"ü'Ä ? NÄ MD U2'V'V'5^ •tc sich Ä 3m 11 187.50 ‘210 Sen ft* «egen ;enn^reismel^hp bis 32 Mark; Roa. ^üfer, ausländischer 7? bis 18; MM.' 42.75 bis 45;.'Koo. 'Ueit 9; Roagenlleic 45 bis 75; Heu, jüb- 10.50; Weizen- und :ber, getrocknet, 15,50 chtviehmarkt. 3uli Austrieb; 1815 ' Ochsen, 51 B-ällen, 6 Salbet, 35 bchafe. gezahlt für 100 Pfund Ochsen, vvllsleischig: achttverts 55 bis 60, lemäftck uni ältere ifiifl genährte junge is 46, Aussen. \>oib 1 höchsten jüngere 40 bis ?; nstzemäsirte $ätk. I 59. vvllfl. ausgc- »Werts bis zu Heben it entwickelte Färsen ete Kühe und wenig ;e 38 bis 47, mähig 30 bis 38. gering gc- [8 bis 28. Kälber; 6. mittlere Mast- und geringere Malt-und , geringe Eauglölber llämmer und Mast' re Masthämmel und ne: Dollst, von S) r 80 Kg. 70 bis 75. is 79, von 120 bis Deine über 150 Kg. nb geschnittene Eber Bei Lindern lang- btoeinen schleppender e hinterlasse" Leber- ssagc. Reiterung, warmer, tiMr!»*«!* in regenfrer Lon ,n Hochdruckteil na<$ st noch nordwestliche, heransühtt ^ * 1 sonnen. . ,qi e xr®* us. . Genders. „Umschau") 3- ^uli‘ . h£i Haus' WA jürSI» - bls bL«7von 'S1' ihr- yfflalW us>k l" ^nschauunge' U6r: ^Hrenste^ iend** tzambO ^><0* ---458255 ^nllv iirch vgrven»^ m. (61 Erster Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 15. Juli 1926 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruS vstb Verlag: vrühl'lche Univerfitätt-Vuch. und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Stiebt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in (Biefjen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Viehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: ächriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. Neue Entwuffnungsnoten. Die Botschafterkonferenz gegen Seeckt. Berlin, 12. Juli. (TU.) Wie die „Deutsche lagesttifung“ aus unterrichteten kreisen erfährt, ist die MtlitärkontroUkommission kürzlich angewiesen worden, im Namen der Botschafterkonseren, einen neuen Vorstohgegen ole Stellung des Generals von Seeckt ,u unternehmen. Unter Bezugnahme auf den Erlaß über die fiommanbo- gewall in-der Reichswehr vom September 1919 und auf die Verfügung des Reichspräsidenten vom 2. Januar d. I. soll die deutsche Regierung ersucht worden sein, die Stellung eines General- inspektors der Truppen ,u schassen und einen der beiden Relchswehrgruppenkommcmdeure gleichzeitig ,utn Äneralinspektor zu ernennen. Außerdem hat die Militärkontrollkommission von Marschall Fach Anweisung erhalten, ihr besonderes Augenmerk auf die in letzter Zeit von einem Teil der deutschen Presse gemeldeten Waffen- und Munitionsfunde zu richten und von der deutschen Regierung Aufklärung hierüber zu verlangen. Wie verlautet, hat General Walch sich des ihm erteilten Auftrages bereits entledigt und der deutschen Regierung entsprechende Forderungen übermittelt. von zuständiger Seile wird hierzu milgeteilt, dah dem Reichskommissar für Entwaffnungsfragen mehrere Noten des Generchs Walch vom 2. und 3. Juli zugegangen find, die im Rahmen der schwebenden Verhandlungen verschiedene Linzelfragen der deutschen Lntwassnungs- und heeres- organisation behandeln. Die Forderungen der inneralliierten Militärkontrollkommission wird zur Zeit von den beteiligten Restarts geprüft. Die „Tägl. Rundschau" schreibt dazu: „Dei der Behandlung dieser Angelegenheit wird man nicht außer acht lassen können, dah es sich um eine Aktion der Kontrollkommission, d. h. also um eine technische Beanstandung, handelt. Aber auch wenn man diesen Amstand in Betracht zieht, wird man doch nicht verkennen können, dah es sich um einen sachlich durchaus ungerechtfertigten Borst oh handelt, den. wir mit aller Entschiedenheit zurück- weisen müssen, lieber die Stellung des Generals Seeckt ist, wie bekamrt, schon vor Monaten eine Vereinbarung erzielt worden. Den Forderungen der Botschafterkonferenz wurde damals durch eine Verordnung Rechnung getragen, die die Stellung eines Chefs der Heeresleitung aufhob und Herrn v. Seeckt dem Reichswehr- ininister unterstellt. Es erscheint durch nichts gerechtfertigt, dah die Kontrollkommission diese Frage von neuem aufrollt, nachdem die damals gefundene Lösung der Streitfrage sich monatelang in Geltung befindet. Auf deutscher Seite besteht nicht die geringste Veranlassung, neuen Beanstandungen in dieser Frage Raum zu gewähren...... Cs würde üweisellos eine schwere Belastung der Dölkerbundspolitil bedeuten, wenn Deutschland nun noch die Erfahrung machen mühte, dah die Militärkontrollkommission darauf ausgeht, die Entwasfnungsfrage wieder aufzu- rollen und die Streitfrage von neuem aufzuwer- sen, die zwischen der deutschen Regierung und der Botschafterkonferenz längst geregelt worden ist. Wenn man die Angelegenheit von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, so wird man wünschen müssen, dah aus der Rote der Kontrollkommission keine weiteren Konsequenzen gezogen werden. Man ist auf deutscher Seite offenbar gewillt, die Beschwerde der Kontrollkommission der politischen Atmosphäre zu entziehen. Hoffentlich richtet auch die Gegenseite ihr Verhalten so ein, dah neue politische Spannungen vermieden werden." Die Morgenblätter sehen allgemein in dem unerhörten Vorstob der Kontrollkommission den Versuch, ihr Dasein zu verlängern, das mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ein Ende finden würde. Das Neichsehrenmal. Der Reichsinnenmittifter für Berka. Berlin, 12. Juli. (Wolff.) Der Ausschuß zur Vorbereitung der Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg Gefallenen hatte sich, wie gestern chon kurz gemeldet, in einer abschließenden Sitzung nWeimar, die Reichsminister Dr. Külz leitete, jur d i e Schaffung eines Heiligen Hains bei Berka ausgesprochen. Dr. Külz -rkliirte über die Gründe zu dieser Entscheidung iinem Vertreter des „Acht-Uhr-Abendblattes", tiefer Ehrenhain bei Berka verdiene den Vorzug khon aus dem Grunde, weil er wirklich im Her - den Deutschlands liege, die Rheininsel bei Lorch käme daher überhaupt nicht in Frage. Auch haben sich alle Frontkämpferverbände einmütig für den Wald bei Berka ausgesprochen. Lr. Külz wird in den nächsten Tagen dem Reichskabinett eine Vorlage überreichen, wonach der Ehrenhain bei Berka geschaffen werden soll. Der Reichspräsident zum amerikanischen Ralionaltag Berlin, 12. Juli. (Wolff.) Anläßlich des Festes der 150. Wiederkehr des amerikanischen Anabhängigkeitstages •frat zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und dem Präsiden- l«n der Vereinigten Staaten folgender Telegrammwechsel stattaesunden: „Zur 150. Wiederkehr des Tages, an dem die Bereinigten Staaten von Amerika ihr staatliches Leben begannen, beehre ach mich Ihnen, Herr Präsident, imb dem amerikanischen Volke meine Der Katastrophensommer. Von Rechts wegen warten wir schon längere Zeit, daß die berühmten ältesten Männer wieder ouferstehen, die sich eines solchen Sommers nicht entsinnen. Damit meinen wir nicht das Wetter allein, obgleich auch das schon genügen könnte, die Menschheit zu verärgern. Aber schließlich entspricht doch die dauernde Unzuverlässigkeit und Launenhaftigkeit selbst des Wetters dem Geiste der Zeit. Und daher soll man sich nicht allzu laut darüber beklagen. Aoer das Wetter hat Erscheinungen zur Folge, die viel unerfreulicher und in ihrer Häufung ge- radezu tragisch sind. Ueberall in der ganzen Welt scheint der Teufel los zu sein. Hochwasserkata- strophen, Erdbeben, Feuersbrünste, Riesenexplosio- nen, Eisenbahnunglücke von gewaltigem Ausmaß, Wolkenbrüche und Hagelwetter jagen einander in bunter Folge. Es ist, als ob die ganze Welt unter einer Epidemie von Unglücksfällen und Katastrophen jeder Art leide. Wenn sich der Zorn der himmlischen Gewalten in Hagel, Blitz und Donner entlädt, wenn die Erde toanit und die Wasser steigen, dann kann der Mensch wohl die Anzulänglichkeit seines Tuns fühlen und erkennen, sich aber damit trösten, daß er trotz aller technischen Fortschritte und Errungenschaft doch der höheren Gewalt als armes, vergängliches Geschöpf gegenübersteht. Schlimmer ist es, wenn sich der Mensch sagen muh, dah nicht nur die eigene Anzulänglichkeit, sondern mangeln» der Blick und mangelnde Vorsicht die Hauptschuld an solchen Vorkommnissen tragen, wie sie sich am Sonntag bei dem internationalen Automobilrennen auf der Avus-Bahn bei Berlin ereignet haben. Rach allen Berichten von Augenzeugen kann es keinem Zweifel unterliegen, dah sowohl die Polizei wie die Rennbahnleitung im Innern schon längst von der Unzulänglichkeit der Bahn für Rennen mit Kraftwagen modernen Typs überzeugt waren. Die Avus-Bahn ist für Renn- wagen, die mit so riesenstarken Motoren ausgestattet sind, wie die heutigen, und die eine Geschwindigkeit bis zu 175 Kilometer in der Stunde entwickeln, zu schmal und mit ihrer Teerpflasterung für Regentage noch weniger geeignet. Es gibt doch wirklich sehr viel zu denken, dah sich in wenigen Stunden nicht weniger als drei schwere Anglücksfälle auf der Bahn ereignet haben. Auch die Tatsache, dah für etwaige Anglücksfälle nicht durch Berettstellung von Aerzten, Sanitätspersonal, Krankenwagen und Tragbahren ausreichend Vorsorge getroffen war, enthält einen schweren Vorwurf für die Rennleitung. Hoffentlich wird nun wenigstens daraus die Lehre gezogen, dah man sich in Zukunft nicht mehr auf gutes Glück verläßt. Von einer Katastrophe anderer Art ist Amerika heimgesucht worden. Dort hat der Blitz in ein gewaltiges Munitionslager eingeschlagen, und nun fliegen tagelang haufenweise aufgestapelte Granaten jeglichen Kalibers und Explosivstoffe in die Lust, wobei ganze Ortschaften und Wälder verwüstet werden. Wer zu Hohn und Schadenfreude neigt, könnte sagen, daß auf diese Weise auch die Amerikaner in ihrem eigenen Lande eine kleine Probe von dem erhalten, was der große Krieg bedeutet, und daß ihnen ein solches Stück Anschauungsunterricht nichts schaden könnte. Aber von so kleinherzigen Gesichtspunkten sollte man doch nicht aus- gehen. Vielmehr wird man sich in Amerika sehr ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen haben, wie es gekommen ist, daß fast die gesamten Munitions- Vorräte für Armee und Marine 'm einer einzigen Stelle vereinigt worden sind. Das widerspricht vor allen Dingen sämtlichen Erfahrungen, die man im Weltkriege gesammelt hat, wo man eben infolge der Explosionsgefahr und in Anbetracht des großen materiellen Verlustes den Grundsatz aufgestellt hat, die Munition auf möglichst zahlreiche kleine Lager zu verteilen. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß sich einmal die begreifliche Abneigung der Zivilbevölkerung gegen die unheimliche Nachbarschaft solcher Mordwerkzeuge gegen eine größere Verteilung geltend gemacht hat, und daß man auf der anderen Seite den sprichwörtlichen Leichtsinn der Amerikaner in solchen Dingen mit in Rechnung stellen muß. Glücklicherweise waren die ersten Nachrichten — es wurde von mehr als hundert Toten gesprochen — über die mit dem Unglück verbundenen Menschenoerluste übertrieben. Aber wenn in größter Eile ganze Ortschaften in weitem Umkreis von der Bevölkerung geräumt werden mußten, so läßt das doch die Größe der Katastrophe einigermaßen ermessen. Auch dort wird nun wahrscheinlich eine Untersuchung einsetzen, mit dem Ergebnis, daß es für eine Weile besser wird, bis sich menschliche Unzulänglichkeit von neuem dartut. Die Katastrophe von Lake Denmark. Dover, 12. Juli. (WTD.) In den den Munitionsdepots am Denmarksee benachbarten verwüsteten Städten explodierten noch die ganze Rächt hindurch 12- und 14zöllige Granaten. Als die Explosionen heute früh zeitweilig aufhörten, drangen Marinesoldaten in das verwüstete Gelände des Marinedepvts vor, um nach Leichen zu suchen. Sie fanden 17- Tote, von denen einige furchtbar verstümmelt waren. Das umliegende Gelände wird von Truppen bewacht. Rur den früheren Bewohnern der verwüsteten Häuser wird gestattet, die Trümmerstätte zu betreten, um nach ihrem Hab und Gut zu sehen und etwa noch lebende Haustiere iir Sicherheit zu bringen. Eine der in der Rachbarschaft gelegenen Ortschaften ist vollkommen vom Erdboden weggefegt. In einer anderen sind alle Häuser in Trümmerhaufen verwandelt. Das Rote Kreuz läßt etwa 1000 Flüchtlingen seine Hilfe angedeihen, und die Angestellten der Hilfsstattonen des Roten Kreuzes sammeln die Kinder derjenigen Familien, die, um aus der Anglückszone herauszukommen, sich in wahnsinniger Flucht in die Umgebung zerstreut haben. Die in dem Munitionsdepot herrschende Feuersbrunst hat infolge eines Wechsels der Windrichtung ein bisher verschont gebliebenes Sprengstofflager ergriffen. Auch die Munitionsbestände dieses Lagers gingen infolgedessen in die Luft. 14 weitere Sprengstosflager sollen stark gefährdet sein. Sachverständige des Marinedepots erklären, daß das Lager mit 75-Millimeter-Bomben und 14er Flugzeugbomben noch nicht explodiert fei, und daß die Gefahr, daß dieses Lager ebenfalls auffliegen und auf das Armeearsenal übergreifen werde, bisher das Einrücken von Truppen in das zerstörte Gebiet verhindert habe. Rach einer Besichtigung der Trümmerstätte des explodierten Depots erklärte Marineminister Wilbur, die Baracke, in der die getöteten Mannschaften gefunden wurden, beweise, daß sie alle bei dem Feuersignal, das nach dem Blitzschlag gegeben wurde, auf ihrem Posten waren. Die Berichte von Offizieren, wonach das Depot nicht sachgemäß angelegt gewesen sei, seien unrichtig. Es hätten Sicherheitsmaßnahmen gegen Gefahren aller Art, auch gegen Blihgefahr, bestanden. Ohne auf die Gefahr zu achten, die ihnen durch die Explosionen drohte, haben Diebe, wie berichtet wird, die Haustrümmer nach Wertgegenständen durchsucht, Behälter erbrochen und sich Habseligkeiten des Lagerpersonals angeeignet. Deutschlands Veileid. Neuyork, 12. Juli. (WB.) Die Associated Preß meldet aus Washington, die erste Sympathie- Kundgebung, die den amerikanischen Marinebehörden aus Anlaß der Explosionskatastrophe von Lake Denmark zugegangen sei, sei ein Telegramm des deutschen Admirals Zenker an den Marine- fekretär Wilburn gewesen, in dem er die tiefste An- teilnahme der deutschen Marine zum Ausdruck brachte. unb_ des deutschen Volkes aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen. gez. von Hindenburg, Deutscher Reichspräsident." Die Antwort des amerikanischen Präsidenten lautet: „Euerer Exzellenz beehre ich mich, meinen und meiner Landsleute wärmsten Dank für die Glückwünsche auszusprechen, die wir aufrichtig begrüßt haben. gez. Calvin Coolidge." Bestätigte Todesurteile. Der Döberitzer Fememord. Leipzig, 12. Juli. (TA.) Vor dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichtes sand heute die Revisionsverhandlung gegen Schirmann, ©tein, Aschkampff, sowie den Leutnant Benn statt. Alle vier Angeklagten waren vom Schwurgericht Berlin I am 2. Februar dieses Jahres zum Tode verurteilt worden. Die Angeklagten waren beschuldigt, im Frühjahr 1922 cen Schützen Pannier, der als kommunistischer Spitzel verdächtigt wurde und der Schwarzen Reichswehr angehörte, in einem Wäldchen bei Döberitz mit Beilschlägen getötet und die Leiche hierauf vergraben zu haben. Später war die Leiche an einem anderen Ort verscharrt worden. Alle vier Angeklagten hatten die Tat gemeinschaftlich begangen und mit Aleberlegung ausgeführt. Gleich bei Beginn der Revisions- Verhandlung wurde auf Antrag des Reichsan. waltes die Oefsentlichkeit und die Presse während der ganzen Dauer der Verhandlung wegen Staatsgefährdung trotz des Widerspruchs der beiden Verteidiger ausgeschlossen. Rach mehrstündiger Beratung verkündete das Gericht folgendes Urteil: „Sie Revision aller vier Angeklagten wird verworfen und somit alle Todesurteile der Vorinstanz bestätig t." Der Smyrnaer Atlenlatsprozeh. Smyrna, 11. Juli (Wolsf.) In dem Verfahren gegen die Teilnehmer an der Verschwörung gegen Kemal Pascha beantragte der Anklagevertreter die Todesstrafe für folgende Angeklagte: den Angeklagten Schuekri, den Abgeordneten Oberst Arif, den Abgeordneten Abi- dinle, den früheren Abgeordneten Zia Hurchid, den früheren Iustizminister Hassze Mehmed, den Oberst Rasim, den Mazor Edib und drei andere Personen, gegen den früheren Ernährungsminister Kara Kemal und den früheren Gouverneur von Angora Abdul Kadir in absentia. Wetter tourbe beantragt die Verurteilung zu längeren Zuchthausstrafen gegen Ruschdi Pascha und vier weitere Abgeordnete sowie den früheren Gouverneur von Smyrna Rahmi in absentia. Freisprechung wurde beantragt für die Generale Karabekir, Fuad, Reefet, Tahar, Dsche- mal und neun weitere Mitglieder der Fortschrittspartei. Das französisch-britische Schuldenabkommen. Caillaux unterzeichnet. London, 13. Juli. (Wolfs.) Caillaux und Churchill sind über die dir Konsolidierung der französischen Schulden betreffenden Punkte zu einem vollkommenen Einvernehmen gelangt Das endgültige Abkc^nmen ist von beiden Ministern im Rainen ihrer Regierungen unterzeichnet worden. Der Text des Abkommens wird heute abend veröffentlicht werden. Im Unterhaus erklärte Churchill auf eine Anfrage über den Besuch Caillaux, er Höfte, int_ Bureau des Hinterhauses morgen die die französischen Schulden betreffenden Dokumente niederlegen zu können. Caillaux verläßt heute vormittag London, trifft mittags in Paris ein und wird nachmittags um 4 Ahr zur gleichen Zeit, zu der Churchill das Dchuldenabkommen dem Anterhaus vorlegt, es der französischen Kammer unterbreiten. Pressevertretern gegenüber erklärte Caillaux: Das Abkommen ist unterzeichnet. Das ist alles, was ich mitteilen kann. Auf Befragen sagte er noch, er werd« heute vormittag 9 Ähr im Flugzeug nach Paris zurückkehren, da er um 12 Ahr an einem Frühstück im Kriegsministerium teilnehmen wolle, bei dem die Generäle der französischen Armee anwesend sein werden. Er hofte, daß das, was erreicht worden sei, künftig auf den Frankenkurs einwirken werde. Er sei aber, wie er achselzuckend hinzufügte, nicht Herr und Meister über die Börse. Caillaux betonte weiter Churchills Liebenswürdigkeit und sagte, er sei so angenehm berührt von dem Ergebnis seines Besuches, wie das nur möglich fei, wenn man etwas unterzeichnet habe, was an und für sich nicht sehr angenehm sei. primo de Rivera in Paris. Paris, 13. Juli. (WTB. Funftpruch.) General Primo de Rivera ist gestern abend in Begleitung seines Sohnes und des spanischen Botschafters in Paris, Quinones de Leon, in Paris eingetroffen. Zum Empfang hatten sich Ministerpräsident Brian d, der Kriegsminister, Marschall P 6 t a i n, und eine Reihe französischer und spanischer Persönlichkeiten auf dem Bahnhof eingefunden. Beim Verlassen des Bahnhofes wurden von mehreren Zuschauern feindselige Rufe und Psiffe ausgestoßen, was zur Verhaftung von 17 Personen führte. Es kam hierbei zu einem Handgemenge, bei dem ein Polizist — nach dem „Journal" sollen es zwei gewesen sein — verletzt wurde. Mehrere der Verhafteten, darunter ein Spanier und ein Stabsarzt Tricoire wurden in Haft behalten. Tricoire soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Die sozialistische Vereinigung des Seinedepartements hat einstimmig eine Tages, ordnung angenommen, in der sie gegen die Reise Primo de Riveras, die auf Einladung der französischen Regierung erfolgt ist, P r 0 t e st erhebt, da dessen Anwesenheit in der französischen Hauptstadt als eine Beleidigung und eine Herausforderung der Arbeiterklasse angesehen werden müsse. Die Tagesordnung fordert sämtliche Sozialisten und demokratisch gesinnten Elemente aus, sich bei Primo de Rivera einzufinden, um hier ihre Geringschätzung zu befunden. Sie fordert die sozialistischen Vertreter und Gemeinderäte von Paris und Umgebung auf, an keinem Empfang, der im Rathaus zü Ehren Primo de Riveras und auch des Sultans von Marokko ftattfinbet, teilzunehmen. Primo de Rivera hat den höchsten spanischen Orden, das goldene Vlies, mit sich geführt, das König Alfons dem französischen Präsidenten überreichen wird. Die französische Regierung hat dem Kriegs- Minister Herzog von T e t u a n und dem Marineminister Vizeadmiral E 0 r n e j o das Groß- kreuz der Ehrenlegion verliehen. Die Opposition gegen den spanischen Diktator. Paris, 12.Juli. (Wolff.) Wie .Chicago Tribüne" meldet, haben General W e y l e r und General Aguilera, die sich vor einem für die Aburteilung der Teilnehmer an dem letzten Komplott eingesetzten Eondergerichtshvf zu verantworten haben, die Echtheit ihrer Anter- schriften auf dem Manifest, dessen Auffindung zur schriften auf dem Manifest, dessen Auffindung und erklärt, ihre Handlungsweise fei verfassungsmäßig getoefem da das Vorgehen sich nicht gegen den König, sondern gegen Primo de Rivera gerichtet habe, der weder des Königs noch des Landes, sondern nur seine persönlichen Interessen vertrete. Der Sultan von Marokko in Paris. Paris, 12. Juli. (Wolff.) Der Sultan von Marokko ist in Begleitung seiner drei Söhne, des französi' scheu Generalresidenten in Rabat und mehreren marokkanischen Würdenttägern heute vormittag von Toulon kommend hier eingetroffen. Zu seiner Begrüßung hatten sich u. a. der Präsident devRepublik, die Präsidenten von Senat und Kammer und Ministerpräsident Briand auf dem Bahnhof eingefunden. Der Sultan hat dem Präsidenten der Repu- blick einen formellen Besuch im Elhsee abgestattet. Daraus besichtigte er das Grabmal des unbekannten Soldaten, an dem er einen Lorbeerkranz niederlegte. Die Bevölkerung brachte dem Sultan grvße OvakiotzVH dar. Ein italienisches Siegesdenkmal in Bozen. Rom. 12. 3ult (WD.) Dei der heute vormittag anläßlich der Eröffnung des 6. Kongresses der italienischen Kriegsinvaliden erfolgten Grundsteinlegung zum Italienischen Siegesdenkmal hielt der älntercichtsminister in Gegenwart des Königs eine Rede, worin er das künftige Denkmal als Zeichen des unerschütterlichen Willens Italiens feierte, das von der Sicherheit seiner Grenzen überzeugt sei. ilnfer Geist, so führt er u. a. aus, dem das lateinische Gefühl für Recht und Billigkeit innewohnt, wird nicht verdunkelt durch trübe Träume, worin andere schon Hermann den Cherusker gesehen haben wollen, wie er die Legionen Roms schlägt. Riemand kann uns ohne offenes ^lebelwoften kulturwidrige Absichten zuschreiben. Roni ist im vollen Bewußtsein seiner Rechte und seiner Mission zwischen den allen und neuen Völkern Europas voller Achtung für jede Kultur und für jede Tradition. Innerhalb der Grenzen, wo sich die römischen Adler niedergelassen haben, müssen sich aber alle dem gerechten Gesetz beugen, das das Siegel der Tradition und der Geschichte der Kraft und des Rechtes trägt Rach Cinmaueruisg der Urkunde begab sich der König in Begleitung des Senatspräsidenten und des Kammerpräsidenten in die älnterpräfek- tur. wo ihn Abgeordnete der Bürgerschaft begrüßten. Rach dem Vorbeimarsch eines Festzuges mit Abordnungen der Kriegs in validen, der Kriegsteilnehmer und fasziftischer Organisationen trat der König in der Mittagsstunde wieder die Rückreise nach Rom an. Der Empfang des Königs in Bozen hatte den Charakter einer rein italienischen Feier. Militär, faszistische Miliz und Beamte beherrschten das Bild der Stadt. Die Generäle Cadorna und D i a z, die gemeinsam mit großem Stabe die schweizerisch-tirolerische Grenze bereisen, waren gleichfalls anwesend. Während die deutschen Abgeordneten und sonstigen führenden deutschen Persönlichkeiten Südtirols zu den Feiern nicht eingeladen waren, wurden deutsche Abordnungen von Vereinen, in erster Linie Musikkapellen zur Teilnahme am Fest- zuge gezwungen. Die englische Rohlenkrifrr. London, 12. Juli. (Sil.) Zum erstenmal wurden heute die englischen Gruben Wieder für die Arbeiter geöffnet. Die Arbeiter haben jedoch der Aufforderung kaum in nennenswertem Umfange Folge geleistet. Die Führer der Bergarbeiter und Vertreter der Arbeiterparteien . entfalteten während des Wochenendes in allen Teilen des Landes eine lebhafte Propaganda. Sie forderten die Bergarbeiter auf, so lange im Streik zu verharren, bis ein nationales Lohnabkommen erreicht worden sei und sich nicht von den Angeboten der Dcrgwerksbesiher verkochen zu lassen. In London ist die Meinung vorherrschend, daß kaum mit einer baldigen Rückkehr der Arbeiter auf Grund der jetzigen Bedingungen zu rechnen sei. Man ist vielmehr der Ansicht, baß die neue Phase die Führer der Bergarbeiter veranlassen wird, neue Verhandlungen auf der Grundlage des Berichtes der Kohlenkommission aufzunehmen. In unterrichteten Kreisen glaubt man, bereits gewisse Anzeichen in dieser Richtung beobachten zu rönnen. Don besonderer Bedeutung ist im Augenblick die Frage der Rotstandsarbeiter, die in verschiedenen Grubenbezirken aufgefordert wurden, an Stelle der bisherigen sieben Stunden acht Stunden zu arbeiten. Dieser Aufforderung wurde nirgends nachgekommen. Ein Ermächtigungsgesetz in Belgien. a r t i k e l n aller Art zu treffen. Der Ministerrat hat die vom Schatzamtskomitee gemachten Vorschläge über die Erzielung von Ersparnissen bei den öffentlichen Ausgaben bestätigt. Die Eisen- bahngütertarifc sollen um 10%, die Sondertarife um 20% erhöht werden. Die Minister für Industrie und Landwirtschaft werden morgen die Müller und andere Beteiligte zu einer Besprechung einladcn, um eine Ausmahlung des Getreides von 82% herbeizuführen, wodurch täglich eins halbe Million Frauken in der Getreideeinfuhr erspart werden würden. Ferner, sollen in der Besprechung Maßnahmen betreffend die Ausfuhr von Getreide, Mehl, Jucker und Kohle besprochen werden. 3m Finanzministerium fand nach dem Ka- binettsrat eine Konferenz von Bankiers statt, wobei der Finanzminister anwesend war. Die Bankiers sind sich darüber einig, der Negierung Unterstützung angedeihen zu lassen und ihr bei den Maßnahmen beizustehen, welche sie für notwendig erachte, um eine Stützung des Franken sicherzustellen. Aus aller Welt. Ein Reiferekord. Die amerikanischen Weltreisenden Wells und Evans, die die Erde in einer Rekordzeit zu umreisen versuchen, sind, nachdem sie nach Anlunft in Deutschland in einem Sonderflugzeug der „Deutschen Lufthansa" von Magdeburg nach Königsberg und von dort mit einem Flugzeug der „Deruluft" nach Moskau gelangt waren, in einem russischen Junkers Flugzeug unter Führung des Piloten Kophloff nach Omsk gestartet. Rach einem elfstündigen Dauerrekordflug über 1120 Kilometer erreichten sie Krasnoufimsk. Von dort geht der Flug weiter nach Omsk, um dort den Expreßzug nach C h a r- bin zu erreichen. Tödlicher Absturz im Hollental. Freiburg, 12. Juli. Gestern nachmittag ist der bekannte Freiburger Sportsmann und 1. Vor sitzender des Freiburger Ausschußes für Leibesübungen Dr. Tauern bei einem Kletterversuch am Paulkefelsen (Hirschsprung) abge stürzt. Dem Vernehmen nach soll der Verunglückte ohne Seil den schweren Anstieg gewagt haben. Andere Meldungen besagen, daß das Seil gerissen sei. Dr. Tauern stürzte aus beträchtlicher Höhe ab und wurde in schwerverletztem Zustande in ein Auto getragen, das sich auf der Fahrt durch das Höllental befand. 3n der Chirurgischen Klinik zu Freiburg ist Dr. Tauern im Laufe des Abends seinen schweren Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Ein Faltboot gekentert. Auf einer Faltbootfahrt auf der hochgehenden Elster, die zwei Gymnasiasten unternommen hatten, kenterte das Boot. Einer der beiden, ein 18jähriger Gymnasiast, wurde von dem Strudel in die Tiefe gezogen und ertrank. Ein Eisenbahnunglück verhütet. Der Schnellzug Domodossela-Mailan d entgleiste Sonntaguachmittag am Laggo Maggiore in der Nähe von Arona. Der Fug fuhr etwa 400 Meter mit 70 Kilometer Geschwindigkeit außerhalb des Gleises und drohte den Abhang hinabzu- st ü r z e n. Der Reisenden bemächtigte sich eine Panik. Dem Lokomotivführer gelang es jedoch, den Zug noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen und eine Katastrophe zu verhüten. Beim Fischfang ertrunken. Beim Fischfang schlug ein mit drei Fischern aus Oberlahn st ein besetzter Fischerkahn bei der Löhnberger Mühle um. Zwei der Fischer konnten sich retten, während der dritte, ein pensionierter Lokomotivführer, in den Fluten versank. Rene Erdstöße auf Sumatra. 3n Padang und Pandjcmg wurde ein neuer heftiger E r d st o ß wahrgenommen. Aus Fort de Koch wird berichtet, daß von einem fahrenden Eisenbahnzug infolge Erdoerschiebungen acht Wagen entgleisten, wobei zwei Eingeborene getötet, einer schwer und drei andere leicht verletzt wurden. Aus dem Fenster gestürzt. Fennel und HegenbarLH im Oberhefsischen Kunstverein. Die am vergangenen Samstag eröffnete Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins bringt in sauoerer Ordnung eine wohlproportionierte Anzahl von Werken des Malers Friedrich Fen- ncl und des Graphikers Joseph Hegenbarth. So wohlklingend der Zusammenschluß der beiden Ramen in ihrer Lautverbindung, dem Ausmaß und Aufeinanderfolgen der Silben auch empfunden werden mag. so selbstverständlich, so künstlerisch begründet die Zusammenstellung der Bilder in ihrer farbigen Gesamtheit auch berührt, so abgrundtief ist der Unterschied, der die beiden Künstlercharaktere voneinander trennt. Dieser Unterschied ist nicht nur zurückzuführen auf den Gegensatz der Generationen — der Allersabstand beträgt nur die mittlere Zahl von 12 Jahren — oder auf eine eventuelle Distanz innerhalb des künstlerischen Könnens er scheint vielmehr vor allem seinen Ursprung zu finden in dem grundverschiedenen Milieu, dem inneren Gegensatz der Volksgemeinschaften, dem die beiden Künstler als Manschen entstammen. Kennel ist Hesse, Hegenbart/H ist Oesterreicher. Fennel wurde im August 1872 zu Wehlheiden m Rieder Hessen geboren. Gr war ursprünglich Glasmaler. Erst später kam er auf die Kasseler Akademie. Ausländische Studienjahre verbrachte er in Italien und hauptsächlich in Paris. Die Reifezeit seines Schaffens verlebte er wieder in Kassel, wo er auch im Februar vorigen Jahres starb. Hegenbarth wurde Un Juni 1884 zu Kam- nitz in Böhmen geboren. Eine legitime Studien- -.eit verbrachte er ledig/.ich an der Dresdner Akademie. Es ist nun außerordentlich lehrreich, zu er- kc nnen, wie der ältere Hesse haften bleibt an dem Erdboden, aus dem er hervorgewachsen ist, wie ertrotz seines, dem Oesterreicher gegenüber wesentlich kosmopolitischeren Studienganges sich eng abschließt gegen den Kontakt mit dem Kunst- geschehen in der großen Welt, wie er die in fernen Iugendjahren im Ausland gewonnenen Brüssel, 12. 7. (Havas.) Der Ministerrat hat heute nachmittag die Finanz- und Währungslage einer eingehenden Prüfung unterzogen. Es wurde u. a. beschlossen, morgen dem Parlament einen Gesetzentwurf vorzulegen, der dem König auf die Dauer von sechs Monaten die notwendigen E r> mächtigungen zur Regelung aller Fragen des Notenumlaufs, der Anleihe und der Lebensmittelund Rohstoffversorgung sowie des Betriebs und der Speisung des Amortisationsfonds erteilt. Der Finanzminister wurde beauftragt, Maßnahmen zur Einschränkung des Verbrauchs von Luxus- Jn N e u ft a d t a. d. H. siel eine wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus untergebrachte Frau aus einem im zweiten Stock gelegenen Fenster auf den Hof und war sofort t o t. Die Verunglückte erwartete den Besuch ihrer Angehörigen und scheint sich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben, wobei sie das Gleichgewicht verloren haben dürfte. Wettervoraussage. Meist heiter, lokale Gewitterneigung, sonst trocken und tagsüber sehr warm. Anregungen wohl aufnimmt und zu einer Art eigenem Stil zusammenschweißt, niemals aber in Versuchung gerät, den die Zeit bewegenden formallünstlerischen Problemen nachzugehen, sie weiter zu entwickeln und rückwirkend das internationale Kunstgeschehen befruchten zu wollen. Stärker als die Liebe zur Kunst scheint in ihm mitunter die Liebe zum Gegenstand und zur Idee der Heimat. Seinen Stil, der sich aus ziemlich eindeutig zu bestimmenden Elementen zu- sanunensetzt, unter denen wahrscheinlich in Frankreich auf genommene pointilistisch-impressionistische, «u wohlanständig leichtfaßbarem körperlichen Punktwerk verdichtet, bisweilen besonders hervortreten, legt er über jedes Ding, das zu malen er itd) vorgenommen, gleichgültig, welche eigenen formbestimmenden Werte in ihm enthalten sind. kommt es, daß seine italienischen und fran- zosischen Landschaften weniger durch ihre verschiedenartige in der Atmosphäre des Obiekts begründete Stimmung erkennbar sind, als durch die auf ihnen dargestellten Pinien, Lorbeerbämne. Tempelruinen und frcmzösisch- gotiscyen Kathedralen, ivelch letztere als solche zu bestimmen für den kunsthistorisch ungeschulten Laien Mit einigen Schwierigkeiten verbunden fein Este. Indessen ist Fennel ein Maler von Wert, nr t! • ^lne Größe ersten Ranges, aber seine mu a* durchweg gut, niemals ganz schlecht nut wenig Ausnahmen, zu denen be- ? ewige Figurenbilder zu zählen sind, aus denen sich falsche Proportionierung mit L.lc5lö,cr Farbengebung und unverarbeiteter Lichtbehandlung verbindet. Sehr hübsch, wenig- stens von wohltuend einheitlich durchgeführter Stimmung und bravem technischen Können sind L^^Hchbrn nut Dauerngruppen und Schafherden. Reizvoll, besonders in kompositto- RUnS’ Ä. c2nc Landschaft, betitelt „Riederheslische Landstraße mit Kornfeld", welche ber ileberfteigerung der Gröhe des Kornfeldes gegenüber der Landstraße wegen, worin gerade der künstlerische Reiz beruht, besser Kornfeld mit niederhessischer Landstraße" genannt worden wäre. Zwei in blau-feuchten Dämmer getauchte Aus der provinMiyauWM. Gießen, den 13. Juli 1926. Kirschen. lieber 2000 Fahre sind verflossen, seit der ttirsch- baum von Kleinasien nach Europa herüber kam, seine Früchte, die zuerst nur den verwöhntesten, reichsten Feinschmeckern zur Verfügung standen, sind längst jedermann zugänglich geworden, ja sie beherrschen jetzt in den Sommermonaten das Stadtbild. Aus den Schaufenstern locken die Körbe und Berge in allen Farben von rot und gelb. Hoch türmen sie sich auf offenen Straßenwagen, und die Kinder und Erwachsene schmausen überall, aus Tüten und Händen. Kirschen sind so recht Früchte für Kinder. Ich ent- sinne mich noch genau, wie wir uns in meiner Jugendzeit die Zweier und Dreilinge über die Ohren hängten und uns mit diesem lustigen Schmuck wunderschön vorkamen. Einmal hatte ich ein besonders schönes Paar solcher Ohrringe, als ich mit meinem Bruder in Streit geriet; er wollte mir meinen Schah entreißen. Eilends schob ich ihn in den Mund, und schluckte in der Aufregung die Kirschen mit den Kernen herunter. Erschrocken stand ich da - es war uns streng verboten, Kirschkerne zu schlucken, ftrenger noch, als sie auf die Straße zu werfen - und da sagte mein Bruder strafend: „So, nun wächst dir ein Kirschbaum im Magen!" Ich weinte so bitterlich ob dieser gräßlichen Aussicht, daß er sich wieder mit mir versöhnte und tröstend meinte, immer geschähe es ja nicht, nur manchmal, und ich könnte doch Glück haben. Ich hatte es auch. Gestern beobachtete ich eine hübsche kleine Szene: Ein alter Mann zog in einem plumpen Wägelchen, mehr einer Kiste auf Rädern, ein kleines Mädchen hinter sich her. Er war schon sehr alt, und schleppte sich müde und gebückt dahin. Die Kleine sah blaß und schwächlich aus und aß langsam und ernsthaft von einem Stück trockenen Brotes; vor einem Stand mit Kirschen hielt der Alte einen Augenblick an, sah verlangend auf die appetitlichen Früchte, schüttelte dann den Kops und zog weiter. Ein junges Mädchen, das eben eine große Tüte Kirschen gekauft hatte, sah auch auf die armselige Fuhre, legte mit lieblichem Lächeln dem Kinde die Kirschen auf den Schoß und entfernte sich schnell. Erst nach geraumer Zeit hörte der Alte die Zurufe der Kleinen, sah mit Staunen den unverhofften Reichtum, kauerte sich dann mit auf den Wagen, und beide ließen sich's wohl schmecken. Ich weiß nicht, wie viele Sorten Kirschen allmählich entstanden und gezüchtet sind, und welche als die feinsten und kostbarsten gelten. Aber das ist sicher: am schönsten schmecken die, die man sich selber vorn Baum pflückt, sonnenwarm, hell, dunkelrot oder golden aus dem Grün uns entgegenleuchtend - aber gerade diese allerschönste Sorte ist den meisten Städtern versagt. E. D. M. Gießener Wochenrnarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochemnarkt: Butter 180 bis 190, Matte 30 bis 35, Wirsing 30, Weißkraut 30, rote Rüben 10, Spinat 30, Römischkohl 10, Dohnen 50 bis 60, Erbsen 17 bis 25, Mischgemüse 12 bis 15, Tomaten 60 bis 100, Zwiebeln 25, Rhabarber 15, Pilze 40, Kartoffeln, neue 10 bis 12, alte 5, Dirnen 30. Kirschen 35 bis 40, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 20, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 80, Himbeeren 60, Walderdbeeren 80, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 60 bis 100, Salat 4 bis 10, Salatgurken 30 bis 60. Ober-Kohlrabi 15, Rettich 10 bis 12 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 10 Pf.; gelbe Rüben Päckchen 15 bis 20 Pf. * ** 25 Jahre im Gießener Polizeidienst. Am 11. Juli konnte Polizeikommiffar Wilhelm Schmidt auf eine 25jährige Tättgkeit im Polizeidienst zurückblicken. Während dieser Zeit gehörte er ununterbrochen dem Polizeiamt Gießen an. Er hat sich durch seine Kenniniffe, seine Pflichttreue und sein entgegenkommendes Wesen das Vertrauen seiner Vorgesetzten und seiner Untergebenen, sowie des Publikums erworben. ** Der Leich enfund im Gioßen-Lin- dener Gemeindewald aufgeklärt. Die Bemühungen der Gerichtskommission zur Aufklärung des gestern gemeldeten Leichenfundes im Gemeindewald von Großen-Linden haben bereits gestern zum vollen Erfolg geführt. Der Tote wurde als der 75 Fahre alte Wilhelm Loh aus Langendernbach (Kreis Limburg) festgestellt. Der Mann war in der Gießener Heil- und Pflegeanstalt untergebracht, von wo et sich Anfang Fuli entfernt hatte. Nach Feststellung des Ortsbefundes wurde die Leiche zum Fried- Abendlandschaften „Alte hessische Mühle" und „Kornfeld am Abend", vielleicht frühere Arbeiten des Meisters, fallen durch ihren ausgesprochen vorpleinäiristifchen Stil und auch qualitativ nicht zu ihrem Rachteil aus dem Rahmen der übrigen Produktion heraus. Ebenso zeigt eine Ansicht von Gieselwerder an der Lahn in der Modellierung und dem Ineinanderübergehen der Farbenkomplexe eine sonst nicht wiederzufindende, schummerig-sanft verwischende Weichheit, die dem Auge aus dem grell-heiteren Einerlei ewiger, sonnbeschienener Wiesentäler, wenn auch nur vorübergehend, willkommene Ruhe gewährt. Hegenbarth ist demgegenüber durchaus Vertreter zeitgenössischen Kunst- und Kulturbetriebes. Los- efo weit als möglich aus jedem naturhaft ständig begründeten landschaftlichen Zusammenhang, kennt er lediglich Bindungen rein geistig- intellektueller Art, wie sie sich von Großstadt zu Großstadt, von Zentrum zu Zentrum spannen. Indessen sind auch bei ihm gewisse Eigenheiten seines Stils allein aus einem, wenn auch nur schwachen Auswirken spezifisch österreichischen Volkstemperaments heraus zu erklären. Die Themata der gegenwärtig zur Schau gestellten Aquarelle sind durchweg dem Kaffeehausleben, den Theatern, Tingeltangels, Varietes, Revuen, Bars und dem Zirkus entnommen. Die Art der Darstellung geht zunächst auf dekorativsinnlichen Augen reiz unter starker Betonung der rhythmischen Anlage des Linienverlaufes und der Verteilung der Farbflecke. In zweiter Linie interessiert den Künstler erst die Charakteristik des Seelischen, sowohl in der Wiedergabe der Physiognomien, wie in der Gestaltung des einzelnen Umrisses. Der unmittelbare Stimmungsgehalt des Dargestellten wird meist übertönt durch die ihrerseits jedoch außer- ordentlich feinnervig ausgefeilte dekorative Wirkung der Gesamtanlage. Indessen sind auch Blätter vorhanden, bei denen gerade die Atmosphäre eines Augenblicks, eines Milieus, der Geruch eines unbewegten Geschehens mit anspruchsloser Selbstverständlichkeit ohne Virtuosenhafte Garnitur präsentiert und mit packender Eindeutigkeit klar gemacht wird, so bei einem Kaffeehausbild mit großen, wäßrig- blau angelaufenen Spiegelscheiben an den Wän- hof in (ßroDen«£linben verbracht, wo die Sektion vorgenommen wurde. Dabei ergab sich, daß der Mann eines natürlichen Todes infolge hochgradiger Arterienverkalkung gestorben ist. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft freigegeben. ** Gegen die Verunreinigung der Straßen. Das Polizeiamt teilt mit: Seit neuerer Zeit ist wieder die Unsitte eingerissen, Papier, Obst- schalen, insbesondere Apfelsinenschalen und sonstige Abfälle, auf Bürgersteige und Fahrbahn zu werfen. Hierdurch werden nicht nur die Straßen verunreinigt, sondern auch Gefahren für die Passanten heroorge- rufen, die durch Ausgleiten auf Obstresten und der- gleichen zu Fall kommen und sich erheblich verletzen können. Das Polizeiamt erwartet, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um den Uebelstand abzustellen, widrigenfalls die Polizeibeamten mit Strafanzeigen vorgehen müßten. ’* Man dankt für die Titel. Das hessische Landesamt für das Bildungswesen hatte den Vorständen der beiden in Hessen bestehenden Dolksschul- lehrervereine miigeteilt, daß es beabsichtige, den hes- fischen Volksschullehrern - entsprechend den anderen Gehaltskategorien - nach Gehaltsstufen abgestufte Titel zu verleihen, und zwar für Gehaltsgruppe 7 den Titel Lehrer, für 8 Hauptlehrer und für 9 Oberlehrer. Beide Lehreroereine haben diese Titel als den Wünschen der Lehrerschaft nicht entsprechend, abgelehnt. Oberhessen." Landkreis Gießen. LI Annerod, 12. Juli. Trotz der schlechten, trüben Wetterausfichten war das gestrige Misst o n s f e ft wohlgeraten und gut besucht, nicht allein von der Gemeinde, sonder auch von Auswärtigen. Pfarrasfistent Hertel aus Gießen predigte an Hand von Apostelgeschichte 13, Vers 42—47 über das gute Recht und die wachsenden Aufgaben der Heidenmission. Missionar Laut aus Frankfurt zeigte im Anschluß an Johannes 4, Vers 34—38 an verschiedenen Beispielen die Sehnsucht und das aufrichtige Verlangen vieler Heiden nach Erlösung und inneren Frieden. Der P o s a unenchor Großen - Buseck und der Kirchenchor Gießen gaben der Feier durch ihre Lieder und die Begleitung des Gemeindegesanges einen wär- digen Rahmen. In einer schnell improvisierten Rachoersammlung, die aus besonderen Gründen in der Kirche stattfand, gab Missionar Laut noch eine fesselnde Schilderung über die Umwälzung der Lebensoerhältnifse, die in China auf allen Gebieten eingetreten ist: der Einfluß und die Schuld der europäischen Völker hat diese Umwälzung veranlaßt, diese Völker haben daher auch die Pflicht, China zur Neugeburt, zur Sitte und Ordnung zu verhelfen. Die genannten beiden Chöre sorgten auch hier für Abwechslung und Frische. Das Schlußwort sprach der O r t s g e i st l i ch e. Das Missionsopfer mit über 60 Mark wurde Basel zugewiesen. Lang-Göns, 12. Juli. Am Sonntag beteiligte sich der hiesige Gesangverein „Frohsinn" unter der Leitung seines Dirigenten, Lehrer Blaß- Großen-Linden. an einem Gesang Wettstreit in Schasheim bei Baben- housen. Der „Frohsinn" errang bei starker Konkurrenz den 1. Preis, Ehrenpreis, Hauptehrenpreis und den Dirigentenpreis. Kreis Friedberg. >Pb. Butzbach, 11. 3uli. Die neue große Glocke, die am Dienstagvormittag in Gegenwart einer großen Zuschauermenge in den Glocken- türm gebracht worden war, wurde heute vormittag im Hauptgottesdicnst feierlich ein» geweiht. Rach einem vom Kirchenchor stimmungsvoll borgetragenen Lied: „Die Welt singt Gottes Preis, o Seele stimme ein“ und dem EingangSlied: „Komm heiliger Geist", hielt der erste Gastliche Pfarrer Schneider die Weihe- rede. Er führte darin aus, daß mit dem heutigen Tage den Butzbachern wieder ein Stück gegeben werde, nach dein sie sich all die Jahre her gesehnt, und das ihnen gefehlt habe. Wie die alten Giebelhäuser zum ehrwürdigen Marktplatz, wie das Standbild zum Marktbrunnen, so gehöre die große Glocke zu einem Jahrhunderte alten Bestand des Butzbacher Kirchengeläutes, und deshalb hätten auch alle Butzbacher, einerlei welchen Glaubens, gern ihr Scherflein dazu beigetragen, um die Beschaffung der Glocke wieder zu ermöglichen. Hierfür sei allen Dank gesagt. Er weihe die Glocke und gebe ihr den Ramen „Gedächtnisglocke". Möge ihr eherner Klang stets die Lebenden an die für das Vaterland im Weltkrieg Gefallenen mahnen. Während dann die Gemeinde ein stilles Vaterunser betete, ertönte llar, langanhallend und nachhallend der Ton der neuen großen Glocke, der deutlich an den, das wohl als eines der besten ausgestellten Stücke des Meisters bezeichnet werden barf. Gut in der Charakteristik der Typen, deren äln- barmherzigkeit zwar nicht, wie auch wohl nicht gewollt, an die eines Georg Groß heranreicht, aber in der resoluten Treffsicherheit des Striche- von guter Beobachtungsgabe und starkem psh« chologischen Gestaltungsvermögen zeugt, das sind zwei grohfigurige Blätter, betitelt „Im Restaurant" und „In der Elektrischen". Einige weitere Arbeiten mit nur zwei, oder gar nur einer großen Figur im Brustbild beunruhigen etwas durch die monumental bewegte Kompositton, die zu der kunstgewerblichen Feinheit und Köstlichkeit der Technik in keinerlei Einklang steht, und durch den ebenfalls unverhältnismäßig leeren Ausdruck in den großen Köpfen. Indessen wieder von entzückend spielerischer Grazie und ungewöhnlichem Raffinement in Farbe, Linie und Erfindung sind die meisten der Revue- und Zirkusblätter. Leider muh hier das Wissen um die allzu starke Anlehnung an das Vorbild Slevogt die Freude am schöpferischen Werk bisweilen etwas herabmindern, jlirmittel- bar wirksam in seinem dekorativen Ausdrucks« gebalt ist das rote Kleid der Dame des Blatte- „Auf der Promenade", und, wenn auch nicht von gleicher Tieberzeugungskraft, so doch im großen und ganzen originell und neu empfunden erfreuen eine Reihe von dünn und schmallinig bezeichneten Blättern mit Bar° und Straßen- szenen. Zum Schluß fei noch auf eine pikante technische Spielerei hingewiesen, die auch von Kokoschka gerne angewandt wird, bei der farblose, meist kraus gezogene 'Linien mit einem Stift, ober dem umgekehrten Pinselende in die Farbfläche eingeritzt werden. Durch die Qualität und die Wesensgegenfätz- lichkeit des Gebotenen bietet die Ausstellung sowohl hohen Genuß, wie anregende Belehrung. Die Direktion des Kunstvereins darf man zu der Wahl deS Stoffes beglückwünschen und dem Publikum den Besuch der Ausstellung und die Verarbeitung dieses Stoffes wohl empfehlen. P. den Ton der alten Glocke von 1453 erinnert. GS ist ein Meisterstück, das die Gebrüder LI b r i ch, Apolda, der Stadt Buhbach geliefert haben. Ergriffen lauschte die Gemeinde den edel und weich verhallenden Tönen, bis dann unter Orgelbegleitung alle übrigen Glocken der Mar- kuÄirche ernfielen, und -um ersten Male seit langer Zeit wieder das volle Geläut über Stadt und Land ertönte. Aachdem der Kirchen» chor noch ein Danklied gesungen, nahm die weihevolle kirchliche Feier in üblicher Weise ihr Ende. Erläuternd sei noch bemerkt, dah hinsichtlich des Glockenkörpers alle Bedingungen erfüllt Wurden. Die Glocke sollte als Grundton zu den vorhandenen Glocken es (+ ’/io) und g (4- V* Ganzton) dienen, muhte also Vs—Vie Ganzton über c gegossen werden, dies ift er- reicht worden. Aach dem Urteil des zugezogenen Sachverständigen kommt die neue Glocke in vielem der alten gleich, in manchem übertrifft sie dieselbe sogar. Kreis Büdingen. △ Nidda, 12. Juli. Heute mittag gegen 2 Uhr sanden badende Turner unweit des Festplatzes in der Nidda die Leiche eines Geschäftsmannes aus Schotten, der sich hauptsächlich mit Holzgeschäften befaßte. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht festgestellt. Der Verlebte stand in der Mitte der Dreißiger und war verheiratet. bs. Ober -W iddersheim, 12. Juli. In den hiesigen beiden D a s a l t w e r k e n der Fa. K. A i ck e l und in dem Werk Lupp. Abt u. Co. wird seit einigen Wochen in zwei Schich- t c n gearbeitet. Dauernd werden noch Arbeiter eingestellt, und daher kennt man hier und in der näheren Umgebung seit einigen Wochen keine Arbeitslosigkeit mehr. Infolge reger Nachfrage nach Hart basalt erfährt gegenwärtig das Basaltwerk A i ck e l eine große Erweiterung von 20 Meter Länge und 6 Meter Breite. Mit den modernsten Baumaschinen wird hier nach amerikanischem Muster em Eisenbetonbau errichtet, der zur Aufnahme eines neuen großen und eines kleinen Steinbrechers dient. Daneben wird noch ein mächtiges Silo mit verschiedenen Abteilungen aufgeführt. Eine in Eisenkvnstruktion zu errichtende Strahenüberquerung wird die geklopften Basaltfteme selbsttätig zum Lagerplatz bringen. Die Firma Aickel beschäftigt ungefähr 80 Arbeiter. ):[ Gelnhaar, 12. Juli. Am Samstagabend fand in der Nitzelschen Wirtschaft eine Bürger- oersammlun g statt, in der die Einberufer in kurzen Worten klarlegten, wie die hiesige Gemeinde billig zu einer Wasserleitung gelangen könnte. Zur Deckung der Kosten sollen ein Staatszuschuß und ein Teil der Erwerbslosenfürsorgegelder verwendet werden. Die Gemeinde hätte nur noch 20 Prozent der Gesamtkosten des Voranschlages zu tragen. Würde der Bau ousgeführt werden, so hätte man eine kulturelle Frage gelöst und gleichzeitig für länaere Zeit Arbeit gegeben. — In der gestrigen Generalversammlung der hiesigen Spar- und Darlehenskasse e. G. m. o. $). legte der Rechner Bericht für das Rechnungsjahr 1925 ab. Aus seinen Ausführungen war zu entnehmen, dah die Kasse im vergangenen Jahre gut gewirtschaftet hat, so daß sie einen Ueberschuß von rund 800 Mk. zu verzeichnen hatte. Der Direktor der Kasse teilte ferner mit, daß seit Bestehen des wert- beständigen Geldes wieder annähernd 4000 Mark gutgemacht sind. * Bisses, 12. Juli. Nach löjähriger segensreicher Tätigkeit hat Lehrer Henkel dieser Tage unseren Ort verlassen, um nach Daubrinaen (Kr. Gie- ßcn) überzusiedeln. Die Einwohnerschaft bereitete dem allseits beliebten Schulmann eine herzliche A b s ch i ed s f e i e r. Der Turn- und Sportverein brachte dem Scheidenden einen Lampionzug dar, an dem der Gemeinderat, der Schulvorstand und der Gesangverein teilnahmen. Bürgermeister S p e n g - (e r stattete dem geschätzten Lehrer den Dank der Gemeinde und des Schulvorstandes ab. Anschließend brachte der Turn- und Sportverein wohlgelungene Freiübungen zur Vorführung, der Gesangverein, besten langjähriger Dirigent Lehrer Henkel war, brachte einige Lieder zu Gehör, worauf Pfarrer Bühler in längerer Rede die Tätigkeit des Scheidenden würdigte. Don den ältesten Schülern wurden dem beliebten Lehrer Geschenke überreicht, der Turn- und Sportverein ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Bewegten Herzens dankte Lehrer Henkel für die vielfachen Ehrungen und für dos Vertrauen, das ihm allezeit entgegengebracht wurde. Die Krummhölzer. Ronpin aus den bayerischen Bergen. Don Michael Wagner. 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Da legte der Vater Zeno die Hand aus die Schulter. „Bua — i denk mir halt, schöner Haitis gar net hergehn können. Ja — und jetzig kommt 's andere — tr Hauptfach eigentlich!--" Er machte eine Trinkpause. Als er zu sprechen fortfuhr, war seine Stimme wieder ernst wie sonst: „Düs Sacherl soll dein Teil sein, Zeno, denn i werd dem Toni nachher übergeben. Damit sollst du 'nauszahlt sein!" „Und z'frieden kannst sein, Zeno, dös sag i dir. Und fein kommst auf dein' Rechnung dabei! Da gibt’» amal gar nix!" redete der Toni auf Zeno ein. Zeno war wieder still geworden. Und statt der lachenden Freude, die ihm erst aus den Augen gestrahlt, blickte jetzt dem Toni ein großer, schier vorwurfsvoller Ernst entgegen, als Zeno mit eigenartiger Betonung sagte: „Ah so — hast dir s aus- ^'rechnet, ToniV Dann senkte Zeno den Kops, schweigsam, scheinbar in sich versinkend. Mit versteckter Scheu ruhte Tonis Blick auf ihm. Und es klang wie eine Rechtfertigung, als er nun darlegte. „I muß mi doch rühren können, wenn mir ber Vater übergibt! Schau dir doch erst dos Sacherl amal richtig an — nur prima, sag i bir! ®rab fein bist heraußen! Brauchst bloß auf d Brautschau gehn und di dann ins warme Nester! setzen! Zeno hob den Kopf. In seinen Zugen war wie- der Ruhe. „Du hast recht — von deinem Standpunkt aus", sagte er dann langsam. Urachcr sah unterdessen m steinerner Ruhe da, ohne jedoch Zeno auch nur einen Augenblick um beobachtet zu lassen. sßua " hob er wieder an, i red Dir net zu dein' Nachteil zua! — Jeder soll bei mir sein' Sach' haben — ganz g'recht!" Da griff Zeno nach feiner Hand. „Du rnoanst 's guat, Vater!" sagte er voll Herzlichkeit, und i versteh a den Toni!" Toni nickte beftiedigt vor sich hin. Zeno aber setzte hinzu: Kreis Schotten. X!X Schotten, 12. Juli. In dem Geflügel- bestände des Albert Adam in Schotten ist die Geflügelcholera feftgefteUt worden. Gehöftsperre wurde vorn Kreisamt angeordnet. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 12. Juli. Am Samstagabend fand in der hiesigen Walpurgiskirche die angekündigte Wiederholung der Musikalischen Feierstunde statt, um allen denen, welche die Aufführung am Donnerstag nicht besuchen konnten, diesen einzigartigen Genuß zu bieten. Die Veranstalter waren die Homburger Vereinigung zur Pflege alter Kirchenmusik unter Leitung von Robert K l e i n e tf c , Kantor an der Hauptkirche St. Petti zu Hamburg. Im ersten Teil des Programms brachte der kleine, aber ganz ausgezeichnete Chor einige Chorsätze der großen prote- ftantijchenKirchenmusiker des 16. und 17. Jahrhun- derts in wahrhaft vollendeter Wiedergabe zu Gehör, darunter der unvergängliche Meister Joh. Sebastian Bach. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die meisterhafte Wiedergabe der köstlichen si-Dur-Meste von Mozart für Chor, Soli, zwei Violinen, Cello und Orgel, eine herliche Schöpfung des erst achtzehn- jährigen Mozartschen Genius von reifer Schönheit. Eine hervorragende künstlerische Leistung war auch das Orgelspiel des Organisten an der Hauptkirche zu Sankt Petri in Hamburg, Herrn Knak, der die ewig schöne O-Moll-Fantasie und Fuge von Joh. Sebastian Bach zur Eröffnung der Feier spielte. Die musikalische Feierstunde der Hamburger Vereinigung wird ollen Teilnehmern noch lange eine schöne und erhebende Erinnerung von einem selten schönen Kunstgenuß bleiben. Starkenburg. • Darmstadt, 12. Juli. Aach Verbüßung von 10 Jahren Zuchthaus ist der Former Linus Sandebeck von Münster bei Dieburg begnadigt worden. Er hatte im Jahre 1916 sein Kind getötet und feine Geliebte schwer verletzt, und war deshalb zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Preußen. Kreis Wetzlar. U Wetzlar, 12. Juli. (Wetzlarer W o - chenschau.) Der Juli macht in diesem Jahre seinem Namen als gewitterreicher Monat alle Ehre. Wohl selten sind in einer Woche so ge» wattige Wastermengen zur Erde herabgefallen, wie in der vergangenen. Auch unsere Umgebung hat hiervon ihr gut Teil erhalten, glücklicherweise ohne daß Schaden durch Blitz entstanden ist. Leider hat bei all diesen Naturereignissen der Landrnann den Schaden zu tragen; die Gewitter der vergangenen Woche haben in dieser Hinsicht viel vernichtet, was fleißige Hände seit Frühjahr zur Ernte vorbereitet hatten. — Die Bauernschaft für den Kreis Wetzlar, die der Bezirksbauernschaft für Nassau angeschlossen ist, rüstet sich stark zur Beschickung des Nassauischen B a u e r n t a g s, der in der Zeit vorn 17. bis 20. Juli in Herborn abgehalten werden soll. Auf ihm werden auch die beiden Präsidenten des Landbundes, Graf Kalkreuth und Reichstagsabgeordneter Hepp, anwesend sein. — Um der heimischen Landwirtschaft bei der Aufzucht und beim Bezug von gutem Vogelsberger Vieh behilflich zu fein, hat die Kreisbauernschaft den Zuchtoiehhof Richberg am .Knüll bei Treysa gepachtet und unterhält dort eine ausgezeichnete Jungoiehweide. Zur Hebung der Geflügelzucht im Kreise hatte die Bauernschaft in der vergangenen Woche zu einem Lehrkursus nach dem Hofgut Altenberg bei Wetzlar eingeladen, der für die Teilnehmer reiche Anregungen brachte. — In der Stadt werden die Vorbereitungen für den ersten Wetzlarer F l u g t a g , der am 1. August auf den Lahnwiesen hinter dem Bahnhof veranstaltet werden soll, eifrig betrieben. — Im musikalischen Leben brachte der Besuch des Schwarzmeier- schen Kinderchores aus Berlin eine genußreiche Abwechslung. Dos Auftreten der rund 200 Köpfe starken Jungsängerschar am Donnerstag- und Freitagabend im Schützengarten fand vor ausverkauftem Haufe statt. An beiden Abenden begrüßte Rektor und Beigeordneter Richard die Gäste namens der Stadt mit herzlichen Worten. Am Freitagmittag gaben die kleinen Sänger für die Wetzlarer Volksschüler ein Freikonzert im Dorn. XX Aus d e m Kreise Wetzlar, 12. Juli. Die jüngsten wolkenbruchartigen Regenfälle haben „Aber — was is denn nachher mit dem Veri?" Da lachte der Toni hellauf. „Der Veri! — Mein, um den brauchst di net z' kümmern! Der wachst sich scheint's in München erst richtig aus!" „Oomal hat er g schrieben, feit der Revolutionsgaudi," warf Uracher ein, daß er vorderhand an’s Hoamgehn net denkt, weil er jetzt Soldatenrat is. I woah net, wie e sagen soll —" Das klang bekümmert. „Daß i net lach!" rief Toni, so von der Seite her. „Der hat's dick hinter die Ohren! Kümmert's euch bloß net um den Veri! Der werd' vielleicht no Minister bei dem Gefchäftl! — Ha, ha!" „Toni! Und i sag dir — es taugt nix dafür!" sprach Zeno mit Nachdruck. Der aber zuckte nur die Achseln. Wie Hohn klang cs: „Was willst denn?!" — Jeder nach fein' Gusto! Du hast dein' Schnitzlerei — der Veri hat den Sporn — und i — i werd a dös Meine haben!" „Guat!" meinte Zeno beherrscht, „guat also! Und wegen dem andern — da dank i dir halt recht schön, Vater — und dir a, Toni! Es war a große Freud und Ueberraschung für mi!" „Also nachher is dir a so recht?" fragte der Vater. „I glaub schon, Vater!" Sie schüttelten sich die Hände. Ein seltsam tiefer Ernst lag dabei auf Zenos Gesicht. „So laß i mir’s g'faUen!" rief lärmend der Toni und hob seinen Krug. „Prost!" . . . II. Als Zeno.am nächsten Morgen erwachte, lochte chm die Wintermorgensonne durch das Silber- gefunfel der Fenstereisblumen schlankweg ins Gesicht. Ein kalter, strahlend klarer Wintertag war über die Hochgrate heraufgestiegen. Zeno lag still mit offenen Augen. Drunten im Hose knirschte der Schnee unter den Schritten der Hin- und Hergehenden. Vom Stall herauf drang gedämpftes Kettenklirren, dann und wann ein dumpfes Brüllen des Viehs. Dazwischen hinein ließ sich Wallis keifende Stimme gleich einer kreischenden Säge vernehmen. Doch das störte keineswegs — gehörte vielmehr dazu, um das friedlich geschäftige Bild des heimatlichen Hofes für den Heimkehrer zu vervollständigen. dem Landwirt deutlich den Nutzen der Heckel als Schutzmittel gegen das Wegschwemmen ber | Ackererde und das Durchbrechen der Raine vor Augen geführt. Die Hecke erwies sich durch ihr Flechtwerk unter und über dem Boden als das beste, natürliche Schutzmittel gegen Wasserschäden. Hoffentlich wirkt diese Tatsache dem Ausrotten der Hecke, auch im Interesse der Logelwelt. entgegen. XX Atzbach, 12. Juli. Die Straften oer- binbung zwischen Station Dutenhofen und Atzbach ist fortgesetzt trostlos und spottet jeder Beschreibung. Wahrend die hiesige Gemeinde innerhalb der Gemarkung eine wasserfreie Sttaße mit wohlgepflegter Baumanlage geschaffen, besteht auf Dutenhofener Seite unmittelbar vor b-r Lahnbrücke nach wie vor das schon wiederholt beschriebene Sumpfgebiet. In der abgelaufenen Woche sind in diesem Morast wieder mehrere Autos st ecken geblieben und mußten tatsächlich herausgeschaufelt werden. Die Kreisbehörde sollte doch endlich hier Wandel schaffen. I Groß-Rechtenbach, 12. Juli. Verwal- tungsaffiftent Sänger vorn hiesigen Bürgermeisteramt wurde durch Beschluß der Bürger- meiftereiDerfammlung mit Wirkung vom 1. Juli ab zum Verwaltungssekretär ernannt. Sänger ist bereits seit dem Jahre 1913 auf dem Bürgermeisteramt tätig. CO Hochelheim, 12. Juli. Um den hiesigen Einwohnern die (Einbringung der Heuernte, besonders aus auswärtigen Gemarkungen, zu ermöglichen, hat das Landratsamt nur noch die durch Maul- und Klauenseuche verseuchten Gehöfte zum Sperrbezirk erklärt. Ein Beobachtungsgebiet ist nicht gebildet, so daß die Rindviehbesitzer, deren Gehöfte nicht verseucht sind, mit ihren Gespannen auch in auswärtige Gemarkungen fahren können. CO Dornholzhausen, 12. Juli. Die Maul- u n d Klauenseuche hat sich hier weiter verbreitet. An der Seuche ist bis jetzt auch der eine der beiden Gemeindebullen erkrankt. Oberlahnkreis. G Gräveneck, 10. Juli. Gestern zwischen 12 und 2 ^Ihr gingen über der Umgebung von Weilburg schwere Gewitterregen nieder. Im Weiltal verursachte ein heftiges Gewitter so wvlkenbruchartigen Aegen, daß Weilmünster im Au größtenteils unter Wasser stand. An der Pforte stand die Flut wohl 1 Meter hoch, und sie erstreckte sich weit in die Marktstraße hinauf. Glücklicherweise verlief sich das Wasser so schnell, wie es gekommen war. Die Frucht ist vielfach zu Boden gedrückt. Heute Mittag kam von Westen her wieder ein schweres Wetter. Der hohe Scheuernberg ließ es jedoch nicht zu uns herüber, sondern w'.es es wieder das Wetltal h knacks. Weilburg bekam noch etwas Hagel und kräftigen Aegen. Dillkrcis. Z B r e i t f ch e i d , 12. Juli. Unsere Schul- hausdau-Frage scheint jetzt ihrer Lösung entgegenzugehen. Vertreter der Regierung und der Landrat Haden die beiden in die engere Wahl gestellten Plätze besichtigt und sind zu einer klärenden Entscheidung gelangt. Es ist jetzt nur noch mit den Grundstückseigentümern ein Uebereinkommen in der Preisfestsetzung herbeizuführen. Hoffentlich gelingt es recht bald, auch diese Schwierigkeit zu überwinden, damit die seit etwa drei Jahren schwebende Angelegenheit nun erledigt werden kann. — In den Gemarkungen Breitscheid, Schönbach, Erdbach, Langenaubach und Medenbach steht das Getreide im allgemeinen gut. Der Roggen ift im Halm ausgezeichnet entwickckelt, stellenweise sind Halme bis zu 2,50 Meter Höhe gemessen worden. Die Hackfrüchte versprechen eine gute (Ernte, dagegen läßt das S t e i n o b ft nur einen mäßigen Ertrag erwarten. Das Ergebnis der Heuernte ist zufriedenstellend. — Das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen am 28. Juli die Eheleute Häfner Friedolin Thielmann und Frau Henriette geb. Schmidt im Alter von 76 bzw. 68 Jahren. Das Jubelpaar erfreut sich im Kreise seiner Kinder und Enkel noch der besten Gesundheit. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 12.Juli. 3n der vergangenen Nacht hat in der Nähe des Römerberges im Verlaufe eines Streites ber 38jährige Metzger Marlin Old den 26Fahre alten Arbeiter Karl Kurzrock erstochen. Kurzrock, der mit der (Beliebten des Old ebenfalls ein Liebesverhältnis unterhielt, verlangte von diesem, daß er von dem Mädchen zurück- treten sollte, da er nicht mehr von ihr lassen könne. Old machte dem Kurzrock Vorwürfe, daß er das Geld, Der aber dehnte sich wohlig unter der warmen Decke. O wie schön faul man doch daheim fein kann, wenn eine Reihe Feiertage nur daraus wartet, daß man einen nach dem anderen fein säuberlich her- untcrlebt! Er lächelte vor sich hin. Seine Augen wanderten musternd durch die Stube, die er von jeher schon die seine nannte und die von ihm auch ihr eigenes Aussehen erhalten. Alles stand darin noch wie ehedem. Dafür hatte Walli gesorgt. Und wie sauber alles! Stück um Stück suchte so Zeno und grüßte es. Dem breiten wuchtigen Eichenschrank, den er einst selbst mit Schnitzereien verziert, das große Kruzifix von seiner Hand, da und dort an der Wand hängend eine Probe seiner herben Kunst, den schweren Tisch mit den Stühlen — alles. Ganz zuletzt aber die kleine Schnitzbank am Fenster — und dort blieben seine Blicke haften. Nun hob Zeno ein großes, tiefes Sinnieren an. Diese kleine Schnitzbank mit ihrem Werkzeug, das er sich seit Bubenzeiten Stück um Stuck gespart, gekauft — sie bedeutete fein Schicksal, feine Zukunft. An ihr hatte er schon viele Stunden des inneren Zwiespaltes verträumt, wenn es in ihm wieder einmal zu gären angefangen hatte und er bas harte, grob-klotzige Bergbauerntum abschütteln wollte in dumpfem, heißem Drange nach einem unbestimmten Höheren — und doch wieder keinen Ausweg fand. Dann begann er zu basteln, und seltsam — je aufgewühlter innerlich fein nach außen so ver- schlossenes Wesen war, desto leichter ging chm irgendein Werk von der Hand, wuchs in knappen Stunden irgendein Ding seines bäuerlichen Gesichtskreises aus dem Holzklotz heraus Darauf das Jahr Schnitzerfchule, das er dem Vater abgebettelt, ehe er zum Militär mußte. Da gingen ihm neue Wunder ernsten künstlerischen Strebens und harten Schaffens auf, und man ließ ihn als einen Hoffnungsvollen wieder ziehen. Zu Zeiten hatte er Stunden überschäumenden Glückes, und ein großes Schaffenwollen erhob sich in chm, verbunden mit dem Gefühl der Kraft dazu ... Mitunter wieder aber kam gleich grauen dichten Bergnebeln der Zweifel über ihn, und er schimpfte sich selbsthöhnend einen schnitzelnden Bauernburfchen — Künstler? — zum Lachen! ... das er dem Mädchen für den LebensunterhaN gegeben habe, mit dieser verbrauche. Beide gerieten dann in Tätlichkeiten, wobei Old von Kurzrock eine Verletzung am Auge erhielt. Old zog darauf ein Taschenmesser und versetzte seinem Gegner einen Stich in den Hals, der die Schlagader traf, wodurch der Tod des Kurzrock herbeigeführt wurde. Der Täter wurde bald darauf verhaftet. Beide, sowohl Kurzrock wie auch Old, sind mehrfach vorbestraft. - 3n der Sonn- tagnad)t wurde auf dem Sachsenhäuser Berg und in den Bahnanlagen eine Razzia vorgenommen, bei der 19 männliche und 2 weibliche Personen aufgegriffen wurden. Elf Personen wurden eingeliefert - Heute morgen wurde unterhalb der UntcrmainbrüAe eine unbekannte männliche, etwa 40 I a h r c alte Person tot aus dem Main gelandet. Der Tote ist etwa 1,70 Meter groß, schlank und trägt dunkelblonden gestutzten Bart. Bekleidet war er mit einem braunen Anzug Das Taschentuch war mit T. 3- 6 gezeichnet. Amtsgericht Gießen. • Gießen, 9. Juli. Streitigkeiten unter nahen Verwandten aus E l i m b a ch kamen heute zur Verhandlung. Ein 84 Jahre alter Auszügler von dort Lohnte seither bei seinem Sohne L. und sollte jetzt zu seinem Schwiegersohn Sch. ziehen. Als nun aber am 3. Psingstfeiertage die Geschwister des L. in dessen Wohnung kamen, um die noch dort befindlichen Sachen ihres Vaters zu holen, kam eS zu Streitigkeiten, in deren Verlauf die Eheleute L. die Ehefrau Sch. mißhandelt haben sollen. Die Frau L. stellte dies in Abrede und behauptete, ihrerseits von der Frau Sch. und deren Schwester W. beleidigt worden zu sein. Der Ehemann L. gab dagegen zu, seiner Schwester Sch. eine Ohrseige verseht zu haben. Aach längerer Beweisaufnahme und längeren Vcrgleichsverhändlungen kam schließlich ein Vergleich zustande, wonach der Ehemann L. bedauert, die Ehefrau Sch. geschlagen zu haben, und wonach die Eheleute die g e ! e h l i ch e n gerichtlichen und außergerichtlichen Kosten des Verfahrens übernehmen. Die Parteien und die Zeugen verzichteten auf Zeugengebühren, der Privatkläger Sch. hat das mit seinem Rechtsanwalt vereinbarte Sonderhonorar selbst zu tragen. Kleine Straffammer Gießen. * Gießen, 9. Juli. Ein noch junger Bursche aus Oppenrod verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Gießen, durch das er wegen fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte nach vorausgegangenen Wirtshauszwistigkeiten ohne ernsten Charakter auf dem Heimweg einen Revolver gezogen, den er immer bei sich trug und auf den er gern pochte, und einem anderen Burschen, mit dem er in Wortwechsel geraten war, am Kopf vorbeigeschossen: die Kugel drang einem in der Aähe stehenden jungen Mann in den Mund und schlug ihm zwei Zähne aus. Die Behauptung des Qlngefiagten, er habe niemand verletzen, sondern nur einen Schreckschuß abgeben wollen, war nicht zu wiederlegen: wegen der unglaublichen Leichtfertigkeit der Tat, der beinahe ein Menschenleben zum Opfer gefallen wäre, wurde gemäß dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls Berufung eingelegt hatte, die Strafe auf dret Monate Gefängnis erhöht. Auch die Strafe wegen verbotenen WaffentragenS wurde von 10 auf fünfzig Mark erhöht. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Llmschcm".) Mittwoch. 14. 3uli: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Alte Tanzmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Bücher» ftunde. 6.15 bis 6.30 Uhr: „Deutscher Schützen« sport", Vortrag von Professor Dr. Popp. 7 bis 7.30 Uhr: Funkhochschule: „Aeue Wege der gegen- toärtigen Philosophie: Auferstehung der Mctha- phtzsik I“, Vortrag von Privatdozent Dr. Heinemann. 7.30 bis 9 Uhr: lle&ertragung aus dem großen Saal des Saalbaues: Konzert des Wiener Schubertbundes. 9.30 bis 10.30 Llhr: Hebertragung aus Mannheim: Konzert der „Stamih- gemeinde". Der große Krieg, der bann alle, bis zum letzten Burschen in ber verlorensten Holzerhütte, herausholte, überhob den Zeno vorerst allen weiteren Sinnierens über sich selbst — ja, machte ihn selbst zum Schnitzklotz, ber wehrlos unterm brohenden Messer sich hin unb her brehen und an sich herum schnitzen unb schneiden lassen muß — wie es eben Der starken, alle Schicksalsgeheimnisse bergenden Hand gefällt. Bis ber Schicksalsschnitzer mit dem Messer gleichsam ausglitt unb ihm ein Stück, ein Sein, weg- schnitt. Da war ber Klotz verschnitten, verpfuscht unb warb als unbrauchbar weggeworfen. Denn ba war nichts mehr zu leimen. Ja, ja, es war sckon so — weggeworfen. Denn, sayte sich Zeno in solchen Augenblicken bitteren Sinnierens, Hand aufs Herz — zum Bergbauern taugst bu jetzt nimmer! Schon immer warst du innerlich bloß halb unb halb babei — jetzt paßt dein Aeußeres gut dazu? Der Vater hatte recht ... Aber winkte ihm denn nicht eine freundliche Zu- kunft? Führte ihn nicht die väterliche Dorsorglich- keit unmittelbar auf den Weg, von dem er früher nur zu träumen gewagt? Ein anderes, heimlich- trautes Bild schloß den Kranz von Zenos Vorstellungen: Er stellte in Gedanken ein sckönes, hoch- gewachsenes blondes junges Weib neben sich in das schmucke Schnitzerhäusl ... Um Walli, der Hauserin und Steüoertteterin- Mutter eine kleine Freude zu bereiten, setzte sich Zeno zu ihr in die warme, von heimeligem Düster und Feuerschein erfüllte Küchel unb trank dort seinen Kaffee. Die Zeit benützte Walli, um sich auszureden. Mit einem abgrundtiefen Seufzer hob es an: Ach ja! —" „Ra?--" fragte Zeno, der an einer Nudel taute. „Han?" „Was jammerst denn?" „3? — O mein! — Halt a so —" „Geht dir was ab, Walli? Nur raus mit ber Sprach'! — Sag' gick ober gack! Vielleicht kann i bir helfen!" Walli aber blieb tobemft. „Mir? — Mir geht nixen net ab — i hab mein' Sach!" (Fortsetzung folgt.) 5858V Gießen, Alsfeld, den 12. Juli 1926. 1 Kiefer-Stamm WRIGLEY AKTIEN "GESELLSCHAFT, FRANKFURT A.M 5. Abonnementskonzert gesucht. 04877 Neuenweg 10. Verkäufe 5861c Näheres derKapelle des l.(Hess.) Grenad.-Batls., 15. Inf.-Regts. Leitung: Obermusikmstr. 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Hankel, Neuen Baue 7. Teleph. 612. „,,v Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme, die reichen Blumen- und Kranzspenden und die trostreichen Worte bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen Frau ta Gesekiis geb. Nörling sprechen wir hiermit unseren innigsten Dank aus. Adolf Gesekus, Eisenbahn-Obersekretär und Söhne. Gießen (Frankfurter Straße 132), den 10. Juli 1926. 5S42D Münster, den 12. Juli 1926. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 14. Juli, nachmittags um 3 Uhr statt. 5857D GlOWkiWU. Mittwoch, den 14. d. M., versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, ab 2 Uhr: 1200 Pakete Perfil, einige tausend Zigarren, 3 Kleiderschränke, 2 Waschtische (neu), 1 Küche (neu), 1 große Flurgarderobe, 1 Kinderbett, 1 Schlafzimmer, 2 Betten mit Matratzen, 3 Sofas, 3 Näh. Maschinen, Stühle, 2 Spiegel, zwei Regulatoren, 1 Standuhr, 1 Gasbade» ofen, 1 neue Schreibmaschine (Nofa), einige gut erhaltene Gas- und elektr. 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Offerten mit zusammengezogenen Klassen oder mit Vorbehalten oder Bemerkungen versehen, werden nicht berücksichtigt. Die Derkaufsbedingungen können auf der Bürgermeisterei eingesehen werden und werdenimTerminnochmalsbekanntgemacht. Das Holz in der Forstwartei I zeigt auf Wunsch Forstgehilfe Förster, oder Förster Bing in Treis an der Lumda. Das Holz in der Forstwartei 11 Forstaspirant Simon zu Treis an der Lumda. Allendorf a. d. Lumda, den 10. Juli 1926. Hess. Bürgermeisterei, Allendorf a. d. Lda. Rein. ZkNkMW rhein. Schwemmsteine bester Qualität zu billigem Preis C.Rübsamen,Gießen Fernsprecher 1659. Heule vormittag 71/, Uhr verschied sanft nach kurzem Leiden mein geliebter Mann, unser lieber Vater, Großvater und Schwiegervater Herr Heinrich Völsing Lehrer i. R. im Alter von 72 Jahren. In tiefer Trauer: Marie Völsing Bürgermeister Dr. Völsing und Familie. Weiteres Rassepferd als Lauspferd geeignet (evtl, etwas gebraucht» zu kauicn gesucht. Schr. An- geböte unter 5779D an den Gieh. Anz. 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Juli ig; 3u den ftnrt bdro^ von mit flc und dutchg' E(senbahna Teu«» Arbeit 8U ffiw.r Belonfierent Pläne ein» Erwägung^ eines neuen Die lanMMN neuen M hBn Tu SÄ’” HK e id. als C. a f i in Kara Bekir Pascha und 3t e u f Bey. die bei der Wiedergeburt der Türkei, mit in erster Linie gestanden hatten, auch zu den Verschwörern zählten, so ist diese Falschmeldung eine Verleumdung. Was Karo Bekir Pascha betrifft, so konnte diese irrige Annahme wohl nur dadurch entstehen, daß die Verschwörer nach der Ermordung Kemal Paschas ihn zum Präsidenten der Republik ausrufen wollten. Aber es ist sicher, daß er vom Attentatsplan keine Ahnung gehabt hat. Es hat sich also bei dieser Verschwörung sicher nicht um eine monarchistische Bewegung gehandelt, unö wenn Kemal Pascha nach der Verhaftung der Schuldigen in einem nach Smyrna gerichteten Telegramm öle Ansicht ausfvrach. das Attentat fei weniger gegen ihn als gegen öie Republik und 'hre Prinzipien gerichtet gewesen, so war daS gewiß taktisch recht geschickt, entspricht aber nicht dem wirklichen Tatbestände. Denn es ist kein Zweifel, daß die Schuldigen durch Kemal Paschi, kaltgestellte Minister. Beamte und Offiziere sich nur von den niedrigsten Motiven persönlicher Rachsucht haben leiten lassen, wenn sie nicht außerdem von einer Seite, öie noch nicht feft- fleftellt werden kann, bestochen worden sind. Ganz unverständlich erscheint es. daß die Verschwörer, wie die ilnterfdjung behauptet, glauben könnten, durch die Ermordung Kemal Paschas eine allgemeine Revolution in der Türkei Hervorzuruf en. Aus welchem Grunde, zu welchen, Zweck sollte der vielgeplagte, in 11jährigen Kriegen erschöpfte anatolische Bauer wohl jetzt reoel- lieren. wenn das Attentat geglückt wäre? ES ist vielleicht richtig, daß der anfangs vom ana- tolischen Volke durchweg als Rationalheros vergötterte Kemal Pascha in den letzten Jahren durch seine, der alten Tradition widersprechenden modernen Reformen an Popularität etwas verloren hat, in der außer türkischen islamitischen Welt noch mehr als in seiner Heimat. Aber seine großen historischen Verdienste um die Wiedergeburt der zu Boden geschmetterten Türke, blieben im Volke doch ungeschmälert und unvergessen. Man schätzt ihn immer noch in Öen weitesten Kreisen als tapferen Kriegeshelden, als warmen Patrioten, der von heißer Liebe zum „Türk äldshagi". dem alltürkifchen Herd, erfüllt ist, und nicht zuletzt als das geistige Haupt der pantürkischen Bewegung, die in Zukunft vielleicht noch eine große Rolle spielen kann. Alle diese Imponderabilien fallen bei der Stellungnahme zu ihm doch weit schwerer ins Gewicht, als die im niederen Volke verbreitete Mißstimmung wegen der Reformtätigkeit. So hatte Kemal Pascha gewiß die Berechtigung, in seinem nach Smyrna gesandten Telegramm zu bemerken, die Leute, die durch dieses Attentat mit ihm das ganze Regime hatten stürzen wollen, seien „arm an Geist". Es fragt sich jetzt natürlich vor allem, in welcher Weise die Stimmung deS türkischen Volkes auf die glückliche Vereitelung des Attentats reagiert. Aeußert sich bei den ruhigen Türken der Jubel über das abgetoenöete Unglück auch nicht in fo stürmischen Formen wie bei den temperamentvolleren Italienern nach dem Attentat auf Mussolini, so ist öie Freude doch eine völlig allgemeine. Das tritt auch in allen Kommentaren der türkischen Presse hervor. Man darf daher als sicher annehmen, daß die Popularität Kemal Paschas jetzt wieder bedeutend steigen wird. Das würde sich ganz besonders dann erweisen, wenn er bei Der Aburteilung der Schuldigen, soweit es möglich erscheint, Milde walten läßt. Aus dcm Amtsverkundigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 55 vom 9. Juli enthält: Umlagen und öie ©onöecgebäuöefteuer des Kreises Gießen. Ferien des Kreisausschusses. — Ausführung von Walzarbeiten. - Verkehr mit Giften und Arzneimitteln. — Verzeichnis über Personen, die durch Einbürgerung im Ausland ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren haben. — Maul- und Klauenseuche in Grünberg. - Straßensperren. stark zerstört ist. Andererseits können durch den Blitzschlag auch die Kleidungsstücke sehr heiß werden und dann echte Brandwunden auf der darunterliegenden Haut Hervorrufen. Die elektrische Entladung, die in einer Reihe rasch aufeinanderfolgender. hin und her gehender Funken beim Blitzschlag erfolgt, ruft auf der Haut die sogenannten Blihfiguren hervor, die manchmal sehr seltsame Formen haben, zunächst scharlachrot sind und allmählich blasser werden. Man hat im direkten Anschluß an eine Dlihschlagverlehung nicht selten Geistesstörungen beobachtet. Viele vom Blitz Getroffene wissen überhaupt nicht, wie sie zu den Verletzungen gekommen sind, und machen ganz falsche Angaben. Daß die Lähmung einzelner Körperteile nach Stunden oder Tagen Tagen sich vollkommen bessert, wird nicht selten beobachtet. Liegt keine Verletzung eines Organes vor, so gehen die nervösen Erscheinungen nach einigen Tagen oder Wochen vollkommen zurück. Die einmal vom Blitz Getroffenen zeigen aber später meist beim Auftreten eines Gewitters große Erregung und Aengstlichkeit. Kräftige Männer, die vorher keine Furcht kannten, beginnen dann heftig zu jammern und suchen wie Kinder dunkle Verstecke auf. An den Augen kommt es durch Blitzschlag zu Trübungen der Linse, an den Ohren zu vorübergehender Schwerhörigkeit oder Taubheit. Zahlreiche innere Störungen können auftreten. Der Tod kann durch öie Verletzung lebenswichtiger Organe oder Öurch einen besonders heftigen Chock hervorgerufen werden. Die Kleidung eines vom Blitzschlag Getöteten zeigt meist unregelmäßige Zerreißungen. Dabei kommen die merkwürdigsten Zufälle vor. So wurde z. B. einem Bauernburschen ein neuer Schaftstiefel vom Blitz vollkommen zerfetzt vom Fuß gettffen, während der Fuß selbst unverletzt blieb. Zur Rettung der vom Blitzschlag Getroffenen muh der Verletzte zunächst an die frische Luft gebracht werden, und bei At- mungsftillstand ist sofort mit künstlicher Atmung zu beginnen. Bei Öen WieÖerbelebungsversuchen muß der Kopf Öes Verunglückten hochgelagerl weröen. damit nicht kleine Gefähzerreihungen im Gehirn öurch das sich senkenöe Blut große Blutergüsse veranlassen Bettruhe unö eine mehrwöchige Crholungszeit werden in Öen meisten Fällen notwendig sein. Turnen, Sport und Spiel. Pascoe in Köln. Dos, woran in Schwimmerkreisen niemand dachte, aber von wenigen Eingeweihten des Gießener Schwimm - Vereins um so bestimmter erhofft wurde, ist am Sonntag zur Tatsache geworden. Fritz Pascoe, der dritte Vertreter der Stadr Gießen auf den Deutschen Kampfspielen in Köln, hat bei seinem ersten Start gegen die beste deutsche Klasse sein Können unter Beweis gestellt. 3m Brustschwim - m c n über die olympische Strecke von 2 0 0 Meter hat er. wie gestern schon kurz gemeldet. den dritten Platz belegt. Erster wurde, wie nicht anders zu erwarten war, der Weltrekordmann Rademacher (Magdeburg) mit 2 Min. 58.2 Sek.. Zweiter Zientz (Dortmund) mit 3 Min. 3.6 Sek. Pascoe gebrauchte 3 Min. 6 Sek., nicht 3:6.4 wie zuerst irrtümlich mitgeteilt wurde. Nachdem von den beiden Vor-- 1 auf en Rademacher den einen in 3: 03 Min. und Pascoe den zweiten in 3:09 gewonnen hatten, kamen außer den bereits genannten noch B u d i g (Köln) und C o m p a u s (Aachen) in die Entscheidung. Rademacher gewann bereits durch seinen Startsprung einen Meter, gab aber sofort die Führung an Zientz und.Budig ab, die die ersten 100 Meter in 1 ;26—21 nahmen. Pascoe wendete als letzter mit 1:29,5, hielt dann den Abstand und ging bei 150 Meter an Compaus und bei 180 Meter an B u d i g dank seines glänzenden Spurtvermögens vorbei, tonnte aber Zientz nicht mehr erreichen, der einige Meter hinter Rademacher anschlug. Letzterer war bei 1Z0 Meter mit seinem bekannten Endspurt dem übrigen Feld unter stürmischem Beifall der riesigen Zuschauermengen davongegangen. Jedenfalls kann der Gießener S. D. mit diesem Erfolg Pascoes vollauf zufrieden sein. Vivant sequentes. Städtekamps Metzen - Frankfurt-Wetzlar im Ringen. ±, Eine recht gut besuchte und sehr inter- essantc Veranstaltung bot am Sonntag der Kraft- und Sportklub Gießen auf der Liebigshöhc. Die recht spannend verlaufenen Kämpfe zeigten die Gießener Ringer von guter technischer Durchbildung und Ueberlegenheft. Gießen blieb gegenüber Frankfurt bei 5 Siegen 2 Niederlagen. 1 Unentschieden einwandfreier Sieger, ebenfalls gegenüber Wetzlar mit 5 Siegen und 2 Niederlagen. 3m Wettkampf Frankfurt — Wetzlar siegte ersteres mit 5 Siegen und 2 Niederlagen. Der Verlauf der einzelnen Kämpfe war folgender: Gießen — Frankfurt. Schwergewicht: Hillgärtner-Gießen — Dusch-Frankfurt. Hillgärtner siegt in 2 Minuten durch Untergriff aus dem Stand. Schweres Mittelgewicht: Laucht- Gießen — Zeiger-Frankfurt. Nach 10 Minuten unentschieden. Mittelgewicht: A. Scheppers-Gießen — Allendorf- Frankfurt. Scheppers siegt in Vt Min. durch Hüftenzug. Leichtgewicht: Storch-Gießen — Rockmeier-Frankfurt. Storch siegt in 3 Minuten durch Schulterschwung. Federgewicht: W. Scheppers-Gießen — Duchberger- Frankfurt. Duchberger siegt in 6V2 Minuten durch Aufreißer am Boden. Datapigewicht: Hunstein-Giehen — Selt- wanger-Frankfurt. Hunstein siegt in l/9 Mrnute durch Ueberwurf aus dem Stand. Fliegengewicht: Göh-Giehen — Duchberger-Frankfurt. Buchberger siegt durch Arm- - fesfelung mit Ausreißer. Iugendklasse: Bellos-Gießen — Kun- < kel-Frankfurt. Bellof siegt in 41/» Minuten durch Eindrücken der Brücke. Gießen — Wetzlar. Schwergewicht: Hillgärtner-Giehen — Kiefer-Wetzlar. Hillgärtner siegt m 6 Minuten durch Untergriff mit Schleuderichwung. Schweres Mittelgewicht: Laucht- Gießen — Harwart-Wehlar. Laucht siegt in 61/2 . Minuten durch Ueberstürzen mit Eindrücken der Drücke. Mittelgewicht: 2L Scheppers-Giehen— Gaußmann-Wetzlar. Scheppers siegt in einer halben Minute durch Armfallschwung. Leichtgewicht: Kramer-Gießen—Erbach- Wetzlar: Erbach siegt 'm 3 Minuten durch finnischen Ausreißer. Federgewicht: Storch-Gießen—Müller- Wehlar. Müller siegt in 3 Minuten durch Schulterdrehhebel am Boden. Datamgewicht: Hunstein-Giehen—Enders-Wetzlar. Hunstein siegt in 2 Minuten durch Ueberwurf aus dem Staiid. 3ugendklasse: Bellos-Gießen—Psairn- kuch-WeAar. Bellos siegt in einer halben Minute durch Armfesselung mit Ausreißer. Wetzlar — Frankfurt. Schwergewicht: Kieser-Wehlar—Dusch- Frankfurt. Dusch siegt in 5r/2 Minuten durch Untergriff von hinten mit Halbnelson. Schweres Mittelgewicht: Harwart- Wehlar—Zeiger-Frankfurt. Harwart siegt in 3 Minuten durch Armfallzug. Mittelgewicht: Erbach-Wetzlar—Allen- dnrs-Frankfurt. Allendorf siegt in 3 Minuten durch Armfallschwung. Leichtgewicht: Gaußmann-Wetzlar- Rockmeier-Frankfurt. Rockmeier siegt in 6V2 Minuten durch Armfallzug am Boden. Federgewicht: EnderS-Wetzlar -Duchberger-Frankfurt. Duchberger siegt in 1 Minuten durch Armfallschwung. Datamgewicht: Müller-Wetzlar—Seit- wanger-Frankfurt. Müller siegt in 2 Minuten durch Ueberrollen am Boden. 3ugendklasse: Psannkuch-Wetzlar— Kunkel-Frankfurt. Kunkel siegt in 6 Minuten durch Schulterschleuderschwung. Freie Turnerschaft (Biehen. .£ Einen recht beachtenswerten Erfolg brachte die Freie Turnerschaft Gießen am Sonntag aus Marburg nut heim, wo sie gegen den dortigen: Männerturnverern in drei Gesellschaftsspielen antrat. Die 3ugend gewann überlegen. Die Schluß- Nisser lautete 5:1 für Gießen. Auch die Zweite Gießens konnte, wenn auch mit einem knappen 3: 2-Refultat, den Sieg an ihre Fahne heften. Den erfolgreichen Tag vollendete die Erste, die die Marburger 7:0 abfertigte. Bei den vorzüglichen Leistungen, die die Marburger sonst boten, ist diese hohe Niederlage eigentlich recht verwunderlich. Gießen spielte mit teilweise umgestellter und stark verjüngter Mannschaft, ein Verfahren, das sich allem Anschein nach recht gut bewährt hat. Heuchelheim I - Wieseck I. £ Am Sonntag trafen sich obige Mannschaf- tin zum Freundschaftsspiel in Heuchelheim. Die Einheimischen traten für den Tormann und Mittelläufer mit Ersah an und spielten in der Zeit etwas reichlich aufgeregt. Diese Schwäche nutzten die Wicsecker geschickt aus und erzielten aus einem Gedränge hieraus ihr erstes und einziges Tor. Bis zur Halbzeit konnte Wieseck diesen Vorsprung halten. Nach dem Wechsel zeigte Heuchelheim ein energischeres Spiel und stellte bald den Ausgleich her. Ein verwandelter Strafstoß sicherte ihnen bald darauf die Führung. Wiesecks wiederholte Angriffe waren bis auf eine Reihe Ecken erfolglos, während Heuchelheim das Resultat bis zum Schluß auf 4:1 stellen konnte. Das Eckenverhältnis betrug 7:7. Heuchelheim II gegen Fronhauscn Jugend. Von dem Spiel der ersten Mannschaften stellten sich obige Gegner dem Schiedsrichter. Fronhausens 3ugend ist eine Neugründung, und war durch einige altere Spieler verstärkt. 3n der ersten Halbzeit gestaltete Heuchelheim das Spiel völlig überlegen unö erzielte zwei Tore. Nach dem Wechsel hatte auch Fronhausen mehr von dem Spiel, konnte ebenfalls zwei Tore erzielen, dem Heuchelheim drei weitere entgegensetzte, das Resultat somit auf 5:2 stellend. Ecken 13:1 für Heuchelheim. Heuchelheim H gegen Gießen Hb. Als drittes Spiel fand nach dem Spiel der ersten Mannschaften obiges Spiel statt, das eigentlich eine Unbegreiflichkeit bedeutet, da die Mannschaft schon vorher das Spiel gegen Fron- hausen ausgetragen hatte. Wenn Heuchelheim trotzdem das Spiel 4:3 gewinnen konnte, so ist dies nur dem Umstand zuzuschreiben. daß drei Mann aus der ersten Mannschaft. allerdings auch schon abgespielt, eingestellt wurden. Gießens IId- Mannschaft. eine an sich schwache Mannschaft, konnte auch das Spiel offen halten, mußte sich bis Halbzeit 2 Tore gefallen lassen, um dann in der zweiten Halbzeit, als Heuchelheim völlig abfiel, seinerseits 3 Tore zu erzielen. Äur.3 nach der Pause schoß Heuchelheim kurz hintereinander zwei Tore. Das Endresultat. 4:3 für Heuchelheim, gereicht eigentlich mehr den Gießenern zur Ehre. (Bauturntag des Lahn-Dünsberg-Gaues. ch Wieseck, 12. Juli. Im Saale von Gustav Schneider fand gestern, Sonntagoormittag, ein außerordentlicher Oauturntag des Lahn-Dünsberg-Gaues statt. Der I.Gau- oorsitzende, D a u p e r t, Wieseck, begrüßte die 23er« treter der Vundesoereine. Als erster Punkt wurde beraten über das für den heutigen Sonntag vorgesehene G a u 111 r n f c ft, das in Atzbach stattfinden sollte. Das Fest war durch das Landratsamt Wetzlar verboten worden, da in Atzbach die Maul- und Klauenseuche in verheerender Weise aufgetreten ist. Gauschriftführer Euler, Wieseck, erstattete Bericht über die mit dem amtierenden Beterinärarzt und dem Landratsamt Wetzlar geführten Verhandlungen, die jedoch zu fernem Erfolg geführt hatten. Da dem Verein von Atzbach bereits große Unkosten mit den Vorbereitungen des Festes erwachsen sind, wurde nach langen Beratungen beschlossen, das Fest am 2 2. August in Atzbach abzichalten, da man annehmen darf, daß die Seuche vis dahin im Abflauen begriffen ist. Das für biefen Termin bereits vorgesehene ©aubergfeft, das in Kefselbach ftattfinben sollte, wird bereits am 8. Auguft in Kesfelbach abgehalten. Mit diesem Bergturnen wird das Schülerturnen verbunden. Vorgesehen für das Schülerturnen ist ein Sechskampf, bestehend in einer Barren-, Reck- und Pferdübung, hoch- und Weitsprung und einer Freiübung. Das Bergturnen sieht einen Vier- kampf vor, nämlich Stabhoch-, Weitsprung, Speerwurf und Kugelstoßen (15 Pfund). Von einem Vertreter wurde gewünscht, daß das Bergturnen in künftigen Jahren ohne jede Festlichkeit abgehalten wird. Die eventuelle Festlegung eines Gausporttages bleibt dem Gauvorstand überlassen. Sodann wurde über eine Reuaufstel - lungber Satzungen des Gaues beraten. Gauschriftführer Euler, Wieseck, verlas einen von ihm ausgearbeiteten Entwurf. Eine Kommission wird diesen Entwurf durcharbeiten und einem spateren Oauturntag zur Genehmigung vorlegen. Es wurden sodann einstimmig die beiden jüngsten Vereine, die ihren ^Beitritt zum Gau erklärt haben, aufgenommen: es sind die Vereine von Beuern und Garst e n h e i m. Nach kurzen Mitteilungen über Versicherung der Mitglieder schloß der Gauvorsitzende D a u p e r t die Tagung. 3m Städtewettspiel Metzen - Nauheim siegte am Sonntag nach schönem, spannendem Kampf der Gießener Tetinisclub mit 11:9 Punkten. Die Kampfspiel-Tennissteger. Das Kampfspiel * Tennisturnier, in dessen Rahmen die nationalen deutschen Meisterschaften ausgetragen wurden, konnte planmäßig am Sonntag, wenn auch erst in den späten Abendstunden, beendet werden. Das Herren-Einzelspiel gewann Froitzheim mit 9:7, 6:0 gegen Hannemann, das Damen- Ernzeelspiel Frau F r i e d l e b e n mit 6:4, 7:5 gegen Frau A e p p a ch. 3m Herren-Dovpelspiel schlugen Froitzheim-Schomburgi Han- nemann-Lüdtke, die vorher die Oesterreicher Artens-Matejka besiegt hatten, mit 6:3, 1:6, 6:4, 9:7. 3m Damen-Doppelspiel siegten Frau Friedleben - Frl. Weihermann mit 3:6, 6:3, 6:2 gegen Frau Lent- Frau V 0 r- mann. 3m gemischten Doppelspiel holte Frau Friedleben zusammen mit Schomburgk ihren dritten Sieg und zwar mit 6:4, 9:7 gegen Frau Neppach-Renn. Lauffers neuer Weltrekord. Bei der schwimmsportlichen Veranstaltung des 1. F. C. Nürnberg am Sonntag starteten die beiden Amerikaner 2 auf f er und Webb 2 a u f f e r, der einen neuen Rekordversuch über 200 Meter Rückenschwimmen angesagt hatte, verbesserte den von ihm aufgestelllenWeltrekord um 2 Sekunden auf 2:45. Der deicksche Rekord beträgt 2:49 2. Ergebnisse: 2 00 Meter Rückenschwimmen: 1. Lauster (Amerika) 2,45 (neuer Weltrekord). 2. Günther (Göppingen) 2;58,2. 10 0 Meter Freistil-Schwimmen: 1. Webb (Amerika) 1:05. 2. Der (München) 1:09. 1 0 0 M c t e r B r u st s ch w i m m e n: 1. Faust (Göppingen) 1:22. 2. Zahn (1. F. C. Nürnberg) 1 ;25. Auw- und Motorrad - Turnier im Vogelsberg. x!x Wie man hört, sind die Meldungen zum zweiten Tournier des Vogelsberger Automobil- und Motorrad-Clubs Schotten am 18. 3uh zahlreich eingetaufeft. Besonderen Wert hat der Verein auf die Auswahl der Preise gelegt. Wertvolle Ehrenpreise wurden gestiftet. Der veranstaltende Club ist dem D. M. V. angeschlossen. Kirche und Schule. —£— Lützellinden, 12. Juli. Unter dem Vorsitz des Superintendenten 'Sieber, Garbenheim, wird am kommenden Sonntag und Montag die S y n 0 d a l t a g u n g der Pfarrer und Kirchen- ältesten des Kreises Wetzlar in unserem Orte ftattfinben. In den für den Sonntag vorgesehenen Veranstaltungen (ein Gottesdienst am Nachmittag sowie ein Gemeindeabend) werden die Geistlichen kurze Berichte aus ihrer Tätigkeit (Gustav-Adolf- Berein, Innere Mission usw.) geben, während am Montag kirchliche Angelegenheiten zur Beratung kommen. Für die Verpflegung und Unterkunft der zahlreichen Teilnehmer haben sich unsere Ortsbewohner in anerkennenswerter Weise bereit erklärt. Zur Verschönerung der Tagung wird der hiesige Gemischte Chor mit einigen gesanglichen Darbietungen beitragen. Wirtschaft. * Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer A.-G. in Frankfurt a. M. Die 0. H.-D. genehmigte den Abschluß für 1925. Ans 136232 Rm. Reingewinn werden 2000 Rm. zur Einziehung von 6190000 Rm. Vorratsaktien der Gesellschaft verwendet. Die Einziehung soll in der Weise erfolgen, daß die nom. 6190000 Rm. Stammaktien von dem Bankenkonsortium, das int Jahre 1924 die gesamte Papiermarkemission übernommen hatte, gekauft und alsdann amortifiert werden. Der restliche Reingewinn von 134 232 Rm. wird vorgetragen. frankfurter Börse. Frankfurt, 13. 3u!i. Tendenz: Befestigt. — Die Börse eröffnete in befestigter Stimmung, doch sind die Kurserhöhungen im Vergleich zu denjenigen der gestrigen Abendbörse recht bescheiden. Infolge des bevorstehenden Medios, wo die Krediteinschränkung zum ersten Male in Kraft treten soll, beobachtete die Spekulation große Zurückaltung, so daß sich die Umsätze in engstem Rahmen bewegten. Von der Meldung über die beabsichtigte Kapital- erHöhung bei der Ha Pag vermochten Schiffahrtsaktien nicht zu profttteren. Ha- Pag schwächten sich sogar um 0,5 Proz. ab. Nordd. Llohd minuS 1.75 Proz. Mvntanaktien, die in guter Nachfrage standen, waren ansehnlich befestigt (bis zu 2 Proz.). 3. G. Farben eröffneten auf dem Stande von 250 Proz., wurden aber später 0,5 Proz. niedriger. Am E l e k - trvmarkt betrugen die Defferungen durchweg 1 Proz. Bankaktien hatten reges Geschäft, die Kurse lagen weiterhin recht fest. Autoaktien setzten ihre Steigerung fort. Bon Zellstoff- aktien zogen Waldhof um 4,5 Proz. an. Dauaktien lagen 1 bis 2 Prozent höher. Maschinen- attien ohne Geschäft und eher niedriger. Zuckeraktien tendierten nachgebend. Deutsche Renten hatten lustloses Geschäft bei nachgebenden Kursen. Auch ausländische Ren- t e n verkehrten in schwankender Stimmung. Der Freiverkehr lag sttll und kaum verändert. Beckerfdahl 21 Prozent, Benz 85 Prozent, Brown- Doveri 116 Prozent, Entreprise 6,6 Prozent, Ufa 37,5 Prozent, Unterfranken 79 Prozent. Der weitere Verlauf brachte keine wesentlichen Aende- rungen. Die Stimmung war ziemlich schwankend. Am Geldmarkt hält das Angebot an. Tagesgeld angeboten zu 4 Prozent, Monatsgeld 5X/S bis 612 Prozent Privatdiskonten 47/1R bis 41/2. Industrie-Akzepte 47/. bis 5 Prozent. 3m Dc - Visenverkehr blieb der französische Franken trotz vorübergehender Erholung weiter schwach und stellte sich auf 192 gegen das Pfund. Brüssel erheblich abgeschwächt mit 231,50 gegen London, Mailand ebenfalls schwächer mit 144.50 gegen das Pfund. Berliner Börse. Berlin, 13. 3uIL DaS Schwergewicht deS Geschäftes lag beei Bvrseneröffnung auf dem Dankenmarkt, wo Deutsche Dank ihre Steigerungen fortsehten. Der Kurs war gegen gestern um 7 Prozent höher. Die Aktien der übrigen Großbanken folgten in einem gewissen Abstande. Desondere Gründe für diese Hausse am Bankenmarkt waren nicht in Erfahrung zu bringen, man nahm an. daß es sich um ein Anpassen des Kurses der Deutsch-Dank-Aktien an den der Darmstädter Bai^ handelt. Auf die übrigen Aktienmärkte konnte sich die Bewegung nicht übertragen. Die Eröffnungskurse hielten sich auf dem Niveau der gestrigen Frankfurter Abendiwtierungen und lagen damit bis zu 4 Prozent über den hiesigen gestrigen Nachbörsekursen. Schon im Vorbörsen- veriehr kam es jedoch wieder zu einer gewissen Verstimmung, die in einem Abbröckeln der Kurse nach den ersten Notierungen zum Ausdruck kam. Die Transaktionen bei den Großreedereien blieben am Schiffahrtsmarkte ohne Einfluß, da sie an der Börse trotz aller Dementis schon seit Wochen erwartet worden waren. Der Medio wird bereits als überwunden angesehen, da schon in den letzten Tagen Posi- tionslösungen vorgenommen worden sind. Am Geldmarkt hält das Angebot unverändert an. Tagesgeld stellte sich auf 4 bis 5 Prozent, Monatsgeld afüs 5 bis 6 Prozent. 3m Devifen- verkehr konnte das französisch-englische Schul- denregelungSabkommen lediglich einen Stillstand in der Abschwächung des Franken bewirken, eine nennenswerte Erholung blieb dagegen aus. Paris stellte sich gegen London auf 191, Brüssel gegen London 224,50, Mailand gegen daS Pfund 143,50. Frafttsurter Getreidebörse. Fr anksu r t a. M., 13. 3uli. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 31,75 bis 32, Roggen. inländ. 23 bis 23,25, Hafer, ausländ. 21,25 bis 23, Mais, gelb 18 bis 18,25, Weizenmehl, inländ, Sp»ial 0 42.75 bis 43, Roggenmehl 33 bis 33,25. Weizenkleie 9 bis 9,25, Rvggenkleie 11 Mk. Tendenz fest. 3örientur1e. ti 156 Banknoten. • 43 154' 147,7' 450,5* 144.7* 36 I 127.5 85' 33,5 3 152 70 , 79,75 153» 147,5» 80,5 86,75 156.5 69,5 80 63,5 79,9 244* 94,75 100 80 88 44,75 107 85 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 250» 98 260* 97 55,25 104,5 141,5» 123,5» 121,5» 165» 81,75 81,25 86,9 154,5 137' 121' 117’ 159,5* 79 87 245* I 93| 55 100 । 135,13 137* | 120 98 ! 141’ 123,5* 118 121 158 1163,25 Hamburg-Amerika Pake». . . Norddeutscher Slobb..... Theramische Werke Albin . . Zementwerk Herde (berg . . . Bbilivv Holzmcmn ...... Anglo-Cout.-Guano Chemische Mäher Alapin . . G. fterrbeninbuftrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung NütgerLwerkc Schcideanstalt Sag. Elektrizitäts-Gesellschaft '■Bergmann..... Mamkraftwerle ...... Schuckcrt , Siemens k HalZke Adlerwerkc Kleyer ..... Daimler -JJiotgren. ..... Heyligenstaedt . . Meguin...... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Schuhfabrik Her; . . Sichel.......... . . . Zellstoff Waldhos Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . . . 150,5’ 147,9’ 50 | 105,5 I 83,75 Letzte Nachrichten. Das englisch-französische Schuldenabkommen. Paris. 13. Juli. (W. T. B Funkspru^) Das gestern unterzeichnete englisch-französische Schuldenregelungsabkommen enthält nach dem Havasvertreter in London außer ungefähr 8 Ar» tifeür einen Briefwechsel über die Schuhllausel. Für den Fall, daß die Zahlungen Deutschlands in einem gewissen Verhältnis unter den von Frankreich an England zu zahlenden Betrag heruntergehen, sei eine Revision! des Abkommens vorgesehen. Die von Frankreich zu leistenden Zahreszahlungen verfallen in drei Gruppen, für deren erste ein Moratori um vorgesehen ist. Die Transferklausel entspricht der des englisch-italienischen Abkommens. Es sei vereinbart worden, daß England Frankreich eined Teil der Ueberschüsse aus den von den Alliierten und Deutschland zu erwartenden Zahlungen über die eigenen französischen Verpflichtungen hinaus gegenüber Amerika kreditiert. Für Frankreich sei die Möglichkeit vorgesehen. das bei der Bank von England depo-. nierte G oldpsand zurückzuerhalten. Bereits jetzt erhalte Frankreich von diesem Depot im Gesamtbetrag von 571/» Millionen 24 Millionen zurück. Die erste Jachreszahlung soll 4 Millionen Pfund Sterling betragen: erst ab 1931 werden die Zahreszahlungen 12’/2 Millionen Pfund Sterling erreichen. Nach dem „Echo de Paris" wird die gegenwärtige ftanzösische Schuld an England von 650 Millionen Pfund einschließlich Zinsen um 60 Prozent ermäßigt, so daß die in 62 Annuitäten zu zahlende Summe nunmehr ungefähr 260 Millionen Pfund ©tertingi beträgt. Verantwortlich für Feuilleton i. Vr. Fr. W. L a n g e. ' *' , Frankfurt a.M. Berlin Schlug. 5uirs 1-Uhr- Kur» Schluß. > Anfang fiurs i Kurs Datum: 12.7. | ,3.,. | 13. 7, 5% Deutsche Rcichsauleihe ■ 0,5025 0,50 0,505 0.505 4% Deutsche Ncichö.iil leche . — —- 0.4725 0.47 3l/a% Deutsche Neichsanleihc — — 3% Deutsche Reichsanleihe ■ Deutsche Sparprämicnanleihe 0,55 0,275 — 0.53 0,285 0.54 4% Prcupische Kouiols . . . 0,50 0,46 — 0,465 0.4525 yyiKii....... • 1 0,47 96,75 0,46 96,5 — Deutsche Wertb. Dollar-Ant. dto. Doll.-Schatz-Aun^isng.’) — — — — 4% ^oCtfirfcn...... 14,75 15,12 15,1 5% Goldmcxikaner • . — — 46 — Berliner Handelsgesellschaft. 170 — 171,7’ 175» Commerj- and Privat-Bank 122,5’ 126,7* 122,7* 125.9» Dannst. und Nationalbank . 174,2’ 177,5’ 174,5» 178» Deutsche Bant......... 156.5’ — 156,7’ 163» Deutsche Leremsbaok .... 87.5 — — — Disconto Commandit . . . 145.7' 150,2’ 146,5* ISS» Metallbank. ... ....... Mitteldeutsche Creditbank. . 113’ 114,25 114 — 115 118,5» Ocsterreichische Creditansto.lt . 7,15 7,15 7,25 Wcstbank........... _ Bochumer Guß . ....... 133.2* 138’ 133» 137,5» Buderus ............. 90 — 88.5 92,75 Caro ............ ___ 75 Deutsch-Luxemburg...... (Helsemtrchener Bergwerke . . 135» 139,7’ 136,2» 139,9» 153* 160,7* 153.5* 161» Harvener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 138.5’ 134 14.1,74. M: 143,4» 142,5» Kaliwerk Westeregeln..... 145 _ 147,5 153 Ilauradütte...... . . . . Oberbedarf. .......... 53,5 _ 53 54,9 64.5' _ 66» 66.75» Phönir Bergbau ....... 108,5* 112* 106.7’ 112,5» Meinstahl........... Rieüeck Montan........ 133,6» 143.5- 71) 137,5» 147 132’ 142,25 135,9* 146 Tellus Bergbau. ...... 12 Juli. 13. Juli. Amtliche Notiermig Amtliche Notierung Geld 1 Brief Geld Brief 2ünfu-i)ion. Bueu--MreS Brff.-ÄutU>. Chriftiaoia. .Kopenhagen Stockholm - HelstugforS- Ktalten. . . London. - . Weilt)ort . . Parts. . . . Schweiz . . Spanien . . Japan .. . Nio de Jan. Wien in D-- Oest- abgeft. Prag .... Belgrad .. Budapest. . Bulgarien. Lissabon . Danüg. . . Konstantin. Athen. . . Uanaba. . . Lrnguah . . 168,51 1,694 8,79 91,98 111,23 112,41 10,55 14,16 20,40 4,195 10,545 61,19 66,27 1.970 0,659 59,32 12,422 7,405 6,865 3,045 21,845 80,92 2,31 5,14 4,199 4,195 168.93 1.698 8,83 92,22 111,61 112,69 10,59 14,20 20.452 4,205 10,555 81,89 66.43 1,974 0,661 59,46 12,462 7,425 5,885 3,045 21,395 81,12 2,32 5,16 4,209 4,205 168,51 1,696 9,28 91,98 111,20 112,43 10,655 14,29 20,399 4,195 10,67 81,20 66.37 1,971 U.659 59,31 12,423 7,41 5,87 3,035 21.345 «0,98 2,317 5,19 1,197 1,205 168,93 " 1,700 9,32 92,22 10,595 14,33 20,451 4,206 10,71 81,40 66.53 1.975 1,661 59,46 12,463 7.43 5.89 3,045 21,395 «1.18 2,323 5,21 4,207 4,215 Berlin, 12. Juli G?ld Briei Amerikanische 9totei . . . . . 4,18 4,20 Belgische Noten........ 8,38 8,42 Dämsche Noten..... . , 110,94 111,50 Englische Noten........ 20,365 20,467 Kranzonsche Noten ...... Holländische Noten ...... 10,54 168,13 14,52 10,60 168,97 14,60 fttalicmfdje Noten ...... Norwegisch« Noten...... Deutsch-Oesterr., 2100 Kronen 91,87 92,3» 59,55 59.85 Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... 1,S9 1,93 113,14 112,70 Schweizer Noten ...... 81,30 66,13 12,392 81,70 66,47 13,£53 Svanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten ....... 5,83 5,87 » s A y 5 c. 1 ■.j - 's k- 4,5 'I Ci ~ u «2 .-o _ e c e «• s, •OÄ ql 5 2 3 < t4$ St ä äh»