I 8 i Ur. UO Erster Blatt 176. Jahrgang Mttttvoch, 12. Mai 1926 Erscheint täglich, avtzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle Bteflai$«Being$prets: 2 Reichsmark und 2f) Reichs Pfennig für Träger: lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schristleitung 112, Der« log und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: ftranffurt am Main 11686. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck Mld Verlag, vrühl'fche UmverfilälL-vllch- und Lieindruckerei «.Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchvlfiratze 7. Annahme von Anzeigen für die Togesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzoorschrist 20' , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich fürVoht* Dr. Fr. Will). Gange; für Feuilleton Dr H.THyriol; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans FÜstel, sämtlich in Gießen. Die Flaggendedatte im Reichstag. Das sozialdemokratische Mißtrauensvotum. - Des Kanzlers Verteidigung. - Die Haltung der bürgerlichen Parteien. Friedensvermittlungen in England. London. 12. Mai. (511.) Obwohl sich alle beteiligten Kreise in Stillschweigen hüllen, muh mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß es zu ernsten Versuchen einer Verständigung kommen wird. Gestern vormittag hatte Macdonald eine Besprechung mit der Dergarbeiterexekutive, worauf er sich zum Gewerkschaftsrat begab und auch Thomas fand sich in viel bemerkter Eile an Ort und Stelle ein. Vach diesen Konferenzen erklärte der Generalsekretär der Bergarbeiter, Cook, er könne nur wiederholen, was er bereits am Sonntag gesagt habe, nämlich Friedensverhandlungen seien jederzeit möglich, sofern man den Bergarbeitern die wirtschaftliche Sicherheit verbürgen könne. Diese Aeuherungen bedeuten sachlich gesehen eine grundsätzliche Aenderung des Standpunktes, insofern darin mit der Bezeichnung „Wirtschaftliche Sicherheit" die ursprüngliche Formel fallen gelassen ist. die von einer Derweigs- rung der Arbeitsverlängerung oder Lohnherav- sehung sprach. Die allgemeine Aufmerksamkeit ist jedenfalls ausschließlich auf die Frage der Friedensbemühungen gerichtet und das Interesse daran siegt über alles andere. Es kenitzeichnet die Lage, daß selbst der amtliche Rundfunk von dieser Frage heute Mitteilung machte. Die eigentlichen Schwierigkeiten liegen im Augenblick, wo die beiden Parteien noch nicht offiziell miteinander in Verbindung getreten sind, weit mehr in den Gegensätzen in beiden Lagern selbst. 3m Kabinett sind die Ansichten über die weitere Behandlung des Kohlenstreiks geteilt. 3m Lager der Streikenden liegen die Dinge ähnlich. Am Dtenstagabend um 6 Uhr hat eine Kabi- nettssitzung stattgefunden, über deren Ergebnis im Augenblick noch nichts bekannt geworden ist. Auch der Gewerks chaftsrat ist am Dienstagabend um 6 Uhr noch einmal zur Prüfung der Lage und der Friedensausfichten zufammengetreten. Der Generalsekretär der Bergarbeiter, Cook, erklärte nach Beendigung der Besprechung, daß viele Aus- schüfse am Werke seien, urneineBrückesürdie Wiederaufnahme der Verhandlungen zu finden. Eine unerläßliche Bedingilng sei indessen nach wie vor die Aufrechterhaltung des status quo für die Bergarbeiter. Sir 3ohn Simon von der liberalen Partei unterbreitete am Dienstag dem Unterhaus einen FriedenSplan. der in parlamentarischen Kreisen viel Beachtung findet. Er schlage vor, dem Unterhaus eine Resolution vorzulegen, wonach beide Parteien ihren Standpunkt darlegen sollten, und zwar unter folgenden Bedingungen: 1. Abbruch des Generalstreiks, 2. Wiederaufnahme der Arbeit in den Kohlen- gruben zu den alten Lohnsätzen und Arbeitsbedingungen und 3. D u rch- sührung des Kohlenberichts. Cs muh indessen daran gezweifelt werden, ob sich die Regierung ohne weiteres auf den Boden dieses Vorschlags stellen wird. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, seht Macdonald seine Vermittlungsaktion fort, und zwar, wie es scheint, auf der Grundlage des Vorschlags von Sir 3ohn Simon. Die Streiklage. London, 11. Mai. (WTB. Reuter.) Heber- all im Lande macht sich bei den Streikenden ein Streben nach Wiederaufnahme der Arbeit bemerkbar. Die Zahl der im ganzen Lande täglich verkehrenden Züge, die sich zu Beginn des Streiks auf 849 belief, hat gestern 5503 erreicht. Die Londoner Zeitungen beginnen allmählich wieder zu erscheinen, wenn auch nur in sehr kleinen Rotausgaben. Teilweise wurden am Rachmittag in den Hauptverkehrsstraßen kleine mit Handdruck versehene Blätter verkauft. An der Londoner Börse setzte eine scharfe Aufwärtsbewegung wegen ver günstigeren Beurteilung der Friedensaussichten im Streik ein. 3n Regierungskreisen neigt man zu der Ansicht, daß der Streik noch im Laufe dieser Woche sein Ende erreichen würde. Tatsache ist. daß der Streik, wenn er auch noch nicht zusammengebrochen ist. so doch allenthalben Symptome nachlassender Energie zeigt. Trotz dieser für den Gewerkschaftskongreh wenig ermutigenden Anzeichen erklärt dieser, die Begeisterung und die Moral der Leute sei so stark und unerschütterlich wie nie. Die Regierung teilt heute Abend mit. daß im ganzen Lande Ordnung und Ruhe herrsche. Es ist fast nirgends ,zu Sabotageversuchen gekommen. Zahlreiche Personen, die im Zusammenhang mit den letzten Unruhen Derhaftet wurden, sind zu schweren Strafen verurteilt worden. 3n der Provinz sind 200 000 und in London 40 000 freiwillige Polizisten in Dienst gestellt worden. Ein Richter des Obersten Gerichts erildrie, der von dem Rat des Gewertschastslongre'ses »crfünöete Generalstreik sei ungesetzlich, und wer zum Streik ausfvrdert oi>er daran teilnimmt, wird durch das Gesetz vom Fahre 1906 nicht geschützt, das sich auf die Auseinandersetzungen in der 3nöu- ftric bezieht. Durch eine neue Rotstandsverordnung wird die Regierung ermächtigt, die Auszahlung von aus dem Auslande nach England gesandten Geldbeträgen zu verhindern für den Fall, daß diese Zwecken dienen sollen, die ..der öffentlichen Sicherheit oder .den Lebensintercften der staatllchen Gemeinschaft abträglich sind". Berlin, 10. Wai. (BDZ.) Das lebhafte 3nteresse des Publikums an der heutigen Sitzung, in der die Flaggeninterpellation auf der Tagesordnung steht, zeigt sich in einem starken Besuch der Tribünen. Auch draußen vor dcm Reichstagsgedäude haben sich viele Menschen angefammelt, die von Schupoleuten in respektvoller Entfernung gehalten werden. Der Sitzungssaal füllt sich nur langsam. Abq. Dr. Breitschcid (Loz.). begründet die sozialdemokratische Interpellation, die sich gegen die Flaggenverordnung vom 6. Mai wendet. Diese Interpellation, so betont der Redner, ist nicht gegenstandslos geworden durch die neue Vereinbarung des Reichskanzlers mit den Regierungsparteien, daß der Flaggenerlah zwar nicht zurückgenommen wird, aber praktisch bis zum 1. August nicht in Kraft gesetzt werden soll. (Lebhaftes Hört, Hört, rechts.) Wir stellen mit Genugtuung den Rückzug des Reichskanzlers fest und würden vielleicht auch dem fliehenden Gegner goldene Drücken bauen, aber schließlich besteht doch die Verordnung noch zu Recht, und es ist nicht recht einzusehen, wie das angekündigte Flaggengesetz zustande kommen soll, da es doch die zur Verfassungsänderung erforderliche Mehrheit braucht. Die Minister Marx und Külz haben durch ihre Zustimmung ihre Parteien mit einer schweren Verantwortung belastet. Der Reichskanzler hat sich in Verbindung gesetzt mit den Auslanddeutschen, d. h. mit ihren Honora- tioven-Klubs. Er hat auch auf die deutschen Auslandsvertreter sich berufen. (Rufe rechts.) Unseres Wissens hat sich der Gesandte Rauscher niemals im Sinne des Flaggenerlasses geäußert, sollte er es getan haben, so würde das die Haltung unserer Fraktion auch nicht beeinflussen. Richt gefragt hat der Reichskanzler aber das Parlament, nicht einmal die Parteien, auf die er sich stützt. Der Reichskanzler zeigt dem Reichstag bewußt oder unbewußt Geringschätzung. Der Flaggenerlah widerspricht der Reichsverfassung. Die Reichsfarben sind Schwarzrotgold, die Handelsflagge ist Schwarzweihrot mit schwarzrotgoldener Gösch. Die Leute im Lande, selbst in den Kreisen des Auslanddeutschtums, die die Handelsflagge an die Stelle der verfassungsmäßigen Reichsflagge setzen wollen, wollen damit deutlich ihre Gegnerschaft gegen die neue Verfassung, ihre Sehnsucht nach dem Kaiserreich bekunden. Eine Regierung, die dieser Sehnsucht Rechnung trägt, kann nicht das Vertrauen der Republikaner beanspruchen. Der Reichskanzler hat zunächst erklärt, der Flaggen- erlah habe gar keine politische Bedeutung. Herr Reichskanzler: Sie sind zu allem fähig, aber zu einem solchen Maß der Harmlosigkeit doch nicht. (Heiterkeit.) Unser Mihtrauensvotum wird wahrscheinlich abgelehnt werden. Aber der Reichs- lanzler soll sich darüber nicht täuschen. Auf die Dauer kann man von abgelehnten Mißtrauensvoten nicht leben. Cs kann der Moment kommen, too wir außenpolitische Rücksichten zurückstellen, um diesen Kaitzler zu stürzen. Reichskanzler Dr. Luther weist die Behauptung des Vorredners zurück, daß der Flaggenerlah und seine Entstehungsgeschichte mit der Verfassung nicht im Einklang stände. Die Flaggenoerordnung von 1921, die viel toeirer ging, sei auch nicht als Der- fafsungsverlehung betrachtet worden. Sie sei auch nicht vorher dem Reichsrat und Reichstag vorgelegt worden. Was jetzt durch den Flaggenerlaß verordnet wird, das haben auf Anfrage des Deutschen Museums in München die ftü- heren Innenminister S o 11 m a n n und O e s e r ausdrücklich für zulässig erklärt. Der Reichskanzler verliest unter stürmischem Gelächter und Hätideklatschen der Rechten dieses Schreiben der früheren Innenminister, die der sozialdemokratischen und demokratischen Fraktion angehörten. Er fährt dann fort: Richt der bedauerliche Flaggenstreit im Innern hat uns zu unserer Verordnung veranlaßt, sondern die großen Schwierigkeiten, die sich bei der Vertretung deutscher Interessen im Auslande aus dem jetzigen Zustande ergeben. Im Auslande hat das Symbol der Flagge eine sehr praktische Bedeutung für die politische und wirtschaftliche Geltung Deutschlands. Da hak es immer geschadet, daß die offizielle deutsche Vertretung Schwarzrolgold flaggte, während die Mitglieder der deutschen Kolonie Schwarzweihrot flaggten. In manchen Ländern ist das Aushängen nicht- offizieller Flaggen oerboten. Da war es den meisten Deutschen überhaupt unmöglich, die deutsche Fahne zu zeige.i. (Laute Zurufe und Unruhe links.) Die deutschen Gesandtschaften haben den größten Teil ihrer wertvollen Zeit auf die Schilderung dieser Schwierigkeiten verwenden müssen. (Stürmische Zurufe links: Dann rufen Sie sie zur Ordnung. Sie blamieren ja Stresemanns Leute.) Die Flagge, die für die Auslanddeutschen das Deutsche Reich repräsentiert, ist die Handelsflagge, die ihnen von den deutschen Schiffen entgegenweht. Diese Flagge ist auch ausdrücklich in der Reichsverfassung zu gelassen. Ietzt flaggen die Auslanddeutschen meist mit Schwarz- weihrot und setzen sich damit in Gegensatz zu der offiziellen deutschen Vertretung. Mit der neuen Verordnung wollen wie erreichen, daß an deren Stelle die in der Reichsverfassung angegebene Handelsflagge tritt, das sollten uns doch gerade die Anhänger der Weimarer Verfassung danken. (Gelächter links.) Wir schaffen dadurch im Auslande derjenigen Flagge weitere Verbreitung, die augenblicklich in der Reichsverfassung vorgesehen ist. (Zurufe links: Augenblicklich sagt er!) Gerade doch die Sozialdemokraten wollen die Verfassungsbestimmungen über die Handelsflagge wieder aufheben. In der Verordnung wird die schwarzrotgoldene Gösch auch denjenigen Flaggen hinzugefügt, in denen sie bisher fehlte. Der verstorbene Reichspräsident Ebert hat mit mir als Reichskanzler wiederholt über den bedauerlichen Zwiespalt in der Flaggenfrage gesprochen und mich um Vorschläge für einen Ausweg aufgefordert. Dabei stimmte er durchaus einer Lösung zu, wie sie etwa der jetzige Flaggenerlah bringt. (Hört, hört! rekchts.) Es liegt mir ganz fern, Den Einfluß des Parlaments zurückdrängen zu wollen. Cs gibt ja feine andere Form, in der heute die Mitarbeit des Volkes an den Staatsgeschicken gewährleistet werden kann, als der Parlamentarismus. Dazu muß aber auch ein gewisses Vertrauen zur Regierung vorhanden sein, wäre das dagewesen, dann wäre die Volksbewegung aus diesem Llnlah nicht entstanden. (Lebhafte Zurufe rechts: Koch-Weser ist schuld.) Die Verordnung ist in Kraft und bleibt in Kraft. (Lebhaftes hört, hört links.) Die Durchführung kann zweckmäßigerweise nur so erfolgen, daß die Verordnung auf der ganzen Erde gleichzeitig ausgeführt wird. (Gelächter bet den Sozialdemokraten und bei den Kommunisten.) Darüber wird ein längerer Zeitraum vergehen, denn die Verordnung muh ausführlich erläutert totrbxu. Wir rönne:i die Ausführung nicht i>em Zufall des Eintreffens eines Briefes überlassen. (Gelachter und Lärm bet den Kommunisten und Sozialdemokraten, Präsident Lobe ersucht um Ruhe. Rufe bei den Kommunisten: Der verulkt uns jn!) Wir wollen die gesetzgeberische Seite für eine einheitliche Lösung der Frage sofort in Angriff nehmen. Wir hoffen dabei auf die llnterftütjung des Reichstages. Wenn die Vereinheitlichung gelungen ist, dann ist damit selbstverständlich die Flaggenverordnung durch die allgemeine Regelung absorbiert. Die Regierung hofft mit ilnterftüt)ung des Reichstages auf eine gedeihliche Lösung der Frage im Zeichen des Briefes des Reichspräsidenten von Hindenburg. Abg. Graf v. Westarp (Dn.) erklärt, daß die Haltung seiner Fraktion abhängig fei von der Beantwortung einer Frage durch den Reichskanzler, der leider noch nicht anwesend fei. Der Redner macht eine Pause, bis nach einigen Minuten unter großer Heiterkeit der Reichskanzler erscheint. Graf v. Westarp richtet die Frage an den Reichskanzler, ob die Pressemeldung richtig fei, daß b i c Flaggenverordnung bis z u m 1. August suspendiert werden soll. Die Aus- sjjhrungen des Reichskanzlers über die Durchführung der Verordnung hätte die Sorge der Deutsch- nationalen verstärkt. Der Redner erklärt: Wir erwarten vom Reichskanzler eine ganz unzweideutige und offene Antwort auf die Frage: Ist er entschlossen, ohne Rücksicht auf die Forderungen von Regierungsparteien und ohne das Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten, die Flaggenoerordnung unverzüglich durchzuführen? Rückzug oder Nichtrückzug? (Beifall rechts.) Abg. Giesbcrts (Z.) Die Reichskanzlerrede hat den Eindruck nicht verwischen können, daß die Flaggenverordnung im ganzen Volke in Deutschland und im Auslande eine ungeheuere äLeberraschung hervorgerufen hat. Wir müssen zu dieser Handlung und für die politischen Konsequenzen daraus, jede Verantwortung ablehnen. Der Reichskanzler hat die Dinge einsach zu leicht aufgcfaht. Das politische Fingerspitzengefühl hätte ihm sagen müssen, daß elektrische Funken stieben, wenn man an so empsindliche Dinge rühre. Wir werden uns jedem Versuche widersehen. die schwarzrotgoldenen Reichsfarben, dieses Symbol der neuen Zeit und der neuen Deriassung. antaften zu lassen durch die Anhänger der Gewaltpolitik, die jetzt diese Farben bekämpfen und wieder durch Schwarzweißrot ersehen wollen. Wir fürchten, daß diese Leute in der Verordnung ein (Sntqegenfommen gegen ihre Bestrebungen erblicken werden. Wir wünschen, daß der Reichskanzler diese Befürchtl-.ng durch eine offene Erklärung zerstreut. Eine Lösung der Flaggenfrage halten auch wir für nötig, aber der jetzige Zeitpunkt ist dazu nicht geeignet. Andererseits könnten wir es aber auch mcht verantworten. in diesem kritischen Augenblick eine neue Regierungskrise aus Anlaß der Flaggen» verordnung entstehen zu lassen. Wir werden deshalb dem Mihtrauensantrag nicht zustimmen. Abg. Dr. Schnee (D. V.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu der Flaggenverordnung. Sie fei lediglich ein zweckmäßiges Mittel zur Bekämpfung der vom Ausland als ganz unerträglich empfundenen Zustände in der Flaggenfrage. Die überwiegende Mehrheit der Auslanddeutschen wolle nun einmal von den neuen schwarzrotgoldenen Reichs- farben nichts wissen, erkenne sie nicht an, und lehne sogar zum Teil den Verkehr mit Ben Gesandtschaften ab, solange sie die neuen Flaggen führen. Unter dem Gelächter der Rechten weist der Redner daraus hin, daß seinerzeit der verstorbene Reichspräsident Ebert zusammen mit verschiedenen sozialdemokratischen Re- gierungsmännern an einem Festmahl im Bremer Ratskeller teilgenommen und auf das Wohl der Seefahrt getrunken habe, obwohl der Ratskeller und die städtischen Gebäude ausschließlich mit der Handelsflagge geschmückt waren. Den Zentrumsantrag werde die Volkspartei ablehnen, weil er in (einem ersten Teil indirekt dem Reichskanzler das Mißtrauen ausspricht und in seinem zweiten Teil einen Ausschuß verlangt, während die Initiative der Regierung überlassen werden sollte. (Beifall rechts.) Drewitz (W. Vg.) gibt eine Erklärung seiner Fraktion ab, in der als ein Fehler bezeichnet wird, daß die Regierung den Flaggenstreit in diesem Zeitpunkt wieder aufgerollt habe, odererseits dürfe man die Frage nicht vom partei-politischen Gesichtspunkt aus betrachten. In der Rationalversammlung habe der demokratische Abg. Dr. Petersen erklärt, die überwiegende Mehrheit feiner Freunde werde für Schwarzweißrot und nur eine Minderheit für Schwarzrotgold stimmen. Der jetzige Fraktionsvorsihende Koch habe sich im Verfassungsausschuß 1919 auch gegen den Flaggenwechsel ausgesprochen. (Hört! hört! rechts und bei den Kommunisten.) Obwohl wir die Maßnahmen des Reichskanzlers mit steigendem Mißtrauen verfolgen, wollen wir doch in diesem Augenblick nicht zur Entstehung einer neuen Krise beitragen, wir lehnen ein Mißtrauensvotum ab. Abg. Leicht (Bayer. Dp.) erklärt, daß seine Fraktion sämtliche Anträge ablehnt. Reichskanzler Dr. Luther: Auf die Frqge des Abg. Grafen Westarp habe ich namens der Reichsregierung folgende Erklärung abzügeben: „Die Reichsregierung erachtet es für ihre selbstverständliche Pflicht, die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 5. Mai 1926 d urchzufüh ren. (Hört! Hört!) Eine Aussetzung der Verordnung kann deshalb nicht in Frage kommen. Die Reichsregierung wird dementsprechend die notwendigen Schritte zur Durchführung der Verordnung alsbald ein leit en. Die Durchführung erfordert aber aus mancherlei prattischen Gründen (stürmische Heiterkeit) erfahrungsgemäß einen gewissen Zeitraum, zumal vermieden werden soll, daß in der Zwischenzeit irgendwelche Llneinheitlich- leiten hinsichtlich der Durchsührrui/; ein treten. Die erste Flaggenverordnung datiert vom 11. 4. 1921 und trat erst am 1. 7. 1921 in Kraft. Heber- einftimmenb damit wird die neue Flaggenverordnung spätestens Ende 3 u 11 allgemein durchgesührt sein. Die Reichsregierung ist aber, wie aus meinen Ausführungen hervorgeht, ebenso entschlossen, sich mit allen Mitteln für die Durchführung der Anregungen einzusehen. die sich aus dem Schreiben des Herrn Reichspräsidenten an den Reichskanzler ergeben. Wenn die verfassungsmäßigen Instanzen bis zu dem vorbenannten Zeitpunkt das vorgesteckte Ziel eines persönlichen Ausgleiches in der glaggen- verordnung erreichen, so würde selbstverständlich die Verordnung zu ej-iftieren aufhören, da der Begriff „einheitliche Flagge" die Einheit in Begriff auf Land und See in sich schließt." Die Weiterberatung wird darauf auf Mittwoch vertagt. Es folgen dann die zurückgestellten '21 b ft immun g c n zur Alkoholfrage. Der kommunistische Antrag auf schleunige Vorlegung eines Gesetzes gegen den Alkoholmißbrauch mit Einbeziehung des Gemeindebestimmungsrechts wird a b n c -- lehnt. Der sozialdemokratische Antrag, der gleichfalls auf die Einbeziehung des Gcmeindebestiin- mungsrechts hinausläuft, wird in namentlicher Abstimmung mit 241 gegen 163 Stimmen bei sechs Enthaltungen abgelehnt. Dafür stimmten geschlossen die Sozialdemokraten und Kommunisten, dagegen geschlossen Bayerische und Deutsche Volks- pariei. Wirtschaftliche Vereinigung und Völkische. Von den anderen Parteien stimmten kleine Mehr- heitcn für das Gemeindebestimmungsrecht. Die Vorschläge des Ausschusses werden angenommen. ver Mßbilligungsantrag der Demokraten. Berlin, 11. Mai. (DDZ.) Die demokratische Neichstagsfrakiion hielt am Dienstagabend eine vierstündige Fraktionssitzung ab, die erst gegen 12 Uhr nachts" ihr Ende fand. Sie beschloß, folgende beide Anträge zur Flaggenfrage einzubringen:' 1. Der Reichstag begrüßt die von dem Herrn Reichspräsidenten in feinem Schreiber, an dm Herrn Reichskanzler gegebene Anregung, cicke fträffe zur Cöfuna der Einheit?- flagge in versöhnendem Sinne einrnksu-n r verAeichstag mihbilligt die Haltung des Reichskanzlers, der durch fdn Verhallen In der Alaggenfragc eine Gesamt- löfung dieser Jcage erschwert und in sorgenschwerer Zeil einen neuen Konflikt herouf- bcschworen hat. Wie von demokratischer Seite mitgeteilt wird, hat die Fraktion sich zu diesen Anträgen äußerst schwer entschlossen. Die Mehrheit der Fraktivn war aber der Anschauung, daß die Schuld an dieser Krisis der Reichskanzler zu tragen hat. Der Fraktionsredner Koch wird in feiner Rede am Mittwoch betonen, daß er eine -Zusammenarbeit mit dem Reichskanzler auf Grund der vorliegenden Beschlüsse nicht mehr für möglich hält. Wie das Aachrichtenbureau des Vereins deutscher Zei- tungsverleger aus demokratischen Kreisen hört, werden die demokratischen Reichsmini- ster aus dem Kabinett zurückgezogen werden, aber erst nach der Abstimmung. Dies gilt auch von dem Finanzminister Dr. Reinhold, der vielfach als Fachminister angesehen wird. Aus den Reichswehrminister Geßler bezieht sich diese Entscheidung nicht, da Geßler nicht von der Fraktion gestellt ist. Die demokratische Reichstagsfraktion beschloß ferner, da fie nun einen eigenen Mißtraue-nsantrag eingebracht hat, nicht für den sozialdemokratischen zu stimmen. Wohl aber für Den Zentrumsantrag. Haussuchungen bei Rechtsverbänden. Berlin. 11. Mgi. (WB) Der Polizeipräsident teilt mit: 3n letzter Zeit haben sich die Anhaltspunkte für eine Unternehmung rechtsradikaler Elemente in be- drchlicher Weise vermehrt und zur Gewißheit verdichtet, daß sich die Polizei zu Schritten gezwungen sah. die über das Maß sorgfältigster Beobachtung hinausgingcn Die Berliner Polizei bat deshalb am Rachmittag und Abend des 11 Mai eine ganze Reihe von Durchsuchungen bei in Frage kommenden führenden Persönlichkeiten unb Verbänden der rechtsradikalen Bewegung vorgenommen. Das bei den Durchsuchungen gefundene Material,. das noch nicht abschließend gesichtet werden konnte, hat bereits klar erwiesen, daß sich die Verbände mit politischen K a m p s a u s g a b e n befassen, die in ihren Satzungen nicht vorgesehen sind. Bei einer führenden Persönlichkeit ist beispielsweise eine Anweisung an die Zentrale ihrer Organisation gefunden worden, worin die Einzelheiten eines konzentrischen Angriffs gegen Berlin geregelt werden. Der Führer- des Sportvereins „Olympia", Oberst a. D. v. Luck, ist auf dem Polizeipräsidium einem eingehenden Verhör unterzogen worden. Durchsuchungen fanden ferner statt bei Admiral v. Schröder, beim Alldeutschen Verband, auf der Geschäftsstelle der Vereinigten vaterländischen Verbände, bei dem Führer der Trvßdeutschen, Dr. Stadler, beim Schriftführer des Bundes W i ck i n g und bei dem Schriftleiter der Deutschen Zeitung. Masor a. D. v. Sodenstern. * Zu dem Bericht des Polizeipräsidenten schreibt die »Deutsche Allgemeine Zeitung": Der Polizeipräsident wird schlüssige Beweise für die Behauptungen seiner Mitteilungen erbringen müssen. Wenn die Putschgerüchte wahr find, wird jeder vernünftige Mensch in Deutschland solche Bestrebungen auf dos allerschärfste mißbilligen und wünschen, daß die völlig ausreichenden Machtmittel des Staates dagegen angewendet werden. Aber das deutsche Boll ist gegen solche Gerüchte sehr mißtrauisch . geworden. Zu oft hat sich hinterher ihre gäicz- liche Haltlosigkeit herausgestellt. Gibt es viel- e leicht Kreise, die in diesem Augenblick der parlamentarischen Auseinandersetzung über die Flag- ? gcaverordnung ein politisches Interesse an der Verbreitung solcher Rachrichten haben? Hochschulfragen im Preußischen Landtag. Berlin, 11. Mai. (DDZ.) Das Haus seht die zweite Beratung des Kultus-Etats mit der allgemeinen Besprechung des Abschnittes „Universitäten, technische Unterrichtswesen ufw." fort. Als Ausschuhberichterstatter erklärt Abg. Dr. Waentig, der Hauplausschuß habe sich mit der Frage der Reform der Llniversi- täten beschäftigt. Er habe der Wiederherstellung der Extra-Ordinariaten zugestimmt und sich gegen die Zersplitterung der Forschungs-Institute an den einzelnen Universitäten gewandt. Sowie die Finanzlage sich gebessert habe, müßte nach Ansicht aller Parteien dos jetzt bestehende Mißverhältnis zwischen Lehrkräften, Professoren wie Assistenten einerseits und der großen Zahl der Studenten andererseits beseitigt werden. Alle Parteien hätten schließlich eine bessere Pflege des Arbeitsrechts an den Universitäten verlangt. Der R a ch - wuchs, der jetzt zur Universität komme, sei nicht mehr auf der Höhe der akademisch en Jugend, die bisher auf den Hochschulen war. (Hört- Hört! rechts.) Gleichmacherei würde mit sozialen Aufgaben verwechselt. Der Abg. verlangt, daß die Kluft, die früher zwischen dem akademisch gebildeten Volksteil und der Arbeiterschaft bestand, unbedingt überbrückt werden müsse. Deshalb dankten die Sozialdemokraten dem Minister, daß er die Ersatzreifeprüfung eingeführt habe. Abg. Dr. Faßbender (6.) verlangt, daß die wissenschaftliche Arbeit und Ausbildung auf den Universitäten nicht im Geiste der Isolierung und Kastenbildung, sondern im Geiste der Eingliederung in das Dolksganze geleitet werden. Abg. Pinkernei (D. Bp.) bebauet!, daß der akademische Rachwuchs nicht in dem nötigen Maße vorhanden sei. Die Beiträge für die Studentenschaften sollen so niedrig wie möglich bemessen werden. Die Versöhnung der Studentenschaft mit dem Staate werde kommen, wenn der Staat zeige, daß er durch wirkliche Leistungen das Volk zur Höhe führen rann. Abg. Bohner (Dem.) verweist darauf, daß ein großer Teil der Schwierigkeiten an den Universitäten darauf zurückzuführen sei, daß der alte Staat namentlich die Universitätsgcbäude und Einrichtungen verlottern lieh und wünscht, daß auf den Universitäten mehr Staatsbürgerkunde getrieben wird. Ministerialdirektor Dr.. Richter führt aus, daß cs trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage dem Kul- tusmtntfterium möglich zweien märe, die Zahl Der Afsistentenstellen zu erhöhen und allem an der Berliner Universität im letzten Johne drei neue Honorarprofessoren für das Wirtschaftsgebiet emzustellen. Das Ministerium würde eine Kolleggelderhöhung unter keinen Umständen befürworten und denkt auch nicht daran, die Selbstverwaltung der Studentenschaften zu stören. Abg. Rosenfeld (Soz.) macht auf die Notwendigkeit der praktisct)en Psychologie für unsere Juristen aufmerksam. Die Unterschlagungen in den studentischen Selbstverwaltungen verdienten schärfste Kritik. Es muß Vorsorge getroffen werden, daß sich solche Vorgänge nicht wiederholen. Weiterberatung Mittwoch. Rückgang der Erwerbslosigkeit Berlin, 11. Mai. (WTB.) In der zweiten Hälfte des Monats April hat die Erwerbslosigkeit einen starken Rückgang erfahren. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger ist von I 559 000 auf 1 467 000, die der weiblichen von 323 000 auf 317 000, die Gesamtziffer von 1 382 000 auf 1 784 000 also um 5.2 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Zuschlagsempfänger (llntechalt von Angehörigen von Haupt- Unterstützungsempfänger) hat sich von 1 975 000 auf 1 821 000 vermindert. Deutscher Wahlsieg im MemeUand. M c in c l, 11. Mai. >WB.) Im Memelgebiet wurden bei den Wahlen z u m litauischen Sejm bis auf einen noch ausstehenden Wahlbezirk 57694 Stimmen abgegeben. Davon entfallen auf die memeUändische Landwirtschafts- Partei 20 057 gegen 23 824 bei den Wahlen zum memelländischen Landtag, die memelländische Volksportei 18 443 (23 082), die sozialdemokratilche Partei 7840 (10 010). die Arbeiterpartei (Kommunisten) 2726 (1564) und die litauischen Parteien zusammen 8628 (4037). Danach entfallen au) die memelländische Landwirtfchaftspartei 3 und die memetländische Volkspartei 2 Abgeordnete zum litauischen Sejm. Die Genfer Stuöienkommifßsn. Die Reform des Bölkcrbrmdsrats. Genf, 11. Mai. (TU.) Die heutige Sitzung der Studienkommiffion begann mit den Ausführungen des brasilianischen Vertreters, der in einer über eine Stunde dauernden Rede den Standpunkt Brasiliens und seiner Ansprüche auf einen ständigen Ratssih auseinanderseyte. Grundsätzlich sei ec gegen den .Unterschied dec nichtständigen und ständigen Ratssihe. Da er aber einmal vorhanden fei, sehe er nicht ein, warum er ausschließlich auf die Großmächte beschränkt sein sollte. Eine Vergrößerung des Rats bedeute feine Schwächung her Vollversammlung. Die turnusmäßige Wahl halte er für feine glückliche Lösung. Der Grundsatz dec Einstimmigkeit erscheine ihm mit gewissen Einschränkungen annehmbar. Der Argentinier L e b r e t o n konnte seine Genugtuung nicht verhehlen, daß dec Völkerbund nach sechs Jahren ebenso weit sei, wie an dem Tage, als Argentinien seine bekannten Vorschläge zur Verbesserung des Rats vergeblich einreichte. Damit war die Generaldebatte geschlossen. Es folgte eine eingehende Aussprache über die weitere Praktische Behandlung dec drei Probleme, mit denen die Studienkommission sich zu befassen hat, und zwar über die Zusammensetzung des Rats, die Zahl der Ratsmilglieder und den Wahlmodus. Die Kommission beschloß, als Unterlage zu ihren weiteren Beratungen folgenden Borschlag L»rd Robert Cecils anzunehmen. 1. Die nicht st ändigen Ratsmitglie- der werden für einen Zeitraum von drei Jahren gewählt. Sie übernehmen ihre Funktionen sofort nach ihrer Wahl. Ein Drittel von ihnen wird jährlich neu gewählt. 2. Im Prinzip sind die nichtständigen Mitglieder innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren nach Ablauf ihres Mandates nicht wieder wählbar, doch kann die Vollver» sammlung mit Zweidrittelmehrheit beschließen, daß ein in Funktion befindliches Mitglied für einen neuen Zeitraum wählbar ist, unter dec Borausfetzung allerdings, daß nicht mehr als ein Drittel der nichtständigen Ratsmitglieder für wiederwählbar erklärt wird. 3. Die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder wird auf neun erhöht. Diese Mitglieder sollen in Zukunft nach dem Prinzip der Verhältniswahl gewählt werden. 4. Damit dieses Wahlsystem in Kraft treten kann, werden neun Mitglieder so schnell wie möglich in der nächsten Vollversammlung gewählt.^ Drei von ihnen werden für drei Jahre, drei für zwei Jahre und drei für ein Jahr gewählt. Der Wiederaufbau in Frankreich Paris, 11. Mai. (TU.) Der Zentralverband für die wirischaftliche Reorganisation Nordfrankreichs gibt einen Bericht über den gegenwärtigen Stand des Wiederaufbauwerks heraus. In dec Oeffentlichteil erregt das Dokument großes Aufsehen, da es die offiziellen Angaben, wonach der Wiederaufbau fo gut wie zu Ende geführt fei, widerlegt. Von 1 190 000 Gebäuden in Nordfrankreich wurden 893 000.zerstört. Wieder aufgebaut sind nur 508 000. Dec Wiederaufbau hat seit den letzten drei Jahren fast gar keine Fortschritte gemacht, was in dem Ausbleiben der staatlichen Zuwendungen seinen Grund hat. In diesem Jahr find 6 Milliarden Kredite für die Geschädigten vorgesehen. Davon werden aber nur drei Milliarden zur Auszahlung gelangen. Alles in allem sind nach 20 Milliarden an die Geschädigten zu zahlen. Der Bericht stellt fest, daß die Saumseligkeit dec Behörden unter der französischen Bevölkerung wachsende Erbitterung Hervorrufe und der Ernst dec Lage nicht verkannt werden dürfe. Das Bombardement von Damaskus. Paris, 11. Mai. (211.) Entgegen der gestern mitgeteilten Meldung der „Chicago Tribüne" über das neue Bombardement von Damaskus wird von dec französischen Presse mit» geteilt, es habe sich lediglich um eine Polizeiaktion mit Panzerautos und ■1 a n f ä gegen den Stadtteil Meidan gehandelt, be> der Artillerie überhaupt nicht in Tätigkeit getreten sei. Bei dem Gefecht feien 37 aufstän- LUche Drusen getötet und 71 Gefangene gemacht worden. Die Verluste der Franzosen hätten drei Date und acht Verwundete betragen. Die polnische Krisis. Die erste Niederlage des Kabinetts Witos. Warschau. 12. Mai. (211.) Die Regierung Witos hat schon am ersten Tage eine Handlung vorgenommen. die ein ungeheures Aufsehen in ganz Polen erregt hat. Am Dienstag früh um 10 Uhr wurde eine Verordnung des neuen Innenministers an die Polizei herausgegeben, die die Konfiszierung der Morgennummer des „Curjer Porannh" mit einem Interview des Marschalls Pilsudski über seine Stellung zur neuen Regierung verfugt. In dem Interview hat Pilsudski u. a. erklärt: 1. Das Außen- wie das Kriegsministerium mühten außerhalb der politischen Tätigkeit stehen. 2. Die Regierung Witos bedeute eine große Demoralisation, da Witos und seine Kollegen schon ihre frühere Regierungstätigkeit f ü r ihre persönlichen Geschäfte benutzt hätten. 3. Cs fei zu verurteilen, daß der neue Kriegsminister ohne Einverständnis mit ihm, der doch eigentlich jetzt schon der aktiven polnischen Armee sehr nahe stehe, bestimmt worden sei. Pilsudski bat dann weiter gesagt, er werde nicht eher zur Armee zurückkehren, als bis er die in ihr herrschende Korruption bekämpft habe. Die Konfiszierung des „Curjer Porannh" hat in parlamentarischen Kreisen große Erregung herborgerufen. Man ist davon überzeugt, daß aus dieser Handlung die erste Rieder läge für Die neue Regierung Witos kommen wird, und daß deren Stellung im Sejm auf diese Weife schon von vornherein erschüttert ist. Für die Erhitzung der Leidenschaften ist es bezeichnend, daß das heutige Abendblatt Der ..Rzeczpospolita" davon spricht. Daß gegen Pil- sudsli wegen seines Interview die Anklage durch Den Staatsan walt erhoben werde. Doch auch im äußeren Leben der Stadt beginnt sich Der Parteikampf bemerkbar zu machen. Durch die Straßen der Stadt fahren Autos, aus Denen viele o ebn taufen De von Flugblättern geworfen werden, in Denen es wörtlich heißt: .Wir lassen Polen nicht ausstehlen! Wir lassen Das Heer nicht verschachern! Es lebe her Oberbefehlshaber Marschall Pilsudski I" Amundsens Polflug. Oslo, 11. Mai. Die „N orge" ist heute vormittag zum Flug nach dem Nordpol g e - st n r r e i. Leutnant Byrd gab dein Luftschiff im Fokker noch fast eine Stunde weit das Geleit nach Dem offenen Meere. Nobile sagte vor dem Ausstieg, daß das einzige unsichere Problem der Weg auf der anderen Seite des Pols sei. doch hoffe er, baß alles gut gehen werde und sie Alaska leicht erreichen würden. Er könne nicht voraussagen, ob sie am Vol landen würden, da das vom Wetter abhängt. Das große Problem bestehe nicht in der Erreichung des Pols, sondern in dec Erforschung darüber hinaus. Dem Luftschiff prophezeit die Wettervoraussage Rückenwind bis zum Pol. Man rechnet damit, daß beim Anhalten dieses Windes Point Barrow möglicherweise schon Donnerstag früh erreicht wird. Nach einem Bericht der „Associated Preß" gab die ,.N o r g e" einen Funkspruch ab, in dem sie mitteilt, daß sie wohlbehalten über dem Polar- eis fliegt. Vor der Abfahrt erklärte Amundsen, daß bas Schift sechs Wochen unterwegs bleiben könne. Amundsen ist entschlossen, sich nicht zu überstürzen, um gründliche Beobachtungen am Pol anstetten zu können. In einem Schreiben vom 17. März 1926 hat die Regierung Amundsen ermächtigt, neues Land, das wahrend der Fahrt der „Norge" etwa entdeckt würde, im Namen des Königs für Norwegen in Besitz zu nehmen. Amundsen hat erklärt, daß er dieser Aufforderung unter Beobachtung aller Formen, die dlc Lage gestatte, Nachkommen werde. Aus aller Welt. Verhaftung des Mörders des Architekten Oberreuter. Die Verhaftung des Kölner Arztes Dc. B r ö- scher, der Anfang vorigen Monats Den Architekten Oberreuter vergiftet hatte, ist in Am st ec- h a m erfolgt, wo er m i t der Frau des Ermordeten ermittelt und festgenommen wurde. Die beiden legten ein v o l l e s G e st ä n D- niS ab. Frau Oberreuter behauptet, fie habe Dröscher zu der Tat veranlaßt, weil sie von ihrem Manne brutal behandelt worden sei. Die Festgenommenen waren vollständig mittellos und heruntergekommen. Der zweite Raubmörder von Hegermühle ergriffen. (WB.) Das Kapitalverbrechen, dessen Opfer in den Morgenstunden des 21. April die 76 Jahre alte Gastwirtin Wilhelmine Schröder im Schützenhaus zu Hegermühle bei Eberswalde war, wurde neun Tage später durch die Verhaftung des einen Töters, des 25 Jahre alten Schlächters Hermann Pirk, zum Teil aufgeklärt. Runmehr wurde von dec Demminer Kriminalpolizei Der »weite an der Tat Beteiligte, ein Arbeiter Straß, in einer Schnitterkaserne des Ritterguts Lehnitz bet Demmin verhaftet. Cs wurde bei ihm ein Pfandschein gesunden, gegen den er in Reu-Brandenburg eine der ©rmorheten gehörige Uhr versetzt hatte. Raubmord in Wiesbaden. 2n Wiesbaden wurde die 60 Jahre alte Privatiere Süßer erwürgt in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Schränke waren erbrochen und durchwühlt. Es liegt demnach Raubmord vor. Die Spur des Täters wird verfolgt. Mord auf einem Bremer Bagger. Auf einem in dec Weser liegenden Bagger wurde dec Maschinist Frische durch zwei Schüsse aus einem Jagdgewehr getötet. Der Täter, Der auf einer Schute arbeitende Hermann Kruse tonnte von der Polizei sofort f e st g e n o m m e n werden und ist geständig, Die Tat als Vergeltung für eine Beleidigung begangen zu haben. Er bekennt außerdem, am 20. April im Affekt Den Steuermann Turik, der seinerzeit als verunglückt bestattet worden ist. getötet zu haben. vier Streckenarbeiter getütet. Zn E h a rle v i ll e ist ein Eilzug in eine Gruppe von Streckenarbeitern hineingefahren. Vier Arbeiter wurden dabei getötet. Wettervoraussage. Tagsüber mild, wollig mit schwacher Aufheiterung, nur vereinzelt Regen, südliche bis westliche Winde. ’ Aus der provmzialhauptftadt. Gießen, den 12. Mai 1926. Christi Himmelfahrt. Es ist sehr leicht, über das zukünftige Leben, über das Leben im Himmel Witze zu machen und die Christen, die von der Hoffnung auf die ewige Seligkeit getragen werden, zu verspotten. Scheinbar haben auch die recht, die den Grundsatz vertreten, man solle den Menschen das Erdendasein erträglich und schön gestalten und sie nicht auf ein Jenseits vertrösten. Nicht selten mtrb ausgesprochen, daß dem Tüchttgen auf Erden so viele und so große Ausgaben gestellt seien, daß Die Sehnsucht nach dem Himmel ihm nur hinderlich sei. Goethe läßt Faust sprechen: Tor, wer dorthin die Augen blinzend richtet, Sich über Wolken seines Gleichen dichtet! Er stehe fest und sehe hier sich um ! Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm. Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen! Aber, als ob er diese Lebensanschaunug sofort als irrig erweisen wolle, läßt der Dichter den aüernben Mann unmittelbar nach diesen Worten erblinden und sterben. Damit ist in erschütternder Form ,311m Ausdruck gebracht, daß, um in der c^prache der christ lieben Kirche zu reden, irdische Tüchtigkm und irdische Wirksamkeit etwas sehr Vergängliches sind. Wir staben manchen einst geistig starken und tüchtigen Mann gekannt, der am Ende seines Lebens als blöder Greis einherging oder zum mindesten den anderen durch Wunderlichkeit und Schrullen lästig war. Die Stimmung, aus der man im Vollgefühl der Gesundheit und im Genuß der irdischen Freuden über den lacht, der seinen Blick nach oben richtet, hält nicht an. lieber vieles denkt man anders, wenn man im einsamen Krankenzimmer liegt und sich klar macht, daß man aus diesem Zimmer nicht mehr herausgeht, sondern im Sarge herausgetragen wird, als wenn man im Frühlingssonnenschein über Berg und Tal wandert oder im Kreise fröhlicher Freunde sitzt. Darum lebt im Menschenherzen die unvertikg- bore Sehnsucht nach einer jenseitigen Welt, tn her ihn llnglücksbotschaften nicht mehr erreichen, in der er nicht mehr an offene Gräber geführt wird, keinen Zusammenbruch mehr erleidet, von dem Haß der Menschen nicht mehr erreicht, von Krankheit und Not nicht mehr geplagt wird, von der Angst des Irdischen befreit, von Irrtum und Fehltritten be wahrt ist. Jesus ist uns die Garantie, daß die jen seifige Welt kein Trugbild ist, aus allen seinen Reden leuchtet diese Welt heraus, sein ganzes Wicken stand unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit. Die Wirkun gen, die von ihm bis auf diesen Tag in her Geschichte ausgehen, beweisen, daß er sich in keinem Punkte geirrt Hot. Freilich dies alles enthebt uns nicht der Pflicht, auf Erden erträgliche Zustände zu schaffen. Kein anderer hat so laut darnach gerufen, daß man den Kranken, Armen, Trauernden und verlassenen Kin Dem Helsen soll, als Jesus, und wenn er heute leben würde, so würde er, der in einem Londe mit un gewöhnlich mildem Klima und vrimiiiven Lebensformen die Wohnungsnot nicht kennen gelernt hat, auch dazu mahnen, daß dieser Not gesteuert werde Sodann ist es durchaus nicht im Sinne Jesu, die zukünftige Welt in phantastischen Formen, in irdi scher, sinnlicher Weife auszumalen. Soweit die uns erhaltenen geschichtlichen Quellen darüber Auskunft geben, hat Jesus alle Fragen dieser 'Art abgemebrt. Den Sadduzäern, die mitten wollten, wem von ihren Männern eine Frau, die mehrere Mole verheiratet mar, in der Ewigkeit angeboren werde, hat er ge sagt: „Ihr irret und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes. In der Aufers^yung werden sie weder freien nach sirb freien lassen, sondern sie sind gleich wie die Engel Gottes im Himmel." Die Jünger, die Auskunft Haden wollten, welche Ehrenstellen ihnen in der zukünftigen Welt befchieden fein würden, erhielten den Bescheid: ,,Jhr wisset nicht, was ihr bittet." Sie wurden vielmehr darauf aufmerksam gemacht, daß sie auf das erste nyt daran D-mfen sollten, Dyn Meister die Treue zu halten. Das Buch der heiligen Schrift, das e>m meiste« von den zukünftigen Dingen redet, ist die Offenbarung Johannis. Sie tut bas in Bildern und Gleichnissen, die irdischen Zustündeit entnommen sind, aber auch in schlichter, herzgewinnender Form, so daß man den großen Meister reden zu hören glaubt, der einst am See Genezareth gepredigt hat. Dorum wird der Christ sich weniger auf die Stellen gründen, die vorn gläsernen Meer und Den zwölf -!_or?*-sprechen. von denen iedss aus einer Perle be*‘ht. n(s r.'if dos schöne Wort, das den Himmel als eine Hütte Gottes bei den Menschen schildert, bas bas jenseitige Leben als untrennbare Gemeinschaft mit Gott beschreibt und den hrenieben Leibenden in Aussicht stellt: Gott wirb abwischen alle Tränen von ihren Augen, und her Tob wirb nicht mehr sein, noch Seih, noch Geschrei, noch Schmerz wirb mehr sein, denn do-- rrftc ist vergangen. H. B. Spargelzeit! Der Spargel ist ein noch verhältnismäßig junges Gemüse. Hieronymus Tragus «Bock) berichtet 1593 in seinem ..Reuen Kräuterbuch". Daß er ..nunmehr auch, wie andere Leckerbissen der Walen und Spanier. inS Deutschland kommen sei, ein lieblich Speis für Leckermäuler". Zwanzig Jahre sväter gab der Leibarzt des Pfalcarafeu bei Rhein. Johann Kasimir. Die ersten Auwei funaen über Svargelzucht. Dann wurde er auch in RordDeutschland rasch beliebt. Beim Regier rungsantritt Friedrichs des Großen lagen in Berlin in Der Leipziger Straße Gärten, tzic mir „allerhand Unterfrüchten befaatet“ waren: unter anderem standen ha auch „60 Schock wohl schmeckende Espares", und für 16 Groschen verkaufte Isaak Iolage das Schock „gute Spargis- Pflanzen, ein Jahr alt". Ob die in Roch- und MittelheutschlanD auf feuchten Wiesen und an Ufern wildwachsende Spacgelart Asparagus officinaiis die Stammform unserer heutigen Spargelgemüsepflanze ist. mag Dahingestellt bleiben. Man nimmt an. daß Der Spargel bei uns nur verwildert ist. Da er aus Dem Morgenlande stammen soll und sich auch häufig wild in Griechenland und auf Den griechischen Inseln, ebenso aber auch in Italien findet. Das unkultivierte griechische Gewächs war aber auch nicht unsere Mai-Delikatesse, als welche wir heute unseren kultivierten Spargel schätzen. Heute trifft man bei uns überall große Spargelkulturen an, wo leichter Sandboden zur Ber- fügung steht, und daran ist wahrhaftig kein Mangel. Die Svargelpflanze selbst nimmt sich allerdings gemächlich Zeit und läßt Drei Jahre auf Die erste Ernte warten, die bis 25 Jahre hindurch alle Frühjahre wiederholt werden kann, wenn aus Den Klauen Die „Pfeifen" genannten jungen Sprofien aüfbrechen und dem Lichte ent- gegenstreben. ßi triebe" s beüsstn einen ist 2u siBich hutsam oedet) in aus nichts Statt Sparg gäitni heute dem > lendet kann. -er j als S UNS < das h mit g< ton r über i schW berühr M« ter SP das kos hoch 9< tiiabtti Lauer bunb LiW Pomp Mr' rang b uochmib statt. (L Dand mehrere schar lv' Munde Abem'" und ’ rahim'n Abend i Wie de fammhir schuh de und die Straße । Ausbau erbe m Gelände stimmt, werden Straße der Fr zur & Schiller bau de Dringen Img be " $ MsM' Msch« 11. Mai jeglitfjei " 1 reichen gcf-rige anlWii Persom ab 8.34 wird an fefjen, b. verkehrt Siockhm •n Etockk 516 (Biei wie im ( Meßen {Verm ccccocc fto Zlmn Te Tut n Zit *JS& Kater itolmöh' tzuvftmi »Hin is F ->v L.M f* DR. THOMPSON5 ZEi 1XJUCHI ►t l -•• - •/’- k h( w-: _ -4 rn\ Nn>\. ?' Xi 192«. ls»hrt. MoSyH ein ?-tle <*ilä S«. chunri; 1 'n?*1 'Ne 811 Wlifo,. aS gfe*ä ”U»Nlipit! f> verhättM'a^ Lraqus ^ocl> b ÄS'S I? d-s »Ä<» IM»‘ 5^* tß&* &fg&£ fers daß der srtt *er oui ^rt % r;* avL soll und M .e, unÖ- Italien fit* Ö-svs 'all 9co6 .?? 1'cr' ?SH8 E Ärc ü) Mre die bi» Mi. jrS>** ns nicht der Pich,. Zu schassen, flein eusen. daß man den mb verlassenen Sir. wenn er Henle leben aem Lande mit un vrimiiiven Lebens rennen gelernt hm, Mot gesteuert werde im Ginne Jesu/ die ’4 Formen, in irbi en. Soroeit die un« i darüber Husfurji ’fer 2(rt obptmbn en, mein oon ihre., e Mole oerheivowt werde. Hal er <\n gründen, die vom Vpre^-svrechev. rou jer.-ht, nie dar [C, cinc Äinle Cone- bn« icnieiliae Leben mir @o'i beschreibt , Aussicht Mb @vl' « ihren M «"l noch Leid, noch @ ■ sein, denn do -erste n. d. 'TBemt man bedenkt, bat tu den Drvßbe- trteben eine Arbeiterin täglich ein Viertel Hektar Anlagen zweimal absuchen muh, Das zwcttemal am Spätnachmittag, und jedeSmal nur zwei Arbeitsstunden dafür bestimmt sind, erhält man einen Begriff von der Fixigkeit, die dazu nötig ist. Außerdem sind die Mutterpflanzen sehr empfindlich, und man muh bei der Ernte sehr behutsam umgehen, damit der Wurzelstock nicht verletzt wird. Der gestochene Spargel wird dann in auSgemauertcn Erdegruben aufbewahrt, wenn nicht, gleich verpackt und auf den Markt gebracht. Statt wie früher nur einige Wochen, dauert die Spargelstechzcit heute volle zwei Monate. Der gärtnerischen Kunst ist es zu verdanken, wenn heute sich die Bevölkerung längere Zeit alS früher dem reichlichen (3cnu6 dieses zarten, wohllchmek- kenden und gesundheitlichen Gemüses hingeben kann. Zn allen Spielarten deS Speisezettels kann der Spargel aufgetragen werden, als Suppe, als Gemüse, als Salat, ja als Sparaeleierkuchen und Sporgelpudding: am besten aber — wer das haben kann — in Salzwasser gekocht und mit gebräunter Butter übergossen unter Beigabe von neuen Kartoffeln und einem Kalbskotelett. 0,. der früheren Zeit'wurde der Spargel merk- irurdigerweise fast stets in Wein gekocht. Darüber ist man längst hinaus. Wer ihn recht zu schaden weih, bevorzugt ihn in möglichst un- berührter Natürlichkeit. 3m übrigen sind die CMd)mäder sehr verschieden. Jedenfalls ist aber der Spargel unter allen Speisen des Frühjahrs das köstlichste und wird daher auch vom Daumen hoch geschätzt. Bornotizcn. - Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7 Uhr Laban-Schule. — Saalbäu Sauer: 4 und 8 Uhr Schaukochen. — Gewerkschaftsbund der Angestellten: 8 Uhr, Hopfcld, Vortrag. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Dic letzten Daye von Pompeji". — Astoria-Lichtspiele: „Maciste in der Hölle". — Deutsche Heimatfilme. Die Vorführung dieser lehrreichen Filme findet am Freitag- nachmittag und abends in den Palast-Lichtspielen statt. (Siehe Anzeige.) — Wiking crfahrten der Nerother Wandervögel. Dic in unserer Stadt durch mehrere Besuche t estens bekannte junge Rerotler- schar will am nächsten Samstagabend aus dem Munde ihres Führers über „Erlebnisse und Abenteuer in Aegypten" berichten. Lichtbilder und > der zur Laute werden den Bortrag umrahme . Man darf wieder auf einen schönen Abend rechnen (Siehe Anzeige ) * •* Straf! enerneucrungsarbeiten. Wie den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt wurde, hat der Dauaus- schuh den Ausbau der Reststrecke Am Kugelberg und die Herstellung des Fußweges Marburger ©trabe genehmigt. Das Stadtparlament hat dem Ausbau der Wilhelmstrahe, Auf der Weiß- erde und Aulweg. der ©trabe im Trobschen Gelände und der Straße am Amtsgericht zugestimmt. Vorgesehen sind und sollen beantragt werden die Neubefestigung der Frankfurter ©trabe von der Friedrichstraße bis Klinilstrabe, der Frankfurter ©trabe von der Klinikstrabe bis zur ©trabe Am Steg, des AsterwegS zwischen Schillerstrabe und Nordanlage und der Ausbau der Sdcrstrabe nördlich der Steinstrab«. Dringend empfohlen wurde auch die Herstellung der Wagengasse. * Strabensperr.ung. Wegen Gas- und Wafferrohrverlegung ist die Straße „An der Warte" zwischen Leihgesterncr Weg und Friedrichstraße vom 11. Mai ob bis auf weiteres oom Polizeiamt für jeglichen Verkehr gesperrt worden. ** Himmelfahrtausflüge sind oon zahlreichen Vereinen' vorgesehen. Näheres ist aus dem gci.rigen und heutigen Anzeigenteil ersichtlich. * Sonderzüge am Himmelfahrtlag, anläßlich einer Feier des Vogelsberger Höhenclubs. Personen.zug 513 Stockheim—Gießen in Stockheim ab 8.34 Uhr nachm.. Gieren an 9.53 Uhr nachm., wird am 13. Mai, wie im Sommerfahrplan vorgesehen, bis Gießen gefahren. Der Personenzug 4146 verkehrt an diesem Tage von Hartmannshain bis Stockheim. 3n Hartmannshain ab 6.52 Uhr nachm., in Stockheim an 8.06 Uhr nachm. Der Personenzug 516 Gießen—Hungen wird am 13. Mai ebenfalls wie im Sommerfayrplan Sonntags vorgesehen, von Gießen bis Nidda durchgeführt. In Gießen ab 10.43 Uhr nachm., Hungen ab 11.22 Uhr nachm.. Nidda an 11.46 Uhr nachm. V Die Klrchengcfangvereine des Dekanat- Dieben begehen am nächsten Sonntag in Heuchelheim ihr diesjähriges Iahresfest Die geiamte Feier findet in der Turnhalle statt, auch der Festgottesdienst, da die Kirche nicht Raum genug bietet Als Fest- Prediger ist Pfarrer Muller- Dieben gewonnen. 3m 250. Todesjahre Paul Gerhardts wird die Feier als Paul-Derhardt-GedächtniSfcier ausgestaltet sein. 3n der Nachversammlung wird nach einem Massenchor jeder Verein zwei selbst- gewählte Lieder zu Gehör bringen. Alle Freunde des KirchengekangS sind eingeladen. *• Einstellung des Paketverkehrs nach Grobbritannien. Die in den ersten Tagen dieses Monats aufgelicicrten Pakete nach Großbritannien lagern zum größten Teil noch bei den deulswen Grenzausgangs-Postanstalten. Diese sind angewiesen worden, die Pakete mit leicht verderblichem Inhalt, soweit dies aus den Zollinhaltserklärungen oder sonst ersichtlich ist. an die Absender zurückzuleiten. Den Absendern von nach Großbritannien bestimmten Paketen mit anderen Waren bleibt es überlassen, ihre Pakete zurückzufordern. Anträge aus Rückgabe nehmen dic Llufgabe-Postanstalten entgegen. " B. H. C. Eine Maienfahrt mit Schnee- und Kiesclschauern, empfindlicher Kälte und wenig Sonnenschein unternahm am Sonntag der V. H. C. (Sieben. Der Frühzug brachte die 100 Teilnehmer nach dem anmutig gelegenen Taunus- städichcn Ansbach, hinter welchem der Aufstieg gleich einsetzte und die Wanderer in mäßiger, aber steter Steigung über den Sandplacken und ein großes Stück am Pfahlgraben entlang zum höchsten Gipfel unseres Nachbargebirgcs, dem Groben Feldberg brachte. Einen eigenartigen Anblick gewährten unterwegs die winterlichen Landschaftsbilder, denn je höher man stieg, um so dicker war die Schneedecke, selbst Rauhreifbilder boten_ sich dem erstaunten Auge. Namentlich die frischgrüncn Buchen bildeten mit der auf ihnen ruhenden Schneelast einen seltenen Kontrast. Die Fernsicht auf der Höhe war leider beschrankt: doch gewährte der Blick auf die benachbarten Berge, sowie die zu Füßen liegenden freundlichen Taunusdörfchen reichen Ersatz. Der Aufenthalt im Freien war durch die scharfe Luft nicht sehr angenehm, und während sich die Jugend mit Schneeballwerfen. einem sonst im Mai seltenen Vergnügen, ergötzte, fanden die Aelteren in den behaglich durchwärmten Räumen des alten Feldbcrghauses gute llnterlunft. Der Abstieg erfolgte über die steile, ziemlich verwahrloste Elisabethenschneise, am Elisabethenstein. einer Grup -e mächtiger Fels- blöcke, vorüber nach dem lieblichen Kurort Homburg, wo Schloß- und Kurpark, sowie die prunkvolle Crlöserkirche einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurden. Nach genügender Erholung erfolgte am Abend über Friedoerg die Heimfahrt. ** Auftrieb auf dem heutigen Frank- furter Schlachtvieh markt: 3 Kühe, 1332 Kälber. 121 Schafe, 562 Schweine. Tagung des Hessischen Beamtenbundes. — Bad-Nauheim, 11. Mai. Der Hessische Beamlenbund, e. D., der in 7 Fachabteilungen und 35 Fachvereinen insgesamt 10171 Mitglieder zählt, hielt im Kurhause seinen 7. Bundestag ab, der von den 111 stimmberechtigten Vertretern und außerdem noch von zahlreichen Deamtengrößen aus der näheren und weiteren Umgebung besucht war. Lehrer P o r t h als Vorsitzender des Ortskartells der Beamten zu Bad-Nauheim begrüßte die Gäste, worauf Rektor Dc. Elah, Darmstadt, der Vorsitzende des Hessischen Beamtenbundes den kürzlich verstorbenen Geh. Admiralitätsrat Dr. Graß, dem Leiter der Rechtsabteilung des Deutschen Beamtenbundes und verdienten Bor- kämpfer für ein neuzeitliches Deamtenrecht, einen längeren, warmempfundenen Nachruf widmete, der tron_ Der Versammlung stehend angehört wurde. Hierauf geb der Vorsitzende kurze Erläuterungen zu dem im Druck vorliegenden Geschäftsbericht. Er führte u. a. aus, daß gegenwärtig die Beamtenschaft irgendwelche Vorstöße in bezug auf Gehaltserhöhung bei der derzeitigen Wirtschaftslage nicht machen könne. Der D. B. B. rüste aber und sammele Material, um den maß- Tächt. Reisende auch redegewandte Herren u. Damen, die noch nicht gereift haben, z. Besuch von Prtvatkundfchast für leicht verkauft.Hauö- haltartlkel überall gesucht. Tägl. Aer- dlenü 15-20Mk. H. B6Her,D6s»eIdorl Füsilierstr. 4.4W,ss Meier gesucht für einen leicht oerkäufl. (Äc brauchSaritkel-Tägl. Verdienst 10 Mk. Schriftl Angebote unter 03381 an den (bien. An- erbeten. Ordentlicher Zunge kann aus dem Lande daSLcbrelnerband- werk erlernen. Schrisll. Angebore unter 03105 an den Gieß. An^. erbeten. Samre, ortend. WsM für 2 Std. morgens gesucht. 1035MT, Ebelsttohe 13 t. Frau oi>. Mdkhtü für wöchentlich swe! mal für sofort gesucht. 03407 Neustadt 79 IL gebenden Regierungsstellen zur geeigneten Zett mit tatsächlichen Unterlagen bienen zu können. 3m wesentlichen liefen Die Ausführungen des ReDnerL Darauf hinaus, daß auch der Hessische Deorntenbund das Zusammenfallende. die Betonung der gemeinsamen 3ntete ’en und Ziele in den Vordergrund stellen müsse. Der Äaffcnbericht wurde, da der Rechner erkrankt war, ebenfalls von dem Vorsitzenden erstattet. Er ergab ein er- sreuliches Bild, was hauptsächlich daraus zurückzuführen ist, daß fast alle laufenden Arbeiten von dem Vorsitzenden selbst erledigt worden sind. Bei der Beratung der Anträge rief der von der Arbeitsgemeinschaft der oberen Beamten Hessens (gehobene mittlere Beamte) eingebrachte Vorschlag, an Stelle der vertikalen Gliederung die horizontale Gliederung durchzuführen, eine lebhafte Aussprache hervor. Der Antrag wurde von den Vertretern der Gruppe damit begründet, daß die oberen Beamten bei Der letzten Besoldungsregelung prozentual schlechter abgeschnitten hätten als die höheren und unteren Beamten Vertreter Der hessischen Polizeigruppe wiesen Den Antrag zurück Ein Kompromißvorschlag DeS Abgeordneten Heinstadt fand keine Annahme, so bah eS nach der Mittagspause zur Abstimmung kam, die den Antrag mit großer Mehrheit ablehnte. Die oberen Beamten erklärten aber, daß sie trotzdem dem Hessischen Deamtenbund die Treue halten würden. Angenommen wurden mehrere Anträge des Verbandes der Amtsgehilfen und Hausmeister im Hessischen Staatsdienst, die sich mit der Dienstwohnungsfrage und DesoldungS- angelegenhciten befassen. Ein Dringlichkeitsan- trag, der sich mit Rücksicht auf Dic Not der Beamtenanwärter gegen die Heraufsetzung der Altersgrenze von 65 auf 68 3ahre wendet, wurde einstimmig angenommen, ebenso ein Antrag des Katholischen Lehrervereins, der sich gegen Den von den Spihenorganisationen angestrebten Abbau der sozialen Zulagen arlsspricht. Gefordert wurde auch, daß der volle Friedenswohnungs- geldzuschuß den Hesll'chen Beamten nicht mehr vorenthalten werde, nachdem dieser feit !. Avril d. 3. den RcichSbeamten bereits gezahlt werde. Dabei kam eS zu einem scharfen Angriff eines Delegierten auf den hessischen Finanzminister, der jedoch von dem anwesenden Regierunasver- treter und von dem Vorsitzenden zurückgc nieten wurde. Der Nachmirtagsschung wohnte eine rohere Anzahl von Gästen bei, von denen folgende kurze Begrüßungsansprachen hielten: Oberfinanz- rat Lippert als Vertreter des Finanzministeriums. Schulrat Friedrich vorn Landesamt für das Bildungswesen: Landtagsabgevrd- neter Reiber für die demokratische Fraktion, Landtagsabgeordneter Heinstadt für die Zentrumsfraktion, Zfchech, Offenbach, für die Arbeitsgemeinschaft Der hessischen GemeinDebeamten. Anschließend bildete der Vortrag von Direktor Remmers im D. B. B. (Berlin) über die schwebenden Beamlensragen den Höhepunkt Der Tagung. Der Redner befaßte sich in der Hauptsache mit folgenden Deamienproblemen: Beamtcn- rccht, Arbeitsdienstzeit, Urlaub, Besoldung»- fragen. Zum Heimstättenwescn führte er auS. daß vor einigen Tagen im Reichstag da- hohen- reformerische Reichsheimstältcngesctz angenommen worden fei. Weiter verbreitete er sich über die Selbsthilfe unter Hinweis der Beziehungen der Beamtenschaft zu der Wirtschaft, und auf Dic Gefahren, Dic Dem Berufsbeamtentum aus Der derzeitigen Einstellung der Wirtschaft drohen (Reichsbahn). Bezüglich der Einheitsfront des Beamtentums konnte Der ReDner mittcilen. Daß Der Gesamtvorstand deS D. B. B. in feiner letzten Sitzung Den Beschluß gefaßt habe, mit den übrigen Dpiyenorganisationcn. auch Der christlichen Richtung, in Verhandlungen einzutreten. Der Kernpunkt der AuSsiihrungen ergab sich mit Der Forderung, Darauf hinzuarbeilen, Daß Die Bewegung im D. D. B. nicht einschlafe. Da feine Organisation bestehen könne, wenn sie nickt auch 3DcaIe zu vertreten habe. Redner meinte, daß Die Einstellung auf Den Strom der Zelt von Den Spihenorganisationen. besvnDerS vom D. B. B.. nicht aus dem Auge gelassen werden dürfe. Der Kampf für den sozialen Fortschritt und für freiheitliche Ideen müsse auch daS Kampfziel deS D. B. D. bleiben Der tiefgründige Bortrag fand reichen Beifall. Gegen 5 Uhr war Die TagesorDnung erschöpft und Dr. Claß konnte dic arbeitsreiche sachlich verlaufene Tagung schließen mit der Mahnung, auch in Zukunft treu im Hessischen Beamtenbund zusammenzustehen zum Segen des Berufsbeamtentums, zun, Segen van Staat und Doll. — Der nächstjährige Bundestag sindet in Jugenheim a. d. D. statt. Kirche und Schule. I Ober-Sorg. 11. Mai. Unsere einklassige Schule ist auch dem Abbau zum Opfer gefallen. Dic Kinder müssen nach Hopfgarten gehen und haben bis dorthin einen Weg von einer halben Stunde zurückzule. "n. Für Kinder von 6 und 7 Jahren wird dies im Sommer keine Schwierigkeit sein: dagegen im Winter, bei starker Kälte und hohem Schnee, können die Eltern ihre .Kinder nur mit groben Bedenken auf Den weiten Schulweg schicken. Verschiedene Schritte Der Eltern von Ober-Sorg um Belassung Der Schule haben zu keinem Erfolg geführt. Sonutagödienstd.Rerzte u.Apotbeken am 13.5.2(1 - ros. Dr. Hvntamann. Dr. Wolf. 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Gestern abend 10 Uhr verschied sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine herzensgute Frau, unsere innigstgeliebte Tochter, unsere liebevoll treusorgende Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Friederike Müller geo. Schomber im Alter von 45 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Wilhelm Müller HI. Odenhausen bei Londorf, den 12. Mai 1926. Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. d. M., nachmittags 3 Uhr, statt. 4257D Ehrliches I ÜUIIfelörüllCCt WWll IVM evtl, mit Geschirr und Wagen zu verkaufen 033G8 Launsbach 172 3jührigeS belgisches Mota das kochen kann, mit guten Zeugnissen für tagsüber sofort gesucht 03396 Sonnenstr.1011 leicht eingefabren, weil überzählig, preiswert - verkauf. Friedrich Zöckcl». (ärünberai.H.^l) Eine fast neue Hobelbank gut erhalten LU verk. Londorf, Hiutergasse 1. 1499 Dunkel bl., moderner llliMW billig 5il uerf. 03393 Erabcnür. 7 n. Kaufgesuche Gebrauchte Schreibmaschine zu kaufen gesucht. 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Fcstyrediger: <18flo Missionar Lauck. Lichtspielhaus, Bahnhof str. 34 Die letztenTage von Pompeji Als deutsche Darsteller wirken jn führenden Rollen mit: Als iiiHiimuiiiiijiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiHiiHmuiimiiiiiiiiiiiiiniiil Arbaces ’Nydia .. Victor M. Varkoni Rina de Ligvoro nach dem weltberühmten Roman von E. L. Bulwer. Ein kulturhistorisches Sitten- gemälde in 8 Riesen-Akten. Die fabelhaft internationale Besetzung erregt Aufsehen. .... Schicksale von ungeheurer Tragik und atemraubender Spannung. Riesenwerk ersten Ranges kann der Film angesprochen werden..... Bernhard Goetzke Maria Corda. Glaukus, der Athener Jone................ Was stempelt den Film „Die letzten Tage von Pompeji11 zum größten Erlebnis? Die meisterhafte Regie — Die stark dramatische Handlung — Die Wucht der Darstellung — Die riesigen Massenszenen — Der ungeahnte Prachtaufwand — Die enormen Bauten — Die packenden Gladiatoren- und Stierkämpfe in der Arena. Den Glanzpunkt des Films bildet das grandioseste Naturschauspiel unserer Welt: öer Ausbruch des Vesuvs und Untergang iii>iiiimiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiii der Schwesterstädte Pompeji-Herkulanum. iiiiiiiiiniiiiiiiHiHiiiiniiiiHiiiiimmiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiimimiiiiiinmimiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiimminiiii Dee gesamte Presse bezeichnete den Film bei seiner Uraufführung u. a.: .... Es wurde Ueberwältigendes geleistet. Das Auge kommt nicht zur Ruhe, immer wieder werden neue Eindrücke empfangen, immer wieder ist Steigerung vorhanden... Heute letzter Tags Wiener* Herzen“ (Familie Schimek) Ferner: „52üe neueste Öta-Wochenschau“. Freikarten haben keine Gültigkeit. Wegen des zu erwartenden großen Andrangs zu den'Abendvorstellungen bitten wir, nach Möglichkeit die Nachm.-Vorstellungen besuchen zu wollen. Vielfachen Wünschen entsprechend, kommt das große Gustav Kadelburg-Lustspiel „Wiener* Herzen“ (Familie Schimek) morgen Donnerstag nochm. in den Bast-Lichtspielen zur Aufführung. — In den Äbi@8eia=*Li©Msg$i®^eit ab morgen bis einschließlich Sonntag: WKOZWt'S 881 sler tßZWe Gewaltiger Sensations- und Abenteurerfilm in 7 Akten. PalasMäcMspielc: „Deutsche Helmatfilme“ mit AGr- Vortrag. Näheres siehe Inserat. -HW 4222c AHe Schranken des bisher im Film Denklichen und Möglichen bricht der Weit größter Film Einige junge Herren können noch SainS- ton abends am Akis reilirebmen.Cchriftl. Angebote mit. 03383 an d.Gieücn. Anzeig. »mm*H** HiMieWrt BOtmitfag 11 W: SM«! in Arnsburg. StiftSdechauc 41G5D Lenz. 'illttnicrtiiiioKng 1869—1919 Lonntag, iß. 9)tai SrnkiiiillsWg ü- Hangelfteiu n. d. Waldbaus Deibel n. Voflnrcr Kopf. 21 bin. 9 Uhr vom Walltor. 4234 D ZlWtWMlmI nimmt noch Kunden | Scbrtnl. Angeb. nnt 0!M2 an d. Gictz-Anz. Eamötag, deu 1»., und Sonntag, den IG. d. Mts-., findet in Bad - Nanbeim diedtcSjäbr. Tagung des 116er - Verbandes statt. Die Kameraden werden zu reger Beteiligung aufgefordert. 'Besonders der Bcgrü- sN'Ngsabcud am 15 versprichlnemulliche und genuüretche Stunden. Abfahrt Samstag, d. 15 5. nachmittags 5 44 Uhr tSoui'.lagSkarie». Nachzügler fahren 7.39 nachm. 4235D Der Vorstand. BüOSoiim-Dertin Jortuim". ->.>immelfabrttag: Wanderfahrt in das Vlaobachtal— Vrannsels. Abfahrt 6*/? OswaldSgarten. Himmellahrl-Ausllug mit Musik nach dem Ludwigobrnnneu. Treffvuult: Vub- wigsplatz 1* > Uhr nachm. Bei unglinft. Wincrinig Bereins- lolal, Plockfirane 5. 4233c Ter Vorstand Himmelfahrt-Aiisihig n. Braunfels M397D Simmklsirhrt 3 Llhr nachm. Chriftliches Waidfest na her Snomühie b.Lntzellindcn'. 1:D Schwaben- Verein Himmelfahrt 7!amilieuauSslna und) Marburg mit Auto. Treffpunkt */a2 Uhr bei Erhard, ''.lllarburger Strane. 2. Pfingsttag abends 8 Uhr im Haberkasten Zn- iammcuknnft. Die Monatsvcc- iammlung nudel von jetzt ab am zioetten Samstag im Monat tut 93er- ciitGlotoi. Nestau- raut Laichluaei-. statt. 03392 Der Vorstand. M. T. I SlNUÜsKl' Giesteu-Bieber- Herboru. Abmarsch 7 Uhr vormittags Lahn- brucke. - 4247c f. B. §in:me[faOrftour mich Kloster SlrnS- burg—Lich. Abfahrt 8.16 n. tstarbenicich. Sonn'.aaSkarle. ti**8 Geismvskeiii Conioröifl Steril aeg'. IS64, Am Himmelfabrt- tagAuSslugnach der WeUersburg. Abmarsch 2.30 Ubr pünktlichWalltor- >traste Ecke 9t'ord- aiiläge. Lwll^ahlig. Erschein, erwünscht. DerVorstand. toolhtsciie UW* OrtegrujApe Gießen v. Dmg. Himmelfahrt Ausflug ii Ruppertsburg. Abfahri8.il! Ubr/""" Gesangverein Heiterkeit .HiQunellahH-hslIug laut Starte ins Salz, bodetal. Abmarsch 7 Ubr von der Lahn- briickc. Lei nngünst. ..Witterung nachm. auf der Hardt. r.5SD Der Vorstand. Himmelfahrt Volls- Nissionssest Langgöns 014. V. 81 üär Brttxelieo. ^on 1 b-srzllhlij tine 'ßt Sd? ™9tJ 6iiie ereil Äona'.en v° erst emmal S-uldenZ' sacke. • allei" als ^ rack/cm 'lu- lckluh der * Sei, von -Zashingloii ge ■ b-zeicknet rmd ' rahmen. Die 3” Menden An msskonunen au i st ne und Sjan l 6iimmung un ivmister Pc e eine balb'ce । stellen. Dera' und es 'st kst unter der un fein tct'IWt , f-er W lp‘,I qkrträge auf fybrifate akzust bezeichne! kerde ienn würde der firifit an dem ierung *u «6? ^cisels'ohne gei mcklet. leidet '■ Heb stark dnrc Sie französische yü-dulle nickt ■Berfuften bi6_ Erblichen Frist taten. Der Ei Mränkf !mcr Mcrbeförderi sicherstellen föm träge für Gros aiSgefübrt wer auch in der fy natß bemerfbar nächsten Tagen ■ Von nickt i Abdruck de aen mit den , fruchtloser Dis! gestellt worden, euf die zum Frankreich? un ?erbandlungen । stn gönnen. r fl Ätim \*MV man M erste el KrimS stellt acnüBer einem batte vielleich nickt gogensib« i nur ihm gut in der Laae zufetzen. 9neri erklärte oeften Gegenleistung untere Frauen , ffodkn. Gir ü' nicht annehmen, Umstünden vor fische Oesfentl Verhandlungen darf erwartet w> nach dem Di' "Mn schweren Tchon vor einb ub« Marokko ll^eht, und wen datte. wäre ei xmWichtWt v Warst Jie Gegner M. und das, der Z ftfinöurö Z Sozialisten Nr. UO Zweites Blatt Pariser Brief. Don unserem p-ÄorrefponlXnicn. Paris, Den 8. Mai 192t. Eine ereignisreiche Woche naht ihrem Ende. 3n den letzten Tagen hat der französische Franken seine Abwärtsbewegung in schärferem Tempo, als es bisher der Fall gewesen ist, fortgesetzt. Das hat in dec weiten Oeffentlichkeit «ine starke Wirkung hervorgeruken. da man seit Monaten von berufener Seite verkündete, wenn erst einmal das Budget ausgeglichen und die Schuldenregelung n.i: den Bereinigten Staaten und England erfolgt fei. würde zweifelsohne eine Stabilisierung des Franken eintreten. Die Tatsache. das; die Abwärtsbewegung des Franken im Augenblick des Ausbruchs des Generalstreiks in rascherer Form lich vollzog all- bisher, kann nicht allein als Ursache bezeichnet werden, da auch nach dem Ausgleich des Budgets und nach Abschluß der Derträge mit Washington nicht nur keine Besserung der französischen Währung ein- getreten ist. sondern eher eine Verschlechterung. Dazu kommt, das; -'in großer Teil der Press? den von dem Botschafter B a r e n g cw in Washington getätigten Vertrag als ungünstig bezeichnet und die Regierung sich über die Maßnahmen. die zweck- regelrechter Speisung der zu schaffenden Amortisationskas'e zu treffen gedenkt, vollkommen ausschweigi. 3n der Finanz Industrie und 5)andel herrscht deshalb eine gedrückte Stimmung und .nicht umsonst versucht Finonz- minister Per et durch beruhigende Erllärunacn «ine baldige Besserung der Lage in Aussicht zu stellen. Derartige Warle sind aber nur Worte, und es ist klar, daß das Wirtschaftsleben stark unter der unbestimmten Lage leidet, do heute fr in weitsichtiger Kaufmann oder Fabrikant in der Lage wäre Rohrn-terial rnyafr'ufen oder Derträge auf längere Sicht, selbst (ür Fefiq- fabrikate abzuscklicsten. Cd kann als ein Glück bezeichnet werden, daß das Parlament nicht tagt, denn würde der Opposition Gelegenheit gegeben, "Kritik an dem Finanzgebostren der ieljir.cn Re- .icrung zu üben, dann würde deren Stellung zweifelsohne gefährdet werden. Wirt'chasttich betrachtet, seidel Frankreich noch dazu ousterordent- lich stark durch die englische Streikbewegung. Die französische Landwirtschaft kann ihre Produkte nicht absetzen Sie ist genötigt, mit Derlusten bis zu 80 Prozent d> leicht verderblichen Frühgemüse und -fcüchte zu verkaufen. Der Eisenbahnverkehr mußte eingeschränkt werden, da die Kanalhäsen «ine Weiterbeförderung nach Großbritannien nicht sicherstellen können was bedeutet, daß die Aufträge für Großbritannien vorläufig nicht mehr ausgesührt werden Der Streik wird sich also auch in der Handelsbilanz des laufenden Monats bemerkbar machen, wenn er nicht in den nächsten Tagen zu Ende gebt. Don nicht minder großer Bedeutung ist der Abbruch der Friedensverhandlungen mit den Ais stammen Dach 20tägiaer fruchtloser Diskussion sind dio Beratungen ein- g«stellt worden, da Abd el Krim sich weigerte, auf die zum Teil drakonischen Bedingungen Frankreich? und Spaniens einzugehen. Die Verhandlungen wurden mit einem loaischrn Fehler begonnen. Man verhandelt' mit von Abd d Krim bevollmächtigten Zlnterbändlern. bAncn man als erste Bedingung die Entfernung Abd d Krims stellte Eine derartige Forderung gegenüber einem vollkommen geschlagenen Gegner hätte vielleicht Aufnahme finden können, aber nicht gegenüber einem Bergvolk, das auf einem nur ihm gut ßefonnten Gelände operiert und in der Laae ist. einen Zermürbungskrieg fort» zusetzen Aferkan. der Vertreter Abd el Krims. erklärte gestern ausdrücklich.' ..Hätten wir ohne Gegenleistung die Kriegsgefangenen ausgeliefert, unsere Frauen hatten uns die Augen ausgestochen. Die übrigen Bedingungen konnten wir nicht annehmen, und wir ziehen es unter dielen Umständen vor. kämvfend zu sterben." Die französische Oeffentlichkeit nimmt den Abschluß der Derhandlungen nick* gleichgültig auf, und es darf erwartet werden, daß die Aegierung Briand nach dem Wiederzusammentritt der Kammer einen schweren Kampf wird bestehen müffen. Schon vor einigen Wochen hat eine Diskussion über Marokko das Kabinett in die Minderheit gesetzt, und toeim eS die Vertrauensfrage gestellt hätte, wäre es gestürzt worden. Dabei ist es von Wichtigkeit, daß es nicht die Opposition ist, die den Marokkoseldzug mißbilligt, sondern daß die Gegner auf der Aegierungsseite sitzen, und daß sie über die ungeschickte Einleitung der Friedensverhandlungen bitter enttäuscht sind und zweifelsohne dem Druck, der von den Sozialisten und den Kommunisten kommen Spargdbufett in der Aackweste. Line himmeifahrlsgeschichle. Von A. Thurandt. „Warum zittern Eie denn plötzlich so?" fragte mich die junge schöne Frau Professor, als mir das Mädchen eben die ach so wohlgefüllte Spargelschüssel zum Nehmen hinhielk. „Ja, das ist so eine Geschichte", erwiderte ich lächelnd, diktierte mir schleunigst Fassung und führte den Heber unter das herrliche Srangengemüse. „Das heißt: eigentlich ist es gar keine Geschichte, sondern höchstens ein kleiner Komplex, der ja viel unangenehmer sein kann. Denn wenn für mich drei Tatsachen zusammen fallen: ausgerechnet Himmelfahrt und Spargelessen und Frackonzug, dann muh ich mich immer eines Erlebnisses aus fernen Göttinger Studententogen erinnern — wobei es mir im wahrsten Sinne des Wortes warm, und zwar in dreifacher Beziehung, ums Herz ward." Ein Blick zu der gnädigen Frau hinüber besagte, daß ich bitte, mit meiner Erzählung so lange warten zu dürfen, bis das Mädchen das Zimmer verlassen habe. Dann aber schwang ich mich zum Bekenntnis auf, nach- , dem die große Gefahr noch einmal gnädig an mir ' vorübergegangen war: „Sehen Eie, Herr Professor: die conditio sine qua non war jo eigentlich gar nicht gegeben — daß ich nämlich in Ihre verehrte Frau Gemahlin verliebt bin. Und — in Ihr Dienstmädchen auch nicht." Beinahe wäre der Professor an der dicken Spar- velstange erstickt, die er eben mit der Linken in seinen so gar nicht wlssenschafllich aufgesperrten Schlund hinuntergleiten lassen wollte. „Wie —? kam es wie aus unterirdischen Tiefen hervor. „Es handelt sich ja nur um eine Geschichte der Vergangenheit", setzte ich meine Beichte fort. „Und Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffens Mittwoch, 12. Mai Mb wird, nur schwer einen Widerstand werde entgegensetzen können. Es ist ganz selbswer'ländlich. daß bei einer Diskussion über die Marollopolitik auch im all» meinen über die auswärtige Politik der jetzigen Regierung gesprochen werden wird Das wird dazu führen, daß die Opposition Briand klar zu machen versuchen wird, daß auch feine Politik von Locarno angesichts des Abschlu.ses des deutsch-russischen Vertrages fei* neu Erfolg gehabt haben Man wird ihm Vorhalten. daß er während der Ratifizierungsdebal le in der Kammer erklärte: .Hätte man in Locarno nicht abgeschlossen, dann träte eben für Frankreich Schlimmerer einqctrelei’ Das w?c der deutliche Hinweis aus die deutrussischen Verhandlungen. inzwischen hat es sich aber gezeigt, daß der Berliner Vertrag in keiner Weise gegen den Geist und Buchstaben der Verträge von Locarno verstößt, daß aber Deutschland cbenfo wenig seine Handln ngsf reihcir in Locarno vreiSgegeben hat. wie Frankreich, das ja auch Verträge mit osteuropäischen Ländern abgeschlossen hat, deren Aufgeben als eine nötige Folge von Locarno hatte bezeichnet werden müffel'. tpenn Locarno die Bedeutung hätte, daß jeher an den abgeschlossenen Verträgen beteiligte Staat sich westlich orientieren, nach Osten hin ungebunden bleiben wollte. Diese Argumente werden allerdings Briand nicht vorgehalten werden, im Gegenteil, man wird ihm den Vorwurf machen, dnß er das osteuropäisch: Vertragssystem nicht ausgebaut, und daß er als Staatsmann die kommenden Dinge nicht vorausgesehen habe. Briand wird also unter ungünstigen Bedingungen die Diskussion über seine Außenpolitik ausnehme.i In n e r p o li t i s ch ist seine Lage nicht belfer. Die Parteiverhältnisse haben stch nicht geklärt und die auf hem Psingstkongreß der Sozialisten stattsindende Aussprache über die Wiederaufnahme der Knriellpoliti^ wird zw.i° felsohne eine gewi'se Klärung über die Lage der Partei zu den übrigen Kartellparteien bringen, was gleichbedeutend ist mit einer täte- gorischen Absage gegenüber jeder Acgierungc- poliiik, die sich nicht klar nach links orientiert. Unter di: e.i Umständen nimmt die St a m m c r am 28. Mai ihre Arbeiten unter außerordentlich unbestimmten Verhältnissen wieder auf, besonders wenn bis dahin eine Klärung in der Währungssrage noch nicht herbeigeführt sein wird. Das Beispiel Belgiens wirkt abschreckend. Denn eine nutzlose Vergeudung der noch in der Bank von England ruhenden Manövrierungs- fumtnen könnte notwendigerweise nichts anderes als eine zeitweilige Kursbesserung, aber keineswegs eine Stabilisierung der französischen Währung zur Folge haben. Föderalismus und Einheitsgedanken in Kroatien. Von unserem Sonderberichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) M. F. Agram, Anfang Mai 1926. Als vor noch etwa einem Iahre der Führer der Stroatischen Bauernpartei, Stefan Raditsch, der bisher am entschiedensten gegen das Serben» tum und für die Selbständigkeit der Kroaten eingetreten war, unter dem Druck her die Staatsmacht besitzenden radikalen Partei sich zur „Verständigungspolitik" mit dem serbischen Element bequemte, da war man besonders im Auslande über den plötzlichen Gesinnungswechsel dieses einflußreichen Parteiführers aufs äußerste überrascht und sprach und schrieb von „Raditschs Verrat an dem kroatischen Volke". Der Kenner der südslawischen Verhältnisse wußte freilich, daß schon vor Raditschs Schwenkung weite Kreise des kroatischen Volkes — und nicht zuletzt die nach Betätigung strebende junge Generation — der bisher rein destruktiven kroatischen Politik gründlich müde waren, daß sie bereits begonnen hatten, sich damit abzusinden, daß das Schwergewicht Iugoslawiens nach dem Osten gefallen war und daß sie sich nicht durch einen Verzicht auf die praktische Mitwirkung an der Staatsverwaltung um die Früchte der auch von ihnen ersehnten Befreiung und staatlichen Einigung der südslawischen Stämme betrügen lassen wollten. So sehr auch Raditschs Schwenkung in persönlichen und taktischen Erwägungen begründet gewesen sein mag, sie kam einer Stimmung entgegen, der weite Schichten seiner Anhängerschaft schon seit langem zutrieben. So wurde denn im Inlande der „Umfall" des Kroatenführers nicht mit Kopfschütteln oder gar Entrüstung, sondern mit wahrer Begeisterung ausgenommen: die kroatischen Geistigen wie die da ich hier im Hause ja so wie so in dem Geruch stehe, als Schriftsteller bisweilen zu erfinden, um nicht zu sagen: zu flunkern, werde ich gewiß keinen Konflikt in Ihre mir so wert gewordene Familie tragen, die mich sogar am Himmelfahrtstage zum Spargclcssen mit Lachsschinken und Frackzwang einlädt. Richt wahr? Also — da lebte damals in Göttigen eine Dichterin, glücklich verheiratet, die ich auf einem Wohltätigkeitsballe kennenzulernen und daran anschließend mit moderner Literatur heimlich zu versehen das Vergnügen hatte — heimlich deshalb, weil dec gestrenge Gatte absolut gegen solcherlei Vermittlung war . . Wieder drohte dem Herrn Prosessor bei einer ganz besonders dicken Spargelstange ein kleiner Erstickungsanfall: und noch weit unterirdischer als vorher erklang sein erstauntes: „Wie —?" „Vor dreiundzwanzig Jahren —** betonte ich lächelnd. „Im kleinen lieben Göttingen. Ihr geneigtes Wohlsein, Herr Professor! Und um die Vermittlung der modernen Literatur damals — auf Marie Madeleine folgte Frank Wedelind und so weiter — machte sich das Dienstmädchen der gnädigen Frau recht verdient, in die — ich muß es scyon gestehen — ich meine sowohl die gnädige Frau, als auch das Dienstmädchen — in die beide ich etwas verliebt war. Bei der letzteren oder vielmehr bei dem letzteren tarn es nicht über eine gemeinsame Dogcart- Fahrt an einem schönen Frühlingssonntag nach Mariaspring und nachfolgenden Tanz hinaus — was insofern nicht ganz billig für mich ward, indem Erna nämlich — so hieß das Dienstmädchen — absolut darauf versessen war, die Zugel an sich zu reißen und das schwanke Gefährt an einem sich plötzlich mitten in die Chaussee schiebenden Kilometerstein in Klump zu fahren. Was die erstere, die gnädige Frau nämlich, betrifft — so ließ ich meine junge Leidenschaft nur ein eirrzigesmal etwas kroatischen Bauern freuten sich darauf, nun nicyt mehr alb südslawische Staatsbürger zweiter Klasse oder gar als Frondeure des neuen Staates gelten zu müssen, sondern ihre Krast einietzen zu dürfen für den Mi'.aufbau des gcmeinfanien Staatswesen«-. Wie hoch man auch die suggestive Wirkung von Raditsc.-s demagogischer Beredsamkeit einschätzen mag. daß die Massen ihm nur noch begeisterter zujubelten. ' aß 58 von den 67 Abgeordneten seiner Partei ihm unbedenklich auf den grundsätzlich neuen Weg folgten, das beweist . daß er h:e natürlichen Tendenzen der staaie.politischen Entwicklung auf seiner Seite hatte. An dem unaufhaltsamen Sieg dieser kroatischen ..Verständigungspolitil" dürfen auch gelegentliche Mißstimmungen nicht irre macken, wenn sie sich einmal bis zu Regierungskrisen verschärfen. Die Forderungen einer Republik rullick aufgegeben und Herr Radusch wird sich, das hat ihn gerade wieder hie letzte Minister- krise gelehrt, wohl auch lünftighin mit dem „moralischen Föderalismus" begnügen müssen, wie er seine Verständigungspolitik zu nennen liebt. Aber da» schließt nicht aus. daß der Machtkampf der kroatischen Bauernpartei als her zweitstärl- st en parlamentarisa en Frallion gegen das lieber- gewickt der radikalen Partei fick in Reibungen auswirkt. über deren gelegentliche Schärfe man fick nicht wundern darf, wenn man bedenlt, wie jung dieser neue Staat Jugoslawien noch ist, und aus wie verschiedenem historischem Schickkai her in notwendigen Kämpfen und Qlnqlcicncn die einzelnen Teile des südslawischen Volkes all- mahlick zu staatlicher und kultureller Einheit wachsen werden. Durch ben Austritt der beiden rivalisierenden Führer der KoalilionsParie'.en ans dem Regierungskabinett ist die ruhige Entwick- l'wg dieser Verständigungspolitik wesentlich gefördert worden. Rur ein Fähnlein von sieben Aufrechten, linier Führung des Dr. Trnrnbisch. kämpft heute noch für die Losung des „kroatischen Föderalismus". Wackere, charaktervolle Männer, dir es verschmäht, n. plötzlich von der Gesinnung abzufallen. unter der sie den Wahlkampf auS» gefochten hatten — aber Ideologen, die für eine unrettbar verlorene Sache sich verbluten. Wie heute die Stimmung bei der Bevölkerung ist. so haben diese sieben Dissidenten der Raditsch- Partei im Falle einer Reuwaht kaum Aussicht auf ein einziges Mandat. So besonnen und im einzelnen berechtigt die Forderung dieser kroatischen Intellektuelle^ auf Revision der Verfassung wie der Verwaltungspraxis wohl auch sein mag. sie verkennen das politische Gebot der Stunde, in der die Sehnsucht einer Festigung des Staates nach innen und außen das Ge- sühl der historisch gewordenen kulturellen Unterschiede übertönt im Interesse einer Kulturgemeinschaft. die vielleicht in der Breite des Volkes noch garnicht vorhanden, aber jedenfalls in sehr schnellem Tempo aus dem Marsche ist. Gerade unter der jungen Generation der gebildeten Schichten ist die Auffassung im Wachsen, daß die Gegensätze zwischen Kroaten und Serben antiquiert seien und ein Betonen derselben den Aufbau des gemeinsamen Staates nur aufhalte. Erleichtert wird diese Auffassung dadurch, daß der religiöse Gegensatz der katholischen Kroaten und der pravoslawifchen Serben bet dem liberalen Bürgertum verblaßt — und daß zwischen der Sprache beider südslawischen Stämme kaum ein leiser dialektischer Unterschied, im wesentlichen nur die Differenz des angewandten Alphabetes (lateinische Schrift bet den Kroaten. Kyrillische bei den Serben) besteht, welche heute beide von jedem einigermaßen Gebildeten beherrscht und beide, wie bei uns deutsche und lateinische Buchstaben, in allen Schulen des Staates gelehrt werden. — Cs ist für diese Stimmung charakteristisch, daß bei den vorigen Wahlen in Kroatien die Radikalen 9, die selbständigen Demokraten 14 Mandate erhielten, also offenbar zahlkroatisch: Stimmen für diese die serbische Hegemonie in Jugoslawien begünstigenden Parteien abgegeben worden sind. Sollte je wieder die kroatische Bauernpartei von der Linie der Verständigungspolitik abweichen, so würde ein derartiges Verhalten nur den Radikalen und Demokraten zugutekommen. Aus 6cm Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 38 vom 11. Mai enthält: Gebühren der nicht- ärztlichen Leichenbeschauer. — Straßensperre. — Maul- und Klauenseuche in Ruttershausen, Utphe, Obbornhofen und Lumda. — Leichenbeschau. — Verhältnis der Schulen zum republikanischen Staat. — Jugendfeiertag. — Straßensperre. — Dienstnachrichten. deutlicher werden, indem ich mich, meine Gitarre einbegriffen, zu einem nächtlichen Vollmondschein- Ständchen entschloß — was zur Folge hatte, daß die gnädige Frau auf dem Balkon des ersten Stockwerkes erschien, wirklich sehr gnädig, daß sich aber gleichzeitig, ihr natürlich unsichtbar, aus einem Fenster des zweiten Stockwerkes das liebliche braune Oval des Mädchens Erna dankend und ausführlich hcrvorhob. Erna aber war die Erscheinung der Gnädigsten unter ihr nicht unbemerkt geblieben. Und das sollte mir zum Unheil werden, und womit wir endlich die Exposition unseres Dramas hinter uns haben." Während der Herr Professor inzwischen mit dem Verzehren seines Lieblingsgemüses plötzlich aufgehört hatte und es getrost kalt werden ließ, gab ich mich schnell dem kulinarischen Genuß hin, auch aus der Ueberlegung heraus, daß mein Stillschweigen augenblicklich die allgemeine Spannung nur erhöhen könne — gerissen, wie wir Schriftsteller nun einmal sind. „Dann kam der schöne Himmelsahrtstag und die Einladung zum Spargelessen und die Aufforderung, noch einmal den Frack aus dem Mottenschrank hervorzuholen. Es kam aber auch, wovon ich damals noch nichts ahnte, die Eifersucht Ernas dazu, der ich eine zweite Dogcart-Fahrt auf einem der schon traditionell geworbenen Bücher-Dermiltlungsbesuche abgeschlagen hatte. Nun saßen wir so gemütlich, wie es nur an einem Himmelfahrtsabend sein kann, bei Tisch — ganz wie heute. Erna erschien mit der wohl- gefüllten, dampfenden Spargelschüfsel. Und als die Reihe, zu nehmen, an mir war, und ich mein Antlitz, wohlbeobachtet von der gnädigen Frau, zwischen der Schüsiel und Ernas braunem Köpfchen hinundher« zittern ließ, weit mehr als ich vorhin zitterte — ha rutschte mir nichts Ahnendem und nichts Sehenden der Inhalt der Schüsiel langfam aber sicher 5itzung der Stabtueiorör.cten. Gießen, 11. Mai 1926. Das Haus leistete sich heute eine Rekord- fitzung. Nicht etwa an Berhandlungsgegenständen, sondern an Zeitdauer. Es war von 5 Uhr _uadi- mittags bis 10 Uhr abends versammelt. Gut 4; Stunden widmete er sich der Beratung des Voranschlags, in ganzen zehn Minuten wurde dann der immerhin nicht gerade unbedeutende Rest her Tagesordnung erledigt. In der Versammlung herrschte eine geradezu unheimliche Redei uis. Einige Stadtverordnete, besonders auf der linken Seite, waren von diesem liebel sehr stark befallen; andere, auch auf der gegenüber liegenden Seite, ließen sich in crhct'lidtcm Maße anstcckcn. Neben manchen guten Kedanten und wertvollen Worten brachte die Erörterung fchr viele Reden' zum Fenster hinaus. Mindestens 50 Prozent der Debatte hatte man ftdt qe troff ersparen können. Und Hütte dann bod) bei der Voranichlagsberalung nichts versäumt. Bis auf zwei beionders 'Ausdauernde, die bis zum 6d)lufo durchhietten. baute das Zuhörerpublifum kurz nad) 7 Uhr ab, schon gesättigt von dem Redeslttß, der bis 9; Uhr sich weiter ergoß, und den die Presse in Ge meinschast mit den obenerwähnten beiden Standhaften in Geduld über sich ergehen ließ. Wir ziehen es vor, das bekannte Redesenficr nicht zu öffnen, fon- dem es schön qesd)losscn zu halten: wir haben an der gestrigen Belastung mit den unnötigen Reden genug, und unseren Lesern möchten mir die gleiche Beschwernis nidjt zumuten. Denn sachlich ist dabei nicht viel hcrausgekoinmen: übrigens stand das ja auch von vornherein fest. Auf die luidjtiqcrcn Punkte der Beratung werden wir noch ziirückkammen, die interessantesten heben wir in dem nachstehenden Bericht bereits heraus. Eine besonders unersrcitlicke Gestalt nahm die Beratung für kurze Zeck dadurch an, daß her Stadtv. Rechtsanwalt Hornberger (Soz.) bei einem Antrag der Dcutscl^n Volkspartei, der Miitelstandc-pnrtei und der Fr. Vereinig, in bezug auf die Antragsteller den Ausdruck „Kerle" gebrauchte. Als die Gegenseite fid) diese „geschmackvolle" Bezeichnung nicht gefallen ließ, sondern sie sich energisch verbat, wollte Herr Hornberger sie nur — scherzhaft gebraucht und außerdem das Wörtchen „tüchtige" — vergessen haben. Wie er aber zu scherzen beliebt, zeigte sich darin, daß er den „Kerl" wohl zurücknahm und ihn durch die ebenso „geschmackvollen" Worte „große Geister" — natürlich wie er cs meint! — ersetzte. Die Rechte behielt sich die Folgerungen au« dieser wenig schönen Wortattacke vor, und man wird ihr das nicht Übelnehmen können. Bisher hat im Hause noch stets ein gutes kollegiales Verhältnis be- standen, trotz der Verschiedenheit der politischen Grundsätze. Es wäre auch vom Standpunkt der Oeffentlichkeit aus zu wünschen, daß das neue Element sich dem lobenswerten Beispiel des alten im Hause anschließt und künftighin Ausdrücke unterläßt, die des Ortes der Verhandlungen unwürdig und für andere ehrenhafte Herren nur verletzend find. Einstimmig gab man schließlich dem Voranschlag seine Zustimmung: auch der kommunistische Vertreter erhob keinen Widerspruch. Von den übrigen genehmigten Vorlagen ist vor allem die Entscheidung über den Bauvon weite ren 24 Wohnungen am Kugelberg als recht lobenswert besonders heroorzuheben. Litzungsbcricht. Anwesend Oberbürgermeister K e l l e r, die Beigeordneten Dr. Seid, Dr. Frey, Dr. Hamm, Justizrat Dr. Rosenberg, Kommerzienrat K l i n g s p o r und 40 Stadtverordnete. Im Zuhörer- raum haben etwa ein Dutzend Besucher Platz genommen. Nach Erledigung des Rechnundsabschlus- ies für 19 21, mit dem man angesichts seines Jn- flationscharaktcrs weiter keine Umstände macht, tritt das Haus in die Beratung des Voranschlags 1926/27. ein. Die Sozialdemokraten beantragen, zunächst eine allgemeine Aussprache staitjinden zu lassen. Der Antrag wird gegen die sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt. Die Mehrheit steht auf dem Standpunkt, daß all das, was hier vorgetragen werden würde, im Finanzausschuß schon zur Genüge erörtert worden sei. In der Einzelberatung stellt mqn von allen Seiten Anträge, am meisten von der So- zialdemokratie, die indessen bis auf einige wenige entweder der Ablehnung verfallen oder dem Finanzausschuß zur Prüfung übergeben werden. Auf die Einzelheiten der Voranschlagsberatung werden wir noch zurückkommen. Heute sei nur erwähnt, daß das Haus ohne Ausnahme irgendeiner Partei die Ansicht bekundet, die Frage des Sd)ulhausbaus müsse baldmöglichst gelöst werden. Ein Antrag Dr. Krausmüller, der zunächst die Festlegung der Vauform, die Regelung der Platzfrage usw. fordert, und nach deren Erledigung die Finanzfrage lösen will, wird angenommen. Dabei wird gegenüber der ffiwi i —..... i aansnaB in meine etwas abstehende Frackweste, fraß sich siedend heiß durch mein ach so frisch gestärktes Frackhcmd bis in mein Herz hinein, ließ mich mit meinem so originellen, aber immerhin etwas deplazierten Spargelbukett in der Frackweste aufschreien und ließ der Erna, die herrlich rot in ihrer Rache triumphierte, die Schüssel definitiv aus den Händen entgleiten. Fortsetzung: eine zweite wohlgefüllte Spargelschüssel wurde von der gnädigen Frau eigenhändig hereingeholt: ich aber begab mich, nachdem ich es als unschicklich abgelehnt hatte, mein Gemüse aus der Frackweste zum Mund'e zu führen, schleunigst, unter dem Gelächter der Tafelrunde, nach Hause, das Hemd zu wechseln, und eine halbe Stunde später im Smoking wiederzuerscheinen, lächelnd über den harmlosen Zwischenfall und allgemein herzlich bemitleidet. Wenn ich es heute verraten habe, daß dieser Zwischenfall nicht ganz so harmlos war, so tat ich es nur, mein Zittern von vorhin zu er- klären, die Frage der gnädigen Frau zu beantworten." Als ich mein Glas erhob, der gnädigen Frau zu- zutrinken, war es mir, als zittere ein merkwürdiger Glanz in ihren dunklen Äugen. Dann kam ihre Stimme etwas verschleiert an mein summendes Ohr: „Sie wollten mir doch übrigens die neuen Bucher von Arvolt Bronnen mitbrfngen. Die haben Sie natürlich wieder vergessen." „Mit Fug und Recht vergessen!" räusperte sich der Herr Professor. „Am Bronnen vor dem Tore — lassen wir ihn getrost draußen vor dem Tore. Ich muß diese sogenannte moderne Literatur ab- lehnen und möchte sie auch nicht in deinen Händen, liebe Frau, wissen, geschweige denn in deinem fiön-. cken. Der Spargel schien mir übrigens etwas holzig zu sein . . ." 16. Fortsetzung. Nachdruck verboten. man eine dem Vorsitz gestern eine „Ich mag ihn schon. Darum--Na, lassen wir das! Du hast also gegen Heider Stessen als Pächter nichts einzuwenden? Das ist mir außerordentlich lieb." 5 Lauterbach, 11. Mai. Unter des Kreisdirektors Dr. Michel fand Versammlung ‘ ~ " Kreises statt. E Das lachende Haus Roman von Sophie K l o e r ß. Aid Ls, 11. Mai. Gestern morgen sand hier auf Wasserbehältern und Tümpeln Eisschicht. Das Thermometer zeigte — 2 Grad Celsius. Die von voreiligen Garten» besihern bereits aüsgepflanzten Tomaten und Bohnen sind in Len niedergelegenen Gürten erfroren. Auch Kirschen und bessere Birnsorten haben vom Frost Schoden gelitten. Der Schnee im Vogelsberg brachte uns eine winterliche Temperatur. »Schilt mal deine inneren Stimmen zur Ruhe und halte dich an die realeren Lebensansichten deiner Zndlfprf r>hi*r rnnnft hti hon non Grundbesitz auf 65 Pf. für je 100 Mk. Steuer- wert. Die Sondersteuer wird in sechs Zielen, wie die Gebäudesteuer, erhoben. Ausbau der Siedlung am Kugelberg. Auf Antrag des Dau» und Finanzausschusses wird beschlossen: Die Ausführung von weiteren 24 Wohnungen im Anschluß an die begonnenen städtischen Bauten a m Kugelberg im Dauprogramm 1926 wird genehmigt und der erforderliche Kredit von 210 000 Mark aus Anleihemitteln zur Verfügung gestellt. Entwurf und Baulertung sind zu den gleichen Bedingungen wie die bereits in Auftrag gegebenen städtischen Siedlungsbauten dem Architekten Hamann kB. D. A.) Gießen zu übertragen. Auffahrten an der volkshalle. Der Llebernahme der Kosten zur Herstellung der Auffahrten zur Volkshalle in Höhe von 5742,21 Mk. wird zugestimmt und der bereits bewilligte Kredit von 5000 Mk. aus vorgenannte Dumme erhöht. Die Eisenbahnüberführung an der Ederstraße. Der durch Beschluß der Stadtverordneten- Dersammlung vom 13. Mai 1925 für die Verbreiterung der Cisenbahnbrücke im Zuge der Ederftraße vorgesehene Kredit von 25 000 Mk. wird auf 28 000 Mk. erhöht. Kabellegung in der verlängerten Friedrichstraße. Für die Kabclverlegung in der verlängerten Friedrichstraße wird der Betrag von 6250 Mk. bewilligt. Der Betrag von 6250 Mk. wird auf 25 000 Mk. erhöht, sofern sich die älmnoglichleit ergibt, dos Physiologische Institut mit Drch- strom au versorgen. Seitens des Elektrizitätswerks sollen in dieser Richtung nochmals Verhandlungen mit dem Institut gepflogen worden. Das Elektrizitätswerk wird ermächtigt, bei fr en Firmen Siemens-Schuclert-Werlen. Allgemeine Eleltrizitätsgesellschast und bei den Kal^l- werkeiu-Meißen Angebote über die erforderlichen Kobel einzuholen und aus Grund der eingegangenen Angebote der mindestfordernden Firma die Kabel lieferung zu übertragen. Das Elektrizitätswerk wird ferner ermächtigt, die weiter erforderlich werdenden Q(rbeiten für die Kabelverlegung dem Mindestfordernden zu übertragen. Zur Pflasterung an den Skraßmbahngleisen. Für die zur Pflasterung entlang der Gleisanlage der Straßenbahn erforderlicheir Mans- felber, .Schlacken-Pflastersteine wird ein Betrag von 5051 Mark bewilligt. Die Lieferung wird der Firma Iean Dern u. Co. in Gießen zu deren Angebotspreis übertragen. Verschiedenes. Die Beschaffung einer Lichtpauseiu- richtung für das Stadtbauamt zum Betrage von 1870 Mk. (Lieferant Firma Heinrich Roll in Gießen) wird genehmigt. Dem Verein für deutsche Schäferhunde wird ein Ehrenpreis im Betrage von 30 Mark bewilligt. Zwei Bau-Angelegenheiten — F. Reh» nelt, Anschluß feines Anwesens am Professoreneck an das Stromversorgungsney, und Iakob Klingelhöffer, Einfriedigung des Grundstücks Kirchstrahe 12 — werden antragsgemäß genehmigt. Schluß der Sitzung 10 Uhr. Oderhessen. Landkreis Gictze»» 5. Rödgen, 11. Mai. Durch die Ortsschelle wurde bekannt gemacht, daß das Sammeln von Maikäfern im hiesigen Walde bei Strafe verboten sei. Wahrscheinlich hängt das Verbot mit der Beschädigung d e r Bäume beim Dagegentreten zusammen. In der Tat kann der Naturfreund bei einem Gang durch den Wald überall die beschädigten Bäume beobachten. Dieses Jahr ist ein Zweimal war Rose am Sonntag nach Hause gekommen, ganz erfüllt von ihrem neuen Leben, Halle Zeichnungen mitgebracht, lustige Geschichten von den Mitschülern erzählt, sich vergnügt mit Jens Appeldorn geneckt, war weniger verträumt gewesen, mehr die alte, vergnügte Rose. In diesen ersten Wochen hatte sie von Aribert von Brockdorf nichts gesehen. Und es eigentlich als Erleichterung empfunden. Sie war noch in dem ersten Stadium einer Mädchennei- gung, wo man singt: „So wie dort an jenem Hirn- mel hell und herrlich jener Stern, — also er an meinem Himmel, hell und herrlich, hoch und fern." Das heißt, Thora und Ille hätten nie so gesungen, aud) nicht im allertiefsten Innern. Aber die kleine, feine Rose war ein bißchen altmodisch. Und Ille hatte sie und Iven Lornsen scharf beobachtet und gedacht: Sie hat ihn gern. Sehr gern. Und er ist auch nie so vergügt, als wenn unser Mucki kommt. Und halle sich selber ausräsoniert: „Was ist das für ein dummes Getu, verehrtes Herz! Du wirst dich doch nicht um diesen jungen Mann in Ungelegenheiten bringen? Warum denn nur? Weil er nie schöne Reden drechselt? Weil er nie verliebte Augen macht? Weil er ein netter Kerl ist und sich das Leben um die Ohren schlägt und lacht, wo andere Trübsal blasen? — Ist das was Besonderes? Dos tun wir alle auch." Und hatte ihr Herz, das etwas von „auch mal jung sein wollen" murmelte, so fest an die Kandare genommen, daß es ganz still und artig antwortete: „Ich freue mich, wenn unser Kleines ein warmes Nest findet. Sie ist am wenigsten dazu geschaffen, sich mit dem Leben herumzubalgen." Und als sie so weit war, wurde sie nett und ausgekratzt gegen Iyen Lornsen und neckte sich mit ihm und sal) ihn schon als künftigen Bruder an. Sprach mit chm von seiner Zukunft da oben an der Grenze und freute sich darauf, wenn er ordentlich in feinem „Nordischen Heerruf" alle guten deutschen Geister wachblasen wollte. (Fortsetzung folgt.) der Bürgermeister des -'s kamen zur Besprechung: Die Einsetzung der Technischen Nothilfe bei der elektrischen Ueberlandanlage, Haftpflichtversicherung der Gemeinden des Kreises, Fragen der Erwerbslosenfürsorge und Berechnung der Gemeindesteuern für 1926. Nach der Versammlung tagte der Bürgermeisterverein in dem Versammlungslokal und wählte an Stelle des seitherigen Bürgermeisters Jost den Bürgermeister Niepoth aus Schlitz zu feinem Vorsitzenden und den Bürgermeister Nodemer- Ansicht eines Mitgliedes ausdrücklich heroorgehoben, daß der Schulhausbau nicht etwa nach dem Gesichtspunkt „wenn wir das Geld dazu haben" entschieden werden soll, sondern daß hier noch andere, sehr bedeutsame Erwägungen bestimmend sind, lieber« einftunmung herrscht weiterhin in dem Wunsche an die Verwaltung, sie solle baldmöglichst eine Vorlage betr. Schaffung eines Luft- und Sonnenbades einbringen. Diese Angelegenheit müsse aber so geregelt werden, daß eine Dauerlösung herauskomme. Eine eindrucksvolle Erklärung des Beigeordneten Dr. Frey stellt fest, daß beim Wohlfahrtsamt keine Beamten-Adbaumög- i i d) f e i t c n bestehen, da die Aufgaben dieses Amtes durch immer neue gesetzgeberische und Verordnungsmaßnahmen der Reichs- und der Staatsregierung erweitert werden, leider aber ohne die genügende Bereitstellung der erforderlichen Mittel, lieber dieses Thema wird in unseren Spalten noch eingehend gesprochen werden. Ein Antrag Nicolaus-Kraus- müller-Goertz (letzterer zieht im Verlaufe der Aussprache seine Unterschrift' zurück) auf Aufhebung des Wohnungsamtes und der Instan d s e tzu n gsst ell e wird mit 22 gegen 18 Stimmen abgelehnt, nachdem geklärt ist, daß diese Einrichtungen auf zwingende geietzliche Vorschriften begründet sind, die sich nicht durch einen Kommuncü- beschluß beseitigen lassen. Einhellige Zustimmung findet ein Antrag Mann, in dem gefordert wird, tatkräftig dafür zu sorgen, daß an verschiedenen Stellen der Stadt nod) einige Bedürfnis- an ft alten für Frauen errichtet werden. So einig man im Prinzip ist, so abweichend ist die An° sicht hinsichtlich des gegenwärtigen Ausmaßes der Schaffung dieser dringlichen Erfordernisse. Schließlid) wird ein abgeänbertcr Antrag M n n n mit 21 gegen 16 Stimmen dahingehend angenommen, daß neben der im Voranschlag bereits vorgesehenen Errichtung einer unterirdischen Bedürfnisanstalt für Männer und Frauen am Seltersweg noch eine weitere Anstalt dieser Art am Oswaldsgarten geschaffen werden soll.- während eine gleiche Einrichtung an der Licher Straße zurückgestellt wird. Auf eine Anfrage Schmieder wird von der Verwaltung erklärt, bgß die Z i n s c n z a h l u n g für die alten st ci d t i - s che n Anleihen deshalb noch nicht erfolgen kann, weil die hessischen Ausführungsbestimmungen zum Aufwertungsgesetz vom Staate bis heute nod) nicht erlassen sind. Der Fragesteller gibt dem allgemeinen Empfinden treffenden Ausdruck in der Erklärung, es sei höchst bedauerlich, daß eine so wichtige Angelegenheit vom Staate derart auf die lange Bonk geschoben werde, denn feit dem Inkrafttreten des Auswertungsgesetzes sei ja nun schon fast ein ganzes Jahr verflossen. Es sei dringend notwendig, nun endlich dafür zu sorgen, daß die Anleihegläubiger wenigstens eine Verzinsung ihrer gerechten Ansprüche erhalten. Hierauf wird der Voranschlag in der B e - triebsrechnung mit 4 120 767,71 Mk. (die Hinzufügung der Kosten für den beschlossenen Bau der weiteren Bedürfnisachtalt für Frauen am Oswaldsgarten bleibt der Verwaltung und dem Finanzausschuß überlasten) und in der Vermögensrechnung mit 1 087 555 Mk. genehmigt. Die U m - l,a g e n für das R j. 1 926 werden wie folgt festgesetzt: 1. Gebäude st euer (Gebäude und Bauplätze) auf 20 Pf. für je 100 Mk. Steuerwert. Die Erhebung erfolgt in sechs Zielen jeweils bis zum 25. der Monate Mai, Juli, September, November 1926, Januar und März 1927. 2. Grundsteuer fkcmd- und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke) auf 20 Vf. für je 100 Mk. Steuerwert. Die Steuer wird in sechs Zielen, wie die Gebäudesteuer, erhoben. 3. Gewerbesteuer: a) auf 70 Pf. für je 100 Mk. Steuerwert vom gewerblichen Anlage- und Betriebskapital: b) 60 Pf. auf je 1 Reichsmark des von dem Finanzamt Gießen für das Kalenderjahr . 1925 feftgefteöten staatlichen Gewerbeertragssteuer- folls. Die Gewerbesteuern zu a und b werden in t sechs Zielen, wie die Gebäudesteuer, erhoben. 4. Sonder st euer vom bebauten Heirat eine Notwendigkeit. Und daß diese Ehe glück- lick) geworden, das hatte feinen Grund in der liefen Vornehmheit der beiden Menschen, die im edelsten Sinne des Wortes Aristokraten waren, erfüllt von dem Bewußtsein der Verpflichtungen, die ihnen Namen und Stellung auferlegten, voll Nächstenliebe und immer gleicher Hilfsbereitschaft für alle, die ihnen untergeben waren, aber auch für Nachbarn und Freunde. Ohne große Worte, in schlichter Selbstverständlichkeit. Wie oft hatten sie im Dorf gesagt: „Wie wird es werden, wenn der alte Herr die Äugen zutut?" — Nun hatte der noch über seinen Tod hinaus für Gut und Leute gesorgt. Heider Steffen würde in seine Fußstapfen treten. Das bißchen Herumsitzen im Krug, das Sumpfen in Hamburg —, wenn er eine vernünftige Frau hatte, eine, die er liebte und die sein Leben redlich mit ihm lebte, bann verging so etwas von selber. Da waren ihre Gedanken bei Thora. Nun mußte sie ernstlich mit ihr reden. Am besten gleich, wo Ille in ihrem Bau tätig war und Thora hinten im Garten Aepfel pflückte. Sie sah aus der Hintertür. Da saß Thora schon auf der Terrasse, hatte den Apfelkorb vor sich und schälte und schnitt Früchte zum Dörren. — Wie bestellt. Frau Margrit holte sich ein Küchenmesser und half- Nach einigen Minuten begann sie zu berichten. Thora sagte gar nichts. Sah nur einmal mit schnellem Blick die Mutter von der Seite an, Wartete bann auf weiteres. Als nichts mehr kam, fragte sie enblich: „Und was wird er dir für die Pacht geben?" „Darüber haben wir noch nicht gesprochen. Zunächst müssen wir ja wissen, ob wir überhaupt mit dem Wechsel des Pächters einverstanden find/ „Wir? Es handelt sich doch um dich, Mutter." ,,3d) berede doch schon lange alles mit dir." „Was soll ich denn dagegen haben? Für dich kommt doch alles darauf an, einen guten Pächter zu bekommen. Ich glaube auch, Steffen wirb auf dem Posten fein. Das wird schon sein Ehrgeiz nicht zulassen, bah bie Leute sagen: ,Na. Frau Bunsen hat sich bei dem Wechsel aber auch nicht verbessert/" Frau Margrit lauschte und suchte in ben Worten nach einem Unterton, fand aber keinen. Thora sprach ganz sachgemäß, ohne jede persönliche Note. „Also dann--ich bachte nur —" sie brach ab. reiches Maikäfe^ahr, nur die kalte Witterung verhindert größeren Schaden durch diese gefräßigen Kerbtiere. L Alten-Bufeck, 12. Mai. 2lm Montag wurde das zweijährige Töchterchen eines hiesigen Arbeiters von einem schweren, mit Steinen beladenen Wagen überfahren. Das Kind lief aus der Haustür auf die Straße und direkt in das v orbeifahrende Fuhrwerk, das einem anderen Wagen ausweichen wollte. Die Räder gingen dec bedauernswerten Kleinen über beide Unterarme. Rach Anlegung eines Rotverbandes erfolgte 6ie Heber- führung in die Gießener Klinik. Dem Vernehmen nach muß die eine Hand vollständig, die andere zum Teil amputiert werden. :—: Beuern, 11. Mai. Der 17jährige Sohn eines hiesigen Landwirts wurde vor vierzehn Tagen beim Putzen der Pferde von einem Fohlen gegen den Leib getreten. Der Verunglückte wurde einige Stunden später der Gießener Klinik überführt, woselbst ein Riß im Dünndarm und noch andere schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Run ist der junge Mensch seinen Verletzungen erlegen. t Aus dem 03 u feder Tal, 11. Mai. Der vorgestrige Samstag brachte in unserem Tal eine solche Kälte, wie wir sie in dieser Jahreszeit feit langem nicht erlebt haben. Sn der Rächt zum Samstag hatte es stark gereift, die Dächer fahen weiß aus. Den Vormittag kamen einzelne Regenschauer mit Hagel untermischt. Am Rach- mittag fiel ein Hagelschauer, so daß Dächer und Straßen auf kurze Zeit ein weißes Kleid angelegt hatten. Man sagt hier, daß die drei Eisheiligen chr Recht suchen. Der Landmann, der schon mit der Grünfütterung begonnen hat. macht ein bedenkliches Gesicht: denn alles Wachstum steht still. Krcis Friedberg. 88 Ob er -Florstadt, 11. Mai. Dieser Tage fand hier die Grasvorsteiaerung der Bach- raine (in Stucken zu 50 Meter) und der Gewann- wege statt. Im allgemeinen ist, infolge der Geldknappheit, gegen bas Vorjahr eine Senkung ber Preise zu verzeichnen. Bei manchen Stücken betrug diese bis zu 50 Prozent. Der Durchschnittspreis beträgt 10—12 Mark. Neben Stücken, die sehp billig waren, gab es auch einzelne, allerdings mit gutem Bestand, die 20—24 Mark erzielten. Die Aberntlmg erstreckt sich auf das laufende Jahr. Kreis Birdmgerr. Xlvctd Schotten. • Schotten, 11. Mai. Am dritten Psingst feiert ag hält die Stadt Schotten in alter Form ihren altbekannten Markt, verbunden mit Prämierung, Verlosung und Volksfest ab. (Siehe Anzeige) Kreis Lauterbach. Angersbach zu dessen Stellvertreter. — Zur Alarmierung der Feuerwehr ist auf dem Kirchturm eine elektrische Sirene angebracht worben, die gestern zum erstenmal in Betrieb gesetzt würbe. Der vollzählig angetretenen freiwilligen Feuerwehr würbe die von der Stabt mit Unterstützung ber Lanbesbranbkasse, der Fchrn. Riedesel, der Kreis- kasse und der Bezirkssparkasse angeschaffte Motorspritze übergeben. Nach der Uebergabe der Spritze fand die diesjährige Hauptversammlung ber Wehr statt, in ber der Kommandant Krömmelbein der Stabt ben Dank bes Korps für die Ueberroeifung ber neuzeitlichen Löschgeräte aussprach. Starkenburg. * Darmstadt, 11. Mai. Der wegen Raubmordes zum Tode verurteilte ehemalige Student Josef M e o n wurde heute vor- mittag nach der Strafanstalt Butzbach gebracht. Rheinhessen. G M a i n z, 10. Mai. In ber Zeit vom 31. Mai bis 6. Juni finbet in Breslau eine 21 u s ft e I lung ber Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft statt. Wie wir hören, wird sich aud) die He.ssische Weinbaudomäne daran beteiligen unb in ber WeinLasthalle verschiedene Weine ausstellen. WER. Mainz, 11. Mai. 3n der vergangenen Rächt versuchte im Bahnhof Mainz- Kastel der 45 Jahre alte Geschäftsführer Franz Pappert auf den bereits im Fahren begriffenen D-Zug Frankfurt-Wiesbaden, der hier 1.07 Uhr abfährt, aufzuspringen. Der Mann geriet dabei unter die Räder und wurde buchstäblich zermalmt. Preußen. Kreis Wetzlar. WER. Wetzlar, 11. Mai. Am Sonntag- nachmittag fand hier bei günstigem Wetter ein großes Drieftaubenpreis fliegen statt. Insgesamt wurden etwa 40 000 Brieftauben, die aus allen Richtungen Westdeutschlands hierher gebracht worden waren, freigelassen. Es konnte beobachtet werden, daß die Tauben sich im allgemeinen schnell orientierten und ziemlich schnell nach ihrer Heimatrichtung, hauptsächlich dem nördlichen Rheinland, obliegen. Dem seltenen Schauspiel wohnte eine große Zuschauermenge bei □ Wetzlar, 11. Mai. Der Provinzialausfd)uß ber Rheinprooinz Hal beschlossen, für das Rechnungs jajjr 1926 an Versicherungsbeiträgen für ben Viehjenchen-Entschäbigungs- fonbs für Pferde, Fohlen, Esel, Maultiere unb Maulesel 60 Pf. und für Rindvieh 55 Pf. für bas Stück zu erheben. Der Landeshauptmann ist ermächtigt, auf die Versicherungsbeiträge Vorschüsse zu erheben. Die Ausnahme der abgabepflichtigen Viehbestände findet im Juli statt. <> Hochelheim, 11. Mai. Hier hat sich eine Drain ageaenoffenschaft gebildet, die den Namen „Dramagegcnossenschaft Hochelheim" führt. Die Genossenschaft bezweckt die Entwässerung von Grundstücken und die Unterhaltung von Entwässe runysanlagen nad) dem allgemeinen Plane, ben der Regierungslcmdmesser V i e n k o bei Gelegenheit der Durchführung ber wu. chastlichen Umlegung der Grundstücke ber hiesigen Gemarkung aufgestellt hat. Kreis Marburg. sch. Marburg, 11. Mai. In das hiesige Landgericht wurde der Fürsorgezögling Martin Berghäuser, der als Knecht in Stvl- zeirbach bei Homberg in Stellung war, ein« geliefert. D. hatte die 22jährige Tochter seines Brotherrn, als diese ihm beim Holzüeimnachrn im Walde den Kaffee brachte, zu vergewaltigen versucht. Der Unhold hatte dem Mädchen Papier und Erde in den Mund gesteckt, jedoch gelang es dem Mädchen, sich durch kräftige Gegenwehr zu befreien. Der Täter ist geständig. „Rose hat sie so entworfen", sagte die Mutter mit leisem Stolz. „Wie sie bie Farben zusammenzustellen weiß, bas ist einzig. Aber das Zeichnen der Ornamente fällt ihr noch schwer. Sie bat die Augen unb hat bie Ideen, bie Technik will sie noch vervollkommnen." Dann traten sie durch die schon eingefügte Tür in den Rohbau des Gewächshauses unb fanben 3üe emsig dabei, Blumenerde in die steingefaßten Rabatten zu bringen. Sie zeigte eifrig, was alles werden sollte, unb wenn man sie reden hörte, glaubte man schon die Rankrosen an den Fenstern unb bie duftschweren Knospen der Marschal Niel unb Gloire de Dijon in dem noch leeren Raum zu sehen. We wenigstens sah alles schon in voller Blüte. — „Diesen Herbst kommen die Rosen noch in die Erde, zum Frühjahr können sie schon blühen. Die Frühlingsblüte wird noch schwach sein nach dem Umpflanzen, aber im Herbst — im Sommer werden die Treibhausrosen ruhen — da hab' ich sie schon so weit, daß es keine Sorge mehr für Mutter fein wird. Und bann kann ich zwischen ben Rosen die jungen Gemüsepflanzen für den Garten ziehen unb Tomaten, wenigstens in ben ersten Jahren, bis die Rosen sich ausgebreitet haben. Wir wollen schon vorwörtskommen, nicht wahr, kleine Mutter?' „Sie reiche Frau," sagte Frau von Brockdorf, als Margrit sie an ben Wagen begleitete, „ich habe nie ein Kind gehabt! — Was das heißt, wenn es ber größte Wunsch bes Lebens ist! — Einmal hoffte ich auch. Da war die Erbe ein Parabies, schien mir. — Aber ich war zu schwach, bie Hoffnung mußte sterben, unb es bürste nie wieber eine aufleben. — Ja, ja, — viel ist mir geworden, — aber immer steht ber große Schatten neben jebem Licht. Als der elegante Wagen die Landstraße hinfuhr, sah Frau Margrit ihm nach. Armer kleiner Zwerg- obfthaum! Sie kannte aus allerlei Andeutungen der Nachbarn längst die stille Tragödie. — Das Gut über unb über verschuldet, als ber alte Herr — ba« mafe erst breißigjahrig — es bekam. Die reiche „Für Ille unb mich ist bas ganz überflüssig. Wir delßen uns schon durch das Leben. Höchstens unser Mucki. — Aber die wirb ja wohl bald in sicherer Hut sein." „Glaubst du das, Thora?" „Sie ging so manches Mal mit Jens Appeldorn tm Garten herum, und sie hatte so verträumte Augen. — Ille deklamierte mir immer vor: Sie war doch sonst ein wildes Kind. Nun geht sie tief in Sinnen. Trägt in ber Hand ben Sommerhut Unb duldet still ber Sonne Glut Unb weiß nicht, was beginnen. Das macht, es hat die Nachtigall Die ganze Nacht gesungen — — Der alte Storm hat solch reine Seelen gut gekannt. Um Mucki kannst du wohl ruhig sein." „Dann wäre es ja unnütz, daß sie ba in Hamburg sitzt. Zum Ersten geht Herr Lornsen fort." „Trennung gibt Klarheit. Pass' auf, ehe vier Wochen um finb, kannst du endlich einen Schwiegersohn an dein Herz nehmen. — Ille unb ich haben unsere Zungen gewaltig gezügelt, ihn nicht zu verulken. Unb haben alle Anspielungen unterlassen." „Unb ich hatte es immer so tm Gefühl, daß er Ille gern möchte." »Sie sagt, das stimmte nicht. Er meinte Rose. Eine meint er, beim er dichtet wie wild, unb bas pricht für seelische Erregungen. — Mutter, wie iehst du nachdenklich aus? Nun könntest du dich >och mal. freuen!" "Da ist etwas, was nicht stimmt. Das spüre ich." Wieder der schnelle Seitenblick ber Tochter. „Du dachtest, wenn er nun immer auf dem Hof hier her- ....... vlu, U11 ulc lvulclcn tieueni,anii( umlaufen wird, tm Stall wirtschaften und in der Töchter! Oder magst du ben Iven nicht? Scheune kramen, — rote wirb s bann mit ihm unb c,-f- — " " - Thora? — Ja, bas hast bu gebucht. Siehst du, du lachst. — Ich will bir sagen, Christian hat hier seit zehn Jahren in unserem Kram herumhantiert, und wenn er Uebergriffe machen wollte, würbe er in seine Schranken verwiesen. Darin habe ich Uebung.“ „Heiber Steffen ist boch ein etwas anberer Mann als der gute Christian." „Darum wirb es auch leidster mit ihm sein. Id) werbe lange nicht so deutlich werden müssen. Mach' bir keine Sorgen!" ..Ich mache mir höchstens Sorgen um eure Zukunft, Kind. -p ter ge' -Ilona eine, ■ erfahr a'oW IM Sie l', sortges etwas je Sa! sächlia in Kc Zechen waren ®a da lagern, N« @e Sannen nichts Sie Leit ett Der r beträgt itn AP schnitt eine ■ lalfuni Eine > her « liche 2 wartet, nehmer aus An nach md Qinftagc bis ich« Mrusc I Teslerun Meten luniflf bc W lin keil biet' ringern, geben fol lung aus bie deut, sprechen? englische sollte. Die vor unb Telebun wieder wieder ders sü Terbra aufoutth markt I ba ber glichen putschen treten li Nutzer e Mw ziehen immer die in schassen Perhan Geneigt heit bei iprüngl meisten mancher an, ziem leicht zu Aufträge aentrclan als man ber Nsa ders aud seit emic Aewegu nach nji bleche u /ehr rul EL «Musc «'N Z y’ä Jin * tii’S * ei Sachs, steht, wn Handlung r>um übk leihe für ^rnehmc 'Nm be k . *er 'otiuntn Nissen stnd aus ändert । blieben Haupt c Tendern P Hin! Raffln Schinin rise, enen fja lelfurs L, Mich. 2i ss Wirtschaft, Flaule auf dem Kohlen- und Eisenmarkt. Gegenüber dem Würz hat der April einen weiteren Rückgang im Absatz gebracht. Besonders enttäuscht hat die weitere Verringerung der Nachfrage nach Brennstossen für den Industriebedarf, ein Zeichen dafür, bah eine Behebung der Wirtschaftskrise noch in keiner Weise eingetreten ist. 3m April ist der arbeitStägiiche Inlandabfatz des Kohlenlyndikals ungefähr 10 Prozent schlechter gewesen, als in dem schon reichlich schlechten Monat Wär-! dagegen hat der Auslandabsatz eine Besserung um ebenfalls zirka 10 Prozent erfahren! da aber nur ein Drittel des Gesamt- absatzeS inS Ausland geht, ist insgesamt eine Verschlechterung der Kohlenmarltlage scstzustellen. die sich auch noch bis in den Anfang Mai fortgesetzt hat. Da die arbeitstägliche Förderung etwas größer war lzirka 2000—3000 Tonnnen je Tag), haben sich die Haldenbestände (hauptsächlich tn Koks) vermehrt. Ende März betrugen in Kohle umgerechnet die Bestände aus den Zechen uto. 6.8 Millionen Tonnen; Ende April waren sie aus über 1 Millionen Tonnen gestiegen. Da dazu noch die Bestände auf den Syndikats- lagern, in den Kähnen ufw. kommen, kann man den Eesamtbestand zurzeit auf rund 9,5 Millionen Tonnen veranschlagen! er hat damit eine lange nicht mehr zu beobachtende Höhe erreicht. Die Zahl der Feierschichten hat sich in der letzten Zett etwas verringert. Trotzdem die Delegschafts- zitser nur noch 90 Prozent der Höhe von 1913 beträgt, war sie im März ungefähr 5ma( und im April immer noch 3mal höher als im Durchschnitt der Monate November, Dezember: ob sich eine ilmtoanblung der Feierschichten in Entlassungen vermeiden läfjt, bleibt abzuwarten. Eine Auswirkung der Sommerpreise hat sich bisher noch nicht bemerkbar gemacht: eine wesentliche Belebung wird von ihnen auch nicht erwartet. da dazu die Kapitallnappheit der Abnehmer zu gtob ist. Eine Belebung des Marktes aus Anlaß des englischen Bergarbeiterstreits ist noch nicht zu verspüren. Zwar hat die Zahl der Anfragen sich vermehrt, efsektive Aufträge sind bis jetzt jedoch kaum erteilt worden: nur die Abrufe haben sich etwas vermehrt. Eine etwaige Besserung wird sich zunächst aus den umstrittenen Gebieten lKüste. Berlin usw.) bemerkbar machen, zumal dort die Bestände verhältnismäßig geringfügig sind. Bielleicht wird sich aud) die Möglichkeit bieten, die Lagerbestände etwas zu verringern. falls eine gesteigerte Nachfrage sich ergeben sollte. Wesentlich für die weitere Entwicklung auf dem Kohlenmartt ist die Tatsache, dah die deutsche Regierung sich bereit erklärt hat. entsprechende Finanzmaßnahmen zu treffen, falls die «malische Snbvenlionspolitik fortgeführt werden sollte. Die Lage auf dem Eisenmarlt ist nach wie vor unbefriedigend. Mitte April war eine kleine Belebung zu verzeichnen: diese hat jedoch schnell wieder nachgelassen, so dah zurzeit die Tendenz wieder ausgesprochen still ist. Das gilt besonders für Öen 3nlanömarÜ, der für keine Art deS Verbrauchs eine ins Gewicht fallende Nachfrage auszuweisen hat. Aber auch auf dem Auslandmarkt liegen die Berhältnisse ziemlich schwierig, da der erneute Sturz des französischen und belgischen Franken die Konkurrenz der westeuropäischen Eisenwerke wieder stärker in Erscheinung lietcn läfot, zumal diese nach Aufarbeitung der siuher erteilten Aufträge wieder flärter um neue Aufträge sich bemühen. Manche deutschen Werke ziehen sich wegen der verlustbringenden Preise immer mehr vom Auslandmarkt zurück. Inwiefern die internationalen Eisenverhandlungen Abhilfe schassen können, ist noch nicht zu übersehen: die Verhandlungen ziehen sich trotz der grundsätzlichen Geneigtheit auf allen Seiten infolge der Kompliziertheit der $erf)ältnine doch länger hin, als man ursprünglich erhofft hatte. Die Beschäftigung bei den meisten Werken reicht nur noch für einige Wochen: mancherorts fängt der Auftragsvestand sogar schon an, ziemlich knapp zu werden. Im einzelnen ist vielleicht zu erwähnen, daß für Oberbaumaterial die Aufträge ziemlich gering sind, da das Eifenbahnzentralamt geringere Aufträge herausgegcben Hai, als man ursprünglich erwartete. In Stabeisen ist der Absatz nach wie vor völlig ungenügend: besonders auch für den Auslandabsatz, für den die Preise feil einiger Zeit eine nicht unbeträchtliche rückläufige Bewegung eingeschlagen haben. Sehr schlecht liegt nach wie vor der Blechmarkt, besonders für Mittelbleche und für Feinbleche. Auch der Drahtmarkt liegt sehr ruhig. * Eine neue Amerikaanleihe für d i e Sächsischen Werke? Die sächsische Regierung stehl, wie die „Leipziger N. 91." melden, in Unterhandlungen mit einem amerikanischen Bankenkonsortium über die Begebung einer neuen Amerikaanleihe für die Sächsischen Werke, A.-G. Sicherem Derneymen nadj soll die Anleihe über 20—25 Mill. Dollar betragen. Berliner Börse. Berlin, 12. Mai. Die Börse war heute vollkommen von innerpolitischen Besorgnissen ergriffen. Die Beteiligung der Spekulation und außenstehender Kreise am Geschäft blieb unverändert gering Bei der herrschenden Umsatzstockung blieben Kursbildungen im Dormittagsverkehr überhaupt aus. Bei Eröffnung der Börse wurde die Tendenz ausgesprochen schwach, zumal auch im Hinblick auf den herannahenden Mediotermin EnUastungsbedürsnisfe der Spekulation bestanden. Verstimmend wirkte außerdem die Regierungskrise, die neue Abschwächung der Frankenkurse, denen sich erstmalig die Lira anschloß. Der Wech selkurs London-Mailand ging auf 122,30 zurück, De vifen Mailand sind nur mit 25 Prozent pro Anno er- hälllich. Aus den hohen Sätzen geht das Mißtrauen der internationalen Valutenspekulation in das Bestehen des italienischen Wechselkurses hervor. Brussel sank infolge der Kabinettsschwierigkeiten scharf auf 156,12 gegen London, Paris auf 155,12 gegen London, unter ungünstigen Kundgebungen der Pariser Opposition gegen das französisch-amerikanische Schul- benabtommen. Allgemeine Beachtung fand dagegen die F e st i g k e i t des P f u n d k u r s e s, der sich mit Rücksicht auf die fortschreitende Besserung in der Streiklage gegenüber dem Dollar auf 4.86,12 erRtantfurt a.M Berlin Datann f Ttutfdjc RetchSanIellre ■ 4% Stutjdie Ncichsanleide • 87»%. Deutsche R.ichsemlethe Jlciünileiuc . holte. Infolge der allgemeinen Lustlosigkeit kamen einige günstige Motive kaum zur Oeltung. So blieb der starke Rückgang der Arbeitslosigkeit in der zweiten Aprilhälfte ohne Einfluß auf die Börse, desgleichen die Flüssigkeit am offenen Geldmarkt. Der Reichsbankstatus weist nach den neuesten Ausweisen eine Erleichterung auf. lagesgeld 4 bis 5,5 Proz. und darunter. Totfenhitlc. 4% Preußische fionloli • • 4% Hessen • SV//» Hessen....... 3% Hellen L«ursche Serkd. Dollar-Ant. bto. Doll. SchaV-AnllXilua-7 ♦lo d oütürffn....... 5% (Sotbmeritaner • • - • Berliner HandelSaesellichatt. Dornmen- und ‘JriDat -uaif Tamm, und «mionalt anl ■ Deutsche Bant......... Deutsche Bereinsdank ... DlSconro (Sommanöb • ■ Wtaflbanf........... Mtireldeutschr Üreditdanl. . Lesre;reichlich« LreditanstaU. Weltbank ........... Bochumer (Suh ....... Buderus ...... Taro ... LeurschD'urrmbura...... «clienlirchencr Beralverte. . Harvener Bergbau...... Namverke Aschersleben. . .. ftalinxrt Westeregeln .... üourahüttr . . Oberdedan........... Pdon.r Bergbau ...... Sidermiabl Rieben Montau ....... TelluS Bergbau..... Hamburg-Amerika Pater. . . Norddeutscher Llovd . . . . , Tberamlsche Werke AlblN . , Zementwerk Heidelberg . . . Bdtlivv Holzmann...... Anglo Cont -Guano . . . . Tdemilche Mutzer Alapin I. fi. Fardenilidustrie, 21.-0. fioldswmidt . . Hvljvcrfodtnng . - NntaerSwerfe........ Lcheideanftalt «llg. ElektrizitäkS-GeseNschast Bergmann Mawkrairwerfe . Schütten Siemen» A Halste ..... Adterwcrke fileuet ..... Daimler Motoren. ..... Hcvllgentzaedt Meguin Motorenwert: Mann beim Frankfuner Armawreu . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgeicll'choft Franlsun. Pcl. Union . tzchudlabrfk Herz • . . . . Sichel. . .... Zellston Walddof. . . . . . Zucteriadrik Fnuikeitthal . Zuckerfabrik Wagbaulel sd>uiö»i >-Udk- Sd)lufi- sntnng Änr. । flUT» Mnr» «Inr-, 1L5- , 12 5 115 [ 12 5. 0,373 0.365 0,3725 — 0,35 — 0.35 0.35 — 0.413 0,44 ll,2f)ii — 0,215 — O.JtV- — o.3£> — 0.37 0,8« — — — —— — 0.365 — 100 — 95,75 — — — — * 12,1 12 12,25 — 45,4 45 — —» 118 — 146.5* 147,7* 1U5.Z5 105’ 105- 10.5* UL75 12.5’ 121* 122 — 123' 122- 89.5 —» — 120,25 — 120- 119’ 93 92,5 —» — litt 116 _ 7 7 7 6,9 — —• —— 91 — 90,25* 89 58,25 — 57,5 — 52 5 — 52 50* 94.5 — 95* 94' 99.5 97.5' 98,5' 97.5* U5 112.7' 114,6’ 112.5 120.5 126 125,75 125,5' 128 —■ 127 — 35 — 35 34,75 <6.5 — 60 —• 77' 75 76,4* 74.75* 92.75’ 91,75- 92,5* 91,5’ 91,25 — 92 60 —- 125,5* 123,2* 125* 122,6’ 123,6’ 121,5* 123* 121* 48.5 — _ 08,25 97,5 — 66 65,4 66,5 — —— -- — 74 — — —— 152.5’ 151.2* 152,5* 151* 76 75,5 75 — 74.5 71,5 73,9 70.5 —» — w 108.7' 107,7’ 108,7* 108* — 102 100,7* 99,9 — —— — 96,25' 94* 95,9- 94* 113,25 141,5’ 142,r 140,2 60 59 59 60 61.5 — 63 61,5 26.5 —— — — 37 — —- __ 52 — — — — — 11 —— — 106,4 105,5 — 72.5 — 72 — 35.5 — 35 - 4,25 — — 128,25 — 127 - —— 51 51,13 61,5 60,5 —- — Sevisenmartt Berlin—Frankfurt h 8 7 6 5 Schwarz. Matt in drei Zügen. a b • c d c 4 3 2 1 Endspiel Nr. 15. Don W. v. Holzhausen. 8 7 6 o 4 3 2 Schwarz, d e a b V.______h Weiß zieht und macht das Spiel unentschieden. Weiß 3 Steine Kh7, Tb6, Sa6. Schwarz 4 Steine Ka8, Bc2, Bg3, Bh4. Dieses Meisterwerk verfügt über eine scharfsinnige Pointe. Lösung des Endspiels Nr. 15. Don W. v. Holzhauscn. 1. Sa6-b8, Ka8-a7, 2. Tb6-b4, alD 3. SbS- c6-f-, Kc7-a6, 4. Sc6 —b8-f-, Ka6 —a5, 5. SbS — c6-i- und erhält durch ewiges Schach remis. Fehlerhaft wäre 1 alD denn hierauf wurde 2 SbS-c6! gewinnen. Schwarz könnte das Matt auf b8 nur durch Da7 decken hierauf würde jedoch 3. Sxa7, Kxa7 4. Tb6-g6! zugunsten von Weih entscheiden. Lösung des Problems Nr. 59. Don L. Dething. 1. Lh3-g4, ßxg4 2. Thl-h2! Kß3-f3 oder f4-13 3. Dh7-d3, C7+-+-. 1 Kg3xg4 2. Thl-h3, Kg4-g5 oder l4-f3, 3. Dh7-g7, h4++. 1. .... Kg3-f2 2. Dh7-a7+, Kf2-g3 3. Da7- 1. .... f4-f3 2. Dh7-h2-f-, Kg3Xß4 3. Dh2- h44—s-- Eine richtige Lösung zum Problem Nr. 59 von Karl Dething sandte ein, Herr Prof. W. aus Dießen. Aus der Schachwclt. Wie alljährlich findet auch dieses Jahr in der Zeit vom 22. bis 26. Mai 1926 im Kursaal au Dad Ems das Turnier um die Meisterschaft des Mittelrheinischen Schachbundes statt. Folgende Turniere werden zur Austragung gebrachte 1. Meisterschaflstumier: Turnier um die Bundes- meisterschaft und den damit verbundenen Wanderpreis der Kurverwaltung Dad Gms. Nur offen für Mitglieder des Bundes von hervorragender Spielstärke bis zu 8 Teilnehmern nach Wahl deS Turnierausschusses. 2. Hauptturnier: Offen für anerkannt starke Spieler des Bundes. Wird je nach Anzahl der Teilnehmer als Gruppen- oder Rundenlurnier ausgetragen. 3. Nebenturniere Offen für weniger starke Spieler des Bundes. Einteilung je nach Teilnehmerzahl, Dauer 2 Tage. 4. Tombolaturnier: Offen für Bundesmitglieder und auch für Gäste. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom NedakttonStisch. Katastrophen. Zn einem Schnellzug sah ein Mann mit einem kleinen Zungen auf dem Arm. Der Junge blieb aber nicht lange ruhig fitzen, sondern kletterte im Abteil herum und beschädigte den Hut eine- Mitreisenden zum Nichtwiedererkennen. Empört droht der Hutbeslher, den Schaffner zu rufen. Da sagt der Vater des Jungen traurig: „Mich können Sie nicht mehr schrecken. Mehr als mir heute passiert ist, kann mir gar nicht zustohen Erst hat der Junge eine Fensterscheibe zerschlagen, dann hat er unsere Fahrkarten zerrissen und zum Fenster rausgeworfen, dann habe ich bemerkt, daß ich mein Geld zuhause vergessen habe, und vor einer halben Stunde stellte sich heraus, daß ich in einen falschen Zug eingestiegen bin.“ Da» Geheimnis. und dann — hat er mir aiwertraut, daß unsere Verlobung noch ganz, aber auch ganz geheim bleiben mut). Margot erzählte ich es im tiefsten Vertrauen, und sie meinte, Fredh sei verrückt. Lilli erklärte, einen Ring würde sie trotzdem tragen. Das Gemeinste ist aber, daß Erika eS überhaupt nicht glaubt!“ Enger Gang. Maske rempelt Grien.- Grien rempelt Masle. Aus dem Weg," brüllt Maske, „ich weiche nie einem Flegel aus." „Ich stets", tritt Grien höflich zur Seite. Auch Bankaktien bröckelten ab, Reichsbank minus 1,25, Bayerische Hypotheken- und Wechselbank minus 1. Stark in Mitleidenschaft gezogen waren ferner Schiffahrlsaktien, die etwa 2 Prozent einbüßlen. Autoaktien verloren etwa 0,5 bis 1 Prozent, Bauaktien schwächten sich leicht ab, mit Ausnahme von Wayß & Freytag, die um 0,25 gebessert waren. Holzmann gaben um etwa ■‘7s Prozent nach. Von Zuckeraktien verloren Badische Zucker 1 Prozent, während die anderen Werte der Zuckergruppe weniy Veränderungen zeig- ten. Der deutsche Anleihemarkt lag sehr still bei nachgebender Tendenz. Kriegsanleihe 0,365; dagegen S ch u tz g e b ie tsa nle i h en behauptet, 5,3. Interesse machte sich erneut am Ausland- rentcnmarlt für Türkenwerte bemerkbar, die etwas lebhafter umgefetzt wurden. Vereinzelt konnten diese Renten leicht anziehen. Der Freiver- kehr tendierte schwächer. Becker Stahl 40, Benz 70,5, Brown Boveri 75, Entreprise 9, Growag 57, Krügershall 100, Ufa 50, Ufra 76. Der weitere Verkehr blieb ohne jeglidje Anregung. Die Stimmung blieb gedrückt, und unter dem Eindruck der Fortdauer des englischen Generalstreiks fegten sich die die Glattstellungen fort, während auch auf die Me- dioadwicklung, die nod) beoorsteht, hingewiesen wurde. Reue Kursverluste von 0,5 bis 1 Prozent waren die Regel. Der Geldmarkt dürfte sich um verändert auf 4,5 Prozent stellen, Monatsgeld bedingte 5 bis 6,5 Prozent, je nach Adresse. Privat» d i s k o n t e n 4,75 Proznt, Industrieakzepte 5,25 bis 5,5 Prozent. Am Devisenmarkt konnten sich die beiden we st sich en Valuten ziemlich erholen. Die Psundparität für den Pariser Frank ging auf 145,50 zurück, für den Brüsseler Frank auf 153,25. Das englische Pfund blieb sehr fest, da man in Bankkreisen damit rechnet, daß der englische Generalstreik nur noch von kurzer Dauer sein wird. Die Mark ist unverändert. r auf futter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Mai. Es wurden notiert: Weizen, Wetlerauer, 29,50 bis 30 Mk.; Roggen, inländischer, 19,25 bis 19,50; Sommergerste für Brauzwecke 22 bis 24; Hafer, inländischer, 22,50 bis 23,50; Mais, gelb, 18; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 42 bis 42,50; Roggenmehl 18,25 bis 18,50; Weizenkleie 9,50; Roggenkleie 11 Mk. Tendenz: ruhig. Arankmrter Lchlachtviehmarkt. Frankfurt, 12. Mai. Auftrieb: 3 Kühe, 1332 Kälber, 121 Schafe, 562 Schweine. Kälber, feinste Mastkälber 75—80, mittlere Ria st- und beste Saugkälber 65—74, geringere Mast und gute Saug« kälber 56-^64, geringe Saugkälber 40—54. Schafe. Mafllämmer und Mafthämmel 45—50, geringere Masthärnmel und Schafe 38—44, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 30 vis 35. Schweine: vollfleischige von 80—100 Kilo 74 bis 77, unter 80 Kilo 70 bis 73, von 100 bis 120 Kilo 74 bis 76, von 120 bis 150 Kilo 74 bis 76, unreine Sauen und geschnittene Eber 60—68. M a r k t v erlauf : Kälber und Schafe werden bei langsamen Handel ausverkauft. Beste norddeutsche Kälber über Notiz. Schweine bei ruhigem Geschäft nahezu geräumt. Letzte Nachrichten. Amundsen am Nordpol. Neuyork, 12 Mai. (WTD.) Wie der Sonderberichterstatter der ..Neuhork Times" in Spitzbergen aus Kingstown meldet, hat daS Luftschiff „N o r g e" um 1 Uhr morgens norwegischer Zeit den Nordpol überflogen. Schwere Gasexplosion in Frankfurt. Frankfurt a. M., 12. Mai. (WSN.) In der chemischen Fabrik von Messer & Eo. in der Re bst ackerst raße ereignete sich heute früh gegen 8 Uhr eine folgenschwere Gase?plo- f ion. Zwei Arbeiter waren mit dem AuSprobie- ren eines Azethlin-Apparates beschäftigt und hatten ihn gerade unter Wasser gefetzt, um Gasrückstände zu befeltigen. Dabei gerieten die Gasreste zur Entzündung und der Apparat explodierte mit einem weithin hörbaren Knall. Die beiden Arbeiter waren sofort tot. Ein in der Nähe stehender Lehrling kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Schaden ist beträchtlich. Drei Arbeiter tödlich verbrüht. Mannheim, 12. Mai. (WSN.) In der Zellstosfabrik Waldhof ereignete sich gestern ein schwerer Unfall dadurch, daß ein Wasserreinigungsbehülter infolge Ueberhitzung stark überkochte und vier Arbeiter, welche in der Nähe mit dem Reinigen eines Nachbarbehälters beschäftigt waren, derart verbrühte, daß sie in das Krankenhaus überführt werden mußten. Drei von ihnen sind dort inzwischen den erlittenen Brandwunden erlegen. Der Unfall soll auf die Unachtsamkeit eines Arbeiters, der die Anlage zu bedienen hatte, zurückzuführen sein. Eine Untersuchung wurde sofort eingeleitet. So backt man Napfkuchen mit MONDAMIN 200 gr. Margarine (oder 125 gr. Butter) mit 2 Eiern, 200 gr. Zucker, dem Abgeriebenen einer halben Zitronen- Wichtig: schale und einer Prise Salz schaumig einrühren. Dann 125 gr. Mondamin und 375 gr. Mehl, gemischt mit Vor dun Anrühten Mehl mit MONDAMIN 1 Päckchen Mondamin - Backpulver und einem knappen V« Liter Milch beigeben und das Ganze gut durcharbeiten- ""vermischt mehrmals durchliebenI Die Kuchenform mit. Butter gut einfetten und den Teig etwa 1 Stunde in mittlerer Hitze backen lassen. I Gießen (Ludrvigstr. 8 II.), 12. Mai 1926 Herzliche Einladung 42241.) zum 4236 D Gießen (Lahn) Buchbandlung Keißner, Schulstraße Eintritt frei! Eintritt frei! 41201) Zehnerkarten für Erwachsene auf.. 360^ (gelle). n Die Preise für Schwimmunterricht sind ermäßigt: 4231V •V [ 0.40 (Jelle). 0.30 Jft (Galerie). 10— Jl, 6.-^ Eintritt Mk. 1.-, Schüler 50 Pf. Vorverkauf: Kunsthandlung Riebel, Markt von Immobilien vermittelt Kari Walther Hofmannstr. 6 Gießen g-ernruf 1665 Im Silöerbergwerk Filmvortrag: Ing. Fr. Herwig. Nähere^ siehe Plakate! Jugendliche haben ZutrittI Preise der Plätze: 2.—, 140, 1.— Mit. Schüler nachmittags halbe Preise. Vorverkauf an der Kasse des Lichtspielhauses und Zigarrenhaus Sonntag, Seltersweg. _____________ 4115c Gießen, den 11. Mai 1926. Städtisches Voltsbad Gießen Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken herzlichst Wilhelm Momberger u. Frau Paula Wikingerfahrten der Nerother Erlebnisse und Abenteuer in Ägypten von R. Oelbermann mit Lichtbildern und Liedern zur Laute Samstag, den 15. Mai, abends 8 Uhr im großen Hörsaal des Physiologischen Instituts des Dekanats Gießen am Sonniag, dem 16. Mai, in Heuchelheim Festgottesdienst s/42 Uhr (Festprediger Pfarrer Müller- Gießen). Nachversammlung 31/, Uhr in der Turnhalle. Festgottesdienst ebenfalls in der Turnhalle. V. D. A. Wilhelm SchäitSer’s Schule für höheres Violinspiel Klavier und Theorie Montag. 17. Mal, abend« 8 Ehr. im Singsaal de* Realgymnasiums, Eudwigetraße 11 II. Wohltätigkeife- Konzert unter gütiger Mitwirkung von Fräulein Ida Stammler, Konzertsängerin Fräulein Hella Maternus, Klavier. Der Erlös wird vom Verein Ittr das DenUchtnm Im Auslände notleidenden Kärntner Kindern überwiesen. Karten im Vorverkauf zu l Mk. bei E. Chnllier. 03376 Nur t Tag Freitag, den 14. Mai 1926 Inlang 4.15,8.15 Ohr. Ende 6.15,10.15Uhr Einlaß eine halbe Stunde vor Beginn. D** Bäderpreise Die Schwimmbadpreise sind herabgesetzt: für Erwachsene auf „ Jugendliche „ Saaibao Sauer Morgen Himmelfahrt und Sonntag, den 16. Mai er., abends 8 Uhr Tanz-Abend Original-Jazz-Kapelie 03402 .............................................................................................. Zum BlumeitSGhuiiick liir Fensier u. Balkons empfehle meine reichhaltige Auswahl an geeignetem Pflanzen material Biumearoitentjennanjunq in getomcthioBet UnsiOönmg Rud. 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Schlesische Volkstänze, Reiflräger,Hohes Rad,Sturmhauben, Abendstimmung a. d. Schneegruben, Pferdekopfsteine, Sausteine, Quarksteine, Schneekoppe, in Rübezahls Zauberreich, Skispringen In Krummhöbel. 8». Der Oberharz Winterzauber! Wintersport! Lautenthal, Hahnenklee, Bockswiese, Spiegeltal, Wildemann. Bobrennen. Skispringen, Eine lustige Fuchsjagd, Die Sage vom wilden Mann. Heuernte im Oberharz, Ein alter Hochzeitsbrauch. Dor launenhafte Rehbock, Bad Grund, Historischer Festzug. Clauetal-Zellerfeld, Braunlage, Altenau, Schierke, Brocken. - «mmm 1 des HeUW WeHeiim iwHerä! Bfsentlicher Vorlrag Samstag, den 15. Mai, | abds. 8 Uhr, im großen Hörsaal der Universität Fraü Margarete Treuge-Hamburg, Leiterin der von Gertrud Bäumer gegründeten sozialen Frauenschule Ze mipmmisä W® oflserer Zeil“ MMmiemi! Meiner werten Kundschaft zur gefl. Kenntnis, das; ich meine Bau- 11. Möbelschreinerei, nach ™ Nordarrlage 3 ™ verlegt habe. 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Es vurde die beschlossen, zu der ngezogcn werden. , Mai 1926. ei 2lten-2userk. isM- Vld- 1.30 0.K 0.89 iD 1.00 ob. ii 0.80 ' u0.75 ■ i n 0.75 r gratis e bochf. gratis «le: »’' OK ' 1.30 Lag er jrfs ontag /17.5J olflttt Wir crat reich'. Mittwoch, 12. Mai 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. NO Dritter Blatt Aus Natur und Technik. Die Entwicklung des Rundfunksenders. Don Dipl.-Ing. Mangold, Duisburg. Der Rundfunk oder die drahtlose Telegraphie ist der jüngere Bruder der drahtlosen oder Funtcntele- graphle. Beide überbrücken den Raum unter Zuhitsc nähme el. irischer Energien und suhen aus der gründ mb u Entdeckung des deutschen Phnsikers Profchor Hertz. das; die in elektrischen Leitern schwingende Elektrizität Kräfte in den Raum aus- scndet, die sich mit der Geschwindigkeit des Lichtes (300 000 Kilometer in der Sekunde) als Wetten fort- pflanzen und durch besondere Empfangsapparate nachgewiesen und aufgefangen werden können. Allerdings hatte Hertz. welcher kurz daraus starb, noch keine Ahnung von der ungeheueren Wichtigkeit und Entwicklung seiner Entdeckung. Diele, elektrischen oder chertzschen Wellen, welche die Grundlage für die drahtlose Telegraphie und Telephonie sind, bestehen aus sehr schnellen Schwingungen, welche von den Sendern in den Raum übertragen und dann von den Empsangsapparaten wieder aufgenommen werden. Sie breiten sich wie die Lichtwelten im Aether aus, welcher bekanntlich als feinster Stoff überall, in der Lust, in festen Körpern, wie in vollkommen gas- und luftleeren Räumen angenommen wird. Don den Lichtquellen unterscheiden sich die elektrischen Wellen durch ihre Länge. Wahrend erstere weniger als ein Tausendstel Millimeter lang sind, haben die elektrischen Wellen eine Länge von vielen Metern bis zu mehreren Kilometern. Wie die Luflstrahlen werden sie von den einzelnen Stoffen zurückgchalten, durchgehalten, durchgelassen oder geschwächt. So können r sie durch metallische Stoffe nicht hindurch und werden von ihnen aufgefangen. Dank ihrer Länge können sie um Hindernisse, wie z. B. Berge oder Häu sermassen herumbiegen und noch den Knick in voller Stärke weitergeben. Die erste praktische Anwendung der Herrschen Wellen geschah 1897 durch Marconi an der Küste von Wales, welchem es gelang, mit Hilfe feines Funkensenders auf 15 Kilometer drahtlos telegraphische Zeichen zu übertragen. In einem Funkeninduktor l wurde die hochgespannte Elektrizität erzeugt, welche dann zwischen den beiden Polen als Funke F gberschlug. Durch die Taste T konnte der Funkeninduktor beliebig ein- und ausgeschaltet, d. h. es können im Rhythmus der Morse- zeichen elektrische Wellen ausgesandt werden. Durch die Antenne A und die Erdung E ergibt sich eine Ä Reichweite gegenüber dem ursprünglichen en Versuchen. Als Empfänger wurde der sogenannte Kohärer benuht. eine mit Metallspänen gefüllten Glasröhre, welche im Ruhezustand einem Batteriestrom geringeren Spannung einen großen Widerstand entgegenseszt, diesen jedoch ungehindert hindurchläßt. sobald elektrische Wellen auf sie auf- tresfen. Da man beim alten Marconisystem noch keine Aussendung nach verschiedenen Wellenlängen kannte, so störten sich naheliegende Sender in mehr vder minderem Grade gegenseitig. Die geringe Reichweite der Wellen hatte ihren Grund in der starken Dämpfung. Die Schwingungen wurden mit G. großer Gewalt vom Sender ausgeworfen und klangen dann sehr schnell ab. Der folgende Schwingungszug fefite erst nach geraumer Zeit, welche mehrmals so lang ist, als ein Schwingungszug währt, wieder ein. Einen gewaltigen Fortschritt brachte einige Jahre später Professor Braun. Er fügte in die Antenne einen Schwingungskreis, bestehend aus einem Kondensator und einer Selbstinduktionsspule ein und brachte dadurch die Gesetze der Resonanz, die Wirkungen der elektrischen Schwingungen auf Schwingungskreise zur Anwendung. Das Prinzip der Resonanz läßt sich am besten mit Hilfe der Akustik er Hären. So hat eine Stimmgabel mit dem Lon a ganz bestimmte Größenverhältnisse. Werden diese geändert, io hat dies sofort eine Aenderung des Tones zur Folge. Bringen wir nun in ihre Nahe e ne zweite und der ersten völlig gleiche, io schwingt dreie von selbst mit, ohne dost sie von außen angestoßen wurde. Die Erllärung kommt durch die in Schwingung versetzte Luft, welche die Schwingung auf die andere, aleichabgestiminte StiMr"gabcl uber- Iränt. Dagegen bleibt eine Stimmgabel mit anderer Abstimmung vollkommen ruhig. weil sie aus die ihr fremden Schwingungen der Luft nicht aNIprechen kann. Im Prinzip denselben Vorgang sehen wir in der drahtlosen Technik. Die Schnelligkeit 6er in der Antenne des Senders entstehenden und von diesem ausgestrahlten Schwingungen und damit natürlich auch die Länge der ausgesandten Wellen sind ganz und gar von den elektriichen Größen des Schwin gunqskreises, von der Größe der Kapazität und der Selbstinduktion abhängig. Man kann also somit der Wellenlänge jede gewünschte Zahl geben. Infolge des Resonanzprinzips nimmt nun nur der Empfänger die Schwingungen des Senders richtig auf, dessen Abstimmung die gleiche ist. Hierdurch hat man also die Möglichkeit, Sender und Empfang aufeinander abzustlmmen und die anderen Wellen auszu- schließen. Durch das Herausnehmen der Funken- strecke aus der Antenne und ihre Einordnung in einen besonderen Kreis, oer durch die Selbstinduktionsspule mit der Antenne gekoppelt ist, wurde der gekoppelte Schmingungskreis erfunden, der die Antenne unbeeinflußt durch die schädliche Wirkung der Funkenstrecke ausschwingen läßt und die Dämpfung vermindert Aber das Ziel der Sendetechnik blieb nach wie "vor die Erzeugung ungedämpfter Wellen, was durch die Funkensender nicht erreicht werden konnte. Wohl versuchte man der Lösung noch durch die Loschfunkensender der Telefunkengefellschast nahe zu kommen, welche als die höchste Stufe des Funkensenders anzusprechen sind und auch heute noch in vielen Küstenstationen und auf Seeschiffen verwendet werden. Er zeichnet sich neben seiner großen Betriebssicherheit vor allem durch feine leichte Bedienbarkeit aus. Die ungedämpften Wellen finden heute nicht nur in der drahtlosen Telegraphie weitestgehende Verwendung, sondern sie kommen auch für die drahtlose Telephonie, ober für den Rundfunk allein in Betracht. Bei ihnen ergeben sich im Gegensatz zu den gedämpften Wellen stetige hochfrequente Schwingungen, welche eine immer gleiche Größe besitzen, während bei den gedämpften Wellen die Schwingungen rasch bis auf Rull abnehmen und dann nach einer kurzen Pause wieder mit ihrer ursprünglichen Größe einsehen. Mit ungedämpften Wellen läßt sich eine beliebig große Energie ausstrahlen, und die Möglichkeit der Abstimmung ist hierbei so scharf, daß sie auf dicht nebeneinanderliegenden Wellen mit nur ganz wenigen Metern Unterschied aussenden. bzw. empfangen können. Wie eng oft die Wellen der einzelnen Rundsttnksender zusammenliegen, mögen die folgenden Stationen zeigen: 395 Meter Hamburg, 400 Meter Newcastle, 407 Meter Münster, 418 Meter Breslau ttsw. Ungedämpfte Wellen können auf drei Wegen erzeugt werden, nämlich durch die Lichtbogenmethode, durch Hochfrequenzmafchinen und durch Elektronenröhren unter Benutzung der verschiedenen Rücklopo- lungsarten. Der Lichtbogensender wurde schon 1903 von Poulsen erfunden und besitzt eine einfache Schaltung und bequeme Dehnung infolge der verwendeten nfebrigen Spannungen. Seine nähere Besprechung ist hier nicht möglich. In neuerer Zeit ist er besonders durch den Röhrensender start zurückgedrängt worden. Der Maschinensender mit den .Hochfrequenzmaschinen beherrscht heute die Groß- ftutionen. Mit ihnen lassen sich ohne weiteres die größten Entfernungen überbrücken. So hat z. B. Nauen eine solche Maschinenleiftung, daß es runb um den Erdball herum telegraphieren kann. Die deutschen und die von der deutschen Industrie im Auslande eingerichteten Stationen benutzen wohl i ausschließlich den vom Grafen Arco bei der Tele- funkengefellschaft durchgebildeten Mafchinensender. In der Wechselstrommaschine wird ein Strom von 60011 Perioden erzeugt wofür sich ohne weiteres Maschinen selbst für größte Leistungen bauen lassen. Dieser 6000 periodische Wechselstrom wird nun zwei Frequenztransformatoren TI und TII zugeführt, deren Eisenkern durch die Gleichstrommaschine G zur vollen Sättigung gebracht ist. In diesem Zu- siand nimmt die Magnetisierung selbst bei einer Erhöhung des Magnetisierungsstromes den 6000 periodischen Wechselstrom, so wird die Magnetisierung durch die negative 'Amplitude des Wechselstromes geändert. Durch eine sinngemäße Zufammenhaltimg beider Frequenztransformationen kann man erreichen, daß in Öen Spulen 3 und 4 ein Strom von doppelter Frequenz zustande kommt. Führt man nun diesen 12 000 periodischen Wechselstrom einer weiten Gruppe von Frequenzformation zu, io erhält man eine Vervierfachung der Grundfrequenz, also 24 000, was schon für das Hinaussenden der Wellen vollkommen genügt. Bei dem Telefunken- System hat man eine außerordentliche große Betriebssicherheit erreicht. Wir weisen u. a. auf Nausn hin, welche im ununterbrochenem Verkehr mit Ma schinensendern, System Telefunken, arbeitet. Ferner ist noch der Schmidtsche Maschinensender zu erwähnen, welcher mit einem einzigen Transformator die Erzeugung einer so hohen Frequenz ge itatiet, daß ohne weiteres Wellen bis zu 250 Meier herab durch die Antenne ausgestrahlt werden können. Er hat deshalb auch im Rundfunk für die Wellen von 250 bis 700 Meter Eingang gefunden, während der Telefunken-Maschinenfender wohl aus schließlich für die drahtlose Telegraphie Verwendung findet. Gan; allgemein ist ein Nachteil der Ma schinenlender, daß sich auf ihnen die Senderwelle entweder gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten ändern läßt. Dieser Nachteil wird bei dem Röhrensender oer mieden, welcher heute im Rundfunk das Feld bc herrscht. In ihm werden die Hochtrequenzschwingun- gen durch die in der Radiotechnik so wichtige Elektronenröhre erzeugt. Zu, Erzeugung der Schwin gungen kann man die Röhre in mannigfacher Weise schalten. Eine sehr bekannte Schaltung ist die Rückkoppe- lungsfdjaltung nach Meißner, welche kurz erläutert werden soll: Die Kathode der Elektronenröhren wird durch die Heizbatterie H zum Glühen gebracht und an die Anode der positive Pol einer Hochspannung- batterie A gelegt. Im Anodenkreis liegt die Spule S I. welche auf die Spule S II des Gitterkreises G gekoppelt ist. Fließt durch die Röhre ein Strom, fo hat dies in der Spule SI eine Spannungsänberunq zur Folge, welche sich durch die Koppelung auf die Spule S II im Gitterkreis überträgt. Das hat wieder eine Verstärkung des Anodenstromes zur Folge, da dieser ganz von den an das Gitter der Röhre gelangenden Spannungen abhängig ist. Auf diese Art gerät der Skhwingungskrois 8 ins Schwingen. Er' macht ungedämpfte Schwingungen, deren Wellenlänge nur von der Größe der Selbstinduktion und des Kondensators abhängig sind. So lassen sich bei veränderlicher Selbstinduktion und Kondensator ohne weiteres alle prakttschen Wellenlängen mit dem Röhrensender erzielen. Meistens arbeiten die Röhren» sender mit kleinen Energien von OL bis 10 Kilowatt. Als Stromquellen für den Anodenstrom dienen Maschinen ober AkkuluMatoren, ebenso kann der Heizstrom den Akkumulatoren entnommen werden. Ihre Wellen weisen eine hohe Konstanz auf. Do. die Wellenlängeneinstellung vom eigentlichen Schwingungsgenerator unabhängig ist, so läßt [■ sehr leicht jede Nachregulierung bewirken. Für das Hinaussenden von Telegraphiezeichen kommt eine Taste in Frage, während bei Einschaltung eines Mikrophons in den Gitterkreis ober mit Hilfe einer Funkfchen Steuerdrossel in den An tennenkreis es möglich ist. Sprach- und Musikwellen aufzunehmen und nach Umformung hinauszusenden. Der Röhrensender steht heute inmitten einer zukunftsreichen Entwicklung. Neuerdings werden mit ihm auch sogenannte kurze Wellen von 10 bis 100 Meter erzeugt und ausgesandt, welche bei geringer Energie eine außerordentlich große Reichweite haben. So hat man z. B. in Nauen auf Welle 80 Meter bei einer Antennenenergie von nur 2 Kilowatt mit Buenos Aires verkehrt. „Glotzen Sie mich nicht so an!" Don Max Fischer. Auf der leipziger Technischen Messe war eine auffallend große Zahl von Fahrtrichtungsanzeigern für Kraftwagen ausgestellt, und es ist erstaunlich, wie viel Scharfsinn auf die Lösung dieser an sich vielleicht nebensächlich erscheinenden Aufgabe verwendet worden ist: vielleicht ist dies aber doch ein Zeichen dafür, daß ein lebhaftes Bedürfnis nach einem recht sinnDer ausgestorbene Later enanzünder. Don Ingenieur Karl Trott. Als Schulbube durfte ich in den großen Ferien hin und wieder meine Großeltern in der Großstadt besuchen. Dort erfreuten sich drei Dinge meiner besonderen Borliebe, nämlich der Wasserhahn in der Küche, die Pferdebahn und am Abend der Laternenanzünder Cs hatte seinen eigenen Bei.;, das Aufleuchten der Lampen zu verfolgen und den Laternenanzünder wie ein Glühwürmchen geschäftig hin und her eilen zu 'eben. Die Dorliebe für alles. waS Gas heißt, blieb auch dem späteren Studenten treu, sei es, daß man den Laternenanzünder beim zweiten Teil seiner Tätigkeit, nämlich durch AuSdrehen seiner Pflegebefohlenen, unterstützte, sei es, daß man die Laternen als Richtungsanzeiger und Stütze auf dem nicht immer ganz einfachen Heimwege nach feuchtfröhlichen Kneipabenden benutzte. Um öie elektrische Beleuchtung, die inzwischen in größerem Umfange einsetzle. kümmerte mau sich weniger. Der Laternenanzünder merkte freilich bald, daß sich das Gas durch die Elektrizität nicht so bald verdrängen lassen werde, denn einmal war es sehr volkstümlich, und dann hätte die Umstellung zu große Summen verschlungen. Der Glühstrumpf verlieh außerdem dem Gaslicht neues Leben, wenn er auch den Laternenanzünder seiner Eigenschaft als Glühwürmchen entkleidetem Seine Tätigkeit beschränkte sich von da an nur noch auf das Aufdrehen deS Hahns jeder Laterne, so daß sich das Gas an der immer brennenden Zündflamme entzündete — aber seinen WSg von Laterne zu Laterne machte er nach wie vor, er erschien unentbehrlich. Da erwuchsen ihm aber Gegner im eigenen Lager. Den Gasmännern war es schon längst ein Dom im Auge, daß man Hunderte und Tausende elektrischer Lampen von einer einzigen Stelle auS entflammen konnte. Um diesen Dorsprung der Elektrizität einzuholen, machten sie nun etwas, was bei bet Elektrizität nicht geht' Sie zündeten die Laternen durch eine Druckwelle an. In der Elektrotechnik würde etnfr solchen Druckwelle eine vorübergehende Spannungserhöhung entsprechen, die aber die Lampen durchbrennen würbe. Beim Gas ist die Sache einfacher: Die . ündflämmchen waren nun einmal da. und so handelte es sich nur noch um bas selbsttätige Aufdrehen des Gashahns an fälligen und wirksamen Fahrtrichtungsanzeiger vorliegt. Die meisten Fahrtrichtungsanzeiger bestehen aus Pfeilen. Vie die Richtung anzeigen, oder aus Lampen, die an der Wagenseite aufleuchten, nach der eingebogen werden soll, und es gibt auch darin recht hübsche Sachen, von denen vielleicht spater einmal zu sprechen sein wird. Heute soll von einer ganz merkwürdigen Lösung gesprochen werden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß jeder Mensch aufmerksam wird, wenn er angestarrt wird: es soll sogar empfindsame Menschen geben, die es empfinden und sich umdrehen, wenn man ihre Rückseite fest ansieht, obwohl sie das ja nicht sehen können. Darauf beruht nun die Bauart des neuen Richtungsanzeigers: Rechts und links neben dem Führersitz befinden sich je eine Laterne, die als sogenannte Stadtlaterne ohnedies vorhanden zu sein pflegt: sie ist vorn mit einem halbkugelförmigen Milchglas — entsprechend dem Weihen des Auges verschlossen. 3m Innern ist zwilchen der Lampe und dem Milchglas eine durchsichtige Pupille angeordnet, deren Bild von einer dahinter sitzenden Glühlampe von innen her auf das Milchglas getobrfen wird und so natürlich von außen sichtbar ist: dadurch sehen die Milchglashalblugeln genau so aus wie Augen, die in der Ruhestellung — also beim Geradeausfahren — geradeaus sehen. Run können aber die Pupillen durch einen einfachen Handgriff verstellt werden, so daß die Augen nach rechts - wenn man rechts einbiegen will — oder nach links zu sehen scheinen. Wer da im Wege steht, weicht unwillkürlich aus, wie es ja ein bekanntes Mittel ist Leute auf Der Straße dadurch zum Ausweichen zu veranlassen, dah man sie fest ins Auge faßt. Zuerst stutzt man natürlich und tarnt stch eines Lächelns kaum erwehren, ileberlegt man sich hie Sache aber genauer, so kann man nicht umhin, anzuerkennen. daß sie einen Eindruck auf die menschliche Seele benutzt, auf den diese gefühlsmäßig anzusprechen und Handlungen auszulösen gewöhnt ist während die Bedeutung Pfeils gewissermaßen erst übersetzt werden muß. Hinten am Wagen befinden sich sogenannte Richtungswinkel, die durch die Einstellung der Augen zum Aufleuchten gebracht werden und sich beim Halten zu einem leicht verständlichen Haltezeichen zufammensetzen And dann noch eins: Da Sie, verehrter Leser, soeben gedacht haben: ^Wie aber wenn der Wagen schielt?", fo muß ich zum Schluß noch versichern: Er schielt nicht. Die zwei Puvillen sind zwangsläufig miteinander verbunden, und können nicht anders, als immer beide nach derselben Richtung sehen. Ansicht oon. uorne: von|q. And so baten sie die Gasmänner um Hilfe: So gut man nämlich mit der Druckwelle "inen Gashahn öffnen und schließen kamt, etzensckgut kann man damit einen elektrischen Schalter be° BAD KREUZNACH Direkte Schnellzugsverbindungen nach allen Richtungen. In vollem Kurbetrieb Empfehlenswerte Gaststätten: Auskünfte und Kurschriften durch die Kurverwaltung. Schönster Frühjahrsaufenthalt Gasherde Gaggenau Junker & Ruh MW MIM, WMMütze U o