Nr. 9 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 12. Januar 1926 vrttck UN- Verlag: vrühl'jche Univerfitürr-Vuch- und Stdnöruderei H. Lanze in Sietzen. Zchriftlettung und Grschiftzffrlle: SchuNratze 7. Um die Große Koalition 'ins. Annahme von Anzeigen für di« lagcsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis fSi 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennigi für Re« kiamean^eigen von 70 mm Breite 35 Neichspfenmg, Platzvorfchrift 20' , mehr. Chefredoktsur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. WUH. Longe: für Feuilleton Dr tz Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gieren. 5« erheb- verden, Kabmettskrifis in Oesterreich. Wien, 12.San. (TU.) 3n dem gestrigen Ministerrat teilte Außenminister M a t a j a mit, daß er zurückzutreten beobacht ge. W.e in parlamentarischen Kreisen verlautet, ist eS nicht ausgeschlossen, daß das ganze Kabinett im Laufe der nächsten Tage zurü-cktceten wird. Falls der bisherig? Bundeskanzler Ramel die Rrub l unz deS Kabinetts nicht mehr übernehmen sollte, so dürfte nach Auffassung in parlamentarischen Kreisen der ehemalige Bundesländer Dr. Seipel wieder in Frage kommen. Die Sozialdemokraten haben zu verstehen gegeben, daß sie eine neue Kanzlerschaft Dr. Seipels als eine Kampfansage betrachten werden. Weise zu regeln. Es soll den zuständigen Landes- Chorden die Möglichkeit gegeben werden, je nach I krm örtlichen Bedürfnissen die Verabfolgung von Brot nach einem bestimmten Gewicht anzuordnen, um das System des festen Drotgewichts im Int ereile einer angemessenen, die Bevölkerung befriedi- xmden Preisbildung einzubürgern. Ferner soll :utc mittag hatten im Reichstag die Abg. Fehrenbach (Z.), Dr. Marx (Z.) und Koch-Weser (Dem.) eine Besprschung mit dem Abg. Müller- Fratrken (Soz.). Es wurde darauf hingewiesen, daß die Bildung der Großen Koal tion iretwentzig sei. Der Abg. Müller-Franken bemerkte aber, daß er keinerlei Erklärungen abgeben tonne, daß er die Entscheidung vielmehr seiner Regierungsfraktion überlassen müsse, die am Dienstag nachmittag nach dem Plenum zusammentritt. 3n parlamentarischen Kreisen wird damit gerechnet, daß die Führung des Zentrums und der demokratischen Partei der Sozialdemokratie nunmehr die Frage nach einer klaren Entscheidung vorlegen, und daß späte st ensDonne r s t a g mittag eine Persönlichkeit mit der Aeubildung der Rcgirrm'.g beauftragt wird. Die Aussichten dieses nochmaligen Versuchs zur Bildung der großen Koalition werden auch in den Kreisen des Zentrums und der Demokraten sehr skeptisch beurteilt. Die „Tägliche Rundschau" sagt: Beschweren die Sozialdemokraten ihr etwaiges 3a mit der Last ihrer damaligen Voraussetzungen, so sprachen sie damit ein Rein auS. Rotwendig ist eine sozialdemokratische Entscheidung, ob sie ebenso wie die anderen Parteien ohne parteipolitische Voraussetzungen die Verantwortung übernehmen will, allein in der Absicht, eine sachliche Regierungspolitik zu treiben. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Wer unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur das Parteidogma gelten lassen w ll, beschwort unmittelbar eine Staatskrisis hrr- auf, die in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise besonders nachteilige, sowohl inner- wie außenpolitische Wirkungen a slösen müßte. Von dieser Erkenntnis ausgehend, g.Ü es, in der entscheidungsschweren Stande, d.e uns be'oorstehl, eine von parteiischen Bedenken freie Wahl zu treffen. Sich rlich kann das wrtfchast- liche Moment nicht das allein ausschlaggebende- sein. Es gilt aber, die bereits eingeleitete Entwicklung cb-er Wi'dergesundung unserer w'rt- schaftlichen Verhältnisse in gerader Linie weiter zu verfolgen, da ja ohne die wirtschaftliche Gesundung auch fei n Gedeihen des Staatsganzen möglich ist. Es müssen daher gerade für das kommende Reichskabinett Persönlichkeiten für die aktive und verantwortlich» Tätigkeit innerhalb der Reg'-rang gewonnen werden, di» den eingesteuerten M tte'.k t8 sowohl inner- wie auhenpol t sch festz^ halten in der Lage sind. Man baut Drücken für die Zukunft unseres Volkes mir auf der festen Grundlage des Realen. Für die Volksgem'i^schaft und die sie tragenden Kraft • muß die Mittellinie gehalten und gegenüber u radikalen Stürmern von rechts und links energisch v rteid-igt werden. Hatte das Kabinett Luther b'sh-r diese Vorausschung erfüllen können, so muß auch bei einer Renb'ldung das Gewicht auf eine, dauernde Kr sen gegen- über unerschütterliche Reichsvegierung gelegt werden. ttitz Hchn. in Tateinheit mit bergan- abgelaufene Dvchen- dH er die Wochen- on der so gefälschten Gebrauch )er Sperre vorgeigte Frankfurt zu fahren sparen. Doch wurde perre die Fäischunr Vorhaben vrrMt. richt auch die von ausgegebenen Fahr- ürkunden erklärt hak, in schwerer Fälschung »estrast werden. Unter instande wurde gegen ige Akindeststrase von lis erkannt, rncrweckenden Firma t Giehen ein Han- iem ihm in sehr kurzer den Kops gewachsen finanziellen ‘MM* ch. in außerordentlich tiger Weise in einer sälschungen und Aan- nckrm er auf einem icn der Bezogenen und diese dann an seine tt zur Tilgung (einet ihm ckllsgehändift r Wechfelsnmme M irunb des ErgeSnM öS K Anüage. d. h. der ävaiurkunden für uber- den Angeklagten dem end und seiner b'.shen- itgrhendm Wahr mu° ligt wurden, auf emc r Gefängnis, die Reichsbahn nur aus einer lebendigen Volkswirtschaft Einnahmen einziehen könne. Die Reichsbahngesellschaft habe die eingehende Nachprüfung des gesamten Normaltarifs einschließlich der Gütereinteilung eingeleitet. Daß die Durchfuhrtarifpolitik der Reichsbahngesellschaft für die deutsche Wirtschaft Gefahren brächte, erkannte der Minister an, mies aber darauf hin, daß die Reichsbahn den ihr vom Auslände aufgezwungenen Kampf aufnehmen müsse, um nicht bei der Verteilung des europäischen Gesamtoerkehrs den ihr zukommenden Anteil dauernd zu verlieren. Der Minister wies dann auf die Erschwerungen unserer Luftfahrt durch das Ausland hin. 317 jungen deutschen Flugschülern stünden 10 000 nach dem Krieg ausgebildete französische Siloten gegenüber. ES sei unbillig, unter diesen mständen von einer militärischen Bedrohung seitens Deutschland zu reden. Der Luftverkehr könne heute nur noch durch Subventionen aufrecht erhalten werden. Reichs, etig werde man vorwiegend die großen transkontinentalen Linien fördern, daneben auch die technische Entwicklung der deutschen Luftsch-ffahrt sei aber nur möglich, wenn die durch den Versailler Vertrag Deutschland aufgezwungenen Bedingungen und Begriffsbestimmungen beseitigt würden. Im Kraftfahrzeugverkehr müsse Deutschland den Rückstand gegenüber anderen Rationen aufholen. Rormurrg und Verringerung der Typenzahl müsse Bau und Betrieb verbilligen. Die Reichsbahngesellschaft Während es das Ziel der deutschen Delegation in den allgemeinenVerhandlungen ist, toen'g- stens die Rechte des Versailler Vertrages wiederherzustellen. erstreben die Luftverkehrsverhandlungen mit Frankreich eine Verkehrsgemeinschaft, die paritätisch die Heber» füegung deutschen und französischen Gebietes ermöglicht. In diese Verhandlungen müßte im weiteren Verlauf auch z. B. die Tschecho-Slowa- kei einbezogen werden zur Herstellung der Linie Paris—Straßburg—Prag. Es kann sich also nicht darum fjanbeln, daß etwa Deutschland Die Heber» fliegung deutschen Gebietes gestattet gegen die Erlaubnis, sein eigenes besetztes Gebiet zu überfliegen. t Wetzlar. Wegen Betrugs mr .licke Gärtner Kar *D- L erschien an -mm i dem Zeugen D, gab He De^^2alb »er- i habe 1«£ *2 Mhlar iw» Die aem v n ^nem en ®e uJ ncko<7 Petrus,nXT MgraMlN tt Lender » müsse mit dem Kraftverkehr zuswnmenarbeiten, dürfe ihn jedoch nicht monopolisieren. Schon die heutige Eickwicklung haben den Straßenbau vor schwerwiegendste technische und finanzielle Fragen gestellt. Ein Entwurf über die Reugestaltung der als Zwecksteuer gedachten Kraftfahrzeugsteuer liege zur Zeit den gesetzgebend en Körperschaften vor. Die Luftfahrtverhandlungen in Paris. Berlin, 11. Ian. (TA.) lieber die Luftfahrtverhandlungen in Paris erfährt die ^ele- graphen-llnion von unterrichteter Seite: Es ist zu unterscheiden zwischen den Luftfahrtverhandlungen, die mit F r a n k r e i ch geführt werden, und den allgemeinen -uft- fahrtverhandlungen, di? mit der Doti sya ft e r - konferenz geführt werden. Beide Verhandlungen laufen nebeneinander her. D:e aLgemetnen LuftfahrtverHandlungen drehen sich um folgende drei Punkte: . 1. Aufhebung der Baubeschran- fungen und Begriffsbestimmungen aus dem Londoner Ultimatum. 2. Aushebung deS V rbotcs der A n l ' g u n g von Flughäfen in der neutralen Zone, was mit der Untersagung von ^Mobilmachungs- Vorbereitungen" aus dem Versailler Vertrag begründet wird, und 3. um bie Ueberflicgung des besetzten Gebietes, die Deutschland willkürlich verboten ist. ^'Ichen 3 btt und des Au! leine 1 6,e ? 2^Mil t und ihin^^in r bewuß t °us rattur S8 Il?9«i >°rausae^. ' ^n > die i. Das AM «i «s*»* «Sä Deutsche verkehrspolitik. Ne chsvcrkehrsministcr Dr. Kröhne über seine 3 cie. Essen, 11.Ian. (WB.) Reichsverkehrsminister Di. Kröhne hielt hier vor der Volkswirtschaftlichen Vereinigung für die Ruhr einen Vortrag üter die von ihm verfolgten Ziele. Ausgehend davon, daß der Verkchrsminister auf die Repa- 1 r . dm i Die Parteien sind in die entscheidenden Schlutzverhand.unge - über die Regierungsbildung getreten. Die Vorsitzenden der demokratischen und Zentrumsfraktion, die Abgeordneten Dr. Koch und Fehrenbach, erschienen gestern beim Reichspräsidenten, der darauf„nach dem Wortlaut dchs amtlichen Kommun'quös" M3 Ersuchen an die beiden Parteien richtete, „alsbald eine endgültige Klärung der Frage der großen Koalition zu veranlassen". Man wird also noch einmal die Möglichkeiten und Aussichten der sogenannten großen Koalition erörtern und letzten Endes die Entscheidung so lange zurück stellen müsten, bis aus der einen Seite die Deutsche Volkspariei und auf der andern die Sozialdemokraten ihr Votum abgegeben haben. Durch das einhellige Bekenntnis des Zentrums zu einer möglichst breiten Parteigrundlage für d.e Kadinettsbi düng hat sich die S.ellungnahme die'er Partei als der ausschlaggebenden Mit elpartei zur Mehrheitsbildung im Reichstag in keiner Weise geändert. Dagegen bleibt die Haltung der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion noch ungeklärt, die erst heute abend über die Frage der Beteiligung schlü'sig werden wird. Cs bleibt also immer noch eine gewisse Frist für die in ter- parteilichen Verhandlungen, die sich hauptsächlich zwischen der Sozialdemokratie und der Deutschen Volkspartei abspielen werden. Im sozialdemokratischm Lager selbst ist die auf einer Konferenz der Vertrauensleute in Cassel nach einem Referat des Abgeordneten S ch e i • bemann angenommene Entschließung, in der die Derwiicklichung der großen Koalition als wünschenswert bezeichnet wird, zwar in gewisser Weise richtungweisend aber noch nicht ausschlaggebend. Der linlsradikale Flügel der Partei hält noch heute am Dezemberdeschluh fest und bezeichnet jedes Abweichen von dieser Grundlinie als einen Bruch mit den Parteitraditionen. Auch in Cassel hat man sich dafür erklärt, daß an einer bestimmten Zahl von Forderungen in der Sozialpolitik unbedingt festzuhalten sei. Man wird von stozialdemokratischer Seite aus diese präzisierten „BMngunge^ vr-- aussichtlich erst am Mittwoch der VolWpartei präsentieren, von der man im übrigen^ auch noch eine Zusicherung in der Frage der Fürstenabfindung im Sinne des s ozialdemökralischen „Volksbegehrens" verlangen wird. Es läßt sich heute noch nicht übersehen, welche Formulierung die sozialdemokratische Partei ihren Wünschen zu geben gedenkt. Die Deutsche Volks- Partei hat bereits im Dezember ihre klare Haltung dahin erklärt. Mß sie an dem Gedanken der Zusammenarbeit aller Parteien im Interesse des Reiches festzuhalten gewillt ist. Gleichzeitig aber hat sie kein Hehl daraus gemacht, daß sie sich in ihrer politischen Willensrichtung nicht von den Wünschen einer Partei abhängig machen wird, die, dem Druck der Massen nachgebend, nur die Gelegenheit sucht, rein sozialistische Programmforderungen zu verwirklichen. Eine Mitarbeit an einer Verbesserung der sozialpolitischen Gesetzgebung, soweit sie i m R a h - men der heutigen Wirtschaftsord- nung und der gegenwärtigen Rotlage möglich ist, hat selbstredrns die Deutsche Voltspartei niemals abgelehnt. Sie wird aber schwerlich dazu beitragen, Aktionen zu befürworten, die in ihrer letzten Auswirkung wirtschaftsschädlich, unter älmständen sogar wirt- schaflszerstörend sein würden. Wenn die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ihrerseits auf einem ablehnenden Standpunkt verharren und nicht das zu erfordernde Maß von Rachgiebigkeit aufweisen sollte, bleibt nur die Möglichkeit einer Minderheitskoalition vorhanden Daß auch für diesen Fall nur ein parlamentarisches Reichsministerium in Frage kommen könnte, ist ein Standpunkt, der auch von der Deutschen Dvlkspartei gestellt werden dürfte. Der Preisabbau. E,twurf eines tt)es tzcs zur föJrömntq des Preisabbaues. Berlin, 11. Jan. (WTB.) Im Reichs- ioirtschaftsrat finden zur Zeit Beratungen über einen Gesetzentwurf zur Förderung des Preisabbaues statt. Dieser Gesetzentwurf soll das Gefundungswerk fortsetzen, welches 1925 mit der Verabschiedung der Aufwertungs-, Steuer- und Rotgesetzgebung seinen Abschluß fand. Die Sicherheit des Wirtschaftsverkehrs soll weiter gefördert und in erster Linie der freie Markt wieder herge stellt werden. Der Entwurf umfaßt fünf Artikel. Artikel 1 befaßt sich mit dem Vergleich zur Abwendung des Konkurses und sieht auch im Falle der Lleberschuldung ein gerichtliches Vergleichsverfahren vor, auf das soweit nicht durch dieses Gesetz anders bestimmt ist, die Vorschriften der Zivilprozeßordnung ent- sprechende Anwendung finden. Das Dergleichs- oerfahren tritt an die Sielle des bisherigen Geschäftsaufsichtsverfahrens. Wichtig ist, daß nach Eröffnung des Vergleichsverfahrens keine Zwangsvollstreckungen, insbesondere Arreste und einstweilige Verfügungen, vollzogen werden dürfen. Die 'Strafvorschriften sind sehr streng gehalten und sehen bei erdichteten Forderungen Zuchthaus bis zu zehn Jahren und unter mildernden Umständen Gefängnis oder Geldstrafe vor. Artikel 2 enthält Maßnahmen gegen die Ringbildung, •>ie dem Zwecke dienen sollen, bei Vergebung von öffentlichen Aufträgen die freie Konkurrenz in vollem Almfange wieder aufleben zu lassen. Jeder, der sich an öffentlichen Ausschreibungen beteil gt, auch wenn diese von Privatpersonen ausaehen, soll gesetzlich gezwungen werden, in dem A'.gebot anzugebrn, welche Ver- - ftänbigung, sei eS mündlich oder schriftlich, ausdrücklich oder nicht ausdrücklich, er mit Dritten über die von ihm aufgegebenen Preise oder De- ! bingungen für dieses bestimmte Angebot ge- ■ troffen hat oder ob er als Mitglied eines Kar- 1 teils einer Beschränkung bei der Abgabe des An- gebots unterliegt. An d'.e Verletzung der An- e repft'ch« lind ziv'lrechtliche tmd strafrechtliche folgen geknüpft, zivilrechtlich insofern, als der | Ausschreibende die Wahl hat, von dem Der- rage zurückzutreten oder die vereinbarte Gegen- eiftunq erheblich heraubzusehen. Artikel 3 gibt dem Paragraphen 19 der Verordnung gegen ? den Mißb-""ch wirtschaftlicher Machtstellungen - i>om 2.Rorbr. 1923 (Reichsge'etzb'att 1, S. 1067) eine n»ue Faffung, nämlich daß die Bestimmungen '» dieser V rordnung nicht für Geschaftsbedingun- i, g-en und Arten der Preisfesffetzung gelten, die von einer obersten Dehö rde im Rah- £ inen ihrer Zuständigkeit angeordnet werden. Rach . Paragraph 19 der Kartellv-rordnung finden die 'Bestimmungen Din Aenwendung auf Verbände, deren Vildung in Gesetzen oder Verordnungen a ngeDTb :et ist. Der Zweck dieser Bestimmung ist, eine Doppelbeaufsichtignna 3u vermeiden. Ferner schlägt die neue Fassung des Paragraphen 19 vor. Verbände, deren Bildung in Gesetzen oder Verordnungen angeordnet ist, Zwangsshndikate und Zwangsinnungen dem gleichen Rechte zu unterwerfen tote andere Kartelle und Syndikate. Artikel 4 ändert bzw. ergänzt die Paragraphen 73, 81, 96 und 104 der < Getoerbeordn ang. Das Ziel der vorgeschlagenen Lenderung. soweit sie die Innungen und In- i rungsverbände betrifft, ist, alle Wirtschafts kreise iLirkc Berücksichtigung ihrer Eigenart in bezug a_uf die Einwirkunasmöglichkeiten des Staates gleichstellen. Ziffer 4 und 5 dieses Artikels d eben den Reichs- und Landesbehörden das Recht, den Innungen und Imnmgsverbänden zu untersagen, die Preise, die Arten der Preis- 'estsetzung und die Preisermittlung sowie dte Geschäftsbedingungen festzusetzen, zu empfehlen oder ^ckanntzugeben. Ziffer 2 und 3 gibt zur Siche- ramg der freien Wettbewerbe den Innungen das Recht, Ordnungsstrafen zu verhängen, wenn ein Hnnungsmitglied billiger bietet als unter den üblichen Bedingungen, nur für die Fälle, in denen nn unlauterer Wettbewerb vorliegt. Die Be- ftimmungen der Ziffer 1 und 7 geben die Möglichkeit, den Verkehr mit Brot in bestimmter, die Ileberwachung erleichternder Aus der Provinzialhauptstadt a;;jar 1926. n nach ;cn. Die Zahl der (Stemeinben 112 auf 123 mit weniger 1000 Einwohnern ist dagegen fett 1910 von 875 auf 834 gefallen: 1871 betrug Sozialisten. des Herzogs von Altenburg andererseits) für mich nicht in Frage kommt, habe ich ohne An- rcgung von irgendeiner Seite, um der gegen mich injzenierten Hetze auch jeden Schein eines Anlasses zu nehmen, heute die Vertretung Seiner Hoheit des Herzogs von Altenburg nieder- 3n Hessen ist, wie wir dem letzten Heft der „Mitteilungen der Hess. Zentralstelle für die Landesstatistik" entnehmen, die Zahl der Gemeinden mit 2000 und mehr Einwohnern feit 1910 in 11 Kreisen mit 56 Gemeinden gleich geblieben, in 6 Kreisen hat sie von 50 auf 62 zugenommen und in einem Kreis (Erbach) von 6 auf 5 abgenommen. Insgesamt ist ihre Zahl von . jung der Bauten Zn erster Linie wird man Unter» ®leben, den 12 Die hessischen Gem t Grötzenkrasio Wettervoraussage. Weist heiter, Winde aus östlicher und nördlicher Richtung, stärkerer Frost, trocken, morgens Reifbildung. Das Hochdruckgebiet hat eine weitere Verstärkung und Ausdehnung erfahren, während der starke Wirbel über Island in nördlicher Richtung abgewandert ist. Nordöstliche Winde werden weitere Kaltluftmassen nach Mitteleuropa transportieren, so daß mit Zunahme der Frost- Periode zu rechnen ist. Gestrige Tagestemperaturen: Ma>imum: 2,9 Grad Celsius, Minimum: 5,7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 5,2 Grad Celsius. ihren Willen umzumarfchieren. Die müßten, daß eine linke Mehrheit ohne sie nicht möglich sei, und bemühten sich deshalb, die Männer der Linken an der Regierung zu halten. Der Führer der Revisionisten, Abg. R e n a u • del, erklärte, um die Beteiligung an einer Regierung zu rechtfertigen, bedürfe es außerordentlicher Umstände, die jetzt vorhanden seien. Die Parte» wiße sehr wohl, daß man nur die Unterstützungspolitik wegen der Person Herriots zugelassen habe. Sie wisse aber nicht, daß man B r i - and diese Unterstützungspolitik verweigert habe, weil die Arbeiterklasse seine politische Pergangenheit nicht vergessen könne. Briand müsse bekämpft werden. Rach dem 11. Mai sei man gezwungen worden, das Kartell der Linken zu bilden, weil im anderen Falle sich eine andere Koalition gebildet hätte, der sich die Sozialisten nicht hatten anichließen können. Bringe man das Kartell der Linken in der Karner zu Fall, dann könne man Kleine politische Nachrichten. Der dcullchnattonale Abgeordnete Dr. Ever- ling gibt folgende Erklärung bekannt: „Obwohl ein Interessentonflttt (als Mitglied des Rechts- ausschuffes einerlei ts und Prozehbevollmächtigter In der Berliner Hedwigskirche wurde ein Trauergottesdienst für die verstorbene König, n-Itter Margherita abg halten. Von deutscher Seite waren anwesend für den Reichspräsidenten Staatssekretär Meißner, für den Außenminister Staatssekretär v. Schubert und für den Reichskanzler Regierungsrat v. Stockhausen. Außerdem hatte das Auswärtige Amt mehrere Vertreter entsandt. Faszistische Flegeleien gegen den Fürstbischos von Brixen. Innsbruck 12. Ian. Am Montag drang eine Rotte von Faschisten rauchend und mit Reitpeitschen bewaffnet in das Pri- datgemach des Fürstbischofs Von D r i x e n ein und forderten die Herausgabe des Schlosses Drunach, um es als Milizkaserne zu verwenden. Die Zumutung wurde natürlich abgewiesen. gungen müssen in erster Linie zum Neuankauf von Dieh, zur Beschaffung der Saat und zur Wiederinstandsetz benutzt werden. In erster Li Aus den Schlußverhandlungen des Kongresses ist die Rede des Parteiführers Leon Blum bemerkenswert, der erklärte, die effektive Beteiligung an der Regierung fei am g e f a h r l i ch st e n. So paradox es klinge, Koalitionen zwischen Extremen, wie x. B. die Große Koalition in Preußen oder die Allianz zwischen den Klerikalen und den Sozialisten in Belgien, seien nicht so bedenklich, denn durch ihre Unwahrscheinlichkeit an sich schon machten sie jede Verwirrung unmöglich. Selbst, wenn man annehmen wollte, daß eine Verständigung über die Lösung der Finonzkriie möglich wäre, so würden sicher in Fragen wie Marokko, Syrien, Wahlreform, Mili- wrgesetz, Sozialoersickerung usw. Meinungsverschiedenheiten vorhanden sein, und wenn sogar über diese Fragen eine Einigung in der Kammer zu erzielen wäre, würden die Radikalen, wenn der Senat sich widersetze, doch nicht zu einer Auflösung schreiten. Wenn die Sozialisten jetzt ihre Bedingungen stellen würden, mußten sie alsbald wieder wegen anderer Fragen Bedingungen stellen. In dieser Diskussion würde die feindlich gesinnte öffentliche Meinung nur em Feilschen erblicken. Eines Tages würden dann die Sozialisten doch gezwungen werden, gegen Drückende Besatznngrlast. Erhöhte WohuungSanforderungen der Engländer. — Keine Erleichterung vor dem Frühling. WEM Königstein. 11. Ian. Um falfdyen Gerüchten vorzubeugen, gibt die englische Besatz ungsbehörde folgendes bekannt: Die gesamten englischen Besahungstruppen im besetzten Gebiet zählen 9000 Mann, die nach dem Wrücken von Köln in und bei Wies- baden auf verhältnismäßig kleinem Raum untergebracht werden sollen. Entgegen den früher hier anwesenden Franzosen zählen die englischen Truppen bedeutend m e h r V e r d c i r a t e t e u n d F a m i l i en . di r alle untergebrachl werden müssen. Dazu sind mehr Wohnungen erforderlich, als die Franzosen benötigten. Deshalb ließen sich in Königstein Härten nicht vermeiden. Auch in Wiesbaden, Langenschwalbach Idstein und Bingen mußten bereits öffentliche Gebäude beschlagnahmt werden, kie seither 6c- sahungSfrei waren. Milderungen können vorerst nicht eintreten. Deshalb haben alle derartigen Gesuche der Stadtverwaltungen und auch persönliche Vorstellungen in Koblenz keinen Erfolg. Dagegen will die englische Bcsatzimgsbe- Hörde versuche, im Frühjahr gegebenenfalls die Gesamtzahl der Besahungstruppen zu vermindern, und zwar in erster Linie in den Kurorten. Dis dahin fann keinerlei Milderung eintreten. Die für tic einzelnen Orte bestimmten Truppen müssen unter allen Umständen untergcbracht werden. Auch in Idst e i n sind die Wohnungs- anforderungen der Engländer über die der Franzosen hinausgegangen. Außer den von den Franzosen bisher beschlagnahmten Wohnungen haben die Engländer noch einige weitere Wohnungen mit Beschlag belegt. Besonders die Beschlagnahme des am Bahnhof gelegenen Hotels Hitl, das von den Engländern als Kasino verwendet werden soll, hat unter der Bevölkerung große Erregung hervorgerufen. In Bingen sind die ersten englischen Truppen am Samstag eingetroffen und haben ihre Quartiere bezogen. Die englische Besatzung wird um etwa 2 00 Mann höher fein als die französische. Der englische Kommandeur wird im bisherigen Delegationsgebäude Wohnung nehmen. Die interalliierte Binnenschiffahrtskommission wird am 18. Januar ihren Sih von Köln nach Mainz verlegen. Die ständigen Schissahrts- kontrollposten in ManmilianSau und St. Goar werden ausgehoben werden. In Zukunst gibt es ständige Schifsahrtskontrollposten nur noch in Ludwigshafen. Mainz, Dingen und Koblenz. Rach einer Havasmeldung aus Köln hat die englische Rheinflvttille gestern Köln verlassen, um sich über Frankreich nach England zu begeben. Frankreichs Rheinlandpolitik. München. 11. Ian. (TU.) In der .Dayr. Staatszeitung" wird freute unter der Ueberschrift .Frankreichs unentwegte Rheinland- Politik" mitgetellt. daß vor kurzem in Paris ein rheinischer Kongreß für alle die Kreise der Anhänger der französischen Rheinland Politik stattfand, die auch nach Locarno eine Sicherheit Frankreichs nur in der Betreibung einer auf die Loslösung deS Rheinlandes vom Reich gerichteten Politik unö in der ständigen Besetzung der Rheinlands durch Frankreich garantiert sehen. Die französischen Kreise, vor allem ihre zahlreichen Anhänger in der französischen Desatzungsarmee und in der Rheinlandkommission sind in ihren höchsten Spitzen eben auf dem Sprung, im besetzten Gebiet das System der Gewalt sofort wieder aufzurichten, sobald die politische Konjunktur in Frankreich günstig erscheint. Das Arbeitsprogramm des Rheinkon- gresses sieht eine rheinische Propaganda vor, die der Bevölkerung deS besetzten Gebietes vortäuschen soll, daß eine Loslösung vom Reich auch aus wirtschaftlichen Gründen für die Rheinlande von großem Vorteil wäre. Ein Kompromiß. Die französischen Sozialisten für Beteiligung an einem überwiegend sozialistischen Kabinett. Paris, 12. Jan. (WTV.-Funksvruch.) Der Kongreß der sozialistischen Partei Hal fick mit 1766 gegen 1331 Stimmen bei 16 Stimmenthaltungen für die Teilnahme an der Regierung aucgcsprochen unter der Bedingung, daß die S o z i a l i st e n die Mehrheit der Ministerportefeuilles erhalten und sich diese selb st answählen können. In der angenommenen Resolution heißt es. Die sozialistische Partei ist unter den gegenwärtigen außerordentlichen Umständen bereit, die Verantwortung an einer Regierung zu übernehmen, sei es mit Unter st ühnng der links st ehenden Gruppen, fei es, daß sie in die Regierung, die sie selber bildet und in der sie stchden maßgebenden Einfluß und die Mehrheit wahrt, Vertreter anderer Gruppen beruft, und zwar dergestalt, daß sie immer die Gewißheit hat, daß bei der Tätiakeil der Regierung beschlossene Maßnahmen den Vorrang haben, die allein geeignet sind, die Zukunft des Landes sicherzustellen und die bedrohte Demokratie zu retten. sie noch 928. Die Gemeinden mit wen'ger als 100 Einwohnern sind seit 1871 von 55 auf 53 gefallen, die von 100 bis 500 von 433 auf 404, die von 500 bis 1000 von 296 auf 238 und die von 1000 bis 2000 von 14-1 auf 139. Die von 2000 bis 5000 sind von 50 auf 87, die Gemeinden von 5000 und mehr Einwohnern sogar von 8 auf 36 gestiegen. Mehr als ein Viertel (26,6 Proz.) der De- völkerung wohnt in den fünf größten Städten Hessens. In den Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern wohnen 31,5 Pvoz., in den Gemeinden über 5000 43.5 Proz., in Starkenburg und Rheinhessen sogar mehr als die Hälfte (50,8 bzw. 50,4 Proz.). 1910 betrug der Anteil der Devölkerung in diesen Gemeinden in Hessen nur 41,9 Proz.. in Starkenburg nur 47,4 Proz., in Rheinhessen allerdings 52,6 Proz. Dieser Rückgang hängt mit dem Wegfall der Garnison Mainz zusammen. In den Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern ist die Bevölkerung von 506275 im Jahre 1910 auf 502 690 im Jahre 1925 zurückgegangen, d. L von 39,5 auf 37,3 Proz. In den Gemeinden von 2000 bis 100 000 ist sie von 657 669 auf 735 783 gestiegen, d. L von 51,3 auf 54.5 Proz. und in der einzigen Gemeinde über 100 OOO, in Mainz, von 118107 auf 108 537 d. i. von 9,21 auf 8,18 Proz. gefallen. Gießener W^hcnrnarklpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Butter 130—160, Matte 35—40, Käse 60—70, Wirsing 15—20, Weißkraut 10—12, Rotkraut 25, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 50, Unter Kohlrabi 10—12, Grünkohl 25, Rosenkohl 60, Feldsalat 80—100, Tomaten 80, Zwiebeln 15, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 50—70, Kartoffeln 4—5, Aepfel 15—18, Birnen 30, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120, Endivien 100 Pf. je Pfund: Eier 19—20, Blumenkohl 60—180, Lauch 5—15, Sellerie 20—70 Pf. je Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 7.30 Uhr „Das glühende Einmaleins". — Dund deutscher Bodenreformer. 8 Uhr Reue Aula, Vortrag von D. Dr. Damaschke. — Katholisches VereinshauS: 8 Uhr Frauenvortrag. — Iungdeutfcher Orden: 8.30 Uhr „Bayrischer Hos" Bruderabend mit Vortrag. — Aus dem Stadttheaterburear wird uns geschrieben: Auf vielteiliges Verlangen findet am Sonntag, 17. Januar, abends 7 Uhr, eine nochmalige Aufführung von Leo Lenz' rei« zendem Lustspiel „Heimliche Vrautfahrt" statt. Diese Vorstellung gilt als 14. Sonntags- Abonnementsvorstellung. Da das Werk mit dieser Aufführung aber zum zweiten Wal ins Sonntagsabonnement kommt, erhalten diejenigen Abonnenten, die eine andere Vorstellung vor» ziehen, kostenlos Gutscheine, die beliebig in anderen Abonnementsvorstellungen verwendet werden können. ** D i e Einführung und Verpflichtung der neugewählten Stadtverordneten wird am nächsten Donnerstag, 14. Januar, nachmittags 5 Uhr, im Stadt- feine Sitze fordern. Auf keinen Fall aber tonnten hundert Sozialisten die -Hälfte der Ministerporte- cuilles in Anspruch nehmen. Da man auch nicht neutral bleiben könne, bleibe nichts anderes übrig, als sich an einer Kabinettsbildung zu beteiligen. | Es würden sicher etwa hundert ehrliche Radikale übrig bleiben, die mit den Sozialisten eine homogene' Gruppe bildeten, der keine Rechksregierung tondhalten könne, die an dos Land zu appellieren ! mftanbe sei. Wer die Regierungsgewalt vollkommen, i ordere, betreibe Bolschewismus. Am Abend gr langte dann in der 2lbftimmung die oben wiedcrge- gebene Kompromißformel zur Annahme. Die Beisetzung der Königin Margherita. Rom, 11. Ian. (TU.) Die heutige Beisetzung der Königin-Mutter Margherita von Italien nahm einen sehr würdigen Verlauf. Der Leichen- kvndukt traf pünktlich um neun Uhr unter gleichzeitigem Einsetzen sämtlicher Kirchenglocken Roms auf dem Bahnhof ein und wurde vom König, dem Kronprinzen und Mussolini ernp» angen. Der Sarg wurde auf eine Lafette gestellt, die nur mit der italienischen Flagge und einem riesigen Eichenkranz des Königs geschmückt und mit acht Rappen bespannt war. Der Trauerzug zog darauf durch mehrere Straßen nach dem Pantheon, wo die Königin, die Prinzessinnen, die Hofdamen und die Diplomatie sowie die Staatswür^enträger ihn erwarteten. Zwei D unden lar.g d: il erten Anordnungen al.er Waffengattungen, die Behörden, öffentlicher Körperschaften und Vereinigungen mit umflorten Fahnen vor dem Sarge vorbei, an dem in langen Reihen die Kapuz.ner mit brerntenden Kerzen, sowie der gesamte Klerus Roms Ausstellung genommen hatten. Während des Trauerzuges gingen Mussolini, Der Senats- und Kammerpräsident sowie die Minister neben dem Sarge. Unmittelbar hinter dem Sarg folgten der König mit den Prinzen, die auswärtigen Fürstlichkeiten, die souveränen Malteser-Ritter, die Diplomaten und die Ritter deS Annnunziaten-Ordens. Bei der Ankunft deS Zuges in Pantheon setzten mehrere Musik-Chöre ein, während über 100 Flieger das Pantheon umkreisten. Zu der Feierlichkeit im Pantheon selbst war nur ein kleiner Kreis wegen des befchräntten Raumes zugelassen und zwar außer der königlichen Familie und den souveränen Gasten die Diplomaten und die höchsten Spitzen der Behörden. Rach der ttrch- lichen Feier, die etwa eine halbe Stunde dauerte, verließen als erster der König und die Königin das Pantheon, von der Menge stumm begrüßt. Ramens der deutschen Reichsregierung legte der deutsche Botschafter einen Kranz am Sarge der Königin nieder. Der Budapester Fa!s < münzerstandal. Budapest, 11. Ian. (WB) Rach den Blättern soll der im Zusammenhang mit der Frankenfälschungsangelegenheit verhaftete Gerd angegeben haben, vor mehreren Monaten habe sich ein Deutscher namens Schulze bei Radvsfy gemeldet und ihm miigeteilt, daß i n einer bayerischen Stadt eine völlige Werkstatt für tie Herstellung von 500-Frankenscheinen eingeriqtet sei. Der angebliche Schulze habe Radvsfy weiter erklärt, daß, bevor man den Druck der Roten beginnen könnte, die deutsche Polizei von der Werkstätte Kenntnis erhielt, so daß die Fälscher kaum Z'tt gehabt hätten, die Werkstatt in die Luft zu sprengen und die Beweisstücke zu vernichten. Schulze habe schließlich seine Dienste zur Herstellung falscher 1000-Frankennoten angeboten. Gero sagte weiter aus, er habe Schulze öfters in Gesellschaft des Prinzen Win- disch-Graetz gesehen. Als in Budapest mit Frankenfälschungen begonnen worden war, sei Schulze verschwunden. Er, Gerö, und seine Genossen hätten später erfahren, daß die Pariser Polizei über die Frankensälschungen durch Schulze unterrichtet worden war. Die Budapester Polizei ermittelte nun, daß Schulze den Plan der Frankenfäl^chnngen in Budapest für teures Geld an die französische Polizei bekamrigegeben habe. Die Personenbeschreibung des Schulze soll mit der des E rz b erger m ö r- ders Förster-Schulze übereinftimmen. stützungsmittel vom Staat, also von Preußen, erwarten müßen. Sie sollten schon, um spätere Schwierigkeiten zu vermeiden, noch Auffasiung der Sachverständigen bei der schweren Rot der Bevölkerung als Unter- stützung und nicht als Kredit gegeben werden. Zudem erwartet man in landwirtschaftlichen Kreisen erhebliche Steuerentlastungen. Für die Grundsteuer wird eine Neubewertung auf Grund der Wertoerminderung durch Hochwasser notwendig fein. Die Einkommensteuer wird für das laufende Jahr wegen des Einnahmeausfalls sowieso ertraglos bleiben. Notwendig erscheint den Sachverstän-- digen ein Erlaß der Umsatzsteuer, da diese in dem geschädigten Gebiet, selbst wenn sie noch einge- trieben werden sollte, keinen nennenswerten Erttag liefern fann. Im Eise eingeschlosserr. Stettin, 11. 3an. (WTB.) Rach einem drahtlosen Telegramm des Dampfers „Klara Kunstmann", der im Finnischen Meerbusen im Eise eingeschlossen ist, lag dieser heute morgen östlich der finnischen Insel Hogland. Das Eis steht. Der Wind hat abgenommen. Proviant scheint noch für einige Tage vorhanden zu fein. 3n sichtbarer Rähe befinden sich anscheinend noch zwölf deutsche Dampfer. Don den Schiffen soll der Hamburger Dampfer „A l 1 e n g a m m e“ auf Strand gelaufen und verloren sein. Die Bremer Dampfer „Thor" und „Faust" sollen schwer beschädigt sein. Eine authentische Nachricht liegt bis zur Stunde noch nicht vor. Heute vormittag übermittelten zwei Flugzeuge den blockierten Schiften Proviant und stellten dabei fest, daß im ganzen 30 Dampfer eingeschlossen sind. Drei Eisbrecher versuchen einen Weg nach der Südspitze der 3nfel Hogland zu bahnen. 3n ihren Kielwasser folgen 13 Schiffe. Die Flugzeuge haben ihre Vorräte in der Rähe von 12 weiteren im Eise eingeschossenen Dampfern abgeworsen. Don Helsingfors ist ein weiteres Flugzeug mit zwei Personen und Vorräten abgegangen. Da über den Verbleib dieses Flug-euges feine Rach'ichten vorliegen, nimmt man an, daß es die Morgendämmerung für die Rückfahrt abwartet. Linienschiff „Hesse n" dürste die Dampfer voraussichtlich nicht vor Mittwoch Dormittag erreichen. In Begleitung der „Hessen" befinden sich j zwei Schlepper der Dergungs- und Dugsier- I reederei Hamburg. gelegt“ Am 12. Januar tritt zum zweiten Male die Kommsision zur Vereinheitlichung des internationalen Rechtes unter Vorsitz des früheren schwedischen Ministerpräsidenten Aamersjöld in Genf zusammen. Deutschland ist durch Professor S ch ü ding vertreten. Das Zentral-Komitee der Kommunistischen Partei hat den Reichstagsabgeordnelen Iwan Katz au8 der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Er wird gleichzeitig aufgefordert, sein Reichstagsmandat niederzulegen. Iwan Katz hatte versucht mit seinen Anhängern die Raume der kommunistischen Riedersächsischen Arbeiterzeitung zu stürmen. Rach einer Viertelstunde er- schien jedoch Polizei und stellte die Ordnung wieder her. Die englische Regierung bat beschlossen. Teil 1 her Industrie-Schutzakte, der sich auf den Schuh der Schlüssel-Industrie bezieht, und der im August d. 3. zu Ende gcht. auf weitere fünf 3ahre zu erneuern unb dem Parlament in der kommenden Session eine entsprechende Dor» läge zu unterbreiten. Die Hochwasserschäden. Koblenz, 12. 3an. (TU.) Heber die der Landwirtschaft des Hochwassergebiets entstandenen Schäden erfährt der Sonderberichterstatter der Telunion im Rheinland von unterrichteter Seite folgende Einzelh eiten: Eine endgültige Feststellung des der Landwirtschaft entstandenen Schadens ist namentlich am Riederrhein noch nicht möglich, weil das Walser immer noch auf Öen Wiesen, wenn auch hirtter den Deichen, steht, wo große Ueber- schwemmungen durch das Drängewasser entstanden sind. 3m ganzen dürften am Niederrhein etwa 45 000 Hektar Landes überschwemmt fein. Allein im Landkreis Cleve wird man mit 20 000 Hektar eher zu niedrig als zu hoch greifen. Zwei Fünftel dieses Landes sind als A e ck e r zu bewerten, von denen ein Drittel schon Wintersaat empfangen hat Diese ist selbstver-tändlich völlig verloren. Dort, wo da sWasser länger als acht Tage auf | der Wiese stand, ist wahrscheinlich auch das Gras | erstickt und muh von neuem gepflanzt werden. Der Gesamtschaden wird von sachverständiger Seite auf etwa 15 Millionen für die Landwirtschaft ohne den Weinbau angegeben, und zwar sind dabei die ed)äden an den Deichen und Wegen nicht einbegriffen. Auch liegen noch keinerlei Schätzungen für die durch Versandung entstandenen schaden vor. Der diesmalige Schaden wird eine weitgehende Wertverminderung des Grundbesitzes mit sich bringen. Die Entschädig Aus aller Welt. Salvarsanfchwindel. Wie aus Erlangen gemeldet wird, kaufte ein dortiger Daumeister von einem angeblichen Reisenden Salvarsan zum Preise von 5000 Mk. Bei der Untersuchung stellte sich dann heraus, daß ihm gewöhnlicher Ocker im Werte von 30 Pfennig aufgehängt worden war. Der Schwindler konnte verhaftet werden, doch hatte er die 5000 Mk. bereits auf die Seite gebracht. , Raubüberfall im V-Zuge. 3n dem V-Zuge Berlin—Köln ist z w i f chen Stendal und Hannover ein Reifender im Schlafwagen überfallen und seiner Darschaft von 180 Mark sowie feiner Brieftasche mit Papieren, goldener Uhr und silbernem Zigarettenetui beraubt worden. Der Täter ist unter Zurücklassung von Aktentasche, Hut und Mantel auS dem fahrenden Zuge gesprungen^ und entkommen. Rach, den ausgesundenen Papieren handelt es sich wahrscheinlich um ben Kaufmann 3ohann Hütk er aus Berlin. Der , Ueberfallene ist Mitglied des Reichswirkschafts- rates namens Georg Müller aus Oerltng» hausen bei Bielefeld. Der Täter drang zwischen Stendal und Hannover in das Schlafabteil. Es entspann fick zwischen beiden ein Hand« g emenge, in helfen Der lauf es dem Räuber gelang, den Arm seines Gegners in der Tür einzuklemmen und sich dadurch einer Festnahme zu entziehen. Kurz vor Hannover spring er bei einer Unterführung aus dem fahrenden Zuge. Kahentollwut im Spessart. Rach amtstierärztlichem Befund wurde in Reuhütten im Spessart die Katzenkvllwut festgestellt. Dort wurden ein 3- und ein 16jähr. Knabe von einer Katze gebissen. Beide Knaben wurden in die W utschuhimpfskelle nach Würzburg ver-> Kracht. Die Katze wurde getötet. Die Hunde» und ' Kahensperre wurde bis zum 4. April verlängert. Dor Schreck gestorben. Die Kinder der Kriegerwitwe Soellnih in Lichtenrade verkleideten sAbwesenheit der Mutter und schwärz ten sich die Gesichter, um die elfjährige Schwester zu erschrecken. Als sie mit Geschrei in das Zimmer liefen, erschrak das Mädchen so sehr, daß es zusammenbrach und starb. Dr. Hellpach Prosessor an der Heidelberger Universttal. Das badische Staatsministerium hat den früheren Staatspräsidenten und Minister für Kultus und Unterricht, Dr. Hellpach, zum ordentlichen Honorarprofessor an der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg ernannt. Professor Dr. Hellpach wird seine Lehrtätigkeit im kommenden Sommersemester aufnehmen. k 3^ btX Erling. KeKr “»tesj * Mw. Btzr | ,Dr>-e Änaba3abc - ^ch Qjjjj ® tourben 1 W Ö *” «sl« • grstvrbn. *■ ^Mvitwe eÄh . en IhkiJa?,« toära t7n S^n- :.^rei uH\iu *fo&h L°"8eiwt“«« aga äÄ*ä) raussage. ^Ätt u°d nötb. (VtoR, troden, morgmb Sat eine weitere Der. Zerfahren, während Island in nördlich« n. Avrdöstliche Winde *nad) -mittdmoM Mt Zunahme bet Frvss. eraturen'. Narimm: 25 M: 5,7 Grad Celfius. atur: minus 5,2 Grad OIHaupW. t, kn 12. Januar 1926. Dem "r xzn nach iklaleu. vir dem letzten Sjeft der fl. Zentralstelle für Nt men, die W der Se- d m:hr Gmvvhnern feil 56 Gemnnden gleich grat sie von 50 auf 62 p Strcit (ßrM>) m fai mt iß ihre Zahl die M der Verneint» Ginwvhnrm b* — 6 ti 6.8 6.62 6,75 Weftbank - ....... 0.031 — 0.03 Lochumer Öag ....... 69' '*«)• 70,4* BuderuS - ......... 84,75 34.5 : 6 85,75 Goto ........... .19* — 40* 10.25* Demsch-Lurembarg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . 70.6* 76.25* 69 75' 73 5* 70 5* 76- 60, L- 74,5* Harpcner Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... H,i' 99* 9V.5* 100’ 109,5 104 10 .5 111.4’ Kaliwerk Westeregeln..... 114 112 111,5 Laurahüttr . ....... Lberdedars .......... 33 48* — 33 41.12* 84 Pbönir Bergbau ...... Rheinitabl ...... 69.4* f6.?5e 88.5* M 5* 61.9* 57,«2* 69* 57* Nie bett Montan........ '.6 75 76 TelluS Bergbau - ..... 47 * _ Hamburg.Amerito Paket. . . 100* 100,3* 99.5* 101,5* Viorddeulscher Llovö . . , 103,5* 101,4* Lheramtsche Werke AlbM . . — • Zementwerk Heidelberg . . . 07 66.5 — _ Pbilivv HoUmunn .... 51,5 49 62 — ÄnglolLom.-Guanv..... — — 7 i,5 81 Badische Anilin ...... 114.5 115* UP,2 114* Chemische Mayer Alavbt . . — ...... 60 * 60.9 58.5 Gries ein,er Electron .... 114,5 111 6*. 115 25 Höchster Farbwerke...... 1H 4* 114 7* 114.7° 115* Holzverkoblung........ 48.75 — Nütgerswerkr ....... 6'1 — 69,9 — Echcideanstalt ........ 88 88 — Alla- ElckrrljllütS-Gesellschaft 9!.25* 92.9* 92,ß* 92.5* Bcrpmann ........ Mamkrairwerke ........ 72 5* — 13* — 72 — — — Cchuckert . ........ 6t>* 6i,2.e 8.62* 66,5* Siemens k Halske...... 79* — 8O,62‘ 78,25* Adlcnverke «lener ...... 32 75 38,5 31 5 34 Daimler Motoren- ...... 27,75 * 27 27,9 Heyliaenstaedt......... 11- — — eguin. • ...... Motorenwerke Mannheim 28,5 — 30 —— — — 21 *• Sranffurtet Armaturen Konservenfabrik Braun . . — — — ** — ** Metallgesell chast ssranttnrl. Pct. Union A.-G. .... 90 51,5 92 51.5 Schud'abrik Herr....... — — 20,11 —- Sichel. . ......... 2 **• 1 5 Zellstoff Walddok...... 90 — 91 90,6.5 Zuckerfabrik strankcnthal .. Zuckeriabrik Wagbäuket - . . 48 44 48.75 41.5 42 — 11 Jan 12 Jan. Amtliche «Äeld Jtott rung Briei Amtliche lstotierung (SklD 1 Bries Amn-Vion 168 61 169,05 168.56 168,98 Buen.°2lirc- 1.7.« 1,742 1.737 1.11 Brsi.-Antw 19 03 19,07 19,03 19,07 Christiania 85,89 85.61 85.70 85.92 itovenbagen lu4 37 1D4.63 10t.3" 104,65 eiodbolm 112,28 112,56 112,3-1 10,5.15 112,62 Helllngfars 10 552 10,595 10,595 diolien. . 16,945 16,985 16.945 16.9-1., London. . U1.355 20,405 20,36:3 20.413 Neunork . . 4.195 4,205 4.195 4,215 Loris. . 15,94 '5,98 16.0.55 I6,üf6 Schwei; - . 11 05 *1.25 81,01 ?I-2Ü Spanien ■ 59.58 59,72 59,7» Japan - . . 1,831 1,835 1,836 1,815 "Kio de Jan Wien in D-" ) 615 1.617 0.624 0.626 Ceft. abgell 59.02 59,18 69.0-1 69,18 Prag ... 12,415 13,455 12.415 12.45.1 Helirad . . 7.42 i ,44 7.4t 7,43 Budapest. . Buli arten 1.87 1,89 5,87 6.89 2.965 2,975 2,9 »5 2,975 Viffabon dl 505 21,355 21.305 21,353 Danzig. . SO 70 80.90 80.73 80.93 Konst ntin 4.22 4,2:5 5.23 2.24 Alben 5.715 5.735 5 715 5.7.15 Canada. . 1 19 4.20 4.19 4.20 Uruguav 4,305 4.315 4.305 4,315 Berlin. 11 Jan Geld Bnes Amerikanische Noten..... «,195 4.215 Belgische Noten ....... 18 99 19 U.i Dänische Noten ....... 10',16 101,68 Englische Noten........ -0.82? 20,422 Fran;ösische Noten...... 15,98 lb,0h Holländische Noten ..... 1'58,30 16«.11 Utollenilche Noten...... 16 94 17.02 Norwegische Noten. ... 85.21 85 ti l Deutsch.Lesterr. i 100 fltoneu -?8.95 59,25 Rumänische Noten...... — — Schwedische Noten .... 112.05 (12,61 Schweiler Noten . . 80,94 81.34 Spanische Noten ...... 59.4? 69 72 Tschechoslowakische Noten - - 12.395 12.455 Ungarische Noten....... »,S3 5,87 Berliner Börse. (Eigener Drahtberichl des „(Siebener Anzeigers'.) Berlin, 12.3an. 3m Mittelpunkte der Erörterungen stand dir heute erfolgte Ermäßigung des Reichsbankdiskontes von 9 auf 8 Prozent und deS Lombard-ZinSfußes von 11 auf 10 Prozent. Der erste 3anuarauswets der Reichsbank, den diese vor ihrer Diskontermäßigung abwarten wollte, liegt heute vor und zeigt eine günstige Gestaltung des Standes der DanL An der Börse besprach man außerdem lebhaft die Aktien-Transaktionen der Dresdner, aus denen wieder das wachsende amerikanische 3nteresse für deutsche Effekten zu Anleihezwecken hervorgeht. 3nfolgcbcfien hörte die vorbörslich bestehende RealisationSneiguug bei Eröffnung des offiziellen Verkehrs aut. Das Kursniveau hielt sich aus der Basis der gestrigen Schlußnotierungen und war nur vereinzelt am Schiffahrts- und heimischen Rentenmarkt weiter befestigt. Der Börsengeldmarkt zeigt nach wie vor große Flüssigkeit. Tägliches Geld 6 bis 8 Prozent, Monatsgrld 9 bis 10 Prozent. 3m Devisenvertehr blieb die DiSkont- erbobunq in Norwegen ohne Einfluß auf den Kurs dieses Landes, dagegen lagen Kopenhagen und Amsterdam international niedriger. London war gegen Kabel stärker befestigt. Auch Warschau lag gegen Kabel erholt bei 7,15. Die Reichsmartnotierungen im Auslande sind kaum verändert. Sranifurtcr Börse. (eigener Drahwerichi des „(Siebener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 12. 3an. Tendenz: Fest, aber unsicher. — Die scharfen Steigerungen an der Börse nahmen heute gemäßigtere Formen an, und auch das Geschäft blieb hinter dem gestrigen Umfange wesentlich zurück. Die Ermäßigung des Reichsbankdiskontes blieb ziemlich einflußlos, obwohl diese Maßnahme einer günstigen A isfassung begegnete. Bei Beginn kamen. Hier wollte man sogar gerüchtweise von die besonders für Chemieaktien in Betracht ©tarnen. Hier wollte man sogar gerüchtweise von größeren Auslandkausaufträgen wissen. Bei aller Festigkeit, die sich auf sämtlichen Märkten zeigte, war eine gewisse Zurückhaltung in der Derkaufs- tätigkeit zu beobachten, wodurch der Verkehr ein ruhigeresAuss hen bekam. Erwäh.:e:rswert ist, daß auch einige Publikumsaustrage zu erledigen waren. Rach kurzem Verlaufe aber wurde die Stimmung gedrückt, da sich Realisationen einstellten, besonders der bevorstehende Medio gab zu Glattstellungeii Anlaß. Am Mon- t a n m a r k t kam es in führenden Werten zu Kurseinbußen bis zu 1 Prozent. Elektrowerte blieben fest. Auch Chemieaktien konnten sich etwas über dem gestrigen Stande behaupten. Am Dankaktienmark hinterlieh der Verkauf eines Aktienpaktetes von Dresdner Bank an ein amerikanisches Konsortium einen guten Eindruck und regte die Kauflust für diese Gruppe etwas an. Berliner Handel plus Ich Prozent. Der Kassamarkt lag weiter fest. Deutsche Anleihen konnten sich mäßig befestigen. 3n Auslandrenten! zeigte sich etwas Interesse für 1902er Russen. Pfandbriefe waren unverändert. Der Freiverkehr hatte neue Kur Ser Höhungen zu verzeichnen. Benz 29 Proz., Bcown-Doveri 50 Prvz., Entreprise 8.5 Proz., Growag 41 Proz., KrügerShall 76 Proz., Petroleum 60 Proz., Ufa 50 Proz., Ufra 55 Proz. 3m weiteren Verlaufe kam eS infolge neuer Gewinnsicherungen zu leichten Abschwächungen. Das Geschäft hielt sich In engen Grenzen. Der Geldmarkt ist unverändert flüssig. Tagesgeld war unter 7 Prvz. angeboten. Monatsgeld 8V« bis 10 Proz. je nach Adresse. 3nduslrie-Ak?,epte mit Bankgiro 87» Proz., Bankdiskonten 63/< Proz. 3m De- Visenverkehr notierte Paris gegen London 127,10. London war gegen Kabel befestigt mit 4,856/i a- Die Mark wird im 3nlande mit 4,2003 gehandelt. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtdericht deS ^Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 12. 3an. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 25,50 bis 25,75, Roggen, inländischer 17,50, Sommergerste für Drauzwecke 22,50 bis 25, Hafer, inländ. 18,50 bis 21,50, Mais, gelb 21 bis 21,25, Weizenmehl, inländ, Spezial 0 41 bis 41,50, Roggenmehl 26 bis 26,50, We:zenkleie 11,10 b s 11,30, Roggen- kleie llch5 bis 11,50. Tendenz stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 11. 3an. (TTl.) Die Tendenz im Berliner Produktenhandel bleibt zu Beginn der neuen Woche gut behauptet. Die schwächeren amerikanischen Depeschen und auch das niedrigere Liverpool blieben heute ohne nennenswerten Einfluß, da die Käufer speziell für Weizen heute stärker in den Vordergrund traten. Roggen ruhig und im Preise unverändert, hier zeigen nur die Mühlen anhaltenden Bedarf. 3m Zeitgeschäft eröffnete Weizen mit 277 unverändert, dagegen spätere Sichten 50 Pfennige nachgebend. Märzroggen unverändert (181), Mai 1 Mark schwächer (191). Gerste in mittleren Sorten reichlich vorhanden, sonst still, Hafer im Preise unnachgiebig, Futterartikel ohne Veränderungen. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, märt. 250 bis 253, do Pommern 250 bis 255, do. März 277, do. Mai 282 bis 282,50 bis 281,50, Roggen, märt. 148 bis 155, do. Pommern 147 bis 154, do. März 181 bis 179,50, do. QTial 191 b s 189,50, Gerste, märt 183 bis 210, Futtergerste 151 bis 165, Hafer, märt 162 bis 173, Raps 340 bis 350; für 100 Kilo: Weizenmehl 33,25 bis 33,75, Roggenmehl 23 bis 24,75, Weizenkleie 11,25 bis 11,50, Roggen- kleie 9,75 bis 10,25, Viktoriaerbsen 26 bis 33, kleine Speiseerbsen 22 bis 25, Futtererbsen 20 bis 22, Peluschken 18 bis 19, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 20 bis 23, Lupinen, blau 12 bis 12,50, do. gelb 14 bis 15, Serradella 18 bis 19. Rapskuchen 15,25 bis 15,50, Leinkuchen 23,60 Buntes Allerlei. Staatliche Förderung der Seidenraupenzucht Die seit einigen 3ahren in Sachsen ein- geführte Seidenraupenzucht scheint Fortschritte zu machen. Reben der Errichtung einer Lehranstalt ist bereits eine Dampshaare!ei entstanden. Der sächsische Staat hat neuerdings 100 003 Mark zu Maulbeeranps anzungen zur Verfügung gestellt. Auch die anhaltische Regierung hat neuerdings Mittel zur Förderung der Seidenraupenzucht gc nehmigt. Der Landkreis Essen hat zu dem gleichen Zweck 5000 Mark ausgeworsen. Auch in der Mainzer Gegend scheint man großes Interesse an der Seidenraupenzucht zu haben. Ihre Verlobung geben bekannt Gießen Inventur-Ausverkauf 348D von Mittwoch, den 13. Januar, bis Mittwoch, den 20. Januar Extra-Angebote! Lich 333 D m. 10.50, 8.90 Stück Caf6 Amend Paar M. 4.80 II. Wahl M. 10.00 Stück ..M. 5.60 Paar. 327D; Jazz-Band! Jazz Band! 354c 0239 Labeüsitellang als Kontokorrent- und Scheck-Verkehr Dr. Stuhl MoleBeamle engen heben R biret- | Mitarbeit tn nur bettfcbafc kleinen 1325 D tcb ein 1 Reichs-Kräuterwoche 1 XÄ3 c 3n unserer Maschtnenzentrale ist die 34ID des deutschen Opogistenstandes Kaufgesuche Martha Günther Max Grünebaum Dr. Dr. Verein Rudersport Gießen 1913 e.V. Anzugsiosse dauernd »um Herren- und Damen- Wildleder-Handschuhe Herren-Nachthemden etwas angestaubt stück m. 7.00, 6.40, 5.20 Stahlkammeranlage mit vermietbaren Tresors Tuch-Westen für Cutaway, in feinster Ausführ. Schlaf-Anzüge nur waschechte Flanelle FranKst'.rt a. M.°Rödelheim 10. Januar 1926 Bnfett. vrclsiverl ScltcrMne < s3 I. r. Haustochter ober Periönlichkeii it nr erster Streife Königsberg i Ostpreutzen, den 10. Januar 1926 (Korber Rotzgarten 53) Spandau Neuyork, Weihnachten 1925 1. Vorsitzende Ludrvigeplatz 1011 Versicherungs-Abteilung Beratung in allen Versicherungsfragen Ausführung aller bank- und börsenmäßigen Geschäfte Annahme von Depositengeldern und Spareinlagen Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Sophie Albohn Bernhard Panzenhagen " Nappa-Led- Handschuhe ohne Futter, für Herren Nappa- Led.-Handschuhe ganz durchgefütt.,Paar M. 7.50 boltenem Umbau, fäit neu nut erhaltener Trutncauivtcncl, für Schneiberaie- Itcr, fait neu nut erhaltenes Nctienden bietet Stabltv.-GrosrHba einem nut fleth-, sol.ansiand. Herrn, niöfll. t>. Vanbe Cs k. Bel. v Landkund \. ivr. gen. <9cb- u.b Vroo J. Vk ächters- äneer, FranLfnrt a.i*I.-V.Grewn-' 28 Jung.Kaufmann oder Kontoristin mit guter Schrift, in Buchhaltung aus- ßcbilbet gewissrnhast c.ibettenb, sofort gesucht Schriftliche Angebote unter 370D an den Äiefrener Anzeiger. Altes Blei 'LUeiröhreiu lauft Bruhlsche Druckerei D“ Schulstr. ?9 Cut. null billig ni A-ig., bin Ul verf. Wo. iagi b.Ä' fchähs' itelle d. G s?l. *>234 Dienstmädchen gesucht. 328D Schäfer, sicher Strahe9. [Stellengesuche) Frau die kochen kann u alle Hausarbeit versiebt, sucht Stelliina für halbe ob. ganzeTage Lchriftl Angebote unt. 02.16 a b.G. Anz. Gesundes Sonntagsmadel angenommen! Rolf Detmering Hauptmann im Generalstab der 1. Division und Frau Else geb. Meyer Ehrliches, fleifctjeö Mädchen für tagsüber gesucht. Dor-iift. io -1 Uhr 33,1) iNoonifr. 29 11. occoütxiyxrrggKy PHZ0to<£AUlH6RH$DRESDEN Generalvertretung und Kommissionslager: 9G22A Ph. Herrmann, Gießen Telephon 1165, Bureau u. Lager Seltersweg 12 H. Bo i morgen- 10 Ubr ab: Wellfleisch mit Kraut wozu ergebens! einlabet Jean Arnold. ^ungeS Mädchen mit guter Schulbildung, aus achibarer «Familie, au Ottern m die Lehre gesucht. Sclbugeschriebene £ netten an 352D Otro Georg norm. H. Küb n Vavier- u. Schreib- waren, Büroariikel. Mittwoch: Hotel Kollier. 33a D Gewandtes iungeb Mlein Aur Hilfe in zahn- ärzilichem Cocra« tlonSttmmet auiu L ,tebr. L I. gesucht Sckirisil. Angebote mit ^engniffobiditti* tcn. Gehaliöanwrü- dien und iBilb. baS sofort Aiirütfgefnnbt lüirb, "tu. 36*31 > an den Gien. Anzeiger Lekanntes Unterne men iud)t tum Vertrieb seiner dringend erforderlichen Kassa-.Arttkel, deren Abnehmer alle Branchen usw. sind, arbeitssreudigen BeMs-verttekr. Gebote., tairb gut. (Einkommen u.längerer Vertrag.BewcrberchiefürdieEinrichtung über ca. 2 - 300 Mk. verfügen, wollen sich melden u F.T.7066 an Ala-Haasen- stein & Vogler, Frank iurt a.M. Stelle eines Drehers und Schlossers »u besehen. In der '.Febieiuinß der Dampfmaschine, Hochdruckkessel und Heiziiugö- anlage sowie in elektr. amtaQntionen er- iabrene Bewerber erhallen beit tFotAua. Nur fcbriftL Meldungen mit ZeugniS- vbschrisien an bie 3*4c Verwaltung derMedizinifchen Frauen- und Hautkliniken, (tzieften. Mittwoch, 13. Januar: Humoristischer Junger Konditor gehilse bet in der Bäckerei mübelien kann, gesucht. Offerten unter Nr. 1004 an Hcrio, Vlockitr. 5. I 51h Meyerhoff, an der Johanneskirche 5. ___Neuman-Spengel, Gartenstraße 17. Sanitätsrat Dr. Schliephake, Goelhestr. 44. 101 Rabatt während dieser Zeit auf alle Artikel Friedrich Levermann Seltersweg 81 Bielefelder Herrenwäsche anstündiges ehrliches MW. Frau M. Berg MäliSburg 4. WW für den Haushalt sucht W aas, ,9fll Skltersweg 58 Bankhaus HERZ & CO. Gießen, Neuen Baue 23 Tel. 1303,1304. Telegr.-Adr.: Herzbank-Gießen Alicesrauenverem erteilt männlichen u. weiblichen Hausangestellten, die 20 Jahre in derselben Familie gedient haben, eine Auszeichnung. Anmeldungen werden entgegengenommen bis Ende Januar 1926 von Frau Professor Dr. Kramer In dieser Woche erscheinen in allen Schaufenstern der hiesigen Fachdrogisten, wie im ganzen deutschen Keichd durchgeführt, Kräuter-Spezial Dekorationen welche dem Publikum eine Teilühersicht aus dein umfangreichen O e bi ein des kr.l ut erh a n d eis vor Augen führen Der Verbraucher sei darauf hingewicse ■, daI3 die Hei ki.ute doi Kräuter, die in letzter Zeit mit großer Schwindelreklame angepriesenen Gehei nn ittel hei weitem übertreffen und für weniger (leid zu kaufen sind Amilen >ie alle Krlinter-Tee* nur bei Ihre n Fachdroglsten und weisen Sie marktschreierisch an- gi-botene Univeraal-Tees und Gehelmu.ittel zurü k. Die hiesigen Drogisten bitten. <111 lehrreichen Auslagen zu beachten und sich die entsprechenden Druckschriften in Ihre) Drogenhandlung kostenlos geben zu lassen. Gießener frachdroKlsten. Farbige Oberhemden Nur gute Qualitäten in Zephir und Perkai eigene Anfertigung Serie I 7.90 Seriell 6.20 M Ingeslßüle! Grobe Mengen WM m. höh Schulbildung s. Ostern gesucht. 0237 I Bermgs-Budiljanölg. Töpelmann (Sicken, Südanl. 4 hunger, sauberer bausbursche geiudit. Bor usteUeu Seltcr^toca 36 353D iLadeni. Ehrliches Mädchen nicht unter 17 I., gefiickit. Borznftellen zwischen 5 und 7 Uhr abends. Akmann, Btörnarcksirahe 11, Laden. (0226 NAUti^. Die &ertxfeift üev denkenden a Hausfrau lichen Haushalt gesucht. Bedingung selbständiges Kochen n Waben. Evtl, nur für tagsüber. ScbriftL Angebote unter (>221 an den («ieft. Anz. erbeten. Zum 1. Kebr. suche = 33D = 5 ii 11,111111 ............................. .................... .............................. Weiße Oberhemden mit festen,steifen.Manschett, gute Qualitäten, nur eig. Anfertigung Stück.......m. 9.80, 9 20 ten Absatz au Vii- vate zu Fabrik vreifen zur Ber» BoGÄahend Unter Mitwirkung: CarlPaul,Komiker,Frankfurt Geübte Packerin sofort gesucht [317D Echnlstrake 7. Suche zum L Febr. ein liWges Mädchen das im HauShalt erfahren ist, auf ein Landstadtrhcn in ein GeichaitshanSin bet Nabe Gienens. An erfahren in der m Besuch bet Priva!fundfchaf!. Solche, die bereits cimctiibri find, erhalten ben Vorzug. Schriftliche Angebote unter 331D au den Gienener Anzeiger filgimg. Auf bleie Weife groher Unfatz bet hoher Provision gesichert I330D BerraufStüchtige Herren wollen sich mdben durch inerte unter F. K. No. 53 an die Annoneca- brvcd.oriirZrcrlS, M. Gladbach. Sltäftiiitr, jung. Miln für Lagerarbeit gesucht. Schristl. Angebote mit Angabe von Alter und feit» heriger Tätigkeit u. 345D an den Gien. Anzeiger erbeten. (Wohnungstausch UWOM Schöne, geräumt ie! 2 - Simmet-tDoting.’ in Alsfeld gegen ei e solche in «Uehen . zu tauschen gesucht I Schriftliche Angebote unter 0232 au ben Gte -. Anz. erb. ^tellenangeüotej WWIUW- koazenl W f. leb. Ctt b. Kreises je einen Hanvtver- tretet u ^nivcktor. ^-achkenn Nisse erw. Oif.m.GehaliSansr'r unt. 4». U. 357 an Rudolf Mosse Frankfurt a.Maiu. Existenz! Umständehalber gebe tu Lebans- mlttd - Geichäfl in benet Lage nt 83tmm n.Sliidie. sowie Elnrlcbtn. a. Ware z. Barmet >ev. Rm.lltOO ab. Eiloss. unt. F. ß. Z. 333 an Rndo t BI:ass. I Fraaklnrt/M. ei8ss Autzerordentl. am Freitag. 15. Januar 1929, cbenbS 9 Uhr, tut Bootshand. T- O.: 1. Eingänge, 2. Erhebung einer Umlage, ^SatzungS- anbei ung, 4. Verschiedenes. 362 c Zahlreicher Befuch wirb erwartet. Der Borstanb. StadUheater Mittwoch, 13 Jo». l4Flittlooch'Ad.-vlsl. von ?/, bis 10 ubr 3nm Ictiteii Ma e Der Traum ein Leben. Dramatisches Märchen in 4 Aufzügen (7 Bilderni von Grillparzer. ist vom lächsten Freitag an für 2-3 Wochen verreist. Vertreter sind die Herrn 367D Verkäufe \ Haus in Gienen, 8—9Bim.. Einfahrt, Cbtt» und Geinüfegarien, an nur zahlungsfähige Leutezn verkaufen. Schr. Ang. ii. 268D an ben Gies;. Anz. Etagenhaus, 3x7 y.tm u. Garten d. d. Anlage» v. Pripatm. b. 10000^ An-, btll. z. oert 1 Et. fof. bezieh b. Schr. Ang. u. 0235 an den G. Anz. Badeofen uub Ismail ewanne zu vei kaufen. 3<8D Wevsteinilr. 38 I. Gebrauchtes Sofa aus gutem Haufe zu verkaufen. 0200 Carl Beiz, Taveziergefchcift, Noou iraüc b. Kirderwasen gut erhalten, billig zu vertaufen. 0222 Nardnro.Str.LSlU.l. Zu verkaufen 1 gut erhaltener Tisch nnb 8WD G Stühle t tz ofa mit nut er- Etagen 10. Januar 1926 iiiummiuiiuiniiiiiniiimiiiiL ieck-Verkehr läge Tresors Teilung iherungsfragen und börsen- häfte Nr. 9 Zweiter Blau Spandau 1925 “Wijen n Hagen- Qn9Mmen! ing 'er I. 'Diüifion i. Meyer IS eo. Baue 23 erzbank-Gießen ..... ngelder n und n eie ‘. Jia « les a n< tert fa fr>22 ||LL ut er flbau- Ucner >icac>. l-ra>e' B >s Gießener Kunstverein. Ausstellung Thüringer Künstler. r 3m Turmhaus am Drandplah ist der Thüringer Ausstellungsverein bildender Künstler von Weimar zu Gast. Etwa 40 Künstler geben hier mit ihren Arbeiten (Malerei, Graphik, Plastik) einen interessanten Lleber- ’/Iid über d is zeitgenössische Weimaraner Kunstschaffen. Die Kollektion ist übrigens, worauf besonders hingewiesen sei, in allen Teilen Verkaufsausstellung Den breitesten Raum nimmt, wie gewöhnlich, die Malerei ein. Gleich am (Sin- Sang findet man ein feines, apart gemaltes Stück von Ernst Vollbrecht, „Segelboote im Hafen" : in schweren, gedeckten Tönen, sparsam in den Mitteln, aber harmonisch abgestimmt. Die vorwiegend horizontal gelagerten Massen im Mittelgründe werden durch einen bewegten Wolkenhimmel sehr glücklich beherrscht und kontrastiert. Dora Kolisch („Roter Kahn", ein offenbar venetianisches Motiv) beschäftigt sich mit dem malerischen Problem der Farbenspiegelung und Lichtbrechung auf leichtb'wrgter Wasser-flache: eine recht fortschrittlich behandelte Arbeit. A. von Schierstedt bringt ein koloristisch sehr lebhaftes Stilleben „Judenkirschen", S trecken- bach ein vollduftiges Dlumenstück „Weihe Rosen". Derb und gegenständlich, bei z emlich fettem Auftrag, die „Astern" von 3. v. Dongs. Hans Dauer zeigt ein Strand- und Dünenmotiv mit markanter Gl edcrung in die Tiefe. Ein paar sehr frische, koloristisch lebendige und in der Masse großzügig gesehene Landschaftsaquarelle findet man von Pretzsch. Den gleichen Stil und analoge Technik erweist eine vortreffliche kleine Tuschzeichnung „Därme am Wasser". Reben einem schmiss g aufgesetzten, elegant gefaßten „Stilleben mit Ente" von Hilde Linzen- Gebhard findet man subtil vertiefte Radierungen von Thekla Diedrich-W rede, bekannte und immer gern behandelte Städtebilder aus Rothenburg, dem höchst malerischen S?iS ÄS »Ä 1 S haus 2elbiifänferoeW •sss [T^schiedenesj Ludwig Windisch-Grätz. Interessante biographische Notizen aus der bewegten Vergangenheit des Prinzen Ludwig Windisch-Graetz, des fürstlichen Abenteurers und Geldfälschers, hat der Budavefter Korre° fpondent der „Köln. Ztg." in folgendem Auf. fatz zusammengetragen: Wie so viele führende Persönlichkeiten in der Zeit des Weltkrieges, hat auch Prinz Ludwig Windisch-Graetz seine Erinnerungen in einem Buch herausgegeben. Das Buch „B o m schwarzen bis zu m roten Prinzen" mutet vielfach wie ein spannender Roman an, der den bewegten Lebenslauf dieses vom Hang zum Abenteuerlichen durchdrungenen Prinzen schildert. Ein Kapitel fehlt in dem Buch: „Der verbrecherische Prinz", obwohl Prinz Windisch-Graetz zur Zeit der Abfassung seines Buches schon manche Handlung hinter sich hatte, die einen gewöhnlichen Sterblichen ins Zuchthaus gebracht hätte. Er konnte seinem Schicksal nicht entrinnen. Der Sproß eines der vornehmsten Adelsgeschlechter, der Enkel des gewaltigen habsburgischen Feldherrn, des Feldmarschalls Alfred Windisch- Graetz, der persönliche Freund und vertrauteste Ratgeber des Kaiser-Königs Karl, sitzt, heute wegen eines verneinen Verbrechens im Gefängnis. Und, welch seltsamer Zufall, hart nebenan befindet sich in einer Zelle sein ehemaliger Präsidialist Eugen Manch wegen Spionage zugunsten der Bolschewiken: mit ihm zusammen hatte Prinz Windisch-Graetz im letzten Jahre des Krieges eine große Kartoffelschiebung vorgenommen, bei welcher der Staat um etwa 9 Millionen Goldkronen geschädigt wurde. Dem Prinzen Windisch-Graetz winkte infolge seiner hohen Geburt, seiner guten Verbindungen zum Herrscher- Hause und seines Vermögens eine glänzende Zukunft. Aber er stürzte sich frühzeitig in Abenteuer, die bei einem Prinzen seltsam sind. Zur Zeit des Russisch-Japanischen Krieges fuhr er nach Ostasien, durchschlich die japanischen Linien und geriet in russische Gefangenschaft. Er verstand es, sich zu befreien, den Krieg sich genau von der Nähe anzusehen, und fuhr dann auf einem norwegischen Transportdampfer nach Japan. Ans dem Meer überraschte ihn ein furchtbarer Taifun. Kapitän und Prinz ließen sich an die Kommandobrücke fetten und lebten von Champagner und Kakes. Von dort fuhr er nach Amerika. In Nouyork geriet er in einen räuberischen Hinterhalt und verbrachte die Nacht im Gefängnis mit Verbrechern und Dirnen. Nach Haufe zurückgekehrt, duldete es ihn nicht lange in der ruhigen Atmosphäre der Heimat, er ging nach Afrika auf die Löwenjagd. Dann ging er zu Slatin, um an seiner Seite zu kämpfen. Nachdem feine Abenteurerlust gestillt schien, kehrte er nach Ungarn zurück, heiratete die Gräfin Maria Szschenyi und begann feine Güter zu verwalten: zugleich verließ er die militärische Laufbahn, um die politische Arena zu betreten. Enkel des härtesten Gegners des ungarischen Freiheitskampfes im Jahre 1848, trat er in die schärfste Opposition zur Regierungspolitik: es schien, als ob der Geist des „Rebellen" Franz Rsküczi, dessen Särospataker Schloß nun zur Domäne der Prinzen Windisch-Graetz gehörte, in ihn gefahren fei. Er wurde in die Delegation gewählt und wurde der heftigste Gegner des jeweiligen Ministers des Aeußern. Seinem Vetter, dem Grafen Berchtold, warf er vor, daß er wohl ein hervorragender Fachmann in den Fragen des Turfs fei, von Frauen und Gobelins sehr viel verstehe, von auswärtiger Politik aber keinen blauen Dunst habe. Zur Zeit der Annexion suchte er wieder Abenteuer und ging als Kellner verkleidet nach Belgrad und Nisch, um die serbischen militärischen Geheimnisse auszusor- schen. Es gelang ihm, unerkannt wieder nach Ungarn zurückzukommen. Im Krieg hatte er stets die vornehmsten Kommandos, alle Armeekommandanten wetteiferten um seine Person, da jeder wußte, daß er der Vertrauensmann und persönliche Freund des Thronfolgers Erzherzogs Karl fei. Man trug ihm alle Geheimnisse über die Mißstände und persönlichen Reibereien der einzelnen für die Heerführung verantwortlichen Stellen zu, und Pririst Windisch-Graetz benutzte diese Kenntnis, um in einer vertraulichen Sitzung des Abgeordnetenhauses die schärfsten Angriffe gegen das Hauptquartier zu richten. In dieser Rode trat er noch für die Unterstellung der öfter- reichlich-ungarischen Armee unter deutsches Kommando ein. Zu dieser Zeit erwärmte er sich noch für die Idee des Naumannschen Mitteleuropas, er schickte gegen den Willen der Budapester Regierung Mehl und Kartoffeln nach Deutschland. Er schien damals der aufrichtigste Freund Deutschlands zu fein. Derselbe Windisch-Graetz wurde aber zum GietzenerAnzelger (General-Anzeiger für Dberhessen) Dienstag, 12. Januar i926 neue Form der ein «gewurzelten verhängnis- Deutschcn zur Zwietracht ist zudem unmenschlich und vollen Neigung! der Stände. W> der eder die englische noch die Regierung, die so gefühllos nicht behaupten können. Eine ins Gesicht und grausam. Eine deutsche wäre, würde sich Frankfurter Theater. Zu Herbert Eulenbergs 50. Geburtstag hat das Reue Theater vier Einakter in Versen unter dem Gesamttitel „Die Welt will betrogen werden" neu einstudiert. „Paul und Paula" und „Die Wunderkur" waren die stärksten Eindrücke des Abends, darstellerisch wie inhaltlich in reizvolle Form gebracht. Hauptsächlich das Spiel von „Paul und Paula" errang verdienten Deifall, in welchen sich die Kinder mit Victor Kowarzik und Helga Rielsen teilen konnten. „Das Geheimmittel" (Pansano- bum) wurde leider totgeschrien, der Regisseur Edgar Klitsch hätte hier manchen Dämpfer aufsehen müssen, um Wirkungen $u erzielen. So gingen alle Feinheiten in dem Lärm der Worte verloren. Auch in „Die Welt will betrogen werden" fielen aud ähnlichen Ursachen Pointen In den Souffleurkasten. Hier war es Alois Großmann, welcher in der Verkörperung des Kunsthändlers die 3dee des Dichters am sichersten herausarbeitete. 3m übrigen ist die Wahrheit, daß die Welt betrogen fein will, leifox schon so alt und selbstverständlich geworden, daß ein leichter Modergeruch über dieser Ausgrabung liegt. Cs sind recht seine, künstlerische Miniaturen, aber vielleicht gehören wir auch zu den bösen Menschen, welche schärfere Sachen lieben. Der 2lbend ließ das Gefühl auftommen. daß die Satire EulenbergS vom Leben überholt und leider auch abgcschwacht sei. Der Rhythmus dieser vier Einakter kann sich nicht mehr in dem ewigen 3azz-Tempo unserer Tage behausen I Ueberlölpeln. Wir haben viele Ausdrücke, besonders in der Umgangssprache.', die den Begriff des Zeitwortes betrügen enth lten: unter ihnen ist Übervorteilen am gelindesten. Schriftdeutsch ist auch übertölpeln, dem die Färbung des Ueberraschens innewohnt: wenn man dabei an eine grobe, plumpe Art des Betrügens denkt, lär:t T / daraus erklären, man das Wort mit dem hierzulande viel bel.ebte und gebrauchte Redensart lautet: „Wir behandeln die Südtiroler w i e alle anderen 3 taliener. Sie können nicht von uns verlangen, daß wir an unseren Landesgrenzen einen Ausnahmezustand einführen, zu dem wir durch keinen Vertrag verpflichtet sind. Uebrigens werden die deutschsprachigen 3taliener bei uns weniger drangsaliert, als die deutschstämmigen Staatsangehörigen in der Tschecho- durch einen schriftlichen Vertrag verpflichtet, die slowakel und anderswo." Gewiß, 3talien ist nicht durch einen schriftlichen Vertrag verpflichtet, die freie Betätigung seiner fremdsprachigen Minderheiten zu achten, aber diese Achtung gebieten das natürliche Recht, die italienische Tradition, das feierliche Versprechen des Königs in seiner Thronrede vom 1. Dezember 1919, sowie endlich die Zusicherungen der italienischen Staatsmänner Tittoni, Luzatti, Giolitti und Bonomi. Wäre es nicht eine fürchterliche 3ronie, wenn Italien, das alle Verträge zum Schutze der fremdsprachigen Minderheiten in den anderen Ländern unterschrieben hat, sich i m eigenen Lande über diese natürlichen Rechte hinwegsetzen würde? Warum also in Südtirol die systematische Unterdrückung der deutschen Sprache in der Schule, vor Gericht und im öffentlichen Leben: warum so manche Gewalttaten und Schikanen? Die Sicherheit der italienischen Grenze wird dadurch nicht gesestigt werden, denn, wie Ministerpräsident Bonomi am 10. Dezember 1921 gesagt hat, haben sich diese gewaltsamen Entnationalisierungen stets als eitel erwiesen. Deutschland kann unmöglich einem solchen Drama teilnahmslos zuschauen, als ginge es die ganze Sache nichts an. Das wird man in 3talien niemals von Deutschland erwarten können. Südtirol. Rom, 9. 3anuar 1926. Südtirol hat endlich einmal die Aufmerksamkeit weiter Kreise sogar in 3talicn aus sich gezogen. Aus die Ausführungen im Deutschen Reichstag und in der ganzen deutschen Presse, erfolgten Proteste der italienischen Regierungs- presfe, Proteste in der Kammer. Das war immerhin ein Erfolg, denn bisher erfuhr die weite italienische Oeffent.ichkeit nichts von dem, was sich in Südtirol zutrug und fast gar nichts von der Bitterkeit, die gewisse Borfälle in ganz Deutschland hervorgerufen hat.en. Die Po.emik über Südtirol hat also eine gewisse Klärung gebracht, die heilsam wirken könnte, wenn gewisse Umstände in Zukunft mehr beachtet würden. Die deutsche Presse müßte sich davor hüten, das Opfer falsck er Rachrichten zu werden und dadurch der italienischen Presse die willkommene Gelegenheit zu bieten, die ganze deutsche Agitation zugunsten Südtirols als einen politischen Ver- leumdungsse.dzug hinzustellen. Um das deutsche Eintreten für Südtirol in den Augen der italienischen Bevö.kerung zu diskreditieren, wird immer wieder hier behauptet, die deutsche Presse stelle die Brcnnergrenze in Frage und erhebe politische Ansprüche auf Südtirol. Wenn man aber aißöann von unserer Seite die Bitte stellt, solche Blätter einma. namhaft zu machen, erfolgt als Antwort: Stillschweigen. Wie oft begegnete man in diesen Tagen dem Vorwurf: „Was gehen Euch Reichsdeutsche die Südtiroler an, die doch niemals zu Euch gehört haben?" „Rein — noch vor wenigen Tagen suchte die „3dea Razionale" die Berechtigung 3taliens, sich für die 3 nseI Korsika zu interessieren, dadurch zu erklären, daß Korsika, obschon es politisch zu Frankreich gehöre, der Rasse, Sprache und Kultur n a ch italienisch fei. Der Versuch der italienischen Rationalisten, dem größten deutschen Staats- gebilde, dem Deuts f en Reiche, zu verbieten, sich kulturell und menschlich für das Wohlergehen seiner Rasfenb.üder außerhalb der engen Reichsgrenzen zu interessieren, schlägt also der eigenen italienisch-nationaüsti'chen Praxis direkt Tölpel, dem ungeschickten, unbeholfenen Menschen ohne Lebensart, in Verbindung bringt. Aber das ist falsch Es mag ja besonders schmerzlich fein, von einem Tölpel Übers Ohr gehauen zu werden, aber buchstäblich verstanden, könnte doch nur die Uebervorteilung eines Tölpels in Betracht kommen, nicht die durch einen Tölpel, dann wäre der Betrogene der Tölpel. Welcher Uebertölpelte wird sich aber selbst der Tölpelei an klagen? Hs handelt sich gar nicht um das Wort Tölpel, das ursprünglich in den ritterlichen Kreisen den Gegensatz zum Ritter, den Menschen dörfischer Herkunft und bäuerischer Sitte bezeichnete: die aus dem flämischen dorper, einer Übersetzung des französischen vilain, hervorgegangene Grundform dorper wurde zu Tölpel, wie Barbier zu Balbier, Marmor zu Marmel usw. Das Wort weist aber nicht nur auf das niederdeutsche Dorp - Dorf, öS geriet auch unter die Einwirkung eines anderes Wortes Tölpel - Klotz, Strunk, BaumwurzcT. einer Weiterbildung von dem Worte Dolb, Keule, Knütte. übertragen: ungeschickter Mensch: ähnlich stellt der mundartliche Ausdruck Trämel (Trömel) für einen großen, stämmigen, groben, dummen und faulen Menschen die Verkleinerung (mittelhochdeutsch bremel, althochdeutsch dremil) zu trame, Balken, bar. Der Dolp kommt noch bei HanS Sachs vor: 3d; muß den Dolpen examinim: auf ihn führt auch tölpisch zurück. Die ursprüngliche Bedeutung von Tölpel tritt in mehreren Redensarten zutage: über den Tölpel fallen, eigentlich über einen Klotz fallen, dann aus Un- geschickheit einen Fehler begehen, sowie (zuerst im Simplizissimus) einen über den Tölpel werfen oder- stoßen = ihn betrügen, zum Qlarren haben, ihm einen Streich spielen, (1706): so bei Lessing, Bode (1776 in der Übersetzung des Landespredigers von Wakefield: 3ch werf ihn jährlich einmal über den Tölpel) und noch 1792 bei Michaelis: Hat er sich nicht fast die Deine abgelaufen, bis er meinen Vater über den Tölpel geßoßen (- herumgekriegt)? Diese Wendung wuü. . , lä’jt ;u übertölpeln. des Kampfes bis zum Ende auskosten und scheint öu hoffen, daß ihn mächtige Freunde retten werden. Wenn nicht, fo will er viele andere mit sich reißen. Verräter Deutschlands, denn unmittelbar vor dem Zusammenbruch vermochte er es bei dem Kaiser durchzufetzen, daß Gras Andrasfy zum Minister des Aeußern ernannt werde mit dem Programm, den Sonderfrieden zu schließen. Windisch-Graetz ging damals mit Andrasfy als erster Sektionschef des Ministeriums des Aeußern nach Wien. Der Prinz hatte bei Kaiser Karl freien Eingang, er konnte unangemeldet jeder Prioataudienz beiwohnen, und es berührte die verantwortlichen Staatsmänner oft peinlich, wenn sie dem König entscheidende Vorschläge machten, daß alle vernünftigen Ratschläge, die dem Kaiser Karl von ersten Staatsmännern erteilt wurden, wie Spreu in den Wind flogen, weil Prinz Windisch-Graetz immer mit feinen in rosige Farben getauchten weitgreifenden Plänen, die niemals eine efte Unterlage besaßen, den Kaiser aus den Bereich her Wirklichkeit führte. Als die Revolution in Wien ausbrach, sorgte er für die persönliche Sicherheit der Familie. 2lls erfahrener Schmuggler verstand er es, die Geschmeide und Goldschätze des Kaisers in die Schweiz zu bringen. Aber in der Schweiz selbst stand er an der Spitze jener gewissenlosen Elemente, die den Kaiser in die Putschpläne verwickelten und ihm zu diesem Zweck den letzten Rest feines Vermögens entlockten. Männer, die während der ungarischen Bolschewikenherrschaft in der Schweiz das Treiben des Prinzen Windisch-Graetz mitansahen, erzählen, daß der Prinz immer wieder zu dem Kaiser Karl kam, ihm mit teilte, cs wäre ein Mann zugegen, der die Restauration in die Wege leiten werde, man möge ihm 10 000 Franken geben. Der leichtgläubige Kai er gab ihm das Geld, und Prinz Windisch-Graetz lie damit schnurstracks in den Spielklub, wo er das Geld verlor. Zu Ostern 1921 brachte er dann den Kaiser mit dem Paß feines Kammerdieners Gaspar Kovacs nach Ungarn. Wie unredlich Prinz Windisch-Graetz in Geldsachen war, zeigte zuerst die erwähnte Kartoffel- geschichte, wegen der er von der Staatsanwaltschaft bereits verfolgt war. Zur Zeit der Ministerpräsidentschaft des Grafen Tcleti wurde jedoch die Angelegenheit niedergeschlagen, indem ein Untersuchungsausschuß erklärte, Prinz Windisch-Graetz hätte über dieses abgerechnet. Mit dem Grafen Andrasfy zerwarf er sich ebenfalls in einer materiellen Sache. Er übernahm die Verwertung eines dem Grafen Andrasfy gehörenden Rembrandtschen Bildes, wobei sich Unredlichkeiten ergaben. Um feine geldlichen Verhältnisse in Ordnung zu bringen, übernahm er die Versorgung der hauptstädtischen Gaswerke mit Kohlen. Er schloß mit der Loucheur-Gruppe einen Kohlenlieferungsvertrag, schützte politische Interessen vor, welche es geböten, gewissen französischen Kreisen große Vorteile zu sichern: und so bezogen die Budapester Gaswerke die teuerste Kohle, wobei Windisch-Graetz und seine Genossen mehrere Millionen Goldkronen gewannen. Die Mitglieder dieses Syndikats erstatteten gegen ihn wegen Veruntreuung schließlich Strafanzeige: sie wurde aber niedergeschlagen. Den legitimistischen Freunden des Prinzen mißfielen seine Umtriebe, sie befürchteten eine Schädigung des legitimistischen Gedankens und stießen den Prinzen von sich ab. Er näherte sich dann den rechtsradikalen freien Königswählern, wo er ihm ähnliche abenteuerliche Elemente fand. In diesem Kreis wurden die irredentiftifchen Pläne ausgeheckt, und zur Finanziekung dieser Pläne wurde zuerst die Fälschung tschechischer Kronen, dann die Franken- sälschung unternommen. Prinz Windisch Graetz und seine Genossen scheuten nicht, aus diesen angeblich vaterländischen Geldfälschungen sich auch eigene materielle Vorteile zu sichern. Prinz Windisch-Graetz war. wie dies bei ihm nicht anders denkbar, ein leidenschaftlicher Kartensvieler, er verlor im Wiener Jockeiklub und im Budapester Nationalkasino Riesensummen, sein fideikommissarischer Besitz war bereits bis zur zulässigen Grenze belastet, und er mußte die Familienschätze, Gold, Silber und eine wertvolle Münzsammlung verpfänden, um sich das nötige Geld zur Bezahlung seiner Schulden und zur Finanzierung der Geldfälschungen auf^ubringen. Einen Teil dieser Gelder, etwa 30 Milliarden, zahlte er vor einigen Monaten zurück. Auch der in Amsterdam verhaftete Oberst Aristid Jankowitsch suchte bereits aus dem Erlös der falschen Frankenscheine einen größeren Grundbesitz zu kaufen. Merkwürdig ist, daß Prinz Windifch-Graetz vom Augenblick der Verhaftung seines Kammerdieners an wissen mußte, daß auch an ihn die Reihe kommen werde. Er stand wohl unter polizeilicher Aufsicht, doch er hätte noch die Möglichkeit gehabt, der schmachvollen Verhaftung durch Selbstmord zu entgehen. Dieser Abenteurer hängt jedoch am Leben, er ist eine Spielernatur, er will das Auf und Nieder französische Sozialdemokratie denkt fo. Keines- falls fällt die nationale Ehre zusammen mit äußerer Macht. Im Gegenteil, wir halten ja das Gedächtnis der dreihundert gefallenen Spartaner für ehrenvoller als alle Siege der Horden Dfeyingis-Chans. Groß ist in der Geschichte immer nur, was innerlich bedeutend ist. — Es zeigt sich, daß die ferner in dem Hefte vollständig nach dem Stenogramm der Parlamentsstenograpyen wiedergegebene Schlußrede des Herausgebers der Zeitschrift im Dolchstoßprozeh dem Thema des Heftes in hohem Maße verwandt Ist. Mußte doch Professor Coßmann auf die heutige erschreckende Verkehrung der nationalen Begriffe besonders Hinweisen. Er lehnt für sich den Unterschied zwischen bürgerlichen und sozialistischer Weltanschauung ab. „Ich fühle mich mit dem nationalistisch gesinnten Sozialisten auf innigste verbunden und fühle mich anderseits durch eine tiefste Kluft getrennt von dem Kapitalisten, der international oder deutschfeindlich eingestellt ist." Er hält für das Wesentliche deutscher Zukunft die Gefühlseinstellung zum eigenen Volk. Weil jene deutschfeindliche Einstellung heute noch nachwirkt, ist der Kampf gegen sie Pflicht und nicht etwa Volkszerklüftung zu nennen. Die Rede bringt eine Fülle von neuen Gedanken zur Geschichte des Zusammenbruchs und zur Frage der Mitwirkung der damaligen sozialistischen Parteien. Entscheidend für den Wiederaufstieg ist, ob die deutschen Arbeiter Träger des nationalen Gedankens fein werden. Es entspricht durchaus der Anlage der Süddeutschen Monatshefte als einer Zeitschrift, in der hochstehende Persönlichkeiten Die Ehre im Leben der Völler. Die heutige wirtschaftliche Notlage Deutschlands drängt auch im politischen und geistigen Leben das Materielle so in den Vordergrund, daß dadurch den innersten Lebenskräften der Nation stärkste Verkümmerung droht. Auch äußere Not kann schließlich nur durch die Kräfte des Willens überwunden werden, die wiederum erwachsen müssen aus den höchsten seelischen Kräften. Das neueste Heft der Süddeutschen Monatshefte „Die Ehre im Leben der Völker" will Auge und Herz auf den bedeutungsvollsten nationalen Begriffsinhalt lenken. Karl Alexander v. Müller, der bekannte Münchner Historiker, zeigt in seiner Abhandlung „lieber die Bedeutung der Ehre im Leben der Völker", daß die sittlichen Fähigkeiten des Menschen, soweit unser Blick in die Vergangenheit zurückreicht, schon früh vollständig entwickelt sind, und sich seitdem nicht wesentlich mehr verändert haben. Mit dem ersten freiwilligen Opfertod hotte die praktische Sittlichkeit schon die bis heute höchste Stufe erreicht. Die Fortschritte der Technik und Wirtschaft haben dem nichts hinzugefügt. Die Ansicht, daß in unserer Welt der Wirtschaft kein Platz mehr sei für das Heldenhafte und für seine veralteten Ehrbegriffe, entspricht der Lehre der materialistischen Geschichtsauffassung. Ehre, Mut und nationale Leidenschaft find Realitäten im Leben der Völker, und die deutsche Politik schon während des Krieges ist nicht real gewesen, weil sie diese Kräfte in der eigenen Führung nicht eingesetzt hat, wie die Gegner es taten. Der Versailler „Vertrag" und alles, was ihm folgte, find die unmittelbare Auswirkung hiervon. Der deutsche Parteisozialismus schätzt für den Klassenkampf körperlichen Mut und „proletarische Ehre" hoch ein, aber für alles, was die Nation betrifft, hat er den Arbeitern diese Dinge wegdisputiert und den Glauben beigebracht, als ob die Nation schlechthin ein Klasseninteresse wäre und nationale Ehre höchstens Soldaten- oder Junkerehre. Diese Anschauung ist nur eine Dinkelsbühl und Friedberg t H. Ella Räubers Farbenholzschnitte verarbeiten Blumen» motive in wenigen, zart«,, aber ganz dekorativ gehallenen Tönen und Linien. Schnie Winds „Papagei" (ebenfalls farbiger Holzschnitt) Ist bereits verkauft. Von Linzen sieht man eine weiträumig gemalte Landschaft auS der Hohen Rhön. (Auch die Rhonbuche ist ein schönes durchkomponiertes, besonders linear betontes Stück.) Die „Kirmes" von Rernst gibt ein bäuerliches Idyll etwa in Ludwig Richters Manier. Marg. Kuhns „Fischerkutter mit Rehen" ist ein fett gemaltes, vor allem technisch interessantes Bild (man denkt etwa an Hausensteins Farbenkommata, mit starkem Gefühl für das im Atmosphärischen aufgelöste Licht. Wallat bringt ein Seestück „An ferner Küste", kräftig im Ton, energisch in den Konturen, besonders aber mit den ..Hohenstaufen" ein in der Masse sehr könnerisch bewältigtes und organisch aufgeteiltes Landschaftsstück, mit starkem, im Hintergründe gesammelten Sonnenlichteinfall und einem pointillistifch aufgelockerten Himmel. Eine Gruppe von Friedrich, „Cinerarie und Strickstrumpf" (fast grotesk in der Zusammenstellung) kann als ein Beittag zur „Reuen Sachlichkeit" gelten, die jetzt so viel von sich reden macht. Lichts Blumenstück arbeitet mit starken farbigen Gegensätzen. Fein empfundene, erste Dorsrühlings- ftimmung ist eingefangen in der Wiesenland» schast von Faehndrich. Reben Brauns Thüringer Dörfchen findet sich ein ergötzliches, winterliches Scherzo von Me Heroth. Prof. Försters Heidelandschaft, aus großer Weite gemalt, übrigens in der Horizontalen stark mar- fiert, wirkt bei einigem Verweilen sehr geschlossen und bildhaft: auch die geschickte Raumanordnung ist zu beachten. — Reben der Malerei und der Graphik tritt die Plastik in der Gelamtverteilung ein wenig zurück. Wir notieren eine strenge Marmorbüste „Alte Albanerin" von Röhrig und von Kleine zwei figürliche Rundplastiken in Bronze, —1> — jeder Richtung sich ungehindert aussprechen können, daß sie im gleichen Hefte auch einem Sozialdemokraten, Anton F e n d r i ch , das • Wort geben. Er nimmt in einem Aufsatz „Von der Ehre" zum Dolchstoszprozest Stellung. Oberhesfen. Landkreis Gietzen. * Heuchelheim, 11. Ian. Die am Samstag eingeweihtc eigene Turnhalle des Turnvereins Heuchelheim kann als eine Zierde unseres Ortes bezeichnet werden. Das Gebäude enthält in seinen» Vorderbau Im Parterre den modern eingerichteten Karderoberaum, die Gast- zimmer, den Ausschankraum und die Küche, im oberen Stock befinden sich die Wohnungen des Hausverwalters und zweier Turnwarle, außerdem noch ein Saal, der etwa 200 Personen iaht und für Versammlungen und kleinere Veranstaltungen sehr octicmct ist. direkt anschließend an den Vorder bau ist bic Turnhalle erstellt worden, die gleichzeitig als großer Gesellschoftssaal für Bereinsoeranstal hingen dienen kann. In dieser Halle finden etwa 800 ^rsonen Plast. Die Innen-Ausstattung der Halle, sowohl im Anstrich, wie in der Deleuchtungs- anordnung und der Fensterverkleidung durch Gar- dienen, ist aus einen sehr harmonischen und warmen Ton gestimmt, wodurch das Ganze recht anheimelnd wirkt. Um die künstlerische Ausgestaltung hat sich Geh. Baurat gelben (Darmstadt) durch seinen guten Rat sehr verdient gemacht. Geeignete Vorkehrungen zur Anbrnigunq des großen Turngreäts gestatten, aus dem Gesell- schastssaal im Handumdrehen den kompletten Ium» taal zu machen. Eine geräumige Biihne mit den entsprechenden Umkleideräumen bietet die Möglik- teil in dem Saale auch Theatervorstellungen zu bieten. Unter der Bühne im Kellergeschoß befinden sich die Geräteräume, die gute Transporlrnöglich- teilen nach der Turnhalle besitzen. Das Gebäude ist mit Zentralheizung ausgestattet. Der im Weltkrieg gefallenen und vermißten Mitglieder des Vereins ist durch eine in der Eingangshalle angebrachte Gedenktafel gedacht, die von Schreiner Mandler (Heuchelheim) in schlichter und geschmackvoller Weise geschaffen wurde: 40 Namen gebliebener Helden findet man dort verzeichnet. Die gesamte Bewirtschaftung des Hausbaues einschk. des Restuuralionsbe- trievs, hol der Verein in eigener Hand behalten. > Wie leck. 11. Jan. Als gern gesehener Gast hielt deS Bethelfilms 2. Teil zu zwei Vorführungen für Schuljugend und Erwachsene Einkehr in unserer Kirche. Von den beiden Begleitern war der Vortragende Bruder Walte r m a n n als Diakon bei der Bethelmisjion in Ostafrika nach zweijähriger Beteiligung am Feldzug in Gefangenschaft geraten, und aus eigenem Erlebnissen heran- sand er treffliche Worte zu den lebenswahren beweglichen Bildern. Die vom „Liebeswerk der Schwestern von Sarepta' scheinen recht geeignet, unserer Jungmädchenwelt die Lust zum Dlakonissenberuf zu wecken. Der Film „Schrifienmission" führt zugleich in den modernen Druckereibetrieb ein. Wahrhaft ergreifend waren die Schilderungen aus dem Leben zweier Arbeitsloser, denen ,J)offnungstal, eine Zuflucht für Hoffnungslose" Rettung bringt. Dieser Film ist besonders reich an landschaftlichen Schönheiten, wie an erzieherischen Winken für die Behandlung der „Bruder von der Landstraße". Rach einem Schlußwort des Ortsgeistlichen schloß die mit Gesang wiederholt beteiligte Gemeinde mit dem Lied ,Aane meine L>eele" die eindrucksvollen Feierstunden. —Lollar, 10. Ian. Eine große G c - flügel-Ausstellung des Provinzial- . Verbandes Oberhessen fand gestern und heute hier statt. Gellem vormittag wurde die Aus- F srellung eröffnet. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende Riehm des Geflügelzuchtvereins t Lollar. Im Namen der Stadt Lollar sprach Bürgermeister Schmidt. Weitere Ansprachen hielten der Vertreter des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen Dr. Wagner- Gießen und Jean Kolter- Bad-Nauheim als 1. Derbands- oorsitzcnder. Die Ausstellung war mit 453 Nummern sehr gut beschickt. Aus allen Teilen der Pro- .vinz Oderhesien waren die Züchter herbeigeeilt, so \ B. aus Gießen, Hungen, Alsfeld, Schlitz. Bad- Nauheim, Echzell, Grünberg, Butzbach, Gedern, Burg-Nieder-Gemünden, Homberg a. d. Ohm, Büdingen, Heldenberaen u. a. m Der Land wirtschafts- kammer-Ausschuß hatte in dankenswerter Weise zehn Preise, der Prooinzlalverband sechs, die Stadt Lollar, sowie mehrere Private und Vereine mehrere Preise gestiftet. Der Besuch der Ausstellung, die in zwei Sälen stattfand, war gestern und heute sehrt aut. Die Prämiierung Haie folgendes Ergebnis A. Wassergeflügel: Sieger-Ehrenpreis (V. Rübsamen-Gietzen, Kaminer-Ehrenpreise: 5t. Wallon-Erbenhausen, C. Rübsamen-Gießen (zwei), Ehrenpreis: O. Södler-Nieder-Gemünden, 1. Preise: Emil Sonnenburg-Tiergarlen bei Hungen, C. Rübsamen-Gießen, Hch. Kös-Allendorf a. d. Lda. — B. Großgeflügel: Kammer-Ehrenpreise: E. Rübsamen Gießen, Otto May-Lang-Göns, Hch. Bin- ding Echzell, Hch. Seip-Lallar, Lehrer Schneider- Oder-Gleen (zwei). Ehrenpreise: Hch. Zeiß-Schlitz, Göns, Justus Haas-Gteßcn, Hch. Reinhardt-Schlitz, Bauer-Gießen, Schneider-Ober-Gleen, Funk-Gießen, Hch. Depler-Kirch-Göns, St. Wagner-Schlitz, Hch, Bepler-Kirch-Göns, K. Reitz-Stockhausen, Hch. Pfarrer-Weckesheim, W. Lich IV.-Londorf, H. Dietz- Lollar, W. Müller V.-Lang-Göns, A. Rosenbaum- Gambach, H. Preiß-Nordeck, 1. Streife: K. Wallon (Erbenbaujen, Pf. Brnsius-Lollar, Lehrer Erdmann- Kirtorf, Joh. Lammer-Nordeck, Lehrer Schneider- Ober-Gleen, H. Krug^lichhausen, K. Reitz-Stockhau- sen, H. Peppler-Lang-Göns, C. Rübsamen-Gießen, Hch. Reinhardt-Schlitz. — C. H ü hner. Ehren oreise: Eugen Neuenhagen-Schotten, W. Hachenburger Beienheim. H. Gerbig-Schlitz, O. Södler- Glieder-Gemünden. Ä. Kaletsch Ik.-Lollar, H. Bin- ding-Echzell, O. Södler-Nieder-Gemünden. K. Müller-Lollar, G. Ostheuner-Gamdach, 1. Preise: O. Södler-Nieder-Gemünden, W. Högy-KleinEichen, G. Oslheimer Gambach. — D. Zwe rghühner: Kammers.hrenpreis: Hch. Diaus ll.-Ruppertenrod, Ehrenpreise: A. Bechtold-Launsbach, E. Müller- Lang-Göns, Jean Kolter-Bad Nauheim, Ehr. Hill bcrg-Ockershausen, F. Riehm-Lollar, Jean Kolter- Bad-Raubeim, H. Hellmold-Gießen, Ioh. Lammer- Nordeck, 1. Preise- E. Deibel-Lollar, Ä. Müller- Lollar. — E. Tauben: Sieger-Ehrenpreis: W. Nern-Pohl-Göns, Ehrenpreise: PH. Ostheim-Echzell, W. Rcusch-Lang-Gön:. Jean Katter-Bad-Nauheim, W. Reusch-Lang-Göns, Hch. Pfarrer-Weckesheim, L. Mogk-Echzell, O. Heß-Lang-Göns, Aug. Walter- Baueruheim, I. Kolter-Bad-Nauheim, H. Genzel- Bad-Nauheim. O. Nuhn»Lollar, L. Frank-Lollar, W. Krug-Alsfeld, 1. Preise: H. Schwarz-Lollar, W. Krug-Alsfeld, O. Nuhn-Lollar, L-Frank-Lollar, K. Strauch-Homberg a. d. O. Aug. Walther-Bauern- beim, R. Kaiser-Lang-Göns, W. Rern-Pohl Göns, Jean Kotter-Bad-Nauheim. U Rödgen, 11. Jan. Die Vorführung des Be t Hel - F i lm s , die gestern abend in unserer Kirche vor sich ging, bitte viele Zuschauer herbe'gelockt. Sä.nlliche Bilder zeichneten sich durch große Anschaulichkeit und Deutlichkeit aus und gaben eine gute Vorstellung non dem Anteil, den Bethel mit seinen vielen Zwetg- Untcrnebmungen an dem Wiederaufbau des deutschen Volkes leistet. Die Vorführung der Bilder war an geeigneten Stetten unterbrochen vrn dem Gesang kirchlicher Lieder. Sichtlich befriedigt und im Innersten ergriffen von den Bildern des Jammers und der Rot. gingen die Teilnehmer nach Haufe. t Treis a. d. Lda., 11. Ian. Auch hier wurde in der Kirche der 2.Teil deo Derhel- films- vor^csührl, ter zeigt, wie in den berühmten Booelschwinghschen Anstalten die christliche Liebe sich der Armen. Elenden, Schwachen, Verwahrlosten aller Art annimmt, um ihnen das Leben erträglich zu machen oder sie der menschlichen Gesellschaft als nützliche Glieder wieder zu'.ulühren. Die 2slündige Vorführung fand nachmittags 5 Uhr für tic Kinder und abends 8 Uhr für die Erwachsenen statt und gestaltete sich durch gottesdienstliche Umrahmung zu einer wahren Feierstunde für Herz und Gemüt. f AIlendvrs a. b 23a., 11. Ian. Der BethelfiIm. de'sen 1. Teil im vorigen Jahre überall großen Beifall fa.i), Hit nun eine Erweiterung und Zoitetzung In einem 2 Teil gefunden, Der die,er Tage »n unserer Stadtkirche vorg:führt wurde. Er g'.bt ein anschauliches und ergreifendes Bild des großen LtebeswerkeS. daß Dodelschwingh durch GotkeS Gnade zum Besten der Aermsten unseres Volkes geschaffen hat. auf dem Gottes Segen so sichtbar ruht. v. Londorf, 10. 3an. Heute wurde der letzte Veteran auS dem Kriege 70/71 der hiesigen Gemeinde. Heinrich Jager, im Alter von 78 Jahren unter zahlreicher Beteiligung z u Grabe getragen. Der Kriegerverein gab die drei Ehrensalven ab. — In Schernberg im Schwarzwald starb der ca. 15 Jahre hier Franziska. (Roman von LieSbet ®ill 41. Fortsetzung. Nachdruck verboten Von ihrer Unterredung am Springbrunnen schien sie nichts mehr zu wissen und nichts von ihrem Besuch in seinem Laboratorium. Sie hatte eS sich in den Kopf gesetzt, Krankenschwester au werden. .Als Ersah für die medizinische Karriere", sagte sie bitter... Gveckel war an das Mannheimer Krankenhaus gegangen. Aathan der Reiche, sein Aachfolger, hatte sich ehre endgültige Zurückweisung von ihr geholt. EUs beth hatte mit der Geselligkeit abgeschlossen. sie ging nicht mehr aus. .Wäre meine F.mille katholisch, so würde Elisabeth in ein Kloster gehen, zum kleinen Kinde Jesu", tagte der innere Worth. Sie tat ihm leib, aber das Mitleid bedeutet den Tod der Liebe. Liebe? War eS je eine gewesen? (Sr verneinte es heute. Es to'r nur Sympathie, und als ihm Worth sagte: „ ®li fabetb wird Krankenschwester, sie hat es mir soeben gesagt", sagte er: .Da tut sie recht Daran, sie paßt dazu wie geschaffen." .Geht es Ihnen gut?" fragte er sie. als sie ihm nach Tisch flüchtig ihre fieberheiße Hand reichte. .Ich habe eine Arbeit gesunden, die mich befriedigt. Das ist ja die Hauptsache", sagte Elisa- Leth. lind sie wandte sich sogleich ab, so daß er ihre feine, magere Rackenlinie bewundern konnte. Sie hatte liebenswürdig sein können, in ihren Augen hätte die Verzeihung flackern können, nur tn ihm hätte sich nichts gerührt, es schien ihm, als fei sein Herz geleert. Das Gefühl dieser Leere und die Gewißheit dieser ilntotcber- bringlichkeit erregte in ihm eine Art von verzweifelter Verachtung seiner selbst. In einen Sessel gelehnt, während ihm ein junger, eifriger Kollege einen medizinischen Vortrag hielt, betrachtete er Elisabeths hohe, stolze, blonde Erscheinung. DaS sind Die Frauen, die einen Mann glücklich machen, dachte er. die bereit sind, ihm gesunde Kinder zu fchenken. und für ihn leben und sterben Roch ist cS Zeit. Sic würde vergessen können. Und wenn ich im Gefängnis faße, sie würde zu mir kommen. Aber er streckte feine Hand nicht aus, sie war wie gelahmt ... Er ließ im Geist alle die reizenden, jungen, blühend.n Mädchengestalten an seinem Auge vor- überzichen, die er kannte und die sich ihm an- boten mit Blicken, Worten, Händedruck. Er stellte sich seine Zukunft vor an Der Seite eines solchen jungen Geschöpf:S. Unb Dann sah er ihre Mütter, die im Kreis um den ovalen Solatisch saßen. Er ging an ihnen vorüber, scheinbar dem Kollegen zuhörend, Die Hände in den Taschen, den Blick auf den Teppich gerichtet, und hörte, wie sie in breitem Dialekt Von ihren Dienstboten sprachen und dym Einkauf von Gänsen. Die alte Abneigung vor einem runden Familientisch. der Hängelampe und dem eintönigen Alltagsleben regte sich in ihm. Wie eine heiße Welle rann eS noch einmal über ihn: Fran- ziSta.. Er sah sie wie an ihrem ersten Tag am Weiher bei den Schwänen sitzen, und unter ihrem großen Hut sahen ihn ihre dunklen Augen an. sie hatten ihn angezvgen wie zwei Rätsel. Gr empfand einen dumpfen Schmerz, daß er sie hergegeben hatte und sie nun Den Weg ging, den sie sich selbst gebahnt und vor dem er sie hatte behüten wollen. Er vermied es. mit Elisabeth zu sprechen, aber ihre vornehme, vorwurfsvolle Erscheinung stand noch vor ihm, alS er sich längst verabschiedet hatte und durch die matterleuchteten beschneiten Straßen nach Hause ging. Schade, dachte er. daß sie nicht einen Mittelweg gefunben hat, eS gibt doch so vortreffliche Männer. Goeckel würde sie auf Händen getragen haben. Rathcm war reich, Reichtum ersetzt vieles, nicht stolzen Raturen wie Clisab th — aber es gab doch noch Männer, die einer Frau ein Durchschnittsglück garantierten. Das wollte sie nicht, und so verzichtete sie. Din ich schuld Daran? Rein. Wie er Franziska gesuH und gefunden, so hatte Elisabeth ihn gc(wj,t. . Es war Bestimmung. Schicksal, er bedauerte die Fügung, daß er etwas zerstört hatte, maß sich unter seinen Händen zu einer herrlichen, kraftvollen Blüte hätte entfalten formen, aber er fühlte sich unfähig, irgend eltoas zu empfinden, keine Trauer, keinen Schmerz, keinen Triumph. amtierende israelitifche ReligivnSlehrer und Stan - tor M. Bandah. Aber nicht nur als solcher hat er sich große Verdienste und Wertschätzung erworben, sondern ganz besonders al8 Dirigent deS hiesigen Gesangvereins „Frohsinn" ist er in weiten Sangerkreisen eine hochgeachtete und allgemein geschätzte Persönlichkeit geworden. Man kann jagen, daß er den Grundstein zum Cm- porblühen des Vereins gelegt und auf vielen Dängerwettstveiten und Sängerfesten seine Sänger zu grobem Erfolg geführt hat. Mrm Fricvkcrg. sf. Friedberg, 11. Ian. Im Jahre 1925 tarnen beim hiesigen Stan besamte zur Anmeldung (in Klammer die Anmeldungen des Jahres 1924) 183 Geburten, davon 20 auswärtige und 20 uneheliche (201), 98 Eheschließungen (57), 127 Sterbesälle, davon 37 auswärtige (167). Die hier verstorbenen 'Auswärtigen sind fast sömttich im biegen Büraerhospitale in Behandlung gewesen. B. Rodheim v. d. H., 11. Ian. 3n einigen Hosreite unserer Gemeinde ist Die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Man hofft. Die Seuche durch die sofort ergriffenen Vorsichtsmaßregeln auf ihren Herb beschränken zu können. Die Zahl Dor Arbeitslosen ist von über 70 im Anfang des Monat Dezember auf 45 zurück- gegangen, Da die Gemeinde in ihren großen WalDungen eine Anzahl Der Erwerbslosen mit Holzhauerarbeiten beschäftigen kann. — Während Rodheim unter ter Zeuchligkeit der letzten Wochen weit weniger als benachbarte Gemeinden der Wetterau zu leiden bat Le und nut in den Kellern einiger Ortstelle Daß Grundwasser reichlich auftrat, verlor das Wasser Der Laufbrunnen, DaS zu Trink- und Kochzwecken benutzt toitb. fein schmutziges, tehmsarbiges Aussehen nickt, daß eä immer bei Regenwetter annimmt. Der Bau der schon vor dem Kriege geplanten Wasserleitung entsprich! einem bringen Dm Bedürfnis Der Zeit Ob allethiugß dieses Vorhaben, das zahlreiche Freunde in Der Gemeinde besitzt, zur Ausführung kommen kann, ist bei der finanziellen Lage der Gegenwart sehr fraglich. Streik Yüdin^en. 'ch. RidDa, 11. Jan. Während infolge Der Wirtfchaftsnvt das große Himmelbachfche Sägewerk verkürzt arbeitet, bat für dies« Woche die gleichfalls stark unter dem Wirtschafts- brud leidende Möbelfabrik E. Ringß- hausen (Inh. F. Reuning) Den Betrieb ganz eingestellt. Mreid Schotten. X!- Schotten 11. Ian. Die kür.zlich in Den Kreis Schotten cingeschleppte Maul- und Klauenseuche geht ihrem Erlöschen entgegen. Durch Abschlacht n eines Viehbestanbes in Gedern, woran sich Die Gemeinde und der Händlerverband beteiligten, konnte Dort bereits die Sperre aufgehoben werden. Die Stadt Schotten hat nun auch die hiesigen Bullen abschlachten lasten, und in den Gemeinden Betzenrod und Ulfa ist die Seuche auf ihren Herd beschränkt geblieben, so daß in einigen Tagen mit Dem vollständigen Erlöschen gerechnet werden kann. Ig. Gedern, 11. Januar. Der hiesige Pferdeversicherungsverein, dem auch viele Pferdedesiher der Umgebung angeboren, hat neuerdings einen Zuwachs von 39 Pferden zu verzeichnen, fo daß der jetzige Versicherungsbestand sich auf 258 Tiere beläuft. Diese stattliche Zahl zeigt deutlich, welches Vertrauen man dem Verein, der feit feinem Bestehen überaus segensreich getoirft hot, entgegenbringt. XlX Rieder-Seemen, 11. Jan. Gestern sand nun endlich li: dritte Bürgermeister- wahl hier statt. Bei der ersten Wahl siegte Kaspar Herr öder, bei Der zwci' a Wahl Bürgermerster Raumann. JedeSma war der SttmmenunterschieD nur sehr klein, wesvalo auch regelmäßig Reklamation erhoben wurde Der Minister des Innern hatte von der ihm zu- stehenden Ermächtigung, einen Kommissar zu ernennen, (.inen Gebrauch gemacht und eine Dritte Wahl angcorbnet. Diesmal siegte Kaspar H e r- röDer mit 61 gegen 59 Stimmen. Also wieder ein knappes Resultat. Hoffentlich kehrt jetzt endlich Ruhe in unserer Gemeind« ein. )—( Ruppertsburg, 10, Jan. Vom vorigen Donnerstag bis gestern abend war tas Wasser unserer Leitung nicht zu genießen. Cs roch und schmeckte wie 3aud;c. Ein Landwirt hatte auf feine Wiese, durch d e die Er fühlte nur, daß mit Elisabeth etwas für ihn dahingegangen war wie die Jugendkraft. die nicht mehr wiederkehrt... Er ging nach Paris und stürzte sich in Daß Leben hinein wie in ein großes Abenteuer, ohne Zweck, in der Suche auf Genuß. Aber er f;nd ibn nicht mehr, er fand nur sein leeres Herz, feine Seele blieb (all und gefühllos. Auch diese ÖtaDt befriedigte ihn nicht mehr, er fam sich darin vor wie ein Mensch, Der ein Lustspiel sehen will und in ein Trauerspiel geraten ist. Dieselben Frauen, die er vor Jahren graziös, entzückend gefunden, betrachtete er beut nur mehr vom medizinischen Standpunkt aus. Gr sah ihre Körper vom Korsett verkrüppelt, weil die Mode es vvrschrieb. mager zu sein, sahen sie aus wie Skelette, ihre Haut hatten sie durch unvernünftiges Leben verdorben und bemalten sie mit dickem lila und rosa Puder, front Tragen gemusterter Schleier waren ihre Augen geschwächt, ihre Augen geschwächt, ihre Kopfe mit falschem Haar bedeckt. — Er kam zurück, angeekelt und enttäuscht. Und diese Verstimmung blieb auf ihm lasten. Er traf Elisabeth nicht mehr. Sie ahtte die Stadt verlassen. * In demselben Jahr verlor Hasse seine Mutter. Die noch jugendliche, schone, gefeierte Frau hatte schon lange ein Herzleiden getragen, und Halse, der dies wußte, machte sich Vorwürfe, daß er sie in Den letzten Jahren so selten gesehen hatte. Sie ahnte seine Geschichte, sie hatte ihn nie damit gequält, sie verstand ihn. Ihr Verlust ließ Hasse aus fein eigenes Herz achten und er stellte Veränderungen fest, die er vielleicht einer Qlnlage oder den letzten aufreibenden Jahren verdankte. ^Rvch zehn Jahre vielleicht —" dachte er. Aber er dachte es mit ernstem Gleichmut wie an etwas Un- abänderlich-'s. Hasse blieb in der Stadt. Gr hatte diese süddeutsche, reiche, bunte, prangende Landschaft Itcbflf-monnen, die unruhige, heiße, lärmende Stadt mit ihren schroffen Gegensätzen von galanter Vergangenheit und modernem Leden, von deutscher Gemütlichkeit, über die man im Ausland spottet, und an die man sich gewöhnen kann Quelladern laufen, einige Fässer Pfuhl gefahren Da der Boden infolge des starlen Frostes vor Weihnachten biß ttef hinab gelockert war, so wurde das ganze Wasser mit Jauche vermischt. Dies hätte vermieden werden müssen. Die Rücksicht auf die Allgemeinheit erfordert, daß man Derartige Grundstücke auf andere Weise düngt. — Gestern abend fand in der Wirtschaft zur ^Eisenbahn" von Otto Wagner die ordentliche Generalversammlung des hiesigen RadfahrerfrereinS statt. Die recht gut besucht war. Recht günstig gestaltete sich d'.e Rech- mmgßablage. Es ergab sich ein Kasfenvorrat von 166 Ml. Zum 1. Vorsitzenden wurde Wilhelm P a r r, zum Recharer Otto W o r n e r gewählt. Kreis -ttsselv. M- Alsfeld, 11. Jan. Die Arbeiten an Dem neuen Saalbau des „Deutschen Hauseß" gehen nunmehr ihrer DeenDigung entgegen. Als Eröffnung ist von Der Stadtverwaltung Samstag, 23. Januar in Aussicht genommen. Für Diesen Abend ist Die erste Vorstellung DeS StaDttheaters G'ie - ft e n in Dem Saale vorgesehen. AIS Theaterstück wurde Das Lustspiel „Heimliche Brauifahrt" von Leo Lenz auSgesührt, das in Den Ttfrten Wochen auch in Gieftea und Bad-Rauheim mit großem Erfolge ausgesuhrt wurde. Dem Theaterstück soll ein von Hofrat Stein goetter, Gießen, verfaßter Prolog vorausgehen. Rach Beendigung Der Theateraufführung findet im Saale ein Ball statt. Um die Möglichkeit zu schaffen, in dem Saale auch Künstlerkonzerte zu veranstalten, wird ein Schiedinayer-Flügel, Den Die Firma Carl Arnold & Sohn in Darmstadt geliefert hat, aufgestellt werden. Der Stadt, die mit dem Erwerb und Umbau des Anwesens „Deutsches Haus" im Interesse ihrer Bürgerschaft ein großes finanzielles Opser gebracht hat, ist nur zu wünschen. haft man auch dieser Tat das erforderliche Verständnis entgegenbringt. Kreis Lauterbach. bnl. Lauterbach, 11. Jan. Heute konnteL Der Landwirt Ferdinand Wörner und seine Ehefrau Margarete, geb. Schäfer in körperlicher und geistiger Rüstigkeit Daß Fest der g o l D e neu Hochzeit feiern. AuS allen Kreisen der Bevölkerung gingen Dem Jubelpaare Glückwunsch« zu. Der evangelische Kirchenvorstand, zu dessen MitglieDern Der Jubilar gehört, überbrachte Dem Paare am Sonntagmittag seine Glückwünsche. Rach einer Ansprache über Psalm 106 unD Der Einsegnung des Jubelpaares von Dekan Schlösser sprach Dieser Die Glückwünsche DeS Kirchenvorstandes aus und überreichte eine schöne Bibel. DaS Londeskirchenamt hatte zu diesem Tage ein freundliches, in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunfchscdreiben gesandt und ließ dem Jubelpaare ein schönes Gesangbuch übermitteln. $ Maar, 10. Jan. In dem ncuerbauten Saale der Zinnschen Wirtschaft dahier hatten sich die Mitglieder der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und ihre 'Angehörigen gestern M einem Familicnabend versammelt, dem auch der Slrcisfeuerwebrinspektor Bechtold von Lauterbach beiwohnte. Der 1. Kommandant der Wehr, Sterz, bewillkommnete die Erschienenen und wies auf den Zweck der Veranstaltung, die Sache der Freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde beliebt zu machen, hin. Hierauf kamen verschiedene Theaterstücke, in denen die Tätigkeit der Fsuerwehr oerhern'icht wurde, zur Auffübrung. Die Rollenbesetzung durch Müglieder der Wehr iwr in jeder Beziehung gelungen und dos Spiel vorzüglich. Der .Kreisfeuerwehrinspektor brachte seine Anerkennung mit dem Vorgeführten zum Ausdruck und ermähnte die Wehr 'zur Pflege der Kameradschaft: sein Hoch galt der Freiwilligen Feuerwehr in Maar. Feuermehrkommandant Steeg sprach den Mitgliedern der Wehr, die sich um das Zustandekommen des Unterhaltungsabends verdient gemacht haben, seinen Dank aus, worauf der Tanz begann. Die Pausen zwischen den einzelnen Vorführungen wurden durch Mtisikvorträge der Kapelle O t t e r b e i n von Lauterbach ausgefüllt. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 11. Jan. Vor einigen Tagen ist hier ein Einbruch begangen worden, der nicht einer gewissen Komik entbehrt. Die Herren Einbrecher hatten bereits alles, was einen gewissen Wert hatte, verstaut, als sie noch eine gebratene wie an eine liitbe Lust, an weiches Wasser, an Daß Rauschen der Bäume vor Dem Fenster und Den Dogelgesang des Morgenß. — Er richtete sich eine umfangreiche Bibliothek ein. Seine Bücher waren feine Erfrischung, sein Ziel mach der Tagesarbeit und seine Freunde. Er umgab sich nur mit solchen Freunden, Die einem etwas zu geben hatten, man erlebte keine Enttäuschung mit ihnen, fühlte sich nicht einsam zwischen ihnen und fühlte nicht, wie Die Zeit hinglitt. Er vergrub sich in seine Arbeit. Seine Freude waren seine gelungenen Operationen, seine als geheilt entlassenen Patienten, die er bei b~n Aerzteversarnrnlungen vorstellen konnte, daß Einschlagen seines Versuchs auf Dem Di- phtheri'gebiet. Die HcVerfölge. Er wurde an Stelle seines Ghefs nach auswärts gerufen, und Die Patienten vertrauten sich ihm an, anstatt wie sonst ängstlich nach Worth zu fragen. Die Schwestern fürchteten ihn, er war unnachsichtlich in Deßinfeltionßiragen und rückflchtslos. Der innere Worth fand Hasse nach der „im Sande verlaufenen Theaterepoche" umgänglicher, reifer und menschlicher. Man konnte sogar kritisch vorn Theater mit ihm sprechen, ohne daß er ausfallend wurde und einem beleidigende Aeußerungen an den Kops warf, wenn ntan nicht seiner Meinung war. Der große Worth erlag während feineß Aufenthalts in Japan einem Hihkchlag, und Hasse übernahm Die Leitung Deß UrfulinerinnenEranten- Hauses. Das Uriulinerinnenbauß vergrößerte sich jedes Jahr. Im Garten entstanden neue PavUlous, nicht mit Luxus, sondern einfach, hell, weiß, reinlich auSgestattet, ohne kahl zu sein, machten alle Räume einen freundlichen, geörbneten Eindruck. Wenn Hasse in seinem weißen Kittel durch öle Säle und Gänge schritt, überlegte er Verbesserungen. Cr begann sich zu fragen, öd ein Mann, der so arbeitet, das Weib überhaupt nötig hat? — Von seiner Familie aus und in Freundeskreisen hatte man versucht, ihn zu verheiratet aber wenn Die Frage der Ehe auss Tapet kam, wich er aus. denn ihm alß Ar^t vertrauten sich so viele junge Frauen an. Er farmte Die Ehe und die Frauen. (Fortsetzung folgt.) werden. von Pelzmärtel. Ein Nürnberger Spielzeugroman. Nach dem 2 a'ienischen der Teresah erzählt Gustav W. Eberlein. Kirche und Schule. ri Sich, 11. Ian. Zu dem gestern als Landes-Missionssonnlag gefeierten Cpi- phanienfest war es noch in letzter Stunde gelungen, als Festprediger einen auswärtigen Herrn zu gewinnen, den Missionar Schmoll aus Heilbronn, der der Baseler Missivnsyesell- schaft angehört. An Spenden für die Arbeit der Baseler Mission, die in Afrika, Indien, China und Westindien tätig ist und neuerdings mit Genehmigung der englischen Negierung ihre Arbeit wieder aufzunehmen beginnt, gingen an Copyright 1925 by A Scher! G.m.b.H., Berlin. (Schluß.) Pelzmärtel verstand sich ausgezeichnet aufs Pfeifen. Er konnte vorwärts und rückwärts pfeifen, UnD auch blasen. Hinter dem letzten, etwas Döseligen Watteschäschen schloß er den unterirdischen Gang, lieh den Schlüssel stecken und blies dreimal mit eingezogener Luft gegen die Sure, wie er vorher mit ausgestohener Luft gegen sie geblasen hatte. Da wurde sie wieder sichtbar. Ganz ähnlich ging es mit den Ueberraschun- gen, die Schlag aus Schlag seit einem Jahre über die guten Nürnberger hereingebrochen waren. Schlag auf Schlag kehrte zurück, was verschwunden war: klärte sich auf, was unerklärlich schien: wurde jubelndes Glück aus bitterem Leid. Die Ereignisse überstürzten sich. Lieber der Stadt erschienen — mitten im Winter! — drei Störche, kreisten zuerst um die Burg, dann über dem Marktplatz und liehen sich am Ende feier- lich-sesilich aus dem Schonen Brunnen nieder, gerade über der Statue Karls des Großen. Die Nürnberger standen mit offenem Munde da. Waren das denn nicht ---? In diesem Augenblick kam der Stadtpolizist angerannt und schrie schon von weitem: „Der unterirdische Ga — Ga — der unsichtige — der unsichtige — Ga — Gang ist wieder da!!" Die Natsherren legten den Finger an die Nase und machten bedeutende Gesichter. „Den Burgberg herunter kommen die Spielwaren!" brachte ein atemloser Iunge die erschütternde Kunde. „Auf der Wache vor dem Rathaus sind Bleisoldaten aufgezogen!" „Hört ihr die Windmühlen?" „Seht ihr die Drachen? Wie Fahnen flattern sie hoch voraus!" „O Gott, welche Wendung!" „Dieses Glück!" „Welch eine Weihnacht!" „Ogottogottogottogott!" — „Da -!" „Da sind sie!" ..De — da — da!" Wit kolossaler Gebärde in seine verstimmte Laute greifend und dazwischen über seinen Rheumatismus lamentierend, führte Christophorus Herzensräuber, Der Putzige Meistersinger, den Bommers heim und Fenchel verlangte, bas seit 1899 in einer Kreis-Poliz i e.wrdnu.ig bestehende D e r b o t des Befahrens ter Kreisstrahen mit Pflugschleisen aufzuheben. Der Antrag wurde dem Kreis- ausichuh befürwortend zur weiteren Behandlung Mainqan. WSN. Frankfurt a. M.. 11. Ian. Zwei Architekten aus Dörnigheim, die am Samstag abend auf einem Motorrad noch Frankfiirt fuhren, stießen zwischen Mainkur und Frankfurt mit einem sich kreuz und quer über die Straße bewegenden Eisfuhrwerk zusammen. Durch den Zusammenprall wurden sie vom Rade geschleudert und kamen unter die Pferde zu liegen. Ein zufällig des Weges kommender Motorradfahrer holte Hilfe herbei. Die Berunglückten wurden in das Hanauer Krankenhaus gebracht. Während dem einen beide Beine stark geprellt wurden, erlitt der andere einen schweren Schenkelbnich. MSN. Hanau, 11. Ian. Das Schlacken- ft e i n u» e r f von Detter & Kappel in Groß- Oftheim ist aus bisher unbekannter Ursache heute völlig niedergebrannt. Kreistag des Kreise; Gietzen. ' Gießen, 11. Ian. Heute vormittag trat der neugewählte Kreistag des Kreises Gießen zu seiner ersten öffentlichen Sitzung unter b?m Vorsitz deS OberregierungsrateS Dr. H e ß im Sitzungssaale des Regierungsgebäu- des zusammen. Die Mitglieder des Kreistages (30) waren vollzählig zugigen. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er betonte, es wrrde sein aufrichtiges Bestreben sein, die Geschäfte als Vorsitzender des Kreistages streng sachlich und objektiv zu führen unter Ausschaltung aller persönlichen Differenzen. Er bat um die vertrauensvolle Mitarbeit des H.-.uscs, wie auch er Den Mitgliedern jederzeit mit Vertrauen entgegenkommen werde. _ Ferner sprach der Redner den nicht wiedergcwählten Mitgliedern des alten Kreistages herzlichen Dank aus für ihre treue und gewissenhafte Mitarbeit zum Wohle des Kreises. b» tief 7 Ä6 fr Ballete be- Ito. l$Cer^im^Cn ton bereif9cn|- ’nnat fttttool. lbend jsl 6tt^ate6Ur6c )cn. 2n«-n\01c- * ÄL"« Lrr? SM mtl dem Si, K,« r S wün- 1 w Gliche terbach. tonnten ^^otneiunb |cm( körperlich« s 'M der goldenen tolcn Kreisen Der 2e- ^Ifcaarc Glückvünfchc ^torstand. zu dessen chvri, überbrachte dem S seine MchMschr. lber Pftlm 106 und lvelpaareö von Dekan : die TLcksünsche des d überreichte eine schöne mamt hatte zu diesem .herzlichen Dorten grüben gesandt und lieh lönes Gesangbuch über- Turnen, Sport und Spiel Das Turnen bei den Deutschen Kampsspielen 1926. do. Die Deutsche Turnerschast schreibt für die Deutschen Kampsspiele in Köln einen Zwölfkampf der Männer, einen Reunkamps und einen Dreikampf der Frauen auS. Die Wettkämpfe finden am 5. und 6. Iuli statt, am 4. gehen allgemeine Freiübungen voraus. Ieder Zwölskämpfer hat auszuführen: 1. An Reck, Dorren und Pferd je eine Pflichtübung, 2. an Reck und Pferd je zwei und am Darren eine Kürübung, 3. ein Pflichtfrciübung und 4. als volkstümliche Hebungen; 100-QBctcT- Lauf, Stabhochsprung, Eteinstoßen (15 Kilogramm). Zur Teilnahme wirb nur zugelassen, wer bei den AusscheidungSkämpsen mindestens 128 Punkte erreicht hat, Sieger ist, wer bei den Kampsspielen mindestens 160 Punkte erzielt. Die Zahl der Teilnehmer wird auf 280 beschränkt. Beim Reunkampf der Frauen sind zu turnen: 1. Reckpflichtübung, 2. Barrenpflicht- übung, 3. Pferdpflichtübung. 4. Reckkürübung, 5. Pflichtfreiübung, 6. Keulenkürübung. 7. 100* Meter-Lauf, 8. Hochsprung, 9. Daliweitwurf. Teilnehmen darf wer bei den Ausscheidungskämpfen mindestens 96 Punkte erreicht hat. Sieger ist, wer bei den Kampfspielen mindestens 120 Punkte erreicht. Die Zahl der Teilnehmerinnen für die D. T. ist auf 165 beschränkt. Mit dem Neunkampf wird gleichzeitig ein Dreikampf der Frauen in Frei- und Handgeräteübungen ausgetragen. Zu der Pflichtfreiübung und der Keulenkürübung tritt eine Stabkürübung hinzu. Wer sich am Neunkampf betti izt, braucht nur die Scabkü.Übung zu turnen. Alle drei Hebungen werden zusammengerechnet: wer mindestens 45 Punkte erreicht hat, ist Sieger. Außer den Turnerinnen, die den Neunkampf bestreiten, werden noch 45 andere zugelassen. Die Auswahl der teilnehmenden Turner und Turnerinnen treten die Kreise, auf die die Teil- nehrnerzah'en entsprechend verteilt sind. Ausscheidungskämpfe mü Jen bis zum 15. Mai beendet fein, bis zum 1. 3uni melden die KreiS- oberturnwarle alle Teilnehmer an die Geschäftsstelle der Deutschen Kampfspiele Köln. Blutiger Abschluß eines FußbaJweUspieles. Wie die „Kölnische Volkszeitung" auS Düsseldorf erfährt, kam es am Sonntag bei dem Fußballwettspiel „Rather Spielvereinigung" gegen .Helios" Düsseldvrl wegen einer Anordnung des Schiedsrichters zu Streitigkeiten. Rach Abschluß deS Spieles wurde der Streit fortgesetzt und endete damit, daß ein Spieler von HelioS" ein Mitglied des Rather Spielvereines mit einem Messer erstach. Der Täter wurde verhaftet. Jahresbilanz des Weliluftverkehrs. vv. Das Weltluftverkehrsnetz 1925 umfaßte insgesamt Strecken in der Länge von 57 500 Klm. (also etwa von der gleichen Ausdehnung des Aeichsbahnstreckennetzes). Dazu ist die Feststellung Interessant, daß das Weltluftverkehrsnetz 1924 29 607 Klm. betrug, so daß die Ausdehnung der Luftsahrt 1925 außerordentlich zugenommen hat, nicht zum geringen Teil dank der Initiative der deutschen Luftverkehrs-Hnterneh- mungen. Von den 57 500 Klm. des Weltluft- verkehrsnetzes entfallen 30 255 Klm. auf Europa. überwiesen. Ein Ersuchen des Abg. Müller-Bellersheim, Bemühungen in der Frage der Schäftung von N otflandsarbeiten bei der Regierung zu unterstützen, wurde dem KreisauSschuß gleichfalls als Material zur weiteren Behandlung überwiesen. Schluß der Sitzung. Mirakulum! Ein Wunder, ein Wunder ist geschehen! ging es von Mund zu Munde. Der Pelzmärtel war's! Er hat die Glocken zum Klingen gebracht! Er hat die Kinder zurückgebracht! Ehre und Preis unserem Pelzmärtel! Hnö bald do, bald dort sich unsichtbar unter die aufgeregte Menge mischend, nahm mit geschwellter Brust und lustigem Augenzwinkern Nürnbergs guter Geist sein Lob entgegen. Ausklang. Das ist, Punkt für Punkt, die merkwürdige Begebenheit, wie sie mir Kunigunde selbst erzählt hat. Ich für meinen Teil habe nichts ausgelassen und nichts hinzugemacht. Da mir aber das Schicksal des PuppenpeterS und einer tapferen Kinder so sehr zu Herzen ging und ich gerne in Erfahrung gebracht hätte, was nach dem guten Ausgang des gefährlichen Abenteuers aus ihren Kameraden geworden sei, fragte ich bei Leuten, die es wissen können, noch ein wenig herum. Der Puppenpeter, hörte ich, wurde von Meister Leopold zu seinem Vertrauensmann ernannt und mit großen Ehren wieder in seinen geliebten Spielwarenladen eingeführt. Abraham Schloß hat es nur seiner Gutmütigkeit zu verdanken gehabt, wenn er nicht ins Gefängnis geworfen wurde, doch wollte niemand mehr etwas von ihm wissen, nicht einmal Iakvb, der Papagei, und Iulchen, die Amsel. Don allen vergessen, ist er bald gestorben. Die vier Störche, in Anerkennung ihrer großen Verdienste um das Wohl der Stadt zu Ehrenbürgern ernannt, zählten fortan zu den Sehenswürdigkeiten Nürnbergs und wurden dis ans Ende ihrer Tage nach Gebühr bestaunt. Sogar aus Amerika sollen Leute gekommen sein, um sie zu sehen. t .. Während sie in ihrer neuen Würde auf die jährliche Wanderschaft verzichteten, verließen Lu und Li auf dem Rücken der ersten nach Süden reisenden Schwalbe die Stadt, inAontto, wie sie gekommen waren, und, um der Wahrheit Die Ehre zu geben, ohne ihr eine Träne nachzuweinen. Man kann das ja auch verstehen. Velzmärtel trug ihnen noch viele Gruße an die Fata Morgana und die Puppenfeen Eu- frafia, Zerlina und Sinforosa auf Dem Ober- zauberer Merlino wünsche er Gesundheit und ein langes Leben, der Hexe Alcina daS Gegenteil. Wie es heißt, ist es zwischen beiden zu Mord und Totschlag gekommen Sehr anständig benahm sich Dlaublau. Gin Muster von Selbstlosigkeit, führte er sein Em- siedlerdasein auf dem Lorenzer Kirchturm freiwillig weiter, nur um nicht in die Versuchung zu Gerichtsfaal. Der Versicherungsagent auf dem Gimpelfang. WSN. F r a n k f u r t a. M., 11. Jan. Der 44jäh- riße Kaufmann Fritz Beck aus Kassel hate sich nach Verbüßung einer langjährigen Zuchthausstrafe sofort wieder auf den Gimpelfang begeben. Diesmal machte er fick die Kapitalnot zunutze. Da er als Versicherungsagent Beschäftigung gefunden hatte, beehrte er darlehensuchende Personen mit seinem Besuche, denen er die Vorzüge seiner Versicherung auseinandersetzte, ihnen Darlehen durch seine Gesellschaft versprach und sich dann die entsprechende Provision für unterkommen, den Leuten zu verraten, wer ?s in Wahrheit gewesen war, dem der gute Gedanke kam, die zauberlösende Iubelglocke zu läuten. Denn das hätte natürlich dem Ruf des Pelz- märtels sehr geschadet, und eine solche Einbuße an Ansehen mußte im Interesse der Stadt um jeden Preis vermieden werden. Ob Fifi noch am Leben ist, das läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, Dagegen mit um so größerer Bestimmtheit vom Nürnberger Trichter, der nach wie vor Wunder wirkt. Krachauf wurde ins Germanische Museum verbracht, Abteilung Völlerkunde, wo er, bei freier Besichtigung, ledern, Der an seine Heldentaten zu zweifeln wagt. Die Zähne weist. Selber habe ich nicht in Erfahrung bringen können, wo Karl Der Große unD mein lieber Hans Sachs gelandet sind. Ich fürchte, fürchte, dort hinten an Der Pegnitz, zwischen Dem Schleifersteg unD Dem Henkersteg, auf Dem — Trödelmarkt, dem Trempala, wie Die Nürnberger sagen, wo sie eines Tages ein Raritätensammler ausstöbern und Dann von dem glücklichen Besitzer zu hören bekommen wird, die Figuren seien allerdings etwas teuer, geradezu unverkäuflich: Denn es handle sich um ganz außergewöhnliche Figuren, historische Figuren, niedagewesene Figuren, um jene geschichtlichen Persönlichkeiten, die im Jahre slebzehnhundertund — er wird schon die genaue Iahreszahl hinzusetzen — an dem großen Spielwarenkreuzzug teilnahmen, der usw. usw. UnD Kunigunde? Otto und Liesel, Die Die Wunderpuppe behalten Durften, haben sie hoch in Ehren gehalten, bis sie groß wurden und sie ihren Kindern schenkten, Die auch wieder groß wurden und sie ihren Kindern schenkten, die auch wieder--- Aber jetzt steht sie, soviel ich sehe, schon seit langem wieder im Schaufenster eines Antiquitätenladens, schaut mit ihren blauen Augen starr auf die Straße und scheint ganz teilnahm- los geworden zu sein, als ob sie mangels Gesellschaft ihre Seele wieder verloren habe. Teil- nahmlos und fte'enlos, wie damals, bevor unsere Geschichte begann, bevor sie Den mütterlichen Kuh eines Mädchens auf Die Stirne empfing — das hat in diesem Falle auch sein Gutes. Denn seht, jetzt, wo ich mit meiner Erzählung zu Ende bin' muß ich mich fragen, ob sie euch gefallen hat oder nicht. 3a? Dann freue ich mich mit euch. Wenn aber nicht, dann sagt eS, bitte, nicht mir, sondern lieber Kunigunde selber. Sie wird es kaum verstehen und also nicht traurig darüber werden. Ich aber, das muh ich schon gestehen, ich wäre sehr traurig. Nach Vorstellung der Präsenz, die die vollzählige Anwesenheit der Abgeordneten ergab, wurde die Wahl der Mitglieder und Stellvertreter des K re i S a u s fchu s- s e s vorgenommen. Für die Liste der Deutschntl. DolkSpartei und des Landbundes wurden 13 Stimmen abgegeben, für die Liste Volk (Dt. Vp.) stimmten 4 Mitglieder, für die Liste der Sozialdemokraten und Demokraten gaben 13 Abgeordnete ihre Stimme ab. Gewählt wurden als Mitglieder des Kreisausfchufses Avg. Fenchel-Oberhorgern (Deutschntl. und GanDbb.), Landwirt Dommersheim-Langsdorf (Deutschntl. u. Landbd.), Studienrat Dr. Lenz-Gießen (Deutschntl. u. Landbd). Gewerk- sch.ftSsekrrtär Denner-Wieseck (Soz.). Angestellter Beckmann -Gießen (Soz.), Rechtsanwalt Hornberger -Gießen (Soz.): als Ste_lI- vertreter Landwirt Rompf - Langgöns (Deutschntl. u. Landbd ), Bürgermeister Iöckel - Grünberg (Deutschntl. u. Landbd.), Fabrikant Schiefer st ein- Lich (Deutschntl. u. Landbd ), Hausfrau M. Hüter- Gießen (Soz.), Bürgermeister K r e i l i n g - Heuchelheim (Dem.), Studienrat Piwf Weiß gerb er-Gießen (Soz.). Vor dem Mebcrgang zur Erledigung der Vorlagen wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf eine Umstellung der Reihenfolge der Tagesordnung mit 17 Stimmen der Rechtsparteien gegen 13 der Sozialdemokraten und Demokraten abgelehnt. Man befaßte sich hierauf mit einer Vorlage betr. Anschaff ung eines Personen- Automobils für den Kreis. In der eingehenden Beratung konnte sich die große Mehrheit des Hauses von Der zwingenden Notwendigkeit dieser Anschaffung, für Die 17 000 Mk. als Kaufpreis vorg Hetzen waren, nicht überzeugen. Man wünschte aus dem Verlangen nacy Sparsamkeit allgemein eine Vereinbarung mit Der Provinz dahingehend, daß sie ihre Kraftwagen der Kreisverwaltung, natürlich gegen Entschädigung, mit zur Verfügung halte. Frühere Bemühungen der Kreisverwaltung bei der Provinz in der gleichen Richtung waren ohne Erfolg geblieben. Schließlich wurde Die Vorlage mit 19 Stimmen der Rechten und Der Demokraten bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten abgelehnt. Heber Die Gewährung einer Winternvt- Hilfe des Kreises an die bedürftigen Erwerbslosen und Ortsarmen in den Landgemeinden des Kreises Gießen entspann sich eine außerordentlich ausgedehnte Erörterung. Schließlich fand ein Antrag des Abg. S ch u D t (Dt. Dp.) nahezu einstimmig Annahme, nach dem 4000 Mk. aus den im H.iuchalt 1925/25 voranschlagsgemäh bewilligten Mitteln den Gemeinden als Zuschuß für eine einmalige WinterbeiAlfe an Erwerbslose und Ortsarme zur Verfügung gestellt diesem Tag nahezu 30 Mk. ein, in Rieder- Bessingen 19.50 Mk. Außerdem wurden in Lich eine Reihe von MissionSschriften abgesetzt. — Lich gedenkt im kommenden Sommer ein großes Fest zu feiern, ein Fest von besonderer Art, ohne Alkohol und Tanz, und doch ein Volksfest größten Maßes. Die ober- hessischen Posaunenchöre werden am Sonntag nach Pfingsten, am 30. Mai, hier zu- fammentommen, um ihr VerbandSfest zu feiern. Der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchen- rat Wagner, hat bereits fein Erscheinen in Aussicht gestellt: wahrscheinlich kommt auch der Landesbischof der hessischen evangelischen Kirche, Prälat D. Dr. Diehl. Als Festredner ist gewonnen worden Der frühere Direktor der Leipziger Mission, Universitätsprofessor D. Paul, einer Der führenden Kirchen- und Missions- männer Deutschlands. O Wirberg, 11. Ian. Aus der kirchlichen Statistik des Jahres 192 5 ist zu berichten: Unser Kirchspiel hat 1810 Evangelische: 5 Personen ind von der Landeskirche getrennt, davon 3 in 1925 ausgetreten, alle gehören zu einer Sekte. Der Kir- chenbefuch beträgt durchschnittlich 21 Prozent der Erwachsenen und hielt sich ungefähr auf der Höhe des Vorjahres. Zum hl. Abendmahl gingen 2006 Personen, also ca. 160 Prozent der Erwachsenen. Trauungen fanden statt 16, auf dem Wirberg 4, in Harbach 4, in Beltershain 3, dazu Lumda mit 5. Getauft wurden 43 Kinder, 9 in Beltershain, in Göbelnrod 10, dabei 1 Zwilling, Harbach 7. Rein- ljardshain 9, dazu Lumda 8. Kirchllch beerdigt wurden 21, 3 in Lumda; von den 18 im engeren Kirchspiel waren 7 Männer, 9 Frauen und 2 Kinder, davon in Beltershain 4, Göbelnrod 3, Harbach 7, Reinhardshain 4. Konfirmiert wurden auf dem Wirberg 26 Kinder und in Lumda 13. An allgemeinen Kirchenkollekten gingen ein im engeren Kirchspiel 178, in Lumda 93 Mark, für sonstige Vereine und Anstalten der evangelisch-christlichen Cie- bestätigkeit 555 Mark und 128 Mark in Lumda. 8 U l r i ch st e i n , 11. Jan. Imabgelau- n e n Jahr fanden hier 8 Trauungen statt, 5 mehr als im Vorjahre. Die Zahl der Taufen betrug 15, die Zahl derKonfirmierten 12. Es wurden 13 Beerdigungen gehalten. Am heiligen Abendmahl nahmen 615 Gemeindeglieder teil, davon 288 Männer und 327 Frauen, also bei unseren etwa 750 Evangelischen eine beträchtliche Zahl. Der Kirchenbesuch, dessen Jahresdurchschnitt in 1923 noch 108 betrug, war schon 1924 auf 145 Erwachsene gestiegen-, im Berichtsjahre nahm er weiter zu auf 151. Kinder waren 1923 durchschnittlich 37 im Kindergottesdienst; ihre Zahl steigerte sich 1924 aus 50 und stieg 1925 auf 56. Die Summe der in der Gemeinde aufgebrachten Gaben beträgt 1160 Mark. Davon hat die Gemeinde 48 Mark gesammelt, um ein schwarzes Kanzeldeckchen anzuschaffen, das seither fehlte und schmerzlich vermißt wurde; an den entsprechenden Tagen grüßt es nun mit seiner prächtigen Schrift: „Er ist unser Friede!" Außerdem ist zu erwähnen, daß nun, neben Abenden für die männliche und weibliche Jugend (getrennt), in diesem Winter auch Bibelstunden eingefuhrt wurden, an denen 30 bis 35 Frauen sich beteiligen. 16cm neuerbauten coole ahier hatten sich die Mi!« kiwilligen -feuer« eigen gestern zu einem iammelt, dem auch der ftchtold von Lauter- Kommandant der Wehr, die Erschienenen und mies mftaltung, die Sache der in der Eemeinde beliebt mf fernen verschiedm Satigleit der Fiuenvch 'urfibrung. Die der Wehr tV in M bas SM vorzüglich ;ot brachte W Arier- geführten M Ausdruck zur Mae der Samerab- r FreimWgcn Feuerwehr Mandant Steeg sprach chr, die sich um das Zu- krhalmgsadends oerhieiu int aus, woraus der Tanz isch-n den einzelnen M- j Musikvorträge der so> Lauterbach ausgesullt. rnburg. t iL San. Aar einigen ,'r u ch begangen, worden, Mik entbehrt. Die Herren MS, was einen gewissen sch eine gebraftn^ Rjume tot o S «Wch-I ! ums-EA :en I MA » nirheit Sein- in T&b* die er Men fonnle, S S sich l'M 5 Die Schve- n°4 * , fjnD uc ■n Lhe^D «fi! -säte I* ff in sei-L s IW- - * ä» fdjricbene Anträge auszahlen Neß. Ferner trat er mit einer sich nach einem neuen Eheglück fehncnden jungen Frau in Verbindung, Der gegenüber er sich als reicher Mann ausgab und Deren Schmuckstücke er anläßlich eines Besuches mitgchen hieß. Dav Schöffengericht verurteilte Den Angeklagten wegen fortgesetzten Betrugs, schwerer UrkunDenfälschung unD Diebstahls zu einer ® e [a m t gef 6 n gn i g strafe von 2 Jahren und 2 Monaten. Zug an. Die Nürnberger Kinder erkannten ihn gleich wieder. Hurra, Hurra! „Die Arche Noah!" „Die Hans-Kasperl-Theater!" „Die Wagen — oh. Die vielen Leiterwagen!" „UnD wie voll!" — Trompeten, Bälle, Kegel, Dominosteine — „Herrlich, Diese Gummikahen!" „Hat man schon je solche Schaukelrosfe gesehen ?“ — , „Wie sich Die Nußknacker in Die Brust werfen!" „Achtung, Die Artillerie!" — „Präsentiert Das Gewehr!" — Unwillkürlich zog Der Bürgermeister, der mit unter Den ersten auf Dem Marktplatz erschienen war, Den Hut. unD alle folgten feinem Beispiel. Die Väter strahlten, Den Mülern war Das Weinen näher als Das Lachen, Die Dienstmädchen schlugen Die Arme über Den Kopf zusammen, Die Erzieherinnen vergaßen auf Die Kinder zu achten, Die juchzend neben Dem Zug herliefen und übereinanderpurzelten. „Alle, alle Spielsachen sind wieder Da!" „Seht nur, seht nur, KunigunDe, Die Wunderpuppe! Da — Karl der Große! UnD Dort Hans Sachs! Ein Dreifaches Hoch für unseren Hans Sachs!" Plötzlich übertönte ein Aufschrei Den Jubel, und ein wehes Schluchzen schnitt Den Zuschauern ins Herz. Gevatterin Cornelia war auf Den Lärm hin herbeigeeilt und hatte vergeblich Gruppe für Gruppe Den Zug durchsucht. Und ein Mann Drängte sich Durch Die Menge und rief verzweifelt nach seinen Kindern. Armer Puppenpeter! Die Spielsachen waren zurückgekehrt, aber feine Kinder-- Warum nur jetzt auf einmal Die Glocken aufhören zu tönen unD Dröhnen, zu hallen und schallen, als wollten sie Der Silberglocke allein Die Stimme überlas en? UnD die Iubelglocke lacht und singt, sie singt unD lacht — Verstehst Du ihre Sprache nicht, Peter Tand? Horch, horch: „Freue Dich, freue Dich!" So jubelte sie. ,Sie kommen, sie kommen!" Der Puppenpeter hält Den Kops zwischen Den Händen gestützt unD lauscht angstvoll. Da — ein doppelter Kinderschrei — es gibt Leute, Die später steif unD fest behaupteten, sie hatten gesehen, wie ein großer, ziemlich am Ende marschierender Nußknacker plötzlich niesen mußte und Dabei eine Nuß aus Dem Munde fallen ließ, aus Der beim Aufschlagen ein Iunge I und ein Mädel herausgesprungen seien — — | „Vater! Vater!" Gans entdeckten. Die Gauner vertilgten an Ort und Stelle Den guten Bissen, fanden auch den dazu gehörigen Wein und verdufteten Dann unerkannt, nachdem sie ihre „Visitenkarte" zurückgelasien hatten. Preußen. SV reis Wetzlar. □ Wetzlar, 11. Jan. Der Ära ft mag* verkehr, den Die Po st Verwaltung von tk Kreisstadt aus nach verschiedenen Richtungen hin eröffnet hat, gewinnt auf dem Lande immer mehr Freunde. Die Benutzung der Wagen ist daher fast stets eine sehr gute. Besonders auch alte Leute, die weitere «trecken zu Fuß nicht mehr gehen können, machen von dieser bequemen (Ein- richtung gerne Gebrauch. Aus der im vergangenen eomnter neu eröffneten Linie Wetzlar- Sch w a 1 b a ch ist die Benutzung regelmäßig eine jo starke, daß Der Wagen die Leute gar nicht alle zu fassen vermag. Das führt bann zu unangenehmen Szenen an den einzelnen Haltestellen, besonders auf dem Schillerplotz, wo abends um 6 Uhr teilweise ein regelrechter Kampf um die noch freien Plätze entbrennt. Alle Vorstellungen und Wünsche auf' Abhilfe bzw. Einstellung eines zweiten Wagens finden bei der Wetzlarer Poftbehörde taube Ohren. Auch unsere Nachbargemeinden N a u n h c i m und Waldgirmes warten noch immer sehnsüchtig auf die Eröffnuna Der schon feit dem Somemr geplanten neuen Verkehrslinie Wetzlar — Rodheim — ©laben- bad) Biedenkopf. Die Verzögerung scheint ebenfalls mit bei der Wetzlarer Poftbehörde zu liegen, Die anscheinend für neue Verkehrsoerbesserungen mit dem platten Lande sich nicht erwärmen kann. Wie wäre es, wenn Der Verkehren e r - ein, der doch vor kurzem gegründet sein ^foll, sich einmal mit Der ganzen Sache beschäftigte? Wenn etwa die Derhandlnngen wegen der Garantie für eine gewiße Mindefteinnahme nicht vorwärts kommen sollten, so müßte im Interesse des Geschäftsverkehrs doch hier eine Einigung erzielt werden können. Auf alle Fälle muß einmal den Gründen der Verzögerung in der Verkehrsverbefferung und der Abstellung der Ucbelftänbe nachgegangen werden. 8506 Alm. auf Amerika, 7230 Alm. auf Afrika, 5882 Alm. auf Asien, 5368 Alm. auf Australien. Welch grossen Anteil der deutsche Jlug- -eugbau am WeltluftvcrkehrSnetz besitzt, geht schon daraus hervor, das) allein mit Junkers- Flugzeugen insgesamt 19 000 Alm. beflogen worben sind, wozu also noch die russisch-ukrainischen Strecken der Dornier-Flugzeuge und ein beträchtlicher Teil deS mitteleuropäischen AetzeS hinzn- kommen. Die längsten durchgehenden LnftvertehrS- strecken der Welt sind die von Renhork nach San Francisco (4340 Alm.), weiterhin von Casablanca nach Dakar <2350 Alm.), und endlich die hon London noch Moskau <2780 Am.). t. ---- .1 Vüchertisch. — Anette Kolb, „Spitzböge n" (S. Fischer. Verlag). Eine kleine Rovelle, ein echtes Frauenbuch im besten Sinne, voll Alugheit und Klarheit, die überall die Dinge abtastet und in Beziehung seht zu dem kleinen Stückchen Welt in uns und um uns. Ein Rcisebnch, das eigentlich einmal „Ilnitalienischcr Roman" heihen sollte und daS so viel Südliches atmet, vermischt mH der Klarheit nordischen Denkens. Rudolf Groh- mann hat elf Zeichnungen dazu gegeben. 680 — Gerhart Hauptmann „Befand" (Tragödie). S. Fischer-Verlag. Die gewaltige Wielandsage hat der Dichter zu gestalten versucht. Es ist ihm dabei auch gelungen, Bruchstücke von dem Massiv des Originals loözubrechen, doch wird das ganze Werk stark vom Theater- meister abhängig gemacht. Es riecht — nicht wegen der Gleichheit beS Stoffes — stark noch hojotoho-ol und EhristuS ex machina. Mit Christus und Wotan in lieblichem Bunde vereint, wird das Ebenbild Goethes ein Rachso'.ger Lienhards werden. Jst's jugendliche Wandelbarkeit? Isis greisenhafte Sterilität? Raune mit Rat, kundiger Gott. (605) Karin Michaelis, „M e t t e Trapp".