Nr. (87 Erstes Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 12. August102b GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnlck und Verlag: vrühl'fche Unwerfi1äl§-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Die Berliner Berfaffungsfeier Feiern der Deutschen im Ausland Eine Rede des Reichsinnenminislers Dr. Külz im Reichstag Volksidee, der Mensch- Inhalt für ist eine Republik: die Volke aus. 3n diesen neue deutsche Staats- UM 20,W jeder ist Schicksal 1,7b <495 halt der Staatsidee, der heitSidee. Das Deutsche Reich Staatsgewalt geht vom kurzen Worten ist der ltta,M. hl Ung. । 88,17 I 0,650 M> 12,46 7,«2 6,89 3,65 21,45 gedanke gegeben. Seinen Inhalt zu erfüllen ist nicht Sache der Verfassung, sondern des Volkes. Es soll uns fern liegen, ein Pharisäertum deu Republik auszurichten und kritiklos olles das schmälern zu wollen, was der Kaiserstaat auch an Großem und Bleibendem geleistet hat, aber Achtung und Ehrfurcht vor der Vergangenheit und ihren Leistungen entbinden uns nicht von der Pflicht, dem Staate der Gegenwart und Zukunft unter Einordnung des ganzen Ich zu dienen, denn die beherrschende Idee auch für diesen' Staat ist nicht verkörpert im eigenen armseligen Ich oder in der Partei, sondern im Leben der Ration, deren Glück und Zukunft unsere Arbeit und unsere Hoffnung gilt. Der Staat bin ich — dieser Sah gilt auch für die Republik, aber hier nicht nur für einen, sondern für jeden, hier nicht im herrschenden, n ß 48 45 42 02 87 N .40 ,36 32 ,74 19? «5 Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, üusrDuris 10 Reichspfennig: für Re- lilamean teigen von 70 mm 'Breite b5 Reichspfennig. Playvorschrift 20 , mehr Thefredokleui. Dr. Friede Wild. Lange Derantworllich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.TKyriol; für den übrigen Teil Ernst Dlumlchein: für den Anzeigenteil Hans jüfteL sämtlich in Diehen. Ängofl Ai RotieiM Gewiß sind diese Ziele der Verfassung nicht von heute auf morgen zu erreichen. Wo Staaten und Weltordnungen zusammenbrechen, kann der Reubau nicht von heute aus morgen fertig fein. Aber Pflicht derer, die am Staate verantwortlich sind, ist es, die hohen und großen Ideen der Weimarer Verfassung dem deutschen Volke immer näher zu bringen, um die Teilnahme der Ration an ihrer eigenen Zukunft zu beleben im Sinn« des Freiherrn von Stein- „Die Teilnahme der Ration bildet Liebe zur Verfassung, bildet eine richtige öffentliche Meinung über nationale Angelegenheiten und die Fähigkeit der Bürger, die Geschäfte zu verwalten." Unt> wenn hier und da durch die Teilnahme der breiten Masse des Vol- kes an der Mitbestimmung seines Schicksals Mih- erscheinungen auf freien, so wollen wir uns nicht irre machen lassen in der Rotwendigkeit des Erziehungswerkes am deutschen Volke zur politischen Freiheit und wollen es dabei mit Kant halten, wenn er sagt: „Man kann zur Freiheit nicht reifen, wenn man nicht zuvor in die Freiheit gesetzt worden ist. Die ersten Versuche werden freilich roh, gemeiniglich auch mit einem beschwerlichen und gefährlichen Zustande verbunden fein, allein man reift für die Vemunfil nicht anders, als durch eigene Versuche." Tlnd wollen die Richtigkeit des großen Gebotes nicht verkeimen, das Schiller in die Worte kleidet: „Politische und bürgerliche Freiheit bleibt immer und ewig das heiligste aller Güter, das würdigste Ziel aller Anstrengungen und das große Zentrum aller Kultur." Gewiß: eine Verfassung ist nichts Lieberirdisches und nichts Llnvergängliches, aber ihr Bestand wird um so gefestigter sein, je stärker ihr Inhalt die politischen, sittlichen und wirtschaftlichen Kräfte des Volles der Gesamtheit dienstbar macht. Die Verfassung von Weimar tut das. Sie ist als Staatsgrundgeseh die magna Charta der deutschen Republik. Aber sie ist weit mehr als das: sie gibt neuen und tiefsten 3nr sondern im dienenden Sinne, denn selbstoerantwortlicher Mitträger am seines Volkes. Es gibt keinen höheren und tieferen einen Staatsgedanken. als diesen, bei dem der einzelne mit seinem Wollen und Können bewußt ausgeht im Staate als der Zusammenfassung der Leistungskraft der Gesamtheit, und die politische Gesundung unseres Volkes wird um so sicherer sich vollziehen, je restloser alle Schichten des deutschen Volkes von der Gröhe dieses Staatsgedankens ergriffen werden. Der Staat soll nach der Verfassung nicht der Boden sein, auf dem selbstsüchtige Interessen sich hemmungslos austoben können, sondern er ist eine Erziehungsanstalt zur Menschheitspflicht, und die Verfassung ist hierzu das Hand- und Lehrbuch. Wohin wir in der Verfassung auch blicken, überall zeigt sich das gleich klare und reine Wollen höchster Zielsetzung, das Streben von Mensch zu Mensch zu wirken, „dem inneren Frieden zu dienen" und den einzelnen Menschen, bei aller Achtung vor seiner individuellen Freiheit, doch unter die Idee der Pflicht gegenüber dem Volke und gegenüber der Menschheit zu stellen. Auch das deutsche Volk als Ganzes stellt die Verfassung hinein in den Kreis der Pflichten gegen die Menschheit, „von dem Willen beseelt, dem äußeren Frieden zu dienen". An der Spitze alles Denkens und Handelns steht der nationale Gedanke, aber das Zusammenleben der Völker bringt mit Raturnotwendigkeit internationale Berührungspunkte und Gern ein- schaftsbedürfnisse. Solange die Erde um die Sonne kreist, solange wird es in den verschiedenen Räumen dieser Erde mit ihren mannigfaltigen Daseinsvoraussehungen verschiedene Menschen und damit Menschen- und Döllertremrung geben, aber das Ziel der Menschheitsentwicklung muß sein, das Völkervereinende stärker wirken zu lassen als das Völkertrennende. Dieses Ziel hat die Verfassung erkannt, wenn sie den Geist der Völkerversöhnung als Erüörfe. । Es mürber e 6rnte) 28.50 I 19,(5 bis 20. gelb) 18,25 bis i) 42 bis 42.75 5, Aoggenlleic igl- __ s W 4.W 11,81 111,58 20,46) 12,10 168,91 14.49 92,Oi 69,70 112,18 81,6-1 64,41 12,446 5,87 die Later » Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Äenais-Beingsprets: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch hei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Eießen. Postscheckkonto: granffurlam Main 11686. ziehungsziel auf stellt. Wir können nur hoffen und wünschen, daß der letzte und größte Menschheitsgedanke des friedlichen Zusammenlebens der Völker nicht nur im deutschen Volke, sondern auch bei denjenigen Völkern der Welt sich durchsetzen möge, die bisher in ihren Beziehungen zu den anderen Völkern noch in erster Linie in Bataillonen und Regimentern denken. Roch auf Jahre hinaus wird das deutsche Volk einen dornenvollen Weg wandern müssen, aber wenn am Ende dieses Weges die innere und äußere Freiheit stehl, dann soll uns keine Mühe zu groß, keine Arbeit zu schwer sein Wir werden unser hartes Schicksal meistern, wenn uns eine Zusammenfassung und eine richtige Einstellung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Energien unseres Volkes gelingt. Der alte Staat ist gestürzt, ein neuer Staat ist gekommen, das deutsche Volk ist geblieben. „Staaten stürzen im Sturme der Zeiten, schaffende Völker trotzen der Welt." Rach der Festrede des Reichsinnenministers brachte der Domchor das Mozartsche Bundeslied „Reicht euch die Hand zum Bunde" zum Vortrag, worauf Reichskanzler Dr. Marx das Wort zu folgender Ansprache nahm: Hochgeehrter Herr Reichspräsident, meine verehrten Damen und Herren! Cs ist ein erfreuliches Zeichen der Wiedererstarkung -der Lebenskräfte des deutschen Volkes, daß in immer weiteren Kreisen des Volles sich die Tleber- zeugung Dahn bricht: Die Weimarer Verfassung bietet die Plattform, auf der allein der Wiederaufbau unseres Vaterlandes vor sich gehen kann. Wenn heut überall in deutschen Landen der Geburtstag der Verfassung in schlichten, aber eindrucksvollen Feiern begangen wird, fo geschieht dies nicht nur, um danldar der Schöpfer der Verfassung zu gedenken und ein offenes Bekenntnis zu ihr und ihren ethischen Grundsätzen abzulegen. Es geschieht zu gleicher Zeit, um der Liebe undTreue Ausdruck zu verleihen , die uns alle mit unserem deutschen Vaterlandverbindet. Roch immer trennen gewaltige Flüsse weite Kreise unseres Volkes. Roch immer stehen große Volksteile ablehnend dem neuen Staate gegenüber. Aber wie auch die Einstellung des Einzelnen sein mag, darin sind wir alle einig: Dem Wohl unseres Vaterlandes und unseres Volkes zu dienen, soll Inhalt und Ziel all unseres Denkens und Handelns fein. Geloben wir am heutigen Tage, in diesem Dienst an Volk und Vaterland uns gegenseitig zu überbieten und niemals den Glauben an die deutsche Zukunft preiszugeben. Ich bitte Sie, Herr Reichspräsident. und Sie. meine Damen und Herren, in diesem Sinne mit mir zu rufen: linier geliebtes deutsches Vaterland. das in der Republik geeinte deutsche Volk, sie leben hoch!" Rach der Feier im Plenarsihungssaale verlies der Reichspräsident das Reichstagsgebäude durch das Hauptportal. Vor der Freitreppe hatte die Ehrenlomvagnie Aufstellung genommen. 'Seim Erscheinen des Reichspräsidenten setzte die Musik mit dem Präsentiermarsch ein und leitete, als der Reichspräsident die Ehrenkompagnie erreicht hatte, zum Deutschlandliede über. Hindenburg prüfte die Richtung der in zwei Gliedern ausgestellten Kompagnie und schritt dann in Begleitung des Reichswehrmini sters Dr. G e ß l e r die Front ab. Hierauf verabschiedete sich der Reichspräsident durch Händedruck vom Reichswehrminister und den begleitenden Offizieren und bestteg seinen Kraftwagen. Don der Menge wurden wiederholt stürmische Hochrufe auf den Reichspräsidenten ausgebracht, die sich während der ganzen Fahrt zum Palais fortsehten. Die preußische Berfaffungsfeier. Berlin, 11. Aug. (WTB-) In der staatlichen Hoch schule für Musik fand heute abend die Dersassungsfeier der preußischen Staats- regierung statt. Der Saal war mit Laubgewinde und Blumen reich geschmückt. Don der Orgel, die ebenfalls Blattschmuck aufwics, hingen die schwarzrotgoldene und schwarzweiße Fahne. Neben dem preußischen Ministerpräsidenten Braun und den übrigen Mitgliedern der Staatsregierung waren Reichskanzler Dr. Marx, Rcichswehr- minifter Dr. Geßler, der apostolische Nuntius Mjgr. Pacelli und führende Vertreter des Kunst- und Geisteslebens erschienen. Die Feier wurde mit der vom Philharmonischen Orchester unter Leitung des Kapellmeisters M e y r o w i tz oorgetragenen Ouvertüre zu Goethes „(Egmonr eröffnet. Darauf hielt Minister für Volkswohlfahrt hirtfiefer die Festrede, in der er u. a. ausführte: Es ist der Weimarer Nationalversammlung stets zu danken, daß es ihr in fo verhältnismäßig kurzer Zeit ae- lungen ist, dem nach schweren Kriegsjahren völlig zusammengebrochenen deutschen Volk eine neue rechtliche Grundlage zu geben. Trotzdem die Weimarer Verfassung noch verhältnismäßig jung ist, wird jeder, der die Entwicklung der Dinge in den letzten sieben Jahren verfolgte, zugeben müßen, daß fnä r n«b- w sich k. »ntt ■fÖ '««OB in LWy, 1 t* 3 LSll9tn » nlc'5c- x^jMren lt Muti- Wten unj -^Döeri 12? SMi»; ®cr toeiitie “'M doch "Schere der 2lfiiw ■ etwas an« , weitere I* 6=6i h ennappuaa. W 5 bis - "verkehr wwüaboe. Wwiduf ns, Wränben auf der Grundlage dieser Weimarer Verfassung das deutsche Volk in überraschend kurzer Zeil aus dem wüsten (Hjaos heraus sich wieder auf d e in Wege zum Aufstieg befindet. Es muß un serc Ausgabe sein, in noch stärkerem Maße als bisher für die Dolkwerdung des deutschen Volkes uns einzusetzen, endlich aus den verschiedenen Stämmen ein deutsches Volk .zu schassen und in starkem Maße ein deutsches Nationalgefühl zu erreichen. Unser Volk muß erkennen, daß Rechte und Pflichten, daß Ordnung und Freiheit, daß Einzelwillen und Einordnung gegeneinander abgewogen werden und sich gegenseitig ergänzen müssen. Ohne V e r a n t w o r t u n g s bemüh tsein, ohne Anerkennung der Pflichten lassen sich niemals Rechte begründen. Ohne Autorität und Ordnung läßt sich das köstlichste Gut des Menschen, die Freiheit, niemals gewährleisten. Mit einem. begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf das Vaterland schloß der Minister seine Rede. Das Philharmonische Orchester und der preußische Staats- und Domchor unter Leitung von Prof. Theo Rödel trugen darauf den Chor „Wach auf" aus den Meistersingern vor. Mit Beethovens „Eroica" wurde die festliche Veranstaltung geschlossen. Die Glückwünsche Amerikas. Berlin, 12. Aug. (WTB. Funkspruch.) In einem Glückwunschtelegramm des Präsidenten Coolidge an den Reichspräsidenten heißt es: „Zum heutigen Geburtstag der deutschen Republik spreche ich Ew. Exzellenz im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten und in meinem Namen herzliche Glückwünsche und aufrichtige W ü n sch e für ein ferneres Wohlergehen Deutschlands aus." Die Glückwünsche des diplomatischen Korps. Derlin. 11. Aug. (WTD.) Die in Berlin anwesenden Chefs der fremden diplomatischen Missionen haben durch Abgabe von Karten im Reichspräsidentenhaus oder Einzeichnung in das dort ausliegende Desuchsbuch dem Reichspräsidenten ihre Glückwünsche zum Der» fassungstag zum Ausdruck gebracht. Auslandfeiern. In Wien empfing der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld die Beamten der Gesandtschaft und die deutsche Kolonie. Für den österreichischen Bundespräsidenten war Ministerialrat K l a st e r s k h und namens der Bundesregierung der Generalsekretär im Ministerium den Aeu- ßern, Peter, erschienen. Ferner bemerkte man den Präsidenten des Reichsgerichts. Dr. S i - mons, Exzellenz von dem Dusche, Ministerialdirektor Dr. K i e p und zahlreiche deutsche Teilnehmer des gegenwärtig in Wien tagenden Kongresses der International Law Association Gesandter Graf Lerchenfeld gedachte in seiner Ansprache in warmen Worten des verstorbenen Gesandten Dr. Pfeiffer und stelllte fest, daß das Ansehen und die Weltgeltung des Deutschen Reichs einen entschiedenen Fortschritt gemacht haben. Dedauerlich sei, daß die Flaggenfrage und die Frage der Fürstenabfindung zu einer tiefgehenden Spaltung geführt hätten. Für die Zukunft müssen wir, so fuhr der Gesandte fort, uns bemühen, einmütig an dem Aufbau eines auf der Wohlfahrt aller beruhenden Rechtsstaats zusammenzuarbeiten. Dann könnten wir auch einmal hoffen, alle unsere Volksgenossen in einem Staat vereinigt zu sehen. Mit dem Absingen des Deutschlandliedes schloß die Feier. In der deutschen Botschaft in Rom veranstaltete der deutsche Geschäftsträger. Bot- schastsrat Dr. v. Prittwih einen Empfang zu Ehren der deutschen Kolonie, an dem die Mitglieder beider Dotschaften sowie der bayerische Gesandte beim päpstlichen Stuhl teilnahmen. Auch zahlreiche durchreitende Deutsche hatten sich ein- gefuriben. Der Geschäftsträger begrüßte die Gäste in einer Ansprache, in der er auf den nationalen und sozialen Inhalt der Reichsverfassung Hin- Vies, die von jedem einzelnen die Mitwirkung an der Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft fordert. Der Gesang des Deutschlandliedes beschloß auch hier die harmonisch verlaufene Feier. In der deutschen Botschaft in London sand ebenfalls ein festlicher Empfang der in London weilenden Deutschen statt, die von dem deutschen Geschäftsträger. Botschaftsrat Dufour» Fervnce begrüßt wurden, linier den Gästen befanden sich die deutschen Geistlichen Londons, Vertreter der deutschen Presse und viele andere in London toeilenbe Deutsche. Auch die Mitglieder mehrerer Ferienkolonien, deut'che Lehrer und Lehrerinnen der Londoner Unioerfität sowie eine Gruppe deutscher Schüler aus dem Rheinland nahmen an der glänzend gelungenen Veranstaltung teil. In der Rigaer deutschen Gesandtschaft fand ein Empfang statt. Anwesend waren das lettländischr Ministerkabinett, das gesamte diplomatische Korps. Vertreter der Presse. Abgeordnete und Mitglieder der reichsdeutschen Kolonie. Am Geoenttage der Weimarer Dersassung herrschte in. der Reichshauptstadt das nervöse lebhafte Getriebe, das für große Ereignisse charakteristisch ist. Schon in den frühen Vor- nrittagsstunden zogen viele Tausende in Festgewändern durch die Straßen und namentlich vor den Stäupt eingang zum Reichstagsgebäude. 2m Platz der Republik hatten sich bereits gegen 10 Tlhr Hunderte eingefunden, die dort eine durch fortlaufend neuen Zustrom anwachsende Menschenmauer um jenen Raum vor der Freitreppe des Reichstagsgebäude bildeten, auf dem an 15 Meter hohen weihen Stangen die schwarz- rot-goldene und die Reichsmarineflagge im leichten Winde wehten. Der Flaggenschmuck hat im allgemeinen gegen das Vorjahr zugenommen. Ramentlich haben sich auch die ausländischen Botschaften und Konsulate beteiligt. Außer den schwarz-rot-goldenen schmückten auch die schwarz- weißen Preuhenfahnen sowie die der Stadt Der- Zn den Platz. In der Wandelhalle des Reichstages waren zur Feier des Tages die vom Reich für das Internationale Arbeitsamt in Genf gestifteten, vom Maler Max Pechstein geschmückten fünf Glasfenster aufgestellt, die Arbeitsprozesse aus Industrie und Landwirtschaft ilt prächtiger Ausführung darstellen. Der Ple- irarsihungssaal, in dem die Hauptfeier statt sand, war durch Tannengrün und gelbe Herbstblumen geschmackvoll verziert. Lieber dem Präsidententisch war ein riesiger Reichsadler angebracht. flankiert von den Wappen der deutschen Länder. Um 11 Llhr wurden für die Teilnehmer an der offiziellen Feier die Reichstagstore geöffnet. Bald waren der Plenarsaal und die Tribünen überfüllt. Kurz vor 12 ilfjr fuhr Reichspräsident v. Hindenburg n der Friedrich-Ebert-Sttaße vor dem Reichs- rogc vor. Er wurde vom Reichstagspräsidenten Lobe und dem Direktor beim Reichstag, Geh. Hat Galle empfangen und in die reservierte TRlttellogc des Plenarsaals geleitet. Deim (Eintritt des Reichspräsidenten erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen. Das Reichs- ! a bi nett ist vollzählig vertreten, ebenso sind alle preußischen Minister erschienen. In der Diplomatenloge wohnen die Vertreter i) er fremden Mächte der Feier bei. Der Staats- und Domchor unter Leitung von Professor Hugo Rüdel trug ein altes Volkslied „QIn die deutsche Ration" vor. Darauf hielt Reichsinnenminister Dr. Külz die Festrede, in der er folgendes ausführte: Kein jubelndes Fest ist es. das wir am 11. August, dem Tag der Verfassung von Weimar, begehen, sondern eine Feier ernstesten Gepräges, ein Tag der Einkehr, der Selbstbesinnung, der nationalen Sehnsucht und Hoffnung, ein Tag, an dem das ganze Deutsche Volk sich eint in dem Acdanken an das Schicksal seiner selbst. Ein jeder einzelne von uns hat die Möglichkeit und die Pflicht, das Schicksal seines Volkes ntit zu bestimmen, gleichviel, ob er auf führenden ; Posten berufen oder ob er einaegliedert ist als kleines Rad in das große Getriebe unseres Volks- und Staatslebens, denn kein Gott und fein Mensch kann ein Volk zur Höhe führen, wenn e8 nicht selbst in sich die Kraft und den Drang fühlt. Ja, das Eine ist bei aller ülnübersicht-- lichkeit der Weltentwicklung doch Har, daß fein Volk und kein Staat sich auf die Dauer werde, beraubten können, wo nicht r e st l o s alle Kräfte entfaltet und zusammenge- r f a 61 werden, llnö wenn ein Volk wie das Deutsche sich in der Zeit des Riederbruchs mit einer Verfassung ein Staatsgrundgeseh und ein Programm für seine eigene Lebensbetätigung seht, so muß als großer Grundgedanke dieser 'Verfassung in ihr verkörpert sein der Wille zur nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Wiedergeburt und Selbstbehauptung. Es gibt fein zweites Beispiel in der Geschichte ber Welt, wo ein Volk in einer Zeit so furcht- barer Heimsuchung so schnell Willen und Kraft tu einer von so tiefem, sittlichen Ernst getragenen Reuordnung seines staatlichen Lebens fand. "Der richtig erkennen will, was eine solche Reu- rtimung in der Zeit, in der sie geschaffen wurde, bedeutet, der muß sich einmal in die Stimmung unserer damaligen Feinde versehen, die auf den Zerfall des Deutschen Reiches gehofft hatten urb nun unmittelbar nach dem Diktat von Versailles nicht den Zerfall dieses Reiches erlebten. sondern in der auf dem Rechtsboden der Verfassung von Weimar erstehenden deutschen Republik ein neues Deutsches Reich von starkem Selbsterhaltungswillen vor sich sahen, -ftnd er Hifi sich einmal in die Stimmung derjenigen Aidikalrevvlutionäre hineindenken, die die Re- vrlution in Permanenz erklären wollten und nmmeyr wenige Monate nach dem Zusammen- lr^ch des alten Staates eine durch das Volk geschaffene neue staatliche Ordnung vor H sahen. Wenn man die Dinge so betrachtet, beim erscheint die Verfassung von Weimar als ter Sieg des staatlichen Selbsterhaltungs- villens des deutschen Volkes gegenüber dem °on außen und innen andrängenden Vernichtungswillen. nimmer mag!' >ii, i halt d> ue- ius mitneljnw _ Berwader >t wie erM Am hl Gr bis rhoi a euerer V ®,e t,n w man das wieder weiterer dem W fü«11 »Ä n? Han-- reche-, . njel W 6,r „ *6 ,1 bie Mr, framptten 1 m- 1 in V-Züge Sterben, daß es handelt. Die eingeleitete Untersuchung hat ergeben, sich um eine schwere Fleischvergiftung kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: 180 bis 190, Matte 30 bis 35, Wirsing 20, Weihkraut 10 bis 15, Rotkraut 25 gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 Spinat 30, Römischkohl 5 bis 10, Dohnen 20 bis 25, Dohnen (gelbe) 30, Unter« F Es Dutter 15 bis bis 30, bis 15, ** Ordnung und Sauberkeit in den Zügen. Um Ordnung und Sauberkeit in den Zügen und auf den Bahnhöfen zu heben, sind seit einiger Zeit alle möglichen Mittel durch dic Reichsbahnverwaltung ergriffen worden: planmäßige Prüfungen aller Schnell- und Personen- züge, strenge Anweisungen an das Zug- und Dahnhofspersonal, unvermutete Aachschau während der Fahrt, feuchtes Aufwaschen der Gänge, Einsammeln der Rauch-, Eß- und Leseabfälle fass» einen die eigl h^les fantntell neffe' tofi es nung 1 dem, 1 Kraße Leistm nach i Demo Staat kratisc Staate Geltw Helms deuten marc leien i dem fi Rhabarber 15, Pilze 25, Kartoffeln 5, Frühäpfel 15 bis 50, Falläpfel 7, Dirnen 15 bis 40, Johannisbeeren 30, Pflaumen 20 bis 25, Zwet° chen 25 bis 35, Mirabellen 50 bis 60, Reineclauden 50, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 120, Dienenhonig 150 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.: Eier 12 bis 13, Dlumenkohl 50 bis 120, Salat 5 bis 15. Salatgurken 5 bis 40, Einmachgurken 1 bis 5, Ober- Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20 Pf. das Stück: Radieschen 10 Pf. das Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Philosophenwald: 8.15 Uhr, 1. "Tckttderkonzert der Reichswehrkapelle. — Gießener Radfahrerverein 1885: „Hessischer Hof", Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe und Trompetenblasen". — Palast-Lichtspiele, Kirchenplah: „Die Todesfahrt des Canada-Expreß". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sudermanns Komödie „Die Schmetterlingsschlacht" gehört zweifellos zu den besten Werken des bekannten Derfassers. Das Werk ist seit einer Leihe von Zähren hier nicht mehr gegeben worden und wird am Dienstag, 17. August, als siebente Vor- stellung im Sommerabonnement in Szene gehen. Die Vorstellung, für die eine außerordentlich glückliche Desehung möglich war, fyxt am vergangenen Mittwoch am Dad-Lauheimer Kurtheater einen außerordentlich starken Erfolg davongetragen und dürfte auch hier sicherlich wieder interessieren. Aus der Provinzialqauptstadt. Gießen, den 12. August 1926. Gießener Wochenmarktpreise. (grüne) . Kohlrabi 5, Erbsen 15 bis 20. Mischgemüse 10. Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 20, Meerrettich 80. N'f, pofll $ chl"" pto9l ein im 9. im-he" 6 30 *hn 1 WrS 10 lt^n 15 cfl1 Obiig6’*« Kl io®* S* 5 bil IS ^,1! 11 te i m? '1 bis 20 M. * bat «r ■ £te berkeitiube Sauberkeit In br' n Vörden: p!a? ß* unb Personn 1 das Zug« un Dochlchou toäf aschen der (fcäny unb Lrs«W ÄenststWm fr am haben bn. tracht. Leider 6.- ßublifum fü Sauberkeit in ta kn noch in virli ren schon kurz m: usMgsslation T ften, Etreichhölzw : oder die Dor ge Säuberung lac wih viel gevonnc >e Regeln sich » nan einvickeln ur n das Schinnne die 2ßfdßc bi fälle gehören •■ «| e W. und nij »nicht vhne Unit ecken aus die kl ct- und Daschräic [en, wie er sie sei! it der Milse b ann die Rerchsko! n Pünktlichkeit, v - auch eine iebt uns und Sauber» i der Dahn. 5 raus hin, daß insvl ngeführten Sperr, S»prehgüter u. m als Erprebgut c on dem Sperrig™ trat zerlegbare & und Kriegst rjaes Benehmen - chndigle wird m. ib erblindeter^ chtet, doh nicht i , den Knegsbli-u Bemerkungen 1 ibiglen bitter ench 6 sogar oorgekomK «ch 86em W«« M nurbe, «1» ■ Uw W"»l bi« iei? 5- £&> ! i,“,‘t.i#9845R narn- Perfönlichkett -ur Geltung kommen lassen wollten. Daher rühre auch die Unzufriedenheit Weiler Volksschichten mit unseren politischen Verhältnissen. Wir müssen zwischen Demokratie und Aristokratie einen Ausgleich schassen. Hur so wird Deutschland zur Blüte gelangen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Schöffengericht Wetzlar. 1. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde ein Walzer von Wetzlar wegen schwerer Kuppelei zul Jahr Gefängnis und 5 Iah - ren Ehrverlust verurteilt. 2. Ein Arbeiter auS Wetzlar sowie dessen 25jährige Tochter stehen wegen Blutschande unter Anklage. Die Verhandlung, die ebenfalls unter Ausschluß der Oc,fentlichleit stattfand, endigte mit der Verurteilung des Vaters wegen Dlut- schanbe in Tateinheit mit Verbrechen gegen § 176 StGB, -u 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, während die Tochter 3 TR onotc Gefängnis erhielt. 3. De- weiteren hatte sich ein Schuhmacher auS Münchh olzhau sen zu verantworten, der an einem Mädchen von noch nicht 12 Jahren sich vergangen hat. Auch gegen diesen übrigens schon wiederholt wegen ähnlicher Delikte vorbestraften Angeklagten wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. DaS Urteil lautete auf 2 Jahre Zuchth auS und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. 4. Wegen Vergehens gegen das Umsatzsteuergesetz hatte sich ein Gastwirt und Bäcker aus ^ermann ft ein zu verantworten. Die Verhandlung ergab folgendes: Der Angeklagte hatte den Umsatz in seinem Geschäft für das 1. und 3. Vierteljahr 1925 mit einem bestimmten Betrag angegeben. Rach seinen Auszeichnungen betrug dieser jedoch erheblich mehr. Das Finanzamt stellte fest, daß der Angeklagte in dieser Zeit Mehl bezogen hatte, dessen Kaufpreis nach Abzug des am Schluß des 3. Vierteljahres noch vorhandenen Bestandes immer noch höher war als der in den Aufzeichnungen angegebene Umsatz. Runmehr schätzte daS Ftnanzamt den Umsatz des Angeklagten und erkannte ferner auf eine Geldstrafe von 200 Rm. gegen ihn, wogegen dieser gerichtliche Entscheidung beantragte. In der heutigen Verhandlung lagen Belege der Lieferanten vor. Das Gericht erkannte wegen fahrlässiger Steuerverkürzuna auf 15 0 R m. Geldstrafe hilfsweise 30 Tage Gefängnis nehmen, außerdem eine Vertretung des Kantons Basel-Stadt unb andere schweizerische Behörden. Auch Holland wird beteiligt fein. WSR. Frankfurt a. W., 10. Aug. Wie vom Magistrat mitgeteilt wird, ist die Durchführung deS diesjährigen Wohnungsbauprogramms derart befchleunigt worden, daß ein erheblicher Teil der Wohnungen bereits im Herbst bezugsfähig wird. Immerhin bleibt noch ein Teil von Wohnungen, der infolge von Schwierigkeiten bei der Geländebeschaffung erst später in Angriff genommen werden konnte und dementsprechend erst im Frühjahr fertiggestellt werden kann. Um dies für die Zukunft auszuschließen, und um gleichzeitig der in diesem Jahr besonders großen Erwerbslosigkeit im Baugewerbe zu begegnen, beschloß der Magistrat, bereits Im Herbst 1500 Wohnungen aus dem Wohnungsbauprogramm 1927 in Angriff zu nehmen und die Mittel hierfür, soweit sie nicht aus dem Hauszinssteueraufkommen fliehen, auf dem Anleiheweg zu beschaffen. — Unter ungewöhnlich starker Beteiligung wurden auf dem Hauptsriedhof die Opfer der Bluttat in der Dahlmann st raße beigeseht. Schon lanie vor Beginn des Traueraktes hatten sich Tausende von Menschen, darunter viele Reu- gierige, eingefunden. Die beiden Särge der Opfer waren überaus reich mit Blumenspenden geschmückt. Die Grabrede hielt Kirchenrat Trom- mershausen. (tzrost - Wiesbaden. WSR. Wiesbaden, 11. Aug. Die Verfassungsfeier wurde am Vorabend durch einen Fackelzug eingeleitet. Am Mittag sand die eigentliche Feier im großen Saale des Kurhauses statt, in dem sich etwa 1OOO Zuhörer versammelt hatten. Universitätsprofessor Dr. Hörne f f e r - Gießen hielt die Festrede. Gr betonte, daß es auch für die Anhänger der früheren Ordnung notwendig sei. Abschied zu nehmen von dem, was nicht wirderkehre. Es gelte jetzt, alle Kräfte zusammenzufassen, um hierdurch große Leistungen zu vollbringen, wie es in Griechenland nach dem Uebergang von der Monarchie in die Demokratie geschehen sei. Wie monarchistische Staaten nur bestanden hätten, wenn sie demo- krattsch regiert wurden, so könnten demokratische Staaten nur bestehen, wenn die Persönlichkeit zur Geltung gelangt. DaS Ideal sei der Staat Wilhelms I., der seine Souveränitätsrechte der bedeutendsten Persönlichkeit seiner Zeit, D i s - marck, übertragen hat. Unsere heutigen Parteien verfielen in die Fehler Wilhelms II., indem sie alles selbst tun und keine bedeutende 5. Aehnlich lag der Fall bei einem anderen Angeklagten, einem Kaufmann au8 Wetzlar, der feinen Umsatz erheblich niedriger angab, während die Lieferantenrechnungen eine bedeutend höhere Summe ergaben. Gegen ihn hatte daS Finanzamt 100 Rm. Geldstrafe festgesetzt, wogegen er ebenfalls gerichtliche Entscheidung beantragt hatte. Der Angeklagte bestritt eine vorsätzliche Handlung, was ihm nicht zu widerlege« war. Er wurde freigesprochen 6. Ein Arbetter aus Wetzlar, der sich an einem noch schulpflichtigen Mädchen vergangen batte, muhte sein Tun mit sieben Mona ten Gefängnis hüben. Die Oesfentlichkeit war während der Verhandlung ausgeschlossen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. " Das AmtSverkündigungSblatt Rr. 64 vom 10. August enthält: Anschluß des Kreisamts Gießen an das Fernsprechnetz. — Maul» und Klauenseuche in Inheiden. — Sicherheit bei Lichtfpielvorführungen. — Aufwertung von Stiftungskapitalien. — Dienstanweisung für die Schulleiter, Lehrer und (Siternbeiräte. — Bedarf an Lehrplänen für die Fortbildungsschulen. — Belehrung der Schüler über PostversendungS- vorschristen. — Muttersprache. Zeitschrift deS Deutschen Sprachvereins. — Schulstatistik. — Feldbereinigung Holzheim. — Gefunden, verloren. — Straßensperren. — Konzession als Dienstmann. — Dienstnachrichten. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schristleitung.) Städtische Anleihen. Rach einer Bekanntmachung im „G. A." findet die Stadt Gießen die Ansprüche auf ihre Anleihen von 1922 und 1923 in bar ab. Huflar ist gelassen, ob das eine Kündigung ist, oder ein Anerbieten. Letzteres soll der Fall sein, doch bedürfte es einer ausdrücklichen Erklärung der Stad' Gießen, da selbst eine befragte Bank es für zweifelhaft erklärte. Unbegreiflich ist die Gering- fügigfeit der Ablösung. Aus der löproz. Anleihe von 1923 über 200 Millionen hat die Stadt nach einer von maßgebender Seite nicht bestrittenen Angabe die Gnauthstrahe gebaut. Die Stadt wolle angeben, was sie hieraus für Einnahmen an Mieten usw. hat. Cs Ware billig, wenn sie dementsprechend ihre Anleihegläubiger abfinden würde. Zur Zeit will sie für die 200 Millionen nur 3000 Mk. geben. Eine Straße für 3000 Mk.! Gebaut auf Kosten von Gläubigern, meist wohl Gießener Bürgern, die tm Vertrauen auf den großen städtischen Grundbesitz und die aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Stadtverwaltung die Anleihe zeichneten. Daß andere Städte auch nur den gesetzlichen Minimalbetrag zahlen wollen —, so Wetzlar. daS auS einer der- maligen Anlage eine große Kirchhofanlage geschaffen haben soll —, ist nicht maßgebend. Das Gesetz hat eine höhere Ablösung ausdrücklich angeregt Dieser Anregung kommen biS jetzt bereits Stuttgart. Köln. Hamburg, Lübeck usw. nadv Sicherlich werden rwch viele Städte folgen. Diese Städte werden dann auch, wenn eine neue Anleihe aufgelegt werden muh, leichter Geld, und zu einem billigeren Zinsfuß, finden. Betreffs der Anleihen von Oberhessen ist noch nichts betarmt. doch ist wohl anzunehmen, da es sich bei Oberhessen auch nur um werbende Anlagen handelt. daß die Abfindung deren jetzigem Wert entsprechend erfolgt. Es ist zu wünschen, daß sich die Stadtverordnetenversammlung eingehend mit der Angelegenheit beschäftigt. Bisher ist nach dem Sitzungsbericht diese noch gar nicht gefragt worden. KI. Rundfunk-Programm des Frankfurter LcndcrS. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 13. August. 3.30 biS 4 älhr: Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: HauSfrauennachmittag. 5.45 bis 6.05 Ufer: Die Lesestunde. 6.30 bis 6.45 Ubr Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimatkunde. 6.45 bis 7.15 Uhr: ..Die Erseh ließungs- aeschichte der Alpen". 7.15 bis 7.45 il^r: Funk- Hochschule Frankfurt a. M.: „Rormales und vorzeitiges Aitern", Vortrag von Frau Dr. Riese 7.45 bis 8.05 Ufjr: 20 Minuten älmschau über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 8.05 biS 8.15 älhr: Filmwvchenschau. 8.15 bis 10.15 ll&r: Bunter Abend. Sprechstunden der Nedaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt cingefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Jtnjeigenaufträge find lediglich an die Geschäfts ft eile zu richten. Verantwortlich für den lokalen Teil i.D.: Dr. Hans T h y r i 0 t. | Vermietungen j Ä Simmet zu uerm. Rah Kirchcnplal» 2.3. I Mietgesuche \ Zum 1. Oktober 3-4-Aimmer- Wohnung gejucht. 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Sportkämpfe im Stadion: Deutsche Kraftsport-Meisterschaften. Deutsche photographische Ausstellung im „Haus der Moden". Feder hundertste Besucher erhält einen Photo-Apparat. Abends 9 Uhr in der Festhalle große Brückenrevue. Erste künstlerische Kräfte, Gesamtleitung Städtische Bühnen A. G. Direktor Müller-Wieland. Szenische Leitung: Oberregisseur Hilpert. Bühnenausgestaltung: Professor Sch le mm er (Dessau). Im Festzelt: Tanz. Wir verweisen ausdrücklich auf die Vergünstigung der Sonntagsfahrkarten. S & F-Kakao «» 2.00,1.50,1.10,65 Gemischte Marmelade . Pfd. 40 Oreifrucht-Marmelade pfd. 45 Pfd. Pfd. 8 Stück 10 S & F-Kaffee aus eigenen Importen besonders ausgiebig rein und wohlschmeckend Immer der beste Pfund 4.60, 4.20, 3.80, 3.00 Gesellschaftsdrama in 6 Akten, in der Hauptrolle: Lucy Doraine und Willy Fritsch Regie: Richard Eichberg. Vorier: Liebe und HiebeäS Turnhalle Heuchelheim Zur Kirchweihe Sonntag und Montag (15. und 16. 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Die Frage des Standorts des Reichsehrenmals hat das deutsche Volk in heftige Bewegung verseht. Wiederum drohen Uneinigkeit und Svn- derinteresse einen unerfreulichen Streit im Volke Ku entfachen, in einer Angelegenheit, die frei von kleinlichem Zwist - lediglich nach grohen sachlichen Gesichtspunkten beurteilt werden sollte. Die Reichsregierung hatte geglaubt, durch Berufung eines Gutachter-Ausschusses des Reichsrats, der Körperschaft, welche die Vertretung der Gesamtheit der deutschen Länder darstellt, ein Organ zu schaffen, dem es gelingen würde, ein alle überzeugendes, einstimmiges Urteil zu fällen. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Die offiziöse 'Bekanntmachung vom 10. 3uR d. 3. gibt kund, der Reichsratsausschuh habe sich an erster Stelle für einen Ehrenhain im Herzen Deutsch- lands entschieden, wie er in der Gegend von Berka gegeben ist, daneben hätten gewichtige Stimmen auch das Projekt der Toteninsel bei Lorch am Rhein als eine würdige Form der Heldenehrung anerkannt. Aus der Fassung der Bekanntmachung ist herauszulesen, dah der Be- schlub nicht mit Einstimmigkeit ergangen ist. Dem Reich^ratsausschub haben je ein Vertreter von Preuben, Bayern, Sachsen, Thüringen, Hessen und Hamburg angehört. Die Mitglieder sollten nicht nach Instruktionen, fonberii nach eigener freier Ueberzeugung entscheiden. Ursprünglich bestand im Ausschuß starke Reigung für die Er- stellung eines Gedenkmals in der Reichshauptstadt' als aber die Frontkämpferverbände in voller Einmütigkeit für den Gedanken der Errichtung eines , heiligen Hains" eintraten, hat der ReichSratsausschuß sich dem angeschlossen und diesen Gedanken zur Grundlage seiner weiteren Ermittlungen gemacht. Auch ich habe mich auf diesen Standpunkt gestellt, von der Erwägung ausgehend, daß dem deutschen Empfinden eine Gedenkstätte für die Toten in freier Ratur am besten entspreche, und daß für den hier fraglichen Zweck der Haingedanke apch vor dein hier anfänglich propagierten Gedanken der Errichtung eines Denkmals auf Dergeshöhe den Vorzug verdiene. Nunmehr wurden vom Reichsratsaus- schuh aus der Menge von Vorschlägen, die aus allen Gauen Deutschlands eingegangen waren, diejenigen Projette ausgesucht, die zu einer Besichtigung an Ort und Stelle Anlaß zu geben schienen Entscheidend war der Gesichtspunkt, daß, um die Zugänglichkeit für möglichst weite Kreise zu gewährleisten, wiederum einem Wunsche der Frontkämpferverbände entsprechend, der Plah möglichst im Herzen Deutschlands — diesen Begriff allerdings weit gefaßt — gelegen sein solle. Daneben wurde aber das neuerdings erft vorgelegte Projekt einer Toteninsel im Rhein und zwar das Projett der Inseln bei Lorch und das der Insel bei Ober-Hammerstein unterhalb Andernach, sowie ferner das Projekt der Augustusburg bei Chemnitz unweit der böhmischen Grenze zur Besichtigung zugelassen. Eine Einhelligkeit bezüglich der maßgebenden Gesichts- puntte für die Auswahl bestand nicht. Auf der einen Seite wollte man die Hainidee gewisfer- mahen in Reinkultur verwirklicht sehen, d. h. man suchte eine Stätte im abgeschlossenen Waldgebiet, woinöglich im immergrünen Nadelwald; frort sollte ein schmaler Hainweg zu der in einer Erweiterung des Geländes befindlichen Stätte des Ehrenmals - etwa Sarkophag oder Pylone mit brennendem Feuer — führen, wo Schweigen und stilles Gedenken herrschen sollte. Daneben wurde ein gröberer Raum als Aufmarschgebiet oder Versammlungsort erstrebt. Die ganze Anlage sollte lediglich dem Gedanken an die Toten gelten und alles fern gehalten werden, was abziehend wirken konnte. Meine Auffassung war eine andere. Freilich stand auch für mich der Gedanke des Totengedächtnisses an erster Stelle, daneben aber war ich von Anfang an der Meinung, daß auch Gelegenheit gegeben sein müsse, in größeren Versammlungen dem Gedanken der Hoffnung, der vaterländischen Erhebung und des Wiederaufstiegs Ausdruck zu geben. Das sollte nicht an der Stätte des Totenmals geschehen, sondern an einem in der Nähe gelegenen landschaftlich hervorragenden Versammlungsorte. Auch erschien Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Stadel. Selbst wenn Rembrandt nie einen Pinsel berührt hätte, so würde er doch unsterblichen Ruhm gewonnen haben als Radierer: und so ist es aufs Lebhafteste zu begrüßen, dah das Kupferstichkabinett des Stadel das radierte Werk des Meisters in fast lückenloser Folge ausstellt (aus eigenen Beständen). Es handelt sich meist um frühe Drucke von hervorragender Güte. Schon sehr früh greift Rembrandt zur Radiernadel (die ersten Radierungen stammen aus dem Jahre 1628), und hier ist wirklich einmal „ein Meister vom Himmel gefallen". Denn es ist geradezu erstaunlich, mit welcher Freiheit, Feinheit und Sicherheit der Künstler bereits in den ersten Radierungen die Technik und den Stil beherrscht. Viele Male hat Rembrandt den Kopf der Mutter, den des Vaters wiedergegeben (vom ältesten radierten Kopf der Mutter zeigt die Ausstellung gleich drei Drucke, daneben ein entzückendes Brustbild der Mutter): immer wieder radiert er sein Selbstbildnis, lachend, mit auf- gerissenen Augen, zornig (sogar die wild gesträubten Locken scheinen an der Empörung lell- zunehmen), mit Pelzmütze, mit „derbrettenNase", vornübergebeugt, als Brustbild, mit Federbarett, mtt Saskia zusammen, die Zahl ist Legion: all die Vildnisse sprühen vor innerem Leben. Schon sehr bald beschäftigt den Meister die Darstellung biblischer Stoffe. Zunächst sind es kleine Blätter, in denen Rembrandt versucht, eine Anzahl von Personen in möglichst geschlossenen Gruppen zu komponieren, meist in geschlossenen Räumen, die Hauptgestalten im hellen Licht, die Nebenfiguren stark im Schatten: doch erreicht diese Entgegensetzung von Licht und Schatten noch keineswegs die malerische Wirkung .der späteren Werke. Dieses Helldunkel findet sich aber nicht nur bei Gruppendarstellungen, nmmer kehrt ein prachtvoller Greisenkops wieder, an dem der Künstler Licht und Schatten in allen erdenklichen Verteilungen erprobte. es mir erwünscht, dah die Gesarntanlage sich in einer geschichtlich bedeutsamen Umgebung befände und dadurch ein gewisser Zusammenhang auch zwischen Gegenwatt und Vergangenheit geschaffen wurde. Rein polittschc Gesichtspunkte sollten auch nach meiner Auffassung ausscheiden, entscheidend muhte vor allem die Güte des Projekts in seiner Gesamtheit, in seiner sachlichen und nationalen Wcttung sein. - Am 4. Juli begann die Reche der Desichti» gungen mit dem Besuch der Rheininseln bei Lorch. Man landete aus der nördlichen großen Insel und ging über den Steindamm zur südlichen Heinen Insel. Keiner der Teilnehmer konnte sich dem eigenartigen Eindrücke dieser Insellandschaft entziehen, inmitten des Rheinstromes, in der ernsten Umgebung der nahe an das Ufer heranttetenden Berge der Felsenstrecke, bereit Linienführung wunderbar zu dem ganzen paßt. Es schien, als ob man auf den Inseln von der Welt abgeschlossen sei: der Lärm des Verkehrs ist nicht störend dorthin gedrungen. Die Bepflanzung an den Rändern der Inseln, in der Hauptsache aus Erlen und Weiden bestehend, bildet einen Rahmen und einen Schirm nach außen. Auch die Größe fr er Inseln war überraschen!). Auf mich wirkte vor allem die Beobachtung, daß das Projekt wie von der Natur selbst geschaffen ist. Die südliche kleinere Insel, Trägerin des Hains oder heiligen Raums mit dem Ehrenmal an der Spitze, das den aus der düsteren Ein- ganspfotte der Felsenstrecke bei Rüdesheim rheinabwärts Fahrenden weithin sichtbar sein wird: dann auf dem die beiden Inseln verbindenden Damm der Zugangsweg zum Hain und endlich auf der großen nördlichen Insel der Aufmarsch- unfr Versannnlungsraum, fr er, nachdem der Toten gedacht ist, dem von mir zuvor geschilderten Zweck dienstbar gemacht werden kann. Auch gottesdienstliche Veranstaltungen sind, sei es an der Malstätte, fei es auf dem Versammlungsraum, möglich. Planungen, wie die der Erttchtung eines Stadions sind natürlich ausgeschlossen. Die ganze Umgebung der Insel in ihrer Schönheit, ihrer geschichtlichen Gröhe und ihrer nationalen Bedeutung ist dazu angetan, den Menschen über das Alltägliche zu erheben. Bei dem Projekt des Professors Wach spielt allerdings eine aufwändige Architektur eine große Rolle. Sie bezweckt auf der Chrenmalinsel einen mit mächtigen Pfeilern umrahmten und dadurch in sich abgeschlossenen heiligen Raum gewissermaßen einen Hain von Stein — zu schaffen. Man wird zu prüfen hoben, ob nicht — schon im Interesse der Kostenminde- rung — eine Vereinfachung möglich ist, und ferner, ob nicht die Bepflanzung an den Uferrändern reguliert und der Charakter eines Naturhaines durch Bepflanzung, insbesondere etwa mit Pappeln oder mit immergrünen Koniferen, mehr zum Ausdruck gebracht werden kann- — Nachttägliche Besprechungen mit forsttech- niscken Sachverständigen haben mir übrigens die Ueberzeugung gebracht, daß die Architektur, als Rückgrat der ganzen Anlage, wohl nirgends zu entbehren ist, da Baumpslanzungen dem Verfall und mehr oder weniger raschem Umtrieb ausgesetzt sind Dies gilt besonders auch von dem Fichtenwald. Der Nachmittag des 4. Juli wurde zur Fahtt auf dem Rhein nach der Insel bei Ober-Hammer- stein, unterhalb Andernach, benutzt. Eindrucksvoll ist die geschlossene Umrahmung der Insel, wenn man den Rhein herunterkommt, gebildet durch den imponierenden Felseirberg der Ruine Hammerstein am östlichen Ufer und die Berge auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Aber bie Insel selbst — es ist nur eine Insel — entbehrt der oben geschilderten Vorzüge der Lorcher Inseln. Der Ausblick von der Insel aus. rhein- abwärts und rheinaufwärts zeigt nicht die hervorragende Geschlossenheit und Schönheit der Landschaft, wie dies bei den Lorcher Inseln der Fall ist. Der gesamte Ausschuß, ein Mitglied ausgenommen, hat dem Lorcher Projekt den Vorzug gegeben. Am 5. Juli besuchte der Ausschuß den in einer engen Schlucht bei Höxter geplanten Hain. Ganz besondere Liebe empfindet Rembrandt für die Bettler und Krüppel, die er in jeder Att des Jammers, der Zerrissenheit, der seelischen und körperlichen Verkommenheit darstellt, teilweise erschüttetttde Gestalten (z. D. der fast skizzenhaft aufs Papier geworfene Bettler, ab- gehagertes Gefickt, auf den Stock gebeugt von der Last des Lebens). Die dreißiger Jahre finden den Meister bereits auf dem Gipfel unerhörten Könnens. Die anfangs manchmal ein wenig gewollt wirkenden Gruppendarstellungen werden völlig überzeugend, überall finden wir iwch stärkere Verinnerlichung und geistige Vertiefung, verbunden mit außerordentlicher Lebendigkeit, Klarheit und Gindruckskraft der Vorgänge und Gestalten. Das ..Helldunkel" ist völlig ausgebildet. Diese ganze Entwicklung läßt sich in der zeitlich geordneten Ausstellung vortrefflich verfolgen. Technisch meisterhaft, wundervoll in Stimmung und Naturwahrheit die Landschaften, bei denen die Staffage mehr und mehr zurücktrttt. 3 Bauernhäuser, Blick auf Amsterdam, die Drücke usw. usw.. unvergleichlich die Bildnisse (Ian Six, Haring, de Ionghe usw.). Neben der Aehung bedient sich Rembrandt des Stichels und der kalten Nadel, mit denen er in die geäzte Platte hineinarbeittt und unübertreffliche Feinheiten der Farbigkeit und des Ausdrucks erzielt. Neben Landschaften und Bildnissen schafft Rembrandt auch später hauptsächlich Biblisches. — Das herrliche „Hundertguldenblatt" zeigt die Ausstellung in drei Drucken, darunter den wohl besten zweiten Zustand, einmal leider eingetuscht. Ganz starken Gegensatz zwischen Licht und Schatten gibt die „Kreuzabnahme bei Fackelschein" (1654) und schon früher (1641) „Christus cm Kreuz zwischen den Schächern". Immer sammt- ner wird das Dunkel, immer geheinmisvoller und schummriger die Atmosphäre i.,Darstellung, im Tempel"). Nachtstücke finden sich häufig (siehe auch die „Flucht nach Aegypten"), daneben solch zart poetische Blätter wie „Das Landgut des Goldwägers". — Ein Blatt immer herrlicher als das andere (mag auch ab und an ein von frem- 6v liegt zu Füßen des ursprünglich zur Ausnahme des Denkmals bestimmten Ziegenberges, der von der Raabenklippe bewehtt. schroff in das schöne Tal der Weser, des einzig rein deutschen Stromes, abfällt. Eine Gegend, deren Geschichte in die germanische und karolingische Frühzeit zurückreicht. — Von da ging am 6. Juli die Fahrt weiter zu einem Platz mitten in den bewaldeten Bergen zwischen Rinteln und Bückeburg, ein stimmungsvoller Raum in schöner Umgebung. Die Projekte Höxter und Rinteln-Bückeburg sind ansprechend, aber nicht großzügig, auch ermangeln sie der Geschlossenheit und zum Teil auch der Fähigkeit zur Raumentwicklung. — Ganz anderer Att war das am 7. Juli besichtigte Projekt der Schiefergrube im Harz bei Goslar. Schöner Zugang durch das mit Fichten bestandene enge Gosetal, umrahmt von schön geformten Bergen. Die Schiefergrube auf halber Höhe, von Menschenhand geschaffen, aber jetzt dicht bewachsen, ein heiliger Raum mehr als ein heiliger Hain, man könnte auch sagen ein großes Grab. Don den hohen Rändern der Grube schaut das Auge hinunter. Auf den nächsten Höhen Derfannnlungsplähe mit eindrucksvollen Blicken auf die alte Kaiserstadt Goslar und die malerischen Täler des Harzes. — Am 8. Juli folgte Eisenach, die Stadt in schönster, vielfach gegliederter Landschaft des Thüringer Waldes, überragt von der Wartburg. In einem kleinen engen Seitental des Johannistals, abseits von den Hauptwegen, ein hervorragend schöner, von prachttollen Fichten umrahmter Hainweg, der zu dem Talabschluß fühtt, einer halbtteisförmigen Erweiterung der Schlucht, zur Aufnahme des Ehrenmals geeignet. Dom oberen Rand der Schluchtwand und auf den in fror Nähe gelegenen Plätzen — Versammlungs- Plätzen — ein herrlicher Blick ins Tal und auf die Dergkulissen von Eisenach mit der Wartburg. — Von Eisenach am selben Tag nach Koburg. Dort wurde ein auf der Höhe in der Nähe der Feste gelegener, von einem spärlichen Wasserlauf durchflossener Fichtenwald besichtigt, in dem der Hain angelegt werden sollte. Don diesem Projekt gilt in verstärktem Maße das zuvor von den Weserprojekten Gesagte. — Eine lange Fahrt brachte den Ausschuß am 9. Juli zur Augustusburg bei Chemnitz, in den Dorbergen des Erzgebirges, unweit der tschechischen Grenze. Auf einer die Spitze zwischen zwei Tälern bildenden, ziemlich steil abfallenden Höhe, ein gewaltiges viertürmiges Renais sanceschloh. Von oben schöner Blick auf die Höhenzüge des Gebirges und in das Tal, im Schloß selbst ein weiträumiger, zu Versammlungen geeigneter Hof und zahllose große Räume, die den Verbänden zur Anbringung von Ettnnerungszeichen und dergleichen überlassen werden sollen. In nicht allzu großer Entfernung vom Schloß ein ansteigender Fichtenwald, worin die Anlage eines Hains mit dem Ehrenmal aus der Kuppe geplant war. Dieses Projekt leidet darunter, daß der Hain- gedanke zu sehr in den Hintergrund tritt und frort auch keiner eigenartigen Verwirklichung fähig ist. Das Schloß ist die Hauptsache. Man möchte wünschen, daß die beachtenswetten Ziele, die dem Augustusburg-Projekt zugrunde liegen, doch in irgendeiner Weise zur Durchführung gelangen. — Die Reise fand am 10. Juli ihren Abschluß mit der Besichtigung des Raumes bei dem etwa 12 Kilometer von Weimar entfernten Berka. Un- toeit von Berka, abseits vom Ilmtal, liegt ein einsames Waldgebiet: die engen Täler sind von niedrigen, mit Fichten bestandenen Höhen von fünfter Linienführung umgeben. Am Zusammenfluß mehrerer Laieinschnitte soll der Raum sich befinden. Dott sind auf beiden Seiten des Täl- chens freie Flächen (Kahlhiebe), die sich die Höhe hinaufziehen. Auf der einen Seite soll eine terraffiertc Anlage mit Mauern, die Gedächtnisinschriften tragen, hergestellt werden. Der gegenüberliegende Raum ist als Versammlungs- Platz gedacht. Die Tettassenanlage stößt an den Rand des Fichtenwaldes, in den der eigentliche der Hand überarbeitetes dazwischen sein), kaum vermag man sich zu trennen! Der Ausstellung der Radierungen schließt sich eine solche von Originalzeichnungen des Meisters an, auf die näher einzugehen der Raum mangelt. Den Beschluß macht Graphik nach den Wetten Rembrandts. Der Besuch der Ausstellung, die bis Oktober geöffnet ist, sei jedermann warm empfohlen. E. D. Kaninchenfarmen, die Geburisstätten moderner Pelze. Die Mode bereitet sich für den Herbst und Winter vor, unb der Pelz, der heute während des ganzen Jahres nicht mehr völlig verschwindet, tritt wieder in feine Rechte. Es gab einmal eine Zeit, in der der Besitz eines Pelzmantels zwar die Sehnsucht aller Frauen, aber eigentlich doch nur das Vorrecht der Begüterten war. Fast schien ein solcher Pelz zu gut, um getragen zu werden: er wurde ängstlich geschont, jeden Frühling sorgsam eingekampfett und zum Beginn des Winters wieder hervorgeholt. Die Tage, in denen der Pelzmantel ein solches Familienerbstück war, sind vorüber. Mit Hilfe des schlichten Kaninchens ist heute dieses begehrte Kleidungsstück für die meisten Frauen zugänglich. Seal-Kanin, Maulwurfs- Kanin, Biber-Kanin, Chinchilla-Kanin, sie findet man überall und zu Preisen, die den meisten erschwinglich sind. Diese Eignung des Kaninchens als moderner Pelzlieferant hat eine neue Industrie hervorgerufen, die Kaninchen-Farmen, in denen bereits Vermögen angelegt sind. Kanada, das erste Land, das Fuchs-Farmen begründet hat. gab, wie eine englische Zeitschrift ausfühtt, auch hier den Anstoß, aber Kaninchen- Farmen gibt es heute auch in England schon in beträchtlicher Zahl. Die ganze Aufmerksamkeit der Züchter richtete sich natürlich auf die Züchtung schönerer und größerer Rassen, und durch wohlüberlegte Kreuzung sind die Kaninchen jetzt in der Tat auf eine Stufe gehoben, die vor wenigen Jahren noch ganz unerreichbar erschieß Wahrscheinlich hat keine Rasse mehr zum schnellen Aufblühen dieser Industrie beigetragen als das berühmte Hain oder Hainweg. der #um Ehrenmal führt, hineingeschnitten werden soll. Das Danze in Waldeinsamkeit und Abgeschlossenheit. Die Landschaft hat nach meinem Empsinden etwas Ernstes an sich, aber nichts Großes, zwar nichts, was von dem Gedanken der Totenehrung abzieht, aber auch nichts, was eine besondere Anziehungskraft ausübt. Geschichtlich große Momente fehlen der Landschaft und Umgebung vollständig. Mit Geist von Weimar als der Wittungsstätte Goethes und Schillers kann man doch für diese Sache kein durchschlagendes Argument herauf beschwören. Alsbald nach der Besichtigung des Bettaer Projettes trat der Reichsraisausschust in Weimar zur Beschlußfassung zusammen, die das eingangs mitgeteUte Ergebnis hatte. Die Nlohrliett glaubte, in dem Projekt von Betta den Hain- gedanken am reinsten verwirklicht zu sehen. Auch die Lage im Herzen Deutschlands fiel wesentlich ins Gewicht, und endlich mag auch die Annahme mitgewirkt haben, daß die Frontkämpferverbände sich einmütig für das Projett entschieden hätten. Inwieweit auch politische Momente Einfluß übten, möchte ich hier nicht näher ausführen. Berka wurde also von der Mehrheit an die erste Stelle gesetzt. Ein Mitglied zog Eisenach vor. Ich habe mich mit aller Entschiedenheit für das Projekt der Rheininseln bei Lorch ausgesprochen, an zweiter Stelle für das schöne, sehr beachtliche Projekt von Eisenach, an dritter Stelle für Goslar und erst an vierter Stelle für Betta. In meiner Ablehnung des Berkaer Projekts bestärtt mich der Umstand, daß es mir nachttäglich auf Grund vor Unterredungen mit forfttechnischen Sachverständigen sehr zweifelhaft geworden ist, ob man durch Anpflanzungen die unschönen Waldränder der Kahlhiebe verbessern und durch einer Einschnitt in den Fichtenwald einen schönen und dauerhaften (sturmfesten) Hain schaffen kann. Wie groß fr er Eindruck des Rheinprojektes war, ergibt sich schon daraus, dah andere gewlchttge Stimmen des Ausschusses dieses wenigstens als ar zweiter Stelle in Bett acht kommend anerkannten Auch nach meiner Auffassung muß man auf die Lage im Herzen Deutschlands eine gewisse Rücksicht nehmen, eine Ausnahme bildet aber der Rhein. Wenn ein Projett wie das der Lorcher Inseln so viele in sich selbst, in der Umgebung und in seiner ideellen Bedeutung liegende Vorzüge besitzt, dann ist die sachliche Wettung entscheidend. Die Meinung der Verbände darf man nicht übersehen, aber der Ausschuß war doch berufen, ein selbständiges, freies Urteil abzugeben. Nur ein solches Tann die Öffentlichkeit beeinflussen. Die Vorzüge des Lorcher Projettes habe ich bereits oben skizziert. Die Gründe, die mich be- stimmten, waren kurz zusamm enges aßt die folgenden: Das Projekt ist einzigartig — eine Insel im herrlichen Strom, keine andere Gegend Deutsch - lands kann Gleichattiges aufweifen. Haine gibt es viele, überall werden sie angeboten. Stimmungsvoll ist das Projett wegen der insularen Abgeschlossenheit und wegen des romanisch ernsten Charakters der Felsensttecke des Rheins: es ermöglicht aber auch, auf der großen Insel in Versammlungen dem Gedanken der Erhebung und des Wiederaufstiegs Ausdruck zu verleihen. Das Projett ist wie von der Natur gegeben. Das weithin sichtbare Totenmal am Haupt der kleinen Insel wird eine gewaltige ethische Wirkung ausüben. Groh sind die geschichtlichen Erinnerungen. Wenn es auch richtig ist, dah der Weltkrieg nicht nur des Rheines wegen geführt worden ist und dah ganz Deutschland an dem Heroismus des Weltkrieges Anteil genommen hat. so stand und steht doch der Rhein im Vordergrund alles Geschehens. Der Rhein ist nun einmal das nationale Symbol für alle Deutschen. Jeder Deutsche, auch der vom Osten, sehnt sich nach dem Rhein, wo er findet, was ihn ergreift und was ihn erhebt. Die Frage der Kostenminderung in der Bepflanzung wird, wie ich oben anfreutete, noch einer näheren Prüfung bedürfen, ebenso die m. W. bereits bejahte Frage der Zulässigkeit der Anlage vom sttombautechnischen Standpunkte aus. Nun sind in der Oeffentlichkeit gegenüber dem Chinchilla-Kamnchen, das eine ganz überraschende Ähnlichkeit mit dem echten süframerikanischen Chinchilla hat. Früher wurden die Felle, die man verarbeitete, von den gewöhnlichsten und billigsten Rassen genommen; sie kamen in der Mehrzahl aus Australien und konnten in feiner Hinsicht den Vergleich aushalten mit dem heutigen Chinchilla-Kaninchen, das zuerst in Frankreich gezüchtet wurde und dessen Fell mit 5 bis 10 Matt verkauft wird. In Kanada legi man besonderen Wert auf die Güte der Rasse: man hat andere, die auch gezüchtet werden, aber den besten Ertrag gibt doch dieses Chinchilla. Das Fleisch ist auhervrfrentlich zart, fast ebenso wie das des berühmten Ostende-Kaninchens, während die Felle einen feinen schieferblauen Ton haben und die Haare nicht weniger als einen Zoll lang, dick und ganz besonders weich sind. In Kanada gibt es bereits sehr große Farmen, die sich ausschließlich mit dieser Zucht beschäftigen. Das Fleisch, das in besonders konstruierten Wagen verladen wird, versorgt die Weltmärtte, und die Häute werden zu den Pelzvettäufen versandt oder auch an Ort und Stelle schon ver- arbettet. Selbst der Dünger wird in getrocknetem Zustande gut verwertet. 50 bis 60 Prozent aller Pelze, die heute getragen werden, stammen von Kaninchen. Die Felle werden geschoren gefärbt und hergerichtet, daß sie nicht wiederzuerkennen sind und erscheinen dann im Glanze eines Maulwurfs, Bibers. Seehunds, oder auch Chinchillas. 40 Felle werden zu einem kostbaren Mantel auSreichen, zwei zu einem Keinen Hals kragen, Öen jede Dame tragen kann, während eins zu einem guten Paar Handschuhe hinreicht. Die Auslichten der Kaninchen-Farmen sind also sehr gut. Da wird nichts verschwendet: Fleisch. Fell und selbst der Dünger haben guten Marktwert, während auf der anderen Seite die Kosten nicht übermäßig sind. Die Zuchtarbeit bietet keine Schwierigketten, und sie bereitet, wie man sich oft genug überzeugen kann, vielen ein großes Vergnügen. Cs ist also anzunehmen, daß sich hier auch noch ein gutes Feld für den kleinen Züchter eröffnet. Rheknprojekt politische Bedenken verschiedenster: Art aufgetaucht. Man fürchtet, das Reichsehren- mal am Rhein könne provokatorisch wirken und die deutsche Politik der endgültigen Aussöhnung mit Frankreich stören. Ich vermag diesen Gedanken nicht zu folgen. Es handelt sich nicht um ein Siegesdenkmal, sondern um ein Totemnal, und wenn auch in Dersammlungsreden vaterländische Empfindungen und Hoffnungen zum Ausdruck kommen, so wird dies in der Rähe eines Lotenmals nur in ernster, würdiger Form geschehen, frei von allem Chauvinismus. Die Rheinländer beanspruchen das Ehrenmal für sich obgleich gerade sie, wenn jene Befürchtungen sich bewahrheiten würden, am meisten darunter zu leiden hätten. In Frankreich wird man die Wahl des Rheines als eine Selbstverständlichkeit empfinden, und wenn wirklich einmal eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland zustande kommen, sollte, dann wird man sich am ehesten über die Ehrung der 'Loten hinaus die Hand zu reichen vermögen. — Man sagt ferner, der Rhein sei ein internationaler Strom, befahren von allen Rationen und beherrscht von der internationalen Rhein-Schiffahrtskommission. Ein böses Wort, das Wort vom internationalen Strom, das dazu angetan ist, die Gefühle der Rheinländer zu verletzen. Die Zentralkommissivn besteht bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts, bis 1870 gehörte ihr Frarckreich an. Die Tatsache der Befahrung burch fremde Schiffe beeinträchtigt nicht den territorialen Besitzstand am Rhein. Der Rhein ist Deutschlands Strom, und wenn die fremden Rheinfahrer das Reichsehrenmal schauen, so werden sie cs zu würdigen wissen, wie Deutschland seine Toten ehrt. In Vorstehendem habe ich versucht, eine möglichst objektive Darstellung des ganzen Problems zu geben, in der Hoffnung, damit zur endgültigen Verständigung aller Deutschen bei- äutragen, einer Verständigung, die ich in vater- wandlschem Interesse von ganzem Herzen ersehne. Gießener Verfaffungsseier. Gestern abend fand im Stadttheater unter Mitwirkung der Kapelle des 1. Ball. I.-R. 15 und der Gesangvereine „Eintracht" und „Heiterkeit" eine Verfassungsfeier statt. Der Festakt wurde nach dem Meistersingervorspiel durch eine kurze Ansprache des Provinzialdirektors Graes eingeleitet, der die Versammlung im Ramen des vorbereitenden Ausschusses herzlich willkommen hiest und, an Sinn und Charakter der Feier erinnernd, seine Worte gipfeln lieh in einem Appell 'an Staatsbewußtsein und die Staatspflichten eines jeden, und einer eindringlichen Mahnung zur opferwilligen Hingabe an das arme und darum doppelt geliebte Vaterland. Im Mittelpunkt der Feier stand eine Fe st rede über Staatsgeiinnung, gehalten von Priv.-Doz. Dr. Friedrich R a a b - Gießen. Der Vortragende führte folgendes aus: Der Kampf um die praktische Gestaltung des Staatsleberis und das Ringen um die gedankliche Klärung staatlichen Wesens sind während der letzten Menschenalter in steigendem Mähe durch den Gegensatz von Macht und Recht beherrscht worden. Die Verfechter des Machtgedankens erblicken das Wesen des Staates in der Erhaltung und Steigerung, gegebenenfalls Wiedergewinnung der staatlichen Macht, der Fähigkeit, den Willen des Staates gegen jeden anders gerichteten Willen auswärtiger Mächte oder innerstaatlicher Kräfte einzelner Parteien und Gruppen möglichst durchzusehen, und $toar mit jedem zu solcher Sicherung der staatlichen Souveränität geeigneten Mittel, notfalls auch körperlichen Gewalt, militärischer oder polizeilicher Art. Für sie ist der Kampf der Vater aller Dinge, sie haben dem imperialistischen Zeitalter sein Gepräge gegeben, sie sehen im politischen Leben nichts anderes, als die bewuht gewordene Fortsetzung des natürlichen Lebenskampfes. Demgegenüber ist der Rechtsgedanke des Staates aus der Erkenntnis des Unterschieds von Aatur und Geist geboren. Er bestreitet dem natürlich gewachsenen Eigeninteresse des einzelnen Staates, einer einzelnen Gruppe, Partei, Klasse oder gar einer einzelnen Person, daß die Macht zur Durchsetzung solchen Interesses auch gegen den Willen der anderen bereits die Berechtigung hierzu verleihe und fordert Schranken für die Willkür aus solchem Willen zum billigen Ausgleich widerstreitender Interessen. Zum Schuhe des Schwächeren vor der Willkür des Stärkeren erwächst die innerstaatliche Rechtsordnung, allmählich auch die Sicherung des ein- • seinen vor der Willkür staatlicher Organe durch Entwicklung zum Rechtsstaat mittels Verfas- l sungsschuh und Verwaltungsgerichtsbarkeit. Änd schliehlich entkeinem demselben Boden die Ver- z' suche zwischen staatlicher Rechtsbildung auf dem , Wege völkerrechtlicher Regelungen, internatio- r naler Schiedsgerichtsbarkeit und Schaffung eines Völkerbundes. Machtgedanke und Rechtsgedanke irren beide, wenn sie glauben, daß einer von ihnen den anderen entbehren könne. Riemals ist staatliche Macht Selbstzweck gewesen und kann es nicht sein, denn sie bedeutet ihrem Wesen nach immer ■nur Mittel zu dem Zweck, bestimmte Lebensbedürfnisse der staatlich verbundenen Menschen zu schützen, sei es die Stillung ihres Hungers, sei es die Pflege der Wissenschaft, sei es die Ausbreitung eines Glaubens,' oder was immer dem Menschen schutzbedürftiger Selbstzweck dünkt. Die Ausübung der Macht erhält so ihre Würde vom Rang des Willensziels, dessen Verwirklichung sie dient. Ebensowenig aber, wie Macht Selbstzweck sein kann, auch da nicht, wo sie dafür gehalten wird, vermag das Leben der Menschen, vor allem der in Gemeinschaft «verbundenen, des Machtwillens zu entbehren, so lange die Menschen sich für den Lauf der Dinge verantwortlich fühlen und einer eigenen Aufgabe bewuht bleiben. Wer darauf verzichtete, seinen Willen auch gegen den anderer durchzusetzen, also nach Kräften sich seiner Macht zu bedienen, hörte auf, im irdischen Sinne des Wortes zu leben. Genau so wie die Macht des Staates nicht Selbstzweck seines Daseins sein kann, vermag das Recht dies zu tun, so vielfach das heute auch geglaubt wird. Denn der Sinn des Rechts besteht darin, eine bestimmte Abgrenzung der Machtbereiche der Menschen und Menschengruppen gegeneinander zu sichern, mag die Ausübung der Macht des einzelnen mit geistigen, seelischen und wirtschaftlichen Mitteln oder mit roher Gewalt geschehen, und jede Aenderung bestehenden Rechts bedeutet eine Erweiterung des Machtbereichs der einen, indem sie den Machtbereich anderer verengt. Dies kann beispielsweise durch eine Einschränkung des privaten Erbrechts, also der Wirkungsmöglichkeiten der Rachkommen reicher Erblasser geschehen, zugunsten derer, welchen die nunmehr dem Staat anheimgefallenen Erbschaften zugutekommen, oder durch eine Aenderung des Wahlrechts, welche die Stimmenzahl und damit wiederum die Macht bestimmter Parteien und Gruppen zugunsten anderer verschiebt. Aber immer erhält das Recht erst seine Würde von der Art des Machtgebrauchs, den es sichert oder erweitert. Llnd Recht wird Tlnsinn, Wohltat Plage, wenn im Laufe der Geschichte die Nutznießer eines Rechts aufhören, die ihnen rechtlich gesicherte Macht würdig zu gebrauchen, und alsdann die Schale des äußeren Rechts den Kern des inneren Anrechts verbirgt. Solches gilt gleichermaßen für Rechte des Einzelnen, wie ganzer Gruppen und Stände, wie der Völker und Staaten. Riemals ist die Aufrechterhaltung eines Rechtszustandes um seiner felbftwillen wertvoll, immer nur um der Freiheit oder Hemmung willen, die er den von ihm geregelten guten oder bösen Kräften angedeihen läßt. Daß aber dennoch der Staat das Recht ebensowenig zu entbehren vermag wie die Macht, bedarf kaum eines Beweises. Besteht doch seine vornehmste Aufgabe darin, die Machtbereiche der Menschen und Menschengruppen zu regeln und ihrer Aenderung durch Willkür von innen oder außen zu wehren. Also scheint es, als ob zwar Recht und Macht nicht die höchsten Ziele des Staates seien, wohl aber seine wesentlichen, wechselseitig aufeinander bezogenen und niemals entbehrlichen Mittel, die beiden Formen seines eigentlichen Wirkens. Aber sind es die einzigen? Es ist eine verhängnisvolle Einseitigkeit und Veräußerlichung staatspolitischen Denkens, das Leben des Staates auf Recht und Macht allein gegründet zu glauben. Denn der Staat, seine Macht- und Rechtsordnung tönnen überhaupt nur bestehen, wenn die Menschen, die an der 29. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Dec oer- Die Krummhölzer Roman aus den bayerischen Bergen. Von Michael Wagner. neue Besitzer wird demnächst schon einziehen, stehst, Freunder!, und dös is — rat amal!" Zeno sah den Förster lächelnd an und zuckte die Achseln. „Mein Gott!" meinte er. blitzten grimmig, als er Zeno nun fragend ansah. Der schien aber noch nicht recht zu begreifen. „Ja — i versteh schon — aber —" „Laß dir nur Zeit! Und lus, was kommt! Hatte chm das harte Geschick die Augen darüber geöffnet, wie es eigentlich um Toni stand und all seine Hoffnungen zu Lug und Trug gemacht — es sollte ihm auch sürderyin nichts erspart bleiben. Und der Uracher nahm das ihm zugedachte schwere Sorgenbündel auf seine alten Schultern, bitz die Zähne zusammen und ging seinen steinigen Weg weiter . . . Eines Tages stürmte der Herr Förster Dominikus Sanktjohanser ins Schnitzerhaus am Marktplatz. Er nahm sich kaum Zeit, zu allen richtig „Grüß Gott" zu sagen und war ganz außer Atem. Vielleicht mehr noch: außer Rand und Band. Er schnaubte förmlich. Die grauen Borsten seines Schnurrbarts sträubten sich widerspenstig und die rste Nase vibrierte vor Erregung. Nachdem er suchend durch einige Räume gerast, in denen sich Zeno sonst niemals aufhielt, fand er ihn schließlich draußen im Garten. Verwundert schaute Zeno dem alten Freund ins aufgeregte Gesicht, das ihm in seiner komischen Zer- wühltheit unwillkürlich ein Lächeln abnötigte. „Ja, grüß dich Gott, Annodomini! — Was —" Der Förster ließ die Luft durch die Zähne pseifen. „Red' und frag' net soviel! Da hock dich her, Zeno! So! Und jetzt halt dich gut ein, damit's dich net umreißt!" Erwartungsvolles Schweigen seitens Zenos. Nachdem der Förster wieder etwas Luft geschöpft, packie er seine aufregende Post aus, in knappen, heftigen Worten: „Also, denk dir: I will net lang um den Bei 'rumgeh'n, aber heut' früh bringt mir unser Urschi brühwarm die neueste Neuigkeit, von der noch gar niemand was woaß — mein Nachbarhaus, 's Landhaus von der Geheimrätin, is vertäust worden, verstehst?" Der Förster stocherte mit seinem knorrigen Hackelstock im Kiesboden herum, seine kleinen Augen „Rat' nur! Wirst seh'n — 's macht dir hintennach selber G'spaß!" drängte der Förster mit ingrimmigem Gesichte. Langsam erstarb das Lächeln um Zenos Mund. Eine Ahnung stieg in ihm auf. Er wußte nicht warum, aber plötzlich sagte er laut: „Etwa — der Toni?!" Da schlug sich der Förster klatschend aufs Knie. „Senaten! Direkt ins Schwarze!" „Also wirklich — der Toni?!" „Kreuzbirnbaumundhollerstauden! Nix anders wie Toni! — Jawohl — ausgerechnet dein Herr Bruader setzt sich mir vor d' Nasen hin! Kannst da noch redend Bloß, daß er mich ärgern kann — der —" gab dec Förster jetzt seiner so lang zurück- gedrängten Empörung lauten Ausdruck. „A so a bodenlose Gemeinheit!" schimpfte er weiter. „Dös is doch direkt a öffentliches Aergernis — oder Aufreizung zum Klassenhaß!" „Reg' dich doch net auf, Annodomini! Es is ja gar net wert! Schau — und deiner G'sundheit rönnt's schaden — vielleicht kommt's a ganz anders!" „Anders!" höhnte der Förster. „Anders! Schneid' ab! I sag' dir bloß — mir werd schon ganz zweierlei, wenn i dran denk! I sag' ja — gar nimmer schön is auf der Welt! . . Und nun kam eine Zeit, während welcher der Herr Förster Sanktjohanser ständig in Gefahr schwebte, vor lauter Aerger und Verdruß vom Schlage getroffen zu werden. Schon die Vorbereitungen zur lleberfieblung, die unter dem Beisein Tonis getroffen wurden, gingen ihm stark auf die Nerven. Handwerker aller Art erschienen, reparierten, malten und putzten das Landhaus schmuck und fein heraus. Der Förster aber hatte währenddem gallige Tage. „Er muafV natürlich noch nobler haben als die Geheimrätin! Noch nobler! Der — Schieber!" Bildung und Ausführung des staatlichen Willsns beteiligt sind, das Leben des Staates unabhängig von den Vorteilen bejahen, die ihnen persönlich aus irgendwelchem Verhältnis zum Staate erwachsen. Ja, ein Staat hat überhaupt nur soviel Macht, als in ihm Menschen leben, die ihn nicht nur um ihres eigenen Vorteils willen bejahen. Denn, wenn die Bildner und Vollstrecker des staatlichen Willens nicht aus innerem Antrieb, aus echter Staatsgesinnung alle Zeit das Ganze des Volles im Auge haben und höher stellen, als der Interesse einer einzelnen Gruppe, Partei oder Klasse, und vor allem höher als ihr eigenes, persönliches Interesse, dann wird sie hierzu auch keine Macht und kein Recht zwingen können, wenigstens nicht in den entscheidenden Augenblicken staatlichen Lebens. Jeder Zwang, den staatliche Macht auf sie ausüben könnte, bedürfte ja doch immer wieder der Menschen, die ihn anwenden, ilnb wenn diese aus Beschränktheit, Angst oder Eigennutz versagen, weil es eben auch ihnen an der echten <5taatggef Innung gebricht, dann hilft dem Staat keine Macht, mag er zu alltäglichen Zeiten auch noch so mächtig erscheinen. Änd auch jedes Recht, das Bildnern und Vollstreckern staatlichen Wlllens gebietet, das Wohl des ganzen Volkes über alles zu stellen, bleibt ohnmächtig, leidet, wenn die Menschen, die dies Recht anwenden und durchsetzen sollen, selber der echten Staatsgesinnung entbehren. Mit einem Wort, Macht und Recht sind nur die äußeren Erscheinungsformen des Staates. Sein inneres Leben gründet ganz und gar auf der seelischen Bereitschaft der Menschen, das Ganze höher zu schätzen als den Teil. Solche Staatsgesinnung kann nicht gelehrt und befohlen werden. Wie aber ist sie denwrch zu pflegen? Diese Frage ist nach allem bereits Gesagten von entscheidender Wichtigkeit für das Leben des Staates, und sie ist für unser Volk und für unseren Staat aus zwei Gründen von ganz besonderer Bedeutung geworden. An der Bindung des staatlichen Willens des Deutschen Reichs wie der einzelnen deutschen Länder ist nach dem ersten Artikel der heute vor sieben Jahren geschaffenen Reichsverfassung jeder über 20 Jahre alte Deutsche, männlichen oder weiblichen Geschlechts, beteiligt, denn „die Staatsgewalt geht vom Volle aus". Das Schicksal des deutschen Volkes hängt also davon ab, wie weit die Gesamtheit seiner erwachsenen Bürger von solcher echten Staatsgesinnung erfüllt ist oder nicht. Sodann sind die staatlichen Machtmittel des Reiches nach außen und innen weit schwächer als sie feit langem zuvor gewesen. Uni so mehr ist das Leben des Staates und der Schutz seines Rechts auf die Staatsgefinnung feiner Bürger angewiesen. Freilich nicht nur, sofern sie als Wähler und Abgeordnete an der Bildung des staatlichen Willens beteiligt find, sondern ebenso auch, sofern sie als Beamte, Richter, Soldaten oder auch als ehrenamtlich Tätige diesen staatlichen Willen auszuführen haben. Worin aber besteht nun im einzelnen die Bewährung solcher echten Staatsgesinnung? Echte Staatsgesinnung ist einsichtige Liebe zum Volke. Sie ist einsichtige und nicht schwärmerische Liebe. Denn sie ist sich jederzeit der vielfachen Anvollkommenheiten der Menschen bewußt, die ohne staatlich geschützte rechtliche Regelung ihrer Machtbereiche den Lebensraum der anderen willkürlich verletzten, weswegen es eben des Staates, seiner Macht und seines Rechts bedars. Alnb echte Staatsgesinnung ist auch darum einsichtig und nicht schwärmerisch, weil sie sich der Verantwortung für das Schicksal des eigenen Volles und seines Staates bewußt bleibt und darum die Sorge für das Wohl des Volles nicht anderen, nicht fremden, nicht höheren Mächten überläßt, sondern selber nach Kräften dafür wirkt, voll Vertrauen darauf, daß solche Wirkung möglich, aber auch notwendig ist. Zn alledem fordert echte Staatsgesinnung jederzeit die tätige Anteilnahme an der Entwicklung des Staatslebens. Sie kennt keine Wahlmüdigkeit und kennt keine Staatsverdrossenheit. Vor allem aber ist sie Liebe zum Volke. Liebe ist etwas ganz anderes als noch so hohe Wertschätzung. Jede Wertschätzung so veränderlicher Gebilde wie es Menschen sind, bleibt der steten Gefahr unterworfen, durch irgendwelche Handlung, Gedanken oder Gefühle eines bislang geschätzten Menschen, die seinen bisher geglaubten Wert zu verringern scheinen, selber vermindert zu werden. Jede Wertschätzung ist abhängig von knurrte er bissig in den Bart, wenn drüben fest geschafft wurde. Sobald es ihm aber zu dumm wurde, pfiff er seinem Dackel und verkroch sich irgendwo im Bergwald, wo er „nix mehr Horen und sehen brauchte — von der Bagaschi übereinand!" So begab es sich also, daß der Förster Sanktjohanser an seinem beginnenden Lebensabend, den er sich immer von Ruhe und Gemütlichkeit erfüllt geträumt, voller Groll und Verdruß Herumstrich. Er trug sich wahrhaftig ernstlich mit dem Gedanken, um seine Pensionierung nachzusuchen. Nur Zenos Zureden hielt ihn noch davon ab. Eines Tages hielt Toni Uracher feinen Einzug in das neue Besitztum. Dabei ging es hoch yer. Denn Toni feierte den Tag im Kreise seiner Kumpane mit großem Gelage — beinahe wäre es ein öffentliches Aergernis geworden. Selbstverständlich bildete im Orte Tonis „Großtuerei" das Tagesgespräch. Ein gar heftiges Ge- tufchel und Gezischel aber Hub an, als Toni einige Tage vor der „öffentlichen Einweihung" mit feinem neuen Hauspersonal erschien: Ein Mädchen für alles und als Haushälterin und Dame des Hauses eine ehemalige Münchener Weinkellnerin. Zenta, so hieß letztere, stand Toni auch sonst sehr nahe. Davon sprach man natürlich. Denn in diesem oder jenem Hose gab es mehr oder minder hübsche Töchter, welche gern Krumm- holzerin geworden wären. Auch war bekannt, daß Vater Uracher längst eine junge Bäuerin im Hause haben wollte-- Und nun brach der Toni protzig die letzte Brücke ab, die ihn noch mit den heimatlichen Bauern hätte verbinden können. Das war eine unverzeihliche Sünde wider geheiligte Tradition und — mancherlei heimliche Ehespekulation. Sie sollte Toni auch nie mehr vergeßen und vergeben werden, und die Zahl derer, die dem „Schieberprotzen", wie man Toni schon ganz laut nannte, mit feindseligem Gesichte begegnete, wuchs ständig . . . Ein Auto aus München brachte Tonis Festgäste: Bullinger, Moriggl und Baron v. Scharitz, dazu allerlei Weiblichkeit für die Stimmung. Die blieb auch nicht aus. Erst führte Toni die Schor feiner Gäste durch Haus und Garten, seine Zenta am Arm geleitend. Dann setzte man sich zur Tafel, welche, mehr als dem Verhakten des geschätzten und gewerteten Menschen, sie steigt mit feinem Dohlverhalten, sic fällt mit dessen Gegenteil, so wie es sich im Auge des Wertenden widerspiegelt. Echte Liebe aber ist unabhängig vom Wandel des Geliebten. Wer sein Voll wahrhaft liebt, kann in dieser Liebe' nicht enttäuscht oder erschüttert werden, denn sie ist ebenso unabhängig von dem Verhalten der einzelnen wie des ganzen Volles. Ich liebe mein Volk nur dann im echten Sinne dieses Wortes, wenn ich jeden deutschen Menschen liebe, weil er ein Deutscher ist und zur Kette der Geschlechter gehört, die in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deutsch sein werden, well sie fühlen, daß sie es sind. Ohne Rest beschreiben läßt sich das Deutschtum sy wenig wie das Wesen eines geliebten Menschen. Denn könnte man es beschreiben, so brauchte sich ja nur dieser oder jener Zug seines Wesens zu verändern, um nicht mehr geliebt zu werden. Selbst die Sprache ist nicht das unbedingt Entscheidende, so wesentlich sie bleibt, und erst recht nicht Abstammung, Bildung oder Rasse, sondern nur die Gemeinsamkeit des Bewußtseins, sich als deutsch zu fühlen, nicht um irgendeines Vorteils willen, sondern einfach, weil es so ist. Solche wahrhafte Liebe zum eigenen Volle tiefsten gerade dann, wenn große Teile des Volles unbegreifliche Dinge tun. Rur der liebt sein Volk wahrhaft, der in solchen Augenblicken doppelt liebt. 3ur Staatsgesinnung reist solche Liebe aber erst bann, wenn sie nicht in Gefühlen verbleibt, sondern helfend und opfernd zur Tat schreitet. Freilich verlangt zu echter Staatsgesinnung erweckte Liebe mehr noch als nur die älnter- ordnung des eigenen Interesses unter das Wohl des ganzen Volles. Richt nur die erwählten Abgeordneten sind Vertreter des ganzen Volles, wie der Wortlaut der Reichsverfassung sagt, sondern ihrem Geist nach ist es jeder, der irgendwie an der Bildung des staatlichen Willens beteiligt ist. And das ist jeder, sofern er überhaupt nur irgendwie auf die Willensbildung der Menschen einwirkt, ob als Lehrer, Dichter, Wirtschaftsführer oder Zeitungsschreiber. And wirkliche Liebe zum Volle dient nicht nur dem Ganzen mehr als sich selber, sondern erblickt auch alle Zeit im einzelnen ein Glied des Ganzen. Was nutzt uns alles Reden von Vaterlandsliebe und Volksgemeinschaft, wenn wir diese beiden nicht jederzeit jedem deutschen Menschen gegenüber verwirklichen können. Durch nichts ermangeln wir alle so sehr echter Staatsgefinnung und dadurch eines aus inneren Kräften mächtigen Staates, als darum, weil wir im anderen Menschen nichi das gemeinsame Deutschsein zuerst und zu Hochs! erkennen, sondern zunächst den Anterschied zu uns, den Unterschied des Standes, der Bildung, oft auch des Stammes oder der Rasse, vor allem aber der Partei. Freilich ohne Parteien, ohne Formung der Richtungsunterschiede bei Bildung des staatlichen Willens i>: : Antti.nähme vieler oder gar des ganzen V^ttes am staatlichen Leben nicht möglich, Parteien müssen darum sein und der Auf nach Aeberwinbung der Parteien ist nichts als unverständige Rederei. Wird aber die Parteiung über den Bereich' der Wahlen und anderer Arten staatlicher WillenL- bildung hinaus ausgedehnt, geht sie so weit, daß es wichtiger als alles andere wird, welcher Partei einer angehört, auch auf allen anderen Gebieten als der politischen Willens- bildung, dann wird die Partei Selbstzweck, statt daß sie Mittel zur einheitlichen staatlichen Willensbildung bleibt und dann hebt sie sich schließlich selbst auf. And zum letzten ist echte Staatsgesinnung Liebe zum Volke und nicht zum Staat. Das bedeutet wiederum zweierlei. Es will einmal sagen, daß die zufälligen und veränderlicher Grenzen des Staates nicht bestimmen, wer zr meinem Volke gehört oder nicht, ©taatdgefinnunr aus Liebe zum Volke hält den Staat offen zum Eintritt aller, die in Ausübung ehres echten Selbstbestimmungsrechts deutsche Reichsbürgei fein wollen, weil sie deutsche Volksgenossen sind. Die Reichsverfassung hatte bereits diesem Gedanken in Artikel 61 betreffs der Teilnahme Deutsch-Oesterreichs gebührend Rechnung getragen, bis die Arheber des Vertrages von Versailles die Kraftloserklärung dieses Abschnitts der Verfassung erzwangen. Doch braucht dieser äußere Zwang unsere Liebe zum großen deutschen Volke auch über die Reichsgrenzen hinaus nicht zu kümmern, wenn wir es nicht wollen. AiÄ es war ein Mangel echter Staatsgesinnung der reichlich bestellt, vorderhand die Gesellschaft eifrig beschäftigte. Der Baron toastete auf den gasffreundlichen Herrn des Hauses, der feinsinnig fein stimmungsvolles neues Heim mit der Blume der Liebe zu schmücken verstünde — und entlebigte sich auch sonst noch einiger süßlichen Phrasen. Toni fühlte sich natürlich ungemein geschmeichelt und drückte dem Baron hrzlich die Hand. „3 dank recht schön, Herr Baron," beinahe hätte ein „Vergelt's Gott" gesagt „für Ihnerne wunderbare Ansprach'! Mir werden schon wieder quitt werden!" Und an die übrigen Gäste gewandt: „Und jetzt wollen wir aber zünftig fein, meine Herrschaften!" Zwei Stunden später mar die Situation schon wesentlich verändert. Eine Batterie geleerter Wein- und Sektflaschen ließ auf die damit erzeugte Fidelität schließen, des- gleichen die erhitzten roten Köpfe der Herren und Damen. Lautes, wieherndes Gelächter drang durch die offenen Fenster in die warme, reine Bergsammernacht hinaus. Toni und Bullinger kollerten dicke Lachtränen über die feisten roten Gesichter, und Moriggl schüttete ein Glas Wein nach dem andern hinunter, bis er, ohne weiteres Aufsehen zu erregen, diskret und still von feinem Stuhl auf den weichen Smyrna kugelte und zu schnarchen begann. Draußen aber war die geheimnisvolle Sttlle der Berqnacht, heiliges Schweigen. Die ewigen Sterne funkelten vieltausendfach vom klaren nächtlichen Himmel, und der Mond zog in friedlicher Würde feine Bahn. In dräuender Wucht, mondlichtumsilbert, ragten die Berge zu den Sternen auf. Schatten wandernder Wolken huschten darüber bin und verwoben sich mit dem in Klüften und Schluchten kauernden Dunkel. Bäche und Wildwafser rauschten ihr nie ersterbendes monotones Lied, und im nachtdunklen schlafenden Hochwald flüsterte der leise hindurchstreichende Bcrgwino seltsame Geheimnisse uralten Tannen in bil schwarzen Kronen . . . Oben im Krummholzerhof aber ächzte in derselben Nacht der alte Uracher unter dem Alb seiner Sorgen . . . (Fortsetzung folgt.) Dorkrisgschett. daß wir über der Zugehörigkeit gum deutschen Staat unsere viel liefere Zugehörigkeit zum gröberen deutschen Volke vergaben. Solche bewußte Zusammengehörigkeit des Volkes auch über die Staatsgrenzen hinaus braucht nicht notwendig eine Aenderung der staatlichen Grenzen zum Ziel zu haben. Aber sie fordert vom Staat, dab auch er alS Staat stets das Woht des ganzen Volkes innerhalb und außerhalb seiner staatlichen Grenzen im Auge behält. QÖ>er noch in einem anderen Sinne verlangt echte Siaalsgesinnuna, daS Volk über den Staat zu stellen. Die Formen des Staates dürfen ebensowenig als Selbstzweck gelten, wie der Willkür der einzelnen Menschen oder Parteien anhcimfallen. Die Anerkennung der Der- fassung und der Gesetze deS Staates, die Achtung vor seinen Vertretern und den Zeichen seiner Hoheit hat unter allen Umständen ganz unabhängig davon zu geschehen, wie weit ihr Inhalt im einzelnen für richtig gehalten, oder ihr Inhalt im besonderen gebilligt wird oder nicht. Denn wer solche Achtung oder Anerkennung auch nur im allergeringsten verweigert, verletzt damit die Einheit seines Volkes und beweist somit seinen Mangel an Liebe zu ihm. Aber es ist ein Irrtum, zu glauben, echte EtaatSgesinnung verlange nun auch Gesetze und Verfassung unverändert zu erhalten. Denn geragt weil echte StaatSgesinnung überhaupt nicht dem Staat als solchen gilt, sondern dem Volke, dessen Wirkungsform sein Staat ist, muh diese seinem Form dem geschichtlichen Wandel unter- warfen bleiben. Entscheidend bleibt freilich, daß solche Entwicklung der staatlichen Formen nicht der Willkür einzelner überlassen bleibt, sondern eben diese Vcrfassungssormen sich nur gemäß dem einheitlichen Willen des ganzen Volkes wandeln. Und in diesem Sinne ist ein unbedingtes Bekenntnis zur Verfassung der selbstverständliche Ausdruck echter Staatsgesinnung alS der unerschütterlichen Liebe zu dem einen, ganzen Volke. Freilich läßt sich solche Gesinnung im Grunde nur vorleben, vielleicht aber doch mit Worten wenigstens bekennen . Und so will ich denn meine Rede über die Notwendigkeit echter Staats- gesinnung mit einem Bekenntnis schließen, von dem ich wünschen und hoffen darf, daß es nicht nur das meine, sondern unser aller lebendiges und freudiges Bekenntnis ist: Dem Bekenntnis der einsichtigen Liebe zum ganzen deutschen Volk! Die Rede wurde von jeweils einem Musikstück und einem Mannerchor umrahmt. Der Festakt klang aus in ein dreifaches Hoch auf das deutsche Vaterland. Hierauf fang die Versammlung zum Abschluh das Deutschlandlied. Oberhessen. Landkreis Gießen. f. Klein-Linden, 11. Aug. Die Hühnerställe in unserem Dorfe erhalten den ganzen Sommer über unliebsamen Besuch von Raubzeug. Fast jede Nacht werben ganze Stämme junger Hühner diesjähriger Bruten ein Opfer dieser Räuber: es ist den Hühner- besitzern dadurch schon ein ganz empfindlicher Schaden entstanden. In manchen Fällen werden die jungen Hühner ganz verschleppt, in anderen wieder liegen die ausgesaugten Kadaver zusammen auf einem Haufen, was Wohl auf verschiedenartiges Raubzeug schließen läßt. In der vorletzten Nacht wurden wieder einem Besitzer zehn, einem anderen acht schone Hühner hingemordet. ck. Heuch elheim, II. Aug. Bei dem guten Wetter der letzten Zeit nimmt die Ernte einen raschen Fortgang. Nachdem in der vorigen Woche der Schnitt des Kornes beendet wurde, ist man jetzt vollauf an der Haferernte. Leider labt sich in diesem Jahr mit der Mähmaschine wenig an» fangen, da schwerer Regen und Wind die Frucht größtenteils gelegt hat. Für den Landwirt be- beutet das mühevolle, zeitraubende Mehrarbeit. Seit dieser Woche hat nun der Drusch deS Kornes begonnen, imb von morgens früh, bis spät in die Nacht hinein hört man das eintönige Summen der vier hier in Betrieb befindlichen Dreschmaschinen. Hält das gute Wetter noch einige Tage an, dann wird bis zu der nächsten Sonntag stattflndendeit Kirmes das meiste Korn gedroschen sein. — Die Kanalisierung der Heine- straße ist soweit beendet, und mit der Chaussie- rung wird jetzt begonnen. Mit der Kanalisierung ist auch gleichseitig vom Unternehmer Schneider eine Wasserleitung in die gesamte Heine- ftraße gelegt worden. So ist wenigstens der Anfang zu einer Wasserleitung gemacht worden. Wie man hört, sind ja Verhandlungen im Dang über den Bau einer Wasserleitung für das ganze Dorf. £ Wieseck, 11. Aug. Die Roggen ernte ist beendet, Hafer unb Weizen steht ebenfalls nur noch zum kleineren Teil auf dem Halm, lieber» raschend schnell wurde die Arbeit während der letzten warmen Tage gefördert: der gestrige Regentag brachte zwar eine kurze Unterbrechung der Erntearbeiten, die aber hoffentlich nicht lange anhält. Die Erträge an Körnern und Stroh sind als zufriedenstellend zu bezeichnen. Der kleinbäuerlichen Struktur unseres Dorfes entsprechend wird das Getreide in den allermeisten Fällen nicht erst eingefahren, sondern direkt vom Acker zu einer der beiden Maschinen gebracht, die von morgens bis abends und auch fast die ganze Nacht hindurch ohne Unterbrechung int Betrieb sind. Das sehr regenreiche Ernteweiter der letzten Jahre veranlaßte die Landwirte in diesem Jahr, bic Felder so schnell wie möglich zu räumen. Dadurch besieht Gefahr, daß ein Teil des Getreides ohne die erforderliche Verhärtung gedroschen worden ist, was sich hoffentlich nicht nachteilig auswirkt. — Infolge des gegenwärtigen Dresch- betriebs mußte, um Verkehrsstockungen vorzubeugen. im Autvbet rieb der Gemeinde eine Aenderung eintreten. Die Wagen fahren während der Dreschzeit nicht mehr vom Friedhof Wreseck ab, sondern die Linie Lindenplatz Kornblumen- stratze ab Lindenplatz und die Linie Gießener Straße ab Philosophenplah. !—! Staufenberg, 11. Aug. An der äußeren Mauer und auch im Hofe unserer Burg blüht zur Zeit das bescheidene und doch fo anmutig wirkende „efeubfättrjge Letn- f rau t“ auch „Heidelberger Schloßkräutchen genannt (Linaria cymbalaria). Es wurde durch den naturliebenden, in unserer Gegend so wohlbekannten praktischen Arzt Dr. D i I o r d hier angepflanzt Anwohner der Burgmauer machen sich die lobenswerte Mühe und streuen den Samen in die Ritzen, bainit es die Mauer besser und rascher umwuchert. Daher sollte jeder Besucher unserer Burg auch darauf bedacht fein, das schöne Pflänzchen zu schonen, und nicht, wie es häufig vorkommt. es sinnlos abreißen. Durch das gute Ernt ewetter der letzten Tage begünstigt. Ist jetzt auch Weizen und Hafer schnittreif geworden. Leider liegt der Hafer durch den vielen Regen an einigen Stellen wie gewalzt auf dem Boden, so baß er wieder von neuem ausgewachsen ist, was dann das Abmachen auberordentlich erschwert und verzögert. Der Landwirt hat jetzt alle Hande voll zu tun; denn gleichzeitig mit dem Abmachen wird auch Getreide heimgefahren und teilweise sofort gedroschen. is. Steinbach, 11. Aug. Gau 2 des Ober- heffifchen Radfahrerbundes unternahm dieserTage seine Gau-Wandersahrt nach Steinbach. Mit dieser Veranstaltung verband der hiesige Radfahrerverein Wanderlust ein Straßenrennen Gefahren wurde in drei Klassen. Kl. A: Ehrenpreis: Hans Fröhlich. Treysa, 1. Preis: Adolf Wolf. Berstadt, 2. Preis: Heinrich Dorr, Eberstadt, 3. Preis: Hermann Hoche r, Berstadt. Kl B: Ehrenpreis: Heinrich Kraft. Alsfeld, 1. Preis jammer t, Watzenborn, 2. Preis: Otto Heun, Oberbefsingen, 3. Preis: Heinr.Höcher, Berstadt. Iugendklasfe: Ehrenpreis: K. Keck, Alsfeld. 1 Preis: Fritz Schneider. Alsfeld. 2. Preis: Karl Keil. Ettingshausen, 3. Preis: Serb. Gornert, Ettinashausen. t Grünberg, 11. Aug. Die Zahl der hiesigen Arbeitslosen schwankt in der letzten 6 und 8. Die Stadtverwaltung tut ihr Möglichstes, um die Leute mit dem Ausbau der Feldwege, Auspuhen von Gräben u. a. m. zu beschäftigen. Die sehr gute Bautätigkeit am Platze, sowie die Legung von Wasserleitung, Einzellanalisierung und die gegenwärtige Hochsaison der Ernte spielen auch hierbei eine bedeutsame Rolle. — Einzelne hiesige Industriezweige sind gegenwärtig ziemlich beschäftigt und haben schon seit einigen Wochen ihre Arbeitszeit von 7 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags sestgelegt. Diese regere Tätigkeit ist jedenfalls auf zahlreiche Herbstbestellungen zurückzuführen. - Der hiesige Bauernbund und die Vorstände der landwirtschaftlichen Ortsgruppen aus dem Lumdatal und der sonstigen Umgegend von Grünberg sind in einer Vorbesprechung überein gekommen in Grünberg eine Molkerei-Genossenschaft zu gründen, wobei es für selbstverständlich gehalten wird, daß die Grünberger Landwirte wegen der Milchversorgung der Grünberger Milchverbraucher ausscheiden. Ein geeignetes Objekt, das hierzu evtl, in Frage kommt, ist die Leppermühle, welche durch Kauf oder Pacht erworben werden könnte. Man hofft, diese Angelegenheit baldigst in Angriff zu nehmen: zur Festlegung der Grundsätze wird demnächst eine Hauptversammlung statt- finden. L i ch . 11. Aug. Im nahen Birklar ereignete sich gestern ein bedauerlicher ungl ü c? s- fall. Der allseits beliebte Arbeiter Peter Gott- walz stürzte in der Scheune so unglücklich, daß sofort der Tod eintrat. — Die Dreschmaschine hat. etwas später als im Vorjahre, bereits ihre Tätigkeit begonnen. Korn und Gerste werden schon gedroschen. Der Körnerertrag ist zufriedenstellend. Kreis Friedberg. CO Nieder-Florstadt, 11. Aug. Vor einigen Tagen hielt der Kreisziegenzuchtverein eine örtliche Ziegenschau, verbunden mit Prämiierung und Preisverteilung, ab. Zur Schau gestellt waren etwa 60 Lämmer und Ziegen Das vorgeführte Material war sehr gut, hauptsächlich die Lämmer. Nur ganz wenige Tiere konnten nicht mit Preisen bedacht werden. Im ganzen wurden neun erste Preise zugeteilt, und zwar drei für Lämmer, zwei für einjährige Ziegen, je zwei für zweijährige und drei- und mehrjährige. Erschienen waren vom Vorstand des Kreisvereins Direktor Spies und Gewerbelehrer Ringshausen, und als Preisrichter Pfeifer-Eckenheim und H a u p t - Niederwei- sel. In der nachfolgenden Versammlung lobte der Kreisvorsitzende nochmals das gute Material, das vorgeführt worden war, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Leberegelkrankheit nun zum Stillstand gekommen sei. Seit dem lebten Winter sind feine Tiere mehr von dieser Krankheit befallen, während im vorigen Iahre vierzig Tiere daran verendeten. §§ Ober-Florstadt. 11. Aug. In den letzten Tagen berieten Gemeinderat und Schulvorstand in gemeinsamer Sitzung über die Eltern- Vertretung bei den Schulen, den E l t e r n b e i - rat. Don dessen Einrichtung nahm man in unserer kleinen Gemeinde Abstand, da sich die Elternvertretung als nicht unbedingt nötig erwies. Gin dahingehender Beschluß wurde denn auch gefaßt. Die Arbeiten des Elternbeirats werden von dem Schulvorstand erledigt — Das Reinigen der Nidda, soweit sie durch unsere Gemarkung flieht, ist zur Zeit im Gange. Die Nidda ist stückweise zu 80 bzw. 90 Rm. vergeben. Die Arbeit wird von Erwerbslosen ausgeführt. Kreis Büdingen. nd. Nidda, 11. Aug. Unsere neue Turnhalle hat gelegentlich des Turnfestes allgemein Anerkennung gesunden. Am vergangenen Sonntag weilte Bürgermeister Grün aus Kirchhain mit einer Abordnung des dortigen Stadtvorstandes hier. Die Herren besichtigten eingehend die Turnhalle unter Führung des Bauleiters, Rektor Vitt von der hiesigen Gewerbeschule. Dieser legte den Gästen Zeichnungen, Pläne und Kostenvoranschläge vor und erläuterte sie ausführlich. Die Kommission kam zu dem Entschluß, den Neubau einer Turnhalle in ihrer Gemeinde genau nach der hiesigen in die Wege zu leiten. Auch in Schotten plant man die Erbauung einer neuen Turnhalle ober eine bedeutende Erweiterung der bestehenden. Der Stadtvorstand will zu diesem Zweck dem Turnverein 25 000 Mk. zur Verfügung stellen. Kreis Schotten. — Schotten. 11. Aug. In althergebrachter Form fand hier der wertbekannte Schottener Sommermarkt statt. Am Vorabend, Sonntag, wurde nach alter Sitte der Markt »angetrommelt". Die Marltwache zog mit den städtischen blauweißen Fahnen und der alten 1813er Fahne klingenden Spieles nach dem Rathaus. Hier wurde der Markt durch den Bürgermeister mit einer Ansprache eröffnet. Regstes Leben herrschte in den Straßen und den Lokalen. Sehr viel Vieh, sehr viele Händler waren bereits eingetroffen. Auch die üblichen Zigeuner waren in großer Masse zum Markt hier zusammengezogen. Der Montagsmarkt war mit Pferden und Rindvieh stark beschickt. Ueber 250 Pferde, 430 Stück Rindvieh waren aufgetrieben worden. Schach-Ecke. Bearbeitet von W. O r b a ch Alle für die Redaktion besilmmten Mitteilungen, Lösungen uftr. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 74. Don Prof. Weißgerber, Gießen (Original). 8 6 7 5 4 3 2 8 6 3 2 Weiß. Schwarz, d e L____h a b Weiß zieht und seht in drei Zügen matt. Weiß: 5 Steine Kc7; Db5; Th5; Ld3, 114. Schwarz: 12 Steine Ke5; Ddl; Te2; Ld5, g7; Sd2, f8; Bc3, d4, e6, f4, f5. Endspiel Nr. 18. Don D. Horwitz. Schwarz, a b c d e f g h a b c d e t g h 8 6 6 5 5 3 3 2 Weiß. Weih zieht und gewinnt. Weiß: 4 Steine Kd2; Df2; Sbl, Se8. Schwarz: 7 Steine Kb2; Tal, c5; Ba2, ab, b3, d6. Sine lehrreiche Studie. Lösung beS Problems Nr. 72. Von O. Nemo. 1. Kgl — f2, g6-g5 2. Lf4-g3, g5-g4 3. Lf3- g2 matt. 1. . .. , KB3-L4 2. Kf2-g2, g6-g5 3. Lf4 - g3 matt. Aus der Tchachwclt. Der Länderwettkamps Deutschland gegen btt Schweiz. Der in Freiburg am 4 und 5. August aus- getragene Länderwettiampf endete mit dem über legenen Siege der deutschen Spieler, bauptkid' lich infolge der starken Besetzung der drei ersten Bretter (1. Wagner, Hamburg, 2- Schmitt. Mün chen: 3. Orbach. Frankfurt a. M), welche aus sechs gespielten Partien 6 Punkte erzielten, obwohl an diesen Brettern die stärksten Vertreter der Schweiz faßen, nämlich: 1. Dr. W Michel. Bern: 2. Dr. M. Henneberger, Basel: 3. D. Henneberger. Glarus. Die restlichen Teilnehmer spielten mit mehr oder minder gutem Erfolge. 4. Pros. O. Naegeli, Bern, gegen W. Hnssong. Ludwigshafen, T -: 1 > P. 5. H. Johner. Zürich, gegen Weißgerber. Saarbrücken. 1'P. k. Dr. E. Doellmp, Bafel, gegen Th Weißinger V»: 1*/» P 7. G. Grob, Zürich gegen Scheck, Stuttgart, 11 s: ’/» P- 8. G. Geal, Gens, gegen Wiedemann, Stuttgart. 1:1 P. 9. F. Blum. Bern, gegen Klucker. Freiburg, 1:1 P. Alles in allem gewann Deutschland an beiden Tagen mit 5Vsi 3Vi Punkten, was einen zu 11 gegen 7 Punkten ergibt. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom NedakttonStisch. Erlebnis. Gestern war ich in der Lausitz. ©in achtzigjähriger Weber besucht dort meine Großmutter. „Trinken Sie eine Tasse Kaffee", schiebt ihm Großmutter die Tasse hin. Der Weber schiebt den Kaffee zurück. „Danke." „Aber trinfen Sie doch, Haubolb. Sie haben noch einen weiten Heimweg." Der Weber schiebt den Kaffee zurück. Großmutter stellt zum dritten Male die Tasse vor den Besnd). Da ersaßt den Weber rote Wut „Kocht's nicht mehr, als ihr saust", schlägt er mit der Faust auf den Tisch. Und geht. Dialog. König Friedrich Wilhelm 111. war bekannt wegen seiner überaus lakonischen Redeweise: er drückte sich möglichst immer nur in einem Wort aus. Als er einmal zur Kur in Tepllh wellte, erzählte man Ihm, daß sich unter den Kurgästen auch ein ungarischer Gutsbesitzer befinde, der an Kürze der Ausdrucksweise mit ihm wetteifre. ..Kennenlernen!" befahl der König. Man zeigte ihm also aus der Brunnenpromenade den Herrn und Friedrich Wilhelm begrüßte ihn freundlich, worauf sich zwischen den beiden Lakonikern das folgende Gespräch entwickelte: „Baden?" -- „Trinken!" -- „Militär?" — „Magnat!" — „So!" — „Polizei?" — „Äönig!“ — „Gratuliere!" Kreuzworträtsel. Bei der Familie Krause ist eine Seuche aus- gebrochen: die Kreuzworträtselseuche. Die ganze Familie fitzt wieder einmal und sinnt, aber trotz allen Kopfzerbrechens kommt nie mand auf einen Fisch mit dem Anfangsbuch staben O. Da klingelt's! Der gute Onkel Hugo tritt ins Zimmer. Alle rufen ihm zu: ..Onkel Hugo! Einen Fisch, der mit O beginnt." — „Kleinigkeit: Die Oelsardine!" (Lustige Blätter.) Der Schweinemarkt am Dienstag war ebenfalls sehr gut befahren, mit nahezu 700 Schweinen und Ferkeln. Die gehandelten Preise waren sehr unterschiedlich. Eine Unmenge Marktstände, Schaubuden stehen in den Straßen der Stadt, in denen sich der Krämermarkt am Mittwoch abspielte. — Aus der letzten Gemeinde- ratssihung wird berichtet: Der Stadtbad) soll, da in ihm aller Unrat abgeladen wird, in Beton gefaßt und überdeckt werden. 'Die Arbeiten werden nad> und nach ausgeführt, eine Strecke von zirka 100 Meter ist für dieses Iahr vorgesehen, die Kosten werden sich auf zirka 3000 Mark belaufen. — Der von dem Forstamt Schotten ausgestellte Waldwirtschaftsplan wird angenommen. Ein gemeinsamer Waldgang in den Stadtwald soll in Kürze stattfinden. — Die Turnhalle des hiesigen Turnvereiits ist für den reinen Turnbetrieb nicht immer verfügbar und unpraktisch. Daher will der Turnverein seinen alten Plan verwirklichen und in dem Turngarten eine moderne Turnhalle errichten. IDie Kosten werden auf zirka 35 000 Mark veranschlagt. Der Gemeinderat ist bereit, dem Turnverein ein Kapital von 25 000 Mark gegen entsprechende Sicherung und Wahrung der Rechte der Stadt zur Derfügung zu stellen. Die Generalversammlung des Vereins wird in dieser Woche über das Projekt entscheiden, mit dessen Ausführung sofort begonnen werden soll. — Die vom Ministerium des Innern vorgelegte Mustersahung über die Erhebung einer In- slations-Wertzuwachssteuer wird vom Gemeinderat angenommen. ».- Schotten, 11. Aug. Da durch das wiederholte Auftreten der Maul- und Klauenseuche in den verschiedenen Bezirken des Kreises eine besondere Seuchengefahr für den ganzen Kreis Schotten begründet ist, hat das Kreisamt den Handel mit Klauentieren, der ohne vorgängige Bestellung entweder außerhalb des Gemeindebezirks der gewerblichen Niederlassung des Händlers oder ohne Begründung einer solchen stattfindet, verboten. Von außer» hessischen Orten dürfen Klauentiere, insbesondere Ferkel, durch nicht kreiseingesessene Händler nach einer Quarantäne von fünf Tagen in den Kreis eingeführt werden. =.= Gedern. 11. Aug. Hier ereignete sich gestern ein bedauerlicher Unglücksfall. Die Frau des Dahnarbeiters Beck wollte mit einem kleinen Handwagen, auf dem ihre beiden Kinder faßen und Sense und Rechen lagen, Futter holen. Bei der Fahrt durch ein enges Gäßchen blieb die Sense an dem angrenzenden Drahtzaun hängen und schnellte dann zurück, so daß dem einen Kinde eine schwere Kvpfverletzun g und dem andern eine starke Schnittwunde an der Hand zugefügt und die sofortige Uebcrfüß» rung ins Krankenhaus erforderlich wurde. -.» Gedern, 11. Aug. Der dieser Tage von Würzburg aus veranstaltete Brieftaubenflug mit 1926er Iungtauben verlief trotz starken Nebels lehr gut. Bon den um 6.30 Uhr morgens in Würzburg geworfenen Tieren trafen die ersten Tiere um 9.12 Uhr hier ein. Am nächsten Sonntag wird ein weiterer Flug von Neustadt an Der Aisch stattfinden. wh. H e rch enhai n, 11. Aug. Dieser Tage sand das Jugendfest der Herchenhainer Schule statt. Blumengeschmückt zog die Iugend nach Der neuerbauten Jugendherberge auf Der Herchenhainer Höhe. Hier entfaltete sich ein fröhliches Treiben. Lehrer Weimer wies in einer Ansprache auf die Bedeutung des Tages hin. Die Schülerinnen führten nun ihre flotten Reigen vor. Gedichte ernster und heiterer Art wechselten ab mit Gesängen und turnerischen Vorführungen. Abends fand die Aufführung eines Theaterstücks von Lehrer Weimer statt. Das Stückchen fand reichen Beifall. Bürgermeister Linker dankte dem Veranstalter für Me genußreichen Stunden. Id. Ulrichstein, 11. Aug. Aus den Verhandlungen der Hutweidekommission, Die hier stattfanden, ist zu entnehmen, daß im Iahre 1925 in den drei Kreisen Lauterbach, Schotten und Büdingen 444 Morgen Hutweiden melioriert wurden, wovon 166 Morgen im Kreise Schotten in den Gemeinden Burkhards, Busenborn, Michelbach, Ober-Seibertenrod, Rebgeshain und Ulrichstein (einschk Versuchsgut Selgenhof) gelegen sind. In Den Drei Kreisen wurden insgesamt 71 500 Mk. für Hutweidenverbesserung ausgegeben: Der Kostenanteil Der beteiligten Gemeinden unseres Kreises beträgt 26 410 Mark und wird zur Hälfte vom Staate getragen. Die ausgeführten Arbeiten haben den Hutweiden ein völlig neues Gesicht gegeben; Steine und Ameisenhaufen wurden befeitigt, Entwässerungsanlagen verschiedenster Art wurden geschaffen, Lachen ausgefüllt, kahle Flächen angesät. Bei Der Düngung wurden wegen Der vorhandenen Bodensäure größere Mengen Kall gegeben. Im Iahre 1926 werden die Arbeiten in den genannten Gemeinden fortgesetzt: Teile Der Gemarkungen Feldkrücken, Kaulstoß, Rudingshain und Dol- kartshain sind außerdem zur Verbesserung vorgesehen. Als Hauptziel Der Hutweidenverbesserung wird Die Schaffung von Iungviehweiden bezeichnet, Die zur Höherzüchtung Der heimischen Rotviehrasse unbedingt erforderlich sind. Die Gemeinden Ober-Seemen und Hartmanns- Hain erhielten für gut eingerichtete Hutweiden je 150 Mark Prämie. ld. E i ch e l s a ch f e n, 11. August. Unsere Dorfgemarkung, in dem vielfach gewundenen Täl- chen der Eichel und des Eckartsbaches gelegen, eignet sich vorzüglich für Den Obstbau, Da Die Der Obstbaumblüte so gefährliche rauhe Zugluft hier ihre zerstörende Tätigkeit kaum entfalten kann. Während man in der Umgegend nur ein ganz geringes Ernteergebnis zu erwarten hat, wird unser Dorf eine einigermaßen befriedigende Obsternte haben. Unsere Gemeindevbstverstei gcrung, die immer zahlreiche Steigerer aus höheren Teilen des Gebirges anlocktc, wird auch in diesem Iahre ab gehalten werden können. Sie tvird aber diesmal nur örtliche B^>euttmg haben. — Seit etwa 14 Tagen ist Eichelsachsen, das Dorf der Stelzenbirnen, das Wanderziel vieler Kinder aus den Nachbarorten, die mit nicht zu kleinen Rucksäcken ausgerüstet, bei Verwandten und Bekannten ihren Anteil an der überreichen Frühbirnenernte einheimsen. Wegen drängender Crntearbeiten kann der Dirnensegen gar nicht voll zur Honigbereitung ausgenuht werden und wird deshalb in großen Mengen verschenkt. =.= Merkenfrih, 11. -Aug. Auf der letzten Kirchweihe kam es zwischen Burschen zu einer Schlägerei, in der einer der Beteiligten derart hort mitgenommen wurde, daß feine lieber« sührung ins Krankenhaus in Gedern nötig wurde. Id? Aus dem oberen Riddatal, 11. Aug. Am Anfang dieser Woche begann der Ausdrusch der Frucht, zunächst im Freien. Sn den meisten Fällen wird Korn und Hafer angefahren, um dem hie und da bestehenden Mangel an Drotfrucht und Pferdekraftfutter abzuhelfen. Während Roggen etwas weniger Körner ergibt, als in günstigeren Jahren, ist man mit dem Druschergebnis des Hafers äußerst zufrieden. Bei Anhalten des guten Erntewetters hoffen einzelne Landwirte, schon in der kommenden Woche ihre gesamte Ernte in der Scheune ausdreschen zu können, um für die in Aussicht stehende gute Grummeternte Platz zu schaffen. Aus dem südwestlichen Vogelsberg, 11. Aug. Unter dem Einfluß der günstigen Witterung der letzten Tage, die allerdings eine kürzere Unterbrechung durch einige Gewitterregen fand, ist die K o r n « u n ö ® e r ft en« ernte schon ziemlich weit vorgeschritten, Io daß bald mit dem Schnitt der übrigen Getreidearten begonnen werden kann. Vielerorts ist das Mähen mit der Maschine erschwert durch das Liegen des Getreides, so daß man nur mit Sense und Reff arbeiten kann. Auch haben hier und da die letzten Gewitter etwas geschadet, besonders da, wo Hagelschauer ihre Begleiterscheinungen waren. Es zeigt sich, daß die von Hagelkörnern getroffenen Getreidekörner beim Mähen leicht ausfallen. Der Körnerertrag muß im großen und ganzen als gut bezeichnet werden. I. Aus bem oberen Vogelsberg, 11. Aug. Allmählich nimmt auch die Ernte bei uns ihren Anfang: vereinzelt reife Korn- und Gerstenstücke wurden schon abgemacht. Die anderen Stücke gehen ihrer Reife entgegen. Hafer ist noch ziemlich grün, auch mit Weizen wird die Reise noch auf sich warten lassen. Korner- und Strohertrag übertreffen alle Erwartungen. Gerste hat sich meistens gelagert und hängt nach allen Himmelsrichtungen und muß meistens mit der Grassense abgemacht werden. Auch unsere Kartoffelfelder stehen zur Zeit in voller Blüte. Die Hackfrüchte stehen ebenfalls gut. Auch auf einzelnen guten Wiesen wird schon Grummet gemacht. Heu wurde schon mehrmals auf unserer Station verladen. Der Preis ist je nach Qualität 2,60 bis 3 Mk. pro Zentner. Rheinhessen. WSR. Worms, 11. Aug. Auf der Landstraße Worms—Mainz ereignete sich ein schweres Autounglück. Das in voller Fahrt befindliche Auto einer Darmstadter Gesellschaft überschlug sich infolge eines Reifendefektes; die Insassen, drei Damen und einen Herrn, unter sich begrabend. Während eine Dame mit leichteren Verletzungen davonkam. erlitten die übrigen schwere Verletzungen, so daß sie in das Wormser Krankenhaus übergeführt werden muhten. Preußen. > Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar. 11. Aug. Die eingetretene f warme und trockene Witterung begünstigt die Erntearbeiten auf das beste. Wohl selten '» ist in einem der letzten Jahre der Ertrag der Körnerfrucht so gut gewesen, wie in diesem. Weizen, Korn, Hafer und Gerste bringen sowohl in der Korner- wie auch in der Strohernte dem Landwirt volle Scheunen. Wenn das trockene Wetter weiter anhält, so dürfte auch die Hackfrucht, und besonders die Kartoffeln, noch viel profitieren. 0 Groß-Rechtenbach, 11. Aug. Für die Zeppelin-Eckener-Spende wurden in den Gemeinden der Bürgermeisterei Rechtenbach folgende Beträge gesammelt: Dornholzhausen 25.65 Ml., Ebersgöns 28.65 Mk.. Groß-Rechten- bach 45.30 Ml., Hochelheim 90.40 Ml, Hörnsheim 34.80 Mi.. Klein-Rechtenbach 16.75 Mk, Lützellinden 48.95 Mk., Münchholzhausen 38.65 Mark, Riederkleen 44.65 Mk.. Oberkleen 26.05 Mark, Reiskirchen 19.45 Mk.. Vollnkirchen 16.60 Mark, Volpertshausen 14.60 Mk., Weidenhausen 17.45 Mk., zusammen 467.95 Mk. — Die hiesige Landjäger st elle ist schon seit dem 1. Oktober vorigen Jahres unbesetzt. Die Wieder- besehung stoßt deshalb auf Schwierigkeiten, weil es nicht gelingt, eine Wohnung für einen verheirateten Beamten zu beschaffen. Aus diesem Grunde wird die Stelle einem unverheirateten Beamten übertragen werden müssen. Dillkreis. bl. Dillenburg, 11. Aug. Die OK a ul- und Klauenseuche ist im Dillkreis so langsam im Rückgang begriffen. In einer Reihe von Gemeinden ist die Seuche erloschen. WSR. Herborn, 10. Aug. Unter Teilnahme von ungefähr 30 000 Bauern wurde im Städtchen Herborn im Dilltal der 5. Ras- säuische Bauerntag des Reichs-Landbundes abgehalten. Von der Zentrale des Reichs- Landbundes waren die beiden Präsidenten H e p P und K a l ck r e u t h erschienen. Die Darlegungen der Referenten über Aufgaben und Pflichten des Landvolkes fanden stürmischen Beifall. bl. Aus dem Dill gebiet, 11. Aug. Die Ernte hat teilweise schon stark begonnen. Im Durchschnitt sind die Erträge gut. Die Befürchtung, daß das Unwetter der Frucht schweren Schaden zugefügt habe, hat sich glücklicherweise nicht überall erfüllt. Kartoffeln wird es in diesem Jahre ebenfalls viele geben. Obst dagegen bleibt hinter den Vorjahren zurück. bl. Haiger (Dillkreis), 11. Aug. Der neue Haushaltsplan der Stadt Haiger hat jetzt bereits einen Fehlbetrag von etwa 10000 Mark aufzuweisen, der durch die Erhöhung der Realsteuern gedeckt werden soll. bl. Fleisbach (Dillkreis), 11. Aug. Dieser Tage beging unser Kriegerverein in würdiger Weise die Feier des 25jährigen Bestehens. Am Vorabend fand ein gut besuchter Festkommers statt, an dem sich auch der stellvertretende Landrat des Kreises beteiligte. Am Iubiläumstage selbst wurde ein Festgoktesdienst abgehalten, in Dem Pfarrer a. D. Emke- Sinn Worte wärmsten Inhalts sprach. DaS Jubiläum wurde burd) ein gemütliches Beisammensein beendet. Kreis Marburg. ][ Marburg, 10. Aug. Unser zweiter Bürgermeister, Mueller, der sich um den am 1. Januar frei werdenden Posten des Oberbürgermeisters der Stadt Hagen in Westfalen beworben hat, ist unter über 100 Bewerbern in die engere Wahl gekommen. — Der Magistrat hat beschlossen, dem schon einmal abgetönten; Plan der Errichtung eines Hallenschwimmbades wieder näher zu treten, falls Staat und Interessenten genügend Mittel zur Verfügung stellen. Der vom Oberbürgermeister vorgelegte Entwurf nebst Kostenvoranschlag fand Annahme. — Von einer Barablos ung der ganz oder teilweise in der Zeit nach dem 30. Juni 1920 bis zum Ende der Inflation ausgegebenen Markanleihen soll abgesehen werden, weil die auszuzahlenden Beträge zu belanglos seien. — Am 7. August wareir es 100 Jahre, daß hier der erste luth. Generalsuperintendent von Oberhessen, Wilhelm Kolbe, geboren wurde. An seinem Grab fand eine Kranzniederlegung statt. Kreis Limburg. WSR. Limburg, 11. Aug. Die drei aus dem Limburger Landgerichtsgefängnis entflohenen Strafgefangenen sind wieder eingefangen worden. Die Festnahme erfolgte durch Einwohner von Riedererbach, die unter Führung des Bürgermeisters die Ausreißer auf einer Streife durch den Wald festnehmen und der Bahnpolizei übergeben konnten. Wirtschaft. Der Stand der deutschen Saaten und die Ernteausstchten. Uebcr den Stand der deutschen Saaten und die diesjährigen Crnteaussichten wird vom deutschen Landwirtschaftsrat folgende Ucbersicht gegeben: Der Schaden, der im Reiche durch die Ueberflutungen angerichtet worden ist, läßt sich selbstverständlich erst nach Beendigung der Ernte voll übersehen. Einstweilen kann man nur die eigentlichen Ernteausfälle feststellen. Die von der Ueberschwernmung betroffenen Ackerflächen dürften in diesem Jahre keinen Ertrag mehr bringen. Die Halmfrüchte sind zum großen Teil auch bereits in Fäulnis übergegangen und die Hackfrüchte sind meist vollständig verloren, auch da, wo die Rüben- und Kartoffelpflanzen nach dem Zurücktreten des Wassers noch grün sind. Ganz gewaltig ist aber auch der Schaden, der für die Landwirtschaft durch die Art und Verteilung der außerordentlich hohen Riederschläge entstanden ist. Durch die im Juni ein« tretenden Riederschläge wurde ein intensives Wachstum der Pflanzen begünstigt, und die Folge war, besonders bei den reichlich gedüngten Schlägen, ein Lagern des grünen Getreides lange Zeit vor der Blüte. Das Linkraut wucherte in einem Umfange, der bisher selten beobachtet worden ist. Der Boden war infolge der Rässe zu sehr durchweicht, als daß man eine erfolgreiche Bekämpfung hätte durchführen können. So kommt es, daß heute besonders die Hackfrüchte in ihrer Entwicklung zum Teil zurückgeblieben sind. Die Wintersaaten haben im allgemeinen einen mittleren Stand aufzuweisen. Die Wintergerste ist zum großen Teile schon eingeerntet und hat zum Teil recht gute Qualitäten ergeben, besonders da, wo sie bei trockenem Wetter hereingebracht werden konnte. Die Sommersaaten haben stark unter dem Unkraut und den pflanzlichen und tierischen Schädlingen zu leiden gehabt, deren Auftreten durch die zeitweise feucht- warme Witterung begünstigt wurde. Indessen wirkten diese nicht in übermäßig starkem Maße ein, und der Stand der Sommersaaten wird durchschnittlich als mittel bis gut bezeichnet. Die Hackfrüchte sind im allgemeinen ungünstiger beurteilt worden. Die Zuckerrüben weisen zwar einen üppigen Stand auf, jedoch sollen die Wurzeln der Pflanzen nicht genügend kräftig ausgebildet sein, so daß Samen tragende Pflanzen vielfach umgebrochen oder entwurzelt find. Bei den Kartoffeln läßt sich durch trockenes, warmes Wetter noch mancher Schaden ausgleichen. Die Ernte der Frühkartoffeln ist in ihrer Menge und Güte nach dem heißen Wetter in der Mitte des Monates Juli zum Teil ganz hervorragend gewesen. Klee und Luzerne sowie die übrigen Futterpflanzen weisen einen recht üppigen Stand auf. Soweit jedoch Heu aus ihnen bereitet werden sollte, ist der Ertrag wegen der Auslaugung durch die Riederschläge minderwerttg. Man schätzt, daß nur ein Viertel der eingebrachten Heumengen für Futterzwecke erfolgreich verwendbar ist. Der Klee ist in vielen Fällen, angeblich durch Schnecken- und Mäusefratz, wahrscheinlich aber infolge Verwendung ungeeigneten Saatgutes nicht zur Entwicklung gekommen. Wenn nun auch alles in allem mit einer Mittelernte zu rechnen ist, so wird doch die Lage der Landwirte dadurch gefährlich, daß die Einbringung der Ernte mit erheblichen Kosten verbunden fein wird. Das gelagerte Getreide kann nur in sehr wenigen Fällen wie sonst mit Maschinen gemäht werden. Cs sind zahlreiche und teure Arbeitskräfte nötig, die besonders bei Roggen mit der Sense mähen müssen und zahlreiches Personal für das Garbenbinden beanspruchen. Diese Angaben beziehen sich auf den Stand der Saaten um die Mitte des Monats Juli. Seitdem ist, im ganzen genommen, eine Verschlechterung picht eingetreten. * * Erhöhung der Saarkohlenpreis e. Die Verwaltung der französischen Saargruben hat die Kohlen- und Kokspreise mit Wirkung vom 1. August 1926 um etwa 7 Prozent durchschnittlich erhöht. Es werden jetzt berechnet für ungewaschene Stückkohle 145 bis 155 Fr., Grieß aus gebrochenen Stücken 149 bis 153 Fr., Förderkohle 113 bis 117 Fr., aufgelagerte 119 bis 125 Fr., geklaubte 111 bis 117 Fr., gewöhnliche 106 bis 110 Fr., grobkörniger Rohgrieß 196 bis 198 Fr., gewöhnlicher Rohgrieh 89 bis 95 Fr.. Staubkohle 57 bis 59 Fr., gewaschene oder gleichartige Kohlenwürfel 152 bis 165 Fc., Ruh l 157 bis 167 Fr.. Ruß II 151 bis 159 Fr.. Ruh III 140 bis 153 Fr., Grieß 0 35 Millimeter 129 bis 139 Fr., Grieß 0/15 Millimeter 117 bis 133 Fr., Feingrieh 95 bis 128 'Fr., Grobkoks, gewöhnlich, 126 Fr., Grobkoks, Spezial, 202 Fr.. Mittelkoks 196 Fr., Prehkoks 35/55 Millimeter 196 Fr., Preßtoks 13/35 Millimeter 166 Fr. • Frankfurter Hypothekenbank in Frankfurt a. M. Rach der soeben veröffentlichten Lieberficht über die Pfandbriefteilungs- masse waren am 30. Juni 1926 bei Berechnung des Aufwertungsbetrages mit 25 Prozent insgesamt 105 759 301 Mk. an Hypotheken vorhanden, denen ein Goldmarkbetrag der teilnahme- berechtigten Pfandbriefe von 505 151 679 Mk. gegenübersteht. Rach der Aufstellung der Kom- munalobligationen-Teilungsmasse beliefen sich die Unterlagen für die Kommunalobligationen am 30. Juni 1926 auf 1 140 573 Mk. bei 8 010 923 Mk. teilnahmeberechtigten Kommunalobligationen. Von der Verwaltung wird darauf hingewiesen, daß es verfehlt wäre, aus diesen Zahlen einen Schluß auf die tatsächlich zur Ausschüttung gelangende Quote zu ziehen, da einerseits auf der Aktivseite sich voraussichtlich erhebliche Minderungen ergeben werden, und andererseits die Passivseite aus verschiedenen Gründen eine Erhöhung erfahren wird. " Direktor Friedrich Klohbach, Direktor der Friedrich Krupp A.-G. und Mitglied des Vereins deutscher Eisenhüttenleute, wurde von der Llniversität Gießen in Anerkennung seiner Verdienste um die Wissenschaft und Wirtschaft zum D r. r e r. pol. ehrenhalber promoviert. * Aktien - Gesellschaft Siegener Dynamit - Fabrik, Köln. In der ao. H. D. dieser Gesellschaft wurde analog der ao. H. V. der Rheinisch - Westfälischen Sprengstoff- A. G. ebenfalls beschlossen, den Generaltartell- Anschiußvertrag nebst allen Zusätzen aufzuheben, und der Vorstand ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrates einen Interessengemeinschafts- Vertrag mit der I. G. Farbenindustrie A. G., Frankfurt a. M., abzuschliehen. ’ Englis cher Kohlen streik und Ruhrtohle. Zu den neuesten Meldungen über die Möglichkeit des Abbruches des englischen Kohlenstreiks und die Aussichten für die Ruhrkohle hort man aus zuverlässiger Quelle, daß die Haldenbestände bei vorsichtiger Schätzung bis über 50 Proz. ermäßigt worden srnd. Es ist weiterhin möglich gewesen, wenn auch nicht jahrelange Verträge, so doch Abmachungen für einige Monate mit früheren Abnehmern englischer Kohle abzu- schlietzen. Aber auch nach Ablauf dieser Verträge dürfte es für die englischen Gruben zum mindesten schwer fein, die verlorenen Absatzgebiete auch nur teilweise wiederzugewinnen. Es ist somit anzunehmen, daß selbst im Falle eines Abbruchs des englischen Streiks die augenblicklich überpor« kriegsmäßige Beschäftigung im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier noch 2 bis 5 Monate an» halten wird, die Besserung der allgemeinen Lage überhaupt aber durch die neu einsehende englische Konkurrenz kaum wird wieder ausgeschaltet werden können. Aus diesem Grunde konnten zahlreiche Reueinstellungen erfolgen. Eine weitere Besserung der Lage auf lange Sicht beweisen auch die verschiedenen Reubauten auf den Zechen, die man feit so langer Zeit vollkommener Stille auf diefcm Gebiete nunmehr bei Rundfahrten durch das Revier wieder allenthalben beobachten farm. Diese Momente sind zweifellos Zeichen einer überwundenen Wirtschaftskrise, zu deren Lieber- Windung der englische Kohlenstreik immerhin den Anstoß gegeben hat. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Frankfurt a.M. Berlin Schluß.! Kur« 1 l-Uhc. Kur» Schluß-1 Anfang Kur» > Kura Datum: | 11.8. | 12.8. 11. s. 1 12. 8. 5% Deutsche Netchsanlcille . 4% Deutsche b.eichsanleihe . 3Vt% Deutsche Reichsan leihe 0,490 0.4925 0,4875 0,4375 0.49 0,4375 0.45 0,41 — 3% Deutsche Reichsauleihc . Deutsche Sparnramienan leihe 0.52 — 0,505 — — — 0.27 — 4% Preußische Koniols • . . 0,455 — 0,4375 0.44 4% Hessen ... ...... 0,44 — 0.42 — 3Va% Hessen.......... 3% Hessen........... 0,43 — 0,42 — 0,43 — 0,42 — Deutsche Werth. Dollar-Anl. 96,5 — — dto- Doll.-Schatz-Auweisug.*» — — — — 4°/o BoHfirfrn......... 5°/o Goldmerikaner ..... 14 44.75 — 14 44,25 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank 193,5 137’ 138' 194* 137.5* 195.5* 138* Darmst. und Nationaldank . 187' 193* 187' 193* Deutsche Bank......... 170* 169* 170* 169,5’ Deutsche Vereinsbank .... 93 — — — Disconto Eommandit .... Metallbau!........... 161’ >62* 161* 162,5’ 132.7* 144,5 — — Mitteldeutsche Kreditbank. . 135* — 1:38* 138.5* Oeslerreichische Creditanstalt Weltbank ... ....... t. ',•) 7,25 — — — — Bochumer Guß ........ 151 155* 152,5* 154.7* Buderus ■ . ....... . . 95 95,75 95 96,5' Caro . ....... . . . — — 82 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . 157* 180' 160,5* 182.7* 158,1* 179,6’ 161* 182,9’ Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 155* 155,5* 153.4* 156.2' 139.5 _ 139* 143,5 Kaliwerk Westeregeln..... 148 — 147 Laurahütte........... 56,5 58,25 57.5 59 Oberbedars .......... 74 73 74,75* Phöuir Bergbau ....... Rheinstahl........... 126.5* 151* 128.4* 153* 126,2* 149,2* 128,5* 152,9* Riebeck Montan........ 149 152 147,75 153 Tellus Bergbau........ 71,75 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... 161* 153,5* 161* 153.5* 160.7* 152* 161,5* 154,2* Eheramische Werke Albin . . _ Zementwerk Heidelberg . . . 121 122 _ — Philipp Holzmann...... — 102,75 98,5 Anglo-Cont.-Guano..... — - 93 100 Chemische Mayer Alapiu . . — 9- G. Farbenindustrie, A.-G. 289.5’ 295* 287,5* 294,5* Goldschmidt.......... 114* 114 113,2.5 115.5 Holzverkohlung........ RülgcrLwerke........ 57,5 110,5 58 113 109,75 111,75 Schcideanstalt......... 160 160,25 Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 151,5* 153,2* 150,6* 153.9* Bergmann .......... Mainkrastwerke ........ Schlickert . . ......... 140,9* — 139,7* 142* 102 132* — 132* 133.2* Siemens