Nr. 240 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 13. Moder 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monals-Bezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen emzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Zranksurt am ma"n°i1886. vruck und Verlag: vrühl'sche Umverfitats-Buch- und Zteindruäerei R. Lange in Sieden. Schnstleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20' , mehr. ThefrcdaKteur Dr. Friede Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil i. Dertr. H. Deck, sämtlich in Gieren. Deutsche im tschechischen Kabinett | Die neue Reqierungskoalition in Prag. Prag, 12. Oft. (TU.) Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Czerny fand heute ein Ministerrat statt, der die Demission beschlossen hat. Der Präsident der Republik hat die Demission der alten Regierung entgegengenommen und gleichzeitig die neue Regierung e r - n o n n t. Die neue Regierung, in welcher zum ersten Male deutsche Parlamentarier als Mini st e r vertreten sind, ist folgende: Svehla, Vorsitzender der Regierung. Dr. h 0 d z a, Minister für Unterricht und Volksaufklärung, gleichzeitig mit der Leitung des Ministeriums für Vereinheittichung der Gesetzgebung und Organisation der Verwaltung betraut. Dr. Mayr-Harting, Justizminister (Deutscher). 7l a j m a n, Eisenbahnminister. Dr. Spina. Minister für öffentliche Arbeiten (Deutscher). Dr. S cd in ko. Minister für Landwirtschaft. U d r z a l. Minister für nationale Verteidigung. S r a m e f, Minister für soziale Fürsorge, gleichzeitig betraut mit der Leitung des Ministeriums für das öffentliche Gesundsheitswefen und Körpererziehung. Dr. Nafek, Minister für das poft- und Tele- graphenwefeu. Pros. Dr. Bene sch, Minister für auswärttge Angelegenheiten. Czerny, Minister des Innern, gleichzeitig betraut mit der Leitung des Ministeriums für Volksversorgung. Pros. Dr. Lnglish, Finanzminifter. Peroutka, Minister für Industrie, handel und Gewerbe. Dr. K a l l e y, Minister ohne Portefeuille. Das neue Ministerium, das neunte seit dem Bestehen der Republik, besteht aus neun Abgeordneten und vier Fachministern. Parteimäßig gehören ihm an: Der Vorsitzende, der Unterrichts-, der Landwirtschafts- und der Derteidi- aungsminister der tschechoflowakischen Agrarpartei, der Fürsorge- und der Post- minister derTschechoslowakifchenVolks- Partei, der Eisenbahnminister der Gewerbe- Partei. Von den deutschen Ministern gehört der Iustizminister Mahr-Harting der Christlichsozialen Partei und der Arbeitsminister Abgeordneter Spina dem Bunde der Landwirte an. Die übrigen Minister sind Fachmini st er. Von den neuen Ministern gehörten der letzten Regierung bereits an Hodzas, Srdinko, Denesch, Czerny, Cnglish, Peroutka und Kallay. Den früheren Regierungen gehörten an Svehla, Srdinko, Sramek und Rosek. Reu eingetreten in die Regierung sind Mahr-Harting, Rajman und Spina. Von den Parlamentariern gehört keiner der Rationaldemokratischen Partei an. Der Fachminister Peroutka wird als ihr Vertrauensmann bezeichnet. Die Mitglieder des neuen Kabinetts sind gestern abend nach Topoltschanh, dem Sommersih des Präsidenten M a s a r h k. gefahren, wo heute die Vereidigung stattfinden soll. Die „Prager Morgenpost" nennt die Ernennung zweier deutscher Minister einen Sieg der Vernunft. Wirtschaftlich seien die beiden Rationen aufeinander angewiesen, aber der tschechische Rationalismus habe diese Zusammenarbeit solange nicht zugelassen, bis die gesamte Wirtschaftspolitik in eine verhängnisvolle Sackgasse geraten sei. Die Mitarbeit der Deutschen sei für den Staat eine unbedingte Rvtwcndigkeit. Die „Prager Presse" sagt zum Ministerwochsel: Der Eintritt der deutschen Minister ist ein Ereignis von großer politischer Bedeutung. Er ist ein Beweis dafür, daß sich die Gegensätze merklich abgeschliffen haben. Was seit langem mehr erhofft als erwartet wurde, ist eingetreten: Dem neuen Prager Kabinett gehören auch zwei Deutsche als Minister an. Die heranholung deutscher Parlamentarier wirkt unzweifelhaft sensationell, darf aber zunächst nicht überschätzt werden. Wenn auch die Politik des Präsidenten Masaryk in der letzten Zeit in der Richtung ging, sich der deutschen Opposition durch Tellnahme an den Regierungsgeschäften zu entledigen und damit zur innerpolitischen Befriedung bei« ijirtraaen, so weiß doch noch niemand, ob die beiden deutschen Minister einflußreich genug fein werden, im Rahmen der Gesamtpolitik des Kabinetts das Deutschtum vor dem Druck der tschechischen Rationalisten zu befreien und vor allem ihm wieder die Stellung zurückzuerobern, die es früher innehatte, und die ihm seiner Stärke und Bedeutung nach zukommt. Es muß aber stets berücksichtigt werden, daß sich das neue Kabinett Svehla auf der parlamentarischen Gruppierung aufgebaut hat, wie ftc sich durch die Zollkämpfe im Frühjahr ergab. Zu dem Regierungsblock gehört leider nur ein Teil der deutschen Parteien, der andere, nicht unwesentliche, befindet sich in der Opposition. Zu hoffen ist jedoch, daß in wichtigen, das Deutschtum angehenden Fragen die deutschen Minister auch die Unterstützung der in der Opposition stehenden deutschen Gruppen finden werden. Sonst dürfte ihr Einfluß nur unbedeutend sein und manche Aussicht, die sich jetzt für die Zukunft ergibt, wieder verbaut werden. Warten wir zunächst ab, wie sich in der Skandalszenen im Preußischen Landtag. Kommunistische Obstruktion bei der zweiten Lesung des Hohenzollernverg eichs. Berlin, 12. Oft. Haus und Tribünen sind gut besucht. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung der Hohenzollern- Vorlage. Der Hauptausschuß empfiehlt die unveränderte Annahme. Abg. Winterich (Komm.) begründet einen kommunistischen Antrag auf sofortige Behandlung der Erwerbslosenfrage. Als er dabei von einer Verbrecherbande der Hohenzollern spricht, ertönen auf der Rechten laute, anhaltende Pftii-Rufe. Die Kommunisten antworten lärmend mit Gegenkundgebungen. Ein Kommunist pfeift auf einer Trillerpfeife. Die Abgeordneten aller Parteien haben sich erregt um die Rednertribüne geschart. Der Antrag Winterich scheitert am Widerspruch von Abgeordneten des Zentrums und der Rechten. (Lärm bei den Kommunisten und Drohungen gegen die Rechte — Glocke des Präsidenten.) Abg. Pieck (Komm.) beantragt Aussetzung der weiteren Beratung der Hohen- zollernvorlage um vier Wochen, damit erst der Reichstag eine Regelung herbeiführe. Der Landtag sei in seiner Mehrheit nur noch der Hund, der apportiert, was die Hohenzollern haben wollen. (Präsident Bartels weist diese Ausdrucksweise zurück und ruft den Abg. Gohlle (Komm.) zur Ordnung, weil er Abgeordnete der Rechten bedroht habe.) Der Antrag Pieck wird mit der Beratung der Vorlage verbunden. Abg. Ladendorff (Wirtsch. V.) gibt die folgende Erklärung ab: Obwohl in einer Zeit, in der weite Schichten der Bevöllerung, in erster Linie des Mittelstandes, sich in schwerer wirtschaftlicher Rot und Bedrängnis befinden, die Mrtwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Hohenzollernhause als besonders schwer befunden wird, nehmen wir die Vorlage an, weil es sich für meine politischen Freunde um die Frage der Aufrechterhaltung des EigentumSbegriffeS handelt. Abg. Freiherr v. Wangenheim (Dtsch.- Hann.) gibt namens seiner Partei folgende Erklärung ab: Als Vertreter des annektierten hannoverschen Volkes stehen wir auf dem Standpunkt, daß es nicht unsere Aufgabe ist, in die Regelung dieser rein preußischen Angelegenheit einzugreifen. Wir werden uns deshalb der Stimme enthalten. Wir protestieren jedoch gegen die Einbeziehung der in Hannover gelegenen Schlösser und Grundstücke in diesen Vertrag, da wir weder dem Hohenzollernhause noch dem preußischen Staate das Recht zugestehen, über hannoversches Eigentum zu verfügen. Die Abstimmung über den 1. Teil des § 1 erfolgt namentlich. Während das Ergebnis der Abstimmung sestgeftellt wird, geraten kommunistische und sozialdemokratische Abgeordnete in Streit. Plötzlich schlägt der Kommunist Abel mit der Faust nach dem Sozialdemokraten Oster- roth. Präsident Bartels: Ich schließe den Abg. Abel von den Sitzung aus und fordere ihn auf, das Lokal zu verlassen. (Große Heiterkeit, Lärm bei den Kommunisten.) Unter anhaltendem Lärm und Zurufen verläßt Abg. Abel den Saal. Das Ergebnis der Abstimmung ist die Annahme des ersten Teiles des § 1 der Vorlage mit 207 gegen 38 Stimmen. (Beifall rechts.) In weiterer namentlicher Abstimmung wird der Rest des § 1 mit 214 gegen 37 Stimmen bei 36 Stimmenthaltungen der Sozialdemokraten angenommen. Damit ist die Genehmigung der 23er» gleichsverträge in 2. Lesung ausgesprochen, da die weiteren Paragraphen nur noch technische Stimmen enthalten. Auch § 2 findet in der Ausschußfassung mit 210 gegen 41 Stimmen bei 13 Enthaltungen Annahme. Als dann ein Antrag angenommen war, wonach zuerst über die Vorlage selbst und nicht über die Abänderungsanträge abgestimmt werden soll, erhob sich bei den Kommunisten ein ungeheurer Lärm. Als schließlich ein kommunistischer Abgeordneter einem Abgeordneten der bürgerlichen Parteien i n s Gesicht spie und der Lärm nicht zu mildern war, wurde die Sitzung auf zehn Minuten unterbrochen. Bei Wiederbeginn der Sitzung wurde der Vizepräsident G a r n i ch mit den Rusen: „Hampelmann", „Schieber" und mit Schlüssel- pfiffen empfangen. In dichten Gruppen scharten sich die Kommunisten um das Rednerpult. Der Vizepräsident wies insgesamt sieben Abgeordnete der Kommunisten aus dem Saal. Der volks- parteiliche Abgeordnete M e tz e n t h i e n , der dem Präsidenten die Namen der größten Lärmer nannte, erregte das besondere Mißfallen der Kommunisten. Die Erregung erreichte ihren Höhepunkt, als mehrere Kommunisten gegen das Präsidentenpult vorstürmten und alle Gegenstände, die sie dort erreichten, Tintenfässer, Aktenbündel, schwere Holztafeln, dem Abgeordneten Metzenthien und dem Präsidenten Garnich sowie dem Beisitzer Drecour an den Kops warfen. Vizepräsident Garnich, über und über mit Tinte besudelt, gibt schließlich durch Verlassen des Präsidentenpults das Zeichen dafür, daß die Sitzung unterbrochen ist. Inzwischen hatten sich Abgeordnete der Rechten schützend vor das Präsidentenpult gestellt. Währenddessen räumten einige Kommunisten ihre Platz- kästen, nahmen den teeren Kasten unter den Arm und versuchten damit Wieder zum Rednerpult vorzudringen. Der Seite ft enrat trat sofort zu einer Sitzung zusammen, um über die Art der Weiterführung der Verhandlungen Beschluß zu fassen. Gegen 8 Llhr wird die Sitzung vom Vizepräsident Garnich wieder eröffnet. Landtagsdiener tragen unter großem Gelächter der Kommunisten den leeren Tischkasten des Abg. Eppstein, den dieser als Waffe gebraucht hatte, zum Platze. Vizepräsident Garnich führt dann aus: Das unerhörte und untoür- dige Vorgehen in diesem Saale muß auf jeden Menschen ein Gefühl größter Empörung Hervorrufen. (Lebhafte Zustimmung rechts und in der Mitte. Lärm und Zurufe bei den Kommunisten, in denen die Ausführungen des Präsidenten zum Teil verloren gehen.) Was die persönlichen Angriffe auf dieMrt- glieder des Präsidiums angehen, so werden uns diese Angriffe nicht davon abhalten, unsere Pflicht zu tun. Wir werden auf diesem Platz bleiben, so lange wir dazu imstande sind. (Veifall rechts und in der Mitte. Anhaltender Lärm bei den Komm.) Ich habe weiter dem Haus den Beschluß des Aeltesten- rates mitzutellen, daß für die persönlichen Angriffe auf das Präsidium die Abgg. Sbjelle- rup, Eppstein und Iendrosch (Korn.) die härteste Strafe, den Ausschluß für zwanzig Sitzungstage, erhalten sollen. (Stürmischer Beifall rechts und in der Mitte. Pro- testzurufe und beleidigende Zurufe bei den Korn.) Ich fordere die genannten Abgeordneten auf, den Saal zu verlassen. (Zurufe bei den Korn.: „Wir werden dir was.....I" Der Abg. Eppstein bleibt, Pfeife rauchend, auf seinem Platz. Rufe rechts: „Geht doch. Das bezahlt ja alles Moskau!") Da die Abgeordneten sich nicht aus dem Saale entfernt haben, werde ich jetzt die Sitzung unterbrechen und dafür sorgen, daß sie bei der Wiedereröffnung nicht mehr anwesend sind. (Lärm bei den Korn, und Rufe: „Jetzt holt er die Polizei!") Die Sitzimg ist damit unterbrochen. Die Polizei ist bereits im Hause erschienen. Rach etwa V* Stunde betreten drei Polizeibeamte in Zivil den Saal. Sie werden von den Kommunisten mit Gejohle und Zurufen, wie Spitzel usw., empfangen. Die Beamten versuchen an die drei Bezeichneten heranzukommen. Während sie noch herumgehen, verlassen aber die Abgeordneten freiwillig den Saal. (Großes Gelächter und Händeklatschen bei den Kommunisten, Rufe: Ihr dummen Schweine schert euch raus!) Um 8.25 Tlhr erscheint Vizepräsident Garnich wieder und eröffnet die Sitzung. Er fordert den Abgeordneten K 0 l l w i tz auf, den Saal zu verlassen. (Abg. Kollwitz verläßt den Saal unter der Heiterkeit seiner Genossen.) In namentlicher Abstimmung wird § 3 des Gesetzes mit 227 gegen 24 Stimmen der Kommunisten bei 60 «Äimmenthaltungen der Sozialdemokraten angenommen. Abg. Pieck (Komm.) er Härt, nachdem durch die Annahme des Antrags Herold den Korn- rnun'.sten die Möglichkett genommen sei, Abände- rungsanträge und Anträge auf namentliche Abstimmung zu stellen, würden sie sich an den weiteren Verhandlungen nicht mehr beteiligen. (Beifall bei den Kommunisten, ironischer Beifall auch bei den anderen Parteien.) Unter lärmenden Zurufen verlassen die Kommunisten den Saal. Tschechoslowakei die innerpolittsche Lage weiter entwickeln wird. Der Prozeß gegen die Mitglieder des Deutschen Do ksbundes. Kattowih, 12. Oft. (SIL) Vor der erweiterten Strafkammer des Landgerichts Katto- witz begann der Prozeß gegen elf Mitglieder des Deutschen Volksbundes. Den Angeklagten wird vorgeworfen, zugunsten Deutschlands wirtschaftliche und politische Spionage getrieben zu haben. Die Anklage stützt sich zum großen Tell auf Photographien von Dokumenten, die im deutschen Generalkonsulat gefunden wurden. Sämtliche Angeklagten bekannten sich zu dem in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfen, er» klärten jedoch, daß sie nicht gewußt und nicht beabsichttgt hätten, irgendwie die Ineressen des polnischen (Äaates zu schädigen. Hauptsächlich handelt es sich um Auskünfte, die die An- geilagten dem deutschen Generalkonsulat in Kat- wwitz auf Anfragen über die Gesinnung polnischer Staatsangehöriger erteilt hoben. Die Zeugenvernehmung brachte bis jetzt nichts Wesentliches. Offiziere des polnischen Rachrichtendienstes gaben eine genaue Schilderung davon, wie die Akten und Schriftstücke aus dem deutschen Konsulat in den Besitz des polnischen Rachrichtenbüros kamen. Wettere Zeugen gaben ein Bild von der Revision, die in den Geschäftsräumen des Volksbundes in Kattowih ausgeführt wurde. Die Verteidigung wies immer wieder darauf hin, daß bei der Erteilung von Auskünften seitens der Angestellten keinerlei Geheimnisse bewacht zu werden brauchten, da sie im guten Glauben gehandelt Gleich daraus stimmt das Haus en blcc den übrigen neun Paragraphen dec Vorlage zu und verabschiedet somit endgültig die Vorlage in der zweiten Lesung. (Beifall rechts.) Mittwoch 12 Ahr: Kleinere Vorlagen, Fortsetzung der Magdeburger Aussprache. KeineNückkehrKaiserWilhelms. Amsterdam, 12. Olt. (WB.) Der Amsterdamer Berichterstatter des WTB. erfährt von zuständiger Stelle, daß bei der niederländischen Regierung weder von feiten des ehemaligen Kaisers noch von feiten irgendeiner ausländischen Regierung Schritte mit bezug auf die Möglichkeit der Rückkehr des Kaisers nach Deutschland unternommen find. Bei der niederländischen Regierung ist auch nichts darüber bekannt, daß der ehemchige Kaiser au3 Gesundheitsrücksichten das Haus Doorn verlassen möchte. Insbesondere entspreche es keineswegs den Tatsachen, daß der ehemalige Kaiser oder 'Beauftragte desselben irgendeine Unterredung mit dem niederländischen Minister des Innern gehabt haben. In amtlichen Kreisen glaubt man zu wissen, daß der Kaiser selbst der Rückkehr nach Deutschland abgeneigt ist. Die Koalitionsverhand- lungen in Preußen. Initiative des Ministerpräsidenten. Berlin, 12.Oft. (TU.) Zur Frage der Regierungsumbildung erfahren wir: Das Zentrum hat der Deutschen volkspactei zugefagt, mit den beiden anderen Koalitionsparteien Fühlung zu nehmen, inwieweit sie grundsätzlich bereit seien, über die Frage der Bildung der Großen Koalition zu verhandeln. Darauf ist das Zentrum heute vormittag an die Demokraten und Sozialdemokraten herangetreten. Tfiit den Demokraten wurde Uebereinstimmung dahin erzielt, daß es zweckmäßig sei, Verhandlungen durch den Ministerpräsidenten selbst führen zu lassen. Die Demokraten erklärten sich damit einverstanden, daß das Zentrum eine entsprechende Anregung an den Ministerpräsidenten gelangen lasse. Die Sojlalbemofraten haben jedoch noch nicht Stellung dazu genommen. Es dürste dies voraussichtlich am Mittwoch der Fall fein. Offenbar wird die Frage der Umbildung bei den Sozialdemokraten nicht als eine rein preußische Frage angesehen. Es wird betont, daß ihre Lösung nur unter dem Gesichtswinkel der Regelung im Reiche möglich ist. Mie mehrere Blätter melden, ist Ministerpräsident Braun der Anregung, die Verhandlungen über eine Regic- rungserroeiterung selbst zu führen, gefolgt. Die Verhandlungen mit der Deutschen Volkspartei sollen voraussichtlich am Donnerstag ausgenommen werden. Der Fraktionvvorslhende der Volkspartei ist durck das Zentrum von dieser Absicht der Regierung verständigt worden. Wenn nun also die Vorbesprechungen über die Erweiterung der Regierung erst allmählich in festere Bahnen gelenkt werden, und allein Anschein nach nicht so rasch irgendwelche handfesten Ergebnisse hervorbringen werden, so wird das auf feiten der Deutschen Volkspartei außerordentlich bedauert, da hier das Bestreben dahin geht, möglichst rasch eine klare Situation zu schaffen, um so mehr, als die Vollspartei im Landtag in den nächsten Tagen schon vor Entscheidungen gestellt werden könnte, die sie nicht fällen möchte, ohne vorher zu wissen, ob sich tatsächlich Aussichten für einen Eintritt in die Regierung eröffnen. Will man allerdings dft Haltung maßgebender sozialdemokratischer Presseorgane als Gradmesser für die Stimmung bei der preußischen Sozialdemokratie ansehen, dann dürften aus dem Kreis um Herrn Braun nur Schwierigkeiten zu erwarten sein, wenn auch der Ministerpräsident selbst gerne die Volks- Partei zur Stärkung der gegenwärtigen Regierung in die Koalition hineinnehmen möchte In den nächsten Tagen wird sich nun zeigen müssen, ob es der Gegenseite ernst damit ist, sich die Unterstützung der Volkspartei zu sichern. Ohne ins Gewicht fallende Zugeständnisse wird diese allerdings nicht zu haben fein. haben, die Auskunft genau so wie jeder anderen Privatperson evteUen zu können. Die Verhandlungen wurden dann auf Mittwoch vormittag vertagt. Der öMche Sicherheitspakt. Moskau, 12. Oft. (Täl.) Amtlich wird mit- geteilt, daß die Verhandlungen über einen Sicherheitspakt zwischen Rußland und Polen in der nächsten Woche wieder äufgenom men werden. Wie verlautet, soll Polen in dieser Frage auf einen Druck Briands hin in Weser Angelegenheit mehr Entgegenkommen gezeigt haben. Brand habe auch auf Rakowski in diesem ©inne ein gewirkt, indem er von Rußland eine Aenderung in der Haltung Polen gegenüber verlangt habe. In Sowjetkreisen rechnet man damit, daß nun auch Frankreich seine Politik Rußland gegen- über ändern werde. 3m polnischen Außenministerium haben in den letzten Tagen unter Teilnahme P i l s u d s k i s und anderer Minister eingehende Verhandlungen mit dem estlän bischen, litauischen und finnischen Gesandten in Warschau stattgefunden über den russisch-litauischen Vertrag und über die bevorstehende baltische Konferenz. Man mißt ihnen große Bedeutung bei. Die britisch-russischen Beziehungen. Der Sowjetbotschafter Krassin bei Chamberlain. London, 12. Oft. (WTD.) Der gestrigen Unterredung zwischen Sir Austen Chamberlain und dem Sowjetbotschaster Krassin wird in hiesigen politischen Kreisen keine große Bedeutung beigemessen, da es sich hierbei in erster Linie um einen Höflichkeitsbesuch Krassins handelt. Der Meldung, daß Krassin dabei Chamberlain einen Plan für die Neugestaltung der englisch-russischen Beziehungen unterbreitet habe, wird nachdrücklichst entgeg -ngetreten. Es wird betont, daß sich die Lage seit der letzter Zusammenkunst zwischen Chamberlain und Rakowski, als der britische Staatssekretär des Aeußeren den englischen Standpunkt in der Frage der Beziehungen zu Svwjetruhland auseinandersetzte, nicht geändert habe. Es sei anzunehmen, daß Chamberlain erneut die Haltung der Regierung dahin desinierte, daß sie von keinerlei Animosität gegen die Sowjetregierung als solche erfüllt sei und auch keine Abfickti habe, sich in die inneren Angelegenheiten Sowjetrußlands einzumischen, daß jedoch an ein ersprießliches Verhältnis kaum gedacht werden könne, solange keine Gewähr für die Einstellung der antibritischen Propaganda besonders in England selbst und in China vorhanden seien und von russischer Seite keine, wenigstens prinzipielle Anerkennung der russischen Schulden erfolge. Es wird in politischen Krisen im Zusammenhang damit hervorgehoben, daß in den letzten Monaten eine Versteifung der öffentlichen Meinung gegenüber der Sowjetrcgierung stattgefunden habe, was z. B. in der auf der konservativen Parteikonferenz in Scarborough einstimmig angenommenen Entschließung sowie in der Zurückweisung des Tomski- briefes auf der Konferenz der Arbeiterpartei in Bournemouth zum Ausdruck komme. Entgegen diesen Verlautbarungen ist man in Sowjetkreisen über die Verhandlungen zwischen Chamberlain und Krassin zunächst optimistisch. Man erklärt, daß alle bedeutsamen politischen und wirtschaftlichen Fragen erörtert worden seien. Es sei die Einsetzung einer unter Teilnahme Chamberlains tagenden Wirtschaftskommission beschlossen wordsn. 3n der nächsten Woche werde Krassin nochmals mit Chamberlain verbandeln. Die Sowjetregierung sei bereit, mit England ein Abkommen über Konzessionen in Svwjetruhland abzuschlie- hen. Man glaubt, daß es bald unter Vermittlung der Beniner Handelsvertretung mit der Sowjetregierung zu einer Verständigung zwischen der Moskauer Regierung und einer großen englischen Industriegruppe kommen wird. 3*n der Frage der russischen Politik in Asien sei dagegen bisher keine Einigung erzielt worden. Die Verhandlungen von Broadlands. Geheimrat Kaftl über die deutsch- englische Jnduftriellenzusammenkunft. London, 12. Oft. (TU.) Das Präsidialmitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie Geheimrat Kaftl gab deutschen Pressevertretern einen Üeberblick über den Verlauf der deutsch-englischen Industriellenverhandlungen. Geheimrat Kaftl be- . tonte, daß vor einigen Monaten die deutsch-fran- ^zösischen Besprechungen in Luxemburg den eigent- »lichen Anlaß zu . diesen Besprechungen gegeben hätten. Die deutschen Delegierten seien nicht Ver- . tretet des Reichsverbandes der deutschen Industrie, sondern hätten als privates Komitee getagt. Dasselbe sei auf englischer Seite der Fall gewesen. Bei der außerordentlichen Schwierigkeit der Materie und bei der Art der Besprechungen, die sich vielfach in Hypothesen bewegt hätten, sei von vornherein nichts anderes als eine erste Fühlungnahme zu erwarten gewesen. Ob und wann die Möglichkeit von Einzelbesprechungen, die in dem offiziellen Kommunique erwähnt seien, praktische Gestalt annehmen würde, ließe sich heute noch nicht übersehen. Man habe sich mit den gegenwärtigen Zollschranken in Europa beschäftigt und die Notwendigkeit erkannt, zunächst einmal rein theoretisch zu erörtern, wie sich die Lage für beide Teile unter bestimmten anderen Voraussetzungen gestalten würde. Die Frage der Nützlichkeit dec Schutzzölle fei vor der Erwägung zurückgetreten, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen beide Länder sich auf gemeinsamen Märkten unterböten, und daß dabei dem eigenen Lande der Auftrag entgehe und die Industrie des anderen Landes diesen unter Bedingungen aussühren müsse, die eine finanzielle Zufchußleistung der aussühren- den Industrie erforderlich mache. Ls sei klar, daß eine Verständigung aus diesem Gebiet zu einer Stärkung der Produktion und zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit in beiden Ländern führen würde. Praktisch lägen die Dinge in bezug auf das russische Geschäft so, daß von dem ersten Teil des von der Reichsregierung garantierten 300-Millionen-Kredits in Höhe von 120 Millionen Mark erst 70 Millionen verausgabt worden seien, so daß bis zum 31. Dezmnber des Jahres noch ein ansehnlicher Rest verblieben sei. Der zweite Teil des Kredits in Höhe von 90 bis 100 Millionen Mark, der von einem ausländischen Bankenkonsorttum unter Teilnahme großer deutscher Banken gegeben werde, sei mehr als ausreichend. Eine Vermehrung des Kredits komme daher nach der Auffassung Geheimrats Kastl ebensowenig in Frage, wie eine Ausdehnung des anderen Teils der' Anleihe. Alle anderen Kombinationen seien falsch. Was den Anschluß der englischen Eisen- und Stahlindustrie an den kontinentalen europäischen Stahltrust betreffe, so würden sich hier nur besondere Schwierigketten aus der Konstruktion der englischen Industrie ergeben, besonders auch aus der Tatsache, daß England unter den besonderen wirtschaftlichen Verhältnissen aus Frankreich und Belgien 2,7 Millionen Tonnen Eisen, also nahezu ein Drittel seiner eigenen Produktton ein führe. Für England wäre die Ermittelung einer seinen Produktionsverhältnissen entsprechenden Beteiligungsquote außerordentlich schwierig. Notwendig sei auch, daß der Anschluß Englands an den Eisenpakt ein gewisses Maß von Organisation und damit eine gewisse Unterordnung des einzelnen unter die Gesamtorganisation vor- auSsehe, eine Frage, die jedoch bei dem ausgeprägten englischen Individualismus große Schwierigkeiten bereiten würde. Geheimrat Kastl bestritt aufs entschiedenste, daß sich der Eisentrust gegen Amerika richte. Geheimrat Kastl und die beiden anderen Delegationsmitglieder haben heute abend England verlassen. Deutschland und Latem-Amsrika. D;e Büste Bol Vars im Hamburger Rathaus. Hamburg. 12. Okt. (Wolff.) Im großen Festsaal des Rathauses fand in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder des Senats und der Bürgerschaft sowie Vertreter der Behörden, wissenschaftlichen Institute, Kaufmannschaft, Banken und Reedereien, sowie der diplomatischen Vertreter der Staaten Venezuela, Columbia, Ecuador, Peru und Bolivien in Berlin und der Konsularvertreter sämtlicher ibero-amerikanischen Staaten in Hamburg mit ihren Damen die feierliche Uebergabe einer Büste des südamerikanischen Befreiers Simon Bolivar an den Senat der Hansestadt Hamburg statt. Der Generalkonsul von Venezuela, Rafael Parcedes Urdoneta, würdigte dabei in einer längeren Ansprache die Bedeutung Bolivars und führte u.a. aus: Durch die heutige Huldigung für Bolivar soll der gastlichen Hansestadt Hamburg, die im wirtschaftlichen Mittelpunkt Deutschlands und seiner in vorbildlicher Weise waltenden Regierung steht, die Bewunderung und herzliche Sympathie zum Ausdruck «wurden. Die Gabe soll aber auch vor aller ne Huldigung vor d e m Vaterland Friedrichs des Großen, Humboldts und Bismarcks sein und daran erinnern, daß man in den sechs ibero-amerikanischen Ländern in Liebe und Dankbarkeit der Opfer gedenke, die ein Braun, Ußlar, Meyer und Tausende von Deutschen an Bolivars Seite der heiligen Sache dargebracht hätten. Der Generalkonsul bat schließlich zugleich namens seiner Kollegen, das Denkmal als Ausdruck für die Gefühle der von ihnen vertretenen Regierungen und als Gabe ihrer Landsleute entgegennehmen zu wollen. • Nachdem die Hülle von der Büste gefallen war, erwiderte der regierende Bürgermeister Petersen mit herzlichen Worten des Dankes. Irn Anschluß an die Feier gab die Stadt Hamburg im Rathaus ein Essen, bei dem der Bürgermeister ein Hoch auf die diplomatischen und konsularischen Vertreter Iberoamerikas ausbrachte, worauf der Gesatrdte Kolumbiens herzlich erwiderte und ein Hoch auf die Hansefl adt Hamburg ausbrachte. Auch in Berlin fand in der Aula der Universität eine Feier des Festes der spanischen Rasse statt, an welcher neben den betelligten Gesandten Portugals, Brasiliens, Argentiniens und Chiles die spanischen und mexikanischen Geschäftsträger, der russische Botschafter, der Präsident des Athenaeums, Legalionsvat Achaval, Geheimrat Dobrick, Geheimrat v. Kaufmann vom Auswärtigen Amt, der Dirigent der Presseab-bLilung Geheimrat Zechlin und zahlreiche Vertreter der Wissenschaft, Wirtschaft und der Presse teil- nahmen. Der Vorsitzende des Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika, Freiherr von dem Bussche-Haddenhausen, feierte in einer Ansprache den Sinn dieses Festes der spanischen Rasse, das 1911 zuerst in Chile eingesührt wurde. Zu allen Zeiten hätten enge Beziehungen der südamerikanischen Länder zu Deutschland bestanden. Zahlreiche Deutsche wären als Gelehrte, Techniker und Kaufleute in den süd- und mittelamerikanischen Staaten tätig gewesen. Wenn auch der Weltkrieg diese Beziehungen unterbrochen hätte, wären sie doch heute wieder in regem Maße ausgenommen worden. Deutsche Professoren hielten Vorträge in den füdamerikcrnischen Staaten und deutsche Kaufleute hätten ihre alten Handelsbeziehungen wieder aufgenommen. Nicht wenig aber trügen solche Reisen, wir die des früheren deutschen R e i ch s k a nz l e r s D r. Luther und des Reichsgerichtspräsidenten Simons, bei, die Beziehungen dieser Länder iwch enger zu verknüpfen. — Der argentinische Gesandte Dr. Quintana feierte die Tat von Columbus, durch die Spanien in Amerika ein reiches Arbeitsfeld gefunden habe. Der portugiesische Gesandte de Freitas führte in der Sprache seines Landes aus, Deutschland ehre das Recht, wo immer es sei, selbst weit ab von feinem Territorium, selbst weit ab von seiner Rasse, weit ab von seinem historischen Geschick, von der Gefühlsart seines Geistes. Deutschland bewundere Christoph Columbus und kenne fein Werk genau und setze es in der Weise fort, die zu den Vorzügen seines Charakters und seinen Fähigkeiten passe. Seien früher aus Zusammenstößen der Rassen tragische Konflikte entstanden, wo der Ruhm blutige Spuren hinterlasse, so breche sich jetzt allmählich der Geist friedlichen Zusammenlebens Dahn. Den Weg dazu biete die Mitarbeit aller Temperamente die, so verschieden sie seien, sich dennoch mehr ergänzen als widersprechen würden. Die universelle Harmonie der Völker sei das letzte Ziel. Zum Schluß sprach der spanische Geschäftsträger AgramonteyCortijoin begeisterten Ausführungen an Deutschland und die anderen Staw- ten den Dank Spaniens aus. Abends fand im „Rheingold" ein Bankett statt und daran anschließend ein Ball. Weiterer Rückgang der Erwerbslosigkeit. Berlin, 12. Okt. (WTB.) Der Rückgang in der Zahl der Hauvtunterstützunasempsänger in der Erwerbslosenfürsorge hat sich auch in der zweiten Septemberhälfte weiter fortgesetzt. In der Zeit vom 15. September bis 1. Oktober ist die Zahl der männlichen Hauvtunterstützungsempfän- aer von 1 194 000 auf 1 128 000 zurückgegangen die der weiblichen von 289 000 auf 267 000, die Gesamtzahl also um 88 000, oder um 5,9 Prozent. Die Zahl der Zuschlagsempfänger hat sich von 1 481 000 auf 1 410 000 vermindert. Während des ganzen Monats September ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger um 173 000, d. h. um 9,8 Prozent zurückgegangen gegenüber einem Rückgang von 103 000, d. h. 6,3 Prozent im August und 89 000, d. h. 5 Prozent im Juli. Gegenüber dem Höchststände dec Erwerbslosenzahlen im Februar, die 2 058 000 betragen hatte, ergibt sich ein Rückgang um 663 000, oder um 32,2 Prozent. Das französische Budget« Paris, 12. Oki. erg eine ordentliche Sitzung ab. Der Jahresbericht gab ein Bild der bisherigen Tätigkeit des Eoang. Wohlfahrtsdienstes, der auch in unserem Kreis in ortschreitenbem Ausbau begriffen ist. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand ein Vortrag des Geschäftsführers über „Das Jugendgesetz und die Jugendgerichtshilfe". Zur Einführung in die wichtigen Fragen unb Aufgaben des Eoang. Wohl- ahrtsdienstes soll im Laufe des Winters in Bü- lingcn eine größere Versammlung abgehalten werden, in der der Direktor des Hessischen Landesvereins für Innere Mission, Pfarrer Dreoes- Darmstadt, sprechen wird. le. Bleichenbach, 12. Okt. Die durch Lehrer W. S i n n e r - Michelau seither kommissarisch verwaltete eine hiesige Lehrerstelle wurde diesem endgültig übertragen. — In ben letzten Tagen ereigneten sich hier zwei bedauernswerte Unfälle: An der Kreissäge verlor ein Gewerbeschüler drei Finger der linken Hand unb verletzte bie übrigen, gerade an dem Tage, als ihm seine Aufnahme in eine Darmstädter Fachschule mitgeteilt wurde. Der andere Unfall ereignete sich beim alltäglichen Dickwurzmahlen und raubte einem jungen Landwirt einen Finger. — Bei Pri - vatoerpachtungen einiger Morgen guten Landes kam der Pacht preis für den Normalmorgen wieder auf 90—120 Mark. — Der hiesige Raiffeisenoerein hat zur allgemeinen Be- Nutzung eine größere Krautschneidern afchine angeschafft. Die stundenlange Arbeit kann damit in Minuten erledigt werden. △ Bisses, 12. Okt. Am Sonntag sand hier unter zahlreicher Beteiligung die Einweihung unseres Gefallenendenkmals statt, das auf bem Friebhof hinter der Kirche errichtet wurde. Es trägt die Namen der 16 Gefallenen und Vermißten im Weltkriege und kostet 3000 Mk., .welche Summe ber Ortsvorstanb für biefen Zweck einstimmig bereitgestellt Hal. Das Denkmal ist aus Muschelkalk oon bem Bilbhauer May (Helbenbergen) entworfen. nommen. Sodann wurde ber Ramsdera bestiegen, wo man bie prächtigste Aussicht auf Vogelsberg, Taunus und Westerwald genoß. Hierauf besichtigte man die Engelburg, die um 1540 als gräfliches „Lusthaus" errichtet wurde; um 1700 wurde sie abgebrochen. Sie wird wiederholt genannt als Aufenthalt der Landgräfin Anna von Hessen, 1609—11 in der vielgelesenen Volkserzählung „Das Vogelbärb- chen" von Justus Treumund (Karl Glaser), die neuerdings von Karl Esselborn, Darmstadt, trefflich herausgegeben wurde. Ein gutes Oelbild in der Laubacher Kirche oon 1610 gibt eine genaue Ansicht der Engelburg. Don ber Engelburg begab man sich durch herrliche Buchenwaldung zum „Tier- gärtner Weiher", ber ebenfalls yn prächtiges Lanb- schaftsbilb bot. Sobann wanberte man, fortgesetzt von schönstem Wetter begünstigt, burch bas Loute r t a l nach Grünberg, wo man in ber Villa Emilia noch einige schöne Stunden geselliger Unterhaltung genoß. = •= Gedern. 12. Ott. Auf Wunsch vieler Wanderer, die von hier aus dem Hoherods- köpf zustreben, wurde eine O rtsmarkie- rung des Fuhwegeß nach Kaul st oh, bestehend in einem Weißen, nach rechts geöffneten rechten Winkel, geschaffen. Die neue Martterung bedeutet eine wesentliche Verkürzung des Weges zum Hoherodskopf. Ferner wurde am Ortsaus- ausgang nach M e r k e n s r i tz eine große Markt e r u n g s t a s e l aufgehängt, welche die von hier ausgehenden bzw. durchgehenden Verbindungen in übersichtlicher Anordnung vor Augen führt. Eine weitere, kleinere Maüierungstafel soll mehr im Mittelpunkt der Stadt zum Aufhang kommen und denjenigen Touristen als Wegweiser dienen, welche die Tafel am Ortsausgang nicht beachtet haben, oder die aus anderer Richtung kommen. — Gestern wurde der Große See a u s g e f i s ch t. Die kühle Witterung kam dabei recht zustatten. Der Fang (bestehend in Hechten, Karpfen und Schleien) gelangt an einen Händler in Ragold (Württemberg), der die Fische an größere Hotels zum Verkauf bringt. Das Fangergebnis war recht gut wenn auch nicht ganz der Ertrag früherer 3ahre erreicht wurde. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 12. Okt. Am Montagabend fand auf Einladung ber Bürgermeisterei im Gasthaus „Mainzer Hof* dahier eine Besprechung zwecks Gründung eines Verkehrs- unb Der- Chioosoil Grippe, Katarrhe verhütet und heilt man sicher durch Spülen und Gurgeln mit Chlnosol. Verlangen Sie in Apotheken und Drogerien kostenlosen Prospekt mit Anwendungsvorschriften. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen1 Eisonore Knebel geb. Balier und Kinder. Reiskirchen, Lindenstruth, Saasen, 13. Okt. 1926. WgmMtMung im Schützenbaus Tagesordnung: 1. Jahresbericht 2. Rechnungsablage 3. Winteroergnügen 4. Wahl des Schützenrates 5. Verschiedenes. Ter Vorstand. J.N.Schulhof Lachs, Sardinen, Sardellen, Hummer, Schinken, Zungeri und Wurst in Dosen, fertige Majonnaise, engl. Saucen. 77340 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen, insbesondere der Musikkapelle, dem Gesangverein „Liederkranz“, dem Kriegerverein und der Freiw. Feuerwehr sowie Herrn Pfarrer Dörr für die trostreichen Worte unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Volkmann Familie Wilhelm Volkmann 2 nett möDL Zimmer mit sep. Eingang an einen Herrn zu vrm. 1'7017 Westant. 42 I. Gut mödl. Zimmer an ruhige Mieterin abzugeden [07065 Bismarckstr. 14 11. s. 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Altes Material wird verwendet. £.Bob,K als ihm ein Zeitungskonzern eine Weltreise anbietet, hört er jene Unterftimme zum erstenmal gebieterisch tn sich reden. Er widerspricht rhr, indem er bei der Geliebten um diese anhält und innerung an die furchtbaren Tage unserer Geschichte, die Erinnerung an Versailles und alle seine Schrecken verbinden. 485 — Vorn alten Germanien zum streitbaren Krise, in der sich das deutsche Theater der Gegenwart auch heute noch befindet. (3n ein paar 3ahren wird man die Situation klarer überschauen und deuten.) — Den Inhalt des Buches wiederzugeben, ist an dieser Stelle kaum möglich: es schreitet auf gedrängtem Naum durch eine Fülle von Problemen, die um das Theater sich schichten, historischer und aktueller Art: es gibt eine Fülle wohldurchdachter Gedankengänge über Werdegang, Ausdrucksformen und Möglichkeiten dessen, was wir heute Theater nennen. — Sehr gut gewählt sind die am Schluß zusammengefaßten Bildbeigaben, von befonderem Wert für das Ganze die kapitelweise angezogene, weitschichtige Literatur. — Es wäre noch manches über dies Buch zu sagen. Man muh sich hier darauf beschränken, *es in recht viele Hande zu AlfreöDock Die Pariser ^cr Roman stellt sich als ein Kuliurbild von packender Wahrhaftigkeit und Schönheit dar. Land und Jfl Leute erstehen vor dem Lefer in ihrer ganzen Ursprünglichkeit. Handlung reiht sich an Handlung in lebendiger Entwicklung, Sprache und Zwiefprache fließt, offener Mutterwitz sprüht. Nun gesellt sich Meister Bantzer hinzu, das Buch mit seiner Kunst zu schmücken. Man weih, daß er in der ganzen Cffielt als großer Künstler gefeiert wird. Der hessische Dichter und der hessische Maler haben sich zu stehenden Forschers, dessen genialische Geistig- keit in stetem Kampfe liegt mit seiner Erotik, so daß sein Leben im ewigen Gegensatz zwischen den Polen Weib und Gedanke hin und her geschleudert wird, ziehen die Schicksale dieses Romans, der als Hintergrund einer Fülle von Handlung und Geschehen einen Teppich geistiger Gedanken und Erkenntnis breitet. „Der tolle Professor" ist eine Schöpfung bleibender Ein- neuen Reich. Zwei Jahrtausende deutscher Geschichte. Von Richard du Moulin Eckart. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart — Das gesamte Werk ist auf 16 Lieferungen berechnet, von denen, nach der bereits angezeigten ersten, nunmehr die Nummern 2 bis 5 vorliegen. Sie umfassen im wesentlichen die Abschnitte der Völkerwanderung, der Zeit Karls des Großen und seiner Nachfolger und reichen bis in die hohe Kaiserzeit hinein. Die Darstellung ist reich illustriert und legt besonderen Wert auf populäre Veranschaulichung der vorgetragenen Materie. 502 — Alt-Dorpat, Briese aus den ersten Jahrzehnten der Hochschule, herausgegeben von Wilhelm Stieda (Dd. XXXVIII der Abhandlungen der Philologisch-historischen Klasse der sächsischen Akademie der Wissenschaften. Verlag S. Hirzel in Leipzig). — Wilhelm Stteda der greise Nattonalökonom der Leipziger Universität, ist selbst Balte und in seinen jungen Jahren Professor in Dorpat gewesen. Seine ganze Liebe und Treue gilt auch heute noch dem Daltenland und seiner Hochschule, der vornehmsten Pflegstätte deutschen Geisteslebens im alten Zarenreich, aus deren Anfängen Stieda überaus interessantes Dokumentenmaterial publiziert. Der erste Teil der Abhandlung bringt Briefe des Fürsten Lieven, des zweiten Kurators der ilniDerfität Dorpat (fein Vorgänger war der bekannte „Sturm- und Drang"-Dichter Klinger). Die Briefe drehen sich in der Mehrzahl um die Berufung von Professoren, vor allem deutscher Professoren. War schon die Gründung der ilntoerfität selbst eine gemeinsame Tat der baltischen Ritterschaften, so war auch späterhin das Bestreben des Kuratoriums vor allen DinJtr darauf gerichtet, den deutschen Charakter der Hochschule zu erhalten durch Berufung reichsdeutscher Gelehrten. Daß dies, wenn auch ost unter großen Schwierigkeiten. gelang, zeigen diese Briefe des Kurators. Der zweite Teil des Heftes enthalt Dorpater Professorenbriefe. Ewers, der vielseittge Staatswissenschaftler, Parrot, ursprünglich ebenfalls Nationalökonom, dann Physiker, Lede- b 0 u r, Direktor des botanischen Gartens und einer der ersten Erforscher der russischen Flora, schließlich die beiden Mathematiker Bartels und Zauder senden Briefe zumeist fachwisfen- schaftlichen Inhalts oder Fragen der Uniüerfität betreffend an den ausgezeichneten Petersburger Mathematiker Nikolaus Fuß, den Schüler des berühmten Euler und späteren ständigen Sekretär der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, aus dessen Erbe sie an den Herausgeber gelangten. Sie geben einen Eindruck von dem hohen Stand deutschen Geisteslebens in den damaligen Ostsee- Provinzen und von dem durch und durch deutschen Charakter ihrer Hochschule. 371 — Carl Vogl: Peter Cheltschizki. Ein Prophet an der Wende der Zeiten. 269 S. 8°. Rotapfel-Derlag, Zürich und Leipzig. — Peter aus Cheltschizki ist ein heute so gut wie unbekannter, tschechischer Schwarmgeist, Reformator und Revolutionär des 15. Jahrhunderts. Das vorliegende, Gustav Landauer gewidmete Buch hat es sich zur Aufgabe gemacht, Persönlichkeit und Lehre dieses Peter der Vergessenheit zu entreißen, in der richtigen Erkenntnis, daß eine solche 5Mk. — Der Roman eines deutschen Abenteurerlebens, das namenlos in die große Welt des 18. Jahrhunderts eintritt, um sie nach einer unerhört bewegten und glanzvollen Laufbahn namenlos wieder zu verlassen. Mit einem Dries, der ihn tot- und lossagt von einem Familienleben drückender Enge, beginnt diese denkwürdige Laufbahn des Edelmanns Sophus Gabriel von Gereut. Ein Mord in Notwehr bricht vollends alle Drücken hinter ihm ab, und nun beginnt die Irrfahrt des Heimatlosen, die ihn zum Schmuggler, zum Soldaten, General und Günstling Peters des Großen von Rußland macht. Es sind Jahre eiiies vom Rausch und der Qual des Glücks begnadeten, von Ehrgeiz und Leidenschaft zerfurchten Lebens, das sich im ewigen Heimweh nach dem Abenteuer der Ferne verzehrt. Das dunkle, halb- 'asiatifche Rußland Peters ist die kriegerische Szene dieses Lebens. Die geniale Gestalt des Zaren und die große Frauennatur Katharinas überschatten es. 497 Aus fremden Literaturen. — John Galsworthy: Die dunkle Dlume, Roman (Verlag Paul Zsolnay in Wien). Galsworthy ist heute die große Mode. Das ist diesmal keine Mache geschäftstüchtiger Verleger, sensationslüsterner Kritiker. Seine Dramen sind ein Aufschrei gegen die Heuchelei der Gesellschaft, schlechte Theaterkunst, dick aufgetragene Tendenz zumeist, aber die ethische Forderung nach Wahrheit. Zum Dichter wird der moralisierende Ankläger Galsworthy erst in seinen Romanen. Seltsam mischen sich vernichtende Kritik an unseren sozialen Zuständen, überlegen boshafte Spötteleien über Menschliches, Allzumenschliches mit einer lyrischen Zartheit des Naturempfindens und einem edlen großen Verstehen für das Ringen jeder echten, vor sich selbst wahrhaftigen Menschenseele, wie sie nur gütige mitfühlende Liebe dem Dichter eingeben kann. Ein Freund der Menschen ist Galsworthy, kein zynischer Verächter, fein müder Pessimist, ein Dejaher des Lebens, ein Apostel der Liebe und der Wahrheit. Sein neuer Roman „Die dunkle Dlume", der außerhalb der großen Romanreihe „Die Forshte (Saga“ steht, macht diesen ethischen Grund seiner Dichtungen wiederum deutlich. Die künstlerische Bedeutung wird darum nicht geringer. Im Gegenteil, gerade diese Lebens- geschichte eines Suchenden, eines um echte Frauenliebe ringenden Künstlers, ist in die feinst ziselierte Form gebracht. Cs sind stille Menschen, die in sich hineinhorchen, auf die Schwingungen ihrer Seele achten, Menschen mit heißem Herzen, Menschen, in deren Welt das Gefühl den Verstand besiegt hat, in deren Leben Heuchelei und Haß keine Stätte haben. Menschen, die sündigen, weil sie Menschen sind, aber aus Liebe und um Liebe sündigen, weil Liebe der Motor ihres Lebens ist. 468 — Sigrid ilnfet, Kristin ßanran^ t 0 chter. II. Band. (Leinen gebd. 10 Mk., Verlag Rütten & Loen in g, Frankfurt a. M.) Der erste Band dieses starken Werkes einer im Norden schon zu hoher Geltung gelangten Dichterin, hat auch in Deutschland Widerhall gefunden trotz all der uns Deutschen fremdartig rauh und schroff — D i e sechs Bücher der Kunst. Herausgeber älniversitätsprofessor Dr. A. E. Drinck- mann-Köln. 1. Buch: D i e Kun st des Altertums von älniv.-Prof. Dr. Arnold von S a l i s - Münster i. W, 188 Abbildungen und 5 teilweise farbigen Tafeln. (Akademische Ber- lagsgef. Athenaion, Wildpark bei Potsdam). — Die „Sechs Bücher der Kunst" sind durch die bisher erschienenen Bände Schmidt, Kunst der Gegenwart, Schlosser. Kunst des Mittelalters Drinckmann. Kunst des Barock und Rokoko schon rühmlichst bekannt geworden. Nunmehr ist auch der Band „Die Kunst des Altertums" von Arnold von Salis erschienen. Im prägnanten Herausstellen der wesentlichen Stil- Momente schreitet Salis ausgehend von dem ägyptischen Schematismus, zum Idealismus der griechischen Klassik, von dort zum Illusionismus (Impressionismus der hellenistisch-römisckien Epoche), um schließlich auszumünden in den Expressionismus. die entsinnlichte Form der letzten römischen Kaiserzeit. Die innere Deutung des Stiles jeder dieser Epochen im Zusammenhänge mit der jeweils beobachteten gesamten Geisteshaltung und die Erklärung der künstlerischen Formentwicklung sind außerordentlich tief. Völlig Neues bieten die Ausführungen Über den spätanüken Illusionismus. in welchem Salis ein seltsames Verlangen nach dem älnbegrenzten entdeckt. Der Text wird durch eine Fülle von Abbildungen, die in hervorragend übersichtlicher und zwingender Anordnung gegeben sind, erläutert und Iveiter bereichert. 500 Verlobung feiert. Christine aber, in der Ahnungskraft ihrer Liehe, zwingt ihn, die große Reise doch anzutreten: und Severin reift. Als Europa versinkt, versintt die Vergangenheit, ob er sie auch krampfhaft festzuhalten sucht. 3n einer älrwaldnacht, Äug' in Äug' mit dem Tode, fühlt er, wie alle Argumente der Selbstverteidigung der Selbsttäuschung zergehen, und daß das Ur- leid der Ieht-Lebenden: Getötet zu haben! nur durch ein Äch- Fallenlassen erlöst werden kann. Für die zu Hause, für fein Mädchen fällt er in den Tod, für sich fällt er ins Leben, in urwaldüppiges Leben. Wollust und Schlaf, sinkt zurück in die Gottheit. 478 — Hans Grimm: Volk ohne Raum. Roman in zwei Bänden. (Verlag Albert Langen. München. Ganzleinen Mk. 25,—.) — Beängstigt ob soviel Stoffes wird man ein paarmal die beiden dicken Bände durch die Hand gleiten lassen, bis man sich entschließt zu lesen, älnd dann wird man schnell festgehalten, trotz all der allzusehr ausgesponnenen Rückblicke und Abschweife in weitab vom Thema liegende Fernen, immer wird man wieder zurückfinden und sich hinein- senken in die nicht einmal sehr merkwürdige Geschichte eines jungen Deutschen, der ein Abbild ist unseres Volkes und feiner Sehnsucht nach Klarheit und Erkenntnis, nach Lebensraum, nach Ellbogenfreiheit. Dieser Cornelius Friebott zieht hinaus vom heimatlichen Weserbergland in das rheinische Industrierevier. fort vom deutschen Boden zum Kapland, Schulter an Schulter mit den stammverwandten Duren ringt er gegen das übermächtige England, findet schließlich eine Stätte des Bleibens auf deutsch-afrikanischem Boden. Wild schlingert sein Lebensschiff, bis es endlich wieder am Wesergestade festmacht, von wo es ausfuhr, um ein größeres Deutschland zu suchen. Es ist ein stark soziales und ein stark politisches Buch, ein Erziehungsroman zum Deutschtum, aber ohne jede aufdringliche Tendenz, ohne lautes Getue. Aber was uns Deutschen not Politik und Geschichte. — Max Springer, Die Fr an s 0 J e n - Herrschaft in der Pfalz 1792 bi s 1 8 1 4 (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart 2?tibma band 12,50 Mk ). — Als Ergebnis gründlichsten Aktenstudiums legt der Heidelberger Historiker hier ein umfassendes, die kleinsten Details zu einem sorgfältig gegliederten Gesamtbild ordnendes Werk vor, das nicht nur als Landesgeschichte der Pfalz für einen engen Kreis äad)genoffen und Landsleuten von Wert ist, sondern durch die Thema sie llung und die Art der Dnrchsnhrung allgemeine Bedeutung gewinnt Ai aller kritischen Sachlichkeit des Verfassers ist doch ein er- chütterndes Bild von den Leiden eines Volkes entstanden das heute wieder tote damals be- onders hört die Faust der Fremdherrschaft dulden mutz. Politisch ist das Buch von autzer- ordentlichem Interesse. Es gibt als Geschichte dem nachdenkenden Leser die Fäden an die Hand zur Erkenntnis der Art und der Ziele damaliger und heutiger Rheinpolitik Frankreichs. (368) — Demosthenes von Georges Cle- mence au (Verlag von Benno Schwabe & Co. in Basel, Preis 3,20 Mk.) Clemenceau, der große Politiker, der hinreißende Redner, der Retter Frankreichs ist heute ein vergessener Mann, ein Unbequemer, fast ein Unheimlicher, den ein undankbares Volk nicht schnell genug beifeite- schieben konnten, als seine Energie, sein unbeugsamer Wille zum Siege, Frankreich als Sieger nach Versailles geführt hatte. Als bald Neunzigjähriger schreibt er sein Testament, die Geschichte des griechischen Staatsmannes und Rhetors, dem es nicht gelungen war, fein Volk, das eben noch so herrliche Waffentaten gegen die Perser vollbracht hatte, vor der Herrschaft Philipps von Makedonien zu bewahren. Clemenceaus Buch ist mehr als die tragische Geschichte dieses Griechen und seines Volkes, es ist das Vermächtnis eines Staatsmannes, der viel erfahren hat und viel zu sagen hat, auch uns zu sagen hat, die wir mit dem Namen Clemenceau die Er- drücklichkeit. — Alfred Dock: Die Pariser. Roman. Mit Bildern von Carl Bantzer. 191 Seiten 8°. Ggnzleinenband 6 Ml. Deutsche Landbuchhandlung G. in. b. H., Berlin SW. 11, 1927. — Im Jahre 1909 ift dieser „Roman aus Hessen" zum ersten Male erschienen: ein Werk von erstaunlicher Geschlossenheit und Reife. Ein Kulturbild, das aus der abgelegenen Enge der hessischen Dorfwelt, über Grenzpfähle und Meilensteine hinaus, zu ergreifenden Menfchen- bildern und Seelenspiegelungen sich weitet. Bei aller Bodenständigkeit, aller Schollenverbundenheit, allem Erdruch (der aus einer unendlich schlichten und würzigen, bildergesättigten Sprache auffteigt) ist diese Schilderung weit mehr, als — Raabe, feine Zeit und feine Berufung. Von Wilhelm Heeß. Derlagsanstalt Herrn. Klemm, QI.-®.. Derlin-Grunewald. — In dem vorliegenden Werk hat der Verfasser sich die Aufgabe gestellt, eine geistesgeschichtliche Deutung von Wilhelm Raabes Leben und Werk im Zusammenhang seiner Zeit zu geben. Heeß führt auf diesem Wege sowohl zu einem fest umriffe- nen Urteil über den Dichter, wie auch zur Erkenntnis einer tieferen Schicht der historischen Wirklichkeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in die Raabes Schaffen fällt. Durch den zufammenfässenden ileber&lid auf jene Zeit wird deutlich gemacht, wie durch das Eingehen des Dichters in eben diese Zeit seine "Werke, die schon zu seinen Lebzeiten altmodisch waren, ins Unbedingte und Ueberzeitliche gewachsen sind. Ihr Gewicht liegt auf dem Reinmenschlichen, im Seelischen, oberhalb der politischen Sphäre, in welcher Raabe als unabhängiger Denker stand. Sich tief hineinfühlend in die soziale Frage, mit einen Sympathien bei den Bedrückten in volk- verbundener Menschlichkeit stehend, ist fein Werk, obwohl er persönlich bejahender Staatsbürger war, doch ein latenter Gegenpol seiner Zeit. Zu dieser Erkenntnis führt uns H?eß in feinem tiefschürfenden Buch, das seine Entstehung einer Doktordissertation verdankt, welche Grundlage zugleich die Erklärung gibt zu den vielen, den Leser vielleicht befremdenden, wissenschaftlichen Fach- und Fremdworten. (546) E. v. M a s s 0 w. — Vom Werden und Wesen der Bühne. Don Dr. Johannes Günther. (In der Sammlung „Wege zur Bildung", herausgegeben von Dr. Friedrich Matthaesius.) 274 Seiten 8° mit 16 Bildtafeln. C. Dünnhaupt Verlag, Dessau. — Dieses Buch ist eine ausgezeichnete Arbeit; und zwar einmal deswegen, weil sie mit einer sehr sympathischen Gründlichkeit, Belesenheit und Sachkenntnis geschrieben ist. Dann aber — und dies ist für Wert und Bewertung des Werkes ebenso wichtig —. weil das ganze mit dem Herzen geschrieben ist. Das will sagen: unbeschadet einer auf vielseitige, praktische Erfahrung gegründeten, notwendigen Kritik — geschrieben aus Liebe zum Theater und im Glauben ans Theater, vielleicht an das kommende im gegenwärtigen. Diese Grundeinstellung berührt wohltuend angesichts der immer wieder zu spürenden Hoffnungslosigkeit, der beliebt gewordenen snobistischen Gebärde der Allerweltsleute, denen nichts gut genug ift und nichts imponieren kann Wiedererweckung nicht ganz ohne aktuelles Interesse sein würde für unsere Gegenwart, die sich um einen Ausgleich zwischen denselben oder ähnlichen Gegensätzen sozialer, politischer und religiöser Art bemüht, wie sie schon das lutherische und vorlutherische Jahrhundert erfüllt haben. 530 — Walter Angel: „D er Günstling des Zaren". Verlag Ernst Keils Nachfolger (August Scherl) G. m. b. H., Leipzig. Ganzleinen vollzogen, da überfällt ihn tiefe Schwermut, nicht ohne Grund. Er mutz einen furchtbaren Kampf bestehen mit dem Erdriesen, der verkörperten geistlosen Materie, die doch nach Durchgeistigung lechzt. Die Materie siegt über den Geist — den ewigen Menschen, wie er auch genannt wird. Aber sterbend erblickt Aeon die Welten- Mutter, wie sie sich in Gestalt eines Adlers in die Lüfte erhebt — fein verjüngtes Ebenbild — Sfaira, den verjüngten Geist, der Völkern und Erde einen neuen Frühling verheißt. 406 — Hermann Sudermann, Der tolle Professor. Ein Roman aus der Bismarckzeit. Ganzleinen Mk. 8,50. Verlag der 3. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin. — Jahrelang hat Hermann Sudermann als Erzähler geschwiegen. Aber sein episches Werk, das in großer Linie von „Frau Sorge" und „Kahen- fteg“ über die Romane „Es war" und „Das hohe Lied" bis zu den geradezu klassisch g' wordenen „Litauischen Geschichten" führt, h« in dem neuen Roman „Der tolle Professor" eine । Fortsetzung gefunden, die den Dielumstrittenen mit einem Schlage wieder in den Mittelpunkt des I Interesses rückt. — Um die Gestalt eines hoch- in Auffassung und Darstellung anmutenden Seiten. Diese Fortsetzung, die die unter so Wenig glücklichen Auspizien begonnene Che Kristens mit einem Manne schildert, dem die Frau im Grunde keine Achtung entgegenbringen kann, ist milder, versöhnender in dem wechselseitigen Sichfinden der Ehegatten. (351) — Monika Hunnius: "Baltische Häuser und Gestalten. Eugen Salzer, Verlag. Heilbronn. — Die Treue des Balten zu dem Lande seiner Väter weht uns an aus jeder Seite. Wir lernen das Land lieben und verstehen, und mit ihm die Menschen, die Monika Hunnius vor uns hinstellt: adelige Männer und zarte Frauen, voll Poesie der Seele, voll lebensfroher Frömmigkeit und hoher Kultur des Geistes. 507 Schöne Literatur. „Aeon vor Syrakus", Drama von Alfred QU 0 mbert. Pappbd. Mk. 3,50. Insel- Verlag in Leipzig. — 3n dem Schluhdrama seiner Trilogie „Aeon vor Syrakus" zeigt Mom- bert den Oleon auf einem Dreimaster, der sich soeben vor Syrakus verattkerte. Einer nach dem anderen ziehen die zu Geschichte gewordenen Völker in ihren besten Vertretern an ihm vorüber. Er selbst — der Geist, der Gott der Erde, hat sie ins Leben gerufen, um die Verkörperung seiner tiefsten Sehnsucht — ein Voll der Vollkommenheit und Vollendung zu schauen. Hnb jedes Volk verkörperte doch nur eine Seite seines Idealbildes, selbst das lichte, frohe Griechenvolk. Und deshalb verfielen sie alle, die Völker vom Sonnenaufgang bis zum Niedergang dem unzertrennlichen, unheimlichen Begleiter des Leben schaffenden Aeon, — dem 3er- trümmerer. Selbst das mannhafte, schaffensfrohe Voll der Deutschen schien dein Untergang geweiht. Da beschloß Oleon aus todwunder Seele, ein neues Volk zu schaffen, das nicht gehemmt fei durch Erdgebundenheit. Auf freiem Meere verbindet er sich ein zweites Mal mit Semiramis, der Welten-Mutter. Kaum ist die Vereinigung tut. wo unseres Volkes Schicksal liegt, lehrt der Dichter aus eigener, schwerer Erkenntnis. 369 - Von Zauberern und Soldaten, beschichten von Wolfgang Goetz. Verlag von Adolf Bonz & Comp., Stuttgart. Inhalt: Der Vater. Erfüllung. Meteor. Der Held. Summa. Marengo. Der Marschall und die Eva. Das Lebendige. — Ein Vand Erzählungen von dem Verfasser des Dramas „Gneisenau". , Sie behandeln Fragen, die die Welt von jeher beschäftigt haben, das Problem von Vater zu Sohn, von Weisheit und Aberglauben und das des unfreiwilligen Heldentums. Die Vorbilder sind der Geschichte entnommen (Goethe, Napoleon, Luther) und verraten eine genaue Kenntnis der Zeit und der Menschen. Der Stil ist ganz modern, die Darstellung voll Phantasie und Lebendigkeit. 524 — „Fe me", Roman von DickiVaum. (Verlag Ullstein, Berlin, Preis 3 Wk.) Vicki Vaum, deren Bücher durch das große Können und die tiefe Menschlichkeit ihrer Verfasserin immer stärker aus den Tagese^cheinungen her- ousragen, gibt hier mit unheimlicher Gewalt • einen packenden Roman unserer Tage. Die dunklen Vorgänge in den Seelen fanatischer Menschen, mit den Augen eines Dichters gesehen, mit dem verstehenden Herzen einer Frau erzählt, erleben wir mit. Frei von jeder Parteitendenz ist hier mit dem Schicksal eines jungen Menschen die Tragik jener unbefriedigten Jugend unserer Tage gestaltet, die von den Irrungen und Wirrungen unserer Zeit erschüttert und aus der Bahn geworfen wird. Erst die härteste Lebenserfahrung einer gehetzten Flucht führt den jungen Menschen zur Erlenntnis seiner Schuld und zur Sühne, der versöhnende Ausklang des Buches ist Dort tiefer, erschütternder Menschlichkeit. 467 - Elisabeth, dos tolle Jahr 1 848. Roman von Frieda von Oppeln (Verlag K. F. Kochler, Berlin W. 9, Ganzleinen 8 Mk.) Die Wittelsbacherin auf dem preußischen Königsthron, die Gemahlin Friedrich Wilhelm IV., ist vielleicht am wenigsten von den preußischen Königinnen des letzten Jahrhunderts über einen kleinen Kreis Eingeweihter hinaus bekannt geworden, nie eigentlich populär geworden. Daß cs sich lohnt, sich mit ihrer Persönlichkeit zu befassen, zeigt dieser Roman, der bei der Schilderung ihrer Jugend- und Brautzeit leider allzu serrtimental wird, jedoch die Revolutionsjahre, besonders auch die verhängnisvollen Märztage des Jahres 1848, sehr lebendig zu machen weiß. Der Hamletcharakter Friedrich Wilhelms IV. wird gut gezeichnet und auch die Rolle Elisabeths an der Seite gerade dieses Gatten mit sehr feinem, warmem Empfinden geschildert. 480 — Helene Chri st aller: „Das Tagebuch der Annette", Basel, Friedrich Reinhardt. — Schon die ersten Seilen des Tagebuchs der Annette v. Droste-Hülshoff versehen empfängliche Leser in eine erhöhte Stimmung. Die eigenartige Melodie der Reflexionen überrascht das Liebenswerte einer großen Persönlichkeit, die Tiefe ihrer Innerlichkeit und nicht zuletzt die wundersame Art ihrer Naturbeobachtung werden offenbar. Man begleitet Annette auf ihrem Weg zur künstlerischen Vollendung. Rie reißt Leidenschaft, äleberspannung der Gefühle sie fort. Ihre Liebe zu Levin Schücking verleiht, so scheint es, ihrem Dasein den höchsten Wert und doch wachsen die Urkraft ihres Genies, ihre Verbundenheit mit dem Ewigen darüber hinaus. Die Sprache des Tagebuchs entwächst poetischem Boden. Den Charakter der Annette, die Harmonie ihres Wesens zu schildern, erschien Helene Christaller als höchstes künstlerisches Gebot. Bei aller Feinheit der Analyse gelangt sie zum Schluß zu vollkommener Synthese. Das Tagebuch, vom Geist echter Religiosität erfüllt, schaut weit über die Beschränkung des Alltags hinaus, hat im Metaphysischen seinen tiefsten Grund. Es kann, ganz abgesehen von seiner ästhetischen Formung, noch eine besondere Mission erfüllen, wenn es den Leser anregt, sich in die Dichtungen der Annette . v. Droste-Hülshoff zu versenken und dabei Stunden der Weche und Erhebung zu erleben. Helene Christallers Gabe, sich in die Atmosphäre der Droste einzufühlen, ist geradezu bewunderswert. A. D. — Insel-Almanach auf das Jahr - 1 92 7. Einen besonders gewichtigen Almanach legt der Insel-Verlag in diesem Jahr seinen , Freunden vor: es ist ein Almanach, in dem die Novelle die Führung hak: nicht weniger als fünf Vas grotze Würfelspiel. Martina Dilemar.) Roman von Franz Laver Kappus. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die wenigen Zeilen teilten die Adresse Doktor Georg Morells mit: Kassel. Landkrankenhaus. Ein Zeitungsausschnitt war beigefügt. Ausführlich berichtete das Prooinzialblatt über einen Streit Morells mit der Aerztekammer. Darin war von einem Vortrag die Rede, in dem die Kunst der Internisten in Zweifel gezogen wurde. Achtzig Prozent aller inneren Diagnosen wären falsch, sollte Morell behauptet haben. Nicht recht klug wurde Carsten aus den langatmigen Ausführungen. Immerhin: nun wußte er, wer Doktor Morell war. Carsten stützte den Kopf in die Hand. Wohin steuerte er? Wieder war eine Stunde da, in der alles schwankte. Einen dicken Strich hatte man unter sein früheres Leben gezogen und ein neues begonnen. Dennoch blieb die innere Befriedigung aus. Dennoch regten sich Zweifel auf Schritt und Tritt. Dennoch grollten die Menschen. War es nicht ein wenig gleiches Auf und Nieder? Das Brot, das man dem einen entzog, reichte man dem anderen. Sicherlich hatten während der letzten Monate viele Leute Geld verloren. Der plötzliche Kurssturz der Terag- und Baugesellfchafts-Aktien, der Abbau seiner Bureaus in Berlin, Hamburg und Frankfurt, die Schwierigkeiten, in die die Bodenbank nach seinem Ausscheiten geraten war: all das belastete Carstens Gewissen. Was frommte es dagegen, daß er billige Wohnungen schuf, daß er ein Krankenhaus für Arme baute, daß er jeden Augenblick in die Tasche griff, um Bedürftigen zu geben? Konnte man überhaupt gut sein in dieser Zeit? War es nicht gleich, was man tat? Wie hatte doch Julie gesagt: „Keiner ist schlechter als der andere, Wir alle wehren uns nur." Stürmisch rumorte Carstens krankes Herz. Alle Gedanken mündeten bei Julie. Am Ende jeder Erwägung, jedes Gefühls, jeder Pein klang ihr Name. Bestand sie ihn, verstand sie ihn nicht? Er konnte es nicht sagen. Nur sein Blut rauschte, wenn er ihrer gedachte. Perworren wurden seine Worte, wenn er Rovellen der verschiedensten Art sind darin enthalten. Die Tragödie der Liebe könnte man die Novelle von Ricarda Huch „Graf Mark und div Prinzessin von Nassau-^lsingen" überschrei- besi; aus einem noch nicht abgeschlossenen Werk stammen die Episoden „Grünes Tischchen und verlorner Schlüssel" von Hans Carosfa: „Die Tür der Falle" ist dem neuen Novellenbande von Sherwood Anderson „Das Ei triumphiert" entnommen; in der Novelle „Die unsicht- bave Sammlung" behandelt Stefan Zweig ein tragisches Sammlerschicksal; tiefgründiger Humor zeichnet Otto von Taubes Novelle „Asna Papiria" aus. Daneben stehen Beiträge in Vers und Prosa von Rainer Maria Ribke (neue Gedichte). Rudolf Alcxand er Schi öder (eine üefccrtra.gung aus der „Ilias"), Albrecht Schaeffer (eine Ballade), Theodor D äubler (Gedichte), Alfred Mom- bert (eine kosmische Phantasie), sowie Proben aus Büchern des Verlags. Acht Bilder, darunter eine Aufnahme Eleonora Duses aus den letzten Jahren sind dem Almanach beigegeben. 547 — Nach einer Pause von mehr als zehn Jahren tritt der Insel-Verlag in Leipzig mit der Vollendung eines Unternehmend hervor, dessen Begin» bereits vom schönsten Erfolg begleitet war: die Sammlung „Alte und neue Lieder mit Bildern und Weisen", zu deren ersten vier Heften, die in dieser neuen Auflage im 76. bis 80. Taufend vorliegen, weitere vier getreten sind. Mit vielem Glück ist hier eine schöne alte Tradition wieder aufgenommen und in moderner Weise fortentwickelt worden. Den zweistinvnig mit Lautenbegleitung gesetzten Text zieren "Alder von Meistern der Illustrationskunst des 19. und 20. Jahrhunderts: Ludwig Richter, Adolf Menzel, Moritz von Schwind, Alfred Re- thel, Adolf Schrodter, Max Slevogt, Hans Meid, Leopold Graf von Kalckreuth und anderen. Die Sammlung ist im Auftrage des Verbandes Deutscher Vereine für Volkskunde und der Preußischen Volkslied-Kommission herausgegeben von Johannes Bolte, Max Friedlaender, John Meier, Friedrich Panzer und Max Rödiger. Mit dieser Vereinigung von Text, Bild und Weise ist ein echtes Vvlksliederbuch entstanden, das fürs Haus und zum Wandern gewiß bald seine LInentbehvlichkeit erweisen wird. Jedes der acht Hefte tüfteit broschiert 80 Pf., die Sammlung in einem schönen Leinenband 6,80 Mk. (526) Verschiedenes. — Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts begründete Wilhelm Häring (der als Willibald Alexis und mit den „Hosen des Herrn von Bredow" bekannt wurde) zusammen mit dem Hoffmannbiographen Hitzig den „Neuen Pitaoal" eine auf viele Bände angewachsene Sammlung merkwürdiger und berühmter Kriminalfälle aus alter und neuer Zeit. Im Berliner Verlag Die Schmiede gibt Rudolf Leonhard jetzt eine Sammlung heraus, die als Weiterführung und Ergänzung für die neueste Zeit und jüngste Gegenwart angesprochen werden kann. Die RÄhe heißt: Außenseiter der Gesellschaft (Die Verbrechen der Gegenwart), umfaßt bereits zahlreiche Nummern und wird fortgesetzt. Literarisch sehr namhafte Autoren findet man unter den Mitarbeitern. Das Ganze vermittelt zweifellos eine nicht uninteressante Lektüre; hier liest man den Kriminalroman sozusagen im Urtext; als aktenmäßiges document humain, der romanhaften Phantasie entzogen, wiewohl psychologisch- kritisch gewürdigt. Daß eine solche Sammlung stets auch bedenkliche Schattenseiten hat, steht im Hinblick auf Fälle wie Haarmann und Angerstein wohl außer Zweifel. — Uns liegen die folgenden Bände vor. „Germaine Berwn (von Iwan Goll) und „Der Fall Rcwachol" (von H o l i t s ch e r), beides anarchistische Mordaffären, können als Komplemente gelten. Die ebenfalls politische Affäre Blau wird von Traut- n e r reichlich breit und unnötig sensationell aufgezogen. Ein sehr finsteres Kapitel behandelt Ernst Weiß mit dem Prozeß der Giftmischerin Vuko- brankovicz. Am interessantesten ist wohl der berühmte „Fall Strauß" von Karl Otten ; eine gut geschriebene Monographie. Der aus seinem Streit mit der hannoverschen Studentenschaft her in der breitesten Öffentlichkeit bekanntgewordene Professor Theodor Lessing untersucht in einer sich bei aller angestrebten Sachlichkeit wie ein erschütternder Roman lesenden Schrift den Fall Haarmann („Die Geschichte eines Werwolfs"). Scharfes Licht fällt dabei auf die sittlichen Zustände in den deutschen Großstädten in der Revolutions- und Infla- zu ihr sprach. Einmal, ein einziges Mal, hatte er sie in diesen Wochen geküßt. Die Schwäche durfte nicht wiederkommen. Noch tagelang hatte es ihm wie Blei in den Gliedern gelegen. Alle (Energien waren verpufft. Sein neues Werk wankte. Man mußte Sicherheit haben. Doktor Morell mußte helfen. Bernhard Carsten fuhr nach Kassel. Die hügelige Stadt lag sonnenüberglänzt in ihrem Talbecken. Das Land-Krankenhaus auf dem Müncheberg war nach dem Pavillon-System gebaut. Eine Schwester wies Carsten den Weg zum Leichenhaus. Dicht daneben befände sich die Prosektur, hatte der Pförtner erklärt. Carsten wartete eine Weile. Seine Blicke strichen die kahlen Wände entlang. Eine Kastanie schaukelte ihr breites Laub vor Dem einzigen Fenster. Scharf und sonderbar fremd roch die Luft. Doktor Morell erschien, die Visitenkarte Carstens in der Hand. „Sie werden sich vielleicht noch erinnern", sagte Carsten. Morell nickte. „London—Berlin." Die Hände im Schoß seines weißen Kittels, fragte er nicht ohne Ironie: „Womit kann ich heute dienen?" Carsten rang nach Worten. Morell kam ihm zu Hilfe. „Ich habe mancherlei über Sie gelesen." „Das meiste ist entstellt, geradezu tendenziös wiedergegeben", versicherte (Earften. „Die Freunde von einst haben sich in Feinde verwandelt. Wenn es überhaupt Freunde waren." Langsam wurde er warm. Zug um Zug schloß er fein Herz auf. Und schilderte seine Not, seine Zweifel, seine Einsamkeit. „Und da soll ich raten?" „Mehr als raten." Morells graue Augen schloffen sich für einen Vko- ment. „Also helfen? Kein Mensch kann dem anderen helfen. In solchen Dinaen schon gar nicht." Carsten widersprach. „Und auf dem Flug über den Kanal — wer hat mir da geholfen?" „Doch nicht ich?" „Sie haben mich zur Sefinnung gebracht", stieß Carsten beinahe schroff hervor. „Sie haben mir die Wahrheit in das Gesicht gesagt. Ihnen danke ich meine Wandlung." ttonszeit, nicht minder grell beleuchtet wird aber auch das kriminalpolizeiliche Spitzelunwesen. Alfred Däblin gibt in dem Band „Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord" zum Nachdenken anregende Blicke in die weibliche Psyche, E. E. Kisch bringt den Fall des Generalftabschess Redl, der seinerzeit einmal viel Staub aufwirbelte. Alles in allem eine Sammlung, die auf die tiefste Sohle des menschlichen Jammertals führt. 449/56 — Hessischer Landkalcnder für das Jahr 1 927. Herausgegeben im Auftrage der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen von Karl Esselborn. Darmstadt, C. F. Wintersche Buchdruckerei 1926. Preis 70 Pfennig. — In dem soeben erschienenen neuen Jahrgang des Landkalenders vereinigen sich Wort und Bild aufs glücklichste, uns Schönheit und Eigenart unserer hessischen Heimat vor Augen zu fuhren. Dazu tritt eine Reihe gut ausgewählter. Herz und Gemüt erfreuender kleinerer und größerer Erzählungen, von denen als besonders zum Nachdenken anregend Alfred Bocks Lumpenmannsgritt und R. Kissingers Gute Lehre angeführt feien. Dankenswert ist auch, daß Kissinger zwei Beispiele von Hessen- treue aus dem Weltkrieg der Vergessenheit entrissen hat. Auch diesmal stammen alle Beiträge von geborenen Hessen ober solchen, die engere Beziehungen mit Hessen verbunden haben. Daß jedem Monat ein Gedicht eines unserer Besten beigegeben ist, ist ein weiterer glücklicher Gedanke des Herausgebers. Jedenfalls ist sicher, daß der neue Jahrgang zu den vielen alten Freunden des Kalenders noch eine stattliche Anzahl neuer werben wird. 481 — Die Heimat als Quelle der Bildung. Don Ernst Wachler. Mit 15 Abbildungen. (Bios-Bücherei, herausgegeben von R. H. France.) R. Voigtländers Verlag, Leipzig. — Wachler greift hier den alten, vielfältig zu belegenden Gedanken auf, daß der wahre Kern, aus dem allein jegliches Bildungsgut für eine Nation sich entwickeln könne, die Heimat fei. Der Verfasser erhebt den Satz zur kategorischen Dil- dungsforderung einer völkischen (oder volkheit- lichen) Erziehung und Eigenkultur. Die Schrift bringt manchen guten und gesunden Gedanken- gang, erscheint aber gleichwohl von einer gewissen Einseitigkeit ihrer Grundeinstellung nicht freizusprechen. Die rigorose Ablehnung der „falschen Dildungsziele" (des lateinischen, humanistischen, französischen usw.) erscheint immerhin bedenklich. 476 Spanische Eindrücke. Don unserem nach Spanien entsandten Z.- Sonderberichterstatter. Madrid, Oktober 1926. (Dgl. Nr. 235 des G. A. vom 7. Oktober.) Wir wiesen in unserem ersten Artikel bereits hin auf die schwere Wirtschaftskrisis, die Spanien bedroht. Diese Krisis besteht schon lange. Die schlimmsten Pessimisten behaupten sogar, sie bestände bereits feit dem Tode Kaiser Karls V. Dorherrschend ist in ganz Spanien die Meinung, daß die Katastrophe von 189 8, der Krieg mit den Vereinigten Staaten, diese Krisis sehr verschärft habe. Es fehlt nicht an Stimmen, die behaupten, Königtum und Geistlichkeit hätten in Spanien lange viel zu starke Eigenpolitik betrieben, die weit über die Kräfte des Landes hinausging. Diese Frage bleibe hier unerörtert. Weit sinnfälliger ist die Tatsache, daß der Gegensatz der einzelnen Provinzen in Spanien auch heute noch ungeheuer groß ist. Der Katalane haßt den Andalusier. Beide blicken mit Verachtung auf den Bewohner von Madrid herab. Das einzige, alle einigende Band ist und bleibt eigentlich nur die Religion. Selbstverständlich liegt in dieser Uneinigfeit allein ein außerordentlich erschwerendes Moment für eine gedeihliche Entwicklung des ganzen Landes. Noch ungünstiger sind geographische Schwierigkeiten, großer Wassermangel in weiten Teilen der Halbinsel, schlechte Straßen usw. Von 47 spanischen Provinzialhauptstädten liegen 17 in einer Höhe von 528 Meter (Toledo) bis 1132 Meter (Segovia). Man muh sich diese Tatsache vergegenwärtigen bei der Beurteilung der landwirtschaftlichen Lage Spaniens (Regulierung der Wasserläufe usw.). Bereits Ende des 18. Jahrhunderts waren 1 67? 172 Menschen in Spanien in der Landwirtschaft tätig. Die Aufhebung der Majorate brachte große Desihver- „Oder dem Zyklon", lächelte Morell. „Wenn Sie nicht so deutlich gewesen wären: weiß Gott, vielleicht handelte ich heute ebenso mit Grundstücken. Sehr wahrscheinlich sogar. Aber Sie haben mich einen Schurken genannt Das hat mich aufgerüttelt. Das hat mir die Augen geöffnet." „Das Licht scheint Ihnen nicht sonderlich zu bekommen Sie nach Berlin! Zufällig weiß ich, daß spitze. „Allen Blinden, die plötzlich sehend werden, geht es am Anfang so." Nach einer Pause fragte er beyutsarn: „Wie könnte ich Ihnen also helfen, Herr Carsten?" „Sie können es, nur Sie!" „Sehr schmeichelhaft. Aber Sie müssen deutlicher sein." _ • Die Schultern hochgezogen, blickte Carsten den Arzt an. Sein voller Mund bewegte sich, ohne daß ein Laut hervorkam. Plötzlich sprang er auf und faßte Morell beim Handgelenk. „Kommen Sie mit mir, Herr Doktor Morell! Lassen Sic das da und körnen Sie nach Berlin! Zufällig weiß ich, daß auch Sie gegen den Strom schwimmen. Sparen Sie Ihre Kräfte. In Berlin haben Sie freie Bahn. Wir brauchen einen tüchtigen Direktor für unser Krankenhaus — werden Sie der Direktor unseres Krankenhauses!" Die Stimme Carstens fiel herab. „Vielleicht können Sie dann später einmal auch mein Freund werden." Kleinlaut fügte er hinzu: „Wenn es Ihnen nicht allzu schwer fällt." Er setzte sich wieder. Morell lehnte an der Wand. Lange schaute er zur weißgetünchten Zimmerdecke empor. Erwartungsvoll hing Carsten an seinen Mienen. Leise arbeiteten die Kiefer des jungen Menschen. Erst jetzt bemertete Carsten, daß Morell höchstens fünfunddreißig Jahre zählen konnte. Nur wenn er redete, sah er älter aus. Endlich sprach Morell: „Es ist ein Unterschied zwischen Arzt und Arzt. Was mich betrifft: feit vielen Jahren arbeite ich nur als pathologischer Anatom. Mein täglicher Umgang sind Leichen, immer wieder nur Leichen. Ich prüfe die Diagnosen nach. Darum bin ich in der Praxis ziemlich unerfahren. Don der Spitalpraxis ganz zu schweigen; die erfordert ja auch besondere Erfahrungen in der Verwaltung. Ich habe diese Erfahrungen nicht." Schon stand Carsten auf den Beinen, „Sie lehnen ab?" änberungen mit sich. Wohl ergaben sich hieraus neue Anreize für die Landwirtschaft, aber Spanien vermochte sich doch nicht mehr selbst zu ernähren. Seit 1850 beginnt das Land sich zu entvölkern. Cs fehlt an dem nötigen Getreide. Politische Unruhen, Mangel an Straßen sowie die Plnsicherheit auf dem Lande hemmten die Entwicklung der Landwirtschaft fortgesetzt. Man wirft sich auf den Weinbau. Die Wein- ansfuhr nahm rasch zu. Sie betrug 1867: 940943 Hektoliter, 1873: 2 047191 Hektoliter und 1891 bereits 11 081 540 Hektoliter. 1892 sank die spanische Weinausfuhr wegen der starken französischen Konlurrenz um über 50 Proz. Dafür nahm die Ausfuhr von Gemüse und Früchten stark zu. Die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte (außer Olivenöl) betrug 1900: 211 000 Tonnen. Sie stieg bis 1913 über 70 Proz., nämlich auf 345 000 Tonnen. Im Kriege litt der Weinbau in Spanien stark unter Thhllosera. Wir erwähnen diese Ziffern im einzelnen, um damit darzutun, welche große Bedeutung man hier den deutsch-spanischen Handelsvertragsverhandlungen beimißt. Man setzt hierauf große Hoffnungen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wird ausschlaggebend bleiben für die Stimmung gegenüber Deutschland. Selbstverständlich bleibt dre Weinfrage bei diesen Verhandlungen nicht allein ausschlaggebend, denn die Weinanbaufläche hat sich in den letzten Jahren um 10 Proz. vermindert. Dafür entwickelte sich die Oelbaumkultur um fo stärker. Es gibt Gegenden, in denen ein einziger Oelbaum ein Iahreserträgnis von 2 -300 Peseten abwerfen kann. Ein einzelner Dauer kann daher in der Tat von 10 bis 20 guten Oelbäumen zur Not leben. Ein volles Viertel der gesamten "spanischen Fruchtausfuhr entfällt allein auf Apfelsinen, davon kommen nicht weniger als 75 Proz. aus Valencia und plmgebung. Stärker angebaut wird in den letzten Jahren auch Zucker. Bis 1896 stammte 3/s des im Lande verbrauchten Zuckers aus den Kolonien, 2/ö aus Spanien selbst. Durch neue Zollgesetze wird der Zuckerrübenanbau nunmehr gefördert. Er beträgt jetzt rund 60 OOOHektar, man will ihn jedoch bald auf 100 000 Hektar erweitern. Von den vorhandenen 50 000 Millionen Hektar Land sind augenblicklich etwa 20 000 bebaut, 25 000 sind Wälder und Wiesen, 4000 unbebaut und 2000 entfallen auf Ortschaften, Wasserläufe und Straßen. Don den Wäldern gehören rund 41/2 Millionen Hektar den Gemeinden, 175 000 Hektar dem Staat, 3000 Hektar Privaten und 6000 Hektar landwirtschaftlichen Genossenschaften. Kleinbesitz ist in Spanien nicht unbekannt, hauptsächlich jedoch findet man Mittel- und Groß- befih. Von dem vorhandenen Viehbestand sind über 20 Millionen Stück Hammel, 5 Millionen Schweine, 4 Millionen Ziegen, 3,7 Millionen Rinder, 2,4 Millionen Esel und Maultiere und 0,7 Millibnen Pferde. Jahrhundertelang genossen besondere Viehzüchtervereinigungen sämtliche Privilegien, die damit oftmals starken Mißbrauch trieben. Das ist in der letzten Zeit besser geworden. Die wirklich bewässerte Oberfläche des Lan- des ist im Verhältnis zur Anbaufläche sehr flein. Der Bau von Bewässerungsanlagen schreitet jetzt rüstiger vorwärts. Es fehlt nicht immer an Wasser, aber man versteht es nicht recht auszunutzen. Der Staat hat ein großes Bewässerungsprogramm (Talsperren usw.) ausgearbeitet, das die regelmäßige Bewässerung von P/2 Millionen Hektar Vorsicht, doch ist davon bisher erst ein geringer Teil ausgeführt worden. Es fehlt dafür an Geld. Alle Barmittel verschlang der Marokkokrieg. Die Finanzkrisis des Landes wird durch diesen Feldzug immer bedrohlicher. Auch Primo de Rivera vermochte diese Krisis nicht zu lösen. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Donnerstag, 14. Oktober. 3.30 dis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45: Konzert des Hausorchesters: Operettenmusik. 5.45 bis 6.05: Die Lesestunde. 7: Uebertro- qung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Manon". Oper in 4 Akten von Jules Massenet. Anschließend bis 12: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik. „Ich muß ablehnen." Morell reichte Carsten die Hand. „Mein Dank ist deshalb nicht weniger herzlich." Es war, als sänke Carsten in sich zusammen. „Und später auch nicht?" fragte er nach einer Pause. Als befände er sich in einer Wüste, so verlassen kam er sich plötzlich vor. „Später auch nicht? Nach einem Jahr, nach zwei Jahren? In der Zeit könnten Sic sich irgendwo einarbeiten, im Virchow- Krankenhaus ober sonstwo in Berlin. Auch dann nicht, Herr Doktor?" „Auch dann nicht." „Ja, warum beim?" fragte Carsten hilflos. Morell deutete auf die Tür, die zum Nebenzimmer führte. , „Das da hält mich zurück. Erschrecken Sie nicht, Herr Carsten: ich kann meine Leichen nicht mehr missen. Ich habe mich an sie gewöhnt. Sie sind zwar stumm und tot: aber was ich vom Leben weiß, habe ich von meinen Leichen gelernt." XII. Enttäuscht, müde, verzagt traf Bernhard Carsten wieder in Berlin ein. Was sollte er tun? Trotz der frühen Stunde klingelte er Julie an. Obwohl er seinen Namen nicht genannt hatte, fragte eine Stimme: „Herr Carsten?" Die weibliche Stimme gehörte nicht Julie; sie schwang in einer dunkleren Lage. Sofort legte Carsten den Hörer nieder. Zwei Stunden später rief Julie an. Ob er schon wieder daheim sei? Und wie es märe, wenn man nachmittag irgendwohin ins Freie führe? Je näher der Sommer kam, um so öfter wollte Julie aus der Stadt. Seit der Abreise Lilys war es still geworden. Von früh bis in die Nacht verweilte Ernst bei seinem Bau. Verlassen lagen die zehn Zimmer. Bescheiden war alles wieder in ein regelmäßiges Gleise gekommen. Bei dem einen Mädchen mußte es bleiben und bei den Kleidern und Hüten vom vorigen Jahr. Doch alle Schulden waren be,zahlt. „Nach dem Werder, Wildpark?" fragte Julie. Carsten bejahte. Man fuhr also hinaus. In voller Blüte standen die Obstbäume. Weiße und rosenrote Schleier hingen über den Gärten an der Havel. Gläsern schillerte die Luft. Voll Sonne, Erdgeruch und Blumenduft war jeder Atemzug. (Fortsetzung folgt.) einer Erlanger schwersten wird von Ein weilender Kurgast Hal vor einigen Tagen 7/eder 5 Raucher, einerfä-ngantte Raucht Overstoul, ragendemßfaße zumßtandard-Typ der dazu verwendeten, noch höhere Vie/e ‘Entwicklung tvar möglicfe) ‘Greifefür den Tabapaiuulegen. MS cXsln<9ner(7/ainburg^)resden trrrrr'. hier ein lief, wird aber verftändlid), wenn man die Urfachen betrachtet. ^WEIL urfprünglid) eine gute facf- licfefeiftung vorhanden war, auf der fief eine flarke ßlacffrage auf baute, c^WELLwir alsdann nicht nur un- fereßabnken vergrößerten,fondern auep unfere tyetriebseinriebtungerv verbefferten, c^WElLfyierdurd? die Güte derflrbeit gehoben und gleichzeitig die Unfoßen leicht über Graben und Furchen die Lasten ziehen. DaS neuartige Gesährt vielen Neugierigen bctoimbcrt. Kreis Friedberg WSN. B a d - N a n h e i ni, 12. Okt. t)te Lachen die i weniger hnz- . atentierten Verfahren von ramm iders. imiu.) ir Jugend. 4.30 ers: Operetten- e. 7: llebertro- jus: „Manon' 'f. Anschließend lanzmusik. , uic ’4>reiyDcrteilunfl vor, öie jolgendes Ergebnis halte (cs sind nur die drei Besten in ,eder Stufe genannt): Oberstufe: 1. Preis (146 Punkte) Heinrich 23 rüttel; 2. Preis (144 Punkte) Ludwig Dl ü Iler Und Otto Zöller; Preis (139 Punkte) Llldwig 21 ft 2)1 i 11 e l • stufe: 1. Pr. (156 Punkte) Wilhelm 3 oft; 2. Pr. (150 Punkte) Karl Koch; 3. Preis (142 Punkte) Willi Schardt. U n t c r ft u f c: 1. Preis (129 P.) Ernst Schepp; 2. Preis (128 Punktes Ludwig Schienbein; 3. Pr. (126 Punkte) K. Schaf er. Schülerrieqe: 1. Preis 115 Punkts) 'Wilhelm Bruckel; 2. Preis (109 Punkte) Heinrich Son- derheidl; 3. Preis (100 Punkte) Beruh. M o h r. Bon gröberen Festlichkeiten hatte der Verein diesmal abgesehen, da erst vor einigen Wochen der Ehrenvorsitzende, Förster i. R. Karl Schlag, verstorben ist. bs. TrarS-Horloff. 12 . Oh. DaS Ueberlandwerk der Provinz Over- Hess en läfol chic neue Fern!ei tung vom Wasserwerk 3 n h e i d e n über Grundschwalheim nach Wölfersheim bauen. Gegenwärtig werden die Masten angcsahren, und zwar finden erstmals Ersenbetonmasten Verwendung, die nach einem h Mammen, e er nach einer - Wüste, so «r- iter and) nicht? n? In brr > m, in, ’W®‘ in. ilud) bann QerGefamtverbraurb aller deutfdjen fffg2.igarett.en beträgtmach den letten amtlid)en2jffern monatlich gi^ßlillionenStück^avon entfallen über 5OOßlillionen auf unfereßlarke, OVERSTQL'Z (floß unterfunderten von Sorten Jid) eine einzigeßlarke info über- Firma bcrgcftellt werden. Die sind innen hohl und wiegen je nach der Länge 80 biS 210 Ztr. Der A. E. G. ist der Ausbau der Hochspannungs- leitung übertragen worden. Die Beförderung der Masten zum Standort geschieht mittelst Raupen- Molorschlepper, die ähnlich den Tanks im Kriege rnhard Lochen tun? Trod^ “i"' SS B- !'Ar «! E, »»m 5sr .L^^ibe >Hn lvtvie 's?^'Nten L409« «t in k >da» K -Sö «Ä. e,n^ge bei ..Mchlag. 'n Den Nüt i -um. f° ®«u»n (TO Ikanischei, ^finen Ä.ut wich I; «J 1896 W Durch enmbtw nun- 6öWftir »MnJ 300 Millionen va 20000 be- len. 4000 un. 'Qften, hülfet. gehören ’ Gemeinden, "ar Privaten Genossen- ht unbefannt, l- unö Groß- ; f> a n b finb 8 Millionen l Millionen laulwar mb lang Mvllrn iamüich- Prien Mhbrauch besser ge- äche des ßan» bausläche sehr anlagen schrei- lt nicht immer icht recht allstes Dewässe- uiSgcarbeitcf, on l1/, M- n bisher ech. m. öcmniiiel ver° nmzlrisis des immer bedroh- mmochte diese Oberhefsen. Lalldkrcis b-ietzen. - Klein-Linden, 12. Okt. Am Sonntag veranstaltete der M ä n n e r g c s a n g v e r e i n ,A r i o n" im Saale der „Deutschen Eiche" ein Konzert. Die Vortragssolge war recht geschmack voll zusammengestellt. Der Verein unter seinem Thormeister N i ck o l e i zeigte bei dem Dortrag seiner Chöre, daß Dirigent und oänger von tiefem Verständnis für die künstlerischen Absichten der Komponisten beseelt waren. Warme Anerkennuung verdient auch das Tenorsolo des Herrn Etzel - müller. Mit Genugtuung verdient ferner her- vorgehobcn zu werden, daß der Verein im Rahmen dieser künstlerischen Darbietung das Volkslied bestens zur Geltung kommen ließ und damit seine Gäste in bemerkenswerter Weise aus tostbare Perlen des deutschen Männergesanges hinwies. Reben dem gesanglichen Teil des Programms ist der musikalische Teil als gleich hochstehend hervorzuheben. Hier hatte Kapellmeister K r c n g e l die Lettung während Herr Schwarzlose als gefeierter Solist auftrat. Auch die Leistungen der Kapelle verdienen in allen Teilen warme Anerkennung, «amtliche Darbietungen wurden mit lebhaftem Beifall belohnt. Der Verein kann mit berechtigter Befriedigung nur den ausgezeichneten Erfolg feines Konzerts zurück blicken. • Heuchelheim, 12. Oki. Anschließend an eine Hebung der Freiwilligen Feuerwehr wurde am Samstag den Mitgliedern Karl Germer, Ferdinand Rinn und Jakob Germer III. die ihnen von der Regierung verliehenen Ehrenzeichen für 40jährige und dem Mitglied Friedrich Karl S t e i n m ü 11 e r das für 25jährige Feuerwehr-Dienstzeit durch Kreisfeuerwehrinspektor Dickors überreicht. !—! Lollar-Kirchberg, 12. Oft. Die E i n- weihung unserer neuhergerichteten Kirche zu Kirchberg nahm am Sonntag unter Teilnahme einer äußerst großen Kirchgängerschar einen sehr feierlichen Verlauf, Umrahmt wurde die Feier'von einigen von Lehrer Rabenau, Staufenberg, eingeübten mehrstimmigen Chören der Konfirmanden und einigen von der Feuerwehrkapelle Lollar gespielten Chorälen. Der Weihepredigt hatte der Geistliche, Dekan G u ß m a n n , Kirchberg, den Tert aus dem 2. Buch Moses, Kap. 3, V. 2 zugrunde gelegt. Auch Superintendent Wag- n er und Prälat v. l)r. D i e h l wohnten der Feier bei; letzterer hielt am Schlüsse eine Ansprache über Psalm 73. — Zu dem Bericht vom letzten Freitag ist noch anzuführen, daß die S ch l o s s e r a r b e i« t e n in mustergültiger Weise von Schlossermeister Rutscher, Lollar, ausgeführt wurden. —X— Alten-Buseck, 12. Ott. In der Aacht auf Samstag statteten Diebe den Ä e l - lerräumen von drei am Ortsausgang nach Grohen-Duseck gelegenen Wohnhäusern einen Besuch ab. Die Gauner hatten es auf Lebensmittel abgesehen. Von der Straße aus waren sie durch die Kellerfenster eingestiegen, nachdem sie zuvor die Gitter entfernt hatten. Anscheinend suchten sie in der Hauptsache Kartoffeln und Obst. Wieviel sie davon entwendeten, läßt sich auch nicht annähernd feststellen. Es ist bedauerlich, daß auch diesmal wieder eine K r i e - gerwitwe betroffen wurde, der die Diebe einige Dutzend Eier und mehrere Flaschen Beerenwein Wegnahmen. Bor drei Jahren war derselben Frau die ganze Wäsche abends von nhWs. M NebenM- Jen Li- "M !N nicht wehr hnt. Sie hn 1) vom Leben lernt." Perlenhalsband mit 116 etwa erbsengroßen Perlen und einem goldenen mit Diamanten durchsetzten Schlößchen im Werte von 1 0 0 0 0 Mark verloren. Für die Wiedererlangung ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt worden. OO Rieder-Florstadt, 12. Okt. Gegen den G e m e i n d e v o r a n s ch I a g, der in diesem Jahre sehr verspätet vorgelegt wurde, hatten 11 Steuerzahler Einspruch erhoben. Der Einspruch ging an das Kreisamt, das den Beigeordneten L u x beauftragte, mit den Beschwerdeführern mündlich zu verhandeln. In zwei Ätzungen, in denen der Beigeordnete den Vorschlag erläuterte, kamen die Beschwerdeführer zu der Ueberzeugung, daß die Zustimmung des Gemeinderats zu dem Voranschlag im Interesse der Gemeinde uno der Steuerzahler notwendig war, und zogen ihren Einspruch zurück. Infolge her verspäteten Vorlage des Voranschlags hatte die Gemeinde in der verflossenen Zeit säst keine Einnahme, trotzdem ist. sie bis jetzt mit einem Kassendarlehen von etwa 5000 Mark ausgekommen. — Der Betrieb des Steinbruchs wurde durch Gemeinderatsbeschluß dem Beigeordneten unterstellt, der in kurzer Zeit den gewaltigen Vorrat on Steinen (für etwa 18 000 Mk.) verkaufte. Im Beratungsprotokoll für den Voranschlag wurde vorgesehen, daß bei günstiger Finanzlage am Ende des Rechnungsjahres 1926 das 6. Ziel Gemeindesteuer nicht erhoben werden sott. Obwohl der Voranschlag zahlenmäßig höher ist als der von 1925, sind doch noch nicht in allen Rubriken die notroen- eigen Ausgaben eingestellt, so beispielsweise für die Instandsetzung der Straßen und Gebäude. Werden in einigen Rubriken Ersparnisse gemacht, bann ragendemßlaße xumßtandard-Typ gefenkt wurden, ifrerTreislage entwickeln konnte, ift °WEI L wir den daraus entjprin- fürdeutfcljerVerl)ältnijfe ungewöfn- gendenßlutzen nicht füt^uns^ behielten, fondern ihn immer wie- 388 Gulden. Die Oppenröder Kirchenglocken sind bereits 1657 in der Chronik angeführt worden. Dem Weltkrieg fiel im Jahre 1917 die eine der beiden Glocken zum Opfer. Das neue Geläute, bestehend aus zwei Glocken von 600 und 360 Pfund, ist in Sinn von der Glockengießerei Rinker hergestellt worden. Die kleine alte Glocke wurde ebenfalls wieder im Turm aufgehängt. Die Gemeinde kann mit Stolz und Genugtuung auf ihr vollendetes Werk zurückblicken. Es ist in schwerer Zeit unter schweren Opfern erstanden und bedeutet ein Stück Mitarbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlandes. t Grünberg, 12. Okt. Der hiesige G c werbeoere in beschäftigte sich gestern in einer außerordentlichen Versammlung mit den Handwerkertagungen, die am kommenden Sonntag hier stattfinden werden. Rachmittags wird die B e z i r k s v e r s a m m l u n g abaehalten, im Anschluß daran wird ein Handwerkertag zusammen- treten. Hierzu kommen Vertreter aus Gießen, Als feld und Lauterbach. Im übrigen wurde der Versammlung Bericht erstattet über die verschiedenen Handwerkertagungen der letzten Zeit. I Lauter, 12. Okt. Am Sonntag hielten die hiesigen K l e i n k a l i b e r s ch ü tz e n ihr letztes diesjähriges Schießen, verbunden mit Preis- schießen, ab. Die Tagesehrenscheibe schoß E. Schlaffer; dieselbe mit einer Preiszugabe Alb T r ö l l e r, den 1. Preis W. Z i m m e r (34 Ringe), 2. Preis Th. Schlosser (33 R.), 3. Preis K. Schlörd (33 R.), 4. Preis O. Volp (33 R.). 5. Preis Th. Männchen (32 R ), 6. Preis K. Schlörd (32 R.), 7. Preis A. S ch l ö r b (32 R.), 8. Preis Otto Trailer (31 R.), 9. Preis K. Schmidt III. (31 R), 10. Preis Ioh. Mahr (31 R.), 11. Preis F. Görnert (30 R.), 12. Preis Hch. T r ö l l e r (30 R.). is. Steinbach, 12. Ott. Der ältere der hie- I sigen Turnvereine, der Turnverein Steinbach, hielt am Sonntag sein diesjähriges Ab- turnen ab. Sämtliche Vorführungen zeigten, daß der Verein sehr auf der Höhe stehl Besonn deren Beifall fand das Schülerturnen von zwei Knaben- und einer Mädchenriege, die an Veck und Barren, sowie in Freiübungen Anerkennens-- wertes leisteten. Bei einem am Vormittag vor- ausgehenden P r e i s t u r n e n der letzteren brachten es manche Kinder auf eine hohe Punktzahl. Recht gut gefiel noch ein Tanzreigen mit Gesang der Mädchenriege. Mehrere Landwirte von hier beschickten in diesem Jahre die Zungvieh- weideTiergartenbeiHungen. Die Gewichtszunahme der Tiere war sehr verschieden. Die Höchstzunahme betrug bei einem Rind 3 Zentner und 18 Pfund, alsy täglich über 2 Pfund. Sämtliche Tiere zeigten gutes Aussehen. xy. H a u s e n , 12. Okt. Der hiesige T u r n v e r - c i n schloß am Sonntag mit dem A b t u r n e n seine diesjährigen turnerischen Veranstaltungen. Aus dem Turnplatz in der Au begrüßte der 1. Vorsitzende die Turner und Gäste und wünschte dem Turnen ein gutes Gelingen. Es wurde in vier Stufen geturnt. Bei dem günstigen Wetter nahm die Veranstaltung unter der Leitung des l.Turnworts Hch. R u p p e n t h a l einen guten Verlauf. Turner aus Albach und Watzenborn-Steinberg werteten als Kampfrichter die Hebungen. Rach dem Preisturnen wurden mit dem Rachbarverein Garbenteich zwei Faustballspiele ausgetragen, bei denen die zahlreichen Zuschauer ein gutes Zuspielen auf beiden Seiten beobachten konnten. Am 2lbend nahm der der Leine gestohlen worden. Weder bumaiö -•) bei txm letzten Diebstahl sind die Täter festgestellt worden, doch scheinen sie mit den Oertlich- leiten sehr vertraut gewesen zu sein. Ob der Diebstahl vor drei Jahren und der letzte von demselben Täter ausgeführt wurde, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. :—: Beuern, 12. Okt. In der letzten Gern einderatslitzung stand als wichtigster Punkt die Wahl eines Gemeinderechners auf der Tagesordnung. Der Antrag eines Gemeinderatsmitgliedes, einem Kriegsinvaliden das Amt zu übertragen, wurde abgelehnt. Der Gemeinderat macht von seinem Recht, den Gemeinderechner zu wählen, keinen Gebrauch, weil sich näm- lid) unter den neun Kandidaten (einer war vor Beginn der Sitzung zurückgetreten) noch drei Gemeinderatsmitglieder befinden, und die übrigen sechs bzw. acht mit Bürgermeister und Beigeordneten die Verantwortung nicht allein tragen wollen. Es wurde beschlossen, für Sonntag, 17. Oktober, durch eine öffentliche Wahl aller Ortsbürger den Rechner zu bestimmem Sollte eine Stichwahl ftattfinben müssen, was übrigens sehr wahrscheinlich ist, so wird diese am 24. Oktober vorgenommen. : Oppenrod, 12. Okt. Unser Dorschen war am Sonntag das Ziel vieler auswärtiger Be suchet. Der schon lange geplante Umbau u n feres Kirchturmes war vollendet und konnte nun mit den beiden neuen Glocken eingeweiht werden. Kurz vor 2 Uhr bewegte sich unter den Klängen des hiesigen Posaunenchors (Dirigent Lehrer ächlaudrass von hier) ein Festzug durch das Dorf. Auf dem geräumigen Platz vor dem kleinen Kircklein war für gute Sitzgelegenheit geborgt worden. Der Posaunenchor eröffnete mit dem Lied „Das ist der Tag des Herrn die Fssier. Regierungsbaurat Schneider von Gießen, der die Pläne zum Neubau des Turmes ge- fdjafjen hatte, übergab Turm und Glocken dem hiesigen Bürgermeister Kloos, der der Bauleitung und allen ausführenden Handwerkern herzliche Dankesworte widmete. Pfarrer K a l b h e n n übernahm im Namen des Kirchenvorstandes Turm und Glocken und dankte der Gemeinde für das Werk, das durch ihre Unterstützung geschaffen worden war. Sodann hielt Oberkirchenrat Wagner, der Superintendent für Oberhessen, die W e i h e r e d e. Er legte ihr den Tert aus Ieremia 22, Vers 29 zugrunde: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort". Es sind dies dieselben Worte, welche die neue große Glocke als Jnschrist trägt. Der G e - jangocrein Sängerin st unter seinem Dirigenten Ludwig Horn von Burkhardsfelden hatte für die Feier den sehr schön passenden Chor gewählt: „Wenn die Kirchenglocken läuten". Auch der Gesangsoorträge des gemischten Chors unter dem Dirigenten Lehrer Schlaudraff sei gedacht. Sie fügten sich stimmungsvoll in die Feier ein. In seiner Fe st predigt über Kolosser 3, Vers 17 brachte Pfarrer Kalbhenn auch einiges aus der Geschichte des Dorfes Oppenrod und seines Kirchleins. Oppenrod wird in der Geschichte bereits ums Jahr 1260 erwähnt. Die Kirche steht auf dem ältesten Dorfteil. Es bestand früher nur aus vier Hosen. Der Nordteil des Dorfes ist neu. Im Jahr 1662 wurde der alte Kirchturm mit dem Turmhahn gekrönt. Das alte Strohdach wurde abgehoben und durch ein neues Dach ersetzt. Auch die Männerbühne stammt aus dieser Zeit. Die Platten wurden im Jahr 1745 in die Kirche gelegt. Eine Hauptreparatur, die 1785 BRUS IMkNMNö HU K, die wasserechte /ringe iir)di(n kW P Poin und 11 AiM Qtbgeor. über A befuchkc. Belfoi taiü,' Rrgji: sche" das des gebt Pc und L Merl hen'gen mieren. aus fu; ridjlct . so daß Rechten persönli verwalt drückt nid)t al nutzen, Devötz nlfters Wenn Reise w fifdjes ift nid) gegcnül würde, und bnt dah es Sinnesä Cin Z Bet oes he^ Ja9c 5 seetf( mit gen uchez ’x»9ega volley Niet« kcrbund t haben m anlatzl, t lange W Uct ein o1 ( vei A- pal aaS S « sff diele M im iluslc E Ihoiry ( winislec die he/ i in B h e Monn ob« 0 bleiben, zogen, I Ding«. 1 Pfalz Pfalza Jnfei Ilgen ictjung o blei nahe [üt das > Dtrjögen kcrbund f im tause 5 ?"arb fr un '»lgend, 'Qllunn Sw < 5^’ ?^ehö 1 Lande berbe. । lKn ^e Br-2' Ä p Di 2 M- ° scheine» e' Into^ Anschr'^ ridjteiv p» jranH11’ Dörlenkurle. WEN. Holzhausen v. D. H., 12. Ott. Banknoten. 17Ü ! 168.25 der MM« |J|W sofort jV| ■ g»W sammehueidien Teinl- I ▼ Schachteln zu 20,30,60 u. I20 Pfg, 133,75 ! 133,75 । 134 137.25 Ge- Ge- linden, da die Zustellung gerade in diesen ineinden sich oft lange Kinauszog. Mr die 161,62 164 142 206,9 90,62 85,75 47 131.5 190 164.5 163,5 1U6 205,5 91,9 86 119.13 1GI 162,5 145 I 171.5 1168.75 164.75 166 92 aktien kräftig Anleihegeschäft eröffnete 162.5 105,4 162 169.5 174 145 157.62 208 87 102,75 100 319.5* I 134,5 | 131 , 164,5 I *6-’ 141,75 \ 205.9 i 91,62 । 86,5 Buntes Allerlei. In der Taucherschule. Die Taucherschulen, in denen die Schahsucher auf dem Meeresgründe ausgebildet werden, gehören zu den seltsamsten Anterrichtsanstalten der Welt. Die größte Taucherschule befindet sich auf der englischen Whale-Infel bei Portsmouth, wo junge Seeleute nach Ablegung der Taucherprüfung ihr Taucher- Diplom erhalten. Alle Unterrichtsstunden finden unter Wasier statt. Zunächst wird den Schülern eingeprägt, daß mit dem Tauchen nicht die geringste Gefahr verbunden ist. Sobald die Ausrüstung tadellos ist und richtig angelegt wird und der Taucher die notwendigen Regeln befolgt, läuft er unter Wasser weniger Gefahr als beim Lenken eines Kraftwagens. Der erste Unterricht erfolgt in einem großen Glaslank, besten Tiefe 15 Fuß beträgt. Durch die Wände dieses riesigen Behälters kann der Lehrer das Verhalten seines Schülers genau verfolgen und ihn auf alle Fehler aufmerksam machen, die er bei seinen Bewegungen unter Wasser begeht. Später wird dann der Unterricht im offenen Meer fortgesetzt, wobei der Lehrer mit feinen Schülern auf den Meeresgrund hinabsteigt. Selten befindet sich der Taucher länger als ein paar Sekunden in aufrechter Haltung unter Waster: gewöhnlich bewegt er sich kriechend fort, weil er fo Den Strömungen weniger Widerstand entgegenfeht. Ist Die Strömung besonders stark, so muß er sich gelegentlich flach auf den Bauch legen. Das Luftventil ist aus der rechten Seite angebracht. Mährend der Hebungsarbeiten liegt Der Taucher stets auf Der linken Seite, so Daß Das Ventil nach oben zeigt. Will er an Die Oberfläche zurückkehren, so schließt er Daß Ventil und pumpt Dadurch seinen Anzug mit Lust voll, so daß er sich ohne Hilfe von selbst nach oben befördert. Jede nur erdenkliche Vorsicht gegen unvorhergesehene Unfälle wird beobachtet. Es sind immer Leute an Der Oberfläche, Die Darauf zu achten haben, ob Die Spur von Blafen aufsteigt, Die von jedem Taucher außgeht, Der in Der Tiefe arbeitet. Horen Die Blasen auf, so ist Das ein Zeichen, Daß etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, und sofortige Hilfsmaßnahmen toerDen eingeleitet. Das kommt aber sehr feiten vor. Ein beschwerter Strick wird mit jehem Taucher nach unten gesandt, und mit diesem ist ein Seil verbunden, Daß derTaucher niemals verlieren Darf. Hat er feine Arbeit beendet, so tastet er sich an diesem „Ariadne-Faden" bis zu Dem beschwerten Seil zurück und ist sicher, Die Oberfläche an Der richtigen Stelle wieder zu erreichen. lebhaft und für Kriegsanleihe befestigt (0,732,5) Von ausländischen Renten schwächten sich Türken um 0,8 ab. Der Freiverkehr hatte nur unbedeutendes Geschäft bei kaum veränderten Kursen. Im weiteren Verlaufe steigerten sich Die Umsätze an Den Aktienmärkten, doch nahm das Geschäft einen stark nervösen Charakter an. I. G. Farben gaben auf 318,5 Prozent nach, dagegen konnten Montanaktien weitere Steigerungen erzielen. Am Geldmarkt blieb das Angebot bestehen. Tagesgeld 4 bis 4,5 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent. Im Devise uver- kehr schwächten sich die lateinischen Valuten ab. Paris gegen London 169,25, Brüssel 174,75, Mailand 121,75. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,2012,5, das englische Pfund stellte sich auf 4,85,5 gegen Kabel unverändert. Oslo befestigt mit 22,03 gegen London. 164.75 | 105 163 173 Roggen. inldnbi|a)cr, 23; Sommergerste für Brau- zwecke 24 bis 28; Hafer, inländischer, 18,75 bis 19,25; Mais, gelb, 19 bis 19,25; Weizenmehl, in- ländisches, Spezial 0, 41,50 bis 42; Roggenmehl 33,25 bis 34; Weizenkleie 10 bis 10,25; Roggenkleie 10,50 Mark. Tendenz: stetig. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt