertretung weichen müssen. Selbst vor Dem höchsten Gerichte macht dieser Ansturm gegen das Sach- verständigene'ement in der Rechtspflege nicht halt: auch in den Reichsarbei.'s-erichtssenawn soll das Laienelement überwiegen, und diese mit Laien besetzten Senate sollen im Reichsgerichte, auch in seinem Plenum, in völliger Gleichstellung mit den Zivilsenaten wirken. Die deutschen Richter und Rechtsanwälle erheben Einspruch gegen die bisherige Art der Behandlung, die dem Entwürfe durch die Reichsregierung und durch das Parlament zuteil geworden ist, und verlangen, daß an der weiteren Arbeit in allen verfassungsmäßig damit befaßten Instanzen die für die Mteric sachverständigen 3uriften maßgebend beteiligt werden. Dem Herrn Reichsjustizminister als dem Verwalter Der deutschen Rechtspflege obliegt Die Pflicht, sich m't der ganzen Kraft seines hohen Anlles einrus?tzen. um Die deutsche Rechtspflege von dem Abgrunde zurückzureißen, an dessen Rand sie heute — am Vorabend der Feier sünkziojähriger Bewährung des großen Werkes des 3ahres 1879 — geführt worden ist. Leipzig, den 25. Rovrmber 1926 Der Deut che Richterbund Reichert, Senatspräsident, Vorsitzender. Der Deutsche Anwaltbereia Dr. M. Drucker, Iustizrat. Vorsitzender. 1. an Die Hauptunterstützun^empfänger ander Erwerbslosenfürsorge, soweit sie über 26 Wochen erwerbslos find, ein Betrag in Höh« einer halben Wochenunterstützung: 2. an Die Empfänger von Renten aus bet 3nvalidenverficherung ein Betrag von je 6Rm. auf jebe 3nvaliden-, Witwen- und Witwerrent^ und von je 3 Rrn. auf jede Waisenrente: 3. an Die zum Empfang von Kleinrentnerfürsorge berechtigten Personen ein Betrag von je einem Drittel Der Monatsunterstützung. Eine Tagung der Wirtfchaftspartei. Berlin, 11. Dez. 00870 Lichtspielhaus • Bahnhofstraße 34 Heute bis einschließlich Mittwoch: Nanette macht alles Gesellschaftssehauspie! in 6 Akten, in den Hauptrollen die erstklassige deutsche Besetzung: Georg A exander. Vlvlan Gibbon. Mady Christian«*, Fritz Kämpers, Siegfried Arno. Fritz Spiro. - Ferner: Jimmy Aubrey als Innenarchitekt Groteske in 2 Akten. — Sowie: 10274c Wochenende am ÜortaMe und öie «le Wochenschau Astoria-Lichtspiele Heute bl* einschließlich Mittwoch: In den Krallen des Todes Gewaltiger Seusationsfllm in 6 Akten. — Ferner: Mnrifirno Phon Gesellschaftedrama in 5 Akt, i. d HauptroIL UlVUul llv ullim Dagny Servaee u. Wilhelm Dieterle. Ich habe meine Praxis wieder aufgenommen. 102ö3d Dr. Szubinski Bei und Hasen im Ausschnitt Gänse Enten Puter Hahnen c Poularden | Mast-Tauben SCHWAAB Feinkost. Buchdruckerei Nitschkowski Fernsprecher 724 in allen nur denkbaren Karton- und Papierarten, vornehme, mod. Muster Sofortige Lieferung / Billigste Preise Allen denen, die unserem lieben Entschlafenen die letzte Ehre erwiesen, sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Katharine Wehrum geb. Briegel Verlobungskarten Verlobungsbriefe Garben trieb, den 11. Dezember 1926. 10255D Gießen, II. Dezember 1926. 69662 Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei dem Heimgänge unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen herzlichen Dank. Für die trauernden Hinterbliebenen: Frau Emilie Geck geb. Beyenbach. Besonders vorteilhaft EILT! EILT! 7485 SS 2k Vortragsabend U Sterb&falles • Mietgesuche Größte Weihnachtsfreude mit Zeugnissen ae- sucht 10'667 pünktlich in der Johanneskirche MMrlerStt58l. 10276V s o s o r t bei der Firma 10-2831) Ziehu qam15.u *6.0ezemberl926 Achtung! Achtung! Niemand versäume den 0387a prellen. 08674 MV , Q Günstiges Weihnachtsgeschenk! Fl Levermann Kragen Socken Unerreichte Auswahl. Nur gute Qualitäten 10280D 10287a 5 ür Bureau oder Gc icliaftSlokalevil. auch mit Lagerraum, tu beiter Lage u. Nabe -des LahnbofS, für Anfang Januar 27 zu öcrinicicn. Schr. An geb. u 10270V an den Gien Anz. erb. Gießen, Seltersweg 81 Bielefelder Herrenwäsche Meine Spezialitäten: Oberhemden Sporthemden Gutes Damenrad gegen ein gutes Herrenrad zu rauschen. °«'° Diooustr. 20 I. Lose ä 1 Mk. SM S: versendet auch unter Nachnahme 20 Pfennig mehr. 10206V A. Dinkelmann, Worms Postscheckkonto 15194 Frankfurt/M. In Bleßon bei: Staat! Lotterie Einn. ßuchacker Nachfolg Ella Reuter Wwe., Flimm Außerdem bei Konrad Fmmerich. ZigarrenhausJoost, Hermann Kuhl, Friseur Lotz, Hermann Lublinsky, \\ ilhelm Semmler. vienstagmarlt ES treffen am DicnStag.dem 13. Dezember, billigeWcibuachtsnüsse, sowie süffe Orangen ein. W Alles erscheine am gelben Auto.-W» BeßtzekJgf. BidiMott, gmlfutto. M. Ein Posten zurllckge-- sehter Teppiche sowie Linoieumieppiche mit kleinen Fehlern weit unter Preis solange Vorrat reicht Win ter an zag Kinderpnlt Schaukelpferd billig zu verk. ,,ä6lug- Q Kfl sptelzeng u.l Scherzsoiclz.,NM. »-vv Sie erhalt, nur Qualitätswaren aus eigener Fabrik u. bestellen Sie daher WIMK- üüiime eingelassen Verkauf au billigen Tages- Deutscher Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule Ortsgruppe Gießen Weihnachtsfeier Mittwoch, 15. Dezember (nicht Donnerstag), abends 8 Uhr Chauffeur gehidr Hu eriiag. ui d. Geichäffssieue d. Gieff-Anz. 102901) G it en'psohtenes, tüchtiges Mä-chen kür kleinen Haushalt verl od. 15. Jan. gesucht 08672 Wcitanlagc 56 1L \ Verkäufe ) Verkaufe einen 16 Monate alten, erstklassigen, svrungsäh. VogeiSberger ,u36jD Zuchtbullen Mutier Herdbuchlier Ctto Siegsried, Laubach,Oberheffen. MENS« Schüler Violincu in allen Gröffen und AuStllhrungen, Konzert- und Orchester-Violinen m nvogcr Auswahl, Meisterbogen, LederetuiS in feinster AuStiibrung, unsere Spezialitäten MwM iür Msimcfa 1 Violine in guter Ausführung mir Ebenholzgarniiur in 1 „ "« u. 4/t Gröne mit stabilem Etui und gutem Brasil- bolzbogen 9052b! komplett Jt 25.— DT Fachmännische Bedienung -Ml Musikhaus Albert Vogt Nacht ältestes Spezialgeschäft örauffurts Frankfurt o. M. fr ahrsrnsNe 128 an der Konstabler-Wache Gebrauchter Utippenroagen ui faiueit gesucht. Schr. Ang. u. 0S666 an den («ieh. An». Wein- und Cognacflaschen werd, abgeholt v. St. 8 Bi. Schr. Ang. u. 08668 an d. G. Anz. [Verschiedenes | Herrschafts. Weihuachts- bäume har noch einen Waggon abzligeben. ,'*su Schilfer. Hermanitstein, Tel -AmtWef lar276 Berkaus von WeihiuillüsWmkii au billigsten Preisen [08677 Ecke Neustadt und im Sclteröwcg gegenüber Schubbanö Metrovol. Fr. Schmieder. Idf zur Sei bst-Anfertigung von Kra- Modehaus ■ >1 CIVV CAIIVi I WUlU watten — mit passendem Gratis- a e Schnittmuster! ~ ■■ .■■■=■=■ $>310111011 Lotterie „Haus der Jugend Ziehung 15. und 16. Dezember WWl heizbar und hell. au mieten gesucht Sckr. Angeb. unter 10275V g. d GH. Anz. {SteTienan ge b ot ej Tüchtiges Laden s au vermieten. Geff. 'Jiathftage bei Karl Jöckcl, ^ieustadt 14 Autohalle auch für andere Zwecke verwendbar, ab 1. I. 27 zu verm 'JinbereS sl0.'8',v Marvurger Str. 10 >. 1 groncs Zimm. Tannen Büiett 1 Küchentisch 2 Stühle 1 Küchen Uhr mit Schlagwerk 1 am rik. Schülcr- vult (verstellbar) 1 g. erb. Pnvvcu- ivaacn, kornvlctt 1 diodclichlittrn 1 Kindcrtischchen mit Stuhl 1 vrnchtvolle neue Zimiirrr-^Lamve. elektrisch 1 Schlieffkorb billig zu verkaufen. baacnmelo. Schülzenürnsre 19 o. <>ait neuer irillfflttel lBrosches in d. Brau' nasse verloren Wie derbringer Belohn' AbAiigeben 10297 D BrangaBne 6. euidDtrtinignui 191)(I t. $. Donnerstag, de« 16 Tczemderl926, abends 9 Uhr: Mitglieder- Versammlung UN Leretnsiokal Gauhaus Bo ler. Bollzähl. tLrlchem. brlngcuö erwünscht. lja6Ü Der Vernaod. Lichtbilder- vortraq Dienstag, 14. ACiuber, abends 8 llDr, im ’JJlnt3 tbäud Saal: „Bomgoiöenenmaini vis aus ferne Meer von Herrn Eugelei- Weuiar. ,JV<,D Die Mi gliederder Vereinigung find herzlich emgelaben. Slemönneru.Srtiuen- Bereinigung Oer Mal- tOflu5-(ßemeinoe. Stadttheater Dienstag, 14.Dez.. lü.Dlenslag Av. vrfl. von 71/, bis 10 Uhr: lohannisieuet Schauspiel in4Akie« von Sudermann. WHNh Heute abend 8‘A Uhr im BotaniKDen üötfaol (BianösW (Eintritt 2 Mark. ästi70 Bei Gicht und Rheumatsmus offenen Beinen. Asthma, sowie für die Körperentha> nSäuerung ist 8726A Stern-Engel-Tee ein altbewährtes, wirksam. giltfr. Mittel. Zu haben nur in den Apotheken falls nicht vorrätig, wende man sich an Siern Engel -Tee- Großven rieb. Bad-Schandau (Elbe), Beweismaterial, Prospekte gratis Al-eingef lentunoS- kähi, e Kolonial waren-VZroffhand' luun fuchi für loroxi od. 1. Jan. gewandt., fleihiaen, mit der Branche vollkommen verirauien Reisenden der nachweislich im Wefierwalo und im TaunilSgebiel gut etngeslihrt ist. <5S ivird um auSiühr- liches schrtfll. Angebot mit (ÄchaliS- anspruch uni 10.91 D nn den Gien. An- zeiger gebeten SMeieMtzllaii gesucht Vorzuiiellen zwischen 2 und 4 Uhr nachmittags 10279 D Westanlage 42 1L 2b-2v. 22- ' ,,38. Ts0926-l5e 23*St'DaUXVeXX ÄTt» v.nd aa.75, 68." Heinrich Stern und Sohn Heinz. Gießen (Gartenstraße 13 I.), den 12. Dezember 1926. («eichästsstelle (Äiekcn: Nordaniage'., Fernruf 1275 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. Dezember, nachmittags */23 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Morgenröcke aus gutem Velin6, tadellose Verarbeitung, mit buntem Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere inniggeliebte Frau und treusorgende Mutter Frau Else Stern geb. Semper heute nachmittag 4 V2 Uhr nach langem schweren Leiden im 49. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzuberufen. Friede ihrer Asche! Haus der Handarbeit SelterswegSt 1028?i Sieger ^mannZi 9^9 bi lonbti ru erinnttiC «ern geübte ' war. lönr unterste rungen, unter den I 'Usenen btuf Mrigen t Kenten © ■te Sei ini s? «eark toter wir? un '-Qltenbln M Manns ar Aklt'0 Ä>n Nr, LÄ e üctlen- , Sic ■ eine H Infolge c geörunK lagen ler" nung der selbst dem lichleU, s« xulcgcn. A Sebrauch fo ist H größer - FrM ^'ut'chl-uiS Sngla^ allgemein e nt» V .aller da" mitte. , Ä 3« xnnig, uni • nglifd>'arA£ >en.Der^ nach der tcchtigl- *al das l Nrtschast utglÜietier oon und H rund i st Ieranlaffiu Kredite zu Frage, ob l recht an liu besitzt- Sas Ss mag m teil, ater al erwachsen u geschnitten, i Hnö. Man D sich soweit bi Bruch mit se Augcnbliä, Sie Heu schäft gen für die Hi nicht an d Aktien find Haber psle, standes uni und persönl mit ihnen < dih ein 3 geschlossen r Heinere Unti iijre Httien gebracht habe unbekannt 'dndeLE Zeit eingeset aus ergeben Äussichtsrat verbunden < geneigt sein ;u denken, j Aach d< versamm höchste Ins die Geschäft Direktoren c sich gegen sol nicht nur au Intsresse sicherten Glei Versuchen, die ichen und zi m eigene, zu vereiniget sie zu Do Aimmrecht, Devotaktien flucht nehme ruhten sich d Deist daraus ständen abqt Aktionäre i ei» Zustand der Absicht spricht. Nr. 291 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag. (5. Dezember 1926 leben, baf) unser Recht , . _ zu einem radikalen Bruch mit seinen Grundsätzen, zum mindesten im Augenblick, keine Veranlassung besteht. Die heutige Form der Aktiengesellschaft genügt, um das vorweg zu nehmen, für die Unternehmungen völlig, deren Aktien nicht an der Börse gehandelt werden. Ihre Aktien find ein dauernder Besitz, und ihre Inhaber pflegen zu den Mitgliedern des Vorstandes und des Aufsichtsrats in geschäftlicher und persönlicher Beziehung zu stehen, sie bilden Drei Tage in den Bergen Sumatras. Erlebnisse eines deutschen Seekadetten auf der Weltreise des Kreuzers „Hamburg". Aktioirarkreisen niedergestimmt wird, und das erregt naturgemäß Erbitterung. Gegen diese Ent- rechtung lehnen sich die Aktionäre aus. sie verlangen Schuh gegen das Aebergewichl der Ver. waltung. Mit diesem Anspruch stehen sie aus dem Boden des geltenden Rechts, ja sie fordern nur etwas, was ihnen das Gesetz schon in Gestalt des Aussichtsrates gewährt hat. Rach der Idee des Gesehgebers sollte er ein aus Zeit bestellter Aus schuh der Gesamtheit der Altio° näre sein und die Tätigkeit der Verwaltung überwachen. Unter den früheren kleinen Der- haltmssen war eine derartige Kontrolle möglich nur räumlich-heimatlich in die Rachbarschaft dieser Rovellen. In Preuhisch-Lttauen liegt auch das Gut der Vogelreuters. Außer den Eltern und dem Töchterchen Trude gehören zum engen Familienkreis die beiden „Rotstanbskinber". Georg von Hartwig, ein junger Baumeister. Reffe Vogel- reuters und Verlobter Trudes. Und Marilke. die Pflegetochter, die man das Heimchen nennt. Georgs Vater hat sich im Rotjahr, als ihm die Schulden über s Dach wuchsen, aus Stolz, aus Trotz, aus Furcht vor der Schande erschossen. Do- gelreuter hat die Schulden gedeckt und den hilflos verwaisten Knoden ins Haus genommen. Alles wäre gut, wenn der nicht den Stolz des Alten geerbt halle und an der Dankespslicht erstickte. Und wenn die Marille nicht da wäre, das andere Rotftandskind. Die haben die Vogelreuters im Winter im Wald gesunden. Die Mutter, eine verrufene Landstreicherin, lag mit dem Säugling an der Brust quer über dem Wege und wollte sich wtfahren lassen. Sie haben baä Kleine der Mutter abgekaust und das Weib totgesagt. Sie ist aber immer wieder gekommen, die Mutter, die Wehkalnene, verlaust, versoffen, diebisch, verkommen. Man hat sie abgesunden. dem Kinde ferngehalten. Ader die Marille weih: sie ist nicht tot, sie will sie sehen, mit ihr reoen, ihr helfen. Georg wird ihr natürlicher Verbündeter, als sie gewahr wird, daß der schon seit Jahren sie liebt, und nicht die Reine Trude. Aber als sie es sich sogen, ist es für beide zu frätu Da kommt die Iohannisnacht, und auf allen Höhen ringsum brennen die Feuer. Uralter Heidenglaube wird dämmernd lebendig im flackernden Schein. In den Feuern brennt unser aller erstickte Sehnsucht, lodern unsere begta- Aktionär und Verwaltung Don Proseffor Dr. Max I. Wolff. Unser Aktienrecht ist gegenwärtig Gegenstand ziemlich leidenschaftlicher Erörterungen. Auf dem letzten Kölner Juristentage wurden Wünsche vorgebracht die auf eine völlige Umwälzung des bestehenden Rechts hinaus- liefen. Die geschlossene Mehrheit lehnte sie zwar ab, aber sie gaben der Kritik in einzelnen Punkten, Recht, nur hoffte sie, die Mängel, auch ohne - die Gesetzgebung in Bewegung zu sehen, abzu- * stellen. Die Aktie als Qkrmögenäanlage hat heute eine größere Bedeutung als vor dem Kriege. Infolge der Inflation ist sie in Kreise ein- gedrungen, die früher alten .spekulativen" Anlagen fern blieben, und die gesetzliche Anerkennung der K l e i n a k t i e n bis zu 20 Mark gibt selbst dem bescheidensten Kapitalisten die Mög- lichtett, seine Ersparnisse m diesen Papieren an- zulegen. Wenn auch davon nicht in dem Maße Gebrauch gemacht wird, wie man befürchtete, so ist heute noch der Kreis der Akllonäre weit größer als in der Vorkriegszeit Früher waren Aktien unter 1000 Mark in Deullchland nur ausnahmsweise zulässig, in England dagegen war die Pfundaktie (20 All.) allgemein erngcführt. Wenn sie bet uns auch nicht in Nachahmung der Engländer, sondern unter dem Zwange der Verhältnisse geschaffen wurde, so gab diese Angleichung an angelsächsische Zustände doch den Anstoß zu der For- xrung, unser gesamtes Aktienrecht nach englisch-amerikanischem Muster umzugesta l - en. Der Vorschlag war in der Zeit unmittelbar nach der Inflation begreiflich und vielleicht bc- 'echtigt. Man wollte dem fremden Kapital das Eindringen in die verarmte deutsche Wirtschaft erleichtern und man wollte untere anglisierten oder amerikanisierten Aktien in London und Reuyork marktfähig machen. Dieser Grund ist heute weggefallen. es besteht keine Veranlassung mehr, den Zustrom ausländischer Kredite zu begünstigen, und so bleibt nur die Frage, ob das englische uyb amerikanische Aktienrecht an sich besondere Vorzüge vor dem unseren besitzt. Das wird man nicht unbedingt bejahen. Es mag nachahmenswerte Einzelheiten enthalten, aber als Ganzes ist es unter Bedingungen erwachsen uird auf wirtschaftliche Zustände zu- gefchnitten. die in Deutschland nicht vorhanden sind. Man wird auch zugebe sich soweit bewährt hat. daß Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der »Radio-Umschau".) Tienstag, 14. Dezember. 3,30 brs 4: Die Stunde der Jugend. 4,30 bis 5.45: Soltsten-Rachmittag des Hausorche'ters. 5,45 bls 6,05: Die Lesestunde. 6.15 bis 6 45" Aortrag des Stadtmedizinalrats Dr. Keding vom Stadtgesundheitsamt Kassel über: „Die gesund- deltl'che Rot des Kindes". 6.45 bis 7.15: Funk- hochschule: „Krantheitsdämonen und Dämonen» Vertreibung.". Vortrag von Stadtmedizinalrat Dr. Ftscher-Defoy 7,15 bis 7.45: Funk Hochschule: Altdeutsche Tafelmalerei IX“. Vortrag von Dr. Osw Städelschen Kunstinstitut. 7.45 bts L,l5^Die Schachstunde. 8,15 bis 9,15: Klavierabend Michael Zadora-Berlin. 9,15 bis 10,15: Uebertragung von Kassel: Flötenkonzert des Flotenvtrtuosen Alfred Lichtenstein. Berlin. 10,30 bus 11: Weihnachtswoche des armen Kindes: ^horabend des Caecilienvereins mit Ansprache fron Pfarrer Steubing. mit ihnen eine einheitliche Gruppe, so daß ein Interessengegensatz so gut wie ausgeschlossen ist. Freilich sind das in der Regel kleinere Unternehmungen, während die größeren ihre Aktien beinahe durchgängig an die Börse gebracht haben. Hier bilden die Mtionare eine unbekannte, nicht homogene, beständig wechselnde Vielheit, der die dauernde oder auf längere Zeit eingesetzte Verwaltung gegenübersteht. Daraus ergeben sich Schwierigteiten. Vorstand und Aufsichtsrat sind inniger mit dem Unternehmen verbunden als die Aktionäre. Diese werden mehr geneigt fein, an ihre Aktien und die Gegenwart zu denken, jene an das Werk und seine Zukunft. Rach dem Gesetz sind die in der Generalversammlung vereinigten Aktionäre die höchste Instanz der Gesellschaft, die jederzeit die Geschäftsführung durchkreuzen und sogar die Direktoren ab'etzen Fann. Die Verwaltung muß sich gegen solche willkürlichen Eingriffe schützen, nicht nur aus persönlichen Gründen, sondern im Interesse des Werkes, das einer gesicherten Gleichmäßigkeit bedarf. Sie wird daher versuchen, die Generalversammlung zu beherrschen und zu diesem Zweck möglichst viel Aktien in eigener Hand oder in der ihrer Freunde zu bereinigen. Wenn das nicht ausreicht, wird sie zu Vorzugsaktien mit mehrfachem Stimmrecht, Schuyaktien. Vorratsaktien oder Depotaktien der befreundeten Danken ihre Zuflucht nehmen. Gegen diese besonderen Aktien richten sich die Beschwerden in erster Linie. Man weist darauf hin, daß — von gröberen Mißständen abgesehen — durch sie die Rechte der Aktionäre illuf orisch gemacht werden und ein Zustand geschaffen wird, der dem Zweck und der Absicht des bestehenden Rechts nicht entspricht. denen Hoffnungen noch einmal duf, rauschen die in geheimsten Herzkammern verschlossenen Wün- sche des Blutes wie Paradiesvögel über uns hin. In dieser Rächt fallen sich die beiden in die ^rmv- die Rollinder. die zueinander gehören, obwohl das Heimchen dem jungen Prediger oer sie auch lieb hat, sich widerwillig ver-' sprochen hat, und Georg am andern Morgen mit ber Trude Hochzeit machen soll. Im iibermäch- ligen, herzbezwingenden Zauber dieser einen Rächt stehen sie selig inemanber verloren. Am Hochzeitstag bricht alles zusammen: Marille gibt dem Geistlichen ihr Wort zurück sie verschmäht es. sich bei dem Ungeliebten zu retten. In einer letzten Viertelstunde glimmt m den beiden noch einmal die helle Lohe der Rächt auf, sie wollen alles sagen, miteinander aus und davongehen. Aber sie bringen es beide nicbt über sich: die Marille mag der andern das Gluck nicht stehlen, wie ihre Mutter stiehlt, die irilt wieder im Hause ergreift und fortschleppt. Und beide wagen auch nicht die große Untreue gegen die. denen sie ihr Leben danken. Und dann ist die Viertelstunde um, die geschmückte Braut erscheint, die Glocken lauten, und Georg geht mit der kleinen Trude in die L T ^.tlter ^ch läßt er sein Glück liegen. ®ic Iohannisnacht ist vorüber, und der bunte Paradiesvogel fliegt irgendwohin in die weite Welt. Bkan mag den Kopf schütteln über das Ende, über dieses stille Auseinandergehen, mag eine „Losung" fordern, eine Rare Entscheidung: dieser Ausgang ist fein und dichterisch, obwohl das Schauspiel mit diesem letzten Dorhangsall nicht »zu Ende“ ist, sondern vielleicht erst beginnt Eine schöne, ausgefeilte Inszenierung. Dv l cks Regie weckte, mit liebevollen Einzelzügen, die über ein Dierteljahchundert hinweg ungebrochene Leuchtkraft des Werkes, spürte dem eigentümlich bodenständigen Duft, den schwebenden Stimmun- gen nach und wußte um die großen Auftritte die mit innerer und äußerer Spannung gela- denen dramatischen Steigerungen. (Ein paar Striche sind vielleicht möglich.) Auch die Besetzung war in allen Teilen gelungen. Die stärkste Leistung des Aaends war die glanzend gespielte Marille der Susanne H e y m. Ein Menschenwesen, schillernd in vielen Farben tote ein fremder Vogel, zwischen Licht und Schatten stehend. bald sanft, dankbar und demüttg bald innerlich gehetzt von der Unrast des Blutes von der Sehnsucht nach der Mutter, von der auf- gluhenden Liebe zu dem jungen Menschen, den Ite' doch nicht lieben und nicht besitzen darf. Reoen ihr und nächst ihr das tontraftierenbe Gegenspiel: Ingeborg Scherer, die die rübrenbe (uru) vom Dichter mit einer erstaunlichen Sicher- gestalt ber Trude gab; ein ganz 2ef$°S- unschuldiger, niedliche? herzfroher Back, «Ich, dein doch ein nachtwandlerisch sicheres, weibliches Ahnungsvermögen die dämmernde Erkenntnis rätselhafter Irrungen. Wirrungen und frühen Leides gibt Lenau (Georg) toar besonders im Anfang gut in der schroffen Starrheit eines stolzen und männltchrn Eigenwillens; cm dritten Akt stellenweise etwas konventionell und äußerlich; zuletzt ebenbürtig zwi- I^en beiden Frauengestalten. Von den übrigen; Vogelreuter, breit, behäbig und pa- tnarchalisch Hanke, der selffame Hrilige. ungelenke und gutherzige Hilfsprediger, und L. Y u u g l i n g, Die Landstörherin Weßkalnene. vvr- überhuschend in phantastischer Verkommenheit. — Es gab verdientermaßen starken Beifall. Dr. Th« Die Kritik ist richtig. Die Allmacht der Altionärversammlung steht in der Regel nur auf dem Papier, sie selbst ist nur eine lästige Veranstaltung ohne Bedeutung, der sich die Verwaltung wohl oder übel unterziehen muß. Es wird einiges geredet, es werden Vorwürfe, Bedenken. Anregungen vorgebracht, die Direktion und Aufsichtsrat entweder gar nicht beantworten oder auf Grund ihrer besseren Sachkenntnis überlegen abfertigen. Sie wissen, daß sie und ihr Anhang die feste Majorität haben und daß nichts beschlossen wird, was nicht in ihrer Gruppe vorher vereinbart ist. Dabei kann es kommen, daß mancher brauchbare Vorschlag aus Bergauf, bergab, in (teilen Windungen aufwärts führt der Pfad, und unsere Pferdchen Rettern, als fei das gar nichts. Selten nur muffen wir absteigen, roenn ein Urwaldrieie quer über den Weg gestürzt ist. oder wenn der Schlamm bis an den Sattelgurt ftef)t. Weiter geht's durch tiefe Dachrinnen, fast senk- rccht hinauf, in reizvollem Wechsel. Einer hinter dem andern reiten wir in kurzen Abstanden. Eben habe ich auf der natürlichen Brücke, die ein Felsblock biß bet, eine tiefe Schlucht passiert, da steigt senkrecht eine kahle Geröllhalde vor mir empor. In roaghal- figen Windungen ist der Pfad hineingehauen. Unwillkürlich verhalte ich die Zügel, auch um ben Abstand von meinem Vordermann etwas zu vergrößern, und genieße den unbeschreiblich schönen Blick, der über das Waldmeer zu meinen Füßen weit in die Ebene schweift. Ungeduldig scharrt mein Pony, nichts von Müdigkeit merkt man ihm an, wie er jetzt die zieriich-n Hufe auf den harten ivelsgrunb setzt. Und schon sind wir droben. Riesige tfarne bilden ein kunstvolles Tor, ich lege mich vor auf beji Pserdehals — durch! Und er prescht die letzte Steigung hinauf, wo die Vorderiten schon abgesessen sind. Von hier aus geht's zu Fuß. Ich klopfe meinem Schecken den feuchten Hals, wiehernd läuft er ins schattige Unterholz, wo die Treiber schon das mitgebrachte Futter ausschütten. Und wir — voran unsere forsche Führerin — stürmen den Gipfel! Keine Viertelstunde mehr, und wir blicken staunend in den mächtigen Kessel hinab, in dem ein graues Nebelmeer wogt. Ein starkes Zischen, wie von einer Lokomotive, dringt an unser Ohr — in unmittelbarer Nähe unter uns fährt fauchend ein dicker Strahl Schwefeldampf aus dem Grunde. Hier ist der Boden wie ein Sieb, Loch an ßofyaüc erloschen bis auf den großen Schacht in öcr Mitte, aus dem der Dampfstrahl meterhoch herauszischt. Da hält es uns nicht länger: einzeln Rettern wir tiefer hinab. Mehr und mehr lichtet sich der Nebel, beizend legt sich Schwefelgeruch auf Hals und Nase — da liegt, schwarz und schweigend, der Kratersee zu unseren Füßen. UebcraU die kreis- runden Schwefellöcher, nur wenige atmen noch «chwefeldämpfe. Und doch steckt noch eine ungeheure Kraft in dem letzten Atem des toten Feuerschlundes. Ein mächtiger Gesteinsbrocken, den wir von oben auf die fauchende Deffnung werfen, stiebt in Atome zersplittert in die Lust. Naturgewalten! Jetzt aber fordert der Magen sein Recht und droben zwilchen den altersgrauen Opfersteinen, an denen die Bataker ihre Geister beschwören, steigt, rasch inszeniert, ein vergnügliches Picknick. Dann vernichtet ein luftiges „Scheibenschießen" auch die letzte der geleerten Flaschen, und es wird energisch Zum Aufbruch geblasen. Denn zu Mittag müssen wir drunten sein. Rasch sind wir bei den Pferden, die jetzt kaum zu halten sind nach der langen Rast. Wie die wilde Jagd geht's durch den Urwald bergab, nachdem der steile Felshang passiert ist. Und manch einer, der im Sattel nicht gerade zu Hause ist, findet sich plötzlich sonstwo vor, nur nicht mehr darin. Unser „Dicker" schlägt mit vier „Landungs- manövem" — das letzte elegant im Salto über den Pferdehals — den Rekord, was aber feiner vergnügten Stimmung keinen Abbruch tut. Melden Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen! Nach seuchffröhlichem Henkersmahl eine letzte herrlich kühle Gebirgsnacht unter dem Moskitonetz bann ruft die Pflicht und es heißt Abschied nehmen. Erfrischt und ausgeruht an Körper und Geist kehren wir nach wundervoller Talfahrt im Auto an Bord zurück. Nachmittags kommen die Letzten zurück, braungebrannt wie wir Offiziere, Kadetten, Mann- fchaften. Früh am andern Morgen, es ist der 4. November lauft bie „Hamburg" aus Bölawan aus, um nach kurzer Zwischenstation in dem Kohlenhafen Sabanq Colombo auf Ceylon anzulaufen. F- K. B. bei der heutigen Ausdchnuirg ber großen ilrrtec» nehmrmgen ist sie undurchführbar. Siiburd) bat lick die Stellung des Aufsichtsrates gehindert, er steht heute dem Vorstand näher als den Mtionären. und wenn er auch von diesen gewählt wird. Io ist doch dafür gesorgt, daß nur der Verwaltung genehme PeriönUchleilen berufen Serben. Sieht man von etwaigen dekorativen Mttgliedern ab. so hat der Aufsichtsrat die Ausgabe, nicht den Vorstand zu kontrollieren, sondern ihn zu unterstützen und vor allem seine geschäftlichen und ixrionlicben Beziehungen im Interesse der Gesellschaft zu verwerten. Richt die große Masse der Aktionäre, sondern gewisse kapitalkräftige Gruppen erhalten durch den Aufsichtsrat beüimmenbcn Einfluß, jä sie reißen unter Umständen die Leitung an lich- Auch das entspricht nicht der Idee des Gesetzgebers. Denn sich die ötrutlur der Aktiengesellschaften in dieser Weise verändert hat, so ist das nicht das Ergebnis menschlicher Tücke und Bosheit, sondern der wirtschaftlichen S n t- DoS Leben schafft sich sein Recht frfrcr ffibt dem bestehenden einen neuen Inhalt. Die Derwertungsaktien und manche andere üble Hiitterlaffenschaft der Inflation, gegen die jetzt Sturm gelaufen wird, werden verschwinden, aber der Zustand, daß eine Aktiengesellschaft ein reines Privatunternehmen der Aktionäre ist. wird dadurch nicht Wied er bergest eilt werden. Unsere großen Betriebe sind darüber längst hinaus» gewachsen. Keynes bemerkte richtig, daß der Gedanke an die Aktionäre und ihre Div.dende ungefähr das letzte ist, nxtS die Leitung der Dank von England bei ihren Maßnahmen beschäftigt. Das bestehende Gesetz behandelt die Altiengefellschaften ausschließlich unter dem privatrechtlichen Gesichtspunkt als Personen des Handelsrechts, die größeren sind aber \u öffentlich-wirtschaftlichen An ml en geworden. Dadurch ergeben sich Widersprüche zwischen der Theorie und den wirllichen Ver- hältnissen. Wenn z. D. eine der O.-Banken ihr Geschäft ins Ausland verkaufen oder ein führendes Bergwerk seinen Betrieb schließen wollte, so wäre rechtlich nichts dagegen einzuwenden; wie die Verhältnisse liegen, haben aber nicht etwa nur die Angestellten, sondern das gesamte Volk einen Anspruch darauf, daß diese Institute in einer der Allgemeinheit dienlichen Weise weitergeführt werden. Der Gesetzgeber wird dieser Entwicklung über kurz oder lang Rechnung tragen müssen, aber er muh sich vor jedem Versuch hüten, sie zu beschleunigen oder gar die Hand zu sozialisierenden Experimenten zu leihen. Der Äem des heutigen Streits um das Aktienrecht liegt darin, daß die privatwirtschastliche Auffassung mit öcr öffentlich-wirtschaftlichen ringt. Freilich scheiden sich die Geister nicht in der Weise, daß die eine Ansicht von den Aktionären, die airdece von der Verwaltung vertreten würde, im Gegenteil, beide stellen sich aus den Standpunkt des Prival- rechts, wenn es sich um die eigene n Ansprüche handelt, und beide betonen die öffentlich-rechtlichen Gesichtspunlle, wenn sie die der anderen Seite zurückweifen, aber die Hauptsache ist. daß sich aus diesem Ringen all- eine neue Auffassung der Aktiengesellschaft und des Aktienrechts heviusbildet Ob diese schon so weit ausgereift ist, daß eine Aenderung der Gesetzgebung notwendig ist, kann bezweifelt werden. Eine Eittwicklung ist durch Gesehesparagraphen iroch niemals aufgehalten durch toreilige Gesehemacherei aber sehr oft in falsche QMmen gelenkt worden Tüllen schon sind wir 12 Kadetten bei Dem Besitzer der großen deutschen Pflanzung M a - L1 9 a t, nahe dem Städtchen S i a n t a in Nord- cumatra zu Gast, wohin uns die Eisenbahn aus ber brütenben Hitze des kleinen Hafens B c I a m a n entführt hat. 24 000 Morgen umfaßt heute der Bc- sitz, dessen größten Teil unser liebenswürdiger Gast- geber vor 28 Jahren, als Hauptmann a. D„ der holländischen Regierung abkauste, um aus den ric> figen Urwäldern in jahrelanger zäher Arbeit dieses Muster einer gepflegten Pflanzung zu schaffen. Oelpalmen, Kautschukwälder und große Teefelder umgeben rings das kleine Paradies, in dem er sich sein wundervolles Heim geschaffen. Wir haben die drei Fabriken besucht, die mit ihren neuen Kruppschen Maschinen das modernste ihrer Art darstcllen. Ein eigenes Kraftwerk sorgt für Licht, eine Dampf, bahn bringt von weither die Ernte in die Fabriken und von hier die Fertigfabrikate direkt an die Staatsbahn. Deutscher Unternehmungsgeist, deutsche Arbeit im Auslande! Eine prächtige Gebirgsfahrt führte uns im Auto an den 800 Meter hochgelegenen Tobafeo (100 Kilometer lang und 1300 Quadratkilometer groß). Die dunklen Fluten dieses Riesensees umschließen eine mächtige gebirgige Insel, in deren Urwäldern Me Pakpaks noch völlig wird leben; sie verschmähen auch heute noch nicht einen schmackhaften Menschen zu seiner Zeit (als besonderen Leckerbissen bezeichnen sic die Maus des Daumens!). Seit gestern wohnen wir nun in dem Städtchen Sraftagi, inmitten der landschaftlich wundervollen Karo-Hochebene, deren kühles Klima wir mit wahrer Begeisterung genießen. An dem Ba- takerdorf K a b a n d j a i trafen wir leider den dortigen „König" nicht zu Hause an; er fei „verreist". So_ mußten wir uns schon mit dem Schauspiel begnügen, daß uns die Weiblichkeit des Dorfes bot, bie mit ihren indigoblauen Händen in höchst primitiver Weise den mittäglichen Reis zerstampften, von einem quiekenden und gackernden Tiergewimmel idyllisch umlagert. Blau ist die einfache Kleidung, die aus Tuck und Kopftuch besteht, blau die Hauptfarbe ber hübschen Giebelverzierungen ihrer Häuser, bie das Gehörn eines Wasserbüffels tragen, um bie bösen Geister abzuschrecken. In langer Reihe stehen die Töpfe mit der dunklen Flüssigkeit vor den Häu- sern. In dem „Spielhaus", das besonders reich verziert ist und in der Dorfmitte steht, spielen die Männer Schach, worin sie erstaunliches Geschick besitzen, gegen das der Europäer in der Regel unterliegt. Heute nun soll der über 2000 Meter hohe Sibaja k erstiegen werden, einer der zahlreichen er- loschenen Vulkane, die rings die Hochebene begrenzen. Weithin ist er kenntlich an einer tiefen Schlucht, aus der tagaus, tagein weiße Schwefelwokkchen steigen, die seinen Gipset umlagern. Ein Bad im eiskalten Wasser oerireibt rasch die letzte Müdigkeit, als es in aller Herrgottsfrühe aus den Federn geht. In Reithosen und Gamaschen gießt bereits draußen bie junge Hausdame, eine flotte Holländerin, den Kaffee ein und verteilt das Frühstück, das in den Brotbeuteln verschwindet. Nach einer Viertelstunde Autofahrt sind wir plötzlich mitten in einem Schwarm schreiender Bataker, die alle ihre kleinen Pferdchen gestikulierend anpreisen. Jeder will das „Fräulein" für sein edles Roß ober wenigstens den leichtesten Reiter Kleine untersetzte Tiere sind es, deren Ausdauer wir bald bewundern sollten. Direkt von der Fahrstraße führt ein schmaler Pfad seitlich, in tiefen Urwald. Steil und steiler wird der Weg, dichter und undurchdringlicher zu beiden Selten das Pflanzengewirr, aus dem ber tausendstimmige Vogelstimmenchor bringt und ab und zu der heisere Schrei eines Affen Einer begleitet uns eine gute Weile, doch aus dem Lianen- gewucher mißtrauisch neugierig diese „reitende Ge- birgsmarine" beäugenb. Urroalbmuber, wie er im Traue jedes jungen Seemanns lebt! Gießener Stadttheater. Hermann Ludcrmann: „Johannisfeuer." Wir haben bei einer früheren Suber mann- Aufführung bereits betont, daß es sich nicht nur fast immer ber Mühe lohnt, feine Stücke zu spielen, sonbern daß es auch ein Verdienst bebautet, ton Zett zu Zett wieder an einen Dichter zu erinnern, über den herzuziehen bereits eine gern geübte, literarisch-snobistische Geste geworden war. Wir können, was wir damals sagten, heute nur unterstreichen. Gerade jetzt, wo man in der jungen, höchst problematischen und nicht gerade unter den glücklichsten Vorzeichen ins Leben gerufenen deutschen Dichterakademie den fast Sieb- zigjährigen kühl übergangen und ihm einen sehr verdienten Ehrenplatz verweigert bat: und gerade auch, nachdem wir dieses Schauspiel gesehen haben, das (ein großer Erfolg vor 26 Jahren) eine ber glücklichsten Dramengestaltungen Sudermanns barsteltt, ein Werk aus einem Guß, stark und gut, viel einheitlicher, als jene ,Schmetterlingsschlacht", wachsend und gesteigert von Akt zu Akt. Das Werk ist ein echtes Kind seines Schöpfers; das heißt zunächst: es ist ein Theaterstück, tadellos gearbeitet, unbedingt sicher in jedem Satz, in jeder Szene. Obwohl es zuerst eine Rovelle hat werden sollen. Wertvoller ist: alle Menschen In diesem Drama sind erlebt und gesehen, nicht ausgedacht und gemacht. Die vier Akte werden zudem in einer auf dem Papier kaum sestzu- ßaltenden Stimmung als ein Ganzes zusammen- gefaßt, das an bie reifsten Schöpfungen Supermanns erinnert, vielleicht an bie „Litauischen Geschichten"; das Schauspiel gehört wohl nicht Turnen, Sport und Spiel. Hygienische Forderungen beim Turnunterricht. Don P. Lui eh. Oberreallehrer und Vorsitzender- des Hess. Turnlehrer-DereinL. Don allen Persönlichkeiten, die sich mit dem Werden und Wachsen unserer Jugend eingehend und umfassend beschäftigen, wird die körperliche Erziehung als eine unbedingt notwendige Ergänzung der geistigen Erziehung und damit a.s ein wesentlicher -Bestandteil der Desamterziehung angesehen. Aufgabe der mit der körperlichen Erziehung beauftragten Behörden und LehrkraNc ift es nun, die von den besten Physiologen. Hygienikern und Psychologen gelnachten Hör- schungen .und Vorschläge und auch dre schon vielerorts in dieser Beziehung gemachten guten Erfahrungen in die Tat umzusetzen. Reben einem weitblickenden, einsichtigen allgemeinen Lehrer- stand muh diese Aufgabe gröhtentriTs tn den Händen von dazu aufs beste ausgebildeten Fachlehrern liegen, wie sie Bayern und einige au verdeutsche Länder aufzuweisen haben. Em voller Erfolg hängt aber nicht allein von dem Erzieher- personal ab, sondern auch von einer Reche besonderer Umstände, die m. E. wichtig genug sind, einmal in gröberem Umfange zusammengestellt und näher behandelt zu werden. Darum soll diese Abhandlung sich nicht mit der körperlichen Erziehung im allgemeinen, sondern nur mit einem Teilziel, einer neuzeitlichen Schulh Ygiene befassen. Durch die Ungunst der Witterung und des Klimas in unserer Heimat werden wir sehr oft dazu genötigt, die Leibesübungen in geschlossenen Raumen vvrzunehmen. Darum hat man auch in den Städten und gröberen Landorten in nächster Rähe bre Schulhäuser Turnhallen erbaut. Diesen Uebungsräumcn ist in vielfacher Hinsicht gröbte Beachtung zu schenken. Die wichtigste Frage ist wohl die Reinhaltung derselben. 3n vielen Fällen ist sie durchaus unzulänglich. Dies kommt besonders daher, daß die Turnhallen mit Strabenschuhen betreten werden und dah oft mit solchen geübt wird. Ein derartiges Verfahren muh vom hygienischen Standpunkt aus unbedingt verboten werden. Wieviel Schmutz wird hierdu-ch in die Hakle getragen, selbst bei einer gewissenhaft gehandhabten Reinigung der Schuhe aus den vor den Türen liegenden Fuh- matten. Darum ist es nötig, dah man. wo dies noch nicht der Fall fein sollte, besondere Um- lleideräume schafft, in denen Schuhe und Kleider gewechselt werden können, ohne Lab man dabei seinen Weg durch die Hebungshalle nehmen muh. Hnö trotz Beseitigung des eben bezeichneten Hebels gibt es immer noch allzuviel Staub, der für Lehrer und Schüler, die gerade durch die neuzeitliche Turnschule zu größtmöglichster Bewegung und Tätigkeit gebracht werden sollen und dadurch ein starkes AtmungsbedürfniL entwickeln, von größtem gesundheitlichen Rachteil werden muh. Der zu behandelnde Stoff schreibt neben den Hebungen im Stehen auch solche im Sitzen, Knien und Liegen vor und fordert dadurch gröbte Reinkichkmt des Bodens. Darum ist nicht nur eine täglich einmalige, sondern mindestens zweimalige gründliche Reinigung des Bodens vorzunehmen. Sine solche nach jeder Hebungsstunde, wie sie Hannover schon seit mehreren Jahrzehnten hat, ist die beste und empfehlenswerteste. Die tägliche Reinigung sollte mit feuchtem, grobem oder mit Oel getränktem Sagemehl geschehen, besser aber und noch wirksamer ist das Auswaschen mit einem feuchten Tuch Der Holzboden ist jährlich mindestens einmal nach vorausgegangener gründlicher Reinigung mit gutem, Heistern Oel zu durchtränken. Linoleumbelag must leicht gewachst, doch nicht r.zu glatt gemacht werden. t Kokosmatten, die leicht zur otaubbildung nei» Tgen, sollten durch Matten aus starkem Segeltuch Yergestellt und mit Leder besetzt Ersatz finden. T Wenn auch der Anschaffungspreis hoher ist, so must doch di« grostere Reinlichkeit und Haltbarkeit ausschlaggebend fein. Reben der Bodenreinigung ist eine gute Durchlüftung der Turnhalle notwendig. Bei den Hebungen in der neuen Körperschule rönnen auch in der Winterszeit einige Fenster geöffnet bleiben, um den Lufthunger der Hebenden gut zu stillen. 3n den Pausen must aber für eine kräftige Durchlüftung gesorgt werden. Auch sollte es möglich gemacht werden, dast das Sonnenlicht täglich mehrere Stunden Einlaß m die HebungsstäUe erhalten kann. Während der kalten 3ahreszeit muh die Temperatur unter der für sitzende Beschäftigung notwendigen Zurückbleiben. Doch kann die Heizung keineswegs ganz entbehrt werden. Die künstliche Beleuchtung erfolgt am besten durch elektrisches Licht. Gasglühlichl ist zu verwerfen, well es. besonders b'c älteren Leitungen. schlechte Luft erzeugt. Durch die Hebungen der neuer. Turnschule ist es notwendig, dast man den Turnschülern am Schlüsse der Hebungsstunde Gelegenheit gibt, sich waschen zu können. Eine Hebungsstätte ohne Waschgelegenheit ist eine gesundheitliche Versündigung c. •> der 3ugend. Mehrere Waschbecken, Fustba^wan- nen, und wenn möglich, einige Brausen entsprechen den gesundheitlichen Forderungen. Diese Waschgelegenheiten sind mit den Hmkletderäumen baulich so anzuordnen, dah sich beide Räume in unmittelbarer Rahe voneinander befinden und ein Betreten der Turnhalle nach Anlegen der Strahenkleidung nicht mehr nötig machen. Wie aus obigem hervorgeht, ist auf peinlichste Reinlichkeit der Turnhallen zu achten. Darum dürfen diese Raume niemals andere-r Zwecken als der der Leibeskultur dienstbar gemacht werden. Ka- ninchen« oder Geflügelausstellunaen, Wahlen oder Aufenthalt in der Pause bei Regen usw. sind unbedingt in den Turnhallen zu unterlassen. Das Ofsenlegeu von Wahllisten gar entzieht diese Räume öfter und für längere Zeit ihren wahren Zwecken Einem solchen Verfahren gegenüber sollte die Schulleitung unerbittlich fein. Auch der Turnplatz muh eine genügeirde Gröhe haben und as erste Bedingung Staub- attnut besitzen. Die Spielplätze sollten sich in staub- und ruhfceier Lage befinden, damit durch die Laufübungen, Die jedes Spiel in ausgiebigem Mah bringen soll, die Lungen gut ausgelüstet und gereinigt werden körAuch Turn- und Spielplatz müssen schon der einfachsten hygienischen Forderung halber wie die Turnhallen mit Hmkleideräumen und Waschgelegen- heiten versehen werden. Heber die Art, wie man Schulturnhallen baut und ausstatlet, Turn- und Spielplätze anlegt und einrichtet, geben die auherordentlich klaren „Richtlinien für den Bau und die Ausstattung von Schulturnhallen und die Anlage und Ei ', richtung von Freiturn- und Spielplätzen", int Auftrag der bayerischen Landesturnanstalt gu^ gearbeitet von W. Hacker, Stud.-Profcssor an der Bayerischen Landesturnanstalt, und von der obersten Baubehörde genehmigt, genaue Angaben. Diese „Richtlinien" seien allen Behörden und Lehrern, die mit der körperlichen Erziehung der 3ugenb in Beziehung stehen, warm empfohlen. Eine weitere wichtige Frage ist die der Turnkleidung. Dec Lehrer muh auch hierin feinen Schülern ein Muster fein. Turnschuhe und eine besondere Tarnkleidung sind rmerlählich für Turnlehrer und Schüler, damit für beide Teile keine gesundheitlichen Schädigungen eiutreten. Die neue Turnschule ist eine lebhafte Bewegungsschule. Eine Schweißbildung auf dem Höhepunkt der HebungSstunde ist ost kaum zu vermeiden, jo sogar oft beabsichtigt. Vielfach üben die Schüler in Oberffeibern ynb Tageshemd. Geschieht dies, so tritt zunächst eine erhöhte Schweiß bild ung ein, während in der darauffolgenden anderen Hnter- richtsstunde eine starke Abkühlung des Oberkörpers ftattfinbet. Dieser Vorgang kann sehr leicht Die Hrsache von schlimmen Erkrankungen werden. Schüler und Eltern sollten durch Belehrustg überzeugt werden, dah das eben geschilderte Verfahren hygienisch zu verwersen ist, und dah das Heben der Schüler mit nacktem Oberkörper oder mit leichter Turnkleidung feine Erkältung herbeiführt, sondern, in der günstigen Jahreszeit begonnen, eine Abhärtung bewirkt und damit eine geringere Empfindlichkeit und zugleich eine gröbere Widerstandsfähigkeit gegen Erkrankungen erzielen hilft. Der Zeitverlust, der durch die Hmkleidung entsteht, kann durch eine intensivere und nicht beeinträchtigte Arbeitsweise ausgeglichen werden. Für die Schülerinnen enrpsiehlt es sich, auch besondere Turnkleider anzulegen. Ein nicht zu eng anliegender Trikot und eine kurze Hose sind praktischer und Wirten ästhetischer als weite Blusen und Röckchen oder Punrphosen. Die finanzielle Seite darf bei der Suriv kleidungsfrage kein Hindernis bilden. Die Er- Deutsche Gedenk-uudweiheMen Don Borries. Freiherrn von Münchhausen. Die Stätten, die gute und grobe Menschen auch nur betraten, sind nach den Worten des Dichters geweiht. — wie viel mehr dürfen wir als geweihte Stätten jene bezeichnen, die mit der Geburt und dem Tode eines unserer Großen verknüpft sind, an denen sich die gewaltigen Geschicke der Völler im Dröhnen der Frldschlacht oder im Worikampf der Staatsmänner entschieden, die Häuser, in deren niedrigen Stuben die Groh- laten unserer Kultur geschaffen wurden! Tat- sächllch hat doch jeder, der jüngere Freunde, gar Frauen in die Geisteswelt einsührte. die Erfahrung gemacht, dah der sicherste Weg zum Geiste der durch — das Gebäude ist. Das vom Verlag 3. F. Lehmann tn München herausgegebene prächtige und wohlfeile, 93 solcher Weihestätten enthaltende Bilderwerk „Deutsche Gedenk - undWeihestätte-n" (Pappbano 4 Mk., 793) vereinigt in weitgespannter Heberschau deutsches Erbgut, das erdtttndliche, kunstgeschichtliche und verwandte Bücher sonst in verständlicher Beschränkung barbieten. Besonders möchte ich auf die scharf geprägten Hnterschriften der Bllder Hinweisen. 3ch denke, es wird anderen gehen wie mir: Diese manchmal fast dichterisch kennzxichneichen knappen Sätze machen das Buch erst zu dem, was es ist und sein will: Ein Bilderwerk deutscher Geschichte und Kulturgeschichte. Da umweht uns die lül.le Luft der Krypten, in denen die Gebeine der groben Kaiser unseres Volkes dem Tage der Darben zurcifen, - wie viel heftige deutsche Rot, wie viel heihe Kampfes- arbeit schläft unter diesen kalten Steinen! Da ffingt aus den romanischen Dogensenstern der Goslarer Pfalz das „Eia Weihnacht, eia Weihnacht" Heinrichs des Dritten, der das deutscheste Fest fünfmal in der geliebten Harzstadt feierte. Da schreitet Kriemhilds Schatten, klagend um Siegsried durch die Torhalle des Klosters Lorsch im Odenwalde, und da wandeln wir im Geist über die Stätte dec Ribelungensage zu Worms. Da grüht uns vom waldigen Thüringer Gipscl die Wartbu g, wo sich hohe freundliche Erinnerungen beider Kirchen in einer Weihestättc vereinigen: 3n diesem Werke klingen leise und doch vernehmlich die deutschen Tröstungen auf: „Sei unverzagt, bald Der Morgen tagt!", wie oft war es noch schlimmer zu leben in oeurschrn Landen als ncuie, und doch sang die Geschichte immer wieder: „Deutschland, Deutschland über alles!" Hnsere Augen wurden blind, — ach, was kann nicht alles Menschenaugen blind machen! Tränen über Tränen und der Staub deS furchtbaren Leidensweges, durch den wir hiifteuchen und die Mündungsfeuer der groben Geschütze und der Rauch über Dem Trümmerhaufen des heiligen Vaterlandes. und wieder Tränen und Tränen. Aber über diesem Buche können deutsche Augen wieder hell werden, die Sterne, die über Goethes Weimar, über Bismarcks Friedrichsruh und Kants Königsberg strahlen, sind ewige Leuchten geworden auch in der finstersten Rächt, — nichts kann uns das Leuchten dieser deutschen Sterne nehmen! Aufwärts die Augen, auswärts die Herzen, auswärts die Hossnung. Ein Volk^ das solche Weihestätten auszuwci en hat, das kann nicht untergehen, Gott wäre nicht Gott, die Geschichte wäre sinnloses Rarrenwerk, unser Schicksal ein blödes Spiel, wenn am Ende dieser Siegesstrahe als Denkmal der Schandpfahl von heute stehen bliebe. Wenn Zungen schweigen, sollen Steine reden, — in diesem Werte reden sie eine laute, eine tröstliche Sprache, die Zinnen Der Burgen und die Türme der Kirchen nicht eindringlicher als Die niederen Fachwerkhärrschm, Darin die Gelehrten und di« Künstler unseres Volkes ihr Werk wirkten. Eine ')3reblet will dies Buch sein, ein Schlacktrus soll dies Buch fein, ein Lobgesang wird dies Buch fein! Der Ohren hat zu hören, der lausche ihm? stellungstosten Der Turrüteider such well geringer als der Schaden. Der durch Die Abnutzung Der Tageskleider in den Hebungsstunden entsteht. Für die gan; unbemittelten Kinder müssen Staat und Gemeinden unterstützend em= treten, wie sie es auch bei Der Beschaffung von sonstigen Lehr- und Lernmitteln bereite seit vielen 3ahren tun. Wie diese Darstellung zur Genüge beweist, sind Die Turnhallen, Turn- und Spielplätze mll ihren notwendigen Rebenräumen so zu gestalten und zu erhalten, bab sie Den Anforderungen einer neuzeitlichen Schulhygiene entsprechen. Schüler und Eltern sind über Die Hneillbehrlichleit einer besonderen Turnkleidung zu belehren und zu überzeugen. Wird Dann die körperliche Erziehung allerorts von wohlausgebftdeten Fachleuten geleitet, so wird ein Geschlecht heran- wachsen. Das gesund, kräftig und toUiensftarf ist. Wenn auch durch Die Anlage und Erhaltung hygienisch einwandfreier Hebungsstatten Dem Staat und den (SemeinDen Kosten entstehen, so werden ihnen doch andererseits Durch eine gesunde und kräftige 3ugend wirtschaftliche Kräfte erwachsen, die Dem ausgewendeten Kapital Die beste Verzinsung gewähren. Auch werden auber° dem bedeutende Mittel frei werden, Die jetzt zu Wohlfahriszwecken in Genesungsheimen, Kranken- und Siechenhäusern in hohem Mabe angelegt werden müssen. Länderfutzballspiel Deutschland-Schweiz 2:3. Das bedeutendste sportlich- Ereignis des gestrigen Tages in Deutschland bildete daS 6 0. Fubballanderspiel der deutschen Ratio- nal-Els auf Dem l860er Stadion in München vor 40 000 mauern gegen Die Schweizer Ländermannschaft. Leider wurde die Hoffnung, dah diese Begegnung einen Sieg für die deutschen Farben Bringen werde, nicht erfüllt, und die Schweizer tonnten mit 3:2 den Sieger stellen. Was der deutschen Mannschaft vor allem den Sieg kostete, war das vollkommene Versagen deS deutschen Torwächters E r t l - München, der alle drei Tore hätte hallen müssen. Beim deutschen Sturm versagte vor allem das 3unentrio; besonders Harder hatte einen schlechten Tag. Die schweizer Mannschaft stellte die gcfc^loffenere Elf Dar. Fast unüberwindlich war das Schluhtrio. Der schweizer Sturm war schnell, wohl geschult und schuhfreudig. Ter Spielverlauf gestaltete sich sehr lebhaft. Die Futzballergebnisse Dom Sonntag. Mainbezirk. 3m Mainbezirt gab es gestern Heberraschun- gen. Der Spitzenreiter Fubballsportverein Frankfurt a. M. lieh sich von Rot-Weitz - Frankfurt einen Punkt auf dem eigenen Platze nehmen. Offenbacher Kickers verloren gegen den Tabellenletzten Viktoria - Aschaffenburg. Hnion Riederrad — Eintracht Frankfurt a. M. 3.4 Germania-Frankfurt a.M. — FC. Hanau 93 2:0 Viktoria Aschaffenburg — Kickers Offenbach 3:2 Viktoria 94 Hanau — V. f. L. Reu-3senburg 1:2 Futzballsportverein Frankfurt a. W gegen Rot - Weih Frankfurt a. W. 1 1 Bezirk Bayern. F. E. Fürth — Schwaben Augsburg 1:3 1. F. C. Bayreuth - V.f.R. Fürth 1:2 Württemberg-Baden. Freiburger FC. Sportfreunde Stuttgart 5:3. V. f. B. Stuttgart-D. f. R. Heilbronn 3:2. SE. Stuttgart—SC. Freiburg 1:2. Phönix Karlsruhe—Stuttgarier Kickers 2:1. Karlsruher F. V.—Hnion Bockingen 2:0. Rheinbezirk. F. V. Speyer-Pirmasens 0:0. 03 Ludwigshafen—Sandhofen 4:1. SV. Darmstadt—Phönix Mannheim 4:1. V. s. R. Mannheim—Waldhof 5:3. V. f. L Reckarau—Phönix Ludwigshafen 1:2. Rheinhessen-Saar. Hassia Dingen—I. F. C. 3dar 3:1. Wormatia Worms—Saar 05 Saarbrücken 4:2. Eintracht Trier —Borussia Reunkirchen 0:4. F.D. Saarbrücken—F. S. V. 05 Mainz 1:1. Berlin. Die gestrigen Berliner Futzballnieifterschasts. spiele brachten recht interessanle Resullare. Hertha B. S. C. verlor durch ein 1:1 gegen Vorwärts einen Punkt, fo datz Tennis-Borussia nach dem 1:0- Sieg über Preußen nur noch einen Punkt zurück liegt. — In der Abt. B konnten nur die Kickers durch den 2^)-Sieg über S. C. Charlottenbura ihre führende Tabellenstellung behaupten, während Union Oberschöneweide mit 1:2 gegen Polizei S. V., Rorden-Nordwesi mit 0:1 gegen Union Potsdam, Viktoria 89 mit 1:5 gegen Spandauer S. V. verloren. Ium Fall Opel. • Die Oberste Rationale Sporitommission für Den Automobilsport in Deutschland teilt über den Fall Opel, der noch immer nicht b2igelegt ift, folgendes mit: „Eine Spottiorrespondenz verbreitet, angtb- lich auf Grund einer Mitteilung ihres Frankfurter Korrespondenten, Di? Rachrichl, hab die Bestrafung der Firma Opel von der O. R S. bereite aufgehoben fei. Diese Angabe trifft nicht zu Die Aufhebung der Suspendierung Der Firma Opel ist vielmehr von der Veröffentlichainz einer Erklärung durch die Firma Opel abhängig gemach« worden, deren Wortlaut Die Firma Opel angenommen hat. Diefe Veröffentlichung ist im Augenblick noch nicht erschienen, so dab daher die Suspendierung der Firma Opel d or- läus ig noch besteht. Entgegen Der Mitteilung Der Korref^virdenz, in Dec von gegenseitigen Zugeständ- n i s s e n Die Rede ist, muh festgestellt werden, datz allein die Firma Opel sich durch verschiedene Erilärungen gebunden hat." Don der Verjährung. Das Bürgerliche Recht kennt den Erwerb von Rechten durch Ersitzung und den Verlust von Rechten durch Zeit, Die sog. erlöschende Verjährung. Diese ist die durch einen bestimmten Z e i t a b l a u f begrün- Dete Hnmöglichkeit, einen Anspruch zu erzwingen, wenn sich Der SchulDner auf die Ver- 1 ährung beruft. Rach § 225 des Bürgerlichen Gesetzbuchs kann Die Verjährung Durch ein Rechtsgeschäft (Vertrag) weder ausgeschlossen noch erschwert werden. Beim Kauf- und Werkvertrag ist die vertragsmätzigc Festsetzung einer längeren Verjährungsfrist zulässig, kommt aber in Der Praxis wohl kaum vor. 3st Die Verjährung, Die im Prozesse ein- reDeweise geltend gemacht wird, begrüntet, so mutz Das Gericht Die Klage kurzerhand ab- weisen und der Kläger mutz Die Kosten tragen. Es wirk) Die Geltendmachung der Verjährung nicht immer als ein lauteres Kampfmittel im Rechtsstreite angesehen. Wer in Dem Bewußtsein, Datz er Die Forderung seines Arztes oder des Handwerkers noch nicht bezahlt hat, Verjährung vorschützt, tut Hnrecht. Daran ist nicht zu rütteln. Aber Rechtsansprüche können auch nicht „ctoi^“ Dauern. Aus Gründen Der Rechtssicherheit müssen sie einmal ein Ende haben. Sonst wäre niemand nach langen 3ahren, wenn alle Beweismittel — für oder wider — verloren gegangen sind, vor einer Klage geschützt. Der Verkehr erfordert Rechtssicherheiten Dieser Rechtssicherheit Dient auch die Verjährung. 3hr bloßes Bestehen zwingt jeben Gläubiger, zur rechten Zeit mit seinem Schuldner reinen Tisch zu machen, will er sich nicht der Gefahr fchwerer wirtschaftlicher Verluste ausfetzen. Ausdrücklich sei auch an dieser Stelle wieder daraus hingewiesen, daß durch daS Zusenden von Rechnungen oder Mahnschreiben eine laufende Verjährung nicht unterbrochen wird. Rur Zustellung eines Zahlungsbefehls oder der Klage vor Frist- ab la uf schützen Den Gläubiger! Di e Voc- schristen über Die Verjährung sind in Den Paragraphen 194 ff. Des Bürgerlichen Gesetzbuchs enthalten. Es kann nicht Die Aufgabe einer Zeitung fein, einen umfangreichen Gesetzestcxt abzuDrucken. 3eDer lefr Das Gesetz selbst nach unD prüfe alsdann Den eigenen Fall. 3n § 194 Des Bürgerlichen Gesetzbuchs, Absatz 1, heißt es mit klaren Worten. „Das Recht, von einem andern ein Tun ober ein Hntet» lassen zu verlangen, unterliegt der Verjährung". Unter „Tun" ober „Hnterlaffen" ist hier eine Leistung im Sinne bes § 241 BGB. zu verstehen. Diese Leistung braucht nicht immer einen in Geld bestimmbaren Vermögenswert zu haben. 3m einzelnen sei hier folgendes hervorgehoben: In der Puppenkttnik. 3n diesen Wochen Der schlechten Witterung sinD nicht nur Die Kranienhäuser überfüllt, sondern auch in Den Hospitälern ganz anderer Art gibt es sehr viel zu tun. Für Die Chirurgen und Spezialisten bet Puppenkliniken ist jetzt die härteste Arbeitszeit herangekommen, Denn die Kinder wünschen ja nichts fo sehnlich, als Datz Die Weihnachten ihre kranken, verwahrlosten und verftümmelteii Lieblinge wieder vollkommen hergestellt sind. Es ist ein Zeichen Der inneren Anteilnahme Des Kindes an seinem Spielzeug, Dah viele kleine Mädchen sich von der alten liebgc- wonnenen Puppe nicht Lennen wollen und dieses ihnen ans Herz gewachsene „Kind" dec schönsten neuen Puppe vorziehen. Aber sreilich „ein bißchen kuriert werden" mutz DaS Baby, damit Dem Mütterchen beim Anblick fo vielen IammerS nicht Das Herz bricht, und fo wird denn ganz im geheimen von der groben Mama der Puppendoktor zu Rate gejogen. Die kleinen Mütter sind nicht etwa ein anspruchsloses Publikum, sie haben sehr scharfe Augen und sind sehr tri« tisch, und wenn etwa die Puppe Lissy anstatt ihres wunderschönen blonden Haarschopses mit einer braunen Perücke zurücktäme, wenn Die Bäckchen nicht mehr in fo schönem Rot erglänzen und Der ausgerissene Arm sich nicht wieder bewegen könnte, Dann wäre Die Puppenmama furchtbar enttäuscht. Deshalb mutz man in Der Puppenklinik hohe Ansprüche befriedigen, und Die Wiederherstellung der vielen „Patenten" ist durchaus feine leichte Aufgabe. „Manchmal kostet Die Behandlung einer Puppe sehr viel mehr, als eine neue Puppe kosten würde", erzählte uns die „Direltorin" eines solchen segensceuHen 3nsti- tute in einer kurzen Arbeitspause, die sie sich in dieser drängenden Zeit vor Weihnachten ab- stahl. „GS gibt wahre Puppentunstwerke, Die sich seit langem in Familien erhalten haben und so etwas wie 'ein guter Schuhgcist Des Hauses ge- worDen sind. Schon Die Grohmama hat mit der Puppe gespielt: der Mama sind die schönsten Kindheitserinnerungen mit ihr verknüpst, und auch Das Töchterchen mag von keinem anderen Lieblingsbabv wissen. Mit wieviel Zärtlichkeit wird einem Dann daS Schicksal eines solchen „Talismans" anempfohlen, wenn ein Auge fehlt oder Die Haare Durch den Sturm der Zeiten fortgeweht sind, wenn ein paar Finger oder gar ein ganzes Bein fehlen!" Der Puppendoktor mutz in seinem Fach ein Künstler sein, wenn er bc- friebigenbe Arbeit leisten will. Leim, Drccht- stückhen und Gummi von bestimmter Act sind seine hauptsächlichsten Hilfsmittel. (Beim Ersetzen oder Einrenken eines sehteiiden o^er beschädigten Gliebes ist Die größte Sorgfalt Darauf zu verwenden, datz das neue Glied in-Größe und Farbe auch vollständig zum ganzen Körper paßt: selbst das Gewicht spielt Dabei eine Rolle, und der neue Arni Darf nicht schwerer fein als der alte, weil sonst die Puppe nicht ordentlich stehen konnte. Die Besestiguna mutz so erfolgen, datz alle Gelenke sich teicht bewegen Das Wichtigste ist natürlich der Stopf Der Puppe, und wenn er locker ist, dann sitzen auch Die Haare und Beine nicht ordentlich. 3st Rase und Mund beschädigt, dann lomnit cti vor allem daraus an, beim (Sc- neue cn Dem Gesicht denselben Ausdruck zu erhalten. Den cs vorher besaß, Denn Die kleine Mutter würde entsetzt lein, wenn sie ihr Püpv- chen nicht in derselben Weise wie sonst anschauen und anlächeln könnte. Sie schwerste Ausgabe aber ist das richtige Einsetzen der Augen: zunächst einmal bedars die Auswahl langen und sorgfältigen Suchens. Puppenaugen werden in großen Massen und in Den verschiedenartigsten Ausführungen oesonders im Schwarzwald hergestellt. foo herumziehcmDe Vermittler den Famftien Das nötige Material ins Haus bringen unD Dann die fertige Ware ihnen abnehmen. i te| s A E zett,? " Zinsru Aenten sinter st unS 3. 3n 2 spruche werter mit c Sen«. Selve , ners öcr Lc- ferunj Dir ge11; Herren । tiiitsüfi! 2Wr doW Sic voM V.niV*« A-s'-" der Gläubiger schriftliche gen mit dem der 'Darensoi Ärwirlm er eti beten ober nu erfolgen) ode vorgehen, M Aechisanwail. Der du sährung s «ragt selb DerZr Roma 14 Sortierung .--Sie habe, ineinte (fff. ö bedauerlicherweife im. letzten 3ahre von einer nichthefstschen Stadtverwaltung erfolgte und wobei es zu mehrfachen Llnzuträglich- keitcn kam. befchioh man, bei dem Jugendamt Schotten Antrag auf Errichtung eines Weid- Hirten-Ausschufses zu stellen, Dessen Leitung im Falle der erhofften Annahme de- Antrags von Seilen des Jugendamtes Pfarrer Fritsch- Herchenhain übernehmen soll. Zum Schluß wurde noch über die Frage Der Behebung Der Wohnungsnot gesprochen unD dabei auf die von Den großen sozialen Organisationen und Verbänden Der Evang. Kirche getrogene „Deutsche evangel. Heunstätten-Gesell'chaft" hingewiesen, Deren Grundsätze und Leistungen zum Gegenstand von Besprechungen aus Den Dekanats-Konferenzen gemacht werden sollen. Ridda, 12. Dez 3m Vorherbst, wo im allgemeinen Der Güterverkehr abgeschwächt ist, stellte Die Reichsbahn auf Der Strecke 21 i D D a - Schotten Ermittlungen an, Die dahin zielten. Das einzige Güterzugspuar ausfallen zu lassen und Dafür wieder gemischte Züge zur Einführung zu bringen. Dem energischen Eintreten Dec Industrie- und Handelskammer ist es zu verdanken. daß die geplante Maßnahme unterblieb und die für die 15 Kilometer linqe Bahnstrecke reich! ch lange Fahrzeit von 60 Minuten nicht noch stark verlängert wurde. Inzwischen ist auf Der ganzen Strecke eine Zunahme Des Güterverkehr- zu beobachten. Die in Der Hauptsache auf Den vermehrten Transport von Bafaltsteinen, Holz. Kohlen und Baumaterialien zurückzuführen ist. Das VerlaDegleis Des Bahnhofs in EichelsDorf, Der übertoiegenD auf Den Abtransport von Basallsteinen eingestellt ist. erweist sich als zu kurz, so Daß in Balde mit einer Erweiterung Der B a h n h o s s an la g en gerechnet werden muh. Streik Schotten. _ Schotten. 10. Dez. Heute fand in Der Turnhalle eine WochenenDtagung Des Heimatdienstes statt. Die in der Hauptsache von Der Kreislehrerschast besucht war und saft den ganzen Tag auSsüllte. Die Tagung wurde begrüßt und eröffnet Durch Den Krrisdirektor. Geheimrat Böckmann. Er würdigte im besonderen Die Ziele Der Zentrale, Die ihr Leiter für Hessen, Dr. Eteuber, noch weiter unterstrich. Pros. Dr. Raab sprach am Vormittag über „Gegenwartsaufgaben der Deutschen Volkswirtschaft", über die er bereits auf Der WochenenDtagung in Gießen» gesprochen hat. Am Rachmittag referierte alS erster Redner Studienrat Stremmer-Kassel über „Die großen Mächte im Wandel Der Rachkriegszei t". Der Dritte Redner, Dr. Korber, sprach über „Werden und Wesen des Reiches". Sämtliche Vorträge standen auf beachtlicher Höhe. Es ist das Verdienst des Schulrats Kinkel, diese Tagung hier veranlaßt zu haben. Kreis Alsscld. M Alsfeld, 11. Dez. Gestern wurde hier ein Verkehrs- und Vers chönerungs- verein gegründet. Auf Einladung von Bürgermeister Dr. V ö l s i n g hatte sich im kleinen Saale des „Deutschen Hauses" eine aus allen Berufsständen zusammengesetzte interessierte Versammlung zwecks Gründung des Vereins ein- gefunden. Bürgernreister Dr. V ö l s i n g wies in feiner einleitenden Ansprache auf Die Rotwendig- feit der Gründung eines derartigen Vereins auch für die Stadt Alsfeld hin. Die Förderung ihrer Verkehrsinteressen komme, direkt oder- indirekt, einem jeden ihrer Bürger zugute. Zur Erreichung eines solchen Zieles müßten alle mithelfen. Die Anwesenden sprachen sich sämtlich f ü r die Gründung des Vereins aus. Man schritt alsdann zur Beratung des vorgelegten Satzungsentwurfs, der mit geringen Änderungen angenommen wurde. Darnach sind die Organe Des Vereins: Der Vor- ftanD unD Die MitglieDerverfamrnlung. Der Vorstand besteht aus 16 Personen, wovon Der erste und zweite Vorsitzende, Der Schriftführer unD Der Rechner Den geschäft-führenden Vorstand Dillen. Don Den 12 Beisitzern lind Drei vpn Dem StaDtrorftanD zu Alsfeld zu wähle.,. Die Dor- standswahl ergab: 1. Vorsitzender: Forstrat Schaefer, 2. Vorsitzender. Regierungsrat Strack: Schriftführern Lehrer Dotter: Rechner: Oberstadtfekretär Seipp el. Die von Dor Mitgliederversammlung weiter gewählten neun Beisitzer setzen sich aus allen Berufdfreifen Der Stadt jufanunen. Innerhalb des Vorstandes soll ein Werbe-. Verkehr-- unD Dc r- fchönerungsaus schuß gebildet werden, Der Die einzelnen Arbeitsgebiete zu erledigen hat. Bürgermeister Dr. Dölf in g sprach die Hoffnung aus. daß Der neugegründete Verein feine segne reiche Tätigkeit zum Dort eile der Siadt AlSfcld alSbaid beginnen möge Namens der ‘Btrfammlung sprach Kommerzienrat Ramspeck dem Bürgermeister den Dank auS für seine Bemübungc.1 unD Die geleisteten Vorarbeiten für das Zustandekommen Dos Vereins. mu. Alsfeld, 11. Dez. 3n Fachkreis«» ist das Lichtbild längst als treffliches Lehrmittel anerkannt. Leider findet c» In Der Bevölkerung nicht die verdiente Würdigung unv Unterstützung: teils aus Unkemttni- oder geringem Interesse, teil- infolge Der schlechten wirtschaftlichen Lage Viele Schulen Des Äret- fes AlsfelD find bereit- mit LichtbilDwerfern sowie mit mehr oder weniger LlchtbilDern ver> sehen. Mancherlei Umstände wirkten seither zu- lamnien, daß trotzdem das Lichtbild nicht zu ber ihm gebührenden Stellung im Unterricht gelangte. Um die Frage zu prüfen, wie Die Verwendung Des LichtbllDes als Lehrmittel wirfsanr in Die Praxis umgesetzt werden könne, tagten Dieser Tage in Rieder -"G emünden und AlS seid unter Dein Vorsitz von Kreisfchulrat Huss- Alsfeld freiwillige Lehrerversanunlungen. Lehrer I m m e I • Homberg legte in längerem Vortrag Die außerordentlich vielseitige Verwend DungsMöglichkeit Des Lichtbildes im Unterricht auf Grund feiner eigenen Erfahrungen Dar. Lehrer Dönges- Merlau verbreitete sich über Organifationsfragen und Lehrer Schmoll- ElpenroD. ein grünDllcher Kenner aller Licht- billxingelegenhe'tten, über Die verschiedenen Bildwerferurten. Rach den Vorschlägen von Lehrer Dönges wurde Die Gründung einer L t ch t b i I D* gemeinschas t s ü r Den Kreis Alsfeld beschlossen. Dami wurde ein A'u sschuh unter Leitung von Kre'.sschulrät Huff damit beackf- tragt. Die notwendigen Schritte für gedeihliche' Fortentwicklung der Sache: Beschaffung von GelDmitteln, Einleilüng dos Kreises in mehrere; Bildstellen, Herstellung von Bildern aus Den engsten Heimat u a. m. unverzüglich In Die Wege zu leiten. Gerade der heimatkunsdlüche Charakter des Lichtbildes wurde besonders betont. Es soll den Heimatgedanken fördern, üatur- schutz pflegen und bleibende Urkunde werden für olles DaS. was sonst unverdientermaßen gar zu oft und leicht Der Vergessenheit anheimfällt. Cs werDen Deshalb alle, Die irgenD Dazu in "Der Lage sind, gebeten, die Sammlung solcher heimatlicher Lichtbilder Durch Herstellung unD Her- gabe entsprechender Ausnahmen zu fördern. 00 Kirtorf, 11. Dez. Im Lause Diefer Woche icurbc Die hiesige Spar- und Darlehns- k a s s e c. G. m. b. H„ als Nachfolgerin der allen Spar- uni) Ereditkasse für Kirtorf und Umgegend, einem alten und frequentierten Geldinstitut, unerwartet durch einen Revisor des Landwirtschaftlichen Genossenfchaftsoerbandes in Darmstadt revidiert. Dabei sind U n st i m in i g k e i t e n durch Gewährung von Darlehen in Höhe von etwa 6 0 0 0 Mark ohne genügende Sicherheit feftgefkUt worden, Die den Revisor veranlaßt haben. Den Rendanten außer Dienst zu stellen, zumal dieser seit einiger Zeit mit seinen Dienstobliegenheiten rm Rückstände blieb. Eine einaeheube Prüfung der Gc- schäftssührung wird in diesen Tagen ftattfmbcn. Starkenburg. * Darmstadt, 12. Dez. Gestern wurde unter zahlreicher Beteiligung aller Kreise ber Bevölkerung DaS 2 Sjährige Amtsjubiläum deS Oberbürgermeisters Dr. Glässing mit einem akademischen Festakt im Städtischen Saalbau begangen. Im Dezember vor 25 Jahren war Dr. Glässing, der vorher Amtsrichter in Offen- bad) war, in den Dienst der städtischen Derwal- lung in Darmstadt getreten. Am Freitagabend brachten bem Jubilar Die Freiwillige unD die Derufsfeuerwehr einen Fackelzug Dar. Der Frier am Samstag wohnten StaatspräsiDent Ulrich, Finanzminister Henrich, Prälat I). Dr. Diehl. Dekan Kastell uitD viele Vertreter von Bebör- Den bei. Nachdem Das StäDtische Orchester einen Mufikvortrag geboten hatte, folgten zahlreiche Glückwunschanspradzen, in Denen Die großen Verdienste des Oberbürgermeisters um Die Stadt hervorgehoben wurden. StadtverordneterLeu s ch. Der Patrouillensergeant, den Elk aus dem Mor- genschlaf weckte, bestätigte die Aussage. Das Resultat der Nachforschung in Kingsbridge war das gleiche. Elk ließ das Auto nach Horsham zurück- sahren. ,Lch cntjchuldige mich nicht bei Ihnen, Herr Bennett", sagte er. „Sie kennen meine Arbeit genug, um meine Stellung zu würdigen." „Ich beklage mich nicht", sagte Bennett mürrisch. ..Pflicht ist Pflicht. Aber ich habe doch das Recht zu erfahren, warum Sie von allen Menschen in der Wett gerade mich .'döchtigen ?" Elk klopfte an das Fenster des Autos, und es blieb stehen. „Gehen wir die Straße weiter", sagte er. „Ich kann so besser reden." Sie stiegen aus und gingen eine Weile ohne zu sprechen. „Bennett, Sie stehen aus zwei Gründen unter Verdacht. Sie sind ein geheimnisvoller Mann, denn niemand weiß, wieso Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen? Sie haben kein eigenes Einkommen. Sie haben keine Beschäftigung, und in ungleichen Zwi- fdjenräiimen verschwinden Sie vom Hause und niemand weiß, wohin Sie gehen. Wären Sie cm jüngerer Mann, so würde ich Sie verdächtigen, daß Sie ein Doppelleben irn gewöhnlichen Sinne führen. Aber Sie sind nicht von dieser Art. Das ist der oer- dächtige Umstand Nummer eins. Nummer zwei ist folgendes: Sooft Sie verschwinden, geschieht irgendwo ein großer Einbruch, und ich bin der Meinung, daß es Froscheinbrüche sind. Ich ibill Ihnen meine Theorie klarlegen. Die Frösche sind doch gewöhnlich letzte Klasse. Es ist nicht genug Hirn in der ganzen Bande, um eine mittelgroße Nuß anzufüllen. Aber ich garantiere Ihnen, höher oben sitzen dir Gescheiten. Dazu gehören aber nicht die regulären Kerle, die von Derbrechen leben. Solche Jungens haben keine Zeit für so etwas. Sie machen den Plan und führen ihn aus ober sic werden erwischt. Wenn sie eine Beute machen, so teilen sie sie. Und fitzen dann in Cafss mit Mädels herum, bis alles zerronnen ist und sie wieder von neuem anfangen müssen. Aber die Frösche unterhalten sicher gern ein paar gute Leute, die außerhalb der Organisaiion stehen und Extradienste leisten." „Und Sie meinen, ich wäre einer von diesen guten Leuten?" fragte Bennett. „Genau das habe id) gemeint. Der Einbruch im •'laufe des Lord Farmley ist von einem Experten ausgeführt worden. — Er sieht ganz nach Saul Morris aus." • Elks scharfe Augen durchforschten Bennetts Ge- sicht, aber kein Zucken verriet dessen Oiedanken. „Ich erinnere mich an Saul Morris", sagte Bennett langsam. ,3d) habe ihn nie gesehen, aber ich habe von ihm gehört. Hat er mir ähnlich gesehen?^ Elk schürzte die Lippen und sein Kinn sank auf die Brust herab. „Wenn Sie überhaupt etwas über Saul Morris wissen," sagte er langsam, „so wissen Sie auch, daß er niemals der Polizei in die Hände geraten ist, daß ihn niemals jemand gesehen hat, außer seiner eigenen Bande und ihn also niemand je wiedererkennen kann." Es herrschte ein langes Schweigen. Auf ihrem Wege zum Auto sprach Bennett wieder. ..Ich trage Ihnen nichts nach, meine Handlungsweise ist verdächtig. Aber ich habe guten Grund dafür. Was die Einbrüche betrifft, so weiß ich nichts Darüber. Das würde ich zwar auf jeden Fall sagen, ob ich es nun wüßte oder nicht. Ich bitte Sie nur, meiner Tochter gegenüber von dieser Angelegenheit zu schweigen, weil---nun, cie brauchen doch wohl nicbt zu fragen, weshalb?" Ella stand an der Önrtentüre, als das Auto her- ankam und bei Elks Anblick schwand das Lächeln von ihrem Gesicht. Elk fühlte instinktiv, daß der Gedanke an ihren Bruder und die Schwierigkeiten, in die jener geraten sein mochte, den Grund ihrer Befürchtungen bildeten. _ -Herr Elk ist herübergekornrnen um ein paar >zragen wegen des Ueberfalls auf Herrn (Borbon 3U stellen", sagte ihr Later kurz. Elk dachte, daß er -in armseliger, unüberzeugender Lügner jet, was fönst er auch immer fein mochte. So wie sie allein waren, fragte Ella ihn: ,3ft etwas nicht in Ordnung, Herr Elk?" „Nicht im geringsten, Fräulein. Ich bin nur hierher gekommen, um mein Gedächtnis auszufrischen, bas nie ein sehr gutes war, befonbers was Jahreszahlen anbelangt. Das einzige Datum, bas ich wirklich behalten habe, ist das von Christi Geburt. Ist Ihr Sruber wieder in der Stabt?" ..Er ist gestern abend zurückgefahren," sagte sie und fügte fast trotzig hinzu, „er ist jetzt wirklich in einer sehr guten Stellung. Herr Elk." (Fortsetzung folgt.) ner überreichte dem Jubilar eine von den ötabt* verordneten gefristete goldene Am tskette, die eine Schöpfung des Professors Ernst Rie- z e l ist, der früher der Darmstädter Künstler-- kolonie angehörte. Oberbürgermeister Dr G l ä I « sing dankte für die Auszeichnung: daran schlossen sich wieder Ansprachen von Vertretern verschiedener Korporationen. Zum Schluß sprach der Zubilar nochmals in einer Rede seinen Dank aus. ÄLN. Darmstadt, 12. Dez. Nach fast zweijähriger Arbeitslosigkeit hat ein hiesiger 3 3 jä' hriger Arbeiter in der Verzweiflung Selb st mord durch Erhängen begangen. ‘ WSN. Groh-Gerau, 11. Dez. In der Nähe der Biedesheimer Zuckerfabrik st ü r z : e ein Motorradfahrer, der einem Fuhrwerk aus- weichen wollte, und in den von ihm nicht beobachteten Anhängewagen hineinfuhr. Das Nad überschlug sich mehrere Male lind fuhr schlieh- lich gegen einen Tchrotrhaufen. Der Fahrer kam mit (eichten Verlegungen davon. Preußen. Sticie Wetzlar. Krofdorf. 11. Lez. Dieser Tage fand auf Veranlassung der Oberförsterei Krofi d o r f in Gegenwart zahlreicher Forstleute und Betriebsbeamten im Krvfdorfer Gern e i n d e w a l d die Vorführung zweier Bodenbearbeitungsgeräte. nämlich der sog. Rollegge und des Waldpfluges, statt. Beide Geräte dienen der Auflockerung des Bodens. Es stellte sich bei den Versuchen heraus, dah beide Geräte für den Zweck tauglich sind, dah jedoch dem Waldpflug aus verschiedenen Gründen lu. a. niedrigerer Kaufpreis) der Vorzug zu geben ist. 3m Anschluß an diese Vorführungen machte Förster Möller- Krofdorf noch mit einer selbst- fonftruierten Mehkluppe bekannt, die gegenüber den bisher gebräuchlichen Kluppen wesentlich« Vorteile aufweist. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 12. Dez. Zum zweitenmal ist hier die trockene schaf räude ausgebro- chen, obwohl die Herde im letzten Sommer von auswärts vollständig erneuert wurde. Da die Schafe hier noch in keinen Stall gekommen sind, nimmt man an, daß sich die Krankheit durch die Hürde übertragen yat. Man versucht, durch Waschung der Schafe mit Creolin der Seuche Herr zu werden. Krcie Ufingen. Brandoberndors, 11. Dez. Gin Landwirt aus dem Rachbarorte Kraftsolms schlachtete dieser Tage einen Eber, dec lebend 6 8 0 Pfund wog. —Cleeberg, 11. Dez. Unsere Gemeinde beabsichtigt, in nächster Zeit eine Erneuerung der elektrischen Leitung vorzunehmen. Man will die im Jahre 1920 verwendete Aluminium- und Eisendraht-Zuleitung durch Kupferdrähte ersetzen. Man hofft, dadurch die jetzigen Ueberstände (Stromverlust, zuckendes Licht) zu beseitigen. Maingau. WSR. F r a n k f u r t a. M.. 11. Dez. Da die Röntgenabteilung der Chirurgischen Klinik des Städtischen Krankenhauses räumlich stark beengt ist und nicht mehr voll den modernen Anforderungen genügt, ist eine Erweiterung des Instituts in Sonn der Errichtung eines selbständigen Instituts für Röntgen- Therapie und Lichtbehandlung beabsichtigt. Die Kosten belaufen sich auf rund 400 000 Mark. Die Allgemeine Ortskrankenkasse hat sich zu einem Baukostenzuschuh in Höhe von 150 000 Mk. bereiterklärt, da sie dadurch der Notwendigkeit enthoben wird, ein gleiches Institut zu errichten. Die vertraglichen Abmachungen sehen vor, dah das Institut bis zum 1. Juli 1928 erstellt ist. Wie die Städtische Nachrichtenstelle mitteilt, hat sich der Magistrat bereits mit dem Plane einverstanden erklärt. Wirtschaft. ' Die Berliner Börse am Heiligabend. Am Freitag, 24. Dezember, findet die Versammlung der Berliner Wertpapierbörse in der Zeit von 11 bis 1 älhr statt. Die für die regelmähige Kurstfeststellung sonst gültigen Zeitbestimmungen werden an diesem Tage um je eine Stunde vorverlegt. Die 'Dörsenräume werden bereits um 10'/° älhr geöffnet. * Wirtschaftliche Dereinigu ng deutscher Gaswerke 21. (S. Unter dem Vorsitz von Generaldirektor Dr. Prenger von der Wirtschaftlichen Bereinigung deutscher Gaswerke fand am Samstag eine Aussprache zwischen einer Gruppe mahgebender Leiter der größten deutschen Gaswerke und den Vertretern des Bergbaues, Generaldirektor Dr. Voegler und Generaldirektor Dr. Pott- Essen, in Berlin statt. Es konnte festgestellt werden, dah Einstimmigkeit darüber bestand, die Idee der Gasfernversorgung zu verfolgen. Rach eingehender Aussprache ist eine gemeinsame Ar- beitskommissivn eingesetzt worden, um umgehend die technischen i-nd wirtschaftlichen Fragen für die Durchführu/.g der Gasfernversorgung zu prüfen. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 13. Dez. Tendenz: Still und uneinheitlich. — An der heutigen Börse tonnte die Einigung in Gens weder die Kulisse, noch das Publikum zu irgendeiner regeren Geschäftstätigkeit veranlassen, vielmehr war es an den Effekten - und Rentenmärk- t e n äuherst st i Ich Verstimmend wirkte sich die am Samstag erfolgte weitere Erhöhung des Privatdiskontsahes aus, so dah in der Hauptsache weitere LLschwächungen der Kurse zu verzeichnen waren. 2lllerdings lag das heutige Niveau über den letzten flauen Notierungen. 3. G. Farben setzten unverändert mit 308,75 ein. Rheinstahl bühten dagegen weitere 1,75 Prozent ein. Kaliaktien lagen widerstandsfähig. Westeregeln plus 1.5 Prozent. Bon Montanaktien waren Mansfelder stärker gedrückt, minus 4.75 Proz. die Werte der Rhein-Elbe-Union gaben bis 1.5 Proz. nach. Bon Dankatten waren Darmstädter, Deutsche und Commerz bis 1 Prozent niedriger, dagegen Dresdner plus 0,5 und Disconto plus 1 Proz. Die Werte des Metall- bankkonzerns setzten ihre 2lbwärtsbewegung fort und zwar um 0,5 bis 1,5 Prvz. Gut gefeiten waren Holzverkohlung plus 0,25 Prozent. iSlcttroaftien äuherst still. Siemens minus 25 Proz. Petroleumaktien stark gedrückt. Rütgerswerke minus 2 Proz.. Deutsche Erdöl M. Devisenmarkt Berlin—Ärankfurk a. Bantnoten. Ische Auszahlung. minus 3 Proz. Don Motorenwerken waren Daimler weiter abgeschwächt, dagegen konnten sich Kleyer auf die Veröffentlichung des Prospektes hin behaupten. Zellstoff-Aktien un- veränderr. Bauaktien uneinheitlich. Holrmann und Dyckerhoff je minus 1 Proz., dagegen Wahh & Frehtag plus 0.25 Proz. Zemenl Heidelberg plus 05 Proz. Von Schisfahrtsaktien konnten sich Nordd Lloyd infolge besserer Nachfrage um ein Prozent befestigen, dagegen Hapag mmuS 1 25 Prozent. Der Freiverkehr blieb fast geschäftslos. Ufa 33,5 Prozent. Am heimischen Rentenmarkte gingen Vorkriegs- Pfandbriefe bei kleinen Umsätzen um 5 bis 10 Pfennig zurück. Kriegsanleihen stellten sich auf 0.720, Ablösungsanleihe 324. Reichsbahn-Vorzüge 102 50, Schutzgebiet 14.7. Ausländische Renten nicht wesentlich verändert. Anatolier l 30.50. Am Geldmarkt war Tagesgeld wieder zu 5 bis 5,50 Prozent angeboten: dagegen Monatsgeld nach wie vor gesucht bei 6,75 bis 8,75 Prozent. Bankakzepte 4,63 Prozent, Warenwechsel 5,25 Prozent. 3m Devisenverkehr lag Mailand sehr fest mit 105.- gegen London. Varis gut befestigt auf 121,25 gegen das Vfund. London-Kabel unverändert 4,8490. Die Reichsmark stellte sich gegen London auf 20,3860. Börten tuM. Berliner Börse. Berlin, 13. Dez. Nach den lehteii scharfen Kursrückgängen kam es heute zu leichten Del- kungskäufen, die dem Markte eine freundliche Grund st immung gaben. Es zeigte sich wieder, daß die Aktienmärkte die Vorstöße der Daisse-Spelulation immer wieder aufzufangen in der Lage sind. Die Anregung ging von den Deckungskäufen aus, ferner von der Entspannung der außenpolififchen Lage und den günstigen Frankfurt a.M. Berlin SdiluG. ’ t-Uhc. Schluh» Anfang Kurs flrre Wirr» Nur--. Datum: II. 12. 13. 12. 11. 12. 13. 12 f.% Deutsche Ncichsanleihe . 4% Deutsch« yieidj'-ankipe . 0.7225 •1,7182 0.725 0.7175 (1.05 - 0.675 0.675 B'/a% Deutsche RcichSanlelhe U.ti.', 0.67 u.67 , Deutsche NeichSanleihr . IJ.73 0.78 0,78 Deutsche Svarpminicuanlcihe 4°/0 Preußische KonsolS . . . 4°'c Hessen......... 0.42.5 0,415 —— 0.03 — 0.6S 0.66 3,/«°/n jicfTen.......... 0 64 — 3°V .sesseii.......... 0,66 99.5 _ Teut'sche LSertb. Dollar-Slnl. — — _ dto. Toll.-Tchav-Anwetsng. . — — — — 4% HoHtürkn......... 1 1 * 1 15,26 42,5 15.5 _ '5- * üinlhmpriffinfT ..... 43.4 _ Berliner Handelsgesellschaft. — — 256.75 257 Commerz- und Pnvat-Bank Darmst. und Nationalbank . 191 190 190.5 189,75 245 246,5 245.5 244,5 Deutsche Bank......... 175.5 174.5 176 174.5 Diskonto Commandit .... 165 166 165.5 165 t ...... I 155.5 155 154.75 'Netatkdank........... 167 166 168.5 165.5 Mitteldeutsche Creditbank. • Ocsterreichische Lreditanstalr 141 141,5 142.75 7 i 7 .*25 7.5 7,4 S)?c. 156,75 167 156 (Vih5 ........ 164.5 163 164 BuderuS... ........ 103,25 103 102,5 — •w - — — ...... 161 164 163.25 161 (Selsenkirchener Bergwerke. . 165.5 165 166.4 164 Vtcrnhou ...... 177 177 17< 176,25 Kaliwerke Aschersleben.... 13» 137,25 — Kaliwerk Westeregeln..... 144 114.5 146 — Laura Hütte......... • . Sarden-Industrie. . . :.C9 308,75 108.75 106,25 :Hiilgct6tocrTc......... ]'/ 125 126 125,5 Scheideaustalt......... 165,5 164,75 — — Allg. ElektrstitätS-Gesellschast 154 153,5 153,13 153.25 rrrmnnii ........ H’i - 149,9 143,5 (53,26 (Ffrftr. PipfrntnQfn ...... 146 1171 h .ttrnft ... . . ■ • ■ 149,75 112 154 151 151 'Wnintra linierte ........ - Schlickert............ 152.5 152.75 152,5 186 Siemens k Halske ...... 188,5 186 187.5 'ilhl* rtnrrh* .Vlfhet . ..... 96 95,13 78 97,75 76.5 Daimler Motoren. . ..... 76 Whliflenftm'M ......... 38 50 - Mcguin............. 51 -- Mannheimer Motoren .... — — 35,5 frankfurter Armaturen . . . 16 — — — .«onfccDcnfcbril Braun . . 55 — Mctallgesell'chast Frankfurt. 168 5 167 — Bet. Union A.-G........ (^rf)tihfahrif Her; . . ..... 117 -- 116 — 58 — 61 —• _ _ Zellstoff Aschaffenburg.... 142 5 iiT — - ZcNstoif Wakdhof....... 215.25 216 217 215 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 100 125 99,9 125 99,13 124,9 — 11. Dezbr. 13. De;br. Amtliche Held toti^rung Brief Amtliche Dotierung <^cld Bries Ämst'Noii Bucn.-AircS 167,82 1,714 168,24 1.718 167,77 1,715 168,1» 1.719 Brsi.'Antw 58,415 58,515 58,35 58,49 Ehristiania. 105,79 106,05 105,94 166,20 Kopenhagen 111,84 112,12 111,86 112,01 Stockholm 112.1.3 112,41 112,12 112,40 Helsingfors 19,559 10,599 10,535 10,595 Italien. . 19,10 19,11 19,30 19.34 London. .0,359 20,409 10,353 20,403 '/kcuyork . . 1.198 ft,62 4,208 4,196 4,206 Daris. . . 16,66 16.82 16,86 Schweiz . . ol,G9 61,29 61,065 81.265 Spanien . 63,81 ü::,97 63,81 63,97 Japan . . . 2.048 2,052 2,048 2,052 tHio de Jan 0.479 '.181 0,479 »481 Wien ln T- Oest. abgcn 59,232 59,372 59,17 59,31 Prag . ". Belgrad . 12,424 12,461 12,424 12,46-1 7.392 7,412 7,43 7.442 Budapest. =>.87 a,89 o,87 8,59 Bulgarien :,035 .1.045 3,033 3,043 Lissabon - .'1,575 21,625 21,525 .1,675 Danzig. . . 81,45 81,6j 61,45 81,65 Konstantin. 2,112 2,122 2,112 2,125 Athen. . . 5.41 5.43 5.34 5,36 Canada . 1.195 4.205 1,194 4,204 Uruguay 4.205 4.215 4.225 4.235 Cairo . 20.884 20.935 20.88» 20,941 Berlin, 11 Dezbr. Geld Bricr Amcrikanilche Noten..... 4,189 4,209 Belgische Noten ........ 58,335 58,635 Dänische Noten . . ..... 111.62 V 112,18 Englische Noten . . ..... .■0,332 20,43! Französische Noten...... 16,61 16,69 Holländische Noten..... 167,48 168,3? Italienische Noten...... 19,02 19,12 Norwegische Noten...... 105,83 106^37 Deutsch Oesten.a 1V0 Kronen 59.12 59,42 Numänische Noten...... 2,11 2,15 Lchwedischc Noten...... 111,83 112,38 Schweizer Noten....... 60.97 81,37 Cvanische Noten....... 63,67 63.99 Tschechoslowakische Noten . . 13,405 12,465 Ungarische Noten....... 5.845 5.885 Nachrichten über die Freigabe-Angelegenheit: Hiervon profitierten in erster Linie die sog. Freigabewerte. Berliner Handel, Oren» stein. Stöhr und e^chittahrtsaktien. in denen allerdings größere Baisse-Positionen bestanden. Die Kurse biekr Werte zogen um 2 bis 3 Pro;, an. 3m allgemeinen waren die Besserungen jedoch geringer und eine Anzahl von Werten gab trotz der freundlichen Grundtendenz weiter nach. Am Geldmarkt hat sich eine beruhigtere Aus- fassung durchgeseyt. Wenn auch einige Heine Firmen mit den Prolongationen Schwierigkeiten haben werden so dürfte doch größtenteils mit einem glatten Verlaufe -des Medios gerechnet werden können. 3m Devisen verkehr lagen Paris und Mailand sehr fest mit 120,90 bzw. 104,90 gegen London. Die übrigen Valuten waren kaum verändert. Frankfurter tz-etrcidebörse. Frankfurt a. M., 13. Dez. Cs wurden notiert: Weizen (Wctterauer) 29,25 bis 29,50; Roggen (inl.) 24,50: äommciyerfte (für Drau- zwecke) 23,75 bis 26,50: Hafer nd die treffenden Aussprüche und luftigen Geschichten. die von ihm berichtet werden. Er wurde von seinen Musikern geliebt und gesüchtet, und er wußte sie anzufeuern wie fein anderer. Eines Tages warf er mitten in einer Probe den Taktstock hin, und. während die Musiker erschreckt abbrachen, rief er ihnen verzweifelt zu: „Meine ojerren, Sie spielen ja wie Ehemänner und nicht wie Liebhaber." Ein andermal, bei einer Tristan- Probe, klopfte er ab und rief der Darstellerin der Isolde entrüstet zu: „Spielen Sie doch edler, würdiger. Diese I'olde ist doch eine Königstochter und keine Köchin!" Bei einer Konzertprobe, als eine Sängerin beharrlich falsch lang, wandte er lich höflich an sie und sagte: „Madame, wollen Sie nicht die Güte haben, dem Orchester Ihr a zu geben!" Als ein Orchestermitglied eine Stelle immer wieder falsch spielte, fang er sie ihm richtig vor: „So ist""es^richtig - la la la rum tum tum!" Der andere spielt wieder falsch, Richter singt |ie ihm wieder vor. Als sich aber das ilnglüd zum drittenmal wiederholt, sagt er nur mit einem Blick gen Himmel: „Sie hören mich wohl sehr gern singen?" Als er einmal auf einer Gesellschaft war, bat ihn am anderen Tage eine Dame, die nicht zugegen gewesen war, ihr etwas über die Toiletten der Damen zu erzählen. „Ja, da kann ich nicht viel sagen," meinte Richter. „Ueber’m Tisch war nichts, und unter’n Tisch habe ich nicht geschaut!" Büchertisch. — Von dem Handbuch der Finanzwissenschaft. das Wilhelm Gerlofs und Franz Meise! in Verbindung mit zahlreichen Fachmännern des In- und Auslandes bei 3. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Tübingen in Lieferungen zum Subskriptionspreise von 2 Mk. herausgeben, liegt nunmehr die 15. Lieferung vor. Sie umfaßt die Bogen 8 bis 10 des zweiten Bandes in denen in i>ef Abteilung „Direkte Steuern", der Königsberger Professor Tesche« wacher die Einkommensteuer, Ministerialrat Dr. Fux-Prag die direkten Vermögenssteuern und der ehemalige württembergische Finanzminister Pistorius die direkte Zuwachs- und Kriegsgewinnsteuer behandelt. — Doelih: Das Grenz- u n ö Aus- land-Deutschturn. Seine Geschichte und seine Bedeutung. (Verlag von R. Old;nbourg. München). Die Fragen des Grenz- und Aus' landdeutschttims wurden vor dem Kriege als das Spezialressort einiger ganz weniger Historiker und Zeitungsschreiber betrachtet. Das hat sich seit dem unglücklichen Ausgang des Weltkrieges, seit der Lostrennung weiter deutscher Gebiete und der Schaffung einer großen deutschen Irre- denta ganz wesentlich geändert. Das deutsche Volk ist sich seines Volkstums bewußt geworden und trägt das Verlangen nach einer engen kulturellen Verbindung mit den Brüdern jenseits der Grenzen. Dank einer regen Tätigkeit der Vereine. die die Pflege dieses kulturellen Zusammenhalts zu ihrer besonderen Ausgabe gemacht haben, stößt diese Lebensfrage des deutschen Volkes in allen Schichten, in allen politischen Parteien auf einsichtsvolles Verständnis und größte Förderung. Besonders in den Schulen macht sich neuerdings das Bedürfnis geltend, im Rahmen des Geschichts- und Geographieunterrichts auch das Grenz» und Auslanddeutschtum eingehend zu behandeln, doch fehlte es hier bisher an einem zwar knapp gehaltenen, aber fachlich erschöpfenden Handbuch über alle einschlägigen Fragen. Diese Lücke füllt nunmehr das vorliegende Werk des ehemaligen preußischen Kultusministers Dr. Doelih aus. Auf dem knappen Raum von 200 Seiten gibt es. nach geographischen und geopolitischen Gesichtspunkten gruppiert. über jeden Zweig des Deutschtums im Ausland einen kurzen geschichtlichen Rückblick und eine Darstellung über die augenblickliche kulturelle und wirtschaftlich? Lage der abgesplitterten Gebiete oder der geschlossenen deutschen Siedelungen. 3n einem weiteren Teil wird auch das Auslanddeutschtum in den überseeischen Ländern behandelt. Ein ausgezeichnetes Kart en material und ein kleiner, aber geschickt ausgewählter Dilderanhang ergänzen das Werk auf das glücklichste zu einem wertvollen Hand- und Lehrbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, das auch jenseits der Schule in allen interessierten Kreisen viele Freunde finden wird. (Preis geb. 6Mk.) 836 Deutschlands Erneuerung. Das soeben in verstärktem Umfang erschienene Weih» nachtsheft dieser bekannten Monatsschrift (3. F. Lehmanns Verlag, München SW. IV, vierteljährlich 3,60 Mk.) schließt den Jahrgang 1926 in besonders würdiger Weise ab. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne bcigesügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. An^sigenaustrage sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. 1 oae altbewährt ävitlid) empfohlen - überall erhältlich a avio QITal) unb £)opfert, ohne S ‘Alleinige £*r(lell«rint<2LCp. $)acberbräu 9Ründ?etv ? Lei Appetitlosigkeit General-Vertretung: Georg vebitreit, Gießen, Kttnikstrafte 21.--Vertrieb für Gienen: Albert Merlau, Gießen, Ludwigstrahe.