Nr. (0 Erstes Blatt 116. Jahrgang Mittwoch, 15. Januar 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvckmid Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Zlemdruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Hessischer Landtag. Darmstadt. 12. San. Präsident Ade- lun g eröffnet die Sitzung um 10.30 Ahr und teilt mit, daß das vom Finanzminister für heute in Aussicht gestellte Finanzexpose erst morgen erstattet wird. Sn einer Kleinen Anfrage stellt Abg. Frau Heraus die Frage an die Regierung, ob sie es billige, daß den Krankenschwestern (Pflegerinnen) im Lupusheim gekündigt worden sei, mit dem Fiel, organisierte Krankenschwestern anzustellen. Ministerialrat .Urstadt erklärte, daß die Regierung dieses Verfahren billige, da durch die Einstellung organisierter Krankenschwestern eine geordnete Pflege gesichert sei. Weitere Anfragen- beziehen sich auf die Lieber schwemmungen. Einer von Minister Raab abgegebenen Erklärung ist zu entnehmen, daß Erhebungen über die durch die Heber«* schwemmungen angerichteten Schäden zur Zeit vorgenommeil werden. Es sei zu hoffen, daß die Schäden nicht so große wären, wie man befürchte, weil hauptsächlich Wiesenland in Betracht komme. Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst wird eine Vorstellung des Bundes Alter Herren der Hessischen Landesbaugewerkschule Darmstadt betr. das Gesetz die Allgemeine Bauordnung vom 30. April 1881 beraten. Die Vorstellung will, daß keine Baupläne eingereicht werden dürfen, die nicht bestimmte Prüfungen abgelegt haben. Das Haus tritt dem Ausschuhbeschluh bei, nach dem die Vorstellung durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt wird. Ein Antrag der Abg. Greiner und Gen. über den Kirchenaustritt wünscht formale Erleichterungen für den Kirchenaustritt. Es soll u. a. eine Erklärung vor dem Standesbeamten genügen und die Kirche solle dann feine finanziellen Ansprüche mehr haben. Abg. Feldev verliest eine längere Regierungsantwort, die sich im ablehnenden Sinne äußert. Weiter teilt der Redner eine Reihe von Eingaben kommunistischer und freidenkerischer Vereinigungen mit, die die gleichen Forderungen aufstellen. Abg. Dr. Greiner (Komm.) bezeichnete Hessen als den rückständigsten Staat in bezug auf die Kirchenaustrittsbestimmungen. Der Redner erinnert die Sozialdemokratie an die Stellungnahme von Marx, Engels, Ulrich, Kaul: die Sozialdemokratie müsse daher dem Antrag zustimmen, ebenso die Demokratie. Selbst die Volksparteiler, Deutschnationalen und Bauem- bündler müßten den Forderungen aus Toleranzgründen beipflichten. Der Ausschuhantrag, den Antrag Dr. Greiner durch die Regierungsantwort für erledigt zu erklären, wird vom Hause angenommen. Auch Anträge auf Herabsetzung der Fahrgeschwindigkeit für Kraftfahrzeuge für mehrere in den Eingaben genannte Straßen (an der Bergstraße und in Bad-Rau- heim) werden durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Bei der Aussprache über diese Anträge werden von mehreren Abgeordneten Klagen über das zu schnelle Fahren der Autos vorgebracht. Abg. Frau Hattern er erstattet Bericht über einen Antrag der Abgg. Lenhart, Hoffmann- Darmstadt und Gen. wegen Erlaubniserlettung zu Tanz- und Fastnachtsvergnügungen. Der Antrag stammt aus dem Sanuar des Sahres 1925. Sm Ansch^H» hieran weist die Rednerin auf die großen durch die Vergnügungssucht verursachten Schäden hin und äußert die Meinung, daß die von der Regierung erlassenen Vorschriften laicht ausreichend seien. Die Abgg. Kindt und Gen. haben einen Antrag eingebracht, daß für Tanzvergnügungen die höchsten Steuersätze erhoben und der Ertrag der sozialen Fürsorge zugewandt werden soll. Abg. Glaser (Bbd.) wendet sich gegen die Vergnügungssucht weiter Kreise. Abg. G a l m (Komm.) richtet scharfe Angriffe gregen das Zentrum, das die Möglichkeit habe, das Karnevals- treiben zu unterbinden. (Es kommt zu lebhaften Zwischenrufen.) Weiter wendet sich der Redner auch gegen den Bauernbund. Die Kommunisten würden dem Antrag nicht zustimmen, weil er eine Heuchelei sei. Abg. Frau Balser (Dem.) bekämpft in ihren Ausführungen die Ausschreitungen bei Tanzlustbarkeiten öffentlichen Charakters und xn geschlossenen Gesellschaften. Die Regierung möchte eine Kundgebung gegen das Karnevalstreiben erlassen. Sn der weiteren Debatte teilt Abg. Lenhart (Ztr.) mit, daß der deutsche Episkopat sich gegen die Karnevalstreiben mit einem Ausschreiben gewandt habe. Abg. Dr. Keller (D.V.P.) hält dem komm. Abg. Galm entgegen, daß nicht bloß der Arbeiter in Rot sei, sondern auch das ganze Voll. Dem Anträge des Zentrums stimme seine Partei zu. Abg. Reuter (Soz.) spricht gegen^ den Antrag, weil die verhältnismäßig billigen Tanz- bergnügungen getroffen würden. Der Mainzer Karneval sei historisch begründet. Der Antrag Lenhart wird angenommen. Ein Antrag der Abg. Roth (Komm.) und Gen. über Mißstände und Arbeitszeitverhältnisse in der Hebammenlehranstalt Mainz wird zusammenberaten mit einer Anfrage der Abg. Frau H e r ä u s wegen Vorlage eines Hebammengesetzes. Es entspinnt sich hierüber eine längere Debatte -wischen der Abg. Frau Die Große Koalition gescheitert. Erneute Absage der Sozialdemokraten. — Bor einer Beauftragung Dr. Luthers. Berlin, 12. Ian. (WB.) Die sozialdemokratische Reichslagsfraktion hat heute abend folgendes Kommunique bekanntgegeben: Die sozialdemokratische Reichslagsfraktion hak in den Verhandlungen über die Bildung einer Großen Koalition Forderungen aufgestellt, deren Durchführung durch die Zunahme der allgemeinen Rot nur noch dringender geworden sind. Sie hat durch ihren Beschluß vom 16. Dezember seststellen müssen, daß infolge mangelnden Entgegenkommens der Deutschen Bolkspartei in sozialpolitischen und wirtschaftlichen Fragen den Bemühungen des Abg. kroch kein Erfolg beschieden war. Sie hat daher in den Formulierungen, die ihr als Ergebnis der geführten Verhandlungen vorgelegt wurden, eine geeignete Grundlage für die Bildung einer Regierung der Großen Koalition nicht erblicken können. Die sozialdemokratische Fraktion muß seststellen, daß Gründe für eine Aenderung ihrer Haltung nicht vorlicgen. Es besteht kein Anzeichen dafür, daß die Deutsche Volkspartei ihren bisherigen Rechtskurs aufzugeben gewillt ist. Die Volkspartei hat daher auch in den bisherigen Verhandlungen über die Bildung einer Großen Koalition einen ernsten Willen zur Zusammenarbeit nicht erkennen lassen. Es war insbe- fenbere die Deutsche Volkspartei, die der sozialdemokratischen Forderung über den Achtstun - den tag die Zustimmung versagte, die fick) im Sozialpolitischen Ausschuß gegen die sozialdemokratischen Anträge zur Erwerslosenfürsorge erklärte und die in der Frage der jetzt zum öffentlichen Skandal gewordenen Fürskenabsin- düng die sozialdemokratifchen Forderungen zurückgewiesen hat. Deshalb erklärt die sozialdemo- tische Reichstagsfraktion, daß für die Bildung einer Regierung der Großen Koalition keine Grundlage bestehl. Rach dem Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Ieitungsverleger ist diese Entscheidung der Fraktion mit groftpr THefitbeU zvftande- gekommen. Zu dem nunmehr also endgültigen Scheitern der Bildung der Großen Koalition bemerkten die Blätter, daß nunmehr der Beauftragung des bisherigen Reichskanzlers Dr. Luther mit der Kabinettsbildung nichts mehr im Wege stehe, lieber die Haltung der Deutschnationalen einem Von Dr. Luther zu bildenden Kabinett, bas mit wechselnden Mehrheiten regieren müßte, gegenüber, schreibt die „Deutsche Tageszeitung": Da die Sozialdemokraten so wenig Verantwortungsbewußtsein gezeigt haben, beschreitet man den Weg der sachlichen Arbeit zur Wahrnehmung des Voltswohles, und die Rechte hat feinen Anlaß zu grundsätzlicher Opposition. Alä erste und vornehmste Aufgabe des Kabinetts bezeichnet das genannte Blatt den Versuch, die auf den Rägeln brennende Rot einer verfallenden Wirtschaft, wobei das Parteiprestige zu schweigen habe und nur die Rücksicht auf das Allgemeine in Betracht komme, zu beseitigen. Zur Lösung dieser Ausgabe komme nur eine Regierung in Frage, die von parlamentarischen Fesseln möglichst wenig beengt sei und gegebenenfalls sogar den Willen und die Kraft habe, diktatorisch vorzugehen. „Deutsche Zeitung" und „Kreuzzei - t u n g" halten nunmehr den Zeitpunkt für gekommen, daß die im Lager des Zentrums laut gewordenen Drohungen über Rückwirkungen der Lage im Reich auf Preußen in die Tat umgesetzt werden können. — Die „Tägliche Rundschau" verwahrt sich gegen den sozialdemokratischen Vorwurf, daß die Haltung der Deutschen V o l k s p a r t e i das Scheitern der Großen Koalition verursacht habe. Die ersten Verhandlungen mit der Sozialdemokratie seien nicht an der Deutschen Volkspartei gescheitert, sondern daran, daß der demokratische 2lbg. K o ch keine Möglichkeit sah, die P r o g r a m m s o r d e- rungen der Sozialdemokratie in- die von ihm ausgestellten Regierungsrichtlinien aufzunehmen. Sn der „® e r m a n i a“ heißt es, daß die Sozialdemokratie in erster Linie für alle Folgen des Richtzustandekommens einer Mehk- hcitsregierung haftbar zu machen sei. Zur Bildung einer Minderheitsregierung der Mitte durch Dr. Luther sagt das Blatt: Die Rechte betrachte offenbar eine solche Regierung als die Vorläuferin einer Rechtsregierung, und im Geiste sieht sie die leeren Sessel der deutsch- nationalen Minister schon wieder mit ihren Leuten beseht. Cs ist ein Srrtum, zu glauben, daß das Zentrum der Wegbereiter für eine solche Entwicklung sein konnte. .Ferner wird es zu verhindern suchen, daß sich die jetzige parlamentarische Krise zu einer Krise des Parlaments erweitert. Das „Berliner Tageblatt" schreibt zu der sozialdemokratischen Absage, daß die Mehrheit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion das Staatsinteresse dem ungeschmälerten Parteibestande geopfert habe. Die „Vos fische Zeitung", die die Ablehnung der Großen Koalition einen der bösesten Fehler nennt, den die Sozialdemokratie Jett ihrem Bestehen gemacht habe, teilt mit, daß der ab- lehnende Beschluß mit 87 gegen 33 Stimmen gefaßt wurde. Der „Vorwärts" schreibt: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird die kommende Regierung nach ihren Taten beurteilen. Eine Minderheitsregierung bleibt solange im Amte, bis sich eine Mehrheit findet, die sie stürzt. Kann dann diese Mehrheit keine Regierung bilden, so bleibt der Ausweg des Appells an das Volk. Das Handwerk zur Wirtschaftslage. Berlin, 12. Ian. (WB.) Der Reichsverband des Deutschen Handwerk? nahm einstimmig eine Entschließung an, in der es u. a. heißt: Der Reichsverband des Deutschen Handwerks erhebt namens des gesamten deutschen Handwerks schärfsten^ Protest gegen die im Gesetzentwurf zur Förderung des Preisabbaus enthaltenen Sonderbest im m ungen gegen das Handwerk. Als eine der wesentlichsten Voraussetzungen für eine wirkliche Gesundung der Wirtschaft fordert das Handwerk spar s am st e Finanzwirtschatt des Reiches, der Länder und Kommunen, Steuermilderungen und Unterlassung jeglicher Steuerüberschußpolitik, eine gesunde Kreditpolitik, Berücksichtigung der Roilage der Wirtschaft bei allen sozialpo'luischen Maßnahmen, Herabsetzung der Verwaltungsgebühren, Gerichtskosten, Eisenbahn- und Posttarife. Zustimmung fand ferner eine vom Vorsitzenden des Deutschen Fleischerverbandes vorgelegte Entschließung, nach der die Vollversammlung des Reichsverbandes des Deutschen Handwerks schärfsten Protest gegen die vom Reichsernährungsminister veranlaßte Anregung der Reichsregierung an den Reichsverband der Deutschen Industrie bezüglich der Errichtung von Werkschlächtereien erhebt. Weiter wurde eine Entschließung angenommen, in der die Ausdehnung der gesetzlichen Zwangsversiche- rung auf das Handwerk abgelehnt wird. — 3n öen Vorstand des Reichsverbandes wurden wie- dergemählt: Hansen (Hamburg), Präsident Plate (Hannover), Willmann (Hannover). Hinzugewähft wurden ferner Müller (Berlin) und Präsident Welter (Köln). Der Reichshauchastsplan. Berlin. 12. San. (WTD.) Bei dem nunmehr dem Reichstag vorgelegten Etatsentwurf für 1 926 ist von der Erwägung ausgegangen worden, daß auch in diesem Safjr die Aufnahme einer Anleihe noch nicht möglich sein wird. Darum müssen alle Einnahmequellen restlos a u s- geschopft und der aus den Tleberschüsfen des Sahres 1924 noch freie Betrag von 220 Millionen herangezogen und der Ausgaben bedarf rücksichtslos gedrosselt werden. Reue Planstellen für Beamte sind mit Ausnahme der beim Auswärtigen Amt und Reichsversicherungsamt nicht eingestellt. Auch Hoherstusun- gen von Beamten sind grundsätzlich nicht erfolgt. 9m ordentlichen Haushalt ist der Etat durch Reparationszahlungen mit 350,3, im außerordentlichen Etat mit 104,2 Millionen belastet. Außerdem wird eine Rücklag e vorgesehen für die 1927 fällig werdende zusätzliche Haushaltszahlung. Die Gesamteinnahmen sind auf 7419,6 Millionen veranschlagt, darunter aus Besitz- und Verkehrssteuern 4844 Millionen, aus Zöllen und Verbrauchssteuern 1947 Millionen Reichsmark. Die Minderausgaben gegen 1925 betragen insgesamt fast 350 Millionen. Die Steuerüberweisun- gen an Länder und Gemeinden sind um rund 150 Millionen Reichsmark niedriger als im Vorjahre. Daß sich trotzdem der gesamte Bedarf des Reiches nur um 125 Millionen ermäßigt, liegt an den höheren Reparationslasten. Die Pensions- unb Wartegelder erfordern 1555,5 Mill., worunter die Renten für die Kriegsbeschädigten mit 1223 Mill, angesetzt sind. Die Personalausgaben für Beamte, Soldaten, Angestellte und Arbeiter beanspruchen 6:9.8 Mill. Die sachlichen Derwaltungskosten betragen 1512 Millionen. Die Zahlungen an die Länder für die Schutzpolizei 190 Mill. Rm. An einmaligen Ausgaben im ordentlichen Haushalt sind insgesamt 301 Mill, angesetzt, worin für die inneren Kriegslasten und Rcparationslasten rund 174 Mill, enthalten sind. Unter Hinzurechnung der von der Reichsbahn zu zahlenden Betrage und der Snüuflrievbligationen beträgt die gesamte Reparationslast für 1926 1 360 333 330 Reichsmark. Die Veamlenbesowungsordnung Berlin, 12. San. (T41.) Sn Kreisen der Beamtenschaft sind beunruhigende Rachrichten über die Reuordnung der Beamten- b e s o l d u n g im Umlauf, nach denen u. a. die gesamte Beamtenschaft nach Berufslaufbahnen auseinandergerissen werden sollen. Don zuständiger Stelle wird demgegenüber auf die Reichstagsrede des Reichskanzlers vom 5. Dezember hingewiesen, in der dieser ausführte, daß Pläne erwogen würden, die Zahl der Besoldungsklassen zu vermehren. Der Reichskanzler hielt eine solche Abänderung für wünschenswert, da cs dadurch möglich sei, die Gehaltsverhältnisse den örtlichen Bedürfnissen vi^l mehr als bisher anzupasfen. Darüber hinaus ist an zuständiger Stelle von einer Reuordnung der Beamtenbesoldung nichts bekannt. Die Mstenübfindmtg. Aus dem Rechtsausschuß des Re chstages. Berlin, 12. Ian. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung der Anträge über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den früheren regierenden Fürstenhäusern fort. Ein Vertreter des preußischen Finanzministeriums erklärte, die schmal ka Id ische Pforte wurde nach dem Kriege von 1866 vom preußischen Kenig Wilhelm I. dem Herzog von Koburg-Gotha geschenkt als Dank für die W a f s e n h 11 s e , die das Land Koburg-Gotha im Kriege dem preußischen Staate geleistet hat. Die Schenkung ist der damaligen Gesetzgebung entsprechend rechtsgültig erfolgt. Für die bayerische o t a a t s r e g t e r u n g gab Staatsrat Dr. Quarck folgende Erklärung ab: Die Ordnung des Verhältnisses zwischen den Landern und ihren ehemaligen Fürstenhäusern, die ihre Grundlage in den besonderen staatsrechtlichen Verwaltungen des einzelnen Landes hat, ist Angelegenheit der Länder. Eine reichsgesetzliche Regelung dieser Frage würde einen schweren Eingriff in die Rechte der Länder bedeuten und muß von Bayern Roth (Komm.) und der Abg. Frau Heräus (Dtschn.). Minister von Brentano weist in -lieber» einftimmung mit der Abg. Frau Heräus den Vorwurf der Ausbeutung von Snsassen der Mainzer Anstalt zurück. Wegen des Ausdrucks „krasse Unverschämtheit des Ministers" wird der Abg. Galm zur Ordnung gerufen. Abg. Frau Steinhäuser (Soz.) schließt sich im wesentlichen den Beschuldigungen der Abg. Frau Roth an. Abg. Frl. Birnbaum (Dtsch. Vp.) bestätigt die Angaben von Frau Heräus über die Eindrücke bei einer Besichtigung der Anstatt. Rach weiterer Debatte wird die Abstimmung über die Anträge auf morgen vertagt. Schluß der Sitzung um 1.30 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch, 9 Hhr. Preußischer Landtag. Berlin. 12. San. Die erste Sitzung des preußischen Landtags nach der Weihnachtspause fand vor einem mäßig besetzten Hause statt, das sich in der Hauptsache mit der Beratung des Gesetzentwurfs über die Unterbringung der Lehre und Leiter der staatlichen Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten beschäftigte. Die Vorlage regelt die Anstellung und Pensionsverhaltnisse berjenigen Beamten, die von der A u f - losung der Seminare durch die Verordnung vom 26. Februar betroffen sind. Eine Schmälerung der Cehalts- und Pensionsbezuge tritt auch dann nicht ein, wenn die durch dte Auslosung der Seminare Betroffenen Dor Inkrafttreten des Gesetzes in andere Schulstellungen eingetreten sind. Die Vorlage wurde tn zweiter Lesung nach den Atisschußbeschlus en an- S”r?u« berichtete 2tbg. Eichh-ss (D.Dv.) über die Ausschutzberatung Zu der Großen Anfrage v. Campe (St. Vp.), die Auskunft verlangt, welche Maßnahmen die etaatäregierung treffen wolle oder getroffen habe, um den durch die Besetzung des Ruhrgebtets geschädigten Gemeinden zu Helsen, ehe durch das Reich eine endgültige Entschädigung erfolgt. Abg. Dr. De er bürg (Dntl.) verwies auf die Wrrt- schaftskatastrophe im Ruhrgebiet und betonte, daß die Ausbeutung des Ruhrgebiets durch die französische Politik nebst ihren ungeheuren Sanktionen und Reparationen die Ursache dieser Katastrophe sei. Das Haus nahm mit großer Mehrheit den Ausschutzbeschluß an, der die Grotze Anfrage durch die früheren Ziagen l:: ,..... erledigt cri*... Plenarsitzung des Reichstags. Der Reichstag trat am Dienstag nach der Weihnachts- und Reujahrspause wieder zusammen Die Sitzung war jedoch mit Rücksicht auf die schon für die frühen Rachmittagsstunden ange» setzten Fraktionssitzungen sehr kurz und nahm auch dcis Sntereffe der anwesenden Abgeordneten kaum in Anspruch. Herr Loebe begrüßte das Haus in der ersten Sitzung des neuen Jahres und gab dann dem Kommunisten Rädel das Wort, der vor Eintritt in die Tagesordnung die Erhöhung der Erwerbslosenunterstüyung beantragte. Sem Antrag wurde dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Angenommen wurde der Gesetzentwurf zur Aenderung der Vorlage über die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. Das Haus wandte sich danach der ersten Beratung des Gesetzentwurfes über die Abänderung des Reichsknappschaftsgesehes zu, dem der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns einen längeren Kommentar mit auf den Weg gab. Das Gesetz will die Familienkrankenpflege zur Pflichtleistung erheben und die Ausgabm für die Alterspensionen herabsehen, da sie in ihrer rt-iaen Hohe die Knappschaftskassen tn ihrem n'fäbrben. Das Haus brach die Bera- tur „ j-- -jt: sich 7"s Mittwoch. nachdrücklich abgelehnt werden. In Bayern ist die Angelegenheit durch den Vergleich vom Jahre 1923 geregelt. Dieser Vergleich ist vom Landtag g e - nehmigl worden. Ein Antrag aus Aufwertung der baren Abfindung ist bisher'noch nicht gestellt worden. Abg. Dr. E v e r l i n g (DnH.) stellt fest, das; nach dieser Erklärung die beiden neben Preußen größten deutschen Lander, Bayern und Sach' | e n eine reichsgesetzliche Regelung nicht wünschen. Der Ausschutz wandte sich dann der Auseinandersetzung in Mccklenburg-Strelih zu. •Ser Veitreter der mecklenburgischen Regierung wie» aus die besonderen Schwierigkeiten hin, die sich in diesem Halle für die Auseinandersetzung ergaben, daß nach dem Selbstmord deS letzten Troßherzogs 1918 die Thronfolgefrage ganz ungeklärt war. Der nächste Agnat war der russische Großfürst Karl Michael. Gr hatte die deutsche Hlaatsangehörigkeit 1914 aufgegeben und als russischer Artillerie-- general im Weltkriege jahrelang gegen Deutschland gekämpft. Der Staatsrechlslehrer T r i e p e l erklärt in einem Gutachten, daß 1921 Herzog Karl Michael gegen eine Abfindung non fünf Millionen Mark auf alle Rechte verzichtet habe. 3m ganzen hat die Großheizoglichr Familie erhalten als Abfindung in Effekten etwa 30 Millionen und 1OOOO Morgen b» wertvollsten Grundbesitze» im Werte von etwa vier Goldmillionen. Dazu ist der Familie der Besitz der wertvollsten Schlösser und Silberschätze geblieben. Obwohl der Staat der Familie über die ersten rechtsgültigen Verträge hinaus weit enigegengskommen war. hat neuerdings die Großherzogliche Familie neue Ansprüche gestellt. Sie verlangte rund 5,2 Millionen mehr. Die frühere Kronprinzessin Jutta von Montenegro verlangt u. a. zu den bereits erhaltenen acht Millionen eine weitere Million. Der Vertreter der Grohherzog- lichnn Familie hat es für richtig gehalten, ein Schiedsgericht anzurufen zur Entscheidung über die Ansprüche. die jetzt von zwei Maitressen früherer Großherzöge gestellt werden. Daneben Hot er gerichtl iche Klage eingsreicht. Sin Berliner Gericht hat bereits zugunsten einer dieser Damen entschieden, wenn es ihr statt der geforderten Fohresrente von 20 000 Mart auch nur 6000 Mart jährlich zugebilligt hat. Zur Frage einer reichsgesehlichen Regelung der Abfindungsfrage srehr die mecklenburgische Regierung auf dem Standpunkt, baß eine solche Regelung unbedingt erforderlich ist. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) äußert sein Befremden über das sehr weitgehende Entgegenkommen, das Mecklenburg schon bei der ersten Auseinandersetzung gezeigt Hobe. Der Redner trugt: „Ist es richtig, daß die eine Mailrefse eine Deutsche ist, die ben schönen spanischen Titel von der Regerrepublik Liberia erhalten hat? Ist es ferner richtig, daß die andere Maitreffe fünf Goldmillionen verlangt als Gegenleistung für die Herausgabe gewisser kompromittierender Briefe des Großherzogs? Handelt es sich hierbei nicht um eine Erpressung?" Abg Everling (Dtfchn.) betont, die Mai- rresfengeschichtc sei allen Parteien gleich widerwärtig. Der mecklenburgische Vertreter. Minister H u- st e d t. erwidert, die Ansprüche der Maitreffen int Einzelnen feien der Regierung offiziell nicht mitgeteilt worden. Sie mecklenburgische Regierung fei der grobherzoglichen Familie soweit cntgegengekommen. daß sie sehr befremdet über die neuen ungerechtfertigten Ansprüche gewesen fei. Auf eine Frage des Abg. Reubauer (Äomm.) bestätigt der Minister, daß die groh- herzogliche Familie die Rieberlegung der zu zahlenden Beträge bei der Bank von England verlangt habe. Rach Abschluß der Darlegungen über die Vermögensauseinandersetzungen in MecLlenburg- Strelih wurde Badea behandelt. Ein Dertreter des Reichsmtnisteriums des Innern berichtete darüber, der Anspruch des Grohherzogs fei durch Zuweisung von acht Millionen Mark a b g e l ö st. Für die L e - benshalltung seien ihm ferner bestimmte Gebäude, Einrichtungen und Grundstücke aus dem Domäneneiaentum unter dem Vorbehalt über- ltz'sen worden, daß bei einem Erlöschen des ehelichen Monnesstammes im großherzoglichen Haus diese Werte an den Staat zurückfallen. Durch den Dährungsversall haben sich die wirtschaftlichen Berhältnifse des vormaligen badischen Fürstenhauses verschlechtert. Deshalb sei daS vormals grohherzogliche Haus im Laufe des Jahres 1924 wegey entsprechender Aufwe r tung der Abfindungssumme vorstellig geworden. Die Berhandlungen würden wahrscheinlich im Wege einer freiwilligen gegenseitigen Vereinbarung ihre Erledigung finden. Es folgt die Erörterung der entsprechenden Vorgänge in Braunschweig. 3n der Aussprache erklärte der Aba. H a m P e (Dt.°Hcmn.) im Gegensatz zu den Äußerungen anberer Redner, das früher zu den reichsten Fürstenhäusern gerechnete Haus Eumber- l a n d fei jetzt durch die Inflation in sehr schlechte Deirnögensverhältnisse geraten. Abg. Brvdauf (Sem.) betont, nach Öen bisherigen Berichten sei das wirkliche Privateigentum der Fürstenhäuser in keinem Falle angegriffnen worden. Rach Erledigung der Braunschweiger Angelegenheit gab Abg. Dr. Rosenfeld folgende Erklärung ab: „Rach uns zugegangenen Berichten ist der Reichstag mit dieser ganzen gesetzgeberischen Arbeit zu spät gesommen. Wir erfahren, daß der Herrscher von Ko bürg, dem soeben durch Relchsgcrichtsurteil die wertvollsten Besitzungen zugesprochen worden sind, drauf und dran ist, eine Ausländsanleihe aufzunehmen und die Ländereien mit Hypotheken zu belast e h. Der Reichstag hat im Augenblick feine Mögltchteit zum Eingreifen. Da wird es Sache der Rcichsregierung, der Landesregierungen unb des Deutschen Bolles sein, die Augen nsfenzu- halten und zu vrrhüten, daß das deutsche Volk das Rachfcye" hat." Der Ausschuß vertagte sich hierauf auf Donnerstag. EinTirolerFührerinsGefängnis München, 12. Jan. (Wolff.) Der Führer des Deutschtum» im Unterlanbe, Rechtsanwalt Joseph Raidin in Saturn, wird schon seit geraumer Zeit von den Behörden und Faszisten verfolgt, insbesondere weil er inbejug auf den deutschen Privatunterricht sich auf den gesetzlichen Standpunkt stellt, daß dieser ünterckbt erlaubt fei. Am 19. Dezember wurde Dr. Roldin in die Karabinierikaserne geladen. um sich wegen einer Sammlung für eine Chri st ba umfeier zu äußern. 11. ä. wurde er gefragt, ob er mit dem .Faszisten- regime in Südtirol einverstanden und ob er Irredentist sei. Rach fünfstündiger Vernehmung wurde Dr. Roldin verhaftet und gefesselt nach Trient gebracht. Für den 12. Januar ist die Verhandlung gegen ihn anberaumt. DaS Ansuchen um Bewilligung der vorläufigen Freiheit wurde abgewiesen. Gegenstand der Anklage ist Amtsehrenbeleidigung und Aufforderung zur Richtbefolgung der Gesetze. Dr. Roldin wurde wegen Beamtenbeleidigung au 5 Tagen Gefängnis und zu einer Geld strafe von 500 Lire verurteilt. Die Bergbaukrisis in England. London. 13 Ian. ($11.) Die englischen Bergwerksbesitzer legten der Königlichen K o h l e n l o m m if siv n ihren Standpunkt in der Kohlenfrage dar. Die Kluft zwischen den bestehenden Kohlenpreifen und den Weltmarktpreisen tönnt? nur durch längere Arbeitszeit überbrückt werden. Eine Rückkehr zum Achtstundentag und eine Ermäßigung der Transportkosten fei unbedingt notwendig. Der einzige Weg, die Produktionskosten zu reduzieren. fei eine Reduktion der Löhne. Die fosortige Entlassung von mindestens 100 000 Bergarbeitern ließe sich nicht umgehen, selbst wenn diele Maßnahme nur zeitweilig fein sollte. Auch der Plan der Bergarbeiter wird in den nächsten Tagen der Kohlenkommission vorgelegt werden. Der wichtigste darin ausgesprochene Gedanke ist, daß in Zukunft die Bergwerksindustrie nicht als eine lediglich kohlenfördernde Industrie behandelt werden könne. Es wirb daher vorgeschlagen. daß die Industrie, wenn sie am Leben bleiben soll, mit einem Plan für elektrisch« Kräfterzeugung unb für vollständige Verwertung aller Rebenprodukte der Kohle verbunden werden müsse. Es soll eine Kommission für elektrische Kraft und Transportwege eingesetzt werben. die mit weitgehenden Machtbefugnissen ausgestattet wird, direkt von den Staatsbergwrrken zu kaufen und die Preise sestzu- fetzen. Der Plan vermeidet ausdrücklich die Anführung einer Entschädigungs.zahlung für vom Staate übernommenes Eigentum, da die verschiedenen industriellen und politischen Arbeiterorganisationen sich über diesen Puirkt nicht einigen könnten. Kleine politische Nachrichten. Die Zahl der Erwerbslosen ist in der Zeit vom 15. Dezember 1925 bis zum 1. Januar 1926 von 1060 397 auf 1 485 931 g e ft i e g e n. Die Zahl der unterstützten männlichen Erwerbslosen beträgt 1 325 052, die der weiblichen 160 879. Die Steige» rung gegenüber der Zahl vom 18. Dezember 1925 beträgt etwas über 40 Prozent. Wie verlautet, ipirb Lord d Abecuon von dem Berliner Botschafterposten nicht eher zurücktreten, bevor Deutschland feinen Antrag zum Eintritt in den Völkerbund gestellt hat. Sir Ronald Lindsay, der als sein Rachfolger vorgesehen ist, ist Unterftaatifefretär im Auswärtigen Amt gewesen und wurde 1924 Gesandter in Konstantinopel. Er ist 49 Jahre alt, trat mehrere Jahre Privatsekretär von 2orb Grey und auf diplomatischen Posten in Petersburg, Teheran, Paris, Washington und Konstantinopel. Der geheimnisvolle -Schulz, der die französische Polizei auf die Spur der ungarischen Frankenfälschung geleitet haben soll, ist nicht mit dem Erzbergermörder Schulz identisch, sondern ein wegen kommunistischer Umtriebe aus Ungarn ausgewieie- ner Druckereiarbeiter, der mit einem falschen Paß wiederholt in Ungarn weilte, wo er mit Prinz Win» disch-Graetz in Verbindung trat. Die französische Kammer ist am Dienstag eröffnet worden. Herriol ist wiederum mit 300 von 324 Stimmen zum Präsidenten gewählt. Der schwedische Reichstag wurde durch eine Thronrede des Königs eröffnet. Das norwegische Stört hing wurde durch eine Thronrede des Königs eröffnet, die eine Neuordnung des Verteidigungswefens und Abbau der Steuern ankündigte. Hochschulnachrichten. Ludwig Pohlr f. WER. Frankfurt a.M, 12. Ian. Wie uns aus Leipzig berichtet wird, ist der ordentliche Professor der Rationalötonomie an der Aniverjität Leipzig. Geheimrat Ludwig Pohle, Ehrendoktor der Staatswissenschaften der Ani- verfität Frankfurt a. M, im Alter von 56 Jahren in Oberhof in Thüringen, wo er zur Erholung weilte, plötzlich gestorben. Pohle war Jahre lang in Frankfurt tätig und zwar von der Gruirdung der Akademie, der Vorläuferin der jetzigen Universität, an. Im Jahre 1921 wurde er an die Universität Leipzig berufen. Rektor der Frankfurter Universität war er im Studienjahr 1915 16. Aus aller Welt. Raubüberfall. Dienstag vormittag um 10 Uhr wurden in Rvrdhausen zwei P o st b e a rn t e, als sie das Gebäude der Reichsbank betreten wollten, von drei Verbrechern überfallen die ihnen einen schweren Reifskorb mit Banknoten im Werte von 250 000 Mart entrissen. Die beiden Beamten wurden trotz ihres Widerstandes durch mehrere Schläge auf den Kopf wehrlos gemacht, worauf die Räuber mit ihrer Beule das Weite suchten. Die verfolgenden Polizei-, Post- und Sicherheitsbeamten konnten sie bei Ilfeld stellen. Einer wurde e r f ch o s f e n , ein zweiter schwer verletzt, während der dritte entkam, wurde aber kurze Zeit später erschoßen aufgesunden. Er hatte sich durch einen Revolverfchuß selbst getötet. Di« HUssexPedition der „Hessen". Berlin, 12. Ian. (Wolfs.) Das Linienschiff ..Hessen" ist am 12. Januar morgens auf dem Wege zu den im Finnischen Meerbusen eingefrorenen Dampfern vorReval an» gekommen und um 9 Uhr vormittags ist das Schiff zu einem ersten Vorstoß in das Eisgebiet in See gegangen. Die Eisnachrichten find in den letzten Tagen noch ungünstiger geworden. Der Finnische Meerbusen ist bis auf die Höhe von Reval zugefroreir und voll Packeis. Inzwischen ist es russischen Eisbrechern gelungen, 13 Schiffe in eine aufgebrochene Fahrrinne zu bringen, jedoch wurden die Rettungs- arbeiten durch das starte Frostwetter sehr erschwert. Ein neues Einfrieren der Schiffe ist zu befürchten. Schnelle Justiz. Den Soldaten der Bundesarmee gelang es, die Banditen, die am Sonntag den Heber« fall auf einen mexikanischen Eifenbahnzug verübten und die Begleitmannschaft und Reisende dieses Zuges niedergcmehelt hatten, einzukreisen. Eine bisher noch unbekannte Anzahl von Banditen wurde getötet, andere gefangen genommen. Acht Gefangene wurden hin gerichtet. Die Beute wurde den Banditen wieder abgenommen. Ein Kind von Frettchen angesressen. Auf der Rettungsstelle am Görlitzer Bahnhof in Berlin wurde ein zweijähriges Mädchen eingeliefert. Der „D. Z." zufolge wies bas Kind schwere Verletzungen im Gesicht und an den Händen und Armen auf. In der Wohnung der Pflegeeltern waren mehrere Frettchen in der Rächt aus einem Käfig ausgebrochen und hatten dem schlafenden Kinde furchtbare Bißwunden bei gebracht. Das Kind hatte gleich Hie Besinnung verloren, so daß die Pslcge- eltern nichts merkten. Der Zustand des Kindes ist hoffnungslos. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 13. Januar 1926. Bevöllrerungsstatistisches aus Hessen. Aach dem Ergebnis der letzten Volkszählung am 16. Juni 1925 betrug die Einwohnerzahl des Freistaates Hessen 1 347 280 (am 1. Dezember 1910 1 282 051). Die Provinz Starkenburg hatte an diesem Tage 634 622 Einwohner (1910 590 380), die Provinz Oberhessen 328 490 (309 233), die Provinz Rheinhessen 384 168 (382 438) Einwohner. Rach dem Bekenntnis setzt sich die Bevölkerung folgendermaßen zusammen. Evangelische 885 469 (1910 848004), 65 7 Pro?,. (66,1 Proz.). Katholiken 415 745 (397 548). 30,9 Proz. (31 Proz.), Israeliten 20401 (24 063), 1,5 Proz. (1,9 Proz.), Sonstige Christen 8023 (6660), 0,6 Proz. (0,5 Proz.), Richtchristen 17 642 (5776), 1,3 Proz. (0,5 Proz ). In der Provinz Starkenburg waren vorhanden 413 308 (391 187) Evangelische, 198 754 (183 941) Katholiken. 7994 (97401 Israeliten, der Rest waren sonstige: die Provinz Oberhefsen hatte 289 772 (274324) Evangelische, 30 154 (27 038) Katholiken. 5732 (6554) Israeliten, der Rest sonstige, während in Rheinhessen 182 299 (182 293) Evangelische, 186 837 (186 569) Katholiken und 6675 (7569) Juden gezählt wurden Die klebrigen waren sonstige. Rach dem Geschlecht geordnet wurden im ganzen Freistaat gezählt 680 851 männliche und 700 521 weibliche Personen. Der ©eburten- Überschuß in den letzten 15 Jahren belief sich auf 99 321. Vornotizen. — Tageskalender f ü r Mittwoch: Stadltheater: 7.30 Uhr „Der Traum ein Heben".— Verein für Bewegungsspiele: 8.30 Uhr, Sonlbau Sauer, außerordentliche Generalversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Kampf mit dein Drachen". — Astoria-Lichispiele: „Der Findling von Neuyork". Wett 7 l*??o itsjage. Heiler bis halb bedeckt, östliche bis nordöstliche Winde, vorübergehend etwas milder, nachts kälter, trocken. Das starke Fallgebiet im Westen hat fiel) vor dem sich weit ausbreitenden Kaltluftgebiet geteilt. Der nördliche Teil über Island hat allerdings ein Steigen der Temperaturen über Skandinavien bewirkt, während das südliche Teiltief einen allgemeinen Ba- romelerfnU in Frankreich und Deutschland heroor- ruft. Doch liegen die Temperaturen auf dem Kontinent durchweg sehr tief, so daß ernstliche Störungen unserer Wetterlage durch den Wirbel zunächst nicht zu erwarten sind. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: minus 2,8 Grad Celsius, Minimum: minus 10,2 Grad Celsius. Heutige Morgentempcrotur: minus 9,9 Grad Celsius. ** Der neue Provinz»ialtag bet Provinz Obe rHessen tritt am tommenben Samstag, vormittags 10 Uf>r, im Regierungs- gebäube zu Ciehen zu seiner ersten Sitzung zusammen. Auf dec Tagesordnung stehen folgende Punkte. 1. Konstituierung des Provinzialtags. Diensteinführung unb Verpflichtung der Mitglieder. 2. Festsetzung der Tagegelder unb Reisekosten der Mitglieder des Provinzialtags und des Provinzialauslchusfes, sowie der Stellvertreter. 3. Wahl der Provinzialausschußmitglieder und deren Stellvertreter. 4. Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl der Mitglieder und der Stellvertreter des Provinzialausschusses. ** Der Wette rum schlag. Der Eintritt trockenen Wetters, dessen wir uns nun seit einigen Tagen zu erfreuen Huben, wurde nach der anhaltenden Nässe- und Dreckzeit allenthalben mit Genugtuung begrüßt. Unangenehm ist nur der eisige Wind, der selbst weniger Empfindlichen die Freude an dem Wetterumfchlag etwas dampft. Die niedrige Temperatur, die wir im Zusammenhang mit dem schneidenden Wind Haden, ist aber auch sur die ungeschützte Saat recht gefährlich, da diese unter den jetzigen Umständen dcm Erfrieren preisgegeben ist. In her letzten Nacht wurde eine Minustemperatur von 10,2 Grad gemessen, heute früh waren es 9,9 Grad unter Null. *' Obers! a. D. non Ql ei b bar bl f. Aus Darmstadt. 12. Jan., wird uns gemeldet: Oberst a. D. von Reidhardt ist gestern nachmittag an den Folgen der schweren Venvun- Lung, dis tr während beft Weltkrieges erlitten bat, gestorben. Reidhardt, ein Sohn des früheren hessischen Gesandten in Berlin, war als früherer Vorfitzender der ..Halsici" weithin bekannt. 1913 wurde er Kommandeur des Darmstädter Gardesüsilierregiments, an dessen Spitze er im August 1914 schwer verwundet wurde. Seine Gattin, eine Tochter des Reichsbcmtpräsi-- denten Koch, ist ihm im Tode vorausgegangen. ** Der diesjährige Schulschluh in Hessen ist nicht, wie am Montag berichtet wurde, am 20. QAärz, sondern am 2 8. März. Das neue Schuljahr beginnt am 19. April mit dec Aufnahmeprüfung, am 20. April mit dem Unterricht. '*■ Inventur-Ausverkäufe. Dom Polizeiamt wird uns mitgeteilt: Die am 9. Jan. veröffentlichte Lotalnotiz wird infolge versehentlich unrichtiger Einsetzung der Saison- und In- venturausverkaufszeiten hiermit widerrufen und durch folgende erseht: Rach der Bekanntmachung des Hess. Kreisamts Eiehen vom 8. Juni 1925 dürfen Saison- und Inventurausverkäufe nur in der Zeit vom 2. Januar bis 31. Januar und vom 1. Juli bis 31. Juli jeden Jahres, jedoch nur aus die Dauer von je 14 Tagen, ab- gehalten werden. Ausverkäufe,, die außerhalb dieser Zeit stattfinden sollen, sind unter genauer Angabe des Grundes unter EMreichung eines Verzeichnisses der auszuverkaufenden Waren sieben Tage vor der Ankündigung bei der Handelskammer Gießen an^uzeigen. Im Zuwiderhandlungsfalle müssen Sccasanzeigen erhoben werden. ^ Lotterie der hessischen Künstler Hilfe. Ton den Gewinnen sind vier noch nicht abgeholt und zwar der dritte Gewinn auf Rr. 539. der elfte auf Rr. 470, der vierundzwan- zigfte auf Rr. 237, der neunundzwanzigste auf Rr. 557. Die Gewinne können noch bis Ende deS Januar in der Expedition beS Anz." in Empfang genommen werden. Später gehen sie in den Besitz des Oberhessischen Kunstvereins über. ** Kriegsanleihe-Zeichnungen bei der P o ft. Den Personen, die Kriegsanleihe bei den Postanstalten gezeichnet haben, wird zur Wahrung ihrer Rechte als Anleihealtbesitzer auf Wunsch von den Poftanstalten kostenfrei bescheinigt, welche Stucke (Lit. Rr. usw.) ihnen jeweils auf ihre Zeichnung hin ausgehändigt worden find. " Der diesjährige Volkstrauertag. Die Veranstaltungen am diesjährigen Volkstrauertag, dem 28. Februar, liegen, wie int Vorjahre, in der Hand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräbersürsorge. Mit den Spitzen der beiden christlichen Religionsgemeinschaften ist vereinbart worden, daß der Vormittagsgottes- dienst im Zeichen der Trauer um die Gefallenen abgehalten wird, und daß von 1 Ahr bis 1,15 Ahr ein gleichzeitiges Läuten der Glocken aller Kirchen erfolgt. Für den Rachmittag und den Abend sind kurze Gedenkfeiern geplant. ** D i e Maul- und Klauenseuche. Das Kreisamt Gießen gibt bekannt. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen die Maul- und Klauenseuche durch Personen verschleppt wurde. Den Landwirten muh daher int Interesse des Schutzes ihrer Klauenviehbestände empfohlen werden, keine fremden Personen in ihre Stallungen zu lassen und insbesondere Personen, welche erfahrungsgemäß häufig die Seuche verschleppen, wie z. D. Viehhändlern unb Metzgern, das Betreten der Ställe mir in solchen Fällen zu gestatten, in denen dies unumgänglich nötig ist. - Die Seuche ist neuerdings in Bettenhausen, Birklar, Obbornhofen, Rieder-Erlenbach, Büdingen, Echzell, Altwiedermus, Mittelgründau, Klein- Rechtenbach, Ebersgöns, Reiskirchen (Kreis Wetzlar) und Ebsdorf (Kreis Marburg) amtlich festgestellt worden. In Kraftsolms und Ober-Quem- bach ist die Krankheit erloschen. •* Beschleunigte Drtesfendung nach Berlin. Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, werden Briefsendungen nach Berlin, die in der Aufschrift die Angabe des Zustellpostamts tragen, schon während der Fahrt in den Bahnposten einzelner Rachtzüge nach den Berliner Zustellämtern verteilt und diesen von den Bahnhöfen aus unmittelbar zugeführt. Hierdurch wird erreicht, daß diese Sendungen in eine frühere Bestellung kommen, was für die Empfänger von wesentlichem Vorteil ist. Diese Sonderbehandlung kann auf Brieffendungen, die in der Aufschrift die Angabe des Zustellamtes nicht tragen, aus betriebstechnifchen Gründen nicht ausgedehnt werden. Sie erleiden dadurch gegenüber den mit Zustellungsangabe versehenen Briefen eine Verzögerung in der Zustellung. Auch sonst werden die letzteren allgemein mit Vorzug behandelt. Es liegt mithin in der Hand der Absender. durch Angabe des Zustellpostamtes in der Aufschrift der nach Berlin gerichteten Brief - sendungen zur Beschleunigung in der Aeberkunft selbst beantragen. Auskunft über die Zustellpostämter ist bei allen Postanstalten zu erhalten. RDV. Reichsbahn und Radfahrer. Wie wir hören, ist den Eifenbahnbedicnsteten Entgegenkommen gegenüber Reifenden mit Fahrrädern zur Pflicht gemacht worden. Die Fahr- ladefchaffner sind angewiesen, daß sie die Fahrräder der Reisenden unverzüglich annehmen und sie nicht bis nach der Abwicklung des allgemeinen Ladegeschäftes zurückstellen. Mit gleichem Entgegenkommen werden die Reisenden behandelt werden, die sich zur Entgegennahme ihres Fahrrades am Packwagen des Zuges einfinden. Der Sport im Lichtbild. Am Sonntagabend fand auf Einladung der Freien Turnerschaft Gießen ein recht gut besuchter Lichtbildervortrag im Geweckschaftshaus statt. Der Dortragende, Dipl.-Ing. Kuntzemüller, Gießen, sprach an Hand von etwa 100 ausgezeichneten Lichtbildern über die im Vorjahre statt- gesundene 1. Internationale Arbeiter-Olympiade in Frankfurt am Main, die nach dem Arteil der gesamten Presse die gelungenste unb glänzendste sportliche Veranstaltung im größten Ausmaß war. Für alle damaligen Besucher der Frankfurter Tage war die Olympiade mit ihren überwältigenden Massenveranstaltungen ein gewaltiges Erleben. Es war daher kein Wunder, daß alle die, die das Ereignis miterlebten, her- beieilten, um die Erinnerungen aufzufrischen, aber- auch die, die damals nicht nach Frankfurt konnten, waren in großer Zahl erschienen, um sich auf diese Weise ein ungefähres Bild von dem dort Gebotenen machen zu können. Die Lichtbilder wur« den im Auftrag des Arbeiter-Turn- und Sport- bunbes gelegentlich der Olympiade hergestelo und fanden den ungeteilten Beifall der Anwesenden, gestatteten sie doch einen ungefähren Begriff von dec ungeheuren Ä^öße der Veranstaltung. Reben einer sehr großen Anzahl von Lichtbildern, die eben die Runde burd) ganz Denkschlanb machen, wurde ein Filmwerk her- getzn das aller Voraussicht nach im Lause des März in Gießen zur Vorführung gelangt. Der Film hat überall dort, wo er bisher gezeigt wurde, einen 'oestpiellosen Erfolg erzielt Warten Sie ab 378a Astoria-Lichtspiele 384c Heute letzter Ta«: 156D Meine Verkaufsanzeige mit überraschend billigen Preisen erscheint Freitag Amtsgericht Bietzen. * ©leben, 7. 3an. Gin Lademeister von hier, der mit seiner Familie au8 dem Osten flüchten muhte, wohnt bei einer Witwe zu Miete. 3m Laufe der Zeit haben sich zwischen Mieterin und Vermieterin die jetzt leider vielfach üblichen Meinungsverschiedenheiten ergeben, die Im November schließlich mit einem gegenseitigen Wortwechsel endigten. 3m Verlause desselben beleidigte die Vermieterin den Mieter und seine Familie durch verschiedene Aeuherungen. Auch entfernte sie sich trotz vielfacher Aufforderungen des Mieters nicht aus dessen Wohnung. Sie wurde deshalb wegen Beleidigung zu 25 M k. und wegen Hausfriedensbruchs zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilt. * (Ziehen, 9. 3an. 3n einer größeren Gemeinde in der Llmgegend von (Ziehen war seit längerer Zeit der Wunsch rege, es möge sich ein Arzt dort niederlassen. Tatsächlich ging dieser Wunsch auch in Erfüllung, allein der betr. Arzt starb leider sehr bald. Als sich dann ein anderer Arzt dort niederlieh, wurde sein Antrag auf Zulassung zur Kassenpraxis abgelehnt. Aus fernen Einspruch hin wurde die Angelegenheit einem anderen Ausschuß überwiesen, der dann auch die Zulassung aussprach. Hiergegen legten die Krankenkassen Einspruch ein, worauf der vorhergehende Beschluh wieder aufgehoben und die Dedürsnisfrage verneint wurde. Daraufhin zog der Arzt weg. 3n der Folge liehen sich dann zwei Aerzte in der Gemeinde nieder, von denen der eine zur Kassenpraxis zugelassen wurde, während der Ausschuh Den Antrag des andern ablehnte. Diele Kassenmitglieder und Bürger waren hiermit nicht einverstanden, und es kam zu einer Dürgerversammlung, in der sehr scharfe Worte fielen, namentlich auch gegen die Kommission, die mit der Wahrung der 3ntereffen der Kassenmitglieder und der Gemeinde von dem Zulassungsausschuh betraut worden war. Der Vorsitzende desselben verteidigte sich gegen diese Angriffe und führte dabei u. a. aus, ein Mitglied . des Ausschusses habe bei der Entscheidung über die Zulassung eines der beiden Aerzte wahrscheinlich das kleinere liebel vorgezogen, um das größere zu vermeiden. Hierdurch fühlte sich daS betr. Mitglied -beleidigt und erhob Privatklage, Der Plan über die Herstellung einer unterirdischen Telegraphenlinie (Kabel- kanal) in der Frankfurter Straße, Südanlage und Dleichstraße in (Ziehen liegt bei dem Telegraphenamt in Gießen von heute ab 4 Wochen aus. 389D Gießen, den 13. Zanuar 1926. _______ Telegraphenbauamt. 3b WWW« Ondulieren Maniküren elektr. 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Rach einigen flotten Musikweisen der Kapelle Topp» Gießen begrüßte der 1. Vorsitzen!^ der hiesigen Ortsgruppe, Kamerad Walldorf, die Anwesenden mit einer markanten Ansprache. Der Vorstand hatte für den Abend ein reichhaltiges Programm gewählt. Es wechselten ab Gesangsvorträge und humoristische Vorträge: der Gesangverein „Konkordia" und der Klub Wandervögel-Höhenflug hatten sich in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt. Ebenso machte die Kapelle Topp eine vorzügliche Musik. Weiter fand eine Verlosung statt, die vielen Mitgliedern durch entsprechende Gewinne Freude bereitete. Aach Beendigung des offiziellen Programms vereinigte noch ein Tänzchen die Teilnehmer. und gilt allgemein als eine ganz hervorragende Schöpfung der Filmkunst. Er zeigt aber auch, in welch großem Maße das bewegliche Bild in den Dienst wahrhafter Volkserziehung gestellt werden kann. Die Veranstaltung am Sonntag sollte der Auftakt zu der in Aussicht stehenden Filmvorführung sein, die aller Voraussicht nach großes 3nteresse in allen Devölkerungskreisen, unb zwar der näheren und weiteren Umgebung Gießens, finden wird. — Vor dem Lichtbildervortrag wurden die zahlreich anwesenden Kinder durch eine Aeihe Kindergeschichten aufs beste unterhalten. Auch hier toiaren die Kleinen ein dankbares Publikum. ** Der Goethebund veranstaltete am Sonntag einen bereits für 1925 vorgesehenen literarischen Abend, dessen Gegenstand Goethes mannigfache Beziehungen zum Rhein und feinen Landen bildeten. Man las Gedichte und ausge- träblte Abschnitte aus Dichtung und Wahrheit, aus der Campagne in .Frankreich und den beiden Schriften „Kunstschätze am Rhein, Main und Neckar" und „Sankt Rochus-Fest zu Dmgen": zu den einzelnen Abschnitten wurden kurze Crnleitun- acn gegeben. Daß der Abend erst un 3ahre 1926 atgehalten wurde, konnte als ein Zeichen dafür genommen werden, daß unsere Liebe zum deut- hfen Rhein über das begeisterungberauscyte Jubeljahr 1925 hinaus weiterdauert. j. Eine Delegierten-Versa mm- lung pes Lahnhöhenbundes (Vereinigung der Mandolinen -und Wandervererne in hiesiger Gegend) sand am Montag hier im Schiptapaß" statt. Es handelte sich um die Ausstellung und Besprechung der Tagesordnung für die Bundestagung am 31. 3anuar. An Die Beratungen schloß sich ein geselliges Versammen- fein mit dem hiesigen Mandolinen- und ®itarren= oerem Reapolita" an. Der 2. Vorsitzende Fritz Brockmöller begrüßte die Delegierten aufs herzlichste und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Versammlung der „Reapolita' die Frage des Anschlusses an den L. H. B- in bejahendem Sinne lösen möge. Ein Quartett bereitete den zahlreich Erschienenen einige angenehme Stunden. ' Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag in der Turnhalle am Oßwaldsgarten seine diesjährige Weihnachtsfeier ab. Für den Rach- mittag war, wie alljährlich, eine Bescherung der Kinder der Mitglieder arrangiert. Der Vorstand hatte trotz der gegenwärtigen wirtschaftlichen Aotlage gemeinsam mit der Weih- nachtslommission alles daran gesetzt, um auch den Kindern der Mitglieder dieses 3ahr ein wertvolles Geschenk überreichen zu können. Die Feier am Nachmittag begann um 3 Ahr. Sie wurde eröffnet mit einer Begrüßungsansprache des Geschäftsführers Benner. Der Dezernent des hiesigen Wohlfahrtsamts, Beigeordneter Dr. Frey, sowie einige Schwestern des Wohlfahrtsamts, ferner die Leiterin des hiesigen Kindergartens, wohnten der Feier bei. Es wurden 460 Kinder beschert. 3edes Kind erhielt 2 Meter Stoss, sowie etwa V2 Pfund Garn, außerdem noch eine Tafel Schokolade und etwas Gebäck. Daß die Freude der Kleinen groß war, läßt sich denken. Die Rachmittagsfeier wurde weiter ausgefüllt von verschiedenen Vorträgen, die nach längerer Verhandlung mit einem Vergleich endete. Darnach nahm der Angeklagte die betreffenden Aeuherungen mit Bedauern zurück und erklärte, daß er weitere Aeußerungen, die für den Privatkläger beleidigend sein könnten, nicht getan habe. Auch verpflichtete er sich, diese Erklärring in einem Schreiben an den ärztlichen Kreisvxrcin zum Ausdruck zu bringen. 3ede Partei übernahm die Hälfte Der Kosten. Vortragende Fragen der Aufzucht des Jungviehs. Hauptversammlung des LaudeSpferdezuditvereins. Heute nachmittag fand im Fürstenfaal die Hauptversammlung des Landes - Pf erdezuchtvereinS für Hessen statt. Es wohnten ihr u. a. der Vorsitzende der Land- wirtschaftSkammer Cclonomicrat Hens el-Dot- zelrvd und Oberlandesstallmeister Schörke bei. Oekonomierat Frits ch - Dilshofen hielt einen Vortrag über die Entwickelung der Pferdezucht in Hessen. Der Vortragende warnte u. a. davor, ein Pferd nur nach dem Röhrenknochen zu beurteilen. Cs seien außer dem Umfang dieses Knochens, Gewicht und Körpergestalt für ein Urteil maßgebend. 3n Hessen habe daS belgische Pferd im Landgestüt die Oberhand gewonnen. Die hessischen Landwirte hätten jetzt ein für ihre Zwecke brauchbares Arbeitspferd erhalten. Versuche auf den Weiden in Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen hätten gute Erfolge für diesen Schlag erzielt. Ein Hochzuchtgebiet für Pferde werde Hessen nie werden, denn Hessen fei in erster Linie ein Land für Getreide- und Hack- sruchtbau. Vielfach würden Muttertiere so überanstrengt, daß schon die Fohlen als schwache Tiere zur Welt kämen. Ein Pferd unter 500 Kilo Gewicht sei für die Landwirtschaft zu leicht. Angesichts der schweren Qlot der Zeit sei es notwendig, sich den landwirtschaftlichen Organisationen anzuschliehen, der Landwirtschaftslammer und dem Landespferdezuchtverein. Wenn die Landwirtschaft falle, so stürze die Pferdezucht nach. Oberlandesstallmeister Schörke warnte davor, die Haltung der Stuten noch weiter ein- zuschränken, es müßte dann das Landesgestüt noch mehr abgebaut werden. Es werde sicher später wieder ein Bedarf an Fohlen sein. Er lud die Anwesenden zu einer Besichtigung des Landgestüts ein, die am Samstag stattfinden soll und erteilte noch über eine Reihe von Fragen, die an ihn gerichtet wurden, Auskunft. Aus dem AmtSverkündigu "»sblatt. * DaS Amtsverkündigungsblatt Rr. 4 vom 12.3anuar enthält: Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. — Maul- und Klauenseuche in Dettenhausen, Birklar und Obbornhofen. — Feldbereinigungen in Aliendorf a.d.L. und Watzenborn-Steinberg. — Dienstnachrichten. Rundfunk-Programm des Frankfurter SenderS. (Aus der »Radio-Umschau-.) Donnerstag. 14. Januar: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der 3ugenb. 4.30 bis 6 Uhr: Rachmittagskonzert des Haus- orchesters: Edvard ©rieg. 6 bis 6.30 Uhr Die Lesestunde: „Das Abenteuer in der Silvesternacht" von G. Th. A. Hoffmann. 6.30 bis 6.50 Uhr: Zwanzig Minuten Umschau über die Fortschritte ist Wissenschaft und Technik. 7 Uhr: Uebcrtragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Der Waffenschmied, Komische Oper in 3 Wien von G. A. Lortzing. et Spitze ’9< e4iiH8f'9Qn9tn ***$?£$ tgekill rj£Me. V, toirb 3 ^9.5 ?.drc 6ai oan,bct^i hiermit und 3«, ?? tcr ^äkn und 66mi »om § ftd)ung nl 1923 ar bisÄmtt in c ,b?rt je ift ö^res, -rkäuse. llen, nter «n. Im 6=fli?ennAl S tolnn N Sss* ***?8uS WZ« SMSti *(t. ujid.) HW letoeiu WMijI teot[ltn । J »*«' Doiiitt«,.,: * « ä liegen, wie W M (Boltebunbee; r otge. Mit den SpiW elMnsgmeinfchasten ift ' on (LvnniUagzMttes- :tauer um die Gefallenen von Ahr bis 1,15116t । her Glocken aller Kirchen hmitiag und den Abend geplant. und Klauenseuche, gibt bekannt: 3n Legtet alle, in denen die Maul- 'ch Personen verschleppt 1 muh daher im Onterclk lenviehbrsiände empfohlen Monen in ihre Ltatlun- esondere Personen, velchc g die Leuche verschleppen, 1 und Metzgern, das Tein solchen Wen zu ge- miMgänglich nötig ist. - ,gs in Dettenhausen, Dick- -evSrlmbach, Mingr M/etzründau, Kli Äeiskn--/r tfreti M l Mrdurgs amtäch sek MvitnL mb Obevüuem- rioschen. gte 'Btieflenöuiifl uns von zuständiger Stelle ben Briessendungen nach luss-hrift die Angabe her schon während der zahlt »einer Aachtzuge nach den 1verteilt und diesen von nuittelbar zugeführt. SM' daß diele Sendungen w ig kommen, ivas für de Mem Dorteil ift. Sie, n auf Driessendungen, w Angabe des 3uMam^ ^technischen ©runben niajt Ä dadurch« mtgung w L Ää'bE iiib« M1' nu* bk 8* ssSrfr* n dir nach ° glan1 -KAL N-L-'K «$’ K ti rn 'L f W gfe Hesstsche Landwirtschaftliche Woche. (Von unserer Darmstädter Redaktion.) * Darmstadt, 12. 3anuar. Heute vormittag begann im Städt. Saalbau die Hess. Landwirtschaftliche Woche, die bis zum 16. 3anuar dauern wird. Die Veranstaltung ist sehr zahlreich besucht. Als Vertreter der Regierung ist Ministerialdirektor Uebel zugegen: außerdem sind die führenden Persönlichkeiten der hessischen Landwirtschaft an- wesend. Der Vorsitzende der Landwirtschaftslanuner, Oekonomierat Hensel- Dotzelrod, gab in seiner Begruhungsansprache der Freude Ausdruck, daß die Veranstaltung so gut besucht sei. Der Redner erwähnte die Verschuldung der Landwirtschaft und forderte Abbau der untragbaren Steuern, vor allem auch Steuernachlässe. Ferner sei besserer Zolllschuh zu fordern, Stundung der Kredite über die Ernte 1926 hinaus, Abbau der Zwangswirtschaft usw. Unter den weiteren Forderungen war auch die nach einem Existenzminimum für Landwirte und Abbau der Parlamente. Die Ansprache wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Ministerialdirektor Uebel ging in feiner Begrüßungsansprache von dem Rufe „Bauer in Rot!" aus. Er versprach im Rainen der hessischen Regierung, alles für die Landwirtschaft tun zu wollen. Der Redner wünschte der Tagung einen guten Verlauf. Hierauf hielt Prof. Dr. Schmidt vom 3n- stitut für Tierzucht und Molkereiwesen der Universität Göttingen den ersten Vortrag: dieser behandelte das Thema: „Welche Maßnahmen sind zur Förderung der Rindviehzucht zu beachten?" Der Vortragende vertrat den Standpunkt, daß nur Rindviehstämme zu züchten seien, die den klimatischen und Futterverhältnissen des Landes entsprechen. Rur eine Züchtung mit festem Zuchtziel führe zum Erfolg. 3eber Züchter müsse seine Zucht der Zahl und Art nach den heimischen Futterverhältnissen anpassen, denn Auslandfuttermittel würden künftig immer schwieriger zu beschaffen fein. Der Redner warnte eindringlich vor einem Rassewechfel im Vogelsberg: die Simmentaler Kuh und die Schwarzbun t-Kuh könnten auf die Dauer mit dem Vogelsberger Vieh nicht konkurrieren. Aufgabe fei, das Fleckvieh in Hessen zu einer bodenständigen Rasse zu machen: nur ein tiefer gedungener Typ wäre zu erstreben. Wenn auch jetzt eine schlechtere Preiskonjunktur für Milch uno Milchprodukte eingetreten sei, so müsse 'doch die Zucht unabhängig von solchen Zufällen betrieben werden. 3n feinen weiteren Ausführungen besprach der Redner eine Reihe von Fütteru..gsmaßnaymen. Weiter behandelte der Bekanntmachung. Betr. Erhebung von Beitragsvorfchüssen für das Jahr 1925 zur land-und sorstwirtfchaftl. Berussgenossen- fchaft für Hessen. Alls die Bekanntmachung an den Anschlagtafeln wird verwiesen Gießen, den 7. Januar 1926. 387B Der Oberbürgermeister. 3- V. Dr. Dreh. WSW« für Mk. 7-800 auf kurze Zeit bei guter und vielfacher Sicherheit Schriftliche Angebote unter 0263 an den Gießener Anzeiger erbeten. Der Findling von Neuyork Abenteurertum in 6 Akten. IM» Ab morgen: HARRY PIEL "MI Wenn Sie sich einmal richtig auslachen wollen? So kommen Sie noch beute Ins Lichtspielhaus — G Akte — Sprühender Witz : Groteske Komik : Sprudelnder Humor: Schmissiges Tempo: Schallende Heiterkeit Rat und Patachons Kampf mit dem Drachen müssen Sie gesehen haben. Ferner: Tip und Top schlimmste Tage Groteske in 2 Akten. Sowie: Haiitirl dentscher ftjsscie Ein herrlicher Ausflug nach Norwegen. 2 Akte. Ab morgen: Henny Porten. mit Ihren Einkäufen meinen am 16. Januar 1926 beginnenden Inventur-Ausverkauf liberale; Mc Ja liieren । M f niedrigl viduen chama! 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Januar 1926, nachmittags 3 Uhr, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine Reichrgründungr-zekr unter Mitwirkung der Kapelle Topp statt. 376D lehnet: lelMMeorönetet A. o. Wei, Beilin. Vortragssolgen zu 10 Ps. und Eintrittskarten zu 1 Mk. (sreigehaltene Plätze) und 50 Pf. sind bei E. Challier, Neuenweg, und an der Tageskasse zu haben. Wegen des zu erwartenden starken Andrangs wird gebeten, Karten möglichst im Vorverkauf zu lösen. Alle national gesinnten Volksgenossen aus Stadt und Land sind herzlich willkommen.Der Vorstand. 3. A.: Dr. Lenz. Deutschnationale Vertreter Voltspartei sloln & Voller, Frankinrt a. DI. 334c abschrifien an die Der Dorstand. 377c kteri io fe Lehre 262D angenommen. Perfekte Tüchtiger Stern#* Morgen Donnerstag gejucht. mit guten Zeugnissen 3950 Metzelsuppe C. Rübsamen Ab lOUhrvorm. 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Blank. 375D Gießen, den 13. Januar 1926. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Tode unserer guten Mutter sage ich allen, auch im Namen meiner Geschwister, auf diesem Wege herz ichen Dank. «Hrcu.idl. möbl. LWal 3 i ru in e r an sol. Herrn z. vrm. Babnbosstr. 40 III. Höhl. Uiolin- und samzinilner mit Balkon, eleklr. Vicht, evtl. kl. Küche, zu uermieien au kiuberloseSChevaar, Dame ob. Herrn (mno Klinikttr. LS II. ilenflßo öronö! Neuen Baue 22 Guk mövl. Zimmel Beste Vcrvflcguna Tel. 1085. ojD iOÄi evtl, aucb an Ehepaar, z. verm. «rednerstr. 4011. y. Freund!, möbl. Zimnrev au ruhigen Mieter fof. zu verm. 10266 Ludwigstr. 37 I. AöeÄ-Ujiis 263D genommen. 6. Stell, «WM 241 vom 13. bis 20. Januar Textil-Verkauf 374a 1 1 379a Bufett, Ditrine. Standuhr, 6 Lederstühlen, 2 Seffeln. 1 Tisch; Speisezimmer (Eiche). bestehend aus Büfett, 6 Lederstühlen und Auszugtisd); Herrenzimmer (komplett) Kücheneinrichtung (komplett). w. 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Mim 1926, MMW 2 W versteigere ich im Löwen, Reuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: a) 2 Kaffenfchränke, 2 Herde, 1 Waschkommode, 1 Schreibtisch, 2 Sofas, drei Vertikos, 1 Rähmaschine, 1 Sekretär, 2 Spiegel, 1 Büfett, 3 Eteppmaschinen, 1 Lederwalze, 1 Schreibmaschine, 1 Fah Sherry Brandy, 500 Liter, 1 Tablettenmaschine, 2000 leere flache Litcrflaschen: b) voraussichtlich bestimmt: 2 Büfett mit Kredenz, 1 Ladentheke, 1 Sofa mit Umbau, 2 Plüschgarnituren, 2 Glasschau- kästen, 80 verschiedene Damenhute, eine antike Kommode, 1 Sofa, 1 Verliko, 1 Toilettenspiegel, 1 Karton künstliche Blumen, mehrere Fah Ocker, Fndustrie- lack und Kreide: c) bestimmt an Ort und Stelle, wird im Versteigerungslokal bekanntgegeben: 1 Schreibmaschine (Mercedes), 1 Kafsen- fchrank, 1 grobe Dezimalwage, 1 Rollen-- aklenfchrank,! runder Tisch, 75 Tonnen, 12 Fäffer dänischeSchwarten, Fuhsehnen, Schweinsmagen, Pansen, Schweinsohren, Schweinefettenden, Sd)weins- brocken, Kranzdärme, Schweinsdärme, Schweinekrausen, Schweine- u. 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Diese Forderung ist geboren aus der Rot, der seelischen Rot einer Zeit, darin infolge einseitiger- Ausbildung des Verstandes die natürlichen, ästhetische Instinkte des Menschen unsicher geworden sind: sie ist die Sehnsucht eines Geschlechts, das, in naturfernen Städten zusammengedrängt, inmitten des Grau in Grau dieser Steinmassen die Pflege der Gemütsseite des menschlichen Wesens als zwingende Rotwendigkeit empfindet. Mit Schrechen bemerken aufmerksam^ Beobachter der Zeit des Erlöschen jener schöpferischen Fähigkeiten, die man bei Raturvölkern und in früheren Epochen unserer Kultur in so erstaunlichem Mähe findet: man bemerkt den Mangel an Geschmack, der sich in der Anlage der Städte wie in der Einrichtung der Wohnungen, in dem Vordringen der mechanisierten Musik der Grammophone und des Rundfunks an Stelle der Freude am eigenen Singen und Sagen und in tausend anderen Dingen kundgibt. Das Kennzeichen des modernen Zivilisationsmenschen ist die Mechanisierung des gesamten Lebens, die wenig Raum mehr läßt für alles, worin sich die 'Persönlichkeit des Menschen Ausdruck zu schaffen vermag. Die Maschine, ursprünglich als Dienerin des Menschengeschlechts gedacht, hat sich zu seiner Herrin gemacht, hat das gesamte Leben mechanisch werden lassen. Die Zahl, die Masse, die reine Quantität dominieren auch in unserem Geistesleben: ihre Herrschaft hat das „Volk" zum „Proletariat" erniedrigt, hat aber auch die „gebildeten" Individuen vielfach zu Derufsmechanrsmen und Rechenmaschinen herabgewürdigt. Bildung, in den Zeiten Herders, Goethes, Humboldts ein herrlicher Begriff, der die Entwicklung des gesamten Menschen meinte, ist eine Angelegenheit des Kopfes getvorden. Kurz, au£ der Sehnsucht eines in der Oedigkeit dieser mechanisierten, intellek- tualisierten Zivilisation gefangenen Geschlechts ist der Ruf nach künstlerischer Erziehung geboren. Durch sie hofft man zu finden, was in der natur- fernen Zivilisation verloren ging: den Sinn für Qualität, für lebendige Schönheit, für Gemüts- werte, kurz, für eine harmonische Ausbildung der gesamten Persönlichkeit. „Erziehung zur Kunst" braucht nicht gemeint zu sein im Sinne des Aesthetenschlachtrufs „L'art pour fort!" Erziehung zur Kunst wird stets auch Erziehung durch die Kunst sein müssen, da die Kunst nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern unter Anerkennung ihrer Eigenwerte stets auch als unentbehrliches Mittel zur Entfaltung eines freien, ganzheitlichen Menschentums, jener „Totalität", die schon Friedrich Schillei' als Ziel der ästhetischen Erziehung hinftellte. Ratürlich ist hier mit dem Worte „Erziehung zur Kunst" nicht ausschließlich die fachmännische Ausbildung von Berufskünstlern gemeint, obwohl diese nicht jener „allgemei- n e n" Erziehung zur Kunst, die wir in erster Linie im Auge haben, schroff gegenübergestellt werden darf. Erziehung zur Kunst kann uns weder heißen, daß etwa jeder' Mensch zum professionellen Künstler herangezüchtet werden soll, noch aber anderseits, daß etwa ein vom echten Künstlertum grundsätzlich unterschiedener allgemeiner Dilettantismus das Ziel wäre. Wir sind vielmehr dec Meinung, daß das raffinierte Dir- *) Aus dem kürzlich erschienenen Buche „Erziehung zur Kunst", das die Kunsterziehung als allgemein menschlich-kulturelles Problem behandelt. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Die Jugend in England. Von Heinz Rocholl. Die literarische und pädagogische Bewegung des „Zeitalters des Kindes" hat hauptsächlich von England ihren Ausgang genommen, und es herrscht noch heute auf dein Kontinent vielfach die falsche Ansicht, daß die britische Jugend, so wie es die deutsche radikale Schulreform und Jugendbewegung fordert, ein von der Nation und ihren natürlichen Lebens- zusammenhängen geistig losgelöster Bolksteil sei, verhätschelt und verzogen, eiaennnig und starrköpfig. Die modernen Schulversuche in Deutschland haben geflissentlich das Märchen von einer völlig liberalen ennglischen Jugenderziehung verbreitet, glaubten sie doch damit, ihre eigene geistige Verstiegenheit und gefährliche pädagogische Experimentiersucht am besten zu verteidigen. Nichtsdestoweniger handelt es sich dabei um eine Fabel und um ein schweres Mißverständnis: sicherlich ist die Beachtung, .die die englische Oeffentlichkeit der Erziehung des jungen Geschlechts schenkt, größer als in in Deutschland, wo mindestens bis zum Kriege lediglich berufliche und fachliche Interessen der Schulmänner die Bildung des Nachwuchses bestimmten und sicherten. Gewiß steht die schwärmerische Verehrung des „Kindes" und seiner liebenswürdigen Vorzüge für den Deutschen seltsam da, stößt sogar den nüchternen Praktiker der Jugendführung ab, aber es ist auf der anderen Seite ein schwerer Irrtum, hierin und in der eigentlichen Erziehung ein Entgegenkommen an die individualistische Geistesschule der französischen Aufklärungszeit zu sehen, die das „Menschentum 011 .stch" vergottet und in Wirklichkeit alle echten nationalen Bindungen zerstört (wie die deutschen „Entschiedenen Schulreformer"). Naturgemäß ist der Besitz von Kindern in einem Lande hoher und alter Zivilisation, d. h. geringer Familienkopfzahl, wertvoller als in agrarischen oder halbagrarischen Staaten eines durchschnittlich niedrigeren Lebensstandards, d. h. größeren Kinderrreichtums: ebenso muß der Einzelwert des Menschen in einem Muttervolk hoch fein, das zur Aufrechterhaltung seines riesigen Kolonialreichs und zur Niederhaltung und inneren Angleichung feiner Tochternationen auf den dauernden Export hochgualifizerten Menschenrnaterials (Beamte, Offiziere, Farmer) angewiesen ist. Daraus erklärt sich, daß die Ausbildung der intellektuellen Oberschicht, aber auch der Mittelklassen, als eine wichtige nationalpolitische Angelegenheit schon im stützen Kindesaltcr den Einzelmenschen . . . und nur ihn . . . erreichen will. Jugend und tuvsentum einzelner Berusskünstler ein Abweg ist, wenn man in der Kunst eine Sache des Volkes sieht, daß vielmehr in beinahe allen Menschen der Keim nicht nur zu künstlerischem Racherleben, nein auch zu künstlerischer Schöpfertätigkett, d. h. zu künstleritchem Ausdruck und Gestaltung, steckt, nicht nur als Anlage, auch als notwendiges Lebensbedürfnis. Wenn das nicht bei jedem einzelnen Menschen nachzuweisen ist, so liegt das daran, daß der Mensch diese Anlagen hat verkümmern lassen, was zugleich Verarmung und Verödung keines gesamten Menschentums einschlieht. „E r z i e h u n g z u r K u n st" indem hier gemeinten Sinne soll heißen: Weckung und Entwicklung der in jedem Menschen liegenden Anlagen und Bedürfnisse zu k ü n st leri s chem Erleben, sei es genießendem Racherleben, sei es schöpferischer Betätigung als Ausdruck und Gestaltung. Das Künstlertum im berufsmäßigen Sinne ist Nur eine besondere Steigerung allgemein-menschlicher Anlagen und Fähigkeiten. Das Genie ist nicht „Monstrum per excessum", ein vom gewöhnlichen Menschentum artlich unterschiedenes Wesen, sondern es ist allgemeines Menschentum in reinster Entfaltung. Richt darum, weil das Genie Erlebnisse hätte, die allen anderen versagt wären, vermag es auf diese andern zu wirken, nein gerade, weil es zu reinstem und feinstem Ausdruck bringt, was in allen Seelen dumpf und keimhaft schlummert, weil es die latenten seelischen Energien aller verbindet, darum ist es von allgemeiner Bedeutung. Erziehung zur Kunst soll also bedeuten: Soweit es möglich ist, jedem Menschen die Fähigkeit zu Ausdruck und Gestaltung zu verleihen und dort, wo das nicht möglich ist, wenigstens die Fähigkeit, an den von anderen geschaffenen Werken dem eigenen Leben Ausdruck und Gestalt zu gewinnen. Dom Ur tum und Ewigen. Von Wilhelm von Scholz. Es liegt im Wesen der Menschen, daß sie die Entwicklung und Wandlung, die Fortschritte der Zeit und Dinge mehr erfassen und betonen als Den Zusammenhang, das durch die Zeiten Gleichbleibende, welches doch wohl das Bedeutsamere und Wichtigere ist. Cs ist ein natürlicher Vorgang: die Fortschritte sind unser Werk, auf sie hat sich unser Geist, unsere Kraft gerichtet, sie haben unser Erstaunen erweckt, sie beschäftigen uns tiefer als das Alte, immer Dagewesene, das uns von Kindheit an selbstverständlich war und nicht weiter beachtenswert scheint. Langsam reift dann in uns die große Täuschung, als ob der Unterschied unserer Zeit und unseres Lebens von dem frühesteir Menschen wesentlicher sei als das, was uns mit ihnen verbindet. Diese Täuschung ist nicht so gleichgültig, wie sie scheint. Sie vermindert das Hei- matsgesübl, welches vor allem ein Zusammenhangsgefühl, ein Gefühl des unendlichen Beruhens ist, und steigert die Fremdheitsgefühle, ändern sie den Menschen einen kurzen Zeitraum mir als seinen Lebensboden und daneben die Gewißheit empfinden läßt, daß auch ihn die Entwicklung rasch überholen wird. Dadurch kommt Rast und ilnraft in das Lebensgefühl, das ein sicheres, ruhiges und klares sein muß, wenn die Tiefe des Lebens in Arbeit wie Genuß ausgefchöpft werden soll. Da tut es gut, _ sich manchmal des Artums in uns und in unferm Leben zu erinnern und das Bewußtsein dieses ilrtumä in uns wachsen zu lassen. Im Anschauen der mythisch-alten Dinge, die Untergrund oder Begleitung unseres Lebens sind, der Elemente, befreit von ihrer zufälligen Zeitform: des Bodens, der uns trägt und ernährt des Feuers, das als Zentralheizung, Gasherd, elektrisches Licht, wie neuestes Industrieprodukt erscheint, Die englische Jugend ist in einer ganz anderen Weise mit dem Leben und Schicksal ihres Volkes verbunden als die deutsche; die Sehnsucht unserer besten Jugend, Teil der politschen Nation, „junge Nation" zu werden, die als die schönste Frucht der sonst so hin- und herirenden deutschen Jugend- und Studentenbewegung anzusehen ist, ist auf der englischen Insel Wirklichkeit. Das so viel mißverstandene und angegriffene englische Gentlemanideal, mit dem England erfolgreich die Welt durchdringt, gibt schon dem strebsamen und gutgesinnten jungen Mann einen gesellschaftlichen Ausweis, der ihm Tür und Tor in die große Welt öffnet. Nicht zu dem Zweck, ihn hoffärtig und eitel zu machen, wie es unserer vorzeitig in die politischen Altersverbände hineingerissenen bürgerlichen Jugend der Nachkriegszeit oft ergangen ist. Nicht um einen frühreifen Allesbesserwisser heranzuzüchten, der wirkliche menschliche und wissenschaftliche Autorität leugnet. Der junge Engländer soll vielmehr staaotsbürgerlichen Gemeingeist (common sense) und freiwillige Unterordnung unter die nationale Tradition lernen: der weitverbreitete Typ des jungen Privatsekretärs, der sich einem alten erfahrenen Politiker, Großkaufmann oder Militär „beigeordnet" hat, die Willens- und Sporterziehung in den großen boy scvut-Verbänden, die Einrichtung der großen allgemeinen Studentenklubs mit all ihrem gesellschaftlichen und politischen Leben oder das stark disziplinierte Gemeinschaftsleben in den zahlreichen Landeserziehungsheimen — sie alle wollen den jungen Geist geschmeidig und gewandt machen und zum selbstbewußten jungen Bürger der British Commonwealth of Nations (britischer Staatenbund) erziehen. Im frühen Jugendalter, in dem der deutsche Sohn Benjamin gewöhnlich feinen Kinderglauben an Golt imö Vaterland und die gerechte Weltordnung verliert, lernt das junge Jnselvolk die Doktrin der britischen Weltmission, die ihren Gläubigen eine ungeheure Tatkraft, Widerstandsfähigkeit und Zähigkeit im Aushalten gibt. Der verständliche Wunsch des englischen Jungen nach echter Bubenromantik, der ein Erbe des alten Wikingertums ist, wird deswegen nicht verleugnet, aber in Form»! kultiviert, die den jugendlichen Spieltrieb für den.Reichsgedanken nutzbar machen. Mächtig mirft noch heute der Kolonisationsgedanke auf die englische Jugend, und es ist kein Zufall, daß sich das in den großen Verbänden organisierte Iugendleben an die Vorbilder der tapferen, kraftvollen, halb räiiberhafteu ersten nordamerikanischen Urwaldsiedler anlehnt. Erobert euch die Welt, öffnet die Augen für Gottes Schönheit und Reichtum auf Hochschule. be« Wassers, Das statt aus Brunnen und Quell für uns aus städtischer Leitung kommt, und der Luft, die unsere Fabrikschornsteine schwärzen und mit Dunst erfüllen. In all dem gilt es, die zufällige Form für das Bewußtsein zu zerschlagen und zu erkennen, zu erfüllen, daß cs die ganz wenigen selben Dinge sind, die der Wilde, der ä.lrmensch zu seinem Leben brauchte, die auch unser Dasein bedingen. Wir müssen daran denken, daß keine unserer kompliziertesten Maschinen, kein Luftschiff und kein feinstes Präzisionswerk einem größeren geistigen Schöpfungsakt sein Dasein verdankt. als der bei einem unserer frühesten Ahnen zur Erfindung des Rades, der runden, sich um eine Achse drehenden Scheibe, führte, ohne den nicht eine einzige heutige Maschine möglich wäre. Der erste Einbaum war die Tat. die der Riesenschnclldampfer nur zum millionsten Male wiederholt. In soviel Alltäglichem ist ilrtum um uns. Sehen wir nur den Fischer sein Retz ausspannen. dies älteste, sinnreiche Iagdwerkzeug, durch dessen Maschen die Flut ungehindert spülen kann, ohne es fortzuziehen, und das doch seine Beute packt und hält. Oder die Art. das Messer, Hammer und Amboß, Horn oder Glocke. •Urtum und Mythos, mitten in dem wir leben. Es gibt uns Ruhe und Aeberlegenheit über alle die heftigen, reifelosen Menschen der Zeit, über ihr wirres Durchrinanderlaufen. auf dessen Ordnung sie so vie Scharfslinn verwenden. Aus der Vielheit, die drängend, verwirrend, berückend von allen Seiten um uns aufwächst und uns den Blick beirrt, finden wir zum Einfachsten. Grundhaftesten, als dem. im Sinne irdischer Verhältnisse, Ewigen. Schularzt und Lehrer. Dr. Ludwig Finckh. In einem Dorf, das mir bekannt ist — und es sind wohl überall ähnliche Verhältnisse —, gab es vor dem Krieg keinerlei Tuberkulose. Heute sind dort vier Tuberkulosehäuser, aus denen schon Bewohner gestorben sind, und die Mittelpunkte der Ansteckung bilden. Man sollte meinen, in einem Dorf auf dem Lande dringe die Sonne überall hin und werde Meister. Aber Dorf und Sonne allein tut's nicht. Cs sind alte Häuser mit dunkeln Winkeln, es herrscht Schmutz und lln- sauberkeit, von Gesundheitsregeln ist keine Rede. Der Bauer ist „gut genährt" im Sinne des Städters, aber nicht im Sinne des Arztes. Auf Gemüse, auf Beeren, auf Obst, gerade auf die lebensaufbauenden Rahrungsstoffe, legt der Bauer gar keinen Wert, wenigstens für sich selber. Er Pflanzt sie an und verkauft sie. Obst nimmt er nur in Gestalt von Alkohol zu sich als Most, Schnaps, Wein. Die Sonne wird also nur Meister, wenn sie in wohlgebaute Häuser scheint, die Menschen von verständiger Lebensweise bergen. In einem neuzeitlichen Dorf käme Tuberkulose nicht auf. Im Dorfe alten Stiles sitzen die Kinder aus den Tuberkulosehäusern unter den anderen, in Der einzigen Schulstubc. Sie stecken ihre Rachbarn und Freunde an. Der Staat kümmert sich nicht Darum. Er macht höchstens eine Statistik daraus. Wir müssen also für jedes Dors einen Schularzt verlangen, der kein ausgedienter alter Herr, sondern ein völlig auf der Hohe stehender Kinderarzt sein soll. Wenn er zweimal jährlich untersucht, und bei verdächtigen Kindern rechtzeitig für Unterbringung in einem Erholungsheim sorgt, so wird auch im alten Dorf, da man nun einmal nicht alle Herdhäuser anzünden kann, der böse Feind ausgerottet werden. Geschieht es nicht, so werden aus den vier Häusern zwanzig werden und der Schaden an der Volksgesundheit und die Kosten des Staates für Verarmte und Hinterbliebene werden weit größer sein als Die Kosten Der Schulärzte unD Genesungsstätten. Der Schularzt unD Der Lehrer, sie sollten der weiten Erde — das ist der letzte Sinn englischer Erziehung. Es wirb vielfach behauptet, daß die deutsche gebildete Jugend nach dem Kriege einen gewissen kleinbürgerlichen Zug an sich habe, und man kann nicht leugnen, baß bie uferlose Romantik des „dritten Reiches" und Der „wahrhaften Volksgemeinschaft" leicht zum Uebersehen der wirklichen staatlichen Machtgrundlagen (Armee. Marine, Außenhandel, Kolonien usw.) führt, und nicht jeder jungdeutsche Romantiker erlebt wie der große Fichte eine innere Wandlung zum Machtgedanken. Die englische Jugend kennt diese Gefahren inbrünstiger Selbstversenkung im Mittelalter und germanische Frühzeit nicht — allerdings ebensowenig ihre wunderbare Wieberoerjüngungskrast. Die schwarzen und braunen Kommilitonen in Orford und Cambridge, die farbigen Mitbrüder in den Pfadsinderverbänden und politischen Reichsjugendgruppen und die Reisegesellschaften „rund um die Wen Großenglands sind die beste Stählung englischen Herrschaftswillens: sie verscheuchen dem jungen Konservativen wie dem jungen Arbeiterparteiler (die labour party ist keine Klassenkampfpartei, sondern übernimmt langsam das Erbe des sterbenden politischen und weltanschaulichen Liberalismus) alle unpraktischen und wirklichkeitsfremden Ideologien. In dem Seelenkampf zwischen Wille und Gefühl, Verstand und Gemüt wird der junge Engländer immer die Lebenslust des Seemanns und Wikingers: stahlharte Energie bevorzugen. Um so schöner leuchten dann die Blüten iung- englischer Kunst und Dichtung. Eine Bereinigung wie die Junior Imperial League (Reichs-Jugend- Liga), die sich die enge Zusammenarbeit der jüngeren Generation des englischen Völkerbundes auf politischem Gebiet zu ihrem besonderen Arbeitsgegenstand macht, zeigt deutlich den staatlichen Einsatz der Jugend Englands. Jeder junge Brite ist selbstverständlich international: bie eigentümliche Problematik „national- international", die die kontinentale Jugend unheilvoll zerfrißt, ist der Jugend des meer- umfassenden England erspart. Die Inhalte der beiden Begriffe sind allerdings — nicht in der Theorie, aber in Wirklichkeit — von den deutschen Schlagworten völlig verschieden. Wohl jagen so verschwindend kleine Kreise wie die „Federation of British Youth Movements ■ (Vereinigung der britischen Jugendbewegungen) einem uferlosen Internationalismus nach, dagegen hat man in Dem übrigen Teil Jung- englands einen klaren Blick dafür, wie gut eine richtig verstandene Völkerbundspolitik mit den Internah« befreundet sein, -- könnten sich in Die Hände arbeiten. An Hand der Familienforschung, Die nun auch in der Schule getrieben wird, kann der Schaden der Rauschgetränke. Die die Widerstandskraft herabsetzen und schwächen, kann der Ruhen von Obst und Gemüse für Die Gesundheit, kann die Vererbung der Schwindsucht, Die nicht rechtzeitig bekämpft wird, auch in Der Schule erläutert werDen. Mit der Besserung der Volksgesundheit und der Kräftigung unseres heute noch absteigend sich entwickelnden Geschlechts durch jene Maßnahmen werden allmählich die Kosten des Staates wieder abnehmen: das aufgeivandte Kapital wird sich glänzend verzinsen. Leider ist bei uns in Deutschland das Ehrgefühl des Staates wie des einzelnen in manchen Dingen noch nicht so weit geweckt wie anderwärts. 3n der Schweiz gilt es schon als Schande, betrunken zu sein, worüber man bei uns im Volke noch lacht. In Den Schweizer Wirtshäusern sind Tafeln ausgehängt, auf Denen die notorischen Säuser des Ortes mit Ramen und Berus aufgezeichnet stehen und Die mit Wirtshausverbot belegt sind. Sie stehen vor aller Welt am Pranger. — Gestern erzählte mir ein Arzt, der in einem noch vor Drei Jahren gemüseverschmähenden Orte wohnt, daß er in geeigneten Fällen reichlich Gemüse verschrieb, und, da die Leute keines hatten, ihnen verschenkte. 2m nächsten Jahr gab er ihnen Setzlinge. UnD heute hat fast jedes Haus seinen Gemüsegarten für Den eigenen Gebrauch, und seltsam, obwohl die Leute, besonders die Kinder, gesünder geworden sind, mangelt es ihm nicht an ^Pfleglingen und Kunden. So kann der Arzt und der Lehrer in einem Dorfe inzwischen — bis dem Staat die Augen darüber aufgegangen sind — zu ihrem Teil an Der VollsgefunDheit wirken unD, wenn nicht zu anDeren Zwecken, Die grauenvolle Statistik zu verbessern suchen. Aka-emisierung der Berufe. a —. Die quantitative Vermehrung Des ata» demischen Rachwuchses — Die Steigerung der Intensität Der akademischen Bildung — Spannung zwischen akademischem Wissen und praktischer Erfahrung. Wer eine Statistik zur Hand nimmt, kann feststellen, daß die Zahl der deutschen Studenten trotz Krieg und Inflatton, trotz Der Verarmung des Mittelstandes und der fast überall nicht besonders günstigen Berufsaussichten jetzt noch immer größer ist als unmittelbar vor dem Kriege. Mit anderen Worten: Ein verarmtes Deutschland bat selbst absolut einen stärkeren akademischen Rachwuchs als das reiche Deutschland von 1914. Läßt man Die Tatsache des Krieges und der Inslation und ihrer wirtschaftlichen Folgen un- berücksichtigt, so ergibt sich, daß Der Prozentsatz Der Menschen mit akademischer Bildung im Vergleich zu der Vorkriegszeit troch beträchtlich mehr gewachsen ist. Diese Zunahme betrifft in erster Lime Die praktischen wirtschaftlichen Berufe. Die volkswirtschaftlichen, juristischen unD landwirtschaftlichen Berufe haben ihren stuDenttschen Rachwuchs verdoppelt bis verfünffacht. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht eine grobe Hahl von neuen Anstellungsmöglichkeiten sich gezeigt hätte, durch die der verstärkte akademische Rachwuchs in das Berufsleben Eingang sand. Wenn man also von Akademisierung Der Berufe spricht, so soll das zunächst heißen, Daß in bestimmten Berufszweigen, eben den praktisch-wirtschaftlichen, heute viele Akademiker unterkommen tonnen, an denselben Stellen, wo früher Richtakademiker saßen. Das gilt von Den Banken, vom Buchhandel, von Der Journalistik, von Der Industrie unD Landwirtschaft unD anderen Berufszweigen in gleicher Weise. Ucberall haben Die Akademiker die Richt- afaDemiter verdrängt: diese Entwicklung ist noch essen des Weltreichs vereinbar ist, und man hahb- habt den Pazifismus nur als eine neue Waffe des modernen Imperialismus. Völlig frei von gefühlsmäßigen Hemmungen, die unsere Jugend so unheilvoll belasten, hat die englische Jugend reiche Möglichkeit, im wohlverstandenen Interesse ihres Landes auf die europäische Jugend politisch einzuwirken. Die großen Jugendinternationalen der Weltpfadfinder (boy scout), der Studenten, der religiösen Jugend u. a. mehr stellen sich für den europäischen Beobachter als eine „wahre Bruderschaft des Friedens" und paritättsche internationale Arbeitsgemeinschaften dar. von England aus gesehen — die Internationalen stehen fast alle unter englischer Leitung— sie sind nur ein Glied der angelsächsischen Völkerbundspolitik und für die politisch ungeschulte deutsche Jugend nicht ungefährlich. — Die Autorität, die sich die Mehrheit der englischen Jugend durch ihre freiwillige Einordnung in die nativ nale Arbeit ihres Volkes errungen hat, und die auf jeden einzelnen Scout und jeden „Oxforder" ab« färbt, ist nicht ungerechtfertigt: wäre es in Deutschland möglich, daß ein berühmter General und Kriegsheld für die gebildete Jugend ober gor die „Jugendbewegung" ein Buch schreibt, in dem er sie für den politischen Geheimdienst im Ausland an- lernt? Wie es der greife, menschlich verehrungswürdige englische Generalleutnant Sir Robert Ba- den-Powell. der offizielle Führer der Boy Scouts, in seinen Büchern „Aids to Scouting“ (Hilfsmittel für die Pfadfinderei) und My Adventurers as a Spy“ (Meine Abenteuer als Spion) versucht hat. Würde sich nicht ein Sturm idealistischer Entrüstung in unserer Jugend erheben? Blinder nationaler Haß ist aus der gleichen Schwäche geboren wie würdelose Kriecherei vor dem Ausland. Dis deutsche Jugend, die aus ihrer nationalen Einstellung heraus den Weg zu der englischen f Jugend gesucht hat, sollte nicht blindlings gescholten werden, auch wenn sie der klugen Diplomatie der englischen Führer nicht immer gewachsen war (Kopenhagener Jamboree): aber das Lebensrecht des deutschen Volkes verlangt es, daß die Auslandarbeit der Jugend stärker als bisher in den Rahmen der nationalen Gesamtpolitit eingeordnet wird. Wenn man sich die großen iyebler und Mängel der englischen Jugend, ihre Neigung, Leid und Glück des Lebens als ..Sport'* aufzufassen, ihre Hast und ruhelose Betriebsamkeit klar gemacht hat. wird man gegen die politische Krankheit gefeit jein, die die Wissenschaft „Anglövhilie" genannt hat. Mcht abgeschlossen, wir stehen vielmehr noch mtU fen darin. 3a sogar ganze Berufszweige wie der teS DolkSschullehrers, streben zur Hochschulen hier soll ein Berufszweig in seiner Gesamtheit akademisicrt werden. Es ist die Frage, ob die Akademisierung im Interesse der Berufszweige liegt, ob sie durch die Tatsache der Akademisierung leistungsfähiger gctoorten sind, oder ob nicht vielleicht des Guten schon zuviel getan ist, so daß dann eine Gntakade» misierung etnschen muhte. Das eine ist sicher, man hat nicht nur gute Erfahrungen mit den hbherprozentigeu Akademikern gemacht. Gerade aus der Praxis der Wirtschaft kommen immer wieder Klagen über die mangelnde Leistungsfähig- feit von einseitig akademisch gebildeten Beamten und Angestellten. Der Mann mit dem Dr. rer. pol., der nur Universitätsbildung hat, genießt wenig Ansehen und findet nur dann eine Anstellung. wenn er nutzer seiner akademischen Bildung noch ein bestimmtes Matz von praktischen Fähigkeiten mitbringt. Die Akademisierung der Berufe isst oft mit einer Intellektualisierung gleichzuscyen. Gegen diese Vereinseitigung und Verengung wird mit Recht überall Front gemacht. Dazu kommt, datz oft genug der Mann der praktischen Erfahrung über den Rurwissenschaftler ohne praktische Fähigkeiten triumphiert. Das ist so im Buchhandel, im Dankgewerbc und in der Journalistik. Dieselbe Spannung hat zwilchen dem Philologen und dem praktischen Schulmann, dem Theologen und dein Seelsorger schon immer bestanden. Sie wird heute so stark empfunden, datz man sich oft geradezu von der akademischen Berufsausbildung abwendet und sie durch praktische Berufsausbildung und -Vorbereitung ersetzen will. Das geht natürlich zu weit. Man würde den Teufel einer einseifig intellektualistisch-akademi- fchen Bildung durch den Beelzebub eines Verzichtes auf akademische Bildung überhaupt aus- treiben. Der Pazifische Luft-Ozean. Bon Fischer von Poturzyn. Dessau. Nachdem die Zusammenfassung der beiden größten deutschen Luftoerkehr-gesellschasten erfolgt ist, gilt es, sich auf die neue Linie der Lufioerkehrspolitik einzustellen. Die folgenden Ausführungen stammen aus der Feder eines führenden luftpolifischen Schriftstellers, sie werden unseren Lesern sicher willkommen sein. Es heißt, der Pazifische Ozean verdanke seinen friedfertigen Namen dem Zufall, daß er am Tage feiner Entdeckung den Anblick sonniger Ruhe bot. Wer die gegenwärtigen Derhältnisie in der curooäi- schen Luftfahrt betrachtet, dürfte vielleicht die Ansicht vertreten, daß das neue Jahr unter friedlichen, hoffnungsvollen Zeichen beginnt, und man daher den Luftozean als die Pazifik der Zukunft bezeichnen könne. Gewiß ist der Abschluß der inneren polh fischen Meinungskämpfe innerhalb der deutschen Luftfahrt. durch die nun zustondegekommene F u ° Hon der beiden Reederei-Konzerne, und die Verhandlungen in Paris ^ur Erledigung der feit Jahren ofienstehenden außenpolitischen Schwierigkeiten unseres Luftverkehrs zu begrüßen, da man daraus die Hoffnung schöpfen kann, daß bei ange- ftrengter oraanlfawrischer Arbeit die Handelsluft- fahrt Deutschlands bei Beginn des Frühjahrs erfolgreich ihre bisher geleistete großzügige Arbeit wie- -der aufntmmt. Die neugegründete Lufthansa A.-G. ist vor eine schwere Ausgabe gestellt, denn es ist nicht leicht, aus dem bisher bestehenden dualistischen Softem deutscher Luftfahrt in so kurzer Zett einen aktions. fähigen Monopoltrust zu bilden, welcher die Vorteile dieser Methode erfaßt und dabei die in der- selben zweifellos liegenden Gefahren bedachtsam vermeidet. Vor einigen Tagen war in der „Times" der Bericht über die erste Generalversammlung der „Imperial Airways zu lesen, welche ja auch seinerzeit 'durch Fusion sämtlicher bestehenden englischen Luftverkehrs-Unternehmungen zustande ge tommen ist. Wenn man bedenkt, daß die .^Imperial Airways" seit ihrer Gründung durch die Machtfülle ihres Heimattandes begünstigt war, so wird man der deutschen Einheitsgesellschaft eine längere Zeit ruhigerEinführung zuerkennen müsien, nach deren Verlaus erst offene Kritik angebracht erscheint. Wenn man nach Vorteilen des nunmehr einmal eingeschlagenen Systems sucht, so wird man wohl zugeben muffen, daß bet richtiger Politik der deutsche Luftverkehr durch seine Konzentration eine gewichtige Stellung gegenüber den anderen Verkehrsmitteln einnehmen und die Zusammenarbeit mit diesen außerordentlich gefördert werden kann. In dem vorläufig nur dreiköpfigen Aussichtsrat der neuen Aktien-Gesellschaft befindet sich als Vorsitzender Generaldirektor Schwab aus Düsseldorf, welchem als Verkehrsfachmann des Rheinischen Gebietes gerade hierfür reichliche Erfahrung zur Verfügung stehen. Es dreht sich hierbei wohl weniger um einzelne prak- tische Erleichterungen verkehrstechnischer Art, als vielmehr um den gemeinsamen Willen konzentrierter Verkehrspolifik. Gewiß ist die Luftfahrt von heute noch nicht imstande, in den Tabellen beförderter Tonnen eine entsprechende Rolle zu spielen. Aber immerhin besagt doch die diesjährige ungefähre Transport-Leistung deutschen Luftverkehrs von 100 000 Passagieren und 1000 Tonnen Fracht und Post, daß die Leistungsfähigkeit ständig zunimmt und es so tatsächlich eine Notwendigkeit darstellt, zu den Eisenbahn-Konferenzen auch Fachmänner der Luftfahrt beizuztehen. Aus dem Gebiet verkehrspolitischer Zusammenarbeit bleibt gewiß noch viel zu tun, denn wenn z. B. vor einigen Wochen in München eine zwischenstaatliche Verkehrskonferenz stattgefunden hat, um die gerade heute sehr aktuelle Frage des Hinterlandes vom Hafen Trieft tarifmäßig zu lösen, so hätte es sich vielleicht als nützlich erwiesen, diejenigen deutsch-österreichischen Luft- verkehrs-Kreise hierbei heranzuziehen, denen es bisher nicht gelungen ist, die Luftverbindung Wien- Triest völlig durchzufilbren. Unter Umständen dürste ein Clearing-System den einzelnen Verkehrsmitteln und dem deutschen Hesamtiuteresse mehr förderlich sein als Konkurrenzkampf, da man ja auch von einem Wettbewerb zwischen Eisenbahn und Lustverkehr, dessen Vorzüge sich nur auf zwischenstaatlichen Groß-Strecken zeigen, nicht sprechen kann. Dr. W e i g e 11, als Aufsichtsraimitglied der Lufthansa, stellt die Verbindimg zwischen der Deutschen Bank und dem neuen Unternehmen dar. Es ist selbstverständlich, daß das Interesse an dem Gedeihen der Handelslustfahrt sich in dem Maße recht- fertigt, mit welchem Ernste und welcher Energie diese an die Lösung der Frage ihrer Wirtschaftlichkeit schreitet. Dieses allgemein richtige Prinzip führt oftmals in der praktischen Durchführung gerade auf einem noch im ersten Stadium befindlichen technischen Gebiet zu verschiedenen Auslegungen, da es der einen Seite mehr um eine rasche Verzinsung, der anderen Seite aber um den technischen Fortschritt zu tun ist, welcher sich nur durch entsprechende Investitionen und großzügige Versuche erreichen läßt. Gerade bei der ..Imperial Airways", hat man bisher mehr dem banktechnischen System den Vorrang gegeben, während man für die Zukunft — aus Schaden klug geworden — dem Techniker die Führung überlegen will. Die in England nunmehr proklamierte Parole: „Ganzmetall- Flugzeugbau und mehrmotorige Typen" gibt den Fingerzeig, in welcher Richtung sich der Kurs bewegen wird. Die gesunde Mittelstraße zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und technischer Weiterentwicklung zu finden, wird leichter fein, sobald sich der Kreis der Wirtschaftsführer erweitert, welchen die Handelsluftfalm als 2lrbeitsfelb anvertraut wird. In dieser Hinsicht hat die Politik der bis herigen Konzerne. Junkers und Aero-Lloyd, in den letzten Jahren viel Gutes geschaffen und es ist zu hoffen, daß durch die eingetretene Zentralisierung nicht Kräfte aiisgeschaltel werden, welche bisher aus berechtigten städtischen und ähnlichen Interessen an der Entwicklung des Luftverkehrs regen Anteil genommen habet,. LuftoerkehrundFlugzeugbauftehen in einem untrennbaren Funktions- Verhältnis, wie Direktor Merkel der Lufthansa A.-G. sich in einer Abhandlung zutreffend ausdrückt. Die Mitgliedschaft von Direktor Schlei- hing von den Iunkers-Flugzeugwerken am Aufsichtsrat der neuen Unternehmung bietet Gewähr, daß diesem Zusammenhänge Rechnung getragen wird. Mit der Fusion der Junkers-Luftverkehr A.- G. verfügt Deutschland nicht mehr über eine Gesellschaft, bei welcher sich die Erfahrungen im Flugzeug, bau unmittelbar im Luftverkehr auswirken, so wie dies In Frankreich bei den beiden großen Gesell- schäften .LatLcoSre" und „Farman" der Fall ist. — Der Herausgeber des „Flugsport" schreibt in der Neujahrs-Nummer seiner Zeitschrift. „Bald wird man wohl Flugzeuge wie Lokomotiven normaki- fieren und der Bau von Verkehrs-Flugzeugen wird von zwei oder drei Firmen genüafam bewerkstelligt werden können. Der Retz für die Neuheit des an bestimmte Linien gebundenen Flugverkehrs wird abflauen. Man wird den Luftverkehr als etwas Selbstverständliches betrachten." — Allzubald dürfte jedoch diese Ansicht nicht Wirklichkeit werden. Gewiß kann aber heute bereits so viel gejagt fein, daß das Metallflugzeug Sieger im Kampf geblieben ist, da sich für die Holzflugzeuge bei den sich rasch vergrößernden Dimensionen die technischen Bedingungen bedeutend verschlechtern. Den beiden deutschen Metallflugzeugwerken Junkers und Dornier kommt daher auch für die Zukunft der Lufthansa eine große Bedeutung zu. Es ist daher sehr erfreulich, daß die Dornier-Metall Bauten in Friedrichshafen auf dem gegenüberliegenden schweizerischen Ufer des Bodensees ein neues Werk errichten wollen. Hierüber erfolgt die endgültige Entscheidung am 17. Januar in Form einer Volksabstimmung der drei Gemeinden Rerschach, Thal und Rheineck, da die finanzielle Beteiligung des Bundes, des Kantones und der Gemeinden sicher zu stellen ist. Man rechnet mit einer notwendigen Kapitalsanlage von 2* Millionen Franken. Es dürfte sich wohl die Voraussicht der Schweizer bestätigen, daß die in dieser Gegend barnieberliegenbe Stickerei- Industrie durch den Flugzeugbau einen hoffnungsvollen Nachfolger erhalten wird. Es ist selbstverständlich. daß dieses Auslandwerk der deutschen Metallbauten den Baubeschränkungen ebensowenig unterliegen wird, wie dies bei den ausländischen Werken in Rußland, Schweden und der Türkei der Fall ist, welche Junkers-Flugzeuge in Lizenz bauen. Bei wirklicher Ausnützung der angedeuteten organisatorischen Vorteile, bei bewußter und schonungsloser Vermeidung der skizzierten, zwetfellos bestehenden großen Gefahren des durch die Neuorganisation in der deutschen Luftfahrt nunmehr beschrittenen, Weges, kann man aber der Lufthansa einen glücklichen Start im Pazifischen Luft-Ozean prophezeien. Ob ihr hierbei ein günstiger Passat zu Hilfe kommt, oder ob sie gleich zu Beginn schwerste Stürme zu bestehen haben wird, entscheiden die heute noch im Fluß befindlichen Verhandlungen in Paris. In diesen muß es sich endlich zeigen, ob die Politik der Baubeschränkungen trotz Sicherheitspakt und kommenden Völkerbundes für die Diplomatie der anderen Seite als tragbar gilt. Maßgebend dürfte dies dadurch beeinflußt werden, mit welchem Nachdruck unsererseits die uns zur Verfügung stehende Waffe des deutschen Ueberflug- rcchts-Derbots gebraucht wird oder nicht. Wenn aber, durch kteinliche Kompensationen verleitet, der französischen Luftverkehrsgesellschaft der Weg über Nürnberg freigegeben wird, wenn auf Grund dieser Kompensationen unsererseits England später das gleiche Recht zwischen Berlin und Prag fordern sollte, so würde sich das Aktivum unserer zentralen geographischen Lage in einen Zustand verkehrspolitischer Machthörigkeit verwandeln. Man muß aber hoffen, daß das kostbare Gut deutscher Luft- geltung, welches in den letzten drei Jahren in seinem Wert so bedeutend vermehrt worden ist, auch in der nächsten Zukunft weitsichtig und klug verwaltet wird, denn — auch der Pazifik der Lüfte isteinMeerkunftigerEntscheidungenk Oderheffen. Landkrciv Gtctzen. LJ A n nerv d, 12. Jan. Die Vorführung des Bethel-Films in unserer Gemeinde war von über 200 Gemeindegliedern besucht. Mit sichtlicher Spannung folgten die Anwesenden den vorgeführten Bildern, die einen anschaulichen Einblick in die einzigartige Liebesarbeit in Bethel gaben. Ein Diakon ans Bethel, der bei Ausbruch des Weltkrieges auf dem Betheler Missionsfeld in Ost-Afrika beschäftigt war, gab zu jedem Bild die nötigen Erläuterungen. Die Darbietungen haben nidjr nur den Gesichtskreis unserer Gemeindeglieder erweitert, sondern auch die Liebe und die Willigkeit geweckt, an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes nach Kräften mitzu- arbeiten. Lang-Göns, 12. Ian. Am Sonntag abend gab der hiesige Gesangverein „Frohsinn" sein erstes diesjähriges Konzert in der Turnhalle, das sich eines außerordentlich zahlreichen Besuches erfreute. Die Musik wurde von der Regimentskapelle aus Gießen ausgeführt. die unter der Leitung des Herrn Vogel ganz ausgezeichnete Leistungen bot. Das Konzert dar! in allen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden. Eingelettet wurde es durch die Ouvertüre zu „Dichter und Dauer" von Suppc^. Mit dem Motto „Grüß Gott mit Hellem Klang, heil deutschem Wort und Sang!" begrüßte der Verein unter der Leitung feines Chormeisters Blaß- Grohen-Linden die Erschienenen. und z-eigte bamt in allen Gefangsvorträgen, die mit Konzertverträgen der Regimentskapelle wechselten, sein auf 'hoher Stufe stehendes Können. Sämtliche Chöre tarnen mit äußerster Feinheit und Ge- naui^ert zum Vortrag, und alle wurden mit reichem Beifall belohnt. Hervorragende- leistete auch das au« aititgltetern des Vereins zus ammengestellle Quartett. Zum Schluss« seien noch hervorgehoben die beiden Vdolm- solis des Herrn Vogel, der auf seinem Instrument ganz Hervorragendes leistete und deshalb stürmischen Deffall erntete. > Holzheim, 12. Jan. Bei dem Preis- schießen des Turnvereins, das jetzt feinen Abschluß fand, wurde Hermann Schöck mit 54 Punkten 1. Sieger. Herr Schöck ist nun schon zum briitvnmale im letzten Halbjahr 1. Preisträger, gewiß eine anerkennenswette Leistung. Als Preise wurden nützliche Gebrauchsgegenstände verabreicht. zn. 2ll lenborf a. d. Lda., 12. Jan. Irn Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kultur sprach am Sonntag abend vor einer überfüllten Versammlung Ingenieur E r t e l - Gießen über das Thema: „Auf Zickzackwegen quer durch Rußland". Die fesselnden Ausführungen des Redners, tue von reichen Erlebnissen zeugten, wurden von schönen Lichtbildern begleitet und außerordentlich beifällig aufgenommen. * Geilshausen, 12. Jan. Am Samstag h.eli der G e f a n g o e r e i n „Iugendmu t" seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Rechnungsablage für das verflossene Vereinsjahr wies einen Ueberschuß von 144 Mk. auf. Der bisherige Vorstand wurde durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. = Lich, 12. Ian. Zugunsten des Turnhatten- erweiterungsbaus wird der unserem Turnverein befreundete Turnverein 18 60 Bad-Nauheim Ende Januar in der hiesigen Turnhalle eine Gaftveranstaltung in Form eines Werbeabends geben. Im Vordergrund der Darbietungen wird das neuzeitliche Frauenturnen stehen. Mitwirken wird auch das unter trefflicher Leitung stehende Bad- Nauheimer Doppelquartett, das den musikalischen Teil der Vortragsfolge bestreiten wird. Man siehi hier der Veranstaltung mit großem Interesse entgegen. Näheres wird noch befanngegeben werden. — Für nächsten Sonntag hat der Krieger verein die Gieße nerRegimentskapelle zu einem Militärkonzert gewonnen. Kreis Friedberg. sch. Rockenberg, 11. Ian. Im Gegematz zu den ersten Nachkriegszeiten setzte in letzter Zeit in unserer Gemeinde eine äußerst rege Bau tätigEeit ein, die die herrschende Wohnungsnot zum größten Teil behoben hat. Nicht nur, daß der hessische Etat zu seinen früheren Beamtenwoh- mmgen zwei neue Doppelhäuser errichtet hat, so daß nun im Osten und unmitel- baren Anschluß an Marienschloß ein ganzes Be. amtenviertel entstand, lauter schmucke Zweifamilien Häuser mit recht ansehnlichen Gärten. Das letzte Jahr war besonders günstig. Nicht weniger als neun neue Häuser wurden fertig gebaut und bezogen und 7 neue gebaut. Die Bautätig feit wurde besonders gehoben und gefördert durch die in unserer Gemeinde obwaltenden Umstände daß Steine zum Fundament, sowie Land in hin reichender Menge von der Gemeinde kostenlos ge^ geben wurden. Durch den Ankauf der früheren Hof- qüter durch die Gemeinde wurden dort Scheuern und Stallungen niedergelegt. Lediglich das Wohn haus blieb stehen und findet nun als 4-Familien- haus für Staatsbeamte Verwendung. Auch die alte „Roggenburg" (ehemalige Zentkammer der Kurfürsten von Mainz) steht noch. Durch das Umlegen der Scheuern und Wirtschaftsgebäude entstand ein großer ausgedehnter Bauplatz in der Mitte des Dorfes, der reichlich Liebhaber hat. Durch den Ankauf gewann man auch reichlich Platz, um eine neue Straße im Innern des Dorfes anzu legen und den sogenannten „3ungegarten", ein großes Wiesen- und Pflanzstückgelände, das ringsum bereits bekannt ist, als Baugelände zu verwenden. Da es jedoch dort stellenweise etwas feucht ist, zieht man allenthalben den nach Osten gelegenen Abhang vor, der noch den Vorteil bietet, daß man beim Fundament- und Kellerausheben gleich Steine und Sand gewinnt, eine Arbeit, die allerdings oft mühsam ist. Durch die gesunde und schöne Lage entstanden hier in den letzten Jahren die meisten Neubauten und damit ganze Straßen, von denen eine, in der die schmucke evangelische Kirche liegt, nunmehr ganz ausgebaut ist. Andere werden burd) verschiedene in diesem Jahre ent stehende Neuvauten noch erweitert werden. Die Wohnungsnot wird somit in kurzer Zeit für untere Gemeinde ganz behoben sein. — Auch im nahen Oppershofen ist durch Errichten neuer Wohnungen von einer eigentlichen Wohnungsnot keine Rede mehr. In Griedel entstanden eben falls ganz neue Straßen. Mit besonderer Vorliebe wird das Anliegen an der Butzbacher Straße gesucht, wo denn auch im letzten Jahre nicht weniger als 5 Neubauten errichtet wurden. Sicherlich wären es auch hier noch mehr, wenn es nicht au der Hauptsache, dem nötigen (Selbe und seiner Beschaffung liegen würde. C> Steinfurth. 12 Ian. Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist folgen des zu berichten. Bürgermeister Falk eröffnete die Sitzung und verpflichtete zunächst die neu- gewählten Gemeindevertreter. Er richtete an alle Gemeinberatsmitgtieder die Bitte, bei jeder Ver- handlung nur das Gemein dewohl im Auge zu halten und zu fördern. Ausgefchreden aus dem Gemelnderat sind: Gg. Reih, I Weihrauch, PH. Huber, W. KlöS, H. Döckner und K. Falk. ReugewäHIt sind: K. Rühl, Ph. Huppert, K. Hengst l., H. Ant. Thönges. K. Schwegler und Wilh. Balzer. Ein Antrag auf Zuweisung einer Wohnung muhte zu- rückgestellt werden, da keine Wohnungen vorhanden ftnb. Wahl deS Schulvorstande«: Gewühlt wurden Karl Schwegler, W. Balzer, H. Lottig und H. Steinhauer l. An- stell urig eines Faselwärters: Die Anstellung wurde beschlossen, nebst den Bedingungen, unter denen die Anstellung erfolgen soll. Verschiedenes' Verschiedene Reklamationen betr. Ackerpacht 1925 wurden dahin erledigt, dah die Pacht für die vordem Iahre 1923 verpachteten Gemeindegrundstücke allgemein neu festgesetzt wird. sf. Oberrosbach b. Friedberg. 12. Ian. Der Bund Hessengau des Wandervogels hielt hier unter starker Beteiligung seinen G a u t a g ab. Am Vorabend wurde am Waldrand« in der Rähe des Waldschlößchens ein Feuer abgebrannt, mit welchem eine Toten- gedächtniSfeier verbunden war, anschließend fand die Reuaufnahme von Mitgliedern statt. Am Sonntag fanden sportliche Wettkämpfe, ein Kirchenkonzert und Preissingen statt, nach Beendigung des Programms marschierten die Teilnehmer in geschlossenem Zuge mit Musik nach Friedberg. Kreis Büdingen. !! Büdingen, 12. Ian. In der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats wurden die neuen Gemeinderatsmitglieder durch Bürgermeister Fendt verpflichtet und in ihren Dienst eingewiesen. Außerdem wurden die zur Verwaltung der Stadt notwendigen Kommissionen und Deputationen gewählt. Zum Schluß wurden noch die Steuerausschlagsätze für die Gemeindeumlage für 1925, wie sie vom Gießener Stadttheater. Hugo Wolfgang Philipp . .,Das glühende C'inmaleins." Mit diesem Lustspiel wurde der Dortmunder Hugo Wolfgang Philipp zuerst bekannt, vielleicht um des absonderlichen und auf den ersten Blick sehr rätselhaften Titels willen, bekannter zum mindesten als mit seinem Versuch einer Kvsmosophie „Die Welt im Blickpunkt", mit den phantastischen "Novellen „Der Srmnen- motor", oder mit der grotesken Tragödie vorn „Clown Gottes". Dieses „glühende Einmaleins", ein Sommertagstraum, wie es der Dichter in öffenbarem und wohl bewußtem Anklang on Shakespeare bezeichnet, und uns in acht knappen „Handlungen" (besser: Bildern) im antiken Griechenland überraschend vorgerechnet wird, behandelt das alte und immer junge Lustspiel- wie es sich ausgezeichnet findet im goldenen Buch der Liebe. Philipp lucht einen längst verschütteten Weg zurückzufinden zur sonnigen, heiteren Welt hellen-schen Altertums, nicht anknüpfend in klassizistischer Suche nach unerreichbaren Idealen an das große tragische Trauerspiel des Alten, sondern an das idyllischbukolische Zeitalter Theolrits — sucht in shake- spearefierender Laune die leichtgeschürzten Fäden des heiteren Spiels zwischen Göttern. Halbgöttern und Menschen in einem mythischen Scherz Mi verwirren und wieder zu lösen. So zwar, Baf} der Mythus nicht blutleer, fern und nebel- I haft blieb, sondern in Bild und groteskes Geschehnis sich verwandelte und zugleich fieseren und weiteren Sinn bekam, den Zug ins Komische (to«nn auch kaum tändelnd angedeutet), wie ihn jene anderen Arbeiten verraten, von denen gesprochen wurde. Vielleicht auch hat dem Lustspielpveten so etwas vorgeschwebt, wie eine romantisch« Urgeschichte des rätselhaften Dinges, daS die Menschen Liebe heißen, als das A und das O ihres Daseins, als eine mythisch scherzende Arithmetik zwischen Mann und Weib. Sicher ist, daß die Urgülfigkeit des Themas den gewagten Sprung erleichtert den klaffenden Raum in eine Vergangenheit schneller überbrückt, in der die Historie erst Märchen war. Auch mag die Unbekümmertheit des Einfalls und mancher Situation in dieser Gotterposs« zwischen Sonnenaufgang und Mittsommernacht manch allzu flaches, allzu gegenwartschweres Wortgefüge, auch die bedenklich, fast anmahlich erscheinende Geste, die der Untertitel andeutet, entschuldigen: überraschen wird sogar bie_ feine Wendung am Schluß, die das in Liebe glühende Ein mal Eins, Mann und Frau in der Umarmung. trimnphieren läßt über die kalte und verstandesmäßige Prophezeiung des sehr weisen Thales: der konnte die Sonnenfinsternis bercchnen. die Phoebus Apoll über den Himmel breitete, um niederzusteigen zur Erde und der Rymphe sich in Liebe zuzuneigen. Fast hatte der Gott versäumt, den Sonnenwagen zur Höhe zu führen und die Rocht unerträglich verlängert. (Das Motiv klingt an den Kleiftischen .Amphitryon" an.) Hermes, der Flügelbote, führt ihn an seine Pflicht zurück. Hhdora und Echo aber streiten indessen um den Hirten Rar- M, ber, ein verlorenes Schäfchen suchend, von den Bergen in di« bukolische Riederung kommt. Statt des Tieres f intet Rarziß den einsiedlerischen Philosophen Enmenes, der ihm das Wunder seines Spiegelbildes im Wasser weist und ihm närrischen Zauber davon verspricht. Aber der Zauber bleibt aus. Das Ralurkmd findet Entzücken am eigenen Bilde, nicht an der begierigen Rhmphe Hydora, di« um seinetwillen den Gott verschmäh!. Apoll aber, dem auch ihre Gespielin, Echo, sich entwindet, spricht einen schrecklichen Fluch aus: Echo plappert verzweifelt die Worte nach, die sich an sie richten. Wunder über Wunder, her Mythus wird zur Posse mit grotesker Vertauschung ter Rollen. Am Ende schickt sich ter gute, dicke und genügsame EumeneS an, mit beiden Rymphen Hochzeit zu halten, und rollt seine Tonne, darin er wohnt, zur Feier- Mr den See. Aber schließlich geht dennoch daS Liebesexempel auf, dem schon heillose Rechenfehler drohten, und das rätselschwere Ein mal Eins löst sich versöhnlich und vcHeißungsvoll in zwei göttlich-menschlichen Paaren. Die Aufführung unter her Regie von Karl Volck beschwingte die locker aufgereihten Bilder des antiken Idylls mit Witz und theatralischer Laune, ließ die Dinge zwischen Aufgang und Riedergang geschwind und slüssig abrollen und betonte übrigens des Leichte. Spielerisch-Märchen- haste auch haS Groteske, ohne doch di« sagenhaften Hintergründe der Begebenheiten zu verdecken und den tieferen Sinn des ausgelassenen Treibeirs zu verschleiern. Glücklich und mit starkem Gefühl für den Stil ter Landschaft das romantisierende Bühnenbild Karl Löfflers, wechselnd getont in der vortrefflich gesehenen Beleuchtung (Ludwig Keim). — In glattem, geschmeidig ineinandergreifendem Zusammenspiel di« sechs Personen, die die Lösung der wunderlichen Aufgabe suchen und finden: die dunkelhaarigie Hndora, der Alix K rahm er Anmut und sprudelndes Temperament, leichte Verliebtheit und verführerische Beweglichkeit gab: neben ihr bie blonde, empfindsame Gespielin, schwankend' zwischen Glück und Verzweiflung, bald jubelnd, bald klagend um den Rainen, der ihr Schicksal bedeutet: Susanne Heym. Würdig und gütig, in toeifern Ausgleich zwischen Irdischem und äleberirdischeni der Apoll von Friedrich G e f f e r s. Ein brauner, sehniger Bursch, herzlich und gutmütig, voll Hifi loser Einfalt tes Raturttndes in Blick und Geste Willi Hankes Rarziß. Die komischen Pointen brachte derb und brett-behaglich Karl Volck. ein anderer Eremit von Griechenland, mit sokra- tisch er Rase unb behäbigem Bauch, ein hefienisti- scher Rübezahl mit ganz besonderer Philosophie über Liebe unb Ehestand. Iulius Bast « endlich, als jugendlicher Hermes, bebend und voll schalkhafter Geschäftigkeit, sprach den olympischen Segen über die Oicbenben. - Das guttefud?tc Haus spendete freundlichen Beifall. Dr. Th. [en. Mit .hier ire re gleichmäßige Körperauöbildung der größte Wert unter allen Leibesübungen beigemessen. Der gezeigte Llebungsstosf gliederte sich in zwei Gruppen. Der erste Teil, die körperbildende Jugendlichen 75. —.— Boin Vogelsberg, 12. 9an. 30 sind verflossen, feit die Kulrurbaubehorbe dieser Umflartb zu zunächst nicht sichtbaren Der- unstaltungen des menschlichen Körpers, trifft er mit besonders ungünstig gelagerten Q5er hä kniffen zusammen, so ist dann in den meisten Fällen mir Krankheit und Siechtum zu rechnen. Bei den dies verhütenden Klebungen ist ein besonderes Augenmerk auf eine gleichmäßige Ausbildung deS ganzen Körpers zu legen, wöbet die Tätig- keit der wichtigsten inneren Organe. Herz und Lunge, nicht übersehen werden darf. In der neueren Zeit wird der Leichtathletik für eine Gymnastik, die aus den oben angeführten Dor- aussehungen beruht, war in drcr -Untergruppen geteilt: 1. in geschmeidigmachende und Dehnungo Übungen, 2. in kraftgebende Klebungen, 3. in Ge° schicklichkcitsübungen. Diese Llebungsarten, energisch durchgeübt, stellen an einen unausgebildeten Körper bereits hohe Anforderungen, und zwar solange, bis eine gewisse Ausgeglichenheit in der Gesamtmuslulatur einqetreten ist. Die zweite Gruppe umfaßt bereits BorbereitungDübungen für die einzelnen Sportarten. Diese Hebungen sollen die Körperteile und Musketgrttppen, welche von den einzelnen Sportarten besonders benötigt werden, geschickt und fpannträstig machen. Sollen diese Lehrstunden einen bleibenden Wert behalten, so müssen die gelehrten Hebungsarten in den D:reinsiibungsstunden während deS Winterhalbjahres fleißig geübt werden. Vorbedingung ist allerdings, daß zunächst die körperbildende Gymnastik besonders gepflegt wird, um zunächst die durch die Berufsarbeit sich gebildeten Ungleichheiten der Muskulatur auszugleichen. Mit großem Interesse, wenn zum Schlüsse auch sichtbar ermüdet, folgten die Teilnehmer .tzreis Alsfeld. Nieder-Ge münden, 12. Jan. Wirtschaft. Von den deutschen Schlachtvieh- Märkten. An den Dchlachtviehmärkten der vorigen Woche war der QUarftoertauf bei Rindern, Käl- Turnen, Sport und Spiel. Eine Sportler-Lehrstunde veranstaltete am Sonntag vormittag der 3. Be - zirödes Arbeiter-Turn- und Spor 1- b u n d e s in der Turnhalle der Stadtknabenschule in Gießen. Die Veranstaltung, welche die erste dieser Art in diesem Winterhalbjahr war, hatte einen guten Besuch aufzuweisen und stand unter der sachkundigen Leitung .des Bezirkssportwarts Mandler- Heuchelheim. Der Grundgedanke vor die Tatsache, daß sich bei jedem Menschen, besonders bei ben beruflich tätigen, solange sie keine systematische Gymnastik betreiben, eine einseitige Körper bildung bemerkbar macht. Die Be° 'rufdarbeit bedingt eine einseitige Lleboranstten- gung oder Verweichlichung bestimmter Muskel- gruppen, je nachdem werden diese entweder zu lang oder zu kurz. Sn den meisten Fällen führt Grünlandgewinnung b^ro. Hutweiden- Melioration systematisch in Angriff genommen hat. 1896 war es, als beschlossen wurde, ungefähr 2000 Hektar Oedland und Wüstungen der Dieb zücht nu^bar zu machen. Das Gelände lag hauptsächlich in den böchstgelegenen Ortschaften der Kreise Schotten und Lauterbach. Es bildete eine fümmrt licht Weide, war mit Dornengestrüpp bewachsen und mit Dalaltblöcken lind Ameisenhaufen bedeckt. Im ganzen sind bis jetzt über 1100 Hektar melioriert worden. Der größte Teil wurde als Wiesen und 'Weiden, das übrige zu Ackerland angelegt. Das Gelände wurde zuerst eingeebnet, die Wundstellen mii Klee- und Grasmischung eingesät und schließ- lich die ganze Fläche mit Kali, Kolk und Thmnas- mehl gedüngt. Die Viehzucht ist seitdem produktiver geworden, Fleisch- und Milchertrag haben in den betreffenden Gemeinden bedeutend angenommen. Der hessische etaat und die interessierten Gemeinden tragen die Posten der Oedlandverbesserung zu je 50 Prozent. So wurden in den legten Jahren Ver- bcsserungsanlagen ausgeführt in den Dörfern Crainfeld. Grebenhain, Engelrod und Ilbeshausen im Kreise V a u t e r b n cf); Ober-Seemen, Burkhards, Kaulstos; und Michelbach im Kreise Schatten; Brauerschwend im Kreise Alsfeld. . 12. 3(in. Aus her tssitzung ist folgen meister Falk eröffnete )tete zunächst die neunter. @r richtete an M ic Bitte, bei jeder Den inte&oft im Auge zu lutyefäieben aus der itj, 3. Dei-raui , tz. (ßöcfner ifftb tttb: St W. W l, H2Ä.THi>nges. äh. Balzer. Ein An- i Wohnung Myte zu- me Dvhmmgen vorhan- Schulvorstandes: chvealer, D. Dal- Stetnhauerl. An- rtere: Die Anstellung den DedinMgen, unter 'lgensoll.Dersch'^ -en bett. Ackerpacht 1925 rh die Pacht für du vor chteten Smeindegrund. itncfetit lvick b Friedberg, 12. M :u des Dandervo- bmd wurde am Mio falben »r-f KretSamt vvvgefchlaaen würben, angenommen. Die Reuwahl des Bürgermeisters wird am 31. Januar stattfinden. Als Kandidaten sind vorgeschlagen von den Sozialdemokrat tat dec neugewühlte Beigeordnete Gg. H i l d - ner. 3n der Dürgervereinssttzung wurde Fabrikant Müller-Thüring als Kandidat aufgefteHt. Wie man weiter spricht, wird sich auch Rechtsanwalt Koch aufstellen lassen —Ortenberg, 12. Ian. Einen wohlge lungenen Unterhaltungsabend veranstaltete am Sonntag der Gesangverein „F r o h s i n n" im oollbesetzten Mauergarlensaal. Nach einem Begrüßungswort des Dirigenten, Lehrer Roß, wechselten sehr schöne Chöre mit Konzertstücken der Hanauer Musiker, hübschen Liedszenen und zwei größeren Theaterstücken ab. Der Höhepunkt des Abends war die Eyrung verdienter Vereinsmitglieder. Cs erhielten die Ehrenurkunde für "«jährige Wirksamkeit im Verein Jakob Streu- b c r, Lehrer Köhler (Ehrenbirigcnl), W. P f e i f - f c r l. (Ehrenpräsident», Gg. K. Pfeiffer, Friedr. v i c i r f e r II., Fr. B a u f r IV. und Th. Bauer, die Ehrenurkunde für 25jährige Tätigkeit im Verein Friedrich Becker. Kari Schernber IV.. Karl -feiner II., Georg /ffiiesner 1., Friedrich 5 t r e u bet L, Karl Ernrich und Christian W e n- > c I (legterer auch anläßlich seines 50jährigen Dienst- bili ums). .?cn Dank der Geehrten brachte Lehrer ■ u I) I c r zum Ausdruck, dabei ans Grund seiner iayr,el)ntelangen Leitung des Chors einen sehr in ter off (inten Rückblick auf die Geschichte des Bersins werfend. '! Echzell. 12. Ian. Am Sonntag fand hier auf Grund eines Kreisausschußurteils dzw. Provin- zialausschußbefchlusses die Nachwahl hinsichtlich der Gemeinderats-, Kreistags- und Prooinzialtags- miiglieber statt. Bei der .K r e i s t a g s w a h l erhielten die Sozialdemokraten 46 Stimmen mehr, während die Demokraten 16 verloren. Der Landbund und die Deutschnationale Volkspartei erhielten sogar 82 Stimmen mehr. Trotz des geänderten Abstimmungsergebnisses ändert sich an der bereits festgesetzten Mitgliederzabl des Kreistags nichts. Wiederum waren 103 ungültige Stimmen dabei. Berstadt, 12. Ian. In der Wirtschaft „Zur Neichskrone" fand eine stark besuchte Versammlung des L a n d b u n d e s statt, in der Land- tagsabgeordneter Dr. L e u ch t g e n s über die „Steuerlast der Landwirtschaft" sprach. Er wies auf das Millionenbeftzit des hessischen Staatshaushaltes hin. Statt zn sparen, seien viele neue Aem- ter und Beamtenstellen geschafsen worden. Die einzige Rettung erblickt er in radikalem Abbau möglichst vieler Stellen. In diesem Zusammenhang wies er besonders auf die Schule hin. Während die Schülerzahl etwa um ein Drittel der Vorkriegssahre gesunken fei, fei die Zahl der Lehrerftellen fast die gleiche geblieben. Auch den Ausbau der Technischen Hochschule in Darmstadt kritisierte er, Hessen brauche nicht zwei Universitäten. Abg. 'Wolf unterstrich noch manche Ausführungen des Vorredners und wandte sich besonders gegen die Neueinführung des hauswirtfchaftlichen Unterrichts an der Mädchen- fvrtbildungsschule, wie sie an Ostern 1926 geplant sei. Kreis Schotten. II Laubach, 12. Ian. Sonntag abend bot im großen toanl des „Solmser Hofes" der hiesige Zweigverein des VogelsbergerHohenclubs, gemeinsam mit dem hiesigen Stenographen- Verein, seinen Mitgliedern einen Unterhaltungsabend, der in allen seinen Teilen zur vollkommenen Befriedigung der Teilnehmer ausfiel. Auch Nichtmitglieder fanden Zutritt. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Zur Aufführung kam das Lustspiel „M o n f t e ii r Herkules^ von Georg Belly, jedoch in neuer Form. Es war von Bernhard Grafen zu Solms-Laubach in eine dreiaktige Operette mit modernen Schlagern nmgearbeitet. Diese schwierige Aufgabe war mit eindringlicher Gestaltungskraft gelöst worden. Alle Miispielenden boten Leistungen, die durchweg sich zu künstlerischer Höhe erhoben. Die Aufführung hatte dankbare und beifallsfreudige Zuhörer. Nach Beendigung der Operette fand gesellige Unterhaltung und Tanz statt. lg. Gedern, 12. Ian. Unter der Leitung des 1. Vorsitzenden, Apotheker Veesenmeyer, hielt der hiesige Z w e i g v e r e i n des V. H. C. seine Iahrsversammlung ab. In seinem Iahresrückblick konnte der Vorsitzende über eine rege und erfolg- Gießener Konzertverein. Zweites Symphoniekonzert. Mit der geistesgeschichtlichen Wendung um Vie Mitte des 18. Jahrhunderts hebt auch für Vie Musik ein neues Zeitalter an. Das Grundprinzip der Polyphonie, die in Bach ihre höchste Verkörperung sah, war die völlige Gleichberechti- gung aller Stimmen; alle müßten daher am melodischen Gestalten Anteil haben, darum auch den gleichen Inhalt verkörpern, und so konnte wohl oder Übel die Melodie als solche sich nicht in ifjrer Eigenart entfalten. Wohl zeigt sich auch bei Bach In feinen instrumentalen Werken schon hier und La ein Zurücktreten des Polyphonen zu Gunsten der herrschenden Melodie, aber zur Entfaltung als solche füllte sie erst in der Folgezeit gelangen. Das Hervortreten der Melodie ist aber gleichzeitig an die Entwicklung der Harmonie gebunden, von der sie flächig getragen erscheint. Losgelöst von allen Verhäkelun- flen und Durchflechtungen des Polyphonen konnte die Melodie sich nun frei in ihrer Ausdruckskraft zeigen und wurde zur Herrfcherin über die Harmonie, die Form und über die Farbe (Instrumentation). Durch die gestaltende Kraft des Motivischen in seinem Ablauf gewann sie an Gliederung und somit an Llebersichtlichkeit und Verständlichkeit, und erst durch die Weiterbildung des Melodisch-Harmonischen wurde die Musik dem wetteren Hörerkreis zugänglich. In der Ausdruckskraft des Melodischen ist aber auch daL Verlangen nach dem Gegensätzlichen gegeben, und die Gegenüberstellung solcher gegensätzlichen Themen führte zur Ausbildung der Sonatenform; die durch gegenseitig zeugende Beeinflussung der beiden Themen zu einem Organismus wurde und bis in die Gegenwart hinein Im Verfolg des in ihr ruhenden und treibenden dualistischen Prin- zips zu den größten symphonischen Kolossen auswachsen konnte. Ihre Formung fand die Sonate bzw. die Symphonie in Mannheim durch Johann Sla° nritz derart, daß diese Form maßgebend für alle Länder wurde. Wo Stamitz seine Ausbildung genossen hatte, ob in Wien oder Italien, war oisher nicht feststellbar, wohl aber wirkte sich bei ihm die böhmische Herkunft aus (Stam'.tz-Stein- metz), wie überhaupt Oesterreich von dieser Zeit an Mitteldeutschland als Geburtsland der Musiker ablvste. Gewiß hakten sowohl die Elemente den einzelnen Arten des gezeigten Llebungsstoffes. Da eine planmäßige Fortsetzung dieser Lehrstunden vorgesehen ist, muß auf einen regelmäßigen Besuch derselben großer Wert gelegt werden, um einen Stamm richtig durchgebildeter Leichtathleten heranzuziehen. Für die nächste Llebungs- stunde ist die Heranziehung eines Arztes geplant. dessen Beratung für die Auswahl des zu treibenden Sportzweiges von allergrößter Bedeutung ist. £ Der Saalsport im „Hessischen Radfahrerbund." sch. Einer der alten und verdienten Pioniere um den Radsport, die Radfahrer-Vereinigung 1 8 9 2 9 0 Bad-Rauheim, hielt am Samstag tm Saale des Sprudel-Hotels Bad- Aauheim ihr Saalsportfest ab. Zum ersten Male trat der Verein, der die ganzen Jahre her auf Tourenrädern diesen Sportzweig pflegte und dabei recht erstaunliche Leistungen zutage brachte, mit seinen acht neuen Dürkopp-Soal- Maschinen an die Oeffentlichken. Die Leistungen in den einzelnen Reigendarbielungen, sowohl im Achter- und Iugendreigen, als auch im Sechser-Kun st reigen waren vorzüglich. Ilkan sah. daß der Saalfahrwart Gg. Bellinger tüchtige Arbeit geleistet hat» aber auch, daß ein ehrlicher und echter Sportgeist die Mannschaft beseelt. Die Jugend bot ebenfalls Vorzügliches und berechtigt zu den besten Hoffnungen. Alles in allem gab der Abend, der sportlich durch ein Komisches Fahren" abgeschlvssen wurde, ein sehr gutes Bild vom Stand des Saalsportes in Dad-Rauheim. Am kommenden Samstag folgt der R. C. „Edelweih"- Rieder-Wöllstadt, am 24. dS. Mts. schließt sich der „Flvttwea"- Steinfurth an. Die Steinfuriher sind schon seit Jahren emsig bei der Arbeit und haben jederzeit Rauheim die Spitze bieten können und diese bezwungen. Auch sie bekamen im vorigen Jahre 8 Saalmaschinen, was den Sport ganz bedeutend gehoben hat. Unter der Leitung ihres Vorsitzenden Jean Bopp brachten sie auch dieses Jahr eine stattliche, gute und zuverlässige Mannschaft heraus, die im Sechser-, Achter- und Damenreigen. sowie Iugendreigen und einem gemischten Zwölferreigen sich zeigen wird. „Frisch auf-Oppershofen und „Germania"- Rockenberg brachten gelegentlich ihrer Winterfamilienabende durch schöne Darbietungen Lieberraschungen, und die Wölfersheimer Äft6?’» wer. S'lveiug '-Ser. 'nen. 6 r 0 P e (f c l)«8. 3an. , 1 .letzte N "!chende 11 *)Qt 9)i*l 'PPetÄM 1 Often nnJet er. hloh ein nbnhUnmileL tmucte Äes $C: GärÄ^ilien. 9- Acht' L tote -rM n;Atfammer her S; Durch das Ujn- ZL- «L- bslanzstückgelündr, ’■ Q1® Saugelänbe mi stellenweife efwlr- bm nQd) Offen nod) den Vorteil biefei, nno Sellerausbeben rnmnt, eine Arbeit, die -lach die gesunde und 'n den letzten Jahren damit ganze Straßen, mucke evangelifche } ausgebaut ist. Andru m diesem Jahre em meitert werden. Dic " kurzer Zeii für un- ien lein. - Auch im t durch Errichten neuer Mlichen Wohnungsnot icbet entstanden eben Nit besonderer Vorliebe ‘ 2 utzbacher Slraße letzten Jahre nicht wc- ichtet wurden. Sicherlich nehr, wenn es nicht an n Selbe imb seiner 8e- löurbc ein Kleinkaliber-Schützenverein gegriinder, dem sofort eine größere Anzahl Mitglieder beitraten. Als Schießplatz wurde ein nach Elpenrod zrl gelegenes Gelände ins Auge gefaßt. Preußen. ,M reis Wetzlar. d. K r o s d o r i, 12. Jan. Vor Weihnachten sind im hiesigen Wald zahlreiche Weihnachtsbäumchen gestohlen worden. Einige Personen wurden beim Diebstahl erwischt und zur Anzeige gebracht. Als traurige Spuren des Treibens dieser Langfinger lann man jetzt im Walde zahlreiche Baumstümpfe stehen sehen. — Infolge der nassen Witterung der letzten Zeit ist am Gleiberg, in der hohen Welle nahe an der Seemühle, ein Erdrutsch eingetrelen, wobei auch einige Obstbäume rnilgerissen mürben. — Die Maul- und Klauenseuche ist hier soweit erloschen, daß mit der baldigen Aushebung der Sperrmaßnahmen gerechnet werden kann. o. Wißmar, 12. Jan. Die hiesige G e n d arme riest ation ist mit dem 1. Januar 1926 neu besetzt worden. Die Stelle des P o l i z e i b e a m - tcn ist jetzt zur Besetzung ausgeschrieben. Beide Vorgänger in diesen Bamtensieflen sind in den Ruhestand getreten. Aber wohl im mittelbaren Wege durch Mozart, der 1772 in Mannheim den neuen Orchesterklang zum ersten 21tale gehört hatte und nun voller Begeisterung darüber seinem "Vater schrieb: „Sie glauben nicht, was eine Sinfonie mit Flauten, Oboen und (Klarinetten einen herrlichen Effekt macht!" „Ach, wenn wir dvch Glarinetti hätten!" Lind Mozart wurde von größtem Einfluß auf Haydns Schaffen, so daß sich sehr wohl das nachmozartsche Schaffen bet ihm bedeutsam abhebt. Mozattscher Einfluß wirkt sich auch in der 0- Dur-Symphonie Nr. 2 aus, die Haydn in London unter dem Eindruck der Nachricht von Mozarts Tode geschrieben haben soll; mancherlei stilistische Anklänge an Mozartsche Werke, „Don Juan", „Figaros Hochzeit", scheinen diese Annahme zu rechtfertigen; auf jeden Fall zeigt das Werk die starke Stilverwandtschaft der beiden Großen. Eigenartig ist Haydns starke Vorliebe für das eingängig. Melodische; die Einfachheit, die Freude an der reinen Melodie, die Klarheit in der Struktur der Durchführung. Das Ülndante erhebt sich in seinem Mittelsatz zu einer Hohe der Leidenschaft, wie man sie bei Haydn kaum zu erwarten glaubt, und in der Wie- dcryolung des ersten Themas zu einer Feinheit der Farbe in den Holzbläserfermatenstellen, die an die Ronrantik gemahnt. Der Menuettsatz zeigte sich mit einer gewissen Würde und einem feinen Humor (die überraschenden Triller nach der Generalpause). Das Finale beginnt mit einem Thema, das der kroatischen Volksmusik entstammt, zunächst solo gegen einen Orgelpunkl der Hörner und Celli, ihm fieUt sich ein mehr gehaltenes zweites Thema enb gegen; bunt folgen die Bilder, das Wehmütige mit dem Heimatlichen im Wechsel. Unter den zwölf Londoner Symphonien, die den Symphoniker Haydn in der hödpten Reife zeigen, vielleicht das schönste Werk Lind dazu Beethovens Erstlingswerk auf dem Gebiete der Symphonie. Durchaus als Symphoniker ein S«üler Haydns, spricht er doch schon seine eigene Sprach- Dort die reine Freude am Melodisch:» im Tbema, hier etwas, was auf die gespannte Energie hindeutet, die ryhthmcsch-n Atzente, Architektur. Schon der erste Akkord — nicht C-Dur -- sondern der Dominantsepl- akkord^von F-Sur. in unserem atonalen Zeitalter kaum auffallend, aber f-inerzeit von Kühnheit z:ugend. Das rhythmisch gespannte Höhen- pmtttthema des ersten Satzes, das Sieghafte am Schluß desselben. Das Andante mit dem der italienischen Sinsonia wie der sranzösischen Ouvertürenform mitgeftaltend gewttkt, aber der Abschluß des gruudtegenden Formungsprozesses ist Stamitz' Verdienst in seiner Mannheimer Wirksamkeit und in der Auswirkung bei seinen Mitarbeitern und Rachsolgern, und noch in späteren Jahren zeigt sich die befruchtende Rückwirkung auf die Wiener Schule. Die Ausdruckskraft des Melodischen (besonders auch in der Mannigfaltigkeit des Dynamischen) muhte von der bisherigen instrumentalen Praxis fortführen. Das Cembalo Formte den melodischen Anforderungen im neuen Siime nicht mehr genügen, es wurde ausgeschaltet. Die Ausgabe des Cembalos, die Füllung der Harmonie wurde den Diäserstimmen übertragen, in erster Linie den Hörnern, die sich dem Klange des Streichkörpers anschmiegten, und den Trompeteir. Die Kunst des hohen „Clarinblasens", die bei Vach als typisch-deutsche Kunst in höchster Vollendung ihre Anwendung sand, verschwand; die Trompete wurde nun in ihren tieferen Lagen in fanfarenartigen Figuren aus genützt. Obwohl Hörner und Trompeten, damals noch ohne Denttle, in ihrer Tonzahl beschränkt waren, liehen sie sich mit in den Klangkörper der Werke einfügen, da das Harmonisch-Melodische die einfachsten Grundakkorde bevorzugte, im Gegensatz zur vorher- gegangenen Polyphonie. Immer mehr lernte man die Beziehungen zwischen Melodie und dem instrumentalen Träger werten und kam so zu einer weit ausgiebigeren Ausnützung des instrumentalen Cigen- charakters. Zwar finden wir bei Bach auch schon weitgehende Berücksichtigung von Soloinstrumen-- ten, aber die Instrumentalsolostimme trägt noch sehr stark den Charakter des Solomanuals der Orgel; wie ja Bach überhaupt die Orchesterinstrumente chorisch verbindet und verwendet und so dem Klangideal feiner Orgel folgt. Allmählich bilden sich so drei konttastierende Klanggruppen heraus — Streicher, Holzbläser, Blechinstrumente; einst uniTono geführt zur Herausstellung der polyphonen Linie, jetzt drei Klangelemente, die immer mehr fähig werden, dem Subjektiven des melodischen Schassens zu folgen. Das war das Fundament, auf dem Haydn aufbauen und seine Erfahrungen sammeln konnte durch feine praktische Betätigung als Kapellmeister. Ein direkter Einfluh der Mannheimer, die in ihrer klanglichen Orcheslertechnik manches Haydn voraus haben, ist kaum anzunehmen. M AAs wurden meindc -Birger' ** ht°> v öin¥ iftfilaflf“’-; sie vorn für sSS Ä jild Dt' «M leit AtonnW* tiä'- ni 5o. Im Rahmen b:r Deutschen Kamps spie le 1926 in Köln werden die Tennis-Wettkämpse, bie der Deutsche Tennisbund Dort durchführt, als nationale Meisterschaften dieses Jahres ausgetragen. Desgleichen werden, wie auf der Sitzung des Reichsverbandes f. A. B. imb dec Deut - schon Schwerathletik-Verbandes in Berlin bc schlossen wurde, die Boxkämpfe bei den Kampf spielen als Deutsche Meisterschaften (beider Der bände) durchgeführt. Houbens Amerikastarls. vo. Zum ersten Mal wird H o u b e n auf feiner Amerikareife am 4. Februar im Rahmen des Hallenfportfestes des Millrvse (im Madifvn Square Garden» starten, da der Club darauf bedacht ist, jeden früheren Start Houbens zu vermeiden. Außerdem hat Houben acht Startverpflichtungen bereits vereinbart. Die Abreise von Amerika wird am 31. Mürz erfolgen. Neue Damenwellrekorde im Schwimmen über 100 Meter und 880 Yards bei. vo. Bei den letzten Schwimmwetttämpfen in Miami Beach konnten wiederum zwei neue OBeh rekorde erzielt werden. Diesmal sind es bie Damen, die sich mit der Verbesserung der bestehenden Höchstleistungen befaßt haben. Lieber 100 Mir. gelang es Frl. Ethel L a d i e einen neuen Weltrekord aufzustellen. Mit 1:11,5 unter bot sie ihre eigene Höchstleistung um 6/10 Set den zweiten Rekord schuf Frl, Mac G a r t h v über 880 Bords. Lim mehr als 2 Sekunden verbesserte sie ihre alte Leistung auf 12:34. Radsport. Die Radrennen in der Dortmunder West salenhalle brachten sowohl in den Dauer- wie den Fliegerrennen große Lleberraschungen, in dem den „Großen Preis von Dortmund" der B-Fahrer D e d e r i ch s vor Krupkat. Lewa now und Bordoni (Italien), die zum Teil De fette hatten, gewann, während im 1000-Meter- Amateurfahren der Dortmunder Ivkfch, den deutschen Meister Oszmella knapp schlug. Um die Eishockey - Europameisterschaft. DavvS, 12. Ian. (WB.) Der zweite Tur niertag der Eishockey-Europameisterschaft wurde mit dem Spiel Oesterreich gegen Frankreich eröffnet, das Oesterreich mit 2:1 gewann (Halbzeit 1:0 für Frankreich). Schweiz schlug Italien mit 13:0 (Halbzeit 7:0). Die tschechoslowakische Mannschaft schlug die belgische 2:0. Sern unb Schafen rn der Hauptstiche mittel bi8 roi Kälbern und Schafen verschiedentlich Such flott, bei Schweinen dagegen überwiegend Mittel bis schleppend, und nur vereinzelt lebhaft. Die Auftricbsziffcrn haben für alle Gattungen weiter wesentlich zugenommen, ganz be- svnderS für Schweine, die im Zusammenhang damit auch besonders unter rückläufigen Preisen litten, während die Preisschwankungen bei den übrigen Gattungen nur geringfügig waren und mehrfach sogar eher zur 'Festigkeit neigten. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder 'Berlin 19-53 Bremen 25 - 52 Breslau 18-53 Chemnitz 18-52 Dortmund 20-60 Dresden 24-56 Düsseldorf 25 - 63 Elberfeld 24-58 Essen 25-60 ZrankfurtM. 15-62 Hamburg 14-54 Hannover 15-56 Husum — Karlsruhe 18-58 Kassel 20-55 Kiel 14-53 Köln 20-60 Leipzig 20-53 Magdeburg 15-53 Mannheim 14-57 München 17-56 Stettin 15-52 Stuttgart 12-54 Zwickau 15-45 Kalber Schafe Schweine 40-85 27-47 70-81 40-95 35-55 74-88 51-75 30-52 70-89 55-88 30-45 75-98 40-95 25-50 85-93 56-82 30-58 60-96 50-93 — 78-93 50-95 25-50 78-92 55-110 34-48 76-90 50-85 25-48 70-93 30-94 — 70-87 30-85 20-50 77-88 65-78 — 80-94 50-65 — 77-93 29-82 24-52 56-87 55-110 32-42 70-91 45-73 30-55 70-96 35-66 15-45 70-90 52-68 24-38 72-91 74-86 — 58-92 30-85 15-42 70-88 60-87 — 54-90 45-77 30-50 82-94 * Opelwerte in Rüsselsheim. Wie bereits gemeldet, haben die Opelwerke den Betrieb ihrer vor Weihnachten stillgelegten Werke, allerdings noch nicht in vollem Umfange, wieder ausgenommen. Hierzu erfährt der DHD. von der Verwaltung, daß inzwischen größere Aufträge, darunter vor allem Aus landaufträge aus Spanien und Südamerika, eingelaufen seien, die der Unternehmung eine Beschäftigung für etwa ein halbes Jahr sichern. Die Umstellung auf Massenfabrikatton ermögliche eine Tagesleistung von 200 Kraftwagen. ’ 3. G. Farbenindustrie A. G. in Ludwigshafen. Am Samstag sand in Ludwigshafen die erste Sitzung des A.-R. der 3. G. Farbenindustrie 21. G. statt. Zum Vorsitzenden wurde Geheimrat Prof. Dr. C. Duisburg und zu stellvertretenden Vorsitzenden Dr. W. vom Rath. Prof. Dr. C. Müller und C. Weinberg gewählt. Zum Vorsitzenden des Vorstandes und des Arbeitsausschusses wurde Geheimrat Prof. Dr. C. Bosch ernannt. Der Verkauf von Aktien der Dresdner Bank an Amerika. Wie das „‘Berliner Tageblatt" zu dem Verkauf von Aktien dcr Dresdner Dank an die Rewhorker Bankhäuser Hallgarten u. Co. und Lehmann Brothers erfährt, handelt es sich um einen Betrag, der die Summe von vier Millionen Mark überschreitet und der noch eine Vergrößerung erfahren kann unter der Voraussetzung, daß eine günstige Plazierung der Aktien in Amerika erfolgt. Der Verkauf der Aktien ist etwa zum Tageskurs erfolgt. Ein Eintritt von Mitgliedern der amerikanisch eit Dankgruppe in den Aussichtsrat des Dresdner Dank kommt nicht in Betracht. • Die größte amerikanische Ak- tien-Emission. — 55 Mill. Dollar Aktien. Die Dillon, Read & Company in Reuhork hat dieser Tage 55 Mill. Dollar Aktien der Rational Cash Register Company zur Dub- skriptton zum Preise von 50 Dollar pro Stück ausgelegt. Die Emission ist zehnfach überzeichnet worden. Der Kurs ging alsbald aus 54 Dollar hinauf. Die Transaktion ist eine der größten Akttcn-Emiksionen. die in Rordamerika ft a «gefunden haben. Berliner Börse. (ßigenet Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin. 13. 3an. Die Börse begann an den führenden Aktienmärkten in schlapper Haltung. Die gestern bereits stark ermäßigten Schlußkurse wurden heute noch um 1 bis 2 Proz. unterschritten. Die Realisationen im Hinblick auf den bevorstehenden Medio nahmen ihren Franziska. Roman von Lies bet Dill. 42. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er war in der wissenschaftlichen und medizinischen Welt anerkannt. Jedes Kind in Sonnenberg tonnte einem Fremden feine Wohnung zeigen, seine Erfolge verbreiteten seinen Ramen im Ausland. Patienten und Assistenten verehrten ihn. Seine Herrenessen waren berühmt. Mäßig in allen Genüssen, achtete er darauf, sein Herz nicht zu ermüden. Er fühlte es immer nach seelischen Erregung, daß sein ganzes Rerven- system in Vibration geriet, und das durfte nicht sein bei dem Chef eines großen Krankenhauses. Seine Welt war abgeschlossen. Tagsüber gehörte er der Allgemeinheit an. Er war gern allein mit seinen Lehrern, seinen Büchern, der Wissenschaft. Rur über eins kam er nicht hinweg, über den süddeutschen Frühling. 3edes 3ahr, wenn er wieder blühte, fühlte er einen fast körperlichen Schmerz. Er berauschte sich an dem Fliederdust, den heiteren weiß und rosa Blütengärten. der Pracht der aufbrechenden Rosen, aber er genoß ihn nur mehr wie ein Schauspiel, bas man für ihn gab. Er fühlte, daß irgend etwas für ihn aus immer vergangen, verblaßt, feine Kraft verloren hatte, und jedesmal. wenn der Frühling kam mit feinen aufbrechrnden Fliederbüschen, die über den Mauern des Schloßparks hingen, ging er fort, ins Ausland oder ans Meer, wo es noch keinen Frühling gab. Es war einer jener melancholischen herbstlichen Rachmittage, da die Bäume in bunten, prangenden Farben leuchten und die Walder auf den entfernten Höhen in Flammen zu stehen scheinen, aber an denen man schon den Moder und die Vergänglichkeit in der Luft spürt, der uns ahnen läßt, daß die so üppig vollbelaubten gelben Bäume, die Büsche am Hf er, der wilde Wein, der über die Gartenmauer hängt, nur auf einen kräftigen Windstoß warten, um die flammende Last abzuschütteln. Der Himmel war von dem zarten rosa Ton Damm: Frankfurt a.M.l Berlin Fortgang, während von auswärts keine Kaufaufträge von Belang Vorlagen. Die anhaltende Geldflüssigkeit und die Diskontermähigung blieben daher ohne Einfluß auf die Stimmung, vielmehr trat infolge der innerpolitischen Schwierigkeiten durch das dauernde Hinauszögern der Kabinettsbildung eine starke Verstimmung ein. Die Llmsahtätigkeit war daher infolge der Unklarheit über die weitere Entwicklung der Börse sehr gering. Verstimmend wirkte auch die erneute starke 2lbschwächung des französischen Franken auf 130,25. später 129,60, gegen London. Das englische Psund lag heute international sehr fest, so daß sich sämtliche europäischen Devisenkurse einschließlich der Reichsmark (20,40) etwas verschlechtert haben. Warschau behielt gegen Kabel seine bisherige Festigkeit. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert flüssig. Tägliches Geld war zu 6 bis 8 Proz. reichlich angeboten. Monatsgeld nominell 8.5 bis 10 Proz. Börsenkurse. 5% Deutsche RcichSanleibe • 4% Deutsche RetchSanleihe . 3',V7o Deutsche Rcichsanlethe 3% Deutsche Reichsanlcihe . Tcuiichc Svarprämicnanleihe 4% Preußische Konsuls - . • 4° o Hessen.......... 3'/i% Hessen 3% Hessen Deutsche Wertd- Dollar-Anl. dto- Toll -Schatz-Anweiing.') 4% Boatürfen......... 5% Goldmcrikaner Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank Tarrn ft. und Nationaldank . Deutsche Bank......... Deutsche BcreinSbank .... Diöconto Commandit . . . Metalldank........... Mitteldeutsche Ereditdank. . Dcsterreichische Credftanstall. Westbank Bochumer Guß ....... Buderus...... Caro Deutsch-Luxemburg ..... ö>clscnkirchcner Bergwerke. . Harpencr Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurahüttr . . . . . Lbcrbedarf • • • . Phönix Bergbau Rheimlahl........... Nie deck Montan ..... Tellus Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket... Norddeutscher Llovd . ... Theraunsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp £oUntann...... Änglo-Eom-Gnano . ... Badische Anilin........ (ybemmtie Mader Alapia » . Goldschmidt Griesbeimer Electron . . . . Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung ....... NütgerSwerfe ........ Scheideanstalt . ...... Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamkraftwcrke ....... Schuckerf....... • *. Siemens i Halske ..... «dlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt......... Meguin. ........... Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen .. Konservenfabrik Braun . . . Metallgesellichaft Frankfurt. Pct. Union A.-G Schuh'abrik Her; Sichel.............. .ScUftoff Saldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . . . Frankfurter Börse. (©igener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M„ 13. 3an. Tendenz: Schwächer. — Die Aufwärtsbewegung an der Börse dürfte als erledigt zu bettachten fein. An ihre Stelle ist wieder ein gewisser Pessimismus getreten, der heute durch das Scheitern der Großen Koalition eine Verstärkung erfuhr. Die Derfttmnrung brachte Material an den Markt, das aber immer noch ziemlich glatte Aufnahme, bei allerdings teilweise stark ermäßigten Kursen, fand. Die Spe- kulatton beobachtete größere Zurückhaltung, so Schlug»! l»Ubr» 1 Schluß»! Kur» 1 Anfang flurc fiurc 1 Nur» I 12. 1. | 13.1. | 12. L 13. 1. 0,2161 0.213 0.22 5.2125 — • 1,267 0,25 0.25 1 — ) 2325 0 23 0.3 — _ ! — 0.16 — 0.12 0/25 — 0,2575 1 1,2425 — — i — — 0.20 — 0,2.5 j 90.2.') — 92 —- 08.45 — 98,55 1 —- 8,025 S — 40.25 10 42,25 — 141* — 140* | 139.2* 100* 100* 100* 100* 110,5* — 110* 109,5* 111,5* — 110,5* 110 7* 60 — - — 108,5* 107,7* 108,2* 107,7* 81.75 80,5 — — 94.5* 81* 94.15 — 6.7 6,5 6,62 6,4 0,091 0 031 — —— 70* — 71* 67* 34.75 34,75 Al 38.75 —- 39.5* 38,5* 67.75' 65.75* 67,75* 65,76* 73.5* —— 73,12* 71,75* 97.75* 95.5* 98.12* 95* 109,1* 107 108* 106 111,5 107,5 112,25 Od — 31 29.75 42.5* — 40.25* 38.25* 67,75* 68 5* C6.4* 66,25* 56* fl* .6.25* 53,75* 74 VI 25 74,5 — 47 — | 100* 9),5* 99.25* 99.3' I 103* 104* 102* 103,;* 1 66,5 76,25 _ 50 48,9 51.5 — —> — 82 — 113,7* 111,9* 114 2* 112 58.5 56.5 • 54,75 116.7* 112' 113,25 112* 113 6’ 112* 113,7* 111,5* 48 25 17.5 — 59,5 — 88 85,5 — — 81* 90* »u* 89,25* 73,5 — 74 73.5 — — 65.2.* 63* 65,35* 62.5* 76* 77.5* 75* 31.5 | 31,25 30.25 39.75 28.5 28 27,9 37,5 19 — 29 — 31 . — — 22,5 — — — — — 92 92 E 52 52 51.5 —• 20,6 ! 20,5 21 — 2,1 ! 2 2 — 90.25 90,25 89 89,75 48 48 —— — 41 1 40,5 40 — bafii int allgemeinen das Geschäft ruhig verlief Eine Ausnahme bildeten Schiffahrtsaktie n^ die infolge gesteigerter Rachfrage starke Kurs- erhohungen zu verzeichnen hatten. So fonntem Hapag imt 2 Proz. und Rordd. Lloyd um 3 Proz. anziehen An diesem Markte war das Geschäft überaus lebhaft, teilweise sogar stürmisch. Alle anderen Marktgebiete waren dagegen schwächer gestimmt. Am stärksten Wirkteil sich die Rückgänge in Chemiewerten aus, die Kurseinbuhen bis zu 3 Prozent zu verzeichnen hatten. Besonders stark waren Goldschmidt gedrückt (3,5 Prozent). Kaliwerte waren ebenfalls scharf rückgängig bis zu 3 Prozent. Am Mont an markt betrugen die Einbußen bis zu 2 Prozent. Elektrowerte gaben bis zu 1 Prozent nach. Von A it t o a f t i e n waren Kley er um 2,5 Proz. abgeschwächt. von Maschinen Karlsruher um 2 Prozent niedriger. Bankaktien wiesen nur geringe Veränderungen auf, doch ging auch hier die Tendenz nach unten. Der Einheitsmarkt der 3ndustriepapiere lag überwiegend schwächer. Deutsche Anleihen lagen still und gaben weiter nach, besonders Schuhgebietsanleihe. P f a n ö b i c f e schlossen sich der schwächeren Strömung an. Am Auslandrente n- markt standen .Ungarn im Vordergründe des 3nteresses und hatten bei gesteigerter Rachfrage ansehnliche Gewinne zu verzeichnen. 3m Freiverkehr kam es gleichfalls zu Rückgängen. Benz 29 Proz., Brown°Boveri 50 Proz., Entreprise 9, Growag 44, Krügershall 76 Proz.. Ufa 50 Proz., Ufra 57 Proz. Fest lagen Deutsche Petroleum mit 67. 3m weiteren Verlaufe erhielt sich das starke 3nteveffe für Schiffahrtsaktien, die weitere Kurssteigerungen erzielten, wodurch auch die allgemeine Stimmung etwas zuversichtlicher wurde. Der Geldmarkt ist unverändert leicht. Tägliches Geld ist unter 7 Proz. reichlich angeboten. Monatsgeld 8"o bis 10 Proz. je nach Adresse. 3m Devisenverkehr blieb London sehr fest, dagegen war Paris gegen London stärker abgeschwächt. Das englische Pfund notierte gegen Kabel 4,853/4. Paris gegen London 129,70. Die übrigen Valuten waren unverändert. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 12 Ian. 13. Jan. Amtliche Notierung Amtliche Notierung (Selb Brief Geld Brief Amst.-Rou 168,56 168,98 168,64 169,06 Burn--Aires 1.737 1, <41 19,07 1,737 1,741 Brss.-Autw 19.03 19 045 19.085 Ehrfstiania. 85,70 85,92 85,44 85,66 Kopenhagen 104,39 104,65 104,37 104,63 Stockholm . 112,34 112,62 112,34 112,62 Helftngfors (0,555 10,595 10,555 10,595 Italien. . 16,945 16,945 16.92 16,96 20,422 London. . 20,863 -0,413 80,372 Neayork . . 4,195 4,215 4,195 4,205 Paris. . . 16.055 16,695 15.69 15.73 Schwei; . 81,01 81,20 81 031 81.335 Spanien. . 59,58 59,72 69.38 69,52 1,849 Japan . . . Rio de Jan. > ,836 1,815 1,84.'. 1.624 0.626 0.626 1,628 Wien inD- Oest. abgest .9.04 69,18 59,05 59,15 Prag .... Belgrad . . 12.415 12,455 12.417 12,457 7,4t 7,43 7.41 7,43 Budapest. . Buloanen 5,87 2,965 5.89 3,975 5,87 2,965 5,89 2,975 Lissabon 21.305 21,355 21 305 21,855 Damig. . . Konstantin. 80,73 80,93 80.76 80.96 8,23 2,24 2,223 3,245 Athen. . • 5.715 5.735 5»? Io 5.735 Canada. . . 4.19 4.20 449 4,20 Uruguay . 1,305 4,315 4,305 4.315 Banknoten. Berlin, 12 Jan. Geld Brief Amerikanische Noir» ..... Belgische Noten ........ Dänische Noten ........ Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten ...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Dentsch-Ocsterr., ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten. . .... 4.189 18,99 101.19 20,331 16,07 168,25 16.95 85,56 58,94 112,13 80,97 69.44 12.395 5,83 4.209 19.UJ 101,71 20,431 16 15 16*1.09 17,03 85.89 59,24 112,69 81,37 59.74 12.455 5,87 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 13. Jan. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 25,75, Roggen, inländischer 17,50 bis 17,75, Sommergerste für Brauzwecke 22,50 bis 25, Hafer, inländischer 18,50 bis 21,50, Mais, gelb 21, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 40,75 ms 41,25, Roggenmehl 26 bis 26,50, Weizenkleie 11,10 bis 11,30, Roggenkleie 11,25 bis 11,50. Tendenz: Unverändert. überhaucht, den die scheidende Sonne hinterlassen hatte, die Luft war mild, weich und still, man spürte sie nicht in diesem sanften lila Licht, das alles eiidjüHte, die farbigen Bäume, die roten Weiden, den weihen Rebel, der von dem Flusse auf flieg. Langsam zog das klare, ruhige Wasser dahin, in dem sich die flammenden Bäume spiegelten und auf dessen Flut große, breite gelbe Platanenblatter trieben. Hasse machte seinen Spaziergang zwischen den Rachmittagsbesuchen und einem Herrenessen, das heute abend in seinem Hause stattfand. Seit zehn 3ahren ging er jeden Tag um dieselbe Stunde auf demselben einsamen Weg. am Botanischen Garten vorbei durch die Anlagen bis zu den Wiesen am Fluß, auf dem ihm höchstens ein Bahnarbeiter mit feiner Harke oder der Laterne begegnete. Hier überlegte er gewöhnlich feine wissenschaftlichen Arbeiten, und seine Aufmerksamkeit wurde durch die flache, ruhige Landschaft nicht abgelenkt; er hatte sich an sie gewöhnt wie an die regelmäßig Wiederkehr enden Arbeitsstunden. Er schritt an dem schmecken Fluß dahin in Gedanken. Am Himmel stand schon der Mond, groß, voll und rund, eine gelbe Scheibe, die kein Licht wars, sondern dort oben am Himmel hing wie ein Ballon, den Kinder fliegen ließen. 3n den Anlagen wurden bereits die Lichter angezündet, ein Laternenanzünder ging auf dem anderen Ufer von einem Laternenpfahl zum andern und hinterließ überall ein rotes Licht, das wie ein trübes Auge durch die feuchte lila Dämmerung blinkte, ohne zu leuchten, wie der Mond, der zu früh aufgeftiegen war. Dieser unnatürlich gelbe Mond war Hasse unangenehm, er wußte nicht, warum. Er verfolgte ihn, und wenn er ins Wasser blickte, sah er die gelbe Scheibe sich dort unten spiegeln. Er erinnerte ihn an irgend etwas, das mit einem Theatermond -zusammenhing, der zwischen funkelnden Sternen an einem südlichen tiefblauen Rachthimmel stand und auf eine in lila Licht getauchte Terrasse blickte, er war nicht gelb gewesen, sondern silbern. Vielleicht ist er jetzt alt geworden, der Mond, dachte Hasse. Die bunte, sterbende Ratur in solch neblig linder Luft, in der er dahinschritt, kündigte den Herbst an. Es wird Herbst werden, dachte er, auch für dich. Vor solchen Gedanken muß man sich hüten, wenn man einsam geworden ist, und es ist angenehm, fröhliche Gäste bei sich zu sehen an Tagen, da man anfängt, über Vergangenes nach- jubenfen, das weiter hinter uns liegt, von undurchdringlichem Rebel verdeckt. Doch sie kamen wieder und zauberten ihm Bilder vor aus einer fernen Zeit, ohne daß er fie abwehren konnte. An derselben Stelle einer sumpfigen Wiese mit einem schiesstehenden Wegweiser, kehrte er um, ohne es zu wissen, wie jeden Tag um dieselbe Stunde, und er ging zurück durch den Schloßpark, wo er die Straßenbahn nahm. Als er das ehemals von Worth bewohnte große graue Haus betrat, schlug ihm ein warmer, würziger Duft nach Pasteten aus der unterirdischen Küche entgegen. Der Gärtner war eben damit beschäftigt, den hohen, kahlen Hausflur mit grünen Pflanzen zu schmücken. Diese schweren Lorbeerbäume, die düsteren Zypressen erweckten in ihm die Vorstellung einer Feierlichkeit, der gerade der Arzt gern fernbleibt. Wie ein Begräbnis erster Klasse, dachte Hasse, und er wies mit dem Stock alle großen Bäume fort. Oben sah er seine Wirtschafterin mit einer Pfanne voll glühender Kohlen in den Salon eilen, eine Art, den Ofen einzuheizen, die er ihr streng untersagt hatte, des weihen Persers wegen, der mit dieser Wohnung in seinen Besitz übergegangen war. 3m Flur empfing ihn der Koch, um seine Anliegen vorzubringen. Der Fasan hatte Hautgout. die Wirtschafterin hatte ihn, nach seiner Weisung, acht Tage am Schwanz an das Küchenfenster gehängt, da es aber geregnet hatte, roch er, und er hatte ihn weglassen muffen. Er reichte Haffe die geschriebene Speisenfolge. 3n Haffes Haus gab es zwischen Fisch und Braten stets einen warmen Pudding. Alle Köche hatten sich erst dagegen gesträubt, jetzt war es Mode geworden, ihn zu geben. „Und zuletzt kleine Toasts mit Camembert gefüllt, paniert und in Butter gebacken", meinte der dicke Koch, dessen rotes Gesicht unter einer tadellosen weißen Mühe dunkel glänzte wie das eines Mohren. Bücherttsch. — Dieses Deutsch! Ein froher Führer zu gutem Stil von Paul Georg Münch (Dürrschc Buchhandlung, Leipzig). Das Buch ist eines jener Werke, die mit Lebendigkeit und Liebe daS Hebel an der Wurzel — in der Schule — zu packen versuchen. Der deuttche Schulaufsatz also steht im Mittelpunkt der Abhandlung und sucht Klarheit zu schaffen über den Sinn des Aufsahschreibens, gibt Vorschläge für die Themenwahl und die Art ihrer Behandlung und geht endlich ganz positiv an die Aufbauarbeit mit „Zehn Geboten, die Kinder zur Freude an der Muttersprache zu erziehen". 254 — Der englische 'Boccaccio — den beschaulichen und kecken Canterburygeschichten des seligen Herrn C h a u c e r nacherzählt von Kurt Offenburg. (3m Sibyllen-Verlag. Dresden.) Das Buch gibt eine stark gekürzte Auswahl aus den besten der zahlreichen Chaucer-Geschichteu, gut überseht und geschickt zusammengestellt. Der Reiz des Originals bleibt jedenfalls durchaus erhalten. Und das ist schließlich "Aie Hauptsache. So eignet sich das Buch zur Lektüre für weiteste Kreise, die an der Erzählerkunst dcs alten Engländers ihre Freude haben. 177 — Alfred Wolfen st ein, „Der Narr der 3 n f e l" (Verlag Die Schmiede). Alfred Wolfensteins neuestes Drama zeigt den Dichter als Verkünder neuer Cmpfindungswelten, den Crwecker eines neuen Gewissens. Rur die letzte Hingabe findet Gnade, wer sich nicht ganz gibt, wer heute schon Glück will, der ist „Der (Harr der 3nsel", der irgendwo, weltfern, mit wenigen genießen will, was keiner genießen darf, solange die übrige Menschheit entbehrend kämpft. Wolfenstein will Mittler sein und Kampfer einer neuen, brückenschlagenden Lebensidee, die Geheimnis und Klarheit ihre Fundamente nennt. 635 — Heinrich von Kleist, Werke. Herausgegeben von Karl Federn. (VolkSverband der Bücherfreunde.) Ein neuer Kleist, vom Herausgeber eingeleitet und forgfättig in allen Einzelheiten geordnet und überprüft, fo daß manches in anderem Zusammenhang ein anderes Gesicht erhält. Insbesondere auch füll) die Briefe um einige bisher unbekannte vermehrt. Die Biographie geht mitunter eigene Wege und kommt zu eigenen Urteilen; ste ist vornehm, fachlich, Har. 125 Letzte Nachrichten. Dr. Luther mit der Kabinettsbildung beauftragt. Berlin, 13. Jan. (TU.) wie die Telegraphen- Union erfahrt, Hal der Reichspräsident den geschäflssührenden Reichskanzler Dr. Lulhec heule mit der Regierungsbildung beauftragt. Dr. Luther hak den Auftrag angenommen. General Keim f. Fügen heim a. d. B., 18. Ian. (WEN.) G • neraUeutnant August Keim, der Gründer des Den!- fchen Webrvereins und Mitbegründer des Flottci Vereins, ist hegte hier im Alter von 81 Jahren verstorben. General Keim entstammt einer alten hessische» Soldatenfamilie. Auch er wandte sich dem Soldatenberuf zu und wurde 1864 Leutnant im 4. Hessischen Infanterieregiment. Im Feldzug 1866 wurde er schwer verwundet. Den Krieg gegen Frankreich 1870/71 machte er in Adjutantenstellungen mit. Später kam er in den Großen Generalstab, wurde Lehrer an der Kriegsakademie und nahm schließlich als Komandeur des Füsilierregiments Nr. 40 im Jahre 1898 den Abschied. Alsdann wandte er sich mit der ihm eigenen Energie der Vertretung dcs Flottengedankens zu. Als aber der von ihm mit geschaffene Flottenverein ihm zu sehr ins Regierungsfahrwasser zu geraten schien, trat er von der Leitung zurück. Er widmete sich nun in erster Linie dem Alldeutschen Verband und schuf neu den Wehr verein, der die Annahme der Heeresvorlagen kurz vor dem Kriege mit durchzusetzen wußte. Im Weltkrieg übernahm K. zuerst die Landsturminspektion Lütttch und war dann von November 1914 bis März 1918 Militärgouverneur der belgischen Provinz Limburg. Seine Erinnerungen an ein an militärischen wie politischen Kämpfen reiches Leben hat er in einem interessanten Buch niedergelegt, das im vergangenen Jahre erschien. „Das wäre wohl alles", sagte Hasse. „Den Mokka macht meine Wirtschafterin. (Riemanb bereitete ihm den Kaftee nach seinem Geschmack. Sie hatten alle Sorten durchgeprvbt, zuletzt war die verzweifelte Wirtschafterin darauf gekommen, ihn durch einen verfilzten Strumpf zu gießen, er wurde gelobt, und es blieb bei der Methode. Absagen waren keine gekommen. Bet einem Herrenessen sagte niemcmd ab. 3m Gßsaal stellte der Lohndiener eben die Glasschüsseln mit den großen kalifornischen Früchten auf. Wie Stilleben sahen die schweren fit- bernerr, mit großen Trauben, glanzenden Datteln unb Muskatellerfeigen gefüllten Körbe aus, in Heinen silbernen Körben prangten die Salz- mandeln, die kandierten Früchte, die kleinen Fondants und Desserts. Alles schien in Erwartung der Gaste und eines gut frotber&teten Dineks. 3n großen, flachen Porzellanschalen blühte niedrig eingepflanzter Goldlack und Reseda, die einen angenehmen und unaufdringlichen Dust verbreiteten, ohne den Geschmack zu beeinflussen. „Der Rotwein kommt in Karaffen, der Sekt ordentlich stappiert, Mosel darf nicht die Flasche wechseln", prägte er dem Lohndiener ein. Das Licht des Kronleuchters war durch leichte rosa Schleier auf ein mildes, gedämpftes herabgestimmt. Haffe erwartete heute nur Klubmitglieder, man würde davor sicher fein, feinem politischen Gegner ggeenüberzusitzen, der bet dem dritten Gang auf Rapoleon, Marx oder Bismarck Tarn, medizinische Fachgefpräche kosteten unter Klubmitgliädern Strafgelder.. - es war heute alles auf das ruhige Genießen geftinimt. Während!)efsen war fein Heiner Diener immer neben ihm hergelaufen, einen Zettel in der Hand, endlich wandte sich Haffe an ihn. Die Zettel kannte er, es waren meist eilige Bestellungen, die ihn in letzter Minute norf> fort« riefen. Er las ihn flüchtig. „Eine Dame im Hotel Europa, schwer er- krantt, erwartet Herrn Professor möglichst sofort." Das kommt recht ungelegen, dachte er, Die iltjr ziehend, eS war halb fünf Uhr, um acht war geladen... Immerhin, er mußte wieder fort. (Fortsetzung folgt.)