m. 2H Erster Blatt 176. Jahrgang Montag, <5. September 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezngrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Krantfurt am Main 11686. GiehemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vniü und Verlag : Brühl'sche Umverfitäts-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20 % mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Dießen. „Comedie frangaise“. P Don unserem Genfer Sonderberichterstatter pr Dr. v. Renteien. f Genf, 11. September. Der Völkerbund hat feinen Feiertag gehabt. Das Fesk" ist verrauscht, die Reden sind verklungen. Cs ist nicht anders gekommen, als es vorauszusehen war. Schon am Donnerstag abend sah man gegen 6 Llhr eine Menschenmenge zu Wagen und zu Fuß die Straße zum Bahnhof hinabströmen. Die deutsche Delegatton traf ein. Ohne offiziellen Empfang. Ohne Begrüßung. Durch die abensonnenvergoldeten Straßen rollten die schweren Mercedeswagen zum Hotel Metropole. Bis in die Rächt hinein wurden die Straßen und der schmale Englische Garten, der das Hotel vom blinkenden Genfer See trennt, von Schaulustigen umlagert. Einige DegrühungÄ- worte richtete Stresemann an die Presse. Dann senkte sich die durchsichttge sternenklare Rächt über die Berge, den See und die Stadt. Von den frühen Morgenstunden des nächsten Tages ab umlagern Reugierige und zahllose Photographen den Eingang zum Reforma- tionsfaal. Die älebersülle des Sihungsraumes ist unüberbietbar. Die Hitze noch unerträglicher als sonst. In der Versammlung herrscht festliche Stimmung. Die Verifikation der Vollmachten der deutschen Delegation wird von der Versammlung zur Kenntnis genommen, dann bittet der Vorsitzende die Vertreter Deutschlands, chre Sitze einzunehmen. 2ln der Eingangstür steht ein Mann, der seine Arme wie Windmühlenflügel bewegt, worauf Stresemann in der Tür erscheint und im Kreuzfeuer der Scheinwerfer, Kurbelkasten und photographischen Apparate, unter donnerndem Applaus der Anwesenden zu den deuttchen Sitzen hinschreitet. Ihm folgen Herr v. Schubert und Dr. Gaus. Alle drei nehmen Platz, während die übrigen deutschen Herren in der Nähe der Bühne verbleiben. Mit kurzen Worten begrüßt Präsident R in- t ch i t ch die Deutschen und erteilt Stresemann das Wort. Sichtlich irritiert durch den grellen Strahl des Scheinwerfers, der ihm vom Platz auch auf die Rednertribüne nachhüpft, beginnt er seine Rede. Zum erstenmal in der Geschichte des Völkerbundes hört man von dieser Stelle aus die deutsche S prache. Sie wird hier nicht weniger verstanden, als die englische oder die französische; Las sieht man an der Aufmerksamkeit, mit der die Anwesenden der Rede folgen und sie oftmals spontan Lurch Händeklatschen unterbrechen. Sie ist kurz und für Genfer Verhältnisse sachlich. Man hätte vielleicht genauere Angaben über die Aufgabe, die sich Deutschland im Völkerbund stellt, gewünscht, aber man soll nicht mit der Türe ins Haus fallen und dann erfordert die Atmosphäre dieses Hauses stets eine bestimmte Tonart. Ie weiter der Redner kommt, um so häufiger zieht er das Taschentuch, um sich den perlenden Schweiß von der Sttrne zu streichen. Die Hitze ist wahrhaft tropisch. Im Saale herrscht lautlose Stille. Mit gespannter Aufmerksamkeit schaut Chamberlain, zur Tribüne hingewandt, dem Redner von unten her ins Gesicht. Gesenkten Hauptes hört Briand zu. Unbeweglich am Pulte verharrend, bringt Stresemann in tönenden, klaren Worten seine Rede zu Ende. Ihr folgt anhaltender Beifall. Der Vorsitzende erteilt Briand das Wort. Wieder, flammen die Scheinwerfer auf und Frairkreichs Vertreter steigt zur Tribüne hinauf. Er ist unbestritten einer der besten Redner dieser Versammlung, aber deutscher Art fremd und fast ein wenig lächerlich. Mit breitem Pathos beginnt er seine Rede. Er feiert den Tag, er feiert die Gelegenheit, ja, er feiert eigentlich — sich selbst. Er verschmäht nicht, seine ältesten Ladenhüter hervorzusuchen, die bereits so oft von ihm gehörten Wendungen von den bluttriefenden Wegen, die man zu verlassen gewillt sei, um sich schöneren, höheren Aufgaben zuzuwenden, usw. Er findet aber auch manch' feine zwischendurchgleitende Bemerkung an die Adresse der Deutschen. Immer häufiger wendet er sich gerade an diese. In vorsichtigen, schmeichelnden Worten zieht er unbemerkt Grenzen, stellt Wegweiser hin. Man hat den Eindruck, als webe 'hier, wie unabsichtlich, eine Spinn» ferne, wohlerwogene Maschen. Dazwischen streut er einen Scherz ein, daß alles ins Lachen gerät. Aber dann überschlägt sich sein Pathos. Er tippt mit dem Zeigefinger abwechselnd in den Saal, ailf Stresemann und auf seine Brust. Wirft die Fäuste gen Himmel und schüttelt die Mähne. Läuft auf der Bühne wie ein wildes Tier auf und ab, bald brüllend, bald zu unverständlichem Flüstern herabsinkend. Da beugt sich oben ein — wohlgemerkt — französischer Iourna- pft zu einem Kollegen hinüber und flüstert ihm leise, aber deutlich vernehmbar zu: „Comedie f r a n gai s e“ ... Ia, Herr Briand, keine Sieger und keine Besiegten? Eitel Friede und Gleichberechtigung? Wir sind es, denen man an unsrem Rhein die gepanzerte Faust um den Hals schnürt, w.r sind es, denen man das Mark aus den Knochen zieht, um Tribute zu erhalten, wir sind es, deren Land man elementarer, menschlicher Einsicht zum Hohne, verstümmelt hat. wir sind es,... gegen die heute noch Militärlonventionen geschlossen werden. Liegt Polen so weit und ist die Reise von Paris nach Genf so lang, daß diese Singe dem Gedächtnis entschwanden? Aber es ist gut. Cs tann zugegeben werden, öatz die Genfer Luft friedlich gestimmte Reden erfordert, auch wenn sie den Tatsachen weit vor- ouseilen. Die kommenden Arbeiten des Völkerbundes werden ja genügend Gelegenheit geben, Das Attentat aus Mussolini. Der Diktator unverletzt. - Der Attentäter verhaftet. Hom, 12. Sept. (Wolff.) Das bereits am Samstag aus Genf gemeldete Gerächt vor einem Attentat auf Mussolini, bestätigt sich. Die „Agenzia Stesani" verbreitet darüber folgende amtliche Meldung: Am Samstagvormittag kur; nach 10 Ahr durchfuhr das Automobil Mussolinis, der von der Villa Torlonia zurückkehrte, und sich aus dem Wege nach dem Palazzzo Ehiai befand, den Platz der Porta Pia, als ein junger Mann namens Erntete Gio- vann 1 ni, von Beruf Steinmetz, eine Bombe gegen den Wagen schleuderte. Die Bombe traf das Seitenfenster des Automobils, fiel dann auf die Erde und explodierte, während der Wagen feine Fahrt forkfehte. Durch die von der sehr starken Explosion herrührenden Splitter wurden vier vorübergehende Personen leicht verletzt, die in ein Spital gebracht wurden. Der im Jahre 1908 geborene Attentäter wurde sofort durch die Polizisten, die Mussolinis Auto begleiteten, verhaftet. Er erklärte, er sei an diesem Morgen vom Auslande zurückgekebrt und besitze keinen Pah. Mussolini ist gänzlich unversehrt. Er widmete sich sofort im Palazzo Chigi seiner gewöhnlichen Tätigkeit. * Zu dem Attentat wird weiter gemeldet: Sobald dec Chauffeur des Degleitautos sah, daß gegen das Auto Mussolinis eine Bombe geworfen wurde, fuhr er auf den Attentäter zu, der die Flucht ergriff, als er sah, daß er verfolgt wurde. Die zweite Bombe, die er warf, explodierte nicht. Die Polizeibeamten schafften den Attentäter in ein vorüberfahrendes Auto und brachten ihn zur Polizeidirektton. Dort erklärte Giovannini, daß er aus Frankreich eigens zu dem Zweck gekommen sei, um ein Attentat auf Mussolini auszuführen. Er sei erst morgens in Rom angekommen und habe sich in einem Cafe in der Rähe der Porta Pia auf- gehalten, um die Stunde der Vorbeifahrt Mussolinis abzuwarten. Giovannini trug einen Revolver mittleren Kalibers und Dum-Dum- Gefchosse bei sich. Rach dem Verhör wurde Giovannini in einem geschlossenen Auto nach dem Gefängnis abtransportiert. Auf dem Platz Collegio Romano kam es zu Kundgebungen gegen den Attentäter. Sobald die Nachricht von dem neuen Attentat in Rom bekannt wurde, bemächtigte sich der Stadt eine ungeheure Erregung. Der Herzog von Aosta, die Minister und Staatssekretäre, die Botschafter und Missionschefs sprachen im Palazzo Chigi vor, um dem Ministerpräsidenten ihre Glückwünsche auszusprechen. Mussolini empfing eine Deputation von Beamten des Ministeriums des Aeußern. Der Ches des Kabinetts, Marquis E a l b o l i, überreichte ihm einen Blumenstrauß mit einer Schleife in italienischen Farben. Kurz nach 1 älhr verlieh Mussolini den Palazzo Chigi und kehrte, von der Menge mit begeisterten Zurufen empfangen, nach der Villa Torlonia zurück. Dem Papst wurde die Nachricht von dem Attentat um V212 Tlhr von Monsignore Pizzardo übermittelt. Er ordnete sofort an, daß Mussolini Glückwünsche zu dem Scheitern des Attentats übermittelt würden. Mussolini an das Volk von Rom. Eine Warnung an die Adresse Frankreichs. Rom, 11. Sept. (WTB. ©tefani.) Mussolini hielt vom Balkon des Palazzo Chigi folgende Ansprache an die Menge: Römer! Schwarzhemden! 3n den begeisterten Rufen, mit welchen ihr mich zum dritten Male auf diesem Balkon begrüßt (Rufe der Menge: Zum letzten Male!), fühle ich eueren ganzen Glauben, eure vollständige Ergebenheit. (Rufe aus der Menge: Ia, ja!) Bevor ich zu euch von der Episode spreche, die mich betrifft, will ich vor euch jenes hehre Bild des faszisttschen Kameraden, der an demselben Tage vor zwei Iahren in Rom durch verbrecherische Hand gefallen ist — Armando Ca s a- lini — heraufbeschwören. (Rufe: Hoch Casalini. Mussolini hebt die Hand zum Faszistengruh.) Ich werde euch wenig, aber wichtiges sagen. Zunächst wünsche ich, daß nach Beendigung der Kundgebung die öffentliche Ordnung nicht gestört werde. Ein großes Volk wie das italienische hält seine Nerven allen Ereignissen gegenüber vollkommen in seiner Gewalt. Eine so große Partei, wie es zweifellos die faszistische Partei ist, gibt sich vollkommen davon Rechenschaft, daß in keiner Hinsicht gegen die oberste Disziplin der Nation verstoßen werden darf. (Lebhafter Beifall.) Aber ich will von diesem Balkon aus einige ernste Worte sprechen, welche von denjenigen genau ausgelegt werden sollen, an die sie gerichtet sind: Man muß Schluß machen mit einer gewissen strafbaren und unerhörten Duldsamkeit jenseits der Grenze (bei diesen Worten wird der Beifall so stark, daß Mussolini gezwungen ist, einige Minuten zu warten, bevor er fortsahren kann), wenn man wirklich auf die Freundschaft des italienischen Volkes Wert legt, eine Freundschaft, welche Ereignisse dieser Art verhängnisvoll gefährden könnten. (Der lebhafte Beifall erneuert sich mit größerer Stärke. Man hörte Rufe: Die Freundschaft ist bereits gefährdet.) Nach reistiher UeEeriegung kam ich zu der Lleber- zeugung, daß man andere Maßnahmen ergreifen muh. (Zurufe: Den Galgen!) Dies sage ich nicht um meinetwillen (Zurufe: Um deinetwillen, denn du bist die Nation!), denn ich lebe wirklich gern in Gefahr (Ruse aus der Menge: Nein, nein!), sondern um des italienischen Volkes willen, das mit Anstrengung sich emporarbeitet; denn es ist seine Pflicht, sein Vorrecht, seine Hoffnung und sein Ruhm. Das italienische Volk darf nicht immer wieder aufgestört werden durch einige wenige Verbrecher. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Wie wir das System des andauernden und immer wiederkehrenden Generalstreiks unterdrückt haben, so wollen wir Schluß machen mit der Reihe von Attentaten, selbst tz enn wir zur Todesstrafe greifen müssen. (Stürmischer Beifall.) Auf diese Weise wird es immer schwieriger werden, das faszistische Regime und die Ruhe des italienischen Volkes in Gefahr zu bringen. (Stürmische Beifallsrufe.) Ihr wißt, daß ich, wenn ich im- mittelbar zum Volke spreche, feine leeren Worte mache. (Wir wissen es, wir wissen es!) Aber ich kündige hier nur Maßnahmen an, die ich mit Zähigkeit und systematisch durchführen werde, Maßnahmen, die tief gegründet sind auf den Charakter des neuen faszisttschen Italiens. Mussolini zieht sich darauf unter stürmischen Beifallsrufen, Tücherwinken und Hüteschwenken der Menge zurück. Die Musik spielte das Faszisten- lied Giovinezza. Frankreich und das Attentat. Scharfe Angriffe in der italienischen Presse. Rom, 11. Sept. (WTB.) Zu dem Attentat auf Mussolini schreibt die „Gi o r na le d'Ita - [ia: Wir wollen mit aller Ruhe, aber auch mit aller Entschiedenheit sagen: Cs ist an der Zeit, daß die verantwortliche französische Regierung ihre Aufmerksamkeit lenkt auf die Tragweite und die Folgen der eigenartigen Gastfreundschaft und die Freiheiten, die den Feinden des italienischen Faschisnrus, sowie ihrer Agttatton und ihrer Organisation gegen die italienische Regierung gewährt werden. In Italien findet man es unerträglich, daß eine fremde Regierung auf ihrem Territorium die Veröffentlichung von Zeitungen und die Agitation von Ausländern gestattet, die sich als tatsächliche Aufforderung Aum politischen Verbrechen gegen die Regierung Italiens kennzeichnen lassen. Man muß die Lage unbedingt klaren. Man muß wissen, ob Frankreich wenigstens neutral bleiben will in dem Kampfe zwischen dem italienischen Faschismus und dem Antifaschismus, oder ob es im Gegenteil den Antifaschismus unterstützen will und so die Mitverantwortung eigenartiger Natur an den Verbrechen, welche aus, dieser Agitation hervorgehen, auf sich nehmen will, mit Rücksicht daraus, daß diese Zerbrechen geistig auf französischem Territorium vorbereitet worden, sind. Bei der Aktivitä! dieser Elemente, welche die französische Regierung geduldet oder geschützt hat, während sich die italienische Nation einmütig um den ersten Minister schart, will Italien klar sehen, wo sich seine Freunde und wo sich seine Feinde befinden. Der Attentäter. Berlin, 13. Sept. (W. T. 2. Funkspruch.) Nach Dlättermeldungen aus Rom zufolge hat der Mann, der den Anschlag auf Mussolini aus- führte, falsche Personalien angegeben, er heißt in Wirklichkeit Gino ßucettt Er befand sich schon seit dem 2. Februar in Rom. Da die Polizei annimmt, daß er das Werkzeug einer w eitverzweig t en Verschwörung ist, wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. — Nach einer Pariser Meldung soll der französische Geschäftsttäger in Rom bei Mussolini offiziell gegen den oben wieder- gegebenen Artikel des „Givrnale d'Italia" protestiert und der Erwartung Ausdrua gegeben haben, daß die italienische Regierung Maßnahmen gegen eine Irreführung der öffentlichen Meinung in Italien ergreifen werde. Mussolinis Zuversicht. London, 13. Sept. (W. T. B. Funkspruch.) Nach einer Reutermeldung aus Rom erklärte Mussolini dem Handelssekretär der britischen Botschaft, der sich unmittelbar nach dem Attentat verabschiedete, es sei zwecklos, Anschläge auf sein Leben zu machen, da ihm vorausge- s a g t worden sei, daß er nicht eines gewaltsamen Todes sterben werde. Er glaube an Prophezeiungen. „Daily Graphic" schreibt, es werde allgemeine Befriedigung in England herrschen, daß Mussolini dem neuen Anschlag entgangen tft, aber weniger Befriedigung über Den phantastischen und unberechtigten Gedanken, daß Frankreich mit diesem Attentat mehr oder weniger in Verbindung gebracht werde. „Daily News" schreibt, wenn gewissen Stellen der nach dem Attentat gehaltenen Rede Mussolinis ernste Bedeutung beigemessen werden solle, so könne es fraglich sein, ob die Rettung Mussolinis das Heil Italiens war. Diplomatische Glückwünsche. Moskau, 12. Sept. (TU.) Der Vorsitzende des Vollzugskomitees der Sowjetunion, K a l i p i n, und der Außenkommissar Tschitscherin haben an Mussolini ihre Glückwünsche zu seiner-Errettung vor den Folgen des Bombenattentats gesandt. Der russische Botschafter in Rom, Kerschenzew, wird diese Glückwünsche in persönlicher Audienz Mussolini aussprechen. — Auch der deutsche Geschäftsträger in Rom hat dem Ministerpräsidenten die Glückwünsche der Reid)sregierung übermittelt. die Worte in Taten umzusetzen. Die deutschen Vertreter sind in dieser Beziehung die wertvollsten Mitarbeiter. Kein Land der Welt erstrebt mit größerer Aufrichtigkeit den wahren Frieden der Gleichberechtigung, als Deutschland. Unter donnerndem Beifall steigt Briand zu seinem Platze hinab. Der Kanadier F o st e r schwenkt sein riesiges, buntaewürfeltes Taschentuch und schmettert aus vollem Halse ein dreifaches Hip, Hip, Hurra! Selbst ein gelungener Fußballmatsch hätte ihm keine gröstere Begeisterung entlocken können. Der Eintritt Deutschlands ist so etwas wie ein Triumph Frankreichs geworden. Die deutschen Vertreter verblieben Briands Rede über in ruhiger Haltung und spendeten seinen Versicherungen, in Zukunft aufrichtige Zusammenarbeit leisten zu wollen, warmen Beifall. Weiter hinten sah man um Nansens Mundwinkel skeptische Falten. Aehnliches spiegelte sich in den Mienen mancher Vertreter ehemals neutraler Staaten. Man sah, trotz des unbestrittenen Erfolges Briands, manche Hände, die ruhten. — Nack) und nach verließen die Versammelten den Saal. Draußen wiederum ein Kreuzfeuer der Photographen. Als die deutschen Herren ins Freie traten, um das nur wenige Schritte entfernte Hotel Metropol zu Fuß zu erreichen, brach ein förmliches Hindernisrennen der Kameramänner und Schaulustigen los. Eine Schar kurbelnder, knipsender, schreiender, stoßender Menschen mit sich ziehend verschwanden sie im Hotel. — Das Fest ist verrauscht. Bssprechungen-erLocamsmächte Vandervelde und Briand bei Strefe- mamt. — Eine erste Fühlttnqnahme. Genf, 12. Sept. (TU.) Die Besprechungen zwischen Dr. Stresemann einerseits und V ander oelde und Briand andererseits, die dem deutschen Außenminister in den Morgenstunden des Samstag nacheinander einen Besuch abftatteten, werden von deutscher Seite als erste Fühlungnahme bezeichnet, die die wichtigen Verhandlungen der nächsten Tage in Genf einleiten soll. Es liege auf der Hand, daß in den bevorstehenden Besprechungen zwischen den westeuropäischen Staatsmännern und dem deutschen Außenminister alle diejenigen Probleme erörtert würden, die im Augenblick politisch im Vordergrund stehen, vor allem die Frage der Rheinlandbesetzung, des Saargebietes, der Räumung der Rheinlandzone und die handelspolitischen Fragen, die immer noch einer endgültigen Lösung harren. In diesen Verhandlungen werden Vandervelde und Chamberlain als Vermittler zwischen Frankreich und Deutschland auftreten. Die erste Fühlungnahme ist in den freundschaftlichsten Formen verlaufen und hat bei den Beteiligten den besten Eindruck für die weitere Zusammenarbeit erweckt. Doch darf in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß nicht nur Fragen, die Frankreich und Deutschland berühren, im Vordergrund des Interesses stehen. Eine Reihe von Problemen allgemeinpolitischen Charakters, die gkeichfalls in einer Aussprache geklärt werden sollen, wurde aud) gestreift, so vor allem die Frage des p o ln i s ch e n R a t s s i tz e s und die anderen Kandidaturen auf die nichtständigen Ratssitze. Samstag nachmitag erwiderte Stresemann Vandervelde seinen Besuch und stattete um 6 Uhr Chamberlain einen ersten Besuch ab. Mit Briand war Dr. Stresemann bereits am Freitagvormittag vor der Eröffnung der Vollversammlung kurz zusammen. Sonntagsruhe in Genf. Genf, 13. Sept. (SIL) Der Sonntag ist, sotveit man in den Abendstunden den Eindruck hat, polittsch ruhig verlaufen. Die meisten Dele- gattousführer und Delegierten haben Ausflüge in die Umgebung von Genf unternommen. Reichs- außenminifter Dr. Stresemann begab sick) im Automobil nach Chamonix, desgleichen der englische Außenminister Chamberlain. Der in den späten Nachmittagsstunden einsetzcnrde starke Regen führte die den Tag der Ruhe aus- nuhenden Staatsmänner und Delegierten allerdings frühzeittg wieder nach Gens zurück. Am heutigen Montag finden Kommissio ns ve r - Handlungen statt. Eine Einberufung der Vollversammlung ist bisher noch nicht erfolgt. Am Vormittag tritt die Redaktionskommission der ersten juristischen Kommission zur redaktionellen Ausarbeitung des Projekts der Ratserweiterung zusammen, das nach Durchberattlng in der morgigen Nachmittags- sihung der Unterfommiffion sowie in der nächsten Vollsitzung der ersten Kommission, die am Dienstag stattfindet, der Bundesversammlung zugehen in Döllerbundssekretariat seinen Austritt aus einem Teil der Samstag-Auflage gemeldet, hat die spanische Regierung in einer Rote an das soll. Die Vollversammlung würde also erst am Mittwoch die Diskussion über das Projekt der Ratserweiterung eröffnen. Aller Voraussicht nach findet am Dienstag eine Sitzung des Plenums statt, in der die Danziger Frage behandelt werden soll. Spaniens Austritt aus dem Völkerbund. Eine spanische Note an das Generalsckretariat. Genf. 12. Sept. (Wolff.) Wie schon Die süddeutschen Herbstmanöver der Reichswehr. Vorschau. - Manöverleitung. - Gelände. - Schlutz der Versammlung. - Truppsngliederung. Von unserem miltärpolitischen K-Sonderberichterstatter. Bevölkerung den Soldaten eine Freude bereitet, tut sw ein nationales Werk. Die deutschen «tämme brauchen ja leider noch immer solche gegenseitige Annäherung, enge Fühlung untereinander, um sich kennen und schätzen zu lernen. Wenige derartige Manüvertage vermögen mehr als eine Mi- msterreise und freunbnachbarlkche Politikerreden: sie bringen das Vertrauen der deutschen Stämme und Stände zueinander und wirken dem Erbübl unserer politischen Selbstzerfleischung besser entgegen als viele wohlmeinende Ver- Ordnungen über das Verhältnis des Reiches und der Lander. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß das Gelände mit feinem reichen Wechsel von Tälern und Höhen, Wald und Feld, mit seinen Höhenunterschieden bis zu 200 Meter, deren Ueberwindung an Mann und Roß und Kraftwagen ziemliche Anforderungen stellt, auch rem militärischen Gesichtspunkten aufs beste entspricht. Am Samstag hat sich die Versammlung aller an den Feldmanövern der, 5. Division beteiligten Truppen in den württembergischen Oberämtern Gerabronn, Mergentheim, Oehringen, Künzelsau und den badischen Bezirksämtern Tauberbischofs- heim, Buchen und Adelsheim in der Hauptsache mit mit der Bahn vollzogen: gewiß eine recht schwierige Transportleistung der Reichsbahn insofern, als der normale Bahnbetrieb und Zugverkehr dadurch in feiner Weise gestört werden darf, obwohl nur memge nicht sehr leistungsfähige Linien zur Verfügung stehen. Den ganzen Tag über wurde in kurzen Zeitabständen auf fast jedem Bahnhof der Gegend em Transport ausgeladen und den Ortsunterkünften zugeleitet. Die Masse der 5. Division bilden ihre drei Jn- fanterieregimenter: das 13. württembergische, unter Oberst v. Greiff, mit den Standorten Stuttgart, Ludwigsburg,, Ulm und Gmünd, das 14. badüche, unter Oberst Frhr. v. Rotberg, mit den Stand- or*en 'Instanz, Tübingen, Meiningen, Donau- eschingen und Villingen, und das 15. hessisch-preu- v'sche Infanterieregiment unter Oberst Fett mit öen Standorten Gießen, Kassel, Eisenach, Weimar und Marburg. Dazu kommt das 5. Artillerie« regimcnt und zwar mit Regimentsstab und bri: I. (hessisch-preußischen) Abteilung aus Fulda, mit der II. (badischen) Abteilung aus Ulm und Wieblingen lind mit der III. (württ.) Abteilung aus Ludwigsburg. Das 5. Pionierbataillon wird aus Ulm abtransportiert, die 5. Nachrichtenabteilung mit 10«" amei Kompagnien aus Cannstatt, die 5. Kraft- fciörobteilimg mit je einer Kompagnie aus Cann- ftatt, Ulm und Kassel. Epdlich gehört noch zum Divlslonsoerband die 5. Fahrabteilung, die mit je einer hessischen und badischen Eskadron in Ludwigsburg, einer württembergischen in Ulm und einer in Kassel liegt. An Stäben sind außer dem Divisionsstab zu nennen: der Stab des Jnfan- teneführers V mit dem Oberst v. Stülpnagel an der Spitze, der den Generalleutnant Wöll- warth Milte Juni in Stuttgart abgelöst hat, und der Stab des Artillerieführers V, dessen Kommandeur, Generalmajor Föhrenbach, seit Monaten schwer krank darniederliegt. Außer den Divisionstruppen beteiligt sich noch an den Feldmanövern das u- (preußische) Infanterieregiment unter Führung des Oberst Meyn, das seine Sommerübungen auf dem Truppenübungsplatz Münsingen soeben beendigt hat. Es kommt aus den Standorten Potsdam, Lichterfelde, Spandau und Wilnsdorf Von be- louderer Bedeutung ist ferner die Hinzuziehung des 18. Reiterregiments unter Oberstleutnant v. Kar - o? r Ur ^vei württembergischen und zwei badi- scheu Cskadrons aus Cannstatt und Ludwigsburg. EndÜch treten nach Abschluß ihrer Sommcrübungim n Münsingen noch zwei Eskadrons des 6. (preußi- 'Gen) Fahrabteilung aus Hannover und Celle hinzu. Leider entspricht ja die Zusammensetzung, Be° wassnung unb »(usruflung aller Me|« Zruppen nicht ben Ansprüchen die ein moderner Krieg stellt: das r JV jedensdiktat hat uns daran gehmdert die Erfayrungen des Weltkrieges bei der Neugestaltung unseres Heerwesens auszunützen. Tas Jttsantelieregiment hat zwar drei' Feld- vataillone zu je drei Schützen- und je einer Maschinengewehrkompagnie, außerdem eine Minen- werferkompagnie. Aber die Schützenkompagnien be- sitzen bei einer Kopfstärke von 164 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften nur sechs leichte Maschinengewehre, obwohl die Kriegserfahrungen eine wesentlich stärkere Ausstattung mit leichten Maschinengewehren verlangen. Die Ma- fchinengewehrkompagnie verfügt über 12 schwere Maschinengewehre bei einer Kopfstärke von 125 Unteroffizieren und Mannschaften, die vor dem Krieg nur 6 Maschinengewehre zu bedienen hatten. Auch sind 12 schwere Maschinengewehre für ein Bataillon nach der Ansicht der Sachverständigen keineswegs ausreichend. Die Franzosen haben, wenn man ihre Maschinengewehrbataillone in den Divisionsverband einrechnet, etwa die d r e i- fache Ausstattung an schweren Maschinengewehren bei einer Infanteriedivision und streben eine weitere Vermehrung an, da für die normale Gefechtsbreite und -tiefe von 500—600 Meter in Angriff und Verteidigung selbst 36 schwere Maschinengewehre die mannigfachen Aufgaben des lückenloson Feuerschutzes für ein Jnfanteriebataillon kaum zu lösen vermögen. Auch ist uns die Schas- fun9 Don großkalibrigen Maschinengewehren 3ur Flieger- und Kampfwagenabwehr verboten. Während man uns als artilleristische, organisatorisch mit der Infanterie verbundene Feuerkraft beim Infanterieregiment nur die Minenwerferkom- PJ1 ?-,n ' &re' leichten und einem mittleren Zug (Kaliber 7,7 und 17 Zentimeter) belassen hat, haben alle modernen Staaten sich außer dieser eine söge- nannte Infanterie-Batterie geschaffen, die aus 6 S ch n e l l f e u e r g e f ch ü tz e n von 3,5—7 Zentimeter Kaliber mit Pferde- oder Kraftzug be- steht, und dazu dient, feindlichen Widerstand, den die Infanterie mit Gewehr und Maschinengewehr nicht brechen kann, rasch zu beseitigen. Unsere Minen- merferfompagnien, ein Notgebilde des Stellungskrieges, kommen mit ihren kurzen Schußweiten und ihrer Unbeweglichkeit für den Bewegungskrieg kaum in Betracht, in dem allein gegenüber der überlege, nen Materialausstattung aller unserer Nachbarn unser Heil liegen kann. Noch viel trauriger ist die Verstümmelung unserer Artillerie. Das schwerste Kaliber, das man uns gelassen hat, ist die 10,5-Zentimeter- !5eldhaubitze. Wahrend jede moderne Division des Auslandes über nahezu zwei Artillerieregimenter verfügt, wovon das eine nur schwere und schwerste Kaliber umfaßt, hat die Reichswehr- divlsion nur neun leichte Feldbatterien mit ungenügendem, von der Kontrollkommission feftgefehtem Munitionsbestand. Besonders empfindlich ist ferner der Mangel an modernen Artillerie, beobachtungsmitteln, die wir gegen Ende öeg Änegcs in der fog. Beobachtungsabteilung mit ^'cht- und Schallmeßtrupp, Ballontrupp und'Kar- tenftefle zusammengefaßt hatten. Daß uns Flieger und 6licgerabwehrmittel, chemische Kampfmittel, Kampfwagen und Kampfwagenabwehrmittel ganz genommen sind, ist zwar allgemein bekannt, darf aber hier nicht unerwähnt bleiben wegen der großen Schwierigkeiten, vor die Führung und Truppe mit Der Annahme und Andeutung nicht vorhandener Kampfmittel in jeder Gesechtslage gestellt werden. Auch die Bewaffnung und Zufammenfetzung un- ferer Reiterregimenter entspricht neuzeitlichen Anforderungen nicht.. Es fehlt an Maschinengeweh- „^^ftwagengeschützen, Strahenpanzerwagen, ^ch.P^tanks und Radfahrkompagnien. Jede aus- ländische, Division verfügt über eine sogenannte 21uf tlarungsabteilung, die schnell beweg- !$ 'st und die Kraft besitzt, auch stärkeren feindlichen Widerstand rasch zu brechen. Bei uns steht für diesen Zweck jeder Infanteriedivision eine ein« ,vge esfaöron mit ungenügender Bewaffnung zur Verfügung. ä ° _ '-^a' wenn unser Heer tatsächlich eine so geringe Schlagkraft hat, wozu halten wir dann u b e r h a u p t f oftfpielige Manöver a b?" konnte man sich fragen. „Warum verzichten wir dann nicht überhaupt auf eine Armee und verstärken dafür zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung unsere Polizei?" - Eine solche Frage kann nur stellen, wer den Wert des M a t e r i a l s überschätzt, und den Geist, die Moral, die Erziehung zum Glauben an eine selbsterkämpfte Zukunft, zur Opferwilligkeit, zur Leistungsfähigkeit und steten Kampfbereitschaft unter den widrigsten Verhält- nifien, die Ausbildung in der vollendeten Führung aller Arten von Truppen und Waffen, einerlei ob man sie besitzt oder nicht, mißachtet. — Was nützen die schwersten Kaliber, wenn sie für eine Infanterie Öen Weg bahnen sollen, die die moralische Kraft zum Sturm, zum Kampf Mann gegen Mann, zu Hunger, Durst und Entbehrung aller Art, die Nerven für die Todesgefahr nicht mehr besitzt? — Und umgekehrt, wer eine 7,5-Zentimeter-Kanone bedie- »en kann, wird sich auch mit größeren Ka. l i b e r n zurechtfinden, und wer ein kleines Heer gut fuhrt, wer eine kleine in der Ausrüstung und Bewaffnung beschränkte, aber an körperlichen und sittlichen Kräften von niemand zu übertreffende, mit Den vorhandenen Mitteln wohlorganisierte Truppen sicher geführt hat, der wird auch Die zehnfache o Y l von Streitern ausgerüstet mit der zehnfachen Materialmenge zum Siege bringen; es gibt ja noch beute keinen Führer ober Feldyerrn, der sich über die zu große Zahl seiner Soldaten und seiner Streit- kraste beklagt hätte. Die Hauptsache ist, daß man bei unserem Reichs- Peer das Bewußtsein nicht verliert: „Dieses Heer 'st n i ch t S e l b st z w e ck, es kann nur die Vor- 'ch"le oder der Uebergang zu etwas Anderem, Voll- fommeneren fein!" Und daß man aus den Gefechts« bildern und den Gefechtsverfahren, das sich ohne Gas, ohne Flieger, ohne Kampfwagen, ohne moderne Ar- tllleriebeobachtungsmittel und Artilleriesernwirkung abfpielt, nicht falsche Schlüffe zieht. Die Geistes- kraft, die Phantasie, die heute für die nutzbringende Verarbeitung eines Manövertages vom einfachen Schützen bis zum höchsten Führer verlangt wird, ist wesentlich größer als vor dem Krieg, wo die Anschauung alles ersetzte, wo die Wirklichkeit unverkennbar die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der ge- saßteu Entschlüsse nachwies und allgemein zum Bewußtsein brachte, da die Waffen und Truppenein- heiten, mit denen im Manöver der Krieg vorgeübt wurde, durchaus dem Ernstfall entsprechen. In diesem trotzigen Geist, der sich durch keine Schwierigkeiten unterliegen läßt, ist unser Reichs- Heer feit Jahr und Tag am Werk, den Willen zur Wehrhaftigkeit im deutschen Volk zu förubern und zu festigen und bie Mittel unter schwerstem äußeren Druck bereitzusiellen unb wirksam zu erhalten, ohne bie ein Staat keine Geltung auf ber Welt besitzen kann. Die 5. Division wird in ben nächsten Tagen unter den Augen ihrer höchsten Vorgesetzten unb ihres obersten Kriegsherrn, bes Re i ch s p r ä f i b e n - t e n v. 5) i nb e n b u r g, Gelegenheit haben, dem deutschen Volke zu zeigen, in wieweit ihre Ausbildungsarbeit diesem Geiste entspricht und den Dank des Vaterlandes verdient. beteiligten Organe angesichts bet vertrauens, fdfe, bie unsere Rechtspflege bebroht. Aus lebhaften und zum Teil leidenschaftlichen Erörterungen klingt der Ruf: Das Recht in Rot! Alle Mann an Bord! — Wenn diese Sorge berechtigt ist, wenn Wunden am Rechtskörper zu heilen sind, so liegen hier Aufgaben, an deren Lösung jeder deutsche Jurist sein Bestes sehen soll. 3m vaterländischen Interesse gebietet sich aber die beschwörende Mahnung, bei aller Kritll den Boden der Sachlichkeit nicht zu verlassen und sich vor verallgemeinernden Schlußsolgerungen zu hüten. Verhängnisvolle Ungerechtigkeit würde es vor allem sein, den deutschen Richterstand für Verfehlungen und Mißgriffe einzelner, die uns mit ernster Sorge erfüllen, verantwortlich zu machen. Mit Freude haben wir es auch begrüßt, daß sich die Organisationen des deutschen Rickterstandes die anerkennenswerte Aufgabe gestellt haben, rückhaltlos Selbstzucht und Selbstkritik zu üben und dadurch zur Festigung des Vertrauens in unsere Rechtspflege beizutragen. 3n die Gewissensfreiheit der deutschenRichter darf nicht eingegriffen werden. Vor ihre älnabhängigkeit werben wir uns nach wie vor schützenb stellen. Wir wissen alle, baß ben beutschen Richtern ihr Unabhängigkeit nicht als einseitiges Vorrecht gewährt ist, sondern als Mittel zur Erfüllung ihrer höchsten richterlichen Aufgabe, nämlich bes gleichmäßigen Schutzes aller Staatsbürger unb ber unparteiischen unb gerechten Rechtspflege. Treue Hingabe zum Staat unb zur Reichsverfassung muß ben Richter, der im Namen bes Staates Recht spricht, an erster Stelle auszeichnen unb ihm bie Staats« Verbundenheit zur Gewissenspflicht machen. Vergegenwärtigt sich ber deutsche Richter, was wir zuversichtlich erwarten, bei allen feinen Amtshanb- lungen unb vornehmlich bei ber Strafrechtspflege, daß ihm ber Volksgenosse unb ber Mitmensch gegen- übersteht, bann wirb feine gerechte unb unparteiische Rechtsprechung das Vertrauen aller Volksschichten finden. Bestandteil des großen deutschen Wiederaufbau- Programms sein. Von einem großen Zuge muß das gesamte Reformwerk der Rechtsentwicklung beherrscht sein. Die durch Krieg unb Sriegswirkungen verursachte Hypertrophie der Gesetzgebung muh tunlichster Vereinfachung in den Grundgedanken unb Zusammenfassung in den Zweckbestimmungen ben Platz räumen. Dabei dürfen Rechtsfindung und Rechtssprechung der Fortentwicklung in Staat und Gesellschaft, Wirtschaft und Sozialleben nicht nachhinken, sondern müssen mit ihnen in gleichem Schritt marschieren. Von staatspolitischer, wirtschaftlicher und sozialer Fortentwicklung sollen auch die auf den verschiedensten zivil- und strafrechtlichen Gebieten gelagerten Reformwerke durchdrungen fein, die jetzt in Vorbereitung sind und der möglichst baldigen Verabschiedung entgegengeführt werden sollen. Die Reform des Strafrechts ist in vollem Gange, so daß bereits zu Beginn des kommenden Monats der Reichsrat an die mündliche Beratung des ihm vorgelegten Entwurfs Herangehen wird. 3n gleichem Zusammenhang sind unter den Reformarbeiten die Regelung eines durchgreifen- den Ehrenschutzes unb die Revision des Straf- Prozeßrechts sowie die Erledigung des den Stuscnstrafvollzug festlegenden Strafvollzugsgesetzes herauszuheben. Reuregelung der Ilntersuchungshaft unb darüber hinaus dec Voruntersuchung wird sich auch mit dem besonders wichtigen und zeitgemäßen Thema ber Kriminalpsychologie und ber kriininellen Vorbildung und Ausblldung der für die Voruntersuchung zuständigen Organe zu beschäftigen haben. Dabei gilt es, unter Auswertung aller kriminellen Erfahrungen unb Heranziehung kriminalistisch geschulter Kräfte im Interesse gerechter Strafrechtspflege klare Richtlinien zu schaffen unb einheitliches wie zielbewutztes Zusammenwirken herbeizuführen. Tiefer Schmer; erfüllt alle an der Rechtspflege „Manöver!" Das alte Zauberwort zieht noch immer; wer bie Reichswehrherbstübungen ber letzten Jahre mitgemacht hat, ber weiß es, unb wer aufmerksam bie Aufnahme ber ersten Ankündigung ber diesjährigen süddeutschen Manöver in der Öffentlichkeit beobachtet hat, ber ist nickt im Zweifel barüber, daß ber größte Teil bes beutfqjen Volkes mit der Reichswehr auf diesen unentbehrlichen Abschluß ihrer alljährlichen Ausbildungsaroeit sich freut. Manöver haben ja heute eine noch größere Bedeutung für unser Heer als vor dem Kriege. Die Hebungsplätze sind für die heutigen Marschtiefen und Artilleriesckuhweiten zu klein, so daß schon Hebungen im Regimentsverband nur unter großen Schwierigkeitn nutzbringend abgehalten wer- den können. Auch kennen sich unsere 12 Jahre dienenden Soldaten wie auf dem Kasernenhof allmählich auf den zur Verfügung stehenden Truppenübungsplätzen aus, o daß bie Art unb ber Verlauf ber bort möglichen Hebungen ihnen nichts Neues mehr bieten; um so notmenbiger finb Hebungen in freiem Gelänbe. bei benen bie Führer burch keine unkriegsmäßigen Rücksichten in ihrer Entschlußsreiheit gebunben finb, bie Truppen vor ungewöhnliche Ansorberungen ge- teUt werben; Hebungen, bie mehrere Tage ununterbrochen fortbauern, bei benen ber gesamte Nachschub an Munition, Verpflegung unb Kriegsmaterial zum Ausbruck kommt. Völlig befriebigenb lassen sich solche Hebungen nur im Herbst gestalten, wo keine ober nurmehr geringe Rücksicht auf ben Anbau ber Felber genommen werben muß. Im Winter verbietet bie Witterung unb bie kurze Dauer des Tageslichts längere derartige Übungen, und im Sommer können außerhalb ber Truppenübungsplätze nur Rahmentruppen üben, bei denen zwar alle Befehlsstellen kriegsmäßig mit Offizieren und Nachrichtenorganen besetzt inb und Gefecht unb Befehlsgebung wie in Wirklichkeit im Gelänbe durchgeführt wirb, aber bie Truppe ehlt. Die Rücksicht auf bie schlechte Lage der Reichs- inan$en schränkt heute bie Manöver fast unerträglich em. Was sind 5—7 kriegsmäßige Hebungstuge im Jahr für ein Heer? Dabei sind bie Kosten heutzutage geringer als früher. Bei ben heutigen lichten Kampfformen kommt bas Vorgehen in breiten unb tiefen Massen, baS Reiten in geschlossenen Abteilungen, bas vor dem Krieg ben meisten Flurschaben und erhebliche Kosten verursacht hat, nicht mehr vor. Auch ist, wenn alle 7 Infanterie- unb bie 3 Kavalleriebivisionen an ben Manövern beteiligt finb, noch nicht einmal ber achte Teil bes Vor- kriegsheeres ausgerückt. Die Leitung ber diesjährigen Feldmanöver ber 5. Division liegt wie im vorigen Jahre in den Händen bes Befehlshabers im Wehrkreis V, bes Generalleutnants Haffe, unb feines Chefs bes Stabes, bes Obersten Fleck. Bei ber Manöveranlage hat ferner ber von Ludenborff in feinen Kriegserinnerungen als besonders geschätzter Mitarbeiter ber O. H. L. ruhmenb hervorgehobene Major i.G. Geyer, in ber 5. Division, in erster Linie mitgewirkt. Man tann baher mit besonderer Spannung bem Verlaus unb Ergebnis bie,er Manöver entgegensetzen. Die Frage bes Manövergelänbes würbe in glücklichster Weise gelöst. Württemberger, Babener, Hessen unb Preußen aller Provinzen sollen zunächst die weinbcruhmten, schloßreicken unb burggekrönten -taler bes Kochers, ber Jagst unb ber Tauber mit Den bazwischen liegenben Höhen ber Hohenloher tebenc unb des badischen Baulanbes kennen lernen. Spater wirb die Division in ben unter ber Leitung bes Oberbefehlshabers der Gruppe 2, bes Generals ber Infanterie Reinhardt, ftattfinbenben grö= »eren Manövern im Kampfe gegen bie 7. (baye- rttae) D'v.sion das Gelänbe zwischen Tauber- bischofsheim, Ochsenfurt unb Würzburg durch- Ü $e<Ü ?C5 Kriegsschauplatzes von 1866, wo Schwaben, Babener, Hessen unb Bayern Seüc an Seite im 8. beutschen Bundeskoros noch den Bruberkampf gegen bie Preußen führten mit h°Pnrilsnb9lCfel)en xnD°r' bie Manöverleitung nut ber Verlegung der Herbstübungen in eine den metften unbekannte Gegend, zu ftammesfrember dem Völkerbund notifiziert. Die Rote hat folgenden Worllaut: San S e b a st i a n, den 8. Sept. Die Regierung Sr. katholischen Majestät bedauert, indem sie sich des Rechtes bedient, das chr der 2lbsah 3 des Artikels 1 des Völkerbundes gewährt, Ew. Exzellenz notifizieren zu müssen, daß sie der Auffassung ist, daß d i e zweijährige Kündigungsfrist, die durch den fraglichen Artikel für den Austritt aus dem Völkerbund festgesetzt ist, für Spanien in seiner Eigenschaft als Mitglied vom Tage der Uebcrgabe des vorliegenden Schriftstücks ab zu laufen begonnen hat. Die spanische Regierung hat diese Mitteilung nicht übermitteln wollen, bevor nicht die Versammlung auf Vorschlag des Rates in Gemäßheit der vom Prüfungsausschuß formulierten Ankündigung die Reform der Zusammensetzung des Rats billigte, insoweft die ständigen Sitze in Frage kommen. Indem sie so handelt, hat sie ihre Hochachtung gegenüber dem Völkerbund bekunden und Den Beweis der Korrektheit gegenüber allen Mitgliedern liefern wollen, die ihn zusammensetzen. Sie hat weiter durch ihr derartiges Vorgehen abwarten wollen, bis sich die Versammlung über den Eintritt Deutschlands aussprach, ein Ereignis, wovon Spanien dringend wünsH.t, daß die Folgen die glücklichsten für den Vollerbund sein mögen. Spanien ist überzeugt, daß seine Entscheidung kein Wesens liches Interesse und keinen Grundsatz des Völkerbundes in Frage stellt, für dessen Wohlergehen,' Spanien, sein König und seine Regierung die heißesten Wünsche hegen. Die spanische Regierung ist glücklich, die Gelegenheit benutzen zu können, die ihr diese Mitteilung bietet, die sie die Ehre und gleichzeitig das Bedauern hat, dem Völler- bund zu übermitteln, um mit tiefer Dankbarkeit gegenüber allen befreundeten Staaten zum Ausdruck zu bringen, deren Vertreter Spanien Worte des Dankes und des Lobes für die von ihm innerhalb ber verschiedenen Organe des Bundes vollbrachte Arbeit und ihre hohe Wertschätzung und Zuneigung für unser Land aussprachrn, Worte, denen wir immer ein unauslöschliches Gedenken bewahren werden. Im Augenbkick, wo sich Spanien vom Völlerbund trennt, um der gebieterischen Pflicht zu gehorchen, will es noch einmal den Wunsch formulieren, dahingehend, daß sich das hohe Ideal des Weltfriedens vollkommen verwirklichen lassen werde. Möge dieses Ziel, für dessen Erlangung der Völkerbund geschaffen ist, und in dessen Dienst unser Land bisher mit soviel Eifer und Erfolg arbeitete, voll verwirklichen. gez. Fez Jose V a n g u a s. Der Reichskanzler an Dr. Luther Berlin, 11. Sept. (Wolff.) Anläßlich des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund hat Reichskanzler Dr. Marx an den Reichs- kanzler a. D. Luther folgendes Telegramm gerichtet: Rachdem Deutschlands Eintritt in den Völkerbund vollzogen ist, ist es mir ein Bedürfnis, der verdienstvollen Arbeit meines Amtsvorgängers zu gedenken, die die Grundlage des für Deutschland so bedeutsamen Ereignisses geschaffen hat. Richt zuletzt Ihrem unermüdlichen vorbereitenden Wirken ist es zu verdanken, daß der Schlußstein zu diesem Werk nunmehr gelegt werben konnte. Mit den besten Wünschen für ein tveiteres Wohlergehen und einen erfolgreichen Verlauf Ihrer Reise gez. Reichsianzler Marx. Der deutsche Iuristentag in Köln. Eine Rede des Reichsjnstizministers. Köln, 12. Sept. (WTB.) In bem mit ben tfarben ber deutschen Länber schlicht geschmückten großen Saale im Gürzenich wurde heute von bem Senatspräfibenten unb Hniversitätsprofefsor Dr. Wieruszowski in Köln ber 34. Deutsche Juristentaa eröffnet. Unter ben Ehrengästen befanden sich Karbinalerzbifchof Dr. Schulte, Reichs- justizminister Dr. Bell unb zahlreiche Vertreter ber Reichs- unb Staatsmlnifterien aller Länber unb freien Stäbte, ferner Vertreter ber beutschen lunstischen Vereinigungen in Deutsch-Oesterreich unb ber Tschechoslowakei. Auf Vorschlag Professor Wie- ruszowskis würbe burch Zuruf Hniversitätsprosessor Geheimer Justizrat Dr. Wilhelm Kahl, M. b. R., zum Vorsitzenden des Juristentages gewählt. Nach Begrußungsworien bes Vorsitzenben ergriff dann Rcichsjuftizminifter Dr. Bett bas Wort zu einer großangelegten Rede, in ber er u. a. folgenbes ausführte: Don hoher Warte überschaut der Deutsche Suriftentag der deutschen Justiz brennende Gegenwartsfragen und Rechtsprobleme. Wissen- vereinigen sich hier zum Lebensbund, durchdrungen von dem Bestreben über der gewaltigen Fülle weittragender Einzel- Probleme das erhabendste Ziel der Verwirk- lichung der Gerechtigkeit zu erreichen und den alten Rechtsspruch wahr zu machen: „salus publica suprema lex csto,f. Wollen wir der nationalen Wiedergeburt unseres Volles und dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes zielbewußt und wirksam dienen, dann müssen totr über alle Hemmungen und Erschwer- Nisse hinweg tatkräftig auch öer Reform des deutschen Rechts dienen. Für diese Reformarbeit muffen bie ewigen Sittengesetze die unwandelbar wie die Sterne sind und 'nicht dem Wechsel der TageSanschauungen und Zeitströmungen sich unterwerfen lassen, als feste und unerschütterliche Grundlage dienen. Gesetzgebung und Rechtsprechung dürfen kein Fremdkörper im Volksorganismus sein, sondern müssen tief im Volksbewußtsein wurzeln und gesunder Vollsanschauung entsprechen. Rechtsentwicklung und Rechtsreform müssen unlösbarer genabwehrMel gan» gemein bekannt, borf iben wegen der großen rung und Truppe mit n9 nicht vorhandener singe gestellt werden. 1 Zusammensetzung un- entspricht neuzeitlichen i an Ma/chinengeweh- S/roßenponzerwagen, ipagnien. M aus- ’er eine sogenannte !, die schnell beweg- auch stärkeren sernd- rechrn. Der uns steht rterrediviswn eine ein- -nder Dewassnung zur tsächlich eine so geringe iahen wir dann ge Manöver ab?', Warum verzichten wir re Armee und verstörten der inneren Ordnung solche Frage kann nur laieri al) überschätzt, al, die Erziehung lerkämpste Zukunst, zur ossähiqkeit und steten m widrigsten DeM >r vollendeten Führung nö Massen, einerlei ob nachtet. - Was nutzen sie für eine Infanterie . die moralische Sraft lann gegen Mann, M ng aller Art, die W t mehr besitzt?- rtimeter-Kanone W mt größere'' ' oct ein kleinesM n der AusrüDs A Dirs sich über «‘".“'S®* verliert- I -Mi >> man k^»sS iss» )SIN flrw ,leit uns« und flWJ" Triippen^‘ "C Sri es »'*** t» I*!1 hen®'1" »l'Ä HX J5®«« Wen, hi, D°n 125 E 8U bebL60t dem ‘Ä; . schweren tm ?r‘b "**n ' sllr h;e ^eben »«ÄS al n.(n»er e Ä» 8L??L "8;e*ÄS- srrZ Ier unserer La^^minelung Jas schwerste Kaliber Ä; Dwision de, nu^*nCte9imenler .^baterien mit uZ, ferner men ÜrllUtrit, ' jj mir gegen ffnie Rhmgsabteilunq mit oallontrupp und "Kar- Der Reichsfinanzminister besucht Darmstadt. Darmstadt, 12. Sept. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold kommt Montag, 13. September, nach Darmstadt, um der hessischen Regierung einen Besuch abzustatten und bei dieser Gelegenheit d i e finanzielle Lage des Landes mit dem hessischen Finanzminister zu besprechen. Es ist anzunehmen, daß je nach dem Ergebnis dieser Besprechung, der Finanzminister den Finanzausschuß des Hessischen Landtags über die Lage informieren wird. Aus aller Welt. Bundestag des Bundes der Technischen Angestellten. Der diesjährige Bundestag des Bundes der technischen Angestellten und Beamten (Butab) wurde am Samstag mit einer vom Berliner Ortskartell des AfA-Bundes veranstalteten Begrüßungskund- g e b u n g in Berlin eröffnet. Oberbürgermeister B 0 e ß hielt die Begrüßungsansprache. Der Reichs- tagsabgeordncte Aufhäuser sprach über „Freie Angestellte und Volksstaat" und erklärte, das Bekenntnis zur Weimarer Verfassung und zur demokratischen Republik sei eine Notwendigkeit für die Aufwärtsbewegung der arbeitenden Klassen. Die eigentlichen Verhandlungen begannen Sonntag früh. In seiner Begrüßungsansprache betonte der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, K 0 t • 30m, daß die Verhandlungen wegen der 23 er- schmelzung der beiden Beamtenorganisationen am Montag zu Ende geführt werden sollen. Die neue Organisation müsse unbedingt das Bekenntnis zur republikanischen Verfassung und Staatsform oblegen und sich verpflichten, Schulter an Schulter mit den Arbeitern und Angestellten für freiheitliche Ausgestaltung des Beamtenrechts zu arbeiten. Der Vertreter des Bundesvorstandes, Otto Schweitzer, nahm nach Darlegung des Tätigkeitsberichts zu den Ausführungen Siloerbergs in Dresden Stellung. So schmeichelhaft diese für die Arbeiterorganisationen seien, so müsse man ihnen doch mit Mißtrauen gegenüber« treten. Es sei daran zu erinnern, daß ein Zusammenarbeiten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern ja schon in der Arbeitsgemeinschaft stattge- funden hätte, und daß die Arbeitgeber diese Arbeitsgemeinschaft zerschlagen hätten. Der Geschäftsführer Dr. P f i r r m a n n beschäftigte sich dann in einem Vortrage mit dem Erfinderrecht der technischen Angestellten. Aus der Provinzialhauptsta-t. Gießen, den 13. September 1926. Baden und Bobfahren. Für die Stadt Gießen wurde laut Bekanntmachung im neuesten Amtsverkündigungsblatt die nachstehende Polizeiverordnung erlassen, die sofort in Kraft getreten ist: Die polizeiliche Aufsicht über die Badeanstalten, die Freibäder und die den Wassersportvereinen unmittelbar an ihren Bootshäusern zugebilligten Badeplätze an der Lahn steht dem Polizeiamt zu, das sie durch seine Vollzugsorgane ausübt. Den Weisungen der Polizeibeamten ist in jedem Falle Folge zu leisten. Das Baden in der Lahn und ihren Nebenflüssen ist innerhalb der Gemarkung Gießen nur in den Badeanstalten und den städtischen Freibadeplätzen gestattet. Den Wassersportvereinen ist es außerdem gestattet, in der freien Lahn in unmittelbarer Nähe ihrer Bootshäuser zu baden. Soweit das Baden nicht in geschlossener Zelle stattsindet, haben die Badenden Badehose oder Badeanzug zu tragen. Jeder Unfug und jedes ungeziemende Verhalten beim Baden und in den Badeanstalten ist untersagt. Ebenso ist jede Beschädigung der Badeanstalten und Useranlagen sowie derer Bestandteile und Zubehör verboten. Das Mitnehmen von Hunden in die Badeanstalten ist nicht gestattet. Die Benutzung von Seife, das Waschen von Kleidungsstücken innerhalb der Badeanstalten sowie jede Verunreinigung der Badeanlagen und Einrichtungen ist untersagt. Die Badeanstalten dürfen nur gegen Entrichtung des festgesetzten Eintrittsgeldes betreten werden. Männlichen Personen ist es untersagt, die Frauenbadeanstalt und Frauenbadeplätze zu betreten oder nach ihnen hinüberzuschwimmen. Die Besitzer der Badeanstalten, ihre Vertreter und Gehllfen sind verpflichtet, für die Beachtung der erlassenen Vorschriften Sorge zu tragen. Das Tränken, Schwemmen ober Waschen von Tieren in der Lahn ist nur unterhalb des am Elektrizitätswerk gelegenen Wehres gestattet. Boote dürfen solchen Personen nicht überlassen werden, von denen eine Gefährdung für sie selbst ober andere ober für Eigentum zu besorgen ist. Die bootfahrenden Personen müssen wenigstens mit Bade- ober Ruderanzügen dekleibet sein. Es ist verboten, unmittelbar an ben Badeanstalten entlang mit Booten aus und ab zu fahren. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Vorschriften werden, soweit nicht nach anderen strafgesetzlichen Bestimmungen eine höhere Strafe Der« wirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark bestraft, an deren Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit Haft tritt. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Volkshalle: Gartenbau- und Elektrizitätsaus» stellung, nachm. 2 bis Zl/2 llbr Besichtigung: abends 8V3 Ahr Vortrag von Universitäts-Gar- teninsprktor Rehnelt. — Saalbau Sauer: von 12 Ahr mittags bis 3 Ähr abends Warenaus- stellung des Konsumvereins. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ich hatt' einen Kameraden." — Astoria-Lichtspiele: „Der Raub in der Zentralbank." — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nochmals sei auf die Aufführung des neuen Schwankes „Das goldene Kalb" hingewiesen, der morgen in Szene geht. Die Regie führt Herr Telekh: die Hauptrolle liegt in den Händen von Herrn Goll. In weiteren größeren Rollen sind beschäftigt die Herren V 01 ck, Eisig, Gehre, Wehrl und die Damen Jüngling, Krahmer, Andre und Scherer. Frl. A n b r 6 verabschiedet sich an diesem Abend vom Gießener Publikum. Die Aufführung des Schwankes läßt so starke Wirkung erhoffen, daß eine Wiederholung an einem Sonntag im Winter von der Bühnenleitung in Aussicht genommen ist. • ** Die Darbietungen in der Gartenbau- und Elekt riz itäts» Aasst e l l u n g in den nächsten Tagen werden in unserem heutigen Anzeigenteil angekündigt. Heute abend 81 . Uhr wird der Ülniversitäts-Darten- rnspeklor dehnest in der Ausstellung einen Vortrag halten über „Die Kultur der Topfpflanzen und ihre Behandlung im Zimmer". Die Abendveranstaltungen fanden stets gegen 10 Uhr ihren Abschluß, so daß auch den Besuchern von auswärts die Gelegenheit zur Besichtigung an Werktagen gegeben ist und dennoch auf alle Fälle der letzte Abendzug zur Heimfahrt erreicht werden kann. Räherss in der Anzeige. *• Zwei Str aßenkvnzerte läßt der Gießener Verkehrsverein im Rahmen der Werbewoche morgen, Dienstag, nachmittag von 5 bis 6 Ülhr auf dem Lindenplah und von 6 bis 7 Uhr in der Plockstraße stattfinden. ** E i n Gewitter mit reichlichem Regenfall brachte gestern abend unseren Fluren und auch der Menschheit nach der wochenlangen starken Hitze eine willkommene Erquickung. Da das Wetter erst gegen 7 Uhr abends losbrach, wurden die verschiedenen Veranstaltungen des gestrigen Nachmittags nicht mehr gestört. Der Regen, der bis gegen 9 Uhr anhielt, ist namentlich für die Kartoffelernte von größter Wichtigkeit gewesen, denn die Aecker waren durch die lange Hitze stark verkrustet, wodurch das Ausmachen der ÄnoUcn verhindert, zum mindestens jedoch sehr stark erschwert wurde. Die Temperatur hat sich seit gestern abend rasch abgekühlt. ** Falsche Zwanzigmarkscheine in Umlauf. Wie das Hanauer Kriminalkommisfariat mitteilt, sind dort falsche Zwanzigmarkscheine in Umlauf. Sie bestehen aus Stücken je zwei verschiedener echter Scheine und tragen daher zwei verschiedene Nummern. Die Stücke sind bei allen bisher aufgetauchten Scheinen mittels eines 12 Millimeter breiten bronzierten Papierstreifens, der gepreßt ist und auf seiner ganzen Oberfläche kleine, neben« einanberliegenbe, erhabene Pünktchen trägt, zusam- msngeklebt. Die Scheine sind kürzer als echte. Ein oberhessischer Handwerker- t a g wird am nächsten Sonntag in Gießen stattfinden. ES werden dabei über Hcrndwerkersragen der Rerchstagsabgeordnete Havemann -Hildesheim und der Landtagsabgeordnete Sauten« bacher-Dieburg sprechen. Der Gießener Orts- gewerbeverein lädt die Handwerker in einer Anzeige in unserem heutigen Blatte zur Teilnahme ein. Starkenburg. * Datmstadt, 12. Sept. Der Kaufmann Franz H e i d e ck e r der hier eine Reihe von Scheck- schwindeleien verübt hat, wurde in Stuttgart verhaftet. Bensheim, 11. Sept. (WSR.) Auf einer Radtour von Lorsch nach Rohrbach bei Reichelsheim i. O. stürzte der Oberjustizinspek- tor E g n e r von Lorsch derart schwer vom Rade, daß er sofort tot war. Er wollte seiner in Rohrbach verheirateten Tochter einen Besuch abstatten. Preußen. Kreis Marburg. sch. Marburg. 12. Sept. Tödlich verunglückt ist in Buchenau (Kreis Marburg) der 21jcchr. Sohn des Dachdeckermeisters Schmidt. Der junge Mann war dabei, auf einem Dache die letzten Ziegel aufzulegeir, als er den Halt verlor und auf den gepflasterten Hof stürzte. Schwer verletzt trug man ihn zur Dahn, um ihn in eine Marburger Klinik zu bringen, auf dem Transport ist er aber bereits seinen Verletzungen erlegen. Maiugau. WSR. Frankfurt a.M.» 11. Sept. Die Leiche des Otto Pöhsch, der bekaimtlich seine Tochter ermordete, wurde heute an der Offenbarer Schleuse gelandet. Die Leiche wies Schnitte an beiden Armen auf. Pöhsch hat sich, bevor er sich ins Wasser stürzte, die Pulsadern ausgeschnitten. — 3n der Hanauer Landstraße entstand in der vergangenen Rächt kurz nach 1 ÜIHr in einer Wirtschaft zwischen den Gästen eine Schlägerei. Das Ueberfatl- kommando stellte die Ruhe wieder her. Eine Person wurde schwer verletzt nach der Rettungswache verbracht. Wie verlautet, soll der Verletzte inzwischen seinen Verletzungen erlegen sein. — 3n der Friedenstrahe stürzte gestern abend ein vierjähriger Knabe aus einem Fenster und erlitt so schwere Verletzungen, daß er sofort tot war Hvmbur g v. d. H., 11. Sept. (WSR.) Wie der „Taunusbvte" erfährt, plant man, dem Feldbergturm ein Uebernachtungs- gebäube für die wandernde Jugend anzugliedern und den Turm, dessen Grundstein jetzt gerade vor 25 Jahren gelegt wurde, selbst einer gründlichen und durchgreifenden Erneuerung zu unterziehen. Aulomobilstratze Hamburg - Frankfurt a. M. - Mailand. WSR. Frankfurt a.M., 11. Sept. Auf Anregung des Wirtschaftsamtes Frankfurt a.M. fand heute in der Geschlechterstube des Römers eine Besprechung über das Projekt des Baues einer Automobilverkehrs st raße Hamburg — Frankfurt a.M. — Mai, land statt. Vertreten waren die Stadtverwal- hingen und Derkehrsverbände der von der beabsichtigten Straßenführung berührten Städte, (darunter auch Gießen. D. Red.) ferner die Provinzialbehorden und Interessentengruppen aus Industrie und Handel. Im Auftrage des Oberbürgermeisters begrüßte Stadtrat Dr Schlotter die Versammlung und verwies aus die große Bedeutung, die dem Projekt in Verkehrs- und wirtschaftspolitischer Beziehung zu- kommt. Magistratsoberbaurat ÜI h l f e l d e r widmete sodann dem Projekte einen längeren technischen Dortrag, an den sich eine mehrstündige Diskussion anfchloß. Als Ergebnis dieser Aussprache, die eine geschlossene Einmütig - feit in bezug auf die Rotwendigkeit der Ausführung des Projektes und einen starken Willen für dessen schnelle Verwirklichung ergab, wurde die Gründung eines Vereins beschlossen, dessen Aufgabe es fein soll, den Plan weiter zu verfolgen. Die Geschäftsleitung dieses Vereins hat ihren Sih in Frankfurt a. M. Rundfunk-Programm. Dienstag, 14. September. 4.30 bis 5.45 Uhr. Konzert des Hausorchefters: Luigi Cherubini. — 5.45 bis 6.05: Die Lesestunde. — 6.15 bis 6.45: Die Bücherstunde. — 7.15 bis 7.45: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). — 7.45 bis 8.15: Schachstunde. — 8.15: „Ein Glas Aeppelwein oder Ursachen und Wirkungen". Lokal-Lustspiel in zwei Abteilungen und drei Bildern von E. H. Hallenstein. immmi MMMngnaHM Besucht die Weren-Ausslellung im Sealbau Sauer Eintritt für jedermann frei 5 Konsumverein Gießen u. Umg 7464a In tiefem Schmerz: 746 ID 1926. nachmittags in Lieh statt. 7463D WkUW! WklW! 06253 Die trauernden Hinterbliebenen | Vermietungen, « »L WM I7462D sucht. 7467 D Frieda Viehmann Adolf Viel mann August Heid. Adam Stein, Lang GönS. Albert Michel u. Frau Ida geb. Wagner Karl Debus u. Frau Klara geb. Wagner Karl Wagner und Familie. Alten-Buseck, Birkenau, den 11. September 1926. Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. September, statt. Homberg a. d. Ohm, den 11. September 1926. Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. September, Aliendorf (Lahn), den 13. September 1926. Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. September, nachm. 3 Uhr statt. Berlin, den 9. September 1926. Kleinbahn Gießen-Bieder. Mit Wirkung uom 1. Oktober 1926 wird zum Binnentarif der Nachtrag 32 berauS- ocfleben. Nähere Auskunft erteilen die Dienststellen. 7^'"* Karoline Wagner geb. Becker Frieda Wagner Karl Becker und Frau Johannette geb. Wagner Krofdorf, Vetzberg, den 13. 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Obergeschoß, das im Grundbuche von Gießen der Frau Heinrich Schott geb. Kaietsch in Gießen zugeschriebene Grundstück Flur 23 Rr. 87 = 1817 qm Acker, am Galgenweg, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20 zur Einsicht ausgehängt. 7427c Gießen, den 1. September 1926. 3. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Geräumiges gut möbliertes Zimmer nehtdn. Evtl, mit Garage. Schr. Ang. n OG-244a.b1@icb5hiA. Junger bursche der mit dem Pferde umgehen kann, ge- Die Beerdigung findet Dienstag, den 14. September 1926, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Todesanzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, meinen teuren Vater KMMMWW nach kurzem Kranksein plötzlich und unerwartet in die Ewigkeit abzurufen. Samstag abend gegen 9 Uhr verschied plötzlich mein lieber, herzensguter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Wilhelm Wagner Lagerhalter des Landw. Konsumvereins im Alter von 48 Jahren. Große Sendung Senf gurken, Tomaten Pfd. 15 Ps.,Preiselbeeren Md. 50 Pf., Zwetfchcn, Birnen und Aevfel. billig eingelrosfen. Verkauf Dienstag ab 7 Nhr vormittags Brandplatz, Eingang Botanischer Garten. Frau Frosch, Telephon 1051 Bestellungen für Winterzwiebeln werden angenommen. 06251 Stellenangebote} Bei Kolonialwaren- geschasken, eotl. auch Drogengeichäslen, gut eingeführier Vertreter zum Verkauf eines leicht verkäuflichen Konsumartikels gesucht. Bet ausschließlicher Betätigung in d. Artikel würde Spesenzu- schuß gewährt. Nur Herren, die denNach weis erbringen können, daß sie bestens etugesührl und gute Verkäufer sind, wall, schriftl. Angeb. mit Referenzen unter 7470D an den Gieß. 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September 1926 einschließlich bei der Direction der Disconto-Gesellschaft, Berlin bei der Norddeutschen Bank in Hamburg, Hamburg bei dem A. Schaaffhausen’schen Bankverein A.-G. in Köln, gegen die wunderbaren neuen Mulcuio - Oiamon ■ Klingen und Apparate. Näheres d. MULCUTO- WERK, SOLINGEN. Oie grdßle Speilallabrik der Welt lOrhohl- geBohlitfoDoRMlorappemlo. Landtagsabg. Schreinermeister Lauten bacher, Dieburg. Thema: Handwerkerfragen. Mut»- Hüll KMW-MMW in ter MMte Erich Kaiser-Titz Otz Tollen Erwin Fichtner Carl de Vogt Hans Albers Heinrich Flockner Ernst Pittschau Olaf Fjord Frida Richard Grete Reinwald Iwa Wanja Fritz Kämpers Ida Vani? Emil Heyse Lewis Brody Andja Zimowa Heinz Bernecker Herbert Stock Grete Papst Frankfurt a. M., außer bei der Direction der DiBconto-Gesellschaft Filiale Frankfurt a. M., bei der Deutschen Effekten- und Wechsel-Bank, bei dem Bankhause E. Ladenburg, Halle a. 8., außer bei der Direction der Disconto-Gesellschaft Filiale Halle a. S., bei dem Halleschen Bankverein v. Kulisch, Kaempf & Co., bei dem Bankhause Reinhold Steckner, Hamburg, außer bei der Norddeutschen Bank in Hamburg, bei der Vereinsbank in Hamburg, Hannover, außer bei der Direction der Disconto - Gesellschaft Filiale Hannover, bei dem Bankhause Ephraim Meyer & Sohn, bei dem Bankhause A. Spiegelbcrg, Heilbronn bei der Handels- und Gewerbebank Heilbronn A.-G., Karlsruhe i. B. bei der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G., bei dem Bankhause Veit L. Homburger, bei dem Bankhause Straus & Co., Köln, außer bei dem A. Schaaffhausen’schen Bankverein A.-G., bei dem Bankhause A. Levy, bei dem Bankhause Sal. Oppenheim jr. & Cie., Täglich 4, 6 und 8.15 Uhr. Täglich nachmittags große Jugend- und Familien-Vorstellung. Jugendliche zahlen in den Nachmittagsvorstellungen ermäßigte Eintrittspreise. Heute Premiere Uraufführung für Süddeutschland Umwandlung unserer auf den Namen lautenden Anteile in Inhaberanteile. Wir machen die Eigentümer unserer Kommanditanteile Nr. 60 001 bis 100Q00 über je RM. 50.— darauf aufmerksam, daß sie gleichzeitig mit der Ausübung ihres Bezugsrechtes die Umwandlung dieser Anteile in Inhaberanteile gemäß Artikel 5 Abs. 4 unserer Satzung beantragen können. Zu diesem Zwecke sind die Mäntel bei den obengenannten Stellen einzureichen, die sie mit einem entsprechenden Stempelaufdruck versehen, baldmöglichst zurückgeben werden. bei einer Filiale oder Zweigstelle der vorgenannten Banken an anderen Plätzen, ferner: in Breslau, außer bei der Direction der Disconto-Gesellschaft Filiale Breslau, bei dem Bankhause E. Heimann, in Kassel bei dem Bankhause L. Pfeiffer, in Dresden, außer bei der Direction der Disconto-Gesellschaft Filiale Dresden, bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt, Abteilung Dresden, bei dem Bankhause Philipp Elimeyer, Der Regimentskommandeur Der Major Der Hauptmann Oberleutnant Hellmuth von Rhaden Oberleutnant Karl-Ernst von Stüven Der Adjutant Leutnant Heinz von Bergen Leutnant Jürgen von Göritz Seine Mutter Maria Hilde, ihre Schwester Hans Schiemann, ein deutscher Farmer .... Seine Frau \ MgUjil^UMoFj Ifi/hldtolriBtri Kartenvorverkauf in den Zigarrengeschäften Möser und Loeb und Samenhandlung Robert Döll. Dauer, barte Mir 2 50, Deikarte Ml«. 1. - , Tageskarte Mk.0.50 Kinder die Hälfte 7469V Suche 5000 Mark 1.hWOkl auf n. Landhaus. Schr. Lina. u. 7428V an den Gies«. An». In den Astoria - Lichtspielen heute bis einschl. Mittwochi Der Raub in der Zentralbank Sensationsschauspiel in 6 Akten. Sowie: Die aus erster Ehe Badeeinrichtungen mit elektrischer Warmwasserbereitung Georg Appel / Giessen Seltersweg 56 / Telephon 131 Tausch! Suche im Sud. Osten 3-4° Zimmer- Wohnung mit Balkon gegen schöne Drei- Zimmer-Wohnung mit Küche, Bad und Mansardenzimmer in bester Lage des Selterswegs. Schrift!. QIngeb. mit bish. Mietpreis unt. 7253V an den Oiefi. Anz. | Empfehlungen| Wä idealster Korsett- ersatz. Verkauf jeden Mittwoch 8 Plolkilr. 131. Bezugsaufforderung Die Generalversammlung unserer Gesellschaft vom 8. September 1926 hat beschlossen, das Kommanditkapital um 35 000 000 RM auf 135 000000 RM durch Ausgabe von neuen auf den Inhaber lautenden, vom 1. Januar 1926 ab gewinn- berechtigten Kommanditanteilen im Nennbeträge von 35 000 000 RM unter Ausschluß des gesetzlichen Bezugsrechts der Kommanditisten zu erhöhen. Die neuen Kommanditanteile hat eine Bankengemeinschaft mit der Verpflichtung übernommen, hiervon 20 000 000 RM, eingeteilt in Stücke über 1000 RM und 100 RM, den alten Kommanditisten zum Bezüge anzubieten. Nachdem die erfolgte Erhöhung des Kommanditkapitals in das Handelsregister eingetragen worden ist, fordern wir Besuchen Sie meine Ausstellung in derVolkshalle Nrl \ Auto Tag und Nacht bei billigster Berechnung. 7MpD Tel. 189. Dienstag, den 14. d. Mts., von 2 Uhr nachmittags ab versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28: 1 Schlafzimmer, 2 Küchen, (davon 1 neu), 4 Sofas, 1 Sofa mit 6 Sesseln, 2 Wasch, l'schc, Nachtschrünlre, Tische, Kleider- schränke, Nähmaschinen, Betten, Eis- schränke, Badeofen mit Wanne, Teppiche, Zigarren, Tabak, Schokolade und Steingut, 1 Kreissäge mit Tisch und noch viele andere Gebrauchs- und Haushaltungs- gegenstände. Mittags 1 Uhr versteigere ich an Ort und Stelle: 1 Auto (Oberland) Viersitzer 14/30 P. S., geeignet für Lieferwagen. Bekanntgabe im Dersteigerungslokal. 7458V Versteigerung bestimmt. L. Hartmetz Auktionator und Taxator Neuenweg 28. Telephon 1414. Mache meine werte Kundschaft darauf aufmerksam, dafi mein Dersteigerungs. lokal zu feder Tageszeit geöffnet ist. in Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt und bei deren Abteilung Becker & Co., in Mannheim bei der Süddeutschen Disconto - Gesellschaft A.-G., in München, außer bei der Direction der Disconto-Gesellschaft Filiale München, bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, bei der Bayerischen Vereinsbank, in Nürnberg, außer bei der Direction der Disconto-Gesellschaft Filiale Nürnberg, bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, bei dem Bankhause Anton Kohn, unter Einreichung eines mit einem zahlenmäßig geordneten Nummernverzeichnis versehenen Anmeldescheins, der bei den Bezugsstellen in Empfang genommen werden kann, während der üblichen Geschäftsstunden zu erfolgen. Auf ie 500 RM Nennwert ohne Gew innanteilscheinbogen einzureichender alte Kommanditanteile wird ein Nennbetrag von 100 RM neuer Kommanditanteile zum Kurse von 130n/o frei von Zinsen gegen sofortige Vollzahlung gewährt. Die Börsenumsatzsteuer geht zu Lasten des beziehenden Kommanditisten. Der Bezug ist bei uns und unseren Niederlassungen provisionsfrei. Falls er im Wege des Briefwechsels stattfindet, wird von den übrigen Bezugsstellen die übliche Provision in Anrechnung gebracht. Gegen Zahlung des Bezugspreises werden Kassenquittungen ausgegeben. Die neuen Kommanditanteile werden nach Fertigstellung gegen Rückgabe dieser Kassenquittungen ausgehändigt; die Bezugs- Stellen sind berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Legitimation des Einreichers der Kassenquittung zu prüfen. Die gewünschte Stückelung der neuen Kommanditanteile ist bei der Anmeldung des Bezuges anzugeben. Die Bezugsstellen werden nach Möglichkeit diesen Wünschen zu entsprechen suchen. Die Vermittlung des An- und Verkaufs von Beiugsrechten sowie die Regulierung der Spitzen übernehmen die Bezugsstellen. Tldtl Im Gesicht und am Körver, Mitesser, Blüten, Pusteln, Wichmerln, rote und fleckige Haut, ver- Ichwiiidcn sehr schnell, wenn man cibendS den Schaum von »Zucker'« P.SHedtxtnal.Sets«", A Stck. 60 Pfg. llbNig), Mk. L— (25%lg) und M. 1.50 (35% tg, stärkste Form), eintrocknen tflhl. Schaum erst morgetiS abwaschcn und mit „Zuckooh-Vreme" (In Tuben A 45, 65 und 00 Pfa.) nächst reichen. GrobarNge Wirkung» von Tausenden bestätigt. In allen Apotheken, Drogerien, Parfümerien und FriseurgeschLften erMtllch. Arbeitsvergebung. Die für bad Post- und Wohngebäude der Stadt Orteuberg erforderlichen Ma- [erarbeiten (110 qm), Pudarbeiten (3450 qm), Elektr. Licht (64 Breun- stellen), Wasserzn- und Ableitung (70 lfd. m Zu und 50 lfd. m Ableitung) und Blitzableiteranlage (ca. 75 lfd. m) sollen int öffentlichen Wettbewerb vergeben lucrbcn. Zeichnungen und Bedingungen können auf dem Amt des Unterzeichneten ein- gesehen luerbcn. Angebotsvorbrucke werden baselbst zum Selbstkostenpreis abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, losten frei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens zum Erösfnnngs' termin am 23. September 1926, vor mittags 11 Uhr, bei deut Unterzeichneten etnznreichen. 7144Ö ZuschlagSsrist 2 Wochen. Büdingen, den 9. September 1926. Ter Negierungübanrat bet der .UrcidbeiiuaUnng (Hochbau) F r e 1). PROGRAMM FÜR DIENSTAG, MITTWOCH, DONNERSTAG Dienstag, den 14. September: 2—7i/o Ufir nachmittags: Besichtigung der Ausstellung, 8 Uhr abends: Bortrag mit Lichtbildern des Herrn Ober- Ingenieurs Kühnel über „Elektrische Hausgeräte". Schlufi gegen 10 Uhr. Mittwoch, Öen 15.1 September: 2-7/2 Uhr nachmittags: Besichtigung der Ausstellung, 314-6 Uhr nachmittags: Kinderfest mit Musik, 8/2 Uhr abends: Dortrag des Herrn Landwirtschafts- rats, Direktor der Landwirtschaftsschule Dr. Schad, Butzbach, über „Schädlinge im (Barten- und Obstbau und ihre Bekämpfung". Schlufi gegen 10 Uhr. Donnerstag, den 16. September: 2-71/ Uhr nachmittags: Besichtigung der Ausstellung, 8-11 Ubr abends: Konzert der Kapelle des Reichswehr-' Bataillons in Marburg, unter Leitung des Herrn Musikmeisters Grosse. Kassenöffnung jeweils % Stunde vor Beginn Dormittags Besichtigung mit Führung für Schulen und Dereine nach vorheriger Anmeldmig Wir machen unsere Mitglieder auf den ab heute im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße lausenden Kolonialfilm UW'«8MkMll aufmerksam und empfehlen den Besuch aufs wärmste 7425c Bund -er Uolomalfrem-e Ortsgruppe Siesten MWWWlMlW Sonntag, den 19. September, 10 Uhr, aus der Liebigshöhe. Redner: Reichstagsabg. Malermeister Havemann, Hildesheim- Stadttheater Dienstag, den 14. September 1926 Mfplel des Hurtneaters Boö-lUWIm Erstaufführung! M W1K« M Schwank in 3 Allen von Otto Schwartz und Carl Mathern. 7303c Anfang 8 Ahr. Ende nach 10 Uhr. Der Barverkauf beginnt am Samstag, dem 11. Sept., in den gewöhnt. Kaffen stunden. Jeden Donnerötaa7iäg. Gesellsch.-Neifen Qlnvia Malmaifon 8» Pcrsaillro 7456ss (Anschlns? miifll. alitänl.) an M. 70.-, 85.- n. 130.—Infi. Verpfleg, usiv. Prospekte: Internationales Belsebnreaa, Eöln, Mohren'tr.21 (gegr.llM). Vertretern allen Orten gesucht. ttliöiMai. DJalllotflraBe 36. Dienstag von 10 bis 6 Uhr: SMerverW. H. Benner II., Auktionator und Taxator. Eines der besten ükliiöiliirfoitrt im TannnS, von Gielren bequem au erreichen, ca. 3500 Morgen Wald und >selb, wird abgetreten. Pacht,eit etwa 0 Vtabte. (Mut eingerichtetes Jagdhaus, das Untcrfiiuit für 0-8 Perf. bleiet, mit fomvLylnucntaruür- banbeu. Schr An- frag. erbet, u. 7466D an den Giefi. Anz. ! 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Mädchen vom Lande s. tagt-.- über gesucht 106252 Wnsttorstr. 32. ^Stellengesuche} (tlcbilbclcet Frättlein auc- guter Jam., intelligent, nein. ii. geschästslücht., in. nut. 2lenficrcn, anoht Verlranens- ■iellnng irgend welcher Art. a. l. in Vauditädtchen, s. sofort od. später. (Wine Zeugnisse n. cf. Schr. An geb unter 06247 an den Giefi Anz. erbet. = Alle Handwerker sind herzlich willkommen. --- Ortsgewerbeverein. ^V^.M^.q|sj.,gs|sIIIIIs,|s.^.!-.V!,Ms7.fl7s^.sl..ä!th^Uhlstllll..,lllllstst.....fflTT Nr. 2H Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Montag, Srpiember 1926 Gartenbau und Elektrizität. auszuwechseln, da sie in einer rostartigen Dersen- Die Glühkochplatte ist solid und geschmackvoll ausgeführt, so daß auch den höchsten Ansprüchen ge- le erzeugen, iere Zeit warmhalten will, ist der elektrische peisenwärmer gern gesehen. Mußte man -Des Drehstroms normaler Spannungen ange- vorhanden sein, daß die Wäsche gut durchtränkt ist, schlossen werden. werden. Ueberall da, wo man Speisen auf gut vorgewärmten Tellern und Schüsseln servieren und län- in bezug auf schöne Form und praktische Verwendbarkeit an ein neuzeitliches Kochgerät gestellt kung liegen, die mit einer Verschlußplatte versehen ist. Sämtliche spannungsführenden Teile sind gemäß den DDE.-Dorschriften gegen Berührung geschützt. Soll nur wenig Wasser zum Rasieren oder Mundspülen schnell erwärmt werden, so benutzt man zweckmäßig, auch auf Reisen, den Tauchsieder, der genau wie eine Tischlampe direkt an jede Steckdose angeschlossen weredn kann. Der Wasserkocher, ein elektrisch beheizter vernickelter Topf von besonders gefälliger Form, ist als Heißwasserbereiter bereits allgemein bekannt und in Schlafzimmer und Küche sehr beliebt. Eine ganz erhebliche Arbeitserleichterung bietet der Hausfrau neuerdings die K l e in k ü ch e. Sie ist ein Universalgerät zum Kochen, Braten, Backen, bei dessen Durchbildung alle Fortschritte der neuzeitlichen Kochtechnik berücksichtigt worden sind. Der Wunsch jeder Hausfrau, mit den kleinsten Mitteln auch in ihrer Wirtschaft die größten Erfolge zu erzielen, ist bei der Kleinküche verwirklicht. Die Bereitung der Speisen nimmt weniger Zeit in Anspruch und erfordert weniger Fett, da das Kochen, Braten und Backen unter Luftabschluß geschieht, so daß die Wärme restlos nur dem Kochgut zugute kommt. Die lästige Schwadenbildung bei offenen Herden und die manchmal unerträgliche Wärmeentwicklung, unter der die kochende Hausfrau oft zu leiden hat fällt bei der Kleinküche vollkommen fort. Die jn der Kleinküche zubereiteten Speisen erleiden einen weit geringeren Gewichtsverlust als die auf den sonst üblichen Herden hergestellten, da sie in ihrem eigenen Safte gar kochen. Die Schmackhaftigkeit und der Nährwert der Speisen und damit ihre Bekömmlichkeit werden dadurch wesentlich erhöht. Die Beheizung erfolgt durch Heizelemente, die oben und unten eingebaut sind, so daß die Kleinküche mit Ober- und Unterhitze arbeitet. 5m Innern befinden sich Gleitschienen auf die Bratpfanne und ein Backblech ober zwei Backblecke zugleich aufgeschoben werden können. Der Anschluß der Kleinküche kann an jede Lichtleitung erfolgen, da die Nennaufnahme nur 600 Watt beträgt. Einen vollkommenen Ersatz für den Gasherd bietet die Glüh kochplatte. Sie kann zum Kochen, Anwärmen, Warmhalten von Speisen und Getränken, bei ihrer intensiven Wärmestrahlung zum Braten und Brotrösten sowie als Ersatz für Gasbrenner in Laboratorien und Apotheken verwendet werden, da sie wie eine glühende Herdplatte arbeitet. Am gelbroten Glühen der Heizstäbe ist I sofort zu erkennen, ob die Platte im Betrieb ist. Infolge des hohen Strahlungsvermögens der Heizstäbe, der geringen Speicherwirkung der Platte und des richtig bemessenen Leistungsverbrauchs ist die Glühkochplatte ein ausgesprochener Schnellkocher. Sie ist für jedes Kochgerät (Emaille- oder Metallgeschirrverwendbar und hat den denkbar besten Wirkungsgrad, da ein Ausstrahlen der Wärme nach unten durch einen Reflektor aus nicht rostendem Spezialblech verhindert wird, der sämtliche Wärmestrahlen nach oben zurückwirft. Der Reflektor ist leicht her- auszunehmen und zu reinigen, so daß aufspritzendes Wasser und überkochende Flüssigkeit keine Beschädigung hervorruft. Schadhafte Heizstäbe sind leicht Die Elektrizität im haushalt. Von Adolf ©tolte, Direktor des Elektrizitätswerks der Stadt Gießen. 3n der heutigen Zeit müssen wir mehr denn je bestrebt sein, die Arbeiten im Haushalt zu vereinfachen und zu verbllligen. Hierbei hilft uns am besten und vielseitigsten die Verwendung elektrischer Energie im Haushalt durch den Gebrauch der verschiedensten Apparate. 3e schwerer es fällt, die menschliche Arbeitskraft zu bezahlen, um so dringender ergibt sich die Notwendigkeit, sie durch technische Hilfsmittel zu ersetzen und dies um so mehr, als die Verbesserung und Verbilligung von elektrischen Heiz- und Kochapparaten von Jahr zu Jahr fvrtschreitet. Hand in Hand mit der Verbesserung per technischen Hilfsmittel sind die Elektrizitätserzeuger bemüht, ihre Strompreise zu ermäßigen und dadurch einerseits den Stromkonsum auszu- | gleichen, andererseits aber auch den Haushaltun- , gen die Möglichkeit zu geben, sich in weitestem | Maße, der elektrischen Heiz- und Kochapparate ; zu bedienen, deren Vorteile immer mehr erkannt werden. Andere Länder, an der Spitze Amerika, haben es viel früher als wir verstanden, in den letzten zehn Fahren ihre Haushaltungen fast vollständig zu elektrifizieren. Den Hausfrauen in Amerika, Schweden, Norwegen, Schweiz und Holland stehen seit Jahren zur Erledigung der Hausarbeiten die modernsten elektrischen Apparate, wie Staubsauger, elektrische Kochherde, Küchenmotoren, Speisewärmer, Kaffee- und Teemaschinen, Waschautomaten und Bügeleisen, Heißluftduschen und Heizkisien, elektrische Defen usw. zur Verfügung. Wir in Deutschland sind in den letzten Jahren ebenfalls dazu übergegangen, die elektrischen Heiz- und Kochapparate uns durch weitestgehende Einführung zugänglich zu machen. In den Handel werden Staubsauger als Topfapparate und fahrbare Stielapparate mit Staubsack gebracht. Der Topfapparat besteht aus einem Eimer, auf dem nach oben mit dem Deckel abschließend der Motor mit einem kleinen Ventilator eingebaut ist. Der Apparat bietet den Vorteil, daß er nicht nur zum Saugen verwendet werden kann, sondern auch zum Blasen, welches hauptsächlich da Anwendung findet, wo Beleuchtungskörper, Schnitz- müdel und Nippessachen vorhanden sind. Außerdem kann der Apparat im Sommer als Ventilator Verwendung finden. Der Staubsauger ist mit einem Universalmotor (verwendbar für Gleich- und Wechselstrom bei normalen Spannungen von 110 und 220 Volt) ausgerüstet und kann an jede Lichtleitung angeschlossen werden. Die Stromaufnahme des Motors beträgt etwa 150 Watt pro Stunde, verursacht also bei einem Strompreis von 45 Pf. pro Kilowattstunde 6,75 Pf. Stromkosten für eine Stunde Staubsaugen. Eine Schmierung des Motors erübrigt sich, da der Motor in Kugellagern läuft. Im Zusammenhang mit dem Staubsauger, der den gefährlichsten Feinden unserer Gesundheit, den Bazillen, den Nährboden nehmen soll, verdienen zur Pflege unserer Gesundheit die Heißluftdusche und das Heizkissen besondere Erwäh- yv |w ww|j___, o. nung. Durch verschiedene Stellung des Schalters nügt wird. Sie verbindet daher alle Vorzüge, die kann man ganz nach Belieben einen warmen und j ' ..... ~ ‘ ----- kalten Luftstrom mit der Heißlustdusch, „ sie also auch als kleinen Ventilator zur Kühlung verwenden. Das Heizkisien mit Regelung kann ohne Spannungsumschaltung an jede normale Steckdose (bis 250 Volt) angeschlossen werden. Durch den i ge Regler wird das Heizkissen bei einer bestimmten Temperatur selbsttätig abgeschaltet, gleichviel, an fj^ bisher mit spiritusbeheizten Apparaten (sog. welche Spannung es angeschlossen ist. Innerhalb Rechauds) begnügen, bei denen nie vollkommene dieses durch die Regelung gegebenen Temperatur- Sauberkeit, absolute Geruchlosigkeit, Ausschaltung spielraumes kann die Wärmeabgabe nod) durch jeglicher Feuers- und Explosionsgefahr zu erreichen einen dreifachen Regulierschalter, der in die Zu- roar, so vereinigt der elektrische Speisenwärmer alle führungsleitung eingebaut ist, beliebig gearibcr Vorzüge in sich, die an ein Tischgerät in hygie- werden. Außer der Regelung ist das Kissen noch mit nifdjer Beziehung gestellt werden müssen. In Re- oerschiedenen Temperatursicherungen versehen, die ftourants, Hotels', am Eßtisch ist es durch den elek- eine Uederhitzung und Zerstörung des Kissens aus- frischen Speisenwärmer möglich, die Speisen auf schließen. Der äußere Ueberzug des Stiftens kann einmal auf den Tisch zu bringen, ohne befürchten zu leicht abgeknöpft und gewaschen werden. Für nasse müssen, daß Suppe, Braten, Fischgerichte u. a. durch Behandlung wird auf Wunsch ein passender Gummi- Kaltwerden an Schmackhaftigkeit und Aussehen ver- überzug geliefert. Da das Heizkissen besonders bieg- [jeren. Damit fällt auch das lästige Hin- und Her- sam ist, schmiegt es sich als Umschlag der schmerzen- gehen der Bedienung während der Mahlzeit von den Stelle so an, daß eine überall gleichmäßige selbst fort. Besonders geeignet erweist sich der Spei- Erwärmung erzielt wird. Das geringe Gewicht von senwärmer für Familien, wo die einzelnen Ange- 600 Gramm wird selbst bei schmerzhaften Entzun- hörigen infolge beruflicher Abhaltung die Mittagsdungen von Kranken nicht lästig empfunden, eine 3eit nicht genau einhalten können. Hier leistet der Annehmlichkeit, die durch Wärmflaschen, Thermo- elektrische Speisenwärmer vorzügliche Dienste; aller phorn usw. niemals in so vollkommener Weise er- Berger und Verdruß, der mit dem Kaltwerden der reicht werden kann. Speisen verbunden war, ist gebannt. Um auf den Eine besondere Beguemlichkeit im Schlafzimmer Speisenwärmer sowohl runde als auch ovale Keller und in der Küche bietet der Heißwasser- und Schüsseln erwärmen zu können, ist der Heizspeicher, der uns je nach Größe des Apparats körper zum Kippen eingerichtet. Beim Umdrehen des ständig 15—2000 Liter heißes Wasser bereithält, Gestells legt sich das Kippelement so um, daß es Bei der Heißwasierbereitung nach dem Speicher- stets seine Wärme nach dem Gerät hinstrahlt, das Prinzip wird entweder das Wasser in etwa acht erwärmt werden soll. Beschädigungen des Tisches Nachtstunden auf die gewünschte Temperatur aus- durch nach unten fallende Wärmestrahlen sind durch gebeizt und steht bann während des Tages (bei aus- eine zweckentsprechende Isolation verhütet, geschaltetem Tagstrom) zur Verfügung (Nacht- Von den sonstigen elektrischen Haushaltungsspeicher) oder der Speicher bleibt dauernd (Tag und apparaten sind noch als besondere Helfer der Haus- Nacht) unter Strom (Dauerspeicher); die Tempera- frau der Waschautomat und das Hochleiturregelung und Stromzuführung erfolgt vollkommen st u n g s b ü g e l e i s e n zu erwähnen. Wie schon der selbsttätig. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Name sagt, ist der Waschautomat ein Apparat, der Aufladung in die Nacht verlegt wird, weil Nacht- die Wäsche selbsttätig reinigt und Waschkesiel und ström vom Elektrizitätswerk zu wesenllich niedrige- Waschmaschine in sich vereinigt. Seine Bedienung rem Tarif abgegeben wird als Tagstrom. Beim Heiß- ist leicht und mühelos. Sie beschränkt sich auf das wasserspeicher ist der Wasserbehälter aus Eisenblech Einschalten am Abend und das Ausschalten am ober Kupfer gefertigt. Wasser aus verzinkten Eisen- Morgen. Er macht unabhängig vom Waschhaus und dehältern ist hygienisch absolut einwandfrei. Zum kann in der Küche, ja sogar im Wohnraum gebraucht Schutze gegen Wärmeverluste sind die Speicher von werden, da keine Schwadenbildung auftritt. Das einer hochwertigen Isolation umgeben. Die Heiz- Prinzip beruht auf einer starken Durchflutung der einrichtung besteht aus Flachrohrelementen, die in Wäsche mit heißem Wasser mittels Dampfsprudlers. Heiztaschen eingesetzt sind und auch bei gefülltem Der Apparat ist außerordentlich wirtschaftlich und Wasserbehälter ausgewechselt werden können. Ein braucht nur wenig mehr Strom als ein elektrisches selbsttätiger Temperaturregler schaltet den Strom Bügeleisen. Die Zeitersparnis ist von großer Bedeu- aus, sobald die gewünschte Temperatur (meist 85 tung. Die Wäsche kann frühmorgens getrocknet wer- Grad Celsius) erreicht ist und wieder ein, wenn den, da das Waschen während der Nacht selbsttätig diese infolge natürlicher Abkühlung oder Zuströmens erfolgt. Es wird also der billige Nachtstrom ausge- oon Frischwasser unterschritten wirb. Bei den hän- nutzt. Der Waschautomat besteht aus einem vergeuden Speichern (15 bis 100 Liter), bei Gleich- zinkten Eisenkessel mit elektrischer Heizeinrichtung. .. und Wechselstrom auch bei dem 120-Liter-Speicher Der Inhalt beträgt 50 bzw. 100 Liter, je nach (Badeofen), erfolgt die Ein- und Ausschaltung direkt I Größe. Die Wäsche wird morgens kalt eingeweicht, durch den Thermostaten, der auf eine Quecksilber- Für den 50-Liter-Kesiel braucht man ein halbes schalttöhre arbeitet. Der Einbau der selbsttätigen Pfund gutes Seifenpuloer, das man in etwa 50 bis Temperaturregelung drückt den Stromverbrauch auf 20 Liter Wasser auflöft. Im 100-Liter-Kessel dement- ein Mindestmaß herab und schließt die Gefahr des sprechend ein Pfund auf etwa 30 bis 40 Liter Ueberhitzens alls. Die Heißwasserspeicher können Wasser. Die gut ausgeschleuderte Wäsche, die auch ohne weiteres an Gleich-, Wechsel- und eine Phase gut ausgewrungen werden muß, schichtet man lose '■’* ~ 1 um den Sprudler herum. Es muß soviel Lösung jedoch nicht ganz bis zum oberen Rand des Sprudlers heraufreicht. Der Deckel wird geschloffen, der Strom eingeschaltet und die Wäsche bleibt während der Nacht mindestens acht Stunden sich selbst über* lassen. Früh wird die Wäsche so lange gut gespült, bis das Wasser klar ist. Die Hauptwascharbeit verrichtet also der Waschautomat selbsttätig. Besonders festhaftende Flecken entfernt man durch leichtes Reiben, da der Schmutz, wenn überhaupt, nur noch lose haftet. Der Apparat muß vor dem Einschalten geerdet werden. Dies geschieht auf einfachste Weise, indem man die beigegebene zweite Leitung an der Erdungsklemme des Automaten befestigt und das andere Ende mit der Zwinge an den Wasserleitungshahn anschließt. Don allen elektrischen Haushaltapparaten ist wohl am bekanntesten und am meisten verbreitet bas elektris che Bügeleisen. Der Vorteil vor anderen (gas- und kohlebeheizten) Bügeleisen liegt in der Schnelligkeit des Anheizens und der Gleichmäßigkeit der Wärmeabgabe. Außerdem atmet die Hausfrau beim Plätten nicht die schädlichen Gase und die verbrannte Lust ein. Je nach Art und Feuchtigkeitsgehalt der Wäschestücke sit die Wärmeentnahme vom Bügeleisen verschieden. Die Folge davon ist, daß bei leichter und trockener Wäsche das Eisen öfter ausgeschaltet werden muß, da es sonst zu heiß wird und sengt, baß aber bei schwerer und nasser Wäsche die Wärmeentwicklung unter Umständen nicht stark genug ist, um die abgegebene Wärme zu ersetzen. Man muß dann entweder im Plätten Pausen machen, damit sich das Eisen wieder erholt ober im Besitz mehrerer Plätteisen von verschiedener Leistungsaufnahme für leichtes, mittelschweres und schweres Plättgut fein. Auch diese Unbequemlichkeit ist nunmehr beseitigt, denn es ist gelungen, ein Bügeleisen zu schaffen, das sich s e l b ft t ä t i g in seiner Wärmezufuhr dem Bedarf des Plättgutes an- paht und dauernd die Temperatur behält, die für ein rasches Plätten bei schonender Behandlung des Stoffes am günstigsten ist. Dieser Erfolg ist dadurch erzielt, daß das Plätteisen zunächst für eine gesteigerte Stromaufnahme bzw. Wärmezufuhr gebaut ist und einen selbsttätigen Stromregler besitzt. Der Regler ist eine selbsttätige Schaltvorrichtung, die bei einer bestimmten Höchsttemperatur den elektrischen Strom unterbricht und erst wieder einschaltet, wenn die zulässige untere Temperaturgrenze unterschritten wird. Da der Schaltvorgang bei Bügeleisen mit Regelung von der Temperatur abhängig ist, war es möglich, dem Hochleiftungsbügel- eisen eine wesentlich höhere Wattaufnahme zu geben als dem Bügeleisen ohne Regelung, nämlich 600 Watt. Es liegt auf der Hand, daß die erhöhte Wattaufnahme des Hochleistungsbügeleisens ein bedeutend schnelleres Anheizen, aber auch ein schnelleres Bügeln, besonders von schwerer, nasser Wäsche gestattet, weil eine schnellere Ergänzung der hohen Wärmeverluste erfolgt, die beim Bügeln von sehr feuchten Stücken stets auftreten. Durch den Einbau des Reglers wird eine erhöhte Wirtschaftlichkeit des Eisens erreicht, da infolge des zeitweiligen Ausschaltens trotz der höheren Wattaufnahme jeweils nur die zum Bügeln notwendige Strommenge zugeführt wird. Die Ersparnisse gegenüber Bügeleisen ohne Regelung betragen etwa 20 Prozent des sonstigen Stromoer- brauches. Durch die mittels des Reglers erreichte Temperaturbegrenzung wird auch eine Ueberhitzung des Eisens vermieden. Dies bedeutet zugleich einen weitgehenden Schutz gegen Entzündungsgefahr; denn während sich das Eisen ohne Regler, wenn aus Nachlässigkeit oder Vergeßlichkeit der Strom nicht abgeschaltet wurde, hoch erhitzen konnte, kann dies bei dem Birka-Eisen nicht eintreten, da das selbsttätige Abschalten des Eisens unterhalb der Entzündungstemperaturgrenze erfolgt. Die Hochleistungsbügeleisen werden je nach Wunsch mit englischem ober Berliner Griff geliefert. In Vorstehendem sind nur einige von den vielen Apparaten erwähnt, die der Hausfrau die tägliche Arbeit erleichtern ober ganz abnehmen, Bei der vom Elektrizitätswerk veranstalteten Ausstellung wird jeder Gelegenheit haben, sich über viele andere Haushaltungsapparate wie Küchenmotor, Tee- und Kaffeemaschinen nsw. sowie über nähere Einzelheiten der beschriebenen Apparate zu informieren. Deshalb sollte es niemand versäumen, diese hochinteressante und lehrreiche Ausstellung zu besuchen. Gegenwartsaufgaben unfers Obstbaues. Von Friedrich Rehnelt, Univ.-Garten- Inspektor, Gießen. Wer Obstbäume Pflanzt, schafft verzinsliche Werte, umgibt die Wohnstätten mit freundlichem Grün, verschönt die Fluren und sät Hoffnung, die der heimatlosen Freizügigkeit, dem Streben nach dem Großstadtleben, nicht ohne Erfolg entgegen arbeitet. Diese idealen Gesichtspunkte einer richtig angelegten Obstpflanzung sind unverkennbar. Sie sollten in ihrer Gesamtheit nicht unterschätzt werden. Allein maßgebend sind sie nicht. Hierfür kommt lediglich der Ertrag in Betracht. Wo dieser zu gering ist, als daß er Ausgaben und Mühe lohnte, oder wo die Absatzmöglichkeit für reiche Ernten fehlt, kann von einem gedeihlichen Obstbau nicht die Rede sein. Beides ist bei uns nicht der Fall. Sowohl die schnelle Verbindung mit Dem Industriegebiet, wie auch die Rähe größerer Badeorte würden für den Obst- Handel einen mächtigen Anreiz geben, ihren großen Bedarf in unserer Gegend aufzukaufen, wenn das gewünschte Obst in ausreichender Menge und guter, gleichmäßiger Beschaffenheit zu haben wäre. Ein Gang über unseren Wochenmarkt belehrt uns jedoch, daß beträchtliche Mengen an Obst hier ihre Käufer sinden, die aus oberhessi- fchem Boden nicht gewachsen sind. Man wird einwenden, es handle sich hierbei hauptsächlich um Frühobst, das im sonnigen Rheintal zwei bis drei Wochen früher zur Reife kommt. Der Umstand jedoch, daß man auch im Oktober und Aovember an den Standen der Obstverkäufer für besonders schöne Aepfel die empfehlende Bemerkung zu hören bekommt, diese seien kein hiesiges Obst sondern von weither, gibt allerlei zu denken. Gepflanzt wurden in den letzten-20 Jahren sehr viele Obstbäume. Fast ausnahmslos sind die vor dem Kriege gesetzten Bäume ertragsfähig geworden. Wenn wir dennoch trotz reichlicher Anpflanzungen den einheimischen Markt noch nicht zu versorgen in der Lage sind, so müssen Fehler begangen sein, die in Zukunft zu vermeiden sind. Zunächst muh sich jeder Blitzer darüber klar sein, daß Obstbau immer nur als eine Reben- nuhung bei unS in Frage kommen kann. Grund- stückspreis und Arbeitslöhne sind zu hoch, als daß Jemand zu hohe Erwartungen an eine Obstpflanzung stellen könnte. Dementsprechend ist auch die Pflanzweise zu wählen. Sic muß im Garten, wie im Feld soweit bemessen werden, daß die Untcrfulturen von Gemüse. Beerensträucheim, Feldfrüchten usw. nicht allzusehr beeinträchtigt werden. 3m Feld muh außerdem Rücksicht auf die Bodenbearbeitung und Bestellung mit Maschinen walten, ohne die ein Landwirt nicht mehr auskomml. Aepfel- und Birnbäume dürfen nicht enger als 10, Süßkirschen nicht unter 12 Meter allseitigen Abstand gepflanzt werden. Sauerkirschen, die man bei uns kaum kennt. Zwetschen und Pflaumen können etwas enger stehen. Am bequemsten werden solche Feldpflan» zllngen am Rande eines Grundstückes an Abhängen und Rainen angelegt, sofern der Boden sich dafür eignet. 3n den Gärten wird immer noch viel zu dicht gepflanzt. 3n jedem Hausgarten muh ein Teil für Gemüseanbau ohne Baumwuchs bleiben. Unter Bäumen wächst nicht viel, weil Nahrung. Tau und Regen hauptsächlich dem Baum zu Gute kommen. 3eder Landwirt weih, daß Weizen, Roggen, Gerste und Hafer ganz bestimmte Ansprüche an Boden und Düngung stellen, daß Gerste beispielsweise nicht überall mit Erfolg gebaut werden kann. Genau ebenso verhält es sich mit Obst- bämnen, nur mit dem Unterschiede, daß Der Baum zwei bis drei Menschenalter die benöttgte Nahrungsmenge dem Boden zu entnehmen hat, auf den er gepflanzt wird. 3st dieser ungeeignet, so werden auch die Früchte des Baumes darnach ausfallen. Kirschbäume stellen an den Boden nur geringe Ansprüche. Süßkirschen gedeihen sogar noch auf steinigem Boden, wenn dieser nur zerklüftet ist, so daß die Wurzeln einzudringen vermögen, wie Die tollten, kleinfrüchtigen Baumriesen im oberen Vogelsberg beweisen. Die Kirsche liebt jedoch die freie, den Winden ausgesetzte Höhe. Dennoch sind die von Ginster und Schwarzdorn besiedelten Hügel fast immer mit Zwetschen bepflanzt. Auch sie gedeihen daselbst noch, aber sie werfen in trockenen 3ahren dreiviertel ihrer Früchte aus Mangel an Feuchtigkeit vor der Reife ab. Die Zwetsche ist der Fruchtbaum der feuchten Wiesentäler, durch welche die Nebel ziehen, sowie der daran grenzenden Hänge und Grabenränder, wo wegen Nässe andere Obstbäume nicht mehr gedeihen. Daß die Zwetsche bisweilen erfriert, ist ein Mißstand, Der aber durch die Eigenschaft, Wurzelschößlinge zu bilden, zum Teil wieder ausgeglichen wird. Bei der gemeinen Hauszwetsche wäre eine Sichtung zugunsten Der großfrüchtigen Spielarten und Ausmerzen der Bäume, Die zum Fuchsigwerden neigen, eine zeitgemäße Aufgabe jedes Obstzüchters. Gleichwie die Krone des Birnbaumes energisch nach oben strebt, so gehen auch seine Pfahlwurzeln tiefer in den Boden. Geraten diese auf ihrem Wege auf Ortstein oder eine andere, verhärtete. undurchdringliche Bodenschicht, so verwandelt Der bis dahin ungestüme Holztrieb sich zu kurzem Fruchtholz. Der Baum blüht überreich. Seine Früchte werden, wenn es sich um eine edle Sorte handelt, außen vom Schorf befallen. 3m 3nnern sind sie steinig und dadurch wertlos. Edle Sorten verlangen tiefgründigen, guten Boden. Nur in solchem bilden sie ihre guten Eigenschaften voll aus. Bessere Winterbirnen gedeihen bei uns höchstens als Zwerg- und Spalierobst. Frühbirnen, wie Grüne Sommer-Magdalene und Stuttgarter Geishirtle sollten bei uns nicht angepflanzt werden. Die Heinen Früchte sind zu vergänglich. 3n guten Obstjahren lohnt sich ihr Pflücken nicht und geschüttelt sind sie erst recht nichts wert. Jeder zehnte Obstbaum sollte erst ein Birnbaum sein. Gänzlich zu verwerfen ist die Anpflanzung von Frühbirnen auf freiem Felde. Die unter solchen Bäumen in Grund und Boden getretene Feldfrucht sollte eine Warnung sein. Den besten Boden, Den man besitzt, gebe man den Aepfelbäumen. Der Apfel ist die Hauptfrucht. Von allen Obstarten ist er Der anspruchvollste. Er liebt mäßig feuchten Lehm- ober lehmigen Sandboden, wurzelt flach, so daß die Pslanzgruben nicht tiefer als 60 Zentimeter, dafür aber 2 Meter im Geviert angelegt werden sollten. Stauende Nässe verträgt er ebenso wenig, wie brandigen heißen Boden Es würde weniger krebskranke Aepselbäume geben, wenn Die Besitzer vor Der Anpflanzung auf Das Vorkommen von WasseraDern achten unD solche entweDer aussparen oder durch offene Gräben entwässern wollten. Wir kommen zum Pflanzgut. Der Landwirt weih, daß er erntet, was er sät. Er spart am Saatgut nicht. Wie aber sieht es damit im Obst«- bau aus! Schon an den -Unterlagen wird gesündigt, wenn diese aus Kernen erzogen werden Die von Früchten eDIer Sorten stammen. Dei Same wilder Holzäpfel aber ist teuer und fö kommt es denn, daß die jüngeren Obstbäume nicht mehr das hohe Alter erreichen, was viele kerngesunde Obstbaumriesen aus alter Zeit noch aus- weisen können. Denn Sämlinge guter Sorten fallen schwächlich aus und haben von Blutlaus und anderem Ungeziefer zu leiben. Diese Eigenschaften üben ihren Einfluß mehr oder weniger auch auf Die vereDelte Sorte aus. Sodann wird immer wiederholt Darauf hingewiesen, Daß es wichtig sei, Bäume zu pflanzen, Die an Die BoDen- und Klimaverhältnisse gewöhnt sinD und es ein Unding sei, Bäume aus dem Rheingau in den Vogelsberg zu verpflanzen. So einleuchtend dieser Gedankengang auch sei, gehandelt wird danach nicht blei. Sonst kämen nicht soviel Waggonladungen auswärtiger Bäume nach Gießen, die als hier gewachsene Ware gepflanzt! werden. Wer daher im Herbst oder Frühjahr Bäume braucht, bemühe sich bei Zeiten selbst in Die Baumschulen unD suche sich Dort seinen Bedarf aus, auch auf Die Gefahr hin, einen kleinen Betrag mehr zahlen zu müssen. Was Die Sortenwahl betrifft, so Pflanze man zunächst das, was in Der Gegend am besten gedeiht. Man bevorzuge Sorten mit schön gefärbten, großen Früchten. Sauer aussehende, grünliche und trnb gefärbte Ware ist im Ueberfluß auf Die Eröffnung der Ausstellung mit des angrenzende Gruppe der elektrischen Gebrauchsgegenständ e wiederum viel Neues u£y. .Interessantes. Sodann erfordern die mit elektrrscher Kraft betriebenen l a n d w i r 1 - .h i 11-/) eF»^ne^mnäT-9 an den elektrisch Gießen geführt hatte, die verschiedensten Anzie- tömen und an dem elektrisch hungspunfte vereinigte: Schaufensterwettbewerb, hp« gearbeitet wird zur Deckung Ausstellung, Dlumenkorso, Lnhnregatta — es iF.p££? . Ausstellungs-Nestau- war allerlei auf einmal „los", und es gab -?r®ann man zum Stand der allenthalben etwas zu sehen. bearfieitunuSmnfrfiini»» durch die der Dlumenkorso programmaßig densten Art. Anschließend folat ein werden sollte. Wenig später waren alle dem Otod>e 6er rau [?? t? gtgerfttifle. zahlreiche Fenster der anliegenden ZSJLÜE 6at. bittet" Me | ,SSS mengestellt wurde; um 2V2 Uhr erfolgte dann die Abfahrt, zunächst durch die Neustadt, dann berührte der Zug die Bahnhofstraße, Akiccstrahe, Seltersweg, Kreuzplatz. Sonnenstraße, Schulst raße, um sich über Kirchplatz, Lindenplatz, Ost- anlage und Kaiseraslee nach der Volkshalle zu bewegen. Der Korso selbst wurde angeführt durch eine stattliche Reiterkavalkade des Gießener- Reit- und Fahrklubs, die mit ihren schmucken Aot- röcken und ihrem gepflegten Pferdematerial ein hübsches und bewegtes Bild abgab. Dahinter folgte der Reiter-Verein Großen-Bufeck, sodann em blumengeschmücktes, mächtiges Lastauto mit ter Onufif, woran sich ein langer Reigen der Radfahrervereine anschloß. „Germania", For- tunaZ Radheil 1890" und „Gießener Radfahr-,. verein halten ihre Mitglieder in stattlicher 3a# aufgcaoten, die int Dreh mit Fahnen und reichgeschmuckten Stahlrössern in langsamem Ze.-npo aufsuhren Auch Doppelräder und ein fc^er lebensgefährliches, historisches Hochrad waren zu bewundern. Leider gab es infolae des intensiven Straßenbahnverkehrs, de? ich be^ Debatte sehr lebhaft gestaltete, und Unterbrechungen des Zuges Anschtteßeno an die Radler folgten reich mit zäumen geschmückte Zweispänner.ein Dogcart, Obstaussteller sind: Kreisstrahenver- könne. Das Lob dieser Ausstellung gehe von selbst waltung Gießen, Fürstl. Hofgärtnerei Lich. Obstauf die Aussteller, ohne deren Mitwirkung man nicht und Gartenbau-Verein Heuchelheim, Hch. Winn, die Freude gehabt habe, diese schöne Ausstellung zu Stadtv., Hch. Becker, Lehrer. Bürler, Ackerbau- sehen. Allen Ausstellern könne man mit Schiller zu- techniker, Helfenbein, außerdem noch zwei bis drei rufen: „Das Werk lobt den Meister." Und loben kleine Aussteller, deren Namen im Augenblick und danken müsse man auch der Ausstellungsleitung, nicht feststehrn. mit dem Beigeordneten Dr. Seib an der Spitze, roi;*. und den Ausschüssen, deren Mühe es gelungen sei, 45HCR bie 2Iusfteüung ghirflicb zu vollenden. Hier zeige sich ÖUtCh dlL AusffeüUNHShaNe auä), daß die Notwendigkeit der Volkshalle immer w... . \ 9 . mehr von der Bevölkerung erkannt werde. Wenn Stn .^erortentlich reizvolles nun eine hoffentlich sehr große Besucherzahl in der uni> ^farbige Blumenschmuck» Ausstellung Anregung und Belehrung gefunden und Insbesondere die Prachtvolle Dlumenbeetanlag« der gesellige Teil ber Veranstaltung Freute und Gartnereivereinigung und die hervorragende Genugtuung geweckt habe, dann dürfe die Aus- -^ay"en!ch.au. zahlreiche Lorbeerbäume. Da>rnen- stellungsleitung einen vollen Erfolg verbuchen und 9run "''w. geben dem ganzen Ausstellungstverk des Dankes gewiß sein. Mit einem Hoch auf die n ^rmen erquickenden Tom Der rundherum Ausstellungsleitung und ihre Mitarbeiter schloß der jausende zierliche schmuck der Galerie mit Zrer- Redner seine Worte spargel. angebracht von der Handelsgcrrtnerver- Mit diesem Mittagessen fand der offizielle Teil mnrgung. nimmt sich recht hübsch aus. Für höchst sein Ende. Unmittelbar anschließend begann ®g®u^n9«€fftft« hat die Diret- . 3 tron des städtischen Elektrrzttatswerles in vor- oer gutrut des Publikums. trefflicher Weise im 3nnern der Halle und auch an der Front des Baues gesorgt. Das Beleuch- Der Besuch war am Samstagmrchmittag be- tungsbild läßt den Wunsch wachtoerden. es möge reits rege. Sämtliche Ausstellungsabteilungen wenigstens die neue reizende Innenbeleuchtung wurden met großem Interesse besichtigt, dazu bot an der Galerie und Bühne entlang für dauernd « x « Weller flotte musikalische erhalten bleioen. Zu alledem kommt die erheblich Unterhaltung. 2lm Samstagabend war ebenfalls verbesserte Innenausgesialtung des Bvlkshalle- schon viel Besuch zugegen. Die Ausstellungs- baues. die sich gleichfalls gut ausnimmt. Nur stände wurden bis in die späten Abendstunden ein — seien wir im Ausdruck gelinde! — Schön- fnfer^iert in Augenschein genommen. Der heitssehler ist da: die Einfriedigung des Restau- gesellige Teil brachte Musik und Tanz. Das rationsraumes. Wir meinen, da hätte nicht doch Tanzkunstlerpaar Nino Berno und Otto etwas ganz anderes, besseres anbringen müssen Delosf trat in einer Anzahl Spitzen- und als das jetzige Monstrum, das eine sehr starker ^atwnaltänzen auf,_ deren Vorführung gereiftes Aehnlichkeit mit Tellen einer städtischen Anlage tanz künstle risch cs Können bewies. Die Darbie- am Güterbahnhos hat. Wenn nur irgend möglich, hinget fanden lebhaften Beifall. Daneben hotten so sollte man jetzt noch diesen „dunklen" Punkt in Drsucher Gelegenheit, auf der neugedielten einer Hellen und schönen Ausstellung schleunigst Drchne ebenfalls ausgiebig dem Tanze zu hui- beseitigen. Einige frühe Qk>rmittagSftunben, in ölfleTL denen die Ausstellung ja geschloffen ist, könnten Ein Rundqanq. zu dieser älmgruppierung gaitz gut benutzt werden. .. rv, xt , Uebrigens kann man sich diesen Raum ganz gut Jtian betritt die Bollshalle durch den Haupt- auch ohne jede limfr'iebiqunq denken, etngang von der Grünberger Straße. Zunächst T _ steht man der prächtigen B8UMeNKvrs0. Gi rft ml bedeuten, daß m dieser Ableitung nicht die Möglichkeit gegeben war, die Schmückung eines Geburtstagstisches, eines Blumenfensters oder einer festlichen Tafel in mustergültiger Weise zu zeigen. Wir find überzeugt, daß auch diese und ähnliche Aufgaben ebenso glücklich ihre Lösung gefunden hätten, als die selbstgewählten. Der Mangel an Raum ließ es diesmal nicht zu. Es kann aber gesagt werden, daß die Abteilung Dindetunst unseren Handelsgärtnern Gelegenheit gegeben hat, chr Können vor dem großen Publikum im besten Lichte zu zeigen. Wenn etwas dabei zu erinnern wäre, so ist es dies: Man solle mit der Verwendung von § i • guten inmitten von Blumen, die in der Rähe gesehen werden, äußer st zurückhaltend sein. Sehr leicht wirken sie in dieser Umgebung zu aufdringlich. Richt unerwähnt soll das Bild des Wohnhauses in der Kaplansgasse Bleiben, wo ein einfacher Mitbürger seine Hauswände in liebevoller Weise mit Blumen geschmückt hat. Dieses Bild ist an einem der Pfeiler aufgehängt, die sich innerhalb der Binderei-Ausstellung befinden. Turnen, Sport und Spiel. Regatta in Gießen. Auf Einladung des Vereins Rudersport Gi e h en 1913 fand am Samstag und am gestrigen Sonntag auf der Lahn die 6. Herbstregatta des Lahn-Regatta-Verbandes statt. Die Veranstaltung war an beiden Tagen vom Wetter recht begünstigt. Eine halbe Stunde nach Schluß der Sstrigen Hauptrennen brach ein Gewitter los, das on einige Stunden vorher am Horizont aufgezogen und dann hübsch brav dort verblieben war, vis die Ruderer ihre Veranstaltung programmäßig zu Ende geführt hatten. Dank ausgezeichneter Organisation verlief das sportliche Fest in allen Teilen gut und prompt. Der gezeigte Sport war gut, insbesondere ist das — ohne jeden Lokalpatriotismus! — von unseren Gießener Ruderern zu sagen. Ein besonderer Glanzpunkt, die große Sensation, war der prächtige Kampf um den Großen Lahn-Achter, den Höhepunkt der Regatta, den dieGießenerRudergesellschaft 1877 mti ihrer Mannschaft Ludwig Klaus, August W alle nfels, Hans Mohr, Willi Müller, Willi Becker, Willi Michel, Curt Georgi, Steuer: Willi R o l o f f in sportlich ganz hervorragender Weise in schärfstem Komme gewonnen. Auf diesen Sieg kann die Rudergesellschaft 1877 mit Recht sehr stolz sein! Der Besuch der wertvollen Veranstaltung war im großen und ganzen gut; er wäre noch besser gewesen, wenn nicht die Veranstaltungen in der Stadt und in der Volkshalle allzu viel Publikum von diesem Sportereigtkis abgezogen hätten. Sportlich gesehen, kann der Verein Rudersport aber zufrieden sein mit dem Verlauf des Festes, für das er verantwortlich zeichnete. Nachstehend die Ergebnisse sBahnlänge 1800 Meter, beim Schülervierer ca. 1000 Meter, Start am Felsen, Ziel beim Bootshaus des Rudersport). Vorrennen am Samslagnachmitlag: Jungmann-Bierer. Erster Lauf: Cochemer Rudergesellschaft geht allein über die Dahn, da Limburger Ruderklub unterwegs aufgegeben. — Zweiter Lauf: 1. Rud-erverein Rüsselsheim Z.F/j, 2. Wetzlarer Ruderklub 7,20, Frankfurter Ruderklub kurz vor dem Ziel aufgegeben. Junior-Vierer. Erster Lauf: 1. Ruderverein Rüsselsheim 6,57. 2. Verein Rudersport Gießen 7. Zweiter Lauf (äußerst scharfes Rennen bis ins Ziel): 1. Wetzlarer Ruderklub 6,58, 2. Cochemer Rudergesellschäft 7,01, Frankfurter Ruderklub unterwegs auf gegeben. Jung mann-Vierer. Erster Lauf: 1. Limburger Ruderverein 6,58V-, 2. Limburger Ruderklub 7,04' /-1. — Zweiter Lauf: 1. Wetzlarer Ruderklub 7,02, 2. Verein Rudersport 7,14V.-,. Das Stilr udern für Schüler zwischen dem Ruderverein Rüsselsheim und dem Verein Rudersport wurde bei beiden mit 22 Punkten bewertet, d. h. die Rote gut. Herbst-Achter. Erster Lauf: 1. Ruderverein Rüsselsheim 5,55V;, 2. Wetzlarer Ruderklub 6,12. — Zweiter Lauf: 1. Verein Rudersport 6.02, 2. Limburger Ruderklub 6,10. — Dritter Lauf: Alleingang des Limburger Ruder- Vereins. vorrennen am Sonntagvormittag. Zweiter Herb st achter. Zwischenlauf: 1. Ruderverein Rüsselsheim 6,17V«, 2. Verein Rudersport infolge eines Sitzdefektes aufgegeben. Limburger Ruderverein 1895 geht allein über die Bohn. Schüler-Vierer (Länge der Dahn 1000 Meter) Erster Lauf: 1. Limburger Ruderverein 3,52V6, 2. Verein Rudersport aufgegeben. Zweiter Lauf: 1. Ruderverein Rüsselsheim 3,46Vs. 2. Weilburger Ruderverein 3.47Vs- Junior-Vierer. Zwischenlauf (Protestlauf): 1. Wetzlarer Ruderklub 7,04, 2. Frankfurter Ruderklub 7,16 Vs- Erneuerungsvierer, Erster Lauf: 1. Verein Rudersport Gießen 6,58Vs« 2. Limburger Ruderklub 6,58Vs, Limburger Ruderverein aufgegeben. Zweiter Lauf: 1. Cochemer Ruder-Gesellschaft 6,53, 2. Wetzlarer Ruderklub 7,05l,c. Dritter Lauf: 1. Wetzlarer Ruderklub 6,57- s, 2. Limburger Ruderklub 7.052 5. Hauptrennen. Iunarnann - Vierer (Ehrenpreis): 1. Cochemer Rudergesellschaft 7,01 V;, 2. Ruder-Verein Rüsselsheim 7,17- 3. Wetzlarer Ruderklub 7,88. Zunächst führt Cochem, dann geht Rüsselsheim vor. Hieraus übernimmt Cochem wieder die Führung und siegt mit vier Längen. Iungmann- Einer (Ehrenpreis): 1. Akademischer Ruderklub „Rhenus" Donn (Fritz S t a l l m a n n) 8,01, 2. Limburger Ruderverein (Erich Stein) 8,06. Rhenus gewinnt überlegen. Führte über die Strecke. Gast-Vierer (Ehrenpreis, gestiftet von Emil Schm all. Gießen): 1. Gießener Ruder- Gesellschast 1877: 6,51.6; 2. Limburger Ruderklub 1907: 7'01,2. — Zunächst Bord an Bord- Rennen, hierauf geht Gießen leicht in Führung. Bei 500 Meter liegen die Boote wieder Bord an Bord. Bei 700 Meter geht Gießen erneut in Führung und gewinnt mit gut 2 Längen Vorsprung. Jung mann ° Vierer (Hermann Happel-Gedächtnispreis): Limburger Ruder-Verein 1895: 7.46,2. — Geht allein über die Bahn. II. Herbst-Achter (Ehrenpreis, gestiftet von Fabrikant 3. Äreuter): 1. Ruderverein. Rüsselsheim: 6.32,4. — Limburger Ruderverein 1895 hat nach 1200 Meter aufgegeben. Schüler-Vierer Gigboot. (Shren- plakette, gestiftet von Fabrikant 3. Kreut er): 1. Limburger Ruderverein 1895: 3.56,8; 2. Ruderverein Rüsselsheim:4.04. — Rüsselsheim liegt zunächst in Führung, bei 600 Meter geht Limburg vor und führt dann schneidig über Den Rest der Bahn. Limburg gewinnt mit 2 Längen Vorsprung. Erster Vierer (Wanderpreis, gestiftet von den allen Herren des Vereins Rudersport): 1. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877: 6.24. Limburger Ruderklub 1907 aufgegeben. — Zunächst führt Limburger Ruderklub 1907 mit Luftkastenlänge, dann mit einer Länge Vorsprung. Bei 300 Meter stoppt Limburg ab, da es durch sein Verschulden mit Gießen kollidiert, und gibt auf. Jungmann-Achter (Heraussorderungs- preis, gestiftet von den Damen des Vereins Rudersport): 1. Limburger Ruderklub 1907: 6:59. Limburger Ruderoerein 1895 aufgegeben. — Zunächst wechselnde Führung, schließlich geht der Limburger Ruderklub 1907 vor, während Limburger Ruderverein aufgibt. Junior-Vierer (Ehrenpreis): 1. Cochemer Rudergesellschaft: 6:57,8; 2. Ruderverein Rüsselsheim: 7:24. Wetzlarer Ruderclub 1880 gibt 200 Meter vor dem Ziel auf. — Die Führung wechselt zwischen Cochem uno Rüsselsheim, schließlich scharfer Kampf zwischen beiden bis kurz vor das Ziel. Rüsselsheim setzt dicht am Ziel, während Cochem schon eine halbe Länge vorliegt, einige Schläge aus und führt dann weiter. Cochem gewinnt sicher. Iungmann-Vierer (Herausforderungspreis, gestiftet von einem Freunde der Rudersache): 1. Wetzlarer Ruderclub 1880: 7:18,8; 2. Limburger Ruderoerein 1895: 7:16,2. — Wetzlar liegt zunächst leicht in Führung, dann Bord an Bord, hieraus geht Wetzlar erneut vor, Limburg folgt scharf, jedoch kann Wetzlar das Rennen mit zwei Langen Vorsprung für sich entscheiden. Lahn-Emer (Wanderpreis, gestiftet vorn Lahn-Regatta-Verband): 1. Gießener Rudergesellschaft 1877 (Curt Georgi: 7:50,8; 2. Limburger Ruderverein 1895 (Erich Stein): 7:58. — Georgi führt über die ganze Bahn und gewinnt das Rennen mit 24 Längen voraus. Zweiter Vierer (Ehrenpreis, gestiftet von Se. Magnifizenz dem Rektor der Landesunioersität Gießen): 1. Wetzlarer Ruderclub 1880 : 7:24,8. Seine beiden Konkurrenten aufgegeben. — Anfänglich Kampf. Bei 300 Meter gibt Verein Rudersport Gie ßen 1913 auf, nach Kampf zwischen Limburg und Wetzlar gibt bei 600 Meter Limburg infolge Fehlzugs ebenfalls auf. Begegnung. Bad-Rauhei m, im September. Ein trübseliger Tag. 5lm Himmel dunkles Gewölk. Blitze zuckten, Donner rollte. Erst gegen Abend raffte sich die otntne aus, die bösen Wettergeifter zu vertreiben. Unter Bäumen von schier tropischer Kraft wanderte ich zum Teich. Glockenähnliche Stimmen tönten. Waren es die Schwäne, die in stolzer Haltung über Die schimmernde Wasserfläche glitten? Bunte Schmetterlinge schwebten vorüber. Dingsher ein üppiges Pflanzenbild in golddurchglühter Märchenwelt. Ich setzte mich am jJfer auf eine Dank, wo bereits eine ältere Dame Platz genommen hatte. Man tonnte ihr sechzig, auch ein paar Jahre mehr geben. Wir kamen ins Gespräch. Sie hatte fesselnde Züge, hatte gütige, kluge Augen. Richt als Kurgast, erzählte sie, war sie in Rauheim, fie war aus Frankfurt herübergekommen. 'Verwandte. die ihr nahe standen, zu besuchen. Da wir uns länger unterhielten, hatte ich das Gefühl. eine verwandte Seele sprach zu mir. 3hre Worte waren von lebendigem Geist beschwingt. Sie war nicht Sechzigerin, wie ich vermutete, sie hatte mit erstaunlicher Frische und Rüstigkeit die Höhe der Achtzig erklommen. 3hr Vater, Konrad Hieronymus Haeberlin, 1800 geboren, hatte in Frankfurt, wo sie selbst lebte, als Jurist und Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft gewirkt. Ihr Bruder, Iustizrat Haeberlin, der an der Schwelle der Achtzig vor zwei 3ahren gestorben ist, hat eine große, wertvolle Münzen- famntlung hinterlassen, die seine Witwe bewahrt. Altfrankfurter Erinnerungen wurden in Fräulein Auguste Haeberlin wach. 3hre Eltern, die mit Eduard Steinle befreundet waren, suchten eines Tages mit ihrer elfjährigen Tochter den Meister vuf. Dieser zeigte Herren und Damen, die sich um ihn versammelt hatten, eine Reihe eben vollendeter Aquarelle. Ein Diener kam und meldete: „Frau von Willemerl" Alle waren freudig überrascht. Gleich darauf trat Goethes Suleika ins Zimmer, den Meister und feine Freunde freundlich begrüßend. Ungeachtet ihres hohen Alters war sie von wunderbarer Beweglichkeit, ihre dunklen Augen strahlten in wahrhaft blendendem Glanz. Sie trug ein zierliches Häubchen, das von weißen Atlasbändchen durchzogen war. Richt allem, was der Greisin Geistesflug berührte, konnte Auguste Haeberlin folgen. Was Marianne Willemer mit dem Herzen sprach, war auch der Elfjährigen verständlich. Die Erscheinung der seltenen Frau im Abendrotlicht lebt unvergessen in Auguste Haeberlin weiter. Wie jene sich immer fortzubilden, den Besten ihrer Zeit sich verbunden zu fühlen, ist ihre größte Glückseligkeit. Unvergänglichen Besitz erwarb sie sich auf ihren Reisen. Ihr war vergönnt, Mathilde von Humboldt, Malwida von Metz- s e n b u g, Karl Schurz näherzutreten. 3n Rom gehörte sie dem Kreis an, der sich um Grego- rovius scharte. „Herr Professor," sagte sie einmal zu dem berühmten Gelehrten, »„ich habe mir aus den acht Bänden 3hrer Geschichte Roms im Mittelalter Auszüge gemacht!" „Da wissen Sie mehr als ich," entgegnete Gregorovius, der mit vielem Behagen zu witzeln pflegte. „Sie glauben gar nicht, was man alles vergißt!" Griechenland, Palästina hat Auguste Haeberlin durchstreift, ja in Mexiko hatte sie längere Zeit ihr Zelt aufge- schlagen. Was sie in sich aufnahm, hat sie in Tagebüchern niedergeschrieben. 3mmer noch ist sie bemüht, ihre Existenz zu steigern, ihr Leben vom Schönen durchdringen zu lassen. Stunde um Stunde verrann. Der zunehmende Mond schickte fein weißes Licht herab, als ich von Auguste Haeberlin schied. Die Gestalt Suleikas Ermunterungs-Vierer (Ehrenpreis): Verein Rudersport Gießen 1913: 7:07. — Alleingang. Cochemer Rudergesellschaft und Wetzlarer Ru» derclub 1880 scheiden durch Sieg in vorhergehenden Rennen hier aus. Großer Lahn-Achter (Wanderpreis, gestiftet von einem Mitglied des Vereins Rudersport): 1. Gießener Rudergesellschaft 1877: 6:05',,»; 2. Limburger Ruderklub 1907: 6:05Vio. — Dieses Rennen war die Sensation der Regatta. Die Zuschauer waren voll höchster Spannung. Zunächst führte Gießen mit leichtem Vorsprung, dann gab's Bord-an- Bord-Rennen. Hierauf versuchten beide Boote im Spurt einander abzuhängen, sie lagen jedoch bei 400 Meter immer noch Bord an Bord. Endlich ging Limburg mit Diertellänge in Führung, und schließlich vergrößerte es seinen Vorsprung auf eine halbe Lange. In dieser Lage näherten sich die Boote im schärfsten Ringen dem Ziel. Da ging, schon dicht am Zielband, die Gießener Rudergesellschaft mit größter Energie und Kraft zum Endspurt über, cs holte in blendender Form gegen die sich stärkstens wehrenden Limburger rasch auf und errang mit knapp einem Meter Vorsprung den Sieg für die Gießener Farben. Das Publikum rafte’Dor Begeisterung über diesen fesselnden Kampf. Anschließend nahm Se. Magnifizenz der Rektor, Professor Dr. B ü r k e r , die Preisverteilung vor. Psltzers Welttriumph. Dr. Peltzer schlägt Wide und Nurmi in Weltrekordzeit. vo. Das Zusammentreffen Rurmi- Wide-Dr. Peltzer, dem man schon vorher die Bedeutung eines sportlichen Ereignisses gegeben hatte, wie es in der Rachkriegszeit bisher noch nicht stattfand, wurde zu diesem Ereignis. Der neue Platz des S. C. Charlottenburg an der Avus (Derlin-Grunewald) war bis auf den letzten Platz gefüllt, obwohl es nur ein Samstag, der erste Tag des Internationalen des S. C. C. war. Das Rahmenprogramm fand naturgemäß trotz schöner Kämpfe, nur bescheidenes Interesse. Als die Teilnehmer des Laufes über 1 500 Meter, von lautem Beifall begrüßt, den Platz betraten, machte Böcher den Anfang, Rurmi folgte zusammen mit Wide, zuletzt Dr. Peltzer. Unter ungeheurer Spannung stellten sich die vier Teilnehmer den: Starter. Zunächst gibt es einen Fehlstart, den Dr. Peltzer verursacht. Der zweite Start gelingt, und — sollte es ein Omen fein — fast gleichzeitig mit dem Schuß füllt die finnische Flagge vom Mast. Wide nimtm sofort die Spitze, von Peltzer, Rurmi und Böcher gefolgt. Bei 30 OMcter löst ihn Rurmi in der Führung ab, und so bleibt es zunächst, Peltzer und Böcher liegen an dritter und vierter Stelle. Bei 600 Meter verschärft Rurmi, der die 400 Meter unter 60 Sekunden zurückgelegt hatte, das Tempo weiter, je 1£ Meter trennen die vier Teilnehmer jeden vom anderen. 800 Meter legt Rurmi in 2:02 zurück, bald daraus rückt Dr. Peltzer an zweite Stelle und hängt sich an Rurmi an. Wie scharf das Tempo war, zeigt die Zeit für 1000 Meter, für dis Rurmi 2:32 brauchte, eine Sekunde wenige:, als er bei feinem letzten Weltrekordlauf gebraucht hatte. Ungeheuer wird die Spannung, als ausgangs der Kurve bei 1200 Meter Wide zum Spurt anzieht und an Peltzer und Rurmi oorübergeht. Zu gleicher Zeit scheidet Böcher aus dem Rennen. Mit Wide an der Spitze geht's in die Zielkurve, und nun kommt der entscheidende Moment: Ausgangs der Kurve fetzt Dr. Peltzer zum Endspurt an, angefeuert von den aufs höchste erregten Zuschauern. Zentimeter um Zentimeter käinpster sich heran, während Rurmi hier schon geschlagen ist, erreicht Wide etwa 40 Meter vor dem Ziel, liegt mit ihm eine Zeitlang Brust an Brust, geht an ihm vorüber, spurtet sich etwa 20 Meter vor dem Ziel um Ü Meter vor und verteidigt diesen Meter Vorsprung hartnäckig, bis er das Zielband als Sieger durchreißt. Rurmi wird mit 2 Meter hinter Wide Dritter. Ungeheurer Jubel bricht aus. Peltzer wird umringt und beglückwünscht, ein Flugzeug wirst einen herrlichen Blumenstrauß für ihn ab. Totenstille herrscht, als durch den Lautsprecher die Zeit verkündet wird: 3 Minuten 51 Sekundee neuer Weltrekord, da braust die Begeisterung los, die Musik setzt ein, die Menge stimmt das Deutschlandlied an. Bescheiden entzieht sich Dr. Peltzer allen weiteren Ehrungen, von seinen Vereinskameraden umringt, läuft er vom Platz zurück. Dann werden die genauen Eegeb- niffe verkündet: Peltzer 3:51, Wide (Schweden) 3:51V Rurmi 3:52z. Für Peltzer wurden als Zwischenzeiten gestoppt: 40 OMeter in 61 Sek., 1000 . Meter in 2:34z. stieg vor mir auf, ihr Vers, an Goethe gerichtet. klang mir ins Ohr: „Zu den Kleinen zähl' ich mich, „Liebe Kleine" nemfft du mich. Willst du immer mich so heißen. Werd' ich stets mich glücklich preisen." älnd Goethes Antwort: „Daß du, die so lange mir erharrt war, Feurige Iugendblicke mir schickst, Jetzt mich liebst, mich spät beglückst, Das sollen meine Lieder preisen, Sollst mir ewig Suleika heißen." A. B. Warum der Zarewitsch immer wieder auslebt. Wieder einmal taucht das Gerücht auf, daß der Zarewitsch noch lebe, diesmal als Gast eines vornehmen Polen, nachdem er einige Monate in einem Kloster zu Krakau zugebracht habe. Es ist dies der vierte oder fünfte Alexis Riko- lajewitsch. der hier zum Vorschein kommt, und es würde nicht der Mühe wert fein, darüber nachzudenken, wie er dem Blutbad von Ie- katerinenburg entgangen sein soll, wenn nicht ein anderer Ü1 instand diese ewige Wiederkehr interessant machte. Dieses Gerücht hat nämlich einen ganz besonderen Grund, den eine hochstehende Persönlichkeit, die früher am Hofe Riko- laus II. war, dem „Secolo" erklären zu können glaubte. „Wir sind völlig der Meinung," sagte dieser Russe, „daß die regelmäßig wiederkehrenden Gerüchte von der Wiederauffindung dieser oder jener Persönlichkeiten, die, wie wir leider wissen, in Iekaterinenburg ermordet worden sind, nur deshalb in Umlauf gesetzt werden, damit die Erben des Zaren in den Besitz der ansehnlichen Erbschaft gelangen können, die gegenwärtig bei der größten englischen Dank hinterlegt ist. Man rechnet, daß das persönliche Der- Wide schlägt Nurmi in neuer Wellrekordzeit. Der gestrige zweite Tag des Internationalen Sportfestes des Sportklubs Charlottenburg brachte das Zusammentreffen zwischen Rurmi - Finnland und Wide- Schweden über zwei englische Meilen. Rurmi führte bis 2800Meter, dann ging Wide an ihm vorbei und schlug ihn mit etwa 15 Meter im neuen Weltrekord von 9 Min. 1,4 Sek. Auch Rurmi blieb unter der bisherigen Weltrekordzeit (9 Min. 5 Sek.). Oberhesien. Landkreis Gicszcrr f. Klein-Linden, 13. Sept. Ein Mo - torrad-plnfall ereignete sich am Samstagnachmittag auf der Frankfurter Straße am Orts- ausgang nach Grohen-Linden. Jedenfalls durch seitliches ileberlegcn der Mitfahrerin fiel das Motorrad während der Fahrt um. Erhebliche Deinverletzungen der Mitfahrerin waren die Folgen, während der Fahrer mit dem Schrecken davonkam. Rach Anlegung eines Rotverbandes setzten beide Motorfahrer, ein Arzt und seine Frau aus Gambach bei Butzbach, ifjre Reise nach Gießen mittels Postauto fort. Das Motorrad mußte zwecks Reparatur zurückgelassen werden. —.— Grohen-Linden, 12. Sept. Die beiden ältesten hiesigen Einwohner, Ludwig Schaum und Ludwig Belten V., erfreuen sich trotz ihrer 90 bzw. 89 Jahre bester Gesundheit und sind noch täglich in Feld und Garten tätig. Ludwig Velten V. muhte sich dieser Tage in der Gießener Klinik einer Bruchoperation unterziehen, die er gut überstanden hat, gewiß ein Zeichen ler- niger Gesundheit. t Grünberg, 11. Sept. Bei der Obstver - Weigerung des Kreises bei Grünberg, die hauptsächlich Grafensteiner zum Ausgebot brachte, waren die Preise ziemlich hoch. Schätzungsweise wurde der Zentner am Baurn mit 15 Mark bezahlt. # Obbornhofen, 11. Sept. Infolge des günstigen Wetters ging die Grummeternte in diesem Jahr sehr flott vonstatten. Man ist mit der Menge sowohl als auch mit der Güte des geernteten Grummets sehr zufrieden. Run ist man bereits eifrig mit dem Kartoffelausmachen beschäftigt. Kreis Friedberg. OO Friedberg, 12. Sept. Wegen Pflaft erarbeiten ist die Strahe nach Ossenheim schon über fünf Wochen gesperrt. Der Verkehr nach der Stadt wurde während dieser Zeit umgeleitet. Die Fuhrwerke aus der näheren Umgebung, die regelmäßig zur Stadt fahren, hatten aber infolge der trockenen Witterung fast keinen ilmtoeg zu machen, denn ein Feldweg, der dicht an 'Cer Ufa her geht, konnte während der ganzen 3 zu benutzt werden. Selbst der Zweckverband „Wet- terau" befuhr diesen Feldweg und konnte dadurch seine Fahrzeiten einhalten. Run ist die Straße soweit fertiggestellt und toi’.', bald in Betrieb genommen werden. Mit dieser Pflasterung ist ein weiteres Stück der Strahe, die sehr viel befahren wird, für einige Jahrzehnte in gutem Zustand. OO Rieder-Flor st adt, 12. Sept. Hier hat sich eine rege Bautätigkeit entwickelt. In der Siedlungsstrahe wurden zwei Häuser fertig- gestellt, vier stehen im Rohbau und können wohl diesen Herbst noch bezogen werden. Auherdem wurden zwei Häuser angefangen, die auch noch im Rohbau fertig werden sollen. Damit ist fast die ganze Straße, die erst vor zwei Jahren in den Ortsbauplan einbezogen wurde, bebaut. Auch in der Ebertstraße stehen zwei neue Häuser, die noch in diesem Jahre bezogen werden können. Die Gemeinde richtet in einem Rebenbau der Autohalle zwei Wohnungen ein, an einigen Häusern wurde ein weiterer Stock aufgebaut oder Erweiterungsbauten vorgenommen. Damit kann die Wohnungsnot, die sich hier sehr unangenehm auswirkte und teilweise unhaltbare Zustände geschaffen hat, durch die freiwerdenden Wohnungen toenigftenS einigermaßen behoben werden. Kreis Büdingen. rl. Bleichenbach, 12. Sept. Der Gemeinderat hat nun die P achtpreise für die Gemeindegrundstücke in folgender Weise einheitlich geregelt. Es wurden drei Wertklassen bestimmt, und der Preis für das Quadratmeter auf 2, 21/3 lund 3 Pfennig festgelegt. Gebote, die bei der letzten Versteigerung über diese Sätze gehen, bleiben bestehen, im übrigen gelten diese als Mindestsätze. — Für die Kosten der Instandsetzung der Bachmauern an der Durchgangsstrahe Büdingen—Ortenberg kommt der Kreis nun doch zur Hälfte auf. mögen des Zaren das in England aufbewahrt wurde, im Augenblick der Kriegserklärung 40 Millionen Pfund betragen hat. Für die Bedürfnisse des Landes, um gegen das durch den Krieg hervorgerufene Elend zu helfen, wurde die gute Hälfte dieses Erbes vom Zaren zurückgezogen. Andere nicht unerhebliche Summen wurden verbraucht, um die Pläne zur Befreiung der Gefangenen zu finanzieren. Obwohl ich die Zahl nicht genau bestimmen kann, habe ich den Eindruck, daß von dem Erbe des Zaren noch etwa ein Dutzend Millionen Pfund zuzüglich der Zinsen vorhanden fein mutz. Aber das Fehlen jedes Dokuments über den Tod des Zaren, der Zarin, der Kinder und des Bruders hat es bisher immer unmöglich gemacht, diese Summe abzuheben. Wem kommt dieses Erbe nun zu? Auch dies ist eine schwierige Frage. Rimmt man an, daß die Erbschaft nach dem Recht, das in der kaiserlich russischen Familie in Kraft war, geregelt werden muh, so wäre die Summe unter alle Verwandten je nach dem Grade ihrer verwandtschaftlichen Beziehung zu verteilen. Wenn dagegen die Teilung nach dem englischen Gesetz vorgenommen werden mühte, so fiele die ganze Summe den nächsten Verwandten, also den beiden Schwestern, der Grohfürstin Xenia und der Großfürstin Olga, zu. Ich glaube jedoch, daß alle Familienmitglieder einig darüber sein werden, das Urteil irgend einer hohen Persönlichkeit zu übertragen: Ich habe in diesem Zusammenhang die Ramen Victor Emanuel III. und König Georgs gehört. Aber, bevor man verteilen rann, mmb die Erbschaft freigegeben werden, und wir können sicher sein, daß die Bolschewisten alles, was sie können, tun werden, dies zu verhindern, und da sie kein anderes Mittel haben, dafür sorgen werden, daß man mit der Möglichkeit, datz der Zar ober der Zarewitsch noch lebt, rechnen mühte." < Eintagsfliegen wie unsereins ist nichts für diese Herren." Als sie aber auf ihrem Zimmer beim Zubettgehen noch einmal an Hanfes Worte dachte, kam ihr doch ein ganz leichtfertiges Gelüste, den eleganten Hamburger mit dem geraden, unbewegten Profil einmal ordentlich in Zorn und Hitze zu sehen. Man steigt in der eigenen Achtung, wenn so ehrenwerte Leute sich ein bißchen vermenschlichen. Daß Hanse diese Jugendliebe so ganz ausgeschaltet hatte! Der Vater war doch immerhin kein 'junger Mann mehr; die Praxis nahm ihn sehr in Anspruch. Was hatte eine junge Frau von ihm? Sie hörte den Wagen kommen, endlich. (Bing auf den oberen Flur, der ein Fenster nach der Straße hatte, und sah hinaus. Der Kutscher fuhr eben mit dem Fuhrwerk um die Ecke in den Stall; der Vater rief ihm noch ein Wort nach. Dann wandte er sich Hanse zu, die aus der Tür getreten war, legte den Arm um sie, und so gingen sie in das Haus. Ahnungslos, daß die große Tochter oben an der Treppe stand, sagte er drinnen: „Ein endloser Tag war das heute. Wie hast du es denn so lange ohne mich ertragen, Schatzliebste?" „Das will ich dir lieber nicht sagen. Es ist gegen mein Prinzip, einen Mann eitel zu machen. — Ach, mein Mann, mein lieber Mann, hast du es denn nicht gefühlt, daß ich immer neben dir auf dem Wagen saß die ganzen langen Stunden? Du mußt mich immer mitnehmen; man soll keine Stunde mehr als nötig getrennt sein." Leise glitt Ilse in ihr Zimmer zurück. Mehr als die Worte hatte deren Klang gesprochen. Elf Jahre waren die Eltern verheiratet; fünfzig wurde der Vater im nächsten Jahr — sprachen sie nicht zusammen wie Maschen, die ein ganzes Glück zu hüten hatten? Wenn sie selber einmal — — Sie versuchte, sich Olaf Hammersmid vorzustellen als reifen Mann — das wollte durchaus nicyt gelingen. Den konnte man sich nicht anders denken wie so als halben Jungen, übermütig, leichtherzig, ritterlich, amüsant. Ja, aber wenn man doch das ganze Leben miteinander gehen wollte-- Wollte sie es denn? — Ganz ernsthaft? — Mit ihm gehen in guten und bösen Tagen und sprechen: Dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott, wo du bleibst, da bleibe ich auch? — (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft. * Deutschlands Außenhandel mit Amerika. Aach den soeben veröffentlichter! amerikanischen Angaben betrug die deutsche Einfuhr nach Amerika im Monat August 15 415 000 Dollar gegenüber 15 100 000 Dollar im Juli. Die Ausfuhr Amerikas nach Deutschland hatte einen Wert von 20 395 000 Dollar gegen 20200 000 Dollar im Vormonat. * Vor einer 50-Millionen-An- leihe der Stadt Frankfurt a. M. Auf eine entsprechende Magistratsvorlage hin hat die Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt a. M. seit dem 1. April 1925 eine Reihe von außerordentlichen Ausgaben zu Lasten künftiger Anleihen bewilligt. Der Magistrat beantragt jetzt bei der Stadtverordnetenversammlung die formelle Veschlußfassung über die Verrechnung dieser Ausgaben auf Anleihefonds, um beim Bezirksausschuß die Aufnahme einer Anleihe bis zu 50 Mill. Mark bewirken zu können. Unter den bereits bewilligten außerordentlichen Ausgaben befinden sich u. a. 9.5 Mill. Mark für Grund- stücksaniäufe und Bauten. 1,5 Mill. Mark für Kanalbauten and Wehranlagen. 1 Mill. Mark für Straßenbauten, 1H Mill. Mark für Tiefbauten (Brückenbau), 13,9 Mill. Mark für Marktverwaltung (Großmarkthalle), 2 Mill. Mark für Hasenbetrieb und 20 Mill. Mark für den Woh° nungs- und Siedluugsbau. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Kreis Schotten. ld. Schotten, 12. Sept. Obgleich die heißen Tage der letzten Zeit das von den zahlreichen Regenfällen des Sommers „zusammengeplatschte" Feld zu harten Schollen ausgedörrt haben, beginnt überall, wo die Grummeternte beendet ist, das Kartoffelaus machen. Wenn nicht demnächst ein Regen die verkrusteten Erdmassen etwas durchfeuchtet, wird die Kartoffelernte eine der anstrengendsten Arbeiten dieses Jahres. Es ist zu beobachten, daß Aecker geringerer Güte, die. weil auf den Bergen gelegen, die großen Riederschlagsmengen rasch abgeben konnten, einen weit besseren Ertrag liefern als Taläcker, auf denen die Knollen unter dem Einfluß übergroßer Feuchtigkeit zum großen Teile anfaulten, daß weiterhin rote und blaue Sorten weit weniger gelitten haben, als weiße und gelbe. Man erwartet hier nur eine Mittelernte an Kartoffeln. ld. Aus dem vorderen Vogelsberg, 12. Sept. Die Jäger klagen über die geringe Zahl der Feldhühner, denn die Rässe des Sommers hat ganze Gelege zugrunde gehen lassen. Die Hasen sind etwas zahlreicher vertreten, so daß die Rimrode bei ihren Streifen durch die Felder doch auf ihre Rechnung kommen dürsten. —8— Vom oberen Vogelsberg, 12. Sept. Unter ganz eigenartigen Verhältnissen hat dieses Jahr der Dauer des oberen Vogelsberges geerntet. Durch das periodisch auftretende Regenwetter im Juli wurde besonders die Heuernte verzögert und beeinträchtigt. Während in normalen Jahren die Heuernte Ende Juli beendet war, zog sie sich in diesem Jahr bis Mitte August hinaus. Besonders die Ernte der sogenannten einschürigen Wiesen, die meistens im Oberwald, weit ab von den Dörfern, oft bis zu zwei Stunden, liegen, bereitete besondere Schwierigkeiten. So kam es, daß zwischen Heu- und Getreide- bzw. Grummeternte dieses Jahr überhaupt keine Pause eintrat. Die Hundstage Ende August brachten nämlich eine plötzliche Reife des ganzen Getreides. Und nun ist sämtliches Getreide in der verhältnismäßig kurzen Zeit von nicht ganz 14 Tagen bis auf etwas Hafer restlos geborgen. So waren es für den Vogelsberger Landwirt saure Tage, da hier nach Lage der Dinge neben der Getreideernte auch noch die ®rumincterntc zu bewältigen ist. Was das Ergebnis anbelangt, so läßt sich von der ®rummctcrntc berichten, daß sie weit über alles Erwarten einen guten Ertrag gebracht hat. Richt nur in der Quantität, sondern vor allem in der Qualität steht die Grummeternte gegenüber der Heuernte obenan. So haben die Wiesen beim zweiten Schnitt einen fast höheren Ertrag gegeben als beim ersten. Dazu kam noch, daß das Heu in den meisten Fällen durch das Regenwetter sehr «an seiner Güte gelitten hatte, während die wunderbaren Tage Ende August und Anfang September das Einbringen des Grummets in vorzüglicher Qualität ermöglichten. Auch die Getreideernte brachte vor allein hinsichtlich ihrer Quantität einen vollen Erfolg. Solche Mengen Frucht sind feit langen Jahren noch nicht geerntet worden. Manche Felder haben fast den doppelten Ertrag gebracht, so daß viele Landwirte mit den größten Raumschwierigkeiten zu kämpfen haben. Es ist in diesem Jahre durchaus keine Seltenheit, daß Oberstuben u. dgl. mit Frucht oder Grummet zugeseht werden müssen. Das Stroh der sämtlichen Getreidearten ist dank des herrlichen Erntewetters von vorzüglicher Beschaffenheit. Allerdings soll der Körnerertrag hinter dem in normalen Jahren weit zurückbleiben. Alle Getreidearten sind verhältnismäßig leicht. Dies ist dadurch leicht erklärlich, daß durch die schweren schlagartigen Regengüsse im Sommer noch dazu verbunden mit starken Stürmen sämtliches Getreide frühzeitig zum Lagern gebracht wurde. Auch die Hackfrüchte versprechen in diesem Jahre einen hohen Ertrag. Ganz besonders gilt dies von den Kartoffeln. Sie haben sich dank des guten Wetters der letzten Wochen sehr gut entwickelt, so daß man mit einer Vollernte rechnen kann. Weniger gilt dies von den Kraut- arten. Strafkammer Gießen. Freigesprochen wurde ein Arbeiter, der vom Amtsgericht Gießen wegen Mißhandlung eines Studenten zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Er bestritt die Tat und war bei der herrschenden Dunkelheit nicht bestimmt erkannt worden. 10 Septbr. 11. Scvtbr. Banknoten. Amtliche 9?oit rnng Amtliche Notierung ffictb Brief Geld Brief Änis».. Ron. 168,14 168.56 168,18 168.60 Bncn.-Aires 1.694 1,703 1,700 1,704 Brss.-AnNv. 11,53 11,57 11.465 11,505 ilfjriffiania. 91,89 92.13 91,92 92,16 111,75 Kopenhagen 111.48 111,76 111,47 Stockholm . HelsingforS Italien . . 112,14 112.42 112,18 112,46 10,553 15,21 10,593 15,25 10,555 15,13 10.595 15,17 vondon. • 20,362 20.412 20,366 20.416 'Ji'eubort . 4,193 4.203 4,194 4,202 Pari». . . 12,16 12,20 12,10 12.14 Schweiz . 80,98 bl.18 61,05 vT, 25 Spanien - 64,20 64,56 64.17 64,33 Japan . . 'Hio de Jan 2.025 2,029 2,026 2,030 l1.6.' 4 0.636 0,633 0,635 Dien in D.« CeiL abgeft •19,20 59,34 59,20 59,34 Prag .... 12,416 12,458 12,419 12,459 Belzrad . . 7.418 7,438 7.422 7,442 Budapest. . 3,875 5,895 5,872 5,892 Bulgarien „J-43 3,053 3.043 3,053 Lissabon 21 445 21.495 .1,48 -1,53 Danzig. . Konstantin. 61,37 81,57 81,36 81,46 2.215 2,225 2,20 2,21 Athen . 4.84 4,86 4,79 4,81 Kanada. . 4.197 4.207 4.197 4,207 Hnrauat) 4.20 | 4.21 4.19 4.20 Berlin. 11. Septbr. (Held Bries Amerikanische Note»..... 4,175 4,195 Belgische Noten ....... 11,47 11,53 Tonische Noten ........ 111.24 111 Rn Englische Noten. ....... 20,335 20,435 Franzöiilche Noten ..... 12,37 12,43 Holländische Noten..... 167,83 168.67 Italienische Noten...... 15,41 15 49 Norwegische Noten...... 91,67 92,13 Deuisch-Oesterr., ä ioo .Kronen 59,12 59,42 Rumänische Noten...... 2,07 2,11 Schwedische Noten..... Ul,77 112 31 Schweizer Noten....... 80,68 81*28 Spanische Noten....... 64,04 64 36 Tschechoslowakische Noten . . 12,377 12,437 Ungarische Noieo . . . 5.84 5.88 Berliner Börse. Berlin, 13. Sept. Bei Börsenbeginn fand die ---pekulation unter Vernachlässigung der großen Marktgebiete ein Betätigungsfeld am Renten- markt, ivo Vorkriegs-Hypotheken-Pfandbriefe schon mährend der ersten Stunde nach den letzten Steigerungen weitere etwa 0,25 Prozent gewannen. Alte preußische Rentenbriefe und einige Ausland r e n t e n waren lebhaft gefragt. Auch für Schifsahrtsaktien (besonders Rordlloyd) und einige Elektro werte zeigte sich größeres Interesse, wobei man auf die Vernachlässigung der Schifsahrtsaktien in der letzten Zeit und auf die großen In- und Auslandaufträgc der Elektroindu- strie verwies. Rach Festsetzung der ersten Kurse fan- den Medioglattstellungen und angeblich auch einige Selbsterekutionen statt, die auf die Tendenz drückten. Vereinigte Stahlwerke gaben dabei von 137 auf 136,5 Prozent und J.-G.-Far- ben von 272 auf 270,5 Prozent nach. Man beobachtete späterhin allgemein ein Abbröckeln d e r Kurse bei großer Lustlosigkeit an der Mehrzahl der Aktienmärkte. Einen Rückhalt sturm in schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. rn.b.H., Berlin. 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wie gehetzt siehst du nicht aus." Sie sah ihn von der Seite an und dachte, was sie schon manches Mal in den letzten Monaten gedacht: „Er hat ein Gesicht wie der ewig junge Dichter deutscher Freiheit, wie Theodor Körner." So dunkel lockte sich ihm das Haar in die Stirn, so gerade geschnitten waren die Züge, und an den Wangen zeichneten sich die kleinen dunklen Bartstreifen, das schmale Oval des Kopfes noch betonend. Als er zum erstenmal von Hamburg gekommen, war sein Gesicht mit Stubenfarbe gezeichnet, wie es alle die haben, die in den Bureaus und Kontoren ihr Leben hinbringcn. Doch bei jedem Besuch in Schmalebeck mit den vielen Fahrten auf Güter und Dörfer, war die blasse Farbe mehr einem gesunden Bronzeton gewichen. Jetzt sah er so gesund aus, so jung und frisch, wie nur ein Mann von vierunddreißig aussehen konnte, der seine Nerven und Muskeln nicht in Faulheit erschlafft und nicht in Ueppigkeit verschwendet hatte. Es war einmal Gefahr gewesen, daß dies eintreten könnte. Hatte ihm das Schicksal mit dein Unglück seiner Jugend zugleich den Erfolg und die Tüchtigkeit der Mannesjahre geschenkt? „Was denkst du?" fragte Naben. Und als sie es ihm gesagt, nickte er, „Wie immer b'st du die kluge Hanse. Ja, damals, als Vater fallierte, war ich ein unreifer Junge. Verwöhnt, verzärtelt, immer überzeugt, mir müßte überall eine Extrawurst gebraten werden. Es hat mich hart gerüttelt Daß ich dich so leicht aufgab damals, Hanse--es geschah in der ersten Verwirrung. Und nachher, als ich einsah, was ich mit dir verloren hatte, da warst du mir wirklich verloren." .,Cs ist besser gewesen so", sagte die blonde Frau. „Ich wäre zu alt gewesen für dich. Lache nicht, wenn ich auch an Jahren nicht älter war, wir Mädchen sind gerade in den Jahren den Männern voraus." „Die kluge Hanse! — Wir nannten dich immer so. — Es ist gut, daß ich hierher gekommen bin. äOIes, was Anfang hatte im Leben, soll auch seinen Schluß haben. Nicht ein Ende, versteh' mich recht Der Schluß unserer Juaendzeit ist nur der Anfang einer echten Freundschaft. Oder denkst du onbers?2 „Nein, ich denke wie du. Und wünsche dir von Herzen einen neuen Anfang und einen besseren Schluß dazu." Thomas Raben sah über das Feld, wo Ilse in mrern rosenroten Kleidchen wie eine große Mohn- blute zwischen den Geschwistern und ihrem ungelenken Mentor stand. „Ja, ein neuer Anfang__ Und wenn der schon seinen Schluß gefunden hat, ehe er noch recht begonnen?" „Thomas? Ach, Thomas!" — Er sah ein Erschrecken in ihren Augen. JBin ich nicht gut genug für deinen Liebling? — Sei unbejorgt, zu einer verliebten Torheit bin denn doch nicht mehr jung genug. Wenn man da ist schon ein anderer, dann macht man ganj still die Tur zum Festsaal zu, durch die man eben nur ein bißchen hineingespäht hat." gebe als fcinen' bcm i(t) unser Kind lieber Mündlich gesagt, aber es kann mir nuht viel Helsen. Auch wenn der Danska nicht wäre der außer seiner Jugend auch noch seine Munterkeit und den Baron in die Wagschale £c." kann, wäre ich wohl nicht der Mann diese Libelle zu fangen. Last dir, bitte, nie etwas merken aucy nicht gegen deinen Mann. Da kommen sie' Hanse lach doch. Du kannst doch sonst lachen, wenn deine Kinder kommen." „Du, Onkel Thomas," schrien die Kinder, „lauf du eins nut dem Drachen. Ilse sagt, du hast die längs en Beine. Und Ilse will ihn abwerfen. Mach' unrei -Lijomas. ' Ilse drückte ihm bereits den Bindfaden in die ?punbTOnb M® ■!!d) ^.dem roten Luftkobold be- reit. Was bl.eb ihm übrig, als querfeldein zu ga- loppieren, bis lauchzendes Kindergeschrei kündete daß der Drachen stieg. Nun ließ er, immer tapfer m f.n ulhnbh Ä"nb 00,1 dem Bott ab- laufen und dachte dabei: Sie läßt mich schon an ^em Seil laufen, als mußte das so sein. Aber wenn es der Baron wäre, liefe sie am Ende neben ihm. - (Begen Abend gingen Mutter und Tochter noch zusammen die Lindenallee auf und ab und horchten nad) dem Rotten aus, das den nahenden Doktor wagen kündete. Da fragte Ilse: „Sag' mal, Hanse- mutter, du kennst doch Thomas Raben von Kind auf. Er sieht doch immer noch sehr gut aus — ja wirklich, für seine Jahre sehr gut. (Armer Thomas, dachte Hanse.) War er dir nicht gefährlich damals?" Und kurz entschlossen sagte Hanse: „Wir waren ein halbes Jahr lang verlobt." „Ach!" „Die Rubens waren von Öen ganz großen Hamburgern. Wir reichten trotz unseres Vermögens nicht entfernt an sie heran. Da verkrachte das $aus. Sie halten zu großen Kredit im Ausland gegeben; das riß sie mit. Schiffsverluste, schlechte Ernten — sie waren in der Hauptsache Kornhändler —, man sagte auch, der alte Rabe sei kein vorsichtiger Kaufmann gewesen, es kam eins zum andern. Ein furchtbares Aussehen gab es in der Stadt, als das bekannt wurde. Ein Bankerott — die Schande war schlimmer als jeder Verlust. Der Vater hat die Sache nicht lange überlebt, kaum zwei Jahre. Unsere Verlobung löste sich von selber, Thomas ließ sich nicht mehr sehen und antwortete auf keinen Brief. Da sie noch nicht bekanntgemacht war — er sollte erst ausstudie- sen —, brauchten sich die Menschen wenigstens darüber nicht aufzuregen. Er ging fort aus Hamburg und kam erst zurück, als er alle juristischen Examina hinter sich hatte. Da war ich schon zwei Jahre hier in Schmalebeck." — Sie zögerte eine Weile, ehe sie wieder anfing. „Es ist wohl besser so gewesen. Damals schon hatte ich das Gefühl, daß wir nicht zusammenstimmten wie zwei Menschen, die das ganze Leben miteinander gehen wollen, es müßen. Ich war der antreibende, der tragende, der handelnde Teil. Er ließ sich treiben und vom Leben verwohnen. Liebenswürdig, leichtlebig, leicht aufbrausend —" * „Aufbrausend? Thomas Raben?" „Ihn hat das Leben erzogen. Und doch, wer ihn so kennt wie ich, der sieht noch bisweilen den roten Je»««?1 ln ^tneP Augen, wenn er innerlich erregt i|t. Aber er hat sich in der Hand. Ein ganzer Mann ist er geworden. Einer, der jetzt das volle Recht hat auf ein volles Glück." rrJ'?JJinbc<^nja fel)r ne"; aber ich hielt ihn doch für solchen Hamburger Pedanten. Immer so ein b'b-hen Uber den Menschen stehend. Immer o mit Staatsanwa tsaugen die Menschen betrachtend. Na, er wird nichts nach meiner Meinung fragen. Solche gab die flüssige Verfassung des Geldmarktes, namentlich in Tagesgeld. Der Satz stellte sich auf 4,5 bis 6 Prozent. Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent unoerckndert. Im Devisenverkehr ließ sich die neue Woche außerordentlich ruhig an. Die Kurse eröffneten auf der letzten Basis. London stellte sich gegen Kabel auf 4,856. Börsenkurse. cher. — Nack der günstigen Veranlagung an den Äortagen eröffnete die heutige Börse die neue Woche in überwiegend schwächerer Haltung. Der Tendenzumschwung war in der Hauptsache durch Mediorealisationen verursacht. Die Spekulation beobachtete Zurückhaltung und blieb bestrebt, in der Herabdrückung der Engagements fortzusah- ren. Anregungen von Bedeutung lagen nicht vor, o daß sich infolge der geringen Kauflust das Ge- chäft in den engsten Bahnen bewegte. Immerhin zeigte der Markt ziemliche Widerstandsfähigkeit, denn die Rückgänge hielten sich zumeist im Rahmen von 1 Prozent und gingen nur vereinzelt darüber hinaus. So waren J.-G.-Farben infolge von Abgaben stärker gedrückt und büßten etwa 3 Proz. ein. Der Montan markt lag uneinheitlich. Etwas höher wurden Bochumer, Kali Westeregeln und Klöcknerwerke. Riebeck blieben gehalten. Die übrigen Werte dieses Gebietes gaben etwa 1 Proz. nach. Ein stärkerer Verlust trat bei Rheinischen Braunkohlen ein, die 3,5 Prozent nachgaben. Am Elektromarkt war die Haltung ebenfalls unregelmäßig. Während Bergmann um 1,25 Prozent, Felten um 1,25 Prozent und Schuckert um 0,37 Prozent höher gingen, hatten AEG. und die übrigen Frankfurt a.M Berlin SMuK-l 1-llhr. Schlich. ! Anfang 1 flut'-. flurs Kur« kur« Datum: 11. 9. 13. 9. 11.9 13. 9 5% Deutsche Neichsanleihr 0.5025 0.50 0.505 ||.5O 4% Deutsche ReichSanleihe - — 0.4725 ■ 0 47 Deutsche ReichSanleihe 3®/n Deutsche ReichSanleihe 0.465 — 0,47 0.4625 0,49 — 0,54 0.5425 Deutsche Svarpräinienanleihe 0,28 — 0,28 — 4% Preußische .ffonlolS ■ • . 0.47 — 0.47 — 4% Hessen...... • — 0.4'5 — 3'/,°/° Hellen........ — —- 0,45 —— 3% Hessen........... —— — 0,45 —— Deutsche Werlb. Dollar-Di l. — — 99.95 — dto. Doll.-Schatz°An>reisug.'> — — — — 4% Zolllitrken......... 5% Sotomcrtfaner ... . 13.25 13.12 13.3 — 46 — 45,75 — Berliner Handelsgesellschaft Commerz- trüb Privat-Bank 206 — 207* 207,2* 136.7* 136,7* 137,2* 136.7* Darmli. und Nationalbank 213.7* 213* 213.7* 213,5* Deutsche Bank......... 166.5* 166,4* 166,5* 166.7* Deutsche BcreinSbank ... 96 —>- — — DiSconto Commandit ■ . 161,5* 160’ 162' 161,2* Metallbau!........... 133,25 133 Mitteldeutsche Trrditbank . 136.1 135* 134.2* Oesterreichische Kreditanstalt 8.85 — 9 9.1 Weltbank ....... — — Bochumer Huß . ...... 144.5* - 144,7* 145.7* BudernS .......... 95,5 94,75* 95* 94.75 Earo ............ 76 — 79 25 79.25* 149.5* 163.5* 118 5* 162.2* 148.5* 163* 149* 162* Gelsenkirchener Bergwerke. . üarpcner Bergbau ...... Kaliwerke Aschersleben.... 155* 135 156,5 156* 135.1* 167.2* Kaliwerk Weitcregelo..... 143.75 144,7.5 144 Laurahülte....... . 54 53 52,25 Oberbedarf........... Phönir Bergbau ....... Ryrinstahl . . ....... 70.25 118.5* 117* 147,7* 70 118.5* 148.7* 69 118* 148.7* 119 Riebeck Montan........ 152 153* 151,2* TelluS Bergbau...... 68 Bereinigte Stahlwerke A.-G- — 137,25 137,5 Hamdurg-Dncrika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... 157.5* 158* 159,2* 152* 157.2* 157,9* 160,9* 153.5* Tberamtschc Werke Albto . . 69 Zementwerk Heidelberg . . 130.75 - Philipp Holzmann...... 116,25 115,75 117,5 Anglo-Cont.-Guano..... 95 Chemische Matter Sllapiu . . — 96 I. G- Farbenindustric, A.-G. 274* 271,2* 272* Goldschmidt.......... Holzverkohlung..... 105,1 107 51 117 tb9 108.5 Rütgcrswerke....... 117,25 117.5 117 fiv Schcidcanstalt ...... 162,75 157,7* Mg. ElektrtzitätL-Gesellschaft 156,5* 158.6* 158* Bergmann ......... Momkraftwerke........ 156* 157.2* 156,7* 157,5* 109 Schuckert . . ........ . 135* 135,4* 136.7* 135 7* Siemens * Halske...... 197,75 196' ' 195* rldlcrwcrke .Klevcr ...... 82,25 82,5 83 83.75 Daimler Motoren. ...... 82 82,91 82.5 Hettligenstacdi......... 28 _ Meguin............. 45 Motorenwerke Mannheim — 41.5 । _ Frankfurter Armaturen . . , Konservenfabrik Braun . . . 17 — _ 4U — — Mekallgcscll'chast ftranrfnrt . 144 144 — — Pet. Union ?l..G...... 92,75 — 91,5 _ Schublabrik Her; ...... 59,5 _ 58,75 Sichel. ... ...... Zellstoff Waldhos...... _ 3 1 178 — •178 178.5 Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 74.9 90 — 76 90,25 frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 13. Sept. Tendenz: chwä- Werte dieser Gruppe niedrigere Kurse aufzuweistv. Bankaktien bröckelten ab. Darmstädter minus 0,7, Disconto minus 1,5, Dresdner minus 1,25 Proz. Eine bessere Haltung nahmen Schifsahrts- a k t i e n ein, die infolge neu auflebender Freigabe- Hoffnungen Käufer fanden. Die Besserungen betrugen 2 bis 3 Prozent. Rordlloyd wurden exklusive Bezugsrecht gehandelt. Alle übrigen Aktienwerte neigten eher zum Nachgeben. Von B a u a f t i e n verloren Wayß & Freytag 2, Holzmann 0,5 Proz., während Zement Heidelberg 1 Proz. höher gingen. Auch O e l a k t i e n gaben etwas nach. Zucker- a k t i e n zunächst gehalten. DeutscheAnleihen litten unter Angebot und waren allgemein etwas abgeschwächt. Etwas regere Umsätze hatten Vor- kriegspfandbriefe aufzuweisen, und auch am Auslandrentenmarkt entwickelte sich lebhafteres Geschäft, wobei sich das Hauptinteresse wieder auf Goldrumänen konzentrierte, die mit 20,5 gehandelt wurden. Daneben waren auch Russen, Türken und Herben bei steigenden Kursen im Geschäft. Der Freiverkehr blieb umsatzlos. Gro- wag 60 Prozent. Der weitere Verlauf brachte eine etwas freundlichere Stimmung. Es zeigte sich etwas Deckungsbedürfnis, wodurch sich die Kurse mäßig erholen konnten. Am Geldmarkt herrscht weiter Angebot. Monatsgeld 5Z bis^,.^Prozent, je nach Adresse. Tagesgeld 4 Prozent. Warenwechsel o,5, Privatdiskonten 4,75 Prozent. Im Devisenwerte h r traten wesentliche Veränderungen nicht ein. Pans notierte gegen London 168, Brüssel 176 50 und Mailand 134,50. London gegen Kabel 4.85a. Die Markt behauptet ihrer festen Stand. Ara nk mvtev Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 13. Sept. Auftrieb: 1522 Rinder (darunter 468 Ochsen, 67 Bullen, 987 Färsen und Kühe), 403 Kälber, 129 Schafe' 4275 Schweine. — Rinder (Ochsen): Voll- fleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 57 bis 61, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 50 bis 56, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 40 bis '49? (Bullen): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 50 bis 53, vollfleischige jüngere 40 bis 49; (Färsen und Kühe): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 56 bis 60, vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 51 bis 55, wenig gut entwickelte Färsen 45 bis 55, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 41 bis 50, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 40, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 29. — Kälber: Feinste Mast- kälber 83 bis 88, mittlere Mast- und beste Saugkälber 74 bis 81, geringere Mast» und gute Saugkälber 60 bis 72. — Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 38 bis 44, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzscha e) 30 bis 36.— Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm SO bis 85, unter 80 Kilogramm 74 bis 79, von 100 bis 120 Kilogramm 80 bis 84, von 120 bis 150 Kilogramm 80 bis 83, Fettschweine über 150 Kilogramm 80 bis 83, unreine Sauen und geschnittene Eber 65 bis 75. — Marktvcrlauf: Sperrmarkt. Bei Rindern und Schweinen langsamer Handel und Ueberstand. Bei Kälbern und Schafen lebhaftes Geschäft und ausverkauft. Wettervoraussage. Winde aus südwestlicher Richtung, meist heiter, keine wesentliche Äenderung der Tempera' turen. trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 27,2 Minimum 11,4 Grad Celsius. Riederschläge: 9.4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 13.7 Grad Celsius. Letzte Nachrichten. Dom StaMtfyeater Gretzen. Wie uns nach Redaktionsschluß vom Stadtthca> terburcau mitgeteilt wird, fällt die für morgen abend vorgesehene Aufführung „Das goldene Kalb" aus. Die Vorstellung findet an einem späteren Tage statt. ■--- 11 । K Sommerkur für 4582ss Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spczialkura«*talt Hof heim i. Taunus bei Frankfurt a M. Prospekte durch I>r. M. Schnlee-Kahiey«N« Nervenarzt.