Nr. 60 Erster Blatt 176. Jahrgang Zrettag, 12. Mörz 1926 Erscheint tüglick,außer Sonntag« und Feiertag«. Beilagen: Gtehemr FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Lanatr.vezugrpreiL: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träoer» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftestelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Atueiger Oiehen. p o fisch emonto: Zranffurt am Main 11688. GWnerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen druck rnrö Verlag: vrühllche llniverfi1ü1§-vuch- und Steht&hiderei TL Laage in Stehen. Zchnstlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Lvuahme von Anzeigen für die Tagernummer bis zum Nachmittag vorher. pretr für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriol; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Der Innenminister und die Parteien. Deutscher Reichstag. 1 Berlin, 11. Wä». Die zweite Beratung deS Haushaltes des ReichSiirnestministeriumS wird fortgesetzt. Abg. Dr. Schreiber (Zentr.): Die beherrschende Idee der deutschen Innen» Politik ist über den Staatsgedanken hinaus der Gedanke der deutschen Nation. Bei unS ist noch ein mühsamer Weg bis zur vollen (Snttotdlung dieses Gedankens zurückzulegen. Eine starke innenpolitische Einheitsbewegung ist die Voraussetzung dazu. Nation ist mehr als Gemeinschaft von Blut und Nasse, Abstammung und btowaische Tatsachenfvlge. Sie ist vor allem die Gemeinschaft der Kulturelemente von Necht und Sitte, von Religion und Bildung, von Kunst und Wissenschaft. DaS Problem der Nationalisierung des Proletariats muh erst noch gelöst werden, Das Verhängnisvolle in der nationalen Entwicklung des 19. Jahrhunderts war, daß sie sich zu stark auf die priveligierten Oberschichten stützte. Das Proletariat ist als gleich- berechttgteS lebendiges Glied der Natton nicht zu entbehren. Die Aussöhnung mit ihm muh mehr HerzenS- als Verstandessache sein. ^Seifall.) Die Wissenschaft hat auch für das Proletariat unmittelbar so vieles geleistet, daß man unseren Hochschulen nicht Klassencharakter nachsagen kann. Es gibt leider Kreise in der deutschen Politik, die die Notwendigkeit der vollen Eingliederung des Proletariates in die nationale Kulturgemeinschaft nicht erkennen wollen. Die deutsche Nation muh sozial eingestellt fein oder sie wirb minderwertig unter den anderen Nationen bastehen. Der Begriff der Nation darf nicht an den Staatsgrenzen Halt machen. Anter Ablehnung aller irredentistischen Gewaltpolitik muh sie geistig das Ausland d e u t s ch 1 u m fftr die deutsche Kulturgemeinschaft erobern. Sie darf auch die Verbindung mit der Kultur der übrigen Nationen nickt vernachlässigen. AuS der Entwicklung der deutschen Nation läht sich der Föderalismus nicht streichen. Das Eigenleben der deutschen Stämme läht sich nicht wegwischen. Die Weimarer Verfassung soll gewih nicht vor jeder organischen Entwicklung bewahrt bleiben. Aber wir lehnen im gegenwärtigen Augenblick jede Aenderung der Verfassung ab, die irgendwie einen Eingriff in die wesentlichen Grundzüge der Weimarer Verfassung bedeutet. (Beifall im Zentrum und links.) Das gilt auch für die Anträge auf Stärkung der Gewalt des Reichspräsidenten. Warum sind solche Anträge nicht bei Lebzeiten des ersten Reichspräsidenten gestellt worden? (Sehr gut im Zentrum und linW.) Es gibt leider auch in Beamtenkreisen noch vielfach eine Art Staatsflucht, eine innere stille Opposition gegen den neuen Staat. Das ist mit dem Gedamen des neuen Vollsstaates nicht vereinbar. Wer diese stille Opposition pflegt, der versündigt sich am deutschen Dolle und an der Entwicklung der deutschen Nation, die wir in gute Dahnen leiten wollen. (Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Götz (Dem.): Die Verfechter des Föderalismus vergessen, daß in der deutschen Geschichte der Föderalismus eine Hauptquelle der deutschen Ohnmacht gewesen ist. (Sehr wahr, links.) Wir begrühen es, wenn der deutschnationale Abg. Berndt sagte, die Achtung vor den Reichsfarben Schwarz-Rvt-Gold ist selbstverständlich. Es wäre erfreulich, wenn diese Selbstverständlichkeit in allen deütschnationalen Kreisen endlich beachtet würde. Die Einstellung der Beamtenschaft zum neuen Reich ist dadurch gestört worden, daß bestimmte politische Kreise den Beamten immer erllärt haben, die Republik ist nur eine vorübergehende Erscheinung: Ihr braucht euch gar nicht umzustellen, die Monarchie wird wiederkommen. Daran scheinen heute noch, sieben Jahre nach Errichtung der Republik, manche Beamte zu glauben. Tatsächlich hat es noch heute derjenige Beamte am schwersten, der sich offen als Republikaner und Demokrat bekennt. Die Beamten müssen sich endlich in den neuen Staat eingewöhnen. Gesinnungslumperei muh man den Beamten vorwerfen, die in der Republik hohe Aemter bekleiden, aber dennoch ihre monarchistische Gesinnung betätigen. (Sehr wahr, links.) Gegen solche Gesinnungslumperei muh energisch eingeschritten werden. Den Beamten muh klar gemacht werden, dah auch der neue Staat nicht mit sich spielen läht von seinen Beamten. (Beifall links.) Die Notwendigkeit einer mehr u n i t a r i - fchen Entwicklung zeigt sich auf allen Gebieten. Trotz aller föderalistischer Einstellung sind alle Landesregierungen damit einverstanden, dah die auf ihrem Gebiete liegenden Kulturinstitute aus Reichsmitteln unter st ützt werden. Die allein für die Förderung der kulturellen Aufgaben ausgesetzten Mittel sind kläglich gering im Verhältnis zum Gesamtetat. Vor allem müssen größere Mittel bereitgestellt werden zur XL n- terstühung notleidender Künstler. Cs ist eine Krähwinkelei, wenn in solchen Fällen erst gefragt wird, zu welchem Staat der Unter- stühungsbedürftige gehört. Wir beantragen die Vorlage eines Gesetzentwurfes über das Schicksal der nationalen M in der heilen innerhalb des Deutschen Reiches und werden diesen Minderheiten ihr volles Recht gewähren, weil wir auch für die deutschen Minderheiten im Auslande volles Recht verlangen. Der kritische Tag in Genf Iufpitzung der Gegensätze im Völkerbundsrat. — Vermittlung Vriands. steht aber starke Hoffnung, dah als Ergebnis der heutigen weiteren Besprechung mit B r i a n d eine weisere Haltung vorherrschen und die Schwierigkeit überwunden wird. Genf, 11. März. (WB.) Die nichtoffiziellen Besprechungen der Ratsmitglieder sind heute nachmittag um 4.30 Uhr unter Teilnahme B r i a n d s wieder ausgenommen worden. Vorhex fand eine öffentliche Ratssitzung statt, deren Beginn sich um eine halbe Stunde verzögerte, weil das brasilianische Ratsmitglied Mello Franco mit erheblicher Verspätung erschien. Diese Verspätung gab Anlaß zu dem unkontrollierbaren Gerücht, das; Mello Franco, der mittags gegen 1 Uhr Reichskanzler Dr. Luther einen kurzen Besuch abgestattet hatte, bei seiner Regierung telegraphisch neue Instruktionen eingesordert habe. Die nichtoffiziellen Besprechungen der Ratsmitglieder gingen heute abend kurz nach 1 41 hr zu Ende. Die Ratsmitglieder zeigten sich gegenüber den Pressevertretern ebenso zurückhaltend wie zuvor. Immerhin gab Bänder» velde der Meinung Ausdruck, dah man heute nachmittag einen Sch ritt vorwärts gekommen sei. Eine abschließende Lösung sei aber heute noch nicht zu erwarten. Am Freitag vormittag werden die Vertreter der am Rheinpakt beteiligten Mächre und morgen nachmittag fämtliche Ratsmitglieder wiederum Besprechungen haben. Während der Besprechungen der Ratsmitglieder stattete Paul (Boncour und Loucheur den deutschen Delegationsführern einen Besuch ab, der zwei Stunden vorher den Deutschen angekündigt war. , Da beide dem ersten Teil der vertraulichen Ratssitzung beigewohnt hatten, darf man annehmen, dah sie in der Lage gewesen sind, den Reichskanzler und Dr. Stresemann über die Defpre-t chungen innerhalb des Rates vorläufig zu unterrichten. lieber die Besprechungen selbst erfährt der Vertreter der Telunivn, dah Guani, der Vertreter Llruguays, eingehend den Standpunkt der südamerikanischen Staaten entwickelte, soweit sie nicht portugiesischer Zunge sind, und sich mit aller Schärfe gegen die Erteilung eines ständigen Ratssitzes an Brasilien wandte. Der Vertreter Brasiliens, Mello Franco, erllärte dah Brasilien seinen Anspruch auf einen ständigen Ratssitz unverändert aufrecht erhalte. Von spanischer und brasilianischer Seite wurden die vergeblichen Versuche wiederholt, den schwedischen Auhenminister umzustimmen. Britische Kreise lehnen es ab, die angedrohte Aktion Brasiliens, gegen einen ständigen Ratssih für Deutschland zu stimmen, allzu ernst zu nehmen. Die gestrige lange Sitzung war anscheinend durch diese Drohung veranlaht worden. Obgleich die Möglichkeit einer derartigen Aktton Spaniens und Brasiliens nicht aus dem Gesicht verloren wurde, war man stets der Meinung, daß keines von den beiden Ländern einen so extremen Schritt unternehmen würde. Die ßage ist unzweifelhaft kompliziert. Es be- Briattbs vermittlungrpläne. London, 12. TNarz. (WTV. Funkspruch.) Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, B r i a n d sei sofort nach feiner Ankunft in Genf an die Arbeit gegangen. Sein „vormarsch- plan" sei wie folgt: 1. er werden versuchen, die Deutschen dazu zu bringen, sich ohne Verzug zu verpflichten, die Entscheidung des Völker- bundsraks anzunehmen; 2. er wolle den schwedischen Außenmini st e r überreden, sein Veto zurück- zuziehen; 3. er wolle einen Druck aus die spanischen und brasilianischen vcrtreler aus- üben, um sie zur Zurücknahme ihrer Drohungen zu bewegen; 4. er werde Graf Skrzynski davon zu überzeugen suchen, daß Polen nicht mehr als einen zeitweiligen Sih erhalten könne. Pessimistische Stimmung in Genf. Die Abreise der deutsche» Delegation ins Auge gefaßt. Genf, 12. März. (TA.) Wann wird die deutsche Delegation abreisen? Das ist das neue große Problem des Tages, das ebenso eingehend erörtert wird wie alle anderen Streitfragen. In den Nachmittagsstunden hatte sich tm Völkerbundsekretariat die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet, daß die deutsche Delegatton beabsichtige, am Freitag Genf zu verlassen, falls bis zu diesem Termin keine Einigung erziel t fei. Da sich die Situation sehr verschärft hat und am Abend völlig unlösbar erscheint, wären derartige Erwägungen nur allzu berechtigt. Naturgemäß wird von der deutschen Delegation ein Druck auf die Verhandlungen in dieser Richtung nicht ausgeübt, doch macht man geltend, daß ein längeres Verbleiben in Genf nur unter der Voraussetzung tragbar ist, daß in spätestens zwei Tagen eine für Deutschland annehmbare Lösung gefunden wird. Nach der Besprechung des Ratsmitglieder äußerten sich fast sämtliche Delegationsführer äußerst pessimistisch über die gesamte Lage. Nur (Brian b machte eine Ausnahme, der anscheinend mit neuen Kräften aus Paris eingetroffen ist und erklärte, daß eifle Lösung Die Hoffnung auf eine unter allen Umständen gefunden werden müsse. Auch bei den anderen Großmächten tritt die Anschauung zutage, daß es ein unhaltbarer Zustand sei, die europäische Verständigungspolitik durch überseeische Staaten boykottieren zu lassen. Dem italienischen Zwischenfall, bei dem es sich anscheinend mehr um einen häuslichen Streit zwischen den Führern der italienischen Delegation, S c i a -- loja und dem faszistischen Unterstaatssekretär G r a n d i, handelt, wird nicht dieselbe Bedeutung beigemessen wie der unnachgiebigen Haltung Brasiliens. Auch die Polen haben eine stärkere Tätigkeit entwickelt und sind Brasllien und Spanien zu Hilfe gekommen. Die nicht am Locarnopakt beteiligten Mächte suchen mit der Begründung zu arbeiten, daß sie an der Verständigungspolitik Locarnos nicht beteiligt feien und daß sie sie nicht5 angehe. Sie hätten ihre Rechte im Vol- kervund zu vertreten, nicht aber Rücksicht auf die Abmachungen der Großmächte zu nehmen. Als ernster Vermittler tritt nach wie vor Chamberlain auf, der in rastloser Tätigkeit die einzelnen widerspenstigen Geister zu zähmen sucht. Doch war auch ihm Donnerstag abend der Mut gesunken. Bei der englischen Pressebesprechung im Hotel „Beau Ri- vage" äußerte er sich recht hoffnungslos. Da nun weder der Mittwoch noch der Donnerstag trotz der Anwesenheit Briands eine Lösung gebrachthat, so wagt man kaum vom Freitag die Entspannung zu erwarten. Das einzige, was die unentwegten Dptimiften noch arfrecht erhält, ist die Ueberzeugung, daß die Genfer Tagung mit einem so unerhörten Fiasko wie es heute den Anschein hatte, nicht enden darf. Die einzige Delegation, die ohne Prestlgeverlust aus Genf nach Hause zurückkehren wurde, wäre die deutsche und diesen Triumph will man natürlich den Deutschen nicht gönnen. Die deutsche Delegation wird Genf, wenn es am Freitag da,u kommen sollte, mit dem Bewußtsein verlassen können, daß sie dec deutschen Würde nichts vergab und daß Vie andern es waren, die über kleinlichen Zank und Streit die selten günstige Möglichkeit vergaßen, der Welt den so lange entbehrten Frieden zu geben. Der ganze Ernst der Situation ergibt sich aus dem Bericht, den ein so enragiertep Pazifist und Völkerbundsfreund wie Georg Bernhard der „Vossischen Zeitung" drahtet. Er schreibt u. a.: Wenn man den Fall wirklich für gegeben annehmen wollte, daß Brasilien im Sinne der Drohungen seines Vertreters stimmt, so ergeben sich Konsequenzen, die an Tragweite vorläufig überhaupt noch unabsehbar sind. Zunächst ist es selbstverständlich, daß die deutsche Delegation, wenn es im Laufe des Freitags nicht zu einer vollkommenen Klärung kommt, sich Abg. Leicht (Bahr. Dp.): Die Bayerische Volkspartei hält an der föderalistischen Grundlage des Reiches fest. Die Eigenstaatlichkeit der Länder ist dazu die Voraussetzung. Der Minister hat diese Eigenstaatlichkeit bejaht. Wir meinen aber, daß die von ihm geforderte Einordnung der Einzelstaaten in das Reich nicht auf dem Wege der Reichsdittatur, sondern durch Verständigung zwischen Reich und Ländern erfolgen müsse. Die Voraussetzung für ein gedeihliches Zusammenarbeiten der Länder mit dem Reiche ist eine klare Abgrenzung der beiderseitigen Aufgaben, verbunden mit einem entsprechenden Finanzausgleich. Wenn wir die Pflege der Leibesübungen wünschen, müssen wir doch vor Llebertreibungen und Verwilderungen auf diesem Gebiete warnen. In den Sechstagerennen erblicken wir keineswegs eine Förderung von Sport und Kultur. Wir unterschätzen nicht die schädlichen Wirkungen des Alkoholmißbrauchs besonders auf die Jugend. Die Trockenlegung nach amerikanischem Muster scheint uns aber wegen ihrer bösen Nebenwirkungen nicht das richtige Besserungsmittel zu sein. (Beifall.) Beim Wahlrecht wird eine Heraufsetzung des Wahlalters nötig sein. Für die Ausübung des vornehmsten und wirksamsten Volksrechtes muß eine gewisse Reife vorausgesetzt werden. Die Weimarer Verfassung muß respektiert werden, aber es darf nicht jede Aenderung auf gesetzmäßigem Wege ausgeschlossen sein. Abg. Kube (Völk.): Wir bedauern wie die übrigen Redner die Geringfügigkeit der in den Etat zu Kulturzwecken eingestellten Mittel. Auch hier zeigt sich wieder, dah die unerträglichen Daweslasten die Förderung der wichtigsten sozialen und kulturellen Forderungen unmöglich machen. Man kann von den Beamten alles mögliche verlangen, beispielsweise die Respektierung der Hoheitszeichen der Republik, damit sind wir einverstanden, bitten aber den Reichskunst- toart, bei der Darstellung dieser Hoheitszeichen etwas mehr Geschmack zu entwickeln. Eine gerupfte Krähe ist nun mal kein Adler. Man kann aber nicht verlangen, dah die Beamten, die früher monarchisch fühlten, jetzt für die Republik begeistert sein sollen. Die völkischen und konservativen Kreise haben sich immer von dem Umsturz, von dem Byzantinismus ferngehalten, und haben auch an der Person des letzten Kaisers oft genug Kritik geübt Sie haben »richt so geschmacklose byzantinische Wendungen gebraucht, wie sie z.B. eine Kaisers geburtstags- rede des jetzigen Innenmini st ers Külz enthält. Es heiht darin: „Kein Volk hat in diesem gewaltigen Völlerringen an seiner Spitze eine solche Erscheinung, die unserem Kaiser auch nur von ferne gleicht. Linser Volk hat in dieser Zeit in seinem Kaiser den Deutschsten aller Deutschen. Deshalb neiden uns auch die Feirrde von ihrem Standpunkt aus mit Recht unfern Kaiser." Weiter wird in der Rede von der „innerlich und äuherlich erzgegossenen Gestalt, unseres Kaisers" gesprochen. Das Orientexpreh- zugtempo, das die Demokraten beim Liebergehen von der monarchischen zur republikanischen Gesinnung eingeschlagen haben, können Sie nicht von den Beamten verlangen. In der Regierung sitzen doch auch ausgesprochene Monarchisten, beispielsweise der Postminister Stingl, der Reichspräsident von Hindenburg, der niemals seine monarchische Gesiimung verleugnet hat. Was dem ersten und höchsten (Beamten erlaubt ist. muh auch dem letzten Schupvwachtmeister und Postschaffner erlaubt sein. — Als der Redner in seinen weiteren Ausführungen den Sozialdemokraten vorwirft, sie hätten von (Barmat Geld genommen, ruft der Abg. Crispien zweimal erregt „Schuft!" Der- Abg. Crispien wird vom Vizepräsidenten Dr. Bell zweimal zur Ordnung gerufen. Reichsinnenminifter Dr. Külz: Die ganze Aussprache, abgesehen von der letzten Rede, bot ein erfreuliches Bild geistigen Ringens und dabei doch eine Annäherung der früher so scharf aufeinander Platzenden Gegensätze. Es ist für mich, der ich 30 Jahre im öffentlichen Leben stehe, eigentlich unter meiner Würbe, auf die politischen Geschmacklosigkeiten einzugehen, mit der der völkische Abgeordnete eine alte Kaisergeburtstagsrede von mir zittert. Aber die Tendenz des Herrn Kube war ganz klar. Er wollte meine derzeitige republikanische Gesinnung diskreditieren. (Stürmisches Gelächter rechts. Rufe: Derzeitiger Republikaner, wann werden Sie wieder Monarchist?) Ich habe nie meine monarchistische Gesinnung perleugnet, habe eine solche Verleugnung auch nie von den Beamten verlangt. Wir mußten uns aber von der Monarchie auf die Republik umstellen: es blieb ja gar nichts anderes übrig. Wenn ein Kaiser, der von Millionen von Deutschen den Einsatz des Lebens verlangt, im größten geschichtlichen Moment, wo von ihm selbst der Einsatz deS Lebens verlangt wird, statt dessen nach Holland flüchtet, dann kann man sich über den Gesinnungsumschwung seiner bisherigen Anhänger nicht wundern. Diese letzten Worte wurden von der Linken mit Händeklatschen, von den Völkischen und Deutschnationalen durch andauernde Rufe und lärmende Kundgebungen beantwortet. Vizepräsident Dr. Dell ersucht die um die Rednertribüne gescharten Abgeorkmeten wiederholt, die Plätze einzunehmen. Es gelingt ihm aber nicht, den Lärm zum Schweigen zu bringen, wodurch die letzten Worte des Ministers auf den Tribünen unverständlich bleiben. Die Deutschnationalen verlassen den Saal. Nur wenige fügen sich der Mahnung ihres Führers Schulz-Bromberg nicht und bleiben fitzen. Don links wird den Abziehenden nachgerufen: „Ab nach. Holland!" Als der Lärm sich einigermaßen gelegt hat, wendet sich der Minister gegen die gestrigen Ausführungen des volksparteilichen Abg. von Kardvrff, die er als stark rechts eingestellt und wenig koalitionsfreundlich bezeichnet. Im Kabinett fei niemals erwogen worden, die Wahlreform auf Grund des Artikels 48 zu vkttohieren. Wahlgesetz und Reichsschulgeseh fömrten erst vorgelegt werden, wenn der jetzt in diesen Fragen tobende Kampf der Meinungen einigermaßen ausgeglichen sei. Die Reichstagsauflösung sei tm Parlamentarischen System ein durchaus zulässiger Weg, um aus einer sonst unerträglichen Parla- mentskonstellation herauszukomnten. Der Minister wies mit dem Ausdruck der Genugtuung darauf hin, daß die Aussprache im ganzen die Bereitwilligkeit des Parlaments zur gemeinsamen Arbeit am Wiederaufbau des Reiches ergeben habe. (Beifall links und im Zentrum.) Nach der Ministerrede erschienen die Deutsch- nationalen wieder im Saal, und Abg. Graf Westarp (Dntl.) erllärte: Die Auffassungen, die der Minister als derzeitiger Republikaner (Gelächter rechts) hier vorgetragen hat, nötigen uns zu folgendem Antrag: „Der Herr Minister besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags!" Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die Einzelberatung wird auf Freitag 1 Llhr vertagt. brurgend die Frage der Rückreise nach Berlin vvrlegen nnih. und e» unterliegt feinem Zweifel, bah In diesem Falle sowohl der Reichskanzler wie der Reichsauhenminlster vor den Reichstag treten mühten, um ihre Demission 4U geben, denn daS Würde ein vollkommenes Fiasko der Völkerbunds) olitik und vor allem der Locarno-Politik bedeuten. Aber auch weder Briand noch Chamberlain könnten zu ihren Parlamenten zurückkehren, ohne ihnen ihre Portefeuilles zur Berfügung zu stellen. Der Reichskanzler gab am Donnerstag abend der deutschen Presse einen Bierabend. 3m Laufe deS geselligen Beisammenseins trank der Kanzler auf das Wohl der deutschen Presse, die in seltener Einmütigkeit die deutsche Delegation bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe unterstütze. Es wurde dann auch die politische Lage allgemein besprochen. Man mar sich in der Auffassung einig, daß eine Klärung und Entscheidung im Lause dev freitags unbedingt fallen müsse. Die gestrigen Besprechungen haben aus der Gegenseite einen Borschlag zutage gefördert, der dabin geht, den Polen anstatt des bisher beabsichten ständigen Ratssihes ein nichtständiger Sih im Völkerbunds rat durch die Vollversammlung verschafft wird, wobei vorausgesetzt wird, daß die deutsche Delegation nach der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund ihre Stimme ebenfalls für diesen Vorschlag abgibt. Alan hofft auf der französisch-polni- schen Seite, auf dieser Grundlage eine gewisse Einheitsfront herzustellen, die eine Lieber» Windung der gegenwärtigen Krisis zur Folge hadelt müsse. GS bedarf wohl nicht mehr einer besonderen Feststellung um au versichern, dah dieser Vorschlag auf der deutschen Seite unter keinen Umständen auf Annahme rechnen lärm Reichskanzler Dr. Luther und Dr. Stresemann begaben sich um 10.30 Uhr zu einem Empfang im Deutschen Verein. Der Vertreter des „B. T." erfährt, dah am späten Abend noch eine besondere Zusammenkunft zwischen Sir Austen Ehancherlain, Briand und ilnben stattfand, um eine Modifizierung deS schwedischen Standpunktes herbeiAusi'chren.Die Möglichkeit einer Modefizierung besteht nach einer Mitteilung unterrichteter Kreise nicht. Der Ernst der Lage geht, wie der „Vorwärts" aus Genf berichtet, daraus hervor, dah B e n e s ch beim Verlassen des Dölkerbunbspalais journa- Ustischen OnnMIeuten gegenüber äußerte: „Wir müssen uns bemühen, den Völkerbund zu rette n." Italiens Intrigen. Genf, 11. März. (TU.) In den letzten Tagen war verschiedentlich davon die Rede, dah hinter Brasilien und Spanien, die einen ständigen RatSsitz neben Deutschland er- ftreben eine andere lateinische Macht stehe. Es wird bekannt, dah Brasilien in seiner bekannten intransigenten Haltung durch Station bestärkt wird. Havas berichtet ferner, dah Scialoja auf Grund kürzlich erfolgter Erklärungen Mussolinis zugunsten der Erweiterung deS Völkerbundsrates und besonders zugunsten der Zusprechung eines Sitzes an Polen eine ähnliche Sprache geführt habe wie der brasilianische Delegierte. Bezeichnend für diese deutschfeindliche Haltung Italiens in Genf ist ein Artikel der „Tribun a ", in dem auSgeführt wird, dah die Ablehnung der polnischen Forderung mit der gleichzeitigen Dewübrung eineS ständigen RatSsitzes . an Deutschland der Auslegung des Locarno- Abkommen« im pangermanistischen Sinne gleich- l komme, mit anderen Worten: Deutschland solle im Westen Ruhe haben, um an allen anderen f Grenzen vorzugehen. So toanble sich der berühmte Geist von Locarno in den bekannten ' Geist von Berlin, der heute in Genf zu dominieren scheine. Der Beschluß der Aufnahmekommisfion Gens. 11. 7När;. (Wolff.) Die Ausuahme- fammifflon Hai heule vormittag in einer kurzen Sitzung von kaum 15 Minuten Dauer den von ihrem Unterausschuß vorgeleaten Bericht über die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund ohne Disfuffion e i n f( i m m i a genehmigt und ihren Vorsitzenden, Sir Austen Chamberlain, zum Berichterstatter vor der völkerbunds- uerfmnmlung berufen. * Der Bericht, den der Unterausschuß der Aufnahmekommission über die Aufnahme Deutschlands ouSgearbeitet hat und der auf Grund des heutigen Beschlusses der Aufnahmekonui'isfion an die Völkerbundsversammlung weitergeleitet wird, bejaht die fünf Fragen, die von der Aufnahmekommission vor dem Eintritt neuer Staaten gestellt werden. Durch Bejahung der Frage 1 wird anerkannt, dah der deutsche Aufnahmeantrag ordnungsmäßig gestellt wurde. In bezug auf die beiden .Unterfragen der Frage 5 stützt sich der Bericht aus eine Mitteilung des ständigen militärischen Ausschusses deS Völkerbundes, der unter dem 9. März erklärt, dah die Frage her Streitkräfte Deutschlands zu Lande, zu Wasser und in der Luft durch den Versailler Vertrag geregelt ist, und dah diese Frage mcht durch den ständigen militärischen Ausschuh geprüft werden muh. Ferner stützt sich der Bericht In diesem Zusammenhang auf eine Mitteilung der Botf chafterkonserenz an den Generalsekretär des Völkerbundes. Dieser lautet: Die Bvtschafterkonferenz — soweit es sie angeht — stellt fest, dah nach ihrer Kennt- nis Deutschland gegenwärtig tatsächlich Garantien für seine aufrichtige Absicht gibt, die Verpflichtungen einzuhalten, die für Deutschland au« dem Friedensvertrag vom 28 6 1919 und den ihm angeschlofsenen Akten hervorgehen. Soweit eS insbesondere den Rüstungsstand Deutschland zu Wasser, zu Lande und in der Lust betrifft, wie er im Friebenrsvertrag bestimmt ist, stellt die Dotschasterkonferenz fest: o) militärische Klauseln: Die Bedingungen, unter denen diese Klausel durchaesührt werden müssen, haben unter den interessierten Signalurmächten den Gegenstand einer Vereinbarung gebildet, die zur Zeit auf dem Wege her Vollendung ist. (Anlage des Briefes her Botschafterkonferenz an die deutsche Regierung vom 16. November 1925.) b) maritime Klauseln: Diese Bedingungen sind gegenwärtig durchgeführt, und die Berichte der maritimen Kontrollkvnrmifsion sind dem Völkerbund unter dem Datum des 6. Januar 1926 zugestellt worden. c) Luftfahrtklauseln. Es bleibt nur noch die Ausarbeitung gewisser Bestimmungen übrig, die in Zukunft die generelle Beobachtung des einschlägigen Arttkels des Friedensvertrages sichern sollen. Angesichts dieser Mitteilungen spricht sich der Bericht für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund entsprechend Artikel 1 des Dölkerbundspaktes aus. Dem Bericht sind schliehlich fünf Anlagen beigelegt. Hessischer Landtag. Präsident Adel u n g eröffnet die Sitzung um 9.30 Uhr. Abg. Walm richtet an die Regierung die Anfrage, wie viele Hochwasserschäden angemeldet seien, welche Mittel zur Verfügung stehen und wieviel Personen bereits entschädlgt morden seien. Minister Raab erwidert, dah zahlenmäßige Angaben über die Anmeldungen noch nicht gemacht werden könnten. Es ständen für die Entschädigung 60 000 Mark zur Verfügung, 20 000 Mark für das besetzte Gebiet und 40 000 Mark für das übrige Hessen. Entschädigungen wären noch nicht ausgezahlt worden, sie würden aber gewährt, wenn die Unterlagen vorhanden wären. Die Abg. Blank und Weck! er haben an die 'Jtcgienmg eine Anfrage wegen der vom Reich bereitgestellten Winzerkredite gestellt. Ministerialdirektor Hebel erwidert, die vorn Reich zur Verfügung gestellte Summe betrüge 2170 000 Mark. Am 9. März hätte eine Versammlung der Beteiligten ftattgesunden, um über Die Verteilung der Kredite zu beraten. Die Richtlinien würden jetzt herausgegeben. Die allgemeine Aussprache über den Staatshaushalt für 1926 wird wieder ausgenommen. Abg. Galm (fiomm.) verliest nochmals eine Erklärung gegen die Darmstädter Polizeiverwaltung und verlangt die Absetzung und Bestrafung der schuldigen Beamten. Der Minister von Brentano wird als der reaktionärste Innenminister Deutschlands bezeichnet. Die Rechtsparteien hätten sich dem Zeitpunkt für die Angriffe auf die Regierung gut gewählt, denn diese habe keine Wege vorgeschlagen, um die Finanzmisere Hessens aus der Welt zu schaffen. Die Rechte wurde, wenn sie zur Regierung gelangte, die Finanznot auch nicht heilen können. Die Steuern würden zum größten Teil von den Lohnempfängern aufgebracht, die Besitzenden hatten keinen Anlaß, über Steuerdruck zu klaren. Den Sparanträgen der Rechtsparteien gegenüber empfiehlt der Redner die kommunistischen Sparanträge; Hessen habe schon längst keine Existenzberechtigung mehr, cs solle sich Preußen anschließen. Durch die Herabsetzung der hohen Gehälter auf 7000 Mk. könnte eine Million gespart werde». Der Redner wendet sich insbesondere gegen die Rechtsparteien, gegen den Abbau im Volksschulwesen, gegen die Kirchensteuer und die Zuschüsse an die Kirchen und die Fürstenabfindung. Seine Rede klingt aus in der Empfehlung der kommunistischen Weltanschauung. Abg. Widmann (S03.) macht Ausführungen, die beweisen sollen, daß die Rechtsparteien auch nicht das Defizit beseitigen könnten, wenn sie in der Regierung säßen. Unter her Wirtschaftsnot litten nicht allein Die Landwirte, sondern in noch höherem Maße andere Volkskreise, namentlich die Arbeiterschaft. Es wird hierauf vom Redner an verschiedenen wirtschaftlichen Zuständen der Gegenwart Kritik geübt und Vorschläge zur Aenderung der Wirtschaftslage gemacht. In scharfen Worten wendet sich Abg. Widmann gegen die gestrigen Angriffe des Abg. Dr. Keller auf den Finanz- minifter und verlangt feinen Rücktritt vom Amt. (Zurufe: Dr. Keller ist hier nicht Beamter, sondern Abgeordneter.) Die Parteien, namentlich die kleineren Parteien, stellten zu viele Anträge im Hause, diese verursachten viele Kosten und der Regierung viele Arbeiten. Die Sozialdemokratie fürchte eine Auflösung des Hessischen Landtags nicht. ilin 11 Vu Ahr tritt eine Pause ein. Vach Wiederaufnahme her Verhandlungen spricht Abg. Dr. Büchner (Sem.) vor säst leeren Bänken. Er weist die Anschauung zurück, daß die Demokratie laudwirtschaftsseind» lich fei. Es gehe nicht an, mit Mitteln der Allgemeinheit einzelne Betriebe aufrecht zu erhalten. Die Indußrie müsse sich selbst helfen, nicht nach Oer Staatshilfe rufen, dasselbe gelte auch noch der Landwirtschaft. Es fei eine Rationalisierung der Betriebe notwendig, um den größten Rutzesfckt aus ihnen zu erzielen. Der Zwischenhandel sei nicht zu entbehren, aber der Güteraustausch vollziehe sich noch nicht so, wic cs wünschenswert fei. Die Landwirtschaft solle den Staat, von dem sie Hilfe haben wolle, nicht bekänrpfen. Auch eine Rechtsregierung könne die Rotlage Hessens nicht beseitige». Steuerdruck und Arbeitslosigkeit wären gegenwärtig die größten wirtschaftlichen Probleme. Oesters zitiert der Redner als Beweis der Richtigkeit feiner Ausführungen Aeußerungen des Kommunisten Dr. ® reiner. Abg. Scholz (Disch. Dp.) erklärt: Es muh doch gut um den deutschen R ichl e r st and stehen, wenn man Pier im Hause nur einen Fall gegen die Richter vorbringen konnte und diesen dann berallgerne inerte. ES ist der Gipfel her Heuchelei, wenn die Leute, die die Front unterminierten und hie Truppen zum Bruch des Fahneneides veranlaßten, dem Kaiser seine Flucht nach Holland vorwerfen. Weiter spricht her Redner -über hie Enteignung der Fürsten und neimt sie eine Konfiskation des Privateigentums wie in Rußland. Zu den fruchtlosen Arbeiten der Rachkriegszeit gehören auch die SozialisierungSver- suche. von denen es ja jetzt ruhig geworden ist. Bor noch nicht langer Zeit hat die Linke in diesem Hause erklärt, dah die deutsche Wirt- schast bald über den Berg sei: es ist aber ganz anders gekommen. Der Steuerzahler ist durch» aus nicht immer der Steuerträger; das gilt auch von den Lohnempfängern. Der Steuerzahler ist die Wirtschaft. Seit etwa einem Jahr gebärdet sich die Sozialdemokratie landwirtschaftfreundlich, aber Bebel hat doch ganz anders über die Bauern geredet, weil sie ihren Besitz nicht sozialisieren lassen wollten. Der Zolltarif ist uotweirdig gewesen, schon um den Unterhändlern etn Derhandlungsmittel in die Hand zu geben. 2'". Zusammenhang mit der Erörterung der 6^rn9e landwirtschaftliche Erzeugnisse, er-* mahnt der Redner, dah der Konsumverein in ?llalriz das Brot nicht ober kaum billiger als daö wie Die Bäckermeister verkauft. Aba. Widmann hat zu her Rebe des Abg. Dr. Keller die Zwischenrufe gemacht: „Cs gehört ihm eine heruntergehauen", „ein solcher Kerl ist Beamter", „Hanswurst"; ein Mann, der so etwas sagt, ist doch wohl nicht berufen, Kritik an dem Verhalten anderer zu üben. Dr. Keller hat nur auf Angriffe des Finanzministers geantwortet, und zwar aus sehr persönliche Angriffe. Es ist doch tatsächlich so, bah her Finanzminister nur durch bi e Revolution auf feinen Sih gekommen ist, und dah ihn die heterogene Koalition dort festhält. Das Vylk hat den Fi' nanzminister. nicht gewählt. Abg. Widmann hat sogar die Entfernung Dr. Kellers aus seinem Amt verlangt. Die Sozialdemokratie behauptet zwar, der Obrigkeitsstaat wäre so verfahren, aber hier wird doch dieses Verfahren von den Linksparteien verlangt. Der Redner stimmt ben Gedanken des Abg. Dr. Büchners über Selbsthilfe und Staatshilse zu. Der Deutsche neige internationalen Gedanken zu; er habe ja auch abgerüstet. Abg. Widmann solle seinen Parteifreunden in anderen Ländern jedenfalls die Abrüstung emsehlen. Der Redner schlicht mit den Worten: Die Marxisten haben immer von der Expropriation der Expropriateure gesprochen, jetzt sind wir bei der Liquidation Der Liquidatoren. Die Nachmittagssitzung eröffnet stellvertretender Präsident Nuß mit folgender Ansprache: 'Rach den vorliegenden Zeitungsberichten kommt aus Genf die erfreuliche Kunde, daß heute die Aufnahlme Deutschlands in den Völkerbund vollzogen wurde. Es handelt sich um ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. An der historischen Bedeutung dieses Ereignisses darf mich unser hessisches Parlament nicht achtlos vorübergehen. Das durch den Landtag vertretene hessische Volk begrüßt die gute Nachricht aus Gens und erblickt in der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund eine wichtige und bedeutungsvolle Etappe zum allmählichen Wiederaufstieg unseres Vaterlandes zu Freiheit, Wohlfahrt und Glück. Präsident N u ß erklärt hierauf die Generaldebatte für geschloffen und es wird sogleich in die Spezialdebatte eingetreten, bei deren Beginn der Präsident bemerkt, daß heute keine Abstimmungen vorgenommen werden. Es werden Im Anschluß an den Bericht des Sechserausschusfes allgemeine Anträge besprochen; darunter ist ein längerer Antrag des sozialdemokratischen Abgeordneten Kaul, in dem dieser für den deutschen Einheitsstaat eintriit. Die Debatte hierüber fördert keme neuen Gesichtspunkte zutage. Bemerkenswert ist nur eine Erklärung des Ava. Kauf, daß die Sozialdemokratie mit der Großhessischen Frage nichts zu tun haben wolle. Eine lebhafte Debatte entfpinnt sich über einen Antrag Dr. Leuchtgens. das M i n t ft e r i u m für Arbeit und Wirtschaft a u f zu- tz e b e n. Von den Abgeordneten der Linksparteien wird behauptet, daß dadurch nichts erspart werde, während Abg. Dr. Leuchtgens in mündlicher Begründung seines Antrages, den gegenteiligen Standpunkt vertritt. Im Verlauf dieser Debatte wird Abg. Widmann noch nachträglich wegen der gestrigen beschimpfenden Ausdrücke gegen den Abg. Keller zur Ordnung gerufen. Ein von Abgeordneten mehrerer Parteien gestellter Antrag auf Neuregelung der Bezüge von Anwärtern gibt dem Finanzminister An- laß, dieses Problem zu erörtern. Es sei zu erwägen, ob den älteren Anwärtern erworbene Rechte gekürzt werden dürfen und alle Anwärter gleiche Bezüge erhalten sollen oder ob man die Bestimmungen von einem festgesetzten Zeitpunkt ab nur für jüngere Anwärter gelten lafsen soll. Im wesentlichen spricht sich der Minister gegen den Antrag aus, weil er manche Härten mit sich bringen könnte. Die Abg. Dr. L e.u ch t g e n s und D I n g e l d s y machen dagegen Ausführungen im Sinne des Antrages. Härten sollen vermieden werden und durchaus nicht alle Anwärter gleichsam über einen Kamm geschoren worden. In der weiteren Debatte wird der Wunsch ausgesprochen, daß der Finanzminister auf Grund des Antrages dem Haufe eine Vorlage zugehen läßt, wodurch diese Frage geregelt werden soll. Nach Beratung einiger weiterer Anträge wird die Sitzung um 5 Uhr geschlossen. (Ein Ehrenhain für die Gefallenen, Berlin, 12. März. (TU.) Der zur '23pr- bereitunn des Nationaldenkmals für die Gefallenen im Weltkrieg vom Reichsrat gewählte Ausschuß hat unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern, Dr. Külz, der einmütigen Anregung der zu diesem Zweck vereinigten Frontkämpfer- verbünde folgend, beschlofsou, die Errichtung eines E h r e n h a i n s für die Gefallenen, und zwar in M i t t e l d e u t f ch l a n d vorzuschlagen. Der Reichst ui? st wart soll unter Fühlungnahme mit den Verbänden und unter Zuziehung von Sachverständigen dem Ausschuß mit möglichster Beschleunigung Vorschläge über den Ort des Ehrenhains und über die Art feiner Ausgestaltung machen. Aus aller Welt. Gins grotzdeutsche Studententaguug in Wien. W i e n. 11. März. (WTB.) 3m großen Festsaale der Universität fand gestern die feierliche Eröffnung her großdeutschen Tagung z u r Schu- lung her deutschen 3ugend statt, zu her im Laufie des Tages zahlreiche Studenten au» allen deutschen Gauen eingetroffen waren. Ra- mens der Universität Wien und aller Hochschulen Oesterreichs, von denen hie meisten Rektoren ebenfalls anwesend waren, Hieß Rektor Prefessor Lurch die Hochschüler aus dem Reiche Herzlich willkommen. Er sagte, wenn auch hie Machtverhältnisse eine Vereinigung der deutschen Länder verhinderten, so könne niemand es verwehren, einen geistigen Anschluß anzustreben. Rach Geleitworten des Vorsitzenden der Tagung, Friedrich Heist, vom Deutschen Hochschulring, hielt Professor von Voltelini den Festvortrag über die geistige und politische Bedeutung Wiens in der deutschen Geschichte. Professor Dr. Martin Spahn sprach bann über „D a s R e i ch". Die nächste Aufgabe der deutschen Politik sei cs, dem deutsche» Volke Die ihm gebührende Stellung in Mitteleuropa zu verschaffen. Kleinere Teile des deutschen Volkstums, die den Willen zur Angliederung mit dem Reich haben, sollen mit dem Deutsche» Reich wieder vereinigt werden. Das gelte vor allem für Oesterreich. Wo die Entwicklung noch nicht so weit ist. must der Volksteil die Anliegen seines Dolksteils selbst verwalten. Der große Zuchtmeister zur Wiederannäherung der mitteleuropäischen Bevölkerung untereinander wird die wirtschaftliche Rot sein. Rach ihm sprach Professor Br an bi- Göttingen über die kulturellen Aufgaben des Volksttuns. Die Studentenschaft müsse im nächsten Menschenalter ein treuer Diener des großdeut- schen Gedankens fein. Bergwerksbirektor Leopold sprach über hie grostdeutschen Wirtschaf t s p r 0 b l e m e. Als letzter Redner sprach der Präsident des Reichslandbundes, Hepp. Er sprach über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern und erklärte es für eine große nationalpolitische Aufgabe, Oesterreich und Deutschland in wirtschaftlicher Beziehung zu vereinigen. Selbstmord Dr. Haus? 3n Tivoli bei Rom hat sich am 6. Februar ein unbekannter etwa 45jähriger Mann erschossen. Die römische Pplizei schickte die Fingerabdrücke des Tpten an alle Sicherheitsbehörben. In Wien wurde festgestellt, daß der Selbstmörder der frühere Rechtsanwalt Dr. Karl Hau ist, Der vor etwa 20 Jahren unter der Beschuldigung^seine Schwie germutter, Frau M 0 litPr, in Baden-Baden erschossen zu haben, zu längerer Zuchthausstrafe verurteilt worden war. Dr. Hau war vor kurzem b c - gnabigt worden und bald darauf verschwunden. Das „Berliner Tageblatt" meldet, daß bei dem Erkennungsdienst des Berliner Polizeipräsidiums von einem Selbstmorde Haus nicht» bekannt fei. Wettervoraussage. Roch kurzer Aufbesserung und mäßig starkem nächtlichen Temperaturfoll wieder unbeständig, vielfach trübe und Riederschläge. Milde ozeanische Luft hat ganz Deutschland Überflutet. Die nach kurzer Unterbrechung wieder einfetzenden Riederschläge gehen meist als leichter Dauerregen und nicht mehr in Form von Schauern nieder. Eine grundlegende Aenderung steht noch nicht bevor, da in Rordeuropa in kurzen Unterbrechungen Störungsgebiete ostwärts ziehen, deren Ausläufer uns erreichen, so daß der Einfluß des von ben Azoren her jeweilig vorstohen- den und wieder zurückdrängenden hohen Druckes nicht länger zur Auswirkung kommt. Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 6,5 Grad Celsius, Minimum 1,3 Grad Celsius, Rte- derschläge 1,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 6,9 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Giqßen, den 12. März 1926. „Der Frühling kommt mit Brausen" konnte man im Hinblick auf die Stürme der letzten Wochen ausrufen. Zwar waren diese Stürme nicht von der verheerenden Wirkung, wie sie noch im Gedächtnis der älteren Generation Gießens und Umgegend sind. Am 12. März 1 876, also vor genau 50 Jahren, wütete hier ein orkanartiger Sturm, der arge Verwüstungen an Gebäuden und in ben Waldungen anrichtete. Verschlimmert wurde die Lage noch durch Hochwasser von solcher Höhe, daß z. B. die Feuerung der Stadtkirche unter Wasser gesetzt war und an Dem betreffenden Sonntag die Kirche nicht geheizt werden konnte. Schon am 9. und 10. März liefen telegraphische Mel- düngen der Landratsämter Marburg und Sieben- köpf bei der hiesigen Bürgermeisterei ein, die ein rasches Steigen Der Lahn meldeten, und u. 0. die Bürgermeisterei veranlaßten, die Wegunterführung am Bahndamm in der Eberstraße zu schließen. Das Schlimmste aber sollte noch kommen durch den am Sonntagnachmittag und die folgende Nacht wütenden Sturm. Der Montagmoraen zeigte ein trostloses Bild der Verwüstung. Die Straßen wie besät mit Dachziegeln und Fensterglas, zertrümmerte und abgcsturzte Sdjomfteine, entwurzelte Bäume in den städtischen Anlagen und Privatgärten zeugten von der Gewalt des Sturmes. Von dem Hause Ecke Löberstraße (jetzt Augustiner) stürzte ein Teil des Daches in die Wieseck, ebenso entführte der Sturm fast das halbe Dach eines Hauses am Leih- gefterner Weg. Die Straßen außerhalb der Stadt waren durch umgerissene Bäume und Telegraphenstangen gesperrt, auf große Strecken auch der Bahnkörper, so daß beispielsweise der kurz nach 11 Uhr abends in Frankfurt abgelassene Personen- zag erst gegen J8 Uhr morgens in Gießen eintraf, töroft waren natürlich die im Walde angerichteten Verwüstungen, so hatte der Sturm in der Richtung von unterhalb der Liebigshphe in der Richtung nach dem sag. EulenkPpf (dieser spwphl wie der davor liegende Teil des Exerzierplatzes war damals nach bewaldet) in einer Breite van etwa 30 Meter alles Dar sich ntebergenffen, als ob eine Riefen- walze darüber gefahren wäre. Das Schützenhaus, das ungefähr an der Stelle des heutigen stand, war wie ein Kartenhaus zufammengeftürzt. Aehnlich, teilweise noch schlimmer, hatte der Sturm in anderen Teilen unberechenbaren Schaden angerichtet. Die Auto-Verbindung mit dem Kleebachtal. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, ist hinsichtlich Der Garantieleistung für die in Aussicht genommene Post-Auto-Ver- binbung von Gießen nach dem Klee- b a ch t a 1 eine Regelung Dahin zuftandegekommen Daß Die Stadt Gießen, vorbehaltlich der Zustimmung Der Stabtveryrbneten-Bersammlung, die Hälfte und Die beteiligten Gemeinden den R e st der Garantieleistung aufzubrinaen haben. Die Einwohnerschaft des Kleebachtales hofft nun. daß Die Genehmigung zur Einrichtung Der 2tnic recht bald erteilt wirb, banüt der Betrieb möglichst noch vor bem Osterfest, dessen Vorzeit bekanntlich einen regen Verkehr mit Der Stabt Gießen bringt, ausgenommen werden kann. Sieben als Kongreßstadt. Am Sonntag tagte in Gießen die Vereinigung südwestbeutscher Hals-, Rasen- und Ohrenärzte. Ungefähr 100 EetlneDmcr, u. a. aus Bayern, Lachsen unb Thüringen, trafen schon am Samstag nach Besichtigung der Inhalatorien unb Bäber in Bad- Rauheiiu in Gießen ein, wo ein Begrühungs- abenb im Hotel Schütz stattfand. 3n Der den ganzen Sonntag dauernden Wissenschaftlichen Sitzung hielt Professor Brügge m a n 11 - Gießen bflfi Hauptreferat über „Die Behandlung Der wticichöblcneiterimg". an das eine rege Dis- küklivn sich anschloß, ein Beweis für das all* Giehen t r I Beachten G Sie die Schaufenster Neustadt Nr. 79. Feos. IMbh'.’k Zimmer frei. 'I’el. 1085. :,D r 2801D : Ludwig Lenser Flora Lenser geb. Rothschild Vermählte | Elberfeld 12- März 1926 jiun ständigen Hilfsarbeiter in diesem Ministeriuin, und der Obersörster Karl Eckhard zu Darmstadt vom 1. März 1926 ab zum Ministeriolamtmann i;n Ministerium der Finanzen mit der Amtsbezeichnung Forstrat. — Uebertragen wurde: den» Pfarrverwalter Hermann Luft zu Meiches die evangeI vor völliger Versumpfung zu bewahren. Einzelne dieser Wiesen sind bereits derart versauert, daß fettige Fachinteresse für dieses Thenra. Qluher- dem wurden weitere 20 Vorträge aus dem Gebiet der Hals-, Vasen- und Ohrenheilkunde gehalten. Ein gemeinsames Abendessen im Hotel Hindenburg vereinigte die Teilnehmer nochmals, worauf die meisten noch am Sonntagabend Giehen verliehen. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Sitzung, wie auch die gastliche Aufnahme in Giehen wurden von allen Gästen dankbar anerkannt, sodah die Gastgeber im engeren und weiteren Sinne mit dem Verlauf der Tagung in den Mauern unserer alten Universitätsstadt zufrieden sein können. Voimotizeu. — Lageskalender für Freitag: -stadttheatec: 7.30 ülhr „Minna von Darnhelm" lEndc 10 ülhr). — Evang. Stadtmission: 8.30 ilfjr, Vereinshaus (Löberstrahe 14), Vortrag. Aus dem Stadtt heaterbureau wird uns geschrieben: Wegen Erkrankung des Herrn Leleky findet heute nicht „Ueberfahrt", sondern als 23. Freitag-Abonnement-DorsteUung M inna von D a r n h e l m" statt. —- Auf die erste Wiederholung des packenden Spauspiels .Die letzte Rächt" am Sonntag sei ganz besonders hingewiesen. Die Uraufführung am vergangenen Mittwoch hatte bekanntlich eine» auhcrordentlich starten Erfolg. — Lukas-Gemeinde. Kommenden Soniv i ig Familienabend im Lukassaal mit Vortrag von Kreisschrilrat Fischer. Näheres siehe heutige An? Zeige. — Die Konzerte des Bauersckc» Gesangvereins am morgigen Samstagabend und am Sonntagnachmittag seinen nochmals in Erinnerung gebracht. Näheres in der heutigen Anzeige. ♦ 3 D ie Sondergebäudesteuer für 192 6. 3n einer gestern erlassenen Verordnung über die Sondergebäudesteuer für 1926 ist der Steuersatz endgültig auf 127,5 R.-Ps. — anstatt 130 R.-Pf., wie ursprünglich vorgesehen war — festgesetzt worden. '■ Eine Klage dec Reichspost. Rund 150 000 Driefsendungen können täglich allein bei den großen Postämtern wegen ungenügender Anschrift bei dem ersten Zustellversucy nicht zu- gestellt werden. Heber 40 000 hiervon müssen zurückgesandt werden, weil die Ermittlung dec Wohnung auf Grund von Adreßbüchern, durch Rachfragen usw. trotz aller Mühe nicht gelingt, und viele Tausende von diesen Sendungen falle» sogar der Vernichtung anheim, weil auch der Absender wegen fehlender oder mangelhafter Angaben nicht zu ermitteln ist. Man stelle sich vor, welche ungeheure Mühe und welcher Aufwand an 3eit, Beamtenkräften und Kosten es erfordert, tagtäglich solche Massen von mangelhaften Sendungen zu bearbeiten. Meistens tritt bei ihnen natürlich auch eine Verzögerung in der Zustellung ein. Dio Verkehrswelt verlangt di« Beibehaltung der niedrige» Gebühren für die Postsendungen. Diesem, Wunsche widerspricht es, wenn die Post täglich unnötigerweise, vielfach sogar aus Aach- tässigkeit und Gleichgültigkeit, mit Tausenden von ungenügend adressierten Sendungen belastet und zu Ausgaben gezwungen wird, die in höchstem Maße unwirtschaftlich sind. Abhilfe kann jeder Versender schaffen, wenn er bei Postsendungen stets die Wohnung des Empfängers nach Straße, Hausnummer, Gebäudeteil. Stockwerk und bei solchen »ach Städten mit mehreren -Zustell-Postanstalten auch die Aummer der Zustell-Postanstalt angibt. Zur Erzielung vollständiger Aufschriften kann außerdem jedermann viel beitragen, wenn er bei den ausgehenden Postsendungen auf den Briefbogen, ülmschlägen, Rechnungen usw. der Ortsangabe stets die Straße und Hausnummer und bei größeren Städten die Aummer des Zustellpostamts hinzufügt. ** Eine Ehrung des Schulrats i. 1)1. Professor Dr. Lucius, unseres frühere» Kreis- jchuliufpektors, wird für die nächste Zeit geplant. An die Lehrer und Lehrerinnen des Kreises ergeht dazu im heutige» Anzeigenteil eine Einladung. Personalien. Ernannt wurden: Der außerordentliche Professor an der Universität Bonn Dr. Wilh. Jos. Jak. Schmidt in Bonn mit Wirkung vom 1. April 1926 an zum ordentlichen Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Landesuniversität in Gießen: der Ministerial- amtmann im Ministerium der Finanzen Finanzrat Dr. Rudolf Kratz zu Darmstadt vom 1. März 1926 ab unter Belassung seiner Amtsbezeichnung lische Pfarrstelle zu Meiches, Dekanat Alsfeld, und dem Pfarroerwalter Wilhelm R a u zu Wallern- House» die evangelische Pfarrstelle zu Wallernhau- sen, Dekanat Nidda. *■* Gegen den Abbau der Schule. Die hessisch«» Lehrervereine halten am Mittwoch, 17. März, nachmittags 3 ülhr. in Darmstadt eine öffentliche Kundgebung für die Schule tMd gegen den Abbau ab. :: Festgenommen und in Untersuchungshaft abgeführt wurde ein hiesiger verheirateter Mann wegen Blutschande. Der im Lichtspielhaus Da hu - h o f st r a ß e gezeigte Film „D i e eiserne Braut" bringt vorzügliche Bilder eines deutschen Schulschiffes und des Kreuzers „Berlin", sowie Szene» aus dem Leben unserer „blauen Jungen", die heute dazu berufen sind, das Ansehen der deutschen Marine in der Welt zurück- zuerobcrn. Das Werk verzichtet auf irgendwelche Tendcnzwirkung: sehr geschickt verarbeiteter dramatischer Stoff bildet die Grundlage, aus der sich die flotte Handlung aufbaut. Die Hauptrollen liegen in den Hände» prominenter Darsteller, Eine ganz hervorragende Leistung bietet u. a. Otto Gebühr als Korvetten-Kapitäit. Die geschmackvolle Ausstattung trägt weiter dazu bei, das Werk weit aus dem üblichen Rahmen zu heben. 3m ganzen: Ein Bildstreifen, der recht sehenswert ist. —z. Oberhesfen. Landkreis Metzen. L Wieseck, 12. März. 3n der gestrige» außerordentlichen Gemeinderatssitzung wurde der vor kurzem abgehaltenen Hplzsub- in i s s i o n, über deren Ergebnis wir schon berichteten. der Zuschlag erteilt. Insgesamt brachte die Submission einen Erlös von rund 16 500 Mk. Wie in der Sitzung weiter mitgeteilt wurde, haben die Stürme der letzten Tage auch in unseren Waldu»gen große Verheerungen angerichtet, nach vorläufigen Schätzungen sind dem Sturm etwa 200 Festmeter Holz zum Opfer gefallen. Bei den weiteren Beratungs- gegenstände» handelte es sich um Besprechungen noch nicht spruchreifer, hochwichtiger Gemeindeangelegenheiten. Z Lollar, 12. März. (Berichtigung.) Jin gestrigen Bericht über die Generalversammlung der Spar- und Darlehnskasse muß es in Spalte 2, 8.Zeile richtig heißen: Die Anstände auf diesem Konto betrugen beim Jahres- chluß rund 52000 Mark. A n Wechsel sind ) i s f o n t i e r t rund 50000 Mark in 156 Abschnitten. : —: Beuern, 11. März. Bei der zweiten Verpachtung eines großen Teiles des hiesigen Pfarrgutes wurden, wie vorauszusehen war, bedeutend höhere Preise erzielt als bei der ersten Verpachtung, die nicht genehmigt worden war. Die Verpachtung war diesmal auch von Liebhabern überaus stark besucht. Es gelangten insgesamt 14 Morgen (je 2500 Quadratmeter) Ackerland und 15 Morgen Wiesen zum Ausgebot. Die erzielte Gesamtpachtsumme beträgt 1022 Mk. gegen einen Erlös von rund 700 Mk bei der ersten Verpachtung. Die in normalen Grenzen gehaltene Taxation, die für den Morgen Ackerland, je nach Qualität und Lage, 16 bis 60 Mk. leinschliehlich Steuer) betrug, wurde bei her öffentlichen Verpachtung nur in den wenigsten Fällen eingehalten und durchschnittlich um die Hälfte Überboten, so daß der Morgen Ackerland, je nach Qualität und Lage, auf 16 bis 98 Mk. in die Höhe getrieben wurde. Sie Taxation für Wiesen, die für den Morgen, je nach Qualität und Lage, 18 bis 48 Mk. betrug, wurde nicht überboten; bas Angebot für Wiesen blieb meist in de» Grenzen der Taxation. Die Pächter sind Mit wenigen Ausnahmen Handwerker und Gewerbetreibende, nur in vereinzelten Fällen reine Landwirte. Die in den letzten Jahren oft unter Wasser gestandenen Michelbach- wiesen an der Bersröder Straße wurden vorerst zur Verpachtung nicht ausgeboten, da sie durch Kulturarbeiten (Grabenanlagen u. dal.) erst in besseren Zustand gesetzt werden sollen. Diese Arbeiten sind dringend nötig, um die Wiesen ihr Futter heute schon so gut pne feinen 'Wert mehr hat. -v. Ober-Bessingen. 11. März. Unsere Mitteilung, daß am Freitag, 5. März, ein Nordlicht zu beobachten war, hat sich bestätigt. Die Badische L a n d e s st e r n w a r t e auf dein Königsstuhl stellte zur aleidjen Zeit ein intensives Nordlicht in der Ausdehnung Nordmest-Nord fest, das um die von hier gemeldete Zeit begann und bis 11 Uhr anbaucrlc. 'Auch hier war die Erscheinung bis 10.30 Uhr bemerkbar. — (Aus zahlreichen Orlen Odorhefsens liegen uns Berichte vor, die non der Beobachtung der hier seltenen Natur srscheiinmg erzählen. In den meisten Orten hat man dies 'Nordlicht als Schein eines großen Feuers angesehen. D. Red.) X Langd, 11. März. Obwohl die Holz- Ha u e r e i in unseren Waldungen schon vor vierzehn Tagen beendet wurde, hat man hier erfreulicherweise nicht einen Arbeitslosen. Ein Teil der Arbeiter ist bei der Feldbereinigung in der Gemarkung Ulfa eingestellt worden, ein anderer hat begonnen, die Wege unserer Gemarkung zu bebauen. Die dazu erforderlichen Steine werden in der Gemeinde eigenen Steinbrüchen gebrochen und durch eine Spezialmaschine geklopft. — Bei der Verpachtung der hiesigen Gemeindejagd war der Kaufmann S t a in m von Bad-Nauheim mit einem Gebot in Höhe von 1040 Mk. Meistbietender. Aveis Friedberg. sf. Friedberg, 11. März. Die hiesige Orts» grupve des Vereins f ü r das Deutschtum im Ausland hatte sich in diesem Winter hauptsächlich mit dem österreichischen Problem befaßt: so war es dem Verein gelungen, für seinen letzten Vortragsabend den Universitätsprofessor Dr. Schußler von Rostock zu gewinnen. In geistvoller Weise, teilweise von ganz neuen Gesichtspunkten, behandelte er die Anschlußfrage Deutsch- Oesterreichs an das Reich. — Eine besondere Freude bereitete der Volksbildungsverein feinen Getreuen in feinem letzten dieswinterlichen Vortragsabend durch die Veranstaltung eines L o n s a b e » d s, der besonders bei den zahlreich erschienenen Jugendlichen stürmischen Beifall fand. Schauspieler Hofmann von Frankfurt trug in meisterhafter Weise eine Anzahl Kapitel aus dem Werwolf und einige Lieder von Löns zur Laute vor. — Die G e f a n g s a d t e i l u » g der hiesigen T u r n g e m e i n b e feierte ihr goldenes Jubiläum sowohl durch eine interne Feier wie durch ein öffentliches Konzert im Hotel Trapp, welches sehr gut besucht war und einen Beweis der vorzüglichen ßeiftungen des Vereins erbrachte. Der frühere langjährige Leiter des Vereins, Hertel, wurde zum Ehrendirigenten, der jetzige Leiter, Lehrer M ä r s ch a r d t, zmn Ehrenmitglied des Vereins ernannt. wurden zu Haft- und Geldstrafen verurteilt. Die Häftlinge wurden sofort abgeführt. Rheinhessen. DSA. Mainz, 11. März. Gestern abend wurde ein Maller aus Finthen, als er am Reubrunnenplatz in die elektrische Straßenbahn einsteigen wollte, von einem Auto erfaß) und ein Stück mitgeschleift. Auf dem Wege nach dem Krankenhause ist ec seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Autofahrer ble» bete die Lichter ab und versuchte auszureiße». wurde aber von einem Taxameter elngeholt und nach bem Polizeiamt verbracht. Er wurde als ein Fabrikbesitzer aus Hechtsheim festgestellt. Preußen. Srreis Wetzlar. fl. Krofdorf, 11. März. Eine Bundes versa m mlung der Schützenvereine Krofdorf, Großen-Linden und Steindors sand auf der Burg Gleiberg statt. Für das in diesem Jahre stattfindende Bundesschiehen verpflich. tete sich Großen-Linden für den Monat Juli. — Die P v st a u t o (i n i e nach Gießen hat eine» derart starken Andrang auszuweisen, daß an den Haltestellen Krofdorf und Gießen während des Arbeiterverkehrs oft ein förmliches Reißen um die Plätze entsteht. Dillkreis. WSR. Herborn, 11. März. Vorgestern wurde im benachbarten Bischoffen ein Fahr- radmarde r ermittelt, dem es in den letzten zehn Wochen in fünf Fällen gelungen war. Fahrräder zu stehlen und zu verkaufen. Zn der Behausung des Verhafteten wurde eine Menge Gewehr- und Revolvermunition vor-- gefundea. 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März, nachmittags 4 Uhr KONZERT in der Aula der Universität Mitwirkende: Herr Konzertsänger Hans Schubert- Meister, Chemnitz (Tenor); Herr Otto Gutjahr, Gietzen (Klavier)- und Mitglieder der Kapelle des L Hess. Batt. 15. Infanterie-Regiments Leitung: Herr Otto Görlach Chöre von: Kreutzer, Wendel, Heuser, Breu, Kann, Wohlgemuth, Rietz und Hoffmann Lieder von: Schubert, Schumann, Wolf und Geilsdorf Eintrittskarten im Vorverkauf ab 1. März bei Herrn E. Challier, Neuenweg, und an der Kasse. Eintrittspreise: 1. Platz 2 Mb., 2. Platz 1.50 Mk., 3. Platz 1 Mk. II. Samstag, den 13. Marz, abends 8 Uhr Uonzert für Mitglieder mit gleichem Programm wie am Sonntag, dem 14. März. Hierzu ist noch eine geringe Anzahl Eintrittskarten abends an der Kaste - auch für Nichtmitglieder - erhältlich. 2297c BenMunli. Die Bundesleitung fordert mit Rundschreiben vom 6. er. dringend die für 1926 noch rückständigen Bundesbeiträge ein, da mit unzulänglichen Mitteln die Nentnersacke auf die Dauer nicht vertreten werden könne. Wir ersuchen deshalb unsere Mitglieder, welche noch nicht im Besitz der Mitgliedskarte für 1926 sind, dieselbe bestimmt im Lause diesesMonats ein- znlöscn. 01723 Der Vorstand. MHMHWH Hansa Handelsschule J.Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 vorn. Hermes Neue Kurse 20. April. mnitom. Sonntag, 14. 3., abends 8 Uhr: Swnilien- MllMMllit bei K. Voller. M.-6.-V. iickM SamStag, 13. 3., 8 Uhr abends: Ordentl. Generalversammlung Frankfurter Hof. Weitaanns Schuhe behebt, bekannt, bewährt, bequem Jüngerer Hilfsarbeiter mögltchstmitSchleif- arbeiten vertraut, gesucht. 01724 Gießener Vernillelungs-Alisililk, .frankfurter Str. 29. Hausdiener u. Uaffeeköchin zum sofortigen Eintritt gesucht. 2294 D SlWMtelVrlillnsels. Kleider-, Blusen Kostüm- ü. Mantelstoffen Lindener Samtes bei 1904a <1. Pfeffer -sTaS* oie Frühjahrs-Saison 1926 & Ml Hofes aus statt. Mi MM Die Beerdigung findet Samstag, 13. März 1926, nachmittags 23/< Uhr, von der Kapelle des Neuen Fried- 6$ Jahrs-Mäntel in Covercoat Bürberg k leichtem Tuch k Wollrips » und Alpaka W neu auf- \ genom- \ men Neu \ auf- \ \ genommen:\ \ Covercoat- \ X Bürberg- \ \ \ leichte Tuch- \ \ Wollrips- \ \ und Alpaka- \ Owen- \ FriBiJahrsmäntel hat begonnen. In unerreichter Auswahl sind sämtliche Läger meines Hauses sortiert. Die letzten Mode- Schöpfungen in Oamen-Fmhlahrs-Mänteln^^ri sowie Herren- und Knaben- WjyC Bekleidung finden Sie stets bei mir Heute nacht enschlief sanft meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Fran Marine MNer K her im 74. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Ludwig Allendörfer. Gießen (Frankfurter Straße 88), 11. März 1926. Nr. 60 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Zrettag, <2, März 1926 Turnen, Sport und Spiel. Fußball. Um die deutsche Meisterschaft. h. 2lm Sonntag fielen im ganzen Reiche weitere Entscheidungen, die schon eher einen Einblick in das Stärkenverhältnis der einzelnen Mannschaften zulassen. So zeigte sich in Süddeutschland wieder die krasse Ileberlegenheit der Münchener Bayern in dem Endrundenspiel gegen den letzt- jährigen süddeutschen Meister V. f. R. Mannheim, der mit dem vernichtenden Ergebnis von 10:0 Toren überfahren wurde. Die „Bayern" zeigten sich von ihrer besten Seite, und das überraschendste ist, daß man von den Mannheimern nicht etwa behaupten kann, daß sie versagt hätten. Im Gegenteil, auch Mannheims Rasenspieler boten eine nicht zu verachtende Leistung, sie waren aber gegen die fast jede Torgelegenheit prompt ausnuhenden Bayern, machtlos. Die Stimmen, die in dem Münchener Club „Bayern" wenigstens einen Gegner im Finale der Bundesmeisterschaft sehen wollen, mehren sich. Im anderen Treffen um die Punkte des Verbandes erzwang der große Rivale der Münchener, die Spielvereinigung Fürth, nur einen ganz knappen, mit großem Glück erfochtenen Sieg über den Karlsruher Fuhballvercin, der das Spiel wegen Verletzung einiger Mitspieler auch noch nicht einmal mit voller Elf durchfechten konnte. Fürth muhte sich sogar zum Halten des einfachen Ein-Tor-Vorsprunges zum Schluß nur auf die Verteidigung beschränken. In der Angelegenheit „Linninghäuscr" wurde nunmehr dem Fußballsportverein Frankfurt die Teilnahme an der Süddeutschen Meisterschaft zugesprochen, trotzdem Hanau 93 diese bereits begonnen hatte, — ein Fall, der in der Fußballgeschichte einzig dasteht. Allerdings unter Anrechnung der von Hanau bereits erlittenen 4 Verlustpunkte. Aber auch hiermit noch nicht genug, versucht man jetzt seitens des Mainmersters die Endrunde von neuem beginnen zu können, stößt aber hierbei aus den ei^rgischen Widerstand der Münchener und Fürther. Wenn man im Westen noch nicht einmal an eine Niederlage der Turn Düsseldorf gegen den B. V. Altenessen gedacht hatte, so noch weniger an eine solche wie die in der Höhe von 2:8 Toren erzielte. Dieses Ergebnis bedeutet für den Westen eine gewaltige Üeberraschung. Des weiteren kommt auch das Abschneiden des Hessen-Hannover-Vertreters gegen den Westfalenmeistcr Arminia Bielefeld nicht den Erwartungen entsprechend. Erfreulicherweise konnte Kassel „Sport" diesmal ein gutes Spiel vorführen, das noch mehr Anerkennung verdient, wenn man hört, daß Kassel auf seinen am Vorsonntag verletzten guten Torhüter Bönig verzichten mußte, dies erst in letzter Minute feststellen konnte und trotzdem sich so tapfer hielt, daß es am Ende nur durch Pech den Arminen einen knappen 3:4-Sieg überlassen mußte. Leichter als anzunehmen war, blieb der V. f. R. Köln Sieger über die Siegener Sportfreunde mit 3: 0. — In der Runde der Zweiten war das Treffen der Kurhessen Kassel gegen den V. f. L. Osnabrück nicht örtlich, sondern auch zeitlich verlegt worden und kam am Sonntag noch nicht zum Austrag. Der führende Duisburger F. V. 08 erlitt seine erste Niederlage gegen den wiederauferstandenen Sp. V. Rheydt mit 2:5 Toren. Zum ersten Male griff auch Schwarz-Weiß Essen in die Zweitenrunde ein und gab gleich eine Probe seines Könnens, indem es die wirklich nicht schlechte Fortuna Düsseldorf mit 5:1 nun endgültig aus dem Rennen um den ersten Platz warf. Gerade von Schwarz-Weiß sollte man noch Großes erwarten können. Ihr Mittelstürmer Horn bot eine prächtige Leistung. Man erwartet Schwarz-Weiß als sicheren dritten Vertreter des Westens im Kampf um die D. F. B.- Meisterschast. Die Entscheidung um die Norddeutsche Meisterschaft hatte am Sonntag nur ein Spiel auf dem Programm stehen. Schwerer als gedacht umging der Hamburger S. V. die erste Klippe, den Hannoverschen S. C., den er nur mit 2:0 Toren schlagen konnte. Erst der kommende Sonntag bringt hier eine weitere Klärung unter Teilnahme von Holstein Kiel, Arminia Hannover und Altona 93. Die sonntäglichen Spiele in Mitteldeutschland nahmen einen eigenartigen Verlauf. Die dort im Pokalsystem ausgetragenen Kämpfe der Gaumeister untereinander strotzen nur so von Ueber- raschungen, die so leicht kein Mensch vorausgeahnt hätte. Wer hätte z.D. gedacht, daß die als spielstark bekannte Fortuna Magdeburg von dem krassen Außenseiter Viktoria Zerbst mit 2: 4 aus dem Rennen geworfen würde, daß ferner sich der im Vorjahre bis in die mitteldeutsche Endrunde durchkämpfende 1. S. V. Iena sich von Wacker Gera, dazu auch gleich noch mit 2:7 schlagen lieh? Knapp nur unterlag S. V. Zella- Mxhlis der S. Vg. Erfurt mit 2: 4 Toren. Immerhin erwartungsgemäß spielten in der Runde der Gaumeister Sportfreunde Halle -- Weißenfels 3:1, Chemnitzer B. C. — V. f. B. Geher 7:0, Dresdner S. C. — V. f. B. Kamenz 7:0, Konkordia Plauen — Reichenbach 4:0, Fortuna Leipzig — V. f. L. Bitterfeld 4:0. — Auch in Mitteldeutschland existiert eine „Runde der Zweiten", in der als aufsehenerregende Resultate gemeldet werden: Halle 98 — Schwarz- Gelb Weißenfels mit 2:3, Pößneck — V. f. B. 'Apolda 4:0, Gotha 01 — S. C. Erfurt 1:4. In Berlin-Brandenburg ging der in Abteilung A führenden Mannschaft der Hertha — B. S. C. wieder ein Puntt gegen Vorwärts im 1:1-Spiel verloren. Der Abstand zwischen diesen beiden hat sich merklich verringert. Hertha wird Mühe haben, die Spitze zu halten. In dieser Abteilung interessieren die Bestrebungen, die für den Meistertitel an aussichtsloser Stelle liegenden Tennis-Borussen trotzdem an den Spielen um die D. F. B.-Meisterschaft als zweiten Vertreter dec Reichshauptstadt teil- nehmen zu lassen, weil diese Elf sich in letzter Zeit zu einer derartigen Spielstärke emporgearbeitet hat, daß man sich mit ihr besondere Hoffnungen auf ein günstiges Abschneiden in rettfechten 1. Berger (Wiener Ak. Sp. 23.), i Plus, das Heuchelheim tm voraus hat, dürfte von Alsfeld durch den Vorteil des eigenen Platzes mit as der Sormtag bringt fchaftsspiele stattfinden. Ein bedeutungsvolles Fechten: T. statt, an das sich Ausscheidungskämpfe für das D. T.-Mannschaftsfechten anschliehen. der des Liga ist der Gastgeber. Das Stärkeverhältnis beiden Mannschaften dürfte annähernd gleich der sein Vik- Das nover abgehalten städtekampf. In Berlin mannenfechten den D. F.B.-Spielen macht. Das aber erst, nachdem Tennis-Borussia gegen den zweiten der Berliner Meisterschaft ein Entscheidungsspiel siegreich ausgetragen hat. — In der Abteilung B befestigte Mitteldeutsche Leipzig. findet am Sonntag ein Alt- des Kreises Brandenburg der D. Norden-Rorbwest seine führende Stellung einem 2: 0-Sieg über Wacker Tegel. Südostdeutschland. Breslau schlug den Saganer S. V. 5:2, toria Forst den S. V. Liegnih mit 9:0. Boxen: Die Bayerischen Amateur-Boxmeisterschaften werden am Samstag in Fürth ausgetragen, am Sonn- Endspiel dürfte zwischen Breslau und Forst liegen. Hochschulmeisterschaften. ch In Halle fanden kürzlich die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Fechten, Geräteturnen und W a l d l a u f statt. Die Universität Gießen war im Fechten durch den vorjährigen Olympia-Meister T h o m a e vertreten. Leider konnte Thomas den Meistertitel nicht wieder nach Gießen zurückbringen. Nach äußerst scharfen Kämpfen wurde Thomae im Florettfechten 3. Sieger, während er im Säbelfechten als 2. Sieger hervorgehen konnte. Das Ergebnis war im Flo- in der Annahme, daß sich die Spielstärke Gießener Mannschaft durch die Vereinigung ge< hoben hat. Auch die unteren Mannschaften ' Gaumeisterschaften ausgefayren. Ein B. C. sind, beginnend mit einem Spiel der 1. Jugend, ununterbrochen tätig. — F. E. fährt mit zwei Mannschaften nach Dillenburg zum Rückspiel gegen die dortigen neugegründeten Sportfreunde. F. C. dürfte sein Ergebnis von vor 14 Tagen (7:0) auf dem kleinen Platz der Dillenburger in dieser Höhe nicht wiederholen. Im Handball steht der Reise des F. E. nach Barmen zum Endrundenspiel um die Westdeutsche Meisterschaft wieder die leidige Geldfrage im Wege. Der Gegner dort wäre der 23. f. B. 08 Aachen, der derzeitige Spitzenführer des W. S. 23. Wetzlar zeigte am vergangenen Sonntag, daß es sehr wohl gegen die besten westdeutschen Bezirksligavereine bestehen kann. Wenn es auch dieses Mal (vorausgesetzt, daß die Reise überhaupt zustande kommt) wieder nicht zu einem Sieg langen sollte, so glau- Zu dem Gerätewetturnen und im Waldlauf waren Vertreter der Universität Gießen nicht entsandt. Deutsche Schwimmersolge in Holland. Zu einem internationalen Schwimmfest des Amsterdamer Damenschwimm-Klubs war auch Deutschland durch die Geschwister R e h b o r n aus Bochum vertreten. Beide konnten ihren Start zu einem Erfolge gestalten. Frl. Anni Rehborn startete in einem 100-m-Rücken-Schwimmen. Es gelang ihr, die holländische Rekordhalterin Frl. van den Turk auf den zweiten Platz zu verweisen. Mit 1:32 blieb die Holländerin noch 2 Sek. zurück. Ihre Schwester, Frl. Hanni R e h b o r n , siegte in einem Kunstspringen gegen Frl. van Len wen (HDZ.) und Frl. o. d. Burgt (II.). Handball der Turner der D. T. in Gießen. ch Am Sonntag empfängt die 1. Mannschaft des M.T.V. Gießen die 1. Mannschaft des T.D. Bad-Nauheim zu dem fälligen Derbands- spiel. Es ist ein spannendes Spiel zu erwarten, da Bad-Nauheim als Tabellenzweitec in glänzender Form ist und auch M. T. V. bewiesen hat, daß er zu siegen versteht. Ein Sieg der M. T. V.er könnte eine gänzliche Verschiebung des derzeitigen Tabellenstandes nach sich ziehen, ohne daß selbstverständlich Butzbachs Meisterschaft auch nur einen Augenblick in Zweifel gestellt würde, denn der Hessenmeister ist den übrigen immer noch um eine ganze Klasse voraus. M. T. V. ist nicht so ohne weiteres gesonnen, die beiden Punkte nach Bad-Nauheim wandern zu sehen. Bad-Nauheim wird sich anstrengen müssen, Denn die Gießener treten in stärkster Aufstellung zu dem auf dem Tlniversitätsspielplatz stattfindenden Spiel an. T.B.Schlitz - T.V.v.184KGieben Für kommenden Sonntag hat sich die Handballelf des T. V. 1846 obige Mannschaft zum Gegner gewählt. Das Spiel findet auf dem Platz des Sportvereins „Hessen" statt. Schlitz verfügt über eine spielersahrene Mannschaft, die schon manche Gegner, wie Offenbach, Hanau u. a. mit Erfolg abfertigte. Die 1846er Mannschaft, die nun auch schon an Können etwas gewonnen hat, darf jedoch die flinken Schützer nicht unterschätzen. Eine ilmftelhing in der 1846er Elf läßt eine bessere Gesamtleistung erhoffen. Somit dürfte ein spannender Spielverlauf zu erwarten sein. laruierfport: Das Dortmunder Reit- und Fahrtunlier vom 13. bis 16. März hat etwa 700 Meldungen gefunden. Der Verband ländlicher Reit- und Fahrvereine von Kurhessen und Waldeck bringt am Sonntag einen Stafettenritt Kassel—Frankftirt zur Durchführung. 2. Hirschfeld (Breslau), 3. Thomae (Gießen): im Säbelfechten: 1. Berger (Wiener Ak. Sp. D.), 2. T h o m a e (Gießen), 3. R a a b e (Leipzig). tag findet der Verbandstag statt. In Hamburg werden die Nordwestd. Amateur-Boxmeisterschaften, in Stettin die Nordostdeutschen zu Ende geführt. Der A. B. V. tagt am Sonntag in wettgemacht werden. Der Ausgang dieses Spieles läßt bielleicht einen Schluß auf die weitere Entwicklung zu. Die zweite Mannschaft Alsfelds tritt gegen die 3. Mannschaft Gießens an. Aller Voraussicht nach bleiben die Puntte in Alsseld. Schließlich spielen in Rod heim die dortige Erste gegen die Zweite Marburgs ein Spiel nut voraussichtlicher Tleberlegenheit der Marburger, während in Leun die erste Mannschaft die gleiche von Dlasbach als Gegner hat. Der Ausgang ist ganz ungewiß, trotzdem Leun früher über eine ausgezeichnete Mannschaft verfügte. 3m Reiche. Rasensport. Die Fußball- Meisterschaftsspiele nehmen, mit jeder neuen Runde interessanter werdend, ihren Fortgang. In Süddeutschland gibt es drei Spiele: der F. S. 23. Frankfurt wird voaussichtlich zum erstenmal in der Schlußrunde spielend, auf die Fürther S. 23. treffen, der F. 23. Saarbrücken hat den 23. f. R. Mannheim zum Gegner, der Karlsruher F. 23. die Münchener Bayern. — Das bedeutungsvollste westdeutsche Meisterschaftsspiel ist die Essener Begegnung Duisburger S. 23.—$. 23. Messen, außerdem gibt es ein Spiel Turu-Düssel- dors—V. f. R. Köln in Rheydt. — Die Norddeutsche Meisterschafts-Schlußrunde wird mit den Spielen Holstein-Kiel—Arminia-Hannover in Kiel und Altona— H. S. 23. in Altona fortgesetzt. — Um die Baltenmei st erschaft kämpfen Vik- toria-Allensicin—Stettiner S. C. in Allenstein und Danziger S. C.—V. f. B. Königsberg in Danzig. — Die Meisterschaftsspiele in Berlin werden zu der noch ausstehenden Klärung der Meisterschaft der Abteilung A kaum beitragen, der Favorit Hertha B. S. E. trägt ein Freundschaftsspiel gegen den A. S. V. Nürnberg aus. — In Mitteldeutschland steigt die Zwischenrunde der Gaumeister in Aue, Stendal, Halle, Gotha, Plauen, Leipzig und Koburg, außerdem die Zwischenrunde der Zweiten. — Endlich im Südo st deutschen Fußball-Verband werden am Sonntag keine Verbandsmeister- B. f. B. (-) Der kommende Sonntag bringt feit langer Zeit wieder einmal ein großes Treffen. „Borussia"-Fulda kommt in stärkster Aufstellung zum fälligen Rückspiel nach hier. Das Vorspiel konnte „Borussia" mit Glück 3:2 gewinnen, nachdem V. f. B. schon 2:0 geführt hatte. Wem diesmal der Sieg zufallen wird, ist nicht vor- auszusagen. Die „Borussen" sind als ausgesprochene Kampfmannschaft bekannt und werden den Beweis erbringen woUen, daß ihr letzter Sieg verdient war. Ebenfalls wird V. f. B. stark bemüht sein, auch in diesem Spiel als die bessere Mannschaft zu gelten und sich selbst sowie den zahlreichen Anhängern die Freude eines einwandfreien Sieges zu bereiten. Leider hat die Regenveriode der letzten Wochen die Beendigung der Arbeiten au, dem Waldspvrtplatz bis zum Sonntag unmöglich gemacht, wodurch der Mannschaft die Vorteile des eigenen Platzes zum Teil verloren gehen. Die Zweite spielt gegen die Erste des B. C. Sinn. Die Mannschaft steht wesentlich schwächer als am vergangenen Sonntag und wird sich sehr anstrengen müssen, wenn sie ehrenvoll bestehen will. Das schon für vorigen Sonntag angesetzte Freundschaftstreffen der dritten Mannschaft gegen die erste vom Sportverein „Hessen" findet nun bestimmt statt. Ein Sieg dürfte für die D. f. B.-Elf kaum in Betracht kommen. Die Jugend trägt noch ihre fälligen Diplomwetttpiele aus. Die 1. Iugendmannschaft fährt zum B. C.-Wehlar. Hoffentlich sind trotz der ungünstig angesehten Zeit alle Spieler zur Stelle, der Sieg dürfte ihnen dann ziemlich sicher- fein. Die zweite Iugendmannschaft hat ihr schwerstes Spiel der Runde und wird sich von der Spielvereinigung 1900 eine ziemlich hohe Niederlage gefallen lassen müssen. Wetzlarer Sport am Sonntag. tz. Hochbetrieb im Fußball: Der B.C. steht mit vier Mannschaften im Kampf. Die Spielv. 1900 Gießen stellt sich am kommenden Sonntag zum erstenmal dem Wetzlarer Publikum vor. B. C.s den wir doch nicht an eine hohe Niederlage. Gerade gegen den voraussichtlichen W. S. V.-Meister wird sich Wetzlar alle Mühe geben, ehrenvoll abzu- schneiden. Fnßball in Hessen-Hannover. tz. Die Nachwehxn der Meistcrschaftskämpfe, die Aus- und Abstiegspiele, nahmen am Sonntag ihren Fortgang. Die Spiele verliefen den Erwartungen entsprechend. Germania Marburg trennte sich nach gleichmäßigerem Spiel, als es das Resultat sagt, von seinem Namensvetter in Osterode mit einem 4:0 Sieg. Mit dem gleichen Resultat siegte der Favorit Tura Kassel gegen die Südhannoveraner, Sp. u. Sp. Northeim. Gießen 1900 war spielfrei. Nach den bisher gezeigten Leistungen muß man nach wie vor Tura Kassel für den leistungsfähigsten Gegner halten, dem wohl Germania Marburg am nächsten kommt. Es besteht sogar die Möglichkeit, daß Marburg in die Frage nach dem aufstiegreifsten entscheidend eingreift. Der nächste Sonntag würde eine weitere Klärung in dieser Angelegenheit bringen, wenn sich nicht gerade zwei bisher unterlegene Vereine treffen würden. So läßt sich aus dem Resultat des kommenden Sonntags wohl kaum ein Schluß auf die kommende Spitzenführung ziehen. Es treffen sich in Göttingen: Germania Osterode und Sp. u. Sp. Northeim. In den Endspielen der „Meister" im W. S. 23. ist „Sport" Kassel für kommenden Sonntag spielfrei. Die Runde der „Zweiten" sieht unseren Vertreter Kurhessen Kassel in Hagen im Kampf gegen die dortige S. 23g. 1911. Hier könnte Kurhessen der zweite Punktgewinn glücken, wenngleich auch Hagen eine durchaus nicht zu unterschätzende Elf ins Feld stellt, in der der früher für den Norddeutschen Fußballverband repräsentatto wirkende Mittelläufer Schminke der beste Spieler ist. Auch die Hintermannschaft der Hagener dürste für den Kasseler Sturm ein schweres Hindernis bilden. Unter normalen Umständen wird der Kampf unentschieden enden. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. Die beginnenden Verbandsspiele. Ereignisfe von Locarno eingehend verfolgt und vernommen, daß Deutschland, unser Mutterland, in den Völkerbund eintreten wird. Eure Exzellenz dürfen wir nun ehrerbietig bitten, Ihr hohes Wohlwollen der kolonialen Frage und insbesondere der Lage unseres armen Vaterlandes Togo zuzuwenden und beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund darauf hinwirken lassen zu wollen, dah jene schmähliche koloniale Schuld lüge, der man Deutschland vor aller Welt geziehen hat, wieder gutgemacht und Deutschland in den Besitz des ihm geraubten Kolonialbesitzes zurückgelangen werde. Wir Togoleute glauben an Deutschland und geben uns der Hoffnung hin, daß das deutsche Volk, dem wir auch in der Rot die Treue halten, uns nicht vergessen werde. Wirtschaft. Das Dauprogramm der Reichsbahn. Wie das WTB. von unterrichteter Seite erfahrt, findet der von der Reichsvegierung der Deutschen Reichsbahngesellschaft zur Verfügung gestellte Betrag in Höhe von 100 Millionen Verwendung zur teilweisen Wiederaufnahme des seit Oktober wegen der immer mehr fallenden Einnahmen zurückgestellten Bau - Programms. Leider ist es wegen der Ausfälle, die sich im Januar und Februar auf rund 50 Millionen jeden Monat nach den vorläufigen Ergebnissen beliefen, nicht möglich, das gesamte Dauprogramm trotz der zur Verfügung gestellten Mittel wieder aufzunehmen. Immerhin aber werden verausgabt zur Durchführung des Oberbauprogramms 15 Millionen, womit 250 Kilometer gebaut werden können. Die Kosten verteilen sich auf die Reubefchasfung von Material, auf das Verlegen von Schienen und Schwellen und auf das Beschaffen und Einbringen von Bettungen. Für die Verstärkung der eisernen Drücken kommen rund 3 Millionen in Frage, während unbebingt nölige kleinere Ergänzungen bestehender Bahnanlagen 6 Millionen erfordern und größere Dahnhofsumbauten die Aufwendung von 12 Millionen verschlingen. Das Proben, springt bie Zofe herein: Der Kaiser mü bem ganzen Stabe ist im Park, er wirb hereinkomrnen, Madame (bie ihm, wie allen Offizieren, als Gastgeberin nicht unbekannt ist) seine Aufwartung zu machen. Gray kann nicht mehr entweichen, muß sich hastig im Schlafzimmer ber Geliebten verbergen. Der Kaiser erscheint ... allein. Er ist entzückt von Yvonne, er ist galant, ist — verliebt unb wirbt um sie, bie sich kaum zu fassen weiß. Wie von ungefähr kommt bas Gespräch auf ben Mord — unb auf bie „Begnadigung" Grays. Bonaparte stutzt unb wirft der aufschreienben Yvonne bis Worte ins Gesicht: er wirb morgen früh füsiliert; läßt es ber Fassungslosen von ben herbeigerufenen Offizieren bestätigen. Da rafft sich Yvonne zu bem Unschulbsbeweis zu. farnmen, den nur sie geben kann mit bem Geftünb- nis: er war in ber M ordn acht bei mir! Der Kaiser, obwohl in Werbung unb Eitelkeit getäuscht, fordert Yvonne auf, mit ihm zur Festung 'zu kommen, zur Begnadigung. Yvonne, in neuer 'Angst um ben Geliebten, dessen Flucht unb Ehrenwortbruch entdeckt werben muß, sucht Zeit zu gewinnen unb führt bie Offiziere auf einem „kürzeren" Weg, der mirflidj ein Umweg ist, ins Fort zurück. Dritter Akt: Sie finb trotzbem früher ba als Gray, ber, von bet Zofe befreit, von einem Posten angeschossen, atemlos ankommt, um sich bem Urteil Z" stellen. Der Kaiser will die neue Täuschung nicht verzeihen, will Gray aus bem Heere stoßem wirb dennoch von Yvonne, von ben Offizieren, von Gray selbst überrounben. Der Kapitän behält ben Degen, darf Yvonne heiraten, unb wirb Gelegenheit Haden, seine Tüchtigkeit vor bem Feinbe zu 'erweisen. Das ist bas gute Ende. Unverkennbar: Der Schluß fällt ab; nach bem Mord fragt niemand mehr; wer ber Täter eigentlich ist, erfährt man nicht. Warum der Kommandant erschossen wurde —wer weiß? Unb es schwächt bie Wirkung, daß Gray im zweiten Verhör den unwahren Trumpf auf ben Tisch wirft, er habe besertieren wollen. Das wieberholte Geständnis Yvonnes, baß Gray abermals bei ihr war, kann die sinkende Spannung nicht beleben. Alles, was gegen bas Stück zu sagen wäre, ist von hier aus zu sagen. Ader ber Mittelakt, ber trägt bas Ganze, ist ausge zeichnet, federnd vor Spannung und innerer Ge labenbeit, schlagartig, hochtheatralisch im Dialog und im kompositionellen Gefüge, bas zwei starke, eminent schwingende Szenen durch eine vibrierende Pause trennt. Alles, was für dieses Stück spricht, ist Im gramm nimmt auch Rücksicht auf die Herstellung von Wohnungen für Arbeiter und Betriebs- beamte. Das rollende Material muß besonders beacht werden. Da der Zustand der Zug- und Stoßvorrichtungen eine beschleunigte Erneuerung erfordert, sind dafür 34 Millionen ausgeworfen worden. Für sonstige Verbesserungen an Fahrzeugen, wie Vorwärmer, Speisepumpen, Luftpumpen und Tragfedern kommen 5 Millionen in Frage. Für die Fahrzeugbeschaffung selbst sind 25 Millionen vorgesehen, wovon 16 MiUionen aus I)-Zugwagen, 4. Klassewagen und Spezialgüterwagen entfallen. Die Lokomotivindustrie wird durch Reuaufträge an Speziallokonrotiven mit etwa 9 Millionen berücksichtigt. Dabei kommen vornehmlich kleine Typen für Rebenbahnen und Rangierzüge sowie einige Dpeziallokomotiven in Betracht. * * Die Grotzhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 10. März berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem Stande vom 3. Marz 1926 (117,3) um 0,3 auf 117,6 gestiegen. Adlerwerke 21.-®., F r a-n Ll,u rta. M. In der gestern abgehaltenen außerordentlichen Generalversanunlung waren die Stammaktien mit 369 555 und die Vorzugsaktien mit 325 000 Stimmen vertreten. Auf der Tagesordnung stand der Qlntrng der Verwaltung aus Erhöhung der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder und die entsprechende Satzungsänderung. Die beiden Anträge wurden ohne Debatte einstimmig genehmigt. Reu in den Aufsichtsrat wurden gewählt: Dr. h. c. Theodor Plieninger (Farbenindustrie), Dr. Roehler (Scheideanstalt) und Dank- direktor Julius Kakob (Darmstädter Daick). * Julius Sichel K. G.a. A., Mainz. Die nach Klärung der Verhältnisse im Sichel- Konzern angekünoigte auherordentliche Hauptversammlung wird jetzt auf den 27. März einberufen. Die Geschäftsinhaber beantragen die Auflösung in evtl. Verbindung mit einem Zwangsvergleichsvorschlag. Dieser ist auf der Basis von 50 Proz. bekanntlich bereits rechtskräftig. Das noch vorhandene Vermögen soU im ganzen veräuhert werden und eine 2lbfinbung der Aktionäre durch 2Iftten eines anderen Unter« nehmens erfolgen. Die hieraus bezüglichen Verträge werden der HV. vorgelegt. Schliehlich soll noch eine Herabsetzung der Zähl der AR.°- Mitglieder erfolgen und die Entlastung der Ge- sellfchaftsorgane für das letzte Geschäftsjahr auf Grund der bereits genehmigten Bilanz erfolgen. * 7proz. Bayerische Schatzscheine. Die Bayerische Finanzverwaltung beabsichtigt, 50 Mill. Rm. 7proz. Schatzscheine bei einenc Ueber- nahmekurs von 96,5 Proz. und einem Verkaufs- kurs von 98,25 Proz. unterzubringen. Wie mit- geteilt wird, steht das Uebernahmekonsorttum pnter Führung der Bayerischen und Preuhi- schen Staatsbank. * Reue Arbeiterentlassungsn bei Henschel u. Sohn in Kassel. Wie die .Kasseler Post" erfährt, wird am 1. Avril tote« Serum eine größere Anzahl von Arbeitern bei der Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn in Kassel zur Entlassung kommen. Obwohl das Ausmaß des beabsichtigten Abbaus noch nicht genau seststeht, darf man annehmen, dah von der annähernd noch 4000 Mann betragenden Belegschaft etwa der vierte Teil von der Kündigung befcoffen wird. Die umherlausenden Gerüchte, bie von einer Stillegung des gesamten Vetriebes der Firma auf drei Monate wissen toofiten, entbehren jedoch jeder Grundlage. ' Fried r. Krupp A.-G., Ess en -R uhr. Wie der DHD. aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist die Abteilung für Roh- und Halbfabrikate infolge eines großen ausländischen Auftrages zur Zeit sehr gut beschäftigt. Es konnten vier bisher stillgelegte Martinöfen wieder in Betrieb genommen werden. Zu neuen Arbeitereinstellungen wird es auch in dieser Abteilung jedoch noch nicht kommen. Vielmehr plant die Firma Krupp gerade in den anderen Abteilungen weitere Entlassungen, da es nicht möglich ist. bie bisher beurlaubten Werkangehörigen weiter durchsuhalten. Diese sollen nach und nach der Arbeitslosenfürsorge zugeführt werden. * Auslandkredit von 9 Millionen Rm. sürMansfeld AG. fürBerg- bau und Hüttenbetrieb in Eisleben. Ein amerikanisch-englisches Bankkonsorttum, zu Mittelakt gesammelt. Um seinetwillen ist der Erfolg verdient, um seinetwillen Darf man erwartungsvoll sein, was auf diesen ersten Wurf folgen wird. Telekys Ausführung wurde der dankbaren Aufgabe sehr gerecht. Er hatte die theatralische Schlagkraft und Wirksamkeit der ballabesten Anekdote mit sicherem Instinkt erfaßt und gab bem Ganzen das erregende, vorwärtstreibende Tempo, das nur in jener außerordentlich mitfpielenben Pause unterbrochen wird. Im zweiten Akt lagen auch die besten Meriten der Spielleitung; er kam ausgezeichnet heraus. Gute Unterstützung gaben Löfflers Bühnenbilder: ein aparter, ftilficherer Jnnenraum und der Festungswall, auf dem die Figuren sich in scharfen Konturen vor den Himmel stellen. Den Gray hatte Gefsers. Er war in ben ersten Akten am geschlossensten. Im stummen, halblauten, verhaltenen Spiel; wenn er mit sich kämpft, sich ritterlid) zum Schweigen zwingt, unter falscher Anklage zu- fammenzuckt, wenn er ben Kameraben überredet, und später ber Geliebten ein falsches Spiel vorspielt. Zuletzt wirkte er schwächer unb ein wenig theatralisch. (Es mag an der Rolle gelegen haben.) Ein interessanter Napoleon war Juhnke. In guter Maske, von untersetzter Statur, herrischen Gebär- ben und Bewegungen, knapp und abgehackt im Ton. Er vermochte es, die Figur des Kaisers in die Epi sode beteiligt hineinspielen unb hineinwachsen zu lassen, unb zeigte, noch im unwirschen Abgang, eine kaum merkliche, hoch feine Vermenschlichung bes historisch festumrissenen Bilbes. Ise O ß k e gab der Yvonne bas bebingungslose, vom Herzen kommandierte Temperament bes Weibes, bas alle Minen springen läßt, jebes Gestänbnis auf sich nimmt, um ben Liebsten zu retten. Dabei mit ganz bamenhaften, gesellschaftlichen Allüren, mit Sicherheit, Beherrschtheit unb Takt im tabellos konvecsierten Dialog ben leisen Schatten femhaltend, ber leicht auf diese Rolle fallen könnte. Neben ihr eine sympathische Eharge, bie Marion ber Susanne Heym. (Jin paar gut profilierte Offiziersköpfe: Schubert (ptouj), Basts (MvntLlimar), Hanke (Robin), 1 ®f n (Sertrqnb). — Eine nicht norauszu lehende Tücke bes Objekts hätte beinahe ben besten Aktschluß gesährbet. — Die Aufnahme des neuen Werkes war sehr freundlich: der Autor durfte fid) bereits nach bem zweiten Akt mit ben Spielern Zeigen. Dr.Th. bsnA LcePtL Z tunN ben lungcn Mio PM Se S SuiJi’L9' kdM eW ww’ jnin'eit - ' Si-ninD üh- ofcgel W • W» ■ Vud°v-si > Sulganen yflabon Satuifl-. firoW Sthen (ianoM- llrnouan HMiami ßchwM MWkÜo lliiomfäi Beck Amrtk-u SckM Dänische w Holland« ZtMY Menn fit W - ftlsims Srunds unb lie bes (?< Jurij ätimm wirlml eröffnet Phönix auf trägt tonnte , Wontani 9inc Al ichwhchn W,et ' biuo i Eoldsch, verlvhtz waren Vielt Kursen, gaben um 0,5 behaupt Dank fi iiner 5 2,25 Po Die übi Ei. Schiffe Hinb Ao Kassa: bie Kau' ru. Ton nahezu 4 minus 2 auf bei Erdöl, 1 bis s > altien Verkehr Franken der Aitt« xortugle, Äunbe, £ ?emi mii emhalb a J hoch ol Jn aufi S abe SM "<« ber •Sem Ur 9enbe J Ngt er Ktgrof §1t)i)lni - 112,17 112,75 1(2,51 112,1" üctfinofor«. 10,5.4 10,694 10, M3 10,503 Italien - - . 16,85 20,391 16,89 10.85 16,80 Vouboir. . 20,416 30.W' 20,442 ■'.'cutwrt • - 1,195 4,205 4,105 4, <05 Tnviö. . . 15,24 15,28 80,955 15,245 >5, .'85 <3c61vcg . . 80,755 80,71 86,04 «Sunnicu . 59,11 .VI. 25 59,11 59,25 Vhwmt . . . 1,902 l.'.MMl 1.891 1,8118 'Kiu ve (Jan. $.U*n hi 0,611 0,613 - »,01o 0,612 t-rft. abgtff. 50,11 59,28 59,13 50/47 ‘Brno - - - . Belgrad . . 12. Uli 1'4.156 fr, 40 12,416 12, Mi 7.38 7,1182 5,872 7,403 Budapest. . ■ '•.'Harten i'iffobon 6,875 5,895 5,892 3,03 3.04 3,025 3,035 21.225 21.375 21.875 «A,85 31,325 DanUg. . . .HonftanHu. 80,88 81. »8 81,05 2.185 2,105 2.18 2,19 Allie» 5,79 5,81 5,7» 5,81 Canadn. . . 4,18 4,1(1 1,181 4,191 llninuan 4,285 4,395 1/485 4/403 Berlin, 11 Mär» Geld Briet AmcrNanllche Violen..... Betatsche Violen ....... Dänische Noten Englische Noten........ Fran»östsche Noten ...... HoNandischc Violen ...... Ätaltentsche Noten...... Norweatsche Noten...... Deutsch-Oesterr-, 5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Notm ...... Schweiler Noten....... Spanische Noten...... . Tschechoslowakische Noten .. Uno arische Noten ... 4.185 10,01 108,90 ,20,307 16,31 167,78 10,811 »0,82 59,04 1,76 112,11 80,61 50,10 12,M9 5,8.25 1.205 10,11 10». H 20,467 15,39 168,62 10,07 91,28 59,31 1,811 112,70 81,04 50,10 12,410 5,865 Arankfnrtev Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".') Frankfurt a. Q1L. 12. März. Tendenz: Fest'. — Die Meldungen aus Genf mit ihrem pessimistischen Unterton vermochten die feste Grundstimmung der Börse nicht zu beeinträchtigen und liehen nur einen Einfluß auf den -Umfang des Geschäftes erkennen, das eine schärfere Zurückhaltung auswies. Die freundliche Stimmung kam kursmähig nur wenig zur Auswirkung, da die Börse zu behaupteten Kursen eröffnete. Am. Mont an martl beanspruchten Phönix größeres Interesse, da bedeutende Kaufaufträge für dieses Pavier vorlagen. Der Kurs tonnte um 1,25 Proz. anziel)en. Die übrigen Montanwerte eröffneten auf gestrigem Stande. Eine Ausnahine bildeten Buderus, die etwas schwacher lagen. Kaliwertc waren ansehnlich höher. Aschersleben plus 2 Proz. Westeregeln plus 1 Proz Bon Farbenwerten konnten Goldschmidt um 0,75 Prozent und Holzverkohlung um 1,5 Prozent anziehen, dagegen waren I. G. Farben-Industrie 1 Proz. schwächer'. Tlektroaktien eröffneten zu ermäßigten Kursen. QlEG. minus 0,75 Proz. Auch Lahmeyer gaben etwas nach, während Siemen« & Halste um 0,5 Proz. anzogcn. Der Banken markt behauptete die feste Haltung. Besonders fest lagen Bank für Brauindustrie plus 1,25 Proz., Berliner Handel plus 1 Proz., Commerzbank plus 2,25 Prvz., dagegen Reichsbank minus 1 Proz. Die übrigen Banlenwerte setzten unverändert ein. Eine rückläufige Bewegung zeigten von Schiffahrtsaktien Hapag (minus 1 Proz.) lund Rordd. Lloyd (minus 1.75 Proz.). Qlm K a s s a m a r k t der Industriepapiere wandte sich die Kaufneiguag wieder einigen Spezialpapieren zu. Don A u t o a k t i e n zogen Reckarsulmer um nahezu 4 Proz. an. Kleyer plus 0,5, aber Daimler minus 2 Proz. Karlsruher Maschinen eröffneten auf dem gestrigen Stande von 40 Pro-. Erdölaktien hatten Kurssteigerungen von 1 bis 1,5 Prozent aufzuweifen. Auch Zucker- aktien gingen wesentlich gebessert aus dem Verkehr hervor. Badischer Zucker plus 1 Prozent, Frankenthalzucker plus 0,5 Prozent, ©tuttgart- zucker plus 2 Prozent. Deutsche Anleihen blieben vernachlässigt und hatten neue Kurs- abschwächungen zu verzeichnen. Kriegsanleihe 0,392’ Die Verluste konnten aber zum größten Teile wieder aufgeholt werden. Bon ausländischen Renten blieben Türken gefragt und gingen höher. Ungarn und Mexikaner waren unverändert. Der F r e i v e r k e h r war freund« lich. Beckerstahl 46 Prozent. Beckerkphle 62.5 Prozent. Benz 49 Prozent. Brown-Boveri 70 Prozent. Entreprise 9,5 Prozent, Growag 54 Prozent. Krügershall 93 Prozent Petroleum 73 Prozent, Ufa 53 Prozent, Ufra 69 Prozent. Im weiteren Verlaufe konnte die z u verst ch t l i ch e Haltung sich etwas vertiefen, zumal die Börse unverwandt daran fest- hält. daß die Bölterbundsversammluna, ohne einen Erfolg erzielt zu haben, nicht auseinander gehen kann. Die Stimmung wurde allgemein etwas fester, ohne daß jedoch damit eine wesentliche Gcschäftsbelebung verbunden war. Der Geldmarkt stand weiter im Zeichen verstärkten Angebotes, sodaß man mit einer Verbilligung des Satze« für tägliches Geld glaubt rechnen zu binnen. Monatsgeld stellte sich auf 6 bis 8 Proz je Adresse. Industrie-Qlszepte 6.25 Proz. Bankdiskonten 5 Proz. Im Devisen- verkehr ist eine nennenswerte Veränderung nicht eingetreten. Paris blieb gegen London mit 133,75 behauptet. Das englische Pfund hält seinen festen Stand gegen Kabel mit 4,86’ . 'Die deutsche Reichsmark war gegen Kabel gesucht Börsen kmle. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".) Berlin, 12. Marz. Die Zuspitzung de r Lage in Genf blieb auf die Börse nicht ohne Einfluß. Die außenpolitische Spannung wirkte sich in her Richtung aus, daß von allen am Börsen geschäst beteiligten Kreisen größte Zurückhaltung geübt lvnrde. Das Geschäft war bei Beginn außerordentlich klein, selbst an den führenFrankfurt a.M. Beilin Lchluii« Sture t-Uhr. fliir» üchluli/Anfana Hut» «t'l'N Datum: 11. 8. 12 3. 11 a. 12. 3, 5% Deutsche Retchtanleche 4% Deutsch« IHdelan leibe - OVV'/p Deutsche Vtnchönulcil-e 8% Deutsche ReichSanlcive • 0,305 0,3925 0.3075 0.385 0.3925 0,376 0,398 0.3725 0,3525 0,400 0. 16 i), 16*5 Deutsche -Zvarprämienanleihe 0,248 —— 0,215 4°/o Preußische KonsolS • ■ - 0,380 — 0.375 0,3775 4% Hessen ■ • . ...... 0,400 — 0,375 — 8WVo Hessen.......... y. Ätfitii ........... 0,3.8 1»; Deutsche Wertb. Dollar-Anl. 04,12 dto- Doll.°Schav heuert a g uNg, die am 15. März hier statt Huben |oll, sind getroffen. Im einleitenden Gotte» dienst in bei Kirche wird der Superlntenbeul von Dberhelicn, Oberkirchenrat W a g n e r, predigen. 'Rach einer Mittagspause, in der die auswärtigen Teilnehmer von den Familien linieret» Dorfes gast frei bewirtet werben, beginnen bis Verlwndlnngen um N Uhr Im Saale. Wieder wirb über blc wldi tige Frage her Sonntagsheiliaung ver Haubelt, wozu bas cinleitenbc Referat diesmal bei Vorfitzeube bei Doifkiiä»envereinigung, Dekm, Scriba, Eichelsborl, hallen wirb. Eine ein gehende Bofprechimg soll sich anfchlicßen. Büchertisch. — „Die Sinn ft", Monatshefte für freie und angowaubto Kunst (Verlag Bruckmmm, München) bringen in ihrem Märzhejt einen auch textlich sehr bebeutiiugsvoUeu Aussatz, in ivelchem Tintoretto und, a(i> Bollonber feiner künstlerischen Ziele, Greco einanber gegenübergestelll sinb. Sie belbe stob djurofteriftildje Vertreter eines Uebergangsstiles, bem heute bas Interesse sich in besondeiem Maße zuwenbet: eine Reihe großer schöner Abbildungen erläutert bas Gesagte. Es folgt ein reich illustrierter 'Aufsatz über Religiöse Kunst, eine her brennend aktuellen Fragen nuferer heutigen Kunst. — Ta» wirtschaftlich wichtige Thema „Wohnung und Sied lang" wird, ebenfalls nn Hand vieler vorzüglicher Bilderprobeu, aus Grund einer Aufteilung mDro den behandelt. Ans dem textlichen Teil sei nodi eine Sammlung köstlicher, hier zum erstenmal ueröffent lidjtcr Briefe von Wilhelm Busch genannt. Rundfunk-Programm bet Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Samstag, 13. Mär». 3,30 bis I Uhr: Die Stunde her Jugend. Au« dem deutschen Liederkranz (tiiebecDortragc Frankfurter Sdiulen). Rebsiöckerschule. II. Rkäd- chenklasse. Chorleiterin: Frs. A Feuerriegel. 4 bis 4,15 Uhr: Die Bücherstunbe II. 1.20 bi« 5.45 Uhl-: Konzert des Hausorchesters: Franz Liszt wid Hugo Wols. 5,45 bl« 6.10 Uhr: Die Lesestunde (für die reifere Jugend): Aus dem Roman „Die Regulatoren Im Arkansas" von Friedrich Gersiäcker. 6,20 bl« 6,45 Uhr: -5h-r Briefkasten. 6,45 bi« 7,15 Uhr: Fuirkhochschule Frankfurt. „Die neue Gestalt der Philosophie der Gegen wart Hl. Rietzsche (Bejahnng de« Lebendigen)", Vortrag von Privatdozent Dr. Helnernaim. 7.15 bis 7,45 Uhr Stenographischer Fortbil- bungdfurfu« für alle Systeme (Diktat von 80 Silben auswärts». 7,45 bis 8,15 Uhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: «Das Kastenwesen In Indien", Vortrag von Dr. Maria Müller. 8,15 bis 10.15 U»r: Adels Stoltzc-Abend Anschließend bis 12 Uhr Uebertraanna aus Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Letzte Nachrichten. Folgenschweres Brandunglück. Pfarrkirchen. 12. Rlärz. (WTB. Funkspruch.) Gestern, srilh brach In dem Anwesen des Gastwirtes Weit! in Furth bei Pfarrkirchen (Riederbayern) ein Brand au«, dem fünf Menschenleben zum Opfer fielen Belm Ausräumen einer Wohnung, die sich über einer Stallung befand, stürzke plötzlich die Zimmerdecke ein und begrub fünf Feuerwehrleute unter sich. Zwei waren fofovt tot, drei mußten In schwer verletztem Zustande in das Krankenhaus nach Psarrkirchen gebracht werden. Im Verlause des Rachmittags stürzte dann noch eine Giebel mauer ein und begrub drei weitere Feuerwehrleute unter sich. Alle drei tonnten nur noch als Leichen geborgen werden. Der fliegende Hund. Von Walter von Rummel. „Fledermäuse, so groß wie Adler", beschreibt der Ritter Pigasetla, der getreue Begleiter des Portugiesen Magalhae«, Die ersten fliegenden Hunde, die er erblickte. Richt schlecht gesehen! Denn mit seiner Flügelspannweite von einundeinhalb Meter macht der fliegende Hund, wenn er hoch oben seine weit auSgeholten Kreise zieht, einen äußerst stattlichen Eindruck. Hat man ihn dann aber unter den Händen, sind ihm die Flügel traurig und kläglich elngellappt, so bleibt nicht mehr allzuviel von der zusammengeschrumvf- ten majestätischen Adlerherrlichkeit übrig. Im übrigen konnte ich eigentlich nie finden, daß der braune, nicht einmal einen halben Meter lange Gefelle einem Hund so ähnlich sieht, daß er nach ihm hätte benannt werden können. Der Vergleich mit dem Fuchse trifft schon besser in die Scheibe. Der geschmeidige Körper, vor allem aber der spitze Kopf erinnert entschieden daran. Fliegender Fuchs wurde das Tier daher auch früher betitelt, eine Bezeichnung, die trotz ihrer besseren Berechtigung allmählich von dem jetzigen Rainen verdrängt wurde. Kleine, aber sehr schars geschliffene Zähne blitzen dem Fliegenden im Maule. Die glänzenden hellbraunen Augen schauen klug in die Welt. Der Gesamteindruck ist viel sympathischer als der einer Fledermaus, zu deren vielgestaltigem und weit verzweigten Geschlecht der fliegende Hund gehört. Ganz wie die Fledermaus hängt er sich mit dem Kopfe nach unten in möglichst großer Gesellschast tagsüber hoch oben an die Bäume zum Schlafen auf und lomnit, wenn er nicht durch etwas ganz Besonderes in seiner Ruhe gestört wird, erst de« Abend« nach Sonnenuntergang zum Vorschein. Dann sucht er eifrig unter den vielen Früchten des Landes nach Rührung, im ewig gedeckten Paradiesgarten der Tropen ist an ihnen selten Mangel. Fuchsartig, wie er aus sieht, verschmäht der fliegende Hund es auch nicht, einem unbedacht zu lange sitzenbleibenden Vogel den Kragen umzudrehen, oder seine (Sier auszulöfsein. Er weiß, was gut schmeckt, und so Ist er wieder, wie Detter Fuchs, auch einer sich gelegentlich bietenden Fischmahlzeit ganz und gar nicht abgeneigt. Aber — „leider", sagt unser fliegender Hund — auch er selbst ist durchaus nicht davor gefeit, ausgefressen zu werden, ilnb zwar wieder einmal von dem größten Raubtier der Erde, von dem Menschen. Die Eingeborenen der Troven- gegenben, in denen er heimisch ist, verschmähen ihn keineswegs. Der und jener Europäer mag sich ihnen anschließen. Schon der wackere, mit einer guten Gesundheit und dem besten Magen der Welt begnadete Ritter Pigasetta tonnte eS sich nicht versagen, eine von den Fledermäusen, die groß wie Adler waren, zu fangen und zu verzehren. „Sie schmeckte wie ein Huhn", erzählte er nach Tische befriedigt. Ich weiß nicht, ob der italienische Feinschmecker richtig urteilt, denn ich selbst habe nie einen sliegenden Hund gekostet. Der erste, den ich in unfreiwilliger Gefangenschaft sah, hat mir den Appetit daran für immer verdorben. Einige Insulanerjungen hatten Uyn in einem Paimenwipfei gegriffen und wollten ihn gerade abtun, als ich dazukam. So recht aus tiefster Seele betrübt, als ob er baß ihm bevorstehende schreckliche Schicksal bereits ahne und mich nun bitten wolle, es von ihm abzuwenden, blickten mich, Hilfe erwartend, seine sprechenden Augen an. Ich tat denn auch mein möglichstes, ihn zu befreien. Aber Die jungen Kanaken waren auf ihn äußerst erpicht und wollten ihn nicht loslassen. Die Eltern kamen herbei und schlugen sich auf die Seite der Kinder. Al« einziger Europäer unter lautet Braunen, der allereinzlaste Weiße auf der ganzen Infel, hatte ich den Landessitten Rechnung zu tragen, mußte vorsichtig fein und konnte an irgendwelche Gewaltanwendung nicht denken. So mußte ich Den armen Kerl vreisgeben Aber dafür habe Ich mich an den vielen lebenden Brüdern des so traurig Dahtnaegange- nen noch oftmals um so mehr gefreut. Wenn Die glühende Sonnenlugel im Westen hinabgerolil war, kamen die ersten aus den Daumwipfeln hervorgeflogen und läuteten mit ihren großen Fittichen den Abend ein, schwebten dahin, glitten dorthin, hoben fich in fcharfen Umrissen vorn blaß werdenden Firmament ab. Als schwarze Boten zogen sie ihrer stillen, dunkeln Herrin, her Rächt, schweigend voran, fügten ihre Ankunft bem Lande und dem Meere an, aber nie durch irgendein Wort, einen Laut oder Sang, immer nur durch Flug und Erscheinung. Mm die Gipfel der Palmen, die Spitzen de-r Berge ziehen Ile die runden, ha nnoni scheu Kreise, ruhigen, fast feierlichen Fluges, wie schöner und sicherer aud) Der König der Lüfte, der Adler, nicht schweben tänn... ein Bild, nicht wegzu- denken au« bem kurzen, in seiner raschen Vergänglichkeit schwermütigen Abend der Tropen. Empfindsame Kopfjäger. Gegen die Ragas, die in den Berbwildnlssen des oberen Birma leben und noch an der sitte der Kops« Jägerei fcsthalien, rüstet fetzt die britische Regierung eine Strafexpedition aus, nachdem dieser Stamm sich auf eine Aufforderung hin geweigert hat, auf diese barbarische Sitte zu verzichten. Wenn man sich unter Kopfjägern grausame und blutdürstige Wilde norjtellt, so trifft man bei den Ragas nicht das Richtige. Sie find — wenn man fo sagen darf — die Gentlemen unter den Kopfjägern, ein fleißiges und sympathisches Völkchen, dos als einzigen „Schönheitsfehler" In ihrem Charakter eben die Kopfjägerei Hut. Ein englischer Kolonialbeamter, der lange unter den Ragas gelebt hat, führt In einem Ausfaß über diesen Stamm die Tatsache an, daß es bei ihnen al; ein Verbrechen gilt, eine Blume abzubrechen oder eine» tedjmcltcrling zu täten. Diese „t-mpflnö|omcn" Leutchen, die sich her Bestellung ihrer Mohn- und Reisfelder widmen, vermnudein sich nur einmal im ilohr zu grimmigen Mördern, nämlich gegen Ende März, in der Zeit bei Ernte, wenn es gilt, den Crntegöitern Menschenopfer dar Aiibringen. Dann dröhnt dav dumpfe Gemurmel der Trommeln von den Hügeln, und die Kopfjäger streifen durdj die Wälder und) neuen Trophäen, die die Schädelhuiue jchmilcken sollen. Die Ragadörfer, die unn undurchdringlichen Barrikaden uue Tarnen und Kaktus umgeben sind, können nur durch einen gewundenen und schmalen Gang befreien werden, aus dessen Boden vergiftete spitze Pfeile hervor ragen, um unerwünschte Fremde, die sich einschlei- d)eii wollen, zu toten. Diese Dörfer sind untereinander durch Haine von heiligen Bäumen verbunden. Ill diesen Hninen, deren dichtes Zweiggewirr die Sannenstrahien abhält und ein düsteres Dunkel schasst, stehen in nnheiinllchen Reihen die Toten- vsähle, fdjeußllch geschnitzt, mit leuchtenden Ockerfarben bemalt, und mis der Spitze jede» Pfcit)lev grinst ein Menschenschädel. Kehren die Kopfjäger von ihren furchtbaren Jagden mit den Opfern zu rück, dann wird ein Tanz nbgehalten, die Gesänge nen erholten ein prächtiaes Mahl und werden in die schönsten Kleider gehüllt, die man finden kann. Die Ragas bitten ihre Opfer ausdrücklich für jede Unannehmlichkeit um Verzeihung, dis fie ihnen aus Grund ihrer Bräuche bereiten müssen: sie erklären ihnen, daß die Opfer zu Ehren der Crniegötter dar- gebracht werden, daß ihre Sdjäbel der Auszeichnung teilhaftig werben, Im heiligen Hain zu prangen unb ble bösen Geister unb Dämonen abzuhalten, die die Dörfer umlauern und Pest oder Hungersnot bringen. Dann werden den iinglüalichen Opfern Köpfe, Hande unb Füße abgeschnitten, und es folgt eine Orgie, bei der viel Opium genossen und starke Getränke fit' trunken werden. Tic Köpfe, Hände unb F4jße bei Opfer werben auf Pfählen in feierlichem Zuge burch die Opium* unb Rewselber als Dankesopfer für blc Erntegötter herumgetragen und Ichließlld) in de. Reihe bei '.otcnpfähle ausgestellt. Tie Schöbet uiüHen ooii Fremden stammen, denn der Kaps eines ’ilnga würde nicht Fruchtbarkeit und (0lü(f bringen, sondern jein Geist wurde die Stammesgenossen ner folgen unb beunruhigen. Zum Osterfest Jlr. Am Schuhhaus Schirme f Detr. kauft man preiswert bei [2167D 9 Kl. = 3 Fstm. 1 3 Kiefern-Stämme 5. Fischer: 22901) 145 Fichten- 3.-5. 5 Rm. Buchen. 2 Rm. Eichen-Scheitholz 4.8 4,6 20 66 MarktstrasselB 10,2 5,4 Drei Gewime Nur noch bis einschließlich Sonntag: 2, |jf!i Mäusburg 17 01725 Es ladet ein der Vorstand. Palast-Lichtspiele, Kirchenplatz Eingang Ecke VolkSbad. Kein Laden. PERF10R 4Ä* Inhal Dermö Hain i Sichen-Stämme 6. (Wagnerholz). Birken-Stamm 4. Kl. 0,45 . 1,25 . 95 An di vorübe sürsvrg A lvsmfi ordne mit i lung a) 3 zur ( 1926 durch <7 14. April /Beginn neuer Kurse' Vogtsche BaodelsgchaleGleöen (kGoetbestraße 32 2 X. 2256a Äf b)f g i gl l1t, !* Di in Kra Di Ahend-Unterhaltung des Gesangverein Germania BMeiio Sonntag, den 14. März 1926, abends 8l,2 Uhr, auf Wunsch Wiederholung: Die Trutziiesel von Anzengruber. Singspiel in 3 Akten. „Unsere Kinder“ Musikalische und gesangl. Darbietungen. Nutz- und Vreunholzversteigerung. Dienstag, den 16. März I. I., vormittags 10 Llhr anfangend, kommt im Gemeindewald zu Wohnbach folgendes Holz zur Versteigerung. Zwangsversteigerung. Freitag, den 6. April 1926, vormittags 10 Ähr, soll das dem Friedrich Karl Sack in Heuchelheim zugeschriebene Grundstück Flur 36 Rr. 140 = 1271 qm Acker, Gemarkung Gießen, auf dem hiesigen Amtsgericht, SihungssaallOl, versteigert werden. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Giehen, den 12. Februar 1926. 3. A. des Hessischen Amtsgerichts. Leo, Ortsgerichtsvvrsteher. 14678 ® Aa m?Qr| fv ü-ebl Siebes Zelinü, k""ln ? etiet Qu^llet Kiefern, 20,5 Am. Ficht.-Knüppelholz , Eichen, 20 Am. Fichten-Reisig Fichten-Stockholz. Suche eine WW M au kaufen. Schrift!. Angebote unt. 01738 an den Gieß. Anz. Nächsten Montag, den 15. März, von morgens 10 Ähr ab, soll das im Gemeindewald Rodheim a. d. Bieber vorhandene Ruhholz und zwar zirka 115 Fstm. Dadelholzstämme und Rutz- scheiter, zirka 15 Fstm. Eichenstämme und Rutzscheiter im Saale des Gastwirts Karl Schlierbach IV. zu Rodheim öffentlich versteigert werden. Rodheim a. d. Bieber, den 11. März 1926. _______Leicht, Bürgermeister. 2306V MNlW,SM4.Mrz,M8.8W ber Lukas-Gemeinde im Lukassaal. Vortrag des Herrn Kreisschulrates Meyer Gießen, Bahnhofstr. 30 neben Schade & Füllgrabe ___________________________________________ 2300a Dieeiserne Braut 8 Akte von deutschen Schiffen und blauen Jungens. Hauptrolle: Otto Gebühr Claire Rommer, Erna Morena, Werner Pittsohau Eintrittepreise: Hk. 1.—, 1.80, 1.60. 2.—. Jugendliche unter 14 Jahren nur nachmittags 50 Pfennig und Mk. 1.—. Anfang: 4 ühr — 6 Uhr — 8.15 Uhr. Großes Orchester! Großes Orchester! Pfeiffersche Buchhandlung Walltorstr. 21 Fernruf 1342 Zeitschriften-Lesezirkel nur M.1.50 monatl.u. höher. Man verlange Prospekt 229 3D benötigen auch Sie ein Paar »«■neue Schuhe Ich bringe eine Riesen-Auswahl der neuesten Modelle zu den billigsten Preisen! 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Ach, ganz im Gegenteil!! Ein Weib, ein echtes, urgesundes, lebensfrohes Weib. In einem kleinen Finger mehr Weib als alle die zierlich gekleideten und geputzten Frauen und Mädchen zusammengenommen, die sich jetzt in der Halle um sie drängten — ihre Schwester Grace nicht ausgeschlossen. Von allen Seiten liefen die Gäste herbei. Selbst die Langschläfer fuhren hastig aus ihren Betten, denn die Eremitin von Sainsbury Castle so unverhofft lebend und leibhaftig anstarren zu können, war schon Genuß, dem man den Rest des Morgenschlafes zum Opfer bringen konnte. Durch den Spektakel, der auf einmal durch das ganze Schloß lärmte, wurde auch Lord Burnham aus seiner Bibliothek aufgestört, wo er gerade mit seinem Sekretär die Morgenpost durchging. Ein Eilbrief von Karaschin war dabei — doch selbst der blieb liegen. „Halloh, old girl!" rief der Lord, als er in die Halle hinauskam und erkannte, wer der Mittelpunkt des aufgeregten Schwarmes war. „Was bringt dich denn zu so ungewohnter Zeit in die väterliche Hütte?" „Meine Pferde", lachte Gloria und wies auf die Rampe, wo noch ihre vier Goldfüchse schnaubten und die kleinen Köpfe übermütig hin- und herwarfen." „Deine Pferde?" Alle Welt sperrte überrascht Augen und Ohren auf. Da gab es wieder ein neues Stück der „tollen Sitte Ware! Billige preise! Moderne Zormen! Abteilung I W8 Hier finden Sie tn großer Auswahl: Herren-Anzhge, v. elnf. bis z. eleg., von Mk. 20.— W bis Mk. so.— u. höher. Frack- und Smokinganzttgo sehr BH billig. Sporl-Ansage von Mk. 36.— an. Konilrmandoii- W Anzüge von Mk-18.— an. Kinder-Anzüge für 2—8jähr- zu Schieuderpretsem Onrnmi-ffläntel von Mk. 16.— an- Bozener ütüntel in all.Preis!. Lodentoppen v. Mk. 14.- an. 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Hessische Bürgermeisterei Wohnbach. ___________Kratz.__22920 Steckzwiebeln grobe Vorräte, per Pfd. 60 Pf. samenhandlg. Eugen Scheel Ar. bi E JDie S-i 2 lohn, ’eL 5&eÄ /agundEesch zr-nisurta"" Herzoain"! Zahlreiche Frauenzunglein spitzten sich erwartungsvoll. Gloria gab ihrem Vater einen schallenden Kuß und zog ihn hinaus zu dem Gespann. „Schau sie dir an, Vater!" sagte sie. „Vierjährig find sie und haben die zweihundertsechzig Mellen von Sainsbury Castle bis hierher in genau achtunddreißig Stunden gemacht, die Haltestationen nicht mit eingerechnet." „Gott segne mich!" stöhnte Mylord. „Du willst doch nicht sagen, daß du mit dem Wagen von dir hierherkommst?" „Das und nichts anderes will ich sagen. Ein Auto kann ich mir nicht leisten, in der Eisenbahn mag ich nicht fahren — also warum nicht die Romantik der alten Mailcoach wieder einmal aus- foften? Es war herrlich, einfach herrlich!" „Das glaube ich dir, mein Kind", erwiderte ihr Vater leise und drückte ihr zärtlich die Hand. Er hatte sie immer verstanden und verstand sie nie besser als in diesem Augenblicke, da er sie so stolz, so frisch, so stark in ihrem einfachen grauen Homespun vor sich stehen sah, umrahmt von dieser geschniegelten und gebügelten Gesellschaft. Die aber geriet außer Rand und Band. „Fabelhaft!" schrien die Herren. „Toll", zischelten die Damen. Grace bemächtigte sich der Schwester. „Du wirst doch hungrig und müde sein", fragte sie. „Wie wäre es mit einem ausgiebigen Frühstück?" „Je ausgiebiger, desto besser. Ich bin von Kirk- field, wo ich meine letzte Sation hatte, um sechs Uhr abgefahren — so fünfundzwanzig Meilen scharfer Fahrt machen aber von neuem blutdürstig." Grace gab dem Butler an Ort und Stelle ihre Anweisungen. „Komm' inzwischen hinauf in dein Zimmer," sagte sie, „wasch dir den Staub und dieses plebejische Rot von deinen Wangen! Wo ist dein Gepäck?" „Hier." Mit schreckerfülltem Auge starrten Grace und ihre Gefolgschaft auf den einzigen, nicht allzu voluminösen Handkoffer, den der Groom vom Wagen hereingebracht hatte. „Das ist alles?" stammelte Grace, als sie sich erholt hatte. MMlH 1900 e. B. Wen. Der bereits ungesagte Herrenabend findet am 13. Marz in den Räumen der Liebigshöhe statt. Beginn 8 Uhr Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 01733 Der Vorstand. jiiurtvu oaiustwK« »u « uur» uuu ovnuiagi ab 3 Uhr: Paul Richter,der Darsteller des Siegfried In Pietro,derKorsar Nach einem Roman aus der Renaissance. 6 Akte In weiteren Rollen: And Egede Nissen, Bndol! Klein- Rogge, Frieda Richard, Georg John. (2307c Freitag und Samstag M.WWW 1 Mark 2305V sowie Samstag und Sonntag in meinen Mirtsräumen Konzert Fritz Keßler Pferdemetzger und Gastwirt. N Die tolle Herzogin. Rvman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Aber Gloria war Gloria. Sie kam nicht zu ihrem Vater gelaufen und jammerte ihm ihr Unglück vor. Sie verkaufte ihre Perlen und Brillanten und legte eine Schafzucht an, für die ja die weit ausgedehnten Weiden auf den welligen Cheviothügeln einen prächtigen Boden abgaben. Als es mit den Schafen gut vorwärts ging, kaufte sie Stockberry Farm, die einst den Sainsburys gehört hatte, zurück und machte ein Gestüt daraus. Denn Pferde liebte sie. Pferde waren ihre Leidenschaft Pferde und Hunde. Für die Gesellschaft wurde sie so etwas wie eine Einsiedlerin, um die der Salonklatsch alsbald mit liebevollem Bemühen allerlei Sagen und Legenden lebte. Nach London kam sie fast nie, nur jedes Jahr zum Weihnachtsfest nach Burnham Tower, um mit Vater und Schwester ein paar stillvergnügte Tage zu verleben. Sonst hockte sie Sommer und Winter in dem alten Gemäuer, erzog ihren Sohn, inspizierte ihre Schafherden, sorgte sich um ihre Mutterstuten und ließ die Londoner Lästermäuler schwatzen, was sie Lust hatten. Sie ritt ihre Pferde selber zu, war auf Woll- und Landwirtschaftsfachschriften abonniert. Führte fid) ihre Bücher eigenhändig. Brachte ihren Jährlingsstock auf den Auktionen in Newmarket selber zum Verkauf. Ließ sich weder von einem Wollmakler noch von einem Pferdehändler übers Ohr hauen. Konnte mit Gewehr und Pistole umgehen wie ein Cowboy in Nevada. Ihre Kleider nähte eine Hausschneiderin, die viermal im Jahre von Newcastle aufs Schloß kam. Und — sie hatte keine Liaisons! Keine Flirts! Was man ihr auch alles nachraunte — in diesem Punkte versagte alle Verleumdungskunst. Aber — „Sie ist toll", sagte eines Tages die Gräfin Lembroke, erste Hofdame der Königin. Das Epipheton blieb Gloria, und jeder nannte sie die „tolle Herzogin". Warum eigentlich, wußte von allen denen, die ihren Witz an ihr kühlen zu können glaubten, kein einziger. Vielleicht hielt man sie für toll, weil sie nicht in den Tag hineinlebte, sondern ehrlich schaffte und arbeitete. Das war in tu S™ Dagewesenes Ss!? 60000 norfJnie Wfflftaftn/flte « öligen ZMDWss SÄSggs mehr erforöer/ich finä nicht j bunte Stoffe kalt a unö «elöe, Pech« iß ein M^LLAwa-m Mot. unSntnrmtöochieöcn§lelk^sÄ?tt!»^ §°röen 'LLBZMSSK Pro«: pofe, ßtl «, M”* äTsf •Ä" MS, de ne>- jtnem Diplom' Wage" öd» (cftetQtiats 'M abpre||en, in ; Mgelmaßigken den die Berhc aber das alles daß die Grund gen überaus h in kürzester 3 oder so swas „Nun, ist das nicht genug?* lachte ihre Schwester. „Sind sogar zwei Seidenkleider drin! Dernier cri de Newcastle!" Oben auf dem Zimmer waren sie allein. „Warum kommst du dieses Jahr so früh?" fragte Grace. „Hat dich auf einmal Sehnsucht nach ekler House-party gepackt? Ist übrigens ein ganz amüsantes Lot beisammen. Morgen wollen wir einen Golfmatch arrangieren."-- „Ich habe einen Brief von Harald bekommen." „Ah--!" Grace verstummte. Ihr frohes, leichtsinniges Lachen fror ihr auf den Lipepn fest. „Was schreibt er?" fragte sie endlich — zögernd, ängstlich, als fürchtete sie die Antwort. „Er schreibt, aus Marseille. Die Jacht langweilt ihn, Algier, Tunis, Monte Carlo — alles langweilt ihn. Er will für einige Zeit nach Paris — ich glaube, um England näher zu fein." „Sprich feinen Unsinn, Gloria. Du weißt recht Gloria, die während der Unterhaltung ihre Toilette beendet hatte, trat vor die jüngere Schwester hin, faßte deren beide Hände und zwang sie, ihr in die Augen zu schauen. _ „Ich weiß, was ich weiß! Ich weiß, däß"Harald dich immer noch liebt, und daß du unverantwortlich gehandelt hast." Grace machte ein Mäulchen wie ein trotziges Kind, das gescholten wird. „Wer hieß ibn," rief sie, „wegen der harmlosen, wirklich harmlosen Geschichte mit Rutherwall gleich solchen Lärm zu schlagen, so daß ich jetzt in aller Leute Munde bin! Und die Sache war harmlos — ich schwöre es dir! Ich habe sie ganz offen und ehrlich Papa erzählt, und er hat mir recht gegeben!" „Der gute Papa! Ich kann mir denken, wie du Licht und Schatten bei deiner Erzäbluna verteilt hast! Ich aber gebe dir nicht recht, meine Liebe. Ich gebe Harald recht, der vielleicht ein etwas trockener und steifer Bursche ist, aber ehrlich und treu. Und dich trotz alledem noch immer liebt. Viel ehrlicher und wärmer liebt als alle diese Lassen, die dir um die Wette erklären, sie sind jede Minute bereit, für dich zu sterben. Mein Gott, Grace, du bist doch kein Kind mehr, willst du denn nicht endlich Vernunft annehmen?" (Fortsetzung folgt.)